
        
                                  Anton Ulrich
                            Herzog von Braunschweig
                      Die durchleuchtige Syrerinn Aramena
                                 Der Erste Teil:
                      Der Erwehlten Freundschaft gewidmet
                          Vor-Ansprache zum Edlen Leser.
Wann wahr ist / wie es nicht kann geläugnet werden /dass in dieser sterblichkeit
nichtes bässer sei / als die Seele in ihren ursprung senden / GOtt das höchste
Gut recht erkennen / und demselben durch Tugend sich gleichförmig machen: so
müssen / unter allen Schriftarten / die bästen sein / die uns zur Gottes
erkentnis füren / und zur Tugend anweisen. Beides verrichten / die Historien
oder Geschichtschriften: denen wir auch eher und mehr / als den blossen
Lehrschriften / gläuben. Dann / da lernen wir den allweissen /gerechten / gütigen
/ allmächtigen und warhaften GOtt / aus seinen werken / aus der wunderbaren
Regirung / aus denen über die Tyrannen und Boshaftigen verhängten Straffen / aus
beschirm- und belohnung der Gottliebenden und Tugendhaften / und aus der
erfüllung seiner Verheisungen / erkennen. Wir lernen auch daraus / die Tugend
lieben und die Laster hassen: weil wir lesen / wie es mit beiden endlich wohl und
übel abzulaufen pflege. Wir lernen das Ubel dulten: weil wir an den Beispielen
sehen / dass viel tausend andere auch eben das erlitten / und das ende davon
erlebet. Es sind auch keine bässere Staats-Lehrschriften / als die
Geschichtbücher. Die Welt / ist eine Spiel-büne / da immer ein Traur- und
Freud-gemischtes Schauspiel vorgestellt wird: nur dass / von zeit zu zeit /
andere Personen auftretten. Was ist /(predigt der allerweiseste Staatsfürst /)
das geschehen ist? eben das / so hernach geschehen wird. Geschihet auch etwas /
davon man sagen möchte: Sihe das ist neu! dann es ist zuvor auch geschehen / in
den zeiten /die vor uns gewesen sind. Es geschihet nichts neues unter der Sonne.
Ist dannenhero eine grosse torheit /dass man (wie er fortpredigt /) nicht
gedenket / wann man auf diesen Staat-Schauplatz seine person zu spielen auftritt
/ wie es zuvor einem andern gerahten ist. Mancher würde einen Krieg / eine
verfolgung / oder sonst eine Ateistische Statistenhandlung / in der geburt
erstecken / wann er die Historien fleissig läse /und daraus lernte / wie an
Pharao / Jerobeam / Ahab /Julianus und andere / vor ihme / in eben dergleichen
vorhaben / den Kopf zerlaufen.
    Die Geschichten in ihrer angebornen ordnung / mit benennung der personen /
zeit und orte / beschreiben /ist die gemeinste art der Geschichtschriften /
welche man Annales oder Jahrbücher zu nennen pfleget: deren die erste von Mose /
dem heerfürsten des volks Gottes / geschrieben worden. Es ward auch diese art
Schriften / nämlich das Geschichtschreiben / nach der zeit sehr hochgehalten:
also dass hohe Staatshäupter /auch dapfere helden und kriegsfürsten / sich nicht
gescheuet / ihre eigene oder auch frömde taten aufzuzeichnen und in eine
Historie zu bringen. Diss täten die zween stiftere der Römischen Monarchie und
erste Käysere / Julius und Augustus: deren jeder seine eigene Kriegszüge /
(wovon des ersten sein Buch vom Gallischen Krieg noch vorhanden ist /) in ihrer
Muttersprache ja so trefflich beschrieben / als löblich sie dieselben verrichtet
haben.
    Es sind aber sonsten noch zwo arten der Geschichtschriften / deren eine man
ein Geschichtgedicht / die andere eine Gedichtgeschicht nennen möchte. Die
Gedichtgeschicht-Schriften / behalten zwar die warhafte Historie mit ihren
haupt-umständen / dichten aber mehr neben umstände hinzu / und erzählen die
sachen nicht in der ordnung / wie sie sich zugetragen. Auf diese art wurde bei
den Heiden die allererste und ältste Historie / und zwar vom Homerus dem Fürsten
der heidnischen kunstdichtere / zu zeiten des Profeten Elias / poetisch und in
gebundener rede geschrieben /und in deren beiden teilen / in der Ilias der
Trojanische krieg / in der Odyssea aber die grosse weltreise des Griechischen
Helden Ulysses / beschrieben. Diss Buch hat der grosse Alexander so wehrt
geschätzet /dass er es tag und nacht bei sich gefüret / und als er /im Persischen
kriegszug / ein köstliches güldenes mit edelsteinen verseztes schatzkästlein
gebeuret / die Homerus-Schriften / als sein liebstes und edelstes kleinod /
darein geleger. Diesem hat nachgeamet / der zweite Poetenfürst Virgilius Maro:
dessen Eneis / die Begegnise des Trojerfürsten Eneas / in einer
unvergleichlichen Gedichtschrift gleichfalls poetisch vorstellig machet: und als
er / vom tod übereilet / solche nicht in die verlangte vollkommenheit einrichten
können / auch dannenhero das schöne werk / durch lezte willens-verordnung / dem
Feuer vermachet / hat Käyser Augustus / durch offentlichen lob-ausspruch
(welches herrliche Carmen die gelehrte welt noch mit verwunderung liset /)
diesen lezten willen aufgehoben /und diss geistfeuer von der leichfakel errettet.
Ist eine unvergleichliche Ehee / von einem höchsten und löblichsten Monarchen
der welt / dem kunstfleisse eines Poeten angetan: unserem jetzigem unartigem
welt-alter zur beschamung / da mancher Grosshans nicht allein die feder in der
Poesy zu füren sich schämet /sondern auch diese edle kunst an andern verlachet
und verachtet. Der grosse Augustus hat nicht allein / besagter massen / seinen
Maro nach dem tode mit versen beehret / sondern auch / neben seinem geheimsten
Raht dem Mecänas / ihn so reichlich beschenket / dass er einen Schatz von 225000
Kronen hinterlassen. Wie dann auch dieses Käysers schwester / die Prinzessin
Octavia / als sie ihn die 26 verse / die er von ihrem sohne / dem Marcellus /
dem sechsten Buch seiner Eneis eingerücket / ablesen hören / vor trauer-freuden
in eine onmacht dahin gesunken / und ihme nachmals / für jeden vers /
drittalbhundert Kronen zahlen lassen.
    Die Dritte art der Geschichtschriften / die Geschichtgedichte / tragen
entweder eine warhaftige Geschicht unter dem fürhang erdichteter Namen verborgen
/ sind in ihren umständen anderst geordnet / als sie sich begeben / und ihre
Historie ist mit andern umständen vermehret / die sich war-scheinlich begeben
können: oder es sind ganz-erdichtete Historien / welche der Verfasser erfunden /
seinen verstand und sich in der Sprache / darin er schreibet / zu üben / auch
andere / durch lehr-hafte beispiele / von lastern ab-und zur Tugend anzumahnen.
Dergleichen Geschicht-mähren / sind zweifelsfrei weit nützlicher / als die
warhafte Geschichtschriften: dann sie haben die freiheit / unter der decke die
warheit zu reden / und alles mit-einzufüren / was zu des Dichters gutem absehen
und zur erbauung dienet; da man hingegen / in warhaften Historien / nicht allein
die warheit nit allemal schreiben / noch die handlungen beurteilen darf /
sondern auch nit alles darin findet / womit man gern den verstand üben und zur
tugendliebe bereden wollte. Ist derhalben torheit / solche Geschichtgedichte
darum verwerfen wollen / weil sie nicht beschreiben / was sich in der tat
begeben hat. Dann / ob es schon in den Jahrbüchern nicht zu finden ist / dass die
beschriebene Geschichten / zu selbiger zeit und an solchen orten mit
so-genannten personen / sich zugetragen: so sind es doch begebenheiten / die
einmal und irgendwo mögen geschehen sein / oder noch geschehen möchten.
Dergleichen Historien / sind zu allen zeiten geschrieben / auch in H. Schrift
die Bücher von Tobia und Judit für solche gehalten worden. Bei den Griechen /
sind berümt: des Eustatius / Ismene; des Achilles Tatius / Leucippe; des
Sophisten Longus /Dafnis; und unter den Christgläubigen / des Heliodorus
Bischofs zu Trica in Tessalien / Charielia. In Latein / haben dem Virgilius /
jedoch in ungebundener rede / nachgeamet / Apulejus / mit seiner Psyche;
Barclajus / in der trefflichen Argenis; und der verfasser des schönen Ormunds.
Zu unsern zeiten / haben die gelehrtste federn sich gleichsam in einen
wettstreit eingelassen / welche die andere in dieser art Schriften überkünstlen
könnte. Hispanien / hat uns die schöne Diana / und Frankreich durch den Herrn von
Urfe die Astrea / geboren. Der Englische Ritter Sidnei / und der wälsche Ritter
Biondi / haben durch die sinnreichste Arcadia und angeneme Eromena / ihre namen
unter die gestirne gesetzet. Italien und Frankreich /prangen annoch mit soviel
dergleichen Büchern / dass man bei der mänge sich arm sihet / indem die wahl
schmerzet / welchem man solle den vorzug geben.
    Teutschland hat endlich auch angefangen / mit solchen Schriften seine
Sprache auszuzieren: worzu der Freiherr von Kuffstein / der dapfere
Kriegsobriste Dietrich von Werder / und unser Teutscher Homerus /indem sie die
Spanische Diana / des Tasso Gottfried und die Argenis künstlich geteutschet /
das erste Vorspiel gegeben. Aber zu zeigen / dass auch Teutschland grosse geister
habe / die etwas aus eigenem gehirn herfür bringen können / haben die zween
teure Palmgenossen / der Vielgekörnte (besagter Obrister von Werder /) die
Dianea / und der Sinnreiche (Herr von Hohberg /) die Proserpina und den Ottbert
/ ihre eigene Sinnbruten / so preisbar an das tagliecht gestellet /dass sie nicht
allein denen ausländischen die wage halten / sondern auch vielen derselben
fürwägen können.
    Es sind / dieser art Historien / vor allen anderen Schriften / ein
recht-adelicher und darbei hochnützlicher zeitvertreib / sowol für den / der sie
schreibet /als für den / der sie liset: wie dann auch die jenigen /so
dergleichen geschrieben / meist entweder vorneine Stands- und sonsten adeliche
personen / oder doch leute gewesen / die mit solchen personen kundschaft
gepflogen haben. Bücher / die vom Schul- Glaubens-und Rechtsgezänke handeln /
gehören für die jenigen /welche hiervon beruff machen. So werden auch /
ordentliche Zeitgeschichtbücher / zwar mit nutzen / jedoch zuweiln mit eckel
gelesen. Aber diese Geschichtgedichte und Gedichtgeschichten (von derer zahl
aber / die Amadifische und andere aufschneiderische albere Pedantische
fabelbruten und missgeburten / ausgeschlossen werden /) vermälen den nutzen mit
der Belustigung / tragen güldene Aepfel in silbernen Schalen auf / und versüssen
die bittere aloe der warheit mit dem honig der angedichteten umstände. Sie sind
Gärten / in welchen / auf den Geschichtstämmen / die Früchte der Staats- und
Tugendlehren / mitten unter den Blumenbeeten angenemer Gedichte / herfürwachsen
und zeitigen. Ja sie sind rechte Hof- und Adels-Schulen / die das Gemüte / den
Verstand und die Sitten recht adelich ausformen / und schöne Hofreden in den
mund legen. Sie lehren / durch vorstellung des unbestands menschlichen
glückwesens / der liebes- und lebensgefärden / der gestrafften tyrannei und
untugend / der vernichtigten anschläge / und anderer eitelkeiten / wie man das
gemüte / von den gemeinen meinungen des adel-pöbels läutern / und hingegen mit
Tugend und der wahren Weissheit adeln müsse.
    Wann nun / dergleichen Bücher / der Adel mit nutzen liset / warum sollte er
sie nit auch mit ruhin schreiben können? Und wer soll sie auch bässer für den
Adel schreiben / als ein person / die den Adel beides im geblüt und im gemüte
träget? Wer / von der weise zu regiren / weisslich schreiben kann: der weiss
zweifelsfrei auch wohl zu regiren / oder zur löblichen regirung zu helfen. Ja /
er lernet solches im lehren / und schreibet ihm selber ins herze / was er auf
das papier schreibet. Solte eine Stands- oder Adelsperson / die feder allein auf
dem hute füren / und sich schämen /dieselbe auch in die hand zu fassen? Ist dann
nicht /der verstand und dessen vielwissenheit / das bäste stuck des Menschen /
die feder aber / sowol als der mund / des verstandes dolmetscherm? So muss folgen
/ dass eine Stands- oder Adelsperson auch in gesellschaft nicht verständig reden
müsse / wann sie nicht verständig schreiben darf. Wer verstand hat / soll
solchen / der welt zu nutzen und ihm selber zu ruhm /herfür leuchten lassen. Nun
sollen die Edlen / als die grösten unter den Menschen / auch die Bästen / und
folgbar die Verständigsten sein; und wann sie es sind / sollen sie sich als
solche der Welt zeigen: welches nicht anderst geschehen kann / als durch reden
und schreiben.
    Dass die zween erste Römische Monarchen und Käysere / Julius und Augustus /
(wie beim Suetonius zu lesen /) ingleichen vor- und nach ihren zeiten viel
Römische Staatsfürsten und kriegshelden / Bücher geschrieben / ist zuvor berüret
/ und könnte mit vielen beispielen erwiesen werden. Solte nun heut dergleichen
Personen eine Schande sein / was damals / da fast die klügste welt / weil welt
ist / gelebet / ein ruhm und ehre gewesen? Solte man nicht / mit dem gelehrten
König Alfonso zu Neapels / von einem kunstässigen Edelgebornen / der also
urteilen darf / aufruffen: Diss sei / nicht eines Menschen / sondern eines
Ochsens stimme? Und sollte man / einen solchen Richter / nicht mit Midas ohren
krönen? Wer ein gutes Buch schreibet / der schreibt seinen namen in das Buch der
Ewigkeit: da hingegen die namen derer /die sich / zum hochleuchtenden
Sternenflug / nicht mit kunstfedern beflügeln mögen / nirgend als in ihrer
Genealogie zu finden ist / oder doch ihrer in den Historien nit bässer / als des
Midas / erwehnet wird. Soll die adeliche Belustigung allein im Reiten / Fechten
/ Tanzen / Jagen / Trinken / Spielen / und dergleichen Eitelkeiten / bestehen?
Ist nicht das Gemüte und die himmlische Seele edler / als der irdische körper?
So muss dann auch die Verstands-belustigung adelicher sein / als die leibes
ergetzung. Man mag zwar um diese sich annemen: aber jene soll man darbei nicht
unterlassen.
    Wir Teutschen lassen uns / in Italien und Frankreich / zu adelichen
Leibs-übungen anweisen: warum lernen wir nit auch / von dem beispiel dieser
Nationen / die löbliche kunstliebe und verstands übung? Haben dann / die Päpste
unserer zeit Urbanus VIII und Alexander VII, auch sonst viel Cardinäle /
Bischofe /Fürsten und Magnaten / sich des Bücherschreibens geschämet? Pranget
nicht / Hispanien / mit seinem Savedra? Italien / mit den Schriften des Grafen
Pallavicini / des Venedischen Ratsherrn Johann Franz Loredano? Frankreich / mit
dem Bischof Bellay / mit den Herren von Bartas / Tou / Balsac / Charron /
Pibrac und Scuderi? Engelland / mit besagtem Ritter Sidnei und dem Grafen von
Verulam? Worzu nutzet unser Reisen in diese Länder / wann wir allein die
Eitelkeit / und nicht auch die Kunstliebe / ihnen ablernen wollen? Wollen wir
Teutsche zu unserer voreltern Barbarei und wildheit wiederkehren / deren fäuste
/wie Hieronymus von ihnen schreibet / am schafft des Spisses erkrumet / und zum
schreiben untüchtig worden? deren dapferkeit die ganze welt durchsieget /aber
mit ihnen gestorben / weil sie allein den degen /und nicht zugleich den
Schreibgriffel / ergriffen?
    Der allerlöblichste Käyser Maximilian der erste diss namens / welcher / als
ein Teutscher Apollo / in einer faust zugleich schwerd und feder gefüret / und
die Künstinnen / insonderheit die Fräulinn Historie / in Teutschland einberuffen
/ hat nach dem fürbild obbelobter seiner beiden ersten Reichsvorfahrere / seine
Lebensgeschichten selber in eine Gedichtgeschicht /unter dem namen des
Blank-Königs / verfasset: welche / als ein sonderbares kleinod des Erzhauses /
annoch vorhanden ist. Gleich huntert jahre nach seinem tod / hat in Teutschland
der allerlöblichste Fruchtbringende Palm-Orden zu grünen angefangen: in welchem
/ nun von 50 jahren her / viele Fürstliche und Gräfliche / auch andere Stands /
und adeliche Personen sich befunden / die zu Teutscher Nation und ihrem eigenen
unsterblichen ruhme / die Kunstwelt und unsere Sprache mit vielen fürtrefflichen
Schriften bereichert. Solche sind / im Fürstenstande / aus den häusern Anhalt /
Braunsweig / Hessen und Mekelnburg / der Nehrende / Unveränderliche / Befreiende
/Siegprangende / Kitzliche / Wolgenannte / Füttrende und Gefällige; im Grafen-
und Herrnstande / der Unglückseelige / Kunstliebende / Kühne / Sinnreiche
/Grünende und Vollziehende: im Adelstande / der Vielgekörnte / Feste /
Unverdrossene / Friedfärtige /Geheime / Fördrende / Gleichgefärbte / Erwachsende
/Gebrauchte / Behütende / Hülfreiche / Entleibende /Vollziehende und
Ordentliche: welche alle / als der hohe Raht des Teutschen Parnassus / ihre
Verstands-haabe so rümlich bewäret / dass andere / die allein auf Eitelkeit und
Staatisterei bedacht sind / und den Kunstfleiss / dessen sie nicht fähig /
verachten / sich selbst mit einbildung mehrerer klugheit zu beschmeicheln nicht
ursach haben.
    Jeztbenannte helden und Edle Geister / haben /nach dem vorsatze
allerlöblichst-gedachter Fruchtbringenden Gesellschaft / ihre Schriften in
unserer Teutschen Haupt- und Helden-Sprache / verfasset: hierinn dem fürbilde /
nicht allein der alten Griechen und Römer / sondern auch der heutigen Italiäner
/Franzosen und anderer Nationen nachamend / welche ihren Kunstfleiss zu ausübung
und aufname ihrer Muttersprache / und nicht frömder Sprachen / anzuwenden
pflegen. Es ist an sich selbst lächerrlich / dass wir Teutsche mit grossem
unkosten / frömde Sprachen zu erlernen / ausreisen / und unsere eigene edle
Sprache zu haus verunachtsamen: da doch die Frömden uns diese Ehre hinwiederum
nicht antun / und wird man nicht allein keinen Wälschen oder Franzosen / an
statt seiner Muttersprache / teutsch reden hören / sondern auch ihrer keiner wird
mit sich anderst / als in selbiger seiner Sprache / reden lassen / oder eher
eine dritte Sprache / wie in Gesandschaften zu geschehen pfleget / hierzu
erwählen. Tun nun diss die Frömden / mit ihren unvollkommenen Stümpel-Sprachen:
was hat dann unsere Teutsche Sprache / die doch eine Weltaupt-Sprache ist / und
von Babel mit ausgegangen /verschuldet / dass wir sie zum Pöbel verbannen / und
lieber den Frömden nachparlen? Und wird dannenhero auch billich dem Irrwahn
etlicher Schul-gelehrten in Teutschland widersprochen / die dem Teutschen
Sprache fleiss / und auch-gute Teutsche Schrifften / allein darum verachten /
weil sie nicht in latein geschrieben sind.
    Zu Käysers Augusti und in den nächstfolgenden zeiten / war die Griechische
Sprache / wie jezt unter den Teutsch-Römischen Augusten die Latinische / die
Schul-Sprache / in deren die Künste geschrieben waren / und erlernet mussten
werden. Haben aber / um dess willen / die Römer ihre Sprache verunachtsamet und
unter die dank geschoben? Haben nicht / Cicero und andere Römische Redner /
allein in Latein offentliche Reden gehalten und Sendbriefe geschrieben? Sind
nicht die Römische Historien / sind nicht auch ihre Staatssatzungen und
Rechtsbedenken / in der Römischen Sprache geschrieben worden? Haben sie nicht
alle Kunst- und Lehrschriften / aus andern / in die Lateinische Sprache
übergetragen? Würde nicht dazumal für einen Fantasten sein gescholten worden
/wer zum Cicero / Virgilius / Livius / Seneca / Tacitus und anderen treffachen
Schriftverfassern / gesaget hätte: Eure Schriften taugen nichts / weil ihr nicht
Griechisch / sondern nur Latein / schreibet? Hätten Augustus und seine
Reichsnachfolgere ihr Latein nicht erhoben: es würde jezt wohl nicht die
allgemeine Welt-Sprache sein. Warum soll es dann unrecht und verächtlich sein /
wann wir Teutsche / nachdem die Römische Käyser würde an unsere Nation gelanget
/ebendas mit unserer Sprache tun / was die Römer /unter ihren Augusten / mit
ihrer Sprache getan haben? Das Latein muss freilich bei uns / wie bei den Römern
das Griechische / gelernet: aber darbei unser Teutsch so wenig / als von ihnen
ihr Latein / verworfen / sondern vielmehr gleich demselben erhoben und zur
aufname gefördert werden. Es ist aber insonderheit bei den Geschicht- und
Tugendlehrschriften vonnöten / dass dieselben in der Muttersprache geschrieben
werden: damit auch das Frauenzimmer / und andere / die nicht in Schulen
aufgewachsen / solche zu ihrer erbauung lesen können.
    Die edle Poesy und Dichtkunst / mit deren / vor anderen Schriften / die
Gedichtgeschichten und Geschichtgedichte pflegen untermängt- und gleich als mit
perlenreihen gestickt zu werden / hat heut zu tag mit dem Teutschen Sprachfleiss
einerlei widrigen Gestirn-einfluss / und muss sich gleichfalls von dünkelwitzigen
Zoilen übel ausrichten lassen / welche dieses schöne Fräulin zu dem
Gelehrten-pöbel verweisen /und nicht würdig achten / dass sie von hoher und
adelicher hand zum Ehrentron gefüret werde. Es schmerzet diese Dame billig / so
eine zeit erlebt zu haben: zumal wann sie sich erinnert / wie sie in den
vorzeiten so hoch beehret worden. Alexander der grosse Weltbezwinger hat sich
nicht geschämet / die von den abschreibern verfälschte verse des Homerus / mit
eben der hand / welche von sovielen überwundenen völkern angebetet worden / zu
entfehlern. Von Käyser Augusto ist zuvor erwehnt worden / wie er / und zwar
einem Poeten zu ehren / poetisiret: massen auch von ihme bekant ist / dass er ein
Traurspiel vom Ajax in gebundene rede zu fassen angefangen / aber solches /weil
ihm frömde Gedichte bässer als seine eigene gefielen / wieder aus der
Schreibtafel gelöschet / und nachmals hiervon zu scherzen pflegte / sein Ajax
habe sich mit einem Schwamm erstochen. Wie seine Reichsnachfolgere diese kunst
geliebt und geübet /davon wäre ein grosses Register vor augen zu legen.
    Aber wir wollen mit den gedanken weiter zurücke und zwar in die alte
Gotteskirche wandern / und daselbst die Dichtkunst / durch die hand der
Gottesheiligen / verhimmelt sehen. Mose / der Mann Gottes /auch Fürst und
Heerfürer des volks Gottes / ist zugleich der Poeten Fürst und Vorgänger / als
der erste Kunstdichter: wie seine zwei schöne Lieder / und der neunzigste von
den Psalmen Davids / welcher ihme durch die Uberschrift zugeschrieben wird /
bezeugen können. Sein und der Debora beispiel / welche auch dieses volks
heerfürstin und zugleich eine Kunstdichterinn gewesen / dienet zum beweiss / dass
der Heldenmut und Dichtergeist gern in einem gehirn beisammen wohnen / und
dieser jenem wohl anstehe. Es ist kein wunder / dass zu unserer zeit der
Dichtgeist aus vielen Hochfürstlichen Prinzessinnen und anderen
Stands-Frauenpersonen so herrlich herfür flammet: weil selbiger auch bei der
Gott-erwählten Hebreischen Nation / nicht allein in dieser Debora / sondern auch
in der Miriam des Mose schwester / in der Hanna / in der heldin Judit / ja auch
in der vom heiligsten Gottesgeist erfüllten Gottes-Mutter / der
höchstgewürdigten Maria / gebrennet / wovon ihre himmlische Lob- und Danklieder
reden. Was sollen wir lagen von David /dein Mann lieblich mit Psalmen Israel /
dem Hebreischen Apollo? Wieviel schöne Lieder hat er / erstlich als Schäfer auf
der weide bei Betlehem / und hernach als König in der hofburg Zion / welcher
Berg sein Parnass gewesen / gedichtet und in seine Harffe gesungen? Ja er hat zu
Jerusalem einen Dichter-Orden gestiftet / in welchem Assaph / Korah / Heman /
Etan /Jeditun und andere Poeten / derer 288 gezehlet werden / miteinander in
die wette gesungen. Was sein sohn Salomo für ein trefflicher Poet gewesen /
weisen die schönsten Eclogen seines hohen Brautliedes. Die Könige Josafat und
Hiskia / der fürstliche Profet Esaias / die fromme Männer Syrach / Tobias und
Zacharias / und die drei Hof-Fürsten zu Babel / tratten auch in diese
Poeten-gesellschaft: und hat in diesen letzeren / das Geistfeuer / mitten in
feuerofen gebrennet. Dass man aber im volk Israel / nicht allein Psalmen zur Ehre
Gottes / sondern auch andere Lieder poetisiret / ist abzumerken aus dem schönen
Klaglied /womit David seinen herzfreund Jonatan und dessen vattern zu grab
gesungen / wie auch aus des Profeten Jeremia recht-poetischen Klagliedern: und
ist kein zweifel / es werden unter den 1005 Liedern des Königs Salomo / auch
viele gewesen sein / die er seinen weibern zu lieb und lob verfasset.
    Ist nun sovielen heiligen leuten / grossen Königen und Fürsten /
insonderheit dem Salomo / unter allen Königen dem reichsten / weisesten und
geehrtisten /das Poetisiren keine schande gewesen: was torheit ist es dann /
wann heut zu tag ein Midaskopf / sich mit seinem urteil übereilend / diese edle
und von sovielen hohen händen geadelte Kunst / einer hohen und adelichen hand
übel-anständig achtet? Zumal / da auch zu unsern zeiten / oberwehnete Päpste und
andere ausländische Stands- und Adelspersonen / insonderheit in unsrem
Teutschland soviele Fürstliche und Edle Mitglieder der Fruchtbringenden
Gesellschaft / ihre übrige zeitweile mit diesem Kunstfleiss zu adeln sich nicht
geschämet? So ein Ubelrichter muss erstlich erweisen /dass er weiser und
verständiger als Salomo sei / wann er demselben vorrücken darf / dass er / seinem
Königlichen Ehr-ansehen zu nachteil / ein Poet gewesen sei. Dass aber ungesalzene
Reimenleimer und abgeschmacke Tropfen / ihre albere und oftmals schändliche
missgeburten mit dem Ehrnamen der Poesy betiteln dörfen / solches kann dieser
edelsten Fräulinn so wenig zu schimpf gereichen / als einem Menschen die torheit
eines Affen / der seine kleider angezogen. Die Arzneikunst wird darum nicht
verachtet / weil es Marktschreier gibet / die sich deren mit ungrund berümen.
Die Käyser-würde wurde zu Rudolphs I zeiten darum nicht geringer / weil der
Müller Tile Colup sich für den Käyser ausgegeben.
    Was bisher gesaget ist / das ist gegenwärtiger Aramena zu ehren geschrieben:
bei deren sich alles das befindet / was den Geschichtschriften und
Geschichtgedichten zu Lob geredt worden. Sie hat eine hohe hand zur gebärerinn /
und der Edle leser / ihre höchste fürtrefflichkeit erkennend / wird bekennen
müssen /dass sie billiger Minerva als Aramena heisen sollte: weil es scheinet /
sie habe ein Jovis-hirn zum mutterleibe gehabt. Sie ist / nicht im Schulstaub /
sondern zu Hof erwachsen. Sie ist auch nicht mit gesellschaft des Pöbels
bestäubet: sondern redet höchstöflich und recht-fürstlich / von Fürstlichen
Geschichten. Sie öffnet eine Gedult Schule: mit erzehlung ihrer Verfolgungen und
Unglücksfälle. Sie weiset einen Schauplatz / der Tugend und Lastere / und
darauf-ergangener Göttlicher belohn- und abstraffungen. Sie stellet auf / einen
Hof- und Welt Spiegel / darin die / so sich selber nicht kennen / ihre Gestalt
ersehen können. Sie setzet einen Staats-Lehrstul / und lässt von demselben reden
/ die beispiele der jenigen / die viel anschläge ersonnen / aber nichts damit
gewonnen haben. Sie sollte wohl die Teutsche Minerva heisen: weil ihr Schmuck
nicht / wie anderer solcher Prinzessinnen / von andern Nationen entlehnet und
hergeholet / sondern in Teutschland / und zwar zierlicht- / verfärtigt worden.
Sie hat aber Aramena heisen müssen: weil sie eine Syrerinn / auch meist mit
Syrern und deren Nachbaren vergesellschaftet ist. Und weil sie zu der zeit
gelebet / da der Patriarch Jacob sich in Mesopotamien befunden / auch derselbe
ihr verwandt ist: als hat sie / ihn und seine befreundte /mit in ihre
gesellschaft genommen. Sie redet auch billig Teutsch: weil sie nicht allein mit
Teutschen Fürsten viel umgegangen / sondern auch eine derselben endlich zum
Gemal bekommen.
    Die Begierde der Verstand- und Sprach-übung /auch das gemüte mit einem edlen
und nützlichen zeitvertreib zu belustigen / hat dieses Geschichtgedichte zur
welt geboren. Damit aber hierdurch nicht allein der Kunst- und Tugendliebenden
ihre erbauliche Ergetzlichkeit / sondern auch Gottes Ehre / gefördert werden
möchte: als sind die Morgenlande zum Schauplatz dieser Historie erwehlet / und
die Biblische Geschichten selbiger zeit / auch durch deren veranlassung die
anweise und bekehrung der Heiden zum wahren Gottesdienst / mit eingerücket
worden. Solchergestalt wird / auch diese edle Belustigung / wie wir dann bei
allen unsern tun uns Gottes erinnern sollen / zur Göttlichen Ehre verwendet.
Die Geschichtbücher der H. Schrift / füren hin und wieder die Heidnische
Historien mit ein / und reden von den Egyptischen / Philistischen / Syrischen /
Babylonischen / Griechischen und anderen Königen: ist es demnach auch erlaubet /
dass man in heidnischen Geschichtschriften / gleichfalls der Historien Heil.
Schrift mit erwehne. Zudem / weil Gott und Satan auf Erden zugleich ihr Reich
und Kirche haben / so muss folgbar eine Geschichtschrift von beiden Reichen und
Kirchen zugleich reden: welches um soviel unsträfflicher geschihet / wann die
Erzehlung auf jenes Reichs erbauung und dieses zerstörung / wie dissorts / und
also auf Gottes Ehre hinauslaufet: massen auch unsere Durchleuchtigste Syrerinn
/ vom Heidentum / zur wahren Gottes-erkäntnis bekehret worden.
    Und obwol dieses eine erdichtete Historie ist: so ist doch zu allen / und
insonderheit bei Jacobs / seiner Eltern und Kinder leb-zeiten / viel dergleichen
fürgegangen. Man kriegte / man tyrannisirte / man machte freundschaft / man
hassete / betroge und unterdruckte einander. Unter den geliebten Prinzessinnen /
werden in dergleichen Schriften zuweiln Königreiche und Länder / welche ihre
werber zu haben pflegen / oder sonst Tugenden / Künste / Aemter / Güter und
andere sachen / die man verlanget / verstanden: sind es also nicht allemal
Liebesgeschichten / dafür man sie ansihet. GOtt selber vergleicht zum öftern /
durch den mund seiner Profeten / sein volk einer Braut und Bulschaft / und die
beide Königreiche Juda und Israel /zweien weibern / die er geliebt: derer Namen
er auch ändert / und die eine Ahala / die andere Ahaliba nennet.
    An den hierinn beschriebenen Lastern / hat niemand ursach / sich zu ärgern:
weil / wie gesagt / der Satan überall mit regiret / und daher kein ort oder zeit
ist / da sich nicht auch bosheiten begeben / die dann in die Historie (massen
auch in H. Schrift geschehen /) mit einlaufen. Wer von einem laster liset /
findet /in erfolg der Geschichte / auch dessen Straffe: deren er sich ebenfalls
zu versehen hat / wann auch er selbigem laster sich ergeben wollte. Man kann /
ohne Füllerei / den Wein trinken / und des Eisens / sonder damit zu morden /
sich gebrauchen. Auf einer Wiese / wachsen giftige und gesunde Blumen
durcheinander. Aramena wünschet Bienen / und keine Spinnen: die da Honig / und
nit Gift / bei ihr zu holen kommen. Auf welchen fall sie um soviel mehr eilen
wird / dem Edlen Leser ihre noch-hinterstellige Schönheit auch zu zeigen / und /
das in diesem Ersten Teil eingewirrete Rätsel ihrer Geschichte / in den
folgenden Büchern wieder zu entwickelen.
 
                                Das Erste Buch.
Es hatte kaum / der warme und liebliche tag / der kalten rauhen nacht gewichen /
und das regiment der sterne ware kaum angegangen: als die beeden Fürsten von
Canaan / mit ihren leuten / sich wieder aufmacheten / und die höle verlassend /
darin sie den tag über verborgen gelegen / bei dem dunkeln sternenlicht unsäumig
ihren weg über das gebirge Gilboa fortnahmen / in hoffnung / noch vor tags den
brunnen Arad zu erreichen. Das gesause der winde / so sich mit den gebüschen
stiesse / das traurige heulen der nachteulen / und das wachsame bellen der
schäfer-hunde / ware es allein / was unterwegs ihnen zu ohren kame. Die herbe
kälte / so oben auf dem gebirge regirte / fochte die meisten unter ihnen nicht
wenig an: nur allein der Fürst Elieser entfande davon nichtes / als dessen
innerliches feur so gros war / dass er keine äuserliche kälte fühlen noch
entfinden kunte.
    Dieser verliebte Herr / von unaussprechlicher liebe / hochbesorglicher
gefahr / übersüsser hoffnung / und billiger furcht getrieben / fasse nebst
seinem Bruder auf den wagen / dessen er zu seinem grossen fürnehmen sich
bedienen wollen / und weidete seine sinne mit der angenehmen einbildung / morgen
üm diese zeit seine geliebte Fürstin auf demselbigen zuführen. Wann er aber
ferners bedachte / wie gefährlich sein fürhaben / wie so unglückselig er sein
würde / wann es übel hinaus schlüge / und wie er seinen Bruder mit ihm in die
höchste gefahr stürzete: triebe es ihm viele seufzer ab / die doch seinen
fürsatz nicht rückgängig machen konten. Massen er / auch ohne dieses
gewalttätige mittel / sich unglückseelig erinnerte: indem sein zustand so auf
das äuserste gerahten / dass entweder alles brechen / oder durch so was frömdes
gehoben werden musste. Hierbei war sein trost / der gedanke / wie dass der Himmel
gerecht sei / und darüm seiner billigen sache beistehen würde. Solche seine
zuversicht / stiesse er in diese worte heraus: O gütiger himmel! du bist so
rechtfärtig / der König ist so unbillig / Ahalibama so schön / und mein herze
also verliebet / das du ein gewünschtes ende in dieser sache wirst bescheren
müssen.
    Ja / mein bruder! (sagte hierauf / sein beisitzer /) unser fürsatz ist so
unstraffbar / dass die götter müsten aufhören / götter zu sein / wo sie uns ihre
hülfe jezt nicht wollten wiederfahren lassen. Ach Ephron! (fragte Elieser) wie
hast du meine gedanken wissen können /dass du so schicklich auf dieselbige
antwort giebest? Weist du dann nicht / (wiederholte Ephron) dass du mir selber
solche entdecket? Wie / mein Bruder! (fragte jener wieder /) bin ich so auser
mir selbst gewesen / dass mein mund mein herz / wider mein wissen / verrahten?
Die schöne Ahalibama von Seir (wandte Ephron nie /) ist wohl würdig / dass man
ihretwegen auser sich selbst komme. Doch must du in warheit (fuhr er scherzend
fort /) morgen deine gedanken bässer beisammen haben / wann der angriff
geschehen soll: sonst dörften wir eher den schatten / als die person / sahen. Du
erinnerest mich wohl meiner gebühr: (sagte Elieser) doch verlasse ich mich auf
deine fürsichtigkeit / dass du wann ich / von Ahalibama schönheit etwan verwirret
/ nicht alles tun sollte /wessen ich befuget / das deinige desto bässer in acht
nehmen und mich nicht lassen wirst.
    Wie ihm nun der Ephron überflüssig seines treuen beistandes versicheret /
hube / nach kurzer stille /Elieser wiederüm seufzend an zu sagen: Ach! wir
unterfangen uns anjezt mit so grosser gefahr / die Fürstin von Seir zu befreien
/ und sind doch so wenig versichert / ob ihre strenge tugend dieses unser
beginnen auch billigen werde! Wer weiss / ob sie uns folgen will? wer kann uns
versichern / ob sie / üm alle nachrede zuvermeiden / nicht lieber des Beors
gefangene /als des Eliesers entführete heissen wolle? Wann ich nicht (antwortete
Ephron) ja so erfahren in den wirkungen der liebe wäre / als du bist / würde ich
dich sehr auslachen / dass so unnötige sorgen dir zu kopfe steigen. Bekümmere
dich nur zuvor / deine Ahalibama zu erlösen; und frage dann hernach / ob sie es
auch haben wolle? Sie / die soviele proben wahrer beständiger liebe dir
erwiesen; die / dir getreu zubleiben / ihr leben in die schanze geschlagen / und
die Cananitische Kron so standhaftig deinetwegen verachtet: sollte die / sage ich
/ wohl bedenken tragen / durch den jenigen sich befreien zulassen / dem sie zu
liebe alles dieses getan hat? Der verliebte Fürst / erlabete sich /an statt zu
antworten / mit den süssen vorstellungen von seiner Fürstin beständigkeit: die
ihm also die sinne bezauberten / dass er ferner nichtes mehr redete /bis sie an
den brunnen und an den weg kamen / da die Fürstin von Seir morgen musste fürbei
reisen.
    Wie sie nun in den gebüschen / so gut es sich wollte tun lassen / sich
gelageret / und des anbrechenden tages mit unbeschreiblichem verlangen
erwarteten /und damit kaum eine stunde zugebracht: da kame einer von den
ausgestellten wachten gelaufen / und meldete an / wie dass nicht weit von ihnen /
im tal /viele personen mit Camelen und pferden sich um ein feur gelagert hätten
/ bei dessen schein sie als Assyrier anzusehen wären. Dieser bericht machte sie
alle bestürzet / und sagte einer zum anderen: wir seind verrahten! also dass
Elieser so wohl / als Ephron / ihnen einen muht einzusprechen / sich bemühen
mussten. Und ob diese wohl selbst hierüber unruhig geworden /liessen sie doch
dessen sich nicht merken / und erholeten sich auch eher wieder / weil der / so
ihnen diese zeitung gebracht / jene für Assyrier angegeben / die sie eher für
ihre freunde / als für feinde / achten kunten. Um aber bässer versichert zu sein
/ entschlossen sich die Fürsten / mit etlichen hinzuzuschleichen / und diese
frömden zu belauern. Als ihnen demnach der weg gezeiget worden / krochen sie auf
händen und füssen / so leise als sie konten / den berg hinab / bis sie an das
tal kamen: da sie / durch das dicke buschwerk / die frömden bei dem gemachten
feur stehen und sich wärmen sahen.
    Wie sie nun so ein wenig gelauschet / höreten sie nahe bei ihnen zwei
personen reden / die den rucken zu ihnen gewandt / und sagte in Assyrischer
sprache der erste zu dem anderen: Wer wollte / einer so grossen schönheit zu
gefallen / nicht diese mühe auf sich nehmen? Fürwar / Hadat! du bist ein
schlechter hofmann / wenn du dich scheuest / dem frauenzimmer zu willen / alles
ungemach auszustehen. Mein gnädiger herr vergebe mir / (antwortete sein
beisitzer /) wann ich mich unterfange / meine Meinung zu behaubten /und sage /
dass die liebe von mir selber anhebet / und meine eignene gemächlichkeit mir das
liebste auf der welt ist. Wann alle so gesinnet wären / (sagte der erste wieder
/ und hube an zu lachen) so würde die gute Prinzessin keine hoffnung haben / aus
Canaan zu kommen. Ja / wären wir alle so gesinnet / (wandte der andere wieder
ein) so dürften wir nun nicht sorgen /dass der König von Sichem uns verfolgen /
und schwerlich / wegen dieses frevels / den wir in seinem lande begehen wollen /
ungestraffet lassen werde; so könten wir zu Damasco jezt sicher leben / und von
unserer langen reise ausruhen. Ey Hadat! (sprache der eine) du bist gar zu sehr
guter tage gewohnet. Doch beweise mir / dass dieses ein frevel sei / was ich jezt
mir zu tun fürgenommen; und ob du wohl anders verfahren würdest / wann du
Tarsis wärest? Ja bei Gott! (antwortete Hadat) wäre ich der Fürst von
Sepharvaim / ich begehrete gewiss nicht / üm eines andern liebsten wegen / so
viel ungemach mir anzutun / und diesen frevel zubegehen / eine braut aus diesem
Königreich zuentführen. Solte ich sie dann ihrer bitte nicht gewähren? fragte
der Fürst; dem der andere antwortete: Das paar worte / die sie zu uns sagte /
haben die solche kraft gehabt / dass man darum leib / leben und ehre hintan
setzet? Ach Hadat! (sagte der Tarsis wieder) ich müste ein felsenherz haben /
wann ich diese trostlose Prinzessin / die mich zu ihrem erlöser erkohren /
verlassen wollte? Nein / nein! sie muss befreit sein / und sollte es leib und
leben kosten. Ich werde doch die ehre davon tragen / die mir / wegen eines so
edelen gehabten fürsatzes / ewig bleiben wird. Ja Hadat! ich weiss / du must mir
beifallen / ob schon dein scherzhaftes maul anderst spricht. Ich wollte
(widersprache Hadat /) noch mit allem einstimmen / wann man dieses üm einer
liebsten willen täte. Aber üm eine frömde person / die man kaum einmal gesehen
/ und die einen nicht liebt / solche dinge anzufangen / achte ich gar zu
grosmütig / wo nicht allzuverwegen sein. So bist du dann meiner Meinung /(fügete
der andere hinzu) wann ich dir dieses gestehe /dass ich alles aus lieb tue / und
dass mein herz diese unvergleichliche schönheit anbete. Auch ist meine hoffnung
gross / dass sie mir nicht abhold sei / und dass mein fleisiges aufwarten künftig
sie zu einiger gegenliebe bewegen werde.
    Dem armen Elieser / der alle diese reden genau angehöret / wurde darüber
nicht anders zu sinne / als wann ein jedes wort eine glühende zange gewesen wäre
/ die ihn am herzen risse. Hätten auch / sein bruder und die andere anwesende /
sein gesichte in der finstere erkennen können / sie würden aus demselben
abgenommen haben / was er in seiner seele entfande. Es ware auch der Fürst
Ephron hierob in so unruhige gedanken gerahten / dass er nicht wusste / wie ihm
geschahe. Indem stunden diese beide / so also mit einander geredet / von ihrem
platz auf / und giengen dem feur näher: da sie dann den andern die gesichtet
zukehreten. Das eiversüchtige verlangen Eliesers wurde hierdurch gestillet / als
er seinen so unvermuteten mitbuhler sehen kunte. Selbiger / war einer
ansehnlichen länge. Seine augen / gaben ein so scharfes als listiges gemüte
zuerkennen. Seine braune haarlocken / hiengen ihm von den schultern hernieder.
Es ware / in allen seinen gebärden / ein so sonderbares freies wesen / dass man
auch aus diesen äuserlichen dingen urteilen können / wie er eines
unerschrockenen muhtes / und aller grossen dinge sich zu unterfangen /fähig
wäre. Wie nun / Ahalibama? (sagte der verwirrte Elieser bei sich selbst) hast du
diesen erwehlet /dich aus des Königs gewalt zuerlösen? ja / hast du diesen
erkohren / für den König von Canaan / und für den Elieser? Hiemit bliese ihm die
eiversucht so hitzige gedanken ein / dass er gleich zu diesem mitbuhler
einbrechen / und ihm die ehre / die Ahalibama zuentführen / bestreiten wollte.
    Wie er aber mit solchem fürnehmen ümginge /kame einer zu den frömden durch
das holz eilig angeritten: der / wie er abgestiegen / zu dem fürnemsten ginge /
welchen Elieser und Ephron für den Tarsis von Sepharvaim nun halten konten /
und meldete ihm an / sie wären die unrechte strasse gekommen / die Prinzessin
würde nicht hier fürbei / sondern auf jenseits des gebirges / nach Debes zu /
ihren weg hindurch nehmen: dann er einen schäfer gesprochen / der sie im dorf
Engamim gesehen hatte. Uber dieser zeitung / wurden sowol die Frömden / als
Elieser beunruhiget. Dann / da jene beklagten / dass sie unrecht geritten / so
verdosse es den Fürsten von Canaan nicht weniger / dass er so unglücklich in
seinem fürhaben gewesen. Indem er aber also unruhig diesem nachsonne / wurfen
sich immittels die anderen eiligst auf ihre Camele und pferde / und rannten deme
nach / der ihnen / wie sie des wegs verfehlet / angemeldet hatte.
    Es wäre der Fürst Elieser ihnen zu fus nachgelaufen / wann Ephron es nicht
verwehret hätte. Er wollte schier rasend werden / wann er gedachte / dass der
Tarsis sein mitbuhler wäre / und dass deme die Ahalibama erlaubet / ja gar ihn
darum gebeten hatte / sie zuentführen; dass dieser alle gelegenheit / solche
werkstellig zu machen / nun bei handen hätte: Da hingegen er auf den unrechten
weg gekommen / und sich also ungeliebet / verlassen / und betrogen halten müste.
Ach mein bruder! (hube er zu dem Ephron an) könnte ich mich doch überreden / dass
dieses ein traum wäre / was mir anjetzo begegnet? und dass es eine einbildung /
was ich jetz gehöret? Ach! ist es wohl müglich / dass Ahalibama so verändert sei?
Wie habe ich doch wenig ursach gehabt / vor ihrer strengen tugend mich zu
fürchten: da ich mehr befugt gewesen / ihre leichtsinnigkeit zubefahren? Bei
diesen worten / die ihme aus ungedult entfuhren / stutzete er / und bereucte /
wegen der ehrerbietung gegen die Fürstin von Seir / die / ungeacht seiner
eiversucht / in seinem herzen viel platz hatte / dass er also von ihrer tugend
gesprochen; unangesehen / alle ümstände ihm / von ihr nicht anderst zu urteilen
/ vergonten. Also schwiege er ganz stille / weil sein schmerze ihm nicht
zuliesse / andere als solche reden zu führen / die ihn nachgehends selbst
beleidigten. Indessen liesse er den unmässige seufzern freien lauf: die dann
seines herzens schweres anligen sattsam zu erkennen gaben /und / wie
unvermutlich auch in was übeler bereitschaft ihn dieses unglück überfallen / an
den tag legten. Ephron schwiege ebenfals zu anfang stille / und wollte seinem
bruder dieses leiden nicht zu früzeitig aus den sinn reden / bis das erste
entsetzen möchte ein wenig über sein.
    Wie sie aber den berg wieder hinan gestiegen waren / und die anderen von
ihnen erfuhren / wie dass die Fürstin von Seir einem anderen weg reisen würde /
beteureten ihrer etliche bei allen göttern / dass solches unmüglich wäre; und
einer unter ihnen / Eliesers waffenträger / vermasse sich / sein leben verloren
zuhaben / wofern eine andere strasse / als diese / nach Tanac / und folgends
nach Salem gienge. Ephron wendete dieses nützlich an / seinen bruder damit zu
trösten / und sagte zu ihm; Wann ich alles recht überlege / finde ich nicht /
dass diese Assyrier von unserer Fürstin geredet. Dann einmal ist es unmüglich /
dass die tugendhafte Ahalibama / dieses so genannten Tarsis wegen / ihren sinn
so plötzlich sollte geändert haben. Tarsis nannte sie auch Prinzessin / welchen
namen man nur den Königlichen kinderen giebet. Und weil die / so er suchet /
nicht diesen weg kommet / unsere Fürstin aber hierauf zu muss: so ist ja kein
zweifel / es haben die götter es so versehen / dass an diesem anbrechenden tag
zwei Fräulein sollen erlöset werden. Ach Ephron! (antwortete Elieser) du sagest
mir etwas / so du selber nicht glaubest. Nanten nicht die Assyrier die / so sie
wollten entführen / eine braut /und sagten / dass sie / durch deren erlösung / des
Königs von Canaan unwillen über sich laden würden? Und weist du nicht / dass der
Ahalibama mutter eine Assyrische Prinzessin ist / und üm desswillen auch sie von
ihnen also genant wird? Wie leicht auch kann es sich begeben haben / dass der Elon
uns ausgekundschaftet / und daher einen anderen weg mit ihr nehmen wird. Warüm
will man aber / (wandte Ephron entgegen ein) alles dieses fürchten / da man doch
was bässers hoffen kann? Last uns dieses tun: wir wollen etliche zu pferd
ausschicken / und alle strassen / die von Sichem gehen / bereiten lassen; wer
von ihnen etwas spüret / soll uns eilig post bringen. Wir kommen noch zeitig
genug auf den weg nach Debes / und es ist ja / in diesem zustande der sachen /
kein anderer schluss zu fassen.
    Wie nun Elieser ihm alles dieses gefallen lassen /weil er für seine person
zu allen entschliessungen untüchtig war / ordnete Ephron es nach seinem
vorschlag an / und sandte etliche wolberittene auf alle straffen aus / die bei
aufgang der sonne die wege in augenschein nehmen sollten. Er selber aber / bliebe
mit den übrigen bei seinem bruder / der seiner höchsten tugend vonnöten hatte /
ihm selber kein leid anzufügen. Er legte sich auf seinen mantel unter einen baum
/ die augen zusperrend / damit man ihn nicht anreden / und er von seinen
unruhigen gedanken nit abgebracht werden möchte. In solchem zustande / verlieffen
vier oder fünf stunden: worauf der volle tag anbrache / aber so traurig und
nebelicht / dass die natur selber schiene / sich der klage des Fürstens von
Canaan teilhaftig zu machen. Wie nun aber fast alle ihre hoffnung zu zerrinnen
begunte / wurden sie unvermutlich von dieser angenehmen post wieder ausgerichtet
/ wie dass die Fürstin von Seir nicht weit mehr wäre. Elieser hörete kaum dieses
wort / da sprange er auf / wie ein ergrimter law; und von eiversucht getrieben /
fand er in sich eine hohe freude / dass er doch nun glücklicher als sein
mitbuhler sein würde. Es kamen ihm schon viele reden in den sinn / die er seiner
untreuen Ahalibama fürhalten wollte. Sein bruder aber sagte erfreuet zu ihm: Er
hätte in dem einen wahr gesaget / und hoffete gewiss / der Fürstin unschuld sollte
bald sich ja so klar erweisen. Wolte der Himmel / (gabe der verliebte Fürst zur
antwort) dass ich es glauben könnte! seufzete damit tief / die augen gen Himmel
wendend. Sie konten ferner keine worte mehr wechselen / weil die Fürstin ihnen
ganz nahe zu sein angemeldet wurde.
    Als sie sich demnach an die beide seiten eines holen wegs gestellet / und
hinter den büschen verborgen lagen / sahen sie zuerst viel Camele mit gütern
beladen fürbei führen; worauf ein hause von ungefähr sechzig reutern kamen / und
hiernächst ein verdeckter wagen / welchen Elieser für der Ahalibama wagen ansah
/ und also mit den seinigen gleich auf denselbigen los brache. Indeme etliche
die stricke den pferden verhieben / wollte er den wagen öffnen: wurde aber von
einem ansehnlichen ritter davon abgehalten / der auf ihn sporenstreichs zugerant
kame / und diese beute verfochte. Elieser / von eiversucht und grim ganz
verblendet / hielte diesen unbekanten für den Tarsis / und meinte alsobald /
Ahalibama wäre durch diesem glücklichen mitbuhler schon befreit /wandte demnach
mit unbeschreiblichen muht sich gegen seinen feind: dem er / ob er schon zu
pferd war / so viel arbeit machte / dass er bekennen musste / er hätte mit einem
ungemeinen widersacher zuschaffen. Eliesers leute / folgten immittels ihres
herren tapferkeit treulich nach. Ephron aber / mit etlichen von den seinigen /
risse sich von dem gefechte los / um die Ahalibama aus ihrem wagen in den
ihrigen zu bringen. Solches verrichtete er auch glücklich / und fand darin
vier weibspersonen mit verdeckten angesichtern: unter denen zweie gutwillig sich
heraus begaben / die anderen aber sich stark widersetzeten. Demnach auf der
einen bitte / die Ephron in dem getümmel für die Fürstin von Seir hielte /
liesse er die zwei alda /und brachte die anderen davon. Nachdem er selbige auf
den wagen gehoben / und etliche / sie zu bewahren / bei ihnen gelassen / begabe
er sich wieder in den streit / um / seinem bruder bei zuspringen: der seinen
gegenpart tödlich verwundet / selbst aber mit vielen wunden auch also
zugerichtet war / dass er nicht mehr zu fechten vermochte. Die frömden / ihren
fürnemsten für todt haltend / gaben dem Ephron und den seinigen raum genug / den
verwundten Elieser davon zubringen: mit dem er sich dann nicht säumete / ihn auf
den wagen zuheben / welchen zu halten / er sich selbst hinauf schwunge / und
damit eiligst fortjagen liesse.
    Aber wie gross ward seine bestürzung / als er / an statt der Ahalibama / eine
ganz frömde / ihm unbekandte schönheit erblickte: die / unangesehen sie sehr
erblasst und beängstiget war / ihren unvergleichlichen glanz doch nicht
verbergen konnte. Wo ist / (fienge sie mit betrübter stimme an zufragen) der
Fürst von Sepharvaim? es wäre ja billig / dass wir den auch bei uns hätten. Diese
worte / gaben dem Ephron zu verstehen / dass diese die Prinzessin sein müste /
von welcher der Tarsis geredet. Er wolle gleich den begangenen irrtum ihr
andeuten / als Elieser / der mit halbgeschlossenen augen diese unbekandte für
seine Ahalibama hielte / und ihre nachfrage nach den Tarsis gehöret hatte / ihm
die antwort verhinderte / und mit lallender zunge zu ihr sagete: Euer geliebter
Tarsis / hat euch nicht als sich wohl gebüret / beschützet. Und weil mein
verlohrens blut / so eurentalben / o ihr undankbare! ich vergossen / mir die
hoffnung giebet / eher als ihr zu eurem Tarsis zu kommen: so will ich ihme / in
der anderen welt / eure beständigkeit rühmen / die ihr ihm würdet schwerlich
gehalten / und ihn nit länger als mich geliebt haben. Diese dunkele worte /
setzeten die beiden Frauenspersonen in nicht geringe unruhe: welche sich
vermehrete / als Ephron ihnen offenbarete / dass sie nichtes von dem Tarsis
wüsten / und dass sie einen irrtum in ihrer entführung begangen hätten. Wie er
aber seine dienste ihnen ferners anbote / und sich erinnerte / dass der von
Sepharvaim seinen weg über das gebirge hinüber genommen hätte / und daher
vermutete / die Fürstin von Seir bei ihm vielleicht noch anzutreffen / liesse er
den wagen dahin wenden. Die unbekandte Prinzessin bedankete sich / dieser
sorgfalt wegen / gar sehr / und beklagete den elenden zustand des verwundeten
Eliesers: welcher ganz onmächtig zu werden begunte / und in seines betrübten
bruders armen lage.
    Der andere verwundte hingegen / befunde sich in nit bässerem zustande / und
waren dessen bediente /samt dem zurückgebliebenen Frauenzimmer / so erschrocken
und bestürzet über diesen unvermuteten zufall / das sie nicht wussten / was sie
davon gedenken sollten. Als aber / durch hülfe eines ansehnlichen alten / dieser
ritter aus seiner onmacht aufgebracht war /warfe er seine matte augen ümher /
die zu sehen / welche er verloren / und als er sie nicht fand / sagte er gar
betrübt: Ach Aramena! und fiele damit / in eine noch-schwerere onmacht / dass
alle die starken balsam und hülfmittel wenig bei ihme verfangen wollten. Sie
hatten dergestalt noch mit ihm zu schaffen / als das unglück den Fürsten Elon /
der die Fürstin von Seir nach Salem begleitete / selbige strasse führete. Dieser
/ als er von fernen diese Frömden ersehen / sandte gleich einen hin / zu
vernehmen / was alda geschehen wäre? Wie man ihn nun berichtet / dass seines
Königs sohn / der Prinz Hemor / also verwundet geworden /eilete er hinzu / und
erkannte die eine Dame für die Calaride / des Fürsten von Naema gemahlin: welche
ihme mit grossen geschrei zurieffe / und mit halbzerbrochenen worten ihn bate /
die räuber der Prinzessin Aramena verfolgen zu lassen / zugleich den Königlichen
Prinzen an seinen mördern zu rächen / und ihm seine braut wieder zu verschaffen.
Der Fürst Elon verwilligte alsobald / und weil er allezeit des Prinzen gnade
gesuchet / als erwiese er sich in dieser tat um so viel geschäftiger. Sein
eiver würde verdoppelt / als der Salma / des Prinzen vertrautester / ihme die
täter nannte / dass es nämlich des Beri söhne / der Elieser und Ephron / wären /
wie einer von den ihrigen ausgesaget. Weil diese sowol seines Königs aus dem
reich verbannete / als auch / ihres vatters wegen / seine eigene sonderbare
feinde waren: als wurde er begierig /sie zu erlangen / und dadurch seinem König
einen so grossen dienst zu erweisen. Deswegen besann er sich nicht länger / was
ihnen zu tun wäre / gienge zu dem wagen der Fürstin von Seir / meldete ihr an /
was sich begeben / und bäte / dass sie ihm möchte erlauben /vor ihrer fortreise
nach Tanac / anstalt zu machen /das seines Königs verwundeter sohn mit dahin
geführet / hingegen die räuber der Prinzessin Aramena verfolget / und ihre beute
ihnen wieder abgenommen werden möchte. Die erschrockene Ahalibama / so bereits
gehöret / dass diese entführung der Aramena ihr Eliser und dessen bruder verübet
/ wusste dem Elon nichtes zu antworten / auser das sie ihme mit dem kopf winkete
/ damit anzudeuten / es würde alles /was ihme gefiele / ihr wille sein. Also
säumete Elon nicht länger / zweihundert Sichemiten / und unter denselben den
Piream / des Stattalters von Tanac sohn / auszuschicken: die der spur / welche
sie noch gar frisch für funden / nachrannten / und keinen fleis spareten / die
flüchtigen zu ereilen.
    Den Prinzen Hemor legeten sie auf einen wagen /zu deme der Salma und der
alte sich setzeten: Die Fürstin Calaride aber / wurde von dem Elon nach den
wagen der Ahalibama geleitet; die er ersuchete / als er ihren stand ihr endecket
/ sie bei sich zu nehmen: dass dann mit solcher höflichkeit / als es die ümstände
wollten zulassen / von ihr verrichtet wurde; und entfiengen / des Elons und des
Stattalters von Tanac gemahlin / nachgehends auch diese Syrerin / ihre grosse
mitbetrübnüs / wegen dieses zugeflossenen unfalls ihr bezeugende. Hierauf nahmen
sie ihren weg /nach Tanac zu. Und ob wohl / der Salma neben des Prinzen anderen
bedienten / wohl wusste / dass ihr herr nicht gerne in seines H. Vattern land
bleiben würde /konnte es doch nun nicht anders sein; und musste die grosse gefahr
/ alle andere betrachtungen bei ihnen nichtig machen. Der Stattalter von Tanac
/ nebst allen leuten der Statt / entfingen die Fürstin Ahalibama aufs
prächtigste: wie ihnen dann solches vom König befohlen war; und wann das unglück
mit dem Prinzen Hemor nicht dazu gestossen / würden sie noch ein mehrers getan
haben. Dieses verursachete bei allen eine betrübnus / und gereichete solches so
weit der Fürstin von Seir mit zum bästen / dass sie ihre grosse traurigkeit nicht
verhelen dorfte. Sie wurde in des Stattalters haus geleget / welches sehr
köstlich für sie zubereitet war. Weil alda sehr viel gelass / als wurde der
verwundete Prinz auch dahin gebracht / und gleich nach seinen wunden von den
wundärzten gesehen: die dann keine tödlich befunden / und nur dem vergossenen
blute / und dem traurigen eiver / alles zuschrieben. Weil sich nun dessen der
Prinz nicht entschlagen kunte / als hielten ihn die ärzte nicht auser gefahr:
deswegen färtigte / der Ober Cämmer Elon / gleich einen eil-boten nach dem König
ab / der des Prinzen zustand / und wie sich der begeben / berichten / und
zugleich der Ahalibama ankunft ihme vermelden sollte.
    Diese trostlose Fürstin sah sich nun nicht so bald allein / da stellete sie
ihr eigentlicher für / was sich heute zugetragen: wie nämlich / ihr geliebter
Fürst /des Stattalters von Syrien tochter / die schöne Aramena / entführet /
und jezt von den Sichemiten verfolget wurde. Wie? (dachte sie in ihr selber) hat
Elieser sein leben gewaget / für Aramena / sie aus den armen ihres ohnzweifel
geliebten Prinzens zu entführen: und lässet mich in der gewalt des Beors / da er
weiss / wie treulich ich ihn liebe? O ihr götter! was soll ich hiervon anders
gedenken / als dass er mein vergessen / und die Prinzessin von Chaldea liebt.
Hierauf hielte sie etwas ein / bracht aber doch bald wieder also heraus: Was /
Elieser! ist das dein treues herz / das sich mir in so viel tausend wegen
erwiesen? ist das jezt ermüdet / eine verlassene zu lieben? was soll ich von dir
denken? Stelle ich mir dein ehmaliges leben für / so finde ich nicht die
geringste anzeigung einiger untreu. Betrachte ich hingegen diese tat / so kann
ich nicht anders schliessen / als dass Ahalibama von dir verlassen worden. Hiemit
ergosse sich ein heisser tränenbach über ihre zarte wangen / und brachte sie
die ganze nacht mit diesem ängstlichem wesen zu: da sie bald ihren Elieser
anklagte / bald entschüldigte. Bald besorgete sie / er möchte gefangen werden:
und wollte doch auch nicht gerne / dass man ihn nicht fünde; well sie ihn bei der
Aramena nicht mit ruhe wissen konnte.
    Regirte aber die eiversucht bei dieser schönen Fürstin / so ware sie noch
viel häftiger bei dem Prinzen Hemor: der die ganze nacht in stätigem rasen
hinbrachte / und den ärzten nicht geringe sorgen machte /dass sein leben sich
noch vor tags enden möchte.
    Kaum aber hatte die sonne den erden-kreis wieder beschienen / da wurde die
Statt und Japhim des Stattalters haus mit diesem geschrei angefüllet / die
Prinzessin Aramena wäre gefunden / auch die räuber mit ihren leuten gefangen.
Diese post erfreuete jederman /stürzte aber Ahalibama von neuem in
unaussprechlichen schrecken: die ihren Elieser nicht kunte gefangen wissen /
sonder tödliche furcht für ihm zu haben; und dachte sie nicht mehr / or er
schüldig / oder unschüldig / sondern nur allein / in was gefahr er schwebete.
Wie sie angekleidet / begabe sie sich an das fenster /so nach der gassen gienge
/ weil sie alda ein getümmel des volkes vernahme: welches zusammen lieffe /die
Prinzessin von Chaldea zu sehen / die der Elon und alle Sichemiten einholeten.
Weil nun diese Prinzessin / auf dess verliebten Hemors begehren / der über die
gute zeitung von ihrer ankunft fast übernatürlich stark geworden war / auch in
des Japhim haus sollte bewirtet werden / als sah die Fürstin von Seir /oben aus
ihrem zimmer / diese wunderschöne Chaldeerin ankommen / welche sie / nicht ohne
eiversucht / in ihrem herzen / preisen musste; und gedachte sie bei ihr selber /
wann ja ihr Elieser unbeständig werden sollen / hätte sie keine würdigere
mitbulerin bekommen können. Sie sah / dass sie / vor dem hause / von des Elons
und des Japhims Gemahlinnen entfangen /und zum öftern von der Syrichen Fürstin
umarmt wurde. Weil aber alles ihr wesen gar betrübt schiene /als ahnte der
Ahalibama / sie wäre mit dieser wiedereinholung nicht zufrieden: verdoppelte
sich also in ihr die eiversucht / dass nämlich ihr Elieser von dieser Prinzessin
geliebt würde. Aber ach! wie so plötzlich verlore oder wenigst verbarge sich
solche bei ihr / als sie einen wagen erblickete / auf welchem der Fürst Elieser
/ ganz erblasset / in den armen seines Waffenträgers lage / und sein bruder
Ephron neben ihm gebunden lasse. Sie waren mit einer grossen Wacht ümgeben / die
gnug zu tun hatten / dem gemeinen Volk zu wehren / dass es nicht diese arme
Fürsten steinigte: so verbitteret wäre der pöbel / über deme was sie an ihrem
Prinzen verübet. Es vergienge der Ahalibama /gleich nach dieser anschauung /
alles was in ihr sinnlich war / und fiele sie in die arme einer ihrer dirnen
zurück: die um hülfe rieffe / und mehr von ihren bedienten zu sich brachte / von
denen sie abgekleidet /und auf ihr bette getragen wurde. Ihr grosses geschrei /
so sie macheten / brachte die Toris / dess Elons Gemahlin / gleich dahin: die /
weil ihr hart vom König befohlen war / auf sie acht zu haben / nicht wenig
erschracke / in solchem zustand sie zufinden / und gleich die ärzte holen liesse
/ welche sie dann durch dienliche mittel wieder zu ihr selber brachten. Als sie
aber / die augen aufschlagend / so viele leute üm sich sah / verbarg sie ihren
schmerzen / so viel ihr möglich / und gabe zuverstehen / dass sie gern möchte
allein sein: welches aber die ärzte nicht wollen zulassen / in Meinung / sie
begehrte zu schlaffen / welches sie ihr sehr schädlich achteten. Weswegen dess
Elons Gemahlin bei ihr bliebe / und / von dieser gefärlichen ruhe sie
abzubringen / allerhand gespräche hervor suchete / ihr die zeit zukürzen:
welches doch ihre marter üm ein grosses mehrete. Doch erdultete sie diesen zwang
/ wiewol sie fast nicht einmal darnach hörete /was ihr fürgesaget wurde.
    Und nicht lange darnach kame die stattalterin von Tanac auch hinein /
welche wegen der Ahalibama unpässlichkeit / sich sehr sorgfältig bezeigete.
Nachdem sie nächst der Toris sich niedergesetzet / huben diese beide Frauen an
/ von der Aramena zu reden /und sagte die Toris: Die Prinzessin von Chaldea
erweiset / wegen ihrer Befreiung / wenig Freude. Es scheinet / sie trage gegen
unserem Prinzen mehr widerwillen / als liebe. Ich bin eurer Meinung /
(antwortete die andere) und kann ich das noch mehr daraus abnehmen / weil ich mit
anhörete / wie sie / als der Prinz sie begrüssen liesse / (der sobald / als wir
sie in ihr zimmer gebracht / den Salma zu ihr geschicket /) dem Gesandten so
kaltsinnig antwortete / dass jederman wohl sehen konnte / wie zuwider ihr dieser
Bot ware. Ich börfte fast auf die gedanken kommen / der Fürst Elieser sei bei
ihr mehr in gnaden: dann sie üm dessen zustand sich gar sorghaft stellen / und
meinen mann inständig bate / die verordnung zutun / dass er wohl möchte in acht
genomen und nit übel gehalten werden. Wie fähig diese worte waren / der
Ahalibama gesundheit wieder zubringe / ist leicht zuermessen; und konnte sie nit
unterlassen / nach ihme zufragen. Die stattalterin antwortete: wie dass er in
einem schlechten zustand wäre / also dass man sehr an seinem leben zweifelte.
Dann weil seine wunden sich in der nacht sehr verkältet / und nit darnach
gesehen worden / als gaben die ärzte wenig hoffnung / dass er könnte wieder
aufkommen. Das ist zuviel / (brache hierauf Ahalibama heraus /) seine untren und
tod zugleich zu erfahren! und machete sie / mit diesen worten / die
stattalterin so bestürzet / da sie nit wusste /was sie sagen sollte. Toris
winkete ihr / und um ein anders gespräch anzufahen / sagte sie: Der König hat
des Prinzen heurat eben nicht zu gerne gesehen / weil er jezt mit dem
Assyrischen hause nicht zum besten stehet; und mich soll verlangen / wie es der
König aufnehmen wird / dass sie allhier in seinem Land ist /da er von ihrer
ankunft nichts gewust hat. Es scheinet auch / (antwortete die stattalterin) dass
der Prinzessin leute lieber zu Debes in des Prinzen lande / als hier /zu sein
wünschen: dann solches konnte ich wohl aus der Calaride reden abnehmen.
    In dem liesse sich Elon anmelden / dieses gespräch störend: welcher /
nachdem er nach der Ahalibama gesundheit gar sorgfältig gefraget / ihr die post
brachte / wie dass der König / gegen den anderen tag / bei jhnen sein würde / das
er gleich jezt von Salem erfahren hätte. Und sezte er hinzu: des Königs
vergnügung / seine Fürstin zusehen / würde um ein grosses durch ihre
unpässlichkeit gemindert werden. Wolte der Himmel / (antwortete die trostlose
Ahalibama /) dass er bald durch meinen tod in seine vormalige ruhe möchte gesetzet
werden / die mein leben ihm und mir benimmet. Da seien die Götter für / (rieffe
der Elon /) und wenden ja dieses unglück von Canaan ab / dass wir die hoffnung /
eine so tugendhafte Königin zuüberkommen / verlieren sollten! Köntet ihr (fuhre
sie fort /etwas ungedultiger) tugendhafte Königinnen lieben /so würde eure
rechtmäsige Königin / die Atis / jezt nicht so billige ursach haben / über eure
ungerechtigkeit zu klagen. Mir stehet nicht an / (gabe er zur antwort) von
grosser Herren handlungen viel zu reden: allein kann ich dieses wohl sagen / dass
mein König keinen bessern tausch treffen können / als er in der person der
vollkommenen Fürstin von Seir getan hat. Ach! saget vielmehr / (antwortete sie)
dass euer König keine wählen können / die seine anmutungen übler ertragen kann /
als mich / die ich unmüglich ein herze lieben kann / das einer andern gehöret;
die ich überdas einmal geliebt habe / und keiner andern neigung mich einraumen
kann. Elon / sich besorgend / er möchte durch weitere anlassung ihr an der
gesundheit schaden / brache dieses gespräche ab; und als er seiner Gemahlin
befohlen / der Fürstin fleissig aufzuwarten /name er wieder seinen abtritt / üm
alles / zu des Königes ankunft / auf dem königlichen Schloss bereitt zu halten.
    Der kranke Elieser unterdessen / befande sich in einem kläglichen zustande:
der wegen des gemütes und leibes schwachheit / also abgenommen hatte / dass sein
leben nur fast allein in seinen gedanken noch lebete. Der bekümmerte Ephron /
der ihm neben seinem Waffenträger / keinen augenblick verliesse / achtete nicht
seine eigene gefahr / sondern war nur bemühet /seinem bruder beizuspringen. Man
hatte sie in ein haus / nicht weit von des Stattalters wohnung geleget / und
waren sie mit einer starken wacht ümgeben / die fast gar in ihrer kammer sie
nicht allein wollte lassen: konnte also Ephron nicht erfahren / wie es der
Ahalibama ergangen / oder wie es sonst zu Tanac stünde; zumal ihre andere
mitgefangene bedienten / in unterschiedene gefängnise verteilt waren. Als nun
Ephron in der höchsten traurigkeit / seines bruders (der noch ohn verstand läge
/ welchen er zwar innerlich /zu vermehrung / seiner pein / vollkommen hatte /
äuserlich aber nicht an den tag geben konnte /) also hütete / da kame einer von
den wundärzten / denen der Elieser anbefohlen worden / hinein / welcher / als er
mit seinen dienern des Fürsten wunden besah / dem Ephron unvermerkt in das ohr
raunete: wie / mein Fürst! kennet ihr euren alten diener nicht mehr? Dieser ton
/ machte dem Fürsten Ephron sich erinnern /dass dieser wundarzt ehmals bei seinem
vatter / als sie noch zu Hebron gewesen / gedienet hätte. Er wurde hierüber sehr
froh / in diesem zustand einen treuen menschen noch anzutreffen; sah ihn
derhalben freundlich an / weil er vor den anderen nicht reden mochte / und
bezeugete mit den gebärden / wie sehr er ihn allein zusprechen verlange. Nachdem
nun dieser wundarzt ursach gesuchet / alle seine diener und die wacht von sich
zuschicken / ümfassete er seinen alten herren mit tränen / und verwiese ihm
dabei / dass sie sich in dieses unglück gestürzet / und was sie doch mit der
Prinzessin von Chaldea zutun hätten? Ephron erzehlte ihm hierauf alles / wie
sie / die Fürstin Ahalibama zuentführen / aus der herrschaft Tapuah /da ihr H.
Vatter stattalter war / von ihren alten getreuen dienern heimlich welche
zusammen geraffet /und bei dem brunnen Arad der Fürstin von Seir aufgepasset:
welcher sie doch verfehlet / und hingegen die Chaldeische Prinzessin bekommen:
die ihnen aber / in der nacht / der Piream / mit zweihuntert Sichemiten
begleitet / nach langem widerstand / wieder abgenommen / und sie selbst gefangen
miteingebracht hätte. Der wundarzt erzehlete hinwiederum / wie dass Ahalibama in
der statt wäre / und zwar gar unpässlich: welches die erfahrung von ihrem
zustande würde verursacht haben. Hiernächst bote er seine treue dienste an /
ihnen in allem beizuspringen / wozu er nur tüchtig sein konnte.
    Dem Fürsten Ephron wäre biss nicht ein geringer Trost / und wurde er noch
mehr erfreuet / als der arzt ihn versicherte / dass er es mit dem Elieser etwas
besser befinde. Dann die natürliche wärme begunte sich wieder einzustellen / und
als ihme der arzt einen starken Balsam beigebracht / wurde er dadurch wieder so
kräftig / dass er die augen aufschluge / und / sich etwas aufrichtend / ümher
sah. Ach mein bruder! (sagte er mit leiser stimme /) wie stehet es üm uns?
haben wir die Ahalibama wieder verloren? ist der Tarsis unser meister
geworden? Nein / mein bruder! (antwortete der Ephron) die sachen stehen viel
anderst / als wir uns gesteren eingebildet / und ist weder deine Ahalibama
ungetreu / noch Tarsis dein mitbuhler. Hierüber seufzete Elieser / als der
solches nicht glaubete / und gar zu gewisse warzeichen von seiner Fürstin untreu
zu haben vermeinte. Ephron aber / als er zuvor von dem arzt bericht genommen /
dass es dem Elieser / in seiner schwachheit viel anzuhören / nit schaden würde /
erzehlete alles / was sich zugetragen / und machte den verliebten Fürsten damit
so erfreut /dass er / ungeachtet er sich in schwerer gefängnis / und die
Ahalibama in der gewalt des Königs sah / sich doch für den glückseligsten der
welt hielte / nun er glauben dorfte / seine Ahalibama wäre ihm noch beständig.
Es täte auch diese plözliche änderung bei ihme mehr wirkung / als alle
vorher-angewandte arzneien / und gabe sein wiedergeheiltes gemüte seine schwache
leibe solche stärke / dass er sich kaum mehr krank zu sein achtete: wiewol der
arzt ihme viel zu rede verbote / und / dass er noch nicht auser gefahr wäre /
ankündigte. Deswegen musste er seine freude zwingen / solche äuserlich nicht an
den tag zu geben: und vergnügte er sich mit seinen gedanken / welche allgemach
ihn in einen süssen schlaff brachten / dessen er / zu erlangung seiner
gesundheit / höchst benötigt ware.
    Der Prinz Hemor / der durch gleichmäsiges mittel in einen ruhigern stand war
gebracht worden / empfunde seine wunden fast nit mehr / als so weit sie ihm
hinterlich waren / seiner Aramenen aufzuwarten. Und ob er wohl von derselben sich
wenig geliebt sah / hatte er doch so grosse hoffnung / es würde nach
vollzogner heurat sich ändern / dass eben dieses ihm nicht viel sorgliche
gedanken machen konnte. Als er /zwar wider den willen des arztes / mit seinen
leuten in ein gespräch sich einliess / musste ihm der Salma erzählen / was gestern
nach seiner verwundung fürgegangen / und wer die rauber der Prinzessin gewesen
waren: davon er wegen seiner schwachheit noch nichts erfahren hatte. Als der
Salma solches verrichtet / erwiese der Prinz nicht eine geringe eiversucht gegen
den Elieser: welches dennoch der Salma ihm aus den sinn spräche / und ihn vor
gewiss versicherte / dass dieser Fürst die Ahalibama von Seir liebete. Die
erinnerung dieser Dame / machte den Prinzen etwas verändert; und solches üm
soviel mehr / als er berichtet wurde / dass sie bei ihm im hause / und dass sein
vatter sie nach Salem holen lieffe. Dieses alles verursachete / dass er auf seine
eigne händel zureden kame / und / diese unbillige liebe seines vatters tadelend
/ die gelegenheit zuüberkommen wünschete / solche zu verhinteren. Er beklagete
folgends / dass er jezt hier zu Tanac krank ligen müste / und durch ungedult
getrieben / wollte er sich nach Debes führen lassen / welches doch wegen seiner
schwachheit unmüglich war. Er besorgete / Aramena würde sich an seinen vatter
hängen / und demselben ihr gelübde / das sie der Göttin Diana zu Ninive getan /
so beweglich fürbringen / dass er ihr beispringen dörfte. Uber alles diss
vermehrete noch sein anligen / als der Salma ihme nicht verschwiege / wie der
König morgendes tages herüber kommen / und ihn besuchen würde. Dann /weil er
wusste / wie er mit dem König stunde / den er das leztemal sehr erzürnet / als er
wider die verstossung seiner frau mutter / der Königin Atis / geredet / und
deswegen auch nach Babel gezogen war: konnte er ihm von dieser besuchung / nichts
gutes vermuten. Also zerbrache er ihme mit allem diesem verwirrten nachsinnen /
den kopf dermassen / dass / als die ärzte wieder zu ihm kamen / sie eine neue
starke hitze bei ihm funden / die auch in ein Fieber ausschluge: dannenhero es /
gegen die nacht / wieder sehr gefährlich mit ihm wurde.
    Die Prinzessin Aramena / musste inzwischen den ganzen tag mit dem
Sichemitischen frauenzimmer zubringen / welche ihr die verdrüslichste
aufwartungen von der welt erwiesen / indem sie ihr hinterlich waren / alleine
ihren elenden zustand zubeklage. Sie sah sich nit sobald / gegen den abend /
von dieser last entlediget / da schüttete sie in gegenwart ihrer vertrautesten
Tirza / alles gegen dem unglück aus / was ihr nur zu erst in den mund kame / und
betrachtete / wie es ihr gestern sich verborgen / und ihr die vergebliche
hoffnung gemacht hatte / durch hülfe des Fürsten von Sepharvaim ihre freiheit
wieder zuerlangen. Sie konnte nicht ersinnen / wo dieser Fürst müste geblieben
sein; und vermeinte sie / wann er noch dazukommen wäre /die Sichemiten sollten
ihrer nicht sein mächtig worden. Weil sie auch von dem Ephron verstanden / dass
die Fürstin Ahalibama von dem König zu Canaan /wider ihren willen / jezt
angehalten würde: als beklagete sie auch deren unglück von herzen / und truge
verlangen / diese ihre nahe wase / von der sie so viel gutes gehöret / zu
kennen; weswegen sie / den folgenden tag sie zubesuchen / ihr fürname. Also
wurde die antretende nacht / die sonst zur ruhe bestimmet ist /von allen hohen
personen / die damals in Tanac ware / unruhig zu end gebracht; und gebare der
folgende morgen neue sorgen / weil ein jedes / jemehr die gedanken und sinne
sich zuerholen zeit genomen / reiffer und bässer seinen verwirrten zustand
überlegete. Weil aber die Prinzessin Aramena gross verlangen truge / die Fürstin
von Seir zusehen / als liesse sie sich durch die Tirza bei ihr anmelden. Der
guten Ahalibama / ware diss eine harte anfechtung / weil sie diese Prinzessin
noch für ihre mitbuhlerin hielte: sie dorfte aber diese ehre nicht ausschlagen /
und musste solches annehmen.
    Also kame diese wunderschöne Prinzessin / in begleitung der Fürstin von
Naema und ihres frauenzimmers / zu Ahalibama in die kammer für ihr bette /
dessen sie / wegen ihrer durch so viele bekummernus zugestossenen schwachheit /
hüten musste / und ümarmete sie mit so holdseligen gebärde / dass selbige sie lieb
zugewinnen / nicht ümhin konnte / wie grosse ursach sie auch / dieselbe zu hassen
/ ihr einbildete. Verursachete aber der Aramena schönheit / eine unruhige
hochaltung bei der Fürstin von Seir: so betrachtete diese hingegen / mit desto
ruhigerem wesen / die annemlichkeit der liebreichen Ahalibama / die weder der
gram noch die krankheit also bei ihr austilgen können / dass sie sich nicht
gewaltig spüren lassen. Ich muss in warheit gestehen (fienge die Chaldeische
Prinzessin an / nachdem die erste begrüssungen von beiden teilen abgeleget
worden /) dass der König von Canaan nicht übel gewehlet / und dass dieser herr wohl
weiss zuurteilen / wem die kronen gebüren. Meine base (antwortete Ahalibama /
und wurde etwas berötet /) wird viel billiger sagen können / dass jederman /der
sie liebt / solches zu tun / hohe rechtmäsige ursachen habe; und dass ihre
wunderschönheit kräftig sei / nicht so wohl den Prinzen von Sichem / als alle
menschen / zu ihren sclaven zumachen. Ich wünsche so wenig dieses Glück / (sagte
Aramena darwider) als unerträglich es mir fället / damit beschweret zu werden;
und wird weder der Prinz von Sichem / noch jemand in der welt / mich von dem /
was ich einig und allein zulieben fähig bin / abwendig machen. Den fürsatz /
(erwiderte Ahalibama) in meiner liebe beständig zubleiben / sollte auch gar der
tod nicht aufheben /wann dessen ein unbeständiger wehrt wäre. Doch wird / dessen
unerachtet / die krone keinen glanz für mich haben / weil sie mir der Beor geben
will. Diese worte sagte sie mit einem angenemen eiver / der auch darbei die
tränen ihr aus den augen lockete / also /dass Aramena / ungeachtet sie
dieselbige nicht recht verstunde / doch zu mitleiden bewogen wurde. Die Fürstin
von Naema / die des Königs von Assyrien seite hielte / fiele ihr bei in ihre
erweisenden widerwillen gegen den Beor / und sagte: wie dass ihre weltbekante
tugend / auch hierinnen / billiges lob am Assyrischen hofe erlanget hätte / da
man nicht genug preisen können den mehr als männlichen widerstand /den sie in
ausschlagung der Sichemitischen krone erwiesen: und hätte die Königin Atis
selber / ungeachtet sie ihre mitbuhlerin wäre / ihr lob nicht gnug ausbreiten
können. Dieses ist eine ungemeine grossmut /(gabe Ahalibama zur antwort /) welche
von der Königin Atis zu lernen / man wohl befuget sein möchte.
    Aramena so wenig / als die Calaride / verstunden diese stichelhafte reden /
mit welchen zweifelsohn diese eiversichtige Fürstin sich noch mehr würde
herausgelassen haben: wann nicht die Toris / und die stattalterin von Tanac /
wären dazugekommen / das dann anlass gabe / von anderen dingen zu reden. Die
Toris sagete / wie dass der Prinz Hemor diese nacht sehr unpass gewesen wäre; und
weil er sehr verlangete / die Prinzessin Aramena zu sehen / möchte sie sich doch
so gütig erweisen / und mit ihrer schönen gegenwart ihres Prinzen wunden heilen
helfen. Aramena entfärbete sich auf dieses anmuten über die massen /und wandte
darwider ein: Es neme sie wunder / da der Prinz ihren sinn so wohl kenne / dass
er etwas begehren dörfte / so ihme mehr zur marter / als ruhe / gedeien könnte;
dann / weil er so halsstarrig fortführe / sie mit seiner liebe zu verfolgen / als
vermögte sie nichts fürzubringen / dass ihm angenem sein könnte. Demnach wollte sie
lieber dieser besuchung überhoben sein / als neue ursach zu des Prinzen ungemach
geben. Über diese freie worte / wurden sie alle im zimmer bestürzet / sonderlich
Calaride / die gewünschet / da sich Aramena vor den Sichemitischen
frauenspersonen mehr gescheuet hätte. Und diese / einen scherz daraus zumachen /
sagte: Sie versichere sich von der Prinzessin Aramena / dass sie anderst gedenke
/ als sie rede / und einem Prinzen / der ihrentwegen also verwundet worden /
ihre besuchung aus höflichkeit nicht versagen würde. Nachdem sie bald hernach
von der Ahalibama abschied genommen / redete ihr Calaride stark zu: der sie dann
/ aus ehrerbietung /weil sie ihr von ihrer Mutter mitgegeben worden /nicht
widerstreiten dörfen. Doch waren ihr die augen nicht so gehorsam / wie der mund:
die ihres herzens misfallen / durch heisse zähren / gnug an den tag gaben. Weil
sie aber / als eine gefangene / ihr alles musste gefallen lassen: als liesse sie
sich / vom alten Tebah / der mit ihr aus Syrien gekommen war / nach des Prinzen
zimmer führen.
    Dieser Prinz / so schwach er war / name dennoch einen lebendigern blick in
seine augen / und hube /mit hülfe des Salma / sein mattes haupt empor / ihr für
diese ehr-erweisung zu danken. Sie aber / sagte zu ihm: Ich komme / Prinz von
Sichem! Auf euren befehl; dem ich gehorchen muss / weil ich eure gefangene bin.
Schöne Prinzessin! (antwortete er) saget vielmehr und billiger / dass ihr zu
eurem gefangenen komet / den eure wunderschönheit gefässelt / und der nie
seeliger sich achten wird / als seinen gehorsam euch zuerweisen. Stünde es sowol
bei mir / (sagte sie /) euch eurer bande los zu lassen / als leicht ihr mir
meine freiheit / wann ihr nur selber wollet / wieder geben könnet / so soltet
ihr euch gleich wieder frei sehen. Handelt darum eben so grossmütig mit mir /und
haltet mich nicht länger so vergeblich in eurer haft / womit ihr doch nichtes
anders / als euch und mir marter / gewinnet. Ach grausame Aramena! (gabe der
verliebte Hemor zur antwort /) wie lang soll doch dieses felsenherz dauern? Ihr
wisset ja / mit was recht ihr allhier bei mir seit / und worzu euch eure eltern
bestimmet. Meine eltern / (antwortete die Prinzessin) können mir nichtes
gebieten / zuwider deme / das mir vorhin die grossen götter anderweit geboten.
Ihr wisset / dass ich der Diana gehöre: hütet euch den göttern das ihrige
zurauben / und bildet euch nicht ein / dass ich euch habe gegeben werden / da
keine menschliche macht mehr über mich gebieten / köñen. Ach liebste Prinzessin!
(sagte er) die götter haben euch vil zu schön geschaffe / als dass ihr nit in der
welt soltet angebetet werden: und hoffe ich / dass diese strenge Entschliessung
sich noch änderen solle. Niemals (antwortete sie /) werde ich mich änderen. Und
niemals (fiele er ihr ins wort /) werde ich aufhören können / du
unvergleichliche Aramena zu lieben. Wolan dann! (sagte sie / etwas entrüstet /)
so lasset uns versuchen / wer in seinem vorsatz gewinnen wird! Ein jeder bleibe
bei seinem schluss / bis die götter den gerechtesten erfüllen. Und weil mein
jetziges unglück von ihrer hand kommet / will ich es mit gedult aufnemen / und
ihrer gewissen rettung mich getrösten. Hiemit rieffe sie die Calaride / dass die
dem Prinzen auch zusprechen möchte / und sie gesellete sich zu dem Elon: der dann
/so wohl als die anderen / ungeachtet sie ihre worte nicht hören können / die
misvergnügung ihres gespräches an beiden vermerkte. Also hatte / diese besuchung
der Prinzessin / zu nichtes mehr genutzet / als dass der Prinz das fieber
alsobald wieder bekame /welches die ärzte erst gegen abend vermutet hatten: und
musste sie derentwegen ihn desto eher verlassen.
    So willig nun die Aramena aus seiner gesellschaft schiede / so gross
verlangen truge sie / nach eingenommenem mittagsmal / die angeneme Ahalibama
wieder zusehen. Dann weil sie ihrer beider geschicke so überein befunde / indem
sie von dem sohn / jene aber von dem vatter / verfolget wurden: als konnte sie
auch keine liebere gesellschaft wählen. Sie musste aber doch / selbigen
nachmittag / deren entbären / weil ihr angebracht worden / wie dass sie
zugeschlaffen wäre: welches aber Ahalibama nur so fürwenden lassen / üm allein
zubleiben / weil ihr unmüglich fiele / diejenige so oft üm sich zusehen / die
ihr den getreuesten liebhaber unbeständig gemacht hätte; die sie aber doch / so
grosser ursach sie auch / selbige zu hassen / sich beredete / wegen ihrer
fürtrefflichkeit lieben musste. Sie ware aber in ihrer irrigen einbildung so fäst
gegründet / das Astale ihre vertrauteste dirne / deren sie ihr ganzes herz
offenbarete / ihr hierinn keine widersprach tun dorfte. Es kamen auch alle
reden / die Aramena gegen ihr geführet / mit diesem irrwahn so schicklich
überein / dass sie gar zu guten fug / den Elieser zu hassen / zuhaben vermeinte.
Weil aber dieses sehr schwer zugienge / als ware auch ihre marter üm so viel
heftiger und grösser. Betrachtete sie dann der Aramena seltne schönheit / so
kunte dieselbe sie leicht überrede / Elieser wäre dadurch bezauberet worden /
und hätte einem solchen glanz nicht wiederstand tun können. Und zu solchem
liebewechsel /vermeinte sie / habe er üm so viel eher durch ihre schönheit sich
bewegen lassen / weil sie / die Ahalibama aus des Beors gewalt zureissen / für
unmüglich erachtet. Fiele ihr dann / zum überfluss / des Eliesers elender zustand
ein / darin sie ihn gestern gesehen /so kunte sie sich der tränen nicht
erwehren: da sie dann auf sich selbst zornig wurde / dass sie noch so viel
mitleiden für den jenigen in sich befinde / der ihrer nicht mehr achtete.
    Solchergestalt brachte sie die elende stunden hin /als man ihr ansagete /
wie dass der König von Canaan in die statt käme. Diese zeitung vermehrete
dermassen ihr leiden / dass sie die erbärmlichsten klagen wider ihr geschicke
ausschüttete / und in solcher beschaffenheit ihr tausendmal den tod wünschete.
Weil der König für ihrem haus musste überziehen / als fand er ihr frauene zimmer
am fenster: da er dann nicht unterliesse / seine verliebte äugen hinaufzuschlagen
/ weil ihme Elon / wie sie droben merken konten / das gemach gezeiget hatte. Der
Prinz lage in schwerem fieber / als der König kame: dass der darum / ihn
zubesuchen / bis auf den andern tag versparen musste. Nachdem er auf das schloss
gekommen / und in sein gemach eingetreten war / musste Elon / und Tahas sein
geheimer raht / allein bei ihme verbleiben: mit denen er überlegte / was sich
begeben / und wie man darin verfahren müste. Die anwesenheit des Prinzen /
machte ihn sehr unruhig / der seine liebe bei der Ahalibama hinterte / auch vom
volke / und sonderlich von denen aus Tanac / sehr geliebt wurde / und
dannenher wohl fähig war / einige unruhe aufzurühren. Dieser wegen ware auch der
König fürnemlich angekommen / um mit seiner gegenwart zuverwehren / dass nicht
Ahalibama durch des Prinzen beistand / wie ehemals / ihm entgehe möchte. Doch
täte die natürliche liebe hierbei auch das ihrige / weil Hemor der einige
Kronprinz war / und dessen schwacher zustand ihm das herz gerühret. Die gröste
ursach aber seiner verwirrung / war Ahalibama selber / die er zusehe nitlänger
aufschieben können / und doch nit wohl / bei diesen umständen / sie von Tanac
mögen abholen lassen: Weil / da der Prinz so krank lage / ihm jederman würde
verarget haben / wann er eher die liebste / als seinen Kron-erben hätte sprechen
wollen. Das beginnen seines von ihr geliebten mitbulers / des Eliesers /kame ihm
darauf auch zu gedanken / welches ihme der Elon ümständlich erzählen musste; und
argwähnte er / als ein eiverstüchtiger liebhaber / die warheit /dass nämlich
Elieser diesen anschlag würde auf die Ahalibama gemachet / und derselbigen
verfehlet haben. Sonsten erfreuete er sich / dass dieser Fürst in seinen händen
ware; und sparete Elon nichts / ihre tat dem König frefelhaft fürzustellen:
damit er sich an ihnen / wegen seines hasses zu ihrem vatter / rächen könnte. Es
wäre auch / das ergrimte gemüt des Königs / zu einer gewalttätigkeit wider
diese arme Fürsten leichtlich zubereden gewesen / wann nit der Tahas ihn ein
wenig wieder begütiget hätte / der ihme fürgestellet / wie dass sie ja seines
halbbruders söhne / folgbar die nächsten nach der Cron wären /und man also ihre
tat anderst bestraffen müste / als mit dem leben / welches sich hier nicht tun
liesse; zumal da ihre mutter des Fürsten Ana schwester wäre / dessen tochter /
die schöne Ahalibama / er von ihnen anjezt zur ehe begehrete. Wie nun diss und
anders zwischen dem König und seinen beiden vertrautesten rähten war abgeredet
und der schluss gefasset worden /dass man / durch grosses liebkosen / den Prinzen
/ die seite von seiner mutter zuverlassen / und der heurat mit der Ahalibama
nicht mehr zu widersprechen /möglichst gewinnen sollte / begabe sich der König
/nach eingenommenem abendessen / zur ruhe: weil er von der reise müd ware / auch
damit er folgenden tags üm so viel wachsamer sein möchte / seiner schönsten
Ahalibama aufzuwarten.
    Genosse aber dieser verliebter König der ruhe / so ware hingegen der Fürst
Elieser üm so viel unruhiger. Er war des Königs ankunft nicht sobald innen
worden / da stellte er ihm für / wie schädlich dieser mächtige mitbuler ihme
sein könnte. Er verlangete auch so heftig / von seiner Ahalibama etwas zu
erfahren / dass er seinen bruder dahin beredete / durch hülfe ihres getreuen
arztes aus der gefängnis zu der Fürstin zu gehen / und mit derselben von ihrem
zustand sich zu unterreden. So gefärlich nun dieses für sie war / so leicht
machete es dennoch die liebe Eliesers / die freundschaft Ephrons / und die treue
dess wundarztes. Dieser lezte / nach langgepflogenem raht / schluge ihnen für /
sie sollten / sobald ihre wacht eingeschlaffen / ihn ruffen lassen / als wann es
mit dem Elieser gar gefärlich stünde: so wollte er sich bei den Prinzen von
Sichem befinden / bei deme alle nächte zween ärzte die wacht hielten / und einen
treuen verschwiegnen diener mitbringen / in dessen kleidung der Ephron sich
verstellen / den diener an seine stelle da lassen / mit ihnen in des
Stattalters haus / bei bedienung der dunklen nacht / fortkommen / und eben also
wieder zurück gehen sollte. Dieser anschlag gefiele ihnen sehr wohl / und / üm
gehör bei der Fürstin zuerlangen / sollte ihn der arzt der Astale an melden / als
die ihrer Fürstin vertrauteste ware. Der arzt suchete /solches zuverrichten /
gelegenheit / und erlangte solche alsobald / indeme ihm die Astale vor der
Kammer begegnete. Er brachte ihr mit kurzen worten sein gewerbe an / und trauete
sie ihm in seinen reden üm so viel eher / weil sie ihn vor diesem in des Fürsten
Beri haus gekennt hatte; name also mit Freuden dieses gewerbe über sich: als von
welchem sie wusste / dass es ein mittel wäre / ihre Fürstin / von ihrer
schmerzlichen eiversucht und der daraus entstandenen unpässlichkeit / zubefreien.
    Wie nun Ahalibama von aller gesellschaft allein gelassen war / und gleich
zur ruhe sich begeben wollte / kame Astale zu ihr / und sah so erfreuet aus /
dass Ahalibama sie gleich fragete: woher ihr die freude entstehen könnte? Wann ich
(hube sie hierauf an /) des Fürste Eliesers unschuld dartun kann / darf ich
alsdann ein gutes botenbrod hoffen? Ach Astale! (antwortete jene seufzend) das
wird dir schwer fallen. Nein / gnädigste Fürstin! (sagte die andere) es soll mir
ganz leicht sein / wann ich den bruder des getreuen Eliesers hiemit anmelde: der
seines bruders unschuld persönlich darzutun / und seine treue zu erweisen /
gehör begehret. Hierauf / sonderer wartung der antwort / erzehlte sie der
Fürstin / wie der wundarzt dem Ephron dazu verhelfen wollte: und ware die
Ahalibama so unschlüssig / dass sie lang nicht wusste /was sie tun sollte. Die
hoffnung / aus Ephrons munde ihren Elieser unschuldig zu hören / triebe sie so
heftig / als fürhin die eiversucht sie gequälet / dass sie ihn wollte kommen
lassen. Die sorge aber / es möchte vielleicht der Ephron seinen bruder wollen
entschuldigen / dass er sie auf seines vatters befehl verlassen müssen / hielte
sie wieder zurucke. Auch der übelstand / einen mann bei nacht heimlich in ihrer
kammer zusprechen / ware dieser besuchung so entgegen /dass sie es endlich der
Astale ganz abschlüge. Die jungfrau / brachte dem arzte diese traurige antwort
zurücke; der dann Eliesers wegen sehr bekümmert wurde / und zu Astale sagte:
dieses würde des guten Fürsten tod befördern / und bei ihm die gewisse
einbildung erwecken / er sei von der Fürstin verlassen. Diese worte / die vor
der Ahalibama kammertür gesprochen / und von ihr darin gehöret worden /
giengen ihr also zu herzen / dass sie der Astale wieder hinein rieffe / und
fragete / was der arzt gesagt hätte? welches sie doch bereits gehöret hatte. Wie
nun Astale solches / und zwar gar beweglich / wiederholet /änderte sie / wiewol
nach langen widerstand / ihre erste Meinung / und verwilligte / dass Ephron
kommen möchte: doch sollte der arzt und ihre kammerfrau / mit der Astale / dabei
sein: damit sie künftig vor allen widrigen urteilen befreit leben möchte. Sie
ware auch so begierig / und erfreut / ihres Fürsten unschuld zuerfahren / dass
alle andere sorgen bei ihr sich verloren / und sie nur nach Ephrons ankunft ein
herzliches verlangen schöpfete. Als hierauf der arzt mit seinem diener alles
abgeredet / begabe er sich in des Prinzen Hemors gemach / und wartete al da /
bis er möchte beruffen werden. Solches verzoge sich nicht lange /weil die
begierde des verliebten Eliesers so gross war /dass er kaum warten kunte / bis
ihre wacht sich von ihnen begeben; und sah er mit so frischen augen den Arzt
ankommen / dass der lachend zu ihm sagte: Er müsse sich kränker anstellen / wann
er seiner hülfe benötigt sein wollte. Hierauf meldete er ihm an / wie dass
Ahalibama seinen bruder zusprechen verlangete. So gehe dann hin / liebster
bruder! (sagte der erfreute Elieser /) berichte der himlischen Ahalibama meinen
zustand / und rede alles mit ihr ab / was du meiner liebe nütz und dienlich
befinden wirst. Sage ihr / wie ich meine jetzige wunden üm nichts anders willen
beklage / als dass ich die / in ihrer befreiung / nicht empfangen; und dass allein
diese mich hintern / auf mittel zugedenken / sie aus des Königs von Canaan
händen zu erlösen. Erzehle ihr meine gehabte eiversucht / und wie ich nicht
zutrösten gewesen / als ich in dem wahn geschwebet / sie hätte mich üm den
unbekanten Tarsis verlassen; und vermelde ihr alles / was ich geredt und getan
/ seit dem ich sie nicht gesehen.
    Hiermit stellte er ihm auch etliche reimen zu / welche er diesen tag bei
sich verfasset / solche der Ahalibama zugleich mit einzuhändigen; die dann also
lauteten:
Ich lig' / um euch / an dreien wunden wund.
Zwo sind mir lieb. Die erst' habt ihr geschlagen /
als eure zier zu sehn mir war vergunt.
die zweite mich / vor euch / der feind macht tragen.
Die sind mir lieb. Nur eine / ist mein schmerz?
Eur' untreu schlägt die dritte / zu den beeden.
Es soll üm euch / gern leiden leib und herz:
nur wollet mich nicht mit der lezten töden.
Diss nur mich quält / was meine treu verwundt.
Bleibt eure treu: so bin ich ganz gesund.
    Unter diesen seines bruders reden / verkleidete sich Ephron / und nachdem er
/ alles auf das fleissigste auszurichten / ihm versprochen / auch den diener
neben Eliesers waffenträger bei ihm gelassen: gienge er dem arzt nach / der ihn
unerkannt durch die wacht in Japhims haus führte / und mit ihm unverzüglich nach
der Ahalibama kammer zueilete.
    Weil sie dahin gehend / das gemach fürbei giengen / darin die Fürstin
Toris lage / als ward er / von einer ihrer dirnen / ersehen. Selbige / ihr
einbildend /dieses späte besuchen zeige der Fürstin von Seir grosse
unpässlichkeit an / berichtete solches ihrer schon-schlaffenden frauen: die dann
gleich erschrocken sich aus dem bette machte / und ihre kleider überwurfe /üm
zusehen / wie es der Ahalibama ergienge. Ehe sie aber damit färtig war / hatte
Ahalibama Ephron schon empfangen / und erzehleten sie einander / mit der
höchsten vergnügung / die eiversüchtige gedanken /die so wohl sie / als sein
bruder / eines von dem andern gefasset hätten. Ahalibama wurde / durch Ephrons
weitläuftige erzehlung und die überreichte zeilen /ganz von ihrem irrigen wahn
geheilet / und erweckte solches bei ihr so unbeschreibliche vergnügung / dass sie
/ ihr anderes elend zubeherzigen / ganz vergasse. Sie gabe dem Ephron / tausend
versicherungen / vor seinen bruder / ihrer beständigkeit: mit der vermahnung /
er sollte jezt allein auf seine gesundheit gedenken / damit sie hoffen könnte /
durch ihn erlöset zuwerden. Indem sie also spracheten / und der arzt mit der
Astale und Cammerfrauen / etwas von ihnen abgesondert / beisammen stunden /
trate unvermutlich die Toris hinein: darüber sie dann alle sich entsetzeten
/und Ephron nicht wusste / was er beginnen sollte. Diese Fürstin sah ihn gleich
für einen andern an / als er fürstellete / und nahe auf ihn zutrettend / weil er
nit ausweichen konnte / schauete sie ihm genau ins gesicht / und erkannte ihn vor
den / der er ware. Hierauf etliche schritte zurück trettend / rieffe sie / die
hände zusammenschlagend: welche verräterei ist dieses! Wie! ist der gefangene
Ephron / in verstellten kleidern / bei der Fürstin von Seir? Bestürzet hierob
nicht zusehr! (sagte Ephron) dann es ja nichts unverantwortliches ist / dass ich
die Fürstin von Seir / meine base / besuche. Sie aber / sonder ihm zu antworten
/ liefe gleich nach ihren gemahl in die kammer / und machete alles wach im haus
mit ihrem geschrei. Ephron der inzwischen die pforte erreichet / hielte für sich
und seinen bruder nutzlicher / wann er könnte entrinnen / als wann er sich
gutwillig wieder liesse gefangen nehmen: weil doch nun alles verraten ware / und
man ihn / nach diesem handel / nicht mehr bei seinem bruder lassen würde.
Deswegen sprunge er in geschwinder eile auf die straffen / und kame also davon:
dass des statalters und Elons leute / als sie ihn zu sahen herfür kamen /ihn
nirgend mehr finden konten.
    Die halbtodte Ahalibama war so bestürzt / dass ihr fast alle sinne vergiengen
/ und hatte sie sich wenig augenblicke vergnügt gesehen / da dieses neue leid
angienge. Der arzt erwiese noch solche treu dem Elieser / dass er zuvor / ehe man
auf ihn greifen kunte / es wagete / und zu ihm gehend / ihn berichtete / wie dass
zwar seine Ahalibama ihn noch beständig liebe / ihr anschlag aber so unglücklich
abgelaufen wäre. Ach weh! (sagte hierauf Elieser /) so muss mir dann jezt alles
zuwider sein / was ich nur beginne? Muss dieses unglück zu meinem andern leiden
noch hinzu kommen / dass ich nun / in dieser meiner noht / meinen bruder entbären
muss / der allemal mein einiger trost gewesen? Hiermit name er gar betrübt und
bestürzt abschied / von dem getreuen arzte: welcher wohl vermutete / dass man ihm
nachstellen würde / und daher das sicherste / nämlich die flucht / ergreifen
musste; wiewol er gar kläglich täte / dass er den Fürsten Elieser in diesem
zustande verlassen / und ihme keine weitere dienste leisten sollte. Er wagete es
mit seinem diener / den er / für seine treue / nicht in noht lassen wollte / und
kame mit ihm durch die wacht: welche /als sie des arztes stimm hörete / ihn
ungefraget / und sonder argwahn / fortgehen liesse. Am folgenden morgen aber
erkenneten sie / wiewol spat / wie sie betrogen worden: dann sie den Ephron beim
Elieser nicht funden / und / als sie das dem Japhim anmeldeten /hierum zur
vergeltung in schwere eisen geschlagen /und dem Elieser eine andere und zwar
doppelte wacht zugegeben wurde.
    Dieser handel kame bald für den König / der dann sich hierüber sehr
entrüstend / den Ephron und wundarzt aufs fleissigste suchen und verfolgen
liesse. Als er auch erfahren / wie dass sein sohn in dem stand wäre / von ihm
besuchet zuwerden / begabe er sich nachmittags in des Stattalters haus: und
wurde vatter und sohn nicht wenig erändert / als sie einander wieder zusehen
bekamen. Wie steht es / mein sohn! (redete ihn der Beor an / als er sich für
sein bette gesetzet /) es ist mir leid / durch einen so unverhofften zufall dich
in diesem zustand zufinden. Ich bin / (antwortete Hemor) wegen einer so edlen
ursach / darein geraten / dass ich die wunden mit ehren trage: allermeist / da
sie mir die gnade erwerben / E. Maj. gegenwart zugeniessen. Diese worte / mit
welchen der Prinz auf die Aramena deutete / dass er nämlich dieselbe für die
edele ursach seiner wunden hielte / zoge der König auf die Ahalibama / wurde
also etwas entfärbet / und sagte: die gegenwart der Fürstin von Seir / wird es
nicht allein sein / die mich meiner natürlichen liebe erinnere / da ich ohne das
wohl weis / was ich hierinn tun soll; und darf ich / diese schöne zubesuchen /
gar keinen anderen fürwand / als meinen eigenen willen. Der Prinz / hieraus
merkend / wie ihn der König unrecht verstanden / wollte sich bässer erklären /
sagte demnach: E. Maj. vergeben mir / wann ich sage / dass sie meine worte nicht
recht eingenommen. Ich habe die Fürstin von Seir nicht gemeinet / sondern die
Prinzessin von Chaldea / deren liebesfeur E. Maj. ja gut heisen werden / wann
sie die kraft der liebe recht erkennen / und das hohe haus / daraus sie
entsprossen /betrachten wollen. Mit diesen worten / wurde der Konig von neuem
beleidiget: weil er gedachte / sein sohn erwähnte darüm des hohen hauses / üm
ihn zuerinneren / was die Assyrische macht / deren König er /in verstossung der
Atis / sehr beleidiget / auf sich hätte / und wie man dieselbe fürchten müste.
Doch zwunge er sich / so viel müglich / dieses nicht recht zubeantworten / und
sagte nur allein: Es wäre jezt nicht zeit / da er so unpässlich / von etwas
anders / als von seiner gesundheit / zu reden. Damit rieffe er dem leibarzt:
welcher mit darein reden / und also fernere widrige gespräche verhintern musste.
    Nachdem er eine weile bei dem Prinzen geblieben war / gienge er von ihm nach
der Ahalibama: welche wegen der unglücklichen begebenheit mit dem Ephron / so
übel zu dieser königlichen besuchung geschickt war / dass sie wohl wünschen mögen
/ sie wäre nachgeblieben. Doch fand sie der König so schön / ungeacht ihr nicht
wohl war / dass er / wen er es nicht schon völlig gewesen wäre / von neuem wäre
verliebt worden. Ich komme / schöne Ahalibama! (sagte er zu ihr) wegen eurer
zugestossenen unpässlichkeit mich zuerkunden / und in der hoffnung / euch so
gütig als schön zufinden / üm einmal einen freundlichen anblick von euch
zuerlangen / zur vergeltung der vielen sauren blicke / die ihr nur allstäts
gewiesen. Ich bin so untüchtig / (antwortete sie) mich zu ändern / dass nur mein
tod solches tun kann. Vermag ich aber E. Maj. nicht anzusehen / wie sie es
begehren / so bin ich doch befliessen / E. Maj. mit solcher gebürenden
ehrerbietung zubegegnen / als mir anständig ist / und werde ich / als E. Maj.
dienerin / in solcher schuldigkeit jederzeit verharren. Diese eure unnötige
höflichkeit / (sagte der König) beleidiget mich mehr / als sie mir behaget / und
ich erfordere von euch keine ehrerbietung einer untertanin / sondern die liebe
einer Königin / zu der ich euch bestimmet / und die ihr schon fürlängst in
meinem herzen gewesen seit. Ach ich arme gefangene / (antwortete sie) sehe mich
ja so weit entfernet von Königlicher macht / das ich eher die sitten einer
sclavin annehmen und lernen muss / um mich gedultig in diese meine bande
zufinden. Ich habe darum / (antwortete der König /) von Sichem euch holen lassen
/ üm zu Salem euch zur Königin von Canaan zu krönen. E. Maj. sage vielmehr /
(widerholete Ahalibama) dass sie gesinnet / mich völlig zu einer sclavin
zumachen. Ach Ahalibama! (gabe der verliebte Beor zur antwort /) wie möget ihr
mich doch also quälen? Ihr seit ja bei mir ganz frei / und habet alle macht über
mich und mein ganzes land: wie möget ihr dann sagen / dass man euch einer sclavin
gleich halte? Wollen E. Maj. (sagte sie) das ich diesen worten trauen dörfe / so
geben sie mir meine freiheit wieder / und erlauben mir zu meinen eltern zu
ziehen / denen sie mich so unbillig vorentalten: alsdan will ich sagen /dass ich
in meiner einbildung geirret / und dass E. Maj. der gütigste und gerechteste
König von der welt sei. Wann ihr (antwortete er) die Sichemitische kron nun
tragen werdet / wird euch das gebirge Seir ja so gerne und lieber in Königlicher
würde begrüssen / als jezt /da die vollziehung dieser euch zuerkanten hoheit
noch nicht geschehen ist. E. Maj. (gabe sie zur antwort) behalten ihre kron! Ich
begehre keine von dessen hand /der die gegebenen kronen wieder nehmen kann / wann
es ihm beliebet. Vielleicht (antwortete er / entrüstet) wäre euch von dem
Elieser die kron lieber / als von dem Beor? E. Maj. (sagte sie beherzt dawider)
wissen wohl / dass ich diesem Fürsten verlängst versprochen worden / und dass ich
ihn sonder krone beständig lieben werde. Das heutige nachtgespräche / (sprach er
/ganz erhitzet /) wird von erlangung dieser kron ohne zweifel gehandelt haben.
Ich truge dessen keinen schen / (antwortete sie / mit unerschrockenem muht /) da
der himmel mir die gelegenheit gewiesen / den jenigen zu sprechen / den ich als
meinen schwager und bruder halte; und war der inhalt dieses gespräches so weit
entfernet von der begierde / nach kronen zutrachten / dass ich keine reu darf
bezeugen / noch schamröte annemen / üm willen ich dieses zugelassen. Ihr habt
wohl getan / (sagte er mit hönischem zorn /) dass ihr der gelegenheit gebrauchet.
Vielleicht aber wird sie euch nimmer wieder werden / und eure grosse liebe zu
dem Elieser dörfte ihm den hals kosten. Wann ich ihn anderst nicht soll lebend
sehen / (gabe sie zur antwort) als das er mir oder ich ihm unbeständig werde /so
will ich lieber seinen tod sehen / und seind wir beide in E. Maj. händen: der
heutige tag wird so gut sein / als der morgende / uns das leben zu nemen.
    Dieses sagte sie laut / dass es alle im Gemach höreten: und wäre dem König
mit dieser ansprache so wenig gedienet / dass er ganz übel zufrieden und
verwirret von ihr schiede. Und weil er die Prinzessin von Chaldea auch sprechen
wolle / als hatte er grosse mühe / sein verstelltes gesicht wieder in rechtes
geschick zubringen. Er funde / neben seinen Sichemiten / diese Prinzessin so
schön und annemlich / dass nur das Assyrische haus / daraus sie entsprossen /
einen kleinen widerwillen / sie hoch zu achten / bei ihme verursachet. Aber
Aramena name die zeit in acht / und weil sie den König zu dieser heurat mit
seinem sohn ungeneigt wusste / fassete sie einen muht / ihn um ihre freiheit /
und dass seiner Königlichen gewalt sich gebrauchend / seinen sohn von der
unbilligkeit / die er ihr erwiese / abhalten wollte / indem sie / zuwider ihrem
willen / und dem gelübde / dass sie einmal der Diana getan / von ihm angehalten
würde. Dieses brachte sie so beweglich vor / dass der König ihr seinen beistand
versprache. Nachdem er hierauf wieder von ihr geschieden / musste sie / von der
Calaride und dem alten Tebah / ihr solches sehr verweisen lassen: als welche
die heurat zwischen ihr und den Prinzen inständig wünscheten. Es halfe aber bei
der Aramena nicht einige ursach / sie zur liebe gegen dem Prinzen zubezwingen:
weil sie sich für eine geheiligte jungfrau der göttin Diana hielte.
    Der kluge Tebah sah wohl / dass er andere mittel ergreifen müste / zu diesen
zweck zugelangen / der so viele heilsame dinge nach sich ziehen würde. Demnach
begabe er sich / sobald er gelegenheit hatte / zu den Prinzen / welchen er in
sehr unruhigen gedanken funde; und meldete ihm an / weil er solches ihm zuwissen
nutzlich erachtete / was Aramena von dem König gebetten / und was der ihr
versprochen hatte. Hierauf gabe er ihm den raht / dass er öffentlich / über die
heurat des Königs mit der Fürstin von Seir / sich beschweren / und die ältesten
der statt Tanac kommen lassen sollte / seine klage dem König vorzutragen:
dadurch könnte er zuwegen bringen / dass selbiger / üm ihn zu frieden zu stellen /
eher die heurat mit der Aramena vergönnen würde / in hoffnung / der Ahalibama
besitzung auch üm so viel ruhiger zugeniessen /wann der Prinz darein seinen
willen gegeben / und die mächtigen des reiches / unter denen man die von Tanac
wohl kannte / damit friedlich wären. Dieser raht / gefiele zwar dem Hemor nicht
übel: dennoch hätte er lieber die besitzung seiner Aramena gewünschet / sonder
dieselbe durch verwilligung oder beförderung seines vatters unrechtmäsiger
heurat / weil solche seiner mutter gar zu nachteilig ware / zuerlangen.
    Er gabe dem Tebah in vertrauen zuverstehen / wie dass er willens wäre /
sobald es nur mit seiner gesundheit etwas bässer und beständiger sich anliesse
/heimlich mit der Aramena nach Debes zu reisen / und alda die heurat mit ihr zu
vollziehen. Aber dieses widerriete ihm der verständige Tebah gar sehr / sagend
/ er würde nimmermehr die Aramena ruhig besitzen /wo der König seinen willen
nicht mit dazu gäbe. So sei es auch sein höchster vorteil / dass die heurat des
Königs mit der Ahalibama für sich gienge: dann ohne die / würde ihm unmüglich
sein / die Aramena zubekommen. Dieses dunkele räzel / (sagte hierauf Hemor /)
habet ihr mir schon in Syrien fürgesaget / und kann ich gar nit begreifen / wie
es zuverstehen sei. Sie wissen / mein Prinz! (antwortete der alte /) wie ich
anfangs so ungern hörete / dass der Mamellus die Aramena an sie versprochen: weil
ich damals noch nichts wusste üm den Sichemitischen Zustand / und üm die heurat
des Königs mit der Fürstin von Seir. Sobald ich aber solches erfuhre / werden
sie sich noch wohl entsinnen / wie ich meine Meinung änderte / und nachgehends so
viel hierzuals vorher davon abriete /dass diese verbindung mit der Aramena möchte
für sich gehen. Ich weiss dieses alles / (sagte der Prinz) nur das ich es nicht
recht weiss. Es ist der zeit noch zu früh / (wandte Tebah ein /) ein mehrers zu
offenbaren: aber sie wollen nur meinen worten versichert glauben! ich weiss / sie
werden in künftig befinden /dass ich treulich und wahr geredet / und ihr keine
träume erzählt.
    Wie nun der verliebte Hemor nichts mehr aus ihm bringen kunte / aber wegen
seines hohen verstandes /und sonderbar-erwiesener zuneigung / sich seines rahts
gebrauchen musste: als liesse er / noch den abend / etliche von den ältesten der
statt zu sich kommen /und gabe ihnen zuverstehen / was er wünschete / dass sie
dem König / wegen der Ahalibama / fürbringen möchten. Er eilete damit / üm dem
König fürzukommen / damit er nicht / von ihme / wegen der Aramena / zumutung
annemen müste. Diese erboten sich / des Prinzens rechtmäsiges begehren mit allem
fleiss anzubringen / und liessen also fort / durch den oberkämmerer des Königs
den Fürsten Elon / sich anmelden: der ihnen alsobald verhör verschaffete. Wie
ungedultig aber und unwillig der Beor ihre werbung aufname / liesse sich daraus
erkennen / dass er kaum warten kunte / bis sie ausgeredet / und ware dieses die
antwort: Er hätte sich nicht zu ihnen versehen / dass sie dem Prinzen hierin will
fahren / und dergleichen ihme anbringen dörfen. Sie wandten hinwiederum ein: Es
wäre des Prinzen begehren der billigkeit so gemäs /dass sie / als treue
untertanen / nicht anderst verfahren können; hoffeten auch / wann S. Maj. diese
sache recht überleget / sie würden dem Prinzen eine solche antwort widerfahren
lassen / womit er und das ganze reich könten zu frieden sein. Hierauf giengen
sie davon / fernere antwort nicht erwartend / und verliessen den König so
ergrimmet / und verwirret / dass Elon und Tahas genug zutun hatten / ihn etwas
zu besänftigen. Weil Tahas des alten Tebah bruder war / und durch ihn von
allem etwas unterrichtet worden / sprache er dem König also zu: E. Maj. könten
den Prinzen leichtlich befriedigen / wan sie vergönneten / dass er ihme die
Prinzessin von Chaldea trauen liesse / wofern er nicht mehr dero heurat mit der
Ahalibama sich widersetzen wollte. Solches würde auch /weil der Prinz in die
Prinzessin gar verliebt ist /gewiss von statten gehen / und das einige mittel
sein /das volk zubefriedigen / welches sonst / wenn der Prinz unvergnügt bliebe
/ leichtlich zum aufstand gebracht werden könnte. Es wollte aber Beor hievon
nichts hören: und weil nichtes so sehr schmerzet / als wann eine von seinen
kindern einrede geschiehet / als wollte er auch dem Hemor weisen / dass er so wohl
sein könig als sein vatter wäre. Demnach entschlosse er sich / den folgenden tag
in aller frühe / mit Ahalibama und Aramenen / nach Salem zu verreisen / und jene
so bald zur ehe / diese aber in seinen schutz zu nemen. Kein einraten wollte /
bei diesem so verliebt-als ergziemten könig verfangen: also dass auch der Elon
und Tahas schwiegen / und diese Entschliessung ihm nicht ausreden dorften.
    Wie sie nun den König verlassen hatten / begabe sich Tahas nach seinem
bruder / ihme kund zu machen / wie die sachen stünden: der ihn hingegen
berichtete / wie ungeduldig der Prinz geworden / als ihme die ältesten von
Tanac des Königs erzeigten unwillen angebracht. Ob nun wohl der kluge Tebah
/dass diese sachen also liefen / in seinem herzen gern hörte / so liesse er
jedoch gegen sienen bruder sich dessen nicht merken. Er gabe allein diesen
anschlag /man müsste es dahin richten / dass die Fürstin von Seir sich schwerlich
krank anstellete: dass also dem König unmüglich fallen würde / morgen mit ihr
abzureisen. Sie funden niemand fähiger zu solcher anstalt / als die Fürstin
Calaride von Naema: als welche sehr gut Assyrisch war / und die verehligung des
Königs mit der Ahalibama zu verhintern für ihre höchste freude achten würde.
Selbige name auch dieses geschäfte willigst auf sich / und eielte zu Ahalibama /
welche sich in der Prinzessin Aramena gesellschaft fand. Weil sie nun vor
dieser sich nicht scheuen dorfte / als sagte sie der Fürstin / was machen der
König im willen hätte / morgen mit ihr nach Salem hinweg zu reisen: weswegen ihr
zuraten stünde / durch vorwand einiger unpässlichkeit / diese reise noch etliche
tage aufzuschieben; damit man inmittels mehrere gelegenheit gewinnen könnte / in
diese unrechtmässige heurat hinternisen einzustreuen. Ahalibama name den raht
mit so willigem als bestürzten herzen an / und dankte sehr darum der Fürstin von
Naema: die dann / so viel ihr müglich / ihre verbitterung gegen den Beor
stärkete. Sie name auch daher gelegenheit / den Fürsten von Canaan / durch sie
den verlassenen Elieser anzubefehlen. Sie kunte / sonder sich sehr betrübt zu
gebärden /nicht an dessen jetzigen zustand gedenken: weil er nicht allein seines
getreuen bruders und fleissigen arztes beraubt war / sondern auch bei dem
erzürnten König / ihrentwegen in lebensgefahr schwebete. Weil sie auch nun alle
eifersucht gegen die schöne Chaldeerin verloren / als truge sie keine scheu /
gegen derselben ihres Fürsten zu gedenken: und gewonnen /diese beide edle
personen in dieser zwyten besuchung / einander so lieb / und fasseten eine von
der andern eine solche hochschätzung / dass jede die andere ihres leides
abnehmerin nannte.
    Nachdem Calaride sie verlassen / mit verheissung /ihr möglichstes zu tun /
dass Ahalibama von Eliesers zustand etwas erfahren möchte / blieben diese beiden
beisammen / und sagte unter andern gesprächen /Ahalibama zur Aramena: Ich muss ja
gestehen / liebste base / dass ich sehr eifersüchtige gedanken gehabt /wie ich
erfahren / was der Fürst Elieser und dessen bruder zu ihrer erledigung verübet.
Ich wurde auch darin noch mehr gestärket / als ich die wunderschöne Aramena zu
sehen bekommen: dann ich es / von dem an / nicht mehr für unmüglich hielte / dass
Elieser mich verlassen könne. Ach nein! (antwortete die schöne Chaldeerin)
Elieser ist viel zu edel / dass er sein Glück nicht bässer beobachten sollte:
gleichwie ich viel zu untüchtig bin / einiges menschen liebe anzunehmen. Ich
beklage nur mein unglück / dass ich ursch sein muss / an den wunden dieses edlen
Fürstens / und dass durch mich andere müssen in noht gesetzet sein. Dieses müssen
wir (gabe Ahalibama zur antwort) / allein dem geschicke der götter zuschreiben /
und die Prinzessin von Chaldea verursachet dieses ganz unschuldig. Mein nimmer
müdes unglück / ist allein schuld daran / das mit mir geboren ist / und auch mit
mir zu sterben sich verschworen hat. Ich habe (antwortete Aramena) bei allen
diesen widerwärtigkeiten /noch die starke hoffnung / der Himmel werde
unvermutlich uns gnädiger anscheinen. Es währet ja alles leiden nur seine zeit /
und wir können das / wozu wir versehen / wohl ertragen / weil wir wissen / dass
das trübe gewölke des elendes nicht ewig sei. Das ist wohl so! (sagte Ahalibama
/) wer nur gedult üben könnte? Ein jeder wird deren sich rühmen / wann er / sie
blicken zulassen / nicht ursach hat: aber alsdann / wann wir sie beweisen und
weisen sollen / da will es oft schwer hergehen. Ich habe auch mein anteil / an
dieser schwachheit. Ehmals hätte ich wohl vermeint / ich wäre gar gedultig. Nun
mich aber das unglück so lang drucket / ermüde ich schier unter der last / und
vergesse mehr / als ich lerne: so gar / dass ich mich wohl für eine der
schlechtesten gedult-schülerinnen achten muss. Ich auch bekenne dieses /
(wiederholete Aramena) wiewol mein leiden nicht von so schmerzlicher
entfindlichkeit ist / die die liebe erwecken kann / und daher mir nicht solche
ungedult gebieret / die sich nicht in etwas befriedigen lasse / wann sie nur
noch einige hoffnung sihet / dass der widrige zustand sich ändern und enden
werde. Das habe ich wenigst zu hoffen: (sagte die hochbetrübte Ahalibama /)
allermeist / wann mein Elieser / durch den tod / mir sollte geraubet werden.
Hiemit überfiele sie ein tränenbach / der ihr die worte im mund ersäufte / dass
sie nicht mehr reden konnte / und das übrige der nassen sprache ihrer augen
befehlen musste. Die schöne Aramena leistete ihr hierinn treulich gesellschaft:
wiewol sie von dergleichen leidenschaft nichtes wusste / und also nicht aus
eigener erfahrung / sondern nur aus mitleiden /hievon urteilete. Nach dieser
unterredung / weil sie /wegen anbrechender nacht / einander verlassen mussten /
schieden sie zum teil vergnügt voneinander /und waren beiderseits begierig /
was ihnen in ihren leben für leides begegnet / eine von der andern zu vernehmen:
welches sie denn bei erster gelegenheit zu erzählen sich versprachen.
    Ahalibama wollte hierauf den ihr gegebenen raht werkstellig machen / und
stellte sich / als wäre sie von neuem gefärlich krank worden: welches ihr dañ zu
tun nicht schwer fiele / indem ihr beängstigtes gemüte ihren schwachen leib so
matt machte / dass sie schier das in der tat war / was sie von sich scheinen
lassen sollte. Diesem nach wurde nach des Königs leibarzt geschicket / und die
anderen ärzte / die bei dem Prinzen Hemor sich befunden / auch herzu geruffen:
das dann / im ganzen hause / einen grossen auflauf und schrecken verursachte.
Allermeist die Fürstin Toris ward so bekümmeret hierüber / dass sie mit ihrem
ängstigen wesen den anschlag noch mehr beförderte. Die verschmitzte Astale /
wusste es so meisterlich zu karten / dass der auflauf immer grösser wurde /und
sagte den ärzten so viel für / wie gefärlich es mit ihrer Fürstin vor ihrer
ankunft gewesen / dass sie alle betrogen wurden. Sie fühlten ihr nach den puls /
und fanden denselbigen in der tat verändert. Weil auch Ahalibama nicht reden
wollte / gabe solches noch einen grössern schein ihrer schwachheit: daher sie
viele herzstärkende mittel verordneten / und der Astale neben ihren andern
bedienten befehl und mass gaben / wie sie der Fürstin diese arzneien nach und
nach beibringen sollten. Solcher gestalt verlieffe die nacht / und der verliebte
König / von zorn / eifer / und sorgen gequälet / sah nicht sobald die
morgenröte herfür kommen / da wollte er seinen gefasten schluss werkstellig
machen. Der Tahas aber brachte ihm die üble post / von der Ahalibama
unpässlichkeit: weswegen er / wider seinen willen / die reise aufschieben musste /
als welche er ohne sie nicht vornehmen konde. Doch sante er zuvor fast unzählig
mal hin / und liesse bei allen ärzten kundschaft holen / ob es nicht müglich
wäre / dass sie reisen könnte? die dann einhällig es verneinten / und fast gar von
ihrer lebensgefahr berichteten.
    Weil der König diese Fürstin so heftig liebete /konnte er nicht unterlassen /
sie zubesuchen: und der ursache nachsinnend / was sie doch so eilig möchte krank
gemacht haben / gläubte er endlich / er hätte den vorigen tag mit ihr zu hart
geredet / und die bedrohung / den Elieser töden zulassen / müsse dieses unheil
verursachet haben. Demnach überwande er sich so gar in seinem gemüte / dass / wie
er zu ihr gekommen / und anfangs / seine betrübnis wegen ihrer schwachheit / ihr
fast mit tränen bezeuget / er bei den ümstehenden ärzten selber nach den
Elieser fragte / und üm dessen zustand sich besorgt erzeigete. Die ärzte /
teils aus unwissenheit / teils aus unbedachtsamkeit / berichteten / wie dass
derselbe / seit gestern abends / sprachlos gelegen / und dessen wunden wieder
aufgebrochen wären / weil man nicht fleissig gnug darnach gesehen hätte /
nachdem der arzt / der auf ihn zu warten verordnet gewesen / unsichtbar geworden
wäre. O ich elende! (rieffe hierauf Ahalibama / die bisher noch nicht geredet /)
ach liebster Elieser / so must du meinetwegen sterben? hiemit gebärdete sie sich
so übel / dass der König / aller eiversucht vergessend / ihr mit trost zusprache
/ und den ärzten / auf die er gar unwillig worden / dass sie so unbesonnen
geantwortet / anbefohlen / fleissig nach seines vettern wunden und schwachheit
zu sehen: mit dem anhang /dass sie ihm für sein leben anwort geben sollten.
Ahalibama wandte damit ihre schöne augen auf den König / voll wunderens / ihn
also reden zu hören / und sah ihn so holdreich an / das er / ungeachtet er
wusste / wie dass es wegen seines mitbuhlers geschahe / dannoch durch dieses
anschauen erquicket wurde. Als er sie hiernächst gebeten / keiner traurigkeit in
ihrem gemute raum zugeben / sonderen ihrer gesundheit / an der so wohl sein als
des Eliesers leben hienge / warzunehmen / antwortete sie mit leiser stimme: Es
steht bei E. Maj. dass ich gesund werde. Hierauf gienge er von ihr / so
bekümmeret und voll sorgen / dass er fast niemand sprechen wollte. Er gedachte
auch nicht einmal an seinem sohn / und fragte so wenig nach dessen zustand / als
wenig vorsatz er wiese / denselben zubesuchen.
    
    Als nun Ahalibama wieder allein war / schüttete sie alles ihr schmerzliches
leiden gegen der Astale aus: welche dann / sie zu trösten / einwandte / wie dass
die wundärzte / auf des Königs befehl / schon fleissig nach dem Fürsten Elieser
gehen und sehen wurden. Als sie / von ihme bei der Calaride eines mehren sich zu
erkundigen / hingehen wollte / kam dieselbe mit der Aramena / und bemühete sich /
dieser bekümmerten Fürstin gemüt müglichst zu frieden zu sprechen: vorbringend /
wie dass sie schon nachrichtung von Eliesers bässerung hätte. Solches aber kame
der Ahalibama sehr unglaublich für / indem ihr herz viel einanders befahrte: und
gebahrte sie so kläglichen / dass sie ihre heftige liebe zum Elieser so klar an
tag gabe / als sehr sie alle anwesende zu herzlichem erbarmen bewegete. Es kame
ihr immer in den sinn / als wann er bereits todt wäre; und vermochte man kaum
mit vielen eidschwüren ihr solches auszureden. Endlich steurete sie sich darauf
/ man sollte ihr erlauben / ihn zu suchen / wofern sie ihn noch lebend glauben
sollte. Aber dieses ware / wann man die ümstände betrachtete / so unmüglich von
dem König zu erhalten / dass Calaride sowol / als die Astale / daran
verzweifelten /und ihr zu gemüte führeten / was gefahr sie damit so wohl ihr
selber / als ihren lieben Fürsten / zuziehen würde: möchte sie derhalben diese
kurze vergnügung aus dem sinn schlagen / welche eine grössere unvergnügung nach
sich ziehen könnte. Inmittels aber diese trostlose Fürstin in solchem stand sich
befunde / stunde auch der verliebte Beor alle die qual und marter aus / so die
liebe und eiversucht kann zu wege bringen / und sah sich / ungeachtet er alle
macht in händen hatte / so onmächtig / dass er sich elender als einen seiner
geringsten untertanen schätzete / und gern mit dem geliebten Elieser getauschet
hätte.
    Solcher gestalt verlieffen etliche tage / inner welchen der König / wegen
unpässlichkeit seiner Ahalibama / zu Tanac verharren musste; diese Fürstin /
ihres innerlichen leidens halber immer ängstiger und schwächer wurde; die schöne
Aramena / die freundschaft mit ihr immer verträulicher machete; Der Prinz Hemor
/ und der Fürst Elieser / in zweifelhafter hoffnung wegen ihrer gesundheit
stunden; und der ganze hof / betrübt und verwirret wäre. Inzwischen kame ein
Abgesandter vom gebirge Seir in Tanac an / der den König zu Sichem gesuchet
hatte / und ihm hieher gefolget. Der König erfreute sich sehr / als er dessen
ankunft erfuhre: vermeinend / dieser würde die endliche einwilligung der
Seirischen Fürstin mitbringen / welche sich bisher seiner heurat mit der
Ahalibama widersetzet hatten. Der Gesandter wurde bald vorgelassen / und aufs
prächtigste von den Königlichen bedienten nach hof begleitet. Noch vorabgelegter
begrüssung von seinem Fürsten / brachte er sein gewerbe an / welches war / dass
der Fürst Lina / neben allen andern Seirischen Fürsten / nochmals / wie bereits
vor dem geschehen / die Fürstin Ahalibama wieder begehreten: der hoffnung
lebende / S. Maj. würde sich zu dieser abfolgung gutwillig verstehen / damit sie
nicht / ihre Fürstin mit gewalt abzufoderen / mögten gezwungen werden. Wie
dieses unvermutete anbringen den König befremdet / kunten alle anwesende
leichtlich vermerken. Er liesse ihnen / durch den Tahas /mit kurzen worten zur
antwort geben: ob man sich zwar billig über diesen abermaligen anmutungen
verwunderte / so wollte man doch hierauf sich bedenken /und mit ehestem erkleren.
Als hierauf der Gesandter wieder abgeführet wurde hielte er zuvor an üm
erlaubnis / die Fürstin Ahalibama zu sprechen: welches aber der König ihm
abschlagen liesse / mit dem vorwand /dass sie sehr unpässlich wäre. Als / nach
dessen abtritte / der König niemanden / als den Tahas / üm sich sah / fienge
er an / alles wider sein widriges verhängnüs zu sagen / was ihm nur in den mund
kame: und die verzweifelten rahtschläge für die heilsamsten achtend / wollte er
lieber cron und tron / als Ahalibama / verlieren. Er gabe aber alle schuld dem
Prinzen seinem sohn / und liesse sich daher gar gefärlicher gedanken wider
denselben verlauten.
    Der hierob beängstigte Tahas gienge / sobald er nur abkommen kunte / zu
seinem bruder / und beschwure den bei allen göttern / nicht länger sein
vornehmen aufzuschieben / welches er hätte / den König / durch entdeckung einer
heimilichkeit / neben dem Prinzen und ganzen reich / in ruhe zu bringen. Dieser
handel / (gabe der kluge Tebah zur antwort) musste erstlich also auf das
äuserste kommen / ehe mein hülfmittel von tun würde. Nunmehr aber ist es zeit /
dasselbe fürzukehren. Schaue nur / dass du den König dahin beredest / den Prinzen
seinen sohn zu besuchen: so will ich auf mich nehmen / alle diese verwirrung zu
guten ende zubringen. Mein König (setzte Tahas entgegen) wird schwerlich zu
dieser besuchung zu bringen sein / wofern er nicht mit gewissheit / dass es ihm
der Ahalibama besitzung werde zuwege bringen /hierzu beredet wird. Diss soll es
warhaftig auswirken (antwortete Tebah) und setze ich mein leben zu pfande / wo
es nicht erfolget. Mit dieser versicherung eilete Tahas wieder zu dem unruhigen
Beor / und entdeckte ihm seines brudern vorhaben: der aber solchem tang nicht
trauen / viel weniger / den Prinzen zu besuchen / sich entschliessen wollte. Doch
endlich /weil Tahas seiner sehr mächtig war / und ein verliebtes gemüt alles
versuchet / was ihm in seiner liebe kann zu statten kommen / überwande er sich /
und kame zu seinem sohn / bei dem er niemanden als den Tebah fand.
    Der König sezte sich für has bette des Prinzens /sonder einiges wort ihm
zuzusprechen. Weil nun Tebah diese seine unschlüssigkeit / wie er seinen sohn
anreden sollte / wohl erkannte / als fienge er gleich gegen den König also an
zureden: Der gütige Himmel hat mich / durch sonderbare schickung / eben zu
dieser zeit in Canaan geführet / da ich E. Maj. und dem Prinzen ihrem H. Sohn so
grossen dienst erweisen /und zugleich vor meinem ende meine dem
unvergleichlichen König in Syrien / meinem alten herrn /auf seinem todbette
getanes versprechen halten und erfüllen kann. Wenn nun E. Maj. so wohl auch mein
gnädigster Prinz / ein stilles gehör mir verleihen und zu reden erlauben wollen
/ will ich ihnen in treuster untertänigkeit fürbringen / was ihnen bederseits zu
wissen hochnötig ist. Als hierauf der König mit dem haubt gewinket / und der
Prinz gleichfalls mit geberden dem Tebah seine bewilligung bezeuget hatte
/wandte derselbige sich zu dem König und sagte: Wollen E. Maj. die Fürstin von
Seir zur Königin machen /so müssen sie sich erstlich entschliessen / dem Prinzen
ihrem H. Sohn zu einem Königreiche zuverhelfen. Und bleiben sie / gnädigster
Prinz / (sprache er zum Hemor /) bei dem fürsatz / die schöne Aramena zu
ehlichen / so müssen sie ihr recht an das Königreich Canaan fahren lassen / und
solches ihrem H. Vatter / mit denen auf den todsfall nach eigenen belieben zu
schalten / gutwillig übergeben. Hiemit schwiege er etwas /und liesse seine beide
zuhörer so bestürzt und unwillig / dass sie nicht wussten / was sie hievon
gedenken sollten. Wie? (sprache der König bei sich selber /) soll ich meinem sohn
das reich abtretten? Und Hemor gedachte: soll ich mein recht an dieser Krone
fahren lassen?
    Beor fienge bereits an / ungedultig zu werden / dass er / dem Tebah in
seines sohns gemach gehör zu geben / verwilligt / als derselbe also zureden
fortfuhre: Ich sehe / wie diese meine erste frage meine Durchleuchtige zuhörer
in wunderliches nachsinnen gesetzet. Aber es ist nicht anders! E. Maj. werden
unmüglich die schöne Ahalibama überkommen / wo sie ihren H. Sohn nicht vergönnen
/ die Aramena zu ehlichen / und ihme mit aller macht beitretten / ein Königreich
einzunehmen / das ihn dieses landes könne vergessen machen / damit solches den
künftigen kindern der Ahalibama zum erbteil verbleibe. Dann keiner andern
ursache wegen / widersetzen sich die Seirische Fürsten dieser heraut mit der
Ahalibama / als weil E. Maj. einen Erbprinzen haben: wüsten sie aber / das
Könige von Canaan aus ihrem hause oder geblüte dermaleins entstehen könten / sie
würden dem himmel danken / dass ihnen diese glückseligkeit wiederfahren sollte.
Und sie / gnädigster Prinz! werden unmüglich die Aramena erhalten / wenn sie
Prinz von Canaan heisen. Wo ist dann das reich (fiele ihme Beor alhier in die
rede /) das ich meinem sohn könne zu wege bringen? Was ist dann (setzte Hemor
hinzu) die ursach / das ich müsse meine geburt verläugnen? Das gewaltige
Königreich Syrien / (antwortete Tebah) ist dem jenigen vermachet / der die
Aramena zu heiraten gedenket; und wer da ruhig dieses reich beherrschen will /
muss nicht zu Sichem sondern zu Damasco wohnen: dann beide reiche können nicht
ein haubt leiden / weil ein jedes sein eigenes erfordert.
    Diese worte erweckten in den beiden zuhörern ein neues entsetzen / und weil
sie voll wunderns den Tebah ansahen / sonder ein wort zu sagen / fuhr
derselbige fort / ihnen die sache deutlicher also zu erklären. Ich habe bisher /
(sagte er) aus schuldiger treu gegen meinem König den unvergleichlichen Aramenes
von Syrien / verschwigen / was ich jezt aus gleichmässiger treu offenbare: weil
der Himmel nun gelegenheit zeigt / dieses fürtreflichen Königs hinterbliebener
Erbin auf ihren vätterlichen tron wieder zuverhelfen / der nun eine geraume
zeit her der Babylonischen tyrannei unterwürfig gewesen. Die gerechten götter
wählen E. Maj. und ihr haus dazu / dass sie diese billigkeit verüben / und Syrien
wieder in ihre alte freiheit setzen sollen. Ja gnädigster König! E. Maj. H. Sohn
liebt nicht des Prinzen Mamellus des Stattalters / sondern des Aramenes des
lezten Königs / von Syrien tochter. O ihr götter! (rieffe der Prinz /) was höre
ich? Ist diese Aramena / (fragte der Beor / mit gleicher verwunderung /) des
Königs von Syrien tochter? Sie ist /(antwortete Tebah) die rechtmässige Erbin
und Königin von Syrien: welches ich hernach weitläufig erzählen und dartun
will. Jezt aber frage ich zuvor: Ob sie / mein Prinz! lieber Sichem verlassen /
oder die Königin von Syrien zulieben abstehen wollen? und ob E. Maj. gnädigster
König! lieber die Ahalibama wieder nach Seir schicken / als durch einen
rechtmässigen krieg Syrien erobern / und dadurch der besitzung ihrer Ahalibama
sich versichern wollen? Sie antworteten hierauf beide nach seinen willen / weil
sowol die liebe als der staat solches riehten. Und als sie beide mehr hiervon zu
hören / und auf was wege man dieses mächtige reich dem König von Babel abnehmen
sollte / zu vernehmen sich sehr begierig erzeigten / sagte Tebah / wie dass er
ihnen solches nicht eher entdecken könnte / bevor sie die ganze geschicht des
lezten Königs von Syrien vernommen hätten. Nachdem er nun fortzureden erlaubnüs
bekommen / täte er folgende erzehlung / von der
                         Geburt der Syrischen Aramenen.
Es ist aller welt bekannt / wasmassen das mächtige Königreich Syrien / von dem
König Kemuel / in den flor und wolstand gesetzet worden / darin es unter seiner
löblichen regirung geblühet. Er war des berümten Fürstens von Mesopotamien / des
Nahors / dritter sohn: ein so tugendhafter dapferer Herr / dass er auf der welt
nicht würde seines gleichen gehabt haben /wann ihme nicht der Himmel / in seinem
Ehestand /von der Assyrischen Prinzessin Ziparis / einem einigen Sohn hätte
lassen geboren werden: welchem die natur / als ihr volkommestes werk / ganz
unvergleichlich hervorgebracht. Dieser fürtreffliche Herr / der sich Aramenes
nannte / sezte nach seines H. Vattern tod die Syrische kron auf / nachdem er
vorher / bei dessen leben / tausend proben seiner dapferkeit in unterschiedenen
kriegen gewiesen / also / dass ihm schild und helm sowol als kron und zepter
anständig waren. Er heuratete zu des Königs von Gerar schwester / der
Philistina: die ihme / erst nach zehen jahren / als er eben sieghaft aus dem
Armenischen kriege wiedergekehret / einen sohn gebohrn. Aber das kind kostete
der mutter das leben / massen sie / etliche tage nach der geburt / die welt
gesegnete / und dem kleinen Prinzen / die grosse hoffnung des reiches / die
erziehung ihres gemahls und ihrer schwester der Prinzessin Andagone /
hinterliesse. Diese name denselben / auf bewilligung des Königs / mit sich nach
Gerar / alda er erzogen wurde / aber / nach erreichtem zehenden jahr / die
grosse hoffnung / so er von sich gemachet / mit dem leben geendet. Wie besagte
geburt-leidfreude dem König widerfuhre / kame ich eben an seinen hof. Und weil
ich mich rühmen kann / dass ich mit ihme einen grossvatter / nämlich den Fürsten
Nahor / gehabt / wiewol mein geschlecht nicht von dessen fürnemster frauen /
sondern von einer andern entsprossen: als wurde ich von dem König mit
sonderbaren gnaden angesehen. Ich bin auch / von der zeit an bis in sein ende /
bei ihm verblieben: und mag ich wohl sagen /dass ich stäts der nächste üm diesen
herrn gewesen /und also die innerste gedanken seines herzens erfahren habe.
    Nachdem nun die tugendhafte Königin Philistina von ganz Syrien etliche jahre
betrauret worden / ermahneten die Fürsten und Stände des reiches den König
einhällig / ihnen wieder eine Königin zu geben / und zwar eine solche / die den
getroffenen Armenischen frieden erhalten möchte. Demnach zoge er nach Ninive /
alda der weise Arius / des Königs Armatrites von Babel bruder regirte: welcher /
mit einer Armenischen Prinzessin / zwo töchter / die Naphtis / und die
wunderschöne Philominde / gezeuget hatte: welche jüngere Prinzessin / von vielen
ausländischen Fürsten / wegen ihrer unvergleichlichen schönheit bedienet wurde.
Weil kein Prinz vorhanden / und dannenhero die ältere Prinzessin des reiches
Erbin war / und ihr künftiger gemahl durch sie König zu Ninive werden sollte: als
schickte der König von Babel seinen jüngsten sohn / den Bel Ochus / üm diese
Erbprinzessin zu werben / um also die Ninivitische Cron bei der Babylonischen
beständig zuerhalten. Dieser Assyrische Prinz ware / vor unserer ankunft / schon
etliche monden daselbst gewesen. An statt aber der Naphtis aufzuwarten / hatte
er sich dermassen in die Philominde verliebet / dass er sie fast keinen
augenblick verlassen konnte. Er musste aber dieses feur heimlich halten /damit der
König Arius ihr H. Vatter / und die ihm von seinem H. Vatter zugegebene /
solches nicht merken möchten.
    Mein König wurde / von den Niniviten / mit aller ehrbezeugung entfangen /
und befande bald von der Prinzessin Philominde schönheit sich dermassen gerühret
/ dass er sie gleich in seinem herzen zur Syrischen Königin erwehlet. Doch wollte
er / bevor er bei ihren H. Vatter öffentliche anwerbung täte / von ihr selber
erstlich vernehmen / ob sie ihn lieben könnte: weil er keine / die ihm aus
gehorsam oder Staats-ursachen das jawort gäbe / sondern eine / die eine
herzliche liebe zu ihm sezte / zur gemahlin verlangte. Es fiele ihm aber gar
nicht schwer / in der Prinzessin herzen ein liebesfeur anzuzünden: dann seine
seltne tugend / hoher verstand / und angenehmes wesen so liebwürdig waren / dass
er auch ohne Kron ihr hätte gefallen müssen. Der eiversüchtige Bel Ochus /
spürete diesen gefärlichen und beliebten mitbuhler am ersten / und wollte schier
rasend darüber werden: allermeist / da er sich so gar ohne macht sah / dessen
Glück zu hintern. Die Prinzessin wurde / mit gutachten aller stände und
freudiger einwilligung ihres H. Vattern / an meinen König versprochen: welcher
darüber so seelig / als Bel Ochus unseelig / sich schätzete. Dieser liesse
hierauf seine liebe / die er bis daher heimlich gehalten / alle welt spüren /
und dorfte / aus angebornem hochmut / die Prinzessin meinem König öffentlich
bestreiten / auch in gegenwart ihrer ihme fürsagen: er sollte sie / weil er leben
würde / nicht ruhig besitzen. Diese freche worte beantwortete Aramenes mit aller
höflichkeit / sagende: man müste seiner jugend viel zu gut halten / und würde /
wann er die zurück geleget / die wahre vernunft sich hingegen bei ihme
einstellen. Hierbei gabe er ihm die lehre /dass er durch ein ungereimtes drauen
sich nicht verächtlich machen sollte / massen ein pochen ohne macht nur ein
gelächter zuwegen brächte.
    Dieses hönisch-halten verdrosse den hochmütigen Prinzen erst am allermeisten
/ und schwure er / an ihnen beiden sich zurächen. Diss ward von der Philominde in
scherz also beantwortet: wañ er das tun wollte / so müste er mit ihrer
schwester das reich Ninive heiraten; sodann würde es ihm seine rache auszuführen
/ an macht nicht fehlen. Diese worte machten in seinem herzen den dass vollends
wurzeln: welcher hernach ganz unversönlich worden / und so grosses elend in
Syrien angerichtet. Von dem tage an /hielte sich der Prinz Bel Ochus zu der
Naphtis / verachtete hingegen ihre schwester aufs äuserste / und schritte also
von einer übermass zur anderen. Dann /da er zuvor nicht gewust hatte / wie er die
Philominde ganz bedienen sollte / sah er sie jezt kaum über achsel an / und
entzog sich nicht / schimpflich von ihr und ihrem Aramenes zu reden: den er aber
doch solches nicht hören liesse / in beisorge / von diesem grossmütigen Herrn
wiederum einen hönischen verweis zu lösen. Nicht lang hernach zoge der König
Aramenes / mit seiner geliebten Philominde / von Ninive hinweg: da dann Bel
Ochus / wiewol er gegen der Philominde sich einer verachtung angenommen /dannoch
beim abschied seine herzens-entfindung nicht bergen kunte / die ihn so
verzweifelt machete /dass er fast zu rasen begunte / und deswegen auf ein landgut
sich begeben musste / üm sich nicht aller welt den jenigen zuzeigen / der er
ware. Nachdem er daselbst allgemach von der raserei sich entwickelt /kehrte er
wieder an den Ninivitischen hof: der dann /in abwesenheit der Philominde / ihme
die Prinzessin Naphtis nun angenehmer machete / also dass er üm sie bei dem Arius
anhielte / und bald darauf das beilager vollzoge. Wir bekamen in Syrien diese
zeitungen: worüber unsere Königin sich höchlich erfreuete / in hoffnung / der
Prinz würde nun nicht mehr an seine alte einfälle gedenken / sondern die
ungereimte liebe /die er zu ihr getragen / wegen ihrer schwester in eine
schwägerliche freundschaft verwandlen.
    Unlang hernach starbt der König Armatrites zu Babel / und bald darauf der
älteste Prinz Xerxes: nicht ohne vermutung / dass sie gift bekommen. Bel Ochus
sah sich nun König von Babel und Erben von Ninive: welches den Ninivitischen
Fürsten sehr misfiele / in betrachtung / dass sie also / nach dem tod ihres
Königs Arius / unter das Assyrische joch dermaleins gerahten würden. Wie sie
dann deswegen den Bel Ochus / vor seiner abreise in sein Königreich /nötigten /
sich dahin zu verschreiben / dass das andere kind / so ihme die Naphtis gebähren
würde / für den Erben des Ninivitischen reiches erkant werden / und künftig über
sie regiren sollte. Sobald nun Bel Ochus die Assyrische Kron aufgesetzet / wurde
ich von meinem König nach Babel gesendet / ihme zu seiner regirung Glück zu
wünschen. Man entfinge mich / aber so schlecht und schimpflich / dass ich gnug
spüren konnte / es wäre dem Bel Ochus noch nicht sein alter groll vergangen / und
hörete ich von vielen kriegs-zurüstungen / da doch der König nirgend keinen
feind hatte. Ich besorgte nicht vergebens / es dörfte uns gelten: bemühete mich
demnach / meine abfärtigung bald zubekommen. Ich wurde aber immer von einer zeit
zur anderen aufgehalten / auch so wohl verhütet und in acht genommen / dass ich
keine post von allem dem /das daselbst vorginge / meinem König zufärtigen kunte.
    Endlich / wie es ganz ruchbar in Babel worden /dass der König Syrien
bekriegen wollte / und man kein geheimnüs davon mehr machete / liesse Bel Ochus
mich ziehen / und waren beim abschied / dieses seine worte: Sage deinem König /
dass ich bald bei ihme sein / und die macht ihme zeigen will / die man haben muss /
wann man rache üben will. Ich beantwortete dieses / wie mir gebührete / und
meines Königes ansehen es erforderte. Als ich mit der zeitung von diesem kriege
in Damasco angelanget / befande ich / dass schon alles aus ganz Mesopotamien /
Syrien und den ümligenden landschaften dahin geflüchtet war / und ware alles in
grösten schrecken: weil man in keiner verfassung stunde / und an nichtes weniger
/ als an diesen krieg gedacht hatte. Also ware aller muht schon dahin / ehe der
feind noch ankame. Und ob wohl der dapfere Aramenes / durch sein beispiel / allen
Syrischen und Mesopotamischen Fürsten ein herz machete: so waren sie doch so
übereilt; dass die nötige zurüstungen zum kriege / weil sie bisher in sicherem
frieden gesessen / unmüglich geschehen können. Wie unglücklich nun für uns
dieser krieg abgelaufen /achte ich nicht nötig weitläufig zuerzehlen. E. Maj.
eigene völker / die damals / wegen der schwägerschaft mit dem Assyrischen hause
/ dem Bel Ochus waren zuhülfe gekommen / werden wohl berichtet haben / wie es in
Syrien zugegangen; wie ein ort nach dem anderen sich ergabe; wie unser König
nach Gerar / zu seinen schwager den König Abimelech / entflohe; und wie unsere
Königin heimlich in des feindes land schutz suchen / und bei ihrer schwester /
der Königin Naphtis / die ganze zeit des ersten krieges über / sich aufhalten
müssen. Zum unglücke starb auch der Arius / ihr H. Vatter / eben üm selbige
zeit: dass also alle unglücks-arten gleichsam zusammen schwuren / diese
Königliche personen auf das äuserste zu verfolgen.
    Der tugendhafte Abimelech liesse sich unsers Königs elenden zustand sehr zu
herzen gehen / und bote ihm alle müglichste hülfe an. Die ansprach beider Könige
geschahe zu Ascalon / alda eben üm diese zeit /der mächtige König der Teutschen
/ der Marsius / mit einigen völkern / aus seinem entfernten Celten-lande
angekommen war / sein altes recht wider das Assyrische haus auszuführen. Dann
einer seiner vorfahren /der des Königs Ninus bruder gewesen / ware von der
berümten Semiramis verjaget worden: welches dieser Marsius zurächen vermeinte.
Die ungemeine tugend des Aramenes bewoge diesen ausländischen König so sehr /
dass er ihm welche von seinen guten völkeren /unter führung des Fürsten Trebetes
/ des Herzogens der Golen / zukommen liesse: die neben den Philistern / die der
wackere Ahusat / des Königs von Gerar bruder / führete / und den man den
Fürsten von Caphtor nennte / gegen Syrien anzogen / und uns /dieses verlorne
Reich wieder einzunemen / mit unbeschreiblicher dapferkeit behülflich waren. Die
Assyrier / unter dem Prinzen Mamellus / der des Belochus vatters brudersohn ist
/ zogen uns / unfern vom fluss Amana / mit grosser menge entgegen / und lieferten
uns eine schlacht: die wohl eine der denkwürdigsten sein wird / so in Syrien
jemals vorgegangen. Ich kann von den unbeschreiblichen taten des Königs am
bästen zeugen / die er an den tag verrichtet / weil ich alles selbst angesehen:
und kann wohl sagen / dass er damals mehr einem gotte als menschen sich verglichen.
Der sieg bliebe unser / nach langem widerstande / und raumeten die Assyrier das
feld: worauf wir über den fluss Amana giengen / und die hauptstatt Damasco
belägerten.
    In wärender dieser belagerung / wurde der gute König mit der gegenwart
seiner einzig-geliebten Philominde wieder erfreuet: welche als sie / unsern
guten fortgang in Syrien / zu Babel vernommen / durch viele gefärliche anschläge
heimlich weggekommen / und /ohne dass der Bel Ochus jemals von ihrer zu- oder
abreise etwas inn geworden / glücklich wieder in Syrien angelanget ware. Es
würde mir unmüglich fallen / zu beschreiben die vergnügung / die sie beiderseits
/nach so vieler gefahr / einander wieder sehend / bei sich entfunden. Ein jeder
mag sich das leicht fürbilden / wann ich sage / dass diese beide das verliebteste
paar Eheleute gewesen / die jemals gelebet; dass ihrer beider leib ein herz und
eine seele beschlossen; und dass eines wollen des andern begehren gehren / und
was dem einem zuwider / auch dem andern misfållig gewesen. Der Konig trachtete
um soviel mehr / seine Konigliche haubtstatt wieder zu erobern / üm seiner
Philominde eine ruhigere wonung / als sie im lager hatte / zu verschaffen.
Demnach liesse er alsobald einen Sturm vornemen / und ware keiner von hohen oder
niedrigen / der nicht mit freudigem muht mit angelauffen: weil es zu vergnügung
dieser schönen Konigin geschahe / die von allen menschen geliebt und gleichsam
angebetet wurde. Also brachte ihre liebste gegenwart uns die eroberung dieser
mächtigen Statt zuwegen / und setzete dem Aramenes zum andern mal die Syrische
Kron auf sein haubt / welche hierdurch ihme wieder zu teil worden.
    Der Prinz Mamellus / verstärkete sich inzwischen von neuem mit Assyrischen
völkern: und ob er schon mit einer von des Konigs Aramenes Basen verheiratet
ware / so hat er doch / ungeacht dieser verwandschaft / seines Königs
angelegenheit fleissig beobachtet. Er lage damals bei Hierapolis / alda er sich
von tag zu tag stärkete / und auf Damasco wieder anziehen wollte. Dieses
zuverhüten / musste der Fürst von Caphtor mit seinen untergebenen Philistern ihm
entgegen gehen. Der Trebetes / mit den dapferen Teutschen / zoge in Mesopotamien
/ die alda bedrangte Fürsten wieder zubefreien. Aber der Konig / neben den
Syrern / die täglich aus dem Assyrischen joche zu uns überliefen / bliebe in der
haubtstatt des reiches /bis er absehen mochte / dass seine gegenwart wieder im
feld notig wäre.
    Wir genossen aber dieses sieges nicht lange / und das falsche gluck /
welches eine kleine zeit uns seine gute gewiesen / verwandelte solche so
plotzlich wieder in ein neues wüten / dass es uns in kurzen den garaus machete.
Dann der Fürst von Caphtor / als er sich zu mutig an die Assyrier gewaget /
wurde von dem Mamellus gefangen / und gleich nach Babel dem Konig Bel Ochus
zugesendet. Dieser ward höchlich erfreut / seinen feind zu sehen / welcher ihm
so grossen abbruch getan: und von ungemeinem eifer getrieben / erdachte er eine
List / die Philister aus Syrien zubringen. E. Mai. werden sich erinnern / dass er
dem König der Philister / weil er die innigste bruderliche liebe zwischen ihm
und dem edlen Ahusat erfahren /entbotten: wie dass er diesem seinem gefangnen
bruder den schmälichsten tod / den man erdenken könnte /wollte antun lassen /
wann nicht alsofort er / der Abimelech / sein Volk aus Syrien zuruck beruffen /
und dem Aramenes ferneren beistand versagen würde; und sollte er ja sich nit lang
bedenken / wann er seines bruders leben fristen wollte. Dieses grausame drohen
/hatte erwünschte wirkung bei dem Konig von Gerar: massen derselbe / seinen
bruder zuerretten / den guten König von Syrien verliesse / seine völker
abforderte /und damit / als er zuvor einen ewigen frieden dem Konig von Babel
geschworen / den Prinzen Ahusat wieder los bekame. Dieses brachte in Syrien
eine unverhoffte änderung / und Bel Ochus / diese gelegenheit in acht zu nehmen
/ kame selbst mit einem grossen heer angezogen. Inmittels machte Mamellus dem
Trebetes so viel zu tun / dass der sich zu schwach befande / alleine was
nützliches mehr auszurichten: zumal er auch von dem grossen Marsius keine hülfe
mehr zu hoffen hatte / als welcher selber / in den krieg mit dem Konig von Basan
so verwickelt ware / dass er seine macht beisammen behalten musste.
    Der unglückselige / wiewol unverzagte Konig Aramenes / sah sich nun in
äuserster noht: hielte aber für das bäste / keine belagerung zu erwarten /
sondern dem König von Assyrien entgegen zugehen / und auf eine schlacht sein
letztes heil zu wagen. Demnach brachte er allen Syrischen adel zusammen / die
ihr gut und blut bei ihme aufzusetzen entschlossen waren /und zoge damit gegen
den Phrat zu / seinen mächtigen feind mit unerschrockenem muht erwartend. Seine
liebste Philominde / die grob schwanger war / liesse er zu Reblate / alda sich
des Mamellus gemahlin aufhielte: welche heimlich / wider ihres herrn wissen
/diese gute Königin aufname / und ihr / die so ein måchtiges reich beherschet /
aus erbarmen ein kleines räumlein in ihrem haus vergonnete. Der abschied /den
der Konig von ihr name / bei welchem ich und die Furstin von Naema die Calaride
/ damals noch ihre jungfrau / zugegen waren / hätte einen felsen zu mitleiden
mögen bewegen: und beklagete er / in allen seinen ungemach nichtes mehr / als
dass sie / weil sie ihn geliebt / nun so unglückselig werden mussen. Sie
hingegen betraurete am meisten / dass sie an dem elend ihres herrn ursach wäre /
weil ihrentwegen die verbitterung bei dem König von Assyrien erstlich
angegangen. Als sie nun endlich scheiden mussten /mochte es der guten Konigin wohl
ahnen / dass sie zum letzten mahl mit ihrem gemahl redte: demnach verlore sie
alle standhaftigkeit / die sie noch bisher in allem ihren ungluck behalten hatte
/ und der Calaride in die arme fallend / wurde sie aller sinne beraubet / also
dass wir sie in langer zeit nicht wieder aufbringen konten. Endlich / wie ihr
geist wiederkommen / wandte sie ihre schöne åuglein auf ihren herrn / sagende:
Nemt von mir hiemit an die letzte gute nacht / weil ich wohl spure / wir werden
uns nicht wieder sehen; und diese unglückselige frucht / die ich trage / befehle
ich hier unsrem Tebah / dieselbe fur aller feinde gewalt zu schützen / wann
mein Konig und ich nicht mehr sein werden. Aramenes fiele ihr üm den hals /und
er / der sonsten die standhaftigkeit selber war /benetzete ihre wangen so
uberflussig mit seinen zåhren / dass wir anderen wilde tiere håtten sein müssen
/ wann wir nicht zu gleichmäsigem mitleiden wären bewogen worden. Dahero kann ich
auch nicht sagen /was weiters bei diesem traurigen abschied furgeloffen: dann
ich so auser mir selber ware / dass ich nichtes mehr sah noch hörete.
    Wir zogen nun dem Konig von Assyrien / wie gesagt entgegen / und Trebetes
hatte gnug mit dem Mamellus zuschaffen / dass er denselben im gebirg aufhielte /
damit er uns nicht konnte in den rucken gehen. Darauf wurde die unglückliche
schlacht gehalten /darin Aramenes / der edelste Konig von der welt /sein leben
lassen musste. Dann / nachdem er / mit unbeschreiblicher dapferkeit / bis in den
andern tag /dem Bel Ochus den sieg strittig gemachet / und in die gröste
gefahren sich gestürzet hatte / wurde er endlich so vielfältig verwundet / dass
er / ganz ausgemattet /sich aus dem streit fuhren liesse. Wir brachten ihn in
eine schåferhutte / da er noch zwo stunden gelebet: in welcher zeit sein
einziges gespräch von seiner gemahlin war / und musste ich ihme mit einem eide
angeloben / dass ich / nach seinem tode / die Konigin nicht verlassen / und /
wann sie mit einer lebendigen frucht niderkommen würde / solche für des Bel
Ochus wüten schutzen / und dermaleins / wann sie erwachsen wåre / ihr zum
vätterlichen tron verhelfen wollte. Hiemit /nachdem er einem Diamant-ring
abgezogen / und mir zum stäten andenken verehret / sturbe dieser
unvergleichliche Herr in meinen armen / feine edle seele von sich gebend / die
viel eines bässeren gluckes auf dieser welt wåre wurdig gewesen / wann das
verdienst glückselig machen könnte. Durch diesen tod nun /ward Syrien zum andern
mal verloren / und alle Syrische Fursten sucheten zuflucht bei des Mamellus
gemalin / dass sie / als ihre wase / bei ihrem herrn sich ihrer annehmen sollte.
    Ich führete meines Königs korper mit mir gen Reblate / und kame eben dahin /
als die Königin ihres gemals tod erfahren / und eine Prinzessin zur welt geboren
hatte. Weil sie nun / gleich nach der genesung /zum sterben sich bereitete /
nachdem schrecken / betrubnus / und soviel ausgestandenes elend / neben der
schweren geburt / sie ganz abgemattet: als liesse sie mich noch für sich kommen
/ und wollte ihres herrn abschied zuvor aus meinem munde vernemen. Es ware ihr
dann sehr tröstlich / als ich sagte / wie sein einiges verlangen nach ihr
gewesen wäre. Demnach sprache sie / mit sterbenden munde: Wolan / liebster
Aramenes! ich komme zu dir / dein verlangen zuerfullen. Hiemit losche sie aus /
als ein licht / und erwiese solche vergnügung in ihrem tode / dass man ihr diesem
sanften wechsel nicht misgonnen kunte. Des Mamellus gemalin / name nun der
kleinen hinterbliebenen Prinzessin / die ihre Fr. Mutter / nach dem Konig
/Aramena genannt hatte / fleissig an / und wusste niemand von ihrer geburt / als
sie / Calaride / etliche frauen / und ich: dann es wurde solche gar geheim
gehalten / damit der König von Babel es nicht erfahren /und an diesem
unschuldigen kinde seine wut üben mochte. Es kame aber / das geschrei von des
Königs und der Konigin tod / bald uberall aus der ånge; und wollte man sagen /
der Bel Ochus habe üm die Konigin sich sehr betrübet: wie er dann ihnen
nachgehends / zu Damasco / ein treffliches begråbnis und Ehrengedächtnüs / von
dem kostbarsten Marmor / aufrichten lassen. Mamellus hatte unterdessen den
Trebetes / auf dem Seirischen gefilde / gånzlich in die flucht geschlagen / und
damit alles unter Assyrien gebracht /dass also Bel Ochus sich einen herrn dieses
reiches sah. Dieser / zur vergeltung der treuen dienste / die ihme Mamellus
erwiesen / machte ihn zum Stattalter in Syrien und Mesopotamien: und behielten
alle Syrische Fursten zwar ihre güter / wurden aber / von der zeit an / mit
grossen schatzungen beleget / also / dass ihnen das Babylonische joch
unerträglich fiele.
    Wie nun der König Bel Ochus solche grausame tat verubet / und sich wieder
nach Babel gewendet /offenbarete die Tarasile ihrem gemahl Mamellus /die geburt
der kleinen Aramena: der dann hieruber in nicht geringe sorgen geriete / weil er
wohl zuvor sah /was für unruhe / dieses überbliebnen kind von dem Koniglichen
Syrischen geblute / dermaleins dem Bel Ochus erwecken wurde. Also wusste er nicht
/ wozu er sich entschliessen sollte: weil er / sie töden zu lassen /vom mitleiden
behintert wurde; doch auch / sonder gefahr / sie nicht beim leben erhalten
kunte. Also geriete er endlich auf die gedanken / sie in dem tempel der Diana
nach Ninive zugeben / und damit allem unheil furzukommen. Demnach wehlete er
mich aus / als der ich / nach meines Konigs tode / stäts bei ihm geblieben war /
und die kleine Prinzessin nicht verlassen wollte / dass ich die Aramena heimlich
dahin überbringen sollte. Ich wurde uber diesem fürnemen höchlich besturzt und
betrübet / durfte aber doch mich dem Stattalter nicht widersetzen. Gleichwol
entschlossen / dieses zu verwehren / sagte ich dem Mamellus zu /was ich doch nit
zuhalten gedachte / und name mir vor / eher die Prinzessin an einen anderen ort
heimlich zu fuhren / als in diesen tempel / da sie nachgehends in ewigkeit nicht
wieder ausgelassen / und also des Königs Aramenes begehren nicht würde könen
erfullet werden.
    Wie ich nun damit umginge / schickete der Himmel ein anderes mittel / dass
nämlich Mamellus eilig nach Chaldea in sein vatterland reisen musste / alda er
mit seinem ältesten bruder / dem Fürsten Bildat / etwas notiges zu tun hatte /
und die Tarasile mit sich name / in vermutung / dass sie uber ein jahr
ausbleiben wurden: in welcher zeit / Calaride und ich / die Aramena nach Ninive
bringen sollten. Nun hatte Tarasile eine tochter / namens Milcaride / die ein
viertel jahr älter war / als die Aramena: dieselbige / entschlossen wir uns /
für diese in den tempel zugeben. Demnach gebrauchten wir uns der list / und
schaffeten / weil wir im haus allein zubefehlen hatten / der Tarasile bediente
nach und nach ab / die bei der kleinen Milcaride waren hinterlassen worden / und
namen an ihrer statt andere an / so die beide kinder nicht kenneten und der
Aramena / als wåre sie Milcaride gewesen / aufwarten mussten. Die Milcaride
hingegen nennten wir Aramena / mit deren wir fortreiseten / und sie der
Oberpriesterin zu Ninive / der Celie / die des Mamellus schwester ist / von
ihres bruders wegen / überantworteten. Wir zogen von dar nach Ur / dem Mamellus
von unserer verrichtung bericht zugeben. Dieser Herr wurde hieruber so ruhig /
dass er / meinem angewandten fleis nie in vergessen zustellen / mir angelobte.
Hierauf reiseten sie gen Babel / dem Konig aufzuwarten: da dann die Königin
Naphtis herzlich froh wurde / von ihrer verstorbenen schwester leuten welche zu
sehen. Und weil sie aus dem geruchte vernommen /dass die Philominde schwanger
gewesen / und man ihr gesaget / wie eine kleine Aramena in des Stattalters haus
erzogen wurde / mächte sie deswegen grosse verträulichkeit mit der Tarasile /
vermeinend / von ihr zu erfahren / ob ihre schwester diese Aramena geboren
hätte. Aber diese / als eine der listigsten frauen von der welt / wollte sich
gegen die Königin in keinerlei weise heraus lassen / sondern sagete: diese
Aramena wåre ihre tochter / und zwar die einige / so sie håtte / weil ihre
andere tochter gestorben; und führe sie den namen / von dem Konig in Syrien /
ihrem vettern. Von der Konigin Philominde aber / täte sie versicherung / wie
dass an ihr / als sie gestorben / kein einiges kennzeichen / als ob sie schwanger
wäre / sich ereignet habe. Also brachte sie der Naphtis alles aus dem sinn / und
sandte Mamellus / die Calaride und mich / nachdem wir etliche tage mit zu Babel
gewesen / nach Damasco fur-aus: dadurch zuverhuten / dass wir der Königin Naphtis
/ was wir von der Aramena geburt wussten / nicht offenbaren mochten; wiewol ich
/solches zu tun / nit willens gewesen / weil ich es damals zu meinem vorhaben
undienlich erachtet.
    Wie endlich Mamellus mit seiner gemalin in Syrien wieder ankame / funden sie
ihre vermeinte tochter so artig und schön / dass sie sich hochlich an ihr
ergetzeten: und ward sie von ihnen nicht mehr Milcaride /sondern Aramena genannt
/ um dadurch zu bestätigen / was sie zu Babel ausgesaget hatten. Dis ware ein
gutes vorzeichen des künftigen glückes dieser Prinzessin / dass sie so
wunderbarer weise ihren rechten namen behalten musste. Solcher gestalt nun
erwuchse Aramena / als des Stattalters von Syrien tochter /sowol mit
ubertrefflichem geist / als mit verwunderbarer schonheit dermassen gezieret /
dass ganz Syrien von ihr zu sagen wusste: worüber ihre eingebildete Eltern recht
stolz wurden. Die Furstin Calaride aber /welche den Fürsten Zophar von Naema
inmittels geheuratet / ergetzete sich heimlich neben mir / über dieses
hinterbliebene kind vom Koniglichen Syrischen Stammen / und preisete den
gerechten himmel / der noch diese unschuldige Prinzessin so wunderbarer weise
erhalten / und das Aramenische blut nicht gånzlich vergehen lassen.
    Als sie das dreizehende jahr ihres alters erreichet /kame sie / mit ihren
vermeinten Eltern und der Calaride / nach Ninive: da dann die Stattalterin sie
bei ihres gemals schwester / der Oberpriesterin / auf deren inståndiges begehren
/ im tempel der Diana bleiben liesse / so lang sie in Ninive sich aufhielten.
Die Celia / (also heist die Oberpriesterin /) erfuhre von ihrem bruder / der ihr
nichtes verschwiege / dass die andere Aramena die Prinzessin von Syrien wäre
/welche er ihr / als ein kind / hingesandt håtte. Diese nun wollte / ihres
bruders tochter / auch zu diesem heiligen stand bereden / und brachte es so weit
/ dass / als Mamellus und Tarasile sie wieder haben wollten /Aramena der Diana
sich bereits verlobet hatte / und also / mit gewalt aus dem tempel genommen /
mit wiederwillen nach Syrien zuruck reisete. Ich bekummerte mich sehr / über
dieser der Aramena Entschliessung / und bemühete mich / ihr solches vorhaben aus
dem sinn zu bringen: sie erwiese aber so eine standhaftigkeit / dass sie nie von
keiner heurat hören wollte.
    Mein gnådigster Prinz Hemor / wird noch wohl wissen / wie måchtig sie / als
zu Reblate üm sie bei dem Mamellus ansuchung geschehen / wegen dieses ihres
gelübdes sich widersetzet. Ich gestehe / dass ich an meinem orte stark abwehren
halfe: weil meinem vornemen damals zuwider schiene / dass ein fromder Prinz diese
Prinzessin bekommen sollte / der schon ein Konigreich zuhoffen hatte; weil der
nicht so eiferig sich bemuhen wurde / der Prinzessin auf ihren våtterlichen
tron zuverhelfen / als einer / der / durch erlangung ihrer person / auch ein so
grosses Konigreich zu beherrschen bekommen könnte. Mein wille war / sie einem
Syrischen Fürsten zu erwerben: damit die kron bei einem einheimischen verbleiben
möchte. Doch funde ich / bei diesen meinem fürsatz grossen widerstand: dañ der
ehrneid und die eifersucht unter den Syrischen Fürsten so gross war / dass keiner
dem andern wider die Assyrier wurde beistand geleistet haben; zudem die meisten
/ mit Assyrischen und Chaldeischen geschlechten verheiratet und befreundet
waren. Also geriete ich endlich auf diesen einfall /nachdem ich vernommen /
welcher gestalt die sachen hier in Canaan stunden / zu dieser heurat eiferigst
zu rahten: wie ichs dann auch so weit brachte / dass die Prinzessin dem Prinzen
E. Maj. H. Sohne versprochen worden. Und ob wohl Aramena in ihrem vorsatz noch
standhaft beharret / ihr der Dianen getanes gelübde nicht zubrechen: so wirb
sie doch selber solches fur ungültig erkennen / wann sie erfåhret / wer sie ist
/auch wie sie / ihrer Durchleuchtigen Elteren leztem willen zugehorchen / und /
den tron ihrer våtter zubesteigen / verbunden sei.
    Hierzu nun / gnådigster König! konnen E. Maj. diesem edlen blut verhelfen /
wann sie / nach vollzogener heurat mit dem Prinzen / aller welt ihre geburt
offenbaren / und mit macht sie wieder in ihr reich einsetzen. Dieses wird leicht
zutun sein: massen die Syrische Fürsten nicht sobald ihrer Erbprinzessin namen
werden horen / so wird ihre begierde aufwachen / das Assyrische joch vom halse
zu werfen / und dem Prinzen Hemor / als den Gemal ihrer Erbköniginn / zu ihrem
Konig zuerwählen. Es wird auch / die vollziehung dieser heurat / allen
besorglichen ehr-eifer unter den Syrischen Fürsten aufheben / wann sie nicht
eher / als erst nachgehends / hievon etwas erfahren. Weswegen dann Aramena
selber / wer sie ist /noch nicht wissen muss / damit sie nicht dieses furhaben
hintern möge. E. Maj. lasse ich nun hochstvernunftig ferner erwägen / ob dieses
nicht das mittel sei / dadurch E. Maj. die Furstin Ahalibama / der Prinz Hemor
die Aramena und mit ihr das reich Syrien / die Seirische Fürsten aber die
hoffnung / von ihrem geblut Cananitische Könige zu sehen / gewiss erlangen
können.
                                     * * *
    Hiemit schwiege der alte Tebah / und sagte der Konig: Ihr habet soviel
verwunderung als freude / mit diesem eurem bericht / bei mir erwecket / und
finde ich euren raht so heilsam / dass ich / deme zu folgen /entschlossen bin /
wofern mein Hemor gleiches sinnes mit uns ist. Können wohl (antwortete dieser
Prinz) E. Maj. daran zweifelen / dass des Tebah fürschlag mir sollte angenem sein
/ der mir die hochste glückseligkeit wird zu wege bringen? Ja / gnädigster
Konig! ich verlasse gutwillig alles recht an dieses reich / wann ich Syrien /
mit Aramenen besitzung / darfür erwarten darf. Das sei dir / mein sohn / (sagte
der Konig) hiermit verheisen / und ich willige in deine heurat willigst ein /
wann ich kann versichert sein / du werdest ebenfalls meine vermålung mit der
Furstin von Seir gut befinden. Hemor / aus heftiger liebe zu der Prinzessin
Aramena getrieben / kunte bei dieser bewantnus nicht anders tun / als seiner
frau mutter sache verlassen /üm seine eigene zu beförderen; und gabe solches /
mit kindlicher ehrerbietung / dem Konig zuverstehen /dabei bittend / dass er ihme
/ seinen bisher-erwiesenen eifer in dieser sache / verzeihen möchte. Hiemit
ümarmete der Konig seinem sohn / und wurden an beiden seiten alle misverstände
aufgehoben. Nach diesem hielte der König hierüber noch fernere unterredung /
worzu er auch den Tahas beruffen lassen: und ward endlich beschlossen / mit dem
ersten nach Salem zureisen / und daselbst im geheimen raht hiervon weiter zu
ratschlagen / wie man es am fuglichsten könnte werkstellig machen: und bis dahin
sollte der Seirische Abgesandte aufgehalten werden. Tebah / hochst erfreuet /
dass der anfang so glucklich gewesen / hatte gute hoffnung zum fortgang / und
unterliesse nichtes herbei zubringen / was er / diese sache zubeforderen /fur
nützlich erkennen kunte.
    Es schiede hierauf der Konig / welcher zuvor unwillig / verwirrt und ubel zu
frieden anzusehen gewesen / freudig / ruhig und vergnugt von dem Prinzen /und
kunte kein mensch die ursach dieser plotzlichen verånderung ergrunden. Vatter
und Sohn / ob schon ungeliebet / waren so wohl zufrieden / dass es jederman
verspurete / auch Aramena und Ahalibama solches erfuhren: die dann / dass dieses
ihnen schådlich sein wurde / leichtlich urteilen kunten / und daher in neuer
angst schwebeten. Ahalibama / die von der Calaride / nicht allein des Seirischen
Gesandten ankunft / sondern auch dessen gewerbe / erfahren / vermutete gleich /
es wurde der Konig etwas beschlossen haben / so ihm in seiner liebe konnte zum
besten kommen. Weil sie wussten / dass Tebah dabei gewesen / vermeinte Calaride
von ihm etwas zu erfahren. Aber dieser verbarge vor ihr / was er dem König
entdecket: weil sie wegen ihres Ehgemals gar zu gut Assyrisch ware / und diesem
grossen anschlag håtte verrahten mogen. Demnach erdachte er eine list / sie
zuverfuhren / und sagte: wie dass der Konig halb entschlossen sei / die Ahalibama
nach Seir zuschicken; mochte er also wunschen / dass sie sich mit dem ersten
wieder stark machete / üm des Koniges gutes furnemen nicht zuhinteren / welches
gar leicht wieder rückgängig werden konnte.
    Mit dieser list brachte er zu wege / dass die hoffnungvolle Ahalibama
folgenden tags wieder aus dem bette sich machete / und / in allen der Calaride
raht folgend / die der listige Tebah dazu angestiftet / liesse sie vom Konig
erlaubnüs begehren / frische luft zu schöpfen / und ein wenig lust wandeln
zugehen: welches dann / dem verliebten Beor / eine hocherfreuliche zeitung ware.
Die schöne Aramena wollte ihr gesellschaft leisten / als welche fast keinen
augenblick mehr von ihr leben kunte. Es wurden ihnen Elon und Japhim / mit allen
hofbedienten / sie zu bedienen / zugeordnet / und gienge die spazirfart nach den
grossen platz / welcher / einer von den lustigsten üm Tanac /nahe für der statt
lage / und das Königsfeld genannt wurde. Das frulingswetter ware so angenem an
selbigem tag / dass alles frauenzimmer aus Tanac auf diesem anger sich einfunde:
vornemlich deswegen / dass sie diese schönheiten sehen möchten / welche ihren
König und Prinzen gefangen hielten. Diese beide håtten gern ihre Geliebten an
diesen ort begleitet / wann es der stand des Konigs und die gesundheit des
Prinzen zugelassen: doch täten sie solches mit ihren verliebten gedanken /
wiewol selbige bei beiden Damen wenig platz funden. Dieselben hatten ihr
gespråch von dem Fursten Elieser / welchen zusehen / die Ahalibama ein so
herzliches verlangen bezeugete / dass die verschmitzte Astale ein Mittel aussonne
/ bei diesem spazirgang solches erfüllet zu verschaffen. Ihr listiger raht /
ware dieser. Sie wusste / an welchem ort das haus war / da der Elieser inn lage /
welches ihr als sie aus der statt gegangen / einer von den Sichemiten gezeiget
hatte. Demnach unterrichtete sie die Furstin /wann sie wieder in die statt käme
/ sollte sie / als wann sie mud wåre / an der ersten haustür niedersitzen /und
das etliche mal also treiben / bis sie vor Eliesers tür kommen wurden: da sie
dann gleich also verfahren / und ihr dann weiters von ihr rahten lassen sollte.
Ahalibama vergasse nicht / mit Aramenen solches ins werk zu stellen: und
sonderte sich / aus ehrerbietung /das mansvolk etwas von ihnen ab / üm in ihrem
gespråche sie nicht zu hintern. Wie sie nun solcher gestalt bis an Eliesers haus
gelanget / und daselbst sich niderliessen / begabe sich die wacht etwas von der
tür hinweg / ihnen platz zu machen. Aber Astale stiesse beherzt die tür auf /
den anderen winkend /die ihr dann eiligst folgeten.
    Ahalibama / von herzlichem verlangen getrieben /floge mehr / als dass sie
gienge / und von der Aramena begleitet / kame sie zu ihrem Elieser in die
kammer: der ihm solche besuchung im geringsten nicht vermutet hatte / und daher
mit heftiger besturzung überfallen wurde. Ach mein Elieser! ach himlische
Ahalibama! riefen sie beide zugleich: indem er sie mit seinen schwachen armen
ümfassete / und sie ihm mit gleicher liebkosung begegnete. Indem aber kame Elon
/ mit Japhin und den anderen / auch hernach: die dann hieruber so erschrocken
waren / dass sonderlich anfangs Elon nicht wusste / was er sagen sollte. Endlich
doch redete er die Furstin an / und bate / dass sie sich von dannen begeben
mochte: weil solche freiheit ihr / als seines Konigs versprochener braut / nicht
wohl anstünde. Die Fürstin von Seir bliebe ganz beschämet / als sie den Elon
dieses vorbringen horete / und den Elieser verlassend / sagte sie zu ihm: Wir
håtten schier vergessen / dass wir gefangene sind; und mussen wir darüm unseren
willen jetzt zwingen lernen / auch mehr im herzen / als in den gebården / unsere
gemuts bewegung auslassen. Er / der nicht wusste / ob dieses /so ihm damals
wiederfuhre / ein traum oder eine wahre geschichte wäre / weidete einig und
allein an seiner Furstin seine ermunterte augen: als Elon / dieselbe bei der
hand fassend / sie fast befehlsweis bate /ihm zufolgen. Demnach / von dem
Prinzen hinweggehend / sagte sie: versichert euch mein Elieser! ich will bis in
den tod die eure verbleiben. Gute nacht! nemt eure gesundheit in acht / an der
mein leben hanget. Ach liebste Fürstin! (rieffe er ihr nach /) wie seelig bin
ich / solchen trost / in meinem jetzigen zustand /aus eurem schonsten munde zu
vernehmen. Bleibet nur also eurem Elieser beståndig / der seine liebe gegen euch
auch im tode soll bewahren. Hiermit sah er ihr hinten nach / weil Elon also mit
ihr eilete / dass sie ihme nichtes ferner antworten kunte. Er verbliebe aber uber
dieser kurzen besuchung so hoch vergnuget / dass er von dem an neue kräfte
begunte zu bekommen / und dieses grosse liebeszeichen seiner schönen Ahalibama
nicht gnug bewundern kunte.
    Diese der Furstin unvermutete tat hatte den ganzen hof in lårmen gebracht /
und ware Elon sehr beångstiget / weil es ihm grosse ungnade beim Konig erwecken
kunte / dass er die Fürstin nicht båsser bewahret: dannenhero er alle hofdiener
hoch ersuchete /es ja fur dem Konig heimlich zu halten. Es kunte aber dennoch
nicht verschwiegen bleiben / weil ihrer zuviel waren die es gesehen / und dem
Konig gleich fürbrachten: welcher dann heftig darüber sich erzürnete. Ahalibama
hingegen / als sie nur den Elieser einmal wieder gesehen / ware so vergnügt und
wohl zufrieden / dass sie Elons bezeugende angst und des Königs vermutlichen zorn
nur belachete / und ganz wolgemuht in des Stattalters hause wieder ankame.
    Aramenen ware zum teil / wiewol sehr unvolkommen / der Ahalibama lebenslauf
bekannt worden. Weil sie nun hiervon eigentlichere nachricht wünschete / als
erinnerte sie / mit der ihr-gewönlichen holdseligkeit / selbigen nachmittag /
die Furstin ihres versprechens: welche dann / weil sie nichtes liebers / als von
ihrem wehrten Elieser / reden hörete / der Astale anbefohle / alles / was sich
mit ihr in Seir und Canaan denkwürdiges begeben / zu erzählen. Diese / nachdem
sie ihre schöne zuhorerin zum aufmerken ganz bereit sah / täte folgende
erzehlung von der
 
                           Geschichte der Ahalibama.
Die herkunft meiner Fürstin betreffend / so wissen sie / gnädige Prinzessin /
dass sie des regirenden Fürsten von Seir / des Ana / und der Prinzessin von
Chaldea Poliphide tochter / diese aber dero H. Vatters schwester ist / und also
die ehre hat / nahe an sie verwandt zu sein. Ihr H. Vatter wurde / auf gut
befinden seiner sechs brüder / Regent in Seir / ungeacht er nicht der älteste
ist. Nachdem er sich an das Assyrische haus verheiratet / gebahre ihm diese
leutselige Prinzessin /meine Fürsten Ahalibama und ihren bruder den Fursten
Dison zu Dedan: beide wohl recht zum spielballen dem unbeständigen glucke /
welches von ihrer zarten jugend an bis jetzo nicht ermüdet / sie zuverfolgen und
zubetrüben. Die kindheit verbrachte meine Furstin / in gesellschaft ihres
bruders und der Furstin Timna / ihres vatters schwester / (welche doch an jahren
nicht ålter als sie ist /) in unschuldiger ruhe.
    Nachdem sie das achtzehende jahr erreichet / fienge das ungluck an / ihr zu
weisen / welche grosse verfolgungen sie noch sollte ausstehen. Dann / wie zur
selbigen zeit ihre Eltern mit ihr nach ihres vatters brudern den Sobal reiseten
/ fugte es sich also / dass die Fürsten von Canaan / der Elieser und Ephron /
daselbst waren: welche beide wackere herren von jederman /wegen ihrer
sonderbaren geschicklichkeit / also geliebt wurden / wie solches ihre seltene
verdienste erforderten; und waren sie unlängst aus dem Medischen kriege wieder
zu haus gekommen / in welchem sie merkliche proben ihrer dapferkeit sehen
lassen. Dem Fursten Elieser kame / gleich im ersten anblick / der Fürstin
Ahalibama schönheit so volkommen für / dass ihr glanz ihme das innerste seines
herzens rührte / uñ ihn ihr aufzuwarten reitzete. Sie / die alle seine
höflichkeiten / als ein zeichen seiner geschicklichkeit aufname / war noch viel
zu unschuldig / zu unterscheiden / was aus blosser höflichkeit / oder aus
anreitzung einer gemütsbewegung / so man Liebe nennt / herruhre: dannenhero
vermerkete sie nicht / dass sie durch ihre unschuldige freiheit / mit der sie ihm
begegnete /ihm gelegenheit gabe / den liebesgift einzusaugen /und gute hoffnung
ihrer gegenliebe zu fassen. Er erzeugete ihr tausend kleine dienste / und machte
sich wegen seines lustigen geistes so beliebt / dass / wie sie wieder abscheiden
mussten / Ahalibama so betrubt als er verliebt verbliebe.
    Unter anderen gespråchen / die er beim abschied mit ihr hielte / ware auch
dieses. Er fragte: ob er auch hoffen dörfe / dass sie sich zu Dedan zu zeiten
seiner erinnern werde? Ihre antwort ware: wie dass sie seiner guten gesellschaft
nimmermehr vergessen wurde. Diese worte / (sagte er / ihr zugleich wider ihren
willen die hand kussend /) werden allein in meiner jetzigen traurigkeit mich
trösten: und dörfte ich gewiss hoffen / ståts ein råumlein in der schönen
Ahalibama herzen zubesitzen / wurde ich mich den gluckseligsten von der welt
achten. Sie kunte ihm hierauf / weil sie ihrer Fr. Mutter nach den wagen folgen
musste / nicht antworten. Als er sie dahinein hube / stiesse sie unversehens ihr
selber einen seidenen blumenstraus vom haubt ab / welchen er eiligst aufname /
und sagete: weil er von ihr käme / båte er um die verlaubnis / selbigen zu
behalten und ihr nicht wieder zugeben. Nachdem sie solchen etliche mal wieder
gefordert /und seine hartnäckigkeit sah / die doch mit solcher artigen
hoflichkeit ihr solchen verweigerte / dass sie nicht darüber zurnen kunte /
uberliesse sie ihm denselben gutwillig / und sagte im scherz: wenn sie ihn einst
wieder sehen würde / so wollte sie einen besseren dafür forderen. Welchen er dann
zu geben / begierig versprochen.
    Als sie zu Dedan wieder angelanget / erzehlte sie der Timna / als ihrer
vertrautesten freundin / alle die wortwechselung / so sie mit dem Elieser
gehabt. Diese / so zwar nicht ålter als sie / aber auf dergleichen händel viel
scharfsinniger war / und alles genäuer betrachtete / verwiese der Fürstin
Ahalibama /dass sie sich so frei angestellet: welche dann so besorgt daruber
wurde / zumal als jene hiervon anlass name / ihrer zu spotten / dass sie ihr
selber drum feind wurde. Bevor ich aber weiter fortfahre / zu erzählen /was in
dieser angehenden liebe sich zugetragen / muss ich zuvor meldung tun / von dem
zustande der Canaanitischen Fürsten und ihrer herkunft: weil sonsten / meine
gnädige Prinzessin / das folgende nit wohl verstehen würde.
    Der König von Kiriat Arba / der Esron / hatte zur gemalin die Prinzessin
von Salem / die Axa: die ihm den jetzigen Konig Ephron / den Fursten Beri / und
die Prinzessin Jerode geboren. Nach Esrons tode /heuratete sie den Sichem /
Konig von Canaan: aus welcher Ehe der Beor gezeuget worden. Der Fürst Beri / des
Eliesers und Ephrons H. Vatter / lebete mit dem Konig Ephron seinem bruder in
grosser strittigkeit / weil derselbe als ein geitziger herr ihme wenig zuwillen
ware / und ihm von seinen vätterlichen anteil nicht / so viel er forderte /
wollte zukommen lassen: daher dieser Furst in grosser dürftigkeit zu Bersaba bei
dem Hebreer-Fürsten Isaac gewohnet / und durch heurat mit der Furstin von Seir /
die des Ana und der Königin von Kiriat-Arba schwester war /endlich ein wenig
wieder empor kame / und durch vermittelung der Konigin einen freien zutritt bei
hof erlangte. Diese vertraulichkeit ward nachgehends durch eine ehr-eifersucht
völlig wieder gestöret / als der Furst Beri männliche erben bekame / sein bruder
aber / der König / eine unfruchtbare Ehe hatte / als welchem die Konigin nur
eine tochter die Prinzessin Coricide geboren: und ob er gleich viele nebenweiber
hatte / konnte er dennoch mit keiner einen sohn zeugen. Dieses erweckte in seinen
neidischen herzen einen grausamen hass gegen seinem bruder / wegen dessen söhne
des Eliesers und Ephrons / die einmal seinen tron erben sollten: welchen er ihme
auf tausenderlei arten zuerkennen gabe.
    Ungeachtet aber dieses der vätter misverstandes /entstunde zwischen ihren
kindern eine liebe / indem die Prinzessin Coricide und der Fürst Ephron von
kindheit auf nicht voneinander sein kunten: und wuchse dieses liebesfeur also
mit den jahren / dass das ganze land solches merken kunte. Der Furst Beri / in
hoffnung / hierdurch allen hass aus seines bruders herzen zubringen / gabe
demselbigen einsmals die liebe seines sohns zu verstehen: erweckete aber damit
solche ungnade / dass der Konig den Elieser und Ephron weder sehen noch horen
mochte / und musste darum ihr H. Vatter sie auf das gebirge Seir schicken. Er
selber aber / entflohe zu seinen stiefbruder / dem König Beor / welcher ihme
alle liebkosungen erzeigete / weil er froh war / dass diese beide bruder sich
getrennet: dann er lebete / mit dem Konig von Kiriat Arba / in todfeindschaft /
welches dem Beri zum besten kame /und ihme gunst bei dem Beor erweckete. Wiewol
nun dieses nur eine schein-gunst ware / massen den guten Fursten mit wenigem an
die hand gegangen wurde /und er / wann er etwas haben wollte / des Konigs
hofbediente darum feiern musste: so ware ihm doch dieses leichter zu ertragen /
als was er von seinen rechten bruder erlitten hatte. Nachdem er lang üm eine
beförderung angehalten / brachte der Fürst Elon ihm endlich zu wegen / dass er
stattalter zu Tapuah wurde: deme er dafur zusagen mussen / seiner söhne einen
mit des Elons tochter / der Melistea / zu verheuraten. Um des willen / liesse er
/ von seinen schwager dem Sobal / die Fursten seine söhne wieder abfordern.
    Der Fürst Elieser / der nun schon in seine Ahalibama sich verschauet / kunte
zu seines vatters Meinung sich unmöglich entschliessen: demnach name er einen
umweg nach Dedan / und liese Ephron nach Tapuah voranreisen. Als er aber an
unsern hof kame / fassete die Furstin Ahalibama den fürsatz / anderst als das
erstemal mit ihm ümzugehen: damit er / wann er etwan eine ubele Meinung von ihr
gefasset / dieselbige durch ihr jetziges verhalten verlieren mochte. Demnach
stellete sie sich gar erbar geg? ihm an: uñ ob er wohl /diese änderung vermerkend
/ sich sehr um gelegenheit bemühte / mit ihr allein zu reden / name sie sich
doch so in acht / dass er etliche tage zu dieser ansprache nicht gelangen kunte.
Endlich aber funde sich hierzu eine bequeme zeit / die er / ehe sie dessen sich
versehen / in acht name / und eines abends ihrer wartete /als sie aus ihrer
fraumutter gemach nach ihrem zimmer eine wendelstiege hinauf gehen wollte: da er
ihr die hand bote / sie vollends dahin zu fuhren; welches sie / wollte sie
anderst nicht fur gar zu unhoflich angesehen sein / geschehen lassen musste.
    Nachdem er sie nun in ihr zimmer und an ein fenster gefuhret / beklagte er
sich / dass er so unglucklich wäre / und noch niemaln / seit er da gewesen / die
gelegenheit haben können / mit ihr zu reden / und sie seiner gehorsamsten
dienste zu versichern; auch dass sie / seit dem er die ehre gehabt / sie bei den
Fursten Sobal zu sehen / sich sehr veråndert håtte. Meine Furstin / als sie ihm
seine erste höflichkeit gebürlich beantwortet / fragte kaltsinnig: worinn dann
ihre ånderung bestunde? ob sie hässlicher oder ungeschickter worden wäre? Er
antwortete: Es ist keines von diesen / schönste Furstin! Ich gläube auch nicht /
dass sie dieses anderer ursache wegen / als die warheit von mir zuvernemen /
gefraget. Ich befinde sie ja so schön und vollkommen / als das erste mal / da
ich mich in ihrem dienste zu sterben gånzlich verlobet. Aber die schönste augen
/ so auf dem erdboden leuchten / lassen mich nicht anderst schliessen / als dass
eine grosse verånderung gegen mich müsse vorgegangen sein /die mich zu den
ungluckseligsten menschen von der welt machen wird. Es wurde mir leid sein /
(sagte sie hinwiederum) wann ich mich damals anderst als jezt erwiesen: wiewol
ich vermeine / meinem vettern der schuldigkeit nach begegnet zuhaben. Ist aber
damals meine gebuhr nicht in acht genommen worden / so soll es in künftig
ersetzet werden / und bitte ich / alles meinem unverstand zuzuschreiben. Sie
sah zwar wohl / dass ihme mit ihrer ernstaften höflichkeit nicht gedienet war:
jedoch name sie ihr gånzlich fur / ihm gar keine hoffnung zu machen / und
erwartete mit grossem verlangen / dass diese unterredung mochte gestoret werden.
Er aber wollte sich weiter erklåren / und sagte: Ihre ånderung bestünde darin /
dass sie ihre getane zusage ihm nicht gehalten hätte. Als sie sich aber keiner
zusage erinnern kunte / fuhre er fort / und erwähnte / welcher gestalt sie ihme
versprochen /ihres treuen dieners nicht zu vergessen: deme zuwider / er
verspuren musse / dass seitdeme sie nimmer an ihn gedacht habe. Sie antwortete:
wie dass sie ihm wenig mit ihrem andenken nutzen könnte. O nein / sagte er
hierwider / die schöne Ahalibama muss nicht nach dem ihrigen von meinem sinn
urteilen. Dann ob ich schon besorgen muss / dass sie an mich zu gedenken wenig
achtet: so ist doch hergegen mein gemut niemals in höherer vergnugung / als wann
es mit den gedanken bei der schönen Ahalibama schwebet. Dieses brachte er mit
solcher gemütsbewegung fur / dass sie nicht wusste / was sie so bald antworten
sollte. Endlich halfe die Timna ihr aus dieser noht / welche dazu kame / und den
inhalt ihres gespråchs verånderte.
    Am folgenden morgen / sandte er meiner Furstin einen köstlichen Diamanten
straus / mit etlichen reimen auf bast geschrieben / welche ich zu gedåchtnis
gefasset / und lauteten dieselben also:
Vormals war dieser Straus von weicher zarter seiden:
nun aber ist er stein.
Soll dies ein zeichen sein /
dass man muss gleiche hårt von eurem herzen leiden?
Ich weiss nicht / ob meine Furstin dieses angenommen håtte / wann es ihr von ihm
oder seinem bedienten wäre selber geliefert worden. Es war aber / eine stunde
vor ihrem erwachen / mir eingelanget / und hatte es die Timna bei mir ersehen.
Diese begunte meine Furstin / wegen ihres spåten schlaffes / anzusticheln /und
sagte: Sie würde gewis / im ersten teil der nacht / gar zu viel an das
gepflogene abendgespråche gedacht haben! Woriñ sie auch wohl nicht unwahr redete
/ ob es gleich Ahalibama nicht gestunde. Sie wollte auch diese gabe lang nicht
annemen / wie sehr sie auch Timna darum bate. Endlich aber / auf unser starkes
zusprechen / name sie den Straus zwar zu sich /wollte ihn aber nicht anstecken /
sondern legte ihn hinweg / und schriebe etliche reimen / die ihr eben einfielen
/ unter des Eliesers verse / dieses inhalts:
Der / so diese weiche blumen hat in harten stein verkehrt /
wird mein herze auch verhårten / wann er gar zu viel begehrt.
Dieses ist nicht dein ernst! sagte Timna; name damit den griffel / und setzte
noch diesen reim hinzu:
Doch / wann seine treu die liebe hårtet / wird er noch erhört.
    Du bist sein guter anwalt! sagte meine Furstin / als sie diesen reim
gelesen: und giengen wir damit in der Prinzessin Poliphide gemach. Als sie
daselbst den Elieser fürfunden / dankete sie ihm fur sein kleinot /und erwähnte
darneben / wie dass sie sich wohl erinnern konnte / dass sie einst gesagt / sie
wollte einen Straus wieder fordern: weil aber das noch nicht geschehen /håtte sie
ihn billig nicht annemen sollen. Er beantwortete dieses gar ernstaft und etwas
betrubt / sagende: Sie liesse die straffe auf seine vermessenheit gnugsam
ergehen / weil sie diesen Straus zutragen nicht einmal würdigte; und sei seine
gehabte furcht / die er ihr in seinen reimen angedeutet / nur gar zu wahr / dass
nåmlich ihr herz die härte eines steins an sich hätte. Weil sie dieses nicht
ernstlich / sondern im scherz / aufnemen wollte / fragte sie: Wie er sich das von
ihr einbilden könnte / weil ja kein mensch mit einem steinernen herzen zu leben
vermöchte? Aber wohl mit einem unbarmherzigen! (fiel er ihr in die rede /) das
sich nicht an die marter kehret / die man seinetwegen ausstehet. Wann ich sähe /
(widerredete sie /) dass einer von meinetwegen einige marter erdulten sollte /
wollte ich keine muhe sparen / ihme linderung zu schaffen. Warüm darf ich dann
(fragte er /) nit auch diese güte hoffen? Weil ich nicht sehe / (gab sie zur
antwort /) dass sie euch so gar notig ist. Darf ich mich (sagte er hierwider)
kunlich erklären / dass ich dieser güte åuserst benötiget sei?
    Indem / als meine Furstin dieses sollte beantworten / halfe ihre fraumutter
ihr davon ab / die zu uns kame / und dieses gespräch verstorete. Sie zwar /
konnte dessen inhalt fast errahten: wie dann nichtes eher sich kentlich machet /
als die liebe / weil dieselbe ein so helles licht ist / dass man / wie sehr man
auch darum beflissen ist / es nicht verbergen kann. Ich weiss nicht /ob es ohne
vorgedanken geschehen / oder ob es die Fürstin Timna mit fleis getan / dass sie
nachgehends über der malzeit von dem Straus sprachete / und meine Fürstin eine
undankbare und unerkentliche schalte. Einmal / als die Prinzessin ihre
fraumutter solches horte / fragte sie: worauf dieses geredt wåre? Nachdem sie es
erfahren / befahle sie der Ahalibama /ihn bringen zulassen und anzustecken. Der
jenige / so ihn aus meiner Fürstin zimmer holen musste / brachte den zettel mit /
auf welchen die dreierlei verse geschrieben waren / und zundete Ahalibama wie
ein feuer an / als sie den erblickete. Die Prinzessin aber lase ihn laut ab /
und vermehrete damit sowol des Eliesers als ihrer tochter errötung / also / dass
es alle anwesende bei der malzeit verspüren konten. Ahalibama sagte / sich in
etwas zu entschuldigen: sie håtte den lezten reim nicht geschrieben / sondern
das sei von der furwitzigen Timna geschehen: welches Elieser mit den augen
beantwortete. Die Prinzessin aber wurde hierauf etwas still / und gabe den
Straus ihrer tochter / ihn anzustecken. Hierbei sagte Elieser: Er erfreue sich
zwar uber der jetzigen gluckseligkeit seines Strauses / sei aber unglucklich /
dass er solche mehr dem befehl ihrer fraumutter / als ihrer eigenen gütigkeit /
zuzuschreiben habe.
    Nachdem die alte Prinzessin dieses hoflich beantwortet / und die malzeit
bald darnach aufgehoben worden / bliebe Elieser bei ihr allein / und brachte ihr
/ seine zu ihrer tochter tragende liebe / mit so ehrerbietigsten worten für /
dass sie seine freiheit und dieses anbringen nicht übel aufnemen konnte: dann sein
gutes haus / da er so grosse hoffnung zur Kron im land Canaan hatte / neben
seiner annemlichen person und sonderbaren geschicklichkeit / waren gnugsame
anreitzungen / solches nicht auszuschlagen. Wie sie ihme demnach zimliche
hoffnung gemacht / kame ihr Gemal Ana eben auch vom jagen wieder: welcher hierum
begrüsset / mit freuden seinen willen darein gabe / wofern der Furst Beri
zuvörderst / und dann auch der Konig von Canaan dessen halbbruder / es zulassen
würden. Meine Fürstin ware hierauf leicht zugewinnen: dañ Eliesers wesen ihr
sehr wolgefiele /und seine beständige liebe bewegte sie / dass / was ihre Eltern
gern sahen / ihm zuversprechen. Hierum nennte er sich den gluckseligsten
menschen der welt /und sobald ihme seine heftige liebe / seine Ahalibama
zuverlassen / zulassen kunte / reisete er / nach dieser erlangten zusage / als
der vergnügteste verliebter /von Dedan hinweg / bei seinem H. Vatter das ubrige
seiner glückseligkeit zu suchen und zuerlangen.
    Als er nach Tapuah kommen / funde er die sachen alda so beschaffen / dass er
von seiner liebe noch nichtes melden durfte. Dann sein H. Vatter und dessen
bruder waren sehr hart an einander geraten / wegen des Elons tochter / die der
Beri dem Ephron einnötigen / dieser aber seine liebe zu der Prinzessin Coricide
nicht verlassen wollte. Weil demnach der Furst Beri von natur etwas furchtsam /
eigennutzig und unbeständig ist / (welche namen er / ungeachtet er des Edlen
Eliesers vatter ist / wohl verdienet /) als trachtete er nach nichtes mehr in der
welt / als wie er möchte bei dem Konige Beor seinem halbbruder sich fåst setzen:
das dann ohne den Fürsten Elon nicht geschehen kunte / weil er so hoch am bret
ware. Also wollte er nun sein versprechen auf alle weis halten / und in hoffnung
/ der Elieser wurde ihm hierin gehorsamer sein / mutete er ihm an / die Melistea
zu heiraten. Elieser / seines H. Vattern gemüt wohl kennend / dass er keinen
gånzlichen abschlag vertragen würde / gabe ihm eine zweifelhaftige antwort:
welcher aber doch /weil er darin keine erklårung nach seinem willen fand /
hieruber so betrübt und unlustig wurde / dass er schier verzweifeln wollte.
Elieser aber offenbarte dem Ephron alles / wie es mit der Ahalibama und ihm
stünde: der dann / zwar zu herzlichen mitleiden bewogen wurde / aber keinen raht
zu geben fähig war / weil er an gleicher seuche krank lage. Demnach verzehrte
dieses anligen Eliesern dermassen / dass er mit einem hitzigen fieber niederkame
/ und fast alle ärzte an seinem leben verzweifelten.
    Die götter aber schicketen ein so unvermutetes mittel in den weg / welches /
wie alle hoffnung verloren schiene / ihn an leib und gemute genesen machete.
Dann sein treuer bruder / sich aus einer falschen einbildung beredend / seine
håftige liebe zu der Prinzessin von Kiriat Arba werde ihm ubel belohnet /
entschlosse sich / aus grausamer rache wider diese eingebildete untreu / die
Melistea zu heiraten: welches den Beri ruhig / den Elieser gesund / und die
Melistea /als welche den Ephron innigst liebte / neben ihrem H. Vatter / hochst
vergnügete. Und ob wohl Elon lieber den Elieser zum schwiegersohn gehabt / als
der ein Königreich zu hoffen hatte: so wollte er dennoch seiner gemalin und
tochter nicht widersprechen / als er die dem Ephron geneigt befunde. Der
verliebte Elieser name hierbei die gelegenheit in acht / seine liebe auch zu
offenbaren: die dann der Furst Beri erfreuet anhorete / und diese reiche braut
seinem sohne / um seines eigenen nutzens willen / sehr gern gonnete. Weil er nun
/ auf Elons wolneigung bauend / nicht vermutete /dass ihme dieses am
Sichemitischen hof wurde abgeschlagen werden / ordnete er / auf inståndiges
anhalten des verliebten Eliesers / einen gesandten nach Dedan ab: der dann
meiner Furstin treffliche geschenke mitbrachte / und uns allerseits hoch
erfreuete / weil wir so lang unwissend gelebet hatten / wie es dem Elieser
ergehen mochte. Also wurde beschlossen / die Hochzeit der Ahalibama zu Tapuah
anzustellen /dahin sie alle Seirische Fursten begleiten wollten: und wurde eben
dieser Ezer / der ein halbbruder des Ana /und jetzt auch hier zu Tanac
Gesandter ist / zu dem Beri hinwiederum abgeschicket / mit demselbigen /dieser
heurat wegen / alles abzureden.
    Der Fürst Beri zoge hierauf / mit seinen beiden sohnen / nach Sichem:
vermeinend / ohne müh / von dem König zu erlangen / was er suchete / weil er den
Elon an der hand hatte. Aber er wurde in seiner einbildung sehr betrogen: dann
der Beor / aus allerhand herfürgesucheten ursachen / wollte nicht einwilligen
/dass sein sohn die Ahalibama freien sollte. Es vermeinte dieser Tyrann zu
hinteren / auf was weise er nur könnte / dass Elieser und Ephron gar nicht möchten
heiraten: damit er / am Königreich Kiriat Arba / der nåchste bleiben mochte. Wie
nun also des Beri bemuhungen bei dem Konig umsonst waren / gienge er zum Elon /
und vermeinte / durch ihn bei hof noch etwas zu erhalten. Dieser versprach ihme
mehr / als er auszurichten gewillet war. Dann er selber mit daran schuld hatte /
dass der Konig diese heurat Eliesers nicht zugeben wollte: weil sein geitziges
gemut und der grosse eigennutz ihn trieben / solches nicht gern zusehen. Er
befahrete / wann Elieser in ein so måchtiges haus heiraten sollte / ihme mögten
seine anschlåge und grosse einbildungen zu wasser werden / die er hatte in
seinen sinn gefasset / dermaleins den Ephron /seinen schwiegersohn / König zu
Kiriat Arba zusehen.
    Wie nun der Furst Beri von einer zeit zur andern zu Sichem vergeblich
aufgehalten wurde / und endlich merkete / wo es recht bewandt war / gienge er
eines tags zum Elon / erzeigte sich etwas ungedultig / und in Meinung / dass er
diesen Fursten damit desto eher bewegen mochte / ihm eine gute abfårtigung vom
König zu erlangen / wann er die heurat Ephrons mit seiner tochter auch wurde
zweifelhaftig machen /sagte er wider ihn: So ferne der Konig bedenken truge /
seinen willen darein zu geben / dass sein åltester sohn heuratete / so konnte er
viel weniger die verehlichung Ephrons mit der Melistea geschehen lassen. Der
listige Elon antwortete: Er sollte nur heimlich /ohne des Königs vorbewust / die
hochzeit Ephrons zu Tapuah lassen fur sich gehen; er wollte es schon bei seinen
herrn helfen verantworten. Hierauf fragte Beri: warum er dann nit auch die
hochzeit seines åltesten sohns beim Konig entschuldigen konnte? es wåre ja
einerlei verbrechen / und also auch einerlei vergebung zu hoffen. Hierwider
wusste Elon nichts anders einzuwenden / als dass er ihm gånzlich widerriete / sich
mit dem Seirischen hause zubefreunden: dann sein König / auf den fall / ihm
nimmer wieder hold werden würde. Dieses verdrosse den Beri dermassen / dass er in
unmut sagte: Er spure wohl / wie man es mit ihm meine / und wie er bei der nasen
ümgeführet wurde. Demnach wollte er hiemit / die heurat seines sohnes Ephron mit
der Melistea / ungültig erkläret haben /wann sein åltester sohn die Ahalibama
nicht haben sollte. Diese rede name Elon so unwillig auf / dass er ihm drohete /
sich an ihm deswegen zu rächen: und schieden sie also todfeinde von einander.
    Des Beri beide sohne / feireten hierauf nicht / ihren H. Vatter in dieser
Meinung zuerhalten / und immer mehr zuverhetzen / sagende: Er sollte nun selber
betrachten / ob der König Beor ihn und ihr haus nicht auszurotten gedåchte /
weil er diese heurat keiner andern ursach wegen hinterte / als dass er sie erben
/ und den stam der Hetiter / der auf ihnen bestunde / untergehen sehen wollte?
und ob sie nicht båsser täten /wann sie in ihr vatterland sich wieder begäben /
und den Konig Ephron seinen rechten bruder anfleheten /dass er sie in schutz
nemen möchte / bei dem die alten misverståndnise wohl könten abgetan werden? Der
Beri name dieses einraten seiner sohne willig an /massen er auch fur sich
nichtes nutzlichers ersah. Als er nun von Sichem unverrichter sachen wieder
weggezogen / sandte er alsbald von Tapuah nach Hebron zu dem Konig seinem
bruder / schriebe dabei gar beweglich an seine schwester die Prinzessin Jerode
/welche des Konigs herz in ihren händen hatte / und bate / dass der Konig ihn in
dieser noht nicht lassen /sondern den schimpf seines hauses verwehren / und die
alten fürgegangene dinge vergessen mochte. Des Beri gemalin schriebe zugleich an
die Königin ihre schwester / und wurde am hof zu Hebron alles dieses gar wohl
aufgenommen: allermeist darum / dass der Konig hierdurch sich an dem Beor
zurächen suchete. Weil es nun auch die Jerode riehte / der er in allen dingen
folgete / als ware die antwort / welche des Beri abgeschickter zu ruck brachte /
bässer und gewünschter / als sie ihnen jemals einbilden konnen: dann der Konig
nicht allein seinen binder freundlich ersuchete /wieder zu ihm zu kommen /
sondern auch sich anerbote / die Fürstin Ahalibama vom gebirge Seir / mit dem
grösten pracht / der nur wurde erdenklich sein /nach Hebron bringen zulassen. Er
versprache auch /die Prinzessin Coricide seine tochter an einen seiner söhne
zuverheuraten: damit ihr geschlecht / wider das böse furnemen der Heviter /
unter denen Beor das haubt war / mochte erhalten werden.
    Wer war / nach dieser zeitung / frolicher als Beri /glückseliger als Elieser
/ und vergnügter als Ephron? welcher lezte / mit seiner Prinzessin beståndigkeit
so unverhofft wieder erquicket / der tochter Elons / die er niemals geliebt /
üm so viel eher vergasse. Als nun Ezer / der Seirische abgesandte / den der Beri
bisher bei sich behalten / mit guter abfårtigung nach Dedan wieder angekommen
war / erzehlte er uns alles dieses / was ich jezt berichtet / nach der långe /
und kame gleich darauf ein gesandter vom Konig zu Hebron /der unsere Fürstin
abholen sollte. Wie nun alle moglichste zurustung zu diesem beilager gemachet war
/und fast alle Seirische Fürsten / die Ahalibama ins land Canaan zu begleiten /
sich versamlet hatten / reiseten wir mit grossem pracht von Dedan hinweg / und
zwar in zweien heeren / zu bässerer bequemlichkeit /wegen der nachtlagere: da
dann in dem vordersten haufen der edle Dison / meiner Furstin H. bruder sich mit
befande. Als wir aber an dem steinigten Arabien daherreiseten / wollte das
ungluck / dass ein grosses heer Arabischer rauber auf die vordersten stiesse /
die unsere reise ausgekundschaftet / und gute beute zu machen verhoffeten.
Wiewol nun die unsern / weil der Furst Dison dabei ware / sich lang
widersetzeten / und sich nicht ergeben wollten: so mussten sie doch endlich der
månge weichen / und sich gefangen geben; welches wir im andern haufen / weil wir
zuspat nachricht davon bekamen / nicht verhintern kunten.
    Wie diese zeitung uns alle bestürzt gemacht / ist leichtlich zuermessen:
zumal der Ana und Poliphide ihren einigen sohn / Ahalibama ihren so geliebten
bruder / und alle Seirische Fursten die kron ihres hauses / in schwerer
dienstbarkeit unter den wilden raubern wissen mussten; und wir dabei noch in
sorgen stunden / dass uns allen ein gleichmäsiges unglück begegnen konnte. Wir
sandten folgends etliche der unseren in alle Arabische benachbarte orter / wegen
des Fursten Disons sich zu erkundigen / ob derselbige etwan irgendwo verkauft /
oder sonst auszufragen sein mochte. Wir aber namen einen umschweif / und wandten
uns nach dem todten Meer: daher die rauber /so auch auf uns gelauret / unser
verfehleten / und wir sicher furbei kamen. Gleichwie nun dieser unfall alle
unsre freude aufgehoben hatte / also fanden wir dieselbige auch zu Hebron
verbittert. Dann der Furst Elieser / als ihm das geschrei von unserem unglück zu
ohren gekommen / und zwar mit dem zusatze / dass seine Furstin auch mit gefangen
worden / hatte / mehr von verzweiflung als vernunftigem schluss getrieben /das
vornemen gefasset / seine Ahalibama zu erlösen /und nicht abzulassen / er håtte
sie dann gefunden. Also ware er / mit seinem bruder und vielen Canaaniten / uns
entgegen gezogen: da er dann / weil wir umhin gereiset / des wegs verfehlet /
und uns auf der reise nicht angetroffen. Der König Ephron aber entfienge uns mit
grosser höflichkeit / und die Konigin ward hochst erfreuet / ihre vettern die
Seirische Fürsten zusehen. Beri ebenfals erkennte die wahl seines sohnes vor
billig / die er an der schönen Ahalibama verübet. Die Prinzessin Coricide und
meine Furstin / machten bald grosse freundschaft zusammen / die dadurch
vermehret wurde / weil sie zween brüder liebeten. Mann sandte nun auf alle
strassen den Fursten Elieser und Ephron leute nach / die unsere ankunft ihnen
berichten sollten: und war der Furstin Ahalibama sorgfalt nicht gering / dass ihme
ihrentwegen etwas widriges widerfahren möchte.
    Aber / indeme man also in sorg? lebte / verkehrte sich das glückrad zu
Hebron dermassen / dass alles das ungluck / so bis jetzo dauret / und ganz endlos
scheinet / ausgehecket wurde. Die Prinzessin Jerode /welche eine von den
bosesten und hochmütigsten weibern der welt ist / liebete ihres bruders tochter
/ die Coricide / mit einer so ungemeinen fürsorge fur ihr wolergehen / dass sie
sich damit dieser schönen und tugendhaften Prinzessin sehr uberdrussig machte:
und hatte sie ihr damit soviel herzenleid verursachet / dass man einen eigenen
tag davon gnug wurde zuerzehlen haben. Es fienge ihr an zu misfallen / dass eine
Furstin aus dem geschlecht der Konigin / welcher sie todfeind war / dermaleinst
hoffnung haben sollte / Konigin von Kiriat Arba zu werden: da hingegen ihres
bruders tochter nur Furstin von Canaan werden wurde. Demnach lage sie dem Konig
ihrem bruder in den ohren /er sollte des Beri åltstem sohn seine tochter / und
die Ahalibama dem jüngsten geben. Wofern sie aber beiderseits aus beståndiger
liebe dahin nicht mochten zu bringen sein / sollte der Konig den Elieser an
halten /seine erstgeburt seinem bruder zu ubergeben: damit Ephron / kunftig nach
des Konigs tode / als der Coricide gemal / Konig werden mochte. Dieses gefiele
dem König gar wohl: massen er auch nichts mehr wunschen kunte / als dass sein kind
nach ihme seinen Koniglichen tron mitbesitzen sollte. Demnach redete er hiervon
mit seinem bruder: welcher / weil er sehr eigennützig / alles dieses gut befunde
/ und es ihme gleich viel sein liesse / welches von seinen kindern dermaleins
die kron aufsetzen wurde / wann nur er dabei ruhe und gute tage hätte. Coricide
erfuhre solches von der Jerode: die dann hochstbekummert nicht unterliesse /
meiner Fürstin solches zuklagen. Beide überlegten wohl / was hiervon entstehen /
und wie die Seirische Fürsten / dass sie Elieser heuratete / nicht zugeben:
Hingegen / wann er / seines rechts und anwart zur Hebronischen krone sich nicht
begäbe / Jerode nicht ruhen wurde / bis sie alles uber einen haufen geworfen.
    Zu solchen besorglichem zustande / kame Elieser und Ephron wieder nach
Hebron an: da dann die freude unaussprechlich war / als Elieser und meine
Furstin einander wieder zusehen bekamen. Die herzliche liebe / die sie
beiderseits / in gegenwart der ganzen gesellschaft / offentlich erwiesen / gabe
dem Konig und der Jerode gnugsam zu erkennen / dass dieselben schwerlich / für
die Coricide und den Ephron / einander verlassen wurden. Demnach gedachten sie
das andere mittel zuergreifen / und dem Ephron zur erstgeburt zuverhelfen. Weil
nun / Elieser so wohl als Ephron / in ihrer liebstinnen augen eine sonderbare
traurigkeit verspüreten / verlangten sie gelegenheit / einander allein
zusprechen. Als sie nun einsmals der gesellschaft sich entlediget / begabe sich
jeder mit seiner Dame auf ein ort / und Elieser begunte seine Fürstin also
anzureden: wann ich nicht / schöne Ahalibama /den verlust eures bruders wusste /
würde ich mir seltsame gedanken machen mussen / uber eure jetzige traurigkeit;
zumal ich mir die hochmütige einbildung gefasset / dass meine gegenwart euch
freude sollte erwecket haben. Ach mein Elieser! (antwortete sie /) zweifelt nur
im geringsten nicht / dass eure liebe gegenwart mir nicht sollte angenem sein.
Meine traurigkeit / die ihr mir angemerkt / rühret zwar mit her / von dem
verlust meines bruders. Aber es ist noch was anders / so jezt die meiste
betrübnis bei mir verursachet. Als er hierauf sie ganz besturzt und begierig
ansah /sagte sie ferner: Ihr werdet mich mussen verlassen /mein Elieser! oder
wider euer eigene wolfart handelen. O ihr gotter! (fiele er ihr in die rede) wie
ist dieses zuverstehen? Wollet ihr wohl (fragte sie /) eine kron fahren lassen /
um meint  willen? Alle reiche der welt (antwortete er /) schåtze ich gering /
wann ich Ahalibama habe. Wollet ihr aber (fuhr sie fort) euer recht zur krone
fahren lassen / um allein mich zu behalten? Kein verlust in der welt / (sagte er
hinwiederüm / unwissend / worauf sie zielte /) wird mir zuschwer fallen / meine
schonste Ahalibama zu gewinnen. Hierauf erzehlte sie ihm alles was ihr Coricide
von des Konigs und seiner schwester anschlåge gesaget: woruber er sehr besturzt
wurde / weil er wohl zuvor sah / was daraus entstehen wurde.
    Indem kame Ephron mit seiner Prinzessin auch zu ihnen / die dann von
gleichen dingen geredet hatten /und sagte Ephron: Schaue doch / mein bruder /
wie uns das ungluck verfolget! Man will mir die Prinzessin Coricide ohne tron
nicht geben; den ich aber / ohne leichtsinnigkeit / von dir nicht begehren kann.
Und ich (sprache Elieser /) wollte dir mein recht zur kron herzlich gern abtreten
/ wann ich nur nicht dadurch die hoffnung verlieren musste / meine Ahalibama zu
uberkommen. Ich liebe euch (sagte Coricide zu Ephron) ohne kron / und bin nicht
gewillet / durch unrechtmåsige mittel zu dieser würde zu gelangen. Ich liebe
euch (redete Ahalibama zum Elieser /) ebenfalls ohne kron / und will lieber mit
euch ins elend ziehen / als dieser wegen euch verlassen. Ach himlische
Ahalibama! (sagte der verliebte Elieser /) wie seelig ist mein stand / mitten in
diesen verfolgungen meines gluckes! dem ich ja trotz bieten kann / nun ich eurer
herzlichen liebe so gewiss versichert bin. Gleichmåsige liebesbezeugung /
erwiesen einander Coricide und Ephron: und sind diese reden von meiner Fürstin
mir nachmals erzählt worden.
    Nach diesem wurde der Jerode und des Königs unglückseliger anschlag
fürgenommen / und allen teilen angebracht: da dann die Fürsten von Seir sich
hart entgegen setzeten / und die Ahalibama anderst nicht dem Elieser / als
künftigem kron-erben / überlassen wollten. Elieser tate zwar sein möglichstes /
bald seinen Vatter / bald den Konig / bald auch die Seirische Fürsten zubeguten:
aber alles war vergebens. Also wurde dieser gute Fürst / der sich fast schon in
dem port seiner liebe gesehen / wieder mitten unter die gefärlichste wellen
verschlagen: in welchen er wurde haben untergehen müssen / wann ihn nicht die
beståndige liebe seiner Furstin erhalten håtte. Jerode war /bei aller dieser
unruhe / die vergnugteste: weil es ihr eine unbeschreibliche freude brachte /
dass die Seirische Fürsten also beschimpfet wurden. Weil nun Elieser sein recht
zur krone nit abtreten wollte / als brachte sie beim Konig zu wegen / dass die
heurat der Coricide mit dem Ephron ganz ruckgångig wurde. Diss verursachte ein
solches unwesen in Hebron / dass die eingebildete hochzeitfreude in lauter
trauren verkehret wurde. Der Fürst Beri / wie er solchen ausgang ersah / da ihm
die Seirische Fursten auf den leib drungen /und sich harter worte vernemen
liessen / wollte es gern anderst gesehen haben / und vermeinte / seinem bruder zu
bewegen / dass er seine Meinung åndern sollte: der aber immer hartnäckichter wurde
/ und ihm so ubel begegnete / dass er an allem verzweifelte.
    In dieser åusersten noht / quälete den Elieser am meisten / dass seiner
Ahalibama dieser schimpf in seinem vatterland widerfahren sollte / und dass die
jenige / die er über alles ehrete / so wenig ehre von den seinigen entfienge. Er
besorgete / sie wurde derentwegen / wie sie billig tun können / auch ihre liebe
in eine verachtung verwenden. Aber er fand sie so grosmütig / dass sie nicht die
unschuldigen unter die schuldigen vermengte. Ich weiss gar wohl / (sagte sie
öfters zu ihm /) dass es euch ein unerträgliches leiden ist / üm dass man mir
allhier dergestalt begegnet. Ihr erdultet aber hierunter / weil ihr mich liebt
/ ja so grossen unlust: und musste ich undankbar zu nennen sein / wann ich über
das / was ihr meinetwegen ausstehet / euch noch einige unerkentlichkeit erweisen
wollte. Mit diesen und dergleichen worten richtete sie ihn immer wieder auf /
wann er wegen seines zustandes verzweiflen wollte. Endlich / als die Fürsten von
Seir des Konigs halsstarrigkeit sahen / entschlossen sie sich /mit der Ahalibama
davon zuziehen / und diesen schimpf durch einen krieg zuråchen. Elieser aber
gabe der Poliphide so gute worte / dass sie / seinen kläglichen bitten gehör
gebend / ihr vorname / mit Ahalibama nach Sichem zureisen: üm durch vermittelung
der Konigin Atis / als ihrer nahen befreundtin / den Konig Beor zu bereden /
dasser dem Elieser etwas einraumen mochte / damit er Ahalibama heiraten konnte.
    Diese ungluckselige reise wurde / sobald sie beschlossen / ins werk
gestellet / und wusste der Beri zwar wohl darum / stellete sich aber / als wäre
ihm davon nichtes gesagt worden. Mitterweil zoge der Furst Ana / neben allen
seinen vetteren / unwillig wieder von Hebron hinweg: welches der König / von
seiner schwester angereitzet / wenig achtete. Elieser aber schwebte in hochster
furcht und hoffnung / wie unsere reise nach Sichem ablaufen wurde: und zehlte er
zu Bersaba / dahin sich sein H. Vatter begeben hatte /alle stunden und tage /
bis er von seinem Waffentråger / den er mit nach Sichem geschicket / post
erlangen mochte. Die Königin Atis / entfienge die Prinzessin ihre wase / und die
Furstin deren tochter / gar höflich: und nachdem sie alles / was die Poliphide
suchete / verstanden hatte / erbote sie sich / bei ihrem herrn alles / was ihr
moglich sein wurde / auszubringen; wiewol sie wusste / dass der Konig mit dem Beri
übel zufrieden wåre. Als sie nun eine glückliche stunde angetroffen / da der
Beor wohl zusprechen ware / brachte sie ihr gewerbe an / und führte so viele dem
reich und allgemeiner ruhe angelegene ursachen ein / dass sie endlich das jawort
erhielte. Hiernächst begunte sie meiner Furstin schonheit dermassen heraus zu
preisen / dass der Konig / der sie noch nicht gesehen hatte / sie anzusprechen
begierig wurde. Die gute Königin brachte des Königs Entschliessung / die für den
Elieser so gewunscht ware / der Prinzessin ihrer wasen vor ohren; woruber
Ahalibama von plotzlicher freude so errötete / dass Atis sie darüm anlachete /
und scherzweis zu ihr sagte: Es liesse sich das liebesfeur nicht bergen / sollte
es auch durch die wangen herfur flammen. Ahalibama beantwortete dieses mit
vermehrung ihrer rote / und wurde ihnen damit angemeldet /wie dass der Konig kåme
/ sie zubesuchen.
    Ich ware / neben der Prinzessin und meiner Fürstin anderen bedienten / mit
im gemach / als der König hinein kame: kann also wohl sagen / dass / als er / nach
begrüssung der Poliphide / zu meiner Furstin sich kehrete / sie anzusprechen /
er ganz bestürzt worden /und mit unverwandten augen sie betrachtet. Ich muss
gestehen / (sagte er / nach anderen abgelegten hoflichkeiten / zur Poliphide /)
dass mein vetter glucklich ist /von einer solchen schönheit geliebt zu werden /
und verdienet sie warlich einen tron: daher er billig sein recht zu solchem
nicht vergeben können / als ohne dessen hoffnung er ihrer nicht wurdig wäre. E.
Maj. urteil von meiner tochter / (antwortete die Prinzessin /) ist fur sie gar
zu vorteilhaftig / und wird sie neben dem Fürsten Elieser sich uberseelig
schätzen / wann sie E. Maj. in ihren schutz nemen / und durch dero gute ihre
vorhabende Ehe wollen befordern helfen. Ich habe ja (antwortete der König /)
durch die Königin /allbereit versprechen lassen / dass ich mit allem friedlich
bin / und ernenne ich hiemit den Elieser zum Stattalter von Tanac / welches
land ich ihme / dieser schonen Fürstin halber / übergiebe / und ihm frei stelle
/ zu mir zu kommen / wann es ihm belieben wird. Solches sagend / schauete er die
Ahalibama unaufhörlich an: die dann / wegen ihres vergnügten gemütes / doppelte
schonheit herfür glånzen liesse / und sowol mit gebården / als ihre fraumutter
mit worten /dem Konig für diese gnädige anerbietung dankete.
    Dem Elieser wurde dieses gleich nach Bersaba berichtet / der sich nicht
säumete / bald bei uns zu sein: wiewol seinen H. Vatter / als einen wunderlichen
kopf / es verdrosse / dass sein sohn sein gehabtes amt zu Tanac sollte bekommen;
dem er auch schuld gabe /dass er seinetwegen solches verlassen / und nach Hebron
gezogen wåre / da er nun zu Bersaba in einem schlechten zustande sich wieder
befunde. Der Beor entfienge ihn gar freundlich / und ihm zuweisen / wie er sein
wort zu haltengesonnen / musste Elon ihm die herrschaft Tanac einraumen / und
wurde sein und der Ahalibama beilager uber ein monat angesetzet / auch selbiges
in Sichem mit allem pracht zu halten / die anstalt anbefohlen. Inzwischen
befanden beide verliebte sich höchst vergnugt / und vermeinten nun aller sorgen
los zu sein: unwissend / dass selbige tage die lezten vor ihrer ruhe sein würden.
    Aber der Konig / der / je ofter er meine Fürstin sah / je mehr das liebes
gift in sich gesogen / ward bei dieser ruhe des Eliesers immer unruhiger. Und
weil er von natur sehr leichtfårtig ist / als klagete er sein geiles
schåndliches anligen / dem Mizrah / dem priester des gottes Berit: von welchem
er zuvor schon vernommen hatte / wie dass in Lybien / von dar derselbe neulich
angekommen / der gebrauch wäre /dass der Konig / alle bräute seiner untertanen /
im tempel / die erste nacht für der hochzeit / beschlaffen dorfte. Diesen
gebrauch nun wollte er / meist üm Ahalibama willen / auch in seinem land
einfuhren / und mit ihr anfahen: befragte sich derhalben bei dem Mizrah / ob er
dessen auch mit einer freien auslåndischen Furstin befugt wäre? Dieser / nach
art der hoflinge /die in allen ja-knechte sein wollen / erlaubte solches dem
König: und ward abgeredet / damit Ahalibama sich nicht widersetzen mochte / dass
man ihr hiervon nicht den geringsten vorschmack geben / noch jemand hierum
wissen lassen sollte. Inzwischen zoge die Prinzessin Poliphide von Sichem hinweg
/ weil sie zeitung vom Ana bekame / wie dass er / der bisher zu Jericho in der
nåhe sich aufgehalten / wegen hoherangelegenheit eiligst wieder nach dem gebirge
Seir reisen musste / und sie gern mit sich haben wollte. Demnach verliesse sie
ihre tochter daselbst / ja so vergnüget /alssehr ihr der verlust ihres sohns
noch immer zu herzen gienge.
    Der tag kame nun heran / an welchem dem verliebten Elieser seine Ahalibama
sollte angetrauet werden. Diese unschuldige Fürstin gienge / den abend zuvor /von
der Königin / allen Sichemitischen frauen und ihren jungfrauen / begleitet /
nach des gottes Berit tempel / als sie zuvor / die gewönliche zeit / sich
versperret innen gehalten. Nachdem der Mizrah sie entfangen / und die
gebråuchliche, opfer verrichtet /wurde sie neben zweien dirnen / unter denen ich
die eine war / in einer kleinen Capelle / die nacht über daselbst zubleiben /
allein gelassen. Sie wollte sich / aus verborgenem antrieb / nicht abkleiden /
setzete sich auf das bereitete bettenider / und sprachete mit uns bis üm
mitternacht / von ihrer keuschen liebe / die sie zu dem Elieser truge. Endlich
gienge unversehens die tür auf / und wurde die erschrockene Ahalibama von dem
Mizrah / welcher eine kleine lampe truge / und dem Konig damit vorleuchtete /
also angeredet: Schone Furstin! ihr werdet euch nicht widersetzen /den gesetzen
des landes gemås / dem König eine gunst zu erweisen / deren er von euch
berechtiget ist. Hiemit winkete er mir und meiner gespielin / dass wir uns sollten
beiseits begeben. Mir aber war unmüglich /solches zu tun: und indem sah ich /
dass Ahalibama mit beiden armen den König von sich stiesse / ihme auf ein fenster
gesimse entsprunge / und aus demselbigen sich beherzt hinab auf die gassen
warfe. Ich folgete ihr blind nach / und mir meine gespielin: kamen wir also alle
dreie ohne schaden auf den boden und liefen / beim schein des mondes / vom
tempel hintan /so weit und eilends wir kunten.
    Wir traffen zu gluck den Elieser mit seinen bedienten auf der gassen an:
welcher / weil ihm das herz etwas widriges mochte gesagt haben / nicht in seinem
gemach bleiben konnen / und gegen den tempel ausgegangen ware. Er stunde still /
und sah mit verwunderung unserem laufen zu / an welchem er erstlich nit glaubte
anteil zu haben. Aber ô ihr götter! wie gros war seine bestürzung / als er
seine Fürstin erkennte /die / ihn gleichfalls ersehend / mit diesen worten ihm
in die arme fiele: Ach! rettet die ehre eurer Ahalibama! Hiemit / weil sie so
heftig gelaufen / auch schrecken und entsetzen dazu kame / bliebe sie ganz
onmächtig ligen: und fehlete es nicht viel / dass es dem Elieser / wegen so
unvermuteter begegnis / nicht eben so ergangen wåre. Weil ich vor entsetzung
eben so wenig sprechen kunte / deutete ich nur / man sollte uns in ein haus
bringen. Als dieses geschahe / und wir uns alda såmtlich etwas erholet / auch
Ahalibama wieder zu ihr selbst gekommen war / erfuhre Elieser / wie es uns im
tempel ergangen: das ihn dann in solche besturzung brachte / dass er nicht
unbillig sein grausames verhängnis anklagete. Er wusste in dieser noht keinen
raht zuergreifen / weil er den König viel zu mächtig / tyrannisch und
leichtfärtig kennte / als dass er / nach dieser saubern tat / sich zu ihm etwas
gutes håtte versehen konnen. Also hielte er die eiligste flucht für das båste /
worzu Ahalibama sich gern verstunde / weil sie doch nun bei dem König für sich
und ihren Elieser keine sicherheit mehr sah. Sie stunden nur noch an / wohin
sie sich wenden wollten. Zu Tapuah / waren sie nicht sicher. Bei den Fürsten
Beri konten sie / wegen des Königs von Hebron /nicht wohl bleiben. Anderswohin /
da sie heimlich leben mochten / sich fuhren zu lassen / wollte meiner Fürstin
grosmut nicht zulassen. Endlich nach langem ratschlagen / dazwischen fast der
morgen anbrache /ward beschlossen / sie wollten nach dem gebirge Seir reisen: und
sollte Elieser dem Krieg in Assyrien solang nachziehen / bis der himmel fur sie
eine bässere zeit schicken würde.
    Hierauf raffeten wir / in geschwinder eile / alles zusammen / was Elieser an
geld und kleinodien bei sich hatte / und begaben uns aus der stadt. Weil wir das
schnelle reiten wohl gewohnet hatten / sahen wir uns mit abend auser Beors
gebiete / und verblieben die nacht in des Konigs von Salem lande. Der Beor / wie
wir nachmals vernommen / nachdem ihme sein böses furhaben also ubel gelungen /
hinterbliebe in heftiger entzündung seiner begierde / und besorgend / meine
Furstin mochte zu schaden gekommen sein / sandte er ihr gleich etliche von des
Berit Priestern nach: welche aber / zu guten gluck / uns nicht fanden / weil
sie uns auf dem Königlichen schloss gesuchet. Am morgen ware in ganz Sichem eine
allgemeine besturzung /als / an statt des erwarteten hochzeitfestes / braut und
bråutigam nirgend zu sehen waren. Niemand kunte die ursach dieser flucht
ergründen / und hielte der Konig es so geheim für seiner gemalin / dass die
nichtes weniger argwåhnte / als das / was geschehen war. Nachdem wir zu Tapuah
vergebens gesuchet worden / verfolgete man uns nicht weiter / und konten wir
also sicher durch das land Canaan kommen.
    Elieser beklagete / mit den erbärmlichsten wesen von der welt / seine
Ahalibama / dass die seiner liebe wegen in ein solches ungemach gesetzet worden.
Sie hingegen versicherte ihn / wie dass sie immer beståndiger in ihrer liebe
wurde / je mehr verfolgungen sie deswegen ausstehen musste. Ich erinnere mich
eines Lieds / das sie dazumal / ihm zu trost / erfunden und gesungen / welches
meines behalts also lautete:
Ich bin getreu.
Kein elend kann mich scheiden
von dir / mein ander ich.
Liebst du mich / als ich dich:
so sag ich ohne reu /
solt ich drum alles leiden:
Ich bleib getreu.
Ich bin getreu!
wolt auch der himmel brechen /
und manchen sturm und straus
drum auf mich schütten aus;
sag ich doch ohne scheu:
nichts kann mein herze schwächen /
Ich bleib getreu.
Ich bin getreu!
weil ich dein keusches lieben /
acht' höher als die welt /
als ehre / Glück und gelt.
Ich sage dieses frei:
nie soll mich was betrüben /
bleibst du getreu.
Diese treue versicherungen ihrer beständigkeit / richteten ihn dermassen auf /
dass er sich für den seeligsten menschen von der welt hielte. Sie liesse gegen
ihm niemals einige traurigkeit blicken / damit er nicht möchte betrubt werden: ob
sie schon / wann sie bei mir allein war / ihre milde zåhren uber ihren zustand
vergossen / weil sie ihr leicht einbilden kunte / wie unangenem ihr Elieser
denen Fursten von Seir sein wurde / und wie viel ungemach sie noch / dieser
liebe wegen / ehe sie zu ihrem ziel gelangen mochte / wurden erdulten mussen.
    Der himmel machte uns die lezte sorge nur all zu bald fuhlen / und waren wir
nicht so seelig / dass uns die erste eingetroffen wåre / und wir einiges leiden
in Seir ausstehen dörfen. Dann / als wir an die wüsten Paran kamen / überfiele
uns unvermutlich ein grosses heer råuber / die viele gefangene frauenpersonen
bei sich hatten. Und ob wohl Elieser sein leben dapfer wagete / seine Ahalibama
zu schützen / so ware es doch vergebens: und musste er sehen / wie sie meine
Fürstin bunden / und unter der zahl der anderen frauen /neben uns beiden /
forttrieben. Ihn selber aber / und die bei sich habende mannspersonen /
schlossen sie in die eisen / üm für slaven sie zu verkaufen. Ich würde mich
zulang aufhalten / alles klagen und winselen zu beschreiben / das wir uber
diesen grossen unfall billig ausstiessen: massen ich auch noch so viel zu sagen
habe / dass ich / üm meiner durchleuchtigen zuhorerin nicht verdruslich zu werden
/ mich der kurze muss befleissigen. Weil die räuber die Furstin sehr schon
befanden / als gedachten sie eine grosse beute aus ihr zu machen / und dieselbe
/ samt dem andern frauenzimmer / die alle aus den benachbarten orten geraubet
waren / in Canaan an einen grossen herrn zu verkaufen. Demnach teilten sie
ihren raub / und wurfelten darum / wer von ihnen die Ahalibama haben sollte: da
dann das gluck auf einen Heviter fiele / der aus Odollam bürtig war / und
vormals dem Beor als ein hirte gedienet hatte / aber wegen untreu / des landes
verwiesen war / und darum auf das rauben sich begeben hatte. Demnach ward er
entschlossen / mit seiner schönen slavin nach Sichem zu gehen / und dieselbe dem
König / als ein angenemes geschenke / zu verehren. Nachdem nun Ahalibama mich
und meine gespielin ausgebetten / dass wir bei ihr gelassen wurden /musste sie von
ihrem Elieser scheiden: der dann / bei diesem abschiede / mehr todt als lebendig
war / und seine augen für sich reden liesse / weil diese unmenschen ihme ein
mehrers nicht vergonten.
    Wir wussten damals noch nicht / wohin wir sollten /bis wir Sichem erblickten:
das dann / der trostlosen Ahalibama / ihr elend noch grösser machete /
allermeist da sie von ihrem rauber erfuhre / dass er sie fur den Konig bestimmet
håtte. Du Beor ware eben im tempel / als wir ankamen. Unser Heviter / so Aser
hiesse / stellte sich für den hof des tempels / uns mit verdecktem angesicht /
nach gebrauch des landes /hinter sich fuhrend: da dann eine grosse menge volks
sich hierbei samlete / teils die schöne slavin / von deren Aser so viel sagte /
zu sehen; teils uber seine verwegenheit / dass er es wagete / dem König unter
augen zu kommen / da ihm doch das land bei lebensstraffe verboten worden / sich
zu verwundern. Er wollte aber die Ahalibama niemand zeigen / bis der Konig sie
gesehen hätte. Man kann gedenken / wie wenig meine Furstin nach dieser ansprache
verlanget: die fast fur angst onmåchtig wurde / als sie den Konig ankommen sah.
Aser fiele demselben zu fus / ehe er sich dessen versah / und bate üm gnade /
zugleich sein geschenke ihm darstellend. Beor / der wegen noch frischen
verlustes der Ahalibama in seinem gemüt unruhig und übel zu frieden ware /
entfienge den Aser mit grausamen angesicht / und hiese ihn gefangen setzen. Und
weil die Königin ihm auf dem fus nachfolgete / wollte er die slavinnen nicht
sehen / sondern befahle seinem Kämmerer / der über das frauenzimmer bestellet
war / dass er uns verwahren sollte. Dieser Kämmerer / der die Ahalibama zuvor nie
gesehen hatte / kannte sie nicht / als er uns in das haus gebracht / da der
König viele schöne jungfrauen aufbewahren liesse: die daselbst / etliche monate
lang / auf das köstlichste gesalbet und zubereitet / nachgehends dem Konig zu
seiner lust zugeführet / und folgends /in einem andern haus / den kebsweibern
zugesellet wurden. Isbotsar (also hiese dieser Kämmerer /) weil er meine
Furstin so schon fand / liesse sie herrlicher als alle die andere bedienen /
und ruhmte sie zum öftern gegen den Konig: Der aber / weil ihme Ahalibama noch
stets im sinn schwebete / solches nicht gros beachtete. Gleichwol befahle er dem
Isbotsar / ihrer wohl zu pflegen: bis ihme / zu seiner zeit / diese ihm geruhmte
slavin zusehen / belieben würde. Also wusste Beor nicht / dass er die / welche er
vor alle welt verlangte / in seiner gewalt hatte / belohnete auch dem Aser
seinen guten dienst gar ubel: massen er ihn aufhenken liesse / den er doch /
wann er gewust / was er ihme gebracht / grosse verehrung und gnade wurde
erwiesen haben. Dergestalt verliefen nun etliche monate / inner welchen meine
Furstin diese verdrüsliche bedienung erleiden musste. Weil wir auch im geringsten
nichtes von dem Elieser erfuhren / als gienge ihr dieser kummer / neben ihrem
gefängnis-elend / dermassen zu herzen / dass sie ganz abname / und fast keinem
menschen mehr ånlich sah. Dieses / so mich betrubte / ware ihr eine grosse
freude: weil sie hoffete / der tod wurde bald mit ihr ende machen / als der
allein aus bevorstehender schande sie reissen kunte. Sie wurde auch solchen
gewiss befordert haben / wann sie nicht /um Eliesers willen / ihrer selbst
geschonet und meiner bitte håtte gehör gegeben. Die hoffnung / dass ihr Elieser
sie noch erretten wurde / und die unwissenheit /darin der Konig wegen ihrer
person schwebete /machten ihr das leben noch ertråglich / und liessen sie nicht
gar in ihrem ungluck versinken.
    Ich muss nun auch erzählen / wo unser Elieser geblieben / den wir / als meine
Furstin von dem Aser weggefuhret wurde / bei den andern raubern in der wussten
Paran verlassen. Er wurde / nach vielem umherschleppen / an einem Kaufmann in
Kiriat Sepher verkaufet: der mit ihme in Canaan reisend / nach Bersaba kame.
Weil er nun daselbst seinem Vatter sich kund gabe / als wurde er von seiner
dienstbarkeit befreit: in welchem fall er gluckseeliger als wir gewesen. So
sehr aber in Bersaba alle leute / uber diese seine unvermutete und seltsame
wiederkunft / sich verwunderten / so besorget wurde der Beri / dass der Konig von
Hebron / als welchem nun Elieser ganz verhasst ware / auch ihme deswegen noch
aufsetziger werden würde. Demnach wollte er ihn nicht um sich haben / sondern
gabe ihm mit diesen worten den abschied: weil er sein gluck hätte ohn ihn suchen
können / als sollte er nun auch sehen / wo er mit dem ungluck bleiben möchte.
Dieser verschmach / würde zur andern zeit den Elieser sehr geschmerzet haben.
Jetzund aber / da ihm nichtes als das andenken seiner Ahalibama bewegen kunte /
galte ihm alles gleich: und zoge er also mit seinem getreuen bruder davon
/unwissend / wohin er sich wenden sollte / dass er etwas von seiner verlornen
Ahalibama erfahren mochte. Als aber Ephron ungefähr / unter anderen gesprächen
/ihm erzehlete / wie der alte Aser mit einem schönen frauengeschenke zu Sichem
so ubel bestanden / und zur vergeltung wåre aufgehenket worden: sagte ihm
alsobald das herz / dieser Aser würde etwan die Ahalibama nach Sichem verkaufet
haben. Demnach beschlossen sie / miteinander nach Sichem zu reisen /und daselbst
sich unbekannt aufzuhalten: worzu sie dann leichtlich gelangeten / weil sie
viele heimliche freunde in der stadt hatten / deren treue sie versichert waren.
    Als sie nun ein zeitlang zu Sichem sich befunden /brachten sie durch listige
bemühungen den Isbotsar auf ihre seite / dass er / von etlichen stattlichen
ihm-verehrten kleinodien geblendet / ihnen versprache / sie zu des Asers slavin
zufuhren / für deren brüder sie sich ausgaben. Es waren beide Fürsten diesem
kämmerer unbekannt / weil er erst neulich in dienst gekommen / und aus Sidon
burtig ware. Dieser nun fuhrte sie / eines morgens in aller fruhe / in den
garten / welcher rund umher eine hohe mauer hat / und zu der jungfrauen
ergetzlichkeit angeleget ist: dahinein /wie auch in das ganze haus / keine
mannsperson /auser die kåmmerlinge / kommen durfte. Nachdem er sie in einer
schattichten låube verstecket / weckete er mich / und kündigte mir an / wie dass
die bruder der Alceste / (welchen namen Ahalibama an sich genommen hatte /) in
den garten von ihm heimlich wåren eingelassen worden / und ihre schwester zu
sprechen verlangeten. Ob ich nun wohl erstlich auf den Dison wehlte / kame mir
doch folgends in den sinn / wiedass diese / weil ihrer zween wären / die Fürsten
von Canaan sein würden. Demnach liefe ich hocherfreut zu meiner Fürstin: die
dann wohl niemals froher / als dissmal / aus dem bette gekommen. Und zwischen
furcht und hoffnung schwebend / ob es Dison ihr bruder /oder Elieser ihr
liebster / oder alle beide sein mochten / kleidete sie sich eiligst an / und
folgte dem Isbotsar: kame also das erste mal in den garten / den sie zuvor /
aus unmut / niemals besehen wollen.
    Der erfreute Elieser liesse ihr nicht lange zeit / sich nach ihnen
umzusehen: massen er / so bald er sie in der låube erblickt / und den Isbotsar
/ (welcher bei der tur des gartens / damit keine von den andern jungfrauen uns
uberrauschen mochte / auf der hut zurück geblieben /) etwas von uns entfernet
sah / ihr zu fussen fiele / und ihre hand zum munde führend /sagte er: Ach
himlische Ahalibama! so sehe ich euch nun wieder? Sie / von freuden besturzet /
küssete / an statt ihn aufzurichten / den Elieser oben auf das haubt; und als
sie nachgehends sich was båsser besonnen / und er wieder von der erden
aufgestanden war / sagte sie zu ihm: Ist es möglich / Elieser! dass ihr es seit /
den ich vor mir sehe? ist es möglich / dass ihr an diesen ort habt kommen konnen?
Die liebe (antwortete er /) kann das unmöglich-scheinende moglich machen; und es
ist nichtes so schwer in der welt / das einem liebenden nicht leicht ankomme.
Hierauf / nachdem sie den Ephron auch entfangen /setzeten sie sich zusammen
nieder / und erzehleten einander / alles was ihnen seit ihrer erbärmlichen
scheidung begegnet. Darauf redeten sie von ihrer unglückseligen liebe / die
ihnen soviel trübsal machete /und durch so grosse Widerwårtigkeiten verfolget
wurde. Es kunte aber diese zusammensprache / die von leid und freud gemångt war
/ zu nichtes gewisses dienen / dass sie håtten einen schluss fassen konnen /was
sie vornemen sollten: sondern / nach geschworner ewiger beständigkeit / schieden
sie das mal also wieder von einander / weil der aufsteigende tag ihnen diese
freude aufkundete. Also wurden sie vom Isbotsar / nachdem der ihnen versprochen
/ sie ofters dergestalt einzulassen / wieder hinaus gefuhret. Meine Furstin aber
/ bliebe uber dieser unvermuteten ergetzung so wohl zu frieden / dass sie anfienge
/ etwas ruhiger ihr elend zu ertragen / weil der ihr nun trost konnte zu bringen
/ an dem ihr leben hienge.
    Als nun die Fursten uachgehends öfter / durch diese gelegenheit / zu uns
kamen / und mit uns des Beors leichtsinniges gemut betrachteten / was der
bereits der Ahalibama dorfen zumuten / und wie er jezt dazu so viel mehr befugt
und begierig sein wurde: da wurde endlich unter ihnen beschlossen / dass Ephron
auf das gebirg reisen / und den Seirischen Fürsten der Ahalibama gefärlichen
zustand berichten sollte / damit dieselbige bei zeit es an den Konig Beor
gelangen lassen / sie wieder abfordern / und von dieser schimpflichen
dienstbarkeit mit ihrem ansehen und billigem begehren befreien mochten. Sie
håtten wohl lieber gewolt /dass Isbotsar / wie er leicht tun konnen / unsere
entfuhrung zugelassen håtte. Sie dorften ihm aber solches nicht zumuten / weil
er nimermehr darein wurde gewilliget haben / als der dem König die schone slavin
selber so geruhmet / und deswegen schwere rechenschaft von ihrem verlust håtte
geben mussen. Wie er dann auch vom Elieser und Ephron starke eidschwure genommen
/ dass sie ihm / auser dieser anspracht / weiter nichtes ansinnen sollten.
    Nachdem nun der Furst Ephron / seinen geliebten bruder zu gefallen / die
abgeredte reise angetreten /warteten sie mit unaussprechlichem verlangen / von
einer zeit zur andern / auf seine wiederkunft. Als sie aber in etlichen monaten
keine nachricht von ihme bekommen / fiengen sie an zu sorgen / dass es nit
glucklich um ihm stehen müste. Inzwischen verlieffe die zeit / also dass nur noch
drei wochen übrig waren /nach verfliessung derer / meine Fürstin die reihe
traffe / zum Konig geführet zu werden; da sie die gröste schmach von der welt zu
erleiden / musste gewertig sein. Elieser wurde hieruber sehr kleinlaut; und
Ahalibama war sehr beångstigt / dass ihr keusches herz /darzu verdammet sein
sollte / den lüsten des Beors zum opfer zu dienen. Dieses nun zuverhuten /
nachdem sie alle hoffnung einiger menschlichen hülfe verloren / ergriffe sie das
grausame mittel / ihr ehre durch selbst-eigene raubung ihres lebens zubewaren.
Wie beherzt sie aber hierzu ware / so unmuglich fiele ihr doch / dem Elieser
davon etwas zu offenbaren / bis auf den lezten morgen / da sie den abend zum
Beor gehen sollte / und er zu ihr in den garten kame / etwan einen ewigen
abschied von ihr zu nemen.
    Dazumal fassete sie heimlich ein messer / und zum tode nun standhaft
entschlossen / sagte sie zu ihm: Ihr sehet / mein Elieser! wozu es mit nur
gekommen / und dass / meine ehre zu retten / kein mittel als der tod mehr übrig
ist. Weil ich dann weiss / dass ihr eines so edlen gemütes seit / mich lieber todt
und bei ehren als lebend und entehret zu sehen: als habe ich auch den tod zu
meiner einigen ruh erkiesen wollen. Ich weiss /dass ihr zu einer anderen zeit das
wort Sterben nicht wurdet erdulten können / wann mein ungluck nicht so hoch
gestiegen wåre / und mein leben euch noch trostlich sein könnte. Nunmehr aber /
da ich euer nicht lebendig sein kann / hoffe ich / ihr werdet mir nicht misgonnen
/ solche im tode zubleiben / sondern mir erlauben / mein leben und ehre / nach
der unschuld und reinigkeit / darin ich euch unverrückt geliebt /euch
aufzuopfern. Ihr werdet mir den ruhm gönnnen /dass ich euch meinen leib
unverletzt bewaret: uber den ihr ein herr sein sollen / wann der himel nicht
unser eheliches furnemen gehintert. So nemt dann hin / was euch allein gehöret!
die götter lassen euch nach meinem absterben vergnügter sein / als ihr in meinem
leben gewesen. Hiemit fiel sie ihm um den hals / und wollte ihr zugleich das
messer in die brust stossen /um in seinen armen zu sterben. Elieser aber /
ungeacht seiner traurigkeit / hatte auf ihr tun genaue achtung gegeben: der
begriffe ihr die hand / und verwehrete ihr beginnen. Was / Elieser! (sagte sie
hierauf /etwas entrüstet /) ist diss ein zeichen eurer liebe / dass ihr mir diese
lezte und einzige ruhe misgonnt: damit wollte sie sich wieder von ihm reissen /
um ihr grausames furnemen zu vollziehen. Er aber bate sie so inståndig / seine
ursachen erstlich zu vernemen / warum er hieran sie hinterte: dass sie endlich
seinen überredungen beifall gabe / und das messer ihr gutes willens nemen
liesse.
    Hierauf sagte er zu ihr: Ich erkenne ganz wohl / tugendvollkommene Ahalibama!
unser ungluck ist also hoch gestiegen / dass fast nichtes als der tod noch ubrig
ist / uns heraus zu reissen. Dennoch aber mussen wir die hoffnung nicht eher
verlassen / bis alles / was wir zu erlangung unsers heils tun können /
angewendet worden. Verziehet demnach bis zu allerletzt / eure ehre durch ein
solches mittel zu retten; und wann ich unterdessen kein anders mittel finde euch
zu erlosen / will ich in eure grosmutige Entschliessung einwilligen.
    Hierauf erzehlte er ihr / dass er in diesen dreien wochen / da sie an ihrem
heil angefangen zuverzagen /sich mit seinen freunden heimlich beredet: welche
sich mit ihme verschworen / nachdem er ihnen der Fürstin gefärlichen zustand
entdecket / des Beors leichtfårtigkeit zu hintertreiben / zu errettung der ehre
einer so unschuldigen Fürstin / ihr leben zu wagen /und diesen abend das haus /
darin sie aufgehalten wurde / zustürmen. Wurde ihr vornemen / wie sie doch nicht
hoffeten / mislingen / und sie zum König kommen / stunde ihr ja noch allemal
frei / ihre ehre durch den tod zuretten: da er ihr dann gewiss in die andere welt
folgen wollte. Ich bewillige alles / was ihr begehret / (versetzte ihm meine
Fürstin) ohne allein euren tod nicht. Lasset mich / liebster Elieser / in euch
noch ein zeitlang auf der welt bleiben; weil ich kein schonere gedåchtnus / als
euch / zu rücke lassen kann. So lang ihr lebet / werde ich nicht vergessen sein;
dann / wer euch sehen wird / wird gleich sagen: Dieser ist es / üm welches
willen Ahalibama ihr leben aufgeopfert / damit sie ihrer ehre und seiner liebe
getreu verbliebe. O unbarmherzige freundin! (rieffe Elieser) welche grausamkeit
ist dieser gleich / die ihr an mir veruben wollet? Worinn mein leben bestehet
/das soll dem tode übergeben werden / und der schatten des lebens soll auf der
welt bleiben: dies ist wider die natur. Ach nein! ich will mit euch sterben /
liebste Fürstin! ob mir schon der himmel verwehret / mit euch zuleben. Darum /
schonste Ahalibama! forderet nichtes von meiner liebe / als was sie tun kann.
Kan ich euch nicht retten / und musset ihr beim tode eure einige zuflucht suchen
/ so erlaubet mir dergleichen: oder ich muss am ende meines lebens euch
ungehorsam werden / da sonst euer wollen in meinem leben mein einiger leitstern
allemal gewesen ist. Mit diesen und dergleichen reden bewegte er sie / dass sie
auch in seinen tod willigte. Ihrer keines wollte den anfang machen / abschied zu
nemen: bis endlich Isbotsar mir rieffe / und / das sie mochten von einander
gehen / anmahnete. Ich wurde mich vergeblich bemühen / diesen kläglichen
abschied zubeschreiben: weil der mich selber also bewegte / dass ich fur
tränen und wehemut nichtes sah noch horete. Das lezte ware / dass er sie
ermahnete ihr keinen gewalt anzutun / bis alle menschliche hulfe aus sein
wurde: und sie hingegen begehrete von ihm / er sollte sein leben so lang erhalten
/ bis er ihren gewissen tod erfahren håtte. Und hiemit schieden sie / mehr todt
als lebendig / von einander.
    Der verzweifelte Furst / sein gefårliches furnemen werkstellig zu machen /
berieffe seine verschworne: die dann alle in einem oden gebäu eines verfallenen
tempels sich versammelten / und alda alles bereit hielten / was sie zu ihren
anschlag dienlich erachteten. Das grausame verhångnis wollte aber dieses des
getreuen Eliesers fürnemen nicht beseeligen / und schickete eine unvermutete
hinternis in den weg / die alles ruckgängig machete. Es hatte der Konig dieses
gemåuer dem Oberpriester dem Mizrah geschenket: welcher die steine zu dem tempel
des Berit / selbigen an einem orte / allwo er verfallen / auszubessern /
gebrauchen wollte. Dieser kame eben dahin mit etlichen bauleuten / als Elieser
mit den anderen daselbst ware /und von ihren anschlag sich beredeten. Ihre
åmsigkeit machte / dass sie den Mizrah nicht sahen: welcher / als ein schlauer
gast / bald mutmassete / diese leute würden nicht umsonst dahin gekommen sein;
zumal die waffen / gewehr und werfleitern / die sie bei sich hatten / ihn
zweifeln machte / ob sie nicht etwan eine verräterei vorhaben mochten. Demnach
gienge er zum König / ihme anzumelden / was er gesehen. Beor sandte alsobald
seine wacht dahin / diese leute aufzuheben: die dann / weil sie viel stårker
waren / den guten Fursten mit allen den seinigen gefangen namen / und sie fur
den König brachten. Dieser erkannte alsbald den Elieser / und ward
höchstbegierig / aus seinem munde etwas von der Ahalibama zuerfahren: dannenhero
er ihn gar eiferig befragte. Er kunte aber nichtes anders aus ihme bringen / als
dass er / um desto eher den tod zufinden / ihm bekannte / wie er hätte den Beor
und das ganze Konigliche haus umbringen wollen / um dess willen / was der Konig
vor der zeit an seiner versprochenen braut / der Furstin von Seir / in des
Berit tempel wider alle billigkeit veruben dorfen. Von der Ahalibama aber
verschwiege Elieser alles / um seinem mitbuler nicht selbst die froliche post
von ihrem da-sein zubringen.
    Wie dieses den Konig ergrimmt gemacht / ist leichtlich zuermessen: dann er
zugleich eine so gefärliche verbündnüs wider sein leben vername / seinen
mitbuler so unvermutet zu sehen bekame / und nun leiden musste / dass der ganze
hof erfuhre / was er mit der Ahalibama in des Berit tempel begehen wollen /und
seiter so heimlich gehalten hatte. Er geriete hierob so gar aus sich selber /
dass er auf der stelle wollte den Elieser niedersåbelen lassen. Als er aber sich
bedachte / dass er von ihme / wohin die Ahalibama sich verloren / noch würde
erfahren können / auch seine råhte ihm zusprachen / diesen handel mehrers zu
überlegen: liesse er den Elieser in ein hartes gefängnüs bringen / und seine
mitgefangene alle absonderlich verwahren. Es erscholle bald durch die ganze
stadt / wie dass der stattalter von Tapuah gefangen wåre: da es dann auch fur
unsern kåmmerer den Isbotsar kame. Dieser wollte schier verzweiflen / dass wir
ihn also betrogen hatten: weil er in sorgen stunde / er mochte / wann man alles
erfuhrr / beim Beor in ungnade kommen. Er ginge zu meiner Fürstin / die eben mit
mir allein war / und rückete ihr mit den ungedultigsten worten von der welt für
/ dass sie den Elieser fur ihren bruder ausgeben dorfen / der doch nun fur den
Stattalter von Tapuah erkant / und / wegen einiger verråterei wider den König
/ wäre in haft genommen worden. Die schon mehr als halbtodte Furstin / wurde
über dieser zeitung vollends ganz verzweifelt / und sah mich / sonder dem
Isbotsar zu antworten / mit solchen augen an / die von ihrem tode zeugeten. Wie
wir wieder alleine waren / wollte sie ihr furnemen / sich zu entleiben /
werkstellig machen /weil ja nun alle rettung aus wäre. Ich aber verwehrete ihr
solches / und riehte / sie sollte lieber ihre grausamkeit an den Konig / als an
ihr selbst / veruben / und diesen tyrannen das leben nemend / ihren Elieser vom
tod erretten.
    Wie sie sich nun dazu bereden lassen / und die gewonliche stunde angekommen
war / darin die jungfrauen dem Konig zugefuhret wurden / holete sie der
Isbotsar ab: deme sie mit solcher standhaftigkeit folgete / dass ich mich noch
daruber verwundere / wann ich daran gedenke. Die angst hatte ihren wangen eine
angeneme rote eingejaget / und ihre augen vom billigen eifer angezündet /
feuerten dermassen wider den Beor / dass sie nie schoner noch majestetischer
ausgesehen. Sie truge auch das messer verborgen mit sich /welches zu einer so
grossen tat gewidmet war. Wie sie in die Konigliche schlaffkammer kame / funde
sie den Beor auf einem teppig sitzen. Weil ihr das gesicht verdecket ware /
fragte der König den Isbotsar: ob diese die schöne slavin wåre / die er ihm so
lang gerühmet? Nachdem nun der kämmerer solches bejahet /liesse er sie beisammen
/ und ginge hinaus. Der Konig hube meiner Furstin den flor vom gesicht / um ihre
schonheit zu sehen. Als er nun sie gleich erkennte / rieffe er / so bestürzet
als erfreuet: Sehe ich nicht die schöne Ahalibama? Ja / Beor / (antwortete sie)
die sihest du / und eben mit der Entschliessung / wie das erste mal / deinem
unkeuschen zumuten sich zu wider setzen. Er / voller liebe / achtete diese worte
wenig /und seine viehische begierde zu erfullen / wollte er sie zu bette notigen.
Sie aber fiele ihn damit wie eine Lewin an / und gabe ihm mit dem messer eine
wunde: doch nicht mit solcher kraft / dass sie todlich håtte werden können. Beor
hube sobald an zu schreien /dass man ihm sollte zu hulfe kommen. Also kamen die
kämmerlinge gelaufen: die dann ihren verwundeten König also blutig funden. Weil
nun Ahalibama sah /dass sie den Beor nicht todten konnen / stiesse sie ihr das
messer selbst in die brust: doch wurde sie begriffen / dass es nicht ganz hinein
gienge / und brachte man sie in ein zimmer; Worauf gleich die ärzte geholet
wurden / nach ihr und des Koniges wunden zu sehen. Das geschrei hievon liefe
alsobald durch alle gassen / und erfuhre es die Konigin Atis nicht zum lezten:
welche / ungeachtet seines leichtfårtigen lebens / ihren Gemal liebete / und
deswegen eiligst zugelaufen kame / zu dessen wunden zu sehen. Alles geriete
hieruber in unordnung und besturzung / und die gute Konigin merkete allzuwol /
was fürgegangen: Da auch Beor nicht mehr bergen kunte / wie sehr er die Fürstin
von Seir liebete. Dieses verursachte in ihrem herzen eine bittere traurigkeit.
Sie stellete sich anfånglich / als ob sie um nichtes wusste: um desto mehr von
allem zu gründen. Ich wurde / von meiner Furstin / zu ihrer bedienung erbeten /
und also von dem Isbotsar ihr zugebracht: da ich sie dann / was ihre wunden
betraffe / in erträglichem zustand gefunden.
    Man hätte sollen vermeinen / der Konig worde /nach dieser gewalttåtigkeit
der Ahalibama / alle liebe gegen ihr in einen hass verwandelet haben. Aber / zum
widerspiel / er wurde immer verliebter / so gar / dass er auch keine heimlichkeit
davon mehr machete / sondern es so klärlich an den tag gabe / dass jedermann bei
hof davon sprachete. Als nun des Konigs wunden ihn etliche tage der kammer hüten
gemacht hatten /war sein erster ausgang zu der Ahalibama / die er /nach
hoflicher begrüssung / also anredte: Ich komme nicht / schöne Forstin von Seir!
mich uber euch zubeschweren / wegen der lezten begebenheit; dann die wunden /
die damals ich von euch entfangen / sind nicht zuvergleichen mit denen / die ihr
mir fürlängst in mein herz geschlagen. Ich bin vielmehr darum hier / euch um
vergebung zu bitten / dass ich nicht / eurem stand und verdienst gemås / euch
schicklicher bedienet / und dass ich euch nicht auf bessere art / meine
willfärigkeit euer diener zu sein / zuverstehen gegeben. Versichert euch aber /
dass / nun ich euch so grosmütig befunden / ich auch gleichergestalt hinwiederum
mit euch verfahren will. Und ich bitte euch /stellet nur eur gemute zu frieden:
euch soll bei mir nichtes widerfahren / das euch zu einiger gewalttåtigkeit
treibe. Meine Fürstin wandte / zeit wåhrender seiner Rede / ihre augen nicht von
der wand ab / und wurdigte den Konig nicht eins / ihn anzusehen. Er aber liesse
nicht nach / ihr zu liebkosen / und ihr ihre traurigkeit abzufragen / bis sie
endlich sagte: Ich weiss nicht / warum ich um das gefragt werde / was man doch so
wohl weiss / als ich selber. Ich bin hier zu Sichem in schutz genommen worden /
aber meine beschützere / seind meine verfolgere: und ich sollte mich nicht
beklagen? Man hat mir / als einer Furstin / erschreckliche dinge angemutet: und
ich soll mich nicht beschweren? Man hat mir den Fürsten Elieser geben wollen /
den ich nun in schweren banden weiss: und ich soll mich nicht bekümmern? Hiermit
brachen ihr die zähren heraus / dass sie nichtes mehr reden kunte. Der König
antwortete: Es sollte ihr der einmal-versprochene schutz gehalten werden / sie
sollte nur an das furgegangene nicht mehr gedenken. Was den Elieser anlange / so
brächten den seine untaten in das gefängnus: dann er ja selbst bekennet / was
für eine verräterei er wider sein leben furgehabt.
    Ich weiss / (sagte hierauf meine Furstin) dass der Furst Elieser so unschuldig
hieran ist / als schuldig er / bloss aus treuer liebe gegen mir / sich gemachet
hat. Man lasse nur die mitgefangene befragen: sie werden alle gestehen / dass
Elieser keinen andern anschlag /als auf mich / gehabt / und das seine tugend ihn
gereitzet / mich aus einem so schåndlichen ort zubringen / da ich wider meinen
stand / und wider meinen sinn /aufbehalten wurde. Ich begehre auch nicht zu
leben /wo dem Elieser sollte das geringste widerfahren. Der unwürdige Elieser /
(antwortete der verliebte Beor) hat eine solche liebe nicht verdienet; und er
muss sterben / weil er den tod mehr als zu wohl verschuldet. So sterbe ich mit
ihm! (sagte sie das band von ihren wunden abreissend) und will ich dannoch die
seine bis in tod verbleiben / wann auch alles uns wollte entgegen leben. Der
König / hierob sehr bestürzt / wandte grossen fleis an / sie zu trösten / und
befahle im hinweggehen dem wundarzt / sie wieder zu verbinden. Sie aber litte es
nicht / und wehrete sich mit aller macht /beståndig dabei verharrend / wann
Elieser ihrentwegen sollte sterben / nach ihm keine stunde zu leben. Dieser
handel verursachte sehr unruhige gedanken bei dem Beor / und ward er bald
an-bald abgetrieben /dem Elieser das leben zu schenken.
    Bald hernach kame auch die Konigin / meine Furstin zubesuchen: bei deren
erhielte sie soviel / dass sie um Eliesers erlösung beim Konig anhielte / und
durch vermittelung der rähte es so weit brachte / dass die jenigen / welche bei
dem Elieser gewesen / abgehöret wurden. Weil nun diese den anschlag / den der
Furst auf uns gehabt / entdeckten / und damit seine schuld geringer macheten:
als erklårte sich der Konig / um der Ahalibama zuwilfahren / den Elieser los zu
lassen; woruber / zwischen ihme und der Konigin /der erste streit entstanden.
Dañ / weil diese sich noch nichtes wollte merken lassen / hass sie um des Konigs
liebe wisse / als dankete sie ihm / in gegenwart aller fürnemsten Koniglichen
bedienten / fur des Eliesers befreiung / mit solchen worten: Sie wäre erfreuet
/dass der König ihr zu lieb den Fürsten wieder los geben / und die heurat
zwischen ihme und ihrer wasen beforderen wollte. Auf diese lezte worte / errötete
der Konig / und gabe ungestumlich zur antwort: was er täte / das geschähe der
Ahalibama wegen / welche viel zu edel wåre / dass Elieser sie zu heiraten ihme
ferner einigen gedanken machen dörfte. Hiemit gabe ein wort das andere / und war
das ende derselben /dass die gute Atis mit tränen von ihm hinweg gienge. Sie
gienge aber von dar gleich nach unserer Fürstin /und brachte ihr die zeitung /
von des Eliesers freiheit; sagte aber dabei / wessen der König sich gegen ihr
heraus gelassen: mit den anhang / sie wolle nicht hoffen / dass ihr gemüte durch
dieses beginnen des Königs / würde zur wankelmütigkeit können gebracht werden.
    Als Ahalibama sie dessen genug versichert / und um ferneren beistand
angeflehet / kame der König auch hinein / und sehr ubel zufrieden sich
anstellend /sagte er zu der Furstin: Ihr werdet / schone Ahalibama / ja nun zu
frieden sein? Elieser ist bereits seiner haft erlassen. Ich wollte (antwortete
sie) wenn es jezt in meinen vermogen stünde / dass ich dafür E. Maj. auf den
kniehen danken kunte. Doch ich tue solches in meinem herzen / und versichere E.
Maj. dass der Furst Elieser und ich nimmermehr in vergess werden stellen / was
grosse gnade wir von E. Maj. entpfangen. Ich begehre von ihm keinen dank /
(sagte der König) weil ich hierin einig und allein auf euch sehe: und werde ich
erfreuet sein / wann ihr aus dieser tat konnet erkennen / wie hoch ich euch
liebe / dass ich auch etwas wider mich selber tue / indem ich einen so
verdruslichen feind aus meinen handen lasse. Meine Fürstin bedachte sich etwas /
was sie auf diese gefårliche reden antworten sollte: die sie gleichwol nicht so
hart widerreden mochte / um ihrem Elieser nicht damit zuschaden. Aber die
Konigin bename ihr diese muhe /und sagte zum Konig: Diese liebe / deren E. Maj.
meine base versichern / ist ihr so unangenem / als bewust ihr ist / dass sie
einig und allein mir zugehoret. E. Maj. erinnern sich / mit was bedinge die
Assyrier mich E. Maj. gegeben: nämlich / dass ich Königin in Canaan allein
bleiben solle. Diese edele Furstin als ein Kebsweib zuhalten / ist ihrem stande
und tugend so ungemåss / dass E. Maj. an so was ungereimtes nicht gedenken /
sondern vielmehr / der billigkeit nach / dem Fursten Elieser seine versprochene
braut wiedergeben / und damit ihr Königliches wort und zusage / mir so wohl als
ihnen / halten werden. Dieses freie reden setzte den Konig gänzlich aus aller
gedult /dass er höchst-ergrimmet zu ihr sagte: wann sie keine Konigs-tochter wåre
/ wollte er ihr zeigen / wie ihr ihre freiheit bekommen sollte. Damit hiese er sie
in ihr gemach gehen: welches die Konigin zwar tun musste / aber / weil sie
einmal in den harnisch geraten / etliche harte drauworte auszuschutten nicht
unterlassen kunte / und damit noch alles årger machete.
    Dieses nun setzte den ganzen hof in einen grossen lerm / und musste der Fürst
Elieser ohne saumnüs das reich raumen / und / des Beors gebiete nicht wieder
zuberühren / sich verpflichten. Seiner Ahalibama /kunte er / wie sehr er sich
auch darum bemühete /nichtes zu-entbieten lassen: weil sie dermassen bewahret
wurde / dass ein solches unmuglich fiele. Also musste er / seine Fürstin in
solchen raub-klauen hinterlassend / von uns scheiden. Er wusste keine bessere
reise zu tun / als nach dem gebirge Seir: um alda von seinem verlornen bruder
etwas zu erfahren / und dem Ana von seiner tochter zustand eiligst zuberichten.
Es begegneten ihm aber ganz unvermutlich / aus dieser reise / des Ana gesandten
/ und sein bruder Ephron: worüber grosse freude bei ihnen allerseits entstunde.
Ephron erzehlte seinem bruder viele widerwärtigkeiten / die ihm begegnet /
seiter sie voneinander gewesen. Elieser ward hierauf entschlossen / unbekant
nach Sichem mit zu reisen / und / als ein diener der Seirischen gesandten / die
gelegenheit abzusehen /wie er seine Fürstin sprechen mochte. Ephron beschlosse
ingleichen / seinem bruder in slaven-gestalt gesellschaft zu leisten. Diese
tracht verånderte sie dermassen / dass sie fast einander selber nicht kanten.
    Die ankunft dieser abgesandten in Sichem / setzete den Konig in neue unruh:
dann er wohl gedachte / sie würden die Furstin wieder begehren. Nun konnte er
damals so wenig / sie ziehen zu lassen / als sie zur Konigin zu machen / sich
entschliessen / weil die wahre vernunft noch bei ihm herschete / und ihn zurück
zoge. Aber denen abgesandten zu zeigen / wie angenem sie ihm wåren / entpfienge
er sie nicht allein selber auf das prächtigste / sondern auch / als sie meine
Furstin besuchen wollten / begleitete er sie selber zu ihr: da er dann / bis zu
ihrem abtritt im gemach bliebe / damit Ahalibama nichtes heimliches reden konnte.
Wie sie nun mit aller macht darauf drungen /dass die Furstin ihnen mochte wieder
gegeben werden /triebe endlich die unmåsige liebe den Konig dahin /dass er sich
entschlosse / die Ahalibama zu ehlichen und zur Königin zu machen. Dieses gabe
er denen abgesandten zuverstehen / und hielte damit ihre abreise auf / bis er
gesandten nach Seir abgeordnet und öffentlich um die Ahalibama werben lassen.
Hierdurch wurde meiner Furstin zustand ganz verånderet / indem die / auf welche
sie ihre hoffnung gesetzet / sie wurden zu ihrer erlösung behülflich sein /
nunmehr sie zu dieser heurat zu uberreden begunten. Sie musste auch befahren /
dass die Seirische Fursten dieses auch zugeben / und die zusage / die sie zuvor
dem Elieser getan / nicht ansehen würden.
    Dieser entschluss nun ward bald überall ruchbar /und widersprache es die
Königin Atis offentlich: als welcher / wie vor-erwehnet / der Konig du zusage
getan hatte / neben ihr oder in ihrem leben keine rechte gemahlin anzunemen.
Der verliebte König aber achtete ihr drauen nicht gros / weil ihme wissend war /
dass der König Bel Ochus von Babel / ihr herr bruder / in den krieg mit dem König
von Bactra und Ophir sich so weit eingelassen / dass er ihme ihrentwegen keinen
krieg anmuten wurde. Demnach fuhre er fort / alle zurustungen zu dieser
ungereimten heurat zu machen. Inzwischen kame auch der Prinz Hemor / der in
Chaldea erzogen worden / wieder zu hause: welcher dieser heurat / wegen seiner
fraumutter / sich offentlich widersetzete / und unwillig zum König von Assyrien
zoge / dieses unrecht dem Konig zu klagen / welches man dessen schwester / als
seiner Fr. Mutter zufugete. Es half aber dieses eben so wenig / und ward meine
Furstin bereits als Konigin gehalten / und von den mächtigsten des reiches
besuchet / die um ihre gnade sich bewurben / und alle die seite der guten
Konigin Atis verliessen: das dann der Ahalibama ja so unertråglich ware / als
die schwach / in der sie vorher leben müssen. Der verliebte Beor / ware fast
täglich bei ihr: deme sie zwar wenig liebe erwiese / und allemal die Atis und
den Elieser vorschutzte / welche ihr verwehreten / des Königs liebe anzunemen.
Aber dieses kunte des Königs liebes-feur nicht ausleschen: massen er immer
verliebter wurde / und / mit der hochsten ungedult von der welt / seiner
abgesandten wiederkunft vom gebirge Seir erwartete.
    Der Furst Elieser / lebete unterdessen in dem betrubtesten zustand / als
einer sein mochte. Dann /weil bei einer heftigen liebe in gemein eine kleine
eiversucht sich findet / als quålete ihn dieselbige auch nicht wenig / da er von
des Beors heurat reden hörete. Er besorgete / der hohe stand mochte seine Furstin
endlich blenden / und sie unbeståndig machen: allermeist da ein falsches
geschrei ausbrache / wie dass bis alles mit der Ahalibama hochster zufriedenheit
geschåhe. Er wollte auch ganz verzweiflen / als er keine gelegenheit / mich zu
sprechen / ergreifen kunte: weil wir allzufleissig von den Königlichen bedienten
bewachet wurden. Endlich aber gabe ihm Ephron den raht / dass er an einem morgen
in der fruhe / da der hof noch nicht voller leute / fur der Fürstin gemach gehen
/ und / als wann er von den Seirischen gesandten etwas anzubringen håtte / sich
bei der Ahalibama anmelden lassen sollte. Dieses wagte er / und die Königliche
bedienten / die kein bedenken trugen / diesen slaven einzulassen / führeten ihn
zu mir: da ich ihn dann ganz nicht erkennet. Dann die verstellung seiner kleider
/ die verschneidung seines haares / und die wenige vermutung ihn so nahe zu
wissen / ihn so gar verbargen / dass ich / ob er schon lang mit mir geredet /
dennoch nichtes gemerket. Weil er nun zu meiner Furstin wollte / als brachte ich
ihn zu ihr hinein: die dann / als begierig / einen von den Seirischen leuten zu
sprechen / ihme willig gehor gabe. Sie dachte aber ja so wenig / dass unter
diesen slaven-kleide ihr Elieser verborgen ware / als eifersüchtig derselbige
wurde / seine Fürstin so freien gemütes zu sehen. Er uberreichte ihr aber / ohne
ein wort zu sprechen / einen brief / den sie alsbald eröffnete / und höchst
erfreuet wurde / als sie darin Eliesers hand gefunden. Es waren aber etliche
verse / welche / weil sie mir meine Fürstin nachmals zu lesen gegeben / mir noch
im gedächtnüs haften / und also lauten:
So hat doch / Kron und Tron / die Treu noch endlich uberwunden /
und stolzer pracht die macht der wahren liebe abgelegt.
So hat nun ganz der glanz die schönen augen zu gebunden /
dass sie daher nicht mehr belieben / was sie vor gehågt.
So lohnt und hält die welt. Das Elend mus man billig fliehen /
und suchen freud fur leid / die ruhe fur das ungemach.
Wañ rosen weit und breit in ihren scharfen dörnern blühen /
bricht man sie ganz zum kranz: so folgt der pracht dem leiden nach.
Doch fürcht' ich / wie die Ros' uns ohne dornen bald vergehet:
also die stolze ruh auch ohne tugend nicht bestehet.
    Nach überlesung dieser zeilen / merkte sie wohl /worauf er zielete. Weil sie
aber diesen verdacht nicht verdiente / als konnte es ihr auch nicht solcher
gestalt das herze ruhren / wie ihme Elieser wohl eingebildet. Sie fragte den
slaven / wer ihme diese schrift gegeben? Dieser / (gab er zur antwort / mit
verånderter stimme /) der diese reimen gemachet. Wie? ist er dann hier? fragte
sie / ganz erfreuet. Ja / (antwortete er /) und vieleicht nåher / als man wohl
vermeint. Hierauf sah sie ihn recht an / und erkannte ihres Eliesers betrübte
augen / die er unverwandt zu ihr kehrete / und den eingebildeten wankelmut ihr
absehen wollte. Sie kame hierüber dermassen aus sich selber / das sie ihn in ihre
armen einzuschliessen nicht unterlassen konnte; und bitterlich weinend ihn
ihrentwegen in solcher unziemlichen kleidung zu sehen / gabe sie ihm damit gnug
zu erkennen / dass er von ihr eine falsche einbildung gefasset / und sie noch die
beståndige Ahalibama wäre. Darf ich wohl / (fragte er hochst vergnuget /zu
unterschiedenen malen /) meine Ahalibama noch beständig wissen? Wie konnet ihr /
(fragte sie hingegen) daran zweifelen / und mit was hab ich solche gedanken bei
euch verursachet? Mit der moglichkeit! (antwortete er /) dann eine Konigin
werden / und zu so hoher Wurde gelangen können / seind solche dinge / die des
elenden Eliesers wohl mogen vergessen machen. Kein gluck / so hoch es auch immer
sein mag /(gab sie zur antwort /) noch einiges unglück / wie erschrecklich es
auch aussehen kann / soll mich von der treue / die ich euch geschworen /
abbringen. Und wåre jezt die zeit gelegen / und unser zustand litte es / euch
euren übelgegründeten argwahn zuverweisen: ich wollte euch gnugsam sehen lassen /
wie sehr ihr mich hiermit beleidiget. Aber unser grausames elend quälet uns
beiderseits so uberflussig / dass wir unser leiden mit diesem Unlust nicht noch
weiter vermehren dorfen. Nachdem er nun ihr seinen argwahn abgebeten /und sie
einander ewige treue nochmals geschworen /dorfte Elieser / um verdacht
zuverhuten / nicht långer bei uns bleiben. Die Furstin befande sich / nach
dieser unvermuteten besuchung / zwar etwas ruhig: aber es mehrete auch ihre
sorgen / was daraus entstehen konnte / wann Elieser verrahten wurde. Dannenhero
sie mit grosser furcht ihme sein dasein vergönnete: und wollte sie / so lieb sie
ihn auch hatte / dennoch sich nicht dazu verstehen / dass er sie von dannen
entfuhren möchte / bis sie ihrer eltern Meinung und willen vernommen håtte.
    In solchem kamen auch die Abgesandten von Seir wieder: welche aber / fur den
Konig / keine gewunschete antwort zurück brachten / weil die Fürsten von Seir in
gesamt des Beors begehren abgeschlagen / und ihnen den Konig von Assyrien nicht
zuwider machen wollten. Wer war hierüber ungedultiger / als der König? der aber /
um zu weisen / wie wenig er diesen abschlag achtete / das beilager ansetzete /
und / wider aller seiner leute einrahten / damit nicht länger verziehen wollte.
Die gesandten von Seir / die er so lang aufgehalten hatte / mussten eiligst
wieder abreisen / damit sie seinem vorhaben keine hinternus machen konten. Der
Ahalibama weinen / dråuen / und bitten / halfe auch lauter nichtes hierwider /
und sah sie kein anders mittel / ihrem Elieser getreu zubleiben / als die
flucht. Demnach erlaubte sie ihm / alles zutun / was er konnte / damit sie durch
ihn davon und nach Dedan kommen mochte. Es war nur noch acht tage dahin / da das
beilager sollte fortgehen: als den König unversehens eine hitzige krankheit
befiele / die so heftig in geschwinder eile zuname / dass es all gefårlich mit
ihm stunde.
    Weil dieses zimliche unordnung auf dem schlosse verursachete / als gabe man
so genau nicht acht auf unser tun und lassen: dass also / in dieser bequemen
zeit / unsere flucht vorgenommen wurde; worzu dann die Königin Atis auch mit
behulflich ware / und selbst heimlich nach Babel davon wollte. Wie sie uns
demnach viele kleinodien und geld zur reise geschenket /sind wir mit ihr bei
nacht / als alles vorher dazu bereitet worden / durch den garten glücklich
entkommen. Weil die Konigin nach Debes in ihres sohnes land /das den Prinzen von
seinem H. Vatter gegeben war /die folgende nacht kame / namen wir alda abschied
von ihr / da sie dann sich sehr weichherzig erwiese /und die augen mit tränen
füllend / sagte sie zu meiner Fürstin: Ich bin wohl unglucklich / dass ich / nach
so lang ruhig-genossener Ehe / nun fast beim ende so viele bitterkeit erleben
muss; dass ich gezwungen werde / dieses Konigreich zu verlassen / und in Assyrien
schutz zu suchen. Und dieses schmerzet mich am meisten / dass die ursache meinem
gemal allein zuzuschreiben ist. Euch aber / vollkommene Fürstin! gebe der himmel
gutes nach eurem verdienst / und belohne das mitleiden / so ihr meinetwegen
bezeuget / mit tausendfältiger gluckseligkeit. Hiemit / als ihr Ahalibama
nochmals teuer versichert / das sie niemals ihre stelle betreten / sondern ihrem
Elieser treu verbleiben wollte / schieden sie von einander / und gabe die Konigin
meiner Furstin etliche weiber mit auf den weg /damit sie möchte um so viel
bequemer bedienet sein /weil sie nur mich und noch eine jungfrau bei sich hatte.
    Die reise ginge bis nach Jericho eiligst fort / weil wir des Beors
nachsetzen mussten befaren. Wie wir aber über den Jordan gekommen / reiseten wir
etwas gemacher. Es war auch / wegen des spaten herbstwetters / von dem vielen
regen das gewåsser aller orten so angelaufen / dass wir weite umwege suchen
mussten. Wir gingen nach Rabbat in der Moabiter land / um den sichersten weg zu
nemen: damit wir nicht wieder /wie ehmals / in der Araber hände geraten mochten.
Wir traffen alda ganz unverhoffet an / die Prinzessin Poliphide meiner Fürstin
fraumutter / die dahin / nebenst anderen Seirischen Fürstinnen und benachbartem
frauenzimmer / auf das grosse fest des gottes Chamos gekommen war / und eben
wieder nach dem gebirge reisen wollte. Diese zusammenkunft ware so angenem / als
unvermutet / und entfinge die gute Prinzessin ihre tochter mit solchen freuden /
dass alle anschauende sich derselben mussten teilhaftig machen. Wir erfuhren alda
alles / was sich mit dem wiedergefundenen Fursten Dison und ihr / gnådigste
Prinzessin / zu Dedan begeben / und wie nachgehends dieser Furst bei entfurung
der Konigin von Saba / zu Rabbat wieder verloren worden. Als hierauf meine
Furstin ihrer fraumutter alles erzählt / wie es ihr ergangen / und was ihr
wille wåre / nämlich nach Dedan mit ihr zureisen: wollte solches die Poliphide
nicht für rahtsam erkennen / sondern meinte / der Fürst Elieser sollte an seinem
Herr Vatter nach Bersaba schreiben / und den ersuchen / ob er nicht mit der
Ahalibama zu ihme kommen / und alda sie heiraten dörfte? Elieser wollte hier
ungern an / weil ihme sein herz zusagete / was hieraus entstehen wurde. Wie aber
die Prinzessin darauf beharrete / und / dass er unmuglich mit ihrer tochter in
Seir reisen konnte / sonder die ursach zu sagen /ihn versicherte: als mussten sie
es ihnen auch gefallen lassen. Elieser name die reise auf sich / als sie fast
den ganzen winter zu Rabbat blieben waren: mittlerweile Ephron bei ihnen
verharret / und die Prinzessin mit ihrer tochter zu Rabbat seiner wiederkunft
erwartete.
    Nachdem nun Elieser nach Bersaba gekommen /funde er seinen Herr Vatter nicht
daselbst / welcher zu Hebron beim Konig war; seine fraumutter aber entfinge ihn
mit herzlichen freuden. Er erfuhre / was in Sichem nach ihrer flucht sich
begeben. Man hatte dem Konig dieselbige viele tage / wegen der noch anhaltenden
unpåsslichkeit / verhelet. Endlich aber / wie er gar zu oft nach seiner Furstin
gefraget / ware ihre und der Königin flucht ausgebrochen: das ihn dann so hart
angefochten / dass er noch der zeit nicht wieder vom lager aufgestanden. Es
wurden / auf seinen befehl /weit und breit welche ausgeschicket / seine verlorne
braut zu suchen: und hat er deme / der sie wiederbringen wurde / ein Furstentum
zu schenken versprochen. Den Fürsten Elieser berichtete seine fraumutter auch
ferner / wie zu Hebron sich alles veråndert: wie die Königin ihre schwester
gestorben / die Prinzessin Jerode sich an den Fürsten Suevus / den stattalter
der Amoriter / verheiratet / und der Konig / seit seiner boshaftigen schwester
abschied / viel erträglicher mit ihnen verfahret. Elieser horete dieses für
seine person sehr gerne / und fassete den schluss / weil sein Herr Vatter
wiederzukommen verzoge / selbst nach Hebron zureisen / und alda seine sache zu
treiben.
    Seine unvermutete dahinkunft / machte alle leute aufmerkend. Und weil er das
lezte mal / vom Konig so wohl / als von seinem Herr Vatter / mit unfried
geschieden / wurde er von beiden nicht zum freundlichsten angesehen. Dannoch
aber wusste er / durch seine klugheit / es also zu schlichten / dass er vollige
vergebung vom Konig erlangete / und derselbige / dem Beor zu trotze / als mit
welchem er nun wieder /wegen eines grånzstrittes / in neuen zweispalt geraten /
zuliesse / dass die Ahalibama nach Hebron kåme. Diese gute zeitung / brachte der
hocherfreute Elieser uns nach Rabbat zurucke. Weil aber / unter der zeit /die
Prinzessin Poliphide schwerlich erkranket / wollte meine Furstin ihre fraumutter
nicht eher verlassen /bis es mit ihr wieder båsser geworden: das sich dann bis
in den herbst hinein verzoge. Endlich reiseten wir zum andern mal gen Hebron /
verhoffende / ein bässeres gluck / als das erste mal / alda zu erleben. Es hatte
sich aber / wie wir hinkamen / mit der beeden brüder freundschaft schon wieder
geändert: massen Beri nicht mehr da war / sondern es mit dem Konig verscherzet
hatte. Sie waren in eine harte wort wechselung geraten / wegen der nachfolge des
reiches: da Beri / etwas zu unbesonnen / sich der regirungshändel anmassen
wollen / und auch dem Konig hatte ins gesicht gesaget: Er håtte ja keine Erben /
darum müste er billig auf des landes bestes mit zu sehen. Diss hatte den König so
sehr verdrossen / dass es nicht allein sie als unfreunde voneinander scheiden
machete / sondern auch die Entschliessung bei ihm erwecket / wieder zuheuraten /
um dem Elieser und Ephron die hoffnung zur kron zubenemen.
    Man kann nun leicht erachten / wie wilkommen wir waren: allermeist Elieser
und sein bruder / da der lezte / wegen der liebe zu des Konigs tochter / auch
nicht wohl angesehen war. Weil demnach meiner Furstin es nicht rahtsam schiene /
långer alda zubleiben / alwo sie ihres gleichen nicht hatte / zumal die
Prinzessin Corieide mit der Jerode hinweg gezogen; weil sie auch sah / dass der
Konig anfinge / mehr mit ihr umzugehen / als ihr lieb war: als reiseten sie nach
Bersaba / funden es aber daselbst nicht båsser / als sie es zu Hebron gelassen.
Meine Furstin ward von dem Beri sehr kaltsinnig entfangen / und gabe er mit
allem tun an tag / dass er sie lieber weit von sich gesehen håtte. Die
tugendhafte fraumutter des Eliesers / ersezte allein diese des Beri grosse
unbesonenheit mit ihrer leutseligkeit. Elieser aber wollte schier verzweiflen
/als er an allen orten so viele hindernüsen seiner liebe /allermeist in seines
vatters haus / funde: und wusste er nicht / wie er gegen seiner geliebte
Ahalibama dieses sollte entschuldigen / welche seinetalben so grosses ungemach
erleiden musste.
    Weil aber alles unglück auf einmal auf dieses geliebte paar zusturmen wollte
/ als musste der Konig Ephron sich auch / gleich seinem stiefbruder / in die
Ahalibama verlieben: und / so wohl wegen ihrer schönheit / als dem Beor / dem
Beri / und den Elieser einen verdruss zumachen / entschlosse er sich sie zu
heiraten. Deswegen sandte er den Fürsten Mamre / seinen Vetter / nach Bersaba /
und liesse dem Beri befehlen /diese Furstin nach Hebron zubringen / weil er sie
ihm zur braut ausersehen hätte. Wie dieses uns allerseits eine fromde besturzung
gebracht / ist leichtlich zu denken / und wurde ich etwas vergeblichs beginnen
/wann ich das weheklagen furstellen wollte / so dieses unglückselige paar
hieruber gefuhret. Beri / sich stellend / als wollte er seinen bruder in allem
gehorsamen / liesse dem Konig wieder sagen / er wollte / neben der Fürstin / mit
dem ersten bei ihme sein: mir welchem bescheid der Mamre wieder abgezogen. Beri
aber /von rache und geitz getrieben / liesse / sobald es nacht geworden / alles
sein gut / was er in der eile fortbringen kunte / auf die camele und wägen laden
/ und liesse / durch seine gemalin / meiner Fürstin ansagen /sie möchte sich zum
reisen färtig halten. Also zogen wir die nacht / unwissend wohin / von Bersaba
hinweg / den Elieser und Ephron zuruck lassend / die der Beri nicht mit haben
wollte. Wir vermuteten anfangs nichts anders / als dass es nach Hebron gålte:
merketen aber / bei anbrechendem tag / dass wir nach Sichem gingen; massen wir
uns in des Beors gebiete sahen / auch den abend spat die statt erreicheten.
    Diese unerhörte leicht sinnigkeit des Beri / der seines eigenen sohnes braut
/ um eitelen gewinnes willen / verkaufete / stiege meiner Fürstin also zu sinne
/ dass sie aller ehrerbietung vergasse / die sie ihm noch bisher als vattern
geleistet / und ihn ungescheut einen verräter und betrieger nennte. Beri håtte
dadurch billig zum zorn sollen gereitzet werden: aber er achtete es alles nicht
/ sondern hielte sie nur hönisch. Als er nun dem Konig anmelden lassen / wiedass
er die Ahalibama brächte / wurde eine so allgemeine freude am hofe / das auch
der Konig / noch den spaten abend /sie sehen wollte. Er entfinge sie im hofe des
schlosses / dahin er zeit wärender ihrer abwesenheit nie gekommen war / und
vergabe dem Beri nicht allein alles /was zwischen ihnen widerliches furgegangen
/ sondern er schenkete ihm auch das furstentum Tapuah /da ehmals er / und
nachgehends Elieser / waren Stataltere gewesen. Dergestalt sah sich nun meine
gute Fürstin in ihrer alten noht: und ob sie wohl sich so widerspenstig / als ihr
moglich war / gegen den Konig bezeugete / auch nichts als klagen und weinen
triebe /so bliebe der Konig dennoch verliebet / und wurde die Toris / des
Fürsten Elons gemalin / ihr als der künftigen Konigin aufzuwarten / zu gegeben /
die auch solches amt diesen winter hindurch verwaltet hat. Der Beor zoge fur
etliche wochen nach Salem zu / den Konig Melchisedech des vorhabens / alda die
heurat mit meiner Fürstin zu vollziehen: weil er sich / in seinem eigenen lande
/ dessen nicht unterfangen wollte /wegen befahrenden aufstandes / indem alles
volk der Konigin Atis / seiner gemalin / sich noch sehr zugetan befindet. Also
haben sie / gnådigste Prinzessin / vernommen / was sie zu wissen begehret. Sie
sehen annoch meine Furstin in dieser qual / und haben selbst diese tage uber
erlebet / welcher gestalt der getreue Furst Elieser und dessen bruder in des
Konigs haft geraten. Sie wissen / was meiner Furstin / als auch sie auf der
reise nach Salem begriffen gewesen /unterwegs begegnet. Der gütige himmel
verleihe einmal gewünschte änderung / dass endlich das ungluck moge ermüden / ein
so keusches paar / das in so rechtmäsiger liebe lebet / so grausamlich zu
verfolgen.
    Hiemit hörte die getreue Astale auf zu reden / und liesse die schöne Aramena
ganz verwunderend / die dann zu der Furstin von Seir sagte: wann ich alles /was
dir / liebste schwester / (dann also hatten sie einander zunennen sich
verglichen) von deiner jugend auf wiederfahren / recht erwåge / kann ich fast
nicht finden / wie es müglich ist / dass ein weibsbild / denen man sonst weniger
starkmütigkeit als den mannspersonen zuschreibet / ohne verlierung ihres lebens
/ oder ihrer gesundheit und naturlicher schone / so viel unglück auszustehen
fohig sein kann. Ich meines teils /wie mich bedunket / wurde unter solchem last
erligen / und nicht so standhaft verbleiben können. Ich muss zwar bekennen / dass
mir die gotter mein teil auch zugemessen / und dass ich in meiner noch wenigen
lebenszeit viele trubsal ausgestanden: von solchen leiden aber / als dich
betroffen / weiss ich nichtes / glaube auch nicht / dass ich so viel ertragen
könnte. Ach Aramena! (antwortete Ahalibama seufzend /) ich hätte auch wohl ehe
dessen in Seir nicht vermeint / wann jemand mir zuvor im geist geweissaget /
was ich leiden sollen / dass es mir müglich gewesen wäre / solches auszustehen.
Allein die erfahrung hat es nachgehends an mir gewiesen / dass wir schwache
Kreaturen auch stark werden müssen / um unser ungluck wohl zu tragen. Wie oft
habe ich den tod gesuchet / da der vor mir geflohen! und wie manchesmal habe ich
gewunschet / das wenige meiner schonheit zuverlieren / um in des Beors augen
abscheulich zu werden! das mir doch kein gram noch schrecken konnen zuwege
bringen. Beor ist so wenig wehrt / (gabe Aramena zur antwort) deine schonheit
zubesitzen / als wenig du seinetwegen dich derselbigen berauben / und damit den
Elieser betruben sollest. Ich aber / als die ich von keiner liebe weiss / mochte
gern / in den augen des Hemors und aller welt / für die hässlichste person
gehalten werden / um ungehintert / meinem gelübde nach /der Dianen zu dienen. Da
sei der himmel für / (sagte Ahalibama) dass dein wunderschein sollte der welt
entzogen werden / und wurde der natur selber damit unrecht geschehen / dass ihr
meisterstuck nicht båsser in acht genommen worden. Ach du spotterin (antwortete
Aramena) warum fuhrest du solche reden gegen mich / von denen du ja weist / dass
sie mir so wenig behagen. Ich sehe an dir so viel schönes / dass um mich die
natur sich nicht grämen dörfte / wann ich schon nicht mehr auf der welt wåre.
Wann dir (gabe Ahalibama zur antwort) deine wunderschone zu so vielen leiden
sollte dienen / als viel mir das wenige feine / so man an mir befunden /
geschadet hat / müste ich deiner Meinung beifallen. Nun aber kenne ich den
himmel viel zu gerecht an / als dass er solches zulassen sollte.
    Mit dergleichen reden / brachten diese beide Prinzessinnen den abend hin: da
inmittels der Konig übel zufrieden war / dass sein mitbuler die ehre erlanget
/von der Ahalibama besuchet zu werden; welches er ihme zu so grossem schimpf
zoge / weil ganz Tanac hiedurch ihre zu ihm tragende verachtung erkennet /dass
er die ganze nacht dafür nicht schlaffen kunte. Endlich ersonne er ein grausames
mittel / des Eliesers los zu werden. Dann / da er etliche tage vorher den ärzten
befohlen / für des Eliesers leben ihme rechenschaft zu geben / bliese ihm nun
die eifersucht ein /durch eben die ärzte seinen tod zubefordern. Demnach liesse
er in aller fruhe den arzt zu sich fordern / der von neuem auf den Elieser war
bestellet worden / und gebote ihm / ein langsames gift unvermerkt dem fursten
beizubringen / daran er sterben musste / ohne dass man merken mochte / dass solches
durch ein gewaltsames mittel geschehen / gelobete ihm auch dafur eine trefliche
ja konigliche vergeltung. Der arzt name nicht lange bedenkzeit / sondern
versprache gleich /des Konigs begehren zuerfüllen / und sezte damit dieses
grausame gemüte in ruhe: dann er nachgehends mindere widerwertigkeit befahrete /
wann zu erst die groste hinterung / den zweck seiner liebe zuerreichen /hinweg
geschafft worden wåre. Inzwischen entschuldigte Elon sein versehen / mit so
grossen leidwesen /dass der Konig äuserlich es ihm vergabe. Elieser aber ward von
dem an so stark bewachet / dass er das geringste nicht mehr erfahren kunte / was
in Tanac furginge.
    Es fiele aber / eben um diese zeit / ein grosses fest ein / welches die
einwohner von Tanac järlich / zu anfang des frülings / der Sonne zu ehren
feiern. Der König wollte vor seiner abreise / auf inständiges anhalten des
Stattalters Japhim / selbiges auch mitalten / und nachgehends nach Salem mit
der Ahalibama reisen / um alda dem Seirischen gesandten / der abrede gemås / die
er mit dem alten Tebah genommen /seine abfårtigung zugeben / weil die
gesundheit der Furstin es zuliesse / diese reise zu übernemen. Der Prinz Hemor
ware auch so weit wieder genesen / dass er eine sånfte zubrauchen ihme getrauete
/ und mit dem Seirischen gesandten dieser fürnemen Handelung / daran ihme so
viel gelegen / mit beiwohnen wollte.
    Als demnach der tag dieses grossen festes erschiene / da vom ganzen lande
des Tanakischen gebietes die furnemsten sich in die stadt versamlet hatten /
und alle gassen auf das herrlichste mit tapeten und blumgehången ausgezieret
waren: begabe sich der König mit der gesamten hofstat / auch dem Seirischen
gesandten / in zierlicher ordnung / nach den tempel. Die Ahalibama und Aramena /
von allem fürnemen Frauenzimmer begleitet / wurden auch dahin gebracht: die dann
mit ihrer schonheit aller menschen augen dermassen an sich zogen / dass schier
das volk von seiner andacht gezogen wurde / und diesen irdischen gottinnen ihre
geheime andacht opferten. Der Beor grüssete sie mit einer majeståtischen
freundlichkeit / als sie vor ihm furbei giengen. Ahalibama wollte im tempel nicht
die oberstelle über die Aramena nemen / weil die eine Chaldeische Prinzessin
ware. Der Elon aber gienge zu ihr / auf befehl des Königs /und beredte sie
hierzu aus diesem grunde / wie dass sie / nicht als eine Furstin von Seir /
sondern als eine bestimmte Königin von Canaan zugegen wåre. Die kaltsinnigkeit /
mit welcher die Furstin dieses angehöret /machte dem Konig spuren / wie sehr ihr
solches zuwider wåre. Doch täte sie des Konigs willen / gabe aber dem
Seirischen gesandten durch ihr anschauen zu erkennen / wie gern sie
widersprechen mochte.
    Wie nun alle opfer abgeschlachtet / und die ublichen gebråuche verrichtet
waren / notigten die åltesten der statt den König zum gastmal / welches in
schönen hierzu aufgerüsteten lauberhütten / nicht weir von dem tempel auf einen
weiten platze mitten in der stadt / auf das pråchtigste angerichtet war: dahin
dann die ganze gesellschaft sich begeben / auser dem gesandten von Seir / der /
aus gewissem bedenken / dieser freude nicht beiwonen wollte. Es beliebte dem
Konig /dass Ahalibama die stelle oben am tisch nemen musste / und begabe er sich
ihr zur seiten / zu Aramena sagend: Ihr werdet mir / schöne Prinzessin /
erlauben /dass ich dergestalt mit der Fürstin von Seir handele /als welche ich
zur Konigin von Canaan erwehlet; und kann ich euch nicht anderst / wegen der
liebe meines sohnes / als eine tochter halten / unter welchem namen ihr mir auch
herzlich lieb sein sollet. Hiermit / ihre antwort nicht erwartend / zoge er die
Prinzessin bei sich: die dann ganz traurig wurde / den Konig also reden zu horen
/ weil solches wider seine erste zusage liefe / und wusste sie nicht / dass sie
diese ånderung dem alten Tebah zudanken håtte. Es sahen aber / in wärender
dieser malzeit / beide Prinzessinnen zum öftern einander betrubt an / und wären
gern dieser ehre uberhoben gewesen: Da hingegen der Beor so wohl zufrieden war /
dass er fast keinen augenblick versaumete / mit Ahalibama von seiner liebe zu
reden. Er liesse sich gegen ihr nichtes merken / dass er ihre ansprache bei
Eliesern erfahren håtte: um ihre widrige reden /die darauf erfolgen mügen / zu
vermeiden.
    Weil das volk haufenweis um die tafel herum stunde / ihren Konig zu sehen /
sagte einer zu dem andern: Diese schone Furstin von Seir ist es / welche unsere
Königin wird werden. Solches horte sowol der Konig / als Ahalibama; und weil sie
deswegen die farbe veränderte / lächelte er / ihr also zusprechend: Diese leute
erkennen und loben meine wahl / schone Ahalibama / und tragen begierde / die
kron auf eurem haubte zu sehen. So muss dann (antwortete Ahalibama) ihr verlangen
grosser darnach sein / als das meinige. Sprechet nicht so / liebste Fürstin /
(wiederredte Beor) und folget vielmehr der vernünftigen billigkeit. Hiermit sah
er sie so verliebt als ernstlich an: Dannenhero sie / ohne zu antworten / nur
seufzete / und die augen für sich nieder schluge. Beor aber geriete hieruber in
tiefe gedanken / und bekame den Elieser wieder in den sinn / dem er seine
todtenmalzeit / unter dieser gasterei / zubereiten lassen. Dann der arzt hatte
inzwischen das gift dem Fürsten beigebracht / und liesse / nach verrichtung
solcher tat / unter den andern Königlichen bedienten / bei der aufwartung sich
sehen. Wie ihn dann der Beor bald erblickte / auch /seine begierden nicht
zwingend / an die tafel riefe /und sich heimlich dessen / was er verrichtet /
erkundigte. Sein hierauf erscheinendes froliches aussehen /gabe aller welt zu
erkennen / dass man ihm eine gute post müsse gebracht haben. Der Ahalibama aber
fienge das herz an zu schlagen / dass sie nicht wusste / wie ihr geschahe / und
musste sie / wider ihren willen / ohn unterlass den Konig anschauen: den dann sein
boses gewissen etliche mal die farbe änderen machte / und war er zwar frolich /
aber mit vermischter Unruhe. Als endlich die tafel aufgehoben worden / begaben
sie sich auf einen platz / da die junge mannschaft von Tanac allerhand spiele
und kurzweile von wettlaufen / ringen / springen und dergleichen angestellet /
denen sie dann zu sahen. Der König hatte über seine gewonheit getrunken / also
dass der Wein / ihm zu kopf steigend / ihn sonders lustig machete: daher er einen
tanz mit Ahalibama anfienge / der in unterschiedlichen reihen bestunde; und
musste diese gute Fürstin / so schwer ihr auch das herz war / ihr dannoch alles
gefallen lassen.
    Wie nun dieses bis gegen nacht gewäret / und es an dem war / dass die
gesellschaft von einander wollte: da liesse sich von weiten eine musik von
allerhand trompeten-arten hören. Der Konig vermeinte / es wurde diese
unvermutete lust der Stattalter von Tanac haben angestellet / die immer näher
kame / und jedermann zum aufmerken triebe. Nach dem man ihnen platz gemachet /
erschienen zuerst dreissig vermummete personen / die auf Cymbeln / pauken und
kleinen trompeten spieleten / in weis und grün gekleidet. Diesem folgeten
funfzig kleine knaben / mit blumen bekrånzet: welche statliches zuckerwerk in
silbernen korben trugen. Nachgehends kamen vier und zwanzig Ritter / auf das
herrlichste nach art der Egyptier gekleidet; und zulezt wieder eine musik von
floten und harfen / die diesen aufzug schlossen. Die viele fakeln /welche neben
her getragen wurden / weil es schon nacht war / erleuchteten den ganzen platz /
als wäre es Sonnenschein gewesen. Nachdem die knaben sich an beiden seiten
gestellet / fiengen die 24 Ritter nach Assyrischer art einen tanz an: da sie
nach dem tact / mit ihren in hånden tragenden pfeilen / einer auf des andern
schild schlugen / welches dann einen gar angenemen wohl einstimmigen laut
verursachete.
    Nachdem der tanz zum ende war / trugen die Rittere die becken mit den
zuckerwerk / welche sie den knaben abnamen / vor den Konig und das frauenzimmer.
Indem sie nun solche håufig austeileten / buckete derselbige / der zu Aramenen
kame / sich etwas nåher / und sagte heimlich zu ihr: Schöne Prinzessin! wollet
ihr dem Tarsis folgen? es ist alles bereit / und ihr könnet befreit werden.
Kaum hatte Aramena dieses /so erfreuet als besturzt / angehort / da sah sie /
die Ahalibama einem Ritter auf die arme springen / und zugleich im augenblick
alle schwerder der Rittere bloss werden. Demnach bedachte sie sich auch nicht
långer / und liesse sich eben also durch den Tarsis hinweg zucken. Astale und
der Aramena vertrauteste jungfrau / folgeten ihnen zu fus nach / weil sie bei
ihren Prinzessinnen bleiben wollten. Diese unvermutete begebnis sezte alles in
verwirrung und unbeschreiblichen schrecken / also dass diese verkleidete zeit
genug hatten / mit ihrer schonen beute durch das volk zukommen. Ob wohl der Konig
rieffe / man sollte die Ahalibama retten / so waren doch alle seine bediente so
beschäftigt / seine eigene person wider diese vermummete zu beschützen / und das
andere hin und wieder laufende und schreiende frauenzimmer in sicherheit
zubringen / dass in solcher unordnung nicht geschahe / was der König wollte. Also
musste ganz Tanac ansehen / wie man mitten unter ihnen diesen raub begienge. Und
weil man / bei solcher nachtfinstere / freund und feind nit voreinander erkennen
kunte / als wurgeten sie sich einander selber / worzu der häufige eingesoffene
wein beforderlich war: hatten also die anderen raum und zeit gnug / mit ihrer
beute hinweg zu kommen.
    Sie såumeten sich nicht / nach den ort / wo der Fürst Elieser bewachet wurde
/ sich zu begeben: den sie bald / ohne harten widerstand / neben andern ihren
hin und wieder verteilten gefangenen mitgesellen /befreieten. Weil sie ihn sehr
schwach fand? / brachten sie ihn auf der Ahalibama und Aramena wagen / und
eileten damit zum tor hinaus / welches einige von ihnen hatten offen gehalten.
Es ware aber Ephron /der die Ahalibama / gleich wie Tarsis die Aramena
/entführet. Beide erfreute Prinzessinnen befanden sich so versturzt uber ihr
unverhofftes Glück / dass sie es fast nicht für wahr halten kunten: wurden aber
doch /durch die gegenwart des Eliesers / Ephrons und Tarsis / dessen
versichert. Elieser / so schwach er war /achtete sich doch vergnugt / dass er in
den armen seiner Ahalibama ruhen kunte / und dieselbige aus des Beors gewalt
erlediget sah. Es fragte aber keines das andere / wie dieses zugegangen: weil
das notige eilen ihre gedanken nur auf die flucht gewendet. Der mond hube an gar
helle zu scheinen: dannenhero kamen sie geschwind fort / also dass sie des andern
tags sich bei Betera nicht weit vom Jordan sahen / wohin sie auch ehmals die
Ahalibama zu bringen beschlossen hatten. Wegen müdigkeit / verzogen sie etwas
daselbst / und ratschlagten / was ferner zu tun wäre. Weil aber Elieser sehr
unpåsslich sich befunde / als wurde er gleich zu bette gebracht / und stellete
sich der getreue arzt / der vormals mit dem Ephron aus Tanac geflohen ware /
bei ihm wieder ein / hochst erfreut / seinen herrn befreit zu sehen / und
mittelte ihm alsbald etliche herzstårkungen: die dann die mattigkeit ihm in
etwas benamen / und die angst vertrieben.
    Ahalibama bliebe keinen augenblick von Eliesern: welches ihme dann zu
grossem trost gereichete. Als nun Aramena neben dem Tarsis und Ephron sich auch
um sein bette befunden / sah der so erfreuet- als kranker Furst diese
gesellschaft nacheinander an / und brache endlich in diese worte heraus: Ist es
muglich /dass ich jezt kann krank sein / da ich so viele ursachen habe / mich
zuerfreuen? Ist mein vergnügter geist nicht stark genug / dem schwachen leib
aufzuhelfen? Ich bin so unglückselig / dass ich meines gluckes nicht geniessen
kann. Ich bin frei worden / und bleibe doch der gefangene meiner schmerzen. Ich
bin krånker / als ich seit dieser meiner verwundung jemals gewesen. Ach was ist
anders hiervon zu schliessen / als dass der himmel unser feind verbleibet / und
dass das unglück nur die verfolgungen abwechselt / damit es uns belegen will.
Diese seine worte wurden von der betrubten Ahalibama mit tränen begleitet. Der
arzt aber ob ihn wohl kein gutes bei dem handel dunkete / liesse dennoch sich
nichtes merken / sondern sagte: Es sei nicht zubewundern / das sich der Fürst
Elieser jezt ubeler als furhin auf befunde / weil die so schleunige änderung
seines zustandes / und das eilige nacht-reisen /leichtlich solche zufålle
mitfuhren und erwecken könnte; Er hoffe / wann etliche stunden fürbei / und man
den arzeneien zu wirken zeit lasse / es werde sich bald anderst äuseren. Mit
diesen reden / machte er die Furstin von Seir wiederum einigen trost schöpfen.
    Die schöne Aramena bezeugete hierauf ihr verlangen / grundlich zu wissen /
welcher gestalt der Tarsis und Ephron ihre befreiung gewirket. Demnach / sie zu
vergnügen / finge der Fürst von Sepharvaim an / die geschichte folgender gestalt
zu erzählen. Ich habe billig ursach / schone Prinzessin! (sagte er / sich gegen
die Aramena wendend /) um vergebung zu bitten / dass ich den befehl / welchen ich
zu Canon vor etlichen wochen entfinge / nicht so glucklich als eiferig
fortgesetzet / und euch nicht eher aus des Prinzen von Sichem handen befreit.
Allein weil mein unglück erstmals an deme schuldig war / was jezt mein erlangtes
Glück ersetzet / als wird dieses lezte das erste entschuldigen können. Ich hatte
keinen fleis gesparet /sobald ich von Canon hinweg zoge / aus der landschaft
Jarmut funfzig mann Amoriter zu dingen / die mir zu meinem anschlag / euch zu
befreien / sollten dienlich sein. Mit diesen und noch zwanzig Syrern /meinen
untertanen aus dem lande Sepharvaim / eilete ich nach dem gebirge Gilboa um dem
Prinzen von Sichem aufzupassen. Ich wurde ihn neben euch unfehlbar / wie der
Fürst Ephron mich nach dem berichtet /angetroffen haben / wann nicht einer
meiner ausgesandten knechte mich von den rechten weg abgefuhret / und nach einem
dorf / Engamim genant / über das gebirg hinuber gebracht håtte: alda ich / euch
/schonste Prinzessin / zu finden / den ganzen tag vergeblich geharret. Gegen
nacht wurde mir angesaget /wie dass man im walde frauenzimmer fahren gesehen. Ich
gedachte alsobald / es würde meine Prinzessin sein: setzte also / unangesehen es
ganz finster war /mit den meinigen in den wald hinein. Ich ertappete auch einen
wagen mit frauenzimmer: die aber bald meinen begangenen irrtum mich erkennen
machten /indem ich so wohl aus ihrem geschrei vername / dass unter ihnen Aramena
sich nicht fünde / als auch aus der abwesenheit Hemors endlich schliessen konnte
/wie dass ich des wegs verfehlet. Weil nun dieser angriff nicht weit von einer
schäferhütten geschehen /und in dem getümmel etliche bediente dieser fromden /
sich zur gegenwehr stellend / von den meinigen verwundet worden: liesse ich
diese erschrockene Damen in die hütte bringen / welche dann / wegen der
verwundung eines alten mannes / der bei ihnen war / sich sehr klåglichen
gebårdeten / und mich zu mitleiden bewegeten. Ich entschuldigte / dass ich /
gegen meinen fursatz / ihnen dieses ungemach zugezogen / indem ich eine andere
Dame gesuchet. Ich bote ihnen auch meine dienste an / und bate / sie sollten nur
eroffnen /worinn ich ihnen dienen konnte. Dieses stellte sie ein wenig wieder zu
ruhe: allermeist / als sie auch den alten nicht tödlich verwundet zu sein
befunden. Sie baten mich folgends / ich mochte sie hieher nach Betera begleiten
lassen: worin ich ihnen alsobald wilfahret / und ihnen so viele meiner leute /
als ich entraten kunte / mit auf den weg gegeben.
    Ich sah mich nun in meinem anschlag vollig betrogen; und mein ungluck
tausendmal verfluchend / das mich euren ersten und so angenemen befehl / schone
Aramena / nicht vollziehen lassen / name ich mir für /mich nach Debes zu wenden
/ alda ich euch mit dem Prinzen Hemor angekommen zu sein vermutete. Wie ich aber
nicht weit von Tanac ware / erfuhre ich /dass ihr daselbst neben den verwundeten
Prinzen und gegenwärtiger Fürstin / euch befundet. Man erzehlte mir / wiewol
sehr undeutlich / was die Fursten Elieser und Ephron ausgerichtet. Demnach /
alles eigentlicher zu erfahren / begabe ich mich heimlich in die stadt /und
kehrete daselbst bei einem reichen kaufmann ein /dem ich unbekant ware. Es fiele
mir unmüglich / euch etwas sagen zulassen / weil ihr niemals alleine gelassen
wurdet. Endlich gewanne ich / einen diener von meiner wasen der Calaride / auf
meine seiten: bei dem ich / eine andere ursache / warum ich unbekant in Tanac
sein wollte / furwendend / soviel erhielte / dass er mir alles / was in eurem haus
geschahe / erzehlete. In einer nacht / brachte er den Fursten Ephron und
gegenwårtigen wundarzt in mein haus / sie daselbst für dem nachsuchen des Königs
zu verbergen: dann er ware dem arzt etwas befreundet. Also bekame ich
gelegenheit / mit diesem edlen Fursten kundschaft zu machen / und redte mit ihm
ab / wie wir beiderseits Prinzessinnen samt dem Fursten Elieser erlosen wollten.
Zu dem ende reisete Ephron in das furstentum Tapua / um von seinen alten treuen
bekanten heimlich eine gute anzahl aufzubringen; und ich brachte auch unvermerkt
noch etliche meiner leute in die stadt.
    Hierauf verglichen wir uns dieses anschlags: welchen glücklich zu vollziehen
/ uns das gestrige fest anlass gabe / von welchem wir wussten / dass es der König
mit euch allen besuchen wurde. Wir uberredten unsers wirtes sohne / der mehr
geld als verstand hatte / dass er diese mummerei / dem Konig zu ehren / anstellen
sollte. Dieser ehrsuchtige geck liesse ihm dieses nicht zweimal sagen / sondern
wendete alles daran / was er vermochte. Er halfe auch dies unser vorhaben
heimlich halten / damit es nachgehends desto herrlicher herfur brechen mochte.
Weil er uns / als seine ratgebere / alles ordnen liesse / als namen wir unsere
leute dazu an / und schaffete er die fünfzig knaben. Wir machten ihn auch zum
fürnemsten unter den vier und zwanzig Rittern: da wir dann mit grosser muhe und
gedult ihm beibringen mussten / wie er tanzen sollte. Alle die andere aber / neben
denen von der musik und den fakelträgern / waren auf unserer seite /und wussten /
was wir furhatten: die es auch so glucklich ins werk gestellet / wie es am tag
ist. An der belohnung aber / welche unsers wirtes sohn von dem König für seine
erfindung bekommen wird / begehre ich keinen anteil zu haben.
    Es sollte mir doch leid sein / (sagte Aramena) wann er dieser wegen zu
unglucke kåme / und ihm seine freigebigkeit so übel gelingen sollte. Hierauf
dankete sie den Tarsis nochmals sehr hoch / fur den dienst /den er ihr
erwiesen. Ahalibama sagte gleichfalls zu Ephron: Er habe hierinn abermals die
probe einer ungemeinen bruderlichen liebe blicken lassen / und damit ewigen ruhm
zum dank verdienet. Weil sie unter wårenden diesen gespråchen merketen / dass
Elieser einschlummerte / liessen sie ihn allein / und begaben sich in ihre
gemåcher: willens / auch selber diesen nachmittag nachzuholen / was sie die
vorige nacht versaumet hatten.
    Indem aber Aramena sich auf ein ruhbette lagern wollte / sah sie zwei frömde
Damen in ihr gemach eintreten: die ihr gleich erstes anblicks nit unbekant
furkamen. Bald erkennte sie die eine / fur Ardelise /des Konigs von Hemath
tochter. Weil sie nun dieselbe für gewiss todt zu sein vermeint / als uberfiele
sie / bei dieser unvermuteten ansichtigung / mehr schrecken als freude:
dannenhero sie etwas zuruck tratte /und mit ihren gebärden / wie bestürzt sie
wäre / genugsam erwiese. Ardelise hingegen trate fort / bis sie dieser ihrer
freundin so nahe kame / dass sie dieselbe umarmen kunte / zu deren sie zugleich
sagte: Wie nun / Aramena! kennest du deine Ardelise nicht mehr? Ach Ardelise!
(antwortete die erfreute Aramena) ist es müglich / das du lebest? Ja / liebste
freundin / (wiederholte die andere) du sihest mich noch unter den lebenden / und
zwar neben dieser Prinzessin mit der hoffnung / deines schutzes zugeniessen.
Aramena fragte hierauf nach dem namen ihrer gespielin / und erfuhre / dass es
Amorite / des Teutschen Fürsten Suevus tochter und die vermeinte Königin von
Hemath wåre. Nachdem sie hierauf auch diese Prinzessin gegrusset / wandte sie
sich wieder zu Ardelise / und konnte ihre verwunderung noch nicht gar bezwingen
/sie lebendig zuwissen. Ardelise versprache / ihr bei gelegener zeit alles zu
erzählen / und bate sie daneben / dass sie ja keinem menschen ihren und der
Amorite stand offenbaren wollte / weil daran ihr leben hinge. Doch berichtete sie
vor dissmal / wie dass der Furst von Sepharvaim sie bei Engamin uberfallen / und
nachgehends / als er seinen irrtum erkant / dass er an ihrer person gefehlet /
sie beide mit ihren leuten hieher nach Betera führen lassen. Sie wollten ihren
weg nach Mesopotamien långst fortgesetzet haben / wann sie nicht auf die
genesung ihres fuhrers / der bei des Tarsis einfall verwundet worden / hätten
warten mussen. So mangelte es ihnen auch an reise-mitteln /also dass sie nicht
wüsten fortzukommen / wann das Glück ihnen nicht håtte die Aramena zugeschicket
/welche sie hierinnen nicht lassen würde.
    Alle meine haabe (antwortete die grosmutige Aramena) ist zu euren diensten /
und hoffe ich euch auch eine gefårtin abzugeben: dann ich den edlen Tarsis zu
bereden vermeine / dass er mich vollends gar nach Ninive in der Diana tempel
geleite / damit ich einmal den zweck erreiche / von welchem bisher mich so viele
widerwärtigkeiten zurucke gezogen. Wann du aber nur / (sagte Ardelise) den
rechten fuhrer bekommen hast. Wie so? (fragte Aramena) sollte ich dem Tarsis
nicht trauen dorfen? Merkest du dann nicht /(erwiederte die Prinzessin von
Hemath) dass Tarsis dich liebt? Woher komt dir dieser wahn / (fragte Aramena
hinwiederum) da ich hiervon das geringste nie gespuret? Und wie sollte er auch
hierzu kommen /da er ja gesehen / wie ich den Prinzen von Sichem so veråchtlich
gehalten: der doch vor ihme / wann ich einen menschen lieben könnte / billig zu
wählen wåre. Es ist gleichwol nicht anderst / wiederholete Ardelise) und hat es
mir sein waffentråger der Hadat gesaget /der uns hieher bringen mussen / mit dem
ich ongefår uber nennung deines namens in kundschaft geraten. Du hast dich
demnach wohl furzusehen: massen ich ihn beschreiben horen / dass er sehr frech und
übermütig /ja ubermåsig kühn sein soll. Du machest mir angst mit diesen reden /
Ardelise! (sagte hierauf Aramena) doch will ich hoffen / es sei nur Hadats
einbildung gewesen; und es werden ja die gotter mich so hoch nit straffen / dass
ich mit dieser neuen marter sollte beleget werden.
    Unter solchen gespråchen / trate Tarsis zu ihnen in das zimmer / und diese
beide Damen fur diejenigen / welche er für etlichen wochen an statt Aramenen
angetroffen / erkennend / grüssete er sie gar freundlich. Aramena / seinem
frage-furwitz vorzukommen / sagte ihm: Wie dass sie so gluckhaft wåre geworden /
zwo von ihren alten bekantinnen anzutreffen. Der Furst aber fragte gar nicht /
wer die beide wåren oder wie sie hiesen: weil er um nichtes anders / als um
Aramena / sich anname / deren schonheit ihn je mehr und mehr meisterte. Er
meldete der Prinzessin fur dissmal an / wie dass das abendessen bereitet wåre /
und fragte / ob ihr gefiele zu befehlen / dass man es herein brächte? Sie /
nachdem sie dem Fursten fur diese muhewaltung hoflich gedanket / sagte wider
ihm: Er lasse ihre person ihme gar zu angelegen sein; Sie wurde ihm aber ewig
verbunden bleiben / wann er zu allen den guten diensten / ihr noch diesen
erwiese / und nåchsten tags nach Ninive sie begleiten liesse. Ich bin (sagte
sie) eine geheiligte jungfrau in der Diana tempel daselbst / und muss auser
demselben viel zu grosse angst erdulten / weil ich des Hemors so wohl als meiner
Eltern verfolgung aller orten zu fürchten habe /und also nicht eher sicher sein
kann / bis ich in dem schutz der gottin mich wissen werde. Tarsis wurde /indem
sie also redete / bald roht / bald bleich / und antwortete so unordentlich / dass
sie ihn nicht verstehen kunte: woraus sie dann erkennte / das Ardelise wahr
geredet. Demnach wollte sie ihrem begehren nicht weiter nachsetzen / damit sie
nicht eine antwort von ihm horen müste / die ihr seine ihr-unangeneme Meinung
deutlicher erklären mochte. Ihre unruh aber zu verbergen / sagte sie: Sie mochte
gern mit der Furstin von Seir und diesen ihren zwo bekantinnen alleine speisen /
weil sie noch sehr müd wäre. Der verliebte Tarsis gienge hierauf wieder von ihr
/ und liesse durch etliche slaven das abendessen hinein bringen / welches auf
das statlichste zubereitet war. Inzwischen kame Ahalibama auch hinein / deren
dann Aramena ihre beide gäste furstellete / und derselben stand und namen ihr
heimlich offenbarete / weil Ardelise und Amorite dessen zufrieden waren. Diese
beide Prinzessinnen / beschaueten die schone Furstin von Seir / als von deren
sie so viel gutes gehoret / mit grosser begierde / wurden auch von ihr
hinwiederum mit bezeugung grosser leutseligkeit entfangen. Weil aber Aramena /
wegen der erkannten liebe des Fürsten von Sepharvaim / in neue unruhe gesetzet
war; Ahalibama / indem ihr Elieser so heftig erkrankte / über ihrer freiheit
auch nicht volkommen frolich sein kunte; Ardelise und Amorite aber / wegen ihres
unvergnugten zustandes / traurig waren: als wurde die malzeit in aller stille
verrichtet.
    Nachdem die aufgehoben worden / und die Prinzessinnen von der slaven
aufwartungen sich befreit sahen / entdeckete Aramena ihre neue sorge der
Fürstin von Seir / und bezeugete ihre beängstigung / um dass sie nirgend aus
wusste / weil sie des Tarsis hulfe / in den tempel der Diana zu gelangen / sich
nicht gebrauchen konnte. Ahalibama als sie sich auf ein anderes besonnen / bote
ihr des Fursten Ephrons dienste an: den sie auch alsobald in ihr zimmer holen
liesse /und mit ihme hierüber / auch wegen ihrer eigenen reise nach Seir / sich
beredete. Ephron fand auf Aramenen seite grosse beschwerlichkeit / woferne sie
ihr nicht gefallen liesse / mit nach Seir zu gehen: dahin sie morgendes tages /
ungeachtet des Eliesers schwerer unpåsslichkeit / weil ein längerer verzug in
Betera fur sie zu gefärlich / miteinander fortzureisen entschlossen wären.
Wofern aber die Prinzessin von Chaldea diesen schluss mit fassen würde / wåren
sie måchtig genug / dem Tarsis sich zu widersetzen /wann der ihre reise hintern
wollte. Diese antwort Ephrons brachte Ahalibama der Aramenen gleich zurücke: die
dann lange nicht hierzu sich wollte bereden lassen / weil sie sich fur der
Ahalibama fraumutter furchtete / als die niemals ihre Entschliessung / in der
Diana tempel zu gehen / ihres bruders wegen / billigen wollen. Doch musste sie
endlich denen von Ahalibama eingefuhreten wichtigen ursachen weichen / und zu
dieser reise sich bequemen.
    Der verliebte Tarsis / so von dieser Entschliessung nichts wusste / quälte
sich die ganze nacht hindurch /wie er es in seiner liebe anschlagen sollte: bei
deren er so viele hinternusen nicht vermutet hatte / weil ihme vorher unbewust
gewesen / dass Aramena sich der Dianen verlobet. Weil er aber mit länge der zeit
hoffen kunte / dass diese Prinzessin von ihrer abgottin ab-und ihr der reine
gottesdienst / den seine Konigin / die Delbois von Ninive / fast mit ihrem
ganzen hofe /wiewol heimlich / angenommen hatte / beizubringen sein mochte: als
fiele ihm endlich dieser entschluss bei / weil er ihr von seiner liebe noch
nichtes gesaget /dieselbige gegen ihr zuverbergen / und sie allein zu bereden /
dass er sie nach seiner Konigin / die jezt auf der reise nach Damasco begriffen
war / bringen dorfte; da er dann nach und nach ein mehrers von ihr zu erlangen
verhoffete. Wie nun der tag angebrochen /liesse er sich bei Aramena anmelden:
die gleich im werk war / von Ardelise und Amorite / als welche ihren weg nach
Mesopotamien nun fortsetzen wollten /abschied zu nemen / gleichwol ihm diese
besuchung nicht abschlagen konnte. Sie sagte ihm sobald sie ihn ansichtig worden:
Sie håtte ihre Meinung geåndert /sie wollte ihm die mühe nicht machen / mit ihr
nach Ninive zuziehen / sondern die Furstin von Seir begleiten. Hierauf dankete
sie ihm nochmals / fur alle die grosse bemuhungen / die er ihrentwegen
ubernommen. Tarsis kunte sich so wohl nicht verstellen / dass seine
gemüts-besturzung über diesem unvermuteten anbringen nicht wåre hervorgetretten.
Doch erholete er sich bald wieder / und finge an / alles herfür zu suchen / was
ihn kräftig dunkete / sie zubereden / nach seiner Konigin zu kommen. Die
gefårliche reise nach Seir / die ferne von Dedan bis Ninive / und tausend andere
einwurfe / brachte er ihr fur / dass sie sich fast bereden lassen: wann nicht
Damasco vor sie / wegen ihrer eltern / gar zu gefårlich wäre erachtet worden.
    Sie stunde noch an / was sie tun wollte / als Ephron mit der Ahalibama ganz
erschrocken zu ihr kamen / und diese unverhoffte zeitung brachten: der Furst von
Tapua / der Beri / wäre in die stadt gekommen. Dieserwegen nun hielten sie vor
hochst notig / hinweg zu eilen / bevor der Beri ihr dasein erfuhre: massen sie
aus seinen vorigen taten wohl kunten schliessen /was sie sich würden zu ihm zu
versehen haben. Demnach machten sie / zu ihren aufbruch / alles fårtig. Als sie
aber den Elieser eben auf den wagen heben wollten / Tarsis unschlussig war / wie
der Aramena reise zu verhindern wåre / und diese Prinzessin eiligst etliche
kleinodien der Ardelise zuwurfe / deren sich auf der reise zubedienen: da wurde
unvermutlich ihr haus von den burgern der stadt berennet / und sahen sie sich
allenhalben gefangen / dass sie unmuglich davon kommen kunten. Der erhitzte
Tarsis entschlosse also fort /mit gewalt durchzubrechen: rieffe demnach den
seinigen zu / welche drausen mit auf der gassen hielten /sie sollten zur wehr
greifen. Als er nun sich / neben der Aramena / auf einen wagen gesetzet / liesse
er das tor offnen / und rannte also mit ihr durch das volk: da er dann alles /
was sich ihm entgegen stellete / niedergesäbelt. Ephron wollte zwar / mit der
Ahalibama /dergleichen tun: aber sie vermochte nicht ihren Elieser zuverlassen.
    Indem sie nun so unschlüssig als beångstigt hierüber verweilten / sahen sie
die Beri / von vielen soldaten begleitet / in ihr zimmer / darin sie noch
beisammen waren / ankommen. Ahalibama ginge ihm unerschrocken entgegen / und
sagte: welcher gestalt soll ich den fursten Beri entfangen? als einen Vatter
meines Eliesers / oder als dessen verfolgern? Als meinen freund und beschützer /
oder als meinen årgsten feind / der mir das erst-abgeworfene joch der
dienstbarkeit wieder anwerfen will? Die Fürstin Ahalibama (antwortete Beri) wird
mich vor ihren und meines Konigs gehorsamen diener erkennen / der nichtes als
seines bruders und herrn båstes suchet / dessen gnade er aller anderer
freundschaft / sie habe namen wie sie wolle / vorziehet; der zu dem ende hieher
kommet /des Eliesers und Ephrons bubenstücke abzustraffen /und seinem Konig
seine entführte braut wieder zuzuführen. Ach Beri / (sagte Ahalibama / mit augen
voller tränen) ist es moglich / dass ein vatter so reden kann / und das so wenig
grosmut in euch wohnet? Sehet doch an / ich bitte euch darum / den armen Elieser
/ und habet doch mit diesem eurem sohn ein mitleiden. Er ist / (antwortete Beri
/ die augen von ihm wendend) so unwurdig meiner erbarmung / dass ich ihn auch
nicht einmal fur meinen sohn mehr halten kann. Er ist so unglücklich / (gabe sie
entrustet zur antwort) euer sohn zu sein / als ihr unwürdig seit / sein vatter
zu heisen: und darf man sich gar nicht darüber verwundern / was ihr jezt
beginnet / weil der geitz euch schon einmal dazu getrieben / eures sohnes
verlobte braut einem unzuchtigen Konig zuverkaufen. Diese worte (antwortete Beri
/) sollen dem teuer werden / der sie verursachet. Damit befahle er / dass man den
Elieser und Ephron in ein gefångnus werfen / und sie als die groste verråtere
des reichs / wie solche buben / die den tod verschuldet / halten sollte. Dieses
bewegte die sonst-grosmutige Ahalibama / mit einen fusfall den unbarmherzigen
Beri um gütigern entschluss zu bitten: der aber von nichtes horen wollte. Also
triebe sie die heftige liebe / dass sie zu Eliesern nochmals liefe / und ihn so
vest in ihre arme einschlosse / dass man sie lange nicht von ihm bringen kunte.
Endlich geschahe solches mit gewalt / und schieden sie beide onmåchtig von
einander: er aus grosser mattigkeit / und sie wegen innerster bekummernus.
    Indem kame die Prinzessin Aramena auch wieder zu ihnen / welche durch die
burger von Betera dem Tarsis ware abgenommen worden: der aber fur seine person
sich durch geschlagen / und mit seinen bei sich habenden davon gekommen ware.
Der Beri erfreuete sich über ihre wiederkunft zum hochsten / weil er zu Tapua
des Prinzen Hemors liebe gegen ihr erfahren /und durch dieses gluck sich bei
vatter und sohn kunte beliebet machen. Demnach grussete er sie gar hoflich: die
aber ganz aus sich selber ware / und bate / dass man sie bei der Ahalibama allein
lassen mochte. Solches ward ihr vergönnet. Aber mit der trostlosen Furstin von
Seir hatte man genug zutun / sie wieder aufzubringen: das doch zu nichtes halfe
/ als ihre qual ihr um so viel empfindlicher zu machen. Der Beri kunte dem
himmel nicht genug für sein erlangtes Glück danken / das ihme der Landpfleger
von Betera zuwege gebracht. Dann dieser hatte / die ankunft der beiden sohne
des Beri mit der Ahalibama / erfahren /und solches gleich dem Beri nach Tapua
zu wissen gemacht: der alsofort den schluss gefasset / sie anzuhalten / und ihre
weitere flucht zuhintern. Weil ihme demnach alles also nach wunsch gelungen /
schickte er unverlångt einen ab / an den König seinen bruder: diese erfreuliche
zeitung ihme anzukünden / und seinen befehl einzuholen / wohin er die
Prinzessinnen sollte bringen lassen. Der bote kame am dritten tag wieder; und
zwar von Salem / allwo er den Konig und Prinzen angetroffen / die dahin von
Tanac gekommen waren. Sie kunten die freude des Sichemitischen hofes nicht
gnugsam beschreiben / die sie ob dieser wieder erlangung der Prinzessinnen
geschopfet: da sie zuvor / dieses verlustes wegen / schier von sinnen kommen
wollen. Der Konig liesse den Beri bitten /unsäumig zu ihme nach Salem zu kommen
/ und den dank / den er ihme fur diesen guten dienst schuldig /selber
abzuholen. Also mussten die Prinzessinnen /zu dieser betrübten reise / sich
gefast halten. Weil Salem nicht weit vom Jordan lage / alda bei Ennon eine
sichere überfart ware / als wollten Ardelise und Amorite mit dahin reisen.
    Kaum ware die sonne wieder herfür gebrochen / da verursachete das gerassel
der wägen / und das toben der pferde / dass sie alle an ihre unglückselige
abreise gedenken mussten. Also sah Ahalibama kein mittel mehr / des Beors
erzürntes angesicht zuentfliehen; noch Aramena die gelegenheit / des verliebten
Hemors anwerbungen zuentkommen / und die tausend vorwurfe der Calaride und des
alten Tebah zu vermeiden. Demnach ergaben sie sich gedultig darein /was ihr
unglucksstern ihnen nun wieder bestimmet hatte / und gingen beide an das fenster
/ um alles /was auf der gassen furginge / anzusehen. Dazumal kame eben der
unglucklichen Ahalibama ihr Elieser in die augen / den sie neben seinem bruder
auf einem wagen mit angeschlossenen hånden und fussen / und mit so erblasseten
angesicht / dass er mehr einem todten als lebendigen änlich ware / sitzen sah. O
ihr gotter! (rieffe sie /) konnet ihr dieses unrecht zulassen / und diese
tyrannei erdulten? Damit wendete sie das angesicht hinweg / um ihren Fürsten in
so schimpflicher gestalt nicht långer zusehen: ward aber bald wieder anders
sinnes / und sah sich um nach ihme /funde ihn doch nicht mehr / weil er schon
fortgeführet worden. Deswegen nun liesse sie ihren tränen den lauf / die von so
vielen angstklagen begleitet / ihr die wangen herabschossen / dass es erbårmlich
zusehen war. Beri funde sie in solchem zustande: gegen deme sie dann ganz keine
ehrerbietung mehr zeigete / sondern ihme die årgsten worte gabe / so ihre grosse
ungedult nur aussinnen mochte. Also ward sie zu wagen gebracht / da Aramena /
Ardelise und Amorite sich bei ihr setzeten / die anderen aber ihnen
nachfolgeten. Sie wurden von einer starken wacht des Beri und des Landpflegers
von Betera begleitet / damit nicht wieder ein anschlag auf sie gemachet werden
kunte. Der Beri bliebe selbst nahe vor dem wagen / um seine edele beute nicht
zuverlieren / die ihme am Sichemitischen hofe gluckselig machen sollte: und
schätzete er solches hoher / als das wolergehen seiner eigenen kinder / welches
er hintan setzete / und unterdruckte / um das seine empor zu heben.
 
                                Das Zweite Buch.
Die betrübnüs der edelen gefangenen des Fürsten Beri / war nicht geringer / als
dessen vergnugung. Er machte ihm grosse einbildung / von dem Konig seinem bruder
/ fur diesen dienst / ansehnliche belonungen zu entfangen. Hingegen ware seiner
sohne befahrung nicht klein / sie wurden allerhand widerwärtigkeiten zu Salem
ausstehen mussen. Allermeist stellete Ahalibama ihren verlassenen zustand ihr
fur augen /den sie nun soviel beschwerlicher fühlte / so hoch erfreut sie furhin
wegen ihrer befreiung gewesen: und erweckte diese plotzliche ånderung in ihrem
gemute alles / was liebe / furcht / schrecken und ungedult kann zu wege bringen.
    Gleich wie nun ihre klågliche gebärden jedermann zu herzen gingen / also
entfunde solches auch nicht wenig / indem sie also mit einander fortreiseten /
die schöne Prinzessin Amorite: welche schon längst von der Ahalibama viel gutes
gehoret / und von ihr /wegen der mit der Coricide gemachten freundschaft /gar
viel hielte. Sie kunte auch ihr kummerhaftes lieben wohl erkennen / weil sie
allbereit selber ausgestanden / was Ahalibama noch befahrete. Die schmerzliche
erinnerung ihres verlustes machete / dass sie heftig zu weinen anfienge. Aramena
/ welche inzwischen dieser Prinzessin schonheit bei sich betrachtet / und von
ihrer wunder geschicht in Syrien erzählen hören /fragte ihre beisitzerin / die
Prinzessin von Hemath: Ob es dann gewiss sei / dass der Prinz / ihr bruder /den
tod erleiden müssen? oder ob ihme etwan ein gleichmäsiges verhångnus sein leben
/ wie das ihrige /erhalten? Dann / (fuhre sie fort /) du bist sowol / als der
Prinz Apries / bei uns todt gesagt worden: und weil der himmel dich wunderbar
erhalten / so frage ich nicht unbillig / ob er nit auch deines edlen bruders
verschonet?
    Diese frage / verursachete der Ardelise ein tiefes seufzen; und die betrübte
Amorite / welche es gehoret / antwortete an ihrer statt der Aramena / sagende:
Ach weh! es ist nur allzuwahr / das der edele Apries mit seinem leben bezahlen
müssen / was ich seinem vatter zuwider getan. Hiemit ward ihr die Rede / durch
einen neuen tränenbach / ersåufet. Aramena beklagete diesen Prinzen gar sehr /
um ihrer freundin der Ardelise willen / welche / mir augen voller zåhren / zu
ihr sagte: Ach liebste schwester! wer håtte mir sagen sollen / dass ich nach dem
verlust dieses bruders eine stunde leben konnte? Du hast gesehen, wie wir
einander geliebt / und was fur ungemeine freundschaft wir zusammen getragen. In
warheit / (antwortete Aramena) dieser verlust ist tief zu betrauren. Aber darf
ich fragen / ob es sich dann gewiss also verhalte / dass die schone Amorite deinen
herr vatter nicht angetrauet worden? Ach wåre solches geschehen! (sagte Amorite)
so müsten wir jezt nicht des armen Apries tod beseufzen. Aber ach! wo allein die
jugend rahtgeberin ist / da pflegt es also und nit båsser zu ergehen. Die
liebste Ardelise meinte es zwar gut / und ersonne diesen gefårlichen raht: den
meine liebe zu diesem Prinzen gar zu geschwind anname / und der nun so
unglücklich ausgeschlagen. Tausentmal lieber håtte ich mich dem König aufopfern
/ als ihn mit wissen seiner kinder so gröblich betriegen sollen. Zwar unsere
getreue liebe konnte uns / bei nicht gar zu strengen richteren / zur
entschuldigung dienen: allein der elende ausgang hat es erwiesen / dass dem
gerechten himmel dieses wesen nicht gefallen können. Ach! håtte ich dieses
lieben herrn geschicklichkeit nicht so wohl erkant / oder wäre hårter gegen ihme
mit meiner gegenliebe gewesen! ach wie gut würde es nun fur mich sein!
    Quåle mich doch nicht so / (fiele ihr Ardelise ins wort /) mit dergleichen
wehklagen! dann was sind die anders / als furruckungen / dass ich zu diesem
unglück ursach gegeben. Ich büsse ja genug dafür / und habe mehr / als du / an
dem armen Apries verloren. Mir kann kein so lieber bruder wieder werden: deine
schonheit aber wird nicht unangebetet verbleiben. Amorite beantwortete dieses /
mit ihren tränen. Ahalibama aber / die aus solchem mit-angehoreten gespråche
den zustand dieser beiden Prinzessinnen teils vernommen hatte / fiele der
Amorite bei / dass die einen viel grossern verlust als Ardelise erlitten. Dann
(sagte sie /) die liebe geht der freundschaft weit vor. Ich habe einen einigen
bruder / den ich jederzeit herzlich geliebt: Elieser aber dringet mir viel
nåher an das herz / und musste ich den verlieren / wurde ich keinen verlust von
der welt mehr tun konnen. Man sollte aber meinen / (wandte Aramena ein /) es sei
nichtes stärkeres / als die natur. Nun pflanzet aber die / zwischen brudern und
schwestern / selber die liebe ein: da hingegen die andere liebe / wie ich davon
reden horen / oft aus äuserlichen ursachen entstehet / und folgbar nicht so
kräftig sein kann.
    Du vermagst von beidem nicht zu urteilen / (antwortete Ahalibama /) dann du
weder geschwistern noch einen liebsten hast. Es folget aber nicht / dass allzeit
das jenige / was die natur gebeut / das stårkeste sei: wie wir dann tausend
beispiele sehen / wie wenig die geschwistern einander geliebt. Alles aber / da
ein zwang bei ist / das ist nicht so heftig / als was aus freiem willen
geschihet. Einen blutsfreund muss ich lieben / ich habe zuneigung zu ihme oder
nicht. Einen fromden aber muss ich nicht lieben / wann meine eigene gefålligkeit
es mir nicht befihlet. Ich falle der Furstin von Seir bei / (sagte Ardelise) das
die anverwandnüs nicht die stärkeste freundschaft mache: dann ich habe selber
noch einen bruder / den ich eben nicht ubrig lieben kann. Allein wann zu der
blutfreundschaft noch sonderbare vertreulichkeit kommet / und solche liebe
erwåchset / als zwischen dem Apries und mir gewesen: so halte ich nicht / dass
eine häftigere liebe in der welt sein kann / und dass kein grosserer verlust
geschehen mag / als der / den ich erlitten. Ach Ardelise! (gabe Amorite zur
antwort /) wann ich keine grunde anzuführen wusste / dir dar zu tun / dass ich
mehr als du verloren / so sollten dich doch bereden eben dieses deines brudern
vielmalige reden / da er unter andern diesen reim zu sagen pflegte:
Ardelise treue gunst wår mir lieber als mein leben:
must' ich Amoriten lieb solches nicht zum opfer geben.
meines sinnes meisterinne ist die Ardelise zwar:
doch beherrschet Amorite meinen leib und seele gar.
Ich wust also keine wahl nicht in meiner gunst zufinden:
wär es nicht / dass starke lieb kann die freundschaft uberwinden.
Ich erinnere mich (sagte Ardelise) dieser reimen sehr wohl / weiss auch noch / dass
dieser liebe bruder / als er sich einbildete / ich wåre hierüber betrübt worden
/diese zwei reimen noch hinzu tate:
Doch wird / Amorite siegen / Ardelift schaden nicht:
dann mein herz voll heiser flammen ist zu beiden hingericht.
    Du wirst / liebste Ardelise! (hube hierauf Aramena an) der Fürstin von Seir
/ deines bruders und gegenwärtiger Prinzessin Liebesgeschicht / auch was euch
endlich zu Hemath begegnet / davon ganz Syrien bisher so unvernemlich geredet /
zu erzählen dir belieben lassen. Wir werden / den verdrieslichen weg nach Salem
/ nicht bässer hinbringen können / als mit anhorung einer so seltsamen
begebenheit. Wir müssen auch uns jezt der zeit bedienen / frei mit einander zu
reden: wer weiss / wie es uns zu Salem ergehen wird /und ob daselbst unsere
verfolgere uns gönnen werden / viel beisammen zu sein? Du erinnerst gar wohl /
(antwortete Ardelise) und zwar zu unserm båsten: dann zu Betara konten wir
nicht dazu gelangen / dir unsern zustand und furhaben zu berichten. Ich neme
gern auf mich / der Amorite begebenheit zu erzählen: weil diese liebe Prinzessin
es nicht treulicher als ich würde verrichten können / die ich alles von meinem
bruder und ihr vernommen / auch guten teils / was ihnen widerfahren / selbst mit
belebet habe. Ich will / auf deinen befel / meine erzehlung zu der Fürstin von
Seir richten / als von welcher ich erachte / das sie ganz unwissend sei alles
dessen / was ich zu sagen habe. Wie nun Ahalibama ihre begierde erwiesen / diese
geschicht zu vernemen / und Ardelise ihre nebensitzerinnen nun ganz still sah /
hube sie also an zu erzählen /die
                     Geschichte des Apries und der Amorite.
Als die streitbare volker / die Celten und Teutschen /unter dem tapfern Konig
Marsius / in Canaan kamen /und mit unbeschreiblichem glucke / die Konigreiche
Basan / Moab / und des landes der Amoriter / sich bemåchtiget: wurde ihm der
König Jobat von Hemath /mein herr vatter / auch dienstbar / also dass er von dem
König in Syrien / unter dessen schutz er vor diesem gesessen / sich unter den
Marsius begabe. Zu beståtigung des bundes / vermålte er sich an eine teutsche
Fürstin / die Sonna / die dem Konig Marsius nahe befreundet / und des berümten
Fürstin Suevus schwester war: von der seind meinem herr vatter /zwei sohne und
ich / geboren worden. Der jungste von diesen ware Apries / und der ältere
heiset Bileam: zu welchem ich / wegen seines unartigen gemutes / ja so grossen
widerwillen trage / als herzlich ich den andern liebete. Dieser truge auch / von
kindheit auf / ein gleichmåsiges herze gegen mich: also dass wir wohl eine seele
in beiden leibern gehabt / und nie von einander sein konnen / so oft wir
gelegenheit gehabt /einander zu sehen.
    Wie nun Jobat nach nichtes mehr trachtete / als diese beide sohne von jugend
auf wohl zu erziehen: als wurde Bileam nach den Konig Melchisedech geschicket /
alda in der hohen schul zu Kiriat Sepher erzogen zu werden. Apries kame / auf
inståndiges begehren unserer fraumutter bruder / an den Koniglichen hof nach
Basan / und hatte die gelegenheit / neben dem jungen Prinzen Marsius / und dem
Daces des Konigs vettern / alles zu lernen / was einen Fürsten zu wissen wohl
anstehet. Dieser hof / war dazumal einer von den berümtesten / und die
Prinzessin Mirina des Konigstochter / neben gegenwårtiger Amorite / des Fursten
Suevus tochter / die er mit Ogire der lezten Amoritischen Prinzessin gezeuget /
waren daselbst die zwei gepriesene schonheiten / welche ganz Basan anbetete. Der
Amorite herr vatter / so zu Hesbon und Hazezon Tamar stattalter war / musste
immer bei dem Konig Marsius zu Basan sein: welcher ihn so wehrt hielte /dass er
auch im willen hatte / den Prinzen seinen sohn dermaleins an die Amorite zu
verheuraten. Dieser gunst genosse auch Apries / dem der Konig um des Suevus
willen alle gnade erwiese. Weil nun dem fürbilde des Konigs der ganze hof
folgete / als sah sich mein bruder / nicht allein beim Konig und der Königin /
beim Koniglichen Prinzen und der Prinzessin /in gnaden / sondern auch von allen
anderen geliebt.
    Er mochte damals / wie er nach hof kame / etwan funfzehn jahre haben / und
ware für ein mannsbild uberschon von der natur geschaffen. Das aber an ihm
merkwürdig / so gleichete er so sehr der Amorite /dass man sie beide eher für
geschwistern halten können / als ihn und mich / die wir einander nichts änlich
sahen. Dieses / neben anderen verborgenen anreitzungen / verursachete / dass
Apries sich immer zur Amorite hielte / alles mit derselben in raht stellete /
bei allen begebenheiten ihr aufwartete / und eine so fåste freundschaft mit ihr
machete / dass die nachgehends nichts / als die daraus entstandene liebe /
verändern kunte. Amorite / ob sie wohl mit ihm gleiches alters /ware doch viel
ståmmiger / und wusste / als von kindheit auf an einem so grossen hof erzogen /
meinem bruder viele lehren und unterricht zu geben. Dieses räumte ihr fast eine
mütterliche macht uber ihn ein: daher sie gewohnte / mehr eine treue sorgsalt
für ihn /als einige hochachtung seiner person / zu hegen; und gedachte sie
damals an nichtes weniger / als an die liebe / mit der sie nachgehends an ihn
verknüpfet worden.
    Ihr musste / wie gesagt / der Konigliche Prinz Marsius, auf befehl des Konigs
seines herrn vattern / aufwarten: das dann vor sie eine vorteilhafte sache ware
/weil dieser junge Herr / neben seinen hohen stand / an geschicklichkeit und
tugend wenig seines gleichen hatte; daher er auch / bei der Amorite / nicht
unbillig in betrachtung gekommen. Weil er aber bei lebzeiten seines herr vattern
nicht heiraten wollte / zudeme auch eines viel zu kriegerischen gemutes war / als
dass er /bevor er sich in kriegen versuchet / an das heiraten hätte denken
sollen: als war diese liebe nicht von den håftigsten / auch nicht so fåst
gestellet / dass man darum die Amorite / als kunstige Konigin von Basan /sollte
angesehen haben; sondern es beruhete alles noch auf dem erfolg der zeit / und
bestunde in grosser ungewissheit.
    Nachdem nun mein bruder eine gute zeit sich zu Basan befunden / wurde
einsmals von dem Prinzen Marsius / auf seines herr vattern geburtstag / ein
grosses Fest angestellet: zu welchem uns der Kqnig auch einladen liesse / und
kamen wir hin gen Basan / diesen freuden beizuwohnen. Die vergnugung / die ich
und Apries einander wieder sehend entfunden / ist leicht zuermessen / wann man
sich furbildet / dass niemaln geschwistere / wie wir / einander geliebt. Ich
hatte dazumal am ersten das Glück / die Amorite zu sehen: welche dann sich
gleich auch gegen mir so gutig erwiese / dass ich sie lieben musste / allermeist
wie ich die grosse vertråuligkeit warname / mit der sie meinen bruder begegnete.
Ich muss aber ein wenig beschreiben / welcher gestalt des Konigs geburtstag
gefeiret worden: weil etwas darbei furgegangen / das zu meiner erzehlung
gehöret.
    Es ware auf dem lustigen berg Hermon / ein ebenes weites wiesenfeld
zubereitet / welches rund umher mit Cypressen bewachsen / tausend schritte in
die långe /und eben so viel in die breite hatte. An dem einen ende / nahe vor
einen dicken wald / ward ein geruste für die Konigliche personen und das
frauenzimmer aufgerichtet. An diesem ort begaben wir uns / nach verrichtetem
Gottesdienst / welchen wir / in dem darbei gelegenen walde / nach sitte der
Teutschen begangen hatten: da die Druyden / als unsere priester / fur das leben
ihres Konigs viele opfer geschlachtet. Nachdem der Konig Marsius / mein herr
vatter / und der König von Ammon / welcher neben seiner hofstatt auch zu dieser
lust geladen worden / auf die eine seite des gerustes sich begeben / und die
drei Königinnen die andere hälfte der buhne eingenommen hatten: setzete sich /
unter ihnen eine staffel niedriger / die junge Prinzessin Mirina zwischen die
Amorite und mich ein / da mir zur andern hand die Prinzessin von Ammon kame /
und darauf alles das andere frauenzimmer folgete. Die beide seiten dieser weiten
Aue wurden von vielen tausend personen / die da zusehen wollten / bekleidet.
    Nachdem wir nun alle dergestalt uns gelagert / erschalleten von weiten die
trommeten: welche endlich nåher kamen / und den aufzug des Prinzen Daces
auffuhreten. Dieser ware gekleidet nach art seiner landsleute / wie sie in ihrem
lande sich tragen: welches dann mehr wild als zierlich aussah / diesen herrn
aber dennoch nicht verunzierte / als deme alles wohl anstunde. Er lenkete seinen
wagen / auf dem er sasse /mit so guter art / dass jedermann ihn priese; und
folgeten ihm / auch auf wägen / zwolfe von den edelen aus Basan / die gleich
ihme gekleidet / und ihrem fuhrer an guten wesen nichtes nachgaben. Wie nun
diese etliche mal im kreis umher gefahren / und sich endlich an die eine seiten
gestellet / kam der andere haufe: welchen der Prinz von Ammon fürete / und mit
seinen bei sich habenden Ammoniten in Egyptischer kleidung erschiene. Hierauf
fürete den dritten haufen mein bruder / der dann / wegen seiner schonheit /
aller augen an sich lockete. Er war wie eine Gorgonierin gekleidet / welche
kriegerische weiber sein sollen: man hätte ihn aber eher fur eine Venus
angelehnt /solche holdseligkeit liesse er blicken. Zwölfe von den jungsten und
schönsten edelen aus Basan / begleiteten ihn in ebenmåsiger tracht. Als er fur
uns fürbei fuhre /grussete er das frauenzimmer mit so guter art / dass er viele
zuruffungen / um gutes gluck zu haben / von uns allen entfinge. Als nun dieser
auch platz gemachet /kame der lezte aufzug des Prinzen Marsius: der wegen der
vielen diamanten und anderer edelsteine / mit welchen er bezieret / solchen
glanz von sich gabe / dass er die augen blendete. Aber sein majestätisches wesen
schiene unter diesem pracht so herrlich herfür / dass man ihn auch / ohne diesen
grossen schmuck / håtte bewundern müssen. Er erschiene mit den seinigen /als
Assyrier: als wollte er damit seinem herrn vatter vorbedeuten / wie ihn verlange
/ die Assyrische kron einmal aufzusetzen.
    Nach diesen ginge der luststreit an / da zween und zween gegen einander
rennten / und mit wurfpfeilen einer auf des anderen schild traffe: da dann der
gewanne / welcher von seinen pfeilen die meisten anzubringen vermochte. Die
schilde waren also zugerichtet / dass die pfeile gar leicht konten darin stecken
bleiben. Es ist aber solches nicht so leicht zu vollbringen / als zu erzählen:
massen die hurtigste geschwindigkeit dazu erfordert wird / und müssen sie den
zügel /mit dem sie die pferde regiren / in eben der hand führen / auf welchen
ihnen die schilde ligen / da sie dann leichtlich durch einen unfursichtigen ruck
alles versehen und verderben konnen. Prinz Marsius und mein bruder / waren die
ersten / die auf einander rennten: denen aber das gluck gar unterschiedlich
fugete. Dann der Prinz von Basan brachte zu dreien malen / da sie gegen einander
fuhren / einen pfeil in des Apries schild: Dieser aber fehlete / weil der Prinz
/ ob er schon nach dessen schild sehr wohl zielete / in diesem ritterspiel so wohl
unterrichtet war / dass er sich meisterlich wenden / und des Apries wurfe
ausweichen kunte. Hierauf rennte einer von des Marsius leuten mit meinen bruder
/ und eine Gorgonierin mit dem Prinzen: worauf die übrige alle ihren rand auch
verrichtet. Prinz Marsius bracht alle seine pfeile wohl an /und behielte hingegen
seinen schild ganz frei: da alle die andern / zeichen ihres verlustes auf den
ihrigen fuhreten / und furnemlich mein ungluckseliger bruder seinen schild mit
den meisten pfeilen bestecket zeigete.
    Die junge Prinzessin Mirina / welche sehr kriegerischer natur / sagte zu der
Amorite / als sie des Apries ungluck sah: Ich sehe / dass Apries der weiber ehre
ubel verfechtet / ich håtte es bässer wollen machen /als er. Amorite antwortete
ihr: Apries wåre noch ein junger herr / und noch nicht so geübt / wie die
anderen; habe sonsten ja so fein und zierlich das seinige getan. Diese
schutzworte bewegten mich / der guterzigen Amorite zu danken, dass sie meines
armen bruders sich so wohl angenommen. Mirina kunte gleichwol / ihn zu verachten
/ nicht ermüden / unangesehen ich als seine schwester dabei ware: dañ ihre
jugend und freies gemut ihr allen zwang bename. Sie machte es aber soviel / das
sie und Amorite deswegen ein starkes wortwechseln begunten. Der Prinz Daces /und
Baalis des Konigs von Ammon sohn / singen damit ihr rennen auch an: und will ich
mich bei denen nicht lang aufhalten / dann keiner vom andern einigen vorteil
gewonnen. Kurz! allein der Prinz Marsius brachte seinen schild unverlezt davon:
daher er auch den preis erhielte / welchen die Konigin seine stieffraumutter
aufgesetzet hatte / das dann ein uberschones kostbares kleinod ware.
    Mitlerweile nun / als nach endigung dieses luststreites / der Konig dem
Prinzen ansagen liesse / an die bühne zu kommen / und den preis von der Königin
zu entfangen / besahen die Damen / so zu nåchst um die Königin sassen / das
kleinod / und solches hochpreisend / sprache eine zur andern / dass selbiges der
Prinzessin Amorite gewiss wurde zu teil werden: welches sie dann auch selber ihr
einbildete / weil bei dergleichen Ritterfesten gebråuchlich / den gewinst einer
Dame zu geben. Der Prinz aber / nachdem er das kleinod von der Konigin Hand
entfangen / welches mit verwandelung und unruhe seines gesichtes geschahe /
dessen ursach doch niemand ergrunden kunte / ginge er uns sämtlich geschwind
furbei / und begabe sich nach den andern Rittern / ohne an die Amorite zu
gedenken. Sie errotete hierüber / und ich kunte nicht lassen / sie anzusehen:
Jederman wurde still / und niemand wusste / was er hiervon sollte urteilen.
    Die anderen Prinzen und Ritter kamen indem zu uns / und wie der Apries sich
zur Amorite gesellet / ja so beschåmet uber seinem unglück / als sie war über
der erwiesenen kaltsinnigkeit des Prinzen / sagte er zu ihr: wie ungleich geht
es doch in der welt daher! Mir hat das gluck nichtes gegeben / da ich es doch
båsser wollte anwenden / als der Prinz Marsius. Als hierauf Amorite fragte / wie
er das meinte? sagte er ferner: dass sie es haben sollen / wann er gewonnen
håtte. Mirina solches horend / sagte: Der himmel hätte ihn fur dieser
freigebigkeit bewaret / massen der gewinn noch gar weit von ihme gewesen. Diese
worte verhoneten den Apries dermassen / dass er ganz betrubt wurde. Amorite aber
/ die sich seiner wollte annemen / sagte zu der Mirina: hat der Prinz von Hemath
heute nicht so viel gluck gehabt / wie der Prinz von Basan / so erweiset er
dennoch wohl so viel höflichkeit. Die Prinzessin seine schwester wurde hierdurch
erzürnet / rieffe dem Daces / und befahle ihm / dass er ihren bruder seiner gebur
sollte erinnern: der solches eiligst ins werk stellete / den Prinzen lang suchete
/ und endlich im holz von allen abgesondert fand / da er sich mit einen anderen
schluge: welcher mit unter seinem aufzug gewesen. Dieses antreffen machte ihn so
besturzt / als den Prinzen ungedultig / weil er dadurch sich gehintert sah /
wider seinen gegenpart ferner seine sache auszufuhren. Er hielte aber ein / und
sagte zu diesem / mit dem er sich geschlagen: Sie wollten ihren streit bis zu
einer bequemern zeit versparen / inmittels gåbe er ihm sein Furstliches wort /
ihn nicht zu melden / und sollte er alle sicherheit an seines herrn vattern hofe
haben.
    Hierauf wandte er sich zum Daces / und horete an /was der ihme / seiner
erwiesenen unhöflichkeit halber / zu sagen hatte. Wie er nun seinen fehler
erkant / bereuete er solchen heftig / und eilete geschwind zurucke: nachdem er
den Daces beschworen / niemanden das zu sagen / was er im wald gesehen. Sobald
er angekommen / überreichte er der Amorite das kleinod mit den hoflichsten
worten von der welt. Sie / ob ihr zwar die vorige kaltsinnigkeit sehr
verschmachete /also dass sie es anfangs gar nicht annemen wollte /musste es doch
endlich tun / weil alle Konigliche personen zugegen waren / und sonderlich ihre
Fraumutter ihr winkete / den Prinzen nicht zubeschimpfen. Apries inmittels
erblassete ganz hierüber / welches aus eiversucht geschehen / die ihme selber
dazumal noch unbekant ware. Weil auch Mirina nicht aufhoren kunte /von seiner
ungeschicklichkeit zu reden / und den Daces antriebe / ihn damit zuverhonen;
wurde er aus ungedult bewogen / dem Daces zu antworten: Er hoffete in einem
ernstlichen gefechte sich glucklicher und geschickter zu zeigen / als er in
diesem lustkampfe sich erwiesen. Hierauf fielen von beiden seiten so viel
stichelworte / dass sie heimlich sich beredeten / bei erster gelegenheit einander
/ ohne einiges menschen wissen / mit dem degen ein genügen zu tun.
    Wie wir nun wieder in Basan eingelanget / und dieses freudenfest mit einem
herrlichen gastmal sich geendet / welches der Konig Marsius etliche tage wären
liesse / stelleten der junge Marsius und sein widerpart / wie auch der Daces und
Apries / ins werk / wessen sie sich zusamen verglichen; und wusste unser keines
davon / was diese hitzige junge leute mit einander für hatten. Wiewol sie nun
einen verborgenen ort im walde darzu erwehlet / so schickte es doch der himmel /
dass / in wårendem ihrem gefechte / von des Konigs hofleuten etliche darzu kamen:
die diese junge herren gleich von einander brachten / und den handel in ganz
Basan ruchtbar macheten. Wir waren eben ingesamt bei dem Konig / als einer diese
zeitung brachte: und kann man gedenken / weil man noch nicht wusste / ob sie
wieder voneinander wåren / wie der Marsius sich entsetzete / seinen einigen sohn
/ den er so herzlich liebete / in dieser gefahr zu wissen; und wie zornig er
worden über den andern / der diese kunheit begehen dorfen / wider den
Koniglichen Kronprinzen sich also einzulassen. Mein herr vatter / liesse mehr
zorn und ungnade / als sorgfalt / fur den Apries spuren. Der Fürst Trebetes /
des Daces herr vatter / wollte stracks sich aufmachen / seinen sohn um diese
verwegenheit abzustraffen. Amorite erwiese grosse angst / die man billig fur den
Prinz Marsius ausdeuten musste: wiewol Apries auch sein anteil mit dabei hatte.
Wie mir zu mut gewesen / kann ich nicht beschreiben / weil ich selbst nicht wusste
/ was ich täte.
    Mirina allein ware die kaltsinnigste: ob wohl es sich hernach auswiese / dass
sie am meisten hierunter begriffen war. Dann / mit wenigem dieses hiebei in
meine erzehlung zu rucken / so ware der Prinz Ingerman / des Königs Marsius
bruders sohn / der jenige /mit welchem der Prinz Marsius sich geschlagen. Dieser
junge herr ware / für etlicher zeit / aus den Teutschen Landen angekommen /
unbekant des Marsius hof zubesuchen: dann er daselbst / wegen der todfeindschaft
/ die zwischen dem Bojus seinem herr vatter / und dessen brudern dem Marsius
ware / sich nicht kundt geben dorfen. Also wusste niemand / wer er wäre / auser
Mirina / die ihn sowol / als er sie / liebete. Sie waren aber in ihrem tun so
heimlich / das niemand etwas davon innen worden / als der Prinz Marsius. Dieser
/ von grosmut getrieben / wollte nicht leiden / dass seine schwester mit deme in
verträulichkeit leben sollte / dessen vatter der Bojus ihrem hause so viel zu
wider getan / und den Konig Marsius aus seinem vatterlande verjagt hatte.
Demnach so wollte er dieses verwehren / und den Ingerman dahin bringen /ihren hof
zuverlassen. Als aber der sich dessen weigerte / der Prinz Marsius hätte sich
dann zuvor mit ihme geschlagen / und ihm also ein genügen getan fur den schimpf
/ den er von ihme / durch den verweis / wegen der liebe zu seiner schwester /
entfangen: als verwilligte ihm solches der edele Prinz / und kame eben den tag /
als das lustrennen gehalten wurde / mit dem Ingerman zusammen; der den gewinst
davon zubringen ihm eingebildet / und mit dieser erlangten ehre nachgehends
Basan zu verlassen / entschlossen ware. Wie ihme aber dieses gefehlet / wurde er
so unwillig und hitzig / dass er gleich an den Prinzen das begehrete / was er
unlångst bei ihm gesuchet: das dann dieser tapfere herr ihm auch nicht länger
versagen wollte. Weil aber Daces dazumal solches gestöret / als waren sie
besagter massen wieder zusammen kommen / und hatten beiderseits / ungeachtet
ihrer jugend / da jeder von ihnen kaum das zwanzigste jahr erreichet / so tapfer
gefochten / dass sie / wann man nicht wäre darzu gekommen / einander würden
aufgerieben haben. Es hatte auch mein bruder / der neben ihnen mit dem Daces ihm
zuschaffen gemacht / weil er zum meisten beleidiget war / sich so wohl gehalten
/dass Daces selber nachmals / als sie wieder vertragen waren / ihn darum preisen
musste.
    Wie sie aber nun / auf befehl des Konigs / von einander gebracht worden / da
Trebetes / wie gesagt /selbst zu ihnen hinaus geeilet: mussten sie alle viere vor
den Konig kommen. Es wurde ihnen von allen seiten ein verweis gegeben / und
wollte Marsius mit gewalt wissen / wer der unbekannte wåre: weil er aus diesem
kampf wohl vermutete / dass er was furnemeres sein müste / als er fürstellete.
Prinz Marsius wollte /aus angeborner grosmut / ihn nicht verraten. Er selber aber
/ von einer ungedultigen wut getrieben / bekannte dem Konig freiwillig / wie dass
er seines bruders und todfeindes sohn wäre: womit er eine solche besturzung bei
allen erwecket / dass die umstehende nicht wussten / was sie sagen sollten; worbei
Mirina ohn unterlass die farbe geåndert. Der König Marsius liesse seinen sohn /
neben dem Suevus und Trebetes / in sein geheimes zimmer kommen: mit denen er
uberlegte / wie er sich hierin zu verhalten håtte. Weil der Prinz Marsius / des
Ingermans liebe zu der Mirina verschweigend und eine andere ursach ihres
streites vorwendend / den Konig heftig bate / desselben zuverschonen / und ihn
seinem herr vatter dem Konig Bojus wieder zuzuschicken: als fielen Suevus und
Trebetes dieser bitte bei / und musste Ingerman darauf vor den Konig kommen.
    Nachdem die Prinzen in seiner gegenwart sich vertragen / befahle der Konig /
man sollte den Ingerman bis an die gränzen seines reiches begleiten / und liesse
durch ihn seinem bruder sagen: Er mochte mit den seinigen auch so hoflich
verfahren / wann dermaleins das gluck ihm einige derselben in seine hånde
liefern wurde. Mirina hatte keine gelegenheit / ihn fur seiner abreise zusehen /
dorfte auch nicht ihren bruder darum befragen / weil der alle gelegenheit
meidete / mit ihr hievon zureden. Apries und Daces waren durch ihre eltern nun
auch wieder verglichen / und verwiese man es dem Daces gar hoch / als man die
ursach ihres streites innen wurde / dass er des Konigs von Hemath sohne also
begegnen dorfen: Da hingegen mein bruder ein allgemeines lob erwarbe / wegen
seines wolverhaltens / also dass ihme dieses zu mehrer ehre gereichete / als wann
er den sieg in dem luststreit davon gebracht håtte.
    Amorite und ich waren mit den Apries allein dieserwegen nicht zufrieden /
dass er sein leben / daran mir so viel gelegen / und über welches ich / wie uber
alles sein tun / herrschen wollte / also in die schanze geschlagen. Dessen
ungeachtet / bezeugete er uns /wie dass er mit deme / was vorgegangen / noch
nicht zufrieden sei / und nicht eher in seinem gemute zur ruhe kommen wurde /
bis er sich bei einem anderen lust streite geschickter erwiesen hätte: damit die
Prinzessin Mirina nicht mehr ursach haben mochte / seiner zu spotten. Ich
scherzete hierüber mit ihme / wie dass er der Mirina reden nur darum so
entfindlich musse aufgenommen haben / weil er sie liebete. Amorite aber täte
das wort für ihn: Mirina sei nicht für ihn /und sie mochte auch ihn mit einem so
wilden gemute nicht beschlagen wissen. Er selbst / ob er schon / mit den
höchsten ehrerbietungen von der welt / der Mirina gedachte / erwähnte jedoch /
wie dass er sich ganz frei wisse von dieser gemutsregung / die man liebe neñet.
    Amorite liesse ihr solches wohl gefallen / und vermanete ihn / ståts bei
solcher Meinung zu verharren /und nimmermehr sich einem solchen joche zu
unterwerfen / das nur unruhe mit sich fuhrete. Die Prinzessin Amorite (sagte
hierauf mein bruder / die farbe etwas ånderend /) wird diese unruhe / aus der
erfahrung / noch båsser beschreiben lernen / weil der Prinz Marsius zweifelsfrei
ursach dazu gibet. Der Prinz (antwortete sie /) erweiset in seiner liebe / die
er mir erzeiget / so wenig unruhe / dass ich meine / ich habe ebenfalls nicht
notig / von derselbigen geplagt zu werden. Ursach dessen ist beiderseits /
(wandte er wieder ein /) dass der Prinz raht weiss zu seinem anligen / und die
schone Amorite versichert ist / dass keine würdiger / als sie / eines so grossen
Prinzen herze besitzet: dannenhero sie beide ohne sorgen lieben. Ich weiss nicht
/ was ich wert bin / (antwortete sie) kann auch nicht sagen / ob es der himmel
also versehen / dass ich dermaleins dem Prinz Marsius zu teil werde. Dieses aber
finde ich wohl in mir / dass ich mit ja so freiem gemüte abstehen wollte / des
Prinzen liebe anzunemen / wann meine eltern es mir anbefählen /als ich jezt
solches aus ihrem geheis verrichte.
    Diese und dergleichen kleine wortwechselung fuhre ich allhier zu dem ende
ein / weil ich dieselbige damals wohl in acht name / und daraus abmerkete eine
sonderbare verborgene zuneigung / die Amorite und Apries gegen einander trugen:
welches sie zwar selbst noch nicht wussten / allermeist die Amorite / die an
nichtes weniger gedachte / als dergestalt meinen bruder zu lieben. Apries
hingegen liebete sie zwar herzlich: dennoch hatte selbiger zeit die vernunft bei
ihme noch die oberhand / also dass er die unmuglichkeit und ihr bästes mehr
betrachtete. Dann er wusste wohl / wie dass er / als der jüngste Prinz in Reiche
Hemath /keine hoffnung haben kunte / eine so grosse Prinzessin zu überkommen /
(massen der Suevus so måchtig als der Amoriter Konig war /) und diese Prinzessin
/in vermålung mit dem Prinz Marsius / der mächtigsten Koniginnen der welt eine
werden wurde: welches er ihr / aus heftiger zuneigung / willigst gonnete /zumal
er auch / wegen noch-gruner jugend / an seine selbst eigene verheuratung noch
nicht gedachte. Dannenhero unterliesse er niemaln / alles das beizubringen und
zu tun / was er zu erhaltung und nehrung des Prinzen liebe dienlich erachtete.
Wann Prinz Marsius zu ihr kame / entwiche mein bruder alsobald / um ihme nicht
hinterlich zu sein. Ware sie ausgespaziret / meldete er es dem Prinzen an / und
zeigete ihm den weg / der ihn zu ihr fuhrete. Horete er bei hof widerlich von
dieser liebe und wahl des Prinzen reden / als wohl zuweilen von etlichen geschahe
/ die der Amorite dieses gluck nicht gonnten / widerredte er solches /und
erwiese das gegenspiel. Wie gesagt / er stellete sich in allen also an / dass man
ihn eher fur des Prinzen Marsius vertrautesten in seiner liebe / als fur seinen
mitbuler / ansehen konnen. Dieser Prinz begunte auch meinen bruder immer wehrter
zu halten / also dass nåchst dem Daces / er keinen so sehr als ihn liebete.
    Wie wir nun Basan wieder verlassen / und der Konig mein herr vatter / auf
des Suevus begehren /dem Apries noch ein zeitlang an des Marsius Hof zubleiben
erlaubet hatte / kamen wir nach Hemath /eben um die zeit / wie dein herr vetter
/ liebste Aramena / mit dir uns besuchete: da deine geliebte gegenwart mir den
kummer stillete / den ich / meinen bruder / und die Amorite nicht bei mir sehend
/ geschöpfet hatte; welchen ich sonsten damit trostete / wann ich von Basan alle
wochen zeitung bekame / wie es ihnen daselbst erginge. Und ob wohl um diese zeit
Bileam / mein ältester bruder / bei uns ware / kunte dennoch der des geliebten
Apries abwesenheit mich nicht vergessen machen.
    Apries behielte inzwischen noch immer die begierde / sich in einem
lust-streit fårtiger als das erstemal zu erweisen / dannenhero er sich auch
tåglich darin geubet. Endlich stellete er ganz heimlich / dass niemand als
Amorite wissenschaft davon hatte / auf der Mirina geburtstag / ein dergleichen
rennspiel an: welches dem hofe um so viel angenemer und ansehnlicher furkame /
weil man zuvor nichtes davon gehoret hatte. Aber Daces beeiverte des Apries
beginnen / weil er /wiewol ganz heimlich / die Mirina liebete / und also ohne
eiversucht nicht sehen kunte / dass jemand anders / als er / dieser Prinzessin
solche ehre erzeigete. Der junge Marsius war einer von den zuseheren: Aber Daces
führte die andern rittere / so wider den Apries und dessen bei sich habende
rennen sollten. Cimber ein vetter des Konigs / neben dem Tubal / (welcher der
Amorite auch aufwartete / und sie so heftig als heimlich liebete /) waren die
fürere vor dem dritten und vierten haufen.
    Wie sie gekleidet / und was alles darbei vorgegangen / achte ich unnötig zu
beschreiben. Genug wird es sein / wann ich dieses berichte / dass mein bruder den
volkommenen sieg davon gebracht / und den preis /welchen er selber aufgesetzet /
wieder gewinnend /solchen der Prinzessin Mirina uberliefert. Es war aber
selbiges ein kostlicher wagen mit vier schönen Egyptischen pferden bespannet /
und behånget mit einer statlichen Sidonischen decke / die mit perlen
durchwirket. Jedermann bewunderte diese freigebigkeit /und Mirina erkennte sich
dafür ihme hoch verbunden. Amorite sagte zu ihr: Der Prinz von Hemath dörfte nun
nicht mehr gewårtig sein / ihre verlachung zu erdulten. Dieses verhonte sie zwar
etwas; doch liesse sie sich das nit hintern / dem Apries nach als vor /wegen der
ihr-erwiesenen ehre / hoch zu danken. Niemand achtete sich nun in seinem sinne
glucklicher /als Apries / das er sich auf so gute weise an der Mirina gerochen;
und lobete der Konig neben dem ganzen hof ihn dermassen / dass seine ehrsucht
sich völlig konnte vergnuget sehen. Weil es damals eben in der schönsten jares
zeit ware / als hatte er noch uberdas in lauberhutten / dem frauenzimmer und
ritteren / eine herrliche abendmalzeit zu richten lassen: deren der ganze hof /
auser den Konig und der Königin / beiwohnete. Nach geendeter malzeit / welches
alles von des Apries freigebigkeit allein gezeuget worden / fingen sie auf der
wiesen allerhand lustspiele an.
    Unter anderen kame der mutigen Mirina in den sinn / ihren wagen / den ihr
der Apries geschenket / zu versuchen: und wollte sie selber die pferde regiren /
unangesehen dieselbigen sehr wild waren. Amorite musste /neben noch etlichen
Damen / soviele nämlich der wagen auf einmal tragen kunte / sich darauf begeben.
Anfangs / liesse sich dieses führen gar wohl an. Als sie aber / denen ohne
das-mutigen pferden / immer mehr zusprache / huben selbige an zu laufen / also
dass ihre schwache arme die zugel nicht mehr halten kunten. Also ward endlich der
wagen umgeworfen / mit nicht geringer gefahr der Prinzessinnen. Alle anwesende
liefen eiligst hinzu / denen Damen in dieser noht beizuspringen. Weil Amorite
recht auf das gesicht gesturzet war / und daher ganz sinnlos lage / gedachte
mein bruder weder an die Mirina / dieselbe zu retten /noch an den Prinz Marsius
/ ihme die sorgfalt für seine Prinzessin zu uberlassen / sondern eilete nur /der
Amorite beizuspringen / und erwiese über ihren unglück eine solche traurigkeit /
dass schwerlich ein verliebter sich håtte anderst anstellen konnen. Daces
hingegen war beschåftig / die Mirina unter den wilden pferden wegzubringen: die
aber ganz munter war /und über diesen handel lachete.
    Weil nun Amorite allein hulfe von noten hatte / als hatten sie sich alle um
dieselbe versamlet. Der junge Marsius sah das kleinod / welches er ehmals der
Amorite gegeben / auf der erde ligen / so ihr ware abgefallen. Indem er aber
solches aufheben wollte / kame ihm Cimber zuvor / der aus ehrerbietung solches
verrichtete. Dieser / als er sich darnach gebucket / wurde gewar / dass das
kleinod zerbrochen / und ein bildnis heraus gefallen war / welches in dem
kleinod verborgen gelegen. Kaum hatte er solches ersehen / da erkennte er
solches / und wurde darob so besturzt als erfreuet. Er brachte dem Prinzen das
kleinod / das bildnis aber behielte er in der hand / und wollte es nicht von sich
geben. Weil aber der junge Marsius solches merkete / wurde er begierig / dieses
bild zu sehen /zumal ihme Cimbers gebården etwas verändert furkamen / und
forderte es von demselben. Cimber aber weigerte sich / solches zu weisen / und
sagte heimlich zu den Prinzen: wann sie beide allein sein wurden /sollte er schon
erfahren / wie es mit diesem bildnis beschaffen wåre. Der junge Marsius aber
wollte damit nicht friedlich sein / sondern forderte es mit mehrerer heftigkeit:
also dass Cimber / aus gehorsam / solches herfür geben musste.
    Der junge Marsius erstutzete / das Bildnis einer Dame / so schon / als ihm
die tage des lebens kein weibsbild vor augen gekommen / und um das gemälde / mit
Assyrischen buchstaben / diese worte ersehend /die er laut herlase: Delbois
Erbprinzessin von Ninive / Tochter des Königs BelOchus von Assyrien. Diese
erkentnis seiner heftigsten feindin / machte ihn ihr schones bild nicht hassen /
sondern es erzeugte vielmehr ihr wunderschein in seinem gemute eine hochhaltung
/ die mehr als gemein ware. Er fuhlete einen verborgenen streit in ihme / was er
mit diesem bilde beginnen sollte. Er sah / dass Cimber sich auf alle weise
vermerken liese / wie hoch ihme daran gelegen wåre / dasselbe zu haben. So wusste
er auch /dass es der Amorite eigentlich zustunde / deren er es /wiewol unwissend
/ geschenkt hatte. Gleichwol kunte er es beiden nicht wiedergeben / weil es ihm
selber so überaus wohl gefiele. In wårendem diesem selbstreit /ermunterte sich
Amorite wieder. Weil sie aber / von der ausgestandenen onmacht / noch sehr
schwach war / als wurde sie gleich nach Basan geführet / und dieser wegen die
lust aufgehebet: wiewol man vor dem Konig und Fursten Suevus heimlich hielte /
was beiden Prinzessinnen begegnet.
    Am folgenden tag nach dieser begebenheit / besuchete der junge Marsius die
Amorite / und brachte ihr das kleinod wieder. Weil aber vorher mein bruder ihr
alles erzählt / was sich damit zugetragen / als forderte sie auch das bildnis /
so darin gewesen / dasselbe zu beschauen. Der Prinz errotete hierüber / und den
Cimber ansehend / der mit ihm war hinein gekommen / sagte er: Mein vatter hatte
vordessen dieses bildnis durch eine sonderbare begebenheit verloren / das ihme
zugehoret; habe ich es also dem rechten herrn wieder gegeben / zumal nicht
schicklich erachtend / dass eine schonheit der anderen bildnis tragen sollte. So
werde ich dann euch / mein vetter / (sagte Amorite zu den Cimber /) darum
begrüssen müssen / dass ihr mir erlaubet / diese schonheit zu sehen / die ich so
lang unwissend besessen. Hiermit name Cimber das gemålde herfur / und solches
der Amorite zeigend / berichtete er nach der länge / welcher gestalt er am
Ninivitischen hofe / in einem ritterspiel / dieses bildnis / so zum preis
aufgesetzet gewesen / gewonnen / nachgehends aber durch räubere wieder verloren
håtte: Da aber /durch wunderliche schickung / dieses kleinod hernach an einen
Arabischen kaufmann müste geraten sein /der es der Konigin Salamis verkaufet.
Amorite beschauete diese schönheit mit ja so grosser verwunderung / als mit
sonderbarer aufmerkung solches Prinz Marsius täte: den man / von dem tage an /
immer trauriger und in gedanken gehen / und seine angeborne munterheit in eine
so fromde tiefsinnigkeit verkehrt sah / dass der ganze hof solche änderung
vermerkete.
    Weil die liebe des Konigs gegen diesen einigen sohn übergros war / und ihme
also dessen treuerwesen nit lang konnte verborgen bleiben / als merkete er solche
veränderung nicht unter den lezten / und bemühete sich sehr / die ursach zu
ergründen. Er wusste / dass keiner bei ihm sich mehr vermochte / als der Daces
/und dessen vatter Trebetes / der seiner mutter bruder war / und deme er sein
ganzes herz pflegte zu offenbaren. Diese nun mussten des Prinzen gemüt ergründen
/ was ihme eigentlich anligen möchte. Sie hatten aber nicht gleiches gluck: dann
der sohn hierinnen viel mehr ausrichtete / als der vatter / und dieses von dem
Prinzen brachte / wie dass er aus der Prinzessin von Assyrien ersehenem bilde
diese unruhe geschopfet. Doch befahle er ihm / dem König allein dieses
beizubringen / wiedass seine mussige tage ihn jezt so traurig macheten / und
mochte solches sich bald verlieren / wann ihme / seiner belustigung nach / seine
zeit in kriegesverrichtungen hinzubringen / erlaubet wurde. Mein bruder /
welcher nun ganz der Amorite ergeben war / erfuhre dieses zeitlich durch
fleissiges nachforschen / und berichtete dessen diese Prinzessin: welche dann /
von der zeit an / mit den jungen Marsius kaltsinniger umzugehen begunte / und
aus angeborner grosmut kein solches herze zu besitzen begehrete / welches sich
einer anderen schönheit lieber aufopfern wollte.
    Nun hatte inzwischen der krieg / zwischen dem Konig BelOchus von Assyrien /
und dem Konig Marsius von Basan / sich aufs neue wieder angesponnen: Da dieser
lezte / sein altes recht an die Assyrische kron suchend / ein grosses heer auf
die beine brachte /und dasselbige unter seinen schwager dem Fursten Trebetes
nach Assyrien fortsandte. Das anhalten des Prinzen Marsius war bei seinem herrn
vatter so inståndig / dass er endlich mitzuziehen erlaubnüs bekame; da ihn dann
der König dem Trebetes auf sein leib und leben anbefahle. Die einwilligung ward
um soviel leichter erhalten / weil er sich bereden lassen zu glauben / die
verspurte traurigkeit des Prinzen seines sohns rühre daher / dass es bisher ihme
an kriegsubungen ermangelt. Die angeborne tapferkeit des Apries munterte
selbigen auch auf / diesen krieg mit zu besuchen. Als er aber bei meinem herr
vattern darum anhielte / wollte der ganz nicht einwilligen / aus ursachen / weil
er fur dem Assyrischen König sich fürchtete / als von dem er allbereit einmal /
bei der lezten veränderung des Syrischen reiches / abgewichen war /und sich
besorgete / es dorfte / imfall die Babylonier obsiegeten / eines mit dem andern
an ihm gerochen werden. Mein bruder / deme die jugend und der muht diese
betrachtung nicht gabe / bliebe mit hochsten schmerzen zurucke / und sah /
nicht ohne edlen neid / die gesamte junge ritterschaft von Basan hinweg ziehen /
da er allein zuruck bleiben musste. Er hatte oft in willen / heimlich mit fort zu
gehen / wann nicht der Suevus und die Amorite ihn davon håtten abgehalten. Des
Prinzen Marsius abschied / den er von der Amorite name / ware an seiner und
ihrer seite gleich kaltsinnig. Hingegen wollte der Daces schier fur unmut sterben
/ als er die Mirina verlassen / und seinen vermeinten mitbuler den Apries bei
ihr hinterlassen musste. Der Furst Tubal / liesse dissmal zu erst seine liebe
gegen Amorite blicken / die er beim abschied ihr ziemlich deutlich zuvernemen
gabe: Die aber / ob solcher entdeckung / ihren unwillen ihme nicht kunte
verspüren lassen / weil sie gleich hinweg zogen.
    Es eråugete sich aber nicht lang hernach eine gute gelegenheit / dabei der
Apries auch seinen heldenmut erweisen kunte. Dann die Amoriter in Hazezon Tamar
/ begunten wider den König aufrürisch zu werden: welcher den Suevus ihren
stattalter mit einem kriegesheer hinsendete / diese meineidige abzustraffen.
Mein bruder / der den Suevus nie verliesse / war mit unter diesen volkern / und
sah ihn Amorite so vergnügt als betrubt hinweg ziehen: weil sie / ob seiner
zufriedenheit und aus diesem zug entstehenden ehre froh ware / anderwärts aber
seine abwesenheit und die gefahr / darin er schweben wurde / nicht ohne bewegung
des gemütes ertragen kunte. Mein herr vatter / der hierein seinen willen gegeben
/ machte uns ståts wissend / wie es ihm erginge / und kann man erachten / mit was
unbeschreiblichen freuden ich sein wolverhalten / und welcher gestalt er etliche
mal dem Suevus sein leben errettet / auch sonst viel dapfere taten in diesem
feldzug verübet / allemal vernommen habe. Der krieg wårete ungefähr ein halbes
jahr / und liefe so glucklich auf des Suevus seiten ab / dass er sieghaft nach
Basan wiederkehrte.
    Der Amorite freude / ihren herrn vatter wieder zusehen / und dass sie dessen
leben dem Apries zu danken håtte / ware übermåsig / und finge sie von dem tage
an / den Apries hoher zu achten / also dass /neben der wolneigung / auch eine
verehrung seiner person und geschicklichkeiten bei ihr entstunde: um die er
seinerseits mit einer so ehrerbietigen liebe geworben / dass sie solche nicht
anderst als wohl aufnemen kunte. Doch liebeten sie einander / ohne eins dem
andern etwas hiervon zu sagen / indem sie alles /was von der liebe herrurete /
den wirkungen der freundschaft zugemessen.
    Der Krieg wider die Babylonier / ginge immittels auch glucklich fort: bis
endlich die traurige post kame / wie dass der Prinz Marsius in einer schlacht /
neben dem Daces / Cimber / Tubal und andern edelsten rittern / geblieben wåre.
Diese zeitung sturzte den alten Konig Marsius in so unbeschreibliche kümmernus
/dass er von dem tage an bettlågerig wurde / und auch von selbigen lager nicht
wieder aufstunde. Amorite beklagete diesen edlen prinzen ebenfalls von herzen.
Und Apries / der neben deme / was die welt an diesem tugendliebenden herren
verloren / auch das anteil seiner Amorite hierbei erwågete / liesse sich gegen
ihr vernemen: Der himmel håtte den Marsius darum von der welt genommen / weil er
nicht gnugsam seine liebe / wie er billig gesolt / der Prinzessin Amorite
erwiesen. Er betaurete hierbei zum hochsten / dass dieser tod die Amorite nicht
zu der Würde gelangen lassen / deren sie so furwürdig gewesen. Hiergegen
bezeugete ihm Amorite / wie dass sie dieserwegen sich gar nicht betrübe / massen
ihr gemüt so kronensüchtig nicht wåre. Der edle Marsius hätte nur leben mögen:
sie wollte nicht darum gezürnet haben / wann er schon einer andern vor ihr
dermaleinst die Kron von Basan aufgeseht håtte. So künte man dann wohl / (sagte
Apries / sie ganz verliebt anschauend) die hoffnung haben / ohne besitzung einer
Krone die Amorite begehren zu dorfen? Wann man (antwortete sie / etwas errötet)
allein die Konige lieben konnte / so würde es elend um die anderen stehen / denen
oftmals mehr das gluck /als die würdigkeit / die Kronen versaget. Hiemit sahen
sie einander an / und ohne sich ferner hieruber zu erklären / bezeugeten sie
gnugsam ihre zusammen tragende neigung. Apries finge von der Zeit an / ihr mit
mehrerer åmsigkeit aufzuwarten / und entfunde in seinem herzen / bei der
allgemeinen traurigkeit des hofes / eine innerliche vergnugung: wiewol er / in
herzlicher beklagung des todes des Prinzen Marsius /den andern gesellschaft
leistete.
    Es wurde aber das allgemeine leidwesen des hofes verdoppelt / durch den tod
des Konigs Marsius: welcher den schmerzlichen verlust seines so tugendhaften
sohnes nicht ertragen kunte / und daher / seinem trauren den freien lauf lassend
/ endlich von demselbigen unterdrucket wurde. Er ernennete aber / vor einem ende
/ den Suevus zum stattalter seiner lande / und zum vormund seiner tochter / der
Prinzessin Mirina: welche man nicht eher zur Konigin krönen sollte / bis sie sich
an einen Teutschen Fürsten würde verheiratet haben / damit diese ererbete
Königreiche nicht in fromde hånde wieder geraten mochten. Um dess willen hatte er
auch in allen verordnungen / was die regirungs-sachen betroffen / die Konigin
seine gemalin vorbei gegangen: als welche er / wegen ihrer ankunft /indem sie
eine Erbprinzessin aus Basan / und allen anderen unter das teutsche joch
gebrachten Konigen befreundet war / für verdåchtig hielte.
    Der Amorite herr vatter / der kluge Suevus / kame dem lezten willen des
grossen Marsius in allem nach /und regirte sich und das land so weisslich / dass
niemand anders / als die Konigin Salamis / seinen stand beunruhigen konnen.
Diese verdrosse es / dass Suevus / als ein Teutscher / nach ihres herrn tod die
oberste gewalt in Basan haben sollte. Demnach machte sie heimlich einen bund mit
dem Konig der Philister /dem Konig von Ammon / auch mit den grossen herren in
Moab und auf der Amoriter gebirge: welche sämtlich sich fur die Salamis
erklärten / und nicht allein dieselbe in der stadt Edrei / dahin sie gewichen
war /zur regentin erwehlten / sondern auch / alle Teutschen auszurotten / sich
zusammen verschwuren. Der Fürst Trebetes / welcher / nachdem er seines Königs
tod erfahren / auch weil er so eine unruh besorgete / den von den Assyrern (die
mit den Buctrianern hatten krieg bekommen) ihme angetragenen frieden oder
vielmehr waffen-stillstand / auf etliche jahre gemachet hatte / funde bei seiner
rukkunft alles veråndert: so gar / dass sie ihn nicht wollten in das reich lassen
/sondern ihm aller orten den pass verlegten. Weil er nun / als stattalter in
Moab / dahin seinen weg name / um sich bei seiner hoheit zu erhalten: sah der
Suevus sich ganz allein / und musste / wegen der grossen macht seiner feinde /
sich befahren / dass es fur ihn und seine landsleute endlich einen schlechten
ausgang nemen wurde.
    Dieses besorgte ungluck / wurde noch durch ein grosses hausleiden vermehret
/ indem ihm seine gemalin die Prinzessin Ogire / der Amorite frau mutter /durch
den tod genommen wurde. Dieser schmerzliche verlust ginge so sehr dem Suevus /
als der hinterlassenen tochter / zu herzen. Er befande endlich für gut /dass
Amorite in wårender dieser innerlichen unruhe /zu uns nach Hemath sich
verwandelte: weil er sie an einem orte / da alle umstände einen langwurigen
Krieg droheten / nicht länger lassen wollte. Apries håtte keinen liebern ort als
diesen / zu der Amorite aufentaltung / erwunschen konnen. Doch verwehrte ihm
die ehre / sie zu uns zu begleiten: weil er / in dieser gefärlichen zeit / den
Suevus nicht verlassen wollte / sondern ihme bis in den tod getreue dienste zu
leisten entschlussig ware.
    Mit was freuden ich die Amorite entfangen / ist leichtlich zuvermuten:
massen ihre erste kentnis zu Basan mich ihr so ergeben gelassen / dass ich von
der zeit an sie innigst geliebt / und dannenhero mit der hochsten vergnügung
ihre gesellschaft wieder anname. Sie ersetzete alles das bei mir / was sonst
meines liebsten brudern abwesenheit verursachen mogen: von deme wir dann öfters
zeitung bekamen / wie es ihme in Basan erginge. Wir erfuhren endlich mit nicht
geringer bekummernis / dass der Suevus sich nach Hazezon Tamar begeben müssen /
und das ganze Basan bereits der Salamis gehorchete. Mein herr vatter / der von
grossem nachdenken und sehr furchtsam war /wollte meinen bruder nicht länger bei
dem ungluckhaften Suevus wissen / weil er den schutz von der Konigin Salamis
suchete. Der Suevus kunte ihn auch nicht aufhalten / zumal er / bei so gestalten
sachen / meines herrn vattern begehren für billig erkannte. Also kame Apries
wieder zu uns / so vergnügt / seiner Amorite gegenwart wieder zugeniessen / als
traurig er war /wegen des unglucklichen zustandes ihres vatterlandes. Sie fingen
daselbst wieder an / auf die weise / wie sie fur diesem gewohnet / miteinander
umzugehen. Ich /weil ich meines bruders vergnügung so hoch als mein Leben
schåtzete / beforderte / so viel mir muglich /die liebe / die Amorite ihm
erwiese / und ware zu beiden teilen unterhändlerin: wie sie dann beiderseits mir
mehr / als einander selber / von ihren gemutsregungen vertraueten.
    Nachdem wir dergestalt eine gute zeit unser leben ruhig zugebracht / und
eines tags Amorite und ich zusammen im garten waren / kame Apries zu uns / so
verwirret und aus sich selber / dass wir beide es ihm leichtlich anmerken kunten.
Ich bringe (hube er an zu reden) der Prinzessin Amorite gute zeitung: der Prinz
Marsius / den man bisher fur todt gehalten / ist wieder lebendig worden. Hierauf
sah er mit unverwandten augen seine Prinzessin an / um aus ihrem gesicht
abzunemen / wie sie diesen bericht aufnemen würde. Sie zeigte sich voller
freuden / und dankete dem himmel für die erhaltung dieses so edlen lebens. Er
hat / mit unbeschreiblicher dapferkeit / (fuhre Apries fort zu erzählen) sein
land wieder einzunemen / bereits den anfang gemacher / und ist die Konigin
Salamis neben der Mirina schon in der flucht begriffen. Wie man sagen will / so
geht sie nach Ophir zu ihrem schwager: ihrem stiefsohn sein reich / das sie
wider ihn nicht behaupten kann / gutwillig uberlassend. Sie tut wohl /
(antwortete Amorite) dass sie ihr ungegründetes recht abstehet / ehe des Marsius
gerechte waffen sie dazu zwingen. Ich zweifele nun ganz nicht / (sagte Apries
weiter /) der himmel habe alles dieses so geschicket / damit die Prinzessin
Amorite / ihrer würde nach / Konigin von Basan werde. Diese worte machten sie
ein wenig bestürzet / also dass sie nicht gleich dieselbigen beantwortete. Und
indem kame der Konig dazu / welcher dann unsere fernere unterredung gestoret.
    Wie unruhig hierüber der eifersuchtige Apries wurde / kann ich nicht
beschreiben. Er bildete ihm gänzlich ein / der junge Konig Marsius werde für ihm
leichtlich den furzug bekommen. Weil er nun alles /was ihme auf dem herzen lage
/ mir zu klagen pflegte / als erfuhre ich diese seine einbildung gar bald:
welche ich der Amorite entdeckte / und bei derselben hierüber auch mehr unruhe
spürete / als ich vermutet håtte. Dann / ob sie wohl meinen Bruder herzlich
liebete / so sahen wir doch allerseits wenig gelegenheit dazu / dass der Suevus
ihr herr vatter diese heurat zugeben wurde / weil er anderweit hoffen kunte /
den mächtigsten Konig in Asien / der zudem auch sein landsman war / zum
schwiegersohn zu bekommen. Sie gestunde mir frei / dass / wann der Konig Marsius
sie zur ehe begehren wurde / konnte sie unmüglich das ausschlagen / wann sie
nicht von der ganzen erbaren welt wollte für toricht und sinnlos gehalten werden.
Hiebei aber versicherte sie mich / wie dass sie nicht glåubete / dass Marsius
ihrer begehren wurde / da er für diesem schon mehr andacht von einem gemahlten
Bild / als von ihr gemachet; und sie wollte / auf den fall / keinen in der welt
dem Apries fürziehen. Ich fand diese ihre erklärung so billig / dass ich solche
nicht im geringsten widersprechen kunte. Doch sagte ich dieses nicht alles
dergestalt meinem bruder wieder / um seine traurigkeit nicht zu mehren / sondern
trostete ihn vielmehr / dass er sich nichtes zubefahren hätte.
    Es verliefe solcher gestalt noch einige zeit / bis endlich der Suevus zu uns
sandte / um seine tochter wieder bei sich zu haben. Ich war neben dem Apries
eben bei ihr / als der Sesostris / welcher ein alter kämmerer bei der Ogire
gewesen war / und jezt mit uns auf der reise ist / angemeldet wurde: da ich dann
Amorite ganz erblasset sah. Der betrübte Apries leistete ihr / in verånderung
der farbe / treulich gesellschaft / und wurde voll neuer unruhe / als Sesostris
das gewerb anbrachte / dass man nämlich ihm seine Amorite nemen wollte. Die
unmüglichkeit / sie da zu behalten / machte seine pein um so viel grösser; und
wåre er gar vergangen unter dieser liebesqual / wann ich nicht das bäste getan
und ihme trost eingesprochen hätte. Meine frau mutter wollte ihrem bruder die
Amorite selbst wiederbringen / und weil ich durch diese gelegenheit auch mit
kame / versprache ich dem Apries / wie ich seiner allemal im båsten gedenken
wollte. Den abschied / den sie von einander namen /vermag ich nicht zu
beschreiben / weil ich ohne das noch viel zu sagen habe. Man kann sich den
leichtlich einbilden / wann man dabei die umstände betrachtet.
    Wir zogen nun von Hemath ja so betrubt hinweg /als ångstig wir den Apries
hinterliessen: der dann /nach unserm abreisen / mit der gesellschaft seines
ältesten bruders sich behelfen musste / der aus dem Königreich Ammon um diese
zeit wieder zu hause war gekommen. Es ware aber Amorite / die ganze reise uber /
gar schwermütig: das mir dann alles lieb ware /weil ich solches zu meines
brudern vorteil ausdeutete. Der junge Konig Marsius entfienge uns zu Basan mit
der hochsten höflichkeit von der welt / wie ingleichen der Daces / der gleich
als sein vetter wieder lebendig worden war. Dieser / weil er des Konigs
vertrautester war / als regirte er und dessen herr vatter fast den ganzen hof:
daher des Suevus macht nicht mehr so gros war / als sie bei des alten Marsius
zeiten gewesen; doch ware er noch in gutem ansehen / und wurde von jederman
geehret. Es ware aber der Marsius / seit dass er von Basan ab gewesen / soviel
ansehnlicher von person und männlicher geworden / dass wir ihn fast nicht mehr
kanten. Es hatte auch die Amorite an schönheit mehr zu- als abgenommen / also
dass der ganze hof und sonderlich des Marsius leute sie hoch preiseten. Es täte
auch der Konig so schön zu ihr /dass mir rechtschaffen bange fur meinen armen
bruder wurde.
    Eines tages / als ich hiervon mit der Amorite unterredung hielte / und den
gewissen verlust meines bruders betrachtend / wenn er sie verlieren würde / die
tränen nicht halten kunte: meldete man unversehens der Amorite an / der Konig
kåme / sie zu besuchen. Ich wollte mich vor dem König nicht sehen lassen /weil
ich geweinet: verbarge mich also hinter ein zeltbette / alda mich niemand sehen
/ ich aber alles warnemen kunte / was furliefe. Wie der Konig hinein getretten /
und sie begrusset / hube er an von allerhand vorgegangenen sachen mit ihr zu
reden: bis er endlich auf das gespräche uber dem bildnis der schonen Delbois von
Assyrien kame / so der Cimber gewonnen /und das so unvermutlich gefunden worden.
Hierauf erzehlte er / wie er nachgehends diese Prinzessin gesehen / und sie noch
ungleich schoner als die abbildung gefunden. Weil er unter diesen reden oft
seufzete / und die farbe ånderte / als fragte Amorite ganz freimütig / und dabei
lächlend: ob sie nicht wurde wahr reden / wann sie sagte / dass diese Assyrische
Prinzessin den König von Basan håtte verliebt gemacht? Er beantwortete dieses
mit einem seufzer / und sah darbei die Amorite gar sehnlich an / gleich als
wann er von ihr erlaubnis begehren wollen / dass er die Assyrische Prinzessin
lieben dörfte. Sie / so gutenteils solches merkete / wollte hierin / so viel
muglich / dem König ihr freies gemüt weisen / und sagte: Der Konig håtte nicht
ursach / eine so edele liebe ihr zu verschweigen; massen sie dieselbige so
rechtmäsig befünde / dass sie bei allem / was ihr zum heiligsten wäre / beteuere /
wie dass sie von grund des herzens diese schone Delbois zur Königin von Basan
mochte kronen sehen.
    Marsius wurde durch diese antwort ganz aus sich selber gebracht / fiele auf
ein knie nieder / der Amorite hand fassend / welche er zum mund fuhrete / ehe
sie solches wehren konnte / und sie also anredete: Grosmutige Prinzessin! der
himmel sei mein zeuge / mit was unruhe des herzens ich euch gestehen muss / was
ihr jezt erraten habt. Ich liebe die Delbois / unangesehen meiner pflicht / die
mich euch zu lieben verbindet. Ja ich liebe diese schöne feindin meines landes
/und muss euch selber meine undankbarkeit und untreu bekennen. Ja / Amorite! ich
weiss / was ihr würdig seit; ich weiss / was ich dem befehl meines herr vattern
schuldig bin. Allein erkennet / was die unbändige liebe vermag / und verzeihet
mir mein verbrechen. Ich bin euer nicht wehrt / edele Prinzessin! und der himmel
hat den Daces ausersehen / ihn euer teilhaftig zu machen. Liebet diesen Fürsten
/ den ich liebe als mich selber / und seit versichert / dass ihme nichtes als die
Krone mangelt / euch zubesitzen: ich will aber / weil ein leben in mir ist / ihme
solches mit anderen gutern uberflussig ergånzen.
    Wie erfreut und betrübt ich zugleich uber dieser des Konigs rede worden /
kann ich nicht beschreiben. Ich horchete aber mit höchstem verlangen nach der
Amorite antwort / welche / als sie den König zu unterschiedenen malen gebeten
aufzustehen / und solches endlich erhalten / also sagte: E. Maj. wahl ist so
rechtmåssig / und ihr wille so gar an nichtes gebunden / dass sie / ohne diese
überflussige worte einiger entschuldigung / mir diese liebe wohl entdecken
dörfen. E. Maj. seind mir nichtes schuldig / als dieses / dass ich ja so frei in
meinem lieben kunftig möge gelassen werden / als ich E. Maj. von allem / was sie
/ die schone Delbois zulieben / hinterlich dünken mochte /frei erkenne. Und so
willig ich in diese billige verwechselung der Amorite mit der schonen Delbois
/mich finden kann / so wenig trage ich hingegen verlangen / den Konig Marsius mit
dem Daces zuverwechseln. Diese reden / so den Konig ganz vergnügt sollten machen
/ mehreten nur seine unruhe / indem er ob der Amorite edlem gemute so verwundert
/ als ihr verbunden bliebe; und wie ich ihn von gebården sah /wurde mir nicht
wenig bange / er mochte von neuem anheben / die Amorite zulieben. Er nennte sie
tausendmal die jenige / so ihm allein sein leben erhielte /und welche er / wo
nicht so hoch / als die Delbois /dennoch höher als die welt lieben musste. Wann
er zwei gemalinnen haben dorfen / welches wider der Teutschen weise ist / håtte
ich sorgen müssen / es würde Amorite dem Apries damals sein genommen worden.
Nach diesem bate der König sie gar hoch /dass sie die liebe / die er ihr
vertrauet / keinem menschen offenbaren wollte: welches sie ihme auch zuschwure.
Weil ich aber / sonder dieses mit zu verschworen / zuhorete / darf ich / ohne
verletzung des gewissens / solches hier wohl offenbaren. Des Daces wurde nicht
mehr erwehnet / weil Amorite davon nicht horen wollen.
    Als endlich Marsius sie verlassen / kame ich aus meinem verborgenen winkel
wieder herfür / und sie herzlich umfassend / bate ich sie mit den beweglichsten
worten / die meine freundschaft mit dem Apries aussinnen kunte / dass sie deme
nun beståndig verbleiben wollte: welches sie mir mit aller freudigkeit angelobete
/ und konnte ich gar nicht spuren / dass ihr des Marsius verlust schmerzlich
gefallen wäre. Ich täte es / mit bewilligung der Amorite / meinem bruder gleich
zuwissen: deme es dann die erfreulichste zeitung von der welt war. Meine
fraumutter / die bisher bei den Suevus ihrem herrn bruder sich aufgehalten
/wollte nun wieder mit mir nach Hemath reisen: befiele aber unvermutlich mit
einen schlagfluss / das sie nach zwölf stunden todt war. Dieses / setzete den
ganzen hof in ein neues leidwesen. Ich aber / weil ich einen so grossen verlust
erlitten / wollte die Amorite nun ferner nicht verlassen / zumal es zu Hemath nun
nicht mehr fur mich sein mochte. Ich erlangte von meinem herr vatter / was ich
gesuchet: und vermochte also /allein der lieben Amorite gegenwart / meine
schmerzen zu lindern. Wir waren von der zeit an stäts beieinander / und gabe der
Apries / wiewol abwesend /immer den dritten mann in unserer gesellschaft: deme
ich auch bei der Amorite / zu beforderung seiner liebe / so gut dienete / als
wann er selber wåre zur stelle gewesen.
    Nun von dem tage an / da der Konig so offenherzig / seine liebe zu der
Assyrischen Prinzessin / der Amorite entdecket / ginge er viel freier mit ihr um
als zuvor / und machte daher jedermann von ihme glauben / als ob er sie liebete.
Daces / welcher der Mirina anfinge zu vergessen / wartete der Amorite fleissig
auf: sie aber erwiese ihm so wenig gefålligkeit / dass ich darum nichtes fur
meinen bruder furchten dorfte.
    Einsmals / wie ich neben der Amorite im schlossgarten abends spaziren ginge /
funden wir bei einem brunnen / der rund umher mit dicken schattichten båumen
besetzet ware / den Konig ganz allein sitzen. Er schlieffe / als wir warnamen /
und hatte der schonen Prinzessin Delbois bildnüs für sich auf des brunnen rande
ligen. Amorite / vom furwitz getrieben / schliche hinzu / und name unvermerkt
dasselbige hinweg: um nachgehends ihre lust damit zu haben / und es nicht eher
dem Marsius wieder zu geben / bis er sich wohl darum geångstiget hätte. Wir waren
kaum hinweg / da erwachete der verliebte Konig / und seinen verlust also fort
spurend / suchete er seine Delbois mit den schmerzlichsten gebården von der welt
/ und erwiese solche ungedult / dass wir / die wir uns hinter die båume verborgen
/ daraus seine heftige liebe gnugsam abnemen kunten. Daces kame zu dieser unruhe
des Konigs: dem er dann gleich sein leiden klagete.
    Nachdem er viele verzweifelte worte gegen den himmel ausgeschuttet / wollte
Amorite ihn nicht långer in dieser qual lassen / sondern liesse sich sehen / das
bildnis der Prinzessin vor die brust angeheft tragende. Marsius ganz verstoret /
wollte anfangs sein anligen uns verheelen. Daces aber / als freier von sinnen
/sprache uns gleich darum zu / ob wir nicht einer Prinzessin bildnis / so und so
gefasset / gefunden håtten. Indem Amorite nein sagte / erblickte es der Konig
/und daher so erfreut als etwas beschämt / sagte er låchlend zu der Amorite:
Schöne Prinzessin! Es ziemet sich nicht / dass zwo sonnen beisammen diesen hof
erleuchten; es möchte ihr schein zu sehr brennen und blenden. Darum wird mir
bässer anstehen / diese schonheit bei mir zu tragen als euch / du ihr keiner
mehreren zierde bedürfet. E. Maj. sorgen gewiss /(antwortete sie / ihme zugleich
das bild überreichend /) dass ich / wie der mond / wann der der sonne zu nahe
kommet / mochte den schein dieser schonsten verdunkelen. Es ist billig / das ich
dieses edele licht seinem rechten besitzer wieder zustelle / der allein unter
allen sterblichen würdig ist / diesen wunderschein zubesitzen. Ach Amorite!
(sagte der König /und hube an zu seufzen /) weder ich noch einiger sterblicher
ist würdig / dieses zu hoffen; und was ich davon darf erwarten / bestehet allein
in besitzung dieser bildnis / und ist aller lohn meiner liebe / die todte
anschaung ihrer unvergleichlichen schonheit.
    Als nun Amorite dieses damit beantwortet / dass die zeit alles båssern konnte;
fragte sie ihn / um den Cimber / dem erstlich dieses bild zugehoret / und
welcher gestalt der Konig solches von ihme bekommen? Der edele Cimber / (gabe
Marsius zur antwort /) hat an seinem ende mich zum erben dieses teuren schatzes
gemacht / und die / welche er mir in seinem leben nicht abtreten wollen /
überliesse er mir im tode: wiewol das recht / so er an ihr gehabt / hierin
bestanden /dass er diese wunderschone ohne ihr wissen geliebt /darin ich ihn
auch bis in den tod wohl nachfolgen werde. Jezt erinnere ich mich (sagte Daces /)
des unglückseligen Tubals / dem ein gleichmåsiges verhängnüs / wie dem Cimber /
das leben kürzete / und der mir gleicher weise der schönen Amorite bildnüs
uberlassen / das er von seiner brust abname / und mir / als seinen wertesten
schatz / anvertraute. Hiemit name Daces der Amorite bildnis herfur / und zeigete
ihr dasselbe: wollte es ihr aber / auf ihr begehren /nicht wieder geben / wiewol
sie sich gar unwillig darüber bezeugete. Endlich / als sie seine hartnäckigkeit
sah / sagte sie zu ihm: Sie könnte ihm zwar nicht wehren / ihr bildnüs zu
tragen; aber das wollte sie wohl verhintern / dass er solche gunst von ihrem freien
willen nimmermehr erlangen sollte. Dergestalt fårtigte sie ihm ab: der nichts
destoweniger fortfuhre / ihr aufzuwarten.
    In der zeit / da wir also zu Basan lebeten / kame der Prinz Baalis von Ammon
dahin / welcher sich in des Königs schutz begabe: weil er in dem lezten krieg /
als Marsius / in wiedereroberung seines landes / den König von Ammon uberzoge /
des Konigs von Basan seite gehalten / und daher von seinem herr vatter /neben
seiner schwester der Ammonide / die dann auch von Rabbat gewichen / und nach
Tirus zu ihrer mutter bruder sich begeben wollte / verfolget wurde. Dieser Prinz
/ der mich ehedessen zu Basan gesehen / hatte etwas an mir gefunden / so ihm
gefiele: dannenhero er mir aufzuwarten begunte / und diese angehende liebe nicht
so heimlich halten kunte / dass es nicht bald der ganze hof gemerket. Dieses
erscholle auch bald nach Hemath / und der Konig mein herr vatter wurde dessen
verståndigt: der dann hiervon gelegenheit name /mich von seinem schwager dem
Fursten Suevus wieder abzufordern / weil er einen solchen Fursten nicht wollte
zum tochtermann haben / der nicht wohl mit seinem vatter stunde. Er wandte aber
eine andere ursach ein / warum er mich wieder wollte bei sich haben /nåmlich die
einsamkeit nach feiner gemalin tod / die ihm unerträglich würde / und seine
bekummernis mehrete: und hierinn / hoffe er / durch meine gegenwart linderung zu
erlangen.
    Wie schmerzlich es mich ankame / von der Amorite zu scheiden / kann ich nicht
beschreiben. Es musste uns wohl recht beiderseits ahnen / wie unglucklich wir
einander wieder würden zu sehen bekommen: dann wir bei diesem abscheide
betrübter waren / als wir jemaln gewesen / wann wir von einander gemust. Der
Prinz Baalis funde auch sein teil in unserm leiden / der mich sehr ungern von
Basan hinweg reisen sah. Wie ich nach Hemath gekommen / funde ich den König
sehr veråndert: dann ihm der tod meiner fraumutter so zu herzen gegangen / dass
er nach der zeit fast immer bettlågerig gewesen. Apries / ob er mich wohl
herzlich gern wieder sah / håtte doch lieber gewolt / dass ich bei seiner
Amorite geblieben wäre / als bei welcher er mich seiner liebe sehr nutzlich
erkennet. Ich hatte aber der Amorite bildnus / in lebens länge auf ein tuch
gemahlt / mit gebracht / welches ich an ihrer statt ståts fur augen hatte / und
meinem armen bruder damit nicht wenig vergnügung machten: wie er dann /in
ansichtigung dieses bildes / etliche stunden hinbringen / und ganz auser sich
selber kommen kunte. Es bestunde hierin seine und meine einige vergnügung / und
handelten unsere gespråche allezeit von ihr: da wir wechselsweis einander alles
dessen erinnerten / was uns jemals bei und mit dieser schönen Prinzessin
begegnet war.
    Wir reiseten / nicht lang hiernach / in Syrien / mit unsers H. Vattern
schwester / der Konigin der Bactrianer / welche / ihn zubesuchen / nachdem der
waffen stillstand zwischen den Assyrern und ihnen auf etliche zeit getroffen
worden / den weiten weg heraus gekommen war: da wir / liebste Aramena! zu
Damascus / dem Prinzen Mamellus deinem herrn vatter zusprachen / und da du zur
gnüge sehen kuntest / wie Apries und ich einander liebeten. Weil wir aber
daselbst etliche monat verblieben / und von dar ferner nach Sidon zogen / die
Konigin Naema unsere andere base zubesuchen: als muss ich inmittels nach Basan
wieder kehren / und erzählen / was daselbst furgegangen / und wie das grausame
verhängnis den anfang unseres hernach ausgestandenen elends gemacht.
    Der Amorite herr vatter / welcher allmålig mit der zeit den verlust seiner
gemalin verschmerzet hatte /bekame nun wieder freiers-gedanken / und warfe mit
bewilligung des Konigs Marsius / und auf gut befinden seiner rähte / sein
absehen auf eine Prinzessin vom hause Sichem: damit / durch diese heurat / die
Teutschen mit Canaan den bund erneurten / den sie fur långst bei des alten
Marsius zeiten gemachet / und der durch vielerlei ursachen sehr wankend geworden
war. Dieses ins werk zu setzen / hielten sie fur die bäste person / die
Prinzessin Jerode / welche der beiden mächtigsten Konige in Canaan schwester /
und wegen ihres hohen verstandes zu Basan in solchen ruff war / dass der Suevus
es mit ihr wohl zu treffen vermeinte. Demnach begabe er sich selber nach Kiriat
Arba / zu dem Konig Ephron / und wie er die Jerode / die ungefär sechs und
funzig jahre mochte alt sein / also / wie sie ihm beschrieben worden / gefunden
/ und die versicherung ihrer gunst von ihr erhalten / wurde sie / auf sein
ansuchen / ihme von dem König ihrem herrn bruder zugesaget / und darauf gleich
das beilager vollzogen.
    Die Prinzessin Corycide / des Königs von Hebron tochter / welche von der
Jerode erzogen worden / wiewol die schülerin / die meisterin / was die wahre
tugend belanget / weit uberstiegen / begabe sich mit ihrer wasen ins land Basan:
weil zu Kiriat Arba /nach der Jerode abzug / kein frauenzimmer mehr war /auch
diese spitzsündige Furstin ihre nifte aus sonderlichen ursachen mit sich haben
wollte. Der König und der gesamte hof von Basan / entfingen des Suevus gemalin /
und die schone Prinzessin von Canaan / aufs höflichste. Amorite erwiese
gleichfalls ihrer neuen fraumutter alle ehrerbietung / und entfunde gleich in
ihrem herzen eine zuneigung zur Corycide: die nachgehends in eine verbundliche
freundschaft sich verkehret / und ja so gros war / als die furcht für der Jerode
/ von der ihr / nicht ohne ursach / viel böses ahnete.
    Diese Fürstin / deren boshaftiges gemute der schönen Ahalibama gnug bekant
ist / wie ich dann weiss /dass sie warhafte proben davon entfunden / name gleich
durch ihre meistergriffe das edele gemüt des Suevus also ein / dass er nichtes
täte / als was sie wollte. Aus liebe und hochachtung / folgete er ihr in allen
dingen: wurde also der / welcher bisher / wegen seines verstandes / ganz Basan
und die angränzende Konigreiche regiret / jetzund von einem boshaftigen weib
regiret. Ihre natur liesse sich / wie sie geartet /zum ersten aus / über die
tugendhafte Amorite: welcher schonheit / weil sie vermutete / ihre niste
Corycide / die sie sehr liebete / werde von derselben ubertroffen / sie mit
solchem hass anfienge zu beneiden /dass sie solches kaum bergen kunte. Es
verdrosse sie auch / wann ihr gemal mit seiner tochter redete: hube also an /
mit vatter und kind zu eiferen / und entfunde es desto unertråglicher / je
weniger sie sich dessen dorfte merken lassen. Sie ware wohl so listig / dass sie
die beisorge fassete / ihre macht wurde sehr bei dem Suevus fallen / wann er
spurete / wie feind sie seiner tochter wåre.
    Sie ginge aber damit um / die Corycide an den Marsius zu verheuraten: damit
sie ihr geblüt / und ihres bruders tochter / den sie damals hoch geliebt /mochte
auf einen der måchtigsten trone verhelfen. Sie bekame auch daher neue ursach /
die Amorite zu hassen: weil sie spürete / dass der Konig gar vertraulich mit ihr
umginge / und der allgemeinen sage von der liebe des Konigs zu dieser Prinzessin
glaubete; welches sie dann eiferigst zu verhintern strebete. Daces gabe ihr zu
diesem ihrem anschlag gute beforderung /indem seine aufwartung bei der Amorite
nicht so heimlich war / dass ihre listige aufmerkung solche nicht håtte spuren
sollen. Demnach suchete sie gelegenheit / ihn durch verheisung ihrer guten
beförderung aufzumuntern / dass er bei dem Suevus um die Prinzessin anhalten
sollte: welches er aber ohne deren selbst eigene bewilligung nicht tun wollte /
weil er viel zu grosmutig war / die Amorite aus zwang ihrer eltern zubesitzen /
wann er die nicht aus ihrem eigenen freien willen könnte bekommen. Jerode aber
achtete hierinnen wenig / was ihrer stieftochter lieb oder leid sein wurde /
sondern brachte mit so guter art ihrem herren an / wie nützlich ihnen ins gesamt
sein wurde / wann nicht allein der Daces die Amorite /sondern auch Marsius die
Corycide heiraten wurde /dass er sich alles sehr wohl gefallen liesse. Diesem nun
nachzukommen / befahle Suevus seiner tochter / des Daces liebesbezeigungen
anzunemen / unterliesse auch nicht / im geheimen raht / die heurat mit der
Corycide / dem Konig fürzuschlagen.
    Die arme Amorite / welche / als eine gehorsame tochter / dem Suevus nicht
widersprechen / dabei aber / als eine beståndige liebhaberin des Apries /
denselbigen unmuglich verlassen kunte / befunde sich in der grosten angst /
darin sie ihr lebtag geschwebet: allermeist weil sie mich / als eine abnemerin
ihres leides /nicht bei sich hatte / und kein mittel sah / zugleich den Suevus
und meinen bruder zuvergnugen. Also verbrachte sie etliche tage / in diesem
schweren anligen / mit grosser kummernis: inner welchen der Daces sie weniger
besuchete / als er sonst gewohnet war /auch viel unruhiger und ja so traurig als
sie aussah /dass sie merklich solches spüren kunte.
    Wie sie demnach eines tags in den königlichen garten / von ihren bedienten
abgesondert / ihr elend zu beweinen / sich ganz allein begabe: horte sie / nahe
bei ihr hinter der hecken / zweene mit einander reden /und ersah / sich dahin
kehrend / weil wegen des angehenden frulings das buschwerk noch nicht gar dick
war / den Prinzen Daces und seinen waffenträger. Weil sie nun des Prinzen
traurigkeit vorher wargenommen / als gabe sie acht auf seine worte / ob sie
etwan daraus deren ursach erfahren könnte / und hörete den Daces also von ihr
reden: Wie er nåmlich / auf des Konigs Marsius befehl / ihr bisher aufwarten
mussen; welches er auch willig getan / sowol weil er die Prinzessin Mirina für
todt gehalten / als weil er vermeint / die Amorite würde seine liebe gütig
aufgenommen haben. Nun er aber verstanden / dass Mirina in teutschland bei dem
Konig Bojus noch lebe /wüste er nicht / wie er den befehl des Trebetes seines
herrn vattern ablehnen sollte / der ihn bei dem Suevus um die Amorite anhalten
heise.
    Diese reden des Daces / waren der Amorite so angenem zu horen / dass sie sich
nicht entalten kunte /sich von ihme sehen zu lassen; und ihm freudiger und
freundlicher / als jemaln / begegnende / liesse sie ihm nicht zeit / sie
anzureden / sondern sagte zu ihm: Ich verneme / Prinz Daces / dass uns ein
gleichmäsiges verhängnüs / dem befehl unserer eltern nicht zu gehorsamen /
antreibet: indem euch das andenken der Prinzessin Mirina zu rücke hält / mich
aber eine andere verborgene ursach hintert / dem Trebetes und Suevus zu
gehorchen. Wollet ihr nun eure und meine ruhe befordern / so machet es offenbar
/ dass ihr mich nicht liebt: damit werdet ihr viel eher meine freundschaft
erlangen / als durch ferneren zwang / der so wohl mein als euer tod sein würde.
Diese worte sezten den Daces in ungemeine verwirrung und beschämung /dass er
nicht wusste / was er antworten sollte.
    Indem er aber in solcher höchsten unruh schwebete / kame der Suevus ihr herr
vatter dazu; der dann / den Daces bei seiner tochter antreffend / und dabei
dessen besturzung warnemend / mit låchlen zu ihm sagte: Daces dorfe nicht über
seine zukunft sich entsetzen /er wäre nicht gewillt / sein begehren zu
verhintern /sondern vielmehr dasselbige zubefordern. Hatten nun zuvor der
Amorite reden den Daces stumm gemachet /so vermehrte / dieses gespräch des
Suevus / noch vielmehr seine erstaunung / also / dass er / ohne zu antworten /
die Amorite ansah; welche dann hierinnen die beherzteste war / und ihren herr
vatter also anredete: Ich habe bisher / weil ich des Prinzen Daces willen nicht
gewust / verhelen müssen / dass unsere vertråulichkeit / die wir bisher mit
einander gepflogen / nicht die liebe zum zweck gehabt / als wohl die meisten sich
eingebildet; sondern nur aus der ursache geschehen ist / damit der König Marsius
möchte in dem guten wahn erhalten werden / welchen er von unserer verehligung
geheget. Nun aber unsere eltern diese unsere gestellte liebe gemerket / und eine
ernstliche daraus machen wollen: kann ich nicht länger dazu schweigen / sondern
muss bekennen / dass Daces nicht der Amorite ehegemal werden kann / weil er
furlängst an einen anderen ort sich verbündlich gemachet / das ihn an mich zu
gedenken hintert. Und wann etwan mein herr vatter diesen meinen worten nicht
wollte glauben zumessen /so wird der Prinz Daces es selber alhier gestehen
konnen.
    Hiemit / als sie den Suevus und Daces gegrusset /begabe sie sich von ihnen
nach der Prinzessin Corycide / welche sie sah in einem andern gange auf sie zu
kommen / und liesse diese beide so besturzt / dass Daces so wenig wusste / wie er
sich hievon sollte auswickeln / als schmerzlich es den Suevus fiele / ein solches
zu vernemen. Wie ihre unterredung abgelaufen / erwiese sich gnugsam daraus / dass
/ von dem tag an / der Suevus und Trebetes unfreunde wurden. Dann dieser fiele
seinem sohn bei / als er von ihm erfahren /wie seine sachen mit der Amorite
stunden. Jener aber zoge es ihm zum grossen schimpf an / dass man mit seiner
tochter so gescherzet: und hierzu ward er von der Jerode aufgemuntert / die es
schmerzlich verdrosse / dass der Konig die Corycide nicht vermålen wollte. Demnach
/ auf ihren antrieb / begehrte der Suevus seine erlassung von hof: zumal auch
ihre ehr-eifersucht nicht leiden kunte / dass ihr herr nicht so viel zu Basan /
als der Trebetes / regirte. Und ob wohl der Konig den Suevus ungern ziehen liesse
/ kunte er es ihm doch nicht verwehren. Jedermann gabe der Jerode die schuld /
welche bei allen so grossen hass auf sich hatte geladen / als sehr der gute
Suevus sie liebete. Amorite / ob sie wohl hierdurch um so viel weiter von uns
kame / weil ihr herr vatter nach Hesbon in der Amoriter land sich wollte begeben
so war sie doch frolich / wann sie an die ursach gedachte / die sie von Basan
triebe; und meinte sie allen verfolgungen in ihrer liebe entgangen zu sein / nun
der himmel so wunderbarer weise sie von dem Daces errettet hatte. Dieser Prinz /
name von ihr den verbündlichsten abschied: wiewol die scham ihn nie verliesse /
wann er an seine freie erklärung gedachte / die sie angehoret. Sie brachte von
Basan das lob mit hinweg / als die grossmütigste tugendhafteste Prinzessin / so
jemals die welt gesehen.
    Wir erfuhren zu Damascus ihre abreise / und mein bruder wurde nicht wenig
erfreuet / als er seine Prinzessin von dem Marsius und Daces geschieden wusste.
Dann ob ihme schon bekant war / wie es mit ihrem gemute beschaffen: so hatte er
doch in ståter furcht gelebet / der Amorite schonheit würde ihme diesen
gefårlichen mitbuler machen. Wir kamen aber / nicht lang nach diesem erlangten
bericht / wieder nach haus zu unserm herrn vatter. Weil derselbige eben auf der
jagt war / also dass wir ihn den tag nicht zu sehen bekamen: als bliebe mein
bruder / sobald wir von der Königin der Bactrianer kunten abkomen / bei mir in
meinem zimmer. Wir vermisseten daselbst / mit höchster besturzung / der Amorite
bildnus. Auf beschehene nachfrage / erfuhren wir von einem diener / wie dass der
Konig unlångst in mein gemach gekommen /und der Amorite bildnus ansichtig
worden: welches er über eine stunde lang immer angeschauet / nach etlichen tagen
in sein gemach holen / und daselbst bei seinem bette aufstellen lassen. Wir
wurden über diesem bericht hoch erfreuet: weil wir hoffeten / der Konig wurde
desto eher des Apries liebe gegen diese Prinzessin gut heisen / je mehr
zuneigung er zu ihr erwiese.
    Wie wir folgenden tag zum Konig gekommen /fragte er mich: ob ich auch
erfahren hätte / dass er mein zimmer beraubet? Damit name er mich bei der hand /
und fürete mich fur das bild / ferner fragend: Ob es auch der Amorite ånlich? ob
sie so schön sei /als sie gemalet? und ob ich wohl sagen könnte / dass sie seiner
verstorbenen gemalin gleiche? Ich striche hierauf unschuldiger weise ihr lob
dermassen heraus / dass der Konig grosses vergnügen darob bezeugete. Ich musste /
von dem tag an / allezeit von der Amorite reden / und meinem herr vatter mit
ihren geschichten die zeit kurzen. Apries / als ein verliebter / begunte endlich
dieses genauer / als ich / zu betrachten / und geriete in die furcht / er håtte
einen mitbuller an seinem vatter bekommen. Anfangs wollte ich ihm zwar diese
einbildung benemen: wie ich aber / von dem an / des Konigs wesen etwas mehr
beobachtete und bedachte / funde ich / dass Apries wahr geurteilet. Allgemach
aber liesse sich des Konigs liebe so deutlich blicken / dass es nicht allein mein
bruder und ich /sondern auch der ganze hof / vermerkete. Dieses brachte uns nun
neue sorgen / und bename dem verliebten Apries alle hoffnung / seine liebe
entdecken zu dörfen / deren gewunschte endschaft er bei dieser neuen hinternüs
nicht absehen kunte.
    Mitlerweile wir nun also lebeten / ergienge es der guten Amorite zu Hesbon
nicht ruhiger: die so viel verfolgungen von der Jerode musste ausstehen / dass
/wann ich die alle sollte erzählen / ich einen eigenen tag dazu haben müste. Die
tugendhafte Corycide war ihre einige ergetzlichkeit / welche nichtes von ihrer
mumen bosheit an sich hatte. Der Suevus sah / mit sonderer vergnügung an / die
liebe / so zwischen diesen beiden Prinzessinnen entstanden: gleichwie ihm
hingegen schmerzlich misfiele / dass seine gemalin gegen seiner tochter so übel
gesinnet ware. Er hatte es schon lassen zu weit kommen / also dass er ihr nun
nichtes mehr einreden dorfte: musste also die gedult das båste tun / welche ihn
viel ubersehen machte. Wie aber sie dabei die stolzeste frau war / so leben
mochte / und voll gefårlicher anschläge: also lage sie ihrem herrn tåglich in
den ohren / er sollte sich zum König uber Hesbon und uber das Amoriter gebirge
machen / indem ihme die gelegenheit hierzu sich selber zeigete / weil er sowol
bei den Amoriteren beliebt / als måchtig gnug wåre / dem Marsius sich zu
widersetzen. Wie ihme aber dieses ein greul war / also widersprache er es ihr
jedesmal / und sagte einsten /mehr um ihrer los zu werden / als aus fursatz /
wie sie ihn gar hiemit quålete: worzu dann ihme nützen würde / den namen eines
Konigs anzunemen? Da er ja keine kinder hätte / als die Amorite / welche sich
nach seinem tode bei der Koniglichen hoheit nit würde erhalten können?
    Diese worte stiegen ihr sehr zu kopf / weil sie die ausdeutete / als zielte
er hiemit auf ihr alter. Sie begunte auch / von der zeit an / auf ihn
eiversüchtig zu werden / und mit ihres eigenen bruders tochter / der Corycide /
ihn zu verargwåhnen. Solches verursachte in ihrer boshaftigen seele die tolle
einbildung / als würde sie endlich der Suevus verstossen / und die Corycide
heiraten: weil er / als ein Teutscher / sie nicht beide kunte zur ehe haben.
Diese gedanken schmiedeten lauter rache und boshaftige wut in ihrem herzen
/welche auch bald an tag kame / wie ich gleich erzählen will.
    Es ginge aber bald hernach etwas fur / so die Jerode in ihrer einbildung
vollkommen stärkete. Dann wie sie der Corycide einsmals im garten / da sie
selbige bei der Amorite gefunden / hart verwiese / dass sie mit dieser so
vertråulich lebete / und hierbei so unartige worte gefuhret / das Corycide zum
weinen bewogen wurde: kame unversehens der Suevus dazu / sprache sie zu frieden
/ weil er die ursach ihres zorns nicht wusste / und name die Corycide bei der
hand / sie freundlich anlachend. Jerode aus eiversucht getrieben / kunte diese
ihres herrn liebkosungen nicht mit ansehen / sondern ginge von ihnen. Als ihr
Corycide aus ehrerbietung folgen wollte / hielte sie der Suevus auf /und redete
über eine stunde mit ihr von allerhand dingen / die ihr zu Kiriat Arba ehmaln
begegnet; Letzlich befohle er ihr seine tochter an / mit bitte / die allemal bei
seiner gemalin in gnaden erhalten zu helfen. Als hierüber ihme so wohl als ihr
die tränen in die augen stiegen / sagte er ferner zu ihr: Sie hätte / wie er
spurete / gar ein mitleidiges gemüte / die gotter müsten es ihr lassen
wolergehen. Hiermit kussete er die Corycide auf die stirne / und kame indem
Amorite dazu: welche er mit der andern hand fassete / und sie vermahnete /
Corycide als ihre schwester zu lieben; die ihme dann solches willig versprochen.
    Jerode sah dieses alles in einem verborgenen gange mit an / welches ihr
dann schier das herz abstiesse. Sie bildete ihr nun nur gar zu gewiss ein / dass
ihr herr die Corycide liebe / und dass dessen tochter auch wissenschaft darum
habe. Dem hieraus besorglichen unheil nun furzukommen / war ihre Entschliessung
/ dass Amorite und Corycide durch gift sollten aus dem weg geraumt werden. Sie
liesse / zu dem ende /zwei tage hernach / einen verschmizten knaben / dessen
treue sie versichert zu sein vermeinte / in ihr zimmer kommen / stellte ihm den
gift zu / und befahle ihm / wie er sich damit verhalten sollte. Es schickete es
aber der himmel also / dass / indem der knab noch hierüber zu werk war / der
Suevus zu ihr in das gemach trate. Ihrer beider entfärben machte ihn etwas boses
mutmassen: doch liesse er sich dessen nicht merken. Als er aber wieder in seinem
gemach war /musste also fort der knab zu ihm kommen / den er ernstlich befragte:
was von ihm seine gemalin gewolt håtte? Nach langem ausreden / und auf hartes
bedrohen des Fursten / kame dieses erschreckliche mordstuck heraus: das dann den
tugendhaften Suevus so sehr an das herz stiesse / dass er aller seiner
standhaftigkeit von noten hatte / unter diesem unglück nicht zu erligen. Der
knab wurde gleich hinweg geschafft / dass nachmals niemand erfahren / wo er
geblieben; und musste Sesostris zum Suevus kommen: mit dem er sich beredete /
wessen er in diesem gefårlichen handel sich entschliessen sollte.
    Amorite und Corycide / an nichtes weniger / als an das unglück / so ihnen
vorstünde / gedenkend / gingen selbigen abend / neben dem Suevus und der Jerode
/zur malzeit. Jerode zeigete sich ja so vergnügt / als ihr herr unruhig / und
erwiese sich / gegen ihre vermeinte mitbulerin und stieftochter / leutseliger /
als sie jemals zu Hesbon getan hatte: weil sie ohnzweifel hoffete /es würde der
lezte abend sein / da sie diese beiden sehen würde / indem sie das gift / in den
trinkbecher der beiden Prinzessinnen / von dem knabtn / der den mundschenken
pflage aufzuwarten / zubereitet achtete. Der gute Suevus verwandte von der
Amorite / die ganze malzeit uber / kein auge: welches sie / ohne an dessen
ursache zu denken / wohl in acht name / und es bloss seiner våtterlichen liebe
zuschriebe / indem sie wohl wusste / dass er das harte verfahren der Jerode gegen
ihr gemerket / ob er wohl niemaln sich dieserwegen gegen ihr heraus gelassen /
sondern allezeit fur den leuten sich angestellet / als wann er alles tun seiner
gemalin hochst billigte / und mit allen ihren verfahren wohl zu frieden wåre.
    Der Fürst Suevus wollte seine gemalin / wegen dieser erschrecklichen tat /
nicht offentlich zu schanden machen / sondern stellete es also an / dass die
beide Prinzessinnen / ohne verletzung der Jerode guten namens / errettet wurden.
Nachdem die malzeit geendet war / liesse er die Corycide und Amorite heimlich /
da es bereits finster / in sein gemach kommen: da sie bei ihme den Sesostris
gefunden / der die tür versperren musste / dass niemand zu ihnen kommen mochte.
Hierauf sagte er zur Amorite: wie dass ihn eine verborgene ursach / die sie nie
zu wissen begehren sollten / veranlasst / sie beide hinweg zu senden: und håtte
er den hof des Konigs von Hemath darzu ausersehen / dessen tochter ihr so gute
gesellschaft leisten wurde / dass sie Hesbon leichtlich vergessen konnte. Corycide
stellte er zu belieben / entweder seine tochter dahin zu begleiten / oder nach
Kiriat Arba zu ihrem herrn vatter wieder zu kehren: wie er dann zu beiden
teilen anstalt gemacht hatte. Amorite finge hierauf an / heftig zu weinen /
wiewol ihr nichtes lieber ware / als zu uns zu kommen: dann es ihr gar
schmerzlich fiele / einer stiefmutter wegen / (welche / und keine andere /
ursach dieser ihres herrn vattern Entschliessung sie ersinnen konnte /) ihr
våtterliches haus zu raumen. Suevus aber versicherte sie mit einen eidschwur /
als er diese ihre einbildung merkete / dass seine gemalin nichtes darum wusste /
und wollte er auch nicht / dass sie es erfahren sollte. Er vermahnte sie auch /
sich eiligst auf den weg zu machen / wie dann schon alles zu ihrer abreise
bestellt wåre: mit der versicherung / dass ihr verweilen ihnen unsäglich schaden
würde.
    Corycide begunte hierauf zu fragen / warum sie von ihrer mumen so plotzlich
sollte geschieden werden? Suevus wollte ihr nichts anders sagen / als dass die
erhaltung ihres lebens darauf stünde / Hesbon zuverlassen. Also musste sie
endlich diesem Prinzen / den sie als einen vatter geliebt / gehorchen. Sie
erwehlte aber / mit nach Hemath zu reisen: teils weil sie die Amorite nicht
verlassen / teils weil sie keine beliebung truge / in Canaan wiederzukehren. So
unvermutlich aber der Amorite dieses abreisen furkame / und so bestürzt sie
billig hierüber worden / so erfreut begunte sie hierbei sich des Apries zu
erinnern. Und als sie ihren herrn vatter / wegen ihres abscheidens / wehmutig
sah / wollte sie / so verwirret sie war / diese gelegenheit nicht versäumen /
des Apries liebe dem Suevus zuvor zuentdecken: der dann dieselbige nach ihren
wunsch aufname / und seinen willen darein gabe / wofern der Konig mein herr
vatter einwilligen wollte. Dieses milderte die besturzung der Amorite mit nicht
geringer vergnugung: also dass man sagen kunte / sie sei ja so unruhig als ruhig
von Hesbon hinweg gezogen. Sie folgete nun dem Sesostris / ihrem fürer / ohne
ferner sich zu bekummeren / warum sie ihr vatterland verliessen: welches ihr
auch gar leicht furkame / weil Corycide sie begleitete / und weil die reise nach
uns zu ginge. Etliche der beiden Prinzessinnen getreusten Dirnen / waren ihre
reisgefärten / und zogen sie noch vor tags von Hesbon hinweg: als zuvor der edle
Suevus seine tochter zu tausentmalen abgesegnet hatte.
    Die angeneme Ardelise war nun im werk begriffen /ihre erzehlung
zuvollfuhren: als sie in ein dorf kamen / Betaula genannt / alda sie zu mittag
ablegen sollten. Also mussten diese gute Prinzessinnen von dem Beri sich bedienen
lassen: der doch / weil er wusste / wie verhasset er der Ahalibama wäre / sie
beisammen allein / und mit kostlicher bewirtung bedienen liesse: dessen aber die
Prinzessinnen wenig geachtet / und sich mehr mit betrachtung ihres elends
gespeiset. Wie sie nun so eilig abgesessen / als ihre begierde / die erzehlung
der Amorite lebensgeschichte enden zu horen / erforderte / sezten sie sich in
einem garten / der hinter dem hause war / zusammen: alda Ardelise folgenden
inhalts zu reden fortfuhre.
    Ich weis nicht / ob ich standhaft genug sein werde /das ubrige von meines
armen bruders begegnisen furzubringen: das so erbårmlich ist / dass die
erinnerung dessen mein herz in tausend tränen schwimmen machet. Man wird
demnach mir verzeihen / wann der schmerze mir sollte hinterlich sein / alles /
was ich noch zusagen habe / nach würde vorzubringen. Die ungluckselige reise der
Amorite und Corycide hatte nun ihren fortgang erreichet / und truge sie der weg
durch Basan: alda sie den Konig Marsius verreiset zusein erfuhren / und folgends
uber Hypon / eine stadt /meinem herrn vatter zugehorig / die reise fortsetzeten.
Ehe sie aber von dar fortrucketen / schickete Sesostris jemanden nach Hemath
voraus / und täte mit einem schreiben dem Konig ihre ankunft zu wissen. Weil
mein bruder und ich hievon nichtes innen worden / als kunten wir uns beiderseits
nicht gnugsam über die grosse zurustungen verwundern / die auf dem schlosse
gemacht wurden: und erschiene des Konigs vergnügung und freude in allem seinem
wesen so deutlich /dass wir so klar dieselbige erkennen / als wenig die ursache
ergrunden konten. Die gemåcher / darin meine fraumutter bei ihren lebzeiten
gewohnet / wurden mit den herrlichsten Sidonischen decken bekleidet / und alle
grosse des reichs aufgebotten / in Hemath zu erscheinen.
    Mit diesen / wie auch mit meinem bruder und mir /zoge er an dem tag / als
Amorite ankommen sollte / ihr entgegen: und meine freude grosser zu machen / weil
er wusste / wie sehr ich die Amorite liebete / wollte er mir nicht sagen / wem wir
entfangen sollten. Aber O Himmel! wie zugleich besturzt und erfreut wurde Apries
und ich / als wir die Amorite erblicketen: die der Konig / wiewol Corycide oben
an ginge / zu erst entfinge / und eben wie er mit mir umzugehen pflegte /aufs
freundlichste umarmete. Hierauf wurde mir erlaubet / diese Prinzessin
zuentfangen: das dann von mir /ohne ein wort zu sagen / geschahe. Auch Apries /
bei so unvermuteten ansichtigung seiner Amorite an nichts als an die darob
entfindende vergnügung gedenkend / fiele ihr zu füssen / und vermochte / ausser
nennung ihres namens / nichtes fürzubringen. Amorite aber / als die zu dieser
entfahung sich bässer vorbereitet hatte / hube ihn mit frolichen gebärden auf /
und gabe / so wohl mir als ihme / mit den verbindlichsten worten zu verstehen /
dass sie noch die ehmalige Amorite wäre.
    Der Konig / nachdem er auch der Corycide alle höflichkeit erwiesen / setzete
sich neben uns vieren in einen wagen / und versicherte die beide ankommende
Prinzessinnen gar hoch / wie angenem ihm ihre ankunft wäre: das dann dem armen
Apries gnug zu erkennen gabe / wie sein vatter sein mitbuler worden wäre.
Amorite / die hievon nichtes wusste / zeigte in allem ihre vergnügung / uns zu
sehen. Weil sie aber /an dem Apries so wohl als an mir / eine unruhe verspürete /
verlangete sie sehr / uns allein zu sprechen: welche begierde dann bei uns auch
nicht geringer war /allermeist weil wir uns über ihre so unvermutete ankunft
nicht gnug verwundern kunten. Es hatte aber der Suevus an meinen herrn vatter
geschrieben / wie dass er ihme / als seinem schwager / seine einige tochter
hiemit anvertraue / mit bitte / derselben zu vergonnen / dass sie bei seiner
tochter verharren dorfte: weil eine gewisse und hochdringende ursach ihm
verwehrete /sie länger bei sich zu behalten. Der Konig fragte weiter nicht nach
den ursachen / und war so vergnügt uber dieser Prinzessin anwesenheit / dass ihme
alle dieselben gleichviel galten.
    Sobald nun Amorite und Corycide von dem König selber in die vor sie
zubereitete gemåcher meiner fraumutter / selbige zu bewohnen / eingeleitet
worden /und er sie verlassen hatte: fingen wir beiderseits an /einander zu
fragen / was uns also zusammen geführt. Ich mutmassete aus der Amorite bericht /
den sie mir von ihrer schleunigen abreise von Hesbon täte / dass ohnzweifel der
Konig mein herr vatter bei den Suevus um sie habe werbung tun lassen: welches
sie dann /als ich ihr / wie es mir mit ihrer bildnus ergangen / erzählt /
selbst zu glauben anfinge / und daher in nicht geringe unruhe und angst gesetzet
wurde. Apries / so bald er vom Konig abkommen kunte / verfugete sich auch zu uns
/ und wie er aus unseren worten und gebården urteilete / wovon wir spracheten /
name er ebenfalls eine betrübte stellung an sich / und seine Amorite ganz
verliebt anschauend / sagte er zu ihr: Ach liebste Prinzessin! wie grausam ist
mein verhångnis / das mir verbeut / mich über die gegenwart meiner Amorite
zuerfreuen! Und wie ungluckselig ist mein zustand / (wandte sie hingegen ein /)
dass ich /durch so unvermutete zeitung / der ruhe beraubet werde / die ich mir zu
Hemath nie eingebildet. Sie unterhielten einander lange zeit mit dem gespråche
von diesem gefårlichen handel: da Amorite / ihres herrn vattern lezte worte /
wiedass nåmlich ihm des Apries liebe nicht zuwider wåre / betrachtend / noch
einen muht fassete. Auch ich unterliesse nicht / ihnen beiderseits mehr hoffnung
zu machen / als ich selber hatte: massen mein herze mir wohl zusagete / des
Königs liebe wurde durch der Amorite gegenwart eher gefordert als gemindet
worden.
    Die folgende tage nach ihrer ankunft / besuchete sie der Konig täglich / und
wuchse von ihrer anschauung sein liebesfeur je mehr und mehr / also dass man an
gewissheit desselbigen gar nicht zweifeln dorfte. Weil er mehrernteils den Apries
oder mich bei ihr funde /als kunte er lang nicht gelegenheit haben / ihr seine
liebe allein furzutragen / zumal sie auch solches zu vermeiden sich beflisse.
Endlich eines tages / als ich bei der Prinzessin Corycide / und Apries in des
Konigs geschäften begriffen war / name er die zeit in acht / die Amorite allein
anzutreffen. Das gespräche /so er mit ihr gefüret / weitläufig zu erzählen /
achte ich nicht fur notig: massen die Fürstin von Seir ihr leicht einbilden kann
/ was Jobat werde geredet haben /wann sie des Beors liebes-ansprache sich
erinnert. Das ende desselben ware / dass er ihren schluss erwartete / ob er um sie
bei dem Suevus ihrem herr vatter und bei dem Konig Marsius dorfte werben lassen?
Wie ich hierauf zu ihr kame / fand ich sie so betrübt / dass ich gleich ihr
anligen erriete. Apries funde uns in dieser bestürzung / welcher zwar die
versicherung hatte / dass er von der Amorite geliebt würde; doch sagte sie ihm
dabei: Sie wurde den Suevus gehorchen und den König heiraten müssen / wann der
es ihr gebote.
    Weil demnach meines armen bruders übrige hoffnung einig und allein auf
dessen Entschliessung bestunde / als name Amorite ihr für / aufs beweglichste an
ihren herrn vatter zuschreiben / und deme die geschicklichkeiten meines bruders
/ ihre wechsel liebe /und die treue dienste / die er stäts ihrem haus erwiesen /
also furzulegen / dass er mochte bewogen werden /sie wieder von uns abzufordern /
und in des Königs begehren nicht einzuwilligen. Nadop / einer von der Prinzessin
Corycide treusten slaven / wurde nach Hesbon zu reisen ausersehen: welchen diese
Prinzessin /weil sie die Amorite heftig liebete / uns gern hierzu erlaubete; wie
sie dann allezeit mit in unserm raht war / ob sie wohl in dieser beschwerlichen
sache mehr wunschen als hulfe beibringen kunte.
    Sobald aber dieser abgeschickte hinweg war / drunge mein herr vatter auf
antwort bei der Amorite. Und weil er wusste / wie vertraute freundinnen wir waren
/gebrauchte er mich dazu / die Amorite zu seiner liebe zubereden: das dann so
untreulich von mir verrichtet wurde / dass er keine schlimmere hierzu auswählen
können. Ich sagte ihm endlich: Ich verspürete wohl so viel / dass Amorite schon
müste anderswo verlobet sein. Hiermit merkte ich eine so heftige eiversucht in
des Konigs gemüt / dass er in allem der Amorite tun und lassen genauer
beobachtete / und endlich merkete / wie dass Apries und sie gar wohl zusammen
stunden. Aus diesen zweifel nun zu kommen / so ordnete er /die Entschliessung
der Amorite nicht erwartend / seinen gesandten nach Hesbon und Basan ab / die um
sie bei dem Suevus und Marsius werben sollten. Den Apries aber von ihr
zuentfernen / hiese er ihn nach Salem reisen / und den Bileam alda suchen: ob
wohl jederman wusste / dass der in Bactra den Krieg verfolgete / dahin er mit
unserer mume / der Konigin-selbiges landes /gezogen war. Wie sehr dieses
scheiden den Apries geschmerzet / kann man gedenken. Amorite kunte sich auch
nicht also zwingen / dass man ihr den gram nicht hatte angemerket; und waren
Corycide und ich ihr einiger trost / mit denen sie allein ihr leiden uberleget.
    Sie ginge aber doch anbei mit dem Konig so bescheiden um / dass er nicht
fuglich sich über sie beklagen kunte. Dann ob er wohl keine anzeig einiger
gegenliebe von ihr entfinge / so horete sie dennoch so gedultig seine
liebkosungen an / dass er ihre weise mehr für ein zeichen ihrer blodigkeit / als
einiger anderen liebesneigung / hielte. Dannoch argwänte er endlich / dass Apries
ihr musste beliebter sein / als er: massen Amorite oftmals in anhorung seines
namens errotete / und von dem Apries nie reden kunte / dass sie nicht eine
scheinbarliche veränderung håtte blicken lassen. Deswegen / um sich båsser
seiner vermutung zu vergewissern / kame er eines tags zu der Amorite / und sich
betrubt anstellend / brachte er ihr die zeitung / sein sohn Apries wåre auf der
reise nach Salem gestorben. Dieser unversehene bericht / setzte Amorite in
solchen schrecken und verwirrung / dass sie unmüglich solche verbergen kunte /
sondern mit etlichen klagworten völlig herfur brache: wornach ihr alle kräfte
entsunken / und sie in die arme einer ihrer dirnen onmåchtig niederfiele / auch
durch ihrer bedienten handreichung gleich zu bette gebracht wurde.
    Als man sie endlich / in gegenwart des Königs /wieder zu ihr selber gebracht
/ und er / nunmehr ihre liebe zu seinen sohn gnug erkennend / sie fragte: warum
ihr dieser todesfall so sehr zu herzen ginge? und sie dem todten Apries nicht
mehr damit zu schaden vermeinte / offenbarte sie ihm ihre liebe. Eben damals
kame ich zu ihr ins gemach / und erschracke häftig / sie also im bette zu
finden. Als sie aber mir mit kläglicher stimme zurieffe / mein bruder wåre todt:
geriete ich in eben den stand / darein diese zeitung zuvor sie gesetzet hatte.
Ich wurde halb todt in mein zimmer getragen: alda ich / durch hulfe der arzte
/mich letzlich wieder erholete. Der Konig besuchete mich alsobald / und brachte
eben das aus mir / was ihm Amorite bekennet: das ihn dann in solchen zorn wider
den armen Apries setzete / dass er von dem an beschlosse / ihn aus seinen reiche
zu bannen. Ich erfuhre / wie der Konig hinweg ware / von seinen leuten / dass
mein bruder nicht todt wäre; welches ich dann /hochst erfreuet / der Amorite
sagen liesse: die aber dadurch / so wohl als ich / aus den schmerzen in neue
furcht gesetzet wurde / und allzuspat mit mir bereuete / dass wir uns so weit
gegen den Konig heraus gelassen hatten.
    Etliche wenig tage nach dieser begebenheit / kame Apries wieder zu haus /
unwissend / was fürgegangen. Der Konig liesse ihn stracks in sein gemach kommen
/ da er / mit unfreundlichem angesichte / ihm also zuredete: Hast du auch dich
untersiehen dorfen / Amorite zu lieben / nachdem dir wissend ware / was ich zu
ihr fur gedanken trage? Diese unvermutete frage /sezte meinen bruder in die
hochste bestürzung / und wusste er nicht / was er dem König antworten sollte.
Selbiger sah ihn nun nicht mehr / als ein vatter / sondern als sein mitbuler an
/ und gebote ihm / (nachdem er von ihm verstanden / dass sein ältester sohn
Bileam nicht mehr zu Salem / sondern in dem Bactrianischen krieg wåre / dahin er
die Prinzessin von Salem entführet /) dass er gleich sich färtig machen sollte /
diesen krieg auch zu besuchen. Es wurde ihm kaum erlaubet / etliche tage zu
Hemath zu bleiben / dass er sich zu dieser weiten reise rüsten mochte. Er fand
gelegenheit / mit mir zu reden: da ich dann / so erfreut über seiner lebenden
wiederkunft / als betrübt über seinen zustand / ihm alles erzehlte / wie der
Konig seine liebe erfahren hätte.
    Mein herr vatter ginge unterdessen zu der Amorite /die er / nach entdeckung
ihrer liebe / etliche tage unbesucht gelassen / und nicht wissend / dass sie des
Apries leben erfahren / sagte er zu ihr: Der gluckseelige Apries / den eure
schone augen beweinet / ist wieder lebendig worden. Wofern ihr aber seinen tod
nicht bald warhaftig beweinen wollet / so musset ihr weniger gunst dem sohne /
und mehr gewogenheit dem vatter erzeigen. Amorite / die den betrug des Konigs so
hoch entfunden / dass sie ihn nicht mehr so ehrerbietig / als für hin / anschauen
kunte / und diese worte auch mit höchstem verdrus anhorete / gabe ihm grosmutig
zur antwort: Ich habe billig des Apries tod beweinet / weil ich ihn liebe. Diese
gunst werde ich auch nimmermehr von ihm wenden / er mag lebendig oder todt sein.
Wollen E. Maj. mehr gewogenheit von mir fordern / so müssen sie dieselbige nicht
/ durch ablegung ihrer natürlichen liebe / zu erlangen suchen: dann ich
schwerlich einen sohnsmorder ohne hass wurde anschauen können. Ich bin nicht
allein sein vatter / (antwortete der Jobat) sondern auch sein Konig: und sollte
er in seiner unrechtmåsigen liebe fortfahren / so wurde ich ihn / nicht als
einen sohn zu lieben / sondern als einen ungehorsamen untertanen abzustraffen /
befuget sein. Sind dann E. Maj. sein Konig / (gabe sie zur antwort) so sind sie
dennoch nicht der meinige / und werde ich mich vielmehr nach des Konigs von
Basan und meines herr vattern willen richten: von denen ich nicht hoffe / dass
sie mir wehren sollten / in meiner rechtmåsigen zuneigung zu verharren. Hiermit
liesse sie den Konig stehen / und begabe sich in der Corycide gemach: die sie in
gesellschaft des Nadop antraffe / welcher eben von Hesbon wieder gekommen war.
Sie verbarge ihre entrüstung /und zeigte allein ein verlangen / von Hesbon etwas
neues zu vernemen. Dieser erzehlte ihr ausfürlich /wie er zu Hesbon den Suevus
und die Jerode in gutem zustand gefunden / und wie erfreut der Suevus worden
wåre / als er zeitung von seiner tochter bekommen. Er håtte ihren brief heimlich
/ und zwar nicht ohne bewegung gelesen. Weil er aber etliche tage hingehen
lassen / ohne sich zu entschliessen / als wären inzwischen des Konigs von Hemath
gesandten angekommen: nach deren anbringen / er sich entschlossen / selber nach
Hemath zu reisen; wie er dann mit dem ehsten angelangen wurde / mitlerweile
Jerode eine reise ins land Canaan zu ihren bruder zu tun beschlossen hätte.
Hierauf vertraute er / den beiden Prinzessinnen / der Jerode gehabten bosen
fursatz: welches die ursach wäre / dass sie nach Hemath gekommen. Er machte damit
die Amorite und Corycide so besturzt /dass sie sich uber so unerhorte bosheit
nicht gnug verwundern kunten: dann ihnen der Sesostris bisher davon noch nichtes
entdecket / und hatte es der Nadop von des Suevus vertrautestem Kåmmerling
heimlich erfahren.
    Sie vernamen hierauf ferner von ihme / wie die Jerode geargwönet / als
Amorite und Corycide den folgenden tag allentalben gemisset worden / der Suevus
unterhielte dir Corycide heimlich / neben der Amorite / auf seiner schlosser
einem / um ihrer unziemlich zu geniessen: welchen wahn sie ihme dann gnug
zuerkennen gegeben / weil sie nie erfahren konnen / wohin die Prinzessinnen
gekommen; bis sie es / durch der abgesandten von Hemath ankunft / gewar worden.
Den darüber geschopften unwillen / håtte Suevus mit seiner gewönlichen sanftmut
ihr wieder benommen /und vorgewendet / wie dass ihme selbst die ursach verborgen
wåre / die sie von Hesbon hinweg getrieben. Dann er liesse sich nie merken / dass
er von ihrer bosheit etwas wisse: weil er / als ein friedliebender herr /sein
eigen haus / und die in seinen armen schlieffe /nicht beschimpfen wollte /
sondern hoffete / Jerode würde sich noch åndern / wenn sie die ursach ihres
hasses nicht mehr fur augen håtte. Jerode hingegen hätte sich angestellet / als
wann sie mit allem friedlich wäre: gleichwol aber / von dem tag an / alsobald
ihre reise nach Hebron beschlossen; ungeacht es / wegen der winterszeit /
beschwerlich zu reisen ware. Hieraus nun vermutete man / sie habe gemerket / dass
ihr herr um ihre bose tat wusste; und sie wolle bei ihrem bruder sich rahts oder
schutzes erholen.
    Als Nadop solcher gestalt seine erzehlung vollendet / bliebe Amorite
zwischen furcht und hoffnung /was sie zu ihres herr vattern ankunft sich zu
versehen hätte. Ich kame indem zu ihr / voller tränen / weil ich meinen armen
bruder / der / wie gesagt / bei mir gewesen / auf befehl des Konigs verlassen /
und ihn in sein gemach / das ihme zur gefångnis dienen sollte /hinfuhren sehen
musste. Amorite wiese sich in diesem wesen die standhafteste / mich versicherend
/ dass sie dem Apries wollte beståndig bleiben / wann ihr herr vatter / als sie
hoffete / ihre rechtmäsige zuneigung billigen würde: wie sie dann ihr die
gewisse einbildung machete / dass die ankunft ihres herrn vattern gut für dem
Apries sein wurde. Der Jobat aber ware voller zorn über meinen armen bruder /
und stunde lang bei sich selber an / wie er sich an ihm und Amorite råchen
sollte. Endlich bliebe es bei dem schluss / dass er das reich raumen / und seinem
bruder in den Bactrianischen krieg folgen sollte: da er doch sonsten / sich für
der Assyrischen macht fürchtend / nicht gern gesehen / dass sich Bileam in diesen
krieg wider den Konig von Babel begeben. Nun aber machte ihn die liebe ganz
blind / dass er nichts / als diese / zu befördern trachtete. Mein bruder durfte /
vor seinen abzug /weder mich / noch viel weniger die Amorite / sprechen: und
wurden wir so genau in acht genommen /dass wir ihm auch nichtes zuentbieten
konten.
    Wenige zeit hierauf / kame der Fürst Suevus mit unseren gesandten zugleich
an / und liesse mein herr vatter nichtes ermangeln / ihn aufs herzlichste zu
entfangen. Amorite erfreuete sich ebenfalls gar sehr /ihren herr vatter zu
sehen: der dann seine herzliche liebe gegen ihr in allem gnugsam spuren liesse.
Wiewol er nun mit ihr und dem Apries es gern hätte anderst sehen mogen: so
erwoge er jedoch / als ein verståndiger herr / dass niemals mit des Königs willen
diese verheuratung wurde fortgehen konnen; und befande er ratsamer / dass er
seine einige tochter dahin bereden sollte / Konigin von Hemath zu werden / als
den Apries zu ehlichen. Dieses war die eigentliche ursach seiner dahinkunft:
deswegen er auch keine antwort von sich geben wollen / bis er die Amorite selber
gesprochen hätte. Die abgeschickten nach Basan brachten von dem Trebetes /
welcher in abwesenheit des Konigs Marsius regirte / die antwort zurucke: wie dass
die Teutschen gar gern / eine ihrer Prinzessinnen /auf den tron von Hemath
sehen würden. Mein herr vatter / mit dieser erklärung wohl zu frieden / lage nun
auch dem Suevus an / in diese heurat einzuwilligen: welcher seiner tochter sagen
liesse / wie dass er sie allein sprechen wollte.
    Sie befunde sich eben damals / als ihr dieses angemeldet wurde / in
gesellschaft des Apries: welcher heimlich / mit des Konigs seines herr vattern
gesandten / nach Hemath zu rucke gekommen war / und durch meine vermittelung
seine Amorite hatte zu sehen bekommen. Sie gabe ihm / in meiner gegenwart / die
versicherung / wie dass sie ihr muglichstes tun wollte / den Suevus ihren herr
vatter dahin zu bereden / dass sie ihn allein lieben / und keinen andern wählen
dorfte. Ich begabe mich mit dem Apries / als der Prinz Suevus zu der Amorite
kame / in ein neben zimmer; da wir alle worte / so sie mit einander wechselten
/anhören kunten: und ware dem armen Apries nicht anderst zu mute / als hätte er
damals / von seinem leben oder tode / das lezte endurteil anhoren sollen.
    Amorite! (finge Suevus an zu reden) darf ich von deiner tugend / die sich
allemal spuren lassen / wohl die hoffnung schopfen / dass du jetzund solche
erweisen / und dein båstes und meine ruhe zubefordern /dein vergnugen
hintansetzen werdest? Der himmel weiss / wie herzlich ich dich liebe / und wie
schmerzlich es mir fället / dir deine bitte nicht zu gewären / da du meine
erlaubnus hast begehret / den edelen Apries zu lieben. Ich erkenne ja so wohl /
als du / dieses herrn seltene tugend / und habe noch nicht vergessen / was er
mir ehmals fur woltaten erwiesen / und wie ich ihme alles schuldig bin. Allein
/ das verhängnüs ist eurer liebe zu wieder! Der Konig Jobat / sein herr vatter /
wird nimmermehr zulassen / dass Apries dich besitze. Ohne dieses Königs willen /
darf Apries an dich nicht gedenken; und ist sein vermögen schlecht / dich deinem
stande gemäs zu erhalten. Erhore deswegen meine bitte / weil ich dir die deinige
wider meinen willen abschlagen muss. Nim den tron an / den dir der himmel
zeigt; und gonne deinem vatter diese freude / sein einziges kind Konigin von
Hemath zu sehen. Verstorest du damit deine vergnügung / so bauest du doch
dardurch meine ruhe: und Apries ist viel zu tugendhaft / dass er nicht lieber
dich seinem vatter gonnen / als dich elend machen sollte.
    Mitlerweil der Suevus also redete / sah ich meinen armen bruder an / der
unbeweglich bliebe / und ganz erblasset auf seiner Amorite erklårung wartete /
die ihrem herr vatter also antwortete: Ich bin ja schuldig /meines herr vattern
befehl und willen mich in allem zu unterwerfen. Wann ich aber von der
vätterlichen liebe diese wurkung hoffen darf / dass sie eine tochter vergnugt
wünschen werde: so unterstehe ich mich nochmals / demutigst zu bitten / dass ich
mein herz dem Prinzen Apries lassen dörfe. Das elend / welches ich wegen seiner
armut mit ihme ausstehen werde /wird mir lieber und angenemer sein / als die
Konigliche Wurde. Ein zufriedenes gemüt / achtet nicht den åuserlichen schein
des gluckes. Ich will bei dem Apries mich niemals über meinen zustand beklagen:
aber bei dem Konig / wurde ich nie gnug mein elend beweinen.
    Hierauf wandten sie zu beiden teilen viele ursachen ein / dadurch jedes
seinen willen zu erlangen vermeinte. Doch endlich musste Amorite sich ergeben /
weil ihrem herr vatter die gedult anhube zu vergehen / und er sich vernemen
liesse: Er wurde sie nicht mehr fur sein kind halten konnen / wann sie sich
weigerte / den König zu ehlichen. Wolan dann! (sagte sie hierauf /) weil ich
nicht / ohne verletzung der tugend / den namen einer tochter verlieren kann / so
will ich den namen einer beståndigen liebhaberin verlassen / zugleich aber auch
aller zufriedenheit und vergnügung absagen / die ich auf der welt erwarten
konnen. Hiemit ergosse sich über ihre wangen ein heisser tränen bach; da dann
Suevus / welchen ebenfalls schmerzete / seine tochter so betrübt zu sehen / sie
umarmete /und sagte: Der himmel wurde es ihr lassen wohl ergehen / fur diesen
gehorsam / den sie ihm erwiese. Also verliesse er sie / dem verliebten König
seine antwort und das jawort zu bringen. Sie bate ihn aber beim abschied / er
wollte doch verwehren / dass der König noch etliche tage sie zu sehen verschieben
mochte: weil ihr unmuglich fiele / in so geschwinder eile ihre sinne zusammen
zubringen / und in diese Entschliessung sich geburlich einzurichten.
    Mein armer bruder / mehr todt als lebendig / wusste nicht / nach angehörtem
diesen schlusse / wo er ware /und folgete mir aus dem zimmer auf dem fuss nach
/als ich / die Amorite nun allein wissend / wieder zu ihr ginge. Keines von uns
dreien / vermochte anfangs den mund aufzutun. Weil Amorite wohl vermutete /wir
würden alles mit angehört haben / wie sie dann solches aus unseren gesichte
leichtlich abname / als ware auch sie erblodet zu reden. Ich musste endlich die
erste sein / so sprechend wurde: da dann meine worte auf eine klage hinaus
liefen. Ich kunte nicht umhin /ihr furzurucken / dass sie also meinen liebsten
bruder verlassen. Sie beantwortete dieses erstlich mit ihren tränen; endlich
aber uberwande sie den schmerzen /und sagte zu mir: Ich lasse dich selbst
urteilen / liebste Ardelise! ob du / wann du wärest in meiner stelle gewesen /
håttest anderst verfahren konnen. Mehre derhalben mein leiden nicht / mit deinem
bezeugenden unwillen: sondern hilf mir vielmehr den Prinzen Apries uberreden /
diese schickung unseres verhängnisses gedultig zu ertragen. Ach Amorite! (finge
hierauf der halbtodte Apries an zu reden /) so wollet ihr mich verlassen? Hiemit
fiele er ihr zu fuss / und umfassete ihre kniehe. Sie aber risse sich von ihm los
/ und als sie /so viel muglich / die tränen verschlucket / sagte sie: Ich
verlasse euch nicht / Prinz von Hemath / sondern mein gluck verlåsset mich. Und
weil ich wohl befahre /ihr werdet der Amorite nicht so bald / wie ihr müsst
/vergessen können: so beschwore ich euch bei dem himmel! begebet euch mit ehstem
von hinnen / und beunruhiget / mit eurer mir gar zu lieben gegenwart /nicht
ferner mein gemute / da ich euch nicht mehr sehen darf. Gehabt euch wohl / mein
Prinz! und beklaget mehr / in diesem zustande / die ungluckselige Amorite / als
dass ihr sie dieserwegen anklagen woltet.
    In erwehnung dieser lezten worte / umarmete sie meinen bruder / der
onmåchtig bei mir niedersunke. Sie aber wandte sich zu mir im hinaus gehen /
sagende: Habe acht / Ardelise / auf deinen bruder / und verschaffe / zu sein-
und meiner ruhe / dass er mit dem ersten hinweg komme. Ich konnte dieses / für
schmerzen und wehmut / nicht beantworten. Wie nun Amorite hinweg ware / bemuhete
ich mich / mit hulfe einer meiner getreuen dirnen / den Apries zu recht zu
bringen: der endlich / nach vielen angewandten mitteln /die augen wieder empor
schluge. Nachdem er seine Amorite allentalben vergebens gesuchet / ruckete er
mir / nachdem er sich båsser besonnen / gar schmerzlich fur / warum ich ihn
nicht hätte sterben lassen? Weil ich ihme nun eine kammer eingeraumet / da er
mit seinem Waffenträger sich verborgen aufhielte /dass kein mensch / als Amorite
/ Corycide / ich und eine von meinen dirnen / wissenschaft davon hatten: als
hielte er sich nach diesem immer heimlich daselbst auf. Und wiewol ich für ihn
nützlicher erkannte / wann er Hemath und folgends seine Amorite verliesse: so
dorfte ich dennoch nie etwas solches zu ihm sagen /weil er ohnedas mich immer
bate / ihn sterben zu lassen / das er dann gewiss hoffete. Er bekame auch ein
hitziges fieber / das von tag zu tag zuname: und wollte er keine arzneien
darwider brauchen / deren ich zwar auch wenig / ihme zu reichen / in meinem
vermogen hatte.
    Amorite bereitete sich nun / den Konig / wo nicht zu lieben / dennoch zu
heiraten / und stellete sich also gegen ihm an / dass Jobat sich überseelig und
vergnugt schätzete. Und ob wohl Amorite den innerlichen gram nicht so sehr bergen
kunte / dass man den nicht an ihr gespuret hätte: so hoffete doch der Konig / es
würde / nach dem beilager / sich solches alles åndern und enden. Selbiges wollte
er auf das pråchtigste gehalten haben / und wurden überaus grosse zurustungen
gemachet: wie dann der Fürst Suevus / ihr herr vatter / auch darbei sein wollte.
Wiewol ich auch oftermalen die Amorite bate / den armen Apries zu besuchen / so
kunte ich doch solches nie nicht erlangen. Daher endlich die gråmnis / meinen
liebsten bruder also elend zu sehen / auch bei mir so sehr uberhand name / dass
ich gleichfalls bettlågerig wurde / und dem schmerzen / der bisher allein mein
gemut eingenommen / auch meinen leib unterwerfen musste. Amorite besuchete mich
fleissig / in dieser meiner krankheit /und war fast keinen augenblick von mir.
Weil aber meine schwachheit immer grosser wurde / deren ursach Amorite wohl
erkennte: als zoge sie ihr solches dermassen zu herzen / dass sie endlich / auf
mein inständiges flehen und bitten / den Apries zu sehen versprache; welches ich
ihme gleich / durch meine dirne /zu wissen täte.
    Wie nun alles dazu abgeredet war / kame er / so krank er ware / zu mir in
die kammer / alda er seine Amorite für funde: die ihme anfangs verwiese / dass er
so wenig grosmut in diesem unglück blicken liesse; folgends aber ihme / nicht
allein befohle zu leben /sondern auch zuliesse / auf mein åuserstes bitten / dass
er sie ferners lieben mochte. Dergestalt besucheten sie einander in meiner
kammer zum oftern / und brachte meines bruders vergnügung mir meine verlorne
gesundheit auch allgemach wieder. Weil ich nun den Apries uber alles in der welt
liebete / als liesse ich nicht nach / bis ich die Amorite dahin beredet / dass
sie ihre erste dem Apries versprochene treue zu halten gelobte / und ihm
freistellete / sie von dannen zu entfuhren. Ich bekenne / es war viel / das sich
diese Prinzessin hierzu erklåret. Aber mein stätiges anflehen /und die
unendliche liebe zu meinen bruder / machete sie solchen schluss fassen. Weil ich
mich von ihrem Glück und ungluck nicht scheiden wollte / als ward ich
entschlossen / Hemath mit ihnen zuverlassen. Wir erwehlten / nach langem
überlegen / das land Mesopotamien zu unserem aufentalt: da wir unsern stand
unter die alda wonende schäfere verbergen / und in vergnugter ruhe unser leben
hinbringen wollten / bis der himmel uns dermaleins gunstiger anblicken würde.
Dieser entschluss ware wohl gut / aber übel zu vollziehen: weil der winter
vorhanden / und in Mesopotamien man wegen ergiessung der wassere nit so wohl und
geschwind reisen konnte / als uns vonnoten wäre / wir auch nur noch sechs wochen
bis zum angestellten beilager vor uns hatten.
    Ich benennete endlich ein mittel / das mir wohl unser ungluck in den sinn
gabe / ob ich es wohl damals vor eine beförderung unserer ruhe hielte. Es hatte
mein herr vatter / bei lebzeiten meiner fraumutter / eine beischlåferin gehabt /
Laodice genannt: welche beim Konig in ungnade geraten / doch bei hof und unter
andern seinen kebsweibern noch gedultet wurde. Sie war sehr verschlagen / und
darbei mir wohl gewogen /wegen vieler wolneigung / die ich ihr ehmals bei meiner
fraumutter erwiesen. Diese liesse sich dazu uberreden / dass sie / nach des
Konigs trauung mit der Amorite / an ihrer statt des nachts beim Konig zu bette
gehen wollte. Wir wussten / dass der Konig vor tags wieder aufzustehen pflegte /
und hoffeten also / dass er diesen betrug so bald nicht würde gewar werden:
mitlerweile wir uns zu unserer flucht rusten konten. Wir beschlossen darneben /
dass Apries / weil er nun ganz wieder gesund / sollte anstalt machen / wie er uns
mit dem ersten füglich fortbringen mochte. Wiewol nun Amorite diesen anschlag
fur so gefårlich / als unbillig / hielte / liesse sie ihr doch gefallen / was
mein bruder und ich hierinn vor gut achteten / und sagte: Sie hätte einmal ihr
leben und sich selber uns ubergeben /darum stünde es bei uns / mit ihr
vorzunemen / was uns gefiele. Ich muss aber bekennen / dass meines bruders und
meine vergnugung bei ihr eine traurigkeit erweckete; und fühlete sie eine unruhe
in ihrem gewissen / die ihr fast unertråglicher wurde / als alles ihr voriges
leiden. Es verhångte aber der himmel / dass ich / von liebe gegen den Apries
geblendet / die Amorite durch unsere freundschaft dahin verleitete / dass sie /
der liebe folgend / neben uns alles hintan setzete / was wir billiger hätten
beobachten sollen.
    Der nunmehr so vergnugte als verliebte Apries /wollte / nach diesen entschluss
/ nicht länger in Hemath verbleiben / sondern / alles zu unserer reise nach
Mesopotamien fårtig zu verschaffen / sich aufmachen. Also name er abschied von
seiner Amorite / und vermanete sie bittlich / ihm ja beständig zuverbleiben /und
nicht ihr herz / gleich wie die hand / dem König antrauen zu lassen. Traget
dessen (antwortete sie seufzend) keine sorge / und seit versichert / dass ich
euch werde treu verbleiben. Aber verzeihet mir / wann ich euch diese
versicherung / ohne mich dafur zu entsetzen / nicht geben kann: dann ich sorge /
wir laden hiermit des himmels zorn auf uns / indem wir unsere eltern also
betriegen. Wie / Amorite! (fiele ich ihr allhier in die rede /) achtest du dann
fur eine sünde /deme beständig zu verbleiben / dem du dein herz furlängst
gegeben? Womit betriegen wir unsere eltern? was wir dem Konig rauben / das hat
dem Apries eher zugehoret / als dem Jobat. Hat dann der König die macht / dich
aus seines sohns herzen zureissen? Und ist auch Suevus befugt / dich dem zu
nemen /dem er vorher dich zu geben bewilliget. Deine grunde (erwiderte Amorite
låchlend) sind nicht so stark / als meine eigene liebe: ohne welche ich jene
schwerlich annemen würde. Nun aber versichere ich euch / liebster Prinz! (sagte
sie ferner / sich zu meinem bruder kehrend /) dass ich euch alle macht überlasse
/ mit meinem leben zu schalten / wie es euch gefållet. Hiermit umarmete sie ihn
/ und er schiede von ihr / sich vor den gluckseligsten der welt achtend /
dankete mir wohl tausentmal / dass ich ihme zu dieser gluckseligkeit verholfen /
und entfahle mir ferner seine angelegenheiten.
    Nach seinem abzug / rusteten wir uns zum beilager. Je näher aber die zeit
heran kame / je grosser wurde der Amorite unruhe / und machte sie mir oft mit
ihren zweifelhaften reden gar bange: indem sie diese falsche trauung nicht über
sich nemen / sondern vorher sich entführen lassen wollte. Also hatte ich aller
beredsamkeit vonnoten / sie beståndig zu erhalten. Weil die zeit / hinweg zu
fliehen / noch nicht angekommen ware / inzwischen die neue verheuratete bei uns
anfangs wenig gesehen / auch gar eingezogen gehalten /und selten von ihren
månneren besucht werden: als kunte kein bequemers mittel / den Konig zu
betriegen und ihn sicher zu machen / als eben dieses / erdacht werden. Ich
bekame endlich auch die Prinzessin Corycide auf meine seite / die mir die
Amorite uberreden halfe / dass sie bei diesem schluss verbliebe.
    Wie nun der tag des beilagers angekommen /schmücketen wir die Amorite mit
dem Koniglichen schmuck aufs herrlichste heraus. Sie aber / ob sie gleich wusste
/ dass sie des Königs gemalin nicht werden sollte / ginge dennoch mit furcht und
zittern in den tempel / des gottes Wotan / den die Teutschen (wiewol in ihrem
land ohne tempel /) anbeten / und deme meine verstorbene fraumutter in unserem
lande diesen dienst und altar gestiftet hatte. Als nun der Druyde sie fragte /
ob sie den Konig zum gemal haben wollte? erblassete sie / und wollte nichts darauf
sagen. Solches aber wurde nicht beachtet / sondern ihre trauung mit dem Konig
fortgesetzet. So bald sie folgends zu mir allein kommen kunte / klagete sie mir
ihre unruhe /die sie uber diese betriegliche trauung in ihrem herzen fuhlete.
Ich aber / sie zu beruhigen / bedienete mich dessen / dass sie stillgeschwiegen /
und des Konigs gemalin zu werden nicht ja gesagt hätte.
    Auf den abend sollte nun / nach gewonheit des landes / die Amorite von dem
Suevus zu bette gebracht werden. Dieser gienge / bevor sie umgekleidet wurde /zu
ihr in ihr zimmer / umarmte sie herzlich / und bezeugete ihr / wie gern er
wünschen mochte / dass dem himmel gefallen håtte / sie / an statt dem Konig / dem
Prinzen Apries zu bette zubringen: dann er wohl spurete / wie sehr ihr diese
heurat zuwider war. Sie aber beantwortete dieses nur mit seufzen / und durfte
ihrem herr vatter nicht eroffnen / wie sie / seinem wunsche nach / dem Prinzen
Apries auch eigen verbliebe. Wie er sie nun wieder verlassen / kleideten wir in
eile die Laodice in ihre kleider / und verhulleten sie / wie gebråuchlich / mit
einen schleier: Die denn der Suevus /in Meinung / es wåre seine tochter / dem
Konig zu bette brachte. Amorite aber ånderte ihre gewonliche schlafståtte / und
bliebe / von der zeit an / des nachts bei mir: damit niemand von unseren leuten
den betrug merken möchte. Es ginge alles glucklich und wohl von statten / also
dass der Konig / der Suevus / und der ganze hof / nicht anders vermeinten / als
dass Amorite mit dem König verheiratet wåre: wie sie dann auch jedermann als die
Konigin ehrete. Nach endung der angestellten ritterspiele / zoge der Suevus
wieder nach haus / der hoffnung lebend / es würde doch die zeit endlich seiner
tochter herz mehr zu dem König neigen / und nach und nach die liebe zu dem
Apries ausleschen. Mein herr vatter hielte sich nun fur den glückseligsten der
welt / in der eingebildeten besitzung seiner Amorite / und die weise des landes
in acht nemend / besuchete er sie nicht viel bei tag: dass also Amorite wenig
beschwerung von ihm hatte / weil Laodice ihre stelle bei nacht verwaltete.
    Mein verliebter bruder seumte inzwischen nicht /zu enfuhrung seiner Amorite
anstalt zu machen. Und wie er endlich alles zu unserer reise färtig hatte / kame
er heimlich wieder zu uns / etwan zehen tage nach dem hochzeitfest: da wir ihn /
sobald die nacht angetreten / durch den garten einliessen. Also kame er mit
seiner geliebten Amorite / nach allem vergnugen / in einem gemache zu sprechen /
und erzehlte den anschlag / wie er uns wollte hinweg bringen. Mitlerweile wir
aber also / in hochster stille und zufriedenheit /bei einander waren / und
Laodice / ihrer gewonheit nach / beim Konig sich befunde / zündete sich ungefähr
vor des Konig kammer ein feuer an / so gleich um sich frasse / und in der kammer
alles in flammen brachte. Der Konig / von dem dampf erwachend /sprang alsobald
aus dem bette / wie auch die Laodice: welche / in dieser angst / ihr gesicht zu
verbergen vegasse. Weil sie fur rauch und dampf nirgend auskonten / als riefen
sie um hulfe: da dann die konigliche wacht zugelaufen kame / und zum Konig in
die kammer drunge. Mein herr vatter sorgte nur vor seine Amorite / befahle
deswegen / man sollte die Königin erstlich retten. Wie aber die wacht nach ihr
sich umsah / und dannenhero um die beångstigte Laodice sich nicht annemen
wollten rieffe ihnen der Konig zu /wiedass diese seine gemalin wåre. Wie er aber
nåher hinzu trate / und den augenschein anderst fand / erschracke er sehr / und
fragte sie / wie sie in seine kammer gekommen wåre? Laodice / vom schrecken ganz
betäubet / konnte sich in der eile auf keine ausrede besinnen: fiele allein zu
des Königs füssen / und bat um gnade. Der Konig wusste sich anfangs hieraus gar
nicht zu finden: und weil zumal das um sich fressende feuer kein langes gespråch
zuliesse / begabe er sich von dannen in ein anderes gemach / alda er die Laodice
fur sich kommen liesse. Auf sein scharfes befragen / bekannte sie ihm den ganzen
handel dieses betrugs: darbei vermeldend / dass ich und mein bruder die Amorite
hierzu beredt hätten; und wäre Apries iezt eben im werk begriffen / die Amorite
hinweg zu führen.
    Alles was zorn / verachtung / entsetzen / eiversucht / und entdeckter betrug
in einem gemüt kann zu wege bringen / das zundete sich zugleich in dem Konig an
/dass er schier wäre unsinnig worden. Er wusste lang nicht / was er täte oder
tun sollte. Endlich erwischete er die arme Laodice bei den haren / ubergabe sie
der wacht / und befahle / dass sie die wohl bewahren /auch uns alsobald gefånglich
annemen sollten. Dieser befehl ward ohn verzug zu werk gerichtet / und befahreten
wir nichtes weniger / als diss unser bevorstehendes unglück: als wir ein starkes
gepolter für unserer tür höreten / dieselbe / weil sie verschlossen / bald
aufgerannt und die wacht hinein brechen sahen. Wir errieten gleich / dass wir
verraten wären. Amorite / die in dieser todesangst nur für den Apries sorgete /
fiele ihm halb todt um den hals / und sagte zu ihm: Ach mein Prinz! nun sehet
ihr die früchte unsers anschlages. Die onmacht liesse sie ein mehrers nicht
reden /und wurde er damit aus ihren armen gerissen / auch wir alle / mehr todt
als lebendig / voneinander getrennet / und in besondere kammern bis an den
morgen verschlossen; Apries aber / auf befehl seines ergrimmten mitbulers / in
einen tiefen kerker geworfen.
    Wie wir das übrige der nacht hinbrachten / ist leichtlich zu ermessen. Es
kame der morgen so bald nicht herfür / da musste ich vor den Konig kommen. Wie
ich nun mit zittern und ängsten in das gemach getretten / und des Konigs
grimmiges angesicht erblickend / schier onmächtig nieder gesunken war: da
begunte mein herr vatter / nachdem er mich eine weile angesehen / in
erschrecklichen worten allen seinen grimm über mich auszugiessen. Ich täte ihm
einen demutigen fusfall / und bate mit tränen / sich zu erinnern / dass ich
vormals sein liebes kind gewesen / und mir um dess willen die gnad zu erweisen /
und mein vorbringen in gedult anzuhoren. Er aber / der mich darum nicht holen
lassen / stiesse mich von sich / und zeigete mir die Laodice: welche mich in
seiner gegenwart uberzeugete / dass ich alles dieses betrugs eine anfångerin
gewesen wåre. Wie ich nun alles dieses mit stillschweigen gestunde / verfluchte
mich der Konig dermassen / dass ich anhube / mir selber feind zu werden / und mit
ångstigen worten zu sterben wünschete. Da solst du verråterin zeitig zu
gelangen! sagte der Konig / und befahle damit / mich wieder wegzuführen. Und ob
ich wohl fur meinen armen bruder bate / mit bekantnis / dass ich allein an allem
diesem schuldig wäre: so kunte ich doch nichtes ausrichten. Der Konig liesse
gleich den grossen raht neben den Druyden des Wotans versammlen / dass sie
hieruber sprechen sollten: die dann uns einhälliglich zum tode verdammeten / dass
nåmlich Laodice alsobald im gefängnus / Apries und Amorite in dem vorhofe des
tempels entaubtet / ich aber / als die ich (da die liebe die andern noch teils
entschuldigte /) die meiste straffe verdienet håtte / sollte / zur versuhnung des
hierdurch beleidigten gottes Wotan / ihme zum brandopfer geschlachtet werden.
Nach eröffnung dieses urteiles / beliebte dem Konig / solches zu milderen: indem
er die Amorite / ob sie ihn gleich so verächtlich betrogen / nicht kunte toden
lassen; sondern / sich vergnügend / dass er ihr ihr liebstes durch den tod nemen
würde / wollte er sie / nach unserer hinrichtung / ihrem herr vatter mit der
Corycide wieder zuschicken. Aber an den Apries und mir / truge er kein bedenken
/ alles vollziehen zu lassen / was der raht und die Druyden geurteilt hatten.
Und alles dieses / was uber uns beschlossen war / wurde uns in die gefångnis
zeitlich berichtet.
    Als nun der schreckliche tag angekommen / da wurde / in gegenwart vieler
tausend menschen / die von allen benachbarten orten / auch aus der ferne /diese
hinrichtung anzuschauen / nach Hemath sich versammelt hatten / erstlich Amorite
/ in begleitung der Corycide / welche sie nicht verlassen wollte / vor des
Wotans tempel geführet. Sie sah / im hinfüren /niemand an / weil sie sich
selbst für strafbar hielte /sondern lehnete sich auf die Corycide / deren wangen
und brust mit ihren heissen zähren befeuchtende. Nachdem nun alda der Furst Jona
das von Hemath /der von wegen des Königs alda zu gericht saffe / ihr die Kron
und den Koniglichen mantel / den sie bisher betruglich getragen / abnemen
lassen: erschiene der arme Apries mit gebundenen hånden auf der andern seite des
tempels. Dieser / weil er vernommen / dass seine Amorite nicht sterben sollte /
gebärdete sich gar freudig; und weil er mit ihr reden dorfte / sagte er zu ihr:
Gute nacht / liebste Prinzessin! ich bin nicht wert gewesen der liebe und
beståndigkeit / die ihr mir erwiesen / darum schicket mir der himmel dergestalt
mein ende. Doch sterbe ich vergnugt / weil ich / um meiner Amorite willen / darf
mein blut vergiessen. Hiermit wandte er sich zum volk / und bate um vergebung /
dass er sie also betrogen / indem er darzu geholfen / dass sie eine so
unvergleichliche Konigin / als die Prinzessin Amorite wåre / nicht bekommen
hätten. Und als er indeme mich durch die Druyden nach dem tempel fuhren sah /
fassete er die augen voll wasser /und sagte gar erbårmlich: Ach liebste
schwester! meinetwegen erleidet ihr diese schmach. Vergebet mir /dass ich euch so
tief in mein elend mit verwickelt / und nemet hiermit von mir die lezte gute
nacht. Hierauf wandte er sich nochmals gegen seine Prinzessin / die er onmåchtig
sah in der Corycide armen ligen; schluge deswegen die augen gen himmel / und
wollte noch etwas sagen. Er wurde aber von den henkersbuben sortgefüret / die
sein edeles haubt ihm abschlugen /und dasselbige / wie der grausame Konig
befohlen hatte / der armen Amorite fur die fusse warfen.
    Vergönnet mir / werte zuhörerinnen! dass ich allhier in etwas meine erzelung
abbreche. Hiermit verstummete Ardelise / und kunte sich der vielfältigen tränen
nicht erwehren / die auch die Aramena und Ahalibama wehmutig machten. Amorite
aber / welche sich auf der Ardelise schulter gelänet / vergosse nicht einen
einzigen zåhren / sondern ganz erblasset / sagte sie / wiewol mit halb
zerbrochenen worten: Also starb dieser edele Prinz! Und ich / da ich zuvor
onmåchtig gewesen / ermunterte mich wieder / als der unglückselige hieb
geschahe; und dieses liebe haubt fur meinen fussen ligen sehend / fiele ich auf
dasselbige / und /gleich als hätte ich seinen ausfahrenden geist wollen in mich
ziehen / ware ich lang nicht von seinem munde zu bringen / bis man diese lezte
grausamkeit noch erwiese / und mir mit gewalt dieses ubrige von meinem Apries
hinweg raubete / das sie neben dem leib auf einen altar verbrannten. Wie gern
wåre ich darauf auch zur schlachtbank gegangen / wann es mir so gut hätte werden
mogen. Allein / der himmel liesse mich leben / um meine qual desto mehr mich
fühlen zu machen. Weil bei den opfern / die dem Wotan geschehen / niemand als
die priester gegenwårtig sein dorfen / als fürete man mich nach deme vom tempel
wieder hinweg / und ware meine Ardelise schon in denselbigen hinein gebracht /
dass ich ihr also nicht einmal gute nacht sagen kunte. Welcher gestalt ich auf
den wagen gesetzet worden / der mich / neben der Corycide und etlichen meinen
bedienten / in begleitung des guten alten Sesostris / wieder sollte nach der
Amoriter gebirge füren / kann ich wohl nicht sagen: dann ich fur wehmut und
entsetzen fast schon todt war / und erhielte man mich allein mit kräftigen
wassern / dass ich nicht unterwegs in der meinigen armen verschiede. Welcher
gestalt aber Ardelise dem tod entgangen / und wie ich durch ihre wiedererlangung
merklich getrostet worden / wird sie selber am bästen erzählen konnen.
    Mich hatte nun (fienge hierauf Ardelise wieder an /als sie ihre zåhren
abgetrocknet /) die traurigkeit und wehmut so aus mich selber gebracht / dass ich
fast nichtes mehr entfunden / und liesse ich mich in den tempel hinein schleppen
/ alda ich sollte geschlachtet werden / welchen die priester gleich hinter mir
zusperreten. Ich ware nit lang darinnen / da horte man ein gepolter für der
pforte / und wurde endlich die tur aufgebrochen: da der Prinz Baalis von Ammon
/mit vielen gewaffneten / hinein drange / und mich erretten wollte. Die priester
/ so wohl als das volk verwehreten dieses sein furnemen / und nachdem er für mein
leben und befreiung eiferigst gefochten / wurde er doch ubermänget / also dass er
sich musste lassen gefangen nemen. Ich entfunde nun bei allen anderen schmerzen /
auch dieses guten Prinzen ungluck / das er meinetwegen hatte auf sich geladen.
    Wie nun diese unruhe wieder gestillet war / brachten mich die Druyden in ein
gewolbe / da ich mit vielen wassern und salben bestrichen / und nachmals den
ganzen tag allein gelassen worden. Wie mir in solcher einsamkeit zu mut gewesen
/ kann man leichtlich erachten. Gegen die nacht aber / kamen zu mir zwei Druyden
/ neben dem treuen waffenträger meines armen bruders / die mir / da ich den tod
erwartet /meine befreiung ankundigten / und hastig mit mir forteileten. Ich
wurde / ohne dass ich wusste / wie mir geschahe / auf einen wagen gebracht / da
meiner eine von meinen dirnen wartete: mit welcher ich / neben dem waffentråger
/ die ganze nacht fuhre / und den folgenden abends zu Camon die Amorite
fürfunde. Unser bewilkommen / bestunde in vergiessung tausend tränen; und
erfuhre ich alda von meines bruders waffentråger / wie dass er durch geld die
zwei Druyden auf seine seite gebracht / welche sich / mich vom tode zuerretten /
gewinnen lassen. Dieses hatte er auf befehl seines herrn getan / der ihn / den
morgen fur seiner hinrichtung / ernstlich zugeredet / sein muglichstes
anzuwenden / dass ich mochte erloset / und zu seiner Amorite heimlich gebracht
werden. Diese treue sorgfalt meines lieben bruders / machte meine wunde noch
grösser / und stiesse mir derentwegen ein hitziges fieber zu / dass wir zu Camon
bleiben mussten: alwo dann niemand / auser Amorite / Corycide und etliche wenige
/ mein dasein wussten.
    Mitlerweile ich also krank darnieder lage / beschlosse Amorite / wann ich
wieder wurde genesen sein / mit mir nach Mesopotamien zu gehen / und alda die
ubrige zeit ihres lebens des Apries tod zu beweinen: dann sie sich nicht allein
scheuete / ihrem herr vatter unter augen zukommen / sondern auch /nach diesem
erlebten unglucke / nichts als die einsamkeit suchete. Sesostris und meines
bruders waffentråger / neben zweien dirnen / sollten uns auf dieser reise
begleiten. Corycide aber / die da zeitung erlangete /wie dass ihr herr vatter zu
Hebron schwerlich krank läge / kunte ihr eigenes båstes nicht verabsäumen /wie
ungern sie auch uns verliesse / und musste sich in Canaan wieder begeben: welcher
wegen sie dann von uns abschied name / ja so betrubt uber unsern zustand / als
unwillig / dass sie uns verlassen musste. Die bedienten der Amorite namen also
ihren weg alleine nach der Amoriter gebirge / unwissend / was ihre Prinzessin zu
tun gewillet war / als welche ihre furhabende reise gar heimlich hielte / damit
sie nicht an derselben von ihren herr vatter verhintert würde.
    In wårender dieser zeit / kamest du / liebste Aramena! mit dem Prinzen von
Sichem / nach Camon: und weil wir uns so heimlich hielten / kunte ich dich nicht
sprechen / wie sehr ich es auch wünschete / sondern musste dich lassen wieder
hinweg ziehen / ohne meinen zustand dir zu eröffnen / da ich wusste / wie du mich
als todt beweinen würdest. Etliche wenig tage nach deinem wegreisen / als ich so
weit wieder genesen war / dass ich mich durfte auf den weg begeben /reiseten wir
auch von Camon ab. Weil wir aber / um nicht verkundschaftet zu werden / den
richtigen weg nach Haran nicht nemen dorften sondern weit umziehen mussten / als
kamen wir auf Engamin zu: da der Tarsis von Sepharvaim uns unversehens
uberfiele /vermeinend / dass wir die Aramena bei uns håtten /und unser Sesostris
/ als er sich wehren wollte /schwerlich verwundet wurde / den wir nachgehends zu
Betera heilen lassen. Nun gehen wir in eurem geleite nach Ennon: da wir uber
den Jordan fahren / und dann ferners unsere reise fortsetzen werden. Diss ist es
nun / was ihr habt zu wissen verlanget. Ich weiss /man wird müssen gestehen / dass
der Amorite und mein unglück das gröste ist / so jemals ein mensch entfunden:
dann wir beide das liebste / so wir auf der welt gehabt / neben unserer ehre /
wurde / und allem menschlichen schutz / so erbärmlich verloren haben.
                                     * * *
    Mich betrübet von herzen / (sagte hierauf Aramena) euer beider zustand / dass
ihr so einen unwiederbringlichen verlust erlitten / und anjezt / als verlassene
Wåisen / das elend in der welt bauen musset. Was die Prinzessin Amorite betrifft
/ (ersetzte Ahalibama /) so kann ich deren elend nicht gnug betrachten /oder nach
der grosse beschreiben. Ardelise aber / ob sie wohl auch viel an dem Apries
verloren / weiss dannoch den Prinzen Baalis von Ammon im leben / und tritt anjezo
in Mesopotamien einen solchen vergnügten lebensstand an / der aller königlichen
wurde fürgehet. Wolten die götter / dass es mir so gut werden könnte / neben
meinen Elieser mein leben in diesen schäferstande zuzubringen! wie gutwillig
wollte ich doch / dem Beor / sein Canaan und allen Königlichen pracht uberlassen.
Ardelise seufzete hierüber / weil sie der Ahalibama nicht widersprechen wollte.
Aramena aber sagte: Ich war lang in diesem Mesopotamien / das so zwei liebe
Prinzessinnen bald bewirten soll. Und weil ich mit meinen beiden basen / des
Fürsten Labans tochtern / viel umgegangen / als kann ich sie versichern / dass sie
an deren gesellschaft gute vergnugung entfinden wurde. Selbige beide Furstinnen
leben / gleich anderen hirtinnen / bei den heerden /und erhalten damit die weise
/ so unser grosvatter /der Furst Betuel / eingefurt: welcher der erste gewesen
/ so ihm die feldlust also zu nutz gemachet / dass er das landleben dem pracht in
den schlossern und städten furgezogen. Man hat uns gar viel gutes (antwortete
Amorite) von diesen schonen Furstlichen Schåferinnen fürgesetzet: deren
gesellschaft uns um so viel lieber sein soll / weil sie die ehre haben / der
schonen Prinzessin von Chaldea nahe wasen zusein.
    Nachdem Aramena dieses höflich beantwortet / erinnerte sich Ahalibama der
Corycide: fragte demnach / wie lang es wäre / dass sie von Camon hinweg gezogen?
Als sie nun erfahren / dass es ongefår ein monat sein mochte / wünschete sie sehr
/ dieses dem Ephron wissend zu machen. Als sie aber ihre Astale deswegen wollte
abfärtigen / erfuhre sie / dass Elieser und Ephron bereits von Betaula wieder
hinweg und füraus nach Salem gefuhrt worden wåren. Da werden sie (sagte die
betrübte Fürstin von Seir) des tyrannischen Beri triumf vorankündigen sollen!
Darauf fragte sie gar sorgfältig nach ihres Eliesers zustand: bekame aber die
gewonliche antwort / dass er sich noch sehr schwach befände.
    Indem wurde den Prinzessinnen / von des Fürsten Beri wegen / angedeutet /
wie dass es zeit wåre / fort zureisen. Diese worte waren ihnen allerseits wie ein
donnerschlag: weil darbei Aramena und Ahalibama sich von neuem erinnerten /
wohin sie gefuret wurden; Amorite und Ardelise aber / dass sie von jenen beiden
ihren abschied nemen mussten / weil sie nicht mit nach Salem reisen / sondern zu
Ennon verbleiben wollten /um alda uber den Jordan zu gehen. Demnach sagten
Aramena und Ardelise einander tausend gute nacht; doch mehr im herzen / als mit
dem munde. Diese lezte dankete auch nochmals der schonen Aramena / fur die
reichen kleinodien / womit sie / zu fortsetzung ihrer weiten reise nach
Mesopotamien / ihnen ausgeholfen hatte. Ahalibama und Amorite namen auch den
treuherzigsten abscheid voneinander / weil sie sich in ihrem leidwesen so gleich
befunden. Der bekümmerten Furstin von Seir wurde das herz dermassen schwer / dass
sie schon ihren Elieser / wie Amorite ihren Apries / todt beweinete.
    Als nun Ahalibama und Aramena / mit der Astale und Tirza / zu wagen gesessen
/ fuhren sie nach Ennon zu / und folgeten ihnen Ardelise und Amorite mit ihren
leuten allmälig nach: die dann von niemand / wer sie wären / befraget wurden /
weil Aramena solche vor ihre alte bekantinnen / aus Syrien / ausgegeben. Wiewol
auch der Furst Beri / wegen der Ahalibama / seinen kopf so voll susser gedanken
hatte / dass er sonst um nichtes daneben sich bekümmern kunte. Wie sie Ennon sich
genåhert / grusseten diese vier Prinzessinnen einander nochmals mit den augen /
und wünscheten Aramena und Ahalibama sich wohl tausentmal mit auf die fåhre / als
sie / von einem Hugel herab / die Amorite und Ardelise sahen über den Jordan
fahren. Sobald diese ihnen aus den augen gekommen / da erblicketen sie Salem /
welches im tal für ihnen lage / und gleich darauf horten sie von denen /die um
den wagen ritten / dass die Konige von Canaan und Salem ihnen entgegen kåmen.
    Der verliebte Beor / ware mit dem tugendliebenden Melchisedech auf einen
wagen gesessen / welchen der ganze hof von Sichem und Salem umringete: die dann
/ den Fursten Beri ersehend / ihn alle in ihren herzen verachteten / dass er
solche leichtsinnigkeit an seinen eigenen kindern / um gewinns willen / erwiese.
Beor aber hatte andere gedanken für seinen bruder / welchen er mit beiden armen
umfinge / und ihn lang an die brust druckend / sagte er zu ihm: Du gibest mir
mein leben von neuem wieder; was soll ich dir / mein bruder / hingegen erweisen?
Beri / der noch niemals solche liebkosungen von dem Konig entfangen /wurde
hieruber ganz freudig und hochmutig in seinen gedanken / und antwortete: E. Maj.
haben so viel gelegenheit / ihrem knecht gutes zu erweisen / dass ich keine
besondere gnade auswählen will / mich allein überseelig schätzend / dass ich
meines Königs aufrurer zu geburlicher straffe lieferen / auch die Königin und
Prinzessin von Canaan E. Maj. hiemit wieder zufüren kann.
    Hierauf entfinge der Beor seine Ahalibama / mit bezeugung innigster freude
und liebe. Wiewol ein kleiner unwille sich zugleich bei ihm spüren liesse /und
ihn zu ihr sagen machte: Ob ich zwar nicht hoffen will / dass die Fürstin von Seir
mit schuldig sei gewesen an den frevel / den man in meiner gegenwart an ihrer
entfürung zu Tanac begangen / so erweisen doch eure gebärden / dass diese
wiederkunft euch betrübe. Versichert euch aber / schonste Ahalibama! dass ihr an
kein ort der welt könnet hinkommen / da euch mehr ehre und gutes wiederfahren
soll / als bei mir / der ich euch / neben meinem herzen / fürlängst mein Kron
und Zepter zu eigen habe bestimmet. Ahalibama schluge zu diesen reden ihre
betrübte augen nieder / und ward folgends / neben Aramenen / vom Konig
Melchisedech gar freundlich entfangen: welcher durch gebärden gnugsam an den tag
gabe / dass diese Prinzessinnen also gegen ihren willen gewalt leiden mussten.
Folgends umringten den wagen / der beiden Fürstinnen hinterlassene bediente:
grosse freude zeigend / dass sie ihr herrschaft wieder bekommen.
    Wie sie nun in des Melchisedech schloss angelanget / kamen ihnen die beide
schone Prinzessinnen von Gerar / des Melchisedechs schwester tochter / mit der
Fürstin Calaride und der Toris / entgegen / welche die Ahalibama und Aramena in
ihre gemåcher / die gar königlich ausgezieret waren / begleiteten. Die
wunderschöne Coelidiane / und die angeneme Jaelinde / gewonnen alsobald dieser
beiden ankommenden Furstinnen ihre herzen / mit ihrer gewonlichen leutseligkeit:
wie dann selbiger zwo schwestern gegenwart dieser ihr leiden um ein gutes
linderte. Aramena und Coelidiane betrachteten einander / zwar ohne eiversucht /
mit unendlicher verwunderung. Ob wohl Ahalibama auch trefflich schön war / so
hatte doch nicht allein der gram und die traurigkeit sie etwas verändert
/sondern es war auch Aramena eines viel durchdringendern glanzes / und konnte mit
ihrer holdseeligen majestet viel eher / als Ahalibama / eine liebe und
ehrerbietung erwecken: dann diese war eines sanfmütigern und etwas traurigen
wesens / doch konnte sie mit ihren scheine die leute mächtig gewinnen und an sich
ziehen. Calaride / die bisher ihre Aramena fur schöner als die Coelidiane
gehalten / wusste jezt nicht zu entscheiden / da sie ihr beide zugleich vor augen
waren /welcher der preis geburete: wie dann alle / so um sie waren / bald der
einen / bald der andern den vorzug in ihrem herzen gaben. Man betrachtete aber
darneben auch die liebreiche Ahalibama / welche jederman / als kunftige Konigin
von Canaan / ansah / und dafur erkennen musste. Weil es aber allbereit spater
abend war / als ward / von beiden niften des Konigs zu Salem /bald wieder
abtritt genommen.
    Als nun Aramena bei der Calaride und dem Tebah sich allein sah / fingen
diese an / sich höchlich uber sie zu beschweren / dass sie sich also von dem
Ephron gutwillig entfüren lassen: denn sie wussten nichts von dem Fursten von
Sepharvaim / dass der dabei gewesen wåre. Sie gaben ihr zu verstehen / wie sie
hierdurch sich in so übele nachrede gesetzet; und mochte sie nur bedenken / wie
ihr herr vatter und frau mutter sich betruben würden / wann sie dieses erfahren
sollten. Aramena hörete alle diese fürrückungen gedultig an / und sagte / zu
ihrer entschuldigung: Die welt mochte von ihrem tun ein urteil fällen / als sie
wollte / so wussten doch die götter ihr gemüt / und dass alles / was unrecht
scheine / dem himmel zu ehren geschehe; der auch / unter so vielen und harten
versuchungen / ihren eiver ihme würde wohl gefallen lassen.
    Indem wurde der Prinz Hemor angemeldet / welcher ihr aufwarten wollte / und
sich darneben entschuldigen liesse / dass er / auf verbot der årzte / sie nicht
im felde entfangen dorfen. Diese besuchung ware ihr zwar äusserst zuwider: sie
konnte ihm aber solche nicht verweigern. Und ob sie gleich mit der spaten
abendzeit sich wollte entschuldigen lassen / so widersprache doch solches der
alte Tebah / und musste sie dessen raht und willen folgen / und dem Prinzen zu
kommen erlauben. Dieser verliebte herr / der erst von seinen wunden aufgestanden
/ hatte sich auf das herrlichste geschmucket / um in seiner Prinzessin augen
angenem zu erscheinen / und war so erfreut / sie wieder in seiner gewalt zu
wissen / dass er seine vergnugung vielfåltig spuren liesse.
    Schonste Prinzessin! (redte er sie an) ihr werdet mir vergonnen / den
göttern für eure wiederkunft zu danken: weil euch nicht unbekant / wie viel mir
an derselbigen gelegen ist. Ich achte auch unnotig / euch zu bezeugen / wie eure
entfürung mich geschmerzet: dann ihr allbereit wohl wisset / wie inbrünstig ich
euch liebe. Der himmel hat aber selber erwiesen / dass ihm diese eure entweichung
zuwider sei: darum furete er euch wieder an den ort / da ihr nach euren wurden
angebetet / und in eurer schöne bewunderet werdet. Erkennet demnach die
himmelische schickung / und widersetzet euch nicht mehr derselben. Nemet an
meine treue liebe / die der himmel billiget / und bestätiget mir die
glückseligkeit / die eure eltern mir bestimmet. Prinz von Sichem! (sagt sie
hierauf) ihr wisset selber /wie ich euch dieses kann beantworten. Mehr als
tausentmal habet ihr von mir gehöret / dass ich dem himmel verlobet bin. Mehr als
tausentmal habe ich euch zugeschworen / dass ich keinem mann kann zuteil werden /
weil ich der Diana gehöre. Und wo ihr nicht euch dem himmel zuwider machen
wollet / so höret einmal auf / mich zu verfolgen. Ich versichere euch nochmals /
Prinz Hemor! nimmermehr werde ich euretwegen mein gelubde brechen. Und sollte
mich auch die ganze welt verlassen / so habe ich doch bei mir selber so viel
macht / die eurem unbilligen begehren sich wird widersetzen konnen.
    Ach liebste Prinzessin! (sagte er hierwider / sie ganz verliebt anschauend
/) ist dann diese grausamkeit bei euch unendlich? und wollet ihr nimmermehr der
billigkeit gehor geben? Meine Entschliessung ist so billig / (gabe sie zur
antwort) dass ich die nicht eher åndern will / bis dass ich aufhoren werde / gotter
zu glauben. Und dieselben ruffe ich zu meinem beistand an / dass sie mich einmal
aus euren unbilligen banden befreien wollen. Dieses sagend / finge sie an milde
tränen zu vergiessen: worüber Hemor ganz verzweifelt wurde / weil er wusste /
dass er solche verursachete / und gleichwol / wegen seiner heftigen liebe / nicht
anderst verfahren konnte. Deswegen brache er dieses gespräche schleunig ab / und
verfugte sich wiederum nach seinem gemach: alda er / die ganze nacht hindurch /
mit betrachtung seines zustandes sich gequälet. Doch machete er ihm selbst gute
hoffnung / dass die Prinzessin sinn åndern möchte / wann sie durch das band der
ehe an ihn verknüpfet sein wurde; zu welchem er / wegen der von ihren vermeinten
eltern erlangten einwilligung / kunlich schreiten dorfte.
    Am folgenden morgen erfuhre die Fürstin von Seir / welche wegen der sorge
für ihren Elieser kein auge die ganze nacht geschlossen / wiedass dieser ihr
geliebter Prinz in grosser schwachheit und todesgefahr schwebete / und neben
seinem bruder in ein boses gefängnis wåre geworfen worden. Demnach ergabe sie
sich ganz dem schmerzlichen weheklagen / und ware noch in dieser traurigen ubung
begriffen / als die Prinzessin Coelidiane zu ihr hinein kame: mitlerweile
Jaelinde / ihre schwester / der Aramenen gleiche aufwartung erwiese. Coelidiane
vermutete / als ob der Ahalibama leiden / durch den unlust / so sie zu dem Beor
trüge / davon dem hofe zu Salem das geruchte schon långst die ganze geschicht
geoffenbaret / verursachet wurde: bemühete sich deswegen / sie zufrieden
zusprechen. Ahalibama hörete den angenemen trost dieser Prinzessin gar willig an
/ klagete ihr ferner alles ihr leiden / das sie wegen Eliesers unpåsslichkeit
ausstunde / und bate sie um ihren guten beistand.
    Coelidiane versprache ihr / mit gutwilligem herzen / neben dem König
Melchisedech ihrem Vettern es dahin zu vermittelen / dass er des Fürsten Beri
sohne auf das schloss legen liesse: und wollte sie alsdann schon verordnung tun /
dass Elieser wohl sollte gepflegt und in acht genommen werden. Der Ahalibama waren
diese worte so trostlich / dass sie der Coelidiane zu tausendmal dankete. Diese /
ihr versprechen ins werk zu richten / ginge gleich nach dem König von Salem /
(bei dem sie / weil er sie wegen ihrer tugend uberaus liebete / freien zutritt
hatte /) und berichtete ihm den ublen und unbilligen zustand der Prinzen von
Canaan. Melchisedech / der solches gar nicht billigen konnte / liesse gleich dem
Konig Beor entbieten: wiedass er nicht könnte gedulten / dass zween Prinzen / die
ihme von mutterlicher seite so nahe verwandt / so übel bei ihm gehalten würden;
möchte ihn demnach der Beor nicht verdenken / wann er sie in seinem schlosse
båsser wurde bewirten lassen / ihn gleichwol versicherend / dass sie seine
gefangene verbleiben sollten.
    Der Beor war eben bei seinem sohn und dem Fursten Beri / als ihme des Konigs
von Salem begehren angebracht ward: welches er nicht abschlagen wollte / sondern
gleich bewilligte. Dann er wusste / dass der Melchisedech in seinem lande /
ungeacht er ihm järliche schatzung geben musste / und sein lehenman war / zu
gebieten hatte / was ihm gefiele. So wusste er sich auch versichert / dass sein
mitbuler es nicht lang mehr machen würde: auf welchen fall er des Ephrons
beginnen nach Eliesers tode nicht so hoch betrachtete / dass er / ihn
abzustraffen / begehren sollte. Auch seinem bruder dem Beri zu erweisen / wie
erkentlich er gegen ihm wäre / gabe er ihm den Ephron wieder /und erliesse
demselben alles sein verbrechen. Beri /aus sonderbarer grosmut / wollte solches
lang nicht annemen: Hemor aber / der sich an dieser grausamkeit billig ärgerte /
sprache ihm so lange zu / dass er endlich zu deme sich bereden liesse / was ihme
von selber / der natur nach / nicht unangenem sein sollen. Also wurde befohlen
/ die Fursten auf das schloss zu bringen / und den Ephron auf freien fus zu
stellen. Bei vollziehung dessen / konnte Ephron seinen schwachen bruder kaum so
lang verlassen / bis er seinem herrn vattern / und fürnemlich dem König / für
seine freiheit gedanket: und gleich hierauf / begabe er sich wieder zum Elieser;
bei dem er lieber gefangen / als ohne ihn frei sein wollte.
    Mit demselben hube es nun an / sich zum ende zu nåhern / und gaben des
Melchisedechs årzte / die ihn hierauf besucheten / ganz keine hoffnung / dass er
könnte davon kommen. Wie nun der eiversüchtige König uber dieser zeitung nicht
wenig ruhe entfunde /also verubete er anderwerts die grausamkeit / dass der armen
Ahalibama gånzlich versaget wurde / ihren Elieser zubesuchen: dann er befahrete
/ sie mochte etwas merken von dem beigebrachten gift / und also ihren hass gegen
ihm verdoppelen. Zwar verhålete man ihr auch / so viel müglich / dass es so gar
schlecht mit ihm stunde: aber ihr herz war der verräter / welches ihr sagete /
wie es dem Elieser erginge. Der eigennützige Beri wollte kaum einmal in diesem
elenden zustande seinen sohn besuchen / sondern sagte öffentlich: Der gerechte
himmel straffe des Eliesers verbrechen / da des Konigs gutigkeit ihm ubersehen
wollen. Er richtete aber mit dieser angenommenen hårtigkeit nichtes anders aus /
als dass er sich bei jedermann in verachtung sezte: wiewol der König sein bruder
es gnådig aufname / und ihm versicherung täte / dass er alles / was er nur
begehren wurde / von ihm erlangen sollte.
    Aber die Gottfurchtende Coelidiane / als sie den tugendhaften Elieser / von
deme sie so viel gutes ihr lebtage gehoret / in so betrubtem zustand wusste
/finge sie an / mehr für seiner seele als des leibes gesundheit zu sorgen. Sie
name ihr aus gutem antriebe fur / ihn heimlich zu besuchen / und sich zu bemuhen
/ ob sie ihn / von den heidentum ab / auf den rechten glauben und zur seeligen
erkäntnis des wahren Gottes bringen möchte: Damit / wann er ja zeitlich sterben
musste / er dennoch nicht ewig sturbe. Dieses ihr fürhaben offenbarte sie
niemanden / als den Melchisedech: der dann solchen ihren guten eiver hochlich
rumete / aber für gut befunde / dass es heimlich geschähe; weil er dem Beor
verspreechen müssen / den Elieser also bewachen zu lassen / dass niemand
unangemeldet ihn besuchen mochte. Deswegen gabe er ihr den haubtschlussel / dass
sie bei abend / durch einen heimlichen gang / ohne von der wacht gesehen zu
werden / zu ihm kommen konnte.
    Ephron / der allein bei seinem bruder war / erschracke anfangs sehr / als er
diese tur aufgehen sah. Nachgehends / als er die schönheit / die zu ihm hinein
trate / ersehen / ward er hochst besturzet / und hielte sie anfangs vor die
Prinzessin Aramena. Coelidiane aber bename ihm gar bald diese Meinung / als sie
sich ihm zu erkennen gab / dass sie eine nifte des Konigs von Salem / und
deswegen zu ihm gekommen wäre / des Prinzen Eliesers zustand recht zu erfahren
/der weit schlimmer wäre / als sie und ihr herr vetter es wunschen mochten. Der
kranke Elieser hörete diese worte auf seinen bette / und weil er diese
unvermutete gutigkeit der Prinzessin von Gerar hoch bewunderte /als antwortete
er ihr selber / wiewol mit schwacher stimme: Wie dass ihn dieses Glück viel zu
unwurdig funde / und er gar nicht verdiene / einer so hohen Prinzessin vorsorge
zu geniessen. Der Prinz von Canaan (sagte Coelidiane / nachdem sie sich bei sein
bette niedergesetzet /) ist eines viel mehrern wurdig /und wünsche ich ihn also
zufrieden / wie es ihm ewig ersprieslich sein wird. Mein zustand ist so elend
/(sagte Elieser) dass ich nicht vermute / dem Beor lang mehr im wege zu gehen.
    Ich beklage von herzen (antwortete die Prinzessin /) dass eine so treffliche
jugend sobald von der welt scheiden soll. Ich weis aber nicht / ob dieses allein
/mein Prinz! euren zustand erbärmlich machet. Vielleicht ist der / wegen anderer
umstände / noch elender / als ihr selbst vermeint: und wäre höchst zu beklagen
/ auch ewig schade / wann eine so edle Seele nicht / mit der rechten klarheit
erleuchtet / abscheiden sollte. Elieser / der diese worte nicht verstunde /
antwortete: wie dass ihme unwissend / was vor ein liecht seiner seele verborgen
sei / und ersuche er sie / ihme ein solches båsser zu erklåren. Weil nun
Coelidiane / ihren zweck / bei seinen so schwachen zustande / durch viel
umschweife zu suchen / für gefärlich hielte / als ruckte sie etwas nåher zum
bette / und finge also an mit ihm zu reden. Die eigentliche ursach / darum ich
euch / Prinz Elieser! zubesuchen erkunet / ist diese /weil ich / da man mir eure
todschwachheit und lebensgefahr berichtet / nicht unterlassen können / eurer
seele diesen schuldigen dienst zu tun / und euch zu erklåren / welcher gestalt
ihr den Gott / der euch erschaffen / erkennen / und ihme die seele / so er euch
gegeben / wieder überreichen musset.
    Als sie nun merkete / dass er ihr fleissig zuhorete /fuhre sie also fort zu
reden: Ihr Cananiter stecket in einem tieffen irrtum / dass ihr euch so viele
götter einbildet / und auch das onmächtige holz / stein und kalk anbetet;
Hingegen den lebendigen Gott verlasset / der allein geehret sein will. Es lehret
euch ja die Natur /dass alles / was in der welt ist / nicht von sich selbst
entstanden / sondern von etwas seinen anfang haben musse. Dieses nun / von deme
alles seinen anfang hat / muss ja ein so mächtiges wesen sein / das aus sich
selbst bestehet / und von keinem anfang weis: und dasselbe muss allein angebetet
werden. Dieses wesen und den einigen Gott / ruffet mit mir an / dass er euch
erleuchten wolle: damit ihr ihn erkennet / und euch von den geschöpfen zu den
schopfer wendet / der eure seele euch gegeben / und nach eurem tode dieselbige
wieder zu sich abfordern wird. Dieser Gott hat / im anfang der zeit / etliche
seiner erschaffenen geister /wegen ihrer hoffart / von seinen angesicht
verstossen: welche hernach die menschen von der erkentnis ihres schöpfers
abgefuret / sich folgends selbst für gotter ausgegeben / und die blinde menschen
dahin verleitet / auch ihre eigene verstorbene freunde als gotter zu ehren.
Diese finsternis ward uber sie verhänget / weil sie von dem wahren lichte waren
abgewichen. In diesen irrtum stecken nun die meiste menschen / und sind derer
gar wenig mehr / die noch von dem rechten Gott eine reine erkentnis haben. Doch
hat seine grosse güte noch allemal etliche glåubige ubrig behalten / die seines
namens gedåchtnis auf dem erdboden erhalten. Durch Hebers nachkomen aus Chaldea
/ ist dieser rechte glaube in unser land fortgepflanzet worden: und kommen die
Konige zu Salem von den Sem her /der des reinen wahren Gottesdienstes gepflogen.
Wir haben den berümten Fursten von Heber / dem Abraham / viel zu danken / dass
wir noch vor euch Canaanitern in diesem lichte leben / und dass fast das ganze
Philister land auch diesen wahren Gott erkennet. Dieser ist es / der eure seele
zu sich in das paradeis der heiligen füren wird / wann ihr ihn erkennet / und
ihn /wie er es dann ist / für euren schöpfer achtet und anbetet.
    Indem Coelidiane also redete / ward des Eliesers herz dermassen gerüret /
dass er einen freuden-eiver in sich fühlete / diesen wahren Gott recht zu
erkennen. Wie er nun alles wohl betrachtet / schrye er laut auf /bei dieser
seiner schwachheit: O Gott der Prinzessin von Gerar! lass dich auch von mir
erkennen. O du einiger Gott! leite / füre und rure mein herz / dass ich dich
finden möge. Diese worte erfreueten die Coelidiane dermassen / dass ihr die
tränen über die wangen herab schossen. Sie fuhre aber fort / ihme alles weiter
zuerklåren / und ihn vornemlich auf den trost von dem verheisenen weibessamen zu
füren: dass nämlich ihme / durch dessen kunftigen verdient / jetzo im glauben
alle seine schulden und mångel / deren kein mensch vor Gott ermangle / verziehen
wåren. Sie brachte ihn endlich so weit / dass er gänzlich zu dem waren licht
gelangete / und durch diese erleuchtung eine unbeschreibliche freudigkeit in
seinem herzen entfunde. Nun werde ich ruhig sterben / (sagte er hierauf) weil
meine seele eine so gute herberge zu erwarten hat: und wann mein tod nicht eine
person betrübete / die ich jederzeit innigst geliebt / und die mich vor
herzenleid nicht wird uberleben können / so wollte ich jezt uber den verzug des
todes klagen. Ich weiss /(antwortete Coelidiane /) wie ihr mit der Fürstin von
Seir stehet. Ich kann euch aber versichern / dass / wann sie den Gott / den ihr
nunmehr angenommen / auch wird erkennen / so kann euer tod / ob sie denselben
erleben müste / sie zwar betrubt / aber nicht verzagt machen: dann wir / in
allen trubsalen / innerlich also getrostet werden / dass uns alles mit unserem
Gott leicht ankommet; von welcher ruhe / die Gotzendienere nichtes wissen.
    Nachdem sie diss gespräche noch etwas erlängert /und die nacht schon zimlich
weit eingebrochen war /verliesse sie ihn / als sie ihm versprochen / den
folgenden abend wieder zu kommen / bei den Ephron /(dessen herz nicht weniger /
als des Eliesers / gerüret worden /) und begabe sich wieder nach ihrem gemach.
Daselbst dankete sie Gott auf den kniehen / für die gute verrichtung / und legte
sich darauf bei ihrer schwester / die bereits schlieffe / zu bette. Es hatte
aber / eben wie sie einschlaffen wollte / die Jaelinde einen schweren traum: von
dem sie erwachete / und in den armen ihrer schwester hulfe suchete. Coelidiane
fragte sie / was ihr anligen wåre? und bekame von der erschrockenen Prinzessin
zur antwort: Es habe ihr getråumet / wie der Prinz Cimber eine ihr-erkentliche
sehr schone weibsperson gefuret; und wie sie darnach gesehen / hätte sie ein
unbekanter mensch um den leib gefasset / und wåre mit ihr davon geflohen /
darüber sie in schrecken erwachet / und also aufgefahren. Coelidiane sagte ihr
hierauf: es kämen ihr gewiss solche tråume daher in den sinn / weil sie ståts an
den teutschen Fürsten gedåchte. Es wåre ihr aber zu rahten /dass sie doch ihre
begierden bässer zwingen lerne /und ihren unzeitigen gedanken nit also raum
gebe. Ach Coelidiane! (sprache hierauf Jaelinde /) ihr spuret an euch selber /
wie schwer es fället / an das / so man liebt / nicht zu gedenken / und bin ich
versichert /dass euch der Prinz Abimelech nicht weniger / als mir der Cimber / in
den gedanken schwebe. Wann ich schon zuweilen (antwortete Coelidiane) des
Prinzen der Philister mich erinnere / so geschicht solches mit bässeren fug /
als euer andenken an den Cimber. Abimelech hat mir nicht allein seine liebe
erwiesen / sondern es ist auch des Konigs wille / dass wir uns ehlichen sollen.
Dieses aber konnet ihr von den Cimber nicht sagen: der euch / dass er euch liebe
/ niemals bezeuget; mit dem ihr auch niemals im gespråche gewesen / als was ihr
euch selber verfuget. So hånget dann dieser törichten krankheit nicht ferner
nach / sondern lasset euch vielmehr die wahre vernunft auf einen båssern weg
leiten. Hiemit schlieffe Coelidiane zu: Jaelinde aber liesse ihren gedanken den
freien lauf /und stellete sich ihren Cimber für / wie sie ihn ehmals zu Jebus
gesehen; daher sie / bis gegen den morgen /schlaflos verbliebe.
    Hatte aber diese gute Prinzessin dieserwegen eine unruhige nacht / so ware
des Königes Beor / des Prinzen Hemor / der Ahalibama und Aramena schlaffenszeit
nicht viel ruhiger. Dann der König verlangte mit schmerzen seines mitbulers tod
zu vernemen. Der verliebte Hemor wollte / durch die heurat / seiner Aramena
gelübde ungultig machen. Ahalibama beweinete ihren Elieser / und Aramena ihre
verlorne freiheit.
    Als aber der tag wieder herfur gebrochen / wurde beiden Königen zugleich
angemeldet / wiedass gesandten an sie angekommen wåren: nämlich der Fürst Sobal
von Seir in person / an den Beor / und der Furst Arsas von Cale / der Konigin
von Ninive Oberkåmmerer / an den Melchisedech abgeordnet. Beor bestürzete nicht
wenig über dieser zeitung / weil er nicht erraten kunte / was des Sobals ankunft
bedeuten mochte: der des Eliesers mutterbruder / und nächst dem Ana der
måchtigste Furst auf dem gebirge Seir war. Melchisedech täte die verordnung /
dass der Furst von Seir / so wohl als der von Ninive / in pråchtige lustäuser /
die nahe um das schloss waren / eingeleget wurden. Auf begehren des Beors und
Hemors /wurde niemand / als das frauenzimmer / zu ihren Prinzessinnen
eingelassen: dann ihre sorge viel zugross war / nochmals ihre liebsten zu
verlieren. Es kame auch der Sobal dem Beor verdåchtig für / und Hemor befahrete
sich / die Konigin Delbois von Ninive würde etwan seiner Aramenen wollen
behulflich sein / ihr in der Diana tempel zuverhelfen: deswegen tät er fursorge
/ dass keiner von den Niniviten sie sehen noch sprechen sollte. Der Fürst Beri
wurde dem Sobal entgegen gesandt / ihn zu entfangen; und des Konigs Melchisedech
Oberkåmmerer der Jarah / verrichtete dieses bei dem Arsas. Tahas aber und
Tebah vergassen nicht / den Konig zu erinneren / dass er in des Sobals gegenwart
richtig machen sollte / was sie wegen Aramenen / die wiedereroberung des
Konigreichs Syrien betreffend / zu Tanac beschlossen hatten: das dann dem Ezer
/ als vorigen Seirischen gesandten / noch nicht war entdecket worden / weil man
darüber / wie dieses schwere wesen einzurichten /noch nicht geheimen raht
gehalten hatte.
    Es fugete sich aber alles selber / nach ihrem wunsch und verlangen. Der
Fürst Sobal / wie er selbigen nachmittag bei dem König von Sichem gehör erlanget
/ brachte demselbigen fur / was massen die Fürsten von Seir / seine brüder / in
einen schweren streit mit Esau dem Fursten von Edom gerahten wären: der / wie es
schiene / auch die Assyrische macht auf seine seite ziehen dorfte. Sie hätten
deswegen eiligen beistand und schutz von dem Konig in Canaan / als ihrem alten
bundsverwandten / begehren wollen: nicht zweifelend / S. Maj. wurde ihnen gern
beistehen. Diss vertrauen schopften sie um so viel mehr / weil der König Beor
ohne das / in der liebe zur Ahalibama / erwiese / dass er dem hause Seir gewogen
wåre: welche heurat sie hiemit bewilligten / wofern der König sie mit volk und
geld zu diesem krieg versehen wollte. Die freude des Koniges von Canaan /über
diesem anbringen / ware so übermåsig gross /dass er gleich / und sonder mit seinen
råhten sich deswegen zu unterreden / alle seine macht ihnen anbote. Und ob wohl
nachgehends / im geheimen raht / diese sache sowol / als des Hemors fürhaben auf
Syrien /reifer überleget wurde / auch der Elon und Beri / die beide des Esau
Furstens von Edom schwiegervätter waren / dem Konig abrieten / seine macht nicht
aus dem lande zu geben / da sie ihm selber nützen konten / wann er den krieg in
Syrien fur seines sohnes braut anheben wollte: so vermochte doch soches
widerreden nichtes / und ward beschlossen / die sache auf diesem wege / den das
gluck selber wiese / anzugreifen.
    Der Schluss ware / die Fürsten von Seir sollten mit einem ansehnlichen stucke
gelds und sechzig tausend mann zu fus / auch zwanzig tausend streitwägen /
versehen / darbei noch ein grosses kriegsheer geworben /und mit demselben der
Prinz Hemor in Syrien gesendet werden. Es wurden auch Elon und Aner / welcher
letzere des Prinzen Hemors stattalter über seine ämter war / ernennet / in
geheim nach Hierapolis zu reisen / und den Syrischen Fürsten / die alda ihre
versamlungen hielten / ihrer Erbprinzessin wiederfindung anzukündigen / und
daneben / wegen ihrer verheuratung mit dem Hemor / ihme diesen Prinzen zum Konig
furzuschlagen. Tebah / der mit im geheimen raht gesessen / versprache / nach
vollzogener heurat des Prinzens mit Aramena / auch an seinem orte nicht zu
feiern / sondern dahin sich zu bemuhen / wie er die Syrer von dem Babylonischen
joch abwendig machen moge.
    Also wurde folgenden tags dem fürsten Sobal die gewurige antwort beståtiget
/ dass man nåmlich den Fürsten von Seir beispringen wollte. Es ward hierbei auch
das beilager des Konigs mit der Ahalibama / und des Hemors mit der Aramena /
uber vierzehn tage angesetzet: inzwischen sie sich / nach gebrauch der Cananiter
/ innenhalten / und mit balsamiren / auch anderem gewonlichen ausschmucken /
diese zeit zubringen mussten. Ware nun der Konig hieruber vergnugt /so ware der
Furst Sobal nicht weniger zufrieden / als er die dem hause Seir so vorteilige
furschlåge vername / dass nämlich der Ahalibama kinder dermaleins die anwart zur
Canaanitischen Krone haben sollten /wiewol man ihm die ursach nicht gesagt /
warum Hemor sich seines rechtes an Canaan begeben wollte: weil Aramenen geburt
nicht eher sollte offenbar werden / bis man in Syrien mit den Fürsten eins worden
/und der krieg angegangen wäre. Weil Sobal sich entschlosse / mitlerweile zu
Salem zu verbleiben / und dem hochzeitfest beizuwohnen: als sandte er den Ezer
eiligst wieder nach Seir / dem Ana und den anderen Fürsten die Entschliessung
des Beors anzukündigen. Im ubrigen triebe er gar eifrig an / dass eiligst in
Canaan die werbungen angestellet würden / weil / wie er sagte / beim verzug
gefahr wäre.
    Der abgesandte von der Konigin zu Ninive / truge nun auch / am andern morgen
nach seiner ankunft /dem Melchisedech sein anbringen fur: welches nicht /wie das
vorige / von kriegerischen dingen handelte /sondern einen gottseeligen und
geistlichen zweck hatte. Dann diese gottliebende Konigin täte / durch den Arsas
/ dem König von Salem heimlich zuwissen / dass sie noch beständig in ihrem
angenommenen glauben verharre: wiewol sie noch nicht fur den leuten sich kunt
geben dorfte. Hiernächst bate dieser Ninivite / im namen seiner Königin / um ein
buch / Jezirah genannt / so der Furst Abraham geschrieben / und dem vorigen
Konig Melchisedech gegeben hatte /welches von vielen hohen und geheimen dingen
handelte: von demselben håtte seine Konigin gehöret /und wåre verlangig /
inzwischen sie sich zu Damasco aufhalten wurde / selbiges zu durchlesen.
    Melchisedech vername dieses anbringen mit grosser vergnügung / weil er die
Königin in seinem herzen gar hoch verehrete / und bote dem Arsas alles an /was
in seinem vermogen sein wurde / diese unvergleichliche Konigin damit zu
vergnügen. Er sagte ihm darbei / wiedass des Abrahams schrift wohl wurdig wäre /
fur so hohe erleuchtete augen zukommen; und wurde die Konigin noch viele
klarheit aus demselben schopfen konnen. Nåchst dem fragte er ihn / um der
Konigin zustand / und um ihre regirung: mit bezeugung / wie er von herzen
wünsche / dieselbe einmal in person zu kennen / von der ihme das geruchte so
viele wunderdinge gemeldet. Meine Königin (antwortete der Fürst Arsas) tråget
ebenfals eine sonderbare begierde / den Konig von Salem / und den Fursten von
Heber den Isaac / zu sehen. Sie hat zwar / hierzu zu gelangen / jetzund etwas
hoffnung / da sie in der nähe zu Damasco / dahin ihr herr vatter der Konig von
Assyrien sie beschieden / etwas verharren wird / und dörfte sie noch wohl diesen
sommer das land Canaan besuchen. Gott lasse mich (sagte der Konig) diese
gluckseligkeit erleben / über welche ich keine in der welt zu begehren wüste.
Ihre regirung belangend / (ersetzte der Arsas) so schåtzen wir Niniviter uns
überseelig / von einer solchen Konigin beherrschet zu werden: massen
gerechtigkeit und güte alle ihre verrichtungen begleiten / und ihre zarte jugend
leuchtet von so unvergleichlichem verstand / dass keine ihres geschlechtes mit
ihr zu vergleichen stehet. Gott hat euer land sonderlich lieb / (sagte der Konig
von Salem) dass er euch einen solchen schatz gegeben. Es wird aber der Konigin
Delbois nötig sein / diesen ihren erleuchteten verstand wohl zu gebrauchen in der
sache /da ihr / durch die angemutete heurat mit ihrem bruder / jezt
beschwerlichkeit verursachet wird. Wie dann /wohl zu keinem andern ende / der
Konig ihr herr vatter sie nach Damasco kommen lassen / als diese unbillige
heurat zu vollziehen. Eben diese sorge hat sie auch: (antwortete der Furst Arsas
/) doch trostet sie sich ihres bruders standhaftigkeit / als deme selber / wegen
des rechten glaubens / den er auch heimlich angenommen / diese heurat zuwider
ist. So sind auch die Ninivitische stände sehr dagegen / die ihr åuserstes
werden anwenden / solches zu verhintern. Mich nimt wunder / (sagte Melchisedech
/) dass die Konigin sich dazu entschlossen / ihr reich zu verlassen: da sie in
Ninive mehr håtte zu sagen gehabt / als in Damasco /und in ihrem eigenen reiche
mächtiger wurde gewesen sein / dem Bel Ochus sich zu widersetzen / als in Syrien
/ da ich nicht absehen kann / wie sie es wird anschlagen konnen. Es seind
unterschiedene dringende ursachen gewesen / (gabe Arsas zur antwort /) die die
Konigin aus ihren reiche getrieben: unter denen diese nicht die geringste ist /
dass sie den Ninivitischen Fürsten damit ihr ehrsüchtiges beginnen abschneiden
wollen / welche / durch erlangung ihrer person / zu ihrer Krone zu gelangen / in
die wette sterben.
    Nachdem der Konig von Salem noch ein und anders mit ihme von dieser
unvergleichlichen Konigin geredet / brachte der Furst Arsas folgends sein
eigenes gewerbe an / wie nämlich feine gemalin eine erbschaft zu Kiriat Sepher
zu forderen håtte / dazu er den König um hülflichen beistand ersuchete: welches
er ihm ganz willig verhiesse. Endlich bate Arsas auch noch um dieses / dass er
dörfte überhoben bleiben /den Konig von Canaan anzusprechen: weil der seiner
Konigin vatters schwester so unbillig beschimpfet. Melchisedech versprache /
auch dieses vor ihn zu vermitteln; und bezeugete daneben sein misfallen über
dieses Konigs unrechtmäsiger liebe zu der Ahalibama. Er beklagte / dass sein haus
zu vollziehung dieser heurat dienen musste / und fürte zugleich an die ursach /
warum der Beor Salem hierzu erwehlet: welche war /dass er der Canaaniter aufstand
befahrete / die der Konigin Atis noch sehr gewogen waren; und weil er zu deme
erfahren / dass sein bruder der König von Kiriat Arba einen anschlag auf die
Ahalibama gehabt /sie zu entfüren. Diese sorgen und gefahr ihme zu benemen /
håtte er dieses sein schloss / das zwar ohnedas unter sein des Beors gebiete
gehoret / zu solchem beilager erwehlet.
    Als hierauf der Fürst Arsas seinen abtritt wieder vom König nemen wollte /
mit vermelden / wiedass er den beiden Prinzessinnen von Gerar einen grus
anzubringen hätte / wollte der Konig ihn selber nach der Coelidiane zimmer
begleiten: die / neben ihrer schwester / den Fursten von Cale auf das höflichste
entfinge / und musste er in seinem herzen gestehen / dass er /nächst seiner
Konigin / nie was schöners als Coelidiane gesehen. Melchisedech / der wohl
merkete / dass Arsas seine nifte mit verwunderung ansah / fragte ihn / ob er
nicht eine gleichheit / zwischen seiner Königin und der Coelidiane / finden
konnte? Worauf Arsas den Konig versicherte / dass er nie grossere gleichheit
gefunden. Aber Coelidiane bestritte solches gar hoflich / sagende: Er wurde der
schonen Königin Delbois das hochste unrecht antun / wann er sie mit ihr
vergleichen wollte; sie begehre auch hierinn den vorzug der Konigin von Ninive
nicht zu bestreiten /und wunsche allein / in ihrer unvergleichlichen tugend und
liebe zu Gott / ihr ånlich zu werden. Arsas beantwortete dieses / wie es sich
gebürte / und schiede so vergnugt für dissmal von ihnen / als zufrieden er den
Konig und die Prinzessinnen / wegen seiner guten geschicklichkeiten /
hinterliesse. Sie bezeugten aber ihr verlangen / seine gemalin zu kennen: von
welcher er versprache / dass sie folgenden tags kommen sollte /ihnen aufzuwarten.
    Sobald Coelidiane und Jaelinde wieder allein waren / begaben sie sich nach
ihren wehrten gåsten /von denen sie kaum einen augenblick mehr sein kunten. Und
weil Coelidiane den vorigen abend / da sie nochmals beim Elieser heimlich
gewesen / wohl gespüret hatte / wiedass er es nicht lang mehr treiben wurde: als
wollte sie allgemach / der Ahalibama / die todesgefahr ihres geliebten Fursten
anbringen. Weil sie nun dieselbige ganz allein mit der Aramena funde / als hube
sie an von der flüchtigkeit des menschlichen lebens zu reden: darbei einfurend /
wie ein wunderlich ding es wåre / dass / ungeachtet das sterben so gemein /
dennoch du tod eines freundes einem jeden so unvermutlich vorkäme / als wäre es
etwas sonderliches /das sich nicht tåglich begåbe. Ahalibama erriete bald aus
diesen reden / es werde damit auf ihren Elieser gezielet: hube derhalben
plotzlich an / ihn als todt zu beklagen und zu beweinen. Coelidiane aber
versicherte sie mit vielen beteurungen / dass er nicht todt wåre: doch wollte sie
ihr dabei nicht verheelen / wiedass er in einem schlechten zustand sich befinde /
und / wo Gott nicht sonderlich hülfe / schwerlich davon kommen wurde. Dieser
bericht rurte der Ahalibama das herz nicht weniger / als håtte sie bereits
seinen tod erfahren. Sie wünschete in dieser noht mehrers nicht / als dass sie
ihn nur noch einmal sehen dörfte. Der schmerz name ihr gemute dermassen ein /
dass sie in Aramenen armen niedersunke: die der Astale gleich rieffe / und mit
deren hulfe sie auf ihr bette brachte. Nachdem sie alda wieder zu sich selber
gekommen /winselte sie ohne unterlass über den Elieser / und verlangte allein /
ihm noch die lezte gute nacht zu sagen. Coelidiane wurde hierdurch so weichmütig
/ dass sie ihr versprache / sie den abend zu ihm zu bringen. Nachdem sie hierauf
/ um sie ein wenig ruhen zu lassen / von ihr in der Aramena gemach gegangen
/wollte sie / um dieser Prinzessin die zeit zu vertreiben / sie in den
schlossgarten fuhren. Weil aber vor ihren gemächern die wacht sich befunde / die
zwar zu ihrer bedienung dazusein furgabe / in der tat aber / fleissige acht auf
sie zuhalten / dahin gesetzet war: als mochte Aramena hierum / bei dem Hemor /
auch kein erlaubnis bitten lassen / zumaln sie ohnedas sich so wohl auf nicht
befande / der gartenluft geniessen zu dorfen.
    Wie sie demnach die zeit mit allerhand gespräch kurzeten / kamen sie unter
andern auf den Ophirischen und Bactrianischen krieg; da Coelidiane fragte: Ob
man in Syrien nichtes gewust von dem frieden /den der Konig von Assyrien mit den
Bactrianern machen wollte? Bei dieser frage errötete sie / dass Aramena solches
warname / und daher scherzweis sagte: Es müste / die schone Prinzessin von Gerar
/ gewiss ihr anteil mit in diesem krieg haben. Jaelinde bekråftigte solches mit
ihrem lachen / und mit dieser antwort: Coelidiane håtte freilich jemand in
diesem kriege / der ihr also die rote abjagete. Diese schone Prinzessin wandte
dargegen ein: wiedass sie / roht zu werden / eben keine ursach wusste / weil
sonsten die rote von einer sache / die man wollte geheim halten / herrüre. Nun
wåre aber ja das gespråche von ihr und dem Prinzen der Philister fast weltgemein
/ also dass sie sich dafur nicht mehr entfårben dörfte. Doch gestunde sie /
wiedass / indem sie nach diesem kriege / darin ihr auser diesen Prinzen niemand
/ dem sie gewogen /bekant wåre / gefraget / weiss nicht warum / ihr diese rote
ausgetreten wåre. Ich habe in Syrien nicht anderst gehoret / (sagte Aramena) als
dass der friede schon geschlossen sei: und hat / dieser weltberümte Prinz der
Philister / seinen tapfern namen in diesem kriege so bekant gemacht / dass der
König von Assyrien ihme allein das ganze land der Bactrianer zu danken hat.
    Ich bin ihme (antwortete Coelidiane) nicht weniger danksagung schuldig / dass
er mir meine jetzige freiheit wieder gegeben hat. Ich horete gestern (täte
Aramena hinzu) von hiesigen leuten sagen / dass meine Prinzessin erst vor wenig
zeit hier wieder angekommen / und bisher in Bactra gewesen wäre. Weil mir aber
die umstånde nicht wissend / möchte ich die wohl von der schönen Coelidiane
selber erzählen horen. Es ist deme also / (antwortete Coelidiane) und bin ich
erst vor einem monat mit grosser gefahr wieder angekommen. Wann meiner
Prinzessin hiervon die umstände zu wissen beliebet / will ich gerne hieriñ
gehorsamen / und solche erzählen. Wann ich meiner Prinzessin (sagte Aramena
hingegen) diese bemühung machen darf / so möchte ich wohl auch so glücklich sein
/ihren ganzen lebenslauf zu wissen: weil ich versichert bin / dass wir unsere
zeit nicht båsser anwenden konnen. Ich bin in allem schuldig / (sagte
Coelidiane) meiner Prinzessin gefållig zu leben. Hierauf bedachte sie sich ein
wenig / und finge endlich an / die Aramena mit dieser erzehlung zu vergnugen.
 
                         Die geschicht der Coelidiane.
Damit ich alles / was ich zu berichten habe / deutlich moge fürbringen / muss ich
erstlich sagen / was sich vor unserer zeit begeben / und aus was ursachen meine
schwester und ich alhier sind erzogen worden. Unser herr vatter der Fürst
Ahusat von Caphtor / des Konigs der Philister herrbruder / verheuratete sich
mit der Saradine / des Konigs von Salem schwester / und zwar eben um die zeit /
als die fromden völker / die Teutschen / unter dem Konig Marsius / gleich einer
Wasserflut / in Asien kamen: da / wie aller welt bekant / die Philister mit
ihnen in einen bund traten /und / durch meinen herr vatter / dem Konig von Babel
ganz Syrien abnamen / und seinem rechten herrn /dem unvergleichlichen Aramenes /
wieder zustelleten. Meine fraumutter hielte sich / in wärendem diesem krieg / zu
Byblis in Syrien auf: alda sie bei einem wegen der sternkunst berümten Chaldeer
/ der sich daselbst niedergelassen / wohnete / und nach etlicher zeit die
ungluckliche post bekame / wiedass ihr gemal von den Assyriern gefangen worden.
Hierüber geriete sie / als billig / in grosse traurigkeit: allermeist / wie ihr
das gerüchte offenbarete / wiedass der Ahusat auf keine andere weise seine
freiheit wieder sollte erlangen / als wann der Konig sein bruder Syrien verlassen
wurde.
    Besagter Chaldeer aber trostete sie zum båsten /und sagte ihr alles zuvor /
wie es ergehen: dass nåmlich der Ahusat wieder los kommen / Syrien aber dadurch
verloren gehen wurde. Er sezte ferner hinzu /wiedass Saradine zwei tochter wurde
gebåren / deren unglucklicher lebenslauf ersetzen sollte / was Ahusat jezt
Syrien für schaden zufugete. Doch / wo ihn seine wissenschaft nicht betriege /
so konnte es nicht anderst sein / als dass eine seiner tochter endlich Syrische
Konigin werden würde. Diese profezeiung beachtete meine fraumutter desto mehr /
weil sonst alles eintraffe / was dieser Chaldeer bis zu unser beider geburt
geweissaget. Dann / ihr gemal kame wieder los / Syrien ginge daruber verloren;
und wie sie nachdem in der Philister land wieder angekommen / wurde sie zweimal
schwanger / und gebare erstlich mich / und ein jahr hernach die Jaelinde. Also
wurde bei ihr die furcht sehr gross / diese zwei tochtere wurden / des Chaldeers
aussage nach / viel unglucks in der welt erleben mussen. Deswegen / als sie
sterben wollte / bate sie ihren gemal / uns beide / nach ihren tod / zu ihrem
bruder dem König Melchisedech zu senden / dass wir bei deme mochten erzogen
werden: weil sie verhoffte /seine Gottesfurcht / und gute weise / kinder zu
erziehen / würde uns in unserem angedrohetem unglucke zum bästen komen.
    Dieses ihr begehren erfüllte nachmals unser herr vatter / und kamen wir also
hieher ins Königreich Salem / wie ich das fünfte / und Jaelinde kaum das vierte
jahr erreichet hatte. Der König liebte uns / als seine eigene kinder / und
liesse nichts an guter zucht ermangelen. Es ware auch zur selbigen zeit / wie
jetzo zu Kiriat Sepher / eine hohe schule zu Salem / (welche die haubtstadt des
reiches ist / vier und zwånzig meilen von hier gelegen / und ist dieses schloss
nach jener stadt genennet /) alda / fast von allen orten her /die vorneme herren
ihre kinder auferziehen liessen. Unter diesen waren / Hiarbas der Prinz aus
Egypten /Bileam der Prinz von Hemath / Aran ein Furst von Seir: und diese waren
die ersten / so auch zum längsten in Salem sich aufhielten. Hiarbas ware / wegen
seiner sonderbaren geschicklichkeit und grossen tugend / bei jederman sehr
beliebet: hingegen die beide andere / wegen ihres lasterhaften gemütes / sehr
verhasset. Woraus dann abzunemen / dass nicht allemal die gute zucht glücklich
wirke / wann ihr die natur nicht zu hülf kommet.
    Es fügte sich aber / zu meinem ungluck / dass der Prinz von Hemath bald
anfangs eine zuneigung gegen mir gefasset / gleich wie ich hingegen einen
sonderbaren hass wider ihn bei mir entfunde: und name dieses an beiden teilen
also zu / dass jederman leichtlich vermerkete / wie wir gegeneinander gesinnt
wåren. Der Konig selber merkte solches / der diesem Prinzen /wegen seiner üblen
natur / gleichfals nicht hold ware: dass also / in dieser liebe / vor ihn wenig
hoffnung erschiene / indem ich / sowol als alle die meinigen /ihme nie kein
gutes auge verliehen. Er liesse sich aber solches nicht abschrecken: wie er dann
/ in allem seinem tun / unerträglich kühn ware.
    Inzwischen kame der Prinz Abimelech an unsern hof / den sein herr vatter von
Babel wieder abfordern lassen: alda er von jugend auf erzogen worden / und zu
geisel gedienet hatte / dass der Philister Konig sich nicht wieder in einen krieg
wider den Bel Ochus einmischen sollte. Er musste / auf befehl seines herr vattern
/ eine weile bei uns verbleiben / um den rechten Gottesdienst wieder volkomlich
zu erlernen / dessen ihn die Babylonische gebråuche etwas vergessen gemacht.
Dieser nun / machte sich / durch seinen hohen verstand / gute geschicklichkeit
und edles gemute / alsobald beliebt / und waren wir allerseits fro / einen so
wackern vettern bei uns zu haben. In allen ritterspielen und männlichen übungen
/ erwiese er sich also /dass er seines gleichen bei uns nicht funde: wiewol der
Prinz Hiarbas / in etlichen dingen ihm nicht ungleich ware. Er war daneben eines
so reifen urteiles / dass ihn der Konig / wie er recht sein gemüt erforschet / in
den wichtigsten händeln mit zu raht zoge / und bei erkennung seiner so
vollkommenen natur ihn dermassen liebgewann / dass er in allen briefen / die er
mit dem Konig der Philister wechselte / diesen seinen sohn nicht gnug erheben
und preisen konnte.
    Dem Konig Abimelech gefiele dieses lob des Prinzen sehr wohl / und schriebe
er an den Melchisedech hinwieder / dass er nichtes hoher wünsche / als seinen
sohn künftig mit einer von seinen des Melchisedech basen verheiratet zu sehen.
Weil mein herr vatter solches auch sehr verlangete / als liesse er mit freuden
zu / dass wir viel miteinander umgingen / und gabe ihm selbst alle gelegenheit an
die hand / meine gegenwart zu haben: insonderheit / da er merkete / dass er mehr
bei mir / als bei meiner schwester / kundschaft suchete. Seine angeborne
ehrerbietung gegen das frauenzimmer / machte ihn anfangs ganz stumm / dass er mir
seine liebe nicht entdecken dorfte: von der er doch /wie mein herr vatter genug
mutmassen konnte / an den Konig seinen herr vatter bald musste geschrieben haben /
weil derselbe in allen briefen davon gedachte /und nun auch absonderlich auf
mich wehlete / dass er mich gern einmal zu einer schwiegertochter haben wollte /
weil ihme mein gemut wäre gerümet worden; welches rümen wir von niemand anders /
als von dem Prinzen Abimelech / geschehen zu sein / schliessen kunten.
    Auf solche weise lebten wir ein zeitlang / da uns die gesellschaft des
Prinzen der Philister die angenemste von der welt war. Er hatte seiner liebe
sich noch gar nichtes merken lassen: als ich ihn eines tags im garten gar
tiefsinnig allein sitzen fand. Er hatte einen zedel fur sich ligen / auf
welchen er mit dem griffel etwas schriebe. Weil ich nun gewohnt war /frei mit
ihm umzugehen / als beschliche ich ihn / und kam von hinten hinzu / ihm den
zedel aus der hand nemend. Er erschrack uber alle massen / ward auch ganz
errotet / wie er seine arbeit in meinen händen sah / und entschuldigte sich /
dass diese zeilen viel zu unwurdig wåren / vor meine augen zu kommen: mich sehr
bittend / sie ihme ungelesen wieder zu geben. Ich aber / dadurch noch begieriger
gemacht / lase / und fand diese worte:
O himlisch bild / du zierde dieser erden!
jezt da ich dich nicht seh / kann es mir leichter werden /
ohn deinen hellen glanz / dich bässer zu betrachten.
Er hat bei dir geblendet mein gesicht /
dass ich / dich sehend / sah nicht /
wie hoch du bist zu achten.
Die himmelsschön / die alle länder ehren;
der schwarzen augen licht / die lieb und furcht gehären;
der stirne schnee-gewolb; die rosen helle wangen;
des munds rubin; die konigliche brust;
das silber-haar / der winde lust /
an dir ich sehe prangen.
Der hohe geist / der diesen bau regiret /
ist von der weissheit selbst und tugend ausgezieret:
dass auch der klügste muss vor ihm verehrend schweigen.
Ich sehe schon / wie du dich machst bekant /
wie seelig sich schäzt dieses land /
das soll dein Zepter beugen.
Ich weiss / es wird die welt mit mir gestehen /
wann sie / was ich von dir jezt schreibe / sollte sehen /
dass wir - - -
    Hier hatte er wollen fortschreiben / wann er von mir nicht wåre verstöret
worden. Wie ich nun hieraus / wegen der schwarzen augen und des weissen haares /
ersehen / dass er mich gemeinet / ob er wohl sonst allzuviel zu meinem vorteil
geredet hatte / bliebe ich etwas beschämt / und sagte: Ich müste gestehen / dass
er die person sehr erhoben / von der ihme diese reimen zu machen beliebet. Nicht
so hoch / (antwortete er mir /) mag diese himlische person von einen sterblichen
erhaben werden / dass es nicht noch viel zu wenig wäre: dann ihre würde
erstrecket sich so gar über alle beredsamkeit / dass sie keine zunge oder feder
gnug aussprechen kann. Mein vetter ist gar zu gut auf der seite / die er
anzunemen erwehlet hat / (gab ich zur antwort) und mochte vieleicht nicht alle
welt ein so vorteilhaftes urteil / als er / davon fållen.
    Als er mir hierauf antworten wollte / kam der Konig darzu / und fragte / was
wir miteinander spracheten? Ich zeigete ihm gleich Abimelechs reimen. Er / als
er sie gelesen / lachete / und sagte: Abimelech müste seine arbeit zum ende
machen. Wie nun der Prinz solches noch etwas in bedenken zoge / weil er
vieleicht mich mit seiner gar zu öffentlichen bekentnus zubeleidigen furchtete /
name Melchisedech ihme den griffel aus der hand / und setzete selbst diesen vers
hinzu:
Dass wir / mit diesem lob / Coelidiane meinen.
Er machte den Prinzen / als er ihm den reim gezeiget /ganz errotet / also dass er
fast keine gebärde zu fassen wusste. Diss gefiele dem Konig nicht ubel / und sagte
er zu ihm: Ihr dürfet / mein sohn! eure gedanken so gar nicht verhelen / weil
wir solche gut heissen; und ist mir von herzen lieb / dass ich euren und eures
herr vatters sinn dem meinigen so änlich finde. Und ihr /liebste tochter! (sagte
er ferner / sich zu mir wendend /) werdet diesem Prinzen also begegnen / wie
seine verdienste und euer Glück es begehren.
    Ich ward über diesen worten ja so beschåmet / als Abimelech. Weil sich aber
der Konig sonderlich mit uns erlustigen wollte / hiesse er ihn vollends diesen
satz ausdichten / das er dann also verrichtete:
Dann sie ist ja der höchsten schönheit preis:
die wahre tugend gleicher weis
aus ihr wir sehen scheinen.
Nach verfärtigung dieser reimen stellte er das gedichte dem König wieder zu: der
es mir gabe / und zugleich befahle / mit einem par zeilen darauf zu antworten.
Ich / die ich seinem befehl jederzeit gehorsamet / verrichtete solches in
folgendem satze:
Ob sonst / dein scharfer sinn / kann alles völlig kennen:
so schleust du doch von mir / viel anderst / als es ist.
Wie komt das? soll man dich drum unverständig nennen?
O nein! die ursach war / dass du so höflich bist.
Diese kurze antwort gefiele dem König sehr wohl / und Abimelech rumete sie über
die massen: wiewol er nicht gestehen wollte / dass er in seinen versen was
unrechtes geurteilet. Melchisedech begehrte hierauf / wir sollten uns stäts also
zusammen üben / und ihme alsdann die erfundene gedichte sehen lassen: welches
wir nach der zeit fleissig in acht namen. Unsere freundschaft wuchse also von
tag zu tag / also dass wir so verträulich / als schwester und brüder leben mögen
/miteinander umgingen. Meiner schwester erzeigte er auch grosse freundschaft:
dennoch konnte ich / vor ihr /in allen dingen bei ihm einen vorzug spuren. Wir
gewoneten also beisammen zusein / dass fast nie eines ohne das andere gefunden
wurde.
    Weil nun diese unsere keusche liebe nicht mehr heimlich war / sondern
hof-kündig wurde / als war der Prinz von Hemath / der eine weile von uns gewesen
/und bei seinem herr vatter sich aufgehalten hatte /auch nicht der lezte von
denen / die es erfuhren / und geriete deshalben in eine grosse eiversucht gegen
den Abimelech. Weil bei ihme der hochmut so heftig als die liebe war / gedachte
er keines wegs dem Prinzen der Philister zu weichen. Es konnte ihm auch der
Zutritt bei hof nicht verwehret werden / weil er von einem vornemen haus war.
Also hatte er freiheit genug / vielfältig um mich zu sein / und mich mit seiner
verdieslichen liebe zu plagen: die mir nun noch viel widriger wurde / als ich
den unterscheid zwischen beiden Prinzen sah / und wie so gar ungleich sie mit
mir lebeten. Dann Abimelech / dessen liebe von mir und ganz Salem gebilliget
wurde / ging so ehrerbietig mit mir um / dass ich fast nie das wort Liebe aus
seinen mund horete: da er mich doch sonst mit den angenemsten gespråchen
unterhielte / und in allen seinen handlungen seine liebe sehen lies.
    Es rürete zwar dieses / dass er in seinen reden so behutsam war / grossen
teils daher / weil ich mich oft gegen ihm über die unbescheidenheit Bileams
beklagte: das er dann so wohl zu ohren fassete / dass er sich tåglich bässer in
acht name / mich nicht auf solche weise zu beleidigen. Mir gefiele auch seine
verhältnis / dass er mich also furchtete / so überwol / dass ich ihm hierdurch
immer gewogener wurde: dann ich dorfte frei mit ihm umgehen / und wusste alle
seine gedanken / ob sie mir gleich sein mund so deutlich nicht sagete. Ich
dorfte also nicht horen / was mir der wolstand zu dulten nicht erlaubete: wiewol
es auch mit uns nicht viel zu bedeuten gehabt / indem es unsere eltern und
verwandten gut hiessen. Bileam hingegen war so frech / mir ohne unterlas mit
seinem leiden ein leiden zu machen / dass ich ihm oft sehr unhöflich begegnete:
in der hoffnung / er würde desto eher von mir ablassen. Es ware aber hiemit
nichtes geschaffet: er blieb bei seiner weise / sich und mich zu quälen. Und
hierzu suchete er noch mehr gelegenheit / als er meiner gunst gegen den
Abimelech inne worden: dem er auf allerhand weise hinterlich war / alleine bei
mir zu sein / also dass sie deswegen oft an einander geraten wären / wann ich es
nicht immer verhutet hätte.
    Sonderlich wåre es einsmals bald übel ausgeschlagen / als der Prinz der
Philister im schlossgarten sich bei mir befunde. Als wir einer nachtigall mit
sonderbarer vernugung zuhöreten / kame Bileam dazu / und wollte dem Abimelech /
wie er ihn so stille bei mir sitzen sah / einen honischen stich geben / ihn
schimpflich fragend: Ob man die gute geschicklichkeit eines jungen ritters daran
erkennen konnte / wann man dem frauenzimmer mit seinen stummen gedanken die zeit
vertriebe? Es wäre wohl mancher mehr damit gedienet /(antwortete Abimelech /)
wann der jenige / so sie mit ungeschickten gesprächen unterhalten wollte / still
schwiege / als dass er mit unnutzen geplär ihre zarte ohren beunruhigte. Wie mich
dann bedunkt / die Prinzessin Coelidiane wäre auch wohl zu frieden / wann wir
beide schwiegen / um ihr die vergnugung nicht zunemen / der nachtigall gesängen
zuzuhoren. Eines so liederlichen vogels stimme / (sagte Bileam hingegen /) wird
mich niemals einige gelegenheit versäumen machen / meine Prinzessin mit
gesprächen zu unterhalten. Lasset mich deswegen eure stelle vertretten / und
horet ihr anderswo ungehintert eurer nachtigalle zu / so lang ihr wollet. Wann
ich nicht (antwortete Abimelech / den diese reden beleidiget hatten /) der
Prinzessin Coelidiane aus gebürender ehrerbietung schonete / so wollte ich weisen
/ wie man so höfliche reden beantworten müsse. Wann ihr aber ein so erfahrner
hofmann seit / so sparet solche worte / bis wir allein sind / so sollen sie nach
gebür beantwortet werden. Im ubrigen seit versichert / dass ich meinen platz
keinem in der welt / am wenigsten aber dem Bileam von Hemath / uberlassen werde.
    Ich sah wohl / das dieses gespräch in die länge kein gut tun wurde / trate
deswegen dazwischen / und beschwerete mich hoch / das der Bileam meiner
gegenwart so wenig geschonet / und name den Abimelech bei der hand / sagende:
Lasst uns von diesem ungestumen hinweg gehen / und einen anderen ort suchen /da
wir der nachtigall gesang ungehintert zuhoren mogen! Diese worte verdrossen ihn
heftig: wir aber liessen ihn stehen. Doch befahrete ich mich / sie mochten
hieruber nachgehends an einander kommen /sagte es demnach gleich dem König: der
dann alsofort nach ihnen sandte / um ihrer personen versichert zu sein. Wir
erfuhren aber / dass sie schon aneinander gewesen / und der Bileam etliche wunden
entfangen hatte. Melchisedech verwiese ihnen beiderseits diesen handel gar hoch
/ insonderheit dem Bileam / als er Abimelechs entschuldigung vernommen. Ihn
besucheten nachgehends / weder der König / noch wir andere / als er etliche tage
der kammer hüten musste: um ihme zuzeigen / wie wir uns beleidigt / befånden.
Dieses verdrosse den hoffårtigen Prinzen dermassen / dass er /in den Assyrischen
krieg / den damals die Könige BelOchus und Marsius mit einander füreten / hinweg
zuziehen / ihm vorname: wiewol sich solches von einem monat zum andern
verschobe. Abimelech håtte diesem krieg auch gern beigewonet / zwar aus anderem
antrieb: wann er von seinem herrn vatter håtte erlaubnus bekommen konnen.
    Nach diesem begabe es sich / dass Abimelech mit dem Ahusat / der mit ihme
von jugend auf erzogen /und der nach meinem herr vattern genennet worden /auf
den berg Morija / alda die opfere zu geschehen pflagen / spaziren ginge / (wie
er oft zu tun gewonet war /) zweifelsohn / sich mit ihme von unserer liebe
zubesprechen. Sie waren kaum in das dicke gebüsche / das diesen berg umgiebet /
gekommen / da traffen sie etliche personen an / die sich wider eine grosse anzal
rauber wehreten / und so dapfer fochten / dass Abimelech straks eine zuneigung zu
diesem unbekanten frömden in ihm entfunde / und nebst dem Ahusat sich grosmutig
entschlosse / demselben beizuspringen. Selbige waren solcher hulfe eben zum
höchsten benötiget / weil der lange streit wider so ungleiche menge sie so
abgemattet / dass sie nicht mehr / ohne Abimelechs hulfe / hätten bestehen
konnen. Also wurden durch diese dapfere Prinzen / die rauber teils erlegee /
teils verjaget / und dadurch die frömden errettet: welche sie sehr verwundet mit
sich nach Salem namen.
    Selbige wurden von den Konig / weil sie hohe personen waren / sehr wohl
entfangen: dann es waren darunter zween teutsche Fursten / deren der fürnemste
sich Cimber / der andere Tubal nennte / beide dem Konig von Basan nahe verwandt;
und der dritte ware der Fürst Eliphas von Teman / der in seiner kindheit mit
dem Abimelech zu Ur erzogen worden / und also die alte kundschaft hier wieder
erneurete. Aller dreier ihre geschicklichkeit / machte ihnen den ganzen hof zu
freunde: und weil sie sehr verwundet / mussten sie eine gute zeit zu ihrer
wiedergenesung hinbringen. Abimelech und Cimber machten eine verträuliche
freundschaft mit einander: weil der letzere dem ersten / wegen seines lebens
rettung / so hoch verbunden /jener aber diesen ihm von sinne ganz änlich
befande: daher sie fast nie voneinander bleiben kunten. Als sie nun an ihren
wunden wieder geheilet waren / hielte sie der Konig noch ein zeitlang auf / der
den Cimber ebenfalls hoch zu lieben anfinge / und sich belustigte /von ihm die
Teutsche sprache in etwas zu erlernen / in deren übung er eine sonderbare
vergnügung funde. Weil nun Cimber sich entschlosse / noch etwas bei uns
zuverbleiben / schickete er den Tubal hinweg in seinen geschäften.
    Unser hof ware nun / durch die gegenwart dieser Fürsten / sehr erfrolicht:
indem sie fast tåglich etwas neues anstelleten / dem Konig die zeit zu
vertreiben /und dem frauenzimmer sich gefällig zu machen. Unter andern fingen
sie ein lustiges wagen-rennspiel an: da ich / auf befehl des Königs / den preis
musste aufsetzen. Abimelech und Cimber / als sie gegen einander rennten / wollten
aus hoflichkeit keiner gegen dem andern einen vorteil haben / blosseten /
liessen also mit fleis einander ihre schilde. Als aber Cimber merkete /dass
Abimelech sowol als er keinen ernst gebrauchte /bemuhete er sich beim dritten
rennen / einen vorteil über seinen freund im verlieren zu erlangen: machte also
/ durch seine geschicklichkeit / dass / wie Abimelech seine pfeile auf des
Cimbers schild nicht anzubringen sich hütete / er dennoch etliche pfeile auf
seinen schild auffinge / und also den sieg dem Abimelech zuweg brachte. Der
junge Prinz Hiarbas aus Egypten / rannte hierauf mit dem Eliphas / und Bileam
mit den Aran: da sie alle es sehr wohl macheten / wie auch die edelleute / so
nach ihnen rannten. Bileam allein / legte grossen schimpf ein: Dann / weil er in
seinen ersten rennen mit dem Hiarbas ware gleich worden / musste er mit diesem
Prinzen noch einmal lassen laufen: da er es dann versah / und im werfen nicht
allein den schild verlore / sondern auch gar aus den wagen fiele. Niemand in der
ganzen gesellschaft entielte sich hierüber des lachens / weil jederman ihme
dieses unglück gonnete. Er musste überdas mit neid ansehen / wie ich seinem
mitbuler den preis gabe: der ihn zwar lang nicht wollte annemen / mit fürwand /
der Cimber hätte solchen gewonnen / indem er mit so grosser kunst verloren.
Meine schwester /legte diesen streit bei / indem sie dem Cimber den zierdank zu
erkannte.
    Ich håtte aber bald vergessen / die ursach dieses luststreites anzufuren.
Der Prinz von Egypten hielte sein abzugs-fest / welchen der Konig von Ophir /
dessen schwestersohn er war abfordern lassen / um ihn bei seiner regirung / weil
er keinen sohn hatte / zu gebrauchen: deme zu ehren Abimelech dieses renn-spiel
angestellet. Selbiger Prinz machte / wegen seiner annemlichkeit / den Konig und
uns alle klagen / dass wir seine gesellschaft missen sollten; und hinterliesse er
eine so gute nachrede / dass noch diesen tag / von dem Hiarbas in Salem viel
geredet wird. Weil aber Bileam so unglucklich gewesen / als machete der
scherzhafte Abimelech hierüber diese reimen:
Den eine Nachtigall nicht bringen kunt zum schweigen /
weil bei der schönsten er sein wort viel edler hielt:
hat fug / dass er nit recht im rennen hat gezielt /
weil er so höflich ist / vor ihr sich tief zu neigen.
Diese reimen gefielen der ganzen gesellschaft / die bei mir im gemach war.
Cimber vermehrte unsre hieruber / habende kurzweil / indem er meiner schwester /
zur danksagung wegen zu-erkennung des zierdankes /diese reimen ersonne und
übergabe:
Wie komt ihr doch hierzu / den zierdank mir zu geben?
da ich / nicht lust noch zier in dieses spiel gebracht.
Der / der so zierlich fiel / hat wohl mit recht gedacht /
er dorfte nur allein nach dieser Ehre streben.
    Diese reimen kamen gleich überall hin / und als Bileam erfuhre / dass wir
also über ihn unsere possen gehabt / verdrosse es ihm so sehr / dass er / sich an
dem Abimelech und Cimber meuchelmörderischer weise zu råchen / ihme aus
erbosetem gemute fürname. Unter anderen seinen helfern / gebrauchete er sich
vornemlich des Arans / der stäts sein guter freund gewesen. Mit diesem und der
übrigen rotte stellete er es an / dass sie einsmals den Abimelech / Cimber und
Eliphas / die sich nichts böses versahn / und im feld allein spazirten /
feindlich überfielen / und / wäre es ohne derselbigen unbeschreibliche
Dapferkeit gewesen / sie gewiss erleget hätten. Sie beschützeten aber ihr leben
dermassen / dass viele des Bileams leute auf dem platz blieben: bis ihnen aus der
stadt / darin es rüchtig worden / vom König hülfe zukame. Diese funden den
Abimelech auf der erden ligen / und den dapfern Cimber uber ihm stehen / der da
verwehrete / dass die feinde dieses vorteils sich bedienend ihn nicht todt machen
kunten. Wie sie nun endlich des Bileams haufen verjaget / wurden diese Helden /
alle drei sehr verwundt / in Salem gebracht. Bileam aber und Aran machten sich
davon: weil sie / nach dieser verübten untat / die ihnen so übel geraten /
nicht länger daselbst bleiben dorften.
    Unser kummer / den wir hierüber erlitten / ist nicht zu beschreiben: welcher
auch nicht eher gelindert worden / biss wir eigentlich wussten / dass sie auser
lebensgefahr wåren. Sie huteten etliche wochen des bettes: in welcher zeit meine
schwester und ich sie fleissig besucheten. Ich wieche fast niemals von Abimelech
/ ihm alle handreichung erstattende: der sich dann immer entfärbete / so oft ich
hinein kame / und mir fur die gnade / (wie er es nennte /) so ich ihme mit
meiner besuchung antåte / mit den zierlichsten worten dankete. Sie wurden von
allen / die von diesem ungleichen streit gehoret / sehr gerumet / wie es ihre
hohe tugenden verdieneten. Abimelechs und Cimbers freundschaft ward hierzwischen
immer grosser / also dass fast keiner ohn den andern sein kunte.
    Nicht lang hernach / als sie kaum wieder gesund worden / forderte der König
der Philister seinen sohn wieder ab: da dann der ganze hof um seinen abschied
trauerte / und konnte der Konig den jenigen ohne betrübnus nicht hinweg ziehen
sehen / den er also hoch liebete. Cimber und Eliphas namen / nicht gar lang
hernach / auch ihren abschied / und ward also unser hof ganz leer / dass wir von
keiner lust mehr wussten /die uns bisher ihre gegenwart verursachet. Weil
Abimelech von seinem tun mir fleissige nachricht gabe /als erfuhre ich / wiedass
er dem krieg unter dem Fursten von Edom nachzoge / der wider den stattalter in
Basan die volker des Konigs der Philister furete: dann die witwe des Marsius /
die Konigin Salamis / bekriegte den Suevus / und wollte / als eine geborne
Prinzessin aus Basan / die regirung haben. Ob nun zwar dieser kriegszug wider
seines freundes des Cimbers landsleute ergienge / so fochte er dennoch dapfer
und redlich / und hielte sich so wohl / dass sein geruchte weit und breit
erschallete: das dann meinem herr vatter und mir auch nicht unannemlich zu hören
ware.
    Lange zeit hernach kame er wieder zu uns / als er vom Konig in Assyrien /
auf sein inständiges anhalten / verheisung erlanget hatte / dass er ihn ferner in
kriegesdiensten gebrauchen wollte. Wir funden / bei dieser anderen zusammenkunft
/ beiderseits einander noch unveråndert wieder / und schopften eines vom andern
grosse bergnügung. Er hielte sich aber diesesmal nicht lang bei uns auf / und
konnte ihn der Konig kaum zu etlichen wochen bereden: die er dann / wie er mir
sagte / bloss meine gegenwart zu geniessen / bei uns zubrachte. Ich fand ihn
einsmals auf dem berg Sion /der mit in der stadt Salem begrieffen ist / unter
einem schattichten baum schlaffen / und nicht weit von ihm eine schrift ligen /
die ich dieses innhalts ablase:
Zu vieles Glück / ist unbequem zu tragen.
Ich fühle wohl / wie ihre huld mich drückt:
ich bin mit der / als einem netz / bestrickt.
Ich darf mir selbst nicht / was mich quålet / klagen.
Wol dem / der sich weiss frei von solchen plagen!
Wann sonst ein leid hat unser herz berückt /
so wird die angst zum himmel hingeschickt:
nun aber muss in mir mich alles nagen.
Worüber kann ich billig mich beschweren?
Dass man mich liebt? Wie? Wil ich dann den hass?
Nein! ihre gunst / doch nicht in ubermass:
Zu viele lieb / möcht meine treu verzehren.
Mein herz ist hin: drum hab ich nichtes mehr /
als dass die lieb mit freundschaft ich verehr.
    Diese reimen machten mir anfangs allerhand frömde gedanken: da ich vermutete
/ mein Abimelech hatte sie auf sich und eine Dame gemachet / die ihm ihre gunst
erzeiget / deren er / um meinetwillen / mit gleicher gegengunst nicht wilfahren
können. Wie ich ihn aber / als er erwacht / hierüber zur rede gestellet /
erklårte er sich dergestalt: wie dass er dieses gedicht nicht selber gemachet /
sondern nur am Babylonischen hofe abgeschrieben hatte / da es einer seiner guten
freunde verfårtiget. Er musste es mir uberlassen: da ich es nachgehends auswendig
gelernet. Weil aber nun / wie gesagt / der Prinz Abimelech nach Babel eilete /
als mussten wir von einander scheiden: da ich ihm versprache / wie dass ich / mit
meinen seufzern zu Gott fur sein wolergehen / ståts bei ihm sein wollte.
    Kurz darnach / wie er hinweg war / kamen abgesandten von Hemath an / die um
mich / von des Konigs Jobat wegen / fur den Prinzen Bileam die werbung ablegten.
Wir erfuhren von ihnen / dass dieser Prinz / wie er unsern hof verlassen / nach
dem Konigreich Ammon gezogen wåre: alda er dem König Hanon wider die Teutschen /
und lezlich wider den jungen Konig Marsius / zu kriege gedienet hatte /nunmehr
aber sich wieder zu Hemath besünde. Der König Melchisedech aber / liesse ihnen
zur antwort wissen: wie dass ich bereits an den Prinzen der Philister verlobt
wåre / und also des Jobats sohne nicht zu teil werden könnte; der zudeme sich
nicht also bei uns verhalten håtte / dass wir beliebung tragen konten /seine
befreundung zu wünschen. Mit dieser abschlägigen antwort / reiseten sie wieder
nach Hemath ab: und lebete ich nach deme in zimlicher ruhe und zufriedenheit /
an nichts weniger / als an das / so mir vorstunde / gedenkende.
    Im vergangnen jahr / begabe ich mich neben meiner schwester hieher / wie wir
alle sommer zutun pflegten / weil dieses schloss / wegen der nåhe des Jordans
/gar annemlich und lustreich ist: Der König aber bliebe dissmal zu Jebus / weil
er viele geschäfte hatte / die ihm nicht zuliessen / hieher zu kommen. Wir waren
aber kaum etliche tage hier gewesen / da begabe es sich an einem abend / dass wir
/ als wir nahe hierbei in einem lustigen tal spaziren gingen / einen wagen mit
vielen reisenden ersahn / der nicht weit von uns seinen weg furbei name. Dieser
als er gerad gegen uns uber gekommen / brache entzwei / und machte also das
aufhabende frauenzimmer heraus steigen: da dann eine unter ihnen / welcher alle
die anderen grosse ehre erwiesen / im fallen des wagens ein bein gebrochen
/woruber die anderen sich über die massen beängstigt und betrübt anstelleten.
Ich / aus mitleiden bewogen /ginge neben meiner schwester und meinen leuten zu
diesen fromden / beklagte ihren unfall / und bote ihnen das schloss an / daselbst
einzukehren und nach ihrem entfangenen schaden sehen zu lassen. Die alte Dame /
welche dieses unglück erlitten / kunte mir für schmerzen nicht viel antworten:
von ihren leuten aber / wurde mein anbot willigst angenommen. Ich erfuhre von
ihnen / dass es die Konigin der Bactrianer wåre /welche / wieder von Hemath
kommend / in ihr land reisen wollte. Diese kåntnis von der mumen des Bileams /
machte meine fürsorge für sie nicht verringern: weil ich damals noch nicht wusste
/ wie lieb ihr dieser vetter ware. Als sie auf das schloss gekommen / und nach
ihrem schaden gesehen wurde / befunden die wundärzte den also / dass ein monat
verliefe / ehe sie ihre reise fortsetzen kunte. In dieser zeit machete sie /wie
ich nachgehends gewar wurde / einen anschlag mit dem Bileam: der heimlich in
verstellter kleidung /weil er / da seine gesandten eine solche abschlägige
antwort bekommen / sich von mir nicht wollte sehen lassen / in ihr hieher kame /
mich in Bactra zu entfüren. Weil mir dieses unglück bestimmet war / als musste
sich alles darzu schicken. Als die Konigin Clotis fortreisen wollte / und ich ihr
bis auf eine kleine Insel / die im Jordan liget / das geleit gabe: liesse ich
mich durch ihr vielfåltiges bitten uberreden / mit nach Pniel zugehen / und
hinterliesse ich alle meine leute auf der Insel / als gesonnen / in zweien tagen
wieder bei ihnen zu sein.
    Als wir nach Pniel gekommen / gabe sich Bileam mir zu erkennen / mich so
sehr mit seiner gegenwart /als durch sein unvermutetes anbringen / erschreckend.
Es fehlte nicht viel / ich wäre gar vor schrecken gestorben. Wiewol ich mich
widersetzen wollte / so musste ich dennoch mit fortreisen: und halfen mir meine
tränen nirgend zu / als bei diesem böswicht freude zu erwecken / dass er mich
also in seine gewalt gebracht hatte. Die Konigin wollte zwar / auf dieser
verdruss-reise / mich zu frieden sprechen: Ich aber war so ungedultig uber diesem
betrug / dass weder sie noch Bileam ein einiges gutes wort von mir erlangeten.
Nach zweien monaten kamen wir in die haubtstatt Bactra / da Oxyartes der König
mich herrlich entfinge. Dieser wollte / neben den andern / mich zwingen /den
Bileam zu heiraten. Mir ward furgeschwatzet /wiedass er / nach seinem tode / den
Bileam zum erben hinterlassen wollte / weil er keine kinder hatte. Dann Merotas /
der sohn von seiner einzigen tochter / die den König von Tyrus gehabt / ware zu
Hebron umgekommen. Und weil der Konig von Tyrus / nachdem des Oxyartes tochter
gestorben / sich mit der Koniglichen wittib von Elam / die des BelOchus
schwester war / wieder vermälet: als ware dieser Konig seinem schwiegersohn
deswegen so gehässig / dass er von den beiden Prinzessinnen / die seiner tochter
kinder und des Merotas schwestern waren / keine zur erbin machen wollte. Alle
diese betrachtungen nun / die mir die Konigin oftmals zu gemute füren wollte /
konten mich nicht bewegen / den lasterhaften Bileam zu lieben /und des
tugendvolkommenen Abimelechs zuvergessen: sondern ich widersetzte mich immerfort
/ dass sie wohl sahen / es wurde viel zeit darzu gehören / eh ich mich gewinnen
liesse.
    Es kame aber bald darauf / von dem ståts-anhaltenden krieg mit den Assyriern
/ die zeitung nach hof /dass sie über den fluss Sarangis gegangen / und ein fästes
schloss eingenommen hätten. Bileam ward vom Konig mit frischen volkern gleich
abgefärtiget / und war meine freude unaussprechlich / als ich erfure /dass mein
Prinz die Assyrischen volker furete. Ich pochete offentlich auf denselbigen /
und hoffete gänzlich / durch ihn wieder erledigt zu werden. Täglich hörete ich
von dieses Prinzen unvergleichlichen taten / und war ich die einige / die sich
darob freuete / da sonst sein name allen Bactrianern furcht einjagete. Abimelech
siegete mit so geschwindem fortgang / dass er endlich den Oxyartes in seiner
eigenen haubtstatt belagerte. Bileam befande sich dazumal / von einen teil der
Assyrischen volker / die der junge Ahasat fürete /so umschlossen / dass er dem
Konig keine hülfe senden kunte. Der Prinz ångstigte die stadt dermassen /dass sie
sich endlich ergeben und den Abimelech sieghaft einlassen musste.
    Ich stunde an einem fenster / als dieser vortreffliche held seinen einzug
hielte. Er kennete mich gleich /und zwar um soviel leichter / weil er bereits
vorher meine gewaltsame entfurung vernommen. Wie er mich demnach auf das
höflichste gegrüsset / kame er /sobald er nur konnte / zu mir in das zimmer.
Unser beiderseits freude ist nicht zu beschreiben: dass nåmlich ich wieder frei
war / und er mich erlöset hatte. Er beklagte so wohl mein ausgestandenes ungemach
/ als er sich nun hingegen mit mir über meiner freiheit ergetzete: seine hochste
vergnugung darneben bezeugend /dass er mir diesen dienst tun konnen / deren
ewig-verbundenen diener sich nennte. Weil aber sein damaliges amt ihm nicht die
zeit vergonnte / ein mehrers mit mir zu reden / als brache er bald ab: damit er
/nach dieser grossen eroberung / alle nötige anstalt machen möchte. Oxyartes
ward zwar gefangen genommen / dennoch königlich gehalten: weil Abimelech eines
viel zu edlen gemutes war / als dass er diesem Konig sein ungluck sollte vermehret
haben. Derselbe aber konnte diss üngluck so übel vertragen / dass er / am vierten
tag nach eroberung der stadt / den geist aufgabe. Der Prinz trostete hierauf die
alte Konigin /so gut es sich wollte tun lassen / und raumete ihr ein schloss ein
/ da sie ruhig leben / und vom krieg keine beschwerung furchten dorfte. Nun war
er ferner auf nichtes mehr bedacht / als wie er mich in sicherheit brächte. Und
ob er wohl nichtes höher wunschete / als mich meinem betrübten vetter / dem Konig
Melchisedech / selbst zu uberbringen: so ware doch solches der zeit unmuglich /
weil er den krieg weiter verfolgen musste.
    Gleichwol begleitete er mich mit allem seinem volke bis an den fluss Moscus /
der schon ins Königreich Elam gehöret: alda er einen ganz treuherzigen abschied
von mir name. Als ich ihm nochmals höchlich fur meine erlosung dankete / und ihm
darneben bezeugete / dass sie mir von keinem menschen in der welt angenemer / als
von ihm / wiederfahren können: versicherte er mich / dass ihme dieses Glück noch
viel angenemer begegnet / und wünschete mir darneben tausend gutes / mich
versicherend / dass ich in allen begebenheiten von ihm verspuren sollte / wie
bereitwillig er wäre / auch sein leben fur mich in die schanze zu schlagen.
Damit name er meine hand / die er ganz inbrünstig küssete: welches ich dann beim
abschied / und weil ich ihm so hoch verbunden / geschehen liesse; wiewol er sich
sonst dergleichen freiheit nicht anmassete. Er seufzete gar sehr / als er mich
sah auf den wagen steigen / und hinweg fahren. Weil ich schon in freundes land
war / auch von des reichsstattalters in Elam kammerherren begleitet wurde; und
weil der König Melchisedech mir / von des Königs von Canaan volkern / leute
entgegen gesendet: als täte ich diese weite reise bis ins land Canaan ganz
sicher / da ich von nichtes beschwerde entfande /als von dem bosen wetter / weil
es noch winter ware. Man kann leichtlich sich einbilden / wie ich den König mit
meiner wiederkunft erfreuet / den ich hier zu Salem wieder angetroffen: da nun
das Glück / mit ankunft und kentnüs der schonen Aramena / mir die freude
verzweifachet.
                                     * * *
    Also endete die schöne Colidiane ihre rede / und Aramena sagte hierauf:
Gewisslich / wehrte Prinzessin! ich muss bekennen dass unter allen
liebesgeschichten / die mir bis heute zu ohren gekommen / mir noch keine bässer
gefallen / noch meinem sinne / dafern ich zum lieben erkoren / gleichförmiger
wäre / als die liebe des Prinzen der Philister. Ich habe gar keine torheiten
darin vernommen / die sonst den verliebten anhangen; und gläube / dieses musse
die bäste und stårkeste liebe sein / die von unruhe / ubergrossem verlangen /
sorge und gråmen unbegleitet ist. Dann wie kann das heisen / einem andern gutes
gonnen /wann man soviel beschwerlichkeit von ihm fordert /oder selber entfinden
muss: welche qual man dann /aus liebe zu der geliebten person / sich noch eins so
gross fürmalet / damit dieselbe solcher auch mit teilhaftig werde. Ich kann nicht
wissen / (antwortete Colidiane låchlend /) ob der Prinz Abimelech dieser unruhe
und qual / die die verliebten sonst bei sich entfinden / so gar befreit sei
gewesen. Ich weiss auch nicht / ob ich es sollte wünschen: weil mir / durch
dergleichen merkzeichen / seine liebe desto gewisser sein kann. Doch muss ich
versichern / dass er sich åuserst bemuhet / mir dergleichen nicht sehen zu
lassen: weil er / wie ich schliessen kann / befurchtet / dass ich es nicht wohl
vertragen mochte. Wie es mir aus der erzehlung vorgekommen / (wandte Aramena
hingegen ein /) so bedünket mich / er sei solcher torheit befreit gewesen.
Hätte er aber / der schonen Colidiane zu gefallen / dieselbe verhelet: ist er
deswegen doch zu rümen /weil er sie nicht mit dergleichen verdrieslichkeit
beschweren wollen.
    Ich kann nicht sagen / wie es komt / dass ich ein so gutes herz zu diesem
Prinzen habe / da ich ihn doch nicht gesehen. Was würde meine schöne Prinzessin
alsdann erst tun / (sagte Colidiane /) wann sie ihn persönlich sehen sollte: mir
dörfte schier angst werden / ich bekåme eine gefärliche mitbulerin. Das hat
keine gefahr / (antwortete Aramena /) wir können ihm beide ohne eiversucht gut
sein: die Prinzessin von Caphtor / als seine verlobte; und ich / als ihre
freundin. Aber weil ich nun seines gemütes so gute wissenschaft habe / wollte ich
auch gern die beschreibung der person anhoren: weil ich nicht besorgen darf /
der Colidiane damit beschwerlich zusein. Seine gestalt und person betreffend /
(sagte Cölidiane) ist mir noch keine wackerer als die seinige vorgekommen: wann
nicht der Teutsche Cimber ihm etlicher massen die wage hält. Doch sind sie beide
ungleicher schönheit /wann man anderst einen mann schon nennen darf. Der
Abimelech ist bräunlich; hat lange braune haare / die ihm in grossen wolken über
die schultern fallen; grosse schwarze augen / mit denen er sehr liebreich
aussihet; eine etwas erhobene nase / und einen gar schönen mund. Sein ganzes
wesen / ist so majestetisch /als gütig. Er ist mittelmäsiger länge / und so
wackerer gebården / dass alles ihm uberaus wohl anstehet. Wurde ich der Prinzessin
Aramena fürtrefflicher schönheit keine verkleinerung antun / dorfte ich schier
sagen /ich fände eine gleichheit in ihrem und dieses Prinzens angesichte.
    Den Cimber betreffend / so ist derselbe sehr lang von person. Sein haar /
ist licht von farbe; und seine ganze gestalt ist gar angenem. Seine grosse
offenbare augen / furen die helleste farbe des himmels / und schiessen ein
solches feuer von sich / dass man den hohen scharfsinnigen geist sattsam daraus
kann erkennen. Er ist von wesen sehr liebreich und freundlich: dabei aber
erwecket er in denen / die ihn sehen / soviel furcht als liebe / und kann man aus
seinem gesichte und allen gebärden eine hohe geburt urteilen.
    Warlich / meine Prinzessin! (sagte Aramena hierauf / låchlend) ich spüre
sattsam / das sie eine eiversucht auf mich geworfen: weil sie mir / nicht allein
den Prinzen der Philister / sondern auch den Prinzen aus Teutschland
beschreibet. Nimmermehr wäre Cimber von Abimelechs verlobtin so wacker
abgebildet worden / wann sie nicht begehrete / jemand in ihn verliebt zu machen.
Weil ich aber des Cimbers wandel noch nicht also kenne / und / wie ich vernommen
/denselbigen allbereit todt achten muss: als wehle ich doch auf den Abimelech /
zumal mir derselbige soll änlich sehen. Hiervor bin ich der schonen Aramenen
hochlich verbunden / (antwortete Colidiane /) und deute es billig auf ihre
hoflichkeit / dass sie / was ich liebe / rümen will; wiewol sie sonst / wann sie
den edlen Cimber sehen sollte / deme / was ich von ihm gesagt / beifall geben
würde. Aber wie bekümmert bin ich über der leidigen zeitung / dass er todt sein
solle. Ach! sollte das gewiss sein? (hube hierauf Jaelinde / ganz erblasset / an
zu reden /) das der Prinz Cimber gestorben? Ich weiss nit anderst / (sagte
Aramena /) als dass er / in dem lezten kriege zwischen den Konigen von Assyrien
und Basan / in der schlacht geblieben. O nein! (antwortete Jaelinde / und name
hierauf wieder ein freudigeres wesen an) so ist er Gott lob noch im leben: dann
er / nachdem dieser krieg schon lang geendet war / bei uns zu Salem gewesen ist
/ und habe ich neulich noch jemand gesprochen / der ihn gesehen. Es ist mir so
viel lieber / (sagte Aramena) weil ich sehe / wie beliebt allhier dieser Prinz
ist: und kann es leichtlich sein / dass ihn ein gleichmåsiges gluck beim leben
erhalten / wie den jungen König Marsius /welchen man in selbiger schlacht auch
fälschlich todt gesaget.
    Als sie noch in diesem gespräche begriffen waren /kame unversehens der König
Beor zu ihnen / deme sein sohn / von etlichen wenigen bedienten begleitet
/nachfolgete. Dieser Konig suchete in der Aramena zimmer seine Ahalibama: wie er
aber / nach abgelegten höflichkeiten / um sie fragete / und von der Toris / die
eben von ihr gekommen war / verstanden / dass sie wachete / liesse er den Hemor
bei den dreien Prinzessinnen / und ginge nach der Ahalibama kammer. Er fand sie
so blass und betrübt / dass er zu ihr sagte: Ist es wohl müglich / liebste
Ahalibama / dass ihr / um mir mein Glück / so ich jezt euch wieder sehend
geniesse / zu misgonnen / eure wangen mit so bleicher farbe bekleiden / und den
glanz eurer funklenden augen / dem die sonne weichen muss / dem erdboden
entziehen wollet? Es wäre kein wunder / (antwortete Ahalibama /) wann E. Maj.
meinen innerlichen schmerzen durch die åuserliche anzeigungen erkenneten / dann
mein herz billige ursach hat / mit solcher angst umschlossen zu sein / dass es
auch kein wunder wåre / wann ich noch ubler aussähe / ja gar fur elend stürbe.
Aber sagt mir / (fragte der Beor /) was leides widerfäret euch / meine schone
Ahalibama! um also sehr zu trauren? Das wissen E. Maj. båsser / (antwortete sie
/) als ich es sagen kann.
    Ich kann mir nimmermehr einbilden / (wiederholete der Konig /) dass eine so
grosse ungleichheit unserer gemuter sein sollte / dass ihr gegen mir in so grossen
hass / als in grosse liebe ich gegen euch / geraten wåret. Ich finde ja nicht /
was euer leid anders verursachen sollte / als meine liebe: die ja aber eure ehre
/und nicht euer verderben suchet. Ich bin wohl zubeklagen / dass ich euch dadurch
so oft in zweifelhaftige gedanken gesetzet: so gar / dass ihr / nur um mich nicht
zu vergnugen / keine ungelegenheit noch gefahr gescheuet / euch lieber in
dieselbige / als in meine arme / zu begeben. Bedenket doch / Furstin von Seir!
wie saur ihr mir und euch das leben nun etliche jahre gemachet / bloss um eures
Eliesers willen / und denselben nicht zuverlassen. E. Maj. (brache sie mit
ungedult heraus /) machen / mit ihrer halsstarrigkeit / mich am
allerunglückseligsten. Dann ich eher den tod / als mich zu åndern / erwählen
werde. Ich weiss ja nicht /wie es kommet / dass ich keine ungnade erlangen kann /da
ich es doch E. Maj. so grob gemachet / in dem ich / alles andern zugeschweigen /
in dieser lezten flucht genug erwiesen / dass ich keine Kron achte / und mit dem
Elieser lieber betteln / als mit dem Beor regiren /lieber mit jenem sterben /
als mit diesem leben wolle.
    Diese worte gingen dem Beor an das herz: jedoch /weil er den jenigen / der
sie verursachete / in todeszügen wusste / als kunten sie ihn nicht zu sehr
erzürnen. Weil er nun hierzu still schwiege / als fuhre Ahalibama also fort / zu
reden: E. Maj. bedenken nun / wie vergeblich sie sich bei mir bemühen: die ich
mir in der warheit eher die ärgste marter / als koniglichen schmuck / werde
anlegen lassen. Man mag mich bewahren / wie man will: so soll dannoch mein geist
/sich frei zu machen / wohl einen ausgang finden / den ihr niemand verwehren soll
/ sobald sie ihren Elieser nicht mehr auf der welt haben wird / den sie / E.
Maj. grausamkeit halber / verlieren muss. Diese worte / jagten dem König beides
eine schamröte ab / weil er sich an des Eliesers tode schuldig wusste; und
zugleich eine furcht / wegen der Ahalibama lebens. Demnach wollte er sie nicht
weiter ärgern / ihr anzukündigen / wie er entschlossen sei / sie in vierzehn
tagen zu heiraten /und dass die Fursten von Seir damit einig wären. Er
entschlosse hergegen / solches zu versparen / bis sie ihres Eliesers tod
beweinet hätte / und sagte ihr demnach ferner nur dieses: Bedenket doch /
Ahalibama! was ihr sprechet? Hiemit / weil sie fur weinen nichtes mehr antworten
kunte / begabe sich Beor von ihr: ja so übel zufrieden / als betrübet er sie
verliesse.
    Weil inzwischen der abend herzu nahete / da Ahalibama / durch der Colidiane
verhelfung / ihren wehrten Elieser zu sehen verhoffete: als wurde ihr verlangen
nach ihme immer grösser / je nåher es auf die zeit kame. Und ob sie wohl zuweilen
bei ihr selber anstunde / ob es nicht würde bässer sein / für sein und ihre ruhe
/ dass sie einander nicht schaueten: so stiesse doch ihre liebe solchen einwurf
bald wieder um / und geriete sie auf den schluss / dass ihr unmoglich wäre /diese
besuchung / wie schmerzlich sie auch sein würde / zu unterlassen. Colidiane
anderes teils erinnerte sich ebenmåsiig ihres versprechens / wollte aber zuvor
den Elieser allein sprechen: um zu vernemen /wie es mit ihm stünde. Sie traffe
ihn aber in gar schlechtem zustande an: dann er allbereit mit dem tod range /
und seinem bekümmerten bruder in den armen lage. Als er sie aber ersehen /
liesse er gleich den Ephron fahren / und sagte / als sie dem bette genähert /
mit matter stimme: Wehrte Prinzessin! ich sterbe /und mit dem trost / dass euer
Gott mir wird gnådig sein. Dieser Gott / (antwortete sie) wird auch euren
gläubigen geist ohne trost nicht lassen: und bin ich versichert / dass ihr / bei
aller eurer angst / grosse ruhe in eurem herzen empfindet. Meine ruhe wåre
vollkommen / (gabe er zur wiederantwort /) wann ich die / so ich allein geliebt
/ noch einmal sehen / und also zugleich ihr und allen weltlichen dingen gute
nacht geben möchte. Dann Ahalibama - - - - Hier verstummete er vor mattigkeit.
Colidiane aber sagte ihm: Wann er es begehrte / sollte seine Ahalibama zu ihm
kommen. Hierauf winkete er ihr mit dem haubt / und sah mit seinen sterbenden
augen so munter aus / dass Colidiane nicht länger såumen wollte / die Furstin von
Seir zu diesem betrubten abschiede zu holen.
    Diese beångstigte liebhaberin / hörete nicht so bald ihre kammertur öffnen
/ da fing ihr das herz an zu schlagen / und sagte ihr zu / wie es mit dem
Elieser beschaffen sein würde. Sie erhube sich deswegen eiligst von ihrem
ruhbettlein / auf welches sie sich angekleidet geworfen hatte / und liefe der
Colidiane entgegen: die dann / sie anschauend / die tränen nicht halten kunte.
Um des willen Ahalibama gleich zu schreien begunte: O wehe! mein Elieser ist
gewiss todt! Coelidiane aber ermanete sie / nicht so laut zu sein / und ihr zu
folgen. Wie sie nun / fast mehr todt als lebendig / fur des Eliesers bette
gekommen / erweckte sie mit ihrer gegenware in ihm eine neue kraft / also dass er
seine indem-brechende augen zu ihr kehrete / und beide arme nach ihr
ausstreckete / sie zu umfangen. Ahalibama liesse sich ganz kraftlos auf sein
angesichte nieder / und benetzete es mit ihren tränen. Elieser aber / wie er
durch diese süsse begrussung vermerkete / dass sein herz solche freude nicht mehr
ertragen kunte / und dass es bald mit ihme aussein wurde / hube sie mit seinen
fast erstorbenen armen wieder auf / da Coelidiane und Astale sie völlig wieder
in die höhe brachten.
    Als sie sich folgends auf sein bette gesetzet / sagte er zu ihr: Liebste
Ahalibama! der himmel vergelte euch die treue / die ihr mir bis jezt erzeiget.
Unwürdig bin ich zwar eurer liebe gewesen / aber nicht unerkentlich. Und weil
ich sterben muss / so wird der wahre Gott euch zeitlich und ewig vergelten / was
ihr mir gutes erwiesen. Ach mein Elieser! (rieffe sie hierauf /) wollet ihr mich
dann in diesem meinem elende verlassen? Wåre es Gottes wille / (sagte er
hingegen) wollte ich gern bei euch geblieben sein. Ich will dannoch (wiederholete
sie) euch nicht lassen / sondern euch auch im tode folgen. Wil der gram mich so
bald nicht toden / so soll ein geschwinderes mittel unsere seelen wieder
zusammen bringen. Als sie hierauf erbärmlich wehklagete / bedachte er sich eine
weile /und begunte hierauf sie wieder also anzureden: Liebstes herz! ihr werdet
mir / vor meinem sterben / zwei dinge versprechen / und zuschworen / dass ihr es
halten wollet. Wie sie dieses sein begehrn erfüllet / sagte er ferner: Das erste
/ so ich an euch begehre / ist dieses / dass ihr durch kein gewalttåtiges mittel
jemals mir folgen wollet; das andere / dass ihr den wahren Gott der Colidiane
anbeten und verehren wollet.
    Hiemit uberfiele ihn eine so plötzliche onmacht /dass er nichtes mehr
vorbringen kunte. Als sie ihn nun vor todt hielten / brachte Colidiane und
Astale die Ahalibama von ihm hinweg: welche dann nicht als mit gewalt von ihm
sich abreissen liesse / und so erbärmlich schrye / dass auch davon der sterbende
Elieser noch einmal die augen wieder aufschluge / und die Colidiane ansah /
welche bei ihm stunde / und betete. Euch befehle ich (sagte er zu ihr / mit
sterbender stimme /) meine Ahalibama / meine Seele aber eurem Gotte. Hiemit
endete sich sein leben / und losche er aus / wie ein licht: da dann von stund an
der gift ausbrache / und er zu schwellen anfinge. Einer von des Melchisedechs
årzten / der diese nacht bei ihm gewachet / und nachmals / als die Prinzessinnen
hinweg waren / ihn besehen / sagte öffentlich aus: Es wiese sich nun / dass er
håtte gift bekommen. Colidiane /dem lezten befehl des Eliesers nachzuleben /
sah sich gleich um nach der Ahalibama / die in der Astale armen onmåchtig lage
/ und schier kein lebenszeichen mehr von sich gabe. Ephron / wie bekummert er
auch ware uber dem tod seines bruders / unterliesse doch nicht / der Ahalibama
eiligst beizuspringen / und wendeten sie allen muglichen fleiss an / sie wieder
aufzubringen: wie sie dann endlich wieder zu sich selber kame / und mit gewalt
aus der kammer nach ihren gemach gefüret wurde / da Colidiane die übrige zeit
der nacht bei ihr bliebe / und nun nach nichtes mehr trachtete / als des
Eliesers bitte an der Ahalibama zuvollziehen. Sie befande aber noch nicht zeit
zu sein /ihr von diesem hohen werke fürzutragen / weil sie nicht in solchem
zustand ware / hievor etwas einzunemen oder zu verstehen.
    Am folgenden morgen / kame das gerüchte von diesem todesfall gleich uberall
aus / und Beri / als er es horete / kunte seine natur nicht so gar zwingen / dass
nicht seine bekummernüs sich håtte spüren lassen. Der Konig Beor / in seinem
gemute hierüber hoch erfreuet / stellete sich doch an / als wann er den Elieser
betraurete / und kame selber zu dem Fürsten von Tapua / auch folgends zu den
Fürsten Sobal / ihnen das leid zu klagen. Hemor betrübte sich herzlich uber
dieses edlen Prinzen tod / den auch der ganze hof beklagete; allermeist aber
Ephron / welcher seines entseelten bruders leiche nicht verlassen håtte / wann
nicht der Konig Beor den Melchisedech bitten lassen / die verordnung zu tun /
dass niemand mehr zu der leiche möchte gelassen werden: dann er besorgete / man
wurde den gift an dem korper vermercken.
    Aramena hatte nicht so bald diesen todesfall vernommen / da eilete sie
gleich zu der Ahalibama. Diese / so noch bisher kein wort gesprochen / als sie
diese ihre freundin ersehen / schluge die hände ineinander / und sagte zu ihr:
Wundert dich nicht / Aramena / dass ich noch lebe? Nein / gar nicht / liebste
Schwester! (antwortete diese /) weil ich deiner grosmut wohl versichert bin. Ach!
die erhålt mich nicht bei leben / (sagte Ahalibama hinwieder /) sondern mein
gelubde / mein all zu unbedachtsamer schwur / da ich dem Elieser versprochen /
durch kein gewalttåtiges mittel ihme zu folgen / und der Coelidiane Gott
anzubeten. Das erste (antwortete Aramena hinwieder /) ist billig / dass du ihm
das haltest. Das andere aber /nåmlich die Götter zu verleugnen / und einen
irrigen Wahn anzunemen / wird dir nie in den sinn kommen /ob du es gleich
gelobet hast. Ach Elieser! liebster Elieser! (schrye hierauf Ahalibama /) was
bewog dich immermehr hierzu / mir diese freude nicht zu gonnen /dich in deinem
tode zu begleiten? hast du nicht ehmals selber in deinem leben mich dazu
vermanet? wie bist du nun / mein elend auf die hochste stuffe zu setzen / in
deinem tode so verändert worden? O ihr götter! warum gab eure grausamkeit ihme
dieses in den sinn? vieleicht deswegen / damit ihr mich desto mehr und härter
quålen mochtet? Ihr habet gewonnen / unbarmherzige gotter! dann ärger hättet ihr
mich nicht straffen konnen.
    Hiemit uberfiele sie wieder eine onmacht / dass Aramena um hulfe ruffen
musste. Weil die Toris alles / wie es ihr erginge / dem Konig sagen liesse / als
ware der nicht wenig um sie besorget. Doch wollte er sie nicht besuchen / bis die
wunde etwas geschlossen sein mochte; und harrete er also etliche tage / ehe er
zu ihr kame. Elon aber / welchen sehr schmerzete /dass der Fürst Beri / sein
abgesagter feind / und dessen sohn der Ephron / wieder in des Konigs gnade waren
/wollte zum wenigsten den Ephron bei dem Beor wieder schwarz machen. Demnach
offenbarte er ihm / wie dass Ahalibama bei dem sterbenden Elieser gewesen wåre:
worzu ihr die Prinzessin von Gerar verholfen /und Ephron auch mit darum gewust
håtte. Der argwånische Konig erschracke sehr / dass zu Salem so heimliche winkel
wåren / da die Prinzessinnen vor seiner wacht also verborgen fürbei kommen
konten. Demnach befahle er nochmals ernstlich / dass die beide Prinzessinnen
mögten wohl in acht genommen werden. Damit auch dem Ephron alle gelegenheit / der
Ahalibama zu dienen / benommen sein mochte / verordnete er / dass selbiger /
unter dem feldhaubtmann dem Fursten Akan von Betel / die volker nach Seir furen
/ die er wider den Esau Fursten von Edom schicken wollte: welches dann Ephron
nicht abschlagen durfte / unangesehen Esau sein schwager war. Ihm ward auch
anbefolen / dass er / sobald die leichbegängnus seines bruders vorbei sein wurde
/ bei musterung der volker sich alda zu befinden / nach Sichem abreisen sollte.
    Der verliebte Hemor / der nie einige gelegenheit versaumte / seine
Prinzessin zu sehen / verfügte sich an einen morgen / in ihr zimmer. Sie ware
eben von der Furstin von Seir gekommen / deren betrübten zustand sie also mit
beweinet hatte / dass man es ihr gnugsam an ihren zarten augen ansehen kunte.
Demnach sagte er zu ihr / unter anderen gespråchen: Mich nimt wunder / schone
Aramena! dass ihr so mitleidig eine verliebte beklagen konnet / da ihr doch so
wenig die liebe erkennet. Eurem urteil nach sollte ich meinen / dass Ahalibama
nichtes habe verloren: und dannoch wird ihr leiden von euren schönen augen
beweinet. Ob ich schon nicht begehre / (antwortete sie) die liebe zu erkennen:
so kann ich doch wohl einer freundin verlornen liebhaber aus mitleiden beweinen.
Auser dem versichere ich euch / Prinz Hemor! dass mir meine lebtage keiner
solcher gestalt absterben wird / den ich beweinen sollte. Ich gläube solches wohl
/ (wandte Hemor dargegen ein /) dass die grausame Aramena über meinen tod sich
eher erfreuen / als betrüben wurde. Prinz von Sichem! (gabe sie zur antwort) ich
will nicht / dass ihr mich fur die jenige ansehet / die euren tod wünschen oder
begehren sollte. Ihr seit der welt noch viel nutze / wann ihr nur selber eure
zeit wohl anlegen wollet / und dieselbige nicht so vergeblich bei mir verderbet.
    Als er dieses wieder beantworten / und sie ferner mit seiner liebe plagen
wollte / kame Jaelinde dazu /und sagte: Ob der Prinzessin Aramena nun gefiele /
in den schlossgarten zu gehen / die Konige hätten es bewilliget. Hemor / der wohl
sah / wie der Aramena misfiele / dass er dieses gehoret / wollte die hoflichkeit
gebrauchen / ihr an dieser vorgenommenen lust nicht hinterlich zu sein: name
also seinen abtritt / ob er wohl gern sie in den garten begleitet hätte. Er täte
damit der Aramena einen so angenemen gefallen / dass solches an ihrem gesichte
gnugsam zu spuren ware. Sobald er hinweg ware / name sie freudig die Jaelinde
bei der hand / die ihr dahin wollte gesellschaft leisten: mitlerweile Coelidiane
bei der Casbiane / des Fürsten Arsas von Ninive gemalin / sich befande / welche
/wegen einer zugestossenen unpässlichkeit / nicht gen hof kommen konnen. Calaride
als ihre nahe verwandtin / leistete ihr auch gesellschaft: dass also Aramena und
Jaelinde niemand / als etliche jungfrauen und die Konigliche wacht bei sich
hatten; die aber / aus ehrerbietung / den Prinzessinnen von weiten folgeten /
und ihnen alle freiheit liessen.
    Aramena ergetzete sich nicht wenig in diesem garten / der sehr prächtig und
annemlich angebauet ware. Es ware früling / da die schone baum-blüte / und die
mancherlei fårbige blumen / den augen alle ergetzlichkeit gaben. Es entfinge sie
zuvörderst ein sanfter wind / der ihnen den sussen odem der Citronenblüte
entgegen fürete / und sie auf das lieblichste damit anhauchete. Sie gingen
erstlich durch die blumen beete / die mit vielerlei blumen-arten in die wette
prangeten. In mitte dieses blumfeldes ware ein grosser runder teich /da das
wasser mehr als arms-dick / aus einem wallfischkopf / etliche ellen hoch in die
luft getrieben wurde / und mit einem starken und lautplatschrenden regen
hinwieder in den teich herunter fiele: worbei / in diesem hellen krystall / die
fische in grosser menge lustig spieleten. Nach diesem offneten sich ihnen die
spazir-gånge: die / ungeachtet der grossen breite /dennoch an beiden seiten /
die båum-gipfel so hoch in die luft schicketen / dass kein schein der sonne den
boden jemals erreichete. Die stämme der båume waren so schlank und gerad
aufgewachsen / dass man unten allentalben durch- und in die neben gänge schauen
kunte: welches dann den augen die angenemste entfernungen vorstellete. An jedem
ende eines spazirganges / stunde ein springbrunn / der mit seinem gesausel die
spaireznde ergetzte / und die luft erfrischete.
    In diesen gängen / verbrachten die beide Prinzessinnen eine gute zeitweile /
und kamen indes wieder auf den Cimber zu reden: von deme Jaelinde so beweglich
sprachete / dass Aramena leichtlich ihre liebe zu demselben erkennen kunte.
Demnach begunte sie dieser guten Prinzessin zu jammern / weil sie aus der
Amorite geschichte sich noch wohl erinnerte / wie dass Cimber in die Königin von
Ninive gebrannt wäre. Sie wollte gleichwol einen versuch tun / ob sie damit zu
anderen gedanken mochte gebracht werden / und sagte zu ihr: Ich bedenke jetzund
/ wehrte Prinzessin! was der weise Chaldeer ehmals zu Biblis von glücke
geweissaget / und vermute / die profezeiung von der Königin in Syrien werde die
angeneme Jaelinde treffen. Der himmel konnte es schicken / dass der
verloren-vermeinte Prinz Aramenes / des lezten Königs von Syrien sohn / wieder
vor den tag käme: massen das geschrei / als sollte er noch verhanden sein /
anjezt in Syrien sehr gross ist / und konnte der / durch die heurat mit meiner
Prinzessin / diese worte wahr machen. Ach nein / schönste Prinzessin!
(antwortete Jaelinde seufzend) kein wiedergefundener Prinz aus Syrien ist fur
mich bestimmet / und glåube ich sicherer / dass mich treffen wird / was dieser
Chaldeer von der kinder Ahusats unglücklichem leben geprofezeiet hat / massen
ich schon viele plagen bei mir entfinde.
    Diese plagen (wandte Aramena ein) werden meines vermutens von den jenigen
sein / deren wir uns selber enteben können / wann wir uns nur ein wenig wollen
gewalt antun. Ach nein / Prinzessin! (sagte Jaelinde) das jenige / so ich
entfinde / kann ich aus eigener macht nicht von mir treiben / wie gern ich auch
wollte; und die bande die mich fåsseln / sind viel zu stark /als dass ich sie
sollte auflosen können. Hat dann etwan (fragte Aramena / und finge damit an zu
lachen) der schone Cimber schuld daran / dass meine Prinzessin solche unruhe in
sich entfindet? Diese frage machte Jaelinde ganz erroten / doch antwortete sie:
Ach liebste Prinzessin! es ist mehr als zu gut errahten / und ich fühle wohl in
mir / dass ich an den Cimber nicht so unentfindlich / als an andere personen /
gedenken kann. Hat aber dieser Prinz / (fuhre Aramena fort zu fragen) anzeigungen
einiger liebe meiner Prinzessin gegeben? Nicht so viel / (antwortete Jaelinde)
als ich wohl gewünschet: doch ware er mir sehr gewogen. Mich trostet zuweilen des
Chaldeers aussage / die einer von uns beiden schwestern die Syrische Kron
versprochen hat: welche Cimber / als ein herr von gluck und grossem mute / eher
zu erlangen hoffen kann / als Abimelech / der ohne des dereinst sein våtterliches
reich zuerwarten hat.
    Aramena / die / als unerfahren in der liebe / nicht wusste / wie grosse
schmerzen man den verliebten damit antut / wann man ihnen alle hoffnung in
ihrer liebe benimmet / wollte aus guter Meinung sie warnen / und sagte: Ich weiss
gewiss / dass dieser teutsche held bereits an einen hohen orte liebt / und zwar
die schonste person / so jezt mag in der welt sein. So müste er / (antwortete
Jaelinde ganz bestürzet /) die schone Aramena lieben. Meine Prinzessin vergebe
mir / (antwortete Aramena) dieses lob komt mir nicht zu / und wo Colidiane und
Jaelinde bekant sind / wird man Aramenen nicht den preis der schonheit geben.
Liebet er etwan (fragte sie ferner ganz unruhig) meine schwester? Nein!
(antwortete Aramena) er liebt die Delbois / die schone Königin von Ninive.
Hiemit wurde der Jaelinde nicht anderst zu mut / als wäre ihr das herz heraus
gerissen worden / und kunte sie kein wort antworten. Aramena aber fuhre fort /
sich zubemuhen / ihr diese vergebliche liebe aus dem sinn zubringen.
    Indem sie aber mit ihr redete / name sie in acht /dass etliche person in den
nebengängen spazirten /welche öfters ihnen begegneten / und die Aramena genau
ansahen. Es bedunkete sie / als sollte sie dieselben kennen: und als sie / im
furbei-gehen / sich nach ihnen umsah / funde sie dieselben auch also tun. Weil
jene aus Aramenen gesichte abnamen / sie musse etwas an ihnen merken / winkete
ihr einer mit dem haubt / wurfe einen stab in den gang / darin die
Prinzessinnen gingen / und zeigete mit den gebärden an / dass Aramena selbigen
aufnemen sollte. Sie unterliesse nicht / als sie daselbst wieder fürbei kamen
/solches zu tun / und hube den stab auf / als håtte sie es ungefär getan.
Indem sie aber mittlerweile nach diesen frömden umschauete / ward sie gewar /
dass sie gar erfreut sich erwiesen / und in die hånde klopfeten.
    Das verlangen / dieses rätsel aufzulosen / triebe sie desto eher wieder aus
dem garten: worzu auch die betrübte Jaelinde gar willig sich finden liesse / um
diesem gespråch ein ende zu machen; dann sie ihren kummer / ob der neu-erfarnen
zeitung / fast nicht mehr verdrucken kunte. Nachdem sie die Aramena in ihr
zimmer begleitet / verliesse sie dieselbe / und gienge / ihren traurigen
gedanken nachzuhängen: die in kurzen sie also ausmårgelten / dass ihre schone
nicht wenig schaden daruber erlitte. Aramena aber sah sich nicht sobald allein
/ da name sie ihren stab herfur: welchen sie aller orten besichtigte / und
endlich befunde / dass er sich aufschrauben liesse. Wie sie ihn nun eroffnet /
zoge sie einen aufgerolleten zedel herfur; den sie begierig entwickelte / und
folgende worte darinnen funde.
    Briane und Zimene / deine alte schwestern / sind von der Ehrwürdigen Celie
aus dem Tempel an dich abgefärtiget / deiner befreiung halber sich mit dir zu
unterreden. Diese nacht werden sie / in eben der kleidung / darin du sie heut im
garten gesehen vor der Fürstin von Seir fenster / welches auf den garten hinaus
geht / aufwarten / und durch wurfleitern versuchen / näher zu dir zu kommen. Zu
dem ende haben sie alles schon bei sich bereitet / und sind ferner der grossen
Diana hülfe / zu fortsetzung ihres anschlags /erwärtig.
    O gerechte gottin! (sagte hierauf die erfreute Aramena) wie unverhofft
schickest du mir deine hülfe zu! und wie augenscheinlich sehe ich nun / dass ich
nicht von dir verlassen bin! Hierauf ginge sie nach der Furstin von Seir gemach
/ selbige ihrer freude mit-teilhaft zu machen. Vor demselben fand sie die
Astale stehen / bei der sie anfragte / was ihre Fürstin machete? Ich habe zwar
befehl / (antwortete Astale) alle andere ankommende mit dem schlaff meiner
Fürstin abzuweisen. Die Prinzessin von Chaldea aber ist hierunter nicht
begriffen / und werden sie meine Furstin in einer gesellschaft antreffen / die
vieleicht für ihrer beider freiheit sorget.
    Hiemit ward Aramena eingelassen: welche den Fürsten Ephron / neben noch
einem andern / den sie nicht kante / fur der Ahalibama bette stehen funde. Diese
zween besturzeten anfangs / jemand in der kammer zu sehen / da der Astale so
hart befohlen worden /niemand einzulassen. Wie aber Ahalibama sah / dass es ihre
Aramena war / sagte sie zu den anderen / sie dörften sich für derselben nicht
scheuen; und bate damit die Prinzessin / sich auf ihr bette nieder zusetzen.
Nachdem solches beschehen / sagte Ahalibama ferner zu ihr: Du findest mich hier
/ liebste schwester! in gesellschaft zweier personen / die fur meine freiheit
sorgen. Mein bruder Ephron ist dir bereits bekant. Dieser aber / ist der
haubtmann Demas / der uns bewachet: der vom gebirge Seir bürtig / und vor diesem
meinem herr vattern zu Dedan gedienet hat. Ich bin von jederman verlassen: nur
allein diese beide jammert mein zustand. Der ehrliche Demas hat bei dem Fursten
von Ninive / der sich jezt hier aufhält / zu wege gebracht / dass er hülfe mit
anlegen will / mich heimlich von hier und zu seiner Königin nach Damascus zu
bringen. Von derselben werde ich versichert /dass sie mich gern in ihren schutz
nemen wird: sowol wegen ihrer berümten gutigkeit / als auch wegen des anteils /
so sie dabei hat / da sie den schimpf / so der Konigin Atis / ihres vettern
schwester / erwiesen worden / nicht bässer rächen kann / als wann sie mich wider
den Beor beschützet. Ohne diese hülfe / wäre ich verloren gewesen: nun aber
hoffe ich dem Tyrannen zu entgehen / und bei der Königin von Ninive meinen
Elieser ruhiger zu beweinen.
    Durch diese zeitung / ward Aramena innigst erfreuet. Sie wollte aber die ihr
im garten zugestossene begebenheit für den andern nicht erzählen / sondern
hielte damit ein / biss sie bei der Ahalibama allein sein wurde. Selbige
unterredete sich noch eine weile mit dem Ephron und Demas / von den mitteln /
aus dieser gefängnis los zu kommen. Endlich an der Aramena angelegenheit
gedenkend / fragte sie den Demas: Ob dann diese gute Prinzessin nicht auch /wie
sie / durch ihre hülfe davon kommen künte? Durch unsere hülfe wohl / (antwortete
Demas) aber nicht durch des Arsas beistand: dann derselbige die heurat dieser
Prinzessin mit den Prinzen von Canaan gar sehr billiget / auch seine gemalin
Casbiane stark darüber eifert / dass sich meine gnådige Prinzessin so sehr dem
willen ihrer eltern und anverwandten widersetzet. Wann mir der mirleidige Demas
will beistehen / (antwortete Aramena /) so wird der himmel mir schon ein mittel
zuweisen / zu entkommen / wann schon alle meine anverwandten mir entgegen wären.
Demas erbote sich hierauf / ihr nach moglichkeit zu dienen. Ephron name damit
abschied von der Ahalibama / die ihme mit heissen zåhren gute nacht gabe /weil
sie ihn / wegen seiner schleunigen abreise nach Sichem / nicht wieder zu sehen
vermutete. Demas fürete diesen Prinzen heimlich durch den verborgenen gang /
durch welchen sie hinein gekommen waren /wieder hinaus / dass niemand von der
wacht vor dem zimmer das geringste davon gewar wurde.
    Die beide Prinzessinnen / blieben also allein beieinander. Aramena
vermeldete der Ahalibama / was ihr im garten begegnet: und funde dieselbe ganz
willig / die beide jungfrauen der Diana / durch ihr vorgeschlagenes mittel in
ihre kammer einzulassen. Wie Aramena demnach / mit unbeschreiblichen verlangen
/der nacht erwartet / auch der Fürstin Calaride und ihren andern leuten
angedeutet hatte / wiedass sie wollte bei der fürstin von Seir schlaffen: gabe sie
acht am fenster / das nach den garten hinaus ginge / und kunte sich nicht ein
zweiglein vom wind bewegen /dass sie nicht meinte / es kämen die / auf welche
sie wartete. Nach einer guten weile / als der mond ein wenig aufgegangen war /
erblickete sie dieselben /und hustete / um von ihme gehöret zu werden. Sie /der
Aramena ebenfalls warnemend / kamen nåher unter das fenster / und wurfen eine
strickleiter an dasselbe hinauf: welche Aramena bei dem einen haken auffinge /
und an das fenster fest machete.
    Sie kamen also beide glücklich hinauf / und erkennete Aramena alsobald / bei
der klarheit des lichtes /die Briane und Zimene / fiele ihnen hoch erfreuet um
den hals / und furete sie für der Ahalibama bette. Sihe / liebste schwester!
(sagte sie zu derselbigen /) zwo von meinen båsten freundinnen / die ich in
Ninive gehabt / und die der himmel zu meiner hulfe herschicket. Briane und
Zimene grüsseten die Furstin von Seir aufs hoflichste / und als sie sich / auf
bitte der Aramena / gesetzet / sah diese Prinzessin sie sehr verwundert an /
und brache endlich in diese worte herans. Wie Briane! wie Zimene! seind das
eurem orden geziemende kleidungen / darin ihr allhier erscheinet? und ist es
müglich / dass ihr die jenigen seit / vor die ich euch erkenne? Ja / liebste
schwester! (antwortete Briane /) deinetwegen sihest du uns in dieser frömden
gestalt; und geburet uns nicht / diese mannliche kleidung zu tragen / so solst
du bedencken / dass wir dich auch in einen weltlichen schmuck finden / der sich
für eine geheiligte jungfrau der Diana übel schicket. Ach Briane! (antwortete
Aramena seufzend /) unsere grosse Gottin sei mein zeuge / wie schmerzlich es mir
fället / in solcher gestalt vor dir zu erscheinen. Wann du aber mittel weist /
mich zu erretten / so halte mich nicht länger auf / mir solche zu entdecken.
Meine base / die Furstin von Seir / darf dir nicht verdåchtig sein: dann ich sie
fur meine herzensfreundin achte; zudem /dass unser beider Glück und ungluck uns
ganz gleich machet.
    Ich will (sagte Briane) die ursache / warum wir hier sind / mit kurzem
berichten. Als unsere Oberpriesterin / die hochwurdige Celia / zu ende dieses
winters /von dem Prinzen Mamellus deinem herrvattern erfuhre / dass er dich an
den Hemor von Canaan verlobet / und dass er dich / mit anfang des frülings / in
das Konigreich Sichem / deine hochzeit zu vollziehen /schicken wurde: ginge es
ihr sehr zu herzen / dass ihr bruder so hartnåckig den tempel entehrete / und
deinem so heiligem beginnen sich also widersetzen durfte. Demnach ward sie rätig
/ den ausspruch unserer Diana deinetwegen einzuholen / ob du nämlich / deinem
gelübde gemås / zu uns in den tempel wieder kommen / und dem heurat-zwange
entgehen würdest? Der ausspruch / den sie bekame / ware dieses innhalts:
    
    Aramena wird entgehen Hemors seiner liebesmacht:
     Wann sie / einem ritter gleich / sich aus Canaan erhebet.
     Sende zwo also verkleidt dortin / wo sie jezund lebet.
     Doch dass sie beständig bleibe / muss man fleissig haben acht.
    
    
Diesen lezten vers sagte die vermeinte gottin mit solchem ungestum / dass ihr
bild davon zitterte / und der ganze tempel erbebete. Die Celia wurde gleich
darauf schlussig / die Zimene und mich abzusenden: mit dem befehl / dich zu erst
in Syrien / nachgehends in Canaan zu suchen / deinen zustand zu erforschen / und
muglichst dich mit nach Ninive zuruck zu bringen. Weil eben damals die Konigin
von Ninive / nach Syrien ihre reise anstellete: als gaben wir uns fur edelleute
/ unter ihren bedienten / mit auf den weg / und seind dergestalt unvermerkt
hieher gekommen.
    Niemand kante uns von allen unseren reisgefärten /als Zimenen bruder / der
des Fürsten Arsas hofmeister ist. Weil nun dieser der Konigin abgesandter / von
Choce / welches auf der Amoriter gebirge liget / zu dem Konig von Salem reisete
/ und wir daselbst erfuhren / dass du allbereit aus Syrien hinweg wårest:
folgeten wir dem Arsas hieher / und erfuhren bei unserer ankunft alsobald / wie
es dir erginge / und wie rumlich du dich dem Hemor widersetzet. Wir bedienten
uns besagten hofmeisters des Fürsten Arsas / welcher uns im garten die
gelegenheit wiese / in dieses fenster zu kommen. Nachdem wir uns erkundiget /dass
in diesem gemach die Fürstin von Seir deine nahe verwandtin wonete / bekamen wir
hoffnung / dich allhier sprechen zu konnen / und machten dir solches durch den
stock zu wissen. Heute liessen wir uns im garten verschliessen / um diese nacht
dich zu sehen. Weil nun der Zimene bruder uns allen beistand verspricht / so
hoffen wir / in verstellter kleidung dich mit hinweg zu bringen / und zwar
solcher gestalt. Wir haben erfahren / dass der Konig von Canaan und der Prinz
Hemor in zehen tagen ihre hochzeiten mit euch anstellen wollen: da die Bråute /
wie wir vernemen /nach landsgebrauch drei tage vorher von niemanden besuchet
werden / sondern sich ganz eingezogen und verborgen halten mussen. Zu selbiger
zeit / können wir mit dir durch dieses fenster unvermerkt entkommen / und
etliche tagreisen von Salem hinweg sein /ehe dass es jemand innen werde. Zimenen
bruder will uns begleiten: und wann nur dein entschluss mit unserem fürhaben
einstimmet / hoffe ich gewiss / dass unser anschlag uns nicht fehlen solle.
    Ich bin zu allem willig und bereit: (antwortete Aramena /) zumal ihr / auf
befehl meiner Oberpriesterin /dieses alles furgenommen. Es hat euch wohl der
himmel zu rechter zeit hergefuret / da ich nun fast alle hoffnung verloren hatte
/ meine gelübde anderst / als durch den tod / zu erhalten. Hierauf / nachdem sie
die Aramena von allem / wie es ihren anderen ordensschwestern erginge /
berichtet hatten / begaben sie sich wieder durch das fenster hinunter in den
garten: alda sie sich verstecketen / bis am morgen der garten wieder geoffnet
wurde / da sie unvermerkt hinaus kommen kunten.
    Sobald es tag worden / liesse der König Beor den geheimen raht wieder
versamlen: da dann beschlossen wurde / des Fursten Eliesers begråbnis
anzustellen /und beiden Prinzessinnen anzukundigen / dass sie zu ihrem
hochzeitfest sich bereit machen sollten. Das bose gewissen liesse dem Beor nicht
zu / seine Fürstin / vor dieser ankundigung / zu besuchen: dann er fürchtete /
sie mochte ihm abmerken / dass er an des Eliesers tode schuldig war. Hemor
ingleichem / der sich leichtlich konnte einbilden / wie schmerzlich Aramena diese
gewalttåtigkeit entfinden würde / wollte sie nicht wieder sehen / bis auf den
gewunschten tag /da er rechtmäsig ihrer schonheit zu geniessen / und die früchte
seiner liebe einzusamlen / verhoffete.
    Der Furst Sobal von Seir aber / ginge zu Ahalibama: die ihn / als ihren und
ihres verstorbenen Eliesers nahen vettern / sehr gern bei sich sah. Sie hörete
aber von ihme / zu vergrosserung ihres leidens / wiedass ihr herr vetter und die
såmtliche Fürsten von Seir anders sinnes worden / und nun so sehr ihre heurat
mit dem Beor billigten / als sie furhin derselben widersprochen. Die hoffnung
aber ihrer erlösung verursachete /dass sie nicht viel dagegen redete. Mit
gleich-grosser gedult horte sie nachgehends an das anbringen der königlichen
rähte / von dem schluss wegen ihres beilagers. Der Beor wurde / mit dem bericht
von dieser ihrer bässern zufriedenheit / hoch erfreuet. Er hielte solches vor
eine wurkung des todes von Eliesern / und lobte sich nun selber um diese
mordtat: nicht zweiflend / Ahalibama wurde fortin immer auf bässere gedanken
kommen. Aramena machte ebenfalls nicht viel wunders mit den råhten / und liesse
sie also dem Hemor eine getråumte vergnugung zurucke bringen. Nåchst diesen
verliebten / ware niemand froher / als der alte Tebah und die Calaride: weil
sie hierdurch ihr anvertrautes pfand båst versorget achteten.
    Colidiane und Jaelinde kamen folgends / auf befehl des Konigs Melchisedech /
auch zu ihnen / sie in das verordnete zimmer einzubegleiten / da sie bis an den
tag ihrer hochzeit verborgen bleiben sollten. Weil der gebrauch in Canaan so fest
und unverruckt gehalten wurde / dass / auser ihren wenigen bedienten / die sie
selber auszuwählen pflegten / kein mensche zu den Bräuten kommen durfte: als
betrübte sich Colidiane nicht wenig / dass ihr also die gelegenheit entzogen
wurde / die Ahalibama / wie sie dem Elieser versprochen / im rechten
Gottesdienst zu unterrichten. Doch hoffete sie / solches nachgehends / wann
Ahalibama Konigin von Canaan sein wurde / ins werk zu setzen. Diese verånderung
der gemåcher aber / kame der Aramena sehr ungelegen: weil ihr dadurch von neuem
alle hoffnung entzogen wurde / durch den garten zu entkommen. Das zimmer / da
sie bleiben sollten / sah zwar auch in den garten: war aber mit starken eisernen
gittern für den fenstern verwahret / dass ihr recht angst wurde / und aller muht
entfiele. Tirza und Astale / neben noch zweien jungfrauen / liessen sich mit
ihnen versperren. Der König ordnete eine starke wacht / unter aufsicht des
haubtmanns Demas / für das zimmer: damit er seiner schonen beute versichert sein
/ und ihm seine Ahalibama nicht wieder entgehen mochte.
    Der getreue Furst Ephron aber / säumete inzwischen nicht / sowol den Fursten
Arsas zu erinnern /dass er zu der Ahalibama flucht beförderlich sein wollte / als
auch den Demas zu ermahnen / dass er an seinem fleiss nichtes sollte erwinden
lassen. Dieser treuer landsman der Furstin von Seir / gabe den raht /man sollte
sie mit dem ehisten bei nacht heraus bringen / und in des Arsas behausung bei
seiner gemalin verborgen halten / bis derselbe nach Damascus wieder abreisen
würde: der dann seine reise etwas eher und vor dem angestellten hochzeitfest
fortzusetzen gewillet war / damit sie allbereit weit hinweg wåren / wann man sie
zu Salem missen würde.
    Dieses gefiele ihnen allen wohl / und suchete Demas hierauf gelegenheit /
solches der Fürstin von Seir kund zu machen. Wie nun folgenden tags / des
Prinzen Eliesers leichbegångnüs gehalten wurde / deren die Konige und der ganze
Hof beigewonet / verfugte sich Demas in den garten / der Ahalibama die botschaft
zuzubringen. Als er aber nach ihrem fenster eilete / funde er daselbst zween
jünglinge / welche nach eben demselbigen fenster hinauf schaueten / und mit
steinen hinan wurfen / um sich kund zu geben. Indem er hierüber besturzet stunde
/ ward er von ihnen ersehen: die dann von dannen eileten / und sich plötzlich
aus seinem gesichte verloren. Als er nun sich wieder allein sah / näherte er
sich dem fenster / und gabe unterschiedenen laut von sich / in hoffnung /
gehöret zu werden. Er bemühete sich aber vergeblich / musste also endlich
ablassen / und sich entschliessen / selbige nacht mit einer wurfleiter wieder zu
kommen.
    Die trostlose Ahalibama befande sich unterdessen /wegen der leichbegångnüs
des Eliesers / in betrubtem zustand: und hatte Aramena neben den vier jungfrauen
mit ihr soviel zu tun / dass sie nicht beobachten kunten / was inzwischen im
garten fürginge. Sie verharreten also in stätigem wehklagen / bis die nacht
einfiele. Aramena wollte nun eben sich zu ruhe begeben / als sie am fenster
klopfen hörete. Sie vermutete /es wurden ihre mitschwestern sein / liefe darum
eiligst nach dem fenster: befande aber / in eroffnung desselben / dass es der
Demas wåre. Ahalibama / so matt sie ware / liesse sich / so bald sie hiervon
vernomen / aus dem bette schleppen / um von ihrer erlösung etwas zu vernemen.
    Indem nun der getreue Damas ihr den ganzen anschlag umständlich berichtete /
merkte sie / dass Aramena in tiefen gedanken stunde. Auf ihre anfrage / um die
ursach dessen / sagte Aramena: wann nicht Casbiane mit dir nach Damascus reisete
/ wollte ich es wagen / dich dahin in verstellten kleidern zu begleiten; dann ich
nicht absehe / wie Briane und Zimene mit mir allein wollen fortkommen. Zudeme
erinnere ich mich / dass Zimenen bruder bei dem Fursten Tarsis von Sepharvaim zu
Camon gewesen / und wohl von demselben / mich ihme zu liefern / bestellet sein
mochte. Ahalibama bedachte sich hierauf eine weile /und sagte endlich zu dem
Demas: woltet ihr wohl /mein freund / dieser guten Prinzessin auch so wohl /wie
mir / dienen? Als Damas sie dessen versichert /sagte sie ferner: Die Prinzessin
Aramena darf sich nicht frei von der Casbiane noch von jemand anderem sehen
lassen / damit sie nicht ihren eltern verraten werde. Demnach will sie in
mannskleidern sich mit mir davon machen / und trauet eurer verschwiegenheit /
dass ihr sie nicht entdecken werdet.
    Indem hörte Demas jemand im garten reden / und sagte: O weh! ich sorge / wir
sind verraten. Damit stiege er eiligst die wurfleiter hinunter / und zoge von
leder / entschlossen / eher sein leben als seine freiheit zu verlieren. Er fand
die zween jünglinge / die ihme den mittag zuvor begegnet waren: die aber / ihn
mit blossem gewehr ersehend / davon flohen. Weil Aramena beim mondschein solches
von oben mit warname / als vermutete sie / dass es ihre beide bekantinnen sein
wurden. Demnach rieffe sie / sowol den Demas /als den andern beiden / mit namen:
da dann diese still stunden / und dem Demas sich so weit zuerkennen gaben / wie
dass sie wegen der Prinzessin da wåren. Weil nun ein vorhaben sie zusammen dahin
gebracht /und Aramena nochmals der Briane rieffe / zu ihr heran zu steigen: als
kame dieselbe / auf der Prinzessin begehren. Diese bename ihr alle furcht wegen
des Demas / und sagte ihr von ihrem vorhaben / mit nach Damascus zugehen:
welches Briane sehr gut befunde.
    Indem sie nun ferner hiervon sich unterredeten /und Demas unterrichtet
worden / wer die zwo andere personen wåren: machte er sich ans fenster / um zu
versuchen / ob sich die gitter ausheben liessen. Nachdem er befunden / dass ein
solches wohl geschehen kunte / schiede er wieder hinweg / mit dem vorsatze
/sobald muglich wieder zu kommen / und etliche treue diener mit zubringen / die
ihme handreichung tun möchten. Er versprache auch nochmals der Aramena mit
einem eide / dass er niemanden ihre flucht offenbaren wollte: auch Zimenen bruder
selbst sollte betrogen werden / und nicht anderst wissen / als dass ihre befreiung
mislungen wåre; vor deme sie in mannskleidern sich wohl kunte sehen lassen / weil
er sie von gesicht nicht sonderlich kante. Wie nun Briane und ihre gespielin mit
dem Demas also bekant worden / fragte er sie / wo sie aus dem garten kämen? Als
er erfuhre /wie dass sie die nacht darin verblieben / name er sie mit an den
ihme-bewussten ort: da er sich mit ihnen /an seiner wurfleiter / uber die mauer
hinab liesse; durch welches mittel sie / in des Fürsten von Ninive wohnung /
unvermerkt wiederkehrten.
    Am folgenden tag musste Ephron nach Sichem abreisen / wie gern er auch vorher
/ das ende dieses anschlags von der Ahalibama befreiung / mit abgesehen hätte:
und schiede er ganz betrubt von Salem / allwo er einen so edlen und lieben
bruder verloren / und dessen einige geliebte so unruhig hinterlassen musste. Auch
die verwirrungen seiner eigenen sachen / neben dem andenken an seine Corycide /
liesse ihm hierneben keine ruhe / und hatte er wenig hoffnung / sich jemals
vergnügt zu sehen. Hingegen befande sein vatter / der Fürst von Tapua / sich
desto vergnügter in seinem gemüte / da er sich bei dem Konig so wohl gelitten
sah: von dem er / zur vergeltung / die stadt Lachis bekommen hatte / welche
ihme soviel / als das fürstentum Tapua / einbrachte. Man redete nun zu Salem
von nichtes / als lauter freudenfesten. Es wurden keine kosten gesparet / diese
zwei Konigliche beilager auf das ansehnlichste zu halte: und sollte alle lust /
so nur zu erdenken ware / hervor gesuchet werden / um die widerspänstige bråute
womit zu ergetzen.
    Diese offentliche zurüstungen aber / hinterten nicht die heimlichen /
sondern beförderten vielmehr dieselbigen: weil man durch jene erinnert wurde /
in diesen nit saumselig zu sein. Wie nun alles bereitet / was Demas zu seinem
vorhaben dienlich befunde / und die nacht so finster war / als er sie wunschen
mogen: ginge er / als er seinem unterhaubtmann die wacht vor der Prinzessinnen
gemach anbefohlen / mit etlichen getreuen dienern des Fursten von Ninive / unter
denen sich dann auch Briane und Zimene mit befunden /nach dem schlossgarten.
Nachdem er / durch die mitgebrachte werkzeuge / die ihme gar wohl dieneten / die
gitter los gemachet / kame er durch das fenster hinein zu den Prinzessinnen / in
begleitung der Briane und Zimene / die die kleider fur die Aramena trugen.
Nunmehr (sagte er zu ihnen) hoffe ich zu erlangen / was ich / aus eiver ihnen zu
dienen / mir vorgenommen: und müssen wir jezt keine zeit versäumen / uns
alsobald von hinnen und daselbst hin zu begeben / wo der Fürst Arsas der Fürstin
von Seir bereits erwartet.
    Aramena begabe sich hierauf eiligst in ein neben zimmer / mit der Briane /
Zimene und Tirza / und verkleidete sich alda in einen Assyrischen langen rock
/den sie mit einer gewirkten binde aufgurtete. Ihr braunes haar / weil es von
natur in locken fiele / lösete sie allein herunter; und den schmuck mit dem sie
ihr haubt bedecket hatte / schenkete sie den Demas /einen Babylonischen bund
dafür aufsetzend. Sie gurtete auch ein schwert an die seite / womit sie sich so
geschicklich wusste anzustellen / als wenn sie lang einen ritter abgegeben hätte.
Wie sie nun damit fårtig war / kame sie zu der Ahalibama wieder hinein / welche
sie fast selber anfånglich nicht mehr kante: so gar hatte sie diese kleidung
verwandelt. Hierauf verzogen sie nicht långer / aus dem fenster zu steigen:
nachdem sie zuvor die zwo jungfrauen / welche sie hinterlassen mussten / wohl
unterrichtet / wie sie sich nach ihrem wegsein verhalten / und täglich die
speisen von der wacht annemen sollten / als wann sie noch zur stelle wåren. Sie
liessen auch zwei schreiben / eines an den Konig Beor / das andere an den
Prinzen Hemor / auf dem tische ligen / deren innhalt also lautete:
                   Schreiben der Ahalibama an den König Beor.
Demnach mir die götter / das einige so ich geliebt /durch den tod genommen /
scheinet es / als wollten sie aufhören / mich ferner zu verfolgen: indem ihre
unvermutete hülfe mir meine erlösung so erwünscht verfüget / da ich fast alle
hoffnung verloren hatte / E. Maj. gewalttätigkeit zu entgehen. Ich sage E. Maj.
dieses jezt nicht zum ersten mal / dass ich die ehre / so sie mir antun wollten /
für eine last / und ihre liebe für eine qual achte und ansehe. Man wird demnach
/wegen meiner flucht / mich nicht verdenken: von deren ich wünsche / dass sie E.
Maj. gemüte heilen /und bei dero wirken möge / eine rechtmäsige liebe gegen die
Königin Atis / und eine billige verachtung gegen die unglückselige
                                                                      Ahalibama.
                  Schreiben der Aramena an den Prinzen Hemor.
Eure gewalttätigkeit zwinget mich / Salem zu verlassen: daselbst ihr mich
bisher / gegen alle billigkeit /wie euere gefangenin gehalten. Ich habe dieses
mittel ergriffen / um mein gelübde nicht zu brechen / das ich / ehe ihr mich
gesehen / zu meiner göttin abgeleget. Ihr werdet leichtlich meiner vergessen
können / wann ihr euch täglich fürstellet / dass ich euch nie geliebt; dass ich
an euch die liebe gehasset; und dass / auser dem namen einer freundin / nichtes
übrig habe /womit sie euch vergnügen könnte / die von eurem zwang erlösete
                                                                        Aramena.
    Nachdem die Prinzessinnen mit den ihrigen hinunter gestiegen / mussten sie
solang in einer läube verziehen / bis Demas mit seinen gehülfen die gitter
wieder vor die fenster einhängete. Weil dieses sich eine zimliche weile verzog /
als ware inmittels der Prinzessinnen angst unendlich: indem sie mit dicker
finsternis sich umgeben befanden / und verraten zu werden sich besorgeten. Zu
vermehrung ihrer furcht / trate endlich auch der mond herfür / und fienge an gar
hell zu scheinen. Bei diesem liecht sah Astale von weiten sich jemand bewegen /
darüber sie sehr erschracke /und es den Prinzessinnen anzeigete: die dann / mit
ihr / etliche schatten gehen sahen. Ahalibama / die ståts an ihren Elieser
gedachte / vermeinte / es wäre sein geist / der sie suchete. Aramena aber /
konnte nichtes daraus machen. Als sie solches dem Demas gezeiget /der eben zu
ihnen kame / und mit seinen gittern färtig war: hielte der vor das båste / dass
sie so lang in der sommerläube verborgen blieben / bis sie innen wurden / ob
iemand im garten wåre. Die schatten kamen ihnen nun immer nåher / und wiese es
sich endlich aus / dass es eine frauenperson neben einem priester ware /denen
etliche dirnen folgeten / die fur der hütte nahe furbei gingen. Weil ihr der
mond gerad in das gesicht schiene / als kunten sie dieser fromdin vortrefliche
schonheit erkennen / die gar keine gemeine person furstellete. Wie es ihnen
furkame / so schiene ihr haar schwarz / die augen blau zu sein. Ihre kleidung
aber ware ganz frömd und ihnen unbekant; gleichwol ihre gestalt so schön und die
gebärden so majestetisch /dass Aramena wohl håtte wissen mögen / wer sie wäre. Sie
gingen aber immer fort / und verloren sich letzlich ihnen aus dem gesichte.
    Demas kunte sich hierbei nicht gnug verwundern /wie dieses zuginge / da der
garten ja verschlossen war / dass niemand durch das tor kommen mochte. Er kunte
auch / ob er schon viel jahre in Canaan aller orten bekant worden / sich nicht
besinnen / solche person jemals gesehen zu haben. Als sie nun ohne gefahr
herfurtreten und sich fort machen kunten / stiegen sie glücklich über die garten
maur hinaus / von dar sie / uber eine wiese / nach dem hause des Fürsten von
Ninive zugingen. Ahalibama und Aramena spracheten unterwegs / wie diese letzere
sich nennen sollte: die dann endlich des Fürstens von Seir des Disons /namen
anname / und beschlosse / sich für der Ahalibama ritter auszugeben / der ihr von
jugend auf gedienet håtte. Es ware ihr dieses gar leicht zutun / weil Arsas und
Casbiane / ob schon diese ihr verwandt war / sie niemals in Syrien gesehen
hatten.
    Dieser Fürst und seine gemalin / entfienge die Furstin von Seir heimlich in
hinterhofe: weil er solches vor seinen bedienten / aus furcht / dass es auskommen
mochte / nit wagen wollte. Nachdem er sie in ein zimmer gefuret / da sie bis zur
abreise verborgen bleiben kunte / versicherte er sie nochmals / wiedass er ihr
nach aller moglichkeit dienen wollte: wofür sie ihnen beiden zu tausendmalen
dankete / und sich gluckselig nennte / dass sie in einer so berumten Konigin
schutz gelangen sollte / von deren vollkommenheiten ihr das geruchte so viel
annemliches berichtet hätte. Ihr ritter Dison / bliebe auch verborgen bei ihr in
einem neben zimmer: und weil Briane und Zimene mit ihm eines geschlechtes waren
/ als leisteten sie ihme gesellschaft / und danketen der grossen Diana /dass der
anfang zu Aramenen befreiung also glucklich ware gemacht worden.
 
                                Das Dritte Buch.
Nachdem der morgen angebrochen / der dieser glucklichen nacht folgete / darin
der getreue Demas so meisterlich / ohne einigen argwahn / die beide versperrete
bråute befreit hatte / erwachete Aramena /und eilete / in ihre mannskleider zu
kriechen / ehe jemand zu ihr kommen mochte. Sie verrichtete solches nicht ohne
entfårbung / indem sie betrachtete / wie eine ungeziemte tracht sie gebrauchen
musste / ihr gelubde zu erhalten. Ihr gotter! (sagte sie bei ihr selber /) worzu
lasset ihr es mit mir kommen / und was muss ich nicht erfahren und anstehen / um
euch beståndig zu verbleiben? Ich setze fast den wolstand hintan / um in meinem
stande zu verharren; und ich / die ich so sehr die heilige jungfråuliche
kleidung zu tragen verlange / sehe mich jezt also verstellet / dass ich mich für
mir selber schåmen muss.
    Indem sie also ihr verhängnis betrachtete / trate zu ihr in das zimmer ein
fromder jungling / für dessen ankunft sie sich sehr entsetzete / weil sie noch
nicht angekleidet war; und hielte sie eilig ihren oberrock fur / um die brüste
zubedecken. Der jungling aber finge an zu lachen / sagende: Der ritter Dison hat
nicht nötig / sich für seinem diener Tirzis zu scheuen / der seine aufwartung
will abstatten / seinen herrn anzukleiden. Durch diese rede gabe sich Tirza zu
erkennen: die sich also mit hulfe der Briane verkleidet hatte / um ihrer
Prinzessin desto nåher zu sein. Aramena sagte / lächlend: Wann ich aller welt so
erkentlich scheine / als du mir fürkommest / will ich mich nicht scheuen / nach
Damasco zu meinen eltern zu kommen: dann ich håtte in dir nichts weniger / als
die Tirza / gesuchet. Ich versichere meine Prinzessin /(antwortete Tirza /) dass
sie sich künlich der Tarasile / ihrer fraumutter / ja dem Prinzen Hemor
selber /also zeigen dörfen. Ich besorge aber / der schone Dison werde ja so
sehr / als furhin die schöne Aramena / die herzen verwunden: massen / durch
diese verkleidung / die kentnus der Aramena / nicht aber ihre schönheit / sich
verloren. Wann der himmel (sagte Aramena / fortlåchlend) nur den Dison mit
solchen liebesplagen verfolgen / die Aramena aber frei lassen wollte: wie frolich
würde ich solche marter ertragen! dann ich einen einigen Hemor ihr gefårlicher
achte / als hundert Damen / die den Dison lieben möchten. Hiemit kamen auch
Briane und Zimene zu ihnen: und leisteten diese vier neue junglinge den ganzen
vormittag einander gesellschaft. Briane / die sich Brianes nante / unterhielte
den Dison mit so angenemen gesprächen / den Ninivitischen tempel belangend / dass
dessen begierde immer grosser wurde / die Aramena bald ruhig darinnen zu wissen.
    Ahalibama aber / welche / bei der freude ihrer wiedererlangten freiheit /
gleichwol ihr leiden noch nicht vergessen kunte / hatte / wie sie seiter fast
immer nach ihres Eliesers tod getan / die nacht über keiner ruhe genossen. Und
weil sie der kummer noch nicht das bette verlassen liesse / als sandte sie ihre
Astale zu ihren ritter / dessen zustand zu vernemen. Diese /als sie den Dison in
gesellschaft des Brianes / Zimenes und Tirzis funde / welchen letzten sie noch
nicht kante / brachte ihr gewerbe von ihrer Fürstin an / und besturzte nicht
wenig / als der Dison ihr antwortete: Saget eurer Fürstin wieder / wiedass ich /
ob ich schon Dison bin / gleichwol mich nicht werde entsehen können / eben so
frei ihrer gesellschaft zu geniessen / als ich fürhin getan / wie ich noch
Aramena ware. Dennoch will ich / ungeacht sie noch zu bette liget / gleich zu ihr
gehen / und ihr zusprechen. Tirzis / der die Astale in verwunderung sah / dass
Dison von der Aramenen in seiner gegenwart so frei geredet / wollte ihr noch
banger machen / fiele ihr derhalben / ehe sie es vermutete / um den hals / und
küssete sie: welches die Astale ubel aufnemend / mit grossem unwillen den Tirzis
hinweg stiesse. Wie aber die andere dreie anhuben zu lachen / merkete sie
endlich / dass es die Tirza war / und zankete freundlich mit ihr / dass sie sie
also betrogen hatte.
    Weil nun Dison / durch einen schmalen gang /ohne im hause von den leuten
gesehen zu werden / zu der Ahalibama zimmer kommen kunte / begabe er sich mit
der Astale dahin: Tirzis aber bliebe bei den anderen. Dison / als er sich bei
der Fürstin bette sah / redte sie also an: Ich komme / gnådige Fürstin /meine
schuldige aufwartung bei ihr abzulegen. Diese worte sagte der angeneme Dison mit
so guter art und freudigkeit / dass Ahalibama / so betrubt sie auch war / diese
verkleidete Aramena mit vergnügung betrachten musste. Ach liebste schwester!
(antwortete sie) du kanst dich billig über deine freiheit erfreuen: ich aber
sehe nicht / was es mir hilfet. Ich bleibe bei diesen leidigen umständen gleich
elend / und kann nicht hoffen / jemals trost fur meinen verlust zu erlangen. Alle
begünstigungen des glückes / sind mir fortan zuwider: weil es mir die einige /
meinen Elieser / geraubet und versaget. Liebste schwester! (sagte die
verkleidete Prinzessin) ach! wollte doch der himmel / dass ich dir meine ruhe
mitteilen oder uberlassen konnte! Um meinetwillen sehe ich dich guten teils in
deinen unglücklichen zustande: dann von wegen meiner erledigung /hat der Fürst
Elieser von dem Hemor die wunden entfangen / die seinen tod verursachet. Ach
unglückselige begebenheit! (rieffe Ahalibama) wäre mein Elieser / mich zu
befreien / nicht so begierig gewesen / so wäre er nicht in solchen unfall
geraten. Ich / ich allein habe die schuld / dass ein so edles leben dem
gewaltsamen tod aufgeopfert worden.
    Hiemit ginge ihr weheklagen von neuem an / und die verkleidete Prinzessin /
welche ihrer freundin anligen innigst schmerzete / geriete auf einen anschlag
/den sie ihr sobald entdeckete. Ich erkenne mich / liebste Ahalibama! (sagte
sie) für die unselige / dadurch dein grosses ungluck den anfang gewonnen:
deshalben wunsche ich nichtes höher / als deine ruhe zu befordern. Mir ist
gleich ein gutes mittel beigefallen /deinen Elieser stäts ruhig zu beweinen /
und dabei vergnugt zu leben. Ach Aramena! (fragte die Fürstin /) wie sollte das
sein konnen? Du weist / (fuhre Aramena fort /) wie ich oftmals meines gelübdes
und des tempels der Diana zu Ninive erwehnet / auch so eiferig dahin strebe:
allwo ein so stilles vergnügtes leben gefüret wird / dass mich sehr wundert /
warum so wenig leute / sich in diesen stand zu begeben / verlangen. Woltest du
mein gelubde annemen / und deine lebenszeit in diesem tempel mit mir zubringen /
könnte ich dich mit höchster warheit versicheren / dass dich nimmermehr diese
Entschliessung gereuen sollte. Diesen vorschlag liesse Ahalibama ihr gleich
gefallen: auser dass sie ihres Eliesers lezte bitte / der Cölidiane Gott
anzubeten / noch etwas zurück hielte. Aber Aramena / als sie ihr solches zu
erkennen gegeben / wusste ihr so schicklich diesen zweifel zu benemen / dass
Ahalibama ganz schlussig wurde / ihr leben in der Diana tempel zu enden.
    Indem kame zu ihr die Furstin Casbiane / welche /den schonen Dison ersehend
/ sich nicht gnug uber selbigen verwundern konnte: wie sie dann die Ahalibama
fragte / als sie zuvor deren zustand erkundiget /wer dieser schöne jungling
wåre? Ahalibama berichtete die Casbiane / gleich wie unter ihnen war abgeredet
worden / wiedass dieser Dison von jugend auf bei ihr gewesen / und den dienst
ihres ritters bei ihr vertrette. Sie finge hierauf an / von ihrer reise nach
Damascus zu reden / und bezeugete ein grosses verlangen / den ort bald zu
verlassen / an welchem sie das liebste auf der welt verloren. Casbiane
vermeldete ihr hierauf / wiedass ihr gemal der Arsas gewillet wåre /morgendes
tags in geschåften nach Kiriat Sepher zu reisen: da sie zugleich ihre reise
nach Damascus furnemen wollte. Sie hoffe zu Gott / es sollte ihnen alles glücklich
von statten gehen: dann der Demas wäre bereits heut bei ihnen gewesen / mit
bericht /wiedass man im schloss von ihrer flucht das geringste nicht gemerket.
Hiemit kame auch der Fürst Arsas dazu / und beståtigte das / was seine gemalin
erzählt. Weil es aber um essenszeit war / als name er bald wieder abschied von
Ahalibama: weil er / sowol als seine gemalin / bei den zugeordneten des Königs
von Salem / offentlich speisen musste. Vor Ahalibama aber und die andern / ward
durch eine von der Casbiane jungfrauen die vorsehung getan / dass sie heimlich
ohne jemands wissen im hause gespeiset wurden.
    Wie sie nun nach mittag / bei den dreien geheiligten jungfrauen der Diana /
oder vielmehr bei dem Dison / Brianes und Zimenes / sich allein sah / und /weil
der Arsas mit seiner gemalin nach hof gefahren war / sich keiner ansprache noch
hinterung befahren durfte: bate sie die verkleidete Aramena / in ihrem gespräche
von dem Ninivitischen tempel fortzufahren /dazu sie ihr den vormittag so grossen
lust gemachet hatte. Und weil zu Tanac allemal hinterungen eingefallen / ihre
lebensgeschicht von ihr eigentlich zu erfahren: als wunschete sie sich anjetzo
bittseelig / solcher wissenschaft nicht långer beraubet zu leben. Brianes und
Zimenes fielen dieser bitte bei / und der anmutige Dison / weil er seine Fürstin
dadurch etwas von ihren betrübten gedanken abzubringen verhoffete / willigte um
so viel lieber darein / und hube mit sonderbarer annemlichkeit also an zu
erzählen.
    Geschichte der Aramena / und beschreibung des Dianen-Tempels zu Ninive.
Ob ich wohl jezt nicht anderst als Dison reden sollte /so muss ich dennoch / um
mich verståndlich zu machen / die abgelegte Aramena wieder fürstellen. Zwar darf
ich meinen zuhörern / wegen meiner geburt / keinen unterricht geben: weil solche
ihnen bereits bekant ist. Meine kindheit habe ich / ohne denkwurdige sachen und
ruhig / in Syrien zugebracht: da mein unglück wollte / dass jederman mehr an mir
sah / als ich in der tat besitze / und als mir an meinen fürhaben genutzet.
Wie ich ungefär das dreizehende jahr erreichet / fugete es der himmel also / dass
der stattalter von Syrien mein herr vatter / neben der fraumutter und mir /
nach Ninive reisen musste / dahin ihn der König Bel Ochus von Assyrien beschieden
hatte. Weil die Oberpriesterin daselbst / die Celia / meines herr vattern
schwester ist / als besuchete meine fraumutter dieselbe im tempel / und name
mich mit dahin: da ich dann der Oberpriesterin so wohl anstunde / dass sie meine
fraumutter bate / ihr die vergnügung zu gönnen / dass sie mich / inzwischen wir
zu Ninive bleiben wurden / in ihrem tempel bei sich behalten möchte. Meine
fraumutter verwilligte ihr solches gar gerne: nicht befahrende / dass sie mich
nachgehends so schwerlich wieder heraus bekommen wurde. Dergestalt kame ich nun
in diesen tempel: den ich zuvor vollkomlich beschreiben will / ehe ich von
meinen begebenheiten etwas mehrers erzehle.
    Es hat diesen prächtigen tempel die Assyrische Konigin Semiramis erbauet zu
ehren der schwester ihres gemals des Konigs Ninus / der unvergleichlichen
Dianen. Diese ist die ålteste tochter des Jupiter Belus gewesen / eine so
keusche Prinzessin / und so sonderbar mit tugenden bezieret / dass die gotter sie
unter ihre zahl und zur unsterblichkeit haben aufgenommen. Die herrlichkeit
dieses gebäudes ist so gross / dass wohl nirgend seines gleichen zu finden sein
wird. Dann ob wohl die Semiramis mehr kostbare gebåude aufgefüret / als den
tempel zu Hierapolis in Syrien /und die pråchtige mauren zu Babel: so kommen
doch dieselben diesem nicht bei / und wer diesen bau gesehen / wird mussen
gestehen / dass ihme nichts in der welt konne verglichen werden.
    Der rechte Tempel / darin die göttin wohnet / ist von weissem hellpolirten
marmor in die runde aufgefüret: dannenhero / wann die sonne ihre stralen darauf
wirfet / niemand ihn für klarheit anschauen kann. Inwendig stehet das bildnus der
gottin von golde / in lebensgrösse und in der eigentlichen gestalt / wie sie
sich in Assyrien sehen lassen. Auf dem haupt hat sie einen unerschåtzbaren
Diamant / der wie ein halber mond geschnitten ist. Der fus / darauf das bild
stehet /ist von einem herrlichen Topas / dessengleichen an grosse wohl niemals
einer aus Ophir gekommen. Der Altar ist mit golde dick überzogen / und uberall
mit edelsteinen besetzet. Die innere wände dieses tempels / sind von
krystallscheiben sehr künstlich in einander gefuget; und in den grösten feldern
derselbigen / sihet man die gesetzte der Göttin in Assyrischer sprache
eingeschnitten. Von oben fället der tag durch ein rundes fenster hinein; und ist
der boden mit blauem marmor beleget / so helle / dass man alles / gleich wie in
einem spiegelglase / darin sehen kann.
    Diesen tempel umgibet ein viereckichtes gebåude /jedoch auf allen seiten
sehr weit davon abgelegen: wie es dann auch von schwarzem marmor aufgefüret ist
/um desto mehr / auch an der farbe / von den innern tempel unterschieden zu
sein. In dem ersten teile gegen morgen / wonet die heilige Oberpriesterin / und
ist die Dafne die erste gewesen. Diese hatte bei der gottin Diana gedienet / und
also sie / nach deren tode / von dem Konig Osiris aus Egypten / der sonst Apollo
geheissen / der auch der Diana bruder war / geliebt worden / hat sie / dieser
liebe zu entgehen / sich in diesen tempel begeben: da die göttin / nach ihren
tode / sie auch unsterblich gemachet. Die jetzige Oberpriesterin / deiner
fraumutter und meines herr vattern schwester / wird höher als eine Königin
geehret: und warten ihr zwolf jungfrauen auf / die nåchst ihr die furnemsten
sind / und bei ihr ihre wonung haben. In dem gebåude gegen mittag / werden
aufbehalten die opfere von silber / gold und edelgesteinen / die von allen
potentaten in der welt dahin geschenket werden: und ist dieses ein so kostbarer
schatz / dass er für unerschåtzlich gehalten wird. Das dritte gebåude gegen abend
/ ist das heilige Bad / darin aus kostbaren brunnen die wasser zusammen
geleitet werden: und muss insonderheit die Oberpriesterin / wann sie in den
innern tempel gehen will / darinnen baden. Der vierte ort gegen mitternacht / ist
auch ein Tempel / inwendig von herrlichen marmor aufgefuret: darin stehen zwölf
altare / da der göttin alle monden auf einen derselben geopfert wird. Es sind
hierbei auch die opferkammern / da die tiere geschlachtet werden. Zwolf
jungfrauen / die sie die Opfer Nymfen nennen / wonen daselbst / und sind an
wurde die dritten nach der heiligen Oberpriesterinn.
    Diese vier Königliche gebåude umgibet der heilige Wald / darin von
allerhand wild die månge herum geht / welches alles der Gottin gewidmet ist.
Dieser hayn hat in umkreis vier meilen / und ist auf der einen seite ein hoher
berg / der den wald halb umfånget. Auf der andern seite stadt-warts / umfliesset
ihn der schiffreiche fluss Hidekel: von dessen strom / etliche arme mitten durch
den wald geleitet sind / dass es also ihnen nirgend an wasser manglet. Um diesen
wald stehen zwei huntert gebåude fur die jungfrauen / die ihr gelubde der gottin
Diana getan: und wonen allemal zwo beisammen / die ihre eigene lustgårten
hinter den håusern haben. Der berg / ist oben mit einer hohen mauer umgeben.
Gegen der stadt / da der fluss furbeilaufet / stehet auch eine mauer / und geht
eine grosse steineren brücke uber den strom / die an beiden enden auch ein
kostbares gebåude hat. In dem einen /das nach dem walde sich strecket / wonen
die weiber /die den heiligen jungfrauen handreichung tun. In dem andern aber /
das nach der stadt sieht / sind die wächter des tempels / welche
jedermänniglich den zugang verwehren müssen / damit kein mannsbild hinein komme.
    Die Oberpriesterin / tråget sich weiss / mit fliegenden haaren und einem
Lorbeerkranz auf dem haubte: des festtages aber / geht sie in purpur / welches
mit perlen gesticket ist. Die zwolf jungfrauen / die nach ihr die nächsten /
sind in himmelblau gekleidet. Die andern zwolfe / die bei den opfern aufwarten /
tragen rohte kleidungen. Die übrigen / deren bei meiner zeit zweihuntert waren /
gehen alle weiss in fliegenden haaren / mit bogen und köchern versehen. Tåglich
gehen sie einmal in den Opfertempel / der gegen mitternacht liget. In den
heiligen tempel / kommet nur die Oberpriesterin / mit ihren zwölf jungfrauen /
alle neumonden; die andern alle aber / jårlich nur einmal: und wird der gottin /
in diesem tempel / kein anderes opfer / als kostbares rauchwerk / gebracht. Ihr
stand bringt mit / dass sie der Diana die ewige keuschheit geloben /nichtes
essen / als was ihre hand selber fänget / einmal des tags im åusern tempel
erscheinen / alda ihr gebet zu verrichten / und oben auf dem berg / in den
nåchten wann der mond nicht scheinet / ein brennendes feuer erhalten. Die
Niniviten verschaffen ihnen wildbret die månge / also dass niemals ein mangel
daran zu spüren ist. Sie werden auch sonst mit brod und getrånke aus der stadt
versehen / und haben darneben trefliche fischereien / die ihnen so wohl zur lust
/als zur narung / dienen konnen.
    Was sonderbare vergnügung ich in diesem tempel entfunden / kann ich nicht
gnugsam beschreiben. Ich gewonete auch in dem jahr / da ich der Celia
aufgewartet / dieses schönen lebens so sehr / dass ich / so wohl aus eigener
neigung / als aus beredung einer jungfrauen / die sich auch Aramena nennet / und
von der die Oberpriesterin sehr viel hålt / mir fürname /mein leben bei ihnen
zuzubringen. Aramena / welche wusste / wie sehr diese meine Entschliessung der
Celie gefallen wurde / liesse mir in geheim ein weisses kleid machen: und wie
sie mich damit / als eine heilige jungfrau / angekleidet / musste ich mich also
der Celia sehen lassen. Sie hatte ja grosse freude / mich also zu sehen: noch
mehr aber ward sie erfreuet / als meine namentrågerin ihr mein furnemen
entdeckete. Sie bliebe hierüber anfangs bestürzet / und sah mich genau an;
endlich schluge sie die augen gen himmel / und sagte: O gerechter himmel / wie
wunderbar bist du doch in allen deinen schickungen? Hiermit name sie mich bei
der hand / und weil dieses im wald fürginge / setzete sie sich an einen baum /
und fragte mich: ob ich diesen schluss von mir selber aus eigener bewegung
gefasset / oder ob ich hierzu wåre beredet worden / und ob es ihr bruder oder
meine fraumutter mit wüsten? Wie ich nun nein gesaget / und sie teuer versichert
/ dass niemand als mein freier wille mich hierzu antriebe / sagte sie: meine
Entschliessung wåre so loblich / dass sie hoffen wollte / meine eltern würden es
gern zulassen. Weil ich aber noch jung wäre / und in die länge mehr verdruss als
ergetzlichkeit in dieser lebensart finden möchte / so sollte ich es noch eine
weile mit ansehen: den nachgehends / auf einmal-getanes gelubde / keine
wiederkehr sein könnte.
    In dem sie also redete / kame ein starker hirsch /den etliche jungfrauen
lang verfolget hatten / auf uns zu gerannt; und weil er erboset war / legete er
sein gehorne ein / um uns zu spiessen. Ich stellete mich gleich mit meinem bogen
und pfeil für die Celia / und schosse diesen hirsch so glücklich durch die brust
/dass er straks niederfiele / und seine kunheit mit dem leben verlore. Diese tat
name Celia also auf / als wåre sie noch so gross gewesen / nennte mich ihre
lebens beschutzerinn / gewanne / von dem tage an /mich noch lieber als zuvor /
und unterrichtete mich fleissig in allem / was den heiligen orden betreffen mag.
Als nun meine eltern ihre sachen in Ninive verrichtet / und wieder nach Syrien
abreisen wollten /weigerte ich mich mit ihnen zu reisen / und lage der
Oberpriesterin sehr an / dass sie mich wollte bei ihr behalten. Sie hörte dieses
mein begehren gar gewürig an / und als meine fraumutter zu ihr kame / (dannn
meinen herr vatter durfte sie nicht sprechen / als in gesellschaft des Königs /
welcher / wie alle gekronte häubter / die freiheit hat / in den tempel mit
seinen leuten zu kommen /) liesse sie mich in meiner heiligen tracht ihr vor
augen furen.
    Anfangs name dieselbe dieses gar wohl auf / weil sie ihr einbildete / ich
hätte nur zur ergetzlichkeit mich also umgekleidet. Nachgehends aber / wie die
Celia sie allein an ein fenster zoge / und ihr meine Entschliessung offenbarete
/ erschracke sie nicht anderst /als håtte sie das groste ungluck von der welt
erfahren /und wollte ganz nicht hierzu einwilligen. Alles mein bitten und flehen
/ kunte sie nicht erweichen: und wandte sie fur / dass ich ihre einzige freude
wäre / die sie håtte / und würde sie mich ja so gern todt als in diesem tempel
wissen / weil einer so wohl als der andere mich ihr auf ewig raubete. Meine
tränen sprachen hierauf für mich / und funde ich mein fürnemen so rechtmäsig /
dass ich furchtete / der gotter zorn auf mich zu laden / wann ich meinen schluss
änderte. Celia ebenfalls wollte mich keineswegs erlassen / und sagte: es laufe
wider ihre pflicht / der gottin eine jungfrau zu nemen. Weil die ehrerbietung /
so man den Oderpriesterinnen erweiset / sehr gross ist / als durfte meine
fraumutter wider mich keinen gewalt gebrauchen: daher sie / für ungedult / ihre
tränen nicht halten kunte. Indem kame Aramena zu uns hinein / um der
Oberpriesterin etwas anzubringen / da dann meine fraumutter diese worte heraus
stiesse: Ach! um dieser Prinzessin willen / muss ich jezt solches ungluck / zur
billigen straffe / erfahren. Weder Aramena noch ich /kunten diese worte
verstehen: und bei ihr / die nie gewust / wes standes sie gewesen / und also
unvermutlich erfuhre / dass sie eine Prinzessin wäre / ward dadurch ein tiefes
nachdenken erwecket.
    Meine fraumutter begriffe sich aber gleich wieder /nachdem sie dieses
gesprochen; und weil sie alda nichtes ausrichten kunte / als schobe sie es auf
meinen herrn vatter / und name also einen unlustigen abschied. Ich vermutete nun
wohl / mein herr vatter wurde sich hierbei gleich-ungedultig anstellen. Wie wir
dann / als die Celia sich bei hof hierum erkundiget / erfuhren / dass er hieruber
sehr ubel zusprechen gewesen / und dem König Bel Ochus angelegen / ihm seine
tochter wieder zu verschaffen. Weil nun der König ihn sehr liebt / als hatte er
sich erboten / selber in den tempel zu kommen und mich wieder los zu machen. Ich
gabe es / nach diesem erlangten bericht /auf das bitten / und fiele der Celia zu
füssen / sie anflehend / mich ja nicht fahren zu lassen. Sie / die solches auch
nicht im willen hatte / stunde hierauf etwas in gedanken / und sagte endlich:
Ihr wåre ein mittel eingefallen / mich behalten zu können; nämlich /wann ich
mein gelubde ablegen wollte / alsdann würde niemand mehr einige gerechte
ansprache zu meiner person haben. Wer ware erfreuter / als ich / als ich dieses
vernommen? Und dankete ich wohl tausendmal der gottin / dass sie mich wurdigte /
in ihren dienst aufgenommen zu werden.
    Demnach / keine zeit zu versåumen / wurde ich gleich folgenden tags in die
heilige bäder gefuret. Nachgehends begleiteten sie mich / mit grossem pracht /
nach dem innern heiligen tempel der gottin /den ich vorhin noch nie gesehen
hatte: daselbst musste ich mein gelübde verrichten / und ewige keuschheit der
Oberpriesterin angeloben. Darauf wurde ich von ihren zwolf jungfrauen
umgekleidet: dann sie hatten mich in weltlicher kleidung / die ich zu dem ende
angezogen / dahin gefuret; und verbranten sie selbige /zum zeichen / dass ich
hinforo die nicht mehr gebrauchen sollte. Wie nun alles verrichtet war / musste
ich die nacht im tempel verbleiben / und mein erstes opfer verrichten / welches
im båsten weirauch bestunde. Folgenden morgens holete mich die Oberpriesterin
wieder heraus / und wiese mir meine wonung an / die ich bei gegenwårtiger Briane
bekame / von welcher Celia sonderlich viel hålt: und musste sie mich ferner /in
allen geheimnisen unsers glaubens und ordens /fleissig unterrichten. In wärender
zeit aber / dass sie solches mit mir also verrichteten / hatte Celia der wacht
vor dem: tempel gebieten lassen / ihr nichtes in dreien tagen anzumelden / wann
es auch selbst vom König wäre: damit wir nit mochten behintert werden.
    Wie aber nun alles verrichtet war / da erfuhren wir / wiedass der Konig von
Assyrien / neben der Königin und dem ganzen hof / kommen wollte / die Celia zu
besuchen. Sie / als sie dem König wieder sagen lassen / er sollte wilkommen sein
/ liesse uns alle versammlen fur den vorhof ihres palastes: Aramena aber musste
sich hinter die lezten verbergen. Wie nun Bel Ochus neben dem ganzen hof ankame
/ ersah ich gleich meinen herr vatter: der aber mich / unter so vielen
ubereingekleideten jungfrauen / nicht finden noch warnemen kunte. Wie nun die
Celia den König / die Königin / die unvergleichliche Prinzessin Delbois ihre
tochter / die jetziger zeit in Ninive regiret / und ihren bruder / entfangen
hatte / furete sie die Königliche personen in einen saal: inmittels die junge
Prinzessin bei uns verbliebe / und mit unseren jungfrauen schwåtzete. Bel Ochus
brachte sein gewerde der Celia gleich an / und rieffe den Mamellus dazu /
sagende: Tut nun / mein vetter / selbst das eurige bei eurer schwester! ich
habe bereits den anfang gemacht. Wie nun mein herr vatter / ihme mich wieder
einzuhändigen / die Celia inståndig gebeten / bekame er zur antwort: Es sei
schon zu spat / ich hätte schon mein gelubde abgeleget. Hierauf begehrte er mich
zu sprechen: welches Celia zuliesse / und wurde ich demnach in den saal zu
kommen beruffen.
    Als ich nun / mit furcht und zittern / für meinen herr vatter kame / sah er
mich mit zornigen gebärden an / dorfte aber seinen unwillen an dem orte wider
mich nicht ausschutten / sondern uberwand sich / und mich bei der hand fassend /
zoge er mich an eine seite / und sagte zu mir: Wie habe ich das um dich
verschuldet / Aramena / dass du also mich verlassen wollen? Gedenke nur nicht /
das dein gelubde gultig sei: und so lang mir die augen offen stehen / werde ich
nicht dulten / dass du hier verbleibest. Bedenke dich noch / ob du mit mir wilst
von hinnen scheiden / und erwåge wohl / dass ich dein vatter bin / der dir dieses
gebietet. Hiemit schwiege er still / um zu horen / was ich hierauf sagen würde.
Ich aber / als in meinem herzen gewiss versichert / dass ich recht getan håtte
/gabe ihm zur antwort: Wiedass ich mich sehr betrubte / so unschuldiger weise
meinen herr vatter zubeleidigen; und mochte er wohl versichert sein / dass / wann
es nicht die grosse Diana anginge / die ich dadurch hoch erzürnen würde / ich
alle eignen vergnügung /um mich ein gehorsames kind zu erweisen / hintan setzen
wolle. Nun müste ich aber den gottern mehr gehorchen / als den menschen:
weswegen ich ihn demütig båte / dass er doch nicht der gotter zorn auf sich laden
wollte / in verweigerung eines dinges / das so loblich und den gottern
wolgefällig wäre. Diese antwort hörete er nicht einmal gar zum ende / sondern
liesse mich stehen / ginge / ehe man es warname / aus dem saal hinaus / und
verlore sich aus der ganzen gesellschaft.
    Die Konigin Naphtis bemuhete sich hierauf auch sehr / mich los zu machen /
und mich genau betrachtend / sagte sie zu der Perseis ihrer kammerjungfrauen /
dass es niemand horete: Ach wie gleich sihet dieses kind / meinem guten schwager
/ dem unglückseeligen König von Syrien! Hiermit kussete sie mich / die augen
voll tränen habende / und fragte mich ganz beweglich: Ob ich dann meiner
fraumutter / die meinetwegen krank worden / keine hoffnung ubrig lassen wollte /
mich wieder zu bekommen? Celia / die indem zu uns kame / uberhobe mich der mühe
/ dieses zu beantworten / sagende: Man mochte mich doch nicht långer so
vergeblich plagen! dann wann ich gleich selber meinen sinn åndern wollte / wurde
sie es doch nimmer zugeben können / dass ich mein gelubde bråche. Hierauf liesse
die Konigin ab / mir hierum zuzureden / weil sie so grosse standhaftigkeit an
mir befunden. Der König / als er sein gebet im vorhof des tempels verrichtet /
begabe sich wieder von dannen. Die Konigin aber verzoge noch etwas / und
ergetzete sich die Prinzessin Delbois immittels mit uns andern im jagen / da sie
ihre geschicklichkeit trefflich spuren liesse. Sie verblieben bei uns / bis auf
den abend / da sie dem Konig nach der stadt folgeten: worauf wir uns sämtlich
nach unseren wonungen begaben / und legte ich mich gleich neben der Briane zur
ruhe / weil wir vom jagen sehr ermüdet waren.
    Ich war aber noch im ersten schlaf / als mich Briane weckete / und aufmerken
hiesse / was sich vor unserer kammer vernemen liesse. Mir finge hierüber das
herz gleich an zu klopfen / und sagte mir zuvor / wie es mir ergehen wurde.
Indem gienge unsere kammertür auf / und ich erkannte bei der klarheit etlicher
ihrer fakeln / meinen vatter und dessen leute. Ich konnte /vor schrecken / nicht
ruffen: indem er zweien weibern / die er mitgebracht / befahle / mich in die bei
sich habende rocke anzukleiden. Wie dieses hastig verrichtet war / namen mich
ihrer zween auf die arme / und eileten mit mir davon: die Briane an das bette
angebunden hinterlassend / damit sie hierbei keinen auflauf machen mochte. Als
meine entfurere mit mir einen guten sprung bis an den strom gelanget / wartete
daselbst auf uns ein schiff: auf welches wir uns setzeten / und damit den strom
hinab fuhren / dass es niemand von der wacht gewar wurde. Ich wollte zwar ruffen:
aber meines herrn vattern bedrohen verwehrte mir solches. Wie wir nun weit genug
uber die brucke hinaus waren / stiessen wir zu lande: da ein wagen / der hierzu
bestellt ware / uns nach dem koniglichen palast furete. Der Konig / so hierum
wissenschaft hatte / erfreuete sich sehr über meines herr vattern vergnugung /
dass dessen anschlag seinen fortgang erreichet: welcher / als er aus der Celia
saal von uns gegangen /sich eigentlich meiner wonung erkündiget hatte / und die
nacht heimlich da geblieben war / um aus zu grosser liebe diesen frevel an mir
zu verüben. Sein und meiner fraumutter zurnen und schelten kunte mich nun nicht
so sehr betrüben / als dass ich mich aus dem orte meiner ruhe entfüret sah / und
meine heilige kleidung wieder ablegen mussen. Ich täte auch nichtes / als
weinen / und die gottin um hülfe anflehen: die doch damals noch nicht zeit zu
sein befunde / dass ich sollte befreit werden / und zweifelsohne meine
beståndigkeit prufen wollen.
    Am folgenden morgen / zoge Mamellus mit mir und allen den unsrigen von
Ninive hinweg: ein bewegliches schreiben an seine schwester die Celia
hinterlassend / darin er sie um vergebung bate / dass seine vätterliche liebe
ihm diesen raub håtte begehen machen. Er schenkete auch ein grosses stuck goldes
/zur aussonung / in den tempel. Aber Celia / hierüber hochst unwillig / wollte
das geschenke nicht annemen /sondern beschwerte sich sehr hierüber bei den
Ninivitischen stånden und der regirung: die zwar / ihr vergnugung zu schaffen /
an den Mamellus schreiben liessen / aber doch die sache nicht zu eiferig trieben
/weil jederman ihme / als einem vatter / recht gabe /dass er diese gewalt uber
sein kind gebrauchet.
    Also kame ich nun in Syrien wieder an / ganz übel zufrieden / und betrübet /
dass ich keine gelegenheit absehen kunte / mich von der fleissigen aufsicht der
meinigen zu entziehen / und mich heimlich davon zu machen: zumal weil sie / um
mein (ihrer Meinung nach) ungültiges gelubde zu vernichten / mich mit gewalt
verheuraten wollten. Zu dem ende zogen sie mit mir nach dem Konig von Hemath: da
der Prinz Bileam / des Königs åltster sohn / eben von Salem /da er erzogen
worden / zu haus gekommen war. Wann nun gleich dieser herr der geschickteste
Fürst von der welt wäre gewesen / so würde ich dennoch seinetwegen mein gelubde
nicht gebrochen haben. Nun aber befunde sich in allem / bei ihme / das
widerspiel / zu meinem grossen glucke. Wie dann solches meinen herr vatter
bewegete / dass er bedenken truge / mich also in eine verdrusliche ehe zu
verkaufen; so ware auch der alte Tebah / der mich von jugend auf mit erzogen /
dieser heurat mit dem Bileam sehr zuwider: dass ich also dieser ersten verfolgung
abkame und los wurde.
    Nach langer zeit / die ich zu Damascus betrubt zugebracht / erhobe sich der
Krieg zwischen den Assyriern und dem König von Basan. Weil mein herr vatter /
mit einer grossen heersmacht der Syrer und Mesopotamier / dem Konig zu hulfkame
/ als zogen wir mit ihme bis nach Haran in Mesopotamien: alda meine fraumutter /
ihrem herrn desto nåher zu sein / weil das feldlager der Assyrier am Phrat bei
Acraba stunde / bei ihrem bruder dem alten Fürsten Laban / verbliebe; dessen
beliebtes schåferleben / so er von seinen herr vatter geerbet / von ihme und
seinen kindern getrieben wurde. Die verständige Lea und schöne Rahel / seine
tochter / vertrieben mir alda die zeit mit sonderbarer vergnügung. Sein jungster
sohn Betuel /ware bei dem vatter: der ålteste aber / der Nahor /welcher ihm
lang vorhero geboren worden / und wohl der anderen vatter håtte sein können /
befande sich mit sonderbarem ruhm in diesem Assyrischen kriege. Weil wir in der
angenemsten zeit des jahrs hinkamen /muss ich gestehen / dass ich mich sehr in
dieses feldleben verliebet: zumal ich es einiger massen ånlich befunde der weise
/ deren ich im tempel zu Ninive gewonet ware. Ich kleidete mich / der Lea und
Rahel zu gefallen / in ihre schäfertracht / und ware tåglich bei ihren
ergetzlichkeiten: also / dass ich meine betrübnus teils verlore / und ein
ruhigeres wesen anname. Dieses an mir zu merken / ware meiner fraumutter die
hochste freude: wiewol sie in dem fall gar einen falschen wahn von mir hegete /
indem sie vermeinte / ich hätte mich ganz meines getanen gelubdes begeben. Mein
vetter / der edele Jacob Furst von Heber / zierete mit seiner gegenwart das
Mesopotamische gefilde /und wartete seiner wasen der Rabel auf / welche zu
heiraten / er aus Canaan dahin gereiset. Ob er wohl fur uns allen sehr alt war /
wie dann bei dem geschlechte der Hebreer gewonlich ist: so sah man doch nicht
allein ihme solches nicht an / sondern er war auch so annemlich / und mit ihme
so wohl umzugehen / dass ich unmüglich in so angenemer gesellschaft unvergnugt
sein kunte.
    Der junge Betuel / hatte eine zuneigung zu mir bekommen: wiewol er sein
leiden bergen musste / und auf keinerlei weise mich zu erlangen hoffen kunte
/weil es nicht wahr-scheinbar ware / dass meine Elteren mich des Fursten Labans
sohne / und zwar den jungsten / der wie ein schåfer lebete / und den nichtes als
seine tugend und gute person konnte beliebt machen / uberlassen würden. Er
suchete aber / meine gunst zu erlangen / nennte sich meinen schåfer / und
erwiese mir tausend kleine dienste: die ich von ihme /als von meinem vettern /
wohl aufname / niemals aber daran gedachte / dass die törichte liebe darunter
verborgen wåre. Sein guter verstand / måchte mich seine gesellschaft ståts
begehren / und wuchse meine freundschaft zu ihme / und seine liebe zu mir / von
tag zu tag: also dass ich / nåchst seinen schwestern / niemand hatte / mit dem
ich vertråulicher umginge. Ich war in mir selbst frolich / dass ich einen so
guten freund bekommen / dessen dienste ich einmal nützlich gebrauchen konnte. Der
alte Tebah merkete zeitlich /dass mich der Betuel liebete / wurde auch / weiss
nicht aus was ursache / froh daruber / und suchete dessen liebe zu befordern: da
er doch / meines bedunkens / vielmehr derselbigen håtte steuren sollen / als aus
welcher mir kein glückentstehen kunte / das ich sonst / seiner einbildung nach /
durch heiraten erlangen sollen. Er lobete mir jederzeit den Betuel uber die
massen; das ich dann gern horete / weil ich ihm selber sehr gewogen ware: womit
ich ihm aber die hoffnung machete / dass meine zuneigung aus einer liebe
entstunde.
    Name aber er solches so frolich auf / so verspurete hingegen meine
fraumutter mit grossem unlust / dass Betuel mich bedienete / und so gütig von
mir aufgenommen wurde. Ihre ehrsucht / die nur Konige zu ihrer tochter
auswårtern haben wollte / kunte diesen armen Fursten nicht unter solcher zahl
wissen. Und ob er gleich ihres bruders sohn ware / so gonnte sie ihm doch nicht
ihre einzige tochter. Nachdem sie nun ein zeitlang unserem leben zugesehen /
liesse sie mich eines tags allein zu sich kommen / und fragte mich: wie es um
den Betuel und mich stünde? Ich / die ich ihre einbildung nicht warname /
antwortete unschuldiger weise: wiedass er mir gar lieb wäre / und ich seine
gesellschaft sehr angenem fånde. Dieses stårkete sie noch mehr in ihrem wahn /
also dass sie / von ungedult errotet / zu mir sagte: Ich sollte von nun an seine
gesellschaft meiden / oder ihr zorn wider mich wurde auf das hochste steigen.
Dieser unvermutete befehl machte mich ganz besturzet: weil ich nicht absehen
kunte / was es ihr oder mir fur nachteil bringen konnte / wann Betuel mein
freund wäre.
    Nachdem ich sie verlassen / kame Lea zu mir: und weil ich gegen ihr nichtes
in meinem herzen verborgen hielte / als klagete ich ihr den herben befehl / den
ich diese stunde entfangen hatte. Ich brachte es ihr unschuldiger weise
dergestalt fur / dass sie nicht anderst schliessen konnte / als liebte ich ihren
bruder. Weil nun derselbige sein leiden ihr fürlångst entdecket / da sie ihme
doch immer wegen der unmüglichkeit davon abgeraten / als wurde sie sehr frolich
/ mich dieses befehls halber so betrubt zu sehen / und brache heraus in diese
worte: Ist es müglich / liebste Prinzessin! dass mein unwurdiger bruder so viel
gnade hoffen / und dieses hohe gluck vermuten darf / seine künheit werde so gar
gutig aufgenommen? Welche kunheit begehet er dann? (fragte ich hinwiederum /)
oder worinn erweise ich mich gegen ihme anderst / als er würdig ist? Hålt dann
das (sagte Lea ferner) die Pinzessin von Chaldea fur zugelassen / dass ein armer
Furst von Haran seine gedanken so weit uber sich erheben dörfen? Und ist es
nicht zu bewundern / dass der gluckseelige Betuel seine küne liebe nicht soll
haben vergeblich angewendet?
    Hiemit erkannte ich / in was fur einem wahn die Lea schwebete. Ich wurde sehr
unruhig / dieses zuvernemen / das ich so gar nicht vermutet hatte. Mir kame
damit auf einmal alles in den sinn / was zwischen dem Betuel und mir
furgegangen: da ich dann meiner unschuld selber feind wurde / durch deren
verleitung ich ihme zu dieser einbildung anlass gegeben. Wie ich nun lang
stillgeschwiegen / und damit der Lea nicht wenig unruhe erwecket / sagte ich ihr
endlich: Ich wolle nimmermehr hoffen / dass Betuel andere gedanken zu mir / als
zu seinen schwestern / zu haben ihm erlaubet. Dann wann das sein sollte / musste
ich mich ungluckhaft schåtzen / dass ich meine wahl so ubel angewendet / da ich
gewiss gemeinet / an ihm einen wahren freund zu haben. Wie unvermutet dieses der
Lea ware / von mir zu horen / da sie sich viel ein anders eingebildet hatte /
kann man leichtlich ermessen. Es ware ihr herzlich leid / dass sie so unbedachtsam
ihren bruder verraten hatte. Sie versicherte mich / als wir hierauf uns gegen
einander hieruber deutlicher heraus gelassen / dass ihr bruder niemanden als ihr
jemals seine liebe entdecket / und dieselbe ohne hoffnung geheget. Sie selber
wollte nie mit einigem wort dessen gegen mir gedacht haben / wann sie nicht / aus
blinder liebe zu ihrem bruder / meine worte also gedeutet håtte. Ich bate sie
folgends / ihn hiervon abzubringen / und musste sie mir zuschwören / ihrem bruder
nichtes von unserem gespråcht zu sagen: gleichwie auch ich / dass ich hiervon
wusste / mich niemals wurde merken lassen.
    Indem kame Betuel selber darzu: das mir dann eine rote abjagete / die
einigen widerwillen mit sich furete / wiewol ich solchen / so viel mir muglich /
verbarge. Weil er vertråulich mit mir umzugehen gewonet war / als name er nicht
in acht / dass ich die farbe verändert / sondern bate mich / ob ich mit meiner
gegenwart ihre schäfergesellschaft beehren wollte? Dann die Rahel hatte eine
spazirlust angestellet / nach dem dorfe Ballata / da der weg / immer am wasser
/ in lustigen wiesen hinginge: wie wir dann daselbst uns vielmal ergetzet
hatten. Ich entschuldigte mich gegen dem Betuel / dass ich dissmal mich nicht wohl
auf befunde / und demnach allein in meinem zimmer zu bleiben verlangete. Ich
bate ihn zugleich / dass er die gesellschaft meinetwegen nicht verlassen wollte.
Ich sprache auch der Lea zu / und machete / dass sie mit den anderen hinginge.
    Wie ich nun mich allein sah / stellete ich mir diese abenteur recht für
augen / und kunte nun finden /warum meine fraumutter an mich einen solchen
befehl getan: dessen sie / wann sie mein herz recht gekant /nicht würde haben
nötig gehabt. Ich wusste nun nicht /wie ich mich hiebei sollte recht anstellen /
dass meine fraumutter ihre einbildung verlieren / und der Betuel nicht merken
mochte / dass jemand von seiner liebe wisse. Dann auf solchen fall / wäre ich
gezwungen gewesen / ihme meine freundschaft zu entziehen: die ich ihm aber gern
lassen wollte / weil ich seine tugend hoch schåtzete / und einmal ihn fur meinen
freund erwehlet hatte. Mit diesen unschlussigen gedanken verliefen etliche tage
/ in denen ich / soviel müglich / des Betuels gesellschaft flohe: doch
dergestalt / dass er daraus nichtes wiederliches urteilen kunte.
    Es begabe sich wenig zeit hernach / dass der Laban / als er seine schafe
scheren lassen / allen seinen hirten ein grosses gastmal machete: da dann auch
wir alle erscheinen und mit frolich sein mussten. Nach dem essen stelleten die
schåfere einen tanz an / auf einem lustigen anger / der rund umher mit båumen
bewachsen war / und befunde sich alda gar eine grosse gesellschaft: da wir / den
ganzen abend / mit allerhand ergetzlichkeit zubrachten. Weil wir öfters unsere
plåtze und stellen verånderten / als kame ich einsmals an einen baum zu sitzen
zwischen zwei schåferinnen /die mir teils nicht sonderlich bekant / teils auch
von so schlechtem gespräche waren / dass ich in solchen keine vergnugung finden
kunte: dannenhero ware meine ergetzung das stillschweigen. Wie ich nun also
sasse / dem tanze zu sehend / horete ich den Tebah hinter mir reden; und als
ich nach ihme mich umgesehen / erblickte ich ihn und den Betuel / den ich schon
lang aus der gesellschaft gemisset hatte. Ich sah /dass sie / die rücken zu mir
kehrend / an meinem baum sassen / und eiferig mit einander spracheten.
    Ihr musset / mein Fürst! (hörete ich den Tebah sagen) nicht solche
einbildung haben: dann ich will euch versichern / dass Aramena entweder eure liebe
nicht weiss / oder derselbigen nicht entgegen ist. Ach wehrter Tebah!
(antwortete Betuel und seufzete) ich muss vermuten / wiedass diese Prinzessin
meine liebe merket: und sollte dem also sein / wäre ich der unseligste mensch von
der welt. Als der Tebah ihn fragte / warum er sich deswegen für einen solchen
achte? sagte er ferner: Wie? sollte diese grosse Prinzessin /die mich mit ihrer
unschuldigen freundschaft so hoch ehret / meinen frevel wissen / dass ich sie
lieben darf /und nit darob zürnen? Sie / die nur für Konige bestimmet ist /
sollte sie meinen betrüg mir jemals vergeben konnen? Nein / Tebah! wann ich
meiner vermutung recht innen werde / so bin ich des todes / und tausendfåltig
strafbar / dass ich diese liebe nicht heimlicher gehalten / die mit meinem willen
ihr niemals håtte sollen kund werden. Ich habe schon gnug damit begangen / dass
ich solches feuer meinem eigenen herzen zu wissen gemacht. Und håttet ihr es
nicht von der Lea erfahren / deren ich allein mein herz geoffenbaret / wurdet
ihr nie den Betuel so frevelhaft erkant haben. Hoffet / mein Furst! (gabe
Tebah zur antwort) und seit versichert / ich will euch dienen. Habt ihr keine
kron: Aramena kann euch eine erlangen. Ich will mich jezt nicht weiter erklåren /
massen es noch nicht zeit ist / davon zu reden. Beharret ihr in eurer liebe /
und lasset nur mich machen. Hiermit kamen andere darzu / dass sie dieses
gespräche einstellen mussten; und forderte mich indem auch einer zum tanze /dass
ich also von dieser stelle kame.
    Weil ich nun also vernommen / wie die Lea dem Tebah diese liebe ihres
bruders entdecket / da ich sie doch so sehr gebeten / es geheim zu halten; kunte
ich nicht unterlassen / im fürbeigehen ihr zuzuruffen: Sie wåre treflich geheim
gewesen! Dieses brachte ich mit so einer gebårde fur / dass mein unwille genug
daraus zu spüren ware. Weil sie mich nun sehr liebete / als machte ihr dieses
nicht wenig unruhe: und suchete sie den ganzen abend gelegenheit / mit mir zu
reden /wiewol vergeblich / weil ich stäts nahe bei ihrer fraumutter bliebe / und
die ganze zeit uber meinen platz alda behielte.
    Ich name mir aber ein sonderbares mittel fur / den Betuel von seiner liebe
abzubringen / und doch seine freundin zu verbleiben. Wie ich demnach / des
folgenden tags / gelegenheit uberkommen / heimlich ihn zu sprechen / dass es
meine fraumutter nicht gewar wurde / fragte ich unter anderen gesprächen: Ob er
auch wohl wüste / was die gesetze einer wahren freundschaft mit sich fureten? Wie
er nun geantwortet. Ja / er vermeine / dass ihm solches nicht unbekant sei; sagte
ich ferner: So wäre er desto strafbarer / das er wissentlich sündigte. Er fragte
mich / gar besturzt: wie ich das verstunde? Worauf ich mich also erklärte: Ihr
wisset etwas von mir / Betuel / das ihr / unserer freundschaft gemäs / mir
nicht håttet verschweigen sollen; allermeist / da es zu meinen grossen nutzen
dienet /dass ich davon kentnis habe. Wie nun Betuel / ohne antworten / mir
verwundert zuhorete / fuhre ich zu reden also fort: Ihr zeigt euch besturzet /
mein vetter! dass ich euer geheimnis weis / davon ihr gestern abends beim tanz
mit dem Tebah gesprochen. Ihr hättet mich billig warnen sollen / dass ich mich
fur den Tebah möchte fursehen / der solche dinge / die mir nit wohl anstehen /
sich unterfånget mit mir fürzunemen. Dass ihr mich liebt / Betuel / anderst als
ihr sollet / das ist euer ungluck / darin ihr mehr zu beklagen als zu bestraffen
seit. Dass aber andere mit hierum wissen sollen / und zwar solcher gestalt / dass
sie eure dinge befordern wollen: solches schmerzet mich sehr /und hätte ich mich
zu eurer freundschaft viel eines andern versehen.
    Hiemit schwiege ich still / und Betuel erblassete dermassen / dass ich musste
besorgen / er würde bei mir niedersinken. Wie wir nun eine gute weile einander
angesehen / brache er endlich in diese worte heraus: Wie bin ich doch so
unglückselig / dass dieses /was mit meinem willen niemals ein mensch erfahren
sollen / die jenige hat mussen inne werden / die ich zum hochsten damit
beleidige. Ich neme / O grosse Prinzessin! himmel und erde zu zeugen / dass mein
liebe kein anders ziel / als den tod / und keinen andern zweck gehabt / als
stets sonder hoffnung zu brennen. Hat Tebah mich eines andern wollen uberreden
/ so habe ich mir doch darum nie einige einbildung gemachet. Da nun meiner
Prinzessin / wider meinen vorsatz / meine schulde bekant worden: sehe ich mich
nun in den unseligsten stand gesetzet / darin ein mensch leben mag. Nein / mein
vetter! (sagte ich hierauf) dieses soll die freundschaft bei mir nicht aufheben /
wofern ihr nicht selber euch deren woller verlustig machen. Ich weiss auch ein
mittel / dadurch ich fur diese beleidigung kann völlig ausgesonet werden. Als er
hierauf mich eiferigst bate / ihme dieses mittel kund zu machen / und dabei
angelobete / in allem mir seinen gehorsam zu erweisen; fragte ich ihn etliche
male: ob ich mich dessen zu ihm unfehlbar zu versehen håtte? Er versicherte mich
mit vielen eidschwuren /dass ich ihme nichtes so schweres von der welt auflegen
könnte / das er mir zu liebe nicht verrichten wollte /wann er nur dadurch bei mir
in die vorige gunst wieder gelangen möchte.
    Ihr müsst (sagte ich hierauf /) mich heimlich von hinnen entfuren! Dieses
unvermutete ansinnen / machte ihn ganz sprachlos: und merkete ich wohl / dass
seine torichte liebe ihn anfangs glauben machete / als ob dieses mein begehren
derselben zu statten kåme. Wie er aber folgends ihme mein gemut furbildete /
kunte er dessen sich nicht bereden. Inzwischen sah er mich begierig an / aus
der folge meiner rede ein mehrers zu schliessen. Ihr schweiget still / mein
vetter! (fuhre ich fort /) und bereuet schon / dass ihr mir mehr versprochen /
als ihr halten konnet. Wenn mein stillschweigen / (fiele er mir ins wort /)
diese ausdeutung sollte bekommen / wurde mir zu nahe geschehen. Ich bin bereit /
ohne einige betrachtung / meiner Prinzessin befehl auszurichten. Man nenne mir
nur den ort /dahin sie begehren: mein fleiss / soll meinen gehorsam zeigen. Der
ort / da ich zu sein verlange / (gabe ich zur antwort /) ist der Dianen tempel
zu Ninive: aus deme mich meine eltern / wider gott- und menschliche rechte / mit
gewalt entfüret haben. Alles vorige entsetzen ware fur nichtes zu rechnen /
gegen der bestürzung / die hierauf den Betuel überfallen.
    Er hatte sich noch nicht wieder erholet / als Lea zu uns kame: die an uns
beiden wohl warname / dass etwas sonderliches zwischen uns musste furgegangen sein.
Sie hatte mich / seit des vorigen abends / da ich ihr den verweis gegeben /
nicht wieder gesprochen: kame also deswegen / sich bei mir zu erkundigen / wie
ich es gemeinet håtte? Weil ich die sache nun zum ende treiben wollte / sagte ich
zu ihr: dein bruder und ich haben ursach / uns über dich zu beschweren / dass du
seine schwachheit dem Tebah geoffenbaret. Doch wenn wir künftig mehrere
verschwiegenheit von dir hoffen dorfen / so soll des vorigen nicht mehr gedacht
werden. Wir nemen dich / mit diesem bedinge / in unserm raht. Man kann gedenken /
wie dieses die Lea in verwunderung brachte / da sie auf einmal so viel erfure.
Sie hatte / aus liebe zu ihren bruder / wider sein wissen / mit dem Tebah
hiervon geredet / und kunte nicht ergrunden / woher ich das erfahren hätte. Noch
vielweniger kunte sie sich darein finden / dass ich / in ihres bruders gegenwart
/ von dessen liebe so frei redete / und sie zur verschwiegenheit anmanete. Also
kame sie auf eben die gedanken / die etwan zuvor ihr bruder gehabt / als ich
ihme meine entfurung angebracht / dass wir nåmlich unserer liebe halber einig
sein wurden. Demnach antwortete sie gar freudig: Sie hoffe / diss / was sie dem
Tebah geoffenbaret / werde eher beforderlich sein / dass wir sie in unseren raht
mit einnemen / als dass wir sie heraus stossen.
    Dein bruder (sagte ich hierauf) hat mir die zusage getan / mich in der
Diana tempel nach Ninive zu furen: und traue ich deiner freundschaft zu / du
werdest deine hulfe hierbei mit anwenden. Lea / ohne zu antworten / sah ihren
bruder an / und dieser sie hinwiederum / beide voll hochster besturzung. Ich
aber drunge darauf / dass ich sein gegebenes wort wollte erfullet wissen: welches
er mir dann endlich versprochen. Dieses geschahe aber mit solcher betrübnus /dass
er / um nicht mehr schwachheit mich sehen zu lassen / von mir ginge. Lea bliebe
zwar bei mir / aber aus ihr selber: also dass ich in langer weile von ihr kein
wort bringen kunte. Endlich aber / als sie sich wieder erholet / finge sie an /
alle ersinnliche grunde mir beizubringen / um mich auf andere Meinung zu lenken.
Sie dorfte gar sagen / wie dass der dienst von Dianen ein vergebliches werk wåre:
welches ich ihr aus freundschaft zu gut hielte / aber mit solchem ernst ihr das
gegenteil behaubtete / dass sie wohl sah / ich wurde auf keinerlei weise davon zu
bringen sein.
    Ich verlangte nun sehr / den Betuel wieder zu sprechen und seine zusage
erfüllet zu sehen: kunte aber in etlichen tagen nicht dazu gelangen. Als ich nun
schon an seiner hülfe verzaget / liesse er eines abends gar spate / durch meine
jungfrau die Tirza /sich bei mir anmelden. Als ich ihn kommen lassen /funde ich
ihn so verfallen im gesicht / und so vergrämet / dass er ihm fast selber nicht
mehr ånlich sah. Prinzessin! (sagte er zu mir) es ist alles zu der reise
bestellet. Ich hab kaufleute hier in Haran angetroffen /die nach Ninive wollen /
und ihre frauen mit sich nemen: unter denselben ist eine meine gar gute freundin
/ die alles heimlich zu halten / und gute bequemlichkeit zu verschaffen /
versprochen hat. Ich dankete ihm / ganz erfreut / fur diese gute vorsorge: und
redeten wir ferner mit einander ab / dass seine beide schwestern erlaubnus bitten
sollten / mit mir nach Dabusa zu reisen / da ein markt gehalten wurde; von dar
ich dann unvermerkter / als von Haran / hinweg kommen kunte. Diss alles ginge
glücklich von statten / und macheten wir uns auf den weg: da niemand / als Lea
/Betu el und Tirza / mein vornemen wussten. Er sonderte sich unterwegs allmal
von der gesellschaft ab /und vermiede alle gelegenheit / mit mir zu reden /damit
ich sein klagen nicht vernemen dorfte / machete doch unterdessen alles zu meinen
furhaben färtig: wodurch ich / ihme noch geneigter zu werden / bewogen wurde /
weil ich sah / wie er / wider sich selber / mir so treulich dienete.
    In Dabusa fiele es mir nun nicht schwer / hinweg zu kommen / weil ich keinen
aufseher hatte. Lea verliesse mich zwar mit der höchsten betrübnüs: sie ware
aber doch so gefållig / dass sie sich meinem festen furnemen nicht mehr
widersetzete / sondern dasselbe åmsig befordern halfe. Wie nun alle bereitschaft
gemacht ware / kame mit fruhem morgen der bestellte wagen: da des Betuels
bekantin / eine kramerin aus Haran / mich abholete / als noch niemand im ganzen
hause / auser mir / der Lea und Tirza / wach ware. Betuel liesse sich nirgend
sehen. Als ich von der Lea einen beweglichen abschied genommen / welcher
ihrerseits mit vielen tränen befeuchtet worden / reisete ich fort mit der Tirza
/ in begleitung aller der anderen kaufleute / und kame / nach sechs tagreisen /
glücklich nach Ninive: da / auf mein begehren / die kramerin mich zum
stattalter des reichs / dem Fürsten Peldas von Sepharvaim / bringen musste. Ehe
sie aber von mir ihren abschied name / gabe sie mir ein schreiben vom Betuel:
welches er ihr / mit dem defehl /mir es nicht eher zuzustellen / bis ich würde
in Ninive angekommen sein / eingehändigt hatte. Im selbigen /name er von wir den
allerbetrubtesten abschied / und hatte solchen / weil er ein guter dichter war /
in diese reimen verfasset / die ich / aus mitleiden / in mein gedächtnis
geschrieben / also:
Aramena! gute nacht! dieses selber dir zu sagen /
wurd von neuem dich erzurnen: drum so nim es schriftlich an;
weil ich doch / fur liebesschmerze / nun nicht ferner schweige kann.
Hat mein lieben dich betrübt: wollest jetzund mich beklagen /
dass ich / ohne trost und ruh / ewig muss mein leiden tragen.
Gönne / bis ans end der erden / ja bis an der sternen bahn
diese worte auszubreiten: dass es ganz um mich getan.
Aramena ist dahin / sie hat sich der welt entschlagen:
weil ja niemand wurdig war / ihre schone anzubeten.
Traurt / ihr felder / wålder / auen / die ihr ihren glanz gesehn.
Ach! es ist um eure zierde / und um meine ruh / geschehn.
Nichtes bleibt nur übrig mehr / als ins todtental zu treten:
da allein wird sich verlieren meines schweren leidens macht.
Gute nacht / du lust und freude! Aramena! gute nacht!
    Ich sollte mich wohl entsehen / diese reimen fürzubringen / die für meinen
orden eines so widrigen inhalts seind. Aber weil es die lezte der
liebeserfolgungen / die ich von dem Betuel ausgestanden / habe ichs hierbei
nicht unerwehnt lassen wollen: zumal dieser Fürst / der mich so bescheidenlich
geliebt / und in seinem lezten dienste / den er mir geleistet / wider sich
selbst gehandelt / wohl verdienet / dass ich mich seiner klagen erinnere / und
einiges mitleiden daruber bezeuge.
    Als ich nun zu dem Fursten von Sepharvaim gekommen / welcher stattalter in
Ninive war / und von wegen der Konigin Naphtis die regirung fürete / bewunderte
der meine unvermutete ankunft gar sehr; allermeist wie er vername / was mich
dahin getrieben. Hemire seine gemalin / die meiner fraumutter nahe befreundet /
sah nicht gern / dass wider ihren willen ich in den tempel wollte. Nachdem es
aber / (weil ich /als der ganze regirungsraht beisammen war / mich hierum
anmelden lassen /) gleich uberall in Ninive erschollen / wiedass ich
wiedergekommen wäre / in der Diana tempel zu gehen: als dorfte sie sich
offentlich meinem fursatze nicht widersetzen; zumal ihr gemal /als die hochste
obrigkeit / recht verschaffen / und die heilige gesetze nicht schwächen musse.
Sie unterliesse aber nicht / heimlich sich zu bemuhen / wie sie mich wieder in
meines herrn vatters hånde bringen möchte: welcher / zu meinem unglück / eben zu
Ur der haubtstadt in Chaldea / bei seinem ältesten bruder den Prinzen Bildat /
sich befande. Demnach schriebe sie ihm eiligst / weil Ur nur zehen meilen von
Ninive liget / welches vorhabens ich zu Ninive angelanget wäre. Er seumte sich
nicht / mit dem Bildat heimlich nach Ninive zu kommen: da er mit der Hemire
abrede name / wie er ohne emporung des volkes meiner habhaft wollte werden.
    Die Celia wartete nun meiner mit ja so grossem verlangen / als viel begierde
ich hatte und erwiese /bei ihr zu sein. Nachdem der Furst von Sepharvaim mich
etliche tage aufgehalten / mit ståtiger vertrostung / wiedass er mich ehist mit
grossem pracht selber in den tempel begleiten wollte: wandte er endlich eine
eilige reise nach Babel für / daselbstin / nach getroffenen frieden mit den
Teutschen / der Bel Ochus zurück gekommen war; hatte also / zumal der krieg mit
dem Könige der Bactrianeren angehen sollte /diese reise einen schein der
notwendigkeit. Die Hemire name er mit sich / um allen verdacht zu vermeiden /dass
sie um das / was mir begegnen sollte / wissenschaft trugen. Der unterstattalter
/ der Fürst von Cale / des hiesigen Arsas herr vatter / wurde zwar von ihm
befehligt / mich folgenden tags nach dem tempel zu begleiten. Aber mein herr
vatter und dessen bruder /kamen in aller frühe vor tags in das haus / darin ich
war / namen mich mit gewalt heraus / und brachten mich aus Ninive / dass niemand
von dem volk es innen wurde.
    Diese abermalige hinterung meines gerechten fürnemens / ginge mir also zu
herzen / dass ich nicht zu trösten war / und fast der ehrerbietung vergasse / die
ich meinem herr vatter schuldig bin. Auch hielte mich derselbe nach diesem so
hart / dass ich / gleich der årgsten ubeltäterin / bewachet wurde. Er liesse
seinen bruder zu Ur / und brachte mich nach Haran zurucke: da sie alle / wegen
meiner flucht / in grosse bekümmernus geraten waren / und sich um soviel mehr
erfreueten / als sie mich wieder sahen. Von der Lea erfuhre ich / wiedass niemand
sie in verdacht hielte / dass sie meiner flucht mitwisserin gewesen. Doch klagte
sie mir darneben / was massen ihr armer bruder heimlich hinweg gezogen: wohin /
das wäre niemanden bewust; auser dass sie besorge / seine verzweifelung würde ihn
den tod suchen machen.
    Lang nach dieser zeit / zoge meine fraumutter mit mir auf das gebirge Seir
nach Dedan zu deinem herrn vatter / liebste Ahalibama! da ich ein wahres bildnüs
der ehrwürdigen Celia an deiner fraumutter fürfunde /also dass ich ganz vergnügt
darüber wurde. Diese Prinzessin hube auch an / mich also zu lieben / dass sie mir
ofters bekannte: sie halte mich ihren kindern gleich / und sollte ich die stelle
ihres verlornen sohns des Disons vertreten. Weil sie auch nun sehr andåchtig /
als kunte ich frei ihr meinen zustand klagen / dass ich also unbilliger weise von
der Dianen dienst abgehalten werde. Ich merkete wohl an ihr / dass sie solches
nicht billigte: wiewol sie doch allemal meiner eltern Meinung dabei hielte / und
alles ihr beginnen mit ihrer zu mir tragenden liebe entschuldigte. Wir blieben
eine geraume zeit auf dem gebirge / weil mein herr vatter auch hernach kame /
und von wegen des Königs von Assyrien mit den Seirischen Fürsten etwas wichtiges
zu handeln hatte. Ich hörete daselbst von allen deinen verfolgungen / die du
wegen deiner liebe hie im lande Canaan anstehen mustest. Die gesamten Fürsten
deine verwandten / wie auch mein herr vatter / håtten gern gesehen / dass du /
liebste schwester! den König Beor geehlichet hättest: ob sie wohl / aus furcht
fur dem König von Assyrien / ihren willen offentlich nicht wollten darein geben.
Ich vermute auch wohl / eben dieses sei die ursach gewesen / warum deine
fraumutter /wie du bei ihr zu Rabbat gewesen / dich nicht mit nach Dedan zurück
furen wollen.
    Es hielten sich aber damals auch zu Dedan auf /des Sobals kinder / als der
junge Ebal / und die angeneme Mehetabeel; mit welchen beiden es mir fast eben so
erginge / als in Mesopotamien mit der Lea und dem Betuel: dann ich wurde mit
der schwester freundschaft beseeliger / und mit des brudern liebe gequålet.
Dieser Ebal / war der artigste mensch von gemute / als einer sein mochte. Er war
auch so grosmutig / dass man ihn fast hoffärtig schelten können /wann er nicht
sonsten mit so vielen tugenden / die dieses laster unterdruckten / wäre begabet
gewesen. Weil er keine hoffnung in seiner liebe sah / hutete er sich auf das
allermüglichste / dass kein mensch sein anligen erfure: damit ihme solches nicht
zum schimpf gereichen mochte / dass er nach etwas vergebliches gestrebet. Demnach
offenbarete sein mund niemanden /was er innerlich fuhlete. Seine seufzer aber
und seine augen / täten mir nur allzuviel kund / was ich nicht zu wissen
begehrete: dann Betuel hatte mich so klug gemachet / dass ich nun wohl urteilen
konnte / was aus freundschaft oder liebe herrürete.
    Der alte Tebah / war gleich hierbei mit seinen verfolgungen fårtig / und
schienen sie ihm alle gleich zu sein / wann er nur zum mann mir verhelfen
möchte. Weil er alle freiheit bei mir hatte / sah er eines tags die gelegenheit
ab / als ich auf der jagt zwischen ihn und den Ebal einritte / und wir beide
einen hirschen /der uns entgegen kame / mit einem pfeil zugleich / zu einer zeit
/ und fast an einer stelle fälleten. Wolte der himmel! (sagte Tebah hierzu /)
dass euer beider sinnen so gleichformig in allen wåren / als sie hierinn gewesen!
doch wird es allein bei meiner Prinzessin stehen: dann / wegen des Fürsten von
Seir / ich mich schier für versichert achte. Diese worte jagten / so wohl dem
Ebal als mir / eine röte ab; und wie ich eben dem Tebah wollte antworten / kame
mir Ebal zuvor / und sagte zu ihm: Woher seit ihr ein ergrunder meiner gedanken?
ich zweifele / ob ihr dieselben recht wisset. Einmal ist dieses gewiss / dass ihr
euch meiner vertreulichkeit nicht berumen könnet. Hiemit rannte er von uns
hinweg / und bliebe ich damit von ihme so vergnuget / als von des Tebah
beginnen erzurnet: deme ich dann mein misfallen hierüber genugsam zu spuren
gabe. Aber er achtete solches wenig / und sagte mir zur antwort: ich kennete
nicht mein eigen båstes / noch die kraft seiner vorsorge / die er vor mich
billig tragen müste.
    Sobald nachmals Ebal mit mir allein zu sprechen kame / entschuldigte er sich
aufs höchste / wiedass er dem alten Tebah nie anlass zu dergleichen reden
gegeben; und wollte er sich ja so wohl rechtfårtigen / als sehr ihn seine augen
anklageten. Ich beantwortete ihm seine åuserliche verstellung / mit den worten:
wiedass ich wohl gewonet wåre / dergleichen scherzreden von dem Tebah zu horen.
Doch mochte ich wunschen /(sagte ich /) er håtte war geredet / dass nämlich
unsere sinnen sich in allem gleichformig befänden. Wie so /schönste Prinzessin?
fragte Ebal / ganz erfreuet und auser sich selber. Darum / (antwortete ich /)
dass ich alsdann versichert wäre / dermaleins durch eure hulfe in der Dianen
tempel nach Ninive zu kommen / von der man mich schon zweimal unbilliger weise
entfuret hat. Nimmermehr (gabe Ebal nun / ganz verwirret /zur antwort) werde ich
die welt so hoch beleidigen /derselben ihren schonsten glanz zu entziehen. Auser
diesem / biete ich ganz willigst der Prinzessin von Chaldea meine dienste an: in
jenem stuck aber / muss ich billig mich ungehorsam weisen. Mir mag aber sonsten
(sagte ich hinwider /) kein angenemer dienst widerfahren: hat also der Tebah in
seinen wunsch /und ich in meiner hoffnung / gar weit gefehlet.
    Hiermit kamen etliche andere dazu / die dieses gespräch verstöreten. Er aber
åuserte sich meiner von der zeit an je mehr und mehr / und verbarge / soviel
müglich / seine traurigkeit: mit der ihn oft seine schwester vexirte / bass er
ganz unwillig wurde. Weil dieselbe von tag zu tag zuname / als gabe Mehetabeel
um soviel genauere acht auf sein tun / um endlich die ursach seines leidens zu
ergrunden. Eines tags fand sie ihn im garten / da er in eine baumrinde etwas
schriebe. Als sie ihme lang zugesehen / kame auch ich dazu / und zeigete sie mir
ihren bruder von fernen. Selbiger gienge endlich hinweg / ohne uns zu sehen /und
hinterliesse seiner schwester die begierde / zu sehen / was er in den baum
geschrieben. Sie eilete mit mir dahin / und wir lasen diese reimen:
So will ich doch nicht sprechen:
solt gleich der himmel brechen.
mein reden nutzet nicht.
Sie soll mir niemals hören /
den hochmut ihr zu mehren /
was meinem sinn gebricht.
Kont' ich selbst meinem herzen
verbergen meine schmerzen /
ich wolt es lassen nicht.
Gar wolt ich mich bemuhen /
selbst aus mir selbst zu ziehen /
was meinem sinn gebricht.
Ob ich im herzen leide:
doch soll sie diese freude
hierdurch geniessen nicht /
dass meine qual mich triebe /
zu sagen / dass ich liebe /
und was dem sinn gebricht.
    Mein bruder (finge Mehetabeel hierauf an) ist sehr hochmütig verliebet / dass
er lieber leiden will / als seine qual offenbaren. Er tut wohl / (antwortete ich
/) dass er seine plage nicht anderen mitteilet / sondern die für sich selber
behält. Wer mag aber wohl (fragte sie) diese geliebte sein? Die recte warheit dir
zu sagen / (gabe ich ihr zu antwort /) so gläube ich nicht anderst / als dass ich
es bin: dann ich / dieses zu glåuben / viele anzeigungen habe. Doch wirst du
ihme niemals sagen / dass ich seine liebe merke: weil er noch trauriger werden
möchte / dass das jenige / so er will so gar geheim gehalten haben / ist entdecket
worden. Wer weiss aber / (antwortete sie /) ob er nicht gern wollte / dass du es
wüstest? dass nur er es dir nicht sagen dorfte. Was sollte ihm das helfen? (wandte
ich darwider ein /) Ihm ist ja mein gelubde wohl bekant /und er selber setzet in
seinen reimen / dass ihm keine hoffnung ubrig sei. Hierauf redeten wir
miteinander ab / wie wir uns hiebei anstellen wollten: dann sie ware / in keinem
ding / meinen fürhaben entgegen /weil sie allzuwol wusste / dass mein gelubde sich
nimmer brechen liesse. Also verharreten wir beiderseits in unserer verstellung /
da keines den andern sagete /was es wusste oder merkete.
    Inzwischen bekame mein herr vatter von Babel befehl / ehe er wieder nacht
Syrien kehrte / eine gesandschaft in Egypten abzufordern / und von dem Konig
Pharao Uchoreus / des Osiris und der Isis bildnüs abholen zu lassen / welchen zu
ehren der König / in Damasus / zwei tempel erbauet / da die bildnise sollten
hinein gesetzet und verehret werden. Mein herr vatter gehorchte alsobald diesem
befehl: da dann zu Dedan und aller orten auf dem gebirge Seir / da die Isis und
Osiris sollten herdurch gefuret werden / grosse zurüstungen geschahen / dieselben
auf das herrlichste zu entfangen und einzuholen. Ich ward aber unpåsslich /als
die gesandten aus Egypten mit den bildnisen zurucke kamen: denen dann alle
Fursten von Seir fur Dedan entgegen zogen.
    Dazumal fand dein herr vatter / ganz unverhofft /deinen bruder den Dison /
unter den Egyptiern: welche zeitung gleich nach Dedan erschallete / und daselbst
/ insonderheit bei deiner fraumutter / die eben bei mir war / eine
unbeschreibliche freude erweckete. Wir begleiteten / ihre vergnügung / mit
unsren gluckwünschungen: und ward dieser einiger sohn /den sie so lang fur
verloren gehalten / mit solcher bewegung des gemutes von ihr entfangen / dass man
sie fast onmächtig aus seinen armen tragen musste. Gantz Seir hatte anteil an
dieser freude. Ich / weil ich /wegen noch-anhaltender schwachheit / ihn nicht
sehen konnte / liesse ihn mir von der Mehetabeel beschreiben: die dann seine
wackerheit nicht gnug mir fürmalen kunte. Ich erfuhre auch von ihr / wiedass er
wäre ein priester der Isis in Egypten worden: wiewol man nicht zweifele / er
wurde diesen orden wieder ablegen. Ich wünschete / unwissend warum / dass er
mochte beståndig verbleiben. Ich erhielte auch meinen wunsch: dann / etliche
tage nach seiner ankunft / kame seine fraumutter zu mir / und klagete mir / dass
ihr sohn ganz hartnäckicht darauf bestunde / der Isis priester zu bleiben; und
wollte er mit den andern Egyptischen pfaffen wieder fortziehen / und sich in der
Isis tempel zu Damascus begeben. Sie sagte / wie sehr ihr herr auf ihn erzürnet
wäre: und sie selber gehube sich hierbei gar ubel / dass ihre freude so kurze
zeit gedauret hatte.
    Ich entfande hierob so grosse vergnugung / dass ich sie kaum fur deiner
fraumutter verbergen kunte: und was ganz Seir betrubete / das war mein hochste
freude. Die gesandten zogen mit den gotter bildern wieder hinweg / zugleich den
Dison mit sich davon fürend. Deine fraumutter ware nicht zu trosten / und dein
herr vatter voller zorn / dass er dieses beginnen seines sohnes nicht verwehren
konnen Mein herr vatter sprache ihn zufrieden / indem er ihm riete / er sollte
heimlich seinem sohn etliche månner nachschicken / die ihn mit list entfurten /
und wieder zu ihm bråchten. Diesen anschlag setzte der Ana ins werk / und zwar
so heimlich / dass unser keines etwas hiervon innen wurde. Es glückte ihme auch
nach seinem begehren: massen der Dison unversehens wieder nach Dedan kame / und
wusste ich nicht anderst / als dass solches mit seinem eigenen willen geschehen
wåre. Ich verubelte ihm diese unbeståndigkeit gar hoch / und name mir fur /ihm
solches furzurucken / sobald mir meine gesundheit / ihn zu sehen / zulassen
wurde.
    Wenig tage waren verstrichen / als mein herr vatter einsmals zu mir kame /
und nach vielen umreden mir anbrachte / wiedass er und der Ana beschlossen håtten
/ mich an den Dison zu verheuraten. Ich weigerte mich gleich / diesen schluss
einzugehen / und sagte: Ich wollte in allem eine gehorsame tochter sein / auser
in dem / was wider die götter liese. Es sei allbereit gewalts genug / die man
mir antäte / indem man mich von dem tempel abhielte: dieses wurde nun gar
zuviel sein / wann man mich uberdas zum heiraten zwingen wollte. Alles dieses /
so ich weitlåufig und mit vielen tränen fürbrachte / dienete mir nirgendzu /
als dass mein herr vatter nur desto zorniger und härter mir gebote / seinem
befehl nachzukomen / und sagte er darbei: Ich sollte ihm zutrauen / dass er es wohl
dahin bringen wollte; und dorfte ich mir nicht einbilden / durch list von Dedan
zu komen / wie ich zu Haran getan: dann er mich fleissig genug bewachen lassen
/ und meiner person sich recht versichern wollte. Hiemit ginge er von mir / und
kame bald darauf meine fraumutter / welche mir eben dergleichen fürbrachte / und
eben so wenig durch meine tränen sich erweichen liesse ja fast noch hårters
sinnes ware / als der herr vatter. Es bliebe auf ihrer seite bei dem schluss /
dass ich den Dison ehlichen sollte; auf meiner seite aber bei dem fürsatze / eher
zu sterben / als der Diana treubruchig zu werden.
    Diese harte verfolgung nun / dergleichen ich furhin nicht versuchet / weil
meine eltern wegen des heuratens es mir noch niemals so nahe gebracht hatten
/stiesse mir sehr an das herze: und sah ich kein mittel in der welt / wie ich
konnte hiervon erloset werden / als / wann ich den Dison darzu brächte / dass der
/ in erkennung der unmoglichkeit / selber von dieser heurat abstunde. Demnach
uberredte ich die Mehetabeel /dass sie / mit deinem bruder zu reden / gelegenheit
suchen / ihme so wohl sein als mein gelübde furhalten /und ihn / von dieser
heurat abzustehen / bitten sollte. Diese / als sie bei ihm mein aufgetragenes
gewerbe abgeleget / kame ganz frolich wieder zu mir / und brachte mir diese gute
zeitung / wiedass Dison in seinem gelubde ja so beständig als ich verbliebe; dass
er mit gewalt von dem bilde der Isis wåre entfuret worden; dass er seinem herr
vatter / meine angetragene heurat / ebenfalls abgeschlagen; dass er schon einmal
wieder auf dem weg gewesen wåre / davon zu fliehen / weswegen er auch jezt
gefangen gehalten wurde; und dass er die Isis inståndig anruffe / mich hiervon zu
erretten: und sollte ich gleichfalls meine Diana anflehen / dass keine Göttin ihn
nicht verlassen mochte. Man kann gedenken / wie / dieses edlen Fursten
Entschliessung zu horen / mir eine freude war / und gewanne ich ihn deswegen so
lieb / weil ich ihn meinem sinn so ånlich befunde / dass ich oftermals wunschete
/ er mochte mit mir eines geschlechtes sein / damit wir unsere lebenszeit ståts
mit einander zubringen konten. Ich ertruge nach diesem den zwang meiner eltern
mit einen viel ruhigern gemute / weil ich den Dison nicht für meinen
mitverfolger halten dorfte.
    Unser beiderseits eltern aber verharreten in ihrem schluss / ihre ungehorsame
kinder zusammen zu bringen. Weil wir einander noch nie gesehen hatten / als
wollte meine fraumutter / ich sollte mit ihr den Dison besuchen. Wie ich aber
dieses vorher von der Mehetabeel erfahren / liesse ich den Dison bitten / sich
krank zu stellen / damit er nicht dorfte zu mir kommen: und ich widersezte mich
ernstlich / ihn zu besuchen / mit furwand / dass solches sich nicht gezieme / und
dem Dison båsser als mir zu tun anstehen konnte. Hiemit läneten wir es an beiden
teilen ab / und war die ursach / dass wir also unsere zusammensprache scheueten
/diese / weil wir besorgeten / wir würden unsere eltern erzurnen / wann wir in
ihrer gegenwart anderst / als sie es begehreten / miteinander geredet hätten.
Als sie aber nun lang sich vergeblich bemüheten / uns auf ihre Meinung zu
bringen / wurde der Ana endlich ungedultig / und setzete einen tag unserer
hochzeit an /da wir sollten mit gewalt zusammen getrauet werden: wie dann alle
Seirische Fursten nach Dedan kamen /unserem hochzeitfest beizuwonen.
    Die gottsfurchtige Poliphide / deine fraumutter /ware hierinn unser beider
einiger trost: die von ihrem gewissen überzeuget wurde / wiedass es sunde wåre
/uns also zu zwingen. Sie vertrauete mir demnach / als sie mich eines tags gar
kläglich gebärden sah / wiedass sie furhabens wåre / dem Dison ihrem sohn
heimlich davon zu helfen: weil sie spurete / dass doch er so wenig als ich unsere
gelubde verlassen wollten. Ich dankete ihr hievor mit meinen tränen / und lage
ihr inståndig an / dass sie gleiche güte gegen mir furkehren / und mich in der
Diana tempel zu ihrer schwester verhelfen wollte. Dieses aber schluge sie mir
rund ab /fürwendend / sie håtte über anderer leute kinder die macht nicht / die
ihr die gotter über ihre eigene verliehen: also dorfte ich ihr dieses nicht mehr
anmuten. Der junge Ebal inzwischen / der nicht ohne eiversucht und schmerzen
warname / was bei uns furginge /kunte nicht långer zu Dedan verbleiben / sondern
zoge hinweg / ohne einigen abschied von mir zu nemen: weil er sich befahrete /
wie er der Mehetabeel vertrauet / er mochte von seiner liebe sich etwas merken
lassen / und nicht so vollkommen ein meister seiner worte bleiben / als er
vorhin bei mir gewesen war. Es hatte auch seine schwester nicht eher / als
dissmal /aus ihme sein leiden erfahren.
    Als aber nun / zu des Disons flucht / alles bereitet war / furete ihn eines
abends die Mehetabeel / in weibskleider verstellet / zu mir in die kammer: und
sollte er / unter dieser verstellung / mit der Poliphide nach Moab reisen / die
jårlich das fest des gottes Chamos daselbst besuchete. Nachdem wir einander
gegrusset / sagte ich zu ihme: Ich mochte wunschen /mein vetter / dass die jenige
/ die zu dieser eurer verstellung unschuldige ursache gegeben / auch so nahe bei
ihrer erlosung wåre / und der hoffnung mit euch genosse / sich bald an dem ort
zusehen / da sie stäts in gedanken lebet. Ich verhoffe aber / die grosse Diana
werde mich auch endlich erhoren / gleichwie die Isis sich euer angenommen.
Tugendhafte Aramena! (antwortete er mir /) der himmel soll mein zeuge sein / wie
mich dieses in meiner jetzigen gluckseeligkeit betrubet / dass ich zu erlösung
der vollkommensten Prinzessin der welt so gar nicht dienen kann / und dass ich /
ohne sie in ruhe zu wissen /derselbigen nun allein geniessen muss. Versichert
euch / mein vetter! (sagte ich hinwider /) dass ich euch eure ruhe von herzen
gonne / und gewiss verhoffe / bald eine gleichmåsige gluckseeligkeit zu erlangen.
    Als wir / nach diesen und anderen reden / einander umfasset / und gute nacht
gewunschet / reisete dein bruder / also verstellet / mit seiner fraumutter
hinweg / und hatte niemand einigen argwahn auf die Poliphide: weil dieselbige so
meisterlich den Dison vorher verbergen lassen / dass man zu Dedan ihn schon
gemisset / ehe noch ihre reise nach Rabbat fortginge. Der Ana war hierob so
ergrimmet / dass er schwure /er wollte seinen sohn dem Moloch opfern / wann er ihn
würde wieder bekommen: Also waren die Seirische Fürsten vergeblich nach Dedan
gekommen / und durch des Bräutgams flucht die hochzeit aufgehoben: welches meine
eltern auch nicht wenig verhonete.
    Wir zogen bald darauf / durch Canaan / (allwo wir dem alten Isaac und der
Rebecca meiner mutter schwester zusprachen) wieder in Syrien / da mein herr
vatter sich gar sehr / wiewol vergeblich / bemühete /zu Damascus in der Isis
tempel von den Dison etwas zu erfahren: dann die priester daselbst seine
anwesenheit so standhaft laugneten / und vermutlich verheeleten / dass er nichtes
ausrichten kunte. Ich bliebe aber daselbst nicht lang unangefochten / indem die
Konigin der Bactrianer von Hemath zu uns kame / und ihres bruders sohn den
Prinzen Apries / und seine schwester die Prinzessin Ardelise bei sich hatte.
Dann diese Konigin wollte gleich / besagten ihren vettern /mit mir verheuraten:
worzu der Tebah / seiner gewonheit nach / gar meisterlich halse. Weil ich aber
die Ardelise gar wohl kante / als erfuhre ich von ihr /dass ihr bruder bereits
anderswo liebete: da ich ihr hingegen meinen zustand vertrauet. Dieses
verursachete unter uns eine so feste freundschaft / dass jederman gläubete / als
hätten wir einander geliebt. Ich liesse auch den Tebah mit fleiss in diesem
wahn /damit er aufhörete / mich ferner zu verfolgen: welches dann uns manche
kurzweil machete / dass wir also den alten Tebah betriegen kunten.
    Dieses wärete also hin bis in den früling nächstverwichenen jahrs / da uns
die Konigin der Bactrianer wieder verlassen. Der Tebah sah wohl / dass der
Apries nicht solche liebe beim abschied mir erzeigte / als er wohl ihme
eingebildet: demnach ward er sinns / weil er doch nie ermuden kunte / an meiner
verheuratung zu arbeiten / er wollte den Elihu den Fürsten von Ram / der gar ein
wackerer verständiger herr ist / in dieses spiel furen / und ausfüren machen /
was mit dem Betuel / Ebal / Dison und Apries vergebens war fürgenommen worden.
Weil er nun bei meinem herr vattern sich viel vermochte / als überredte er
denselbigen leichtlich / dass er vergangenen herbst in Mesopotamien nach Acraba
reisete. Meine fraumutter hat an diesem ort ein landgut / und wächset alda
treflicher wein: daher wir selber / uns zu ergetzen / der weinlese beiwohnen
wollten. Es liget dieses Acraba nahe bei dem Furstentum Bus / in welchem der
Elihu / und zwar zu Ram / nur ein feldwegs von Acraba / sich aushielte. Ich
tate diese reise mit freuden / weil ich also dem tempel der Diana etwas näher
kame / und die angeneme gesellschaft der Lea und Rahel wieder zu geniessen
verhoffete. Mein herr vatter aber liesse mir so wenig freiheit / dass mir bald
meine eingebildete vergnugung wieder verschwunde: dann ich wurde aller orten so
hart bewachet / dass ich auch nie keine gelegenheit absehen kunte / nur mit der
Tirza allein zu reden / weil allemal viele personen um uns blieben /die von
meinen eltern befehl hatten / meiner zu huten /und auf alles mein tun acht zu
geben.
    Weil in selbiger gegend fast alle Mesopotamische und Syrische Fürsten ihre
weinberge haben / als war die gesellschaft alda sehr gross. Der Elihu verzoge
nicht / sich mit uns bekant zu machen: zumal er allbereit vorher zu Babel um
meinen herr vattern gewesen ware. Seine geschicklichkeit erwarbe ihm bald unser
aller wolneigung: wie dann auch ich ihn in allem so sittsam und verståndig
befunde / dass ich mir seine gesellschaft sonders belieben liesse. Dem Tebah
ware dieses eine sonderbare freude / und vermeinte er nun gånzlich / dass ich dem
Elihu musste zu teil werden. Er wollte aber seine gedanken hierinn heimlicher
füren /als er vordessen getan: womit er mehr verderbet als gut gemachet hatte.
Also sagte er mir nichtes / und liesse mich mit dem Elihu so frei umgehen / als
ich selber wollte.
    Dieser Furst lude uns einsmals zu gaste auf sein kelterhaus / welches mitten
in seinen weinberg gebauet war. Viele Syrische Fursten und Fürstinnen kamen
daselbst zusammen: da den abend / auf einer breiten wiesen / welche der Phrate
umfliesset / das gesamt frauenzimmer spaziren ginge. Weil der Elihu sich zu mir
gesellete / kamen wir / unter andern gesprächen / von den torheiten der liebe zu
reden. Ich behaubtete / dass es gar eine nårrische sache um die liebe wäre /
massen alle ihre wirckungen töricht schienen. Er bekråftigte meine Meinung /
setzete aber doch hinzu: wiedass auch er dieser krankheit / ob er gleich alle
ihre torheiten wohl erkennete / unterworfen sei / und an einem ort lieben müsse /
da er nichtes zu hoffen håtte. Ich bestürzete hieruber / vermeinend /ich wurde
hierinn an ihm einen Betuel oder Ebal finden. Er aber / als der gar vertråulich
mit mir lebete /halfe mir bald aus meinen irrigen wahn / indem er mir entdeckete
/ wiedass er in die Rahel gebrant sei: von der er aber nie etwas zu hoffen hätte
/ weil sie von ihren eltern furlängst an den Jacob versprochen wäre. Weil er
dieses mit einiger bewegung furbrachte / taurete es mich sehr / einen solchen
Fursten / von so vielen tugenden / den / mit solcher qual beleget zu wissen. Ich
suchete auch / ihn davon abzubringen / ihm alle ersinnliche gründe für haltend /
die eines andern ihn uberreden mochten: Er aber beantwortete alles das / so ich
ihm furhielte / allein mit vielen seufzen. Dieses bewoge mich / seiner in
scherze zu spotten / und machte ich etliche reimen auf seinen zustand: da er
selber mir die verse stellen hulfe. Also beschrieben wir einen verliebten
menschen / in diesen zeilen:
Die liebe ist ein trieb / dass wir uns selber hassen /
gesundheit / witz und ruh gutwillig fahren lassen.
Sie ist ein gift dem leib / ein tod für unsren geist:
dass beides geist und leib nicht seine werk erweist.
Wir hassen uns so sehr / dass wir auch gerne sturben /
wann wir der liebe zweck dadurch gewiss erwürben.
Selbst zehren wir uns ab. Wir wollen toricht sein.
Wir wollen unsre ruh / fur unlust / stellen ein.
Wie blass und gar verstellt / wie mager und verfallen /
wird unser angesicht. Ein wüten und ein wallen
von schrecken / eiversucht / von furcht / von qual und schmerz
durchwandret unsren leib / und presset unser herz.
Der freie geist ist hin. Er dienet seinen feinden.
Er liebt / was ihn plagt. Er wunscht / sich zu befreunden /
mit kummer und mit pein. Diss bringt die lieb uns bei.
Muss man dann nicht gestehn / dass sie voll torheit sei?
    Als ich dieses / nachdem es gesetzet / laut hergelesen / sah inzwischen der
Elihu jemanden nicht weit von uns / der ihme unbekant war / und mich ohne
unterlass anschauete. Er wurde dadurch bewogen / scherzend zu mir zu sagen: Was
gilt es / Prinzessin! wir haben in diesen reimen die abbildung von jenem fromden
gemacht / der mit so verliebten gebården die schonheit der Aramena betrachtet?
Hiemit sah ich nach ihme / und befunde / was der Elihu berichtet: massen dieser
fromde so aus sich selber mich betrachtete / dass er eher mehr einem steinernen
bilde / als einem menschen / ånlich sah. Sein ansehen und gute gestalt / neben
der unkentlichkeit dieses menschen /macheten mich begierig / zu wissen / wer er
sein mochte. Als wir in unserem spazirgang für ihn über gehen mussten / grüssete
er mich mit einer tiefen vergnügung / und wollte Elihu mich uberreden / dass er
ihn sagen horen: O unvergleichliche wunderschone! welches ich aber nur für
seinen scherz hielte: wiewol es sich hernach erwiese / dass Elihu wahrgeredet.
Des folgenden abends / gingen wir an eben selbigen ort: da uns der fromde wieder
zu gesicht kame / und zwar in eben solcher stellung / wie das erstemal. Weil nun
meine begierde zuname / zu wissen / wer er wäre /fragte ich hierum jemanden /
mit dem ich ihn reden gesehen: der mir aber keinen andern bescheid zu geben
wusste / als dass dieser frömde / mit etlichen bedienten und einer frauenperson /
vor wenig tagen in Acraba angekommen / und hätte er ebenfalls gleich jetzo nach
meinen namen gefraget / und grosse frende erwiesen / als er erfahren / wer ich
wåre.
    Elihu und ich / hatten hierüber unsern scherz: wiewol ich gleich dabei mir
weissagete / ich wurde davon noch müssen ungemach anstehen. Als ich eben seiner
/ etliche tage hernach / in meinem zimmer gedachte /kame ein geschrei aus / es
hätte die Königin von Ninive kriegsvolk nach Acraba geschicket / den Prinzen von
Sichem zu verfolgen / der eine ihrer kammerjungfrauen von Ninive entfüret;
dieser Prinz wäre auch gefunden worden / und die jungfrau mit den Niniviten
wieder hinweg gezogen. Mein herr vatter / der den Niniviten zu ihrem nachsuchen
verholfen / weil die Königin / die solches anihn begehret / des Bel Ochus
wachter war / wollte nichts desto weniger dem Prinzen von Sichem alle hoflichkeit
erweisen. Weil wir nun vernommen / dass er ihn auf unser haus bringen wurde / ihn
daselbst zu bewirten / als ginge ich an ein fenster stehen / den Hemoz komen zu
sehen. Ich wurde gewar / zu meiner besturzung / dass es eben der fromde war /den
ich beim spazirgehen gesehen: und indem ich mich alles dessen / was wir uns von
ihm eingebildet /eriñerte / vermehrte solches meine verwunderung / die ich
ohnedas uber dieser fromden begebenheit geschöpfet.
    
    Der Prinz Hemor zeigte sich zwar etwas beschämet / dass er sich als einen
entfurer der jungfrauen musste ansehen lassen: doch entschuldigte er sich damit /
dass es mit ihrem guten willen geschehen. Sonsten erwiese er alsobald eine
sonderbare vergnugung / um meinen herr vatter zu sein: der ihn zu meiner
fraumutter furete / dieselbe anzusprechen. Weil auch ich mich daselbst befande /
als ånderte er / mich ersehend / zu vielen malen die farbe / und begrüssete mich
mit so sonderbarer art / dass nicht allein ich / sondern auch alle anwesende /
die warheit von seiner liebe urteilen konten. Elihu bescherzete mich gleich
hieruber; wiewol es mir nicht låcherrlich ware: dann aus vorhergehenden dingen
konnte ich leichtlich mir die rechnung machen / wie meine eltern hierbei sich
anstellen würden. Auch der alte Tebah ware / wider seinen gebrauch / hieruber
sehr unlustig. Dann / ob er gleich den Hemor / wegen seines grossen standes und
der guten geschicklichkeit / nicht tadelen kunte: so zoge er dennoch den Elihu
ihme weit für / und wollte / mit seinen beredungen / mich lieber an diesen als an
jenen knüpfen; wie er dann / vermog seiner habenden freiheit / bei mir ab- und
zugehen / mich vermahnete /den Hemor nicht anzunemen / sonderen meine gunst dem
Elihu zu lassen. Wie willig ich ihme nun das erste versprache / so unnotig
achtete ich / ihm das andere zu beantworten. Doch liesse ich ihn gern in dem
wahn / dass ich den Elihu liebete: damit er nicht auf den Hemor gerahten möchte.
    Dieser Prinz nun machte mir seine liebe bald kund / und offenbarete sich auf
so manche art und weise /dass man in ganz Acraba davon redete. Meine fraumutter
hatte noch nie einen gewunschtern schwiegersohn nach ihrem sinn gesehen: daher
es nicht viel mühe brauchte / bei ihr so wohl als nach gehends bei meinem herr
vatter gute hoffnung für seine liebe zu erlangen. Ich aber erwiese ihm hingegen
nur desto heftiger / wie unmuglich ich zu seiner liebe wurde zu bringen sein /
und name alle seine aufwartungen mit solchem widersinn an: dass / wann nicht der
himmel /hierdurch mich also sehr zu verfolgen / hätte beschlossen gehabt / der
Prinz leichtlich wurde abgeschrecket sein worden / seine zeit bei mir zu
verlieren.
    Er begleitete uns nach Damascus / dahin wir wieder abreiseten: sowol / weil
die weinlese nun geendet / und es gegen den winter ginge; als auch wegen des
Elihu / den sie mit mir in gar zu naher verståndnüs stehend achteten / und
deswegen in verdacht hatten. Ich verliesse auch diesen Fürsten ungern / und
ermahnete ihn / wie auch der Tebah tate / wiewol nicht aus gleichem furhaben /
er mochte doch mit dem ersten in Syrien kommen / mich zu besuchen. Weil nun /
wie gesagt / der Hemor nicht abliesse / mich mit seiner liebe zu verfolgen / und
ich weder die ehrerbietung des Betuels / noch die verschwiegenheit des Ebals /
noch des Disons gleichheit im gelübde / an diesem verliebten befande / als ware
er mir auch mit seiner liebe der allerunertråglichste. Er wollte mich durch seine
fleissige bedienung / und nicht durch die zusage meiner eltern / erwerben:
liesse derowegen nichtes unversuchet / was er nur immermehr ersinnen konnte /
mich zu gewinnen. Es verliefen damit etliche monate / wiewol fur ihn ganz
vergeblich: weil mein fursatz so unbeweglich bliebe / dass er mit allem nichtes
ausrichtete.
    Meine eltern / die / auf sein eigenes bitten / dieses also stille mit
angesehen / wurden dessen endlich überdrüssig. Sie wollten / weil sie mich nicht
hoher noch bässer anbringen kunten / als wann ich dereinst Königin von Canaan
würde / gleichwol dieses Glück nicht aus hånden gehen lassen. Demnach /
befahrende / die ungedult mochte des Prinzen liebe endlich überwägen / und ihn
finn-åndern wachen / geboten sie mir / gleichwie sie zu Dedan mit dem Dison
getan / ich sollte den Hemor heiraten. So vergeblich nun vor diesem mein flehen
und bitten gewesen / so wenig kunte ich auch jezt ausrichten. Und ob ich wohl zu
vielen malen dem Hemor in die augen sagte / Ich wollte lieber sterben / als ihn
ehlichen: so ware doch alles umsonst / und richtete ich damit mehrers nicht aus
/ als dass man von einer zeit zur andern verzoge / die heurat zu vollziehen / ob
ich endlich noch mit guten willen darzu zubringen sein mochte. Mein herr vatter
hielte dafür / der Oberpriesterin / seiner schwester / einwilligung wurde
hierbei viel tun / und mich eher zum gehorsam bewegen: reisete deswegen nach
Ninive / von dannen er mit der Celia erdichtetem jawort wieder zurück kame. Dass
aber dieselbe damit nicht friedlich gewesen / hat ihre jetzige abschickung an
mich genugsam dargetan: ob man schon dazumal ein anders vorgegeben.
    Sobald nun der früling begunte herfür zubrechen /da wurde ohne långern
verzug meine abreise aus Syrien angestellet. Und weil zu Damascus / der Königin
von Ninive / wie auch der Konigin von Tyrus / ankunft vermutet wurde / als kunte
mein herr vatter und fraumutter mich nicht in Canaan begleiten. Demnach trugen
sie dem Tebah und der Furstin Calaride auf /mich nach Debes zu bringen / dahin
die reise gehen sollte / weil selbiges Fürstentum dem Prinzen Hemor zugehorte:
welcher nicht wollte / dass ich nach Sichem kåme / weil er damals mit seinem herr
vatter / wegen der verstossung seiner fraumutter / in übelvernemen stunde. Dass
aber meine eltern nicht gleich zu Damasco die hochzeit wollten vollzogen haben /
halte ich dafür / sei dieses die ursach gewesen / weil sie vermuteten / wie übel
ich mich gebården wurde: da es dann bei allen Syrischen Fursten ihnen eine bose
nachrede hätte erwecken können / um dass sie also ihr einziges kind in einen ihr
widrigen ehestand genotigt. Ich schiede von Damasco so traurig hinweg / dass ich
fast nicht wusste / was ich täte. Der alte Tebah vermeinte mich zu frieden zu
sprechen / und sagte mir viel vor /von des Hemors vollkommenheit und tugend:
Aber solches gereichete zu mehrung meiner qual / indem ich von ihm diese
wankelmütigkeit erleben musste /dass er / der zuvor des Hemors liebe widersprochen
/nun auch dieselbige mitbilligte.
    Zu Camon / traffe ich des Stattalters von Ninive sohn den Tarsis an /
welcher bei der Königin Delbois in diensten ist / und dazumal von Ninive kommend
/ nach Damasco reisete. Ich hatte ihn vorher nie gesehen / weil er der zeit im
krieg ware / als ich unter seines vattern schutz / wie ich von Haran flohe /
mich begeben. Weil er / meiner fraumutter wegen / mir befreundet / als gabe ich
ihm gehor in meinem zimmer: da er dann / aus meinen tränen / meinen zustand wohl
abnemen kunte. Weil ich nun spurete / dass er erbärmnis mit mir hatte / als wollte
ich sein mitleiden noch hoher treiben. Ich ruckete ihm fur / wiedass sein vatter
allein an allem meinem ungluck schuldig wåre / weil er mich zu Ninive nicht
båsser wider meine eltern beschutzen mogen. Dieses ginge ihm so sehr zu herzen
/dass seine grosmut ihn triebe / seine dienste mir gleich anzubieten. Ich bate
ihn so beweglich / als mir müglich war / dass er mich von dem Hemor befreien
wollte: worzu er sich gleich willigst erklärte / und mir gewiss versprache / im
gebirge Gilboa unterwegs mir vorzuwarten / und dem Hemor mich zu entfuren / auch
hierzu eiligst alle behörige anstalt zu machen. Diese hoffnung / erlöset zu
werden / machte mich / die folgende tage meiner reise / ruhiger aussehen: woraus
Hemor grosse vergnugung schopfete. Er wollte aber bei Ennon nicht über den Jordan
fahren / weil er erfahren / dass sein herr vatter daselbst sich befånde. Demnach
reiseten wir über den see Cineret: da ich dann von dem edlen Elieser und Ephron
unwissend errettet wurde / welche die Furstin von Seir zu befreien vermeinten;
ich aber bildete mir ein / es wåre der Tarsis / der mir die versprochene hulfe
leistete.
    Wie ich nachgehends durch den Piream ihnen wieder abgenommen / und nach
Tanac eingebracht / von dar durch den Tarsis aufs neue nach Betera entfuret /
aber neben dir / liebste schwester! von dem Fürsten Beri wieder verrahten und
hieher nach Salem geliefert worden: solches hastu alles mit erlitten und
angesehen. Ich habe nichtes mehr ubrig zu sagen / als dieses / dass ich / wie der
Tarsis mich leztmals aus Betera davon brachte / ich wohl mit ihm hätte davon
und dem Beri entkommen können. Er gabe mir aber daselbst so frech und deutlich
seine liebe zu verstehen / dass ich lieber bei dir bleiben und deine abenteuren
mit erleben / als ferner mich ihme vertrauen wollen. Demnach sprunge ich / ehe
er sich dessen versah / vom pferd herab; und indem ich denen / die uns
verfolgeten /entgegen eilete / wurde es mir nicht schwer / ihme zu entgehen:
massen er die flucht nemen musste / weil er wohl sah / dass er wider die anderen
alleine nicht bestehen konnte. Alles mein ausgestandenes leiden nun achte ich
gering / wann nur endlich die gütige Diana mir beistehen will / dass ich in ihren
tempel / sie ruhig zu bedienen / gelangen moge. Und hierzu habe ich jezt noch
grössere hoffnung / da ich der grossen gottin die Ahalibama zur dienerin
erworben / welche unsern tempel mit ihrer angenemen gegenwart zum hochsten
zieren wird: wie dann auch unsere Oberpriesterin grosse vergnugung entfangen
wird / wann sie also ihrer schwester tochter wird stäts bei sich haben konnen.
                                     * * *
    Ja / liebste Aramena! (sagte hierauf Ahalibama /) du hast in mir solchen
lust zu diesem leben erwecket /dass ich von nun an der grossen Diana angelobe /
ihre dienerin zu werden / und mit dir und deinen gespielinnen meine lebenszeit
in ihrem tempel / da so süsse ruhe zu finden ist / hinzubringen. Briane und
Zimene höreten diese Entschliessung der Fürstin von Seir mit ja so grossem
vergnügen an / als Aramena. Als sie aber noch davon redeten / tratte der Fürst
von Cale und dessen gemalin zu ihnen in das gemach: welche von hof gekommen
waren / und in gesellschaft des Konigs Melchisedech und der fürtrefflichen
Colidiane den tag verbracht hatten. Ahalibama fragte gleich: ob die Furstin
Casbiane morgen noch ihre reise fortsetzen wollte? Aber selbige vertrostete sie
auf den nåchsten tag hernach / weil sie vom Konig zu Salem /beim opfer des
folgenden tags zu / erscheinen / neben ihren gemal eingeladen wäre. Der Fürstin
von Seir machte dieses einige unruhe / aus besorgung / sie möchte / durch
ferneren verzug / dem Beor wieder in die hånde geraten. Aber der Arsas sprache
ihr einen muht ein / und täte ihr die versicherung / dass übermorgen vor tags
unfehlbar ihre reise mit seiner gemalin für sich gehen sollte: da dann ja noch
funf tage zurück wären / ehe ihre verschliessung zum ende liefe /und man ihrer
flucht innen werden kunte. Als sie hierauf ihr dieses gefallen lassen / und
Arsas neben seiner gemalin ihr eine ruhige nacht gewunschet / und fur seine
person / weil er nach verrichtetem opfer seine reise nach Kiriat-Sepher
fortsetzen wollte / von ihr abschied genommen hatte: bereitete sich dieser furst
und seine Casbiane zu dem morgigen opfer / welches der Konig Melchisedech
angestellet / um dem Arsas dessen rechte weise zu zeigen / damit er seine
Konigin darin unterrichten möchte.
    Als demnach die nacht fürbei / und kaum der morgen herfür gebrochen / da
kame des Konigs von Salem oberkämmerer der Jarah: welcher den Arsas und die
Casbiane / auf des Königs wagen / zum opfer abholen sollte. Weil er sie schon
hierzu bereit funde /als fuhren sie sobald miteinander dahin / nach einem berge
/ der auserhalb des schlosses unferne vom Jordan gelegen war. Der Konig
Melchisech hatte / neben den beiden Prinzessinnen und der hofstatt von Salem
/sich daselbst bereits eingefunden. Wie nun der Konig den Arsas und dessen
gemalin gegrusset / sagte er zu ihnen: Gesegnet seit ihr dem herrn / der himmel
und erden besitzet! damit fürete er sie zu dem altar / und wie sie ingesamt alda
niedergekniehet / hube die gemeine an / einen lobgesang zu singen / welchen die
Prinzessin Colidiane ehmals verfasset hatte / in diesen reimen:
Ihr volker / auf! lobsinget unsrem Gott /
dem herren aller welt:
der uns in aller noht
und fårlichkeit erhält:
der alles hat / was ist / zum nutzen uns gegeben;
in dessen milder hand wir schweben / weben / leben.
Er hat die welt / diss wundergrosse haus /
wie es jezt sichtbar ist /
für uns geschmucket aus
nur in sechs tage-frist.
Die erde / luft und feur / die wasser an der festen /
erschuff der grosse Gott / zu unsrem nutz und bästen.
Das paradeis / gab er dem menschen ein:
woselbst die hochste lust /
der unschuld heller schein /
ganz völlig war bewust.
Des leibes edler stand / die ruh der keuschen seelen /
ernehrte dieser ort. Es musste nichtes fehlen.
Der Lucifer / der allerschonste geist /
von hochmut angefullt
verlore allermeist
den glanz / der ihn umhullt.
Gott stiess ihn von sich hin. Sein fall / die menschen fällte /
als er mit list und neid zu ihnen sich gesellte.
Ob solcher fall uns schon die ruhe nam:
doch Gottes liebeshuld
hinwieder zu uns kam /
und deckte unsre schuld /
verhiess uns våtterlich den edlen weibessamen /
der wiederbringen soll der huld-verlornen namen.
Als ferner doch die sünden-volle welt
im argen wurde alt /
verliess was Gott gefållt /
ward in der andacht kalt:
Hat sie zwar Gottes zorn gestrafft mit wasserwogen:
Doch schiene bald darauf / sein schoner gnadenbogen.
Die vier par leut / die sein zorn ubrig lies /
nam er in seine hut /
und sie recht unterwies /
was wåre recht und gut.
Sie mussten fruchtbar sein: die erde zu beerben.
Er schwur / die welt nicht mehr durch wasser zu verderben.
Doch blieb die welt in funden so verkehrt /
dass in des Schopfers ehr /
die ihm allein gehort /
sie menschen stellten her /
zu göttern wurfen auf. Doch seine gut zu weisen /
lies er nicht alle welt in diesen irrtum reisen.
Er låst des liecht von seinem reinen schein
noch leuchten auf der erd.
Es soll noch allzeit sein
ein auserwählte heerd /
die diesen Gott recht ehrt / der Gott allein zu nennen /
ohn welchen wir kein gut / noch einen herren / kennen:
Drum auf mit uns / ihr seelen / die ihr ehrt
den grossen wunder-Gott!
Sein lob werd ståts gemehrt
von uns / bis in den tod.
Er ist allein der herr. Er ist allein zu loben.
So hoch der himmel ist / soll sein sein nam erhoben.
    Hierauf liesse der Konig die opfer verrichten / welche bestunden in einer
dreijãrigen ziege / einer dreijårigen kuh / einem dreijårigen widder / einer
turteltaube / und einer jungen taube: die dann alle geschlachtet / und
nachgehends auf den altar angezundet worden. Mitlerweile nun von den priestern /
die der König in seinem dienst hatte / dieses verrichtet wurde / erklärte
Melchisedech dem Arsas umständlich / was durch alles dieses angedeutet wurde:
wie nämlich die tiere ihr blut zu dem ende vergiessen mussten / dass die menschen
sich dabei erinnern mochten / wie sie Gott eine allgemeine versönung für ihre
sünde schuldig wären. Es habe dem Hochsten / von der welt anfang her / dieser
gebrauch / als ein ihme recht angenemer gottesdienst / wolgefallen: und wolle er
also /durch vorbildung der kunftigen erlosung / angeruffen und verehret sein.
Wie nun das opfer geendet war /und sie såmtlich alda vor dem herrn angebetet
hatten /name der Konig den Arsas mit auf seinen wagen /welches auch Cölidiane
und Jaelinde mit der Casbiane verrichteten: worauf sie also miteinander auf das
schloss fuhren.
    Melchisedech furete daselbst den Fursten in sein geheimes zimmer / und
uberreichte ihm etliche geschenke für seine Konigin / die er ihr zu bezeugung
seiner freundschaft schickete. Das buch Jezirah ware mit unter diesen geschenken
/ wie auch des Henochs und des Noa gesetze: welche auf güldene tafeln gegraben
und mit edelsteinen eingefasset waren. Arsas entfinge solche mit grosser
ehrerbietung / und suchete darauf an / um seine erlassung. Der Konig erteilte
ihme dieselbige / sagend: Er konne leichtlich ermessen / dass der Furst darum von
Salem also hinweg eilete / weil das hochzeitfest des Konigs Beor mit der Furstin
von Seir für der tür wåre / deme er freilich nicht wohl beiwonen könnte.
Hiernächst bezeugte er /wie sehr es ihn schmerze / dass sein haus zu etwas dienen
musste / welches der Konigin Delbois billigen schmerzen verursache. Doch hängte
er die entschuldigung hinan / wiedass er / als unter den König von Canaan gehorig
/ keine macht habe / sich seinem willen zu widersetzen / sondern es alles / wie
es ginge / geschehen lassen musse. Der kluge Arsas / ungeacht er den König also
reden horete / wollte dannoch weder den Demas noch sich selber verrahten / mit
entdeckung / dass bereits die Ahalibama auf dem weg wåre /dem Beor zu entgehen.
Er dankete ihm allein fur alle seine gute bezeigungen / und nachdem er sich
nochmals ihme zu gnaden befohlen / name er auch abschied von den beiden
Prinzessinnen. Weil er alda seine gemalin fand / als vermanete er sie heimlich
/ihre reise nach Damasco folgenden tags ja gewiss fortzusetzen / und begabe sich
damit auf den weg nach Kiriat Sepher: bei allen / die ihn in Salem gekant /ein
gutes lob hinterlassend.
    Casbiane wollte sich der kurzen zeit / die ihr in Salem zuverbleiben noch
ubrig ware / bei den beiden Prinzessinnen von Caphtor wohl bedienen: liesse sich
demnach von der Jaelinde (weil Colidiane / wegen eines sonderbaren fürfalles /
sich entschuldigte /) allentalben umher furen / alles / was sehwürdig / in
augenschein zu nemen / damit sie ihrer Konigin von allem völligen bericht geben
könnte. Also wurde ihr von der Prinzessin / im herumfuren / erzählt / wiedass
dieses Salem von des vorigen Konigs schwester / der Konigin von Canaan / der
fraumutter des Konigs Beor und des Konigs Ephron / wåre erbauet worden: welche /
zum andenken ihres vatterlandes / es Salem genennet / und nach ihrem tode /
ihres bruders sohne dem Melchisedech / und nicht ihren eigenen kindern /es
vermachet håtte. Dann weil die sohne in ihrem leben schon streiten wollen / weme
es vor den andern gebüre / als habe sie / solchen zank aufzuheben / dieses
mittel ergriffen: und wäre also dieses schloss dem Konig von Salem zu teil worden
/ ob es gleich im Königreich Sichem gelegen wäre.
    Alles / was die Assyrier in ihrer baukunst erfunden / liesse in diesem
schlosse sich bewunderen. Natur und fleiss machten es feste: gleichwie es / durch
die gegend angenem / und durch den pracht der zimmer herrlich / erschiene. Es
lage auf einer klippen / welche rund umher sehr tief ausgehauen ware / und
breite wassergråben hatte. Die Königin hatte fruchtbare erden / zu behuf des
gartens / mit grossen kosten hinein füren / und also den felsichten grund
bedecken lassen. An der åusern mauer / rund um das schloss /stunden schone
sommerhäuser / die uber die mauer hinab in das angenemste tal und in eine
breite grune ebene sahen: wie dann in zweien derselben / der Furst Sobal und der
Furst Arsas ihre wonungen hatten. Das schloss an ihm selber / lage auf der
obersten klippen etwas erhobener: also dass man / aus den gemåchern /weit umher
sehen / und uber etliche meilen den Jordan beobachten kunte. Alle zimmer und
såle waren gewolbet / mit dem reinesten marmor / und hatte jedes gemach einen
springbrunn: das dann im sommer die wonungen so kuhl machete / dass man fast von
keiner hitze wusste. Der boden ware mit den herrlichst-gewirkten decken überall
bekleidet / und mit helfenbeinernen bånken besetzet. Und weil es sonderlich zu
einem sommerhause bereitet / als waren lauter blumen und früchte in die teppiche
so kunstlich gewirket / dass sie wie natürlich schienen. Ein grosser saal teilete
das haus in zwei plåtze oder hofsitze: deren einen der Konig von Canaan / den
andern der Melchisedech mit den Prinzessinnen bewonete. In diesem saal ware
/oben am gewolbe / das himmlische gestirne abgebildet / wie solches Abraham der
Furst von Heber entworfen hatte.
    Casbiane besah dieses alles mit sonderbarem vergnugen / und musste bekennen
/ ob sie wohl viel prächtige gebäude in Assyrien gesehen / dass an zierlichkeit
dieses Salem den preiss erhielte. Als sie das zimmer furbei gingen / in welchem
Aramena und Ahalibama bewachet worden / fanden sie die Königliche wacht dafur
stehen / und berichtete Jaelinde die Furstin von Ninive / wiebass allhier die
beide bråute sich befänden. Sie aber / als die es was die Ahalibama betraffe
/viel båsser wusste / konnte kaum ihre gebården so wohl bergen / dass die nicht fast
etwas verrahten hätte. Um aber die Jaelinde von diesem gespråche zu bringen /die
von des Konigs Beor heurat viel fürbringen wollte / fragte sie Casbiane: Wie es
doch käme / dass der Konig von Salem nicht auch einmal an das heiraten gedächte?
zumal es ja schad wåre / dass dieser edle stamm mit ihm abgehen sollte.
    Ach meine Furstin! (sagte Jaelinde seufzend /) unser vetter hat bereits
einen sohn gehabt / der neben seiner mutter gar erbårmlich ums leben gekommen:
weswegen seiter der König nicht wieder heiraten wollen. Meine Königin ist so
begierig / (sagte Casbiane /) von allem / was den König von Salem angehet /
eigentliche nachricht zu haben / dass ich weiss /ich wurde ihr keine hohere
vergnügung geben / als wann ich ihr dieses mit umstånden erzählen konnte. Was mir
davon wissend / (antwortete Jaelinde /) ist so wenig und verwirret mir erzehlt
worden / dass ich ganz nit tuchtig bin / einige umstände darbei zu berichten:
dann ich kaum das siebende jahr erreichet hatte / als dieses ungluck fürginge.
Ich weiss nichtes mehr davon / als dass der Prinz Adonisedech / neben seiner
fraumutter / auf dem schlosse Sion verbronnen / und dass man meine schwester und
mich mit grosser gefahr aus dem brand errettet. Man hat mir / wie gesagt / nie
etwas umständlichers berichten wollen: weil der Konig gar nicht vertragen kann /
dass man davon redet. Ich weiss auch nicht einmal zu sagen / von was fur einem
hause die Konigin gewesen: weil der Konig /aus mir-verborgnen ursachen / solches
gar heimlich hålt.
    Casbiane / musste mit dieser nachricht zufrieden sein. Indem sie fortgingen /
kamen sie in einen langen gang / da / unter andern auszierungen / schwarze
tafeln von agat an beiden seiten hingen / die eine schrift in sich hielten.
Diese tafeln / (sagte Jaelinde /) sind gedåchtnise von allen denen Furstin / die
zu Salem studiret haben: und hat jeder einen spruch hierinn hinterlassen /
darbei der König sich ihrer erinnert. Wie dass sie nicht vielmehr (sagte
Casbiane) ihre bildnise hierein gegeben haben? Dieses (gabe Jaelinde zur
antwort) ist wider unsern gottesdienst: massen hiervon alle abgottereien
erstlich entstanden sind. Casbiane wurde hierauf begierig / etliche der
schriften zu lesen; tratte also näher hinzu / und fand auf einer tafel
folgendes:
Wann / aus der Tugendlieb / die Eiversucht entstehet /
so ist sie wohl vergonnt.
Ein Neid / der ohne hass nur auf die nachfolg geht /
mit lobe wird gekront.
Der Prinz aus Egypten / (sagte Jaelinde) hat diesen reim allhier hinterlassen.
Aber die nächstfolgende zeilen sind von einem Teutschen Fürsten / nåmlich von
dem edlen Cimber / geschrieben worden. Sie lase dieselben hierauf der Casbiane
fur / welche also lauteten:
Wer eigentlich die wahre freundschaft nehret:
dient seinem freund / ohn ansehn / ohn gewinn.
wird eigne ruh dadurch schon abgezehret:
man gibet eh sich / als den freund / dahin.
    In warheit / (sagte Casbiane) diesen möchte ich zum freunde haben: dann man
deren wenige / wie sie hier beschrieben werden / in der welt finden wird. Solte
dieser Cimber einmal verliebt werden / so würde / meines bedunkens / kein
heftigerer liebhaber jemals gewesen sein. Jaelinde beseufzete dieses /ohne
darauf zu antworten / und entfunde bei sich die gröste eiversucht / wann sie
bedachte / dass der Casbiane ihre Königin diese liebe des Cimbers / wie sie von
der Aramena erfahren / zu hoffen hätte. Sie dorfte aber diese Fürstin hierum
nicht befragen / aus besorgung / sie möchte mehr hören / als sie zu wissen
verlangte. Sie kamen nun fürter zu den andern tafeln /und funde Casbiane eine
schrift / dieses lauts:
Wer auf den Anfang siht / von wannen er entsprossen /
und auch sein End erwegt:
der wird zu keiner lust / die wider Gott / gereget;
er folget unverdrossen
dem Tugendpfade nach / der von der erden fuhrt /
die nur den leib / doch nie den himmelsgeist / berürt.
    Dieses hat (sagte Jaelinde) der Prinz der Philister allhier hinterlassen;
und das beistehende / der Furst von Teman / welches also lautet:
Was hilft mir gut und geld? wann ich in meinem sinn
nicht recht vergnuget bin.
Wann ich mit müh nach ehr / nach pracht und wollust hasche:
was fang ich? staub und asche;
es ist nur schnoder wind. Ein selbst zufriedner sinn /
der schwindet nimmer hin.
Dieses folgende / (fuhre Jaelinde fort zu reden) ist von dem Prinzen von Hemath
hieher beigetragen worden:
Wer bleibt mit dem vergnügt / was er bereits erworben:
hat schlechten muht / und ist ihm selber abgestorben.
Wer hat dann (fragte Casbiane) das hierauf-folgende geschrieben? Der Fürst Aran
von Seir / (antwortete Jaelinde /) ein mensch von so kleiner tugend / als
grosser Bosheit. Sein reim / ward dieses lauts gefunden:
Viel leichter ist / die ganze welt zu zwingen /
als sein gemut recht in den zwang zu bringen.
Er hat wohl wahr geurteilet: (verfolgete Jaelinde /) massen er solches mit seinem
eigenen beispiel genug erwiesen.
    Als Casbiane noch mehrere nachfolgende reimen besehen wollte / kame der Furst
Sobal von Seir daselbstin / der bei dem Konig Beor gewesen war: deswegen sie /
in einen andern gang / der nach der Prinzessinnen zimmer furete / sich eilig
hinweg begaben. Dann Casbiane vermiede mit fleiss / den Fursten von Seir zu
sprechen: weil sie die Assyrische seite halten musste / deren die Fursten von
Seir / wegen der dem Beor bewilligter heurat mit der Ahalibama / zuwider waren.
Es ware aber eben essenszeit: daher Jaelinde die Casbiane zur malzeit fürere /
da die Cqlidiane /neben der Calaride und Toris / sich auch einfunden. Diese
alle beredten sich miteinander / den nachmittag spaziren zu fahren / nach Ennon
/ allwo der Melchisedech auch sonderbare gebråuche eines gottesdienstes /mit
baden im Jordan / hatte angestellet. Weil sie nun zu wagen dahin fahren / zu
schiffe aber wiederkehren wollten / als wurde hierzu alle anstalt gemacht: und
kamen sie also / in geschwinder eile / nach Ennon /alda sie so lange sich
aufhielten / bis die abendrote am himmel erschiene.
    Colidiane hatte der gesellschaft / mit ihren angenemen gesprächen / die zeit
dermassen gekurzet / dass sie wohl noch spåter an die rukkehr wurden gedacht haben
/ wann sie nicht befahren mussen / das schloss möchte gesperret werden. Deswegen
sezten sie sich allzusammen auf zween kåhne / und fuhren also wieder auf Salem
zu. Die viele nachtigallen / die an beiden seiten des users / auf den
schattichten båumen /bei untergang der sonne sich hören liessen / machten sie
vor aufmerken ganz verstummen: dann sie sich mehr ergetzeten / dieser freien
luftmusik zuzuhören /als selber gespråche anzufahen.
    Nachdem sie beim garten wieder angelanget / auch Colidiane und Jaelinde
bereits ausgetretten waren, wollte Calaride ihnen folgen: bliebe aber mit dem
rock an einem nagel des schiffes behangen / also dass sie fallen musste / und
damit den kahn umzoge / dass alle die andere ins wasser fielen. Ihr schrecken war
um soviel grösser / weil der andere kahn noch weit zuruck ware. Doch kame / auf
ihr geschrei / der gärtner / so eben im garten ware / ihnen zu hulfe: und weil
das wasser nicht tief / sprunge er / neben etlichen von den Edelleuten / die sie
bei sich gehabt / in den fluss hinein / und brachten zu erst die Toris /
nachgehends etliche von den jungfrauen / und letzlich die Calaride heraus.
Casbiane wurde allein noch gemisset: woruber beide Prinzessinnen sich sonders
bekümmert erwiesen. Als nun der gärtner nochmals hinein gesprungen / funde er
sie unter dem schiffe / da sie sich fest an ein holz mit beiden hånden hielte.
Sie wurde / ohne anzeig einiges lebens / heraus gebracht / und sturzete ihr das
wasser häufig aus mund und ohren. Die Prinzessin / weil es nicht weit von dar
nach der Furstin von Cale behausung war / liesse dieselbe dortin tragen / und
ginge selber mit / inzwischen eiligst nach des Konigs von Salem leibarzte
sendend / dass der mochte der Furstin zu hulfe kommen.
    Das grosse geråusche / so sie macheten / als sie dergestalt in das haus
kamen / neben dem geheule von der Casbiane bedienten / erscholle gleich bis in
das zimmer / da Ahalibama und ihr ritter Dison sich verborgen aufhielten: die
dann grosse angst entfunden /wegen der vermutung / dass sie verrahten sein
mochten / gleichwol keinen raht wussten / was sie beginnen sollten. Der beherzte
Tirzis wollte sich hinaus wagen /um nachricht einzuholen. Brianes aber und
Zimenes /die eben zugegen waren / erboten sich hierzu / als die es mit minderer
gefahr verrichten kunten. Diese nun erfuhren bald das unglück / so Casbiane
betroffen: welches sie der Ahalibama und dem Dison berichteten / und damit zwar
ihre gefassete einbildung stilleten /aber ihre sorge nicht ringerten; weil sie
leichtlich absehen kunten / dass dieses ihrer abreise hinternis bringen wurde.
Sie schicketen aber von zeit zu zeit den Brianes und Zimenes ab / um zu erfahren
/ wie es mit der Casbiane stunde: die dann vernamen / wiedass es gar schlecht mit
ihr beschaffen / und die sprache sich noch nicht wieder bei ihr eingestellet.
Dergleichen berichte bekamen sie die ganze nacht herr durch: daher sie / fur
angst / kein auge zuschlossen. Der folgende morgen fand die Furstin noch im
vorigen zustande /und wurde sie von den beiden Prinzessinnen wieder besuchet /
die bei antretender nacht sie verlassen hatten. Sie kunten aber wenig bei ihr
ausrichten / weil so gar kein zeichen einiges verstandes sich bei ihr wollte
blicken lassen: daher sie mit tränen von ihr gingen /und dieses unglück
höchlich beklageten.
    Der haubtmann Demas geriete hierüber auch in nicht-geringe beisorge / der
Ahalibama flucht möchte hierdurch verrahten werden: die er dann / neben der
Prinzessin Aramena / in grossen ångsten zu sein /leichtlich ermessen kunte.
Demnach begabe er sich heimlich in das haus / verhoffende / den Brianes oder
Zimenes anzutreffen / und mit ihnen hierüber sich zu unterreden. Als er sie bald
gefunden / und niemand auf sie acht hatte / liesse er sich von ihnen zur Furstin
von Seir furen: die dann / neben der Aramena / innigst erfreuet wurden / in
dieser ihrer angst ihn zu sehen. Ach Demas! (sagte sie zu ihme /) wie will dieses
ablaufen? Ich sorge / des himmels grausamkeit und mein unglück / werde euren
fleiss und mühe vergebens machen. Gnådige Furstin! (antwortete Demas /) sie
fassen nur einen guten muht! Sie sitzen alhier sicher und verborgen genug /
niemand wird sie ausspåhen. Solten auch gleich die tage ihrer verschliessung
verlaufen / bevor sei von hinnen kommen konten / so finde ich doch darum fur sie
die gefahr nicht grosser: dann der Konig Beor wird sie eher auf allen strassen /
als hier in einem hause / suchen und verfolgen lassen. Mit dergleichen worten /
sprache er sie wieder zu frieden.
    Wie sie aber hiervon noch redeten / brachte ihnen Zimenes die froliche post
/ wiedass Casbiane nun wieder redete / und hie årzte hoffnung macheten / dass es
mit ihr sonder gefahr sein wurde. Wie demnach Ahalibama versichert worden / dass
niemand bei dieser Fürstin wåre / ginge sie durch einen verborgenen gang
heimlich zu ihr / sie zu besuchen. Casbiane erwiese ihr mehr sorge / die sie
ihrentwegen truge / als um ihren eigenen zufall / und versprache ihr / sich so
stark zu machen / als ihr immer würde müglich sein; um / mit dem ersten / ihre
reise nach Damascus fortzusetzen. Weil sie aber wohl vermutete / dass solches
schwerlich vor acht tagen geschehen würde: als befohle sie ihrer
kammerjungfrauen / die allein um der Ahalibama da-sein wusste / ja fleissige acht
zu haben /dass solches ferner geheim verbleiben mochte. Nachdem sie hierauf die
Casbiane wieder verlassen / entschlosse sie sich / in gedult der zeit
abzuwarten: wie ingleichem der vermeinte Dison / dem lauf des glucks und der
schickung des himmels dieses ferner musste anbefohlen sein lassen.
    Der verliebte König von Canaan aber / der nur noch etliche tage biss zu
seiner eingebildeten vergnugung zehlete / begabe sich mit spatem abend ganz
allein in den schlossgarten: da er seinen verliebten gedanken ein zeitlang gehor
gabe / und letzlich einen knaben vor seiner Fürstin fenster kommen liesse / wo
er sie vermutete / der ihr zu ihren folgendes lied in eine harfe singen musste:
Angeneme Einsamkeit /
finstre wålder / büsche-schatten /
båch' und brunnen / bunte matten /
und ihr felder weit und breit!
euch ist lange kund gewesen /
meiner liebe heftigkeit:
ihr genesen /
nach so langem trauerstand /
machet mir doch einst bekandt.
Sage an / du dustrer Håyn!
werd ich noch mehr leiden mussen?
oder meiner lieb geniessen?
Du sprichst: Ja / es soll so sein.
Ihr / ihr tränen dieser erden /
meiner tränen vorbild-schein!
soll ich werden
bald erquickt nach meiner qual?
Ja! rufft euer gegenhall.
Lasset ihr dann dieses zu /
solchen trost bei euch zu fassen:
ei so wird dann gleicher massen
meine schöne / meine ruh /
mir mit solchem trost erscheinen.
Ja mein sinn der sagt mir nu /
dass mein weinen
soll in freude sein verwandt:
sie kront meinen liebesstand.
    Indem dieses der knab mit gar annemlicher stimm sunge / schauete der Konig
gegen dem fenster hinauf /ob er erwittern möchte / dass seine Ahalibama
zugehoret. Weil das wetter gar still ware / als vername er /dass jemand lachete:
welches dann die beide hinterlassene dirnen waren / die sich gar viel davon
einbildeten / dass ein so grosser Konig ihnen dergestalt aufwartete. Weil die
verliebten alles zu ihrem bästen deuten /als trostete sich auch der Beor mit den
gedanken / dass dieses lachen seiner Ahalibama / fur ihn ein gutes zeichen wäre.
Er begabe sich hierauf / weil die nacht anfingen daher zu dunklen / wiederum aus
dem garten: da seine bediente / neben des Melchisedechs schlosshaubtmann / für
der tur seiner warteten / und ihn wieder hinaus begleiteten.
    Dieser haubtmann hatte befehl von der Prinzessin Colidiane / sobald es nacht
sein wurde / den priester Sephar / mit bei sich habenden personen / zu ihr
/durch den garten / einzulassen. Als er nun daselbst an der tür etwan eine
stunde gewartet / sah er den Sephar / neben einem ansehnlichen ritter und
zweien frauenpersonen / ankommen. Nachdem er sie hatte eingelassen / sagte ihm
der Sephar / wiedass er in etlichen stunden wieder zu rucke kommen würde: worauf
er mit denen bei sich habenden fortginge / die er /durch den garten / an die
andere seite des schlosses furete. Sie fanden daselbst einen felsen ausgehauen
/dessen tur sich bei ihrer ankunft öffnete: da sie / von der Prinzessin
Cölidiane und noch einer andern hohen dame / die der Sephar / drei tage vorher /
und zwar eben in der nacht / als Ahalibama und Aramena entkommen waren / zu ihr
gebracht hatte / entfangen wurden.
    Wiewol Cölidiane dieselbe sonders schon befunden / so erweckete doch in ihr
eine neue verwunderung /die ansichtigung der jungsten unter diesen beiden
neu-ankommenden: welche zwar klein von person / aber dabei so voll majeståt ware
/ dass es ihr gar nicht schwer fiele / sich für die Prinzessin Amesses aus
Egypten darzugeben / dafür sie auch geehret und entfangen worden. Hierauf
entfingen sie einander / Cölidiane / diese Prinzessin / und den / der mit ihr
gekommen / so der Armizar Prinz aus Ophir ware; dieser seine schwester / die
Prinzessin Indaride / welche er bei der Colidiane gefunden; und selbige
hinwiederum / mit bezeugung sonderbarer zuneigung / die Prinzessin aus Egypten.
    Ich weiss in warheit nicht / (begunte Cölidiane die Amesses anzureden /) wie
ich mich in mein jetziges Glück finden soll / so furneme königliche personen zu
bedienen: zumal bei solchen umstånden / da / wegen begehrter geheimhaltung / ich
mich behintert sihe /ihrem hohen stande gemäs ihnen einige ehre zu erweisen.
Meine schone Prinzessin (gabe Amesses zur antwort) erzeiget mir so viel gutes /
indem sie dergestalt mich heimlich hier in Salem aufnemen wollen / dass ich um
nichts anders willen ein bässeres gluck verlange / als / einmal wegen dieser
woltat mich vollkomlich zu rächen. Darf ich aber nicht (fragte Cölidiane) dem
Konig dieses Glück entdecken / dass ihme Gott also unvermutet so vorneme gäste
bescheret? Wir hoffen / (sagte der Prinz von Ophir /) dass der Prinzessin von
Caphtor gütigkeit werde so gros sein / uns für ihre gåste allein zu behalten.
Dann dieser Prinzessin leben und wolfart hånget daran / dass wir aller orten
mogen heimlich verbleiben. Auch meine schwester wird der grosse verlust / den
sie erlitten / ohne zweifel auch alle grosse gesellschaft meiden und sie
gesonnen machen / sich lieber in der stille aufzuhalten. Ich habe bereits (sagte
die so angeneme als betrübte Indaride /) hierum die Prinzessin Colidiane
gebeten; und sie hat mir versprochen / mir allhier geheimen aufentalt zu
gonnen: wiewol ich nicht hoffe / dass solcher lang wåren werde / massen mein tod
nicht ferne mehr sein wird / mich alles jammers zu entledigen. Weil ich zum teil
(sagte Colidiane hierauf) der Prinzessin von Ophir unglück weiss / kann ich zwar
um ihre betrubnus sie nicht verdenken / aber wohl ihre ungedultige verzweifelung
schelten. Ein grosmutiges herz muss niemals den tod um seiner ruhe willen suchen
/ sondern in gedult leiden / was und wie lang es Gott haben will. Ach meine
Prinzessin! (antwortete Indaride seufzend /) wem diese vollkommenheit manglet /
der wird ohne straffe dergleichen ungedult erzeigen dorfen.
    Hiemit wandte sich Cölidiane zu dem Prinzen von Ophir / deme sie seine bitte
gewårend versprache / ihr dasein sollte geheim gehalten werden / weil sie es also
begehreten. Hiernächst furete sie ihre gäste in ein gewolbtes zimmer: welches /
ob es wohl unter der erden war / dennoch an keinem einigen dinge mangel hatte
/und so koniglich ausgeziert ware / dass Indaride und Amesses alle bequemlichkeit
daselbst funden: wiewol die Colidiane dünkete / dass solches für diese grosse
Prinzessinnen viel zu schlecht wåre / und dannenhero sich nochmals entschuldigte
/ dass sie in geheim nicht båsser konten bedienet werden. Als auch die alte frau
/ die mit der Prinzessin Amesses gekommen und ihre wartfrau ware / den Sephar
fragte: Ob sie an diesen ort geheim bleiben konten? gabe ihr der zur antwort
/und berichtete: wiedass kein mensch auf dem schloss /auser der Colidiane
geheimsten bedienten / jemals an diesen ort komme; und dass die Prinzessin
sonsten diese gewolber / arzneien und kostliche wasser darin zu brennen /
gebrauchet / nun aber / wegen ankunft dieser fromden / sie also hätte zurichten
lassen.
    Wie nun Sephar hiermit ihr alle furcht vertrieben hatte / ginge er zu der
Prinzessin Cölidiane / welcher er heimlich anmeldete / wiedass der Prinz von
Ophir noch vor tags wieder hinweg gedächte. Diese Prinzessin fragte hierauf den
Armizar: Ob er dann sobald die Prinzessin Amesses verlassen konnte? dann der
Sephar hätte ihr sein weg-eilen jetzund berichtet. Ich weiss die Prinzessin von
Egypten (antwortete der Prinz) nunmehr in so sicherem schutz / dass sie / solchen
zu erhalten / meiner gegenwart nicht långer nötig hat: mir aber will obligen /
ohne verweilung dahin bedacht zu sein / dass / da sie meinetwegen in Egypten ein
reich verlassen / ihr in Ophir ein anders verschaffet werde. Ich bin sonsten
(sagte Colidiane) des Hiarbas gute freundin jederzeit gewesen: allein in diesem
handel muss ich der billigkeit beifallen / und wunschen / dass Ophir an seinen
rechten Konig wiederkehre. Ich wunsche / (erwiederte Amesses /) dass die
gewogenheit / welche die Prinzessin Colidiane dem bruder erwiesen / nunmehr auch
auf die schwester / und folgbar auf diesen Prinzen / als mit deme mir das gluck
und unglück gemein ist / fallen moge. Ich werde (antwortete Colidiane) mich
ihrer aller dienerin erkennen. Weil ich aber so kurze zeit die ehre haben soll /
den Prinzen Armizar zu sehen / als mochte ich wohl zuvor etwas umståndlicher die
ursachen wissen / die so grosse personen zu mir gefüret: dann ich von dem Sephar
nur gar unvollkommen erfahren / was in Egypten und Ophir mit ihnen sich
zugetragen.
    Es ist billig / (sagte Indaride zu ihren bruder /) dass ihr hierinn die
Prinzessin Colidiane vergnoget: zumal ihr auch mir diese erzehlung noch schuldig
seit / als die ich in Ophir wenig von eurem zustand erfahren. Ich erbiete mich /
zu gehorsamen: (sagte der Prinz /) besorge aber / die nacht mochte hierzu
unbequem und eine unhoflichkeit sein / die Prinzessin Colidiane mit unseren
håndeln von der ruhe abzuhalten. Ich achte keinen schlaf / (wandte Colidiane
hierwieder ein /) gegen dieser vergnügung. Weil ich auch den tag über / um
verdacht zu meiden / meinen Prinzessinnen wenig werde aufwarten konnen / als muss
ich notwendig mich der nacht-zeit bedienen: wiewol mit der besorgung / dass mein
fürwitz ihnen fur dissmal ungelegenheit verursachen / und nicht allein ihre ruhe
storen / sondern auch / mit dem Prinzen / von seinem abschiede sich in geheim zu
bereden / behinterlich sein werde. Wir haben keine geheimnise / (sagte Amesses
/) die unsere gutige beschützerin nicht sollte mitwissen dorfen. Und was die ruhe
betrifft / (sezte Indaride hinzu) finde ich dieselbe mehr in der gesellschaft /
als im allein-sein. Ihr werdet demnach / mein bruder /diese übrige zeit bei
eurer Prinzessin nicht bässer anwenden, können / als wann ihr uns euer beider
liebs-und lebenslauf fürtraget. Armizar / der Prinzessinnen begehren ein genügen
zu tun / hube hierauf an /nachdem sie alle sich gesetzet / ihnen folgender
massen zu erzählen:
 
                  Die geschichte des Armizars und der Amesses.
Ich befinde / in erinnerung alles dessen / was ich zu sagen habe / dass mir gar
ein schweres amt aufgetragen worden: indem ich gehalten bin / sowol von denen /
die meiner Prinzessin das leben gegeben / als von meiner stiefmutter / nicht das
båste zu sagen. Ich mochte auch wünschen / dass die ganze welt solches nicht mit
mir wusste / und ich überhoben sein konnte /ohne erwehnung derselben / die
begehrte geschichte zu erzählen. Wo aber eines ohn das andere übel zu verstehen
sein wurde / als muss man mir nicht verargen / wann ich der warheit blind folge /
und diesen lehrsatz / dass man der seinigen mångel zudecken /und von hohen
gekronten håubtern nicht böses reden solle / etwas aus den augen setze.
    Mein vatterland ist Ophir / und entspringen wir von dem Eber aus Chaldea /
dessen enkel vom Jaketan / der Ophir / erster König alda gewesen. Mein herr
vatter / der grosse Jaziz / der wegen der vielen kriege den zunamen des grossen
bekommen / verheuratete sich mit einer Prinzessin aus Meden / des Pharnus
schwester / welcher der lezte Konig in selbigem reiche gewesen: von derselben
bin ich geboren worden. Weil sie aber bald die welt gesegnete / als schritte
mein herr vatter zur andern ehe / und name des lezten Konigs von Basan tochter /
die Rehuma / die jungste unter dreien schwestern: und diss geschahe / als
selbiges land in stiller ruhe fasse / und man noch nichtes von der Teutschen
ankunft horete / welche nachgehends dieses reich unter sich brachten und auch
noch besitzen.
    Diese Rehuma / eine der listigsten frauen von der welt / ware darbei so voll
hochmuts / dass sie nicht leiden wollte / dass ich dermaleins ihr Konig werden /und
dass ihre kunstige kinder unter meinem gebot leben sollten. Demnach hielte sie es
fur keine sunde /auf mittel zu gedenken / wie ich mochte aus dem weg geråumet
werden: allermeist / wie sie sich schwanger fülete. Ja / sie kunte mich nicht so
lang dulten / bis sie såhe / ob sie auch einen sohn gebåren würde: sondern / ehe
noch ihre geburt-zeit heran nahete / musste ich mein vatterland råumen. Doch das
verhångnis / so alles regiret / verwehrete ihr / dass sie mich nicht / wie sie
leichtlich hätte tun konnen / toden liesse / sondern sich begnügte / dass ich in
Ophirfür todt gehalten / und von meiner wartfrauen heimlich im Bactrianischen
lande / da sie zu haus gehörte / auferzogen würde. So listig nun diese Königin
sonst ware / so sehr betroge sie sich hierinnen / dass sie meiner wartfrauen
trauete. Dann / ob wohl dieselbige aus furcht versprache / ihr in allem zu
gehorchen / so täte sie doch nachgehends das widerspiel / und furete mich hinab
in Egypten zu der Konigin Nergade / die meines herr vattern schwester und des
Konigs Uchoreus gemalin ware. Ich wurde alda / von der Konigin / mit freuden
aufgenommen / auch sehr lieb und wehrt gehalten. Weil ich kaum zwei jahre auf
mir hatte / als liesse sie mich mit allem fleiss / bei ihren zwei sohnen / den
Prinzen Amosis und Hiarbas / erziehen: vorhabens / wann ich wurde erwachsen sein
/ dem Konig Jaziz ihrem bruder mich wieder zuzuschicken / und darbei / wie ihn
seine gemalin um diesen sohn bringen wollen / berichten zu lassen. Sie hielte
aber meine geburt heimlich: damit Rehuma nicht neue list erdenken mochte /
meinen tod zu befördern. Im Konigreich Ophir / wurde ich nun fur todt beweinet /
und kame Rehuma mit gegenwärtiger Prinzessin Indaride nieder: die dann meinen
verlust nicht wieder ersetzet /weil die von Ophir lieber einen jungen Prinzen
gehabt håtten. Meiner stiefmutter widerfuhre nachmals zu gerechter strafe / dass
sie kein lebendiges kind mehr auf die welt brachte. Als aber nach diesem ein
jahr verloffen / da gebare die Konigin Nergade dem Pharao eine tochter / welche
die Prinzessin Amesses hier zugegen ist. Sie ware kaum etliche stunden alt / da
machte man bereits zwischen ihr und mir eine heurat / und hatte ich mich so
sonderbar freudig angestellet / als ich die neugeborne Amesses zu sehen bekommen
/ dass die Konigin daraus unsere kunftige liebe ihr selber weissagete. Ich gewann
die Amesses alsobald in der wiegen so lieb / dass ich weinete / wann man mich von
ihr bringen wollte: woran dann ihre eltern grosse freude hatten.
    Dergestalt verstriche unsere kindheit / und hatte ich das gluck / alles /
was man mich lehrete und worzu man mich anwiese / wohl zu fassen: welches dann
die zuneigung des Konigs und der Konigin gegen mir vermehrete. Bei dem Prinzen
Hiarbas aber erweckte solches eine eifersucht / der sich von kindheit auf mit
mir nicht vergleichen kunte: und weil die jugend hitzig ist / als pflagen wir an
beiden teilen einander wenig nachzugeben. Der Pharao ward hierdurch bewogen /
diesen Prinzen in Canaan nach Salem zu schicken / dass er alda mochte erzogen
werden. Aber der åltste Prinz Amosis / welcher sehr friedfertig / liesse mir
gern den furzug in den ritterlichen ubungen /die wir zusammen lerneten. Ich aber
/ ob ich schon damals noch nicht wusste / wer ich wåre / und mich fur einen
bruder der beiden anderen Prinzen hielte / liebete jedoch die Prinzessin Amesses
heftiger / als mich dünkte / dass man ein schwester lieben konnte / und truge viel
mehr ehrerbietung gegen ihr / als gegen ihre bruder / da ich sie mir doch gleich
nahe verwandt achtete.
    Einesmals / als wir im fruling des Nilus grosses fest begingen / da der sich
über ganz Egypten ergiesset / waren wir nach Noph von den priestern der Isis zu
gast geladen: dahin dann der ganze konigliche hof erschiene. Weil nun einer
unter den priestern in der sternkunst (wie sie dann fast alle diese wissenschaft
haben / und solche von den Hebreer-Fürsten dem Abraham erlernet /) und in der
deutkunst / sonders erfahren war: als begabe es sich / dass der Konig begehrete /
dieser priester sollte einem jeden unter uns in die hand schauen / und von unsern
künftigen abenteuren etwas verkundigen. Er wollte lang nicht daran: weil er schon
mehr als zuviel aus der Prinzessin und meinem gesichte urteilete / was uns
begegnen wurde. Als aber der Konig darauf drunge / sagte er einem jeden etwas
aus der hand: doch mit so dunkelen worten / dass man es nicht alles deutlich
begreifen kunte. Wie er nun zu mir kame / und ich ihme meine hand gewiesen /
besturzete er sehr / und sagte endlich nur dieses: Ich würde dermaleinst / als
ein priester der Isis / sterben. Die Prinzessin Amesses / die zu nächst darbei
stunde / und es mit anhörete / ward hierob ganz entfårbet /gleichwie auch ich
errötete / welches der Konigin anlass gabe / uns zu fragen: warum wir hieruber
uns also entsetzeten? Amesses wollte nichtes antworten. Ich aber / der ich freier
reden dorfte / sagte: wiedass mir die ehre / ein priester der Isis zu werden /
darum schwer ankommen würde / weil ich alsdann nicht mehr so viel um die Amesses
sein könnte. Und eben dieses (sagte hierauf die Königin) hat vielleicht meiner
tochter entfärbung verursachet. E. Maj. haben es errahten / (antwortete die
unschuldige Prinzessin /) und muss ich bekennen / dass es mir schwer fallen wurde
/ den Armizar nicht stäts um mich zu haben. Dieses gefiele der Konigin gar wohl /
und wunschete sie nichtes lieber / als diese liebe jederzeit bei uns zu
ernehren: dadurch sie / ihre tochter dereinst zur Konigin in Ophir zu machen /
verhoffete.
    Dergestalt verliefe noch etliche zeit / da endlich ein krieg mit den Arabern
/ die im lande Chus wohnen /und Moren sind / entstunde. Der Prinz Amosis zoge
selber mit zu feld / unter des Konigs feldherrn dem berumten Epha / einem
Fursten aus Midian: den der Konig darum liebte / weil er von dem Hebreer Abraham
entsprossen ist / der sein eltervatter gewesen. Ich bekame / bei diesen grossen
feldzug / auch meine verrichtung / und hatte das Glück / dass der feldherr mit
mir wohl zufrieden war. Weil wir bis in das andere jahr zu feld waren / als
lernete ich in der zeit den krieg mit so gutem fortgang / dass mir der Epha ein
teil der Egyptischen volker anvertraute: da ich dann den Konig Scheba neben
seiner tochter der schönen Danede / in der stadt Naphis / gefangen bekame. Ich
kann von dieser morin wohl sagen / dass sie die schone geheisen: dann ich nie in
ihrer landsart etwas angenemers gesehen / und war ihre bildung so vollkommen
/dass die schwarze farbe ihr keinen nachteil bringen kunte.
    Dieser glückliche streich / brachte beiden Konigreichen den frieden wieder.
Dann / als die herren von Nebajot / Saba / Arabien und Hevila / die bisher sich
in diesen krieg nicht eingemischet und stille gesessen / erfuhren / dass der
König von Chus gefangen worden: merketen sie wohl / dass unsere macht ihnen würde
schaden bringen / wann sie ferner unseren glucklichen waffen also zuschauen
wollten. Demnach schlugen sie sich alle zusammen / und wollten entweder den König
Scheba wieder los haben / oder Egypten überziehen. Weil nun die Egyptischen
priester /die gar viel gelten / zum frieden rieten / den wir nunmehr mit allen
denen bedingnisen / die wir nur verlangen mochten / erlangen kunten: als
vergnügte sich Pharao / dass er / was er vor dem krieg an den Chusiten zu suchen
gehabt / von ihnen erhielte / und gabe er ihnen dargegen ihren König wieder.
    Mit was fur ehre und grosspracht ich in der koniglichen haubtstadt Tanis
entfangen wurde / will ich nicht beschreiben: und hatte das geruchte / von
meinen wenigen taten / ein mehrers ausgebreitet / als ich würdig war. Amosis
erhebte selbst meinen ruhm dermassen / wie auch der Epha / dass ich ursach hatte
/ mit meinem glucke mich vergnugt zu achten. Die Konigin / welche nun mich in
dem stand sah / dass ich mich meinem herr vatter mit ehren zeigen dorfte / wollte
mir nicht långer verschweigen / wer ich wåre: erzehlte mir demnach alles / in
gegenwart der schonen Amesses /wie es mit meiner geburt beschaffen. Die ehre /
mich zur Krone von Ophir geboren zu wissen / machte mich nun nicht geringe
einbildung fassen: und die liebe zu der Egyptischen Prinzessin feurete damit
sich so heftig an / dass ich solche nicht verbergen kunte. Die ståtige beiwonung
von unserer kindheit auf / hatte unser beider gemüter also aneinander geknupfet
/ dass Amesses / ohne dass ich / nach art anderer verliebten /mich darum
ångstiglich bemuhet / meine liebe gütig aufname: und solches um soviel mehr /
weil der Konig / sowol als die Konigin / ihr anbefohlen /meine aufwartung willig
anzunemen. Also sah ich mich nun auf der hochsten staffel der glückseligkeit
/da ich mich eines so grossen reiches kron-erben nennen / auch ohne eifersucht
und sorge die angeneme Amesses lieben kunte; und zweifele ich fast / ob jemals
ein glückseliger liebhaber gewesen / der also ohne müh und gram zu dem zwecke
gelanget / darnach andere wohl ihre lebtage sich vergeblich bemuhen.
    Wie aber dieser sonderbaren gluckseligkeit kein sterblicher wurdig war /
also liesse mich der himmel auch bald darauf inne werden / wie ihme so leicht
sei /eine abwechselung in unseren zustand einzuschalten: indem er verschaffete /
dass ich / der ich so vollkommen glückhaft gewesen / die hochsten proben der
widerwertigkeit anstehen und erfahren musste. Es wollte eben der Konig seine
abgesandten nach Ophir abordnen / dem Konig meinem herr vatter seines sohnes
wesen und leben zu hinterbringen: als gesandte von Ophir zu uns kamen / bei dem
Pharao etwas anzubringen. Wir befanden uns dazumal nicht in der haubtstadt des
reiches / sonderen in der stadt Says /als diese botschaft von Ophir ankame:
deswegen allein der Pharao nach Tanis reisete / und mich bei der Konig n liesse.
Weil nun die entdeckung meiner person bei hof nicht kundig war / als erfuhren
die von Ophir nichtes von dem sohn ihres Königs / und brachten dem Pharao ihr
gewerbe an: wiedass ihr König Jaziz / weil ihme der himmel keine månnliche erben
gegeben / einen von den Egyptischen Prinzen an sohnes statt annemen wollte / der
seine tochter Indaride ehlichen / und nach seinem tode Konig von Ophir werden
sollte. Und hierzu ernennten sie den Prinzen Hiarbas / von deme sie in Canaan
viel gutes vernommen hatten.
    Dieses unverhoffte anmuten meines herr vattern /kame dem Pharao gewünscht
für / und vergasse er auf einmal / wer ich ware / und was mir von rechts wegen
geburete: weil er / mit dieser gelegenheit / seinen jungsten sohn zu einen so
måchtigen Konig machen kunte. Demnach versprache er denen abgesandten alsobald /
seinen jüngsten sohn ihrem Konig zuzusenden / und wandte grossen fleiss an / dass
sie von mir ja nichtes erfahren mochten: massen er sie auch deswegen so eiligst
/ als möglich / wieder abfårtigte. Er wusste aber nun nicht / was er mit mir
anfahen sollte: und in seinem gewissen wohl befindend / wie grosses unrecht er mir
antåte / kunte er sich nicht dazu verstehen / sich von mir sehen zu lassen.
Also verstrichen etliche wochen / dass wir mussten zu Says verbleiben / ehe wir
einigen befehl oder nachricht von hof bekamen. Die Königin / welche ebenfalls
begierig ware / zu erfahren / wie es ihrem herrn erginge / und was die gesandte
von ihrem bruder aus Ophir gewolt hatten / bezeugte mir zum oftern ihre
verwunderung uber des Pharao beginnen / dass er uns nicht wieder nach Tanis holen
liesse / da er sonst fast keinen tag ohne sie sein kunte. Ich konnte ebenfalls
mich hieraus nicht finden. Weil ich aber noch keines unglücks gewonet war / als
anete mir auch nichts widriges: und ware ich / wegen der gluckseeligkeit / meine
Prinzessin stäts bei mir sehend und ihrer gesellschaft geniessend / so wohl zu
frieden / dass ich wenig an andere dinge gedachte.
    Endlich aber bekame die Königin befehl / alleine nach Tanis zu kommen: die
Prinzessin aber / wie auch der Prinz und ich / mussten zu Says zurucke bleiben.
Der Pharao entdeckte der Konigin sein anligen: wiewol er dazumal noch im zweifel
schwebete / und bald / von seinem bosen gewissen gequälet / mich meinem herr
vattern offenbaren / bald dem Hiarbas die Ophirische Kron zuwenden wollte.
Nergade / von mütterlicher liebe geblendet / sprache alsofort ihrem gemal einen
muht ein / dieses gluck ja nicht zu verschlagen /sondern mit beiden händen
anzunemen. Wie nun sein vatterherz ihn leichtlich hierzu bewegete / als ware nur
die frage / wo man dann mit mir bleiben sollte. Dieses auszudenken / fiele ihnen
zimlich schwer: allermeist / weil sie meinen muht wohl kanten / der mich
unmuglich zu diesem unrecht wurde schweigen lassen. Und wollten sie gleich schon
zuweilen auf meinen tod wählen / so schluge ihnen doch solches aus den gedancken
/ die erinnerung / dass ihre tochter mich liebete: welche nicht verschweigen
wurde / wer ich gewesen. Demnach bereueten sie wohl tausendmal / dass sie mir
gesaget / wer ich wåre / und dass sie selber / zu der Prinzessin und meiner liebe
/ so grosse beforderung getan hatten. Nergade wollte / man sollte den Hiarbas für
den Prinzen von Ophir ausgeben / und mich hingegen zum Hiarbas machen: sie
mussen aber befahren / dass alsdann die Rehuma / wider diesen ihren vermeinten
stiefsohn / viel gefårliches schmieden wurde / und konnte er dann auch auf die
weise die Indaride nicht heiraten / welche doch allein seinen tron befestigen
kunte. In dieser ungewissheit verharreten sie eine gute zeitweile / bis sie
endlich beschlossen / die Prinzessin erstlich von mir zu nemen: und sollte
inzwischen ich zu Says mit einer starken wacht verhütet werden / damit ich nicht
hiervon ungefär etwas innen würde / und heimlich davon nach Ophir ginge.
    Ich ware eben bei der Amesses im gemach / mit ihr höchstvergnügt überlegend
/ wie ihr dereinst zu mut sein wurde / wann sie in ein so weit entferntes land
/als Ophir wåre / mit mir hinweg reisen sollte. Ich horete damals / aus ihrem
holdseeligen munde / die antwort: wiedass ihr die ganze welt nicht zu weit sein
sollte / dieselbe durchzureisen / wann es mit ihrem Armizar geschehen könnte.
Indem tratte Petosiris / des Konigs oberkåmmerer / zu uns ins gemach: worüber
wir uns beide erfreueten / weil wir hoffeten / vom Konig etwas erwunschtes zu
vernemen. Wie aber die Prinzessin ihme freudig entgegen kame / sagte er / mit
ernstlichen gebärden: ich mochte in mein zimmer kommen / er håtte mir etwas
anzudeuten; immittels müste die Prinzessin sich gefasst halten / nach Tanis zu
reisen. Sie fragte gleich: Ob ich ihr dann nicht gesellschaft leisten wurde? Er
wollte ihr aber keinen fernern bericht geben: und ware es schon also angeordnet /
dass / sobald ich in meinem gemach wåre / die Prinzessin mit ihrem bruder hinweg
reisen musste. Ihre angst fur mich / ware nicht geringer / als meine unruhe: und
zeigte ich dem Petosiris mein verlangen / von ihm zu vernemen / was er von des
Konigs wegen mir anzubringen håtte. Weil derselbige mich ståts geliebt / als
konnte er mir mein gefängnis nicht ohne tränen ankundigen. Ich muss gestehen /
dass bei damaliger meiner unwissenheit / es mich nicht wenig befromdete / an dem
ort mich gefangen zu sehen / da man mich jederzeit so hoch geliebt. Mein
gewissen klagete mich um nichtes an / und argwohnete ich auf die Rehuma / ob die
etwan hierunter wirken mochte: ich kunte aber auch dieses nicht fur möglich
absehen.
    Weil mir nun Petosiris nichtes mehr sagen wollte /als liesse ich dem Pharao
vermelden: Ich verlangete zu vernemen / was ihn dazu bewege / mit einem
Kronprinzen also zu handeln. Hiemit gabe ich mich in die gedult / und entfunde
nichtes schmerzlicher / als die abwesenheit meiner Prinzessin. Indem ich ferner
tausenderlei ursachen uberdachte / die mich möchten in diese gefängnis gebracht
haben / fiele mir endlich ein: ob ich etwan einen mitbuler bekommen håtte /dem
der Pharao geneigter als mir worden wåre. Aber hierwider trostete mich der
Konigin beståndigkeit /von der ich glaubte / dass sie mein wort beim Konig reden
würde. Wie nun die Prinzessin nach Tanis gekommen / verheelte man ihr / was
beschlossen war /und kunte sie nicht erfahren / wo ich geblieben wåre: sie
spurete aber aus des Konigs und der Konigin unruhe so viel / dass etwas
besonderes müste furgegangen sein. Der Prinz Amosis / der mich sehr liebete
/kunte ebenfalls hievon nichtes erforschen. Also gebare dieses unwesen am ganzen
hofe viel wunderliche urteile: da doch keiner erriete / was es eigentlich wåre.
    Der Epha / welcher vor allen grossen bei hof um meine geburt und liebe zur
Prinzessin wusste / hatte sich von ihrer schönheit also einnemen lassen / dass er
sie furlångst liebgewonnen. Er spielete aber damit so geheim / weil er an mir /
als der ich ihme wegen meiner geburt sehr weit überlegen war / einen gar zu
gefärlichen mitbuler hatte / dass niemand das geringste hiervon gemerket. Nun
aber meine abwesenheit ihme einen freiern zutritt bei der Prinzessin zuliesse /
als wuchse dardurch auch seine liebe: so gar / dass er einsmals die künheit name
/ solche der Amesses zu entdecken. Diese grosmütige Prinzessin erzurnete sich so
sehr hierüber / dass sie gleich hinginge / solches der Konigin zu klagen: gegen
der sie dann nicht allein über den Epha sich höchst beschwerete / sondern auch
ihre betrübnis über meine so lange abwesenheit hervor stiesse. Die Konigin aber
wollte ihr von mir nichtes sagen / und gebote ihr dabei: Sie sollte dem Epha mit
aller hoflichkeit begegnen; und ob zwar ihr wille nicht sei / seine liebe
anzunemen / so müste sie dennoch nicht so hart mit ihme verfahren / dass er
bewogen würde / von ihrem hofe abzugehen / da der Konig seine dienste unmuglich
missen konnte.
    Die arme Amesses / fand in diesem befehl wenig vergnügung. Der Epha aber /
als deme sie gedreuet /sich über ihn zu beschweren / hatte bei dem Konig
fürgebauet / und seine erlassung begehret: weil er besorgte / wann der Konig
innen wurde / wohin ihn seine freche gedanken verleitet / er wurde grosse
ungnade und beschimpfung zu erwarten haben. Dieses kame nun dem Pharao so fromd
für / dass er nicht wusste / was er gedenken sollte. Weil er den Epha sehr liebete
/ als kunte er sich nicht entschliessen / ihme den begehrten abschied zu geben:
hingegen wollte er durchaus wissen / was ihn bewege / solches zu verlangen. Epha
sagte: Er håtte sich gegen den Konig versundiget / und befünde sich so schwach /
dass er von seinem verbrechen nicht abstehen konnte / es sei dann dass der König
ihm zuliesse / Egyptenland auf ewig zu räumen. Weil Epha dem Pharao ein mehrers
nicht sagen wollte / als ward er ganz unruhig / und entdeckte solches der
Konigin: die ihm hierauf / des Epha liebe zu der Prinzessin / offenbarete.
Dieses würde zur andern zeit den König sehr beleidigt haben: jetzund aber / da
er mein verderben auf alle weise suchete / ware ihm solches die gewünschteste
zeitung / als deren er zu seinem vorhaben sich bedienen kunte.
    Als er folgends mit etlichen priestern der Isis / die seinen geheimen raht
machen / sich unterredet / was mit mir furzunemen wåre? gefiele der schluss: ich
musste den heiligen orden der Isis annemen / und ihr mit priester werden; und ob
ich solches mit gutem willen nicht tun wollte / konten leichtlich mittel /mich
hierzu zu zwingen / erfunden werden. Weil dieses insonderheit der Orgas riete /
so der Isis Oberpriester / und in sehr hohem ansehen beim Pharao ware: als wurde
seinem raht gleich gefolget / und anbei die arme Prinzessin verdammet / den Epha
zu ehlichen /welchen der Konig / auf seinen todesfall / zum stattalter des
reiches benennen wollte / dass er seinem sohn dem Prinzen Amosis / als einem herrn
von gar zu frommer natur / und der sich eher zu einem geistlichen als regenten
schickte / die regirung füren hälfe. Die Königin / so allemal mit im raht sasse
/ billigte dieses alles / im Meinung / dass man auf solche weise mit mir aufs
leidlichste verfahren wurde / weil die priester nächst dem König im reich die
grosten wåren. Sonsten hatte sie allemal heftig widersprochen / wann die stimmen
im raht auf meinen tod gezielet: weil noch so weit / einige wolgunst gegen ihres
brudern sohn / bei ihr ubrig geblieben ware. Die Prinzessin Amesses / die
hiervon nichtes wusste / zwunge sich indessen / soviel ihr muglich / dem Epha
ihren hass zu bergen / und wollte hierinn ihrer fraumutter gehorchen / ob es ihr
schon schmerz entfindlich fiele.
    Der Konig aber wollte nun ins werk richten / was er ihme furgenommen: liesse
demnach den Epha nächsten tags in sein zimmer holen / und kundigte ihm an /wie
er ihme seine tochter zur ehe geben wollte. Epha /der dieses gluck nimmermehr
vermutet / warf sich für den Konig auf die kniehe / und wusste nicht / ob ihm
diese freude warhaftig begegnete / oder ob ihme nur also tråumete. Pharao aber
name ihn bei der hand /und fürete ihn zu der Amesses: die gleichfalls nicht
wenig sich entsetzte / den Konig ihren vatter in solcher begleitung ankommen zu
sehen. Ich gebe dir /Amesses! (sagte er gleich zu ihr /) den Epha zu einen
gemal: weil Armizar dich verlassen / und den dienst der heiligen gotter fur dich
und sein reich erwehlet. Er ist ein priester der Isis geworden: und weil dadurch
das band zurissen / so dich an ihn verbunden / als nimm an seiner statt den Epha
von mir an; und versehe ich mich zu dir / dass dein gehorsam hierinn / wie
allemal / sich erweisen werde. Die halbtodte Amesses /kunte hierauf kein wort
antworten / und vername auf einmal gar zu viel ubels / als dass ihr gemüte
solchem widerstehen konnen. Die treue liebe / mit der sie mir so unschuldiger
weise zugetan gewesen / und welche sie so plötzlich von mir verachtet zu sein
erfuhre /kunte sie so geschwind nicht verlassen / dass Epha etwas fur sich hätte
hoffen dörfen. Der schmerze nun /samt dem verdruss / dass ihr / diesen vermessenen
zu lieben / anbefohlen worden / ginge ihr also zu herzen /dass die sprache zuruck
bliebe / und sie / ganz aus sich selber / ihren herr vatter ansah.
    Pharao / der solches vorher von ihr wohl vermuten konnen / fuhre fort gegen
ihr / und sagte: Mich wundert nicht / dass dich des Prinzen von Ophir beginnen
bestürzt machet; ich selber habe mich anfangs nicht darein finden konnen. Nun
aber kanst du mein misfallen / das ich hierüber getragen / mir nicht bässer
benemen / noch auch an seiner verachtung dich vollkommener råchen / als wann du
den Epha dir zum gemal erkiesest: welcher deiner liebe würdig ist / weil ich ihn
nach mir zum furnemsten im reich ernenne / und er deine schöne nach würde
erkennet und ehret. Unter diesen des Pharao reden / erholete sich Amesses wieder
/ und bate ihren herr vatter: dass ihr ein wenig zeit / sich wohl zu bedenken /
mochte gelassen werden; und solle er inzwischen glåuben / dass sie ståts seine
gehorsame tochter sein wurde. Mit dieser kurzen antwort / war der Konig / sowol
als der Epha / hochst vergnüget. Sobald sie aber von ihr gegangen / liesse
Amesses ihren schmerzen den vollen lauf / warfe sich auf ein bette / und
schuttete alles wider meine unbeståndigkeit aus / was ihr die wut nur in den
sinn gabe. Sie ware gar nicht zu trosten / und erlitte in ihrem herzen die
groste marter: welches sich nicht entschliessen kunte / einen zwar nunmehr
feindseligen freund aus-und hingegen einen liebenden feind einzulassen; indem
die liebe zu mir in einen hass / und der hass zu den Epha in liebe / sich
verwandeln sollte.
    In solcher angst brachte sie etliche tage hin: da die Konigin / des Königs
betrug meisterlich beforderend /ja so grossen unwillen / als er / uber meine
unbeståndigkeit zeigete / und die Amesses dahin zu uberreden trachtete / aus
rache den Epha zu heiraten. Sie erhielte es auch endlich / dass sie ihr jawort
von sich gabe /und dem Epha / auf ihrer eltern begehren / die ehe versprache. Ob
nun zwar ihr gehorsam sie hierzu triebe / und ihre grosmut / um aller welt
dadurch zu weisen / dass sie sich um mich und meinen vermeinten wankelsinn nicht
betrube: so wollte dannoch ihr innerlicher schmerze sich nicht also verbergen
oder unterdrucken lassen / dass nicht der leib ausstehen müssen /was der muht
uberwunden hatte. Es befiele sie eine gefårliche krankheit / die länger anhielte
/ als anfangs die ärzte vermutet. In solcher zeit litte sie des Epha besuchungen
ganz gedultig: und ob sie ihn gleich nicht liebete / so uberwand sie sich
dennoch / aus gehorsam gegen ihren Eltern / seine liebesversicherungen anzuhoren
/ und ihn fur ihren kunftigen gemal zu erkennen.
    Es ist aber nun zeit / dass ich berichte / wie es mir zu Says inzwischen
ergangen. Ich lebete also / aller dinge unwissend / in meinem gefängnis / als
eines tags der ehrwürdige Orgas zu mir kame / uber dessen ankunft ich mich so
sehr verwunderte / als erfreuete: weil ich eines teils nit aussinnen kunte / was
ihn zu mir furete; anders teils aber begierig ware / wie es zu hof und
furnemlich mit meiner Prinzessin stunde / von ihm zu vernemen. Anfangs wollte er
mir nichtes melden / sich gar bekummert anstellend. Endlich aber /wie ich so
hart darauf drunge / von ihm die ursach meiner gefångnis zu wissen / und ihm
sagte / wie mir wohl bekant wäre / dass ihme von des Konigs tun und anschlågen
nichtes verborgen sein konnte: brache er heraus / und benennte die ursach dieser
seiner ansprache / dass der Konig ihme befohlen / mir eine zeitung anzubringen /
die vermutlich mich sehr befrömden wurde. Ich gabe zur antwort: Es wäre mir nun
schon so viel fromdes widerfahren / dass ich nichtes wusste /das eine noch
grossere befromdung bei mir erwecken konnte. So wisset dann / (fuhre er fort /)
dass die Pinzessin Amesses verheiratet worden.
    Wann ich noch mich erinnere / wie bei anhorung dieser worte mir zu mut
worden / verliere ich fast alle sinnlichkeit / und weiss nicht zu sagen / wie ich
mich hierauf gebärdet: dann ich daruber ganz von mir selber kame. Nachdem ich /
durch meine bediente / in den stand / von dem Orgas mein ungluck weiter zu
vernemen / wieder gesetzet worden / erzehlte er mir: wie Epha um die Prinzessin
beim Konig angehalten /wie Amesses ebenfalls in ihn sich verliebt bezeiget /und
wie der Konig / seiner tochter belieben hierinn zu erfüllen / die heurat
vollziehen / und mich inzwischen in haft nemen lassen / damit ich dieser ehe
mich nicht widersetzen könnte. Keine worte dunkten mich damals zu hart / der
unbeståndigen Amesses ihre untreu fürzurucken. Und ob es wohl mir ganz unmüglich
furkame / dass ihre tugend / die ich vermeinte so wohl erkennt und geprüfet zu
haben / diese leichtsinnigkeit begehen konnen: so brachte doch der Orgas alles
so scheinbarlich für / dass ich es glauben musste. Ich betrachtete hierneben auch
die undankbarkeit des Konigs / die vergessenheit der Konigin / und des Epha
verlorne ehrerbietung: und sah ich mich mit so vielem elende von allen orten /
wo ich mich nur hinwendete / belagert / dass auch wohl ein standhafterer sinn /als
der meinige / håtte unterligen mögen.
    Es vergingen viel tage / in welchen Orgas / mir ein mehreres / insonderheit
das jenige / worum er eigentlich ausgesendet war / furzubringen / nåmlich mich
zum priestertum zu bereden / bedenken truge: dann ich so voller schmerzen ware /
dass er mich / alles anzuhoren / für untuchtig erkannte. Und ob ich schon ihme /
als dem Oberpriester / deme man königliche ehre erweiset / mit moglichster
höflichkeit begegnete: so triebe mich doch zum öftern die ungedult / dass ich
harte worte wider ihn und den König heraus stiesse /wann er diesen entschuldigen
oder mich trösten wollte. Ich nennte den Pharao ungescheut einen verråter / der
mir das entzogen / was mir allein gehoret hatte. Ich dråuete auch offentlich /
dass ich mich zu råchen nicht vergessen wollte / so lang in mir ein warmer
blutstropfe sein wurde.
    Mein elend / das ich in solcher zeit ausstunde /recht zu beschreiben / würde
mir unmuglich fallen. Mich schmerzete am meisten / dass Amesses aus eigenem
willen zu dieser heurat geschritten wäre: und sollte es mich nicht so sehr
verdrossen haben / wann ich nur hätte wissen mögen / dass sie durch zwang dazu
gebracht worden. Gedachte ich dann an mein gefångnis / das ich in solcher zeit
mussen ausstehen /um dem Epha seine vergnugung nicht zu beunruhigen: so wollte
ich schier rasend werden / und dråuete dem gluckhaften Epha / dass er diese seine
vergnugung mir nicht lange ruhig besitzen sollte. Betrachtete ich ihn aber
hinwieder / als meiner Prinzessin gemal /die ich / ihn beleidigend / auch
betruben wurde: so spurte ich diese wut in meinem herzen wieder verleschen. Also
fureten Amesses und ich / beiderseits übel betrogen / einerlei leidwesen: da sie
meine unbeståndigkeit / ich aber ihre untreu / beklagete. Man hielte uns aber
beiderseits so eingeschlossen / dass wir nichtes von allem diesem betrug erfahren
konten.
    Mein kummer hatte mich so unachtsam gemacht /dass ich nicht einmal warname /
wiedass ich noch / als zuvor / gefangen gehalten wurde: und spurete solches
allererst / wie ich / nach wiedererlangten leibeskråften / die ich von
bekummernüs ganz verloren gehabt / den schluss fassete / das undankbare Egypten
zu verlassen / und nach Ophir zu reisen. Weil mich nun die wacht nicht auslassen
wollte / als beschwerete ich mich daruber gegen den Orgas: der aber einen
Koniglichen befehl aufzeigete / dass es mit mir also musste gehalten werden.
Dieses mehrete nun meine ungedult / und machte mich auf mittel denken / wie ich
los kommen mochte. Orgas kame nun wieder öfters zu mir / und begunte nach und
nach von dem vergnugten leben der priester in der Isis tempel mir
fürzuschwatzen: und wusste ich anfangs nicht / wohin ich solches deuten sollte. Er
sagte mir letzlich: wie er schwerlich glåube /dass der Konig mich jemals wieder
los lassen würde; weil er zu sehr meine rache befürchte. Er sagte ferner: Es
stehe mir ein weg offen / diesen beschwerlichen banden zu entgehen / wann ich
mich dazu entschliessen wollte. Wie er mich nun begierig aufmerken sah /
berichtete er mich weitläuftig: wie die Isispriester in ihrem gesetze die
freiheit håtten / jederman in ihren geistlichen orden aufzunemen / der sich dazu
geneigt finden liesse; und konnte ihnen der König eine solche person nicht
furentalten. Daferne mich nun nach meiner freiheit verlangte / so konnte ich
durch ein so vergnugtes mittel dazu gelangen: und wollte er mich dessen
versichern / dass ich / wann ich die süssigkeit ihres lebens nur einmal kostete /
dieselbe nachmals nicht um alle kronen der welt zu vertauschen begehren wurde.
Er erinnerte mich dabei / was einer aus ihren priestern mir vordessen aus der
hand geweissagt. Kurz! er ermudete nicht / alle ersinnliche gründe herbei zu
bringen / die mich überreden möchten / ein Isis priester zu werden.
    Ob ich nun wohl im herzen keine regung fülete / ein geistliches leben
anzunemen / auch mein gemüte noch viel zu verwirret war / eine ruhe zu erwählen:
so name ich mich doch åuserlich an / als liesse ich mir seine vorschläge
gefallen / weil ich dadurch aus meinen verdriesslichen banden zu entwischen
verhoffete. Also betroge ich den Orgas / oder vielmehr den König / von dem ich
so erschrecklich ware hintergangen worden /mit gleicher list / und ergriffe eben
dieses mittel / so sie / mich ewig gefangen zu halten / ersonnen hatten /aus
ihren hånden zu entgehen. Wie nun Orgas meine enschliessung gleich nach hof
berichtete / wurde der Pharao neben der Nergade damit hochst erfreuet: und
verordnete er alsobald / dass ich nach Noph in den tempel / so heimlich / dass
niemand etwas davon innen werden möchte / sollte gebracht werden. Weil sie mir
traueten / dass ich diesen orden anzunemen recht entschlossen wåre / als reisete
Orgas mit mir von Says heimlich hinweg / ohne sonderliche fursorge fur meine
person / und kamen wir nach Noph / ehe ich noch eine gelegenheit / zu entrinnen
/ absehen kunte.
    Daselbst aber traffe ich ungefår einen meiner alten bekanten den Migdol an /
welchen in geheim zu sprechen / ich einsmals / als Orgas in dem tempel war
/gelegenheit bekame. Diesem klagete ich meinen zustand / wie elend es mir
erginge / und was ich zu tun entschlossen wåre. Ich erfuhre von ihm hinwider
/wiedass der Prinzessin Amesses beilager mit dem Epha noch nicht vollzogen wåre /
und dass sie gar krank danider låge. Diese unverhoffte zeitung / machte mich die
augen offnen / dass ich allhand den betrug / damit sie umgingen / merkete / und
wurde mein fast erstorbenes herz halb wieder lebendig: dann ich kunte hieraus
abnemen / meine Amesses musse von betrubnis krank ligen / dass sie mich zu
verlassen wäre gezwungen worden. Demnach entschlosse ich mich um so viel
begieriger / meine freiheit zu suchen / um / des Epha beilager noch zu
hintertreiben / und dieser betriegerei zu entgehen. Also redete ich mit dem
Migdol ab / in der nacht mich davon zu machen: worzu er mir seinen beistand
versprache. Unser schluss ware / dass ich nach Raemses gehen wollte / da die burger
mir sonderlich gewogen waren: und weil sie / wegen des Stattalters des Pytons
unerträglicher regirung /leichtlich zu einem aufstand kunten beweget werden /als
hatte ich die hoffnung / daselbst viel gutes auszurichten.
    Unser anschlag gluckte uns nach wunsch und willen / und kame ich auf einem
pferd / welches Migdol bestellet / mit ihme davon / als der Orgas sich dessen
zum wenigsten versah: da wir dann nacht und tag fortreiseten / bis wir Raemses
erreicheten. Weil mich fast ganz Egypten für ihres Pharao sohn hielten / und
folgbar die leute der stadt mich für ihren Prinzen erkennten / als namen sie
mich mit grossem frolocken auf: zumal sie bisher / wegen meiner abwesenheit / da
niemand gewust / wo ich geblieben wåre / in sorgen gestanden. Der stattalter
Pyton ware zu meinem glücke nicht anheimig: deswegen fiele mir um soviel
leichter / mein vorhaben werkstellig zu machen. Ich liesse gleich die åltesten
der stadt zu mir kommen /und offenbarete denen / wie es mir erginge / wie
nämlich mein herr vatter der Pharao mich zwingen wollte /ein Isis-priester zu
werden. Demnach wollte ich mich hiemit in ihren schutz begeben / der hoffnung und
zuversicht lebend / sie wurden ein solches nicht zulassen: zumal ich meinem
vatterland noch viel nützlichere dienste zu erweisen vermeinte / als wann ich
fur ihnen den gottern räucherte. Die von Raemses / denen mein ungemach sehr das
herz rürete / erboten sich alsobald / mir zu dienen / auch ihr gut und blut bei
mir aufzusetzen: wie sie dann gleich mich zu ihren herrn aufwurfen / und mir die
heersmacht des Pytons untergaben. Ich gebrauchete mich dieses gluckes so
bescheidenlich / dass ihre gunst gegen mir je mehr und mehr zuname. Diese zeitung
erscholle bald nach Tanis / und wurde der König dardurch in übergrossen
schrecken gesetzet: welcher straks dem Epha befehl erteilete / Raemses wieder
zum gehorsam zu bringen /und sich meiner person zu bemächtigen. Orgas hatte
aller seiner klugheit vonnoten / des Konigs zorn zu entgehen / und seine
nachlåssigkeit zu entschuldigen. Aber niemand ware fröher / als der Prinz Amosis
/ der mich sehr liebete / und meinetwegen bis dahin in grossen sorgen gestanden
ware.
    Die bestürzung und verwirrung über dieser plötzlichen änderung /
verursachete / dass man sich nicht in acht name / für der Prinzessin Amesses
dieses zu verbergen: und kann man gedenken / wie ihr zu mut worden / als sie
hörete / bass ich ein herr in Raemses worden / da sie mich in der Isis tempel zu
sein gewiss vermutet. Der beschämte Epha hatte den muht nicht / der Prinzessin
zuzusprechen: weil er besorgen musste /dass ihr nun seine betriegerei wäre bewust
worden. Unser beider gemüter waren hierdurch zwar etwas ruhiger worden: doch
wusste sie noch nicht / ob ich ganz an dieser verlassung unschuldig wåre; und ich
/ kunte mich auch noch nicht allerdings in ihre verlobung mit dem Epha richten.
Ich suchete zwar oft gelegenheit /an sie zu schreiben / kunte aber hierzu keinen
sicheren weg finden: dann ob mir wohl der Prinz ihr bruder sehr gewogen war / so
durfte ich jedoch mich auf ihn nicht verlassen / weil ich besorgen musste / er
würde die geheimheit hierbei / wie es vonnoten / nicht in acht nemen. Inzwischen
entbote ich dem Konig: Ich wolle wissen / warum ich so lange müssen gefangen
sitzen /und was ihn darzu bewogen / aus mir einen priester der Isis zu machen?
da ihme ja wohl bekant wåre / wie der himmel mich zu anderen verrichtungen håtte
lassen geboren werden.
    Ich erfuhre in Raemses / wiedass der Prinz Hiarbas fürlångst von Salem nach
Ophir wåre abgefordert worden / um / selbiges reich dereinst zu erben. Also
wurde meinem sinne noch klårer / was der Konig mit mir furhätte: und hielte ich
es darum für kein unrecht /mich auf alle weise zu råchen / da ich so hoch ware
beleidiget worden. Also brachte ich in geschwinder eile volk zusammen / und
fielen mir alle umligende stådte zu / samt dem ganzen lande Gosen: dass ich also
mich måchtig genug sah / des Epha ankommender macht zu widerstehen. Dieser nun
/ als ein erfahrner kriegsmann / von dem ich auch den krieg gelernet hatte /
schåtzete mich nicht so hoch / als sehr ich mich beursacht achtete / gegen ihn
behutsam zu gehen. Weil ich aber auf meiner seite eine gerechte sache wusste /
als erwartete ich seiner mit freudiger standhaftigkeit. Meine rede nicht gar zu
weitlåuftig zu machen / will ich nur dieses sagen / dass es endlich zu einer
haubtschlacht kame / da das gluck den sieg auf meiner seite verliehe: dass ich
also das feld erhielte / und den Epha zwunge / sich bis nach Says zurück zu
ziehen. Ich verfolgete aber meinen sieg / und von liebe getrieben / liesse ich
den Epha fahren / als den ich mit den seinigen so abgemattet wusste / dass er
sobald sich nicht wieder erholen wurde / und ginge gerad auf Tanis zu: welches
ich belagerte / in hoffnung / dardurch den Konig zu båssern gedanken zu bringen
/und meine Prinzessin wieder zu erlangen.
    Weil der Pharao dieser meiner Entschliessung sich nicht versehen / als
brachte ihn der schrecken alsobald auf die gedanken / von dannen zu entfliehen:
wurde also die anstalt gemachet / mit dem ganzen hof / die folgende nacht / sich
aus der stadt nach Says zu begeben / dahin frische volker schon im anzug waren /
den Epha zu verstårken. Ich erfuhre diese flucht / setzete ihnen deswegen
eiligst nach mit einem grossen hausen der meinigen / und ertapte den wagen der
Prinzessin: die ich / neben ihrer leibwacht / unwissend was ich fur schone beute
bekommen / gefangen name / und ferneres nachjagen einstellete / weil ich von der
nacht uberfallen wurde. Als ich nun im lager wieder angekommen / ersah ich /
beim schein der fakeln / meine Amesses unter den gefangenen. Ich kann wohl nicht
sagen / was freude und besturzung mich zugleich überfallen. Ich warfe mich
alsobald zu ihren füssen /welche ich umfassete: und vermochte kein einiges wort
herfur zubringen. Sie aber / ob sie wohl / wie sie mir nachgehends bekannte / mich
zusehen erfreuet war / achtete ihrem zustande geziemender / mich als ihres
vatters feind zu halten. Demnach risse sie sich von mir los / und sagete: wiedass
solche bezeigungen sich nicht gebureten / da sie meine gefangene wåre. Die
meisten von den umstehenden / kunten sich nicht darein finden / bruder und
schwester / dafür sie uns hielten / also miteinander reden zu horen.
    Weil ich mich bald wieder erholete / und den leuten ihre einbildung / daran
dissmal meine wolfart hienge /nicht benemen wollte: als befahle ich / man sollte
die Prinzessin in ein gezelt füren. Ich ginge hierauf zu ihr ganz allein / um /
aus ihrem schönen mund das urteil entweder meines todes oder meines lebens
anzuhoren. Von eiversucht getrieben / kunte ich mich nicht entalten / ihr
anfangs ihre untreu und unbeståndigkeit fürzurücken / zu ihr sagende: Ach
Prinzessin! wie ist diese ansprache so unterschieden von dem lezten abschiede /
den wir zu Says voneinander namen! wer hätte mir damals sagen sollen / dass ich
die Amesses nicht wieder mit solchem gemüte / sondern also gar veråndert und dem
gluckseligen Epha zugetan / antreffen wurde? Ich weiss nicht / (gabe sie mir zur
antwort /) ob Amesses sich so verändert / wie der Prinz Armizar: der so wohl
gegen die götter / als gegen den menschen / sich so unbeständig erweiset / dass
ich zweifeln muss / ob noch in ihme der alte tugendgeist zu finden sei. Wie so /
Amesses? (fragte ich sie / ganz besturzet /) welcher unbeständigkeit bin ich
dann zu bezuchtigen? Habt ihr mich nicht erstlich verlassen /Armizar!
(antwortete sie /) und die Entschliessung gefasset / der Isis priester zu
werden? Habet ihr nicht diese Meinung wieder geändert / und euch furgenommen /
den Pharao / der euch erzogen / um kron und tron zu bringen? Müsset ihr nicht
selbst gestehen /dass ich betrogen und Isis hintergangen worden? dass Pharao /
seine sorgfalt / an einen undankbaren verwendet?
    Ach liebste Amesses! (sagte ich hierwider /) niemals ist mir dieses in den
sinn gekommen / der Isis priester zu werden: und der himmel weiss / dass mein herz
mit recht einiger untreu nit kann beschuldiget werden. Hierauf erzehlte ich ihr
alles / wie es mir zu Says ergangen: das ihr dann / mehr als zu klar / meine
unschuld erwiese. Als ich sie überdas berichtete / wie Pharao mir die
unbilligkeit erwiese / und den Hiarbas als Erbprinzen nach Ophir geschickt
håtte; kunte sie ihre eltern nicht ferner entschuldigen / und die augen mit
tränen füllend / sah sie mich ganz mitleidig an /und sagte: Ihr sehet /
Armizar! wie nahe mir eure feinde verwandt sind / und wie mich das recht der
natur zwinget / ihrem willen zu folgen / und eure gerechte sache zu verlassen.
Pharao tut euch unrecht: aber er bleibet dannoch mein vatter. Und ob ich euch
gleich dem Epha tausendmal in meinem herzen vorziehe / so muss ich doch - - - Ach
grausame! (fiele ich ihr allhier in die rede /) höret auf / mir mein leztes
urteil zu sprechen. Ich habe schon genug / dass ich weiss / ihr wollet eher der
unbilligkeit / als dem rechte / beitretten. Ihr könnet auch eure zuneigung / mit
dem willen eures vatters / nicht rechtfårtigen. Hierauf beteuerte sie mir hoch /
dass sie den Epha nicht aus liebe / sondern allein aus gehorsam gegen ihre eltern
/ ehlichen wurde.
    Hiermit endete sich unsere erste zusammen sprache: da ich dann das übrige
der nacht in gröster unruhe hinbrachte / weil ich bei mir unschlussig war / was
ich mit der Amesses nun ferner furnemen sollte. Ihre besitzung / war der
vornemste zweck / darnach ich zielete. Weil ich des halben Konigreichs meister
war /als hoffete ich den Konig zur billigkeit zu vermögen /wann ich / fur die
Prinzessin / ihme sein abgenommenes land wieder friedlich abtråtte. Demnach
begabe ich mich folgenden tags wieder zu der Prinzessin / ihr mein vorhaben zu
eröffnen. Sie aber wollte mir ihre gedanken / ob sie gleich mit den meinigen
gleichformig waren / nicht entdecken / und sagte allein: Ich hätte macht zu tun
/ was ich wollte; sie konnte jezt an nichtes / als an ihre freiheit / gedenken.
Weil ich nun sah / dass es ihr nicht zuwider wäre / schickete ich einen herold
an den Pharao nach Says ab / der dem Konig den frieden anbieten / und zugleich
die Prinzessin fur mich zur ehe begehren sollte. Mitlerweile nun dieser ausen war
/ speiseten wir uns beiderseits mit hoffnung / der Konig wurde dieses gern
eingehen: und bei solcher hoffnung / name die Prinzessin gutig auf / dass ich sie
von meiner liebe unterhalten dorfte /und verhielte mir nichtes von aller der
marter / die sie meinetwegen ausgestanden / als sie mich unbeständig gegläubet.
Und ob sie wohl darbei mich immer bate /sie an ihre eltern wieder zu uberlassen:
so spürete ich doch soviel / dass mein ungehorsam hierinn sie nicht beleidigte.
    Nachdem ich lange und mit schmerzen auf des Konigs erklårung gewartet / kame
endlich der herold wieder / und brachte mir keinen andern bescheid / als dass
Pharao mit funfzigtausend mann mir entgegen kåme / und selber mir die antwort
bringen wollte /wem er seine tochter bestimmet håtte. Wolan dann! (sagte ich / in
gegenwart der Prinzessin /) weil der Pharao seine tochter mir wieder abzunemen
kommet /so will ich sie bis in den tod beschutzen: dann er hat sie mir eher als
den Epha zugesaget / und sein versprechen unbillig geschwåchet. Hiemit
entschlosse ich mich / dem Konig entgegen zu gehen / und liesse die Prinzessin
wohl bewahret auf ein stetes bergschloss füren / das nicht weit von Tanis gelegen
ist. Die grosse liebe meiner soldaten / die sie zu mir trugen / und meine
unschuld / machte / dass sie weder die gefahr beachteten / noch auch ihren
eigenen König in person zu bestreiten sich scheueten / ob schon des Pharao macht
viel grösser war / als die meinige. Also kame es wieder zu einem haubttreffen /
da der sieg lang zweifelhaft ware: endlich aber fiele er auf des Konigs seite /
und musste ich mit den meinigen das feld räumen. Weil in wärendem gefechte / von
den Konigischen ware ausgebreitet worden / wiedass ich ein Prinz von Ophir / und
nicht aus Egypten wäre: als wurde hierdurch der eifer und die zuneigung der
meinigen so gar gemindert / dass sich die meisten zu den Pharao schlugen / und
ich kaum tausend mann bei mir behielte.
    Mit diesen begabe ich mich in eile zu rucke nach dem schloss / alda ich die
Prinzessin gelassen: in Meinung / sie von dar nach Raemses / und folgends weiter
nach Ophir zu füren. Ich wurde aber von dem Pharao so geschwind verfolget / dass
ich mit der Prinzessin nicht hinweg kommen konnte / sondern mich belågern lassen
musste. Weil nun der ort uberaus fest war /und keinen mangel an lebensmitteln
hatte / als entschlosse ich / bis auf den lezten mann mich zu wehren / und
stunde also eine lange belågerung aus. Ich hatte aber hierbei die vergnügung /
meine Amesses immer zu sehen: ob wohl / an ihrer seite / wenig ruhe sich hierbei
funde / weil sie in stäter angst für meine person schwebete. Sie lage mir auch
mit unaufhörlichem bitten in den ohren / dass ich sie ihrem herr vatter wieder
zuschicken sollte.
    Als sie aber meine halsstarrigkeit sah / gedachte sie auf mittel und wege /
wie sie mir ohne mein wissen dienen möchte. Demnach sandte sie heimlich jemanden
zu dem Pharao / der ihme anmelden musste: wofern sie meiner freiheit versichert
wåre / so wollte sie dem Pharao das schloss aufgeben. Dieses täte sie aus guter
Meinung: weil sie hochvernunftig wohl ermessen kunte / dass ich in die länge nicht
wurde ausdauern konnen. Pharao name dieses anerbieten willigst an / und liesse
seiner tochter meine freiheit versprechen / wann sie ihr wort halten wurde: dann
er selber ware nun müde worden / diese belägerung auszufüren. Hierauf beredte
die gute Prinzessin gegenwärtigen Sephar / der damals mein waffenträger war /auf
ihre seite / und ihme offenbarend / was sie zu meinem båsten gehandelt / brachte
sie durch ihn die Königischen in das schloss / und machete also der belågerung
ein ende.
    Ich vermutete nichtes weniger / als dieses / und ware ganz sicher / als ich
die feinde mir auf dem hals sah. Mitlerweile sie alle mauren und tore
besetzeten / sagte mir Amesses / was sie getan / und wollte / dass ich mit ihr
zum König mich verfugen sollte / bei deme sie meine freiheit erhalten håtte. Ich
muss bekennen /dass ich / so lieb mir die Prinzessin ware / ganz ungedultig
hieruber wurde: und bildete ich mir fur gewis ein / sie hätte dieses alles / aus
hass gegen mir / und aus liebe zu dem Epha / furgenommen. Wie ich nun diesen
glucklichen mitbuler ankommen sah / ginge ich voller wut und eifer auf ihn los
/ und rieffe ihm zu: Er sollte ankommen / mir jetzund die Prinzessin von Egypten
das lezte mal zu bestreiten. Er / der in der warheit grosmütig ist / wollte mir
diesen angetragenen kampf nicht versagen / und stellete sich dapfer zur
gegenwehr. Weil ich aber mehr wut als fursichtigkeit gebrauchete / als
verursachete ich damit / dass wir beiderseits in geschwinder eile viele wunden
bekamen. Das zulaufende volk / brachte uns mit grosser mühe voneinander / als
Epha sowol als ich / von dem vielen verlornen blute / schon begunten onmächtig
zu werden.
    Die Prinzessin / die unseren streit nit verhintern kunte / hatte inzwischen
zu ihrem herrn vatter sich begeben: und ware ihr erstes wort / dass sie ihn
seines versprechens erinnerte / mir meine freiheit zu schenken. Pharao aber /
der nun erlanget / was er verlanget / hielte nicht fur notig / sich ferners zu
verheelen /sondern sagte der Amesses in die augen / wiedass ich sterben musste.
Hiemit sah sie / wiewol zu spat / was sie ausgewirket / und ware nicht zu
trösten: so gar /dass man sie bewachen musste / weil sie ihr selber leid antun
wollte. Der Epha und ich / lagen inzwischen an unseren entfangenen wunden
danieder: welches den Pharao verursachete / noch etliche tage alda zu verharren.
Mein unfall / ward inzwischen überall kund: daher alle die jenigen / so bisher
meine seite gehalten / sich gutwillig an den Konig ergaben. Also brachte die
eroberung dieses schlosses / den Egyptern den frieden wieder: und wurde Raemses
/ zur straffe ihrer untreu / geschleiffet.
    Als endlich Epha und ich das reisen wieder vertragen kunten / brachte man
uns nach Tanis / alda ich vername / wiedass die rache des Konigs mit nichts
anders / als durch mein blut / konnte befriediget werden. Amosis / der mir noch
nie seine gunst entzogen / bemuhete sich vergebens / mich zu befreien. Die
Konigin / wollte mich zum priester haben: Orgas / bate ebenfals darum. Amesses
aber vergasse aller ehrerbietung gegen ihrem herrvattern / und bote sich an /
fur mich zu sterben / wann der Konig ja durch blut musste ausgesonet werden. Epha
/ unangesehen ich sein mitbuler ware / bate gleichfalls für mein leben. Sephar
mein waffenträger / der so unschuldig / neben der Prinzessin / mich in dieses
ungluck gestürzet / begabe sich aus verzweifelung hinweg: welcher / nach vielen
wunderbaren abenteuren / endlich alhier des Königs Melchisedech priester worden.
Wie mir damals zu mut war / kann man leichtlich gedenken / da ich den Epha fur
glückhaft und meine Prinzessin fur unbeståndig halten musste: und machte mir
dieses letzere die meisten gedanken / da ich sonst wegen dessen /was mir
furstunde / wenig sorge truge / auch nichtes lieber / als den tod / verlangen
und wunschen konnte. So sehr nun derselbige beim Konig beschlossen war /so
mächtig ware dennoch der Konigin und des Orgas furbitte: also dass ich endlich
ein Isis-priester zu werden verurteilet wurde; und sollte an eben den tag / da
man mich offentlich einfuren wurde / die trauung des Epha mit der Prinzessin
zugleich fürgenommen werden.
    Amesses wurde hierum nicht von neuem befraget /ob gleich die umstände / ihre
erste zusage gegen den Epha / wohl nichtig machen kunten. Sie erfuhre auch wenig
von allem dem / was über mich beschlossen worden: so gar / dass sie / meinen tod
noch besorgend / auf mittel gedachte / mich zu erlosen. Ihr bruder ware ihr zu
ihrem furhaben sehr behülflich; und von dem Migdol bedienet / brachte sie es
dahin / dass sie bei nacht in mein gefängnis kame / und mir meine freiheit
ankündigte. Ich erschracke nicht wenig / die Prinzessin so unvermutet bei mir zu
sehen. Ihre reden waren / dass sie mich antriebe / die gelegenheit in acht zu
nemen / und mich eilends davon zu machen: dann ihr bruder hatte leute und pferde
bestellet / die mich hinweg bringen sollten. Ich aber wollte mich keineswegs
hierzu verstehen / und sie / ganz aus mir selber /anschauend / sagte ich zu ihr:
Wie nun / grausame Amesses! so habt ihr noch grossere marter / als den tod / fur
mich ersonnen? weil ihr vieleicht erfindet /dass derselbige mir von meinem elend
gar zu geschwinde abhelfen würde? Amesses beantworte dieses erstlich mit einem
starken trånenbach / der ihr so häufig aus den augen drunge / dass sie kein wort
zu sagen vermochte. Endlich aber brache sie in diese worte heraus: Ach Armizar!
wie grosses unrecht tut ihr mir / also von mir urteilend? Ich liebe euch /
Prinz von Ophir / und wünsche eure ruhe hoher / als mein leben. Hat mein voriges
tun euch meine liebe nicht konnen bezeugen / so erkennet doch solche nun aus
dieser meiner lezten tat / da ich / meinem herrn vatter zuwider handelend /
euch zu befreien hieher komme.
    O elende freiheit / (rieffe ich /) die mir bitterer als der tod sein wird!
Was hilft mich mein leben wann Amesses nicht für mich lebet? Lasset mich lieber
sterben / als des Epha Glück erleben! Ihr musset leben /mein Armizar! (sagte sie
/) wofern euch der Amesses leben lieb ist. Und ich bitte euch um unserer liebe
willen: gonnet mir doch / dass die person euch wieder befreie / die euch in diese
bande gebracht hat. Wann ihr mir wollet versprechen / (antwortete ich /) den
Epha nicht zu lieben / so will ich die angetragene freiheit annemen. Ich habe
bereits meinen sinn euch geoffenbaret / (wiederholete sie /) dass ich euch liebe:
daraus konnet ihr leichtlich ermessen / dass ich fur den Epha nichtes übrig habe
/ als - - - Allhier verstummete sie / und ich rieffe: Fahret nur fort zu sagen.
/ O grausame! dass ihr für den Epha nichtes übrig habet / als die Amesses selber.
Mein kindlicher gehorsam (fuhre sie fort /) wird mich zwar dazu zwingen / mich
dem Epha zu geben: aber versichert euch / Armizar / er soll meiner nicht lang
geniessen / dann ich bald zu sterben gedenke. So lasset mich erstlich sterben /
(sagte ich /) weil ich ja alles verloren / was ich auf der welt gehabt. Lebet /
lebet / edeler Prinz! (wiederholete sie /) und bemåchtiget euch des trones /
den die meinigen euch unrechtmäsiger weise zu entziehen gedenken.
    Nach vieler solcher wortwechselung / und als ich beständig dabei verharrete
/ lieber zu sterben / als ohne hoffnung ihrer liebe mich frei zu machen / zoge
sie einen dolch herfur / und hielte den an ihre brust /sagende: Wann ihr dann /
Prinz von Ophir / die freiheit von mir nicht annemen wollet / so entfanget doch
das blut der jenigen / die an allem eurem vorigen und jetzigen unglück schuldig
ist; welches sie euch hiermit / zur aussönung dessen / was sie euch zuwider
getan / aufopfert. Hiemit hätte sie ihr selber gewalt angetan / wann ich ihr
nicht håtte zugeruffen: Ich wollte gern frei werden / nach ihrem begehren. Wie
ich demnach zugelassen / dass mir meine bande abgeloset wurden / sagte ich ferner
zu ihr: Ihr wollet / grausame Prinzessin / dass ich leben soll / da ihr doch fur
meine liebe mir keine hoffnung übrig lasset. Lebet und hoffet / (antwortete sie
/) und tut / was ihr vermoget /mich von dem Epha zu befreien! Diese worte
stiesse sie gar geschwind heraus / und begleitete dieselben mit einer
entfärbung: also dass ich ihre gemütsbewegung daraus sattsam spuren konnte. Weil
sie mich nicht eher verlassen wollte / bis ich mit denen jenigen hinweg wäre /
die mich aus der stadt / und wohin ich reisen wollte / bringen sollten: als
folgete ich alsofort ihrem willen / und sah mich auser Tanis / ehe ich noch
recht begreifen konnte / wie mir geschehen wåre.
    Ich kunte nun nicht ersinnen / was ich fürnemen sollte / der ich mich sonder
macht und gewalt sah /dem König die Prinzessin abzufordern / und dem Epha
dieselbe ferner zu bestreiten. Ich fülete zwar zum öftern eine anreitzung / nach
Ophir zu gehen /und selbiges mein vätterliches reich zu besprechen: aber
unmüglich fiele es mir / meine Prinzessin hinter mir zu verlassen: zumal weil
ihre lezte worte mich aufmunterten / noch zu hoffen / und dahin zu trachten /
wie ich ihrem befehl / sie von den Epha zu befreien /nachkommen mochte. Auser
sie heimlich zu entfüren /sah ich nun hierzu kein mittel: ob ich aber dazu
gelangen / oder auch ihren sinn dahin lenken würde /deswegen stunde ich in
grossem zweifel. Jedoch bei so verzweifeltem zustand / wollte ich nichtes
unversucht lassen. Demnach begabe ich mich / mit denen jenigen / die mich
befreit / und deren treue ich wohl versichert war / heimlich wieder nach Tanis:
in welcher grossen stadt ich / wegen mänge der leute / wohl ein jahr verborgen
bleiben wollte / ehe ein mensch mein da-sein erfahren sollte.
    Mittlerweil ich nun an meinem anschlag arbeitete /befande der Pharao durch
meine flucht sich in neue furcht gesetzet: weil er besorgte / ich würde nun
wieder eine unruh im reich anstiften / oder doch nach Ophir gehen / und seinem
sohn dem Prinzen Hiarbas das reich bestreiten. Dannenhero liesse er mich / aller
orten / fleissig suchen. Weil auch der Epha / auf die vollziehung seiner heurat
mit der Amesses / inständig drunge / als wurde ein tag zum beilager angestellet:
da die Prinzessin / solches noch länger aufzuschieben / sich vergeblich
bemuhete. Demnach täte sie nichts anders / als unaufhörlich weinen: musste also
der sonst glückhafte Epha dieses leiden ausstehen / dass er diejenige / die ihn
glückseelig machete / in unglück setzen würde.
    Ich erfuhre alles dieses / was bei hof furginge: welches mich dann / mein
fürhaben zu fordern / desto ämsiger machete. Wie ich nun / zu entfürung der
Prinzessin / alle bereitschaft gemacht / kame ich / durch hulfe des Prinzen
Amosis / heimlich zu ihr in ihr zimmer: und diss geschahe den abend vorher / da
den andern tag ihre reise nach Noph / um daselbst in der Isis tempel ihre
trauung zu vollziehen / fursich gehen sollte. Weil sie nichtes hiervon gewust /
als erschracke sie so heftig / mich bei ihr zu sehen / dass sie schier überlaut
geruffen / und also allen anschlag entdecket håtte. Ich funde sie von gram und
weinen so verstellet / dass / wann ihre schonheit nicht so vollkommen in mein
herz gebildet wäre / ich die Amesses in der Amesses fast nicht mehr erkant
hätte. Weil keine zeit zu versäumen ware / als sagte ich ihr kurzlich: Ich håtte
/ihrem befehl zu folgen / ein mittel ersonnen / welches sie von dem Epha
befreien konnte. Sie hörete mich gedultig an / als begierig zu vernemen / was ich
dann ausgesonnen håtte. Wie sie aber die flucht nennen horete / und dass sie sich
von mir sollte nach Ophir entfüren lassen / wollte sie ganz nicht daran / sondern
rückete mir für: Wie ich so wenig einbildung von ihrer tugend hätte / dass ich
ihr ein solches anmuten dorfte. Sie sagte ferner: sie håtte vermeint / ich
wurde ihr gift oder einen dolch gebracht haben; welches sie lieber annemen wollte
/ als dieses mittel / welches fur ihren guten namen gar zu gefårlich wåre. Alles
mein und ihres bruders zusprechen kunte sie von ihrer Meinung nicht abbringen /
und wollte ich die ungedult mich ubermeistern lassen / sie mit gewalt zu
entfüren. Sie vermerkte solches aus ein- und anderen ungedultigen worten / wurde
darüber ganz unwillig /und entwieche / ehe ich mich dessen versah / aus ihrem
in ihrer fraumutter gemach: mich so aus mich selber hinterlassend / dass ich /
wann Amosis mich nicht hätte angetrieben / von dar nicht würde hinweg zu bringen
gewesen sein.
    Ich setzete nun alles auf die höchste verzweifelung / und weder kron noch
tron mehr achtend / kame mir in den sinn / ein Isis-priester zu werden. Ich
begabe mich noch die nacht auf den weg / und meldete mich zu Noph bei dem Orgas
an: der wohl hochlich sich entsetzete / mich zu sehen; noch mehr aber in
verwunderung geriete / als er hörete / wozu ich mich entschlossen håtte. So wohl
der eifer um seine gottin / als die liebe zu seinem Konig / von dem er
versichert war /wie ihn dieses mein fürnemen hochst erfreuen / und er dadurch
von aller furcht ganz befreit werden wurde /triebe ihn an / mein begehren
gleich zu erfüllen. Und ob wohl sonsten ein jeder / in der stadt Phatures / im
dienst der Gottin muss recht unterrichtet werden / ehe er zu Noph eingefüret wird
/ und sein gelubde ableget / welches dann lange zeit erfordert: so wollte ich
doch nicht länger warten / sondern war gewillet / den tag /wann Amesses wurde im
tempel getrauet werden /mein gelubde zu tun / und also mich / wie ein opfer
/fur ihren augen hinzugeben. Ich verlangte auch / um dess willen / bis dahin
heimlich zu bleiben: welches der Orgas mir alles zuliesse. Also wurde in eil ein
priesterliches kleid verfårtiget / welches ich bei der einfürung anziehen sollte.
Und wiewol der priester eine gewisse zahl ist / so wurde doch ich über
dieselbige eingenommen / bis dass einer sturbe: da ich dann in die rechte ordnung
kommen sollte.
    Wie nun der ganze Konigliche hof nach Noph sich verwandlet / und der
grausame tag erschienen war /darin ich meine Prinzessin auf ewig verlieren
sollte: da kamen sie såmtlich mit grossem pracht in den tempel der Isis. Ich /
der ich aus einem verborgenen ort alles mit ansehen kunte / erblickete bald die
Amesses in königlichem schmucke: dabei aber so erblasset und besturzet / dass ich
innerlich deswegen eine / wiewol grausame / freude entfunde. Sie ward von zweien
kammerherren mehr getragen als gefüret: und sah sie stäts nach der erden /
gleich als hätte sie gewünschet /darein zu vesinken. Wie sie an den tron kame /
da sie neben dem Epha / bis die opfer geschlachtet würden / sitzen sollte / fiele
sie auf den stul / ohne jemanden im tempel einige ehrerbietung zu erweisen /
ganz kaltsinnig nieder. Folgends bliebe sie in den tiefsten gedanken sitzend /
und gabe auf nichtes acht: verglieche sich also in allem einer leiche / die man
daselbst begraben sollte. Ich kunte mich uber ihre stränge tugend nicht gnug
verwundern / welche sie zu dieser marter gebracht hatte: und rückete ich ihr in
meinem sinn zum oftern fur / dass sie / diesen gang zu tun /gar wohl hätte konnen
uberhoben bleiben / wann sie nur meiner liebe folgen wollen.
    Als aber alles volk nun im tempel versammelt war /und eben die opfer angehen
sollten / da begleitete mich die gesamte schaar der priester / von den Orgas
gefüret / in den tempel: da dann jederman mich ersehend besturzet wurde / und
der name Armizar überall erschallete. Ich / der ich kein aug von meiner
Prinzessin abwandte / sah / dass die nennung meines namens sie aufmerkend
machete. Als sie / nach langen umhersehen / mich gefunden / schrye sie uberlaut:
Ach Armizar! und fiele damit zurücke / ihren jungfrauen ganz onmächtig in die
arme. Epha / der neben ihr sasse /erschracke höchlich hieruber: inzwischen
jederman zulieffe / der Prinzessin beizuspringen. Ich hätte solches mit
verrichtet / wann ich meinen begierden folgen dorfen. Indem sie aber noch mit
ihr zu tun hatten / tratte der Orgas zu dem gleichfalls bestürzten Pharao / und
endeckete ihm meine Entschliessung: der dann / voller freuden hierüber / allen
hass vergasse /und mich zu vielen malen umarmete. Aber diese liebkosungen wurden
von mir so kaltsinnig angenommen / dass alle anwesende wohl sahen / was ich in
meinem gemüt litte. Wie nun unterdessen die Prinzessin wieder zu sich selber
gekommen / sollte meine einfurung ihrer vertrauung / als ein heiliges werk /
vorgehen. Ich liesse alles geschehen / was man mit mir furname /ohn einiges
widerstreben: weswegen allen denen / die mich ehmals im krieg gesehen / die
tränen in die augen schossen / und jederman ein mitleiden uber meinen zustand
erwiese.
    Ich hatte nun die priesterliche kleidung angezogen /und sasse bereits auf
den kniehen / dem Oberpriester den Eid abzulegen / als von dem orte her / da die
Konigin fasse / ein unversehenes geråusche entstunde. Diss gabe mir ursach / nach
ihr hinzusehen: und wurde ich gewar / dass sie in den armen des Konigs wie todt
lage. Alle anwesende drangen hinzu / zu vernemen /was ihr geschehen: und die
Prinzessin ihre tochter stiege gleichfals von idrem tron herunter / ihrer
fraumutter beizuspringen. Weil nun hierdurch alles in unordnung geriete / als
verliesse auch der Orgas seinen platz / um zu sehen / was mit der Konigin
vorginge. Es hatte aber ein schlagfluss die Königin gerüret / dass alle årzte /
die zugegen waren / ihren eiligsten tod ankündigten. Sie hatte kurz vorher in
sich selber gesprochen / welches eine ihrer frauen gehöret: O wie handeln wir
mit dem Armizar! worauf sie gleich sprachlos dahin gesunken. Der Pharao /
welcher sie überaus liebete / hielte seine sterbende gemalin in seinen armen.
Die Prinzessin aber / weil sie hierdurch gelegenheit uberkame / ohne scheu zu
klagen / zwunge sich nicht mehr in ihrem leidwesen / sondern stellete sich sehr
kläglich an: das dann sowol ihrer fraumutter als ihr eigener zustand
verursachete.
    Nachdem man viele vergebliche mittel angewendet / starbe die Konigin in den
armen ihres gemals: und wurde hierüber das allgemeine wehklagen und der
schrecken so gross / dass man ferner / weder an des Epha trauung / noch an meine
einweihung / gedachte. Die leiche / welche der Konig und die Prinzessin nicht
verliessen / wurde nächst am tempel in des Oberpriesters wonung gebracht: damit
nicht jederman die Konigin todt und den Pharao klagen sehen mochte. Der Orgas
befale / dass ich und die andere priester in unsere verordnete wonungen uns
begeben sollten. Es ware überall / im tempel und in der stadt / ein
unbeschreiblicher schrecken / und kame es jederman sehr frömd für / dass dieses
freudenfest in so grosses trauren verwandelt worden. Wie mir hiebei zu mut wurde
/ weiss ich selber nicht zu melden: doch funde ich mehr ruhe als angst hierüber
in meinem gemute / weil ich die Prinzessin an den Epha noch nicht getrauet wusste
/ und also noch hoffen kunte.
    Der Pharao ware gar nicht zu trosten / in diesem so plotzlichen verlust
seiner Nergade. Und Epha / der dadurch seine gluckseligkeit verzogert sah /
dorfte sich nicht unterstehen / den Konig zu bitten / dass er mit der Prinzessin
/ bevor die grosse traur ein wenig furbei wåre / beilager halten mochte. Alle
gedanken des Konigs gingen nun dahin / wie er seine liebe gegen der Nergade mit
einer überaus pråchtigen begräbnis erweisen mochte. Er liesse demnach / nahe für
dem tempel der Isis / eine herrliche pyramide und begråbnis aufbauen /
dergleichen an grösse und schonheit fürhin in Egypten nicht gesehen worden: und
sollte / wann dieser bau färtig / die leichbestätigung mit grossem pracht
geschehen. Orgas immittels /der nicht unbillig besorgete / ich mochte / weil ich
mein gelubde noch nicht vollzogen / wieder anders sinnes werden / liesse mich
fleissig bewachen / dass ich nicht vom tempel entkomen möchte. Er wollte auch
etliche mal die gebräuche mit mir vollziehen: ich aber wandte allemal soviel
darwider ein / dass es sich von einer zeit zur andern verzoge. Indessen fiele
auch ein krieg mit den Libyern ein: da dann Epha zu feld gehen musste / derselben
kriegesflut / die sich gar gefårlich anliesse / zu steuren. Man hielte es vor
mir so heimlich / dass die Prinzessin noch nicht dem Epha beigelegt wäre / dass
ich solches oft für allbereit geschehen achtete.
    Wie nun endlich der Nergade begråbnis färtig worden / da mussten alle die
grossen aus ganz Egypten sich in Noph versammelen / dieser besenknis beizuwonen.
Es sollte aber / der Königin zu ehren / der göttin Isis ihr grosses opfer
gehalten werden / welches der Konig Osymandias fur jaren angeordnet: und
bestunde solches darin / dass einer von ihren priestern /mit grossem geprånge /
in ihrem tempel lebendig begraben / und ihr also aufgeopfert wurde. Weil nun
dieses gar selten sich begabe / massen es bei des Pharao Uchoreus zeiten niemals
geschehen: als wurde ganz Egypten begierig / diese seltene gebråuche anzusehen.
Wie nun der grosse festtag erschienen / da wurde die leiche der Nergade / von
dem Konig / dem Prinzen / der Prinzessin / und von dem ganzen hofe /in den
tempel begleitet: da Orgas und wir såmtliche priester sie entfingen / und für
der gottin Isis bild niedersetzeten. Ich hatte / seit dass die Königin gestorben
/ die Prinzessin nicht wieder gesehen: die mir nun in ihren trauerkleidern viel
schoner / als ehmals in ihrem königlichen brautschmuck / furkame. Ich wusste
nicht /ob ich sie / als des Epha gemalin / oder als die alte Amesses / anschauen
sollte. Indem merkete ich / dass sie nach mir sich umsah. Sobald sie mich ins
gesicht bekommen / schluge sie die augen gen himmel / und hielte folgends ein
tuch dafür / ihre tränen / die sie wegen der Königin durfte fliessen lassen /
abzutrocknen.
    Als nun das opfergepränge anginge / da wurden wir priestere / in unseren
sieben ordnungen / rund um den altar gestellet. Nach etlichen gesängen / wurfe
Orgas das los über uns: da dann mich die reihe vor allen traffe / dass ich das
grosse opfer werden sollte. Die andåchtigsten unter unserem haufen / wollten mir
diese ehre bestreiten / vorgebend: weil ich noch nicht mein gelubde abgeleget /
so konnte ich hierzu nicht gelangen. Ich aber / als der ich des lebens müd ware /
wollte mich hiervon nicht verdrången lassen: und bekame ich beifall von den
ältsten priestern / die am meisten in den geheimnisen des gottesdienstes
erfahren waren /dass ich ohne streit der Isis opfer werden künte. Als dieses bis
für den Konig erschollen / zeigte der sich sehr ruhig darüber: Amesses aber
erschracke so heftig / dass ich die erblassung ihres gesichtes / von dem orte /
da ich stunde / absehen kunte. Man fürete mich hierauf an einen besondern ort:
da ich zum opfer bereitet /auch mit blumen und kråutern ausgezieret wurde. Man
brachte einen grossen ochsen / der auf dem haubt einen blumenkranz und ein
blumengehänge am hals truge: welchen ich bei den hörnern fassen / und also
wieder in den tempel gehen musste.
    Mein erstes / so ich täte / war dieses / dass ich nach der Prinzessin mich
umsah. Es ware aber derselbigen eine onmacht zugestossen / dass man sie aus den
tempel bringen müssen. Dann weil sie mich nun in todesgefahr wusste / kunte sie
ihre zuneigung nicht ferner bergen. Weil sie ihr vorstellete / dass um
ihretwillen mir dieses alles begegnete / als kame die erbarmung und das
mitleiden zu ihrer herzlichen liebe: daher sie ihr weheklagen offentlich ohne
zwang fürete / und weder den König noch den Epha betrachtend /alle welt ihre zu
mir tragende liebe sehen liesse. Die gebråuche gingen immittels mit mir fort /
und als die priester viel wesens mit mir getrieben / schlachteten sie den ochsen
auf den altar: ich aber wurde in ein wolriechendes tuch ganz eingewickelt / auf
ein bette /so mit stattlichen wolriechenden kråuteren angefullet war / gebunden
/ und damit in ein gruft hinunter gelassen / welche sie oben mit einer eisernen
tür versperreten. Ich sollte darinnen verhungern / und also /den eingefürten
gesetzen gemäs / ein opfer der Isis werden. Nach diesem / und wie alles volk mit
grosser ehrerbietung solches angesehen / ward auch der Konigin begräbnis
verrichtet. Hierauf wurde sieben tage lang der Isis fest gefeiret: da jederman
zu meinem grabe wallfarten ginge / mich als einen geheiligten der Isis zu
verehren und anzubeten.
    Ich lage nun in dieser finstern gruft / die sonst der Isis priestern zur
begräbnis dienete / keine andere gedanken habend / als zu sterben: und muss ich
gestehen / dass das natürliche entsetzen fur dem tode bei mir nicht ausenbliebe /
da ich mich so nahe bei meinem lebens-ende sah. Doch wunschete ich nichtes
anders / als dass der tod sich nur bald einstellen mochte: als welchen nichtes
grausamer / als der verzug / machet. Wie ich nun etwan zween tage also lebendig
begraben gelegen / erblickte ich unversehens ein licht / das die gruft
erleuchtete. Weil ich gebunden war / und auf dem rucken lage / kunte ich nicht
um mich sehen: doch kamen mir endlich die jenigen / welche die lampe trugen /
die dieses licht verursachete / so nahe /dass ich den Prinzen Amosis / den Migdol
/ und den priester / der ehmals aus meiner hand / wiedass ich ein priester der
Isis sterben würde / gewarsaget hatte / ersehen kunte. Der Prinz Amosis fiele
mir gleich um den hals / inzwischen der priester und der Migdol mich los
macheten. Nachdem solches geschehen / und ich nicht begreifen kunte / ob dieses
/ was ich sah /wahr wåre / oder ob mir träumete / sagte Amosis zu mir: Ich
sollte gutes muts sein / ich wåre erlöset. Hierauf erzehlte er mir / wie
gegenwårtiger priester seinem und seiner schwester bitten gehör gegeben / und zu
dieser meiner befreiung hulfliche hand mit angeleget. Ich erfuhre folgends von
dem priester / wiedass diese gruft einen verborgenen gang håtte / der in das
weite feld hinaus fürete. Hierbei liesse die Prinzessin mich /durch alles was
mir auf der welt zum liebsten wäre /bitten / ich sollte in mein vatterland reisen
/ alda mein vätterliches reich einzunemen und mich kund zu geben: bei allen
gottern mir versprechend / dass sie inzwischen den Epha nicht ehlichen / auch mir
nicht wehren wollte / sie aus Egypten mit gewaffneter hand abzufordern.
    Ich erfuhre dieser gestalt auf einmal so viel neues /dass ich anfangs in
meine bestürzung mich noch mehr vertieffete. Endlich aber / wie ich dem Amosis
fur diese meine so unverhoffte befreiung / ja wiederbelebung / dank gesaget /
und mich verpflichtet / der Prinzessin befehl nachzukommen / liesse ich mich /
von dem priester und den Migdol / aus dieser gruft hinaus furen. Weil Migdol bei
mir bleiben wollte / als machten wir uns zusammen auf den weg / und namen die
beschwerliche reise fur uns / nach Ophir zu gehen: nachdem ich zuvor dem Amosis
/ meine sache bei der Prinzessin / nochmals auf das båste anbefohlen: dann ich
ware nun verliebter / als noch jemals zuvor: weil die fast erloschene hoffnung /
gleich als aus der asche / wieder herfür zu blicken begunte.
    Mitlerweile ich nun aus dem land war / finge der Pharao an / seine tochter
mehr zu liebkosen / als er vordessen getan / und geriete endlich gar in den
wahnsinn / sie zu heiraten: welches er für keine sünde hielte / das exempel des
Osiris und der Isis anfürend /von welchen etliche sagen wollen / sie seien
einander eben so nahe befreundet gewesen. Der tugendhaften Amesses aber / ware
dieses ein grosser greul / und spürete sie mit åuserstem unmute / dass des Pharao
unrechtmäsige liebe von tag zu tag zuname. Epha war nicht der lezte / der
hiervon in Libyen geruch bekame: und musste er solches um soviel mehr glåuben /
weil er / als er nach glucklich vollendeten kriege wieder nach haus kommen wollte
/ von hof ernstlichen befehl kame / in Libyen zu bleiben. Ich ware schon bis in
Arabien gelanget / als der Prinz Amosis / durch einen eigenen bedienten / mir
dieses zuentbieten liesse: welches dann verursachete / dass ich auf die
wiederkehr / und in dieser noht meiner Prinzessin / mit hintansetzung aller
meiner andern angelegenheiten / beizustehen /bedacht wurde. Um aber keinem
menschen einigen argwahn von mir einzuråumen / kame ich / mit hulfe des
vorbenennten Isis-priesters / durch den verborgenen gang / wieder in die gruft /
die ehmals meine begråbnis gewesen. Die Prinzessin / damit sie gelegenheit /
mich zu sprechen / erlangen mochte / liesse sich / nach landesgebrauch / mit
fürwand einer andacht /etliche tage in das angebåude des tempels verschliessen:
da ich dann aus der gruft / wann sonst niemand im tempel ware / zu ihr hinauf
steigen konnte. Der priester / der um unsere sachen wusste / hatte auch ihr einen
schlüssel gegeben / dessen sie sich bedienen mochte / wann sie wollte in den
tempel gehen: und ware niemand als ihre wartfrau bei ihr / als bei nacht wir
dergestalt zusammen kamen.
    Wer jemals geliebt / wird sich leichtlich konnen einbilden / wovon diese
unsere zusammensprache gehandelt habe. Meine erzelung in die änge zu bringen
/will ich allein sagen / dass ich die Prinzessin / wiewol mit grosser muhe /
endlich dahin uberredet / dass sie /ihres vatters unbilliger liebe zu entgehen /
mir die erlaubnis gabe / sie aus Egypten zu entfüren. Zu dieser Entschliessung
wurde sie / mehr durch verzweifelung /als liebe / bewogen. Dann / um liebe
willen / wollte sie ehmals / wie ich erzählt / hiervon nichtes horen: nun aber /
da sie in der hochsten angst von der welt schwebete / sah sie kein anders
mittel als entweder zu sterben / oder zu entfliehen / wann sie des Pharao
ansinnen entgehen wollte. Demnach erwelete sie das lezte von diesen beiden: zumal
sie auch / meiner beståndigen liebe ein solches schuldig zu sein / selber
erkannte. Ich wurde / nach diesem ihrem entschluss /der vergnügteste von der welt;
und erinnerte ich sie hierauf dessen / was sie bei unserem ersten abschiede zu
Says zu mir gesaget: es sollte nåmlich ihr die welt nicht zu weit sein / wann sie
dieselbige nur mit mir durchreisen wurde. Wir beschlossen / um sicherheit willen
/ mit den Assyrischen gesandten fortzugehen: welche damals von dem Konig Bel
Ochus angekommen waren / die bildnise des Osiris und der Isis nach Syrien
abzuholen.
    Weil wir dieserwegen etliche male / um alles recht abzureden / bei nacht
zusammen kamen / als ertappete uns das lezte mal ein junger priester im tempel /
der bei der Isis bilde die nacht wachete. Dieser / als er alles / wie wir
zusammen kåmen / in geheim mit abgesehen / verschlosse das loch / dadurch ich
allemal aus der gruft in den schmalen gang / der mich aufs feld fürete /
gelangen kunte. Ich hatte mit der Prinzessin abgeredet / die folgende nacht
leute und pferde /durch hülfe ihres bruders des Prinzen Amosis / der von allem
mitwissenschaft hatte / herbei zu schaffen /und sie also nach Baalzephon zu
entfüren / da die bediente der Assyrischen gesandten lagen. Ich kunte aber /
weil mir der junge priester den eingang verschlossen / zu bestimmter zeit nicht
in die gruft kommen: woruber ich dann heftig erschracke / als befahrend / unser
anschlag wäre verraten und offenbar worden. Die Prinzessin aber / als sie den
priester / der sie im tempel wieder belauret / deswegen besprochen und mit guten
worten und geschenken auf ihre seite beredet / kame neben dieser gegenwårtigen
frauen durch die wieder-eroffnete gruft zu mir / als ich eben / wie besagt / in
grosten sorgen mich befande. Wie nun der Prinz Amosis alda abschied von uns
genommen /machten wir uns auf den weg nach Baalzephon zu gehen. Also kamen wir
glucklich und sicher aus Egypten hinweg: da Amesses / als lange wir mit den
Assyrischen gesandten reiseten / sich männlicher kleidung bedienet.
    Nachdem wir dieselben in der Moabiter lande verlassen / wandten wir uns
gegen morgen / und kamen /nach langem reisen / in das Konigreich Elam: da ich
mit der Prinzessin in der stadt Hahla verharren musste / weil sie sehr unpåsslich
wurde / und nicht weiter fort kunte. Ich erfuhre aber alda / dass der König von
Elam / der tapfere Amraphel / krieg furete mit meinem herrn vatter / und der
Konig von Assyrien / als dessen mutter bruder / sich in diesen krieg mit
eingemischet: welcher dann auch mit dem König der Bactrianer kriegete / durch
welches land ich reisen musste / wann ich nach Ophir wollte. Weil ich nun uberdas
sowol der Ophirischen sprache als des landes unberichtet war /als bote sich der
getreue Migdol an / als welcher aus Ophir bürtig ware / die reise über sich zu
nemen / und dem Jaziz / meinem herr vattern / meinen zustand zu eroffnen. Es
verliefe viel zeit / dass er nit wieder kame. Weil nun inzwischen es mit der
Amesses sich båsserte / als beredete ich sie / wiewol mit grosser muhe / dass sie
/ um frische luft zu schopfen / und ihre traurigkeit in etwas zu mildern / sich
herfür- und mit dem Elamitischen frauenzimmer bekant machete. Dann ob sie wohl
mich herzlich liebete / und mir ofters beteuerte / dass sie kein ungemach in der
welt achte /um nur bei mir zu sein: so stiege ihr doch mehrmals zu sinne / ihr
so gar verånderter zustand / und dass sie aus ihrem vatterland so heimlich
entfliehen mussen /davon die ursache den wenigsten bekant ware; dannenhero sie /
von boser nachrede / sich nicht befreit achten kunte. Weil sie nun / auf mein
bitten / unterweilen die gesellschaften besuchet / als breitete sich das
gerüchte von ihrer schonheit bald uberall aus /also dass / in ganz Hahla und den
umligenden orten /die schone ausländerin gepriesen wurde.
    Ein Elamitischer Furst / namens Sadrach / der fürnemste nach dem König und
seinem vatter dem reichsstattalter / hatte / nicht weit von Hahla / am fluss
Pison / ein lustaus / welches sonderlich schon erbauet war. Dortin fureten uns
etliche Elamitische damen / die bei uns in Hahla woneten: da dieser herr die
Amesses so schon befande / dass sie ihn ganz verliebt machete. Dannenhero begunte
er nachgehends /dieser schonen ausländerin / wie man sie daselbst nennte /
öffentlich aufzuwarten / und liesse seiner liebe den zaum dermassen schiessen /
dass er ohne sie nicht leben kunte. Als er aber ihre strångheit spürete /und
dahero für seine liebe wenig hoffnung sah / erkrankte er aus verzweifletem
verlangen: weswegen der reichsstattalter selber / der Amesses wolneigung für
seinen sohn zu gewinnen / bei ihr sich bemuhete /auch mir deswegen freundlich
zusprache / als der ich mich ihren bruder nennte. Diese verfolgung triebe uns
aus Elam / und mussten wir heimlich bei nacht uns davon machen: da wir dann / den
weg in das Konigreich Bactra für unsicher achtend / wieder zu rucke gingen. Weil
eben der winter einfiele / als ware es gar beschwerlich reisen: dannenhero ich
mit meiner Prinzessin / als die solcher unruhe nicht gewonet / nicht wohl
fortzukommen wusste; die ich doch auch / wegen ihrer schönheit / an keinem orte
sicher lassen kunte.
    Wir verblieben in einer kleinen stadt an den Mesopotamischen gränzen /
Colorina genant / und waren ganz unschlüssig / was wir weiter furnemen wollten:
als der himmel gegenwärtige meine Prinzessin Colidiane dortin furete / welche
von des Konigs von Salem leuten / aus Bactra zurucke kommend / daselbst durch
nach ihrem vatterland begleitet wurde. Ich traffe auch alda unversehens den
Sephar hier zugegen an: der dann / mich lebendig sehend / fur grosser freude
schier sterben wollen. Ich eroffnete demselben meinen zustand / wie ich nicht
wüste / wo ich mit der Amesses hin sollte: die ich / bevor sie in sicherheit wåre
/ nicht verlassen / und doch / wegen unserer wolfart / die reise nach Ophir
nicht länger verschieben konnte. Er gabe mir gleich den raht / ich sollte / die
Prinzessin von Egypten / seiner Prinzessin der schonen Cölidiane zufüren: mit
versicherung / dass sie an keinem orte in der welt vergnugter / als zu Salem
/würde leben können. Die Amesses name diesen raht mit freuden an: massen sie
herzlich verlangete / nach so vielem ausgestandenen ungemach / sich einmal
/wieder bei ihres gleichen und in ruhe zu sehen. Offentlich aber und bekant in
Salem zu leben / hielten wir für bedenklich: weil der König von Canaan mit dem
Pharao in bündnis stunde / und wir besorgeten /weil es gar zu nahe bei Egypten /
es würde der Amesses da-sein nicht verschwiegen bleiben. Wir wollten nun / durch
den Sephar / bei der Prinzessin uns heimlich anmelden lassen: aber wir
verschoben solches /als wir den Mesan / den kammerherrn des Elamitischen
Stattalters / bei ihr sahen / der die Amesses in Elam oft gesehen / und wir
demnach fur ihme uns verbergen mussten; zumal er / wie uns Sephar berichtete /von
seines jungen herrn liebe und der flucht der schonen auslånderin / viel geredet.
    Als nun die schone Colidiane fortreisete / und der Elamite sie bis uber den
Jordan geleitete / bliebe der Sephar mit dem tross zurucke: mit deme wir /
allemal eine tagreise spåter / ihnen nachzogen. Zu Jabes /wurden wir von der
Amesses abermaliger unpåsslichkeit angehalten: da der Sephar uns bei einem seiner
verwandten zur herberge brachte / auch uns einen guten arzt verschaffete. Doch
mussten wir daselbst über einen monden zubringen / ehe die Prinzessin wieder
genesen konnte. Nun mogen es ungefår ein par wochen sein / seit dass wir uns /
hieher zu kommen /wieder auf den weg begeben. Weil der getreue Sephar uns nicht
verlassen wollen / als hatten wir an ihme einen lieben reisgefärten.
    Es widerfuhre uns aber auf diesem weg in einem wald eine unvermutete
begebnis / die meine schwester zu uns und mit hieher brachte. Wir ersahn
etliche weibesbilder / die / auf uns zukommend / uns gar ängstig fragten: Ob wir
nicht / auf unserm wege / eine dame hätten angetroffen? Sie redeten so
zerbrochen Syrisch / dass wir sie daran / sowol auch an ihrer frömden kleidung /
für auslåndisch erkennen mussten. Nachdem wir sie mit Nein abgefårtiget / liefen
sie wieder von uns / und begegnete uns wiederum einer zu pferd / welcher gegen
uns eben dieselbige frage täte. Weil dieser etwas verståndlicher redete / als
fragte ich hinwiederum: wen sie dann verloren håtten /und woher sie kämen? Er
wollte mir aber anders nichtes entdecken / als dass sie aus Ophir kåmen. Dieses
machte mich nun noch begieriger / ein mehrers zu erforschen / und von meinem
vatterlande etwas neues zu erfahren. Ich erbote mich / ihme die verlorne person
in diesen walde suchen zu helfen / und brachte damit zuwegen / dass er sich zu
mir gesellete. Ich fragte ihn /als wir fortritten / um den Ophirischen zustand:
und erfuhre von ihm / dass der König Jaziz mein herr vatter todt wåre / und der
Hiarbas die regirung angenommen håtte.
    Diese zeitung ginge mir sehr zu herzen / indem mir dadurch das geblüte
geruret / und zugleich die begierde / dem Hiarbas meine Kron zu bestreiten /
ergrossert wurde. Als ich ferner nach der Prinzessin Indaride fragte / ob
Hiarbas dieselbe geheuratet? finge er heftig an zu seufzen / und sagte: Ach die
teure Prinzessin! wisset ihr etwan / wo sie zu finden ist? ach! so verheelet es
doch dem jenigen nicht / der ihr so treulich aufgewartet. Aus diesen reden
vermerkete ich / dass meine schwester die verlorne dame sein müste / welche er
suchete: deswegen ich mir noch mehr angelegen sein liesse / sie zu finden. Ich
erfuhre endlich von ihme / wiedass sie es wåre / und dass eine verzweifelung sie
von ihnen abgebracht hätte / nachdem sie den tod des Konigs Antraphel von Elam
erfahren / den sie inbrunstig geliebt. Dieses ginge mir sehr nahe / und wandten
wir so grossen fleiss an / dass wir letzlich die betrübte Indaride antraffen / als
sie eben im werk begriffen war / sich in einen bach zu sturzen. Wir verwehreten
ihr dieses mordliche beginnen: sie aber / als sie den Ascadates erkant / welcher
ihr kåmmerer in Ophir gewesen / verwiese sie ihme hochlich / dass er sie nicht
wollte sterben lassen. Wir sprachen ihr zu /dass sie solchen verzweifelten
gedanken nicht raum geben sollte. Weil sie gut Syrisch redte / als gab ich mich
ihr fur ihren bruder zu erkennen: da sie dann /ungeacht ihrer grossen
traurigkeit / sich sehr erfreuete / einen so nahen blutsverwandten bei ihr zu
sehen. Meine Prinzessin / gabe sich ihr hierauf auch zu erkennen.
    Nachdem wir in gesamt ihr zugeredet / mit uns nach Salem zu kommen /
willigte sie darein: und funden sich damit ihre dirnen auch wieder herbei /
welche sie zuvor gesuchet hatten. Ich vername von ihr unterwegs / die ursachen
ihrer verzweifelung / samt dem rechten zustand in Ophir: und muss ich bekennen /
dass solche mächtig genug seien / einem die lust zu leben zu benemen. Der Sephar
aber / in dessen hause wir hier zu Salem heimlich eingekehret / erwiese mit so
starken gründen / dass man ihm selber das leben nicht nemen dorfe / dass Indaride
sich bewegen lassen / mit der Amesses / ihren schutz bei der unvergleichlichen
Colidiane zu suchen. Sie kame drei tage eher hieher als wir: weil meine Amesses
/ wegen abermaliger schwachheit / etwas spåter eingelanget; die nun /neben mir /
der Prinzessin von Caphtor schonen dank saget / dass sie ihren schutz den
verlassenen nicht versagen wollen.
    Sie urteile nun / hochwehrte Prinzessin / ob die Amesses / so wohl als ich /
nicht befugt sei / um unsere geheimhaltung zu bitten / und ob nicht / die
entdeckung unserer personen / uns so wohl in Ophir als in Egypten schaden könnte?
Ich bin gewillet / mit den Ascadates die reise nach meinem reiche alsobald
furzunemen / weil ich von dem Migdol nicht erfahre / wo er geblieben sei. Ich
eile von hinnen / um die Elamitische volker / wo moglich / noch auf den gränzen
des reiches anzutreffen / und sie zu bereden / dass sie /beides den tod ihres
Konigs Amraphel zu rächen / und mein reich dem Hiarbas abzunemen / mir beistehen
wollen.
                                     * * *
    Also endete der Prinz Armizar / die erzehlung seiner geschichte. Colidiane /
nachdem sie ihm hierfür gedanket / erwiese nicht allein ein grosses mitleiden
uber der Prinzessin Amesses unglück / sondern versprache auch / ihr so wohl als
der Prinzessin von Ophir / nach moglichkeit zu dienen. Sie versicherte sie
darbei / an der person des Königs Melchisedech / eines so tugendhaften gemutes /
dass er / wann er schon dieser Prinzessinnen anwesenheit erfahren sollte / weder
dem Konig von Canaan / noch sonst einigen menschen / zu ihrem schaden / solches
offenbaren würde. Doch wollte sie es ihme / sowol als allen anderen menschen / so
lang verschweigen / bis sie von ihnen selbst / sie ihme bekant zu machen / um
dadurch ihnen bässere bequemlichkeit zu verschaffen / erlaubnis erlangen würde.
    Der Prinz von Ophir schickete sich hierauf zum abschied: und weil Colidiane
ihme nicht hinterlich sein wollte / als name sie die Indaride bei der hand / und
begabe sich mit derselben in ein nebenzimmer: da dann der verliebte Armizar /
seiner betrübten Prinzessin gute nacht zu sagen / raum gewunne. Ob nun wohl
dieselbe sich schon lang hierzu geschicket / auch zu erlangung ihrer ruhe /
nichtes dienlicher erkannte: so kunte sie doch ihre angst und bekümmernis nicht
verbergen / die ihr / das andenken der gefärlichkeit von ihres Armizars beginnen
/ verursachete. Sie besorgete / weil sie / die meistezeit ihres lebens / und
absonderlich dieser liebe wegen / viel widerwärtigkeiten gehabt / es wurde der
grausame schluss des himmels uber sie noch mehr ubels beschlossen haben. In
dieser betrachtung / stellete sie sich so betrubt an / dass Armizar selbst zur
wehmütigkeit bewogen wurde: und hatte er aller seiner beredsamkeit vonnöten /
ihr einen trost einzusprechen. Wie sie nun einander ewiger wechsel-treue und
beståndigkeit versichert und zur letze umarmet hatten / ginge der Armizar / ganz
verstoret und aus sich selber / nach den andern beiden Prinzessinnen / und name
abschied von denselben /der Cölidiane nochmals seine Prinzessin anbefehlend. Die
Indaride wunschete ihrem bruder tausendfältiges gluck zu seinem vorhaben /
welches auch von der Colidiane beschahe. Hierauf ginge er / von dem Sephar
begleitet / wieder / durch den garten / aus dem schlosse / und begabe sich nach
dessen behausung /um des folgenden tags seine reise anzustellen. Cölidiane name
bald darauf auch abtritt von ihren gästen /weil es schon bald morgen wollte
werden: und musste sie aller behutsamkeit sich bedienen / diese bewirtung geheim
zu halten. Wie sie dann ihrer eigenen schwester hiervon nichtes sagte / sondern
eine andere ursach ihres ausenbleibens derselben furbrachte / und sich neben sie
schlaffen legte.
    Jaelinde aber stunde mit dem tag auf / und schickte einen von ihren
kämmerern nach der Furstin Casbiane / ihren zustand zu erfahren: der dann die
gewunschte post zuruck brachte / wiedass die Furstin wohl geruhet /und grosse
bässerung diese nacht entfunden hätte. Sie machte sich demnach auf / diese ihre
freundin zu besuchen / spazirte / wie sie alle morgen zu tun gewonet war / in
den garten / und begabe sich von dannen nach der Fürstin von Cale behausung. Ihr
begegnete unterwegs / auf der breiten wiesen / der Prinz Hemor: der ihr gleich
die hand bote / sie nach der Casbiane zu füren. Weil nun die Prinzessin sich
nicht zuvor anmelden lassen / und man ihrer / in so früher morgenzeit / sich
nicht versehen hatte: als befunde sich Ahalibama / mit ihrem ritter Dison / eben
bei der Casbiane / wie Hemor und Jaelinde ankamen. Zu allem gluck / ersah sie
noch im vor-saal / der Casbiane kammerjungfrau: welche dann eiligst hinein liefe
/und die Fürstin von Seir / sich zu verbergen / warnete. Selbige hatte kaum so
viel zeit / durch eine hintertür hinweg zu kommen. Der Dison / so ihr folgete /
ward von dem Hemor / wiewol nur von hinten / noch gesehen: der aber seine
Aramena allhier nicht suchete /sondern auf dem schloss sicher verwahret achtete.
    Weil Hemor die Furstin von Cale vorher nie gesehen / als begrussete er sie
mit grosser ehrerbietung /und bezeugete ihr / sowol sein mitleiden uber ihr
unglück / als seine freude uber ihre genesung. Weil sie ihm auch für eine
verwandtin von seiner Aramena ware beschrieben worden / als bemuhete er sich um
soviel mehr / sich ihr gefållig zu erweisen: zumal auch sie ihme mit aller
höflichkeit hinwieder begegnete. Es hatte aber dieser gefärlicher überfall sie
so bestürzt gemacht / dass sie sich lang nicht erholen kunte. Jaelinde merkte
dieses / vermutete aber / dass solches deswegen geschåhe / weil sie / sowol als
der Fürst Arsas ihr gemal / die gesellschaft der Sichemiten zu vermeiden
trachtete: dieserwegen raunete sie ihr heimlich ins ohr / wiedass der Prinz von
ungefår mitgekommen wåre / und håtte sie es ihm nicht versagen können / als er /
sie hieher zu begleiten / sich angeboten. Casbiane aber / um der Prinzessin zu
erweisen / dass ihr des Prinzen anwesenheit nicht zuwider wäre /sagte zu ihm /
unter anderen gespråchen: Es sei ihr die hochste freude / vor ihrer abreise den
Prinzen noch zu sehen / der sich mit ihrer nahen basen verheuraten würde. Sie
bate auch zum scheine / dass er ihr einigen befehl an der Aramena eltern
auftragen wollte / zu denen sie bald kommen würde.
    Hemor bezeugte hierauf sein verlangen / dass Casbiane dem hochzeitfest möchte
beiwohnen konnen: welches sie aber / sowol mit ihrer unpässlichkeit als der
eiligstnötigen abreise / entschuldigte. Hemor låchelte hierüber / sagende: Wann
des Konigs beilager mit der Fürstin von Seir nicht zugleich mit angesetzet wåre
/ so wurde wohl der Prinzessin Casbiane unpässlichkeit und abreis-eile so gross
nicht sein. Sie beantwortete solches mit stillschweigen / um nicht weiters zu
beruren / worvon so gefårlich zu reden ware. Als die Prinzessin / bald hernach /
ihren abtritt von der Fürstin wieder name / bate sie der Hemor / dass sie seine
person denen Syrischen Fürsten aufs båste befehlen wollte. Damit furete er die
Jaelinde nach dem schlossgarten: welche er / um ihr in ihren freien gedanken
nicht hinterlich zu sein / alda allein liesse / und /sich zu ergetzen / mit des
Königs von Canaan und Salem bedienten auf die jagt sich begabe.
    Der Dison / ware neben der Fürstin von Seir / über diesem zufall / in ein
solches entsetzen gerahten / dass sie / schon verrahten zu sein / sich
befurchteten. Und ob wohl Casbiane der Ahalibama sagen liesse / dass der Hemor
nichtes von ihrem da-sein gemerket / so ware sie doch also furchtsam worden /
dass sie kaum mehr aus ihrem zimmer gehen wollte / und mit der hochsten ungedult
verlangete / ehist von Salem hinweg zu reisen: worzu sie aber eher keine
hoffnung hatte / als wann Casbiane völlig wurde genesen sein. Wie sie nun also /
ihren betrübten zustand erwågend / mit dem Dison am fenster stunde / kame ihr in
die augen ein gebåude / welches ganz allein in einem tal lage /und rund umher
mit båumen umgeben war. Als sie es lang betrachtet / fragte sie / ob niemand
wusste / was dieses wäre? Brianes sagte alsofort unbedachtsam: wiedass alda der
Prinz Elieser begraben låge. Dieser bericht risse ihr von neuem ihre wunden auf
/ dass sie alles ihres erlittenen verlustes sich erinnerte. Doch hielte sie es /
bei allen schmerzen / für ihre vergnugung / den ort zu sehen / da ihres Eliesers
leichnam lage: wie sie dann / mit dessen andenken / am fenster etliche stunden
hinbrachte / dass Dison sich vergeblich bemühete / sie davon hinweg zu bringen.
    Endlich fiele ihr ein / wiedass ihre pflicht erfordere /dem Elieser ein
todtenopfer zu tun / nach weise derer / die auf dem gebirge Seir wonen: welche
die Meinung haben / dass die todten nicht eher ruhen konnen / bis ein solches
opfer verrichtet wäre. Wie sie nun hierum sich lange gequälet / entdeckete sie
ihre betrübte begierde: da man aber die unmuglichkeit dargegen anfürete / und
dass solches anderst nicht / als mit der gefahr / wieder in des Beors gewalt zu
gerahten / geschehen konnte. Der schöne Dison sagte ihr / unter andern: Elieser
wurde schon mit ihrem guten willen zufrieden sein / und lieber sehen / dass sie
dieses opfer einstellete / als dass sie dadurch sich wieder in vorige gefahr
sturzen sollte. Ob nun zwar bei ihr die furcht sehr gross war / sie auch alle die
gründe fur gultig hielte / die ihr / sie abzumanen / furgebracht wurden: so ware
dannoch die liebe in ihr so mächtig / dass sie darauf bestunde / in der nacht
heimlich sich dahin zu begeben. Dem Demas / der durch hülfe der Casbiane
kammerjungfrauen mit ihr zu sprechen kame / entdeckte sie dieses ihr gefårliches
furhaben / und bate /dass er ihr hierzu wollte beförderlich sein.
    Dieser bemühete sich erstlich gar sehr / wiewol vergebens / sie hiervon
abzubringen. Als er aber ihre beståndigkeit sah / bote er ihr seine dienste
hierzu an / ginge hin / und verschaffete ihr zypressen und andere kråuter / die
bei dergleichen opfern gebrauchet wurden. Sobald es nacht worden / stellete er
sich bei der Furstin wieder ein / die mit schmerzlichem verlangen seiner
wartete. Sie hatte ihr fürnemen der Casbiane anzeigen lassen / auch die anderern
mit aufgesprochen / sie dahin zu begleiten: unter denen dann Dison der
furchtsameste war / dass es etwan ubel ablaufen möchte. Sie mussten sich aber in
ein schiff setzen / welches Demas zu dem ende heimlich dahin füren lassen: auf
demselben kamen sie uber den breiten graben / und gingen folgends / beim schein
des mondes / so lange fort / bis sie des Eliesers grab erreicheten. Dieses war
ehmals eines Königs von Sichem grab gewesen / der es dahin bauen lassen / und
sehr kostlich aufgefüret. Von ausen stunden / auf einem durchbrochenen felsen /
funf dreieckichte hohe spitz-seulen oder pyramiden /von denen die mitlere fur
den andern hervorragete. Es ware um den felsen an vier ecken ausgehauen / und
inwendig gar tief / dass man viel staffeln hinunter steigen musste / ehe man zu
dem grab kame.
    Die verkleidete Aramena / als eine geheiligte jungfrau der Diana / wollte und
durfte sich nicht verunreinigen bei den todten: verbliebe deswegen / neben dem
Brianes / Zimenes und Tirzis / oben fur der höle. Ahalibama aber / von der
Astale und dem Demas begleitet / stiege hinab. Sie funde ihren Elieser / bei
brennung vieler lampen / auf einen roste ligen / eingewunden in starke
balsamirte tücher. Neben ihm stunde ein krug / darin sein herz und eingeweide
aufbewahret wurde. Wann Astale und der Demas sie nit begriffen hätte / würde sie
gerad auf den korper niedergefallen sein. Als sie / nach vielen vergossenen
tränen / sich etwas erholet / kniehete sie bei der leiche nieder / und
verrichtete ihr gebet: worauf sie / dem todten zu ehren / das opfer anstellete.
    Mitlerweile sie diese traurige letz-ehre dem Elieser erwiese / hatten droben
Dison / Brianes / Zimenes und Tirzis in die vier eingänge des felsen sich
verteilt /um aufsicht zu haben / wann etwan jemand dahin kommen sollte. Es ware
dergestalt fast eine stunde verlaufen / als die verstellte Prinzessin ein
geråusche nahe bei ihr in den büschen vername / und bald darauf zwo personen
sah herfur reiten / welche / als sie von den pferden abgestiegen / sich nicht
weit von dem felsen gerad gegen ihr über setzeten. Weil ihnen der mond in das
gesichte schiene / als liesse sich der eine fur einen ansehnlichen ritter / der
andere aber fur einen priester erkennen: und zwar für eben denselbigen / der fur
etlichen tagen / neben einer fromden weibsperson / sich bei nacht im garten
sehen lassen. Wie sie nun damals begierig gewesen / solche frömde zu kennen /
also ward die begierde nun bei ihr erneuret / und machte sie aufhorchen: ob sie
etwan etwas reden und dadurch sich kund geben möchten.
    Sie hatte nicht fehl gedacht / und hörete bald den einen also sagen: Ach
Sephar! wozu läst es mein verhångnis mit mir kommen / dass ich nun fliehen muss
/dessen ich ungewonet bin. Man muss sich (antwortete der andere /) der zeit und
anderer umstände bedienen /und wird das dem grossen Armizar nicht schimpflich
sein / dass er jezt vor dem Prinzen von Sichem geflohen: weil / ganz Egypten und
Morenland / von dessen herzhaftigkeit zeugen können. Es scheinet (sagte der
erste wieder) der grausame himmel wolle allentalben hinterung in mein vorhaben
einschieben: weil mir nun auch dieses noch begegnen müssen / meine reise zu
behintern. Wie kame es aber / (fragte der andere /) dass mein Prinz von dem Hemor
gesehen wurde?
    Als ich (hube der erste an zu erzählen /) mit dem Ascadates heute fruh von
euch abschied name / um meine reise fortzusetzen / begegnete uns um mittag in
dem walde / der nahe hierbei liget / und sich / wie ihr wisset / auf etliche
meilen erstrecket / der Prinz Hemor / von allen Sichemitischen herren begleitet
/welcher jagens halber dahin gekommen war. Wie ich die mänge der leute sah /
rante ich mit dem Ascadates fort: damit nicht einer unter so vielen / mich
ersehend / einige kentnis von mir haben / und also mich verrahten mochte. Wie ich
aber spuren kunte / so wurde der Hemor meiner gewar / und durch mir-unwissende
ursachen getrieben / sandte er mir von den seinigen etliche nach / die mich
anhalten sollten. Die geschwindigkeit unserer pferde dienete uns / ihr beginnen
lange vergeblich zu machen. Wie mich aber in die långe verdrosse / mich also
verfolgen zu lassen /wandte ich mich um in geschwinder eile / und mein gesichte
so gut verbergend als ich kunte / zoge ich von leder / und hiesse meine
verfolgere damit von ihrem furnemen abstehen. Sie riefen aber alle einer dem
andern zu: man sollte den Tarsis fahen! und grieffen mich damit sämtlich an. Ich
wurde auch /wann ich nicht eine gerechte sache gehabt / und der Ascadates mir
nicht treulich beigestanden wäre /wegen der månge haben erligen mussen. Sie
entfunden aber alle dergestalt meinen arm / dass mir keiner mehr nahen dörfte /
und sie sich / viel todte hinterlassend / in die flucht begeben mussten.
    Hemor dieses von weiten sehend / befande sich durch der seinigen niderlage
sehr verhonet / und sandte seinen waffentråger zu mir / der mir sagen musste: Ich
mochte es mit seinem herrn selbst versuchen / als welcher begierig wåre / der
seinigen tod an mir zu rächen. Weil ich nun nicht gewonet / dergleichen
ausfoderung abzuschlagen / als setzete ich alles hintan /was mir bedenklich sein
konnen / und ritte / mit dem waffentråger / dem Hemor zu. Als ich ihme aber
etwas näher gekommen / sah ich bei dem Prinzen von Canaan jemand reiten / den
ich zu kennen vermeinte. Ich fragte den waffenträger: ob dieser / der bei
seinem herrn ritte / nicht der Elamite Mesan wäre? Als der solches mit ja
beantwortet / ånderte ich meinen schluss / und befunde unratsam / dem Mesan mein
gesicht sehen zu lassen / als welcher daraus der Prinzessin nahe anwesenheit
auch vermuten wurde. Demnach wandte ich mein pferd / und sägte zu dem
waffentråger: Er sollte seinem herrn vermelden / wiedass eine unumgångliche noht
mich triebe / sein begehren jezt nicht zu erfullen; ich zoge aber hin / ein
grosses reich einzunemen / da dann / wie ich hoffete / dergleichen taten von
mir sollten kundig werden / dass er nicht ursach haben sollte / diese verweigerung
des kampfs vor einige feigheit auszudeuten. Hiemit rennte ich fort / der antwort
unerwartet. Und ob wohl Hemor mit den seinigen bis gegen den abend mich
verfolgete / so kunten sie mich dennoch nicht einholen: und alle die jenigen /
welche mir zu nahe kamen / entfunden meinen säbel dermassen / dass solches den
andern zum schrecken und zur warnung dienete / mich nicht so gar eifrig zu
verfolgen. Endlich funde ich ein dickes gebusche / da ich mich mit dem Ascadates
leichtlich verbergen kunte. Als sie mich darin verloren / ritte ich wieder zu
euch / mein Sephar / und liesse den Ascadates acht haben / wann der Hemor wieder
in Salem würde eingelangt sein: da ich ihn / bei diesem grabe mich zu suchen /
bestellet / und nun seiner wiederkunft mit schmerzen erwarte.
    Allem ansehen nach (antwortete Sephar) hat man meinen Prinzen für den
Tarsis angesehen / von deme ich horen sagen / dass er soll die Prinzessin von
Chaldea lieben / welche ihm der Hernor zu einer braut hat auserwehlet: und ist
es doch all verwundersam / dass so was unvermutliches des Prinzen reise behintern
mussen. Indeme sie noch spracheten / kame einer eiligst zu ihnen gerannt / der
in fromder sprache zu dem Armizar sagte: der Hemor wurde bald hieher kommen /
sollte er demnach von dannen hinweg eilen. Der Prinz täte solches alsofort /
neben dem Sephar: aber Aramena / weil dieselbe sprache ihr unbekant war /konnte
die ursach dieses hinwegeilens nicht begreifen. Sie wurde aber gewar / dass der
priester / indem er sich auf sein pferd schwunge / einen zedel fallen liesse.
Diesen hube sie von der erden auf / sobald sie hinweg waren; und weil der mond
gar hell schiene /als konnte sie folgende zeilen in Egyptischer sprache darin
lesen:
    Ob ich zwar unaussprechliche marter entfinde / von hinnen zu scheiden: so
tröstet mich doch die versicherung eurer beständigen liebe / und dass ich euch
bei der unvergleichlichen Cölidiane in so sicherm schutze weiss; weil ich auch
der fästen hoffnung lebe / der gerechte himmel werde mit unseren bisher
ausgestandenen verfolgungen vergnügt sein / und mich die Kron für euch / liebste
Prinzessin! erwerben lassen / welche ihr allein zu tragen würdig seit. Bis dahin
befästet euer herz in gedult / und erinnert euch stäts / bei der gegenwart
meiner schwester / ihres abwesenden bruders. Dieselbe wird euch allemal
versichern / dass ich unaufhörlich bin
                                                        Euer ergebenster Diener.
    Der inhalt dieser schrift / ware der verstellten Aramena so unverständlich /
dass sie nichtes davon begreifen kunte: und dienete ihr alles dieses / was sie
gehoret / zu nichtes / als dass sie ihr daraus des Tarsis gegenwart in der nåhe
einbildete. Inzwischen / der Ahalibama wiederkunft aus dem grabe / sich noch
etwas verzoge / die sie dann in ihrer andacht nicht verstoren dorfte: wurde sie
von dem schlaff uberfallen. Sie ware aber kaum in so susse ruhe begraben /da
kame der Prinz Hemor / von dem Salma begleitet /daselbstin / und vermeinte den
fluchtig vermeinten Tarsis alda anzutreffen / welchen er / den ganzen
nachmittag / vergeblich verfolget hatte. Weil er gewisse nachricht von dem Salma
bekommen / dass dieser Tarsis / der bereits einmal / von Tanac / ihme seine
Aramena entfuret / wiederum einen heimlichen anschlag auf diese Prinzessin habe:
als verursachte solches bei diesem verliebten den eifer / den er dissfalls
verspüren liesse. Weil ihme so wenig / als jemanden von seinen leuten / der
Tarsis von gesicht bekant war / als kunte der Armizar gar leicht dafür
angesehen und gehalten werden: allermeist / da derselbige / durch seine flucht
und bedeckung des angesichtes / sich hatte verdåchtig gemacht.
    Der schlaffende Dison / kehrte das angesicht nach der wand des felsens / und
liesse dem Hemor nichtes /als eine hand / von seiner unvergleichlichen schonheit
sehen: der dann in seinem herzen bekannte / dass er /seiner Prinzessin hånde
ausgenommen / niemals eine schönere gesehen. Diese zarte hand hielte einen zedel
/ welchen der Prinz zu lesen begierig wurde: dannenhero er leise hinzu schliche
/ und denselben hinweg name. Eine innerliche regung triebe ihn hierauf an
/diesem jüngling ins gesicht zu sehen: er kunte aber nicht dazu gelangen. Weil
die hoflichkeit ihm verwehrete / einen frömden an seiner ruhe / und sonderlich
bei den gräbern / welche heilig geachtet sind / zu beunruhigen: als begabe er
sich wieder von ihme / und hoffete / der entfürte zedel sollte ihn genug
verståndigen. Er durchlase selbigen begierig / und wiederholte solches zum
oftern: fand aber so wenig klarheit darinnen / dass er nichts uberall davon
verstunde.
    Inzwischen endete sich der Ahalibama betrübtes opfer: welche / als sie / auf
anmanen des Demas /ihren liebsten Elieser wieder verlassen musste / zuvor auf
einen schwarz-marmornen krug / darein sie häufig ihre tränen hatte fallen
lassen / mit einem eisernen griffel folgende trauer-reimen schriebe:
Nim diese tränen hin /
die ich um dich vergiesse /
O Prinz! der du mir warst / was ich dir annoch bin.
Wann dem gebot mir nicht das leben liesse /
so würde dieser stein /
der ewig soll die tränen hier bewahren /
mich selber schliessen ein /
und mich mit dir im tode fåst bepaaren.
Hierauf küssete sie noch einmal zu guter letze den erkalteten korper / und
liesse sich von der Astale und dem Demas wieder hinauf begleiten: da dann Tirzis
/Brianes und Zimenes / hochst beängstigt / ihr den schlaffenden Dison und den
anwesenden Hemor zeigeten.
    Ein kalter schaur überfiele sie hierüber / dass sie /nun von schrecken und
betrübnis zugleich eingenommen / nicht wusste / was sie beginnen sollte. Sie
rieffe etliche mal / in dieser angst / den namen Dison: vermeinend / dadurch die
Aramena wach zu machen /dass sie zu ihnen käme. Diese nennung des Disons hörete
der Hemor sobald / als der schlaffende jungling: welcher dann erwachend / umher
sah / und den Hemor gleich erkennete. Hierüber sprange er erschrocken auf / und
liefe halb todt / zu den andern / in die innere gruft. Sie seumeten sich nicht /
in eine nebenhöle sich zu verkriechen: da sie / wegen der dunkelheit / nicht
befahren durften / von dem Hemor gefunden zu werden. Dieser Prinz fassete den
gehorten namen Dison wohl in sein gedåchtnis / und bewahrete fleissig den
gefundenen zedel / der ihm allerhand seltsames nachdenken machete. Vom Salma
angemanet /begabe er sich wieder zu pferd: mit den andern in des Jarah lustause
zu ubernachten / weil das schloss bei nacht nie geoffnet wurde. Das übrige der
nacht verbrachte er mit stätigem nachsinnen: wiewol er nichts gewisses / aus
allem / noch zur zeit abnemen und schliessen kunte.
    Aramena / die ihm dissmal so nahe gewesen / neben der Fürstin von Seir /
schicketen den Demas / als sie eine gute weile gelauret / aus der hole / um zu
erforschen / ob der Prinz noch vorhanden wåre. Selbiger /wie er aller orten es
ledig gefunden / kehrte mit dieser erfreulichen zeitung zurucke / und brachte
sie folgends sicher und ohne gefahr in der Casbiane behausung: sie ernstlich
vermanend / dass sie ferner still und in ihrem gemach sich inn halten sollten /
damit sie nicht mochten einmal entdecket werden. Diese heilsame lehre namen sie
auch nun fleissig in acht / so gar /dass Ahalibama sich nicht mehr getrauete /
die Casbiane zu besuchen. Sie erwarteten also mit grosser angst des gefärlichen
tages / da ihre flucht würde müssen offenbar werden / und lebeten in nicht
geringer sorge / ihr grausames verhångnis mochte noch nicht schlüssig sein / an
ihren so lang ausgestandenen verfolgungen ein ende zu machen. Je mehr aber
dieser ihre furcht zuname / je grösser wurde das verlangen bei dem verliebten
vatter und sohne / nach der herzu-nahenden zeit ihrer glückseligkeit: also dass
sie kaum die wenige hinterstellige tage mit gedult erharren konten.
    Als endlich der gewunschte morgen angebrochen /der dem Beor seine Ahalibama
/ und dem Hemor die Aramena / zu eigen geben sollte / sandte der König die
Fürstin Toris / mit kostlichen kleidern / zu den beiden Prinzessinnen von
Caphtor / und liesse sie bitten /selbige der Ahalibama und Aramena zu
überlieferen /und diese beide bräute damit auszieren zu helfen: welches
Cölidiane / so wohl als Jaelinde / willigst über sich namen. Wie nun / nach
gewonheit / alle jungfrauen / die in Salem waren / aufs schönste geschmucket
/sich in der Prinzessinnen gemach eingefunden hatten /begaben sie sich sämtlich
/ in zierlicher ordnung /nach dem verschlossenen zimmer. Zuvorderst / gingen die
königliche musikanten; und nach ihnen / vier und zwanzig adeliche knaben / die
da früchte und zuckerwerk / neben anderen kostbaren geschenken fur die beide
bräute / mit sich brachten. Hierauf folgete die schone Colidiane / neben ihrer
schwester: deren jene /der Ahalibama brautrock / welcher über und über von
diamanten glånzete / diese aber der Aramena ihren /der mit perlen reichlich
gestickt ware / daher trugen. Auf diese kamen Calaride / Toris / und alle
andere anwesende damen.
    Wie nun die bisher-verschlossen-gehaltene tür geöffnet worden / traten die
beide Prinzessinnen hinein /neben der glückwünschung / den beiden bråuten ihre
kleidungen zu uberreichen und anzuschmucken. Sie sahen sich aller orten nach
ihnen um: und wie die erschrockene Calaride ihre anvertraute Aramena / und
Toris die Ahalibama / nirgend funden / anete ihnen gleich etwas von der
warheit. Nachdem sie endlich eine kammer zu hinterst geoffnet / funden sie die
zwei zurückgelassene dirnen / welche / wie abgeredet worden / einander an des
bettes pfosten gebunden hatten. Als nun Calaride sie befragte / wie sie in
diesen stand geraten / und wo die Prinzessinnen wåren? sagte die eine: wiedass /
diese nacht / etliche personen in das fenster / nachdem sie die eiserne gitter
abgehoben /gestiegen / und die beide bråute / durch hulfe einer wurfleiter /
hinunter in den garten gebracht håtten. Sie und ihre gespielen håtten zwar der
wacht solches anmelden wollen / wären aber dergestalt von diesen fromden
angebunden worden: und würde man im gemach auf dem tisch von der Ahalibama und
Aramena zwei schreiben fingen / die ihnen vieleicht mehr / als sie wusste /
entdecken konten. Die dirne wusste dieses so scheinbarlich und jammerend
furzubringen / dass die andern es alle gläubeten / die dann hieruber
unbeschreiblich sich entsetzeten.
    Das geschrei / dass die Konigliche bräute in ihren gemächern nicht wären
gefunden worden / breitete sich alsobald im ganzen schloss aus / und kame endlich
auch vor den Konig Beor: der eben im werk begriffen war / sich seiner braut auf
das herrlichste im königlichen schmuck sehen zu lassen. Er eilete / ganz
erstaunet / nach dem gemach / da Colidiane und Jaelinde / halb entselbstet /
noch mit den brautkleidern stunden. Er durfte nach der Ahalivama flucht nicht
fragen / weil ihrer aller erschrockene angesichter solches genug bezeugeten /
und ihm sein ungluck ankündigten. Die Toris überreichete ihm die zwei schreiben
/ die auf dem tisch waren gefunden worden. Nachdem er der Ahalibama ihres / so
an ihn lautete /abgelesen / rieffe er: O hartnåckichte feindin meiner ruhe! und
begunte die anwesenden zugleich so ergrimmt und betrubt anzusehen / dass er die
herzen der meisten mit furcht und mitleiden anfüllete.
    Indem kame auch der Konig von Salem dazu /neben dem Fürsten Beri / dem Sobal
von Seir / und dem Prinzen Hemor: welcher letzere schier wollte unsinnig werden /
als er die flucht seiner Aramena innen wurde. Sein betrubter vatter gabe ihm der
Aramena gefundenes schreiben: dessen ablesung / ihn seines unglücks versicherte.
Weil er sich gleich des zedels erinnerte / den er vor vier tagen bei des
Eliesers grab gefunden / geriete er in den argwan / Colidiane musse um diese
flucht wissen / und sah sie gar scharf an: die aber ein so unschuldiges wesen
von sich blicken liesse / dass er das herz nicht fassen kunte / sie hierüber zu
besprechen. Der Fürst Sobal von Seir / bezeugete imgleichen sein grosses
misfallen ob dieser flucht von seines bruders tochter. Kurz! jedermann war so
verwirret / dass sie nur einander ansahen / ohne dass sie ergrunden konten / wie
dieses zugegangen. Melchisedech / um dem Beor zu erweisen / dass er hieran ganz
unschuldig / liesse aller orten fleissige nachsuchung anstellen. Weil man auch
der aussage der beiden dirnen gläubte / dass sie erst verwichene nacht entkommen
wären: als vermuteten sie / dass sie noch nicht weit von Salem hinweg sein
könten. Demnach wurden auf alle strassen leute ausgesendet / mit allem fleisse
sie zu suchen und auszuforschen. Kein ort im garten / bliebe unbesehen: und weil
Hemor sie bei des Eliesers grab vermutete / als rannte er wie ein rasender
daselbstin / da er aber alles leer gefunden.
    Der Konig Beor geriete hieruber in eine so tiefe traurigkeit / dass er
niemand um sich sehen noch leiden wollte: und schmerzete ihn / nicht allein
seiner Ahalibama abermaliger verlust / sondern auch der schimpf / dass mitten in
seinem lande / auf einen so festen schlosse / da auch zwei Könige zugegen
gewesen / so ein raub geschehen konnen. Wann er bedachte /wie Cölidiane den
sterbenden Elieser ehmals heimlich zu besuchen gewust / geriete er in starken
argwan / sie oder Melchisedech selber håtte der Ahalibama davon geholfen:
allermeist wann er auch des Fürsten Arsas fleissige besuchungen / die er bei dem
Melchisedech und den Prinzessinnen abgeleget / erwoge / die ohnzweifel auf die
hinterung dieser heurat mochten gezielet haben. Weil er dem Demas in allem
trauete / als gedachte er nicht an denselben / dass er ihn also sollte betrogen
haben. Doch wurden die söldner scharf befraget / die für dem zimmer wacht
gehalten: aus denen man aber / weil sie unschuldig waren / nichtes bringen
kunte.
    Casbiane erfuhre auch zeitlich in ihrem hause / was auf dem schloss furginge
/ und wollte lang nicht dem geschrei von der Aramena flucht glauben beimessen:
bis folgenden tags der bekummerte Tebah und die wehemütige Calaride zu ihr
kamen / und die unbesonnenheit der Aramena ihr mit tränen klageten. Die Fürstin
von Cale wusste nicht / was sie hiervon denken sollte / weil sie gewiss glåubete /
dass Aramena nicht mit der Fürstin von Seir wåre durch den Demas befreit worden:
über deren flucht sie sich äuserlich ja so bestürzt anstellete / als sie es
wegen der Aramena innerlich im herzen war. Der alte Tebah / der sich gar nicht
wollte zufrieden geben / fürete die betrübteste reden / und beklagte / wie soviel
das ganze Syrien hierdurch verloren: und hätte fast der schmerz / von der
Aramena wahrer geburt / ihn etwas entdecken gemacht. Weil Casbiane sich nun
wieder zimlich wohl auf befunde / als beschlosse sie / in etlichen tagen ihre
reise fürzunemen. Calaride bote sich zur reisgefårtin an: wurde aber durch den
Tebah zurucke gehalten /der es für tunlicher achtete / solang in Canaan zu
verbleiben / bis eigentliche nachricht von Aramenen hingelangen mochte. Casbiane
stimmete ihm bei / und halfe sie hierzu bereden: weil sie nicht wollte / dass
Calaride eher / als in Damasco / der Ahalibama flucht erfahren sollte.
    Sobald Calaride mit dem Tebah wieder von ihr hinweg waren / ginge Casbiane
nach der Ahalibama gemach: die sie neben den andern / wegen dieses handels / in
grossen ängsten fand. Sie erzehlte ihnen alles / was bei hof fürgegangen:
insonderheit / dass Aramena ebenfalls nicht wåre gefunden worden. Die Fürstin von
Seir stellete sich hierbei ganz unwissend an / und Dison / der mit im gemach war
/ bliebe in so freiem wesen / dass man ihn in keinen verdacht ziehen kunte.
Casbiane fragte unter andern: was doch wohl eigentlich / solchen hass gegen den
Prinzen von Canaan / in der Aramena herzen erwecken mochte? zumal ja an diesem
herrn nichtes zu finden / das nicht liebens würdig wåre. Ob wohl (gabe Ahalibama
zur antwort) das gefallen unterschiedlich ist / und vieleicht dieser Prinz der
schonen Aramena nicht anstehen mögen: so halte ich doch dafür / ihr gelübde / so
sie der Gottin Diana getan / werde diese widerspånstigkeit verursachet haben.
    Es ist aber (antwortete Casbiane) dieses gelübde nicht gültig: dann ich von
ihren anverwandten zum öftern verstanden / dass sie hierzu von ihren eltern
niemals erlaubnis bekommen konnen. So kann auch solches darum nicht zugelassen
werden / weil sie eine einzige tochter / und von königlichen geschlecht
entsprossen ist / die den stammen noch fortpflanzen kann. Es ist mir leid um sie
/ dass sie sich also groblich verstossen / und wird ihr dieser ungehorsam keine
gute nachrede bringen. Dison / der dieses mit anhorete /håtte die Aramena gern
verantwortet / dorfte es aber nicht tun / und überliesse solches der Ahalibama
/die hierauf sagete: So lang ich die Prinzessin von Chaldea gekant / habe ich /
neben ihren andern tugenden / solche bedachtsamkeit bei ihr befunden / dass ich
gewiss dafür halte / sie werde ihre flucht zuvor wohl haben uberleget; und achte
ich meines orts ihr gelübde so rechtmåsig / dass ich selber entschlossen bin
/selbigen orden anzunemen / und mein übriges leben der Diana aufzuopfern. Ich
will (beantwortete Casbiane lächlend) die Aramena nun nicht mehr beschuldigen /
weil sie eine so gute fursprache bekommen. Was aber diese der Ahalibama
Entschliessung betrifft / selber nach Ninive in den tempel zu gehen: hoffe ich
/selbige werde ihr in Syrien wohl ausgeredet werden /wann meine Konigin diesen
vorsatz wird erfahren haben.
    Hiemit kame der Demas zu ihnen hinein / der Ahalibama dirne mitbringend /
die von ihrer Furstin mit freuden aufgenommen wurde: der Aramena hinterlassene
dirne aber / war bei der Calaride geblieben. Dieser hauptmann / weil er wusste /
dass er der Aramena zustand für der Casbiane musste heimlich halten / stellete
sich an / als ob er nichtes von den umständen ihrer flucht sagen könnte / und
berichtete allein / in was verwirrung jezt der hof stünde; wie Melchisedech und
Beor halb uneins geworden / da der lezte den ersten in verdacht gezogen; und wie
gleichwol niemand auf ihn einigen verdacht wurfe / dass er der jenige sei /der
durch den garten die Ahalibama håtte davon gebracht. Er gabe nun ferner den raht
/ Casbiane sollte ja nicht eher hinweg reisen / als bis die ausgeschickten
/welche jezt alle strassen beritten / wieder zu hause sein wurden. Damit aber
die Furstin von Cale sich auser allen verdacht setzen mochte / beschlosse sie
/wiewol sie noch nicht völlig wieder genesen / gen hof zu gehen / und nochmals
von den Prinzessinnen abschied zu nemen.
    Sie fand / als sie solches den andern tag ins werk setzete / die beide
schwestern von Caphtor sehr betrübet: sonderlich die Cölidiane / welche hochst
betraurete / dass Ahalibama / ohne dass sie dieselbige zum wahren glauben bekehret
/ sich also von ihr verloren hatte. Sie besorgeten auch sehr / dieser handel
dörfte eine grosse feindschaft zwischen dem Konig von Canaan und dem
Melchisedech erwecken / die dann über diesen ihren vettern hinausgehen würde:
dann der Beor wollte es ihm nicht aus dem sinn reden lassen /dass sie nicht
allerseits um der Ahalibama flucht wissenschaft trugen. Weil sie nun des Beors
gemüte sehr rachgierig kenneten / als konten sie nicht anderst / als hieraus
viel boses befahren. Casbiane suchete sie hiemit wieder zufrieden zu sprechen /
dass des Beors grimm sich gleich wieder legen würde / wann man erfahren / wo
Ahalibama hingekommen; und wie unmuglich es wåre / dass solches gar lang könnte
verborgen bleiben. Wie sie nun fast den ganzen tag mit den beiden Prinzessinnen
zugebracht / name sie ihren abschied: da dann dieselben sich der Konigin von
Ninive aufs demütigste anbefehlen liessen / und ihr zugleich erwiesen / dass sie
durch ihre gegenwart sich sonders vergnügt befunden.
    Der verliebte Hemor ware inzwischen nicht zu trosten / und vermehrte sich
sein und des Konigs leidwesen noch um ein grosses / als nach etlichen tagen /von
allen orten / die ausgeschickten wieder kamen /und nit einige nachricht von den
Prinzessinnen mitbrachten. Wie nun der Prinz alles genäuer bei sich überlegte /
geriete er in den wahn: ob auch wohl Cölidiane die Aramena und Ahalibama
verborgen in Salem heimlich aufbehalten / und Aramena der Ahalibama brudern
lieben möchte? Wie dann der gefundene zedel ihme zu diesen gedanken anlass gabe /
welchen er bei einem frömden jüngling gefunden / deme man mit dem namen Dison
geruffen. Er zoge demnach den zedel wieder herfur / und überlase ihn nochmals
mit bedacht: wordurch er dann in seiner einbildung gestärket wurde. Als eben
damals der Tebah zu ihm kame / offenbarte er ihm gleich seine gedanken / und
legte die schrift also aus: Sehet ihr wohl / mein vatter! (sagte er zu dem Tebah
/) dass dieser schreiber verliebt gewesen / dass er gegenliebe genossen / dass
seine Prinzessin in der Colidiane verwahrung sei / dass er ihr ein reich / so ihr
zugehoret / einnemen will / und dass er eine schwester in ihrer gesellschaft habe
/ die einen grossen verlust elitten. Wer kann dieser sonst sein / als der Dison?
der die Aramena liebt / der von Cölidianen heimlich allhier geheget wird / der
ihr Syrien einzunemen bemühet ist / und der die Ahalibama bei ihr weiss / welche
den Fürsten Elieser verloren. Kan auch wohl der warheit etwas ånlicher / als
dieses /sein? So habe ich auch / mit diesem namen / neulich einen fromdling
nennen horen. Bin ich nicht unglückseelig / dass ich / in verlierung meiner
Prinzesessin /einen so geliebten mitbuler finde?
    Der alte Tebah / als er den Prinzen also reden hörete / befande alles so
müglich / dass er fast im geringsten nicht mehr daran zweifelte. Dann es liesse
sich mutmassen / dass der Fürst von Seir / der Dison / seinen sinn / ein
Isis-priester zu bleiben / verloren / und von der Aramena schönheit sich
gewinnen lassen: die vieleicht auch von der Calaride / wider des Tebah wissen /
ihre geburt erfahren / und von der Ahalibama uberredet worden / diesen Fursten
zu lieben. Tebah wusste nicht / was er hierzu sagen sollte: dann diese einbildung
ihme lieber war / als wann Aramena in den Tempel nach Ninive gegangen wåre.
Mitlerweile er dieses also bei sich bedachte / überlase der Prinz auch nochmals
der Aramena schreiben; das dann in seiner eiversucht ihn stårkete / und in diese
worte heraus brechen machete: Ach Aramena! ihr habt dem glucklichen Dison eure
treue gelobet / ehe ihr mich gesehen; und habet nichtes mehr für mich übrig /
als meine freundin zu sein / weil ihr des Disons verlobte Aramena heisset. Die
viele seufzer liessen ihm nicht zu /seine klage fortzusetzen. Der Tebah hatte
sich inzwischen bedacht / und befunde fur Syrien nützlicher /dass Hemor der
Aramena gemal und Konig in Syrien würde / als der Dison: weil der Konig von
Canaan mehr macht hatte / sich bei dem reiche Syrien zu erhalten / als ein Fürst
von Seir. Demnach gabt er dem Prinzen den raht / er sollte seine einbildung
alsobald seinem herr vattern kund machen: damit er von dem Melchisedech erhalten
möge / dieserwegen bei der Cölidiane eine anfrage und nachsuchung anzustellen.
    Der verliebte Hemor säumete nun nicht / dieses seinem herr vatter zu
hinterbringen: den er damit so voll hoffnung machete / dass er bereits die
verlorne Ahalibama wieder gefunden achtete. Demnach begabe er sich gleich zu dem
Melchisedech: den er mit seinem anbringen / als ob von Cölidiane die beiden
Prinzessinnen heimlich aufentalten würden / sehr erschreckete. Er beteuerte gar
hoch / dass er solches so wenig wisse / als glauben konne / und liesse alsobald
die Colidiane beruffen: die er dann / in des Beors gegenwart / hierum befragte.
Diese gute Prinzessin erblassete / als ihr diese bezüchtigung angemeldet / und
/auf ihr leugnen / die gefundene schrift / darin ihr name zu lesen war /
fürgewiesen wurde. Sie erriete wohl / dass Armizar / allen umstånden nach / dieses
müste an die Amesses geschrieben haben: sie wollte aber dieselbige nicht
verrahten / und verneinte ferner /dass sie etwas hierum wisse. Sie täte aber
solches mit so ungewissen gebärden / dass Beor in seiner einbildung gestårket und
Melchisedech ganz verwirret wurde.
    Ich weiss nicht (sagte Beor /) was ich hiervon denken oder gläuben soll. Der
Konig von Salem wird mir nicht verargen / wann ich / auf die seine zu kommen
/die gemächer der Cölidiane samt allen heimlichen ortern dieses schlosses
durchsuchen lasse: dann die umstånde sind so deutlich / dass ich nicht zweifele
/das zu finden / was ich suche. Colidiane / dieses hörend / ward sehr
beängstiget; und Melchisedech / der solches sah / zoge seine Nichte auf eine
seite / und fragte sie / ob sie dann hierum wüste? Sie beteuerte bei dem
höchsten Gott / dass sie von der Ahalibama und Aramena nichtes sagen konnte. Was
aber das schreiben belangte / darin ihr name stünde / hätte sie zwar davon
einige kentnis: sie dörfte aber davon nichts offenbaren / bevor ihr solches von
den personen / die es anginge / und die heimlich bei ihr wären /erlaubet würde;
welches zu erlangen / sie gleich hingehen wollte. Melchisedech / um den Beor zu
befriedigen / sagte ihm / was er von ihr gehört. Selbiger wollte aber der
Cölidiane nicht trauen / dass sie von ihnen hinweg ginge: dann er besorgete / sie
mochte die Ahalibama warnen / oder weiter verstecken. Demnach begehrte er /
selber mitzugehen: das dann die Prinzessin musste geschehen lassen / weil sie
kein anders mittel sah / aus dem verdacht zu kommen. Doch ersuchte sie beide
Könige / dass sie die namen derer / die sich in ihren schutz begeben håtten /
nicht wollten zu wissen begehren.
    Also ginge sie / in begleitung des Beors und Melchisedech / durch den garten
/ nach den gewölbten felszimmern / dahinein sie beide Konige fürete. Selbige
ersahn / mit hochster verwunderung / zwo schöne damen / neben etlichen andern
personen / die da schienen / ihre bediente zu sein. Die beide damen wurden so
bestürzet / sich also überfallen und ihrer Meinung nach verrahten zu sehen / dass
/ wann Colidiane nicht wäre fürangegangen / sie für entsetzen hätten vergehen
mögen. Vergebet mir / wehrte freundinnen / (sagte Colidiane zu ihnen /) dass ich
die Konige von Canaan und Salem zu euch herein füre! Ich habe dadurch meine
unschuld müssen an den tag bringen: weil man mich / aus dieser sendschrift / in
verdacht hält / als wüste ich um die flucht der bräute des Konigs und Prinzens
von Canaan. Es wird aber meine Prinzessin / (sagte sie ferner / sich zu der
Amesses kehrend /) ohne entdeckung ihrer namen / welche die Könige nicht zu
wissen begehren / allhier sagen konnen / ob ihr dieser zedel gehöre / und ob
ihre gespielin die schwester des jenigen sei / der sie liebt. Hiermit
überreichete sie der Amesses den zedel; welche / ganz erschrocken / ihres
liebsten Armizars hand erkennte / und der Colidiane diese antwort gabe: Ich
bekenne / dass dieser brief an mich geschrieben / und dass meine gespielin allhier
des jenigen schwester ist / der dieses geschrieben. Wolan! (sagte hierauf
Cölidiane zum Beor /) sind E. Maj. nun zufrieden? und haben sie die Ahalibama
bei mir gefunden? Ich sehe wohl / (antwortete Beor /) dass hier Ahalibama nicht
ist: sie kann aber / gleich dieser fromden / auch anderswo hierum verborgen
aufbehalten werden. E. Maj. mogen suchen / wo sie wollen: (gabe Colidiane zur
antwort /) wann ich nur dieser beiden sicherheit erhalten kann / so habe ich
sonst nichtes zu bewahren.
    Der ungedultige Beor verharrete in seinem fursatze / ferner nachsuchen zu
lassen. Cölidiane aber bate den Melchisedech um vergebung / dass sie / ohne sein
vorbewust / diese fromden eingenommen / die so sehr /um allhier geheim zu
bleiben / gebeten hätten. Melchisedech lobete ihr beginnen / dass sie hierinn das
recht der bewirtung in acht genommen / und sagte zu den zwo schonen fromden:
wiedass sein haus zu ihren diensten stünde / und weil sie verborgen sein wollten
/ein anderes zimmer für sie bereitet werden sollte / da sie bequemer / und ja so
geheim als dissorts / ihre aufentaltung haben konten. Sie namen beide dieses mit
gebürlichem dank an / wiewol sie wegen ihrer bestürzung nicht viel worte machen
kunten. Der Beor bekümmerte sich so wenig / zu erfahren / wer sie wåren / dass
sie deswegen nicht ferner bekränket wurden. Melchisedech befahle seinem
oberkämmerer / dass sie / von der Cölidiane leuten bedienet / in ein anders
zimmer gebracht werden mochten: dann Cölidiane konnte solches selber nicht
verrichten / weil der Beor sie nicht hinweg lassen wollte / sondern sie fast
zwange / mit ihm alle orter und winkel des hauses zu durchkriechen; wiewol er
alle diese muhe vergebens angewendet / und also leer abziehen mussen.
    Als dieses der Hemor erfuhre / und dass seine mutmassung fehl geschlagen /
auch das schreiben die zwei gefundene frömde damen anginge: finge er an /ihm
etwas anders einzubilden / und gläubete / dass der Tarsis / den er vor etlichen
tagen verfolget / seine Aramena entfuret habe. Der Salma stårkete ihn in diesem
wahn / ihme beteurend / der Tarsis habe / mit hülf etlicher bedienten des
Fursten von Cale / einen anschlag auf die Prinzessin gemacht / und Hadat /sein
bruder / des Tarsis vertrautester bedienter / sei der jenige / der ihme dieses
geoffenbaret. Hemor erinnerte sich hierbei / was der ritter / den er für den
Tarsis angesehen / ihme durch seinen waffentråger zuentbieten lassen: dass er
nämlich den angemuteten kampf / aus dringenden ursachen / nicht eingehen könnte /
und jezt hinzoge / ein grosses reich einzunemen. Was ist das anders / (sagte er
/) als dass Tarsis der Aramenen herkunft weiss / und die Syrische Fürsten auf
seiner seite hat / sich zum besitzer der Aramena und des Syrischen reiches zu
machen? Und hat er auch darum den kampf mit mir nicht eingehen wollen / weil
ihme solches håtte hinterlich sein mögen / die Aramena zu entfuren.
    Der alte Tebah / der zugegen war / schlosse aus allen diesen umständen /
dass der Aramena geburt nicht so heimlich sei / als er vermeint. Er befande
demnach für ratsam / dass der Prinz mit dem ersten /sein recht an die Prinzessin
und folgbar an ihr erbkönigreich / den Syrischen ständen kund machen sollte. Der
Hemor selbst beschlosse / jüngst-abgeredter massen / mit dem Fursten Elon / dem
Aner und Tebah /nach Hierapolis zu ziehen: woselbst / wie Tebah berichtete /
die Fursten / wie sie jårlich pflegten / bald zusammen kommen würden. Der Fürst
Sobal von Seir / kame indem zu ihnen: welcher bereits vom König Beor abschied
genommen hatte / und übel zufrieden war / weil er gar kaltsinnige versicherung
wegen der bereits-versprochenen hülfe bekommen hatte. Dann der Beor schriebe
seinen erlittenen verlust allen zu /also dass auch der Furst von Seir nicht frei
von verdacht bliebe. Wiewol nun dieser bässern trost bei dem Prinzen zu erlangen
vermeinte / so gabe doch derselbe ihm genug zu verstehen: wiedass sie selber
ihrer volker würden benötigt sein / den entfangenen schimpf zu råchen. Doch
versprache er darbei / dass den Fürsten von Seir nach moglichkeit sollte
beigesprungen werden.
    Weil dieses Prinzens betrübnis ihn seiner hoflichkeit nicht vergessen machte
/ als begleitete er den Fursten von Seir gar ansehnlich aus Salem / bis an den
Jordan. Er bliebe daselbst ubernacht zu Ennon /und liesse sich / von seiner
tiefsten traurigkeit / am spaten abend / in den nächsten wald füren: da er / von
niemanden als von dem Salma begleitet / in der einsamkeit sein leiden erwägete.
Nachdem er sich mude gegangen / sasse er nieder an einen bach / dessen angenemes
gesåusel ihme einige ergetzlichkeit geben kunte. In solcher betrübten stille /
brachte ihn ein geräusche aus seinen gedanken: welches verursachete /dass er sich
umsah / und zweier personen gewar wurde / die sich nicht ferne von ihm
niedersetzeten. Der eine von diesen beeden / ware grosses ansehens /und zeigete
in allem eine hohe geburt. Seinen nebensitzer erkannte Hemor für den Elamiten
Mesan / der die Prinzessin Cölidiane aus Bactra zu rücke gebracht. Weil ihme /
wegen seines verlustes / alles verdächtig fürkame / als bildete er ihm gleich
ein / er habe an diesem ansehnlichen unbekanten einen mitbuler bekommen: demnach
horete er fleissig und in aller stille zu / was sie reden würden.
    Dass ich ihn gesehen / (hörte er den Mesan sprechen /) ist ganz gewiss / und
zweifele ich auch schier nicht daran / er habe mich wieder erkant / und deswegen
den kampf geflohen / den ihme der Prinz Hemor anbieten lassen: damit er nicht
neben der schonen /die wir suchen / mochte verrahten werden. Wo du ihn gesehen /
(hube hierauf sein beisitzer an zu reden /) da ist auch zweifelsohn die jenige
nicht ferne / die mich aus Elam getrieben. Ach Mesan! mochte ich doch alle meine
muhe nicht vergebens haben angewendet /diese wunderschone wieder zu finden /
ohne die ich nicht leben kann. Ich weiss / (antwortete Mesan /) wo sie ist: und
habe ich meinen Fursten nicht eher mit dieser zeitung erfreuen wollen / bis ich
warhafte nachricht von ihr erhalten. Als hierauf der andere hochst begierig sich
bei dem Mesan ferner erkundigen wollte / deutete selbiger ihm an / wiedass jemand
ihr gespräch durch den nächsten busch anhörete. Deswegen stunden sie eiligst auf
/ und gingen tiefer in das holz hinein: den Hemor sehr unwillig hinterlassend /
dass er nicht erhorchen können / wo diese schone / welche er bereits für seine
Aramena achtete / hingekommen wåre. Indem ersah er einen andern / welcher auch
die beide Elamiten belauret hatte. Dieser kame aus dem gebüsch herfür / zu einem
/ der neben ihm ginge / also sagend: Ach Hadat! ich zweifele nun nicht mehr /
dass Aramena von deme sei entfüret worden / der / dieser Elamiten aussage nach /
dem Hemor den kampf versaget. O glückseliger mitbuler / wer du auch sein magst!
du hast mit deiner list und geschwindigkeit den Tarsis uberwunden / und was ich
schon gewis in meinen händen zu haben vermeint / durch eine übernatürliche
gewalt erlanget.
    Hemor kunte mehr nicht als dieses horen / weil sie im reden immer fürter-
und also seinem gehor entgangen waren. Also hinterbliebe dieser armseliger
verliebter so gar entselbstet / dass / wann Salma ihn nicht erinnert håtte / wie
man wegen antretender nacht wieder nach Ennon kehren müste / er die ganze nacht
daselbst verblieben wåre. O himmel / (rieffe er /) wieviel mitbuler lässest du
mich erfahren! Ich weiss nicht allein von dem Dison und Tarsis / sondern ich
habe nun noch zwei unbekannte bekommen: deren einer so glücklich sein soll / dass
er die Aramena entfüret. Ach ungluckseliger Hemor! dieses ist deine straffe /
dass du die jenige verlassen / welche du eher als diese Prinzessin geliebt: und
gleich wie jener Aramenen willfärigkeit dir einen eckel machete / also
verursachet dir nun dieser Aramena halsstarrigkeit / die groste marter / und
must du erleben / dass sie dir von einem unbekanten entfuret worden / der seine
dapferkeit und grossmut gnugsam spüren lassen / und der ihr das reich wieder
erlangen will / dessen sie eine Erbkönigin geboren ist. Hierauf erzehlte er dem
Salma alles / was ihme begegnet / und dass er nun den rechten Tarsis kenne. Weil
aber dieser ja so ungluckhaft als er selbst ware / als wurde sein hass viel
grösser wider den jenigen / den er letzlich nach der jagt fur den Tarsis
angesehen.
    Er name ihm hierauf fur / den Mesan zu suchen /der ihme sagen sollte / wo die
Prinzessin wåre: als von dem er selber zuvor hatte gehöret / dass er solches
gewiss wisse. Wie er ihn deswegen durch alle die seinige im walde suchen lassen /
(wiewol weder er noch der Tarsis mehr zu finden war /) musste er sich bis
folgenden tag gedulten. Der Mesan hatte sich allemal / so lang er in Salem
gewesen / bei dem Jarah / und nachgehends bei des Hemors leuten / aufgehalten.
Weil nun der Hemor hoffete / bei dem Jarah etwas von ihme zu erfahren / als
eilete er wieder nach Salem / und gabe dem Salma befehl / sich in der Casbiane
behausung in geheim nach den jenigen bedienten zu erkundigen / die dem Tarsis
wåren willfårig gewesen / ihme die Aramena entfuren zu helfen. Als er seinem
betrubten vatter zugesprochen / und ihm alles erzählt / schöpfete der eine
kleine hoffnung / dass Mesan von der Ahalibama auch etwas wissen mochte. Es ward
aber dadurch nur seine ungedult vermehret / weil dieser Elamite so wenig zu
Salem als zu Ennon gefunden wurde.
    Salma aber / seines herrn befehl nachzukommen /begabe sich nach dem haus der
Fürstin von Cale: und weil er mit ihren bedienten bekant / als bemühete er sich
sehr / etwas zu erforschen. Er kunte aber anders nichtes erfahren / als dass des
Fürsten Arsas hofmeister / ungefär für zehen oder zwolf tagen / einen frömden
Fursten heimlich in ihrem hause bewirtet: mit dem er viel gespråche gehalten.
Dieses machte dem Salma die gewisse vermutung / dieser Fürst würde der Tarsis
gewesen sein. Wie er aber / solches seinem herrn zu berichten / sich wieder
hinweg begeben / berichtete die verkleidete Tirza / welcher auf des Salma tun
acht gegeben / den anderen / wiedass des Prinzen Hemors vertrautester bedienter
da gewesen wåre. Hierüber gerieten sie sämtlich in die neue sorge / er mochte
von ihrem da-sein etwas ausgeforschet haben. Die verstellete Zimene vermehrte
des schönen Disons furcht / diese nachricht hinzusetzend: wiedass der hofmeister
/ ihr bruder / mit dem Fursten von Sepharvaim einen anschlag gehabt / die
Aramena zu befreien: welcher jetzund gar übel zufrieden wäre / nachdeme kündig
worden / dass die Prinzessin von jemand anderem aus Salem sei entfüret worden.
Alles dieses triebe sie an / ihre abreise zu beschleunigen: worzu dann Casbiane
die folgende nacht bestimmete / mit fürgeben / dass sie / wegen der hitze / bei
tag nicht reisen mochte.
    Nachdem nun die nacht angebrochen / begabe sich Casbiane / Ahalibama /
Astale / und eine von der Fürstin von Cale jungfrauen / auf den wagen: da die
Fürstin von Seir gar fleissig ihr angesicht verhüllte / dass niemand sie für
jemand anders / als fur der Casbiane jungfrau / ansehen mochte. Der oberkämmerer
Jarah hatte befehl vom Melchisedech / die Fürstin von Cale bis ein stuck wegs zu
begleiten. Der Dison musste /neben den andern / auf kamelen folgen / weil die
wägen nur für das frauenzimmer bestimmet waren /welches mit nicht geringem
ungemach geschahe: doch vertruge er alles gern / weil er sich darbei seiner
freiheit erinnerte. Wann einiges ding der Ahalibama /nach ihrem verlust / hätte
vergnügung geben konnen /so sollte es diese ihre endliche erlosung getan haben.
Nun aber vermochte auch dieses nicht / ihr trauren zu stillen / und brachte sie
den ganzen weg mit weinen hin / sich erinnerend / wie sie nach Salem gekommen /
und wie leer sie jezt hinweg ziehen musste. Bei anbrechendem morgen / als sie
über den Jordan gegangen / sahen sie sich nicht ferne von Camon. Als sie
daselbst gegen den mittag angelanget / und malzeit hielten / betrachtete
Casbiane den anmutigen Dison gar genau: worüber ihme gar bang wurde. Weil sie
ihn mit in ihre unterredungen gezogen / und also einen sonders anmutigen geist
in ihme verspüret: als begehrete sie nachgehends an die Ahalibama / wie sie
wieder fortreiseten / ob nicht ihr ritter Dison mit auf ihrem wagen fahren
dorfte. Dieses wurde von der Ahalibama so gerne erlaubet / als von dem Dison
angenommen.
    Casbiane sagte unter andern / als sie den Dison ferner betrachtet: Ich finde
solche gleichheit in des Disons angesichte / mit dem lezten Konig in Syrien dem
Aramenes / dessen abbildung ich oft gesehen / dass ich sorge / die Furstin von
Seir werde / ihres ritters wegen / in Syrien ungelegenheit bekommen; zumal / da
man jezt gar stark redet / ob sollte ein sohn von besagtem Konig nachgeblieben
sein. Das wåre mir ein Glück /(antwortete Dison) wann ich dadurch ein so grosses
reich erlangen könnte. Oder vielmehr ein unglück! (wandte Casbiane ein /) weil am
Assyrischen hof das hinterbliebene blut des Aramenes sehr verfolget wird /und
dieser nachgelassene Prinz in lebensgefahr schwebet. Ich will nicht hoffen /
(wiederholete Dison) dass diese gefahr mich treffen werde: massen meine Fürstin /
deren ich diene / gewisses zeugnis von dem zustand meiner eltern wird erteilen
können / dass die keine konigliche wurde betreten haben.
    Wie nun Ahalibama dieses bekråftiget / und ihrem ritter beifall gegeben /
kamen sie unter solchen gesprächen zu abends in ein dorf / dahin einer von der
Casbiane fürausgeschickten zurück kame / und der Fürstin von Cale anmeldete:
wiedass die Konigin von Ninive noch nicht zu Damasco ihren einzug gehalten /weil
die zurüstungen / sie zu entfangen / noch nicht färtig gewesen; und wäre sie
inzwischen im Königreich Hemath geblieben / dahin sie in etlichen tagen zu der
Königin kommen konten. Casbiane färtigte gleich einen ab / durch den sie / die
ankunft der Ahalibama / der Konigin wissen liesse. Des folgenden tages brachen
sie von diesem dorfe wieder auf / und täten eine starke tagreise: da sie dann
abends die stadt Berotai erreichten / welche dem Konig von Hemath zustehet /
von dar sie / in zweien tagen / nach Hemath zu der Konigin gelangen kunten.
 
                                Das Vierte Buch.
Den betrübten verlust / den die von Hemath an ihrem edlen Prinzen / und der
Prinzessin / (wie sie gläubten /) unlångst erlitten / hatten die zu Berotai
auch noch so wenig verschmerzet / dass aller einwohnere winseln und klagen über
den Apries und die Ardelise erginge. Die in den Dison verstellte Aramena /
erkundigte sich am morgen / ehe die gesellschaft wieder abreisete /wie der König
/ nach diesem grausamen verfahren /jetzund lebete? Ihr wurde hierauf von dem
wirt erzählt / wiedass der Jobat / von dem tage an / da die Königliche kinder so
greulich wåren hingerichtet worden / sich nicht mehr hätte sehen lassen. Man
sage auch /wiewol heimlich / er wåre mit einer so tiefen traurigkeit befallen /
dass die rähte eiligst nach den Prinzen Bileam geschicket / ihn bei der regirung
mit zu gebrauchen: dann der Konig ganz untüchtig schiene /ferner dem regiment
fürzustehen. Dison fragte weiter: wie es dann dem Prinzen Baalis ergangen / von
deme man gesagt / dass er die Prinzessin Ardelise im tempel des Wotans befreien
wollen / und darüber gefangen worden? Sie erfuhre hierauf / wiedass dieser
Ammonitischer Prinz / erst für etlichen wochen / von dem raht wieder wäre auf
freien fus gestellet worden: weil sein verbrechen aus einer verzweifelten liebe
hergeruret /und zu deme die Konigin von Ninive für seine freiheit geschrieben
hätte. Diese zeitung ware / wegen der Ardelise / der verstellten Prinzessin
Aramena erfreulich zu vernemen: und name sie ihr fur / der schäferin Ardelise in
Mesopotamien hiervon / wie es nåmlich dem Baalis ergangen / und wie es in ihrem
vatterland stunde / bericht zu geben.
    Casbiane erfuhre / dass ihre Königin ihnen näher wåre / als sie vermeint /
und auf einen lustause /nicht weit von Berotai / sich befände / von dar sie
den andern tag nach Hemath aufbrechen wollte: demnach beschlosse sie / ihren weg
dortin vor sich zu nemen. Ahalibama hatte nun / wegen Eliesers tod /die traur
ausgezogen / und gabe damit kund / wer sie ware: welches bisher niemanden / als
der Casbiane /war bekandt gewesen. Nicht weit von dem lustaus /welches in einem
zederwald lage / und von dem fluss Abana umschwemmet wurde / kamen ihnen etliche
wägen voll frauenzimmer neben vielen rittern und pferden entgegen. Der / so
diesen haufen furete / war ein kammerherr beim König Jobat / der allemal des
Prinzen Apries seite gehalten: und diesem gehörete das lustaus / auf welchem er
die Königin von Ninive zu gast hatte.
    Die fürnemeste unter den damen / wurde von der Casbiane bedienten / für die
Perseis der Konigin hofmeisterin / erkennet. Nachdem Ahalibama die begrüssung
von dem kammerherrn angehoret / der sie / sein haus mit ihrer gegenwart zu
beehren / eingeladen /verfugte sie sich zur Perseis: von der wurde sie
versichert / wiedass ihre Konigin sich gluckhaft schätze /der Prinzessin von Seir
gegenwart zu geniessen / und dass ihr keine angenemere zeitung / als diese von
ihrer ankunft / hätte widerfahren konnen. Ahalibama bezeugete hinwiederum ihre
erkentlichkeit / dass eine so grosse Konigin sie dergestalt in schutz nemen
wollte. Als hierauf die Perseis / ihres bruders tochter die Fürstin von Cale /
und deren bei sich habende leute entfinge / begrussete Ahalibama die
Ninivitische jungfrauen: unter denen eine sie mit sonderbarer bewegung umarmete
/ dass sie nicht wusste / was sie davon gedenken sollte. Sie kunte / nachdem sie
dieselbe genau betrachtet / sich nicht erinnern / sie jemals gesehen zu haben:
wiewol ihr das herz zusagte / dass sie ihr nicht unbekant sein müste. Die Konigin
hatte ihr einen wagen entgegen geschickt: auf welchem sie / in gesellschaft der
Casbiane und Perseis / nach dem lustaus fuhre.
    Als sie auf das schloss gekommen / wartete ihrer alda / vor der Konigin
gemach / der Furst Jotan von Chesed / einer von den kammerherren / sie hinein
zu füren. Die Königin hatte bei sich alle ihre Fürsten samt dem ganzen
frauenzimmer / und eilete der Ahalibama beim eintritt entgegen / sie zu
entfangen. Der wunderglanz dieser unvergleichlichen Konigin / stralte der
Fürstin von Seir dermassen in die augen / dass sie schier ihrer selbst darüber
vergasse. Als sie ihr zu fus fallen / und also auf den kniehen um schutz
ansuchen wollte / verwehrte ihr solches die Konigin / und umarmete sie mit so
milder bezeugung ihrer wolneigung / dass Ahalibama gleich anfangs so viel güte
als schonheit an ihr erkennen kunte. Ich vewundere mich jezt nicht mehr / (sagte
die Konigin /) über die liebe und über das beginnen des Konigs von Canaan / da
ich meine base zu sehen bekommen: dann man ihn fast entschuldigen muss / dass er
sich von so schonen augen hat gefangen nemen lassen. Mein ungluck /(antwortete
Ahalibama /) und nicht meine schone / hat den König von Canaan gereitzet / so
unbillige dinge zu begehren / dass ich die flucht ergreifen / und unter E. Maj.
schutz mich begeben mussen.
    Die Konigin fürete sie hierauf in das innere gemach: dahinein niemand / als
die Prinzessin Ammonide / die bei der Konigin am hof ware / neben der Perseis /
und die Casbiane ihnen folgete. Ahalibama brachte daselbst / der schonen Delbois
/ ihr anligen /und was sie aus Canaan getrieben / so beweglich für /dass dieselbe
/ so grosmutig als mitleidig / ihr versprache / sie nicht allein wider den König
von Canaan /sondern auch wider die ganze welt / zu schützen. Hierauf wendete sie
sich zur Casbiane / und sagte: Sie wüste es ihr / und ihrem gemal dem Arsas /
hohen dank / dass sie sich bemuhet / diese Prinzessin zu ihr zu bringen: massen
sie keine liebere freundin hätte bekommen können. Hiemit umarmete sie dieselbe
nochmals: dass also Ahalibama / von so vielen gnadbezeugungen gewonnen / in ihrem
herzen der Konigin leibeigene wurde. Die Königin liesse ihr von der Casbiane
alles erzählen / was in Salem war fürgegangen: da dann / bei des Prinzen
Eliesers todesgeschichte / der Ahalibama die heissen zehren aus den augen fielen
/ und das mitleiden der Konigin auch etliche tränen austriebe; weil sie wohl
urteilen konnte /wie billig diese schmerzen wåren.
    Nachdem endlich Ahalibama in ihr verordnetes gemach begleitet worden / kunte
sie ihrem ritter Dison die gütigkeit dieser Konigin nicht genug rümen / und
fingen sie nun an / die früchte ihrer erlangten freiheit zu geniessen. Zwar ware
der schöne Dison nicht ruhig / als der noch etwas wünschete / nåmlich wieder
Aramena zu werden: darzu er doch nicht eher / als in Ninive / gelangen kunte.
Weil / diese reise allein mit Brianes / Zimenes und Tirzis dahin fürzunemen /
all zu gefärlich und unmüglich schiene / als musste sie sich gedulten / bis die
Konigin wieder dahin reisen /oder sich sonst eine zufällige gute gelegenheit
anbieten würde. Am folgenden tag / wurde Ahalibama / mit der Konigin zu nacht zu
speisen / eingeladen. Der kåmmerer Pelech wollte der Konigin sich pråchtig und
freigebig weisen / und bewirtete sie recht königlich: welches dann Ahalibama /
bei diesem abend essen /genug verspüren kunte. Alle grossen von Hemath waren
sehr bemuhet / dem Assyrischen haus zu liebkosen: weil sie schutz bei demselben
sucheten / und sich nicht unbillig besorgeten / ihr Prinz Bileam möchte es
verderbet haben / indem er wider die Assyrier im Bactrianischen kriege gedienet.
Demnach erzeigten sie der Königin alle moglichste ehre / und ersetzeten das
jenige / was ihr König / wegen zugestossener gemütsblödigkeit / selber nicht
verrichten kunte.
    Weil es / nach der malzeit / noch sehr hoch am tag und überaus schones
wetter war / als beschlosse die Konigin / mit der gesellschaft auf dem fluss
Abana eine lustfart anzustellen: worzu dann der Pelech alsobald anstalt machen
liesse. Wie sie an den strom gekommen / begaben sich / die Konigin / die
Ammonide / Ahalibama / Perseis und Casbiane / neben dem Fürsten Ninias von
Ressen / dem Jonadas von Hemath /dem Jotan von Chesed / und den Barzes von
Arvad /in ein schonvergüldtes schiff: deme / in andern lustschiffen / das
Königliche frauenzimmer / mit den grossen bei hof und denen von Hemath /
folgete. Der Königin jungfrauen / namen den angenemen Dison in ihre
gesellschaft: der dann / wann er diesen namen recht gefüret / wegen der
liebkosungen / die man ihm erzeigte / nicht glucklicher håtte sein konnen. Wie
dann auch Brianes / Zimenes und Tirzis / fast mit ihm eiferten: weil sie nicht
so freien zutritt bei den damen hatten. Auf der Konigin schiffe / kame man von
der Casbiane unglück zu reden / wie die zu Salem bei einer solchen lustfart
schier um ihr leben gekommen wåre. Die Königin sah sie an / und bescherzete sie
mit diesen worten: Mir wundert / Casbiane / dass ich euch so beherzt finde / nach
dieser warnung / euch ferner auf das wasser zu wagen. E. Maj. haben wohl ursach /
(antwortete die Furstin von Cale /) solches zu bewundern: wiewol ich so beherzt
nicht bin / als sie mich achten / und mit heimlichen widerwillen das wasser
anschaue. Doch überwindet bei mir alle furcht E. Maj. gegenwart / die ich
dieserwegen nicht entbären wollte. Sind dann (fragte die Konigin /) meine basen /
die beide Prinzessinnen / auch in gefahr gewesen? Dieselbigen (gabe Casbiane zur
antwort /) stunden bereits auf dem lande / als das schiff mit uns andern
umschluge.
    Weil also die Königin der beiden Prinzessinnen von Caphtor sich erinnert /
als sagte sie / gegen der Ahalibama: Ich hore die Prinzessinnen der Philister
sehr rümen / sonderlich die Cölidiane / welche an tugend / verstand und
schonheit soll unvergleichlich sein. Wol verwunderlich / (antwortete Ahalibama
/) aber nicht unvergleichlich: massen ich bald jemand nennen wollte / die es ihr
/ in dem ersten zum wenigsten gleich / und in dem letzten weit zuvor-tut.
Delbois / die wohl verstunde / dass Ahalibama hierinn auf sie zielete / wollte sich
dessen nicht merken lassen /und sagte ferner: Ich mochte wohl so glücklich sein
/sie zu kennen / wie auch den König Melchisedech ihren vettern / der mit so
beliebter fromkeit und weissheit sein land regiret. Ihrer beider verlangen
(antwortete Casbiane) ist nicht geringer / E. Maj. zu sehen: wie dann die
Prinzessin Cölidiane mich ståts mit gesprächen von dero unterhalten. Wann mein
gemal von Kiriat Sepher zurücke kommet / werden E. Maj. hiervon ein mehrers
vernemen / und mit seiner verrichtung verhoffentlich sich allerdings vergnügt
befinden. Dieses wollte sie / wegen der anwesenden Ninivitischen Fürsten / nicht
deutlicher sagen / als welche von dem angenommenen glauben der Königin nichtes
wussten: Delbois wollte auch weiter nicht fragen / wiewol sie nach mehrerer
nachricht ein grosses verlangen truge.
    Mitlerweil man also auf diesem schiffe die zeit kurzete / hatte Dison auf
seinem schiffe genug zu tun / alle die fragen zu beantworten / die ihme von dem
Ninivitischen frauenzimmer vorgebracht wurden. Unter andern geriete man in einen
wortstreit / welches land das båste und lustigste wäre. Eine / namens Merone /
wollte Syrien; eine andere / Siringe genannt / ihr vatterland Ninive / fur das
edelste halten. Wie sie nun deswegen nicht konten einig werden / sagte Merone zu
ihrer beisitzerin: Du hast beide orter gesehen /Aramena! sage doch / was dich
hiervon dunket? gibst du mir / oder der Siringe / beifall? Dison ward ganz
bestürzet / den namen Aramena nennen zu horen. Als aber die / so hiemit gemeinet
war / antwortete / stillete sich seine furcht / doch nicht die verwunderung /
eine dieses namens allhier anzutreffen. Weil ihr beide (sagte diese Aramena /)
euer vatterland so erhebet / so will ich / an statt euer richter zu werden / wider
euch beide behaubten / dass das gebirge Seir das land Syrien und Ninive weit
übertreffe; und dieser ritter der Prinzessin Ahalibama / soll mir wohl hierinn
beifall geben. Gleichwie ich (versetzte der schöne Dison /) zu unwurdig bin /
einer dame urteil zu widersprechen / als will ich allen dreien zu lieb sagen:
dass Syrien mehr pracht / Ninive mehr macht / und das gebirge Seir mehr lust in
sich habe. Ihr seit (sagte Siringe) so hoflich gegen dem frauenzimmer / dass euch
Aramena unbillig fur unseren richter erkloret. Zwar habet ihr uns sämtlich /
jedoch eure landsmånnin am meisten vergnuget / indem ihr deren lande die lust
zuschreibet / die ich weit uber die macht und den pracht achte. Und ich (sagte
Aramena) bin nicht mit euch zufrieden: dann ich gewolt / dass ihr unserem
vatterlande allein alle drei vollkommenheiten zuschreiben sollen. Weil ich nicht
gewust / (sagte Dison /) dass die schone Aramena vom gebirge Seir bürtig ist /
als habe ich hierauf mich nicht besonnen.
    Darf ich fragen / (sagte Aramena wider ihn / indem Siringe und Merone noch
unter sich um den vorzug dieser lånder stritten /) wie lang ihr bei der
Prinzessin Ahalibama in diensten seit / und ob ihr schon bei ihr gewesen / als
sie das erstemal aus Seir nach Canaan reisete? Ich bin zu der Prinzessin kommen
/ (sagte Dison /) wie sie sich in Kiriat Arba aufhielte /gleichwol vorher in
Seir bereits mit ihr bekant gewesen. Kennet ihr dann auch (fragte Aramena weiter
/über diese antwort des ritters sich verwunderend /) den Fursten Ana von Seir /
und seinen sohn den Fürsten Dison? Meiner Prinzessin herr vattern (antwortete
Dison) habe ich oft gesehen / den Dison aber niemals / wiewol ich die ehre habe
/ seinen namen zu furen. So heiset ihr dann Dison? fragte sie / ihn scharf
ansehend. Dison bejahete solches / und hätte gern hinwiederum gefraget / warum
sie Aramena hiese / weil ihme das eben so verwunderbar furkame: er dorfte aber
mit dieser frage nicht herfür kommen. Indessen musste er auf manche not lügen
sich bedenken / um alle fragen dieser Aramenen zu beantworten: und wollte es ihm
auf die letze schwer fallen / damit also einzuhalten / dass frage und antworten
allemal ubereinstimmeten.
    
    In solchem kamen sie an eine wiesen / da die Konigin mit der ganzen
gesellschaft ausstiege: und wurde selbiger ort die Königes-aue genannt / von
deren lustigkeit die Prinzessin Ardelise dem Dison / als der noch Aramena war /
ehedessen viel erzählt hatte. Die Konigin / so sich gerne mit sinnreichen
spielgesprächen belustigte / brachte auf die bahn / nachdem man sich in einen
kreis zusammen niedergelassen: Sie wollte eine geschicht zu erzählen anfahen /
die folgends von den andern sollte zu ende gebracht werden. Die gesellschaft
bezeugte hierauf zugleich ihren beifall und gehorsam / die in vierzehen personen
bestunde: dann die andern hatten teils hinter diese sich gelagert / um
zuzuhoren; teils auch andere ergetzlichkeiten / auf dieser aue / fürgenommen.
Der inhalt unserer geschichte / die wir erzählen wollen / (sagte die Konigin)
muss etwas bekantes sein / dass jedes von der gesellschaft das seine beitragen
könne. Es soll zwar einem jeden frei stehen / die umstände nach belieben zu
machen: doch muss alles der warheit änlich kommen / damit nicht ein gedichte
daraus werde. Ich vermeine aber / es werde am leichtsten zu erzählen sein / die
geschichte / wie Ammi und Moab die Riesen verjaget: da dieser beider Konige
ursprung und liebesgeschichte / neben vielen abenteuren / die sie mit den Riesen
gehabt / können mit eingefüret werden. Ob wohl diese geschichte / (sagte Ammonide
/) von meinen vorfahren handlet / und mir also zum bekantsten sein sollte / so
fürchte ich dannoch / ich werde das wenigste hinzu tragen: doch schåtze ich es
mir für eine ehre / dass E. Maj. eben dieses erwählen wollen. Ich weiss nichts
bekanters / (antwortete die Konigin /) und da man warscheinende erfindungen
artiger mit einmischen könnte. Wann nun mein vorschlag der gesellschaft beliebet
/ so will ich den anfang machen. Nachdem sie ihr alle beigefallen / finge die
Königin an zu erzählen / wie folget.
               Reihen-Erzehlung der Geschichte von Moab und Ammi.
Unsere beiden helden / derer leben und taten wir beschreiben wollen / sind von
ankunft Ebreer / und haben ihre vorfahren die Chaldeische Kron getragen: daher
auch in ihnen das Königliche geblüt aufgwallet / und sie die rümliche ehrsucht
gefület / dermaleinst auch tronen zu besteigen. Ihre geburt / ware zwar
lasterhaft: doch ist sie / wegen des vatters unwissenheit / und wegen dessen
tochter als ihrer mutter einfalt / in etwas zu entschuldigen. Was auch dissfalls
den ruhm unserer helden verdunklen mochte / das ersetzete vollkomlich ihre
tugend und edeles gemute: welches dann von jugend auf sich erwiese / und in
ihnen dermassen herfür leuchtete / dass Moab ein wunder seiner zeit /und Ammi ein
unvergleichlicher held / mit recht kunte genennet werden. Gleichwie aber / des
Sodomischen und anderer drei oder vier Königreiche untergang / bei Lots
töchtern die einbildung / als wann die ubrige ganze welt im feuer verdorben wåre
/ verursachete /und sie zu müttern derer machete / deren schwestern sie billiger
heisen sollten: also machte nachgehends die erkentnis ihres irrtums / dass sie
sich der tracht ihrer leibesfrucht schämeten / und alle bekannte gesellschaften
meideten. Ja sie flohen gar aus Canaan hinweg / und begaben sich unwissend wohin
/ über den Jordan / an das meer / welches die sünden der Sodomiten abgewaschen
hatte / und die todte See genennet wird. Sie liessen sich nieder in einer höle /
alda ihre weibliche bürden abzulegen / und vermeinten daselbst von aller
menschlichen gesellschaft ganz entfernet zu leben.
    Aber ein Riese / der alda auf den bergen seiner schafe hütete / kame gegen
abend in diese höle / als seine wonung / sein vieh einzutreiben. Seine
verwunderung über diese beide fromdlinge ware ja so gross /als ihr erschrecken
über diesen grossen mann. Ihrer beider schonheit stache ihn dermassen in die
augen /dass er / der sonst wenig von erbarmung wusste / erstlich zu mitleiden /
und hernach zur liebe bewogen wurde. Er brachte zu ihnen ein paar weiber / von
ihrer grosse / die ihrer wohl pflegen und ihnen aufwarten mussten. Endlich gebaren
sie alda / den Moab und Ammi: ihnen nicht einbildend / dass diese kinder solche
helden sollten werden / die dermaleinst das land bezwingen wurden / in welchem
sie jezt arme fromdlinge und wåisen waren.
    Der Riese / ihr pflegvatter / die schonheit dieser kinder betrachtend /
gedachte bei sich / was für ein herrliches geschenke dieselbigen fur seinen
Konig sein wurden / welcher vom geschlechte der Emim war / und seine Königliche
hofstatt zu Ar hatte. Demnach beschlosse er / sobald die knaben würden entwehnet
sein / sie gen hof zu bringen / die mutter aber für sich zu behalten. Diese art
riesen hatten damals die weise /dass sie sich bemüheten / kleine weibspersonen
und deren kinder in ihr land zu furen: weil sie solche von natur liebeten / und
sich gerne mit jenen verheurateten. Wie nun Moab und Ammi das zweite jahr
erreichet / mussten sie abgewehnet werden / und wurden ihren betrubten müttern
aus den armen gerissen / die der Riese nach Ar brachte. Der Konig / name diese
schone kinder mit freuden auf: und als er nach ihrer ankunft fragte / musste der
riese auch ihre mütter zu ihm bringen / die er für sich zu behalten vermeint
hatte. Die schonheit derselben / erweckte eine solche liebe in dem Konig / dass
er sie allen seinen weibern furzoge / und sie beide zur ehe name. Also wurden
Moab und Ammi / gleich des Königs andern kindern /erzogen: und weil dieses volk
gar wild war / als hatten ihre mutter fleissige aufsicht / dass ihre kinder nicht
auch verwildern möchten. Sie liessen sich auch selbst von jugend auf so wohl an /
dass sie / in diesem rauhen lande / da sie keine sitten noch höflichkeit sahen /
gleichwol durch hulfe der mütterlichen zucht /in allem ihrem tun sich
huldseelig erwiesen: wie uns der Furst Ninias ferner wird beschreiben konnen.
    Hiemit schwiege die Königin / und Ninias / weil er ernennet worden / und ihn
die reihe traffe / finge an /die geschichte folgender gestalt fortzusetzen.
    Es ware der Moab von gemüte gar rechtfärtig / also dass er nie etwas
unrechtes leiden kunte: wie er dann allemal / wann sie mit den andern
Koniglichen kindern spieleten / die jenigen straffete / die dergleichen etwas
begingen. Weil er nun also bei allen sich in sonderbare ehrerbietung setzete /
als wehlten ihn / die kinder des Konigs und der grossen bei hof / zu ihren Konig
/ und Ammi wurde sein feldobrister und geheimer raht: die andere aber bekamen
ämter / die ihnen der Moab zuteilete / wie er jeden wurdig erkannte. Letzlich
teilten sie sich / in zween haufen. Des Konigs sohn / der nach ihm die Kron
haben sollte / Brammis genannt / ward feldherr über das eine heer / und wehlte zu
seinen feldhaubtmann / den sohn eines grossen herrn / der beim König in
sonderbaren gnaden stunde: Moab aber / wurde feldherr des andern haufens / der
in knaben von gemeiner grösse bestunde. Solchergestalt huben sie an / im gebirge
den krieg zu spielen / und zogen recht zu feld gegen einander: da dann / die
steine und baum-äste / ihr gewehr / und baumrinden ihre schilde waren.
    Der Moab erhielte allemal den sieg / weil sein feldobrister der Ammi kluger
und vorsichtiger sich erzeigete / als der auf des Brammis seite: bei deme dieses
nicht eine geringe eiversucht erweckete. Dann dieser junge riese war von natur
boshaftig und tyrannisch /und hegete überdas einen eingewurzelten hass gegen
unsere beide helden: dann er ware ståts von seiner mutter verhetzet worden /
gegen diese kinder als einkomlinge feindselig zu sein. Weil er hierbei auch
ehrsuchtig war / als bemühete er sich sehr / über den Moab einen vorteil zu
erlangen. Demnach bote er ihm und seinem heer eine schlacht an / als er zuvor /
wider ihre abrede / heimlich noch eine grosse anzahl seines gleichen knaben zu
sich genommen hatte / die sein heer dermassen verstärkten / dass er den Moab weit
übermångete. Moab und Ammi / sich keines solchen versehend / liessen sich
leichtlich zum treffen bereden. Als sie aber mitten im streit sich befanden /
brache des Brammis hinterhalt herfür / und uberwältigten den gegenteil / dass
Ammi gefangen wurde / und Moab mit gar wenigen in seine vestung / die die natur
in einem felsen angelegt hatte / entweichen musste. Moab / über diese
ungerechtigkeit sehr erbittert / und wegen seines feldobristen ungluck betrubet
/ wollte den mit aller gewalt wieder los haben: allermeist als er von einem
überlaufenden knaben erfuhre / dass Brammis den Ammi gar ubel halten liesse.
    Demnach begabe er sich mit den seinigen fur des Brammis vestung: vorhabens /
dieselbe zu sturmen /und den Ammi zu erledigen. Er kunte aber nichtes ausrichten
/ weil man mit steinen so heftig auf sie herab wurfe / dass etliche der seinen
todt geworfen wurden: da dann die andere die flucht namen / und also den Moab
zwungen / vom sturm abzulassen /und wieder abzuziehen. Sein grosmutiges herz
kunte dieses nicht verschmerzen / und ward auf die ausgerissene so erbittert /
dass er uber den / der zu erst entlaufen / ein urteil ergehen liess / dass er sollte
gehenket werden: welches von den seinigen straks vollzogen wurde. Weil er nun
nicht ruhen konnte / er håtte dann den Ammi wieder / als bote er fur ihn dem
Brammis eine der vestungen an / die er ihm hatte abgewonnen: der aber solches
nicht annemen wollte / und den Ammi gefangen behielte. Die befreiung desselbigen
und was darbei fürgegangen / wird die Prinzessin von Seir zu erzählen ihr
belieben lassen.
    Ahalibama bedachte sich ein wenig / und erlångerte hierauf diese geschichte
folgender massen.
    Des Ammi scharfer verstand / den er von jugend auf blicken lassen / dienete
ihm in seiner gefängnis /die andern knaben zu uberreden / dass sie / ehe der sich
dessen versah / des Brammis seite verliessen /und ihn los machend / mit ihme
bei nacht davon flohen und zu dem Moab ubergingen. Dieser junge held wåre bald
für freuden gestorben / als er seinen bruder wieder frei sah: und gabe er
gleich / zur vergeltung /allen den jenigen / die mit dem Ammi waren heruber
gekommen / die furnemste åmter. Er beschlosse auch /alsofort den Brammis in
seiner vestung zu überfallen: das er dann gar glücklich verrichtete / und
etliche gefangene davon brachte. Der Brammis wollte schier rasend werden / als er
des Ammi erledigung und seines erlittenen verlusts gewar wurde. Weil er nun sich
den schwåchern sah / als begehrte er auf etliche wochen einen stilstand:
welchen ihme Moab verwilligte. In solcher zeit kamen sie von beiden seiten
zusammen /und waren gute freunde miteinander: da furnemlich ihre ergetzung im
jagen des nidern wilds bestunde. Was aber / in wårendem diesem stillstand / der
Brammis für eine falschheit und tück begangen / wird der Pelech uns am båsten
sagen können.
    Dieser ihr gastfreier wirt / nachdem also die reihe an ihn gelanget /
belustigte die gesellschaft mit folgender ersetzung der geschichte.
    Es hatte Brammis zu keinem andern ende diesen stillstand erwehlet / als dass
er sich an dem Ammi /und an denen / so zu dem Moab waren übergegangen / råchen
möchte. Wie er nun endlich seinen vorteil ersehen / lude er den Moab zur jagt /
mit den furnemsten seiner kriegsbedienten. Als sie erschienen / und sich alles
guten versahn / name er ihn gefangen / und liesse die andern nidermachen. Als
der Ammi dessen innen worden / liesse er / solches zu rächen / alles zum kriege
wieder färtig machen / und bekame grossen zulauf von des Brammis knaben / die
sich an ihres feldherrn grausamer verubter tat årgerten / und ihme nicht mehr
zu gebot stehen wollten. Also belägerte er den Brammis in seiner vestung / und
schlosse ihn also ein / dass er nirgend heraus kommen kunte. Weil aber des
Brammis vestung gar schwer einzunemen ware / als kunte Ammi seinen bruder nicht
sobald erledigen / wie er wohl gewünschet: doch hoffete er / er wurde sich
endlich ergeben müssen. Brammis wehrte sich zwar ein zeitlang dapfer: endlich
aber /als es an narungsmitteln / die in feld- und baumfrüchten bestunden /
mangeln wollte / ersonne er ein grausames mittel / den Ammi zu zwingen / dass er
von der belågerung abstehen müste. Er liesse den Moab auf die höhe eines felsen
bringen / und rieffe von dar / zu den Ammi herab: wofern er nit gleich würde die
vestung verlassen so sollte sein bruder hinab gestürzet werden. Dieses erweichete
den Ammi / dass er den abzug furname. Aber der erhitzte Moab / deme unerträglich
fiele / länger also gefangen zu sein / fassete ein herz / und sprange selbst aus
freiem willen über den felsen hinab / als er seinen bruder zum abzuge sich
rüsten sah. Er kame noch so glücklich hinunter /dass er nur einen arm brache /
und sich nicht zu todt fiele. Der Ammi / solches ersehend / bildete ihm ein
/Brammis håtte den Moab lassen hinab werfen: fiele demnach / mit seinem volk /
die vestung so grimmig an / dass er dieselbe erstiege. Etliche der seinigen
ergriffen / in der ersten wut / den Brammis / und wurfen ihn / ohne ihres
feldherrn befehl zu erwarten / über den felsen hinab: da er dann / wann er nicht
wåre in einem strauch behangen geblieben / sein leben hätte einbussen mussen.
Die Prinzessin Ammonide / wird uns nun ferner berichten / wie dieser kinderkrieg
zum ende gelaufen / und was deswegen bei hof / als es ausgekommen / vorgenommen
worden.
    Ammonide seumete sich nicht / ihr aufgetragenes stuck von dieser geschicht
folgender massen furzubringen.
    Die beschädigung des Moab / die harte verfarung mit den knaben / welche Moab
so wohl als Brammis erwurgen lassen / neben den andern ungelegenheiten /die aus
diesem kinderkrieg entstanden / darunter des Brammis herabstürzung vom felsen
nicht die geringste ware / kame endlich nicht allein bei hof / sondern auch im
ganzen lande aus: da dann der König gleich die verordnung täte / dass sein sohn
Brammis neben seinen andern kindern nach Ar kommen / und dieses spielen
einstellen mussten. Die jenige vätter / die ihre kinder hierbei eingebüsst /
beschwerten sich hierob sehr hoch bei dem König / sonderlich der jenige / dessen
sohn der Moab hatte aufhenken lassen: wodurch endlich der König bewogen wurde /
die beide knaben den Moab und Ammi / ob er sie schon wegen ihrer tugend / auch
um ihrer mütter willen / sehr liebete / von hof zu tun / weil er sie nicht
ferner / wider soviel feinde / unter denen Brammis der vornemste war /
beschützen konnte. Nachdem er sie mit einem stuck gelds versehen / schicketen
ihre mütter sie nach Mesopotamien zu ihrem vettern dem Nahor: der sie frölich
aufname / auch mit seinen kindern vollends erziehen und in allen krieges übungen
/ als wozu sie von natur die neigung hatten / unterrichten liesse. Wie sie sich
alda in des Nahors beide töchter die Maecha und Jisca verliebet / muss uns der
Prinzessin von Seir ihr ritter beschreiben: als welchen ich dafür ansehe / dass
er es uns allen hierinn zuvortun / und diese gemütsneigung aufs beweglichste
werde fürbringen konnen.
    Dison wurde ganz schamrot / als ihme dieses von der Ammonide aufgetragen
wurde: und durfte er sich hierwider nicht entschuldigen / wiewol es ihm sehr
schwer ankame. Die ganze gesellschaft betrachtete seine schone gestalt / als er
mit sonderbarer annemlichkeit folgendes stuck dieser geschichte vorbrachte.
    Unsere helden wären ganz vollkommen gewesen /wann sie nicht der liebe zuviel
gewalt über sich gelassen håtten: welche sie als ein gift beschliche / dass sie /
in anschauung der schönen Maecha und Jisca / ihre freiheit verloren / die bisher
alle ihre taten begleitet. Also legten sie / mit den kinderjahren / ihre ruhe
des gemutes ganz von sich: und wurde Moabs leuenmut /den die Riesen nicht
zwingen konnen / nun durch den holdseligen schein der Maecha gebändiget;
gleichwie auch des Ammi dapferkeit und seltener verstand nicht mehr in ihme die
herrschaft allein behielte / nachdeme er die Jisca gesehen. Sie merketen diese
sinn-änderung einander bald ab: und weil nichtes in ihren herzen jemals
verborgen war / das sie einander nicht vertrauet håtten / als erfuhre der Ammi
in kurzem / dass Moab eben das gift von der Maecha schönheit gesogen / welches
ihme der Jisca annemlichkeit beigebracht hatte. Gleichwie diese unvergleichliche
bruder in allem einander änlich gewesen / also waren sie es auch in der liebe.
Welchergestalt aber solche von der Maecha und Jisca vermerket und aufgenommen
worden / wird Aramena bässer als ich erzählen können.
    Ahalibam hörte mit verwunderung diesen namen nennen / und die jenige / so
solchen fürete / fuhre also fort in der geschicht-erzehlung.
    Der schone Ammi / welchen die natur äuserlich mehr als den Moab bezieret /
funde nicht grosse beschwerlichkeit / sich bei der Jisca beliebt zu machen. Dann
weil die ohnedas nicht eines so gar strengen gemütes war / liesse sie sich
leichtlich durch des Ammi aufwartung gewinnen. Gleichwie auch die sonne /wann
sie in ein spiegelglas ihre stralen wirfet / dieselbigen wieder zurucke
bekommet: also zündete das feuer / so den Ammi verliebt gemachet / auch die
Jisca an / dass sie so wenig ohne den Ammi / als er ohne sie / leben kunte. Doch
verbarge sie dieses liebesfeur fur ihren eltern / schwester und brudern: weil
sie wenig hoffnung sah / dass der Nahor ihr zulassen würde / einen zu heiraten /
der keine andere mittel / als die ihme sein schwerd erwerben konnte /und nur
tugend ohne geld hatte / welches in der welt wenig ansehen zu machen pfleget.
Deswegen riete sie dem Ammi / dass er ihren brudern durch seine dapferkeit sich
beliebt machen sollte: worzu er dann gute gelegenheit hatte / weil sie immer
krieg mit ihren nachbaren anfingen / und die lånder / welche ihre vorfahren
vordessen in Chaldea besessen / wieder zu erlangen trachteten. Wie dann
insonderheit der Kemuel bemuhet ware / seine dapfere grosmut in Syrien zu
erweisen: deme dann / aus obberürter ursach / der Ammi in selbigem krieg solche
nutzbare dienste zu leisten sich beflisse / dass er einige erkentlichkeit von
ihme dafur erwarten konnte.
    Solchergestalt / ware der Ammi in seiner liebe zimlich vergnüget. Der Moab
aber / der unglückselige Moab / funde grossen widerstand bei seiner Maecha: weil
dieselbige allbereit ihr herz einem andern ergeben hatte / den sie von jugend
auf geliebt; der hingegen ihrer liebe würdig war / weil es ihme an keiner
einigen tugend zur vollkommenheit mangelte; der auch / in des Moab gedanken
selber / für ihm einen solchen vorzug hatte / dass er gestehen musste / Maecha
habe in ihrer liebe wohl gewehlet. Was noch mehr ist / so machte sie den Moab zu
ihren vertrauten in der liebe: weil sie / indem er mit ihr in Haran erzogen
wurde /und sie also ståts umeinander waren / ihre freundschaft ihme vollkommen
zugewendet. Also wusste niemand bässer / als er / ihre zuneigung zu diesem seinem
glückhaften mitbuler. Er hatte / wiewol er sonst /von kindheit auf / sich fur
nichtes gescheuet / nie das herz / ihr seine liebe zu entdecken. Hingegen
dienete er ihr / wider sich selber / in allen begebenheiten / dass sie mit seinem
mitbuler heimlich kunte zu reden kommen / den sie vor ihren eltern offentlich
nicht sprechen dorfte. Ich wollte glauben / er hätte / ihrer ruhe wegen / seine
eigene liebe ihr nimmermehr entdecket: wann die wahre geschichte nicht so
lautete / dass Maecha den Moab bekommen. Solches aber / weil es von mir nicht
gebürlich kann beschrieben werden / will ich dem Fürsten Jotan und seinen
nachbaren zu beschreiben überlassen.
    Ich finde mich (sagte der Jotan /) in solcher verwickelung / indem Aramena
nicht einmal den mitbuler des Moab mit namen genennet / dass ich nicht weiss / wie
ich dieses ihr der wahren geschichte eingeschaltete gedichte fortfüren solle.
Doch will ich es versuchen / um nicht ungehorsam zu erscheinen.
    Des Konigs von Zoba sohn / der Rehob / war der jenige / den die Maecha
liebete. Und weil er / da sein vatter mit dem Nahor im krieg stunde / heimlich
in Haran sich aufhielte: als wusste niemand von dieser liebe / als der Moab / in
welchen / wie Aramena allbereit erwehnet / die Maecha ein sonderbares vertrauen
gesetzet hatte / weil seine stätige und fleissige bemühung / ihr gefällig zu
sein / sie dahin uberredte /dass sie seine freundin wurde. Also musste er / diese
ihre neigung für sich zu erhalten / ihre zusammenkunft allståts befordern
helfen. Er gewanne auch hierdurch / wider seinen dank / die wolneigung des
wackern Rehob / also dass dieser sein mitbuler sein bäster freund wurde: wiewol /
seine und der Maecha freundschaft / den Moab wenig erfreute / und er nur seinen
jammer sehen / ja selber mit befördern musste. Wann die Furstin Casbiane nicht
zugegen wäre / wollte ich hiervon ein mehrers berichten. Weil aber sie / als eine
Syrerin und nahe anverwandtin der Maecha / solches besser verrichten kann / als
will ich ihr hiemit meinen platz überlassen: mit bitte / dass sie nicht sobald
als ich aufhoren wolle / damit die reihe mich nicht zum andernmal treffen möge /
diesen faden / der mir jezt so bange gemacht / fortzudrehen.
    Die ganze gesellschaft lachte / uber dieser bitte des Fürsten Jotans. Als
aber Casbiane solche beantworten wollte / winkete ihr die Konigin / dass sie nur
in der erzehlung fortfahren sollte: welches sie dann also verrichtete.
    Dergestalt stunden die sachen in Haran / da unsere beide helden / wegen
ihrer sonderbaren geschicklichkeit / als ein wunder angesehen wurden: und hatten
sie von der wildheit / die sie bei den riesen zu Ar sich angewehnet / nichtes
mehr übrig / als soviel ihnen zur dapferkeit dienen konnte. Weil der Maecha /
unter allen ihren brudern / der åltste und jüngste / der Uz und Betuel / die
liebsten waren / als gesellete sich auch Moab am liebsten zu diesen beiden / um
auch durch dieses mittel sich bei ihr in gunst zu setzen. Der dapfere Kemuel
ware zwar seinem gemute am änlichsten: weil aber die Jisca / des Ammi liebste /
denselben unter ihren brüdern am meisten liebete / als überliesse er seinem
bruder hierinn den fürzug / dass der allein um Kemuels gunst sich bewerben
dorfte. Also zoge der Ammi mit dem Kemuel in den krieg / als er Syrien eroberte
/ welches land ein teil der Sammesunim / die auch riesen waren / besessen
hatten: da dann Jisca von seinen taten soviel erzählen hörte / dass dadurch ihre
liebe / sowol als sein lob und geruchte /sich vermehrete.
    Moab / der noch zu Haran war / sah zwar seines bruders Glück ohne
eiversucht an: doch krånkte ihn hierbei / dass er seine liebe bei der Maecha
alsofort in schlechtem zustand wissen musste. Der Prinz Rehob /den sie liebete /
musste von Haran wieder nach haus ziehen: weil sein herr vatter ihn abforderte /
und der krieg / der schon lange gemunklet / zwischen ihme und dem Nahor sich
äuserte. Uz / des Nahors ältster sohn / ginge wider ihn zu feld / da der Moab
mit reisete: welchen Maecha ersuchete / sein muglichstes zu tun / dass die von
Zoba in diesem krieg nicht unterligen / und dem Rehob kein leid widerfahren
mochte. Dieses war ein harter befehl / wider die jenige zu streiten / deren
seite man hålt / und seinem mitbuler wider sich selber zu dienen. Dennoch
verprache er ihr solches / und seinen gehorsam zu erweisen / fürete er ein
eigenes heer: womit er allemal anderswo sich befunde / als wo der Rehob mit
seinen volkern stunde. Wie aber dieser krieg abgelaufen / uberlasse ich dem
Fürsten Ardeus / als welcher von krieg mehr erfahrung als ich hat / zu erzählen.
    Also übername / der Furst von Chesed / die beschreibung dieses kriegs / den
er der gesellschaft folgender massen bekant machete.
    Der dapfere Moab / dessen hand von jugend auf zu siegen gewonet / gabe sich
in diesem kriege bald kund: wie er dann dem Uz / in kurzer frist / das land Hus
eingewonne / welches noch jezt seine nachkommen besitzen. Also siegeten diese
beide brüder gleichsam in die wette: daher allein ihr name genug war /den
feinden einen schrecken einzujagen. Der Uz hatte immittels / im andern teil des
reiches Zoba / auch grosses Glück / indem er / durch verräterei der Sophonier /
den Prinzen Rehob gefangen bekame: den er gleich nach Haran dem Nahor zusandte /
alda er dann in so unwürdiger gestalt fur seiner liebsten augen erscheinen
musste. Mitlerweil aber Maecha uber diesem ungluck des Rehob sich hochlich
bekummerte / gingen des Uz und Moabs glückhafte waffen immer weiter: da der Moab
/ gleichwie zuvor dem Uz das land Hus /also letzlich auch das Furstentum Bus /
fur des Nahors zweiten sohn / erworben. Als sie hierauf nach Haran wieder kamen
/ ward er von jederman als ein Gott geehret. Aber Maecha war gar übel mit ihm
zufrieden / dass er / ihren willen zu erfüllen / des Rehob gefängnis nicht
verwehret hatte. Wie er sich gegen sie entschuldiget / wie Rehob wieder los
gekommen / und was sich weiter begeben / wird die Fürstin Perseis uns
furzutragen ihr belieben lassen.
    Der Moab (erlångerte Perseis die geschichte /) vername der Maecha
ubelzufriedenheit: doch wusste er /in erzehlung seiner verrichtungen / sich so
fein zu entschuldigen / dass sie ihn fur unschuldig hielte. Sie lage aber ihm
ståts in den ohren / dass er den Rehob heimlich los machen sollte: worinn er ihr
endlich / aus antrieb seiner innigsten liebe / gehorsamte / dem Rehob das
gefängnis öffnete / und ihm davon halfe. Der edle Rehob ware nicht sobald von
seinen untertanen wieder gesehen worden / da namen sie ihn / weil sein herr
vatter todt war / zum Konig an / und wurfen das Syrische joch wieder vom halse.
Hierauf änderte sich alsobald der ganze zustand des krieges / indem bald hernach
auch der Nahor die welt gesegnete: da dann dessen kinder genug unter sich selber
zu tun bekamen / und also der König Rehob zu Zoba unangefochten bliebe. Weil er
aber die Maecha zur Kron-genossin verlangte / als machete er ein bundnis mit dem
Kemuel: der hatte nun die Syrische Kron aufgesetzet /und mit des Ammi hülfe alle
riesen vertrieben / die da umher gewohnet. Maecha bliebe bei dem Betuel in
Haran / welches ihm zum erbteil angefallen ware. Aber die Jisca zoge nach
Damascus / zum König Kemuel: welcher / in erinnerung der treuen dienste / die
der Ammi ihm erwiesen / diese seine schwester an ihn versprache. Es wollte aber
des Ammi grosmut ihm nicht zulassen / dieses gluck anzunemen / bevor er ein land
erworben håtte. Diese seine begierde zu erfüllen /eråugete sich eine gute
gelegenheit: wie uns der Furst Jonadas wird erzählen konnen.
    Dieser Furst von Hemath / der aus Koniglichen geblüt und der nåchste an der
Kron ware / hatte fast mit ungedult der zeit erwartet / bis er ernennet worden
/seine erfindungen zu dieser geschicht auch herbei zu tragen. Weil sein gemute
jezt mehr mit liebes- als kriegs-gedanken umginge / als ersonne er noch etwas zu
des Ammi und Moab leben / das nachgehends den anderen viel mühe machete / es in
den schranken der warheit zu entalten. Seine erzehlung / bestunde in folgenden
umstånden.
    Es ware unter den riesen / die der dapfere Ammi aus Syrien verjaget / ein
Sammesunischer Fürst / namens Chomasbolus: dem der König Kemuel in ståtiger doch
etwas freier gefångnis zu Damasco aufbehielte. Weil der aber umher gehen dorfte
/ und dannenhero die Jisca ofters zu sehen bekame: als ward er von ihrer
schönheit dermassen eingenommen / dass er sich heftig in sie verliebte / und auf
mittel bedacht wurde / wie er sie entfüren und nach Ar bringen möchte / da der
König Brammis sein vetter regirete. Er ersah ihm hierzu eine bequeme zeit / wie
der Konig neben dem Ammi eben auf der jagt war: brachte also die Jisca davon /
ehe sich jemand dessen versehen konnen. Der verliebte Ammi wollte schier
verzweiflen / als er in der wiederkehr sich so schmerzlich beraubt fand. Es
hätte ihn auch zu leben verdrossen /wann ihn nicht die rache und begierde /
diesen verlust seiner liebsten alle Sammesunim und Emim entgelten zu lassen /
aufgehalten håtte. Sein natürlicher widerwille gegen diese volker ware schon
vorher so gross /dass er ihme fåst furgenommen hatte / sie zu uberziehen / und ihr
land fur seine schonste Jisca zu erobern. Nunmehr aber war diese susse hoffnung
verschwunden / und bliebe nichts übrig / als die schmerzliche rachgier / die
allein sein leben noch fristete. Der Konig Kemuel versah ihn mit volkern aus
einem lande von Babel / welches seine gemalin / die Königin Ziparis von Assyrien
/ ihme zugebracht hatte.
    Inzwischen er sich zu diesem feldzug rustete / lebete zu Haran der verliebte
Moab in nicht båsserem zustande. Dann / er musste sehen / wie der König Rehob
offentlich um die Maecha werben liesse / und sie ihme gleichfalls bald aus den
augen hinweg furen wurde. Weil er kein mittel sah / ohne verletzung der tugend
/des Rehob Glück zu behintern / als wollte er in Haran nicht länger verbleiben /
da er so vergeblich seinen heldenmut gewiesen / und vor soviel ausgestandene
liebesschmerzen keine vergeltung erworben. Demnach entschlosse er / seinem
bruder im zuge wider die Sammesunim zu folgen / und das land zu verlassen /da er
alle seine ruhe und vergnugung verloren hatte. Maecha / die ihn ståts als ihren
båsten freund gehalten / sah seinen abzug mit grosser betrubnis an; und Betuel
ihr bruder / der in allem dem verståndigen Moab bisher gefolget hatte / bemühete
sich sehr / wiewol vergebens / ihn von seinem furhaben abzubringen. Endlich aber
/ als er seine beståndigkeit sah / gabe er ihme volker mit / die er seinem
bruder zu hülfe furen sollte. Also zogen Moab und Ammi aus Syrien und
Mesopotamien hinweg / da sie ihre freiheit und liebsten verloren: und wollten /
weil sie in der liebe so ungluckselig waren / im krieg ferner ihr heil
versuchen. Sie gingen aber also zu krieg / dass sie gleichwol dabei der
verheurateten Maecha und der entfureten Jisca sich stäts erinnerten. Und ob sie
wohl beide gleich ungluckhaft waren / so achtete doch jeder sein leiden fur
grosser / als des andern seines. Der Ammi sagete: Er wollte noch eher zufrieden
sein / wann er nur wissen sollte / wo die Jisca geblieben. Moab klagete: Er wollte
sich weniger uber sein unglück beschweren / wann er nur sagen konnte / dass die
Maecha ihn jemals geliebt habe. Wie aber Maecha von des Rehob heurat abgekommen
/ wird uns die schöne Furstin von Arvad zu erzählen wissen.
    Ich finde fur mich allzuschwer / (sagte Dersine / die / gleich der Ammonide
/ bei der Königin von Ninive am hof war /) da der Furst Jonadas uns berichtet
/Maecha sei im begriff gewesen / den Rehob zu heiraten / dass ich nun etwas
ersinnen solle / wordurch solches verhintert worden. Als sie hierauf ein wenig
nachgesonnen / fuhre sie also fort / in der erzehlung.
    Es wurde zu Haran die konigliche hochzeit angestellet / und kame der wackere
Rehob dahin / seine Fürstin abzuholen / und nach Zoba zu füren. Aber am abend
vorher / da folgenden tags die hochzeit fortgehen sollte / kame die Maecha hinweg
/ dass niemand wusste / durch wen oder wohin sie entkommen wåre. Weil auch ich
solches nicht weiss / als will ich den Abias hiervon reden lassen / welcher uns
bässern bericht wird geben konnen.
    Des verliebten Konigs von Zoba besturzung (erzehlte dieser kammerherr von
Hemath / nachdem man uber der Dersine lustige ausrede wohl gelachet /) war so
heftig / dass er håtte sterben mogen / wann er nicht seines lebens noch wåre
benötigt gewesen / um die rauber seiner Maecha zu erfahren und abzustraffen
/oder sonst die beschaffenheit von ihrem so unvermuteten verlust zu ergrunden.
Indem er aber hiermit beschåftigt war / kame ihm zu ohren / wiedass der Moab die
Maecha geliebt: welches geschrei etliche personen erwecket hatten / und fur
gewiss bezeugeten. Dieses brachte ihm den argwahn / der Moab müste dieser rauber
sein. Demnach / aller ehmaligen freundschaft vergessend / fassete er / in dieser
seiner gemütsverwirrung / den ubereilten schluss / den Moab zu verfolgen / und
ihm die beute wieder abzujagen. In solchem fürsatze / sein reich und alles
hintan setzend / floge er fast mehr / als dass er reisete / unsere beide helden
einzuholen. Nachdem er in dem land / welches nun die Ammoniter besitzen /
angelanget / horete er allentalben von den furtrefflichen heldentaten des Moab
und Ammi / und hatte Ammi bereits Rabbat eingenommen / alda auch die beide
bruder sich aufhielten. Der eifersuchtige Rehob kame dahin / nur von etlichen
waffenträgern begleitet / und hielte sich etliche tage ganz heimlich daselbst
auf.
    Eines tags belaurete er den Moab / im walde / der nahe an Rabbat stosset /
als derselbige / seinen betrübten gedanken nachhångend / ganz allein ginge.
Rehob vername aus etlichen klagworten / die der Moab furete / dass er sich
beschwerete / er wäre nicht geliebt: daher ihm die einbildung noch gewisser
wurde / dieser hätte seine getreue Maecha bei sich /und verfolge sie mit seiner
liebe. Diesemnach kunte er sich nicht långer zwingen oder verborgen halten /
sondern / sein schwerd blossend / liesse er sich vor dem Moab sehen / und ihn
zugleich diese worte horen: Hie ist dein gluckseliger mitbuler / der dir der
Maecha liebe bestreitet! Mich must du erstlich überwinden /ehe du von ihr etwas
zu hoffen habest. Moab erschracke uber diesem anblick des Rehob also heftig /dass
/ wann jener ihme nicht auf den leib gedrungen und ihn zur gegenwehr genotigt
hätte / er wohl lange nicht aus seiner bestürzung wurde zu bringen gewesen sein.
Er wehrete sich auch des Rehobs / ohne dass er nicht bedachte / was er täte:
weil ihme nicht zeit gelassen wurde / diese abenteur recht zu uberlegen. Ohne
zweifel wurden diese helden einander aufgerieben haben / wann nicht der Ammi
wåre dazu gekommen / der sie vonsammen brachte / und / ihrer alten freundschaft
sie erinnerend / durch seine bitte soviel ausrichtete / dass sie von ihrem
wutigen kampf abliessen.
    Rehob / der mehr und gefårlichere wunden / als der Moab / entfangen / musste
leiden / dass man ihn in Rabbat brachte. Und ob er wohl zu erst in seiner
einbildung beståndig verharrete / die Maecha wåre in Moabs hånden: so wurde er
doch bald eines andern berichtet. Demnach / das jenige nicht bei dem Moab
findend / was er suchete / verlore er zwar die eifersucht / aber nicht seine
grausame betrubnis: dann er musste nun sich noch ungluckseliger achten / als
vorhin / weil er nicht wusste / wo oder bei wem er seine Maecha suchen sollte.
Moab war ebenfalls nicht zu trosten / als er erfuhre / wie Maecha verloren ware.
Diese beide edle mitbuler huben hiemit an / einander wieder zu lieben / und
neben dem Ammi den verlust ihrer liebsten zu beklagen. Der dapfere Rehob erbote
sich auch / teils aus freundschaft gegen ihnen / teils aus angeborner grosmut /
meistenteils aber aus verzweifelung / diesen beiden helden in ihrem krieg wider
die riesen beizustehen. Dann er suchete / nach diesem seinem grossen verlust /
nichts als den tod /und bekummerte sich wenig um das reich / das er verliesse.
Wie sie nun den krieg wider den König Brammis / miteinander fortgesetzet / wird
uns / weil ich eine dame nach mir wählen muss / niemand bässer als die Aramena
berichten können.
    Aramena sagte: Weil ich / so erfahren im kriege von dem Abias angesehen
werde / will ich mich moglichst bemuhen / ihn in seiner einbildung zu stärken.
Damit begunte sie / in dieser erzehlung / also fortzufahren.
    Der Konig Brammis / der nach seines vettern tod die regirung angetreten /
hatte zwar dessen tron /aber nicht seine gute und tugend geerbet / und erwiese
an sich das widerspiel in allen dingen. Weil sein kindischer hass wider den Moab
und Ammi mit ihm erwachsen / als liesse er dessen auch dieser helden beide
mutter entgelten / welche er dem Moloch im tal Hinnon erbårmlich aufopferte.
Sie erfuhren diese greuliche tat zu Rabbat / und die betrubnis hierüber /
zündete ihre rache von neuem an / also dass sie / da sie bisher mit der eroberung
Rabbat sich vergnüget /nun mit hochstem eifer den krieg wider den Brammis
fortsetzeten / und keines von den Emim oder Sammesunim verschoneten. Ihr
wurgendes schwerd frasse alles / was ihnen nur fürkame. Endlich lieferten sie
/nahe beim gebirge Gilead / den riesen eine schlacht /die an beeden teilen sehr
blutig war: doch verloren die riesen / und wurden geschlagen / dass ihrer 30000.
auf der walstatt blieben. Brammis entflohe mit seinen gewaltigen nach Ar:
daselbst er von Moab und Ammi / die ihren sieg verfolgeten / belägert wurde.
Weil dieser ort von natur sehr fåst war / als kunten sie lange dem Brammis
nichtes abhaben / der sie auch mit oftmaligen ausfällen sehr beunruhigte. Der
Konig Rehob hatte / in einem dieser ausfälle / sich so weit verwaget / den feind
wieder nach der stadt jagend / dass / wann Moab ihme nicht eiligst wåre zu hülf
gekommen / er sein leben hätte mussen einbussen. Diesen dienst betrachtete Rehob
gar erkentlich / ob gleich sein fursatz nur zum sterben ginge: gleichwie auch
der grosmütige Moab ihm nicht konnte leid sein lassen / dass er seinem mitbuler
das leben erhalten. Ich uberlasse aber diese belågerung dem Fürsten von Hemath /
selbige weiter auszufüren: der uns dann auch / von dem riesen Chomasbolus /
ferneren bericht wird erteilen konnen.
    Es hatte Chomasbolus (liesse dieser Fürst sich hierauf vernemen /) seine
schone beute von Damasco nach Ar eingebracht: aber bei der grosmütigen Jisca
solchen widerstand gefunden / dass er seine gefangenin furchten musste. Es ware
gleichwol in diesem riesen soviel ehrerbietung / dass er ihre gegenliebe nicht
mit zwang / sondern durch fleissige bedienung gewinnen wollte. Dieses erhielte
ihr noch das leben / welches sie sonst / wann man ihrer ehre etwas håtte anmuten
wollen / ihr selbst zu nemen / entschlossen ware. Es begabe sich aber / zu ihrem
ungluck / dass auch der Konig Brammis sich in sie verliebte / bei deme mehr macht
und weniger ehrerbietung sich funde / und musste Chomasbolus gleich zurücke
stehen. Also sah sich die ungluckselige Jisca in noch grosserer verfolgung: da
dann diese einige hoffnung sie noch trostete / dass sie ihren Ammi so nahe wusste
/ und von dessen dapferkeit ihre freiheit erwartete. Dieser held / unwissend /
dass seine geliebte ihm so nahe wäre / setzete mit seinen helfern die belagerung
eiferigst fort / und wurde / in einem ausfalle / der Chomasbolus gefangen: das
dann dem verliebten Ammi die hochste freude war / weil er durch diesen seinen
mitbuler von der schonen Jisca etwas zu erfahren verhoffete. Wie gros wurde aber
sein verlangen / sie zu erretten / als er vername / dass sie in des Brammis
gewalt wåre! Er sparete nun keinen fleiss / die vestung eiligst einzubekommen:
worzu ihme der Chomasbolus / aus rachgier gegen seinem König / selbst behulflich
war / und ihm einen weg zeigete / durch welchen die vestung zum leichtesten
konnte erstiegen werden.
    Wie sie aber hierüber zu werk waren / kame ein gewaltiges heer riesen aus
Hazorim dem Brammis zu hulfe / also dass unsere helden gezwungen wurden /sich zu
teilen: da dann Moab wider die Aim ginge /Ammi aber und der Konig Rehob vor Ar
verblieben. Wiewol nun diese teilung ihre macht sehr schwåchete / so wollte doch
Ammi den sturm furnemen. Sobald die hierzu bestimmete nacht angekommen / furete
sie Chomasbolus an den bedeuteten ort: da dann Ammi und Rehob die stadt
erstiegen / und alles durch die schärfe des schwerds jageten / was ihnen zu
handen kame. Weil aber die riesen in der stadt grossen widerstand täten / und
ihre macht sehr gross war / als verranten sie eiligst den folgenden den pass: also
dass der erhitzte Ammi und Rehob / nur mit etlich hundert mann / sich in Ar sahen
/ und / von allen seiten umringet / nirgend ausweichen kunten. Diese beede
helden verübeten damals wunderdinge / und erlegten eine so grosse månge riesen /
dass ihnen die erschlagene fast zur mauer dieneten / um etwas von dem gefechte
auszuruhen. Weil sie den tod fur augen sahen / und solchen lieber als ihr
gefängnis wählen wollten / als fochten sie mit unbeschreiblicher dapferkeit. Sie
wurden aber endlich / von den vielen wunden / also entkråftet / dass sie unter
den todten hinfielen. Wie sie aber / auf befehl des Brammis / recht besichtigt
wurden / funde man noch ein leben in ihnen: das dann diesem wüterich eine
froliche post war / weil er also feine rache desto vollkommener an ihnen
auszuuben vermeinte. E. Maj. werden geruhen / uns von dieser geschicht ein
mehreres bekant zu machen.
    Der Fürst Jonadas hatte / dieses sagend / die Konigin mit einer tiefen
verneigung angesehen: welche hierauf die erzehlung folgender gestalt
fortsetzete.
    Es hat uns noch keiner berichten wollen / wo die Maecha sei hingekommen:
wiewol Dersine dem kammerherrn Abias ein solches aufgetragen. Demnach will ich
bemüht sein / dem suchenden Moab seine geliebte auch wieder zu verschaffen.
Dieser held zoge denen riesen Aim bis an den fluss Arnon entgegen / und lieferte
ihnen eine schlacht: die er gewonne / und nicht allein die riesen zwunge / nach
Hazorim zurucke zu entrinnen / sondern auch des Konigs von Hazorim sohn den
Rapha gefangen bekame / und also einen herrlichen sieg davon brachte. Diesen
Rapha befunde der Moab so tugendhaft von gemute / und so scharf an verstand /
dass er ihn / weil er auch bei der schlacht viel zeichen einer grossen dapferkeit
spuren lassen /in seine freundschaft aufname / unangesehen er sein feind und
gefangener war. Demnach hielte er ihn gar ehrlich / und weil er / täglich mit
ihme umgehend /eine sonderbare traurigkeit an ihm verspurete / die aus anderer
ursach / als aus seiner gefangenschaft / herruren musste / als befragte er ihn
einsmals: was sein anligen wåre? Der Rapha offenbarete ihm / in antwort: wiedass
seine bande ihn nicht so sehr schmerzeten /als dieses / dass ihme hierdurch alle
macht benommen wåre / eine dame / die er liebete / vom tode zu erretten / welche
auf dem berge Pegor gefangen såsse / und von seinem herrvatter dazu verdammet
wåre / dass sie sollte dem Baal Peor geopfert werden. Es wären nur noch acht tage
dahin / da diese opferung sollte für sich gehen / welche zu hintern er bereits
einen anschlag gefasset håtte: der aber nun / durch seine gefängnis /wäre
vergeblich worden.
    Den mitleidigen Moab taurete dieser unfall von herzen / weil er / als einer
der liebete / des Rapha angst wohl erkennen kunte. Demnach bote er sich
freiwillig an / mit seinem volke / des riesen geliebte zu erretten: weil er
ohnedas / seinem sieg nachzusetzen /gesonnen ware. Er versprache auch dem Rapha
die freiheit / wann er ihm angeloben wollte / nicht mehr wider ihn zu kriegen.
Dieser verliebte riese / bekennte und nennte sich hiergegen des Moab ewig
verbundenen. Als sie nun an den berg Pegor gekommen / auf welchem der tempel des
Baal-Peors stunde / der von allen seiten trefflich befästiget ware: stürmete der
Moab den berg mit höchstem eifer / und erstige denselben. Mitlerweile nun der
Rapha / seine gefangenin zu erlosen / bemühet war / brachte Moab alles unter
seine gewalt: wodurch er das halbe land von Hazorim ihme botmäsig machete. Er
håtte seinem sieg weiter nachgesetzet / wann ihn nicht / die betrubte zeitung
von dem unglück und gefängnis seines bruders Ammi und des Konigs Rehob / wäre
eingelanget. Weil ihn nun die brüderliche liebe antriebe / ihm in dieser noht
beizuspringen: als verliesse er den berg Pegor wohl besetzet / und eilete nach Ar
zurücke; da dann Rapha ihn nicht verlassen / sondern begleiten wollte. Dieser
Prinz von Hazorim / furete die erlosete dame mit sich / welche Moab / wegen
vieler geschåfte / noch nicht gesehen hatte. Sie waren noch eine tagreise von Ar
/als die zeitung kame / wiedass der König von Hazorim gestorben wäre. Moab /
seine grossmut dem Rapha vollkomlich zu zeigen / liesse ihm zu / dass er nach
Hazorim zurücke reisen / und die Kron seines vatters aufsetzen mochte: da
hingegen Rapha dem Moab versprache / ihme den Brammis bekriegen zu helfen.
    Es hatten aber die zu Ar des Moab ankunft erfahren: dannenhero sandte der
Konig der Emim ihme seine groste macht entgegen / welche in dem gebirge
unversehens auf ihn stiesse. Moab bekame die zeitung von der herannahung des
feindes / als er eben mit dem Rapha in das gezelt der jenigen dame gehen wollte
/die er auf dem berg Pegor ihme befreien helfen. Weil er nun also / diese
besuchung geschwind abzulegen /gezwungen war / als eilete er in das gezelt
hinein. Er fand daselbst die schonheit / die ihm seine freiheit genommen / um
deren willen er soviel qual ausgestanden / und deren verlust ihme so
unertråglich gewesen. O Maecha! rieffe er / und bliebe damit stehen: weil
unverhoffte freude und bestürzung ihn zugleich also überfielen / dass ihme kein
sinn / als das gesichte /zum gebrauch ubrig bliebe. Maecha hingegen / den Moab
ersehend / wurde nicht weniger erfreuet: dann sie vorher / wegen innigster
traurigkeit / sich nicht bemühet hatte / zu erfragen / wer dem Rapha geholfen
håtte / sie vom berge zu entfuren. Wie sie aber beiderseits / wegen der
besturzung / einander anzureden verzogen / kamen die kriegsbedienten des Moab
einer nach dem andern eiligst gelaufen / und meldeten ihm an / wiedass die riesen
bereits in sein lager eingebrochen wären / und nun anfingen / alles in unordnung
zu bringen. Der Pelech / unser wirt / soll ferner sagen /wie es weiter ergangen.
    Der dapfere Moab / (ersetzete Pelech /) der nicht /seine liebe zu vergnugen
/ seiner soldaten-gebur vergessen wollte / eilete von der schönen Maecha hinweg /
nachdem er sie einem seiner kriegsbedienten in obacht befohlen / und schwunge
sich zu pferde / dem feinde widerstand zu tun: da er auch solche dinge
verrichtete / die niemals keiner ihme gleich oder vor-tun mögen. Die gegenwart
seiner Maecha verdoppelte seinen muht: also dass die Emim / welche bereits
gesieget hatten / ganz in die flucht geschlagen wurden. Er liesse sie bis vor Ar
verfolgen: er selbst aber kehrte wieder zurücke nach dem lager / die Maecha zu
sprechen. Er funde / bei seiner wiederkunft ihr gezelt ganz leer / und wusste ihm
niemand bericht zu geben /wo sie mochte geblieben sein. Also hatte er sie zuvor
/ gleich als im traum / gesehen / und zweifelte er / ob es wahr gewesen / dass er
die Maecha diesen tag gesehen. Rapha liesse sich ebenfalls nirgend finden / wie
auch der kriegsbediente / deme Maecha anbefohlen worden. Der betrubte Moab wollte
schier verzweifeln /und wusste nicht / was er beginnen sollte: dann er nicht
zugleich seinen bruder und die Maecha befreien / und doch auch keines von beiden
verlassen kunte. Die Prinzessin von Seir wird uns berichten / was er in dieser
beschwerlichkeit für einen schluss ergriffen habe.
    Wann ich ihn nach meinem sinn (sagte Ahalibama) sollte tun machen / so würde
er mir die verlorne Maecha suchen müssen. Nun tauret mich aber auch der
gefangene Ammi / der seines bruders beistand hoch vonnoten hat / also dass ich
ihme des Moabs hülfe nicht länger entziehen kann. Hierauf sezte sie die erzehlung
fort / wie folget.
    Der bekummerte Moab entschlosse sich / an Ar einen sturm zu versuchen / ehe
die grausamkeit des Brammis ein ungluck wurken mochte: demnach bote er sein
ganzes heer auf / solches werkstellig zu machen. Brammis / diese zurüstung
ersehend / erinnerte sich noch / was er fur ein mittel in seinen kinderjahren
ersonnen / seinen feind vom sturm abzuhalten. Demnach liesse er den Ammi und
Rehob auf die mauer furen / welche inzwischen an ihren wunden wieder genesen
waren / und entbote dem Moab hinaus: wo er nicht von dem sturmen abstunde / so
sollte er des Ammi und Rehobs håubter abschlagen sehen. Der beångstigte Moab
wusste nicht / wie er sich hierinn verhalten sollte / und ware ganz unschlüssig.
Indem ersah er / dass ein getummel und gefechte auf der mauer entstunde; und
bald darauf / dass Ammi und Rehob befreit / und mit schwerdten / sich zu wehren
/ versehen wurden. Wiewol er nun nicht eigentlich wusste /was diss bedeutete / so
vermutete er doch etwas gutes: fuhre demnach mit dem stürmen fort / und zwar so
glucklich / dass er die stadt erstiege / und also diese fastunüberwindliche
vestung uberwältigte. Der Fürst von Ressen / wird uns hievon ein mehrers
berichten.
    Der Rapha (erzehlte Ninias /) ware neben der Maecha in Ar gekommen: da ihn
Brammis / als seinen vettern / willig aufgenommen. Weil er nun dem Moab / fur
die von ihm entfangene woltaten / auf alle weise wieder dienen wollte / als
hatte er diesen anschlag gemachet / den Ammi und Rehob zu befreien / wann Moab
die stadt stürmen wurde. Wie nun solches glücklich verrichtet / und Moab herr
von der stadt war / überlieferte ihm der Rapha seinen bruder / neben dem Konig
von Zoba / und gabe unserem helden zu erkennen / wiedass er ihme diesen dienst
geleistet /indem er ihn also anredete: Nimm hin / grosser held! von des Rapha
hand / deinen befreiten bruder und bundsverwandten? Er ist dir noch viel mehr
als dieses schuldig: weil du ihm die jenige befreit und wieder gegeben hast /
an der sein leben hånget. Der besturzte Moab wusste nicht / wie er dieses
beantworten sollte /und klagete sein grausames verhängnis an / welches ihme
hinterlich war / seinen mitbuler zu hassen. Er dorfte auch / bei solchen
umstånden / nicht nach der Maecha fragen / welches er doch mit noht unterliesse.
Nachdem er ihme vor diese rettung seiner freunde gedanket / und Rehob und Ammi
ihre beide erlosere vielfåltig umarmet hatten: begaben sie sich såmtlich nach
der königlichen burg / da furnemlich den Ammi verlangte / seine geliebte Jisca
zu sehen.
    Als diese vier helden in das gemach eingetreten / da Maecha und Jisca innen
waren / liefe die letzere gleich zu dem Ammi / denselben zu entfangen. Die erste
aber / ersah ihren geliebten Rehob nicht sobald / da begunte sie ihm um den
hals zu fallen: und kann man denken / wie dieses dem Moab und Rapha gefallen.
Rehob / der nichtes von ihrem da sein gewust /wäre schier in ihren armen für
freuden gestorben. Wiewol nun die gegenwart des Moab seine freude ein wenig
unruhig machete / so kunte er doch ein so unvermutetes gluck nicht ohne
sonderbare gemüts-erfrölichung annemen und geniessen. Der Rapha sprache dem Moab
zu / ihm seine dame zu schützen / als welche er keinem andern gonnen konnte. Es
halte ihn auch nur bloss die ehrerbietung / die er für ihm trüge / zurucke / dass
er nicht dem Rehob gleich zeigete / wie grosses anteil er an der Maecha zu haben
vermeinte. Ach! (seufzete und sagte hierauf der ungedultige Moab / zu dem Rapha
/) du sihest / edler held / sowol an mir als an dem Rehob / einen mitbuler:
gedenke darum / wie ich so ganz untüchtig bin / dir zu dienen /da ich selbst in
einer verzweifelten liebe lebe. Diese worte machten den Rapha so unwillig / dass
er nicht wusste / wozu er sich entschliessen sollte. Doch ubermeisterte ihn die
liebe / dass er ihm furname / die Maecha zu behaubten. Demnach ginge er / voller
wut / aus dem zimmer hinaus. Weil er unter den Emim /die er auch besagter massen
auf seine seite gebracht /und also den Ammi und Rehob befreit / hoch angesehen
war: als brachte er dieselben jetzund gleich wieder auf / dass sie ihm folgeten /
ihm die Maecha rauben zu helfen. Weil aber des Moab / Rehob und Ammi volker
diesem verzweifelten liebhaber zu stark waren / als wurde er gefangen / und alle
diese Emim erleget. Es hielten aber unsere helden fur unbillig /den jenigen /
der sie befreit und ihnen so grosse dienste getan / gefangen zu halten:
dannenhero sie den Rapha alsobald wieder auf freien fuss stelleten. Wie es weiter
abgelaufen / werden wir von der Prinzessin Ammonide erfahren.
    Der Ammi (erzehlte Ammonide /) liesse sich darzu gebrauchen / zwischen diese
helden zu gehen / und sie miteinander zu versonen. Rapha aber wollte / weil er
sich sonst ohne alle macht sah / die sache auf einen kampf stellen / den er dem
Rehob antragen liesse: und Rehob willigte solches ein / mit der bedingnis / dass
der uberwundene sollte die Maecha fahren lassen. Sie waren aber beide so dapfer /
dass jeder entweder den sieg oder den tod hoffete davon zu tragen. Rapha suchete
/ die Maecha zu sprechen / und bate sie / wann er in diesem kampf stürbe / dass
sie dem Moab ihre liebe gönnen wollte: welche bitte auch der Rehob gegen ihr
ablegete. Also ginge / in gegenwart des ganzen heers / dieser blutige kampf an:
welcher ihnen beiden tödlich war / indem der Rapha gleich auf dem platz bliebe /
Rehob aber nur noch etliche stunden lebete / die er in seiner Maecha armen
zubrachte: und bate er sie nochmals / in anwesenheit des Moab / dass sie nach ihm
diesen helden lieben wollte / der ihrer allein würdig wäre. Also sturben diese
beide edle Konige von Zoba und Hazorim / und verlore Moab damit auf einmal zween
wehrte freunde. Wie es nach deren absterben weiter ergangen / wollen wir von dem
Ardeus hören.
    Wir haben noch nicht gehöret / (erlångerte dieser die geschichte /) wo der
Konig Brammis hingekommen. Dieser herr / als er auf einer seite alles dergestalt
in unordnung sah / name die flucht mit den vornemsten des reiches / und
entronne nach Seirat / das nahe am gebirge liget: daselbst er alles gesammlet /
was ihme von seiner macht noch ubrig ware. Unsere helden såumeten sich auch
nicht / den Brammis zu verfolgen. Den Ammi triebe hierzu die begierde / seiner
Jisca des Brammis Kron aufzusetzen. Der Moab aber verfolgte diesen krieg / weil
er von der betrübten Maecha befehl bekommen hatte / alle des Rapha landsleute
auszurotten / und also an ihnen Rehobs blut zu råchen. Sie liessen / in diesem
kriege / alles durch die schärfe des schwerdes sterben / zur rache des todes
ihrer mütter. Brammis wollte sein heil noch eins an ihnen versuchen / und
lieferte ihnen eine schlacht: in welcher ihn der Ammi mit eigener hand erleget.
Hierauf wurden alle Sammesunim und Emim gånzlich ausgerottet / dass ihrer gar
wenig uberblieben: die aber zinsbar wurden / und ferner keine gewalt mehr
uberkamen. Die Furstin von Arvad wird nun ferner sagen / was sich zu Ar
zugetragen / allwo die beide schwestern zurucke gelassen wurden.
    Nachdem die Dersine also aufgefordert worden /ginge sie zuvor zur Königin
von Ninive / und sagete ihr etwas in das ohr: und als ihr dieselbe solches
belieben lassen / erweiterte sie die erzehlung / wie folget.
    
    Die Maecha / welche des Rehobs tod sehr beweinete / funde noch einigen trost
in ihrer schwester gegenwart: die dann sehr bemuhet war / den Moab bei ihr
beliebt zu machen / und ihr / unter andern ursachen /des sterbenden Rehobs
eigenen befehl furhielte. Also wurde Maecha nach und nach / fur den Moab /
gewonnen. Jisca hatte ihr alles erzählt / was ihr mit dem riesen Chomasbolus
begegnet / wie derselbige in Ar todt geblieben / und wie Ammi und Rehob so
unglucklich durch einen sturm in die stadt gekommen wären. Maecha erzehlete ihr
hinwieder / wie sie / den tag vor ihrer hochzeit / aus Haran gekommen. Ihre
worte / wird uns der kammerherr Abias fürtragen: den ich zum zweitenmal / mit
der Konigin erlaubnis / benenne / weil er das erstemal nicht recht verrichtet
/was ihme war auferleget worden.
    Abias hatte dessen sich nicht versehen / weil es wider des spieles satzungen
liefe / von einer mitspielenden person zweimal aufgefodert zu werden: befande
sich demnach in nicht geringer verwirrung. Gleichwol / als er deme / was er zu
sagen hatte / ein wenig nachgesonnen / beschrånkte er das ihme aufgetragene mit
diesen worten.
    Die Maecha erzehlete der Jisca / wie des Raphavatter / der Konig von Hazorim
/ einen Bactrianer bei sich gehabt / der vorhin bei dem Konig Zoroaster /dem
berümten zauberer / war in diensten gewesen. Weil er nun dieser kunst auch wohl
erfahren war / als hatte er dem Konig von Hazorim / auf sein begehren /alle
schone damen der ganzen welt in einem gesichte sehen lassen. Es hatte ihm keine
båsser / als die Maecha / gefallen: daher er dem Bactrianer angelegen /diese
schöne ihm zu verschaffen. Selbiger brachte solches durch seine zauberische
künste zuwegen / und wurde Maecha / unsichtbarer weise / mitten aus Haran
hinweggezucket / dass niemand etwas davon wargenommen. Wie sie nach Hazorim
gebracht worden / wollte der riese / aus heftiger liebe / sie mit gewalt zu
seinem willen zwingen. Maecha aber widerstunde ihm mit so grosmütiger
Entschliessung / dass sie einsmals den Oberpriester des Baal-Peors / der sie zu
des Konigsliebe bereden wollen / mit eigener hand erwürgte. Hierdurch hatte sie
seine liebe in solchen hass verwandelt / dass er sie dem gott Baal Peor auf dem
berge Pegor wollte opfern lassen: wovon aber der Rapha / welcher sich auch in sie
verliebet / mit hulfe des Moab sie errettet. Die Fürstin von Cale wolle ihr nun
belieben lassen / uns zu berichten / was ferner mit diesen zweien brüdern und
schwestern zu Ar vorgegangen.
    Unsere helden (erzehlte Casbiane /) kamen endlich sieghaft wieder in Ar an /
da Ammi des Brammis Kron seiner Jisca zu füssen legete. Hierauf wurde er /mit
allgemeiner bewilligung / zum Konig erklåret uber das ganze land / das zwischen
Syrien / Arabien und dem gebirge Gilead liget / welches die Sammesunim und die
Emim bewonet hatten. Er erwehlte die stadt Rabbat zu seinem hoflager / dahin er
auch die Jisca furete: welche nun seiner liebe sich vollig ergabe / und / ihn
heuratend / die erste Konigin von Ammon wurde. Der ritter Dison wolle nun auch
sagen / wie Moab seine Maecha uberwunden / dass sie des Rehob vergessen / und
sich ihm geschenket.
    Weil Maecha des liebens gewonet war / (setzete Dison hinzu /) seit dass sie
ihr herz dem Rehob eingeraumet / als fiele es dem Moab nicht schwer / sich in
dessen stelle bei ihr zu setzen. Weil sie sein sterbender mitbuler ihme
gleichsam im lezten willen vermachet / und er auch / das geschlechte der Aim
austilgend / ihren befehl erfullt hatte: als war die vergeltung dafür / ihr
herze / welches sie ihm so vollkommen zu besitzen übergabe / als es jemals dem
Rehob eigen gewesen. Die konigliche hofmeisterin wird die beilager- und
kronungsfeste / bässer als ich / anstellen konnen.
    Das beilager der beiden brudere mit den beiden schwestern / (erzehlte
Perseis /) wurde zu Rabbat gehalten. Der glückhafte Moab / begabe sie hierauf
von seinem bruder / den Konige von Ammon / in das land Hazorim: welches er nach
seinem namen Moab nennte. Er liesse auch eine stadt bauen / deren er den namen
Rabbat Moab gabe: alda seine Maecha gekronet wurde. Es wurden / unsern beiden
helden zu nachrum / stattliche ehrengedåchtnise von kostbarem marmor
aufgerichtet / woran diese reimen geschrieben stunden: welche / zum beschluss
dieser geschicht / der Fürst Jotan uns wiederholen wird.
    Ich sehe wohl / (sagte Jotan /) dass mir mein warten ubel gelungen: und / da
ich vermeinte zum leichtesten davon zu kommen / wird mir nun die schwereste last
aufgeleget. Ich habe aber niemals die poeterei gelernet / auch / die warheit zu
bekennen / wenig beliebung darzu getragen. Wann ich nun / der Perseis befehl
nachzukommen / gehalten sein sollte / wurde man wohl noch etliche stunden auf
meine einflüsse warten müssen. Deswegen überlasse ich diese reimen jemand
anderem in der gesellschaft / und will nicht eifern mit dem / der bässere verse
als ich machen kann. Wann es nicht (sagte die Königin /) bereits anhübe dunkel zu
werden / wollten wir gern des Jotans einfålle erwarten. Weil wir aber an die
rükkehr gedenken mussen /als wollen wir darum losen / wer von uns anderen dem
Jotan soll seine last abnemen. Damit wurden /auf der Konigin befehl / der
Merone / welche nicht mit gespielet / die augen verbunden / und sie in die mitte
gestellet: und sollte die person / zu der sie also blindlings gehen wurde / die
begehrte reimen verfårtigen. Es traffe aber die Königin selber: welche / als sie
ein wenig sich bedacht hatte / des Moab und Ammi geschichte mit diesen lobreimen
beschlosse.
Die / so ihre mutter sollte sein /
ward zum stein.
Sittim / das verfluchte tal / von dem feuer umgekehret /
das vom himmel fiel herab /
hielten ihre töchter fur der ganzen welt ihr grab /
meinten / alles sei verzehret.
Ob die tat schon ware sünd:
doch so hat der vorsatz lob verdient /
eine neue menschenwelt mit dem vatter anzubauen.
Irrtum war es / keine bosheit nicht /
der die keuschheit riss' aus ihrer pflicht.
Hat die unschuld / schuld begangen?
Ob sie ja des vatters weiber und der bruder mütter seind:
ach! dem riesen-stammen / unsrem feind /
haben sie den tod geboren;
Sundgeburt / die misgeburt auszurotten / war erkoren.
Ach! was tugend-helden
hat diss laster uns gezeugt!
Låstermåuler / schweigt!
Moab / Ami / man mit ruhm soll von welt zu welt vermelden.
Ehret hier den nam:
Er ist zweier völker Königs-stam.
    Die ganze gesellschaft / ergetzete sich mit diesen reimen der Konigin:
welche / als man / um wieder heimzufahren / aufgestanden war / die Ahalibama bei
der hand name / und / indem sie nach dem schiffe zugingen / sie fragte: wie ihr
diese art zu spielen gefiele / und ob es nicht eine edle gemuts ergetzung wäre?
Ahalibama bejahete solches / und erinnerte allein dieses dabei: dass in
dergleichen gespråchspielen / die gesellschaft einig sein und gleiche beliebung
darzu tragen müste / sonsten konnte eine person alles leichtlich verderben.
Dieses urteil gefiele der Konigin gar wohl /und setzte sie hinzu: wiedass sie / an
dem Jotan / fast eine solche person gehabt hätten. Sie lobete hingegen den
ritter Dison gar sehr / dass der sich aufs bäste hierein gefunden: fragete auch
nach dessen herkunft /erfuhre aber von der Ahalibama nichtes mehrers / als dass
er vom gebirge Seir burtig wåre. Hiemit setzeten sie sich zu schiffe / und kamen
schier bei nachtzeit wieder auf des Pelech schloss. Und weil die Konigin
/folgenden tags nach Hemath wieder abzureisen / gewillet war / als begaben sie
sämtlich sich also fort nach ihren gemåchern / um zu ruhe zu gehen.
    Die Ahalibama fand ihren ritter Dison / nachdem sie bei der Konigin / die
ihr ihr abreis-vorhaben angesaget / sich etwas aufgehalten / der Astale / weil
sie dieser spazirfart nicht beigewonet / alles erzählen /was furgegangen / und
hörete ihn eben folgende worte sprechen: Diese Aramena ist länger von person als
ich / hat braune offenbare augen voll feuer und liebreitzung / eine etwas
erhobene nase / einen schönen mund / und castanienbraune haare / welche ihr /
wie es scheinet / von natur in krause locken fallen. Sie ist dabei liecht von
farbe / und eines freien munteren wesens: also dass / wann ich warhaftig Dison
wäre / ich mich nicht scheuen wollte / ihr aufzuwarten. Indem Astale antworten
wollte / wiedass sie nie auf dem gebirge Seir diese Aramena gesehen håtte / kame
ihr Ahalibama zuvor / zu dem Dison sagende: Du bist verliebt / mein Dison / in
diese dame deines namens! und wer weiss / ob dich nicht die gotter straffen / dass
du eben so vergeblich diese Aramena lieben müssest /als mein bruder Dison dir
umsonst aufgewartet. Dergleichen torheit (antwortete die verkleidete Aramena /)
liset man in keinem buch von der gotter leben. So habe ich auch dergleichen
leiden nicht verdienet / weil ich deinen bruder mehr damit erfreuet als betrübet
/dass ich ihn nicht lieben können / indem ein gleichmåsiges gelubde / nie zu
heiraten / ihn von mir abgehalten.
    Wer mag aber (fragte hierauf Ahalibama /) diese Aramena sein? Sie ist (gabe
Dison zur antwort /) aus deinem lande burtig / und wartet der Konigin von Ninive
fur eine jugfrau auf. Sie hat gar genau und fleissig deinen zustand erkundiget /
und habe ich genug zu tun gehabt / ihr alle fragen sonder teuschen zu
beantworten. Sie muss mich kennen: (sagte Ahalibama /) dann / als ich sie neben
den andern jungfrauen begrussete / liesse sie sonderbare zeichen blicken /
daraus ich ein solches abnemen kunte. Hierauf gingen sie zur ruhe: da dann der
Dison und Tirzis / aus der Ahalibama gemach abtretend / zum Brianes und Zimenes
sich geselleten: welche fur bediente der Casbiane / als mit welcher sie von
Ninive gekommen waren / sich ausgaben. Diese viere blieben stäts beieinander /
und beflissen sich / von aller månnlichen gesellschaft entfernet / ganz
abgesondert zu leben.
    Am folgenden morgen / wie die schöne Delbois mit dem ganzen Ninivitischen
hofe / da sich Ahalibama von Seir nun auch mit unter rechnete / von dem Pelech /
mit bezeugung hochster zufriedenheit / abschied genommen / fuhren sie in gesamt
nach der Königlichen stadt Hemath: da der Fürst Jonadas / wegen des Konigs
unvermoglichkeit / sie stattlich entfinge und mit ansehnlicher wirtschaft
beehrete. Allhier funde der schone Dison seine ergetzlichkeit / in besichtigung
der gemächer / die ehmals der ungluckseligen Ardelise zur wonung gedienet: dann
der kåmmerer Abias furete eines tags / die bediente der Ahalibama / aller orten
umher; da sie auch in das zimmer kamen / allwo der schonen Amorite bildnis hinge
/ welches so ungluckliche wirkung in des Königs gemute verursachet hatte. Dison
und Astale / die unlängst diese Prinzessin gesehen / funden das bild ihr ganz
gleich; und sagte Abias / als er diese beide also aufmerkend ersah: Wolte der
himmel / wir håtten niemals diese schonheit allhier gesehen! so wurden wir nicht
in das ungluck gerahten sein / darin wir jezt schweben. Es hat aber die
Prinzessin Amorite / (versezte Dison /) zu diesem erfolgten ungluck / ganz
unschuldig eine ursach sein mussen. Es ist schwer / (wandte Abias darwider ein
/) von hohen personen zu reden: sonst håtte man wohl mogen wünschen / diese
Prinzessin wäre weniger verliebt / und in ihrem tun mehr bedachtsam gewesen.
Dison dorfte / um argwahn zu verhuten /dieses nicht verantworten.
    Sie kamen damit auf einen saal / allwo sie das gesamte Ninivitische
frauenzimmer / neben den Fürsten von Ninive und dem adel aus Hemath antraffen:
welche / den Dison ersehend / ihn gleich in ihre gesellschaft zogen. Sie hatten
mit einem Chaldeer zu tun /der in der warsagerkunst sehr erfahren war / und
ihnen in gesamt / aus den händen oder dem gesichte /ihr kunftiges Glück
offenbaren musste. Casbiane / die mit zugegen / wollte haben / der Dison sollte ihm
/gleich den andern / aus den hånden etwas weissagen lassen: er aber weigerte
sich dessen / aus beisorge /dieser Chaldeer möchte in seiner kunst gar zu gewiss
sein. Aramena / der Delbois kammerjungfrau / dieses horend / sagte: Ich bin
frolich / dass der ritter Dison sich ja so sehr als ich widersetzet / kunftige
dinge zu erkundigen. Er kann aber (sprache Dersine /) eben sowol aus dem gesichte
/ als aus den hånden / urteilen / und wollen wir des Disons und der Aramena
geheimnise doch wohl erfahren / wann sie schon noch so fleissig ihre hånde
verbergen. Hiemit sprache die ganze gesellschaft dem Chaldeer zu / er sollte aus
ihrem gesichte etwas warsagen.
    Dieser / wie er sie beide genau betrachtet / finge an zu lachen / sagende:
Ich will nimmer von meiner kunst und wissenschaft das geringste halten / wo nicht
diese beide personen ehelich zusammen verlobet sind. Dieses machte den Dison
kuhner / weil er hieraus die ungewissheit des Chaldeers erkannte / und scheuete er
sich nun nicht mehr / ihm seine hand zu zeigen / ihme zugleich zusprechend: Er
sollte recht ergründen / wie lange sie zusammen wären versprochen gewesen / und
ob die hochzeit bald würde fur sich gehen? Wie nun der Chaldeer des Disons hand
wohl besehen / sagte er: Ehe etliche monden vorbei laufen / wird euer beider
trauung geschehen. Wird aber (fragte Aramena) nichtes sonderliches bei unserer
hochzeit furgehen / und werden sich keine mitbuler einstellen? Wann ich
(antwortete der Chaldeer) eure hand gesehen / will ich bald mehr nachricht
hiervon geben. Aramena / die sich nunmehr ja so wenig / als der Dison / scheuete
/weil sie ihn fur einen betrieger zu achten begunte /reichete ihm die hand dar;
welche er lang besah / und endlich sagte: Soviel ich aus dieser hand absehen
kann / wird es euch grosse muhe kosten / gegenwårtigen ritter zu erlangen / und
sind an beiden teilen måchtige mitbuler und mitbulerinnen vorhanden.
    Dieses ist wohl sonderlich ausgesonnen! (sagte Aramena /) wir sind långst
zusammen versprochen gewesen / und sollen bald hochzeit halten: und dannoch wird
es mir viele mühe kosten / diesen ritter zu überkommen. Dem mag sein / wie ihm
wolle / (antwortete der Chaldeer / entwas entrüstet /) so wird doch die zeit die
warheit herfür bringen. Wolan dann! (fuhre Aramena in ihrem scherze fort /) so
will ich mich bei zeiten bemuhen / des Disons gegenliebe zu gewinnen. Und ich /
(sagte Dison lächlend /) will mich so sträng gegen die schone Aramena erzeigen /
dass es ihr sauer genug werden soll / mein herze zu gewinnen. Wie ich es ansehe /
(unteredete Siringe /) so muss Dison die stelle der liebsten annemen / unsere
Aramena aber sich als den verliebten aufwårter anstellen. Wolan /ich bin es
zufrieden / (sagte Aramena /) und ernenne mich von nun an des schonen Disons /
als meiner gebieterin / ergebensten diener. Diesen schonen diener (antwortete
Dison) neme ich willigst auf / nach dem verstande des Chaldeers / und will von
nun an den namen ihrer gebieterin füren.
    Die ganze gesellschaft ergetzete sich an diesen scherzreden des Disons und
der Aramena. Der Chaldeer aber / welcher sich durch diesen spott sehr beleidigt
befunde / wurde von eifer erhitzet / und wollte nicht långer verbleiben; sagte
aber zuvor / ehe er sich hinweg begabe / dem Dison heimlich ins ohr: Ich will
euch nicht mit gleicher munze bezahlen / sonst möchte ich wohl vieleicht etwas
von euch offenbaren konnen / das euch das lachen vertreiben wurde. Dison /
dieses hörend / wurde ganz mit röte überzogen / welches jederman ihm anmerkete:
das dann neue gelegenheit zu scherzen gabe. Indem kame die Konigin mit den
Prinzessinnen auch dazu / welche gleich fragete / wovon ihre unterredung
handelte? Als man es ihr erzählt /betrachtete immittels Ahalibama die Aramena
von neuem / als sie auch ihre augen auf die ihrigen unverwandt gerichtet funde:
und fülete sie in ihrem herzen eine sonderbare zuneigung gegen ihr / deren
ursachen ihr doch verborgen waren. Ihr ritter Dison / wurde gleichfalls von der
Konigin mit ungemeiner gemutsbewegung angesehen; und weil jederman von ihme
wissen wollte / was der Chaldeer ihm hätte ins ohr geraunet / sagte er: Es wåre
etwas gewesen / das seinen zustand allein betreffe / und nicht die Aramena /
deren er es sonst / als seinem getreuen aufwårter / nicht verschweigen wollte.
Dieses brachte Dison mit so guter art für / dass er ihrer aller zuneigung / die
seine in allen dingen sich erweisende annemlichkeit ihm vorhin erworben / damit
vermehrete.
    Weil die Konigin im werke begriffen war / nach dem garten zu gehen / alda
der Fürst Jonadas die abendmalzeit zurichten lassen / als begaben sie sich
såmtlich da hin; da dann Dison und Aramena ståts beieinander verblieben. Unter
andern gespråchen /sagte diese jungfrau zu der Ahalibama rittern: wiedass sie
gross verlangen truge / die Prinzessin von Seir in geheim zu sprechen; und bate
ihn / dass er seiner Prinzessin solches anmelden wollte: welches er ihr verhiesse.
Es wuchse auch / von der zeit an / in ihrer beider herzen eine sonderbare
freundschaft / die in nichtes als in der verträulichkeit noch unvollkommen ware.
Nachdem nun dieser abend mit allerhand ergetzlichkeiten / welche die von Hemath
aussinnen kunten /ware zugebracht worden / und die gesellschaft sich voneinander
begabe / brachte Dison der Ahalibama das gewerbe der Aramenen an: deren begierde
und verlangen hierdurch noch mehr entzundet wurde /diese Seirische dame zu
kennen. Demnach suchete sie am folgenden morgen gelegenheit / sie in ihrem
gemach allein zu sprechen. Weil sie aber / eben an dem tag / neben der Furstin
Dersine ihre aufwartung bei der Konigin ablegen musste / welches die kammerfrauen
unter sich liessen herumgehen / als kunte sie nicht dazu gelangen. Doch spürete
Aramena wohl aus ihren gebärden / als Ahalibama zur Konigin kame / dass der Dison
bereits das aufgetragene gewerbe bei ihr musste abgeleget haben.
    Weil die Konigin sich entschlossen hatte / des Wotans tempel zu sehen /
furnemlich darum / dass sie möchte mit den Druyden in kundschaft gerahten: als
liesse sie in der frühe ihren wagen bespannen. Der Jonadas brachte sie / allein
von der Ahalibama / Ammonide / Aramena und Dersine begleitet / hinten von dem
schloss hinunter: da sie / wie sie aus der stadt gekommen / sich auf ein schiff
setzeten / und also nach dem tempel fuhren. Der oberste unter den Druyden
/entfinge sie alda am ufer: und weil es noch nicht opfer zeit war / als funden
sie den tempel ganz ledig / dass also die schone Delbois alles desto freier
besichtigen kunte. Weil der Druyde sie in allem unterrichten wollte / sagte er zu
ihr / indem sie über den grossen hof des tempels gingen: Diesen bau des gottes
Wotan / hat die Konigin Sonna / unseres Konigs verstorbene gemalin / gestiftet;
wiewol wir in unserem lande uns keiner tempel bedienen / sondern in finstern
wäldern den gottesdienst verrichten. Dieser frommen Konigin fursatz war aber
dieser / dass sie in diesem lande desto eher ihre weise einfüren mochte: welches
nicht geschehen konnen / wann sie die tempel håtte abschaffen wollen / weil das
gemeine volk nimmermehr davon wurde sein zu bringen gewesen / als die der tempel
gar zuviel gewonet ist. War dann / diese Konigin / (fragte Delbois /) aus der
Teutschen geschlechte? Sie war (berichtete der Druyde /) des jetzigen
Stattalters der Amoriter des Suevus schwester / und eine fraumutter der
ungluckseligen Ardelise und des beklagenswurdigen Apries: welche beide ihr leben
an diesem ort haben lassen mussen. Ich habe von dieser grausamen tat (sagte die
Konigin /) viel gehöret; und muss euer Wotan ein grausamer gott sein / dass er
mit menschenblut will ausgesonet werden. Dieses alles (antwortete der Druyde) hat
eine geheime ausdeutung: und weil mir wissend / dass E. Maj. eine edele begierde
tragen / unseren glauben und gottesdienst eigentlicher zu kennen; als scheue ich
mich nicht / deroselben alles zu eröffnen.
    Es ist das menschliche geschlecht / wie unser Urvatter Tuiscon uns gelehret
/ bei anfang der welt / in so schwere sünde gegen Gott gerahten / dass sie nicht
wieder zu gnaden hätten gelangen konnen / wann nicht Gott seines geschopfes sich
erbarmet / und sie mit einer verborgnen verheisung von einem jungfrauen-sohn /
welcher der welt versoner werden soll / getröstet håtte. Diese jungfrau beten
wir / unter dem namen der Isis / als eine heilige Gottin an / und halten sie fur
des Wotans tochter; verehren sie auch ganz anderst / als die Egyptier tun /
wie in Basan unter des Gambrivius regirung mag gesehen werden. Wir haben auch
diese menschenopferung dem Wotan zu ehren angestellet / um uns dadurch gegen
ihme einiger massen dankbar zu erweisen / fur die verheisung / die wir von der
Isis sohn entfangen. Dieser euer glaube /(sagte Delbois /) ist eines teils nicht
zu verwerfen: doch kann ich nicht finden / wie aus dieser verheisung /die wir von
einem kunftigen versöner haben / folgen solle / dass man dörfe menschen
schlachten. Es geburet uns nicht / (gabe der Druyde zur antwort /) in den
geheimen gesetzen zweifelend zu grubelen; und was aus liebe zu dem Wotan
geschihet / wird derselbige nicht ubel aufnemen. Delbois / die bei fernerem
widersprechen befahren musste / der Druyde wurde nachlassen / ihr so frei alles
zu berichten / hielte damit ein / und kame sie damit in den tempel.
    Es stunde mitten in demselben ein dreieckichter Altar / von welchem / als
die Konigin ihn wegen dessen ungewonlicher gestalt befragte / der Druyde ihr
diesen bericht gabe: Dieser Altar (sagte er /) deutet die Gotteit an / welche
zwar einig ist / aber (ein grosses geheimnis!) in dreifacher gestalt betrachtet
wird. Dorten (sprache er ferner / ihr ein gemålde zeigend /) konnen E. Maj.
eigentlicher sehen / wie wir die heilige Gotteit abbilden. Hiemit furete er die
Königin nåher zu diesem bilde / welches zugleich eine Sonne /einen Mond und ein
Feur vorstellete. Als Delbois hierüber mehrere erklärung verlangte / sagte der
Druyde: Dieses kann anderst nicht erklåret werden / als dass Sonne / Mond und
Feuer / gleichwie die Gotteit / zugleich ein wesen haben. Wil man nun die Sonne
fur den Teutates / den Mond fur die Isis / und das Feur für den Wotan nemen /
sind solches gute gedanken. Es ist aber / wie gesagt / dieses geheimnis so gross
/ dass man nicht viel davon reden darf. Hiervon name die Konigin gelegenheit /
ihn zu fragen: ob sie dann viele götter / oder nur eine einige Gotteit
gläubeten? Es ist nur ein Gott / (antwortete der Druyde /) der unsern vatter
Tuiscon in unser land gefüret / dessen gesetze wir noch unverbrüchlich halten
und in acht nemen. Hierinnen falle ich euch bei / (sagte die Konigin / doch
etwas heimlich / zu ihme /) und finde euren glauben bässer gegrundet / als aller
anderen volker ihren / die hierum wonen.
    Dieses urteil / so die schöne Delbois fållete / gefiele dem Druyden sehr wohl
/ und sagte er zu ihr: Wann E. Maj. in Basan unsere gebråuche sehen und alda mit
denen Druyden sich besprechen sollte / bin ich versichert / sie wurden ein
grosses vergnugen daran haben. In diesem lande aber hat / wie gesagt / nicht
alles so vollkommen konnen angestellet werden: weil die leute / von ihren
anderen gewonlichen weisen / nicht abzubringen gewesen. Was haltet ihr aber
(fragte die Konigin /) von den seelen der menschen? glåubet ihr /dass dieselbigen
unsterblich seien? Ja freilich! (antwortete der Druyde /) Unsere seele ist ein
geist / der nicht mit dem leib vergehet: daher bei uns die getreue eheweiber
ihren månnern nach dem tode folgen / um zu verschaffen / dass ihre seelen desto
eher wieder mogen zusammen kommen. Euer glaube von der seelen unsterblichkeit
ist gut / (sagte Delbois /) aber das jenige / so ihr daraus folgern wollet / ist
unrecht. Kein mensch ist herr über seinen leib / noch über sein leben: dorfen
wir es also nicht selber verkurzen / ehe es dem schopfer gefället. Teils unter
den Vacien /(versezte der Druyde /) welche eine besondere art unserer
geistlichen sind / glåuben eben das / was E. Maj. vorgebracht: es ist aber
dieser streit unter uns noch nicht erortert worden.
    Indem also die Konigin mit dem Druyden gespräche hielte / hatte sich
Ahalibama nach der andern seite des tempels begeben / da ein Dianen bild von
weissem marmor auf einer seule stunde: fur welchem sie niederfiele / und dieser
göttin / als deren sie sich zu dienen verlobet hatte / sich anbefohle. Die
erinnerung / warum sie dieses gelubde getan / triebe ihr hierbei håufig die
lehren aus den augen. Die Konigin traffe sie in solcher stellung an / und sagte
/ diese ihre abgotterei bei sich heimlich tadelend: Wie finde ich euch also /
meine base? Ahalibama / die indes wieder aufgestanden war / antwortete der
Konigin: Man wird mich nicht verdenken / dass ich der grossen Diana vor allen
göttern meine verehrung abstatte / als in deren dienst ich mich verlobet / und
mein ubriges leben in ihrem tempel zu Ninive hinzubringen / entschlossen bin.
Dieser schluss / (sagte die Konigin darwider / die Ahalibama damit umarmend /)
soll sich noch mit des hochsten hulfe ändern / wann wir miteinander etwas
mehrers werden bekant worden sein: welche worte aber von niemanden / als von der
Ahalibama / gehoret wurden. Die Konigin fragte hierauf ferner den Druyden: wie
dieses Dianen-bild wåre in ihren tempel gekommen? Selbiger antwortete: Es håtte
der Konig von Hemath solches dahin stellen lassen / weil das gemeine volk diese
gottin sehr verehrete; und weil / unter ihrer gestalt / auch die Isis wohl könnte
verstanden werden / als wäre es von ihnen im tempel gedultet worden.
    Indem begunte das volk nach und nach den tempel anzufüllen / und kamen die
Vacien / Barder und Druyden / die gewonliche opfer zu halten: welche jezt /
wegen der unpåslichkeit des Konigs / als fur dessen wiedergenesung sie baten /
verdoppelt wurden. Die Konigin / so nun alles besehen hatte / wollte alda nicht
långer / verharren / sondern als sie von dem obersten Druyden abschied genommen
/ begabe sie sich mit den ihrigen wieder zu schiffe. Im hinfahren nach der stadt
/ begegnete ihr der Furst Ninias von Ressen /neben den andern Ninivitischen
Fursten: welche ihre verseumnus entschuldigten / dass sie der Konigin nicht eher
aufgewartet. Sie bliebe aber diesen mittag allein /in ihrem zimmer. Als
derentwegen Ahalibama von ihr hinweg ginge / raunete Aramena ihr ins ohr / sie
hoffe die erlaubnis / folgenden morgens in ihrem gemach ihr aufzuwarten: welches
Ahalibama nicht beantworten kunte / weil eben Aramena eiligst zur Konigin
geruffen wurde.
    Die ursach / warum Delbois allein sein wollte / war diese / weil der
Midianitische Furst Hanoch sich heimlich bei ihr angeben lassen: welchem Aramena
/als alle die anderen sich hinweg begeben / in ihr gemach bringen musste. Weil
dieser Furst / des Esau und ihres liebsten Prinzen vertrautester war / als
entfinge sie ihn gar hoflich / zu ihm sagende: Weil seine tugend ihr fürlångst
bekant gewesen / als håtte sie / auf sein begehren / allein und ohne vorbewust
ihrer Ninivitischen Füsten / ihm gehor zu geben / kein bedenken getragen; ihn
dabei versicherend / dass sie in seinem anligen ihm nach möglichkeit wollte
beistand leisten. Hanoch wurde / durch dieses gütige anerbieten der schönsten
Konigin von der welt / so aus sich selber gebracht / dass er fast nicht worte
genug finden kunte / fur diese gnade ihr zu danken.
    Als er ferner / seine angelegenheit fürzutragen / um erlaubnis gebeten /
finge er also an zu reden: Es stellet mich jezt für E. Maj. augen / die
bedrängnis des grossen Edoms / der auch bereits auf dem weg ist / in Syrien zu
kommen; um bei dem Konig Bel Ochus E. Maj. herrvattern / wider die Fürsten von
Seir hülfe zu begehren / die ihme unbilliger weise sein land genommen. Ganz
Canaan stehet seinen feinden bei / und ist dieser dapfere held verloren / wofern
Assyrien nicht seiner gerechten sache beitretten wird. Er setzet aber furnemlich
in E. Maj. diese zuversicht / und ersuchet dieselbe / um der freundschaft
Abimelechs willen / als von welchem Prinzen ihme wissend ist / dass er schon
längst verdienet / E. Maj. wohl empfolen zu sein. Die notwendigkeit / dass mein
hier sein noch zur zeit moge geheim verbleiben / bringt mich dazu / diesen
schutz von E. Maj. allein und heimlich zu begehren: weil die grossen von Hemath
ohnzweifel / wegen ihres Kronprinzen Bileams / die Seirische seite halten
werden. Es machte mir auch / die anwesenheit der Prinzessin Ahalibama / viel
gedanken / sie möchte mir hinterlich sein / dieses gehor bei E. Maj. zu erlangen
/ wann sie meiner ankunft wäre innen worden.
    Versichert euch / Furst von Midian! (gabe die Konigin zur antwort /) dass
euer vetter / der edle Esau / nicht unrecht mich zu seiner freundin erwehlet.
Dann der Prinz / den er so wohl im krieg angefuret / und aus welchen er einen so
dapferen helden / gleich wie er selber ist / gemachet / hat mich furlängst / ihn
hoch zu halten / beredet. Weil ich von meinen Niniviten zu ordnen habe / als
werde ich ihm die begehrte hülfe nicht versagen: insonderheit weil ich die
gerechte sache auf seiner seite vermute. Mich soll auch die freunschaft / die
ich mit der Prinzessin Ahalibama gemacht / nicht abhalten / dem freunde des
Prinzen Abimelechs / in seinem billigen begehren / nach moglichkeit beizustehen.
Diese lezte worte begleitete sie mit einer rote im angesicht / welches sie mit
ihrer hand bedeckete.
    Hanoch / der über dieser erklärung innigst erfreuet war / erbote sich
hierauf / wann Ihr Maj. es gnädig begehrten / dero die ursach dieses krieges zu
erzählen: da sie dann selber wurden urteilen können / ob die Seirische Fursten
rechtmåsige ursach gehabt / gegen den Fürsten von Edom also zu handelen. Mir
wird das liebste sein / (antwortete die Königin /) sowol die ursach dieses
kriegs / als von dieses helden ganzem leben etwas zu vernemen. Diese begierde
ruret von unterschiedenen ursachen her / unter denen eine der fürnemsten ist /
dass er von einem geschlecht entsprossen / welches ich für allen anderen in der
welt hoch achte: und werde ich diesen tag nicht vergnügter können zubringen /
als wann ich von euch umståndlich verneme / was von jugend auf eurem vettern
begegnet / wie seine und des Prinzen Abimelechs freundschaft sich angefangen /
und wie er zu seinem Fürstentum Edom gekommen sei.
    E. Maj. legen mir (antwortete Hanoch /) etwas so grosses auf / dass / wann
ich nicht von jugend auf alle seine taten mit angesehen und denen beigewonet
håtee / ich unmuglich eine so verwirrte geschicht förmlich wurde fürbringen
konnen. Weil aber die bulerei grossen anteil hat an allen seinen begebenheiten
/und sonderlicher in ihme / als bei anderen / jederzeit geherrschet: so weiss ich
fast nicht / ob E. Maj. nachgehens die hochachtung fur meinen vettern behalten
werden / wann sie die viele bulerische unbeständigkeiten erfahren / die er
fürgekehret / und damit einen viel andern sinn / als sein freund der Prinz
Abimelech / von sich erscheinen lassen. Ich weiss allbereit zum teil / (sagte die
Königin /) von seinem sonderbaren gemute / welches er in seinem lieben blicken
lassen: ich werde auch dieserwegen nie aufhoren / ihn also hoch zu achten / wie
es anderweit seine dapferkeit und tugendruhm verdienet. Wann dann diese
betrachtung (wiederholete Hanoch) mich nicht abhalten darf / E. Maj. befehl ein
genügen zu leisten: werde ich bemuhet sein / so umståndlich als mir muglich /
des Esau leben dero furzutragen. Weil aber etliche stunden dazu gehoren werden /
als erwarte ich von E. Maj. befehl / ob sie die jetzige oder eine andere zeit
dazu verwenden wollen. Wie nun die Konigin nochmals ihre sonderbare begierde
erwiesen / und der Aramena /welche allein bei ihnen im zimmer war / befohlen
hatte / niemand von ihren bedienten / unter vorwand /dass sie schlaffe /
einzulassen / hiesse sie den Hanoch bei ihr niedersitzen: den sie hierauf / wie
folget / erzählen horete.
 
            Die Geschicht des Esau / der Judit / Ada und Mahalaat.
Der weitberumte Furst Abraham / der aus Gottlicher offenbarung sein vatterland
Chaldea verlassen und in Canaan gekommen / erlangete von Gott die verheisung /
dass sein same dermaleins das land Canaan besitzen sollte. In solchem vertrauen /
setzete er alles hintan / und dem worte des hochsten gläubend / verbrachte er
sein leben / als ein fromdling / in den Konigreichen Sichem / Egypten / Kiriat
Arba und Gerar. Sein sohn Isaac / auf welchen und dessen nachkommen die
verheisung ginge / erbete diese lebens-art von dem vatter. Aber mein vatter /
der Midian / neben seinen fünf brüdern / die Abraham aus der Ketura erzeuget /
begabe sich / gleichwie auch sein erster sohn Ismael von der Hagar / aus Canaan
hinweg: da dann mein vatter / durchs schwert / sich des landes bemåchtigte /
welches jezt nach seinem namen Midian genannt wird / und an dem roten meer
liget. Isaac verheuratete sich / bei lebzeiten unsers Grosvatters / mit einer
Furstin aus Mesopotamien der Rebecca / der schwester der jetzigen stattalterin
in Syrien der Tarasile: wiewol diese von ihrer schwester nichtes wissen kann /
weil sie in Haran lang hernach geboren worden / als die Rebecca bereits
geheuratet hatte. Von dieser Rebecca / ist der Esau und dessen bruder der Jacob
/ zu Mamre im Konigreich Kiriat Arba / geboren worden.
    Die ungleichheit dieser beiden brüder / erschiene /sowol in der gestalt des
leibes als des gemutes / so gross: dass sie / ungeacht sie zwillinge waren /
dannoch ganz widerwårtige beliebungen zeigeten. Esau war von jugend auf wild /
flüchtig und kriegerischer natur; Jacob hingegen allezeit eines stillen wesens:
daher Isaac den Esau / die mutter aber den Jacob /mehr liebete. Im ståtigen
jagen bestunde des Esau ergetzlichkeit / und wartete er dem König Esron / dem
herr vatter des jetzigen Konigs von Hebron / fleissig auf / der ihn sehr lieb
gewonne: daher er mehr bei hof / als bei seinen eltern / sich aufhielte. Dieses
freie leben machte ihn auch immer wilder / und wusste er /weil er keines zwangs
gewonet / seine begierden gar nicht zu båndigen. Dannenhero er / als er einsmals
von der jagt ermudet nach haus kame / und sehr hungrig war / seine erstgeburt
dem Jacob um ein essen verkaufete: welches er damals wenig achtete / weil seine
flüchtige jugend ihn abhielte / recht zu bedenken / wie an dieser erstgeburt /
die verheisung des gelobten landes Canaan und des sonderbaren segens fur allen
völkern / gelegen war. Der kluge Jacob hingegen / hatte solches wohl uberleget /
als der es aus den predigten seines vatters zu haus erlernet: daher er diese
gelegenheit ergriffen / so ein herrliches recht an sich zu ziehen.
    Nicht lang hernach / wie die erstgeburt des Esau also liederlich verloren
gegangen / begabe sich sein vatter / wegen einer grossen teurung / die das land
beschwerete / nach Gerar zu dem Konig der Philister /dem vatter des jetzigen
Konigs Abimelech: der ihn und sein haus gar wehrt hielte. Der muntere Esau
geriete bald in vertreuliche kundschaft mit dem jetzigen Konig / der damals noch
Kronprinz war / und mit dem dapfern Fursten Ahusat dessen brudern. Als dieser
mit denen riesen Caphtorim einen krieg anfinge / erlangte Esau bewilligung von
seinem vatter / dass er dorfte mit zu feld gehen: da er sich dann so ritterlich
hielte / dass er bald / wegen seiner heldentaten / bei den Philistern viel lobs
und uberall grossen ruhm erlangete. Die vertilgung der Caphtorim / brachte dem
Prinzen Ahusat die besitzung selbiges landes / und dem Esau die gute nachrede
zuwege / dass jederman ihn die ursach dieses sieges nennete. Er setzete sich auch
hierdurch so fåst in die angefangene freundschaft bei den zweien Prinzen der
Philister / dass sie nicht ohne ihn leben kunten.
    Seine mutter / die Rebecca / ware mit sonderlicher schonheit begabet / die
ihr auch in ihrem alter beståndig geblieben: massen der Ebreer geschlecht / und
sonderlich des Abraham sein haus / den vorzug für andern erhålt / dass sie / ohne
an kråften ihres leibes oder des verstandes im geringsten abzunemen / viel jahre
erreichen; wie dann auch diese beide brüder jezt viel jünger erscheinen / als
sie sind. Nun die schonheit der Rebecca machte / dass Isaac deswegen bei hof
anfechtung befahrete: dannenhero er nicht trauete / sie für seine ehefrau
auszugeben / sondern zu den leuten sagte / wiedass sie seine schwester wåre. Der
König Abimelech / solches glåubend / bekame lust / die schone Rebecca zu
ehlichen: da zugleich in des Esau herzen / ein liebesfeuer gegen die Prinzessin
Philistina / der åltsten tochter des Konigs / sich entzündete. Zwar beide
verliebte wurden anfangs / durch die ungleichheit ihrer wahl / zurucke gehalten
/ ihre liebe offentlich zu füren. Dann der Konig die Rebecca / als eine
auslånderin / fur seinen Fursten nicht wohl dorfte zur Konigin machen. Esau sah
auch wohl in seinem zustande / dass nach einer grossen Konigs-tochter seine
gedanken vergeblich angewandt sein wurden. Der Philistina ältester bruder /
wurde des Esau vertrauter in seiner liebe / und wollte / wegen der guten dienste
/ die er seinem bruder dem Fursten von Caphtor erwiesen / seine gedanken nicht
ungerecht sprechen / massen er sagete: Der Esau wåre ein held /der eine Kron
erlangen könnte / da das gluck ihm keine gegeben håtte.
    Wie sich aber nichtes weniger bergen lässt / dann die liebe / als merkte man
auch bald des Konigs liebe zu der Rebecca: daher Esau / diesem unheil / das
seinen eltern hieraus vorstunde / zu entgehen / den beiden Prinzen offenbarete /
dass Rebecca seine mutter wäre. Weil nun der Konig gar tugendhaft und
gottsfurchtig war / als machten sie durch den feldhaubtmann Phichol / der sehr
viel bei dem Konig galte / die anstalt / dass er einswals in Isaacs garten
spaziren ginge / zu einer zeit / da man dem Phichol angesaget / dass der Isaac
mit der Rebecca im sommerhaus allein sein wurde: da er dann / durch das fenster
/ sie beide einander umarmen sah / und daraus erkennte / dass sie eheleute
wåren. Des Konigs liebe / weil sie einen ehelichen zweck gehabt / verlosche
gleich nach dieser kundschaft: dann / weil die tugend grosser in ihm war / als
einige begierde / als stunde er gleich ab / die Rebecca mit vorigen gedanken
anzusehen. Er verwiese es auch nachgehends dem Isaac gar hoch / dass er also sein
weib verleugnen wollen: davon ihme leichtlich grosses unheil hätte zukommen
konnen. Der kluge Phichol / der tugend des Konigs diese versuchung aus den augen
zu schaffen /und allem unheil fürzubauen / brachte es folgends dahin / dass sich
der Isaac aus Gerar auf das land begabe: da er an aller haabe von Gott dermassen
gesegnet wurde und zuname / dass man ihn im lande der Philister den mächtigsten
nennen kunte. Die reine lehre von der wahren erkentnis Gottes / breitete er
dabei so glucklich aus / dass viele Philister rechtgläubig wurden: wie dann unter
andern der Kronprinz den falschen Gotzendienst der Dagone verlassen / und die
beschneidung / wiewol heimlich und seinem vatter unwissend / angenommen.
    Der verliebte Esau wartete inzwischen der Philistina fleissig auf / und zwar
mit zimlich-gutem fortgange: wann er nicht selber / aus ungedult / es verderbet
håtte. Ich kame um selbige zeit ein kind nach Gerar /weil meine fraumutter des
Konigs schwester gewesen: nach deren absterben / mein vatter mich nach Gerar
/alda erzogen zu werden / geschicket. Weil die beide tochter des Königs mich gar
lieb gewonnen / als liebkosete mir der Esau / um durch mich seiner Prinzessin
herze zu gewinnen. Meine von natur zu ihm tragende freundschaft / zeigte sich
ihme gleich in meinen kinderjahren / und gewanne ich ihn so lieb / als einen
vatter: daher es ihme nicht schwer wurde / mich nach seinem willen abzurichten /
wie er nur selber wollte. Weil er mir alles abzufragen pflegte / als vertrauete
ich ihm auch einsmals / dass die Prinzessin Philistina auf den abend baden würde.
Ich zeigte ihm auch die gelegenheit / wo er die Prinzessin könnte verborgen
sehen. Er kame / durch meine hulfe / heimlich hinein: da er dann / wann er nicht
von seiner ungedult sich hätte meistern lassen / unvermerkt ihre schone håtte
betrachten konnen. Er aber / als er sie ohne ihre dirnen allein sah / kame aus
seinem verborgenen winkel herfur: und beleidigte damit diese keusche tugendhafte
Prinzessin dermassen / dass sie / wie sie dissmal sich eiligst von dar in ein
nebengemach begeben und verschlossen hatte / ihn nachmals nicht mehr sehen noch
sprechen wollte. Er ginge gleich zu ihren beiden brüdern / bei selbigen sein
beginnen zu entschuldigen: die aber bei ihrer erzurnten schwester keine
verzeihung / und kaum so viel erlangen konten / dass sie dem Konig dieses
verschwiege.
    Ihre grosse verachtung aber / die sie nach diesem ihm sehen liesse / brachte
ihn bald auf andern sinn /als die zwo Prinzessinnen von Basan / Salamis und
Eglone / nach Gerar kamen / die die Konigin Milda aus Arabien / ihre fraumutter
/ nach dem König von Chus reisend / zu Basan hinterlassen hatte: dann er gleich
in die Eglone sich verliebte / und der Prinzessin von Gerar ganz vergasse.
Dieses brachte der Philistina mehr ruhe / als ihrem bruder: welcher auch nicht
sobald dieser Prinzessin ansichtig worden / da hatte er seine freiheit verloren.
Es musste also sein / dass diese beide freunde von einem orte das liebesgift in
sich sogen: dann auch die Salamis schön genug ware /einen von ihnen zu verwunden
/ und also dieser ihrer beunruhigung vorzukommen. Der Prinz der Philister
spurete gleich an dem Esau / was er selber in seinem herzen fülete: litte also
zweifache marter / nämlich von eifersucht und liebe. Er bemuhete sich ja sehr /
in des Esau herzen die verloschene liebe gegen der Philistina wieder
aufzufeuren: er funde aber bei ihr so harten widerstand / und bei ihm solche
kaltsinnigkeit /dass er nichtes ausrichten kunte.
    Weil das geruchte von der Philistina wunderschönheit / sich gar weit
ausgebreitet hatte / auch darneben ihre tugend überall mit ruhm bekant worden
war: als hatte ein bildnis von ihr / so nach Syrien gekommen /dem Konig Aramenes
dermassen das herz getroffen /dass er nicht durch gesandte um sie warbe / sondern
in eigener person / den weiten weg bis nach Gerar kame. Es erwarbe ihm nicht
allein / seine herrliche gestalt und fürtreffliches wesen / jedermans
wolneigung: sondern man sah ihn auch / wegen seiner hohen wurde /weil er einer
von den grosten Monarchen der welt war / aller menschen hochachtung und
verehrung an sich ziehen. Der Konig Abimelech wurde ganz besturzet /und bildete
ihm viel damit ein / den Konig von Syrien in seinem lande zu sehen. Man deutete
anfangs / die ursach seiner ankunft / auf seine begierde / frömde Königreiche zu
besehen: nachgehends aber wiese es sich aus / dass Philistina ihn herbei gezogen
håtte. Keiner unter allen Philistern ware / der nicht diese heurat für ein
sonderbares gluck ihrer Prinzessin hielte. Sie selbst / als sie nun den willen
ihres herr vattern wusste / truge kein bedenken / ihr herze alsobald dem Aramenes
zu ergeben.
    Das ganze land ward hierdurch erfreuet / auser dem Kronprinzen / und dem
Esau des Konigs Aramenes nahen befreundten. Dann dieser letzere finge schier
wieder an / die Philistina so hoch zu lieben / als die Eglone / und machte damit
ihm selber viel unruhe /die ihme niemand benemen kunte: weil er um selbige zeit
seinen begierden noch zuviel raum liesse / die ihn ohn alles nachdenken
regireten. Weil nun ein solches von ihme lautbar wurde / als begunten die
grossen bei hof davon zu reden / und befanden / dass es der Prinzessin zur
ungelegenheit und hinternis ihrer ehren gereichen mochte. Weil nun sie zum teil
ihme ohnedas /wegen der gunst / die er bei den beiden Prinzen erlanget /
aufsåtzig waren: als brachten sie es bei dem Konig dahin / dass ihme / jedoch mit
höflichkeit / zu verstehen gegeben wurde / er mochte ein zeitlang den hof
verlassen / und sich zu seinen vatter hinaus auf das land begeben. So sehr ihn
nun dieses anmuten verdrosse / so wenig kunte er es verhintern. Er warfe aber
einen argwahn auf den Kronprinzen / dass der /wegen der Prinzessin Eglone / diese
hofraumung mit auswürken helfen. Dieser tugendhafte herr / der sich dessen ganz
unschuldig wusste / betrübte sich nicht wenig um diese beschimpfung seines
freundes: und weil er ihn sehr liebete / bemühete er sich aufs åuserste / ihn
der beståndigkeit seiner freundschaft zu versichern. Aber der Esau hielte
solches alles nur fur ein gestelltes wesen / und schiede ganz entrüstet von hof
hinweg / mit der gesonnenheit / diesen schimpf nicht ungerochen zu lassen.
    Weil er des hoflebens zuviel gewohnet / kunte er unmuglich bei seinem vatter
auf dem lande verbleiben. Er erlangte aber von ihm die erlaubnis / dass er /in
gesellschaft des Lotans Fürstens von Seir / bei Ascalon sich auf das meer
begeben / und mit selbigem eine reise nach Chitim tun dorfte: dann der Lotan
/aus sonderbarer reisbegierde / dieses weitabgelegene land zu besuchen
beschlossen hatte. Ich mochte damals sechzehn jahre auf mir haben / als diese
reise für sich ginge: und weil ich auch / mich zu versuchen /belieben truge /
als erlangte ich von dem Konig / dass Esau mich mitnemen mochte. Wir kamen / nach
langwuriger reise / in Tuscien / zu den Janigenen: welche volker noch von dem
Noa ihren namen furen / der dahin gekommen und Janus genannt worden. Der Konig /
so daselbst regirte / hiesse Alteus: und weil er eben mit den Celtiberiern im
krieg begriffen war / als boten Lotan und Esau / neben andern vom gebirge Seir
/ ihm ihre dienste an. Der Konig liesse ihm solches nicht allein sonders
wolgefallen / sondern er untergabe auch diesen beiden Fursten / weil er seine
bäste heerfurer im streit vorloren hatte / seine volker /und machte den Lotan
zum feldobersten uber die Aborigenen / und den Esau uber die Janigenen / unter
denen ich dann auch am ersten die waffen anzoge.
    Den verlauf dieser kriege E. Maj. weitlåuftig zu erzählen / achte ich fur
unnotig. Genug wird sein /wann ich sage / dass der sieg auf unsere seite fiele
/und unsere beide helden einen grossen ruhm ihres namens / durch ihre dapfere
taten / im lande stifteten /vom Konig reichlich beschenket und kaum nach langer
zeit wieder erlassen wurden. Auf unserer rückreise / låndeten wir in Egypten an
/ da der König Temosis / des jetzigen Konigs herr vatter / regirte. Weil mein
ältster bruder / der Epha / daselbst am hof ware / als machte der uns freien
zutritt beim Konig. Ihm ware eben ein sohn geboren worden / den er nach sich
Epha nennen liesse: dessen name jezt in Egypten gar bekant ist / und dienet
dieser mein vetter / als oberster feldherr / dem Pharao Uchoreus / mit
beiderseits grosser zufriedenheit. Wir hielten uns in Egypten etliche monden auf
/ bis der Furst Lotan wieder nach dem gebirge Seir reisete / da wir dann
voneinander schieden.
    Ich kame mit dem Esau in der Philister land / alda der Jacob sich noch
aufhielte / und besuchete er daselbst seinen vattern: wiewol mit nicht geringem
verdrus / ihn an einem orte zu finden / woselbst man ihn so sehr beleidiget
hatte. Es ware aber inzwischen eine grosse veränderung furgegangen: dann der
Konig Abimelech ware gestorben / dessen sohn die våtterliche Kron aufgesetzet /
und die Eglone geheuratet hatte; so ware auch / die Prinzessin Philistina /
Konigin in Syrien worden. Solchergestalt musste / des Esau liebe / an zweien
orten verleschen. Der Konig von Gerar erfuhre nicht sobald seine ankunft / da
liesse er ihn nach hof erbitten: und ware er so erfreut / seinen alten freund
wieder zu sehen / dass alle kaltsinnigkeit des Esau ihm nicht verwehren kunte /
sich ihme geneigt zu erzeigen. Die ersehung der Eglone / erneurete des Esau alte
wunden; und Abimelech / der solches merkete / wurde darob sehr betrübet: zumal
er keine gelegenheit absehen kunte / wie er seinen freund anderweit vergnugen
mochte. Als auch die grossen bei hof dessen gewar wurden / und sie ihn zu dem um
die gunst / die er beim Konige hatte / beneideten: macheten sie / dass die hirten
von Gerar / dem Isaac in seinem feldleben alles zuwider täten / was nur
ersinnlich sein kunte / damit er / ihr land zu verlassen / endlich mochte
genotiget werden. Dieses ihr furhaben /hatte auch seinen gewünschten fortgang:
massen sie also mit diesem frommen mann umgingen / dass er nach Bersaba sein
hauswesen verwandelte; und musste Esau seinem vatter dahin folgen / der ihn nicht
mehr an dem hof wissen wollte / da man ihn so übel gehalten.
    Der Konig entfunde / diese des Esau abermalige entfernung / gar ubel: und
weil er dessen vattern allemal sonders geehret / als wusste er nicht / wie er
dessen schleunigen abzug verstehen sollte. Demnach reisete er selber zu ihm nach
Bersaba / um von ihme die ursach dieser seiner eiligen landraumung zu vernemen.
Der Prinz Ahusat / neben dem Phichol / waren mit ihm auf dieser reise. Es wurde
von neuem ein bund / zwischen dem König und dem Isaac / aufgerichtet: weil
dieser fromme herr verspüret / dass sein land / um Isaacs willen / von Gott viel
segen genossen. Weil er auch dem Esau zeigen wollte / wie sehr es ihm um seine
freundschaft zu tun wåre / als kame er eines tags zu ihme / als er eben bei dem
Prinzen von Caphtor sich befunde; da er / ihn herzlich umfassend /zu ihm sagte:
Ich sehe / mein freund / dass ihr mich nicht mehr also liebt / wie vor diesem;
aus dieser ursach / wie ich abnemen kann / dass ich der jenigen vor euch geniesse
/ die wir ehmals miteinander geliebt. Weil ich nun euch / so wenig meines
glücks teilhaftig machen / als gegen mich also verändert sehen kann: so bitte ich
euch / dass ihr mir doch ein mittel furschlagen wollet / womit ich eure
freundschaft erhalten moge. Mir soll / auser Eglone / nichtes so lieb sein / das
ich euch nicht / auf euer begehren / sollte zukommen lassen.
    Diese grosmutigkeit des Konigs / hatte bei dem Esau die wirkung / die er
gewünschet / und kunte er /sonder grosse gemutsbewegung / den Konig nicht also
reden horen. Nachdem er ihm seine schwachheit gestanden / dass er die Konigin
Eglone noch bisher geliebt / versprache er ihm / fortin davon abzustehen /und
sich zu verheuraten mit der jenigen / die ihm der König furschlagen würde: um
dadurch ihme kund zu machen / dass er warhaftig von seiner liebe genesen wåre.
Die freude des Konigs / uber diese erklårung /ware ungemessen. Und seinen freund
zu vergnugen /erwehlte er gleich in seinen gedanken / die Fürstin von Canaan /
des Beri tochter / die schöne Judit /deren fraumutter eine Prinzessin von Gerar
gewesen; die auch an seinem hof auferzogen wurde / weil ihr herr vatter mit des
Fursten Lotans von Seir schwester zur andern ehe geschritten ware. Also name er
/wie er wieder von dem Isaac hinweg schiede / den Esau mit sich zurücke nach
Gerar: daselbst er / von der Eglone und allem ihrem frauenzimmer / aufs
ehrlichste entfangen wurde.
    Bei dieser entfahung / hatte Esau eine unter dem frauenzimmer fur die jenige
angesehen / die ihm der König wurde bestimmet haben. Es ware aber dieselbige /
nicht die Judit / sondern die Ada / des Elons Fürstens der Heviter tochter /
eines sehr angenemen wesens: daher sie fur allen anderen frauenpersonen herfür
schiene / also dass der Esau auf keine andere seine augen und gedanken richten
kunte. Der König aber / der ihme die Judit bestimmet / die er als sein kind
liebete / liesse derselben / nach etlichen tagen /durch die Konigin diese heurat
fürtragen: die dann gleich ihren willen in des Konigs wolgefallen sezte /und ihm
alles heimstellete / wie er mit ihr schaffen wollte. Es wurde der zeit am hof zu
Gerar / allerhand lust und ergetzlichkeit / der jungen Königin zu ehren
/angestellet / worzu von allen orten das schöneste frauenzimmer sich
eingefunden. Der Esau / als der so verliebter als kriegerischer natur ist /
liesse sich bei allen freuden und abend-tänzen finden: da er aber keiner mehr /
als der schönen Ada / aufwartete / die ihn so warhaftig verliebt machete / dass
er nie der Philistina und Eglone gefangener so heftig gewesen ware.
    Einsmals / wie wir alle bei einem tanz versamlet waren / und Esau / seiner
gewonheit nach / sich der Ada hatte zu füssen gesetzet / die er stäts mit
gesprächen unterhielte: befahle der Konig der Judit / dass sie den Esau sollte
zum tanz auffordern. Wie sie nun solches verrichtet / da hätte billig der Esau
nachgehends / ublicher höflichkeit gemäs / bei ihr verbleiben und ihr
gesellschaft leisten sollen. Er ware aber eben in ein so åmsiges gespräche mit
der Ada gerahten gewesen / dass er gleich wieder sich zu derselbigen begabe / und
die Judit allein sitzen liesse. Dieses machte bei den anwesenden ein grosses
aufsehen: zumal ihrer viele allbereit des Konigs willen wussten / wie er nåmlich
zwischen ihme und seiner basen der Judit eine heurat treffen wollte. Der Konig /
der selber anfinge dieses beginnen des Esau in acht zu nemen / suchete
gelegenheit / weil der tanz noch wårete / zu ihm zu kommen. Wie nun Esau sich
bei ihm setzen müssen /kame es eben / dass die Judit zu tanz gefuret wurde.
Abimelech name hiervon anlass / ihn zu fragen: Ob ihme diese Furstin nicht wohl
gefiele? Esau / wiewol von der Ada schonheit gleichsam ganz verzaubert /vergasse
sich dennoch so weit nicht / dass er nicht sollte gewust haben / wie er gegen dem
Konig von der wasen desselben reden sollte. Demnach priese er sie zum båsten
heraus / wie sie dann auch dessen wurdig war / und verursachte damit / dass der
Konig den schluss noch fåster fassete / sie an den Esau / neben einem Fürstentum
/ das nahe an das gebirge Seir stösset / zu vergeben.
    Weil ich dessen von den bedienten des Königs berichtet wurde / als sagte
ichs ihme selbigen abend /wie wir nach haus gekommen. Aber die Ada gefiele ihm
bässer ohne mitgift / als die Judit mit einem Furstentum. Weil er in allem
seinem wesen heftig ist /als name daher bei ihme die liebe zu der Ada also
überhand / dass er folgenden tags gelegenheit suchete /ihr dieselbige
furzutragen: und wusste er sie also einzunemen / dass sie sich für ihn erklårete /
und ihm ihre gegenliebe zusagte. Dieses ginge alles so heimlich zu / dass der
Konig davon das geringste nicht erfuhre: welcher inzwischen nach Hebron sandte /
zu dem Fursten Beri / und denselben bitten liesse / dass er zu ihm nach Gerar
kommen wollte / weil er ihn notig zu sprechen håtte. Dieser Furst / der des
Konigs Ephron bruder ist / såumete sich nicht / dahin zu reisen: da ihn dann der
Konig berichtete / was fur eine heurat er mit seiner tochter fürhatte / und
seine Meinung darüber begehrte. Wie nun der Beri ihme alles wohl gefallen lassen
/ wurde Esau fürberuffen: welchen der Konig bei der hand name / und ihn in
seiner gemalin gemach furete / alda bei der Eglone sich die Judit befande. Wie
er mir nachgehends erzählt / so ist ihme niemals seltsamer zu sinn gewesen /
als damals / da die Königin ihm die Judit zubrachte und sagte: Hier ist die
jenige / edler Esau! die euch der Konig / neben einem Furstentum / zur gemalin
übergibet; welches beides ihr von meiner hand annemen wollet.
    Dem Esau verwehrte einerseits das andenken der Ada / diese gabe anzunemen:
worzu ihn doch anderseits der wolstand und die gnadmilde des Konigs anmanete. In
solchem zweifel verstummete er gänzlich /und verzoge zu antworten: da dann der
Konig nicht wusste / wohin er solches deuten sollte. Ich finde (sagte er låchlend
/) den helden Esau jezt viel erschrockener / als wann tausend gewaffnete männer
gegen ihm stunden. Ich will ihm aber dafür gut sagen / dass sich der Judit herze
also gütig zeigen soll / wie es billig ist / dass man sich gegen dem Esau
erweise. Hiermit trate Beri auch hinzu / und täte ihm gleichmäsige versicherung
/ seine rede mit einer glückwunschung beschliessend. Also erlangte Esau / der so
oft vergebens geliebt / nun ohne liebe / was er nicht gesuchet. Er sah sich
aber von allen seiten so belägert / dass er nicht anderst / als dieses anbot mit
einigem dank annemend / sich heraus zu wickeln wusste. Indem kame zu ihnen der
Furst von Caphtor / neben dem ganzen hofe: da dann alsofort seine verlobung
überall ausgebreitet wurde. Jederman erwiese hierüber grosse freude / auser dem
Esau: welcher nicht wusste / wie ihm geschahe / und von der gesellschaft sobald
er nur kunte / sich wegmachete. Seine unruhe ware so gross /dass er die ganze
nacht kein aug schlosse. Wie er auch folgenden tags / bei dem angesezten
freudenfest / sich einfinden musste / ginge ihm alles so kaltsinnig und verwirret
ab / dass der Konig in die eifersucht geriete: der Esau liebe annoch die Konigin
/ daher ihm diese traurigkeit entstünde. Durch diese einbildug des Konigs / und
des Esau unruhe / wurde die angestellte freude sehr verringert.
    Weil Ada sich hierbei nicht finden liesse / als mehrete solches des Esau
betrubnis / und machte / dass er sich / um von ihr etwas zu erfahren / beim tanze
zur kammerjungfrauen der Konigin gesellete / und sie um die Ada befragte: weil
er wusste / dass sie deren getreue freundin jederzeit gewesen. Selbige nun ruckete
ihm sein unrecht fur / dass er die unschuldige Ada also geåffet / und ihr von
seiner liebe was hätte weiss gemachet / da doch nun die Judit ihre stelle
vertråte: mit bericht / wiedass dieselbe jezt nichts anders täte / als weinen;
und / als ihr gram sich anliesse / dorfte sie bald ihr leben hieruber einbüssen.
Es håtte nicht viel gefehlet / Esau wåre / auf diesen bericht / gleich nach der
Ada zimmer gelaufen. Weil er sich aber vor den anwesenden zwingen musste / als
bate er die jungfrau /ihme beforderlich zu sein / dass er in geheim sie sprechen
mochte. Sie versprache ihm solches / nach langem weigern / und bestellte ihn /
dass er folgende nacht im vorgemach der Konigin auftwarten sollte / da sie ihn zur
Ada bringen wollte. Dieses ihrer beider åmsiges gespråche sah der eifersuchtige
Konig mit schmerzen an / und mehrte dadurch seine beunruhigung sich dermassen /
dass er sich kaum halten kunte /dieselbe nicht öffentlich herfur brechen zu
lassen.
    Am folgenden tag / sandte er den Phichol zu Esau /und liesse ihm sagen: Es
kåme ihm die art / wie er mit der Judit umginge / sehr fromd für / und wüste er
nicht / was er davon denken sollte. Er traue aber seiner tugend gånzlich zu / dass
er sein gegebenes wort nicht widerruffen / noch die Königliche håuser Hebron und
Gerar beschimpfen werde / mit verachtug der jenigen /die ihme nach seinem willen
wåre verlobet worden. Esau wurde hierdurch / in seine verwirrung / noch mehr
vertieffet: indem seine grosmut ihm verbote /sein gegebens wort zu widerruffen;
und doch seine liebe gegen der Ada also heftig ware / dass er sie nicht verlassen
kunte. Die einwilligung seines vatters dorfte er nicht fürschutzen / weil er zu
Bersaba dem Konig /aus freiem willen / gar zu teuer versprochen hatte /nach
dessen wahl zu heiraten: zumal ihn auch / das versprochene Fürstentum / so weit
von seinem vatter frei sprache / dass er ohn ihn sein haus versorgen kunte. Wie
er demnach seine ehre allzusehr diesem handel eingemischet sah / liesse er /
wiewol wider sein herze / sich dieser Entschliessung vernemen: Er wolle dem in
allem nachkommen / was zwischen dem Konig und ihme zu Bersaba wäre abgeredet
worden. Der Konig beruhigte sein gemute mit dieser erlangten antwort / und
ordnete einen gesandten ab / zu den Königen von Kiriat Arba und Canaan / als
den beeden brudern des Beri: ihre einwilligung / wegen dieser heurat /
einzuholen. Damit auch der Isaac zuvor darum begrusset würde / erbote sich der
Furst von Caphtor / selbst zu ihme nach Bersaba zu reisen / und es ihme
fürzutragen.
    Sobald aber die nacht anbrache / in welcher der Königin jungfrau den
verliebten Esau zu der Ada furen wollte / die er / um verdacht zu verhuten /
nicht offentlich sprechen dorfte: begabe er sich an den bestellten ort / der
dann ein gar langer offener gang war / von deme man / an dem einen ende nach der
Konigin zimmer / an dem andern aber nach des Königs gemach ginge. Indem nun der
Esau ganz allein der jungfrauen alda erwartete / fugete es sich zum unglück /dass
der Konig ungefår aus seinem fenster sah / und nicht weit von der Eglone gemach
eine mannsperson erblickete. Weil um diese zeit sich kein mensch alda dorfte
finden lassen / als vermutete er alsbald / es musste etwas sonderbares vorsein.
Demnach ginge er durch etliche gemåcher / die an diesen offenen gang gebauet
waren / und kame in eines derselben / daraus er diesem menschen konnte gerad ins
gesichte sehen. Die dunkelheit der nacht verwehrete ihm nicht / den Esau gleich
zu erkennen: woruber alsofort seine eifersuchtige gedanken erwacheten / dass er
von der Konigin ungleiche gedanken schopfete. Wie er sich nun eine weile damit
geplaget / sah er seiner gemalin kammerjungfrau ankommen / die eine lampe truge
/und zu dem Esau sagte: Er sollte ihr folgen / weil die jenige seiner wartete /
die er liebete. Hiemit gingen sie miteinander zur tur hinein / die in das
vorgemach der Konigin furet: und setzeten damit den ungluckseligen König in die
gröste qual / die er mochte sein lebenlang entfunden haben.
    Er hatte jederzeit seine gemalin herzlich geliebt /und sich alles guten zu
ihrer tugend versehen: und nun musste er gläuben / dass sie bei nacht den Esau zu
ihr kommen liesse. Und / welches ihm den schmerzen mehrete: ihm widerfuhre
dieser sein eingebildter schimpf / von seinem liebsten freund / den er jederzeit
so hoch geliebt. Er kunte lang keinen schluss fassen /was er hierinn tun sollte.
Endlich triebe ihn der eifer /dem Esau nachzufolgen / und sowol ihm als der
Eglone ihre untreu furzurucken. Also begabe er sich / ganz entselbstet / nach
der Konigin gemach. Als er die tur eroffnet / sah er seine gemalin bei einer
person sitzen / die er / weil er den rucken hergewandt / fur den Esau hielte.
    So habt ihr (rieffe er ihr zu /) meine unschuld bisher also gemissbrauchet /
dass ihr nur den schein ehelicher liebe und freundschaft mir erwiesen / in der
tat aber eure und meine ehre so gröblich beleidigen dorfen. Diese worte / die
er in hitzigem eifer heraus stiesse / machten die Konigin und ihren beisitzer
ganz besturzet / dass sie eiligst aufstunden / und jene zu diesem sagte: Machet
euch geschwind von hinnen /ehe des Konigs zorn weiter uber euch ausbreche. Als
selbiger solchem nachkommen wollte / stiesse er unversehens an den tisch / dass
der leuchter mit dem liecht umfiele und verlosche. Die Konigin rieffe alsobald
nach ihren leuten / dass sie leicht bringen sollten. Wie aber diss geschehen / ware
der jenige / mit dem die Konigin geredet / bereits hinweg / und sagte sie zum
König / den sie ganz verstellt funde: Er mochte doch nicht so gar ungutig
aufnemen / dass sie dieses getan / worzu der eifer um ihren glauben sie
getrieben hätte. Der Konig aber konnte weder diese worte recht einnemen / noch
sie ferner anhoren / sondern /ihr den rücken zuwendend / ginge er von ihr / und
sagte nur dieses: Es ist mir leid / Eglone! dass ich euch bisher geliebt / um
des willen mich jezt eure tat soviel mehr schmerzet. Womit er sich wieder nach
seinem gemach begabe / und die Eglone ganz verstürzet stehen liesse.
    Mitlerweil er also sich beunruhigte / brachte Esau seine zeit bei der Ada in
hochster vergnügung zu: welche er auch uberredte / dass sie ihn heimlich zu
ehlichen / und er ihr hingegen versprache / weil seine ehre ihn triebe / auch
die Judit zu heiraten / dass er sie ståts fur seine fürnemste gemalin halten /
und ihr vor der andern seine liebe gonnen wollte. Hiemit redeten sie zusammen ab
/ dass / sobald seine hochzeit mit der Judit würde vorbei sein / die Ada nach
Sichem zu dem Elon ihren herr vattern reisen sollte: dahin er kommen und sie
abholen wollte. Hierauf schieden sie /mit tausend versicherungen ewiger treu und
holdschaft / voneinander. Die Ada aber musste geschehen lassen / was Esau / als
der sich nun ihr fur einen ehegemal anverlobet / von ihr forderte: wiewol sie
sich lang widersetzet / weil sie diese lezte gunst erst /wann ihre ehe
offentlich kund sein wurde / ihme zu erlauben / gesonnen gewesen. E. Maj.
vergeben mir /dass ich des Esau freies beginnen so künlich furbringe: dann / weil
Ada / gleich nach dieser also vollzogenen ehe / schwanger wurde / als wurde ich
/ ohne dieses zu melden / meine erzehlung nicht deutlich fortfüren konnen. Ich
halte aber dafur / E. Maj. werden begierig sein / zu wissen / was es mit
vorbesagter nåchtlichen ansprache bei der Konigin für eine bewandnis gehabt:
welche ich dann erstlich erzählen will / bevor ich vom Esau weiter fortfahre.
    Es war die Eglone / in ihrem vatterland Basan / in dem gotzendienst / und
sonderlich in der verehrung des gotzens Astarot / so eiferig auferzogen worden
/dass so wenig der Isaac / als ihr gemal der Konig Abimelech / ihr solchen
aberglauben benemen kunte. Weil nun ihr der König nicht weit von Gat / zu ihrer
belustigung / etliche ländereten geschenket hatte: als ware sie gewillet / dem
Astarot zu ehren / einen tempel dahin zu bauen. Zu dem ende / liesse sie
heimlich aus Basan einen priester des Astarot kommen: den sie verborgen in
Gerar aufhielte / mit demselben über diesem furhabenden bau sich zu bereden.
Weil sie aber solches offentlich nicht tun wollte / damit sie nicht an ihrem
vorhaben gehintert würde / als hatte sie hierzu die nacht erwehlet: das dann so
unglücklich abliefe / dass der Konig dazu gekommen und dadurch in so grosse
eifersucht geraten. Weil nun aber dieses ihr beginnen so hochstraffbar nicht
war: als schmerzete sie nicht wenig / dass sie hierüber so harte worte von dem
Konig horen mussen / da sie / als eines grossen Konigs tochter / höflicher
gehalten sein wollte. Demnach liesse sie folgenden morgens den Ahusat /des
Konigs brudern / zu sich kommen / und klagte ihm / wie es ihr ergangen: der dann
/ weil er damals auch noch am dienste der götzen hinge / ihr desto williger
seinen beistand versprache / und gleich zum Konig ginge / ihn deswegen
anzusprechen.
    Er funde den Konig in tiefer traurigkeit / und entfinge auf seinen vortrag
diese antwort: Ach dass Eglone ihre gotter soviel liebte / als die menschen! dann
so einen irrtum konnte man ihr leichter vergeben / als ein grobes laster. Sie
weiss aber von selber / was mich auf ihr schmerzet: welches ich / weil sie
eines grossen Konigs tochter ist / niemanden entdecken will; doch dass sie kunftig
meiner gegenwart sich åusere. Nach dieser abfårtigung des Ahusat / wollte auch
der Esau / seiner täglichen gewohnheit nach / in das Konigliche gemach treten /
und dem Abimelech aufwarten: ihm wurde aber / von dem haubtmann der wacht / der
eintritt verwehret / weil solches der Konig befohlen hatte. Indem er hierüber
bestürzet stunde / sah er die jungfrau / welche ihn zu der Ada gebracht hatte /
nach der gefångnis hinunter furen / die da kläglich weinete / und den Esau
ersehend / ihm zurieffe: wiedass sie dieses ungluck seinetwegen erlitte. Hieraus
kunte er nun nicht anderst urteilen / als dass alles / was zwischen ihm und der
Ada furgelaufen / müsse verrahten / und dadurch diese ungnade des Konigs
verursachet worden sein. Demnach begabe er sich wieder auf sein gemach / und
sandte mich alsobald zum Konig / dass ich / was mit der Ada furgegangen /
entschuldigen /und / wiedass ihn solches an seinem versprechen / die Fürstin
Judit zu ehlichen / nicht hintern würde / versichern sollte.
    Wiewol sonsten der König mir niemals gehor verweigert / so kunte ich doch
diesesmal nicht furgelangen / und sandte der König den Phichol zu mir / der mir
in seinem namen sagen musste: Er konne leichtlich ermessen / dass ich / meinen
vettern zu entschuldigen /vor ihn begehrte: es sei aber solcher dienst bei ihm
ubel angewendet. Esau habe nicht als ein freund bei ihm gehandlet / und sollte
derselbe je eher je lieber seinen hof verlassen: welches alle die straffe wäre
/die er ihm als seinem alten freund auflegen wollte. Ich kame / mit dieser
antwort / wieder zurücke zu dem Esau: welcher das unbillige verfahren des Konigs
nicht begreifen kunte. Um aber jederman zu erweisen / wie er sein wort und
zusage nicht gebrochen / ginge er zu dem Fürsten Beri / und versicherte
denselben nochmals / dass er seine tochter zu ehlichen beståndig gesonnen wäre.
Beri / von diesem allem nichts wissend / wurde höchlich bestürzet uber des
Konigs verfahren: weil nun Esau hieraus vermerkete / dass ihme von dem / was mit
der Ada furgegangen / noch nichtes kundig war / wollte er sich auch nicht selber
anklagen.
    Indem kame der Phichol zu ihnen; welcher auf das /was ich ihm angebracht
hatte / dass nämlich der Esau die Judit noch heiraten wollte / vom Konig / wiewol
mit unmute / die antwort brachte: Der Konig wollte des Esau zusage / die Furstin
Judit betreffend / seinem freien willen heimstellen. Er möchte sie aber zu
Bersaba / bei seinen eltern / heiraten / wann es ihm gefiele: wo nicht / wollte
er ihn nicht ferner darzu verbinden.
    Diese kaltsinnigkeit des Königs / stärkete den Esau in dem wahn / dass seine
liebe und heimliche verehlichung mit der Ada ihm würde kündig worden sein. Der
besturzete Beri aber / wollte gleich zum König gehen / dieser gåhen veränderung
wegen mit ihme zu sprechen: es wurde ihm aber von dem Phichol gesaget / dass der
König keinen menschen sprechen wollte. Diese verwirrungen / brachten den ganzen
hof zu Gerar in unruhe. Die Königin / verwandelte sich nach Gat / und hatte
gegen dem Konig / wegen seiner harten worte / einen grossen unwillen gefasset /
welcher durch ihrer jungfrauen gefängnis gemehret wurde: dann sie achtete
dieselbe darum also beschimpfet zu sein / weil sie den priester des Astarot in
ihr gemach eingelassen. Der Konig / in die tiefste traurigkeit gleichsam
versenket / kame nie aus seinem zimmer. Die Ada / welche auch alles verrahten zu
sein vermeint / schwebete in höchster angst und bekümmernis /und ginge ihr die
gefångnis der jungfrauen sehr zu herzen. Weil sie auch furchtete / ihr möchte
eben dergleichen widerfahren / sandte sie einen getreuen slaven heimlich zu dem
Esau / und liesse ihn bitten / dass er sie hinweg furen wollte / ehe des Konigs
zorn auch über sie ausginge: dann sie bildete ihr ein / wiedass auch die Königin
ihr ungnådig wåre.
    Der verliebte Esau / den die empfangene beschimpfung sehr schmerzete / wollte
seine Ada nicht daselbst lassen: machte demnach einen anschlag / sie sowol /als
die jugfrau / zu entfuren. Er überliesse mir / dieses werkstellig zu machen:
weil er fur seine person so einen anschlag nicht erwarten / sondern gleich von
Gerar hinweg wollte. Kurz vor seinem abzug / kame der Prinz von Caphtor zu ihme:
der dann mit tränen sein ungluck beklagete / und ganz nicht ergründen kunte /
was doch dem Konig immer begegnet sein möchte / das alle diese fromde wirkungen
verursachet / dass er so schleunig seiner gemalin und seinem liebsten freund
aufsåtzig worden. Es liesse ihm aber der König / durch den kammerherrn
Bagastanes / nochmals heimlich sagen / als eben die grossen von hofe bei ihm
waren und abschied namen: Er möchte ja niemals gegen einigen menschen in der
welt gedenken /was zwischen ihnen furgegangen / wann anderst ihme die ehre des
jenigen noch ein wenig lieb wäre / der ihn so hoch geliebt. Und ob er es wohl
nicht darnach gemachet / dass ihme das Furstentum könnte geschenket werden: so
wollte doch der Konig sein versprechen halten / und nicht also mit ihme wie er
gegen ihme getan hätte / handelen. Saget eurem Konig wieder /(antwortete Esau /
ganz erhitzet und uberlaut /) dass ich sein Furstentum nicht begehre / und ist
mir meine ehre so lieb / als ihm die seinige: welche zu erhalten und aller welt
zu zeigen / will ich die Furstin Judit heiraten / weil ich es einmal
versprochen. Aber das unbillige verfahren / so er gegen mir fürgenommen /darf
ich nicht ruchtbarer machen / als es bereits ist: und so des Konigs ehre dadurch
beleidiget worden /hat er es niemanden als ihme selber allein zu danken. Hiermit
ginge er / von allen anwesenden Philistern begleitet / zu der Judit: die über
diesem allem sich sehr ångstete / zumal weil sie nicht wissen kunte /was
furgegangen. Der abschied ware / auf des Esau seite / gar kaltsinnig / und
eilete er sehr hinweg / den undankbaren hof zu verlassen / da man / wie er
vermeinte / nicht befuget gewesen / also mit ihm zu verfahren.
    
    Ich ware mit etlichen seinen bedienten zurücke verblieben / aus fursatze /
des Esau begehren zu erfullen / und die Ada neben der gefangenen jungfrauen zu
entfuren. In der nacht nun / kame ich heimlich nach hof / da der kämmerer über
das frauenzimmer / der bestochen worden / mich einliesse: und brachte ich also
die Ada glucklich davon. Den huter aber / der die jugfrau verwarete / fand ich
so eigensinnig / dass er mir gar nichtes wollte zu willen sein. Demnach auf der
Ada ihre bitte / die besorgte / man möchte bei längerem verzug / ihrer flucht
innen werden / liesse ich sie im gefångnis / und brachte allein diese Furstin zu
dem Esau hinaus / der unser im feld wartete. Ein grosser teil seines unmuts
verlore sich / als er diese liebe person wieder umarmen konnte. Und ob er wohl
anfangs sie mit nach Bersaba nemen wollen / so befande er es doch nachmals
untunlich: weil seine ehre dabei noht leiden / und der König dannenhero mit
bässerem grunde wider ihn etwas wurde furbringen konnen. Also wurde beschlossen
/ dass ich sie ins Konigreich Sichem zu ihrem herr vattern begleiten / und
daselbst ausgeben sollte / wiedass wegen einer unruhe / die zu Gerar entstanden /
sie alda nicht länger bleiben können.
    Inzwischen ich also mit ihr ins land Canaan reisete / kame Esau nach Bersaba
zu seinen eltern: da sein vatter sich sehr uber seiner ankunft / ehe seine
verlobung mit der Judit ruchtbar worden / erfreuete. Wie aber dieselbige /
neben dem unwillen / in welchem Esau von Gerar geschieden / aller orten
ausbrache /betrübte sich der alte Isaac höchlich daruber: allermeist / da er
sah / wie sein sohn sich mit einer unglåubigen vermålete / welche auch an einem
so pråchtigen hof erzogen war / dass sie seiner lebensart schwerlich wurde
gewonen konnen. Esau selber / seinen zustand erst recht betrachtend / kunte
nicht anderst / als dieses alles ihme verdruslich zu sinne ziehen: weil das
schåferleben / so die seinige fureten /sich gar ubel bei die hof-weise reimete /
und er wohl zuvor sah / wie gar nicht die Judit und Ada sich darein schicken
würden. Und dieser letzern dorfte er uberdas noch nicht einmal gedenken / weil
er schon sah / wie seine eltern die erste heurat mit der Judit aufnamen: die
er doch / bloss seinen guten namen bei den Philistern zu erhalten / wollte
ehlichen / indem er allein die Ada liebete.
    Zu Gerar ginge es / nach unserm abschiede / noch wunderlicher daher. Der
König / der seine gemalin fur schuldig hielte / quälete sich lange in seinem
gemute /ehe er einen schluss fassen kunte / was er in dieser beschwerlichen sache
furnemen sollte. Weil die Konigin nach Gat gezogen war / als schickte er ihr
etliche kundschafter nach / die auf ihr tun acht haben und ihme alles
hinterbringen mussten / wie sie sich gebärdete / und was sie redte. Weil nun
dieselbe / aus ungedult / vieler dråuworte sich vernemen liesse / wie ihr herr
vatter / der König Abinael von Basan / ihrer /wider ein so hartes verfahren /
sich annemen würde: als besorgete sich Abimelech einer grössern unruhe und
weitläuftigkeit. Demnach fassete er den schluss /die Konigin wieder nach Gerar
holen und daselbst so genau verwahren zu lassen / dass ihr alle gelegenheit
benommen sein sollte / nach Basan etwas von ihrem zustande zu berichten. Die gute
Königin musste diese einsperrung / unwissend warum / also erdulten. Weil die
Fürstin Ada im frauenzimmer gemisset wurde / als bildete sie ihr ein / der Konig
sei heimlich in dieselbe verliebet / und sie verursache jezt alles ihr ungluck.
Demnach fassete sie eine gleichmäsige eifersucht in ihrem herzen / und strebete
nach nichtes mehr / als nach der gelegenheit / ihrem vatter nach Basan ihre
unterdruckung zu verständigen.
    Der betrubte Konig Abimelech name / bei so grosser verwirrung seiner sinnen
/ der Ada abwesenheit nicht zu herzen / sondern lebete in tiefster traurigkeit:
also dass Gerar / so bisher ein aufentalt der höchsten lust gewesen / nun der
traurigste ort von der welt wurde. Der Prinz von Caphtor / zoge auch davon und
nach seinem Furstentum. Der Beri name seine tochter / die Judit / mit sich nach
Hebron. Ich / hatte nun die Ada nach Sichem gebracht / alda wir ein sehr
herrliches freudenfest fanden / wegen der krönung des Konigs Beor / dessen herr
vatter unlängst gestorben war. Weil vor unserer ankunft / das gerüchte bereits
die zu Gerar entstandene verwirrungen hingebracht hatte / als fiele es der Ada
nicht schwer / dieselbige /als eine ursach ihrer ankunft / furzuschützen: da sie
dann / von allen / mit freuden bewillkommet wurde. Der Konig Beor / der noch gar
jung war / liesse sich gleich der Ada gestalt also wohl gefallen / dass man eine
liebe bei ihm verspürete. Elon ihr vatter / solches merkend / machte sich so
hohe gedanken / eine tochter Königin von Canaan zu sehen / dass er alle
ersinnliche wege fürkehrete / diese liebe zu ernehren. Er befahle der Ada /
gegen dem Konig sich also zu verhalten /dass er ja keine ursach bekäme / von ihr
abzulassen. Dieses erweckte / in der Ada gemute / wunderliche entfindungen: da
eines teils die treue / die sie dem Esau gelobet / und dessen gemalin sie
bereits heimlich worden ware / sie des Königs liebe fürchten / anders teils die
herrlichkeit der Krone ihr solche beliebt / machete. Ich halte auch dafür / wann
der Esau nicht die lezte gunst von ihr bekommen håtte / sie würde ihm schwerlich
sein beståndig verblieben.
    Weil ich in Sichem / nach des Esau begehren /mich verweilete / um auf der
Ada wesen acht zu haben: als erfuhre ich alles dieses / was fürliefe / und
sandte einen an den Esau ab / ihme solches zu hinterbringen. Der Bote traffe ihn
eben zu Hebron an / da er die hochzeit mit der Judit vollzoge. Weil er ohnedas
betrubt ware / als ist leichtlich zu ermessen / dass diese zeitung ihm vollends
alle lust werde benommen haben. Es ware auch niemand frolich / bei diesem
hochzeitfeste. Dann der Beri sah wohl / wie Esau seiner tochter wenig achtete.
Weil auch seine eigene mittel nicht ubrig gross waren / da der Konig Ephron /sein
bruder / ihme nicht das minste zu willen stunde /und das Furstentum fur den Esau
auch zuruck bliebe: als stellete er ihm leichtlich fur / wie Judit ihrem stande
so ungemås bei ihm leben wurde.
    Die heftigkeit der liebe zu der Ada / triebe den Esau / dass er / sobald die
Judit nach Bersaba ware gebracht worden / ihm fürname / eine reise nach Sichem
zu tun. Er wurde aber daran verhintert / durch einen zufall / der ihm auf der
jagt begegnete / da ein starkes wildschwein ihn gefärlich verletzete / also dass
er etliche monden / seiner heilung halber / sich innhalten musste. Unter solcher
zeit fulete die Ada bei sich /dass sie schwanger ware / und wusste nicht / wie sie
es angreifen sollte / dann wir von dem Esau keine nachricht bekamen: und
besorgete sie / er håtte ihrer gar vergessen / und seine liebe nun vollig allein
auf die Judit gewendet. Die liebkosungen des Konigs von Canaan / brachten ihr
hierbei in den sinn / was verlust ihr wegen des Esau vorstünde: daher gram und
reue sich bei ihr dermassen einstellete / dass sie von tag zu tag abname. Der
Elon ward hierüber sehr bekümmert / weil durch ihren tod er die hoffnung
verlieren musste / einen so mächtigen König zum schwiegersohn zu bekommen. Der
verliebte Konig verliesse sie niemals / bis sie endlich sich gar zu bette legen
musste. Als man aber die ärzte zu ihr brachte / befunden dieselben / wie es um
sie stünde.
    Ich bekame eben um die zeit nachricht von dem Esau / und sagte mir der
jenige / den er an mich von Bersaba abgeschicket / wie tugendhaft die Judit
sich bei ihm erwiese / und wie sie ihm dermassen zur hand ginge / dass sie
bereits sein herze mehr als halb gewonnen hätte. Ich truge bedenken / dieses der
Ada zu eroffnen: weil sie vorhin / uber der Judit gluck / zuviel eifersuchtig
ware. Wie ich aber die ankunft des boten von Bersaba ihr vermelden wollte / ware
es mit ihr in einen erbårmlichen zustand gerahten: weil der Elon ihr vatter
erfahren hatte / wie die ärzte von ihr urteilten / dass sie schwanger wäre. Er
hätte / für verzweifelung / ihme den tod antun mögen. Weil er / sie selber zu
sehen / sie nicht mehr würdigte / als liesse er seine gemalin ihre stiefmutter
zu ihr gehen: die ihr musste furhalten / wie sie ihn und das ganze Konigliche
haus betrubet håtte. Wiewol sie nun ihr schwanger-sein nicht laugnete / so wollte
sie doch den Esau nicht nennen. Weil ich sie nach Sichem gebracht hatte / als
kame ich dieserwegen in verdacht: musste derhalben mich von dar hinweg begeben /
ehe man nach mir greifen mochte. Ich befunde nun höchst notig zu sein / dass der
Esau eiligst die Ada wieder hälfe zu ehren bringen / ehe ferner ihre und seine
ehre daruber gefahr leiden möchte. Also eilete ich nach Bersaba / und kame dahin
/ als Esau eben das bette verlassen hatte /und in gesellschaft seiner Judit
sich befunde.
    Es war aber unterdessen von der Konigin Eglone /ungeacht ihrer versperrung /
unter die Philister ausgebreitet worden / wiedass der König mit der Ada
zugehalten hätte: welches jederman für wahr gläubete. Auch der Esau selber
machete ihm die gedanken / der Ada schwångerung musse nicht von ihme / sondern
von diesem Konig / herrüren. Die umstånde / wie man zu Gerur mit ihm verfahren /
stårketen ihn in dieser einbildung. Weil er aber / auch dieses glåubend /
dannoch die Ada liebete / als wurde er so unwillig / dass alle meine bemuhung
umsonst war / ihn eines bässern von seiner Ada zu bereden. Der Furst Beri /
seiner Judit vatter / kame eben dazumal / mit seiner gemalin /des Fursten
Lotans von Seir schwester / die er erst geheuratet hatte / und mit seinem
ganzen hause / nach Bersaba: dann er ware mit seinem bruder / dem Konig von
Kiriat Arba / in so harte zweitracht gerahten /dass er sich hinweg machen
müssen. Die haushaltung des Isaac / wurde durch diese gäste sehr beschweret:
dann der Konig Ephron hatte dem Beri alle seine mittel dermassen entzogen / dass
Esau ihn völlig unterhalten musste. Dieses verursachete manchen unlust /weil
Isaac / mit seiner Rebecca und dem Jacob /gleich den schåfern in Mesopotamien /
schlecht und doch vergnugt lebeten / und solcher hausgenossen nicht gewonet
waren: wiewol Gott ihn in seinem stand so sonderlich segnete / dass er ein sehr
grosser mann worden. Judit aber und die ihrigen / waren von jugend auf pråchtig
und nach der weise bei hof erzogen: denen dann der Esau in seines vatters hause
gleiche verpflegung verschaffen wollte / welches dem Isaac und der Rebecca nicht
zum båsten gefiele.
    Alle diese widerwårtigkeiten / die der ungedultige Esau gar nicht vertragen
kunte / trieben ihn an / dem kriege wieder nachzuziehen: weil er immer im feld
glückhafter als zu hause gewesen war. Demnach seine Judit / neben ihrem vatter
/ stiefmutter und allem hausgesinde / seinen eltern auf dem halse lassend /zogen
wir miteinander in Syrien / und wollte er die Ada ganz aus dem sinne schlagen:
dann es ware gar zu warscheinlich furgebracht worden / dass der Konig der
Philister sie geliebt / und annoch ihrentwegen der Königin und ihme so
aufsåtzig wåre. Wir funden / zu Damasco / alles in waffen: dann der Konig
Aramenes hatte mit dem König von Armenien in einen schweren krieg sich
eingelassen. Die ankunft des Esau ware diesem Konig höchst angenem / weil dessen
dapferkeit ihme schon bekant war: daher er ihm grosse ehre erwiese / und ihn mit
zu den hochsten kriegsämtern bestellete. Die Konigin Philistina / als seine
erste liebe bekame er da auch wieder zu sehen. Und ob wohl fur der zeit sie ihme
nicht hold gewesen so ware er ihr jedoch anjetzo sehr angenem: weil sie / von
ihrem vatterland und ihren anverwandten / durch ihn etwas zu vernemen /
verlangete. Wie er aber mit deme / was sich zu Gerar begeben / gar verschwiegen
war / als spurete sie wohl / dass die vertråulichkeit zwischen ihrem bruder und
ihme nicht mehr so verbündlich /als vordessen / sein musste. Er aber gewonete nun
wieder so sehr der angenemen gesellschaft dieser Königin / dass wenig fehlete /
es wåre seine vorige liebe in ihm wieder angeglommen. Doch mäsigte er seine
zuneigung / dass man dieselbige mehr ein freundschaft als liebe nennen mochte.
    Der grosse Aramenes zoge / in diesem krieg /selbst mit zu felde: deme der
Konig Barzanes von Armenien bis an das Taurische gebirge entgegen kame /und ein
heer der Scytischen volker an sich ziehend /seiner mit einer grossen macht
erwartete. Die Konigin / welche ihren herrn niemals verlassen wollte / folgete
ihm in diesem feldzug: in welchem Esau sich so dapfer hielte / dass wir
treffliche siege erlangeten / und den feind bis an den fluss Araxes trieben. Es
wärete dieser krieg eine lange zeit / da wir dann fast meister von ganz Armenien
wurden. Wir vernamen inzwischen nichtes / von deme / was zu Gerar / Sichem und
Bersaba furginge. Mit den gedanken war freilich der Esau an allen diesen dreien
orten / und konnte er des Koniges Abimelech unrecht / die von der Ada
eingebildete untreu / und der seinigen beunruhigung / nie genug erwågen: massen
wir zuweilen etliche stunden /mit gespråchen hiervon / zubrachten. Es ware doch
noch allemal / eine liebe zu der Ada / aus seinen reden abzunemen. Er hatte ja
all zu übereilt wider sie verfahren / da er seine einbildung billig auf mehr
grunde / als auf das blosse gerüchte / stellen sollen. Es mochte aber der
seinigen zustand / dieses schnelle entschliessen guten teils verursachet haben /
und ware etwan die verzweifelung sein groster rahtgeber gewesen. Wie aber die
zeit alles kann in vergessenheit bringen / also gewonete Esau nach und nach /
nicht mehr so heftig sich der Ada zu erinnern: und wartete er der schonen
Philistina / als welche / wie gesagt / stäts im feld mit ware / so vergnugt auf
/ dass er nicht viel nach Canaan mehr gedachte.
    Ich muss aber nun nach Gerar wiederkehren / und berichten / was sich in der
zeit / da wir in Syrien waren / alda zugetragen. Des Abimelechs bekummernis /
der Eglone versperrung / und die allgemeine traurigkeit bei hof wårete noch also
fort: bis die Fursten und grossen des reichs / dieses unwesen etwas genauer
betrachtend / die ausgebrachte rede der Konigin zu herzen fasseten / dass nämlich
der Konig die Furstin Ada lieben müsse / und daraus alles dieses unheil
entstanden wåre. Weil nun bisher die Konigin unfruchtbar gewesen / und die
stände auf erhaltung ihres Konigstammens ihr grostes absehen hatten: als waren
die meisten der Meinung / man sollte dazu helfen / dass Ada mit dem Konig
verehlichet / und durch sie der Konigliche stamm erhalten würde. Indem sie
hierüber rahtschlageten / kame die zeitung aus dem land Canaan von Sichem / dass
die Ada / welche der Konig Beor heiraten wollen / ohne dass man wüste /von wem /
wäre schwanger befunden worden. Keiner unter ihnen wollte nunmehr zweifelen / dass
solche schwångerung von ihrem Konig herrurete: dannenhero sie / ohne vorwissen
des Konigs / etliche aus ihrem mittel nach Sichem abfårtigten / die den Fürsten
Elon berichten sollten / wiedass sie / sich seiner tochter anzunemen /gewillet
wåren / und dass ihre leibesfrucht noch dermaleinst ihr Kronprinz werden konnte.
Ehe sie aber nach Sichem angelangten / ware Ada bereits mit einem sohn darnieder
gekommen: wodurch die liebe /so der Konig Beor noch beståndig zu ihr getragen
/ganz erlosche / und Elon dermassen erzurnet wurde /dass er / alle våtterliche
liebe ablegend / sie hinweg jagete / und für sein kind nicht mehr erkennen
wollte.
    Sie wusste nun / in diesem ihrem elenden zustande /nirgend anderst hin / als
nach Bersaba zu dem Esau: uber dessen verlassung und meinem ausenbleiben sie
sich nicht gnug verwundern und beklagen kunte. Weil sie nun den Esau zum vatter
ihres kleinen Eliphas nicht ernennet / und nach ihrer abreise von Sichem die
Philister dahin kamen / bereuete der Elon sehr / als er ihr anbringen horete /
dass er seine tochter also von sich hatte verstossen. Die abgeordnete von Gerar
waren auch sehr bekummert / dass sie von der Ada keine nachricht erhalten kunten.
Sie aber kame inzwischen zu Bersaba an: und kann man leichtlich ermessen / wie
angenem sie dem Isaac musse gewesen sein /der allbereit mit der ersten frauen
des Esau seine plage hatte. Die Ada wollte schier von sinnen kommen / als sie
horete / dass Esau in ein fernes land wäre hinweg gezogen / und sie / für alle
treue / die sie ihm erwiesen / nun dieses zum dank hatte / dass sie / wie eine
unehrliche und leichtsinnige / von den seinigen angesehen wurde. Weil sie nun
bei des Esau eltern keinen glauben erhielte / als welcher ihnen hiervon nichtes
hatte kund gemachet / so kunte sie kaum herberge in Bersaba erlangen. Ihre
ehmalige gespielin /die Fürstin Judit / name sich ihrer aus erbårmnis noch am
meisten an: dann weil ihr sinnlich war / wie Esau zu Gerar mit ihr kundschaft
gehabt / als glåubte sie leichtlich / dass der kleine Eliphas ihres Esau sohn
wåre / welchen sie herzlich zu lieben begunte / weil sie selber noch kein kind
von ihme bekommen hatte. Diese guttåtigkeit der Judit linderte aber der Ada
schmerzen ganz nicht / sondern mehrte vielmehr dieselben: weil sie ehmals die
zusage von dem Esau empfangen hatte / dass sie seine furnemste frau werden sollte;
da es aber nun mit ihr dahin gekommen ware /dass sie ihrer mitbulerin gnade leben
musste. Sie vergrämte sich daher dermassen / dass sie fast der Ada nicht mehr
gleich sah. Weil auch ståts ein hoher geist in ihr sich gereget / als gabe es
zwischen ihnen manchen streit: welches dann zu des Isaacs und der Rebecca
grossem herzenleid gereichete.
    Dergestalt verliefe eine lange zeit / in welcher sie zu Bersaba von uns /
und wir in Armenien von ihnen /nichtes vernamen. Elon hatte / neben den
Philistern /alles sein nachsuchen nach der Ada vergeblich angewandt / und
gedachte niemand dass sie zu Bersaba sich aufhalten sollte. Endlich fugete es sich
/ dass ein Philister Fürst / namens Asdod / nach Bersaba kame /und die Ada /
ungeacht sie sich sehr veråndert / erkennend / hierüber sich frölichst
erzeigete: zumal / als er den kleinen Eliphas bei ihr funde / den er fur seines
Königs sohn hielte. Ihre schamhaftigkeit / sich von dem Asdod in einem so
verånderten zustand sehen zu lassen / mehrete dieses Fursten einbildung: der sie
ermanete / mit ihrem kleinen sohne nach Gerar zu kommen / da es ihr båsser als
zu Bersaba ergehen sollte. Weil sie aber sich vermeintlich erinnerte / wie herb
der Konig ihren handel mit dem Esau vordessen entfunden / als gabe sie dem Asdod
zur antwort: Sie dorfte es nicht wagen / vor des Konigs angesicht zu kommen.
Doch wollte sie / die ursach dessen / ihm nicht entdecken: der ihr / nichts
solches vermutend /einen muht einsprache / und ihre verschwiegenheit für ein
schamhaftigkeit hielte. Weil es ihr nun ohnedas zu Bersaba sehr verdrieslich
erginge / als liesse sie sich überreden / und reisete mit nach Gerar: da der
Asdod gleich den geheimen raht versamlen liesse / und ihnen furtruge / wiedass
die Ada / und des Konigs sohn der Eliphas sich wieder gefunden håtten. Die ganze
versamlung erfreuete sich hierüber / und ward beschlossen / die Ada neben dem
kleinen Eliphas vor den Konig zu bringen: der bis hieher noch immer bekummert
gewesen / und wenig aus seinem zimmer gekommen war.
    Als sie nun ihren schluss vollzogen / und die Ada vor den König brachten:
fiele sie / ehe er dessen sich versah / zu seinen fussen nieder / und
bitterlich weinende / bate sie ihn um vergebung / dass sie ihn also beleidiget
håtte. Der Konig / der nicht wusste / was sie damit meinte / sah sie mit
grosser besturzung an. Die anwesende Fursten aber / zeigeten dem Konig den
kleinen Eliphas / und sagten: Dieser ist E. Maj. sohn /welchen wir dafur
erkennen / und die Ada fur unsere Konigin. Dieses sezte den Konig und die Ada in
grosse bestürzung / und machte jenen sie begierig fragen: was sie hiemit wollten?
Asdod sagte zu der Ada: sie sollte nur kunlich reden / und des Eliphas geburt dem
Konig offenbaren. Hierauf begunte sie ausfurlich zu erzählen / wie Esau sie
geliebt / und wie der Konigin kammerjungfrau ihn bei nacht zu ihr gelassen: da
er sie geehlichet / und sie gleich von ihm wäre schwanger worden. Sie sagte
ferner / wie sie folgends / als sie gesehen / dass der Konig diese tat so
ungnädig aufgenommen / sich heimlich durch mich entfüren lassen /und zu Sichem
diesen sohn geboren hätte. Diss alles wurde / von dem Konig mit hochster
aufmerkung /und von den Philistern mit grossem verdruss / angehoret. Diese /
sahen hieraus / wie sehr sie in ihrer einbildung hatten gefehlet / indem sie
hierdurch ihrem Konige seine traurigkeit benemen wollen.
    Abimelech aber / deme dieser bericht der Ada / die unschuld seiner gemalin
zum teil eroffnete / stunde zwischen freude und furcht / ob und was er hievon
gläuben sollte. Nachdem er sie in ein nebenzimmer abtretten lassen / musste man
ihm die kammerjungfrau aus der gefångnis bringen / welche er ernstlich befragte
/ zu wem sie den Esau in der nacht gefüret håtte. Ihre bekentnis kame mit der
Ada bericht ganz überein; und als sie der Konig ferner fragte: wer dann / in
eben selbiger nacht / bei seiner gemalin gewesen? nennete sie den priester des
Astarot: welches dann ebenfalls gleichlautete mit dem / was ihme sein bruder
damals von der Eglone angebracht hatte. Diese unverhoffte zeitung bewegte des
Konigs gemute dermassen / dass er alsobald zu der unschuldigen Konigin ginge /und
alles sein bisheriges verfahren ihr auf den kniehen abbate. Sie wusste anfangs /
in diese schleunige ånderung / sich nicht zu finden: wie ihr aber nachgehends
der Konig von allem bericht gabe / auch die Ada herbei geholet wurde / und sie
von ihr allen handel mit dem Esau erfuhre; verlore sich alsobald bei diesen
edlen eheleuten / sowol der gehegte groll und die falsche eifersucht / als die
daraus entstandene betrubnis. Sie fielen einander um den hals / und erwiesen
hiernåchst solche liebeszeichen / dass dadurch der ganze hof / und folgends auch
das ganze land / in ihre vorige ruhe und freude wieder gesetzet wurde.
Sonderlich waren die råhte hoch erfreuet / dass ihr vorhaben zwar anderst / als
sie vermeint / aber doch noch sowol und zu des Konigs beruhigung / abgelaufen.
Ada / die durch ihre hinkunft diese ruhe gestiftet / wurde von dem Konig
herrlich und wohl gehalten. Er gewonne auch den Esau von neuem lieb / da er seine
unschuld sah / und verziehe ihme gerne / was zwischen ihm und der Ada
furgegangen.
    Unsere siegreiche waffen hatten inzwischen in Armenien erwunschten fortgang
/ und kame es bei dem gebirge Ararat zu einer blutigen schlacht: da der
unvergleichliche Aramenes solche heldentaten verubete / dass wann man gotter
machen dörfte / er billig unter dieselben könnte gezehlet werden. Es begabe sich
aber bei diesem treffen / dass ich mit denen / die mir der Aramenes zu furen
untergeben / die Prinzessin Barsine / die base des Konigs / gefangen bekame /
welche /gleich unserer Syrischen Konigin / dem krieg folgete. Als ich mit meiner
schonen beute in in das lager kame / in hoffnung / damit grosse freude bei den
Syrern zu erwecken / horete ich aller orten das klägliche wehklagen über den
verlust unserer Königin: die von einem Scytischen haufen / der unter wårendem
treffen in das lager eingebrochen ware / neben allem frauenzimmer entfuret
worden.
    Esau ware nirgend zu finden: der hatte den raubern der Konigin nachgesetzet.
Er ereilete sie / unferne bei Tospia / da der Tigris entspringet: der / wie er
allezeit im früling zu tun pfleget / sich stark ergossen hatte /also / dass er
auch bei seinem ursprunge sehr tief ware. Porus / des Konigs Barzanes vatter und
bruder der Barsine / hatte die Konigin entfüret. Dieser / wie er sich von dem
Esau verfolget sah / und die Konigin nicht lassen wollte / name sie fur sich auf
sein pferd /deme er viel zutrauete / und setzete damit durch den fluss. Er
geriete aber / zu seinem ungluck / in einen wirbel / also dass er die Königin
fahren lassen / und vom pferd sich ledig machend / der wilden flut sich ergeben
musste. Esau / dieses ungluck der Königin am ufer ersehend / bedachte sich nicht
lange / was ihm zu tun wåre / sondern / von einer dapferen Entschliessung
getrieben / setzete er gleich mit seinem pferd in den strom / und ware so
glucklich / dass er die Konigin ergriffe / und zu land brachte. Weil sie gar viel
wasser eingeschluckt hatte / auch eben sich schwanger befande: als bekame ihr
dieser zufall sehr übel /und brachte sie Esau gar schwach in das lager. Der
Konig ihr gemal / ware zugleich erfreuet uber diesem des Esau guten dienst / und
auch betrubet / die Königin also schwach zu sehen.
    Der sieg ware aber vollig unser / und machte / dass der Konig von Armenien /
unserem Konig friedenshandelung liesse antragen. Aramenes name dieselbe an / als
nunmehr vorteilig für Syrien / und zogen endlich beide Konige zusammen / den
frieden zu bestätigen: da dann in beider gemutern eine wechsel hochachtung
entstunde / also dass der alte Barzanes den unvergleichlichen Konig von Syrien /
und Aramenes hinwiederum den tugendhaften Konig von Armenien /sehr lieb gewonne.
Wie aber / bei diesem getroffenen frieden / die auswechselung der gefangenen
geschehen sollte / weigerte sich Barsine / wieder zu ihren bruder zu ziehen / und
bate mich mit beweglichstem flehen /ihren tod auszusprengen. Ich konnte einer
solchen schönheit dieses nicht abschlagen / und hielte sie demnach für allen
Armeniern ganz heimlich / die sie dann als todt beweineten. Sie dankete mir
nachgehends tausendfältig / fur diese ihre erlosung. Ich erfuhre von ihr / dass
ihr bruder sie zwingen wollen /den Prinzen aus Buctra den Oxyartes zu ehlichen /
da sie doch bereits dem Pharnus dem König aus Meden versprochen wåre: welchen
aber ihr bruder tödlich hassete / aus ursach / dass der Pharnus ihm seine
schwester die Armire versaget / und dieselbe an den Konig aus Ophir den Jazis
verheiratet hatte.
    Ich befande diese ihre furgebrachte ursache so erheblich / dass ich ihr
vorhaben billigen musste / und ihr meine dienste anbote: die sie willigst anname
/ und mich ersuchete / sie heimlich in Meden zu furen. Weil nun dieses gar
verborgen musste zugehen / dass niemand es erfuhre / als meldete ich von ihrem
da-sein auch dem Esau selber nichtes / und hielte sie ståts in meinem zelt
verborgen. Weil sie keinem andern sich anvertrauen wollte / sie in Meden zu
bringen / ich aber / bis wir aus Armenien abgezogen sein würden / hierzu nicht
gelangen kunte / als musste sie sich noch eine gute weile gedulten: inzwischen
dann / die gesellschaft dieser schonen Prinzessin / mir immer angenemer wurde.
    Wie nun der abzug aus Armenien / wiewol / sowol wegen der vielen fusvolker /
als wegen der Königin anhaltender unpäslichkeit / gar langsam / fortginge:
furete ich die mir untergebene soldaten unter dem lezten haufen. Als wir an das
Taurische gebirge kamen /und bei Samosata über den Phrat gehen wollten / hatten
sich viele von den wilden Armeniern / die in demselben gebirge wohnen / zusammen
geschlagen / welche mich zwischen den klippen unvermutlich uberfielen: da dann
ihre månge die meinigen / die ohnedas erschrocken waren / in die flucht und
unordnung brachten. Ich tate diesen wilden möglichsten widerstand / und ware
insonderheit wegen der Prinzessin Barsine in grosten ängsten / die ich zu
beschützen mein åuserstes daran wagete. Wie ich aber sah / dass alles verloren
ginge / begabe ich mich / mit der Prinzessin und meinen übrigen / die bei mir
getreulich hielten / in eine hole: da ich / wider den ungeheuren haufen der
feinde / bis auf den lezten blutstropfen zu fechten / mich entschlosse. Ich
vermochte aber ihrer mänge nun nicht mehr zu widerstehen / als Esau / der von
meinem unfall zeitung erhalten / eiligst mit seinen volkern umkehrend / mir zu
hülf kame / als ich dessen zum hochsten benotigt war / und mich errettete.
    Die viele entfangene wunden hatten mich so geschwächet / dass / wie Esau zu
uns in die hole eintrate / ich ganz sinnlos in der schönen Barsine armen lage
/die ihr grosses mitleiden mit heissen zehren bezeugete. Ihr klagen hatte so
wenig ihre schonheit vermindert / dass Esau sie ganz verwundert betrachtete: und
sein verliebtes gemüte / das dazumal noch wie ein zunder leichtlich zu
entglimmen pflegte fulete bereits / was der Barsine schönheit vermochte. Weil
aber ihn die gebur der freundschaft triebe / sich auch nach mir umzusehen: name
Barsine gelegenheit / in ihr gezelte sich zu verbergen. Ich wurde folgends auch
in das meinige getragen / da man nach meinen wunden sah: die aber von keiner
sonderbaren gefahr befunden wurden / und mich allein etwas abkråftig machten.
    Wie nun Esau und ich allein im gezelte beisammen waren / fragte er mich
alsobald: wer die schone dame wäre / die er bei mir in der hole gesehen? Ich
truge kein bedenken / ihme der Barsine zustand zu eröffnen / weil ich seiner
verschwiegenheit mich getrostete. Nachgehends liesse ich der Prinzessin durch
meinen waffenträger sagen: dass sie sich gar nicht fur meinem freund dem Esau
scheuen dörfte / welcher / ihr zu dienen / ja so begierig als ich wäre. Durch
diese versicherung ward sie kuhn gemachet / mich zu besuchen. Weil der Konig von
Syrien mir erlaubte / dass ich zu Samosata bleiben mochte / bis es mit meinen
wunden sich wurde gebässert haben / als wollte Esau mich auch nicht verlassen:
und hatte er also täglich gelegenheit / die Barsine bei mir zu sehen. Wir redten
/ in seiner gegenwart / miteinander ab / dass / sobald ich wurde genesen sein /
wir durch Assyrien nach Meden gehen wollten: dahin wir / weil der König Pharnus
/welcher mit dem Konige Armatrides von Assyrien krieg fürete / sich zu Darta in
der Abeliter landschaft mit seinen völkern befunde / für den Assyrern ganz
sicher durchkommen kunten.
    Die unruhe / welche Esau von der Prinzessin entfunde / liesse sich hierauf
spüren / und offenbarete er mir / dass er die Barsine liebete: zugleich mich
bittend / es zu verhintern / dass diese reise zu dem Konig Pharnus nicht für sich
gehen mochte. Alle unmuglichkeiten / die ich ihm furbrachte / konten ihn nicht
bewegen / von seiner liebe abzustehen. Ja er finge bald an / der Barsine selber
von seinem leiden furzusagen: welches sie mir klagete / und mich diese
Entschliessung fassen machte / ohne sein wissen mit ihr heimlich davon zu
ziehen. Wie ich demnach vollkomlich an meinen wunden wieder genesen ware / und
alles zu meiner furhabenden reise hatte färtig machen lassen /zoge ich von
Samosata mit der Barsine bei nacht davon / und hinterliesse ein schreiben an den
Esau: darin ich meine tat entschuldigte / und ihm zu erkennen gabe / wie sehr
ich hierinn als sein treuer freund mich erwiese / indem ich ihme die ursach
seiner qual hinweg genommen; worzu mich zwar ohnedas die pflicht und mein
gegebenes wort angetrieben /welches ich nicht widerruffen konnen. Anfangs hatte
Esau dieses gar übel entfunden: wie aber die abwesenheit der Barsine seiner
gesunden vernunft wieder platz gegeben / funde er sich gar wohl / in dieses mein
verfahren / und name seinen weg nach Syrien.
    Ich aber reisete mit der Barsine fort / bis wir zu Darta glucklich ankamen:
alda ich dem König Pharnus seine Prinzessin uberlieferte / zwar nicht ohne
schmerz entfindung. Dann ich muss gestehen / dass schier die liebe / die ich
dissorts an dem Esau getadelt / bei mir sich einfinden wollen. Weil diese meine
erste liebe / einen solchen ausgang / wie ich bald erzählen werde / genommen /
als habe ich nachgehends mich ihr nicht mehr ergeben wollen / sondern bis jetzo
von dieser gemutsregung mich frei erhalten. Die erkentlichkeit des Pharnuns /
die dankbarkeit der schonen Barsine / und meine betrubte rückreise / achte ich
unnotig weitläuftig zu erzählen. Ich kame in Syrien wieder an / als eben die
Königin Philistina ihrem herrn einen Prinzen gebare / welcher Aramenes nach
seinem herr vattern genennet worden. Aber diese freude ward vermundert / durch
den gleich darauf folgenden tod dieser edlen Konigin / der das ganze reich in
grosses trauren setzete. Esau / der den tod der jenigen / die er ehmals geliebt
/ hiermit erlebet / ware daruber so bekummert / als fast der König selber. Er
vermochte auch nicht länger in Syrien zu verbleiben / sondern zoge / mit einem
grossen gut an gold und edelgesteinen / welches er im Armenischen krieg erworben
/wieder ins land Canaan.
    Er fand seine eltern noch in ihrem gewonlichen landleben zu Bersaba / neben
seinem bruder / und der Judit: die inzwischen an schonheit also zugenommen
hatte / dass seine liebe zu ihr um ein grosses vermehret wurde. Welchergestalt
die Ada mit einem kinde dahin gekommen / nachgehends von den Philistern nach
Gerar gebracht worden / anjetzo herrlich am hofe daselbst lebte / auch dass die
Konigin mit dem Konig wieder verglichen wåre / und ihme einen sohn geboren:
solches alles erfuhren wir daselbst / konten aber keinen eigentlichen bericht
erlangen / wie es mit diesem vertrage und mit der Ada zugegangen wåre. Esau
bildete ihm ein / die Ada wäre des Königs kebsweib worden / welches Eglone
endlich gedultet / und daher des Königs gemüte wieder besänftiget hätte. Demnach
erneuerte er seinen ehmaligen unwillen wider den Abimelech / und entfunde es
sehr schmerzlich / dass Ada ihn also hintergangen / die er doch so inbrunstig
geliebt.
    Weil nun seine erste liebste gestorben / die andere verheiratet / die dritte
ihm / wie er vermeinte / so schändlich ungetreu worden / und die vierte auch
einem andern ihre liebe zugewendet: als kehrete er sich ganz allein zu der
Judit / welche er ohne zuneigung genommen hatte / und finge an / ihr so
vollkommen seine liebe zu erweisen / dass er kaum einen augenblick von ihr sein
kunte. Weil auch auch das landleben ihrem sinn so gar nicht gefiele / und er sie
gern båsser håtte mogen versorget sehen: als verwendete er sein mitgebrachtes
geld daran / dass er ihr / bei uns im lande Midian / nicht weit von dem ihme
angebotenen Furstentum / eine schöne herrschaft erkaufte / und mit ihr sich
dahin begabe. Auch dem Fursten Beri / seinem schwiegervatter / einen gefallen zu
erzeigen /name er dessen zwei junge herrlein / den Elieser und Ephron / mit
dahin: die er / als wären es seine eigene kinder gewesen / sehr fleissig und wohl
erziehen liesse. Er bekame meinen bruder Epher / den regirenden Fursten in
Midian / zum nachbarn: der mit ihm daselbst gute freundschaft hielte. Es waren
alle meine verwandten erfreuet / mich wieder zu sehen: da ich aber / ungeacht
sie mich gerne stäts bei sich haben wollten / dennoch von dem Esau mich nicht
trennen liesse. Gleichwie ich ihn in kriegszeiten nie verlassen / also bliebe
ich nun auch in seinen ruhe-tagen bei ihme: und lebete er so vergnugt mit seiner
Judit /dass / wann sein ehestand mit kindern håtte mogen gesegnet werden / es
ihme an nichtes wurde gefehlet haben. Die zu Gerar erfuhren in der zeit / da wir
daselbst woneten / nichtes von uns / und wir auch nichtes von ihnen: weil der
ort zu äuserst am meer gelegen / und dort hinwårts von aller gesellschaft
entfernet war.
    Es begabe sich aber / dass der alte Furst von Seir auf dem gebirge / des
Lotans vetter / in seinem hohen alter / von seiner gemalin / die er erst
neulich geheuratet / eine tochter bekommen: worüber er sich so hoch erfreuet /
dass er / als er ihr den namen wollte geben lassen / ein grosses fest anstellete /
und alle benachbarte dazu einlude. Esau / als ein alter bekanter des Lotans /
erschiene auch mit bei diesem freudenfest / und wurden wir zu Dedan auf dem
gebirge herrlich entfangen. Die gesellschaft daselbst ware sehr gross: dann nicht
allein alle Fursten von Seir / des Seirs kinder / sich alda befunden / sondern
auch der Prinz Zipor von Moab / der bruder der kindbetterin /mit vielen
Moabitischen Fürsten / wie auch der Prinz Mamellus von Chaldea / dessen
schwester die Poliphide den Fürsten Ana von Seir geheuratet hatte. Dieser
Mamellus hatte neulich sich verehlichet mit des Esau mutter schwester / der
Tarasile: die eben auf solche weise / ihrem vatter dem Betuel / in seinem
hohen alter / gleichwie die Timna (von deren geburtfest ich jezt rede /) dem
Fürsten von Seir / ware geboren worden. Weil dieser Mamellus vom Assyrischen
hause entsprossen / und zudeme bei E. Maj. herr vattern dem Konig Bel Ochus in
hohem ansehen schwebete / als erwiese ihm jederman hohe ehre. Er machte mit dem
Esau genaue kundschaft / als von dessen heldentaten / die er in dem lezten
Aramenischen krieg erwiesen / er viel gehoret hatte.
    Als wir aber eines tags / da wir zimlich beråuschet waren / von dem König
Aramenes in Syrien zu reden kamen / und Esau neben mir demselben viel lobs
nachsagte / hingegen Mamellus / weil damals der unglückselige krieg zwischen E.
Maj. herr vattern und diesem Konig von Syrien / der endlich ihme das reich und
leben gekostet / schon vor-ware / gar verkleinerlich redete: kamen wir daher mit
worten gar hart aneinander / also dass / wann der Furst Ana und der Lotan nicht
wåren dazwischen getretten / es nicht wohl würde abgelaufen sein. Der Ana fürete
den Esau zu seiner gemalin / der schonen Poliphide / und Lotan den Mamellus /
zu des Esau gemalin / der angenemen Judit: da dann Mamellus sich scheuen musste
/ gegen der Judit von dem Esau etwas widerliches zu reden /und Esau hinwiederum
der schwester des Mamellus von ihrem bruder nichtes feindliches fürsagen dorfte.
    Es verursachte auch der Poliphide hoflichkeit / dass Esau bald seinen zorn
vergasse / und dieser Prinzessin wunderschone betrachtend / von seiner alten
begierde sich dermassen wiederum einnemen liesse /dass er mehr / als ihme wohl
geburet håtte / sie in seinem herzen bewunderte. Er hatte in der zeit da er bei
seiner Judit allein gelebet / auser ihr keine andere schonheit gesehen: dass
also dieses guten teils seine beståndigkeit verursachet. Nun aber / da ihme
soviel schonheiten furkamen / unter denen Poliphide damals unvergleichlich war /
kunte er sich so weit nicht zwingen / dass er sie nicht håtte angebetet. Er wurde
auch in rechtem ernste so eifersuchtig gegen dem Ana / als in dessen gemalin
verliebet / dass / wer seine weise so gut als ich gekant / ein solches leichtlich
wurde gemerket haben. Poliphide / als verheiratet / gabe nicht acht auf des Esau
verliebtes wesen / und gönnete ihm alle zugelassene freiheit: daher dann sein
liebes feuer je mehr und mehr entzundet wurde. Als nun alle die andern / nach
vollendetem freudenfest / wieder nach haus kehreten / blieben allein Mamellus /
Esau und ich noch daselbst. Der Prinz von Chaldea / schützete seiner schwester
gegenwart für / als welche mit ihrem gemal bei dem schwiegervatter zu Dedan
wonete. Esau aber wusste nicht / womit er sein da-bleiben beschonen sollte: zumal
der Lotan / sein alter freund /selber nach Denhaba / daselbst er wonete / schon
wieder abgereiset ware.
    Es eråugete sich aber bald eine ursache / dass wir von Dedan hinweg mussten.
Der Prinz Mamellus hatte sich in die Judit so heftig / als Esau in die
Poliphide / verliebet. Indem er aber mindere vorsichtigkeit als der Esau
gebrauchete / gabe er sein anligen der Judit so deutlich zu verstehen / dass sie
ihn ganz unwillig abwiese. Als er nichts desto weniger die folgende tage
fortfuhre / sie mit entdeckung seiner liebe zu beleidigen / klagete sie es dem
Esau / mit bitte / sie von dieser marter zu befreien. Wiewol nun Esau in eben
dem verbrechen steckete / dessen Mamellus beschuldiget wurde / so verdrosse es
ihn doch heftig auf denselbigen: weil er hiervon entfunden / was er vordessen
noch nie versucht hatte / nåmlich den eifer uber einen mitbuler bei seiner
ehefrauen. Als er aber / wegen der Poliphide / noch verzoge / hinweg zu reisen /
und seine Judit dem Mamellus aus den augen zu bringen: finge Poliphide an / des
Esau wesen genauer zu betrachten: und vermerkende / dass ihn nichtes als die
liebe an- und aufhielte / name sie verlaub von dem Ana ihrem herrn / sich in die
benachbarte warme båder zu begeben / um ihme aus den augen zu kommen. Weil die
Judit mit ihr gesellschaft machete / als blieben Mamellus und Esau / bei dem
Seir und dessen sohne dem Ana / zu Dedan / bis sie wiederkehren mochten: da aber
ihnen beiden die weile allzulang wurde / indem sie die jenigen nicht vor sich
sahen /um derer willen sie so lang auf dem gebirge sich verweilet hatten.
    Es fiele ihnen aber zu einer zeit ein / die jenigen /welche sie also
unrechtmåssig liebeten / zu besuchen. Weil sie es heimlich halten mussten / als
erdichtete jeder eine andere reise / die er furhätte. Esau sagete /um dem Ana
keinen verdacht zu geben / er wollte nach Denhaba reisen / den Lotan zu
besuchen. Mamellus gabe für / er wåre gewillet / nach Ezeongaber zu reisen:
damit er dem Esau allen argwahn benemen mochte. Wir zogen etliche stunden später
aus Dedan /als der Prinz von Chaldea / also dass wir am abend in die herberg
kamen / da er den mittag gewesen war. Wir erfuhren von dem wirte / dass er eben
unsere strasse fur uns hinreisete: welches den eifersuchtigen Esau in den
argwahn brachte / es wåre Mamellus gleiches vorhabens ausgezogen; dann der weg
nach Ezeongaber gegen dem meer zuginge / und nicht in das gebirge. Am folgenden
tag erginge es uns eben also /dass man uns in den herbergen von dem Mamellus
erzehlete. Weil deswegen der Esau eifriger fortreisete /als erreichten wir den
Prinzen von Chaldea auf dem wege / als noch wenig meilen nach den warmbädern vor
uns waren.
    Als Mammellus uns ersehen / erschracke er nicht wenig / den Esau auf einem
wege zu finden / der gar nicht nach Denhaba furete / dahin er doch eine reise
fürgegeben hatte. Es war an beiden seiten die begrüssung zimlich kaltsinnig /
und fragten sie einander fast zu einer zeit: ob hier der weg nach Denhaba und
Ezeongaber hinginge? Da ihre antworten auch gleich waren / wiedass sie ihre reise
aus gewissen ursachen geåndert håtten. Esau / der um des Mamellus liebe wusste /
erzürnte sich mehr über dieser begebenheit /als der andere: dem hingegen sehr
leid ware / dass er also auf diesem weg war angetroffen worden. Wir reiseten also
miteinander / ohne zu fragen / wohin wir wollten.
    Als wir in die warme båder angelanget / mussten wir beiderseits in einem
wirtshause verbleiben / weil kein raum mehr übrig ware. Esau rustete sich
alsobald /seine Judit zu besuchen: und Mamellus täte desgleichen / seine
schwester anzusprechen. Das frauenzimmer pflegten zwar sonst / bei gebrauch des
bades /sich wenig sehen zu lassen / und gar nicht unter das mannsvolk zu kommen.
Aber der gemal der einen /und der bruder der andern / kunten diss gesetze in
etwas aufheben: daher Judit und Poliphide sich nicht weigerten / von dem Esau
und Mamellus sich sprechen zu lassen; wiewol beiderseits nicht ohne verwunderung
/ was ihre ankunft bedeuten mochte.
    Ihre zusammmkunft / deren ich mit beiwonete /ginge auf allen seiten gar
verwirret ab. Dann die Judit / in ersehung des Mamellus / erinnerte sich /nicht
ohne errötung / seiner liebe. Poliphide täte nicht weniger / als sie den Esau
erblickete. Mamellus dorfte / in gegenwart ihres gemals / der Judit nicht
kunlich zusprechen: und Esau hatte soviel arbeit / zugleich seiner liebe und
eifersucht abzuwarten / dass solches ihm sehr beschwerlich fiele. Sie wussten die
ursach ihrer hinkunft so wenig formlich fürzubringen / dass dadurch der Judit
und Poliphide die augen noch mehr geoffnet wurden / zu erwittern / warum diese
beide wären angekommen. Wegen solcher verwirrung / wurde diese ihre besuchung
bald geendet. Wie aber die unrechtmåsige liebe sie beide dahin gebracht hatte /
also gabe sie ihnen auch einerlei in den sinn / um einige vergnugung in ihrer
liebe zu erlangen. Sie namen ihnen beide fur / jeder die jenige / so er liebete
/ bei nacht im bade zu sehen / weil sie bei nåchtlicher zeit sich dessen
gebrauchten. Sie bestachen beiderseits / ohne dass einer von dem andern wusste /
etliche von den weibern und verschnittenen /welche dabei aufzuwarten pflegen:
die dann / sie einzulassen / sich willigst erklåreten.
    Esau / kame zu erst hinein / und ward an das ort gebracht / wo die
Prinzessin von Seir ihre badstelle hatte: dann das bad in viele teile
abgesondert ist / da jedwedere dame ihren besondern ort hat da sie allein sein
kann. Weil ich uber des Esau gemute soviel macht nicht hatte / ihn von diesem
beginnen abwendig zu machen / so ermanete ich ihn doch / ehe er von mir ginge /
dass er wenigst sich båsser als ehedessen zu Gerar / da er fast auf gleiche weise
die Philistina zu sehen bekame / aber aus heftiger liebe sich ihr kund gegeben
hatte / in acht nemen sollte: welches es mir versprochen. Er hatte in seinem
winkel eine gute zeit gelauret / als endlich die schone Poliphide mit einer
dirne hinein kame / welche etliche liechter an den wänden umher anzündete: das
dann dem Esau wohl zu statten kame / die schone Chaldeerin nach genugen zu
betrachten. Indem sie sich auskleidete / redete sie zur dieser ihrer vertrauten
dirne von dem Esau / welchen sie sehr lobete / und darbei hochlich sich beklagte
/eine ursach zu sein / dass er so unruhig lebete / weil sie mehr als zuviel seine
zu ihr tragende liebe verspuret håtte. Man kann denken / wie hierdurch des Esau
gemute beweget worden: und war seine zufriedenheit unbeschreiblich / als sie /
in solchen gespråche von ihme / immerfort verharrete.
    Wie sie nun eine weile mit ihren niederkleidern im bade gesessen / da sie
ihren verliebten die brust neben den armen ganz entblosst betrachten liesse:
entstunde unversehens ein grosses geråusche / welches den Esau aufmerksam
machete. Bald sah er die Judit / mit einem angeworfenen mantel / ganz
erschrocken und erblasset hinein kommen / die zu der Poliphide sagte: Ich suche
schutz bei euch / Prinzessin von Seir /wider euren bruder! Als Poliphide sie
gebeten / sich deutlicher zu erklären / gabe sie mit heftigen worten zu
verstehen: wiedass der Mamellus in ihr bad-zimmer sich heimlich verborgen /
folgends / wie sie im bade gesessen / sich herfür getan und ihr genåhert håtte;
deme sie / als er sie anhalten wollen / mit noht hieher entlaufen wåre.
Poliphide / schalte dieses freche beginnen ihres bruders. Esau aber ward
hierüber so ergrimmet / dass er kaum an seinem verborgenen ort sich lassen kunte.
Das geschrei der Judit hatte alle /die im bade waren / aufgereget: welche / als
sie horeten / dass eine fromde mannsperson vorhanden wåre /sich darüber sehr
erzurneten / und diesen verwegenen / um ihn abzustraffen / fåst machen wollten.
Aber Mamellus hatte sich da nicht lang umgedrehet / sondern ware / mit hulfe der
nacht / eiligst entsprungen.
    Dem Esau ward hierbei gar übel zu mute / indem er befahren musste / dass man
ihn daselbst finden möchte: und gläube ich nicht / dass der Esau jemals
beångstigter gewesen / als dissmal / da seine ehre in gefahr ware / einen so
harten schiffbruch zu leiden. Poliphide und Judit kleideten sich eiligst an /
um von dar hinweg zu kommen: und ware die Judit gar nicht zu befriedigen /
sondern dråuete sehr mit dem Esau / dass der ihren erlittenen schimpf rächen
sollte. Aber Poliphide bate hierwider: wiewol sie der Judit gestehen musste /dass
sie es eben so hoch entfinden wurde / wann ihr dieses widerfahren wäre. Wie sie
nun hinaus gegangen / schlosse Poliphide selber die tür zu / und name / wider
ihren gebrauch / den schlüssel mit sich / den sonsten die weiber / die uber die
båder bestellet / zu verwahren pflegten. Also sah sich Esau in neuer noht / da
er nicht heraus kommen konnte / und also / den folgenden tag gefunden zu werden /
befahren musste. Ruffen dorfte er nicht / aus beisorge / dass er sich dadurch
selber verrahten mochte. Er hatte lang vergeblich gehoffet / die jenige / so ihn
eingelassen / würden / wann alle die andern hinweg wären / zu ihm kommen / und
ihn auslassen. Er verlore aber endlich alle hoffnung / und kunte in solchem
zustande nicht unterlassen / ihm selber sein torichtes beginnen furzurücken.
    Als aber etliche stunden vorbei waren / die ihn långer als jahre dunketen /
offnete sich plötzlich die tur / und sah er die Prinzessin Poliphide mit ihrer
dirne /die eine lampe truge / zu ihm hinein kommen. Sie ginge straks auf ihn zu
/ und begunte ihn lächlend also anzureden: Wolan / mutwilliger bruder! hiermit
erlasse ich euch der straffe / die ihr mehr als zu wohl verdient habet. Esau /
der für besturzung diese worte nicht recht einname / fiele ihr gleich zu füssen
/ und wusste nicht / wie er diese nochfreundliche ansprache der Prinzessin
aufnemen sollte. Sie aber / die ihn hiemit erkannte / erschracke so häftig / dass
ihr schier eine onmacht zuginge. Indem sie aber / unwissend / wie ihr geschahe /
sich an eine wand lehnete / erzehlte ihr der verliebte Esau alles / wie seine
innigste liebe ihn zu dieser tat getrieben håtte: welche weder sie noch einiger
mensch jemals hätte erfahren sollen / wann nicht ihre gutigkeit sie jezt dahin
gefuret håtte / um /wie er hoffete / sein grosses verbrechen ihme zu vergeben.
    Diese erzehlung / vermehrete allererst der Prinzessin entsetzen. Sie
vermeinte / ihren bruder daselbst anzutreffen. Dann ihre jungfrau hatte den Esau
in seinem winkel erblickt / und für den Mamellus gehalten / als derselbe im
auflauf gesucht wurde. Weil sie ihn aber nicht verrahten / sondern retten wollen
/ als hatte sie solches heimlich der Poliphide entdecket: welche deswegen die
tur selber versperret / und den schlussel zu sich genommen / um / wann die
andern hinweg wåren / wieder zu kommen / und ihrem bruder davon zu helfen. Nun
sie aber an dessen statt den Esau / und zwar auf gleicher tat gefunden / mahlete
zwar anfangs ihre strånge tugend diese seine begangene frechheit ihr so grob für
/ dass sie ihn der hochsten abstraffung würdig achtete. Als sie aber hingegen
betrachtete / dass er gleichwol noch / anderst als ihr bruder / in den schranken
der hoflichkeit geblieben / und dabei besorgete / wann sie zu hart mit ihme
verfure /er an ihrem bruder / den sie herzlich liebete / sich råchen wurde: als
zwange sie ihren unwillen / und beschlosse / sich ihme gutiger zu zeigen / als
er verdienet.
    Nachdem sie von ihrem schrecken sich etwas erholet / sagte sie zu dem Esau:
Euer gutes Glück / und nicht mein fursatz / hat mich hieher gefuret / euch zu
befreien / dann ich meinen bruder allhier zu finden vermeinte. Håtte ich aber
euch an diesem ort vermutet / wurde ich mich um euch / nachdem ihr mich so hoch
beleidiget / nicht dergestalt bemuhet haben / euch aus dem fur augen schwebenden
unheil zu reissen. Ich will euch aber das verbrechen verzeihen / und euch wieder
in freiheit setzen / wann ihr mir zweierlei eidlich versprechen wollet. Esau /
um zu erweisen / wie begierig er wåre / ihren geboten nachzuleben / und dadurch
ihre huld wieder zu erlangen / beteuerte ihr alsobald mit einem eide / alles zu
erfullen / was sie ihm zu tun auferlegen wurde. Hierauf verbote sie ihm
erstlich / dass er niemals sie wieder sehen / oder doch /wann solches aus
unvermeidlichen umständen geschehen müste / sie nie allein ansprechen sollte. Ihr
zweiter befehl ware / dass er / an ihrem bruder / auf keinerlei weise / wegen
dessen / was ihn eine gleichmåssige torheit wider die Judit hätte begehen
machen / sich rächen sollte. Dieses waren zwo so harte bedingnise /dass der
ångstige Esau gern seinen eid wieder zurucke genommen håtte: doch musste er
gehorsam versprechen / und ward also dieser seiner unvermuteten gefängnis
erlassen / nachdem er von ihr hingegen die zusage erhalten / dass sie keinem
menschen etwas hiervon eröffnen wollte.
    Also sah sich Esau zugleich in seiner liebe und rache unvergnuget / und
kame ganz betrubt wieder in die herberge: da er mir / diese seine abenteur / zu
meiner hochsten besturzung erzehlete. Der Mamellus ware am morgen nicht mehr zu
finden / als welcher noch vor tags hinweg gereiset: und hatte er sich / wie wir
nachmals erfuhren / zu seinen leuten / die er in Bosra gelassen / verfüget / mit
denen er seinen weg wieder nach Babel genomen. Als nun Esau anstunde /wie er mit
seinem abschied es anschlagen sollte / kame die Judit unversehens zu uns in den
gastof / von ihren dirnen begleitet: woruber er anfangs sich nicht wenig
entsetzte / weil ihm das gewissen sagte / dass er an ihr sich so gröblich
versündiget / und er sich besorgen musste / sie mochte erfahren haben / was
zwischen ihme und der Poliphide furgegangen. Ihr freies wesen aber / und die
vielfåltige liebkosungen / die sie ihm erwiese / macheten ihn bald anderst
glåuben / dass nåmlich Poliphide / ihre zusage haltend / seine schande
verschwiegen hätte.
    Sie vermeldete ihm hierauf die ursach ihrer ankunft / welche war / dass die
Poliphide eiligst håtte post von Dedan bekommen / nach ihrem gemal wieder zu
kehren: deswegen sie die bade zeit nicht auswarten wollen / sondern eiligst
hinweg gezogen wåre. Dieses habe nun bei ihr / weil ihr das da bleiben ohne ihre
gesellschaft nicht annemlich / gleichen vorsatz erwecket / dass sie die badecur
auch angeben / und mit ihme wieder abreisen wollte. Esau merkete wohl aus dieser
erzehlung / was die schleunige abreise der Poliphide verursachet håtte. Er
stellete sich aber ganz frei an /und zoge alsofort mit der Judit nach Denhaba /
dahin er dissmal zu reisen anfangs furgegeben hatte. Es name ihn aber sehr wunder
/ dass die Judit ihme nichtes klagete / von des Mamellus beginnen: dann er wusste
nicht / dass Poliphide die Judit hochlich gebeten hatte / keine rache über ihren
bruder von dem Esau zu begehren. Wie dann ihme / als wir bei dem Lotan uns eine
weile aufgehalten / und nun wieder vom gebirge Seir nach haus angekommen waren /
dieses ståts in den gedanken bliebe. Ja es wurde letzlich eine sonderbare
eifersucht daraus / die ihm in den sinn gabe: die Judit musse dem Prinzen von
Chaldea nicht so gar abhold sein / wie sie wohl ursach håtte. Endlich eråugete
sich eine ungluckselige begebenheit / wordurch seine eifersucht vollends
entbrennte und ausbrache. Hiervon aber desto verständlicher zu berichten / muss
ich mich nach Gerar zurucke wenden /und zuvor erzählen / was alda sich
zugetragen.
    Es hatte die Ada / in so langer zeit / nichtes von uns erfahren / ohn allein
/ wie die zeitung von dem tode der Konigin Philistina nach Gerar kame / und bald
darauf die Prinzessin Andagone / des Konigs der Philister und der Königin von
Syrien schwester / den kleinen Prinzen Aramenes dahin brachte: welche alda von
dem Esau erzehlte / wiedass er / nach der Philistina tode / Syrien wieder
verlassen håtte. Dieses setzete die Furstin Ada in neue sorgen: und ob ihr wohl
der Konig alle ersinnliche freundschaft erwiese / so war sie doch nimmer vollig
zufrieden / weil es sie zusehr schmerzete / dass der Esau ihrer so ganz vergessen
hatte. Endlich nach vieler zeit / erfuhre sie von Midianitischen kaufleuten /
die nach Gerar kamen / dass der Esau sich in ihrem land aufhielte: welches sie
sich entschliessen machete / ihme daselbstin zu folgen. Sie hinterliesse den
kleinen Eliphas / welcher mit dem Prinzen Aramenes und Abimelech erzogen wurde
/daselbst zu Gerar. Der Konig ordnete ihr zu den Fürsten Asdod / welcher sie
begleiten / und den Esau seiner alten freundschaft versichern / auch wieder nach
seinem hofe zu kommen / überreden sollte.
    Weil die Ada sich nicht eher dem Esau kund geben wollte / bevor sie
eigentlich seinen sinn gegen ihr neben der ursache / warum er sie also verlassen
/ erforschet: als reisete sie ganz heimlich in das land Midian / und zwar / um
desto verborgener zu bleiben / in mannskleidern. Sie kame / wie Esau eben auf
der jagt war / in sein haus / und liesse sich bei der Judit anmelden. Diese
Furstin / begierig vom hofe zu Gerar jemanden zu sprechen / befahle gleich / dass
man diese fromde zu ihr füren sollte. Der slave / der solches verrichtete / und
ein boser ohrenblåser bei dem Esau war / gab genaue achtung / wie Judit sich
gegen diesem Philister gebårdete: welche dann / als sie eine weile heimlich mit
der verkleideten Ada geredet / durch ihre entdeckung bewogen wurde / sie zu
umarmen und zu kussen. Als sie folgends die ursach ihrer ankunft vernommen /
wollte sie ihr in allem ihrem begehren willfahren / und hielte sie inzwischen
heimlich auf / dass wir von ihrer und des Asdod dahinkunft nichtes wurden
vernommen haben / wann der slave dem Esau nicht alles entdeckt hätte.
    Dieser eifersuchtige wollte / nach erhaltenem diesem bericht / schier
unsinnig werden / und meinte nicht anderst / als der Prinz Mamellus wåre dieser
fromder / der also heimlich aufbehalten würde. Um nun die ungluckselige Judit
mit ihrem vermeinten buler zu ertappen / gabe er eine reise für nach Suchot / da
er uber acht tage ausbleiben würde / und gebote dem slaven / acht zu haben / was
die Judit beginnen wurde / welches er ihm heimlich zu wissen machen sollte: und
bliebe er nahe bei dem schloss / in einem walde / da wir uns in dem felsen
behalfen / und der slave uns leichtlich botschaft tun konnte. Ich hatte damals
zum oftern meinen scherz / über seine eifersucht / welche ihn triebe solches
ungemach auszustehen: und kunte ich meines teils gar nicht glåuben / dass die
tugendhafte Judit hierinn schuldig wåre.
    Wie aber der verråterische slave zu uns hinaus kame / und diesen bericht
mitbrachte / wiedass die Judit die nacht bei dem einen Philister geschlaffen
håtte / muss ich bekennen / dass meine bestürzung hierob so gross wurde / als des
Esau zorn: der kaum der folgenden nacht erwarten kunte / um selbst in diesem
laster die Judit zu ertappen / und abzustraffen. Wie nun dieselbige angebrochen
/ eileten wir nach dem schlosse zu / und traten gar stille in der Judit kammer:
da dem eifersuchtigen Esau alsobald die månnliche kleidung in die augen kamen /
die vor seiner Judit bette lage. Wie er ferner den furhang leise geoffnet /
sah er jemand an ihrer seite ligen: daher voller eifer / zuckete er den säbel /
und wollte durch beider tod sich råchen. Die liebe aber / die er ehmals zur
Judit getragen / machte / dass er ihrer verschonete / und seinen grimm allein
wider ihren beschlaffer wendete /unwissend dass es seine beståndige Ada ware:
deren er eine so tiefe wunde in das haubt versezte / dass ich solche nicht
anderst als fur todlich achten konnte.
    Die armselige Judit / welche hierüber erwachet /finge håftig an zu schreien
/ und die halbtodte Ada befiele gleich mit einer onmacht: in welchem
erbårmlichen zustand wir sie verliessen. Der verzweifelte Esau sezte sich gleich
zu pferd / da ich ihm folgen musste /unwissend / was er fürnemen wollte. Wir
ritten die ganze nacht hindurch / ohne dass einer von uns den mund zum reden
offnete. Als der tag wieder angebrochen / und ich den Esau noch in seiner
traurigkeit vertieft sah / fragte ich ihn: was er dann zu tun gewillet wåre?
Ich musste diese frage etliche mal widerholen /ehe ich antwort bekame. Endlich
aber gabe er mir sein schmerzliches leiden durch die klåglichste worte zu
vernemen / und kunte er der Judit nicht vergessen /wie sehr er sich auch von
ihr beleidigt achtete. Doch ware es ihm auch unmuglich / diese beschimpfung ihr
zu vergeben: dannenhero er nicht wieder zu ihr wollte /sondern sich entschlosse /
zu den waffen wieder zu kehren / und zwar nach Syrien / alda der krieg zwischen
E. Maj. herr vattern und dem König Aramenes eben angehen wollte.
    Indem wir aber auf dieser reise ganz Canaan durchwandern mussten / befiele
der Esau zu Salem mit einer gefärlichen krankheit / da eben der jetzige König
Melchisedech zur regirung gelanget ware. Diese krankheit hielte bei ihm etliche
monden an / und geschahe ihm getreue pflege vom Königlichen hofe: da die
Prinzessin Saradine / des Königs schwester / ihn selber zum oftern besuchete /
und / weil sie in der arzenei sonders erfahren / viele von ihren kostbaren
mitteln ihm gebrauchete. Diese machete endlich seinen leib wieder gesund /
beschwerete aber sein gemute mit einer neuen krankheit: dann die wunderschöne
dieser Prinzessin ihn dermassen eingenommen hatte / dass er wohl nie verliebter
mochte gewesen sein / als er nun in die Saradine worden. Sie hingegen / als eine
von den gottseligsten Prinzessinnen / die jemals mogen gelebet haben / erwiese
dem Esau und mir / als des Abrahams nachkommen / soviel gutes / und machte mit
uns eine so fäste freundschaft / dass wir stäts mit ihrer erbaulichen
gesellschaft uns vergnugen kunten.
    Diese kundschaft bekame soviel macht uber des Esau gemute / dass er ganz
anderst gesinnet wurde. Dann / da er zuvor ein wildes wesen gefuret / so sah
man ihn jetzund ganz sittsam und ermildert. Als sie ihm auch erklärete / wieviel
an der erstgeburt gelegen / und dass er sehr unrecht getan håtte / indem er
dieselbe seinem bruder so liederlich verkaufet: begunte die reue dieserwegen bei
ihme sich einzufinden. Und durch ihre lehren unterrichtet / was sonderbaren
furzug sein geschlecht für allen andern vålkern håtte /den er nicht so gering
achten sollte: kame er zu ganz andern gedanken / und wollte nun bei seinem vatter
das jenige wieder einholen / was er bisher versäumet. Er wollte anfangen / ihnen
fleissiger zur hand zu gehen: um den segen / auf welchem die kunftige besitzung
des landes Canaan haftete / zu erlangen. Bei diesem fürnemen / wuchse zugleich
seine liebe gegen der schonen Saradine. Daher er einsmals / als sie mit ihme von
der künftigen ererbung des landes Canaan sprachete / die gelegenheit ergriffe /
ihr auf solchen fall die Cananitische Kron anzuwünschen. Dieses /gleichwie er es
nicht ohne errötung furbrachte / also horete sie es auch nicht sonder entfårbung
an: so gar /dass ihm keine geringe hoffnung ubrig bliebe / ihre gegenliebe zu
erlangen.
    Wie wir also zu Salem lebeten / kame zeitung /wiedass der Konig Abimelech von
Gerar mit seiner ganzen hofstatt kommen wurde / den Melchisedech zu besuchen.
Der Esau ware eben bei der Prinzessin /wie dieses in Salem ruchtbar wurde. Weil
er / solches hörend / sich entfårbet hatte / fragte ihn die Saradine um dessen
ursache. Wie er nun ihr nichtes zu verhelen pflegte / als erzehlete er ihr alles
/ was ihme vordessen zu Gerar begegnet; was massen der König ihn nicht allein
beschimpfet / sondern auch ihm die Ada hinweg genommen: weswegen er ohne
bewegung /diesen undankbaren freund / nicht würde ansehen können. Er würde auch
/ um dess willen / sich ein zeitlang von Salem hinweg begeben haben / wann der
Konig Melchisedech ihn nicht angehalten hätte.
    Dieser Konig nun wandte allen fleiss an / den Konig und die Konigin von Gerar
auf das herrlichste zu entfangen. Wie nun / auf einer wiesen nahe am berg Morija
/ die begrussung beider Könige geschahe / hatte Abimelech den Melchisedech nicht
sobald verlassen /da liefe er zu dem Esau: welchen er wider seinen willen
umarmete / und um vergebung bate / dass er ihn ehmals so sehr beleidiget. Er
liesse ihm auch nicht frist zu antworten / sondern eilete nach dem frauenzimmer
/ welches seiner gemalin folgete; unter denen er zwo damen herfür zoge / und
selbige dem Esau zufurete. Diese beide (sagte er låchlend zu ihme) sollen
zwischen uns frieden stiften / und hoffe ich meinen alten freund damit wieder zu
erlangen / weil ich ihm also seine beståndige Ada und unschuldige Judit hiermit
wieder überliefere. Esau wusste nicht / wie ihme geschahe / als er die drei
personen / die er so sehr zu meiden sich befugt achtete / vor sich sah. Die Ada
/ sowol als die Judit / fielen ihm um den hals /und täten ihme / in gegenwart
der Saradine / viele liebkosungen / die er zwar lieber von selbiger Prinzessin
angenommen håtte.
    Es bliebe aber hiebei nicht / indem der Konig Abimelech dem verwirrten Esau
auch einen schonen knaben zufürete / und sagte: Nemet an / liebster freund!
diesen euren sohn / den euch die Ada geboren. Der junge Eliphas / wollte hiemit
seinem vatter um den hals fallen. Aber / obschon bei dem Esau das naturliche
blut sich regete: so ware er jedoch / von so unverhofften dingen / so gar aus
sich selber gebracht / dass er diesem sohn wenig liebe erwiese. Endlich geriete
er gar auf die hochste staffel der ungedult / als er / zum uberfluss aller seiner
pein / den Prinzen Ahusat von Caphtor in den armen seiner Saradine ersah.
Seine besturzung und unentschlossenheit / die teils anwesende wohl vermutet
hatten / wurde ihm nicht verarget: weil sie wussten / dass er noch ganz unwissend
lebete alles dessen / was ihn von seiner Ada und Judit erfreuen sollen. Demnach
eilete man in die stadt: damit sie alda bässere gelegenheit / als im felde /
haben mochten / ihm seine eifersucht zu benemen.
    Als nun die ganze Konigliche gesellschaft in des Melchisedechs gemach sich
versamlet / erzehlte der Konig von Gerar nach der långe / seine eifersucht uber
die Eglone / und alles was sich mit der Ada begeben. Nachdem der König zu reden
aufgehoret / und Esau nun augenscheinlich die Ada unschuldig zu sein erkannte /
auch des Konigs eifersucht nicht unbilligen kunte: umarmete er erstlich den
Abimelech / und nachgehends die Ada / sie beide um verzeihung bittend / dass er
von ihrer freundschaft und treue so widerliche gedanken geschopfet. Ihr musset /
liebster Esau! (sagte hierauf die Judit /) der Ada erhaltung mir danken / und
fordere ich ja so billig eine abbitte von euch / als wie ihr dieselbige jezt dem
Konige und der Ada getan habet. Esau / ohne zu antworten /wandte der Judit
hierauf den rucken zu / und wollte sie nicht einmal ansehen. Die Ada aber / sowol
auch der König / der Furst Asdod / und alle mitgekommne bediente des Esau / die
er in Midian zurucke gelassen / erzehlten ihme ausfurlich / dass die Ada bei der
Judit im bette gelegen / dass sie die wunde in das haubt bekommen / wovon sie
noch das zeichen und die narbe aufweisen konnte; und dass / nach seiner abreise
/wie Ada an dieser wunde geheilet worden / sie miteinander nach Gerar gezogen
wären. Weil nun der Konig Abimelech erfahren / dass Esau sich zu Salem aufhielte
/ als hatte er sie mit hieher genommen / damit er selber dem Esau ihre unschuld
dartun / und erweisen konnte.
    Nach diesem klaren bericht / finge des Esau alte liebe wieder an / sich zu
erneuen. Und ob ihn gleich die schöne Saradine sehr eingenommen hatte / so
erwiese er dennoch der Judit soviel zeichen seiner liebe / dass gleich die Ada
darüber zu eifern anfinge. Bald darauf kame Elon der Fürst der Heviter / und der
Hetiter Beri / gen Salem / uber dieser wiedervereinigung des Esau mit der Ada
und Judit / sich mit zu erfreuen. Saradine / als des Esau vertraute freundin
/erwiese hiebei auch / wegen seiner beruhigung / ihre zufriedenheit / und
entdeckete ihm ihre liebe zu dem Fürsten von Caphtor / der schon vor langer zeit
ihr aufgewartet; den sie auch lang als todt beweinet / und nun so unvermutlich
wieder bekommen håtte. Er dorfte hierauf gegen ihr / von seiner zuneigung /
ferner nichtes erwähnen: weil er die unmuglichkeit sah /etwas zu hoffen. Und
weil der edle Ahusat jederzeit sein grosser freund gewesen / als begnügte er
sich mit dessen verlobter braut beständiger freundschaft / die er auch ganz
vollkommen genosse.
    Die eigentliche ursache aber / der ankunft des Konigs der Philister nach
Salem / ware diese / dass er die Cananitische Konige mit in den bund ziehen wollte
/ den er mit den fromden volkern den Teutschen aufgerichtet hatte: deren Konig /
der Marsius / damals mit seinem heer aus Kitim zu Ascalon ware angekommen / und
freien durchzug nach Assyrien hatte begehret / da er wider E. Maj. herr vattern
den krieg anfinge. Der König von Gerar ware um soviel begieriger / dem Marsius
dienste zu leisten: weil er nicht allein seinem bedrångten schwager / dem Konig
von Syrien / der nach Gerar geflohen war / hülfe versprochen; sondern auch mit
der Eglone schwester / der Prinzessin Salamis / die sich der zeit auch zu Gerar
aufhielte / sich verlobet hatte. Der Konig Melchisedech / wie auch der Konig von
Hebron und Jericho /gingen diesen bund mit ein. Aber der Konig Beor / als
schwager des Konigs von Assyrien / wollte nicht einwilligen / und zoge den Konig
von Basan / der doch schwiegervatter des Marsius und Abimelech ware /neben den
andern Konigen jenseit des Jordans / auf die Assyrische seiten / also dass sie
alle in gesamt den Teutschen den durchzug abschlugen.
    Weil nun der König Abimelech dissfalls eine ungluckliche verrichtung hatte /
als eilete er wieder nach haus zu dem Marsius und Aramenes / nachdem er zuvor
das beilager der Saradine mit seinem bruder vollziehen lassen. Er wollte seinen
wieder-erworbenen freund / den Esau / gern mit sich haben: dem er von neuem das
Furstentum / zur aussteuer der Judit / geschenket. Aber die Saradine widerriete
ihm diese reise / um des alten Isaacs seines vatters willen / welchen sie hochst
verehrete / und wollte nicht zulassen / dass er sich in diesen grossen krieg mit
einmischete: aus beisorge / Isaacs ruhige wonung zu Bersaba wurde dadurch
gestoret werden / wann dessen sohn wider den König Beor zu krieg dienete. Weil
sie nun des Esau ganz mächtig war / als musste er / nach ihrem willen / gen
Bersaba zu seinen eltern ziehen: da dann der Isaac an dem jungen Eliphas sich
sonders ergetzete / und dessen vatter ihm also begegnete / dass seine liebe gegen
ihm um ein grosses vermehret wurde.
    Indeme wir also / da rund um uns her alles in vollen kriegsflammen stunde /
zu Bersaba ruhig lebeten /vernamen wir / dass der König Marsius mit seinen
volkern im anzug wåre / die Konige uber dem Jordan zu bekriegen. Des Beors ward
hierbei / allein wegen der Könige von Salem und Hebron / verschonet: weswegen er
seinen zug durch die wussten Pharan anstellete. Weil Esau befahrete / sein
Furstentum / das ihme der Abimelech geschenket / mochte noht leiden mussen / als
bezogen wir dasselbe / und ward es hiemit von ihme erstlich in besitz genommen.
Der König Marsius entfinge den Esau / als von welchen er viel loblichs gehort
hatte / mit bezeugung einer nicht-gemeinen hochachtung / und besahen wir dessen
volker mit verwunderung: dann sie so frisch und munter zum kriegen sich erwiesen
/ dass der sieg gleichsam ihr begleiter sein musste.
    Es hatte aber / der Konig der Amoriter / des Marsius ankunft zeitlich
erfahren: demnach zoge er ihme mit einem gewaltigen heer entgegen / und
uberfiele des Esau Furstentum / ehe der Konig Marsius sich dessen versah. Weil
nun damit der Esau angetrieben wurde / den Amoritern widerstand zu tun: als
brachte er von seinen untertanen in eile einen haufen zusammen / mit welchem er
den feinden dapfer entgegen ginge / und ihnen eine grosse schlacht abgewonne.
Und weil ihn hierdurch die Amoriter erbittert / als begabe er sich vollig auf
des Marsius seite / und setzete nicht von ihm ab / bis alle diese Konigreiche /
Moab /Basan / und der Amoriter gebirge / den Teutschen unterworfen wurden /
welche kriege allhie weitläuftig zu erzählen / E. Maj. mochte zu verdrieslich
fallen.
    Es bliebe aber / unter diesen kriegszugen / des Esau gemüte von der liebe
nicht unangefochten. Dann die Teutsche Furstin Aurinia / welche des Marsius
erster gemalin und des Prinzen Trebetes schwester war /hatte soviel kraft / den
siegenden Esau mit seiner schonheit zu bezwingen / dass er offentlich seine liebe
gegen ihr blicken liesse. Weil der König Marsius ihn sehr wehrt hielte / als
sah er diese zuneigung nicht ungern / und beforderte dieselbige nach aller
moglichkeit. Sie aber erwiese sich hierzu nicht so willig /dann sie heimlich den
Prinzen Zipor aus Moab liebete / dessen schwester / die Kezia / der Trebetes
geheuratet hatte / die diese liebe anzufeuren sich eifrig beflisse. Weil aber
der Zipor nunmehr seines Erbkönigreichs entsezt / und ein herr ohne land war /
und daher die Teutsche Fürsten der Aurinia nimmermehr / ihn zu heiraten / wurden
zugelassen haben: als hielten sie ihre liebe ganz geheim / bis der Zipor die
gelegenheit absah / sie / mit ihrer einwilligung / zu entfüren /und sich mit
ihr in das Konigreich Elam begabe / dessen Konig sie in seinen schutz
aufgenommen.
    Diese entfurung / und die niederlage der Syrer und Teutschen / die der König
Abimelech / um seinen bruder den Prinzen Ahusat aus der Assyrischen
gefangenschaft zu erledigen / verlassen mussen / geschahe zu einer zeit / und
wurde der Konig Marsius hierüber so unwillig und betrübt / als der Esau: der
aber den König von Gerar entschuldigte / und neben der Konigin Salamis es dahin
brachte / dass der erzurnte Marsius unterliesse / sich an den Philistern
dieserwegen zu rächen. Er hatte auch ohnedas mit den eroberten reichen soviel
noch zu schaffen / und gegen die Assyrier sich in verfassung zu stellen / dass er
hierzu aller seiner macht benotigt ware / und keinen neuen feind wider sich
reitzen dorfte. Esau tratte hiermit auch /von den Teutschen / wieder ab: weil er
sich schuldig erkannte / dem König Abimelech / als von dem er so viele guttaten
entfangen / wider den Konig von Ammon zu dienen; welcher mit dem Marsius im bund
stunde / wie dann auch / von den Teutschen / seines landes war verschonet
worden.
    Er schiede aber mit gutem willen aus Basan hinweg / und reiseten wir uber
Bersaba / da wir uns wenig zeit aufgehalten / nach Gerar: welcher hof / durch
unsere ankunft / in höchste freude gesetzet wurde. Dann der Konig Abimelech
hatte sich der traurigkeit so sehr ergeben / dass er fast unkentlich ware / indem
der verlust und erbärmliche tod seines schwagers des Konigs Aramenes / den er /
um seinen bruder vom tode zu erretten / verlassen müssen / woraus alles erfolgte
unheil entstanden / sein gemute ganz eingenommen hatte: da dann allein der Esau
fåhig war / ihme einigen trost beizubringen; wiewol ihme selber / das unglück
seiner freunde / ja so tief zu herzen ginge / und kunte er nie an den
unvergleichlichen Aramenes ohne tränen gedenken. Diesen kummer mehrete / dass
dessen sohn / die einige ubrige hoffnung von Syrien / seines alters im eilften
jahr / zu Gaza / alda er mit dem jungen Prinzen Abimelech erzogen worden /
gestorben war. So hatte auch der Konig / diesen seinen sohn / nach Babel E. Maj
herr vattern schicken müssen / zu geisel / dass er kunftig wider ihn und das
Assyrische haus nicht mehr kriegen wollte / welches alles seine bekummernis
vermehrete.
    Es lage ihm nun auch der krieg mit den Ammoniten auf dem halse: Esau bote
sich gleich an / ihm hierinn zu dienen. Wir zogen nun / mit einem wolgerüsteten
heer / dem feind entgegen / und erhielten einen trefflichen sieg: also dass sie
nicht allein gänzlich aus der Philister land verjaget wurden / sondern auch das
Fürstentum Teman verloren / welches wir ihnen abnamen / und mit reicher beute
wieder nach Gerar kamen. Ob nun wohl / durch unsere so glückliche waffen /ganz
Ammon håtte sollen dem Konig der Philister zu teil werden / so ward jedoch /
durch vermittelung der Konigin Eglone und Prinzessin Saradine / ein friede
getroffen: da das Furstentum Teman / dem Abimelech verbliebe; Carchar aber /
welches wir auch erobert hatten / dem Konig Hanon wieder eingeraumet worden.
Abimelech schenkete dem Esau / zur vergeltung seiner treuen dienste / dieses
land Teman: und weil er so grosmutig war / dass er ihm einbildete / ich håtte
bei diesem siege auch etwas hinzu getan /musste ich das land Eglon von ihm
annemen / das ich doch nicht verdienet hatte.
    Die liebe des Konigs gegen dem Fursten von Edom / (dann also ist nach seinem
beinamen / das land / das ihme Abimelech geschenkt hatte / genennet worden /)
name hierauf dermassen zu / dass er ihm nicht erlauben wollte / von ihm zu ziehen
/ sondern die Judit und Ada ohne sein wissen von Bersaba heimlich abholen
liesse: um ihn desto gewisser in Gerar zu behalten. Diese beide Furstinnen waren
frolich / dass sie einmal aus dem ihnen so verdrieslichen landleben erloset
wurden: alda sie sich gar übel mit der Rebecca vertragen / und ihr viel verdruss
gemacht hatten. Aber der Fürst von Edom / wollte / dem weisen raht der Saradine
folgend / die gnade seiner eltern nicht verscherzen / um den segen zu erlangen:
dannenhero er ofters nach Bersaba reisete und seine eltern besuchete / da er
dann viel klagen uber seine beide gemalinnen anhören musste. Also hatte er an
beiden orten genug zu tun /die gemüter zu befriedigen.
    Es hatte die Ada ihren sohn / den Eliphas / in der zeit / da Esau sich in
Basan aufgehalten / wider Isaacs willen / der ihn gern bei sich behalten wollte /
von sich geschicket / und liesse ihn zu Ur in Chaldea erziehen: welches dann
Isaac dem Esau klagete / und damit verursachete / dass er der Ada solches
einsmals hart verwiese. Dieses name sie mit grossem verdruss auf / und ruckte dem
Esau hinwiederum für / wie er die Judit mehr als sie liebete: da er ihr doch
zugesaget / dass sie ståts die fürnemste in seiner liebe verbleiben sollte. Diese
ihre verdriesliche reden / die sie tåglich wiederholete / neben dem
unaufhorlichen gezänke / das zwischen der Judit und ihr furginge / machte den
Esau endlich so ungedultig / dass / wann Saradinen gegenwart ihn nicht wieder
erfrolicht håtte / er solches unwesen nicht wurde haben ausdauern können.
    Weil aber die Ada / wegen dessen / dass sie die Judit weit mehr als sich
geliebt sah / auch derselben die oberstelle lassen musste / endlich in die
hochste ungedult geriehte: als wollte sie nicht långer zu Gerar verbleiben /
sondern name ihr fur / nach Sichem zu ihrem vatter zu reisen. Sie konnte aber
solches furnemen nicht so heimlich halten / dass es Saradine nicht håtte erfahren
sollen. Diese / als hochvernunftig / wohl ermessend / was hieraus für eine
schådliche weitlåuftigkeit entstehen könnte / offenbarete es dem Esau /und gabe
ihm darbei diesen raht: dass er / die Ada zu befriedigen / ihr und seinem sohn /
dem Eliphas / das Fürstentum Teman schenken und sie dahin reisen lassen sollte;
wordurch ihr ehrgeitz gestillet / und sie /nach Sichem zu ziehen / abgehalten
werden wurde.
    Der Esau / weil er hierdurch seine ruhe befordern kunte / folgete gleich
diesem einraht der Prinzessin von Caphtor: und nachdem er dem König sein
vorhaben entdecket / reisete er allein mit der Ada nach Teman / ohne ihr zu
sagen / was er im sinn hatte. Wie sie aber daselbst angekommen / eroffnete er
ihr sein vorhaben / dass er sie alda lassen wollte / und mochte sie nach ihrem
gefallen in diesem Furstentum schalten und walten. Ob nun zwar die Ada hieraus
wenig liebe erkennen kunte / so wurde jedoch hierdurch ihr hochmut vergnüget:
name sie also dieses anerbieten willigst an / und bliebe vergnügt zurücke /
gleichwie auch Esau wohl zufrieden nach Gerar wieder abreisete. Daselbst ward
ihme von der Judit / als sie nun allein war / keine unruhe mehr verursachet /
und ware ihm darneben der Saradine gesellschaft so angenem / dass er nie
vergnugter / als damals / gelebet.
    Es wollte aber der himmel / die gottseelige Prinzessin von Caphtor / der
erden nicht länger gonnen: massen sie / zu hochster bekümmernis des ganzen hofes
zu Gerar / und sonderlich ihres gemals des Ahusat und des Furstens von Edom /
nach ausgestandener langwuriger krankheit / die welt gesegnete. Sie ersuchete
zuvor ihren herrn / dass er ihre zwo hinterlassene tochter zu ihren bruder nach
Salem schicken wollte /dass sie alda erzogen wurden. Sie hatte auch nicht
unterlassen / den Esau nochmals zu ermanen / dass er ja in beståndiger liebkosung
gegen den alten Isaac nicht ermüden wollte / als woraus ihm sein gröstes heil
erwachsen würde. Esau / der diese Prinzessin in seinem herzen beståndig geliebt
/ und soviel zeichen ihrer gewogenheit genossen hatte / befande sich über diesen
todesfall so beweget / dass er / sowol als der betrubte Prinz Ahusat / von
gråmnis erkrankete. Als nachgehends dieser Prinz genötiget wurde / in sein
Furstentum Caphtor zu reisen / da sich eine emporung angesponnen hatte /
leistete ihm der Esau gesellschaft / in begleitung seiner Judit / die ihn nicht
verlassen wollte: da dann ihrer beider hochste vergnugung war /von der Saradine
zu reden.
    Wir brachten in diesem land viel zeit zu / weil er einen schweren krieg
bekame mit den überbliebenen von den Riesen Caphtorim / worzu dann seine ståtige
gegenwart erfordert wurde. Nachdem endlich / durch der riesen gånzliche
vertilgung / das land in beståndige ruhe wieder gesetzet war / kamen wir zurucke
nach Gerar zu dem König Abimelech: der nach unserer wiederkunft grosses
verlangen getragen / weil er den Fursten von Edom bestimmet hatte / sein
geworbenes heer dem Konig Bel Ochus E. Maj. herr vattern zuzufuren / der diese
hulfe / wider den König Pharnus in Meden / von ihm begehrt hatte. Das andenken
der schönen Barsine / der Königin von Meden / neuerte sich bei dieser
gelegenheit in uns beiden: daher /wann Esau diesen feldzug dem König Abimelech
verweigern / und ich dem Esau die begleitung håtte abschlagen konnen / wir die
waffen wider die Meden nicht wurden gefuret haben. Die Judit / welche ihr
furgenommen / ihren gemal niemals zu verlassen /täte mit uns diese weite und
gefårliche reise. Es wurden auch ihre zwei brüder / der Elieser und Ephron /von
dem Fürsten Beri ihren her vattern / dem Esau mitgegeben / sie in diesem kriege
anzufuren.
    Wir funden E. Maj. herr vattern / mit den Assyrischen völkern / bei Nazada
stehen: da uns dieser grosse Konig mit sonderbaren gnadbezeugungen entfinge.
Weil Esau schon aus dem gerüchte bekant war /als täte man ihm grosse ehre an:
gleichwie er nachgehends in vielen begebenheiten erwiese / dass das geruchte von
ihme nichtes unwahres geredet håtte / und wurden Assisara / Zalace und Phanaspa
/ durch seine dapferkeit erobert. Der unglückhafte Konig Pharnus /sich in
äuserster noht befindend / versamlete alles sein heer bei Rages: um sein leztes
heil zu versuchen / und den Assyriern eine feldschlacht zu liefern. Weil an
dieser schlacht viel gelegen ware / als wurde / sich hierzu zu rusten /
unserseits kein fleis ersparet.
    Als / den tag vorher / an welchem diese feldschlacht geschehen sollte / der
Fürst von Edom mit mir und wenig dienern aus dem lager ritte / um unsere pferde
zu versuchen / die wir bei morgigem treffen gebrauchen wollten: sahen wir vor uns
im tal / ein gefechte etlicher rittere / die wir / als wir ihnen näher kamen /
meist für unsere feinde und Meden erkennten. Wir säumeten nicht lange / denen /
die von diesen Medern geångstigt wurden / und die wir fur reuter von den
unsrigen ansahen / beizuspringen. Wir erblicketen / als wir ihnen ganz nahe
waren / einen jungling /der sich für allen andern wohl hielte / und dessen
majestätisches wesen aus allem seinem tun herfur blickete: daher wir noch
begieriger wurden / diesen unbekanten aus der lebensgefahr zu erretten. Dann er
ware von allen seiten hart bedrånget / und håtte / ungeachtet seines und der
seinigen dapfern widerstandes / für solcher månge unterligen mussen: wann wir
nicht dem streit einen andern ausgang gemachet / und die Meden zu weichen
genotiget håtten.
    Der dapfere jüngling dankete uns hierauf mit grosser hoflichkeit / dass wir
ihn also zu rechter zeit entsetzet håtten. Als wir nach seinem namen fragten
/gabe der Bagastanes / der ehmals beim Konig Abimelech kammerherr gewesen / sich
uns zu erkennen: von deme wir erfuhren / dass dieser jungling der Prinz Abimelech
von Gerar wäre. Diese kentnis / da Esau seines Konigs sohn / dieser Prinz aber
den grossen Edom / unverhofft zu sehen bekame / verursachte beiderseits grosse
freude: und gewonnen sie gleich eine sonderbare hochachtung gegeneinander / die
nachgehens zu einer unzertrennlichen freundschaft erwachsen. Wie nun Esau ihn
unter andern fragete / welchergestalt er in diese gefahr gerahten wåre? kame der
Bagastanes / der sein hofmeister war / des Prinzen antwort zuvor / und sagte /
mit etwas unwilligen gebården: Der Prinz wåre / wider den befehl des Konigs von
Assyrien / und ohne sein als hofmeisters vorwissen / heimlich von Babel hinweg
gezogen / des vorhabens / dem kriege beizuwonen; und ob er gleich / sobald er
seine hinwegreise erfahren / ihme auf den fuss nachgefolget / håtte er ihn doch
eher nicht erreichen konnen / als da er bereits in dieses gefårliche gefechte
mit den Meden geraten gewesen.
    Bagastanes wandte sich damit zu dem Prinzen /ihme sein beginnen zu
verweisen; der aber mit sonderbarer annemlichkeit den Esau ansah / und sagete:
Euch / dapferer held! will ich zu meinem richter erwählen / ob ich hieran unrecht
getan / und welches mir anståndiger sei / immer daheim zu bleiben / oder
/meiner ankunft gemås / mannliche ubungen zu suchen und zu lernen. Ihr habet /
edeler Prinz! (antwortete Esau /) so vollkommen erwiesen / aus was geblute ihr
entsprossen / dass ich wider mein gewissen handelen wurde / wann ich euer
beginnen nicht lobete. Und ihr mein alter freund! (sagte er zu dem Bagastanes /)
werdet dieses ja so wohl / als ich / wann ihr nach eures herzens gedanken reden
wollet / an dem Prinzen loben müssen. Bagastanes zoge hierauf die schultern /
mit solcher gebårde anzeigend / dass er mit uns einer Meinung wåre. Er dorfte
aber dessen gegen dem Prinzen sich nicht merken lassen / weil der Konig von
Assyrien so scharf befolen hatte / dass Abimelech zu Babel verbleiben sollte: aus
der ursache / wie er heimlich uns eröffnete / damit die erhaltung dieses
Prinzens den Konig von Gerar / ståts auf seiner seite zu verbleiben / antreiben
möchte / dessen er / wann ihme etwas widerfahren sollte / dass er sturbe / nicht
mehr vergewissert sein würde. Demnach bate er uns gar sehr / den Prinzen dahin
uberreden zu helfen / dass er mit ihm nach Babel wiederkehren möchte.
    So wenig aber der Prinz hierzu zu bereden / so wenig angelegen ware es dem
Esau / ihm deswegen zuzusprechen: der es hingegen auf sich name / ihn
derentwegen bei dem König zu entschuldigen. Wie er dann auch nachgehends täte /
und des grossen Bel Ochus gemut also einzunemen wusste / dass er dem Prinzen von
Gerar erlaubete / die ubrige zeit des krieges bei uns zu verbleiben. Die freude
dieses dapfern jungen herrns ware hieruber so gross / dass der Esau und ich nicht
so grosse danksagung / fur die rettung seines lebens / als für diese erlangte
freiheit / von ihme entfingen. Weil nun im ganzen lager bald kund wurde / wie
dapfer sich dieser Prinz wider die Meder gehalten / als begunte ihn jederman
deswegen so hoch zu ehren / als sehr ihn furhin alle Assyrier / wegen seiner
sonderbaren annemlichkeit / geliebt hatten. Weil der Konig es zuliesse / gabe
der Esau ihme tausend mann zu furen / und unterwiese ihn mit allem fleiss in den
kriegsubungen: welcherwegen Abimelech den Fursten von Edom dermassen liebgewanne
/ dass er ihm seine vollkommene freundschaft zuwendete. Ich kann mich aber berümen
/ dass er mir nicht wenigere zeichen seiner gunst erwiesen. Dieser Prinz ist auch
so wurdig zu lieben / dass es der schonsten Konigin der welt nicht zu verdenken
stehet / dass sie ihm ihre huld geschenket.
    Diese worte des Hanoch / trieben der Konigin eine röte aus. Weil sie aber
begierigst war / ein mehrers zu hören: als liesse sie solches unbeantwortet / um
die erzehlung des Fursten nicht zu unterbrechen / welcher also zu reden
fortfuhre.
    Was fur heldentaten dieser junge Prinz nachgehends in diesem krieg erwiesen
/ davon redet noch jetzund ganz Assyrien. Weil / am nächstfolgenden tag nach
seiner ankunft / die grosse schlacht fürginge / die dem König Pharnus das leben
gekostet; als liesse er sich auch darbei finden / und fochte ståts an des Esau
seite: der dann nichts ihme zu untersagen funde / als nur dieses / dass er nicht
gar zu kuhn sich verwagen mochte. Es hatte aber Esau / so zu sagen / das
unglückselige Glück / dass der Pharnus / der sich mit ihm in einen besondern
kampf eingelassen / von ihme in diesem treffen den tod entfinge. Der sieg fiele
damit auf die Assyrische seite / und die Meder / als sie ihren König todt sahen
/ gaben alsobald die flucht / und begaben sich in Rages / da die ungluckselige
Konigin Barsine sich aufhielte: welche / ihres herrn tod bis zum lezten odem zu
råchen / und das Königreich fur ihre tochter Delbora zu behaubten / ihr fürname.
    So erfreut die Assyrier uber diesen sieg waren / so bekummert erzeigte sich
Esau / dass er / durch erlegung ihres gemals / die schone Barsine also betruben
müssen. Ich meines teils beklagete zwar nicht minder den unmut dieser Konigin:
doch wachete zugleich mein ehmaliges liebesfeuer wieder auf / und machte ich mir
nun wieder einige hoffnung / da doch vernunftmåsig wenig zu hoffen war. Wir
gingen gleich fur Rages: weil es aber ein gar fåster ort / auch wohl besetzet /
als machte uns diese belågerung viel zu schaffen; sonderlich weil der feind
immer ausfiele /weswegen wir nacht und tag munter und wach sein mussten. Einsmals
/ wie ich eben in der Judit gezelt mich befunde / und es bereits nacht war /
fielen sie an vier orten zugleich ins lager: da wir dann / weil die unsrigen
nicht zum fleissigsten wacht gehalten / in grosse verwirrung gerieten; massen
ich den feind bei mir im gezelt sah / ehe ich das geringste davon erfahren
hatte. Mein einiger widerstand war zu gering / die Judit zu schutzen: und musste
ich selber / der månge weichend / ihr gefangener werden.
    Auf solche weise kame ich mit der Judit in Rages / und brachte man uns
gleich für die Königin / deren schonheit ich nach so langer zeit nichtes
verändert befunde. Als sie mich fur den jenigen erkannte / der sie ehmals in
Armenien gefangen bekommen / und auf ihr begehren sie ihrem herrn nach Darta
überbracht hatte / sagte sie zu mir: Ach Fürst von Midian! seit ihr nun auch von
meinen feinden / und habet mir das so grausamlich rauben helfen / das mir das
liebste auf der welt gewesen? Hiermit verwehreten ihr die häufige tränen /
fortzureden / und wusste ich nicht / was ich dieser hochbekummerten Konigin
antworten sollte / da einer von ihren bedienten zu ihr sagete: Die gotter
schicken E. Maj. gute gelegenheit / den tod ihres Koniglichen gemals an diesen
gefangenen zu rächen /da sie des grausamen Fursten von Edom gemalin und seinen
båsten freund in ihren hånden haben. Des Pharnus blut / fordert dieser beider
tod / und wird Esau / was er unserem Konig angetan / billig an den seinigen
wieder erleiden müssen. Die Königin liesse uns / sonder hierauf zu antworten /
in die verordnete gefångnise furen.
    Wie aber die nacht angebrochen ware / kam einer von der Konigin kåmmerern zu
mir / und holete mich ab / mit bericht / dass die Barzine mich sprechen wollte.
Ich fand sie allein in ihrem zimmer / und horte sie also zu mir sagen: Ihr
musset es eurem widrigen verhängnis / und nicht meiner unerkentlichkeit /
zuschreiben / dass ich euch fur meinen leuten nicht offentlich schutzen kann.
Gleichwol / zu vergeltung dessen / was ihr ehmals mir gutes erwiesen / so nemet
hiermit eure freiheit von mir heimlich an / und folget diesem meinem kämmerer /
welcher befehl hat euch durch einen verborgenen gang aus der stadt zu bringen.
Ich fiele ihr hierauf zu füssen / und gabe ihr zu verstehen / wiedass ich diese
gegebene freiheit nicht von ihr annemen / sondern lieber sterben / als ferner
wider sie die waffen furen wollte. Weil mich meine liebe also reden machete / als
geriete ich damit ganz aus mir selber / und brachte noch viele reden fur / die
sie / wann sie solche recht hätte vernemen wollen /wohl würde nach meinem zweck
haben ausdeuten können.
    Weil sie gleichwol soviel von mir vernommen /dass ich mehr ihr zu dienen /
als frei zu werden / verlangete / gabe sie mir zu verstehen: wiedass / wann ich
das / was ich redete / im werk erweisen wollte / ich ihr den grosten dienst von
der welt zu leisten gelegenheit håtte. Als ich sie hierauf begierig fragte / was
es wäre / das mich so glückselig machen konnte? sagte sie: Ihr musset mir des
Esau haubt liefern / der allein / und nicht ihr / mich bis auf den tod hat
beleidiget. Dieser grausame befehl / der mir auch unmüglich zu vollbringen war /
sezte mich in die groste marter / also dass ich nicht zu antworten wusste. Als sie
nun merkete / dass ich ihr hierinn ungehorsam sein wurde / sagte sie: Wolan /
Fürst Hanoch! ihr sehet / dass es an mir nicht manglet / einige dienste von euch
zu entfangen. Eilet demnach von hinnen / und kehret wieder nach dem lager der
Assyrer / um ferner meinen volligen untergang befordern zu helfen. Ich sagte /
als ich mich etwas erholete: Wann E. Maj. mir geboten / gleich auf dieser stelle
mein leben in ihren diensten zu lassen /wollte ich mich dessen keinen augenblick
weigern. Nun aber des Fursten von Edom haubt von mir begehret wird / kann ich /
ohne verletzung meiner ehre /nicht einwilligen. Ich will aber für ihn willigst
sterben / und das blut des glücklich-geliebten Pharnus mit dem meinigen
aussonen.
    Diese lezte worte sagte ich mit solcher gemütsbewegung / dass die Konigin
daraus meine liebe erkannte. Weil sie aber / nach des Pharnus tode / keiner
zuneigung mehr fähig / und gleichwol so gutig war / dass sie / wegen dieser
frechheit / ihren vollkommenen hass nicht gegen mir auslassen wollte: als begnügte
sie sich damit / mir ihre gegenwart zu entziehen. Sie gienge von mir / ehe ich
mich dessen versah / dem kåmmerer nochmals anbefehlend / mich aus der stadt zu
bringen.
    Wie ich mich nun in diesem zustand sah / gedachte ich an die Judit: die
ich / als meines liebsten freundes gemalin / nicht gern zuruck lassen wollte.
Aber ein gåhes grosses geschrei / brachte mich aus diesen gedanken / welches im
innern schlosshof entstunde. Die ursach ware / dass der Esau mit den unsrigen
sturm gelaufen / und die mauer erstiegen hatte. Es wiche hierauf alles seinem
grausamen schwerte: welches um soviel mehr wutete / weil die erinnerung unser
beider gefångnis ihn halbrasend machete. Kurz! seine dapferkeit machete / dass E.
Maj. herr vatter sich herr von Rages sah. Nachdem Esau seine Judit befreit /
war seine groste sorge um die Konigin: die aber sich nirgend finden liesse. Wie
mir bei allen diesen dingen zu muht war / ist leichtlich zu ermessen: und
genosse ich meiner freiheit mit so weniger ruhe /dass mir meine bande weit
ertråglicher gewesen. Als ich folgends dem Esau meine begebenheit erzählt
/wachete auch in ihme sein altes liebesfeuer gegen der Barsine wieder auf / also
dass er nach ihr ja so åmsig /als ich / sich erkundigte.
    Etliche tage waren mit dieser unserer unruhe verstrichen / als ich in einer
nacht / weil meine kammer nahe bei des Esau seiner ware / ein geråusche vername
/ und ihn um hulfe ruffen horete / weil man ihn ermorden wollte. Ich sprange
gleich aus meinem bette /und eiligst mein schwert ergreifend / lieffe ich in
seine kammer: da ich ihn in den armen eines mannes verwundet fand / welchen er
mit beiden armen hielte /dass er ihn nicht vollends umbråchte. Ich stiesse diesem
morder alsobald mein schwert durch den leib: worauf er gleich von dem Esau
abliesse / und sterbend zur erden sanke. Ich name begierig das liecht /zu sehen
/ wer so kuhn sein dorfen / solchermassen den Esau zu uberfallen. Ich fand (ach
Gott! wie angst wird mir / wann ich hieran gedenke!) die ungluckselige Barsine /
die ihre sterbende augen nach mir aufschluge / und mich erkennend sagte: Habet
dank / Hanoch / dass ihr mir diesen liebesdienst erwiesen! ihr verhelfet mir
hierdurch / zu meinem gemal wieder zu kommen. Und du edeler Pharnus! nim meinen
guten willen an / den ich gehabt / deinen mörder hinzurichten! Hiemit liesse sie
die augen wieder zufallen / und schiene den geist aufzugeben.
    Ich kann nicht beschreiben / was ich hierbei für angst erlitten: da auch der
verwundete Esau / vor betrubnis / ganz besturzet bliebe. Mein klågliches wesen /
das ich gefuret / machete die sterbende Barsine noch einmal die augen
aufschlagen; und als sie mich lang angesehen / sagte sie endlich zu mir mit
lallender stimme: Wann ihr / als ihr jezt erweiset / der Barsine hold seit / so
nemet euch ihrer verlassenen tochter an /die in der Rhea tempel sich verborgen
aufhålt; furet sie aus ihrem unseligen vatterlande / und bringt sie zu dem
Fürsten Nebajot eurem vettern. Wie ich ihr nun dieses versprochen / und
darneben nochmals bezeuget / wie ungluckselig ich mich schåtzete / eine ursach
ihres todes zu sein / da ich allein ihr zu dienen leben wollen / sagte sie
ferner: Betrubet euch nicht hierum / dass ihr unschuldig meinen tod befördert.
Ihr schaffet damit / dass ich dem Pharnus nicht treubruchig werde. Ich hätte euch
im leben nie sagen dörfen /wessen ich euch jezt im tode versichere / dass ich
nämlich eure liebe wohl erkant / und dass es mir würde schwer gefallen sein / euch
zu hassen. Hiemit ginge ihr die seele aus / und diese lezte versicherung ihrer
huld machte mein leiden noch grösser: dann ich nun noch mehr durch ihren tod
verlore / weil mich ihr leben håtte gluckhaft machen konnen. Ich will aber von
dieser betrubten geschicht ablassen / und nur noch dieses sagen / dass folgenden
tags die grosmutige tat der Konigin überall erschollen: und erfuhren wir /dass
sie / um ihr vorhaben werkstellig zu machen /sich als einen soldaten verkleidet
/ und etliche nåchte vor des Esau gemach zur wacht gestanden / um die andere
sicher zu machen.
    Als dieser handel vor E. Maj. herr vattern kame /ward von ihm eines teils
diese der Konigin von Meden erwiesene liebe gegen ihren gemal gelobet
/anderseits ihr elender tod betrauret. Ich hielte aber das heimlich / was mir
Barsine wegen der Prinzessin /ihrer tochter / anbefohlen / und begabe mich /
sobald ich nur konnte / nach der Rhea tempel. Als ich / den priestern / den
befehl der Konigin entdecket / fureten sie mich zu dieser Prinzessin: die ich
dann so schon als ihre mutter fand. Sie wurde aber onmåchtig / als sie mich
ersah / weil ihr nicht unwissend ware / wer ihrer fraumutter mörder gewesen.
Ich vermochte kaum / für schmerzen / ihren bei sich habenden frauen / der
Barsine lezten befehl zu eröffnen: die dann alle zu dieser reise sich willig
finden liessen. Ich ginge bald wieder von ihnen / damit ich sie in mehrere
freiheit setzen mochte / ihrer Prinzessin in der zugestossenen schwachheit
beizuspringen. Ich erwartete aber im tempel ihrer Entschliessung / die eine
ihrer frauen mir brachte / dass sie nåmlich mit mir hinweg reisen wollte: ich
möchte aber ihrem schmerzen vergeben /dass sie mich / ob ich gleich an dem
begangenen mord unschuldig wåre / nicht sprechen konnte. Ich hielte in meinem
herzen dieses begehren der Delbora fur so billig / dass ich nichtes darwider
redte. Wie nun alles zu dieser betrubten reise angestellet war / und ich einen
vorwand erdacht hatte / nach dem Konigreich Chus zu reisen: brachte ich die
Prinzessin glücklich aus Rages und folgends aus Meden hinweg. Weil ich aber E.
Maj. des Esau leben erzehle / und schon zu lang in deme / was mich angehet /
mich habe aufgehalten: als will ich mich nach Rages wieder wenden /und berichten
/ wie es alda ferner zugegangen.
    Die wunde des Fürstens von Edom / machte ihn mit beschwernis lange zeit des
bettes huten. Wie er aber endlich davon vollig genesen / und nun ganz Meden
unter das Assyrische joch gekommen war /wollte ihn der Konig / zur vergeltung
seiner treuen dienste / zum stattalter uber Meden machen: er aber schluge
dieses ab / weil er von seinen eltern nicht-beståndig absein wollte / indem der
Saradine unterricht noch immer in seinem sinn schwebete / dass er die kunftige
besitzung des landes Canaan nicht verscherzen wollte. Wie er deswegen mit den
Philistern seinen abschied von dem Konig name / bezeugete der / vor allem volk /
eine sonderbare hochachtung seiner person. Der Prinz Abimelech sah mit solcher
betrubnis ihn abreisen / dass er fast nicht zu trosten war: wie dann er hingegen
diesen Prinzen mit so ungemeiner neigung liebete / weil er in ihm vier ihm-liebe
Personen erkannte / dass er nachgehends ståts von ihm redte /und an ihn gedachte.
Diese vier personen aber / mit denen er den Abimelech vergliche / waren / der
Konig Aramenes von Syrien / deme er von wesen sehr änlich ware; die Philistina
seines vatters schwester / deren augen er hatte; der König Abimelech von Gerar /
sein vatter / dessen gleicher sohn er war; und die Eglone seine fraumutter /
deren tugend er geerbet hatte.
    Als nun Esau seine volker wieder nach Gerar gebracht / erfreuete er den
ganzen hof mit seiner ankunft / und mit der zeitung von dem jungen Abimelech:
dessen dapferes wolverhalten er also heraus striche / dass alle Fursten der
Philister / sonderlich aber der Konig /begierig wurden / ihren Prinzen
dermaleins wieder im lande zu haben. Es dorfte aber der Konig solches noch nicht
begehren / weil er dem Bel Ochus versprechen müssen / fünfzehen jahre den
Prinzen zu Babel zu lassen / welche zeit noch nicht verflossen war. Ich kame
bald hernach aus Arabien auch wieder nach Gerar / als ich die Prinzessin Delbora
von Meden bei dem Nebajot / dem sohn des Fursten Ismael / gelassen hatte. Ich
ware aber so betrubt / von gemute veråndert und abgemattet dass mich allein die
freundschaft des Esau / unter leute zu kommen / notigen kunte. Wie nun meine
tiefe traurigkeit von tag zu tag überhand name / begabe ich mich nach Eglon /
welches mir der Konig geschenket: da ich / in ståtigem andenken der Barzine /
meine zeit bis jetzo zugebracht habe. Esau / der meine gesellschaft ungern
verliesse / weil wir die meiste zeit unsers lebens beisammen gewesen waren /
name nach diesem auch eine ganz andere weise zu leben an / indem er / der
Saradine leztem befehl zu gehorchen / meist zu Bersaba bei seinen eltern sich
aufhielte / und die weise auf dem land gewonete / die ihme sonst jederzeit
zuwider gewesen. Er verliesse aber doch dieserwegen den hof nicht / sondern kame
oft nach Gerar: dann der Konig konnte seiner wenig entbåren / und liebte ihn uber
alle andere seine freunde.
    Es verstrichen etliche jahre / in welchen Esau bald zu Gerar / bald bei mir
zu Eglon / bald zu Teman bei der Ada / oder in Edom / oder bei seinen eltern /
sich aufhielte. In fåster hoffnung / den våtterlichen segen zu erlangen / ginge
er seinem vatter in dessen hohem alter fleissig zur hand / und vergasse nicht /
wann er zu Bersaba war / dem Isaac von seinem weidwerk ståts eine ihm angeneme
speise zu verschaffen: der dann auch gesonnen war / ihme / als dem ältsten sohn
/ den segen zu erteilen. Es kann aber E. Maj. nicht unbekant sein / welcher
gestalt der Jacob dem Esau eben auch den segen / wie ehmals die erstgeburt
/durch ein essen entzogen. Ich weiss dieses allbereit /(unterredte allhier die
Konigin /) und wie der Furst von Edom dieserwegen so ungedultig über seinen
brudern worden / dass er ihm den tod geschworen: welcher auch deswegen nach
Mesopotamien / da er sich noch jetzund aufhålt / entreisen mussen. Es ist deme
also / (fuhre Hanoch fort /) und konten viele den Esau nicht verdenken / dass
dieses ihn schmerzete: dann es ein gar zu grosser verlust war. Doch lieffe er
darum anfangs nicht nach / seinem vatter / wie er nun gewonet / aufzuwarten:
weil er vermeinte / es wurde noch ein segen fur ihne ubrig sein / der ja so
gültig / als der segen seines bruders wåre. Er liesse auch die Judit in das
Fürstentum Edom sich verwandeln / weil sie der Rebecca zuwider war: um dadurch
seiner mutter gunst auch wieder zu erlangen.
    Weil er gehoret / dass Jacob von seinem vatter hatte befehl bekommen / nicht
von den tochtern Canaan /sondern von seiner mutter verwandten / ihm ein weib zu
nemen: dachte er damit des Isaacs gunst auch auf sich zu bringen / wann er in
seine våtterliche freundschaft heuratete. Ich hatte ihm gesagt / dass des Ismaels
jüngste tochter / die Mahalaat / noch unbefreiet wåre: die dann / weil sie des
landlebens gewonet /båsser / als die Ada und Judit / der Rebecca wurde zur hand
gehen konnen. Deswegen nun sprache er mich mit auf / diese reise nach dem
Furstentum Nebajot mit ihme zu tun. Weil wir unsern weg über das gebirg Seir
namen / besucheten wir den Fursten Lotan / unsern alten bekanten zu Denhaba /
bei deme sich die schone Timna aufhielte / deren namensfest wir vordessen zu
Dedan mit gefeiret hatten. Diese Timna / (fiele hier die Königin dem Hanoch in
die rede /) ist eine von meinen båsten bekantinnen / und weiss ich von ihr alles
/ was sich zu Denhaba zwischen ihr und dem Esau begeben / und wie sie sich durch
dessen sohn / den Eliphas / heimlich vom gebirge Seir entfuren lassen / weil ihr
bruder sie zwingen wollte / den Esau zu nemen. Aber dieses ist mir noch unbekant
/ wie er sie lieb gewinnen konnen / da er wegen der Mahalaat ausgezogen war.
Und solches /erwarte ich mit verlangen / von euch zu vernemen.
    Der Furst Lotan / (sagte Hanoch /) der / wie ich gesagt / einer von des
Esau vertrautesten und ältesten freunden war / erfuhre bald von uns / was den
Fürsten von Edom / nach dem lande Nebajot zu reisen / antriebe: offenbarte ihm
derhalben / wiedass die Mahalaat bereits an den Aran verlobt wåre / der des
Lotans seines halb-bruders sohn war / und damals zu Salem sich aufhielte. Weil
nun hierdurch des Esau furnemen rückgångig wurde / auch Lotan die Timna keinem
lieber als dem Esau gonnete / konnte er sie demselben leichtlich einschwatzen:
zumal der Timna schonheit ohnedas so vollkommen war / dass dieser Furst sich
unschwer einnemen und gewinnen liesse. Weil aber E. Maj. alles von dieser
Furstin erfahren haben / was mit ihr ist fürgegangen: als will ich fortschreiten
/ und allein erzählen / was ferner erfolget. Der Timna flucht mit den Eliphas
verdrosse nicht allein den Lotan und Esau / (welchen am meisten verhonete / dass
ihn sein eigener sohn ausgestochen /) sondern auch alle Fursten von Seir.
Insonderheit liesse der Furst von Dedan / der Ana / ihme solches sehr zu herzen
gehen: welcher / als der regirende Furst /diesen schimpf zu rächen / nicht eher
ruhen wollte / er håtte dann den jungfrau-rauber wieder eingeholet. Wir bekamen
die nachricht / dass sie nach Arabien ihren weg genommen håtten. Demnach reisete
Lotan mit uns dahin / und kamen wir / nach vielen tagreisen / in das Furstentum
Nebajot / und zwar auf ein landgut /welches diesem Fürsten zuståndig war.
    Der sohn des regirenden Furstens Nebajot / gleiches namens / hatte solches
haus innen / und ware eben / mit seines vatters schwester der Mahalaat /und mit
dem Fürsten Aran ihrem verlobten bråutgam /auch noch etlichen andern von den
Seirischen Fursten / auf der jagt: daher sie mit spatem abend innkamen /und uns
fürfunden. Der Furst / so mich kennete / weil ich seinem herr vattern die
Prinzessin Delbora zugefüret / (die sich mit ihm verlobt / aber durch des Königs
von Chus sohn / dem Eridanus / ihm war entfuret und geheuratet worden /) erwiese
grosse freude / mich wieder zu sehen / soviel ihm seine ståts anhaltende
traurigkeit / wegen seiner Prinzessin verlust / zulassen wollte: wie dann auch
Esau von ihnen allerseits wohl entfangen worden. Weil das frauenzimmer vom jagen
ermudet / als bekamen wir deren keine zu sehen. Es wurde stark gezechet / und
endlich der Esau in eine dazu verordnete kammer eingewiesen / allwo er schlaffen
sollte. Ich aber / wiewol ich sonst allemal mit ihm ein zimmer zu haben pflegte /
ginge diese nacht nicht ordentlich zu bette: weil der junge Fürst Nebajot mich
fast die ganze nacht von seiner Prinzessin unterhielte / und mir weitlåuftig
erzehlete / wie es mit deren entfurung zugegangen.
    Wie nun Esau im ersten schlaff lage / erweckte ihn unvermutlich eine person
/ die sich zu ihm ins bette legte / und mit zarter stimme ihn also anredete: Ich
muss mich nåher zu dir legen / Mehetabeel / weil mich frieret. Wie sie nun das
getan / sagte sie ferner: Was hatte ich zu schaffen / ehe ich diese kammer
finden kunte! dann der wind wir das liecht auswehete / wie ich über den gang
hieher gehen wollte. Diese worte gaben dem Esau gnug zu erkennen / dass sich diese
person verirret / und vielleicht in die nebenkammer /da frauenzimmer innen
gelegen / gehen wollen. Er wusste nicht / wie er dieses unvermutete gluck
aufnemen sollte: laurete derhalben in der stille / indem sie noch viel dings mit
ihme / als mit der Mehetabeel / redete. Endlich aber / wie sie keine antwort
bekame /wandte sie sich auf die andere seite / und schlieffe bald darauf ein.
Diese abenteur sezte den Esau in volle unruh / bis gegen dem morgen der mond
anfinge zu scheinen: da er den furhang aufhube / um die jenige zu sehen / die
bei ihme lage.
    Ihre schönheit zeigte sich ihme / auch bei so dunklem scheine / so
vollkommen / dass der erste anblick ihn gleich entzundete: und konnte er sich
nicht entalten / ihren schönen mund zu küssen. Er verursachte aber damit / dass
sie aufwachete: da sie dann / einen mann bei ihr spurend / sich heftig
entsetzete / und mit gewalt sich von ihm entledigen wollte. Esau bemuhete sich /
so gut er konnte / sie zufrieden zu sprechen: sie aber / endlich erst recht
erkennend / in was arme sie gerahten / schrye uberlaut um hulfe. Ob er sie nun
gleich versicherte / dass ihr kein leid bei ihm widerfahren sollte / so erweckte
sie doch / mit ihrem anhaltendem geschrei / alle leute im haus: da dann der Aran
/mit den anderen Seirischen Fursten / so in den nåchsten kammern schlieffen /
herzu gelaufen kamen. Indem sie nun die tur offneten / war eben diese schone
aus dem bette gesprungen / und Esau hatte auch einen mantel um sich geworfen.
Als sie aber / so viele mannsleute ersehend / sehr beschämet wurde /warf ihr
Esau ihren rock zu / den er auf einem schåmel ligen fand / und ginge dem Aran
entgegen / zu ihme sagend: Er mochte / neben den andern / sich aus der kammer
begeben / damit diese schone kein ferner ungemach von ihnen erlitte. Aran aber /
der sie gleich vor die Fürstin Mahalaat / seine versprochene braut /erkannte /
ward so verwirrt / sie dergestalt bei dem Esau zu finden / dass er nicht wusste /
wie ihme geschahe. Finde ich (sagte er ganz spöttisch /) die tugendhafte
Mahalaat in solcher gesellschaft? und erweiset / der Fürst von Edom / so ein
ehrliches freundstuck ihren anverwandten?
    Esau / der nicht allein hiermit seiner basen namen erfuhre / sondern auch
seine ehre angetastet sah /konnte von dem Aran diese bezuchtigung nicht erdulten
/ noch auch ihme gönnen / dass er die Mahalaat länger in solchem zustand
betrachtete; stiesse ihn derhalben mit aller gewalt zur tur hinaus / ginge
folgends auch aus der kammer / und schlosse die tur zu/dem Aran sagende: Ich
habe noch nie hören dorfen /was du mir jetzund hast fürgerucket. Damit zuckte er
dem jungen Ebal / der des Arans naher vetter war /sein schwerd von der seite /
ehe der sich dessen versah / und nötigte den Aran / zur gegenwehr zu greifen.
Dieses gefechte wårete aber nicht lange: weil ihr gepolter alles gesinde im haus
aufweckete / auch den Lotan / Nebajot und mich dahin brachte. Nebajot /als
wirt im hause / scheidete sie gleich voneinander /und ja so verwundert / sie
also anzutreffen / als begierig / ihres streites ursach zu wissen / beredte er
den Esau / sich wieder in seine kammer zu begeben / inzwischen Lotan auch den
Aran in die seinige brachte. Esau / so die Mahalaat noch in der kammer zu sein
wusste / wollte lang nicht aufmachen; endlich aber musste er es geschehen lassen /
und sagte er zu dem Nebajot / als er mit uns hinein trate: Er dorfte sich nicht
verwundern / seine mume alda zu finden / weil eine gar fromde begebenheit sie zu
ihm gebracht håtte.
    Nebajot / ja so besturzt / als Mahalaat beschåmet / wusste nicht / wie er
dieses beantworten sollte. Indem er aber bald den Esau / bald seine mume / ansah
/ wischete sie hinter uns hinweg / und liesse uns dreie allein in der kammer.
Ich verspure / (sagte Esau zu dem Nebajot /) dass ihr ungleiche gedanken von
eurer mumen und mir habet. Ich kann mit Gott bezeugen / dass nichts unehrliches
vorgegangen / und habe ich / in den tagen meines lebens / noch wohl soviel
ansehen in der welt erlanget / dass ich hoffe / ein tugendsamer mensch werde
meinen worten glauben beimessen. Nebajot / der zwar diesen versicherungen noch
nicht recht trauete / wollte gleichwol / wegen der ehrerbietung / so er dem Esau
erwiese / nichtes darwider sagen / sondern seufzete allein / und konnte nicht
glåuben / dass es hiermit recht zugegangen wåre. Als aber Esau ferner / ihme und
mir / alle umstånde erzählt /soviel er davon wusste / uberredte er ihn endlich /
dass er ihn fur unschuldig hielte. Aber die Mahalaat konnte er nicht aus dem
verdacht lassen / als hätte sie sich mit wissen zu ihme geleget: wiewol ihme der
Esau das gegenteil / mit widerholung ihrer worte / die sie zu ihm als zu der
Mehetabeel gesprochen / genugsam erwiesen. Also verharrete er in seinem argwahn
/ liesse aber doch äuserlich sich dessen nicht merken.
    Nebajot bemuhete sich hierauf / den Aran mit dem Esau wieder auszusonen /
der aber hierzu gar nicht zu bewegen war: massen er von natur diesen Fursten
nicht leiden kunte / weil er gar kein Fürstliches gemut hatte. Deswegen bate er
den Nebajot / zu verhüten /dass sie einander nicht sehen mochten / wann er wollte
/ dass Friede in seinem hause verbliebe. Nebajot ginge damit / ganz unruhig und
verwirret / zu dem Aran: der auf seine braut inzwischen noch ungehaltener worden
war / und so verwegen sein dorfte / dem Nebajot in die augen zu sagen: Er håtte
die Mahalaat / nicht allein beim Esau im bette / sondern auch in solcher
gestalt gefunden / dass er ihrer nicht mehr begehrete. Nebajot / solches
glåubend / wurde auf seine mume dermassen erbittert / dass er in der tollen wut
hinginge / die seiner einbildung nach leichtfertige Mahalaat abzustraffen.
Diese unschuldige Fürstin / befand sich bei der Mehetabeel: deren sie mit
heissen tränen ihr ungluck klagete / und aus schamhaftigkeit weder den Esau
noch uns andere mehr sehen / sondern heimlich nach Petra zu ihren bruder ziehen
wollte. Unter solchem gespråche / kam der ergrimmte vetter zu ihr hinein / und
redte sie also an: So habt ihr / leichtsinnige! unserem ganzen hause solchen
schimpf anzulegen / euch nicht scheuen wollen. Solches redend / entbloste er den
degen / sie zu ermorden: da aber Mahalaat ihme zur tur hinaus entsprange / und
selbige hinter ihr zuschmisse.
    Indem sie also auf einen langen saal / mehr todt als lebendig / forteilete /
kamen eben der Esau und ich ihr entgegen: da sie dann ihm in die arme liefe /
mit sehnlicher bitte / ihr das leben zu retten. Indem er ihr antworten wollte /
ware der Nebajot so nahe / dass er /um sie zu schützen / mit dem degen vor sie
springen musste / und solchergestalt ihn aufhaltend / ihr frist gabe / ihme zu
entkommen. Nebajot war von zorn so aus sich selber / dass er ganz ungestümm auf
den Esau los ginge: und håtten sie etwan einander aufgerieben /wann ich nicht
wäre dabei gewesen / und mein moglichstes getan håtte / sie voneinander zu
bringen. Es hatte ihm aber Nebajot selber in des Esau schwerd eine so
gefärliche wunde gelaufen / dass er von dem wundarzte musste darnach sehen lassen
/ welcher seinen zustand zimlich schlecht befande: daher alles im ganzen haus in
grosse unordnung geriete. Jederman sah den Esau an / als den jenigen / der
ihren Fursten beschådigt / und ihre Furstin zu fall gebracht håtte. Der Aran
zoge voll unmuts mit den andern Seirischen Fürsten hinweg / und begabe sich
wieder nach Salem an Konigs Melchisedechs hof / von dar er / seine braut zu
besuchen / gekommen war: des fürhabens /nimmer an die Mahalaat zu gedenken /
auch an ihr und dem Fursten von Edom bei allen begebenheiten sich zu råchen.
    Esau aber / der nun in die Mahalaat ganz verliebet war / wollte seinen
ersten fursatz / sie zu ehlichen /werkstellig machen / und sie in dieser
betrübnis nicht verlassen. Daher / als Lotan ihn antriebe / von dar hinweg nach
Saba zu reisen / dahin der Eliphas / wie man fur gewiss sagete / die Timna seine
braut entfuret håtte / antwortete er ihme / mit etwas ungedult: Ich halte diese
Timna nicht mehr fur meine braut / und sehe keine ursach / mich ferner nach ihr
zu bemuhen. Ich will auch den Nebajot nicht eher verlassen / bis ich ihm die
bose einbildung von seiner tugendhaften mumen benommen / und erwarten / wie es
mit ihm ablaufen wird. Diese worte machten den Lotan sehr unlustig / weil er
ihm ståts eingebildet hatte / dass der Esau die Timna noch heiraten wurde:
welches auch alle Seirische Fursten verlanget / weil sie das absehen hatten /
dadurch einen fus in sein land zu setzen / welches ihnen wegen der nachbarschaft
sehr wohl gelegen war. Dannenhero wurden zwischen ihnen beiden gar harte worte
gewechselt / welche ihre alte freundschaft sehr baufållig macheten: und
schmertzete dieses den Lotan zum meisten / dass er den Esau in die Mahalaat
verliebt spürete / weil solche verbundnis ihnen auf dem gebirge nicht zu statten
kommen konnte.
    Wie nun Lotan voll unmuts hinweg geschieden /blieben wir bei dem Nebajot /
und suchete Esau allerhand mittel / sowol ihme den zorn und bose Meinung gegen
seiner mumen zu benemen / als auch mit ihr sich etwas mehr bekant zu machen. Er
bekame endlich gelegenheit / die Mahalaat allein zu sprechen / die bisher in
betrübter einsamkeit ihre zeit zugebracht hatte. Und wiewol / aus scham / in
erinnerung /wie Esau sie gesehen / dieser unterredung gern wåre überhoben
gewesen: so konnte sie doch sich ihme nicht entziehen / sondern musste dissmal
stand halten. Sie horte sich mit diesen worten angeredet: Ich weiss nicht /schöne
Mahalaat! ob ich nicht mehr dem glucke danken / als über dasselbe mich zu
beschweren / ursach habe / wann ich die seltzame begebenheit bedenke / die es
uns beiden zugeschicket. Dann fur alle die ungelegenheiten / so daraus
entstanden / hat es dennoch die verhinterung gebracht / dass der nichtswerte Aran
das nicht erlanget / wessen er so unwurdig ist. Wann mein vetter (antwortete sie
/) mein elend / so mir hieraus zugekommen / recht beherzigen will / weiss ich
gewiss / er wird mich aus grosmut beklagen helfen. Dann / wann ich gleich dahin
gestellet sein lasse / ob ich in des Arans verlust mehr gewinne / als
verscherze: so ist doch am tag / dass ich durch dieses unglück aller welt bin ein
spott geworden / und ist nichts übrig / als der tod / der mich von dieser
schmach erledige. Da ich auch solches zuvor sowol / als jezt / erwogen hätte /
würde ich lieber dem Nebajot in sein schwerd gelaufen / als mich in meines
vettern schutz begeben haben: wiewol ich damals / in aller welt gedanken /als
die schuldige / wurde gestorben sein / und allein darum noch lebe / um den
himmel zu erbitten / dass meine unschuld bekant werden moge.
    Die tränen drungen ihr hiemit so häufig aus den augen herfür / dass sie
nicht mehr reden kunte. Esau /ganz verliebt / wollte sie nicht långer in der
betrübnis lassen / und sagte: Ihr habt keine ursach / euch so vergeblich zu
kränken / weil nicht allein euer herr eure unschuld weiss / sondern auch eure
einwilligung tüchtig ist / euch aus aller bosen nachrede zu setzen. Als sie ihn
hierauf unschuldiger weise fragte / was er durch diese einwilligung verstunde?
antwortete er: Ihr musset den jenigen lieben / der den fürsatz hat / euch zu
ehlichen; und wann ihr dessen namen wissen wollet / will ich euch solchen bald
eroffnen. Diese worte /welche er mit solchen verliebten gebärden begleitet /die
der Mahalaat die augen geoffnet / trieben ihr eine errötung ab; und indem sie
mit der antwort verzoge /fuhre er also fort zu reden: Euer stillschweigen /
schöne Fürstin! gibt mir künheit zu reden / und euch zu sagen / wiedass der Esau
der jenige sei / der dieses gut / so ihme das gluck gewiesen / nicht will aus
handen lassen; und werde ich mich für den seeligsten der welt achten / wann ihr
durch diesen weg mir wollet vergönnen / euch wieder zu ehren zu bringen. Die
betrachtung ihres zustandes / die annemlichkeit des Esau / und dessen
weitberümter name / brachten hierauf der Mahalaat gemute straks auf seine seite
/ also dass sie ihn hoffen liesse / wiedass ihr seine liebe nicht zuwider wåre. Er
brachte folgends dieses geschäfte auch bei dem Nebajot an / mit dessen wunde es
nun båsser zu werden begunte: der ihme dann solches bäst gefallen liesse. Indem
kame auch der regirende Fürst Nebajot / des jungen herr vatter / und der
Mahalaat bruder /von Petra / woselbst er hof hielte / seine schwester und sohn
zu besuchen / weil er ihren zustand erfahren hatte. Esau verweilte nicht / ihn
gleichfalls um die Mahalaat anzusprechen: deme er mit hoher freude das jawort
gabe / und sich seelig schätzete / an dem grossen Edom einen schwager zu
erlangen.
    Die hochzeit wurde darauf an dem orte / da diese seltsame begebenheit sich
zugetragen / vollzogen: und wollte der alte Nebajot uns nicht hinweg lassen /
wie sehr auch den Esau verlangte / seine Mahalaat zu seinen eltern zu bringen;
sondern wir mussten zu Petra etliche monat verbleiben. Unter anderen dessen
ursachen ware auch diese / dass sich die gesamte herren von Arabien eines
abermaligen krieges vom Konig in Egypten befahreten: dann dieser hatte zwar /
erst fur zwei jahren / mit dem König von Chus frieden gemachet / nun aber den
Prinzen Armizar mit einem grossen kriegsherr auf die grånzen dieses reichs
anziehen lassen / welches alle landsassen / auf eine gegenverfassung zu gedenken
/ antriebe. Wie aber endlich die gewisse nachricht einliefe / dass der Konig von
Egypten keine feindliche gedanken gegen sie hegete / und der Prinz Armizar einen
innerlichen krieg wider den Pharao selber angefangen håtte: erliesse der
Nebajot endlich seine schwester / mit dem Esau in Canaan zu reisen. Also
brachte er diese seine dritte frau nach Bersaba zu seinen eltern: in hoffnung /
durch sie sich angenemer zu machen. Er befande aber das gegenspiel / und ward
ihme von dem alten Isaac / als der nun / nach gegebenem segen / dem Jacob
gewogener worden / angedeutet / dass er sich von ihme nach Edom begeben sollte.
Dieses stiege ihm dermassen zu gemute / dass er ganz traurig wurde / und nicht
einmal den Konig Abimelech zu Gerar vorher besuchen mochte.
    In Edom entfinge uns die Judit mit mehrerer vergnügung / und ware sie so
wenig eifersüchtig über die Mahalaat / dass Esau hieraus seines herzens
vergnugung schöpfete. Weil er nun gänzlich / in ruhe zu bleiben / ihm
furgenommen / und alle hoffnung / dermaleinst ein besitzer des landes Canaan zu
werden /angegeben hatte: als trachtete er nun meist dahin / wie er sein
Fürstentum Edom erweitern möchte. Hierzu machte er den anfang / indem er die
riesen vom geschlecht Rapha vertriebe / und ihr land zu dem seinigen zoge. Er
bauete hierauf in Edom / die stadt Bazra / und zierete sein schloss mit einer
sonderlichen erfindung: indem er die bildnisen aller der jenigen / die er jemals
geliebt / mit grosser muhe zusammen brachte / und einen grossen saal damit
behängte. Ich muss aber dieses etwas umståndlicher beschreiben: weil dadurch
nachgehends viel ungelegenheit / und dieser jetziger krieg / guten teils
verursachet worden.
    Es ware die Konigin Philistina die erste / deren bildnis der Esau zu Gerar
mahlen lassen / und hernach ståts bei sich getragen. Diese liesse er abbilden
/wie sie badete / und von ihm also gesehen wurde: woraus nachmals ihr widerwille
/ ihn nicht zu lieben /entstanden. Das andere gemålde / stellte die Konigin
Eglone fur / welches er dann auch zu Gerar bekommen: und ware sie abgebildet /
wie sie ihm die Furstin Judit uberreichte / da dann seine liebe gegen ihr
aufgehoret. Die Ada / ware die dritte: welche er mahlen liesse / wie er bei
nacht in ihr gemach gekommen und seine liebe mit ihr beståtiget. Das vierte
gemälde /war die Judit / wie sie neben der Ada im bette lage /und er / aus
eifersucht / die Ada verwundet: womit er / seine sonderbare liebe gegen der
Judit / bezeugen wollte. Die ungluckselige Konigin Barsine / deren abbildung er
von mir bekommen / war das funfte gemålde / wie dieselbige vor seinem bette /
von mir verwundet / ihren geist aufgabe: da dann seine liebe mit ihrem leben
aufgehoret. Das sechste bild / stellete fur / wie die schone Prinzessin von Seir
/ Poliphide / ihn aus dem warmbad-zimmer heimlich ausliesse / und ihme / sie
jemals wieder zu sehen / verbote: welches gebot seine liebe gestillet. Weil diss
bildnis nicht bei der hand war / als sandte er heimlich einen mahler nach Dedan:
der dann ihm dasselbe zuwegen gebracht. Die tugendhafte Saradine war in dem
siebenden gemålde abgebildet / wie sie sturbe / und den Esau mit zeichen
sonderbarer freundschaft ansah: da zwar seine zu ihr getragene liebe durch
ihren tod /nicht aber die hochachtung und das andenken ihrer person / sich
geendet. In dem achten gemålde / zeigete sich die Teutsche Fursten Aurinia / wie
die der Zipor /und damit auch ihm die liebe aus dem herzen / entfuret. Die Timna
/ ware auf gleiche weise im neunten bilde furgestellet / wie sie von dem Eliphas
sich entfuren lassen: weswegen / seine liebe gegen ihr / sich in einen hass
verkehret. Das zehende und lezte stellte die Mahalaat fur / wie die in seiner
kammer von dem Fürsten Aran betroffen wurde / und er denselben mit des Ebals
schwerd aus der kammer jagte: wordurch er seine zu ihr tragende liebe erwiesen.
    Er liesse unter jedes gemålde ein paar reimen schreiben / welche
nacheinander / wann ich mich recht erinnere / also lauteten:
                                  Philistina.
Deinen glanz und wunderzier / sah ich wider deinen willen:
drum dein wille von mir wich / meine liebesglut zu stillen.
                                    Eglone.
Du gabest / dass du nåmst / was mir nicht mehr geburt.
So ward ich / von der lieb / zur lieben hingefurt.
                                      Ada.
Es bunde dich und mich der Ehe fåstes band.
Die erste warest du / die meine lieb erkant.
                                    Judit.
Ohn liebe nam ich dich: die ich so sehr nun liebe /
dass fast die eifersucht zwo liebsten mir aufriebe.
                                    Barsine.
Deine schönheit zween verwundet; zween auch gaben dir den tod:
der / als du mich woltest toden / leschte meine liebesnoht.
                                   Poliphide.
Du zierde deiner zeit / von gleicher strång und gute!
es zurute wider mich / mit schonen / dein gemute.
                                   Saradine.
Ich verliebet / sah dich / meine treue freundin! sterben.
Es kont meine lieb / jedoch dein gedåchtnis nicht / verderben.
                                    Aurinia.
Deine schönheit mich / und dich hat geblendet fromde liebe.
Diss / dass du beståndig warst / machet / dass ich solches ube.
                                     Timna.
Meiner ersten liebe frucht / macht unfruchtbar mein beginnen.
Wäs dem vatter war vermeint / liessest du den sohn gewinnen.
                                   Mahalaat.
Wol recht hat das geschick zusammen uns vertraut:
dass ich kont / ohne sund / entwenden eine braut.
    Also ergetzete sich der Furst von Edom / mit anschauung seiner ehmaligen
geliebten: doch liesse er in diesen saal niemand kommen / als gute freunde.
Indem er aber also sein leben in die ruhe einrichtete /sturbe der grosse Konig
Marsius in Basan: wordurch das land in neue unruh gesetzet wurde. Dann / dieser
Konig hatte / weil sein sohn / der junge Marsius / fur todt gehalten wurde /
seinen bruder den Fürsten Suevus zum stattalter oder vormund der Prinzessin
Mirina verordnet: womit aber die Königin Salamis / seine witwe / nicht zufrieden
war / sondern / mit hulfe ihrer verwandten / einen krieg wider die Teutschen
erregte. Demnach begehrte sie auch hülfe von ihrem schwager / dem Konig
Abimelech: der aber gar nicht hieran wollte / weil er jederzeit die Teutschen
hochgehalten. Die Eglone aber / seine gemalin / welche ihre schwester nicht gern
lassen wollte / schriebe selber an den Esau / dass er zu ihr nach Gerar kommen
mochte: der dann / weil er dieser Konigin nichtes versagen konnte /alsobald dahin
reisete / und mich zum stattalter in Edom hinterliesse. Die Konigin wurde durch
seine ankunft hoch erfreuet / und bate ihn / um seiner zu ihr ehmals getragenen
liebe willen / dass er den Konig zu diesem krieg bereden wollte. Esau / ihr zu
willfahren /verzoge nicht / des Konigs gemute / dessen er måchtig war / zu
erobern und ihn dahin zu vermogen / dass er ein måchtiges heer werben liesse /
und ihm / dasselbe in Basan / der Salamis zu hülfe / zu furen / untergabe.
    Der Prinz Abimelech / ware um dieselbe zeit eben wieder nach haus gekommen /
nachdem er etliche jahre zu Salem sich aufgehalten / und daselbst sich im
rechten Gottesdienst geubet hatte. Dieser ware hochst erfreuet / seinen alten
freund wieder zu sehen; und weil der Konig / sein herr vatter / ihm erlaubete /
zoge dieser junge held mit zu felde: da er dem Fursten von Edom / seinem
waffenlehrmeister / zeigete / dass er inzwischen nichtes vergessen håtte. Aller
orten / wo diese zween helden hinkamen / siegeten ihre arme /und brachten der
Königin Salamis zuwegen / dass sie zu Edrei regentin uber Basan gekrönet wurde:
da dann der Prinz Abimelech die Prinzessin Mirina / die tochter der Salamis / zu
sehen bekame / welche Esau fast allein / unter allen schonheiten / die er jemals
gesehen / nicht geliebt hat. Diese junge Prinzessin /welche sehr kriegerischer
natur ist / zoge mit zu felde / und wagete sich zum oftern gar unbedachtsam:
daher sie einsmals schier wåre gefangen worden / wann nicht Esau und Abimelech
dazu gekommen / und sie gerettet håtten.
    Indem sie aber dazumal mit ihr nach dem lager ritten / welches auf der
Amoriter gebirge nicht weit vom fluss Jaboc stunde / sahen sie einen starken
haufen von des Suevus volkern ankommen: die durch den fluss setzeten / und auf
sie zugingen. Sie befanden sich zuschwach / dieser mänge zu widerstehen: deren
sie auch nicht entgehen konten / weil der feind ihnen zu nahe auf dem hals ware.
Weil nun die Prinzessin / um die es ihnen am meisten zu tun ware / sich mit zur
gegenwehr entschlossen hatte / als erwarteten sie den feind nicht / bis er
vollends über das wasser käme /sondern gingen ihme mutig entgegen. Esau befande
fur gut / dass Abimelech bei der Prinzessin verbliebe: er aber machte sich / mit
einem teil der seinigen /furaus / und hielte so lang den feind auf / dass Mirina
/wann sie gewolt / sich wohl in sicherheit håtte begeben konnen. Ihr muht aber
war so gross / dass sie von keiner flucht horen wollte / sondern frisch mit
ansetzete /und / weil sie von zweien der dapfersten helden entsetzet wurde /
wundertaten verrichtete. Doch ware endlich die grosse månge der feinde ihnen
überlegen /also dass Mirina gefangen wurde.
    Den Prinzen Abimelech und den Fursten von Edom schmerzete es sehr / dass sie
diese Prinzessin nicht bewahren konnen: und entschlossen sie sich / nicht vor
die Königin zu Salamis zu kommen / sie håtten dann zuvor die Prinzessin wieder
befreit. Deswegen sandten sie gleich nach mehrern volkern / und folgeten fur
ihre personen den feinden auf den fus nach / welche die Prinzessin gen Hazezon
Tamar fureten. Als sie aber gegen den ort nichtes ausrichten kunten / sandte
Esau einen von den seinigen in die stadt / der dem oberbefehlhaber / von welchem
er / dass er sehr geitzig wäre / erfahren hatte / zu auslosung der Prinzessin
/alles was er fordern wurde / anbieten sollte. Dieser listige fuchs aber /
setzete dissmal seinen geitz auf die seite / und liesse dem Esau zurücke sagen:
Wann er selber sich / für die Prinzessin / in gefångnis stellen wollte / sollte
sie alsofort ihrer fraumutter wieder übersandt werden. Esau / weil er wusste /
wieviel an der Prinzessin freiheit gelegen war / und dass der Suevus sie
nimmermehr wieder los lassen wurde / bedachte sich nicht lang / sondern entbote
dem oberbefehlhaber eiligst: wiedass er / das anbot annemend / sich gefangen
einliefern wollte / sobald die Mirina wurde los gelassen sein. Er hielte auch
sein versprechen / und sobald die Prinzessin wieder im lager war / nachdem er
/sie nach der Salamis feldlager zu begleiten / anbefohlen / begabe er sich / an
ihrer statt / in Hazezon Tamar. Also erfuhre die Konigin / zu einer zeit /
ihrer tochter gefångnis und freiheit / samt des Esau gefångnis.
    Der Prinz Abimelech / so nicht zur stelle gewesen /als dieses mit dem Esau
fürgegangen / wollte fast rasend werden / als er seines freundes zustand erfuhre.
Wie er aber von der Königin / und von ihrem feldhaubtmann dem Fursten von
Elassar / erlaubnis erlanget / Hazezon Tamar mit dem Philisterheer anzugreifen
/ täte er solches in geschwinder eile / dass der oberhaubtmann nicht zeit hatte
/ den Esau nach dem Suevus zu schicken. Die Salamis ruckte immittels dem Suevus
mit ihrem heer entgegen / und der Prinz von Ammon bliebe mit seinen volkern in
Basan stehen / daselbst alles unter der Konigin botmäsigkeit zu erhalten.
Jederman verzweifelte / dass Abimelech sein beginnen ausfuren wurde. Wie dann
auch der Prinz von Elassar / der ohnedas gegen dem Abimelech in eifersucht
stunde / und dem Fursten von Edom gleichfalls gehåssig war / sich freuete / dass
der eine gefangen war / und der andere etwas angefangen hatte / wordurch er
vermeinte / dass sein ansehen merklichen abbruch leiden würde. Es geriehte aber
viel anderst / als man sich eingebildet: indem dieses edlen Prinzen
unvergleichliche dapferkeit und klugheit soviel gewurket / dass er Hazezon Tamar
eroberte / und seinen freund befreiete. Dieses hube seinen ruhm auf die hochste
staffel / also dass man ihn für einen ja so teuren helden / als den Fürsten von
Edom / hielte. Wie er und Esau / von der Salamis und Mirina / die ihnen zu
danken so viel und hohe ursachen hatten /seien entfangen worden / ist leichtlich
zu ermessen.
    Dieses einige nur habe ich / von des Prinzen Abimelechs taten in diesem
krieg / erwähnen wollen /wiewol er sonst mehr viel lobliches verrichtet. Der
krieg ginge nach diesem sehr wohl von statten / bis der dapfere Prinz Marsius /
den man fur todt gehalten /wieder lebendig herfür kame / und in Ammon einfiele:
welchen König er also demütigte / dass er nicht mehr des vermogens war / wider
ihn zu bestehen. Wie er nachgehends in Basan kame / und die våtterliche Kron
aufsezte / fielen diesem jungen König alle untertanen zu / und verliessen der
Salamis seite: daher diese Konigin / unangesehen Abimelech und Esau es ihr
widerrieten / und ihr ihren ferneren beistand verhiesen / mit der Prinzessin
Mirina das reich verliesse /und nach Ophir fluchtig wurde; der mutige Abimelech
aber / in dessen herzen eine eifersucht / wegen der rümlichen taten des jungen
Konigs der Teutschen /doch ohne neid / entstanden war / gedachte seine waffen
wider denselben fortzufuren / und wollte Basan nicht verlassen. Der neue Konig
aber erzeigte sich viel anderst / ordnete zum Konig der Philister einen
gesandten ab / und liesse ihn bitten / dass er seine völker aus Basan abfordern
wollte: dann er nicht wider den edlen Prinzen Abimelech seinen sohn zu fechten
/noch um dieses Prinzen willen das jenige / was ihme der König von Gerar zuwider
getan / zu råchen begehre. Eine gleiche botschaft sandte er an den Prinzen
selber / und liesse ihn ersuchen / dass er sein freund verbleiben wollte /
gleichwie er des Cimbers freund zu Salem gewesen wåre.
    Diese hoflichkeit ånderte gleich des Abimelech und Esau furhaben / also dass
sie die Philister aus des jungen Marsius landen abfureten. Sie fanden aber keine
gelegenheit / wie sie wünscheten / den König von Basan sehen zu konnen: dann er
hatte sich nach Moab gewendet / die aufrurischen daselbst wieder unter seinen
gehorsam zu bringen. Zu Gerar hatte / diese veränderung mit Basan / einigen
unlust erwecket: weil der König Abimelech sich nun / sowol für dem Marsius / als
für der Assyrischen macht / zu fürchten hatte. Um aber E. Maj. herr vattern zu
weisen / dass er beständig die Assyrische seite halten wollte / erlaubte er
nachgehends dem Prinzen seinem sohn / wieder nach Babel zu ziehen: der aber
zuvor mit dem Esau nach seinem Fürstentum reisete / und alda ein zeitlang bei
uns verharrete. Weil nun dieser edle Prinz nichtes auf seinem herzen halte / das
er nicht diesem seinem freund håtte geoffenbaret; als entdeckte er auch dem Esau
seine glückseligkeit / die er in der huld von E. Maj. genosse: und kann ich mich
berumen / dass ich sein vertrauter in seiner liebe auch mit worden; da er dann
tåglich von der unvergleichlichen Delbois redete / und dieselbe bei sich
betrachtend / alle in des Esau saal abgemalete schönheiten fur gering hielte.
    Ihr kommet zu weit / (fiele die schone Konigin dem Hanoch allhier in die
rede /) und vergesset / dass ihr mir allein des Fursten von Edom leben erzählen
wollet. E. Maj. vergeben mir / (antwortete er /) wann das andenken dieses
fürtrefflichen Prinzens verursachet hat / dass ich mich etwas von meiner
erzehlung abgewendet. Das fürnemste ist nun noch ubrig zu berichten / als
welches die ursach ist / warum ich hieher gekommen bin. Es hatten die Fursten
von Seir / nach dem tage / da im Furstentum Nebajot zwischen ihnen und dem Esau
besagter widerwille fürgangen /einen groll auf den Fürsten von Edom geworfen
/waren aber durch den Lotan von offentlicher feindseligkeit gegen ihm
abgehalten worden: zumal sie auch durch den stattalter von Syrien den Mamellus
/ und seine gemalin die Tarasile / als des Esau mutter schwester / die sich zu
Dedaneine gute zeit aufhielten / zufrieden gesprochen wurden. Wie aber diese von
dannen nach Syrien wiederabreiseten / begabe es sich / dass der Prinz Abimelech
eben auch wieder nach Salem hinweg zoge / und von dem Esau / der Judit und
Mahalaat / bis nach Teman begleitet wurden: da sie dann die Fursun Ada
zugleich ansprachen /welche ganz freundlich / sowol den Esau / als dessen beide
andere gemalinnen / entfinge / und wurde nichtes mehr von der alten eifersucht
verspüret. Weil es nun also an allen seiten vergnugt zuginge / als wurde Esau
dadurch bewogen / wie der Prinz Abimelech von uns hinweg ware / sich eine weile
daselbst aufzuhalten.
    
    Inzwischen kamen ungefår nach Bazra / der Furst Ana mit seiner gemalin / der
Ebal / und Aran der Mahalaat ehmaliger bråutgam / welche den stattalter
Mamellus bis dahin begleiteten: weil er seinen weg durch Edom und hieher /
jedoch ohn seine gemalin und tochter / welche durch Canaan reiseten / genommen
hatte. Als nun / in unserer abwesenheit /diese gäste die gemåcher des hauses
besahen / fürete sie einer von den kåmmerlingen / aus unbedacht /auch in den
saal / da des Esau verliebte gedanken zu sehen waren / allermassen E. Maj. zuvor
von mir gehoret. Als nun Ana / unter andern / auch seiner gemalin bildnis bei
des Esau seinem erkannte / und das gemål samt der unterschrift betrachtete / ward
er nicht wenig bestürzet / allermeist da er / die Poliphide ansehend / eine
entfärbung ihres gesichtes verspurete. Seine eifersucht / soviel müglich /
zwingend und fur den andern verbergend / besah er dieses gemålde etwas långer /
als die vorigen: da dann der einfåltige kåmmerling zu ihm sagte / wiedass sein
herr / unter allen diesen damen / die daselbst abgemalet stünden /keine hoher
hielte / als diese. Die abermalige errotung der Poliphide / begleitete des
kåmmerlings worte. Weil sie sich mit einem eide verlobet / niemals diese des
Esau tat von sich zu sagen / als hatte sie nicht allein solches dem Ana
verschwiegen / was fur so vielen jahren zwischen ihnen war furgegangen: sondern
sie hielte auch noch diesen ihren eid / und laugnete gegen dem Ana / dass sie von
allem diesem etwas wusste.
    Ihr bruder / der stattalter von Syrien / war schon hinweg / wie dieses zu
Bazra furginge: daher durch ihn diese seiner schwester heimlichkeit nicht kunte
verrahten werden. Als nun der Ana / weil er jederzeit seine gemalin tugendhaft
erfunden / mit ihrer ableugnung zufrieden sein musste / gingen sie fürter zu den
folgenden gemålden / da die vorstellung seiner stiefschwester / der Timna / ihn
so sehr verdrosse / als die abbildung der Madalaat dem Aran und Ebal zu kopf
stiege: massen diese zween letzere sich daselbst abgebildet funden / wie der
eine dem Esau wiche / und der andere ihm sein schwerd nemen liesse. Als sie nun
allerseits durch diese gemålde sich beleidigt befanden /reitzete Aran den
Fürsten Ana / wie sie nun wieder in ihrem gastzimmer allein waren / dieserwegen
an dem Esau sich zu råchen. Also bestachen sie heimlich den alten kåmmerling /
dass er sie bei nacht in den saal einliesse: da sie der Poliphide bild hinweg
namen /die reimen aber bei der Timna und Mahalaat ånderten / und zwar unter das
bildnis der ersten also schrieben:
Meiner ersten liebe frucht / ja so leicht / wie ich von sinnen /
konnte deine zierd / wie mich / doch mit båssrem gluck gewinnen.
Unter der Mahalaat ihres / setzeten sie folgende zeilen:
Mir ware gut genug / die sonst verstossne braut:
Durch sie ist nur der hass von vielen angetraut.
    Als dieses verrichtet / schieden sie von Bazra hinweg / und kame nicht lange
darauf Esau / neben seinen dreien frauen und mir / wieder in Edom: da er dann /
der Ada seine erfindung zu zeigen / sie in den saal furend / mit hochster
besturtzung diese ånderung an seinen gemålden erkannte. Auf vielfåltiges
nachfragen / kamen wir hinter die warheit: dann der kåmmerling / der sich
bestechen lassen / ware zwar entflohen / hatte aber einen knaben zurucke
gelassen / der uns alles offenbarete. Wie schmertzlich nun dieses der Esau
entfunden / kann man leichtlich ermessen: allermeist / weil Poliphide dadurch in
ungelegenheit gerahten dorfen. Ich wurde von ihme nach Denhaba / zu unserem
alten freunde dem Lotan / gesendet: um sowol uber diese tat mich in seinem
namen zu beschweren / als die Prinzessin Poliphide zu entschuldigen. Der Lotan
ware straks willig / wie er mein anbringen vernommen / mit mir nach seinem
bruder gen Dedan zu reisen. Der Ana aber erwiese sich so kaltsinnig / und war so
abgeneigt / einige entschuldigung wegen dessen / was in des Esau schloss war
verubet worden / abzulegen / dass ich ganz ubel zufrieden hinwegschiede. Ob nun
wohl Esau hierdurch / sich zu råchen / genugsam befugt worden / so wolt er doch /
in ansehen der Poliphide / den glimpflichsten weg gehen / und begehrte
wieder-erstattung des entwendeten: worauf aber keine antwort erfolgte / und
inzwischen sich etwas zutruge / so alles uber einen haufen wurfe.
    Der leichtsinnige Aran / der seine ehmalige liebe gegen der Mahalaat in
bittern hass verkehrt hatte /suchete allerhand unzulässige Mittel / sich an ihr
zu råchen / dass sie ihn verlassen hatte. Demnach / als sie einsmals mit dem Esau
sich auf der jagt befunden /und er ausgekundschaftet / wiedass sie / allein und
mit wenig von ihren leuten / nach Bean / alda die Judit sich aufhielte / reisen
/ und Esau mittlerweile noch etliche tage beim jagen verbleiben wurde: wartete
er ihr im holtze vor / und ware in seinem bösen furnemen so gluckselig / dass er
die unschuldige Mahalaat erwischete / und nach Acrabin auf seines vatters des
Furstens Disan berghaus furete. Esau erfuhre diese ungluckliche zeitung nicht
sobald / da setzete er mit allen / die er in der eile aufbringen kunte / dem
Aran nach; und als er ihn nicht erreichen mochte / name er Uz hinweg / welches
ein berghaus ist / so des Disans ältestem sohne zugehöret. Hierdurch meinte er
den Aran zu zwingen / dass er die Mahalaat wieder auf freien fus stellen mochte:
der wusste aber seinen vatter also einzunemen / dass der dem Esau / um nicht
weiter zu schreiten / muglichste schutzwehr entgegen setzete. Er konnte aber
dessen billiger wut nicht widerstehen /und musste leiden / dass er fast alle
ihm-zugehorige orter auf dem gebirg hinweg name / auser Acrabin /da die
Mahalaat aufgehalten wurde: welches er / weil es sehr feste / mit zuziehung
mehrern volkes zu gewinnen vermeinte.
    Wie er nun also in ganz Edom alles waffnen liesse / fuhre er fort um sich zu
greifen / und name Heman hinweg: welches der Timna zustunde / deren vatter ihr
solches unter ihren brüdern vermacht hatte. Weil es nun unter Lotans gebiet
gehörete / als name der sich auch dieses handels an / und vom Sobal des Ebals
vattern angereitzet / fiele er mit ihm in das Furstentum Teman / ehe die Ada
sich dessen versah / furwendend: weil ihre schwester von dem Fursten von Teman
wåre entfuret worden / als konten sie mit allem recht dessen land ansprechen.
Sie vermeinten auch /den Esau selber hiermit noch nicht feindlich anzugreifen:
der aber nicht anderst tun konnte / als sich der Ada anzunemen. Demnach ward ich
/ mit einem teil seiner volker / eiligst nach Teman gesendet / dem Lotan und
Sobal einhalt zu tun: das ich dann anfangs mit gutem fortgang verrichtete. Es
wurde aber hierdurch / indem ich mich also von dem Esau absondern mussen / seine
macht verringert / also dass er Acrabin nicht in seine gewalt bringen konnte:
welches er aber doch stäts belagert hielte / und inzwischen von Uz aus durch
ganz Seir streifete / und aus unmut /weil der regirende Fürst Ana / ihme durch
seine zwischenhandlung die Mahalaat wieder zu verschaffen versaget / auch
dessen land nicht verschonete. Also schluge es endlich zu einem allgemeinen
krieg aus /und suchete Esau hulfe bei dem Fürsten Nebajot /und bei meinen
brudern den Midianitern: kunte aber von beiden nichts erlangen / weil die
Midianiter mit dem Konig von Egypten / und Nebajot mit dem Konig von Chus und
allen Arabern / selber einen schweren handel auf den hals bekommen hatte.
    Diesemnach musste er es alles allein auf seine gerechte sache und auf seine
dapferkeit setzen: und brachte er aus Edom alles auf / was nur kriegen kunte /
die belagerung vor Acrabin damit noch eifriger fortsetzend. Ich hatte inzwischen
das ungluck / dass ich bei Teman geschlagen / und auch die Ada gefänglich in
Acrabin gebracht wurde. Durch diese zeitung wurde Esau erst recht erhitzet: also
dass er in der eile /ehe der Furst Ana sich dessen versah fur Dedan ginge / und
den ort hinweg name. Des Ana gemalin /die Poliphide / befunde sich daselbst: die
dann sehr unwillig auf ihn ware / dass er ihr bei ihrem herrn solche
ungelegenheit verursachete. Sie wollte ihn auch nicht sehen / ob sie gleich seine
gefangenin war. Er verharrete aber gegen ihr in aller ehrerbietung / ob er
gleich allen Seirischen Fürsten feind zu sein so hoch befuget war / und hielte
sie gar hoflich. Er bote sie auch dem Fürsten Ana / gegen auswechselung seiner
beiden frauen / wieder an: der aber / entweder dass er bei den andern nichts
erhalten können / oder weil er selber nicht wollte / ihme hierauf keine antwort
wissen liesse. Er zoge auch die von Arabien / Saba und Hevila auf seine seite:
die mit einem gewaltigen kriegsheer ankamen / und mit uns den garaus spielen
wollten. Diese volker / teilten sich in drei haufen: deren der eine in Edom /
der andere in das land Teman / welches ich von neuem erobert hatte / und der
dritte / Acrabin zu entsetzen und Dedan wieder einzunemen /angezogen kame. Der
Furst von Edom befunde sich viel zuschwach / dieser macht zu widerstehen: liesse
demnach Dedan im feur auffliegen / und zoge alle seine macht fur Acrabin
zusammen; da er noch einen haubtsturm anlaufen / und nachgehends sich an den pass
/ der in sein land ging / begeben wollte / um dem feinde den einfall zu
verwehren.
    Immittels er damit beschåftigt war / beginge der junge Ebal eine rumliche
tat / die ich allhier billig erwähnen muss. Diesen herrn hatte seiter der
erlittene schimpf / dass der Esau ihme in Nebajots hause seinen degen genommen /
also geschmerzet / dass er nicht ruhen konnte / er håtte dann von dem Esau /durch
einen besondern kampf / sonderbare genugtuung dafür erhalten. Der Ana hatte ihn
/ nachdem er den Fürsten Dison seinen sohn aus gewissen ursachen enterbet / an
sohnsstatt aufgenommen / und seine liebe dermassen ihm zugewendet / dass er ihm
diesen gefärlichen kampf nicht erlauben wollte. Demnach beschlosse er / mit
seinem waffenträger heimlich in des Esau lager zu gehen: da er dann / nachdem er
mit einen helm sein angesicht verdecket / sich bei dem Esau anmelden liesse /
und ihme / wegen einer ehmaligen beleidigung einen absonderlichen kampf anbote.
Esau willigte gleich in sein begehren / wiewol ihm die kriegsobersten im lager /
den kampf abzuschlagen /riehten. Jederman verwunderte sich uber die kunheit
dieses ritters / und Esau selber befunde aus der gegenwehr / dass er einen
ungemeinen helden für sich hatte. Doch fiele endlich der sieg auf des Esau seite
/ der den andern zu boden legete: welchem indem der helm abfiele / also dass er
für den jungen Ebal erkennet wurde.
    Der Fürst von Edom zeigte sich mit diesem seinem siege beschamet / dass ihm
ein so junger mensch soviel zu schaffen gemacht hatte. Doch entfunde er auch in
seinem herzen eine hochachtung für ihn / unangesehen der feindschaft zu den
andern Seirischen Fursten /und wollte sich um seine wolfart annemen. Er fand ihn
aber / als er nåher zu ihm tratte / allbereit sterbend / und horte sich von ihm
also anreden / wiewol mit lallender zunge: Fürst von Edom! ich bitte euch / tut
mir den gefallen / und bekennet / dass ich / um wiedererlangung meiner ehre /
dapfer bis in den tod gefochten habe. Hiermit gabe er seinen geist auf / und
machte sein tod freunde und feinde betrübet: da insonderheit / der hass des Ana
und Sobals / hierum so gros gegen den Esau wurde / dass sie nirgends nach
trachteten / als ihn gänzlich auszurotten; dann dieser Ebal /wegen seiner
sonderbaren tugenden / auf dem gebirge sehr beliebt gewesen. Der Esau wagete
hierauf den furgenommenen sturm an Acrabin / richtete aber nichtes aus / als dass
er die bäste mannschaft verlore: da er mit den ubrigen sich nach Edom zuruck
zoge / den Arabern den einfall in sein land zu verwehren. Die Prinzessin
Poliphide name er mit sich: wiewol er niemals aus den schranken der ehrerbietung
schritte / und sie bedienen liesse / als wann sie nicht seine gefangene gewesen
wäre. Zu Bazra leistete ihr die Judit gesellschaft: dass also ihre gefångnis ihr
ertråglicher / als der Ada und Mahalaat / wurde.
    In solcher bedrängnis / kame dem Esau von den Philistern hulfe: wiewol es
nicht den namen hatte /dass der Konig Abimelech dieselbe schickete / (dann dieser
herr sich fur der grossen macht der Sabeer /Araber und deren von Hevila
furchtete / dass er sie nicht in sein land ziehen mochte /) sondern der Furst von
Caphtor furete sie / als ob sie aus seinem Fürstentum dem Edom zukäme. Diese
schlechte hülfe /vermochte aber wenig wider den gewalt der Feinde: die wie eine
wasserflut in Edom und Teman einbrachen / und einen fåsten ort nach dem andern
hinweg namen. Der Prinz Bileam von Hemath / einer von den allerbåsten freunden
des Aran / kame derzeit aus dem Bactrianischen kriege auch dahin / und wonete
einer schlacht bei / die nahe bei Bazra gehalten wurde: da ihn der Esau hart
verwundet / und den Aran fast erdappet håtte / wann er von den seinigen nicht
eiligst wåre errettet worden. Ob nun wohl Esau in dieser schlacht wunderdinge
verrichtete / so bliebe doch der sieg auf des feindes seite / und der dapfere
Prinz von Saba Mardocentes ginge hierauf für Bazra: welches er auch eroberte /
die Poliphide befreiete / und die Judit gefangen name.
    Also ware ganz Edom verloren / und kame der ungluckselige Esau mit dem
Fursten von Caphtor nach Teman / da ich mich noch kummerlich des feindes
erwehrete. Wir befunden fur gut / die Cananitische Konige um hulfe anzusprechen
/ liessen den Prinzen Ahuat im lande Teman / und reiseten zu dem Konig von
Kyriat Arba: vermeinend / derselbe wurde / als sein schwager / ihn nicht
hulflos lassen. Wir befunden aber das gerade widerspiel: dann dieser König
soviel unruhe in seinem eigenen haus hatte / dass er sich die noht des Esau nicht
angehen liesse. Als aber die Seirische Fürsten merketen / dass wir anderer orten
hulfe sucheten / und die Araber wieder zurücke abzogen /um dem Konig Scheba von
Chus gegen die Nabateer beizuspringen: als reisete Sobal / der die sache wider
uns / wegen des tods seines Sohnes / am eifrigsten triebe / zum Konig Beor von
Canaan / und erlangete daselbst hulfe. Wie dann des Esau schwager / der Ephron /
befehligt wurde / unter dem Fursten von Betel die Sichemitischen volker nach
dem gebirge zu furen. Dieserwegen geriete Esau auf die gedanken / in Syrien zu
gehen / und sowol bei E. Maj. herr vattern /als bei ihr selber / schutz zu
suchen: da er hoffet / die treuen dienste / die er ehmals dem grossen Bel Ochus
im Medischen kriege erwiesen / werden ihme behulflich sein / gewierige antwort
zu erlangen. Er hat auch / durch mich / E. Maj. beistand erbitten wollen: da
bereits ihre gnådigste erklärung mir widerfahren /dass ihn die grosse Delbois in
seinen jetzigen drangsalen nicht lassen wolle.
                                     * * *
    Seit versichert / mein Fürst! (sagte die Konigin hierauf /) dass ich ein
solches mitleiden uber des grossen Edoms zustand bei mir entfinde / dass / wann
mein wunschen allein gnug wäre / er gleich erlangen sollte / was er begehret. Ich
biete aber alle meine macht zu seinen diensten an; und mein herr vatter /weiss
ich / wird desgleichen tun. Ich finde auch der Seirischen Fursten beginnen so
unbillig / dass ich nicht zweifele / das gluck werde sich endlich auf die seite
des gerechten wenden / und dem Esau wiederum zu seinem lande verhelfen. Hiemit /
als sie dergleichen versicherungen dem Hanoch uberflussig getan /liesse sie ihn
/ weil es bereits zimlich spat war / von sich / grosse vergnugung uber seiner
getanen erzehlung bezeugend: welche sie nachgehends / wie sie allein war / ihr
von neuem in ihrem gemute fürstellete /und sich nicht gnug uber alle wunderliche
begebenheiten verwundern kunte / die diesem grossen helden zeit seines lebens
begegnet waren. Am folgenden morgen kame Hanoch / vor seiner abreise nach Babel
/ nochmals zu ihr / abschied zu nemen / und versicherte die Konigin / dass in
Damascus der Furst von Edom ihr aufwarten wurde: welchen dann von person zu
kennen / sie ein grosses verlangen erwiese. Des Hanochs abreise bliebe so geheim
/ als dessen ankunft / also dass niemand / auser die Konigin / Aramena /und einer
ihrer vertrautesten kämmerlinge / hievon wissenschaft erlangte. Es wollte aber
Delbois ihren Fursten das versprechen / so sie dem Hanoch getan /nicht eher
eroffnen / bis sie in Syrien und er selber zur stelle sein wurde.
    Wie aber Aramena eben im begriff war / ihrem fürhaben gemäs nach der
Prinzessin Ahalibama zu gehen / die sie allein zu sprechen so hochlich
verlangete: kame zeitung / dass ein Syrischer Fürst / nåmlich der Fürst Elihu von
Ram / aus Damascus angekommen wäre / die Königin abzuholen: die liesse nun
denselbigen gleich zur begehrten verhor kommen; und wurde also Aramena gehintert
/ ihr furhaben werkstellig zu machen / weil sie neben allen anderen hofdamen bei
dieser entfahung mit aufwarten musste. Des Elihu angenemes wesen / seine
ansehnliche gestalt und gute art zu reden / erwecketen bei der Konigin eine
solche hochachtung fur seine person / dass sie ihn gegen alle ihre bedienten hoch
priese. Er legte im namen der Königin von Tiro / der Prinzessin von Elam ihrer
tochter aus erster ehe / und des Stattalters in Syrien / die begrüssung und
einladung so wohl ab: dass / nach jedermans urteil / kein tuchtigerer / als eben
er / håtte konnen ausersehen werden / die schone Königin von Ninive in Syrien zu
begleiten.
    Sie entschlosse gleich / ohne fernere seumnis von Hemath aufzubrechen:
wiewol alle Fürsten von Hemath ihr verlangen bezeugeten / sie noch was långer zu
bedienen. Wie aber der Prinz Jonadas ihre unånderliche Entschliessung sah /
liesse er nichtes ermanglen / sie ja so prächtig wieder aus dem reich zu
begleiten / als die einholung zuvor gewesen war. Weil dieser von der Furstin von
Arvad / der Dersine /schonheit sich einnemen lassen / als erwiese er nicht
geringe traurigkeit / da er sie nun verlassen musste: welche dann von ihrer seite
begleitet wurde / indem auch sie diesen Prinzen nicht ohne bezeugung einer
gegengewogenheit ansehen kunte. Der schone Dison hingegen / verrichtete diese
abreise von Hemath mit frolichem gemüte / weil die nåherung nach Ninive seinen
furhabenden zweck beforderte: doch geschahe solches nicht ohne ångstige
besorgung / dass man in Damasco ihn erkennen mochte. Die Prinzessin Ahalibama /
um desto sicherer ihres schutzes und erlangter freiheit zu geniessen / bekame
von der Konigin Delbois eine eigene leibwacht / unter anfürung des Fürsten
Jotans: welche sie ståts begleiten / und auf ihre person acht haben sollte /
damit nicht unterwegs / oder zu Damasco / einiger anschlag auf sie gemacht
werden konnte / der sie dem Beor wieder in die hånde lieferte.
    Als sie nun von Hemath / wegen sovieler entfangenen hoflichkeiten / vergnügt
hinweg reiseten / kamen sie den ersten abend nach Enan / welches in einem
lustigen walde liget: woselbst als die Konigin zu nacht gegessen / gingen sie in
der kühlen abendzeit spaziren / da jeder seinen eigenen weg name / wohin ihne
nämlich seine gedanken fureten. Delbois / von der Ammonide und Aramena begleitet
/ geriete auf einen schmalen fussteig / der sie zu einen brunnen leitete /
dessen von weitem vernemendes gesause sie begierig machte / sich dahin zu
nähern. Kaum aber hatten sie diesen brunnen erreichet / da ersah die Konigin
eine frauenperson / welche / den rücken ihnen zuwendend / auf der erden lage /
und wegen ihrer unbeweglichkeit anzeigete / dass sie schlieffe. An ihrer kleidung
/ ward sie gleich fur die Casbiane erkant. Weil dieselbige /nach ihrer
wiederkehr aus Canaan / grosse unruhe und betrübnis blicken lassen / als wurde
die Konigin begierig / etliche zetteln aufzuheben / die sie vor dieser
schlaffenden im grase ligen fand / vermeinend / aus denen etwan die ursach
dieser traurigkeit zu erfahren /und als sie die aufgewunden / lase sie aus dem
ersten folgende worte:
                               Liebste Casbiane!
Mein verlangen / dich bald in Syrien zu sehen / ist so unaussprechlich / dass mir
alle tage wie jahre dünken /die noch zwischen dieser meiner vergnügung obhanden
sein. Könte ich mit guter art deine fraumutter verlassen / wollte ich dir
entgegen eilen / um dich desto ehe zu sprechen. Deine eltern seind aber noch
beständig zu Hierapolis / und seind gefårliche dinge für / die unserem lande
neue unruhe drohen: massen das gerüchte von einem noch lebenden Syrischen
Prinzen sich je mehr und mehr erweitert / und habe ich beigefügte abschrift
bekommen / die hin und wider an die meiste Syrische Fürsten geschicket worden.
Dein herr vatter ist hierüber sehr bestürzet / und ob man wohl dieses suchet zu
unterdrücken / damit es der Assyrische König / noch unser stattalter / nicht
erfahre / so lässet sich doch das gerüchte übel binden. Mehrers hievon will ich
dir sagen / wann wir uns sprechen. Immittels höre nimmer auf zu lieben deine
ergebneste
                                                                        Zelinte.
    Als nun die Königin den andern Zettel auch geoffnet / funde sie darin
folgendes:
                                  Edele Syrer!
Das grosse und gerechte geschicke des himmels kunte nicht zulassen / dass eures
grossen Aramenes blut völlig von der erden getilget würde: darum hat es lassen
überbleiben einen helden / der bis jezt so unbekant von namen / als bekant wegen
seiner heldentaten / in der welt unwissend lebet / dass Aramenes sein vatter
/und Syrien sein Erbkönigreich sei. Nunmehr aber ist die zeit fürhanden / dass er
und ihr zugleich erfahren sollet / was für ein glucksstern Syrien / nach soviel
ausgestandenen trübsalen / erscheine: und werden alle treue Syrier hiemit
ermahnet / die waffen zu ergreifen / und also ihren rechtmäsigen König zu
fordern; der auf solchen fall nicht säumen soll / seinen getreuen untertanen
sich zu zeigen / und ihnen das Assyrische joch wieder abzunemen.
    Casbiane erwachete indes / als die Konigin dieses hatte zu ende gelesen /
die dann nicht wenig besturzet wurde / von ihrer Konigin also gefunden zu
werden. Ich bin (finge die Delbois an / sie anzureden /) über eure geheimnise
gekommen: doch will ich euch nicht schädlich sein; massen ich meines herrn
vatters hass zu dem Syrischen hause nicht geerbet / sondern vielmehr in mir eine
verborgene neigung entfinde / dem Aramenischen blute gutes zu gonnen. Ist dieses
aber /Casbiane / die ursach / dass ihr bisher so traurig gewesen? und machet die
sorge fur euer vatterland / dass ihr nicht mehr den freudigen geist zeigt / der
euch sonsten so gemein war? Unter wåhrendem diesem gespräche hatte Casbiane sich
wieder erholet / entschuldigte also anfangs ihr verschweigen / dass sie nicht
gleich der Konigin entdecket / was ihr ihre base Zelinte aus Syrien geschrieben.
Und wiewol sie nicht låugnete /dass ihr / diese unvermutete entdeckung des
Syrischen Konigs / allerhand gedanken erweckte: so erwähnte sie doch daneben /
dass sie von der traurigkeit nichtes wusste / die ihr äuserliches aussehen die
Konigin vermuten machte. Sie bate dabei / es mochte ihr die Konigin die gnade
tun / dass sie diese zetteln wieder bekåme: weil Zelinte in die höchste
ungelegenheit gerahten würde / wann es auskåme / dass sie von solchen dingen
briefe mit ihr gewechselt.
    Als nun die Konigin hierinn ihr begehren erfüllet /und ihr die schreiben
wieder zugestellet hatte / ermahnete sie / um die Casbiane zu vergnugen / die
Prinzessin Ammonide und ihre Aramena / hievon gegen niemand zu gedenken: die
dann solches / sowol der Konigin / als der Casbiane / versprochen. Die Königin
verwiese damit im scherze der Furstin von Cale /auf ein andermal so geheime
dinge båsser zu bewahren / da sie nicht allemal solche verschwiegene / als
diesesmal / antreffen und furfinden mochte. Ich weiss in warheit nicht / (sagte
hierauf Casbiane /) wie ich zu dieser nachlässigkeit gekommen / und hat mich der
schlaff überfallen / ehe ich mir es vermutet: bin aber dafür so gnådig
abgestraffet / dass ich von ubergrossem gluck zu sagen habe.
    Wie sie nun mitdess ihren spazirweg zusammen furter namen / waren ihrer aller
gedanken auf diesen neuen Syrischen Konig gerichtet / und stellete die Königin
ihr für / wer dieser unbekannte Aramenes wohl sein mochte / der wegen seiner
heldentaten bereits sich in der welt sollte so bekant gemacht haben / und wusste
auf niemand zu rahten. Ammonide ihres orts wunschete / es mochte der jenige sein
/ deme sie es in ihrem sinn zuschriebe / und speisete sich mit guter hoffnung /
in ihr selber: massen sie keine vertraute hatte / der sie sich håtte dorfen
offenbaren. Casbiane fürete ihre eigene gedanken hievon auch / und Aramena / so
dieserwegen zum wenigsten bekummert war / sagte zu der Casbiane: Vielleicht ist
der Prinzessin Ahalibama ritter / der Dison / dieser noch verborgene Syrische
Konig? weil dessen schone gestalt eine hohe geburt von ihme urteilen machet.
Wann das sich so verhielte / (antwortete Casbiane /) wurde ich künftig die
Aramena als meine Landeskönigin verehren müssen. Diese wenig worte / brachte
Casbiane nicht sonder grosse bewegung herfur. Aramena aber låchelte hierzu / und
sagte scherzweis: Aramenes und Aramena würden sich / wegen der namen / wohl
zusammen schicken. Die Delbois / solches horend / antwortete in gleichmåsigem
scherz: wiedass sie zwar ihrer Aramenen die Syrische Kron wohl gönnen wollte /
jedoch sollte ihr leid sein / sie dadurch zu einer feindin zu bekommen / weil wohl
vermutlich wäre / dass sie /als des Bel Ochus tochter / keine gnädige Konigin zu
Damascus haben wurde. Der himmel mag meinen stand veråndern / wie er will /
(antwortete Aramena /) so werde ich doch eine slavin meiner gnådigsten Konigin
unänderlich verbleiben.
    Mit solchen gesprächen brachten sie ihren spazirgang hin / und als sie bis
in die nacht den vollfüret /begaben sie sich wieder in ihre wonungen. Nach
vollendeter ruhe / reiseten sie des folgenden tages fürter /und erreichten nach
dreien tagen des Stattalters von Syrien luståuser eines: alda / wie der Elihu
hatte vermeint / der Prinz Mamellus in person sein / und die Konigin entfangen
sollen. Wie sie ihn aber alda nicht funden / auch keine nachricht wegen seines
ausenbleibens erhielten / name solches den Elihu nicht wenig wunder: daher er
gleich einen nach Damascus furaus schickte / ihre ankunft dem stattalter zu
vermelden /und name er sich inzwischen der bewirtung an; welcher er also wohl
fürstunde / dass alle seine fürneme gåste grosse ursache hatten / mit ihme mehr
als wohl zufrieden zu sein.
                            Ende des Ersten Teils.
 
                               Der Zweite Teil:
                    Der Beschwiegerten Freundschaft gewidmet
       Zuschrift an die beschwiegerte Freundin: den Kupfer-Titel erklärend.
Sezt sich Freundschaft wurzelfäste auf der Liebe Libanon:
Ob der Wind ihr stürmet zu / sie wird doch / die Ceder / grünen /
Führen ihr belaubtes haubt an die hohe wolken-bünen.
Ist der Taube liebster Gatte durch den Tod geführt davon:
An statt dessen / Storchen-Treue Widmet Ihr ein frommer Sohn /
Ehrt die wehrte Mutter-Huld / Mit bestand gesinnt zu dienen;
Lässt die äste über Sie Ziehen grüne schirmkartinen /
Innigst-freudig / wann sie decket Hitz-befreiter schatten-tron.
Seelig schäzt sich Aramena / Glückt es ihr / genem zu sein /
Als sie dieser Freundschaft hier Legt ein wahres Zeugnis nieder.
Beides / diese und die Ceder / Unverweslich halten ein.
Es riñt stäts des herzensharz / Bricht hervor / quillt hin und wieder.
Tränt den saft / den widertod. Zeigt sie Bantams Palmen-Nuss:
Ach! ein Sinnbild / dass die Treue Huntert Früchte bringen muss.
 
                                Das Erste Buch.
Das schloss des Stattalters von Syrien / welches die schone Königin von Ninive
bewirtet / war so prächtig und dabei lustig aufgebauet und angeleget / dass es
die Delbois ihrer bewunderung würdig achten musste. Inzwischen sie alda ausruhen
wollten / bis sie vom Stattalter dem Prinzen Mamellus nachricht erhalten /
liesse sie / des folgenden tags nach ihrer ankunft / von den Elihu sich aller
orten umher füren / von der Ahalibama / Ammonide und den anderen begleitet. Sie
fanden unter andern sehwürdig / einen grossen saal /an allen seiten mit
köstlichen marmorbildern besetzet / welche sehr künstlich nach dem leben
ausgearbeitet /die sämtliche anverwandten und befreundte des Stattalters und
dessen gemalin / fürstelleten.
    Zur rechten hand / stunden die verwandten des Mamellus: unter denen der
erste vorbildete / den alten Assyrischen König Baleus Xerxes / als den
grossvatter des Mamellus. Diesem folgeren seine kinder / als erstlich / sein
ältester sohn Armatrides / Konig von Assyrien / dessen gemalin Jetura aus Meden
/ und dann ihre vier kinder / als der Prinz Xerxes / der jetzige König von
Assyrien Belochus / als vatter der schönen Königin von Ninive / die Königin Atis
/ des Beors gemalin / und die Königin Delbois von Tyro. Nach diesem stunde der
zweite sohn des Königs Baleus Xerxes / der Arius / König von Ninive / mit seiner
gemalin / der schönen Sambetis aus Armenien / und ihren beiden tochtern / der
Naphtis / frau Mutter der Königin von Ninive / und der wunderschönen Philominde
/ der unglücklichen Königin von Syrien. Jederman konnte eine grosse gleichheit
finden / zwischen dieser schonen Philominde und der Königin von Ninive / massen
sie ihr viel änlicher war / als ihrer eigenen frau Mutter: dannenhero die ganze
gesellschaft bei diesem bild länger als bei allen den andern sich aufhielte /
und konten sie sich nicht genug an diesem wunderbild ergetzen.
    Nach diesen kame des Mamellus Herr vatter / der dritte sohn des Baleus
Xerxes / der Aralius Prinz von Chaldea / mit seiner gemalin / der Omphis
Prinzessin aus Egypten: und folgeten ihnen ihre vier kinder / als Bildat /
regirender Prinz in Chaldea / der Mamellus /Stattalter in Syrien / die Celia
oberpriesterin in Ninive / und Poliphide / die frau mutter der Ahalibama. Diese
Prinzessin / die Celia ersehend / erinnerte sich ihres fürnemens / in ihren
orden zu treten / und warf ihre Augen / unter den nachfolgenden / auf den Dison:
welcher die ehrwürdige Celia begierig anschauete /herzlich mit ihr wünschend /
auch bald so nahe bei der lebendigen Celia zu sein.
    Wie diese nun die reihe der Assyrischen bildnisen beschlossen / und die
Königin / neben den anwesenden / selbige zur gnüge beschauet hatte / kamen sie
auf die andere seite: da sie erstlich ersahn den Nahor / Fürsten aus
Mesopotamien / den Gross Herr vatter der Stattalterin; nach diesem den Fürsten
Hus / seinen ältesten sohn / mit dessen gemalin Zorina aus Bactra / ihrem sohne
Hus und beiden töchtern / der Semira und Eliane / von denen die ältere an den
Laban / Fürsten von Mesopotamien / und die jüngere an den Prinzen Bildat von
Chaldea verheiratet worden. Hierauf folgete des Nahors zweiter sohn / der Bus /
mit seiner gemalin Basmat aus Basan / und ihrem sohne dem Baracheel / des Elihu
Herr vattern. Man kann wohl sehen / (sagte die Königin zu diesem Fürsten) dass der
sohn dem Herr vatter gleichet: massen der Fürst Baracheel / in dieser seiner
jugend / darinnen er uns hier wird furgestellet / eben ein solches wesen hat /
als iezo der sohn zeigt. Ich wünsche und strebe / (antwortete Elihu /) dass
meine treu gegen dem Assyrischen haus ja so bekant moge werden / als meines
Herrn vattern seine sich zu tag getan hat. Die gleichheit wird in diesem stück
/ (erwiederte die Königin) sich nicht weniger finden / als das äuserliche
ansehen: massen dem Konig meinem Herr vattern ein solches bereits vielfältig
bekant worden.
    Hiermit wandte sich die Konigin / der antwort des Elihu unerwartet / zu dem
dritten sohn des Nahors /dem Konig Kemuel von Syrien: welcher so wacker und
ansehnlich von gestalt war / dass Delbois ihn nicht gnug betrachten kunte. Bei
ihm stunde Ziparis seine gemalin / des Konigs Baleus Xerxes von Assyrien tochter
/ und dann ihr unglückhafter sohn / Aramenes / der andere und lezte Konig in
Syrien. Dieser zoge von neuem aller augen auf sich / und kunte die Königin nicht
umhin / zu seufzen / wann sie dieses Konigs geschicke bedachte: worbei sie
gleichsam eine scham blicken liesse / dass ihr haus den untergang dieses edlen
Konigs verursachen müssen.
    Aramena / die dem Dison zur seiten gienge / sagte zu ihm / indem sie diesen
Konig sämtlich betrachteten: Ich finde solche gleichheit zwischen diesem Konig
Aramenes / und einem bilde / das mir mehr als lieb gewesen / dass ich daher ihn
nicht gnug ansehen und betrachten kann. Findet dann meine Aramena (fragte der
schöne Dison /) keine gleichheit / zwischen diesem König und mir? In der warheit
/ (antwortete Aramena / sich etwas bestürzet zeigend) ich muss es gestehen /
werde auch daher / nach unsers Chaldeers profezeiung / meiner gebieterin so viel
fleissiger aufwarten / darzu mich diese erkente gleichheit mehrers antreibet. /
Ich aber / (sagte Dison hinwieder) / muss mich billig beschweren / dass mein
aufwärter bis ietzo meine gestalt so wenig in acht genommen / dass ich es ihme
selber erstlich sagen müssen.
    Wie nun Aramena sich entschuldiget / giengen sie in dergleichen scherzreden
fürter / zu des Nahors viertem sohn / dem Chesed / dessen gemalin Damise von
Ellassar bei ihme / und nach ihr sein sohn Husan /stunde. Haso / des Nahors
fünfter sohn / folgte hiernach / neben seiner gemalin Alrine von Hemath / und
seinen beiden sonen Ezer und Akan. Hierauf kam der Fürst Betuel / der
Stattalterin Tarasile Herr vatter / deme seine gemalin Milca von Chaldea / zur
seiten stunde. Er was als ein schäfer ausgebildet / weil er solche weise zu
leben in Mesopotamien eingefüret. Ihme folgeten seine kinder / als der Fürst
Laban von Mesopotamien / die Fürstin Rebecca von Hebron /und Tarasile die
Stattalterin von Syrien: bei deren ansichtigung ihre verkleidete tochter ganz
erstarrete /und wohl fülete / wie ihr würde bei ansichtigung der lebendigen
mutter zu mut werden. Hierauf kame der Pildas / mit seiner gemalin Soside von
Ninive / und deren sohn Tare / und letzlich der achte sohn des Nahors / der
Jedlaph / mit seiner gemalin Isaure aus Calne / und deren dreien kindern /
Zophar / Rames und Agarena / welche letzere der Casbiane frau mutter war / die
an den Fürsten Tare verheiratet worden. Dieser Agarena / folgeten des Nahors
zwo töchter /die Maecha und Jisca / die Königinnen von Moab und Ammon / mit
ihren beiden Ehgemalen dem Moab und Ammi. Hiernächst kame der dapfere Rehob /
des Moabs sohn / neben seiner gemalin Mesa von Seir /und ferner deren drei
kinder / die Moabite Fürstin von Seir / Kezia Fürstin der Teutschen / und Zipor
der letzere König in Moab.
    Diese Moabite / (sagte die Königin zu der Ahalibama) ist der Fürsten Timna
frau mutter gewesen / von welcher ich weiss / da sie meiner basen nicht kann
unbekant sein. Wie nun Ahalibama bekräftiget / dass ihr diese Fürstin von jugend
auf bekant sei / erwähnte die Königin ferner / wie dass die Timna ihre
herzens-freundin wäre / und ietzo in Damascus sich aufhielte /welche daselbst
bald zu sehen / sie gross verlangen trüge. Ahalibama bezeugete hierauf
gleichmäsige begierde / und giengen sie damit zu den lezten bildnisen / als zu
dem sohn des dapferen Ammons / den Rapha / bei dem seine gemalin Dibone aus
Canaan stunde: und beschlosse die reihe / der ietzige König von Ammon / der
Hanon / der Prinzessin Ammonide Herr vatter. Diese Prinzessin konnte ohne seufzen
ihres H. vattern bildnis nicht anschauen / indem sie ihr dabei fürstellete. Wie
ungnädig derselbige gegen ihr uñ ihrem bruder sich erwiesen. Die Königin von
Ninive /fragte hierauf den Fürsten Elihu / wie der Prinz Mamellus alle diese
bildnise / zu anrichtung dieses saals / bekommen köñen? / das dann sie für eine
so grosse seltenheit hielte / dergleichen sie nie gesehen. Es hat mein vetter
solche zusammengebracht / (gab Elihu zur antwort) wie er noch in Assyrien bei
dem Konig Armatrides sich aufhielte / an welchem hof ein furtreflicher künstler
lebete / der ihme die meisten verfärtiget. Es wird aber E. Maj. in diesen
neben-gemåchern noch andere bildnise finden / die nicht weniger als diese würdig
sind / besehen zu werde.
    Hiemit öffnete Elihu eine tür / durch welche die Königin mit der
Gesellschaft in einen andern saal eintratte: darin funden sie noch zwölf
abbildungen in metall gegossen / die aber an kunst den vorigen nicht
zuvergleichen waren / weswegen man ihnen ein eigenes zimmer verordnet / und
hatte sie auch Mamellus lange nach jenen bekommen. Der erste war / der Konig
Beor von Canaan / der Königin Atis gemal: den die Ahalibama nicht ohne entfärben
anschauen kunte: Obal der König von Elam / und Tyras der König von Tyro / die
beiden gemale der Konigin Delbois von Tyro / folgeten hiernach; ferner der Ana /
der Ahalibama herr vatter; darauf kamen die Jetura von Sidon / und Agar von
Ninive / des Hus und Baracheels gemalinnen; alsdenn die Königin Philistina / des
Aramenes erste gemalin / die von der Konigin mit sonderbarer aufmerkung
betrachtet wurde / weil sie dieselbe einer person änlich fand / welche sie sehr
liebete. Der Isaac / der Rebecca gemal / folgete hiernächst / und dann der Seir
/ der vatter der Timna. Der teutsche Fürst Trebetes / und seine schwester
Aurinia / die sich mit der Kezia und dem Zipor verheiratet / beschlossen / neben
der Berinde / Prinzessin von Sidon / des Königs von Ammon gemalin / und frau
Mutter der Prinzessin Ammonide / die reihe von diesem bildnisen.
    Sie giengen hierauf fürter in das dritte gemach /alda fanden sie drei und
zwanzig kinder von weissem marmor auf Agat-seulen stehen: unter denen die
vierzehen knaben kleine helme / die neun mägdlein aber blumen-kränze / auf den
häubtern hatten. Diese kinder waren alle so vollkommen schön / dass die anwesende
allerseits ganz verblendet wurden. Weil ihre namen in den fus-gesimsen
eingehauen waren / als lase die Delbois / erstlich Baleus Prinz von Assyrien /
alsdann ihren eigenen namen Delbois / Erbprinzessin von Ninive / ferner Amraphel
Prinz von Elam / Lantine Prinzessin von Elam / Tiribaces Prinz von Tyro / und
dann Hemor Prinz von Canaan. Diese sechse stunden zusammen / alle kindeskinder
des Konigs Armatrides von Assyrien.
    Etwas weiter von dar / lase die Königin den siebenden namen / welches war
der Sinear Prinz von Chaldea / dem folgte Aramena / Prinzessin von Chaldea. Bei
deren ansichtigung / erinnerte sich die Königin dieser tochter des Stattalters
/ und fragte die Ahalibama / wie es dieser Prinzessin wohl / bei ietziger ihrer
flucht / die ihr Casbiane erzehlt / ergehen werde? die dann sich mit ihrer
unwissenheit entschuldigte / dabei aber wünschete / dass sie ihren gerechten
zweck erreichen möchte. Hierauf folgte der Ahalibama bildnis /als das neunte:
dessen namen die Königin eher als die andern gelesen / und begehrte / Ahalibama
sollte ihr urteil sagen / wie ihr dieses bild gefiele? Diese / nicht so bald
nachdenkend / dass alda sie selbst die reihe treffen möchte / gabe diesem bild
ein grosses Lob /wegen seiner schönheit; wordurch sie verursachte /dass die
Königin lächlend sagte: Die schöne Ahalibama hat wohl geurteilet / massen sie
auch eines solchen lobes würdig ist. Ahalibama wurde hierauf / wie sie hörete /
dass es ihr eigenes bildnis war / ganz beschåmet / und sagte: Man könnte hieraus
sehen / wie ein übels urteil sie gefållet / und wie wie wenig sie sich hierauf
verstünde; welches ihr aber so wohl von der Konigin / als von der ganzen
gesellschaft / widerstritten wurde.
    Das zehende bildnis ware nun / der Fürst Dison von Seir / ihr bruder: nach
welchem / etwas abgesondert / gelesen wurden / Nahor Fürst von Haran / sein
bruder Betuel / auch Lea und Rahel / ihre schwestern / alle kinder des Fürsten
Labans von Haran. Das fünfzehende / war Elihu Fürst von Ram / und das folgende
Aramenes Prinz von Syrien: welches die Königin so holdselig befunde / dass sie
sich selbiges zu küssen nicht einbrechen kunte. Die zwei folgende waren der Esau
und Jacob / welchen nachkame die Fürstin Casbiane. Das zwanzigste ware der Prinz
Daces aus Teutschland / deme folgten die Timna / Fürstin von Seir / der Prinz
Baalis von Ammon / und die Ammonide seine schwester / durch welche diese zahl
beschlossen wurde.
    Ich muss wohl bekennen / (hube die Königin hierauf an zu reden) dass aller
dieser kinder zusamen gebrachte abbildungen so frömd und sonderlich sind / dass
meine vorige verwunderung aufhöret / nun ich diese gesehen. Und wie ware es imer
müglich / die vergangene welt also in eine Kammer zusammen zu bringen? Weil der
Stattalter von Syrien viel gereiset /(gabe Elihu zur antwort /) und von jugend
auf beliebung zu besonderen dingen getragen / als hat sein fleiss wohl hierzu
gelangen köñen / dass er nach und nach zusammen gebracht / was nun auf einmal
anzusehen so verwunderlich ist. E. Maj. werden noch mehr seltenheiten in diesem
hause finden / wann sie sich die mühe antun wollen / den völligen bau / und
sonderlich den garten / zu besehen. Die Königin / weil die grosse hitze nicht
vergönnte / bei tag viel aus und in die luft zu kommen / beschlosse / solches
gegen abend vorzunemen / und begab sich wieder in ihr zimmer.
    Nachdem sie daselbst die malzeit verrichtet / und die meiste gesellschaft
sich hinweg begeben hatte /legte sie sich auf ein ruhe-bette etwas nieder / und
bate die Ahalibama / wann es ihr nicht zuwider wäre /ihr eigentlich und
ümständlich / ihre begebenheiten in Canaan / zu erzålen: dass dann diese
Prinzessin / als welche nichts lieber täte / als immer von ihrem Elieser zu
reden / mit vergnügen verrichtete / und der Königin alles getreulich fürbrachte
/ was ihr zeit ihres lebens begegnet. Die Konigin wurde hierdurch nicht allein
zu grossem mitleiden beweget / weil des Eliesers gutes gerüchte / so er im
Medischen krieg erlanget /ihr ohndas kund ware / sondern sie schopfte dabei auch
eine sonderbare hochhaltung für der Ahalibama person: also dass / von der zeit an
/ die schone Delbois diese Prinzessin in ihre geheimste freundschaft mit aufname
/ und als eine schwester liebete. Sie machete ihr aber wohl zu nutz das jenige /
was der sterbende Elieser der Ahalibama vorgesaget / dass sie nämlich der
Colidiane Gott verehren solle: wesshalben sie anfienge / ihr denselben zu kennen
zu geben. Weil aber eine solche bekehrung nicht auf einmal geschehen konnte / als
war die Königin schon zu frieden / dass sie nur der Ahalibama gemüt bereitwillig
fand / dergleichen begierig anzuhören: ob gleich / durch allerhand
zusammengesuchte grunde / sie ihre irrige Meinung zu verfechten vermeinte. Es
hatte aber Ahalibama sich wohl in acht genommen / nichts von der Aramena in
erzehlung ihrer flucht zugedenken / dass der geringste argwahn deshalben bei
ihrer schonen zuhörerin nicht entstehen können.
    Mitlerweil Ahalibama also ihre zeit bei der Ninivitischen Königin zubrachte
/ hatte ihr vetter Dison in gesellschaft der Aramena den nachmittag zur
vergnügung verwendet. Dann je mehr diese verkleidete Prinzessin mit der andern
Aramena ümgienge / je mehr entfunde sie in sich eine liebe zu dieser jungfrauen:
dannenhero sie öfters in ihrem herzen wünschete / dass diese Aramena mit ihr
einerlei sinn haben / und ihr eine gefärtin in der Diana tempel nach Ninive
geben mochte. Sie dorfte aber diesen wunsch ihr öffentlich nicht entdecken / üm
nicht auser den schranken des fürstellenden Disons zu schreiten. Nachdem der
abend herangekommen / und Aramena zu ihrer aufwartung wieder nach der Königin
gehen wollte / ward sie von dem schöne Dison anfänglich dahin begleitet. Als aber
ihnen im hingehen der Elihu begegnete / dessen gegenwart der Dison meidete: bate
er die Aramena üm vergebung / dass er sie nicht weiter geleitete / und mengte
sich damit unter die andern / wo er sah / dass Brianes / Zimenes und Tirzis sich
befunden / als mit denen allein er meist seine zeit hinbrachte. Er wollte darüm
auch nicht der gesellschaft folgen / wie die ingesamt nach dem Garten giengen:
dahin / aus ihrem gemach / die Königin mit der Ahalibama und den andern sich
bereits begeben hatte.
    Dieser Lustgarte war so herrlich angeleget / dass an spazirgängen /
wasserkünsten / stattlichen früchten und kunstreichen gebäuden kein mangel ware.
Er lage auf der eine seiten an dem schiffreichen Pharphar; gegen über aber /
stiesse der berg Libanon daran. Dieser war stuffenweis ausgehauen / und
unterschiede den garten in viel teile: deren jeder zwei mann höher war als der
andere / also dass man von oben / gleich als in ein tiefes tal hinab / den
ganzen garten überschauen konnte. Dieser abteilungen waren zwölfe / und ein jeder
teil oder platz so weit und gross / dass er einen eigenen garten machete. Zu aller
öberst war ein Cedernwald / in ordentliche spazirgänge geschichtet /dass man
aller orten durchhin und weit üm sich sehen kunte. Auf der ersten folgenden
abteilung / war ein ebener grüner anger zu sehen; die nächstfolgende /war mit
Citronenbäumen besetzet; die dritte / gleich dem ersten / ganz eben und ledig;
die vierte / mit Pomeranzenbäumen bepflanzet; die fünfte / wiederüm ledig; und
die sechste mit den frömdesten blumgewächsen bezieret / darzwischen
unterschiedliche herrliche springbrunnen sich sehen liessen. Die siebende
abteilung / war mit weinreben besetzet; die achte /hinwiederum ein mit grass
bewachsener platz; und die neunte / ein wald von granat-bäumen. Die zehende
/hatte einen grossen teich in der mitten / in welchem allerhand seltene fische
und wasservögel sich sehen liessen. In der eilften abteilung erzeigten sich
wieder viel blumen-gewåchse in grossen töpfen / dazwischen künstlich-gegossene
metallene bilder stunden. Die zwölfte und lezte / die gar zu unterst an dem fluss
lage / dienete an statt eines hafens / da zuvörderst ein von marmor ausgesetzeter
spazirgang war / und an dem strande viel lustschiffe lagen.
    Das wonhaus / war an der einen seite dieses gartens angebauet / also / dass
man aus den obersten gemächern / oder von dem dache des hauses / auf den fünften
/ aus den mittleren gemächern auf den achten /und unten vom schlosshofe auf den
zwolften platz kommen kunte. Elihu / der die Königin fürete / zeigete ihr alle
diese seltenheiten mit sonderbarer ämsigkeit / und unterhielte sie mit allerhand
gespråchen / also dass ihr bei ihme die zeit ganz kurz wurde.
    Wie sie nun alle in den vielen gängen sich verteileten / suchete Ahalibama
gelegenheit / zu der Aramena allein zukommen / und sich mit derselben bässer
bekant zumachen. Nachdem sie hierzu gelanget / sagte sie zu derselben: Ich habe
bisher vergebens mich bemühet / die Aramena zusprechen; schätze also diesen
abend glücklich / der solchen meinen wunsch erfüllet. Hiemit nam sie die Aramena
bei der hand; welche /als sie ümhergesehen / ob auch jemand ihnen so nahe / der
ihre wort hören / oder ihre gebården sehen könnte / und ganz weit von aller
gesellschaft sich entfernet befande / der Ahalibama unvermutlich üm den hals
fiele / mit diesen worten: Wie / meine schwester! kennet ihr nicht mehr euren
bruder Dison? Ahalibama wurde über diesen worten so erschrocken / dass sie ganz
sprachloss bliebe / und unbeweglich diese Aramena betrachtete. Verwundert euch
nur nach genügen / liebste schwester! (fuhre Aramena fort /) euren armen bruder
/ in einer seinem geschlechte so übel anståndiger kleidung zu sehen! dann ich
euch hierüm nicht verdenken kann / massen ihr dessen mehr als zu viel ursach
findet.
    Ach Dison! (finge Ahalibama hierauf an /) seit ihr es / mein bruder! Ach
weh! wie finden wir einander also wieder? Ihr sehet mich in traur-kleidern /
wegen meines Eliesers tod; und ich finde euch in einer solchen gestalt / die mir
mehr als zu viel euren unruhigen lebensstand anzeiget. Ach Ahalibama!
(antwortete der verkleidete Dison /) ihr saget wohl wahr / unser beider ruhe ist
sehr veråndert / seit dass wir von einander gewesen. Doch danke ich dem himmel /
der euch mir wiedergibet / und nach so langer entsessenheit uns wieder
zusammenbringet. Wie ist es aber möglich /(finge die bestürzte Ahalibama wieder
an /) dass ich in dieser gestalt den Dison sehe? Es ist hier nicht zeit
/(antwortete Dison /) euch hiervon zu erzählen / welcher gestalt ich bin Aramena
worden. Ich will aber morgen suchen / allein zu euch zu kommen: da ihr alle meine
abenteur erfahren sollet / die mir begegnet /seit dass wir einander verloren
haben.
    Nachdem nun Ahalibama mit ihrem bruder abgeredet / wie sie den folgenden
morgen allein wollten zusammen kommen / wurden sie an fernerer unterredung
gehintert / weil die andern herzu / und ihnen nåher kamen: da sie der Konigin
leute sagen höreten / wie dass der Stattalter von Syrien / der Prinz Mamellus
/angekommen / und allbereit in dem garten sich befinde. Ahalibama / ihrer mutter
brudern mit zuentfangen / ginge mit den andern nach der Königin / die eben auch
im werk begriffen war / dem Mamellus entgegen zugehen / wie sie ihn / von vielen
seiner bedienten begleitet / auf sich zukommen sah. Er machte gleich seine
grosse entschuldigung / dass er / als wirt / der Königin nicht eher aufgewartet:
und als er / mit wenig worten / die glückwünschung / wegen ihrer ankunft in
Syrien / abgeleget / grüssete er auch die Prinzessinnen / und nam darauf die
Königin bei der hand / welche er in eine läube fürete. Nachdem er sich alda bei
ihr allein sah / weil aus ehrerbietung alle die andern brausen blieben / redete
er sie also an: Die ursach / grosse Konigin! dass ich nicht / wie ich billig tun
sollen /meine gebür eher abgeleget / E. Maj. in meinem hause zubedienen / ist
diese / dass wir die unverhofte betrübte zeitung von dem tode des Konigs Amraphel
von Elam erfahren: welcher die Königin von Tyro / seine frau mutter / und die
Lantine seine schwester / als nunmehr Königin von Elam / in grosses leidwesen
/und in so unschlüssige verwirrung gesetzet / dass sie mich unmüglich eher konten
von sich lassen / weil sie meines einratens sich bedieneten. Jetzund aber / da
sie sich ein wenig wieder gefasset / lassen sie beiderseits E. Maj. ihren
dienstlichen gruss vermelden / und sie versichern / dass die grosse traurigkeit /
darein sie der himmel gesetzet / ihnen nicht wehren soll / E. Maj.
höchstverlangter ankunft dennoch mit freuden zugeniessen: und werde ich meines
teils E. Maj. befehl erwarten / wann Damascus so glücklich werden soll / die
schöne Konigin von Ninive zu bewirten.
    Ich verneme mit nicht geringer betrübnis / (gabe hierauf die Königin zur
antwort /) den tod meines vettern; und wie mir nahe zu herzen geht / was billig
dieses verlustes halber beide Königinnen entfinden /also werde ich verlangen
tragen / ihnen aufzuwarten /und nach meinem vermögen mit trost beizuwohnen.
Mamellus gabe zwar hierauf ferner der Königin zu verstehen / was massen des
Königs Belochus von Assyrien / ihres herrn vattern / ausdruckliches begehren sei
/ dass sie mit dem ersinlichsten pracht und pomp in Damascus sollte eingeholet
werden. Weil aber nun /wegen der zwischen-gekomenen traur / solche
freud-bezeugungen nicht eher / als wann die traur-täge geendet wären / sich
wollten tun lassen: als bemühete er sich / die Königin dahin zu bereden / dass
sie noch vierzehen tage in seinem lustause verbleiben mochte /da die klag-tage
zu ende sein würden. Die Königin bewilligte solches / als sie des Mamellus ernst
sah: meist durch diese ursache dazu bewogen / dass sie auch inzwischen / als
eine nahe bluts-verwandtin des verstorbenen Königs / die gebräuchliche klag-zeit
halten konnte.
    Sie wollte auch nun / nach erhaltener dieser betrübten post / von andern
dingen ferners mit dem Mamellus nichts reden / sondern brache gleich die
spazirlust ab / und liesse sich von ihm in ihr gemach begleiten: alda er die
Ahalibama erst recht ansprache / und sie wilkommen hiesse / mehrere unterredung
mit ihr / bis auf folgenden tag verschiebend. Als aber des edlen Königs von Elam
tod überall ruchtbar worden / entstunde eine allgemeine traurigkeit: massen
dieses herrn lobwürdige tugenden so weltkündig waren / dass auch diejenigen / so
ihn nie gesehen / ihn beklagen mussten.
    Sobald nun Ahalibama in ihrem zimmer sich allein befande / gesellete sich
ihr vetter Dison zu ihr / üm zuvernemen / ob der Mamellus nicht üm seine tochter
sie befraget hätte: worbei dann diese verkleidete Prinzessin grosse angst
blicken liesse / verrahten zu werden. Ahalibama aber sprache ihr einen muht ein
/ und versicherte sie / bei morgender ansprache ihres herrn vettern /
demselbigen also zu antworten / dass er /ihres hierseins wegen / keinen argwahn
sollte schopfen konnen. Hierauf nam der schöne Dison ihme für /nicht viel aus dem
zimmer zu kommen / so lang sie auf diesem lustause verbleiben würden: damit
keiner von ihres vettern bedienten sie ongefär erkennen möchte. Es sagte aber
Ahalibama dieser verkleideten Aramena nichtes / von ihrem erkannten bruder / und
nachdem sie sich zur ruhe begeben / stellete sie diese seltsame begebenheit
ihren gemüte vor / und kunte sich nicht gnug über der götter schickung
verwundern / dass Aramena Dison / Dison aber Aramena werden müssen. Ihr verlangen
nun / diesen geliebten bruder /folgenden morgens zu sprechen / und von ihme die
ursach seiner verkleidung zu vernemen / triebe sie / sobald es wieder tag worden
/ aus dem bette.
    Sie war kaum angekleidet / da sah sie diese Aramena zu ihr in die kammer
treten. Als sie demnach der Astale geboten / niemand zu ihr zu lassen / und sie
sich zusammen verschlossen hatten / sagte der verkleidete Dison zu ihr: Ich kann
mir / liebste schwester! leicht einbilden / wie gross euer verlangen sei / dieser
unglückseligen Aramena lebens-geschichte anzuhören. Ich komme demnach jetzund /
euch hierinn zu vergnügen / weil wir diese morgenstunde ungehintert dazu
anwenden können. Wie nun Ahalibama ihre grosse begierde hiernach nochmals
bezeuget / setzeten sie sich zusammen nieder / und finge der verkleidete Fürst
von Seir also an zu erzählen.
                          Des Disons Lebens-begegnise.
Nach dem tage / als wir / an statt eurer hochzeitfeier beizuwohnen / von den
Arabern überfallen worden /und ich das unglück hatte / ihr gefangener zu werden
/habe ich so viel veränderungen des menschlichen glückwesens erfahren müssen /
dass ich wohl sagen kann / ich habe von der zeit an erst recht angefangen zu leben
/ und die welt eigentlich erlernet: dass ich vorher in der beständigen ruhe / die
ich in unsers vatters hause auf dem gebirge Seir genossen / beides von ungemach
uñ grosser vergnügung wenig zu sage wusste. Das stille wesen sezte mich in ein
faules leben / das dann mit solchem verdruss von mir angesehen würde /dass ich
fast mehr erfreuet als betrübet ware / als mich ein so frömder zufall aus dem
zwang hause meines vatters hinwegbrachte: in welchem ich / wie ihr wisset / von
unsern eltern / als ein einiger sohn / aus gar zu grosser sorgfalt und liebe /
all zu zart und eingezogen gehalten wurde.
    Die schleunige veränderung / indem ich aus einem herrn ein slav worden / und
aus einem ruhigen leben in die höchste unruhe so plötzlich gerahten / wollte mir
zwar anfangs etwas fromd fürkommen. Weil aber das Glück mich zu einem herrn
gebracht / der noch etwas menschliches unter seinem wilden rauber-leben
herfurblicken liesse / als hatte ich nicht so gar böse sache bei ihme / sondern
wurde / in betrachtung meiner jugend / zimlich wohl von ihme gehalten. Die
freiheit / mit ihme zu jagen / und (nicht / als andere slaven / in kerten
geschlossen /) ståts üm ihn zu sein /verursachete dass ich mit meinem zustande
noch etwas zufrieden ware. Ich reisete mit meinem herrn / der sich Save nennte /
ein halbes jahr lang also in dem wüsten Arabien ümher / und wie ich / in solcher
zeit / seines gemütes / welches / wie gesagt / so gar böse nicht war / meister
worden / brachte ich ihn allmålich von seinem wilden leben ab: so gar / dass ich
ihn endlich dahin überredete / vielmehr durch den krieg / als durch solches
schändliches rauben / seinem leben aufentalt zu suchen. Wie er dann / auf
meinen antrieb /seine rauber-gesellschaft / ehe sie dessen sich versahn /
verliesse / und unter dem König Arieus von Arabien kriegsdienste anname: der
eben damals mit denen von Saba und Hevila / und mit den Fürsten Nebajot / sich
waffnete / Egypten anzugreifen / alda man den König Scheba von Cus / ihren
bunds-verwandten / gefangen bekommen.
    Der dapfere Prinz Mardocentes / des Königs Arieus sohn / war unser general:
unter deme dann die waffen zu füren / so nützlich als ehrlich ware. Weil in der
musterung / dieser Prinz an mir etwas fand / so ihm gefallen konnte / als wollte
er mich bei sich haben: das dann der Save geschehen liesse / und mir dieses
Glück nicht misgönnete / ob er wohl das recht der herrschaft über mich behaupten
/ und mich als seinen slaven behalten können. Ich erwiese ihm aber hiergegen
meine erkentlichkeit / indem ich ihn / nicht lang hernach /bei dem Prinzen wohl
anbrachte: der ihm / auf meine fürbitte / einen ansehnlichen dienst unter den
kriegsvölkern gabe / dadurch er nachmals sein beständiges Glück bauete. Bei
solcher bewandnis / hätte ich /durch entdeckung meines names und standes /
leichtlich nach Seir zu meinen eltern wieder gelangen können. Die erinnerung
aber / dass mein herr vatter in niemals in den krieg erlauben wollen / worzu ich
doch in mir grosse zuneigung befunden / verursachete / dass ich mich nicht kundt
gabe / sondern bei dem Prinzen Mardocentes verbliebe. Unter diesem dapfern
Helden nun / ginge der zug nach Egypten. Wie wir aber auf die gränze kamen /
wurde unvermutlich friede / welchen der König von Egypten durch losslassung des
Königs von Cus erlangte / von dem er auch / in allen seinen gehabten forderungen
/ gutes vergnügen entfangen. Also mussten wir / unverrichter sachen / unsern
rückweg nach Arabien nemen.
    Niemanden war dieser getroffene friede unangenemer / als uns jungen leuten /
die wir die fortsetzung des krieges lieber hätten sehen mögen. Mardocentes unser
fürer / kunte die auserlesene manschaft nicht also ohne verrichtung von sich
lassen: überredete demnach seinen herr vattern den Arieus / dass er sein volk der
Königin von Saba / der Petasiride / zu hülf schickete / welche mit etlichen
ihren untertanen / die in dem gebirge über dem fluss Arnus wohnen / streit
bekommen hatte. Ganz Saba freuete sich unserer ankunft / und die schöne
Petasiride nam uns so willig auf / dass sie keine ehrbezeigung unterliesse / ihre
vergnügung uns zu verstehen zu geben.
    Der Prinz Mardocentes wurde / gleich nach seiner ankunft / zur königlichen
verhor gefüret / da ich / als der ich mit unter des Prinzen bedienten mich
befunde / diese schöne Königin sah / welche / so wohl von der natur / als mit
unerschåtzlichem schmuck der edelsteine / dermassen geziert erschiene / dass man
ihren glanz bewundern musste. Sie wehlte mich gleich unter dem ganzen haufen aus
/ und sah mich mit unverwandten augen an / so gar / dass alles / was sie mit dem
Prinzen redte und täte / sie niemals hintern konnte / mich dabei stäts in den
augen zubehalten. Nach abgelegter dieser ersten besuchung / wurde der Prinz in
ein köstlich-ausgeschmücktes gemach gefüret / dahin alle kriegs-rähte zu ihm
kamen / sich mit ihme wegen des fürhabenden krieges zuberahten.
    Als er nun abends allein war / und niemand als mich üm sich sah / als der
ich unter seine vertrautesten gerechnet wurde / offenbarete er mir sein anligen
/ wiedass nämlich die schönheit der Petasiride ihn ganz eingenommen hätte / und
er ohne diese Königin nicht leben konnte. Ich sprache ihm hierauf allen trost ein
/ den die verliebte gern horen: wie ich nämlich nicht zweifelte / dass die
Königin seine liebe wohl aufnemen würde / in betrachtung so wohl seiner person
/als auch der dienste / die er aniezt ihr leisten könnte. Er ward hierüber ganz
wolgemut: und weil ich ihm so gelinde pflaster auf seine wunden legte / als
wolle er sonst keinen vertrauten in seiner liebe haben: da ich doch / als in
dergleichen sachen ganz unwissend /ihme wenig raht erteilen kunte.
    Es wurde aber beschlossen / dass wir dem feinde über den fluss entgegen gehen
/ und ihnen nicht zeit lassen sollten / zu uns herüber zu komen. Weil der Prinz
einen erfahrnen mutigen kriegsmann vor sich hatte / indem Nabonnadus / einer von
den fürnemsten des reichs / des gegenteils feldherr war: als wandte er allen
fleiss an / in diesem krieg ehre einzulegen / und dadurch seiner Konigin sich
gefållig zu machen. Dieser Nabonnadus liebte die Königin / und hatte eben darüm
/ weil sie seiner liebes-ansuchung kein gehör geben wollen / diesen aufstand
erwecket: mit dem vorsatz / entweder sich zu rächen / oder durch gewalt die
Königin zu seinem willen zu bringen.
    Weil aber etliche wochen hinliefen / ehe wir mit den völkern in das feld
giengen / als sahen wir die Königin täglich: wordurch der edle Mardocentes je
mehr und mehr eingenomen / hingegen die Königin /durch schickung des himmels
gereget wurde / eine gnade auf mich zu werfen / die einer liebe sehr ånlich
ware. Sie ergriffe alle ersinliche gelegenheit / mit mir zu reden: und weil zeit
und umstände solches wenig leiden wollten / indem ich / wegen meines verheelten
standes und damaliger kriegs-unerfarenhrit / in keinen raht mitgezogen wurde /
so erdachte sie ein anders mittel / mich oft bei ihr zu sehen / indem sie ohn
unterlass durch mich den Prinzen ein- und anders sagen liesse / dass ich also in
der tat das genosse / was Mardocentes so herzlich verlangete.
    Wie nun der tag unsers aufbruchs erschienen / begabe sich die Königin selbst
mit auf den platz / wo das heer zum abzug färtig stunde. Sie hatte einen
feldobristen / der ihre Sabeer fürete / namens Parannus: und blieben wir mit
unserem haufen / als die hulfvölker / unter dem befehl des Prinzen Mardocentes /
von ihnen abgesondert. Sie name endlich von einen jeden persönlich abschied /
und als sie zu mir kame / liesse sie eine sonderbare traurigkeit blicken /und
sagte zu mir: Wann ihr für mein wolergehen streiten wollet / so sehet / dass ihr
euer leben nicht zu sehr waget. Solches sagend / errötete sie etwas / und gienge
damit von mir / zu andern. Als wir hier auf fortzogen / bliebe diese grosse
Königin so unruhig zu rück / als verliebt der edle Mardocentes von ihr schiede.
Ich für meine person trachtete nach nichts / als in diesem krieg etwas zu lernen
/ und dann folgends dem Prinzen in seiner liebe zu dienen. Er hatte nichts von
der Königin unruhe gemerket / wiewol sonst die verliebten alles zu erspüren
pflegen: und ware auch ich nicht der jenige / der ihme hiervon etwas entdecken
wollen / zumal ich mich selbst noch beredete / dass es nur einbildungen gewesen.
    Wir setzeten nun glücklich über den fluss hinüber: da dann der feind / als er
unsere Entschliessung und heers-macht sahen / zurück wiche / also dass wir ihn zu
keiner schlacht bringen kunten. Weil er in den klippen / darin er sich
verschanzet / einen grossen vorteil für uns hatte / als wärete es zimlich lang /
ehe was hauptsächliches fürgienge: bis endlich der dapfere Mardocentes ein
berg-schloss eroberte / von dar aus nachgehends dem feinde mehr zu schaffen
gemachet worden. Alles nun / was hierbei fürliefe / berichtete der Prinz der
Königin: die / sich dann gar höflich für seinen fleis bedankte / endlich aber in
einem ihrer antwortschreiben bate / dass er sich ferner nicht bemühen möchte /
ihr selber alles zu berichten / weil sie leicht erachten könnte / dass er / als
ein feld-obrister / mit geschäften überflüssig beladen wåre / und könnte ihr wohl
/ was fürliefe / von dem Dison zugeschrieben werden. Vernemet ihr wohl / (sagte
der verliebte Prinz / als er mir der Königin brief fürgelesen /) was euch für
ein amt ausgetragen wird? Petasiride will / ihr sollet ihr unsern zustand
berichten. So schreibet ihr dann / mein Dison! dass ich / mit der keuschesten und
zugleich häftigsten liebe / ihr ergebener bin / und dass Mardocentes nicht / als
allein für seine Petasiride / lebet.
    Gleich wie ihn dieses seine inbrünstige liebe reden machte / also eräugete
sich auch nich lang darnach eine gelegenheit / dass ich so wohl der Königin befehl
/als sein begehren / erfüllen konnte: Dann Nabonnadus unversehens einen einfall
in unser lager täte / mit so glücklichen erfolg für die seinigen / dass wir
einen grossen verlust / ohne die unbeschreibliche dapferkeit des Mardocentes /
erlitten hätten. Dieser küne held nun täte dissmal sein äuserstes / und wie er
sich gar zu viel wagete / hatte ich zwar das Glück / ihme mehr als einmal das
leben zu retten: seine vielfältige verwundungen aber konnte ich nicht verhintern
/ welche verursachten / dass er etliche wochen musste des bettes hüten; da dann
seine wolneigung mir sich so weit an den tag gabe / dass ich inzwischen sein amt
übernemen und unsern völkern befehlen musste. Mein Glück wollte / dass ich dieses
amt mit gutem fortgang verwaltete / und dem feinde / nach diesem erlangten sieg
/ etliche erhebliche Niderlagen hinwiederum zufügete /die uns zu grossem vorteil
gereicheten. Weil nun Mardocentes nicht schreiben kunte / musste ich solches an
die Petasiride berichten: da ihr euch dann leichtlich einbilden konnet / wie wohl
ein solches von der Königin aufgenomen worden / die mir die verbindlichsten
antworten zurück schriebe / und darin allein meine geringe taten erhube / also
dass sie fast des Mardocentes mit keinem wort gedachte.
    Seine freundschaft zu mir / machte ihn dieses nicht beeifern: massen er mir
selber auch mehr zumasse /als mir kunte zukommen. Wie es sich nun mit seiner
båsserung etwas verzogen / und die schwachheit mehr zu- als abname / reitzete
ihn seine häftige liebe / dass er von mir begehrte / ich sollte der Konigin seinen
rechten zustand entdecken / und seine liebe offenbaren: damit er / wann er ja
sterben sollte / zuvor erfüre /wie seine Petasiride seine liebe aufgenommen
hätte. Ich verrichtete dieses mit furcht und sorgen / weil ich wohl vermuten
konnte / dass der Prinz / durch der Königin antwort / die zufriedenheit / die er
verlangete /nicht erlangen würde. Inzwischen / da es sich etliche wochen mit der
antwort verzoge / kame es zu einem haupt-treffen mit dem feinde: da es ein so
blutiges gefechte gabe / dass Parañus / der Sabeer feldherr selbst bliebe /
Nabonnadus aber mit allen den seinigen in die flucht gejaget wurde.
    Wie ich nun / drei tage nach diesem erhaltenen sieg / zu dem Mardocentes
wiederkame / funde ich denselben in so betrübtem zustande / dass er ihm fast
nicht mehr ånlich sah. Ach Dison! (sprache er / mich ersehend /) der verwegene
Mardocentes muss sterben. Hiermit übberreichte er mir ein schreiben von der
Königin / dass in wärender meiner abwesenheit an mich gekommen / und er erbrochen
hatte / welches dann ongefär also lautete:
    Petasiride ist nicht gewonet zu nemen / sondern zu geben; und gleichwie sie
eine freie Konigin ist / also wird sie ihr auch nichtes für schreiben lassen /
sondern in ihrer wahl frei verfahren. Die dienste / so man ihr erzeiget / können
sie zu keiner dienerin machen: und wie iezt Nabonnadus wegen seiner
vermessenheit ihren hass und rache entfindet / also sollen andere solchen auch
fülen / wann sie vergessen / wer Petasiride ist.
    Ich wollte ihm hierauf trost einsprechen / dass nämlich die zeit der konigin
gemüt ändern konnte: er aber wollte nichtes annemen / und verschlimmerte sich
hierdurch seine krankheit dermassen / dass wir nichtes als seinen tod für augen
sahen. Acht tage hierauf / bekamen wir post von hofe / die also lautete:
Petasiride liesse dem Prinzen danken für seine geleistete hülfe /und gäbe damit
ihm und seinen völkern erlassung /weil ihre feinde nunmehr so gedämpfet / dass /
was noch übrig / sie durch ihre eigene macht wohl vertilgen wollte. Hierbei
begehrte sie an mich / ich sollte die stelle des gebliebenen Parannus über mich
nemen /und ihre völker füren. Der betrübte Prinz bliebe / auf diese erlassung /
mehr todt als lebendig. Und als ich das aufgetragene amt ganz nicht annemen
wollte / weil ich den Prinzen nicht verlassen kunte: zwunge mich Mardocentes
selber dazu / einwendend / dass ihme dieses noch einig und allein sein leben
erhalten würde / wann er mich bei seiner Petasiride wüste; in hoffnung / meine
beredungen / wann ich mich ihres gemütes bemächtigt / würden ihme viel nützen /
dass er endlich seinen zweck erreichen könnte. Ob ich nun wohl hiervon ganz das
widerspiel vermutete / musste ich dannoch dem verliebten Prinzen nachgeben / und
ihn verlassen / als er sich krank liesse nach Arabien wegfüren: dabei er dañ mir
eine abschied-schrift an seine Petasiride hinterliesse / die ich ihr selber in
die hände liefern sollte / welche dann in gebundener Rede also lautete:
Zween kriege machtet ihr / ô Konigin! mich füren:
für euch / den einen hier: den andern / wider euch.
Der erste hat / durch mich / befriedet euer reich.
Im andern / sollte ja mir auch der sieg gebüren:
den euer hartes herz mich ietzund macht verlieren.
Ihr acht mich eurem feind / den ich verjaget / gleich.
Mag lieb und treuer dienst euch gar nit machen weich?
muss ich / durch euch / mich gar von euch verwiesen spüren?
Zwar eurer Schön' ich mich gib überwunden gerne.
Geschlagne feinde sonst in haft man bringt ein:
Und ich / darf nicht einmal gefangen bei euch sein.
Ihr schickt mich / grausame! mit fåsseln in die ferne,
Nemt diese ab / wann mir der abschied ist gemacht:
gebt mir die freiheit mit / die ich hieher gebracht.
    Die woltaten / die ich von diesen Prinzen genossen / und meine innerliche
anregung ihn zu lieben /liessen mich / wegen diese von einander-scheidens / ja
so bestürzt und betrübt / als der Mardocentes ware. Ich versprache ihm aber /
nach aller möglichkeit ihme bei der Königin zu dienen / und ihn alles dessen
heimlich wissend zu machen / was in seiner angelegenheit vorgehen würde. Ich
musste nun gen hof kommen / nachdem der Prinz mit den Arabern hinweg ware. Ich
wurde von der Petasiride so wohl entfangen und gehalten / dass / wann ich meinem
freund håtte untreu werden / und diese schöne Konigin lieben wollen / ich mich
vollkommen glücklich hätte sehen können. Weil ich öfters / wegen tragenden
kriegs-amtes /bei der Königin mich allein befunden / als rückte sie mir einsmals
für / dass ich wegen des Mardocentes also an sie hätte schreiben dörfen / da sie
von mir wohl eines andern wåre vermutend gewesen. Ich name hierauf anlass / ihr
dieses Prinzens tugengenden heraus zu preisen / und ihn in seiner liebe
zuvertådigen: worüber sie ganz unwillig wurde / und mir verbote / des Prinzens
ferner gegen ihr zu gedenken. Ich erkunete gleichwol / nach der ursach dieses
hasses zu fragen /weil ich ja an dem Mardocentes keinen einigen tadel wüste /
und alle Sabeer ihn gern zum gemal ihrer Königin haben würden. Wann Mardocentes
/ (antwortete sie mir / und wandte zugleich das gesicht hinweg) den Dison nicht
mit in mein land gebracht hätte / so dörfte er mir vielleicht so unangenem nicht
gewesen sein.
    Hiermit liesse sie mich unerwarteter antwort alleine / und wusste ich nicht /
was ich hierzu sagen / noch wie ich mich hierbei regiren sollte. Ich fand nun
auch nicht ratsam / des Mardocentes schrift der Königin zu überreichen / als
welches ihren zorn noch mehr wurde angefeuret haben. Es verstrichen nach diesem
etliche tage / da ich die Konigin nicht zu sehen bekam: weil sie mich nicht
sprechen wollte / aus scham / dass sie mir ihre neigung solcher massen entdecket
hatte. Endlich an einem morgen bekame ich unvermutlich ihren befehl / mit meinen
untergebenen völkern aufzubrechen / und der neu-anglimmenden unruhe zu steuren
/die sich von dem Nabonnadus wieder spüren liesse: welcher die Nabateer auf
seine seite gezogen hatte /und an den gränzen stunde / vorhabens / entweder die
Konigin zur gemalin zu erlangen / oder den krieg wieder anzuheben. Weil ich
keinen eigentlichen befehl mit bekame / vor meiner abreise der Königin erstlich
aufzuwarten / reisete ich von Saba hinweg / und hatte in diesem andern kriegszug
ja so grosses Glück / als in dem ersten / indem ich den Nabonnadus nochmals
gezwungen / friede zu begehren: weswegen ich im ganzen königreich beliebt wurde.
Ich bekame aber in diesem zug / auser denen gemeinen befehlen / kein schreiben
von der Konigin / ob ich ihr gleich alles /was vorgienge / berichtete. Weil ich
nun solche verspürte kaltsinnigkeit / als ein gutes zeichen für den Mardocentes
/ aufname / als ward ich hierüber erfreuet / in der hoffnung / dass meinem
freunde solches nützen würde.
    Als ich aber eines tags / von wenigen der meinigen begleitet / an dem fluss
Arnus spaziren ritte / sah ich mich unversehens von einer grossen menge reuter
ümgeben / deren fürer gleich auf mich einschluge / und von den seinen grimmig
entsetzet wurde. Meine gegenwehr wäre viel zu gering gewesen / ihren gewalt
abzutreiben / wann nicht / zu unverhofftem Glück / der Prinz Mardocentes dazu
gekommen wäre: welcher mit seiner dapferkeit zu wege brachte / dass ich beim
leben erhalten / und die feinde meist erleget / die übrigen geflüchtet wurden.
Kaum aber hatte ich meinem erlöser gedanket / da rennte noch ein haufe auf uns
zu /und einhällig ruffend / Es lebe der feldherr Dison! wurfen sie sich
ungestümmer weise / ungeacht ich ihnen zuschrie / dass dieser mein erlöser wäre
/) auf den Mardocentes und seine leute: dessen seite ich aber treulich hielte /
dass wir also / wiewol nicht ohne verwundung / endlich davon und in ein baurhaus
entkamen / von dar wir in das lager nach dem wundarzte sandten / üm nach unsern
wunden sehen zu lassen.
    Wie dieser zurücke kam / brachte er den bericht mit / wie dass die Königin
Petasiride im lager wäre: wie dann bald darauf ihrer Cammerherren einer mit der
sanfte ankame / mich abzuholen. So viel frömde begebenheite auf einmal / machten
mich ganz verwirret. Ich wusste nicht / wer die gewesen / die mich also
angefallen? wie Mardocentes dahin gekommen? wer diese wären / so mich wieder
erlösen wollen? und was der Königin ankunft bedeute? Wie aber Mardocentes seiner
Petasiride dasein erfuhre / bate er mich sehr /ihn heimlich zu halten: welches
ich diesem meinem edlen erlöser versprache / und ihn heimlich in das lager
nachfüren liesse. Ich aber begabe mich in die von der Konigin geschickte sånfte
/ und wurde so matt und kraftlos eingebracht / dass ich den abend nicht auser
lebensgefahr geachtet wurde.
    Ich vermute aber wohl / dass ihr / liebste schwester! begierig sein werdet /
zu erfahren / wer diese frömde abenteur verursachet: von der ich euch dann
berichten will / ehe ich fortfahre. Die Königin Patasiride / welche mich mehr /
als ich würdig / liebete / und mich in ihrem herzen vor allen anderen zum gemal
erwehlet /hatte nach dem tage / da sie mir ihre liebe so deutlich zu erkennen
gegeben / mein stillschweigen und kaltsinnigkeit mit nicht geringem verdruss
aufgenommen. Sie hatte vermeint / ich würde / nach dieser offenbarung / die
sache weiter getrieben und mein Glück verfolget haben: so musste sie erfahren /
wie ich dieses Glück wenig erkennete / und in kaltsinniger ruhe mein leben
hinbrachte; massen sie bei meiner person stäts jemand hatte / der alles mein
tun und lassen beobachten und ihr berichten musste. Weil nun auch grossmut / und
nicht allein liebe / in ihr herrschete / als wurde sie nicht wenig erzürnet /
mich einen solchen zu finden. Und weil sie vorher noch niemal ihre liebe zu
einigem menschen gesetzet / gienge es ihr desto riefer zu herzen / dass ihre wahl
also unglücklich auf einen unerkentlichen hinausgeschlagen. Also lebte sie in
der grösten marter / und durch Calinde ihre vertrauteste kamerjungfrau
angefrischet / (die mir mein Glück nicht gönte / weil ich ihrem bruder in der
feldherrn-stelle fürgezogen worden) entschlosse sie sich endlich / mich
niedermachen zu lassen: damit ich mich dessen nicht berümen künte / dass mich
eine so grosse Konigin geliebt.
    Der Calinde brudern / dem Mela / wurde dieser befehl heimlich zugeschicket /
und ihme ein gewisser tag benennet / da er es sollte werkstellig machen. Kaum aber
war dieser befehl fortgeschicket / da wachete die liebe in der Königin gemüte
wieder auf / also dass sie /mich selber entschuldigend / ihren hass und rachgier
fahren liesse / und sich entschlosse / eiligst nach dem lager zu reisen / diesen
meinen tod zuverhintern / und mir zu offenbaren / wie sie gesonnen wåre / mit
gut-befinden ihrer gesamten stände / mich zu ehlichen. Also ware die Königin
eben den tag im lager angekommen / als Mela mich sollte nidermachen: da dann ihr
haubtman von der wacht eiligst befehl bekame /mich zu schützen / auch / damit
niemand erfüre / wer mir dergestalt das leben nemen wollen / alle niederzumachen
/ die er gegen mich würde fechten finden. Dieser haubtman ware es / der mit
seinen kriegsleuten eben dazu kame / wie der Prinz Mardocentes mich von dem Mela
befreit / und denselben niedergestossen hatte: daher er / ihn für den Mela
ansehend / ihme so feindlich begegnet.
    Die Königin kame selbigen abend zu mir in mein gezelt: weil ich aber nicht
in dem zustande war / mit ihr zu reden / als hat sie mich bald wieder verlassen
/wiewol nicht sonder tränen / weil es sich mit mir gar gefärlich anliese. Wie
aber etliche tage verflossen /und die årzte hoffnung gaben / ward sie höchlich
darob erfreuet: und nachdem sie die fürnemsten ihrer stände vor sich fordern
lassen / entdeckete sie ihnen /wie sie entschlossen wäre / ihnen einen Konig zu
geben; da sie dann keinen würdigern wüste / als den feldherrn Dison / dessen
dapferkeit sie nun zum zweitenmal den frieden ihres reiches zu danken hätte /
und wollte sie hoffen / dass ihre wahl ihren untertanen nicht entgegen / sondern
vielmehr angenem sein wurde. Es war keiner unter ihnen / der diesem entschluss
der Petasiride sich widersetzete: dann weil die ehr-eiversucht unter ihnen so
gross war / dass keiner dem andern die kron gönnete / als kunten sie lieber einen
fromden dazu gelangen sehen. Nur allein mein unbekanter stand / wollte ihnen im
wege stehen; welches aber Petasiride ihnen bald bename / indem sie sagte: wie
dass die tugend adele / und sie auf keine andere ümstände in ihrer wahl zu sehen
håtte.
    Dieses alles ginge nicht so geheim zu / dass es der arme verliebte
Mardocentes nicht in seinem gezelt erfahren hätte; der dann / so matt er war /
an einem abend sich heimlich in mein zelt füren liese / und / als er sich auf
mein bette gesetzet / mich lang ansah /ehe er ein wort sprache. Ich / der ich
ebe auch kurz vorher von meinem waffenträger vernommen hatte /was für ein
gerüchte im ganzen lager ginge / dass ich nämlich die Königin heiraten sollte /
ware ja so unruhig in meinem gemüte / als Mardocentes. Also schwiegen wir
beiderseits eine gute weile / bis endlich Mardocentes also anhube zu reden: So
ist dann der /den ich vom slaven zum freien / von einem freien zum feldobersten
/ ja zu meinem vertrautesten in der liebe gemacht / und jetzo sein leben fast
mit verlust des meinigen gerettet habe / mein mitbuler worden? Ach Dison! ist es
müglich / dass ihr eure freundschaft so hintan setzet / und mich stäts in guter
hofnung haltend / dergestalt nun hintergangen habet? Dass euch Petasiride zur
liebe bewegen konnen / wundert mich nicht. Dass ihr aber / bei eurer liebe / die
meinige ståts gebilliget / diss schmerzet mich / und geht mir sehr nahe /dass ich
eurer aufrichtigkeit zuviel getrauet habe.
    Wann ich schon nicht (gabe ich ihm hierauf zur antwort /) dem Prinzen
Mardocentes alles schuldig wäre / wollte ich dennoch dessen heftiger liebe zu gut
halten / was ich mir iezt / eine unaufrichtige freundschaft betreffend / habe
müssen fürrücken lassen. Ich weiss mich aber in keinem schüldig / als dass ich die
liebe der Konigin nicht gleich meinem Prinzen entdecket: massen ich nicht in
abrede sein kann / dass ich die fürlängst an der Königin vermerket. Dass ich aber
dieselbe nicht ernehret / noch befördert / solches weiss der gerechte himmel. Wie
soll ich mich aber hiebei verhalten / wofern das gerücht von der Königin
Entschliessung wahr sein sollte? Ich werde dissfalls in allem des Mardocentes
Meinung folgen / und eher sterben / als meinem woltäter und erlöser zu wider
leben.
    Der verliebte Prinz / mich also reden hörend / fiele mir mit tränen üm den
hals / und als er nachgehends von mir weiläufig erfahren / wie es hiemit die
rechte beschaffenheit håtte / gabe er sich in dem fall / was mich betraffe /
wieder zu frieden. Wann er aber seine Pertasiride / als verliebt in mich / ihm
fürstellete / entfunde er einen harten streit in sich / ob er seinen mitbuler
lieben oder hassen sollte? Wir waren noch in solchem gespräche / als mir
angemeldet wurde / die Konigin kåme / mich zu besuchen. Er wurde / über diesem
bericht / so blass als eine leiche: und weil er keine zeit hatte / aus meinem
zelt zu kommen / als liesse ich ihn hinter den fürhang meines bettes treten; da
er / weil es ohndas zu nachten anfienge / sicher und ungesehen verbleiben konnte.
    Petasiride kame hierauf an / so schon / und dabei so herrlich geschmücket /
als ich sie noch nie gesehen hatte. Man merkete an ihr genugsam die unruhe ihres
gemütes / und als sie sich gesetzet / fienge sie / als sie mich etwas mit
unverwandten augen angesehen / also an zu reden: Edeler Dison! ihr wisset / was
ich und mein ganzes reich euch schüldig sein / nämlich den frieden / und die
freiheit / dass ich mich nicht in der gewalt des frechen Nabonnadus sehen darf.
Damit habt ihr nun eine so grosse vergeltung verdienet / dass / wañ ich etwas
mehrers hätte / als mein reich und meine person / ich es euch geben wollte. So
nemet dann das jenige an / so ich im vermögen habe / euch mitzuteilen / und
schlaget nicht aus den tron von Saba / wann ja Petasiride euch zuwider sein
sollte. Hiermit brache sie ab / mich so holdselig anschauend / dass ich
unbeschreibliche anfechtungen in mir entfunde.
    Grosse Königin! (sagte ich zu ihr) der himmel sei mein zeuge / dass mein gar
zu unverdientes Glück mich bestürzt machet / und mir schon seinen fall
hinwiederum zeigt / den ich mehr als zu wohl verdient /wenn ich nur einmal meine
gedanken biss zu C. Maj. erheben dorfte. Wie sollte diese wundertrefflichkeit ein
unbekanter schlechter Dison besitzen / die der himmel nur für Könige hat lassen
zur welt kommen? Welche ungleichheit findet sich doch / zwischen mir und dem
Prinzen Mardocentes? Warum wählen E. Maj. nicht diesen unvergleichlichen helden
/ der mit so ehrerbietiger liebe E. Maj. anbetet? Wollen E. Maj. meine schlechte
dienste vergelten / so lassen sie mich so bittseelig werden / und tun ihr
selber recht darinnen /dass sie dieses edlen Prinzens liebe erkennen. Und sie
stellen / den armen Dison / nicht dem neide so offentlich zur ziel-scheibe:
massen meine ietzige verwundung zweifelsohne schon von dieser wahl herrüren wird
/ die E. Maj. auf mich geworfen. Dergleichen unfällen würde ich täglich
unterworfen sein: die ich doch nicht ansehen wollte / wann nicht eben so wohl E.
Maj. in gefahr stünden / und wollte ich lieber tausend töde erleiden / als hierzu
die geringste ursache geben.
    Ach Dison! (sagte sie hinwieder) wann ihr mich liebtet / würde auch nichts
im wege stehen / dieses mein verbringen willig anzunemen. Ich muss aber leider!
mehr als zu viel sehen / dass Petasiride euch zuwider sei / und ihr sie eurer
liebe nicht würdig erkeñet. Nachdem wir hierauf noch viel worte gewechselt / da
ich ihr / so gut ich konnte / diese ihre einbildung zu benemen / mich bemühet:
erhielte ich endlich so viel / dass sie etliche wochen mir bedenkzeit vergönnte /
mich zu einer so grossen sache zu entschliessen. Ich sagte / wie dass es kein
geringes wäre /sich aus einem slaven König zu sehen: möchte sie mir demnach / üm
ihrer eigenen person und meines bästens willen / diese zeit geben / mich zu
erholen / und bei mir ein so grosses Glück bässer zu überdenken. Also ist sie /
etwas zu frieden / von mir geschieden.
    Sie wäre kaum hinweg / da kame der halbtodte Mardocentes herfür / der unsere
ganze unterredung angehöret / und fragte ich ihn: ob er mit meiner verhältnis zu
frieden wäre? Nachdem er hierfür mir tausendfältig gedanket / offenbarete ich
mich ihme ferner / und sagte: wie dass ich / allein ihme zu lieb / meinen
slavenstand fürgewendet / weil ich des fürsten Ana von Seir sohn wäre / und also
bis zu der Petasiride meine gedanken wohl erheben dörfte / wann nicht die treu
gegen meinen freund mich davon abhielte. Er ward hierüber so verwundert / als
mir verbunden /und vertrauete mir folgends / was seine Entschliessung wäre / und
wie ich ihme zu seiner Petasiride verhelfen könnte. Er sagte / wie dass er / mit
bewilligung des Königs seines herren vattern / einen anschlag gemacht habe / die
Petasiride zu entfüre: massen ein gleichmäsiges unlängst / der Prinz Eridanus
von Cus / an der Prinzessin von Meden der Delbora / zu werk gerichtet: Dieses
wäre die ursach seiner heimlichen hieherkunft / da es ihme nur an mir ligen
würde / füglich zu seinem zwecke zu gelangen. Wie er nun dieserwegen den
folgenden tag wieder zu mir zu kommen / abrede genommen / liesse er mich /
solches zu überlegen / allein: da ich dann / die ganze nacht und den folgenden
tag hindurch / einen harten streit in mir entfunden /wozu ich mich entschliessen
sollte? Dann ob ich schon / dem Mardocentes mit meinem blute zu dienen /
bereitwillig ware / so kunte ich doch dieses von mir nicht erlangen / meine
Königin / in deren diensten ich lebte / also zu verrahten / und meinen willen zu
dieser entfürung zu geben.
    Demnach / als der Prinz folgenden abend wieder zu mir kame / schluge ich ihm
meine hülfe ganz ab / alle überredungen herfür bringend / ihn davon abzubringen;
ihn zugleich bittend / dass er mir andere mittel /ihme in seiner liebe
beförderlich zu sein / an die hand geben wollte. Ich stellte ihm auch sein
schreiben wieder zu / weil ich solches der Königin nicht überreichen dörfen. Dass
er aus dieser meiner antwort eine eiversucht geschöpfet / solches liesse er
nicht unklar vermerken. Wie ich aber endlich mich erboten / so bald ich nach
Saba die Königin würde gebracht haben / heimlich davon zu ziehen / und mich nach
Dedan zu meinen herr vattern wieder zu begeben; da er dann /mit hülfe seines
herr vattern / und des Konigs von Cus und Hevila / sich üm die Petasiride
bewerben könnte: gabe er sich etwas wieder zu frieden / schiede auch nach
etlichen tagen / als es ihm seine wunden zuliessen / wieder hinweg / am meisten
darum unvergnügt / dass er nicht wusste / wen er in diesem seinem unglücke
beschuldigen sollte.
    Petasiride ware nun eben so übel mit mir zu frieden / als Mardocentes / und
stritte gewaltig mit ihr selber /ob sie die halbvollzogene rache gegen mir
vollends ergehen lassen sollte. Die liebe aber hielte ihren zorn zurücke / also
dass sie endlich sich überredte / allein die erkäntnis meiner unwürdigkeit mache
mich also handelen: dannenhero hoffete sie / ich würde nach verflossener
bedenkzeit / mich anderst finden lassen. Die stände des reichs besucheten mich
täglich / so wohl durch ihren befehl hierzu angetrieben / als aus eigener
begierde / sich bei ihrem künftigen Konig beliebt zu machen. So bald mein
zustand mich wieder auf gesunden fus gestellet / wartete ich der Königin auf /
und stellete mich gegen ihr also an / dass sie anfienge mit mir besser zu frieden
zu werden / und vor sich das bäste hoffete. Bald aber bekamen wir die
unvermutete zeitung / wie dass du Nabateer / mit dem Nabonnadus / nahe bei Saba
stünden / die örter ümher ausplünderten / und also friedbrüchig worden wären.
Demnach ward für gut befunden / eiligst wieder nach Saba zu kehren: damit der
Königin gegenwart diesem unheil wehren / und sie selber alda für allen
überfällen desto sicherer sein könnte.
    Ich täte / vor unserem aufbruch / dem Mardocentes dieses alles zu wissen:
habe aber / weder dissmal /noch nach der zeit / nicht einige antwort von ihm
bekommen. Wir waren kaum in Saba eingelanget / da sahen wir uns von dem
Nabonnadus belagert: dass also mein fürhaben / heimlich die Königin zu verlassen
/ und nach Dedan wieder zu kehren / verschoben bleiben musste / bis dieser neue
krieg geendet sein möchte. Die Königin triebe auch mich / in wärender dieser
belägerung / zu keiner ferneren erklärung / und meinen sinn aus meinem tun und
lassen gar aufrichtig beurteilend / ward sie gegen mir so wolgemutet und
verträulich / dass sie mir selber offenbarete / wozu ehmals die übereilte
rachgier sie angetrieben / indem sie dessen tod befördern wollen / an welchem
ihr leben hienge. Ich aber behielte in meinem gemüte beständig den fürsatz /
heimlich davon zu ziehen: weil ich dem Mardocentes in seiner liebe keinen
bässern dienst erweisen kunte. So machte auch die belägerung uns so viel zu
schaffen / dass wir allein dahin die gedanken zu richten hatten. Dann weil der
feinde macht gross war / die Konigin aber keinen ihrer benachbarten üm hülfe
anruffen wollte / aus beisorge / dass der freunde beistand sie zu viel kosten /
und wieder auf eine anwerbung üm ihre person auslaufen möchte: als hatten wir
genug zu tun / dieser belägerung zu widerstehen. Mein Glück schiene mir hierbei
so wohl /dass ungeachtet alles vorteils / so Nabonnadus hatte /er dennoch uns
nichts angewiñen konnte: massen ich mitten durch den feind / ein gutes teil
lebens-mittel in die stadt brachte / wovon wir uns lange zeit erhalten konten.
    Den folgenden tag nach dieser glücklichen begebenheit / wurde mir von einem
unbekanten ein brief gebracht / dessen hand ich so wenig als den überbringer
kennete. Als ich das schreiben eröffnet / fand ich mich zu einem kampf
ausgefordert / um des willen /dass ich die Petasiride liebte. Wann ich mich recht
erinnere / so haben die worte ungefär also gelautet:
    Wofern Dison die schöne Petasiride ruhig hoffet sie zu besitzen / wird er so
wenig seiner liebe / als seiner angebornen grossmut / das unrecht antun / einen
kampf auszuschlagen / den ihme hiermit sein unglücklicher mitbuler anbietet.
Weil er unglücklich /als wird Dison leichtlich den sieg auf seiner seite
vermuten / und also seine völlige glückseligkeit befordern konnen: die ihme
nicht mit ruhe zu teil werden kann / er habe dann zuvor seinen mitbuler aus dem
wege geräumet. Uberbringer dieses / wird den Dison an den ort bringen / wo man
entweder die abtretung der Petasiride / oder den tod / von seinen händen
gewärtig ist.
    Nach überlesung dieses / bildete ich mir nichts anders ein / als dass
Nabonnadus / der etwan meinen stand erfahren / solches müste geschrieben haben.
Wie ich aber mich etwas bedachte / was ich tun sollte / sagte mir der
überbringer / der gar eines freien ehrlichen wesens ware: Ich dörfte nicht
sorgen / dass hierunter ein betrug verborgen wäre / sondern ihn und seinen herrn
/ der ihn abgeschicket / für rittere von ehren achten. Und seine worte zu
begläubigen / sezte er hinzu / ich håtte unter meinen soldaten einen / der ihn
kennete / und von ihme zeugen würde / dass er kein betrieger wäre: und håtte er
sich gestern der gelegenheit bedienet / mit den eingeholten lebensmitteln in die
stadt zu kommen. Wie ich nun / benanten meinen kriegs-bedienten / (von deme mir
auch nichts als treu und ehre bewust war) vor mich kommen lassen / beteuerte mir
derselbe / wie dass ihm dieser frömder / als vordessen ein fürnemer
kriegs-bedienter unter dem König von Cus / langst bekant gewesen. Und ob wohl mir
/ aus einer belägerten und mir-anvertrauten stadt zu gehen / nicht gebüret: so
beredte mich doch hierzu der gedanke dass ich / wann ich den Nabonnadus in diesem
kampf erlegen könnte / die ganze kriegs-glut mit seinem blut ausleschen / und
also dem reich grossen nutzen schaffen würde.
    Nachdem ich dem Euriles / welcher nach des Mela tode / nächst mir den
obersten befehl uber die soldaten fürete / in meiner abwesenheit alles wohl in
acht zunemen anbefolen / begabe ich mich am morgen vor tags / mit meinem fürer
und wenig bedienten / heimlich aus der stadt / nach dem ort / da ich meinen
mitbuler finden sollte. Als wir nun fast ein viertel wegs von der stadt waren /
ersah ich den jenigen mit verdecktem angesicht / der mir den kampf anbieten
lassen / den ich dann ganz gewiss für den Nabonnadus hielte. Wir giengen sonder
wortwechselung aufeinander los / und zwar so eiferig / dass wir mit den ersten
streichen unsere waffen gleich blutig sahen. Meines gegenteils Meinung /
entweder zu siegen oder zu sterben / machete ihn sehr hitzig: gleichwie hingegen
meine gedanken / durch diesen kampf den ganzen krieg zu enden / und also desto
eher meinem Prinzen Mardocentes durch mein wegziehen in seiner liebe zu dienen /
mir die kräfte doppelten. Dieses machte / dass ich endlich / wiewol sehr
verwundet / obsiegete / und meinen feind als todt vor mir zur erden abfärtigte.
Die begierde / den sterbenden Nabonnadus zu erkennen /machte mich alsbald seinen
helm eröffnen: da ich dann ô himmel! meinen Mardocentes ersah / der /sonder
anzeig einiges lebens / ganz erblasset vor mir lage. Mein vergossenes blut / und
dieser schrecken /verursachten in mir eine so häftige onmacht / dass ich neben
den Mardocentes ganz sinnlos dahin fiele. Wie man mich endlich wieder erquicket
/ und ich mich gleich wieder nach dem Mardocentes ümsah / fand ich niemand
mehr / als meine eigene leute / die mich berichteten / wie dass des Prinzen von
Arabigen leute ihren herrn auf einen wagen geleget / und mit vergieffung vieler
tränen hinweg gefüret hätten. Ich wollte zwar ihrem weg folgen / den sie
genommen: ware aber so schwach / dass ich nicht konnte aus der stelle kommen.
    Weil mich der himmel auf einmal unglückselig machen wollte / brachte man mir
indem die unverhofte zeitung / wie dass der Nabonnadus die stadt Saba eingenommen
hätte / und zwar durch verråterei des Euriles / der ihme die tore geöffnet /
und längst mit ihm in heimlicher verständnis gelebet. Der tod meines liebsten
freundes / die übergab der mir anvertrauten stadt / die gefängnis meiner Königin
/ und das unvermogen / einen von diesen erlittenen verlusten wieder zu båssern /
brachten mich in eine solche verzweifelung / dass ich nichts als den tod
verlangete. Ich sah meine ehre / die ich in Saba erworben / hierdurch auf
einmal geschändet / und verloren. Die Königin / die sich allein auf mich
verlassen / und mich so sehr geliebt / ware / durch meine unvorsichtigkeit / in
des Nabonnadus händen. Und meinen liebsten freund /deme zu gefallen ich all mein
Glück ausgeschlagen /gläubte ich von meiner eigenen hand erwürget. Demnach wollte
ich kein hülfmittel zu meinen wunden verlangen: meine leute brachten es gegen
meinen willen so weit mit mir / dass mein leib gesund wurde / dadurch sie den
schmerzen meines gemütes üm so viel vollkommener mich entfinden macheten. Ich
erfuhre letzlich in der kleinen schäfer-hütte / darin ich heimlich mich
verhalten / dass Nabonnadus die Konigin geheuratet / und alles volk im land ihn
für ihren König erkente / auch die benachbarte Könige und Fürsten ganz stille
sässen / und keiner sich hierein mischen wollte. Wie die Petasiride lebete / konnte
ich nicht erfahren / vielweniger schlüssig werden / was ich beginnen wollte. Nach
Dedan zu reisen / schämete ich mich: weil dieses unglück mich alle gesellschaft
fliehen machte. Also konnte ich nichts / als den tod wünschen. Und wie die
meinigen sahen / dass meine macht und Glück / und also auch ihre hofnung / aus
ware / namen sie nacheinander ihren abschied / also dass ich nur einen bei mir
behielte / und begaben sich die andere wieder in das land / daraus sie bürtig
waren.
    Ich wallete hierauf etliche zeit in dem steinigten Arabien / dahin ich mich
aus Saba begeben hatte / unwissend / zu was Entschliessung / hin und wieder.
Eines tags aber / als ich meinem pferd den zaum frei schiessen / und es gehen
liesse / wohin es wollte /brachte es mich in einen felsichten ort: alda ich / aus
meinen tiefen gedanken / wegen des vielen anstossens meines pferdes / endlich
gleichsam erwachend / vor einer höle mich befande. Als ich / üm etwas ruhe zu
nemen / mich hinein begeben / und meinem diener mein pferd überlassen hatte /
kame mir zu gesicht ein marmornes bild einer Diana / dermassen schön von
angesicht / dass der erste anblick mich gleich blendete; doch nicht dergestalt /
dass ich nicht durch diese blendung immer scharfsichtiger worden wäre / dieses
wunder-bild zu betrachten. Jemehr ich es anschauete /jemehr erhitzete sich in
mir die begierde / es anzusehen: und hatte ich vorher nie das in mir befunden
/was ich damals fülete. Gleich als aus einem tiefen schlaf / wurden meine siñe
erwecket / also dass eine verborgene ruhe sich in mein gemüte einschliche /welche
meine bisherige traurigkeit zu vertreiben begunte. Ich wurde gleich begierig /
zu wissen / wie dieses bildnis in diese wildnis gekommen: sah demnach in dieser
hölen ümher / und wurde gewar / dass sie musste bewohnet sein / weil ich tisch und
bette / samt allerhand haussgeräte darin fand. Mich dünkte auch / als ob ich
eine eiversucht / gegen den besitzer dieses bildes / in meinem herzen fülete.
    Als der abend über diese meine närrische gedanken hereinbrache / sah ich
von ferne durch die klippen einen ansehnlichen jüngling ankommen / der seinen
weg nach der höle zu name / und durch alle seine gebärden an den tag gabe / dass
er müste sehr betrübet sein. Weil ich mich nicht wollte von ihm sehen lassen /
verbarge ich mich in einem winkel / höchstbegierig /diesen frömden zu kennen. Er
tratte in die höle ängstig / grüssete das bild der Diana / und seufzend setzte
er sich gegen ihr über / die er dann ohn unterlass anschauete. Ach grausame!
(hube er über eine weile an zu reden) wann du wüstest / dass ich allhier deines
anschauens geniesse / sollte deine strenge tugend mir auch wohl verwehren / dieses
glückes zu gebrauchen? gleich wie / durch ihren schluss / ich ewig von deinen
angesicht verstossen lebe. Ihr wunderschöne augen! ihr habt euch der welt
entzogen / weil kein sterblicher euch anzuschauen würdig ist. Du holdseliger
mund! ach! du lässest deine lieblichkeit jezt nur die götter hören / weil keine
menschliche gesellschaft dieses Glück haben sollte. Hiemit schwiege er still /
fienge aber bald wieder an dergleichen reden zu füren: dahero ich mutmassete /
dieses bild müste eine sterbliche person bedeuten / die von diesem menschen
geliebt würde.
    Liebe und eifersucht drungen hiermit zugleich zu mir ein / und was
Petasiride mit ihrer Kron und aller schönheit nicht vermocht / das erlangte iezt
in einem augenblick an mir / ein unbekantes lebloses bild: und hielte ich
solches für eine rache des himmels / der hierdurch abstraffen wollte / was ich
etwan mochte an der Petasiride verschuldet haben. Ich begabe mich aber / weil
die Nacht einbrache / ohn von diesem frömden gesehen zu werden / aus der Höle
hinweg /und bliebe / die ganze nacht hindurch / in dem nächsten walde: so
unruhig und begierig / meine schöne unbekannte wieder zu sehen / dass ich mit
schmerzen des anbrechenden tages erwartete.
    Kaum ware die morgenröte herfürgebrochen / da begabe ich mich / durch den
verborgenen weg / wieder nach der höle / an einen ort / da ich ungesehen /mein
geliebtes bild und meinen mitbuler / betrachten kunte. Ich fand die höle ganz
leer / das bild aber bei dieser zweiten anschauung noch schöner / als vorhin:
also / dass ich für eine unmöglichkeit hielte / diese schönheit zu sehen und
nicht zu lieben. Weil nun mein mitbuler den ganzen tag ausbliebe / bediente ich
mich derselbigen zeit / meine augen unaufhörlich zu weiden: und konnte ich
dieselben kaum so viel abwenden / von meinem diener etwas speise und einen trunk
wasser anzunemen / den hunger damit zu stillen.
    Als aber der abend herein brache / verstörete mich mein mitbuler in meiner
genossenen glückseligkeit; deme ich weichen / und mich in meinen verborgenen
winkel wieder begeben musste. Aus demselbigen ersah ich / dass der frömde einen
ansehnlichen mann /gleich einem priester gekleidet / bei sich hatte: dem er
grosse ehre erwiese / und ihn / die nacht bei ihm vorlieb zu nemen / ersuchete.
Ein kleiner knabe truge ihnen / nicht lang hernach / das essen auf / welches in
waldfrüchten bestunde. Weil / unter andern gesprächen / dieser alte die ursach
zu wissen begehrte / die den jüngling bewegete / solcher gestalt sein leben zu
füren: als hörete ich / dass der ihn auf den folgenden morgen vertrostete / da er
ihm alles berichten wollte. Wie sie darauf sich zu ruhe begeben / verfügte ich
mich auch wieder in den wald: mit so unbeschreiblicher begierde des folgenden
tags erwartend / dass ein jeder augenblick mir fast unertråglich wurde. Ich will
glauben / dass der damalige gram meine sinne so eingenommen / dass ich in so
ungereimte liebe geraten. Sobald nun der morgen herfürgekommen / stellete ich
mich an dem ort wieder ein / von dar ich ungesehen alles anhören konnte / was
mein mitbuler dem alten wollte offenbaren.
    Ich fand sie beisammen / und hörete den jüngling erzählen / wie dass er aus
Mesopotamien bürtig wäre /(doch wollte er seinen namen und stand nicht nennen /)
alwo er eine weibsperson liebgewonnen / die sich der göttin Diana in ihren
tempel nach Ninive verlobet: dahin hätte er ihr auch / ungeachtet seiner zu ihr
tragenden liebe / auch wider ihrer anverwandten willen /selber verholfen. Nach
diesem sei er so wenig meister seiner selbst geblieben / dass er unmüglich der
liebe sich entschlagen können / die er zu dieser person getragen. Also hätte er
/ sein vatterland verlassend /diese wildnis erwehlet: seine geliebte / die
übrige zeit seines lebens / unter der Diana gestalt allhier zu verehren. Sie
selber hätte sich also / von einem fürtrefflichen künstler in Syrien / abbilden
lassen / und das bildnis seiner schwester gegeben: von der er es / als das
übrige seiner irdischen glückseligkeit / bekommen / hiehergebracht / uñ also zu
verehren angefangen. Der alte hörete dieser erzehlung / gleich wie ich / mit
grosser aufmerckung zu: und wie dieselbige bei mir die liebe vermehret / also
erweckte sie bei ihm ein mitleiden / über den zustand dieses jünglings; welchem
er auch riete von dieser lebens-art abzustehen /mit ihm nach Egypten zu reisen /
und alda in die gesellschaft der priester zu begeben / die der göttin isis ihrer
tempel dienen. Daselbst / (sagte er) könt ihr diese eure Diana / als die Isis /
stäts verehren / und das ruhigste und vergnügteste leben führen / als in dieser
sterblichkeit eines zu hoffen sein mag. Hierauf / als er seinen zuhörer sehr
aufmerksam funde / fuhre er fort / ihm die ganze lebensart der Isis-Priester zu
erzählen: den er auch endlich bewoge und gewillt machete / sich in diesen
geistlichen stand zu begeben.
    Als sie hierauf aus der höle gingen / und mich daselbst allein liesen /
überlegte ich bei mir dieses alles / was ich vernommen hatte. Die beschreibung
von dem tempel der Isis hatte der alte so angenehm fürgestellet / dass ich meinem
traurigem gemüte / welches die welt fortin meiden wollte / nichtes
gleichförmiger / als diese lebens-art / finden kunte. Petastride ware /durch
mein versehen / übel verheiratet; Mardocentes durch meine hand getödet; und mein
gutes gerüchte /durch den verlust der stadt Sabe in abnemen geraten: dannenhero
mochte ich / den unglücklichen namen Dison / nicht mehr in der welt nennen
hören. Dazu befande ich mich verliebet in ein marmornes bild / da die jenige /
so dardurch fürgestellet wurde / auch ein geistliches leben fürete. Durch alle
diese ursachen bewogen / fassete ich die Entschliessung / mich bei dem alten und
dem andern unbekannten anzumelden / und ihnen nach Egypten einen reisegefährten
zu geben. Ihnen in der wildnis nachzugehen / hielt ich für ratsam: weil ich
ihrer leitlich verfehlten / und hernach diese höle nicht wieder hätte finden
mögen.
    Also bliebe ich an meinem orte / bis sie gegen abend miteinander wieder
kamen: da ich mich sehen liese / und als ein frömder / von dem wirte dieser höle
/ mit aller höflichkeit aufgenommen / und daselbst zu übernachten / gebeten
wurde. Bei der malzeit / kame der alte wieder auf das gespräche von den
Egyptischen Isis-priestern; da ich dann mich vernemen liesse /wie ich ietzt eben
im werk begriffen wäre / nach Egypten dieserwegen zu reisen. Dieses war dem
alten so wohl / als dem andern / erfreulich zuvernehmen /und entdeckten sie mir
hingegen ihr gleiches vorhaben: dass wir also der sachen zusammen eins wurden
/reisgefährten nach Egypten zu werden. Unsere gespräche handelten nachgehens
alle von diesem geistlichem leben / und weil wir keiner fernern
reise-bereitschaft nötig hatten / als wurde der folgende tag zur abreise
bestimmt: da ich mich in ihre gesellschaft begabe /wiewol sie mir so wenig / als
ich ihnen / bekannt waren. Das schöne bild meiner unbekanten geliebten /die
diesen schluss in mir verursachet / name mein mitbulder mit sich: der hierin
glücklicher als ich war /weil er dass für sich belasse / was mich so verliebt
gemacht hatte.
    Unser fürer / der ein Isis-priester war / unterrichtete uns auf der reise so
wohl / dass wir / ehe wir noch in Egypten kamen / schon wussten / was eines
Isis-priesters verrichtung ware. Nachdem wir die stadt Noph erreichet / da der
berümte tempel der Isis stehet / meldeten wir uns an / bei dem oberpriester dem
ehrwürdigen Orgas: der uns mit grosser freud-bezeugung aufname / und gleich nach
unserem stand und namen fragte. Wie wir aber beiderseits bedenken trugen / zu
sagen /wer wir wåren: als wollte er auch dieserwegen nicht ferner in uns dringen
/ fürnemlich als wir ihme zugeschworen / dass wir adelicher geburt wären / und
uns dissfalls nichts hinterte / in diesen heiligen stand zu tretten. Also fandte
er uns hin nach Phatures / allwo die hohe schul der priester ist / daselbst die
neu-angehende müssen ein jahr lang unterrichtet werden: welche zeit ich so
vergnügt zu ende brachte / dass ich /der ganzen welt vergessend / mich einig und
allein an dieser heiligen wissenschaft ergetzete. Meine wonung hatte ich bei
deme / der mit mir gekommen war: dass es mir also keinen tag an der gelegenheit
ermangelte /meine schöne Isis / wie man daselbst dieses bild nennet /
anzuschauen.
    Man unterwiese uns aber in den geheimnisen der göttin / dass nämlich die Isis
vor zeiten eine Königin der Argiver gewesen / die sich verlobet hatte / nie zu
heiraten. Als aber Osiris / des Hammons sohn / sie liebgewonnen / und sonst
keine gelegenheit absehen können / wie er möchte zu ihr kommen; hat er sich in
weibskleider verstellet / und also ihrer liebe genossen / dadurch er ihr ehgemal
/ und sie Königin in Egypten worden. Zum gedächtnis dieser erlangten
glückseligkeit / ehrete er seine schöne Isis / nach ihrem tode /mit diesem
tempel / den er ihr in Noph bauete / ihr bildnis von silber darein setzete / und
die heilige priester verordnete / die ihr in Egypten ewig dienen sollten. Diese
priester / sind in sieben ordnungen nach dem alter abgeteilet: also dass die
ersten alte graue männer / die in den folgenden immer jünger / und die lezten
von meinem alter sein müssen. Diese lezten /gehen in langen weiberröcken / mit
fliegenden haaren: und zu verwehren / dass ihnen das bartaar nicht wachse /
bedienen sie sich einer salbe / welche der Osiris / als er seiner Isis in
weibskleidern aufgewartet / erfunden / die solcher wirkung ist / dass bis in das
dreissigste jahr kein haar herfürkommet. Diese sind die allerheiligsten / und am
nächsten üm das bild der göttin / müssen auch / unter aufsicht des oberpriesters
/ alle opfer verrichten / und / gleich den andern priestern der Isis / ewige
keuschheit schwören. Die nächsten nach diesen / kommen nicht zu so heiligen
werken / noch in den allerinnersten tempel / gleich wie auch nicht die beide
folgende: die haben ihre wonungen üm den tempel / da sie der fürnemsten Egyptier
kinder erziehen / und in allen freien künsten unterrichten. Die drei übrige
ordnungen sind / wie erwehnt /alte graue männer / die die gabe des warsagens von
der göttin Isis erlangt zu haben fürgeben / und deswegen von den Königen in
allen wichtigsten sachen üm raht gefraget werden. Der König Menas / hat nicht
allein diese ordnungen und den dienst der Isis beståtiget / sondern auch / fast
auf gleiche art / dem Osiris einen tempel erbauet. Der König Osymandias / hat
beide tempel nachmals mit mehrern gebräuchen gezieret /und wird also noch / in
ganz Egypten / Osiris und Isis mit der höchsten andacht verehret und angebetet.
    Wie nun unser unterrichtungs-jahr zum ende war /welches wir so eingezogen
hingebracht hatten / dass wir von keinem weltlichen dinge gehöret: brachte uns
der Orgas nach Noph / als eben die prächtige leichbegängnis der Königin Nergade
fürgegangen: worbei zugleich das grosse fest der Isis / mit opferung eines
priesters / gehalten worden. Der ganze hof / ia auch ganz Egypten / war daselbst
beisammen / üm diese heilige gebräuche mit anzusehen. Wie nun der Pharao
Uchoreus / die schöne Amesses seine tochter / der Prinz Amosis / und alle grosse
/ in den tempel sich versammelt / wurde ich / neben meinen mitgesellen zum altar
der Isis von den gesamten priestern begleitet. Wir gingen in weltlicher kleidung
/ die sonderlich hierzu bereitet ware: dann als wir sie abgezogen / und auf
einen altar zum verbrennen geworfen hatten /gaben sie einen köstlichen geruch
von sich / wegen der trefflichen specereien / mit denen sie angefüllet waren.
Nach abgelegtem eide / alles zu halten / was der gottin dienst erfordert: legte
uns Orgas den weissen rock an / den man uns mit einem guldenen gürtel
aufschürzete. Nachmals gosse er das heilige öl auf unser haubt / und salbete uns
also zu der Isis priestern. Ich gedachte mitlerweil wohl ein wenig an mein
vatterland / und an mein voriges leben: ich schluge aber alles bald wieder aus
dem sinn / in erwägung meines ausgestandenen unglücks / und jezt-geniessender
ruhe und glückseligkeit. Ich verwaltete auch / von der zeit an / das heilige amt
mit solcher zufriedenheit /dass ich / fast niemals mehr zurücke nach Saba / oder
an euch / liebste Schwester! zu gedenken / gewonete.
    Als ich nun etliche zeit also gelebet / trafe mich die reihe / die
nachtwacht im tempel bei der Isis bild zu halten. Dazumal wurde ich üm
mitternacht gewar /dass eine tür sich öffnete / und durch dieselbe zwo
weibspersonen mit lampen hinein traten: deren eine ich alsobald für die
Prinzessin Amesses erkannte. Ich /der ich im verborgen sasse / beobachtete mit
verwunderung / was sie beginnen wollte / und sah / dass sie ein grab eröffnete /
daraus ein ansehnlicher mensch herfürstiege / und sie gar freundlich entfinge.
Nach diesem setzeten sie sich nieder / und sprachen lange zusammen. Ich vername
/ dass sich die Prinzessin beklagte / wie ihr vatter der König sie unziemlicher
weise liebgewonnen / und mit gewalt ehlichen wollte: daher sie sich zu der flucht
entschliessen müsse / worein sie sonst nimmermehr dem Prinzen Armizar zu lieb
würde gewilliget haben. Hier auf sah ich / dass dieser / so der Prinz Armizar
war / ihr zu fuss fiele /und seine freude über dieser Entschliessung / mit
gebärden und worten ihr zu erkennen gabe / auch dem geschicke der götter dankete
/ dass dieses unglück seiner Amesses ihm zu seinem so lang-gewünschten glücke
verholfen hätte. Als sie nun ferner sich beredeten / wie sie mit dem Assyrischen
gesandten / der zu Baalzephon lage / und die bildnisen des Osiris und der Isis /
für den König von Assyrien / nach Damascus abholen sollte / heimlich abreisen
wollten: schieden sie wieder voneinander / nämlich Armizar in sein grab / und die
Amesses aus dem tempel.
    Ich bliebe hierüber also bestürzet / dass ich lang bei mir anstunde / was ich
tun sollte / und ob nicht die schüldigkeit meines amts erforderte / diese
enteiligung des tempels von mir zu sagen. Weil aber die schöne Amesses und
dieser Armizar mich taureten /als kunte ich mich / sie zu entdecken / nicht wohl
entschliessen. Ich quälete mich die ganze nacht damit /was ich hierinn vornemen
sollte. Endlich fiele mir bei /mich mit diesem Armizar bekant zu machen / und ihm
zu rahten / dass er sich aus diesen grab hinweg machen / und anderswo seiner
liebe nachhängen sollte /als an so heiligem orte. Demnach / so bald es tag worden
/ und die morgenröte durch die fenster hinein schiene / machete ich ich mich zu
diesem grabe / da ich eine solche uberschrift fand:
  Armizar / sohn des grossen Jaziz Konigs in Ophir /und der Armire aus Meden /
  geheiligter priester des Tempels / ruhet allhier / als ein grosses opfer der
       Konigin / Nergade aus Egypten / unter dem schutz der Göttin Isis.
    Ich konnte nicht umhin / hierüber zu seufzen / als ich sah / wie spöttlich
man meine göttin hielte / und wie betrüglich man mit ihr ümgienge. Als ich
demnach eine kleine eiserne tür aufgemachet / schauete ich hinab: konnte aber
erstlich / wegen der finsternis /nichtes gewar werden. Ich rieffe diesem todten
etliche mal mit namen / bekame aber keine antwort. Deswegen von eifer der Isis
angetrieben / zündete ich eine lampe an / und stiege hinunter: da ich / unter
den vielen gebeinen der todten ümher sehend / endlich einen schmalen gang fand
/ der wie es schiene / nach dem feld hinaus gienge. Mein gelübde / so mir
verwehrete / ohne erlaubnis des oberpriesters aus dem tempel zu kommen / liesse
mich nicht weiter gehen. Demnach gedachte ich / dem Armizar zu verwehren / dass
er durch diesen weg nicht kommen könnte; und versperrete das loch also / dass der
stein / so dafür gehörete /und den ich dabei ligen gefunden / nicht so
leichtlich davon zu bringen ware. Nachgehends machete ich auch die tür fäste
mit einem Nagel / dass man sie von innen nicht aufzumachen vermochte. Hierauf
begabe ich mich / aus dem tempel / wieder in meine wonung /um wieder auszuruhen
/ weil ich die nacht über gewachet hatte.
    So bald aber die nacht wieder herbei gekommen /begabe ich mich von neuem in
den tempel: da dann üm mitternacht / die Prinzessin Amesses sich wieder
einfunde. Sie eilete / gleich wie den vorigen abend /nach dem grabe: geriete
aber in nicht geringe bestürzung / als sie die tür vernagelt fand. Sie sah
betrübt üm sich / biss sie endlich meiner gewar wurde /und mir / mich für ihren
Armizar haltend / mit freuden zuliefe. Aber wie erschracke diese schöne
Prinzessin /als sie mich erkannte! Sie trate gleich etliche schritte zurück / und
wollte mich anreden: vermochte aber kein wort herfür zu bringen. Ich hielte ihr
für / wie sehr sie hiermit die grosse Isis beleidiget / und den tempel
enteiliget hätte. Sie erkennte solches mit tränen / entschuldigte sich aber /
mit ihrer keuschen liebe / und mit der gefahr / so sie hierzu angetrieben:
erbote sich dabei / wann ich es verschweigen / und ihr davon helfen wollte / zu
aussünung der göttin alles zu leisten /was ich ihr auferlegen würde.
    Ihre tränen / neben dem fürsatz / der unrechtmäsigen liebe eines vattern zu
entgehen / bewegten mich /ihr zu zu schwören / dass ich niemand sagen wollte /was
ich im tempel gesehen: doch sollte sie der göttin /zur aussünung / ein reiches
opfer verehren. Hiermit /als sie mir tausendfältigen dank gesaget / name sie ein
köstliches kleinot herfür / welches sie mir gabe / solches der Isis anzuhängen:
und gelobete sie dabei /wann ihr diese göttin nach Ophir verhülfe / dass sie ihr
einen herrlichen tempel wollte aufbauen lassen. Also liesse ich / auf ihr
inständiges bitten / sie und ihre wartfrau durch das grab hingehen: und ich
gienge /meiner göttin das geopferte kleinot zu bringen.
    Als ich nachmals zu dem Orgas wieder kame /ware der Prinzessin flucht schon
allentalben kund worden / und vername ich nicht sonder entsetzen / dass der
König den ausspruch der Isis herüber vernemen wollte / den einer von den ältsten
priestern / kraft ihres warsag-geistes / eröffnen sollte. Mir war hierbei nicht
wolzu mute / aus beisorge / ich möchte / meines verschweigens halber / in gefahr
komen. Wann ich aber an meinen eid gedachte / uñ zugleich erwägete / wie billige
ursach die Prinzessin hatte / ihres vattern liebe zu entfliehen / liesse ich mir
nicht zu sinne komme /hierinn gefehlet zu haben / oder die Amesses zu verrahten.
Als nun / dieser anfrage wegen / die alten priester in den tempel zusammen
gefordert worden / kame der bekümmerte und zugleich erzürnte König / von dem
Orgas begleitet / auch dahin / und gabe der älteste unter den priestern / auf
übliches befragen / diese antwort.
Ein todter / uñ ein grab / ein priester hier zugegen /
zu der Amesses flucht die gröste hülfe legen.
    Der Pharao / kunte nichtes aus diesen dunkelen reden erlernen / wusste auch
den todten und das grab gar nicht auszudeuten. Weil aber auch ein priester
benennet worden / als befahle er dem Orgas / dieser wegen scharfe nachforschung
anzustellen. Wie demnach das los über uns sollte geworfen werden / ersah der
König an der Isis bilde das kleinot hängen / welches Amesses dahin geopfert
hatte: das er dann gleich erkannte / und den Orgas fragte / wie und wann solches
dahin gekommen wåre? Orgas / sich mit der unwissenheit entschuldigend / fragte /
wer von uns die nachtwacht gehalten hätte? Wie nun alle mich ernennten / sah
mich der König gar scharf an / und befahle /als ich auf seine befragung nichtes
antworten wollte /man sollte mich zur peinigung hinfüren. Orgas aber widersetzte
sich diesem grausamen befehl / weil keine weltliche Obrigkeit an uns priester
die hand gewaltsam legen dorfte / und versicherte / dass er aus mir schon die
warheit bringen wollte. Weil nun Pharas wider die gesetze / aus furcht eines
allgemeinen aufstandes / nicht handelen dorfte / als musste er mit des Orgas
erbieten zu frieden sein.
    Hierauf wurde das los geworfen / welches dann mich und noch einen alten
priester aus der andern ordnung traffe. Dieser nun bekannte alsobald / wiedass der
Prinz Armizar / mit seiner und des Prinzen Amosis hülfe / von seinem tode / da
man ihn / als ein opfer der Isis / lebendig begraben / nicht allein befreit
/sondern auch nachmals / die Prinzessin Amesses zu entführen / wäre gefördert
worden. Solches erzehlte er alles nach der länge / und seine missetat bereuend
/begehrte er nichtes als den tod / weil er sich an der grossen göttin Isis so
gröblich versündiget. Was dieser bericht für eine wut in des Königs gemüte /
gegen den Prinzen seinen sohn / eingefüret / ist nicht zu beschreiben. Weil das
los mich mit dem alten priester /und zwar etliche male / zugleich getroffen /
als wollte man auch von mir wissen / wie ich zu dieser flucht geholfen hätte? Ich
verharrete aber in meinem stillschweigen / da auch so hart in mich nicht
gedrungen wurde / weil der König schon alle nachricht von dem andern priester
bekommen hatte. Es wurden gleich /auf alle strassen / der Amesses leute
nachgesendet: die aber alle vergeblich sich bemühet / und sie nirgend finden
konten.
    Der Prinz Amosis / seines herr vattern grimm zu entgehen / begabe sich von
hofe / und / wie man vermutet wollen / nach dem König von Cus: daher fiele alle
rache des Königs auf mich und den andern priester: welcher wegen selbstbekanter
übeltat / der Isis /zur aussünung / geopfert und verbrant wurde. Mir wåre es
nicht bässer ergangen / hatte Orgas mich nicht gerettet: deme ich endlich
entdecket / was ich von der Amesses flucht wusste / daraus er meine unschuld
abnemen konnte. Doch wollte der König mich nicht mehr im tempel leiden / und ward
ich neben andern der Isis priestern / (die der Belochus / wegen ihrer
wissenschaft / zum gottesdienst des Osiris und der Isis / begehret hatte /) mit
den Assyrischen abgesandten / welche / wie gesagt / die beide bilder nach
Damascus abholeten / fortgeschicket. Also sah ich nun / meine ruhe / abermal
gestöret. Und ob ich wohl /ein ja so ruhiges geistliches leben in Damascus wieder
anzufahen / hoffen konnte: so verlore ich doch die gesellschaft dessen / mit deme
ich aus Arabien in Egypten gereiset / und zugleich das auschauen seines schönen
bildes / welches unter allen schönheiten / die mir / jemals fürgekommen / allein
fähig gewesen /mich verliebt zu machen.
    Wir kamen aber / auf dieser reise / über das gebirge Seir: da der fürst Ana
/ unser Herr vatter / mich erkannte / als er / neben den andern Seirischen
fürsten / den bildern des Osiris und der Isis entgegen zoge. Solches wird euch /
liebste schwester! wie ich gläube / nicht unbekant sein: weil ihr / wie ich weiss
/ mit der Prinzessin Aramena in Canaan viel kundschaft gepflogen habet. Ich weiss
ja freilich / liebster bruder! (sagte Ahalibama /) wie es euch zu Dedan ergangen
/ wie ihr euch geweigert / die schöne Aramena zu ehlichen /und wie unsere frau
mutter euch nach Rabbat / auf das fest des gottes Camos / davon gebracht:
dieses aber möchte ich wohl gern von euch vernemen / wie ihr die Aramena ohne
liebe habet sehen können. Es wird euch ja / als ich vermute / (antwortete Dison
/) diese Prinzessin berichtet haben / wie wir einander so wenig / und zwar nur
einmal bei abend / da es schon ganz dunkel war / gesprochen / und wie ich darauf
gleich hinweg gezogen. Es stunde ihr gelübde / so wohl als das meinige / mir im
weg / sie zu ehliche: zumal ich auch einen beständigen fürsatz in mir entfunde /
mein unbekanntes bild zu lieben / dass ich zu Noph hinterlassen hatte. Wie ich
demnach unter weibskleidern sicher davon gekommen / und Rabbat erreichet hatte
/ täte Poliphide unsere frau mutter nochmals einen versuch an mir / ob sie mich
von dem fürsatz / ein Isis-priester zu bleiben / abbringen möchte. Ich ware aber
in meiner Meinung viel zu standhaft / und die andacht überwand in mir alle
natürliche regungen: dannenhero Poliphide meinem entschlusse sich nicht mehr
widersetzen wollte.
    Zu Rabbat nun feirete man das grosse fest des Camos: da / aus allen
benachbarten Königreichen und landen / das frauenzimmer hoch- und niedern
standes zusammen gekommen. Ich dorfte vor den anderen Fürstinnen von Seir / die
mit unserer frau mutter daselbst hingereiset / meine weibs-kleider nicht ablegen
/ damit ich unserem erzürnten herr vattern nicht verraten würde / der mich dem
Moloch opfern zu lassen geschworen hatte / wann er mich wieder bekäme. Demnach
bliebe ich zwar in Rabbat / kame aber nicht mit zum fest: damit dasselbe durch
mich nicht möchte enteiliget werden. Ich konnte aber / aus meinem fenster / den
grossen kirchgang mit ansehen /welcher von allem frauenzimmer / mit grossem
gepränge / und in herrlichstem schmuck / verrichtet wurde. Ich konnte alle die
schönheiten / die von vielen orten dortin sich versammelt hatten / nach gnügen
betrachten.
    Meine bestürzung war unbeschreiblich / als ich unter andern die Königin
Petasiride unverhofft in das gesicht brachte. Die erinnerung dessen / was sich
mit mir in Saba begeben / wurde mir so entfindlich / dass aller schmerze sich bei
mir erneuerte. Ihr trauriges wesen / zeigte mir gnugsam die unvergnügung ihres
gemutes: und ginge ihr eine schöne morin zur seite /die / wie mich straks dünkte
/ des Konigs von Cus tochter / die Prinzessin Danede gewesen. Wie nun alles
frauenzimmer fürbei / und die gasse ganz ledig war / liesen sich nicht lang
hernach etliche gewaffnete manspersonen sehen / die aus einem keller
herfürkrochen / und unferne von meinem fenster sich bespracheten. Der eine von
ihnen / als er seinen helm geöfnet / wurde gleich von mir für den Prinzen Amosis
aus Egypten erkant. Als ich nun begierig ware / zu vernemen / was diesen Prinzen
möchte dahin gebracht haben / hörete ich ihn sagen: wir haben einerlei fürhaben /
edler Mardocentes! Euch treibet die schöne Petasiride / und mich die
unvergleichliche Danede. Gleichwie ihr eure Konigin aus den händen des
unwürdigen Nabonnadus wollet reissen / also gedenke ich meine Prinzessin von der
tyrannei eines vatters zu befreien; und gleichwie unsere sache gerecht ist /
also müssen wir auch einen guten ausschlag verhoffen. Hierauf antwortete der
andere / der in der warheit mein Mardocentes war: er wollte dem Prinzen von
Egypten in allen beistand leisten / und sei allein gute acht zu haben / wann
alles frauenzimmer aus dem tempel wieder käme / dass man die entfürung ungesäumt
fürnemen möchte.
    Ihr könnet gedenken / liebste schwester! wie mir hierbei zu mut worden / und
wie zugleich freude und bestürzung in mir erwachet / als ich den edlen
Mardocentes wieder lebendig vor mir sah / den ich so lang für todt beweinet.
Die zu diesem Prinzen tragende freundschaft triebe mich / dass ich / alle
betrachtungen hintan setzend / hinunter auf die strassen lieffe / und ihm
unversehens üm den hals fiele. Auser dem namen Mardocentes / wusste ich kein wort
herfür zu bringen. Er aber sich also von einem vermeinten weibsbilde umarmet
sehend / ward sehr bestürzt / und risse sich aus meinen armen / eine entdeckung
seines anschlages befahrend. Er fragte: wer ich wåre / und was ich wollte? Ich
fragte ihn wieder: ob er dann seinen Dison nicht mehr kennete? Es schiene / als
ob er / auf anhörung dieses namens / von entsetzen sterben wollte. Ich will nicht
weitläufig erzählen / wie wir hierauf uns einander zu erkennen gegeben; wie er
mir seine eiversucht beschrieben / die er aus dem gerüchte geschöpfet / dass ich
die Petasiride heiraten würde; wie ich ihm meine unschuld / und zugestandene
abenteuren /erzählt; und wie wir beiderseits einander üm verzeihung gebeten /
dass er mich unschuldig für seinen mitbuler gehalten / und ich ihn umwissend
tödlich verwundet. Ich will nur dieses sagen / dass wir / so viel die eile und
umstände leiden wollten / einander erzehlten / was uns alda zusammen brächte: und
entdeckte er mir / wie er gewillet wäre / die Königin Petasiride zu entfüren.
Ich konnte hierzu keinen beistand leisten /weil ich in meinem weiber-kleide
unbewaffnet war /und / mich vor der Petasiride sehen zu lassen / für den
Mardocentes nicht nützlich befande.
    Indem ich also anstunde / worzu ich greifen sollte /kame einer von der
ausgestellten wacht gelaufen /welcher die ankunft des frauenzimmers anmeldete.
Die beide verliebte Prinzen stelleten sich hierauf alsobald mit ihren leuten
hinter ein gebäu / und bliebe ich bei ihnen / unwissend / womit ich ihnen helfen
sollte. Als nun die Petasiride und Danede für ihne übergingen / brachen sie
hervor: da dann jeder die seinige ümfassete / mit ihnen nach dem hierzu in
bereitschaft haltenden wagen eileten / sie darauf setzeten / und also mit ihnen
zur stadt hinaus jageten. Diese tat /verursachete ein allgemeines geschrei und
einen auflauf / unter dem erschrockenen frauenzimmer. Wie nun eines hier / das
andere dortinaus liefe / ergriffen mich zween soldaten von des Prinzen Amosis
leuten /und huben mich auf ein pferd: da dann einer von ihnen sich hinter mich
setzete / und sie also mit mir /in dieser unordnung / zum tor hinaus renneten.
Diese aber namen nicht den weg / den die Prinzen von Egypten und Arabien
genommen hatten / sondern eileten mit mir in das gebirge: des vermutlichen
fürhabens / eine beute aus mir zu machen / und mich einem fürnemen herrn zu
verkaufen. Ich wollte mich zwar widersetzen: es war aber alles ümsonst / weil ich
ohne waffen war / und zudeme mich dieser entfürung nicht versehen hatte / als
der ich noch im bestürzten nachsinnen über dem / was da fürginge / begriffen
gewesen. Weil ich aber doch meine stärke merklich spüren lassen / als banden sie
mir die arme hinterwerts zusammen / und füreten mich also nach dem gebirge: sich
unterwegs mit einander ergetzend / dass sie diese beute / wider ihres herrn
wissen / so glücklich ergriffen hatten.
    Es wollte aber mein Glück / dass wir unversehens auf einen haufen Assyrier
stiessen / welche die Königin Atis von Sichem nach Babel begleiteten / die eben
üm selbige zeit aus Canaan entwichen war. Wie nun meine rauber / die anderen
ersehend / mit mir in den busch wollten / risse ich meine arme mit allen kräften
los / und fiele damit dem pferd in den zügel / dass der Egyptier / so hinter mir
sasse / dasselbe nicht mehr nach seinen willen regiren kunte. Indem kamen von der
Königin Atis leuten etliche dazu / die mich befreieten / und meinen raubern
einen blutigen lohn gaben.
    Hierauf wurde ich für die Konigin gebracht / die mich gar gnädig entfinge /
und befragte / wie ich unter diese räuber geraten wäre. Ich erzehlte ihr / wie
ich auf dem feste des Camos in Rabbat gewesen / und daselbst neben anderen
frauen-personen wäre entfüret worden. Ich bewegte die Königin zu grossem
mitleiden / uñ ich gefiele ihr so wohl / dass sie mir gleich anbote / mich / als
eine in der wildnis verlassene / mit nach Babel und in ihren dienst zu nemen.
Sie fragte ferner nach meinem namen: da ich dann mich Aramena nante / worzu mich
das andenken dieser Prinzessin beanlasset. Dann ich funde nicht für ratsam /der
Konigin zu offenbaren / wer ich wäre: weil ich den Prinzen Bildat von Chaldea /
unserer mutter brudern / bei ihr fand / dessen bruders tochter / die Aramena /
ich haben sollen: üm welcher verweigerung willen / mir der Mamellus so wohl / als
die ganze freundschaft / sehr aufsetzig worden war. Also besorgte ich nicht
unbillig / ich möchte / wann man mich für den Dison erkennete / in meines
erzürneten vatters hände wieder gerahten / und mein gelübde brechen müssen.
Demnach wusste ich keinen andern schluss zu fassen / als dass ich dieses erbieten
der Königin anname: der hofnung lebend / ich würde zu Babel gelegenheit erlangen
/ in der Isis tempel nach Damasco entkomen zu können.
    Unsere reise ginge nun fort / und entfinge die Konigin / an dem Phrat / der
Prinz Hemor ihr sohn: der sie vollends nach Babel begleitete. Als wir alda den
König Belochus / ihren herr bruder / nicht fanden /welcher mit der Konigin
Naphtis / und der schönen Delbois seiner tochter / nach Ninive gereiset war /
folgeten wir / als wir den ganzen winter zu Babel geblieben / dem königlichen
hofe nach: da dann ich in meinem gemüte hochst erfreuet wurde / Ninive zu sehen
/weil ich in der Diana tempel die jenige wusste / welche ich liebete. Selbige
liebe entflamte in mir von neuem durch diese erinnerung / und ergetzete ich mich
oft mit der süssen hofnung / diese schöne / durch das mittel meines jeztfürenden
standes / in dem tempel der Diana zu sehen zu bekommen. Der Prinz Hemor /hatte
sich inzwischen immer zu mir gesellet / und an mir etwas findend / so er
liebwürdig hielte / mir fleissig aufgewartet. Und / mich nicht grausam erkennend
/ weil ich meine lust daran hatte / seine verliebte eitelkeit anzuhören / wurde
er endlich ein liebhaber von hoffnung / und vermeinte nicht anders / als dass
mein herz mit wahrer gegenliebe hinwiederüm entzündet wäre.
    Zu Ninive wurde die Königin Atis / von ihrem bruder / mit grossen freuden
entfangen / und darbei des Beors unrechtmäsiges beginnen in seiner ungeziemten
liebe gegen euch / liebste schwester! sehr übelgenommen. Die Königin Naphtis /
lage dazumal schon auf dem todbette / und sah ich alda das erste mal ihre
wunderschone tochter / die jetzige Königin und damalige Prinzessin Delbois:
welche allein ich mit meiner schonen / die ich liebte / üm den vorzug streiten
fand. Diese gütige Prinzessin erzeigte sich auch gegen mir so freundselig / dass
ich ihr / von der ersten stunde an / ganz ergeben verbliebe. Es sturbe aber
/kurz nach unserer ankunft / die Königin Naphtis /nachdem sie ihre tochter zur
erbin ihres erb-königreichs verordnet / und ihr dabei / den Prinzen Baleus ihren
bruder / sobald derselbige aus dem Ophirischen kriege wieder zu haus kommen
würde / zu heiraten befohlen hatte. Dieser tod / verursachete ein allgemeines
trauren. Aber die schöne Delbois setzete damit die Ninivitische kron auf / und
begehrte mich / bei anrichtung ihrer neuen hofstatt / von der Konigin Atis /in
dienste: die mich dann ihr üm so viel lieber überliese / weil sie die liebe
ihres sohnes gegen mir merkete /deren sie ganz entgegen war / und selbige durch
diese entfernung in der ersten glut zu dämpfen verhoffete.
    Ich bliebe so vergnugt als unruhig zurück / wie die Atis / neben dem König
von Assyrien und ihrem sohne / von Ninive nach Babel wiederkehrete: dann ich es
meiner und der Königin Delbois ehre nachteilig achtete / also verkleidet in
ihrem frauenzimmer zu leben. Ich sah aber dabei kein mittel / wie ich entkommen
/ oder mich sonder gefahr entdecken sollte: zudem dass ich von der stetigen
begierde / meine unbekannte schöne durch beförderung meiner weibertracht / in der
Diana tempel zu sehen zu bekommen /angehalten wurde. Hierzu eraugete sich bald
eine gute gelegenheit: als die junge Königin / nach gewonheit des reichs / die
oberpriesterin Celia besuchen / und mit sonderbaren gebräuchen die bestatigung
ihrer regirung von ihr begehren musste.
    Als wir demnach mit grossem pomp in den tempel der Diana gekommen / entfinge
uns die Celia / von allen ihren geheiligten iungfrauen begleitet / auf das
herrlichste / da ich dann / mit höchster begierde /unter ihnen die jenige
suchete / die ich liebte. Ich bemühete mich aber hierum ganz vergebens / und
fand keine einige / die meiner schönen sich vergliche. Wie nun die gebräuche
verrichtet / und die Konigin mit der oberpriesterin / nach eingenommener malzeit
/ allein verbliebe / unser frauenzimmer aber sich unter die heiligen iungfrauen
verteilte: fürete mich ihrer eine /die erst neulich war eingenommen worden / in
den prächtigen bau / darin die oberpriesterin wohnte. Wir kamen in ein zimmer /
da unter andern ich meiner schönen ihr bildnis eben also in marmor gehauen /wie
ich sie ehmals in dem wüsten Arabien angetroffen / zu sehen bekame.
    Meine freude und entzückung hierüber ward so gross / dass ich nicht umhin
konnte / dieses schöne bild zu umfassen / und meine fürerin ganz begierig fragte
/ wer diese schone ware? wie sie hiesse? und ob sie nicht lebendig sich in diesen
tempel aufhielte? Wie sie heiseit / (antwortete mir die jungfrau) kann ich wohl
nicht sagen / weil ich erst neulich in diesen tempel gekommen. Ich weiss aber
nicht anderst / als dass sie todt sein müsse: weil die ober-priesterin niemals
dieses hild anschauet / dass sie darbei nicht herzlich weinet /und den verlust
dieser schönen betauret. Mir wurde hierauf nicht anderst zu mut / als håtte man
mir das herz aus dem leibe gerissen. Indem ersah ich ein tafelein / so unten an
das bild gestellet war / auf welchem ich folgende reimen geschrieben fand:
Du scheidest aus der welt / du keusche himmel-seele!
dass deine schone nicht was irdisches erwehle.
Kein sterblicher war wehrt / zu sehen deinen schein:
drum schliesst du dich gern / nur fur den himmel / ein.
    Was konnte ich aus diesen zeilen anders schliessen /als dass die himlische
schönheit / die ich verehrte / den himmel besässe / und sich der welt durch den
tod entzogen hätte. Demnach schiede ich so betrübt aus dem tempel / dass ich die
folgende ganze nacht kein auge zutäte. Ich überlegte bei mir / wie wunderbar
ich geliebt / da ich deren tod nun erfahren / die ich nie lebendig gesehen /
und doch so herzlich geliebt. Ich erwoge darbei / wie es mir zu Saba und Dedan
ergangen / und in was verwirrtem stand ich noch lebete. Demnach fassete ich von
neuem den fästen schluss /mit dem ersten nach Damascus zu reisen / und auf ewig
in der Isis tempel mich zu verschliessen.
    Als ich aber folgenden tags mich mit der sorge schluge / wie ich / den
weiten weg nach Syrien / allein reisen / und mit guter art aus der Königin
frauenzimmer würde entkomen können: sah ich den Prinzen von Sichem zu mir in
mein zimmer eintreten / der heimlich von Babel zurücke gekommen war / mir
aufzuwarten. Mein verwirrtes gemüt ware wohl gar nicht fähig / dieses Prinzen
liebes-reden so ruhig / als fürhin / anzuhören. Wie er aber mir zu vernemen gabe
/dass er ohne mich nicht leben könnte / und seine treue dienste / auch mit
aufsetzung seines lebens / mir erweisen wollte: fiele mir bei / seiner mich zu
bedienen /üm von Ninive hinweg zu kommen. Demnach liesse ich ihn wissen / dass er
/ wann er mich von Ninive heimlich entfüren und nach Damascus bringen würde /
sodann daselbst nicht allein / wer ich wåre / erfaren /sondern auch meiner
gegen-liebe innen werden sollte. Wer war hierauf frolicher / als der verliebte
Hemor? der mir / für diese gütige bezeugung / tausendfältig dankete.
    Wie er demnach alles zu dieser reise angestellet /brachte er mich bei nacht
aus dem Königlichen frauenzimmer hinweg / und fürete mich also für sich auf
seinem pferd davon / mir unterwegs mit den heftigsten worten seine liebe
bezeugend: die dann so lächerrlich von mir aufgenommen / als begierig sie von
ihnen fürgebracht wurden; und waren wir beiderseits / wiewol auf unterschiedene
weise / vergnüget. Ich hatte zwar öfters im willen / dem betrogenen Hemor meinen
stand zu entdecken. Wann ich aber bedachte / wie grosse ursach er hätte / der
Ahalibama brudern feind zu sein / kunte ich mich nicht entschliessen / mich so
fürsetzlich in gefahr zu stürzen. Unsere reise gienge nun glücklich und wohl von
statten / bis wir in Mesopotamien nach Acraba kamen: da wir / wegen müdigkeit
der pferde / etliche tage stille liegen musste. Weil der oft trefflich lustig /
und eben alle Mesopotamische und Syrische fürsten / wegen der weinlese / sich
daselbst befanden: gienge der Prinz Hemor / an einem abend / unbekant auf den
grossen platz / da man ihm gesaget / dass das gesamte frauenzimmer pflegte
spaziren zu gehen. Er wollte mich zwar mit haben: weil ich aber den Stattalter
von Syrien daselbst gegenwärtig wusste / wollte ich mich nicht in gefahr wagen
/sondern bliebe in der herberge.
    Wie er nun von dannen mit spater zeit wieder einkame / sah ich ihn sehr
traurig und in gedanken. Ich kehrte mich anfangs wenig daran / und hoffete / er
würde den andern tag mit mir wieder hinweg reisen. Er kame aber am morgen zu mir
/ und entschuldigte sein dableiben / mit der noch-anhaltenden müdigkeit seiner
pferde. Ich hörete solches nicht gerne / weil mein verlangen gros war / Damascus
ehist zu erreichen; und bekame ich ihn darauf den ganzen tag nicht wieder zu
sehen. Am folgenden tag / sandte er / an statt selber zu kommen / seinen
waffenträger zu mir /und liesse sich entschüldigen / dass er / wegen eines
wichtigen geschäftes / mir nicht aufwarten oder selber sagen könnte / wie dass er
auch heute noch alda zu verharren gezwungen würde. Mir kame solches sehr
wundersam für / und konnte ich aus seiner kaltsinnigkeit nichtes gutes
schliessen. Ich erfuhre überdas / dass die pferde munter genug / und also diese
ursach nicht erheblich wäre / länger daselbst zu verbleiben.
    Wie ich nun in meiner kammer / voll sorgen und unruhe / mich also allein
befande / hörete ich / dass Hemor mit seinem waffenträger in die seine eintrate
/die nur mit einer bretteren wand von der meinigen unterschieden ware. Ich ward
begierig / und horchete /wovon sie reden würden. Ach Salma! (sagte der Prinz)
ich werde gegen der einen Aramena unbeständig / üm die andere Aramena zu lieben.
Und hieraus entstehet die unruhe meines gemütes / dass meine neue liebe so gar
nicht stallen will mit meiner unbeständigkeit / sondern über dieselbe die
oberhand gewinnet. Was wunderliche begebenheit höre ich allhier? (antwortete
Salma /) und woher kommet diese plötzliche änderung? Hierauf erzehlte der Hemor
dem Salma ausfürlich / wie er / auf dem spazir-platze / eine solche schönheit zu
sehen bekommen / die / auser der schönen Königin von Ninive / nicht ihres
gleichen hätte. Als eine schäferin wäre sie bekleidet / aber einer göttin änlich
/ gewesen. Wie er nun sich nach ihrem namen befraget / wäre ihm gesaget worden
/dass diese schöne des Stattalters von Syrien tochter /die Prinzessin Aramena /
wäre. Ach diese vollkommene schönheit / (hörte ich ihn hierauf fort reden) deren
meine Aramena nimmermehr bei kommet / die gleichheit unser beider standes / (da
meine Aramena von unbekanten schlechten eltern ist /) und die ehre /trieben mich
an / diese zu lieben / und die erste zu verlassen. Ich weiss aber so wenig / wie
ich diese meine liebe fördern soll / als wenig ich von der ersten mit guter art
weiss abzukommen.
    Indem ich solche frömde dinge anhörete / entstunde unversehens ein grosses
geräusche im haus / und kamen etliche in des Hemors kammer: die gleich nach mir
fragten / und nicht allein der Königin von Ninive unwillen über diese entfürung
ihme zu verstehen gaben / sondern mich wieder von ihm abforderten. Er / der für
seine neue liebe nichts gewünschters / als die ankunft dieser Niniviten finden
können / entschuldigte seinen fehler / und versprache / damit er der Königin
ungnade nicht ferner auf sich lüde / mich alsobald wieder ab folgen zu lassen.
Damit fürete er sie in meine kamer / und sich stellend / als wäre er noch sehr
verliebt / sagte er mir: wie dass uns die Niniviter ausgespüret hätten / und er
also gezwungen wäre / der gewalt zu weichen / und mich ihne zu überlassen. Ich
antwortete: Er hätte dem himmel dafür zu danken /dass der auf diese weise ihn von
mir los machete. Doch möchte er sich ja nicht rühmen / dass er mich berrogen
hötte: weil vieleicht / wann er mich recht kennete / er sich ärger / als ich
mich / geäffet spüren würde.
    Hierauf gienge ich freudig zu dem Fürsten Jotan /der die Königin mir
nachgeschicket / und bate ihn /dass er gleich mit mir hinweg ziehen wollte. Dieses
täte er / und bezeugete mir unterwegs / wie sehr die Konigin über meine
entfürung wäre entrüstet worden: dañenhero sie ihme gleich befohlen / uns
nachzusetzen. Er wäre so gläcklich gewesen / dass er allemal in den erfaren /
wohin der Prinz mit mir seinen weg genommen: da er dann uns also zeitlich
erreichet hätte. Ich stellte mich / als wann mir hiermit gar wohl gedienet wäre /
und schickete mich in mein verhängnis: weil ich nun merkete / dass der Himmel /
mich in der Isis tempel wiederkehren zu lassen / nicht beschlossen hätte.
    Als wir nun zu Ninive angelanget / ward ich von der Königin mit solchen
liebkosungen entfangen / dass ich darüber ganz bestürzt verbliebe. Ich fand aber
daselbst / bei meiner ankunft / unsere base die fürstin Timna: welche mich nicht
erkannte / bis dass ich mich ihr entdeckte. Ihre verwunderung war nicht geringer
/als die eurige / als sie unter einer Aramena / den unglücklichen Dison fand.
Ich erzehlte ihr meinen ganzen zustand / und vername von ihr hinwiederum / wie
es ihr in Seir ergangen / und wie sie jezt bei ihrer frau mutter schwester zu
Damascus wohnete / aber diesem winter herdurch / bei der Königin von Ninive sich
aufgehalten hätte / von der sie / wegen ehmaliger käntnis / die sie mit ihr zu
Babel gepflogen / sehr geliebt würde. Wir redeten hierauf miteinander ab / dass
/ so bald sie wieder nach Damascus reisen würde / ich mir ihr dahin gehen wollte
/ weil ich sonst kein mittel sah / mit guter art von dar hinweg zu kommen.
    In solchem fürsatz lebete ich / vergangenen winter über / und erfuhre in der
zeit / neben der Timna / die ihre vertraute war / alles das / was die Delbois
betraffe. Diese / als sie uns beide in dem allgemeinen irrturn der völker sah /
und unseren glauben / als die anruffung der götter / nicht gut heissen konnte /
fienge an / uns almählich davon abzuziehen / und uns unseren wahn zu benemen.
Wir konten zwar solchen so bald nicht verlieren: weil wir den glauben / in
welchem wir geboren / gern behalten wollten. Doch forscheten wir / von dem an /
fleissiger nach / und befunden nach der hand / dass wir irrige Meinung hatten.
Weil aber die erkentnis des rechten glaubens nicht ein so leichtes ding ist /
als blieben wir noch immer im zweifel: bis endlich die vollkommene erleuchtung
erfolgete / und wir uns heimlich zum wahren Gott bekeñeten.
    Diese bekehrung nun / machte mich ledig von meinem getanen gelubde / und
vernichtete der Isis priesterschaft: da ich dann anfienge / meine verstellung zu
betrachten / und mich zu schämen / dass ich die Königin ferner also betriegen und
länger meinem stande so ungemäs leben sollte. Demnach name ich mit der Timna
abrede / mich der Konigin zu offenbaren / und sie / wegen bisheriger
verschweigung / üm vergebung zu bitten. Wie ich sie aber / in solcher
Entschliessung / anreden wollte / konnte ich es unmöglich fürbringen /und fand /
wann ich diese himlische schönheit betrachtet / solche abhaltungen / mich nicht
zu offenbaren / dass eine woche nach der andern damit hingienge.
    Unterdessen kame der Prinz Mamellus / Stattalter von Syrien / nach Ninive /
üm / wie ich nachmals erfuhre / der oberpriesterin Celia / als seiner schwester
/einwilligung zu erlangen / dass seine tochter ihr gelübde verlassen / und den
Prinzen Hemor heiraten dörfte. Vor diesem unsern vettern dorfte ich mich nun
nicht kund geben / weil ich sein haus / in verweigerung der vermälung mit seiner
tochter / so sehr beschimpfet hatte. Demnach verbarge ich mich / so viel mir
muglich / um von ihme nicht gesehen zu werden / und kame / so lang er daselbst
war / nicht viel unter die leute: fürnemlich / weil ich den Modar / unsers herr
vattern vertrautesten bedienten / bei ihm wusste / der mich erkennend / es nicht
würde verschwiegen haben; wodurch ich dann üm mein leben gekommen wäre /weil
unsers herrn vattern schwur / mich dem Moloch zu opfern / so bündlich ist / dass
wann er gleich gern wollte / er solchen nicht widerruffe könnte.
    Wie aber Mamellus wieder hinweg ware / triebe Timna ferner an / dass ich mich
offenbaren sollte. Ich vermochte aber solches nicht zu tun / und spürete wohl /
dass ich die unvergleichliche schönheit der Konigin / nicht mehr als ein
verlobter priester der Isis /sondern als ein Dison / ansah / der von ihrer
macht konnte uberwunden werden. Ich ward es erstlich nicht gewar / dass ich dieses
süsse gift in mich soge: welches nicht eher seine wirkung täte / bis es sich so
stark gesetzet / dass es unmüglich auszutreiben war. Ich begunte nach und nach /
gegen dieser lebendigen schönheit / in meinem gemüt eben solche unruhe zu fülen
/als das schöne leblose bild ehmals in mir verursachet: und wie deren anschauung
mich zu vergnügen angefangen / ware ich nach der zeit nie zu frieden / als wañ
ich die Königin sah; an welcher ich täglich mehr liebwürdiges warname / dass ich
vorhin nicht gesehen hatte. Ihre vielfältige liebkosungen / wurden mir darbei
immer angenemer / und was ich bisher mit grosser furcht geschehen lassen / das
begehrte ich nun mit grossem eifer / und kunte deren nimmermehr satt werden.
    Vormals hörete ich mit freuden an / wegen der Königin vergnügung / wann aus
dem Bactrianischen krieg / von dem Prinzen der Philister dem Abimelech / zeitung
kame: als mit deme sich die Königin heimlich verlobet / und ihme ihr herz / von
kindheit auf /eingeraumet hatte. Ich truge eine sonderliche zuneigung zu diesen
glückhaften edlen Prinzen / ob ich ihn gleich nur etliche wenig mal gesehen /
wie ich noch bei der Konigin Atis zu Babel war / als er in den Bactrianischen
krieg ziehen wollte. Ich beförderte auch / mit einem gutem wunsch / seine und der
Königin liebe. Nun aber / werde ich im gegenteil traurig / wañ mir die Königin /
ihrer gewonheit nach / von ihrem Abimelech etwas erzählt / und über seine
sieghafte waffen sich erfreuet. Ja ich wurde oft ganz unruhig /wañ sie von ihm
redete / und mich von ihrer liebe zu diesen Prinzen unterhielte.
    Verzeihet mir / mein bruder! (sagte Ahalibama) wann ich euch / in eurer
erzehlung / muss in das wort fallen: Irret ihr euch nicht / in nennung des
Abimelech? Dieser Prinz der Philister / wird meines erachtens mit der Prinzessin
Cölidiane von Salem verlobet sein? Ach liebste schwester! (antwortete Dison /)
wie oft habe ich solches gewünschet! aber es ist nur zu wahr / was ich euch von
seiner liebe berichtet. Ich fülete / nach allen diesen ümständen / endlich an
mir /dass / was Petasiride mit allen ihren liebkosungen nicht vermocht / was mein
marmornes bild nicht völlig / (weil es ohne leben /) in mir gewirket / was mich
zu der schönen Aramena nicht bringen können / was mich vor meiner bekehrung
nicht angefochten / nunmehr die schöne Delbois über meine sinne erlanget hatte.
    Die Petasiride liebte mich / und hassete meinen mitbuler: hier musste ich das
gegenspiel befahren. König von Saba / hätte ich mit leichter mühe werden können:
ich konnte aber nicht absehen / wie ich zum Königreich Ninive gelangen sollte. Die
unmöglichkeit / den Prinzen Abimelech / mit aller seiner tugend und hohen
geschicklichkeiten / aus einem so getreuem herzen zu verjagen; die tugend / so
mir verbote / solche unrechtmäsige sachen fürzunemen; die erkentnis des wahren
Gottes / und daraus-erkannte schüldigkeit /meinen begierden und anfechtungen
eiferig zu widerstehen / und meinem nächsten das seine nicht zu nemen / noch ihn
zu betriegen; und dann die furcht /das ich üm ihre gegenliebe mich vergeblich
bewerben möchte: diss alles konnte an mir soviel nicht erlangen /dass ich diese
gefårliche liebe aus den sinn hätte schlagen können. Dann / wiewol ich täglich
mit mir selber stritte / behielte doch die liebe die oberhand: gleichwol also /
dass ich mich soweit überwande / mehr meiner Königin person und wolergehen / als
meine vergnügung zu lieben / auch niemals dem Abimelech zu schaden / noch mich
mit seinem nachteil in seine stelle zu wünschen / sondern allein ihrer gunst /
wie ich jezt tue / zu geniessen / und von der zeit die änderung meines sinnes zu
erwarten. In solcher entschliesung /liese mich Timna bei der Konigin / und zoge
/ wegen unümgänglicher angelegenheit / voran nach Damascus / dahin jezt die
Königin / mit ihrer gesamten hofstatt / auf dem weg begriffen ist.
    Ich weiss / liebste schwester! ihr werdet mein ungemeines unglück beklagen
helfen: da mir so seltsame abenteuren zugestossen / die nicht viel menschen
erlebet / und in denen ich noch zum teil lebe / ohne dass ich ein ende meiner
trübseligkeiten absehen kann. In erlangung der Petasiride / wäre unserem ganzen
haus ehre zugestanden: davon hat mich / die treue gegen den Prinzen Mardocentes
/ abhalten müssen. Hätte auch mein gelübde mir nicht im weg gestanden /könnte ich
vielleicht iezt die schöne Aramena besitzen. Eben dieses gelübde / brachte mich
zum ungehorsam gegen meinen eltern / und erwarbe mir den zorn meines vatters /
dem ich in die länge nicht werde entgehen können. Wäre ich in diesem gelübde
verharret /so hätte ich nimmermehr / die unmögliche liebe zu der schönen Königin
von Ninive / mir zu sinne kommen lassen. Ich wäre hingegen meinem marmor-bilde
beständig verblieben: aber ich habe auch dieses nicht ruhig noch ohne mitbuler
lieben konnen. Also muss ich ja allentalben spüren / wie mir die verdrüssliche
widerwärtigkeiten fürwarten / und auf dem fuss nachfolgen. Ach liebste Ahalibama!
wir sind zum unglücke geboren. Dennoch geht mein leiden dem eurigen weit für:
weil ihr wisset / dass der / den ihr liebt /euch geliebt habe / welches ich
nimmermehr hoffen darf. Und kommet zu meinem elende noch dieses /dass ich jezt
unser vatterland in voller kriegesflamme und unruhe wissen muss / und doch /
demselbigen nach meiner schuldigkeit zu dienen / die gelegenheit nicht absehen
kann.
                                     * * *
    Hiemit endigte / der in die Aramena verwandelte Dison / seine erzehlung /
und liesse seine schwester /so verwundert über alle diese seltsame begebenheiten
/ so ihme begegnet / dass sie nicht worte fand / solches gnugsam fürzubringen.
Allermeist kame ihr sonderbar für / dass sich Dison in das marmorne Dianenbild
verliebet: welches sie / allen ümständen nach /für die abbildung ihrer Aramena
halten / und darbei gläuben musste / dass Betuel der jenige gewesen /welcher
dieses bild in das wüste Arabien gebracht /und zu ihrem andenken also verehret.
Sie wollte aber hiervon ihrem bruder nichts sagen: weil er / wegen der änderung
seines glaubens / und verlassung seines gelübdes / auch selbige von dem ihrigen
abbringen / und seine liebe ihr zuwenden möchte; da er dann abermals mit
unmüglichkeit sich beschlagen würde. Doch ginge ihr seine jetzige lebens-art
sehr zu herzen / wann sie seinen unruhigen gefärlichen stand betrachtete / und
dabei erwoge / wie er an einen ort liebete / da er nichts zu hoffen hatte.
    Ach mein bruder! (sagte sie endlich) wie tauret ihr mich / dass ich euren
zustand so verwirret und elend finde / und dass ihr / nach so vielem
ausgestandenem unglück / die einmal-gefundene glückselige ruhe verlassen / und
also götter und menschen beleidigt habet. Hätte ich (antwortete der fürst von
Seir /) nach verleugnung der erdichteten götter / meinen ruhigen stand in der
Isis tempel behalten konnen / wollte ich deme nimmermehr abgesaget haben. Nun
aber / da ich an keine Isis mehr gläube / wie kann ich ihr priester sein? Ach
Dison! (antwortete sie /) wie betrübet mich dieses / dass ihr die grossen götter
verlassen. Vielmehr betrübet mich / liebste Ahalibama! (sagte er hingegen /) dass
ich euch noch in diesem irrtum sehe / und verneme / wie ihr gesinnet seit / euch
der Diana in Ninive zu verloben. Diese verlobung ist bereit geschehen /(gabe sie
zur antwort /) und wird mich davon niemand abbringen. Der gewissen hoffnung lebe
ich aber (wandte Dison wieder ein /) ihr werdet eure falschen glauben bald
verlassen / und des Eliesers Gott für den euren erkennen / worüm er euch an
seinem ende gebeten! Was mein liebster Elieser / (sagte sie / die tränen in den
augen habend) hierdurch verstanden / kann ich nicht wissen: das weiss ich aber wohl
/ dass ich nirgend bässer / als in der Diana tempel / seinen verlust werde
beweinen konnen; und ich werde nicht so unbeständig werden / als ihr dem schönen
bilde von eurer Diana worden seit.
    Dison / der ihr von änderung ihres glaubens für dissmal nichts mehr sagen /
sondern selbiges der Königin von Ninive überlassen wollte / erinnerte sich
hiernächst des schönen ritters / den seine schwester bei ihr hatte / und sagte:
Der schöne Dison / der mit euch aus Canaan angelanget / gleichet sehr diesem
Dianenbilde / das in Arabien solche gewalt über mich bekommen; und befinde ich
in mir solche regung /diesen Dison zu lieben / dass / wann ich warhaftig Aramena
wåre / der Chaldeer / der sich bei uns zu Hemath befunden / wohl dörfte wahr
geredet haben. Ahalibama truge bedenken / ihre Aramena zu verraten /üm ihr keine
neue unruhe / in ihrem reis-vorhaben nach Ninive / zu erwecken / und
beantwortete dieses gar kurz: worauf sie von einander gingen / weil der mittag
unter wärenden ihrem gespråche eingetreten /und Aramena ihre aufwartung bei der
Königin ablegen musste.
    Der Stattalter Mamellus / der ein unbeschreibliches verlangen truge / seine
base die Ahalibama zu sprechen / um von ihr zu vernemen / wie es seiner tochter
in Canaan erginge / ware den ganzen vormittag bedacht gewesen / sie
heimzusuchen: wovon er aber durch vielfältige geschäfte abgehalten worden. Wie
aber die mittagsmalzeit vorbei ware / die jeder in seinem gemach eingenommen /
weil / wegen der traur / über des Königs von Elam tod / die Konigin von Ninive
nicht öffentlich tafel hielte: liesse er sich bei ihr anmelden. Als er nun durch
den fürsten Jotan zu ihr gefüret worden / entfinge er diese seiner schwester
tochter mit bezeugung sonderbarer gewogenheit / und nachdem er den durch
Eliesers tod ihr zugestandnen verlust beklaget / kame er auf seine tochter zu
reden /uñ fragete: in was für einem zustande sie dieselbige verlassen hätte? Ich
möchte wünschen / (antwortete Ahalibama) dass der Prinzessin Aramena beständiges
gelübde / so sie der gottin Diana getan / ihrem herrn vatter nicht so sehr
entgegen gewesen / oder noch wåre: so dörfte ich nicht befahren / dass mein
bericht /den mein herr vetter begehret / ihn würde betrüben konnen. O weh!
(fiele ihr Mamellus in die rede /) mir ahnet nichts gutes / von diesem eingang /
dessen sich meine base bedienet. Wann mein herr vetter / (sagte sie) recht
erwägen wird / wer Aramena ist / wird ihn so sehr nicht befrömden können / dass
sie sich der zwang-heurat abermals entrissen / und aus des Prinzen Hemors händen
entkommen ist.
    Gerechte götter! (sagte er hierauf / und warf die augen gen himmel /) was
muss ich nicht alles erleben! Hiermit sah er die Ahalibama mit unverwandten
augen an / und dorfte nicht ferner fragen / üm nicht mehr betrübte sachen zu
erfahren. Sie aber vollfürete ihre rede / und sagte: Sie hat / diese ihre flucht
aus Canaan / nicht von ihr selber / sondern aus befehl der oberpriesterin Celia
vorgenommen / die es ihr / durch etliche abgeschickte aus Ninive / befehlen
lassen. Ist dann diese ungehorsame / (fragte Mamellus /) schon lang aus Canaan
hinweg? Hierauf erzehlte ihm Ahalibama / (wie sie es mit der Aramena zuvor
abgeredet /) dass seine tochter etliche tage eher aus Salem / mit bei sich
habenden jungfrauen der Celia entkommen wäre /ehe der fürst von Cale / der Arsas
/ sie die Ahalibama davon gebracht. Wo ist dann die fürstin Calaride /(fragte er
ferner /) und der Tebah geblieben? Von diesen / (gabe sie zur antwort /) ist
mir nichts wissend: was aber die Prinzessin Aramena betrifft / vermute ich / dass
dieselbe schon in der Diana tempel sein werde. Ach törichte flucht! (sagte der
erzürnte Mamellus) wollte der himmel / ihr hättet beiderseits klügere ratschläge
gefasset! so dörften sich eure eltern jezt nicht betrüben / dass ihr alle beide
den Cananitischen Zepter ausgeschlagen. Dieses stiesse er im eifer heraus:
wiewol er sonst / vor den leuten / der Ahalibama verweigerung / den Beor zu
ehlichen / sehr zu billigen pflegte. Ahalibama entschuldigte gegen ihn / so gut
sie konnte / so wohl sich selber / als seine tochter: Der aber / was die Aramena
betraffe / von keiner entschüldigung hören wollte / und also sehr schmerzmütig
wieder von ihr ginge.
    Ihr ritter Dison / eilete hierauf / neben dem Brianes und Zimenes / zu ihr
hinein / die sich bis dahin verstecket hatten: und fragte der schöne Dison ganz
begierig / wie diese besuchung abgelaufen wäre? Wie nun Ahalibama ihnen alles
erzählt / redeten sie miteinander ab / dass / so bald sie nur würden in Damascus
angekommen sein / sie sich / ohne ferneren verzug / heimlich auf den weg nach
Ninive machen wollten. Und weil Briane sehr beherzet war / als vermasse sie sich /
diesen weiten weg / ohne andere schutz-fürer / wohl zu übernemen / und der hülfe
der grossen Diana dabei zu erwarten. Weil aber Ahalibama denselbigen ganzen tag
ihre Königin nicht gesehen hatte / als ginge sie gegen abend zu derselben. Dison
bliebe bei seinem Tirzis / Brianes und Zintenes / und liesse sich durch sie
überreden / mit ihnen in den garten sich zu wagen: weil sie / aus ihrem fenster
/ selbigen ganz leer ersahn / und also nicht befahren dorften / erkant zu
werden.
    Wie sie nun hinein gekommen / zeigete Dison den andern / alle die
seltenheiten / die in grosser menge und anzahl daselbst zu sehen waren / und
sagte zu dem Brianes: wie oft habe ich doch schon / in meinem sinn / von diesem
orte / ja vom ganzen Syrien / ewigen Abschied genommen / und nicht vermeint /
mein vatterland wieder zu sehen. Ach! gebe doch nun die grosse Diana / dass
einmal mein gerechter wunsch erfüllet werde / und ich zu dem zweck gelange /
nach welchem ich so unschüldig strebe. Der himmel wird uns erhören: (antwortete
Brianes /) massen wir ja /dessen wunderbare hülfe und rettung / iezt mehr als zu
klar erkennet. Wann sie nur beständig ist / (gabe Dison zur antwort) und uns
nicht / auf das ende / die hülfe gebrechen möchte? Wer wollte so kleinlaut sein /
(sagte Zimenes) und in der hoffnung verzagen / da sich dieselbe so herrlich
blicken lässet.
    Hiermit kamen sie / unter dergleichen gesprächen /in eine läube / die mit
Citronenbäumen bewachsen war: in welcher sie sich alle viere nieder liessen /
und von dar durch das weite feld / die angenemste ferne /die sein mochte /
überschaueten. Die verkleidete Aramena wünschete / mit dem leibe den weg zu
reisen /den sie ihre augen füreten / so meinte sie bald Ninive zu erreichen.
Wie sie also in stillen gedanken sasse /hörete sie hinter ihnen ein geräusche in
den büschen: darüber sie bestürzte / und den anderen winkete / still zu sein /
und sich nicht zu rüren. Sie sah aber in kurzem / den Stattalter von Syrien
ihren herrn vatter /von dem Elihu begleitet / herfür kommen: der voll betrübter
gedanken / ihrer nicht warname / sondern sich / nahe bei dieser / in eine andere
hütte mit dem Elihu nieder täte; alda er / durch sein vieles seufzen / die
bekümmernis seines herzens genug an den tag gabe. Die erschrockene tochter /
ihren vatter so nahe sehend / dessen worte sie alle vernemen konnte / wusste nicht
/was sie beginnen sollte. Sie hielte aber für das bäste /an ihrer stelle
unbeweglich zu bleiben: weil der Mamellus / wie sie vermutete / schwerlich
seinen weg daher zu rück nehmen würde.
    Indem horete sie / diesen betrübten fürsten / also zu dem Elihu sagen: was
nützet mir alle meine macht und irdische glückseeligkeit / dass ich dieses
unglück muss in meinem haus erleben / dass mein einiges kind so widerspenstig sich
erzeiget? Weme kommet alles mein gut zum bästen? Und wessen soll ich mich / in
meinem alter / trösten oder erfreuen / da ich kinderloss muss leben? Ach Aramena!
wie kränkest du mich /und bringest mir das wieder ein / was ich an der
Prinzessin von Syrien begangen habe! Hiemit verwehreten ihm die viele seufzer /
fort zureden: und Elihu / der von ihme wie ein sohn geliebt wurde / bemühete
sich / ihn zu frieden zu sprechen / und entschuldigte dabei der Aramena beginnen
/ so viel es / ohne ihn zu reitzen / sich tun liesse. Er sagte ihm: dafern er
sein gemüte diss orts in gedult stellen / und dem willen des himmels sich nicht
widersetzen würde / könnte er noch wohl / zu fortpflanzung seines stammens / mit
mehrern kindern angesehen werden. Alles dieses aber kunte den Mamellus nicht
beruhigen: und schwure er teuer /dass er die Aramena nimmermehr / weil er lebete
/ in dem Dianen-tempel lassen wollte.
    Nachdem er hiernächst / als ein grosmütiger herr /diesen schmerzen etwas zu
dämpfen / auf andere gespräche geraten / erzehlete er dem Elihu / von der
ietzigen unruhe / die sich in Damasco spüren liesse: da /so wohl unter den fürsten
/ als unter der gemeine ein geschrei ausgekommen / als wann noch ein sohn von
ihrem Konig Aramenes lebete; welches dann einen gefärlichen aufstand unter dem
volk erwecken konnte. Elihu fügete hiebei mit an / dass nicht allein ein gerüchte
von einem überbliebenen Syrischen Prinzen ginge / sondern auch von einer
Syrischen Prinzessin geredet würde: doch håtte er nicht spüren konnen /dass
einiger gedanke auf die Prinzessin / welche der Tebah in ihrer zarten kindheit
nach Ninive bringen müssen / zielete. Solches kann (sagte der Mamellus /)
unmüglich jemanden bekant sein: dann auser euch /mein sohn! deme ich mein ganzes
herz entdecket / allein meine gemalin / der Tebah und die Calaride /hiervon
wissenschaft haben. Die ietzige vielfältige zusammenkünfte der Syrischen Fürsten
in Heliopolis /machen hierbei mir nichtes gutes ahnen: dann ihrer wenige in
diesem Konigreich unserem Assyrischen Konig gut sind; worzu nun die Ninivitische
Fürsten in Damasco kommen / von denen man wohl weiss / dass sie dem Assyrischen
hause aufsätzig sind / und unser joch fürchten. Also muss ich in warheit besorgen
/ es sei uns ein grosses unglück angedrohet. Das bäste zwar ist bei dieser sache /
dass mein König diesen sommer selbst in Damascus kommen wird / und S. Maj. iezt
frieden mit Ophir und den Bactrianern haben: daher man mit grösserer macht den
Syrern / wann sie etwas beginnen sollten / wird gewachsen sein können / wofern
wir nur nicht unsere macht in Canaan und Seir verstreuen / und uns also selber
schwächen.
    So viel ich (antwortete Elihu) von meinen herr vattern zu Babel erfahren
konnen / dünket mich wohl /dass man werde suchen / sich an dem Beor zu rächen
/wegen der Königin Atis beschimpfung. Der Seirischen unruhe aber dörfte man sich
etwan wohl nicht annemen / wann der Fürst von Edom dem König nicht darum ersuchen
wird. Ihr wisset / Elihu! (sagte Mamellus) was ich / den König von Canaan
betreffend /wegen der ruhe meiner tochter / die ich an dieses haus verheiratet /
für eine Meinung haben kann. Solte aber diese flüchtige zu des Hemors liebe nicht
konnen bewegt werden / das ich doch noch anderst hoffen will /werde ich den krieg
in Canaan nicht eben widerraten: und dieses üm so viel mehr / damit mich nicht
der König in verdacht ziehe / als hätte ich / die heuratung meiner basen der
Ahalibama / an den Beor / gewünschet. Wie dann / die warheit zu gestehen / es
mir nicht würde zuwider gewesen sein / wann sie der sämtlichen Fürsten von Seir
Meinung und willen hierinn hätte folgen wollen. Die Seirische Fürsten aber liebe
ich viel zu sehr / und hasse den Esau in meinem herzen: dass es mir also nahe
gehen sollte / wann dieser über jene die oberhand / oder von uns hülfe wider sie
/ erhalten sollte.
    Es ist aber der Fürst von Edom / (gabe Elihu zur antwort /) meinem vettern
so nahe befreundet / als die Fürsten von Seir. Er ist bei allen seinen
anverwandten verhasst / (wandte Mamellus dargegen ein /) und können ihn seine
eltern so wenig als meine gemalin / leiden. Seinen bruder Jacob werdet ihr in
Mesopotamien wohl gekant haben / der zum widerspiel von allen seinen freunden
desto mehr geliebt wird. Was diesen anbetrift / (antwortete Elihu / und
seufzete damit gar tief /) so ist mir ja wohl bewust / dass man ihm seine gemeine
liebe zuwendet: und ob ich wohl / aus allerhand ursachen / ihme dieses misgönnen
könnte / so muss ich doch gestehen / dass er liebens würdig ist /massen ich ihn
selber hoch verehre. Er ist euer mitbuler! (sagte Mamellus) doch habe ich für
euch iezt eine reichere braut / als die Rahel ist / ausersehen / nämlich die
junge Königin von Elam / mit der ihr dieses mächtige reich erlangen könnet.
Dieser Königin muht (antwortete Elihu) ist viel zu hoch / sich bis zu mir zu
erniedrigen / und möchte ich meinesteils lieber eine kron durch tugend / als
durch eine gezwungene liebe /erlangen. Der schönen Rahel andenken / (gabe
Mamellus zur antwort) machet euch also reden. Uberleget aber dieses / mein sohn!
was ich euch iezt gesaget / etwas mehrers bei euch selber. Ihr wisset / dass ich
wohl gelitten bin bei der Königin von Tyro / ihrer frau mutter. Ihr erkennet
dabei mein gemüte / dass ich niemand lieber / als den edlen Elihu / dieses grosse
reich gönnen möchte.
    Hiermit / weil es nun finster zu werden begunte /stunden sie zusammen auf:
und als Mamellus dem Elihu die hand bote / sich von ihme füren zu lassen
/küssete ihm Elihu dieselbige / zu erweisung seiner erkäntlichkeit / für ein so
grosses anerbieten. So bald sie aber hinweg waren / folgete ihm seine
verkleidete tochter / mit ihren beisichhabenden / die nicht geringe angst
inzwischen ausgestanden hatte. Sie betrübte sich zwar / ihren herrn vattern /
ihres wandels halber /so unruhig zu wissen: dennoch aber war ihre andacht gegen
die götter so gross / dass keine betrachtung sie von ihrer Meinung kunte
abtringen. Und gleichwie sie sich aller weltlichen dinge / die sie nicht
angingen /wenig anname: Also beachtete sie auch gar nicht /was sie von einer
Syrischen Prinzessin / und von des Elihu zustande / gehöret hatte. Sie begabe
sich / als sie die Ahalibama schon zu bette zu sein / vernomen /in ihr
verordnetes zimer / das ihr / als dem Ritter der Ahalibama / eingeraumet wochen:
da dann bei ihr die drei andere verkleidete auch herberge namen / und sich stäts
bei ihr aufhielten.
    Des folgenden tags / täte der Prinz Mamellus seiner gemalin / die noch in
Damascus ware / zu wissen /was er von seiner tochter verdrüsliches erfaren hatte
/und machete dabei anstalt / zur einholung der Königin von Ninive / deren einzug
in zehen tagen geschehen sollte. Diese Königin sandte ihren hofmeister / den
Fürsten Barzes von Arvad / nach Damascus / so wohl den beiden Koniginnen von Tyro
und Elam das leid zu klagen / als dieser lezten zu ihrer erlangten würde und
regirung Glück zu wünschen. Weil sie aber in wärender dieser zeit / da sie die
traurtage in des Prinzen Mamellus schloss hielte / nicht aus dem gemach kame /
und also am ganzen Ninivitischen hofe alles sehr traurig und still war: als
baten / die Fürstin Dersine und das andere frauenzimmer / erlaubnis von der
Königin / auf ein landgut zu reisen / so etliche meilen von dar gelegen war /
und der Merone vettern zugehörte. Sie wurden von den meisten Fürsten und
kammerherren des Ninivitisches hofes / begleitet / und bliebe niemand zu haus /
als Jotan / welcher der Ahalibama aufwarten musste / neben der Perseis /
Casbiane und Aramena. Denn auch diese letzere wollte nicht mit den andern reisen:
weil der Ahalibama ihr ritter Dison ebenfalls zurücke geblieben / dem sie dann
lieber wollte gesellschaft leisten.
    Mamellus versäumete unterdessen keine zeit /neben dem Elihu der Königin
fleissig aufzuwarten. Wie nun diese beide eines tags bei ihr sich befunden
/gerieten sie / unter anderen gesprächen / auf die / zwischen ihr und dem
Prinzen Baleus von Assyrien / beschlossene heurat: da der Elihu / als der erst
von seinem vatter / dem Baracheel / von Babel gekomen war / ihr erzehlete / wie
so grosse zurüstungen am Assyrischen hofe gemachet würden / und wie der Konig
diesen sommer nach Damascus kommen / und der vollziehung dieser gewünscheten
heurat beiwohnen wollte. Die Königin wurde hierüber ganz traurig / weil sie ihr
damit fürstellete / was sie zu Damasco noch alles würde auszustehen haben. Wie
sie demnach sich allein / und niemanden als ihre Aramena üm sich sah /sagte sie
zu derselben: wie unglücklich bin ich doch /dass meiner frau mutter lezter wille
mir befihlet / eine heurat zu tun / die so wohl wider meinen glauben /den ich
angenommen / als wider meine zuneigung laufet. Offenbare ich mich endlich /
wiewol nicht ohne grosse gefahr und ungelegenheit / so kann ich zwar der heurat
mit dem Baleus entfliehen: aber meinen ungehorsam gegen dem König meinem herrn
vattern / kann ich so weit nicht erstrecken / den Prinzen von Gerar wider seinem
willen und gebot zu ehlichen. Ach liebster Prinz! (sagte sie hierauf ferner /
die augen gen himmel schlagend /) wollte Gott / ihr liebtet Cölidiane für mich /
und quäletet nicht also euer edles herz / mit dieser zuneigung / die ihr mir
zugewendet! Wünschen E. Maj. dieses in ernst / (fragte Aramena ganz begierig /)
dass der Prinz der Philister die Prinzessin von Salem mehr liebe / als die schöne
Delbois? Wie ich (gabe sie zur antwort /) des Punzen glückseligkeit betrachte /
kann mein wünschen nicht anderst abgehen. Dann / wie könnte er vergnügter leben /
als in ehlichung dieser Prinzessin / die an tugend und schönheit wenig ihres
gleichen findet / die ihn so unschüldig liebt / und zu der sein herr vatter so
grosse neigung träget? Was bringt ihme meine liebe nicht für qual / da der König
mein vatter / die gesetze meines und seines reiches / neben tausend anderen
ümständen / dieselbige schwer / ja unmüglich machen? Dessen allen ungeacht /
(sagte Aramena / und entfärbete sich dabei /) würde ich / wann ich Abimelech
wäre / die schöne Königin von Ninive beständig lieben.
    Die warheit zu gestehen / (antwortete Delbois) so ist mir seine
beständigkeit auch nicht zuwider / und weiss ich nicht / ob ich diesen
unglücks-stoss würde ertragen können / wann mein wunsch bei ihme statt finden
sollte. Zwar / Aramena! ich muss bekennen / dass ich Cölidiane dem Prinzen neben
mir wohl gönnen möchte / wann mir meine geburt solches erlaubete /und meiner ehre
es nicht entgegen wäre / solcher gestalt zu heiraten. Nun aber ist mir dieses
nicht zugelassen / und finde ich also aller orten gleich-grosse hinterung in
dieser liebe. Wie glücklich ist hierbei Abimelech / (widerholete Aramena /)
dergestalt geliebt zu werden! Ich gläube / (antwortete die Königin lächlend /)
dass du mit ihm eiferest. Wann ich (sagte Aramena) ein Konig wäre / wurde ich ihn
vielleicht in seiner liebe nicht unangefochten lassen. Dieser Königliche stand /
(gabe die Königin zur antwort /) würde dir wenig nutzen bringen: massen unsere
Königliche geburt eine von den grösten hindernisen ist /die uns beide so
verfolget. Ach! hätte Abimelech keine Kron zu gewarten / so könnte er die
Ninivitische hoffen: und wäre ich nicht Königin zu Ninive / so würde mir nicht
schwer fallen / die krone von Gerar zu erlangen.
    Indem dieses die schöne Delbois redete / trate die Ahalibama zu ihr in das
zimmer: die dann sich entfärbete / als sie ihren verstellten bruder in so
verträulichem gespräche bei der Königin allein fand. Die Königin solches
warnemend / deutete es dahin / als wenn die Prinzessin von Seir sich entsehen
hätte / sie in ihrer geheimen unterredung zu verstören. Demnach /sie ihrer
verträulichen zuneigung zu versichern / sagte sie zu ihr: Liebste base! Delbois
redet nichts so geheimes / das nicht auch Ahalibama wissen dörfe; und ist der
inhalt meines gespräches / die keusche liebe / die ich zu einem Prinzen trage /
der wegen seiner weltbekanten tugend euch nicht kann unbekant sein. Ahalibama /
die sich dessen / was ihr ihr bruder entdecket /nichts wollte merken lassen /
gabe zur antwort: wie dass sie unwürdig wäre / der Königin verborgenster
geheimnise mitwisserin zu werden; und wiewol sie von dieses Prinzen liebe nie
gehöret / so zweifelte sie doch gar nicht / dass er der vollkommenste herr von
der welt sein müste / weil er von der grösten schönheit auf erden geliebt
würde. Ob ich wohl / (gabe die Königin zur antwort /) das eine / seine
geschicklichkeit betreffend / gestehen muss / so lässet sich doch solches aus dem
andern nicht schliesen / und wäre /auch ohne meine liebe / der Prinz Abimelech
von Gerar so vollkommen / als er ist.
    Bei nennung dieses angenemen namens / stiege ihr eine schöne röte unter
augen / welche Aramena mit veränderung der farbe begleitete. Ahalibama aber
sagte der Königin demütigsten dank / dass sie / durch erweisung solcher
verträulichkeit / sie ihrer gnade so völlig versichren wollen: dabei erhube sie
dieses Prinzen lob / und berichtete / wieviel gutes ihr das gerüchte in Canaan
von ihme fürgebracht hätte. Nach vielen andern gesprächen / verhiesse Delbois der
Ahalibama /nach dem abend-essen ihr ihren ganzen lebenslauf /und die liebe mit
diesem Prinzen / zu erzählen: wornach dann diese Prinzessin eine grosse begierde
bezeugete. Wie nun die malzeit verrichtet war / und die Prinzessin Ammonide /
Perseis und Casbiane / sich hinweg begeben hatten / als welche der malzeit
beigewonet: befahle die Königin der Aramena / das gemach zu versperren / und
setzete sich damit auf ein ruhbette / auf welches die Ahalibama sich bei ihr
niederlassen musste. Darauf finge sie an / folgender massen zu erzählen / die
 
          Geschichte der Konigin Delbois / und des Prinzens Abimelech.
Die zuneigung / die ich gegen euch / liebste base /von der ersten stunde an / da
ich die ehre eurer gegenwart genosse / in mir entfunden / reitzet mich an / das
jenige euch zu vertrauen / was sonsten ihrer wenig wissen: welches auch geheim
zu halten / mein zustand sehr erfordert. Weil aber / eine vertraute zu haben
/deren man sein ganzes herz künlich entdecken kann /keine gemeine glückseligkeit
ist: als will ich mich derselbigen auch teilhaftig machen / in hofnung / die
grosmütige Ahalibama werde hinfüro / mit ihren vernünftigen einraten / mir
beistehen / und damit mir tröstlich sich erweisen können.
    Wisset demnach / werteste Prinzessin! dass die Königin / meine frau mutter /
mit meinem bruder / dem Prinzen Baleus und mir / zugleich nieder gekomen /und
uns zu Babel geboren / wie eben der König von Assyrien / mein herr vater / in
dem Syrischen kriege begriffen war / der den unglückseligen König Aramenes / und
seine gemalin die Königin Philominde / zugleich des lebens und Königreichs
beraubet. Es ist weltkündig / dass mein herr vatter diese Philominde /die meiner
frau mutter schwester war / am Ninivitischen hof inbrünstig geliebt / und
deswegen / weil sie ihme versaget worden / diesen blutigen grausamen krieg
nachgehends angefangen. Ich kann daher nicht in abrede sein / dass mein frau
mutter wenig gute tage bei ihme gezehlet / weil er ihrer schwester nicht
vergessen kunte: welches sie aber / durch hülfe ihrer tugend / alles überwunden
/ und sich in ihrem leben und wandel also erzeiget / dass jederman sie lieben
musste /auser dem jenigen / dem es am meisten gebüret hätte.
    Die glückliche niederkunft der Königin / erfreuete nicht allein Assyrien /
sondern auch das Königreich Ninive: weil sie / als eine erbprinzessin selbigen
königreichs / bei ihrer verheuratung / den Ninivitischen ständen / neben ihrem
herrn / versprechen müssen /dass das zweite kind / so sie gebären würde / nach
ihrem tode die königliche regirung über Ninive haben sollte. Also sah man mich /
so bald ich nur geboren war / eine erbin von Ninive / und wurden mir / von
zarter kindheit an / Ninivitische leute zugegeben / die mich erziehen und mir
aufwarten müsten: massen meine jetzige hofmeisterin / die fürstin Perseis / die
bei der unglücklichen Königin von Syrien kammer-iungfrau gewesen / mir damals /
als eben ihr ehgemal neben den König von Syrien in der schlacht geblieben / von
meiner frau mutter zugeordnet / und in meinem dienst angenommen worden.
    Es verlief wohl ein halbes jahr / ehe meinen bruder und mich unser herr
vatter zu sehen bekame: weil er /wie gesagt / damals in Syrien ware. Und wiewol
ihme / diese glückliche geburt zweier kinder auf einmal /sein herz gegen der
Königin hätte bewegen sollen: so fiele doch die liebe bloss auf uns beide / und
sonderlich auf mich / die ich von der geburt an / eine gleichheit mit der
Königin Philominde / die mein herr vatter so häftig geliebt / von mir scheinen
liesse. Es wärete aber dieser Syrische krieg / dahin sich mein herr vatter bald
wieder begeben / noch etliche zeit: dass ich also ungefår das dritte jahr mochte
erreichet haben /als die betrubte zeitung zu meiner frau mutter ohren kame / wie
dass ihre schwester und schwager beide todt wären / und der König von Assyrien
sieghaft wieder nach Babel kommen würde. Ich soll / wie man dieses der Königin
berichtet / bitterlich haben angefangen zu weinen / auch so gar / dass ich nicht
zu trösten gewesen. Wie nachgehends der König angelanget / habe ich ihme den
rucken zugewendet / und ihn den morder des Konigs von Syrien genennet: welches
er hoch entfunden / zwar nicht gegen mir / sondern gegen meiner frau mutter /
von deren er sich eingebildet / dass sie vor meinen ohren dergleichen geredet
/und dadurch mich zu solcher widerspänstigkeit bewogen haben müste.
    Es kame aber dazumal auch an unserm hof / der junge Prinz Abimelech von
Gerar: den sein herr vatter / als eine geisel dahingesandt hatte / zur
versicherung / dass er wider meinen herr vattern nicht mehr die waffen gebrauchen
wollte / wie er in selbigem Syrischen kriege getan hatte. Dieser Prinz / der
dazumal ungefär das eilfte jahr mochte haben zurücke gelegt / ware ein so
angenemer herr in allem seinem wesen / dass er ihme gleich die liebe des ganzen
hofes erwurbe. Er wurde zu Ur bei den Chaldeern erzogen / und zwar neben meinem
brudern: wiewol sie ungleiches alters waren / und der Prinz Baleus nur drei
jahre auf sich hatte. Diesem wurde von dem Konig zum oberhofmeister verordnet /
der fürst Baracheel / herr vatter des fürstens Elihu: welcher / ob er wohl ein
Syrer von geburt / und dem König Aramenes von Syrien nahe befreundet war /
dannoch die Assyrische seite gleich anfangs erwehlet / und sich von Syrien nach
Babel gewendet hatte.
    Der Prinz von Gerar / brachte mit sich zum hofmeister den Bagastanes / dem
er vom König der Philister ernstlich ware anbefohlen worden. Insonderheit sollte
ihn dieser im rechten glauben / darin er geboren / erhalten / und verwahren /
dass er nicht auf den irrweg /den leider jezt der mehrere teil der menschen gehen
/möchte verfüret werden. Also wurde er in der reinen lehre so wohl unterwiesen /
dass die Chaldeer / in der schule zu Ur / ihme nichts von ihrem irrglauben
beibringen kunten: wiewol er sonsten andere wissenschaften von ihnen willigst
anname / mit so gutem fortgang / dass er in weniger zeit alles das jenige fassete
/ was ihm zu wissen nötig sein möchte. Der Prinz Hemor von Sichem / der Prinz
Sinear von Chaldea / der Elihu und der Fürst Eliphas von Teman /waren mit in
dieser hohen schule / und zwar die fürnemsten / welche auch / neben dem
Abimelech / dem Prinzen Baleus mussten gesellschaft leisten.
    Meine erziehung betreffend / so täte mich der König in der Rhea tempel: da
ich / unter den geheiligten frauen in allen wissenschaften unterwiesen / und als
eine königliche Prinzessin / den gebräuchen gemåss / von kindheit auf dazu
gehalten wurde / die opfere anzuzünden / die sie der Rhea zu ehren schlachteten.
Wie ich solcher gestalt mein zehendes jahr erreichet / kamen die Prinzen Baleus
/ Abimelech und Sinear / wieder nach Babel / die drei andere / als der Hemor /
Elihu und Eliphas / zu Ur verlassend: da ich / in der Rhea tempel / diesen
Prinzen zu erst ersah / massen sie / gleich nach ihrer ankunft / mich
besucheten. Meine hofmeisterin hatte mich schon vorher unterrichtet / wie ich
mich hierbei verhalten sollte: da sie mir dann eingebunden / dem Prinzen Baleus
/als meinem künftigen gemal / zu begegnen. Dann der Königin meiner frau mutter
wille ware schon fest gestellet / dass ich meinen bruder / vermög der gesetze des
Andshum / welcher des Nimrods priester gewesen / ehlichen sollte.
    Wie sie nun angekommen / und ich den Prinzen Baleus entfangen hatte /
begrüsete mich folgends auch der Prinz Abimelech / und zwar mit so
sonderlich-guter art / dass mir gleich dieses herrn wesen bässer /als meines
bruders seines / anstunde: wiewol bei demselben die zarte jugend auch viel
ursach daran ware /dass er die annemlichkeit nicht haben kunte / die Abimelech
zeigete / als welcher auch mehr erwachsen war / und mit seinem stämmigen wesen
ersetzete / worinn Baleus noch zu flüchtig ware. Baracheel hatte gleichfals den
Prinzen belehrer / wie er mich entfangen sollte: der aber nicht so viel
stätigkeit hatte / lang bei mir zu bleiben / sondern nach dem andern
frauenzimmer eilete / und mit denen allerhand scherz triebe. Abimelech hingegen
gesellete sich allein zu mir / und mich unterhaltend / als wäre ich schon ganz
erwachsen gewesen / sprachete er von lauter erbaren witzigen sachen mit mir: das
ich dann so wohl aufname / und ihme hinwieder mit antwort also begegnete / dass
wir beiderseits sehr vergnügt von einander schieden.
    Wie sie hinweg waren / fragte mich Perseis: wie mir Baleus gefiele? Ich
antwortete: ich wüste von ihm / als einem kinde / noch nicht zu urteilen; der
Prinz Abimelech aber / wäre ein herr / den ich unvergleichlich viel höher
schätzete. Sie wollte mir dieses benemen: gabe mir aber damit nur mehr anlass /
ihn zu rümen. Weil nach diesem die Prinzen alle tage zu mir kamen / wurde in mir
die hochachtung für den Abimelech immer grösser / und kunte keine zeit mir bei
ihme zu lang werden: daher ich meines bruders gegenwart nicht achtete / als so
weit sie mir nötig war / des Abimelech gesellschaft dadurch zu erlangen. Er
seines teils befande sich eben also gesinnet / wie ich nachmals von ihm erfahren
/ und hatte keine ruhe / als bei mir: die doch solcher gestalt mit unruhe
vermischet war / dass er / da er oftmals bei mir der vergnügteste sein sollen /
sich des seufzens nicht entalten können / welches von einer liebe / die er zu
mir / ob ich gleich noch ein kind war / geschöpfet / herrürete. Wir vertrieben
einander die zeit / mit den tiefsinnigsten gesprächen / also dass die erfahrneste
weltweisen nicht höhere fragen einander hätten aufgeben können. Perseis / die
solches nicht tadeln kunte / vermeinte / den Prinzen Baleus allemal mit herbei
zu ziehen: der wollte aber niemals stand halten / und wurde meine gesellschaft
ihme verdrüssig / weil ich für ihn zu stämmig war / gleich wie seine wildheit
auch mir seine gegenwart wiederlich machete.
    Solcher gestalt nun verstrichen etliche jahre / und wollte die Königin meine
frau mutter mich noch nicht nach hof nemen: aus ursache / wie ich nachgehends
erfahren / dass mein herr vatter nicht täglich das ebenbild der Königin
Philominde für sich sehen möchte /als welcher ich immer gleicher wurde. Sie
sorgete / es mochte aus solcher täglichen gegenwart eine liebe entstehen / und
ihre eigene tochter zu ihrer mitbulerin machen. Doch wurde mir im tempel fast
kein geringerer hof gehalten / als die Königin selber fürete: weil alle junge
Ninivitische Fürsten hinkamen / mich zu bedienen / und ihre schwestern oder
töchter mir zur aufwartung schicketen. Der Fürst Ninias von Ressen /und Arsas
der Fürst von Cale / waren die fürnemsten von denen / die dieses ihnen angelegen
sein liessen /wiewol aus unterschiedenem antrieb: dann des Ninias / täte
solches aus hoffart / mich und mein Königreich liebend; Arsas aber / aus treuer
zuneigung zu seiner landes-Prinzessin.
    Es wurde aber einsmals ein grosses fest angestellet / der Semiramis zu
ehren: da alles Babylonische frauenzimer mit grossem gepränge sich in ihren
tempel versamlen / und jede ihr ein par tauben opferen musste. Ich fand mich /
neben meinem frauenzimmer / bei diesen heiligen gebräuchen auch ein / und
folgete der Königin / die im tempel den reihen fürete. Der König / und alle
Prinzen und grossen von Babel / hatten sich / für unserer ankunft / schon in den
tempel versamlet. Wie wir nun / iede zwo tauben in den händen tragend / für den
Prinzen übergingen / weiss ich nicht / wie ichs versah / dass / indem ich den
Prinzen Abimelech grüssen wollte / mir eine taube entfloge / und ihme in die hände
geriete. Er lächlete etwas hierüber / brachte mir sie wieder / und sagte
heimlich zu mir: es wäre ihm leid / dass er mir in meinem irrigen glauben dienen
müste. Hiemit begabe er sich / unerwarteter antwort / wieder an seinen ort / und
hatte mich diese meine begegnis nicht so sehr besturzt gelassen / als des
Abimelechs worte / die ich ganz nicht begreifen konnte. Ich sah ihn deswegen
imer an / so lang die opferung wärete / und betrübte mich in mir selbst / dass er
von so heiligen dingen / wofür ich sie damals hielte / so unbescheidenlich
geredet. Ich spürete auch ganz keine andacht bei ihme / so gar / dass wie wir
alle niderfielen / er sich hinter eine seule verbarge / und ohne anzeig einiger
andacht diesem fest beiwonete.
    Ich stritte lang in mir selber / ehe ich deswegen ihm kunte feind werden.
Weil ich aber sehr andächtig /und in den gebräuchen des götterdiensts eifrig
erzogen worden ware / als fiele ein gutes teil meiner hochachtung für ihn:
welches ich ihme durch meine gebärden sattsam zu verstehen gabe / als wir wieder
aus den tempel gingen. Er suchete nachgehends gelegenheit / mit mir zu reden:
weil ich aber beleidigt zu sein / mir einbildete / als bename ich ihm solche
etliche tage. Er wurde dadurch bewogen / mir welche reimen auf meinen tisch zu
legen / dazu er in gesellschaft der anderen wohl gelangen konnte. Ich fand
dieselben auf den abend / als ich allein ware / die dann also lauteten:
Hab ich zu viel gesagt? diss wollte meine pflicht.
Den himmel / muss man nur mit wahren gründen ehren.
Mein himmel seit ihr mir: was ist doch eur beschweren /
dass solch ein trübs gewölk bedeckt eur helles licht?
Durchstralet diesen dampf / der meine seele plagt.
Strafwürdig will ich sein / hab ich zu viel gesagt.
Ich stunde bei mir an / ob oder wie ich ihm antworten sollte. Endlich fiele mir
ein / seine reimen zu behalten / und die nach meiner Meinung einzurichten. Also
schriebe ich folgendes / welches ihme der Arsas überbringen musste.
Ihr habt zu viel gesagt. Drum will es meine pflicht /
ich soll nicht stimmen ein / den himmel zu entehren.
Der himmel ist mir lieb: drum mus ich mich beschweren /
dass man so spottisch halt sein heilig-klares licht.
Durchstralet diesen dampf / der selbst die götter plagt.
braucht båsser eure witz. Ihr habt zu viel gesagt.
Als Arsas ihme dieses gebracht / veränderte er hinwiederum diese reimen /
folgender gestalt:
Ich habe recht gesagt: weil es wolt meine pflicht /
nicht mit zu stimmen ein / den himmel zu entehren.
Der himmel ist mir lieb: drum must es mich beschweren /
dass man nicht recht erkent sein ewig-wahres licht.
Durchstralet diesen dampf / der nur euch selber plagt.
Nichts fehlet euch / als diss. Ich habe recht gesagt.
    Diese seine abermalige vermanung / machte mich andere gedanken von ihme
fassen / dass er nämlich nicht so ruchlos sein müste / als ich wohl gemeinet:
demnach gabe ich ihm gelegenheit / mich wieder anzusprechen. Als wir nun
beisammen waren / sagte ich wieder zu ihm: Ihr wollet mich glauben machen /Prinz
Abimelech! dass ihr kein spötter der götter seit /sondern dass vielmehr mir etwas
mangele / so zur wahren glaubens-erkåntnis / erfordert werde. Es sollte mir leid
sein / (antwortete er mir /) wann meine Prinzessin mich nicht für einen spotter
der götter hielte. dabei aber würde mir auch misfallen / wann ich für einen
solchen angesehen würde / der sich nicht für dem himmel fürchtet / und sonder
glauben lebet. Wie kann aber dieses / (fragte ich hinwiederum) beisammen sein?
Gar wohl! antwortete er mir / und finge damit an / mir die reine lehre der
rechtgläubigen ausfürlich zu beschreiben / auch wie man die erdichtete von
menschen-händen gemachte götter verlassen und den unerschaffenen einigen Gott
verehren müste. Ich wurde ganz begierig / ihm zuzuhören: und ob ich schon mich
nicht gleich das erstemal bloss gabe / so sanne ich doch der sache immer weiter
nach / und fand mehr und mehr / dass sein glaube auf einem viel bässeren grund
als der meinige stünde. Doch bliebe in meinem gemüte noch lang ein zweifel / der
mich sehr unruhig machte. Ich sagte niemanden hiervon / worum er mich auch
sonderlich gebeten hatte.
    Inzwischen fiele eine gelegenheit für / darin ich ihme etwas seiner Meinung
entgegen einwenden kunte. Der Konig wollte den ausspruch des Bels / welchem zu
ehren in Babel ein trefflicher tempel erbauet stunde / befragen: ob er den krieg
wider die Meder ansahen sollte? Da wir dann allesamt uns in diesen tempel mit den
üblichen gebräuchen einfinden / und dem ausspruch des gottes beiwonen mussten.
Ich stunde nicht weit von dem Prinzen Abimelech / als / nach verrichteter
opferung / auf befragen des Königs / der Bel antworten sollte: da ich ihm dann
fürhielte / dass solche kraft ein mensch diesem bilde nicht erteilen konnte /
dannenhero etwas göttliches darunter verbogen sein müste. Hierauf antwortete er
mir heimlich: Gott könne dem bösen geist / wegen der menschen blindheit / solche
gewalt wohl zulassen; meistenteils aber wäre / bei solchen aussprüchen der götzen
/ ein betrug verborgen / dergleichen er wusste / dass auch hier fürginge. Hierbei
vermanete er mich / dass ich /wann die andere / des Bels antwort zu vernemen /
auf den kniehen und ihren angesichten lägen / mich unvermerkt hinter den altar
begeben möchte: da ich die warheit seiner worte würde vernemen und sehen konnen.
    Weil ich nun schon mehr als halb dem dienst der götter in meinen herzen
abgesagt hatte / als truge ich kein bedenken / diesem nachzukommen. Ich schliche
/als nun / wegen der andacht / niemand meiner warname / hinter den altar / und
sah / dass eine röre aus dem bild herfür ginge / durch welche ein priester alles
das jenige in das bild des Bels hinein schrye / was allen im tempel nicht
anderst fürkame / als hätte das bild selbst geredet. Der ausspruch lautete
damals also:
Des landes untergang zieht nach sich / dieser krieg:
tron / kron und zepter fällt / durch zuerkannten sieg.
    Dieser ausspruch war so dunkel / dass der König darüm noch eine gute zeit
einhielte / ehe er diesen krieg angefangen: weil man nicht wusste / ob durch das
land / welches durch diesen krieg sollte zu schaden gehen / Meden oder Assyrien
zu verstehen wäre. Als ich nachmals dem Abimelech erzehlte / was ich gesehen /
erfreuete er sich sehr / dass mir also dieser betrug offenbar worden. Es brauchte
nach diesem keiner mühe mehr / mich völlig zu dem waren erkäntnis des einigen
Gottes zu bringen. Seine starke beweis-gründe / und was mich fürnemlich bewogen
/ will ich auf andere zeit / euch werte Prinzessin! fürzustellen / versparen:
weil ich auch euch unter die zahl der recht- zu bringen verlange / damit eure
seele ewig wohl beraten sein möge.
    Ich mochte damals in mein vierzehendes jahr gehen / als ich den irrweg
solcher gestalt verliesse. Und ob man wohl fürwenden könnte / dass ich bei so zarter
jugend leicht zu bereden und zu verfuren gewesen: so muss ich doch ohne ruhm
sagen / dass ich von kindheit auf mit den weisesten leuten ümgegangen / und zu
allen wissenschaften angewiesen worden; daher mein verstand / vor den jahren
aufgemuntert / damals schon so gut / als iezt / ein ding begreifen konnte / und
schämeten sich die allerklügsten nicht / meine Gesellschaft zu belieben / und von
den allerschwersten dingen mit mir sich zu bereden. Dieses nun / ware die erste
staffel zu der liebe / die ich nachgehends dem Abimelech in meinem herzen
gewidmet. Und gleich wie er ebenmäsig sich also einnemen lassen / dass eine
heftige liebe ihn regiret / also gebrauchete er sich der täglichen gelegenheit
gar wohl / mich zu sehen / und stäts üm mich zu sein / indem kein nachmittag
verginge /da ich nicht von allen grossen bei hof in meinem tempel besuchet
worden.
    Ich finge aber an / und machte mir ein gewissen /länger also mit zu
heuchelen / und den täglichen opferen beizuwonen: weil ich nun wusste / dass
dadurch dem wahren Gott ein misfallen und kein dienst geschehe. Demnach hielte
ich / auf gut-befinden des Abimelech / mit dem ich alles in raht stellete / bei
dem König und der Konigin an / dass ich ihnen näher kommen / und hinfüro das
Konigliche schloss mit bewonen möchte: die ich bisher / meiner erziehung wegen /
vom hofe abgesondert leben müssen. Die Königin und ihre Ninivitische råte /
billigten dieses mein begehren / indem sie gut befanden / dass ich nun zu den
regirungs-sachen allgemach mit gezogen wurde /und auch also die welt mehr
erlernen mochte.
    Hierzu halfe / dass die Königin ihre ehmalige sorge / wegen der an mir sich
eråugenden gestalt der Philominde / welche etwas widriges beim König würken
können / meist verloren hatte. Dann derselbe war nun anderweit häftig verliebet
in eine Dame / namens Dalimire / die aus Meden bürtig / und des Stattalters
tochter in selbigem reiche war / welchen der König Pharnus hinrichten lassen /
und seine güter preis gemachet: daher Dalimire sich in unseren schutz begeben /
und des Königs herz nach und nach einnemend /wohl eine fürneme ursache zu dem
folgenden Medischen kriege worden ist.
    Solcher gestalt nun / kame ich an den Koniglichen hof. Und weil der Dalimire
alle höflinge aufwarteten /die einige gunst beim König haben wollten: als trennte
solches den hof in viel teile / da die Königin / der Prinz Baleus / ich und
Dalimire / unsere unterschiedene aufwärtere hatten. Abimelech hielte sich
beständig zu mir / und weil ich im tempel seiner gesellschaft stäts genossen /
als hatten wir so sehr zusammen gewonet / dass bald der ganze hof solches in acht
name /und davon zu urteilen begunte. Die Königin / so den Baleus mit mir wollte
verheiratet wissen / sah nicht gerne / dass Abimelech so viel üm mich ware. So
liesse auch der Baleus / welcher nun anfinge stämmiger zu werden / eine
eiversucht gegen den Abimelech blicken / und bewarbe sich mehr üm mich / als er
fürhin getan hatte: Zumal seine leute / die er bei sich hatte / ihn stäts
hierzu antrieben / und ihm die Ninivitische krone so glänzend fürmahleten / dass
ehrsucht und liebe ihn zu gleich anzuflammen begunten.
    Die Perseis / unterhielte mich täglich mit reden von dem Prinzen meinem
bruder: Da hingegen mein hofmeister / der Peldas / Fürst von Sepharvaim / alle
gelegenheit suchete / ihn mir zuwider zu machen / weil er / als ein Ninivite /
die Assyrische regirung hassete /unter welche sie unwillig geraten waren / und
die sie /durch eine andere heurat mit mir / gedachten von sich zu wälzen. Der
Fürst Ninias von Ressen / als einer der mächtigsten Fürsten von Ninive / wartete
mir fleissig auf / von den Niniviten hierzu gestärket / und sein hochmut machte
ihn von mir alles hoffen. Ich verschwiege solches nicht dem Abimelech / und
überlegte mit ihm / aus vertrauter freundschaft / wie ich mich bei allen diesen
ümständen regiren sollte. Er so mich heftig liebete / und sich doch dessen nicht
dorfte merken lassen / erfreute sich in seinem herzen / dass er keinen mitbuler
bei mir fand / der ihn auszustechen vermochte: massen der Prinz Baleus / so der
gefärlichste war / als mein bruder / (wie er mir sagte /) wegen meines
neu-angenommenen glaubens von mir nicht anderst / als so weit es die natur
zuliesse / konnte geliebt werden. Welchen unterricht / als den ich meinem siñe
sehr änlich funde / ich willigst von ihm anname.
    Wie wir nun eines tages hiervon im schlossgarten uns unterredeten / sagte ich
unter andern zu ihme: Ich bin froh / dass mein glaube mir verbeutt / den Prinzen
Baleus anderst zu lieben / als einen bruder; massen ich nun üm so viel getroster
allen denen verfolgungen / die ich künftig darüm ausstehen mochte / wegen meines
guten gewissens / werde widerstehen konnen. Wolte Gott! (antwortete Abimelech /
und hube an zu seufzen /) dieser angenommene glaube könnte auch andere abtreiben
/ die meine Prinzessin lieben. Wie so /Prinz Abimelech! (fragte ich / und hube
an zu lachen /) was liget euch daran / wer mich liebt? Ihr wisset /dass keine
andere liebe / als meines brudern / mich beunruhiget. Was Peldas mir fürsaget /
und was der Ninias ihm einbildet / das sind sachen / die ich nicht achte: weil
ich darin oberherrin verbleibe / und durch ein wort mich dieser ungelegenheiten
entbürden kann. Was aber die Königin und der König wollen / das sind wichtigere
dinge / denen ich gehorchen müste /wann mich nicht mein glaube davon ledig und
frei machete. Wann aber der König und die Königin (sagte er darwider) künftig
andere gedanken fassen /uñ meiner Prinzessin befehlen möchte / einen Prinzen zu
lieben / so würde sie zweifelsohn gehorsamen. Was beweget euch / (antwortete
ich) darnach zu fragen? Wisset ihr dann etwas von dieser befehl-änderung? Ich
weiss davon nichtes: (widerhelete er) doch besorge ich / auf den fall / der
Prinzessin gehorsam. Will dann der glaube / den ihr mich gelehret / (fragte ich
/) dass man seinen eltern ungehorsam sein muss. Nein! (antwortete er seufzend)
vielmehr treibet er die Kinder zum gehorsam. Was ist dann darin euer anliegen?
fragete ich ganz unschuldig. Dieses (sagte er /mich ganz beweglich anschauend /)
dass ich sodann besorgen müste / die Prinzessin würde von dem König und der
Konigin befehl erlangen / einen zu lieben / dem der unglückliche Abimelech die
schöne Delbois nicht gonnen könnte.
    Als ich hiermit nicht wenig betretten war / was ich sollte antworten / kame
die Perseis dazu / und mengete sich in unser gespräche / dass er also nicht
weiter allein mit mir reden kunte: massen er bald darauf / zimlich verwirret /
sich von uns ausdrehete und abschied name. Die Perseis / die gar nicht sein
guter anwalt war / hube hierauf an mir zu verweisen / dass ich so wenig
nachdenken bezeugete / indem ich diesen Prinzen den Philister so vielfältig üm
mich dultete: dann mir solches keine gute nachrede bråchte. Und müste sich eine
Prinzessin meines alters und standes wohl in acht nemen / keinen bösen namen zu
erlangen. Sie hielte mir dabei für / das beispiel der Dalimire: welche / weil
der König in geheim viel mit ihr ümginge /dadurch in bösen ruff gekommen. Dieses
sagte sie mir mit so vielen ümständen / dass ich / die ich die grossmut und tugend
über alles in der welt liebe / von herzen betrübt / zu wundern anfinge. Indem
ich mir auch Abimelechs lezte reden fürstellete / wurde ich in dem von der
Perseis mir zugebrachten wahn gestärket /dass er meine unschuld misbrauche / und
aus meiner freundschaft wohl eine liebe urteilen mögen. Demnach name ich mir für
/ eine andere lebens-art fürzukehren /und des Abimelech mich fortin zu äusern.
Wie schwer aber solches zuginge / kann ich nicht beschreiben.
    Abimelech / der meine änderung bald merkend /dieselbige dahin deutete / dass
seine freie lezte reden solche verursachet / bemühete sich / wie er nur konnte
/die ehmalige freiheit bei mir wieder zu erlangen. Ich aber / wie gesagt /
meidete alle gelegenheit: also / dass ich nicht / als in öffentlichen
versamlungen / mit ihm redete. Er name diese meine lebens-art so sehr zu herzen
/ dass er ganz verändert / und aus einem lustigen ein trauriger mensch wurde.
Keinem klagte er sein leiden / als dem Ahusat: welcher von seinem hofmeister
Bagastanes an sohns statt aufgenommen worden /und unlängst von Gaza / da er in
seiner kindheit mit dem Abimelech neben anderen knaben aufgewachsen / nach Babel
gekomen war. Dieser / als sehr beherzt und frisch von gemüt / sprache ihm einen
guten muht ein / und beredte ihn dahin / dass er etliche reimen mir schicken /
und sich darin über meine veränderung beklagen sollte: zumal / weil auch vor
deme die reimen einsmals unter uns wieder friede gemacht hätten.
    Er wollte zwar lange nicht daran / folgete aber doch endlich diesem raht. Und
weil Ahusat bei meinen jungfrauen freien zutritt hatte / als beredte er eine
von ihnen / dass sie mir Abimelechs reimen / die in ein schönes mit edelsteinen
beseztes täfelein geschrieben und wohl verschlossen waren / in meinem gemach aus
den tisch legete. Ich fand es an einem morgen / und öffnete es / weil die
aufschrift an mich lautete / da ich dann diese zeilen lase:
Hab ich den tod verschuldt? last mich nicht lange quålen /
gebt end! ich will ja gern verurteilt sein durch euch.
Wann es mir wår erlaubt / mich selber zu entseelen:
ich wollte schuldner bald und richter sein zugleich.
Ihr seit die gute selbst: ihr möchtet mir wohl gonnen
mein leben / und dass ich mich åndre noch. Doch nein!
Delbois werd ich wohl unmüglich sehen konnen /
und sagen nicht dabei / das ich lieb ihren schein.
Weil dann die schuld bekant / und gar nicht ist zu hoffen /
dass Abimelech sich werd ändren: ach! so schafft /
dass seine freveltat / (steht keine gnad ihm offen /)
nur bald durch seinen tod mog werden abgestrafft.
Diese freie entdeckung seiner liebe / welche von der guten zuneigung / die ich
stäts zu ihme getragen / und von seinen fürtreflichen geschicklichkeiten /
gebilligt wurde / verursachte in mir vielerlei bewegungen. Seine künheit machte
mich zornig / und seine würde sprache mich wieder zu frieden. Verdrosse mich /
dass ich von ihm seine liebe erfahren / deren käntnis ich nun nicht mehr verhelen
dorfte: so fand ich dabei /dass ich viel unruhiger würde haben vertragen können
/ wann er mir seine liebe zu einer anderen person offenbaret hätte. Nachdem ich
aber lang bei mir angestanden / wie ich mich hierinn verhalten sollte / fassete
ich endlich den schluss / mich üm nichtes anzunemen /sondern mich anzustellen /
als wann ich diese schrift nicht gesehen hätte. Demnach leschete ich dieselbe
aus dem täfelein / nachdem ich sie zuvor wohl in mein gedächtnis geschrieben /
und legte selbiges verschlossen wieder an sein ort. Es wurde mir nachgehends
/durch eine andere meiner jungfrauen / die von diesem handel nicht wusste /
zugebracht / als ich eben in grosser gesellschaft ware. Wie ich es nun / in ihrer
aller gegenwart / geöffnet / und leer befunden: hiesse ich es wieder hinweg
legen / und bewahren / bis sich sein herr / deme es gehöret / anmelden würde.
    Abimelech / der mit zugegen war / wurde ganz blass / als dieses fürginge /
und ware fröher / dass ich nichts in der tafel gefunden / als dass seine schrift
für allen wäre kund worden. Er verwiese aber dem Ahusat seinem üblen anschlag /
und dass er ihme so gewiss versprochen / es sollte mir das täfelein geheim
zugestellet werden: welches nun nicht allein anderst erfolget / sondern auch /
wegen ausleschung der schrift /gar nicht den zweck erreichet hätte.
    Nachdem hierauf etliche wochen verstrichen / suchete ich gelegenheit / in
der Konigin gemach mit dem Abimelech zu rede. Wie wir nun von der andern
gesellschaft zimlich entfernet waren / sagte ich zu ihm: Ich spüre an euch /
Prinz von Gerar! dass meine ietzige lebens-art euch frömd fürkommet / da ich
nicht mehr so frei und so viel mit euch ümgehe / als für diesem geschehen.
Wisset aber / dass mein ieziger zustand solches erfordert / und dass der hof so
schlim ist / dass man von uns böse urteile fället. Weil ich nun weiss / wie lieb
euch mein guter name ist: als werdet ihr mir mit beförderlich sein / dass ich
solchen durch so was geringes nicht verliere. Sonsten ist mir eure gute
gesellschaft allemal sehr lieb gewesen / und ich bin durch euch zur wahren
Gottes-erkäntnis gelanget: wofür ich euch / weil ich lebe / werde verbunden
bleiben. Ich zweifele nicht / (antwortete er mir / ganz betrübt /) dass die
Prinzessin Delbois die absonderung meiner gesellschaft leichtlich wird ertragen
können. Zwar mir meines orts kommet solches schwerer an /als der tod selber:
jedoch gebüret mir zu gehorsamen /zumal ich meine unwürdigkeit wohl erkenne. Ich
wollte auch Babel / (wann ich nicht auf gewisse jahre allhierbleiben müste /) auf
ewig meiden: nur damit die unvergleichliche Delbois nichtes mehr für augen hätte
/ das ihrem guten namen also entgegen stehet.
    Indem er dieses sagte / stiegen ihme die tränen in die augen / und wurde
ich so gerühret / dass ich nicht wusste / wie ich mich verhalten sollte. Ich
erholete mich aber bald wieder / und sagte zu ihm: Ihr habet mir /Prinz
Abimelech! so viele lehren gegeben / dass ich nicht zweifele / ihr werdet euch
selbst hierinn zu regiren wissen / und sowol meine ehre als eure person
betrachten / die mir beide lieb sind. Hiemit ginge ich /unerwarteter antwort /
von ihme: und name er nach der hand dieses sowol in acht / dass er selber alle
gelegenheiten meidete / viel üm mich zu sein. Er wäre in diesem zwang vergangen
/ wann ihn nicht meine lezte worte / dass mir nämlich seine person lieb sei /
noch in etwas erhalten hätten. Bei solchem zustande / gienge der Medische krieg
an / da der König sich in person zu feld begabe. Wiewol Abimelech sich sehr
bemühete / diesen feldzug mit zu tun / wollte doch der König ihm ganz nicht
erlauben / und musste er in Babel verbleiben. Die Königin begleitete / neben mir
/ den König biss nach Ninive: welcher uns darüm so weit mitname / damit er seiner
Dalimire gegenwart bis dahin geniessen künte. Mein bruder / der sich von neuem
auf das studiren begeben / würde zuruck gelassen. Die eigentliche ursach aber /
warum Abimelech nicht mit zu feld gehen dorfte / war diese / dass der König
seinen herr vattern / dem Konig der Philister /nicht trauete: und besorgete er /
wann dieser sein sohn / den er als geisel bei sich hatte / im krieg ümkäme
/würde ihn nichtes mehr zurück halten / an ihme wieder friedbrüchig zu werden.
    Wie traurig dieser Prinz zu Babel verblieben / kann ich nicht beschreiben.
Als er kame von mir abschied zu nemen / sagte er zu mir: Er beklage zwar / dass
er die glückseeligkeit nicht haben sollte / in mein erb-konigreich mich zu
begleiten; er müsse aber meinetwegen sich freuen / dass ich nun zu Ninive seine
verdriessliche gegenwart verliren würde. Es wåre mir eure gegenwart angenem /
(antwortete ich ihm /) wann ich allein auf meine vergnügung sehen dörfte. Weil
ich euch aber bereits die ursachen gesaget / die mich meiner eigenen ruhe
vergessen machen / als werdet ihr von der zeit / die alles ändern kann / erwarten
/ was hierin mag zu hoffen sein. Immittels ist mir nicht entgegen / dass ihr des
Prinzen meines bruders briefe mit den eurigen begleitet / und mir wissen lasset
/ wie ihr lebet: dann ich mich verbunden finde / von eurem zustand immer einige
nachricht zu verlangen. Diese worte waren den Prinzen so erfreulich / dass er
kaum sich zwingen kunte / nicht durch einem fuss-fall mir zu danken. Die
gegenwart meiner leute / hielte ihn davon zurücke: doch dankete er mir / für
diese erklärung /mit den verliebtesten worten / also dass jederman die änderung
seines gemütes an seinem wesen erkennen kunte. Ich hoffe / (sagte ich ferner zu
ihm) ihr wetdet mich auch nichtes lesen machen / was ein reue bei mir erwecken
konnte / dass ich euch dieses erlaubet.
    Hiemit verliess ich ihn / und reiseten wir damit ab nach Ninive. Weil ich zum
erstenmal daselbst ankame / ward ich von allen ständen mit solchen freuden
bewilkommet / dass man daraus ihre natürliche zuneigung gnugsamlich verspüren
kunte. Als nun der König nach Meden fort gereiset / nachdem er zuvor /dem
Mamellus zu gefallen / die Aramena seine tochter aus der Diana tempel (wie mir
solches nicht unbekant sein wird /) hatte erledigen helfen: bliebe die Königin
noch eine geraume zeit zu Ninive. Es stunde nicht lang an / da bekame ich briefe
von Babel / da erstlich mein bruder also an mich schriebe.
   Schreiben des Prinzen Baleus / an seine schwester die Prinzessin Delbois.
Diese zeilen sollen euch / liebste schwester! versichern / dass der jenige / der
mit euch unter einem herzen gelegen / stäts der eure verbleiben wird / so lang
ihme die götter sein leben fristen werden. Und wie ich gleiche gewogenheit von
euch verhoffe / also werde ich / mich deren ie mehr und mehr wurdig zu machen /
äuserst gefliessen sein: damit es euren untertanen nicht zuwider sein könne /
dass ich dermaleins euren zepter füren helfe / gleichwie die meinige sich künftig
erfreuen werden / die schone Delbois auf dem Assyrischen tron mit zu sehen.
    Der brief / welchen der Abimelech hierbei abgehen lassen / ward von mir
dieses lauts abgelesen.
         Schreiben des Prinzens Abimelech / an die Prinzessin Delbois.
    Wann ich / der schönsten Prinzessin von der welt /keine reue will verursachen
/ dass sie so gütig gewesen / diese freiheit / die ich iezt gebrauche / mir zu
erlauben / so muss ich stillschweigen / und nichtes melden /wie mein zustand
beschaffen. Weil mir aber die entdeckung desselben auch anbefohlen worden / als
will ich durch diese zeilen allein um befehl ansuchen /nach welchem ich mich
hieriñ verhalten moge: der ich / bis in den tod / nach nichtes mehr streben
werde / als meiner Prinzessin willen in allem zu erfüllen.
    Ich spürete aus diesem schreiben wohl / wohin er zielete / und hatte er durch
fürgewandtes stillschweigen mir gnug entdecket / und ja so viel / als ich in
meines brudern brief gefunden. Es fiele mir aber schwer / diesen zu beantworten:
weil ich noch nie also ware genotiget worden / mich so deutlich in dieser liebe
zu erklären. Weil die Königin wusste / dass der Baleus geschrieben hatte / als
wollte sie den brief lesen: da ihr dann wohl gefiele / dass er also seine liebe mir
bezeuget; und begehrte sie hingegen / dass ich ihm auf gleiche weise antworten
sollte. Ich entschuldigte mich aber dessen / und bate die Königin / mir gnädigst
zu vergönnen / dass ich hierinn mich so bald nicht verbündlich machen dörfte /
wovon mit der zeit / so wohl ihr als dem Könige / auch dem Prinzen /etwas anders
einfallen könnte. Ich täte hinzu / es wäre des Baleus jugend dem heiraten annoch
so entgegen /dass man / hiervon zu reden / wohl der zeit erwarten könnte. Wiewol
die Königin mit dieser entschuldigung nicht allerdings zu frieden war / so wollte
sie doch meinen willen nicht allzu sehr zwingen / sondern liesse zu / dass ich
dem Prinzen nur auf solche weise antworten mochte.
 Antwort schreiben der Prinzessin Delbois / an ihren Bruder den Prinzen Baleus.
Ich werde niemals vergessen / liebster bruder! dass /wie wir unter einem herzen
gelegen / mir auchoblige /alle schwesterliche treu und zuneigung euch zu
erweisen. Wie ich denn deren beständigkeit euch hiermit versichere / uñ von dem
gütigen himel anwünsche /dass er euch in allem eurem tun segnen wolle /
dermaleins den tron / darzu ihr bestimmet seit / rümlich zu besteigen. Den
meinigen weiss ich añoch in einer so guten mutter händen / dass ich / zu dieses
reiches bästen / den himmel bitten werde / dasselbe ewig bei ietziger regirung
zu erhalten.
    An den Prinzen Abimelech aber / liesse ich mir gefallen / dieses zu
schreiben.
      Antwort-schreiben der Prinzessin Delbois / an den Prinzen Abimelech.
Ihr fordert so künlich meine befehle / dass ich sorge /wann ich euch solche
völlig erteilen wollte / es würde euch gereuen / dass ihr so bittseelig gewesen.
Damit ich euch aber auf künftig etwas zu schaffen gebe /davon ihr möget ursach
haben mir zu berichten: so bitte ich euch / meinem brudern die liebe zum wahren
Gottesdienst in sein herz / und mich hingegen aus demselbigen / zu bringen.
Dadurch werdet ihr erweisen / dass ihr meine ruhe und zufriedenheit zu befördern
suchet.
    Diesen brief stellete ich dem Arsas zu / der / wegen seiner treu und
verschwiegenheit / einig und allein von dieser brief-wechselung wissen dorfte:
dann er ware / als der Perseis bruders-sohn / von kindheit bei mir im
frauenzimmer erzogen worden / also dass ich seiner versichert ware. Ich halte für
unnötig / alle die folgende briefe zu widerholen. Ich sage allein / dass ich /
auf diesen / eine trefliche danksagung / und eine versicherung bekame / dass er
ihme meines brudern bekehrung äuserstes fleisses wollte lassen angelegen sein. Wie
aber mein bruder beständig fortfuhre / mich mit seiner offenbaren liebe zu
plagen / und mitlerzeit der Fürst Ninias ein ritter-spiel mir zu ehren
angestellet / schriebe ich dem Abimelech hiesige zeilen.
          Schreiben der Prinzessin Delbois / an den Prinzen Abimelech.
Ihr werdet / entweder eure beredsamkeit / oder den willen / meine ruhe zu
befördern / verloren haben. Der Prinz Baleus / verfolget mich unaufhörlich mit
seiner liebe: und alhier stellet der Fürst Ninias / mir zu ehren / ritterspiele
an / da ich verbunden bin / dem obsieger den dank zu geben. Wäret ihr mit meines
bruders bekehrung färtig / dörfte ich dessen gegenwart hieher wünschen: damit
iemand wäre / der / des Ninias hochmut bestreitend / von meiner hand ein zeichen
der gewogenheit zu entfangen hätte.
    Auf diesen brief erhielte ich keine antwort / und kame indes der tag heran /
da der Fürst Ninias /neben allen andern Ninivitischen Fürsten / das befagte
ritterspiel aufs herrlichste anstellete und hielte. Sein herr vatter / der Fürst
Peka / der fürnemste und mächtigste in Ninive / erwiese bei diesem fest /dass
ihme so wenig die mittel als der verstand mangelte / sich prächtig sehen zu
lassen. Weil die Königin /den Niniviten sich gefällig zu machen / mit ihrer
person dieses fest beehren wollte: als verfügten wir uns allerseits auf den
darzu-bereiteten platz / da eine stattliche schaubüne für die Königin und mich
aufgerüstet war / von welcher wir gar bequem alles beobachten kunten. Dem
überwinder hatte die Konigin mein bildnis bestimmet / welches von einem berümten
maler ins kleine entworfen / und nachgehends in ein köstliches kleinot
eingefasset worden. Es schmerzete mich aber nicht wenig / dass solches der Ninias
oder ein anderer Ninivite besitzen sollte: da ich es / die warheit zu bekeñen /
lieber dem Prinzen Abimelech gönnen mögen.
    Wie nun das ritterspiel den anfang genommen / und der Ninias seine
geschicklichkeit und hohen mut / beides in seiner ausmusterung / und in seinen
verrichtungen / spüren lassen: erschiene unvermutlich ein frömder ritter auf dem
platz / der sein angesicht bedecket /und sonst aus allem seinem tun zu erkennen
gabe /dass er nichtes gemeines sein müste. Aller augen waren auf ihn gerichtet /
und bildete ich mir nicht anderst ein / als dass Abimelech heimlich von Babel
herüber gekommen wäre / dem Ninias den preis zu bestreiten: in welcher hofnung
ich seinen sieg in meinem herzen sehr wünschete. Nachdem er sich gebürlich /so
wohl bei dem Ninias als den andern rittern / anmelden lassen / wurde ihme mit
zurennen verstattet: da er dann / mit so guter art als grossem glücke / allen
abgewonnen / also dass die richtere neben der Königin und mir / ihme den preis zu
erkeñen mussten. Ninias wollte schier rasend werden / dass ihm ein unbekanter
seinen so fåst eingebildeten sieg abgenommen hatte.
    Indem aber der frömde mit grosser ehrerbietung sich unserer büne nahete / und
das kleinot von mir entfangen / entstunde ein geräusche auf dem platze: weil
noch ein ritter verhanden ware / der sich anmeldete /um den aufgesetzten preis
zu kämpfen. Die richtere wollten diesen nicht zulassen / weil er zu spat
angekommen. Aber Ninias und die andere Fürsten begehrten inständig / man sollte
diesem frömden zu rennen vergönnen: weil sie allerseits / durch dieses mittel
/auch wieder dazu kamen / und neue hofnung zum gewinnen erlangeten. Der jenige /
so das kleinot gewonnen / sagete: wiedass er / ungeachtet seines erhaltenen siegs
/ noch wohl von neuem mit iedem / wer der auch sein möchte / fechten wollte;
allein der preis wåre so edel / dass er den nicht wieder aus händen lassen könnte
/ es begäbe sich dann / dass iemand darum auf leib und leben mit ihm einen kampf
eingehen wollte / da er hierzu sich färtig wollte finden lassen.
    Wie nun solcher gestalt die richtere / die Ninivitische Fürsten / und der
erste unter diesen frömden rittern / uneinig waren: liesse die Königin meine frau
mutter / ihren zank zu schlichten / noch ein kleinot mit meinem bildnis bringen
/ welches sie von neuem für sie alle ingesamt aufsetzete / und / den
letzt-angekommenen frömden mit zu zulassen / verordnete. Dieser nun liesse / mit
so guter art und geschicklichkeit /sich in diesem ritterspiel sehen / dass er
aller augen auf sich zoge / auch diesen zweiten preis gewonne und davon brachte.
Dieses verdoppelte des Ninias wut / also das er den abend bei dem festmale /
welches sein herr vatter angestellet / ganz betrübt und still sich anstellete.
Die beide frömde obsiegere aber /liessen sich nicht mehr sehen: die dann üm so
viel leichter dazu gelangen konten / unbekant zu bleiben /weil niemand unter den
Niniviten gross verlangen truge / noch begierd erwiese / ihren namen und stand zu
erforschen.
    Ich wusste nun auch nicht / wer sie beide gewesen /und ob sich Abimelech
unter ihnen befunden / bliebe auch in solcher unwissenheit bis folgenden tag: da
der Arsas sich anmelden liesse / und mir etliche reimen von dem Abimelech brachte
/ die er ihme zugestellet /und damit unerwarteter antwort wieder hinweg nach
Babel gereiset war? Ich fand diese verse also lauten:
Des Ninias sein stolzer muht ist hin;
und was kein mensch verdienet zu besitzen /
findt sich bei mir. Ich seh mich auf der spitzen
des höchsten glucks. Doch ist dabei mein siñ
betrubt / weil ich selb-ander seelig bin.
Im leiden kann uns die gesellschaft nutzen:
im glücke nicht. Drum / mich allein zu schützen
bei dieser ehr / so götzt mir den gewinn /
dass ich verfolg / bis an der erden end /
den / der zwar eh als ich den sieg bekommen /
doch nichtes mir / gleich wie ich ihm / genommen.
Der himmel mir alleine zu erkennt /
diss wunder-bild. Hab ich nur euren willen:
sein stolz sich / wie des Ninias / soll stillen.
    Hieraus ersah ich / dass Abimelech der lezte gewesen war / der zu diesem
ritter-spiel gekommen: und berichtete mir dabei der Arsas / dass dieser Prinz
/nach entfang meines schreibens / welches ihm etwas spat war geliefert worden /
straks den schluss gefasset / also unbekant auf dem renn-platz in Ninive zu
erscheinen. Er sei auch alsbald wieder nach Babel gekehret / damit niemand sein
fürnemen erfahren möchte: weil er wohl vermutet / ich wurde nicht gerne sehen /dass
dieses sein beginnen ruchtbar würde. Diese bescheidenheit des Abimelech / da er
auch sein verlangen mich anzusprechen verdrucket / neben seinem anderen
rümlichen verhältnis / kunte mir nicht anderst als wohl behagen. Ich erfuhre vom
Arsas ferner / Abimelech habe erforschet / wie dass der frömde / so eher als er
auf die bahn gekommen / seinen weg nach des Königs von Assyrien lager in Meden
genommen: des fürhabens / ihme zu folgen / und von ihme mein bildnis wieder
abzufördern.
    Meine gemüts-bewegungen liesse ich hierauf den Arsas nicht alle merken /
befande aber wohl bei mir /dass ich des Abimelech begehren nicht abschlagen könnte:
demnach verfassete ich / nach langer überlegung / folgende zeilen / die ich ihme
durch den Arsas zuschickete.
Ich danke eurem fleiss /
dass ich entoben bin / den Ninias zu ehren.
Kont ihr auf gleiche weis
mir bringen / was ich gab: will ich es euch nicht wehren.
    Wer war erfreuter / als Abimelech / nach erhaltung dieser antwort-zeilen?
Und weil er also iemehr und mehr meine zuneigung anhube zu erkennen / stårkte er
sich in seinem entschluss / dem heer nach Meden zu folgen: aus antrieb / sowol
seiner kriegerischen grossmut / als seiner eifersichtigen liebe / daselbst den
frömden auszufragen / der mein bildnis zu Ninive gewonnen hatte. Dieses sein
fürnemen stellete er mit niemanden in raht / als mit dem Ahusat: massen er
seinem hofmeister Bagastanes nichtes davon sagen dörfte / als welcher ihm
solches nicht würde gut geheissen haben. Wie er demnach alles hierzu färtig
hatte / reisete er mit dem Ahusat heimlich von Babel hinweg: da er zuvor dem
Prinzen Baleus sein fürhaben / dem krieg zu folgen / entdecket / als mit welchem
er in grosser verträulichkeit / ohne was seine liebe anlangete / gelebet. Er
hatte auch / diesen Prinzen im wahren Gottesdienste zu unterweisen / schon einen
guten anfang gemachet / wiewol er es noch nicht zu völligem ende bringen können.
    Weil er über Ninive reisen musste / kame er heimlich dahin / und liesse durch
den Arsas sich anmelden: ob ich ihm die gnade erweisen / und ihn im garten zur
ansprache kommen lassen wollte? Dieses sein beginnen / machte mich nicht wenig
bestürzet: und hatte ich nicht vermutet / dass er einen solchen schluss fassen
würde. Ihn allein zu sprechen / kunte ich nicht einwilligen: gleichwol dünkte
mich auch zu hart und meiner zuneigung zuwider / ihn gar / ohne mich zu sehen /
wegziehen zu lassen. Endlich ersonne ich dieses mittel / und ersuchete des Arsas
frau mutter / (die stäts in Ninive gewonet / und an den Babilonischen hof nie
gekommen / dannenhero unwissend lebete /was des Abimelech oder meine
angelegenheiten wären /) mit mir in den garten zu spaziren. Diese gute Fürstin
nun / truge dessen kein bedenken / sondern begabe sich mit mir / gegen den abend
/ in den garten: da ich dann alles mein frauenzimmer zurück liesse / damit uns
keine verraten möchte.
    Wie nun Abimelech mich von weiten ankommen sah / eilete er mir entgegen /
und mir zu fus fallend /ergriffe er meine hand / ehe ich es ihm verwehren kunte:
die er ohn unterlass zum munde fürete / und dadurch seine herzliche vergnügung
mir zu erkennen gabe. Ihr sehet / Prinz Abimelech! (redte ich ihn an /als ich
ihn zuvor aufstehen heisen /) dass ihr mich meiner gebür vergessen machet / indem
ich euch iezt solche freiheit einraume / das mir zum ärgsten könnte ausgedeutet
werden / wann einiger mensch dieses erfüre. Ich verhoffe aber / ihr werdet
daraus erkennen / dass ich eure freundin bin / und die gelegenheit nicht
misbrauche / die ich euch / mich anzusprechen / vergönnet. Hierauf / als er mir
dafür tausendfältig dank gesaget / begehrte er nochmals meine erlaubnus / in den
Medischen krieg zu gehen / und mein bildnis dem frömden / wofern er den
antreffen würde / abzunemen: welches ich ihm freistellete. Als er darauf sich
von seiner liebe übermeistern liesse / uñ solche mir ferner entdecken wollte /
bate ich ihn / dass er mich nicht zwingen möchte / ihn mit unwillen zu verlassen.
Er aber wollte so gute gelegenheit nicht versäumen / sondern drunge darauf / ich
möchte ihm erlauben / dass er mich lieben / und dabei hoffen dörfte / dass seine
liebe mir nicht zuwider wäre.
    Nachdem er mir dieses mit der beweglichsten und ehrehrbietigsten art von der
welt gesaget / fiele er abermals mir zu füssen / und begehrte der gestalt seinen
tod oder sein leben von mir zu vernemen. Also ward ich endlich bewogen / ihme zu
vergönnen / dass er mich lieben möchte: mit dem versprechen / dass ich hingegen /
wann die / so über uns zu gebieten haben /es dermaleins würden gut befinden /
ihme meine zuneigung zuwenden wollte. Als ich diese erklärung von mir gegeben /
wurde ich in mir selber beschamet. Er aber hielte sich nun für den seeligsten
auf erden / und keine hinternise achtend / die meine verheisung ümstossen könten
/ begnügte er sich mit der erkentnis meiner zuneigung. Also schieden wir von
einander /er zwar hochst vergnügt / ich aber voller unruhe /mich selber darüm
straffend / dass ich also heimlich und ohne der meinigen wissen mich versprochen
hatte. Dann / ob ich ihm wohl nur zugesaget / dermaleins und mit beding zu
lieben: so hatte er es doch so aufgenommen / wie es warhaftig in meinen herzen
beschaffen war / dass er meiner zuneigung sich schon völlig versichern kunte.
    Wie dapfer er nachgehends in dem Medischen krieg sich verhalten / da der
berumte Esau fürst von Edom ihn angefuret / will ich hier nicht weitläuftig
erzählen / sondern nur sagen / dass nie keine zeitung aus dem lager kame / die
mir nicht das lob seiner rümlichen taten mitgebracht hätte. Wir zogen aber vor
endigung dieses kriegs / wieder nach Babel / als die Königin meine frau mutter
zuvor eine grosse änderung mit meiner hofstatt fürgenommen: da dann mein
hofmeister / der fürst von Sepharvaim / zum ober-stattalter in Ninive / des
Arsas herr vatter zum unter-stattalter / und der fürst von Arvad mir hingegen
zum hofmeister bestellet worden. Ninias bliebe auch zu Ninive / welchen die
Königin / seiner verspürten liebe zu wehren / nicht üm mich wissen wollte.
Hingegen wäre sie sehr bemühet / des Prinzen Baleus heurat mit mir zu befordern:
dass ich mich also / teils erleichtert / teils wieder beschweret sah. Jedoch
tröstete ich mich mit der vom Abimelech mir gemachten hoffnung von meines
bruders bekehrung / und dass solche alle diese ungelegenheiten künftig aufheben
würde.
    Dieser wegen nun gewonete ich / mit meinem bruder etwas verträulicher
umzugehen. Und weil er gern von hohen sachen reden mochte / hielten wir oft ein
gespräche zusammen / von geistlichen dingen: da ich dann warname / dass er schon
sehr wankete / und viel dings von den göttern in zweifel zoge / dadurch ich in
besagter meiner hoffnung gestärket wurde. Doch liesse er seine liebe / indem wir
stäts mit einander ümgingen / iemehr und mehr vermerken: worüber der ganze hof /
sonderlich aber meine frau mutter / hoch erfreuet wurde / und der abwesenheit
des Abimelech zuschriebe / dass ich mich nun gegen den Baleus geneigter erwiese.
    Der König / als er den Medischen krieg geendet /schikte den Sparetes /
fürsten von Almodat / nach Babel / der Königin den glücklichen fortgang seiner
waffen / nebst seiner ehist-vorhabenden wiederkunft /zu berichten. Dalimire war
bei uns / als Sparetes alles erzehlete / wie es war in Meden daher gegangen: da
dann der untergang des Konigs Pharnus / und der klägliche tod der Königin
Barsine / so grosses mitleiden bei uns anderen / als frolocken bei der Dalimire
/verursachete. Als auch der Königin die tränen in die augen stiegen / da sie
sich / bei dem untergang dieses reiches / des unglücks ihrer schwester in Syrien
erinnerte: hatte die stolze Dalimire soviel verwegenheit /sie hierum hönisch
anzulassen. Weil sie auch sonst /da sie bisher / weil der Konig ausen war / sehr
demütig sich gebärdet / nun gar übermütig zu werden begunte: kunte die Konigin
nicht ümhin / ihr ein solches zu verweisen / und sie der schuldigen ehrerbietung
zu erinnern. Dalimire / hierob entrüstet / verliesse uns /und scheuete sich nicht
/ ohne vorwissen einiges menschens / dem König entgegen zu reisen / und ihn bei
Chalne zu entfangen. Die gedultige Königin liesse sich alles diss nicht anfechten
/ als gewonet viel zu leiden /und rüstete sich / ihren herrn / den König / in
Babel auf das herrlichste zu bewillkommen.
    Des sieghaften Abimelechs wiederkunft / kunte auch mir nicht anders / als
grosse freude erwecke. Wie nun der tag angekommen / da Belochus seinen einzug in
Babel halten wollte / hatte ich die vergnügung /meinen Abimelech / in diesem
triumf / hoch beehret zu sehen: indem sowol der Konig / als alle hohe und
niedere kriegs-bediente / ihm das lob gaben / dass er nicht allein zu
unterschiedenen malen dem König das leben gerettet / sondern auch ihme und dem
Esau / die eroberung des Medischen reiches / zuzuschreiben wäre. Alles was
diesen prächtigen einzug verunzierete / war Dalimire: die so unverschämt worden
/ dass sie neben den König auf seinem triumf-wagen sasse. Er fürete sie in ihr
zimmer / daselbst er etliche stunden bei ihr bliebe / ehe er zu der Königin
ginge. Die kaltsinnigkeit / mit deren er meine frau mutter ansprache /war sehr
gross: und kunte man nicht undeutlich merken / dass Dalimire / der Königin
wenig-bezeugte freude über des Königs sieg / ihme sehr widrig musste angebracht
haben.
    Wie Abimelech und ich einander entfangen / kann man leichtlich ermessen: und
wiewol wir uns für den leuten bergen wollten / so konten doch die jenigen / so
unser tun genau beobachteten / bald ersehen / dass zwischen uns keine gemeine
zuneigung waltete. Der Prinz Baleus finge nun auch an / eine eiversucht an tag
zu legen: dem seine grosmut nicht zuliesse / des Abimelech dapfere taten ohne
ehr-neid anzuhören. Weil auch seine liebe gegen mir immer zuname / als konnte er
auch nicht leiden / dass dieser Prinz viel üm mich wäre. Aber Abimelech wusste dem
Baleus so wohl zu fugen / und seinen platz bei mir ihme allemal zu überlassen /
dass er seine eiversucht meist verlieren musste. Sonsten klagete mir Abimelech /
dass er den frömden ritter / mein bildnis ihm abzunemen / in Meden nicht
ausfragen können: welches mich zwar nicht sehr anfochte / nun ich nur ihn selber
wieder hatte; massen ich ihn dieserwegen von seinem versprechen ledig sprache.
    Es wurden aber / wegen des Königs glücklicher witderkunft / in Babel
allerhand herrliche freudenfeste / und unter andern ein grosses ritterspiel der
Dalimire zu ehren / angestellet: darbei alle Prinzen / Fürsten und grossen von
Babel erscheinen mussten. Baleus dorfte / ob er gleich der Dalimire sehr
aufsätzig war /sich nicht weigern / diesem fest mit beizuwonen. Die Konigin
befahle auch mir / mich darbei finden zu lassen / damit der Konig nicht zu zorn
gereitzet würde: sie selbst aber bliebe davon / weil ihren platz / da sie billig
sitzen sollen / die Dalimire bekleidete. Des Königs liebe gegen ihr / und ihr
hochmut / war so gross /dass sie / bei diesem fest / als welches ihr zu ehren
gehalten wurde / die oberstelle über mich zu begehren /sich nicht scheuete. Weil
aber die anwesende Niniviten sich äuserst widersetzeten / und der gesamte
Königliche raht solches misbilligte / ward es also vermittelt / dass mir ein
eigener tron / der gerade gegen des Königs tron über / aufgerichtet wurde:
daher dann zu mir alle fürnemste damen sich versamleten / hingegen bei der
Dalimire keine / als die ihr zur aufwartung zugegeben waren / neben etlich wenig
verheurateten frauen von des Konigs bedienten / verblieben.
    Alles / was in diesem kampfe zu gewinn aufgesetzet war / bestunde in
herrlichen kleinodien / die des Konigs schatzmeister nahe hinter ihm in
verwarung hatte; und ware das bäste / eine trefliche perle / dergleichen vorhin
nicht viel mochte gesehen sein. Dalimire / die nahe bei dem König sasse / gabe
nicht undeutlich ihre begierde zu vernemen / diese perle zu haben: welche dem
jenigen bestimmet war / der das bäste im kennen tun würde. Wie man nun gerennet
/und einer diss der andere das gewonnen / wurden solche gewinste von den meisten
/ so bald sie die von des Konigs hand entfangen / der Dalimire gleich wieder zum
geschenk überliefert: wiewol solches viele und sonderlich die Niniviten /
unterliessen / und andere damen damit verehreten.
    Der Prinz Abimelech überkame nun das bäste / und wie ihme der Konig die
perle hinreichte / sagte er zu ihme: nemet hin / edler Prinz! was ihr mit so
guter geschicklichkeit gewonnen / und beschenket damit hinwiederum die schonste
/ die ihr in dieser gesellschaft findet. Hiemit zielete der König / auf
Dalimire. Abimelech aber / als er ihn versichert / dass er diesem befehl
nachkommen wollte / gienge alsobald zu mir / und diese perle mit sehr höflicher
angenemer art überreichend / machte er den König so erzürnet / die Dalimire so
beschämet / den Prinzen Baleus so eiversüchtig /und mich so unruhig / dass
dadurch dieses freuden-fest sich sehr verwirrt endigte. Ich wusste aber damals
noch nicht / dass Dalimire diese perle haben wollen / und erfuhre solches
allererst / als wir in den königlichen saal kamen / allwo gespeiset sollte
werden: da ihr störriges gesichte und des Königs stilles wesen / mir / üm die
ursach zu fragen / anlass gaben. Demnach / den König zu befriedigen / überwand
ich mich / und brachte der Dalimire die perle; die aber solche durchaus nicht
annemen wollte / sondern mit honischen worten sagte: weil diese perle nur der
schönsten zu besitzen gebürete / als müste ich damit zu ihr nicht kommen.
    Hiemit / ohne mich mit ihr in wortwechselung einzulassen / ginge ich von ihr
/ zu des fürsten Arsas schwester / der jungen Eldane / die bei mir am hof und
gar hübsch von gesicht war / und schenket ihr diese perle: welches dann ein
grosses ansehen gabe /indem alles frauenzimmer der Eldane dieses kostliche
geschenke misgonnete / und darbei den armen Abimelech verlacheten / dass ich sein
geschenk so gering geachtet. Ich merkete ihm wohl an / dass ihm solches nahe
ginge. Ich wollte aber lieber hierdurch aller welt weisen / dass mich der Prinz
Abimelech nicht mehr dann ein anderer anginge / als durch so öffentliche
bezeugung mich mit ihme ferner in jedermans gespräche bringen.
    Ich speisete nun mit den damen an einer eignen tafel / Dalimire aber bliebe
bei dem Konig: welcher /weil er sie unlustig sah / auch übel zu frieden wurde /
und auf den Prinzen Abimelech etliche zornige augen-winke schiessen liesse;
weswegen ihm geraten wurde / dass er / üm den Konig nicht weiter zu reitzen /
sich von der gesellschaft mit guter art absondern sollte. Dalimire feirete
hierauf nicht / den ganzen abend diesen Prinzen bei dem König anzuschwärzen. Und
mir neben ihme zu schaden / erwähnte sie von unserer liebe / und wie gefärlich
mit dem Prinzen der Philister ümzugehen sei: massen zu mutmassen wäre / dass er
seinen irrigen glauben auch mir möchte beigebracht haben / weil ich nun eine
geraume zeit her die tempel nicht fleissig mehr besuchet hätte / auch der Prinz
Baleus wenigern eifer / als vor diesem / gegen dem gotterdienst spuren liesse.
    Weil der Konig dem götter-dienst sehr ergeben ist /auch seinem sohn das
konigreich Ninive über alles gonnete / welches er / ohne mich zu heiraten /
nicht bekommen kunte: als wirkete dieses bei ihme soviel /dass folgenden tags dem
Baracheel so wohl / als der Perseis / anbefohlen wurde / auf des Prinzen und
meinen wandel genaue aufsicht zu haben / und uns nicht viel bei dem Abimelech
allein zu lassen. Mir wurde alles dieses durch dem getreuen Arsas entdecket /
wie auch / dass der König von der Eldane die perle holen lassen / und ihr ein
anders kleinot dafür geschicket.
    Als ich folgenden morgens in der frühe nach der Semiramis garten mich begabe
/ üm daselbst allein meinen traurigen gedanken gehor zu geben / fand ich alda
den Abimelech / der sich bei einem brunnen niedergeleget / und also / voll
nachsinnens / in das wasser sah. Er wurde lang meiner nicht gewar; endlich /wie
er mich ersehen / stunde er betrübt auf / mich sehr ehrerbietig grüssend.
Vermeinet ihr wohl / Prinz Abimelech! (sagte ich zu ihm /) grosse ursach zu haben
/euch über mich zu beschweren / üm dass ich mit eurem geschenke gestern also
verfahren? Ich halte aber dafür / dass ich damit euch sehr gedienet / und /was
ihr verderbet / einiger massen wieder gut gemachet habe. Zum wenigsten kann ich
mich nun bässer entschuldigen und dartun / dass nichtes daran sei /was etwan
Dalimire dem Konig von unserer liebe /für gesaget: dann ich aller welt gewiesen
/ dass der Prinz Abimelech mir nicht so lieb sei / als ich ihm verheisen / dass er
mir ewig sein soll.
    Ach schönste Prinzessin! (antwortete er mir /) wo rechte liebe ist / da ist
nicht allemal grosse fürsichtigkeit. Habe ich gesündigt / dass ich gestern
allzuviel der welt mein herz entdecket: so bin ich auch wohl darum gestraffet
worden / da jederman der Prinzessin Delbois kaltsinnigkeit sehen müssen. Meine
erwiesene kaltsinnigkeit / (gabe ich zur antwort) soll / wie gesagt / euch dienen
/ dass eure liebe und meine zuneigung heimlich bleibe / und dass ich keinen andern
befehl von meinen oberen bekomen moge / meinen fürsatz zu widerruffen. Wahre
liebe / (sagte er wieder) lässet ihr nicht gebieten. Ihr wisset aber wohl /
(wandte ich gegen ihm ein) mit was beding ich euch vergönnet / mich zu lieben /
und dass des Königs und der Konigin befehl grosse gewalt über meinen willen habe.
Uber euren willen? schönste Prinzessin! (fragte er ganz betrübet /) Ich
vermeinte / der wäre frei / und wann gleich ein grausamer zwang dessen fürhaben
aufhalten könnte / sollte er doch nicht fähig sein / ihn gar zu veråndern.
    Als ich hierauf antworten wollte / kame der Prinz Baleus dazu: der dann mit
seinem betrübten wesen wiese / wiedass ihme etwas sonderliches anligen müste.
Dann sein hofmeister Baracheel / hatte ihm des Königs befehl schon hinterbracht
/ dass er des Abimelech gesellschaft meiden / und seine kaltsinnigkeit in
besuchung der tempel änderen sollte. Weil ihme dieses verbot / und wie ich
gestern mit des Abimelechs geschenke mich angestellet / alle eifersucht gegen
diesem Prinzen benommen / und hingegen eine neue zuneigung in sein herz gebracht
hatte: als ware er dieserwegen dem Abimelech in der Semiramis garten
nachgefolget / so bald er der aufsicht Baracheels sich entziehen können.
    Liebster Prinz! (redete er ihn an /) man ist gesinnet / mir zu verwehren /
ferner mit euch ümzugehen / und hat euer gestriger sieg euch nichtes als hass und
verfolgung erworben. Man weiss / dass die Prinzessin meine schwester / und ich /
euren vermanungen bisher gehör gegeben / und den irrtum des falschen
götterdienstes erkañt haben: daher dann diese verfolgung mit entstehet. Doch
werde ich deswegen nicht ablassen / Abimelechs heilsame lehren anzuhören / und
euch wider die boshaftige Dalimire an unserem hof zu schutzen. Wie nun uns
beiden / dergleichen von dem Baleus zu vernemen / frömd fürkame / also vermehrte
sich unsere bestürzung / als er uns ausfürlich alles erzehlte /was Dalimire dem
König fürgebracht / und was Baracheel ihme von seinetwegen sagen müssen. Ich
wurde / mitten in der bestürzung / hoch erfreuet / dass ich solchen eifer an dem
Baleus für des Abimelech wahren Gottesdienst und glauben verspürete. Demnach
sprache ich ihm eiferig zu / dass er solcher Meinung bleiben / darbei aber ja
sehr geheim leben möchte / damit der Konig nichtes hievon erfüre / so uns
allerseits grosses nachteil bringen würde. Also verglichen wir uns / üm dem König
allen argwahn zu benemen /dass wir die götzen-tempel fleissiger besuchen / jedoch
mit den herzen von solchem falschen dienst weit entfernet sein wollten: üm zu
verhüten / dass nicht / mit uns / die hoffnung der künftigen bekehrung beider
unserer Konigreiche / unterdruckt werden möchte. Weil auch der Prinz Baleus noch
nicht völlig den unterricht von dem wahren Gottesdienst eingenommen hatte /als
name ich solches über mich / damit Abimelech üm so viel mehr auser verdacht
bliebe. Weil ich auch / in des Baleus gegenwart / dem Prinzen der Philister von
deme / was seine person anginge / nichtes mehr sagen kunte: gabe ich ihme doch
durch gebärden völlig zu verstehen / wie dass er keine ursach hätte / an meiner
zuneigung zu zweifeln.
    In solchem kame Perseis zu unserm gespräche /welche / nachdem sie mich auf
eine seite gezogen /und allmählig von den beiden Prinzen abgebracht hatte / mir
eben dergleichen gewerbe / als Baracheel dem Baleus / ankundigte. Sie sezte aber
noch dieses hinzu / man mutmasse meine zuneigung zu dem Prinzen Abimelech /
deren ich mich dann gänzlich entschlagen müste. Wie ich nachgehends zu der
Königin kame / vermanete die mich ebenfalls gar sehr / dass ich der lästererin
Dalimire / mich zu verleumden / keine fernere gelegenheit geben / und darüm des
Abimelech mich äusern sollte. Sie aber / deren endlich unerträglich fiele / der
Dalimire über mut also täglich für augen zu sehen / sonderte sich eine weile von
hof ab /und begabe sich nach Sephar: da ich ihr dann hinfolgete / und Baleus
auch stäts bei uns ware / Abimelech aber zu Babel bleiben musste. Ich täte ihm
durch den Arsas alles zu wissen / wie es mir erginge: aber aus beisorge / dass
wir mögten verraten werden / wollte ich weder seine heimliche besuchung noch
briefwechselung annemen. Gleichwol ihn ein- für allemal zu befriedigen /
schickte ich ihm / für meiner abreise / hiesige reimen / die ihn meiner
beståndigkeit versichern sollten / welche er / wegen der ansprach-versagung / in
zweifel zu ziehen gedachte.
Wornach doch sehnt ihr euch / da ihr ja wohnt in meinem herzen?
Beeifert ihr euch selber dann / und wolt eur heil verscherzen?
Ihr könt / durch eure gegenwart / leicht eure ruh vertreiben:
ståts aber / wann ihr ferne seit / in meinem herzen bleiben.
    Zu Sephar nun / sah ich den Baleus stäts üm mich / und ware mir seine
gesellschaft nicht unangenem /weil der inhalt unserer gespräche von so guten
sachen handelte. Ich brachte ihn endlich so weit / dass er mit mir / auf einem
berge / in gegenwart des Arsas / der Eldane / und des Zameis seines kammerherrn
/ den er für allen seinen bedienten liebete / und sich ihm vertrauete / bei
einem altar / den wir aufrichteten / und auf demselben dem einigen wahren Gott
des himmels opferten / allen gottern absagete / und den reinen glauben des Ebers
und dessen nachkommen beständig anzunemen / sich verlobete. Wie nun dieses in
aller stille geschehen / und er nachgehends wieder allein bei mir in meinem
gemache war / dankete er mir hochlich / dass ich ihme zu dieser erkentnis
geholfen. Als er hierauf von seiner liebe zu reden kame / und mir dieselbe mit
den heftigsten verbündlichsten worten zu verstehen gabe / sagte ich letzlich zu
ihme: Er müste nunmehr andere gedanken fassen / und wissen /dass fortin unser
glaube ihm verwehre / mich anderst als seine schwester zu lieben: massen solche
nahe verehlichung sündlich wäre / und nicht allein von den recht-gläubigen /
sondern auch von den meisten anderen volkern / die sonsten das rechte erkäntnis
nicht hätten / ganz verdammet würde.
    Hierüber wurde er ganz still / und sah mich betrübt an: da die
mannigfaltige verånderung seines gesichtes mir gnungsam zu verstehen gabe / wie
sehr ich ihn beunruhiget hätte. Weil nun dem Baleus bewust war / dass Abimelech
mich in dem reinen Gottesdienst unterrichtet / und er also wohl vermuten konnte /
dass ich auch dises gesetze von ihm erlernet habe müste: finge seine eifersucht
an / wieder wach zu werden. Doch bliebe er im zweifel / ob Abimelech allein aus
eigennutzen / oder aus liebe zur warheit / dieses gesetze /nicht so nahe ins
geblüte zuheuraten / mir fürgetragen hätte. Also schluge er sich eine gute weile
mit traurigen gedanken / bis er endlich diesen entschluss fassete / selbst
eigentlich zu erforschen / ob es sich also in der tat verhielte. Also eröffnete
er mir seinen fürsatz / wie er gewillt wäre / eine reise ins land Canaan zu tun
/ und entweder zu Salem beim Melchisedech /oder zu Hebron bei dem Isaac / sich
zu befragen / was er bei seinem iezt-angenommenen glauben in seiner liebe hoffen
dörfte.
    Wie nun ich selber / als der warheit dessen versichert / ihn fleissig hierzu
antriebe / zoge er nach Babel / erlaubnis von dem Konig zu erlangen / dass er
eine reise nach Tyrus fürnemen dörfte / üm daselbst die Königin Delbois / unsers
herrn vattern schwester / zu besuchen. Weil nun der König diese schwester sehr
liebt / auch derentwegen mich nach ihr benamen lassen: als willigte er freudig
ein / dass der Prinz diese reise tun / und zwar etwas lang ausbleiben möchte:
zumal weil seine gegenwart die Dalimire / und folgbar auch er / nicht zum
ruhigsten vertragen konnte. Ich täte dieses heimlich dem Abimelech / von Sephar
aus / zu wissen: welcher darüber sich innerlich so viel erfreuet / als wenig er
åuserlich sich anname / dass er etwas hiervon wüste. Baleus stellete sich auch
ganz frömd gegen ihm / und liesse gnugsam verspüren / wie dass er so unruhig als
eifersüchtig wäre. Ihm wurde der Zameis als hofmeister zugegeben / weil der
Konig den Fürsten Baracheel zum geheimen raht machete /und darum ihn zu Babel
bei sich behielte.
    Seinem fürhaben nun nachzusetzen / reisete der Baleus nach Salem / und
begabe sich daselbst / ohne dass iemand wusste / wer er war / zu den priestern in
die hohe schule. Wie er nun mehr als zuviel erfahren dass die zusammenheuratung
der brüder und schwestern verboten und sündlich wäre / schiede er betrübt wieder
von Salem hinweg / und vollfürete seine reise nach Tyrus. Mitlerweile hatte /
der König Abimelech von Gerar / seine abgesandten nach Babel abgeordnet / und
den Prinzen seinen sohn wieder abfordern lassen / weil die fünfzehen jahre
vorbei waren / die er ihn zu Babel zu lassen versprochen hatte. Der König gabe
ihm alsobald seine erlassung / und ware ich noch bei der Königin zu Sephar / als
mir von dem Prinzen dieser brief zukame.
         Schreiben des Prinzens Abimelech / an die Prinzessin Delbois.
Schönste Prinzessin! Mein herr vatter fordert mich von hier ab / und der eurige
erlässet mich gutwillig: weil er mich der bande nicht mehr würdig erkennet /die
ich bisher als ein geisel hier zu Babel getragen. Die bande aber / die mir
Delbois angeleget / wird keine irdische macht mir auflösen können: und wird mein
herz doch stäts zu geisel hier verbleiben / obgleich mein leib Assyrien
verlassen muss. Ob ich diese lezte glückseeligkeit noch hoffen dörfe / vor meinem
abzuge / meiner Prinzessin den rock zu küssen /werde ich / in schmerzlichem
verlangen / befehl erwarten.
    Ich muss wohl gestehen / dass mir diese zeitung / von des Prinzens Abimelech
abreise aus Assyrien /schmerzlich zu vernemen gewesen. Ich liesse ihm hinwiederum
zuentbieten: Imfall er nach Sephar kommen / und von der Königin meiner frau
mutter abschied nemen wollte / würde ich die gelegenheit nicht versäumen / ihn
zusprechen. Als er hierauf / diese reise zu tun / vom König erlanget / säumete
er sich nicht /der Konigin zu Sephar auszuwarten: die ihn dann gar höflich
entfienge / und wegen seiner hohen tugend ungern aus Assyrien scheiden sah; ob
sie gleich dadurch die sorge verlieren kunte / dass seine gegenwart / in der
fürhabenden heurat zwischen dem Baleus und mir / eine hinternis verursachen
möchte.
    Als er nun / mich allein zu sehen / die gelegenheit ergriffen / sprachen wir
eine gute weile zusammen mit den augen / ehe eines von uns den mund zum reden
eröffnete. Endlich überwand ich mich / uñ sagte zu ihm: Wie nun / Abimelech!
wollen wir die kurze zeit /die wir noch beisammen sein können / mit
stillschweigen zubringen? und habet ihr mir nichtes mehr zusagen / ehe ihr aus
Assyrien scheidet? Ach! grosse Prinzessin! (antwortete er mir / seufzend) es
fehlet mir mehr am vermögen / als an dem inhalt / mein anligen fürzubringen. Ich
habe soviel zu sagen / dass ich ewig nicht aufhören würde / wann mein grausames
verhängnis nicht haben wollte / dass ich vielleicht nun bald auf ewig werde
schweigen müssen. Ihr schreibet mir ja / (gabe ich zur antwort) dass euer herz
hier stäts verbleiben soll: solcher gestalt werdet ihr / nur dem scheine nach /
und nicht warhaftig / abwesend sein. Diss wird geschehen (wandte er wieder ein)
nach dem / als mein herz hier wird aufgenommen und gehalten werden.
    Wie ich ihn nun versichert / dass bei mir sein herz wohl verwahret bleiben
sollte / gaben wir uns ferner in ein weitlåuftiges gespråche / da ich endlich
mich gegen ihme so weit heraus liesse: Wie dass ich niemals einen andern / als ihn
/ lieben wollte; dass ich wollte bemühet sein / den König und die Königin mit der
zeit auf diese Meinung zu bringen; und dass ich / wann ich macht über meinem
eigenen willen haben würde / ihn zum König von Ninive machen wollte. Er hingegen
/gelobete mir seine beständige treu: welches ümständlich zu er ehlen / ich fur
unnötig erachte. Also schieden wir lezlich betrübt / doch dabei vergnügt / von
einander / und bedachte damals meine jugend nicht /wie gefårlich diese meine
verlobung gewesen. Damit wir aber von einander zu zeiten nachricht haben könten
/ ward beschlossen / das er mit dem Arsas briefe wechselen sollte / die ein
Cananitischer kaufman / der zu Babel wonete und aller orten hin seinen handel
hatte / sicher bestellen kunte.
    Durch dieses mittel nun erfuhre ich / nach seiner abreise / dass er zu Salem
/ an der Prinzessin Cölidiane eine gleichheit mit meiner person findend / uñ
derselben fleissig aufwartend / sich in den verdacht gebracht / als wann er sie
liebete: dass dann allerseits anverwandte sehr wünscheten / und befördert wissen
wollten. Seiner beständigen treu aber gegen mir /wurde ich allemal zugleich mit
berichtet. Ich muss gestehen / so lieb mir dieses Prinzens beständigkeit ware /
so sehr betaurete ich diese schöne Prinzessin /sie also unschuldiger weise in
den wahn und ruff gebracht zu wissen / dass Abimelech sie liebete.
    Unterdessen kame die Königin Delbois von Tyro /neben der Prinzessin Lantine
von Elam / ihrer tochter / nach Babel / und brachte den Prinzen Baleus wieder
mit: da dann der König / nach langem abwesen / uns von Sephar wieder in Babel
kommen hiese / diese Königin zu entfangen. Die grosse liebe / so der König zu
dieser schwester heget / verursachte bei ihm eine sonderbare freude über ihrer
gegenwart: welche auch der Königin meiner frau mutter soviel zu nutzen kame /
dass durch ihre der Delbois vermittelung sie von dem Konig meinem herr vattern
wieder in bässern würden gehalten wurde / und der Dalimire ansehen merklich
fiele: doch nicht solcher gestalt / dass der Konig / sie zu lieben / abgelassen
hätte.
    Baleus / mich wieder sehend / bezeugete zwar / dass es ihme schwer fiele /
von seiner liebe gegen mir ganz abzulassen. Doch war er nun so wohl unterrichtet
/wegen unmüglichkeit unserer heurat / dass er kein bedenken truge / frei mit mir
davon zu reden / und / wie er sich aller hoffnung begeben hätte / mich zu
versichern. Ich begunte demnach diesen bruder herzlich zu lieben: doch nicht in
solchem vertrauen / dass ich ihm entdecket hätte / wie es mit mir und dem Prinzen
Abimelech stünde. Dann / weil er noch jung / und durch verfürung hätte anders
sinnes werden mögen: als besorgte ich auf den fall / dass diese entdeckung / dem
Abimelech und mir viel ungemachs bringen würde.
    Er finge aber an / der Prinzessin von Elam aufzuwarten / und dieselbe lieb
zu gewinnen: welcher liebe aber alle anverwandte entgegen waren. Dann der König
mein herr vatter / neben meiner frau mutter /blieben beständig bei ihrer Meinung
/ dass mich der Baleus haben müste. Die Königin von Tyro / wollte ebenfalls ihre
tochter an den Konig Amraphel ihren sohn verheuraten: und fürnemlich zu dem ende
hatte sie diese weite reise genommen / üm ihr fürhaben mit dem König ihrem herr
brudern zu beratschlagen /und so dann ihren weg fürter nach Elam zu nemen.
Lantine betreffend / so mochte die wohl bereits ihr herz einem andern gegeben
haben / dass also Baleus zu spat kame: wiewol ich nie hierinn bin ihre vertraute
worden. Ich musste aber nun die jenige sein / die ihm in seiner neuen liebe bei
der Lantine diente: dass mir dann nicht so schwer ankame / als wann er seiner
ersten liebe nachgesetzet hätte. Und alles dieses / was an unserm hofe fürginge
/ wurde dem Abimelech /durch den Arsas / nach Salem berichtet.
    Wie es nun also üm unsere sachen stunde / entsponne sich ein neuer krieg /
mit den frömden völkern den Teutschen: da der König von Basan / den Fürsten
Trebetes seinen feld-obersten / mit einem mächtigen heer in unser reich sendete
/ die in geschwinder eile vieler örter an den Mesopotamischen gränzen sich
bemächtigten. Diesem feinde zu steuren / beschlosse der König / in person mit zu
felde zu gehen: und weil Dalimire dem König sehr anlage / dass sie möchte bei
seiner person verbleiben / als kame durch diss mittel die Königin auch mit ins
feld / die ich dann nicht verliesse / und also diesem kriege mit beiwonete. Die
Königin von Tyro zoge nach Glam / zu dem Konig ihrem sohn: und Baleus / der also
seine Lantine verlassen musste / rüstete sich / mit uns seinen ersten feldzug zu
tun / der bisher / wegen seiner jugend / die waffen noch nicht gefüret hatte.
Der Prinz Mamellus / hiesiger Stattalter / brachte ein grosses heer Syrer und
Mesopotamier für den König zusammen. Auch schicketen die Niniviten / auf befehl
der Königin / eine ansehnliche hülfe / die des Ninias herr vatter fürete / und
diesen seinen sohn mit bei sich hatte.
    Bei Acraba an dem Phrat / wurde unser lager geschlagen: alda der feind mit
freudigem muht uns eine schlacht anbote / welche die unsrigen willigst annamen /
weil sie viel stärker waren / und den unfehlbaren sieg hoffeten. Unsere
vorbereitschaft zu diesem grossen treffen / will ich nicht weitläuftig
beschreiben. Ich will nur sagen / dass ich bei der Königin im gezelt bliebe / üm
ihr / so viel ich vermochte / mitlerweile die unsrige fochten / einen guten muht
einzusprechen: da wir dann nach und nach zeitung bekamen / wie es sich in der
schlacht anliesse.
    In solchem brache unversehens ein grosses heer feinde in unser lager / die
unsere leib-wacht gleich übermeisterten / und unserem gezelte zueileten. Ich
liefe ganz erschrocken hinter die Königin: aber diese leute / alles andere
frauenzimmer / das bei uns war /vorbei gehend / wehleten allein mich aus /
rissen mich aus den armen der Königin / und füreten mich also halb tod hinweg.
Eldane / die mit zugegen war / hatte gehöret / dass ich in dieser angst etliche
mal dem Abimelech üm hülfe geruffen: da mich einer unter ihnen auf sein pferd
name / und mit mir fort-eilete.
    Wie ich aber also aller hülfe mich entblöst sah /begegnete mir / von der
schlacht herwarts / ein ansehnlicher ritter / von zweien seiner bedienten
begleitet: der / mein klägliches winselen hörend / mit dem fürsatz / mir
beizuspringen / auf uns zurante. Sein befehl / machte gleich die anderen von mir
ablassen. Nachdem er mir seine dienste angeboten / und verstanden / dass ich nach
der Königin gezelt / aus welchem man mich entfüret / wiederzukehren verlangete:
verhiese er mir / mich dahin zu begleiten / welches er auch täte / und mich für
sich auf sein pferd nemend /dergestalt mit mir davon rante. Er seufzete
unterwegs ohne ablass / und so viel mir der schrecken meine sinne frei liesse /
hörete ich / dass er etliche mal begunte mich anzureden / und doch wieder still
wurde.
    Als wir unser lager erreichet / fanden wir es voll soldaten von den
unsrigen: dañ meine flucht / die ruchtbar worden / einen haufen / unter dem
befehl des Sparetes / aus dem treffen zurücke gebracht hatte. Sie ersahn mich
nicht so bald / da entstunde in ihnen eine übermäsige freude. Doch ware so wenig
erkentlichkeit bei ihnen / für meinen erloser / dass sie ungescheuet auf ihn
anfielen / so bald er mich von seinem pferd gehobe / und nach dem gezelt der
Königin füren wollte. Ihre verbitterung gegen diesen frömden / entstunde daher /
weil sie ihn erkannten für einen fürnemen befehlhaber vom feinde / der durch
seine dapferkeit ihnen den grosten abbruch getan / und viele der unsrigen
niedergehauen hatte. Mein befehlen / und mein bitten / dieses frömden zu schonen
/ der ihnen ja ihre Prinzessin wiederbracht hätte / war alles ümsonst: und
fielen sie ihn mit gesamter solcher wut an /dass / sonder seine unbeschreibliche
dapferkeit / er bald håtte erliegen müssen. Er machte aber / mit seinen zweien
bedienten / ihnen so viel zu schaffen / dass viele auf dem platz blieben / und er
mit guter art /wiewol schwerlich verwundet / samt den seinigen endlich davon
kame.
    Der Königin freude / mich wieder zu sehen / wurde sehr gemindert / als
gleich darauf die betrübte zeitung erschollen / dass wir die schlacht verloren /
und der Konig verwundet und flüchtig in das lager wiederkehre. Dalimire / als
sie dieses vernommen / ritte dem König selbst entgegen / und sahen wir ihn in
ihren armen ganz blutig ligend ankommen. Zur andern zeit würde der Königin /
Dalimiren gegenwart / widerlich gewesen sein: nun aber / da es des Konigs
gesundheit betraffe / half sie ihr fleissig die hand bieten. Als wir also alle
voll tränen den könig abkleiden wollten /kame zeitung / wie dass der feind uns
ins lager verfolge: deswegen wir eiligst / in höchster unordnung /nach Acraba
uns begaben / und alles im stich lassen mussten.
    Kaum waren wir eingelanget / da sahen wir uns vom feind belagert. Wir
schwebeten also in harter bedrångnis / bis uns nach etlichen tagen das Glück
bässer schiene: in dem wir erfuhren / dass nicht allein der Prinz Mamellus durch
sein zusammen geraftes volk dem feinde grossen abbruch getan / sondern auch der
Königliche Prinz von Basan / der junge Marsius / in der ersten schlacht / neben
vielen jungen Fürsten seinen anverwandten / geblieben wäre. Dieses brachte in
die unsrigen wieder einen muht / dass sie die belagerung desto dapferer
aushielten: welche aber in die länge uns unerträglich wurde. Also ward
beschlossen / dass der König sich heimlich / mit den Königlichen personen / über
den Phrat / aus der stadt hinweg / und nach Babel / allwo er sicher sein würde /
begeben sollte. Der Mamellus / neben dem Fürsten von Ressen / sollten den feind
inzwischen aufhalten / bis ihnen von Babel / durch den Prinzen Bildat / einige
hülf-völker zugefüret würden. Des Konigs und unsere flucht aus Acraba / desto
verborgener fürzunemen /wurde ein stillstand der waffen auf etliche tage
begehret: den die Teutschen annamen / und in der zeit alle feindseligkeit
einstellend uns gelegenheit gaben /davon zu kommen.
    Wie nun alles zu dieser flucht färtig ware / setzete sich der König / mit
der Königin und uns andern / auf ein schiff / und segelten wir also bei
mondschein den Phrat hinunter. Als wir aber an einem felsichten ort /da es sehr
gefärlich zu sein pflegt / durchschiffeten /wollte das unglück / dass / unfern von
einer kleinen insel / die allda der Phrat machet / unser schiff an eine klippe
stiesse / und zu scheitern gienge. In diesem schrecken und todes-gefahr / war ein
jedes sich zu retten bemühet. Wie ich nun / allbereit ganz sinnenlos /von dem
wilden strom dahin getragen wurde / errettete mich ein unbekanter / der in den
strom sich wagete / und mich heraus auf die Insel bringend / in eine hütte
tragen liesse. Als ich bei dem feuer mich endlich wieder erholet / sah ich mich
unter lauter fromden leuten. Meine wirtin / so eine fischerin war / berichtete
mich / wo ich wåre / und dass ein frömder ritter / der vor etlichen wochen ganz
verwundet / selb-ander in ihre hütte gekommen / und sich bei ihnen heilen lassen
/ sobald er das geschrei vernommen / wie dass ein Königliches Assyrisches schiff
in dieser gegend gescheitert / sich an den strand gemachet / und mich in den
wasserwogen ersehend / ohne fernern bedacht in den wütenden strom gesprungen und
mich errettet. Er habe auch / ehe ich wieder zu mir selber gekommen /sehr
erbärmlich sich angestellet. Nachgehends aber /wie man ihn versichert / dass es
mit mir keine gefahr håtte / und dass der König / neben den andern Königlichen
personen / von den fischern ebenfalls errettet worden / wäre er eiligst davon
gegangen / also dass sie nicht wüsten / wo er geblieben.
    Diese zeitung von meinen befreundten / dass sie auser lebens-gefar / ware mir
so angenem zu hören /als verwunderlich mir die erzehlung von diesem fromden
ritter / meinem erlöser / fürkame: den ich für den jenigen anhube zu halten /
der mich unlängst im lager vor Acraba befreit hatte. So bald ich aber kunte /
begabe ich mich nach der Königin / wohin aus allen winkeln unser frauenzimmer
zusammen gekommen war: da dann ein jeder auf eine sondere weise / seine
errettung aus dieser gefahr beschriebe. Es ware wohl zu bewundern / dass niemand
von allen im schiffe verdorben oder zu schaden gekommen war: auser dass / das
viele eingesoffene wasser / bei etlichen / einige krankheiten verursachet.
Dalimire / so mit unter dieser zahl begriffen / machete dem König die gröste
sorge: also dass er sein eigenes ungemach / in betrachtung des ihrigen / vergasse
/ und allein üm ihre pflege und gute wartung bekümmert war. Er liesse aber / den
einwonern der Insel / grosse geschenke geben / üm dass sie ihr leben für ihren
König gewaget. Wie nun in der nachfrage herfür kame / dass mein erlöser alle die
anderen aufgemuntert / und sie seinem fürbilde gefolget hätten: entstunde bei
uns eine grosse begierde / diesen fromden zu kennen. Endlich / als man sich
vergebens nach ihm erkundiget / reisete der König zu land in der stille fort /
so bald es sich wollte tun lassen / bis wir Babel glücklich erreicheten.
    Es stunde hiernächst / als der Prinz Bildat mit frischem volk zu den anderen
gestossen / nicht lang an /da wurde ein zehenjähriger friede zwischen den
Assyrern und Teutschen getroffen: den wir / ob schon der sieg auf unsere seite
sich zu neigen begunte / üm so viel lieber eingiengen / weil eine neue unruhe
mit den Bactrianern sich wieder hervor täte / denen der König mit seiner ganzen
macht widerstand tun wollte. Es waren die Teutschen ihres orts zu diesem frieden
desto williger / weil ihr König der grosse Marsius / für betrübnis über der
zeitung vom tode seines sohnes / gestorben war / und seine eroberte reiche in
schwerer unruhe hinterlassen hatte. Wie Abimelech alles dieses / so mir in
diesem krieg begegnet / zu Salem erfuhre / ängstigte er sich sehr über der
gefahr /darin ich geschwebet / wiewol sie schon fürüber war / und entfunde bei
sich eine eiversucht gegen dem unbekanten ritter / meinem erlöser: welchen er
eben für denjenigen hielte / der in dem ritterspiel zu Ninive mein bildnis
gewonnen hatte. Wegen dieser beiden lezten dienste / die er mir geleistet /
kunte er zwar nun nicht anderst / als ihm verbunden sein: und bekame ich
hierüber viel seiner briefe und reimen.
    Seinen mitbuler für einen teutschen haltend / wie dann solches aus vielen
ümständen erhellete / klagte er mir einsmals im schreiben / wiedass der himmel
ihme zu Salem einen teutschen Fürsten zum freunde gegeben hätte / den er so sehr
liebete / dass keiner / als der Esau / dieser freundschaft bei ihm die wage
halten möchte. Doch wären ihme / ungeacht dieser liebe zu dem edlen Cimber / die
übrigen teutschen zu wider /weil vermutlich einer unter ihnen mein bildnis
besässe / welches er keinem sterblichen gönnen könnte. Ich erfuhre hierauf immer
mehr von diesem Cimber / und wie er mir dessen freundschaft so sehr priese /
wurde ich bewogen / im scherz diese reimen ihm zuzuschicken.
Die eifersucht / die ich vor nie entfunden /
ist endlich nun zu mir gedrungen ein.
Doch seh ich mich zu dieser pein verbunden
durch den / der nicht kann meines gleichen sein.
Ach dass ich mich auf gleiche weis könt råchen /
und schauen die / die Salems preis erregt!
Es solt / für lieb / zu ihr / mein herze brechen /
und eur gemüt zum eifer sein bewegt!
    Ich zielte hiermit auf die Cölidiane / welche er mir /wegen ihrer
fürtreflichkeit und tugend / so rümete /dass ich diese Prinzessin lieben musste /
und angesehen sie meine mitbulerin sein sollte. Ich bekame aber / auf meine
reimen / diese antwort.
Was kont ich mehr / als eiversucht begehren?
sie zeigt sich nur / aus warer liebe trieb.
Ihr liebt ja! was könt ich edlers hören?
beeifert den / den ich in freundschaft lieb.
Wird eure huld sich auch also ergiessen:
ich will selbst dem mitbuler dienstlich sein /
und eifren nicht. Doch / schönste! must ihr wissen:
auf andre weis / lass ich kein eifren ein.
    Solcher massen nun unterhielten wir einander abwesend / durch diese
brief-wechselung: die aber so sparsam kame / dass etliche monate verstrichen /
ehe einmal eine antwort erfolgen konnte. Ich erfuhre endlich / dass sein herr
vatter ihn von Salem wieder abfordern lassen / und er in Basan / unter dem
Fürsten von Edom / der Königin Salamis / wider ihre untertanen und die teutsche
Fürsten / in den krieg zu hülfe gezogen war: da dann das gerüchte sich so sehr
mit seinen rümlichen taren truge / dass meine furcht für ihn nicht geringer /
als die freude ware.
    Inzwischen kame / aus dem Königreich Elam / die Königin Delbois von Tyro
auch wieder zu uns / und zwar sehr unvergnügt: weil ihr fürhaben mit der
Prinzessin ihrer tochter ware rückgängig worden / indem der König Amraphel ihr
sohn / an den sie diese seine schwester verheuraten wollen / seine liebe
anderweit hingewendet hatte. Der Prinz Baleus wurde / als er die Lantine nun
wieder sah / von neuem verliebet: die ihm aber solcher gestalt begegnete / dass
man wohl sah / wie dass bei ihr seine liebe nichts verfangen würde. Diss
verursachte in seinem gemüte solchen verdruss / dass er / um sich an ihr zu rächen
/ ein ganz anderes wesen / mit ihr ümzugehen / anfinge / und ihre verachtung mit
verachtung zu erwiedern / der Fürstin Eldane öffentlich aufwartete: die soviele
liebkosungen von ihm entfinge / dass bald der ganze hof von dieser seiner liebe
redete. Ob nun gleich nicht vermutlich war / dass Eldane künftig Königin von
Assyrien werden könnte zumal / da alle welt des Prinzen heurat mit mir für
richtig hielte: so beförderte ich doch nach möglichkeit dieses sein fürnemen;
und hatte nicht viel überredungen von nöten / Eldane zur gegen-liebe zu bringen
/ weil Baleus / nicht so wohl wegen seines hohen standes / als wegen seiner
person und guten geschicklichkeiten / wohl zu lieben ware.
    Die Prinzessin Lantine / ungeachtet sie meinem Bruder nicht liebete / konnte
doch ohne verdruss die Eldane nich geliebkoset sehe. Also ware sie die jenige
/die es zuerst dem König und der Königin anbrachte. Wie nun auf uns nach diesem
genauere obacht gegeben wurde / und man es also befunden / ware man sehr bemühet
/ dieses feuer in der ersten glut zu dämpfen. Dem Prinzen aber nicht öffentlich
zu widerstreben / gedachte man erstlich nur auf seine entfernung.
    Hierzu nun ereigete sich eine gute gelegenheit /indem der König von Elam mit
dem König von Ophir in einen krieg geriete / und von meinen herrn vattern /als
seiner mutter brudern / hülfe begehrte: die ihm auch gleich verwilliget worden.
Als demnach der König dem Prinzen an die hand gabe / ob er diesen zug mit nach
Ophir tun wollte? war er gleich mehr als willig darzu: da dann keiner / von
allen grossen und edelen / zu rücke bleiben wollte / als ihr Prinz ihnen
dergestalt fürginge. Die Königin sah zwar nicht gern ihren einigen sohn / den
sie herzlich liebete / so weit und in so einen gefärlichen krieg / von ihr
ziehen: sie musste es aber geschehen lassen / weil die ehre / und des Königs
wille / es also haben wollte. Weil ich unterhåndlerin in seiner liebe war / als
entfohle er mir die Eldane / dass ich sie / zeit seiner abwesenheit / in guter
gewogenheit gegen ihm erhalten /und sie für allen widerwärtigkeiten schützen
sollte.
    So teuer ich ihme dieses versprache / so wenig macht behielte ich hernach /
als er hinweg war / meine zusage zu halten: dann der Konig / eine heurat
zwischen seinem erzkämmerer Abdeel und dieser Eldane zu stiften / ihm fürname /
die ich öffentlich zu hintern viel zu onmächtig war. Der Eldane herr vatter /
und ihre ganze freundschaft / drungen auf diese heurat: und wurde ehre
einwilligung gar nicht dazu erfordert /sondern ihr bloss die zeit angekündet /
wann die hochzeit sein sollte. Abdeel / der sich glückseelig schåtzete / die
schöne Eldane zu besitzen / liesse an ihm nichtes ermanglen / ihre gunst zu
erlangen. Sie aber erwiese solche beständigkeit in ihrer ersten liebe / dass sie
mich öfters ihres fürsatzes versicherte / lieber zu sterben / als den Abdeel zu
ehlichen.
    Weil nun / nicht allein ihr zustand mich taurete /sondern auch mein eigen
bästes erforderte / sie für den Prinzen meinen bruder zu erhalten: als redete
ich mit dem Arsas ihrem bruder ab / dass er seine schwester heimlich von Babel
entfüren / und sie der Celie nach Ninive in der Diana tempel bringen musste; die
ich bitten lisse / diese dame aufzunemen / und niemanden ihr daselbst-sein zu
entdecken. Mein anschlag geriete mir nach wunsch / und merkete niemand in Babel
/ wie sie verloren wurde / dass ich damit zu tun gehabt. Der König / zeigte sich
sehr entrüstet. Abdeel / wollte schier verzweiflen. Ihre eltern / die solches zu
Ninive erfuren / waren nicht zu trösten. Dalimire aber / die eine todfeindschaft
auf die Eldane geworfen / liesse keinen geringen verdruss verspüren / dass diese
gezwungene heurat also zurucke gegangen.
    Wie sehr man sich zu Babel bemühete / kundschaft von der Eldane zu erlangen
/ so bliebe es dennoch verschwiegen / wäre auch nicht ausgekommen / wann nicht
die begierde meines bruders so häftig gewesen wäre: die ihn antriebe / wider
genommene abrede /aus Ophir an mich und die Eldane zu schreiben. Diese briefe
gerieten dem König in die hände: daraus er ersah / dass Baleus und Eldane
einander liebeten / und ich hierzu eine gute befördererin gewesen. Wie nun
hierdurch der argwahn auf mich fiele / dass ich / dem Baleus zu gefallen / die
Eldane hätte helfen unsichtbar machen: gebrauchte sich der König / auf antrieb
der Dalimire / dieser list / und brachte einen von meines bruders leuten auf
seine seite / der mir diese briefe bringen / und meine antwort von mir wieder
abfordern musste. Weil ich mich nun keines betrugs versah / bediente ich mich
solcher vermeinten sicheren gelegenheit / und schriebe dem Prinzen hinwiederum
diese zeilen.
           Schreiben der Prinzessin Delbois / an den Prinzen Baleus.
Ihr müsst euch nicht entsetzen / liebster Bruder! dass ihr / bei dieser sicheren
gelegenheit / von eurer Eldane nichtes zu sehen bekommet. Sie ist nicht mehr in
Babel / sondern sie lebet in der Diana tempel zu Ninive verborgen: dahin sie
sich begeben müssen / weil man sie hier zwingen wollte / ihres Prinzens zu
vergessen / und den Abdeel zu ehlichen. Versichert euch / dass ich hierzu am
meisten geholfen / und ihr / ohne mich / eure beständige Eldane schwerlich mehr
lebendig sehen würdet: weil sie den tod eher zu leiden / als euch unbeständig zu
werden / gewillet ist. In solcher Meinung werde ich sie immer erhalten / aber üm
ihrer sicherheit willen / sie mit eurer schrift nicht erfreuen /auch keine
antwort von ihr euch zu schicken: weil die gefahr / verraten zu werden /
allzugross ist / und ich /nach der entdeckung / euch nicht mehr dienen könnte.
Begnüget euch demnach damit / dass ihr wisset / dass Eldane bloss für mich lebet /
euch allein liebt / uñ von euch gleichmäsiger treue gewärtig ist.
    Hierneben schreibe ich ihm auch / von unsers hofes zustand / mit diesen
worten:
Dalimire wird beständig von dem König geliebt /und betrachtet sie weder die
Königin / noch mich /noch ihren guten namen / so unrechtmäsige liebe
auszuschlagen. Ihr müsst aber ihrer iezt in Ophir vergessen / damit keine
widrige gedanken euer gemüte beschweren: welches euch hintern könnte / dapfere
helden-taten zu verüben. Ich bin es nicht allein / die den himmel anruffet /
für euer wolergehen: ihr wisset /weme mehr an den Prinzen Baleus gelegen ist /
dass er sieghaft bald wieder in Babel sich sehen lasse.
    Man kann gedenken / wie diese beide schreiben / die also fort dem könig
zugebracht wurden / ihn müssen geärgert haben: und ohne Dalimire wäre sein zorn
gleich ausgebrochen. Aber ihre list besänftigte ihn so weit / dass er sich noch
etwas zwunge / auch ihrem anschlag folgend / den ersten brief zurück liesse / und
den andern nach Ophir an den Prinzen schickete. Sie hatte aber in dem
wachs-täfelein etliche worte ausgeleschet / und andere dafür in die stelle
geschrieben /die sie meiner hand so änlich nachgemalet / dass kein unterschied zu
sehen war; und lautete dieser mein veränderter brief also:
Eldane ist nicht beständig / weil Abdeel sie liebt: und betrachtet sie / weder
den Baleus / noch mich /noch ihren guten namen / so unrechtmäsige liebe
auszuschlagen. Ihr müsst eben ihrer iezt in Ophir vergessen / damit keine
widrige gedanken eur gemüte beschweren: welches euch hinteren könnte / dapfere
helden-taten zu verüben. Ich ware es nicht allein die den himmel anruffet / für
euer wolergehen. Doch wisset / ob der Eldane nichts mehr am Baleus gelegen ist /
dass ich / euch bald wieder in Babel zu sehen / verlange.
    Es ward hierbei die anstalt gemacht / dass etliche des Königs vertrauteste /
an einige kriegs-bediente /die bei dem Prinzen in Ophir waren / schrieben / wie
dass Abdeel die Eldane / und zwar mit ihrem guten willen / heiraten würde.
Nachdem sie den boten nach Ophir abgefärtiget / hielten sie ferneren raht / wie
die Eldane aus den tempel könnte gebracht werden. Mit gewalt liesse es sich nicht
tun / zumal der König schon einmal die gerechtigkeit des tempels geschwächet /
als man / die Prinzessin Aramena von Chaldea /mit seiner bewilligung daraus
entfüret. wodurch dann die Celia / sich bässer in acht zunemen und fürzusehen /
gewitziget worden. Diesemnach griffe man abermals zur list / und bediente sich
meiner nachgemalten hand / in meinem namen durch ein schreiben die Celia zu
ersuchen / dass sie die Eldane mir heimlich aus dem tempel abfolgen lassen wollte
/ weil ich sie zwischen Ninive und Babel auf einen landhause nötig sprechen
müste. Der Spiridates / des Konigs Erzschenke / ward zu diesem anschlage
gebrauchet: der es dann auch so glücklich hinausfürete / dass Celia sowol / als
Eldane /meiner vermeinten schrift traueten / und diese leztere sich gutwillig in
des Spiridates geleite begabe: mit dem sie nach dem ermeldeten landgut / in
hofnung /mich allda zu sprechen / abreisete. Sie erfuhre aber viel zu spat / dass
sie wäre betrogen worden.
    Nachdem sie nun heimlich in Babel angekomen /und der König zu seinem
fürhaben alles angestellet /wurde der ganze Königliche hof des Abdeel behausung
/ an einem abend / zu gast eingeladen. Wie wir nun alle in einen saal uns
versamlet hatten / kame Abdeel herrlich bekleidet zu uns hinein / und ersuchete
den König / neben der Königin uñ uns andern / ob wir ihm die gnade / seiner
trauung beizuwonen / erzeigen wollten? Jederman hörete dieses mit verwunderung an
/ weil des Abdeel zuneigung zu der Eldane niemanden unbekant war: und erfreuete
ich mich im herzen / dass er nun von der Eldane abgelassen / und sie also dieser
verfolgung entgangen wäre.
    Wir begaben uns hierauf ingesamt nach dem tempel der Juno / welcher gerad
gege Abdeels behausung über stunde. Wie wir nun daselbst waren / verzoge es sich
nicht lang / da kame die braut / von allem frauenzimmer aus Babel begleitet /
auch in den tempel: die ich gleich / wiewol sie von schrecken und betrübnis sehr
verändert war / für die Eldane erkente. Des Königs und der Dalimire augen waren
steif auf mich gewendet / und wusste ich nicht / wie mir geschahe: dann ich die
Eldane in viel zu gute sicherheit vermeinte gebracht zu haben / und sie in
solcher gestalt nimmermehr zu sehen vermutet. Ich fragte die Prinzessin Lantine
/ so mir zur seiten stunde / wie dieses zuginge? die mir aber hiervon keine
nachricht zu geben wusste. Unter solcher meiner unruhe / wurden Abdeel und Eldane
zum altar gefüret / und zusammen getrauet.
    Ich hatte aller meiner gedult von nöten / mich in so grosser gesellschaft zu
zwingen; und nicht wissend /wen ich sollte beschuldigen / verlangete ich sehr /
die Eldane zu sprechen / welche mehr todt als lebendig wieder vom altar gefüret
/ und in Abdels haus begleitet wurde. Der König / so mit den beiden Königinnen
stäts üm die Eldane bliebe / verwehrete mir / allein zu ihr zu kommen; und sie
selbst / als welche mich an allem diesem für mitschuldig hielte / wollte mich
nicht ansehen: daher meine mutmassung sich verstärkte /als hätte sie selber
dieses alles gutwillig geschehen lassen. Als ich / nach geendeter malzeit / der
Königlichen gesellschaft folgen / und die Eldane bei dem Abdeel lassen musste /
wurde ich von dem König in der Königin meiner frau mutter gemach gefordert.
    Daselbst / als mich mein herr vatter eine gute weilee mit bezeigung grosses
unwillens / angesehen / fienge er an / mir fürzuhalten / was ich mit der Eldane
wider seinen willen fürgenommen. Er sagte mir / wiedass ich / nicht allein die
ehrerbietung / die ich meinem König schuldig / bässer in acht nehmen / sondern
auch meines obligens / den Prinzen meinem bruder vielmehr als meinen künftigen
gemal anzusehen / als ihm in seiner närrischen liebe bedient zu sein / mich
erinnern sollen. Ich hätte aber damit an den tag gegeben / dass ich selbst
anderweit liebete / und den Prinzen von Gerar dem Baleus fürzöge: dessen aber
mich gänzlich zu entschlagen / sein befehl wäre. Und sollte ich wissen / dass der
König von Assyrien nicht allein mein vatter / sondern auch mein herr sei: der
schon wüste / wie er mich / gleich der Eldane / zu gesündern gedanken bringen
sollte.
    Unter solchem harten zusprechen / weinete meine frau mutter: ich aber war so
aus mir selber / dass ich nicht wusste / was ich dem König antworten sollte.
Endlich aber ermannte ich mich / und sagte / nachdem er zu reden aufgehöret: Ich
wollte nicht laugnen / dass ich der Eldane / meinem brudern zu liebe / in den
tempel nach Ninive verholfen; welches meines ermessens nicht so übel von mir
getan wäre / als wann ich dem Baleus anlass gegeben hätte / mich zu lieben. Dem
Prinzen der Philister wäre ich zwar nicht abhold: ich gedächte aber niemals
einen andern zu heiraten /als deme der König und die Königin mich bestimmen
würden. Diese meine verantwortung vermochte der König / für zorn / nicht recht
abzuhören. Nachdem er letzlich mich verlassen / hube die Königin an / zwar mit
mehrerer sanftmut / aber mit grösserer entfindlichkeit / mich zu der liebe gegen
den Baleus zu bereden: ohne welche / sie sagte / dass sie nimmermehr vergnügt
würde leben können. Sie erzehlte mir auch alles / doch im vertrauen / wie der
König und Dalimire mit meinen und des Baleus briefen vefahren hätten. Weil ich /
in damaliger verwirrung / nicht fähig war / ihr die rechte ursachen / warüm
Baleus uñ ich einander nicht lieben konten / zu entdecken / hörete ich ihre
reden gedultig an / und begabe mich von ihr in mein zimmer: nachdem ich ihr nach
möglichkeit zu erweisen versprochen / dass sie an mir eine gehorsame tochter
hätte.
    Es ist leicht zu ermessen / wie unruhig ich hierauf die nacht hingebracht.
Des folgenden tags / wie ich mich in der Königin von Tyro gemach befande / da
der König auch zu gegen war / kam Dalimire zu mir /und mich ohn ehrerbietung und
ganz verwegen anredend / hielte sie mir die worte für / die ich von ihr an den
Prinzen meinen bruder geschrieben. Ich gabe ihr hierauf zur antwort: Ich hätte
die warheit gemeldet /und wüste nun von ihr noch mehr zu schreiben /indem ich
sie so betrieglich als leichtsinnig befunden /dass sie eine frömde schrift so
verräterisch nachzumalen wüste. Sie / die sich solcher antwort nicht versehen /
noch vermutet / dass ich hiervon wissenschaft hätte / spürte sich sehr verhönet /
in so grosser gesellschaft dergleichen fürrückungen anzuhören. Also brache sie in
noch unbescheidnere reden heraus / und trate der ohndas auf mich erzürnte Konig
auf ihre seite: da ich dañ endlich zu weichen genötiget wurde.
    Demnach / auf aller meiner Ninivitischen bedienten einraht / verliess ich den
Koniglichen palast / und begabe mich in der Rhea tempel: daselbst ich etliche
zeit verbliebe / und nicht wieder nach hof kommen wollte / wofern Dalimire mir
nicht mit mehrer ehrerbietung begegnen würde. Die Königin von Tyro / als sehr
rechtfårtig und des Königs ihres bruders mächtig / ward hierinn unterhändlerin /
und stellete meinem herr vattern für: wie dass er die Ninivitische macht wohl zu
erwägen hätte / die mir anhinge und leicht einen gefärlichen aufstand erregen
könnte. Demnach so sei vonnöten / mich wieder zu begütigen: weil sonsten zu
besorgen / ich dorfte nach Ninive gehen / alda einen Fürsten ehlichen / und
solcher gestalt die Ninivitische kron auf ewig von Assyrien abbringen. Mit
solchen und dergleichen beredungs-gründen / bewoge sie den Konig / dass Dalimire
/ nach vielem zwischen-gehen des Königs und meiner bedienten / mich besuchen /
üm verzeihung bitten und wieder nach hof zukommen einladen musste.
    Dieses täte ich endlich / auf vielfältiges begehren meiner frau mutter: und
überwand sich der König üm Dalimire willen / also dass er / in der Königin gemach
/ ganz gnädig sich gegen mir erwiese. Mich in allem /was fürgegangen /
entschuldigend / gab er die schuld dem Arsas / dass der mich zu allem verleitet /
und mir solche widerige einbildungen beigebracht hätte. Weil ich nun / bei
solchen ümständen / diesen Fürsten nicht sicher bei mir in Babel haben kunte /
als erlaubte ich ihm / nach Syrien zu reisen / und von dar in Basan: üm dem
Prinzen Abimelech meinen zustand zu entdecken / als mit welchem ich / seit er
Salem verlassen / keine briefe mehr wechseln können. Ich machte mich hiermit dem
König so gefällig / dass / nach des Arsas abwesenheit / bei hof alles äuserlich
ruhig wurde.
    Die arme Eldane wurde inzwischen von dem Abdeel so streng und eingezogen
gehalten / dass er sie nie aus dem hause kommen liesse. Wie sehr es mich
schmerzete / so wollte ich doch anfangs mit ihr allein nicht ümgehen / üm sie
nicht unruhig zu machen /noch wegen meines bruders / ihr einige erinnerung zu
geben / dessen sie nun / als eine ehfrau / billig vergessen musste. Bei solchem
zustande / reisete die Konigin von Tyro / und die Prinzessin ihre tochter /
wieder hinweg / niemand ob diesem abschied betrübter / als meine frau mutter
hinterlassend: dann diese Königin in vielen dingen der Dalimire widerstreben
dorfte /welches jener zu nutzen gereichete. Unlang hernach /bekamen wir zeitung
aus Ophir / dass die beide Konige frieden gemacht / und der Prinz Baleus bald zu
haus kommen würde. Der König / in betrachtung der Dalimire / freuete sich / über
seines sohnes glückliche wiederkunft mehr äuserlich als im herzen: gleichwie
hingegen die Königin / hiervon neue vergnügung hoffete. Eldane aber / als sie
diss erfuhre / wurde krank /und zwar so häftig / dass man an ihren leben zu
zweiflen begunte.
    Gleichwie nun / mein verfälschter brief / dem Baleus alle liebe gegen der
Eldane benomen / und er diese verachtung seiner person gar hoch entfunden: also
hatte er anderweit in Ophir / von der Prinzessin Mirina / die dahin aus Basan
mit der Salamis ihrer frau mutter geflohen war / sich dermassen einnemen lassen
/ dass er / wie er wiederkame / kaum an die Eldane mehr gedachte. Weil ich so wohl
seine als der Eldane ruhe dadurch befördern kunte / wann ich ihm diese vorige
liebe nicht wieder auffrischte / als erwähnte ich gegen ihn der Eldane mit
keinem wort. Er machte mich gleich / in seiner neuen liebe / zu seiner
vertrautin / und klagete mir ganz beweglich / wie die Mirina ihn so grausam
begegnet / ihn als einen Assyrer ihren erzfeind gescholten / und in ihr
weit-entferntes vatterland hinweg gezogen wäre. Ich kunte hierbei nichts tun /
als eine blosse zuhörerin abgeben: hätte aber lieber gewolt / dass er seine liebe
nicht auf solche unmöglichkeit / doraus mir kein nutz entstehen kunte / gesezt
hätte.
    Wir lebeten solcher gestalt eine lange zeit in Babel / in welcher ich nichts
von dem Prinzen Abimelech erfure / wie es ihm erginge. Der Prinz Baleus / ergabe
sich von neuem dem studiren: darin dann auch mein meister zeitvertreib
bestunde. Weil wir nun dieserwegen vielfältig mit einander ümgingen / als wurde
der König uñ die Konigin in ihrer hofnung gestärket / dass wir liebe zu einander
setzen würden: dannenhero sie uns alle freiheit liessen / und nicht ferner in uns
drungen. Wie es mit der Eldane zugegangen / erfuhre der Prinz auch endlich: dass
dann seinen hass gegen Dalimire sehr vermehrete / gleichwol auch die liebe gegen
Eldane nicht wieder anfeurete / zumal ihr die schönheit vom gram sehr vergangen
ware. Ich aber ergriffe die gelegenheit / mit der guten Eldane wieder umzugehen:
die ich dann stäts vermanete / ihren mann zu lieben / darzu ohndas ihre tugend
sie antriebe / wiewol es ihr sehr schwer fürkame.
    Der Bactrianische krieg / der / wie ich bereits erwehnet / nach deme mit den
Marsius getroffenen frieden / sich gleich angesponnen / wärete indessen immer so
fort: da die unserigen meist abbruch erlitten. Es ware eben von unsern völkern
schlechte zeitung eingelanget / als des Prinzens Abimelech von Gerar ankunft
angekündet wurde: welcher die Ammonide /Prinzessin von Ammon / und die Fürstin
Timna von Seir / nach Babel / wohin die erste / wider ihren herr vattern bei der
Konigin meiner frau mutter schutz zu suchen / sich begeben wollte / begleitete.
Ich ware eben bei der Königin / als wir diese post bekamen: und weil ich in so
langer zeit von diesem Prinzen nichtes gehoret / als kunte dieser schleunige
bericht mit so ruhigem gemüte von mir nicht angehöret werden / dass nicht eine
errötung mich überfallen hätte. Die Königin name dessen war / und die ursache
merkend / überkame sie daher gelegenheit / von diesem Prinzen mit mir zu reden /
und drunge so sehr in mich / ihr zu versprechen / dass ich keinen als den Prinzen
meinen bruder ehlichen-wollte / dass ich endlich bewogen wurde / ihr fürzustellen
/ wie sündlich es wäre /wann brüder und schwestern zusammen heurateten. Ich
finge damit an / ihr von dem rechten Gottesdienst etwas fürzusagen. Wie ich sie
sehr aufmerkend befande fassete ich ein herz / ihr meinen glauben zu offenbaren:
womit ich ihr dann erwiese / dass ich / vermög dessen / den Baleus nicht lieben
könnte / und er gleichfalls / als eben dieses glaubens / ja so wenig hierzu zu
überreden sein würde.
    Ob ich nun wohl vermeint / dass diese entdeckung der Königin möchte misfallen
haben / so befunde ich doch das gerade widerspiel; massen die Königin / voll
freuden-tränen / mich ümarmete / und zu mir sagte: Sie danke dem hochsten Gott
/ von mir zu horen / dass Baleus und ich recht-glåubige wåren / und mit ihr einen
glauben hätten. Nachdem sie diese bekåntnis /die mich auch herzlich erfreuet /
so offenherzig getan / merkete ich ihr an / dass es sie gereuet. Wie sie dann
ein anders ernstliches wesen annemend / mir zu sagen fortfuhre: dieser unser
glaube / könnte nicht hindern /dass ich dannnoch ohn sünde den Baleus ehlichte /
und es sei einmal die notwendigkeit / dass diese heurat fortgehen müste.
    Wer war hierauf bestürzter / als ich? Wie ich ihr aber diese gedanken
benemen wollte / kame der König zu uns / neben dem Prinzen Baleus / und mich bei
des einen / den Prinzen bei der andern hand fassend / sah er mich eine weile an
/ und brache lezlich in diese worte heraus: Ihr bekommet euren verfolger wieder
/Delbois! und ihr / Baleus / euren mitbuler. Ich hoffe aber / ihr werdet euch
beiderseits also wissen in acht zu nemen / dass der Prinz Abimelech nicht moge
ursach bekommen / unseren hof wieder zu verlassen. Dann weil seine weltberümte
dapferkeit mir grosse dienste tun kann / als wollte ich diesen helden gern bei
mir behalten: sonderlich ietzund / da die Bactrianische macht mir beginnet zu
schwer zu werden. Ich fragte hierauf / ganz aus mir selber: warum nennen E. Maj.
den Prinzen von Gerar meinen verfolger? Habt ihr dann vergessen / (antwortete
mir der König) dass euch dieser Prinz ehmals geliebt? Wie ich nun hierzu
stillschwiege / finge der Prinz an zu reden / und sagte zum dem König: Er
verhoffe nicht / an dem Abimelech einen mitbuler zu überkommen / und wolle er
ihm also begegnen / dass der König ein genügen daran haben / und eher diesen
helden behalten / als verlieren sollte.
    Der König war mit dieser erklärung zufrieden / vermanete mich aber und
gebote mir ernstlich / in gegenwart der Konigin / dass ich des Abimelech
ansprache so viel müglich meiden / niemals als in grosser gesellschaft mit ihm
umgehen / und wie ich des Baleus meines bruders verlobte braut wåre / offentlich
erweisen sollte / damit dieser Prinz sich nit mit unnötiger hofnung weiden / und
vergeblich also sich quälen dörfte. Meine augen täten hierauf für mich das wort
/ und weil mein bruder sich eher erholete / antwortete er für mich / sagende:
wie dass vermutlich die ehmalige gedanken dem Abimelech vergangen seien / und die
begleitung der Prinzessin von Ammon etwas anders nach sich ziehen würde; daher
man nicht ursach hätten / den Ninivitischen ständen eine heurat / ohne noht /
von der zeit kund machen / da man wohl wüste /dass sie die nicht gar zu gern
annemen würden.
    Diese antwort / gefiele dem König sehr wohl / vermehrete aber meine unruhe /
indem ich / wie ich wieder allein ware / alles dieses bei mir überlegte. In
erwägung aller ümstände / wusste ich nicht / wie ich dem Abimelech begegnen / und
in meinen verwirrten zustand mich schicken sollte. Meine eltern widerstrebten
beiderseits so häftig unserer liebe / dass ich ohne grossen ungehorsam nicht
daran gedenken dorfte / den Abimelech zu lieben. Mein bruder / der nie von
meiner wahren zuneigung gegen diesen Prinzen etwas gemerket / konnte von mir zu
keinem vertrauten in meiner liebe nicht erwehlet werden: weil / ungeacht seines
angenommenen glaubens / ich doch nicht sicher war /und immer fürchten musste / er
möchte endlich der Königin Meinung beistimmen / und also seine alte liebe wieder
anfahen. Der Prinz von Gerar selber ware mir verdächtig: weil er in so langer
zeit keine gelegenheit gesuchet / mich von ihm etwas wissen zu lassen / und nun
mit einer Prinzessin an unsern hof kame / die jederman von ihm geliebt
vermutete. Ich hatte unter allen meinen leuten / keinen einigen / dem ich mich
vertrauen dorfte; und Arsas / der allein darum wusste /war noch in Syrien: also
wusste ich niemanden / bei dem ich mich rahts erholen konnte.
    Bei allen solchen ümständen / liebete ich dannoch den Prinzen von Gerar
beständig / und fand unter allen beschwerlichkeiten keine grösser / als die
einbildung / dass etwan Abimelech mir unbeständig worden sei / und die Prinzessin
von Ammon liebe / welches ich dann nicht håtte verschmerzen konnen. Ich ware
eines tags in solcher unruhe begriffen / als der Prinz mein bruder mich
besuchete / und auf des Konigs gespräche kommend / unter andern zu mir sagte: Er
wolle nicht hoffen / dass der Prinz der Philister seine ehmals-erwiesene liebe
wieder ansahen würde. Dann /ob er gleich ein herr von liebwürdigen
beschaffenheiten wäre / so könnte es doch vieler ursachen halber nicht sein /
dass man ihm die Ninivitische kron aufsetzen sollte. Demnach hielte er dafür / ich
würde / üm mein künftiges reich in ruhe zu erhalten / nicht bässer tun können /
als wann ich einen von den Ninivitischen fürsten zum gemal erwehlte: da dann der
Ninias / seines bedünkens / für allen andern zu erkiesen sein möchte. Diesen
seinen fürschlag behaubtete er mir folgends mit vielen gründen / und hatte ich
grosser vorsicht vonnöten / ihm hierauf nicht also / wie ich gedachte / zu
antworten. Dann / wann ich ihm auf einige art meine rechte Meinung entdecket
hätte / würde er / wie er dann wohl konnte / grosse hinterung fürgekehret haben. Er
hielte deswegen die seite des Ninias /damit / wann die Niniviten solcher gestalt
einen König aus ihren mittel bekämen / ihre macht / wie durch erkiesung
Abimelechs oder sonst eines frömden Königs geschehen würde / nicht zu gross
werden / und also Assyrien allemal die Niniviten unter seiner gewalt behalten
möchte.
    Weiln ich nun / wie gesagt / mich gegen den Baleus / so viel müglich /
bergen musste / als beantwortete ich ihm seinen vorschlag mit dergleichen worten:
Es scheinet / mein bruder! dass ungeacht bei euch keine eiversucht mehr sein kann
/ ihr dannoch dem Prinzen der Philister euren gehabten platz nicht überlassen
wollet. Wiewol es aber hierinn mir gleich viel gilt / so kann ich doch nicht
ümhin / mich in einer sache über euch zu beschweren: dass nåmlich ihr mich / den
Fürsten Ninias zu lieben / überreden woltet. Dann dieser kann mir nicht so
gefällig sein / als euch ehmals Eldane gewesen: die ich in eurer gunst zu
erhalten / mich niemals würde bemühet haben / wann ich nicht hieriñ euren willen
gewust håtte. Weil ihr nun mich / den Ninias meinen untertanen zu lieben /nicht
gesonnen wisset: so werdet ihr / mein bruder! euch mir auch so gefällig erweisen
/ und nicht wider mich in einer liebe dienen / die mir nicht anständig sein kann.
Baleus wurde ganz still / als er mich so reden hörete / und mich nicht ferner zu
beunruhigen /sagte er: wie dass er aus guter wolmeinung diesen fürschlag getan
habe / davon er / meinen willen wissend / leichtlich wieder abstehen könnte. Und
wann ihme bekant würde / wen ich meiner zuneigung würdigte / wollte er nicht
unterlassen / mir eben so treulich zu dienen / gleich wie ich bei der Eldane
gegen ihn getan håtte. Ich sagte hierauf: Ich hielte / bei der Königin lebzeit
/ die sorge noch nicht für nötig / den Niniviten einen König zu verschaffen; und
wañ die sich etwan einmal unter einer frauen regirung würden wohl befinden /
möchte vieleicht ihr verlangen aufhören /einen König darneben zu verlangen.
    Mit dergleichen reden wendete ich ab / dass der Prinz von dieser sache mir
nichtes mehr sagete / auch keinen argwahn schöpfete / dass ich dem Abimelech
gewogen wäre. Ich erwartete nun der ankunft dieses Prinzens mit unruhigem
verlangen / und name mir für / mich solcher gestalt gegen ihm anzustellen / dass
niemand / der auf mein tun wurde acht haben / meines gemütes regungen verspüren
sollte. Ich musste aber die Prinzessin von Ammon / von wegen der Konigin meiner
frau mutter / entfangen: gleichwie auch der Prinz /mein bruder / gegen dem
Prinzen der Philister täte. Weil nun der ganze hof dabei zugegen war / als
erwiese ich mich ganz kaltsinnig / wie ich den Abimelech ankommen sah. Er
feinesteils vergasse / mich ersehend / alles fürgenomenen zwangs / und die
Prinzessin von Ammon / die er fürete / verlassend / eilete er mir entgegen / den
saum meines rockes zu küssen. Ich aber / als hätte ich sein nicht war genomen /
ginge sonder ihm einige höflichkeit zu erweisen / der Ammonide entgegen: die ich
willkomm hiesse / und neben der Fürstin Timna zu der Königin in ihr gemach
fürete. Die Prinzen folgeten uns daselbst hin / und kame nicht lang hernach der
König / dem die Prinzessin von Ammon / von der Königin Delbois seiner schwester
/aufs bäste war anbefohlen worden: deswegen er ihr verheisen / sich ihrer als
eines kinds anzunemen / und sie an seinem hofe zu unterhalten.
    Des Abimelechs augen / waren nie von mir abgewandt: aber / so sehr er
gelegenheit suchete / mit mir zu reden / so wenig konnte er dieselbe erlangen.
Der König erwiese sich sehr gnädig gegen ihme / und bezeugte öffentlich / wie
lieb ihm seine ankunft wäre. Er finge auch gleich an / mit ihm zu scherzen / die
Ammonide betreffend / und sagte: Er hätte ihm eine schöne Prinzessin in sein
haus gebracht / die für ihn sollte fleissig aufbewahret werden. Ich kunte nicht
ümhin /als ich den König diese worte sagen horete / den Abimelech anzusehen: den
ich dann / gleichwie auch die Ammonide / ganz errotet fand / worüber ich schier
eiversüchtig werden musste.
    Nachdem dieses gespräche lang genug gewäret /und endlich jederman der
Königin gemach verlassen hatte / gesellete ich mich zu der Timna: die mir dann
wohl anstunde / und mir / als ich nach ihrer reise fragte / ümständlich erzehlte
/ wie dass sie mit der Prinzessin von Ammon iezt von Damasco käme. Sie hätten in
Mesopotamien den Prinzen der Philister angetroffen /der sich mit ihnen auf die
reise begeben / und der Prinzessin Ammonide einen dapferen dienst erwiesen /
indem er sie von dem angriff vieler reuter errettet /die ihr herr vatter / von
welchem sie verfolget würde /ihr nachgesendet / wie er erfahren / dass sie nach
Babel reisen wollte. Die ursach dieser verfolgung wäre / dass in dem lezten krieg
/ den ihr herr vatter mit dem König von Basan gefüret / derselbe von ihm in Ar
gefangen / aber von der Ammonide heimlich wieder befreit worden wäre. Dieses
hätte ihn zu solchem zorn bewogen / dass sie flüchtig werden / und nach Tyrus zu
ihrer mutter brudern sich begeben müssen: von dannen sie aber / weil selbiger
König für dem von Ammon sich gefürchtet / durch die Konigin Delbois von Tyro
nach Babel wäre fürter gesendet worden. Hierauf kame sie wieder auf den
Abimelech zu reden /und sagte / wie dass sie den schon lang kennete. Sie gabe mir
dabei nicht undeutlich zu verstehen / wie sie mit diesem Prinzen zimlich
vertråulich worden wäre: welches ich aber nicht beachten wollte / weil ich die
Timna noch nicht kante / und also nicht wusste / wess ich mich zu ihr zu versehen
hätte.
    Nachdem die erste besuchung des Abimelech also abgelaufen / und der König
neben dem ganzen hof meine kaltsinnigkeit gemerket / war nun niemand /der ferner
einigen verdacht auf mich werfen wollte. Als aber Abimelech alle gelegenheit
suchete / mich allein zu sprechen / mich aber solche alles fleisses abschneiden
und vermeiden sah: finge er an / verzweifelt in seiner liebe zu werden. Endlich
suchete er hülfe bei der Timna / und derselben wegen ihrer verschwiegenheit und
guten verstandes sich vertrauend / beredte er sie dahin / dass sie einsmals bei
mir sein wort redete /und mir von ihm eine schrift brachte / die ich eröfnend /
dieses inhalts befande.
Find ich Delbois nicht / wo ich Delbois sehe?
soll ihre gegenwart vertreiben meine ruh?
Abwesend hoffet' ich: iezt ich verlassen siehe.
Sagt bald? komt mir der tod? komt mir das leben zu?
    Ich sehe wohl / (sagte ich / nach ablesung dieses / zu der Timna /) dass der
Prinz der Philister die Fürstin von Seir zu seiner vertrauten gewehlet / und ich
also vergebens mich bergen würde / da der angenemen Timna bereits bekant ist /
was zwischen mir und diesem Prinzen ehemals fürgegangen. Hierauf entdeckte sie
sich mir / und des Abimelech wort aufs bäste fürend / überredte sie mich dahin /
als sie meine ursachen gehöret / warüm ich öffentlich mit dem Prinzen nicht
ümgehen wollte / dass ich einwilligte / ihn heimlich / und zwar in ihrem gemach /
zu sprechen. Es würde nur ein überfluss sein / euch / liebste base! weitläuftig
unsere zusammensprache zu erzählen. Wann ihr euch die unterredung mit eurem
Elieser fürstellet / wie der / unter seinem slaven-kleid / zu euch gekommen:
werdet ihr leichtlich euch selber sagen können / was zwischen dem Abimelech und
mir für worte gefallen. Ich verlore hierdurch alle eiversucht wegen der
Ammonide: er hingegen bliebe mit meinem beginnen vergnügt / und erhielte von mir
die erlaubnis / durch vermittelung Timna / mich öfter also in geheim zu
sprechen. Ich erfuhre von ihm nach der länge / was ihm seit seiner abwesenheit /
zu Salem und Gerar / in Basan und Edom / begegnet war / und wie die
tugend-liebende Cölidiane noch immer fortfüre /sich ihm gewogen zu erzeigen.
    Es wollte aber das unglück / dass wir dieser unschuldigen vergnügung nicht
lang geniessen sollten. Es musste sich schicken / dass eines tags der Abimelech /in
gegenwart der Timna / bei mir war / und der König durch ihr gemach / darin wir
uns befanden / gehen wollte / üm zu der Dalimire zu kommen. Weil die tür
verschlossen / hatte zwar Abimelech zeit / sich auszudrehen / die Timna hingegen
/ dem König aufzumachen. Er kame aber / zu unserem unglück / in den gang / der
nach der Dalimire gemach fürete. Weil er nun die gelegenheit im frauenzimmer
nicht wohl wusste / als eilete er immer fort / üm dem König aus den augen zu
kommen. Solcher gestalt kame er in der Dalimire gemach: die anfangs meinend /
dass ihr Konig käme / nicht wenig bestürzt wurde / den Abimelech zu sehen. Ihm
fehlte es zwar auch nicht an entsetzung / doch erholte er sich gleich / und
sagte: Er hätte / seit seiner ankunft / noch nicht seine schuldigkeit ablegen
können / ihr aufzuwarten / welches er hiemit verrichten wollte. Diese hofliche
worte giengen ihm so gezwungen ab / als verächtlich sie von ihr / die ihm
todfeind war / aufgenommen wurden. Wie es nun ihnen beiderseits verdrieslich
fiele / diese zusammensprache zu vollfüren / kame der König dazu / und wurde so
verwandlet / den Abimelech bei seiner dame zu finden / dass er nicht wusste / was
er sagen sollte. Abimelech /des Königs verwirrung warnemend / begabe sich mit
guter art wieder hinweg: und als er mich und die Timna / die wir über dieser
begebenheit ganz erschrocken waren / wieder gefunden / bate ich ihn /dass er
alsofort sich hinweg begeben wollte. Nachdem er diss getan / gienge ich / üm des
Königs wiederkunft nicht zu erwarten / mit der Timna in mein gemach: die dann
arbeit hatte / mir genug trost einzureden / damit ich dieserwegen meine sorge
für den Abimelech stillen möchte.
    Wie nun inzwischen Dalimire alle eiversucht dem König benommen hatte /
bliebe ihm nur in gedanken /dass Abimelech bei mir gewesen. Demnach verfügte er
sich gegen abend in der Königin gemach / da eben die Prinzessin Ammonide bei ihr
war / und klagte ihr / wie dass Abimelech vermutlich bei mir in der Timna gemach
müste verschlossen gewesen sein. Die Ammonide bejahete solches / die uns
etlichemal belauret hatte / und berichtete den König / sie hätte selbst gesehen
/ dass die Timna den Prinzen von Gerar / wann ich bei ihr gewesen / heimlich in
ihr gemach gefüret hätte. Dieses verursachete nun einen solchen lermen /dass /
wie ich / meine aufwartung zu tun / in der Königin gemach kame / ich dieselbe
voll tränen fand /und mit den entfindlichsten verweisungen / von ihr mein
verbrechen anhören musste. Der König / so sehr ergrimmet war / liesse durch den
Baracheel mir sagen: Dass ich her Timna gesellschaft mich gänzlich äusern /und
sie / als eine vom gebirg Seir / für meine feindin halten sollte; weil alle ihre
anverwandten dem Assyrischen hause entgegen wären / üm ursache / dass sie euch /
meine base / an statt der Konigin Atis / mit dem König von Canaan gern verehlicht
sähen. Ob nun wohl dieses die rechte ursach nicht ware / so musste es doch deren
schein haben. Es wurde hierauf der Timna an die hand gegeben unsern hof zu
verlassen: das dann diese gute Fürstin tun musste / und sich also wieder nach
Damascus begube. Mir fiele es wohl sehr schmerz-entfindlich / dass ich diese liebe
freundin meinetwegen in solche ungelegenheit musste geraten sehen.
    Den Prinzen Abimelech aber / kunte man nicht also für den kopf stossen / weil
mein herr vatter dem Konig der Philister / seine seite zu verlassen / nicht
ursach geben wollte: dann ihme viel daran gelegen war / in Canaan einen so
mächtigen freund zu erhalten. Deswegen liesse man sich gegen ihm nichtes merken:
ihn aber von hof zu entfernen / truge man ihm auf / die volker in Bactra zu
füren / die man dahin auf die beine zu werben im werk begriffen war; welches der
dapfere Prinz mit beiden händen annamt. Es eräugete sich indem auch eine
gelegenheit für den Prinzen Baleus / zum andernmal in den krieg nach Ophir zu
gehen / der über alles vermuten mit den König von Elam wieder angegangen war: da
er dann verhoffete /seine geliebte Mirina zu finden / als von welcher er hatte
zeitung erhalten / dass sie aus Teutschland wieder in Ophir angekommen wäre.
Hierauf nun seine gedanken völlig richtend / name er nicht so sehr zu herzen /
was zwischen den Abimelech und mir fürgefallen ware.
    Mitlerweile aber mit der werbung eine geraume zeit verstrichen / reisete der
König / mit der Königin und mir / neben der ganzen hofstatt / nach Ninive / und
kunte ich nicht / als mit den augen / von dem Abimelech abschied namen / weil
man alle gelegenheit / ihn zu sprechen / mir entzogen hatte. Meine einige
hofnung bestunde noch darin / der Königin meiner frau mutter gemüt auf anderen
weg zu bringen: welches aber durchaus vergebens ware. Dann ob sie gleich sehr
gern mit mir / von dem reinen glauben und gottesdienst / reden mochte / den sie
fürlängst heimlich hatte angenommen: so bliebe sie doch dabei / ich würde nicht
sündigen / wann ich den Baleus ehlichte. Mit solcher ihrer beständigen und
fästen entschliesung / kame sie endlich auf das todbette: da sie dann /als sie
merkete / dass sie sterben sollte / alle Ninivitische stånde für sich forderend /
ihnen ihren lezten willen schriftlich übergabe / und dabei mich ihrer treu aufs
sehnligste anbefahle. Ich wollte sie / in solchem zustande / fast keinem
augenblick verlassen.
    Wie sie nun / am lezten tag ihres lebens / mich sehr weinen sah / reichete
sie mir die hand / und sprache mit lallender zunge: Ich möchte ihr doch die
vergnügung gönnen / in ruhe zu kommen / da mir ja wohl wissend wäre / wie
trübseelig ihre lebenszeit gewesen; wie sie dann mir ruhigere tage wünschete /
als sie genossen hätte. Hierauf stellete sie mir ein kästlein zu / und musste ich
ihr bei dem lebendigen Gott zuschwören / es nicht zu eröfnen / bis ich
verheiratet sein würde / und zwar mit dem Baleus. Ich schwure ihr das erste /
und indem kame ihr tod dazwischen /der mich von dem lezten schwur befreiete /
den ich auch unmüglich halten könnte. Als nun die traur-tage fürüber waren /
wurde ich zur Königin in Ninive gekrönet. Mein herr vatter / der auf den lezten
willen der Königin drunge / dem er meine heurat mit dem Baleus einverleibt wusste
/ musste mit grossen widerwillen von den Ninivitische stånden vernemen / dass sie
diesen lezten willen nicht unterschrieben hätten. Wie er aber mit seiner macht
drohete / befande ich / mit raht des Peldas / dem ich in allem folgete / für das
bäste / mich zu erklären / wie dass ich in meiner wahl frei sein wollte / und
alles / bis auf die wiederkunft des Prinzen meines bruders aus Ophir /
auszustellen. Hierdurch mussten so wohl der König / als meine stände / sich
befriedigen lassen.
    Die Prinzessin Ammonide / die nun sah / in was für einem elenden stand sie
durch das absterben meiner frau mutter geraten war / finge hierzwischen an /zur
erkäntnis zu kommen. Da sie mich vorher nicht gross geachtet / auch damit / dass
sie die Timna und den Abimelech verraten / sich keine freundin mir erwiesen
hatte: demütigte sie sich nun gege mir dermassen / dass ich mich ihrer erbarmete
/ und sie zu mir an meinen hof name. Sie wusste ja sonst nirgend hinaus: dann bei
der Dalimire zu Babel / wollte sie / als eine Königliche Prinzessin / nicht
bleiben; und bei der Königin Atis von Canaan / die auch zu uns gekommen war /
kunte sie ihren unterhalt nicht haben / als deren es selber schwer fiele / ihrem
Königlichen stande gemåss zu leben. Ich vertraute ihr aber nichtes von dem
zustand meines gemütes / und wie ich mit dem Abimelech lebete: weil mein herz /
nach der mir-erwiesenen feindseligkeit / sich nicht an sie gewonen kunte; wiewol
ich sie sonsten liebte / auch noch liebe / und ihr nach möglichkeit an die hand
gehe.
    Meine flüchtige / den Arsas und die Timna / liesse ich von Damasco wieder zu
mir kommen / als ich im reich beståtiget war: da dann Arsas seine gemalin /die
Caspiane / die er inzwischen geheuratet / mit sich brachte. Wie nun die
regirungs-last mir oblage / strebete ich mit allem vermögen / meinem reiche wohl
fürzustehen / und jederman recht zu verschaffen: da es dann / die wunderbare
köpfe meiner hochmütigen stände in einigkeit zu erhalten / nicht geringe mühe
kostete. Weil ich / als ein weib / über sie regire / als name ich auch öfters
raht von meines gleichen: und kann ich gegenwärtiger Aramena dieses zu lob
nachsagen / dass ich mannigmal ihres heilsamen rates / wie auch dessen / was die
Timna zu weilen gut befunden /mich nutzlich bedienet habe. Weil auch diese beide
/neben dem Arsas / allein von meiner liebe wussten /als überlegte ich öfters mit
ihnen / wie ich es noch angreifen sollte / damit ich der Königin meiner frau
mutter lezten willen erfüllen / des Königs begehren ableinen / meiner stände
behagen und mein eignes vergnügen fördern / und so viel widriges in eines
bringen möchte?
    Des Ninias alte liebe wachete damit auch wieder auf: und weil der im reich
einen mächtigen anhang hat / als durfte ich ihm meinen unwillen nicht so
deutlich zu erkennen geben / sondern musste mich sehr zwingen / um keine
innerliche unruhe mir auf den hals zuziehen. Weil ich den alten Peldas / den
oberstattalter des reichs / sehr auf meiner seite zu sein befunden /als habe
ich / dessen raht zu folgen / diese reise hieher in Syrien iezt übernommen. Der
König mein herr vatter hat mich hieher eingeladen / dem feste der Isis und des
Osiris beizuwohnen / als denen er einen prächtigen neuen tempel in Damascus hat
aufbauen lassen. Es ist aber die eigentliche ursache dieses / dass er daselbst
die heurat zwischen mir und dem Prinzen zu vollziehen vermeint / weil selbiger
nunmehr aus dem Ophirischen krieg wieder nach haus gekommen.
    Mein Prinz Abimelech / ist ebenfalls sieghaft auf der rückreise aus Bactra
begriffen. Ich hoffe / dessen grosse geleistete dienste / neben des Baleus
angenommenem glauben und anderweitiger liebe / werden noch ursache geben / dass
der König mein herr vatter seine Meinung ändern / und von meiner verheuratung
mit dem Baleus abstehe. Widrigen falls werde ich doch beständig verbleiben / und
vertraue ich zuvörderst in dieser sache dem gerechten himmel / hiernächst auch
dem klugen einraten des weissen Peldas: der mir grosse versicherung getan / dass
ich durch diese reise alles in guten stand bringen / und nicht allein von des
Baleus heurat los werden / sondern auch dem willen meiner stände / aus ihren
mittel einen König zu wählen / mich entziehen würde. Vom Abimelech ist ihme zwar
nichtes wissend: doch gehen alle seine ratschläge dahin / dass sie diesem Prinzen
zum vorteil mit-gereichen. So eine beschaffenheit hat es / liebste Ahalibama!
mit meinem zustand: und werdet ihr / aus meiner offenherzigen entdeckung /
urteilen konnen / wie sehr ich euch liebe / und wie ich verlange / fortin leid
und freude mit euch gemein zu haben.
                                     * * *
    Als nun die Königin von Ninive solchermassen ihre erzehlung beschlossen
hatte / ümarmete sie die Prinzessin von Seir: welche dann sich ganz demütig
bedankete / dass ihr die Königin also ihr ganzes herz öffnen wollen; zugleich
wünschend / dass eine so keusche liebe von himmel gesegnet werden möchte. Weil es
nunmehr sehr spat war / als schieden diese dreie hierauf von einander. Und so
die Königin die nacht unruhig zugebracht / so gienge es dem verstellten Dison
und der Ahalibama nicht bässer: deren der erste / wegen einer unmöglichen liebe
/ mit schlaffen konnte / und die andere mit todten liebesgedanken sich quälete.
    Des folgenden tags / kame der Fürst Barzes von Arvad wieder von Damasco
zurücke / der bei den beiden Koniginnen / im namen der Königin von Ninive /seine
begrüssung abgelegt hatte: und kunte der nicht gnug beschreiben / die grosse
zurüstungen / die man in Damasco machete / die schöne Königin Delbois auf das
herrlichste zu entfangen. Wie nun der Königin frauenzimmer / und sämtliche
hofbediente / sich alle wieder von ihrer spazir-fart eingefunden / und der tag
heran kame / an welchem die Delbois ihren einzug halten sollte: reisete adends
vorher der stattalter von Syrien / mit erlaubnis der Königin / in die statt /
üm /den andern tag ihr entgegen zukommen / und sie mit grossem pomp einzuholen.
    Kaum war der morgen herfür gebrochen / da hörte man ferner voll keiner
trauer / sondern es hatte sich ein ieder auf das herrlichste und prächtigste
herausgeschmücket. Und obwol Ahalibama ihre betrübnis nicht liesse aus ihrem
herzen kommen / so legte sie doch auch / der Königin zu ehren / ihre trauer ab
und begabe sich / nachdem sie ganz angekleidet war /nach deren gemach. Diese
Königin in ihrem herrlichen schmuck ersehend / bliebe Ahalibama über so
himlischem glanze ganz verblendet. Ihr silber-haar /das ihr die natur geringelt
/ bedeckte oben eine kleine aber sehr kostbare diamanten kron / aus welcher ein
grosser busch von weissen straus-federn hervor gienge / der ihr / weil sie zu
pferd sich wollte entfangen lassen / zugleich wider die Sommerhitze dienete / und
ihr also reitend eine zierd gabe. Ihre brust umschlosse ein güldenes leibstuck /
welches so dünn ausgearbeitet /dass es ihr nicht schwer zu tragen war: und sah
man in demselbigen / die vornemsten taten der Konigin Semiramis / erhoben
scheinen. Uber diesem hinge ihr ein purpur-mantel / der auf der einen achsel mit
einen grossen diamantinenknopf gefasset / und auf der linken seite / unter dem
arme / auch mit einem solchen edelsteine angehäftet war. Ihre arme waren halb
entblösset / die zu oberst ein weiter dünner flor bedeckete. Ihr rock war in
güldenen blumen gewirket / und reichlich mit perlen gesticket. Ihren zarten leib
ümschlosse eine künstlich-gewirkte binde / die an der einen seite fast bis an die
erde hinge. Ihr angesicht /welches so majestätisch als gütig / so verständig als
from aussah / prangte mit den angenemsten schwarzen augen / dergleichen iemals
die natur einiger sterblichen person mochte verliehen haben. Alle andere
schönheiten in ihrem gesichte / neben der ansehnlichen länge / ziereten ihre
tracht meit mehr / als sie von ihr konten gezieret werden. Alle die jenigen / so
sie ansahen / wurden über ihre schönheit entzucket. Ahalibama hatte vorher / die
Cölidiane / und ihre Aramena / für die schönsten gehalten: nun aber musste sie in
ihrem herzen / dieser unvergleichlichen Königin / den sieg der schönheit
zuerkennen; nach welcher sie / weil sie von ihr selber nicht urteilen wollte /
jene beide für die schönsten in der welt hielte / die ihres gleichen nirgend
hätten.
    Wie nun alles zur abreise färtig war / begaben sie sich auf den weg und
blieben / wegen grosser hitze /zu mittag in einem sommerhause / ungefär eine
halbe meile von der stadt. Als sie gegen abend von dannen wieder aufbrachen /
sezte sich die Königin auf ein Egyptisches pferd / so ihr der Pharao bei
antretung ihrer regirung zugeschicket: welches unter allen anwesenden pferden
das schönste war / gleich wie die / so dieses stolze tier regirete / unter den
menschen den preis behielte. Die Ninivitische Fürsten / auf das herrlichste
ausgekleidet / ümgaben zu beiden seiten ihre Königin: und weil fast keiner unter
ihnen war / der sie nicht / wiewol ohne hofnung / angebetet / und von ihrer
schöne sich gebrant fülete / als wollte es auch ein jeder dem andern zuvor tun /
sich an diesem tag aufs prächtigste sehen zu lassen. Die Prinzessin Ammonide /
Ahalibama / Perseis und Casbiane / folgeten / in der Königin wagen / dieser
ansehnlichen reuterei. Der Konigin jungfrauen aber / waren alle zu pferd: zu
denen sich auch der schöne Dison gesellet hatte / und die Aramena mit gesprächen
unterhielte.
    Sie sahen nun die stattliche türne von Damascus herfürragen / als der Prinz
Mamellus / stattalter von Syrien / mit allen Syrischen Fürsten / der Königin
entgegen kame: dem seine gemalin die Prinzessin Tarasile / von dem fürnemsten
Syrischen frauenzimmer begleitet / nachfolgete. Als diese abgestiegen / täte
solches auch die Königin: und wurde sie / mit einer schönen rede / von dem
stattalter entfangen; die sie mit solcher annemlichkeit beantwortete / dass alle
/ die ihre worte hören konten / darüber verwundert blieben / und hieraus sie ja
so verständig als schön erkenneten. Die Prinzessin Tarasile wurde folgends /
mit bezeugung der höchsten zuneigung / auch von ihr begrüsset / wie ingleichen
alles Syrische frauenzimmer. Wie nun ihr der Mamellus einen herrlichen
ganz-vergüldeten wagen / inwendig mit den stattlichsten gestickten decken
behänget / vorziehen lassen / mit bitte / darin ihren einzug zu halten / sezte
sich sie in denselbigen. Tarasile aber begabe sich in der Königin wagen / zu
den andern Prinzessinnen / unter denen sie ihres herrn schwester tochter / die
Ahalibama / mit zeichen grosser freundschaft entfinge: wiewol sie dabei die
traurigkeit ihres gemütes / wegen ihrer verlornen tochter / nicht so wohl bergen
konnte / dass man nicht / insonderheit Ahalibama / ihre unruhe gespüret hätte.
    Dieser einzug ware also angeordnet / dass zu erst der Syrische adel /
nachgehends die gesamte Fürsten von Syrien und Ninive / und lezlich der
Stattalter nahe vor der Königin wagen / daher ritten. Hierauf folgete diese
unvergleichliche schonheit / von ihrer und des Stattalters leibwacht ümgeben.
Hinter ihr kame / in vielen wägen / und nun nicht mehr reutend /das gesamte
frauenzimmer. Dison aber / der mit nicht geringer furcht die Tarasile ersehen /
ritte / unter der fürung des Fürsten Jotans / als ein bedienter der Prinzessin
von Seir / in seiner ordnung voran: inständig die grosse Diana anruffend / dass
sein geschlecht und name nicht erkant werden möchte.
    Wie sie nun in Damascus kamen / sahen sie die gassen mit den stattlichsten
decken behänget / und das Syrische weibesvolk / auf das zierlichste geschmücket
/ in den fenstern ligen. Es waren die gassen so voll volks / dass man kaum einen
freien durchzug haben kunte. Alle leute diese wunder-schöne Königin ersehend /
riefen ihr frolockend zu / und schlugen in die hände. Das frauenvolk warf dünne
krüglein mit wolriechendenden wassern / wie auch mancherlei blumenkränze / von
den fenstern herab / und ware niemand in der ganzen stadt / der nicht mit herz
und mund sich frölich erzeigte.
    Auf dem grossen platz / den sie den Königlichen spazir-gang nennten / war
eine hohe ehrenpforte aufgerichtet / mit dreien toren. Zu oberst sah man das
Königreich Ninive gebildet / welches eine kron in der hand hielte / mit einem
lorberzweig ümwunden / samt dem beiwort:
        Unaufhörlich must du grünen.
    Unter diesem wurde die Assyrische Monarchei fürgestellet / welche mit ihrem
zepter die über ihr schwebende Ninivitische kron stützete / und diese untere
schrift hatte:
        Weil die wünschen dir zu dienen.
    Zu unterst sah man das bild des Syrischen reichs /so eine kron auf dem
haubt hatte / und sich gleichsam gegen die Königin von Ninive bückte; darunter
war geschrieben:
        Denen du iezt bist erschienen.
    Wie nun die Königin von ihrem wagen diese erfindungen betrachtete / wurde
sie mit bestürzung gewar /dass / indem etwan die vorreitende unter dieser
ehrenpforte sich zusehr gedrenget / die Ninivitische kron auf die Syrische herab
fiele / und beide damit herunter kamen. Eine von diesen kronen sprange dem Dison
gerad in den schoss / und die andere verlohre sich im gedränge. Dieses wurde von
jederman in acht genommen / und für etwas sonderliches gehalten.
    Kaum aber hatte diese bewunderung sich den gedanken eingespielt / da
entstunde plötzlich ein auflauf im volk / das mit grossem geschrei durcheinander
liefe / und alles in unordnung brachte. Dieses unwesen verursacheten drei Leuen
/ welche der Stattalter in grossen kefigen etliche jahre zur lust aufbehalten /
und speisen lassen: die waren nun / aus unvorsichtigkeit ihrer hüter / welche den
einzug mit ansehen wollten /ausgebrochen und unter das volk geraten; da sie alles
/ was ihnen vorkame / niederrissen / und also die lust in erschreckliche unlust
verkehreten. Ein ieder rettete sich vor ihren greulichen klauen / so gut er
mochte /und fand sich keiner unter allen rittern / der es wagen wollte / sich an
diese starke tiere zu machen: wie dann auch ihre pferde also scheu wurden / dass
sie teils ihre herren herunter warfen / teils mit ihnen davon rennten. Die
pferde an der Königin wagen /verwickelten sich dermassen in einander / indem
sich die stränge üm die beine schlungen / dass sie nicht konten aus der stelle
kommen. Die leute in den häusern / hielten / üm ihrer eigenen sicherheit willen
/ die türen zu / damit andere hineindringende nicht die Leuen nach sich ziehen
möchten. Kurz! alles war in schrecken und unordnung. Die Königin stunde bei ihr
selber an ob sie auf dem wagen bleiben / oder herunter springen sollte: und ob
sie wohl unerschrocken war /sah sie doch / weil keine rettung zu vermuten / den
gewissen tod für augen / den sie dann mit grosser standhaftigkeit erwartete.
Ahalibama ware unter ihren halbtodten beisitzerinnen / die wolgemutste / und
fürchtete ihren tod nicht / weil der sie wieder zu ihrem Elieser bringen würde.
    Es hatten nun / diese drei wütriche / um der Königin wagen platz gemachet /
und wollten eben auf die schönste beute anfallen / als unvermutlich zween
unbekannte / die sich nicht eher unter dem gedränge des volkes herfür tun können
/ diesen Leuen entgegen sprangen / und mit unerschrockenem heldenmut ihren lauf
hemmeten. Zween von diesen Leuen / machten sich an diese rittere. Aber der
dritte liefe fort / und hätte indem die Königin gefasset / wann nicht eine
jungfrau zu pferd herzu gerennet / und mit einem werfpfeil dem Leuen eine tiefe
wunde in den leib gemacht hätte. Die Königin erkannte das pferd für ihren
Egyptischen zelter / und die darauf sitzende heldin vor ihre Aramena. Demnach /
so erschrocken wegen der gefahr / darein sie sich stürzete / als erfreut über
ihrer treue / rief sie überlaut / als sie sah / dass der Leu der Aramena meister
werden wollte: die beide rittere möchten doch hieher ihre hülfe kehren. Einer von
ihnen hörete diesen befehl der Königin / welcher eben das Glück hatte / seinen
Leuen zu erlegen: demnach lief er zur Aramena / die / wegen ihres pferds / und
in ermangelung benötigter waffen / sich des Leuens nicht länger erwehren kunte /
und half ihr alsbald aus dieser gefahr / indem er dem Leuen einen fang ins herz
gabe / dass ihme der muht mit dem blut verginge. Wie er hierauf seinem gesellen
beispringen wollte / der mit dem grösten und stärksten von diesen tieren zu tun
hatte / ward derselbe auch eben seines feinds meister / und hiebe dem Leuen /
nachdem er ihn erleget / das haubt ab: welches er der Königin zu den füssen legte
/ und sich ihr dabei für den Prinzen Abimelech von Gerar zu erkennen gab.
    Ihre freude war unbeschreiblich / sich von ihrem Prinzen aus dieser
todes-gefahr befreit zu sehen. Sie kunte auch / ihre plötzlich-entfangene
vergnügung /mit keinen als mit diesen wenig worten an den tag geben: so habe ich
euch / mein Prinz! mein leben zu danken? Folgends wandte sie sich zur Aramena /
sagend: Und dir / tapfere dirne! bin ich auch höchlich verbunden / dass du /
unter allen meinen bedienten /die einige gewesen / die mir in dieser gefahr
beispringen dörfen. Als hierauf ihr dritter erlöser sich auch zu ihrem wagen
nahete / den sie nicht kennete / ihn aber wegen seines herrlichen und
königlichen wesens in ihrem herzen hoch verehren musste / neigete sie sich gegen
ihme / der zu ihr mit sonderbarer annemlichkeit sagere: Mein Glück ist
unaussprechlich / dass ich / da ich das erstemal die gnade erlange / von E. Maj.
gesehen zu werden / ihr neben dem Prinzen Abimelech zugleich erweisen können /
wie ich nichtes eifriger suche / als E. Maj. diensten mein leben aufzuopfern.
Ich bin hingegen / (antwortete die Königin /) billig glückseelig zu preisen /
dass ich so hohe freundschaft von einem so dapferen helden entfangen / und ferner
zu gewarten habe / die ich mit nichtes verdienet / und mich auch vielleicht
deren niemals werde würdig machen können.
    Der frömde wollte hinwiederüm antworten; weil aber der Prinz Abimelech / den
Stattalter von Syrien / neben den anderen Fürsten wieder ankommen sah /sagte
er zur Königin: es würde zeit sein / dass sie sich wieder hinweg begäben / weil
es iezt nicht schicklich wäre / von dem Stattalter sich sehen zu lassen.
Hierauf begab er sich / unerwartet einiger antwort / mit seinem dapfern gesellen
wieder von der stelle / und verlore sich unter die leute / dass niemand sah / wo
sie blieben. Darauf samlete sich das flüchtige volk von allen orten wieder; und
da der platz vorher ganz ledig gewesen / drungen die leute nun so häufig herzu /
dass die bediente der Königin die pferde vor dem wagen in langer zeit nicht
wieder konten zurecht bringen. Der Stattalter / so wohl als andere Syrische
Fürsten / hielten dieses für ein sehr böses vorzeichen /und nachdem sie ingesamt
auf ihre scheue pferde die schuld gelegt / dass sie der Königin in dieser gefahr
nicht beigesprungen: sahen sie sich üm nach den unbekanten rittern / die eine so
preiswürdige tat verrichtet. Wie aber dieselben nirgend zu finden / gaben sie
alles lob der dapferen Aramena: das sie dann mit minderer eifersucht / als gegen
die beide frömde / verrichteten.
    Wie nun alles wieder in vorige ordnung gebracht war / namen sie ihren weg
fürter nach dem grossen Koniglichen schloss-platz / dahin diese begebenheit schon
voran gelaufen war: daher die Königin von Tyro / neben der jungen Königin von
Elam / todesangst ausstunden / ehe sie die Königin Ninive lebendig und unverlezt
zu sehen bekamen. Alle zu Damasco anwesende versammleten sich nach hof / von
dieser unvermuteten begebnis zu reden: die dennoch /so bestürzt sie iederman
gemacht / nicht verwehrete /die wunderschöne der Königin von Ninive zu
betrachten. Wie nun die Königinnen eine zimliche zeit daselbst beisammen gewesen
/ und einander viel höfliches erwiesen hatten / begaben sie sich / weil es nun
spat war / und der schrecken ein jedes auszuruhen vermanete / wiederum von
einander. Es hatte / auf diesem herrlichen platz / jede Königin ihren eigenen
palast: daselbst dann auch der Ahalibama / welche die beide Königinnen von Tyro
und Elam gleichfalls sehr wohl entfangen hatten / eine herrliche wonung
angewiesen worden.
    Diese hatte kaum von der gesellschaft sich abgerissen / und in ihr einlager
sich begeben / da fand sie den Tirzis / Brianes und Zimenes ganz nass von
trännen / die ihr höchstschmerzlich klageten / wiedass in dem auflauf und
gedränge ihr ritter Dison verloren worden / und nirgend zu finden wäre: worbei
ihre sorgsame vermutung ware / dass er / wie viel andere / in dem getümmel
ersticket / oder gar von den Leuen musste zerrissen worden sein. Diese zeitung
gienge der Ahalibama tief zu herzen / und hatte sie /nach dem tod ihres Eliesers
/ niemals etwas schmerzlicher entfunden / als da sie dissmal so plötzlich
erfahren musste / den erbärmlichen verlust ihrer so herzlich geliebten Aramena.
 
                                Das Zweite Buch.
Die unglückliche und sonderbare begebenheiten / die sich bei dem einzug der
schönen Königin von Ninive in Damascus zugetragen / hatten alle freude dermassen
gemindert / dass hoch und nider nichtes gutes hieraus schlossen. Fürnemlich
überlegten solches wohl /die Assyrische bedienten / und namen sehr zu herzen /dass
die Syrische und Ninivitische kron herab und zwar die eine / die man für die
Syrische halten wollen / einem schönen jüngling in den schoss gefallen war. Wie
dann unter den Syrern hierüber die rede entstanden / ihr König Aramenes müste
der jüngling gewesen sein / deme die Syrische krone sich also / durch gerechte
schickung des himmels / selber übergeben hätte: zumal ihnen ohn das / von
diesem ihrem wiedergefundenen König / durch die hin- und wieder ausgestreute
zettel / grosse hoffnung war gemacht worden. Diss gerüchte kam bald für des
Prinzen Mamellus ohren / wie die Syrer so starke vermutung hätten / ihr Erbkönig
wäre fürhanden: massen viele unter ihnen /bei dem gestrigen einzug / in acht
genommen / dass der jüngling / den sie dafür hielten / ihrem lezten König
Aramenes von angesicht sehr änlich gewesen.
    Wie nun solche zeitung diesen Prinzen / der dem Assyrischen hause sehr
zugetan war / häftig beunruhigte / als ware er bemühet / genaue und gewisse
nachricht von dem jüngling einzuholen. Und weil man ihm gesagt / dass dieser /
deme die kron in den schoss gefallen / unter den bedienten der Prinzessin
Ahalibama sich befunden / als gabe er seiner gemalin dieses gewerbe / die ohndas
die Ahalibama bald zu sprechen begirig war / dass sie / in dieser besuchung /
fleissig und ümständlich nach dem jüngling forschen sollte. Wie aber die Tarasile
nach der Ahalibama fahren wollte / erfuhre sie / dass diese Prinzessin sich bei
der Königin von Ninive befande. Deswegen verschobe sie ihr verlangen / und
begabe sich nach der Königin von Tyro: die sie bettlägerig fand / weil diesen
guten Königinnen der gestrige schrecken einige unpässlichkeit verursachet hatte.
    Die betrübte Ahalibama aber / so bei ihrer Königin war / dorfte ihre neue
traurigkeit niemanden recht offenbaren / und lebete stäts in hofnung / von ihrem
Dison nachricht zu erlangen. Weil aber dessen verlust bereits am Ninivitischen
hof erschollen war / als beklagten / nicht allein die Königin / sondern auch
alle ihre leute / diesen vermeinten ritter von herzen: sonderlich der Königin
ihre Aramena / die für allen andern ein grosses mitleiden blicken liesse. Wie man
nun also / in der Königin von Ninive gemach / von diesem traurigen zufall redete
/ liesse sich die Fürstin von Seir / die Timna / bei ihr anmelden: die dann / als
von der Königin sehr geliebt / alsofort aufgeholet wurde.
    Wie sie in das zimmer trate / ümfienge sie die Königin / mit bezeugung
grosser freude: und Timna hingegen kunte nicht worte gnug finden / dem himmel zu
danken / dass er die Königin aus der gestrigen gefahr errettet. Ich weiss nicht /
(sagte sie) wie mir geschihet /mich wieder bei E. Maj. zu sehen. Und gleich wie
ich herzlich nach diesem glücke mich gesehnet / also war meine gestrige furcht
desto grösser / wie ich die dräuende gefahr für augen sah: und hätte ich nur
aus meinem hause kommen / oder so mutig / wie gegenwärtige Aramena / sein können
/ würde ich gewiss auf gleiche art meine treu erwiesen haben. So habt ihr (fragte
die Konigin) die gestrige begebenheit mit angesehen? Wann ich sagen wollte /
(antwortete die Timna) dass ich es recht gesehen / müste ich die unwarheit
berichten: dann der schrecken mich so verblendet / dass ich nur den anfang /
nicht aber / wie es weiter gienge / anschauen kunte. Sahet ihr wohl /
(wiederholte die Königin) wer mich / neben der Aramena / aus dieser gefahr
errettet?
    Die Timna sah sich üm / weil sie das / was sie hierauf antworten wollte /
nicht gern jederman wollte anhoren lassen. Indem brachte sie die Ahalibama /ihre
alte herzens-freundin / in die augen / die sie alda nicht vermutet hatte.
Demnach kunte sie sich nich entalten / überlaut zu ruffen / und damit dieser
Prinzessin üm den hals zu fallen: die hierbei bitterlich anhube zu weinen / in
erinnerung / wie es sich mit ihr geändert / seit der zeit sie diese Fürstin
nicht gesehen hatte. Timna kunte / so wohl für freuden als wehemut /auch kein
wort herfürbringen: endlich aber erholete sie sich wieder / und sich erinnerend
/ dass sie vor der Königin stunde / bate sie die demütigst üm vergebung / dass sie
ihrer gebür / in ersehung der Ahalibama /vergessen hätte. Die Königin nennte
diese entschuldigung unnotig / und sagte: Unter freunden mus man solche
hoflichkeiten für einen uberfluss achten / und hoffe ich / ihr beide werdet mir
gönnen / dass ich die dritte abgebe / und mich eurer freuden dörfe mit teilhaftig
machen. Hiemit ümfassete sie diese beide Fürstinnen von Seir zugleich / und sich
zu der Timna kehrend / sagte sie ferner: Ihr dörft euch für der Ahalibama nicht
scheuen / mir ein geheimnis zusagen / das ich bei euch merke; massen dieser
lieben basen mein ganzer zustand kündig ist / und ich ihr so wenig von meinen
gedanken / als euch / verheele. Wann ich dessen versichert bin / (sagte Timna
lächlend /) so darf ich für ihr nicht verbergen / was mir von der gestrigen
erlösung / die E. Maj. widerfahren / fur wissenschaft beiwonet.
    Hiemit name die Königin sie und die Ahalibama bei der hand / und sie an ein
fenster fürend / sagte sie zu jener: verhaltet mir nicht länger / liebste Timna!
was ihr von dem Abimelech wisset. Dieser Prinz (antwortete Timna) kame / neben
dreien rittern und wenig dienern / vor etlichen tagen unversehens in mein haus:
und als er mich allein zu sprechen begehret / erkannte ich ihn gleich für den
Prinzen der Philister. Darauf stellete er mir seine gefårten auch für / unter
denen ich allein den Ahusat kennete. Von den andern unterrichtete er mich / wie
dass der eine / des grossen Marsius / Konigs von Basan vetter wåre / der edle
Cimber / von welchen er E. Maj. ehmals so viel berichtet hätte / und den er für
seinen bästen herzens-freund erkennte. Von dem andern / den er mir Tubul nennte
/sagte er / wiedass er des Cimbers landsman wäre. Hierauf grussete mich / dieser
wackere Teutsche / mit solcher höflichkeit / dass ich gleich dem Abimelech recht
gabe / dass er ihm einen solchen freund auserwehlet.
    Es erzehlte mir hierauf der Prinz von Gerar ausfürlich / wie er sieghaft
wieder nach Babel gekommen /und mit grossem pomp / als ein überwinder / von dem
König wäre entfangen worden: der ihn dann / mit seinen völkern / in Mesopotamien
verleget. Von dannen wäre er mit dem Cimber / welchen er unterwegs angetroffen /
heimlich herüber gekommen / seiner Königin aufzuwarten / und sie diesem seinem
herzens-freunde zuzeigen: und läge es nun allein an mir / ihme dazu behülflich
zu sein. Als ich ihme hierauf meine dienste angeboten / bate er ferner üm
erlaubnis / neben seinen gefårten in meinem hause sich heimlich zu entalten
/bis er den zweck / worüm er angekommen / erreichen möchte: weil er / für allen
Niniviten und Assyrern in Damascus sich verborgen zu verlangen / ursach hätte.
Ich ware willigst / ihm solches nicht zuversagen. Also befanden sie sich gestern
in meinem hause am fenster / als E. Maj: mit so herrlichem pracht vorbei fuhren.
Wann ich sagen könnte / wie der Cimber / sowol als Abimelech / E. Maj:
unvergleichliche schönheit gepriesen / bin ich versichert / dass E. Maj. nirgend
würdiger könnte entfangen werden / als mit denen worten /die ihre vergnügte
bestürzung ihnen aus dem herzen gelocket.
    Der Prinz Abimelech ware so auser ihm selber /dass ich eher als er die
unordnung warname / so die erschreckliche ankunft der Leuen verursachete. Ich
schrye gleich vor entsetzen / und machete damit den Abimelech und Cimber
aufmerkend: welche / als sie die Leuen sahen / gleich in tödliche angst fur E.
Maj. gerieten / und sich nicht lang bedenkend / was ihnen zu tun wäre / mit
ihrem gewehr zum hause heraus eileten. Es ware aber die erschrockene volk-mänge
so häufig unten vor dem tor / dass sie nicht kunten durchkommen. Also liefen sie
wie unsinnige in ein gemach / das nicht gar hoch von der erden war / und
sprungen aus den fenstern mutig hinab. Sie mussten aber gleichwol sich lang durch
das volk drengen / bis sie an den ort / da sie E. Maj. errettet / gelangen
kunten. Ahusat und Tubal wollen ihnen zwar an dapferkeit nichtes nachgeben: sie
kunten aber aus dem ort /da diese beide Prinzen hinab gesprungen / nicht hinnach
kommen / weil das beängstigte gemeine volk daselbst hinauf zu steigen begunte /
und keinen durchgang vergönnete. Ich bliebe immittels mehr als halb todt / und
wusste nichts von allem / was ferner vorgegangen: als Abimelech und Cimber
sieghaft wieder zurücke kamen / und dass E. Maj. errettet wären / mir
ankundigten. Hierauf hat mir nun der Prinz heute sein gewerbe aufgetragen / E.
Maj. sein unaussprechliches verlangen zu bezeugen / welches er / sie allein zu
sprechen / bei sich entfindet. Und weil er hoffet / er werde die Königin von
Ninive eben so gnädig / als ehmals die Prinzessin Delbois / antreffen: als
getröstet er sich einer gütigen erklärung / und erwartet mit hochster begierde /
was E Maj. ihme mit dero antwort für gnade antun werden.
    Des Prinzens Abimelech hohe verdienste / (sagte hierauf die Konigin /) sind
mir noch so unvergessen /dass ich ihm sein begehren nicht abschlagen werde. Und
versichert ihn von meiner wegen / dass mich Ninive nicht veråndert habe / und dass
ich immerdar vor ihn ein erkenntliches herz behalten werde. Wie und wo ich ihn
aber sprechen soll / weiss ich selber nicht: dann ich für meinen leuten es nicht
tun kann / und der Arsas aus Canaan noch nicht wiedergekommen ist /der allein
hierinn mir an die hand gehen könnte. Ich bin allhier unbekant / und weiss nicht /
wie die gelegenheiten dieses ortes sein mogen / etwas so gefårliches
anzustellen. Wann E. Maj. (antwortete Timna) meinen raht wollen genem halten /
soll es ohne gefahr zugehen. Hinter diesem Koniglichen schloss-platz ligt ein
grosser garte: darin alles volk von Damasco zu spaziren erlaubnis hat / und
fragt man niemanden / wer er sei / der da in diesem freien garten sich
erlustigen will. Gegen abend geht / wegen ietziger hitze / das spaziren-gehen
daselbst erst an: da ich dann die beide Prinzen (weil Cimber mitzugehen
verlanget /) heimlich in eine schattichte läube bringen will / dass niemand etwas
davon soll innen werden. Ich folge hierinn eurem raht / liebste Timna! (sagte
die Königin /) und bin versichert / ihr werdet es also anstellen / dass weder mir
/ noch ihnen einige gefahr dadurch zustossen könne.
    Wo mir recht ist / (finge Ahalibama hierauf an zu reden /) so habe ich
ehmals gehoret / dass dieser teutsche Fürst Cimber der jenige gewesen / der E.
Maj: bildnis in dem ritterspiel zu Ninive gewonnen. Solte nun dem also sein / so
hätte ihm der Prinz Abimelech einen mitbuler zum freund erwehlet: den er auf
solche weise unwissend zu dem glucke befördert / E. Maj. zu sehen. Wie ist euch
dieses bewust worden / (fragte die Königin /) welches doch der Abimelech / nach
so vielem angewandten fleiss / nicht erfahren können? Ahalibama / so die Amonite
nicht offenbaren wollte / ob sie sonst gleich für ihrer Konigin nichtes geheimes
noch verborgenes hatte / gabe zur antwort: sie hätte dieses in Canaan von der
Prinzessin Aramena erfahren / deren es ehmals in Syrien die Amonite erzählt
/als welche hiervon / weil sie an des Marsius hof zu Basan ausgewachsen / gute
nachricht haben konnen. Die Timna aber versicherte die Konigin / dass in der welt
ein solch paar herzens-freunde nicht konnte gefunden werden / als wie diese beide
Prinzen wären: daher nicht vermutlich / dass Cimber in so beständiger
freundschaft gegen dem Abimelech verharren würde /wann er sein mitbuler wåre;
massen die liebe des Abimelech zu der Königin / ihm nicht unbekant / sondern
täglich der inhalt ihrer unterredungen zu sein pflegte.
    Nachdem nun die Konigin dieserwegen ihr gemüt wieder befriedigt / und die
Timna ihr nochmals versprochen / alles wohl und ohne gefahr anzustellen: kame die
junge Königin von Elam / sie zu besuchen /die wurde von ihrem stiefbruder / den
Prinzen Tiribaces von Tyro / zu ihr in das zimmer gefüret. Die schöne Delbois /
so diese höflichkeit von der Lantine nicht vermutet / entfienge sie mit der
höchsten bezeugung ihrer gegenerkentlichkeit.
    Als nun diese beide Königinnen sich zusammen gesetzet / und von der
veränderung / in die sie / seit sie einander nicht gesehen / gerahten waren /
ein gespräche anfingen: begabe sich die Timna mit der Ahalibama in ein
neben-gemach / da sie vom neuem anfingen / ihrer alten kundschaft sich zu
erinnern. Bald darauf /gesellte sich auch Aramena zu ihnen. Weil nun Timna noch
nicht wusste / dass diese beide einander kenneten /sah sie eine nach der andern
an. Aramena aber bename ihr bald den zweifel / sagend: Liebste base! meine
schwester kennet gar wohl den verkleideten Dison. Hierauf liesse Timna der
Ahalibama nicht zeit / sie dessen ferner zu versichern / sondern sagte zu ihr:
Liebste Ahalibama! wie muss dir zu sinn worden sein / als du am Ninivitischen hof
deinen bruder furgefunden? Das kanst du leichtlich erachten / (antwortete
Ahalibama) und ich kann ihn wohl nie sonder grosse angst ansehen. Aber ach! (fuhre
sie seufzend fort /) wie sehet ihr mich iezt wieder / liebste Timna! wehrter
Dison! Vormals als ich von dir / meine base! aus Dedan schiede / gedachtest du
bei meinem Elieser zu Hebron mich bald wieder zu sehen. Und wie ich euch / mein
bruder! verloren / gedachte ich damals noch nicht / dass wir einander nicht eher
wieder sprechen würden / bis ich euch sagen musste / dass mein Elieser gestorben.
Hiermit verwehreten ihr die tränen / weiter zu reden / und beklagten der
verkleidete Dison und die Timna den edlen Elieser gar sehr: dessen begegnise und
lebens-ende ihr diese von jenem / als der es von seiner schwester vernommen /
mit ümständen erzählen liesse. Es wollte aber Ahalibama gegen der Timna / wann
schon ihr bruder nicht gegenwärtig /und sie bei ihr allein gewesen wäre / von
ihrer verlornen Aramena nichts sagen: weil sie es dieser so teuer zuschworen
müssen / gegen keinem menschen ihrer zu gedenken.
    Diese dreie waren noch in ihrer verträulichen unterredung begriffen / als
man ihnen ansagte / wie dass die beide Königinnen nach der Königin von Tyro
palast sich begeben wollten: daher sie alsobald zu ihnen wiederkehrten / und
ihnen zu dieser besuchung nachfolgeten. Die gesellschaft war bei der alten
Delbois sehr gross / weil die leutseligkeit dieser Königin jederman bei ihr
freien zutritt vergonte. Weil sie ihres bruders tochter / die Konigin von Ninive
/ wie ihr leibliches kind liebte / als erwiese sie satsam / wie hoch sie von ihr
hielte: welche hinwiederum diese ihre mume herzlich liebte / und ihr alle
ehrerbietung / gleich einer mutter / erwiese.
    Dieser Konigin von Tyro unpässlichkeit ware so gefährlich nicht / dass man
derentwegen besorget sein dorfte: daher solches die andere Koniginnen und
Prinzessinnen nicht hinterte / der fürgenommenen spazir-lust im garten sich zu
gebrauchen. Demnach begaben sie sich alle dahin / als der abend die hitze in
etwas gebrochen hatte. Sie fanden das volk von Damasco daselbst håufig versamlet
/ nicht so sehr der gewönlichen spazir-lust halber / als aus begierde / die
schone Königin von Ninive zu sehen. Diese / nachdem sie sich in den grossen
spazirgången wohl ergetzet / und dem Syrischen frauenzimmer zu gefallen / sich
mit fleiss etwas lang verweilet / zoge endlich die Ahalibama zu sich / und sagte
heimlich zu ihr / dass die Konigin Lantine / so ihr zur andern seite ginge / es
nicht hören konnte: Sie möchte doch mit dieser Königin sich in ein gespräche
einlassen / damit sie mit guter art von der gesellschaft abkommen könnte.
Ahalibama suchete alsofort hierzu gelegenheit / die sich dann bald eräuget / in
dem die Lantine von des Beors verfolgungen mit ihr zu reden begunte.
    Hierauf riefe die Delbois ihrer Aramena / mit der sie allmählig von der
gesellschaft etwas abwiche / und endlich sich gar verlore. Die Konigin von Elam
war in ein so ämsiges gespräche mit der Prinzessin von Seir gerahten / dass sie
dieser entfernung nicht war name. Ammonide / die mit dem Prinzen von Tyro redte
/ gabe hierauf neben den anderen auch keine achtung. Also ware auser dem einigen
Ninias / niemand in der ganzen gesellschaft / so der Konigin Delbois abwesenheit
merkete. Dieser Furst aber / weil er alles mit wachsamen verliebten augen
belaurete / sah nicht so bald / dass seine Konigin seitwarts ginge / da begunte
er ihr von ferne nachzufolgen. Wie nun die Konigin sich nahe bei einer hütten
befande / welche mit dicken schattichten bäumen rund ümgeben war /dahin die
Fürstin Timna stäts voraus gegangen / und also ihr den weg gezeiget hatte: sah
sie zurücke / und wurde des Ninias gewar. Sehet! (sagte sie zur Aramena /) dort
folget uns mein verfolger! eile ihm entgegen / und halte ihn auf mit gespråchen
/ und füre ihn von diesem weg ab: damit nicht seine verwegenheit die Prinzen
alhier entdecken und verrahten möge. Die gehorsame Aramena verrichtete alsobald
ihrer Königin befehl: bei sich gedenkend / dass es noch erträglicher sei / üm
einen ungeliebten mitbuler zu sein / als eines glücklichen mitbulers vergnugung
mit anzusehen. Gleichwol konnte / dieser verkleidete Dison / mit solchen gedanken
sich so wohl nicht trösten / dass es ihm nicht ein schwerer dienst gewesen ware /
zu seines mitbulers ruhe also beförderlich zu sein.
    So unangenem nun diesen beiden ihre unterredung war / so grosse freude
brachte hingegen / die so sehnlich verlangte und nun erlangte gegenwart der
Delbois / dem verliebten Prinzen Abimelech. Er hatte neben seinem freunde / dem
Cimber / nicht so bald diese unvergleichliche schönheit ersehe / da eilete er
ihr entgegen / uñ / sich auf ein knie werfend / küssete er ihr den untern saum
des rockes mit der tiefsten ehrerbietung. Sie liesse ihn nicht lang in solchem
wesen / sondern hube ihn bald wieder auf / und sagte: sie wäre so frömder ehre
von ihm nicht gewonet oder gewärtig /und müste er von ihr / nun sie eine Königin
hiesse /ihm nicht einbilden / dass sie darüm anderst mit ihm /als vordessen /
ümgehen wollte. Ob ich auch (gabe ihr der Prinz hierauf zur antwort) dessen wohl
versichert bin / dass kein äuserlicher stand E. Maj. ohndas-koniglichen sinn von
ihrer gütigkeit abbringen konne /so tue ich dennoch hierinn / was mir gebüret /
und beehre dieselbe billig auf den kniehen / als meine einige Konigin; die ich
in solcher gestalt / als meine gottin / andeten wollte / wann unser glaube mir
ein solches nicht verwehrete. Ihr müsst mich nicht anderst / als wie eure
Delbois / ehren: (antwortete die Königin) gleichwie auch ich euch nie anderst /
als wie meinem Abimelech / ansehen werde. Kan ich / solche gnädige versicherung
/ (brache der Prinz hierauf heraus /) ohne verlierung meiner sinnen / wohl
anhören? und darf ich dem Glück zutrauen / dass es / allein gegen mir / sich so
beständig erweise? Meine beständigkeit soll keinem Glück unterworfen leben / mein
Prinz! (sagte die Konigin /) doch ist es ratsam / dass nur ihr solches wisset.
Lasset uns deswegen ein wenig fürter gehen / damit wir allem unsere worte horen.
    Dieses redend / wollte sie ihm die hand reichen / üm sich von ihme füren zu
lassen / er aber sagte zu ihr: E. Maj. werden mir erlauben / dass ich diesem
Prinzen /von dessen tugenden uñ unserer freundschaft E. Maj. ich öfters / von
Salem aus / etwas geschrieben / meine zusage halte / uñ ihm zuvor die gnade
erlange / meiner Königin den rock zu küssen. Hiemit brachte er den Cimber zu ihr
/ den sie gar freundlich entfinge /und zu ihm sagte: Die weltberümte verdienste
des Prinzen Cimbers / neben der ungemeinen freundschaft / die er jederzeit mit
dem Prinzen Abimelech gehalten / haben bei mir vorlängst eine grosse begierde /
ihn zu kennen / erwecket: weswegen ich iezt meinem guten Glück danke / dass es
mir meinen wunsch erfülle wollen. Ich verspüre / (antwortete Cimber /) aus der
gar zu guten Meinung / die E. Maj. von mir geschöpfet /dass der Prinz Abimelech
für mich mehr die freundschaft als billigkeit sprechen lassen. Ich bin ihm aber
verbunde / weil er darbei E. Maj. nicht verschwiegen /wie sehr ich sein treuster
diener bin. Dann dieser name / wie ich merke / konnte mir allein zu diesem Glück
verhelfen / E. Maj persönlich zu versichern /dass sie nächst ihme / keinen
getreuern gehorsamen slaven / als mich / in der welt haben / der sie mehr anbete
/ und gutwilliger sein leben zu dero diensten aufopfern wird.
    Dieses sagte der Cimber mit solcher häftigkeit /und sah dabei die Königin
mit so sonderlicher art an / dass sie ihren ersten wahn wieder fassete / sie
hätte einen heimlichen liebhaber an diesem Prinzen. Doch liesse sie solches ihr
gleich wieder aus dem sinn kommen / und gabe ihm eine solche antwort: Ich habe
dessen / was ich dem Prinzen Cimber billig zugeeignet / gestern so hohe
versicherung gesehe / dass ich meine worte leichtlich rechtfärtigen kann. Die
zuneigung betreffend / gleichwie ich solche allein dem Prinzen der Philister zu
danken habe / als erkenne ich mich ihme deswegen noch verbundener / werde auch
einen so grossen und wehrten freund / den er mir zu wegen gebracht / zu erhalten
/ mir angelegen sein lassen. Hie mit / üm keine zeit zu versäumen / liesse sie
ihn bei der Timna / und begabe sich mit dem Abimelech etwas hintan / doch also /
dass sie die beide im gesicht behielte. Als sie sich nun gesetzet / und den
Abimelech auch hierzu genötiget hatte / wusste dieser verliebte Prinz lange nicht
/ auf was weise er seiner Königin / seine vergnügung und die erkennung ihrer
ihm-erzeigenden hohen gnade / zu verstehen geben sollte.
    Er beschauete unverwandt ihre überirdische schönheit / und wäre aus solcher
verzuckung wohl nicht entkommen / wann ihm nicht die Konigin hätte zu reden anlass
gegeben / in dem sie sagte: Ihr sehet / mein Prinz! dass sich die Konigin von
Ninive gegen euch nicht geändert / indem sie auf euer begehren kein bedenken
getragen / euch alhier zu sprechen: und kann ich euch versichern / dass sie noch
allezeit einerlei Meinung für euch träget. Solt es wohl moglich sein können /
(hube hierauf Abimelech an) dass ich so unverdiente gnade hoffen darf? Ich kann
fast selber meinen augen und ohren nicht trauen / dass mir die vergnügung / so
ich iezt geniesse / in der tat widerfäret. Ihr seit eines mehrern würdig /
(sagte die Königin /) und befinde ich durch viel ursachen / unter denen / die
gestrige wagnis eures lebens für das meinige / die neuste ist / euch also zu
begegnen / mich höchst verpflichtet. Die gröste ursach / (antwortete der Prinz)
ist E. Maj. unvergleichliche güte: ohne die wird sich sonst wohl nichtes finden /
das mir dieses Glück erwerbe. Wir müssen (gabe sie wieder zur antwort) unsere
zeit nicht mit unnotigem gespräche verlieren! Mir wird nützlicher sein / zu
vernemen / was euch / seit dem wir einander nicht gesehen / begegnet / und was
diese heimliche hieherkunft von Babel bedeute? Wann ich (antwortete er) E. Maj.
sagen sollte / was ich in Bactra für marter ausgestanden / von meiner
unvergleichlichen Delbois entfernet zu leben / würde ich / wegen unmoglichkeit
es recht vorzubringen / bei dem ersten anfang verstummen. Von dem glücklichen
fortgang der Assyrischen waffen / in diesem nunmehrgeendeten Bactrianischen
kriege / ist unnötig / viel fürzubringen: weil E. Maj. nicht unbekant sein kann
/dass nunmehr dieses grosse reich keinen andern König / als den grossen Belochus /
erkennet. Warum ich aber meine Konigin allhier zu sprechen verlanget / wäre ein
überfluss / E. Maj. die ursach zu sagen / weil die sich selber gnug erkläret.
    Ihr seit viel zu gut / (sagte die Königin) dass ihr mir nicht einbilden
soltet / wie dass euch meine abwesenheit betrubet; auch viel zu grossmütig / eure
heldentaten selber mir zu erzählen; und dann viel zu ehrerbietig / die ursach
eurer ankunft mit ihrem rechten namen zu nennen. Ich kann mir ja alles wohl
einbilden /und habe ich es nur auch von euch vernemen wollen. Weil aber eure
demut und ehrerbietung euch solches verwehret / als will ich es mir selber in der
kürze erzählen. Abimelech hat keinen tag hingehen lassen /dariñ er nicht an mich
gedacht / darin er nicht einige änderung meines gemüts befahret. Das ganze
Bactra ist unter die Assyrische macht / durch Abimelechs unvergleichliche
dapferkeit / gerahten. Abimelech hat mich hier heimlich sprechen wollen / üm
mich in keine neue ungelegenheit bei meinen herr vattern zu bringen / und
dadurch so wohl die gewissheit meiner beständigkeit / als die notwendige
geheimhaltung unserer liebe / zu erfahren und zu befördern. E. Maj. (versezte
der Prinz /) haben ja alles nach meinem sinn und wissen erzählt / auser einem
einigen / welches ich widersprechen muss: Bactra ist durch mein Glück /und nicht
durch meine geschicklichkeit / der Assyrischen gewalt unterwürfig worden. Weil
im übrigen meine künheit E. Maj. ohne mein ferneres bekennen /bekant ist so will
ich auch nun auf den knien von E. Maj. vernemen / was ich in meiner liebe ferner
zu hoffen habe.
    Hiemit fiele er ihr zu fusse, sie aber / ein wenig errötet / hube ihn auf /
und sagte: Stehet auf / mein Prinz! und versichert euch / dass eure liebe mir
nicht zuwider ist. Ach! und ich darf solches hoffen? fragte der erfreute Prinz.
Ob es wohl / (wiederholete sie /) euer unglück ist / so will ich doch / dass ihr
hierin tut / was euch beliebet: und erlange ich einst die freiheit /nach meinem
willen einen Ninivitischen König zu erwählen / so soll keiner / als Abimelech /
darzu gelangen. Diese worte / gleich wie sie von der Königin nicht sonder
bewegung fürgebracht / wurden hinwiederum von dem verliebten Prinzen mit solcher
entzückung angehöret / dass er in langer zeit seiner sprache nicht meister werden
konnte / sondern / ganz aus sich selber / ohne unterlass ihre zarte hånde zum mund
furete / und dieser freiheit / in erkennung seines grossen gluck es / sich
gebrauchete. Weil er aber sich dabei der worte erinnerte / mit denen die Konigin
ihre erklärung auf sein unglück gedeutet / schauete er sie deswegen ganz
beweglich an / sagende: wie soll ich dieses verstehen / grosse Königin! dass E.
Maj. mein höchstes Glück für mein unglück halten?
    Ach Abimelech! (antwortete die schöne Delbois /) erkennet ihr nicht das
unheil / so euch hieraus entstehet. Wird auch der Konig euer herr vatter seinen
willen darein geben / dass ihr / als sein einiger sohn und kron-Prinz / ein
fromdes weit-entferntes reich zu regiren / mich heuratet? dann dieses bloss in
seiner bewilligung beruhet / und ohn dieselbe werde ich nimmermehr / so gefållig
ihr mir auch seit / euch ehlichen köñen. Wordurch sollen auch meine mächtige
Niniviten gezwungen werden / euch zu ihren König zu erwählen? mit was
widersetzungen werden sie teils ihre eigene hofnung / mich und die kron zu
erlangen /fahren lassen? Und wie wird mein herr vatter leiden können / dass
Ninive / welches er allein seinem sohne gönnet / durch eine frömde heurat / von
Assyrien abgerissen werde? Wo ist eure macht / ohne euren herr vatter / mich
sowol von der Niniviten als Assyrier macht zubefreien? Ist nicht diese liebe /
besagter und anderer ursachen halber / ein solcher abgrund betrubter
widerwärtigkeiten / dass ich wünschen sollte / weil ich euch so gut bin / dass ihr
von derselben abstundet /und für mich die Prinzessin Cölidiane liebetet? Ach E.
Maj. erlauben mir / (unterfuhre ihr der beunruhigte Prinz) dass ich diese dero
rede abreisse. Wie ist es moglich / dass meine Konigin ein solches mir wünschen
kann / wofern sie recht meine liebe erkennet? Solte ich fähig sein konnen / meine
liebe von meiner Delbois an ein anders ort zu verwenden? Solte mich ein
befahrtes ungluck abhalten / dero slave zu sterben / die ich allein von kindheit
an / als meine einige gebieterin / verehret? das sei ferne! Eher will ich mich
des ganzen Philister-lands / und der gnade meines vatters / verzeihen.
    Haltet ein! haltet ein! (riefe hier die Königin) und lasset eure blinde
liebe nicht so mächtig sein / euch sündigen zu machen. Erhaltet die kindliche
ehrerbietung in eurem herzen / und gläubet nicht / dass ich euch mehr lieben
könnte / wann ihr aufhören wurdet /tugendhaft zu sein. Abimelech / der sich
immittels wieder erholet / entschuldigte diese rede mit der häftigkeit seiner
liebe / und fügte hinzu: sie möchte nur Gott lassen walten / und niemals ihre
Meinung ändern / ihme gnädig zu verbleiben / ob schon sein unglück so grosse
hindernisen seiner vergnügung entgegen stellete. Er bate ferner / dass sie ihrer
/ ehedessen zu Sephar beim abschiede getanen / und iezt-wiederholten zusage
eingedenk verharren wollte? Dieser zusage (antwortete die Königin /) werde ich
mich allezeit erinnern / bin auch entschlossen / die zu halten / so bald ich
werde macht über meinen eigenen willen bekommen / und unsere eltern entweder
derselben beifallen /oder sie nicht verhindern werden. O uberzuckertes unglück!
(riefe hierauf der Prinz) wie seelig wäre ich /wañ ich dieses versprechen / ohne
diese beide harte knoden / anhoren dorfte? und wie meisterlich verstellet sich
mein ungluck / da es mich / unter dem scheine des seeligsten / in der tat den
armseligste von der welt machet!
    Was wollet ihr dañ / (fragte die Königin /) dass ich mehr bei dieser sache
tun solle? Ich bitte euch /nemet eure vernunft recht zu raht / und schlaget mir
dann selber eine bässere Entschliessung für. Sol ich euch / wider meines herrn
vattern willen / heiraten? Obwol / (antwortete der verliebte Abimelech /) mein
herz hierzu ja saget / so weiss ich doch / dass ohne des Belochus willen E.M. mich
nimmermehr so seelig machen werden. Wollen aber E.M. ihrem herr vattern
gehorchen / und sich mit dem Prinzen Baleus ihrem bruder verehlichen? Keines
wegs! (erwiderte die Königin) weil solches wider das Göttliche recht laufet.
Hieraus aber folget nicht / dass ich in andern dingen meinen schuldigen
kindlichen gehorsam meinem herr vattern entziehen sollte: gleichwie auch ihr /
mein Prinz! verbunden seit / dem König der Philister vermög der natur zu
gehorchen. Was hat denn endlich /(fragte der betrübte Prinz) der arme Abimelech
zu gewarten? Dieses / mein Prinz / (antwortete die Königin) dass seine Delbois
seine liebe mit treuer gegen-gunst stets erkennen / auch niemals heiraten will
/wann der himmel den Abimelech nicht sollte dazu ausersehen haben. Dieses sagte
die Konigin mit nassen augen: und Abimelech fiele ihr abermals zu fuss / und
konnte / zugleich fur wehmut und vergnügung / kein wort sprechen.
    Wie sie ihn aber nach dem wieder aufgehoben /sagte sie: Ich sorge / unsere
vergnügung mache uns der stunden vergessen. Es wird wohl zeit sein / wieder nach
der gesellschaft zu gehen. So wollen E. Maj. /(sagte Abimelech /) nach dem sie
abermals mich mit einer unverdienten entschliessungs-gnade so hoch beseeliget /
nun gleich darauf mit beraubung ihrer gegenwart mich wieder unglücklich machen?
wir können ja / (antwortete die Königin) dieser gelegenheit /zusammen zu kommen
/ uns ofter bedienen. Mein zustand / (gabe er zur antwort /) will mir solches
nicht vergönnen. Ich bin genotigt / morgen gleich wieder zu meinen völkern in
Mesopotamien zu gehen / weil der Prinz Baleus mit meinen heer daselbst erwartet
wird: dannenhero mir unverzüglich obligen will / mich bei ihnen sehen zu lassen.
Ich bin / sobald ich vernommen / dass E. Maj. den schluss gefasset / in Damascus
zu kommen / hiehergereiset / üm aus meiner Königin schonstem munde / entweder
mein leben / oder meinen tod zu vernemen. Lebet / edler Prinz! (sagte die
Konigin /) und glaubt mir / dass ich auch euretwegen diese reise hieher
übernommen habe. Dann / wie ich mich dadurch in etwas für meinen Ninivitischen
Fürsten in freiheit gesetzet / also hoffe ich / meines bruders beständigkeit
werde endlich auch den König dahin bringen / meine wahl mir frei zu lassen / und
dieselbe durch seine ansehnliche macht gegen die Niniviten befördern zu helfen /
wann auf den fall der Philister König nicht beistimmen wollte.
    Hierauf nötigte die Königin den Prinzen / ihr kürzlich zu berichten / was
ihme in Bactra und nachgehends zu Babel begegnet. Also erzehlte er ihr / wie er
die Prinzessin Cölidiane / aus des Prinzen Bileams von Hemath händen befreit;
wie das reich Bactra /durch den tod seines Königs / nun vollig Assyrisch worden;
und wie man ihme zu Babel sehr grosse und ungemeine ehre erwiesen. Hierbei
erzehlte er / wiedass auch Dalimire ihre ehmalige ungunst sehr verborgen gehalten
/ und ihm solche liebkosungen bezeiget / dass er fast vermute / ob nicht
dieselbige guten teils mit verursachet / dass er / bald nach seiner ankunft / mit
dem kriegsheer nach Mesopotamien gehen mussen: daselbst man iezt neuen befehl
von hof erwarte / was mit den völkern soll fürgenommen werden.
    Unter wårendem diesem gespräche / begunte es allgemach dunkel zu werden:
weswegen die Konigin endlich die unterredung abbrache / und abschied von dem
Abimelech name / der hofnung lebend / er wurde mit dem Prinzen Baleus auf das
erste wieder nach Damascus kommen.
    Indem sie nun nach dem Cimber und der Timna zurücke gingen / sagte Abimelech
zu seiner Konigin: wiedass er sie / bei diesen ümstånden / unmüglich allein
lassen künte; würde sie also vergönnen / dass in seinem abwesen der Prinz Cimber
bei ihr bleiben dörfte / auf den sie sich in allen notfällen zu verlassen håtte
/ als deme an dapferkeit und scharfem verstand wenige zu vergleichen wären. Weil
diese worte der Cimber mit angehöret / als kunte die Konigin dem Abimelech nicht
sagen / was ihr von diesem Prinzen ahnete / sondern sie name es allein mit
grosser erkåntnis an / dass selbiger bei ihr verbleiben sollte: der dann selber /
mit so sonderbarer guter art / der Konigin seine dienste anbote / dass sie sich
verpflichtet befunde / ihme gleichvolkommen ihre gewogenheit und hochhaltung zu
geben. Als sie nun / nicht sonder betrübnis / die beide Prinzen verlassen / und
Timna die Königin wieder zur gesellschaft begleitet hatte / weil ihre Aramena
mit den Ninias / denselben beiseit zu füren / sich vergangen hatte: begabe sich
/ diese Fürstin von Seir / unvermerkt wieder zu dem Abimelech und Cimber / name
sie beide / nachdem die Koniginnen und die andere gesellschaft meist aus dem
garten war / auf ihren wagen / und fuhre also eiligst nach ihrem hause.
    Sie waren nicht weit mehr davon / als sie an einer brücken viele wågen und
pferde antraffen / die ihnen den weg verängerten. Weil nun ihr fürer ungefår
einem diener / der zu diesen frömden wägen gehorete / an den leib rennte /
entfande es derselbe so übel /dass er gar ungeburlich schmåhete: weswegen der
Fürstin Timna dienere ihn mit ihren stäben weidlich abprügelten. Dieser aber
riesse den seinen zu / üm hülfe: welche dann gleich herbei liefen / und den
fürer aus den wagen anfielen / also dass er herab springen musste. Diesen frefel
auf öffentlicher straffen / konten die Prinzen nicht leiden / sprungen also mit
entblöstem gewehr aus den wagen / vor diesem lumpen-gesinde ihnen freien weg zu
verschaffen: welche in starker anzahl auf sie ankamen / also dass sie / ohne ihre
grosse dapferkeit / fur der menge hätten erligen mussen. Endlich aber kame auch
der herr dieser dienere dazu / den seinigen beizustehen: da dann Abimelech
seinen degen gegen ihm wenden musste / und bei ihm so grossen widerstand fand /
dass er / dessen gewaltige streiche aus zu nemen / aller seiner stärke und
geschiklichkeit vonnoten hatte. Ihr gefechte daurete /ohne eines oder des andern
vorteil / zimlich lang: bis endlich / aus der Furstin Timna palast / ihre leute
mit fakeln dazu kamen / üm ihre Fürstin einzuholen.
    Diese leuchteten / dem Abimelech und seinen dapfern gegenteil / nicht so
bald unter augen / da erkennten sie einander / und liesse Abimelech sein gewehr
fallen / üm den Fürsten von Edom den grossen Esau zu ümarmen. Dieser / seinen
herzens-freund so unvermutlich antreffend / wusste nicht / was er vor freuden
fürbringen sollte: und begunte hierauf sich einer gegen den andern zu
entschuldigen / dass sie so feindlich einander begegnet waren. Die erschrockene
Timna / so mitlerweile neben ihrer jungfrau in ängsten geschwebet / liess nun
ihre furcht wieder fahren / und erwartete den ausgang dieses handels etwas
ruhiger. Als aber Abimelech den Esau berichtet / wiedass seine diener eine
Fürstin / die er nach ihrem palast begleiten wollen / aufgehalten / ward er uber
dieselben sehr erzürnet. Und wie er überaus höflich gegen dem frauenzimmer war /
also liefe er gleich an den wagen / sich wegen dieser gewalttåtigkeit zu
entschuldigen. Timna / so mit einem flor ihr angesicht bedecket / verwehrete
damit / dass der Fürst von Edom sie nicht erkennen konnte; und beantwortete des
Esau entschüldigung / so gut es ihr der schrecken / wegen ersehung seiner person
/ zulassen wollte. Weil nun Abimelech die kurze zeit / so er bei diesem Fürsten
sein kunte / nicht verscherzen wollte / als bate er die Timna / ihm zu erlauben /
dass er die nacht bei dem Esau verbleiben möchte: welches sie dann gern geschehen
liesse / und sehr eilete / dass sie nur bald hinweg käme / bevor der Esau sie
erkennen möchte.
    Als sie demnach mit den Cimber davon gefahren /begaben sich Esau und
Abimelech in das nächste haus / da der Fürst von Edom seine einkehr genommen
/und waren beide voll freuden / dass sie also unvermutlich einander wieder zu
sprechen bekamen: wie dann hierüber Abimelech eines teils / wegen genommenen
abschiedes von seiner Konigin / seiner betrübnis vergasse / und Esau / uneracht
seines zustandes / die traurigkeit auf eine zeitweile verbannete. Ein jeder
wollte von dem andern wissen / was geschicke ihn hieher brächte? Abimelech / des
Esau ungedult erstlich zu stillen / erzehlte ihm / nicht allein den
Bactrianischen krieg / sondern auch den zustand seiner liebe; worauf der
betrubte Esau seufzend sagte: Ach mein Prinz! wie unterschieden sind doch die
berichte / so wir einander von unserem zustand iezt erteilen können! Von euch
höre ich nichtes / als sieg / und eine glückliche liebe: hingegen weiss ich
nichtes anders zu berichten /als von unglücklichen waffen / und von bedrangnis
der jenigen / die ich liebe. Ach Abimelech! wie findet ihr mich wieder / und wie
hat sich mein zustand verändert / seit der zeit wir einander in Edom das lezte
mal gesehen?
    Weil Abimelech / als eine lange zeit und so weit in Bactra entfernet /
hiervon noch nichts erfahren hatte /als erzehlte ihm Esau / auf sein inständiges
bitten /nach der länge: In was schweren krieg er mit dem Fürsten vom gebirge
Seir gerahten; wie alle Könige von Hevila / Saba und Arabien seinen feinden
beistünden; wie seine drei gemalinnen gefangen; wie fast sein ganzes land in der
feinde gewalt; wie alle Cananitische Könige grosse hülfe wider ihn in Edom
schicketen; und wie er deswegen hieher gekommen wäre /den König Belochus von
Assyrien / und die schöne Königin von Ninive / üm eiligste hülfe anzuruffen /ohn
welche es mit ihm ganz aus und getan sein wurde. Von dieser lezten (fuhre er
fort zu reden /) vermute ich gewissen beistand / wann sie nämlich wissen wird /
dass der Prinz Abimelech mich liebt. Ich hatte wohl vermeint / der Hanoch / so
dieserwegen nach Babel gegangen / würde die ehre gehabt haben / euch mein Prinz!
alda zu sehen; und ich warte mit schmerzen auf seine nachricht / was ich von dar
zu hoffen habe.
    Was mich anbelanget / (antwortete Abimelech /) so bin ich so wenig zeit zu
Babel gewesen / dass ich leichtlich des Hanochs verfehlen künnen. Ich zweifele
aber nicht / der König von Assyrien werde des grossen Edoms ehmals wohl-genossener
dienste sich erinnern /und solches iezt mit beistand und hülfe tätlich wieder
erkennen. Was meine unvergleichliche Königin betrift / so weiss ich gewiss / sie
wird hiebei tun / was ihr möglich ist. Und wollte Gott! dass sie / oder der
Belochus mich so glücklich macheten / ihre hülf-völker zu füren: ich wollte
sicher dem grossen Edom erweisen /wie begierig ich bin / ihme mit muht und blut
zu dienen. Hiermit ümfassete er ihn nochmals / und Esau dankete ihm für sein
grosmütiges erbieten / sagend: dass / mit so einem helden / er sich bald wieder
einen herrn seines landes zu sehen verhoffete.
    Als nun ferner Abimelech / unter andern gesprächen / berichtete / wie dass er
notwendig morgen in aller frühe wieder nach dem lager abreisen müste / betrübte
so schleunige absonderung den Esau nicht wenig: weil er befahrete / dass er bei
der Königin von Ninive niemand haben würde / der sein wort spreche. Aber
Abimelech versicherte ihn / dass er von der Königin Delbois so hoch uñ wehrt
gehalten würde / dass weder der Statalter von Syrien / noch die Timna /noch
Ahalibama / als seine feinde / ihm einigen schaden tun konten. Hierauf
entdeckete er ihm / dass es die Timna gewesen wåre / die er in dem wagen
gegrüsset: gegen welche er dann seinen unwillen blicken liesse / und sie die
urheberin dieses krieges neñte; wiewol Abimelech sich sehr bemühete / diese
Fürstin /wie auch den Fürsten Eliphas seinen sohn / gegen ihn zu entschuldigen.
    Als sie nun solcher gestalt fast die ganze nacht mit gesprächen zugebracht
hatten / namen sie endlich abschied vonsammen / beide der hofnung lebend /
einander bald wieder zu sehen. Abimelech begabe sich nach dem palast der Timna
zu seinem Cimbere den er / wegen einer gestrigen abends entfangenen wunde /in
der kamer noch auf dem bette fand / wiewol dieselbe gar gering war / und ihm
nur auf etliche tage das ausgehen verwehrete. Weil Abimelech / vor seiner
abreise / an seine Konigin schreiben / und der Timna die schrift zustellen wollte
/ als setzete er sich über / und machete folgende zeilen eine wachstafel
verwunden.
Nicht sonder pein verlass ich diesen ort /
da alles / was mir leben gibt / verbleibet.
Die sichre lieb / die will / ich soll gleich fort:
sie mit gewalt von hier mich treibet.
Hingegen will die wahre liebe nicht /
dass ich mein gluck so eilig soll verlassen:
Sie sagt / es sei ganz wider meine pflicht /
mich selbst aus fursicht so zu hassen.
Was soll ich tun? zwo liebe rahten dar:
die eine / ist geblendt / und mich verblendet;
Die andre siht / und weist mir / die gefahr;
Die erste alle sorg abwendet.
Nun beiden gnug zu tun / so scheid' ich ab:
damit nicht die gefahr mir ewig wåhre;
zu folgen der / die ich zum liebsten hab /
die ich / ob sie mich plagt / verehre.
    Als er dieses verfärtiget / zeigete er es dem Cimber / sein gutdunken
darüber vernemend / ob er seine gedanken also gnugsam ausgedrücket? Cimber sagte
/ er håtte es nicht bässer geben können; und name daher gelegenheit / ihn zu
fragen: ob er in seiner liebe vergnügt wäre? Ich bin beides / mein freund!
(antwortete Abimelech /) ja so glückseelig / als unglückhaft. Wie kann das wohl
(fragte Cimber) zusamen stehen? Ganz wohl! (wiederholete Abimelech) dann die
Königin liebt mich über meine würdigkeit / und hat mir die versicherung gegeben
/ mir ewig beständig zu bleiben. Ach mein freund! (fiele Cimber ihm ins wort /)
wer also seelig ist / was will der von unglück sagen? Er klaget billig /
(versezte er /) wann er keine hofnung sihet /jemals dieser versicherung vollig
zu geniessen: Dann die Königin will mich niemals / ohn unser beider vätere
einwilligung / glücklich machen / und begehret lieber zu sterben / als derer
willen entgegen zu leben. Bin ich nun nicht zu beklagen / da der König von
Assyrien so wenig / als der Philister König / bei ietzigen umständen / gönnen
werden / dass diese unsere heurat geschehe.
    Ach Abimelech! (antwortete Cimber / seufzend) alles dieses kann dir dannoch
den namen eines gluckseligen nicht rauben / weil du ihrer gunst versichert bist.
Du hast / wann du weist / was recht lieben ist / bereits die höchste
vollkommenheit erlanget: und wie seelig würde sich mancher schätzen / wann er
jemals hoffen könnte / in feiner liebe so weit / wie du / zu kommen. Das
menschliche herz (sagte Abimelech) ist niemals zufrieden / und will immer mehr
glückseligkeit haben /als ihm der himmel gonnet. Anfangs hätte ich auch wohl so
gesaget / ehe ich meiner Königin gegenliebe versichert war. Nunmehr aber / da
ich dieser hohen gnade geniesse / doch ohne hofnung / iemals zu volligem genuss zu
gelangen / erkenne ich / dass mir diss alles wenig nutzet / und dass ich ja so
elend bin / als der jenige / der ungewiss liebt / und nicht weiss / ob seine
liebe wohl angewendt ist. Ach wie ein grosser unterschied! (riefe Cimber /) wie
wollte ich dir das gegenspiel erweisen / wann wir zeit hätten! Ach nein! wer
liebt / der wünschet geliebt zu werden: hat er das erlanget / so darf ihn nach
nichtes mehr verlangen. Als / nach diesem / (täte Abimelech hinzu) seiner liebe
zu geniessen.
    Cimber wollte wieder antworten / als der Ahusat darzu kame / und sie ihr
gespräche åndern machte: massen derselbige nicht allein den Prinzen der
Philister anmahnete / dass es zeit sein würde / hinweg zureisen / sondern auch /
von seiner selbst-eigne fürhabenden reise nach Gerar / mit ihm vollends abrede
name. Hierauf bate nun Abimelech den Cimber nochmals / zeit wårender seiner
abwesenheit / seiner liebsten Königin fleissig aufzuwarten / ihr stäts bei
gelegenheit von ihm fürzusagen / und wann auf allen fall sie seines beistands
benotigt wäre / ihr solchen völlig zu erteilen. Nachdem der Cimber solches
seinem freund versprochen / umarmeten sie einander: und täte Abimelech folgends
dem Ahusat gleichmäsige bezeugung einer herzlichen freundschaft / ihm zugleich
ein- und anders auftragend / so er zu Gerar seinen Eltern sagen sollte. Du wirst
aber / mein Ahusat! (fügte er låchlend hinzu) so eilig von Damascus nicht
reisen / bevor du die Prinzessin Ammonide gesprochen habest. Wie dieses der
Ahusat beantworten wollte / wurde er gewar / dass Cimber ganz errotete /und
beängstigt den Abimelech fragte: ob dann die Prinzessin von Ammon in Damascus
wåre? Wie nun der ihm ihre anwesenheit berichtet / bliebe Cimber in tiefen
gedanken. Ahusat aber / hierdurch ebenfalls sehr beunruhigt / sagte zu dem
Abimelech: Wie dass /eine so grosse Prinzessin / sich wenig nach ihm ümsehen
würde. Hiermit / als alles zur abreise des Prinzens der Philister fårtig war /
und er die Fürstin Timna bereits ausgestanden und angekleidet zu sein erfuhre
/ginge er / abschied von ihr zu nemen / und seine reimen an seine Königin ihr zu
entfehlen. Wie sie nun hiermit sich gern beladen / und sein wort bei der schönen
Delbois zu füren / ihme überflussig verheisen hatte / schiede dieser verliebte
Prinz aus Damasco hinweg: wiewol seine gedanken hinter ihm bei seiner Königin
verblieben.
    Timna liesse hierauf gleich ihren wagen anspannen /üm nach hof zu fahren:
weil sie wohl wusste / wie sehr die Königin von Ninive nach ihr verlangen würde.
Sie fand dieselbe ganz allein / da sie ihren gedanken /wegen Abimelechs / gehör
gabe. Ist er hinweg? fragte sie. Ja gnädigste Konigin! (antwortete Timna /) und
hat er mir dieses zugestellet / es E. Maj. neben seiner demütigsten anbefehlung
/ einzuhändigen. Hiemit überreichte sie / der Königin / die reimen; welch
dieselben höchstbegierig durchlase / und endlich sagete. Ach! mochte er nur
stäts der vorsichtigen liebe folgen! so wurde mich minder angst anstehen. Ich
beklage aber wohl von herzen dieses edlen Prinzen geschicke / das mich ihn zu
lieben zwingt / und doch ihn deshalben soviel ungemach ausstehen machet. Ach!
dieser grosse held wäre viel eines bässern gluckes würdig: dass ich also wunschen
mochte / ich könnte ihn / zu beförderung seiner ruhe / hassen / weil meine liebe
ihn unglückselig machet. Diesen wunsch (antwortete Timna) lasse des himmel nie
erfüllet werden! Ich weiss / dass Abimelech sich lieber stäts auf diese art
unglückselig / als auf die andere weise einen augenblick glückselig wünschet.
    Indem kame die Ahalibama zur Konigin: deren sie sobald des Abimelech
zurückgelassene reimen zeigete; dann sie für dieser herzensfreundin nichts
verborgen hielte. Hierauf erzehlte Timna ihre gestrige abendbegegnis / und auf
was wunderliche art der Fürst von Edom zu ihnen gekomen wäre. Gleichwie nun die
Königin, hiervon einen schrecken entfienge /dass Abimelech in solcher gefahr / so
wohl seines lebens / als offenbaret zu werden / sich befunden: also wurde sie
anbei erfreuet / über der ankunft des Fürstens von Edom. Demnach sagte sie zur
Ahalibama: Ihr müsst mir / werteste Prinzessin! nicht verübeln /dass ich eurem
feind wohl will; massen ich so viel ursach dazu habe / wie euch nunmehr nicht
unbekant ist / dass ich hoffe / ihr werdet es entschuldigen / und darüm kein
mistrauen in meine ware freundschaft setzen. Der Furst von Edom (antwortete
Ahalibama /) ist E. Maj. gnade so wurdig / dass ich unrecht daran täte / wann
ich ihm dieselbe misgonnen wollte. Ich bin /durch mein ungluck / solcher gestalt
allem abgestorben / dass ich meines vatterlandes bästes wenig mehr achte: massen
fortin Ninive mein vatterland / und die geheiligte jungfrauen in der Diana
tempel meine anverwandten sein sollen. Da behüte Gott für! (antwortete Delbois
/) diese Entschliessung soll sich bald ändern. Sonsten aber / (fuhre sie fort /
und ümfassete damit diese beide Furstinnen von Seir) bin ich froh /dass die
wolgewogenheit / die ich zu dem Esau trage /mich nicht unfähig machet / diese
beide meine liebe Furstinnen dannoch zu freundiñen zu behalten.
    Als sie nun solche worte mit einem kuss / womit sie diese beide beehrete /
bekräftiget / name sie ihr für /die Königin von Elam anzusprechen. So bald sie
nun solches furhabens aus ihrem zimmer getreten / fand sie ihre meiste
hof-bedienten davor versamlet / und bote der Fürst Ninias ihr gleich die hand /
sie über den Königlichen schlosshof nach der Königin von Elam palast zu füren.
Das pracht-aussehen der herrlichen gebäude / die in grosser anzahl diesen weiten
platz in die vierkante ümschlossen / war so verwunderbar / dass nichts schoners
mochte gesehen werden. Und weil / gewonlich um die küle morgenzeit / eine grosse
leutmänge auf diesem platze lustwandeln ginge / als hatten sie dissmal die
vergnügung / die wunderschone Ninivitische Königin zu betrachten: Dann alle
Syrer ihr fast göttliche ehre antäten / weil sie zwischen ihrer verstorbenen
Königin Philominde und dieser Delbois eine so grosse gleichheit fanden / dass sie
in ihr die vorige liebeten und verehreten. Als nun die Königin von Ninive in den
untern saal / allwo man ihr gesaget / dass die Königin Lantine wäre / eingetreten
/fand sie dieselbe in åmsigem gespråche mit einen ihr-unbekanten ritter. Die
Ammonide ware auch in diesem saal / welche mit dem Ahusat redete / und ganz
errötete / als sie die Konigin von Ninive also unversehens eintreten sah. Sie
liefe gleich nach der Königin von Elam / diese ankunft ihr anzusagen: die dann
der Delbois eiligst entgegen kame / und zum höchsten sich entschuldigte / dass
sie / wegen ämsigkeit ihres gespräches / diese unhöflichkeit begangen /und sie
nicht bässer entfangen håtte.
    Als die Delbois / wie dass diese entschuldigung unter freunden ganz uñotig
sei / geantwortet / wurde sie von dem frömden ritter begrüsset: dessen namen ihr
die Lantine offenbarete / dass es nåmlich der feldherr ihres verstorbenen bruders
/ der Hadoran / wäre. Die Königin von Ninive erwiese hierauf diesem ritter alle
ehre / und bezeugte ihre sonderbare vergnügung /ihn also von person zu kennen /
von dem ihr das gerüchte so viel gutes berichtet hatte. Es ist mir aber leid /
(sagte sie ferner / sich zur Lantine kehrend /) dass ich meine base in ihrer
unterredung verstoret: massen ich mir leicht einbilden kann / dass dieselbige
werde von sonderbarer wichtigkeit gewesen sein. Er hat mir nichtes gesaget /
(antwortete Lantine /) dass die Konigin von Ninive nicht auch wissen dörfte. Wir
redeten von dem unglückseligen Amraphel / und hat dieser Hadoran / der gleich
von Babel angekommen /und der Konigin meiner frau mutter wunde von neuem
erfrischet / mir den zustand meines reiches eröfnet /da die Elamiten meine
regirung inständig suchen und begehren. Durch dieselbe / (antwortete Delbois /)
wird auch der Elamiten grosser verlust am bästen wieder ersetzet werden. Als nun
Lantine solches hoflich beantwortet / brachte der Hadoran der Delbois einen gruss
an / von dem König in Assyrien ihrem herr vattern / und von dem Prinzen Baleus
ihrem bruder: von welchem letzern er berichtete / wiedass er bald kommen / und
der Königin aufwarten würde.
    Ich mochte wünschen / (sagte Delbois) dass der Prinz mein bruder wäre
glücklicher gewesen / dem König von Elam in Ophir dienste zu leisten. Nun aber
der schluss des himmels es also geschicket / will ich dem feldherrn Hadoran und
allen Elamiten glückwünschen zu ihrer neuen Königin. Hadoran neigete sich
hierauf mit dem haubte zur erden / und seine Königin gar beweglich anschauend /
erwiese er gnugsam / wie hoch er in seinem herzen dieselbe verehrete. Weil aber
/ die erneuerte betrübnis der Königin von Tyro /der Delbois gar sehr zu herzen
ginge / als erbote sie sich / die Lantine nach dieser ihrer frau mutter zu
begleiten / wie sie vername / dass sie dieselbe zu besuchen willens ware. Sie
fanden diese betrübte Königin auf dem bette / und zwar in tränen sich gleichsam
badend. Ihr werdet mir (redte sie die Konigin von Ninive an) meine tränen nicht
übel nemen / die ich üm einen so lieben sohn vergiesse / als mir der König von
Elam gewesen. Es dienet mir aber / in meinem leidwesen / dieses nicht zu
geringem troste / dass ich auch an euch eine sonderbare traurigkeit hierob
verspure. Delbois versicherte sie hierauf / wiedass sie freilich dieses dapfern
Konigs verlust von herzen betaure.
    Gleichwie nun den betrübten nichtes angenemer ist / als von ihrem leidwesen
zu reden / oder reden zu hören: also begehrte die Königin von Tyro / dass der
Hadoran ihne ümståndlich erzehle sollte / wie des Amraphels traurige begebenheit
in Ophir sich angefangen und geendet. Hadoran weigerte sich zwar dessen / aus
ursache / dass durch solche erzehlung der Konigin schmerzen nur würden vermehret
werden. Als sie aber von diesem begehren nicht abstehen wollte / sonderlich /
weil sie an der Konigin von Ninive auch eine begierde verspürte / den
wunderbaren lebenslauf dieses Konigs zu vernemen: als musste Hadoran ihrem befehl
und verlangen ein genügen leisten. Wie nun die beide Königinnen / neben den
beiden Prinzessinnen /dem Prinzen Tiribaces / der Fürstin Timna / dem Ninias /
und andern anwesenden / üm der Königin von Tyro bette / auf ihr begehren / sich
gesetzet: fienge Hadoran an / seine rede an die Königin von Ninive richtend /
folgender massen zu erzählen / die
                Geschichte des Königs Amraphel und der Indaride.
Wer die unvergleichliche tugenden und den helden-mut meines verblichenen Königs
gekennet / wird mich nicht verdenken / wann ich seine lebens-geschichte / die
auf so traurigen todesfall hinaus gelaufen / an statt zierlicher worte / mit
heissen tränen fürbringe: massen mir / in betrachtung der vielfältigen gnaden /
die ich von kindheit auf von ihme genossen /mein kriegerisches gemüte die
bewegungen nicht verwehren kann / die sonsten den soldaten übel anstehen; und muss
/ bei solchen trauerfällen / als dieser ist / alle grossmut aufhören / und auch
ein steinernes herz in tränen zerfliessen. Also werden dañ / die hohe
anverwandten meines Konigs / von dieser meiner erzehlung wenig trostliches zu
gewarten haben: auser diesem /dass sie erkennen werden / wiedass des
unvergleichlichen Amraphels nachruhm nimmer sterben könne / ob gleich das
grausame geschicke diesen Helden / in seiner bästen blüte / der welt entzogen
hat.
    Dieser mein Herr wurde / den Elamiten zu unbeschreiblicher freude / von
gegenwärtiger edlen Königin an das tagliecht geboren / in der stadt Climais / da
der König Obal sein herr vatter eben hof hielte: welcher / wie er aller
notleidenden hülfe und der verlassenen beistand jederzeit gewesen / auch meinen
eltern /da sie aus dem Königreich Moab fluchtig werden mussten / in seinem reiche
aufentalt gegönnet. Ich wurde dem kleinen Prinzen gleich zugegeben / und wie
sein bruder mir ihm auferzogen: der dann seine gnade mir straks so vollkommen
zugewendet / dass ich deren unveränderlich sein lebenlang genossen habe. Ein jahr
nach seiner glücklichen geburt / gabe ihm der himmel eine schwester /
gegenwärtige nunmehr meine gnädigste Königin: die dann nicht weniger freude dem
land verursachete. Es erfolgete aber bald darauf der klägliche todesfall des
Königs Obal / welcher die Elamiten in allgemeines trauren setzete: weil sie nun
ein kind zum König hatten / und / die Assyrische macht fürchtend / der
Königlichen wittib / als einer Assyrerin /die obsicht über ihren unmündigen sohn
nicht gestatten wollten / damit sie nicht / ihrer damaligen einbildung nach /
unter Assyrien geraten mögten.
    Dieses mistrauen ginge der Königlichen mutter /wie billig / so zu herzen /
dass sie zur andern heurat schritte / und an dem König von Zor in der stadt Tyro
sich vermälen liesse: welcher sie in sein reich fürete /und also den Elamiten die
freiheit liesse / ihrem jungen König vormündere zu ordnen. Wie schmerzlich es
aber der Königin fiele / ihren kleinen sohn also in Elam zu rücke zu lassen /
hat sich hernach sattsam erwiesen. Dann es waren kaum zwei jahre verstrichen /da
wurden gesandte nach Elimais abgeordnet / welche auf das allerbeweglichste die
stånde ersuchen mussten / ihrem jungen König nach Tyro zu verlauben / dass er
daselbst erzogen wurde: massen sie ja leicht erachten könten / dass die Konigin
von Tyro / als sein frau mutter / die bäste sorgfalt / ihn wohl aufzubringen /
haben würde. Nach langer widersetzlichen weigerung /wurde der Konigin verlangen
erfüllet / und mein König mit seiner kleinen hofstatt / worunter auch ich ware /
nach Tyro geschicket / dass er alda seiner Kindheit entwachsen sollte. Es wurden
ihm aber etliche weisse männer zugeordnet / und ihnen / auf seine erziehung ein
wachendes auge zu haben / anbefohlen. Wie frölich man in Tyro über unser ankunft
worden /ist leicht zu ermessen: und gewanne der Konig von Zor diesen seinen
stiefsohn so lieb / dass er zwischen seinen Kindern von der vorigen Ehe / wie
auch zwischen dem Prinzen Tiribaces / (welcher kurz nach unserer ankunft geboren
wurde /) und ihme / keinen unterschied machete.
    Die schöne herrliche gestalt / neben dem unvergleichlichen verstand und
edlen gemüte / name von jahren zu jahren bei dem Amraphel also zu / dass die
Elamiten / durch das gerüchte hiervon gereitzet /kaum der zeit erwarten kunten /
da sie ihn wieder bekommen sollten. Als aber endlich dieselbige heran nahete /
begunten die ienige reichs-stände / so bisher nach ihrem gefallen regiret / und
üm ihres eigennutzens willen viel unrechtfärtigkeit gedultet / die augen
aufzutun: wohl vermutend / dass bei ankunft des Konigs / nicht allein ihre gewalt
fallen / sondern auch das gepressete volk rache über sie fordern / und also
ihren untergang fördern würden. Diesem nun fürzukommen / dachten sie sich bei
ihrer einmal erlangten macht zu erhalten / und den König aus dem weg zu raumen.
    Hierzu nun zu gelangen / wurde zeit und grosse list erfordert. Es vereinigten
sich aber fürnemlich ihrer viere / bei denen die meiste gewalt stunde: dass sie
das Konigreich Elam zugleich regiren / und / auser dem Königs-namen / sich aller
Koniglichen macht stäts gebrauchen wollten. Um nun / auf den notfall /
auswårtiger Könige beistand zu haben / verheurateten sie sich mit den
Koniglichen geschlechten von Ophir /Ellassar / Arabien und Hevila. Der erste /
namens Kajumaras / ehlichte eine base des Königs Jaziz von Ophir; der andere /
der Berug / des Königs von Ellassar tochter / die Eulea; der dritte / Obad /
eine Prinzessin aus Arabien! und der vierte / der Usal / eine Furstin von
Hevila. Die jenige / so von den ständen dem jungen König zugegeben waren / ihn
mit zu erziehen / merketen bald als verständige leute / dass es nicht gar zu
richtig in Clam daher gehen müste. Demnach vermaneten sie die Königin / dass sie
ihren sohn /mit dem ehsten / seinen untertanen vorstellen sollte. Sie aber / aus
antrieb der mütterlichen liebe kunte zu einer so weiten entfernung von ihrem
Amraphel sich sobald nicht verstehen: zumal sie auch nochnicht befahrete / dass
man in Elam wider ihren sohn so gefärliche dinge schmiedete.
    Wie aber diese / ehrliche Elamiten sahen / dass sie bei der fraumutter
nichtes ausrichteten / machten sie sich an den sohn: deme sie vor augen
stelleten / wie hoch-nötig es wäre / dass er sich bald seinen untertanen
zeigete. Mein König / dem ohndas sein kriegerisches helden-gemute das stille
leben in Tyro zuwider machete / bekame lust / nach Elam zu reisen. Wie aber
dieses fürnemen / ohne der Königin wissen /nicht konnte vollfüret werden / und
anbei die gefahr gross war / durch soviel Königreiche bekant zu reisen: als
bliebe es / eine gute zeit / bloss bei dem fürsatze; da diese weise Elamiten /
die sich Niso und Mildor nennten / schon zufrieden waren / den Amraphel hierzu
geneigt zu finden / ob sie gleich noch zur zeit ihren schluss nicht werkstellig
machen kunten.
    Bei solcher beschaffenheit / kame aus Elam nach Tyro / ein abgeschickter von
den vier oberwähnten regenten / Alaris genannt: der ja so listig und boshaftig
als seine herren war / und heimlich in befehl hatte /durch gift oder andere
taugliche mittel den Konig aus dem weg zu räumen; aber öffentlich musste er die
grosse begierde bezeugen / die alle Elamiten trügen /ihren König bald bei ihnen
zu sehen. Er wusste sich solcher massen anzustellen / dass iederman ihn für einen
ehrlichen man halten musste: auser dem Niso und Mildor / denen nichs gutes
geschwanet; daher sie den Amraphel warneten / sich dem Alaris nicht zu
vertrauen. Weil nun diese beide treue Elamiten auf alles fleissig acht hatten /
als sah Alaris / dass er nicht zu seinem zwecke gelangen konnte / dem Konig gift
beizubringen / wann er nicht iemanden von dessen bedienten auf seine seite
bråchte.
    Also warfe er die augen auf mich / finge an von tag zu tag mir grössere
liebkosungen zu erweisen / und gabe mir dabei so herrliche geschenke: dass die
beide kluge Elamiten / denen ich alles dieses anmeldete /bald daraus abnamen /
es musste hierunter ein sonderbares geheimnis verborgen ligen. Wie sie nun mich
wohl unterrichtet / wie ich mich hierbei verhalten sollte / stellete ich mich an /
als wann ich des Alaris ergebenster wäre / vertraute ihm auch ein- und anders
geheimnis von meinem Konig / und machte ihn endlich damit so sicher / dass er mir
alles entdeckete. Er sagte: man müste den König mit gift aus dem weg räumen /und
ich sollte in Elam gross werden / wann der Kajumaras und die andere durch meine
hand dieses gewaltige fürhaben konten zu werk bringe. Ich verdruckte hierbei
meine bestürzung über dieser greulichkeit /und verhiesse ihm / hierinn zu
erweisen / dass eine ehrsucht in mir wonete: worauf er mich ausfürlich in allem
unterrichtet / wie ich es anschlagen sollte / mir das gift zugestellet / und
meiner hurtigkeit die sache eiferig anbefohlen.
    So bald ich nun von ihm abgekommen / ginge ich nach dem Niso und Mildor /
und sagete denen alles /was zwischen dem Alaris und mir fürgegangen: die dann so
bald mit mir nach der Königin gingen / und Ihr Maj. den ganzen handel
entdecketen. Der schrecken war in ihrem mütterlichen herzen so gross hierüber /
dass sie alle hofnung håtte fallen lassen / wann der Niso und Mildor sie nicht
wieder aufgerichtet hätten: Die den raht gaben / man sollte sich gleich des
Alaris seiner beisichhabenden sachen bemächtigen /ob man etwas darunter finden
möchte / damit wir diese verräterei belegen möchten. Weil nun der Konig von Tyro
eben auf dem jagen war / und den Alaris mitgenommen hatte / liesse die Königin
immittels des Alaris sachen heimlich durchsuchen.
    Man fand eine vollkommene unterrichtung und vollmacht in Ophirischer
sprache / von den Kajumaras und den anderen dreien unterzeichnet: die dieses in
sich hielte / dass er sollte sich bemühen / den König Amraphel mit gift
hinzurichten. Wofern er aber hierzu nicht gelangen könnte / sollte er sich des
Merotas bedienen / und eine eiversucht zwischen diese beide Prinzen bringen /
damit / durch solchen hass und daraus-folgende unruhe am Tyrischen hof / die
Konigin bewogen würde / ihren sohn nach seinem reiche ziehen zu lassen: da dann
der König von Hemath / der König von Arabien / und der von Elassar / durch deren
reiche er reisen müste / ihrem versprechen gemäs / dem Amraphel unterwegs schon
mit guter art würden vom brod helfen / ehe dann er sein reich berürete.
    Hiebei hatte Alaris mit eigener hand viele anmerkungen gezeichnet / wie
dieses am bästen anzugreifen wäre / und schlosse er dahin / dass ein heimliches
gift das sicherste und leichteste mittel sein würde: weil anderweit besagter
Könige versprochene hülfe einen grossen ruff erwecken / oder auch misslich sein
würde / ob sie auch damit einhalten mochten. Weil der Amraphel so angenem ware /
dass jederman ihn lieben musste / der ihn nur anschauete: als besorgete er sehr
/seine gegenwart dorfte bei ihren bundsgenossen widerige wirkung tun / und sie
zur güte bewegen.
    Solcher massen nun / erfuren wir vollig des Alaris geheimnise. Es ware nicht
ohne / und die Elamitische Fursten hatten hierinn einen guten fürschlag getan
/was den Prinzen Merotas betraffe: dann dieser Prinz aus voriger ehe des Konigs
von Tyro / und von der Konigin Sargis aus Bactra geboren / eines so
neidisch-boshaftigen gemüts ist / dass / wann ich es in gegenwart seines
stiefbruders / des Prinzen Tiribaces /sagen darf / wohl nicht viele mögen
gefunden werden /die diesem herrn an bosheit zu vergleichen. Was aber hiebei nun
zu tun wäre / wurde lang geratschlaget /endlich aber für das bäste gehalten /
dem Alaris seine briefe unvermerkt wieder hinzulegen / und sich nicht anzunemen
/ als wann man von diesem allem etwas wüste. Immittels sollte Amraphel sich krank
stellen /und ich den Alaris uberreden / dass Amraphel das gift zwar bekommen
hätte / solches aber müste bei einer so jungen und gesunden natur nicht stark
genug gewesen sein: allermeist da der Mildor / als ein erfahrner arzt / dem
König immer viel mittel wider gift zu gebrauchen pflegte.
    Dieses war / was man erstlich hierinn fürnemen kunte: welches auch alles so
glücklich von statten ginge / dass Alaris nichtes von allem merkete / was
geschehen war: dann er sein zimmer ja so verschlossen wieder fand / als er es
gelassen hatte. Also kunte er auf den argwahn nicht geraten / dass man seine
briefe gesehen hätte: und mich in seiner verträulichen freundschaft behaltend /
entdeckete er mir ferner / dass / weil durch gift der König nicht konne vertilget
werden / Merotas ein werkzeug werden sollte / ihn aufzuopfern: dann weil dieser
Prinz ihm einbildete / wiedass Amraphel / als bei allen Tyriern sehr beliebt /
ihme nach seiner vätterlichen erb-kron stünde / wurde er entschlossen / zu
fürkomung dessen / ihn niedermachen zu lassen.
    Wie ich nun die zeit und den ort / da solches geschehen sollte / eigentlich
erfahren / vermeldete ich solches gleich den beiden andern / und durch sie der
Königin: welche dem grossen unheil / so auf eröfnung dieses mördlichen fürnemens
/ weil ihr herr diesen seinen sohn Merotas håftig liebete / entstehen würde
/fürzubeugen / zuliesse / dass Amraphel zu wasser über Joppe die flucht nemen /
von dar durch der Philister land heimlich bis nach Elion Geber gehen / von
dannen furter uber die see sich wagen / und also durch Ophir unbekant in sein
reich reisen sollte. Wie schmerzlich dieser abschied ware / ist nicht zu
beschreiben / und befohle die Konigin / dem Niso und Milder / den jungen König
auf ihre seele; der dann /diese flucht zu bemänteln / drei schreiben an sie / an
den König / und an den Alaris / hinterlassen musste /des innhalts: wiedass seine
grosse begierde / die welt zu sehen / ihn angetrieben håtte / also ohn erlaubnis
/weil er solche zu erlangen nicht hoffen können / hinweg zu reisen / und nach
Kitim überzufahren: da er solcher gestalt in kriegeswissenschaft sich
vollkommen zu machen verhoffe / dass der König von Tyro kunftig keine schande
davon haben sollte / ihn erzogen zu haben. Dem Alaris behohle er sein reich an /
und dass er bei den vier regenten seine reise entschüldigen sollte.
    Wie dieses nun also alles zu werk gebracht war /gingen wir bei nacht zu
schiffe / und segelten mit gutem winde davon: die Konigin und die Prinzessin
Lantine so traurig hinterlassend / als vergnügt der König Amraphel in seinen
gemüt war / dass er nun sollte gelegenheit überkommen / seinen heldenmut hervor zu
legen. Das Glück fürete uns diesen weiten gefärlichen weg / den wir üm
sicherheit willen erwählen mussten / ohne sonderbaren anstoss / und kamen wir
endlich in Ophir an: da der Niso / welcher / weil seine mutter aus Ophir bürtig
/ die sprache des landes redete / und darin verwandt ware / den König auf ein
landhaus / so einem seiner befreundten zuständig war / heimlich brachte / allwo
wir wohl gehalten wurden /und ganz sicher leben kunten.
    Mildor übername hierauf die reise nach Elam / üm zu erfahren / wie es alda
stünde / und auf was weise der König sicher in sein Königreich konnte gebracht
werden. Er gabe sich zu erst bei meinem vatter an /welcher / wegen der zeitung
von unserer abreise aus Tyro nach Kitim / in grosser betrübnis lebete / uñ
hiemit von dem Mildor ein anders vernemend / eine unaussprechliche freude
schopfete. Mildor erfuhre hingegen / wie die regenten nun zu Elimais haushielte
/ wie sie / nachdem Alaris von Tyro wieder gekommen / den Amraphel fur verloren
hielten / und nun nach allem belieben ihren mutwillen im reiche verübeten. Weil
mein vatter unter dem adel wohl angesehen war / als redete er mit dem Mildor ab /
dass er heimlich die fürnemsten unter dem adel auf sein landhaus /das zimlich
weit von Elimais lage / zusammen fordern / ihnen ihres Konigs zustand entdecken
/ und ihrer hülfe für ihn begehren wollte. Dieses wurde also gar glücklich und in
verschwiegenheit vollzogen / und bei solcher zusammenkunft ferner abgeredet /
dass man /auf einen tag / in allen orten des reichs / die anwesenheit des Königs
Amraphel kund machen / und denselbigen in Hala bringen wollte: welchen ort ein
Furst /namens Nezar / inn hatte / der zwar äuserlich der vier regenten diener /
in herzen aber ihrer regirung todfeind war / und also diese erledigung von ihrer
tyrannei mit gröstem eifer fürnemen würde.
    Sie trieben dieses grosse werk mit so glücklicher fürsichtigkeit / dass in
Elimais niemand etwas davon inn wurde: und reisete Mildor eiligst wieder nach
Ophir / um den König abgeredter massen nach Hala zu bringen. Sein ausen-sein
wårete fast ein halbes jahr / unter welcher zeit der muntere Amraphel auf
unserem Landhaus / wie sehr ihn der Niso auch bate /nicht so stille sitzen konnte
/ sondern es wagete / unbekant den Königlichen hof zu besehen / welcher damals
zu Havila der haubtstadt des reiches gehalten wurde. Wie wir dahin gekommen /
ware eben den folgenden tag ein grosses fest / da der Konig im tempel des feuers
sich offentlich sehen liesse: worbei ihre geistliche / die Brachmannen / die
opfer und andere dienste verrichten sollten. Dieses nun / wie auch den Konig mit
seiner ganzen hofstatt / mit anzusehen / begaben wir uns früh morgens nach dem
vorhof des tempels. Der pracht war so übermäsig gross / dass soviel gold und
edelgesteine einem die augen blendeten. Wir sahen den grossen Jaziz auf einem
güldnen stul sitzen / der hoch erhaben von vieren seiner furnemsten fürsten
getragen wurde. Auf ihn folgete die Königin Rehuma / auf gleich weise / wie der
König / bedienet.
    Dieser beider majeståt und fürtrefliches ansehen /würde uns die augen genug
gefüllet haben / wann nicht hinter ihnen die Prinzessin Indaride gekomen wäre:
deren wunderschöne sich uns in solcher gestalt zeigete / dass alles / was wir
vorher gesehen / hierbei nicht zu rechnen noch zu vergleichen war. Sie wurde
gleichfalls / wie der König und die Königin / auf einem erhobenen güldenen stul
von vier grossen des reichs getragen. Ihr haubt bedecketen / viele rötliche
federn / von den schönesten raben selbigen landes. Ihr haar / so ganz schwarz /
hinge ihr den rücken hinunter / und war mit einer schnur der schonsten perlen
hier und da nachlåssiger weise durchwunden. Ihr holdseliges angesicht / mit den
lieblichsten blauen augen begabet / und sonst in allen stucken vollkommen schön
gebildet / glänzte so trefflich herfur / dass wir alle verwundert / Amraphel aber
ganz aus sich selber und entzücket / verblieben. Er fragete gleich begierigst
/nach ihrem namen und stande: und als unser fürer ihn davon berichtet / verliesse
er dieser jungen Prinzessin kein auge / so gar / dass er ferner nach den
gebräuchen und opfern im tempel / die mit grossem pomp gehalten wurden / nicht
mehr sah / sondern seine Indaride allein betrachtete.
    Er war dermassen mit den augen an sie gehåftet /dass er / als nach
verrichtetem Gottesdienste / die Königliche personen sich wieder hinweg und nach
hof begaben / er den hofbedienten folgen wollte. Er wurde aber von dem Niso
zurück gehalten / der ihn vermanete / nach unserer herberg umzukehren. Als wir
zuhaus dessen / was mir gesehen / einander erinnerten / redete Amraphel kein
einiges wort dazu / und hatte er von allem andern / darüm wir ihn fragten /
nichtes in acht genomen noch gesehen. Der scharfsinnige Niso /merkte dem jungen
Konig wohl an / duss einige unruhe in seinem gemüt vorhanden ware / uñ vermanete
ihn /folgenden tags wieder aus Havila hinweg zuziehen. Amraphel aber / etwas
entrüstet / antwortete mit kurzen worten: Der Ophirische hof wäre noch wohl
würdig / länger besehen zu werden. Und wiewol Niso der grossen gefahr erwänte /
indem der Konig von Ophir es mit seinen feinden in Elam hielte: ware er doch von
seinen fürhaben nicht abzubringen.
    Als der abend herbei gekommen / fürete uns unser wirt auf eine grosse sehr
lustige wiese / da gemeinlich die Prinzessin / mit ihrem frauenzimmer und den
herren bei hof / pflegte in der kule spaziren zu gehen. Wir hatten das Glück /
dass solches auch selbigen abend geschahe: und kunte damals Amraphel auch ihre
långe und schönen wachstum betrachten / da sie das erstemal stäts auf ihrer
stelle ware sitzend geblieben. Was nun die erste ansichtigung in des Amraphel
gemüt angefangen / das vollendete diese andere fürstellung der Indaride: also
dass er der verliebteste von der welt wurde. Er tratte neben uns anderen / hinter
etliche bäume / dieser Prinzessin zuzusehen: die einen wettlauf unter ihren
jungfrauen anstellete / und auch selber mit-liefe; und fugte es sich eben / dass
sie ihren lauf gerad nach dem busch zu name / der den Amraphel und uns
bedeckete.
    Wie nun die Prinzessin / so sehr risch als ein reh /weit für die andern
füraus kame / und im laufen nach den ihrigen sich ümsah: stiesse sie an einen
ast /schluge gälings zur erden / und fiele mit dem angesicht so hart auf einen
stein / dass der schmerz und die entfangene wunde sie schreien machete. Amraphel
ganz erschrocken / liefe gleich aus dem busch herfür /sie aufzuheben: da er dann
ihr schönes angesichte blutig fand. Nachdem er ihr aufgeholfen / und sie also
im gras / wiewol halb aus sich selber / sasse: kniehete er bei ihr nieder / und
nicht wissend / was er täte / sah er sie also entzückt an; bis ihre leute
herzu kamen / und für entsetzen den fromden Amraphel nicht in acht nemend / nur
üm ihre Prinzessin liefen / derselben beizuspringen. Niso / der neben uns andern
dem Konig gefolget / stunde wegen seines herrn todes-angst aus / und indem
jederman allein auf die Prinzessin sah / zoge er den Amraphel auf eine seite /
und beschwure ihn bei allen göttern / sich doch bässer in acht zu nemen und
nicht also in gefahr zu sturzen. Er erlangte auch endlich so viel von ihme /dass
er ihm wieder nach der hecken folgete / da wir erstlich gestanden / und von
dannen zusah / wie man seine Prinzessin auf einen wagen setzete / und nach der
stadt zufürete.
    So lang er sie absehen kunte / bliebe er unbeweglich stehen. Endlich aber /
als sie ihm ganz aus dem gesicht entworden / holete er einen tiefen seufzer: und
warnemend / dass von der Prinzessin blut ihm etwas auf sein kleid gekommen / hube
er solches zum munde / und kussete es mit der heftigsten begierde. Niso / dieses
sehend / fienge an zu lachen: er aber wurde ganz beschämet / dass wir es gesehen
/ und ginge damit / sonder ein wort zu reden / nach unserer herberge. Weil er
nun sein leiden nicht lang alleine tragen kunte / als wurdigte er mich / darin
sein vertrauter zu werden / und brachte mir sein anligen so beweglich fur / dass
ich ein mitleiden mit diesem edlen König haben müssen / wann ich ihn schon nicht
so herzlich geliebt hätte. Gleich wie aber die verliebten /aus allem / was ihnen
begegnet / etwas deuten wollen / also hielte er für ein böses zeichen / dass er
zum erstenmal / da er seiner Prinzessin sich genähert / gleich von ihr blutig
gefärbet worden. Dannenhero ahnete es schon damals den unglücklichen Amraphel /
dass diese liebe ihm das leben kosten würde. Er schnitte aber den flecken aus /
da der Indaride blut auf gekommen war / und bande den auf seine brust: da er ihn
auch bis an sein ende getragen.
    Weil ich nun / als sein vertrauter / eine so edle liebe nicht schelten kunte
/ als ware ich ihm darin so trostlich / als ich kunte. Als aber Niso merkete /
dass das viele heimliche reden des Königs mit mir / von solchem innhalt sein
müste / den er befahrete / wollte er dessen liebe aus mir erfragen. Weil ich nun
nicht sah / dass des Niso mit wissenschaft hierinn dem Konig schaden bringen
konnte / als gestunde ich ihm /dass er liebete. Er ginge hierauf zum König / und
gabe ihm mit den beweglichsten worten / uñ aus der macht / die er wegen seiner
erziehung über ihn hatte / weitläuftig zu verstehen / nicht allein in was gefahr
er sich damit stürzete / sondern auch wie unmöglich es wäre /bei seinem jetzigen
zustande / in seiner liebe etwas gutes zu hoffen. Er gabe ihm zu bedenken / wann
man ihn zu Havila erkennete / wie es so wolüm sein leben / als auch / welches
viel höher zu achten / üm alle seine ehre und guten nachrum getan sein würde /
da alle welt von dem Amraphel spöttisch reden / und sagen würde: Er hätte nicht
den verstand noch den muht gehabt / sein Königreich und seine untertanen /die
so inständig nach ihme seufzeten / aus der tyrannei zu erretten / sondern
vielmehr in eine närrische liebe / die seiner jugend so ubel anståndig / sich
vertiefet. Demnach bate er ihn / üm aller der sauren mühe willen / die er von
kindheit auf bei ihm angewendet /dass er doch nicht die tugend verlassen /
sondern sich überwinden / und auf die reise nach seinem Königreich gedenken
wollte / da ehre und sieg auf ihn warteten.
    Mein König / der so grosmutig war / als einer auf der welt sein mochte /
kunte diese worte des Niso nicht ohne grosse bewegung anhoren. Und weil seine
liebe / so häftig sie auch war / ihme gleichwol seine gesunde vernunft gelassen
als fand er nichtes dawider zu sagen. Demnach fiele er dem Niso üm den hals /
und die augen voll tränen habend / bekannte er seine schuld / und fassete den
schluss / dem Niso zu folgen /und sich der gedanken von Indaride zu entschlagen.
Wie er aber nach diesem nicht unterlassen kunte / ihm diese schönheit wieder
fürzustellen / befande er bei sich / dass eher der tod / als diese vergessenheit
/ bei ihm erfolgen würde. Also befiele er mit einer hitzigen krankheit / und
ergabe sich so gar der tiefen traurigkeit / dass Niso / dieses zarte gemüt zu
heilen / andere mittel zu hand nemen musste. Demnach widersprache er nicht mehr
seiner liebe zu der Indaride / sondern billigte dieselbe so weit / dass der
Amraphel / nach eroberung seines reichs / durch ehlichung dieser Prinzessin /
ein gutes vernemen zwischen beiden kronen zustiften und aufzurichten / suchen
möchte. Diesem nach bate er ihn / dass er / üm sich einen wurdigen besitzer
dieser schönheit zu machen / seine gesundheit in acht nemen / und erstlich auf
die eroberung seines reichs / hernach auf die erlangung dieser Prinzessin
/gedenken wollte.
    Diese zusprache munterte den niedergeschlagenen Konig dermassen wieder auf /
dass er in kurzer zeit sich vollkomlich gesund sah. Weil seine bäste arznei
diese ware / wann er zeitung von seiner Prinzessin bekame: als erfuhre er mit
freuden / dass sie von ihrem fall wieder genesen / und nun völlig im vorigem
stand sich befände / auch willens wäre / mit der Königin ihrer frau mutter die
gewönliche wallfart zu verrichten. Dann sie pflegen in Ophir järlich / zur
gewissen zeit / in eine wildnis zu reisen / da die heiligsten unter den
Brachmannen wohnen: um alda ihre andacht zu verrichten / auch die kranken und
armen zu besuchen /die aus dem ganzen Königreich gegen die zeit sich dahin
versamlen. Diese wildnis und wonung der heiligen Brachmannen / ware nicht weit
von dem landgut /da uns des Niso verwandter anfangs beherberget hatte. Deswegen
/ als der Niso dem König anlage /wieder dahin zu reisen / entschlosse er sich
gutwillig dazu: weil er ihm fürname / seine Indaride bei dieser wallfart wieder
zu sehen / und gar anzusprechen. Dann / wie es den verliebten selten an
nachsinnung mangelt / also hatte auch Amraphel ausgedacht / dass er sich unter
die kranken mit verkleiden / uñ der gestalt mit seiner Prinzessin zu reden
gelegenheit suchen wollte.
    Weil aber der fürsichtige Niso dieses nimmermehr würde zugegeben haben / als
entdeckte er solches mir allein: und reiseten wir damit von Havila hinweg / da
wir endlich das landgut glücklich erreicheten. Daselbst nun war unsere erste und
einige bemühung /bettlers-kleider herbei zu schaffen / und damit heimlich / ohne
des Niso verhinterung / nach der heiligen wildnis hinzureisen. Das Glück fugete
uns hierinn /dass Niso einen zufall bekame / der ihn des bettes hüten machete:
dass wir also feiner nachfolge uns nicht befahren dorften. Jedoch / ihn unseres
abseins halber nicht beängstiget zu lassen / sagte ihm der König sein fürhaben /
die gebräuche / so bei dieser wallfart der Königin fürgehen würden / mit
anzusehen: mit teurem versprechen / dass er bald wieder bei ihm sein wollte. Einen
von seinen vettern namen wir mit uns / und als wir in das gebirge gekommen /
traffen wir haufenweis die dahin reisende kranken und bettler an: da wir dann
unsere hierzu-mitgenommene kleider auch anlegeten / und also in ihrer
gesellschaft mit fortwanderten. Des Niso vetter / der nicht anderst wusste / als
dass wir solches bloss aus fürwitz täten /ümdesto bequemer alles mit anzusehen /
liesse uns damit nach unsrem willen frei schalten.
    Als nun uns die Brachmannen aufgenommen / wurden wir in einen besondern ort
ihres tempels gebracht: da wir dann die nacht bei den andern kranken verbleiben
mussten. Den folgenden tag / wurden wir alle in ordnung gestellet: da uns / nach
verrichtetem gottesdienste / die Königin und Prinzessin / zum zeichen ihrer
andacht besuchen / nach unseren gebrechen fragen / uns trösten / arznei
mitteilen / und aufs bäste unser pflegen sollten. Das verlangen des liebkranken
Amraphels war so gross / dass er kaum dieser glücklichen stunde erwarte kunte / da
sein arzt ankommen sollte. Wie nun endlich die zeit herbei kame / erschiene die
Königin mit allen erbaren Matronen /nachgehends die Prinzessin Indaride / von
allen jungfrauen begleitet. Sie fielen erstlich ingesamt nieder auf ihre
angesichte / anzubeten. Und wie ganz keine zier noch pracht an ihren kleidungen
zu sehen war / also erglånzete hingegen ihr andacht desto mehr: wiewol unser
König seine Indaride in diser pilger-tracht ja so schön / als zuvor in ihrem
Königlichen schmuck befande. Sie trug einen runden güldne kopf / darin ein
köstlicher balsam war / der fast zu allen krankheite dienete.
    Nachdem sie nun bei vielen rechten kranken gewesen / ersah sie auch den
Amraphel; den sie gar ämsig von ferne betrachtete / und zu einer ihrer
jungfrauen sagte: sie erblicke dort ein gesicht / so sie dem ganz änlich befände
/ der unlångst / wie sie im laufen gefallen / sie wieder aufgerichtet hatte.
Hieraus nahete sie sich dem verstellten Konig / und fragte ihn / was ihm
schadete / und worinn seine krankheit bestünde? Ach! grosse Prinzessin! (antworte
Amraphel in Ophirischer sprache / die er wohl redete / sie ganz verliebt
anschauend /) meine wunde wäre unheilsam / wann eure barmherzigkeit sich mir
entzöge. Ich bin deswegen hier / (sagte Indaride) euch zu helfen: zeigt mir nur
euren schaden / und gläubet / dass die Gotteit / deren ich diene / meine arznei
an euch segnen werde. Mein anligen / (wiederholte Amraphel /) ist nicht
äuserlich zu sehen / sondern tief in meinem herzen verborgen: doch will ich
dasselbe wohl eröfnen / wann mir es die Prinzessin befihlet. Ich habe hier einen
balsam / (gabe sie zur antwort /) der trefliche tugenden hat: saget mir nur / an
welchem ort es euch am meisten schmerzet /und entblosset daselbst die brust / so
will ich euch von meiner arznei mitteilen. Hiemit öffnete Amraphel seine brust /
und indem die schöne hände seiner Prinzessin ihn bestrichen / sagte er zu ihr:
Nicht der balsam / sondern die gegenwart der schönsten Indaride /kann meine
schmerzen lindern.
    meint ihr / (fragte sie låchlend /) dass meine hände kräftiger seien / als
wann sonst jemand an euch dieses mittel brauchete? Kein mensch der welt /
(antwortete er / und liesse damit seinen mund auf ihre schneeweisse hand herab /)
auser Indaride / kann mich heilen. Ja /schönste Prinzessin! ihr habt mein herz
verwundet /und ich muss sterben / wann eure gütigkeit mir nicht die gnade
erweiset / mir zu vergönnen / dass ein ausländischer Prinz mit eurer bewilligung
auch lieben dörfe: der / euch zu sprechen / dieser falschen kleidung sich
bedienet. Nemet dieses / schöne Indaride! nicht als einen betrug an / sondern
gedenket / dass ohne dieses mittel ich nimmermehr würde der glückseligkeit sein
teilhaftig worden / deren ich iezt geniesse. Indem er dieses sagte / schmierete
die Prinzessin ihn immerfort / und aus seinen reden urteilend / dass er müste im
gemüt so krank sein / als am leibe / rieffe sie einer matron / die zimlich
betaget war / und sagte zu ihr: dieser mensch ist im haubt verrückt / er saget
mir dinge vor / die keinen verstand haben. Redet mit den Brachmannen / dass sie
ihn zu sich nemen / und seiner pflegen: dann es mich in warheit tauret / dass ein
so feiner ansehnlicher mensch soll seines verstandes beraubet leben. Hiemit ginge
sie von ihm /und mich furbei: weil eine von den andern damen mich unterdessen
schon balsamiret hatte. Es ist nun zu ermessen / wie dem Amraphel müsse zu muht
worden sein / als er ein solches urteil von seiner Prinzessin angehoret / und
dass sie sein anligen so ubel verstanden hatte.
    Wie nun die Königin / neben der Prinzessin und dem frauenzimmer / den
gebråuchen gemås / alles bei den kranken verrichtet / und wieder hinweg waren
/kamen die Brachmannen zu uns hinein: derer etliche /von der alten frauen /
welcher die Prinzessin den Amraphel anbefohlen / gefüret / auf ihn zugiengen /
und ihn für einen tollen menschen haltend / ihn in eine verschlossene kammer
bringen / und daselbst der Prinzessin befehl verrichten wollten. Ich wusste nicht
/was dieses bedeuten sollte / weil ich von dem / was zwischen dem Amraphel und
der Prinzessin furgegangen / nichtes verstanden hatte. Ich stunde aber in nicht
geringer sorge / dass wir etwan verrahten sein mochten / und dass sie vieleicht den
erkannten Amraphel / als einen feind des reichs / gefangen nemen wollten. Amraphel
aber risse sich aus ihren händen los / und neben mir die tur erreichend /
sprungen wir davon. Wir wurden aber von allem volke ümgeben und verfolget: indem
sie / uns laufen sehend / uns fur diebe oder andere übeltäter hielten. Weil sie
nun ohne barmherzigkeit auf uns zu schlugen / und wir uns also in lebensgefahr
sahen / als ergriffe Amraphel einen spiess / mit welchem er sich so dapfer zur
wehr setzete / dass wir / indem ich ihn entsezte / endlich davon und in das
gebirge entkamen.
    Wir mussten daselber / in einer höle / für dem nachjagen / uns etliche tage
verborgen halten / und wurden wir eifrig gesuchet: weil in dem gedrenge etliche
Brachmannen mit ümgekomen waren / das dañ sehr hoch geantet wurde. Des Niso
vetter / der nicht wusste / wo wir geblieben / suchete uns ebenfalls
allentalben. Endlich aber wageten wir es bei nacht /und verliessen unsere höle /
weil der hunger uns daselbst nicht länger herberge gönnete: da wir dann so
glücklich wurden / diesen unseren fürer anzutreffen /mit deme wir eiligst nach
dem landgut wieder fortreiseten. Wir fanden daselbst den Mildor wieder
angelanget: der uns von dem Elamitischen zustand berichtete / und den König /
eiligst dahin zu reisen / anmanete. Wie ungern nun der verliebte Amraphel die
Indaride verliesse / so wollte es dennoch die gesunde vernunft nicht anderst
rahten / als dass er diese reise musste angehen: da ihn einig und allein dieses
erhielte / dass er hoffen konnte / als ein regirender Konig in Elam seine
Prinzessin dermaleins zu erlangen.
    Wir kamen also zu Hala glücklich an / da der Nezar seinen König mit grossen
unbeschreiblichen freuden entfinge: und wurde es damit aller orten ruchtbar /
dass der jenige König von Elam im reich angekommen wäre. Mein vetter / welcher /
der genommenen abrede gemäs / alle stände auf des Konigs seite gebracht / furete
demselben ein grosses heer zu: und versamleten sich die stände mehrernteils nach
Hala /ihn zu bewillkommen. Die vier regenten in Elimais /höreten diese zeitung
nicht so bald / da wurden sie schlüssig / im ganzen reich auszubreiten: der Fürst
Nezar brächte ihnen einen falschen König / und wåre dieses nicht der Amraphel /
den er dafür ausgåbe; deshalben sollten alle des reichs getreue sich zu ihnen
schlagen / üm des Nezars verräterei zu steuren. Der verschlagene Alaris liesse
sich hierzu meisterlich gebrauchen / und kame es damit so weit / dass die
Elamiten in zwei teile sich trennten: da die hälfte dem König anhinge / die
andere den vier regenten zu gebot verblieben. Weil nun / Elimais gleich
anzugreifen / in bedenken gezogen wurde / und man sich zuvor recht verstärken
musste: als ginge der junge Konig zu feld /und bekame täglich grössern zulauf /
also dass wir in kurzer zeit ein mächtiges kriegsheer beisammen hatten. Was aber
dem Kajumaras und seinem anhang an inländischer hülfe abginge / das wuchse ihm
an auslåndischer wieder zu: dañ der König von Ophir / und der von Elassar /
ihnen eine ansehnliche hülfe zuschicketen / dadurch sie måchtig verstärket
wurden.
    Ungeacht aber dessen / siegete Amraphel aller orten / wohin er sich wendete:
und wurden die vier tyrannen endlich genotigt / aus dem reiche zu entflihen /und
in Ophir schutz fur ihre eigene personen zu suchen. Elimais ofnete hierauf dem
Konig mit freuden die tore: und wurde hiemit sein regiment beståtiget /auch er
folgends von allen seinen untertanen dermassen geliebt und geehret / dass kein
glücklicherer Konig als er sein mögen / wann ihn die liebe nicht unglücklich
gemacht hätte. Zu Tyro erfuhre man mit der zeit dieses alles / und verhelete die
Königin ihrem herrn nicht mehr / was sie bisher wegen des Prinzen Merotas geheim
gehalten. Weil sie aber / nicht allein ihren sohn in seiner regirung zu sehen /
sondern auch mit der Prinzessin seiner schwester / vermög des Assyrischen
gebrauchs / dem reich zum bästen / ihn zu verehliche / suchete: als täte sie
diese weite reise zu uns / wie ganz Elam nun in stolzem frieden stunde; und
wurde zu Elimais nichtes gesparet / die Konigliche frau mutter wohl und herrlich
zu entfangen.
    Wie sie aber ihr fürhaben / warum sie eigentlich angekommen / mit zuziehung
der stände / dem König anbrachte: entschuldigte sich der aufs höchste mit der
Indaride von Ophir / welche sein herz dermassen besessen hätte / dass unmoglich
einige andere liebe in ihm haften könnte. Und ob er gleich eine herzliche
brüderliche freundschaft zu der Lantine truge / auch sie hingegen diesen ihren
bruder innigst liebete: so befunden sit doch beiderseits bei sich keine regung /
einander mehrers / als brüder- und schwesterliche freundschaft / zu erweisen.
Weil aber der Königin nichts gutes ahnete / von dieser liebe ihres sohnes: als
ware sie / mit beistimmung der stände / sehr bemühet / ihn davon abzubringen. Es
war aber alles vergebens / und Indaride wollte nimmer aus seinen gedanken kommen.
Ja je schwerer ihm alles in dieser liebe fürgestellet wurde / je fäster wurzelte
dieselbe / also dass sie nichts als der tod ausreuten konnen.
    Mitlerweile nun die Konigin von Tyro / und die Prinzessin von Elam / bei uns
sich aufhielten / ordnete der Konig gesandte nach Ophir ab / den Kajumaras /
Berug / Obad / Usal und Alaris / als verråtere des reichs / abzufodern / und
dabei alle nachbarliche freundschaft dem Könige Jaziz anzubieten. Der Niso neben
dem Mildor / übernamen diese reise: und befahle ihnen der König absonderlich /
dass sie üm den zustand der Prinzessin Indaride sich erkündigen sollten. Sie
mussten auch herrliche geschenke / für die Königliche personen / mit sich nemen /
und alles mit möglichstem glimpfe fürtragen: damit kein krieg daraus entstehen
mochte.
    Wie diese gesandten in Ophir kamen / wurden sie nicht allein schimpflich
gehalten / und ihre geschenke nicht angenommen / sondern auch dem Kajumaras und
seinem anhang fernere sicherheit versproche. Sie gerieten daneben auch auf der
rückreise in grosse gefahr / indem ihnen von des Kajumaras leuten nachgestellet
wurde: die sie auch erleget hätten / wenn sie sich nicht so dapfer
durchgeschlagen / und damit entkommen wären. Wie schmerzlich der bericht hiervon
/als sie den bei ihrer wiederkunft ablegeten / dem Konig zu vernemen war /
erschiene sattsam daraus /dass er in etlichen tagen / auser mir / niemanden
sprechen wollte: uñ kunte er so wenig den entfangenen schimpf von dem Konig in
Ophir vertragen / als unschlüssig er ware / an seiner Indaride vattern sich zu
råchen. Wann er aber alles uberlegte / fand er nicht /wie seine Königliche ehre
künte erhalten werden /wenn er dem Jaziz nicht den krieg ankundigte. Worzu er
sich dann üm so viel leichter entschlosse: weil er /durch dieses Mittel / seiner
Indaride / wiewol als feind / wurde näher kommen.
    Der gesamte raht / neben allen fürsten und grossen des reichs / bekräftigten
diese des Königs Meinung /als er ihnen solche entdeckete. Mitlerweile man aber
sich zu diesem krieg rüstete / zoge des Konigs frau mutter und schwester wieder
nach Babel / und barrete man noch den winter hindurch / ehe der krieg
angekündigt wurde. Aber in früling ginge solcher an / da der Prinz Baleus mit
einer ansehnlichen Assyrischen hülfe zu uns stiesse: und bliebe niemand von allen
grossen in Elam zurücke / als nur der Nezar / den der König / zu vergeltung
seiner erwiesenen treu / zum reichsstattalter machete / und seinem sohne / dem
fursten Sadrach / die volker zu befehlen hinterliesse /die zu beschützung des
reichs in Elam stehen blieben.
    Wann ich alle dapfere taten meines Konigs / die er in diesem krieg
verrichtet / allhier erzählen sollte /wurde ich in einem tag nicht färtig werden.
Wir namen gleich im anfang dieses krieges einen fåsten ort ein: der uns mächtig
dienete / aus demselben ferner mit gutem fortgang diesen krieg zu vollfüren. Es
erfuhre aber mein Konig von den gefangenen aus Ophir / wiedass der grosse Jaziz
den Prinzen Hiarbas aus Egypten / seiner schwester sohn / erwartete: dem er die
Prinzessin Indaride seine tochter geben / und ihm zum nachfolger im reich
erneñen wollte. Dieses ware dem verliebten Amraphel so grausam zu vernemen /dass
er aller seiner standhaftigkeit vonnöten hatte /sich hierinn zu überwinden. Weil
demnach / die liebe und die wütende verzweifelung / seine kriegsräte waren / als
wagete er es auf eine feldschlacht: die er dem Kajumaras / welcher die
Ophirischen völker fürete / anbote / und ihm selbige mit solcher wut lieferte /
dass der sieg endlich unser bliebe / und die feinde in die flucht gejaget wurden.
    Hierauf entschlosse sich mein Konig / mit den seinigen die vestung Nissa am
flus Cophene zu belagern /in welcher / wie man ihm gesaget / die Konigin und
Prinzessin Indaride sich aufhielten. Der Prinz von Assyrien befande sich mit
seinen völkern üm Havila: da der Konig Jaziz ihrer in stolzer sicherheit
erwartete /und sich auf seine grosse gewalt verlassend / ungeachtet der verlornen
schlacht / diesen feind wenig fürchtete. Wir funden aber den ort Nissa sehr fäst
/ ja fast unüberwindlich: also dass alle unsere verständige alte kriegs-bediente
dem Konig abrieten / die zeit vor dieser vestung zu verlieren. Er aber wurde /
gleich als ein eisen / nach seinem magnet gezogen / und wollte lieber alles wagen
/ als diese gelegenheit aus hånden lassen /so wohl einen vorteilhaften frieden /
als sie selber / seiner süssen einbildung nach / zu erlangen. Demnach bote er
seinem volk zum allgemeinen sturm auf / und selbst mit einem schild auf dem
haubt ihnen den weg zeigend / machte er sie alle so munder / dass jeder lieber
sterben / als seinem Konig nicht nachfolgen wollte.
    Wir mussten einen gähen felsen hinan / auf welchem das schloss gebauet war.
Und ungeacht der vielen steine und pfeile / die als ein hagel auf uns herunter
fielen / kame der Konig doch hinauf: da ich unter allen das gluck hatte / ihm
gesellschaft zu leisten. Also sahen wir zween uns allein oben auf der mauer
mitten unter den feinden; so beschådigt und abgemattet / dass /wann nicht bei dem
Amraphel die liebe / und bei mir die treu gegen meinem Konig / gefochten hätte
/würde es unmöglich gewesen sein / unsere freiheit denen im schlosse so teuer zu
verkaufen: massen wir mit so vielen todten ümgeben wurden / dass uns eher /so zu
reden / die todten / als die lebendigen gefangen namen. Also fielen wir endlich
/ ganz verblutet / onmächtig über die todten her: da die Königin / die uns neben
der Prinzessin / aus ihrem fenster so verwundersam streiten sah / dem
schloss-hauptman Nergal befohle / uns wohl in acht zu nemen / und nach unseren
wunden sehen zu lassen.
    Die unsrige wollten zwar den sturm vollfuren: es war aber unmüglich / und
waren schon etliche tausend todt geblieben. Der feldherr Abialton / die
unmoglichkeit sehend / liesse endlich vom sturm ab: da er den Konig missend /
nicht anderst vermutete / als dass er unter den todten sich befinden würde.
Dieses grosse unglück hielte er für den soldaten geheim / und sprengete aus /
wiedass der Konig nur ein wenig verwundet wäre: damit den Elamiten der muht nicht
entfallen möchte. Nach etlichen tagen bekame er aus Nissa einen gefangenen: der
berichtete / wiedass zween von den unsrigen / in dem grossen sturm / auf die
mauren gekommen wären / die so ungläublich-dapfer gefochten / dass daher die
Königin ihrer gar wohl pflegen liesse / vermutende / dass sie fürneme personen
unter den Elamiten sein müsten. Als nun der Abialton ihm auch unsere kleidung
beschreiben lassen / dorfte er nicht mehr zweiflen / dass sein König und ich noch
lebeten / und in Nissa gefangen wåren: demnach fassete er neuen muht / und liess
die belägerung eifrig fortsetzen.
    Wir wurden entzwischen im schlosse wohl gehalten: und weil wir in des Nergal
hause lagen / als erwiese sich dessen fraue / die Jubalis / so geneigt gegen uns
/und sonderlich gegen dem Amraphel / dass bei ihr eine mehr als gemeine
wolgewogenheit sich äuserte. Wie nun unsere wunden geheilet waren / erlangten
wir durch ihre vorbitte / dass der Nergal uns erlaubete / in Nissa ümher zu gehen
/ wo wir hinwolten: iedoch allemal von etlichen von der wacht begleitet. Weil
Amraphel nicht befahren dorfte / dass er würde erkant werden / indem von seinen
feinden / als von des Kajumaras anhange / keiner in Nissa ware: als strebete er
nur darnach / seine Prinzessin zu sehen. Er fand zwar oft gelegenheit hierzu:
doch fiele ihm darbei unmüglich / mit ihr zu reden / weil sie stäts mit vielen
leuten ümgeben war / auch der Nergal / uns soviel freiheit nicht verstattete.
    Wir blieben also eine lange zeit in Nissa gefangen: und war Amraphel hierbei
nicht unvergnügt / weil er seine Indaride sehen mochte. Wir erfuhren von der
Jubalis alles / was fürginge: die dann unter andern uns einsmals berichtete /
wiedass der König Jaziz / neben dem Prinzen Hiarbas aus Egypten / der mitlerweile
zu ihm gekommen / im anzug begriffen wåre / Nissa zu entsetzen; und hätte der
Prinz von Assyrien / mit seinen volkern / ihme den durchzug nicht verwehren
köñen / dass also die Ophirische macht durch die Assyrier sich durchgeschlagen.
Mein König beklagte hierbei nichtes / als dass er / in dieser noht / den seinigen
keinen beistand leisten sollte. Wie nun in Nissa iederman auf die ankunft ihres
König Jaziz sich freuete / als wurden sonderliche bet-tage angestellet: üm von
den göttern zu erbitten / dass der sieg auf ihre seite fallen mochte. Unser
feldherr Abialton / liesse es nun zu einer schlacht kommen / die so nahe unter
den mauren von Nissa gehalten wurde / dass die Königin / neben der Prinzessin /
alles eigentlich mit ansehen kunte. Auch wir / hatten uns heimlich an einen ort
gestellet /da wir den streit mit in augenschein namen. Nach langem gefechte /
bliebe der sieg auf unserer seite: weil gleich anfangs der Jaziz mit einem pfeil
verwundet worden / und daher unter den seinigen ein grosser schrecken entstanden
/ wovon die volker in Nissa / so in wärendem treffen einen ausfall auf die
unsrige getan hatten / zeitung einbrachten.
    Dieses setzete den Königlichen hof in grosse bestürzung und traurigkeit / und
liesse sich weder die Königin noch Prinzessin mehr sehen / die nichts als grosses
klagen füreten. Wir erfuhren solches von der Jubalis: welches den Amraphel ja so
betrübt machte / als wann der Ophirische sein verlust gewesen wåre. Abialton
sandte / etliche tag hiernach / einen haubtman in Nissa zu der Königin / und
liesse sie im namen des Amraphels fragen: ob sie die vestung aufgeben /oder das
äuserste erwarten wollte? Dann der Prinz Baleus ware nun meister von Havila / und
sollte bald zu ihnen stossen / mit gesamter hand diesen ort anzugreifen.
    Wie nun die erschrockene Königin nicht wusste /worzu sie sich entschliessen
sollte / und den abgesandten einpar tage aufhielte: ginge eines abends die
Prinzessin Indaride / mit wenigen der ihrigen / auf der stadtmauer spaziren; und
weil die traurigkeit ihr alle gesellschaft verleidete / hatte sie ihren leuten
geboten / etwas hintan zu bleiben. Der verliebte Amraphel name diese gelegenheit
in acht / sein furhaben werkstellig zu machen / und mich bei denen / die uns
bewacheten / verlassend / die ich inzwischen mit gesprächen aufhielte / folgete
er der Prinzessin: Nachdem er sie erreichet / fiele er ihr zu fus / und fassete
sie / als sie fur entsetzen entweichen wollte / unten beim rock /zu ihr sagend:
verziehet / schönste Prinzessin! und gebet demjenigen einen augenblick gehör /
der eure jetzige traurigkeit stillen kann. Auf diese seine worte /bliebe die
Indaride stehen / und sich erinnerend / ein solches gesichte ehmals gesehen zu
haben / fragte sie ihn / was sein begehren wäre? Ich will euch / (antwortete er
/) den Konig von Elam in eure hände liefern /weil der eine ursach so teurer und
edler tränen ist / die eure schone augen iezt über dieses Königs Glück und sieg
vergiessen. Ihr wisset noch nicht / schonste Prinzessin! das verbrechen dieses
Königs. Er hat sich nicht allein unterfahen dörfen / euren herr vattern zu
bekriegen / sondern auch / seiner unwürdigkeit vergessend / seine
liebes-gedanken bis zu euch / grosse Indaride! erhoben: Daher ich ihn / üm beider
verbrechen willen / eurem strengen urteil unterwerfen will.
    Diese worte / die er mir hernach erzählt / machten die Prinzessin ganz
bestürzet / und wusste sie nicht /was sie hiervon gedenken sollte. Indem ergriffe
Amraphel ihre hand / und dieselbe sanft drückend / sagte er ferner zu ihr: Hier
sehet ihr diesen verwegenen König von Elam / der euch so wehrte tränen
auspresset! Ordnet nun künlich über ihn / was ihr meint  / dass er verdienet
habe. Indaride in ihrem entsetzen hierdurch gestårket / entzoge ihm eilig ihre
hand / und etliche schritte zuruck tretend / sagte sie endlich zu ihm: Wie? habe
ich euch nicht ehdessen bei den Brachmannen gesehen? Als er ihr solches bejahet
/ und dabei nochmals heteuret / dass er der Amraphel wäre: geriete sie wieder in
den ehmaligen wahn / er wäre tollsinnig / lächelte demnach und sagte: Wollet ihr
euch mutwillig in gefahr stürzen! Machet nicht einen so bösen König aus euch: es
dörfte sonst euer leben kosten. Hiemit wollte sie ihn verlassen; er aber solches
verwehrend / antwortete: Gläubet mir / grosse Prinzessin! dass ich Amraphel bin.
Eure schönheit brachte mich ehmals zu den Brachmannen / da ich / üm euch zu
sehen / mich unter die kranken begabe. Eben diese schonheit hat mich auch in
diese vestung gebracht /und zwinget mich aniezt / üm eure traurigkeit zu stillen
/ mich und mein gluck eurer willkür zu untergeben. Und wollet ihr meinen worten
nicht gläuben / so vergönnet mir nur / einen kleinen befehl an meinen feldherrn
zu schreiben / oder stellet mich vor den Elamitischen abgesandten: ihr sollet
erfahren / dass man /auf meinen befehl / diese belägerung gleich aufheben werde.
    Diese worte / welche der König ohne anzeig einiger tollheit furbrachte /
neben seinem guten wesen /machte die Prinzessin stutzen: und fülete sie sich
gereget / ihme / ob er gleich ihr todfeind war / nicht abhold zu sein. Sie wusste
aber nicht / was sie ihm sagen sollte: und kunte / da sein stand neben seiner
entdeckten liebe sie ganz verwirrt machete / zu keinem worte kommen. Indem
erlosete sie aus dieser verwirrung /der Ascadates ihr kammerherr: welchem sie /
sobald sie ihn ersehen / entgegen gienge / den Amraphel in der unruhigsten
betrübnis zu rück und allein verlassend. Dieser Ascadates aber / brachte ihr
sehr traurige zeitung: dann die Konigin hatte post bekommen /wiedass der
schwerlich-verwundete Jaziz gefangen /und in das Elamitische lager wåre
eingebracht worden. Weil nun Indaride ihren herr vattern sehr liebete /als
gienge ihr dieses überaus nahe. Indem erinnerte sie sich / dass ihr Amraphel
verheisen hatte / durch ein schreiben die belägerung gleich aufzuheben. Demnach
entschlosse sie sich / ihn üm die freiheit ihres herr vattern / noch in selbiger
nacht / anzusprechen.
    Also liesse sie ihn / durch den Nergal / heimlich aufholen / und redete ihn
also an: weil ich nicht weiss /was ich von eurer person glåuben soll / so will ich
hierdurch erfahren / ob ihr wahr geredet / wann ihr /durch einen befehl von
eurer hand geschrieben / den König meinen herr vattern aus dem lager / da ihn
die Elamiten gefangen halten / in diese vestung / ehe etliche stunden vergehen /
liefern und verschaffen könnet. Der verliebte Amraphel / hieruber erfreuet /
forderte alsobald eine lafel neben einem schreibgriffel: womit er an den
Abialton befehl erteilete / den König von Ophir / mit ansehnlicher begleitung /
bei anbrechendem tag / in Nissa zu schicken / und sich aller ferneren
feindseligkeit zu entalten. Als er dieses geschrieben / bate er die Prinzessin
/ dass sie mich dem jenigen / der dieses dem Abialton uberbringen sollte / zum
gefårten mitgeben wollte / damit die seinigen dieser schrift / durch meine
bekräftigung / desto mehr gläuben mögten: mit der versicherung / dass ich mich
unfehlbar samt dem abgeschickten wieder einstellen sollte. Indaride liesse ihr
alles dieses gefallen / und /nachdem sie den Amraphel wieder von sich gelassen
/sandte sie den Ascadates neben mir in unser lager /der dem feldherrn des Königs
befehl überlieferte: welcher / von mir hierbei alle ümstände vernemend /nicht
ermangelte / den König von Ophir in einer sänfte / mit dem morgen / nach Nissa
zu schicken.
    Die Königin wusste nicht / wie ihr geschahe / als sie so unverhoft ihren
gemal wieder erlangte. Die Prinzessin aber / wurde hierob so erfreut / als
bestürzet /und konnte nun des Amraphel worte nicht mehr in zweifel ziehen.
Mitlerweile jederman sich über die nie-erhorte höflichkeit des feindes
verwunderte / fuhre Indaride fort / sich des Amraphel zu bedienen. Als sie alles
/ was sie ihr fürgenommen / in ordnung gerichtet / liesse sie bei nacht / durch
den Nergal / meinen König und mich vor sich fordern: da wir sie / neben einer
dirne / in einem gewölbe fanden. Nachdem sie sich dem Amraphel genåhert /
neigete sie sich gar tief gegen ihm / und sagte: der grosse Amraphel hat mich
/durch die befreiung meines herr vattern / ihm so hoch verbunden / dass / wann
ich etwas mehrers / als seine eigene freiheit / ihm dafür wieder zugeben wüste /
ich mich dazu bereitwillig erweisen wollte. Nun aber wolle der Konig von Elam
dieselbige von mir annemen / und sich versichert halten / dass / weil ich lebe
/ich mich des grosmütigen Amraphels erinnern werde: sonderlich / wann ich hoffen
dörfte / dass meine bitte so viel bei ihm verfangen wollte / dem armen Ophir den
frieden wieder zugeben.
    Diese worte brachte sie so holdselig für / dass /wann schon Amraphel weniger
verliebt gewesen wäre / er ihr doch nichtes würde haben versagen können. Er gabe
ihr zur antwort: Er achte sich geboren und für sein einiges Glück / ihrem befehl
zu gehorsamen; und sollte sie morgen / mit dem tag / den frieden in ihrem reiche
haben. Was aber seine freiheit anbelange / so begehre er solche nicht / weil die
entbärung ihrer gegenwart ihm unleidlicher wäre / als die schwersten bande: und
es wurde ihm lieber sein / dass er / wann er sie liebend eine mishandlung begehe
/ solche mit einem tod bezahle / zu welchem sie ihn verurteilen wolle. Eine
angeneme röte stiege hierauf der Prinzessin ins gesichte / und die augen
niederschlagend /sagte sie: Ich bin dem König von Elam so viel schüldig / dass
ich gern überhoben sein mochte / in der zeit mich über ihn zu beschweren / da ich
ihm zu danken so hohe ursach habe. Ich will aber hoffen / der Konig Amraphel
werde die freiheit von mir annemen / die ich ihm geben kann / und nichtes von mir
begehren /darüber der Konig mein herr vatter allein zu ordnen hat.
    Ach schonste Prinzessin! (erkünere hierauf Amraphel zu antworten /) lasset
mich nicht so elend und unwissend von hinnen ziehen / ob ich euch lieben /und
von eurem herrn vatter euch begehren dörfte? Ein Konig auf dem tron / (sagte
Indaride) darf tun / was er will / und redet alles mit bässerem nachdruck / als
wann er sich ohne purpur sihet. Hiermit gienge sie /unerwarteter antwort / von
uns / und befahle folgends dem Nergal / uns durch einen verborgene gang unter
der erden wegzubringen. Also sahen wir uns / bei anbrechendem tag / im felde /
nicht weit von unserem lager: in welches wir / zu unserer volker hochster
verwunderung / eintraten / und unbeschreibliche freude bei ihnen erweckten.
Hierauf wurde gleich dem Abialton befehl erteilet / die belagerung aufzuheben:
massen wir / noch den tag / von Nissa hinweg rücketen. Es wurde auch nach Havila
an den Prinzen Baleus / wie auch an alle andere haubtleute / so eingenommene
plåtze besetzet hielten / ein reitbote mit briefen und befehl abgeordnet / die
orter dem König von Ophir wieder einzuräumen / und den frieden auszuruffen.
    Also zogen wir eilig aus Ophir hinweg / und als wir an die gränze des
Bactrianischen reiches gekommen / welches in schweren krieg mit den Assyriern
gerahten war / blieben wir allda stehen / bis der Baleus mit seinen volkern zu
uns stiesse: der dann dem Konig Amraphel / die häubter des Obad / Usal und Alaris
mitbrachte. Der König von Ophir gabe uns auch alle gefangene ledig / zur
erkentnis / dass unser Konig so grossmütig frieden gemachet hatte. Kajumaras und
Berug / waren in belagerung der stadt Havila erschossen worden / und also einem
schändlichen tod entgangen. Die Assyrische völker begaben sich unter anfürung
des Zalmons / in das Bactrianische reich. Mein König aber / und der Prinz von
Assyrien / als sie mit versicherung ewiger freundschaft von einander geschieden
/ gingen / dieser wieder nach Babel / jener aber mit uns nach Elimais: da der
sieghafte Amraphel von allen den seinigen mit herzlichen freuden entfangen wurde
/ und gönnete er mir die ehre / die zeitung von der glücklichen endschaft dieses
krieges / der Konigin seiner frau mutter nach Tyro zu überbringen.
    Nachdem ich diese reise glücklich abgeleget / fand ich meinen Konig zu
Elimais wieder in höchster traurigkeit / weil das andenken seiner Prinzessin /
und die entfernung von derselben / alle freude aus seinem herzen verbannete.
Demnach ward er endlich / mit gutbefinden seiner stände / entschlossen / eine
gesandschaft nach Ophir abzuordnen / und bei dem grossen Jaziz üm diese
Prinzessin anhalten zu lassen: und ward ich abermals / diese grosse anwerbung
abzulegen / von meinem Konig erkieset. Nebenst dieser öffentlichen verrichtung /
bekame ich etliche geheime befehl / und ward mit vielem gewerbe beladen / so
allein die Prinzessin betraffen / und die ich auf ein gutes Glück setzen musste /
ob ich sie anbringen könnte.
    Ich fand den Königlichen hof in der stadt Ophir /die an dem grossen fluss
Pison gelegen ist / allwo zu sommerszeit der Konig gemenilich zu sein pflegte.
Ich wurde als ein Elamitischer gesandter / gar höflich entfangen / und wenig
tage nach meiner ankunft zur Königlichen verhor vorgelassen. Mein erstes
anbringen / so in beståtigung des friedens bestunde / wurde ganz wohl aufgenommen
/ und ihres ortes der friede mit allem willen bekräftiget: massen sie einen so
gefårlichen feind / als sie den Amraphel befunden / nicht mehr in Ophir
verlangten. Wie ich aber fortfuhre /meines Konigs fürhaben zu eröfnen / dass er
nämlich mit dem König von Ophir in nähere freundschaft sich einzulassen
entschlossen wäre / und der Prinzessin Indaride erwähnte: / spürete ich / dass
der König Jaziz darüber ganz bestürzete / und / weil er dergleichen anwerbung
nicht vermutet / nicht wusste / was er antworten sollte. Also wurde ich / in
dieser ersten verhör /nur mit hoflichen worten beantwortet. Inzwischen nun der
König sich beriete / mit was bescheid er mich abfärtigen sollte / legete ich auch
meine begrüssung bei der Konigin und Prinzessin ab: die mir beiderseits eine
sonderbare hochachtung für meinen herrn bezeugeten.
    Weil ich nun also die freiheit hatte / bei hof mich sehen zu lassen / wann
ich wollte / als versäumte ich keine gelegenheit / meines Konigs båstes in acht
zu nemen / deren eine ich dann eines tags gar glücklich ergriffe. Dann als die
Königin / der ich in ihrem gemach aufwartete / mit einem gesandten von Elassar
zu reden hatte / und der Prinzessin inzwischen befohle /mir gesellschaft zu
leisten: erkünete ich / nach anderen gesprächen / sie der ehmaligen geschichten
meines Königs zu erinnern. Ich sagte unter andern / wiedass der König Amraphel /
iezt in seinem purpur / ihm die huldreiche worte wiederholete / die sie beim
lezten abschiede zu ihm geredet: wie dass nåmlich / ein Konig auf dem tron / mit
grossem nachdruck reden konnte. Daher er sich nun erkünet / von dem König ihrem
herr vattern die glückseligkeit zu begehren / so sie ihme damals / ohne
bewilligung Sr. Maj. nicht versprechen wollen. Indaride ward über dieser meiner
freien erklårung ganz errötet / und weil sie bereits mein dem König getanes
anbringen vernommen /und dessen unschlüsigkeit wusste / als ware sie ganz
betreten / was sie antworten sollte. Endlich erholete sie sich wieder / und
sagte: Die gesandten pflegen ihr anbringen heimlich zu halten / und sind sie
strafbar /wann sie davon viel reden. Deswegen will ich euch /Hadoran / nicht
anlass geben / ferner wider euer ietziges amt zu tun / und lieber eure
gesellschaft meiden /als dieses von euch vernemen / was euch nicht zu sagen
gebüret.
    Hiermit sich gegen mir verneigend / ginge sie aus der Königin gemach / mich
meines herrn halber ganz unruhig verlassend: daher ich fast nicht gewar wurde
/dass auch der gesandte von Elassar hinweg ginge / und mich bei der Konigin
allein verliesse. Diese kame hierauf gleich zu mir / und sich in allerhand
gespräche mit mir einlassend / wurde sie endlich so verträulich / dass sie mir
alles entdeckete: wie nämlich der König Jaziz meine anwerbung zwar sehr wohl
aufgenommen / sich aber schwerlich hierauf zu meines herrn vergnügung erklären
wurde / weil er dem Hiarbas Prinzen aus Egypten die Prinzessin zugedacht / und
ihn nach sich zum König in Ophir erneñen wollte. Wie ich nun die Kongin so
offenherzig fand / sagte ich hierwider; Es sei ja landkündig / dass der Prinz
Hiarbas die Mirina Prinzessin von Basan liebete / und daher zu vermuten / die
Prinzessin von Ophir würde lieber meinen König wählen / der sie mit der
häftigsten liebe anbetete / als einen Prinzen / der sein herz bereits einer
andern gegeben håtte. Hierauf liesse sich die Königin deutlich vernemen: wiedass
sie / wie auch die Indaride ihrs tochter / der wahl des Königs zwar entgegen
wären /aber dabei nichtes tun als gehorsamen konten / und müste sie sich ihres
orts beklagen / dass der himmel ihr versagte / den grossen König von Elam zu einem
sohn zu überkommen.
    Diese der Königin gegen meinen herrn bezeugende gunst / fand bei mir wenig
glauben. Und meines verliebten Konigs verzweifelung mir fürstellend / wann ich
ihme bei meiner wiederkunft alle hofnung / die Indaride zu überkommen / benemen
würde / finge ich an / etwas ungedültiger zu reden / wiewol ich es nicht in
befehl hatte / und mit einem neuen kriege zu drohen. Eben dieses täte ich
nachgehends bei dem König /als er mir diese seine erklärung eroffnete / dass die
Indaride bereits versprochen wäre / auch nach ihm die Ophirische kron erben /
und solche dem Prinzen Hiarbas aufsetzen sollte. Es wurde aber mein drohen / weil
es nur worte und keine vollkommene ankündigung des kriegs war / wenig
beherziget. Ich musste also mit diesem bescheid / dabei ich zwar tausend
hoflichkeiten entfinge / wieder abziehen / und vermochte keine gelegenheit mehr
zu erlangen / die Prinzessin nochmals anzusprechen. Den Prinzen Hiarbas hatte
ich bei meiner anwesenheit in Ophir nicht gesehen / weil der bei der Königin
Salamis im lande Nod sich aufhielte. Ich liesse mir aber das noch zu einem
kleinen troste dienen / dass ich dieses Prinzen fästen schluss erfuhre /die
Prinzessin Indaride nicht zu ehlichen / sondern der Mirina beståndig zu bleiben.
    Als mein König mit schmerzlichem verlangen meine wiederkunft erwartet /
verriete ihm alsobald /mein betrübtes aussehen / meine unglückliche verrichtung:
da es dann sowol ihme / zu fragen / als mir /etwas zu sagen / an muht gebrache.
Soll ich sterben /Hadoran? fragte er endlich. Nein / gnädigster Konig!
(antwortete ich /) der himmel gönne E. Maj. langes leben / üm mit gewalt die
jenige aus Ophir zu holen /die man gutwillig zu ihrem Glück nicht will abfolgen
lassen. Hiermit hatte ich gnug gesaget / und ware der verliebte Amraphel
hiernächst nicht zu trösten / was ich auch für gründe herfürsuchete / sein
niedergeschlagenes gemüt aufzurichten. Er kunte nirgendher einen schluss fassen /
und dorfte ihm auch niemand sagen / dass er der Indaride vergessen möchte. In
solcher trubseligen unentschlossenheit schwebte er eine lange zeit / und name
inzwischen ab / wie der tag. Endlich fiele ihm in die gedanken / unbekant nach
Ophir zu reisen / und / wo müglich / sich bei der Indaride so beliebt zu machen
/ dass er sie entfüren dorfte. Ihrer wenige im reich / erfuhren dieses sein
fürnemen. Dem Prinzen Nezar / seinem Stattalter /vertraute er sich hierinn vor
andern: dem er auch / in seiner abwesenheit / die vollige regirung anbefohle.
Also reisete er nach Ophir ab / wohl versichert / unbekant zu bleiben / weil ihn
/ auser der Prinzessin / niemand daselbst erkennet: massen auch diese / wie ich
gewisse nachricht erhalten / niemanden geoffenbaret hatte / dass er in Nissa sich
befunden. Mein verhängnis wollte / dass ich auf dieser reise den König nicht
begleiten dorfte / weil ich in Ophir gar zu bekant worden / und meine gegenwart
alles würde verraten haben: und musste ich dem feldherrn Abialton diese ehre
gönnen / die er aber leider! endlich mit dem leben bezahlet.
    Wie sie in Ophir ankamen / befande sich der König zu Nissa / das
frauenzimmer aber auf einer wallfart bei den Brachmannen: und wurde damals der
hof durch die anwesenheit des Hiarbas gezieret. Mein König / unter dem namen
Sadrach fürst aus Elam /machte sich gleich am hofe bekant: und weil denselbigen
viele junge ritter von allen orten her besucheten /und sich daselbst aufhielten
/ als kunte ihrer beider ankunft niemanden verdächtig fürkommen. Es stunde auch
Amraphel dem Konig und dem Prinzen von Egypten so wohl an / das sie beide seine
person hochachteten: sonderlich Hiarbas / üm den er täglich sein musste. Es kame
aber / kurz nach ihrer ankunft / die Prinzessin Mirina / aus Teutschland über
Bactra zurücke / mit sich fürend ein mächttiges kriegsheer dapferer weiber:
welche den durchzug durch Ophir begehrete / üm den Konig von Elassar zu
bekriegen /und an dessen sohne sich zu rächen / der ihr ihren geliebten Prinzen
Ingerman / des Königs Bojus sohn /ümgebracht hatte. So unangenem nun dem König
von Ophir ihre ankunft war / so sehr erneuete sich des Hiarbas liebe gegen der
Mirina: bei deren er / ob gleich von ihr nicht wieder geliebt / jedoch in hoher
achtung ware. Wie er dann / ihr in diesem feldzuge zu dienen / sich gleich
anbote: zumal auch der König von Ophir nicht ümhin konnte / ihr beistand zu
leisten / und ein ansehnliches volk ihr mitzugeben / wider den Konig von Elassar
/ der eben mit Ophir in misvernemen stunde / also dass man dorter einen krieg zu
vermuten hatte.
    Ob nun wohl der Jaziz lieber gesehen hätte / dass Hiarbas wäre bei ihm
geblieben / so musste er ihm doch hierinn seinen willen gönnen: doch wurden ihm
die Ophirische völker nicht untergeben / damit er / bei langwürigkeit dises
kriegs / nicht gehalten wåre /demselben stäts beizuwonen / sondern auf erfordern
wieder abkommen könnte. Und weil die dapfere Mirina ein eigenes heer teutscher
kriegs-knechte bei sich hatte / die ein teutscher Fürst / der wegen seiner
schönheit der schone Assur genant wurde / gefüret /als uberkame derselbe auch
den befehl über die Ophirische hülfvölker. Mein König / der Hiarbas und Abialton
/ begaben sich mit in diesen kriegszug / als freie rittere: und verhoffete
Amraphel sich durch seine taten so beliebt zu machen / dass es ihm künftig in
seiner liebe zu nutzen gereichen sollte.
    Es hatte mein konig seine Indaride noch nicht gesehen: weil sie aber für dem
ort fürüber mussten / da sie mit der Königin ihre andacht hielte / als gabe es
die gelegenheit / dass / wie die Mirina der Konigin / als ihrer frau mutter
schwester / zusprache / der Sadrach und Abialton auch mit in diese heilige
Einsidelei kamen. Dieses war eben der ort / da der verliebte König mit seiner
Prinzessin zum erstenmal / als ein kranker bettler / geredet: und nun erschiene
er wieder daselbst unter der decke eines entlehnten stands und namens. Indaride
/ ihn ersehend / gabe durch veränderung der farbe nicht unklar zu vernemen / dass
sie ihn erkennete. Indem nun er solches warname / kunte er sich nicht zwingen /
wie sehr ihn auch der Abialton bate / von ihr zu bleiben. Also nahete er sich zu
ihr /mitlerweil die andern ihnen anderweit zu tun macheten / und redete sie
also an: hier sihet die grosse Prinzessin von Ophir / wie kräftig ehmals die
arznei gewesen / die mir / von den schonsten händen der welt /an diesem ort
mitgeteilet worden. Ich sehe ja noch /was ich damals besorget / (antwortete sie
/ mit leiser stimme) dass die wahre vernunft hier nicht regiret /sondern zugeben
muss / dass von den sinnen gefårliche dinge furgenommen werden. Wo kann wahre
vernunft die vollige herrschaft behalten / (sagte er hierwieder /) wann man die
Indaride gesehen? Ich werde hierzu (gabe sie zur antwort /) unschuldig ursache
geben /und wollte wünschen / dass in meinem vermögen stünde / bei einem so grossen
helden die gesunde vernunft wieder einheimisch zu machen.
    Hiemit wurde sie von der Königin beruffen / dass also ihr gespråche sich
endete. Weil Mirina eilete / als kunte mein König keine gelegenheit mehr
erlangen /die Prinzessin zu sprechen. Er bliebe aber mit diesem vergnüget / dass
er wusste / dass ihn seine Prinzessin erkennet / und er aus ihrem wesen verspüret
hatte / dass er ihr nicht zuwider wäre. Welcher gestalt hierauf dieser krieg im
Königreich Elassar abgelaufen / ist dissorts unnotig zu erzählen / und wird genug
sein /wann ich allein sage / dass mein dapferer König /neben dem Hiarbas und
Abialton / der heldin Mirina das ganze reich Elassar erobern halfen. Der
Amraphel und Hiarbas stifteten inzwischen miteinander eine so vertråuliche
freundschaft / dass jener endlich diesem /seinen stand / neben der ursach / die
ihn unter Sadrachs namen in Ophir gefüret / entdeckte: da dann der grosmütige
Hiarbas meinem König allen beistand in seiner liebe versprochen. Wie sie nun
also siegreich wieder nach Nissa gekommen / wurde der Sadrach von dem Konig mit
so ungemeinen liebkosungen entfangen / dass er damit ganz vergnügt hätte sein
konnen / wann es ihm als dem Amraphel widerfahren wäre.
    Mit gleichmäsigen bezeugungen ehrten ihn auch die Königin und Prinzessin:
welche letzere die beständigkeit seiner liebe erkennend / ihn anderst als bisher
anzusehen begunte / und gegen ihme das bei ihr entfunde / wovon sie sich selbst
nicht überreden wollte /dass es gegenliebe wäre. Weil auch Hiarbas / sein dem
Amraphel getanes versprechen / je eher je lieber erfüllen wollte / als redete er
meines Konigs wort also gegen der Prinzessin / (mit welcher er / verträulich wie
ein bruder lebete / weil Mirina ihm verwehrete /sie als seine liebste anzusehen
/) dass sie sich endlich bewegen liesse / nit allein dem verliebten Amraphel zu
vergönnnen / dass er sie liebete / sondern auch ihn hoffen zu heise / dass sie ihn
wieder lieben würde / wann ihre eltern damit überein stimen wollten. Wer war
/nach dieser erklärung / vergnügter / als mein Konig? zumal als er / von dem
Hiarbas nachgehends zu der Prinzessin gefuret / solches aus ihrem holdseligen
munde selber vername. Er fiele ihr ohn unterlass zu fusse / ihr für solche gnade
zu danken / und war schon mehr als wohl zu frieden / ob er gleich sein fürhaben
noch lang nicht erreichet hatte / sie zu ihrer flucht zu bereden.
    Wiewol sie nach dieser zeit sehr vertråulich miteinander ümgingen / so wollte
doch mein König nie erkünen / der Prinzessin zu offenbaren / dass er sie entfüren
wollte: ungeacht er / sie zu erlangen / kein mittel auser diesem ersah.
    Eines tags / als er bei ihr war / und ein täfelein auf ihrem tische ligen
sah / schriebe er / zugleich seine vergnügung und hofnung ihr fürzumahlen / in
dasselbe diese reimsätze / die er mir nachmals widerholet:
Süsses wort aus ihrem mund!
Sie heist lieben mich und leben.
Ich bin mehr als halb gesund /
veil mein arzt mich weiss verwundt:
rettung denkt er mir zu geben.
Lieben soll ich nicht allein:
ich darf auch geliebt mich nennen /
und ihr herze das ist mein.
Ihrer schonheit wunder-schein
ist zugleich mein brunn und brennen.
Doch ich bleib' indessen wund.
Sie wird mir sich heilsam weisen /
und mich machen ganz gesund:
wann mich heist ihr süsser mund
nit ihr nach dem porte reisen.
Sie wollte aber nicht / wie er verlanget / seine Meinung hieraus erlernen /
sondern bate ihn / dass er seine vergnügung der himmlischen schickung überlassen
/ und die gedult mit der hofnung trosten wollte.
    Der König Jaziz triebe von tag zu tag den Hiarbas an / die Indaride zu
ehlichen / und hatte diese heurat so fäst gestellet / dass es eine lautere
unmöglichkeit war / ihn davon abzubringen. Demnach unbetrachtet aller ausflüchte
/ die der Hiarbas machete / setzete er einen tag des beilagers an: dass dann den
dreien verliebten grosse unruhe verursachete. Dann Hiarbas liebte die neue
Konigin von Elassar so håftig / dass er sie üm keine andere schönheit vertauschen
kunte. Amraphel und Indaride / hatten auch sich so fäst miteinander verbunden /
dass ohne todes-schmerzen dieses band nicht aufzulösen ware. In solchem anligen
nun entschlossen sie sich / der Königin Rehuma ihre noht zu klagen / von welcher
sie wussten / dass sie ihre tochter dem Prinzen aus Egypten nicht gern überliesse:
wiewol sie vordessen anderst gesinnt gewesen / und kunte niemand die ursachen
dieser sinn-änrung ausdenken. Sie brachten also bei dieser Konigin endlich zu
wegen / dass die dem Amraphel / der ihr nun heimlich bekant worden / erlaubete /
ihre tochter nach Clam zu entfüren. Die strenge tugend der Prinzessin
/unterwarfe sich hierauf dem wolgefallen ihrer frau mutter: und weil / ihre
liebe zu meinem Konig / diesen anschlag gut befande / als bemühete sie sich
nicht / den ursachen nachzuforschen / die hierzu die Königin bewegen mochten.
Wie nun dieses grosse fürnemen beschlossen war / eräugete sich / wegen
glucklicher ausfürung dessen / die groste schwürigkeit: und funden sie es nicht
so leicht / als sie sich ehmals eingebildet / eine Prinzessin aus Ophir zu
entfüren.
    Wie sie nun / dieserwegen sich zu bereden / öfters heimlich zusammen kamen /
und eines tags sich in einem garten befanden: wollte ihr unglück / dass in der
låube / in welche sie gingen / einer von des Jaziz kämmerern / üm etwas
auszuruhen / unter eine bank sich gelegt hatte / und von ihnen nicht ersehen
wurde: der dann / durch ihr gespräch erwecket / alles mit anhörete. Es ward
abgeredet / dass der Sadrach ein schiff bestellen / und es in etlichen tagen
bereit halten sollte /die Prinzessin auf dem fluss Cophene davon zu füren:
weswegen er bereits nach Elam für aus entboten hatte / dass man ihme volk
entgegen senden sollte / damit sie sicher durch das Bactrianische gebiete kommen
konten. Der Prinz Hiarbas sollte / als wann er von nichtes wüste / zu Nissa
verbleiben / durch sein ansehen und gute aufsicht zu verwehren / dass der
Prinzessin nicht auf dem rechten weg / den sie genommen /nachgesetzet würde.
Weil nun dieser kämmerer / so sich Helez nante / ehmals bei dem Kajumaras
gedienet / und darüm allen Elamiten feind ware / als versäumte er diese
gelegenheit nicht / seinen hass auszulassen. Wie er nun dem König diesen anschlag
entdecket / wåre der für eiver und entsetzen fast gestorben. Die rache und
begierde dieses fürnemen zu verhintern / ware sein einiger trost: worzu er also
fort diesen Helez verordnete.
    Dieser verräter / als sehr verschlagen / legte auf alles fernere kundschaft
/ und überfiele diese unglückliche verliebten / als sie / nach genommenen
abschied von der Konigin Rehuma und dem Hiarbas / bei nacht sich zu schiff
begeben wollten. Der mutige Amraphel /an nichtes weniger als an sein unglück
gedenkend /sah sich von der menge übermannet / wurde von seiner halbtodten
Indaride abgerissen / und in des Nergals seines ehmaligen wirts hände geliefert
/ der / auf des Königs befehl / ihn in ein schweres gefängnis warfe. Die
Indaride brachte man in ihr gewönliches zimmer: welches aber / so wohl als des
Hiarbas gemach / mit einer wacht besetzet wurde / dass sie nicht heraus kommen
konten. Hiarbas / der / aus dieser seiner verhaftung / den unglücklichen
fortgang ihres anschlags vermuten kunte / ware in hochster unruhe begriffen /
als er den Jaziz zu ihm eintreten sah. Dieser erzürnte König / wiewol er sonst
diesen Prinzen als seinen sohn geliebt und angesehen / liesse nun einen grossen
unwillen gegen ihm spüren / und verhube ihm die verachtung seines reichs /
seiner tochter / und seiner vätterlichen liebe / mit so scharfen worten / dass
Hiartus sich nicht anderst als mit stillschweigen zu verantworten wusste: wie er
dann keine gründe furbringen kunte / die einiger massen ihn entschüldigen / und
dem Konig ein genügen tun mochten. Dieser befahle ihm endlich / dass er auf
morgen sich gefast halten sollte / die Indaride zu ehlichen: weil er damit ihn
straffen wollte / womit er sonst ihm seine hochste freundschaft zu bezeugen
vermeint.
    Hiarbas wollte nun etwas darwider sagen: aber der verbitterte Jaziz wollte ihn
nicht anhoren / verliesse ihn in solcher verwirrung / und ginge von ihm zu der
Indaride: die er auf dem bette fand / da sie sich erbärmlich gebärdete / und
das ungluck ihres Amraphel beweinete. So bald sie ihren erzürnten vatter
erblickete /wollte sie / in erinnerung / wie sie ihn beleidiget / sich verbergen.
Er aber zoge ihr die decke vom gesichte /und sie ergrimmet anschauend / hielte
er ihr / mit den entfindlichsten worten / ihr verbrechen fur / und bezüchtigte
diese keusche seele mit so greuligen lastern / dass sie anhube ihr selber feind
zu werden / und nichtes zu ihrer entschüldigung fürbringend / sich allein mit
ihren tränen verteidigte. Diese aber begunten noch häufiger aus ihren schonen
augen zu dringen /als der Jaziz ihr / eben wie zuvor dem Hiarbas / andeutete /
dass sie / auf folgenden tag / an diesen Prinzen sollte getrauet werden. Hiemit
sie verlassend /ginge er hin / allen grimm und zorn auf den unglücklichen
Sadrach zu werfen: da dann der Nergal befehl bekame / ihn im gefångnis heimlich
entaubten und sein haubt dem Konig einliefern zu lassen.
    Dieser / name den befehl mit grossen mitleiden an /weil er meinen König sehe
liebete: dem er doch endlich seinen tod ankundigte. Amraphel entsetzte sich
hierob im geringsten nicht / auser dass er ihm betrübt fürbildete / wie
schmerzlich es seine Indaride entfinden würde. Er bate den Nergal / ob es nicht
moglich wäre / dass er zuvor seine Prinzessin noch einmal heimlich zu sprechen
bekommen mochte? Dieses sein verlangen / so schwer es schiene / name doch der
mitleidige Nergal über sich / ins werk zu fördern. Weil er schlosshaubtman war /
und alle verborgene gänge zu allen gemächern wusste / als fürete er meinen König
/so bald es abend worden / unvermerkt in der Indaride kammer. Diese Prinzessin /
weil sie von seiner ankunft nichtes fürher vernommen hatte / wurde / ihn
ersehend / mit freudigem entsetzen befallen: welches sich aber bald in eine
tödliche traurigkeit verkehrte /als sie von ihm vername / dass er kommen wäre /
ihr die lezte gute nacht zu sagen. Ach Sadrach! (schrye sie / ihn also vor dem
Nergal nennend /) wollet ihr mich dann allein zurücke lassen / und ohne mich
sterben / der ihr mich tausendmal versichert / dass ohne mich ihr nicht leben
kontet? Sol der tod dieses band zureissen / welches eine so keusche liebe so
fäst verknüpfet hat? Nein! ach nein! ich will von euch keinen abschied nemen: ich
will mit euch sterben. Süsse wird mir der tod sein / der mich die eurige
ungeschieden bleiben lässet. Diese worte rüreten des standhaften Konigs herze
dermassen / dass er / mit augen voll tränen / ihre hand zum oftern küssete / und
zu ihr sagte: Schönste Indaride! sparet euer leben für diss grosse reich / und des
Hiarbas glückseligkeit. Viel eher wird mein tod / (antwortete die Prinzessin)
den Hiarbas glücklich machen! Und da der himmel mir die kron von Elam nicht
gönnet / soll die von Ophir auch keinen glanz für mich haben. Sol dann
(wiederholete mein Konig /) eure schönheit der welt entzogen werden? Dieses
wenige / so ich davon besitze / (antwortete sie) hat der welt so grossen schaden
getan / da es muss des edelsten Königs tod verursachen / dass ich nicht mehr
würdig bin zu leben.
    Als nun der verliebte Amraphel nicht über ihr gemut erhalten konnte / dass sie
ihm zusagen wollen /nach seinem tod ferner zu leben / fiele er ihr endlich zu
fuss / sie abzugesegnen. Gleichwie aber er ihr die lezte gute nacht zu sagen
nicht vermochte / also erstummete sie ebenfalls / wie sie merkete / dass es zum
abscheiden gehen sollte. Sie vergasse aber / in solcher angst / der
sonst-gewohnten erbarkeit / und fiele ihm üm den hals / ihn so fäst in ihre arme
schliessend / dass der Nergal und ihre jungfrau Melinde / so allein bei diesen
traurigen abschied gegenwärtig war / sie mit gewalt von ihm los reissen mussten.
Sie fiele damit onmächtig nieder / und Amraphel / auch mehr todt als lebendig /
wurde wieder in sein gefängnis gebracht: da er die lezte stunde seines lebens
augenblicklich erwartete. Und hiernach ein verlangen bezeugend / weil er sich
sonder hofnung sah / davon zu kommen / wañ er gleich seinen stand geoffenbaret
hätte / bewarb er sich ganz nicht / auch seinen freund den Prinzen Hiarbas
heimlich noch einmal zu sprechen. Er dachte ferner an nichtes / als an seine
Prinzessin / und lebete fast nicht mehr / als in ihr: dieses für eine grosse
vergnügung schåtzend / dass er sie so beständig in der liebe gegen ihm befunden
hatte.
    Nun ware des Nergals frauen / der Jubalis / ihre ehmalige liebe zu meinem
König noch nicht vergangen /und kunte sie dessen hinrichtung nicht vetragen.
Demnach / auf seine errettung gedenkend / gabe sie acht /wann der Nergal
befehlen würde / den Sadrach zu entaubten. Als nun solches erfolget / gewonne
sie den diener / der es verrichten sollte / mit verehrung vielen geldes / und
beredte ihn dahin / dass er / an statt Sadrachs / einen andern / den sie ihm
nennte / entaubten / seinem körper des Sadrachs kleider anlegen /und das haubt
mit blut also verstalten sollte / dass es unkentlich würde. Dieser nun / so also
für meinen Konig sterben musste / war der gute Abialton: welcher / als er mit
seinem König abfahren wollen / durch den Helez auch mit ware eingezogen worden /
und nicht allein mit den haaren / sondern auch in der bildung /dem Konig
Amraphel / als ein vetter vom Koniglichen hause / sich etwas vergliche. Dieses
hatte die Jubalis in acht genommen / und darüm / durch solche gleichheit / ihrem
geliebten Sadrach das leben zu fristen / sich unterstanden. Dieser anschlag
gienge nun glücklich / nach ihrem willen / von statten. Und nachdem er das haubt
dem Nergal gebracht / der es mit tränen anname / eilete der erkaufte diener der
Jubalis /zu meinem Konig in das gefängnis: dem er seine kleider auszoge / und
damit des Abialtons körper bekleidete. Nachdem er den ganz-bestürzten Amraphel
andere kleider gebracht / fürete er ihn heimlich in das hinterhaus: da die
Jubalis aufs bäste geschmücket /seiner wartete / und ihn mit vielem liebkosen
entfinge.
    Mein König / der seinen tod vermutete / wusste nicht / wie ihm geschahe / als
er sich in eine kammer versperren sah / da alles herrlich und kostlich
ausgezieret ware. Sobald aber der morgen angebrochen /gienge Nergal mit dem
haubte zum Konig: der es in einen guldenen deckelkorb legen / und den Hiarbas zu
sich holen liesse. Dieser Prinz / so hiervon nichts wusste / war bekümmert / wie
er seinem freunde dienen möchte. Als er aber / für den König kommend /von
dergleichen zu reden beginnen wollte / gabe ihm der den verschlossenen korb / mit
befehl / denselbigen seiner tochter zum geschenke hinzubringen. Hiarbas /dieses
für ein zeichen sonderbarer güte achtend / eilete mit dieser grausamen gabe nach
der Indaride gemach: die er in der tiefsten traurigkeit fand / indem sie alle
angenblicke die zeitung von dem tod ihres Amraphels vermutete. Sie erblassete
gleich / als sie den Hiarbas ersah / uñ mit zittern den korb annemend / hatte
sie ihn kaum eröfnet / da schrye sie überlaut / und eiligst ein messer
ergreifend / welches sie zu diesem fürhaben zu sich gestecket / stiesse sie ihr
solches in die brust: worauf alsofort / das geschrei von ihrer entleibung / in
ganz Nissa erscholle.
    Der edle Hiarbas wurde für schrecken und unmut halb rasend / als er so
unverhofft solche greuliche mordtaten zusehen bekame. Er liefe auch gleich zu
dem Jaziz hinein / den er / dieser verübten tyranne halber / grimig und ohne
einige ehrerbietung ausscholte: ihme andeutend / wiedass er nicht allein / an
statt des vermeinten Sadrachs / den måchtigen König Amraphel aus Elam hinrichten
lassen / sondern auch damit ursach zum tode seiner tochter gegeben. Nachdem er
also alles gegen diesem wüterich ausgeschüttet / was ihme die ungedult in den
mund gegeben / eilete er aus Nissa hinweg / seinen weg nach Susan zu der Konigin
Mirina nemend. Wie nun das geschrei von der Prinzessin tode durch alle winkel
liefe / kunte die Jubalis nicht verwehren / dass es nicht auch dein Amraphel fur
ohren kame: der dann / sich für eine ursach dieses todes achtend / ganz
verzweifelt wurde / also dass Jubalis mit ihren dirnen ihm in der ersten wut
einhalt tun musste / damit er sich nicht üms leben bråchte.
    Ihre schwache verwehrung aber würde es nicht ausgemachet haben / hätte nicht
eben der himmel es so gefüget / dass ich / in Nissa denselben morgen heimlich
kommend / gelegenheit erlanget / meinem König in dieser noht beizuspringen. Dann
wie ich / von dem Stattalter Nezar / mit etlichen volkern an die gränze von
Ophir gesandt wurde / alda dem König mit der Prinzessin zu entfangen: triebe
mich mein verlangen /meinen Konig zu sehen / und machte mich also mit wenig
dienern füraus ziehen / in hofnung / auf dem flus Cophene meinen herrn zu
finden. Wie ich aber näher kame / hörete ich die betrübte zeitung / wie
unglücklich diese entfürung abgelaufen. Demnach eilete ich verkleidet in Nissa
hinein: daselbst ich eben ankame / als dieser klägliche handel darin
fürgegangen ware. Weil mir nun des Nergals haus / von vorigen zeiten her /
annoch bekant / als begabe ich mich dahin / und traffe zu meinem gluck eine von
der Jubalis vertrautesten dirñe an / die mir ehmals nicht abhold gewesen: von
der erfuhre ich in vertrauen / wie dass Sadrach von ihrer frauen heimlich
aufbehalten würde. Meine unbeschreibliche begierde machte mich hierauf so
sprachselig / dass ich sie überredete / mich zum König hinein zu füren. Ich fand
ihn fast sinnlos von betrübnis / und (mag wohl sagen) ganz verstellet. Wie nun
die Jubalis mich gleich erkennte / als ware sie fro / ihres Sadrachs freund /
und zwar zu einer solchen zeit / bei ihm zu sehen / da sie / dessen
verzweifelung zu verwehren / beistand vonnöten hatte.
    Nach vielem zureden / wurde ich endlich von meinem Konig erkant. Doch ware
alles bei ihme so erstorben / dass / da er mich sonst iederzeit sehr geliebt /
er damals die geringste freude über meine ankunft nicht spüren liesse. Was er mir
sagte / ware allein von seiner Entschliessung / dass er sterben wollte. Ich wollte
ihm solches nicht gerad widersprechen / brachte ihm aber allmählich bei / wiedass
er zuvor seiner Prinzessin tod an dem Jaziz rächen müste / und also dann mit
grösserer ehre / nach verübter solcher rache / sterben konnte. Ich täte hinzu /
wiedass sein ietziger tod / seiner Prinzessin zu nichtes nutzen / hingegen
vielmehr ihrer beider gutes gerüchte verkleinern würde / wann die welt erfüre /
dass der Elamitische Konig also ungeroche / in einem frömden lande / unter einem
falschen namen / und bei einer frauen verborgen / gestorben wåre. Mit
dergleichen gründen richtete ich ihn wieder auf / also dass er / in der grausamen
hofnung / durch sein und so vieler tausenden blut / das edle vergossene blut
seiner Prinzessin abzuwaschen / mir zuliesse /für sein leben zu sorgen. Aber ein
hitziges fieber / mit dem er hierauf befiele / musste uns verwehren / die abreise
aus Nissa zu beschleunigen: worbei die Jubalis ihm so fleissig aufwartete dass ich
wohl vermutete / ich würde meinen Konig nicht ohne grosse mühe aus ihren
verliebten armen reissen / und davon bringen können. Sie entielte ihn aber bei
sich im hause mit so guter art / dass ihr man Nergal nichtes davon innen wurde.
Ich erfuhre immittels / das die Königin Salamis mit ihrer tochter der Königin
Mirina gen hof gekommen wåre / den Konig Jaziz zu trösten: der zwar sich eher zu
frieden gabe / als die Königin Rehuma / die von keinen trost hören wollte. Es
wurde dabei berichtet /wiedass der Hiarbas / aus verzweifelter betrübnis / in den
Bactrianischen krieg sich begeben hätte.
    Wie nun endlich die rachbegierde dem Amraphel seine gesundheit
wiedergebracht / redeten wir zusammen ab / bei nacht heimlich davon zugehen /
dass die Jubalis dessen nicht innen würde: an die er / zur danksagung / ein
schreiben / neben einem stattlichen kleinot / hinterliesse. Es gluckete uns / dass
wir verborgen / sowol aus des Nergals hause / als aus Nissa und folgends aus
Ophir / entkamen. Wir funden in Elam alles in vollen waffen: massen der
Stattalter Nezar nicht sobald seines Konigs gefängnis vernommen / da rüstete er
sich / denselben auf alle weise wieder zu befreien. Dieses kame dem vorhaben des
betrübten Amraphels wohl zu statten / welcher nach Babel / zu dem König Belochus
/ einen gesandten abfärtigte: da er dann abermals / unter fürung des dapferen
Prinzen Baleus / eine ansehnliche kriegs-hulfe aus Assyrien erlangte. Dieser
Prinz fand seinen alten freund sehr verändert: wie dann die tödliche
traurigkeit ihn so gar beherrschete / dass alles bereits in ihm erstorben war
/und nur die liebe / rache und verzweifelung / noch in ihm lebeten. Des
Abialtons tod / brachte mir des feldherrn stelle zu wegen.
    Wie nun / zu diesem blutigen kriege / die benötigte vorbereitschaft
geschehen war / zogen wir nach Ophir: da alles / ohn erbarmen / über die schärfe
des schwerds gejaget wurde. Der Jaziz / so sich dieses kriegs nicht versehen /
forderte eiligst hülfe von der Königin Mirina: die ihme auch alsofort ein
mächtiges heer ihrer teutschen weiber zufürete. Diesen zu wehren / dass sie nicht
zu den andern völkern des Jaziz stossen mögten / sonderten wir unsere völker in
zwei heere: da Baleus / mit seinen Assyrern / nach den gränzen des Königreichs
Elassar ginge / wir aber in unserem zuge verblieben. Amraphels grausamer arm
/triebe alles für ihme in die flucht / und wurde der Indaride vermeinter tod mit
feur und blut gerochen: welches unser wüten ein so heftiges schrecken den
Ophirischen einjagete / dass alle Fürsten ihre schlösser verliessen / und nach
Nissa flohen. Der beängstigte Jaziz / dem es fürnemlich an einem guten heerfürer
mangelte / wünschete sehr / in dieser noht / des Hiarbas sich zu bedienen.
Demnach liesse er in seinem ganzen Königreich ausruffen / wiedass er / weil seine
einige tochter / die erbin des reichs gestorben / seiner gemalin schwester
tochter / die Königin Mirina / an kindes statt annemen / und die an den Prinzen
Hiarbas verheuraten wolle.
    Dieses gerüchte kante bald für die ohren dieses verliebten Prinzens / der
hierdurch bewogen wurde / das Bactrianische land wieder zu verlassen / und in
Ophir zugleich seiner liebe und ehrsucht zu rahten. Wie er nun in Ophir ankame /
und hörete / dass Amraphel noch lebete / wollte er wider seinen alten freund nicht
fechten / begehrte also von dem Jaziz völker / dem Baleus und den Assyrern
entgegen zu gehen: denen er dann so viel zu schaffen machete / und solchen
abbruch täte / dass er / wiewol er darbei schwerlich verwundet worden / eine
grosse feldschlacht gewunne /und den Baleus gefangen bekame. Also siegeten sie an
ihrer seiten über die unsrigen / gleichwie wir unsers teils meister über sie
spieleten. Wir mussten hierauf / den Assyrern / volk zu hülfe senden: womit wir
unsere macht in etwas schwåcheten / also dass wir nicht so geschwind / wie
anfangs / in unserem glücklichem siege fortfahren kunten. Inzwischen erlangte
der feind raum und gelegenheit / mit der Mirina sich zu vereinigen / die sich in
Nissa begabe: wodurch sich der Jaziz so verstårket / dass er und seine Fürsten
wieder neuen muht bekamen. Der Prinz von Chaldea aber / der Sinear / neben dem
dapferen Fürsten Eliphas von Teman / die in abwesenheit des Baleus die
Assyrischen volker angefüret / befreieten wiederüm /als ihnen die unsrigen zu
hülfe kamen / den Prinzen von Assyrien / indem sie mit grosser Entschliessung in
des Hiarbas lager einfielen / und denselben glücklich mit sich davon brachten.
Und hierdurch begunten unsere sachen bässer zu werden.
    Von kundschaftern / die wir nach Nissa ausgeschicket / bekamen wir die
zeitung zurücke / dass die Königin Mirina / an dem tag ihres mit dem Prinzen
Hiarbas angesetzten beilagers / aus Nissa wäre entfüret worden / und dass dieser
Prinz ihr nachgefolget hätte. Wir vermuteten hierauf / dass des Hiarbas
abwesenheit / und die verwirrung im lager der Mirina / uns grossen vorteil
schaffen könnte / wann wir eiligst fortrucken / und auf Nissa angehen würden.
Dieses nun machte der Konig von Elam gleich werkstellig / und kamen wir vor
Nissa mit solcher geschwindigkeit /dass der Jaziz sich sehr beängstigt sah / und
nicht wusste / wo er aus oder ein sollte.
    Der betrübte Amraphel erblickte nicht so bald die stadtmauren / und das
dahinter-hervorscheinende prächtige gebäude des Koniglichen schlosses / da
gedachte er an seine Indaride / und mit einem tiefgeholten seufzer sagte er zu
mir: Sihe / Hadoran! den gräulichen ort / da das schonste leben ümgekommen / da
die beståndige liebe der unvergleichlichen Indaride gesieget / und da alles blut
der einwoner / mit dem meinigen vermischet / diesen tod aussonen soll. Hiemit
ergriffe ihn die wütige ungedult / dass er gleich den ort wollte stürmen lassen.
Weil der aber fast unüberwindlich / als musste er sich entschliessen / durch
langwürige belågerung auszurichten / was dem gewalt unmüglich zu tun war. Also
setzeten wir uns fur Nissa / da immittels der Prinz Baleus seinem sieg im offnen
land nachsetzete. Es wollte aber der Jaziz / als dapfer von gemüte / sich nicht
also einschliessen lassen / sondern es lieber auf eine schlacht wagen: Demnach
zoge er selber aus Nissa uns entgegen / und lagerte sich für das tor der stadt.
Amraphel ward über dieser des feindes Entschliessung sehr erfreuet / und hatte
ich ihn fast niemals so munter uñ vergnügt gesehen: da ihm vielleicht sein herz
musste gesagt haben /dass er diesen tag zugleich seine rache und ruhe erlangen
würde. Er ginge so mutig an den feind / dass vielleicht kein held es ihme jemals
wird zuvor getan haben. Das treffen wårete von morgen bis zu abend: und weil
der mond schiene / also kunte auch die nacht des würgens kein ende machen; also
dass ich wohl sagen kann / es sei nie zuvor in Ophir dergleichen treffen geschehen.
    Der sieg bliebe unser / und musste sich der Jaziz in Nissa wieder zurücke
begeben. Aber ach! wie sauer kame uns dieser sieg an! Der verzweifelte König
Amraphel hatte vorsetzlich die gefahr also gesuchet / dass er sehr verwundet
wurde / und daher auf die letze /wegen mattigkeit / sich aus der schlacht in
eine klippe begabe: da er / ganz onmåchtig / und von niemanden als mir begleitet
/ sich auskleiden liesse. Diss ist die stunde / (sagte er zu mir /) da meine treue
liebe den sieg davon tragen / und mein blut die welt versönen soll / über den
verlust / so sie an der vollkommenen Indaride erlitten. Hiemit vergienge ihm die
rede. Als ich aber ihme / für wehmut / nichtes antwortete / erholete er sich
bald wieder / befahle mir sein reich neben der Lantine seiner schwester / zoge
damit seinen siegelring von der hand / und gabe mir denselben: viel dabei sagend
/ so ihm die zu mir tragende ungemeine gnade in den mund gabe. Lezlichen
forderte er von mir / mit einem eide / dass ich sein herz in die begråbnis seine
Indaride bringen sollte: damit er ewig bei derselbigen sein und bleiben möchte.
Was soll ich von ihm weiter sagen? Es wollte der grausame himmelsschluss / dass
dieser unvergleichliche held / in der bästen blüte seines lebens / seinen geist
aufgeben / und diese meine arme dem grossen König von Elam dienen mussten / seine
lezte ruhe in selbigen zu nemen / und seine edle seele auszuodmen: der eines
bässern glückes wehrt gewesen / wann nach dem verdienst alles zu beurteilen
wåre.
    Wie Hadoran dieses sagte / name er war / dass alle seine edle zuhörerinnen
mildiglich ihre zåren vergossen: daher er üm so viel mehr ungescheut sich der
freiheit bediente / auch seine tränen abzutrocknen /und etwas odem zu holen.
Worauf er seine erzehlung zu vollenden / also fortfuhre.
    Als ich hierauf / meines Konigs lezten befehl / den ich fur ein gesetze
hielte / werkstellig zu machen / den erblassten körper öfnen wollte / kamen
welche von meinen leuten dazu / die mir anmeldeten: wie dass unter dem heer eine
aufrürische unordnung zu entstehen begunte / daher meine gegenwart hoch vonnöten
wäre. Diesem unheil nun unverweilt zu steuren / bedeckte ich meines Königs
leichnam mit etlichen gesträuchen / und ritte nach dem lager. Als nun der
auflauf gestillet / und damit die nacht verlaufen war / eilete ich mit dem
morgen gleich wieder nach meinem edlen körper / fand aber selbigen in einer
viel andern gestalt / als ich ihn verlassen hatte: dann er ware ganz ausgezogen
/ und ihme das haubt abgeschlagen worden. Was mir demnach das grausame
verhångnis von meinem König übergelassen / wurde / wie wohl heimlich / in das
lager gebracht: alda ich dieses treue edle herz heraus schnitte / des fürhabens
/ solches in der Prinzessin Indaride begräbnis zu bringen / gleichwie mir war
befohlen worden.
    Ehe ich aber fortfahre / diese traurgeschicht-erzehlung zu endigen / muss ich
zuvor anfüren / was von dem tage an / als das geschrei von der Indaride tod
ausgebrochen / in Nissa furgegangen. Diese Prinzessin hatte zwar / sobald sie
das vermeinte haubt ihres Amraphels ersehen / sich gefårlich verwundet. Weil
aber ihre kraft nicht so stark gewesen / wie ihr wille /als kunte sie dadurch
nicht / ihrem fursatze nach /zum tod gelangen / sondern musste leiden / dass nach
der wunde gesehen / und dieselbe verbunden würde. Weil aber der listige Konig
Jaziz / die einbildung von dem tod seiner tochter / weder seiner gemalin / noch
dem Hiarbas / noch allen seinen ständen / üm dadurch zu seinem fürhaben desto
eher zu gelangen / benemen wollte: als bliebe diese Prinzessin todt in jedermans
gedanken / und wurde heimlich in einem turn erhalten / dass niemand etwas von ihr
wusste / auser die der König hierzu erkauft hatte. Wie nun der krieg anginge /
und der Konig Jaziz des Prinzen Hiarbas benötiget war / liesse er / wie ich
bereits erzehlt / ausruffen / dass die Mirina seine reichs-erbin werden / und den
Hiarbas heiraten sollte. Durch dieses mittel / brachte er den Hiarbas wieder nach
hof. Und ob wohl Mirina den Hiarbas nicht liebete / weil so wohl ihre kriegerische
natur / als das ruckdenken an ihren geliebten Ingerman / ihr keine andere liebe
zuliesse: so wollte sie doch das grosse und mächtige reich Ophir nicht ausschlagen
/ als welches nächst dem Assyrischen allen reichen in der welt die wage hält.
Demnach bequemte sie sich /den Hiarbas zu ehlichen: und wurde hierauf in Nissa
ihr beilager angestellet.
    Es hatte aber der Jaziz ihm furgenommen / an statt der Mirina / heimlich bei
nacht die Indaride dem Hiarbas zu bette zubringen: welche hierzu zu bereden / er
den abend vor der angestellten trauung weder gute noch böse worte sparete / sie
aber keines wegs gewinnen kunte / und sie ihrem Amraphel zu folgen / den sie für
todt hielte / fäst entschlossen fand. Diese Prinzessin aber erlangte / ungeacht
ihrer sorgfåltigen einsperrung und verwarung / eine gelegenheit / der Mirina
durch ein schreiben kund zu tun / was der Konig im sinn hatte: die dann / sich
also geteuscht sehend /so zornig darüber wurde / dass sie mit frühem morgen aus
Nissa hinweg zoge / und ihrem feldherrn dem Assur befehl erteilete / ihr
kriegsheer alsofort aus Ophir wieder ab und nach Elassar zu füren. Des vorigen
Konigs von Elassar sohn / der sie lang geliebt /und unbekant ihr stäts
nachgefolget / ergriffe diese gelegenheit / sie zu entfüren. Er wurde aber von
dem Prinzen Hiarbas gleich verfolget / und entstunde unter ihnen ein so blutiges
gefechte / dass der Prinz von Egypten / schwerlich verwundet / eine lange zeit
nach Nissa nicht wiederkehren konnte. Unter solcher zeit geschahe das erzehlte
treffen / welches die unsrige gewonnen / aber ihren König dabei verloren.
    Die trostlose Prinzessin Indaride / die inzwischen ihr leben zu kürzen
gelegenheit suchete / hatte endlich / eben die nacht vor der schlacht / einen
gift-trank erlanget / und nun vor sich gestellet / als der König ihr herr vatter
aus der schlacht / ganz abgemattet / zu ihr kame: der dann / den becher ersehend
/ selbigen / ehe sie dessen gewar worden / ansezete und rein austranke. Er
befande sich alsobald übel / und ergrimmete /als er von der Indaride erfuhre /
dass in dem becher gift gewesen wäre: weil er vermeinte / dass sie ihm solchen mit
fleis und aus bosem fürsatz hingestellet hätte. Demnach warfe er einen so
bitteren hass auf sie /als grosse liebe er vorher zu ihr getragen hatte. Er
schalte sie eine mörderin ihres vatters / und ihr in der rasenden wut nicht mehr
verhelend / dass der Amraphel noch lebete / verfluchete er sie / die mit ihrem
König von Elam / der iezt sein heer geschlagen / und bald als überwinder in
Nissa einziehen würde / über seinem tod triumfiren / und durch ihre verräterei
ihm seine kron aufsetzen sollte. Solches aber zu verhintern / befahle er sofort /
man sollte die Indaride spiessen /und sie also über die mauren der stadt Nissa
hinaus stellen: damit ihr verliebter Konig / durch solche qual / die vergnügung
uber seinem sieg verlieren mochte.
    Diese unschuldige Prinzessin / die auf einmal so viel böses und gutes
vername / wusste nicht / wie ihr geschahe / da sie ihren herr vattern / den sie
jederzeit /ungeacht aller widrigen ümstände / herzlich geliebt /durch ihre
verwarlosung vergiftet sehen / und dabei /dass ihr Amraphel noch lebete / (dessen
haubt sie doch / als sie vermeinte / in den hånden gehabt /) auch sich zu einem
so greulichen tod verdamet wissen musste: welchen sie kurz vorher / als sie ihrem
Amraphel für todt gehalten / nicht würde geachtet haben / nun aber /da sie ihn
noch im leben wusste / gern hätte vermeiden mogen. Wie diese vergiftung des
Königs gleich uberall ausbrache / ware die Königin Rehuma nicht unter den lezten
/ die dieses unglück erfuhren: welche dann mit ja so grosser besturzung ihre
tochter lebendig / dig / als ihren herrn sterben / sah. Alle mittel der
Königlichen leibärzte waren vergebens / den König zu erretten: welcher / als er
den Hiarbas zu seinem nachfolger im reich ernennet / auch dem grossen Königlichen
raht / der in Brachmannen und zwölf vördersten Fürsten des reichs bestehet /
seine kron und zepter anvertrauet / und die greuliche hinrichtung seiner tochter
ihnen durch einen eid aufgedrungen hatte / den geist aufgabe; alles in so
kläglicher verwirrung hinter sich lassend / dass dergleichen zustand vorher
niemals in Ophir mag gewesen sein.
    Die Königliche wittib / wollte gleich sich aller macht anmassen / und ihre
tochter / als erbin des reichs / nicht allein für dem grausamen tode schützen /
darzu sie verdammnet war / sondern ihr auch die kron wider den Hiarbas erhalten.
Der Königliche raht hergegen / hielte sich an des Königs lezten willen
/berieffen sich auf ihren abgelegten eid / und wollten /alle betrachtungen
hintansetzend / an der armseligen Indaride erfüllen / was über sie beschlossen
war. Dieses erregte in Nissa keinen geringen aufstand / indem alles volk sich in
zwei rotten trennete / deren die eine bei der Königin / die andere die seite des
grossen rahts / hielte. Weil aber die Königin zu schwach war /ihnen mit gewalt zu
widerstehen / als hielte sie für das bäste / wann sie könnte die Indaride
heimlich in unser lager und zu unserem König bringen: üm dadurch sich in schirm
zu setzen / und dem König von Elam das recht am Königreich Ophir zu übergeben.
Ihr anschlag glückete ihr nach wunsch / und ungeacht der grossen macht ihrer
widerwärtigen / brache sie / neben der Indaride und denen / die ihre seite
hielten / mit gewalt aus Nissa heraus / und eilete nach unseren lager. Als nun
meine soldaten mir gleich anmeldeten / wie ein grosses heer aus Nissa daher käme:
machete ich alsofort anstalt / dem feinde zu begegnen.
    Indem ich damit ümginge / kame ein abgeschickter von der Königin / der ihre
ankunft / und dass sie schutz bei meinem König suche / mir anmeldete. Ich /ganz
verwundert über dieser begebenheit / eilete ihr alsobald entgegen / und als ich
mich ihr genähet /sah ich sie in der trauer ankommen / begleitet von ihrer
tochter / die ich nicht für die Prinzessin Indarid halten konnte / weil ich sie
ganz gewiss für todt geachtet. Als ich nun die Königin / so gut es mein betrübnis
zulassen wollte / entfangen hatte / sagte sie mir mit kurzen worten: Sie bringe
ihre tochter dem König von Elam / dieselbe wider die tyrannei derer in Ophir zu
schützen. Bei anhörung dieser worte / wurde mir nicht anderst zu muht / als
hätte mich ein donnerschlag getroffen. Ich konnte / die augen auf die Prinzessin
werfend / kein wort herfürbringen / und trate also zurucke: da mir / indem ich
gen himmel sah / wider meinen willen die tränen so häufig aus den augen hervor
brachen / dass weder die Königin noch die Prinzessin wüsten / was sie von mir
machen sollten. Der verliebten Indaride ahnete gleich nichts gutes / sonderlich
weil sich mein König nirgend sehen liesse / nach welchem sie zu fragen nicht das
herz hatte. Nachdem ich mich wieder ein wenig erholet / stellte ich mich
freudiger an / als ich war / und fürete die Königin in mein gezelt: ihr im namen
meines Königs allen beistand verheisend / und denselben entschüldigend / dass er
nicht selber käme / ihr aufzuwarten / dann er / in der lezten schlacht /
schwerlich wäre verwundet worden.
    Sie / so wohl als die Prinzessin / begehrte ihn hierauf zu sehen: mir fiele
aber alsofort ein mittel ein /solches zu verwehren. Ich stellete mich an / als
wann ich ihre ankunft dem König anmelden wollte / und brachte bald hernach den
leibarzt / der allein neben etlich wenigen Königlichen bedienten / üm den tod
meines herrn wusste / mit mir zurücke; der musste / wie wir dann zusammen
abgeredet hatten / der Königin sagen: weil unser König noch nicht anderst wüste
/ als dass die Prinzessin Indaride todt wäre / als sei zu besorgen / er möchte /
sie ersehend / bei jetzigem seinem zustande / lebensgefahr anstehen; wie dann
plötzliche freuden / so wohl bei kranken als gesunden / sehr schädlich zu sein
pflegten. Demnach wäre sein fürschlag / dass man noch etliche tage mit der
besuchung verziehen möchte / bis sich des Königs wunden bässer anlassen würden.
Die Königin war mit diesem bericht des leibarztes völlig zu frieden / und sagte
die Prinzessin auch nichtes dagegen / wiewol ihr herz voll tödlicher unruhe
schwebte.
    Wie ich folgends mich allein befande / stellete ich mir diese begebenheit
recht für augen / und entfunde meines Königs verlust nun noch viel schmerzlicher
/da ihn die jenige konnte vergnügt leben machen / üm die er / sie für todt
achtend / gestorben war. Betrachtete ich dann die Prinzessin / so taurete sie
mich sehr /und wüste ich nun nicht / wo ich mit meines Königs herze bleiben
sollte? das mich / für die lebende Indaride / ein gar zu grausames geschenke zu
sein dunkete /und doch nirgend bässer / als bei ihr / verwahret sein konnte.
Hierbei lage die wolfart des Königreichs Elam mir allem auf dem halse: und wie
das absterben meines Königs mir / gleich den augenblick / eine rechtmäsige
Königin von Elam an seiner schwester der Prinzessin Lantine gegeben hatte / als
musste ich auch dahin bedacht sein / derselben ihr reich zu erhalten /uñ den
völligen untergang von Elam zu verwehren. Dieses nun zu vollbringen / mussten die
Elamiten in Ophir nicht erfahren / dass ihr König todt war: massen solches bei
ihnen den muht mindern / und ihrer viel hätte hochmütig machen mögen / nach der
Elamitischen kron zugreifen. Also fassete ich den schluss /den krieg / als wann
mein König noch lebete / zu vollfüren / der Indaride auf den Ophirischen tron
zu verhelfen / folgends einen ehrlichen frieden zu machen / und nach Elam die
völker abzufüren. Zu dem ende färtigte ich gleich einen reitboten an den Prinzen
von Assyrien ab / der ihme des Königs Jaziz tod zu wissen tun / und / dass er
mit seinen völkern zu mir stossen möchte / ihn ersuchen musste.
    Inzwischen ich aber sehr betretten war / wie ich der Königin und Prinzessin
in die länge meines Königs tod verhelen sollte: eräugete sich eine gelegenheit /
die mir hierzu beförderlich ware. Es täten die zu Nissa /in der nacht / einen
mächtigen und starken ausfall in unser lager / das zu einem blutigen gefechte
ausschluge: da zwar der feind keinen andern vorteil davon zoge / als dass er /
mit hinterlassung vieler todten / in Nissa wiederkehren musste / doch etliche
fürneme gefangene von den unsrigen mit hinein brachte. Ich liesse gleich darauf
aussprengen / sie hätten meinen König in seinem gezelt aufgehoben und gefangen
bekommen. Hierdurch wurde zwar die Königin und Prinzessin höchlich betrübet;
doch war hierbei dieses ihr trost / dass er würde wieder befreit werden: massen
alle Elamiten hier auf noch eifriger fochten / um ihren König zu erlösen. Weil
nun der krieg / nach des Jaziz tod / eine ganz andere gestalt gewonnen / als
geschahe unserseits alles / üm das recht der Prinzessin Indaride und die kron
von Ophir für sie zu behaubten: daher viele von den Ophirischen ständen uns
zufielen / und die Indaride für ihre Königin erkannten. Als aber der Prinz
Hiarbas ins reich wieder kame / sezte dessen gegenwart alles in einen andern
stand: und weil die meisten in Ophir ihn liebeten / als wurde er von ihnen in
der haubtstadt Havila einhällig zum König erwehlet /und Indaride / als eine
vatter-mörderin / der erbfolge unwürdig erkennet.
    Solcher gestalt wärete / den winter hindurch / die belagerung für Nissa / da
auch Baleus endlich zu uns gestossen. Wie ich aber warname / dass / das reich Elam
länger König-los zu lassen / unverantwortlich fallen wollte / wir auch der guten
Königin Rehuma wenig dienste tun konten: offenbarete ich ihr endlich / dass mein
König todt wäre / und dass ich / gewissens halber / wieder nach Elam gehen müste.
Ich fand die Königin / auf diesem bericht / nicht so trostlos / als ich mir
eingebildet: da sie zwar den unvergleichlichen Amraphel sehr beweinete und
beklagte / gleichwol den muht / obschon der Elamiten hülfe ihr entginge
/deswegen nicht fallen liesse. Sie zeigete aber auf einen frömden / der bei ihr
im gezelt war / und den ich vorher nie gesehen hatte / und sagte: dieser Migdol
bringt mir gute post / dass Ophir seinen rechten König bald erlangen soll. Diese
worte nun zu erklären / erzehlte sie mir / wiedass des Königs Jaziz sohn / der
Prinz Armizar / so in Egypten erzogen worden / noch lebete: dem sie / ob er
gleich ihr stiefsohn war / und sie gestehen musste / dass sie die ursach seiner
entfernung vor diesem gewesen / die Ophirische kron gönnete / und ihme dazu
beförderlich sein wollte.
    Hierauf bate sie mich / dass ich sie nach Nod zu ihrer schwester begleiten
lassen wollte / weil sie / nach der Elamiten aufbruch / keinen sichern ort in
Ophir mehr hätte. Nur war ihr noch bang üm ihre armseelige Indaride / wie die /
des Amraphel tod erfahrend / sich anstellen würde / der sie schon eimal zu einer
verzweifelten Entschliessung gebracht hatte. Endlich fiele ihr ein / dass sie
diese Prinzessin in ihr vatterland Basan in die stadt Salcha schicken wollte:
alda ihre fraumutter die Milda / die eine Prinzessin aus Arabien gewesen / einen
tempel gestiftet hatte / darin die jungfrauen / gleich denen zu Ninive in der
Diana tempel / verschlossen / alle weltliche gesellschaft auf ewig meideten / und
in allem der Brachmannen ihre weise und ordnung hielten; als welche erstlich in
Arabien /und nachgehends in Ophir gekomen waren / von deme diese Königin selbige
art des Gottesdienstes abgesehen hatte. Um nun zu dieser weiten reise die
Prinzessin zu bereden / und von ihrem König / den sie für noch-lebendig hielte /
sie abzubringen / musste mein edler König / nach seinem tode / sich noch einiger
untreu beschuldigen lassen: indem beschlossen wurde /der Prinzessin beizubringen
/ wiedass der Amraphel ihr unbeständig worden / und mit dem Prinzen Hiarbas /
wegen der Egyptischen Prinzessin Amesses seiner schwester / in anwerbung stünde
üm durch diese heurat einen ewigen frieden zwischen Elam und Ophir zu stiften.
Diss wurde also vollzogen / üm damit die Indaride zum hass gegen den Amraphel zu
bewegen /und dass sie desto gewüriger das einsame leben zu Salcha annemen möchte.
    Ich wollte zwar / meines Königs getreue liebe auch nach seinem tod unverlezt
zu erhalten / dieses lang nicht zugeben: liesse aber durch der Königin tränen
mich endlich bewegen. Doch beschlosse ich / dessen edles herz / neben einem
schreiben / der Prinzessin leuten mit zu geben; mit dem befehl / es ihr nicht
eher / als wann sie eine weile in Salcha würde gewesen /und also ganz aus der
welt ausgegangen sein / zuzustellen: dann ich mir ein gewissen machete / meines
Königs lezten willen unerfüllet zu lassen. Auf was weise nun hiernächst der
friede in Ophir / so wohl mit den Assyriern / als mit den unsrigen / getroffen /
wie kläglich sich die Indaride angestellet / als sie ihres Amraphels vermeinte
untreu erfuhre / deme zu lieb sie ihr zweimal das leben nemen wollen; wie die
Königin mit uns nach dem lande Nod / und die trostlose Prinzessin gutwillig nach
Salcha mit ihren leuten fortgereiset: solches alles mit ümständen weitläuftig zu
erzählen / will ich üm kürze willen unterlassen. Unser kriegsheer erfuhre unsren
grossen verlust nit eher / als wie sie aus Ophir abgefüret wurden. Und wie wir
also ohne den König in Elam wieder ankamen / wollten schier alle untertanen
verzagen: doch liessen sie sich damit noch trösten / dass ihnen ihr König eine
edle schwester hinterlassen / die sie / der natur und seinem lezten befehl gemäss
/ zur regentin bekommen würden.
    Die grosse liebe / so die Elamiten zu ihrem König getragen / verursachete /
dass sie ingesamt gross und klein / ohne einiges bedenken / diese seine schwester
zur Königin erkieseten: inmassen alsofort von den ständen der alte Mildor
abgeordnet wurde / E. Maj. (dieses sagte Hadoran zu der Lantine /) nach Elam
abzufordern. Weil ich die kriegsvölker der zeit noch nicht verlassen kunte /
sondern bei solchem gefärlichen zustand ein wachendes aug auf alles haben musste
/ als erfuhre ich nicht allein in Elam / dass in Ophir des Armizars seite immer
grösser begunte zu werden / sondern ich hatte auch das Glück / diesen Prinzen in
Hala selbst anzutreffen: von dannen er nun gewillet ist / nach Ophir zu gehen.
Dieser begehret nun unsern beistand / so wohl sein vätterliches reich einzunemen
/ als seines schwagers des Königs Amrapyel tod zu rächen. Ich habe zwar / ohne
erlaubnis unserer gnädigen Königin / ihm diese gesuchte hülfe nicht versprechen
/ wohl aber ihn darauf vertrösten können.
    Ich erhielte auch von ihm die nachricht / dass seine schwester / die
Prinzessin Indaride / im land Canaan ihm begegnet / als sie eben / von dem
Ascadates ihrem kammerherrn / meinen brief / und in einer güldenen schachtel
meines Königs herz beigeschlossen /bekommen hatte: welcher ihr darum das
schreiben eher / als ich begehrt / übergeben hatte / weil er / unwissend / was
in dem brief entalten / durch das klägliche wesen der Prinzessin / so sie über
die untreu ihres Amraphel fürete / erweichet worden / und vermeint / dass ihr
vielleicht mein brief etwas entdecken möchte / so ihr zu trost gereichen könnte.
Als ihr nun solchergestalt dieses Königs kläglicher tod kund worden / liesse sie
anfangs einige ruhe blicken / ihres Amraphels beständigkeit erfahrend. Wie sie
aber dessen herz ersehen / hatte ihr verlangen / bald zu ihrem liebsten König zu
komen / sie so wütend gemacht / dass sie unversehens in einem walde sich von den
andern los gerissen / und aus verzweifelung sich in einen bach stürzen wollen.
Dieser Ascadates / der den Armizar hatte in Elam begleitet / konnte mir die
klägliche worte nicht gnugsam beschreiben / so diese trostlose Prinzessin nacht
und tag fürete. Armizar hat sie an einem gewissen sicheren ort im land Canaan
gelassen: allda sie so ferne zur ruhe gebracht worden / dass man ihr / die
begirde ihm selber das leben zu nemen / als eine grosse sünde eingebildet. Sie
stehet zwar seiter von solcher wüterei ab / färet aber noch immer fort ihren
unwiderbringlichen verlust zu beweinen. Worinn sie dann eine grosse gesellschaft
hat: massen ganz Elam / neben dem Babylonischen hof / ja die ganze welt / diesem
unvergleichlichen helden / viel tausend zären und klagen ins grab nachsendet.
                                     * * *
    Ein milder tränenbach beschlosse hiemit des Hadorans erzehlung / der allen
seinen zuhörern die zungen hemmete / dass sie / so wohl diese klägliche
geschichte zu bewundern / als diesem edlen Moabiter für seine bemühung zu danken
/ nicht zu worten kommnt konten. Unter allen aber war die Königin von Tyro die
wehmütigste / die diesen ihren sohn so herzlich iederzeit geliebt / und an dem
sie der himmel so viel ruhm und ehre hatte erleben lassen. Der junge Prinz
Tiribaces bemühete sich / seine frau mutter zufrieden zu sprechen / mit der
versicherung / dass er also nach rümlichen taten streben wollte / dass ihr nicht
minder ehre von ihm / als von seinem verblichenen bruder /anstehen sollte:
welches sich regende grosse gemüte dieses Prinzen / der Königin zu nicht-geringem
trost dienete / wiewol es ihr ihren Amraphel nicht wiederbrachte.
    Indem kame auch die Stattalterin von Syrien dazu / die ein so betrübtes
wesen sehen liesse / dass daher die Königin von Tyro ursach name / zu ihr zu
sagen: wie / meine base! finde ich euch doch eben so / als wie ihr uns findet!
es kann aber diese unsere allgemeine betrübnis nicht einerlei ursach haben / weil
ihr nicht mit angehöret / was uns Hadoran iezt von meinem Amraphel erzählt hat.
Als nun hiermit die Prinzessin Tarasile sich der Königin bette genähert /
berichtete sie / wie iezt aus Canaan die jenige / die sie ihrer tochter
mitgegeben / sie zu ihrem hochzeitfest zu begleiten / niedergekommen wären / und
zwar ganz unwissend / wo Aramena möchte geblieben sein: das ihr dann ihre wunde
von neuem aufgefrischet hätte. Hierauf wendete sie sich zu der Königin von
Ninive /und sagte: E. Maj. gütigkeit wird ihrem reiche einen krieg bringen /
weil der König von Canaan die Ahalibama wieder haben will / oder widrigen falls
E. Maj. den krieg ankündiget.
    Durch diese beide zeitungen / wurde die ganze gesellschaft beunruhiget / und
beklagte die Königin von Tyro / dass ihrer schwester sohn / der Prinz Hemor / in
seiner liebe so unglücklich sein müste / uñ dass die flüchtige Aramena ihren
eltern so viel betrübnis verursachete. Was aber die Ahalibama betrift / (sagte
sie ferner /) so wird dieselbe / wegen ihrer rechtmäsigen flucht / nicht allein
die Königin von Ninive / sondern auch mein bruder schützen / und verhoftentlich
die Cananitische macht gegen der Assyrischen und Ninivitischen nicht aufkomen
können. Ich bin zwar friedliebend / (fügete die Königin von Ninive hinzu /)
dennoch aber will ich Ahalibama nicht lassen / sollte ich auch die feindschaft der
ganzen welt auf mich laden. Für so hohe versicherung / sagte diese Prinzessin
der Königin demütigsten dank / wie auch nachgehends der jungen Königin von Ealm
/ als dieselbe erwähnte /wiedass sie alle ihre Elamitische macht mit darzu
hergeben wollte / sie für dem Beor zu beschütze / weil sie ein solches üm das
haus Syrien mehr als wohl verdienet hätte. Die Königin von Tyro bekräftigte
solches /und liesse ihre sonderbare gewogenheit gegen der Ahalibama sattsam
blicken.
    Diese Prinzessin aber war so verwirret worden /über der Stattalterin
bericht / von wiederankunft des Tebah uñ der Fürstin Calaride / dass sie sich
lang nicht erholen konnte. Als hierauf die gesellschaft von der Königin von Tyro
abschied name / sagte die Tarasile zu der Ahalibama: wiedass sie gegen abend zu
ihr kommen / und sie besuchen wollte / weil sie von vielen dingen mit ihr zu
reden hätte.
    Wie nun deswegen die Ahalibama in ihrem palast verbliebe / üm alda der
Stattalterin zu erwarten /fand dieselbe auf bestimmte zeit sich bei ihr ein /
die Fürstin Calaride und den alten Tebah mitbringend: welche beide von der
Ahalibama mit nicht-geringer unruhe entfangen wurden. Nachdem sie sich zusammen
gesetzet / und die erste höflichkeiten / die bei dergleichen besuchungen
fürgehen / abgeleget / sagte Tarasile zu ihr: so erfreuet ich sein sollte /
liebste base! euch hier zu sehen / da mir alle die eurigen iederzeit herzlich
lieb gewesen / so viel unruhe bringt mir dabei eure sonst-angeneme gegenwart.
Dann ich nicht daran gedenken kann / wie ihr / aus Salem / des Beors händen
entgangen / dass ich nicht auch zugleich meiner einigen tochter flucht mir
fürstellen müste. Teba und Calaride hierzugegen wollen mich bereden / dass meine
tochter mit euch zugleich davon gekommen sei: und ihr habt gegen meinem herrn
erwehnet /dass Aramena / etliche tage vor euch / aus Salem sich hinweg begeben
habe. Dafern ihr demnach / werteste Prinzessin! hiervon bässere wissenschaft
habet / wo meine tochter geblieben / so beschwöre ich euch bei allen göttern /
bei eurem verstorbenen Elieser / ja bei diesen meinen tränen / dass ihr es mir
nicht verhelen /sondern euch einer trostlosen mutter erbarmen wollet /die auser
dieser freude / die sie ihr von ihrer tochter eingebildet / keine vergnügung in
der welt achtet.
    Ahalibama / deren hiermit sowol ihres Eliesers als der Aramena verlust von
neuem fürgestellet wurde /kunte ihre tränen nicht verdrucken. Nachdem sie aber
solche abgetrocknet / schwure sie bei allen göttern /dass es wahr sei / was sie
gesaget / und sie nicht wüste / wo Aramena hingekomen. Und dieses kunte sie mit
gutem gewissen tun / weil sie diese Prinzessin für verloren hielte. Ich vermute
aber / (setzete sie hinzu /) dass sie sich schon in Ninive befinden werde / weil
dahin iederzeit ihr einiges verlangen gestanden. Tarasile musste diesen ihren
worten gläuben / und sagte Tebah hierauf: Ich zweifele fast nicht mehr daran
/dass unsere Prinzessin in Ninive sein werde / wann ich alles recht überdenke.
Der Prinz Hemor ist auch eben dieser Meinung / und hat deswegen eine reise nach
Ninive übernommen / seiner einbildung nach etwas gutes in seiner liebe
auszurichten. Tarasile schluge hierzu die augen gen himmel / und mit einem
tief-geholtem seufzen riefe sie denselben an / dass er des Prinzen von Canaan
fürhaben segnen wollte.
    Hiernächst fragte sie die Ahalibama / üm ihren ritter / und bekame zur
antwort: Dieser ihr ritter wäre /bei dem einzug der Königin von Ninive / in dem
von den Leuen erregten auflauf / hinweg gekommen / also dass sie an seinem leben
zweiflen müste. Dieses kunte sie nicht sonder seufzen herfür bringen: weil ihr
sehr zu herzen gienge / nicht allein / dass sie also die Aramena verloren /
sondern auch / dass sie ihrer mutter /die so schmerzlich nach ihr fragte / die
rechte warheit nicht entdecken dorfte: dann sie würde hiermit ihre ohndas-grosse
betrübnis vermehret / und sie der hofnung / dass sich Aramena vieleicht noch
wieder finden würde / gänzlich beraubet haben. Die Stattalterin aber führe
hiernächst fort / sie üm alles dieses ümständlicher zu befragen / wie dieser
ritter hiese? wo er her wäre? wie lange sie ihn gehabt? und was der fragen mehr
waren: worbei dann der Prinzessin von Seir sehr angst wurde / ihr auf alles
wahrscheinlichen bericht zu geben.
    Der alte Tebah hörete diesem gespräche mit grosser aufmerkung zu /
sonderlich wie die Stattalterin ferner erwähnte / dass man ausgegeben / wie
dieser Dison dem lezten König von Syrien so änlich gesehen: daher eine gemeine
sage erschollen / als wann er der Prinz Aramenes sein müste / von deme man iezt
in ganz Syrien ausgeben wollte / als wann er noch verhanden wäre. Weil nun dieser
Tebah sich wohl erinnerte / dass der Prinz Aramenes / in seiner kindheit /seiner
frau mutter der Königin Philistina / und nicht seinem herrn vatter / gleich
gesehen: als geriete er auf die gedanken / ob auch wohl Aramena / unter den
mañskleidern des ritters der Ahalibama verborgen sein mögen / weil man ihn dem
König Aramenes sehr änlich befunden? Er wollte aber diese seine gedanken
niemanden eröfnen / bis er dessen mehrern grund erlanget hätte.
    Als hierauf die Stattalterin an ihn begehrte / ihr zu erzählen / wo er so
lang mit der Fürstin Calaride geblieben wäre / berichtete er: wiedass / nach der
Ahalibama flucht aus Salem / welche neben der Aramena verlust auf einen tag
offenbar worden / er noch etliche wochen daselbst verharret / in hofnung / etwas
von der Aramena zu erforschen. Wie aber solches alles vergebens gewesen / und
endlich der König Beor für gewiss erfahren / dass die Prinzessin Ahalibama nach
Hemath zu der Königin von Ninive gekomen / und von derselben in schutz
aufgenommen worden: hätte der Prinz Hemor mit ihme sich auf den weg gemacht
/nach Syrien zu gehen / von dar dieser verliebte Prinz fürter eine reise nach
Ninive fürgenommen. Er aber /als er wenig tage in Hierapolis sich aufgehalten /
habe seine schuldigkeit erwogen / der Stattalterin und dem Prinzen Mamellus /
den verlauf seiner reise / und seine unglückliche verrichtung / zu vermelden:
und möchte er wünschen / dass der himmel ihme mehr Glück zu dieser
ihm-anvertrauten Prinzessin hätte verleihen wollen.
    Dieses alles bestätigte die Fürstin von Naeman / uñ erwähnte dabei / dass der
König von Canaan mächtig werben liesse / üm die Ahalibama wieder zu erobern: und
würde der Fürst Elon / den sie in Hierapolis gelassen / mit ehstem ankommen /
der Königin von Ninive den krieg dieserwegen anzukündigen / wofern sie ihm seine
braut nicht gutwillig wollte folgen lassen. Wann mein fürhaben / (antwortete
hierauf Ahalibama /) bald werkstellig wird / so hoffe ich / dass weder des Beors
noch einiges menschen macht mich ferner soll verfolgen können / und wird alsdañ /
meinetwegen einen krieg anzuheben / unnötig sein. Wie nun Tarasile und Calaride
dieses fürnemen wissen wollten /sagte ihnen Ahalibama / wiedass sie gewillet wäre
/nach Ninive in der Diana tempel zugehen / weil sie /nach ihres Eliesers tod /
in der welt keine vergnügung mehr zu finden wüste. Wiewol ihr dieses die
Tarasile häftig widersprache / konnte sie doch damit über dieser Prinzessin
gemüte nichtes ausrichten. Hierauf begabe sie sich / neben der Calaride und dem
Tebah / wieder hinweg / nach ihrem palast: da sie ihrem herrn alles erzehlete /
was sie vernommen hatte.
    Sobald aber der Tebah mit guter art aus des Stattalters behausung
hinwegkommen kunte / begabe er sich nach des Tare Fürsten von Pildas wonung
/allwo er den Fürsten Rames von Jedlaph / die beide Fürsten Ezer und Akam von
Haso / und seine beide vettern den Gaham und Maacha / antraffe: welche bei nacht
/ üm den Assyriern allen verdacht zu benemen /immer zusammen kamen / und sich
miteinander beredeten / was fürzunemen wäre / ihrer erb-Königin Aramena mit dem
Hemor auf den Syrischen tron zu verhelfen. Dann dieser Prinz ware / mit dem
Elon / Aner und Tebah / heimlich zu Hierapolis gewesen / und hatte den
Syrischen ständen kund getan / dass Aramena / des Stattalters von Syrien
vermeinte tochter /ihres Königs Aramenes kind wäre. Die stände hatten dieses /
aus vielen ümständen / für glaubhaft angenommen / und sich mit dem Prinzen von
Canaan dahin verbunden / dass / wann er die verlorne Aramena wieder finden und
mit seiner macht ihnen beistehen könnte / sie ihn zum herrn annemen / und sich
von dem Assyrischen joch befreien wollten. Weil aber viel Syrische fürsten gar zu
gut Assyrisch waren / als der Zophar von Naema / ein bruder des Rames / der
Baracheel von Bus / und dessen sohn Elihu / der alte Fürst von Hus / und der
Husan Fürst von Chesed: als wurden diese von solcher unterredung ausgeschlossen
/ da man raht hielte / wie dieses schwere werk wohl einzurichten sein möchte.
    So bald sie den alten Tebah ersehen / fingen sie ihre beratschlagung von
neuem an. Sie waren aber unter sich selbst nicht völlig einig / in diesem
handel. Dann der Tare / Rames und Ezer / den ausgestreueten zetteln gläubend /
darin entalten / wiedass ihr Prinz Aramenes noch lebe / und sich ihnen zeigen
werde / sobald sie zu den waffen greifen / und sich in den stand / ihn wider den
König von Assyrien zu schützen / setzen würden / wollten lieber diesen ihren
natürlichen herrn / als den Hemor / zum König haben. Der alte Tebah aber / der
den Akan / Gaham und Maacha auf seiner seite hatte / überstimete dieselben
/anfürend: er müste zwar gestehen / dass ihrer aller liebe sich billiger zu dem
Prinzen Aramenes wenden würde. Wann er aber erwäge / dass diese zetteln mit
nichtes noch zur zeit bewiesen / dass des grossen Aramenes sohn gewiss vorhanden
sei / selbiger auch / auf seinen vätterlichen tron zu steigen / keine als die
Syrische macht hätte: so sei es überaus gefär- und misslich / wegen eines
unbekanten sich wider die Assyrier aufzulehnen / und deren macht über sich
zuziehen /deren sie nimmermehr gewachsen wären / zumal da die hälfte unter ihnen
selber so gut Assyrisch sich erwiesen. Hingegen aber sei diese Aramena völlig
bekant / und von ihrem lezten König ihme dem Tebah anvertrauet. So stehe auch /
wegen dieser / die Cananitische macht zu ihren diensten / welche sie der
Assyrischen entgegen setzen konten. Endlich so sei der Hemor ein so beliebter
herr / dass sie unter dessen regirung gewünschte ruhe zu hoffen hätten. Diese
gründe wurden zu lezt / von dem Tare und den andern /angenommen.
    Als man hiernächst ferner auf den krieg zu reden kame / den der König Beor
der Königin von Ninive wegen Ahalibama ankündigen wollte: vermeinte der Tare /
wann dieses geschähe / so würde die Cananitische macht sich schwächen / und ihr
dadurch mehr feinde auf den hals laden. Aber Tebah erklärte ihnen hierauf /
wiedass dieser krieg nur die schein-ursach sein sollte / üm / ohne erweckung eines
argwahns / die völker aus Canaan nach Hierapolis zu ziehen: da dann die Syrer
die Ahalibama von den Niniviten abfordern müsten / üm keinen krieg in ihr land
zu bekommen. Weil nun die Königin von Ninive solche nicht von sich lassen würde
/ als überkämen sie daher gelegenheit / sich zu beschweren / auch zu des landes
sicherheit / die waffen zu ergreifen: welches die Assyrier nicht würden verüblen
oder verargwänen könen.
    Wie aber / (wandte der Tare ein) wann die Fürstin von Seir eher nach Ninive
in der Diana tempel entkäme / ehe dieses alles werkstellig gemacht worden? wie
dann meine tochter die Casbiane mich berichtet / dass die Ahalibama hierzu
entschlossen sei / ehist dahin zu gehen. Würde nicht / auf solchen fall der
König von Canaan uns seinen beistand entziehen / das Assyrische joch von uns zu
werfen? Und würde nicht alsdann auch / der Prinz Hemor / die Sichemitische kron
wieder haben wollen? Also wäre uns wenig damit geholfen / und wir würden / an
statt des Assyrischen /das Cananitische joch uns aufgebürdet sehen. Diese
gedanken / sind nicht aus der acht zu lassen / (antwortete Tebah /) immassen
ich gleich iezt diese Entschliessung der Prinzessin Ahalibama aus ihrem eigenen
mund gehöret: und würde es also nimmermehr gut sein / wann sie uns entkäme. Mein
raht ist / man trachte / sich ihrer person wohl zu versichern / damit man sie /
dem König von Canaan / in die hände liefern könne. Was aber der Fürst Tare
erwehnet / dass der Hemor künftig auf die Sichemitische kron könnte anspruch
machen: so sage ich dagegen / dass wir ihme / bei seiner künftigen krönung alhier
/ was er beschwören soll / schon fürlegen / und darin genug sicher werden gehen
können.
    Sie beredeten sich hierauf noch eine gute weile miteinander / und machten
endlich den schluss / dass sie des Hemors verrichtung auf seiner reise nach Ninive
abwarten / dem Elon / mit dem förderlichsten von Hierapolis herüber zu kommen /
zuschreiben / nach dessen anbringen ihre sachen richten / und inzwischen ein
wachendes auge auf die Ahalibama haben wollten /dass sie die / wann es vonnöten /
entfüren / und dem Beor liefern könten. Die heimliche werbungen in ober-Syrien /
sollten hiezwischen ihren fortgang haben: die sie des Rames sohne / dem Fürsten
Cyniras / anzustellen befahlen. Es ward auch abgeredet /dass ihre nächtliche
zusammenkünfte / üm in stätiger beratschlagung zu bleiben / und dieses grosse
werk desto bässer auszufüren / sollten fortgesetzet werden.
    Als sie hierauf wieder voneinander gegangen / eilete Zelinde / des fürsten
Rames tochter / die sich bei des Fürsten Tare gemalin ihres vatters schwester
aufhielte / und in einer nebenkammer alle diese reden von entfürung der
Ahalibama mit angehöret hatte /nach der Casbiane kamer / die sich / in
abwesenheit ihres herrn / des Arsas / in ihrer eltern haus begeben hatte / und
erzehlete derselben / was man mit der Ahalibama fürhätte: die sich hierüber sehr
bekümmerte / und folgenden morgens die Ahalibama zu warnen / ihr fürname.
    Sobald die sonne wieder herfürgekommen / liesse diese Fürstin ihren wagen
anspannen / des fürhabens /zu erst die Ahalibama zu besehen / und alsdann nach
ihrer Königin / deren sie in Damasco noch nicht hatte aufgewartet / sich zu
begeben. Weil sie nun ihre wase Zelinde auch an ihrem hof wollte bekant machen /
als name sie dieselbe mit sich / und erzehlte ihr unterwegs / wie es ihr mit
ihrem schreiben auf der her-reise ergangen ware: sie ferner fragend / ob sie von
dem vorhandenen Syrischen König nichtes vernommen hätte. Zelinde gabe ihr den
bericht / wiedass bei der bürgerschaft in Damasco die hofnung zwar gross sei /und
die sage gehe / ihr König Aramenes habe sich bei dem einzug der Königin von
Ninive sehen lassen. Ihre beide vettern aber / und die andere Syrische Fürsten
/wollten davon nichts gläuben: und würde sie der Casbiane ein mehrers davon sagen
können / wann sie eher ihrer unterredung zugehöret hätte / zu welcher sie nur
auf die letze gekommen / als von der Fürstin von Seir die unterredung sich
angefangen.
    Unter solchem gespräche kamen sie auf den Königlichen platz: daselbst als
sie vom wagen gestiegen /und nach dem palast der Ahalibama gehen wollten
/begegnete ihnen der Fürst Jotan / von dem sie erfuhren / dass die Prinzessin
von Seir / neben der Fürstin Timna / bereits in dem palast der Königin von
Ninive wären / und alda auf dem dach des hauses mit dem andern Ninivitischen
frauenzimmer lustwandeln gingen. Dieserwegen begaben sich die Fürstin von Cale
und die von Jedlaph auch dayin / und funden die Ahalibama in gesellschaft der
Aramena und Timna; welche mit freudigem wesen der Casbiane entgegen kame / und
einen Zedel in der hand haltend / zu ihr sagete: Meine Fürstin freue sich mit
mir! ich habe meinen ritter Dison bisher für verloren gehalten / gestrigen
abends aber diesen brief von ihme bekommen / den mir ein unbekanter knab in mein
haus gebracht. Ich verkündige diese gute zeitung darüm / weil ich weiss /was
grosse hochschätzung die Fürstin Casbiane von meinen Dison gemachet. Mit der
Prinzessin von Seir /(antwortete Casbiane /) erfreue ich mich billig / über
diese gute zeitung / und wäre es wohl zu beklagen gewese / wann dieser ritter
also / in dem auflauf / sein leben hätte enden müssen. Ich hatte ihn bereits
verloren gegeben / (sagte Aramena /) und wie ich sein aufwärter bin / und ihn
für meine einige gebieterin angenommen / als kann man gedenken / wie mir dieser
eingebildete verlust zu herzen gegangen. Was schreibt er dann? fragte Casbiane /
und name damit den Zedel aus der Ahalibama hand / welchen sie dieses inhalts
fand.
           Schreiben des Disons an die Prinzessin Ahalibama von Seir.
Meine Prinzessin! Ich vermute wohl / dass meine jezige abwesenheit der mitleidigen
Ahalibama grosse sorgen werde verursachen. Daher habe ich von der person /in
deren hände ich gerahten bin / die freiheit erberen /dieses von mir zu schreiben
/ dass Dison noch lebet /dass er wohl gehalten wird / und dass ihme nichtes
ermanglet / als die gegenwart seiner Prinzessin zu geniessen / der er mit ewiger
treu verbunden verbleibet.
                                                                          Dison.
    Ich weiss nun / dass mein Dison lebet: (sagte Ahalibama /) aber er berichtete
nicht / wo er lebe. Doch weil es ihm seiner meldung nach / wohl ergehet / muss ich
mich gedulten / bis der himmel ihn wieder zu mir füre. Meine eiversucht (finge
Aramena hierauf an /) bildet mir für / er sei bei einer von meinen
mitbulerinnen: daher ich seine abwesenheit mit unruhe vertrage. Schmerzet dann
dieses die Aramena nicht / (fragte Ahalibama /) dass Dison an mich allein
geschrieben? Im briefwechseln / (antwortete Aramena) ist unsere verträulichkeit
noch nicht angegangen / sonst müste ich freilich eiversüchtig hierüber werden.
Nach diesen und dergleichen scherzreden / begrüssete Ahalibama /und nach ihr die
anderen / die Fürstin Zelinde / als welche sie noch nicht gesehen hatten.
    Mitlerweile nun dieselbige bei der Timna und Aramena verbliebe / zoge
Casbiane die Ahalibama auf eine seite / und offenbarete ihr / was sie von ihrer
entfürung wüste. So sei es dem himmel geklaget (seufzete und sagte hierauf diese
Prinzessin) dass meine verfolgungen nimermehr sollen aufhören! Vor den
offentlichen hätte ich mich nicht so viel zu fürchten / als für diesen
heimlichen: und wird mir dieses anlass geben /mein fürhaben desto eher
werkstellig zu machen. Welches? fragte Casbiane / ganz besorget. Dieses
/(antwortete Ahalibama /) das meine Fürstin so wenig / als andere die es hören /
gut befinden wird: dass ich nämlich mein leben / in der Diana tempel zu Ninive
/beschliessen will. Casbiane geriete hierauf in tiefe gedanken / und schwiege eine
gute weile / aber endlich sagte sie: Ich bin zwar eines andern glaubens / doch
kann ich eben meiner Prinzessin hiervon nit abraten. Wie kommet man aber / so
einen weiten weg / nach Ninive? Ahalibama / die ganz unvermutet die Casbiane
also reden hörete / sah sie ganz erfreuet an / und sie ümarmend / sagte sie zu
ihr: Casbiane hat mich schon einmal aus des Beors händen befreit; könnte ich es
auch ihrer bemühung danken / auf ewig diesem König in meine freiheit zu
entkommen / würde ich den himmel niemals aufhören zu preisen / dass er mich zu
der Fürstin von Cale gefüret. Ich will es über mich nemen / liebste Prinzessin!
(antwortete Casbiane) es muss aber meine Königin so wenig / als sonst iemand /
hiervon etwas innen werden.
    Indem ihr hierauf / für dieses gewünschte anerbieten / die Ahalibama
tausendfältig dankte / und sie ungefär den gang hinab auf den Königlichen platz
sahen: kame der Ahalibama in die augen / ein dem ansehen nach fürnemer herr /
der mit grosser begleitung vieler bedienten auf das schloss der Königin von Ninive
zuritte. Seine gestalt und gutes wesen name sie so sehr ein / dass sie / begierig
ihn zu kennen / ihn ganz genau betrachtete. Er war so majestätisch von person /
als heroisch von gesichte. Sein haubt bedeckte ein köstlicher mit edelsteinen
besezter bund / unter welchem sein liechtbraunes haar / welches in der sonne
einen rötlichen schein hatte / gar dick und kraus herfür hienge. Seine feurige
blaue augen / gaben seinen hohen geist gnug zu erkennen. Seine bekleidung zeigte
zwar / einen kriegsman: dannoch ware sie so sauber und schön daneben / dass er
dem frauenzimmer nicht misfallen kunte. Ahalibama ihn also betrachtend /rieffe
der Timna und Aramena / dass sie kommen und diesen frömden auch sehen sollten; und
als sie / in gar ämsigem gespräche begriffen / verweilten / sagte sie ferner in
scherz: es würde sie gewiss gereuen / wann sie diesen wackern helden nicht
gesehen hätten.
    Weil Ahalibama eine gar durchdringende stimm hatte / als fügte es sich / dass
der frömde dieses hörete / und deswegen die augen hinauf warfe: da er dann die
schönheit deren erkennend / die ihn also gelobet / sich gar tief neigte / und
das mit so angenemer art / dass er / in dergleichen höflichkeiten erfahren zu
sein / wohl anzeigete. Wie aber inzwischen Timna und Aramena zu der Ahalibama
gekommen / erkannte die erste ihn also fort für den Fürsten Esau von Edom: worauf
Aramena eilete / der Königin aufzuwarten / von der sie wusste / dass sie diesem
Fürsten offentlich gehör geben würde. Also verliesse sie die Timna bei der
Ahalibama / und mit der Casbiane hinunter gehend / fand sie /im vorsaal vor der
Königin gemach / alle Ninivitische Fürsten und die hofbedienten: da dann nicht
lang hernach der Esau ankame / und von dem Barzes in der Königin zimmer gefüret
wurde. Alles was Delbois und Esau / zeit ihres lebens / rümlich voneinander
sagen hören / das bestätigten sie beiderseits in dieser ersten ansichtigung:
massen der Fürst von Edom die Königin noch schöner befande / als er sie ihm
eingebildet; hingegen seine person und angeneme art im reden und tun also
hervor scheinen liesse / dass alles völlig mit dem bericht übereinstimmete / den
man ihr von diesem helden ehmals gegeben hatte / daher sie von ihme ganz
vergnügt bliebe.
    Als er nun sein anbringen ihr kürzlich vorgetragen / und im übrigen aus den
Hanoch sich beruffen hatte /täte sie ihm eben die gute erklärung / die sie
diesem seinem freund in Hemath für ihn getan / ob sie schon selbst von dem
König Beor mit einem krieg bedrohet wurde. Esau bliebe / vor diese zusage / der
Königin ganz verbunden / und wusste nicht gnug worte zu finden / ihr dafür zu
danken. Sie sagte unter andern zu ihme: es erkennet der Fürst von Edom / dass ich
treu und aufrichtig in meiner freundschaft bin / da ich nicht / der Ahalibama
und Timna zu lieb / die unrechtfärtigkeit ihrer anverwandten der Seirischen
Fürsten billige / und auch ihre personen wider alle welt zu schützen gedenke.
Und weil ich weiss / wie es der Timna ergangen / als kann ich nicht ümhin / sie
bei dem Fürsten von Edom / neben seinem sohn dem Fürsten Eliphas / wieder
einzusönen.
    Esau schluge / über diesen worten / die augen nieder / und sagte: die beide
verdienten nicht / dass eine so grosse Königin ihrer gedächte. Sie wären die
ursach alles seines ungemachs: das er zwar soweit vergessen könnte / was die
Timna beträffe / weil die so glücklich wäre / in der Königin gnade zu leben. Was
aber den Eliphas anlangete / musste er bekennen / dass dessen verbrechen so gross
sei / dass er ihm schwerlich von herzen verzeihen könnte. Ich will dieses nicht
sagen /(antwortete die Königin) dass der Eliphas nicht strafwürdig sei / weil er
die ungnade eines so vernünftigen vatters auf sich geladen. Wann aber der Fürst
von Edom ein wenig wollte betrachten / dass des Eliphas gröstes verbrechen die
liebe ist / die ihn selber so mannigmal übermeistert hat: so sollte ich fast
mäinen /dass die übeldeutung sich in etwas verlieren würde. Seine wahl an der
Fürstin Timna / welche warlich edel und tugendhaft von gemüte / ist nicht zu
tadeln. Und sein heldenmut / den er seiter im Ophirischen krieg erwiesen / hat
ihm die allgemeine liebe des Assyrischen hofes zu wege gebracht: also dass ich
fast sagen darf / der Fürst von Edom würde ihm selber schaden / wann er nicht an
besagtem hof den dapfern Eliphas zum freund hätte.
    E. Maj. sind des Eliphas so kräftige fürsprecherin /(gabe Esau zur antwort
/) dass ich mich nicht entbrechen kann / dero zu gehorsamstem gefallen / alles zu
vergessen / was er und die Timna mir zu wider getan haben. Diese erklärung /
machte der Königin eine herzliche freude: die ihn versicherte / dass hinfüro
Eliphas und Timna sich gegen ihme als gehorsame kinder erzeigen sollten / und dass
er / üm dieser wilfarung willen / ihren versprochenen beistand noch mehr und
gewisser zu erwarten haben sollte.
    Wie er nun bald darauf seinen abschied genommen / liesse die Königin ihre
Fürsten vor sich kommen /und offenbarete ihnen / wie sie dem Esau / wider die
Fürsten von Seir / ihren beistand versprochen hätten: deswegen der Ardeus
alsofort nach Ninive reisen müste / diese verheisene kriegeshülfe herüber zu
füre. Der Ninias fiele gleich / ohne einige widerrede / der Königin bei: weil er
seine macht in Ninive grösser hoffete / wann die Königin wenig kriegsvölker
hätte. Der Barzes aber widerriete es gänzlich: einwendend /dass man sich nicht
entblössen dörfte / da man des Beors Königs in Canaan bedrohungen besorgen
musste. Ardeus riete auf geld: womit aber dem Fürsten von Edom nichts gedienet
sein kunte. Jotan vermeinte auch / man müste / bei diesen läuften / sich nicht
schwächen: dem dann fast alle die andern beifielen. Die Delbois aber bliebe bei
ihrer Meinung / färtigte den Ardeus ab / und entbote zugleich dem
ober-Stattalter dem Fürsten Peldas / dass der neue völker werben / und sich in
gute verfassung stellen sollte. Weil demnach keine zeit zu versäumen war / als
musste der Ardeus noch denselbigen tag abreisen.
    Diese kriegshülfe wurde gleich überall ruchtbar /also dass es auch dem
Stattalter und dessen gemalin für ohren kame: die dann solches mit grossem
leidwesen vernamen / massen sie es / gegen der Ahalibama /folgenden tags gnugsam
bezeugten. Dann / als dieselbe sie zu besuchen kame / beklagte sich die
Stattalterin gegen ihr / wie die Königin von Ninive das haus Seir auszurotten
suchete: massen sie ohn allen zweifel den König von Assyrien / ihren herr
vattern / zu gleichmäsiger Entschliessung bewegen würde. Meine mume (sagte
Ahalibama hierauf /) ist unserem hause gar zu geneigt / indem sie / die
betrachtung unsers wolergehens / ihrer eignen freunde sich lässt vergessen
machen / und lieber ihren schwägern als blutsverwandten gutes gönnet. Ob zwar
der Esau meiner schwester sohn ist / (gab die Stattalterin zur antwort) so bin
ich ihme doch von herzen feind. Er hat fürdiesem / sowol meinem herrn / als
meiner schwester /sehr viel zuwider getan / also / dass sie wenig ursachen haben
/ ihn zu lieben. Es hat auch sein bruder /üm seinem zorn zu entweichen / bei
meinem bruder in Mesopotamien schutz suchen müssen. Was aber die Seirische
fürsten betrift / bin ich schuldig / deren bästes jederzeit zu wünschen: welches
ich auch tun /und / da wir nicht öffentlich dörfen / ihnen heimlich mit geld
beispringen will. Auf gleichen schlag redte auch der Mamellus / der sich daneben
nicht gnug verwundern kunte / dass die Königin gleich zum erstenmal dem Fürsten
von Edom so ungemeine gnade erwiesen; dessen ursach aber Tarasile wohl zu
errahten vermeinte / sagend: wiedass die schwiegertochter bei der Königin alles
vermögte. Ahalibama wusste nicht /wen sie durch diese schwiegertochter verstünde
/mochte auch nicht darnach fragen.
    Sie wollte eben wieder hinweg fahren / als der Fürst von Edom sich bei dem
Stattalter anmelden liesse /dass er kommen wollte / ihm aufzuwarten. Wie unangenem
diese besuchung dem Mamellus war / so dorfte er dannoch solche nicht
ausschlagen: dann er ihn / ungeacht des widerwillens / so er zu ihm truge /
wegen seines grossen rums und dapfern namens verehren musste. Als er demnach den
Esau zur antwort wissen lassen / dass er seiner warten wollte / begabe sich die
Stattalterin mit der Ahalibama in ein nebenzimmer: da es dann nicht lang
anstunde / dass der Fürst von Edom ankame. Sie hatten in langer zeit einander
nicht gesehen / seit dass eine entzweiung / auf dem gebirge Seir in den warmen
bädern / zwischen ihnen fürgegangen: weil nun inzwischen der groll bei ihnen
beiderseits geblieben / als ginge auch diese begrüssung sehr kaltsinnig ab. Esau
befohle / sich und seine angelegenheit / dem Mamellus aufs bäste: mehr von
höflichkeit und wolstand / als von gutem vertrauen / dazu angetrieben.
    Nachdem ihm von dem Stattalter auf gleiche weise begegnet worden /
verlangte er auch seine mume die Tarasile zu sprechen: weshalben der Mamellus
ihn in das zimmer zu ihr brachte. Weil Ahalibama sich nicht mochte dabei sehen
lassen / als eilete sie durch die hintertür hinweg / und wollte nach haus
fahren. Sie wurde aber von der Tarasile kammerjungfrau / die vom gebirge Seir
bürtig war / und sie vor diesem zu Dedan gekant hatte / so lang aufgehalten /
bis der Esau seine begrüssung bei der Tarasile abgeleget. Als er nun / nach
genommenem abschied /wieder zu pferd sitzen wollte / erblickte er diese Fürstin /
wie sie eben auch nach ihrem wagen zuginge. Er erkannte sie gleich für die jenige
schönheit / die er den vorigen morgen / auf dem dach des palastes der Königin
von Ninive / gesehen hatte: darüm wollte er sich /aus ehrerbietung / nicht eher
auf sein pferd setzen /bis sie hinweg gefahren wäre. Als aber Ahalibama dieses
merkete / gebrauchte sie sich gleicher höflichkeit / und liess ihren fürer
halten: mir ihren gebärden anzeigend / dass sie sich nicht voran aus dem palast
begeben würde. Der Fürst von Edom ginge hierauf zu ihr / sie darüm zu bitten:
dass sie doch lange nicht tun wollte / sich damit entschüldigend / dass sie in
diesem haus keine frömde wäre. Endlich aber / als sie seine beständige Meinung
sah / sagte sie: sie müsse diese unhöflichkeit / auf seinen befehl / begehen;
und liesse damit fortfahren / nachdem sie ihn zuvor gegrüsset hatte.
    Esau ganz vergnügt / dass er dieses über sie erhalten / ware begierig / ihren
namen zu wissen. Als er nun solchen bei des Mamellus edelleuten erkündiget /und
vernommen / dass sie seiner ehmals-geliebten Poliphide tochter wäre: entfande er
in sich ja so grosse regung / dieser Prinzessin gewogen / als ihrem hause feind
/ zu sein. Damit begabe er sich wieder nach seiner wonung / alda er den Saleph /
einen seiner vertrautesten bedienten / an den Fürsten von Caphtor den Prinzen
Ahusat abfärtigte / demselben das von der Ninivitischen Königin erlangte
hülf-versprechen zu berichten. Hinauf machte er ferner sich bereit / die Königin
von Tyro / die von Elam / den Prinzen Tiribaces / und alle grosse in Damasco / zu
besuchen. Weil er auch verspüret / dass die Königin von Ninive die Timna sehr
liebete / wollte er darin gleichfalls seine schüldigkeit bezeugen / und die
Königin in gutem willen gegen ihm zu erhalten / entschlosse er sich / diese
Fürstin den folgenden tag ansprechen. Dieses sein fürhaben eröffnete er dem
Azron / seinem waffenträger: der dann über diesen unverhoften entschluss ganz
erfreuet / seinem herrn fusfällig dankete /und dabei / dass der Fürst Eliphas /
dem er von kindheit an ware bedient gewesen / und deswegen ihn sehr liebte /
gleichmäsige gnade erhalten würde / sich hoffend vermerken liesse. Der Fürst von
Edom stärkete ihn / in dieser hofnung / dass nämlich dem Eliphas ebenfalls alles
vergeben sein sollte.
    Nachdem er nun gegen abend nach hof sich verfüget / da er die drei
Königinnen in deren von Tyro palast beisammen angetroffen / die ihme ingesamt
grosse höflichkeit erwiesen: schickete er den Azron hin / der Fürstin von Seir
seine morgige besuchung anzumelden. Dieser / als ein frömder / die wonung der
Timna in Damasco nicht wissend / fragte bei allen / die ihm begegneten / nach
dem hause der Fürstin von Seir: da man ihn dann nach der Ahalibama palast
hinwiese /als welcher iederman bekant war. Wie er nun daselbst / durch den
Jotan / der Fürstin von Seir anzeigen lassen / dass sein herr morgen zu ihr
kommen wollte / und die ihr-gelegene stunde zu wissen begehrete: bekame er zur
antwort / dass sie des folgenden abends seiner erwarten wollte. Als nun diese
ernennte zeit angekommen / begabe er sich dahin / von dem Azron gefüret
/vermeinend / die Timna zu sprechen. Wie er aber in das gemach zu der Ahalibama
eingetretten / erschracke er nicht wenig / als er diese schöne an statt der Timna
antraffe. Er ward so verwirret / dass er nicht wusste / was er sagen sollte / und
finge mit so dunkelen worten an zu reden / dass Ahalibama seine gemüts-bewegung
gnugsam an ihm verspürete. Er erholete sich aber bald wieder / weil sich
dergleichen verwirrte händel öfters mit ihme begeben hatten.
    Sie lenkte das gespräche auf den Seirischen krieg /und sagte: Sie hätte sich
solcher ehre von ihm nicht versehen / indem ja das unglück wollte / dass ihre
blutsfreunde seine ärgste feinde worden: und mache er hiemit deren schuld nur
grösser / da er sich so höflich gegen ihr erwiese / und doch so viel übels von
ihnen erlitten hätte. Die gütigkeit der Prinzessin Ahalibama / (gabe er zur
antwort /) ersetzet vollkömlich alles das jenige / so mir die ihrigen zu wider
getan: und schätze ich mich in meinem unglück noch seelig / dass sich eine
person vom Seirischem hause findet / die hierinn bässere gedanken fassend / mir
die gnade / sie anzusprechen / nicht versagen wollen; da ich solches ja so wenig
/ als der Seirischen Fürsten hass / verdienet. Mich wird aber das lezte nicht
hintern / das erste mit ewiger dankbarkeit zu erkennen / und mich den
allerverbundesten der schönen Ahalibama zu nennen.
    Der Fürst von Edom / (sagte sie darwider /) hat nicht nötig / mir zu danken
/ wegen dessen / was er aus angeborner höflichkeit von mir begehren wollen: und
habe ich von ihm diese besuchung gerne angenommen / die mich auch hoch erfreuen
würde / wann sie zu etwas dienlich / und ich tüchtig oder würdig könnte erfunden
werden / das diesem blutigen krieg steuren möchte. Die schöne Ahalibama
(antwortete er /) kann mit ihrem kräftigen wunsche viel tun; und wann sie mir
die versicherung gibet / mich deswegen nicht zu hassen / dass ich gezwungen das
schwert wider die ihrigen ausziehe / so schaffet sie überflüssig viel gutes bei
dieser unruhe. Diese versicherung (versezte sie /) kann ich nicht geben: weiss
auch nicht / zu was ende? Zu diesem ende / (sagte er /) dass ich / bei
vergwisserung solcher gunst / halb zu frieden sein /und für mein recht nicht mehr
so eifrig streiten werde: und dass also / in nachlassung meines eifers / mein
erfolglicher tod dem lande Seir den frieden wieder bringen kann.
    Also teuer / (wandte Ahalibama ein) begehre ich diesen frieden nicht zu
kaufen. Ich weiss auch wohl /(fügte sie lächlend hinzu /) dass diese begehrte
versicherung meiner freundschaft / keines wegs solche wirkung haben kann. Solte
das aber sein / so wollte ich lieber dieselbige niemals geben / als dadurch an
dem tode des dapfern Fürsten von Edom schüldig werden. Wenn mir diese gunst
entzogen würde / (wiederholetn Esau /) so müste ich des todes sein. Ich schätze
auch diese tage / da ich so unverhoffte gnade genossen /viel höher / als alle
meine glückseligkeiten / die mir iemals mögen widerfahren sein. Worinn dañ /
(fragte sie) hat diese gnade bestanden? Dass ich nicht allein vor wenig tagen /
(antwortete er /) von dem schönsten mund gegen dem frauenzimmer der Königin von
Ninive oben auf ihrem palast / mein unverdientes lob aussprechen / sondern auch
iezt so gütige worte vernemen können. Ahalibama / etwas hierüber beschämet /
wollte dieses nicht beantworten / und brachte ihn auf ein anders gespräche:
worauf er bald seinen abtritt name / so vergnüget / das unrechte haus also
getroffen zu haben / dass er dem Azron diesen seinen fehler nicht verwiese.
    Er begabe sich aber nach dem grossen Königlichen garten / weil man ihn
berichtet / dass alda die Königin von Ninive sich befände: wie er dann / neben
der schönen Delbois / den ganzen Ninivitischen hof daselbst antraffe. Die
Königin ersah ihn nicht sobald /da bote sie ihm die hand / sich von ihme füren
zu lassen / und musste er sie / diesen ganzen abend hindurch / mit allerhand
gesprächen unterhalten: und iemehr diese Königin mit ihm ümginge / iemehr ihre
hochachtung gegen ihm zuname. Wie endlich die eintretende nacht diese ihre
vergnügung geendet / und der Fürst von Edom die Königin in ihren palast
begleitet /ersah er / unten am tor / die Fürstin Timna stehen /welche nach
ihrem haus fahren wollte. Demnach ergriffe er diese gelegenheit / sie
anzusprechen / und sagte heimlich zu ihr: Ich habe meine schuldigkeit noch nicht
ablegen können / der schönen Timna aufzuwarten / und ihr zu danken für die gute
beförderung meiner angelegenheit am Ninivitischen hof / ohne welche ich
vielleicht nicht so guten zutritt erlangen mögen. Timna / so bereits von der
Königin erfahren /dass sie bei ihm ausgesönet wäre / gabe ihm zur antwort: der
Fürst von Edom kann selber durch seine hohe tugenden / ohne einiges menschen
beförderung / alles erlangen. Ich möchte aber wünschen / dass er an mir erkennen
könnte / wie sehr ich ihm eigen bin / und wie begierig / alles das wieder gut zu
machen / was etwan vormals zu verdruss begangen worden. Davon wollen wir nicht
mehr gedenken! (widerredete Esau /) die liebe entschüldiget solches alles. Ich
bin erfreut über der glückseelgkeit meines sohns / und will solche künftig mehr
befördern als verhintern.
    Hiermit fürete er sie zu ihrem wagen / weil er an dem ort / in gegenwart so
vieler ümstehenden / nit wohl länger mit ihr sprechen kunte; und versprache er
ihr / sie den folgenden tag zu besuchen. In dieser hofnung schiede sie von ihm /
und ihr haus erreichend /traffe sie alda den Cimber an: der / wegen seiner
wunden / bisher noch nicht von haus gekomen war / nunmehr aber sich in dem
zustand wieder befande / morgenden tags bei hof zu erscheinen. Der Tubal und
Ahusat waren bei ihme / und der lezte reisfärtig / noch dieselbe nacht seinen
weg nach Gerar zu nemen: weswegen er von der Fürstin von Seir abschied name /und
sich ihr bäster massen anbefohle. Cimber wartete der Timna hierauf noch ein
weile auf / und vername von ihr / was bei hof fürliefe. Wie er sie endlich
verlassen / und sich bei seinem freunde Tubal allein sah / stellete er ihm vor
/ die morgige glückseligkeit / da er die Delbois sehen würde: darin seine ruhe
suchend / was ihme doch die höchste unruhe brachte.
    Es wollte aber dieselbe nacht kein schlaff in seine augen / deshalben
stellete er sich mit dem Tubal an das fenster: da er dann / mit ihme seinen
zustand überlegend / beschlosse / bevor er sich morgen bei hof öffentlich sehen
liesse / der Prinzessin Ammonide zuzusprechen / damit er / dieselbe auf seine
seite bringend / auser aller gefahr bleiben möchte. Unter solchem gespräche
wurde sie beide gewar / dass zween wägen voll frauenzimmer gefahren kamen / die
sich als reisende angekleidet hatten. Wie sie nun nicht ferne mehr von ihrem
hause stillgehalten / vernamen sie aus den reden ihrer bei sich habenden / dass
sie sehr nach einer herberg verlangte / und sie nirgends wollten aufgenommen
werden. Beides ihre angeborne höflichkeit gegen dem frauenzimmer / und ihre
dienstaftigkeit gegen alle notleidende / erweckete gleich in ihnen gegen diese
frömde ein grosses mitleiden. Wie sie aber ferner ihnen zusahn / und unschlüssig
waren / auf was weise man ihnen dienen könnte / kamen etliche aus einem haus an
den wagen / boten ihnen ihre wonung und dienste an / und sagten / dass sie für
sie und ihre pferde gute bequemlichkeit hätten / und sie also wohl bei ihnen
einkehren mögten. Ihr anerbieten /wurde mit freuden von den reisenden
angenommen: da sie dann / vom wagen steigend / weil der mond gar hell schiene /
sich dem Cimber und Tubal völlig zeigeten. Viere unter ihnen / denen die andern
grosse ehre erwiesen / waren so fürtreflich schöne / dass der Cimber / ungeacht er
die vollkommenste schönheit stäts in seinem herzen vor sich sah / sich über
diese verwundern musste. Zwo vermeinte er zu kennen: weil sie aber geswind
fürüber gingen / wollte sein gedächtnis nicht völlig ihm beistand leisten / dass
er ihrer namen sich hätte erinnern mögen.
    Wie nun diese reisende in das haus sich begeben hatten / und es eine gute
weile auf der gassen wieder ganz stille gewesen: kame unvermutlich ein leerer
wagen daher gerannt / welcher vor diesem hause still hielte. Ein ansehnlicher
ritter / der vor dem wagen hergeritten / gienge in das haus: welcher bald darauf
/nachdem sich ein klägliches geschrei dariñ erhoben /eine dame / die sehr
erbärmlich rieffe / heraus truge /sich mit ihr auf den wagen setzete / und /
ungeacht der zurückbleibenden einrede und geschrei / mit ihr davon fure / von
vielen zu pferd begleitet. Den dapfern Cimber dünkte es eine unmüglichkeit /
diesen raub mit anzusehen / und nicht zu bestraffen. Demnach eilete er /neben
dem Tubal / mit entblöstem gewehr / auf die strassen. Durch sonderbare schickung
des himmels /liefe ein rad von dem wagen ab / dass sie also stillhalten mussten:
auser welchem zufall / der Cimber sie unmöglich hätte einholen und erreichen
können.
    Er rieffe gleich dem ritter zu / der die dame entfüret: er sollte derselbigen
die freiheit wieder geben /oder sich seiner haut wehren. Hierauf sprunge dieser
frömde alsofort aus den wagen / der sein gewehr blössend / zu dem Cimber sagte:
du seist / wer du wilst /so solst du deine frechheit mit deinem blut bezahlen.
Hiermit ginge er so eiferig auf ihn los / dass der dapfere Cimber bald vermerkte
/ dass er mit keinem gemeinen ritter zu tun hätte. Demnach fassete er alle seine
kräfte zusammen / und machte diesem frömden soviel zu schaffen / dass der / an
unterschiedlichen orten verwundet / schon zu weichen begunte: als ihm die
seinigen beisprungen / und ingesamt auf den Cimber und Tubal losgingen.
    Es hätten aber diese beide / ungeacht ihrer unbeschleiblichen dapferkeit /
unter der menge endlich erliegen müssen / wann nicht / das geschrei und getümmel
dieses gefechtes / den Stattalter Mamellus mit seiner gesamten leibwacht dahin
gebracht hätte: welcher einen aufstand befahrend / gleich nach erlangter zeitung
von diesen lärmen / zu pferd gestiegen / und aller ungelegenheit vorzukommen
sich herzu machete. Mit verwunderung / sah er diese beide wider einen so grossen
haufen fechten / und sich wehren. Nachdem er ihnen friede geboten / begehrte er
die ursach dieses ungleichen streites zu wissen. Cimber berichtete ihn mit
wenigem / wie er und sein freund eine dame erretten wollen / die dort auf dem
wagen sich befinde / und von gegenwärtigem ritter und dessen bei sich habenden /
wider ihren willen / wäre entfüret worden. Des Cimbers gegenteil war so voller
wunden des leibes /und schmerzen des gemütes / dass er auf diese rechtmäsige
beschüldigung nicht antworten konnte. Mamellus befahle / dass man ihn mit seinen
bei sich habenden / soviel derer noch lebten / wohl verwahren sollte. Er selbst
aber ginge / mit dem Cimber und Tubal /nach dem wagen / da sie die erschrockene
dame fanden. Nachdem er diesen unfall / der ihr an dem orte /da er zu befehlen
hatte / begegnet / sehr beklaget /hörte sie ihre freiheit neben seinen diensten
ihr ankündigen: weswegen sie sich / nicht allein gegen dem Mamellus / sondern
auch nachgehends gegen dem Cimber und Tubal bedankte / uñ das mit so angenemer
art / dass man hieraus ihren verstand / so wohl als vorher ihre schönheit /
bewundern musste. Sie verlangte aber sehr nach ihren gespielinnen / die sie
zurücke lassen müssen. Demnach / als der Mamellus sie aus dem zerbrochenen wagen
gehoben / und Cimber zu dem haus ihme den weg gezeiget / kamen sie dahin /und
fanden die andere annoch so bestürzet / als sie nun erfreuet wurden / ihre
freundin aus der gefahr errettet zu sehen.
    Indem erkennte der Cimber / unter ihnen / die eine für die Prinzessin
Cölidiane von Salem / und die andere für ihre schwester: daher er sich ihnen zu
erkennen gabe / und ihnen beiderseits den rock küssend /seine verwunderung / sie
allhier so unvermutet zu finden / bezeugete. Cölidiane / den jenigen ersehend
/der ein so grosser freund des Abimelech ware / kunte nicht anderst als erfreuet
den Cimber entfangen /zumal hoffend / dass der Prinz von Gerar vielleicht auch in
Damasco sich befinden würde. Was sie aber hoffete / das genosse würklich / durch
diese gegenwart des Cimbers / die Jaclinde ihre schwester: die dann fast ganz
aus sich selber / diesen teutschen Fürsten innigst bewilkommete. Durch diese
ihre wechsel-begrüssung erfuhre nun der Mamellus / wer sowol diese beide damen /
als der dapfere ritter wäre.
    Cölidiane / als sie vom Cimber vernommen / dass er Mamellus der Stattalter
in Syrien wäre / sagte zu ihm: Gott lässet uns / nach ausgestandenem ungewitter
/ eine schöne freuden-sonne scheinen / indem wir den Prinzen Mamellus sprechen /
und ihn üm schutz anruffen können. Die hofnung / diesen allhier in Syrien und
fürnemlich in Damasco zu erlangen / hat genwärtige Prinzessin von Egypten /
(hiermit zeigete sie auf die / so entfüret worden /) wie auch die Prinzessin von
Ophir / neben meiner schwester und mir / zu der Entschliessung gebracht / aus
Canaan der unsinnigen wut des tyrannen Beors hieher zu entfliehen: allwo wir
wissen / dass erbarmung und gerechtigkeit wonet. Die unvergleichliche Königin von
Ninnive / wird uns so wenig / als der Prinzessin Ahalibama / ihren schutz
versagen: welches wir ebenfalls von den Königinnen von Tyro und Elam / wie auch
von dem grosmütigen Mamellus / hoffen / der gleich durch diese erste tat
erwiesen / wie sehr er sei ein beschützer des frauenzimmers.
    Mamellus / der ganz unwissend lebete / was ihnen in Canaan widriges begegnet
/ sonderlich aber über die anwesenheit der Prinzessin von Ophir und Egypten sich
nicht genug verwundern kunte / entfinge sie allerseits mit der höchsten
ehrerbietung / sie ingesamt seiner gehorsamen dienste versicherend. Als er
darauf den Prinzen Cimber und den Tubal auch begrüsset /bote er denen
Prinzessinnen seinen palast an / das übrige der nacht darin zuzubringen: bis
morgen bässere anstalt / sie ihrem stand gemäs zu bewirten / könnte gemachet
werden. Dieses namen sie ganz gern an /weil in dem hause / darin sie also
gefäret worden /sie ihr nicht ferner zu bleiben getrauete. Demnach wurden ihre
wägen angespannet / und folgeten sie sämtlich dem Mamellus: da dann der Cimber /
weil er diese Prinzessinnen nicht wohl verlassen kunte / bis an den andern morgen
bei ihnen verbliebe. Er hatte in dem gefechte etliche geringe wunden am arm
bekommen: die ihm aber / als er sie verbinden lassen / ganz nicht hinterten /
den folgenden tag auszugehen.
    Tubal aber befunde sich etwas schwächer / welcher mit dem morgen nach der
Fürstin Timna palast wiederkehrend / die ihrentwegen in nicht geringen sorgen
gewesen / berichtete / was ihnen begegnet / und wie sie so unvermutlich die vier
Prinzessinnen angetroffen. Weil nun dieses die Timna nicht wenig befrömdete /
sonderlich die ankunft der Prinzessin Cölidiane: als ward sie begierig / ein
mehrers hiervon zu erfahren / und verlangete deshalben sehr / nach hof zu
kommen. Weil aber der Fürst von Edom sie besuchen wollte / musste sie dessen
erstlich erwarten: der dañ auch nicht ermangelte / sich bald bei ihr
einzufinden. Es wurden bei so heisser jahreszeit die morgen- und abend stunden zu
den besuchungen angewendet / da man sonsten die übrige tages-stunden zu haus
verbliebe. Weil in Damasco bereits überall erschollen war /dass so viele frömde
Prinzessinnen angekommen /auch von der wacht bei einer sonderbaren begebenheit
in der stadt entfangen worden: als sprachete auch Esau mit der Timna hiervon /
und erwiese gleiche begierde / die ursach ihrer ankunft zu vernemen.
    Nachdem er ihr nochmals bezeuget / dass er nun mit seinen sohn und ihr völlig
ausgesönet wäre / und ihr /so bald sein geräte nachkommen würde / alle die
kleinode / so dem Eliphas zugehöret / und er bei seiner flucht hinter sich
gelassen hatte / wieder einsenden wollte: fuhren sie mit einander gen hof / üm
dem entfang der frömden Prinzessinnen mit beizuwonen. Der Königliche vorhof ware
dieser ursach halber so voller leute / dass sie kaum hindurch kommen konten. Wie
sie aber in der Königin von Tyro palast eintraten / fanden sie bei ihr die
Königiñen von Ninive und Elam: welche alle ein ungemeines verlangen erwiesen /
diese Prinzessinnen bald zu sehen. Ahalibama hatte / aus gleichmäsiger begierde
/ insonderheit die Prinzessinnen von Caphtor zu sprechen / sich eingefunden. Die
schöne Delbois fülete / bei aller freude / über der Gottseeligen Cölidiane
anwesenheit / einige unruhe / die sie zu vielen malen die farbe verändern
machte.
    Wie sie nun merkete / dass die Timna solches in acht genommen / lächelte sie
dieselbige an; und weil eben die Königin von Tyro mit dem Fürsten von Hus / und
die Königin Lantine mit dem Elihu redete / der Esau aber sich zu der Ahalibama
gesellet hatte / zoge sie dieselbe zu sich / und sagte heimlich: hat nicht die
Fürstin Timna mich im verdacht / dass ich die eiversucht mich quälen lasse? Ich
müste es fast selber fürchten / wann ich nicht in diesem fall mich all zu wohl
kennete. Ich liebe die unvergleichliche Cölidiane / wiewol ich sie noch nicht
kenne / mit so reinem herzen / dass meine freude / sie zu sehen / unbeschreiblich
ist. Mich tauret aber dabei / dass sie so unschuldig diesen liebt / der aus
blinder wahl mich ihr fürgezogen / und sie also mich für ihre mitbulerin achten
muss: daher ich sorge / ich werde ihre freundschaft nicht volkömlich erlangen.
Dieses / mäine ich / sei die ursach meiner heimlichen unruhe / die ich nicht so
wohl bergen kann / dass ihr / lose schälkin! dieselbe nicht soltet an mir gemerket
haben. E. Maj. nichtes zu verhelen / (antwortete Timna /) so muss ich gestehen
/dass dieselbe ich fast in dem verdacht halte / es werde ihr hierbei ergehen /
als ich von meinem gemüte würde urteilen / wann ich sollte eine dame sehen / die
meinen Eliphas liebete. Warum soll man aber (wandte die Königin ein) die jenigen
hassen / die mit uns gleichen sinn haben / das / so uns lieb ist / auch zu
verehren?
    Als die Timna hierauf wieder antworten wollte /kame der Cimber in das gemach
/ die Prinzessin von Ammon hinein fürend: welcher dañ mit seinem sonderbaren
majestätischem wesen aller augen auf sich wandte / zumal ihn bei hof sonst noch
niemand kennete / weil er bisher wegen seiner wunden sich inngehalten hatte. Die
Königin von Tyro fragte gleich / wer dieser ansehnliche ritter wäre? Als ihr ihn
nun die Königin von Ninive genennet / und sie ihn für des grossen Marsius nahen
anverwandten erkennet / erwiese sie ihme grosse ehre / wie ihm auch ferner von
allen den anderen widerfuhre. Weil auch die Königin von Ninive von der Timna
verstanden / dass dieser Prinz die Prinzessin von Egypten / diese nacht / von
ihrer entfürung errettet / sagte sie solches der Königin van Tyro: daher von ihr
und allen anwesenden sein lob ausgebreitet wurde. Vor andern entfunde der Fürst
von Edom eine sonderbare hochachtung für seine person / die dann der Cimber mit
aller gegen-verehrung erkeñete / weil sie beide / als freunde ihres liebsten
Abimelech / einander ansahen.
    Nicht lang nach diesem / kamen auch die vier frömde Prinzessinnen / von dem
Mamellus und der Tarasile einbegleitet / in das Königliche gemach: die dañ
aller anwesendes augen auf sich zogen / und wegen ihrer grossen schönheit von
jederman bewundert wurden. Aramena erkennete gleich die Prinzessin Amesses / die
ihr in Egypten ehmals ware bekant gewesen. Die erste von diesen vieren hatte
sich schlecht angekleidet / und erwiese in allen dingen / wie wenig sie ihrer
selbst achtete. Sie liess ihre tiefe traurigkeit merklich spüren / hatte die
augen voll wasser / und zeigte die wangen ganz erblasset: doch schiene / unter
allem diesem gewölke / ihre schönheit dermassen herfür / dass sie fast keiner von
den andern hierinn wiche. Die / so ihr zu nächst folgete / ware / ob sie gleich
auch betrübt schiene / doch eines freiern wesens / und lebhafter von farbe. Die
dritte / vergliche sich viel der schönen Königin von Ninive: deren augen zwar
weniger majestät / doch so viel frömmigkeit / von sich blicken liessen. Die
vierte schiene so lustigen gemütes und so vergnügt zu sein / dass ihr munteres
wesen ihrer schönheit nicht wenig zu vorteil kame.
    Sobald die Königin von Tyro die erste erblickt /hielte sie die gleich / aus
allen ümständen / für die unglückliche Prinzessin von Ophir: demnach erinnerte
sie sich / sie anschauend / ihres grossen verlustes /also dass ihr die tränen
häufig aus den augen stürzeten. Sie hingegen / die betrübte Indaride / als ihr
der Mamellus angezeiget / dass diese ihres Amraphels frau mutter wäre / fiele ihr
zu füssen / und ihr solche küssend / ergabe sie sich dermassen den schmerzen /
dass niemand im gemach ware / der sich derselben nicht mitteilhaftig gemacht
hätte. Wie kann ich hoffen /(sagte sie / als man sie wieder aufgehoben) dass des
Amraphel frau mutter ohne erzürnung mich ansehen werde / da ich ursach bin an
dem tode dieses edlen Königs? Ach Prinzessin! (antwortete die Königin von Tyro)
nicht ihr / sondern das grausame verhängnis ist es / das uns unser liebstes
entzogen. Hiermit ümarmete sie die Indaride / als die braut ihres sohnes / mit
recht-mütterlicher zuneigung / und überliesse sie damit der Lantine: die ihres
bruders liebste Prinzessin / mit nicht geringer liebs-bezeugung entfinge.
    Die schöne Prinzessin Amesses / wurde hierauf von den Königinnen auch
bewillkommet / und folgends die Cölidiane und Jaelinde: da die schöne Delbois
und schöne Cölidiane / gleich als im spiegel / einander beschauend / bei dieser
ersten entfahung nicht gnug ausdrücken konten / wie hoch sie einander liebten /
und über dieser zusammenkunft sich erfreueten. Ahalibama ümfienge diese
Prinzessin / uñ zwar nicht sonder tränen / weil sie ihr bei dieser ansichtigung
fürbildete / alles was ihr zu Salem widerfahren ware. Der Fürst von Edom seines
Prinzens Ahusat und der Saradine kinder ersehend / funde auch seinen teil bei
dieser allgemeinen freude.
    Wie nun also diese schöne gesellschaft bei einander war / trate der betrübte
Hadoran in das gemach: welchen die Indaride gleich ins gesicht bekame / und
überlaut anhube zu schreien. Jederman entsetzete sich hierüber / nicht wissend /
was der Prinzessin anläge. Hadoran aber / sie ersehend / liefe gleich zu ihr /
und als er ihr den rock geküsset / vermochte er für wehemut ihr kein wort zu
sagen: doch liesse er dabei eine vergnügung spüren / dass er sie also zu sehen
bekame. Ach! edeler Hadoran! (sagte sie) mir ist euer leztes schreiben nur allzu
wohl zugekommen / und habe ich dabei das herrliche geschenke entfangen / so mir
euer König zu bewahren vermachet. Es kunte auch / (antwortete Hadoran /) sein
herz nirgend bässer beilegen /als bei der unvergleichlichen Indaride. Sie
schwiegen aber hiemit beide / sowol weil der schmerz ihnen die rede hemmete /
als auch / weil sie der gesellschaft mit ihrem klagen nicht verdrüslich sein
wollten.
    Als hierauf Hadoran auch die Prinzessin von Egypten begrüsset / sagte er ihr
/ wiedass er den Prinzen Armizar in Elam verlassen hätte / und dessen fürhaben in
Ophir glücklich von statten ginge. Eine angeneme röte überzoge hiermit der
Prinzessin Amesses wangen / die dann für sie antwortete. Als hiernächst die
Königin von Tyro sich begierig bezeugete / eigentlich zu wissen / was der
Amesses diese nacht begegnet wäre /sagte Hadoran: Ich habe iezt mit grossem
leidwesen erfahren / wer der jenige sei / so sich also an der Prinzessin von
Egypten vergriffen. Weil er einer von den fürnemsten Fürsten aus Elam ist / als
hoffe ich / die fürbitte der Königinnen von Tyro und Elam / wie auch der
Prinzessin Indaride / werde so viel fruchten bei der schönen Amesses / dass dem
Prinzen Sadrach dieses verbrechen vergeben / und er seinem stande gemäs / bässer
als jezt geschihet / möge gehalten werden.
    Die Königliche personen / wie auch der Prinz Mamellus / entsezten sich / als
sie vernamen / dass der Prinz Sadrach in haft gerahten: und weil dessen herr
vatter in Elam alles vermochte / als sorgeten sie nicht unbillig / diese
beschimpfung seines sohnes würde der jungen Königin von Elam nicht zu statten
kommen. Des wegen sagte die Königin von Tyro zu der Amesses: ob ich gleich des
Prinzen Sadrach beginnen ganz nicht billige / so hoffe ich doch / die Prinzessin
von Egypten werde sich so gütig erweisen / und ihme dieses vergeben. Er wird ja
nun ferner der schönen Amesses nicht schaden können / und wir allerseits
versprechen ihr unsern beistand / sie wider ihn zu schützen. Er ist ein Prinz
von einem grossem haus in Elam / daher ich seine beschimpfung gern verhüten
möchte. Ich will hingegen bemühet sein / dem Prinzen Armizar in seiner
angelegenheit / dafern er meiner hülfe begehrt / wilfärigkeit zu bezeugen. Wann
ich allhier sichern schutz habe / (antwortete die schöne Amesses /) sowol wider
den Sadrach / als wider andere meine verfolger / so werde ich leicht können
geschehen lassen / dass er seine freiheit wieder erlange: massen nicht ich /
sondern seine eigene schuld / und die dapferkeit des Prinzen Cimbers / ihn in
den stand gebracht hat / darin er jezt lebet. Wie nun hierauf die drei
Königinnen ihr ihren schutz versprochen / gabe der Mamellus befehl / dass der
Sadrach in ein anderes haus gebracht / und nach seinen wunden gesehen würde: da
dann der Hadoran mit darbei sein wollte /weil ihme an diesem Prinzen viel gelegen
ware.
    Die drei Königinnen / die Prinzessinen und Fürstinnen / wie auch der Prinz
Tiribaces / Mamellus /Cimber und Esau / begaben sich hierauf zusammen in ein
anderes gemach: üm alda etwas freier zu sein und zu reden / als in so
weitläuftiger gesellschaft. Weil sie aber alle gern wissen wollten / was für eine
ursach diese Prinzessinnen so unvermutlich nach Damasco gebracht hätte: als
erbote sich Cölidiane / im namen der anderen / sie dessen mit allen ümständen zu
berichten. Demnach / als sie sich sämtlich gesetzet / und der schönen Prinzessin
von Caphtor ein stilles gehör gaben / finge diese holdselige an / die ursach
ihrer flucht von Salem zu erzählen / folgender massen.
    Ich setze auser zweifel / es werde keinem von meinen durchleuchtigen
zuhörern unbekant sein / was zu Salem unlängst mit dem beiden Prinzessinnen von
Chaldea und Seir / als den bestimmten bräuten des Königs und Prinzens von Canaan
/ sich zugetragen: da dieselben so unverhofft sich verloren / und dadurch bei
uns allen eine grosse verwirrung verursachet. Ich sage dieses in gegenwart der
Prinzessin Ahalibama /das diese ihre tat uns allen viel ungemach und das
folgende ausgestandene unglück zugezogen: ob ich gleichwol dabei sie für eine
unschüldige ursach halten muss / und sie nicht zu verdenken ware / dessen
ehebette fliehend / von welchem er so unbilliger weise eine tugendhafte grosse
Königin verstossen / und der dazu ursach gegeben hatte / dass sie ihr liebstes in
der welt verlieren müssen.
    Kurz vorher / ehe diese flucht der beeden Prinzessinnen lautbar worden /
machete mich Gott so glücklich / gegenwärtige Prinzessinnen von Egypten und
Ophir / neben dem Prinzen Armizar von Ophir /heimlich in Salem zu bewirten /
also dass niemand ihres da-seins innen wurde: dann sie / sich in meinen schutz
vertrauend / darüm gebeten hatten / dass kein mensch etwas von ihnen erfahren
möchte. Die ursach ihrer geheimen ankunft ware / dass die Prinzessin Amesses aus
Egypten entfliehen müssen / weil der Pharao ihr herr vatter eine unnatürliche
liebe auf sie geworfen / und sie zwingen wollen / aus seiner tochter seine
gemalin zu werden: welches / wie es wider alle Göttliche und menschliche rechte
laufet / also auch billig von ihr ausgeschlagen / und durch die flucht
hintertrieben worden. Der Prinz Armizar / der sie mit bewilligung ihrer eltern
von kindheit an geliebt / war ihr treuer gefärte auf dieser nötigen
flucht-reise / und brachte sie / nach vielem ausgestandenen ungemach /in das
Königreich Elam: da der Prinz Sadrach sie zu sehen bekäme / und ihre schönheit
sich einnemen lassend / mit seiner häftigen liebe sie von dannen / und gedachter
massen nach Salem / triebe. Sie kame mit ihres geliebten Prinzen schwester /
gegenwärtiger Prinzessin Indaride: und vehoffete sie bei uns / für den König von
Egypten / als auch für dem Sadrach /verborgen zu bleiben / bis das gerechte
himelsgeschicke dem Prinzen Armizar auf seinen vätterlichen tron wieder
verhelfen / und sie alsdann bei ihme einen beständigen sichern aufentalt haben
könten.
    In solcher hofnung / reisete Armizar heimlich von Salem hinweg: da er dann
unterwegs einen brief an seine Prinzessin / einem unserer bedienten / der sich
Sephar nennete / zustellte / darin er nochmals von ihr abschied name / und
meiner dabei erwehnete. Dieser brief wurde verloren / und kame in des Prinzen
Hemors hände: der dann / als wenig tage hernach seine und des Königs braut in
ihren gemächern gemisset wurden / ihm einbildete / ich hätte den beiden
Prinzessinnen davon geholfen. Hiermit verursachete er / dass der König von Canaan
/ durch ernstliches nachfragen / von mir nicht allein erfuhre / dass ich heimlich
in Salem zwei damen bewirtete / sondern auch sie selber zu sehen bekame / wiewol
ich ihren stand und namen ihm nicht melden wollte. Hierdurch nun wurden meine
beide gäste / ob sie gleich unbekant blieben / doch offentlicher in Salem
bewirtet /und mussten / auf meines vettern des Königs Melchisedech befehl /
andere gemächer beziehen / da sie vorher in einem garten-gewölbe vor lieb nemen
müssen. Wie nun der König Beor sah / dass diese beide Prinzessinnen nicht die
jenigen waren / die er suchete /ward er ganz ungedultig / und einen sonderbaren
hass auf mich werfend / dessen ursach er doch nicht zusagen wusste / zoge er
unwillig von Salem hinweg / nach Sichem.
    Es stunde nicht vierzehn tage an / da höreten wir von allen orten her / wie
der König Beor stark werben liesse / und dass er von Hemath aus erfahren habe
/wiedass die Prinzessin Ahalibama bei der Königin von Ninive sich aufhielte:
weswegen er mit gewafneter hand in Syrien gehen / und seine braut wieder holen
wollte. Wir erfuhren ferner / wiedass ein abgesandter aus Egypten nach Sichem
gekommen wäre / welcher begehrete: der König Beor möchte dem Pharao seine tochter
wieder schicken / weil er glaubhaft berichtet worden / dass sie sich heimlich in
Canaan befinde; widrigenfalls würde er sie mit den waffen holen müssen. Wie sehr
wir hierüber erschrocken / ist leicht zu ermessen: sonderlich / als man uns
dabei sagete /dass der Beor des Pharao freundschaft zu erhalten begehre / weil er
/ wegen seines fürhabenden kriegs wider Syrien / keinen so mächtigen feind
reitzen dorfte. Die erschrockene Prinzessin Amesses / wusste so wenig auszusinnen
/ wer sie in Egypten verrahten hätte / als wie sie dieser gefahr entrinnen
sollte. Endlich beschlossen wir / ihr da-sein dem König Melchisedech zu
offenbaren / welcher noch nicht wusste / wer meine gäste waren. Dieser König
bekümmerte sich nun nicht wenig / dass er / der Amesses / wie er gern wollte / zu
rahten / kein mittel zu erfinden vermochte /um sie bei sich in fernerem schutze
zu haben / wann der tyrannische Beor erfahren sollte / dass sie zu Salem wäre.
    Wie wir noch in dieser sorge stunden / kame der Fürst Beri / des Königs Beor
bruder / neben dem Egyptischen Abgesandten, unversehens nach Salem: weil dem
Beor beigefallen war / dass ich zwo frömde damen bewirtet / und also argwänete /
ob nicht deren eine die Amesses sein möchte. Wie der Abgesandte zu dem
Melchisedech aufgeholet wurde / erkennte ihn die beängstigte Amesses / neben mir
durch ein verborgenes fenster schauend / für den Petosiris / von dem der König
ihr herr vatter allemal sehr viel gehalten. Ihr ängstliches wehklagen / dessen
ich mich auch mit-teilhaftig machete / daurete so lang / bis wir den betrübten
Melchisedech sahen zu uns kommen. Dieser erzehlte uns das anbringen des
gesandten / welches wir ohnedas schon errahten hatten / dass nämlich er neben dem
Beri darauf dringe / man sollte ihnen die zwo damen / so sich bei mir aufhielten
/ vor gesicht kommen lassen: um zu erfahren / ob nicht diese / die sie sucheten
/ allhier zu finden wäre. Die Prinzessin Amesses / so des Melchisedech ferneren
bericht nicht auswarten konnte / fiele ihm zu fuss / und sich erbärmlich
anstellend / bate sie ihn / dass er sie in dieser gefahr nicht verlassen wollte.
Der König ware / solches zu tun / von selbst gesinnet: massen sein Gott-frommes
gemüte ihm nicht zuliesse / an dieser trostlosen Prinzessin das recht der
bewirtung zu brechen / vielweniger befördern zu helfen / dass der König von
Egypren sein sündliches beginnen vollfürete. Wie er sie aber schützen sollte /
das war ihme ein grosses anligen. Hätte er sie mit gewalt verteidigen wollen /
wäre es zu einem kriege gekommen: womit er aber seine arme untertanen / die er
sehr liebt / nicht verderben wollte. Endlich ward er entschlossen / selber nach
Sichem zu reisen / und sich zu bemühen / wie er den Beor auf andere gedanken
bringen möchte. Ob wir nun wohl von diesem fürhaben wenig gutes hoffeten /so gabe
es uns dannoch etwas zeit und luft / bässer auszusinnen / wie diesem unheil zu
entgehen sein möchte. Also zoge der gute König mit den Beri und Petosiris hinweg
/ die nicht ferner / wegen der beiden Prinzessinnen / auf ihn dringen dorften /
weil er ihnen sagte / dass er selber dem Beor die antwort überbringen wollte.
    Als der König Melchisedech Sichem erreichet /fand er allda den Prinzen
Bileam von Hemath / der vom gebirge Seir gekommen war / und nach seinem
Königreich wiederkehren wollte. Dieser erste widerliche anblick / machte ihm
gleich von dem übrigen nichts gutes schwanen: und wurde er auch von dem Beor so
kaltsinnig entfangen / dass ihm all hoffnung entgienge / etwas gutes
auszurichten. Er unterliesse aber deshalben nicht / dem Beor auf das beweglichste
zuzureden / dass er doch nicht die grosse ungerechtigkeit begehen / und eine
verlassene Prinzessin / aus ihrer gewarsame / einem gottlosen vatter überliefern
wollte. Er richtete aber damit nichtes anders aus / als dass der Beor nur desto
eifriger auf ihn drunge / die Amesses herauszugeben.
    Hierzu kame noch / dass der Bileam / so mich vor vilen zeiten her mit seiner
liebe verfolget / wegen vieler ursachen aber dass Melchisedech und meine
abschlägige antwort bekommen hatte / dieserwegen bei dem Beor üm hülf ansuchete:
mit dem erbieten / dass /wañ dieser König mich in seine hände liefern würde /er
hingegen die Ahalibama / mit list oder gewalt / der Königin von Ninive
abzudringen / und sie ihme nach Sichem zu verschaffen / verbunden sein wollte.
Der Beor / hierob höchlich erfreuet / befahle alsofort dem Melchisedech / wie
einem untertanen / mit ungestüm / dass er ohne verzug nicht allein die Amesses
ihme ausliefern / sondern auch mich dem Bileam abfolgen lassen / oder die ganze
Sichemitische macht ihme ehist auf dem halse wissen sollte. Der sonst gedultige
König von Salem / kunte diesen übermut nicht unbeantwortet lassen / und seiner
gerechten sache trauend /erwiese er mehr standhaftigkeit als furcht / dem König
von Canaan in die augen sagend: wiedass er / weder die Amesses / noch mich /
wollte fahren lassen / es möchte auch davon kommen / was immer wollte. Der Beor /
hierüber ergrimmend / liesse sobald / wider alle billigkeit / den König von Salem
gefangen nemen: womit er ihn / dass er nach seinen willen leben sollte /zu zwingen
vermeinte.
    Sobald wir diese zeitung zu Salem erfuhren / besanne ich mich auf die flucht
/ und name mir für / dem beispiel der Ahalibama zu folgen / und gleichfalls /bei
der gütigen Königin von Ninive / schutz und sicherheit zu suchen. Amesses /
neben der Prinzessin von Ophir und meiner schwester / stimmeten gleich mit mir
ein: weil die erste mit mir in gleicher gefahr ware / und die andere beide uns
nicht verlassen wollten. Wir gingen hierauf lang zu raht / welcher gestalt wir in
geschwinder eile diese reise fürnemen und enden mögten: bis ich endlich die
gedanken auf den Elamiten Mesan richtete / welcher unlang vorher / als ich aus
Bactra / dahin ich von dem Bileam entfüret /durch den Prinzen Abimelech aber
wieder erledigt worden / durch das reich Elam / und folgends gar bis nach Salem
/ begleitet hatte. Dieser ware nach der zeit meistenteils bei uns gewesen / und
weil ich ihn einmal zum reisgefärten gehabt / hielte ich dafür / ich würde diese
nicht so gar weite reise auch füglich mit ihm tun können. Als ich ihm nun mein
anligen eröfnet /fand ich ihn gleich hierzu bereit und willig: auser dass er nur
sechs tage aufschub begehrte / weil ihm noch einige notdurft zu verrichten
oblage. Dieser kurzen zeit bedienete ich mich / an den König der Philister / wie
auch an die andere Cananitische Könige von Kiriat Arba / Jericho / Gibeon /
Jarmut und Lachis durch schreiben zu berichten / wie man zu Sichem mit den
Melchisedech ihrem bundsverwandten verfüre. Als ich endlich noch / meines
abreisens halber / einen betrübten abschiedbrief an den Melchisedech
hinterlassen / machten wir uns nach verscheinung der sechs tage auf den weg / da
wir dann glücklich und sicher über den Jordan bis nach Camon kamen.
    Wie wir aber von dannen fürter wollten / und den weg nach Ulata namen /
erfuhren wir / dass ein teil von des Beors völkern im anzug wären / sich bei
Ulata zusetzen / von dar sie / auf erhaltenen fernern befehl / in Syrien gehen
sollten. Diese zeitung / machte uns einen andern schluss fassen / und mussten wir
einen weiten ümschweif nemen: da wir dann durch das Königreich Basan giengen /
woselbst / wegen abwesenheit des grossen Marsius / alles in höchster
eingezogenheit und stille lebete. Ich hatte auch vergebens gewünschet / den
Prinzen Cimber / der iezt sich hier befindet / alda zu Basan anzutreffen: weil
ich / durch ihn / diesen grossen König üm schutz für den Melchisedech anzuruffen
vermeint. Als wir nun endlich uns Damasco näherten / blieben wir / auf
anordnung des Mesan / gestriges tags in einem dorfe / unfern von der stadt: von
da er in die stadt hinein ritte / seinem fürgeben nach / anstalt zu unserer
bewirtung zu machen /und mit spatem abend wieder zu uns heraus kame. Er brachte
uns aber die post / dass wir nirgend könten unterkommen / weil alle häuser /
wegen der vielen frömden / mit leuten angefüllt waren: weswegen er uns riete /
die nacht daselbst auf dem dorfe zu bleiben /und erst heut bei den Königinnen
uns anzumelden.
    Sein unruhiges wesen aber / und der Prinzessin Amesses von seiner person
gefasster argwahn / macheten / dass wir diesen seinen raht nicht folgeten
/sondern darauf bestunden / noch diese nacht in die stadt zu fahren. Wir
spüreten hierauf / dass Mesan dadurch noch verwirrter wurde / und gleich seiner
dienere etliche voran schickete / denen er viel geheimes sagte. Für der
Prinzessin Indaride / die ihm als einem Elamiten sehr gewogen / dorften wir /
unser mistrauen gegen ihme / nicht an den tag gaben. Doch reiseten wir also
ängstig fort / bis wir Damascus erreicheten. Wir befunden / was uns Mesan
gesaget / und ware niemand / der uns aufnemen wollte: bis endlich / nach langem
warten / etliche zu uns kamen / und uns ihr haus anboten. Kaum aber waren wir in
das haus eingetretten / da sah die Prinzessin von Egypten den Prinzen Sadrach
ihr zu fuss fallen / der durch diese verdemütigung ihr befahle / ihm nach Elam zu
folgen. Ihr schrecken / der sich mit seiner liebe an grösse vergliche / wurde von
uns andern mitlgleichem entsetzen begleitet. Wiewol die Prinzessin von Ophir ihm
beweglich zuredete / so ware doch bei ihm kein gehör /sondern er liesse seine
häftige liebe sich also übermeistern / dass er als der Mesan mit einem wagen
ankame / die Prinzessin Amesses ergriffe / und gewaltsamer weise / ungeacht
ihres flehens und unseres schreiens /auf den wagen brachte / und also mit ihr
davon fuhre.
    Dieses fürnemen hatten Sadrach und Mesan schon zu Salem abgeredet / dahin
dieser Prinz der Amesses heimlich aus Elam gefolget war: welches uns einer von
des Mesans bedienten erzählt / der wegen eines beinbruchs den andern nicht
folgen kunte. Es hatte Mesan unserer einfalt und unschuld sich bedienet /und
alles also angestellet / dass die Amesses auf dem dorfe für Damasco sollte
entfüret werden: welches er hernach ändern müssen / wie er unsere Entschliessung
gesehen / dass wir in die stadt wollten. Wie glücklich nun dieses unglück / durch
die zukunft des dapfern Cimbers / ausgeschlagen / darf keines erzehlens / weil
es am tage ist. Dieses aber will ich nur noch melden /dass ich hiermit / für
meine gefärtinnen und mich /dem schutz der edelsten drei Königinnen auf das
beweglichste suche / und bitte / dass sie solche bedrängte und verlassene / wie
wir worden sind / in gnaden aufnemen / und wider allen böslichen gewalt
verteidigen wollen.
    Diesen beschluss ihrer rede / brachte die schöne Cölidiane so beweglich für /
dass niemand zugegen ware / der nicht zu mitleiden wäre gebracht worden. Die
schöne Amesses entfohle sich hierauf nochmals in der Königinnen schutz: darzu
dann die grosmütige Königin von Ninive sich gleich erböte / und die schmach /so
dem König Melchisedech widerfahren / zu rächen versprache. Nachdem hierauf diese
Prinzessinnen in zween paläste / die auch auf diesem Königlichen schlosplatz
stunden / nach geendeter unterredung /von dem Mamellus eingewiesen / und alda
ihrem stand gemäs bedienet und bewirtet wurden: ruheten sie den tag aus von
ihrer mühseligen reise / die besuchungen / solche von andern zu entfahen oder zu
geben / bis auf folgende tage versparend.
    Weil die Königin Delbois von Ninive / seit ihrer ankunft in Damalsco / wegen
unpäslichkeit der Königin von Tiro / sich noch nicht / auser was in dem
schlossgarten geschehen / öffentlich sehen lassen /noch die ehrbezeigungen / so
für sie bereitet waren /angenommen hatte: als wollte sie / nun zumal diese frömde
Prinzessinnen dazu gekommen / und die Königin von Tyro auch wieder wohl auf war /
dem Stattalter und deren Fürsten von Syrien solches nicht länger versagen.
Demnach beschlosse sie / folgenden abends einer spazirfart beizuwonen / die sehr
prächtig angestellet war / und da der gesamte adel von Syrien /ihr und den
Prinzessinnen zu ehren / mit aufwarten wollten.
    Wie demnach die hitze der sonne sich verloren /und das sämtliche
frauenzimmer in der Königin von Ninive palast versamlet war / sah man auf den
Königlichen schlosshof / die Fürsten von Syrien / neben allen frömden herren /
die in Damasco waren / zu pferd ankommen. Denen etliche vergüldete köstliche
wägen / jeder für vier personen / folgeten / die mit den mutigsten pferden
bespannet / und sonst auf das herrlichste ausgezieret waren. Also begabe sich in
den ersten wagen / die Königin von Ninive / die Königin von Elam / die
Prinzessin Indaride / und die Amesses: welche zu beiden seiten begleiteten / der
Stattalter von Syrien Mamellus / der Prinz Tiribaces / der Cimber / und Elihu.
Den andern bekleideten / die Prinzessin Ammonide / die Cölidiane / Jaelinde und
Ahalibama: da der Fürst von Edom / der Fürst Husan von Chesed / der Ninias von
Ressen / und der feldherr Hadoran von Elam / beiher ritten. Die Perseis / Timna
/Casbiane und Dersine / fürete der dritte wagen: in geleitschaft des Barzes
Fürstens von Arvad / des Rames von Jedlaph / des Gareb seines vettern / und des
Ezer Fürstens von Haso. In dem vierten / waren Aramena /Siringe / Merone und
Zelinde: denen gesellschaft leistete / der Jotan von Chesed / der Akan von
Hason /der Tare Fürst von Pildas / und der junge Elhanan Fürst von Hus / so
unlängst aus dem Bactrianischen krieg zu haus gekommen war. Das übrige
frauenzimmer / verteilete sich in die folgende wägen / von den Syrischen /
Ninivitischen und Tyrischen herren ümgeben.
    Wie sie nun in solcher schönen und zierlichen reihe an den ort kamen / da
die lustfart sollte gehalten werden / fanden sie viel wägen voll frauenzimmer aus
Damasco / die der Königin von Ninive zu ehren / auf das herrlichste
ausgeschmücket / sich dahin versamlet hatten. Dieser ort / lage auf einer Insul
/ mitten in der stadt / welche alda der Pharphar machete. In der mitte stunde
ein gebäu / so von wasser gleichsam aufgerüstet ware: als welches aller orten
künstlich heraus brausere / dass man das geräusche vom weiten hörete. Um dieses
wassergebäude waren rund ümher Cedern gepflanzet / die bis zu ende des platzes
in schöner ordentlicher reihe stunden / und in die runde etliche gänge / wie ein
irrgarten doch ohne wirrwege / macheten. Jeder von diesen gängen war so weit /
das sechs wagen bei einander fahren mochten: und liesse es überaus anmutig / dass
man zwischen allen stämen durch schauen / und in den äusersten gängen die andere
wägen konnte fahren / und das volk dabei spaziren sehen.
    Der schönen Königin von Ninive ritte der Cimber zur seite / der dann diese
gewünschte gelegenheit ihm wohl zu nutz machete: wie dañ auch seine gesellschaft
ihr so angenem ware / dass sie keinen verdruss darob entfinden kunte. Der Prinz
Tiribaces / unterhielte mit gesprächen die betrübte Prinzessin von Ophir / deren
inhalt von seinem bruder dem König Amraphel handelte. Mamellus überliesse /
seinen platz bei der Königin von Elam / dem Elihu: er aber sprachete mit der
Prinzessin von Egypten / die er dann so verständig als schön erkannte. Der Fürst
von Edom / sah bei der Ahalibama sich auch ganz vergnüget / der er je mehr und
mehr etwas fand / das ihme neue bande anlegen konnte. Die Prinzessinnen Ammonide
/ Cölidiane und Jaelinde aber / hatten weniger zeitvertreib / weil der Ninias
und Hadoran / gleichwie auch die Jaelinde /ihre augen stäts nach dem ersten
wagen sendeten: daher zwischen ihnen kein sonderliches gespräche vorginge.
    Nachdem diese spazirfart bis in die nacht gewäret /fürete der Prinz Mamellus
die ganze gesellschaft in den unteren saal der erwähnten wasserkunst / alwo sie
ein recht-königliches mahl bereitet fanden. Die Prinzessin Tarasile / so nicht
mit bei der spazirfart gewesen / entfinge daselbst die Königinnen / neben der
Calaride / der Agarena / und dem alten Fürsten Hus / als welche sich der
bewirtung angenommen. Dieser saal nun ware allentalben offen / und nur mit
marmornen pfeilern ümgeben / die das obergebäude trugen. An statt der wände aber
/ fiele das wasser überall stark herunter / also dass die vier seiten ein
lebendiger Crystall waren. Viel liechter auf güldenen leuchtern / erhelleten
dieses wassergemach: deren stralen durch das wasser scheinend / einen so
anmutigen glanz von sich gaben / dass es wunder-schön anzusehen ware. Die
Königinnen / neben dem Prinzen Tiribaces und gesamtem frauenzimmer / begaben
sich an die mittlere tafel / die andere herren aber / an die neben-tische. Es
wurde aus gold gespeiset / und das köstliche essen mit einer lieblichen musik
begleitet: dass also / an pracht und herrlichkeit / diesem gastmal keines zu
vergleichen stunde. Die schöne Delbois und Cölidiane kamen an der tafel beisamen
zu sitzen: beiderseits vergnügt / ihre angefangene kundschaft fortzusetzen. Die
Lantine befande sich bei der Prinzessin Amesses /und die betrübte Indaride bei
der Ahalibama.
    Diese beide / als einerlei unglück fülend / sucheten darin eine betrübte
vergnügung / von ihrem traurigen zustand miteinander zu reden. Wie übel schickt
es sich doch / (sagte Indaride) dass wir beide / nach unserem erlittenen verlust
/ solchen freuden mit beiwonen müssen. Und wiewol mir zwar deren keine mehr an
das herz kommet / so mache ich mir doch fast ein gewissen / mich hierbei sehen
zu lassen. Mir geht es eben so / (antwortete Ahalibama) und hätte ich nicht
hofnung / bald nach Ninive in der Diana tempel zu kommen / und solchergestalt
der welt mich abzutun /würde mir alles noch viel unerträglicher sein. Hierauf
sah Indaride die Ahalibama / ohne antwort / eine weile an / und tief erseufzend
/ sagte sie endlich: ach! eben dergleichen ruhe hätte ich zu Salcha im reich
Basan haben können. Mich hat wunder genommen /(gabe Ahalibama zur antwort) dass
die Prinzessin von Ophir diese Entschliessung verlassen. Hätten sie in Salcha
(widerholte Indaride /) den rechten Gottesdienst / den ich nun erkenne / würde
ich meinen König sonst nirgend / als daselbst lebenslang beweinet haben.
    Ahalibama / die hieraus abmerkete / dass Indaride müste den glauben des
Königs Melchisedech angenommen haben / wollte hiervon nicht weiter sprechen
/sondern bate diese Prinzessin / ihr zu berichten: welches sie höher und
schmerzlicher entfunden hätte / die untreu ihres liebsten Königs / oder den tod
desselben? Ach wehrte Prinzessin! (antwortete Indaride) wann ich mich recht
erklären soll / so mus ich wohl bekennen / dass ich in mir einige ruhe entfunde /
als mir der Ascadates des Hadorans schreiben / neben dem grausamen und doch
allerliebsten geschenke meines Amraphel / überreichete. Dann vorher / da ich ihn
für unbeständig hielte / ware ich sonder trost / und fülete die qual in mir /
dass ich ihn nicht hassen konnte. Nun ich aber seine beständigkeit wusste / dorfte
ich meiner liebe nicht verwehren / stäts mit den gedanken bei ihm zu sein / und
solchermassen an ihme mich zu ergetzen.
    Woher kame dann diese Entschliessung / (fragte Ahalibama ferner) dass meine
Prinzessin ihr selber leid antun wollte / als sie des Königs tod erfahren
/welches ihr vorher nicht in den sinn gekomen? Vorhin (gabe Indaride zur
antwort) konnte der tod mich nicht beruhigen: dann / weil meine seele mit den
gedanken /dass mein König mir untreu geworden / hätte abscheiden müssen / als
würde sie in ewigkeit die qual behalten / und mir also mein tod keine
erleichterung gebracht haben. Nachgehends aber / sah ich meinen tod an / als
das einige mittel / dadurch ich ruhig wieder zu meinem König gelangen könnte. Ich
hätte auch diese Entschliessung vollzogen / wann der himmel es nicht anderst
geschicket / und nun mein glaube mir verwehrete / selber hand an mich zu legen.
Eben diesem glauben (wandte Ahalibama ein /) habe ichs zu danken / dass ich
meinen Prinzen muss überleben. Dann weil der / auf seinem todbette / als ich aus
allen ümständen vermuten konnte / den glauben des Melchisedech angenommen / als
beschwure er mich hierzu /dass ich nach seinem tode mir kein leid antun sollte.
Last uns dann / (sagte Indaride /) unserer liebsten verstorbenen befehl in
gedult nachkommen / welcher die Prinzessin von Seir / zu leben / und mich /
meines Königs herz auf zu bewahren / verbindet.
    Unter solchem gespräche / vergossen sie beiderseits mildiglich ihre tränen.
Der Fürst von Edom / der neben den andern herren von ihren tischen aufgestanden
/ und nach der frauenzimer-tafel gegangen war /und sich hinter die Ahalibama
gestellet / als er sie weinen sah / sagte er zu ihr: Wie / schöne Prinzessin!
sollen diese tränen hiesiger wasserkunst ihre zierde benemen? Sie sind zwar
ungleich schöner / können aber nicht also ergetzen / sondern bewegen jederman
zum mitleiden: welches jetziger fest-freude / welcherwegen man hier versammet
ist / entgegen laufet. Ich bekenne es / (antwortete Ahalibama /) dass mein
beginnen bei hiesige angestellte lust sich nicht reimet. Allein / wer ehmals
geliebt / wird es nicht übel deuten / dass mein verlust an allen orten / und
auch zur unzeit / mir für die augen stehet / und ihnen die zären ausdringet.
Dörfte man die todten beeifern / (widerredte Esau) so wüste ich nicht / ob ich /
in betrachtung der glückseeligkeit des Prinzens Elieser / von solcher eiversucht
würde frei verbleiben. Wann meinem Elieser (sagte Ahalibama /) dieses ein Glück
ist /dass ich ihn beständig nach seinem tod liebe / so wird ja der Fürst von Edom
ihn / als seiner gemalin brudern / deswegen nicht beeifern: zumal ich auch
berichtet bin / dass der Prinz Elieser von dem grossen Edom in seinem leben sehr
geliebt worden. Wer sollte (sagte Esau /) diesen Prinzen nicht geliebt haben /
dessen tod die schönste augen beweinen?
    Der allgemeine aufstand von der malzeit / verhinterte die vollfürung dieses
gespräches. Und als hierauf Ahalibama sich zur Königin von Ninive gesellet /
fand sie dieselbe über ihre gewonheit traurig und in gedanken. Weil es aber
bereits üm mitternacht ware / als verlangte die Königinnen nach der ruhe: darüm
dann die ganze gesellschaft / mehr als wohl über diesem herrlichen gastmal
vergnüget / in eben der ordnung / wie sie angekommen / nach dem Königlichen
schlosshof wieder abfuhren / von viel hundert fakeln begleitet / die aus der
nacht tag macheten / und ganz Damasco erleuchteten.
    Unterwegs / als Ahalibama ungefär in die fenster der häuser hinauf schauete
/ wurde sie eines jünglings gewar / der in allem ihren Dison gleichete / und in
einem fenster stehend / auf die gassen herab sah. Ihre freude war hierüber
ungemessen / weil sie verhoffete /dass dieser jüngling ihre verlorne Aramena sein
würde. Sie dorfte aber deswegen gegen der gesellschaft sich nicht auslassen /
und begnügte sich damit /dass sie das haus in ihre augen und gedächtnis fassete /
um sich folgenden tags nach ihm zu erkundigen. Wie sie demnach die Königinnen in
ihren palast begleitet / und nun in ihrem hause angelanget war / verkündigte sie
gleich / dem Brianes / Zimenes und Tirzis / was sie gesehen hätte: die dann
ihnen alsobald fürnamen / folgenden morgens in selbigem hause der verstellten
Aramena mit allem fleisse nachzufragen. Ahalibama beschriebe ihnen dasselbe mit
allen ümständen / verhoffend / dass sie / durch wieder-findung der Aramena /
ihren zweck / nach Ninive zu kommen / endlich erlangen würde: auf welche reise
sie jezt mehr als iemals versteuret war / weil ihr so viel neue und grosse
gefärlichkeiten droheten.
    Es wurde aber / wegen der lang-gepflogenem nachtlust / der folgende ganze
tag zur ruhe angewendet: daher der Fürst Elon / welcher eben in Damasco
angekommen war / sich bei der Königin von Ninive anmelden zu lassen / bis auf
künftigen morgen verschobe: die dann ihn / gegen den abend / zur verhör
vorbeschiede / und so wohl die Prinzessin Amesses /als die Ahalibama / ersuchen
liesse / dieser verhör mit beizuwonen. Sie liesse aber hierzu sich ganz
kriegerisch ankleiden / sezte einen kleinen diamanten-helm auf das haubt / und
legte ein güldenes brust-stück an /welches ebenfalls mit diamanten besetzet
ware. Als auch die bestimmte zeit gekommen / dass der Elon sollte aufgeholet werden
/ setzete sie sich auf einen hierzu-bereiteten tron / und mussten diese beide
Prinzessinnen / Amesses und Ahalibama / neben ihr / wiewol etwas nidriger /
sitzen gehen: im übrigen ware der saal von ihrem frauenzimmer / und allen
Niniviten /angefüllet.
    Der Fürst Elon / als er hinein kame / und diese schönheit mit so herrlichem
pracht ümgeben sah /liesse viel zeichen der bewunderung von sich blicken. Weil
er / wegen des Königs von Canaan / dieser Königin den krieg ankündigen sollte /
liesse er einem blossen säbel vor sich her tragen / welcher der Königin für die
füsse gelegt wurde. Hierauf täre er sein anbringen / das dann kürzlich darin
bestunde / dass der König Beor die Ahalibama / entweder mit güte wieder haben /
oder durch einen krieg abholen wollte. Weil er auch der Prinzessin Amesses
ankunft erfahren / und dieselbe bei der Königin gegenwärtig sah: als hörte man
ihn diese / im namen seines Königs / gleichfalls abfordern. Sobald er ausgeredet
/ stunde die Königin von ihrem tron auf / und selber den säbel aufhebend /
antwortete sie / mit sonderbarer grosmütigkeit: Sie ergreife hiemit diesen säbel
/ zum zeichen / dass sie damit die bedrängten schützen wolle; und sie neme von
dem König Beor den angebotenen krieg an / weil sie nicht gewillet wäre / die
Prinzessinnen von Egypten und Seir ihme wieder zu senden / noch das unrecht zu
dulten / so man dem König Melchisedech von Salem dieserwegen erwiesen. Elon /
über dieser der Königin antwort in seinem herzen höchst erfreuet /stellete sich
äuserlich an / als hätte er gern eine andere erklärung vernemen mögen.
    Nachdem er seinen abtritt wieder genommen /wurde es gleich überall in ganz
Damasco ruchtbar /dass der König von Canaan mit gewaffneter hand die entwichene
Prinzessinnen wieder holen wollte: worüber dann bei den Syrern keine geringe
unruh entstunde. Sobald aber die Königin von Ninive diesen gesandten also
abgefärtiget / und tausend danksagungen von den beiden Prinzessinnen angenomen
hatte /versammelten sich zu ihr alle ihre Fürsten: mit denen sie dann überlegte
/ wie dieser krieg anzustellen wäre. Nach vielen rahtstimmen / wurde beschlossen
/ dass man alsofort dem König von Assyrien hiervon eröfnung tun / und dessen
beistand begehren sollte: welcher ohnedas so gewillet als gehalten ware / die
beschimpfung seiner schwester / der verstossenen Königin Atis / an dem Beor zu
rächen. Solchergestalt wurde diese sache meist auf die Assyrier gewalzet /und
die Königin gefähigt / ihre macht zu teilen / und dem Fürsten von Edom ihr wort
haltend / auch ihme einige hülfsvölker zuzuwenden. Der Fürst Barzes wurde
ernennet / nach Babel zu gehen: welcher /nachdem die Königin ganz beweglich an
den König Belochus ihren herr vattern geschrieben / sich rüstete /noch selbige
nacht fortzureisen.
    Nachdem hierdurch diese schöne Prinzessin sich wieder allein sah / ginge
sie bei später abendzeit /von niemand als ihren jungfrauen begleitet / auf dem
obern dach des pallastes spaziren: und solcher gestalt / von dem vielen
überlaufen / und der mänge ihrer geschäfte / sich entledigend / gabe sie der
unruhe ihres gemüts gehör / die sie seit dem tag in sich entfunden /als sie mit
der Prinzessin von Salem bei der nächtlichen gasterei geredet hatte. Der so
hofnung-lose als verliebte Dison / der unter dem namen Aramena der Königin mit
aufwartete / und diese ihre traurigkeit vermerkete / konnte nicht unterlassen /
zu fragen: woriñ doch Ihr. Mai betrübnis bestünde?
    Ach Aramena! (gabe sie zur antwort / als sie sich etwas von den andern
abgesondert /) ich habe noch nicht gelegenheit gehabt / dir zu erzählen / wie es
mir mit der schönen Cölidiane ergangen. Sie hat mir /nach der länge / ihre
eingebildete verlobung mit dem Prinzen Abimelech entdecket / und mir mit solcher
unschuld ihre keusche liebe gegen ihm gestanden /mich zu ihrer vertrautsten in
der liebe machend: dass ich ganz verwirret darüber worden bin / und nicht weiss /
wie ich mich hierbei verhalten soll. Mich tauret diese liebe Prinzessin so sehr
/ dass ich alles das an mir füle / was sie entfinden würde / wann sie wüste /dass
Abimelech nur freundschaft und liebe zu ihr träget. Unmüglich kann ich es ihr
sagen: gleichwol halte ich auch mein verschweigen für unrecht und für eine
falschheit / weil ich damit diese unschuldige seele nur mehr und mehr anfüre.
Ich liebe daneben diese tugendhafte Prinzessin so sehr / als mich selber / also
dass ich zum öftern wünsche / dass sie des Abimelech teilhaftig werden könnte:
massen auch dieser Prinz in warheit mit ihr beglückt sein würde. Aber ach! da
muss ich meine grosse schwachheit bekennen: ungeacht der liebe zu Cölidianen /
ungeacht der mehrern beglückseeligung des Abimelech / kann ich hieran nicht ohne
unruh und verwirrung gedenken.
    Beklagens bin ich würdig / Aromena! (sagtet ferner /) dass ich die jenige /
die ich / in allem / meinem sinne so gleichförmig finde / und (so zu sagen)
gezwungen liebe / zur mitbulerin haben muss / und ihr /als meiner vertrautsten /
diss was ich weiss / nicht eröffnen darf: weil solches / ihre zu mir tragende
freundschaft / neben ihrer ruhe / verringern würde. Ich habe / über dieses mein
seltsames geschicke / etliche reumen abgefasset / und diese Prinzessin damit
angeredet: die ich dir wiederholen will. Hiermit / als sie ein wenig auf
dieselbigen sich besonnen / liesse sie der Aramena ihre holdselige stimme in
folgendem gesang hören.
Ich weiss nicht / was ich will. Vertraute meiner seelen!
liebt mich! doch traut mir nicht: von allem schweiget still.
Wolt ich verträulich sein / und nichtes euch verheelen /
wär unser freundschaft aus. Ich weiss nicht / was ich will.
Eur herze heget nichts / das ich nicht dörfte wissen.
Was aber meines hegt / das sagt euch allzu viel.
Ach! fragt mich nicht! doch fragt! ihr werdt zu teuer es büssen.
Doch muss es endlich sein. Ich weiss nicht / was ich will
Nichts ist mir in der welt so lieb / als eure liebe.
Es warnt ein treuer freund: ich aber schweige still.
Wie? bin ich euch nicht treu? Ach nein! aus liebes-triebe /
verschweig ich eur unglück. Ich weiss nicht / was ich will.
Diese reimen kunte Aramena / in gewissen stücken /auf sich ziehen: doch musste sie
ihres herzens gedanken verbergen. Sie beklagte aber ebenfalls die Cölidiane /
dass sie liebte / wo sie nicht geliebt wurde. Mit dergleichen gespräche / hielte
sich die Königin aus diesem gang noch eine geraume zeit auf: bis endlich die
nacht sie von dannen triebe / und die ruhe zu nemen / anmanete.
    Kaum aber hatte sich die Königin zu bette begeben / da entstünde ein
ungewönliches getöne / welches immer grösser wurde / und sie endlich bewegte /
wieder aufzustehen / und zu vernemen / was die ursach dieses lärmens wäre. Als
sie nun an das fenster getretten / und das geräusche sich iemehr und mehr
genähert / sah sie endlich beim mondschein / eine grosse volkmänge in den
Königlichen schlosshof kommen /die ein geschwürmel macheten / und / wie es
schiene /die paläste stürmen wollten / darin die Prinzessinnen Indaride /
Amesses / Cölidiane / Jaelinde und Ahalibama waren. Es ahnete ihr gleich / die
inwohner von Damasco müsten diese aufruhr haben angefangen /diese Prinzessinnen
den Cananitern zu übergeben: üm dadurch den krieg von sich abzulehnen / mit dem
sie üm dieser Damen willen bedrohet wurden. Dem ware auch also. Dann der gemeine
Pöbel hatte sich gerottet / und wollte in der blinden wut / diese Prinzessinnen
/die in ihrer stadt schutz gesuchet / hinwegnemen und dem Elon mitgeben: üm
damit die Cananiter zurück zu halten / dass sie nicht ins land fallen möchten.
    Sie waren in so grosser mänge zusammen gelaufen / dass dem Stattalter
Mamellus / welcher diesen auflauf zeitlich wargenommen / nicht wohl bei der sache
zu sinn wurde: massen er mit den wenig Assyrischen völkern / die er bei sich
hatte / so viel tausenden zu widerstehen nicht gewachsen war. Er dachte aber
sein heil zu versuchen / und was er selbst / weil seine person / als eines
Asyriers / dem gemeinen mañ verhasst war / nicht wagen dorfte / durch die
Syrische fürsten mit guten worten auszurichten. Demnach eilete er nach dem alten
fürsten / und bate den von Hus / dass er diesem aufstande zu steuren sich bemühen
wollte. Selbiger nun säumete nicht / alsofort nebem dem Elhanan / seinem Sohn /
zu pferd zu sitzen / und unter das wütende volk sich zu begeben. Die andere
Syrische fürsten verfügten sich auch nach und nach dahin / und waren Tiribaces /
Cimber / Esau / Hadoran und Ninias nicht von den lezten / die dieser auflauf aus
den betten auf die beine brachte / und sie begierig machte / ihren muht in
unterdruckung dieser meuterei herfür zu legen. Sie kamen eben zur rechten zeit
auf den Königlichen schlosshof / als iezt das gemeine volk im werk begriffen war
/ der Aalibama palast zu stürmen.
    Sie verwunderten sich / als sie / im näher-kommen / einer dame gewar wurden
/ die dem pöbel den eingang des tores verwehrete. Selbige war / der Königin von
Ninive Aramena / welche die Ahalibama in solchen ängsten sehend / ungescheuet
aller gefahr / aus der Königin von Ninive palast gelaufen war / und das erste
schwert / so sie haben konnte / ergreifend / damit diese Prinzessin beschützet
hatte. Esau / der in seinem herzen gegen die Ahalibama eine häftige zuneigung
fülete / drange mit ungemeiner dapferkeit durch das volk / und erreichete das
tor / da er dann mit der Aramena bald einen platz üm sich machete.
    Weil der dapfere Cimber sich allhier so nötig nicht sah / eilete er nach
dem palast der beiden Prinzessinnen von Caphtor / welcher gleichfalls gestürmet
wurde: alda man eben die tür gebrochen / und allbereit sich der Cölidiane und
Jaelinde kammer bemächtiget hatte. Cimber folgete gleich hernach / und wie er in
die kamer eintretten wollte / sprunge ihm ein ansehnlicher mohr entgegen / der
die Cölidiane auf den armen truge / und wie ein plitz mit ihr auf die gassen und
unter das volk hinweg kame. Er / der bei der klarheit vieler fakeln / die
hierbei leuchteten / nicht unrecht gesehen hatte / eilete diesem mohren nach:
aber der Jaelinde geschrei / die ihn üm hülfe auflehete /machete ihn stutzen /
das er wieder ümkehren / und ihr beispringen musste. Er fand sie in den armen
etlicher loser buben / denen sie mehr mit ihrem winseln /als andern waffen /
widerstand täte. Als er nun dieselben verjaget / eilete er mit der Prinzessin
davon durch die hintertür des palastes / da ihre erschrockene jungfrauen ihr
nachfolgeten.
    Er brachte sie glücklich zu der Königin von Ninive / die / wegen dieses
unwesens und für die Prinzessinnen / todes-angst ausstunde. Sie entfienge die
Jaelinde so erfreuet / als häftig es sie schmerzete / dass ihre schwester / wie
sie vermeinte / von diesen aufrürern ware geraubet worden. Sie bate den Cimber
auf das beweglichste / dass er die Cölidiane auch retten wollte: welcher so
angenemen befehl zu vollziehen / sich gleich wieder unter das volk wagete.
Etliche von denen beisichhabenden / der Timna bedienten / berichteten ihn /
welchen weg sie / den ansehnlichen mohren / mit dieser Prinzessin hatten nemen
sehen.
    Inzwischen er nun diesem weg folgete / befriedigte der Fürst von Hus den
wütenden pöbel / indem er ihnen versprache / dass er folgenden morgen ihr
begehren der Königin von Ninive fürbringen / und sie dahin / die Prinzessinnen
dem Elon zu überliefern /vermögen wollte. Also beredete er sie endlich / dass sie
auf einen andern sinn kamen / und den Königlichen schlosshof wieder verliessen.
Doch wollten sie sich nicht trennen lassen / sondern blieben / auf dem grossen
platz vor dem neuen tempel der Isis / die ganze nacht hindurch / beisammen
stehen. Die drei Prinzessinnen Indaride / Amesses und Ahalibama / kamen hierauf
mehr todt als lebendig / von dem Tiribaces /der Aramena / dem Esau / Hadoran und
Ninias begleitet / in der Königin von Ninive palast: die neben der Jaelinde /
wegen der Cölidiane / noch voll sorgen ware.
    Wie nun / für bestürzung / niemand mit dem andern reden / noch sich nach den
rechten ümständen dieses unwesens befragen kunte / liesse die Königin von Tyro /
durch ihren kammerherrn / den Cosdron /die Königin von Ninive neben den andern
ersuchen /dass sie eiligst zu ihr kommen wollten. Als sie sich alle dahin
versamlet / fanden sie daselbst / mit den beiden Königinnen / den stattalter
von Syrien und dessen gemalin.
    Dieser Prinz / über diesem auflauf sich unruhiger als alle die andern
erweisend / riete ihnen / sie sollten alsofort auf die Kemuelsburg / die mitten
in der stadt lage / sich begeben: daselbst sie / weil der ort sehr fäst war /
und Assyrische besatzung auf-hatte / für aller gefahr sicher sein konten. Weil
das fahren allzuviel geräusche machen mochte / als entschlossen sie sich / dahin
zu gehen. Der Stattalter und die Stattalterin füreten die Königin von Tyro /
der Tiribaces und Cimber die Königin von Ninive / der Hadoran und ihr kammerherr
die von Elam / Cosdron die Ammonide /Ninias die Indaride / Esau die Ahalibama /
und Jotan die Jaelinde: denen alles frauenzimmer / in eiligster unordnung
folgete. Es begleitete sie zu beiden seiten /nicht allein der Tyrische und
Ninivitische hofstaat /sondern auch des Mamellus starke leibwacht / und was er
in der eile von Assyrischen völkern aufbringen können. Von den Syrischen Fürsten
waren keine bei ihnen / weil sie noch allerseits bemühet waren / das unruhige
volk zu stillen. Sie kamen glücklich auf die burg / die für den König von
Assyrien zugerichtet war / wann der in Damasco kommen würde.
    Nachdem sie sich alda gegen den morgen zur ruhe begeben / wiewol der
ausgestandene schrecken sie wenig ruhen liesse / sandte Mamellus seine
unter-kriegsbediente aus der stadt nach dem gebirge Senir /alda zu beschützung
des landes etliche tausend Assyrische söldner lagen: mit befehl / dieselben
unverweilet in die stadt zu füren. Inzwischen stellte er so viel volks / als er
von der besatzung in der Kemuelsburg missen konnte / für dasselbe tor der stadt
/ welches nach dem Senirischen gebirge sah: damit selbige völker dardurch
ungehintert herein kommen könten.
    Hierauf liesse er die Syrische Fürsten zu sich fordern / üm mit ihnen
abzureden / was ferner / zu stillung dieses aufstandes / fürzunemen sein möchte:
die dann teils / von dem alten Tebah unterrichtet / auf die abfolgung der
Prinzessinnen drungen / teils aber /welche gut Assyrisch waren / andere mittel
fürschlugen / das volk zu befriedigen. Mamellus / wann er seines herzens Meinung
hätte entdecken dörfen / würde gern den ersten beigestimmet haben / dass man die
Prinzessinnen dem Beor sollte folgen lassen. Weil aber / das ansehen seines
Königs und der Königinnen / solches nicht litte / als musste er diesem anmuten
des Tare / Rames / Ezer und Akan widersprechen / und hingegen des Fürsten von
Hus / des Elihu und der gesamten Füsten von Chezed Meinung beifallen / dass die
Prinzessinnen billig geschützet / dem Beor mit gewaffneter hand begegnet / und
das aufrürische volk in Damasco mit gewalt bezwungen werden müste.
    Der Tare neben seinem anhang / wurde hierüber ganz unwillig / und liessen
sie sich verlauten: wañ man nicht wollte das jenige aus dem weg räumen / was zu
einem blutigen krieg und zu verheerung des landes ursach geben könnte / so müsten
sie selber / wider die Cananitische feindseligkeit / sich in kriegsverfassung
und gute verwahrung stellen: damit ihre fürstentümer / die gegen Canaan lagen /
nicht verwüstet würden /und sie also die ersten sein müsten / denen diese
beschirmung der frömden zu schaden gereiche. Mamellus bemühete sich / dieses
gefärliche beginnen ihnen aus dem sinne zu reden / mit der versicherung / dass
der König von Assyrien sie unfehlbar / als seine untertanen / für aller gewalt
schützen / und sie also nicht ursach haben würden / selber mit grossem unkosten
völker zu werben und zu unterhalten. Sie wollten aber hieran sich nicht kehren /
sondern gingen hiemit davon / in ihrem fürnemen verharrend. Folgenden tags /
sobald sie erfahren / dass die Königin von Ninive zu sprechen ware / liessen sie
bei ihr sich anmelden / und als sie vorgelassen worden / brachten sie eben das
jenige an / wessen sie gegen dem Mamellus sich erkläret hatten. Die Königin
antwortete ihnen mit der ihr-gewönlichen grosmut: Sie wollte lieber sterben / als
den geringsten / der sich in ihren schutz entfohlen /von sich und seinem
verfolger überlassen.
    Die Syrische Fürsten / die zu ihrem fürhaben nichts anders als dieses
gewünschet / begaben sich hierauf gleich von dannen / und nach des Tare palast:
allwo sie den alten Tebah fanden / und ihm den guten fortgang ihres anschlags
erzehleten. Es ward beschlossen / dass sie sich aus Damasco begeben / und nach
ober Syrien gehen wollte: üm alda des Cyniras bisher-heimliche werbungen
offentlich fortzusetzen / und / unter dem schein einer schutzverfassung wider
die Cananiter / sich in gute bereitschaft zu stellen / damit sie dem Hemor / auf
bedörfenden fall / in seinem fürhaben beistehen könten. Allein der Tebah sollte
in Damasco verbleiben / und auf die Ahalibama acht haben / das sie nicht
entkäme.
    Dieser hatte zu solchem ende / unter denen durch die Königin von Ninive ihr
zugeordneten bedienten /etliche auf seine seite gebracht / die ihm alles / was
die Ahalibama fürname / berichteten. Von diesen erfuhre er unter andern / dass
diese Prinzessin ihren verlornen ritter Dison / durch etliche ihrer bedienten /
in einem hause suchen lassen / darin sie ihn / ihrer einbildung nach / am
fenster stehen gesehen: es hätten ihn aber die ausgeschickten nicht erfragen /
und / wie ihnen das haus von der Ahalibama beschrieben worden / kein andersn /
als des Fürsten Tare palast /dafür ansehen können. Dieses alles machte dem
verständigen Tebah grosses nachdenken / massen er ihm fästiglich einbildete /
dass dieser Dison Aramena sein müste: weil er von einen so schönen ritter / als
dieser beschrieben wurde / zu Salem bei der Ahalibama nicht das geringste
gehöret noch vernommen hatte.
    Wie nun also diese Syrische Fürsten die stadt verlassen / und Casbiane /
neben ihrer basen Zelinde / allein im haus geblieben war: forschete Tebah mit
allem fleisse nach / ob er etwas von seiner Aramena erfahren könnte. Als er aber
sich ümsonst bemühet /verfügte er sich heimlich zu dem Elon / der sich noch in
Damasco aufhielte / und berichtete ihn / wie die sachen stünden: der dann auch
nicht länger säumete / alsofort abzureisen / damit er nicht in der allgemeinen
aufruhr aufgerieben würde.
    Der pöbel stunde nun noch versamlet auf dem grossen platz vor der Isis tempel
/ und die versprochene antwort des Fürsten Hus erwartend / droheten sie schon
wieder / die paläste der Prinzessinnen zu stürmen. Demnach befanden die Fürsten
Hus / Zophar /Husan / Elihu und Elhanan / für ratsam / zu verhinterung ferneren
unglücks / ihrem wüten nachzugeben / und sich ihrer im schein anzunemen. Also
ritten sie zu ihnen / und sich sehr unwillig stellend / dass sie die Prinzessiñen
von der Kemuelsberg nicht könten herunter bekommen / boten sie sich an / ihnen
beizustehen / und sie vor die bürg anzufüren / die man gleich belagern müste.
    Das leichtgläubige volk / durch so süsse worte gewonnen / ware gleich willig
/ diese Fürsten für ihre häubter anzunemen: zumal sie unter sich selbst /wegen
erwehlung eines befehlhabers aus ihrem mittel / nicht einig werden konten. Wie
nun dem Fürsten Hus die oberste gewalt aufgetragen worden / teilete er das volk
in vier haufen: da den ersten der Zophar /den andern der Husan / den dritten der
Elihu / uñ den vierten der Elhanan fürete. Jeder hause folgete nun seinem
haubtman / wohin der ihn gehen hiesse. Der Hus / Zophar und Husan ümlagerten die
bürg: Elihu aber und Elhanan füreten ihre haufen gegen das tor /welches der
Mamellus mir Assyrischer wacht besetzet hatte. Dieser Fürst / so neben den
frömden Prinzen in der burg war / bekame von allen nachricht / was fürginge.
    Die Königin von Tyro / über diesem unwesen /höchst besorget / beschlosse
gegen den abend hierüber raht zu halten: worzu dann / nebeñ den beiden
Königinnen von Ninive und Elam / der Tiribaces /Masmellus / Esau und Hadoran
beruffen wurden. Die Königin von Ninive beklagte hoch / dass sie an diesem
unglück ursach sein müste: und war gewillet / damit Syrien von der drohenden
kriegeslast befreit würde /eiligst nach Ninive wieder zu kehren / und die
verlassene Prinzessinnen mit sich zu nemen. Die Königin von Elam / fiele dieser
Meinung bei. Der Prinz Tiribaces vermeinte / die unruhe des pöbels würde sich
bald legen / nun dessen fürere auf ihrer seite wären /und sie also sich ferner
nichtes zu besorgen hätten. So dörfte auch wegen des Cananitischen kriegs / die
Königin von Ninive Syrien nicht verlassen: weil der König Belochus von Babel üm
diesen krieg sich annemen müste / und also Syrien / als ein an Babel gehörendes
reich / doch nicht unangefochten bleiben würde / wann gleich die Königin
entwichen wäre.
    Mamellus / der alles wohl und genau überlegte /wollte auch nicht rahten / dass
die Königin von Ninive Damasco verlassen sollte: weil seinem König an ihrem
da-sein gar zu viel gelegen wäre / und es verhoffentlich / mit ietziger unruhe /
wie auch mit dem Cananitischen krieg / wenig würde zu bedeuten haben. Wann er
aber an den König in Egypten gedachte / wie sie dessen blutdürftige waffen /
durch vorentaltung der Prinzessin Amesses / über sich ziehen würden / musste er
bekennen / dass ihme nicht wohl bei der sache wäre. Er riete aber / man sollte mit
dem förderlichsten die Prinzessin von Egypten in der Diana tempel nach Ninive
schicken: da sie / sonder gelübde zu tun und den orden anzunemen / sicher für
aller gewalt bleiben könnte / bis ihr Armizar sie nach Ophir holete: und wann es
also in Egypten den namen hätte / dass sie sich in dieser göttin schutz begeben /
würde der Pharao deswegen niemand in verdacht ziehen / noch seine tochter wieder
begehren können.
    Der Fürst von Edom sagte: Er wüste hieriñ füglich keinen raht zu geben /
weil man ihn in allem verdächtig halten möchte. Aber gegenwärtige unruhe
belangend / hielte er für das bäste / dass man in der nacht einen ausfall von der
burg täte: womit man den übelbewehrten tummen pöbel leichtlich zertrennen könnte
/zumal sie dessen fürere auf ihrer seite hätten. Hadoran bekräftigte: so wohl
diesen des Esau / als auch des Mamellus fürschlag / von abschickung der Amesses
nach Ninive: worbei er berichtete / dass der verliebte Prinz Sadrach / so noch an
seinen wunden krank lage / sich wegen dieser Prinzessin gar gefärlicher worte
vernemen lassen / die er wohl gar zur Königin und sich zum König von Elam zu
machen vermeint. Demnach würde auch dieserwegen gut sein / dass man die Amesses
nach Ninive in den tempel brächte. Er fügete lezlich auch mit an / wiedass des
reisches Elam ruhe und wolfart höchst erforderte / dass die Königin Lantine mit
dem ersten sich ihren ständen zeigete.
    Auf diese und noch fernere beratschlagung / machte die Königin von Tyro den
schluss / dass der ausfall diese nacht geschehen / solches aber zuvor dem Fürsten
Hus eröfnet werden / Amesses nach Ninive in den tempel gehen / die Königin
selbiges reiches aber im Damasco verbleiben / und die Königin Lantine nach Elam
ziehen sollte / sobald sie den König von Assyrien würde gesprochen haben:
inzwischen müste man sich des Sadrachs person so weit versichern / dass er nicht
eher als sie in das reich Elam käme / und also eine unruhe alda anrichten
möchte. Nach diesem beschluss / wurde von dem Mamellus / zu diesem allem /die
gehörige anstalt verfüget.
    Als hier auf die Königin von Ninive sich nach den Prinzessinnen begabe /
fand sie die schöne Amesses neben der Jaelinde und Ahalibama in vollen tränen
/welche den verlust der Cölidiane beweineten. Die schöne Königin ware zwar
hierüber auch sehr betrübet / hoffete aber doch noch daneben / weil der Cimber /
den sie dem rauber dieser Prinzessin nachgeschicket / nicht wiedergekommen war /
selbiger würde noch etwas gutes ausrichten. Indem sie aber hiervon spracheten /
trate der Cimber mit der Timna in das gemach / welcher die Königin ganz
ehrerbietig anschauend / zu ihr sagte: Ich komme sonder Cölidiane wiedir /
wiewol ich weiss / wo sie geblieben ist. Hierauf ümgaben sie ihn alle / und baten
/ dass er doch / diese seine wissenschaft mit ihnen teilend / sie bald von der
sorge erledigen wollte: da er dann ihnen mit folgender erzehlung willfarete.
    Als ich / E. Maj. befehl zu schuldigster folge / die entfürete Prinzessin
von Caphtor zu erlösen / äuserst bemühet war / fügete es sich / dass ich von
etlichen der Fürstin Timna bedienten nachricht erhielte / in welche gasse / und
als ich mich dahin begeben / in welches haus man selbige Prinzessin gebracht
hätte. Ich fand die tür dieses hauses offen / und ersah /als ich hinein
getreten / diese Prinzessin in gesellschaft des ansehnlichen mohren / uñ einer
edlen mörin / die wohl den namen einer schönen verdienet. Weil ich aus der
Cölidiane freudigem und munterem wesen nicht anderst urteilen kunte / dann dass
sie unter freunden sein müste / als stunde ich bei mir an / wie ich mich hierbei
verhalten sollte. Sie aber bename mir bald meinen zweifel / indem sie mir
eröffnete / dass diese schöne mörin die Prinzessin Danede von Cus /und der
ansehnliche mohr der Prinz Eridanus ihr bruder / beide des Königs Scheba kinder
/ wären.
    Sie sagte mir ferner / nachdem mich der Prinz /deme sie meinen namen gesagt
/ und ich sie hinwieder üm gegrüsset / sie hätte es dem Prinzen Eridanus zu
danken / dass sie nicht von dem wütenden pöbel wäre erhaschet worden. Hierauf
erzehlte mir dieser Prinz selber in der kürze / dass er neben seiner schwester
/für dem zorn des Königs von Cus flüchtig / hieher nach Damasco gekommen wäre:
da sie dann von ungefär ihre einkehr in diesem haus genommen / allwo die
fürstehere der gemeinen bürgerschaft ihre unterredung zu halten pflegten.
Daselbst hätte er nun erhorchet und erfahren / was massen man die Prinzessin
Amesses von Egypten / neben anderen Prinzesinnen /dem König von Canaan verrahten
/ und jene ihrem herr vattern dem Pharao nach Tanis wieder liefern wollte.
Dieses hätte die Prinzessin Danede bewogen /ihren bruder dahin zu vermögen / dass
er die Amesses aus dieser gefahr erretten wollte: weil dieser Prinzessin Glück
und unglück / wegen des Prinzes Amosis ihres bruders / ihr gemein wäre. Als nun
er / zu dem ende /sich mit etlichen der seinigen nach dem getümmel begeben /
hätte er des rechten hauses verfehlet / und / an statt der Amesses / die
Cölidiane bekomen: welcher fehler ihn aber nicht gereuete / massen er dem himmel
dankete / dass er der schönen Cölidiane diesen dienst leisten können.
    Kaum hatte der Prinz Eridanus mir solches alles erzählt / da kame
unversehens ein erbarer mohr in das gemach: der vor ihm niederfiele / und ihm zu
dem Königlichen tron / der durch seines herr vattern tod ledig worden /
beruffete und Glück anwünschete. Dieser mohr / so sich Eliphelet nennte / und
dem Eridanus bei lebzeiten seines herr vattern viel herzleid angetan hatte /
wurde von dem Prinzen mit grosser bestürzung angesehen. Weil ihme aber / wegen
vieler ümstände / diese zeitung nicht unangenem sein konnte / als mischete sich
die freude zwischen sein entsetzen / und machete / dass er / allen unwillen gegen
dem Eliphelet vergessend / ihn ümarmete / und ihn seiner Königlichen gnade
versicherte. Die Prinzessin Danede fragte gleich nach dem Prinzen Amosis /
welchen ihr herr vatter gefangen gehalten: und erfuhre hierauf dessen gutes
aufsein / mit dem anhang / dass er ihre überkunft nach Naphis mit schmerzlichem
verlangen erwartete. Nach diesem suchete Eliphelet bei dem jungen König
inständig an / dass er alsofort sich ich auf den weg machen wollte / weil seine
gegenwart in Naphis höchst vonnöten wäre: massen auch der feldherr des reichs /
der Hezrai / mit einem ansehnlichen heer ihm entgegen kame / ihn sicher in sein
reich zu bringen.
    Eridanus sah hiemit die Cölidiane an / als hätte er sie fragen wollen /
wozu sie sich entschliessen möchte? Danede aber kame ihren worten zuvor / und
sagte: die Prinzessin von Caphtor würde am bästen tun /wann sie mit nach Naphis
reisete / da sie sicherer für allen verfolgungen leben sollte / als in Damasco.
Damit bate sie sowol den König ihren brudern / als mich / dass wir auch die
Prinzessin von Egypten / womüglich / erlösen wollten. Dieses werkstellig zu
machen / als wir eben nach dem Königlichen schlosshofe / von des Eridanus leuten
begleitet / uns begeben wollten / begegneten uns etliche / die für gewiss
berichteten / der pöbel hätte alle Königliche personen aus ihren palästen
gefänglich hinweg gefüret.
    Der Cölidiane und Danede grosse betrübnis hierüber / ware doch noch kleiner /
als meine ungedult /die mir unmüglich machete / E. Maj. länger in banden / uñ
dem gewalt einer unvernünftigen leutmänge unterworfen zu wissen: demnach eilete
ich mehr todt als lebendig / mehr wütend als bei siñen / von dem Eridanus und
den beiden Prinzessinnen hinweg; und als ich auf den Königlichen schlosshof
gekommen / fand ich alles leer: daher ich den unseligen bericht fürwahr halten
musste. Ich schüttete demnach wider den himmel alles aus / was mir der schmerze
vorzubringen vergönnete / und nicht wissend / wozu ich mich entschliessen sollte /
liefe ich / als ein unsinniger / auf alle strassen. Ich kunte aber nirgend
richtige nachricht erlangen / bis diesen morgen der Fürst Hus mit einem grossen
heer pöbels mir begegnete: da ich erfuhre / das E. Maj. mit allen andern auf die
Kemuelsburg entronnen wären / und sonder gefahr lebeten. Diese gute zeitung
beruhigte wieder in etwas mein gemüte / und machte mich nach dem hause zurück
eilen / da ich die Cölidiane gelassen hatte / üm sie meiner freude teilhaftig zu
machen. Wie ich aber daselbst hinkame /funde ich / an statt ihrer und der andern
/ gegenwärtige Fürstin von Seir: welcher ich hiemit überlasse zu berichten / was
mit der Prinzessin von Caphtor sich ferner begeben hat. Stillet dann / wehrte
Timna! (sagte die Königin) unser aller verlangen / und erzählt / was ihr von
meiner Cölidiane wisset.
    Der gestrige unvermutete aufstand / (fienge Timna an zu reden /) kame nicht
sobald mir zu ohren / da war meine angst nicht geringer / als wann ich selbst
mit dabei gewesen wäre. Als ich nun post über post ausschickete / üm zu erfahren
/ was vorginge: brachte man mir endlich diese betrübte zeitung / dass der pöbel
sich aller Königlichen personen bemächtigt /und die paläste gestürmet hätte.
Hierauf hörete ich das rasende volk ein so greuliges geschrei anstimmen / dass
ich für angst nicht wusste / was ich tun sollte. Weil ich in meinem hause mich
nicht sicher wusste /als setzete ich mich auf den wagen / den ich zu dem ende
färtig bespannet stehen hatte / und fuhre davon: von dem Tubal begleitet / der /
wiewol er von dem lezten / bei erzettung der Prinzessinnen von Ophir /Egypten
und Caphtor / gehaltenem nachtgefechte /noch sehr verwundet war / mich dannoch
in dieser noht nicht verlassen wollte.
    Wir fuhren aber zur hintertür hinaus / damit wir nicht möchten dem wütenden
volk entgegen kommen: und war ich gewillet / aus der stadt zu entfliehen / und
auf ein nächstes landgut mich zu begeben. Wie wir aber dem tor näherten /
fanden wir alda soviel leute /dass wir wieder ümkehren mussten: da wir dann vor
dem haus vorbei fuhren / darin die Cölidiane sich befunde. Weil es anhube tag
zu werden / als erkennete ich diese Prinzessin / die im fenster stunde. Ich
eilete also höchst erfreut zu ihr hinein / in hoffnung / nun ich sie noch frei
sah / von E. Maj. auch etwas gutes zu vernemen. Sie klagete mir aber das
widerspiel /dass nämlich E. Maj. mit allen anderen dem wütenden pöbel zu teil
worden wären. Sie berichtete mir dabei /ihre entschlossenheit / mit dem König
Eridanus hinwegzureisen / der sie in seinen schutz genommen hätte. Dieser
grosmütige herr versprache daneben /dass er mit aller seiner macht E. Maj.
beistehen wollte /sobald er in sein reich kommen würde. Dieses aber ware für mich
ein lauer trost: weil ich / die so lang hinaus gesezte hülfe / E. Maj. in dieser
äusersten gefahr wenig ersprieslich achtete.
    Sie zogen damit hinweg: und wiewol sie mich mit-nemen wollten / konnte ich
doch / für traurigkeit / mich dazu nicht entschliessen. Solcher gestalt nicht
wissend / was ich tun sollte / wäre ich schier in meinem unmut vergangen / wann
nicht der Prinz Cimber mich angetroffen / und E. Maj. bässern zustand mir
verkündet hätte. Mein verlangen ware nun unbeschreiblich /E. Maj. zu sehen. Ich
musste aber / weil diese burg belägert ist / mich gedulten / bis diesen abend: da
/ mit hülfe des Fürsten von Hus / ich neben dem Cimber /durch das volk / herauf
gelanget. Ich überschriebe aber vorher / weil von des Königs Eridanus bedienten
noch einer zurück geblieben war / an die Prinzessin von Caphtor / E. Maj. und
der gesamten Königlichen personen frölichern zustand: auf welche nachricht /sie
verhoffentlich ihre ruckreise anstellen wird. Dem himmel sei ewig gedanket / dass
er dieses unglück von E. Maj. so gnädig abgewendet! Es ist in warheit
verwunderlich / (sagte hierauf die Königin /) was sich mit dem neuen König von
Cus begeben: und sihet man daraus / die sonderbare schickung des himmels /der
durch den Eridanus die Cölidiane errettet / und ihn zugleich / durch so
unvermutete erhebung auf den Königstron / fähig gemacht mit seiner mächtigen
freundschaft den unschuldigen König von Salem /wider die verfolgungen des
ungerechten Beors / zu beschirmen. Ob ich wohl (finge hiernächst die schöne
Amesses an zu reden /) nirgend bässer und lieber sein möchte / als bei der
unvergleichlichen Königin von Ninive; so wollte ich doch wünschen / dass der König
von Cus / anstat der Cölidiane / mich hinweg bekommen hätte: massen ich nicht
wehrt bin / dass meinetwegen E. Maj. und diese sämtliche hohe personen so viel
ungemach / als nun am tag ist / erleiden müssen.. Ach nein / werteste Prinzessin!
(antwortete die Königin /) urteilt nicht also von eurer hohen würdigkeit /und
seit versichert / dass mir kein ungemach soll zu schwer sein / solches von wegen
der vollkommenen Amesses auszustehen. Ich muss aber wohl dabei mein unglück
beklagen / das mich zwinget / die jenige von mir zu lassen / dere gegenwart mir
so angenem ist. Auf diese worte / sah Amesses die Königin ganz bestürzt an:
welche ihr ferner erzehlete / wie man für gut befunden / dass sie / üm der
wütenden liebe ihres herrn vattern zu entgehen / in den tempel der Diana nach
Ninive sich in sicherheit begeben sollte / sobald die ietzige unruhe in Damasco
gestillet sein würde.
    Diese Prinzessin liesse ihr solches gar wohl gefallen: und Ahalibama name
hiervon anlass / weil ihre entfürung ebenfalls in Syrien und Ninive frieden
bringen konnte / von ihrer mitreise nach der Diana tempel zu reden. Aber die
Königin wandte dagegen ein: Es habe mit ihr eine ganz andere bewandnis / massen
man des Beors macht nicht so sehr / als des Pharao seine /scheuen müste. Es
werde auch die Prinzessin Amesses / nicht das gelübde der heiligen jungfrauen
anzunemen / sondern nur ihre sicherheit daselbst zu suchen / in diesen tempel
gehen, Ahalibama aber begehre dieser göttin sich zu heiligen: welches sie ihr /
aus vielen erheblichen ursachen / nimmermehr verstatten würde. Ahalibama wollte
dieses ferner nicht widerreden: wiewol sie im herzen sich auf der Casbiane
versprochene hülfe verliesse / und in ihrem fürhaben / ihr gelübde abzulegen /
fäst bestünde.
    Indem kame der Fürst von Edom dazu / welcher als er von dem Cimber erfahren
/ wie es der Cölidiane ergangen / und dass der Eridanus so unverhoft seines
vatters tron geerbet / erfreute er sich darob nicht wenig: weil er hoffere /
dass dieser neue König ihme wider die Seirische Fürsten beistand leisten würde.
Er liesse aber dessen / in gegenwart der Ahalibama / sich nicht öffentlich
vermerken / und forderte allein den Cimber ab: weil man sich ingesamt bereden
wollte /welchergestalt der ausfall fürzunemen wäre. Mamellus hatte dem Fürste Hus
dieses fürhaben entbieten lassen / und von ihme hinwiederum botschaft bekommen /
dass er seines orts / was zur sache dienlich / fürkehren wollte. Demnach
beschlossen sie / üm mitternacht in dreien haufen auszufallen / derer einen der
Mamellus / den andern der Esau / und den dritten der Hadoran / füren wollten:
aber Tiribaces / Cimber / Ninias / und die andern Tyrischen und Ninivitischen
Fürsten / sollten / zu bewarung der burg und der Königlichen personen / zurück
verbleiben.
    Wie nun die bestimmte zeit angekommen / brachen sie zugleich aus der burg /
und überfielen das stadtvolk von allen seiten: die dann teils voll schlafs /
teils trunken / schlechte gegenwehr täten / und dieser besuchung sich nicht
versehen hatten. Ihre drei fürere /die Fürsten Hus / Zophar und Husan / erwiesen
sich hierbei / dem vatterlande zum bästen / als verzagte kriegsleute / indem sie
es alsofort auf die flucht gabe. Der Zophar eilete mit den seinigen / wie sie
hatten abgeredet / dem tore zu / welches der Elihu und Elhanan besetzet hielten
/ und machte die auch mit wach: da sie ingesamt sich aus der stadt begaben / und
in das nächste dorf sich lagerten.
    Zophar und Elhanan / neben dem beredten Elihu /sprachen hierauf ihren
völkern zu / füreten ihnen zu gemüte / wie gefärlich es mit ihnen stünde / wann
sie ferner sich widersetzen würden: und wie sie hingegen einen vorteilhaften
frieden erlangen könten / wann sie ihre mitbürger verliessen / und sich wiederum
unter den gehorsam des Königs von Assyrien gutwillig ergäben. Solchergestalt
macheten sie diesen unbeständigen pöbel anders siñs / also dass sie dem Elihu das
gewerbe auftrugen / mit dem Stattalter frieden zu handeln. Sie erboten sich
auch / dass sie die waffen straks niederlegen wollten / wann ihnen versprochen
würde /dass sie in ihre häuser sicher wiederkehren / und keiner bestraffung
gewärtig sein sollten. Mitlerweile nun Elihu / dieses bei dem Stattalter
anzubringen / bis folgenden morgen verziehen musste / hörete in der stadt das
gefechte wider die aufrürische Damascener nicht auf: die dann in kurzem
dermassen zerstreuet wurden / dass / als der anbrache / fast keiner mehr von
ihnen auf den gassen sich sehen liesse. Diesen sieg vollfürte des Elihu ankunft /
welcher / als er vor den Koniginnen sein anbringen abgeleget / mit dieser
erklärung wieder abgefärtiget wurde: Dafern die bürger ihre waffen niederlegen /
und einzelig / nicht aber rottenweis / nach ihren wonhäusern sich begeben würden
/ sollte ihnen die allgemeine begnadigung hiemit angekündigt sein. Hus und Husan
/ sucheten und erlangten eine gleichmäsige antwort für ihre völker. Also ward in
etlichen stunden völlig wieder friede / und sah man dieses gefärliche unwesen
so schnell gestillet / als es sich angefangen hatte: wie dann solche
pöbelaufstände / gleich den regenbächen / stark anzuschiessen / aber bald zu
verfliessen pflegen.
    Es befande aber der Stattalter Mamellus nicht ratsam zu sein / dass die
Königliche personen die Kemuelsburg schon wieder verlassen sollten / weil dem
pöhel nicht zu trauen wäre: hingegen für gut ansehend / das sie noch etliche
tage daselbst verharreten / bis seine völker vom Senirischen gebirge ankämen /
welche er / zur versicherung / in die stadt verlegen wollte. Weil nun durch
diesen frieden die gassen wieder sicher worden / als erschiene Casbiane auch bei
hof / welche bisher sich nicht aus dem hause wenden dörfen: und ward also / der
vorige schrecken / allerseits mit der ruhe wieder ersetzet.
    Ahalibama suchete hierauf gelegenheit / mit der Fürstin Casbiane in geheim
zu reden / üm dieselbe ihres getanen versprechens zu erinnern. Als sie nun
diese Fürstin allein in der Königin von Tyro vorgemach angetroffen / name sie
dieselbe bei der hand /und sagte heimlich zu ihr: Sie wäre in ihrer schuld /und
müste sich lösen. Damit gingen sie zusammen in ein cabinet / und als sie / üm
allein zu bleiben / sich darein verschlossen / hielte Ahalibama der Casbiane /so
wohl ihr versprechen / als die notwendigkeit für /dass sie bald / durch ihre hülfe
/ nach Ninive gelangen möchte. Casbiane gabe ihr zur antwort: wann sie noch
dieser Meinung wäre / könnte sie bald hierzu gelangen; massen sie mit einem ihrer
vettern / dem Gareb / deswegen abrede gepflogen hätte / der / sie sicher nach
Ninive zu bringen / gute gelegenheit wüste.
    Als hierauf Ahalibama / üm entdeckung dieser gelegenheit / inständig bate /
fuhre Casbiane fort zu reden / und sagte: In wenig tagen wird eine von des
Garebs schwestern / als eines Ninivitischen herrn braut / nach Ninive abgefüret
/ und von dem Gareb mit etlichen huntert man dahin begleitet werden. Sie wonet
zu Aroer / welches etliche meilen von hier gelegen ist / und will die Prinzessin
Ahalibama gerne heimlich mit sich nemen: die dann / tags vorher / von hinnen auf
meinen wagen mit dem morgen abfahren /und also ohn einiges menschen wissen ihren
zweck erreichen kann. Es weiss hier niemand etwas / weder von der heurat / noch
von der abreise meiner basen nach Ninive: wird man also üm so viel weniger
erfahren können / wie und wohin meine Prinzessin entkommen sei. Dieser fürschlag
/ liebste Fürstin! (antwortete Ahalibama /) gefället mir sehr wohl: ich will auch
mich nicht säumen / solcher massen meine ruhe zu fördern. Allein / (setzete sie
seufzend hinzu /) wie tauret es mich / dass ich meinen ritter Dison zu rücke
lassen / und also / ohne einige nachricht von ihme / abreisen soll. Casbiane
bliebe hierüber in tiefen gedanken / und / sah der Ahalibama stark unter augen:
welche solches merkend / und ihre Aramena nicht zu verrahten / von ihrem Dison
zu reden abliesse. Hierauf wurde ferner zwischen ihnen abgeredet / dass Ahalibama
übermorgen vor tags / mit einem mantel bedecket / neben der Astale ihrer
jungfrauen / zur Casbiane kommen / und aus ihrer wonung nach Aroer abfahren
sollte.
    Wie nun Ahalibama sich wieder allein sah / liesse sie den Tirzis / Brianes
und Zimenes zu sich komen /und eröfnete ihnen / in gegenwart der Astale / was
sie zu tun gesinnet wäre. Jene vermochten ihr zwar nicht zu widerreden /
beklagten aber mit tränen / dass /wegen der verlornen Aramena / sie die Ahalibama
nicht nach Ninive begleiten könten: weil die Celia ihnen ausdrücklich anbefohlen
/ dass sie ohne Aramena nicht wieder kommen sollten; daher sie noch ferner / sie
zu finden / sich bemühen müsten. Ich habe sie warlich (sagte hierauf Ahalibama
/) unlängst in einem fenster stehen gesehen / und muss es ie wunderlich damit
sein / dass man von ihr nichtes erfahren kann. In allen denen häusern /
(antwortete Tirzis /) die uns die Prinzessin genennet / wonen Syrische Fürsten:
dass man also eher vermuten sollte / diese person / so meine Prinzessin für den
Dison angesehen / sei der König Aramenes von Syrien / von dem ein geschrei geht
/ er werde heimlich von den Syrischen Fürsten in Damasco aufbehalten. So muss
dann (gabe Ahalibama zur antwort /) eine mächtige gleichheit sein / zwischen der
Aramena und diesem König: massen ich darauf sterben wollte / es wäre mein Dison
gewesen /den ich gesehen habe.
    Unter solchen reden brache die nacht herein: üm dess willen die andere von
der Ahalibama hinweg gingen / üm sie an ihrer ruhe nicht zu behintern: deren sie
doch / die ganze nacht hindurch / wenig genosse /weil ihr fürhaben ihr so
vielerlei gedanken verursachete / dass kein schlaf in ihre augen kame. Die
Königin von Ninive / die ihr so viel gutes erwiesen /und sie mit ihrer höchsten
ungelegenheit in schutz genommen / konnte sie nicht sonder schmerzen verlassen.
Ihren verkleideten bruder sah sie auch in so gefärlichem zustand / dass solches
ihre bekümmernis vermehrete. Aramena / ihre herzensfreundin / war verloren. So
musste auch / die weite und gefärlichkeit des weges / ihr nicht geringe angst
machen. Uber alles kame ihr entsetzlich für / dass Casbiane / die doch einen
andern glauben hatte / ihr so gutwillig bedient wäre / sie nach der Diana tempel
zu befördern. Sie kunte die ursachen / die sie dazu trieben / nicht aussinnen.
Doch bliebe / nach allen diesen betrachtungen / ihr fürsatz fäste / ihres
Eliesers tod ewig in der Diana tempel zu beweinen.
    Als nun endlich / gegen den morgen / der schlaff sie überfallen / kame
Aramena in das gemach / ihr anzusagen / wiedass der Prinz Baleus von Assyrien
/neben dem Prinzen Sinear und den Eliphas heute ankommen würden: weswegen die
Königinnen die Kemuelsburg wieder verlassen / und ihre vorige paläste beziehen
wollten / weil dieses schloss für den Prinzen bestimmet ware. Wie sie aber von der
Astale vername / dass Ahalibama erst wäre eingeschlaffen / ginge sie wieder nach
ihrer Königin / die mit der Timna von der ankunft des Prinzen ihres brudern
sprachete: auf welche sie sich ja so sehr freuete / als sehr ihr solche
anderweit zuwider ware.
    Nun muss ich (sagte sie) von meinem Glück erwarten / wie ich des Prinzen
Baleus gemüte befinden werde. Sein angenommener glaube tröstet mich zwar /er
werde beständig auf den sinne verharren / mich nicht zu lieben / und sich / so
wohl als ich / in der zuvermeinten heurat dem König unsern herr vattern
widersetzen. Allein was nutzet das dem Abimelech? Ich habe noch nie unsere liebe
dem Prinzen entdecket /weil ich stäts an ihm verspüret / dass ihme des Abimelech
schwägerschaft zuwider sei: wiewol er sonst gross werk von diesem Prinzen
machete. Dem Ninias / ist er vor diesem in seinem hochmütigen beginnen
beförderlich gewesen: und erscheinet aus allen ümständen /dass / ob er gleich
meine person für sich nicht begehret / er doch meine kron niemanden / als einer
seiner creaturen / gönnen werde / damit Ninive nicht zu weit von der Assyrischen
herrschaft abkommen möge. Ach wollte Gott! Baleus liebete die unvergleichliche
Cölidiane / und wäre dem Abimelech in seiner liebe nicht widerlich! wie gerne
wollte ich dieser Prinzessin den ersten tron der welt überlassen / wann man mir
nur den Abimelech gönnete!
    Die Prinzessin Cölidiane / (antwortete Timna) wird meines vermutens einen
liebhaber an dem König von Cus bekommen: dann wie dieser herr sie ansah und ihr
begegnete / schiene es wohl nicht anderst / als dass ihre schönheit ihn verwundet
hatte. Diesem mohren /(sagte Aramena) wird sie wohl nicht / für den Prinzen
Abimelech / erwählen. Der König Eridanus / (gabe Timna zur antwort /) ist ein
herr von so gutem wesen /und scheinet dabei eines so tugendhaften gemütes /dass
seine schwärze ihm so wenig schaden kann / den namen eines wackern herrn nicht
davon zu tragen / als seiner schwester / die bei ihrer farbe die schöne Danede
genannt wird. Du wilst / liebste Aramena! (sagte die Königin /) mir zu gefallen
/ den Abimelech allen andern menschen fürziehen. Mir wäre aber mehr damit
gedienet / wann dieser Prinz niemanden gefiele / als mir: und möchte ich
wünschen / die schöne Cölidiane fände nichtes an diesem Prinzen / das liebens
würdig wäre. Sie hat aber darin mit mir / wie in allen andern dingen / einerlei
sinn und Meinung: welche gleichheit / unsere freundschaft verursachet / und auch
anlass zur feindschaft geben könnte / wann ihre tugend nicht zu vollkommen / und
meinem gemüte nicht so unmöglich wäre / eine so liebe Prinzessin zu beneiden.
    Timna / die der Aramena verwirrung wohl in acht name / wollte ihr aus dieser
noht helfen / und sagte: Ich habe mein lebenlang keine so gütige mitbulerin
gesehen / als E. Maj. seind / und spüre ich daraus /dass die liebe nicht die
oberherrschaft in dero gemüte habe. Ach Timna! (antwortete die Königin seufzend
/) wie übel kennet ihr mich! ich weiss / was ich entfinde. Doch liebe ich
solchermassen ohne eigennutzen / dass ich schon vergnügt wollte sein / wann ich
den / den ich liebe / nur warhaft möchte vergnügt wissen. Solte diese seine
vergnügung in besitzung einer andern bestehen / wollte ich ihm solche vergönnen
und gern zufrieden sein. Ich weiss aber / dass solches seine beständige liebe
nicht zulässet: welches dann mir soviel unruhe und qual verursachet. Wann also
endlich (sagte Aramena /) die unschuld der Prinzessin Cölidiane den Prinzen
Abimelech zu einer mitleidigen liebe brächte / so wollten alsdann E-Maj. abstehen
/ und zulassen /dass sie ein anderer liebete?
    Warüm tust du diese frage? fragte hinwiederüm die schöne Delbois. Meinest
du etwan einen zu dienen / der auf den fall seine sache dir anvertrauet? Nein
warlich! (gabe Aramena zur antwort /) sollten auch E. Maj. sonst in keinem dinge
meine treue erkennen / so will ich die doch darin verspüren lassen / dass ich
/wider E. Maj. wissen / keinem bei ihr in seiner liebe dienen werde. Ich bin
dessen auch wohl versichert /(wiederholte die Konigin /) und muss dir / deine
frage zu beantworten / gestehen / dass ich sonder rache die änderung meines
Prinzens ansehen / und / ihm zwar seine verbässerung gonnend / doch hierinn
seinem beispiel gar nicht folgen sondern nimmermehr meine liebe zu einem andern
wenden würde. Warüm seufzest du / Aramena? ist dir diese meine erklärung
entgegen? Aramena weiss gewiss (sagte Timna /) einen heimlichen mitbuler / für den
sie gern sprechen wollte / wañ sie dörfte! sollte es auch wohl der wackere Cimber
sein? Nein! (fiele die Konigin ihr in das wort /) dieser edele Prinz ist bisher
unbillig bei mir in verdacht gewesen / dass er mich liebe: massen ich nun eines
andern berichtet bin / und ist die Prinzessin Ammonnide die jenige / die er ihm
erwehlet. E. Maj. vergeben mir / (sagte Aramena /) wann ich hierinn die
gegenmeinung behaubte. Ich zweifele allerdings / ob iemand anders / als die
schöne Königin von Ninive /sein herz besitze. Hören E. Maj. wohl / (sprache
Timna) dass ich wahr geredet / und dass Aramena bereits anhebet / diesem Cimber
wider den Abimelech zu dienen.
    Als Aramena diese scherzrede der Timna beantworten wollte / traten die
Prinzessinnen Ammonide und Jaelinde zu ihnen in das gemach / und huben also
dieses gespräch auf / da dann die Königin zu der Ammonide sagte: Wir reden iezt
eben von euch / Prinzessin von Ammon! und es ward geredet / dass euch Cimber /der
Prinz der Teutschen / nicht abhold sein müsse. Seiner guten gunst / (antwortete
Ammonide /) vermeine ich versichert zu sein / dass ich also dieselbige wohl
gestehen / und mich deren berümen darf. Es erstrecket sich aber solche nicht
weiter / als auf ein freundschaft: massen er ein mehrers von mir / gleichwie
auch ich von ihme / nicht fordert. Mitlerweile Ammonide dieses sagte /
veränderte Jaelinde etlichmal die farbe: dass dann die Königin wohl in acht name /
dessen ausdeutung aber ihr nicht zu machen wusste. Doch wollte sie hievon nicht
mehr reden / sondern fienge ein gespräche an / von ihrer schwester der Cölidiane
/ wie auch von dem zustand in Canaan: womit sie dann die zeit hinbrachten / bis
die Königin von Tyro sie fordern liesse / zu ihr zu kommen.
    Bei derselbigen funden sie die Königin von Elam /die Indaride und Amesses /
den Mamellus / Tiribaces / Esau und Hadoran: und bezeugete die Königin von Tyro
gnugsam / durch ihr munteres wesen / dass die nahe ankunft des Prinzen Baleus ihr
sehr lieb wäre. Nicht lang hiernach kame Ahalibama auch dazu / und als sie
einmütig beschlossen hatten / nach ihren vorigen wohnpalästen sich wider zu
begeben / wurden die wägen bespannet: worauf sie dann mit mehr sicherheit von
der burg wieder abfuhren / als sie vor etlichen tagen zu fus dahin angekommen
waren. Es liesse aber der Stattalter von Syrien nichtes ermangeln / mit dem
ersinlichsten pomp den Assyrischen Kronprinzen einzuholen. Weil auch eben / zu
verhütung eines neuen aufstandes / die Assyrische soldaten vom gebirge Senir in
Damasco ankamen: als machte er die anstalt / dass selbige in alle ecken der stadt
verleget / und sonderlich der Königliche schlosshof damit besetzet wurde.
    Wegen der übergrossen hitze / geschahe der einzug erst gegen den abend: und
als der Prinz Baleus / von dem Stattalter Mamellus und allen Syrischen Fürsten
/ bewillkommet worden / füreten sie ihn / auf seinen befehl / zuvor nach den
Königinnen / ehe er in der Kemuelsburg sein einlager name. Er ward / von der
alten Königin Delbois / mit der höchsten höflichkeit entfangen: welche über
seiner glücklichen wiederkunft aus dem Ophirischem krieg sich herzlich / wiewol
nicht sonder errinnerung ihres verlustes / erfreuet. Bei ihm waren / der Prinz
Sinear / Eliphas / Nahor Fürst von Haran / und andere hohe kriegsbediente: die
dañ hierbei auch ihre höflichkeit ablegten. Baleus und die Königin Delbois /
fanden beiderseits einander in einen veränderten stande wieder: da diese
mitlerzeit die Ninivitische kron aufgesetzet / er aber / durch übung im
Ophirischen krieg / viel manlicher und dabei ansehnlicher worden war. Sie
ümarmeten einander / mit bezeugung herzlicher wolgewogenheit: das dann / die
meisten von den ümstehenden / nach ihrer Meinung ausdeuteten. Nachdem er hierauf
der Königin Lantine / mit etlichen höflichen worten / zu ihrem regirstande Glück
gewünschet / bezeugete er anderweit / mit ja so grosser annemlichkeit / der
Indaride sein beileid / und begrüssete folgends die Amesses /Ammonide / Tarasile
/ Jaelinde / Ahalibama / und Timna / neben dem übrigen frauenzimmer / mit so
guter art / dass jede mit ihm zu frieden sein musste /
    Der Prinz Tiribaces / Cimber / Esau und Hadoran /die nit mit bei der
einholung gewesen / legten hierauf ihre begrüssung bei dem Prinzen ab: worbei
Baleus /der alten kundschaft mit dem Tiribaces und Hadoran /und Cimber der
freundschaft mit den Eliphas / sich erinnerten. Baleus erwiese auch grosse
vergnügung /den teutschen Fürsten und den berümten Edom zu sehen: welcher
ingleichen dem Eliphas / seinem sohne / so viel liebkosungen bezeugete / dass
dieser / der seine aussonung noch nicht wusste / mit so grosser zufriedenheit /
als verwunderung / dieselbe anname. Nach dieser kurzen ansprache / und als der
Assyrische Prinz der Königin von Tyro ein schreiben von dem König ihrem bruder
überliefert hatte / wurde die fernere unterredung bis auf folgenden tag
verschoben: worauf er seinen abtritt name / und sich von dem Mamellus / auch den
andern Syrischen Fürsten / nach der Kemuelsburg begleiten liesse.
    Ahalibama aber / noch des beständigen vorhabens /heimlich davon zu reisen /
setzete sich / an statt gleich den andern zu ruhe zu gehen / und schriebe an die
Königin von Ninive: was massen sie von ihrem gelübde gezwungen worden / ohne ihr
vorwissen diese reise fürzunemen / weil sie von der Königin wolneigung vermuten
können / dass sie ihr solches nicht würde haben erlauben wollen; zugleich viele
ursachen anfürend / die sie zu dieser Entschliessung angetrieben hätten.
Hiernächst schriebe sie auch an ihren bruder /die verkleidete Aramena / und
warnete ihn treulich /seine betriegliche tracht neben seiner vergeblichen liebe
zu verlassen / und die unwissende Königin nicht ferner zu betriegen / sondern
ihrem beispiel nachzufolgen / und in den orden der Isis-priestere sich wieder zu
begeben. Letzlich setzete sie auch etliche zeilen auf / an ihre verlorne Aramena
/ des inhalts: wann diese zeilen ihr würden zukommen / sollten sie ihr zur
versicherung dienen / dass Ahalibama ihre Aramena beständig liebe / und sie bald
bei sich in der Diana tempel zu sehen verlange. Den ersten von diesen dreien
briefen / befahle sie dem Jotan ein zuhändigen /welcher ihr bisher aufgewartet
/ und liesse ihm dabei ersuchen / dass er dasselbe nicht eher / als den andern
abend / der Königin überreichen wollte. Den zweiten /name sie mit sich / ihn der
Timna zuzustellen / welche sie in ihrem hause nochmals ansprechen wollte. Den
dritten gabe sie dem Tirzis / solchen für die Aramena aufzubehalten.
    Wie sie nun also sich völlig zur abreise gerüstet /und einen Syrischen
mantel üm sich geschlagen hatte / gienge sie vor tags in der demmerung / neben
der Astale / aus ihrem palast / von dem Tirzis / Brianes und Zimenes begleitet /
die ihr den weg nach der Fürstin Timna wonung zeigeten. Als sie dort hingekommen
/ fand sie die haustür offen: deswegen sie hinauf schliche / die Timna in
ihrer kammer im bette anzutreffen / und die andern drunten ihrer warten hiesse.
Sie fand die kammertür verschlossen / und wiewol sie anklopfete / wollte doch
niemand darinnen laut werden. Demnach begabe sie sich auf einen gang / der
auswendig üm das zimmer gebauet war / und versuchte aus fürwitz / ob sie durch
ein fenster in die kammer steigen könnte. Als ihr solches geglücket / schliche
sie ganz leise zum bette / und den vorhang ein wenig aufhebend / horete sie die
Timna gar sanft schnauben: weswegen sie eine weile stillstunde / und sie nicht
aufwecken wollte. Endlich aber / wie es ihr begunte zulang zu werden / bückte sie
sich über das bette /durch einen kuss ihre liebste freundin zu ermuntern: da sie
dann im finstern / an statt der Timna zarter wangen / einen harichten mund
berürte. Hierüber ganz erschrocken / sprange sie zurücke / und liefe / nicht
wissend / wie ihr geschahe / zu den füssen des bettes / daselbst sie ganz
erstaunet stehen bliebe.
    Sie ware aber so gar sinlos nicht worden / dass sie nicht bald darauf
folgende worte in der Timna bette håtte sagen hören: mit was süssigkeit und
angenemen kuss habt ihr / liebste Timna! mich iezt aus meinem schlaff erwecket!
Wer? ich? (antwortete eine stime /welche Ahalibama für der Timna ihre halten
musste /) es wird euch etwan solches geträumet haben: massen ich iezt erst
erwache. Ahalibama wollte ferner nicht anhören / was geredt wurde / sondern
schliche so geschwind / als ihr möglich / von diesem (ihrer vermutung nach)
unflätigen bette hinweg / und die augen voll tränen habend / sagte sie bei ihr
selber: Ach Timna! ist es möglich / dass du zu dieser schande kommest? Hiermit
schobe sie / so gemach sie konnte /den riegel von der kammertür hinweg / und
eilete die stiege wieder hinunter. Ihre leute / die ihrer drunten gewartet /
schrieben ihre bestürzung und tränen dem betrübten abschiede zu. Sie aber war so
erschrocken und dab ei unmutig / über das / was ihr also unverhofft begegnet war
/ dass sie kein wort sprache / und sich vor ihr selber schämete. Indem sie nun
fürter dem haus der Casbiane zuginge / stellte sie ihr diese freundin für / wie
sie dieselbe iederzeit für so tugendhaft und erbar gehalten / und nun / da es
wohl / sie in der welt zu sehen / das leztemal sein würde / in solcher schande
angetroffen hätte. Also verlore sie auf einmal die hochachtung und liebe gegen
ihr: wiewol es nicht ohne schweren kampf zuginge / der jenigen zu vergessen /
die sie ihre lebtage so häftig geliebt hatte.
    Als sie aber nur noch etliche schritte von der Casbiane palast ware /
begegneten ihr vier geharnischte månner / die sie alsofort anfielen / und sie
zwischen sich nemend / mit ihr hinweg eileten. Ihr geschrei /und der onmöchtige
widerstand derer / die bei ihr waren / konnte sie nicht schirmen / und sah sie
sich in dieser noht ganz hülflos uñ verlassen: als / zu ihrem grossen Glück / der
Fürst von Edom dazu kame / welcher eben in der morgen-küle auf die jagt hinaus
ritte. Wiewol er sie nun nicht gleich erkeñte / so misfiele ihm dannoch diese
freveltat / die man an einem wehrlosen weibe verubete. Demnach triebe ihn seine
grosmut / ihr beizustehen. Als er nun diesen räubern befohlen / die dame gehen
zu lassen / wollten sie ihm nicht gehorchen / bis sie seinen arm gefület: der
alsobald ihrer zween zu boden legte / und die andern wehrlos machete. Ahalibama
schluge hierauf den mantel vom gesicht / und gabe sich zu erkennen / zugleich
für diese befreiung ihm danksagend. Seine freude / dass er ihr diesen dienst
getan / ja so gross /als seine verwunderung / diese Prinzessin in so frömder
gestalt uñ zu so ungewönlicher zeit auf der gassen anzutreffe. Indem kamen noch
mehr gewaffnete und ungewaffnete dazu / die ihre gesellen rächen wollten /und den
Esau anfielen. Er / der nur zween dienere bei sich hatte / bedachte sich nicht
lang / was zu tun wäre / sondern fassete die Ahalibama mit beiden armen / hube
sie vor sich in den sattel / gabe seinem pferd die sporen / und begunte also mit
ihr davon zu rennen. Astale / neben dem Tirzis / Brianes und Zimenes / begaben
sich hiermit auch auf das laufen: und weil diese frömde nur die Ahalibama haben
wollten /als wurden sie nicht von ihnen verfolget.
    Es hatte aber der alte Tebah dieses angestellet / welcher / nachdem er von
einem bedienten aus der Ahalibama palast erfahren / dass sie dissmal bei früher
morgenzeit verreisen wollte / sie hinweg zu nemen / und folgends dem Beor zu
überliefern / diese gewaffnete / so von seinem und des Gaham und Maacha
hausgesinde waren /abgeordnet. Als er nun den unglucklichen fortgang seines
anschlags von weitem mit angesehen / und nun besorgete / dass einer von den
verwundeten ihn verrahten mochte: beschlosse er alsobald / neben ieztbenennten
seinen beiden vettern / dem Gaham und Maacha / nach Hierapolis zu reisen / und
alda sich in sicherheit zu setzen. Esau aber / der sich in seinem herzen
überglucklich schätzete / dass er der schonen Ahalibama diesen dienst erwiesen /
fragte sie / indem er mit ihr fortrennte / wohin er sie bringen sollte? da sie
dann / in schrecken und bestürzung / nach der Konigin von Ninive begehrte: dann
sie begunte nun der Casbiane zu mistrauen / und vermutete / dass sie vieleicht /
ihren anverwandten den Syrischen Fürsten zu gefallen / diesen anschlag selbst
hätte mit anstellen helfen. Wegen der fruhen morgenzeit / ware alles in der
Konigin von Ninive palast noch stille / wie Esau dergestalt mit der Ahalibama
ankame: welche von ihm begehrte / dass er sie im vorgemach der Konigin lassen
wollte. Also name er von ihr seinen abtritt: die eigentliche umstande dieser
begebnis zu erfahren / mit hochster begierde verlangend.
 
                                Das Dritte Buch.
Sobald der tag völlig angebrochen / wurde in ganz Damasco ruchtbar / was der
Prinzessin von Seir widerfahren war: wiewol niemand die eigentlichen ümstände
wusste. Wie es nun auch dem Stattalter zu ohren gekommen / besorgete er / dass
diese gewalttätigkeit einen neuen aufstand bedeuten / und von den vorigen
aufwicklern angestellet sein möchte. Demnach eilete er / üm völlig sich hiervon
zu unterrichten / nach der Königin von Ninive palast: alda er / wie man ihm
gesaget / diese seine base antraffe / und zwar so beschåmet als erschrocken /
dass ihr anschlag ihr misgelungen / und sie bald / sonder des Esau beistand / in
höchste gefahr dadurch gerahten wåre. Sie hatte bereits der Königin von Ninive
alles bekant / und sie üm vergebung gebetten dass sie von ihr / als ihrer so
grossen woltåterin / ohne erlaubnis wegziehen wollen. Die Königin erzehlte nun
auch dem Stattalter / wie es hierum beschaffen ware: der dañ der Ahalibama ihr
solches hoch verwiese / uñ hinzu sezte / dass er ihr von nun an eine starke
leibwacht zuordnen / und sie damit ferner dergleichen freveltaren wider sich
selber fürzunemen / abhalten würde. Weil sie ihm keine nachricht geben konnte /
wer die / so sie also auf der gassen angefallen möchten gewesen sein: als
bemühete er sich / ein solches anderweit auszufragen.
    Indem kamen der Esau und Cimber / neben der Timna und Casbiane dazu: da der
Fürst von Edom vielfältige danksagungen entfinge / sowol von der Ahalibama / als
von der Konigin und dem Mamellus /dass er diese Prinzessin errettet. Die Timna
insonderheit erwiese sich sehr freudig / dass ihre freundin dieser gefahr
entronnen ware: wiewol Ahalibama sie mit grausen ansah / und sich zu zwingen
aller ihrer gedult von nöten hatte. Auch Casbiane konnte ihre unruhe kaum
verbergen / die mit sorgen die Ahalibama betrachtete: üm aus ihrem gesicht zu
erlernen / ob sie der Königin entdecket / dass sie fürnemlich zu ihrer flucht
nach Ninive wäre behülflich gewesen. Doch erholete sie sich bald wieder / als
sie aus der Konigin reden abname / dass ihr hievon nichtes wissend sein müste.
Die Prinzessinnen Ammonide und Jaelinde kamen indem auch zu ihnen / und
erfreueten sich /dass der Ahalibama abreise also verhintert worden: wie dann
ingleichen der Konigin jungfrau Aramena sonderbare vergnügung blicken liesse /
dass diese Prinzessin ihr vorhaben nicht erreichet hatte.
    Weil der Prinz von Assyrien kommen wollte / seine schwester zu besuchen / und
es wegen des frühen tags zimlich kül war / als begabe sich die Königin / mit der
ganzen gesellschaft / in den garten / dahin sie /durch den Ninias / den Prinzen
von Assyrien einbitten liesse: der auch nicht säumete / neben dem Sinear /Eliphas
und allen seinen bei sich habenden Assyrischen herren und furnemen bedienten /
sich alsofort einzufinden. Ihre erste unterredung / handelte von der Ahalibama:
welche der Prinz mit grosser höflichkeit versicherte / dass der König sein herr
vatter ja so willig sei / als die Königin seine schwester / ihr schutz und
beistand zu leisten / dass sie also nicht benötigt wäre / solchen bei der Diana
in Ninive zu suchen. Für so hohes anerbieten / dankete Ahalibama der gebür nach
/ hinzu fügend: es hätte nicht der schutz und die sicherheit in der Diana tempel
/ sie bewogen / dahin zu reisen / sondern ihr gelübde / dass sie der gottin
getan / nämlich ihre übrige lebenszeit in dero diensten hinzubringen. Es wild /
mit gutem willen / (antwortete der Prinz / die ümstehende Fürsten ansehend /)
keiner von uns dieses zugeben / dass die Prinzessin von Seir also ihre schönheit
der welt entziehe. Ich bekenne solches gerne / (hube Esau an zu reden /) und
weiss nicht / ob ich auch die Prinzessin würde im tempel lassen können / wann sie
auch schon sich darein verschlossen hätte. Wir wollen nicht / durch solche
gewalttättige mittel / (antwortete die Königin /) die Ahalibama von ihrer
Meinung abbringen; und hoffe ich / mit Gott / durch einen leichtern weg zu
erlangen / dass sie gutwillig bei mir verbleibe. Sie zielete hiermit auf ihre
vorhabende bekehrung / wovon sie / in gegenwart der anderen / nicht deutlicher
reden mochte.
    Wie nun hierauf der Prinz die Königin / üm sie zu füren / bei der hand
gefasset / verteilten sich auch die andern durch den garten: da der Baleus uñ
die Delbois sich bald allein sahen / und daher etwas freier mit einander reden
kunten. Ich habe / (finge die Konigin an) so viel zu fragen / dass ich nicht weiss
/ wo ich anheben soll. Mir ist nicht bekant / wie es iezt in Babel stehe / was
Dalimire beginne / was die arme Eldane mache / und zu was fürhaben der König den
Prinzen habe hieher reisen lassen? Füraus aber verlange ich zu vernemen / wie es
mein bruder in Ophir gelassen / und wie die Mirina iezt gesinnet sei / ob ich
hoffen dörfe / diese streitbare Königen zu meiner schwägerin zu bekommen? Ihr
sehet mich / werteste schwester! (antwortete der Prinz /) nunmehr ganz frei von
dieser liebe / die ich ehmals zu der Mirina getragen: massen ich ihre
unkeuschheit und leichtsinniges gemüte so wohl erkant / dass mit der hochachtung /
die ich für sie verloren / auch alle neigung verloschen ist. Ihr machet mich
besturzet / (sagte die Königin) die ich allemal so viel tugend an der Mirina
preisen hören: zu dem dass sie aus einem geschlechte und volk entsprossen ist / so
das laster / dessen ihr sie beschüldiget / überaus hassete und meidete. Wann
meine eigene augen (gabe Baleus zu antwort) nicht dessen zeugen wären / was ich
gesaget / würde ich ein dergleichen urteil von ihr fällen. Ich will aber / zu
welcher zeit ihr es begehren werdet / euer verlangen vergnügen / und auch
erzählen / wie es mir in Ophir / von anfang bis zu ende / in dieser liebe
ergangen ist.
    Wann die ümstände also beschaffen / (antwortete die Königin) welche ich dann
mit den förderlichsten zu erfahren verlange / so fället bei mir gegen diese
Mirina auch alle hochachtung. Und wann ihr euch noch frei von anderer liebes
regung befindet / so heget Damascus iezt viel schönheiten / die / den Baleus zu
binden / so tüchtig als würdig sein können. Der Prinz sah hierauf / ohne zu
antworten / die schöne Königin ein weile an / und sagte endlich: die groste
schonheit wäre wohl allhier / wann die natur und unser glaube mir nicht
verwehreten / eine liebe an statt brüderlicher freundschaft zu hegen. Worzu
dienet dieses schmeichlen? antwortete die Königin / etwas errötend. Meine
schönheit ist nicht so gross / den Prinzen Baleus vergessen zu machen / dass ich
seine schwester bin. Vermag aber meine gestalt meinem bruder zu gefallen /so
wird die Prinzessin Cölidiane von Salem / deren ich gleiche / sein herz am
würdigsten besitzen konnen. Ich habe diese schöne Prinzessin (sagte Baleus /) zu
Salem gesehen / als ich daselbst unbekant durchreisete: die liebe aber zwischen
ihr und dem Prinzen Abimelech / stehet mir im wege / an sie zu gedenken.
    Delbois wusste nicht / was sie hierauf antworten sollte: massen sie noch nicht
dienlich befande / sich dem Prinzen zu entdecken / bevor sie dessen gemüte
bässer ergründet hätte. Es halfen ihr aber aus dieser noht / die Jaelinde und
Aramena / welche beide auf sie zugelaufen kamen / ihr eine frucht zu bringen.
Aramena / die zuerst ankame / entschüldigte mit kurzen worten / ihre genommene
freiheit / die Konigin also zu überlaufen: die ursach anfürend / dass sie das
neue von diesem jahr auf einen baum gefunden / so sie neben der Prinzessin von
Salem der Konigin bringen wollen / den dank davon zu tragen hoffend / welche von
ihnen zu erst ankommen würde / dass dann ihr zu glücke gedyen wäre. Hiemit kame
Jaelinde auch an: die zwar bekannte / dass sie verloren hätte / iedoch vermeinte
/ dass die Konigin ihren guten willen auch gnädig aufnemen würde. Als nun die
Königin diese frucht / die eine sondere art kirschen war / und welche sie für
allem andern obst gern zu essen pflegte / von ihnen beiden angenommen / gabe sie
das von Aramenen überlieferte dem Prinzen Baleus / und behielte der Jaelinde
ihres / dabei sagend: weil Aramena zu erst gekommen / als will ich damit / als
mit der edelsten gabe / den Prinzen meinen bruder beschenken; Jaelinden
überbrachte frucht aber / will ich für mich behalten / und auf ihre wehrte
gesundheit verzehren. Auf solche weise / wurden sie beide von ihr vergnüget.
    Als hierauf der Prinz / für dieses geschenke / sich sehr bedanket / und
damit die Prinzessin von Salem neben der Aramena sich wieder hinweg begeben
hatte: fragte Baleus die Konigin gar sorgfältig / wer diese schöne Aramena wäre?
Delbois / ihn zu vergnügen / erzehlete ihm ümständlich / wie sie diese Aramena
bekommen / und wie ihre dapferkeit sie nicht allein bei ihrem einzug in Damascus
von den Leuen errettet / sondern auchneulich bei dem lezten aufstand wunderdinge
verrichtet hätte. Der Prinz hörete diesen bericht mit sonderbarer aufmerkung und
vergnügung an / und priese dabei sehr / der Aramena schonheit /weswegen Delbois
lächlend zu ihm sagte: Es scheinet fast / als sollte meine Aramena in der Eldane
stelle kommen. Baleus lachete hierzu / sonder zu antworten / und sagte über eine
weile: Es geht der guten Eldane in ihrem ehehestand gar übel / und ich gläube
nicht /dass ein so eiversichtiger man / als Abdeel / sein könne. Ein solches
unglück / möchte ich der schonen Aramena nicht gönnen. Doch / wie ihr sie mir
beschrieben / würde ihre frische grosmut kein unbilliges verfahren von einen
mann erleiden. Da zweifele ich selber an / (antwortete Delbois /) betaure aber
die arme Eldane von herzen / die gleichwol euretwegen in dieses unglück gerahten
ist. Wolte Gott / ich könnte ihr dafür dienen! sagte der Prinz. Ich darf sie aber
nicht sehen / noch ihren namen nennen / dass es der Fürst Abdeel höret: sonst muss
es Eldane grausamlich entgelten. O wie wohl ist man daran / (sprache Delbois)
wann man frei bleibet / und sich solcher slaverei nicht unterwirfet! die schöne
Königin von Ninive hat dessen sich nicht zu befahren.
    Hiernächst fuhre er fort / und sagte: Ich verneme /dass auf meiner
wiederkunft alles bisher beruhet / und das fürhaben / dessen man zu Babel / uns
beide betreffend / sich vermerken lassen / hierdurch merklich befördert worden /
da ihr euch entschlossen / auf unsers herr vattern begehren / euer reich zu
verlassen /und hieher zu kommen. Demnach erlaubet mir / dass ich fragen darf /
warüm die Königin von Ninive so gutwillig sich allhier eingefunden / da doch
Baleus nicht kann geniessen das Glück / das man ihme zu Babel bestimmet / und üm
des willen diese zusammenkunft / wie es anfangs geheisen / eigentlich
angestellet worden. Ihr redet mit mir / liebster bruder! (sagte die Konigin) so
verträulich / dass ich mich dadurch verbunden befinde / euch hinwiederüm also zu
begegnen. Wisset demnach / dass ich diese reise vornemlich darüm gewaget / weil
ich mich auf eure standhaftigkeit verlassen / und der sichren hofnung gelebet /
ihr würder hier mit eurem ansehen durchdringen / den widerwillen / den die natur
unserer heurat entgegen setzet / långer nicht verhälen / und auch dergestalt
frei machend / mir auch die freiheit verschaffen / nach meinem sinn / ohne zwang
meiner stände / einen gemal zu wählen / der mir gefallen mochte / wann ja Ninive
sollte einen König haben müssen.
    Seit versichert / liebste schwester! (gabe Baleus zur antwort) dass ich euer
verlangen befördern will: dazu ich dann nun vermeine leichter zu gelangen / weil
es scheinet / dass unsere heurat / nach dem tode des Königs Amraphel von Elam /
nicht so eiferig bei unserem hofe mehr getrieben wird. Der König hat dissmal
nicht ein wort davon gedacht / in der ganzen zeit / seit dass ich aus Ophir in
Babel wieder angelanget. Man hat zwar hiervon bei hof viel geredet / und des
Königs schierste hieherkunft / wegen dieser heurat und den götzentempel
einzuweihen / für gewiss gehalten. Dennoch aber scheinet es / wann das reich Elam
könnte mit Assyrien so verbunden werden / als man wegen Ninive bisher bemüht
gewesen / dass dieser tausch wohl beliebig sein sollte. Dazu gebe der himmel seinen
segen! (sagte die Königin) und wird die Konigin Lantine iezt so leicht können
geliebt werden / als vor diesem / da sie noch keine kron truge. Sie hat mich
(antwortete Baleus /) in ihrem vorigen stande verachtet: welches nun noch
vielmehr zu befahren stünde / da sie wählen darf / welchen sie will. Und
gleichwie auch ich mich iezt frei befinde / also werde ich mich wohl fürsehen
/ehe ich einiger slavischen liebe mich wieder unterwerfe. Solcher tyrannei
(fragte Delbois /) gebrauchet sich vielleicht annnoch die Dalimire zu Babel? Es
nimet damit sehr ab: (gabe er zur antwort) und ob gleich ihre macht und gewalt
noch gross ist / so verringert sich iedoch des Königs liebe. Es scheinet aber
nicht /dass sie sich darüm betrübe: und ist ihr genug / wann sie nur die
herrschaft über des Königs gemüt erhalten kann.
    Wie sie in solcher unterredung waren / kame die Königin von Elam neben den
Prinzessinnen von Ophir und Egypten dazu: dass also der inhalt ihres gespråches
sich verändern musste. Es bliebe aber / die schöne Konigin von Ninive / über der
erklärung ihres bruders so vergnügt / dass sie / wie nachgehends /wegen
herannahender hitze / ein jedes sich wieder in seine wonung begeben / bei ihr
allein überlegte / wie sie ursach hätte / dem himmel zu danken / dass es so wohl
und gewünscht / in dieser beschwerlichen sache /wegen ihrer heurat mit dem
Baleus sich anliesse. Darüm name sie ihr auch für / nach moglichkeit dahin zu
trachten / dass die Königin Lantine den Prinzen bekommen mochte: wiewol sie ihm
lieber die Prinzessin Cölidiane gegönnet hätte.
    Es ware auf den abend / in der Königin von Tyro palast / ein gastmal
angestellet: dabei / neben den Königlichen und Fürstlichen personen / alle
vornemste damen in Damasco erscheinen sollten. Als nun die schöne Königin dahin
kame / fand sie die von Tyro über gewonheit in tiefen gedanken. Nachdem alle
die andere sich auch eingestellet / begaben sie sich sämtlich in einen grossen
saal / der mit der herrlichsten decken von Sidon / so wohl an den wänden als auf
dem boden / bekleidet und beleget war. Die ablang-runde tafel / war mit güldenen
gefässen häufig und prächtig besetzet / uñ ümgeben mit helfenbeinenen bänken /auf
welche sie in folgender unordentlichen ordnung /üm allen vorzugstreit zu
verhüten / sich niederliessen. Den ersten platz name die Königin von Tyro / deren
sassen zur rechten hand / die Königin von Ninive / die Prinzessin Amesses und
Ahalibama / und so fort hinab der Fürst von Edom / die Timna / Casbiane und
Zelinde / der Sinear / die Tarasile / Perseis / und Esca / der Königin von Tyro
kamerjungfrau / ferner Eliphas / Jetura Fürstin von Hus / Iphis jungfrau bei der
Lantine / und Aramena. Zur linken seiten kamen zu sitzen / die Königin von Elam
/ die Prinzessiñen Indaride und Ammonide / der Cimber / die Jaelinde /Calaride
und Dersine / der Tiribaces / die Siringe /Merone und Azura / der Königin von
Tyro hofmeistrin / der Ninias / die Astale und Zamede jungfrau bei der Amesses /
Melisse jungfrau bei der Indaride / und der Baleus.
    Dieser Prinz / so gerad über gegen die Königinnen / und also zwischen die
Melinde und Aramena sich gesetzet / befande sich gar vergnügt bei dieser lezten:
die er / die ganze malzeit über / mit gespräche unterhaltend / nicht weniger
wegen ihres verstands / als wegen ihrer schönheit und bekanten dapferkeit / zu
bewundern begunte. Der Fürst von Edom / (mit dem die andern ihren scherz hatten
/ dass er eben zwischen die beide Fürstinnen von Seir sich gesetzet / mit deren
verwandten er so schwere kriege fürete /) versäumete sich auch nicht / bei der
Prinzessin Ahalibama. Cimber sprachete / so wohl mit der Ammonide als Jaelinde:
dass dann die letzere hätte vergnügen können / wann es ihr wäre erträglich
gewesen / mit ihrer eingebildeten mitbulerin dieses Glück zu teilen. Den
Tiribaces /der nichtes über der tafel fand / dass ihn ergetzete /sah man nicht
viel reden. Sinear / wandte seine augen nie ab / von seiner basen / der
Ahalibama. Ninias / der stäts seine Königin anbetete / gabe auf ihr und des
Prinzen Baleus wesen genaue achtung. Eliphas aber / der unter allen der
vergnügteste schiene /musste der Jetura erzählen / was ihme im Ophirischen krieg
begegnet.
    Der Stattalter Mamellus / neben allen Syrischen Fürsten / hielten die
wirtschaft / und bedieneten die Königinnen: und / wie diese ansehnliche
Konigliche gesellschaft eine weile gesessen war / wurde alles volk nacheinander
eingelassen / die Königliche personen speisen zu sehen. Nach verrichteter
malzeit / ward ein Assyrischer danz angefangen: worbei die Konigin von Ninive
solche geschicklichkeit wiese / dass iederman sie bewunderte. Indaride und
Ahalibama begaben sich zu der Königin von Tyro / weil sie nit danzen wollten /
wie sehr auch der Fürst von Edom sich bemühete / die Prinzessin von Seir hierzu
zu bewegen. Wie nun fast über mitternacht diese lust sich erstrecket / wurden /
von des Mamellus bedienten /stattliche früchte und erfrischungen in grossen
silbernen korben aufgetragen. Als endlich die gesellschaft meist wieder von
einander gegangen / blieben die Prinzessinnen und Prinzen noch etwas bei den
Königinnen / üm von der schönen Amesses abschied zu nemen: als welche gewillet
war / den folgenden tag nach Ninive abzureisen. Sie hatte sich / in der kurzen
zeit / da sie in Damasco gewesen / so beliebt gemacht / dass ihre abreise sie
alle / sonderlich die Indaride /betrübt hinterliesse: weil es aber höchstnötig
war / als mussten sie sich darein ergeben. Sie wünscheten ihr tausend Glück und
gutes auf den weg / als auch diese edle Prinzessin zu geniessen würdig ware.
Ahalibama hätte ihr gern eine gefärtin nach Ninive abgegeben: sie dorfte aber
davon nicht mehr gedenken / weil die Königin von Ninive ihr solches verwehrete.
    Wie nun hierauf iederman zu ruhe gegangen / stahle der Prinz von Tyro sich
heimlich aus seinem palast hinweg / also dass sein hofmeister der Fürst Borgias
dessen nicht gewar wurde. Von niemanden als seinem treuen kämmerling begleitet /
liesse er sich von ihm in ein haus füren: alda ihn ein ansehnlicher alter man
entfinge / und ihn in ein gemach fürete. In demselben befande sich eine schone
frauenperson / die ihm entgegen ginge / und ihn zum sitzen nötigte. Was begehret
ihr dann endlich von mir / Prinz Tiribaces! (begunte sie ihn anzureden /) das
ich für euch tun soll? Ihr sehet / wie weit ihr es mit meiner zuneigung gebracht
/ dass ich mich nicht gescheuet / euch nochmals bei nacht zu mir kommen zu lassen
/ üm abschied von euch zu nemen. Ihr seufzet / Prinz von Tyro! das wort /
abschied / dünket euch zu hart zu sein. Es ist hier aber kein ander mittel! Es
erfordert mein gelübde /meine Ehre / meine pflicht / dass ich mich der welt
abtue / meinen guten namen rette / meine rache an der Naema und den Sidon übe /
und den armen Adonias dabei ewig beweine.
    Hiermit stiegen ihr die tränen häufig in die augen /und verwehreten ihr
fortzufahren in ihrer rede. Ach schone Orosmada! (sagte der verliebte Tiribaces
/) wolt ihr dann / nun euer glücklicher Adonias nicht mehr im leben / den armen
Tiribaces auch aufopfern? Was hat euch Tyrus getan / dass ihr das reich Zor
seines einigen kron-prinzens beraube wollet? Wollet ihr dann dazu beförderlich
sein / dass euer abgesagter feind und verfolger / der Sidon / dieses reich
ererbe? Ach Orosmada! betrachtet meine liebe! hebet auf euer getanes gelübde!
und könnet ihr des Adonias nicht vergessen / so gönnet doch mir / dass ich an
seiner statt euch liebe. Diese worte brachte er so beweglich für /dass er die
Orosmada damit weich machete / die zu ihm sagte: Ich begehre nicht euren tod /
edeler Prinz! noch dass Sidon des tugendhaften Tiribaces tron besteige. Ach
nein! lebet dem reiche Sidon zum trost und bästen / welches ich niemanden als
euch gönne: dann ich versichert bin / der gerechte himmel werde dem lasterhaften
Sidon nimermehr die kron auf sein unwürdiges haubt setzen / sondern ihn vor der
zeit von der welt vertilgen. Sol ich leben / Prinzessin! (wandte Tiribaces ein
/) so muss Orosmada ihren sinn åndern / sich nicht in der Diana tempel
verschliessen /und den zwar-unwurdigen Tiribaces lieben. Ach edeler Prinz! (gabe
sie zur antwort /) vergesset der jenigen / die nimmermehr des Adonias vergessen
kann. Liebet / liebt diesen Adonias! (wiederholete Tiribaces /) gönnet mir nur /
neben ihme / eure gunst: den vorzug will ich ihme nicht bestreiten. Seit nur
meiner liebe nicht zuwider / und verachtet nicht den Tyrischen tron: welchen
ihr dem Sidonischen an die seite stellen könnet / wann der himmel euren wunsch /
den gottlosen Sidon betreffend / erhören / und ihn seinem verdienste nach von
der welt schaffen wird.
    Ihr kennet mein gemüte / (gabe sie zur antwort) welches nicht kronensüchtig
ist / und wisset / was ich bei dem Adonias anfänglich zu gewarten hatte. Ihr
verdienet / eurer würde nach / ein ganzes herz / und eine vollkommene liebe.
Lasset mich demnach meinen Adonias lieben / und vergesset der unwürdigen
Orosmada / die sich euer nicht würdig achtet. Ach grausame! (rieffe der Prinz
von Tyro) meine unwürdigkeit machet euch also reden: ihr erkennet und haltet
mich nicht wehrt / dass ich dem Adonias in eurem herzen gesellschaft leiste.
Wolan! so lasset dem Adonias euer herz allein! lasset ihm allein eure liebe! nur
lasset zu / dass ich euch nicht sonder hofnung lieben möge. Ich kann nicht abnemen
/ (antwortete sie /) dass eure liebe so häftig sei / da euch an meiner gegenliebe
so wenig gelegen ist. Ihr erkennet / dass ich auser dem Adonias niemand lieben
konne: und wollet dennoch nicht ablassen / die jenige zu lieben / von der ihr
keine gegenliebe zu hoffen habet. Harte donnerworte! (sagte Tiribaces /) so ist
es dann ganz fäst beschlossen / dass ihr mich nicht lieben könnet? Ich verehre
euch / (gabe sie zur antwort /) und liebe den Adonias. Verehret die todten /
(antwortete Tiribaces /) und liebt die lebendigen. Eine warhafte liebe /
(wiederholete sie /) ist sonder ende. Wolan! (sagte er hierauf) ihr fället
hiermit mein urteil / dass ich nämlich euch ohn ende lieben soll: welches ich auch
tun / und eher sterben / als eure abreise nach Ninive zulassen werde. Ist aber
das eurer zusage gemäs gehandelt / (fragte Orosmada /) dass ihr mich nicht länger
aufhalten woltet /wann ich euch nur noch einmal hätte gehör verstattet?
    Hierauf fiele der Tiribaces ihr zu fuss / und die augen mit tränen füllend /
sagte er ganz beweglich zu ihr: Ach Orosmada! erbarmet euch eines Prinzens /der
sonder euch nicht leben kann / und der ohne einige andere betrachtung
entschlossen ist / euch aus der welt nachzufolgen / wann ihr ihn verlassen
wollet. Meine ehrliche liebe weiss von keinem versprechen /uñ ich kann / von ihr
gemeistert / nichtes tun / als was sie mir eingibet. Wollet ihr nach Ninive /
so will ich mit / und euch bis für den grausamen tempel begleitend / daselbst
mein leben aufopfern. Ich will nicht /dass ihr mich liebt / und begehre nicht
mehr / als nebe dem Adonias einen raum in eurem herzen. Ich will allein bis in
meinem tod bei euch sein / und solchen ehist befordern: üm euch von einem
unbequemen menschen zu erlösen / der euch so viel verdruss zuziehet. Die
mitleidige Orosmada / ob sie gleich noch keine liebe in ihrem herzen gege dem
Tiribaces entfunde / so fülete sie doch in sich ein so grosses erbarmen / dass des
verliebten Prinzen tränen / die ihrigen auch mildiglich herauslocketen. Sie
wusste nicht / da sie die hartnäckigkeit des Prinzen sah / wie sie zugleich in
ihrem vorsatz verharren und sein leben erhalten sollte. Seine häftigkeit war ihr
bekant / kraft deren er von seinem schluss / ihr zu folgen / und sich in den tod
zu stürzen / nicht abstehen würde: welchen sie aber / weil sie seine person hoch
achtete / nach möglichkeit zu verwehren suchete.
    Wie sie nun in solcher unschlüssigkeit begriffen war / trate der alte zu ihr
/ welcher den Tiribaces hatte hinein gefüret / und sagte: wie meine Prinzessin!
soll dieser edle Prinz noch länger sich vergebens bemühen / üm eine sache / die
doch allein der Orosmada dienen kann / sich an der Naema sowol als an dem Eidon
zu rächen / und zugleich den Adonias zu vergnügen /dessen unschuldig-vergossenes
blut / nicht liebe /sondern rache / von der Prinzessin von Sidon begehret. Ach
Orosmada! bedenket euer båstes! gonnet mir / dass ich / ohne verletzung meiner
treu / dem Prinzen von Tyro beifalle / und mich auf seine seite schlagend / euch
überreden helfe / dass ihr die reise nach Ninive einstellet / und diesen Prinzen
zu eurem beschützer wider eure verfolger / und zum rächer eures erlittenen
unrechts / erwehlet. Tiribaces / als er so starken beistand überkommen / fassete
von neuem frischen muht / und brachte endlich durch sein inständiges bitten /die
Orosmada dahin / dass sie ihm erlaubte / der Konigin seiner frau mutter ihren
zustand zu offenbaren /und deren schutz für sie zu begehren: den sie anzunemen
versprache / wofern die Königin / das sie doch vieler ursachen halber von ihr
schwerlich hoffete /hierzu sich beistimmig erklären würde; und wollte sie
mitlerweile ihre reise nach Ninive aufschieben / und gedulten / dass der
Tiribaces ihr seine liebe klagen mochte. Der erfreute Prinz / so von der
tiefsten verzweiflung sich unversehens in die höchste zufriedenheit und hofnung
versetzet sah / wusste so wenig sein Glück als sein leid zu ertragen: dannenhero
nicht viel gefehlet / dass er vor ihr niedergesunken / und des todes gewesen
wäre.
    Er schiede hierauf ja so vergnügt von ihr / als betrübt und verliebt er
gekommen war. Nachdem sie ihme mit vielen eiden diese ihre zusage beschworen
/begabe er sich wieder nach seinem palast / und legte sich zur ruhe. Aber eine
neue sorge liesse ihn nicht schlaffen / welchergestalt er nämlich seine liebe der
Königin seiner frau mutter beibringen / und für die Prinzessin von Sidon / die
nicht zum bästen zu Tyro angesehen war / schutz erlangen sollte. Nach vielem
beratschlagen / geriete er endlich mit den gedanken auf die Königin von Ninive /
sich deren zu seinem fürspruche zu gebrauchen / als welche bei seiner frau
mutter alles vermochte: weswegen er ihm fürname / sobald sich diese Königin wurde
sprechen lassen / ihr sein anligen zu entdecken. Er konnte zwar hierzu nicht
sobald gelangen / weil das gesamte frauenzimmer diesen morgen etwas länger
schlieffe / üm von der gestrigen nacht-unruhe wieder aus urasten. Wie aber die
verliebten stäts in furcht und sorgen stehen / als trauete auch dieser Prinz
nicht so sicherlich auf seiner Orosmada versprechen / dass er / wie die wägen /
so die Prinzessin von Egypten nach Ninive abholen sollten /ankamen / nicht
gefürchtet hätte / die Prinzessin von Sidon mochte mit aufsitzen / üm mit dieser
gelegenheit / wie sie fürgehabt / nach Ninive zu kommen. Demnach eilete er an
das fenster / und sah genau darnach / was er doch nicht zu sehen verlangte. Und
/ üm noch gewisser zu sein / ginge er lezlich gar auf den platz / da die wägen
vor der schonen Amesses palast hielten: üm acht zu haben / ob bei dieser
Prinzessin die Orosmada sich befinden würde. Die Amesses wurde endlich von dem
Mamellus zu wage gebracht: der ihr etliche huntert mann zur reise-sicherheit
mitgabe / und sie selber aus der stadt begleitete.
    Wie nun Tiribaces nichts gefunden / so ihn ferner missträuig machen konnen /
befahle er seinen leuten /seine pferde färtig zu verschaffen / üm in das feld zu
reiten. Borgias / dem die aufsicht uber diesen Prinzen von dem König zu Tyro
anbefohlen war / begleitete ihn auf diesem spazir-ritt: sich nicht wenig
verwunderend / dass er seinen herrn zugleich so munter und unruhig sah / dessen
er sonsten an ihm nicht gewonet war: doch wollte er ihn üm die ursache noch nicht
fragen / sondern ihn zuvor bässer ausnemen. Indem er dieses also bei sich
überlegte / ritte der Tiribaces immer fort / seinen verliebten gedanken gehör
gebend / bis dass er in ein angenemes wäldlein kame; da er abstiege / und nachdem
er eine weile spaziren gegangen / endlich an einen bach sich niedersetzete / und
allmählich einschlieffe: da dann seine leute / üm ihn nicht in der ruhe zu
stören / sich etwas hintan begaben.
    Nachdem er eine gute weile geschlaffen / erweckte ihn ein geråusche /
welches nahe bei ihm sich erregte. Wie er nun / sich unterredend / darnach
ümgesehen /wurde er eines jünglings gewar / der sich / gleich ihme / am wasser
niedergelassen / und einen andern bei sich hatte / mit dem er sprachete. Ein
ungewonliches herzklopfen entstunde in diesem Prinzen / als er diesen frömden
ersehen: und wurde er durch eine heimliche regung angetrieben / selbigem näher
zu komen / um dessen angesicht eigentlicher zu betrachten. Als er nun solches /
ohne gesehen zu werden /verrichtet / erkannte er die warhafte gestalt des Adonias
/ den die Orosmada so häftig liebete / und den er neben ihr so gewiss für todt
gehalten. O ihr götter! (sagte er bei sich selber) sehe ich wahr / oder ist
dieses der geist des glücklichen Adonias? hier mit kame ihm ein grausen an /
welches von so vielen andern bewegungen begleitet wurde / dass darob sein gemüte
ganz verwirret bliebe.
    Diese seine bestürzung / bename ihm gleichwol nicht sein gehör / und vername
er / dass dieser vermeinte geist des Adonias also zu seinem beisitzer sagete: Nun
geht es nach meiner mutter ihrem wunsche / da mir Orosmada diese untreu
erwiesen. Du weist /mein freund! wie ungern sie an mir gedultet / dass ich die
Orosmada liebete. Ihr befehl / und der Jaelinde schonheit / machet mich nun
meiner alten liebe vergessen: und gehe ich diesen tausch üm so viel lieber und
williger ein / weil es mir zu meiner rache dienen kann / hierdurch der Orosmada
zu zeigen / dass ich / so wohl als sie / vergessen könne. Aber ach! (fuhre er fort
mit einen tiefgeholten seufzer) wie schwer fållet mir diese vergessenheit! und
wie unmüglich dünkt es mich / dass Orosmada sich also ändern sollen! Diese
Prinzessin / die mich fast eher / als ich sie / geliebt /und zwar mit
nicht-gemeiner sondern überaus-häftiger liebe; die meinetwegen so viel
verfolgungen gedultig erlitten / und allen Königen der welt mich fürgezogen:
ach! diese vertauschet mich nun / mit dem Fürsten von Hevila. Ach glücklicher
Prinz! geniesse nun du /sonder mühe / dieser schönheit / die meiner treuen
aufwartung so gar vergessen konnen / dass sie / auch meinen tod zu befördern /
sich nicht gescheuet! Fürchte dich aber dabei / O Jetur! dass es dir nicht auch
also wie mir ergehe / und du am ende müssest inn werden / dass Orosmada so
leichtsinnig als schöne sei.
    Hiermit schwiege Adonias / und Tiribaces wurde /durch das / so er hörete /
dermassen aus sich selber gebracht / dass er nicht beobachten kunte / was man dem
Adonias hierauf antwortete. Er hatte diesen seinen mitbuler für todt gehalten /
und vername nun sein leben. Demnach sah er sich nun in neuen sorgen /dass die
Orosmada den Adonias fort-lieben würde. Und ob ihme schon ihre vergessenheit /
über die der Adonias sich beklaget / die furcht bename: so geriete er doch
anderseits in eine neue eifersucht gegen den Fürsten von Hevila / von deme
dieser geredet. Hierbei ward er auch unlustig / über die vernommene
leichtsinnigkeit seiner Orosmada / dass sie den Adonias auf so unbillige weise
verlassen konnen. Wie nun alles dieses bei ihm eine grosse bestürzung erweckte /
also vermehrte es auch seine begierde / dem gespräche des Adonias / ferner
zuzuhoren. Demnach sich wieder erholend / und genau aufsehend / vername er / dass
der Adonias also redete: Ich werde / wehrter freund! deinem raht folgen / an die
Orosmada nicht mehr zu gedenken / und hingegen dahin trachten / wie ich mich bei
der schönen Jaelinde in gnaden bringen möge. Unsere ietzige reise nach Armenien
zu dem König Barzanes / welche zu befreiung des Königs von Salem angesehen ist /
wird die erste gelegenheit geben / mir diese schöne verbündlich zu machen.
    Solches sagend / stunde er auf mit seinem gefärten /und ginge sie
miteinander in den wald / also / dass Tiribaces weiter nichtes horen konnte. Er
sah ihnen aber nach / und name war / dass sie sich zu pferd setzeten /und von
etlichen dienern begleitet / auf den weg nach Aroer sich begaben. O ihr götter!
(sagte er wiederüm bei sich selber) wache oder träume ich? Adonias lebet / und
Orosmada ist ihme ungetreu worden. Adonias liebt die Prinzessin von Salem / und
Orosmada den Fürsten von Hevila. O wunderbare änderungen! die die ümstånde
meiner unruhe / nicht aber die unruhe selber / vertreiben! In solchen verwirrten
gedanken kehrete er wieder nach der stadt / und liesse sein anligen sich so sehr
meistern / dass sein hofmeister eigentlich merken konnte / wie des Prinzen unruhe
inzwischen mehr zu-als abgenomen hatte. Dannenhero er /solches zu verschweigen
nicht ratsam befindend / so bald er den Prinzen verlassen kunte / sich nach der
Königin von Tyro palast begabe / üm derselben ihres sohns gespürte traurigkeit
zu entdecken. So freien zutritt er aber bei der Konigin hatte / so unmöglich
fiele es ihm dissmal / vor sie zu kommen: weil sie sich mit dem Stattalter von
Syrien eingeschlossen / und allen ihren leuten befohlen hatte / niemanden zu ihr
zu lassen. Also musste Borgias verziehen / bis diese unterredung geendet ware.
    Diese Konigin legte damals dem Mamellus ein schreiben vor / das sie von
ihrem bruder / dem König zu Babel / bekommen: womit sie ihn ja so verwunderend
machete / als sie selber darüber worden ware; massen er / an statt ihr / hierüber
seine Meinung zu sagen / nicht wusste / ob er seinen augen glauben sollte / welche
zu seiner bestürzung / diese worte lasen.
Schreiben des Königs Belochus von Assyrien / an seine schwester die Königin von
                                     Tyro.
Herzliebste schwester! Ich sende hiemit zu euch / den Prinzen meinen sohn / den
mich die gütigkeit des himmels wieder sehen lassen / nachdem sie ihn in der
gefahr des Ophirischen kriegs behütet. Wolten die götter / dass es gleichermassen
dem König eurem sohn ergangen wäre! Nun aber der unerforschliche himmels-schluss
ein anders verhänget / als unterstehe ich mich / in des Amraphels stelle euch
den Baleus zu geben: den ich neben mir für glücklich achten werde /wann er die
kron von Elam / mit der Lantine eurer tochter / durch euer beider gütigkeit /
erlangen kann. Habe ihr iemals euren bruder geliebt / so erweiset es hierinnen:
dadurch ihr die aufname meines reiches /und meine einige ruhe / befördern
werdet. Wann ich mit hülf der götter / innerhalb wenig wochen / euch selber /
liebste schwester! sprechen werde: soll sich eure verwunderung hierüber stillen /
warum ich die Lantine für die Delbois erwehle. Immittels haltet diese schone in
Damasco auf / und last nichtes ermanglen / Syrien ihr angenem zu machen. Ich
versichere euch nochmals zum überfluss / dass eures bruders leben an dieser sache
hanget: werdet ihr also die so eiferig befördern / als liel euch ist euer
bruder.
                                                    Belochus König von Assyrien.
    Wie geht dieses zu? finge der Stattalter an zu reden. Sind meines Königs
gedanken also plötzlich verändert worden? Ist nicht so lange zeit beschlossen
gewesen / Ninive und Babel / durch die bewusste heurat zusammen zu einigen? und
hat diese Konigin nicht deswegen hieher reisen müssen? Sol dañ / die aufname des
Assyrischen reiches / mehr in erlangung der Elamitischen als Ninivitischen kron
bestehen? mag dieses des Königs einige ruhe befördern / und ihme sein leben
erhalten? In warheit / iemehr ich dieser sache nachdenke / ie weniger kann ich es
ausdenken. Ihr tut an mich solche fragen / (sagte die Königin von Tyro /) die
ich selber gern von euch möchte beantwortet hören. Es ist freilich dieses eine so
schleunige änderung /dass meine gedanken durch dieses geheimnis nicht
durchbrechen konnen. Doch werde ich meinesteils mich hierinn nicht widersetzen /
noch dem Prinzen von Assyrien meine tochter versagen: zumal ich nicht anderst
urteilen kann / als dass dieser Prinz und die Königin seine schwester keine
eheliche neigung zusammen tragen.
    Was dissfalls E. Maj. (antwortete Mamellus /) wie auch die Konigin von Ninive
und dem Prinzen von Assyrien betrifft / ziehe ich deswegen die sache nicht so
gross in bedenke: aber wohl / was meinen König und die Königin von Elam belanget.
Dann E. Maj. nicht zu verdenken sind / wann sie diese fürgeschlagene heurat gern
sehen: zu welcher auch der Prinz von Assyrien sich willigst verstehen wird / da
er bereits vor diesem zu Babel diese Prinzessin geliebt / und die Königin seine
schwester / dafern sie ihn nicht liebt /als ich selbst vermute / keine
hinternis bringen wird. Allein mein Konig gerätet nicht ohne ursach auf diese
änderung / und die art / wie er E. Maj. schreibet /gibet zu erkennen / es müsse
etwas grosses für-sein. Hierzu kommet noch dieses / dass die Königin von Elam in
diese heurat schwerlich einwilligen wird: da wir bisher selber ihr den raht
gegeben / dass sie ihr keinen frömden Konig zum gemal erwählen solle /damit nicht
Elam / einer fromden macht unterwürfig zu werden / in gefahr komme. Dieses
einige (gabe die Königin zur antwort /) quälet mich auch am meisten /dass ich
fürchte / der Lantine gemüt sei von anderer Meinung also eingenommen / dass wir
sie hierzu nicht bringen können. Nun wisset ihr / Prinz Mamellus! wie herzlich
ich meinen bruder liebe: dessen ruhe zu befördern / ich auch alle andere
betrachtungen hintan setzen / und seinen willen möglichst erfüllen werde. Daher
ist dieses meine gröste sorge / wie man dazu gelangen möge / dass Belochus / so
wohl als Lantine /vergnüget bleiben.
    Wofern die Königin Lantine / (sagte Mamellus) noch nicht liebt / wird ihr
nicht schwer fallen / den Prinzen von Assyrien zu erkiesen. Die Königin von
Ninive / könnte am füglichsten ein solches aus ihr erforschen. Und muss ich
gestehen / wann ich meines Königs schrift recht überdenke / dass an dieser sache
seine ruhe / sein wolfart / ja sein leben hange. Um dess willen verschliesse ich
für allen andern betrachtungen die augen / und werde einig und allein dahin
mitarbeiten helfen / dass mein König seine vergnügung erlangen möge. Für dieses
anerbieten des Mamellus / dankete ihm die Königin zum hochsten / und redete
ferner mit ihm ab / wie sie dieses werk heimlich treiben wollten. Weil es nun
zeit zum mittagmal war / als name der Stattalter seinen abtritt: und gabe er
allen / die ihn von der Königin kommen sahen / durch sein verstörtes aussehen /
zu verstehen / dass ihm etwas sonderliches anligen müste.
    Weil er eben / im vorgemach der Königin / den Elihu antraffe / als nötigte
er denselben / mit ihm nach haus zu fahren: allwo er ihme / als seinem
vertrautesten freund / offenbarete / was er von der Konigin vernommen hatte. Ihr
sehet hieraus / mein freund! (sagte er endlich zu ihme) wie diese unvermutete
änderung mir hinterlich ist / euch mein wort zu halten /da ich verhoffet / den
Elamitischen tron für den Elihu zu erwerben. Mein vetter / (gabe Elihu zur
antwort /) stelle nur dieserwegen sein gemüt in ruhe: dann ich so wenig eine
kron begehre / als ich dieselbige ausschlagen würde / wann mich ein so grosses
Glück begrüssen könnte. Ich muss gedenken / dass weder schäferinnen noch Königinnen
für mich bestimmet sein: und wie meine erste liebe fehlgeschlagen / und nun auch
diese hofnung mich betrogen hat / also werde ich fortin am sichersten gehen /
wann ich nichtes begehre / als was mir werden kann. Eure grosmut (sagte Mamellus)
ist so sonderbar / dass ihr billig den zepter füren soltet: und wäre ich die
schöne Delbois / so sollte allein Elihu den Ninivitischen tron besteigen.
    Diese worte machten den Elihu so verwirret / dass er errötend ganz
verstummete / und damit an den tag gabe / dass er getroffen worden. Mamellus /
der solches merkete / fragte ihn: ob nicht sein urteil von ihme wahr wäre / dass
er diese schöne Konigin liebete? Ich liebe sie / (antwortete Elihu) wiewol
sonder ehrsucht / und bewundere mehr ihren Glanz / als dass ich iemals sie
zubesitzen begehren sollte. Ich bin hiermit in dieser meiner liebe so weit
vergnügt / dass ich nichtes weiter begehre: massen weder ihre gegenliebe / noch
die begierde zum Ninivitischen tron / mir in den sinn steiget. Ich bin fro /
(sagte Mamellus) dass ich eure gedanken erkant habe. Wer weiss / ob nicht mein
Glück mir hierinn bässer scheinet / euch zu dienen / als bei der Konigin von
Elam. Weil indem die Stattalterin dazu kame / und das essen aufgetragen wurde /
kunten sie hiervon nicht ferner sprechen.
    Nach eingenommener malzeit / weil wegen der hitze jederman des nachmittags
zu ruhen pflegte /name der Elihu seinen abschied von den Mamellus /und begabe
sich nach seinem hause. Wie er allda sich allein sah / stellete er ihm für /
was er von dem Stattalter vernommen / und fand in sich eine grosse ruhe / dass
ihme die hofnung zur Elamitischen kron war benommen worden. Er musste hierüber
bei sich selber lachen / dass ihn das beruhigen konnte / was andere mit den
entfindlichsten schmerzen würden verstanden haben. Er kunte / dessen ursach /
selber nicht ersinnen. Dann / weil er sonder hofnung die schöne Königin von
Ninive liebete / merkete er nicht / dass wider sein wissen ihn diss erfreuete /
dass die heurat zwischen ihr und dem Prinzen von Assyrien zurücke gehen sollte.
Betrachtete er dann ferner / wie hierdurch die schöne Delbois die besitzung des
grösten trons der welt verlöre / so betrübte er sich darüber: gleichwol mit
solcher ruhe / dass er ihm selber darüm feind wurde / dass er nicht genug übel
entfunde / was der schönen Königin nachteilig ware.
    Mit solchen gedanken / brachte er den nachmittag hin. Und weil darin seine
höchste glückseeligkeit bestunde / dass er die schöne Ninivitin sehen mochte: als
begabe er sich gegen abend in den garten / da sie ofters ihren spazirgang zu
halten pflegte. Er war nicht lang alda gewesen / da sah er diese seine
wunder-gottin ankommen. Der Prinz Tiribaces ihr fürer / begleitete sie in eine
hütte: dahinein niemand mit ihnen gienge / als die Königin Lantine / und die
Iphis dieser Königin kammerjungfrau. Daher Elihu / als er hieraus warname / dass
sie müsten etwas geheimes zu reden haben / seine vergnügung aufschobe / und sich
inzwischen zu dem andern frauenzimmer gesellete: welche /der Königinnen willen
wissend / dass sie gern allein bleiben wollten / sich an einen andernort des
gartens begaben / und daselbst mit allerhand lustspielen und gesprächen die zeit
hinbrachten. Der verliebte Prinz von Tyro aber / welcher nach nichtes mehr
trachtete /als der Prinzessin von Sidon seine zusage zu halten /ungeacht er aus
des Adonias reden eine neue eifersucht in sich entfunde / und bei seiner
häftigen liebe übel mit ihr zu frieden war: hatte sein anligen der Königin von
Ninive / wie auch seiner schwester / entdecket / und die Delbois nicht allein zu
grossem mitleiden bewogen / sondern auch die begierde in ihr erwecket /sowol dem
Prinzen und der Prinzessin zu dienen / als auch ihre fremde aberteuren / davon
ihr nichtes kündig war / zu erfahren. Zu solchem ende / hatte sie die
lauberhütte ausgewehlet: alda die Iphis / welche zu Sidon am hof gewesen / und
allein von allem am bästen wusste / ihr erzählen sollte / was der Orosmada
begegnet / und was sie von Sidon hinweg getrieben hätte. Sie musste solches
notwendig wissen / üm der Königin von Tyro diese sache nach begehren des
Tiribaces mit desto mehrern gründen / fürzutragen. Wie sich demnach die beide
Königinnen neben den Prinzen gesetzet / und die Iphis zu der Lantine füssen auf
das gras sich niedergelassen hatte / finge sie / auf erlangten befehl / also an
zu erzählen
             Die Geschichte des Tiribaces der Orosmada und Adonias.
Es ist bekant / das der König Abdalla / das reich Sidon und Tyrus unter seine
beide söhne ausgeteilet /und den jetzigen Konig von Tyro / dem herr vattern des
Prinzen Tiribaces die fäste stadt Zor / dem andern sohn aber / als dem liebsten
/ die grosse stadt Sidon zugewendet. Dieser König von Sidon / heuratete nach
einander drei gemalinnen. Mit der ersten so Joba hiesse und eine Prinzessin aus
Bactra war / zeugete er den Prinzen Sidon. Die andere Tiphabruna / des Königs
von Armenien schwester / gebare ihm die Prinzessin Orosmada. Seine dritte
gemalin / die noch lebet / ist des Königs von Hemath schwester / die Naema /mit
der er keine kinder erzielet. Nun hatte der König /dem lezten willen seiner
gemalin der Tiphabruna zu folge / die Prinzessin Orosmada einer dame / Eurilinde
genant / die in der freistadt Zarpat wonete / untergeben / dass die auf ihre
erziehung acht haben sollte: welche / von so grosser schönheit als hohen verstande
/ diesem aufgetragenen amte so rümlich fürstunde /dass sie aus der Orosmada eine
vollkommene Prinzessin erzoge. Unter andern jungfrauen / die ihr zugegeben
wurden / hatte auch ich das Glück / dass meine eltern / die aus Tyro bürtig /
mich in meiner zarten jugend nach Zarpat brachten: alda ich stäts dieser
Prinzessin aufgewartet / und daher von ihrem ganzen lebenslauf bericht geben kann
/ auch guten teils aller ihrer heimlichkeiten vertrauteste gewesen bin / bis
mich die unbeständigkeit meines glückes dieser würde entsetzet.
    Es hatte aber die Eurilinde einen sohn / der sich Adonias nennte: welcher /
etwan ein jahr ålter als die Prinzessin / durch stätige spiel-geselligkeit sich
bei ihr so beliebt machete / dass aus dieser verträulichen gemeinschaft eine
liebe erwuchse: welche mit den jahren so zugenommen / dass weder der ungleiche
stand /noch der Eurilinde wachsamkeit / solche verhintern konnte. Eurilinde / als
eine verständige frau / ersah vorher / in diesem Glück ihres sohnes / sein
gröstes unglück. Dannenhero / wiewol sie sonst / aus mütterlicher liebe / nie
dazu sich entschliessen wollen / diesen ihren einigen sohn von sich zu tun: so
fassete sie doch üm deswillen andere gedanken / und schickete ihn in die Insul
Creta / alda müste er etliche jahre ausbleiben / in welcher zeit sie hoffete /
dass die Prinzessin seiner vergessen würde. Aber die grossen versicherungen ewiger
beständigkeit / die sie beim abschied-nemen einander gegeben / waren so bündig /
dass weder zeit noch abwesenheit ihre liebe austilgen kunte: und wie Adonias
stäts in der Orosmada gedanken schwebete / also lebete sie hingegen auch in ihm
/dass man derwegen wohl sagen kunte / Adonias wåre zu Zarpaht / und die Prinzessin
in Creta gewesen.
    Es forderte aber / wenig zeit hernach / der König Siphon seine tochter nach
hof: da dann der Prinzessin mächtiges bitten und flehen die Eurilinde bewoge
/mit nach Sidon zu ziehen; wiewol sie ihr die freiheit ausbedunge / die grosse
gesellschaften zu meiden / und in der stadt ihre wohnung allein zu haben. Der
ganze hof wurde über der Prinzessin ankunft erfreuet / und blickete ihre
schönheit und guter verstand so herrlich herfür / dass der König ganz vergnügt
über ihr wurde /und alle grossen bei hof sie anbeteten / und verehrten. Die
Konigin Naema / ihre stiefmutter / stellete sich zwar auch freundlich gegen ihr
an / vermochte aber ihren heimlichen neid nicht sowol zu bergen / dass der nicht
unter allen liebkosungen herfürgeschienen håtte. Dann weil sie selber / wegen
ihrer schönheit / bewundert sein wollte / als kunte sie übel vertragen / dass die
Orosmada / so wohl wegen ihrer jugend als anderer vollkommenheiten / ihr hierinn
fürginge.
    Es ware nun der Sidonische hof in seinem höchsten wolstande / und ist wohl
keine lust zu ersinnen / die allda nicht ware angestellet worden. Dannenhero
kamen viel fremde von allen orten her / denselben zu besuchen: unter denen dann
gegenwärtiger Prinz von Tyro auch nicht ermangelte / sich einzufinden. Die nahe
blutfreundschaft dieses Prinzens / neben seinen grossen geschicklichkeiten /
machten ihme daselbst ein solches ansehen / dass jederman ihm hohe ehre erwiese:
auser dem Prinzen Sidon / welcher zimlich kaltsinnig mit ihm ümginge / dessen er
zwar wenig achtete. Die leutseligkeit der schönen Orosmada hatte ihm gleich so
eingenommen / dass er aller andern betrachtungen darbei vergasse / und iederman
seine liebe merkete. Orosmada / die ihrem Adonias ewige treu geschworen / name
zwar alle aufwartungen / die der Prinz von Tyro ihr erwiese / mit der höchsten
höflichkeit an: doch wollte das andenken des Adonias keine liebe bei ihr
einlassen. Daher / als die häftigkeit seiner neigung / den diesen verliebten
Prinzen antriebe /ihr von seiner liebe zu sagen / färtigte sie ihn mit so harten
worten ab / dass er fast allen muht und hofnung verlore / iemals bei ihr etwas
auszurichten.
    Es geschahe diese entdeckung seiner liebe / in dem tempel des Astarot /
welcher der liebe zu ehren gewidnet ist: daher er anlass name / ihr fürzustellen
/ wie an solchem heiligen ort er ihr / als seiner Göttin / in weihung seines
herzens / ein opfer hiemit überreiche /welches mit der gütigkeit auf und annemen
wollte / mit welcher die gotteit / die man alda verehrte / die opfere anzusehen
pflegte. Es nimmet Astarot (sagte sie darwider) alle und iede opfere / die ihme
aus reinem herzen geschehen / mit gleicher wilfärigkeit auf: weil aber mir
solches übel anstehen würde / als bitte ich den Prinzen von Tyro / dass er
nichtes von mir begehren wollte / was eine widrige wirkung bei mir verursachen
möchte. Hiemit kehrete sie ihm den rücken / und ganz unwillig ihn verlassend /
ginge sie zu des Astarot priestern: mit denen sie sich in ein gespräch einliesse
/ welches so lang als die versamlung im tempel daurete. Ich / die ich auf des
Prinzen tun acht gegeben / wurde gewar / dass er ganz erblasset und erstarret
der Prinzessin nachsah / und endlich höchstbetrübt aus dem tempel schiede /
auch den abend bei hof sich nicht wieder sehen liesse. Weil meine freiheit bei
der Orosmada mir erlaubete / sie hierüm zu befragen / als eröfnete sie mir / was
zwischen ihr und dem Tiribaces war fürgefallen. Ich muss gestehen / dass / die
natürliche liebe zu meinen Landes-herrn / mich gleich seine seite halten machte:
es wiese aber die Prinzessin mich also ab / dass ich mich nicht ferner erkünen
dorfte / für ihn zu sprechen.
    Gleichwie nun die Eurilinde alles erfuhre / was bei hof fürliefe / als
bliebe ihr auch nicht verborgen / dass der Tiribaces eine liebe zu der Orosmada
blicken lassen. Daher sie höchst erfreuet die Prinzessin besuchete / und die auf
alle weise überreden wollte / die Tyrische kron nicht auszuschlagen / sondern
diesem Prinzen hofnung in seiner liebe zu geben. Orosmada / ob sie gleich die
Eurilinde als ihre mutter liebete / vergasse sie doch diesesmal ihrer gewonlichen
ehrerbietung / und antwortete ihr / mit nicht geringem verdruss: wiedass sie von
dem Tiribaces nichtes horen / und was sie von Eurilinde in ihrer jugend gelernet
/ dass nämlich man in seinem wesen beständig sein müste / hiermit erweisen wollte.
Man tut recht hieran / (antwortete Eurilinde) wann die beständigkeit billige
dinge zum zweck hat: widrigen falls kann bald ein laster aus dieser tugend
werden. Meine beständige liebe / (wiederholte die Prinzessin /) ist auf eine
solche person gerichtet / deren ich mich nicht zu schämen habe. Darf ich dann /
(fragte Eurilinde / die solche worte nicht auf ihren sohn deuten wollte /) diese
würdige person nicht kennen? Nicht allein stehet es bei euch / (sagte sie) sie
zu kennen / sondern auch zu sehen / wann ihr euren sohn nur wollet aus Creta
wiederkommen lassen.
    Ach liebste Prinzessin! (gabe ihr Eurilinde / mit einem ernstlichen wesen /
zur antwort /) betrübet mich nicht also / und erweiset hiermit nicht / dass ich
euch übel erzogen habe. Gebrauchet bässer eurer hohen gaben / die euch der
himmel verlieben / und håget Königliche gedanken. Lasset nicht dieses die
vergeltung meiner getreuen dienste sein / dass ihr mein einiges kind neben euch
wollet in unglück stürzen. Ich habe zwar / in euren kinderjahren / einige
wolneigung gegen den Adonias an euch gemerket: aber nicht vermeint / dass einst
euer vollkommener verstand noch so kindische gedanken hegen sollte. Diese worte /
die der Orosmada sehr nahe gingen /locketen ihr zwar etliche tränen ab /
veränderten aber gar nicht ihren willen: welchen sie solcher massen der
Eurilinde zu erkennen gabe / dass diese darum sich alsobald entschlosse / nach
dem König zu gehen / und den zu bitten / dass er seine tochter an den Prinzen von
Tyro verheuraten möchte. Der Siphon / so noch nie die Eurilinde also nahe
betrachtet / fand sie so schön /und dabei in ihrem wesen so angenem / dass er
sich an ihr nicht konnte satt sehen: und wann diss erstemal die liebe ihn nicht
gleich übermeistert hat / so hat es doch hieran nicht viel gefehlet: massen sie
ihn so vergnügt hinterliesse / dass er / sie gegen alle seine bedienten zu preisen
/ nicht unterlassen könnte. Ihrem gegebenen raht / die Orosmada betreffend /
liesse er ihm auch allerdings gefallen: weil er wohl erachtete / dass er die
Prinzessin nicht bässer anbringen könnte / da des Tiribaces älterer bruder / der
Merotas / kürzlich ümgekommen / und er also Erbprinz des reichs worden war.
Demnach befahle er der Orosmada / wann der Prinz gegen ihr sich einiger liebe
würde verlauten lassen / dass sie solche annemen / und ihme hinwiederum hofnung
geben sollte.
    Wie schmerzlich dieser befehl der Prinzessin zu vernemen gewesen / kann ich /
ob gleich der Prinz hier zugegen ist / weder verschweigen / noch gnugsam
beschreiben. Nachdem sie sich lang besonnen / warfe sie die augen auf mich / und
gabe mir diss gewerbe dem Prinzen Tiribaces anzukündigen: wiedass sie ihn nicht
lieben könnte / und wo er etwan ihres vatters gewalt sich bedienen wollte / sollte
er eher ihren tod / als ihre änderung / erfahren. So ungern ich nun hierzu mich
gebrauchen liesse / so schüldig erkannte ich mich iedoch / meiner Prinzessin zu
gehorsamen / brachte also dem Prinzen diese botschaft an: welcher / mehr todt
als lebendig dieses sein end-urteil anhorend / so kläglich sich gebärdete / dass
man ein steinernes herz haben müssen / wann man dadurch nicht zu mitleiden wåre
bewogen worden. Seine liebe zu der Orosmada war so häftig / dass er von ihr
unmöglich lassen kunte. Doch seinen gehorsam ihr dabei zu erweisen / fassete er
den schluss / gleich wieder nach Tyro zu ziehen: wozu ihm auch sein hofmeister
anstrengete / welcher gemerkt hatte / und aus vielen ursachen / darunter seine
so zarte jugend mit ware / derselbigen steuren wollte. Saget der grausamen
Orosmada / (sagte er zu mir /) dass ihren tod zu hintern / ich den meinigen
befördern wolle / und nicht / aus zwang ihres herrn vattern / sondern / aus
ihrem eigenen freien willen / mich geliebt verlange. Ich entziehe ihr nun /
durch diese meine abreise / den verhasten Tiribaces / darneben aber auch / den
allertreusten aufwarter / der iemals ihre schonheit anbeten mögen. Hiermit als
ich ihm einigen trost eingesprochen / und er / aus meinem erscheinenden
mitleiden eine zuversicht schöpfend /ihm in seiner hofnunglosen liebe zu dienen
mich überredet hatte / schieden wir voneinander: da ich seine antwort der
Prinzessin überbringend / nicht die geringste bewegung an ihr verspüren konnte.
Hierauf zoge er von Sidon hinweg / den König / wegen so schleuniger abreise / in
nicht geringer verwunderung hinterlassend.
    Weil dem Siphon die Eurilinde so wohl gefallen hatte / als unterliesse er
nicht / sie zum öftern zu besuchen: und fand er in ihrer gesellschaft solche
vergnügung / dass er fast ohne sie nicht mehr sein konnte. Die Königin erwiese
dieserwegen nicht die geringste eiversucht: massen sie ståts bei ihrem stiefsohn
/ dem Prinzen Sidon / sich befande / und üm den Konig sich wenig bekümmerte. Bei
solchem zustand / kame der König von Jarmut an unseren hof / neben dem Prinzen
von Gibeon / um / den bund / den sie vordessen mit einander gemacht hatten / mit
dem König Siphon zu erneuen. Diese beide / von der Orosmada schönheit angezündet
/ begunten alsofort ihr aufzuwarten: da dann der Konig / üm keinen von ihnen zu
erzürnen / der Prinzessin gebote / sich gleich gut gegen sie beide zu bezeigen /
damit keiner beleidiget würde. Weil der König von Tyro in diesen bund auch mit
gehörete / als zogen wir mit der gesamten hofstatt nach Tyrus: welche ehre der
Siphon seinem ältern bruder dissfalls erwiese / ob er gleich an macht und gewalt
der grössere war. Wir wurden / von allen Königlichen personen auf das herrlichste
entfangen / und fanden alda / nåchst dem König / der Königin / den dreien
Prinzessinnen / und den Prinzen Tiribaces / den Fürsten Jetur von Hevila:
welcher unlängst / gleicher ursachen halber / nämlich den bund mit zu erneuren /
an diesen hof genommen war.
    Eurilinde / die dem König nicht versagen dörfen /diese reise mit zu tun /
geriete alsofort in die gedanken / als sie den wackern Jetur ersah / zwischen
ihn und der Prinzessin eine heurat zu machen. Als sie dieses dem König eröfnet /
priese er nicht allein ihre sorgfalt für seine tochter / sondern er wünschete
auch / dass dieses also zu stand kommen möchte / weil der Jetur / an reichtum
und landen / keinem König wiche. Der verliebte Tiribaces / seine Prinzessin
wieder sehend / wollte zwar / ihrem grausamen befehl ein genügen zu tun / sich
ihrer äusern: die liebe aber übermeisterte ihn / dass er wider seinen fürsatz zu
ihr gezogen wurde. Doch redete er bloss mit ihr durch seufzer: und name sie sich
auch so wohl in acht / dass er niemals zu ihr allein kommen kunte.
    Meine Königin hier zugegen / wird sich noch gnädig wissen zu erinnern / was
massen einsmals / da diese grosse Königliche gesellschaft / zu einer von dem
Konig Tyras angestellten fischerei / auf das meer eingeladen worden / wir uns
sämtlich / bei heiterem schönen gewitter / in die zubereitete schiffe gesetzet
/und eine gute ecke in das meer / allwo es unterschiedliche felsen hatte /
hinein gefahren. Die beide Königinnen / neben den zweien Königen von Tyro und
Sidon / und die Eurilinde / waren samt ihren bedienten auf einem schiffe. Auf
den andern befanden sich /der Prinz Jetur / meine gnädige Königin (damalige
Prinzessin) von Elam / die Orosmada / der Konig von Jarmut / und der Prinz
Tiribaces. Auf die übrige schiffe begaben sich die beide Prinzessinnen von Tyro
/ der Prinz Sidon / der Prinz von Gibeon / und wir andere. Wie nun also mit
grosser belustigung das fischen anginge / und die Königliche personen selber an
die ausgeworfene netze hand mit anlegten: begabe es sich / dass die Orosmada vom
weiten / hinter den klippen hervor / etwas schwimmen sah: so sie alle für einen
grossen fisch hielten / deswegen eiligst dahin fuhren /und den ort mit ihrem garn
ümzogen. Wie sie nun anhuben / das garn heraus zuziehen / fanden sie darin /an
statt eines fisches / einen verwundeten menschen: der ertrunken zu sein schiene /
weil er kein lebens-zeichen mehr von sich gabe.
    Kaum hatten sie ihn auf den boden des schiffes geleget / da finge Orosmada
unversehens an / häftig zu schreien; und ohne betrachtung der ümstehenden /fiele
sie über diesen körper her / und vermochte kein wort / auser den namen Adonias /
herfür zubringen. Dieses beginnen / gleich wie es iederman bestürzt machete /
also bewoge es auch die in den anderen schiffen / sich zu nähern / üm zu sehen /
was da geschehen wäre. Der name Adonias ware der Eurilinde nicht sobald für
ohren gekommen / da ahnete ihr / dass dieser ihr sohn sein würde: daher leistete
sie der Prinzessin gesellschaft im schreien und wehklagen / dadurch der andern
verwunderung vergrössert wurde. Nachdem Eurilinde etlichemal geruffen / Mein
sohn! Mein sohn! ware ihr schiff / darauf sie fure / so nahe an dem andern / dass
sie hinein springen kunte. Als sie nun solches verrichtet / liefe sie gleich zu
dem körper /und ihn aus der Prinzessin armen nemend / warfe sie sich auf sein
angesicht und stellete sich so erbärmlich an / dass iederman / fürnemlich aber
der Konig Siphon / zu mitleiden bewogen wurde. Wie man nun erfahren / dass dieser
der Eurilinde sohn wäre / trate eiligst des Königs von Tyro leibarzt herbei /
und vermerkend /dass er noch nicht gar todt wäre / liesse er das schiff anländen:
da bei einem angezündten feuer der Adonias endlich wieder zu sich selbst kame /
und das wasser von sich gebend die augen auff luge.
    Wie mitlerzeit sich die Eurilinde und Orosmada gebärdet / kann ich nicht
aussagen: da dann der Tiribaces so wohl / als der Konig von Jarmut / der
Prinzessin kummer mit nicht geringer eifersucht betrachteten. Der Prinz von
Gibeon aber / name sich dessen nicht an / weil er seine liebe geändert / und der
damaligen Prinzessin Lantine hatte angefangen aufzuwarten. Der König Siphon
erwiese sich / der Eurilinde wegen /sehr besorget: bis er ihr diese post kunte
bringen / dass ihr sohn lebete. Sie ümarmete ihn mit herz-mütterlicher liebe /
und hätte schier / von leid und freude zugleich angefochten / vergehen mögen.
Die Orosmada /welche bässer ihre freude als ihre traurigkeit bemeistern kunte /
stellete sich nun etwas eingezogener /und / ihre erwiesene bestürzung damit
entschuldigend / dass sie / aus liebe zu ihrer pflegmutter der Eurilinde / des
Adonias vermeinten tod also beweinet hätte / erlangte sie bei den meisten dessen
beglaubigung. Der Tiribaces aber / und der König von Jarmut / sahen nun den
glücklichen Adonias für ihren mitbuler an /und gaben so genaue achtung auf der
Prinzessin gebärden / dass sie iemehr und mehr in ihrer einbildung gestårket
wurden.
    Nachdem hiermit die fischerei sich geendigt hatte /eilete man wieder nach
Tyro / üm den kraftlosen Adonias vollends zu recht zu bringen: der dann / durch
fleissige bedienung der ärzte / so weit gebracht wurde /dass seine wunden sich wohl
anliessen / und er aus gefahr des todes entkame. Weil Eurilinde bei allen in
grossem ansehen war / als besuchete der ganze hof /ihr zu gefallen / den Adonias:
da dann die Orosmada auch nicht ermangelte / so oft sie nur konnte / bei ihm zu
sein. Und weil ihre gegenwart ihn mehr zu kräften wiederbrachte / als die andere
arzeneien / als liesse es die Eurilinde geschehen / dass die Prinzessin diese
hülfe ihrem sohn täte: wiewol sie dabei schon auf mittel gedachte / wann er
würde genesen sein / dieser liebe zu steuren. Inzwischen erzehlte er der
Prinzessin / wie es ihm ergangen: welches ich nur kürzlich wiederholen will.
    Er hatte / seit seiner abwesenheit / in Creta / die freien künste und alle
ritterliche übungen / fleissig erlernet / und bei dem König sich in so grosses
ansehen gesetzet / dass der ihn / in gesandschaft nach Kitim /an den Konig der
Janigenen den Camboblasco / abgeordnet: da er nicht allein mit der Königin
Hermione /der schwester des Camboblasco / und wittib des vorigen Königs Morges /
sondern auch mit der Roma /der wittib des Königs der Aborigener / und schwester
des Morges auch der gemalin des Königs Camboblasco / bekant worden. Von diesen
beiden ward er dahin beredet / sie heimlich nach Creta zu entfüren: von dar sie
fürter nach Tyro / und sodann weiter nach Basan /zu ihrem vettern dem König
Marsius / reisen wollten. Wie er nun diesen dienst den beiden Koniginnen nicht
abschlagen können / als ware er auch so glücklich /dass er sie wohl überbrachte.
Weil er nun diese gelegenheit / seine schöne Orosmada einst wieder zu sehen /
ergreifen wollte / als suchete und erlangte er von dem König in Creta seine
erlassung: üm die beide Königinnen nach Tyrus zu füren / und dann bei den
seinigen zu verbleiben.
    Auf dieser schiffreise wurden sie / unfern Tyro /eben den tag / als man die
fischerei gehalten / von einem frömden schiff angefallen: welches von Creta aus
sie verfolget / aber wegen ihres fleissigen ruderns /sie nicht eher / als bei
diesem felsen / einholen konnen. Die Königin Roma / erkennte den fürer der
Soldaten in diesem schiffe / für ihren bruder den Sycorus / Konig der
Celtiberier: der lange zeit seines bruders wittib / die Konigin Hermione /
geliebt / und vermutlich ihre flucht erfahrend / ihr nachgefolget hatte.
Adonias / sowol von der ehre / als der bedrängten Königinnen zuruf angefrischet
/ entschlosse sich / sein leben für ihre freiheit zu wagen: da dann / als sie
ihre schiffe aneinander gehänget / nach einem langen blutigen gefechte / er und
der König Sycorus in das meer gefallen.
    Adonias wusste ferner nit zu erzählen / wo dieser König und die schiffe
geblieben wären: und beschlosse er diesen bericht mit einer schöne danksagung
gegen der Prinzessin / die ihn aus dem wasser erlöset / und zwar eben also
öffentlich mit einem netze / als wie ehmals heimlich durch ihre schönheit
eingefangen / und fortin ewig gefangen halten würde. Orosmada unterliesse
hierauf nicht / ihm ihrer treu und beständige lieben / zugleich auch ihrer
herzlichen freude über seiner wiederkunft / zu versichern. Es ware nun bei hof
und überall erschollen / dass nahe bei Tyro ein schiffgefechte vorgegangen:
weswegen der König Tyras fleissig nachforschen liesse / wie es hierüm beschaffen
wäre. Er konnte aber keine andere nachricht erhalten / als diese von den fischern
auf den kleinen nahgelegnen Inseln / dass sie etliche schiffe gegen Joppe hatten
vorbei fahren gesehen.
    Weil die handlungen zwischen den Königen Syphon / Tyras / uñ dem von Jarmut
/ auch dem Prinzen von Gibeon und Fürsten von Hevila / sich etwas verlängert /
als wurde der Adonias in der zeit wieder völlig gesund: da er dann bei hof
erschiene / und in allem eine so gute art und wesen fürete / dass er sich so
beliebt als bewundern machete. Der Prinz Tiribaces / der nichtes hassen kann / wo
er tugend findet /hielte den Adonias gar wehrt / ungeacht er ihn für seinen
mitbuler achten musste. Der König von Jarmut aber / als hitziger und in allem
seinen tun häftiger /kunte unmüglich vertragen / dass ihme / als einen König /
ein unbekanter und gemeiner mensch sollte fürgezogen werden: demnach erwiese er
dem Adonias / bei allen begebenheiten / seine verachtung: der solche mit aller
ehrbezeigung erwiderte / und doch dabei nicht abliesse / der Orosmada
aufzuwarten. Diese Prinzessin aber / ihren Adonias an den König von Jarmut zu
rächen / erwiese selbigem offentlich so viel liebkosungen / dass dieser König
darob so verzweifelt / als Tiribaces berrübt / verbliebe.
    Einsmals wurde in der stadt / in eines vornemen herrn hause / zu abend ein
danz gehalten / worbei der ganze Königliche hof / auser den Königen von Sidon
und Tyro und den beden Königinnen / erschienen. Man machete daselbst einen
sonderbaren danz vorstellig: da eine dame anfangs allein danzet / und hierauf
etliche aus der gesellschaft / welche da wollen /sich anbieten und im danzen
hervortretten / von ihr zum danz aufgefordert zu werden; da dañ die dame /einen
unter den haufen erwählend / die andern / als mit verachtung beschimpfet /
stehen lässet. Wie nun die reihe auch die Orosmada traffe / und ihr viel hohe
standspersonen / absonderlich der König von Jarmut und der Prinz Tiribaces /
nachdanzeten: liesse sie die andern alle fahren / name den Adonias bei der hand
/und danzete mit demselben. Diss verdrosse den Konig von Jarmut dermassen / dass
nach geendetem danz er sich nicht entalten kunte / mit ehrenrürigen worten
gegen dem Adonias auszubrechen. Dieser / so zwar dissfalls einem König zu
antworten nicht vermochte /erwiese doch in seiner gedult solche grosmut / dass
iederman mit ihme friedlich sein musste. Auf gutachtung seiner freunde / drehete
er sich folgends vom danz aus / als die Prinzessin Orosmada wiederum die reihe
traffe. Es ware aber der andern ihre bemühung abermals vergebens / indem die
Prinzessin den Adonias / ob er ihr gleich im danz nicht folgete / ungescheuet
aufforderte / und mit ihm den danz vollendete.
    Wie nun Adonias / ganz vergnügt über diesem Glück / nach geendigtem danz /
den Konig von Jarmut fürbei ginge / triebe den die rasende eiversucht /dass er
ihme mit dem stecken einen streich versetzete. Adonias solcher beschimpfung
ungewonet / sezte den unterschied des standes auf die seite / und den stecken
aus des Königs von Jarmut händen reissend / zerbrache er denselben / und gabe /
mit der stücke einem /dem waffenträger des Königs einen gewaltigen streich über
den nacken / dabei sagend: also muss ich mich an dem bedienten rächen / weil mir
mein stand verwehret / ein solches Koniges zu bieten. Durch diese tat / geriete
alles zum allgemeinen auflauf / indem der Konig von Jarmut / und dessen
beisichhabende / diesen schimpf zu råchen / auf den Adonias anfielen: hingegen
die Prinzessin Orosmada den Prinzen von Tyro und dessen schwester / meine
ietzige Konigin / anfleheten / dass sie ihres herr vattern bedienten / wofür sie
den Adonias ausgabe / schützen wollten. Der Prinz Tiribaces ermangelte nicht /
unangesehen der Prinzessin gegen dem Adonias bezeigte wolgewogenheit ihn nicht
minder übergangen hatte / auf des Adonias seite zu tretten / und dem König von
Jarmut einhalt zu tun / dass er seinen mitbuler nicht gar aufreiben mochte.
    Es würde hieraus ein mächtiges blutbad entstanden sein / wann nicht von dem
Konig Tyras etliche wären dazwischen gekommen / die den Konig von Jarmut und
Prinzen von Tyro von einander schieden / und den Adonias in haft nemen liessen.
Aber der Konig von Sidon / der wegen der Eurilinde dem Adonias sehr gewogen war
/ brachte es bei seinem bruder dahin / dass er bald wieder seiner haft erlassen /
und nach Sidon fürangeschicket wurde. Man liesse ja nichtes ermanglen / dem Konig
von Jarmut zu liebkosen / üm diesen groll ihm wieder aus den sinn zu bringen.
Weil hierdurch mehr kunt wurde / was Orosmada für eine sonderbare wolneigung zu
dem Adonias truge: als trate die Eurilinde abermals den König Siphon an / dem
sie diese schwachheit der Prinzessin / ihren sohn betreffend / heimlich
entdeckte / und zugleich riete / dass eine heurat zwischen ihr und dem Prinzen
von Hevila mochte getroffen werden. Dass sie aber nun diesen Prinzen / und nicht
/ wie vormals den von Tyro / fürschluge / war die ursach / weil jener bereits in
seinem land regirete / dieser aber noch unter einem jungen vatter lebete / der /
allem ansehen nach / noch so bald nicht sterben würde.
    Der Siphon / pflage in allem der Eurilinde zu folgen. Was auch den König von
Jarmut betraffe / so war er nicht gesinnet / ihm eine tochter zu geben: weil
selbiger als ein slave des Königs von Canaan lebete /und zudem sein meistes land
unter der gewalt des Königs von Basan ware. Demnach wurden ferner nach und nach
/ wie bereits geschehen / des Prinzen Jetur leute angelassen / ihrem herrn
diese Prinzessin von Sidon anzutragen. Gleichwie nun dieselbigen / in hofnung
grosser verehrung / an ihrem fleis nichts ermanglen liessen / also gaben sie auch
dem König Siphon mehr vertröstung / als sie von ihrem herrn entfiengen: massen
der / wie man nachgehends erfuhre / bei einer andern schönheit bereits seine
freiheit verloren hatte.
    Immittels man also / unter den offentlichen handlungen dieser Könige / wegen
erneurung ihres bundes / dieses also heimlich mit-triebe / und die Orosmada vom
König von Jarmut / und Prinzen von Tyro ämsig bedient wurde: machte der König
von Jarmut eine verborgene anstalt / die Prinzessin / durch den Naharat /
seinen vertrautsten bedienten / entfüren zu lassen. Dann er wohl absah / dass auf
andere weise er sie niemals zu seiner liebe bringen würde: zumal sie ihme nach
dem lezten handel mit dem Adonias / kein gutes noch höfliches wort mehr gegeben
hatte. Demnach alle freundschaft der Könige von Tyro und Sidon hintan setzend /
liesse er sich zu solchem schluss verleiten: da dañ / durch diesen Naharat / die
Prinzessin /als sie bei nacht / an nichtes weniger als an dieses gedenkend /
neben mir und etlichen meiner gespielinnen / am gestade im mondschein spaziren
ginge / hinweg genommen / zu schiff gebracht / und also davon gefürt wurde. Ihr
und unser aller geschrei vermochte diesen raub nicht zu verhintern: massen der
Naharat in seinem bösen fürnemen so glücklich war / dass uns niemand hörete /
viel weniger einiger mensch uns zu hülf kame; und ward solches zu Tyro erst
folgenden morgen wargenommen / als die Orosmada nirgend zu finden ware.
    Man kann sich leicht den Prinzen Tiribaces fürstellen / wie der sich gebårdet
/ als er diesen verlust der Prinzessin / die er so herzlich liebte / vernommen.
Der listige König von Jarmut bliebe in Tyro / und kartete dieses spiel so
meisterlich / dass kein mensch ihn für schüldig halten kunte. Zu dem ende liesse
er auch das geschrei überall ausbreiten / die Prinzessin hätte sich von dem
Adonias heimlich entfüren lassen. Hierüber geriete der König ihr herr vatter in
so bittern zorn /die Emilinde in solchen schrecken / der Tiribaces in solche
bekümmernis / und der König von Tyro / als dessen haus man damit geschändet / in
solchen eifer: das überall von nichts / als von rache geredet wurde. Alle
schiffe / die in der eile aufzubringen waren / wurden diesem råuber
nachgesendet: welche den weg nach Sidon nemend / dem Naharat raum und frist
liessen / mit uns nach Joppe zu kommen.
    Weil zu Sidon / der verliebte Adonies / die entfürung seiner Prinzessin /
ehe die schiffe noch hinkamen / erfuhre: als triebe ihn die häftige liebe / dass
er alsofort sich in ein schiff setzete / üm seine verlorne Prinzessin zu sehen.
Weil ihm gleich ahnete / es möchte diesen raub der König von Jarmut angestellet
haben / name er seinen weg nach Joppe: daselbst er / weil der wind mit ihm war /
den folgenden morgen ankame / als eben der Naharat mit uns zu lande nach Jarmut
fort wollte / nachdem er alda übernachtet hatte. Die Prinzessin erkannte ihn
gleich von ihrem wagen / und er sie hinwiederum: daher sie beide / vor erfreuter
bestürzung / laut aufzuschreien begunten. Er liefe mit entblöstem gewehr zum
wagen / von welchen sie alsobald herab sprange / und auf ihn zu eilete. Die
einwohner in Joppen / welche / wegen der vielen handelschaft nach Tyro und Sidon
/ diese völker sonderlich liebeten / vernamen nicht so bald von dem ruffenden
Adonias / dass diese dame die Prinzessin von Sidon wäre / welche man entfüren
wollte / da gaben sie sich alle auf seine seite / und gegen die von Jarmut allen
eiser ausschüttend / liessen sie nicht einen von ihnen leben: dass also Naharat /
seines herrn liebe mit seinem blut bezahlen musste.
    Die Orosmada / so diesen dienst / von keinem menschen lieber in der welt /
als von ihrem Adonias / annemen können / begabe sich mit ihm gleich wieder zu
schiffe / des vorhabens / nach Tyro zu fahren. Weil aber der wind uns entgegen /
als wurden wir weit in das meer hinein getrieben: also dass wir / den folgenden
tag / unferne von Sidon uns befanden. Wir sahen bald darauf etliche schiffe auf
uns zueilen / die wir /im näher-kommen / an den fahnen für Tyrische erkannten:
denen dann die Prinzessin / höchst erfreuet / befahle entgegen zu fahren /
vermeinend / dass sie uns zu sehen kämen. Sie befande sich zwar in dieser Meinung
nicht betrogen / erschracke aber häftig / als der Borgias / ein bedienter des
Königs von Tyro / der über diese flut befehlhaber war / nach kurzer begrüssung
der Prinzessin / seinen leuten befahle / den Adonias gefangen zu nemen / und in
eines von seinen schiffen zu füren. Sie / so wohl als er / wollten die ursach
dieses unvermuteten beginnens wissen: Borgias aber berieffe sich bloss auf seines
Königs befehl / und begabe sich /üm der Prinzessin zürnen und klagen nicht
anzuhören / aus dem ihrigen wieder in sein schiff / und liesse alsofort die segel
nach Tyro richten.
    Als wir gegen den abend daselbst ankamen / erwiese iederman / an statt / dass
man über der Prinzessin wiederkunft sich erfreuen sollen / sich sehr bestürzet
/dass eine so grosse Prinzessin sich von dem Adonias /als sie vermeinten / hätte
entfüren lassen. Der König Siphon / ihr herr vatter / ware nicht zu trosten.
Eurilinde wollte / ihres sohnes halber / schier verzweiflen. Der Konig Tyras /
der es / weil es an seinem hof geschehen / sonderlich hoch entfande / hielte
sich für den meist-belegten / und deme am meisten die rache zustünde. Der König
von Jarmut / ob ihm gleich innerlich angst ware / name sich dessen äuserlich
nicht an / entschlossen / alles zu leugnen. Tiribaces ware ganz aus sich selber
/ weil ihme / diese erwiesene leichtsinnigkeit seiner Orosmada / tief zu herzen
ginge. Die Sidonische bedienten / ob sie gleich sich ihrer Prinzessin schämeten
/ konten doch von den Tyrischen nicht dulten / dass die es ihnen aufrückten:
daher endlich / unter hohen und niederen / ein grosser misverstand erwuchse.
    Orosmada / die sich an allem diesem ganz unschuldig wusste / vermochte nicht
auszusinnen / was diss bedeutete / dass man sich zu Tyro über ihre befreiung so
wenig frölich erzeigte / und dem Adonias ihrem erlöser seinen dienst so übel
belohnte. Doch / wie sie alles / auser was ihn betraffe / wohl vertragen kunte
/als ware sie allein üm dem Adonias besorget. Nachdem sie etliche stunden / ohne
von iemanden besucht zu werden / zugebracht hatte / schickte sie nach der
Eurilinde / dass sie zu ihr kommen mochte. Aber selbige weigerte sich dessen / und
berichtete der abgeschickte / dass sie sehr gewinselt / und die Prinzessin die
ursach ihres unglücks genennt hätte. Orosmada wollte demnach selber zu ihr gehen:
aber die Königliche wacht für ihrem zimmer / verwehrete ihr den ausgang. Also
musste sie sich / bei aller ihrer unruhe /noch dazu gefangen sehen: welches ihr
dann seltsame gedanken machte.
    In solcher unruhe / ginge die nacht vorbei / und wie der tag wieder
angebrochen / und mit deme ihre sorge sich erneuret / liesse der König / ihr herr
vattter / sie für sich holen: den sie mit so tiefer traurigkeit überfallen fand
/ dass sie ihn fast nicht mehr kennete. Ihr gutes gewissen / so bei allen diesen
verwirrungen sie getrost machete / triebe sie / die erste im reden zu sein / und
den Konig ungescheuet zu fragen: warüm man sie und den Adonias gefangen hielte?
Ihr wurde hierauf / mit den schmerz-entfindlichsten worten / von ihme
fürgerücket / ihre liebe zu dem Adonias / der nicht ihres standes wäre / und dass
sie / ihrer ehre und kindlichen gehorsams / hierbei so gar vergessen håtte. Ich
trage keinen scheu / (sagte Orosmada / als sie den König ruhig ausreden lassen
/) E. Maj. zu gestehen /dass ich den Adonias von kindheit auf geliebt: aber mit
einer solchen liebe / die in keinem stuck meiner ehre / noch dem stande / darin
mich die götter haben lassen geboren werden / noch meiner kindlichen pflicht und
gehorsams gegen E. Maj. zu nachteil gereichen können. Meine ehre ist mir viel zu
lieb / als dass ich dem Adonias etwas mir übel-anständiges sollte erlaubet haben:
massen mein stand / und der name einer tochter / mich sattsam lehret / dass ich
keinem werden kann / als deme E. Maj. mich bestimmen werden. Wir begehren
beiderseits einig und allein /dass man uns vergonne / einander zu lieben. Ist
dieses nun strafbar / so bekenne ich meine schulde: vermeine aber / gleichwie
niemand ein herr über mein gemüte sein kann / also werde man mir auch frei lassen
/ zu lieben / was ich wolle / zumal es mich nimmermehr meiner kindlichen pflicht
soll vergessen machen.
    Hierauf hielte ihr der König für / was sie für eine ungezimte
leichtsinnigkeit begangen / da sie mit dem Adonias heimlich davon geflohen:
wodurch sie seines bruders Königliches schloss geschändet / ihr ganzes haus
entehret / und ihn nun zwinge / den Adonias der wut eines beleidigten Königs zu
übergeben. Dieser fürwurf / so ihr einen schrecken einjagen sollen / ware fähig
/ sie ruhig zu machen. Sie erzehlete alsofort dem König / mit allen ümständen /
wie durch des Königs von Jarmut leute / und nicht durch den Adonias / sie
entfuret / wohl aber von diesem lezten zu Joppe wieder eingeholet / und aus der
hand des Naharat mit grosser dapferkeit wäre erlöset worden. Dieser bericht / so
unglaublich er dem König fürkame / so sehr ward er dadurch erfreuet: dann weil
ihme / sowol die beschimpfung seiner tochter / als des Adonias unglück /sehr
nahe gegangen / als kunte er ihrer beider unschuld nicht anderst / als mit
höchster freude / vernemen. Er liesse gleich die trostlose Eurilinde zu sich
holen / und verkündigte ihr diese gute zeitung: die dann gleich als aus einem
schweren traum sich erwecket achtete / als sie die unschuld ihres sohnes hoffen
dorfte. Weil auch / alle der Prinzessin mit-entfürete leute / diese ihre aussage
bekräftigten / als begabe sich der König gleich nach seinem brudern / deme zu
sagen / wie es hierüm stunde: und forderte er zugleich den Adonias wieder von
ihm ab / den er / weil er ihn für schüldig gehalten / der bestraffung des Königs
von Tyro übergeben hatte.
    Dieser König aber / so hierinn sich nicht übereilen wollte / weil es den
König von Jarmut ihren bundsverwandten anginge / hielte seinen bruder mit guten
worten auf / und wollte den Adonias nicht gleich loslassen: dabei wegen des
Königs von Jarmut erwähnend / dass man sich wohl fürsehen müste / ehe man ihm
dieses aufbürdete / zumal einige ümstände den Adonias nicht auser aller schuld
setzeten. Hierüber gerieten diese beide brüder in so harte wortwechselung / dass
sie unwillig voneinander schieden. Als auch dem Siphon / wie er von seinem
bruder aus dem gemach ginge / der König von Jarmut eben begegnet rückete der
ihme ganz erzürnet / dass er die Orosmada seine tochter entfüren lassen / welche
beschimpfung nicht ungerochen bleiben sollte. Der König von Jarmut / als welcher
alles aufs verneinen setzete / erwiese sich hierdurch beleidiget / und gienge
gleich nach dem König von Tyro / sich hierüber zu beklagen / und ihn dahin zu
vermögen / dass der Adonias hingerichtet würde.
    Dieser handel nun erregte einen grossen aufstand in Tyro: weil gleich überall
erscholle / dass Adonias und die Prinzessin für unschuldig gehalten würden / und
dass der König von Jarmut den anschlag auf diese hätte machen lassen. Die
Sidonier / hierob erfreuet /wollten den Adonias los-haben / und durfte keiner von
Jarmut sich für ihnen sehen lassen / so verbitteret waren sie auf dieselben.
Die Tyrier hingegen / hielten die seite des Königs von Jarmut: weil sie wussten
/wie viel ihrem König daran gelegen war / dass dieser König und die anderen den
bund mit ihme eingehen möchten; und weil sie also / an dem König Beor von Canaan
/ die verstossung seiner gemalin / die ihrer Königin schwester / desto bässer zu
rächen verhoffeten.
    Der König Tyras wollte nun / üm dess willen / den König von Jarmut allerdings
zum freund behalten: zumal der sich verlauten liesse / er wollte mit den Prinzen
von Gibeon und Hevila / ohne den bund zu vollziehen / hinweg reisen / wann
dieser erlittene schimpf und die beschuldigung nicht von ihme abgeweltzet würde.
Weil nun der König von Tyro den Adonias nicht lossgeben wollte / hingegen der
Siphon mit grossem eifer denselben ledig forderte: als geriete hierdurch alles in
einen gefärlichen stand / also dass in einem schlosse dreierlei widrige teile sich
befanden /nämlich die Sidonier / die Cananiter neben dene von Hevila / und die
Tyrier. Die Konigin Delbois von Tyro / und die Naema von Sidon / namen sich
endlich dieses handels an / und beredten sich mit allen teilen. Es kame / von
Tyrischer seite / der fürschlag: die Orosmada sollte gestehen / dass sie nicht
anderst wüste /als dass der Adonias sie entfüret hätte / worauf der Tyras ihn los
lassen wollte; diese Prinzessin sollte den Prinzen von Hevila / der König von
Jarmut die ältste Prinzessin von Tyro / der Prinz von Gibeon die Prinzessin von
Elam / itzige Königin / und der Prinz Sidon die zweite Prinzessin von Tyro
ehlichen. Die Eurilinde / wäre mit diesem allen zu frieden gewesen: aber der
König Siphon wollte nicht zugeben / das seine tochter ihr selber etwas auf den
hals löge; zu dem / dass seine grosmut ihm verwehrte / zu vergönnen / dass dem
König von Jarmut diese beschimpfung also frei ausginge. Die Konigin Naema konnte
auch nicht vertragen / dass der Sidon ihr stiefsohn / als ihr heimlicher buler /
die Prinzessin von Tyro heuratend / ihr entwerden sollte: gleichwie auch er /
sowol als seine schwester die Orosmada / zu den vorgeschlagenen heiraten sich
nicht verstehen wollte.
    Von Sidonischer seite wurde fürgeschlagen / der Adonias sollte alsofort auf
freien fus gestellet werden /und der König von Jarmut bekennen / wie er an der
Orosmada sich versündigt håtte: so dann wollte der König Siphon alles vergessen /
und den bund mit ihnen eingehen / auch seine tochter / üm sie aus dem ruff mit
dem Adonias zu bringen / an den Prinzen Tiribaces seinen bruders-sohn
verehlichen / wann dem Tyras seinem bruder solches beliebig wäre. Aber diese
Sidonische vorschläge / verfiengen so wenig /als die Tyrische / weil der dritte
teil nicht damit zufrieden war: massen der König von Jarmut beständig dabei
verbliebe / er wüste nichtes von der Orosmada entfürung / und müste Adonias
sterben / weil er solches auf ihn bringen wollen; dafern aber ihme die Orosmada
zur gemalin verwilligt würde / wollte er zulassen / dass dem Adonias das leben
geschenket würde. Der Prinz von Gibeon hielte hierbei auch an üm die Prinzessin
Lantine / und auf diese bedingung wollte er den bund mit Sidon uñ Tyro eingehen.
Ob nun wohl der König von Tyro in diese vorschläge endlich eingewilliget / so
waren doch die auf Sidonischer seite nicht zu erhalten. Es wollte auch / die
Königin von Tyro / ihre tochter dem Prinzen von Gibeon nicht geben / als sie
vername / wie sehr dieser Prinz ihr zuwider wäre.
    Dem Prinzen Tiribaces ware / bei aller dieser grossen verwirrung /
erfreulich zu vernemen / dass er von Sidonischer seite in vorschlag gekommen /
die Orosmada zu heiraten: ob er gleich nicht hoffen kunte /dass solches mit ihrer
bewilligung geschehen. Nachdem dieses unwesen etliche tage gewäret / und sich
immer gefärlicher anliesse / also dass es schier zu einem grossen blutbad
ausschlagen wollen: ginge dieser Prinz / bei nacht / in des Königs von Sidon
gemach / und bote ihm / nach bezeugtem misfallen über diesem unwesen / seine
dienste an / den Adonias heimlich frei zu schaffen. Siphon / der eben mit seinen
leuten sich davon unterredte / und / nach erledigung des Adonias / davon
zureisen / gewillet war /name solches mit höchster freude und danksagung an: und
wurde der folgende abend dazu bestimmet / da der Prinz seinen mitbuler ledig
machen / und der Siphon / ohne den bund mit den Canaaniten zu schliessen / davon
ziehen wollte. Zu behuf dessen / wurden heimlich schiffe bestellet / den König
uberzufüren. Es glückte dem Tiribaces alles nach wunsch / also dass er den
Adonias frei machete / ihn selber dem Konig von Sidon überlieferte / und
folgends uns zu schiff bringen halfe. Seiner Prinzessin abreise / fiele ihme
zwar schmerzlich: doch liesse er sie abreisen / in der hofnung / dass der König
ihr herr vatter sein fürsprecher bei ihr sein würde. Ihn tröstete auch nicht
wenig / als die Eurilinde / wie sie abschied von ihm name / zu ihm sagte: wiedass
sie diese woltat / die der Prinz ihrem sohn erwiesen / nimmermehr vergessen /
und ihme dafür in seiner liebe bei der Orosmada nach moglichkeit dienen wollte.
Der erkentliche Adonias versprache ihm zwar nicht dergleichen / bezeugte aber
doch sich ihme / für die entfangene freiheit / so sehr ergeben / dass diese zween
mitbuler als grosse freunde voneinander schieden.
    Wir kamen / gegen den morgen / nach Sidon: da des Königs geheime räte /
dieses unwesen reichlich überlegend / dem hitzigen Siphon nicht raten wollten
/dieserwegen einenen krieg wider Tyrus / und gegen den König von Jarmut /
anzufahen: weil solches nur sein eigenes reich am meisten mittreffen / die
kaufhandlungen dadurch erligen / und dem König Beor von Sichem solches gar
gewünscht kommen würde /sich dieser ihrer einheimischen unruhe zu bedienen /um
sie unter sein joch zu bringen. Für das bäste hielte sie / dass man zu allem
still sitzen / und auf den notfall sich in verfassung stellen sollte / wann etwan
/ wie doch nicht zu vermuten / Tyrus oder der König von Jarmut etwas anfahen
wollten. Wie nun diesen einraht gefolget wurde / als ist es auf Tyrischer seiten
auch dabei verblieben. Nicht lang hernach kame der König von Hemath / neben der
Königin der Bactrianer / unsere Königin / die ihrer beider schwester war /zu
besuchen. Durch diese wurde der streit zwischen den beiden Königen beigeleget /
dass alles in ruhigen stand wiederkehrte: wiewol nach diesem das rechte vertrauen
zwischen den beiden brüdern sich nicht wieder eingefunden / und haben sie auch
sich nie wieder gesprochen.
    Der König von Jarmut / wie auch der Prinz von Hevila und Gibeon / waren /
ohne den Bund zu schliessen / aus Tyro wieder hinweg gezogen. Der Prinz Tiribaces
aber / gleichwie er es mit des Adonias befreiung sehr künstlich angestellet /
als bliebe solches auch verborgen / und bekame er deswegen keine ungelegenheit.
Er begunte hierauf seine unglückliche liebe zu überdenken / in deren er am hof
keine vertraute hatte / als die Prinzessin Lantine seine schwester: massen auch
zu derselben seine liebe jederzeit mehr gerichtet war / als zu seinen beiden
andern schwestern. Also unterhielte dieser Prinz seine liebe abwesend / deren
Adonias mit mehrerm glücke gegenwärtig genossen wie ich iezt erzählen will.
    Es hatte der Eurilinde schönheit vorlängst den König Siphon eingenommen /
also dass er ohne diese dame nicht sein kunte / und nicht mindere liebe gegen ihr
/ als seine tochter gegen ihrem sohn / entfande. Wie nun diese witzige frau /
aus allen ümständen /des Königs liebe merkte / fand sie / deren bei zeiten zu
entgehen / kein bässers mittel / als dass sie dem König fürstellete / wie die
Orosmada seine tochter ihren sohn liebete / welches dem ganzen Königlichen hause
bereits viel unruhe gebracht / und zugleich schimpflich wäre: müste also der
König dahin bedacht sein / diese beide verliebte voneinander zu entfernen / und
der Prinzessin einem gemal / ihrem sohn aber einem dienst geben / der ihn von
hof brächte. Der Siphon / so ihre rechte Meinung nicht erreichte / liesse ihm
dieses gefallen / und machte den Adonias zum Stadhalter zu Botris / im lande der
Gibeliten: welchen dienst er willig anname / ob der ihn gleich von seiner
Prinzessin abrisse / weil er nun hoffete / üm so viel eher ihrer würdig zu
werden / da der Konig ihn zu solcher ehre erhube.
    Orosmada hergegen / mutmassete gleich nichtes gutes aus dieser entfernung:
deren der König / sobald der Adonias hinweg ware / heimlich antruge / wiedass er
gesinnet wäre / sie an dem Prinzen Tiribaces zugeben. Er sezte die ursach hinzu
/ weil dieser herr sie liebete / ihres standes / und fähig wåre / das verlorne
vertrauen zwischen Tyro und Sidon wiederzubringen. Orosmada / nachdem sie des
Königs anbringen gedültig angehöret / sagte darwider: sie hätte bereits dem
König ihre liebe entdecket / die sie zu dem Adonias trüge. Sie wollte zwar ihrem
herr vattern gehorsamen: es würde aber dieser befehl / wo nicht ihrer beider
/doch gewiss des Adonias tod nach sich ziehen / und folgends auch die Eurilinde
zu grab fördern. Diese worte / kunte der Konig nicht ohne bewegung anhoren / und
/ der Orosmada hierzu bedenkzeit gebend /ginge er zu der Eurilinde: deren er
fürschluge / dass er die Prinzessin ihrem sohn geben wollte / weil dessen
geschicklichkeiten ersetzeten / was ihme an der geburt mangelte / und weil er
seine tochter in der liebe gegen ihme ganz beständig fünde. Eurilinde / so sich
hierüber gar nicht erfreuete / dankte dem König zum demütigsten / für diese hohe
ehre: wusste aber mit so vielen gründen diese Meinung ihme aus den sinn zu reden
/ dass der gute König ganz unschlüssig bliebe /was er beginnen sollte.
    Wie nun seine liebe gegen ihr von tag zu tag zuname / als entdeckete er ihr
einsmals diese seine gemuts-neigung. Er fand aber solchen widerstand / und die
grosmütige Eurilinde so entrüstet: dass er / ob er gleich ein grosser König / und
ihr herr war / dannoch ihrem befehl gehorsamen / und von ihr gehen musste. Ich
kame hierauf / wie ich zu tun gewonet war / eben zu ihr: da sie mir dann / als
ihrer vertrauten / alles klagete / wie es ihr mit dem König erginge. Sie name
ihr nun für / gleichwie sie längst zu tun gewillet gewesen / nach Botris zu
ihren sohn zu gehen: mit vorwand / dass sie also von ihm entfernet nicht leben
könnte; wie dann auch wohl guten teils die warheit gewesen. Demnach begabe sie
sich nach hof / und als sie ihre erlassung bei der Königin gesuchet / auch
erlanget / name sie zugleich abschied von der Prinzessin: deren sie einen brief
an den König entfahle / in welchem sie ihm zu gemüt fürete / wiesehr er sie
beleidigt / und dass alle die von ihme genossene woltaten nicht fähig wåren /
sie dessen iemals vergessen zu machen / dafern er in solchen gedanken verharren
würde. Hierbei riete sie der Prinzessin nochmals zur vermålung / mit den Prinzen
von Tyro: hingegen bezeugend / dass sie in deren heurat mit ihrem sohne
nimmermehr willigen würde.
    Wie sie nun hinweg ware / brachte die Orosmada dem Konig der Eurilinde
schreiben: der ihre abreise daraus vernemend / in die höchste traurigkeit
geriete. Er liesse seine tochter das schreiben lesen / und machte sie zur
vertrauten in seiner liebe: da dann sie beide einander ihr anligen klagten.
Orosmada zwar konnte sich vor ihrem vatter glücklich achten / weil Adonias sie
wieder liebete: welches der König von der Eurilinde nicht hoffen kunte / weil /
ungeacht ihres gemeinen standes / ihr gemüte viel zu hoch war / einen König zu
nemen / und nicht Königin zu heissen. Dann weil diese ehre der Konigin Naema
allein gebürete / als hätte Eurilinde nur als ein kebsweib sich müssen halten
lassen. Diss alles hatte sie / zu entschuldigung ihres abschlags / im schreiben
angefüret. Die Orosmada aber / brachte es bei dem König dahin / dass der den
Adonias nach hofe fordern liesse / um ihrer beider heurat zu vollziehen: wodurch
/ der König hoffete /dass folgends auch die Eurilinde wieder nach Sidon würde
können gebracht werden.
    Als der Adonias ankame / hätte man vermeinen sollen / er würde die höchste
freude und vergnügung von sich blicken lassen / weil er in seiner liebe so
glücklich ware. Aber er war ganz betrübt / und liesse sein unruhiges gemüte so
sehr herfür scheinen / dass Orosmada nicht wusste / wie sie solches verstehen
sollte. Einsmals / wie sie ihn deswegen zur rede sezte / und ihn triebe / ihr
deutlichen bescheid zu geben / sagte er zu ihr: Ach liebste Prinzessin! bisher /
da ich nichtes gewesen / habe ich mich nicht gescheuet / meine gedanken bis zu
einer so grossen Prinzessin zu erheben. Nun ich aber erfahren / dass ich eures
standes bin /zwinget mich mein verhängnis / mein Glück noch nicht anzunemen /
wofern ich nicht dadurch mich eurer besitzung unwürdig machen will. Diese
dunkele worte / sezten die Orosmada in nicht geringe bestürzung / und als sie
ihm sehr anlage / sich ihr zu erklären / offenbarete er ihr: wiedass seine mutter
/ als er vom Konig / nach hof zu kommen / von Botris abgefordert worden / ihm
entdecket / dass er von Königlicher geburt sei. Sie wollte ihm aber nimmermehr
sagen / wer sein vatter gewesen / und was für ein Königreich er zu erben hätte /
wañ er ihr nicht zuvor versprechen würde / nach ihrem sinn zu heiraten / und die
Orosmada zu verlassen. Sie sei auch entschlossen / in dem augenblick / wann sie
seine vermälung mit der Orosmada hören würde / alle die zeugnise seiner geburt /
so sie in händen hätte / mit feuer zu verbrennen / und ihm dabei allen ihren
mütterlichen segen zu entziehen.
    Habt ihr dann das / (fragte Orosmada) der grausamen Eurilinde versprochen?
Keines wegs! (antwortete er) und wollte ich lieber sterben / als mich selber
eurer wertesten besitzung verlustig machen. Aber liebste Orosmada! dieses
verursachet bei mir / dass ich einen verzug in meiner glückseligkeit verlangen
muss: damit ich durch gar zu grosses übereilen nicht verscherze /euch einen tron
zuwege zu bringen. Orosmada / so hiergegen nichtes zu sagen hatte / ware erfreut
/ dass ihre wahl ohne ihr wissen also auf ihres gleichen gefallen ware. Sie kunte
aber so wenig / als er selber /aussinnen / aus welchem Königlichen stammen er
bürtig sein müste / und was die Eurilinde doch bewegen mochte / seiner liebe
also entgegen zu sein. Weil aber dieselbige ihn so sehr beschworen / dieses
geheim zu halten / als erfuhre weder der König / noch andere bei hof / etwas
hiervon: und entschlossen sich Adonias und Orosmada / dass sie in vergnügter
liebe /ohne noch zur zeit auf die vollziehung des beilagers zu dringen /
zusammen leben wollten. Der Konig in allen der Prinzessin Meinung folgend / war
zufrieden /dass dieses noch was anstehen möchte. Weil auch sein herz iederzeit bei
seiner Eurilinde lebete / und er von ihr stäts die hofnung hatte / dass sie würde
wieder nach Sidon kommen: als überhäufte er täglich den Adonias mit neuen gnaden
/ dass derselbige fast mehr / als der Kronprinz Sidon / bei allen grossen des
reichs in ansehen geriete: welches ihme dann soviel dienere /als neidere / zu
wegen brachte.
    Es vermochte aber das mütterliche herz der Eurilinde nicht länger von ihrem
sohn zu bleiben / da in Botris aller orten das gespräch erscholle / wie der
Kronprinz dem Adonias aufsätzig wäre. Weil sie nun dieses für ihn
höchstgefärlich erkannte / als kame sie wieder hin nach Sidon: üm ihr leztes heil
zu versuchen /ob sie den Adonias von seiner liebe abbringen / und ihn / mit ihr
nach Armenien zu reisen / bereden möchte. Der verliebte König entfande hierüber
unaussprechliche freude / und Adonias neben der Orosmada hielten diese überkunft
für ein gutes zeichen. Doch verloren sie alle ihre hofnung / als Eurilinde / den
König zu sprechen / sich weigerte / auch folgends der Prinzessin und ihrem sohne
/ als sie beide zugleich sie zu besuchen kamen / ungescheut in die augen sagte:
sie wolle durchaus nicht zugeben / dass sie einander liebeten / und es sei
Tiribaces für die Prinzessin zum gemal ausersehen / den sollte und müste sie auch
haben. Sie sezte hierzu: die Prinzessin Orosmada sollte nicht gedenken / dass
Eurilinde ihr feind wäre; massen sie schwören könnte / dass sie sie liebete als
ihr kind / und dass sie zu ihrem bästen dieses verwehrete /welches ihrer beider
höchstes unglück und verderben nach sich ziehen würde. Orosmada / an statt zu
antworten / vergosse milde zähren. Adonias / stunde wie ein leiche / und
beschwore die Eurilinde bei allem / so ihr zum heiligsten und liebsten / sich
deutlicher zu erklären / und sich ihrer beider qual jammern zu lassen. Aber der
Eurilinde standhaftigkeit war mit nichtes zu erweichen / und mussten diese
verliebten endlich also trostlos von ihr gehen: ganz unschlüssig / wie sie es
anschlagen / und aus dieser verwirrung entkommen sollten.
    Als sie eines tags gegen den abend / im schlossgarten / ihr leiden
miteinander zu überlegen / spaziren gehen wollten / und ich mit von der
gesellschaft war /die der Prinzessin dahin aufwartete: fanden wir den pförtner
für der verschlossenen tür des gartens stehe / der uns den eingang verwehrete /
weil der Prinz Sidon / wie er sagte / befohlen hätte / niemanden einzulassen.
Dieser befehl wird uns nicht gelten! sagte Orosmada: name damit den schlüssel aus
des pförtners hand / und gabe ihn dem Ledor / einem von des Königs kammerherren:
welcher stäts viel von der Prinzessin gehalten / und mehrenteils in ihrer
aufwartung sich befunden hatte. Dieser eröfnete die tür mit dem schlüssel / und
liesse nicht allein uns / sondern auch unterschiedliche andere Königliche
bediente / die gleich als wir den garten hatten verschlossen gefunden /
hineintretten liesse. Weil es damals mitten in der herbstzeit war / da des abends
die winde etwas herbe zu wehen beginnen: als wurde das spazirengehen bald
eingestellet / und begaben wir uns ingesamt nach einem lustause / welches
abwarts in einem kleinen Cedernwald lage: alda wir dann auch die tür
verschlossen fanden. Weil aber die Prinzessin einen schlüssel bei sich hatte /
der auch diese tür aufschliessen kunte: als kamen wir sämtlich hinein / in den
untern saal / darin ein bette stunde / in welchem der Konig zu weilen / in
heissen sommertagen / nachmittags zu ruhen pflegte.
    Wie nun die Orosmada / auf das bette sich zu setzen / den vorhang zurück
zoge / fand sie die Königin Naema und den Prinzen Sidon einander ümarmend dariñ
ligen / und schlaffen. Unser schrecken ward hierob so gross / dass keines ein wort
reden kunte / und wir nur einander ansahen. Orosmada aber / den Adonias bei der
hand nemend / eilete so geschwind / als sie konnte / aus dem saal hinaus / diese
böse tat ihrer mutter und des bruders verfluchend. Sie befande des Königs ehre
viel zusehr beschmitzet / als dass sie solches / was sie gesehen / hätte
verschweigen können. Demnach / so bald sie vermochte / gienge sie zum König /
und entdeckte ihm seine geschändete ehre: womit sie ihn sehr bestürzt machte /
und konnte er solches nicht wohl glauben / wiewol man schon lange vorher / von
dieser unzimlichen liebe / gar stark geredet hatte. Gleichwol triebe ihn sein
billiger eifer / gleich anzubefehlen / dass sowol die Königin / als der Prinz /in
haft genommen / und nach Gabala / so ein fästes bergschloss ist / gebracht
wurden.
    Diss erregte ein solches schrecken / dass ganz Sidon darüber wach und unruhig
wurde. Die Königin / ob sie gleich in ihrem herzen sich schüldig wusste / ware
doch so frech von gemüte / wie auch der Prinz Sidon /dass man keine angst an
ihnen verspüren konnte. Weil sie demnach pocheten / und die ursach dieser
verhaftung wissen wollten: als liesse der König ihnen ansagen / wessen sie von der
Orosmada beschuldiget würden. Ihre künheit war so gross / dass sie ihre unschuld
wider die Prinzessin gerichtlich auszufüren begehrten: welches dann der König
ihnen nicht abschlagen konnte / weil das gemeine volk einen aufstand hätte
erregen mögen / die den Sidon sehr liebeten. Also wurden /wie land-üblich /
sechs richtere erkieset: vor welche /in gegenwart alles volks / beide teile sich
stellen mussten / ihre beschüldigung und unschuld auszuführen. Weil unter dieser
anstalt eine gute zeit verflosse / als lebte der Konig immittels in grosser
unruhe: und wie die liebe gern alles ihr zu vorteil drehet / als hoffete er /
wann die Naema ihrer untat würde überwiesen sein / alsdann in seiner liebe
gegen der Eurilinde glücklich zu werden. Die Orosmada stärkete ihn in dieser
süssen einbildung / soviel sie immer kunte: und Adonias hoffete / dass seine
mutter / wann also eine rechtmåsige heurat sie zur Königin von Sidon machen
sollte / ihren sinn åndern / und seiner liebe geneigter werden würde.
    Der König / von solcher hoffnung angefrischet /konnte länger nicht verziehen
/ seine Eurilinde zu besuchen. Demnach / ungeacht ihres verbots / und weil die
ümstände solcher massen sich geändert / kame er zuihr: da sie dañ leiden musste /
dass er ihr von der Sidonischen kron fürsagte / und sie versicherte / dass keine
andere / als sie / der Naema stelle bekleiden sollte. Nichts hatte iemals die
Eurilinde so sehr / als dieses / angefochten: weil des Königs begehren iezt so
billig war / dass sie nicht sowol / als fürhin / ihm eine unwillige antwort geben
dorfte. Wie nun der König wieder von ihr war / schüttete sie alles ihr leiden
aus / also dass ich sie voller tränen fand / wie ich eben damals ankame / sie zu
besuchen. Weil ich nun /die ursach ihrer traurigkeit vernemend / nicht absehen
kunte / was ihr den Sidonischen tron also widrig machte: wollte sie zwar /
ungeacht unserer verträulichkeit / sich mir nicht völlig offenbaren. Jedoch aber
entdeckte sie mir dieses / dass sie eine verheuratete person wäre / die aus
gewissen ursachen von ihrem gemal entfernet leben müste: daher sie / so wenig des
Königs liebe annemen / als die verheuratung ihres sohns mit der Orosmada zugeben
könnte / weil derselbe / schon in der wiegen / mit so fästen eidschwüre anderweit
wåre versprochen worden / dass / ohne verletzung des gewissens / solche
heilig-beschworne ehe nicht aufzulösen wäre.
    Hiernächst kame sie auf den beschwerlichen handel wegen der Konigin / und
wie ihre beredsamkeit überaus gros / auch die liebe / die ich zu ihr / als wie
zu einer mutter / truge / mich alles für sie zu tun entschlossen machte: als
überredte sie mich / ihr zuzusagen / dass ich wider die Königin und den Prinzen
Sidon nicht mitbezeugen wollte / was ich gesehen /wann man es an mich begehren
würde. Als ich ihr einwarfe die untreu / die ich dadurch an meiner Prinzessin
begehen / die unwarheit / die ich also ausreden / und die gefahr / die ich damit
auf die Orosmada und den Adonias laden würde: wusste sie mir solches alles mit
starken gründen zu benemen / unter andern anfürend / dass hieran / was sie
begehrte / der Prinzessin höchste wolfart gelegen wäre. Also bewoge sie mich
/dass ich ihr blindlings folgete / und mich zu etwas gebrauchen liesse / das mich
nachgehends viel tränen gekostet. Auf gleiche weise überredte sie auch die
andern / so dabei gewesen waren / (auser ihrem sohn /und dem Ledor / denen sie
nichtes davon sagte /) dass sie ihr alle versprachen / wider die Orosmada zu
zeugen.
    Als nun dieser grosse gerichtstag erschienen / da versügte sich iederman auf
dem grossen marktplatz in Sidon: alda drei herrliche bünen / die erste für die
sechs richter / die zu beiden seiten aber / für die Orosmada und den Adonias /
aufgerüstet waren. Der König / so dieser handlung nicht beiwonen dorfte /
erwartete im schloss mit schmerzlichem verlangen / wie es ablaufen würde. Als nun
der Orosmada / ihre klage anzubringen / von den richtern war bedeutet worden
/erzehlte sie / in gegenwart vieler tausend menschen /der Naema und des Sidons
verübte schande / und berieffe sich sowol auf den Adonias / den Ledor und mich /
als auf die andere bediente des Königs / so mit ihr darzu gekommen waren.
Hierauf winkten die richtere der Naema und dem Sidon / sich zu verantworten:
welches der Prinz in der Königin und seinen namen verrichtete / und ganz beherzt
fürbrachte / wiedass alles dieses von dem Adonias erdichtet wäre / üm ihme seinen
våtterlichen erbtron abzudringen; und müsse die unschüldige Konigin ihr darüm
diese schande aufbürden lassen / damit Eurilinde / des Adonias mutter / deren
stelle in des Königs ehebette bekleiden / und also Adonias und Orosmada des
Sidonischen trons destomehr versichert sein möchten. Er verwarfe auch die
angegebene zeugen / einwendend / dass selbigen teils nicht zu gläuben / teils
sie auch wohl hierzu erkaufet sein möchten: zumal ohnedas seiter des Konigs
gnade / die er dem Adonias erwiesen / iederman bewogen hätte / sich auf seine /
als auf die glückliche / seite zu schlagen. Naema täte mitlerzeit nichs als
weinen / und wusste sich so klåglich anzustellen / dass das volk gegen ihr zu
grossem mitleiden bewogen wurde.
    Wie nun die richtere auch die zeugen herfürtretten lassen / frageten sie den
Adonias: welcher alles bestätigte / was die Orosmada erzählt / dass dann
folgends auch von dem Ledor beschahe. Als es aber an die andern kame / da ware
keiner / der gestehen wollte / dass er etwas gesehen hatte: wie dann auch ich auf
befragen stillschwiege / und damit zu erkennen gabe / dass ich nichts wüste. Das
geschrei des gemeinen volks ward hierüber so häftig / dass in langer zeit die
richtere nicht konten zu worten kommen. Die Orosmada wusste nicht / wie ihr
geschahe / dass man solcher gestalt / und sonderlich dass ich / sie verliesse.
Nachdem die richtere das volk gestillet / gaben sie den ausspruch / der also
lautete: die Orosmada sollte gehalten sein / mit mehrern und bässern gründen dar
zu tun und zu beweisen / was sie von der Königin ausgesaget; Naema aber sollte
so lang / bis dieses geschehen /in ihrer vorigen Königlichen würde bleiben / und
der Prinz gleichen zutritt beim Konig / als fürhin / wieder haben.
    So sehr durch diesen ausspruch die Konigin und der Prinz erfreuet wurden /
so beschämt war die Prinzessin und der Adonias: welche uns scheel ansahen /und
gar erzürnt fragten / wie wir dazu kämen / sie also zu verlassen / und die
warheit zu verleugnen. Inzwischen eilete die Konigin mit dem Prinzen / von den
richtern und dem gesamten volke begleitet / nach dem Königlichen schloss: da
Naema dem König zu füssen fiele / dieselbige mit ihren tränen benezte / und sich
dabei so meisterlich anzustellen wusste / dass er /nachdem er von den richtern das
urteil erfahren / mit so grossem erstaunen als mitleiden sie für unschuldig
halten musste. Es wachete auch zugleich wieder auf /die natürliche liebe zu
seinem sohne: daher auch Sidon alle vätterliche liebkosungen entfinge. Die
Prinzessin aber / so durch den betrübten Adonias in ihr zimmer gebracht worden /
war so aus sich selber /dass sie nicht wusste / was sie beginnen sollte. Doch
fassete sie sich endlich / als die Eurilinde zu ihr kame / und ihr den raht
mitteilete / dass sie den oberkämerer zu sich erfordern / und durch ihn dem König
sollte sagen lassen: Naema und Siphon seien dannoch schüldig / ob man schon sie /
die Prinzessin / in der anklage verlassen hätte; und weil sie deswegen / ohne
nachteil ihres guten namens / der Konigin nicht beiwonen könnte / als wollte sie
nach Zarpat / (einer freistadt / die an der Syrischen gränze unten am Libanon
liget /) sich begeben / und alda des Königs befehl erwarten / ob er der warheit
oder schande beifall geben wollte. Nachdem sie diese botschaft abgefärtigt /
setzete sie sich zu wagen / und von dem alten Ledor begleitet / begabe sie sich
aus Sidon hinweg: mich elende und den Adonias zurück lassend / die ich /
nimmermehr für ihre augen zukommen / befehl entfienge.
    Mein boses gewissen / so damit völlig in mir aufwachete / machte mich sehr
ungedultig gegen der Eurilinde. Sie aber bliebe beständig auf ihrer Meinung dass
sie hierdurch der Prinzessin bästes schaffete. Weil sie aber fårtig war / nach
hof zu gehen / als folgete ich ihr so verwirrt als betrübt nach / und kamen wir
für den König / als der eben noch zwischen der Königin und seinem sohn sich
befande / und eine gezwungene freude über ihrer erkannten unschuld bezeugte. Was
die Eurilinde am ersten täte / ware / dass sie dem König zu fuss fiele / für
ihren sohn bate / und sagte: Seine schulde / indem er also an der Königin sich
versündiget / sei zwar keiner vergebung würdig; sie verhoffe aber / der König
werde / in betrachtung /was die liebe in einem menschen vermöge / ihme und ihr
erlauben / sich aus dem reich zu begeben / da die ewige verbannung ihnen die
gröste gnade sein würde.
    Der bestürzte Konig / von so vielen seltsamen dingen zugleich übereilet /
wusste nicht / was er gedenken / viel weniger / was er tun sollte. Weil er seine
gemalin und den Prinzen für unschüldig / und also hergegen den Adonias für
schüldig halten musste: als kunte er leicht ermessen / die Naema sowol / als der
Sidon /würden dieses nimmermehr dem Adonias schenken /sondern seinen tod suchen
/ und die Eurilinde verfolgen. Demnach aus liebe gegen ihr / verwilligte er /dass
sie sich mit dem sohn aus dem Reich begeben möchte. Hierauf eilete er von der
gesellschaft hintan /und verschlosse sich in sein gemach: da er alles gegen den
himmel ausschüttete / was ihme nur in den mund kame. Naema so wohl als der Sidon
/ sagten nichtes wider diese des Königs vergönstigung / das sie doch wohl hätten
tun können: weil sie froh waren / dass Adonias solchergestalt hinweg kame. Wie
nun die richtere / auf des Königs befehl / die ewige verweisung der Eurilinde
und ihres sohnes ausruffen lassen /mit dem anhang / (wiewol es der König nicht
so gemeint hatte /) dass sie des todes sein sollten / wann sie iemals in das reich
widerkehren würden: machete sich die erfreute Eurilinde gleich reisfärtig / und
befahrend / dass ihr sohn etwas anfangen möchte / als welchen eine solche
verweisung / und die trennung von seiner Prinzessin / sehr schmerzen / und zu
verzweifelten dingen bringen mochte / erhielte sie von dem richtern /dass Adonias
mit gewafneten leuten auf ihr schiff gebracht / und also zu dieser abreise
gezwungen wurde.
    Ich will mich nicht lang aufhalten / alle die ungedültige worte zu erzählen
/ welche mutter und sohn gegen einander ausgestossen. Ich will allein melden /dass
sie nach Biblis ihren weg namen / und von dar weiter zu land nach Armenien
reisen wollten / aber ihr fürhaben wieder geändert / und heimlich hieher nach
Damasco sich begaben. Meine Prinzessin / lebete nun zu Zarpat / in sicherer
freiheit: weil diese freistadt /für allen besorglichen verfolgungen / sie
beschützete. Der König aber bliebe in höchster traurigkeit zu Sidon: weil der
verlust seiner Eurilinde ihme weit tieffer zu herzen ginge / als ihn erfreuen
können / dass seine gemalin und sein einiger sohn waren unschüldig erfunden
worden. Er ergabe sich so gar der betrübnis /dass er alles gehen liesse / wie es
ginge / und nicht zu herzen name / was die Königin und die Prinzessin
gegeneinander ihme vorbrachten. Dieser streit wärete also den winter hindurch:
da die Naema die Prinzessin aus dem reich gebannet wissen / Orosmada aber der
Königin ihre untat ferner beweisen / wollte.
    Ich meines teils begabe mich / gleich auf der Prinzessin abreise / wieder
nach Tyrus zu meinen eltern: die mich bei meiner Königin in dienst brachten. Der
Prinz Tiribaces vername mit grosser gemütsbewegung / was sich in Sidon begeben:
dann / wiewol hiervon am Tyrischen hofe offentlich geredet wurde / so waren doch
alle ümstände nicht bekant / sonderlich was die Königin Naema betraffe / welche
niemand für schüldig halten wollte. Wie nun einsmals der verliebte Prinz hievon
mit mir sich unterredete / kame ein unbekanter zu uns ins gemach / der dem
Prinzen ein schreiben überreichete / welches er erbrechend dieses inhalts fand.
               Schreiben der Eurilinde / an den Prinzen von Tyro.
Ihr wisset / edler Prinz! was ich euch beim abschiede zu Tyro versprochen. Euch
zu lieb / habe ich mein und meines sohnes Glück und gutes ansehen zu Sidon
verscherzet / und lieber flüchtig werden / als bei guten tagen zugeben wollen /
dass Orosmada einen andern /als den liebwürdigen Tiribaces / überkomme. Jezt ist
es zeit / da Adonias des landes verwiesen / die Prinzessin von dem König Siphon
zu begehren / der sie euch nicht versagen wird. Ich zweifele auch gar nicht /dass
die Orosmada / weil sie verständig / sich gegen euch nach dem bästen erklären
werde.
                                                                      Eurilinde.
    Diesem grosmütigen einraht der Eurilinde zu folg /entschlosse sich der Prinz
/ nach Sidon zu reisen / Er wollte aber solches nicht öffentlich tun: weil er
wusste / dass sein herr vatter nie zugeben würde / dass er / bei solcher verwirrung
des Sidonischen hofes / sich dahin begeben möchte. Also wandte er eine andere
reise für: da er auch seinen hofmeister / den aufmerksamen Borgias / weil der
krank war / nicht mit sich nemen dorfte. Er gienge heimlich zu lande fort / da
ich dann vermeine / was sich bei seiner abwesenheit zugetragen /das werde der
Prinz selber bässer als ich erzählen: wiewol ich nachgehends noch werde etwas
beitragen können / so mir allein wissend ist.
    Es ist nicht ohn / (sagte Tiribaces zu der Königin von Ninive /) dass niemand
bässer als ich E. Maj. berichten kann / was mir auf dieser reise begegnet: die
ich glücklich ablegte / und ohn einiges menschen wissen nach Sidon kame. Ich
fand den Königlichen hof / wie die Iphis ihn beschrieben / nämlich verwirret
und verändert. Als ich nun bei dem Konig mich heimlich anmelden lassen / wurde
ich mit ungemeinen liebkosungen entfangen: welches mich üm soviel küner machte /
meine liebe zu der schonen Orosmada ihm zu entdecken. Er name solche eröfnung
nicht allein gütig auf / sondern er gestunde mir auch / dass bei ietzigen
betrübten ümständen er für seine tochter nichtes bässers wüste: wann nur ihre
grosse liebe zu den Adonias ihr wollte zulassen / ihr Glück (wie es der Konig
nennte) anzunemen. Die häftigkeit ihrer liebe könnte ich daraus abnemen / dass sie
/ ihme zu gefallen und vermeinten nutzen / die Königin und seinen sohn in das
äuserste unglück zu stürzen / wäre gewillet gewesen: da sie aber nichtes auf
dieselbe recht-beweislich fürbringen können / und also sich selber beschimpfet
/den Adonias und dessen edle mutter aber ins elend hatte verjagen helfen.
    Ich dorfte hierauf nicht / wie ich gern gewolt / dem König antworten: weil
es zu meinem fürhaben nicht dienete / die unschuld der Prinzessin und des
Adonias dem Konige fürzustellen / wodurch ich auch / wann ich es schon mit
grosser mühe bewiesen hätte / doch nichtes anders würde zu weg gebracht haben /
als dass Adonias wieder ins reich wäre beruffen worden / und anlass dadurch
überkommen hätte / die Orosmada nach als vor zu lieben. Demnach begnügte ich
mich damit / dass ich des Königs zusage erlanget: der / zu mehrer versicherung
seiner gnade / mir ein schreiben an die Prinzessin nach Zarpat mitgabe / des
inhalts /dass sie mich / als den jenigen / den er nunmehr zu ihrem Ehgemal
erwehlet / aufnemen / und lieben möchte. Hiemit reisete ich / mich für den
glückseligsten von der welt haltend / nach Zarpat. Gleichwie niemand / auser
dem König / zu Sidon mein dasein gewust / also bliebe ich auch zu Zarpat
verborgen /und wollte mich auch darüm nicht öffentlich bei der Prinzessin
anmelden lassen. Ich erschliche aber eine gelegenheit / sie / bei damaliger
frülingszeit / eines nachmittags / im garten allein anzutreffen.
    Mein furhaben glückete mir nach wunsch / und sah ich diese schöne nur von
einer dirne begleitet /kurz nach meiner ankunft / in den garten kommen: welche
aber / sonder zu lustwandeln / diese dirne von sich sandte / und nach einer
lauberhütten eilete. Ich erkünete / ihr auf dem fus nachzufolgen. Wie ich aber
unvermerkt an die hütte hernach gelanget / fand ich zu ihren füssen den Adonias
ligen / den sie mit den verbindlichsten worten willkomm hiesse: und musste ich
ansehen / wie sie wechselweis einander grosse liebe erwiesen. Meine geschöpfte
hofnung verkehrte sich damit in die tiefste verzweifelung / und wusste ich nicht
/ wie mir geschahe: dann ich eher des himmels fall / als den Adonias an diesem
ort / vermuten können. Als endlich meine eifersucht / des Adonias Glück länger
anzusehen / mir verwehrte / und ich die Prinzessin mit meinem glücklichen
mitbuler in die innerste hütte gehen sah / legte ich des Königs brief auf einen
steineren tisch / nächst der Prinzessin daselbst-abgelegten weissen flor / (den
sie / für den schein der sonne / hatte übergehånget) und ginge damit aus dem
garten: so unwissend / was ich beginnen sollte / dass ich in dieser wiederkehr /
wohl tausend anschlåge ohn einigen schluss machete.
    Nachdem ich in solchem unmute die nacht verbracht hatte / gienge ich
folgenden tags / unwissend zu was zwecke / wieder nach dem garten: da ich dann /
in selbiger hütten / die Orosmada mit dem Adonias aufs neue antraffe. Die
begierde / zu wissen / ob Orosmada ihres vatters brief gefunden / machte mich
hinzuschleichen: um ein solches aus ihren reden zu erhorchen. Ich hörte / durch
die hecken der lauberhütte /dass Adonias sich über die sinn-änderung des Konigs
beklagte / und dabei der Prinzessin erzehlte / wie er heimlich / ohne wissen
seiner mutter / und ungeacht seiner verbannung aus dem reich / von Damasco
hieher nach Zarpat geritten wäre / weil ihme unmüglich gefallen / långer von
ihr entfernet zu leben. Orosmada verwiese ihm hierauf seine künheit / und
beklagte ebenfalls ihres vatters befehl / der sie antriebe / mich zu ehlichen:
mit bewunderung / wo doch das schreiben müste hergekomen sein. Hierauf horte ich
den Adonias ihr ansinnen / sich von ihm entfüren zu lassen: da sie aber gar
nicht einwilligen wollte / sondern ihme dieses begehren mit unwillen abschluge.
    Indem sie also miteinander im gespräche waren /vername ich ein geräusche /
und mich darnach ümsehend / sah ich viele gewaffnete nach der hütte rennen /
hinein fallen / und des Adonias sich bemåchtigen. Seine gegenwehr / und der
Prinzessin geschrei / vermochte ihr fürhaben nicht zu hintern: und ob gleich die
Orosmada die freiheit des ortes fürschützete /namen sie ihn doch gefangen / und
eileten mit ihme /ja so geschwinde als sie angekommen waren / zum garten hinaus
/ einen von ihnen / durch den Adonias schwerlich verwundet / zu rücke lassend.
Der schmerze / den die Orosmada hierob entfunde / war so häftig / dass sie
onmächtig niederfiele: daher ich / alle betrachtung hintan setzend / ihr zu hülf
zu kommen mich bemühete / und so wohl nach der Prinzessin leuten rieffe / als
selbst aus einem nahen brunnen wasser schöpfete / sie zu erquicken.
    Wie nun bald darauf ihre leute ankamen / und sie wieder zu sich selbst
gekommen war / fürete sie die erbårmlichste klagen von der welt; und mich
endlich erkennend / hielte sie mich für ihren verfolger / und für den jenigen /
der also den Adonias hinweg schleppen lassen. Demnach schüttete sie allen ihren
zorn wider mich aus / also dass ich lange mich vergeblich bemühete / ihr meine
unschuld zu verstehen zu geben. Sie musste mir letzlich gläuben / als / zu meinem
Glück / der zurück-gebliebene verwundte uns berichtete /dass der Konig von Sidon
/ des Adonias anwesenheit zu Zarpat erfahren / und sie alsofort befehligt håtte
/ihn nach Sidon abzuholen.
    Nachdem sie hierauf etliche tage / ohne dass ich vor sie kommen dorfte / in
unbeschreiblichem Kummer gelebet / kame nach Zarpat einer von des Königs
kammerherren: welcher / als er von der Prinzessin fürgelassen worden / ihr die
betrübte zeitung brachte /wiedass der Adonias / wegen des überschrittenen gebotes
/ nimmermehr wieder in das reich zu kommen /zum tod verurteilt und bereits
hingerichtet wäre; worbei er ihr des Königs begehren eröffnete / dass sie mich
lieben und ehlichen sollte. Wer ihm eine rechtschaffene liebe fürstellen kann /
der wird leicht ermessen / wie die arme Orosmada sich gebärdet habe / als sie
ihres liebsten Adonias tod erfahren. Keine beschwerung ware / die sie nicht
gegen den himmel /gegen ihren vattern / und gegen ihre feinde die Naema und
Sidon / ausgelassen. Aber mit verlierung ihres lebens darzutun / dass ihr
Adonias unschuldig gestorben wäre / fassete sie die verzweifelte Entschliessung
/nach Sidon zu reisen / und alda in dem tempel der Astarte öffentlich einen eid
abzulegen / dass Naema und Sidon in unzucht mit einander gelebet / auch / zu
bekräftigung ihres eides / sich verbrennen zu lassen. Dann ein solches ist
üblich in Phönicien / dass / wann beweisstüme ermanglen / und einer auf seine
aussage stirbet / demselbigen alsdann völliger glaube must beigemessen werden.
Damit sie aber niemand an dieser fürhabenden rache hintern mochte / hielte sie
es für allen ihren leuten verborgen.
    Inzwischen wurde ich / zu ihr zu kommen / erfordert: da ich sie dann auf dem
bette fand / so veråndert und abgezehret / dass ich sie kaum mehr erkannte.
Adonias ist todt (sagte sie zu mir /) und mein grausamer vatter befihlet mir /
euch zu lieben. Welcher gestalt ich nun ihme gehorsammen kann / sollet ihr
erfahren: reiset nur mit mir nach Sidon / woselbst ich / in gegenwart des Königs
/ mich ümständlich erklären will. Ihr verzweifeltes wesen / so diese worte
begleitete / fürete mich so aus mir selber / dass ich kein wort /als dass ich ihr
gehorsame wollte / herfürbringen kunte. Sie liesse auch alsofort die reise für
sich gehen: da sie unterwegs sich viel vergnügter anstellete / als ich vermutet
hatte. Das ganze Sidon wurde wach / als wir ankamen: da die Orosmada / an statt
nach dem Königlichen schloss zu fahren / sich nach dem tempel der Astarte begabe.
Ich folgete ihr nach / zwischen furcht und hofnung / unwissend / was hieraus
werden würde.
    Als wir hineingekommen / schickte sie gleich iemanden an den König / und
liesse den ersuchen / zu ihr zu kommen: welcher dann sich bald einfande / um mit
bestürzter begier zu vernemen / was seiner tochter begehren wäre. Sobald sie ihn
ersehen / eilete sie zu der seule der Astarte / die sie mit beiden armen
ümfassete / und zugleich also rieffe: Hiemit schwöre und bezeuge ich offentlich
/ dass ich / neben dem Adonias / die Naema und den Sidon in unzucht beisammen
gefunden und gesehen habe / will auch darauf sterben / und begehre das feuer /
als ein zeichen / dass ich die warheit geredet. Ich kann nicht sagen / wie der
Siphon hierüber sich angestellet: massen ich selber so erschrocken bliebe / dass
ich nicht wusste / was ich täte. Das volk / so von allen seiten zugelaufen / und
dieses gehöret / verwunderte sich über dieser der Prinzessin Entschliessung. Die
Priester der Astarte traten herzu / vermög ihres amtes / und wollten / ohne
ansehen der person / die Orosmada zum opfer haben.
    Naema und Sidon / die dieses / was im tempel fürgegangen / gleich erfahren /
bedienten sich des hohenpriesters / den sie fürlängst auf ihre seite gebracht
hatten; der musste eiligst nach dem Könige gehen / und ihme vermelden: die
Orosmada / wegen des Adonias tod verzweifelend / wollte also seine und ihre durch
die ausgesprengte lügen verlorne ehre wieder erlangen / und sich in den tod
stürzen; dass man aber nicht zugeben könnte / sondern sie / als eine wahnsinnige
hierinn ansehen / und folgbar abweisen müste. Der König bliebe / über diesem des
hohenpriesters ausspruch /wohl zu frieden / und bestätigte / dass seine tochter
für eine verzweifelte zu halten / ihr schwur für ungültig erkant bleiben / und
sie den geheiligten jungfrauen des Astarot im tempel / üm sich daselbst nach
und nach wieder zu erholen / zugesellt werden sollte.
    Weil / bei solcher bewandnis / ich zu Sidon nichtes mehr nutz ware / auch
ohne das von dem König meinen herr vattern nicht länger absein dorfte / als
reisete ich wieder nach Tyrus: vielfältige vertrostungen von dem König Syphon
mitnemend / dass mir die Orosmada werden sollte. Ich speisete zwar hiemit meine
trostlose hofnung / blibe aber nebenzu sehr kleinmütig /iemals von dieser
Prinzessin etwas zu erlange. Meine liebe aber zu Tyro meinen eltern zu
offenbaren / truge ich bedenken / weil ich sie mir hierinn entgegen besorgete.
    Als lebete ich seiter voll schmerzlicher unruhe / in welcher ich auch / mit
der Königin meiner frau mutter und meiner schwester / hieher gereiset: des
fürhabens / E. Maj. allhier zu bedienen / auch nach der Eurilinde mich zu
erkündigen / die ich aber seiter nirgend ausfragen konnen. Orosmada indes / die
nun unter den jungfrauen des Astarot sich befande / und wohl sah /dass ihre
feinde ihr zu måchtig wären / und ihr nicht gönnen würden / durch erwehlten tod
ihre ruhe / ehre /und rache zu finden / name einen andern schluss /nåmlich in der
Diana tempel nach Ninive sich zu begeben allwo sie der welt abzusterben / auch /
durch wiederholten eidschwur / der Naema und dem Sidon noch zu schaden vermeinte
/ als gegen welchen ihr hass / durch des Adonias tod / ware verdoppelt worden.
Hierzu nun bediente sie sich des getreuen Ledors / der sie in keiner noht
verlassen hatte: mit deme sie auch glücklich davon kame. Sie konnte aber doch mit
aller ihrer vorsichtigkeit nicht verhüten / dass nicht die Naema ihre reise
erkundschaftet håtte: welche dannenhero neben dem Sidon einen anschlag auf sie
machete / und etliche darzu erkaufte / die unterwegs sie niedermachen sollten;
damit sie und der Sidon nachgehends auser aller gefahr leben könten.
    Diese böswichter aber kunten die Prinzessin nicht eher einholen / als unweit
von hier im tal Hoba: da mich eben mein geschicke / als ich auf die jagt
geritten / darzu brachte / wie diese mördere der Orosmada wagen anfielen. Mir
musste ja mein gemüte etwas sagen: massen / als ich vom weiten das getümmel
ersah / mich gleich eine verborgene angst überfiele /die mich triebe /
sporenstreichs dahin zu jagen. Der Fürst Borgias war eben von meiner frau mutter
nach Tyro geschicket / dass ich also ohne aufmerker mich befande. Wie ich zu dem
wagen kame / war es eben an dem / dass man der schonen Orosmada wollte die gurgel
abschneiden. Ich erkannte sie alsobald / und wurde zugleich von liebe uñ erbarmen
angefrischet /diese mordtat zu verwehren: da dann die gerechte sache mir so
viel kraft verliehe / dass ich alle diese mördere teils niedermachte / teils
verjagte. Den alten Ledor fand ich / tödlich verwundet / für der Prinzessin
füssen ligen / wie auch etliche andere ihrer bedienten. Als sie ihren erlöser
erkant / dankete sie mir mit der verbindlichsten art: und ich überredte sie /
(dessen sie lieber wäre überhoben geblieben / doch üm des verwundten Ledors und
der andern willen es endlich einginge) dass ich sie dorfte in Damasco bringen.
Doch musste ich ihr zuschwören / sie keinen menschen zu offenbaren.
    Meine freude war unaussprechlich / dass ich meiner Prinzessin diesen dienst
tun konnen: und erfuhre ich von einem der verwundten / dass Naema und Sidon /sie
zu dieser mordtat erkaufet hätte. Gegen den abend brachte ich meine Orosmada in
die stadt / eben etliche tage vorher / ehe uns die schöne Königin von Ninive
ihre gegenwart gönnete. Die zeit über / da der Ledor an seinen wunden sich
heilen liesse / konnte ich kaum einmal die Orosmada zu sprechen bekommen. Endlich
hat sie mir diese nacht / abschied von ihr zu nemen / bestimmet / und durch mein
verzweifeltes bitten sich erweichen lassen / allhier zu bleiben / wofern meine
frau mutter sie in ihren schutz wird aufnemen wollen: auser dem sie / nach
Ninive zu reisen / entschlossen ist. E. Maj. sehen nun / wie ich einig und
allein mein Glück / ja mein leben / in ihre hand gestellet / und wie der
Orosmada erlangung ich bloss von der gütigen Konigin von Ninive erwarte. E. Maj.
kräftige überredungen / müssen hierbei das bäste tun. Wofern auch die Königin
meine frau mutter sich sollte widersetzen wollen / so muss doch dieses sie bewegen
/ dass ihres einigen sohnes leben oder sterben an dieser liebe hange.
    Es versichere sich mein vetter / (sagte hierauf die Königin von Ninive /)
dass ich mein müglichstes tun will / die Königin von Tyro zu bereden: und
wünsche ich mich so glücklich / als willig ich bin / zu dieser verrichtung. Es
hat uns aber die Iphis noch auf einen bericht vertröstet / den ich annoch von
ihr zu vernemen verlange.
    Meine durchleuchtigste zuhörere / (finge die Iphis wieder an zu reden /)
werden sich verwundern / wann ich sage / dass der Adonias noch lebet / die
Orosmada nicht mehr liebt / und hingegen der Prinzessin von Caphtor / der
Jaelinde / schönheit nun verehret. Die beide Königinnen / blieben ob diesem
bericht der Iphis bestürzet. Tiribaces aber hube an zu seufzen /uñ brache in
diese worte heraus: Ich habe diesen morgen den wieder-lebenden Adonias gesehen /
und zugleich von ihme vernommen / dass meine Prinzessin den Prinzen von Hevila
liebe. Ob deme also sei / solches suche ich mit schmerzen von der Iphis zu
hören. Adonias meint  es also / (sagte Iphis /) Orosmada aber weiss nichtes
hierüm / und hat sich alles folgender massen zugetragen.
    Als Eurilinde allhier zu Damasco mit ihrem sohn lebete / fiele ihm unmoglich
/ seine Prinzessin also lang zu Zarpat allein zu lassen. Demnach entwischete er
seiner mutter / und name die reise dahin: welches sie nicht sobald innen wurde /
da entschlosse sie sich /ihr äuserstes daran zusetzen / dass Adonoias von dieser
liebe abkommen möchte. Demnach begabe sie sich in mannskleidern nach Sidon / und
dem Konig sich offenbarend / vertraute sie ihm alles / wer sie wäre / dass ihr
gemal noch lebete / dass ihr sohn von kindheit auf anderweit versprochen gewesen
/ und dass sie folgbar ihme / die Orosmada zu ehlichen / unmöglich zugeben könnte.
Hiernächst bate sie den König /üm seiner ehmahligen liebe willen / die er zu ihr
getragen / dass er ihre bitte erhoren / und seine Konigliche macht dahin
verwenden wollte / damit ihr sohn und seine tochter getrennet würden. Siphon /
seine liebe / die er / nach dieser erofnung / in eine frundschaft verkehren
musste / zu erweisen / ware in allem mit der Eurilinde einig. Und ihrem raht
folgend / liesse er den Adonias von der Orosmada besagter massen hinweg holen; da
der Eliaba / welcher sonst immer bei der Prinzessin sich aufgehalten / ihrer
abrede gemäss / den gefangenen Adonias dem König überlieferte / mit den worten:
die Prinzessin schickte hiemit den Adonias dem König ihren herr vattern / weil
er sowol wider das Königliche verbot gehandelt / als sie dazu mit verfüret hätte
/ wider die Königin und den kron-Prinzen so schändliche unwarheiten
auszusprengen; den sie hiemit dem gerichte ihres herrn und Königs übergebe.
    Adonias bliebe über diesen worten des Eliaba ja so bestürzet / als es der
Konig im schein wurde: der dann den Adonias in eine kammer bringen liese / allwo
dieser Eliaba allein bei ihm verbleiben. Dieser musste ihm verträulich beibringen
/ wiedass die Orosmada in den Prinzen Macres von Hevila sich verliebet / der bei
ihr zu Zarpat gewesen wäre: und hätte sie ihn / den Eliaba / dazu vermöget / um
seiner / des Adonias /ledig zu werden / dass er ihn gefangen nemen / und nach
Sidon bringen müssen. Der armselige Adonias wusste nicht / wie ihme geschahe / als
er dieses von seiner so getreu-vermeinten Orosmada vernemen musste: und brachte
Eliaba ihm alles so scheinlich für /dass er kein mistrauen in ihn setzen kunte.
Der König und Eurilinde / die vom Eliaba den glücklichen fortgang ihres betrugs
tag für tag erfuhren / beschlossen ferner / dass dem Adonias der tod angekündigt /
selbiger auch von ihm ausgesprenget / er aber heimlich von des Königs leuten /
als wann der König ihm /wegen der Eurilinde / das leben schenkete / nach Damasco
sollte gebracht werden.
    Eurilinde / als sie vom Könige verbindlichen abschied genommen / reisete
dahin voraus / und sich stellend / als wann sie von allem diesen nichtes wüste /
erwartete sie daselbst ihres ankommenden sohns: dessen abenteure sie / mit
angenomener verwunderung / von ihm vername. Sie wusste auch des angestellten
betrugs sich so nützlich zu bedienen / dass sie den Adonias von tag zu tag gegen
die Orosmada kaltsinniger machete / indem sie ihme zugleich von seinem reich /
welches er zu gewarten hatte / fürsagete: dadurch sie / an statt der liebe / eine
ehrsucht in sein gemüt pflanzete / also dass er ie mehr und mehr / sich zu kennen
/ begierig wurde. Sie hielte ihn aber deswegen immer mit guten worten auf /
fürgebend / dass es noch nicht zeit wäre / ihn hiervon zu berichten / hinzu
setzend: dass er nur sie sorgen und ihm rahten lassen sollte. Als er nun sich
ihrem willen gänzlich ergeben /folgete er ihr auch darin / dass er ganz heimlich
und eingezogen sich hier in Damasco aufhielte / also dass niemand seiner gewar
wurde: und bewoneten sie ein haus / das von aller gesellschaft ganz abgelegen
ist. Wie wir nun in Damasco kamen / täte mir Eurilinde ihren zustand und wonung
zu wissen: jedoch mit der bedingnis / niemanden ihr hiersein zu entdecken. Also
habe ich oberzehltes nach und nach von ihr erfahren / hingegen der Orosmada
ankunft / und was sich mit ihr zugetragen / ihr wieder berichtet: das sie dann
für ihrem sohn heimlich zu halten / sehr bemühet gewesen.
    Wie aber / vorige woche / die beide Prinzessinnen von Salem ankamen /
bezeugte sie eine ungemeine freude und begierde / dieselben zu sehen. Demnach
begabe sie sich mit ihrem sohn unter das volk / wie die grosse spazirfart
gehalten wurde / und betrachtete die Cölidiane und Jaelinde nach genügen: da der
Adonias / welcher / um von dem Prinzen Tiribaces nicht erkant zu werden / einen
mantel üm sich geschlagen /diese beide schönheiten auch beschauete. Am abend
erfuhre er von der erfeuten Eurilinde / dass die Prinzessin Jaelinde die jenige
wäre / mit der er in seiner kindheit versprochen worden: weshalben sie nichts
mehr verlangte / als das er seine liebe zu ihr richten möchte / weil dadurch die
erste staffel zu seiner kentnis und erhöhung würde gebauet werden. Weil nun
Adonias / als / seiner Meinung nach / über die Orosmada billig entrüstet / so
hart es ihm auch einginge /ihrer zu vergessen sich zwunge / und daneben / was
ihme / seinen stand zu erfahren / dienete / begierigst ergriffe: als fiele der
Eurilinde nicht schwer / ihn verliebt zu machen / also / dass er / nach dem tage
/immer gelegenheit suchete / die schöne Jaelinde zu sehen. Als ich sie aber
hiernächst berichtete / wiedass der König Melchisedech bei dem König von Canaan
gefangen und sehr übel gehalten wäre / betrübte sie sich darüber auf ungemeine
art: und hat sie nun den Adonias in Armenien geschicket / worbei sie selbigem
Konig des Melchisedech zustand schriftlich zu wissen getan / und sich dessen
vergwissert / dass ihm der König von Armenien werde hülfe widerfahren lassen.
Dieses hier in vertrauen zu vermelden / habe ich für meine schuldigkeit
erachtet: mit allerdemütigster bitte / dass diese meine entdeckung der Eurilinde
nicht schaden möge / als welche ihre geheimhaltung allhier höchlich verlanget;
und dass der Prinz von Tyro die gnade bei meiner Prinzessin / die ich seinetwegen
verloren habe / mir wieder wolle zu wegen bringen.
                                     * * *
    Nachdem der Tiribaces ihr dieses versprochen /sagte er: Nun bin ich wieder
zufrieden / da ich meiner Orosmada unschuld / den Prinzen Macres betreffend
/erfahren habe; und werde ich nun getroster zu ihr gehen / als sonsten geschehen
können / da ich dieses für wahr halten müssen. In warheit / ich muss gestehen /
(hube die Königin von Ninive an) dass mich tauret /wie man den Adonias und die
Orosmada betrogen hat. Solches aber sage ich nicht darüm / als wollte ich euch /
mein vetter / diese Prinzessin nicht gönnen: dañ ich euch vielmehr nochmals
versichere / dass ich alles äuserste fürnemen will / die Konigin eure frau mutter
zu bereden / dass sie sich dieser Prinzessin anneme. Ob ich gleich (antwortete
Tiribaces) hierinn wider mich selbst rede / so muss ich es doch gestehen / dass
mich des Adonias jammert. Weil aber seine eigene mutter /und zwar ihme zum
bästen / dieses alles angestellet: als mache ich mir kein gewissen / mich dieses
betrugs / zu beförderung meiner liebe / zu bedienen. Wer mag dann (fragte die
Königin Lantine) dieser Adonias wohl immermehr sein? Er ist ja wohl nicht der
Prinz von Syrien / der Aramenes? So müste Eurilinde / (wandte Delbois dagegen
ein) nicht seine mutter sein: weil man ja gewiss weiss / dass die Königin
Philistina gestorben ist. Zwar habe ich mir von der Casbiane erzählen lassen /
dass den beiden Prinzessinnen von Caphtor zu Biblis in ihrer kindheit soll
geweissaget sein / eine von ihnen würde dermaleinst Konigin in Syrien heissen:
wann nun dieser Adonias der Aramenes wåre / konnte solches auf die weise wohl wahr
werden.
    Wie nun hierauf der verliebte Tiribaces nochmals seine sache der Königin
aufs bäste anbefohlen / gingen sie sämtlich wieder aus der hütten / und begaben
sich zu der andern gesellschaft: allda sie unter andern / den Prinzen von
Assyrien bei der Aramena fanden /die er mit gesprächen unterhielte. Weil er nun
auch vorigen abend / bei dem gastmal / seine hochachtung ihr merklich erwiesen /
und nun darin so beständig fortfuhre / als name die schöne Konigin von Ninive
/seine schwester / daher gelegenheit / ihme ins ohr zu sagen: Es schiene / er
erwehlte sich eine kriegerin für die andere / weil er kaum recht die heldin
Mirina verlassen / und nun schon mit der dapfern Aramena sich wieder bekant
machete. Auf diese scherzreden antwortete der Prinz: Es sei ihm seiner schwester
urteil /sehr angenem / das auch gänzlich bei ihm zutreffe; und wie er zu dieser
Aramena eine sonderbare zuneigung entfånde / also wüste er gewiss / dass die
Königin seine schwester so gut sein würde / ihme auch ihre gunst zu weg zu
bringen. Die gegenwart der andern /verhinterte die Königin / dieses hinwiederüm
zu beantworten: doch ward solches von ihr wohl zu gemüte gefasset.
    Nachdem man hierauf von einander gegangen / und folgends der nacht-ruhe
genossen / begabe sich nächsten morgens die Konigin von Ninive / in aller frühe
/nach der Königin von Tyro: üm derselbigen die angelegenheit des Prinzen
Tiribaces fürzutragen. Sie wollte aber nicht alsofort anheben davon zu sprechen /
sondern zuvor der Königin von Elam erwarten: als die ihr verheisen hatte / sich
auch einzufinden / und die furbitte zu verstärken. Also name inzwischen die
Königin von Tyro gelegenheit / mit ihrer basen von der heurat zu reden / die der
Konig von Assyrien zwischen ihrer tochter und dem Prinzen Baleus stiften wollte /
und sagte zu ihr: Liebste base! ihr kommet mir ietzund zu gewünschter stunde /
massen ich ein herzliches verlangen getragen / euch allein zu sprechen /üm von
euch beistand zu haben in einer sache / die mir der König euer herr vatter
aufgetragen. Ich muss aber zuvor wissen / ob ihr euer recht / so ihr an einer
gewissen person habet / abstehen oder behalten wollet?
    Die Konigin von Ninive / nicht wissend / was ihre mume unter diesem rechte
verstunde / bliebe in etwas darüber betreten / verzoge also mit ihrer antwort /
und sah die Königin von Tyro mit unverwandten augen an / welche also zu reden
fortfuhre: Gestehet und saget mir doch / meine liebste Delbois / ob ihr liebt?
Ob ich liebe? versetzte diese bestürzte Konigin. Ja /mein kind! (wiederholete
die Konigin von Tyro) ihr müsst mir dieses sagen / ob ihr den Prinzen euren
bruder liebt / welchen zu ehlichen ihr seit bestimmet gewesen. Die warheit
hierzu bekennen / (antwortete die Königin von Ninive /) so gestehe ich frei /
dass weder der Prinz noch ich / auser einer recht-vertraulichen freundschaft /
einige liebe gegen einander hegen: und haben wir daher beiderseits oft sorgliche
gedanken / wie wir unsern gehorsam gegen dem König von Assyrien erhalten / und
daneben von dieser fürstehenden heurat abkommen mögen. Ich erkläre mich ietzund
das erstemal so frei hieruber / weil mir anlass dazu gegeben wird / und beteuere
hoch / dass ich nimmermehr des Baleus sein werde.
    O ihr götter! (rieffe hierauf die Königin von Tyro) wie gleichförmig ist
dann eures herr vattern wille dem eurigen! Er schreibet mir / dass er nichtes
hoher verlange / als den Prinzen mit meiner tochter / und also Elam mit Assyrien
/ vereinigt zu wissen. Diese zeitung / so der schonen Delbois mehr freude und
ruhe /als sonst etwas in der welt / geben konnte / kame ihr so ungläublich fur /
dass sie vielmehr befahrete / die Konigin von Tyro wollte allein / auf solche
weise /ihres herzens Meinung eigentlicher ergründen. Sie gabe zur antwort: Ich
finde des Königs entschluss-änderung der vernunft ganz gemåss; massen diese
vereinigung mit Elam mehr segen und Glück nach sich ziehen kann / als wann die
Ninivitische kron sich abermals mit Assyrien verbinden sollte. Ich zweifele auch
nicht / es werde / so wohl die Königin Lantine / als mein bruder / geneigt sein /
dieses des Konigs begehren zu erfüllen. Eben dieser ursach wegen (sagte die
Königin von Tyro) habe ich verlanget / euch zu sprechen: wie ich dann euch die
furung dieser ganzen sache hiemit anvertraue und übergebe / nämlich so wohl den
Prinzen / als nachgehends meine tochter / zu dieser liebe zu bereden. An den
Baleus darf ich fast nicht zweifeln / wann ich mich seines vorigen lebens zu
Babel erinnere. Lantine aber / besorge ich / werde dem raht ihrer Elamiten
folgen / und die Assyrische macht nicht in Elam wollen herrschen lassen.
    Weil ich hierinn dienen soll / (gabe die höchst-erfreute Königin von Ninive
zur antwort /) so denke ich mich auch dabei also zu erweisen / dass ich meinem
bruder dieses Glück zu erlangen verhoffe. Auf dieses getane versprechen /
ümarmte die Konigin von Tyro ihre schone base: welche dieser gelegenheit sich
bediente / für den Prinzen Tiribaces zu reden. Ich muss dazu ausersehen sein /
(sagte sie) der Königin von Tyro beiden kindern zugleich und in gleicher sache
zu dienen; massen der Prinz Tiribaces mich auch gewürdigt / seiner frau mutter
durch mich etwas von solchem inhalt fürzutragen. Ach! so wisset ihr / (fragte
darauf die Königin von Tyro / ganz begierig /) das anligen meines sohnes?
Borgias kann mir ja / dessen unruhe und traurigkeit / nicht gnugsam beschreiben.
    Indem nun die Königin von Ninive ihren vortrag anfahen wollte / trate die
Königin Lantine in die kammer: die dann / auf abgelegte begrüssung / sich bei
ihnen niederliesse. Die Königin von Ninive sezte hierauf ihrem vorhaben nach /
und sagte: Des Prinzen von Tyro anligen verursachet die liebe / die er zu einer
Prinzessin träget / welche wegen ihrer schönheit und tugend würdig ist / dass der
Tiribaces unruh üm sie anstehe; die ihme aber die gütigkeit seiner frau mutter
benemen kann / wann sie seine liebe gut befinden / und ihren mütterlichen willen
seiner wahl gleichförmig machen wird. Ist Tiribaces verliebt? (fragte die
Konigin von Tyro /) wer ist dann die / so ihn gefangen hält? Sie ist hier in
Damasco: (antwortete die Konigin von Ninive) und schwebet der Prinz / wie ich
bereits erwehnet / so gar in ihren banden / dass ich nicht glåube / dass iemals
iemand häftiger geliebt habe; daher ihm auch / fur allen / schleunige hülfe
vonnöten ist. Entdecket mir dann bald / (wiederholete die Konigin von Tyro /)
den namen dieser geliebten! Die Orosmada / Prinzessin von Sidon / (sagte die
Königin von Ninive /) ist die jenige / deren schönheit der Tiribaces anbetet und
verehret. Ja mein bruder ist so verliebt (sezte die Konigin von Elam hinzu /
ohne ihre fraumutter zur antwort kommen zu lassen /) in diese schone Prinzessin
/ dass sein leben ohne sie ein tod zu achten sein wird.
    O ihr götter! (rieffe hierauf die Königin von Tyro) was muss ich vernemen?
Orosmada / die unruhige Orosmada / besitzet die meinen sohn? Ist es müglich /dass
ich diesen neuen unglückstoss kann ausstehen / da ich kaum den ersten / wegen des
Amraphel verlust /etwas verschmerzet? Hiemit ergosse sich über ihre wangen / ein
milder tränen bach / und wurden die beiden Koniginnen / sonderlich die von
Ninive / hierob so bestürzet / dass sie nicht wussten / was sie sagen sollten. Weil
es aber angefangen war / als musste es fort- und hinaus gefuret werden. Demnach
fassete die junge Delbois ein herz / und sagte zu der andern: wie ich sehe / so
nimmet meine geehrteste mume diesen bericht viel anderst auf / als ich vermutet.
Ach Delbois! (fiele ihr die Königin von Tyro in die rede /) nichtes in der welt
hätte mich so sehr betrüben können. Orosmada ist unsrem haus eine rechte
unglücks-brut / eine leichtsinnige und unruh anzustiften geboren / auch so sehr
zu Tyro verachtet / dass ich es für eine sonderbare straffe des himmels halten
muss / dass mein einiger sohn diese hassens-würdige liebt.
    Aus dem / was ich mir (wandte die schöne Delbois hiergegen ein) von ihr
erzählen lassen / so erscheinet /dass sie zu aller der unruhe / die in den
Königreichen Tyro und Sidon entstanden / unschüldig ursach gegeben. Ich halte
auch dafür / diese vereinigung des Tiribaces und der Orosmada konne dazu dienen
/ dass wahres vertrauen zwischen beiden kronen wieder gestiftet werde. Der König
Siphon / (sagte Lantine /) hat wolgefallen an dieser heurat: und wann E. Maj
diesen König / dessen schone tochter / die ruhe beider reiche / und letzlich
ihren sohn / betrachten / will ich hoffen / mein armer bruder werde erlangen /
was er so inständig verlanget. Solte der Prinz Tiribaces (sezte die Königin von
Ninive hinzu /) sonder hofnung gelassen werden / so dorfte der ausgang nicht gut
erfolgen. Er heget nicht eine flüchtige liebe in seinem herzen / die er ohne
schmerzen wieder verlassen könnte / sondern er ist vor langer zeit unter dieses
joch geraten: dass ihm also / zu leben / und die Orosmada nicht zu lieben
/unmüglich sein wird.
    Weil hierzwischen die Konigin von Tyro / an statt zu antworten / nur tieffe
seufzer holete / als befande die Königin von Ninive für ratsam / ihr zu erzählen
/wie diese liebe sich angesponnen / und ihren fortgang gewonnen hatte: worbei
sie dann verschwiege / was sie vermeinte / das dem Prinzen schaden möchte / und
hingegen alles das erhube / was ihme dienlich sein konnte. Die Königin von Tyro
hörete alles ruhig an; wie es aber dahin kame / dass die Konigin von Ninive
erzehlte / wie Orosmada bei ihr schutz suchete / fuhre sie auf / und sagte:
Nimmermehr soll sie den zu Tyro erlangen / und wird mit des Tiribaces jugend
ihme die häftigkeit dieser liebe auch wohl vergehen. Ich will nicht gern /
(antwortete die schöne Delbois) des Amraphel betrübtes beispiel hier anfüren:
allein es dünkt mich / eben dergleichen handel zu sein. Tiribaces ist häftig: er
wird eh alles versuchen / als die Orosmada verlassen. Tiribaces ist unter einem
vatter / (wandte die Konigin von Tyro hierwider ein /) der seines willens ein
herr muss bleiben: Amraphel aber lebete in freiheit / welche seiner liebe die
narung geben kunte. Die liebe / (sagte die Königin von Elam /) sihet weder auf
zwang noch freiheit. E. Maj. bedenken sich wohl. Borgias hat die unruhe des
Prinzen nicht so gross beschreiben konnen / als sie ist. Er ist in warheit des
todes / wo er nicht E. Maj. beistand erlanget. Er hat /bei der weise / (sazte
die Konigin von Ninive hinzu) mich ubel für seine befordererin angenommen / da
meine frau mume sich so unerbittlich gegen mir erzeiget.
    Ach liebste kinder! (gabe die Königin von Tyro zur antwort / sie zugleich
mit beiden armen ümfassend /) wie gern wollte ich nach eurem willen leben / wann
es sein konnte. Orosmada / nutzet uns nicht; Tyrus / kann sie nicht vertragen;
iederman scheuet und fliehet / ihr lästermaul; sie ist gewonet / ihre mutter /
bruder / ja iederman zu belügen: wie sollte sie meiner / und der Prinzessinnen
von Tyro / schonen? O nein! diese pest bleibe aus unserem hause! erbarmet euch
über mich /und stehet mir bei / dass die Orosmada hinweg geschaffet werde.
Tiribaces wird sich schon trösten lassen / wann er die hofnung / sie zu bekommen
/ einmal verlieret. Diese ganz widrige wirkung / so die entdeckung der liebe des
Prinzen von Tyro bei seiner frau mutter gewonnen hatte / trate der Königin von
Ninive / wie auch der Lantine seiner schwester / so nahe ans herz / dass ihnen
beiden deswegen die augen übergingen. Sie fuhren aber fort / an statt dass sie der
Königin von Tyro ansuchen beantworten sollen / ihr anbringen noch eifriger ihr
vorzustellen: richteten aber nichtes aus / und mussten endlich ablassen / weil
der Prinz von Assyrien / neben dem Cimber / Esau / Sinear /Eliphas / Elihu /
Ninias / Hadoran und allen andern grossen / in dass gemach traten / den Königinnen
aufzuwarten.
    Die Königin von Tyro sah sich gleich nach ihrem sohn üm / und weil sie ihn
unter diesen herren nicht fand / auch derentwegen ihn bei der Orosmada zu sein
vermutete / konnte sie kaum ihren unmut verbergen. Doch überwand sie sich / und
auf den ietzigen zustand zu reden kommend / sprachete sie von dem krieg / den
der Konig Beor von Canaan der Königin von Ninive ankünden lassen / und von allen
den ungelegenheiten / die aus dieser unruhe entstehen konten. Der Prinz Baleus /
versprache den beistand des Konigs von Assyrien / seines herr vattern. Der
dapfere Cimber / bote nicht allein seine person zu diesem krieg an / sondern
auch die gewisse hülfe des Königs Marsius seines vettern. Esau beklagte / dass die
krieglast / so ihm selber auf dem hals lage / ihn verhinterte der Königin von
Ninive dissfalls zu dienen. Eliphas hatte einerlei verhinterung mit dem Esau
seinen vatter / diesem kriege beizuwonen. Den Hadoran / forderte sein verhångnis
nach Elam. Elihu / ob schon des krieges unerfahren / bote doch / aus angebornem
mute /der schonen Delbois seine dienste an: und der verliebte Ninias / bezeugte
für allen andern seinen eifer / in diesem kriege seiner Königin aufzudienen.
    Unter solchem gespräche / kame Aramena in das gemach / mit andern ihren
gespielinnen vom Ninivitischen hof / da dann die Konigin von Ninive sagte: diese
Aramena kann ich auch mit unter die helden rächnen / von denen ich beistand zu
erwarten habe. Hierauf erzehlte sie dem Prinzen von Assyrien / auf seinen ablass
/ wie diese Aramena sie / beim einzug in Damasco / von den Leuen errettet / auch
nachgehends / in dem lezten aufstand / dapfer für die Ahalibama gefochten håtte:
woran Baleus sich nicht satt hören kunte. Wie er nun ihr lob deshalben treflich
ausgebreitet / so ihr / in gegenwart der Koniginnen zu beantworten / aus
ehrerbietung nicht anståndig war / gerieten sie ingesamt auf die beide unbekannte
helden /welche neben der Aramena die Leuen erleget hatten /und bezeugte ein
iedes grosse begirde / dieselbige zu kennen.
    In solchem schauete / eine dame vom Tyrischen hof / dem Cimber genau ins
gesichte / fassete ihn endlich bei der hand / fürete ihn zu ihrer Königin / und
sagte: Ich kann nicht anderst denken / als dass dieser Prinz einer von den beiden
sei / der neulich die Leuen erleget; massen ich / weil ich ganz nahe dabei in
einem haus gestanden / sein gesichte nicht aus dem gedächtnis verloren. Solten
wir wohl (sagte hierauf die Konigin von Tyro zu ihme) so glücklich sein / dass wir
einen unserer erlösere gefunden hätten? Cimber / der ohne lügen dieses nicht von
sich wenden kunte / sah die Königin von Ninive an: welche wegen des Abimelech
etwas beängstigt war / dass dessen damalige anwesenheit auch vor den tag kommen
möchte. Ich kann zwar (sagte er) nicht leugnen / dass mich mein Glück mit an das
ort gefüret / da die groste schönheit von der welt in so grosser gefahr ihres
lebens gestanden. Mir ist aber darüm kein sieg zuzuschreiben / weil ich das
wenigste dabei getan / und diese ehre billig einem dapferen mitgesellen / und
gegenwärtiger mutigen Aramena / überlossen muss.
    Eure höflichkeit ist so gross / als eure dapferkeit /(antwortete die Konigin
von Tyro) und erfreut es mich herzlich / dass wir so unvermutlich erfaren / wem
wir der Konigin von Ninive leben zu danken haben. Ihr werdet uns nun auch /
dapferer Prinz! den namen eures mitgesellen offenbaren: weil er dieser tat
halber wohl würdig ist / dass man ihn kenne. Was meinen dapfern mitgesellen
anlanget / (sagte Cimber hierauf) weiss ich seinen namen hier nicht zu sagen:
dannoch kann ich dieses berichten / dass ihme das gröste lob /wann er hier wäre /
gebüren würde. Wie nun also der Cimber ferneres nachfragen von sich abgelehnet
/legte die Königin von Ninive ihre danksagung gegen ihm ab / als wann sie ihn
nun erst für ihren erlöser erkennt hätte. Alle anwesende betrachteten ihn
hierauf /als einen halben gott: da insonderheit der Esau / durch betrachtung
dieser tat / seine hochachtung gegen ihm verdoppelte.
    Weil die Königin von Tyro gern allein sein wollte /und solches dem Prinzen
von Assyrien heimlich zu verstehen gegeben / als machte der / dass die
gesellschaft sich nach und nach verlore. Er für seine person begabe sich nach
dem Stattalter von Syrien / üm mit ihme von gegenwärtigen läuften sich zu
unterreden: welcher / des Prinzen ankunft vor-wissend / die Syrische Fürsten /
so die Babylonische seite hielten / und nicht aus Damasco gewichen waren / in
seinen palast beschieden hatte. Die Königin von Ninive / so ebenfalls die
Stattalterin zu besuchen vorhabens worden war / machte sich auf / als der Prinz
Baleus hinweg war / zu fus dahin zu gehen: so wohl / weil es / wegen der
morgen-küle und des lustigen wegs / ein annemlicher spazirgang war / da man
unter lauter bäumen an den schiffreichen Pharphar ginge / als auch üm desto
heimlicher dahin zu kommen / und weniger aufsehens zu machen / auch die Fürsten
/ neben dem Stattalter / in ihrer wichtigen unterredung nicht zu beunruhigen.
    Der Prinz Cimber bote ihr die hand / sie dahin zu füren / und sagte zu ihr
im fortgehen: habe ich nicht die gröste ursachen von der welt / unwillig darüber
zu sein / dass ich den dapferen helden / den ich hoher als mich selbst liebe /
den unvergleichlichen Abimelech /nicht benennen / noch das seiner grosmut
schüldige lob anhoren sollen.
    Ich weiss gewiss / (antwortete die schöne Königin) dass euer freund / wegen
eurer treuen verschwiegenheit / euch höher wird verbunden sein / als wann ihr
ihm eine ehre / in benennung seiner person / zugezogen hättet: die auch hierinn
euch / mehr als ihm / und allein gebüret. Wie so / gnådigste Königin? (fragte
Cimber /) worinn habe ich mich dapferer / als der Prinz Abimelech / erwiesen?
Darinn / (antwortete die Konigin) dass ihr aus blosser grosmut / und nur einem
freunde zu gefallen / euch in diese gefahr gewaget: worzu Abimelech aus andern
ursachen / die seinem freunde nicht unbekant sind / bewogen worden. Ach! so
vermeinen dann E. Maj. (fragte Cimber nochmals /) dass ich / üm einer so
vollkommenen Königin willen / nicht eben so wohl / als der Philister-Prinz / mich
hätte wagen wollen? Ich traue der grosmut des edlen Cimbers alles zu / (gabe ihm
die Konigin zur antwort /) die man auch in dieser tat gesehen hat: aber darüm
ist euer ruhm grösser / weil ihr diss an einer unbekanten getan / was ein anderer
aus schüldigkeit verrichtet. Ich erkenne diss orts meine schüldigkeit / (sagte
Cimber /) die ja soviel von mir erfordert / als von dem Abimelech: und ich bitte
/ E. Maj wollen gläuben /dass Cimber nicht weniger / als Abimelech / in dero
diensten zu sterben begehret. Dieses gluck / (antwortete die Konigin) bringt
mir mein Prinz zu wegen /und darneben die freude / diesen seinen herzensfreund
hier bei mir zu sehen. Solchen namen / (gabe er zur antwort /) gönnet mir der
edle Abimelech / und erhebet mich dadurch auf die höchste staffel der
glückseligkeit. Diese gluckseligkeit / (sagte Delbois) geniesst er mit / indem
er einen so teuren freund an dem Cimber überkommen. Sein gluck ist gross / (fiel
er ihr in die rede) aber nicht darüm / sondern weil er seine gedanken zu der
vollkomensten schönheit der welt richten darf / die iemals die natur lassen
herfür kommen. Ach Prinz Cimber! (antwortete sie seufzend) er ist ja so wenig
hierinn gluckseelig zu achten / als mir unwürdigem dieses gegebene lob zukommet:
und dieses / dass er mich liebt / verursachet allein sein ungemach. Dieses
ungemach (sagte er / und lächelte dazu) sollte / üm solche belonung / gern die
ganze welt ubernemen: und es ist seine kleine widerwärtigkeit / gegen der grossen
glückseligkeit / die er geniesst / für nichtes zu achten. Weil des Cimbers ruhe
/ (sagte sie) in seines freundes zufriedenheit bestehet / als weiss ich gewiss /
ich werde den Cimber erfreuen / wann ich ihm entdecke / was fur hofnung in
unserer liebe ich iezt entfangen habe. Cimber / ohne zu antworten / erblassete /
und sah die Königin an / welche also fortfuhre: Ich bin los von den
bisher-ausgestangenen verfolgungen / die in der vorgewesenen heurat mit dem
Prinzen meinem bruder mich betroffen. Der König / mein herr vatter / will ihme
iezt die Königin Lantine von Elam zu-ehlichen. Erwäget demnach / mein Prinz! ob
ich nicht hohe ursach habe / fur dieses unverhoffte Glück dem himmel zu danken.
Ihr seit erblasst / und stehet in gedanken! sollte auch wohl euer herz bei dieser
heurat anteil haben / dass ihr die Lantine dem Prinzen von Assyrien nicht
überlassen köntet? Ich beteuere bei dem grossen Gott / (antwortete Cimber /) dass
keine erfreulichere zeitung / als eben diese / mir hätte vorkommen mogen. Was
auch die Konigin von Elam betrifft /werde ich selbige sonder neid in des Baleus
besitzung wissen können. Die Ammonide von Ammon / oder schöne Jaelinde von Salem
/ (sagte die Königin) sind dann vieleicht die jenigen / deren eine an statt der
Konigin von Elam / des edlen Cimbers herz besitzet. Womit habe ich anlass gegeben
/ (fragte Cimber /) dass E. Maj. auf diese gedanken kommen? Weil ich aus allem
euren tun verspüre / (gabe sie zur antwort) dass ihr lieben müsst. Weil mir nun
nicht unwissend ist /in was kundschaft ihr mit diesen beiden gelebet / als habe
ich diese vermutung gefasset: zumal ich auch an diesen Prinzessinnen soviel
vermerke / dass sie euch nicht abhold seien.
    Wann ich leugnen wollte / (sagte Cimber / zugleich einen tiefen seufzer
holend) dass ich liebe / so würde ich der schonsten Konigin der welt die warheit
verheelen. Ammonide und Jaelinde aber / ob sie gleich von mir höchst verehret
werden / sind nicht die jenigen / die mir meine bande haben angeleget. Es wäre
unbillig / (antwortete Delbois /) wann ich nicht auch dessen leben und
begebenheiten wissen sollte / deme alles / was mich betrifft / so wohl bekant ist
/ und werde ich / diese pflicht einer verträulichen freundschaft / dem Prinzen
Cimber mit erstem anfordern. Unmoglich kann dessen liebe anders wohin / als zu
etwas sonderbares / und seiner tugend würdiges / gerichtet sein. Die ich liebe /
(antwortete Cimber /) will nicht leiden noch vergonnen / dass ich meine
herzensqual iemanden eroffne: weswegen ich ihren namen verschweigen muss. Ihre
sonderbare vollkommenheit darf ich gleichfalls nicht beschreiben: sonst wollte
ich E. Maj. dartun / dass ich in meiner liebe nicht zu verdenken sei.
    In solchem gespräche / sahen sie sich ganz nahe bei der Prinzessin Tarasile
/ die der Konigin fur ihren palast entgegen kame / und mit erkennung so grosser
gnad-bezeugung sie entfinge. Weil diese Prinzessin alles so prächtig als
sinnreich in ihrem palast angeordnet hatte / als konnte die Königin von Ninive
nicht unterlassen / alles / was ihr fur augen kame / wohl zu beschauen und zu
bewundern. Sie ward von der Stattalterin in einen saal gefüret / der zugleich
alle sinnen einnemen und ergetzen kunte. Die wånde waren ausgesetzet mit
grünlichtem ganz hell-polirten Jaspis /darzwischen seulen von krystall-stucken
/ungewönlicher grosse und glanzes / stunden. Von allen seiten wehete der wind /
von der kunst also geleitet / zugleich durch viel gitter hinein / die mit
allerhand wolriechenden blumen und kräutern verflochten waren: zwischen denen
dann die luft hinein dringend /und also ihren geruch annemend / den ganzen saal
zugleich kül und wolriechend machete. Die sonnenstralen kamen niemals hinein /
weil an den seiten keine fenster / und allein oben in der hohe am gewölbe eine
öfnung war: durch welche der tag gnugsam hinein fiele / sonder von der hitze
begleitet zu werden. Dieses gewolbe bezierten sonst viel herrliche gemålde: die
soviel mehr bewunderung verursachten / weil selbiger zeit die malerei noch nicht
lang im schwang gewesen / und doch allhier in so grosser mänge zu sehen ware. Die
in diesem saal rund umher an den wänden gestellte bänke / waren künstlich aus
Elfenbein geschnitten / und stunden alle auf überguldten füssen. Der boden / mit
dem hellsten geschliffenen marmor beleget / widerbildete das ganze gemach / als
ein spiegel. An beiden seiten des saals sah man zween brunnen / die ein kaltes
wasser in die hohe warfen / und mit angenemen geplatscher wieder auffingen:
wodurch nicht minder die ohren / als durch dem kostlichen bau /
künstlich-hereingeleitete winde / und den überaus-angenemen geruch / die andere
sinnen ergetzet wurden. Hinter diesem brunnen waren zwei verborgene kleine
zimmer / auch sehr herrlich zugerichtet: darin man schlaffen kunte / und also
das gesäusel des wassers nahe bei sich hatten / den schlaf üm so viel angenemer
zu machen.
    Weil die schöne Königin dieses gebäu nicht gnug bewundern können / zumal es
darin immer / so heis es auch sonst sein mochte / fast eher kalt als kül
bliebe: als erlangte die Stattalterin mit leichter mühe /dass die Konigin sich
erbitten liesse / den ganzen tag daselbst zu verharren. Wie nun / gegen den
mittag /zur malzeit sollte angeschaffet werden / da erschienen /nicht allein der
Prinz Baleus neben dem Stattalter und den Syrischen Fürsten / sondern auch die
Königin Lantine / neben dem Prinzen Tiribaces / auch allen Prinzessinnen und
anwesenden Fürsten die die Stattalterin ingesamt hatte einladen lassen. Nur
allein die Prinzessin Indaride ware ausgeblieben / die der Königin von Tyro
gesellschaft leistete: dann auch dieselbe / ob sie gleich auch etliche male
gebeten worden / sich zu kommen entschuldiget hatte.
    Der so unruhige / als verliebte Tiribaces / suchete alsofort nach seiner
ankunft gelegenheit / die Königin von Ninive zu sprechen: die ihn ersehend /
sich hochlich betrübte / dass sie für ihn nichtes ausgerichtet hatte. Sie wusste
nicht / ob die Königin seine schwester ihme bereits etwas entdecket håtte:
stunde also bei ihr selbst an / ob sie ihn damit betrüben sollte. Wie er nun /
von niemand gehöret zu werden / sie leiss anredete / und hierüm sie befragte /
gabe sie ihm zur antwort: er möchte sich bis nach der malzeit gedulten. Ich spüre
wohl / (sagte er darwider) die Königin meine frau mutter habe nichtes gutes über
mich beschlossen / weil so wenig meine schwester / als E. Maj. mir sagen wollen
/ was sie wissen: dann wäre es gut für mich / sie wurden so gar grausam nicht
sein / mein Glück mir so lang zu verschweigen.
    Hiemit trate die Konigin von Elam zu ihnen / die wohl merkte / wovon ihre
unterredung handelte. Und /aus liebe zu ihrem bruder / nicht für nützlich
haltend /dass man länger verschwiege / was er doch wissen musste: gabe sie anlass /
dass die Königin von Ninive /neben ihr und dem Prinzen / in eines von den kleinen
neben-gemächern gingen. Als sie daselbst eingetretten / wollte ihrer keine
anheben zu reden. Endlich name die Konigin von Ninive das wort / und sagte: Der
Prinz Tiribaces ist so grosmütig / und hat bisher so vieler unsterne in seiner
liebe gewonet / dass ich nicht zweifele / er werde auch diesen ungluck-stoss mit
gleicher standhaftigkeit verschmerzen: da ich ihme sagen muss / dass sich die
Königin von Tyro auf keine weise dazu bequemen will / die Prinzessin Orosmada in
huld zu nemen. O ihr grausame götter! rieffe und fiele ihr hier der Prinz in die
rede) so muss ich dann verloren sein! Ach ja! nun ist es aus mit mir! Orosmada
will nicht länger verziehen / und habe ich kaum diese nacht / da ich / ohne ihr
die antwort zu bringen / bei ihr gewesen / sie dahin bereden konnen / noch heute
zu warten. Hiemit schwiege er still / und sah die beide Koniginnen so wehmütig
an / dass ihr mitleiden dadurch üm ein grosses vermehret wurde.
    Wann nur Orosmada / (finge über eine weile die Lantine an zu reden /) den
schutz der Konigin von Ninive annemen wollte / so gläube ich / dass euch / mein
bruder! noch zu helfen stünde. Wie gerne wollte ich (sagte Delbois /) ihr diesen
schutz geben / wann ich in Ninive wäre. Allhier aber / wann Orosmada sich gleich
dazu entschliessen wollte / dass ich doch schwerlich gläube / dörfte ich für der
Königin von Tyro solches nicht beginnen: und würde sie auch schlechte sicherheit
haben / wann eure frau mutter /wie es wohl scheinet / ihr aufsätzig verbleiben
sollte. Wie glückseelig wåre ich / (finge Tiribaces an / nachdem er sich eine
weile bedacht hatte /) wann ich von der Königin von Ninive so viel hülfe hoffen
dorfte /dass sie selber meine Prinzessin dahin bereden wollte /ihr gelübde nach
der Diana tempel zu verlassen / und bei der Prinzessin von Egypten / biss zu
bässerer zeit /sich aufzuhalten! Wiewol nun die Delbois dieses ansinnen des
Prinzen in bedenken zoge / so liessen doch er und die Lantine nicht ab zu bitten
/ bis sie das jawort aus ihr brachten. Hierauf redten sie ferner ab /dass sie
morgen miteinander in aller frühe nach der Orosmada hinfahren / und ihr zureden
wollten: und zwar dieses so heimlich / dass niemand davon etwas innen würde.
    Diese abrede munterte den Tiribaces ein wenig wieder auf / also dass er sich
zimlich wolgemut erzeigte. Nach der malzeit / und als die tafel hinweg genommen
war / beschlossen sie ingesamt ein spiel anzufangen: weswegen sie sich
verteilten / und ein jeder / wie er konnte / nach seiner zuneigung ihme eine
beisitzerin auswehlete. Zu der Konigin von Ninive / gesellte sich der Cimber.
Der Tiribaces / bliebe bei seiner schwester / der Konigin von Elam. Der Prinz
von Assyrien /name zu sich / aus den gesamten haufen / die Aramena. Esau /
bliebe bei der Ahalibama. Sinear / erwehlte die Ammonide; Eliphas / die
Jaelinde; Hadoran / die Timna; Elihu / die Tarasile; Mamellus / die Dersine;
Ninias / die Iphis; Zophar / die Merone; Hus / die Perseis; und der Nahor / der
Tarasile bruders-sohn / die Siringe. Das spiel aber / womit sie die zeit kürzen
wollten / wurde genant /
                    Die errahtung der verborgenen gedanken:
welches ihnen allen / auser wenigen / wolbekant war. Als sie nun kleine mit
wachs überzogene täfelein bringen lassen / teilte die Königin von Ninive
dieselben unter die dreizehen manns-personen aus / mit erinnerung / dass ieder
seine gedanken darein schreiben sollte. Wie man sich nun beredet / solches
versweise zu verrichten / und ein jeder das seine geschrieben hatte / wurde
einer von der Stattalterin knaben befehligt / diese dreizehen täfelein in ein
gefäss zu werfen / und wohl untereinander zu mengen.
    Hierauf zoge die schone Delbois das erste täfelein heraus: welches sie
unbesehen dem knaben laut abzulesen hingabe / damit sie nicht die schrift
erkennen /und der schreiber verrahten werden mochte. Es verlauteten / aus
demselbigen / folgende reimen:
1. Vergebens liebe ich / und denk umsonst zu enden
mein Leiden / weil ich leb. Solt meine pein sich wenden /
wurd meines freundes qual durch meine ruh entstehn.
Drum / ihm zu lieb / will ich der ruhe mussig gehn.
    Ich weiss wohl nicht / (sagte Delbois /) wem ich dieses zueignen soll: doch
lasset uns auch die andern verlesen hören. Hierauf ermahnte sie die Königin von
Elam / ob sie das andere tåfelein heraus nemen wollte: die dann damit / wie mit
dem vorigen beschehen / verfahrend / dem knaben folgendes zu lesen gabe.
2. Dorft ich / was ich gedenk hier ungescheuet sagen:
ach wie wurd ich so recht die schonste doch anklagen /
dass sie nicht sehen will / was mich so sehr gebeugt:
die jedem / auser mir / viel gnaden-blicke zeigt.
    Meines will ich wohl errahten / (sagte die Konigin von Elam / mit einem
annemlichen lächlen) und bin versichert / dass mir meine gedanken nicht fehlen
sollen. Hierauf traffe die reihe / die Prinzessin Ammonide: welche das dritte
heraus zoge / und auf demselben folgende zeilen:
3. Die meiste lebens zeit / ist hoffen und gedenken.
Ein ståtigs hoffen ist ein unaufhorlichs krånken.
So lang mein wolergehn ich nur alleine weiss:
so lang in meinem sinn ich noch nicht glucklich heiss.
    Mir soll es auch nicht schwer werden / (erwähnte die Ammonide /) den dichter
dieser reimen zu errahten. Worauf Ahalibama das vierte herfür zoge / dessen
schrift also lautete.
4. Mein denken mich verwirrt. Ich lieb' an zweien orten:
hier lieb' ich eine schon' / und dreie lieb' ich dorten.
Doch denk ich / diese hier / der ich am nåchsten bin /
wird wohl den grösten teil des herzens nemen hin.
    Als Ahalibama sagte / wiedass sie dieses nimmermehr erraten könnte / versezte
die schöne Delbois: sie wollte gern / wann sie dörfte / mit dieser Prinzessin
tauschen; weil ihr / diesen dichter zu finden / nicht so schwer / als bei ihrem
erhobenen täfelein / ankommen sollte. Worauf Jaelinde dem knaben das fümfte
überreichete / welches er dieses innhalts vorlase.
5. Wann / dass wir menschen sind / wir wissen / weil wir denken /
bin ich kein mensch: ich denk an nichts / und weiss zu lenken
mein herz in stille ruh. Was allen hier gebricht /
die in der liebe stehn / dasselbe fehlt mir nicht.
    Der dieses geschrieben / (sagte Jaelinde) ist wohl für glücklich zu achten:
doch weiss ich nicht / welchen ich so seelig benennen soll. Tarasile ergriffe
hierauf das fünfte / welches also lautete.
6. Es liget an der zeit / wann uns die lieb soll binden;
und liget bloss am gluck / ein gunstigs herz zu finden.
Wie nun zu meiner qual sich mir die schone zeigt:
so dient zu meiner ruh / die hofnung / die mich neigt.
    Wann es bei meiner wahl stehet / (sagte Tarasile) will ich mich schon bei
dem rechten anmelden. Hiemit langte die Timna das siebende herfür / da man durch
den knaben folgendes vername.
7. Im schauen nur beruht / was mir kann ruhe bringen:
dann weiter darf ich nicht in mein vergnugen dringen.
Ich tadle / was ich tu. Drum zwing ich meinen sinn:
dass / ubermeistert auch / ich dennoch meister bin.
    Mir will schwer fallen / dieses auszudenken: (sagte die Timna /) und der also
seiner sinnen meister ist /wird sich wissen zu bergen / dass ich ihn nicht werde
errahten können. Perseis hatte immittels das achte täfelein heraus genommen /
welches diesen inhalt brachte.
8. Wann ohne lieben kont der erdenkreis bestehen:
wie wird man mancher sorg und unruh müssig gehen.
Den grosten zank und streit richt ja das lieben an:
das so ein ubel ist / das man nicht hassen kann.
    Ich will bei meines gleichen von jahren bleiben /(liesse die Perseis sich
vernemen /) so kann ich hoffen /nicht in straffe zu kommen. Aramena liesse hierauf
folgende zeilen / aus dem neunten von ihr erhobenen täfelein / ablesen.
9. Die schöne / die ich lieb / ist iezt allhier zu gegen.
Und / sonder dass bei ihr diss konnte zorn erregen /
entdeck ich ohne scheu / wer diese schone ist:
die Aramena / die hat mein gemut erkiest.
    Die ganze gesellschaft hube hierüber an zu lachen /die Aramena ansehend /
und ihr glückwünschend /dass sie also wohl gehoben hatte. Sie aber bliebe ganz
unverändert / und sagte scherzweis: sie wollte dem jenigen diese
liebes-entdeckung zuschreiben / der ihr am bästen in der gesellschaft gefallen
würde. Dersine ergriffe hierauf das zehende / dessen schrift also lautete.
10. Ich denk / und quåle mich: mocht die / der ich ergeben /
in einem hohern stand zu meiner ruhe leben!
doch wår sie dann / wie nun / so grausam streng / als schon:
wurd ich mein leiden ja mehr als verdoppelt sehn.
    Inzwischen die andern nachdachten / wer dieses wohl möchte geschrieben haben
/ langte die Iphis das eilfte täfelein hervor / darin sich folgende reimen
befande:
11. Wann schier das schiff im port / und fästen anker fasset;
doch von der winde wut so grausam wird gehasset /
dass reist der anker ab: so fält die hofnung hin /
man fåhrt ohn gluck. Wie ich auch nun gewärtig bin.
    Es verstehen sich / (sagte Iphis) die wenigsten alhier / auf die schiffart:
darüm hoffe ich in meinem urteil nicht fehl zu schlagen. Merone name hierauf das
zwolfte heraus / welches also redete.
12. Mein denken ist so viel / dass / wer es wolt errahten /
gar müste gottlich sein. Es kommet mir zu statten /
dass niemand sehen kann / was mir im herzen schwebt /
das in mir leid und freud / unruh und ruh erhebt.
    Ich werde billig / (sagte Merone) wann ich schon dieses nicht errahte /
strafflos erkant werden. Indem erhobe ihre gespielin / die Siringe / das lezte
täfelein /darin der knab diese zeilen fand:
13. Wer leid und freude kann zu rechter zeit verheelen:
der denkt / wann er hat zeit / was ihm sein herz kann quålen.
Bei freuden freudig sein / ist eine edle kunst.
Wer seinen sinn so zwingt / erriegnet aller gunst.
    Wie nun also die täfelein alle gehoben und abgelesen waren / da musste der
knab die schriften ausleschen. Darnächst bedachte sich das såmtliche
frauenzimmer ein wenig / auf wen ein iede rahten sollte: da dann die schöne
Königin von Ninive endlich den Elihu auswehlte / ihme / in folgenden reimen /
die antwort auf die verse / die sie aus den gefåss gehoben hatte / zu
überschreiben.
1. Hofft immer / in gedult! wer weiss / was der gedenket /
der alles / wie er will / nach seinem rahte lenket?
Nach verfärtigung dieser reimen / sagte sie: nachdem ich mich lang bedacht / kann
ich nicht finden / wer sonst in dieser gesellschaft einen freund haben sollte
/der ihm sein Glück verwehre / als der Fürst von Ram. Weil mir dessen liebe und
freundschaft zu zweien nunmehr-verheurateten personen nicht unbekant ist /als
übergebe ich ihm diese antwort / die er / ob sie ihm zugehöret / am bästen sagen
kann. Elihu / der tausendmal bei ihm selbst gewünschet / dass er möchte recht
gewehlet werden / name das täfelein mit tiefer ehrerbietung an / und sagte: Es
ist mir leid / dass ich nicht den trost annemen darf / den E. Maj. mir geben
/weil ich dieses täfelein nicht überschrieben habe; und muss ich deswegen so
unglücklich als verwegen sein /E. Maj. in straffe zu setzen. Weil ich dann
gefehlet /(antwortete diese Königin) so will ich das verlorne pfand geben. Damit
lösete sie einen armband ab / und stellete solchen dem fürsten Husan von Chesed
zu /der nicht mitgespielet hatte: welcher diese und die nachfolgende pfande / in
das vorige gefäss legete.
    Die Königin von Elam / hatte inzwischen diese reimen geschrieben.
2. Weil ihr von liebe blind: so wolt ihr nicht gestehn /
dass / die ihr liebt / euch kont / wann sie nur wollte / sehn.
Das täfelein / wurde hierauf von ihr dem Ninias uberreicht. Weil nun das spiel
mit sich brachte / dass der /so getroffen / es bekennen musste / als dorfte es der
Ninias nicht verlaugnen. Demnach gabe er ein pfand /und sagte zu der Lantine /
die Königin von Ninive zugleich gar verliebt anschauend: Meine gedanken habe ich
nicht so wohl zu bergen gewust / dass sie hätten können unerrahten verbleiben.
    Ammonide gabe hier auf das ihrige dem Hadoran /auf welchem sie ihm diese
antwort erteilet:
3. Was eurem glucke fehlt / kein ungluck ist zu nennen.
Dass ihr kein leiden fuhlt / gebt ihr gnug zu erkennen.
    Ich bin getroffen! sagte Hadoran / zugleich die Ammonide anlächlend / und
das verlorne pfand dem Fürsten von Chesed zustellend.
    Ahalibama wollte hierauf ihr täfelein dem Prinzen von Assyrien überreichen:
aber die Konigin von Ninive raunte ihr in das ohr / dass sie den Fürsten von Edom
wählen sollte. Diesem nachkommend / gabe sie ihm diese reimen zu lesen.
4. Ihr / der ihr viere liebt / wisst nicht / was lieben heist.
Die liebe teilt sich nicht. Kein band ist das / so reisst.
Der Fürst von Edom bekennte / dass er getroffen worden / und zeigte sich sehr
frölich / dass Ahalibama auf ihn gewehlet / sagte auch heimlich zu ihr: ob zwar
mein sinn in allem der schonen Ahalibama sich soll gleichförmig stellen / so muss
ich doch sagen / dass ich mich unterstehen wollte zu behaubten / dass die liebe
/ohne verlierung ihrer wirkung / sich teilen lasse.
    Ahalibama liesse dieses unbeantwortet / und nachdem der Esau sein pfand von
sich gegeben / stellete Jaelinde dem Stattalter von Syrien ihre tafel zu /
darein sie nachfolgendes geschrieben hatte:
5. Wie seelig preiss ich euch / dass ihr so wahre ruh
entpfindte in dem siñ / die wenigen komt zu.
    Ob gleich mein alter / (sagte Mamellus /) mich der unruhigen liebesgedanken
überheben sollte / so muss ich doch sagen / dass die Prinzessin von Caphtor nicht
recht auf mich gewehlet / und also / ein pfand zu geben / schüldig sei. Jaelinde
losete damit ein band von ihrer kleidung / welches der Husan zu sich name.
    Die reihe war nun an der Tarasile / welche mit lachendem mund sagte: Ich
will meinen Vettern wählen / ob ich es vielleicht möchte getroffen haben. Damit
überreichte sie ihr täfelein dem Sinear / der darin folgende reimen lase.
6. Wann ihr beståndig liebt: so hoffet nur daneben /
dass ich den dritten man zu eurer ruh will geben.
Sinear / der sie allein verstunde / neigte sich tief für ihr / und bekannte / dass
sie recht gewehlet / zugleich das pfand abstattend.
    Die Timna hatte inzwischen zeit gewonnen / ihre reimen aufzusetzen / die
also lauteten.
7. Die augen leben frei: schaut hin / wohin ihr kont!
Steht lieben nur im aug: so wird es euch gegont.
Hiemit gabe sie das täfelein / dem alten Fürsten Hus: worüber die ganze
gesellschaft zu lachen begunte. Er aber sagte: Schälkin! ihr habt ein pfand
verloren /weil ihr meine schrift nicht errahten. Damit name er ihr selber einen
dünnen schleier ab / der ihr das haar bedeckte / welchen er dem Husan
zustellete.
    Die Perseis / welche hierauf die reihe traffe / hatte diese reimen
aufgesetzet / die sie dem Eliphas zustellete.
8. Hått ihr nicht långst geliebt / wär mancher streit verblieben.
Doch weiss ich / dass ihr müst dennoch diss ubel lieben.
Ich bin (sagte Eliphas) ungetroffen! wird also die Fürstin / ein pfand zu geben
/ ihr gefallen lassen. Perseis warfe damit einen ring in das gefäss / welches der
Fürst von Chesed hielte.
    Nunmehr musste Aramena wählen / die schriebe in das täfelein / folgende
reimen.
9. Die liebe ist geheim: sie birgt sich / wie sie kann.
So seit ihr nicht verliebt: so nem' ich euch dann an.
Dieses überreichte sie den Cimber / mit so freien gebården / dass jederman sehen
konnte / dass sie scherzete. Cimber aber sagte: Ich muss bekennen / dass mich
niemals ein spiel also in unordnung gebracht habe. Ich darf der schonen Aramena
nicht beifall geben / wann ich nicht wider das recht des spiels handeln will.
Dannoch stehet mir nicht an / zu sagen / Aramena habe sich etwas unrechtes
eingebildet. Also bin ich in zweifel / was ich tun soll / und muss ich E. Maj.
(dieses sagend / kehrete er sich zu der Delbois /) üm erlaubnis bitten / dass ich
sagen möge / ich habe das täfelein überschrieben / welches die Aramena bekommen:
damit ich / ihr zu widersprechen / moge überhoben bleiben. Das recht des spiels
/ (antwortete die Königin von Ninive /) muss seinen lauf behalten: und weil
dieses meiner Aramena mislungen / als muss sie die gebürende straffe hergeben /
und ihren aufwärter unter den anderen suchen lernen. Wäre Dison zu gegen /
(antwortete Aramena) wollte ich nicht so vergeblich gewehlet haben. Damit zoge
sie einen rubin vom finger / welchen sie in das gefäss warfe. Baleus /der alles
ihr tun genau betrachtete / entfunde bei sich eine eifersucht / sowol gegen dem
Cimber / als gegen diesem genanten Dison: und wie er derjenige gewesen war / der
von ihr und seiner liebe diese reimen geschrieben / als hätte er auch wohl mögen
wünschen /dass er von ihr wäre erwehlet worden.
    Es war nun die reihe an der Dersine / die das verrichtete / wessen der Prinz
von Assyrien von der Aramena war gewärtig gewesen / und ihme ihr täfelein
überreichte / auf welches sie folgende reimen geschrieben hatte:
10. Die lieb macht alles gleich / kein stand ihr widersteht.
Sie sorgt mehr / was das herz / als was die wurd' angeht.
Mich kränket / (sagte der Prinz /) dass ich dieses nicht annemen darf / das mir /
meinem sinne nach / so gute lehre gibet. Ich muss ja die Fürstin Dersine in die
straffe mahnen / weil ich nicht getroffen worden.
    Nachdem hierauf Dersine eine halsspange zum pfand gegeben / überreichte die
Iphis dem Prinzen von Tyro ihre schrift / die also lautete:
11. Die hoffnung hoffet ståts / da schier nichts ist zu hoffen.
Schwebt noch das schiff: wolan! es ist noch nicht ersoffen.
Ich will gern ein pfand geben / (sagte Tiribaces /) dann die Iphis meine schrift
errahten / und anbei mich wohl getrostet hat.
    Merone gabe hierauf dem Cimber / ob er gleich von der Aramena schon einmal
gewehlet worden /ihre reimen / die also hiessen.
12. Gedanken bleiben frei / sie geben keinen zoll.
Doch heisch ich den von euch / wann ich gerahten wohl.
Meine schrift / (sagte Cimber /) ist schon längst vorbei gewesen / und muss also
die angeneme Merone den zoll für mich erlegen. Also lieferte Merone in das gefäss
eine ohrenspange / den gesetzen des spiels ein gnügen zu leisten.
    Ihre gespielin Siringe / überreichte hierauf dem Nahor die lezte schrift /
in diese reimen verfasset.
13. Wann man / was ihr gedenkt / glaubwurdig soll annemen:
so stellt das seufzen ein / und bergt mehr euer gråmen.
Weil ich solches zu bergen / (sagte Nahor /) allzu ungeschickt bin / als hätte
die verständige Siringe auch bässer urteilen sollen / dass ich nicht der dichter
sei derjenigen schrift / die sie zuvor erhoben hat. Dieses pfand / (antwortete
Siringe / zugleich einen gürtel /den sie abgespannet / in das gefäss legend /)
soll meinen fehler bezahlen.
    Hierauf musste der Fürst von Chesed / der alle pfande gesamlet / und die in
zween teile / für das frauenzimmer und die manns personen / gesondert hatte /die
ümfrage halten / was zu einlosung der pfande / die person / deren das pfand
zukame / tun sollte? Als er nun verborgen eines heraus gezogen / wurde der Prinz
von Assyrien zu erst befraget / als welcher frei und sonder straffe davon
gekommen war / der sagte: Ich will / dass die person / deren das pfand gehöret /
uns öffentlich den namen ihres geliebten benenne. Das wird die Aramena treffen:
sagte Husan / und zoge damit den rubin herfür. Baleus / ganz begierig zu
vernemen / wen diese schöne nennen würde / vername /dass sie / für der Königin
von Ninive nieder kniehend /in diese worte heraus brache: Ich kann mit dem
höchsten himmel beteuren / dass ich in der welt nichtes so häftig / als meine
Königin / liebe. Das gilt nicht! (sagte Baleus /) ihr müsst / schöne Aramena!
iemanden aus unserem geschlechte wählen. So will ich dann / (wiederholte sie) üm
mein pfand zurück zu bekommen / auch darin gehorchen / und also bekennen: dass
mir unter allen mannspersonen keiner näher und lieber ist / als einer / namens
Dison. Doch soll mich /weder er / noch iemand anderer davon abbringen / die tage
meines lebens in den diensten meiner Königin zu verbleiben. Aramena bekame damit
ihr pfand wieder: aber dem Prinzen von Assyrien gefiele diese ihre erklärung gar
nicht / und fülete er in sich eine wütende eiversucht / gegen diesem glücklichen
Dison / welchen Aramena nun zum zweitenmal ihren liebhaber genennet hatte.
    Cimber wurde hierauf befraget; welcher der jenigen / deren das pfand sein
würde / auferlegte / sie sollte ihr lassen gefallen / zu sagen: ob sie lieber
wollte / dass sie ohne ihr wissen heimlich geliebt würde / oder ob sie solches /
zu ihrer nachricht / lieber wissen möchte? Wie nun der Husan der Königin von
Ninive armband heraus gezogen / sagte sie: ob ich wohl beides nicht begehre / dass
nåmlich jemand mich liebe / und ich solches wisse / so will ich dennoch / wann
ich wählen muss / es lieber nicht wissen und geschehen lassen /als kundschaft
davon haben / und es nicht verwehren können.
    Nachdem Husan hierauf der schönen Königin ihr armband überreichet / fragte
er den Eliphas: was er wollte von der getan haben / deren pfand er iezt würde
hervor bringen? Sie soll / (sagte Eliphas) mit verbundenen augen / eine person
aus unserem mittel ergreifen und dieselbe mit namen nennen / oder gehalten sein
/ derselben ihr gröstes geheimnis zu entdecken. So bin ich hierzu verdammet!
sagte Timna / wie sie sah / dass der Husan ihren flor herfürzoge. Demnach liesse
sie ihr von der Iphis die augen verbinden /und also im kreise ümher gehend /
kame sie zu dem Esau / befühlte denselben und rieffe: Ich habe den Eliphas!
Nein! (antwortete Esau /) ihr irret euch. Weil sie nun / üm dass sie nicht recht
gerahten / ihm ihr geheimnis entdecken musste / als bückte sie sich also
blindlings zu seinen ohren / verfehlte aber derselben /und raunte der Ahalibama
/ die bei dem Esau sasse /heimlich ins ohr / vermeinend / sie spreche mit ihrem
schwiegervatter: Eure gehorsame tochter befindet sich schwanger. Ahalibama wurde
hierüber so roht / als ein feuer: Esau aber / ob er gleich nichtes hiervon
gehöret / begunte wegen ihres begangenen irrtums laut zu lachen. Timna / nachdem
sie hierauf den flor von den augen gezogen / und ihren fehler wargenommen /ware
froh / dass sie ihrer Ahalibama etwas vertrauet /das sie sonsten so heimlich
hielte / und sagte ferner leise zu ihr: Entsetze dich hierüber nicht / was ich
dir zu vertrauen bisher noch nicht zeit gehabt. Ahalibama antwortete ihr / eben
so heimlich / aber mit einem sonderbaren verächtlichen misfallen: behalte nur
/Timna / deine geheimnise für dich selber / die mir gar nicht anstehen zu
wissen. Diese antwort / machte die Timna sehr bestürzt wieder nach ihrer stelle
gehen.
    Elihu sollte nun eine straffe wählen: der befahle /dass die jenige / so ihr
pfand einzulösen håtte / etliche reimen der Königin von Ninive zu ehren hersagen
sollte. Dieses traffe die Merone / welche zur antwort gabe: Sie wüste noch
etliche reimen / die ehmals auf ihre Königin wären gemacht worden / wann sie die
für die ihrigen ausgeben dorfte. Wie ihr nun solches erlaubet worden /
wiederholte sie dieselben / dieses innhalts:
Du himlisch wunderbild! solt es wohl konnen sein /
dass die verweslichkeit dich jemals müst besiegen?
O nein! was himlisch ist / das schwingt sich himmel-ein:
Was irdisch ist / dass muss in seinem nichts erligen.
    Nachdem hierauf Merone ihr pfand zu sich genommen / legte Mamellus der
jenigen auf / die es nun treffen würde / ein råtzel zu errahte: welches er der
Perseis / deren pfand herfürkame / in folgende reimen aufgabe.
Zween freunde / eines sinns / aus einer herberg sehen /
doch selbst einander nie. Verräterlich sie gehen
mit ihrem gastwirt um: die groste heimlichkeit
entdecken sie. Doch ist auch ihre treu bereit /
zu huten für sein heil. Die bulen brief sie tragen /
zur liebsten hin: der sie / ob sie schon stum / viel sagen.
Es werden wohl hiemit / (sagte Perseis /) die augen gemeiner sein / auf die man
alle erzehlte eigenschaften dieser beiden freunde deuten kann. Es ist errahten
/gabe der Stattalter zur antwort: und name diese Furstin damit ihr pfand
zurucke.
    Der Fürst Hus ordnete ferner / dass die / deren pfand nun herfur komen würde
/ ein lied singen sollte. Dieses betraffe die Prinzessin Jaelinde: welche sich
zwar lang weigerte / aber auf zureden der andern endlich einwilligte / und mit
sonderbarer annemlichkeit sich folgenden innhalts horen liesse.
Ich wunsch den tod:
weil der mir ruh kann geben.
Was nutzet mir diss leben?
Ein schnoder koht
wird alles / was ich habe.
Des glückes bäste gabe /
ist qual und noht.
Wie lang bestehn /
der zarten jugend stralen?
Wie stolzer blumen pralen /
die bald vergehn.
Auf sonnenschein / folgt regen.
Die ehre muss sich legen /
und untergehn.
Was hat bestand?
heut lacht man / bald man weint
bald reich / bald arm mã scheint.
Ein kinder tand
ist das / so uns behaget.
Hingegen / was uns plaget /
hält fästen stand.
Drum nur der tod
kann freuen und erlaben:
mit dem kann ich haben
die ruh in Gott.
Ein ander mag ihn scheuen:
mich soll allståts erfreuen /
der friedens-bot.
Das ist gar zu geistlich / (sagte der Fürste Hus /) für die schöne Jaelinde. Der
tod muss / bei so frischer jugend / sich noch nicht einstellen: wohl aber bei
meines gleichen / die wir der welt schon halb abgestorben sind. Weder die jugend
/ noch das alter / (gabe Jaelinde zur antwort) kann einem die lust zum sterben
mehren oder mindern.
    Ihr vergesset zusammen / (fiele ihr Mamellus ins wort /) dass wir spielen /
und nicht ernstliche dinge fürhaben. Damit winkete er dem Nahor / dass er der
Siringe / für wieder einlösung ihres pfandes / etwas aufgeben sollte. Diss wollte
er iezt eben tun / als unversehens ein grosses geräusche auf der gassen
entstunde / welches allerseits / weil sie dergleichen unlängst mit gefahr
vernommen hatten / in schrecken setzete. Mamellus / Zophar / Hus / Nahor / Husan
und Elihu eileten hinaus / die ursach zu vernemen. Wie sie an das tor des
palastes gekommen / sahen sie viel volk laufen / die den namen Aramena freudig
und einhällig nanten. Als nun des Husans dienere / etliche von diesen leuten /
für den Stattalter und die Syrische Fürste gebracht / sagten selbige zu diesen
/ohne den Mamellus anzusehen: Unsere Erbkönigin Aramena ist gefunden / und die
Canaaniter / die uns bekriegen wollen / sind iezt beschäftigt / dieselbe auf
ihren vätterlichen tron zu setzen. Es sind Cananitische gesandten / die der
Prinz Hemor abgeordnet /unter unserem Stadtor / die diese freudenzeitung
unseren eltesten anbringen. Auf dann / ihr Fürsten! eilet mit uns dahin / dieses
aus ihrem munde selber zu vernemen. Hiemit liefen sie / als unsinnig / wieder
davon / und hinterliessen den Mamellus samt den Syrischen Fürsten in grosser
bestürzung / wiewol aus unterschiedenen regungen.
    Indem kame unvermutet / der Tarsis Fürst von Sepharvaim / von dem Salma /
dem Hadat des Prinzen Hemors waffenträger / und dem Elhanan / dem sohn des
Fürsten Hus / begleitet. Der Tarsis / nachdem er den verwirrten Stattalter /
und den Husan seiner mutter brudern / begrüsset / gienge mit ihnen in den saal
/da die Koniginnen neben den andern / in hochster begierde / die ursach dieses
auflaufs zu vernemen / sich befanden. Die ankunft dieses Fürsten / der über ein
vierteljahr ausheimig gewesen war / erfreute die Königin von Ninive / weil sie
viel von ihm hielte: aber die bestürzung / wegen der mit-ankommenden / verwehrte
ihr / ihm ihre freude zu bezeugen. Als sie den erblasten Prinzen Mamellus fragte
/ was diss bedeute? bekame sie diese antwort: Ob ich wohl schon mehr als zuviel
weiss / so weiss ich doch nichtes; und E. Maj. wollen mir erlauben / mit dem
waffenträger des Prinzen von Canaan mich in geheim zu bereden / der vermutlich
den schlüssel dieses rätzels bei sich haben wird. Hiemit ihrer antwort
unerwartet / ginge er mit dem Salma hinaus / und sah die Königin die Fürsten
von Syrien mit dem Elhanan gar ämsig sprechen: daher ihre begierde noch mehr
zuname / hiervon etwas zu erfahren.
    Der Tarsis / solches merkend / sagte zu ihr: Ich sehe / dass E. Maj. unruhig
sind über dem / was sich iezt hier begibet: es wird aber niemand / als ich / E.
Maj. hiervon båssern bericht geben können. Wie er nun zu reden fortfahren wollte
/ wurde die Stattalterin / neben dem Sinear / zu dem Mamellus zukommen /eiligst
abgefordert / da dann die Syrische Fürsten auch hinaus giengen. Die Königin
Delbois / sagte hierauf zu den andern / die üm sie waren: Mir zweifelt nicht
/ihr werdet ingesamt mit mir gleiche begierde haben /zu wissen / was diesen
aufstand verursachet. Weil nun der Fürst von Sepharvaim alles weiss / so wollen
wir uns setzen / und ihme zuhören. Wie nun die ganze gesellschaft ihr solches
gefallen lassen / und der Tarsis die Königin von Elam / wie auch die Prinzen
von Assyrien und Tyro neben den andern / fürnemlich aber die Ahalibama /
begrüsset hatte / musste er sich /auf befehl seiner Königin / mit in den kreis
setzen: da er also anhube zu reden.
    Ehe ich meinen durchleuchtigsten zuhörern alles mit ümständen erzehle / muss
ich den inhalt meines berichts zuvor mit kurzen worten fassen / und sagen:
wiedass des Stattalters von Syrien tochter / die schone Aramena / fur die
Erbkönigin von Syrien erkant / und neben dem Prinzen Hemor von Canaan /ihrem
gemal / im anzug ist / ihr våtterliches reich einzunemen. O ihr gotter! (konnte
Ahalibama sich nicht entalten zu ruffen) was höre ich von meiner Aramena?
Baleus / deme dieser bericht billig mehr bestürzung als allen den andern brachte
/ weil hierdurch das reich Syrien von dem Babylonischen abkomen würde /
erwartete ängstig / wie der Tarsis diese zeitung ferner erklären mochte. Mein
vermuten / (fuhre dieser fort zu reden /) hat mich nicht betrogen / dass nämlich
/ mein vorbericht von der neu-erkannten Königin von Syrien / grosse bestürzung
verursachen würde. Es wird auch dieselbige sich nicht verringern / wann ich nun
ferner den ganzen verlauf erzählen werde. Ich muss aber / üm mich verständlich zu
machen / zuvor das jenige berichten / was mir / seit dass ich vom Ninivitischen
hof abgewesen / begegnet ist.
    Als meine gnådigste Konigin / hieher zu reisen / im werk begriffen ware /
und mir / ins land Canaan eine reise zu tun / erlaubte / fand ich zu Camon /
den Prinzen Hemor / mit des Mamellus vermeinter tochter der Aramena: welche /
mit der Fürstin von Naema und dem Tebah / nach Debes zu ihrem angesetzeten
beilager / reiseten. Ich erfuhre / von dieser Prinzessin / ihren widerwillen
gegen den Hemor: weswegen ich /so wohl aus erbarmung / als von ihrer schonheit
überwunden / sehr bemühet war / sie aus dessen hånden zu befreien. Nachdem ich
zu unterschiedenen malen mich vergebens hierunter bemühet / brachte ich es
endlich zu Salem so weit / dass ich unfehlbar die Aramena würde erlöset haben:
wann nicht diese schöne /ohne dass man die ümstände erfahren konnen / neben der
Prinzessin von Seir hierzugegen / heimlich hinweggekommen wåre. Ich muss gestehen
/ weil es nicht mehr notig ist / meine liebe geheim zu halten / dass der verlust
dieser Prinzessin mich in ungemeines trauren gesetzet. Als ich nun / ganz
unschlüssig / was ich beginnen sollte / etliche tage in Salem unbekant / wie ich
allemal gewesen / zugebracht hatte / erfuhre ich von meinem waffenträger den
Hadat / dem es sein bruder / der bei dem Hemor im diensten ist / entdecket hat /
dass der Prinz Hemor / neben dem Elon und Aner / wegen der Aramena nach
Hierapolis reisen würde. Demnach fassete ich alsofort den schluss / verborgener
weise in des Sichemitischen Prinzen gesellschaft mit fortzuziehen. Ich hatte bei
mir vier personen / deren treue und fleisses ich versichert war: die mussten mit
dem Hemor reisen / aber einer von ihnen immer in der herberge zurück bleiben /
und mir / der ich immer eine tagreise hernach folgete / von allen nachricht
geben / was der Hemor beginnen / oder wohin er seinen weg nemen würde.
    Solcher gestalt kame ich / einen tag nach ihme / in Hierapolis: da ich dann
bei dem Fürsten Cyniras /dem sohne des Fürsten von Jedlaph / mich anmeldete.
Dieser ginge mir nicht allein / wegen der alten kentnis / in allem an die hand /
dass ich konnte verborgen bleiben / sondern er offenbarte mir auch alles / was man
mit den Syrischen stånden handelte. Solches ware nun / dass der alte Tebah den
Syrischen Fursten entdeckete / was massen die Konigin Philominda von Syrien
ihrem herrn / dem unglücklichen Konig Aramenes /nach seinem tode / in der
Stattalterin von Syrien wonung zu Reblate / eine tochter geboren hätte: die er
/neben der Fürstin Calaride / nachmals fur des Mamellus und der Tarasile
tochter ausgegeben / deren rechte tochter aber / die erstlich Mlicaride / nun
aber auch Aramena genant worden / an statt der rechten Prinzessin Aramena / in
den tempel nach Ninive / dahin der Stattalter diese Syrische kron-erbin / alle
gefahr und unruhe abzuwenden / heimlich widmen wollen / gebracht hätte. Der
Tebah / weil er sonsten glaubhaft war / bewiese solches mit so vielen gründen /
dass die Syrische Fürsten seinen worten trauen mussten: zumal ihnen allerseits /
des Tebah ungemeine treu gegen seinem gewesenen Syrischen Konig / zur gnüge
bekant war.
    Diese unverhoffte nachricht von einer noch überbliebenen Königlichen erbin
von Syrien / vermehrete meine ehrsucht / verminderte aber dabei nichtes meine
liebe. Ich gedachte / weil ich ein halber Syrer bin / ich würde so wohl / als der
ungeliebte Hemor / die schöne Aramena samt dem Syrischen tron begehren dörfen:
wiewol / meine pflicht gegen meine gnådigste Konigin und gegen das Assyrische
haus / mir zum oftern den muht wieder bename. Ich stellte mir zwar für /wie
dieses mein beginnen strafwürdig / und dem Babylonischen reich nachteilig wäre:
aber die liebe konnte mir alles entschüldigen / die mich ferner antriebe /dem
Hemor auf der reise nach Ninive zu folgen / da er seine Aramena in der Diana
tempel suchen / ihre Konigliche geburt ihr entdecken / und dadurch so wohl bei
ihr / als bei der Celia erlangen wollte / dass sie den tempel üm den tron
verlassen möchte.
    Wie ich nun also / etliche tagreisen / dem Prinzen von Canaan nachgefolget /
kame eines tags / an den Mesopotamischen gränzen / einer meiner treuen dienere /
der mit dem Hemor / wie erwehnet / furangezogen ware / erfreut mir entgegen /
und brachte mir die zeitung: wiedass der Prinz die vorige nacht in der herberge
nachricht erhalten / dass die Aramena daselbst durchgereiset wäre / weil sie dem
wirt ein kleinod verkaufet / welches der Prinz ehmals bei ihr gesehen hatte. Wer
war fröher als ich / auf diese zeitung? demnach eilete ich / so geschwind ich
kunte / dieses von dem wirte selber zu vernemen. Ich kame in das wirtshaus gegen
den mittag / als der Hemor mit den Canaanitern selbiges am morgen verlassen
hatte: da mir dann der wirt ümständlich erzehlte / wiedass zwo damen bei ihm
gewesen wären / die ein kleinod verkaufet / und von dar nach Haran ihren weg
genommen. Weil diss die richtige strasse nach Ninive ist / als zweifelte ich nun
ganz nicht mehr / dass wir in Ninive finden würden / was wir sucheten.
    Weil uns nun die fliegende liebe forttriebe / als erreichten wir bald dieses
reich und die Konigliche stadt. Hemor kehrete heimlich bei einem kaufman ein /
der nicht weit von dem Diana-tempel seine wonung hatte. Ich für meine person
wollte mich dem Oberstattalter / meinen herr vattern / nicht kund geben / üm
nicht gehalten zu sein / einen erdichteten vorwand meiner reise von mir zu
sagen. Ich bliebe nahe bei des Hemors wonung / da ich ein kleines haus geheuret:
in welchen ich ganz verborgen lebte / und auf des Hemors anschläge ein wachsames
aug hielte. Der Prinz fassete / nach langem überlegen / endlich diesen /schluss /
sowol an die Celia / als an die Aramena zu schreiben: von dieser / auf solche
eröfnung ihrer Königlichen geburt / die hofnung schopfend / dass sie ihm folgen
würde / weil keine Erbkonigin an dieses gelübde gebunden ist / sondern sich frei
machen kann /wann sie will. Ich liesse dieses also gehen / und wollte abwarten /
was der Aramena erklärung sein würde: keines wegs mir einbildend / zumal ich sie
vordessen so widerig gegen dem Hemor gesehen hatte / dass sie seine liebe annemen
würde. Ich erhielte aber die abschrift von beiden briefen / deren der eine und
vornemste (der zweite an die Celia / ist mir seiter aus dem gedächtnis
entfallen) also lautete.
            Schreiben des Hemors / an die Aramena Königin in Syrien.
Grossmächtigste Königin!
Ganz Syrien verlanget mit mir / des grossen Aramenes tochter auf dem
ihr-gehörigen tron zu sehen: und beschwören wir E. Maj. bei dem heiligen
gebeine dieses unvergleichlichen helden / dass sie / zu beschirmung ihrer
bedrangten länder / diese kron förderlichst annemen wollen. Glückselig werde ich
mich schätzen / mit so gutem gewissen eine heilige jungfrau der Diana zu
entfüren / deren geheiligter Königlicher stand ihr /purpur zu tragen / befilet /
und sie / an statt der opfere / uber grosse reiche zu herschen verordnet. Die
hierbei an die oberpriesterin überschickte warhafte und glaubwurdige berichte /
werden E. Maj. diese meine worte mehrers erklären. Wie ich dann auch diesen
zeilen die kraft anwünsche / E. Maj. fürzustellen / dass sie in der ganzen welt
keinen ergebenern knecht haben / als da ist
                                                         Hemor Prinz von Canaan.
    Dieser brief hatte so gute wirkung / als es Hemor verlanget. Es erfolgte /
etliche tage hernach / der Celia antwort an ihn / dieses inhalts: wiedass Aramena
von Syrien sich bei ihr befånde / und sie nicht gesonnen wäre / dem reich Syrien
ihre Konigin vorzuentalten; massen sie solches für sündlich achten müste /
allermeist / weil Aramena / nun sie ihren stand erfahren /diesem berufe zu
folgen / und den zepter anzunemen /gesonnen lebe. Demnach möchte der Prinz
fürschläge tun / auf was weise Aramena für dem Konig von Assyrien sicher
durchkommen sollte. Sie erfreue sich nicht wenig / seine grosmütige liebe gegen
dieser Konigin zu wissen: die sie ihres ortes befordern / und die Aramena dahin
lenken wollte / mit dem jenigen den tron zu teilen / der / ihr denselbigen zu
weg zu bringen / sich soviel bemühet.
    Niemand war erfreuter / als Hemor: aber auch niemand verwirrter / als ich /
der ich mich dadurch auf einmal aller hofnung beraubt sah / die mir bisher noch
hatte beigewonet. Ich sah nun wohl / dass bisher nicht die person des Hemor /
sondern ihr gelübde / die Aramena zu solcher stränge gegen diesem Prinzen
bewogen hätte. Doch wie man immer ihme selbst in seiner liebe gern schmeichelt /
also glimete auch noch soviel muht in mir / dass ich erkünete / an diese Königin
zu schreiben / und sie zu erinnern / wie sie ehmals meiner dienste wider den
Hemor begehret. Ich erlangte / durch einen der torhütere / die gelegenheit / ihr
das schreiben in die hände zu bringen. Nach zweien tagen erhielte ich eine
seltsame antwort / nåmlich meine übersandte wächserne tafel zerbrochen / und an
einem ende derselben diese worte geschrieben / die ich für der Celia hand halten
musste:
       Es stehe Tarsis ab von dem rechte / so dem Hemor allein gebüret.
Hiemit hatte ich meinen bescheid / und befande mich /wann ichs von einer so
grossen Königin sagen darf /über diese ihre schleunige Entschliessung / den Hemor
zu lieben / ein wenig entrüstet / auch auser der hochschätzung für ihre person
gesetzet.
    Hierauf nun / wegen der unmöglichkeit mich eines bessern bedenkend / name
ich mir für / so heimlich /als ich angekommen / aus Ninive wieder hinweg zu
reisen / ohne iemanden von den meinigen anzusprechen. Wie ich demnach / wegen
der hitze / in der nacht abreisete / wurde ich neben den meinigen auf der gassen
/ nahe für des Hemors behausung / von vielen soldaten / die / auf anhalten des
Ardeus / von meinem vatter für meine gnädigste Königin geworben worden /
angefallen. Weil ich ihnen mein geråte /nach ihrem begehren / nicht wollte folgen
lassen / sondern mich zur gegenwehr setzete: als entstunde daraus ein blutiges
gefechte / da ich endlich / wegen der ungleichheit / hätte erligen müssen / wann
nicht der Prinz Hemor mir selbst wäre zu hülf gekommen / und mich neben den
meinigen in sein haus eingenommen hätte. Wie er nun wissen wollte / wem er diese
woltat erwiesen / truge ich kein bedenken / meinen namen zu offenbaren / und
ihm alles zu erzählen / was ich iezt vorgebracht: doch daneben ihn versicherend
/ dass er nun hinfort an mir keinen mitbuler / sondern vielmehr einen treuen
diener / haben sollte.
    Diese freie bekentnis stiftete zwischen uns beiden ein grosses vertrauen:
wiewol er / üm mehrerer versicherung willen / auf alles mein tun und fürnemen
genau achtung geben liesse / also dass ich fast wie halb gefangen bei ihm ware.
Doch machte er mich zum mitwisser aller seiner geheimnise und glückseligkeit
/und erfuhre ich von ihme / wie die Aramena in seine liebe einwilligend / den
heiligen gebräuchen gemäs /die folgende nacht ihm würde vermälet werden. Weil er
aber in vier wochen sie nicht sehen / noch ihr beiwonen dörfte / dañ solches die
weise mit sich brachte / wann eine geheiligte der Diana mit solcher ursache zur
heurat schritte: als gedächte er / gleich nach Syrien seinen weg wieder zu nemen
/ und seinen stattalter den Aner zu rücke zu lassen / seine Konigin hernach
zubringen. Ich bekenne / dass ich / ungeacht meines vorsatzes / diese zeitung
nicht ohne gemütsveränderung anhoren koñen. Weil ich aber beståndig entschlossen
ware / die Aramena nicht mehr vergeblich zu lieben / als dämpfete ich diese
unruhe in der geburt / und begleitete den glucklichen Hemor / sobald die nacht
angekommen / nach dem tempel: in welchen /einer von den priestern des Nisroch /
uns einfürete. Wir gingen aber nicht durch die rechte pforte / wo die
Ninivitische wacht stehet: sondern er liesse sich mit uns / auf einem schiff /
uber den fluss Hidekel setzen /damit niemand etwas in der stadt von uns erfahren
mochte.
    Der ober priester des Nisroch / welchen die Celia zu sich beruffen /
entfinge uns / neben seinen andern priestern / am ufer; und nachdem wir durch
den heiligen wald gegangen / brachte man uns in ein herrliches gehäu / darin
der schatz aufbewahret wird: massen /bei den vielen angezündten lampen / die
edelgesteine /auch die güldene und silberne gefåsse / mit denen die wände überall
bedecket waren / uns die augen blendeten. Der Hemor opferte alda etliche
kostliche kleinoder: wornach wir weiter in einen saal gefüret wurden / da die
opfere für ihn und die Königin von Syrien auf einem altar bereitet waren / und
von ihme mussten angezündet werden. Wie dieses auch geschehen / fürete der
Oberpriester uns in den innern platz / da der heilige tempel stehet / und
berichtete uns / dass in demselbigen die Oberpriesterin / neben der Aramena und
allen heiligen jungfrauen / nun drei tage verschlossen gewesen.
    Kurz hernach offnete sich der tempel / da unter einem kläglichen geschrei /
welches die jungfrauen von sich hören liessen / die Aramena / in ihrer heiligen
kleidung / mit verdektem angesicht heraus kame. Es wurde hinter ihr der tempel
wieder zugeschlossen /und ginge der Oberpriester des Nisroch ihr entgegen /sie
nach einen altar zu füren / der mitten auf diesem platz stunde / den wir bei der
klarheit vieler fakeln /die rund üm diesen altar hergestellet waren / erkennen
kunten. Als sie daselbst niedergekniehet / musste der Hemor sich auch nåhern: da
er dann / gegen ihr kniehend / durch den Oberpriester mit ihr vermålet wurde.
Wie diss verrichtet war / hiesse man alsofort den Hemor wieder von dem altar gehen
/ und deutete ihm der Oberpriester an: wiedass / weil die Aramena der Diana
geheiligt gewesen / er sie / als seine verlobte /nicht sehen noch berüren dorfte
/ als nach verfliessung eines monden; in welcher zeit er ihr / allein zu sein
/den heiligen ordnungen zu folge / erlauben würde. Hingegen ward ihr auferleget
/ dass sie die zeit über ståts ihr gesicht verdeckt halten / und keinem menschen
sich zeigen sollte. Der verliebte Hemor / der sich nun vergnügt wusste /
verwilligte alles / was man begehrte: und / nachdem er seine Königin gegrüsset
/begabe er sich / durch den vorigen weg / wieder aus dem tempel. Seine verlobte
Königin / wurde von dem Oberpriester ihme nachgefüret / und disseit des wassers
/ von den geheiligten frauen aus des Nisroch tempel entfangen: die sie in ihren
tempel so lang wollten aufnemen / bis der Aner sie nach Syrien begleiten würde.
    Alles dieses ginge so heimlich und verborgen zu /dass niemand in Ninive etwas
davon innen wurde. Wir reiseten / folgende tags / gleich wieder fort: da der
Aner zurück bliebe / üm zu seiner zeit die Königin hernachzubringen. Der Salma
aber / des Hemors waffentråger / musste nacht und tag forteilen / üm den
Syrischen Fürsten in Hierapolis die glückliche verrichtung des Prinzen eiligst
anzukündigen: der dann sich also gehastet / dass er gestern zu rücke gekommen
/und dem Prinzen angemeldet hat / wie Hierapolis sich gleich fur ihn erkläret /
wie ober-Syrien die ankunft ihrer Königin und ihres Königs herzlich verlange
/und wie die Cananitische volker zu den Syrischen stossen wurden. Weil auch von
den Syrischen Fürsten etliche abgeordnet wurden / allhier in Damasco den Syrern
/ dass ihre Erbkonigin verhanden / anzumelden: als fand der Hemor für gut / den
Salma mit hieherzuschicken / und dem Stattalter Mamellus zu berichten / wie die
sachen stehen / wie aus seiner tochter die Königin von Syrien geworden / wie
Tebah und Calaride seine rechte tochter in den tempel nach Ninive gebracht /
und wie Hemor / als nunmehr Konig in Syrien / das recht seiner gemalin wider das
Assyrische haus / entweder mit güte / oder mit gewalt bis auf den lezten
blutstropfen / suchen und behaubten wolle.
    Wiewol wir nun vertraute freunde waren / so fand ich es doch für mich nicht
tunlich / in solcher bewandnis / länger bei dem Hemor zu bleiben: welcher auch
/ so gern er mich behalten mogen / dennoch meine ursachen gültig befande / von
ihm zu gehen. Also habe nun ich heute ihn verlassen / und bin neben dem Salma
hiehergekomen / als eben / die Syrische abgeschickte aus Hierapolis / bei den
åltesten dieser stadt sich anmelden liessen / und den auflauf des volks / durch
aussprengung der zeitung von ihrer wiedergefundenen Königin Aramena /
verursacheten. Ich bitte untertänigst üm vergebung / wann ich durch mein
stillschweigen zu Ninive mit-befördern helfen / dass diese Syrerin nicht
angehalten worden: der ich solche verräterei an dem Prinzen meinem woltåter /
und an der Aramena / welche ich ehmals geliebt / nicht begehen kunte / ob es
gleich der staat erfordern mogen. Ich werde fortin / durch dargebung meines
bluts /dem Assyrischen hause meine treue hingegen desto eifriger zu bezeugen /
gesonnen leben.
    Ich halte dafur / (finge die schöne Delbois hierauf an zu reden /) der Prinz
von Assyrien / mein bruder /werde mit mir eins sein / dass der Tarsis hierinn
nicht gefehlet / und bei solchen ümständen sich nicht anderst habe bezeugen
können. Wäre ich in seiner stelle gewesen / (sagte der Prinz Baleus /) håtte ich
eben also verfahren: auser darin hätte ich ihm schwerlich gefolget / dass ich die
/ so ich geliebt / also ruhig einem andern überlassen sollen. Weil weder
hofnung noch verzweiflung (gabe Tarsis zur antwort /) meine liebe aufmuntern
konnte / als liesse ich sie endlich ersterben / und wollte dem Hemor das nicht
unmüglich bestreiten / was ich auf keinerlei art und weise behaubten kunte.
    Hiemit kame der Stattalter neben seiner gemalin dazu / und durch sein
verwirrtes wesen gnugsam anzeigend / wie ihm zu muht war / sagte er zu den
Königinnen / und zu dem Prinzen von Assyrien: Ich muss klagen / wie es mir
ergehet. Man nimmt mir eine tochter / und ist bemühet / den König meinen herrn
gegen mich in ungnade zu setzen. Dem sei nun wie ihme wolle / so muss ich /
meines Konigs bästes zu beobachten / diese stadt für ihn erhalten: und will ich
eher mein leben verlieren / als zugeben / dass Damasco ein anders haubt / als den
grossen Belochus / erkenne.
    Hiermit verliesse er sie wieder / und schickete alsofort nach den Assyrischen
kriegsbedienten: denen er befehl erteilete / sich mit ihren volkern in alle
posten der stadt zu setzen. Er selber sasse zu pferd / und von einem grossen
haufen Assyrier begleitet / ritte er nach dem ort / da / die abgeschickten von
Hierapolis / die åltesten der stadt ermaneten / sich an ihre Erbkönigin zu
ergeben: denen er angesichts / sich aus Damasco hinweg zu packen / befahle. Den
eltesten aber von Damasco / wie auch dem gemeinen volk / sprache er freundlich
zu / dass sie an diese verfürungen sich nicht kehren / sondern ihrem herrn dem
Konig von Babel getreu verbleiben wollten: welche ihm / wann er nicht soviel
volks bei sich gehabt hätte / ihre gemütsmeinung wohl würden eröffnet haben / nun
aber / als übermannet / sich gedulten und auf hülfe hoffen mussten.
    Sobald Mamellus dieses verrichtet / liesse er aller orten den alten Tebah
suchen: der aber nirgend zu finden ware. Demnach schosse ihm auf das herz / es
musste in des Salma reden etwas von warheit sein: und eilete alsofort nach der
Fürstin Calaride behausung / ein mehrers zu erfahren. Er fand daselbst seine
gemalin voller tränen / die ihm klagte / wiedass Calaride / sobald sie diese
dinge erfahren / aus Damasco entwichen / und in einem ihr-hinterlassenen
schreiben bekennet / welcher gestalt sie / auf zureden des Tebah / und aus
treue gegen ihrer verblichenen Konigin Philominda / die Milcaride und Aramena
verwechselen helfen / uñ zwar jene für diese / in den Ninivitischen tempel
gebracht / hingegen diese Prinzessin / für ihre und des Mamellus tochter
ausgegeben hätte. Dieser bericht sezte den Mamellus in solche verwirrung / dass
er fast nicht wusste / was er sagte. Seine einige tochter musste er nun in dem
Nivitischen tempel verschlossen wissen / und die Aramena / die er stäts für sein
kind gehalten / fur die Syrische Erbprinzessin halten. Er erfuhre / dass er die
aus dem tempel zu bringen sich so sehr bemuhet / die er doch darin zu wissen /
so sehnlich gewünschet / auch solches soviel jahre her ihm gånzlich eingebildet
hatte. Er erkennte hieraus die gerechte straffe des himmels / der ebendas über
ihn verhenget / was er zu vermeiden so sorgfåltig gewesen.
    Wie er nun mit seiner gemalin in seinem palast wieder angelanget / und
denselben von der Koniglichen gesellschaft nun wieder geraumet fand: setzete er
sich alsofort über / sowol an den König von Assyrien / als an den Prinzen von
Canaan und an seine schwester die Oberpriesterin / zu schreiben. In dem ersten
brief / bekannte er dem Belochus / wie er die Prinzessin Aramena / als die
überbliebene von dem Syrischen hause / in ihrer kindheit dem tempel zu Ninive zu
widmen vermeint / aber von der Calaride und den Tebah wäre betrogen worden /
die dieselbe mit seiner eignen tochter ausgewechselt: dass er also die Prinzessin
Aramena unwissend / und zwar zu beunruhigung des Königreichs Syrien / auferzogen
hätte. Weil ihn nun die gotter bereits gestraffet / dass er sein einiges kind in
der Diana tempel wissen müste: als hoffete er / S. Maj. wurde nicht allzu
ungnädig aufnemen / dass er eine unschüldige Prinzessin beim leben erhalten
wollen / sondern ihm ferner / dass Konigreich Syrien wider alle anfålle zu
beschutzen / gnädig anbefehlen. Er sezte noch hinzu / wie er für höchstnotig
hielte / dass S. Maj. auf das forderlichste / mit einem måchtigen kriegsheer
herüber käme / üm diesem gefärlichen feuer zeitlich zu steuren: wobei er freudig
sein blut / bis zum lezten tropfen / mit anwenden wollte.
    An den Prinzen Hemor schriebe er / wiedass er / so lang er ihm seine tochter
zu geben vermeint / sein guter freund gewesen sei. Nun aber seine tochter sich
in die Aramena von Syrien verwandelt / würde der Prinz ihm nicht verdenken / dass
er seinen sinn ändere / und sich dessen feind erkläre / der seinem herrn /dem
König von Assyrien / sein recht-erworbenes reich feindlich abzunemen suchete. An
die Celia verfasseer ferner ein bewegliches schreiben / sie inständig ermanend /
dass sie seine einige tochter / die wider seinen willen und mit betrug in ihren
tempel gekommen /ihme abfolgen lassen wollte: worzu sie ja so erhebliche ursach
hätte / als diese gewesen / so sie bewogen /die Prinzessin von Syrien ihres
gelübdes zu erlassen. Nach Babel und Ninive / fårtigte er mit den beiden briefen
postreuter ab: aber den dritten an den Hemor /stellete er dem Salma zu / welcher
alsofort / ohne sich ferner in der stadt aufzuhalten / damit abwandern musste.
Mamellus ginge / die folgende nacht / nicht zu ruhe / sondern teilete aller
orten befehl aus / üm denen für den Hemor gut-gesinnten ihre macht zu stören
/und sie nicht aufkommen zu lassen.
    Gleichwie nun dieses unwesen den Prinzen Mamellus wachsam und unruhig machte
/ also befanden auch der Husan / Hus / Elhanan / Nahor / Zophar und Elihu sich
nicht wenig verwirret: welche / als Syrische Fürsten / eine natürliche regung
gegen ihrer Erbkönigin bei sich fületen / dabei aber nicht absehen kunten / wie
sie sich hierbei verhalten sollten. Sie hatten sich in des Husans palast
versamlet / und die ganze nacht hindurch raht gehalten. Husan vermeinte zwar
/dass man der Erbkonigin von Syrien in alle wege auf ihren tron verhelfen sollte:
er zweifelte aber sehr / ob dieses aussprengen des Hemors wahr wäre. Die
ursachen / die ihn zu solchem zweifel trieben / wollte er noch nicht sagen:
nennte aber dieselben so erheblich /dass er sich nicht irrend gläuben konnte. Der
alte Hus gabe dem Husan beifall in diesem zweifel / wollte aber ebenfalls seine
ursachen noch nicht anzeigen: im übrigen dafür haltend / wann man ja der person
Aramenen gewiss versichert würde / dass man ihr keinen Cananiter zum gemal geben /
sondern einem vom Assyrischen hause dazu verhelfen sollte / damit Syrien und
Babel in eintracht verblieben. Zophar / dem seine gemalin die Calaride alles
entdecket / was mit auswechselung der Aramena vorgegangen / stimmete hiemit
nicht ein / sondern sagete: Aramena wäre gewiss ihre Erbkönigin / und Hemor ein
herr / der wohl würdig /ihr König zu werden. Er beschlosse auch / für seine
person Damasco zu verlassen / und nach Naema zu reisen: weil er / bei dem
Prinzen Mamellus zu verbleibe / nun er die auswechselung seiner tochter erfahren
/ihm nicht getrauete. Nahor / ware mit dem Zophar gleicher Meinung. Elhanan /
dorfte dem Hus / seinem vatter / nicht widerreden. Elihu aber / der wegen der
freundschaft mit dem Mamellus sehr gut Assyrisch ware / wollte / man sollte nicht
lang forschen / ob Aramena die rechte oder unrechte wåre / ob Hemor oder ein
Assyrier die Syrische kron tragen sollte? sondern hievon wäre eigentlich die
frage / ob sie / bei dieser beschaffenheit / Syrisch oder Assyrisch / freund
oder feind für eine oder den andern teil / sich erklären / und wie sie / nach
gefassetem schluss / alles werkstellig machen wollten. Dieser vortrag des Elihu
wurde zwar in erwägung gezogen: sie kunten aber keinen andern schluss als diesen
fassen / dass sie noch zur zeit sich still halten / und alles bässer absehen
wollten.
    Als sie hiermit voneinander schieden / und eben der morgen anbrache / wollte
Elihu / sonder vorher ein wenig zu ruhen / nach dem Stattalter gehen: um
demselben sein beileid / über diese verdriessliche begebnise / zu bezeugen. Er
ersah aber / als er durch eine änge gassen gehen wollte / einen menschen / der
als wütend ihm entgegen kame / und von vier frauenpersonen verfolget wurde.
Diese abenteur eigentlicher auszunemen / bliebe Elihu stehen / und erkennete
endlich diesen flüchtigen / für den Prinzen von Tyro. Was hierbei seine
verwunderung mehrete / waren die beide Königinnen / von Ninive und Elam / neben
zwoen ihren jungfrauen / die diesem Prinzen nachliefen. Weil der Fürst von Ram
mit dem Tiribaces zimlich bekant war / auch hiermit den Koniginnen einen dienst
zu tun vermeinte / eilete er dem fliehenden Prinzen entgegen / und hielte ihn
auf / bis die Königinnen dazu kamen / und mit ihm reden konten.
    Wie nun / Tiribaces! (sagte Lantine) ist das eurer grosmut gemäs / also zu
verzweifelen? Sol solchermassen (setzete die schöne Delbois hinzu /) das lob des
Prinzen von Tyro verleschen / dass man von ihm sagen könne / sein unglück habe
ihn überwältigt und zu boden geworfen? Lasset / lasset mich / (grausame
freundinnen! antwortete Tiribaces /) meiner qual ein ende machen / und für
Orosmada augen sterben. Hiemit wollte er sich wieder los reissen: davon er aber
durch den Elihu verhintert wurde. Indem sie so mit ihm zu tun hatten / kame der
Königinnen wagen daher gefahren: auf welchen sie den Prinzen / der bald schalte
/ bald bate / mit gewalt brachten / und sich neben dem Elihu / der ihn halten
hulfe / zu ihm hinein sezten.
    Sie fuhren nach der Konigin von Elam palast / alda sie zusammen in ein
zimmer sich begaben. Der Tiribaces warfe sich ganz verzweifelt an die erden: da
die Lantine sowol / als die Konigin von Ninive / nach allem ihren vermögen /
ihme trost einzureden / sich bemüheten. Elihu täte solches auch / ohne dass er
wusste / was dem Prinzen schadete. Sie beredten ihn endlich so weit / dass er
still wurde / und ihnen zuhörete. Was bringt euch dann (sagte Delbois) zu dieser
verzweifelung? Orosmada ist zwar / auf anregen der Königin eurer frau mutter /
hinweg gereiset: sie wird aber dessen euch keine schuld geben / noch die liebe
/die sie gegen euch vorhin blicken liesse / fahren lassen. Sie ziehet zwar nach
Ninive / üm alda sich der welt abzutun: es ist aber noch nicht geschehen / und
also alle hofnung noch nicht verloren. Betrachtet /mein vetter! die begegnise
des Prinzen von Sichem /und der Aramena: so werdet ihr finden / dass auch ihr
noch zu hoffen habet. Fasset demnach muht / und gebet euch zu frieden! Hier ist
der Fürst von Ram /der wird euch auch guten raht mitteilen. In eigenen dingen /
konnen wir nie so wohl von uns selber / als von anderen / hülfe erlangen.
    Ob mir zwar (finge Elihu an zu reden) nicht bekant ist / was des Prinzen von
Tyro verzweifelung für ursachen habe: so neme ich doch aus der Konigin von
Ninive reden soviel ab / dass die liebe alle diese qual erwecke / darbei doch
noch hofnung übrig ist. Demnach verwundere ich mich nicht wenig / dass ein so
grossmütiger herr also den mut kann sinken lassen. Ich will den Fürsten von Ram
(sagte die schöne Delbois /) mit wenigem berichten / dass dieser Prinz die
Prinzessin von Sidon liebt: welche / wegen vieler ursachen /heimlich hieher in
Damasco gekommen / und fürter nach Ninive / sich in der Diana tempel zu
verschliessen / begehret. Dieser Prinz aber überredte sie / dass sie ihre Meinung
geändert: aber mit der bedingnis /wofern die Konigin von Tyro seine frau mutter
könnte bewogen werden / sie in ihren schutz aufzunemen. Dieses hat die Königin
nicht tun wollen / wie sehr und inständig wir beide sie auch darüm gebeten
haben / sondern ihren kammerherrn / den Cosdron / diesen morgen zu dieser
Prinzessin gesandt / und ihr andeuten lassen: dass sie ihr vorhaben / nach Ninive
zu gehen / ja nicht ändern sollte / weil der stadt zu Tyro nicht vergönnet sei /
dass sie alda könnte gedultet werden. Die grossmut dieser Prinzessin ward so
entfindlich hierüber / dass sie alsofort den fürsatz ihrer abreise fäst stellete.
Wie dann / als / auf bitte des Prinzen /seine schwester und ich zu ihr hinfuhren
/ sie zu etwas zu bereden / das ihm in seiner liebe håtte vorteilig sein konnen
/ wir die Orosmada so entrüstet fanden /dass sie den verliebten Tiribaces nicht
einmal anzuhören begehrte / auch gegen uns / wegen der übernommenen mühe sie zu
besuchen / sich bedankend / sich gleich zu wagen gesetzet / und für unseren
augen davon gefahren. Tiribaces / als er von dem Ledor / der bei dieser
Prinzessin war / des Cosdron anbringen erfahren / begunte alsobald / gleich
einem unsinnigen /sich zu gebärden / und von uns sich losreissend / dem wagen
der Orosmada nachzulaufen: da ihr dann uns in solchem zustand angetroffen / als
wir / den trostlosen Prinzen von seiner verzweiflung ab- und aufzuhalten
/bemühet waren.
    Wie diesen bericht die Königin von Ninive dem Elihu abgestattet / sah der
betrübte Tiribaces ihm stark unter augen / und durch viel seufzen anfänglich
verhintert / sagte er endlich zu ihm: Habe ich nicht ursach / mein Fürst von Ram
/ der verzweiflung mich zu ergeben / der ich verlassen bin / auch meine Orosmada
beschimpfet / mich ungeliebet / und sie nimmer habhaft zu werden / in furchten
sehen uñ wissen muss? Wofern euch nicht die häftigkeit der liebe bekant ist /so
könnet ihr von meinen schmerzen nicht urteilen. Wofern ihr aber begreifen könnet
/ dass einig und allein an Orosmada besitzung mein leben hanget / so saget mir /
Elihu / saget mir: soll ich leben / oder kann ich auch leben / nun ich die
Orosmada verloren habe? Elihu / der wohl sah / dass des Prinzen wunden nicht zu
heilen sein würden / als durch nachgeben und mit langer zeit / wiedersprache ihm
nicht / dass er zu zagen grosse ursach hätte. Er sagte aber darbei / dass alle
hofnung noch nicht aus wäre / und die Orosmada noch wohl zu Ninive ihren sinn
ändern konnte. Unter diesen reden / kame der Borgias neben des Prinzen anderen
leuten dazu / und erwiesen grosse bestürzung /als sie ihren herrn in solchem
zustande fanden. Sie überredten ihn aber / sich in seinen palast zu begeben: da
er gleich zu bette sich legte / und niemanden üm sich leiden wollte. Die beide
Koniginnen gingen darauf nach der von Tyro / die von dem Cosdron bereits
unterrichtet war / wie sein gewerbe bei der Orosmada abgelaufen. Hierüber nun
sich so ruhig als freudig bezeigend / lächelte sie die Königin von Ninive an /
und sagte: was werdet ihr von mir halten / liebste base! wann ich euch sage /
dass Orosmada dem Tiribaces schon aus den augen gebracht worden? Wann es nur
(antwortete Delbois) E. Maj. nicht gereuen mochte? Der Prinz ist ganz
verzweifelt / und kommen wir iezt von ihme / da wir ihn in einem erbärmlichen
zustand verlassen. Diese worte / welche die Konigin Lantine mit ihren tränen
bekräftigte / griffen der Königin von Tyro an das herz / dass sie wegen ihres
sohns beängstiget wurde. Sie erfuhre auch / auf ferners nachfragen / dass ihn ein
hitziges fieber angestossen. Weil sie nun zu seiner betrübnis ursach gegeben /
als dorfte sie sich für ihm nicht sehen lassen: wie begierig sie auch sonst war
/ in diesem gefärlichen zustand ihme beizuwonen. Sie schickte aber ohn unterlass
boten ab / die anfragen mussten / wie es mit ihm stünde. Dennoch erwiese sie /
bei aller ihrer traurigkeit / keine reue / dass sie die Orosmada von ihm
geschieden hatte: sondern hoffete / es würde sich mit der zeit wohl geben / dass
der Prinz ihrer vergässe.
    Weil dieses / wie auch die zeitung von der empörung in Hierapolis / und von
dem abfall der Ober-Syrer / wegen ankunft der wider gefundenen Königin Aramena
von Syrien / alles / sowol bei hof als in der stadt / in besturzung und
schrecken gesetzet: als ware iederman wach und unruhig / und musste man
augenblicklich einen neuen aufstand in der stadt befahren. Diesem aber
vorzukommen / wurden tag und nacht starke wachten auf alle grosse plätze
ausgestellet / und gingen die Assyrier fleissig zu raht / wie sie es / in dieser
schweren und weit-aussehenden sache / anschlagen wollten.
    Ahalibama kunte ihres orts sich auch nicht zu frieden geben / wegen so
schleiniger gemüt-änderung ihrer Aramena: und iemehr sie nachsonne / ie
ungläublicher es ihr fürkame / dass Aramena also hastig ihren sinn zu dem Hemor
richten können. Sie konnte keine ursachen ausdenken / womit diese tat möchte
entschüldigt werden. Dann ob gleich der Königliche stand sie / ihren
angenommenen orden zu verlassen /reitzen mögen: so kunte sie dannoch nicht loben
/ dass Hemor so geschwind ihre gegenliebe bekommen hatte. Und da sie ja heiraten
wollen / vermeinte sie /dass ihr bruder Dison wäre würdiger gewesen / ihre
schönheit zu besitzen. Briane und Zimene wollten fast gar verzweifelen / so sehr
betrübte sie dieser verlust /den ihr heiliger tempel erlitten. Und weil nun
hierdurch ihrer beider verrichtung fruchtlos zum ende gelaufen / wollten sie
nicht länger in Damasco verbleiben / sondern namen von der Ahalibama und dem
verkleideten Tirzis ihren abschied / und vermaneten diese Prinzessin / in ihrem
gelübde beständig zu bleiben /und begaben sich in ihren mannskleidern auf die
reise: so verwirret und unwillig hinweg scheidend /als betrübt Ahalibama zurück
bliebe.
    Als einsmals Ahalibama gegen den abend ihren traurigen gedanken im
schlossgarten allein gehör gabe / und niemand als die Astale bei sich hatte /
indem die Königinnen und die meisten von den andern / wegen damaliger unruhe /
in der Königin von Tyro palast noch beisammen waren: hatte sie kaum dreimal den
grossen Königlichen spazir-weg / wie er genant wurde / im garten durchwandelt /
da ersah sie zwo personen / die ämsig miteinander spracheten / für ihr
übergehen / deren einer / der Zameis / des Prinzen von Assyrien Cammerherr
gewesen. Ob gleich der fürwitz / wegen ihrer eigenen beschwerden / nicht gross
bei ihr war /so erweckte doch der name Aramena / den sie etliche male von diesen
fromden nennen hörete / eine begierde in ihr / ferner aufzumerken / was man von
Aramena sprechen würde. Wie sie demnach wargenommen / dass der eine / der mit
ungemeiner schonheit begabet war / ohne fürter-gehen / sich unter einen baum
niederliesse / uñ der Zameis sich vor ihn stellete: schliche sie von der anderen
seiten hinzu / da sie ganz verborgen sich hinter ein buschwerk verfugte / und
eben dazu kame / als der erste also sagte: meint ihr dann /Zameis! dass ich
könne Aramena geliebt und lebendig wissen? Nein / nein! den muht / den sie an
menschen und tieren erwiesen / soll sie auch gegen mir gebrauchen: und da mein
verhängnis gewolt / dass ich lieben muss / als wird / entweder mein oder der
Aramena tod / den ausschlag meiner ruhe und zufriedenheit geben können.
    Es kommet mein herr! sagte der andere / und schauete damit nach der pforte
des gartens / welche er aufgehen horte. Ahalibama / wie sie ebenfalls dahin ihre
augen gewendet / sah den Prinzen von Assyrien / neben ihrem bruder der falschen
Aramena und anderem frauenzimmer / ankommen. O grosser Teutates! (rieffe der
schone jüngling / und schluge die hände zusammen) was legest du mir nicht auf /
und was muss ich nicht ansehen? Damit stunde er wieder auf / und eilete neben dem
Zameis aus dem spazirgang / in welchen der Prinz und die Aramena kamen.
Ahalibama /die nun nichtes mehr vernemen kunte / ginge den andern entgegen: des
vorhabens / ihrem bruder dieses /was sie gehöret / zu seiner nachricht
anzusagen. Weil aber Baleus / der die Aramena fürete / diese gelegenheit / mit
ihr allein zu reden / nicht versäumen wollte /als name er mit ihr nicht den
rechten spazirgang vor sich / sondern begabe sich / als er die Prinzessin von
Seir herankommen sah / in einen nebengang. Sinear aber / der mit ihm ware /
gesellete sich zu der Ahalibama: daher der Prinz von Assyrien / sein gespräche
bei Aramena / ungehintert fortsetzen kunte.
    Glaubet mir / dapfere heldin! (sagte er zu ihr /) dass ich euch liebe / und
dass euch mein herz den grösten tron der welt beschieden hat. Wie / grosser
Prinz! (antwortete Aramena) soll das / was ich bisher als im scherz angehoret /
ernstlich gemeinet sein? so bitte ich gehorsamst / mir zu gonnen / dass ich mich
von hinnen begeben moge. Dann wiewol ich keine Prinzessin bin / so ist doch mein
muht so hoch / dass ich sonder entrüstung dergleichen nicht vermag anzuhören. Wie
/ schone Aramena! (sagte der Prinz /) kann euch das entrüsten / was eure
schonheit / euch zu sagen / aus mir zwinget? Ach! hätte ich keinen mitbuler zu
befahren: wer weiss / ob ihr alsdann so grausam wåret? Dass ich liebe / (gabe
Aramena zur antwort /) wissen sie bereits / gnädigster Prinz! Dass ich aber eben
darum grausam sei / kann ich nicht nachgeben: dann mir jedesmal wurde obligen /
mich also / wie ich nun tue / zu erweisen. Wann ihr jederzeit / (wandte er
dargegen ein) euch so unbarmherzig hättet bezeigt /würde der glückhafte Dison
nicht in dem stande sein /eurer gegenliebe zu geniessen. Dison ist meines standes
/ (sagte Aramena /) und suchet nichts unbilliges oder unmogliches in seiner
liebe.
    Ach Aramena! (fiele der Prinz ihr in das wort /) was unbilliges suche ich
dann? was unmogliches begehre ich? Ist das unbillig oder unmoglich / dass euch
meine liebe den grosten tron in der welt verspricht /da eure würde meine wahl
billig uñ möglich machet? Wie / mutige Aramena! habt ihr keine begierde in euch
/ Assyrische Königin zu heisen? Alles euer tun und wesen deutet ja an / dass ihr
nach hoheit und ehre ringet. Hat euer Dison wohl das vermögen / das ich habe /
eure würde auf den Königlichen tron zu heben? Es hat Dison / (sagte Aramena
hierwider) ja so grossen muht / als ich: dass es also uns nicht fehlen soll / eine
kron zu erlangen. Hat er aber (antwortete Baleus / sie ganz verliebt ansehend /)
auch so grosse liebe / als ich habe? Ob ihn gleich (widerredte Aramena) die liebe
so geschwind nicht erhaschet / so bleibet sie doch nachgehends beständig bei
ihme /und hat er nicht so oft gewechselt / als .... Hier brache sie ab / und
wollte nicht weiter fort reden. Baleus aber sagte zu ihr: vollfüret nur /
grausame! mir meine wankelmütigkeit fürzuwerfen: die mich doch nicht abschrecken
soll / euch zu lieben. Ich darf auch derentwegen nicht erroten: weil meine
unbeståndigkeit solche ursachen gehabt / die mich nicht werden verdammen können.
    Ich unterwinde mich auch nicht / (antwortete Aramena) eines so grossen
Prinzen tun und lassen zu beurteilen. Allein vermag ich diese rechnung mir
leicht zu machen / dass / was der unvergleichlichen Königin von Ninive / der
Konigin von Elam / der dapferen Königin Mirina / und der schonen Eldane begegnet
/auch mir / und zwar mit der hochsten billigkeit / widerfahren werde. Aramena /
(gabe er zur antwort /) ist nicht meine schwester; wird auch verhoffentlich in
die länge meine liebe nicht verachten / wie die Lantine getan; noch einen so
leichten siñ / als die Mirina erwiesen / annemen; noch sich / wie Eldane / zu
einer heurat zwingen lassen: dass ich also / meine liebe zu ändern / nicht werde
ursach finden. Sie lieben ja die tugend / gnädigster Prinz! (sagte hier auf
Aramena /) und halten die beståndigkeit für eine tugend: demnach würden sie mir
es selbst verübeln / wann ich dem Dison unbeståndig würde. Es sind gewisse fålle
/(sagte der Prinz) da die beständigkeit mehr ein laster als tugend ist. Wann
dieser glückliche Dison recht liebt / wird er lieber von seinem recht abstehen
/ als den tron von Assyrien einer so würdigen Königin berauben.
    Aramena hatte nun alles fürgebracht / was sie des Prinzen liebe entgegen zu
setzen wusste: als die beide Koniginnen von Ninive und Elam in den garten kamen /
und sie von dieser marter erloseten. Ach! (seufzete sie in ihrem herzen) möchte
gegen mir die schwester so gesinnet sein / als der bruder ist! wie seelig würde
ich mich doch achten! Damit überliesse sie den platz den beiden Koniginnen: da /
des Prinzen verwirrtes aussehen / der Königin von Ninive bald zu verstehen gabe
/ wovon ihre unterredung müste gehandelt haben. Wie sie nun noch eine weile
miteinander spaziren gegangen / begaben sie sich endlich vonsammen / üm auf
morgen zu dem grossen fest / welches in dem tempel des gottes Rimmon sollte
gehalten werden / sich vorzubereiten. Dann es hatten / wegen des bevorstehenden
kriegs / und der gefahr / die Syrien oder vielmehr dem Babylonischen hause
drohete /die Konigin von Tyro und der Stattalter Mamellus für gut befunden /
ein offentliches und ansehnliches opfer anzustellen: um sowol die erzürnte
götter zu versönen / als dem volk in Damasco zu weisen / dass auch die Babylonier
die Syrische götter üm schutz anruffeten. Die schone Delbois / wiewol sie in
ihrem herzen den dienst der götter verfluchte / dorfte dennoch sich hiervon
nicht absondern: weil es noch nicht zeit war / ihren glauben offentlich zu
bekennen.
    Wie nun der morgen angebrochen / und diese Königin / ganz herrlich
geschmücket / neben allem andern fromden und Syrischen frauenzimmer / nach der
Konigin von Tyro / sich begeben hatte / wurden die Königinnen und Prinzessinnen
/ von den Prinzen und anwesenden herren / nach des Rimmons tempel gefüret: an
beiden seiten von den Assyrischen soldaten begleitet / üm alle gefahr von ihnen
abzuwenden / die der unruhige pövel erregen mogen. Als sie in den tempel
gekommen / wurden die Königinnen auf die für sie zubereitete tronen
eingewiesen.
    Indem das volk sich haufenweis mit zudrengete /hörete Esau / der die Konigin
von Elam gefüret / ein erbärmliches geschrei einer weibsperson / die allen
vermuten nach unter das gedrånge gekommen war. Hierdurch zu mitleiden bewogen /
begabe er sich gleich unter das volk / und machete mit seinen starken armen so
weiten raum / dass er zu dieser dame kommen kunte: die er in dem stand antraffe /
dass sie schier wollte onmåchtig werde. Er name sie / die er / weil ihr gesicht
mit einem flor bedecket war / zwar erstlich nicht kante / auf seine arme / und
hobe sie solang uber das volk hinaus / bis er mit ihr herdurch kommen mochte.
Weil ihr damit der flor vom gesicht fiele / als erkannte sie die Konigin von
Ninive / so dieses geschrei mit in acht genommen / für die Prinzessin Ahalibama:
dannenhero kunte sie sich nicht entalten / zu ruffen / dass man dieser
Prinzessin zu hülfe kommen sollte. Also sah iederman auf sie / und die wacht des
Stattalters von Syrien machete endlich raum / dass der Fürst von Edom sie
hindurch bringen kunte.
    Dieser wusste noch nicht / wer sie war / bis er sie neben sich
niedergelassen: da er dann sie erkennend /so erfreut wurde / dass er sich nicht
entalten kunte /ihr etlichemal die hand zu küssen / und dadurch seine
vergnügung an den tag zu geben. Ahalibama aber ware so aus ihr selber / dass sie
nicht wusste / wie ihr geschahe. Weil der ihr verordnete ort / wegen des vielen
gedrängs / verrennet war / und sie sonder neue beschwerung nicht dahin und zu
den andern Prinzessinnen gelangen kunte: als setzete sie der Esau auf seinen
stul / legte sich zu ihren füssen nieder / und bediente sich dieser gelegenheit /
so lang die opfere wåreten /dieser Prinzessin die opfere seiner liebe
fürzutragen. Sie hingegen / nachdem sie ihm für seine hülfe gedanket / erzehlte
ihm / wie sie vor dem tempel / einen vom gebirge Seir stehen gesehen / den sie
anzusprechen begierig worden / uñ dadurch in dieses gedränge gerahten wåre: da
man sie ferner mehr fortgetragen /als gehen lassen. Diss geschihet oft / (sagte
der Fürst von Edom) dass man / wann man etwas schones zu sehen begehret / dadurch
in ungelegenheit fället.
    Dieses und anderes sagend / schauete er sie ganz verliebt an: sie aber / so
sich in keine wortwechselung mit ihme einlassen wollte / täte als horete sie
nicht /was er sagte / und gabe fleissig acht / wie die priester die opfer
bereiteten. Esau fassete mitlerweil ihre hand / und wollte dieselbe zum munde
füren. Wie sie aber /dieselbe zurück ziehend / ihn ansah / sprache er zu ihr:
Soll ich denn iezt nicht so glücklich sein / die hand zu berüren / da ich
allererst / den ganzen leib zu tragen / bin gewürdigt worden. Dieses anfassen
kann mir zu nichtes nützen / (antwortete sie) und scheinet es fast / als wann es
den Fursten von Edom gereue /dass er mich ihme durch den vorigen dienst verbunden
gemacht / weil er nun auf solche weise mich zu beleidigen suchet / damit ich
ihme nichtes schüldig bleibe. Ich will ja nimmermehr hoffen / (sagte Esau /
etwas was bestürzet /) dass die schöne Ahalibama mein tun / als eine beleidigung
/ ansehen werde: massen ich solchen fürsatz niemals haben werde.
    Indem er dieses sagte / horte die Ahalibama sowol als er / dass zwei personen
nahe hinter ihnen miteinander spracheten / da der eine zu dem andern sagte:
Sihest du den Fürsten von Edom wohl / wie er ihm die bedienung der Prinzessin von
Seir lässet angelegen sein? Er kann ja gar nicht / (sagte der andere) seine grosse
liebe gegen ihr verbergen. Es scheinet / (wiederholte der erste) sie neme seine
liebesbezeugung gar gönstig auf / unangesehen die Edomiten und Horiten iezt mit
einander kriegen. Diese angehörte reden verhönten die Ahalibama so sehr / als
sie den Esau erfreuten / und kunte sie der errötung sich nicht entbrechen / wie
sehr sie sich auch anstellete / als ob sie nichtes vernommen hätte. Esau
låchelte hierüber / zu ihr sagend: Wie ist es / schone Prinzessin! haben diese /
so von uns reden / die warheit so gewiss von dem einen / als vom andern /
gesaget? Hierdurch wurde sie vollends so entrustet / dass sie ihm nicht mehr
antworten wollte. Er aber / als er sie etliche mal vergeblich angeredet / sagte
endlich: wann sie dann wollte so grausam sein / ihm ihre süsse antwort zu
misgonnen / so würde sie ihm dennoch zulassen mussen / ihre wunderzierde zu
betrachten.
    Hierauf sah er sie mit unverwandten augen an /also dass sie / wo sie sich
nur hinkehrte / ihn stäts im gesicht behielte. Aber auch diese vergnügung ihm zu
benemen / liesse sie den weissen flor über ihr gesichte herab fallen / und ware
recht ungehalten / dass er / so frei mit ihr ümzugehen / sich unterstehen dorfte:
massen sie / wann es der raum und die gelegenheit hätte leiden wollen / nicht
bei ihm verblieben sein würde. Esau aber fuhre nichts desto weniger fort / mit
ihr zu reden / und sagte: wann sie ihm ja die sprache und das gesicht entziehen
wollte / so müste sie dennoch seinen worten gehör geben. Hierauf offenbarte er
ihr sich ferner so deutlich / wie sehr er sie liebe / dass ihr unwille auf das
äuserste geriete.
    Wie alle opfere und andere übliche gebräuche in tempel verrichtet waren /
und die Koniginnen sich wieder nach der Konigin von Tyro palast begeben hatten /
drengten sich alle anwesende üm die Ahalibama / sie üm ihrem zufall zu befragen:
und die verwirrung ihres gemüts / auf den entfundenen schrecken deutend /
dankten sie alle dem Fürsten von Edom für die hülfe / die er ihr erwiesen hatte.
Die Konigin von Ninive raunete der Ahalibama ins ohr / wiedass der himmel sie
also bestraffet habe / weil sie in einen heidnischen tempel mit solcher andacht
gegangen wäre / die sie allein zu beehrung des wahren Gottesdiensts anwenden
sollen. Ahalibama / so nach der veränderung ihrer Aramena / wie die vom Tarsis
erzehlt worden / mehr als zuvor / die reden ihres sterbenden Eliesers / auch der
Königin von Ninive und ihres bruders vermanungen / beherzigt hatte / antwortete
dieser schonen Konigin in der stille: wiedass ihre begierde / den wahren
Gottesdienst zu lernen / bei ihr nicht geringer wäre / als der Königin gütigkeit
/ sie auf den rechten weg zu füren. Diese erklärung ware der Königin von Ninive
sehr lieb zu horen / und name sie ihr für / mit dem ersten / wann sie ihren
Gottesdienst verrichten würde / diese Prinzessin mitzunemen; vorher aber / durch
einen rechtgläubigen Philister / den sie in ihrem dienst hatte / sie im rechten
glauben unterrichten zu lassen.
    So bald aber Ahalibama von der gesellschaft sich absondern kunte / begabe
sie sich in ihren palast /dahin sie den vor dem tempel ersehenen mann vom
gebirge Seir beschieden hatte: weil sie begierig war /von ihrem vatterland etwas
zu hören. Als sie ihn fürgefunden / fragte sie ihn / nach der ursach seiner
ankunft / und nach dem Edomitischen kriege. Dieser / so Esban hiese / an statt
auf ihre frage zu antworten /hube an zu lachen: und indem fülete sich Ahalibama
von hinten zu ümfasset / da sie / das gesicht ümwendend / ihre base / die
Fürstin Mehetabeel / erkente. Ihre freude überwoge ihren schrecke / dass sie
diese ihre base herzlich wieder ümarmete. Sie kunte aber /über ihrer so
unverhofften ankunft / sich nicht gnug verwundern. Sie mäsigten aber zu beiden
teilen / ihre freude: in erinnerung ihres wie auch ihres vatterlands traurigen
zustandes / der rechtmäsigen betrübnis statt lassend.
    Endlich setzeten sie sich zusammen nieder / und sagte Ahalibama zu ihr: was
soll ich immer mehr gedenken / wehrte base / was die ursach sei dieser
unvermuteten ankunft? Dieselbe bist du liebste Ahalibama! (antwortete Mehetabeel
/) und der erbärmliche verlust meines einig-geliebten bruders / des armen Ebals:
nach dessen tod ich nicht länger auf dem Seirischen gebirge bleiben konnen /
allermeist da ich dich hier in Damasco zu sein erfuhre. Ich verneme aber /dass
auch hier unser abgesagter feind / und der mörder meines bruders / sich
aufhalte: welches dann meine ruhe / die ich hier finde / nicht wenig vermindert.
Der Fürst von Edom / (antwortete Ahalibama) ist hier in grossem ansehen: und wie
man unserem hause keinen beifall gibt / was diesen krieg angehet / also wird
auch dem Esau von der Königin von Ninive hülfe gegen die unsrigen widerfahren.
Wie reimet sich das /(fragte Mehetabeel) zu der liebe / welche / wie ich
vermeint / die Königin von Ninive gegen dir träget? Ihrer gnade (sagte
Ahalibama) kann ich mich sattsam berümen. Was aber den Fürsten von Edom anlanget
/so hält man hier / wie gesagt / dessen sache für so gerecht / dass ich so wenig
willen als vermögen bisher haben konnen / ihme worinn schådlich zu sein.
    Die Mehetabeel / weil sie den Esau von herzen anfeindete / hatte ihrer base
mit unlust zugehöret / und erzehlete ihr hierauf / wie es in Seir beschaffen:
wie der Ana ihre flucht von Sichem so übel entfunden; und wie es / seit dass sie
hinweggezogen / noch alles für die ihrigen wohl gestanden / indem / obgleich die
Araber sie verlassen / die Cananitische hülfe sich dargegen eingestellet hätte /
die der Fürst von Betel und der Prinz Ephron füreten. Bei nennung des Ephrons
/seufzete Ahalibama gar tief: dessen ursach die Mehetabeel leicht errahten kunte
/ weil ihr nicht unbekant war / wie Elieser / Ephrons bruder / von ihr geliebt
worden.
    Sie waren noch in solcher unterredung / als Aramena darzu kame / und / von
der Mehetabeel nichtes wissend / sie ersehend nicht wenig erschracke. Mehetabeel
/ in dieser kleidung den Dison nicht sobald erkennend / fragte die Ahalibama /
wer sie wäre? die dann weil sie vor dem Esban / ihren bruder nicht verrahten
mochte / ihr antwortete / wiedass es eine dame aus dem Ninivitischen frauenzimmer
wäre. Als aber Esban bald darauf hinaus gegangen / låchelte Ahalibama die
Mehetabeel an / und sagte: dünket dich nicht / diese dame eher gesehen zu haben?
betrachte sie nun recht! du wirst finden / was du hier nicht gesuchet. Als aber
Mehetabeel sich des Disons noch nicht erinnern kunte / sagte Aramena: wie /
meine base! habt ihr nicht dieses mein angesicht zu Dedan /und lezlich zu
Rabbat auf dem fest des Chamos / gesehen? Wie / Fürst Dison! (schrye Mehetabeel
voll verwunderung) muss ich / nach so langer zeit / euch in dieser verstellten
tracht finden? Wie viel tausend tränen hat / eure lezte entfürung aus Rabbat /
eure frau mutter gekostet! Wie nun diese dreie einander völlig erkennet /
erzehlten sie / was iedem seiter begegnet: da dann / zu grosser verwunderung des
Disons / Ahalibama unter andern auch fürbrachte / was sie im garten von einem
unbekanten gehöret / die Aramena betreffend. Sie wurde aber / durch verborgene
ursachen /die ihr selbst unbekant waren / zurück gehalten / die verwandelung der
Syrischen Aramena in den Dison ihnen zu offenbaren / ob gleich zwischen ihnen
von dieser Königin viel gesprochen wurde. Also verbrachten diese dreie / das
übrige des tags / in grosser vergnügung: da dann Ahalibama sowol / als die
Mehetabeel / dieser falschen Aramena sehr zuredeten / dermaleinst diesen
gefärlichen stand zu verlassen / welchen des Baleus liebe gegen ihr noch
beschwerlicher machete / und ihrem vatterlande båssere dienste zu leisten.
    Nachdem sie / miteinander folgends öfter zusammen zu kommen / und Mehetabeel
mit der Ahalibama / sich des andern tags bei den Koniginnen durch sie einfüren
zu lassen / abgeredet: schiede Aramena von ihnen / üm wieder nach der Königin
von Ninive palast sich zu begeben. Der verliebte Dison quälte sich die ganze
nacht hindurch / wie zwar nunmehr seine gewonheit ware / mit sorglichen gedanken
und konnte in verwirrter unschlussigkeit nit erwählen / wie er ferner seinen
wandel anstellen sollte: weil / die unschüldige und unvergleichliche Konigin von
Ninive långer also zu betriegen / unverantwortlich; ihre gegenliebe zu erlangen
/ unmöglich; sie zu verlassen / wider sein gemüte; und ferner Aramena zu heisen
/ so gefårlich /als seiner ehre nachteilig und verkleinerlich / sein wurde.
    Ware aber dieser liebhaber der schonen Delbois unruhig und voll sorgen /
entfunde der Cimber an seinem ort nicht mindere qual: die dann / mit des Disons
seiner / einerlei quellbrunn hatten. Dieser verliebte gienge in selbiger nacht /
mit seinem vertrauten Tubal / der nun wieder an seinen wunden genesen war / an
statt zu schlaffen / an den Pharphar spaziren; da er /unter andern klagen / die
er über sein widriges verhångnis ausschüttete / in diese worte gegen sich selbst
heraus brache: Ach unbesonnene liebe! wozu nützest du mir? Lasse mich doch frei /
üm der ruhe meines freundes / üm der vergnügung der vollkommensten Königin / und
üm meiner eigenen ehre willen / und zwinge mich nicht / diese alle zu
beleidigen. Hiemit schwiege er eine weile / finge aber bald wieder also an: Ach!
wie vergebens wünsche ich dieses / wann ich dein himmlisches bild / O schonste
Königin! mir fürstelle. Wer kann das / ohne entzückung betrachten? Wer kann es /
ohne liebe / ansehen? Solte die / deren alle creaturen an vollkommenheit weichen
müssen /nicht so mächtig gewesen sein / dass auch ich von ihr überwunden würde? Es
ist billig / dass ich sie liebe: aber mit einer solchen liebe / die meine
freundschaft nicht beleidige. Nein / nein / Abimelech! traue mir sicher zu / ich
will dich nicht betriegen; ich will dir die jenige nicht rauben / die dir deine
tugend / deine würdigkeit / und deine treue dienste / billig erworben haben.
Gönne nun / wehrter freund! dass ich sie / ohne hofnung / neben dir / mit der
erbarsten reinsten liebe anbeten dorfe / die iemals ein sterblicher in sich
entfunde.
    Als er dieses gesagt / wandte er sich zu dem Tubal / sprechende: Ach Tubal!
wiesehr hat mich / nun etliche tage nach einander / das anschauen meiner Konigin
vergnüget! Das kann ich nicht abnemen / (antwortete Tubal) an den seufzern / die
ich horen muss. Diese seufzer / (gabe Cimber zur antwort) sehnen sich nach der
verlornen gluckseeligkeit / und kann ich / in ermangelung der gegenwart meiner
schonsten Konigin /nicht anderst leben. Es ist wohl zu beklagen / (sagte Tubal /)
dass ein so grosser Fürst seine zeit also vergeblich hinbringen muss / der doch ein
båssers Glück /ja mehr als die Königin von Ninive / verdienet. Was /Tubal!
(fiele ihm Cimber ins wort /) hüte dich / mich so sehr zu beleidigen. Solte ich
dieser gottin wurdig sein können / welcher billig alle creaturen zu gebot stehen
sollten. Ach nein! du hast diese unvergleichliche gottin noch nicht recht
betrachtet / sonst würde dein urteil viel anderst fallen. Delbois ist zwar schon
(antwortete Tubal) und liebens würdig: weil sie aber anderweit schon liebt /
warüm sollte ich mir um eines andern gut / so viel qual machen lassen. Was uns
werden kann / das soll man wohl nicht bewundern / aber nicht vergeblich lieben.
    Köntest du auch wohl (fragte Cimber /) so ein urteil fällen / wann du iemals
die kraft der liebe recht entfunden hättest? Dass ich ehmals geliebt /
(antwortete Tubal /) solches ist in ganz Basan bekant. Dass ich aber auch der
unmoglichkeit gewichen / ist gleichfalls niemanden verborgen. Und wollte der
himmel / dass ich so mächtig sein könnte / ein gleichmäsiges fur des grossen
Cimbers herze zu erwünschen! wie vieler tausend zungen danksagungen wollte ich
dafür überkommen! Höre ja nur bei zeiten auf / (sagte Cimber /) also vergeblich
das jenige zu wunschen / so in meinen kråften nicht stehet zu erfullen. Mein
herz soll beständig bis in den tod die jenige lieben / die es einig und allein
hat besiegen koñen. Darf ich aber (wandte Tubal hergegen ein) wohl fragen / was
man dann durch diese liebe hoffet zu erlangen? Ohne vergessung des Abimelech /
und ohne verletzung der tugend dieser Königin / darf man ja an keine gegenliebe
gedenken! Ist aber / ohne diese hofnung / etwas zu verlangen?
    Cimber / als er eine weile ohne antwort verblieben / erinnerte sich der
Konigin ihrer reimen / die sie beim spiel auf seine gedanken gemachet / welche
er dem Tubal wiederholete.
Auf! hoffet in gedult. Wer weiss / was der gedenkt /
der alles / wie er will / nach seinem rate lenkt?
Dieses (sagte er /) war der trost / damit neulich die schöne Delbois mich
erquicket: dann ich solchen auf mich ziehe / weil sie damit auf meine schrift
geantwortet / wiewol sie die antwort dem Elihu zugestellet. Aber ach! was soll
ich hoffen? Nichtes mehr / als was ich bereits erlangt habe / nämlich ihre
gegenwart /und den trost / in ihrer liebe zu sterben. Was soll aber / (fragte
Tubal /) das arme Basan hiervon hoffen. Ach Tubal! (antwortete Cimber /) rede
mir doch nichtes ein! lass mich meinem verhängnis folgen / welches mir gebeut /
also zu leben. Hiemit / weil der morgen begunte herfür zu tagen / und die
müdigkeit den verliebten Cimber überfiele / begaben sie sich beide in den
königlichen schlossgarten / alda sie sich in eine läube schlaffen legten / und
nicht eher wieder erwacheten /bis der tag völlig war angebrochen.
    Als sie nun / nach dem Ninivitischen hofe zu gehen / den weg vor sich
genommen / begegneten ihnen auf dem grossen platz die drei Königinnen mit ihrem
frauenzimmer / welche eben nach dem Prinzen Tiribaces gingen / ihn zu besuchen:
dahin dann der Cimber und Tubal ihnen gesellschaft leisteten. Der Prinz von Tyro
/ befande sich in einem schlechten zustand / also dass die ärzte / der Königin
seiner frau mutter / die gefahr nicht verheelen kunten. Elihu / üm der Königin
von Ninive einen dienst zu tun / ware fast immer bei dem Tiribaces geblieben /
üm denselben aus seiner tiefen traurigkeit / wieder zu recht zu bringen: wie er
dann über sein gemüt schon soviel erlanget hatte / dass er sich still verhielte /
als die Königin seine frau mutter zu ihm kame / und ihr die ursach seines
leidens durch ungedultige worte nicht beimessete / wie er sonst in seiner
abwesenheit immer zu tun pflegte. Die Königin von Tyro ware seinetwegen
herzlich bekümmert /und suchete durch allerhand gespräche ihn aufzumuntern /
iedoch mit keinem worte der Orosmada gedenkend. Als sie auch den Prinzen Cimber
stehen sah /berieffe sie denselben für des Tiribaces bette: der sich mit in ein
gespräche einlassen musste / damit dem kranken Prinzen die gedanken desto mehr
vergehen möchten.
    Die Konigin von Ninive hatte bisher noch nicht gelegenheit erlangen können /
der Königin von Elam ihren bruder / den Prinzen von Assyrien / fürzuschlagen /
wie sie / solches zu tun / der Königin von Tyro versprochen. Demnach gedachte
sie hierzu sich dieser besuchung zu bedienen. Wie sie nun mit der Lantine von
der grossen gesellschaft sich abgesondert / setzeten sie beide sich zusammen
hinter des Tiribaces bette nieder: da dann die schöne Delbois die Konigin von
Elam bei die hand name / und mit einem freundlichen lächlen sie also anredete:
Ich bin so unglucklich gewesen / in meiner freiwerbung für den armen Tiribaces /
das ich wohl mich sollte abschrecken lassen / dergleichen verrichtungen mehr zu
übernemen. Ich wage es aber doch noch einmal / und mochte wohl wissen /ob ich
mich darf unterfahen / den Elamiten einen König fürzuschlagen. Lantine bliebe
über dieser frage ganz bestürzet / und sah die Konigin von Ninive mit
verwunderung an / die dann also fortfuhre / wie sie keine antwort bekame: Ich
habe bereits vordessen zu Babel mich gebrauchen lassen / meiner basen die liebe
des Prinzen meines bruders fürzutragen: welche zwar damals nicht wohl aufgenomen
worden. Doch schriebe ich solches den ümständen zu / da man üm die zeit meine
verheuratung mit dem Baleus so eiferig fürhalte. Nun aber zu Babel andere
ratschläge gefasset worden / und man alda sowol / als zu Tyro nichtes höher
wünschet / als Assyrien mit Elam vereinigt zu sehen: als wollte ich hoffen / der
Konigin Lantine ehmalige grausamkeit werde sich nun verlieren / und meinem
bruder sich geneigter / als vor diesem zu Babel / erweisen.
    Ich erkenne mich dafür / (antwortete die Konigin Lantine) der schonen
Delbois hoch verbunden / dass man also wohl für mein reich und für meine person
sorget. Allein / wann ich Aramena wäre / so wollte ich glåuben / dass der Prinz
von Assyrien üm dieses freiwerben wisse: da ich aber befahren muss / dass die
Königin von Ninive mir dieses alles / ohne des Prinzen wissen und willen /
anbringe. Diese antwort machte die Konigin Delbois nicht wenig betreten / weil
der Lantine vermuten wahr ware. Sie wollte aber / üm ihr fürhaben dadurch nicht
selber zu hintern / der Konigin von Elam nicht gestehen / dass ihr bruder hierüm
nichtes wüste: sondern dessen freies wesen gegen der Aramena entschüldigend /
versicherte sie dieselbe /dass der Prinz sonst nirgend liebe / und dieses Glück
/so ihme sein herr vatter / und die Königin von Tyro ihre frau mutter / so
eifrig zudächten / mit hochster begierde ergreifen und annemen würde. Uber
diesem bericht / welchen die Delbois folgends mit ümstånden bekråftigte / wurde
die Lantine nicht wenig beunruhigt: massen sie / die Konigin von Ninive ganz
beweglich anschauend / gar tief seufzete / und damit zu verstehen gabe / dass ihr
herz allbereit versaget wäre.
    Wann mir meine gedanken nicht triegen / (hube Delbois wieder an zu reden /)
so besorge ich warlich /dass mein bruder einen geliebten mitbuler habe. Ach
liebste base! (antwortete Lantine) es ist errahten: es stehet nichtes dem
unvergleichlichen Prinzen von Assyrien im weg / als dass ich / eh ich ihn gesehen
/ geliebt habe. Die Königin von Ninive / so hierdurch ihr vorhaben sah zu
wasser werden / vername mit unmut / was ihr die Königin von Elam entdeckte.
Jedoch /aus eigener erfahrung das leiden dieser Königin erkennend / bliebe sie
unentschlossen / sie ferner zu einer sache zu bereden / die ihrer liebe entgegen
ware / sagte derhalben: wann ich diesen glücklichen liebhaber kennete / oder
zuvor gewust hätte / dass mein bruder nichtes zu hoffen habe / wollte ich der
Königin von Elam keine ursach gegeben haben / dieserwegen ihr gemüt zu
beunruhigen. Die verträulichkeit / (gabe Lantine zur antwort /) deren sich die
Königin von Ninive gegen mir gebrauchet / machet mir nicht allein meine unruh
erträglicher / sondern låsset mir auch die hofnung / von ihr einigen beistand zu
erlangen / weil mir das mitleidige und hülf färtige gemute der unvergleichlichen
Delbois nicht unbekant ist.
    Durch diese rede wurde die schöne Königin bewogen / wider sich selbst zu
handeln / und ihr fürhaben hintan setzend / das zu befördern / was der Königin
von Elam in ihrer liebe konnte zu nutzen kommen. Demnach bezeugte sie ein
verlangen / zu vernemen /wer dann dieser bestimmte König der Elamiten sein
mochte? zumal ihr keiner beifallen wollte / es müste dann der Prinz von Gibeon
ihre strenge endlich überwunden haben / dessen zu ihr tragender liebe sie / aus
der Orosmada geschichte / sich erinnerte. Wann die Königin von Ninive (sagte
hierauf Lantine) die gedult nemen will / meinen lebenslauf anzuhören / so bin ich
bereit / alles zu offenbaren / was mich abhält / den König von Assyrien so wohl /
als meine frau mutter /in dieser fürgeschlagenen heurat zu vergnügen / uñ ihnen
gehorsam zu leisten. Mein verlangen hiernach /(antwortete Delbois) ist so gross /
dass ich wohl in dieser stunde selbiges möchte gestillet sehen: wie ich dann auch
nicht vermute / dass es uns hierzu dissorts an der zeit ermangeln werde / da die
Konigin von Tyro zweifels ohn den Prinzen ihren sohn sobald nicht verlassen
wird. Weil nun Lantine der Konigin von Ninive ein genügen tun wollte / als finge
sie alsofort an / ihr erzählen / was sie verlangte: die dann folgender gestalt
anhorete
 
               Die Geschicht der Königin Lantine und des Hadoran.
Als mein herr vatter / der König von Elam / noch in der regirung lebete / kame
flüchtig nach Elimais der Prinz Zipor / des Rehob lezten Königs in Moab sohn:
welchem die teutsche völker sein land genomen / uñ ihn aller königlichen würde
entsetzet hatten / also dass er / gleich einer gemeinen person / sein leben füren
musste. Dessen unerachtet / hatte die teutsche Prinzessin Aurinia / des berümten
Trebetes schwester / seine auf sie geworfene liebe wohl angenommen / und /wider
den willen der ihrigen / diesen Zipor geheuratet: welches dann ursach ware / dass
sie das land Moab verlassen / und in Elam schutz und sicherheit suchen mussten.
Sie fanden auch bei uns / was sie verlanget: indeme mein herr vatter sie mit so
willigem herzen aufname / dass / wann einige guttat der welt den Zipor seiner
verlornen kron hätte können vergessen machen / er bei meinem herr vattern
vollkommen-ruhig hätte leben können.
    Ein Jahr für der geburt meines bruders / des unglücklichen Amraphel / gebare
auch Aurinia dem Zipor einen sohn / welcher Hadoran genennet worden. Dieser
wurde nachgehends / wie bekant / mit meinem bruder und mir auferzogen / also dass
wir einander /von kindheit auf / als schwester und bruder geliebt /und in so
unschüldigem alter den unterschied nicht wussten / den unter uns das Glück und
der stand gemacht hatte. Als / nach meines herr vattern tode /meine frau mutter
zur andern heurat schritte / auch ich deshalben Elam verlassen / und der Königin
nach Tyro folgen musste: machte die zarte wechsel-neigung zwischen mir und dem
Hadoran / dass wir mit unmut von einander schieden. Unsere freude war üm soviel
grösser / als es sich bald hernach fügete / das mein bruder neben dem Hadoran zu
uns nach Tyro kame /und alda auch erzogen wurde.
    Die beide Prinzessinnen von Tyro / die Rahabine und Zoroastra / ingleichen
der Prinz Merotas / wiewol sie uns an jahren überlegen / waren doch neben dem
Amraphel / Tiribaces / mir / und dem Hadoran / unter einer zucht: da der weise
Elamite Niso über uns die aufsicht hatte / als welchem der König von Tyro alle
seine kinder untergeben / weil dieses klugen mannes geschicklichkeit /
sonderlich in wohl-erziehung der kinder / unvergleichlich ware. Es wollte aber
sein fleiss und mühe ihm nicht bei allen glucken: massen / so wohl zufrieden er
mit dem Amraphel / Tiribaces / mir /und dem Hadoran ware / so sehr beeiferte er
die böse natur des Merotas / und seiner beiden schwestern /sonderlich aber
dieses Prinzen / von welchem er oft sagte / dass ihme kein unartigers gemüte die
tage seines lebens fur gekommen wäre. Dieser unterschied der naturen nun
verursachete / dass wir uns in zwei teile sonderten / da Amraphel / Tiribaces /
ich und Hadoran stäts beisammen blieben: wiewol die liebe des Merotas gegen mir
/ und die gewogenheit der Rahabine und Zoroastra gegen dem Amraphel und Hadoran
/ sie mehr und öfter in unsere gesellschaft brachte / als uns lieb ware.
    Solcher gestalt / vergingen unsere kinder-jahre. Wie ich aber ålter worden /
und also zu mehrern verstande gekommen / sah ich wohl / dass ich mein leben
anderst anstellen / auch die verträulichkeit und gemeinschaft mit dem Hadoran
zurück setzen müste: zumal mein stand mich lehrte / nicht so frei mit einem
ritter / als mit einem Prinzen / ümzugehen. Demnach begunte ich den Hadoran
nicht anderst / als einen bedienten meines bruders / anzusehen: wiewol ich ihn
zum öftern in meinem herzen beklagete / dass ihn der himmel nicht glücklicher
lassen geboren werden. Hadoran / als er meine verånderung von tag zu tag spürete
/ ward hierob nicht wenig betrübet. Doch liesse er keine gelegenheit vorbei gehen
/ mich zu sehen / und /so oft es sich schicken wollte / üm mich zu sein.
    Die Rahabine / wie ich schon gesaget / liebete meinen bruder den Amraphel /
gabe ihm auch solches nicht unklar zu erkennen: da hingegen er gegen ihr so
einen widerwillen truge / dass ihme nichtes so unangenem / als dieser Prinzessin
gesellschaft / ware. Hadoran hätte sich auch gern der ehre überhoben gesehen
/die ihm Zoroastra erwiese. Weil er aber seine verachtung gegen ihr nicht also /
wie der Amraphel / dorfte merken lassen: als ware sie mit ihm vergnügter / dann
ihre schwester mit diesem Prinzen; er aber hingegen üm so viel geplagter / als
der Amraphel / weil er täglich das von ihr hören musste / dessen er lieber von
mir nur den zehenden teil hätte vernemen mögen.
    Gleichwie nun er gequälet war / also befande auch ich das meinige bei der
aufwartung des Merotas / der sich ganz herrisch meinen liebhaber nennte. Wie ihn
dann nichtes mehrer schmerzete / als dass ich das grosse Glück / darein mich seine
liebe setzen würde /nicht gnugsam erkennen wollte. Weil er nun / als der
Kronprinz / im grossem ansehen war / und die Königin meine frau mutter mir
ernstlich gebote / ihme mit aller höflichkeit zu begegnen / damit ich nicht
widrigen falls des Konigs hass auf mich und meinen bruder laden möchte: als
erdultete ich von ihme / was mir immer möglich war; daher mir der Amraphel mit
worten / Hadoran aber mit gebärden / oft verwiese / dass ich allzu gefållig wäre.
    Es bliebe nicht bei dieser plage allein / sondern die beide schwestern
wehlten mich auch zur vertrautin in ihrer liebe. Die Rahabine entdeckte mir /
dass sie ganz nicht mit der kaltsinnigkeit meines bruders zufrieden: die
Zoroastra aber klagte mir / dass Hadoran gar zu ehrerbietig wäre / und die
eröffnung ihrer liebe nie verstehen wollte. Ich wandte zu seiner entschüldigung
ein / dass er / als ein mensch von Glück / seine gedanken niemals zu einer
Königlichen Prinzessin erheben würde: und des Amraphels kaltsinnigkeit / begunte
ich mit seiner jugend zu entschüldigen. Sie wollten aber beide hiemit nicht
zufrieden sein / sondern trugen mir / ohne dass eine von der andern wusste / diss
gewerbe auf / dass ich den Amraphel erkentlicher / und den Hadoran küner machen /
zugleich auch diesem lezten die hofnung geben sollte / dass er durch diese heurat
etwan noch König in Bactra werden könnte / als an welches reich sie grossen
anspruch hätte. Wiewol ich nun nicht willens war / ihnen in ihrem begehren
verholfen zu sehen / so brachte ich doch an beiden orten mein gewerbe an: da der
Amraphel mir kurzen bescheid gabe / Hadoran aber hierdurch gelegenheit fand /
mit so verblümter art mir seine liebe zu verstehen zu geben / dass / so ungern
ich auch mich dessen von ihm überreden wollte / ich dennoch die warheit besorgen
musste.
    Das / so ich iezt verneme / (sagte er zu mir) ist für ein so ungemeines
Glück zu achten / dass einer alles in der welt dahin geben sollte / nur üm die
geringste hofnung / keine ungnade zu verdienen / wann man sich also verkünet /
etwas zu lieben / dessen überkommung man ihme niemals einbilden kann. So heget
ihr dann (fragte ich ihm) eine heimliche liebe in eurem herzen / gegen die
Prinzessin von Tyro? Ich bekenne es / (antwortete er) dass ich über meinen stand
liebe /und dass dieselbe sonder hofnung ernehret wird / auch nichts als schwere
strafe mir zuziehen kann / weil ich also sehr die ehrerbietung beleidige / die
man gegen Königlichen personen bezeugen muss. Ihr habt nichtes zu fürchten /
(sagte ich darwider /) weil ich ja euch iezt ihre gewogenheit entdecket / und
sie von euch haben will / dass ihr weniger ehrerbietig und mehr verliebt euch
anstellen sollet. Ach grosse Prinzessin! (gabe er mir seufzend zur antwort) weil
ich lebe /werde ich nie aus dem schranken der schuldigsten ehrfurcht schreiten /
und zwar ewig lieben / aber auch ewig schweigen. Ihr beleidigt aber eure
geliebte /(wandte ich hergegen ein) wann ihr ferner schweiget. Zoroastra will /
dass ihr saget: ihr liebt / und sie sei geliebt. Hierauf fuhre er fort zu
seufzen / und antwortete mir nichtes: dass ich also nicht wusste / wie ich mit ihm
daran war. Endlich drunge ich auf seine erklärung / und fragte / ob ich dann die
Zoroastra vertrösten sollte / dass er hinfüro / ihrem befehl gemåss /sich anderst
erzeigen wollte. Ich werde schweigen /(antwortete er mir) bis die Prinzessin von
Elam mir zu reden befihlet.
    Hiemit verliesse er mich / und stunde es nicht lang darauf an / da kame
Zoroastra zu mir / meine verrichtung zu vernemen. Ich wusste ihr nicht zu sagen /
wie dieselbe eigentlich abgelaufen war. Und weil mich /sowol ihr gemüte / als
Hadorans grillen / ganz unwillich gemacht hatten / als vergasse ich / dass man
gegen die töchter im hause sich zwingen müste / und sie ungestümmer weise
verlassend / sagte ich zu ihr: sie mochte doch meiner verschonen / und hinfüro
sich anderer gebrauchen / ihr in ihrer liebe zu dienen. Weil ich die Rahabine
folgends eben also abgefårtigt / als lude ich damit den hass dieser beiden
schwestern so vollkommen auf mich / dass sie keine verfolgung wider mich
anzuspinnen unterliessen. Merotas / ob er gleich mich liebete / hassete iedoch
den Amraphel aufs äuserste / allermeist weil seine schwestern ihn hierzu
anreitzeten. Also hatte der boswicht Alaris nicht grosse mühe / diesen
boshaftigen Prinzen dahin zu bereden / dass er den Amraphel sollte niedermachen
lassen. Die Königin von Ninive wird / aus des armen Amraphel lebensgeschichte /
sich dessen noch wohl zu erinnern wissen / und wie dieser vorhabende meuchelmord
durch den Hadoran entdeckt und untermittelt worden.
    Um des willen nun / kame es mit meinem bruder heimlich zur abreise /
wordurch meine frau mutter und ich in grosse betrübnis gesetzet wurden: und
fülete ich damals am ersten / als Hadoran abschied von mir name / dass er mir
ungemeiner als andere war. Doch liesse ich mich dessen gegen ihme nicht merken /
sondern befohle ihm meinen bruder / mit dessen erwehnung ich die tränen
entschuldigen konnte / die mir wider meinen willen aus den augen herfürbrachen.
Ihn sah ich hingegen / so betrübt er auch war / im geringsten nicht die
ehrerbietung überschreiten.
    Als sie nun hinweg waren / und nachgehends zu Tyro ihre abreise ruchtbar
worden / setzete solches den ganzen hof in grosse unruh: da die Rahabine und
Zoroastra schier wollten unsinnig werden / dass sie die / welche sie liebten /
nicht mehr sehen sollten. Niemand ware frolicher / als Merotas: der dann eifriger
/als iemals / seine liebe gegen mir fortsetzete. Meine frau mutter aber / ob sie
gleich wünschen sollen /mich durch diese heurat stäts bei sich zu behalten
/hatte ihr absehen dahin gerichtet / mich durch verheuratung an meinem bruder /
nach Assyrischen brauch /der einst Konigin in Elam / zu sehen. Dannenhero
beredte sie den Konig ihren herrn dahin / dass er den Merotas / mit des Konigs
von Hebron tochter der Corycide / zu verehlichen suchete: wie dann diese heurat
dem hause Tyro / üm dadurch mit den Cananitern in bundnis zu kommen /
fürträglich schiene. Merotas suchete anfangs / durch allerlei mittel / diese
heurat zu hintertreibin. Ich aber / hierdurch erkünet / hube an /diesen Prinzen
liederlicher zu halten / und scheuete /mich nicht mehr / ihn zu beleidigen. Um
des willen änderte er seine Meinung / und ganz übel mit mir zufrieden / reisete
er nach Kyriat-Arba: von dar wir /ungefår ein halbes jahr hernach / die zeitung
von seinem tode bekamen.
    Die hierauf erfolgte allgemeine trauer des hofes /gereichte mir zur
beruhigung; und die Konigin meine frau mutter fienge nun an / etwas mehr zu
gelten / als vorhin / indem ihr sohn / der Prinz Tiribaces / hierdurch der
nåchste erbe zur kron wurde: dann weil der Konig auf diesen Prinzen seine ganze
zuneigung warfe / als kunte ihr dadurch die Königin allen vorteil schaffen /
ihre anschläge und ihr bästes zu befördern. Der König von Assyrien / wünschete
hierauf nicht allein meiner frau mutter Glück / zu der erhohung ihres sohns /
sondern schickete auch den Prinzen Baleus an unsern hof: dessen ankunft bei uns
übergrosse freude erweckte / so wohl seiner person wegen / die iederman lieben
musste / als auch wegen der ehre / die ihr die Königin hiervon machete / dass ihr
bruder / als der mächtigste König der welt / sich ihrer auf so verbindliche
weise erinnerte. Mittlerweile dieser Prinz bei uns war / erfreuete uns noch eine
überaus-gute zeitung / wie nämlich mein bruder / der Amraphel / sein reich /
allen seinen feinden zu trotz / glücklich erobert hätte / und nunmehr seinem
vätterlichen tron in frieden besässe. Welches dann ursach gabe / dass meine frau
mutter den schluss fassete / in begleitung des Prinzen Baleus die weite reise zu
ubernemen / üm ihren sohn in Elam zu sprechen.
    Wie wir / auf der hinreise / zu Babel entfangen worden / wie wir die schone
Delbois daselbst kennen lernten / und wie der Prinz von Assyrien mir
aufgewartet: solches ist meiner basen so wohl / als mir / bekant. Meine frau
mutter hielte damals die fäste einbildung von euer beider verlobung zurücke /
dass sie mir nicht befehlen mochte / des Baleus liebe anzunemen. Ich meinesteils
muss wohl gestehen / dass meine ehrsucht mir des Prinzen liebe nicht zuwider sein
liesse. Doch quälete mich dabei des andenken des Hadorans: daher ich den befehl
der Konigin ruhig anname / der liebe des Baleus mich zu entschlagen.
    In Elam / bekame ich nun den König meinen bruder / neben dem Hadoran /
wieder zu sehen / und das vorhaben meiner frau mutter wissend / liebete ich den
Amraphel / nicht allein als meinen bruder / sondern auch als meinen künftigen
ehgemal. Ich wollte auch mir ganz aus den sinn schlagen / dass Hadoran wider mein
wissen und willen in meinem herzen wonete: welcher seine vergnugung / meine
gegenwart wieder zu haben / so wenig bergen kunte / dass die aus allem seinem
tun hervor schiene. Es liesse aber / kurz nach unserer ankunft / die Königin dem
Amraphel antragen / dass er mich ehlichen sollte: worzu alle stånde des reichs
sehr geneigt waren / und nichtes lieber als dieses wünscheten. Er aber / der
damals schon die Prinzessin von Ophir liebete / horte dieses anbringen betrübt
an: weil es ihme sehr nahe ginge / seiner frau mutter zu widerstreben. Demnach
sandte er den Hadoran / als seinen vertrautesten / an mich ab / mir seine liebe
zu der Indaride zu entdecken: der dann diss gewerbe willig über sich name / und
hiernächst durch mich die Königin üm so viel eher zu gewinnen verhoffete / dass
sie von ihren fürhaben abstünde.
    Ich kann nicht sagen / mit was guter art und beredsamkeit der Hadoran dieses
bei mir abgeleget; da er unter andern / nachdem er mir den ganzen zustand in
Ophir entdecket / zu mir sagete: Ich muss bekennen /dass Elam glücklich wåre /
wann es die Lantine zur Konigin erlangte. Wer weiss aber / welchem lande der
himmel diese seeligkeit vorbehalten hat? und wollte ich mich überglücklich
preisen / wann ich / auch durch dargebung meines blutes / darzu behülflich sein
könnte / den grösten tron der welt der Prinzessin von Elam zu verschaffen. Ich
gestehe es / (antwortete ich ihme /) dass ihr mein gemüte vollig kennet: massen
die begierde / eine kron zu tragen / mir angeboren ist /daher ich auch niemals
andere / als nur Konige / lieben werde. Ich gönne der Prinzessin von Ophir gerne
/ dass sie den Elamitischen tron besitze / nun es der himmel also versehen hat;
und will / meines bruders ruhe zu befördern / die Königin schon dahin bereden
/von ihren fürhaben abzustehen.
    Diese erklårung / liesse den Hadoran sehr vergnügt / und sah er zwar gern /
dass ich so kaltsinnig von der Elamitischen kron abtrate / weil er folgbar bei
mir keine liebe zu dem Amraphel vermuten dorfte: darbei aber horte er sehr
ungern / dass auser Königen keiner meine gegenliebe erlangen sollte. Um dess willen
verwandelte er die farbe / und tief seufzend / sagte er zu mir: Ach wie
glücklich sind doch die Konige / für uns anderen. Deme der himel / (gabe ich
etwas unbedachtsam zur antwort) ein dapferes herz und einen hohen sinn verliehen
hat / dem kann nie die gelegenheit ermangeln / ein König zu werden. Hadoran /
über diesen worten ganz vergnügt / sah mich erfreuet an /und hieraus hofnung in
seiner liebe schöpfend / sagte er zu mir: Wer wollte / auf so gütige aufmunterung
/üm der Lantine würdig zu werden / nicht unmöglicher dinge sich unterfahen? So
soll dann das Moabitische reich / so schwer es auch scheinet / seinen rechten
herrn wieder bekommen / wann mir / dieses fürzunemen / die Prinzessin befehlen
will.
    Hiemit / wann nicht eben wår der Prinz Sadrach dazu gekommen / würde ich
sehr betretten gewesen sein / dem Hadoran meinen zorn / meine vergnügung / und
meine schwachheit / zugleich wohl fürzustellen und auch zu verbergen. Dieser aber
halfe mir davon /dass ich dem Hadoran nichtes antworten dorfte. Ich begabe mich
hierauf zur der Königin / welcher ich entdeckte / wie die Prinzessin von Ophir
des Amraphel geliebte wäre. Ich bate sie hierneben / dass sie von diesem ihrem
fürhaben abstehen wollte: zumal ich mich nicht würde entschliessen können / einem
so lieben bruder seine vergnügung zu benemen. Meine frau mutter horte dieses
nicht mit solcher ruhe des gemütes an / als wie ich es fürgebracht und von dem
Hadoran erfahren hatte: sondern sie ware ganz übel damit zu frieden / weil ihr
vielleicht der sinn zutragen mochte /dass diese liebe in Ophir des Konigs Amrahel
tod verursachen wurde. Folgenden tags kame er selber zu ihr / und truge ihr
seine liebe mit solcher häftigkeit für /dass sie wohl spürete / es würde alles
vergebens sein /was sie dagegen einwenden wollte. Sie suchete aber durch
heimliche mittel dazu zu gelangen / und triebe es durch die rähte des Konigs /
dass abgesandten nach Ophir abgefärtigt wurden / die aufrürer des reichs /als den
Kajumaras und seinen anhang / von dem Konig Iaziz abzufordern: verhoffend / dass
/ auf versagung dieser personen / das erzürnte gemüt des Königs von so widriger
liebe abstehen würde.
    Der Niso und Mildor namen diese reise uber sich /und mitlerweile sie ausen
waren / wurde Amraphel seines liebsten Hadorans freiwerber / und überredete mein
ohndas-gewonnenes gemüte dahin / dass ich diesem Moabiter erlaubte / mich zu
lieben: doch dass er nie meiner begehren sollte / als wann entweder die götter ihm
auf seiner vätter tron in Moab verholfen /oder er sonsten durch seinen degen
ihm eine kron erworben hätte. Seine zufriedenheit über dieser meiner erklärung
war so gross / dass er die harte ümstände nicht betrachtete / mit denen diese
meine zusage verknüpfet und bedinget war: und schätzete er sich seelig / dass er
meine liebe hoffen dorfte / obgleich die bedingnis / mir zuvorhin eine kron zu
erwerben / erfüllet werden mussten.
    Es erzeigte sich aber dazumal eine gelegenheit / die ihm einige hofnung
geben konnte / so schwere bedingnis zu erfullen. Dann / als nach dem tode des
alten Marsius Königs zu Basan / ein gewaltiger aufstand in denen von ihm
eroberten reichen / als Basan Moab und der Amoriter gebirge / entstunde / da die
überwältigte und unter das teutsche und Celtische joch gebrachte einwoner dieser
länder / der Königin Salamis / üm die teutschen auszujagen / zufielen: als name
ihm Hadoran für / bei solcher unruhe der Moabiter /sich ihnen als ihren erbherrn
zu zeigen: ob er vielleicht ihren beistand / zu wiedereroberung seines
vätterlichen erbtrons / erlangen mochte. Der Konig Amraphel versprache ihm
hierzu alle hülfe / und erlaubte ihm / so lieb er ihn auch üm sich hatte / mit
einem kriegsheer nach Moab fortzugehen. Sein munteres wesen / welches in ihm die
liebe und ehre durch diese hofnung erwecket / machete mir seine gegenwart
angenemer / als sie iemals gewesen. Doch stimmete ich gern mit ein / dass er
diesen zug verrichten möchte: weil solcher ihme dazu beforderlich sein sollte /
dass er folgends meiner begehren dörfte.
    Als nun der König / Hadoran und ich / eines tags hievon zusammen uns
unterredeten / kame Hadorans vatter der Zipor dazu: welcher in grossem ansehen
bei dem König lebete / weil er sehr viel dazu geholfen /dass derselbe die vier
rebellische regenten und ihren mächtigen anhang vertreiben können / und auf den
tron gelanget war. Sein sonderbares anligen / so er hatte / schiene aus seinen
äuserlichen gebärden gnugsam herfür. Er bate aber den Konig / zu vergeltung
seiner treuen dienste / ihm die gnade zu tun / dass er nach Moab reisen / und
bei iezigem zustande sein leztes heil versuchen möchte / entweder ehrlich zu
sterben / oder seine verlorne kron wieder zu erlangen: zumal / nach verseumnis
dieser gelegenheit / wohl nimermehr eine solche sich wieder eräugen möchte.
Amraphel und Hadoran sahen hierauf einander an /und wusste der König nicht / ob
er dem vatter des sohnes gleichmäsiges begehren eroffnen sollte.
    Wie er demnach mit der antwort verzoge / brache Hadoran selbst heraus / und
nicht meinend / dass dieses beginnen seinen vatter verdriessen könnte / sagte er
ihme / wie er gleiches vorhabens wäre / und hierzu allbereit vom König hülfe und
erlaubnis erlanget hätte. Der alte Zipor stache hierob an / als ein feuer.
Seinen zorn aber in des Königs und meiner gegenwart mäsigend / sagte er: Ich
hoffe / Ihr. Maj. werden mich nicht für so unvermöglich ansehen / dass sie mir
diese ehre entziehen sollten / selber mein reich wieder einzunemen. Hierauf ware
der König bemühet / ihn wieder zu frieden zu sprechen / und ihn dahin zu
überreden /dass er seinem sohn diese verrichtung überlassen möchte. Zipor aber
wollte nicht davon hören / und wie ohne völlig-erlangten schluss sie von einander
gegangen / liesse er nachgehends seinen unwillen gegen dem Hadoran sattsam aus /
und bestunde nicht allein darauf / selbst diesen zug nach Moab zu übernemen
/sondern er wollte auch seinen sohn nicht dabei haben /welcher bei dem Konig
verbleiben sollte. Hierdurch sah nun Hadoran seine hofnung sehr geschmälert /und
musste er es sowol als der Konig geschehen lassen / dass Zipor fur ihn diese
gefärliche reise ubername: welcher / nach art vieler alten vätter / aus
eiversucht seinem sohne misgönnete / sich des rechtes seiner geburt bei seinem
leben zu bedienen.
    Der arme Hadoran / bliebe fast ganz verzweifelt zurücke: weil er nun auf das
zweifelhafte Glück seines vatters alle seine hofnung gründen / und befahren
musste / dass durch ihn nicht so eiferig / als er ihm solches furgenommen / dieses
grosse werk dörfte getrieben werden. Seine traurigkeit name auch hierüber also
überhand / dass er nach diesem alle gesellschaften meidete / und gleichsam wie im
spiegel zuvor sah /wie dieses ablaufen würde.
    Bei solchem zustande / kamen unsere gesandten mit schlechter verrichtung /
aus Ophir / wieder nach Elimais / und brachten dieses mit / dass der krieg wider
Ophir beschlossen / und bereits angefangen wäre. Ob nun zwar die Königin die
verbitterung ihres sohns wider die von Ophir gern sah / so musste sie doch mit
betrübnis vernemen / dass der König noch wie vor in die Indaride verliebt bliebe
/ und noch nicht / wie sie wohl gehoffet / diese seine neigung ändern / auch
selber in diesen gefärlichen krieg mitziehen wollte. Die Zeit / nach Tyro
wiederzukehren /kame indessen an / und mussten wir also übel zufrieden von
Elimais wieder abreisen: da ich den halb-verzweifelten Hadoran / in seiner
unruhe / nicht ohne entfindung verlassen konnte. Er begleitete uns bis an die
gränzen des reichs; und wie es zum abschied-nemen kame / redete er mehr mit
gebärden / als durch worte. Er dorfte sich nicht unterfahen / über meine
einmalige erklårung ein mehrers von mir zu begehren: daher er schier auser
hofnung bliebe / und ich gleichfalls so unruhig / als standhaft / in meiner
Entschliessung / keinen als einen König zu lieben / verharrete.
    Wie es mir nachmals zu Babel mit dem Prinzen von Assyrien ergangen / und wie
Eldane an statt meiner gewehlet worden / ist bekant / und daher unnötig zu
erzählen. Ich muss aber ferner sagen / wiedass eine geraume zeit hernach / als wir
zu Tyro wieder angekommen waren / überall die zeitung erscholle / dass der Konig
Marsius wieder lebendig worden; dass die Salamis / mit ihrem anhange / Basan
verlassen; und dass der Zipor mit den Elamiten / die in Moab etwas beginnen
wollen / bis aufs haubt wåre geschlagen worden. Ich kunte leicht ermessen / wie
dem Hadoran hierüber zu muht sein würde: den ich zwar herzlich beklagte / aber
auch dabei gedachte / dass der himmel unsere heurat nicht beschlossen håtte / und
darüm soviel hinterliches dazwischen schickete. Hieneben aber bliebe ich ihm
beständig gut / und konnte mich nicht überwinden / in eine andere liebe
einzuwilligen: wie dann der Prinz von Gibeon mir ohne nutzen aufgewartet /
dessen meine base aus der Iphis erzehlung sich noch erinnern wird.
    Die verfolgungen der Zoroastra und Rahabine /verbitterten mir zwar meine
tage zu Tyro / also / dass mich wohl hinweg hätte verlangen sollen. Als ich aber
in solcher unruhe ein zeitlang gelebet / bekame ich unvermutet die nachricht /
dass der Hadoran in Tyro angelanget wäre. Ob die freude / oder das entsetzen
/damals in mir den fürzug gehabt / kann ich nicht melden. Die gute post aber /
die er uns mitbrachte / von des Amraphel sieghaften waffen in Ophir / und von
dessen glucklicher wiederkunft nach Elimais / machte meine freude so fürgültig /
dass ich unter dieselbige unvermerkt auch des Hadorans gegenwart mit ziehen
kunte. Nachdem er bei der Königin gehor gehabt / legete er auch bei mir von dem
König meinem bruder sein gewerbe ab: welches als ich eingenommen / und ihn
dieserwegen wieder abgefärtiget hatte / bliebe er dennoch stehen / üm ein
mehrers mit mir zu reden.
    Sein verwirrtes und betrubtes aussehen / machete mich gleich vermuten / was
sein anbringen sein würde: daher ich / ein ernstliches wesen annemend /ihn
fragte / ob er noch etwas anzubringen hätte? Hierauf / ohne mir zu antworten /
stürzeten ihm die tränen aus den augen: worbei er so erbårmlich sich anstellte
/dass ich meine entfindlichkeit hierüber nicht bergen kunte. Ich überwande mich
aber / und sagte wider zu ihm: Ich sehe wohl / Hadoran! dass ihr mir / an statt der
kron / eure tränen bringt. Nicht allein meine tränen /grosse Prinzessin! (gabe
er mir zur antwort /) sondern auch meinen tod: weil eines andern unglück mich
unfähig machet / der Lantine den tron zu geben / durch den sie mich glucklich
machen wollen. Ich halte euch fur unschuldig / Hadoran! (ware meine antwort /)
aber dabei auch für sehr unglücklich. Doch versichert euch / dass ich euer leiden
mit füle. Es stehet aber uns menschen zu / dass wir dem willen des himmels und
dessen schlusse gehorsamlich folgen. Ich will demnach hoffen / euer unglück werde
euch nicht sowol eure grosmut / als eure vergnügung / rauben können. Ach
Prinzessin! (antwortete er seufzend /) was hilft mich meine unschuld? was hülft
mich meine grosmut? wann ich sonder hofnung lebe soll. Wofern ihr hieran
verzaget / (sagte ich hinwiederum) dereinst eine kron zu tragen / so habt ihr
nichts von mir zu hoffen. Versichert euch aber dessen / dass / so wenig ich
iemals einem andern / als einem König / will zu teil werden /so wenig soll /
auser Hadoran / einiger sterblicher meiner liebe geniessen.
    Hiemit bote ich ihm die hand / zur versicherung dessen / was ich ihme
versprochen; und als er die ganz entzücket zum munde gefüret / sagte ich ferner:
Vergnüget euch mit meiner erklärung / daraus ihr ja ersehen könnet / wie mein
gemüte gegen euch gesinnet sei; und gläubet nur / dass ihr nicht alleine leidet.
Wen sollten diese grosmütige versicherungen (antwortete er mir hierauf) nicht so
mutig machen / kronen zu erwerben? Ja / liebste Prinzessin! ich bin mehr als wohl
zu frieden / dass Lantine nur Konige lieben will: und schwore ich hiemit bei
allen göttern / nicht mehr für meiner Prinzessin augen / als mit einem gekröntem
haubte / wieder zu kommen. Dieses sagte Hadoran mit solcher freudigkeit / dass
seine vergnügung auch die meine erweckte. Weil er nun bei uns in Tyro nicht
långer bleiben wollte / als verlore Zoroastra ihre augenweide bald wieder / indem
er nach wenig tagen von uns zoge: mit dem fürsatz / entweder zu sterben /oder /
durch hülfe des Königs meines brudern / seinen väterlichen tron wieder zu
erlangen.
    Als er zu Elimais wieder angekommen / musste er sein verlangen der begierde
des verliebten Amraphel nachsetzen / und zuvor eine gesandschaft nach Ophir
übernemen / ehe er an sein vorhaben gedenken kunte. Nachdem aber dieselbe
abgeleget war / und nachgehends der unglückliche König / unter den namen des
Sadrach / nach Ophir reisete / bliebe Hadoran zurücke: deme der Konig die volle
macht überlassen hatte /mit einem heer der Elamiten alles anzufahen / was zu
seinem grossen fürhaben in Moab ihme dienlich sein konnte. Der Zipor dorfte nun
seinem sohn sich nicht mehr widersetzen / sondern liesse ihn allein machen: weil
er selber für seine person / in diesem fürnemen /so unglücklich gewesen war.
Also reisete der hofnung-volle Hadoran / mit seinen geworbenen Elamiten / nach
Moab / und begabe sich zu seinem vettern /dem Konig Hanon von Ammon: von dem er
raht und tat in seinem fürhaben zu erlangen vermeinte. Weil nun der ein
abgesagter feind der teutschen war / als beförderte er des Hadorans begehren üm
so viel eifriger / und täte ihm allen vorschub / sein grosses beginnen zu
vollfüren. Wie es ihm allda ergangen / erfuhre ich von der Prinzessin Ammonide /
welche eben üm selbige zeit / fur ihrem herrn vatter flüchtig / zu uns nach Tyro
kame: deren auch Hadoran / neben den Prinzen Baalis ihrem bruder / so heimlich
hinweg geholfen / dass der Konig Hanon nicht das geringste davon innen worden. Er
ware aber seinen kindern darüm so aufsätzig / weil durch sie / sein todfeind der
Konig Marsius / aus seiner haft entkommen.
    Hadoran triebe dieses gefärliche werk mit solcher fursichtigkeit / und so
heimlich / dass er alle die grossen in Moab auf seine seite bekame / ehe ein
mensch in Basan etwas davon gewar wurde. Nach geraumer zeit / wurde ein anschlag
auf die Konigliche haubtstadt Rabat-Moab gemacht: welcher / unter wårenden
feste des gottes Chamos / wann alle mannsbilder aus der stadt sein / und den
weibern ihren gottesdienst zu verrichten / raum geben würden / fortgehen sollte.
Also reisete Hadoran / bei nacht aus Rabbat / welches von Rabat-Moab zwanzig
meilen gelegen ist / und erreichte endlich das tal Hinnon: allwo die grossen in
Moab / so seiner gewartet / ihn aufnamen / und als ihren Konig entfingen. Es
wurde daselber abgeredet / dass sie den siebenden tag des festes erwarten / und
alsdann in die stadt einbrechen wollten: gegen welcher zeit der König von Ammon
etliche tausend mann zu hülfe zu schicken versprochen. Kaum aber aber war der
erste festtag zu ende gelaufen / da kame unverhoft ein geschrei / wiedass man in
Rabbat Moab eingefallen / und viele frauen vom fest hinweg gefüret hätte. Die
grossen in Moab / so alle ihre weiber auf diesem fest mit hatten / wurden so
ergrimmet über diesen raub / dass sie / des Hadorans bestes hintan setzend / auf
ihre rache gedachten / und /ihn in höchster verwirrung mit seinen Elamiten
allein verlassend / ihren weiber-raubern nacheileten. Also sah der arme Hadoran
seinen anschlag krebsgängig /und konnte er nichtes mehr tun / als dass er in
höchster eile nach dem König Hanon iemanden abschickete /ihme dieses zu
berichten / und bei ihme üm entsatz anzusuchen.
    Dieser abgefärtigter bote bliebe über die zeit aus /und sah Hadoran nicht
einen von den Ammoniten ankommen. Seine ausgeschickte kundschafter aber
/brachten ihm von Rabbat Moab die zeitung / dass niemand / als die Königin von
Saba / und die Prinzessin von Cus / entfüret worden / und dass nunmehr daselbst
alles wieder still wäre. Wie nun endlich der siebende tag erschienen / und sich
weder von Moabiten noch Ammoniten iemand einfunde: wagete es der verlassene
Hadoran auf ein verzweifeltes Glück / und ginge mit seinen Elamiten los / üm
Rabbat Moab zu überrumpeln. Als sie unfern der stadt gekommen /funden sie ein
grosses heer teutschen für dem tor /welche nach dem verübten raube sich dahin
geleget /üm ferneres unheil zu verwehren. Hadoran / der entweder den tod oder
den sieg suchete / setzete mit den seinigen frisch unter sie hinein / und fochte
so dapfer /dass er einen durchgang machete / uñ glücklich in die stadt kame. Es
wurde ferner ihm nicht saur / die tore zu besetzen / weil kein mannsbild in der
stadt vorhanden war. Er liesse das frauenzimmer / welche nur wollten /
unbeschädigt ausziehen / und täte alsofort dem König von Ammon zu wissen / wie
es ihm erginge: mit der bitte / nunmehr ihme eiligst volk zu schicken /damit er
sich fäst setzen könnte.
    Dieser Konig aber / welcher erfahren / dass Hadoran dem Prinzen und der
Prinzessin seinen kindern davon geholfen hatte / fassete gegen ihm einen so
bittern hass / dass er ihn ganz hülflos liesse / und ferner an ihn sich nicht
kehren wollte. Der Stattalter in Moab /der Fürst Trebetes / so stäts beim König
Marsius in Basan war / hörete dieses unwesen in Moab nicht so bald / da kame er
mit ein gewaltigen heer für Rabbat Moab: daher die grossen in Moab / welche
anfangs Hadorans seite gehalten / nun verschüchtert und verzagt wurden / und
sich ferner für ihn nicht erklären wollten. Der verzweifelte Hadoran / der sich
in dieser äusersten noht sah / wollte sich dannoch halten / so lang er kunte /
und sich nicht anderst als todt aus der stadt bringen lassen. Er färtigte aber
eiligst einen nach Elam ab / seinen betrübten zustand alda kund zu machen. Bis
dass nun dieser wieder kame / und die verhoffte hülfe für ihn erlangte / hielte
Hadoran die belägerung aus / und machete mit seinen wenigen dem feinde viel zu
schaffen.
    Als aber sein abgeschickter aus Elam wiederkame /brachte er die post /
wiedass alles / was in Elam nur aufzubringen wäre / dem König Amraphel nach Ophir
müste nachgesandt werden. Er brachte ihm auch / von diesem seinem liebsten herrn
/ ein handschreiben: worinn er bate / dass ihn Hadoran in diesem zustand ja nicht
lassen mochte. Demnach überwand die wahre vernunft / und die freundschaft mit
seinem König /seine verzweifelte liebe: also dass er sich derselbigen aufzuopfern
verschobe / bis dass er hierzu in Ophir die gelegenheit überkäme. Also verliesse
er Rabbat-Moab in einer nacht / sich durch den feind hindurch schlagend: da er
dann / auch in diesem seinem verlust / den sieg davon brachte. Weil die
Prinzessin von Ammon / ehe noch alles dieses sich begeben / schon wieder von uns
und nach Babel verreiset war / als konnte ich nicht mehr / wie vorhin / durch sie
/ von dorten etwas erfahren. Daher schwebete ich immer in der süssen hofnung /
mein Hadoran würde mir bald die Moabitische kron bringen: bis endlich der ruff
überall erscholle / dass Rabbat-Moab von einem künen Elamiten wåre eingenommen
gewesen / aber wieder verlassen worden. Diesen Elamiten / den ich allein kennete
/ beklagte ich auch allein in meinem herzen / und gabe nun meine hoffnung ganz
auf /meine ehrsucht und liebe iemals vergnügt zu sehen. Also verbrachte ich
nachmals meine zeit in betrübnis / in welcher auch der bekümmerte Hadoran
nichtes begieriger als den tod gesuchet: der aber vor ihm geflohen / weil der
himmel es so bestimmet hatte / dass /durch den tod meines bruders / Elam den
Hadoran zum König überkommen sollte.
    Die schone Konigin von Ninive wird zweifelsfrei sich noch wohl erinnern / wie
der arme Amraphel vor Nissa in der blutigen schlacht tödlich verwundet / und von
dem Hadoran in eine klippe gebracht worden. In selbiger hole ernennte Amraphel /
für seinem ende /diesen Hadoran zu seinem nachfolger am reich /indem er ihme /
mich als seine schwester zu ehlichen /anbefohle. Und damit ich dieses seines
lezten willens üm so viel gewisser unterrichtet werden möchte /schriebe er mit
seinem eigenen blut / auf ein abgerissenes stück von seiner feldbinde / diese
worte:
Ich / der sterbende Amraphel König von Elam / überlasse mein reich meiner
schwester / der Königin Lantine / und ernenne ihr zum gemal / meinen feldherrn
den edlen Hadoran.
Dieses überreichte er / neben seinem siegelring / dem Hadoran: der zwar damals /
für wehmut / an seine glückseligkeit / die er so teuer kaufen musste / nicht
gedenken kunte. Also starb der unglückliche König /in den armen dieses seines
freundes: welcher / sobald es sich wollte tun lassen / aus Elam zu uns hieher
nach Damasco kame / als ich bereits / von dem alten Mildor / meinen veränderten
zustand / und wie die Elamiten mich zu ihrer Königin begehrten / erfahren hatte.
    Ich kann nicht sagen / wie seltsam mir zu muht wurde / als man mir den
Hadoran anmeldete. Dann /weil ich noch nicht wusste / was er für einen befehl an
mich von dem Konige meinen bruder brächte / stunde ich an / wie ich mich gegen
ihm bezeigen sollte. Sein lezter abschied zu Tyro hatte gelautet / dass er mich
nicht / als mit einer kron auf dem haubte / wieder sehen wollte: daher ich sein
künes anmelden übel aufname / es für eine verwegenheit achtend / dass er sich
meiner so gar versichert hielte / welches ich doch wollte / dass es bloss von mir
herkommen sollte. Wie ich ihn nun für mich kommen lassen / ersah er mich nicht
sobald / da fiele er mir zu fuss / und wurde von seinen tränen verhintert / mir
zu der Elamitischen krone Glück zu wünschen. Ich meines teils konnte ihn auch
nicht ansehen / ohne an den verlust des edlen Amraphel mit unmut zu gedenken.
    Als ich ihn endlich aufgehoben / redete ich ihn erstlich an / mit den
worten: wiedass ich nicht vermeint hätte / ihn anderst / als / nach seinem
versprechen /mit einem gekronten haubt / wieder für mich kommen zu sehen. Der
himmel sei mein zeuge / (gabe er mir zur antwort /) dass ich lieber der
unvergleichlichen Lantine meinen tod ankündigen lassen / als den befehl meines
allerliebsten Königs ihr überbringen hätte wollen: massen nicht dessen tod /
sondern meine eigene faust / mir meine glückseeligkeit billig zu wege bringen
sollen. Ich poche aber nicht / ungeacht ich meinem herrn gehorsame / auf dessen
lezten willen /sondern erwarte bloss den ausspruch von der gütigkeit meiner
Königin / ob ich sterben soll / üm dass ich ohne die versprochene krone für E.
Maj. augen erschine? oder ob ich hoffen soll / es werde / die wahl der schwester
des grossen Amraphel / dem begehren ihres bruders sich gleichförmig erzeigen?
Hiemit liesse er sich auf ein knie nieder / und überreichte mir solcher gestalt
die mit blut beschriebene binde meines bruders.
    Ich vermochte lang nicht die worte zu lesen / die darin geschrieben
stunden: weil meine augen ganz erblindet waren / so eine betrübte farbe zu sehen
/ die mir doch etwas so vergnügliches befehlen sollte. Wie ich aber endlich die
worte zusammengebracht / und den innhalt eingenommen / schauete ich den noch für
mir kniehenden Hadoran an / zu ihm sagend: Meines bruders lezter befehl ist bei
mir so gültig / dass ich deme nachkommen wollte / wann er schon meiner eigenen
neigung nicht so gleichförmig wäre. Diese worte / die den Hadoran völlig
vergnüget / bewegten ihn dahin / dass er / sonder aufzustehen / meine kniehe
ümsinge / und dieselben kussete. Wir wechselten hierauf die versicherungen
beståndiger liebe / und befande er nicht für nützlich / dass ich eher mich
offentlich für ihn erklären sollte / bis ich in mein reich gekommen wäre: weil
die grossen in Elam / wann sie sein Glück für der zeit erfahren sollten /
gefärliche anschlåge wider uns fassen möchten. Solchem seinem raht zu folge /
haben wir uns bisher gehütet / dass niemand dieser liebe innen geworden.
    Demnach kann meine geliebte base nun errahten /wie ich so gar nicht fähig bin
/ des Prinzen von Assyrien liebe anzunemen. Zu dem ich auch vermute / dass dieser
Prinz wenig an mich gedenke. Die strenge /womit die Königin meine frau mutter
gegen dem armen Tiribaces verfahren / benimmet mir den lust /hierinn mich ihr
für der zeit zu offenbaren. Es könnte aber / die unmoglichkeit dieser
zuvermeinten heurat /der Königin dadurch fürgestellet werden / wann man die
schulde nicht auf mich / sondern allein auf den Prinzen schiebet / dass ich von
ferneren verfolgungen frei verbleibe: und wird der Prinz sich auch wohl wissen
hieraus zu wickeln.
                                     * * *
    Es müste mir leid sein / (sagte die Konigin von Ninive) wann ich einige
ursach darzu gäbe / dass diese liebe / die zum überfluss des Königs von Elam
lezten befehl für sich hat / rückgängig würde. Und wiewol mein eigen bästes mich
ein anders wünschen machet /so will ich iedoch / wie ich bereits versprochen /
der Königin von Elam nach allem vermögen dienen / hoffende / dass diese meiner
base gegen mir erwiesene verträuligkeit ihr nicht schädlich / sondern vielmehr
beförderlich sein solle. Hiemit / weil sie sahen / dass die Königin von Tyro
aufstunde / üm den Prinzen Tiribaces zu verlassen / begaben sie sich auch zu ihm
für das bette / dessen tiefe traurigkeit ihn wenig reden liesse. Sie sprachen ihm
beide tröstlich zu / und baten ihn / doch in der stille / dass er seiner
gesundheit wohl pflegen sollte / damit er der hofnung / seine Orosmada wieder zu
sehen / desto eher wieder fähig werden möchte: mit dem erbieten / dass sie ihm
bei der Königin von Tyro / und sonsten / alle ersiñliche dienste leisten wollten.
Diese zusprache / ward von ihme mit vielen seufzern beantwortet.
    Wie nun die Königinnen abschied genomen / und wieder von ihm gegangen /
fanden sie in der Königin von Tyro palast / neben den anderen Prinzessinnen /die
Ahalibama mit ihrer basen / der angenemen Mehetabeel / die von den Königinnen
aufs freundlichste entfangen wurde: und wusste diese Fürstin / bei so grosser
gesellschaft / ob sie gleich deren auf dem gebirge Seir nit gewonet gewesen /
sich so wohl anzustelle /dass iederman mit ihr musste zu frieden sein. Indem trate
unvermutlich der Fürst von Edom in das gemach / den die Mehetabeel ersehend /
ganz erblassete / uñ hinter die Ahalibama sich verbarge. Er zwar / der wohl wusste
/ dass in ihr diesen widerwille der tod ihres bruders / des Ebals / verursachete
/ wäre gern ihr aus den augen geblieben / wann er ihr da-sein vorher gewust
hätte. Er sonderte sich aber so weit von ihr ab / als er konnte / und begabe sich
in ein gespräche mit dem Hadoran: wiewol seine sinne und augen stäts nach der
Ahalibama gerichtet blieben. Weil aber die Königinnen mit dem Prinzen Baleus und
Stattalter von Syrien raht halten wollten / als giengen die andern nach und nach
hinweg: da die Mehetabeel mit der Stattalterin Tarasile / als welche sie auf
dem gebirge Seir wohl gekant / nach deren palast fuhre / und die übrigen bei der
Indaride verblieben.
    Ahalibama verfügte sich ganz allein nach ihrem palast / üm alda der
unterredung des gottseligen Philisters abzuwarten / der sie im rechten glauben
zu unterweisen angefangen hatte. Sie funde aber / an statt seiner / die Astale
ihrer daselbst warten: die ihr ein verschlossenes kästlein überreichete /
welches / wie sie sagte / in ihrer abwesenheit der Fürst von Edom /sie damit zu
beschenken / dahin gesendet / und ihr dabei sagen lassen: Sie sollte hieraus
verspüren / dass alle feindschaft aufgehoben wäre. Warum hast du solches
angenommen? (sagte die hiermit verunwilligte Ahalibama /) wäre ich hier gewesen
/ es sollte wohl nicht geschehen sein. Ich kunte ja anderst nicht tun
/(antwortete Astale) weil mir unbewust war / ob nicht dieser Fürst mit meiner
Prinzessin hiervon geredet hätte / wie fast aus den anbringen seines dieners
abzunemen ware.
    Hiemir eröffnete sie das kästlein: da der glanz der darin ligenden
kleinoder sie zu blenden begunte. Das erste so sie heraus name / war von zweien
buchstaben ineinander gefüget / und mit den herrlichsten rubinen besetzet / und
befande sie / dass ein A und E sein sollte / weswegen Astale sagte: diese
buchstaben /werden ohne zweifel / meiner Prinzessin und des Esau namen /
bedeuten. Wie Ahalibama das folgend besichtiget / fand sie es an schönheit dem
ersten weit überlegen: dann dieses war ein Onichstein / darin ein weibsbild
erhoben geschnitten war / die sehr angenem aussah / und stunden diese worte
ümher: Ada / tochter des Elon / Fürstens der Hetiter. Dieses bild ümgabe ein
lorbeerkranz / dessen iedes blat aus einem Smaragd geschnitten war. Das dritte
kleinod ware dem vorigen ganz gleich / und stellte einen jüngling vor; üm den
rand stunden diese worte: Esau / Fürst der Hebreer aus Chaldea. Ferner zeigeten
sich ihr immer statlichere stücke von güldenen ohr- und arm-spangen / mit
diamanten und andern edelsteinen /auch mit überaus köstliche perlen / besetzet.
    Solches alles aber kunte die beleidigte Ahalibama nicht bewegen / dieses
geschenke von dem Esau anzunemen: dessen liebe zu ihr sie nun anfinge zu merken
/ und daher noch unwilliger auf ihn wurde / also dass sie mit gewalt sich zwunge
/ ihn zu hassen. Demnach entschlosse sie sich / dieses alles dem Fürsten wieder
zu schicken / mit vermelden: dass er sie damit verschonen / und hinfüro anderst /
als er bisher getan /sich gegen ihr erweisen möchte. Als Mehetabeel eben dazu
kame / holfe sie der Ahalibama dapfer zureden /dass sie dem Esau keine gunst
erzeigen sollte. Weil sie erfuhre / dass dieser Fürst neben den andern herren auf
ein jagen geritten / und erst den andern morgen wiederkommen würde / als
versparete sie es bis folgenden tag: da sie einen zwerg / der bei der Fürstin
Timna war / und eben / einen von ihren leuten zu besuchen / sich in ihrem palast
befunden / dazu wehlete / diese kleinoder dem Esau wohl verwahret und verschlossen
wieder zu bringen / weil sie in bedenken zoge / einen von ihren eigenen dienern
/ üm nachrede zu verhüten / dahin zu schicken. Dieser zwerg säumete sich nun
nicht / was ihme befohlen / werkstellig zu machen / und traffe den Esau an in
seinem palast / in gesellschaft seines sohnes. Weil aber der Eliphas für
etlichen tagen diesen zwerg geschlagen / und üm ein gewisses verbrechen
gestraffet hatte / als scheuete er sich für ihm / und gabe dem Saleph / des Esau
bedientem / das kästlein: mit vermelden / dass die Fürstin von Seir dieses dem
Fürsten von Edom wieder schickete / zugleich der worte / die Ahalibama ihme
sagen lassen / nicht vergessend.
    Nachdem er also dem Saleph sein gewerbe aufgetragen / liefe er seines wegs
wieder fort / uñ brachte dieser das kästlein dem Fürsten von Edom und dem
Fürsten von Teman in das gemach: mit vermelden /dass der Fürstin Timna ihr zwerg
dieses Lädlein gebracht / und dem Esau ansagen liesse / dass er in künftig mit
dergleichen sie verschonen / und sich anderst gegen ihr erweisen wollte. Eliphas
erblassete hierauf gleich einem todten / und Esau / indem er das kästlein zu
sich name / sagte wider den Eliphas: was soll ich hiervon gedenken? sind das die
früchte einer gehorsamen tochter? und erweiset sie hiedurch / dass sie mich ehre
/ und dich liebe? Ob ich wohl (antwortete Eliphas /) dieses unverantwortliche
beginnen nicht begreifen kann / so wollte ich doch wohl gut dafür sagen / dass Timna
meine herr vattern allerdings ehre und mich liebe. Ich wollte dich / mein sohn /
(finge Esau über eine weile an /) nicht eifersüchtig machen / wann ich dessen
nicht so grosse ursach hätte. Nimmest du dann nicht war / wie frei sie mit dem
teutschen Fürsten dem Cimber ümgehet? wie sie ihn in ihrem hause bewirtet / und
stäts mit ihme von und nach hofe färet? Ich preise zwar dieses Fürsten tugenden
über alles / vermute auch von ihme nichts böses: wer will uns aber bürgen setzen
/ dass Timna nicht gleichfalls diesen Prinzen /wegen seiner wackern gestalt / als
wir wegen seiner geschicklichkeiten / verehre und liebe?
    Der beunruhigte Eliphas wusste nicht / was er hierauf sagen sollte. Seine
Timna wollte er gern verteidigen / gegen seinem vatter; kunte sie aber / in
seinem eigenen herzen / nicht für unschuldig halten; allermeist da er vername /
wie sein vatter auch schon das jenige wargenommen / was ihn selber schon oftmals
hatte unruhig gemacht. Doch bate er den Esau / er möchte sich gedulten / und
seinen Zorn aufhalten / bis man bässer auf die warheit kommen würde: massen er
gleich zu ihr hingehen / und sich erkundigen wollte /wie es mit den
wiedergeschickten kleinodern bewandt wäre. Es stehet dir frei / (sagte Esau /)
hierinn zu tun / was dir gefållet: ich aber werde sie nicht mehr besuchen /
welches ich diesen nachmittag zu tun / ihr hatte ansagen lassen / weil ich / an
statt der antwort /solche ungereimte dinge von ihr vernemen müssen. Als Esau
dieses gesagt / liesse er sein pferd färtig machen / üm nach hof zu reiten.
    Aber der bekümmerte Eliphas begabe sich / voll sorgen und eiversucht / in
seiner Timna palast / und nicht wissend / wie er gegen ihr verfahren sollte
/ginge er nach ihrem zimmer: welches er wider gewonheit verschlossen fand. Er
klopfte etliche mal an / bekame aber keine antwort. Demnach gienge er hinab /und
fragte die dienere / ob ihre fürstin nicht inheimig wäre. Als nun diese mit ja
geantwortet / stiege er wieder hinauf: und kunte er so stark nicht anklopfen /
als ihme sein herz inwendig klopfete. Es bliebe aber /nach wie vor / alles
stille. Uber eine weile traffe er eine Dirne an / die für ihm über gehen wollte /
welche er fragte / was die fürstin Timna mache? die ihme zur antwort gabe: sie
håtte sich verschlossen. Mit wem dann? fragte er ganz beängstigt. Mit dem
teutschen Fürsten / dem Cimber / (antwortete sie /) der vor ungefår einem monat
alhier bei uns seine wonung gehabt. Darf dann iezt niemand zu ihr gehen? fragte
er ferners. Kein mensch! (widerholete die dirne /) dann sie mir befohlen /
iederman den zugang zu verwehren / und niemanden bei ihr anzumelden / er sei
auch wer er wolle.
    Nach diesem bericht ginge die dirne ihres wegs /und ware dem Eliphas nicht
anderst zu muht / als hätte man ihm sein herz durchstossen. Wie? (sagte er bei
sich selber /) teuschen mich also die beide personen / die ich auf der welt zum
meisten geliebt? Ach Timna! ach Cimber! wo bleibt eure ehre? wo bleibt eure
tugend? Hiemit / als er fortfahren wollte / so unschlüssig sich zu beklagen /
öffnete sich der Timna kammertür / und trate der Cimber heraus: welcher /seinen
alten freund und bekandten alda ersehend / mit einem freien wesen auf ihn
zueilete / und ihn umarmete. Wegen mänge der vielen frömden in Damasco /hatte
dieser Prinz bisher noch nicht gelegenheit gehabt / den Fürsten von Teman
allein zusprechen: demnach erfreute er sich sehr / dass er nun dazu gelanget war.
Er verwunderte sich aber nicht wenig / als er den Eliphas so kaltsinnig funde:
der alle seine liebkosungen / die er ihme antate / mit verdrus und widerwillen
anname. Hierdurch wurde Cimber endlich bewogen / seine vergnügung in eine
begierige nachforschung nach dieser kaltsinnigkeit zu verwandeln. Wie / liebster
Eliphas! (redte er ihn an /) kennest du deinen alten Cimber nicht mehr? Ist
Damasco nicht sowol /als ehmals Salem / eine herberge wahrer freunde? Nein /
Cimber! (antwortete Eliphas ganz ungestum /sich damit nochmals aus seinen armen
los reissend) ich habe dich nie gekant / und nun erst kennen gelernet. Und wäre
es moglich / dass dein oder mein blut ersetzen könnte / was mir geschehen: ich
wollte gleich rache von dir fordern. Nun aber ist mein zustand also bewandt / dass
ich dieselbe aufschieben muss: doch werde ich deren nie vergessen / so lang in
mir ein odem ist. Als er diss gesagt / ginge er davon / und liesse den Cimber in
solcher bestürzung stehen / dass der nicht wusste / was er gedenken sollte / weil
er ihm keines dinges bewust war / womit er diesen seinen freund iemals beleidigt
hätte. Demnach bliebe sein gewissen so ruhig hierob / als unruhig sein gemüte
worden. Doch hatte die bestürzung solcher massen ihn angefässelt / dass er dem
Eliphas nicht nachfolgen kunte.
    Tubal fand ihn / in solcher verwunderung / unbeweglich gleich einer seule
stehen: der ihn auch zu unterschiedlichen malen anreden musste / ehe er einige
antwort bekame. Endlich vername er / nach vielen fragen / wie es dem Cimber mit
dem Eliphas ergangen wäre. Aus diesen worten / die der Eliphas fürgebracht /
(sagte Tubal /) weiss ich nichtes zu machen: es müsten dann falsche einbildungen
sein / die wohl würdig /dass man sich deren bässer erkundige; und will ich alsofort
zu ihm gehen / üm aus ihm zu bringen / was ihm fehlet. Das verrichte bald / mein
freund! (antwortete Cimber /) und lasse mich nicht lang in dieser unruhe: massen
mir nichtes in der welt so frömd / als dieses / fürkommen können. Hiemit eilete
der Tubal aus dem hause / den Eliphas zu suchen: mittlerweile der Cimber sich in
sein gemach verschlosse / üm nach Basan etliche befehle zu erteilen.
    Die Timna aber / die an nichtes weniger / als an das / so ihr fürstunde /
gedacht / ware beschäftigt /ihren schonen gast / den der Prinz Cimber ihr
heimlich zugefüret / aufs bäste zu bewirten. Und inzwischen diese frömde
Prinzessin / die sich / nach des Cimbers bericht / Hercinde nennte / der ihr
höchstnötigen ruhe genosse / begabe sich Timna / als sie vergebens auf des Esau
ankunft gewartet / gegen den abend / nach dem Ninivitischen hof zu ihrer
Konigin: da sie unterwegs mit höchster verwunderung denen dingen nachdachte / so
ihr der Cimber erzählt hatte. Und weil sie / dieselben für aller welt / auch
für ihrer liebsten Königin geheim zuhalten / ihme zuschwören müssen / als befande
sie hierdurch sich nicht wenig beunruhigt: dann sie es ihrer treue / die sie der
schönen Konigin von Ninive gelobet / zuwider erachtete /dergleichen zu wissen /
und zu dienlicher nachricht nicht von sich zu sagen.
    Sie fand aber / oben auf dem dach des Königlichen schlosses die schone
Delbois mit dem Prinzen /Baleus in einem ämsigen gespräche begriffen / und
vername / als sie sich zu den andern gesellet / von der Prinzessin Ammonide /
dass die Fürstin Mehetabeel in Damasco wäre: welches sie noch nicht gewust hatte
/weil sie in etlichen tagen nicht nach hof gekommen war. Weil nun der wolstand
erforderte / diese ihre base anzusprechen / ob sie gleich so gar grosse
freundinnen in Seir nicht gewesen waren / und als sie von dem dache des palastes
hinab schauend / diese Fürstin neben der Ahalibama im garten spaziren sah:
ginge sie zu dem ende hinunter / von der Aramena begleitet. Sie wurde / als sie
in den garten gekommen / nicht sobald von der Ahalibama und Mehetabeel ersehen /
da wandte die erste sich üm / willens aus den garten zu eilen / üm ihrer
gesellschaft zu entfliehen: massen sie / nach dem tage / da sie die Timna /
ihrer Meinung nach / in so schändlichem tun angetroffen / alle liebe und
hochachtung für sie verloren hatte.
    Timna / die da vermeinte / Ahalibama hätte sie nicht gesehen / rieffe ihr
mit namen / dass sie ihrer warten sollte. Aber Ahalibama stellte sich / als ob sie
es nicht horete / und die Mehetabeel / welche hiezu mehr als willig war /
anfrischend / ihre schritte zu verdoppeln / kamen sie aus den garten hinweg /
ehe Timna und Aramena sie einholen konten. Wie nun diese / solches also
aufnemend / als wann es mit fleiss auf der Mehetabeel anstiftung geschehen wäre /
ihren spazirgang fortsetzeten / und von dem hass der Mehetabeel gegen der Aramena
spracheten / begegnete ihnen der Esau: weswegen Timna still stunde / und
sonderbares verlangen zeigete / ihn zu sprechen. Er aber ginge ganz kaltsinnig
für ihr über / als wann er sie nicht kennete: das ihr dann üm so viel
verwundersamer fürkame / weil er auch seine versprochene besuchung bei ihr nicht
abgelegt hatte. Ihre schwermütigkeit / die sie über das bei sich fülete / wurde
hierdurch bei ihr so sehr vermehret / dass sie wieder nach hause verlangete: da
sie dann / durch die Aramena /sowol bei der schönen Königin sich entschüldigen
/als der Ahalibama ihre bezeugte kaltsinnigkeit verweisen liesse.
    Das erste / so sie innkommend verrichtete / ware /dass sie ihren gast die
schone Prinzessin Hercinde ansprache: welche sie in zimlich gutem zustand fand
/weil es sich mit ihr / nach genossener ruhe / merklich gebässert hatte. Timna
konnte nicht gnug ihre schönheit bewundern / mit deren sie / auser der Königin
von Ninive / wenigen wiche / und bei ihrem kriegerischen und heroischen wesen
eine solche holdseeligkeit erscheinen liesse / dass es fast eine unmüglichkeit war
/ sie zu sehen / und nicht alsofort zu lieben. Als sie ihr eine ruhige nacht
gewünschet / begabe sie sich zu bette / ihres liebsten Eliphas ankunft zu
erwarten: welchen einzulassen / ihre vertraute dirne / Ajade genant / die halbe
nacht vergeblich wachend / zubrachte. Die sorgfältige Timna wusste nicht
auszudenken / was die ursach dieses ausenbleibens immermehr sein möchte. Kaum
aber finge es wieder an zu tagen / da brachte ihr die Aiade ein schreiben aufs
bette: welches die Timna mit zittrenden händen eröffnete / und ihres Eliphas
schrift erkennend / folgendes daraus lase.
                      Schreiben des Eliphas an die Timna.
Ich bereue nicht so sehr / leichtsinnige Timna! dass ich euch so lang geliebt /
als es mich verdriesset / dass ich euer nicht ohne schmerzen werde vergessen
können. Versichert euch aber / dass ich mein moglichstes tun will / euch
gleicher massen aus meinem gedächtnis zu verbannen: gleichwie ihr eurer ehre /
eurer gebür und meiner / auch alles dessen / was ihr eurem ehman schüldig seit /
habt vergessen können. Ich scheide nun aufewig von euch. Immittels lebet wohl /
wofern euer böses gewissen diesen wunsch an euch kann erfüllen lassen: und
versichert euch dessen / dass der unwehrte Eliphas euch nie wiederüm gelegenheit
und ursach geben werde / mit eurem geliebten euch für ihm zu zu verschliessen.
Ich werde / ohn eifersucht / fortin geschehen lassen / dass ihr eurer lüste
geniesst / wie und wo ihr wollet. Gefällt es dem himmel / so soll mein
verzweifeltes gemüte / weil ich in meiner wahl so unglücklich gewesen / euch
bald von dem Eliphas gar erlösen: wiewol mein tod euch nicht die ehre
wiederbringen wird / die ihr mir und euch genommen.
                                                       Eliphas Fürst von Teman.
    Nachdem die arme Timna diese grausame zeilen kaum zu ende lesen können /
verbliebe sie eine weile ganz unbeweglich / ehe ein tran oder wort herfür
wollte. Aiade / die wohl sah / das ihrer Fürstin etwas sonderbares anligen müste
/ sprache ihr etliche mal zu: konnte aber keine antwort erhalten. Endlich / als
aus einem tiefen traum erwecket / fuhre sie im bette auf / den namen ihres
Eliphas zum öftern nennende. Der Fürst von Teman / (finge Ajade hierauf an sie
zu berichten /) hat seinen waffenträger mit dem überbrachten briefe
hergeschicket: wollen sie denselben sprechen / gnädige Fürstin! und ihn üm ihren
ehegemal befragen / so will ich ihn also fort herauf hole. Dass er eiligst komme!
antwortete Timna / und name damit das täfelein wieder zur hand / es nochmals
durchlesend: da dann die bestürzung wiche / und dem schmerzen mehrern raum
liesse. Also konnte diese unglückselige Fürstin / als der waffenträger zu ihr kame
/ für wehmut kaum ein wort fürbringen. Sie schauete aber denselben so begierig
als betrübt an / und wie sie sah / dass er weinete / schrye sie überlaut: O weh!
mein Eliphas ist nicht mehr vorhanden! Er ist bereits hinweg / (gabe dieser zur
antwort) und habe ich befehl / ohn erwartung einer antwort / ihme zu folgen.
    Hiemit brachen bei dieser betrübten Fürstin die tränen aus / dass sie in
langer zeit kein wort reden kunte. Als sie endlich sich etwas gestillet /
begehrte sie von dem waffenträger / ihr zu erzählen / was er wüste. Mir ist
hiervon (gehorsamte er) anders nichts bekant / als dass mein her gestern / wie er
hier im palast gewesen /ganz aus sich selber wieder heimgekommen / und also sich
aufs bette werfend / keinen menschen üm sich sehen noch leiden wollen.
Solchermassen brachte er die zeit hin / bis an den abend: da ich endlich
erkünete / ihn üm die ursach dieser ungewönlichen traurigkeit zu fragen. Er aber
/ an statt mir auf meine frage zu antworten / befohle mir / ihme ein täfelein zum
schreiben zu bringen. Als ich solches verrichtet / laurete ich heimlich auf sein
tun / und name war / dass er über zehenmal wieder ausleschete / was er
geschrieben hatte / bei iedem wort mildiglich seine zehren vergiessend. Endlich /
wie er es verfårtigt uñ verschlossen /stellete er es mir zu / mit befehl /
dieses schreiben am morgen hieher zu bringen / und musste ich zugleich zur
abreise anstalt machen: worauf meines herrn herr vatter / der Fürst von Edom /
dazu kame / welcher lange gar eifrig mit ihm geredet. Meine begierde / von
diesem frömden beginnen etwas zu wissen / machete mich so fürwitzig / dass ich
aufhorchete / was sie mit einander spracheten. Ich kunte aber nicht eigentlich
alle worte vernemen / nur hörete ich / dass sie eines zwergs etlichemal gedachten
/ wie auch / dass sich die Fürstin mit dem Prinzen Cimber heimlich verschlossen
hätte / und iederman der zugang wäre verwehret worden.
    Ach Gottt! (fiele ihm die Timna allhier in die rede) muss dann ein so
liederlicher schein ein so grosses unglück nach sich ziehen / sobald angenommen
und gegläubet werden? Hiemit liesse sie wiederum ihren tränen den freien lauf /
uñ als sie die grausame schrift nochmals überlesen / fragte sie den
waffenträger: ob er dann bereits hinweg wäre? Wie nun der dienen berichtet / dass
diesen morgen vor tags die abreise geschehen / und zwar nach dem gebirge Seir /
dahin er ihm folgen sollte: bliebe sie eine gute weile ganz sprachlos. Inzwischen
alles bei ihr überlegend / was den Eliphas zu dieser grausamen eiversucht
bewogen / die des Esau kaltsinnigkeit daneben verursachen können / befahle sie
endlich / den zwerg für zu beruffen. Als dieser erschienen / erfuhre sie von
ihme / wie die Ahalibama dem Fürsten von Edom ein kästlein geschicket / darin
kleinoder gewesen: wovon ihr gleich ahnete / dass damit ein misverstand müste
fürgegangen sein. Weil auch der zwerg berichtete / dass er gestern den Eliphas
mit einer von ihren dirnen / für der Timna kammer / sprechen sehen / als wurde
die auch aufgeholet: die gestunde nun in ihrer unschuld alles / was sie mit dem
Fürsten von Teman geredet /und wie sie ihm den eingang verwehret hatte. Weil
diese dirne von der heimlichen verheuratung ihrer Fürstin mit dem Eliphas
nichtes gewust / als kunte Timna sie dieserwegen nicht straffen: zumal ihr
befohlen worden / niemand einzulassen / mitlerweile der Cimber mit ihr reden
würde.
    Ach unglückseliges verbot! (hube sie hierauf an zu klagen / als sie bei
ihrer getreuen Ajade / und dem waffentråger / der vom gebirge Seir bürtig / und
dessen treue sie versichert ware / sich wieder allein sah /) in was grossen
jammer stürzest du mich? und wie unschuldig komme ich hierzu? Kontest du aber /
mein Eliphas (finge sie über eine weile wieder an) deine getreue Timna so bald
in so schrecklichen verdacht ziehen / und alsofort des ärgsten von ihr dich
überreden? Hiemit durchlase sie nochmals das schreiben / und fassete in ihrer
betrübnis endlich den schluss / sich erstlich / durch hülfe der Königin von
Ninive / bei dem Esau zu entschüldigen / als bei deme sie in gleichmäsigem bösen
verdacht zu sein / wohl vermuten kunte; alsdann aber eiligst ihrem liebsten
Fürsten zu folgen / und ihm ihre unschuld fürzustellen. So begierig sie aber zu
diesem letzern war / so grosse hinternisen funden sich darwider: daher sie / ganz
unschlüssig / den waffenträger gehen liesse / welcher / des Eliphas strengem
befehl gemäs / nicht länger da verziel en dorfte. Sie wollte hierauf sich
ankleiden: aber ihre onmächtigkeit war so gross / dass sie wider ihrem willen zu
bette bleiben musste / und diesen schrecken immer mehrers fulete / iemehr zeit
sie gewonne / sich zu erholen.
    Das geschrei von ihrer unpåsslichkeit / erscholle hierauf gleich durch das
ganze haus: daher der Cimber / ihrentalben sehr besorget / neben der Prinzessin
Hercinde / als bei deren er eben sich befande / nach ihrem zustand fragen liesse.
Timna / die dem Cimber alles ihr unglück / wiewol er daran unschüldig /
beizumessen hatte / weigerte sich / ihn selber zu sprechen / und schickte die
Ajade hin / ihre danksagung bei der frömden Prinzessin abzulegen / und sie
daneben zu entschüldigen / dass sie durch ihre zugestossene schwachheit sich an
ihrer schüldigkeit müste hintern lassen / die Prinzessin zu bedienen. Weil der
Ajate augen von weinen roht waren / als vermutete die Hercinde nicht unbillig /
dass es mit ihrer wirtin und woltäterin gar schlim stehen müste. Demnach erwiese
sie ein sonderbares mitleiden / und beklagte / das ihre eigene unpässlichkeit ihr
verwehrete / die Fürstin gleich heimzusuchen: noch unwissend / dass sie /neben
dem Cimber / solches meistenteils verursachet hatte.
    Als aber der Cimber / den Stattalter von Syrien zu besuchen / im werk
begriffen war / begegnete ihm unterwegs der Tubal; dessen langes ausenbleiben
der Cimber nicht begreifen können. Als er ihn begierig gefraget / was es üm des
Eliphas dunkkele reden für eine beschaffenheit hätte? erzehlte ihm Tubal / dass
er davon noch eben so wenig als gestern wüste: massen er sich vergeblich bemühet
/ den Eliphas zu sprechen zu bekommen / weil ihme der eintritt von den bedienten
wäre versaget worden. Als er aber wargenommen /dass man alles im hause zur
abreise färtig gemacht /und unter den dienern die rede gegangen / dass Eliphas
bei nacht hinweg wollte: hätte er den schluss gefasset /auf seine abreise zu
lauren / und alsdann ihme zu pferd nachzufolgen. Zu dem ende hätte er / nahe bei
des Fürsten von Edom palast / darin der Eliphas gelegen / seine pferde
hinbringen lassen / nicht eher aber / als diesen morgen vor tags den Eliphas
abreisen sehen: deswegen er ihme gleich zur stadt hinaus nachgefolget / in
Meinung / ihn zu erreichen. Ein sonderbarer zufall aber hätte ihn an seinem
fürhaben gehintert / indem ihme / als er in einem holen gebirg-weg dem Eliphas
nachgerennet / ein kaufmanswagen mit gütern / nach der stadt fahrend / begegnet
/ der zum unglück ümgeworfen worden: also dass er nicht eher fürter reiten können
/ bis man alle güter wieder aufgeladen. In solcher zeit sei ihme der Eliphas aus
den augen gekommen / dass er nachgehends / so stark er auch gerennet / ihn weder
finden noch einholen können. Endlich wäre er durch den Prinzen von Assyrien /
der ihme begegnet / genötiget worden / mit ihm auf ein jagen zu reiten: da er
dann vollends seine mühe /den Eliphas einzuholen / für vergebens angewendt
erkennen müssen.
    Der Fürst von Edom / (sagte Cimber hierauf /) wird vieleicht hierüm etwas
wissen / und aus dem traum helfen können. Also name er ihm für / sobald er seine
besuchung bei dem Prinzen Mamellus würde abgelegt haben / nach dem Fürsten von
Edom zu gehen / und ihn hierüm zu befragen. In des Stattalters von Syrien
palast / wurde er mit grosser ehrbezeigung entfangen: massen der Prinz Mamellus
den Cimber / nicht allein üm seiner person willen / sondern auch wegen seines
geschlechtes / hochhielte / und ihme / als einem teutschen / alle ersinnlichste
höflichkeit erwiese. Wie dann / das Assyrische haus / diese dapfere völker / bei
damaligem verwirrten wesen / auf alle weise zu freunden zu behalten / ihm
angelegen sein liesse. Es sagte aber der Stattalter diesem Prinzen gleich zur
neuen zeitung / wie dass nicht allein der Prinz Abimelech von Gerar / auch die
Fürsten Ardeus von Chesed und Barzes von Arvad mit Assyrischen und Ninivitischen
völkern / ehist vor Damasco ankommen / sondern auch der König sein herr / ein
absonderliches kriegsheer / unter fürung des feldherrn Belopares / mitschicken
würde: dass er also die unruhe / so iezt Syrien drohete / durch diese kriegsmacht
zu dämpfen / und alles in vorigen ruhigen stand wieder zu bringen / verhoffete.
    Der Cimber erwiese hierüber seine freude / und kunte des Abimelech ankunft
nicht sonder grosse bewegung vernemen. Wie er aber spürete / dass des Mamellus
kriegsbediente ämsig ab- und zugingen / seine befehle wegen dieser ankommenden
völker zu holen /name er daher ursach / seine besuchung zu verkürzen. Hierauf
begabe er sich nach des Esau behausung: den er aber nicht innfunde / sondern
erfuhre / dass er nach dem Ninivitischen hofe gegangen wåre. Indem er nun / dahin
folgend / die freude seiner Konigin über der ankunft des Abimelech ihm
fürbildete / triebe ihm solches / wider seinen willen / die seufzer herfür: die
er aber gleich wieder verdruckte / und auf sich selbst ungehalten wurde / dass er
sich also übermeistern lassen.
    Er ware aber kaum in der Königin von Ninive palast eingetreten / da
erschallete überall in den zimmern / unter den Niniviten / diese fröliche post /
von der ankunft ihrer volker. Als nun Cimber die Königin / bei welcher der Esau
stunde / gegrüst hatte / sagte sie zu ihme mit sonderbarer vergnügung: wie dass
sein freund / der Prinz Abimelech / im anzug wäre / welches ihme zweifelsfrei
eine so angeneme zeitung sein würde / als es ihr und gegenwärtigem Fürsten von
Edom gewesen. Weil E. Maj. bekant ist / (antwortete Cimber /) wie sehr wir
einander lieben / als urteilen und vermuten sie nicht unbillig / dass eines so
lieben freundes ankunft mich erfreuen werde. Es wird aber meine vergnügung
hierüber verdoppelt / indem E. Maj. auch die ihrige deswegen blicken lassen:
massen alles / was der schönen Königin von Ninive angenem ist / auch allen ihren
treuen dienern / und also auch mir / mehr als lieb sein muss. Diese worte / so
herzlich sie auch gemeinet waren / wurden doch wider seinen willen von etlichen
seufzern begleitet: die aber die Königin nicht in acht genommen. Selbige
verfolgte hierauf ihr gespräche mit dem Esau / in des Cimbers gegenwart / und
sagte: wie sie für gewiss hoffe /dass entweder der Belopares / oder Abimelech /
von dem König ihrem herr vattern / dem Fürsten von Edom zu hülfe abgeschicket
wäre. Hierbei versicherte sie ihn / dass von ihren eigenen völkern / die mit
ankommen würden / so viele zu seinem diensten sein sollten / als er begehren
würde / und als sie bei ietzigen umständen möglichst entrahten konnte.
    Der erfreute Fürst von Edom / sagte für so gütiges anerbieten der Königin
demütigsten dank: dabei erwähnend / wie dass er nicht anderst vermute / als dass
der Prinz Abimelech würde von Babel aus befehligt sein / mit ihme nach Seir zu
gehen; massen die dem Belopares untergebene krieges-macht viel zu gross wäre /
als dass er die zu seiner hülfe verordnet glauben könnte. Ich wollte zwar wohl nicht
gern gestehen / (fuhre er lächlend fort / gegen der Königin /) dass ich des
unvergleichlichen Prinzen von Gerar dapfere hülfe verlange: weil er dadurch auf
ein zeitlang den ort wieder zu verlassen gezwungen würde / da seine ruhe und
sein leben wonet. Allein ich sorge / E. Maj. werden mir es doch nicht zugläuben
/ das ich es anderst wunsche / wann ich es gleich sagete. Ich bin / (antwortete
die Königin / mit einer angenemen errötung) der abwesenheit des Abimelech / und
seines gefärlichen lebens / darin er wegen seiner kriegs-verrichtungen schwebet
/ schon so wohl gewonet / dass ich dem Fürsten von Edom nicht misgonne / in dieser
seiner angelegenheit sich seines dapfern freundes zu bedienen: und wird
Abimelech / wann er dessen von hof befehl hat / ganz willig einem freunde
beistehen / da er einen andern freund / zu meiner beschützung / bei mir lässet.
Dieses sagend / schauete sie den Cimber an: der das gute vertrauen / so
hierdurch die Konigin erwiese / mit schuldigster ehrerbietung erkennete /und
sein blut und leben für sie aufzuopfern / mit solcher häftigkeit beteuerte / dass
die dabei herfürschimmrende gemütsbewegungen gnug zu tag leuchteten. Zwar hatte
die Königin solches ihm nicht recht angemerket / und Esau ebenfalls keine
heimliche liebe daraus geschlossen / weil der von ihme / und von der Timna /
eine gar andere Meinung gefasset / die ihn auch bewogen / mit dem Cimber
kaltsinnig ümzugehen / den er doch fürhin fast dem Abimelech gleich geliebt
hatte.
    Cimber merkete solches genugsam / gedachte auch / sobald er nur den Esau
würde allein zu sprechen bekommen / ihn hierüm zu befragen. Unter anderen
gesprächen / vermeldete Esau der Königin von Ninive /wiedass sein sohn Eliphas
nach Seir hinweg gezogen wäre: die hierüber ihre befrömdung merken liesse /und
nach der ursache dieses schleunigen abreisens fragete / auch was wohl die Timna
hierzu sage? Vieleicht (antworete Esau / zugleich den Cimber mit grossem unwillen
ansehend) weiss dieser Prinz E. Maj. hievon mehr erläuterung / als ich / zugeben.
Diese worte / so den Esau sowol / als den Cimber / die farbe verändern gemacht /
begunten auch die Königin in neue vewunderung zu setzen.
    Die wollte iezt eben üm erklärung dieser dunkelheit ansuchen / und der Cimber
den Esau antworten / als unversehens der Fürst Hanoch von Midian / welchen der
Esau nach Babel geschicket / und der Barzes Fürst von Arvad / der Konigin von
Ninive hofmeister / in das gemach traten / und durch diese ihre wiederkunft bei
der Königin und dem Esau eine grosse begirde erweckten / ihre verichtungen zu
Babel zu vernemen. Als demnach diese beide Fürsten ihre begrüssung bei der
Königin abgeleget / ümfinge der Esau seinen freund den Hanoch / ihn zugleich
fragend: was er gutes für ihn ausgerichtet? Alles / (antwortete Hanoch) was der
Fürst von Edom verlangen können. Weil nun die Konigin sich dessen / was den Esau
anginge / mit teilhaftig machete / als ward von ihr diese frage wiederholet.
    Hierauf nun berichete der Fürst von Midian mit kurzen worten / welcher
gestalt er zu Babel mit aller höflichkeit aufgenommen / und des Esau begehren
für billig gehalten worden / auch der König von Assyrien zu dieser hulfe sich
willig bezeiget. Nachgehends aber hätte der Prinz Bildat / des Stattalters von
Syrien des Mamellus bruder / welcher viel am Babylonischen hofe gilt / allerhand
hinterungen eingestreuet: also dass er / etliche wochen / vergeblich auf seine
abfärtigung warten müssen. Als aber endlich der Fürst von Arvad / wegen der
Königin von Ninive / nach Babel gekommen / und der Belochus verstanden / dass sie
dem Esau hülfe versprochen / da sei auch gleich der schluss dahin gefallen: dass
man dreissig tausend mann dem Esau zufüren sollte / und zwar eben die jenige
völker / die unter dem Prinzen Abimelech von Gerar im Bactrianischen kriege
gedienet. Wie dann dieser Prinz alsofort nach Mesopotamien befehl bekommen
/gemeldte völker nach dem gebirge Seir zu füren: welcher auch nächsten tags
ankommen würde / massen er von ihme ab- und voran gereiset wäre / üm diese gute
post so viel eher dem Esau zu hinterbringen.
    Als hiermit der Hanoch schwiege / sagte Delbois zu dem Esau: mein vermuten
und euer verlangen ist erfüllet / und erfreue ich mich mit euch / dass der schluss
zu Babel für euch so gut gefallen. E. Maj. (antwortete er /) habe ichs allein zu
danken / dass mir diese hülfe wiederfäret: und konnte ich dafür mehr als ein leben
zu dienste meiner Königin anbieten / wollte ich dadurch meine erkentlichkeit an
den tag geben. Weil die Königin auch von dem Barzes gern wissen wollte / was er
ausgerichtet / und sowol Esau / mit dem Hanoch weiter sich zu besprechen / als
der Barzes / seine verrichtung der Königin allein fürzutragen / verlangte: als
sonderten sich Esau uñ Hanoch almåhlig von den andern ab / da dann der Cimber
sich gleichfalls hintan begabe.
    Barzes / nachdem er der Königin in ihr cabinet gefolget / täte daselbst von
seiner verrichtung folgenden bericht. Sobald ich / (sagte er /) mit E. Maj.
befehl / nach Babel angekommen / vername man meine ankunft nicht so bald bei hof
/ da erwiese (wie man mich nachgehends berichtet / ich auch guten teils selber
gesehen /) der König von Assyrien eine sonderbare freude / einen von E. Maj.
bedienten zu sprechen: daher ich / als ich mich kaum anmelden lasse /alsobald
zur verhor aufgeholet wurde. Nach angehörtem gruss von E. Maj. fragete er ganz
begierig / wie sie lebe? wie ihr Syrien gefiele? und ob seine schöne tochter
(dieses waren seine eigentliche worte /) auch wohl ein verlangen nach seiner
überkunft erwiese? Ich beantwortete alle diese kleine fragen / wie es sich
gebürte / kunte aber / mein gewerbe anzubringen / lang nicht zu wort kommen /
weil dieses fragen immer wieder von neuem anginge. Es stunde auf seinem tisch
ein gemälde von E. Maj. das er ohn unterlass anschauete / und dabei mich fragte:
ob E. Maj. sich nicht geändert? ob sie noch so verwundersam schön wären? Wie ich
nun / als die warheit ist / meine gnädigste Konigin diesem gemälde weit
fürgezogen /sagte er bei sich selber / zugleich dieses bild unaufhorlich
betrachtend: Es ist warlich das rechte bild der Philominde!
    Endlich / nachdem er sich gleichsam erholet / und ein ander wesen angenommen
/ gönnete er mir / ihme fürzutragen: wiedass E. Maj. weil sie die Prinzessin
Ahalibama / und folgends auch andere Prinzessinnen /die aus Canaan zu uns
geflüchtet / in ihren schutz aufgenommen / von dem König in Canaan mit einem
krieg wäre bedrohet worden; und demnach in hofnung stünde / der König ihr herr
vatter / als den es mit träffe / würde sie in dieser gefahr nicht verlassen.
Keines wegs! (fiele er mir hier in die rede / ohne mein anbringen auszuhoren /)
und soll der / so die Königin von Ninive zu kränken gedenket / mit mir zu tun
finden. Hiemit name er mir den brief aus der hand / den E. Maj. an ihn
geschrieben / und solchen begierig öffnend / überlase er ihn zu unterschiedenen
malen / also dass es schiene / er habe daran sich nicht satt lesen können. Damit
endete sich meine erste aufwartung beim König: da er mir die versicherung täte
/ mit aller macht E. Maj. beizustehen. Die folgende tage /als ich bei dem
Prinzen Bildat / dem Baracheel / und den andern grossen bei hof / meine
besuchungen abgeleget / erfuhre ich endlich / dass der feldherr Belopares hatte
befehl bekommen / mit vierzig tausend mann /so wohl E. Maj. als Syrien wider den
Beor zu schützen.
    Wie ich nun den abend / als dieses beschlossen worden / bei hof erschiene /
alwo der Hanoch sich eben auch befande: trate der König zu mir / und indem er
mir das / was ich schon wusste / berichtete /gabe es gelegenheit / von dem Esau
zu reden: da er nicht sobald vername / wie E. Maj. diesem Fürsten wollten völker
zu hülfe schicken / da versprache er gleich dem Hanoch / dass er E. Maj. zu liebe
/ den Prinzen von Gerar / als ohnedas des Esau grossen freund / mit dreissig
tausend mann nach Seir senden wollte. Dalimire / die eben zugegen war / begunte
zu widersprechen / dass der Abimelech / als der erst aus dem Bactrianischen krieg
zu haus gekommen / mit diesem heerzuge verschonet werden möchte. Aber ihre
sonst-vielgültigkeit wollte dissmal nichts helfen / und liesse es der König bei dem
verbleiben / was er einmal dissfalls beschlossen und versprochen hatte.
    Wie ich nun diss alles bei mir wohl erwägte / auch überdas eine zwar noch
verborgene kaltsinnigkeit des Königs gegen die Dalimire vermerkte: konnte ich
nicht anderst gedenken / als dass nach dem beispiel des Königs aus Egypten / eine
liebe in des Königs von Assyrien herzen gegen E. Maj. entbrennet sein müste. Wie
dann niemand bei hof / von der fürgewesenen heurat zwischen E. Maj. und den
Assyrischen Prinzen / mehr eines worts gedachte: sondern man erwehnete dargegen
der Konigin von Elam / dass die den Prinzen haben sollte. Ich drange darnächst
stark auf meine abfärtigung / damit ich diese meine einbildung / welche ich für
fäst gegründet achte / E. Maj. zur dienlichen nachricht üm so viel eher
hinterbringen möchte. Ich erlangte endlich dieselbe / und kann ich nicht sagen /
wie gut der Konig sich beim abschied bezeiget / und wie häftige versicherungen
einer mehr als väterlichen liebe gegen E. Maj. er mir aufgegeben. Er liesse mich
in sein cabinet kommen / des fürhabens / an E. Maj. zu schreiben. Es wollte ihm
aber kein brief fliessen /massen er alle zeilen die er gesetzet / wieder
ausgeleschet / auch dadurch endlich bewogen wurde / davon abzulassen / und mir
eine mündliche antwort an E. Maj. zu erteilen: die in ewiger versicherung seiner
herzlichen liebe bestunden / und dass er mit dem ersten ankommen / auch sodann
eigentlicher und umständlicher E. Maj. sein gemüt entdecken wollte / dass sie
sehen sollten / wie herzlich er sie liebete.
    Hierauf nun reisete ich / mit dem Belopares und Hanoch / und mit dem
kriegesheer / aus Babel hinweg: von dar ich nun hieher fürangekommen bin / und
vermute / dass die völker / wie auch der Prinz von Gerar / den ich unterwegs
angetroffen / mit dem ersten hier sein werden.
    Hiemit horete der Barzes auf zu reden / und liesse die Delbois so unruhig /
dass die angst über dieser unvermuteten neuen sorge / ihr fast die macht bename
/ein wort herfür zu bringen. Ihre liebe gegen ihrem herr vattern / und seine
besorgliche unnaturliche liebe gegen ihr / stunden einander so entgegen / dass /
wann sie ihn auser dem namen eines vatters betrachtete / sie ein solches grausen
für ihme in sich entfunde / dass sie aller ihrer kräften vonnoten hatte / die
kindliche ehrerbietung dabei zu erhalten. Es kame ihr auch des Barzes bericht so
warscheinlich für / dass sie gar nicht mehr daran zweifelte / und daher
nachgehends / wie sie ihren verwirrten zustand allein und bässer überlegte /
denselben so schwer befunde / dass sie unschlüssig bliebe / wie sie hiebei sich
verhalten sollte. Ihres liebsten Prinzen nahe ankunft / war ihr einiger trost /
mit dem sie dieses schwere werk zu überlegen gedachte. Aber die sorgliche angst
liesse ihr nicht zu / die ganze nacht ein auge zu zutun: da ihr tausend dinge
fürkamen / die sie / wäre es ohn ihre grosse beständigkeit gewesen / leicht
hätten zweifelmütig machen können.
    Des folgenden tags wurde durch die zeitung / dass der Prinz Abimelech ankäme
/ ihr gemüte ein wenig wieder beruhigt / also dass die freude in ihrem herzen
heimlich waltete. Sie begabe sich hierauf nach der Königin von Tyro / alda der
Prinz von Assyrien /neben allen grossen von Damasco / sich bereits versamlet
hatten / üm den Prinzen von Gerar zu entfangen. Cimber / Aramena und Ninias
gaben gar genau acht auf der schönen Delbois ihr wesen: und verhinterte die
freundschaft mit dem Abimelech den Cimber nicht / dass er über die verspürte
freude der Königin nicht geseufzet hätte. Aramena und Ninias /liessen sich die
unmüglichkeit auch nicht abhalten /sonder hofnung des Abimelech Glück zu
beeifern.
    Auf befehl des Stattalters von Syrien wurde nun nichtes gesparet / diesen
helden / neben dem Belopares / welcher mit ihm kame / herrlich zu entfangen. Wie
sie nun in Damasco einritten / entfunden alle Syrer / die den Abimelech ansahen
/ eine verborgene hochachtung und liebe für ihn in ihren herzen: also dass sie /
so ungern sie sonst die Assyrier ankommen horeten / gleichwol diesem Prinzen
tausend gutes wünscheten / dessen heldenmut und freudiges wesen in allem seinem
tun dermassen herfür leuchtete / dass man ihn bewundern musste. Als er auf dem
Königlichen platz abgestiegen / fürete ihn der Mamellus / der ihn alda
bewilkommet / zu den Königinnen: da gleich im ersten anblick / die augen der
schönen Ninivitin und des verliebten Abimelech / sich zusammen funden / in so
grosser gesellschaft fast allein mit blicken zusammen redeten / und damit ihre
freude / über dieser wiedersehung / einander zu verstehen gaben. Nach abgelegter
begrüssung bei den dreien Königinnen /sah er sich / von dem Assyrischen Prinzen
/ auch dem Esau und Cimber / zugleich ümarmet / die alle an diesem ihrem freunde
teil haben wollten. Nachdem hierauf Belopares / seinen gruss von dem Assyrischen
Konig / bei den Konigiñen / und sonderlich bei der von Ninive / abgeleget /
wurde der Prinz Abimelech in seinem verordneten palast gefüret / und alda von
seiner reise auszuruhen / allein verlassen.
 
                                Das Vierte Buch.
Sobald der Prinz Abimelech / von der menge derer /die ihn nach seinem palast
begleitet / sich ledig gemacht / und allein seinen herzfreund den Cimber bei
sich sah: bezeugte er demselben seine freude / ihn wieder zu sprechen / durch
tausend ümarmungen. Ihr gespräche handelte allein von der schönen Königin von
Ninive: da der verliebte Abimelech wissen wollte / was seine Delbois / in seiner
abwesenheit / täglich von ihme geredet / und wie alles in seiner liebe stünde.
Prinz Cimber / so untüchtig er sich auch befande /seinen freund hierinn zu
befriedigen / unterliesse dannoch nicht / sich zu überwinden / und des Abimelech
fragen also zu beantworten / dass derselbe damit kunte vergnügt sein. Wie er nun
ihme fast alles erzählt /was sich zu Damasco begeben / auser was mit der Timna
fürgegangen: beschlossen sie / die nacht beisammen zu bleiben. Es war aber das
verlangen / folgenden tags die schöne Delbois zu sprechen / in dem Abimelech so
håftig / dass es ihn nicht ruhen liesse: gleichwie auch dem Cimber widerfuhre.
    Weil sie nun wenig schlieffen / und mehr zusammen wacheten / als vernamen
sie üm mitternacht eine singende stimme / die durch ihre lieblichkeit sie zur
aufmerkung erweckte / und sie endlich triebe / vom bette aufzustehen / und sich
dem fenster zu nähern. Sie sahen aus demselben in einen schönen garten /und
ersahn bei dunklem mondschein zwo frauenpersonen / die bei einem springbrunn
sich niedergesetzet: von denen die eine also annemlich ihre stimme horen liesse.
Sie konten zwar alle worte des gesangs nicht eigentlich vernemen / iedoch aus
derer etlichen soviel schliessen / dass diese dame ja so betrübt sein müste /als
lieblich sonsten ihr gesang lautete: dann sie / zu ende eines ieden satzes /
ihre tränende augen trocknete. Als sie nun diesem klag-gesang eine weile
zugehöret / wuren sie gewar / dass diese beide frauenpersonen von ihrem ort
aufstunden / und einander ümfasset haltend / dem fenster zu gingen / darin der
Abimelech und Cimber sich befunden. Weil sie daselbst an einem baum sich
niederliessen / als konten die Prinzen / bei stiller nacht / von oben herab alles
vernemen /was diese beide unten spracheten.
    Wehrte Fürstin! (sagte die / so gesungen hatte /) wie ist es müglich /
ungeliebt zu lieben / und zu leben? Ich zwar tue beides: ich liebe sonder
gegenliebe / und lebe; aber ach! sonder leben. Dann ist dieses wohl ein leben zu
nennen / das ich füre? Bisher / da mich noch eine geringe hofnung erhalten / bin
ich von derselben geblendet worden / dass ich mich nicht vorgesehen noch gehütet
/ dem liebesgift zu widerstehen: das mich nun so gar übermeistert / dass ich
nicht mein selbst mehr bin / unangesehen ich weiss / wie vergeblich ich liebe.
Ach unbeschreibliche marter! das jenige nicht hassen können / was einem die ruhe
nimmet; und das zu lieben / was einen quälet. Warum hat die natur meine
mitbulerin für mir so vollkommen gebildet? ach! aufdass sie mit recht mir den
jenigen entzöge / den sie zwar zu besitzen würdiger als ich ist / den ich aber
mit ja so häftiger liebe verehre / und vielleicht ihr hierinn vorgehe / weil ihr
mich / liebste Fürstin! überreden wollet / dass sie ihn nicht wieder liebe. Aber
was kann die schöne Delbois dafür / dass man sie liebt? Sol ich mich nicht
vielmehr beklagen / dass dich der himmel so liebreitzend erschaffen / O mehr als
vollkommener Cimber! und dass deine gestalt und tugend mich bezaubern müssen /
dich mehr zu lieben /als du begehrest. Armseelige Prinzessin! was kann Cimber
dazu / dass er der vollkommenste von der welt ist? was kann Delbois dafür / dass
iederman sie lieben und anbeten muss? du / du allein bist ursach daran /dass du
leidest. Warum gibst du nicht der wahren vernunft gehör / und betrachtest dich /
an statt / dass du den Cimber betrachtest / und die Delbois beeiferst? Deine
unwurdigkeit ist so gross / dass Cimber nicht anderst kann / als dich verachten /
und die schöne Ninivitin lieben. Jedes sucht seines gleichen. Der vollkommenste
held / eignet ihme billig die vollkommenste schönheit zu; und muss die verlassene
Jaelinde weichen / da sie mit recht nichtes zu fordern hat. Hiemit verwehrten
die häusige seufzer / dass diese klage nicht volfüret wurde.
    Cimber und Abimelech / blieben schier aus sich selber / als sie so was
unvermutetes vernamen. Dann der erste hatte in dieser klage eine liebste / und
der andere einen mitbuler bekommen; welches sie beiderseits gar unbequem dünkte.
Der Cimber stunde nun an / wie er nach dieser offenbarung seinen freund anreden;
und Abimelech wusste ebenfalls nicht / was er zum Cimber sagen sollte. Sie
schwiegen aber beide /weil die beisitzerin der jenigen / die sie nun aus ihren
reden für die Prinzessin Jaelinde von Salem halten kunten / mit begleitung
tiefgeholter seufzere / also zu reden anhube: Ihr meint  wohl / wehrte
Prinzessin! dass ihr die unglückseeligste liebhaberin von der welt seit. Aber
ach! welch ein grosser unterschied ist doch zwischen euch und mir! da euer tun
die unschuld begleitet / meine liebe aber straffbar ja lasterhaft ist / und mir
vor mir selber einen abscheu verursachet. Ihr seit frei in eurer wahl: ich aber
darf nicht mehr wählen /weil mich die ehe gebunden / und muss doch wählen. Ihr
liebt / nicht sonder hofnung / da die Königin von Ninive eure liebe nur
unschüldiger weise hintert / und alles mit der zeit für euch sich bässern kann:
ich aber liebe / was mir nie werden wird; den / der mich verachtet / und mir
künlich in die augen saget / dass er mir die Aramena vorziehe. Beklaget mich!
beklaget mich / Prinzessin von Salem! und betrachtet meine marter: da ich ehre /
tugend / ansehen / erbarkeit / und alles hintan setze / üm eines schönen Disons
willen /der mich verlachet / und alle meine tränen in den wind schläget. Ach
grausamer himmel! warum ist Dison so schon? warum ist meine liebe stärker in mir
/ als meine vernunft? und warum gebe ich mir die ruhe nicht wieder / die ich mir
selbst entzogen?
    Ich muss gestehen / (sagte Jaelinde /) dass eure qual der meinigen schier
vorgehet. Aber liebste freundin! ihr könnet an eurer krankheit leichter geheilet
werden / als ich an der meinigen. Weil euch die tugend verwehret / den Dison zu
lieben / so kann durch deren hülfe euer gemüt endlich wieder genesen. Meine liebe
aber ist edel / und dannenhero kein widerstand in mir vorhanden: welches meine
krankheit üm so viel unheilsamer machet. Aus den unmöglichen ümständen /die
unsere liebe hintern / (antwortete die andere) kann man beurteilen die grosse
unsers leidens. Uberwindet euch aber / schöne Prinzessin! und löset eure bande
auf: dass ihr damit mir ein gutes fürspiel gebet / mich auch also zu besiegen.
Ach! wie kann ich? sagte Jaelinde / mit vielem seufzen. Wie kann dann ich / (sagte
die andere hinwieder /) die ich mehr leide als ihr? Was hoffet ihr aber /
(fragte die erste /) von eurem Dison? Ach Prinzessin! (sagte die befragte ganz
wehmütig) wie kann ich dieses beantworten / da ich es selber nicht weiss? Hiemit
kam eine weibsperson zu ihnen / welche mit ihrer ankunft diese unterredung
aufhube / und die beide ermanete / von dannen zu gehen: da sie dann mit ihnen
sich davon machete. Abimelech und Cimber / aus ihrer geschöpften verwunderung
nun wieder zu sich selber kommend / verliessen das fenster / und fiengen beide zu
gleich an zu reden: üm einander zu sagen / was jeder gehöret hatte.
    Ach mein freund! (fragte der unruhige Abimelech) ist das auch wahr / was ich
iezt vernommen? ist Cimber mein mitbuler worden? Ich schwöre bei dem himmel
(gabe Cimber zur antwort /) ja bei dem grossen Gott / den wir verehren / dass /
meines Abimelech rechtmäsige liebe zu befördern / ich eher das leben /als den
willen verlieren werde; und wann du / liebster freund! iemals deinen Cimber /
für deinen mitbuler erkennen wirst / so ..... Mein Cimber! (fiele Abimelech ihm
in die rede / und zugleich üm den hals /) beteuere mir nicht so unnötig deine
treue freundschaft / und entschüldige dir selber einen liebhaber / der allemal
in seiner liebe sorget. Wozu dienten aber wohl diese sorgen? (fragte Cimber / der
sich kaum darbei des seufzens erwehren kunte /) da eben der mund / so mich
verliebt genennt / darbei beteuret / dass ich nicht geliebt bin: was könnte dir
ein ungeliebter mitbuler schaden? Sehr viel / wertester Cimber! (antwortete
Abimelech /) dann / wie könnte ich vergnügt sein / da ich dich müste unvergnügt
wissen? deine vergnügung aber auf die masse dir zu gonnen / wurde ich doch mich
auch viel zu schwach befinden.
    Als nun Cimber seinen freund nochmals versichert / dass er ihm in seiner
liebe keine hinternis bringen wollte: kamen sie auf die Prinzessin Jaelinde zu
reden / deren liebe der Abimelech / nicht so sehr / als ihre eiversucht /
bewunderte. Wie ist es dann hiemit bewandt? (fragte er den Cimber /) hat die
angeneme Prinzessin von Salem dannoch ursach / über deine kaltsinnigkeit zu
klagen / wañ gleich solche von meiner Königin nicht herrüret? Cimber befande
sich über dieser frage sehr betreten / der vorhin noch nie der Jaelinde auf ihn
geworfene liebe so deutlich gemerket hatte. Und weil er grosmütig war / auch die
guttaten / die er zu Salem genossen / noch im gedächtnis truge: als hatten die
klagreden dieser schönen Prinzessin ihme sein herz dermassen gerüret / dass /
wann er die bande hätte ablegen können / die ihn so lange zeit gefåsselt hielten
/ er die angeneme Jaelinde nicht würde trostloss gelassen haben. Was soll ich
sagen? (antwortete er dem Abimelech /) so unwürdig ich mich dieser Prinzessin
gewogenheit erkenne / so unmüglich finde ich es / dass mich der himmel für sie
ausersehen habe. Entfindet diese gute Prinzessin sich gequält / dass sie sich
ungeliebt achtet; so schmerzet es mich nicht weniger / dass ich mich muss geliebt
wissen / ohne dass ich fähig bin / diese grosse gunst anzunemen.
    So stehet dir dann / (fragte Abimelech /) eine andere geliebte im weg / dein
herz der Prinzessin von Salem zu geben? Du wirst dich noch (antwortete Cimber /)
der reden erinnern / die ich hiervon ehedessen mit dir gepflogen habe. Ich liebe
freilich / kann aber dich nicht eher hierin zu meinem vertrauten machen /bis sich
mein ietziger zustand ändert: und ist dieses das jenige / so mich zwinget / mein
verhängnis noch zur zeit für meinem freund verborgen zu halten. Ach gleiche zwo
schwestern! (hube hierauf Abimelech seufzend an zu reden /) die wir beide /
wider unsern willen / müssen unglücklich machen! wie es dir mit der Jaelinde
ergehet / so geht es mir mit der Cölidiane. Welche unruhe stehe ich nicht aus /
wegen dieser edlen unvergleichlichen Prinzessin! die ich so unschüldig betriegen
muss / und die ich häftiger liebe /als es oft meine liebe zu meiner Königin
verantworten kann. Ja / himlische Delbois! verzeihe mir / dass ich dieses gestehe:
das andenken der Cölidiane beunruhigt mich allein in der ruhe / die mir deine
süsse gegenliebe gönnet / also dass ich / mitten in meiner höchsten
glückseeligkeit / seufzen muss / dass man mich zuviel liebt. Diese reden hörte
Cimber mit grosser vergnügung an / und hätte wünschen mögen / dass sein freund
sich noch verliebter in die Colidiane bekant hätte.
    Sie legten sich hierauf wieder zu ruhe / das übrige der nacht dem schlaffe
zu widmen: der zwar bei dem Prinzen von Gerar sich eingestellet. Der Cimber aber
schlosse kein auge zu / weil ihme stäts die klage der Jaelinde in den ohren
schallete / und zugleich der Delbois wunderglanz für augen stunde: der ihn
wieder zurück zoge / wann sein herz der Jaelinde sich ergeben wollte. Er stunde
bei sich selber an / wie er / nach dieser erkentnis / mit der Prinzessin von
Salem ferner ümgehen sollte. Er beunruhigte sich zugleich nicht weniger darob /
dass / seine liebe zu der Königin von Ninive / dieser Prinzessin kund worden
wäre: die er doch so heimlich gehalten / dass er solche / wann es sein können /
auch seinem eigenem herzen würde verheelet haben. Diese grosse anligen
verursacheten / dass er und Abimelech den reden / welche der Jaelinde beisitzerin
von dem Dison gefuret / nachzudenken vergassen: dann sie / weil ihnen hiervon
nichtes kündig war / nur ihre eigene sachen betrachteten.
    Als endlich der morgen angebrochen / triebe solcher den Abimelech bald aus
den bette: weil sein verlangen übergross war / seine Königin zu sprechen. Als er
kaum neben dem Cimber angekleidet war / traten der fürst von Edom und der fürst
von Midian zu ihm in die kammer. Esau hatte vorigen abends wegen des Cimbers /
seinen freund zu besuchen / verschoben: nicht vermeinend / diesen so früh wieder
bei ihm zu finden. Er verbarge aber den zu dem Cimber tragenden widerwillen /
ümarmete den Prinzen von Gerar /und bezeugte seine freude über seiner ankunft.
Unter andern gesprächen / sagte Abimelech zu ihme: Mein wunsch ist nun erfüllet
/ dem grossen Edom in seiner gerechten sache wider die Fürsten von Seir zu dienen
/ massen der König von Assyrien mir die ehre gonnet / seine bestimmte hülfvölker
nach Seir zu füren. Ein überfluss würde es sein / meinen eifer und begierde euch
/ liebster freund! anzubieten / und euch dessen zu versichern: weil Abimelechs
herz dem Esau fürlängst bekant ist. Ich will nur dieses sagen / dass nichtes
glorwürdigers mir widerfahren können / als diese gelegenheit / nochmals an des
dapfern Esau seite zu fechten / und ihme mit meinem blut zu erweisen / wie sehr
ich sein ganz ergebener sei. Was konnte / (antwortete Esau /) in diesem meinem
zustande / mir glückseligers wiederfahren / als eben dieses / dass der dapfere
Abimelech für mich streiten will. Dessen liebste gegenwart mir aber noch lieber
sein sollte / wann ich sie / ohne die schönste Konigin von der welt damit zu
betrüben / geniessen könnte. Mit was guter art / (gabe Abimelech zur antwort /)
erinnert ihr mich doch meiner glückseligkeit / welche / weil sie mehr bestehet
im geliebt- als gegenwärtig-sein / durch diesen meinen feldzug nach Seir sich
nicht vermindern kann: und werde ich diss par tage / bis die völker hernachkommen
/ bei meiner schönen Königin wohl zu verwenden / mir angelegen sein lassen.
    Hiemit trate / auf veranlassung des Esau / der Abimelech mit ihme in ein
cabinet / alda sie von diesem feldzug sich unterredeten; inzwischen Cimber / so
wohl den Hanoch / als auch die beide Syrische Fürsten den Elhanan und Nahor /
welche den Abimelech anzusprechen kamen / mit gesprächen unterhielte. Weil sie
nun zusammen an einem fenster stunden / und in den garten hinein sahen / darin
vorige nacht die Prinzessin Jaelinde gewesen war: name Cimber daher gelegenheit
/ bei dem Elhanan sich zu erkundigen / wem dieser garten gehore? der ihm
berichtete / wiedass sowol der palast / darein man den Prinzen Abimelech
eingewiesen / als die ümherligende / samt diesen garten / denen Syrischen
Fürsten / dem Tare von Pildas / und dem Rames von Jedlaph zustünden / aber
nunmehr verlassen lägen: weil diese Fürsten ausgewichen / und von dem Konig von
Babel sich abwendig machen lassen. Cimber gedachte hierbei in seinem herzen /
dass dieser garte so gar öde und verlassen nicht wäre / massen er erst in
vergangener nacht eine so schöne Prinzessin bewirtet.
    Er wollte eben in ein ferners gespräche mit dem Elhanan sich einlassen /
wegen der Syrischen unruhe /als man ihnen anmeldete / dass der Prinz von Assyrien
käme / den Abimelech zu besuchen. Diese ankunft störete sowol diese / als des
Abimelech unterredung /und eilete der Prinz der Philister / vom Esau / Cimber /
Hanoch und den andern begleitet / dem Baleus entgegen / diese ehrbezeigung mit
gegenhöflichkeit anzunemen. Gleichwie sie nun eine sonderbare freundschaft
zusammen trugen / als schiene / ihre vergnügung einander zu sehen / aus allem
ihrem tun herfür / und wusste Abimelech nicht / wie er den bruder seiner schönen
Königin nur genug ehren sollte: wie dann auch Baleus gegen dem Prinzen der
Philister / wegen seiner ungemeinen geschicklichkeiten / nicht mindere
hochachtung hegete und erwiese. Sie begaben sich aber / auf abgelegte
höflichkeiten / ingesamt nach der Königin von Tyro palast / alwo kriegsraht
sollte gehalten werden. Sie funden daselbst die schöne Königin von Ninive: welche
die vergnügung / ihren Prinzen zu sehen / nicht sowol bergen kunte / dass man es
nicht gespüret hätte. Cimber / der sich sonst an ihrem glanz ergetzet / musste
wider seinen willen hierüber sich betrüben: doch überwande er sich gleich wieder
/ also /dass er seiner sinnen und gedanken herr verbliebe.
    Weil er / als ein frömder / in diesen kriegs-raht nicht kunte mitgezogen
werden / und deswegen wieder hinweg gehen wollte / name ihn Abimelech auf eine
seite / und sagte heimlich zu ihm: weil mein verlangen so gross / als die
notwendigkeit ist / meine Königin bald in geheim zu sprechen / als tue /
wertester freund! mein anligen / mitlerweile ich hier im kriegs-raht sein werde
/ der Aramena zu wissen / und bitte sie / ihre Königin dahin zu bereden / dass
sie mit dem förderlichsten die fürstin Timna besuche / von der ich verneme / dass
sie krank sein soll. Daselbst werde ich unvermerkt das Glück dieser ansprache
geniessen können: dann sonst ich von allen orten so in acht genommen werde / dass
ich fürchte / meine abreise dörfte eher erfolgen müssen / ehe ich hierzu einmal
gelangen können. Cimber / ohne zu antworten / winkete mit dem haubt / dass er des
Abimelech befehl nachkommen wollte. Wie er dann gleich seinen abtritt name /und
seinem grausamen verhångnis zu folge / das ihn alles wider seine liebe und für
seine freundschaft tun machete / sich nach der Aramena begabe. Er fand
dieselbe im vorsaal / unter andern hofjungfrauen / und sie seitwarts ziehend /
entdeckte er ihr des Abimelech anligen und verlangen. Aramena / als sie den
Cimber also für den Abimelech reden horte / wusste nicht /was sie davon gedenken
sollte: massen sie bisher / dass der Cimber mit ihr an einer krankheit läge /
vermeint / auch hierinn gleiches Glück mit ihm gemein hatte /dass sie beide
ihren mitbulern bei der geliebten Delbois dienen mussten. Sie versprache / sobald
ihre Königin aus dem raht käme / ihr dieses anzumelden.
    Cimber / weil er alle grosse gesellschaft / wegen unzufriedenheit seines
gemütes / meidete / gienge von dar wieder nach der Timna wonung / und sagte bei
sich selbst / im hingehen: wozu bin ich doch geboren / grausammer himmel! dass
bei mir eine liebe die andere muss verderben / und dass ich selber mir entgegen
bin / üm ein treuer freund zu bleiben? Welcher sterblicher hat vor mir wohl
solche marter ausgestanden? und womit habe ichs verdienet / dass / zu beförderung
meiner qual / ich zugleich meinen freund und die liebste so häftig lieben muss?
Ach Amorite! ach Jaelinde! habe ich mich etwan an euch versündigt / dass ich
darüm so gequålet leben muss? Aber was kann ich dafür / dass mein verhängnis mir
verwehret hat / euch zu lieben? Mit solchen gedanken kame er in das haus / und
liesse alsofort der Timna / neben erkündigung ihres zustandes / anmelden / wie er
vermute / dass die Königin von Ninive gegen den nachmittag kommen würde / sie zu
besuchen: dessen ursache er ihr / wann es ihr gelegen / wohl gern selber erofnen
wollte. Die betrübte Timna / so bisher / da sie krank gelegen / den Cimber / weil
sie seinetwegen bei ihrem Eliphas in so üblen verdacht geraten war / nicht sehen
wollen /kunte sich seiner besuchung nicht länger entziehen /zumal sie von ihrer
liebsten Königin etwas vernemen sollte. Demnach liesse sie ihn für sich kommen /
und hörete von ihm / was massen der Prinz Abimelech in ihrem hause seine Konigin
in geheim zu sprechen verlange: welches sie ja / als eine allemal treuverspürte
freundin / ihme zu verstatten / sich nicht weigern würde.
    Ach ja! (antwortete die Timna / mit einem tiefgeholten seufzer) ich diene
gern meinen freunden: wann nur meine gutwilligkeit mir nicht so saur ankåme /und
mich in so viel unglück / wie es am tag ist / stürzete. Cimber / der diese worte
nicht verstehen kunte /weil ihme von allem dem nichtes kündig war / was zwischen
dem Eliphas und ihr fürgegangen / erstutzete nicht wenig / sie also reden zu
horen; und ihm einbildend / diese reden gingen auf die Prinzessin Hercinde / die
sie auf sein bitten in ihr haus genommen /antwortete er ihr: Ich will ja
nimmermehr hoffen / dass / der Hercinde hiersein / meiner Fürstin werde solche
ungelegenheit verursachet haben / einige reue zu erweisen / dass sie die in ihren
schutz genommen. Ach nein / Prinz Cimber! (gabe Timna zur antwort /) es gereuet
mich ganz nicht / was ich getan: ob gleich dieses mein unschuldiges verfahren
mich unglücklich machet. Diese worte / welche sie mit ihren tränen begleitete /
verdoppelten des Cimbers verwunderung /und wollte er dieselben erkläret wissen.
So inständig er aber darüm anhielte / so wenig konnte er ferner aus der Timna
etwas bringen / auser dass sie ihm sagte: die Prinzessin Hercinde wüste / was ihr
anligen wäre /von der er solches erfragen möchte.
    Hiemit / als sie ihm die erlaubnus gegeben / den Prinzen Abimelech in ihr
haus zu bringen / wann die Königin von Ninive es also verordnen würde / eilete
er von ihr / nach der Hercinde gemach: bei der er den Tubal / neben der Marpeis
ihrer vertrautesten jungfrauen / antraffe. Sie hatte sich völlig angekleidet
/und sasse auf einem ruhbetlein / da sie ihr haubt in der Marpeis schoss geleget /
und von derselben ihr die zären abtrocknen liesse / die ihr häüfig über die
wangen herab flossen. Wie / liebste schwester! (redte Cimber sie an) soll ich euch
dann ewig also finden? soll diese traurigkeit sich nicht einmal stillen / die
eurer schönheit so viel verdruss antut? Erkennet hieraus (antwortete Hercinde /)
die grösse meines leidens / dass ich durch diese tränen mich überwunden bekenne /
die ich sonst meine lebtage zu siegen gewonet gewesen. Sehet / sehet / mein
bruder! wie fein wir die Assyrier überwinden / da euch die schwester / und mich
nun der bruder gefangen hålt. Ach grausamer himmels-schluss / der uns hierzu
verdammet hat / den Assyriern stäts den sieg über uns zu gönnen!
    Cimber beseufzete diese klagworte / sonder dieselben zu beantworten / und
wie er almählich die schöne Hercinde von diesen betrübten gedanken abgeleitet
/fragte er sie endlich: ob sie wissenschaft darüm hätte /was der Fürstin Timna
anläge? Hierauf berichtete ihn diese Prinzessin / wie sie gestern abends / weil
es ihr zustand zugelassen / ihre wirtin die Timna besuchet: von der sie nicht
allein / dass Eliphas und sie / zwar heimlich aus gewissen ursachen / eheleute
zusammen wären / sondern auch die eiversucht dieses Fürsten /und alles / was
hierunter vorgegangen / erfahren hätte. Den Cimber beunruhigte anfangs dieser
bericht mehr /als dass er ihn betrüben können: weil er / durch darlegung seiner
sonnenklaren unschuld / diesen sturm bald wieder beizulegen hoffete. Nunmehr
kunte er /woher des Eliphas und Esau kaltsinnigkeit und dunkele reden
entsprungen / wohl erkennen: die er dann in eine desto grossere verträulichkeit /
durch den vorschein der warheit / zu verwandeln verhoffte. Doch beklagte er
beiher die gute Fürstin nicht wenig / dass sie durch ihre gütigkeit in solche
widerwärtigkeit gerahten ware. Wie er nun ferner betrachtete / dass hiedurch /
der geheime aufentalt seiner schwester in der Timna palast / möchte offenbar
werden / da er / zu rettung seiner und der Timna unschuld / würde sagen müssen /
warum sich Timna heimlich mit ihme verschlossen / und allen ihren leuten / sie
in ihrer unterredung zu stören / verboten hätte: stunde er besorget bei sich an
/ wie er es hierinn machen sollte / zumal sowol der Hercinde als seine
selbst-eigene ruhe erforderte /dass ihr da-sein in Damasco kein mensch erfahren
möchte. Demnach befande er für nötig / der Timna gedanken hierüber zu vernemen.
Er scheuete sich aber / wieder zu ihr zu gehen / weil er bei erst-abgelegter
besuchung wohl verspüret / wie sehr ihr seine gegenwart zuwider wäre: worüm er
sie auch nicht verdenken kunte / da er dessen ursach wusste.
    Die Prinzessin Hercinde kame hierauf zu der Timna / und beteuerte ihr nicht
allein / des Cimbers und ihre eigene bekümmernis / die sie entfunden / sich
ursach zu wissen an ihrem unglück: sondern sie versicherte sie auch / im namen
dieses Prinzen / dass er alles in der welt tun würde / was zu rettung ihrer
unschuld bei dem Esau und Eliphas dienen könnte. Nur allein hierüber wäre sie
beängstigt / was man der geheimen Unterredung der Timna mit den Cimber für einen
schein geben könnte: da sie aber ihrer gütigkeit dieses zutraute / dass sie
niemanden sagen würde /wen sie in ihren schutz aufgenommen hätte. Meine schöne
Prinzessin sei versichert / (antwortete die betrübte Timna) dass / wann es mir
mein leben gälte /ich doch niemand sagen wollte / dass sie allhier bei mir sei.
Nun es aber meine ehre betrifft / und die geheime unterredung mit dem Cimber
alles mein unglück meist verursachet: als möchte ich mich so bittseelig wünschen
/ dass ich melden dörfte / wovon ich mit dem Cimber gesprochen habe. Sonsten neme
ich dieses Prinzen anerbieten zu allem dank an / und zweifle auch nicht an
seiner weltbekanten grosmut / dass die ihn / zu wieder-abwendung meines ietzigen
unglücks /mir werde dienen machen. Ach / liebste Fürstin! (sagte die schone
Hercinde /) mein bruder und ich sind verloren / wann iemand erfäret / dass ich
hier bin. Unmüglich kann ich / diese meine worte / ümständlicher und deutlicher
erklären. Ich bitte aber / so sehr ich bitten kann / dass ich hier noch ferner
verborgen bleiben dörfe.
    Als sie dieses gesagt / bliebe Timna eine weile in gedanken / ohne zu
antworten; endlich nach angenommenem munteren wesen / redete sie die Hercinde
also an: Mir fället iezt etwas bei / welches die Prinzessin verlangter massen
alhier geheim entalten / und zugleich mich aus dem bösen verdacht bringen
könnte. Dörfte ich nicht der Königin von Ninive / wie auch dem Fürsten von Edom /
fürsagen / dass der Cimber mir seine braut anvertrauet / die üm gewisser ursach
willen heimlich leben müste? Hierdurch würde man erfahren / dass Cimber anderswo
/ und nicht mich /liebe; dass unsere unterredung einen ehrlichen zweck gehabt;
und dass mein eiversüchtiger man ohne ursach mich verlassen habe. Also würde auch
meine Prinzessin / wie zuvor / bei mir ganz verborgen bleiben können. Diesen
anschlag der Timna / liesse ihr die Hercinde nicht misfallen. Weil sie aber /
ohne vorwissen ihres bruders / sich hierzu nicht verstehen konnte / als begabe
sie sich / mit der Timna bewilligung / zu dem Cimber / und eröffnete ihm alles /
was diese Fürstin ihr fürgeschlagen hatte. Als nun Cimber hierüber in gedanken
stunde / sagte Hercinde ferner zu ihm: Ich vermeine / dieses wäre eine bequeme
gelegenheit für euch / mein bruder! die Konigin von Ninive ungescheut und sonder
argwahn zu lieben? Solte ich aber (wandte der verliebte Cimber ein /) diese
Königin also betriegen? Betriegt ihr sie dann mehr / (sagte Hercinde /) wann ihr
mich für eure liebste ausgebet /oder wann ihr euch stellet / als liebtet ihr sie
nicht /und wåret kein mitbuler ihres geliebten?
    Woltet ihr euch aber (fragte Cimber /) hierzu wohl bequemen / und euch vor
dem Prinzen von Assyrien /als meine braut / sehen lassen? meint ihr nicht / dass
ihm euer gesicht noch gar zu kentlich sei? Auf diese erinnerung stutzete
Hercinde / doch erholete sie sich bald wieder / und sagte: Die Fürstin von Seir
begehret nicht / dass iemand auser der Konigin von Ninive /und dem Fürsten von
Edom / mein hiersein erfahre: also wird Baleus nichtes von mir innen werden. Wie
soll er euch aber lieben / (wiederholete Cimber /) wann er euch nicht sihet? Ach
mein bruder! (antwortete sie seufzend /) hätte ich den Baleus hier in Damasco
nicht so leichtsinnig verliebt gefunden / und eine so unwürdige mitbulerin
bekommen / so wollte ich mich nicht gescheuet haben / ihme mein gesicht zu zeigen
/welches er ihme so oft zu sehen gewünschet. Was ist es dann / (fragte Cimber /)
das ihr zu tun gesonnen seit? Eben das / liebster bruder! (gabe sie zur antwort
/) das ihr in euren liebe fürnemet und beginnet. Hierzu seufzete Cimber / ohne
zu antworten. Weil sie aber einen schluss / auf der Timna ansuchen / fassen
mussten / als bequemte sich endlich der Cimber nach langem überlegen / dahin /
dass die Timna die Hercinde für seine liebste ausgeben mochte. Und ob er gleich
/wie er sagte / viel ungemach zuvor sah / so hieraus kommen konnte: so wollte er
doch / weil er der Timna so hoch verbunden war / ihr hierin zu willfahren /nicht
unterlassen. Wie nun diese Prinzessin wieder zu der Timna wieder hin gienge /
dieselbe mit dieser Entschliessung ihres bruders zu erfreuen / und der Cimber
hierüber in tiefen gedanken stehen bliebe: fand ihn in solcher verwirrung der
Tarsis Fürst von Sepharvaim / den die Konigin von Ninive / wie er von ihm
erfuhre / an die Fürstin von Seir hatte hergeschicket / ihr anzudeuten / dass sie
den nachmittag / sie zu besuchen /kommen wollte / und zwar ganz allein / damit es
ihr keinen verdruss verursachen möchte. Cimber konnte hieraus abnemen / dass des
Abimelech bitte bei der Königin statt gefunden hätte: deshalben er ungesäumt nach
des Abimelech palast sich verfügte / den er mit schmerzlichem verlangen seiner
warten fand. Sol ich so seelig werden / (rieffe er ihm entgegen /) meine
Königin zu sprechen. Ob ich gleich / (antwortete Cimber /) von der Aramena noch
keine antwort bekommen / so erhellet doch gnugsam aus der Königin vorhaben / die
Timna ganz allein zu besuchen / dass sie ihres Abimelech begehren ein genügen
tun will. Wiewol nun Abimelech mit dieser antwort und erlangter nachricht håtte
können friedlich sein / auch seiner Königin gunstgewogenheit wohl versichert war:
so vermeinte er iedoch / er dorfte / ohne der Königin ausdrücklichen befehl /
nicht in der Timna palast kommen. Demnach lage er dem Cimber nochmals an /von
der Aramena dieses zu erfragen.
    Also begabe sich dieser gleich nach hof / und die Aramena unter dem
Ninivitischen frauenzimmer auf den vorsaal der Konigin von Tyro suchend / fand
er sie endlich / aber in gesellschaft des Prinzen von Assyrien / der mit ihr
redete. Sie / die eben überdrüssig war / des Baleus liebes-reden anzuhören / auch
darneben verlangte / der Königin vorhaben dem Cimber zu eröffnen / truge kein
bedenken / den Prinzen von Assyrien stehen zu lassen / als sie den Prinzen
Cimber ersah. Diesen bei der hand fassend / zoge sie ihn an ein fenster / und
berichtete ihm / wie die Konigin auf den nachmittag alleine nach der Timna
palast fahren würde / üm den Prinzen der Philister zu sprechen. Indeme sie
dieses sagte / und der Cimber hörete / seufzeten sie beiderseits / also dass sie
einander darüm ansahen / und doch keines nach der ursach fragte: wiewol Aramena
solche eher / als Cimber / errahten konnte.
    Mitlerweile sie also miteinander redeten / sah der verliebte Baleus / diese
verträulichkeit des Cimbers und der Aramena mit nicht geringer eiversucht / an:
und sich eriñerend / wie sie jüngstin / beim spiel in des Stattalters hause /
dem Cimber nachdenkliche reimen zugeschrieben / uñ daneben wissend / dass er auch
diesen morgen mit ihr gar ämsig und allein geredet: kame er auf den wahn /
dieser Prinz wäre eher sein mitbuler / als der Dison / den sonst allemal Aramena
genennet hatte. Demnach ward er hierüber sehr unruhig / und hatte seiner
höchsten gedult vonnoten /sie nicht in ihrer unterredung zu verstören. Als aber
Cimber vernommen / was er zu wissen verlanget /eilte er wieder seines wegs / und
traffe den Abimelech über der malzeit an: da er voll des Mamellus leuten
/Assyrischen kriegs-bedienten / auch etlichen Syrischen Fürsten bedienet wurde.
Wie nun Cimber / auf ihr zunötigen / sich mit an die Tafel begeben / sah der
begierige Abimelech ihn mir unverwandten augen an / und dorfte für den andern
hiernach nicht fragen /wes er wissen wollte. Cimber aber / seines freundes
verlangen zu stillen / schriebe mit dem messer in die rinde eines brodes / was
er ausgerichtet: welches er unvermerkt dem Abimelech zureichete / und damit
verursachete / dass dieser verliebter Prinz ein munteres und vergnügtes wesen
anname.
    Nach der tafel / wie die andern sie allein gelassen /und sich diese beide
freunde in freiheit sahen: ümarmete Abimelech den Cimber / solcher gestalt ihm
seine dankbare erkentlichkeit erweisend / dass er /zu beforderung seiner
liebes-vergnügung / soviel geholfen hatte. Cimber erzehlte ihm hierauf / wie es
ihm dieser tagen mit dem Eliphas ergangen. Weil er dabei der Hercinde gedenken
musste / als zwungen ihn die ümstände / sich nicht völlig hierinn seinem freunde
zu vertrauen. Demnach sagte er ihme solcher massen /wie es mit der Timna
abgeredet war / dass die Prinzessin Hercinde / des Königs Marsius von Basan
älteste schwester / durch sonderbare abenteur in Damasco /und zwar erkrankt /
angekommen wäre: die er / als von ihrer schönheit längst eingenommen / in der
Timna palast heimlich eingebracht / und diese Fürstin dahin beredt hätte / sie /
ohne einigen menschen davon eröfnung zu tun / in ihren schutz aufzunemen.
Abimelech wurde so hoch erfreuet / zugleich seinem Cimber verliebt / und dessen
liebste so nahe zu wissen / dass er sich nicht halten kunte / dem Cimber in die
rede zu fallen / und ihm seine verwunderungs-freude zu bezeugen.
    Wie / liebster freund! (sagte er zu ihm /) kömt es nun einmal an den tag /
was ich nie wissen müssen /und was du iederzeit / auch noch vergangene nacht /so
geheim für mir gehalten hast? Ich erfreue mich aber hierüber üm soviel mehr /
weil ich hoffen darf /dass diese grosse Prinzessin dich liebe / und du also nicht
mehr / nötig hast / dich / wie du bisher gewonet gewesen / als ungeliebt zu
beklagen. Ob ich geliebt bin / wie ich gern wollte / (antwortete Cimber seufzend
/) solches stehet dahin. Dass ich aber bisher der Prinzessin Hercinde gegen dir
nicht erwähnen dörfen /dazu hatte ich gewisse ursachen: also dass / wann du die
dermaleinst erfahren soltest / du mich nicht wirst verdenken können. Wann auch
nicht der Timna unschuld hierdurch müsse erwiesen werden / würde der Hercinde
hiersein / und diese meine liebe zu ihr / niemand erkundigt haben. Demnach bitte
ich dich / dass du / auser dem Fürsten von Edom / gegen niemanden dessen gedenken
wollest. So gros mein verlangen ist /(antwortete Abimelech /) meines Cimbers
abenteuren zu wissen / so billig gedulte ich mich / dieselben zu vernemen / bis
es zeit sein wird. Aber die Hercinde zu sehen / kann ich mich nicht entbrechen /
zu bitten /dass du hierinn gegen mir die offenherzigkeit gebrauchen wollest / die
ich / indem ich dir / meine Königin zu sehen / alle gelegenheit gegeben /
erwiesen habe. Wegen meiner verschwiegenheit darfst du nicht zweifeln: zumal
ohne das unsere freundschaft ein solches von mir erfodert.
    Wann Hercinde sich will sehen lassen / (gabe Cimber zur antwort /) will ich
dir diese vergnügung / wann es eine ist / ganz gern gönnen. Ich bitte aber
darneben / dass du die unschüldige Timna bei dem grossen Edom wieder aussönest:
damit / durch solche befriedigung /der fürst Eliphas von seinen irrweg auch
könne wieder zu recht gebracht werden. Nun man so viel melden darf / (antwortete
Abimelech /) dass Cimber und die Hercinde einander lieben / so wird / mit zutun
der Ahalibama / der friede leicht wieder zu machen sein: wann nämlich diese
sagen wird / wie es mit zurückschickung der kleinoder / welche die Timna haben
sollen / daher gegangen. Hierzu wird / unsere schöne Königin / (sagte Cimber /)
die Prinzessin von Seir bald bereden können / und Esau es auch gern von ihr
beglaubt annemen / weil seine liebe zu ihr zimlich merksam ist. Ich finde den
Edom (wiederholete Abimelech /) sehr verändert / und geht er stäts in gedanken
/ also dass man ihm ein ding zweimal sagen muss /ehe er schickliche antwort gibet.
Diss verursachet /(antwortete Cimber /) so wohl die liebe zur Ahalibama / als der
eifer gegen die arme Timna / und die mishälligkeit gegen mir: dann er / seiter
dieses fürgegangen / mir solche kaltsinnigkeit erwiesen / dass ich nicht gewust /
wie ich mit ihme daran gewesen.
    Als sie nun ferner miteinander abgeredet / was zu beilegung dieser sache
dienen möchte / setzeten sie sich zusammen auf einen wagen / und fuhren nach der
Timna palast: da der Abimelech diese seine freundin ansprache / und sowol über
ihrem zustand ein mitleiden / als die hofnung / dass sich der bald ändern sollte
/bezeugete. Cimber begabe sich inzwischen nach der Prinzessin Hercinde / ihr
anzudeuten / was er von ihr dem Abimelech sagen müssen: damit / wann etwan die
Konigin von Ninive und dieser Prinz sie ansprechen wollten / sie wüste / was sie
sagen sollte. Es stunde hierauf nicht lang an / da kame auch die schöne Delbois /
von niemand als der Aramena begleitet. Wie nun der Cimber sie zu der Timna in
das zimmer gefüret / sah sie ihren geliebten Prinzen zu ihren füssen: den sie /
ihm alle ersinnliche liebs-bezeugungen hinwieder erweisend / aufhube. Nach
kurzem willkom-gespräche / gingen sie nach der Timna bette: welche die Königin
so verändert von gesicht fand / dass sie nicht wenig darob sich bekümmerte. Wie
geht dieses zu / wehrte fürstin! (redte sie zu ihr /) dass ich euch also finde?
E. Maj. sehen / (antwortete Timna /) wozu mich mein eiversüchtiger Eliphas
gebracht. Damit überreichte sie der Königin / des fürsten von Teman schreiben:
welches die Königin mit grossem mitleiden und verwunderung durchlase.
    Hierauf bliebe sie / ohne zu antworten / in bestürzten gedanken / und trate
damit der Cimber herfür / zu der Konigin sagend: Ich bin der unglückselige / der
diese unruhe der guttätigen Fürstin von Seir verursachen müssen. Dann als eine
unvermutete begebnis des Königs von Basan schwester / und zwar krank mir in die
hände geliefert / brachte ich diese trostlose Prinzessin zu der Timna: und üm
nicht verrahten zu werden / verschlossen wir uns / als ich sie / diese
Prinzessin in schirm zu nemen / und für aller welt verborgen zu halten /
ersuchete / in ihr gemach zusammen. Der Fürst Eliphas / wurde hierdurch in
seiner eiversucht gestärket / die er schon vorhin gefasset hatte / weil ein
irrtum fürgegangen / da etliche kleinoder / die der Fürst von Edom der Timna
schicken wollen / der Ahalibama gebracht worden: welche dieselbe mit harten
worten dem Esau wieder zugeschicket / und dadurch verursachet / dass Esau sowol
als Eliphas ihnen eingebildet / als wann diese zurückfärtigung / welche sie von
der Timna geschehen achteten / von ihrer verachtung / und von einer unzimlichen
gewogenheit gegen mir / herrürete.
    Der Prinz Cimber / (sagte Timna hierauf /) lässet das fürnemste aus / so zu
bezeugung meiner unschuld dienen kann: dass er nämlich diese schöne schwester des
Königs von Basan liebt / und daher mein Eliphas mir nicht so übel hätte
begegnen dorfen. Der Cimber / den hierauf seine Königin ansah / entfärbte sich
/ und wusste nicht / wie er sich gebärden sollte. Delbois aber fragte / mit etwas
bestürzten gebärden: ob dann die Königin Mirina / als des Königs von Basan
schwester / hier wäre? Wie nun der Cimber sie berichtet / dass diese / welche die
Timna in ihren schutz genommen / des Königs Marsius ältere schwester / die
Prinzessin Hercinde wäre / sagte sie lächlend zu ihme: Ich bin erfreuet / dass
hiedurch der geheime Cimber verraten worden / der mir so wenig den namen seiner
geliebtin / als die ümstände seiner liebe vertrauen wollen. Gleichwie ich aber
nun das erste weiss / also hoffe ich nicht allein diese schöne Teutsche zu sehen
/ sondern auch ihre abenteur zu erfahren. Wer aus liebe sündigt / (antwortete
der verwirrte Cimber /) darf wohl vergebung hoffen. Meine liebe ist also
beschaffen / dass ich unmüglich die jenige / so ich liebe / benennen / noch die
ümstände meiner liebe entdecken dörfen: bis durch diesen zufall / die Prinzessin
Hercinde nunmehr offenbaret worden. Zum wenigsten aber / (wiederholte die
begierige Delbois) werde ich die ehre haben / diese Prinzessin zu sehen. Sie
wird diese gnade / (antwortete Cimber /) die E. Maj. ihr erweisen wollen / nicht
ausschlagen / iedoch dabei demütigst bitten / dass sie fürter bei der Fürstin
Timna allein und verborgen bleiben möge: damit auser E. Maj. und dem Fürsten von
Edom / der /wegen der Fürstin von Seir unschuld / hierüm wissen muss / kein
mensch ihr hiersein erfahre.
    Wie nun die schöne Königin ihm dieses versprochen / verhiesse sie daneben
auch der betrübten Timna allen beistand / und die besuchung der Prinzessin
Hercinde bis zu ihrer widerabfart versparend / sah sie ihren Abimelech an / und
sagte zu ihm: Verzeihet mir / mein Prinz! dass mich meiner freundin begegnis so
lang hat der ursache vergessen gemacht / üm welcher willen ich bin hieher
gekommen. Hiemit / als sie dem Prinzen die hand geboten / und sich von ihme in
ein cabinet / welches nahe an der Timna bette stunde /begeben hatte / und allen
bedienten der Timna befohlen worden / niemand mehr zu ihr zu lassen / weil die
Königin von Ninive bei ihr allein sein wollte / hörte Abimelech von seiner
Delbois sich also anreden: Ich weiss wohl nicht / Prinz von Gerar! ob wir iezt
ruhiger oder unruhiger wieder zusammen kommen / als wir lezmals voneinander
schieden. Vieler sorgen / die wir damals hatten / sind wir zwar iezt überhoben:
aber es stellen sich hingegen andere ein / die meines bedünkens sehr gefärlich
sind / und uns gewaltig drohen. Ach! grosse Königin! (antwortete Abimelech
seufzend /) ich spüre sattsam / dass E. Maj. bereits wissen / was ich sagen
wollen / und dass ihnen das grosse unglück nicht verborgen ist / so meiner
glückseligkeit will den garaus machen. Dañ was nutzet mir / dass meine Königin
nicht mehr von den Prinzen von Assyrien mit liebe verfolget wird / da dessen
mächtiger vatter sich in seinen platz stellet / und meiner Delbois überirdische
schönheit zu verehren beginnet?
    So ist euch (fragte die Königin) hievon etwas gewisses bewust / was ich aus
blossen vermutungen besorget? Ach! nimmermehr hätte ich es mir träumen lassen /
dass der himmel mit so schwerem ia unerträglichem leiden mich noch heimsuchen
würde. Bei diesen worten / drungen ihr die zären mildiglich aus den augen / und
sagte Abimelech: Ich bin wohl unglücklich / dass ich mit meinen bericht E. Maj. so
teure tränen auslocken müssen. Aber das verhängnis will es also haben: und weil
die gefahr vorhanden ist / als werden wir solche / nicht durch verheelen
abstellen / sondern durch genaue untersuchung ihr zu entgehen trachten müssen.
Ist dann mein unglück (fragte die Königin /und sah ihren Prinzen ganz wehmutig
an /) so gar gewiss / dass ich es gläuben muss? Wann mir E. Maj. (antwortete der
Prinz) wollen gehör geben / will ich deroselben / was mir hiervon bewust ist /
alles erzählen. Als nun die Königin ihme solches erlaubet / fuhre er also fort
zu reden: meiner schönen Königin alles verständlich zu berichten / muss ich meine
erzehlung etwas weit zurücke anheben / und nicht allein des Königs von Assyrien
/ sondern auch der Dalimire veränderte liebe fürtragen; und zwar solches mit
allen ümständen / wie ich es von dem feldherrn Belopares erfahren / auser deme
solches keinem menschen am Babylonischen hofe bekant ist.
    Als der Bactrianische krieg glücklich geendet worden / und ich die kron
dieses reichs dem grossen Belochus brachte: wurde ich mit einem so herrlichen
triumf in Babel eingeholet / dass der Konig selber sich nicht entsah / mich zu
entfangen. Und damit die ehre /welche man mir erweisen wollen / desto
ansehnlicher sein möchte / fuhre mir auch Dalimire mit allen Assyrischen damen
entgegen: welcher gnade ich von ihr mich nicht versehen hatte / da sie vordessen
mir solche gar kärglich erzeiget. Ich verspürte aber nicht allein hieraus ihre
grosse änderung / sondern sie erwiese sich auch nachgehens täglich / bei allen
angestellten freudenfesten / so gütig gegen mir / dass ich fast anhube zu sorgen
/ dieses ihr verfahren möchte / in des Königs gemüt / eine eiversucht erwecken.
Es ware aber damals / die liebe des Belochus gegen ihr / bereits erkaltet: und
beherschete sie ihn zwar annoch mit gleicher macht / aber sein herz besasse sie
nicht mehr /welches eine weit schönere zu verehren angefangen hatte. Weil ich
auf dieser hieherreise alles erfahren /was iemals in der liebe des Königs und
der Dalimire fürgegangen / als muss ich sagen / dass Dalimire / von anfang ihrer
liebe / mehr auf die kron / als auf des Königs person abgesehen. Ob auch gleich
die gemeine rede von ihr erschollen / und solches aller Assyrier vermutung ist /
dass der König sie zu willen gehabt /und ihrer genossen habe: so hat mir doch
Belopares /als ihr allervertrautester / zugeschworen / dass der König niemals von
ihr etwas erlanget / weil er / ihr die Assyrische kron aufzusetzen / sich
geweigert.
    Kurz für meiner ankunft nach Babel / hatte sich der König gähling verändert:
und wie er in allem seinem tun eine unruhige traurigkeit erwiese / als wurden
dadurch der listigen Dalimire augen eröfnet / diese änderung des Königs genauer
zu betrachten. Sein vielfältiges seufzen / seine einsame unterredung mit sich
selber / und sein stäts in gedanken gehen / entdeckten ihr bald / dass eine neue
liebe in des Königs gemüte fürhanden sein müste: die ihr dann / unangesehen sie
ihn nicht liebte / unerträglich ware. Nach langem nachforschen / wurde sie gewar
/ dass der Belochus E. Maj. bildnis / das er in seinem cabinet hatte / stäts
betrachtete / und kame ihr dieses wunderlich für / dass einen vatter die
schonheit seiner tochter solchermassen beunruhigen sollte. Gleichwie sie nun in
ihrer list unergründlich / also brachte sie endlich durch dieselbe zu wegen /
dass der König ihr selber nicht allein seine liebe gegen E. Maj. gestunde /
sondern auch ihr offenbarete / dass E. Maj. seine tochter nicht wären. Was saget
ihr / mein Prinz! (fiele Delbois ihm hier in die rede /) bin ich nicht des
Königs von Assyrien tochter? Dass der König Belochus (fuhre Abimelech fort /)
meine Konigin nicht für seine tochter halten / und darauf seine liebe gründe /
dessen kann ich E. Maj. gnugsam versichern. Welche aber die glückliche eltern
einer so vollkommenen Königin seien / hat mir Belopares nicht können sagen /
noch weniger die ümstände / durch was für eine wunderbegebenheit E. Maj. so lang
für die Assyrische Prinzessin gehalten worden.
    Erlaubet mir / mein Prinz! (wiederholete die Königin) dass ich diese
unverhofte zeitung ferner überlegen möge / ehe ich weiter eurer erzehlung
zuhöre; und dass ich mir müglich vorstelle / dass der Konig von Assyrien nicht
mein vatter sei. Betrachte ich seine liebe / so kann ich mir dieses leicht
einbilden. Bedenke ich den lezten befehl der Königin meiner frau mutter / Dass
sie mich versicherte / ich konnte ohne sünde den Baleus meinen bruder heiraten /
so gläube ich gänzlich /wahr zu sein / was ihr mir berichtet. Aber mein Gott!
wie kann dieses sein? wer sind dann meine eltern? wo ist mein vatterland? was bin
ich dann? Hierauf stellte sie ihr ferner für / dass / wann sie solcher gestalt
einen vatter verloren / sie auch nun des kindlichen gehorsams / der ihr so oft
und schmerzlich in ihrer liebe entgegen gestanden / entübrigt wäre. Demnach
fürchtete sie nun den Belochus mit aller seiner macht nicht mehr so sehr / als
wie sie ihn sonst / unter dem namen ihres vatters / verehret. Der Prinz von
Assyrien kame ihr ferner in den sinn / den sie nun / da sie ihn nicht mehr als
einen bruder betrachten sollte / wegen seiner ehmals-gehegten liebe / zu fürchten
anhube: so gar /dass ihr Belochus weniger gefärlich / als der Baleus /fürkame.
Ihre bestürzung aber und verwunderung war so häftig / dass sie ihren gedanken
nichts beständiges zumuten dorfte.
    Als der Prinz Abimelech sie also in gedanken sah / hielte er innen mit
seiner erzehlung / bis sich dieses erste entsetzen in etwas gestillet hatte. Wie
ihm aber endlich seine schöne Königin erlaubet / fortzufahren /täte er solches
folgender massen. Dalimire (sagte er /) trachtete / auf diesen bericht / nach
nichts mehr / als sich zu råchen. Und weil ich eben in der zeit sieghaft nach
Babel wieder kame / warfe sie die augen auf mich: und mich nicht allein zum
werkzeug ihrer rache auswählend / hube sie daneben auch an / mich zu lieben /
und zwar so häftig / dass bloss ihr hochmut ihr noch verwehrete / mir selber ihr
anligen zu entdecken. Belochus hingegen / der sich noch der vorigen zeiten
erinnerte / hatte nicht vergessen / was gnad-bezeugungen ich von E. Maj. vor
diesem entfangen. Demnach fassete er / ungeacht der grossen hochachtung für meine
person / eine solche eifersucht wider mich / dass ihm dieselbe / in mein
innerstes herz zu sehen / die kraft gabe. Weil er nun die häftige liebe / mit
der ich meine Königin bis an mein ende verehren werde / erkennet / als wurde ich
befehligt / nach Mesopotamien mit den völkern zu gehen / und alda dieselbigen zu
verlegen. Diss königliche gebot ergieng so streng / dass mir gar hart eingebunden
wurde / nicht nach Damasco zu reisen: wiewol meine liebe mich nun dieses gebot
übergehen gemacht. Mein aufbruch erfolgte so geschwind / dass Dalimire fast
nichtes davon innen wurde. Als ich hinweg war / wusste sie des Königs gemüt so
meisterlich einzunemen / dass sie seine vertrautin in seiner liebe wurde / und
ihme allerhand anschläge gabe / wie er zu seinem zwecke gelangen sollte: wordurch
sie dann ihren schier-abnemenden gewalt so völlig wieder bekame / dass Belochus
ja soviel / als iemals / mit ihr ümginge / und ohne Dalimire nicht sein kunte /
unangesehen er die schöne Königin von Ninive liebt.
    Der Fürst Baracheel / welcher E. Maj. dass sie nicht des Königs tochter sei /
zu erst entdecket / kame allein in des Königs und der Dalimire raht. Und
obgleich Dalimire üm E. Maj. warhafte geburt wusste /so wollte sie doch solches
dem Belopares nicht offenbaren / aus mir-verborgenen ursachen: wiewol sie ihr
sonst aller ihrer geheimnise und anschläge teilhaft machete. Wie nun / auf E.
Maj. und des Fürsten von Edom anhalten / zu Babel beschlossen war / eine
kriegesmacht nach Syrien und dem gebirge Seir zu schicken / wurde Belopares
ernennet hieher zu gehen; und mir kame der befehl zu / meine völker dem Esau /
als meinem alten waffen-lehrmeister / zuzufüren. Weil ich aber notwendig hier
durch musste / als ware dem Königlichen befehl dieses ausdrücklich angehänget
/dass ich nicht über einen tag allhier stille ligen / sondern gleich mit den
völkern fortgehen sollte. Diesen schriftlichen befehl brachte mir Belopares von
Babel mit: welcher zugleich in etlichen tagen / die ich mit zusammen- und
abfürung meiner völker zubringen musste / mein gemüt bereitete / die zeitung
anzunemen / die er mir vertrauen wollte. Endlich überlieferte er mir eines
morgens / wie ich ganz allein bei ihm in seinem zelt ware / folgende zeilen von
der Dalimire.
             Schreiben der Dalimire / an den Prinzen der Philister.
Wann ich nicht wüste / dass eure grosmut unvergleichlich / wollte ich Dalimiren
wohl und weh nicht eurem willen untergeben: wie ich nun tue / in der bewunderung
/ dass euch die götter einen heldenmut gegeben /von welchem die nachwelt wird zu
reden haben. Ich will euch aber / solchen herfürzulegen / weg und gelegenheit
zeigen. Und wann ihr Dalimire kennet / was sie bisher bei dem Assyrischen
Monarchen vermocht /so werdet ihr auch üm so viel eher gläuben / dass sie mächtig
sei / das zu halten / was sie verspricht. Belopares / der meinen willen weiss /
wird euch sagen /was ich für euch ausgesonnen. Weil ihr so grossen verstand als
muht habet / so werdet ihr leicht nachdenken / wie gross die zuneigung sein müsse
/ die ich auf euch geworfen / und wie sehr ihr befuget seit / fur euer und mein
Glück zu wachen.
                                                                       Dalimire.
    Ich sah / nach ablesung dieses schreibens / den Belopares mit unverwandten
augen an: welcher / als er meine begierde / dieses dunkele rätzel erklärt zu
wissen / vermerket / mit grosser wolredenheit mir zu eröfnen anhube / wiedass
Dalimire bisher / mit unbeschreiblichem widerwillen / die liebesbezeugungen des
Königs erdulten müssen / weil sie kein mittel ersehen können / sich deren zu
befreien. Gleichwie sie aber dabei ihre ehre unbefleckt erhalten / also hätte
sie auch nichtes von ihrer beständigen zuneigung abbringen können / die sie zu
mir / wiewol sie mir solche nie zu erkennen gegeben / jederzeit getragen; und
hätte sie die solang verborgen / als lang sie mir /auser ihrer person / nichtes
zuzubringen gewust. Nun aber ihr die götter den weg zeigeten / eine kron zu
erlangen / hätte sie nicht länger verziehen wollen / sich mir zu entdecken: und
stünde das Königreich Ninive in ihren händen / welches sie mir neben ihrer
person übergeben und zubringen wollte.
    Bis hieher / hatte ich dem Belopares gedultig gehör verliehen: wie man mir
aber meiner Delbois Königreich nennete / kunte ich mich nicht wohl entalten
/meinen widerwillen blicken zu lassen. Dennoch begriffe ich mich bald wieder /
weil die wahre eröffnung meines gemütes / die vorschwebende verrätereien zu
erfahren / mich hätte verhintern mögen. Demnach verstellte ich meinen unwillen
in ein blosse verwunderung / und gabe damit dem Belopares anlass / sich mir ferner
zu entdecken. Ich erfuhre demnach von ihme / dass der König Belochus meine
Königin / und zwar nicht als seine bisher-gegläubte tochter / liebete; und dass
er die allhier in Syrien / mit dem ehsten zu besuchen und zu heiraten
entschlossen sei. Damit aber die Niniviten / welche durch diese heurat ihre
Königin verlören / bei der Assyrischen kron verbleiben / uñ nicht abtrünnig
werden möchten / so wäre beschlossen / dass man sich der stadt Ninive bemächtigen
sollte: zu dem ende man / unter dem Fürsten von Almodat / dem Sparetes / die
hierzu-benötigte und bestimmte völker auf die gränze des Babylonischen reiches
stellen / und / so bald Belochus in Damasco angekommen / diesen anschlag
volfüren würde; der auch leichtlich zu enden wäre / weil sie bereits
unterschiedliche grossen / sowol im reich / als in der stadt Ninive / auf ihre
seite gebracht hätten. Weil nun dieser Sparetes ganz eine creatur von Dalimiren
wäre / als hätte er ihr verheissen / ihr die stadt zu liefern: wordurch sich zur
Ninivitischen Königin machend / wollte sie / auf den fall /meinen eiligsten
beistand mit den Ninivitischen völkern / die die Königin bei ietziger
kriegsverfassung nach Seir schicken / und mir ohne zweifel anvertrauen würde /
erwarten / und mir dieses reich zu regiren übergeben.
    Belopares hatte guten raum / dieses mir dergestalt zu erzählen: dann ich so
auser mir selber war / dass mir fast mein gehör und gesicht verginge. Ich erfuhre
auf einmal soviel wunderliches / dass ich mich mehr für träumend als wachend
halten musste. Sie sehen /mein Prinz! (beschlosse Belopares /) wie grosmütig
Dalimire liebt / und wie sie nicht allein ihr herz /sondern auch eine kron /
dem Prinzen der Philister darbietet: die soviel als gewiss in ihren händen stehet
/weil der König Belochus sich ihr vertrauet / auch alles unter ihrem befehl
ausfärtigen lässet / und sie alle kriegsbediente unter ihrem gebot hat / also
dass man zu Babel mehr die Dalimire als den König selbst verehret. Hiemit
schwiege er still: und weil er auf meine antwort wartete / als überwand ich mich
/ so gut ich konnte / und verhiese ihm / dass ich dieses grosse werk / daran ich
niemals denken können / die nacht bei mir überlegen / und folgenden tags ihme
meine erklärung geben wollte. Wann ich selbige nacht / wie sie mir verflossen /
beschreiben sollte / würde ich etwas unmögliches übernemen. So sehr ich aber mich
hierüber beunruhigte / so gewiss hielte ich es anbei für eine sonderbare
schickung: damit also / dem vorstehenden unglück / noch könnte gesteuret werden.
    In warheit (fiele die Königin von Ninive ihm hier in die rede /) ich verneme
soviel frömdes / dass eure damalige bestürzung der meinigen nichtes zuvor getan.
Sol ich mich nicht verwundern / dass ich einen vatter verliere? dass ich in
unwissenheit gesezt werde /wer und woher ich sei? dass man meinem Königreich
nachtrachtet? und / was das unerträglichste ist / dass ich mich in des Belochus /
meinen Abimelech aber in der Dalimire armen / wissen soll? Ach! ist es wohl
müglich / (rieffe der Prinz von Gerar /) dass meine Königin dieses besorgen
könne? wåre alles so leicht zu überwinden / als dieses / wollte ich mir keine
unruhige gedanken machen. Ich achte dieses / (antwortete die Königin) für eines
der grösten unglücke / die uns hier bedrohen. Dann / wir kennen beide die
Dalimire / und wissen / was sie vermag. Ihr vermögen / (fiele ihr der
ungedultige Abimelech in die rede /) mag so gross sein / als es will / so soll sie
doch mich nie besitzen. Und eben darüm / (wiederholte die Königin /) fürchte ich
mich für ihrem hass. Aber fahret fort / mein Prinz! mir diese wunderdinge
vollends zu sagen.
    Als ich (erzehlte Abimelech weiter /) dieses werk die ganze nacht bei mir
selbst überleget / und tausend anschläge bei mir gefasset / die doch alle nicht
zureichen wollten: hielte ich endlich für das bäste / mich /soviel müglich / zu
verstellen / dem feldherrn Belopares gute worte zu geben / ihn mit hofnung
allhier anzuhalten / und den schluss / bis ich E. Maj. sprechen möchte /
aufzuschieben. Demnach stellte ich mich /folgenden morgens / ganz freudig gegen
den Belopares an / und ihme viel dings / das mir einen zweifel bei diesem grossen
werk machete / fürhaltend / brachte ich ihn dadurch zu grösserer verträulichkeit.
Also erfuhre ich auch unter andern von ihme / dass etliche von E. Maj. Fürsten /
die sowol bei ihr allhier in Damasco / als zu Ninive sich befänden / bereits
hierum wissenschaft hätten. Er gabe auch für / wie dass Dalimire nachricht hätte
von allem / was E. Maj. in ihrem cabinet reden. Wie ich darauf fragete: ob dann
E. Maj. auch wüsten / welcher ankunft sie wären? berichtete er mich / dass ihr
solches noch zur zeit verborgen sei: unter dero bedienten aber wären welche /
die üm alles wissenschaft hätten / und die mit dem Baracheel fleissig dieserwegen
briefe wechselten. Ich erkundigte mich ferner bei ihme / warüm Dalimire ihm dann
nicht eröffnen wollte / wessen tochter E. Maj. sei / da sie ihm sonst soviel
vertrauet hätte? Worauf er mir sagte / dass Dalimire allemal / wann er sie hierüm
gefraget / zur antwort gegebe hätte: es wäre ihm noch nicht nütze zu wissen. Mit
dergleichen verträulichkeit / die mir die höchste unruhe von der welt machte /
verbrachte ich mit ihm selbige tage. Und als er mich immer anstrengte / der
Dalimire zu antworten / wendete ich solches damit ab / dass ich es zu gefärlich
achtete / einem brief solche grosse dinge anzuvertrauen.
    Unter allen verdrüssen / die ich hierbei entfunde /kann ich diesen E. Maj.
nicht bergen: ob ich wohl ursach hatte / dem himmel zu danken / dass bei aller
verräterei / mit welcher E. Maj. ümgeben sind / dennoch von der gewogenheit /
mit der E. Maj. mich beseeligen / nichtes ausgekommen war / so schmerzte mich
dennoch / dass E. Maj. so wenig ihres Abimelech sich erinnert / dass niemand dero
liebe merken können: worvon ich mir oft die gedanken machete / dass meiner
vergessen wäre. Wiewol ich diese meine schwachheit bald wieder erkennet / und
mir selbst verargete / dass ich so unrecht geargwahnet hatte. Hierinn habt ihr
auch warlich (sagte die Königin) euch gegen mir verschuldet: dann meine liebe zu
euch / mein Prinz! mehr in meinem herzen / als in dem munde / wohnet. Der
verliebte Abimelech erkünete / nach angehörter dieser versicherung / die schonen
hände seiner Königin zu küssen / und damit diese gnadbezeugung zu beantworten.
    Wie nun aller dieser bericht die Königin überaus befromdet hatte / da sie
zum überfluss vernemen müssen / dass sie mit so vielen verrätern umgeben wäre
/sagte sie zu dem Prinzen: In dieser schweren sache /die mir der himmel
aufbürdet / wird höchstnotig sein / einen geschwinden raht zu fassen. Alles
unglück / so uns drohet / stehet schon für der tür. Der Konig von Assyrien wird
ehist hier sein: dessen ankunft mir /den untergang meines reichs und unserer
keuschen liebe / drohet. Ich versichere euch aber / liebster Abimelech! dass bei
aller dieser gefärlichen unruhe / mein gemüte dannoch ruhiger als zuvor ist. Ich
darf nunmehr sicherer lieben / da mich der himmel von dem kindlichen gehorsam
ledig spricht / den ich unverbrüchlich zu halten / mich verbunden erkannte. Aber
/(fuhre sie fort / dem Prinzen nicht zulassend / für diese hohe versicherung ihr
zu danken /) ist es wohl müglich zu gläuben / dass ich des Belochus tochter nicht
sei / für die ich ja / weil ich gelebet / bin gehalten worden? Solte vielleicht
solches nur ausgebracht werden / üm die unziemliche liebe des Königs desto
bässer zu beschöne? Ich wüste doch nicht / (antwortete Abimelech /) warüm man /
dieses zu erdichten / in Babel fur nötig halten sollte / da ja die Assyrische
gesetze zulassen / dass ein vatter dörfe seine tochter heiraten: weswegen ich diss
ie für eine so gewisse nachricht achte / dass daran im geringsten nicht wird zu
zweifeln sein. Ich bin nun / mit dem Belopares in solcher vertråulichkeit lebend
/ von unsern völkern an den Syrischen gränzen abgetreten und hieher gekommen:
weil mein verlangen so gross war / als die notwendigkeit / diese dinge E. Maj. zu
offenbaren. Offentlich mit E. Maj. ümzugehen / muss ich mich nun auf das
vorsichtigste entalten: dann sollte Belopares /wie auch die andern Assyrier /
einigen argwahn auf mich bekommen / so ist alles verloren. Es können in dieser
schweren sache / E. Maj. sich niemanden von den ihrigen vertrauen: weil etliche
von den verrätern darunter sein mochten / die die Dalimire an sich gezogen. Aber
des Prinzen Cimbers und des Fürsten von Edom redlichkeit und treu / sind wir
versichert: weswegen ich für das bäste hielte / dass man ihnen beiden diese
händel entdeckte / auch ihren einraht und beistand darüber begehrte und vernäme.
    Ich bin hierinn (sagte die Königin) ganz eurer Meinung / und haben wir damit
zu eilen: weil ihr / sobald die Assyrische völker angelangen / von hinnen
müsst. Ich sehe aber nicht / wo wir sollen zusammen kommen: dann auser Aramenen
/ die ich muss für getreu achten / uñ die allein von unserer liebe weiss /habe ich
nunmehr niemand üm mich / dem ich mich sicher vertrauen dorfte; und wird man dem
Belopares alles entdecken / wer bei mir aus und ein geht. Hiesiger palast der
Fürstin Timna / (antwortete Abimelech /) würde wohl am sichersten und bequemsten
zu dieser unterredung dienen: und weil ohnedas E. Maj. der Fürstin von Seir
versprochen / zwischen ihr und dem Esau und Eliphas wieder frieden zu machen /
als wird der vorwand dieser zusammenkunft / wann es sollte auskommen / gar
scheinbar lauten / da Esau und Cimber notwendig bei dieser handlung sein müssen
/denen ich / als beiderseits freund und unterhändler /schicklich kann zugesellet
werden. Wie sie nun hierauf zusammen beschlossen / auf folgenden tag es
abgeredter massen anzustellen / und ihre unterredung nun zimlich lang gewäret
hatte / gingen sie wieder aus dem cabinet zu der Timna: welche eine nicht
geringe veränderung an der Königin verspürte. Es verhiesse ihr aber die schöne
Ninivitin / dass sie auf nächsten morgen neben dem Esau wieder zu ihr kommen /
und allen zwischen ihnen schwebenden misverstand aufheben wollte. Die Fürsten
bedankten sich hierfür demütigst / und in der hofnung / mit ihrem Eliphas wieder
ausgesönet zu werden / name sie die vermanung /ihrer gesundheit bässer als
bisher zu pflegen / gar willig an / und entfunde schon bei sich bässerung / nun
sie nur hoffen dorfte / dass ihr anligen sich enden würde.
    Weil die Königin auch die Prinzessin Hercinde ansprechen wollte / welche zu
sehen / sie ja so grosse begierde / als der Prinz Abimelech erwiese / fürete sie
der Cimber zu derselben ins gemach: welche / auf sein erinnern / zu dieser
besuchung sich bereitet hatte. Diese beide schönheiten sahen einander mit
gleicher verwunderung an / und blieben fast beide verstummet. Nach abgelegter
erster höflichkeit / sagte die Königin von Ninive zu ihr: Ich muss in warheit
gestehen / dass meine einbildung mich nicht betrogen / dass nämlich der Prinz
Cimber in seiner wahl sonderbar sein würde: massen die schönheit / die ich iezt
erblicke /für würdig ist / von einem so dapfern helden verehret zu werden. Und
schåtze ich mich seelig / des grossen Marsius von Basan tochter zu sehen / und
sie / als eine liebste von meinem freund / zu kennen. Eine angeneme röte
überzoge der Hercinde ihre wangen / als sie von der schönsten der welt sich also
rümen hörte. Es fiele ihr aber schwer / wegen des Cimbers sich also zu stellen /
wie abgeredet worden. Doch gabe sie der Königin dieses zur antwort: Vielleicht
möchte des Cimbers wahl nicht iederman für so billig achten /wie von E. Maj. aus
gütigkeit geschihet; und muss ich vielmehr den jenigen für seelig schätzen / der
die vollkommenste schönheit der welt / die ich vor mir sihe /anzubeten gewürdigt
wird. Die gnade aber / die ich iezt von E. Maj. geniesse / hätte ich nie hoffen
dörfen: da ich von einem geschlechte bin / welches zu verschiedenen malen dem
Assyrischen hause sich widersetzet. Wird mich auch dieses üm so viel mehr
verbinden / mich iederzeit ein Slåvin von E. Maj. zu erkennen.
    Ich schätze (sagte die Königin) der Prinzessin Hercinde nation in meinem
herzen so hoch / dass ich die aller welt vorziehe: und da mir der himmel gönnet
/zwo so edle personen aus ihnen zu kennen / urteile ich / nach ihnen / von allen
den übrigen / und saget mir mein sinn zu / dass ich von ihnen noch viel guttaten
entfangen werde. Ich wünsche indessen / dass ich meiner schonen Prinzessin
allhier womit möchte dienen konnen. Die ursachen / warum eine solche schönheit
sich also verbergen muss / sind mir unbekant: ich wollte aber / dass sie nicht so
erheblich wären / üm gelegenheit zu überkommen / die schone Hercinde öfter zu
sehen. Wann mir mein Glück / (antwortete Hercinde /) in meinen andern
begebenheiten so gönstig schiene / als es jezt tut in unverdienter erlangung
der huld von einer so grossen Konigin / so wollte ich mich seelig achten / E. Maj.
täglich aufzuwarten. Nun aber verwehret mir solches / mein unvermeidliches
verhångnis: weswegen ich auch die hohe gnade / die mir iezt von E. Maj.
widerfäret / wann ich nicht / dass kein mensch mein hiersein dadurch erfahren
würde / wäre versichert worden / nicht angenommen hätte. Weil ich meiner
Prinzessin / (sagte die schöne Königin /) mit nichts anders / als mit der
verschwiegenheit / dienen kann / so will ich ihr dieselbe hiemit fäst angeloben:
von herzen wünschend / dass sich der schönen Hercinde zustand so ändern möge /
dass ich ihre lebens-geschicht erfahren / und eine so liebe freundin öffentlich
üm mich sehen dörfe. Wolte der himmel / (antwortete Hercinde seufzend /) dass ich
E. Maj. mein anligen eröffnen sollte! ich bin aber noch zur zeit zum schweigen
verbunden: welches E. Maj. mir zu keinem ungehorsam ausdeuten / sondern für mein
unglück achten wolle.
    Nach noch etlichen dergleichen reden / grüssete auch Abimelech die schöne
Hercinde: und sie / für eine liebste seines Cimbers achtend / beteuerte er ihr
gar hoch die bereitschaft seiner getreusten und ergebensten dienste. Also
schieden sie sehr wohl zufrieden voneinander / da die Königin von Ninive nicht
mindere hochachtung für die Hercinde / als diese für die Delbois / im herzen
behielte. Es hatte aber die Hercinde nicht sobald die Aramena / als ihre
vermeinte mitbulerin / ins gesicht bekommen / da feurete sie sich an von eifer
und unwillen: und wäre Abimelech mit der Königin nicht bereits in der tür
gestanden / würden sie diese veränderung an der Hercinde leicht gemerket haben.
Dann die unschüldige Aramena konnte dessen ursach nicht ergründen / noch auf sich
ziehen: massen sie nicht so tüchtig war / den Baleus / als wohl die Delbois / zu
lieben; und alle gedanken allein auf diese schöne Königin richtend / beachtete
sie nicht gross /dass Hercinde gegen ihr so widrige gebärden erwiesen.
    Als nun die Königin mit der Aramena wieder hinweg fuhre / erzehlte sie ihr
unterwegs / was sie vom Abimelech vernommen: die dann hierüber höchlich bestürzt
/ und die gefahr / in welcher ihre Königin schwebte / ihr fürstellend / ihr
gemüte mit grosser unruhe anfüllete. Gleichwie man aber gern alles zu seinem
nutzen deutet / also stellte dieser verkleidte Dison ihm für / ob nicht die
Königin / da sie des Belochus tochter nicht wäre / für des Abimelech schwester
erkant werden konnte? zumal / weil die Prinzessin Colidiane von Gerar / der
Königin so sehr gliche: daher sie wohl aus einem hause sein mochten / und könnte
sie vielleicht in ihrer jugend / als ein geisel /mit ihrem bruder nach Babel
gesendet worden sein. Was grosse hofnung erweckete nicht diese einbildung /bei
der verliebten Aramena / die sonsten trostlos liebete? dann / auser solchem
zufall / ware nichtes / das der Königin und des Prinzen von Gerar liebe hätte
aufheben können.
    Weil selbigen abend / der Prinz von Assyrien / ein herrliches gastmal auf
der Kemuelsburg / für alle Königliche personen und die grossen in Damasco / hatte
zubereiten lassen: als stelleten sich die drei Königinnen / wie auch die
Prinzessinnen Indaride / Ammonide / Jaelinde / Ahalibama und Mehetabeel / neben
den Syrischen Fürstinnen / daselbst ein; da der Prinz Abimelech / welcher nebst
allen anwesenden herren auch eingeladen worden / seine begrüssung bei den
Prinzessinnen ablegte / und bei iederman / der ihn nur sah /ein sonderbares
vergnügen durch seine gute geschicklichkeit erweckte. Uber der tafel / kame er
zwischen der Prinzessin Ammonide und Jaelinde einzusitzen: die er / weil er sie
beide wohl kennte / die ganze malzeit hindurch mit gesprächen unterhielte. Die
Jaelinde erzehlte ihm alles / was ihnen im lande Canaan begegnet / seitdass er
von Salem hinweg gewesen: da er dann / mit sonderbarem leidwesen / des guten
Konigs Melchisedech zustand vername. Ihre unterredung handelte dabei viel von
der Colidiane / von welcher Jaelinde ihn berichtete / wie sie / in neulicher
aufruhr /durch wunderbare schickung mit dem König Eridanus von Cus
hinweggekommen wåre.
    Weil aber der verliebte Baleus dieses gastmal fürnemlich seiner Aramena zu
ehren angestellet hatte /als konnte er sich in dieser grossen gesellschaft nicht
entalten / sie für allen hervor zu ziehen / und den Prinzessinnen gleich zu
halten: woran dann die Assyrische herren / welche sowol mit ihm / als mit dem
feldherrn Belopares / von Babel angekommen waren /sich nicht wenig ärgerten.
Belopares selber name des Prinzen tun wohl zu herzen / und weil er wusste / dass
man ihme am Babylonischen hof die Königin Lantine von Elam bestimet / als hätte
er lieber sehen mögen /dass des Prinzen liebkosungen auf dieselbe / und nicht auf
die unbekannte Aramena / wären gerichtet worden. Aramena name diese
liebs-bezeugungen mit höchstem verdruss an / und hätte sich gern denselben
überhoben gesehen. Die schöne Königin von Ninive / war die ganze malzeit über /
wider ihre gewonheit / gar stille /und kunte sich nicht so wohl zwingen / dass
nicht zuweilen etliche seufzer herfürgebrochen wären / die das innerliche leiden
ihres herzens anmeldeten.
    Wie nun endlich die tafel wieder aufgehoben / und allerhand dänze angefangen
wurden / gesellte sie sich zu der Prinzessin Indaride von Ophir / und zu der
Ahalibama / die allemal / wann dergleichen belustigungen fürgingen / sich davon
abzusondern pflegten /und ihren platz zwischen ihnen einnemend / sagte sie: Ich
befinde mein gemüte den eurigen so gleichförmig / ob ich schon euren verlust
nicht erlitten / dass ich herberge bei euch nemen will / indem die andern sich so
ergetzen. Der Ahalibama kam dieses gar frömd für / weil sie vermeint / dass des
Abimelech gegenwart ein solches nit zulassen sollte. Sie dorfte aber die Konigin
hierüm nicht frage / weil sie nicht wusste / ob sie gern für der Prinzessin von
Ophir davon würde reden wollen. Der verliebte Abimelech / sah die betrübnis
seiner Königin mit grosser herzensqual an: zudem es ihm daneben nicht eine
geringe marter war /dass er / in so aufmerksamer gesellschaft / nur bloss mit den
augen bei seiner Delbois sein dorfte. Cimber anders teils / kunte die angeneme
Jaelinde nicht betrachten / ohne sich zu beunruhigen über dem gespräche /
welches er die vorhergehende nacht von ihm gehöret. Gleichwie aber Belopares /
und die andern Assyrier / dem Prinzen von Gerar hinterlich waren / der schönen
Königin von Ninive aufzuwarten: also verwehrte auch dem Cimber / der Jaelinde
anwesenheit /dass er sich dieser Königin nicht nahen dorfte / und zwunge er sich
/ üm diese zu sein / wiewol sein herz allein bei der Delbois ware.
    Solchergestalt regirte der zwang / fast die meisten in dieser ansehnlichen
gesellschaft / auser dem Prinzen von Assyrien / welcher allein seinem freien
willen folgete: und mussten die jenigen / so ihn ehmals in die Eldane / Lantine
und Mirina verliebt gesehen / bekeñten / dass diese lezte liebe viel häftiger als
alle die vorigen wäre. Wie kommet es immermehr / (finge die schöne Prinzessin
von Ophir an zu reden) dass der Prinz von Assyrien so gar der Königin Mirina
vergessen können / welche er doch ehmals in Ophir so häftig geliebt? Mich
dünket / (antwortete die Königin von Ninive /) mein bruder verlange geliebt zu
sein / welches er bei der Königin von Elassar nicht erlangen konnen. Eine
beständige liebe / (wiederholte die Prinzessin /) höret nicht sobald auf: und
weil der schönen Mirina herz noch frei ist / als hätte er sowol / als der Prinz
Hiarbas aus Egypten / hofnung haben können /sie zu gewinnen. Ich habe
(antwortete die Konigin) von der dapfern Mirina sehr viel gehöret / und möchte
wohl einst recht ümständlich ihre lebensgeschichte mir erzählen lassen / davon
ich mir ganz nichts gemeines einbilde.
    Die Prinzessin wollte eben wieder antworten / als der Prinz von Assyrien dazu
kame: welcher zwischen der Königin und der Indaride sich einsetzend / ihnen
verwiese / dass sie der lust also abgesaget hätten / und nicht mit machen wollten.
Wir finden (sagte die Delbois /) keine Aramena für uns / die unsere lust
aufmuntern könne. Wann es bei dieser grausamen stünde / (antwortete der Prinz
Baleus /) würde sie mir schwerlich die vergnügung gönnen / die ich von ihrer
gegenwart geniesse. Diese erbarkeit / (sagte die Königin /) verursachet bei ihr
die ehrerbietung / die sie dem Prinzen von Assyrien billig leistet. O nein /
liebste schwester! (antwortete er /) ihr eignes bekåntnis redet anderst hiervon:
massen sie mir nicht birget /dass sie einen Dison liebe. Zwar / weiss ich nicht /
ob dieser Dison nicht der Cimber sei: dieses weiss ich aber wohl / dass die
grausame meiner nicht achtet. Solte ich doch fast (sagte Delbois / und hube an
zu lachen) in ernst dafür halten müssen / dass meine Aramena von dem Baleus
geliebt würde? Die Konigin von Ninive / (sagte der Prinz hinwiederum /) tut
mir gross unrecht / wann sie anderst hiervon gläubet. Allen scherz dann beiseit
gesetzet / (wandte Delbois wieder ein /ein ernstliches wesen an sich nemend) so
muss ich dieses hierzu sagen / dass / so viel zu klein der Aramena stand ist / die
Monarchei von Assyrien zu regiren / so viel grosser ist ihre tugend / einer
ungeziemten liebe nicht beizupflichten. Ach liebste schwester! (antwortete der
Prinz /) verbannet von euch solche einbildung / als wann ich Aramena anderer
gestalt liebe / als sie dermaleinst zur Assyrischen Königin zu mache.
    Vergebet mir / mein bruder! (gabe die Konigin zur antwort /) wann ich diese
eure geschwinde Entschliessung tadele. Ihr kennet die Aramena noch nicht so lange
/ dass ihr sie / wegen ihrer tugend / zu solcher würde / die ihr sonsten ihr
stand versaget / tüchtig soltet erkant haben. Königin von Assyrien zu heisen
/ist kein geringes. Ach! haltet ein / (fiele ihr der Prinz in die rede) mir
fürzurucken / als sollte ich ihre tugend nicht kennen. Ist ihre weltbekante
dapferkeit mir dann allein verborgen? und sollte / unter dieser andern Semiramis
/ Assyrien nicht so wohl fahren / als unter der ersten? Die Königin von Ninive /
welche nichtes mehr in ihrem herzen wünschete / als dass dieses Glück ihrer
Aramena wiederfahren möchte / versprache endlich dem Prinzen / sein wort bei ihr
zu halten: doch müste er ihr zuvor erzählen / wie er von der Konigin Elassar
abgekommen wäre. Es fehlte nicht viel / dass der Prinz / für dieses anerbieten /
der Königin fusfällig gedankt hätte. Er versprache ihr auch / morgendes tags zu
ihr zu kommen / und ihr / was sie von seiner ehmaligen liebe gegen der Mirina
wissen wollte / zu berichten: und weil dieser Prinzessin ganzer lebenslauf der
Indaride vollkömlich bekant war / als erbote sie sich auch / des Baleus
erzehlung damit zu ersetzen. Der Prinz /so seine neue liebe nicht geheim hielte /
auch mit der Prinzessin Indaride gar vertraulich lebte / truge ganz kein
bedenken / diss alles für ihr zu reden und sie mit in seinen raht zu nemen.
Ahalibama aber / die von diesem gespråch etwas gehöret / schwebte für ihren
bruder in tausend ängsten / und name ihr für / mit aller macht ihn zu überreden
/ dass er diesen gefärlichen falschen stand verlassen / und ein mittel aussinnen
mochte / davon zu kommen.
    Wie aber die gesellschaft / noch eine gute zeit in die nacht hinein /
beisammen geblieben / und sich ein iedes nach seiner behausung begeben /
verbrachte die Königin von Ninive die nacht in grosser unruhe: wiewol ihr grosses
herz / und das vertrauen zu dem gerechten himmel / ihr den muht nicht sinken
liesse / und hoffete sie auch / dieses ungewitter / wie viele andere / zu
überdauern. So bald aber der tag angebrochen /und die schöne Delbois sich wieder
sprechen liesse /kam der verliebte Prinz von Assyrien neben der Prinzessin von
Ophir zu ihr / und als er seiner gewonheit nach / sie als seine schwester
ümarmet / kunte sie sich nicht erwehren / darob zu erröten: weil sie nun nicht
mehr diesen Prinzen für ihren bruder halten / und doch ihme / der es noch nicht
wissen dorfte / dergleichen freiheit nicht versagen dorfte.
    Ich komme / liebste schwester! (redte der Prinz sie an /) eure begierde zu
erfüllen / und euch meine mit der Mirina zugestossene begebnise zu erzählen.
Weil ihr aber verlangen traget / dieser Königin ganzen lebenslauf zu wissen: als
habe ich die Prinzessin von Ophir dahin vermögt / mit mir hieher zu kommen /um
hierinn euch zu vergnügen. Weil ihr / mein bruder! (sagte die Konigin lächlend)
die mühe / mir dieses zu erzählen / nicht ümsonst / gleichwie die gütige
Prinzessin von Ophir / übernemen wollet / da sie nichts dafür / ihr aber eine
Aramena fordert: werdet ihr mir erlauben / derselbigen für ihre wilfärigkeit
höhern dank / als euch / zu sagen. Hiemit ümarmete sie zu etlichen malen die
schöne Indaride: welche hierauf / neben der Königin und dem Prinzen / sich
niederliesse.
    Indem sie aber diese geschichte zu erzählen anheben wollte / wurden sie
hieran verstöret / durch die zukunft der Azura / der alten Delbois
hofmeisterinn: die die Königin von Ninive ersuchete / zu ihrer Konigin zu
kommen. Die schöne Delbois dorfte dieses nicht abschlagen / musste deshalben ihre
begierde / der Mirina geschichte zu verneme / auf bequemere zeit verschieben.
Weil sie aber hievon am meisten die ursach / warüm Baleus die Mirina verlassen /
und nicht mehr liebete / zu wissen verlangte: als bate sie den Prinzen / indem
sie mit ihm nach der Königin von Tyro palast ginge / dass er allein dieses ihr
kürzlich entdecken wollte. So wisset dann / (antwortete der Prinz /) dass ich der
Mirina feldherrn / den Assur / den man wegen seiner annemlichen gestalt den
schönen nennet / bei ihr im bette ligend gefunden; und dass ich zu Elassar / bei
einer opferung / eine fürtrefliche unbekannte schönheit zu sehen bekommen / die
mich der Mirina gar hat vergessen gemachet / und die ich noch in meinem
gedächtnis haben würde / wann nicht ihre unbekannte verborgene aufhaltung / und
hingegen der dapfern Aramena stätige gegenwart / mich bei dieser letzern nunmehr
fäst gemachet hätte / die / meines Chaldeers aussage nach / unfehlbar die jenige
ist / die mit mir einmal in Assyrien herrschen soll. Ihre dapfere faust / die
euch / liebste schwester! von den lewen errettet / wird auch den Assyrischen
feinden wohl gewachsen sein. Und wie mein herz und sinn mich ganz zu dieser
dapfern Aramena träget / also gläube ich gewiss / diese heldin sei mir bescheret:
weil ich aus dem gestirn soviel abgesehen / dass eben üm diese zeit / ja an
diesem ort / meine beständige und glückliche liebe angehen werde. Ihre liebe
gegen einem / den sie Dison nennet / wird durch eure gründe / liebste schwester!
leichtlich konnen ihr ausgeredet / und mir zugewandt werden: wann nur nicht der
Prinz Cimber /mit dem sie gar verträulich lebet / bei ihr das in der tat ist /
worzu der Dison muss den namen hergeben. Ich verlasse mich aber gänzlich / auf
eure versprochene hülfe. Ihr werdet auch / wann euch der Mirina leben und wandel
kund wird / selber urteilen / dass ich wohl gewechselt / und dass die tugend eurer
Aramena vorzuziehen sei aller Koniglichen würde und hoheit /welche Mirina
besitzet. Als Baleus dieses gesagt /und Delbois / mit höchster verwunderung /
der Mirina leichtsinnigkeit vernommen hatte / verhiese sie ihme mit kurzen
worten / indem sie in der Königin von Tyro gemach eintrate / dass sie ihme bei
der Aramena dienen wollte / mit der versicherung / dass Cimber nicht sein mitbuler
wäre.
    Hierauf verliesse sie dieser verliebte Prinz / und funde sie die gute Konigin
von Tyro sehr betrübt und übel zufrieden: wovon sie alsofort anlass name / sie üm
dessen ursache zu fragen. Liebste Delbois! (antwortete sie ihr /) eure
verwunderung / mich trauriger als sonst zu sehen / rüret daher / dass mein
liebster Amraphel todt ist / mein Tiribaces aus ungereimter liebe schwerlich
krank liget / meine Lantine / wie es scheinet / dem Baleus nicht bescheret ist /
und uns ein gewaltiger krieg drohet. Solches alles ist mir zwar heute nicht erst
kund worden: allein / wir stellen uns unser leiden und anligen nicht allemal
gleich gross und schwer für / und was einmal unser freier sinn kann gering achten
/ das kann uns zur andern zeit desto unerträglicher fürkommen. Mit diesen wenig
worten hatte die Konigin von Tyro soviel auf einmal gesaget / dass die schöne
Delbois anstunde / welchem leiden unter diesen sie zu erst mit trost begegnen
sollte. Endlich aber sagte sie: Die grosmut der Königin von Tyro kann allemal die
traurigkeit überwinden / wan sie betrachtet / dass der Konig Amraphel in hochstem
ruhm wegen seiner dapfern taten gestorben: dass der Prinz Tiribaces / durch ein
einziges trostwort von seiner frau mutter / genesen kann; dass die Lantine Königin
von Elam bleibet / und also ein mächtiges reich zu beherrschen hat / wann gleich
der Assyrische tron nich dazu kommet; und dass dieser fürstehende krieg dem
Assyrischen hause nichtes schaden wird / obschon Syrien davon ab- und seine
rechte Königin wieder bekommen solt. Dann / viel Königreiche machen nicht reich
/ sondern das / was man mit recht besitzet.
    Es machte ja der krieg / (gabe die Königin von Tyro zur antwort) meinen
bruder zum rechtmäsigen herrn des reiches Syrien! Wiewol ich bekeñen muss /dass
ich mein ungluck / so mich der himmel an meinen kindern erleben lässet / als
eine straffe anneme: die ich darmit verdienet / dass ich ehmals mit-ratgeberin zu
dem blutigen krieg in Syrien gewesen. Ja / liebste base! ich habe mich an dem
frommen König Aramenes und dessen unvergleichlicher gemalin versündigt: daher
ich nun fülen muss / was meinem mutterherzen wehe tut. Hiemit verwehrten ihr /
die viele tränen /ein mehrers zu reden / und sagte die schöne Delbois: Ich
bedenke bei mir selber / wie das leiden / so der Tiribaces und die Lantine der
Königin von Tyro verursachen / zu vermitteln wäre. Wie dann / liebste base?
fragte jene ganz begierig.
    E. Maj. beliebe / (gabe Delbois zur antwort /) nicht ferner die gemüter zu
zwingen / und ihren kindern die freie wahl in ihrer liebe zulassen. Was grosses
ungluck hat der zwang der eltern schon öfters ausgerichtet? Sihet man nur an /
die klägliche begebenheit des Amraphel und der Indaride / so ist der zwang einig
und allein die ursache / dass E. Maj. iezt diesen sohn beweinen. Ich kann die
stats-ursachen so wenig loben /als ich sie nützlich finde / die da gebieten /
sonder liebe / üm anderer absehen willen / sich zu verehlichen: da doch die
vergnügung im menschlichen leben / allen andern betrachtungen vorzuziehen ist;
und ist der Prinz oder die dame wohl unglücklich / die sich dem gutdünken des
stats unterwerfen / und nicht der jenigen freiheit geniessen müssen / die auch
schäfern und hirtinnen erlaubet ist.
    Königliche personen sind halbe götter / (antwortete die Königin von Tyro /)
und müssen nicht gemeiner menschen gedanken haben. Die betrachtungen / ihre
reiche und ihre macht zu ergrössern und zu stärken /muss ihnen lieber sein / als
eine schnöde liebesregung / die ihrer so viel unglückhaft machet. Håtte der gute
König Aramenes von Syrien dazumal mehr den statt /als seiner liebe / gefolget /
er möchte noch wohl diese stunde herr von Syrien / und vieleicht auch von Ninive
/ sein: massen ihme gnug an die hand gegeben worden / die Ninivitische
Erb-Konigin Naphtis / eure frau mutter / zu ehliche / als man die häftige liebe
eures herr vattern zu der schönen Philominde verspüret. Was unruhe und
verwirrung würde Orosmada zu Tyro anrichten / wann ich dem Tiribaces seine liebe
gutiesse? Und da der grosse Prinz von Assyrien iezt seiner so gar vergisset /
eine gemeine jungfrau einer Königin fürzuziehen: müsst ihr nicht bekennen / dass
er darin unweisslich handele?
    Wann mir erlaubt ist / (sagte die schöne Delbois) meine gedanken frei zu
eröffnen / so muss ich bekennen / dass ich weder dem König von Syrien / noch dem
Prinzen Tiribaces / noch dem Baleus / abfallen kann /dass sie mehr ihren ehrlichen
und keuschen zuneigungen gefolget und noch folgen / als anderen zwang-ursachen.
E. Maj. sagen / wir sind götter: so sollen wir dann unser gemüte frei haben /
und seine vergnügung und zufriedenheit allen dingen in der welt fürziehen
dörfen. Die Königin von Elam hat niemals den Assyrischen Prinzen geliebt / und
da / auf E. Maj. anregen und befehl / ich mit ihr von dieser heurat / die man so
sehr zu Babel wünschet / geredet / habe ich wohl soviel gespüret / dass ihr nicht
der Assyrische tron / sondern die freie wahl / gefiele. So stimmet dann diese
auch mit ein / (fiele ihr die Königin von Tyro ins wort /) mich unglücklich zu
machen? O ihr götter! Ich masse zuvor dem Prinzen von Assyrien allein alle
schulde bei: und nun höre ich / dass auch Lantine mein unglück mit verursachet.
Ach liebste Delbois! der himmel hat euch grossen verstand gegeben: ach! wendet
solchen an / meine unartige kinder auf den rechten weg zu bringen / und nicht
mich zu überreden / dass ich nicht unglücklich sei / und dass meine kinder recht
haben.
    Ich unterstehe mich nicht / (sagte die schöne Königin /) wider E. Maj. etwas
zu verfechten. Ich finde mich aber auch untüchtig / iemanden eine andere Meinung
beizubringen / als die ich selber behaubte. Solte wohl eure tugend (fragte die
Königin von Tyro) zugeben können / dass ihr euren eltern ungehorsam würdet / und
dass ihr / einer blinden liebe zu folge /ehre / würde / nutzen / ja alles hintan
setzet? Keines wegs! (antwortete die Königin von Ninive) Ehe ich denen / gegen
die mir Gott und die natur den gehorsam anbefihlet / sollte ungehorsam werden /
lieber wollte ich sterben. Wann ich aber / mit ihrer bewilligung / meiner wahl im
lieben folgen dörfte / wollte ich sonst nichtes ansehen / und bei mir mehr meine
neigung / als andere stats-ursachen / herrschen lassen /sonderlich / wann die
nicht der tugend zuwider laufet. Und eben dieser / kann ich die liebe des
Tiribaces nicht entgegen finden. Wann auch der Baleus einen ehrlichen zweck
haben sollte / in seiner liebe gegen meiner Aramena: so wäre ja sein tun nicht
zu tadeln / weil es nicht lasterhaft ist. So ist auch endlich die Konigin
Lantine so wohl erzogen / dass / wann sie ja lieben sollte / ich versichert bin /
dass ihre wahl edel sein würde.
    Es ist mir schon ein sohn (sagte die Konigin von Tyro) durch die närrische
liebe ümgekommen: darüm will ich trachten / die übrigen bei zeiten zu versorgen
/damit sie nicht in gleiches elend gerahten. Lantine /soll den Baleus haben: und
Tiribaces / die Jaelinde. Die erste heurat / befihlet mein bruder / und wird
dadurch das Assyrische bäste befördert. Die andere / ist des Königs von Tyro
meines gemals verlangen: weil er den Prinzen von Achusat ihren herr vattern so
wehrt hält / und darüm dessen tochter für seinen einigen sohn bestimmet hat. Ich
beschwere demnach euch / im namen aller götter: gebrauchet hierinn mir zum trost
und bästen / euren hohen verstand / und helfet es in diese wage richten; dadurch
der König von Assyrien euer herr vatter / euer gesamtes haus / und ich /merklich
können erfreuet werden.
    Die schöne Delbois / so bereits ein anders diesen verliebten verheisen hatte
/ wollte die alte Königin nicht ferner betrüben / noch weniger sie mit
widersprechen erzürnen. Demnach brache sie dieses gespräche ab / und ihres
eigenen verwirten zustands sich erinnerend / truge sie verlangen / vermög
gestriger abrede / mit dem Prinzen Abimelech und dessen beiden freunden sich zu
unterreden. Also ginge sie / sobald die tafel aufgehoben war / und die Königin
von Tyro sich zur mittags-ruhe begeben wollte / wieder nach ihrem palast. Sobald
sie daselbst angekommen / liesse sie den Fürsten von Edom und die Ahalibama zu
sich holen / üm mit ihnen beiden nach der Timna zu fahren. Diese kamen fast zu
einer zeit in ihr zimmer: da die vergnügung des Esau / der unzufriedenheit der
Prinzessin von Seir sich vergliche / indem dieser verliebte sie so gern / als
sie ihn ungern / sah.
    Wie sie nun beide fragten / worzu sie wären erfordert worden / sagte die
schöne Königin zu ihnen: Ihr müsst mit mir nach der Fürstin Timna fahren; dann
es nicht billig ist / dass ein schwiegervatter und eine so nahe befreundtin diese
kranke länger unbesuchet lassen. Ahalibama / sowol als Esau / veränderten die
farbe / als sie diese worte vernamen / welches die Königin von dem Esau wohl
vermutet hatte. Sie wollte aber nicht länger alda verziehen / sondern / wie sie
dem Esau die hand geboten / musste der sie nach ihrem wagen begleiten / auch sich
neben der Ahalibama zu ihr hinein setzen. Ihren bedienten aber / befahle sie
hinter ihr zu bleiben: damit nicht / durch menge der leute / der Timna möchte
ungelegenheit gemacht werden.
    Wie sie nun also dahin fuhren / wollte die Konigin /die zeit zu gewinnen /
des Esau gemüte zur versönung vorbereiten / sagte derhalben zu ihme: Ich wäre
wohl befuget / dem grossen Edom zu verweisen / dass er einer meiner liebsten
freundinnen also grausam begegnet / dass die daher fast in zweifelmut gerahten.
Ich weiss aber daneben / dass kein böser vorsatz / sondern eine scheinbare ursach
/ solche mishälligkeit erwecket. Und weil hieran die Ahalibama schuldig ist /
als soll die auch gehalten sein / durch ihre bekentnis alles wieder gut zu
machen. Ahalibama / die von allem diesem keine kentnis hatte / wüste nicht / was
sie hievon gedenken sollte: gleichwie auch Esau anstunde / was er hierauf der
Königin antworten sollte.
    Die Königin Delbois aber / fuhre also fort zu reden: Ist es nicht wahr /
Fürst von Edom! dass ihr der Timna unlängst ein kästlein mit geschenken
geschicket / so man euch wiedergebracht / mit den worten: der Esau mochte die
Fürstin mit dergleichen verschonen / und sich anderst gegen ihr erweisen? Wie
nun Esau dieses bekräftigt / wandte sich die Königin zu der Ahalibama / und
sagte: habt ihr nicht / meine base! ein lädlein mit kleinodern von dem Esau
entfangen / und ihme solches mit vorerwähnten worten zurücke gesendet? Die
beschämte Prinzessin / gestunde hierauf der Königin / dass alles diss mit dem
lädlein sich zugetragen hätte. Wie nun Esau hieraus abname /dass ein irrtum
hierinnen fürgegangen / wurde er doppelt beschämet. Er musste / auf der Königin
ferneres fragen / gestehen / dass er dieses geschenke / nicht der Ahalibama /
sondern der Timna zugedacht hätte / und dass man ihm solche entfindliche worte zu
entbieten lassen. Damals (sagte er / sie ganz verliebt anschauend) hielte ich
mich deswegen für unglücklich: nun aber spüre ich / dass jenes unglück mir
erträglicher gewesen / als mir dieses ist / so ich iezt erfahren muss /dass die
Prinzessin Ahalibama gegen mir sich so ungnädig erweisen wollen. Und ich bin
froh / (antwortete ihm die Ahalibama) dass der Fürst von Edom nicht so gar gegen
mir der ehrerbietung vergessen / die man meines gleichen schuldig ist / sondern
nur durch einen irrtum mich beleidigt / mich mit seinen geschenken beladend /
die ich von ihme nicht anzunemen begehre.
    Ich sehe wohl / (sagte die Königin lächlend /) dass /indem ich an dem einen
orte vermeine frieden zu machen / ich wohl an dem andern wieder krieg erregen
möchte. Ich muss euch aber beiden hierinn einen verweiss geben: und zwar euch /
liebste base! dass ihr die geschenke von dem grossen Edom nicht bässer in acht
nemet; euch aber / Fürst Esau! dass ihr die Prinzessin Ahalibama nicht warhaftig
/ sondern mir zufälliger weise / beschenkt habet. Esau / war mit diesem verweiss
sehr wohl zu frieden / Ahalibama aber nicht: die von diesen ihr-verdrieslichen
gespräch erlöset wurde / weil damit der wagen eben für der Timna palast still
hielte / da der Cimber und Tubal die Königin entfingen / und in der Timna kammer
begleiteten. Abimelech / der auf der gassen / üm nicht von einem des Belopares
bedienten ersehen zu werden / sich nicht dorfen finden lassen / liesse sich in
dem zimmer antreffen.
    Wie nun die Königin sich bei der Timna bette begeben / und den andern
befohlen hatte / sich üm sie her zu setzen / sah sie diese Fürstin an / und
sagte: Ich muss ietzund / liebste Timna! die stelle eures arztes vertreten / und
euch wieder zur gesundheit verhelfen. Hierzu habe ich bereits einen guten anfang
gemacht / indem ich dem Fürsten von Edom den irrtum /der mit seinem geschenke
fürgegangen / eröffnet / dass also dissfalls die sache keine schwürigkeit mehr
hat. Was aber den verdacht betrifft / den sein sohn und folgends er selber auf
den Prinzen Cimber geworfen /derselbe ist ihm noch nicht benommen. Es wird aber
solches ja so leicht / als das andere / geschehen können / wann der Prinz Cimber
/ seine liebe uns zu entdecken / ihm wird gefallen lassen.
    Wann / diesen befehl der Königin / der Cimber warhaftig hätte verrichten
sollen / so würde unter dieser gesellschaft mehr unruhe / als schon darinnen war
/ entstanden sein. Er musste aber wider sein eigen herze reden / und aus seiner
schwester seine liebste machen / wie er dann täte / also antwortend: Ob wohl
meine liebe das gröste geheimnis ist / so ich auf der welt habe / so muss ich
doch / üm die unschuld der tugendhaften Timna zu retten / diss orts gestehen /
dass ich fürlängst eine grosse Prinzessin geliebt: die /durch sonderbare zufälle
/ allhier in Damasco erkrankt angekommen / welche / auf mein inständiges
ansuchen / von der Fürstin Timna in ihren schutz aufgenommen worden. Ich brachte
ihr diese Prinzessin eben den tag / als der irrtum mit des Fürsten von Edom
geschenke fürgegangen. Weil wir diese Prinzessin allhier geheim halten wollten /
als ware ich neben ihr in der Timna kammer verschlossen / als der eifersüchtige
Eliphas dafür kame: der folgends / mich aus seiner gemalin kammer treten sehend
/ mit unfreundlichen worten mich entfinge: da ich dañ / wann ich damals / so wohl
als iezt / dessen ursachen / und dass Eliphas und Timna eheleute seien / gewust
hätte /diesen missverständen gleich wollte abgeholfen haben. Dieses / grosser
Edom! ist die wahre bewandnis dessen / was alle diese ungelegenheit der Fürstin
Timna hat verursachet. Es kann die Königin von Ninive /sowol als mein Prinz
Abimelech / welche gestern die Prinzessin Hercinde gesehen haben / mir dessen
zeugnis geben / wann etwan der Esau bedenken trüge /meinen worten glauben
beizumessen.
    Esau befande sich hiemit so überwunden / dass er sich nicht länger halten
kunte / zu seiner schwiegertochter für das bette zu eilen / und sie zu ersuchen
/dass sie ihm seinen gehabten irrtum verzeihen wollte: womit er nicht allein diese
gute Fürstin hoch erfreute /sondern auch die ganze gesellschaft vergnügte. Indem
er nun folgends auch den Cimber ümarmete / und zugleich bate / ihme / dieses
verdachts halber / seine freundschaft nicht zu entziehen: trate die Ahalibama
für der Timna bette / und für freuden tränen vergiessend / bekannte sie ihr nach
der länge / den argwahn /den sie von ihm geschöpfet / nachdem sie bei ihr im
bette einen mañ gefunden / unwissend / dass er ihr ehgemal gewesen. Sie verwiese
ihr auch dabei / dass sie /mit dieser heurat / für ihr nicht so geheim sein
sollen. So rürete dann daher deine kaltsinnigkeit / liebste Ahalibama! (sagte
hierauf die Timna /) welche ich etliche zeit an dir verspüret? Ich kann dich zwar
hierum nicht verdenken: dann ich selber hieran schüldig bin /indem ich dir nicht
eher meinen zustand eröffnet.
    So ist dann / Gott lob! (finge hierauf die Konigin an /) wieder friede
gemacht / und manglet nun nichts mehr / als dass der Eliphas seiner unschüldigen
gemalin abbitte / was er ihr zu nahe getan. Bei erinnerung dessen / seufzte die
Timna gar sehr / sagend: Ach Gott! wann nur meines herrn unmut ihn nicht zu
verzweifeltem beginnen getrieben hätte! Der Esau sprache ihr hierauf guten trost
ein / sie versicherend / dass er alsofort nach Edom iemand abschicken / und diese
gute zeitung ihme wisslich machen wollte. Auf solche vertröstung gabe sie sich
zufrieden / und danckte folgends der Königin tausendfältig / dass sie aus dieser
verwirrung sie erlöset hatte. Ach! wann uns auch (sagte die schöne Delbois /
zugleich ihren Abimelech ansehend /) aus einer andern verwirrung / die uns über
dem haubte schwebet / so leicht zu helfen wäre! so hätten wir ursach / dem
himmel zu danken. Abimelech / der in dieser gesellschaft niemanden fand / der
nicht wissen dörfen / was er gestern seiner Konigin vertrauet / auch bereits dem
Cimber davon meldung getan hatte / versetzete hierauf: Ich zweifle gar nicht an
des himmels hülfe / massen die wunderbare entdeckung / die mir von dieser
heimlichkeit geschehen /mir nachzusinnen anlass gibet / wie Gott für uns sorge /
der uns hiemit zeitlich vorwarnen wollen.
    Esau / Ahalibama und Timna / erwiesen ihre verwunderung / über diesen
dunklen worten des Abimelech / weswegen die Königin wieder also anfinge: Mein
zustand / der euch allerseits bekant ist / hat sich dermassen verändert / dass /
wann ihr dem Prinzen der Philister gehör geben wollet / eure verwunderung sich
in eine höchste bestürzung verwandlen wird. Wie sie demnach alle begierig waren
/ diese neue begegnis zu vernemen / erzehlte ihnen der Prinz von Gerar nach der
länge / was er gestern seiner Königin entdecket hatte: wie nämlich Dalimire ihn
liebe / und durch den Belopares ihme ihre zuneigung eröffnen lassen; wie der
Sparetes vom König zu Babel beordnet wäre /sich der stadt Ninive zu bemächtigen
/ sobald der Belochus in Damasco würde angekommen sein; wie gemeldter Sparetes
der Dalimire / als ihre seite haltend /diese stadt und das reich Ninive
übergeben wollte; wie Belochus nicht der Königin vatter sei / wie er sie liebe /
und wie die Dalimire alle bediente der Königin auf ihre seite gebracht / also
dass sie sich niemanden vertrauen dörfte. Die ganze gesellschaft erstaunte für
entsetzen / soviel frömde dinge auf einmal zu hören: und verwunderten sie sich
anbei nicht wenig / über der Königin standhaftigkeit / welche hierbei so mutig
sich erwiese / unangesehen sie in so grosser gefahr schwebete.
    Rahtet mir nun / liebste freunde! (sagte sie /) was ich bei diesen ümständen
beginnen soll. Mein stand und herkunft / ja mein vatterland / ist mir nun
verborgen. Meines Königreichs werde ich bald verlustig sein / wo mir nicht
sonderbare und geschwinde hülfe widerfäret. Und / da ich dem Prinzen Abimelech
einmal mein herz gegeben / muss ich sorgen / dass der König Belochus dasselbe mit
gewalt an sich raube /wofern ich nicht bald mich dargegen verwahre. Der
verliebte Abimelech / den dieses am nähsten anginge /war auch der erste / der
seiner Königin antwortete. Ich sorge nicht so sehr / (sagte er /) wie man E.
Maj. stand und geburt erfahren möge: weil ich mir für gewiss einbilde / dass der
Königin Naphtis kästlein /das sie auf ihrem todbette E. Maj. ausgehändigt / mit
dieser vermanung / solches nicht eher zu eröffnen / als wann dero heurat mit dem
Prinzen von Assyrien vollzogen wäre / werde uns dieses verborgene rätzel
entdecken können. Auch sorge ich nicht / dass der Konig von Assyrien das herz /
das die unvergleichliche Delbois mir gegeben / mit aller seiner macht und gewalt
mir zu rauben vermöge. Nur dieses befinde ich das gefärlichste und notwendigste
/ einen gegen-anschlag darwider zu fassen / dass wir das Königreich Ninive
erhalten / und dass solches weder dem Belochus noch der Dalimire in die hände
gerahte.
    Ich biete / im namen des Königs von Basan / (sagte Cimber) E. Maj. dessen
ganze macht an: und weil der iezt im frieden sitzet / und seine gewalt nicht
gering ist / als wird die E. Mai. wohl auf ihren tron erhalten können. Ich bin
(antwortete die Königin) den Prinzen Cimber / für dieses anbot / höchlich
verbunden / will auch / dafern des Königs von Basan güte hierinn so gross ist /
als seines vettern / an gutem fortgang nich zweifeln: allein ich sorge / der
grosse Marsius werde meint  wegen keinen krieg anheben wollen. Darinn wollen
(gabe Cimber zur antwort) E. Maj. sich lediglich auf mich verlassen: es werden
nicht drei wochen verstreichen / so soll ein mächtiges heer der teutschen E. Maj.
zu gebot stehen.
    Wie nun die Königin ihme nochmals hoch dafür gedanket / sagte Esau: Ich bin
beschämet / dass ich /bei diesen ümständen / die versprochene hülfvölker von E.
Maj. annemen soll / da dero reich selber in solcher gefahr stehet. Weil aber /
wann man dieselbe zurück liesse / der Dalimire sowol / als dem König von Assyrien
/ einigen argwahn erwecken dörfte: als will ich bemühet sein / soviel immer
möglich / mit den Seirischen Fürsten einen frieden zu treffen / damit E. Maj.
völker üm so viel eher wiederkehren / und der Prinz Abimelech / neben mir / E.
Maj in person dienen mögen; womit ich zugleich der Prinzessin Ahalibama zeigen
will / dass von mir / die beruhigung ihres vatterlands / nicht gehintert werde.
Ahalibama beantwortete dieses / mit niederschlagung der augen / und einer röte /
die wider ihren willen ihre wangen bezoge: und die Delbois name dieses
anerbieten des Esau so gut auf / als sie zuvor gegen dem Cimber getan hatte.
    Nach langem überlegen / ward endlich dieser schluss gemacht / dass die Königin
den Fürsten Arsas von Cale / dessen widerkunft aus Canaan sie täglich erwartete
/ und dessen treue sie wohl versichert war /nach Ninive senden sollte / üm das
kästlein der Königin Naphtis aus ihrem schatz herüber zu holen / und sich
darneben / wegen des anzugs des Sparetes / wohl und genau zu erkündigen / auch ob
in Ninive alles in guter gegenverfassung stünde. Was der Ardeus / den man
täglich mit den hülfvölkern erwartete / immittels von Ninive mitbringen würde /
das müste man absehen. Der Cimber verhiesse / alsofort den Tubal nach Basan
abzufärtigen: von dar es an der versprochenen hülfe nicht ermangelen würde.
Abimelech sollte / wie er bisher getan / mit guter hofnung den Belopares
aufhalten / üm dessen verträulichkeit zu nehren: der aber sich nicht dazu
entschliessen wollte / der Dalimire wider zu schreiben / ob es gleich nützlich
befunden wurde / weil er / auch diss blosse stellen / seiner liebe entgegen zu
sein / vermeinte.
    Hierauf wurde ferner abgeredet / folgenden tags bei einem opfer zu
erscheinen / da die Prinzessin von Seir ihr glaubensbekentnis ablegen wollte: und
weil der Prinz von Assyrien mit dabei sein würde / als könnte man gegen der
Königin von Tyro / und den andern /die von ihrem glauben keine wissenschaft
haben müsten / fürgeben / wiedass sie / die alte stadt Enos so der Cain noch
erbauet / zu besuchen giengen; und würden sie / ungeacht ietziger unruhe /
sicher dahin gelangen / weil der Baleus eine starke leibwacht von Assyriern bei
sich hätte. Die gottselige Königin / beruhigte sich mit dieser opfer-anstalt am
meisten: weil sie darbei ihre sachen und ihren Prinzen dem gerechten himmel
fürtragen / und ihn der aufsicht des höchsten / ihn in bevorstehendem feldzuge
nach Edom zu begleiten / anbefehlen wollte. Esau vermochte hierbei seine freude /
über der bekehrung der Ahalibama /nicht zu bergen: und Abimelech sprache dem
Cimber zu / diesem Gottesdienst mit beizuwohnen / unangesehen er noch nicht den
rechten Gott verehrete: welches er dann zu tun verhiese. Nachdem hier auf ihre
unterredung noch eine weile gewäret / fürete der Cimber den Fürsten von Edom
nach der Prinzessin Hereinde / üm seine worte wahr zu machen: inzwischen sich
die schöne Königin und der Abimelech an ein fenster begaben / alda von ihrer
keuschen liebe sich allein zu unterreden.
    Ahalibama bliebe bei der Timna / die sie nun von neuem hatte lieb gewonnen:
und weil sie in vierzehen tagen einander nicht viel gesehen / als holeten sie
nun alles nach / was bisher versäumet worden. Die Timna musste dieser ihrer basen
auch versprechen / mit dem ersten ihr ihren lebenslauf zu erzählen: dessen
unwissenheit / bald einen harten stoss in ihrer Freundschaft verursachet hätte.
Weil auch der Timna unpässlichkeit / mehr von unzufriedenheit des gemütes / als
von übeler beschaffenheit des leibes / hergerüret / als befande sie sich / nun
ihr gemüte wieder genesen / so wohl auf /dass sie den andern tag beim opfer mit
erscheinen wollte. Es mussten aber endlich / weil es dem abend zu ginge / die
beide verliebte sich entschliessen / voneinander zu scheiden: da die schöne
Delbois / nachdem sie zuvor die schöne Hercinde nochmals besuchet /mit dem Esau
und der Ahalibama wieder nach hofe fuhre / dahin bald hernach der Abimelech
folgete. Cimber aber bliebe daselbst / üm alsofort zu des Tubals abreise anstalt
zu machen / der aus Basan die hülfvölker überbringen sollte.
    Es ist nicht genug / (sagte er bei sich selbst /) dass ich in person dem
glücklichen Abimelech in seiner liebe diene: ganz Basan muss auch dergleichen
tun /und ich nun das reich Ninive beschützen / damit Delbois den Abimelech
daselbst zum König krönen könne. Hierauf kame ihm sein neuer mitbuler / der
König von Assyrien in den sinn: dessen gewalt und unbändiges gemüt / ihn alles
für seine Königin fürchten machte. Betrachtete er dann ihren verborgenen stand /
kunte er sich daraus nicht finden / noch ergründen / von was stammen sie sein
müste. Ihr aber in allem / und nach äuserstem vermögen / zu dienen /name er noch
den abend mit seinem freunde den Tubal die abrede / was der zu Basan / sowol der
hülfvölker als der Prinzessin Hercinde halber / bestellen sollte: und wurde
dessen abreise so beschleunigt / dass die den folgenden morgen für sich gienge.
    Weil am morgen der verliebte Cimber sich erinnerte / dass er dem opfer /
welches die Königin von Ninive angestellet / beizuwonen versprochen hatte / als
verfügte er sich / neben der Timna / (von der er zugleich abschied name / weil
er aus ihrerwonung ausziehen / und ein eigenes haus mieten wollte / üm diese
Fürstin für fernerem verdacht zu bewahren /) nach dem palast dieser Königin. Er
fand daselbst die wägen und pferde schon färtig / und befanden sich in dieser
gesellschaft / die Königin von Ninive / der Prinz von Assyrien / die
Prinzessinnen Indaride / Ammonide / Jaelinde und Ahalibama / neben den
Fürstinnen Timna / Casviane und Aramena / und dann die Prinzen Abimelech / Esau
und Cimber. Zameis / des Assyrischen Prinzen hofmeister / war der einige von
allen bedienten / so mit ritte. Wie sie sich nun auf etliche wägen verteilt /
namen sie / von des Baleus auch der Königin von Ninive leibwachten begleitet
/ihren weg nach der stadt Enos / die ungefär ein felbwegs von Damasco gelegen:
alda auf einem berge / nahe bei selbiger stadt / die Königin das opfer durch
einen priester aus Salem / den ihr der Melchisedech ehmals zugeschicket / und
der sich verborgen immer bei ihr am hofe aufhielte / zubereiten lassen.
    Wie sie nun anfangs alle niedergekniehet und angebetet hatten name die
Königin die Prinzessin Ahalibama bei der hand / und fürete sie zu dem altar: da
sie öffentlich allen heidnischen göttern absagte / den wahren Gott des himmels
und der erden für ihren Gott allein bekannte / und darauf durch den priester /
von ihrem der Diana getanem gelübde / losgesprochen wurde. Hiernächst ward das
opfer angezündet / mitlerweile man einen lobgesang anstimmete. Nachdem beides
geendet war / sungen sie die sieben gebote des Noa / welche er seinen kindern zu
halten fürgeschrieben / folgender massen.
Ihr kinder Noa! hört die lehren / die euch gibet
eur vatter / nemt sie an / schreibt sie dem herzen ein.
Wer ihm lässt diss Gesetz des lebens richtschnur sein /
ist Gottes liebes kind: der / die ihn lieben / liebt.
Gott hat die erste welt / durchs wort / aus nichts erschaffen;
üm unsrer vätter sünd / durch wasser sie verstört.
Der will in dieser welt alleine sein geehrt.
Wer andren Göttern folgt / den wird der Höchste straffen.
Gott / der uns alles gibt / was lebt und schwebt / ernehret /
ja jeden augenblick uns zeigt neue Gut:
Der fordert nur von uns ein dankbares gemüt /
dass von uns ohne mass werd seine ehr gemehret.
Gott / der allein ein Herr ist über tod und leben /
kein blutvergiessen dultt. Ein mörder / ist verflucht.
Das blut gen himmel schreit / und schwere rache sucht.
Weh dem / der kränkt die seel / die menschen Gott gegeben.
Gott ist ein keuscher Geist / und flieht unreines wesen;
Kan / der sein' ordnung hasst / und dieses band zerbricht
das er im paradis gestiftet / dulten nicht.
Kein hurer ist zum reich der heiligen erlesen.
Gott / der in rechter mass hat iedem zugewogen
sein teil / sein täglichs brod / läst den nicht ungestrafft /
der seinem nächsten hier das seine diebisch rafft.
kein raub gedeit / weil ihm der segen ist entzogen.
Gott / der die warheit liebt / und ins verborgne sihet /
die lästermäuler hasst. Wer falsches zeugnis gibt /
und seines nächsten ehr mit vorsatz so betrübt:
der bleibt nicht ungestraft. Drum dieses laster fliehet!
Gott fordert seinen dienst von uns in reinem wesen.
Wir sollen vor ihm sein ein heiliges gefäss.
Drum niemand ja das fleisch in seinem blut nit ess:
die seele ist im blut / drum ist es auserlesen.
Ihr kinder Noa! nemt vom vatter diese leiren:
so wird des Höchsten güt stäts über euch aufgehn.
Im bunde werdt ihr sein / und stäts im segen stehn.
Hört ihr gern diss gesetz / so wird euch Gott auch hören.
    Nach endigung dieses liedes / setzeten sie sich zusammen üm den altar / und
hörten dem priester zu /der eine geistliche rede ablegte / vom dem zustande der
gläubigen seelen nach dem tode: deren vergnügung er so herrlich und süss seinen
zuhörern fürmalete / dass sie alle darob vergnügt blieben: sonderlich die
nunbekehrte Prinzessin von Seir / welche / bei beschreibung dieser freude der
seelen / sich ihres Eliesers erinnerte / und ihr fürstellete / wie der nun
derselben geniesse. Sie musste darauf ihr eignes opfer bringen / welches war eine
junge taube / und eine turteltaube: das sie dann mit sonderbarer andacht
verrichtete. Nach diesem / und als nun der gottesdienst geendet war / ümarmte
die Königin von Ninive die Ahalibama mit freuden-tränen / und wünschete ihr
Glück zu ihrer bekehrung: welches hierauf auch alle die andern täten / und
unterliesse fürnemlich der Esau nicht / seine herzliche freude hierüber ihr zu
bezeugen.
    Weil es nun eben / wegen eines aufgestiegenen windes / etwas kül war / als
wollte die Königin / nach Enos spazirend / sich etwas belustigen. Auf diesem weg
/ kame die Ahalibama bei der Casbiane zu gehen / und weil sie an dieser Fürstin
einige betrübnis spürete / name sie daher anlass / sie üm die ursach ihres
anligens zu fragen. Ich bin iedesmal stilles gemütes /(sagte Casbiane /) wann
ich dem Gottesdienst habe beigewonet: dann ich die gebote des Noa / die uns alle
verbinden / niemals ohne grausen anhöre / weil ich dabei bedenke / wie wenig wir
menschen diese gebote halten / ohne deren beobachtung wir doch mit Gott nicht
wohl stehen können. Dergleichen angst (antwortete Ahalibama /) möchte vielmehr ich
fülen / und sehe ich nicht / was die Fürstin von Cale für andern hierzu für
ursach habe: massen ja diese gebote von ihr / nach menschlichem vermögen /
gehalten werden. Sie ehret keinem andern Gott / als den wahren. Sie lobet und
danket dem Höchsten. Sie ist keine mörderin /keine ehebrecherin / keine diebin.
Sie gibt kein falsches zeugnis / und hütet sich für verbotenen speisen. Ach
wehrte Prinzessin! (antwortete Casbiane seufzend /) Gott / der in das innerste
sihet / urteilt nicht /wie ein mensch / nach dem äuserlichen. Woher weiss meine
Prinzessin / dass ich alle diese gebote so volkömlich halte? Nimmermehr kann ich
mir einbilden / (sagte Ahalibama /) dass / wer einmal den rechten Gott erkennet /
von demselbigen wieder abweichen könne. Vieleicht machet ihr die Fürstin davon
ein gewissen / dass sie mir neulich in der Diana tempel nach Ninive verhelfen
wollen / dass sie / als eine rechtgläubige / billiger hätte verwehren sollen.
Freilich habe ich hierinn gröblich gesündigt / (antwortete sie /) und erkenne
wohl ietzund / wie unrecht ich getan habe.
    Hiemit / als sie in ihrer unterredung weiter fortfahren wollten / ersah
Casbiane iemanden eiligst auf sie ankommen / den sie / als er sich näherte / für
einen bedienten ihres herrn / des Fürsten Arsas / erkannte. Dieser überlieferte
der Königin von Ninive ein schreiben / und gienge folgends zur Casbiane / deren
er auch einen brief aushändigte. Diese Fürstin zeigete /bei diesem entfang /
einige bestürzung / und fanden sie in beiden schreiben die nachricht / dass der
Arsas nächsten tags in Damasco sein wollte. Casbiane erwiese hierauf ein grosses
verlangen / bald in ihrem hause zu sein / und bate deshalben die Königin üm
erlaubnis / füran wieder in die stadt zu fahren: welche ihr solches vergönnet /
und solche eilfärtigkeit / ihrer freude über ihres gemals wiederkunft
zuschriebe. Als sie hinweg war / verbliebe die Königin mit der andern
gesellschaft noch eine weile zu Enos / und hielte daselbst malzeit: da Abimelech
sich der guten gelegenheit wohl bediente / bei seiner schönen Delbois zu sein /
Esau der Ahalibama fleissig aufwartete / und Baleus die Aramena mit gesprächen
unterhielte / welches der Cimber bei den übrigen Prinzessinnen verrichtete.
    Sie fuhren aber / ehe die mittagshitze völlig einbrache / wieder nach
Damasco: da die Königin von Ninive mit der wiederkunft des Fürsten Ardeus / den
sie nach Ninive geschicket / erfreuet wurde. Sie liesse ihn alsofort in gegenwart
ihrer andern Ninivitischen Fürsten / in ihr zimmer kommen / von seiner
verrichtung bericht einzunemen. Er entschüldigte erstlich sein langes
ausenbleiben: dessen ursache er der langsamen werbung beimasse / mit deren man
nicht geschwinder aufkommen können. Hiernächst vermeldete er / wie er nun ein
auserlesenes volk / unter fürung des Phalacus als feldhaubtmans / mitbrächte /
die im tal Hoba hinter Damasco bereits angekommen wären / und daselbst der
Königin befehl erwarteten. Der Stattalter von Ninive liesse die Königin hierbei
ersuchen / dass sie die hülfe / so sie dem Fürsten von Edom versprochen / also
erstatten wollte / damit sie auch volk für sich behalten möchte / dessen sie /
nicht allein wegen des kriegs mit dem König von Canaan / sondern auch und
vielmehr wegen der Assyrier / die über Ninive nichts gutes beschlossen hätten /
höchst benötigt sein würde. Delbois / die der warnung des Abimelech zu folge /
keinem von ihren Fürsten trauen wollte / hielte mit allem dem zurücke / was sie
hievon bereits wusste: und ein gutes vertrauen gegen den Assyriern bezeugend /
name sie die wolgemeinte warnung des Fürsten Peldas gütig auf / und erklärte
sich / die hälfte der Ninivitischen völker zu behalten / und die andern dem
Fürsten von Edom zu überlassen.
    Hiernächst fragte sie den Ardeus / ob man nicht zu Ninive erfahren / dass der
Prinz von Canaan die Königin Aramena aus dem tempel der Diana hinweg bekommen
hätte? Hierauf erzehlte ihr der Ardeus / dass hiervon ein gerüchte in Ninive
erschollen wäre / als der Aner / des Prinzen Hemors Stattalter / mit der
Aramena bereits hinweg gewesen. Der Fürst Peldas hätte sich hierüber sehr
bestürzt angestellet / und deswegen von der Oberpriesterin Celia nachricht
begehret; die ihme nichtes anders als dieses zurücke sagen lassen: Man hätte ihr
nicht die Prinzessin Aramena von Chaldea / des Stattalters von Syrien tochter /
so betrieglicher weise rauben und fürentalten sollen; so dann würde auch sie /
dem Assyrischen hause zu wider / die Syrische Königin Aramena nicht so heimlich
aus dem tempel gegeben haben. Der Stattalter von Ninive (fuhre Ardeus fort zu
erzählen) kunte sich in diese antwort gar nicht richten / und hat er mir / an
seinen schwager / den Fürsten Husan / briefe mitgegeben / so diese Syrische
Königin betreffen: daher E. Mai. vielleicht hiervon mehr nachricht werden
erlangen können. Aus dieser antwort der Celia / (finge der Tarsis hierauf an zu
reden /) die sie meinem herr vattern geben lassen / sollte fast soviel erhellen /
dass man die Milcaride / so unter der Aramena namen von kindheit auf im tempel
gewesen / aus demselbigen entfüret / welches Celia dem Königlichen hause von
Assyrien beimesset: da ich doch wohl bezeugen kann / dass der Prinz Mamellus von
dieser entfürung seiner tochter nichtes weiss / und wegen ihrer aufbehaltung im
tempel noch in grosem unmut lebet. Man muss dieses /(sagte Delbois /) dem guten
Prinzen zur nachricht wissen lassen. Aber saget mir / Fürst von Chesed! ist die
Prinzessin von Egypten in Ninive wohl eingelanget? Sie ist mir / (gabe Ardeus zur
antwort /) unfern von Ninive begegnet / und lässet sich E. Maj. aufs bäste
anbefehlen.
    Die Königin mochte / weil soviel herren zugegen waren / nach der Orosmada
nicht fragen / und wurde sie damit abgefordert / nach der Königin von Tyro in
den kriegesraht zu kommen: weswegen sie ihre Fürsten von sich liesse / und
alsofort sich dahin begabe. Sie funde alda / in der Königin gemach / den Baleus
/Abimelech / Esau / Mamellus / Sinear und Elihu / den alten Fürsten von Hus /
den Husan Fürsten von Chesed / und den Belopares / neben vielen Assyrischen
hohen kriegsbedienten: welche / weil im tal Hoba alle völker angekommen waren /
sich bereden wollten / wie es mit diesem krieg anzuschlagen sein möchte. Der
Stattalter von Syrien hatte nachricht von Hierapolis erhalten / dass nicht
allein die Ober-Syrer / unter dem Prinzen Hemor / welchen sie bereits den
Syrischen König nanten / sich zusammen zögen / und sehr verstärkten / sondern
dass auch der König Beor von Canaan in person / mit einem mächtigen heer / bald
zu ihnen stossen würde. Demnach wurde / nach vielem überlegen / für gut angesehen
/ dass der Belopares /mit einem ansehnlichen haufen der Assyrier / den
ankommenden Cananitern entgegen rücken / und ihnen verwehren sollte / dass sie in
Ober-Syrien zu den andern nicht stossen könten. Prinz Sinear aber sollte gleich
für Hierapolis gehen / alda dem feinde abbruch zutun: deme dann der Tarsis /
und Elimodan einer von den Ninivitischen kriegsbedienten / sollte zugegeben
werden. Der Prinz Baleus / deme bei diesem kriegszuge von dem König seinen herr
vattern nichtes anbefohlen war / wollte dennoch sich dessen nicht äusern /
sondern / neben dem Mamellus und den andern / in und auserhalb Damasco
verbleiben / und auf alles ein wachendes auge halten. Weil der König von Tyro
mit den Cananitern im bund stunde / als hatten sie von dorter keine hülfe zu
erwarten: welches der Königin von Tyro gar nahe ginge / als welche gern ihrem
bruder hierinn ihre sonderbare liebe hätte erweisen mögen. Die hülfvölker für
den Fürsten von Edom /sollten / unter dem Prinzen Abimelech und dem Phalacus /
folgenden tags aufbrechen / und der grossen macht des Fürsten Akans sich
widersetzen / die er aus Canaan den Fürsten von Seir hatte zugefüret: da dann
die Königinnen / sowol diese als die andere Assyrische und Ninivitische völker
mustern zu sehen / selbigen morgen sich mit nach Hoba hinaus begeben wollten.
Also bliebe es bei dieser abrede / und sagte die Königin von Ninive dem Prinzen
Mamellus / als der hinweg gehen wollte / was sie / seine tochter betreffend / von
dem Fürsten Ardeus vernommen hatte: womit sie ihm ursach gabe / dass er selber
diesen Fürsten hierüm fragen wollte.
    Wie nun / nach eingenommener abendmalzeit /deren die Königin Lantine und
etliche von den Prinzessinnen mir beigewohnt / die gesellschaft wieder
voneinander ginge / und der Fürst Husan die Königin von Ninive nach ihrem palast
begleitete / fragte sie ihn: ob er von dem Fürsten Peldas ihrem Stattalter
hätte briefe bekommen / darin von der Syrischen Aramena erwehnung geschehen.
Husan wurde hierüber ganz bestürzt / und wusste erstlich nicht / was er antworten
sollte / sagte doch endlich: Es wäre dem also / dass sein schwager ihme von dieser
Königin geschrieben hätte. Weil aber mit Ihr. Maj. davon umständlich zu reden /
einer eigenen verhör wohl wehrt wäre / als wollte er solches bis dahin / da Ihr
Maj. ihn ruhiger würden vernemen können / bei sich behalten. Die schöne Königin
ware mit dieser erklärung vergnügt / und begabe sich hierauf zur ruhe: da sie
die nacht / bei stäter vorbildung ihres geliebten Prinzen /wie der sich nun in
neue gefahr stürzt / und sie in so gefärlichem zustand hinterliesse / träumend
zubrachte.
    Nachdem sie mit anbrechendem tag wieder erwachet / und sich erinnerte / dass
sie diesen tag kriegerische dinge verrichten sollte / liesse sie sich hierzu
schicklich ankleiden / und die Königin von Elam neben allem frauenzimmer
ersuchen / in gleicher tracht / und zu pferd / mit ihr darbei zu erscheinen. Es
bliebe von ihnen keine zurücke / als die Timna /wegen noch anhaltender
mattigkeit / die Mehetabeel /als eine Fürstin von Seir / wider deren vatterland
dieser feldzug zum teil erginge / und die Casbiane. Ahalibama aber / ob sie
gleich einerlei ausrede mit der Mehetabeel haben können / wollte doch / in
erwägung / dass ihrentwegen der krieg zwischen den Cananitern und der Königin von
Ninive angegangen / nicht dahinten bleiben / sondern dieser Königin / als ihrer
grosmütigen beschützerin / aufwarten. Der verliebte Abimelech / hatte sich
bereits zu seinem völkern vor-hinaus begeben: und ware das grosse und angeneme
tal Hoba / das gegen Naema etliche meilen von Damasco gelegen / dazu bestimmet
/ dass daselbst / das grosse und ansehnliche heer der Assyrier und Niniviten / von
den schönsten personen der welt besichtigt werden sollte.
    Wie nun dieser Prinz seine vertraute Babylonier in zimliche ordnung
gestellet / und sich zu nächst an den Ninivitischen feldherrn Phalacus / der der
Königin von Ninive völker fürete / gesetzet / auch der Belopares sein kriegsheer
in gute bereitschaft gebracht / und der Altadas des Stattalters Mamellus
untergebene kriegesleute zu den andern gefüret hatte: kame die königliche
gesellschaft aus Damasco daselbst an / da der wunderglanz der schönen Delbois
dergestalt in aller augen blitzete / dass sie gleichsam geblendet in diese sonne
schaueten. Die andere fürtrefliche schönheiten erwarben ihnen ebenfalls viel
anbetere: und wurden sie ingesamt mit einem allgemeinen freudengeschrei
bewillkommet / davon die ümligende berge erschalleten. Die Königin von Tyro /
neben der Stattalterin von Syrien und andern von ihrem frauenzimmer / fuhren
auf köstlichen wagen hernach: da dann diese ganze gesellschaft / von dem Prinzen
von Assyrien /dem Stattalter Mamellus dem Fürsten von Edom /dem Prinzen Cimber
/ dem feldherrn Hadoran / dem Fürsten Hanoch / auch allen Ninivitischen und
Syrischen Fürsten / neben einer grossen menge aus Damasco / die der fürwitz
hinaus getrieben hatte / begleitet wurden. Wie nun die Königliche personen
mitten in das tal gekommen / sahen sie ein köstliches gezelt aufgerichtet. Der
Assyrische feldherr Belopares entfienge daselbst die Königinnen / und sie in das
gezelt fürend / richtete er seine rede an die schöne Königin von Ninive /
zugleich ihr / im namen seines Königs / das ganze Assyrische heer übergebend:
welches / wie er sagte / der grosse Belochus / zu ihrer beschützung / und wider
den frevel des Königs von Canaan /hergesandt hätte / mit der versicherung / dass
ieder von ihnen in freudiger begierde bereit sei / sein blut und leben für sie
aufzuopfern.
    Die schöne Delbois / die wohl merkte / wie diss gemeinet war / bedankete sich
/ für diese gütige bezeugung des Königs / mehr mit dem mund / als im herzen /
und liesse die fürnemste kriegsbediente für sich kommen / ihre begrüssung
anzuhören. Wie dieses geschehen / kamen auch ihre eigene kriegs-obersten / ihr
den rock zu küssen / da Phalacus / Arteman / Zaphis / Elimodan und die andern
Niniviten / mit worten und gebärden ihre dapfere begierde an den tag gaben / ihr
leben für ihre Königin zu lassen. Den Phalacus fürete sie alsofort zu dem
Fürsten von Edom / und sagte: Hiemit will ich meine zusage halten / die ich dem
grossen Edom getan / und ihme meinen feldhaubtman zu dienst widmen / der befehl
hat / die hälfte meiner angekommenen völker nach Seir zu füren. Es sollte das
ganze heer zu euren diensten sein / wann nicht die noht erforderte / mich selber
in sicherheit zu erhalten. Esau liesse sich hierauf auf ein knie nieder / und
küssete der Königin den rock / ihr solchermassen sein dankbares herz zu erkennen
gebend. Der dapfere Abimelech trate hierauf auch herfür / mit seinen
untergebenen kriegsbedienten / die der Belopares / von wegen seines Königs / dem
Esau überlieferte / mit dem befehl / dass sie ihme neben ihren anvertrauten
völkern / nach Seir folgen sollten.
    Hierauf / nachdem alle Assyrische herren auch die Königin von Tyro / als
ihre alte lands-Prinzessin / begrüsset hatten / begabe sich ein jeder wieder nach
seinen völkern / üm nacheinander in zimlicher ordnung für der Königinnen gezelt
fürbei zu ziehen. Erstlich kamen die / so nach dem gebirge Seir gehen sollten:
denen die beide helden der Esau und Abimelech fürritten / solche majestät und
dapferes wesen von sich blicken lassend / dass sie iedermans verwunderung auf
sich zogen. Ihnen folgten vier tausend mann / von den Assyrischen soldaten / und
vier tausend Niniviten. Hierauf kamen / der Hanoch Fürst von Midian /neben den
feldhaubtman Phalacus / auch von vier tausend Assyriern und so vielen Niniviten
begleitet: ferner der Zalmon ein Assyrier / und der Ninivite Elimodan / mit eben
so viel Assyrischen und Ninivitischen kriegsleuten. Der junge Eupales / des
Belopales bruder / und der Pannias / ein vetter des Fürsten von Ressen / fürete
den vierten haufen: und den fünften und lezten / der Mytreus ein Babylonischer
herr / und der junge Sosares / ein bruder des Fürsten Barzes von Arvad / die
daneben über die mitgehende streitwägen bestellet waren.
    Indem also dieses auserlesene volk fürüber zoge /begabe sich Ahalibama / üm
nicht zu grosse entfindlichkeit oder kaltsinnigkeit von sich blicken zu lassen /
da diese wider die ihrigen ziehen sollten / mit ihrem verkleideten bruder auf die
andere seite des gezeltes: und hatte sie gnug zu tun / den ungedultigen Dison
zu frieden zu sprechen / der ohne grosse herzensqual nicht ansehen kunte / wie
diese vierzig tausend mann nach seinem vatterlande gingen / da er immittels in
weibskleidern seine zeit faul und müssig zubrachte. Ach! sollte es mich nicht
schmerzen / (sagte diese verstellte Aramena / zu der Ahalibama /) dass mein
verhängnis mich zwinget / so leichtsinnig zu leben / und üm einer unmüglichen
liebe willen / meine ehre zu verscherzen / und der meinigen unterredung
ungerochen anzusehen? Ob ich wohl / (antwortete Ahalibama /) euren muht nicht
tadele / und vielmehr euch lobe /dass ihr einmal ein misfallen über eure ietzige
so gefärliche lebensart bezeuget: so möchte ich doch wohl lieber sehen / dass ihr
in so grosser gesellschaft / da wir so viel aufmerkere haben / euch bässer zwingen
/ und euren unmut verbergen köntet.
    Indem nun Aramena wieder antworten wollte / verhinterte solches der Prinz von
Assyrien / der auf sie zukame / und sich mitten einstellend / sie beide bei der
hand fassete / und mit ihnen fortgehend / lächlend sagte: Eure feinde sind schon
fürüber / kommet nur /wehrte Horitinnen! und sehet den andern zu / die nun
fürbei ziehen werden: dann die sind eure freunde / und fürnemlich der Prinzessin
von Seir ihre beschützere. Der Prinz von Assyrien / (antwortete Ahalibama /)
erweiset gar zu grosse aufmerksamkeit / indem er nicht allein diese unsere
absonderung von der gesellschaft /sondern auch deren ursach / sobald in acht
genommen. Wohin stäts meine augen gewandt sind / (sagte der Prinz / zugleich die
Aramena ganz verliebt ansehend /) da kann ich leicht in acht nemen / was man
tue. Ich weiss aber / dapfere Aramena! dass ihr die soldaten allzuviel verehret /
als dass ihr ihnen iezt euer angesicht nicht gönnen soltet. Als eine vom gebirge
Seir / (gabe Aramena zur antwort /) habe ich der Prinzessin Ahalibama
gesellschaft geleistet / üm die verstörer unseres vatterlands nicht anzusehen.
Aber als eine treuste dienerin meiner gnädigsten Königin /werde ich mit
freudigem gemüte ihre dapfere beschützere mit ansehen.
    Hiemit kehrten sie wieder zu den andern / als eben der feldherr Belopares
für dem zelt über ritte / eine bewehrte manschaft von viertausend Assyriern
fürend. Nach ihm kame der streitbare Oneballus / auch mit viertausend
Babyloniern. Diesem folgte Dercylus /mit gleicher anzahl / ferner Ascrasapes /
und lezlich Abieser / denen ingesamt zwanzig tausend mann / alle auserlesene
kriegesleute / nachzogen. Nachdem diese sich an die eine seite des berges bei
die nach Seir verordnete völker gestellet / erschiene der Prinz Sinear von
Chaldea / dem ein heer von viertausend Chaldeern folgete. Nach ihm kamen der
Mancaleus / und letzlich der Nechubes / ieder eine gleiche anzahl Chaldeer
fürend. Hierauf liessen sich die Niniviten sehen / denen die Königin den Tarsis
/ Fürsten von Sepharraim / zum feldherrn zugeordnet: welcher diese ansehnliche
stelle mit grosser ehrsucht vertrate / und seine untergebene zwanzigtausend man
in guter ordnung fürbei fürete. Der feldhaubtman Arteman / der Elimodan / der
küne Zaphis / ein bruder der Siringe /und der Hadat von Chesed / waren auch
vorneme befehlhaber unter diesen völkern.
    Nachdem dieses heer sich neben die andern gestellet / kame das Assyrische
heer / welches / unter des Stattalters von Syrien aufsicht / zu beschützung des
Königreichs / in Damasco und auf den berg Senir gelegt war: und fürete dieselben
/ auf des Stattalters befehl / der Nahor Fürst von Haran / der junge Elhanan
Fürst von Hus / und der Tison / aus Mesopotanien; welche auch zusammen
zwölftausend mann auffüreten. Diesen ansehnlichen haufen beschlossen sechstausend
Syrer: die aber mehr von namen als geburt Syrisch / und meist aus Babylonien
bürtig waren / auch von einem Medischen herrn / dem Altadas / der Dalimire
vettern / gefüret wurden: worwider sich zwar die Syrische Fürsten sehr
gesträubet hatten / weil sie dieses volk / zum schutz des reichs / aus ihrem
mittel regiren wollten / iedoch gezwungen es also mussten geschehen lassen. Zu
allerlezt folgete eine grosse anzahl streitwägen / über die der dapfere Opharteus
gesezt ware.
    Wie nun solcher gestalt die besichtigung vorgegangen / kamen die Prinzen
Abimelech / Sinear / Esau /Belopares / Hanoch und die andere fürnemste
kriegsbediente / wieder zu den Königinnen in das zelt: da der Mamellus die ganze
gesellschaft / auf eine stunde von dar / in einem grossen meienhof / den er
hierzu bequemen lassen / zur malzeit einlude; weswegen sich /die Königin von
Tyro zu wagen / die andere beide Königinnen aber / neben den Prinzessinnen und
dem meisten frauenzimmer / zu pferd begaben / und im hinreisen / für das ganze
heer fürbei kommend / dasselbe nochmals in augenschein nemen konten. Die
standhaftigkeit der Königin von Ninive / welche sonst alles mit
unvergleichlicher Entschliessung überwinden kunte / finge hier ein wenig an zu
wanken / als ihr liebster Abimelech nun bald abreisen sollte: massen auch bei ihm
sich gleiche regung fand / also / dass er zu vergessen begunte / dass er für so
vielen aufmerkern sich zwingen musste / und sich stäts seiner Königin näherte /
die gefahr / in der er sie verliesse / viel grösser / als er sonst getan / ihm
fürmahlend. Weil sie aber miteinander nicht reden dorften / als sprachen für ihn
seine seufzer / worauf ihre betrübte augenwinke ihm die antwort zurücke
brachten.
    Zwar den betrübten Abimelech tröstete nicht wenig / des Cimbers gegenwart /
und dessen getane verheisung. Dannenhero / als ihm dieser sein freund zur
seiten ritte / ümfassete er ihn mit dem einen arm / heimlich zu ihm sagend:
Liebster freund! zu dir stehet meine einige zuversicht / und würde ich vergehen
/wenn ich / sonder dich bei meiner Königin zu wissen / von ihr scheiden müste.
Ach Cimber! halte was du mir versprochen / und nimm dich meiner Königin also an
/ als wann du sie selber liebetest. Sei versichert /wehrter Prinz! (sagte
Cimber seufzend /) dass ich das edle und teure pfand / welches du mir
anvertrauest /also werde in acht nehmen / dass ich eher mein blut und leben
verlieren will / als zugeben / dass sie gekränket lebe. Verlasse dich daneben nur
sicherlich auf die hülfe aus Basan / und beunruhige nicht selber deine
glückseligkeit / die du vollkömlich geniessest. Mein Glück / (antwortete
Abimelech /) erkenne ich wohl /dass es grösser ist / als alle seeligkeit der welt.
Betrachte ich aber / was diesem Glück entgegen stehet /so scheinet es das gröste
und erschrecklichste unglück von der welt zu sein: dafür ich mich dann billig
fürchte / weil mir leichtlich das böse auf so viel gutes begegnen kann /
gleichwie ich auch eines solchen gutes mich unwürdig erkenne.
    Indem kame der Belopares dazu / und verstörte ihre unterredung: der dann /
bei diesem abzuge des Abimelech / nochmals gelegenheit suchete / ihn zu vermanen
/ dass er in dem grossen furhaben der Dalimire ämsig mitarbeiten / und ihm diese
sache / darbei er soviel anteil hätte / eiferigst wollte angelegen sein lassen.
Abimelech versprache mehr / als er iemals zu halten gesinnet war / und entfunde
kein geringes leiden / dass er sich also stellen / und seine eigentliche gedanken
verbergen musste. In solchem ihrem gespräche / erreichete die gesellschaft den
meierhof: da Mamellus / in dem gartenplatz / alles auf das herrlichste und ganz
Königlich zurichten lassen.
    Indem sie aber zur tafel gehen wollten / kame einer in dem hof: welchen
alsobald der Esau für seiner Mahalaat jüngsten bruder / den Ketma / erkannte /
der / unter dem Prinzen von Caphtor / die waffen in Edom fürete. Ein verborgener
schrecken überfiele ihn / als er dieses Fürsten ansichtig wurde: und fülete er
sich zu zaghaft / ihn zu fragen / wie es auf dem gebirge und üm die seinigen
stunde. Des Ketma erblasstes gesicht und verstörtes wesen / gabe auch nicht
unklar an den tag / dass seine ankunft müste eine betrübte ursach haben. Wie er
nun / nach abgelegter allgemeiner begrüssung / allein bei dem Esau gehör begehret
/ entschüldigte sich derselbe bei den Königinnen und andern anwesenden / dass er
sie verlassen müste / und ginge damit / in gesellschaft des Hanoch / mit dem
Ketma in einem wald / der an dem meierhof stiesse: da er / im fortgehen / sonder
zu reden / den Ketma bei der hand fassete / und ihn scharf ansah / ob er etwan
aus seinem gesichte abnemen möchte / was ihm der sinn zutruge.
    Ketma vermochte nicht die tränen zu halten / und als er die eine weile für
sich reden lassen / wurde Esau endlich ungedultig / in solcher ungewissheit
länger zu schweben / weswegen er in diese fragworte heraus brache: Ist Teman
vieleicht nun ganz verloren? oder komme ich etwan zu spat / meine gemalinnen zu
befreien. Grosser held! (antwortete Ketma /) der dapfere Prinz Ahusat ist
meister in Teman / und sind die Sabeer / Araber / und meine vettern von Hevila
/ aus Edom abgezogen / also dass die Fürsten von Seir alleine noch die
Cananitische hülfe bei sich haben: die doch so gross nicht ist / als man sie
anfangs gemachet. Was betrübtes bringt ihr mir dann? fragte der ungedültige
Esau. Ach! muss ichs dann sagen? (sagte Ketma / und seufzte) Ich bringe die
klägliche zeitung / von dem erbärmlichen / gewaltsamen tode der dreien
gemalinnen des grossen Edoms. Diese unverhofte post rürete den Esau dermassen
sein herz /dass er / da er sonst noch alles unglück grosmütig überstehen können /
in dieses sich nicht zu finden wusste. Er starrete von entsetzen / also dass er
mehr einem bilde / als einem menschen / änlich sah. Wie! (finge er über eine
weile an /) ist Mahalaat nicht mehr vorhanden? ist Judit dahin? und Ada
ümgekommen? und ich verziehe noch / dieser unschüldigen ihr blut zu rächen. Sagt
Ketma! saget an / wie sich diese grausamkeit zugetragen / und was das ende
dieser elenden gewesen?
    Hiemit liesse er sich von dem Hanoch und Ketma in eine schäferhütte leiten /
daselbst er diese des Ketma erzehlung anhörte. Ich will mich nicht lang aufhalten
/(sagte selbiger /) zu berichten / wie / nach des grossen Esau abreise aus Edom
/ alles dem feind unterwürfig worden / und wir uns mit mühe in Teman halten
können. Ich will iezt allein melden / von der grausamen nie-erhörten tat / die
die Fürsten von Seir / an der Ada / Judit / und meiner schwester Mahalaat
/verübet haben. Diese drei unglückselige Fürstinnen /sassen zu Acrabin auf des
Disans raubschloss / in langer gefängnis / und ware Sobals unversönlicher hass
/wegen des todes seines sohns des jungen Ebals / so häftig gegen den Fürsten von
Edom / dass er endlich aus rachgier sich entschlosse / solchen an diesen dreien
Fürstinnen auszulassen. Dieses sein tyrannisches beginnen / dessen er sich /
nach seiner wiederkunft aus Canaan / bald vermercken lassen / wurde von seinen
brüdern und vettern erstlich sehr widersprochen. Als aber das gerüchte nach Seir
erscholle / dass der König von Assyrien / und die Königin von Ninive ein
gewaltiges heer uns zu hülfe schicken würden: vermehrte solches ihre
verbitterung dermassen / dass sie /aus verzweifelter rache / ihren göttern ein
grosses fest anstelleten / und deren hülfe zu erlangen / diese drei Fürstinnen
ihnen zu opfern / sich entschlossen.
    Die Zurüstungen zu diesem blutfeste geschahen so öffentlich / dass wir zu
Teman dieses fürhaben bald erfuhren: daher der Prinz von Caphtor alle
ersinnliche mühe anwendete / dieser mörderei zu steuren. Mit macht liesse es sich
nicht tun / weil solche viel zu gering war. Demnach ergriffe er dieses mittel /
und schickete mich ab an die Sabeer / und an die Fürsten von Hevila / die den
Fürsten von Seir bisher wider uns beigestanden / und liesse ihnen zu gemüte
füren: wie wenig tugend und grossmut die Fürsten von Seir erwiesen / indem sie
ihre rache an schwachen weibspersonen zu verüben / und mit deren unschüldigem
blut sich besudeln wollten. Demnach bäte er / dass sie ihres orts diese mordtat
verhindern / und ihre bundsverwandte dahin vermögen wollten / ihre sache / nicht
mit weibern / sondern mit uns auszufüren: zumal in betrachtung / dass ihnen die
Mahalaat nahe befreundet / und von ihrem / nämlich der Fürsten von Hevila /
geblüt wäre.
    Mein anbringen wurde von beiden völkern wohl aufgenommen / und wie sie diese
tat deren von Seir höchst tadelten / also verordneten sie gleich etliche nach
Acrabin / die die Fürsten von solchem grausamen opfer abhalten sollen. Ich
erhielte bei der Königin Petasiride von Saba / die selber mit beim heer ware /
dass ich mit unter diesen abgeschickten nach Acrabin kommen möchte: weil das
verlangen / meine arme schwester zu sehen / sehr gross bei mir war. Die
abgeordnete wurden daselbst wohl aufgenommen / und ihr anbringen von den gesamten
Seirischen Fürsten angehöret. Ob nun zwar / viel unter ihnen / sich bewegen
liessen / so war doch der Jobal und sein anhang der mächtigste: dass also /
ungeacht der einrede / dieser ihrer bundsverwandten / mit dem opfer fortgefahren
wurde. Als nun / mit dieser abschlägigen antwort /die abgesandten wieder
abreiseten / liessen sie mich heimlich daselbst: darauf die von Seir mit dieser
hinrichtung eileten / damit nicht fernere fürbitte und widersprache von denen
von Hevila und den Sabeern darzwischen kommen möchte. Meine begierde / die
Mahalaat zusprechen / machte mich erfüllen der Fürst Hori / des Lotans sohn /
der vormals mein guter freund gewesen: dieser brachte mich heimlich in das
gefängnis / darin die drei Fürstinnen aufbehalten wurden.
    Ich fiele der Mahalaat gleich üm den hals / und kunten wir beiderseits /
vor wehmut / lang kein wort herfürbringen. Wie uns endlich der schmerz reden
liesse / bestunde unser gespräche in erbärmlicher betrachtung ihres elenden
zustandes: da ich sie alle dreie / sowol über der abwesenheit ihres liebsten
Esau / als über ihrem unvermeidlichen tod / weil alle hülfe von ihnen entfernet
war / wehklagen hörte. Ach! (sagte die Ada) was nützet es mir / dass ich einem so
künen helden vermälet bin / und von ihme einen so dapfern sohn zur welt geboren
habe / da sie beide mich nun in meinem elend versinken lassen? Solte Esau wissen
/(sezte die Judit hinzu) wie es mir ergehet: ich bin versichert / die liebe /
so er mir iederzeit erwiesen /würde sich auch iezt bezeugen / und eher seinem
eid befördern / als den meinigen zulassen. Unsere liebe /(erwähnte die Mahalaat
/) finge an mit blutvergiessen / und muss sich nun leider auch also enden. Doch
/wann in iener welt das andenken irdischer dinge vergönnet ist / so soll
nimmermehr meine treue liebe zu meinem gemal aufhören / unangesehen er mich
ietzund hülflos sterben lässet.
    Dergleichen klagen trieben diese elende Fürstinnen / und weil nach diesem
der Hori mich nicht mehr zu ihnen bringen dorfte / als musste ich dissmal
betrübten abschied von ihnen nemen: das dann / zwischen der Mahalaat und mir /
so erbärmlich zuginge / dass ich es nicht beschreiben kann. Sie vertraute mir den
kleinen Reguel / ihren sohn / den sie heimlich mit seiner wartfrauen für den
Seirischen tyrannen versteckt hatte / und befahle mir / dem Esau zu sagen: dass
ihr nichtes / die welt zu verlassen / schwer mache / als sein andenken / und dass
sie die seinige sterben wollte. Judit und Ada gaben mir eben dergleichen gewerbe
mit /und baten / dass doch ihr unschuldiges blut an den Fürsten von Seir nicht
ungerochen bleiben möchte.
    Nach diesem stunde es wenig tage an / da geschahe dem Moloch dieses grausame
opfer: und triebe mich /mehr die betrübnis als der fürwitz / solches mit
anzusehen. Demnach begabe ich mich unter das volk / und sah die Ada grossmütig /
die Judit unerschroken /und die Mahalaat beherzt ankommen / von ihren
barbarischen priestern gefüret: da ich dann / für wehmut / alle gebräuche nicht
in acht nemen konnte / die dabei für gingen. Es wird aber gnug sein / wann ich
sage / dass ich diese drei Fürstinnen mit grosser standhaftigkeit sterben gesehen
/ und litten sie die marter des feuers mit so unerschrocknem mute / dass sie mit
dieser lezten tat wohl erwiesen / wie so würdige gemalinnen des grossen Edoms sie
gewesen waren. Ich mochte / nach dieser mordtat / keinen augenblick mehr in
Acrabin bleiben / sondern eilete mit dem kleinen Reguel nach Teman: den ich nun
alda in guter verwahrung gelassen / als ich von dem Prinzen von Caphtor / dem
diese tat auch sehr zu herzen ginge /befehl erhielte / diese trauer-post dem
Fürsten Esau zu überbringen.
    Ehe ich aber abreisete / kame die zeitung nach Teman / dass so wohl die
Sabeer und die von Hevila / als der edle Prinz Ephron / an dieser greulichen
tat sich dermassen geärgert / dass die beide erste mit ihren völkern das land
geraumet / und der Fürsten von Seir seite gänzlich verlassen / der Prinz von
Canaan aber /für seine person / von den Sichemitischen völkern sich hinweg
begeben hätte: weil er / für die mörder seiner schwester der Judit / nicht mehr
zu fechten begehret. So gross nun hierüber bei dem feinde die bestürzung war / so
mutig erzeigten sich hingegen die unsrige: welche / von billigem eifer / ihrer
Fürstinnen blut zu rächen / angetrieben / die Seirischen aus dem lande Teman
hinweg schlugen. Also bliebe / wie ich wegzoge / der Prinz von Caphtor nicht
allein meister von Teman / sondern er ware auch willens / einen einfall in Edom
zu tun / und Bean anzugreifen. Das unschuldige blut / schreiet nun üm rache.
Die vierzig tausend Assyrer und Niniviten sind dazu geschickt und tüchtig / den
garaus mit Seir zu spielen: und wird der grosse Edom / durch billige rache /
wider dieses schwere leiden / das iezt der himmel ihnen zugeschicket / sich
etlicher massen trösten können.
    O unbarmherziges geschicke! (rieffe hierauf der hochbetrübte Esau) wie hast
du dieses unglück / über so unschuldige seelen / verhängen können? Habe ich
gesündigt / habe ich deinen zorn verdienet: warum strafftest du diese
unschuldigen? warüm hast du nicht deinen grimm gegen mir gewendet? Doch du hast
wohl ermessen / dass ich mehr in ihnen / als an mir selber /leiden würde / und dass
ich nicht härter / als wie ich nun bin / hätte können gestraffet werden. Liebste
Mahalaat! wehrte Judit! getreue Ada! meinetwegen habt ihr müssen sterben / weil
ich nicht länger eurer liebe würdig gewesen / sondern meinem herzen eine neue
liebe einbilden dörfen. Bei diesen worten stutzete er: da die erinnerung der
Ahalibama / so feind er auch nun allen den ihrigen war / keiner reue / sie zu
lieben / bei ihm aufkommen liesse. Doch wendete er sich / in dieser seiner
betrübnis / mit seinen gedanken von ihr ab / und erwägete nur / wie jämmerlich
er üm seine frauen gekommen wäre. Die tränen stürzeten ihm aus den augen / und
kunten Hanoch und Ketma /diesen grossen helden / in solcher gestalt ohne grosses
mitleiden nicht ansehen. Weil er aber / in diesem seinem höchsten kummer /
nichts als die einsamkeit verlangte / als musste Hanoch und Ketma ihn allein
lassen: da er sich auf ein bette warf / und seinen gedanken den lauf liesse /
seinen jammer zu überlegen.
    Die Königliche gesellschaft / wurde inzwischen von dem Mamellus wohl
bewirtet. Doch waren seine meiste gäste / gleich wie er selber / sehr betrübet:
weil sowol die liebe / als die sorgfältige stats-gedanken /ihre gemüter
eingenommen hatten / und dieselbe beunruhigten. Mamellus plagte sich am meisten
/ mit dem andenken seiner tochter / deren entfürung aus dem tempel / er von dem
Fürsten Ardeus vernemen müssen: und hätte er solche leichter verschmerzet /wann
er erfahren können / wohin sie wäre entfüret worden; damit er hoffnung erlangen
mögen / sie dermaleins wieder zu sehen und in seine gewalt zu bekommen. Wie nun
die tafel aufgehoben war / und man wegen des Esau abwesenheit vermutete / dass
der mit den völkern würde füraus nach Naeman gegangen sein / weil er bereits
abschied von den Königinnen genommen hatte: wollte die Königin von Ninive des
berümten Fürsten Abrahams wonung besehen / die man unfern von Naeman zeigete; üm
etwas länger noch bei ihrem Abimelech zu bleiben. Um des willen / teilete sich
die gesellschaft: da die Königinnen von Tyro und Elam / neben der Prinzessin
Indaride / der Tarasile / dem Prinzen Mamellus / dem Hadoran /und allen
Syrischen Fürsten / wieder zurücke nach Damasco gingen; die schöne Delbois
hingegen / samt der Ahalibama / Jaelinde und Ammonide / dem Prinzen Baleus /
Abimelech und Cimber / auch ihren Fürsten und frauenzimmer / den andern weg für
sich name; Belopares aber / mit den Assyriern und Niniviten / bei ihren völkern
im tal Hoba verblieben.
    Weil die Königin von Ninive die nacht wieder in Damasco zu sein / verlangte
/ als rannten sie in dem schattichten walde frisch fort: da dann die Ahalibama
mit ihrem pferd / der Ammonide / die einen mutigen hengst ritte / also nahe kame
/ dass selbiges hinten ausschluge / und die Ahalibama an die kniescheibe traffe.
Sie ritte zwar anfangs / mit diesem schmerzen /gemach hinten nach / konnte aber
endlich den schenkel nicht mehr auf dem pferd halten: weswegen sie von der
Astale und dem Fürsten Jotan / der mit ihrer verordneten leibwacht bei ihr
geblieben / angemanet wurde / in eine schäferhütte abzutreten / und nach ihrem
schaden sehen zu lassen. Wie sie nun dieses tun wollte / vermochte sie auf den
fus nicht zu treten: weswegen für nötig befunden wurde / mitlerweile sie in
dieser hütte sich nider legte / eiligst nach Naeman /oder nach dem heer / üm
einen wundarzt zu schicken. Es war aber diese hütte eben dieselbe / in welcher
sich der betrübte Esau befande: da dann / als man sie hinein gebracht / beide
häftig erschracken / einander also zu finden.
    Er sprange gleich von seinem bette auf / und für betrübnis nicht sehend /
dass sie hinkte / vermeinte er /sie wüste sein unglück / und käme / ihn zu
trösten /sagte deswegen wider sie: Er verdiene diese gnade nicht / die sie ihm
durch diese ihre besuchung erwiese. Ich komme (antwortete sie ihm gar
verächtlich /) eben so wider meinen willen zu dieser besuchung / als wie der
Fürst von Edom wider seinen willen mich ehmals in Damasco besuchet / erlöset und
beschenket hat: und hätte ich gewust / dass diese hütte nicht ein ort für meine
ruhe wäre / würde ich den Fürsten von Edom nicht in der seinigen verstöret
haben. Als sie dem Esau diese entfindliche worte / zu vermehrung seiner qual /
gesaget / liesse sie sich wieder hinaus /und nach einer andern hütte füren: da
nach und nach der schmerze bei ihr also überhand name / dass Astale bewogen wurde
/ noch einen boten eiligst nach dem wundarzt abzufärtigen.
    Esau / der nicht wusste / wie ihm geschahe / setzete sich neben dem Hanoch
und Ketma auf die pferde /die ihnen ihre dienere nachgefüret hatten / und ritte
also ganz verwirrt und aus ihm selber / die strasse nach Naeman / zu seinen
völkern: da unferne von dem ort / allwo der Abraham gewonet / die Königin von
Ninive mit ihrer gesellschaft ihme sporenstreichs entgegen kam / üm die
Ahalibama zu besuchen / deren zufall sie erfahren hatten. Esau / alle
gesellschaft meidend / wiche ihnen aus dem wege. Der Prinz Abimelech aber / der
seinen freund also betrübt und verändert ersah / rante gleich zu ihme / die
ursach seines leidens zu vernemen: da ihn dann nicht geringe bestürzung anstiesse
/ als er von dem Ketma erfuhre /was tyrannei die von Seir verübet hatten.
Nachdem er hierauf den Esau getröstet / und ihn wieder verlassen /und mit ihm
abgeredet / dass sie den abend unferne Naeman bei ihrem heer sich wieder
einfinden wollten /name er seinen weg wieder vor sich / der Königin nachzufolgen:
die er / mit der gesellschaft / bei der Prinzessin von Seir antraffe. Indem kame
auch der wundarzt / welcher den schaden zimlich gefärlich machte / und riete /
dass Ahalibama sich nach Naeman sollte bringen lassen: weil ihrer an diesem
schlechten ort nicht wohl konnte gepflegt werden / Damasco aber für sie zu weit
ware / und inzwischen der schaden sich noch gefärlicher machen möchte.
    Ahalibama zoge hiebei nichts in bedenken / als die unsicherheit / und dass
sie befahrete / der König von Canaan möchte in der zeit / da sie sich alda
heilen liesse / mit hülfe des Fürsten Zophar / der zu Naeman wonete / einen
anschlag auf sie machen / üm sie wieder in seine gewalt zu bekommen. Aber diese
furcht wurde ihr durch die Königin von Ninive benommen /welche dem Arteman /
einem ihrer kriegs-obersten /befahle / dass er mit etlich tausenden sich üm
Naeman lagern / und auf alles ein wachendes auge haben sollte: zudem dass auch der
Jotan mit ihrer leibwacht /neben der jenigen / so der Mamellus ihr zugeordnet
/alles unheil abwenden könnte / und zum überfluss das ganze kriegsheer üm diese
gegend lage. Wie nun Ahalibama sich bereden lassen / und man sie mit der Astale
auf einen wagen gebracht hatte / verhiesse ihr die Königin / sie öfters zu Naeman
zu besuchen: womit sie abreisete / und die ganze gesellschaft /wegen dieses
zufalls / bekümmert hinterliesse. Der Prinz Abimelech musste nun auch an seinen
abschied gedenken: da ihm aber / die gegenwart des Prinzen Baleus und der andern
Assyrier / hinterlich war / seine herzengedanken gegen seiner Königin / also wie
er gern wollte / auszuschütten. Dieses sein leiden / war der Aramena eine
heimliche ruhe / und erregte auch in des Cimbers gemüt eine zufriedenheit: die
er aber /üm der freundschaft willen / nicht aufkommen liesse.
    Indem sie aber von einander scheiden wollten /kame unversehens der Arsas /
Fürst von Cale / neben einem mohren / zu ihnen / dessen ankunft die Königin hoch
erfreute: und erwiesen sie alle eine grosse begierde / zu vernemen / wie es in
Canaan stünde. Weil er aber dissorts seinen bericht nicht weitläufig abstatten
konnte / als erzehlte er nur mit wenigem / dass der König Beor in person zu feld
ginge / Syrien anzugreifen; dass er / von dem Pharao aus Egypten / hülfe und
beistand erwartete; dass der König von Salem / annoch zu Sichem gefänglich
angehalten würde; dass auch zu Kiriat Arba grosse unruhe wäre / und es aller
orten ein gefärliches aussehen gewinne. Die Königin befragte ihn hierauf / üm
den mitgekommenen mohren /und vername / dass er an sie / von dem König Eridanus
von Cus / und von der Prinzessin Cölidiane / abgeschickt wäre / dessen gewerbe
sie von ihm selber anhören würde. Sol ich so glücklich sein / (sagte die
erfreute Königin) von dieser lieben Prinzessin etwas zu hören? Die Prinzessin
(finge hierauf der mohr an) hat mir befohlen / E. Maj. ihres beständigen
andenkens zu versichern / und darneben / von meines herrn wegen / E. Maj. alle
hülfe / die sie nur von ihme begehren würden / anzubieten. Er ziehet aniezt in
sein Königreich / welches durch den tod seines herr vattern ihm heimgefallen /
und wird von dar aus alle die verheisungen werkstellig machen / die / auf seine
bitte /die Prinzessin Cölidiane E. Maj. in diesen briefen ankündiget. Hiemit
kniehete er nieder / und überreichte der schönen Königin ein gepäcke: welches
sie begierig anname / und darin etliche täfelein fand / darin eines an sie /
das andere an die Prinzessin Jaelinde /und das dritte an den Prinzen Abimelech /
überschrieben war. Wie sie nun das ihrige erbrochen / lase sie folgendes
          Schreiben der Cölidiane / an die Königin Delbois von Ninive.
Dass alles / was uns widerfäret / der Höchste zu unserem bästen kehre / ob es uns
gleich anfangs widerlich scheinet / erhellet satsam aus meinem beispiel: die ich
für mein höchstes unglück hielte / als ich aus Damasco weichen musste / weil ich
dadurch E. Maj. gegenwart beraubet wurde. Nunmehr aber erkenne ich /dass diss ein
mittel gewesen / E. Maj. und den meinigen zu dienen: massen der grosmütige König
von Cus mir verheisen / nicht allein E. Maj. sondern auch dem bedrängten König
von Salem / hülfvölker zu schicken / üm des übermütigen Cananiters frevel zu
bändigen. E. Maj. müssen aber nichts widriges daraus urteilen /dass meine bitte
bei dem König Eridanus so bald und so wohl verfangen / sondern vielmehr / meine
beständigkeit gegen den Prinzen der Philister / aus mitkommendem schreiben
abmerken: welches ich an E. Maj. mitsende / weil ich weiss / wie gnädig sie gegen
diesem Prinzen gesinnet sind / dass ich also hoffen darf /er werde es zu sichern
händen entfangen / von seiner getreusten und E. Maj. ergebensten
                                                                      Cölidiane.
    Als die schöne Königin dieses nicht sonder bewegung durchsehen / rieffe sie
dem Abimelech / und sagte; Leset diesen brief / weil er euch mit angehet! damit
überreichte sie ihm das schreiben / der solches ganz verwirret hinname / und /
seine bewegungen zu bergen / ein wenig damit abseits ginge. Delbois stellete
inzwischen / der Prinzessin Jaelinde / das ihrige auch zu / welche darin
folgende worte fand.
                   Schreiben der Cölidiane / an die Jaelinde.
Ich gehe nach dem Königreich Cus / weil meine grosmütige beschützere mich noch
nicht erlassen wollen: zumal ich auch befinde / dass ich / durch meine gegenwart
/ alda den unsrigen dienen kann. Stellet demnach euer gemüt in ruhe / liebste
schwester! sowol wegen meiner abwesenheit / als wegen des schlechten zustands
unsers vettern: und versichert euch / dass der gerechte himmel bessere zeiten
geben wird / dass wir dereinst ruhiger leben mögen.
                                                                      Cölidiane.
    Als hierauf die Prinzessin Jaelinde mit dem mohren zu reden begunte / der
Prinz Baleus indessen bei seiner Aramena sich aufhielte / und die andern auch
hin und wieder gesellschaft machten / überkame die schöne Königin gelegenheit /
mit ihrem Prinzen allein zu reden. Demnach ginge sie zu ihm / und fragte / ob er
der Prinzessin Cölidiane schreiben durchlesen? dann sie ihme noch ein anders /
so an ihm selber gestellet war / zu überreichen hätte. Ach grosse Königin! (sagte
er seufzend /) wie verfolget mich mein gar zu grosses Glück! und wie jammert mich
dieser Prinzessin / dass die durch meine verschwiegenheit also muss betrogen
leben! Es scheinet aus allen ümständen / dass sie von dem König Eridanus geliebt
werde: ist es dann wohl verantwortlich / dass man ihr länger verheele / was bei
mir die unmüglichkeit verursachet / ihre keusche wolgewogenheit anzunemen? und
dass man sie verhintere / Königin von Cus zu werden?
    Ihr könnet nimmermehr / mein Prinz! (antwortete Delbois /) diese
unvergleichliche Prinzessin also beklagen / wie ich tue. Ich bin ihr mit so
ungemeiner freundschaft ergeben / und die kurze zeit / da ich sie gesehen / ihr
so eigen worden / dass ich alles in der welt für sie tun wollte / üm ihre ruhe zu
befördern. Unsere verbindung ihr zu entdecken / habe ich bei ihrer gegenwart
nicht tunlich befunden: weil ich gespüret / dass sie euch gar zu häftig liebe /
und sonder gar zu schmerzliche entfindung dieses nicht würde aufgenommen haben.
Sie war mir viel zu lieb / und es fiele mir allzu unmöglich / da sie in solcher
unschuld lebet und liebt / sie dergestalt zu beunruhigen. Eben diese
betrachtungen / (antwortete Abimelech /) haben mich auch iedesmal abgehalten /
ihr zu eröffnen / dass mein herz der himmlischen Delbois sich aufgeopfert habe.
Nun aber die längere verschwiegenheit nicht ratsam ist / als möchte ich wünschen
/ dass sie solches wüste: damit der berümte König Eridanus nicht vergeblich sich
bemühe / ihre gunst zu erlangen. Wollet ihr dann nicht / (sagte die Königin /)
dass ich meinen ehmaligen einraht wiederhole / und üm eures bästens willen euch
vermane / die unvergleichliche Cölidiane für eine unglückselige Delbois zu
lieben? Ach grausame Königin! (fiele ihr der Prinz in die rede /) soll das der
abscheid sein / den ich mit nach Seir nemen muss? und will man sich etwan dieses
einrahts gebrauchen /üm desto freier dem König von Babel seine gegengewogenheit
zuzuwenden? Ihr rächet euch so scharf /(antwortete Delbois /) dass ich aufhören
muss / mehr aus freundschaft als liebe euch zu rahten. Aber lasset uns sehen / was
diese edle Prinzessin an euch schreibet. Hiemit eröfnete sie das täfelein /
worinn folgende zeilen zu lesen waren.
              Schreiben der Cölidiane / an den Prinzen Abimelech.
Ich habe für nötig erachtet / meinen jetzigen zustand euch zu eröfnen: weil
niemand solches getreuer und bässer tun kann / als ich selber / und ich besorgen
muss / dass das gerüchte die unwarheit von mir berichten möchte. Ich bin /
zufälliger weise / in die hände des Königs Eridanus von Cus / und dessen
schwester der Prinzessin Danede / gerahten: die mich / als man zu Damasco uns
verfolgete / in ihren schutz genommen / und seiter soviel liebes mir erweisen /
dass ich die undankbarste von der welt sein müste / wann ich solches nicht
erkennete. Doch langet meine erkentlichkeit nicht biss dahin / dass sie mich sollte
vergessen machen / was ich dem Prinzen der Philister schuldig bin / und worzu
mich meine zusage treibet / die ich dem König Melchisedech getan habe / nämlich
auser dem Abimelech keinem zu lieben. Seit demnach versichert / mein Prinz! dass
/ ob auch der König Eridanus mich lieben sollte / ich dennoch beständig
verbleiben werde / eure getreuste
                                                                      Cölidiane.
    Indem die Königin dieses ablase / stiegen sowol ihr als dem Prinzen die
tränen in die augen / und wussten sie beide fast nichts hierauf zu sagen. Was
wollet ihr antworten? fragte die Königin. Was soll ich schreiben? fragte er
hinwiederüm. In solcher unschlüssigkeit würden sie sich noch lang aufgehalten
haben / wann nicht der hereinbrechende abend sie voneinander geschieden hätte.
Weil ich weiss / dass es euer wille ist /mein Prinz! (finge endlich die Königin an
/) so ermane ich euch nun beim abschied / mir beständig zu bleiben / und euch in
den vorstehenden kriegsgefahren also zu wagen / dass ihr gedenket / wie euer
leben mir / und nicht euch / zugehöre. Dahingegen gibe ich euch die versicherung
/ dass keine menschliche gewalt mich hintern soll / dem Prinzen Abimelech dieses
zu halten / was ich ihm versprochen habe. Hiemit reichete sie ihm die hand / und
vermochte für wehmut seine antwort nicht anzuhören. Demnach wandte sie sich
wieder von ihm / zu der andern gesellschaft / und mahnete den Prinzen von
Assyrien / dass sie / nach Damasco wieder zukehren / hohe zeit haben würden. Der
betrübte Abimelech name hierauf abschied von allen den andern / und ward von
seinem freunde / dem Cimber / bis an das erste nachtlager begleitet. Die Königin
aber / neben dem Prinzen Baleus / der Ammonide / Jaelinde / Aramena und allen
Assyriern und Niniviten / eileten wieder nach Damasco: dahin sie dann zimlich
spat eingelanget. Die schöne Delbois / verbrachte die nacht in grosser
traurigkeit / zugleich von dem andenken des Abimelech / der Cölidiane / und
ihres verwirrten zustands beunruhigt.
    Des andern morgens vername sie / dass der Prinz Tiribaces / unwissend wohin /
heimlich hinweggezogen wäre / und die Königin von Tyro / seine frau mutter /
sich deswegen nicht wollte trösten lassen: weswegen sie dann eilete / nach dieser
Königin zu gehen /und ihr in diesem neuen leiden tröstlich zu sein. Sie fand
daselbst die Königin von Elam / und die andern Prinzessinnen und Prinzen: alle
hierüber sehr bestürzt. Die Königin von Tyro klagte der schönen Delbois / mit
heissen tränen / ihr unglück / dass sie nun auch an diesem sohn erleben müssen. Es
wurde aber nicht dieser Prinz allein / sondern auch der Prinz Sadrach aus Elam /
und der Fürst Ninias von Ressen /gemisset. Elihu / der viel üm den Tiribaces
gewesen /vermeldete / dass er diese beide zwar fleissig bei dem Prinzen hätte ab-
und zu gehen sehen / doch nichtes von dieser abreise ausnemen können. Hadoran
stellete sich hierüber auch sehr verwundrend an / mit beteurung / dass er / noch
vor wenig tagen / bei dem Sadrach gewesen wäre / und doch nicht das geringste
hiervon an ihm vermerket hätte. Die Königin von Ninive / urteilte nichts gutes
von des Ninias abreise: und ginge aller derer / die üm des Tiribaces und
Sadrachs liebe wissenschaft hatten / ihr vermuten dahin / dass sie nach Ninive
ihren weg würden genommen haben. Der Fürst Borgias / des Prinzen hofmeister /
bote sich gleich an / seinen herrn in Ninive zu suchen: und weil die Königin von
Ninive / auch den Arsas dahin absenden wollte / als wurde beschlossen / dass diese
beide föderlichst abreisen sollten. Worauf sie ingesamt der alten Königin
zusprachen / dass sie dieses ihr nicht gar zu sehr zu gemüte ziehen / sondern
einen guten ausgang erwarten wollte.
    Die Königin von Ninive machte ihr hierauf gelegenheit / den Arsas allein zu
sprechen / und entdeckte ihm ihren zustand / neben der ursach seiner reise nach
Ninive: die er dann / bei solcher bewandnis / für höchstnötig achtete / auch mit
aller treu und fleiss zu übernemen verhiese. Hierauf legte er auch völligen
bericht ab / von seiner verrichtung in Canaan / und überlieferte der Königin die
geschenke des Königs von Salem: womit sie sehr erfreut wurde / und ihr gleich
fürname / das buch Jezirah durchzulesen /zumal iezt ihr gemüt also beschaffen
war / dass sie gern allein sein und allen andern belustigungen sich entziehen
wollte.
    Wie nun etliche tage verstrichen waren / inner welchen Arsas mit dem Borgias
nach Ninive abzoge /und bei hof / wegen der abwesenheit des Tiribaces /wegen der
Königin von Elam widersetzlichkeit / den Baleus zu heiraten / und wegen dieses
Prinzen liebe zu der Aramena / alles in stiller betrübnis schwebete: liesse sich
eines abends der Cimber / durch die Aramena / bei der Königin von Ninive
anmelden. Diese /weil sie leicht gedenken konnte / dass ihr geliebter Abimelech
diesem Prinzen ein gewerb an sie ihr aufgetragen hätte / beschiede ihn in den
garten / der an der Königin von Tyro schloss gebauet war: dahin sie sich allein
mit der Aramena begabe. Im hingehen begegnete ihr der Baleus / welcher ihr ins
ohr raunete / dass sie doch ihr versprechen nicht länger aufschieben wollte /ihre
Aramena zu seiner liebe zu bereden. Wie sie ihm nun dieses verheisen / und er
sie darauf wieder verlassen / sagte Delbois zur Aramena / ehe der Cimber ankame:
wie stehet es dann üm dich / wehrte Aramena? entdeckest du mir nichts von deiner
liebe? und ist der glückliche Dison so fäst mit dir verbunden / dass auch
deswegen der grosse Prinz von Assyrien muss zurücke stehen? Die bestürzte Aramena
wusste in der eile nicht / was sie auf diese frage antworten sollte / schwiege
derhalben stille / und gabe damit der Königin raum /also fortzufahren: Es ist
warlich des Prinzen von Assyrien sein ernst / dass er dich liebt / und seine
liebe ist so häftig / dass er keiner andern den Assyrischen tron gönnet. Bedenke
derowegen / ob iemals deine ehrsucht bässer könnte vergnügt werden / und ob ein
solches Glück auszuschlagen sei / das so wenig seines gleichen findet?
    Aramena wollte eben antworten / als Cimber dazu kame / und dissmal sie davon
befreiete. Die Königin wollte / dass Aramena dessen gespräche mit anhören sollte /
und befahle ihr deswegen / bei ihr zu bleiben. So bald sich nun dieser Prinz ihr
genähert / grüssete sie ihn / und fragte: ob er von dem Abimelech käme? Ich habe
meinen freund / (gabe er zur antwort /) neben dem betrübten Esau / bei ihrem
heer verlassen / und hat mir der Prinz befohlen / E. Maj. zu versichern /dass
zwar sein leib von hinnen geschieden wäre / sein geist und gedächnis aber
niemals den ort raumen werde / da die unvergleichliche Delbois sich befindet.
Nächst diesem hat er mir / auf der Prinzessin Cölidiane schreiben / einen
entwurf seiner antwort mitgegeben / solchen E. Maj. zu zeigen: ob sie selbige /
dem abgeschickten mohren / nach Cus wieder mitzugeben / belieben wollten. Hiemit
zoge er ein täfelein herfür /und überreichte solches der Königin / die ganz
begierig folgendes duraus lase.
              Antwort des Abimelech / an die Prinzessin Cölidiane.
Weil ich in der welt keine grössere freundin / als die Prinzessin von Caphtor
habe / als erfreue ich mich auch billig ihres ietzigen wolergehens / und der
edlen wahl / die der grosse Eridanus erwiesen / da er so scheinbare zeichen / dass
er so unvergleichliche tugend verehre / von sich gegeben. Der gerechte himmel
bestätige alles gute fürnemen / und verleihe der schönen Cölidiane die ihr mehr
als billig gebürende würde /grosse reiche unter ihrem gebot zu sehen. Ich werde
solche gute post dem dapfern Prinzen Ahusat in Edom hinterbringen / und mein
Glück in der wolgewogenheit meiner unvergleichlichen Prinzessin also zu
gebrauchen verlangen / dass dem grossen Eridanus damit an seinem recht nichtes
benommen werde / und ich ie desmal mich erweisen möge / ihren getreusten slaven
                                                                      Abimelech.
    Es ist schwer / (sagte die Königin / nach verlesung dieses schreibens)
hierinn zu rahten. Bekommet die Prinzessin keine antwort / dürfte es ihr sehr
nahe gehen. Entfähet sie aber diese / so sorge ich ein gleichmäsiges: und sehe
doch nicht / wie eine andere zu ersinnen wäre / die bei des Prinzen fästem
fürsatz /mich zu lieben / bestehen könne. Abimelech täte unrecht / (antwortete
Cimber) wann er anderst verfüre /als er tut / da er sich von der grösten
schönheit der welt geliebt sihet. So er / (sagte die Königin) der wahren
vernunft folgen wollte / wäre sein wahl viel edler / wann er die Cölidiane vor
mich liebete. Allein wir lassen uns nicht immer das nüzligste gefallen /und
unser sinn will darin zum öftern seine freiheit erweisen / dass er keinen raht
begehrt anzunemen. Cimber seufzete hierzu / ohne zu antworten: und als die
Königin das täfelein bei sich gestecket / fragte sie den Prinzen ferner / ob er
nicht die Ahalibama zu Naeman hätte gesprochen? Diese Prinzessin (antwortete er)
befindet sich wieder zimlich wohl auf / wiewol sie noch des bettes hüten muss /
und wird sie von der Calaride bäst bedienet. Sie ist / mit wiederfindung ihres
verlornen ritters Dison / wieder erfreuet worden / den man seit dem tage
gemisset / da E. Maj. ihren einzug hier in Damasco gehalten / und bezeuget sie
darob nicht geringe vergnügung. Indem Cimber dieses erzehlt / feurete Aramena an
/ dass Delbois so wohl /als Cimber / solches warnamen / daher die Königin zu ihr
sagte: wie wenig lässet sich doch die liebe bergen / und wie grosse verrätere
sind unsere augen: Ich bin /der Prinzessin wegen / erfreuet / (gabe Aramena zur
antwort) dass der Dison noch lebet / üm dessen verlust sie sonderlich betrübt
sich erwiesen.
    Nachdem hierauf der Cimber / nach noch etlichen gesprächen von dem geliebten
Abimelech / wieder abschied genommen / und die Delbois sich bei ihrer Aramena
wieder allein sah / liesse sie dieselbe an ihr zu bekennen / ob sie liebe?
Aramena hatte sich nie in grösserer anfechtung gesehen / und von häftiger liebe
zu ihrer Königin übernommen / fiele sie ihr zu fuss /und ganz aus sich selber /
sagte sie: wann ich läugnete / dass ich liebe / würde ich die gröste unwarheit
reden. Wann ich aber meine liebe eröfnen wollte /würde ich das gröste verbrechen
begehen. Sie wollte fortreden / aber die furcht machte sie verstummen. Die
mitleidige Delbois / welche aus ihrem tun die häftigkeit ihrer liebe abname /
wollte sie nicht mehr nötigen / hube sie derhalben auf / und sagte: Bedenke dich
wohl / Aramena! ehe du den Assyrischen tron ausschlagest. Mir ist zwar so gut
als jemanden bekant /was eine wahre liebe vermag / und wie die nichtes in der
welt ansihet noch achtet. Ist nun deine verbündnis mit dem Dison also fäst / so
muss ich es geschehen lassen. Ich sage aber nochmals: bedenke dich wohl /und
beschlaffe es diese nacht! morgen will ich deine Entschliessung / und was ich dem
Prinzen sagen soll /von dir vernemen.
    Mit diesem bescheid wurde Aramena für dissmal erlassen / da sich dann dieser
elende Dison nicht sobald in seiner kammer allein sah / da stellete er ihm sein
armseliges leben für / und wiederholte bei sich alles /was ihme / seit dass er
Aramena geheisen / widerliches begegnet war. Armseliger Dison! (finge er an mit
sich selber zu reden /) nun ist die zeit vorhanden / da dein betrügliches leben
ausbrechen / und du die straffe entfangen solst / von der jenigen / die du so
gröblich hast beleidiget. Alle die liebkosungen / die du von ihr genisest /
raubest du ihr ab wider ihren willen; und so sehr sie dich iezt als Aramena
liebt / so grausam wird ihr hass gegen dir entbrennen / wann sie erfäret /dass du
der Dison bist. Ach! wo bleibt deine wahre vernunft? wo ist dein grossmütiges
herz? wirst du nicht schamrot / dich länger also anzusehen? Dein vatterland und
die deinigen verlässest du / und schändest deine ehre / um die jenige zu
betriegen / die du so vergeblich liebest. Stehe demnach ab / von deinem
unmügligen beginnen. Bezwinge dich selbst / verlasse die hofnung / die
gegenliebe der schönsten Königin der welt zu erlangen / und gehe der jenigen aus
den augen / die du bisher in ihrer unschuld also geblendet.
    Nachdem er hierauf eine gute weile sich mit seinen gedanken unterredet / und
/ die unvergleichliche Delbois mit allen ihren vollkommenheiten ihme fürmalend /
mit ihm selber sich wohl zerkrieget / siegete doch endlich seine vernunft / dass
er sich selber überwande / und also herausbrache: Wolan / glückseliger
Abimelech! ich überlasse dir den platz / und stehe hiermit ab / etwas zu
begehren / das man dir schon so lang hat zuerkennet. Ich verbanne hiemit von mir
hofnung und liebe / weil sie die unmöglichkeit zum ziel haben / und meine ehre
dabei schiffbruch leidet. Ich will und muss mich frei machen / und in überwindung
mein selber erweisen / dass ich fehlen aber doch nicht unterligen können. Als
er nun dieses bei sich fäst gestellet / gedachte er auf mittel / wie er des
Prinzen von Assyrien liebe entgehen / und sich aus der Königin diensten frei
machen / auch was für eine lebensart er anheben wollte. Bei diesen betrachtungen
eräugeten sich erst die gröste schwürigkeiten / und fand er aller orten soviel
gefahr für sich / dass er nicht wusste / wozu er schreiten sollte. Sein ehmaliges
gelübde / das er der Isis in seinem noch irrigen glauben getan / vermeinte er
anderweit zu halten / wann er sich unter die priester des Melchisedech nach
Salem begäbe / üm also ewig seine Königin abwesend zu verehren.
    Hierzu nun zu gelangen / fiele ihm endlich ein /wann der ritter Dison / den
seine schwester bei ihr hatte / mit dem er vordessen / als Aramena / in ein
liebesgespräche gerahten / könnte dahin vermögt werden /sich mit ihm unter der
Aramena namen zu verehlichen: so würde er mit guter art von hof abkommen /der
Königin ungnade vermeiden / sein betrug verschwiegen bleiben / und also niemand
innen werden können / dass ein Fürst von Seir unter weibskleidern so lang in der
schönen Delbois frauenzimmer gelebet. Demnach beschlosse er / in der frühe / und
ehe noch der morgen anbräche / nach der Timna palast sich zu begeben / dieses
sein fürhaben ihr zu entdecken / und sie zu ersuchen / dass sie eiligst nach
Naeman zu der Ahalibama reisen / und ihr seine gedanken anbringen möchte / üm
durch sie ihren ritter dahin zu vermögen / dass der sie aus dieser noht errette:
dann selber kunte er / nach Naeman zu gehen / diesen tag nicht abkommen / weil
eben seine aufwartung bei der Königin einfiele.
    Es begunte nun kaum die nacht dem tage zu weichen / da wurde der Timna
angemeldet / dass die Aramena käme / sie zu beschuchen. Sie kunte leicht ermessen
/ dass so eine besuchung zu ungewönlicher zeit etwas sonderliches bedeuten würde:
deswegen sie sich gleich ermunterte / und die Aramena für sich kommen liesse. Ihr
erblasstes gesicht / neben den vielen seufzern / gabe bald zu verstehen / dass
bei ihr ein grosses anligen vorhanden sein müste. Wie sie nun allein waren /
sagte Timna zu ihr: Wie ist es hier beschaffen? drohet uns vielleicht ein neues
unglück? Ach wehrteste base! (antwortete die verstellte Aramena /) ich habe mich
überwunden / und mich endlich frei gemachet von den banden / mit denen mich
seiter / der unvergleichen Delbois wunderschein / gefässelt gehalten. Dass es
damit schwer zugegangen / solches erweiset meine gestalt / und komme ich iezt
hieher / euch zu bitten / dass ihr meiner schwester meine Entschliessung
überbringen / und neben ihr dem ritter Dison / der sich wieder bei ihr
eingefunden / meinen stand offenbaren / auch darbei dieses sagen wollet /dass ich
kein mittel sehe / der gefärlichen liebe des Prinzen von Assyrien zu entgehen /
als wann der Dison mich heurate / und mir also davon hälfe: der ich / meine
lebenszeit in des Melchisedech Gottesdienst zu Salem hinzubringen / beschlossen
habe. Meine Königin will diesen tag meine Entschliessung wissen / ob ich den
Prinzen von Assyrien oder den Dison erwehle. Demnach / mich aus dieser noht zu
bringen / will ich sagen / ich sei an diesen Dison versprochen. Ich kann aber
solches nicht eher tun / als bis ihr mir antwort zurücke gebracht / ob Dison
diesen meinen betrug befördern / und mich dergestalt aus meiner verwirrung
heraus reissen wolle.
    Timna / die dieses anbringen ihres bedrangten vettern wohl eingenommen und
erwogen / konnte kein bässers ersinnen / ihn aus diesem schimpf und unglücke zu
reissen / als eben dieses: verhiese ihm demnach / alsofort nach Naeman zu fahren
/ und zwar so eilig /dass gegen den mittag / wann die Königin aus den Assyrischen
geheimen raht kommen würde / sie wieder hier sein möchte. Sie zweifelte auch
nicht an guter verrichtung / weil der Dison ein freundesstück / dem bruder
seiner Prinzessin zu gefallen / leichtlich erweisen könnte. Hierauf liesse sie /
immittels der wagen angespannet wurde / sich ankleiden / und niemand als eine
dirne mit sich nemend / fuhre sie nach Naeman ab / die Aramena in guter hofnung
hinterlassend. Weil sie ihren pferden frisch zusprechen liesse / als kame sie mit
anbrechendem tag daselbst an / und ware im haus noch niemand auf / als ein
bedienter des Fürsten / der die Timna nach der Ahalibama gemach fürete.
    Als sie in die kammer eingetreten / fand sie die Astale / neben noch einer
ihr unbekanten person / in dem einen bette schlaffen ligen. Sie schliche
folgends nach dem andern bette / üm welches ümhänge waren /und hube gar leise
einen von denselben auf: da sie dann / mit höchster verwunderung / bei der
schlaffenden Ahalibama eine fürtreffliche schönheit ligen sah / aus der / sie
nicht wusste / was sie machen sollte. Als sie sich nun ferner in der kammer
ümgesehen / wurde sie gewar / dass eine mannskleidung auf einem schamel lage:
worüber sie sehr bestürzt / und nicht wissend / was sie hiervon gedenken sollte /
sich hinter das bette auf der Ahalibama seite niedersezte / üm zu erwarten / bis
sie erwachen würde. Kurz darauf sah sie / dass der Astale beischläffer aufstunde
/ und ein manskleid anlegend / aus der kammer ginge / deme die Astale bald
nachgefolget. Es stunde ferner nicht lang an / da wachete die schöne person auch
auf in der Ahalibama bette / legte männliche kleidung an /und schliche / üm die
Ahalibama nicht zu erwecken /gar leise aus der kammer. Die gute Timna meinte
nicht anderst / als dass dieses alles ein traum wäre /was sie sah. Sie war noch
in solchen gedanken begriffen / als sie vername / dass auch Ahalibama sich regte
/ und bald darnach den fürhang auf ihrer seite aufschluge / üm nach dem tag zu
sehen. Entsetze dich nicht / (sagte Timna zu ihr /) mich so früh allhier zu
sehen! dein bedrangter bruder ist ursach daran / dass ich diese unhöflichkeit
begangen. Die bestürzte Ahalibama erholete sich wieder / nach anhörung dieser
worte / und antwortete der Timna lächlend: du hast mich / liebste freundin! eben
so / wie ich ehmals dich / beschlichen. Ich vermute auch fast aus deinem
bestürzten aussehen / ich sei bei dir in eben dem verdacht / in welchem ich dich
damals hatte. Wie Timna nun nicht wusste / was sie antworten sollte / fuhre
Ahalibama fort: Gesteh es mir / hast du nit iemand bei mir im bette gefunden?
Weil du kein geheimnis daraus machest / (antwortete Timna /) will ich dir solches
nicht laugnen. Weist du aber / (fragte Ahalibama ferner /) wer dieser mein
beischläffer ist? Keines wegs /(sagte Timna /) und stehe ich fast an / darnach
zu fragen? Ich bin sowol als du schuldig daran / (wiederholte Ahalibama /) dass
durch unsere verschwiegenheit / die wir gegeneinender gehalten / ein solches
mistrauen in uns entstehen können. Du solst aber wissen /liebste Timna! dass ich
ia so künlich bei meinem ritter Dison schlaffen darf / als du bei deinem
Eliphas. Eliphas / (antwortete die verwundrende Timna /) ist mein mann. Und
Dison / (wandte Ahalibama ein /) ist meine vertraute herzensfreundin / die
Syrische Aramena. Was sagst du? fragte Timna / ganz bestürzet.
    Ich sage die warheit / (gabe Ahalibama zur antwort /) und will dir nun zu
wissen tun / was ich bisher für dir verschwiegen habe. Hierauf erzehlete sie
ihr alles /wie Aramena in mannskleidern / unter Disons namen / mit ihr aus Salem
hinweg gekommen / und beim einzug in Damasco verloren worden: da sie nun für
etlichen tagen / ganz unvermutlich sich wieder bei ihr eingestellet / aber ihr
nicht eröffnen wollen / wie es ihr in diesen sieben wochen ergangen wäre. Sie
will auch nichts davon hören / dass sie für die Syrische Königin erkant / und an
den Hemor sei getrauet worden /sondern trägt noch immer verlangen nach der Diana
tempel: dass sie also nicht ersinnen kann / was es mit dem / so der Tarsis
berichtet / für eine bewandnis habe.
    Timna hörte alles dieses mit grosser verwunderung an / und wie Ahalibama
hatte aufgehört zu reden /brache sie in diese worte heraus: O wunderbare
schickung des himmels! Ich komme iezt / für die verstellte Aramena / üm den
falschen verstellten Dison zu werben / oder vielmehr wegen des rechten Disons /
üm die rechte Aramena anzuhalten. Wie meinst du das? (fragte Ahalibama /)
erkläre mir doch diese dunkele rede. Hierauf erzehlte ihr die Timna / wessen der
verkleidete Dison sich entschlossen hätte: und machte damit die Ahalibama über
dieser abenteur ja so verwundert / als wie sie selber war. Die entschliesung
ihres bruders / von seiner unmüglichen liebe abzustehen / und seine gefärliche
lebens-art zu verlassen / erfreute sie zum höchsten. Diss mittel aber / sich von
des Baleus liebe zu retten / und mit ehren unentdeckt von hof zu kommen / fand
sie so sonderlich / dass sie es für eine ungemeine schickung des himmels halten
musste / welcher diese beide / die wegen ihrer gelübde einander nicht ehlichen
wollen / durch so frömde weise suchte zusammen zu bringen.
    Wie sie nun dieses werk lang und breit in ihrem gemüte überleget / sagte sie
endlich zu der Timna: In warheit / dieses kömt uns nicht von ungefär zu! der
himmel will vielleicht hierdurch / das gefallene Glück der Fürsten von Seir /
wieder erheben / und uns das in Syrien bescheren / was wir iezt in Seir
verlieren. Aramena ist gewisslich die Erbprinzessin dieses reichs /wie mich die
Fürstin Calaride / meine jetzige wirtin /ümständlich versichert. Könten wir
meinen bruder mit ihr verbinden / und ihn also zum Syrischen König machen / so
wäre unsers ganzen hauses wolfart dadurch geschmiedet. Es würde auch alsdann
mein vetter vergessen / dass er geschworen / seinen sohn dem Moloch zu opfern.
Ich habe dieses schon fürlängst bei mir ausgesonnen / und nun es also kommet /
muss ich es billig für eine himmlische schickung halten. Wie kann aber / (sagte
Timna /) diese verbindung geschehen /da Aramena / wie ich höre / der Diana sich
in den tempel verlobet / und er / üm die Königin von Ninive unverändert zu
lieben / ein Priester zu Salem werden will? Lass mich nur rahten! (gabe Ahalibama
zur antwort /) mir ist ein mittel bekant / welches diss unmügliche soll müglich
machen.
    Wie sie nun der Timna solches erzählen wollte /trate der schöne Diso zu ihr
in die kammer: der dann nicht wenig bestürzte / als er die Fürstin Timna
erblickte / welche er daselbst nicht vermutet hatte. Timna aber / die nicht
wusste / dass dieser schöne jüngling die Aramena wäre / sah die Ahalibama an / üm
sich hierüber bei ihr zu erkündigen. Ahalibama berieffe hierauf ihren vermeinten
ritter für ihr bette / und sagte zu ihm: Entsetze dich nicht / die Timna bei mir
zu finden. Ich bin ihrer treu und verschwiegenheit so wohl versichert / dass ich
ihr sonder gefahr deine heimlichkeit vertrauen dörfen: massen sie weiss / dass du
die Aramena bist / und hab ich ihr / weil sie uns beisammen im bette gesehen /
zu rettung meiner ehre /deinen stand entdecken müssen. Ist es müglich / (sagte
Timna hierauf / und ümarmete zugleich den schönen Dison /) dass ich die schöne
Aramena für mir sehe? Weil ich verrahten bin / (antwortete die verkleidete
Aramena) so will ich nicht laugnen / wer ich bin: und achte mich glücklich / die
Fürstin Timna zu sehen /als eine von den vertrautesten freundinnen meiner
Ahalibama.
    Hierauf / nachdem sie einander mit gewönlichen höflichkeiten begegnet /
sagte Ahalibama: Ich muss dir kund tun / liebster Dison! warüm die Timna iezt
hier ist; dann es dich fürnemlich betrifft. Verschliesse aber zuvor die tür /
damit uns niemand in unserer unterredung verstöre. Indem nun der angeneme Dison
/ solches zu verrichten / hinginge / raunete Ahalibama der Timna ins ohr / dass
sie sich nach ihrer rede / die sie fürbringen würde / richten / und alles
bekräftigen sollte. Wie nun Timna solches versprochen / und die verkleidte
Aramena die tür zugemacht / und sich auf der Ahalibama bette niedergesetzet
hatte / finge diese Prinzessin an / ihr die notturft zuzureden.
    Du weist / (sagte sie) liebste Aramena! dass die Königin von Ninive eine
jungfrau am hof hat / die deinen namen füret / mit der du auch zu Hemath / auf
gegebene anleitung des Chaldeers / in ein gespräche geraten / also / dass euch
iederman für verliebte personen gehalten. Diese jungfrau hat sich / gleich wie
du / in den tempel der Diana nach Ninive verlobet / und ist ja so beständig /
ihren irrrigen wahn nicht zu verlassen /unangesehen sie bei einer rechtgläubigen
Königin lebet / die mich Gott lob! bekehret / und auf den rechten weg gebracht
hat. Weil nun diese Aramena / von dem Prinzen von Assyrien / sehr mit liebe
verfolget wird / als hat sie kein anders mittel gewust / diese liebe zu hintern
/ als dass sie vorgewandt / sie wäre an dich / als an den ritter Dison / ehelich
versprochen. Dieses täte sie in der zeit / da du verloren warest. Nunmehr / da
du wiedergekommen / ist sie deshalben sehr beunruhiget: massen sie nicht weiss /
wie sie ihr vorgeben / dass ihr miteinander verlobt seit / behaubten soll / da
sie besorgen muss / du möchtest / wann du hiervon nicht unterrichtet würdest /
das gegenspiel bezeugen / und anderst als sie reden. Um des willen hat die
Fürstin Timna diss gewerbe von ihr übergenommen / ihre noht mir anzubringen / und
mich zu bitten / dass ich dich / als meinen ritter / dahin vermögen wollte / nicht
allein bei ihr liebe fürzugeben / sondern auch dich mit ihr öffentlich im tempel
trauen zu lassen / und nachgehends sie nach Ninive in den tempel der Diana zu
bringen: damit sie also ihr gelübde nicht brechen müsse / auch von dem Prinzen
von Assyrien abkommen könne. Die freundschaft / die diese Aramena und ich
miteinander gemacht / bringt sie zu dieser verträulichkeit / von mir diese
hülfe zu begehren: und finde ich solche für dich / zumal dadurch dein gelübde
nicht gebrochen wird / und du der Diana ewig getreu verbleiben kanst / so leicht
zu tun / dass ich schon gläube / deine Entschliessung werde meinem verlangen sich
gleichförmig erweisen / und diese meine freundin aus ihrer noht reissen.
    Wenn ich das jenige / (antwortete die verkleidte Aramena /) so du mir /
liebste schwester! iezt fürgebracht / recht bei mir überlege / so kann mein
gemüte sich nicht gnug darob verwundern / dass mit dieser Aramena es dahin
gekommen / in ernst / nach des Chaldeers vorsage / mein aufwärter zu werden
/gleichwie sie solches bisher im scherz gewesen. Ich erkenne hieraus der grossen
Diana regirung / die du zwar verachtest / und von der du abtrünnig worden bist.
Weil ich nun dieser göttin hierinn einen dienst tun kann / als bin ich erbötig /
dieser guten Aramena vorgeschlagener massen davon zu helfen. Nur fürchte ich /
in gefahr zu kommen / sowol weil ich dadurch mich zu des mächtigen Prinzen von
Assyrien mitbuler mache / als weil auch / wann ich also meine gestalt öffentlich
für allem volk im tempel sehen lasse / ich erkannt werden möchte / dass ich
Aramena und nicht Dison bin.
    Ich erfreue mich / (antwortete Ahalibama /) über deiner Entschliessung / und
kann dir deine dabei habende zwo beisorgen bald benemen / wann ich dir dartue /
dass der Prinz von Assyrien diese vermeinte heurat nicht hintern kann / weil die
Königinnen und alle Assyrier dieser seiner liebe zuwider sind; und dass kein
mensch dich für Aramena wird halten können /da du ja den bräutgam fürstellest /
und ohne das in dieser tracht sehr unkentlich bist. Ich ergebe mich gänzlich /
(sagte hierauf der schöne Dison /) in euer beider willen / und bin erbötig /
dieser Aramena zu lieb alles zu tun / was ich kann: massen ich ohndas solche
neigung zu ihr entfinde / dass ich verlange /meine lebenszeit mit ihr zu Ninive
hinzubringen. Die Timna hörete alles dieses mit an / ohne ein wort dazu zu sagen
/ und wunderte / wie es ablaufen wollte.
    Ahalibama aber fuhre fort / die verkleidte Aramena in ihrer gefasten
Entschliessung zu stärken; und ihr vorhaben zu vollenden / sagte sie: Sie erkenne
es nicht für nützlich / dass die andere Aramena erfüre /wie ihr ritter Dison in
der tat auch eine weibsperson sei; weil dieselbe / als dem Assyrischen hause /
und der Königin Delbois gar sehr ergeben / es nicht verschweigen / und also
ausbringen möchte / dass sie die Syrische Aramena wäre. Ob ich gleich diese
Syrerin nicht sein will / noch zu sein mir einbilde / (antwortete Aramena /) so
will ich iedoch hierinn / wie in allen sachen / deinem einraht folgen. Ich
vermeine zwar /meine künftige ordensschwester hätte küner mit mir im tempel sich
können trauen lassen / wann sie erfahren / dass wir eines geschlechtes seien: als
nun geschehen wird / da sie sorgen muss / ob ich nicht / als Dison / in warhafter
liebe gegen ihr entbrennen / und also /durch mein recht / so ich an ihr durch
diese trauung erlangen werde / ihr heiliges fürhaben hintern könnte. Diese sorge
hat sie nicht / (gabe die Ahalibama zur antwort /) weil ich ihr stäts von dir
fürgesaget / dass du gewillet seist / ein Isis-priester zu werden: daher ihr
vertrauen gegen dir sich auch vergrössert / weil sie dich ihrem sinne so
gleichförmig erkennet.
    Wolan dann! (sagte Aramena /) tue mit mir / was dir gefället / und sei
versichert / dass du nicht eher und bässer mit mir / wegen des abfalls von deinem
gelübde / kanst ausgesönet werden / als wann du mir / wie du vorhast / wirst
förderlich sein / mein langes verlangen nach der Diana tempel zu erlangen / und
der Celia die sorge zu benemen / die sie iezt über meiner abwesenheit entfindet.
Wann deine trauung (antwortete Ahalibama /) mit der Aramena geschehen ist / so
will ich dir hernach alle mögliche hülfe leisten / dein gelübde zu vollziehen:
unangesehen ich / in deinen orden mit einzutreten / niemals verlange. Hierauf /
als Ahalibama mit der Timna / welche sehr eilete / allein zu reden / sich
begierig erwiese / verliesse sie beide der schöne Dison / nachdem er / der
Aramena begehrter massen davon zu helfen / ihnen sein versprechen nochmals
wiederholet und bestätigt hatte.
    Wie nun die beide Seirische Fürstinnen sich wieder allein beisammen befanden
/ und eine weile einander angesehen / fragte die Timna: was wird dann hieraus
werden / und was soll ich deinem bruder wieder sagen? Siehest du nicht / wehrte
Timna! (antwortete Ahalibama) was ich zu stiften entschlossen bin? Mein bruder
und diese Prinzessin sollen einander heiraten /wider ihr eignes wissen / und
hast du ja nun mit angehöret / was ich ihr gesaget / und worzu sie sich erkläret
hat. Nun ist noch übrig / üm diesen unsern betrug vollends auszufüren / dass du
meinem bruder eine schickliche antwort bringest. Wie soll sie aber lauten?
(fragte die begierige Timna) dann diss ist es eben /worinn ich anstehe: und sehe
ich nicht ab / wie Dison werde dazu zu bringen sein / dass er seine Königin /üm
der Prinzessin Aramena willen / die er ja für ihre und ihres hauses feindin
halten muss / verlasse / und diese betriegliche heurat eingehe. Ich will meinem
bruder schreiben / (sagte Ahalibama) was ich ihme hievon zu wissen nötig
erachte. Als sie hierauf ein täfelein ihr langen lassen / schriebe sie darein
folgende zeilen.
          Schreiben der Prinzessin Ahalibama / an ihren bruder Dison.
Timna hat mir eure Entschliessung entdecket / neben eurem anschlag / von hofe und
von des Prinzen von Assyrien liebe abzukommen. Ich erfreue mich herzlich über
euren vorsatz / wie auch / dass ich selbigen bei meinem ritter Dison werkstellig
machen können /ohne ihm zu sagen / dass ihr nicht Aramena seit. Er hält euch noch
für dieselbige / und weil er ein Isis-priester zu werden gelobet / und ihm
eingebildet / dass ihr nach Ninive in der Diana tempel strebet / als machet er
ein sonderbares gutes werk daraus / euch als seiner ordensschwester zu eurer
erlösung zu dienen /und durch diese heurat euch von dem Assyrischen Prinzen zu
erlösen. Ich habe diss für zuträglicher gehalten / als ihme zu offenbaren / dass
ihr so lang unter weibskleidern in der Königin von Ninive frauenzimmer gewesen:
weil solches grosse gefahr nach sich ziehen dörfen. Nunmehr aber wird er nicht
eher erfahren / was geschlechts ihr seit / als wann eure trauung wird geschehen
sein. Timna wird euch hievon mehr sagen /und hoffe ich es selber zu tun / wann
ihr morgen die vergnügung mir gönnen wollet / allhier zu besuchen eure getreue
schwester
                                                                      Ahalibama.
    Nachdem sie dieses geschrieben / liesse sie es die Timna lesen: die dann
hierdurch völlig unterichtet wurde / und nun alles begriffe / wie diese
wunderheurat von statten gehen könnte / welche sie / mit der Ahalibama / für ihr
ganzes haus nützlich achtete: sonderlich wann Aramena die Syrische Erbkönigin
sein sollte / dessen sie Ahalibama für gewiss versicherte. Es ist dieses (sagte
die Prinzessin) nur der anfang von dem grossen fürhaben / so mir der himmel in
den sinn gegeben / ünd wird noch viel nötiges dabei zu überlegen sein /
sonderlich / was nach der heurat vorzunemen sei. Ich vermeine / dass der Calaride
und ihres herrn hülfe alsdann uns gar nötig sein werde / dem Dison auf den
Assyrischen tron zu verhelfen. Wir können dieses / ohne unsere liebe Königin zu
beleidigen / fürnemen: weil wir wissen / dass sie nicht vom Assyrischen hause
entsprossen / und also lieber der rechten erbin / als dem Belochus ihrem
verfolger /dieses reich gönnen wird. So wäre ja wohl dienlich /(fügete Timna
hinzu) dass man der Königin gleich hiervon eröfnung täte. Keines wegs! (wandte
Ahalibama hergegen ein) die Königin wird nicht eher / wie Dison sie betrogen /
vergessen können / als wenn er geheuratet / und ihr nicht mehr / als die
betriegliche Aramena / für augen geht: dann sie keinen augenblick die Aramena
mehr üm sich leiden würde / wann sie wüste / dass sie ein mann wäre.
    Wie sie nun mit dergleichen unterredungen / diesen grossen anschlag
betreffend / etwas zeit zugebracht hatten / schiede Timna wieder von dannen /
nachdem sie zuvor auch die Fürstin Calaride angesprochen /und eilete / was sie
kunte / nach Damasco zurücke: da sie die verstellte Aramena / in dem vorsaal der
Königin von Tyro / bei welcher die Königin von Ninive im geheimen raht war / mit
schmerzen ihrer warten fand. Sie gingen gleich miteinander in ein cabinet / da
sie sich verschlossen / üm in ihrem gespräche nicht verhintert zu werden. Es
erwiese aber der verkleidte Dison / wie er so wohl mündlich von der Timna / als
schriftlich von seiner schwester vername / dass sein anschlag auf das bäste von
statten ginge / fast mehr unruhe / als er mochte zuvor getan haben: und gabe er
der Timna nicht unklar zu verstehen / dass sich einige reu bei ihm regete /
solchermassen seine Königin zuverlassen. Timna bemühete sich / soviel sie konnte
/dieses wieder-anglimmende feuer auszuleschen: dass also endlich die wahre
vernunft völlig die oberhand in ihm behielte / und die ehrsucht seine
liebesregungen übermeisterte. Demnach verharrte er in dem vorsatz /seiner
Königin diese antwort und erklärung zu bringen: wie dass er / als Aramena / an
der Prinzessin Ahalibama ritter den Dison versprochen sei / und nun nichtes mehr
/ als die vollziehung der heurat / zu verlangen habe.
    Mittlerweile aber diese beede hievon sich unterredeten / wurde von eben
diesen dingen bei den Königinnen im geheimen raht gehandelt: da die von Tyro
/neben allen grossen von Assyrien / der gelegenheit sich bedienten / da eben der
Prinz Baleus nicht zugegen / sondern auf der jagt war / der Königin von Ninive
zuzureden / dass sie ihre jungfrau Aramena abschaffen wollte / die der Prinz so
häftig liebete: massen die stände nimmermehr zugeben würden / dass sie dermaleins
in Assyrien regiren sollte. Delbois widersetzete sich zwar diesem anmuten / und
name es übel / dass man ihr vorschreiben wollte / was sie mit ihren leuten
vornemen sollte. Weil sie aber eines teils die widersetzlichkeit ihrer Aramena in
dieser heurat / und anders teils die gefahr / so daraus entstehen könnte /wenn
dieserwegen die Assyrier eine unruhe anfahen /und mit gewalt / wie ihrer etliche
sich verlauten liessen / die Aramena entfüren würden / betrachtete: als verhiesse
sie der Königin von Tyro / wie auch dem stattalter von Syrien / welcher sich
dieser sache am meisten anname / dass sie ihre Aramena dem Prinzen von Assyrien
wollte aus den augen kommen machen. Man lage ihr darauf ferner an / dass sie der
Königin von Elam / (welche auch nicht mit im raht war / weil sie mit diesem
vorstehenden krieg nichts zu tun hatte /) zureden wollte / den Prinzen von
Assyrien zu lieben. Sie entschüldigte sich aber damit / dass sie bereits solches
/ und zwar vergeblich / versuchet: mit dem anhang / sie sehe nicht / wie diese
Königin könnte dazu beredet werden / da ja der Prinz keine liebe gegen ihr
erwiese.
    Wie nun damit diese ratschlagung sich geendet /und die Königin von Ninive
nachgehends bei ihrer Aramena sich allein sah / hatten sie beiderseits nicht
das vermögen / einander zu sagen / was sie wollten. Dann die Delbois / aus liebe
zur Aramena / innigst verlangte / sie Königin von Assyrien zu sehen: hingegen
Aramena / mit dem höchsten widerwillen / die gefaste Entschliessung / den Dison
zu ehlichen / der Königin fürbringen musste. Endlich / wie dieses betrübte
stillschweigen eine gute weile gewäret / fragte die Königin: was dann Aramena
nun beschlossen hätte? ob sie wolle den Baleus / oder den Dison wählen? Ob ich
wohl / (gabe Aramena zur antwort /) mit dem höchsten himmel beteuren kann / dass
ich / meine lebenszeit allein bei E. Mai. zuzubringen / herzinnigst verlänget so
bin ich doch / durch das unänderliche geschicke /in solchen zustand gesetzet /
dass ich mich ganz fäst an den Dison verbunden sehe / und ihn unmüglich verlassen
kann. Die verlierung der Assyrischen kron /geht mir nicht so tief zu herzen /
als dieses / dass ich nicht von dem Dison mich scheiden kann: dann dieser allein
raubet mir mein Glück / in E. Maj. diensten zu sterben. E. Maj. erlauben mir
demnach / (dieses sagend / fiele sie ihr zu fuss /) dass ich meine jetzige
glückseligkeit verlassen / dass ich mich mit dem Dison hinweg begeben / und den
verlust meiner gehabten vergnügung ewig beweinen möge.
    Die viele seufzer und tränen verwehreten ihr / weiter fortzufahren / und wie
sie auf befehl der Königin wieder aufstehen müssen / sagte dieselbe zu ihr: Ich
bin froh / liebste Aramena! dass deine wahl meinem willen entgegen ist. Dann ich
soviel unmögligkeiten sehe / dich Königin von Assyrien zu machen / dass es mir
noch näher gehen sollte / wann mein zusprechen dich hätte überreden können /
etwas zu hoffen / dass ich dir hernach nicht zu halten vermöchte. Alle Assyrier
sind solcher heurat zuwider / und habe ich mich iezt bei ihnen müssen anheisig
machen / dass ich dieser liebe des Prinzen entgegen sein wolle. Liebe derohalben
deinen Dison / und versihe dich von mir keines andern / als dass ich deine
verehlichung will befördern helfen. Ich entziehe mir zwar ungern / bei meinem
ietzigen zustande / dein verträuliches einraten. Aber was hilft es? mein
geschicke will es also haben / dass / bei meinem andern leiden / ich auch meiner
vertrauten freunde entraten muss.
    Nicht allein des Disons zustand (gabe Aramena zur antwort /) erfordert es /
dass er eiligst mich heurate /und mit mir von hinnen ziehe: sondern auch die
häftigkeit des Assyrischen Prinzen will es haben / der nicht eher meiner
vergessen wird / als wann er mich nicht mehr sihet. Man muss dem Prinzen / (gabe
Delbois zur antwort /) von dieser deiner verheuratung nichtes sagen: damit nicht
seine häftigkeit / wider den Dison ihn etwas beginnen mache. Ich will mit dem
stattalter von Syrien hiervon reden / wie es anzufahen sei / dass man den
Prinzen solang aus Damasco entferne / bis eure trauung und darauf folgende
abreise geschehen sei. Ach grausamer abschied! (hube Aramena seufzend an zu
klagen /) wie wird mir doch zu sinne / wann ich an denselbigen gedenke! Wann du
/ (sagte Delbois /) den Dison recht liebest / wirst du meiner bald vergessen.
Ich aber erlange / durch deine entfernung / anders nichtes / als unruhe / und
den verlust einer so treuen vertrautin in meiner liebe. Ich liebe meine Königin
/ (antwortete Aramena /) tausendmal mehr / als den Dison / und wollte ihn / ja
alle welt darum geben / wann es möglich sein könnte / bei E. Maj. zu bleiben. Ich
verliere alles / wann ich E. Maj. nicht mehr sehen soll. E. Maj. aber verlieren
an mir nichtes / als eine untüchtige dienerin / die darin betrüglich ist / dass
E. Maj. sich von ihrem einrahten und verstande mehr eingebildet / als sie in der
tat besitzet. Ich weiss / was ich an dir gehabt / (sagte Delbois /) und wie ich
dir mein ganzes Herz eröffnen dörffen: welches im leiden ein grosser trost ist /
wann wir einen haben / der uns die last tragen hilfet.
    Dieses sagend / ümarmte sie die Aramena: welche dann schier vergessen hätte
/ wen sie vorstellte / wann nicht / zu ihrem Glück / die Timna wäre dazu
gekommen. Diese nun begabe sich mit in das gespräche /und eröffnete der Königin
den zustand der Ahalibama: welche zu besuchen / sie den folgenden tag benamete.
Timna bate für die Aramena üm verlaub / dass die etwas früher nach Naeman sich
begeben dörfte: weil Ahalibama sie zusprechen verlangte / und hierzu hernach /
bei sovielen leuten / keine gelegenheit erscheinen würde / so wohl bei ihr / als
bei dem Dison allein zu sein.
    Wie die Königin solches verwilligt hatte / liesse sich der mohr bei ihr
anmelden / der von der Prinzessin Cölidiane die briefe gebracht hatte / und nun
gern seine abfärtigung haben wollte. Wie nun die schöne Delbois ihn für sich
kommen lassen / musste er ihr alles erzählen / wie es dieser Prinzessin / auf
ihrer reise von Damasco / mit dem König Eridanus ergangen: da dann sein ganzer
bericht darin bestunde /dass er nicht genug die häftige liebe seines herrn zu
dieser schönen Prinzessin beschreiben kunte / und wie sie seiner so gar mächtig
wäre / dass sie alles zu erlangen vermöchte / was sie begehrte. Wie er dann / ihr
zu gefallen / gleich beschlossen / so wohl den krieg dem König von Canaan / wegen
des bedrangten Melchisedech / anzukündigen / als der Königin von Ninive wider
ihre feinde / mit kriegsvölkern beizustehen. Ich bin dieser guten Prinzessin /
(sagte die schöne Delbois /) höchlich hierüm verbunden / dass sie mir einen so
grossen König zum freund erworben / und will ich meine danksagung gegen ihr
schriftlich ablegen / auch solches / zu beförderung eurer wieder abreise /
beschleunigen. Man trägt freilich (antwortete der mohr) nach meiner wiederkunft
ein grosses verlangen / und habe ich meinen König auf den gränzen seines reiches
verlassen: da er noch ein und anders zu verordnen hat / ehe er in der
Königlichen haubtstadt Naphis seinen einzug halte / dem ich dann gern beiwonen
wollte.
    Ihr sollet gleich / (sagte die Königin /) eure abfärtigung haben! Damit
liesse sie ihn bei der Timna und Aramena / und begabe sich in ihr cabinet: da sie
dieser ihrer lieben mitbulerin schreiben / neben des Prinzen Abimelech antwort
an sie / zum öftern überlase /und lang unschlüssig verbliebe / wie sie dieser
unschuldigen Prinzessin antworten sollte. Sie länger in dem betrug zu erhalten /
die liebe des Abimelech ihr einzubilden / und deswegen der liebe des grossen
Eridanus sich zu widersetzen / befande sie für unzulässig und sündlich. Demnach
beschlosse sie endlich / ihr alles zu offenbaren / und sezte den griffel an. Es
wollten aber die worte nicht nach ihrem sinne fliessen / und schmerzte sie es
allzusehr / sie also zu betrüben /indem sie ihr fürstellte / wie nahe es ihr
gehen würde /wann sie dergleichen post von ihrem Abimelech bekommen sollte. Doch
brachte sie letzlich einige zeilen zuwegen / welche also lauteten.
 Antwortschreiben der Königin Delbois von Ninive / an die Prinzessin Cölidiane.
Die liebe / die ich zu meiner wertesten Prinzessin trage / ist dermassen gross /
dass / wann es müglich wäre / ich mein leben in ihren diensten dahin geben wollte.
Und weil ihre ruhe mir ja so lieb ist / als die meinige / als beklage ich wohl
von herzen / dass für alle woltaten / die ich von der unvergleichlichen
Cölidiane entfangen / ich gezwungen werde / meine erste dankbarkeit / für die
von dem grosmütigen Eridanus erlangte hülfe / darin zu erweisen / dass ich ihr
entdecken muss / wie Abimelech das Glück nicht annemen kann / so meine Prinzessin
für ihn bestimmet. Keine untreu noch unbeständigkeit dieses Prinzen ist schuld
hieran / sondern sein unglück / das er eine andere eher / als die schöne
Cölidiane gesehen / und ihr / wegen gar zu wichtiger und nötiger
verschwiegenheit / zu Salem nicht entdecken dörfen / was ihn unfähig mache / des
Königs Melchisedech und seiner eltern begehren zu erfüllen. Weil es nun scheinet
/ dass der grosse Eridanus für meine Prinzessin bestimmet sei /als bitte ich / des
Abimelech / nimmermehr aber meiner zu vergessen / und zu gläuben / dass der
würdigsten Königin von Cus ergebenste dienerin sterben werde
                                                                        Delbois.
    Zu diesem Schreiben bande sie des Abimelech seines / voll unruhiger
betrübnis / und liesse hierauf den mohren wieder für sich kommen: dem sie / wegen
der überbrachten post von den hülfvölkern / die sie zu erwarten hatte / ein
statliches kleinod verehrte / und ihm die briefe zustellte / dieselben der
Prinzessin Cölidiane zu bringen. Nachdem er auch bei der Jaelinde sich anmelden
lassen / und von ihr gleichfalls abgefärtigt worden / reisete er wieder von
Damasco ab: nicht wissend / was gute post für seinen König / und was unangeneme
zeitung für die Prinzessin Cölidiane / er mit sich fürete.
    Folgende morgens / begabe sich der betrübte Dison / unter der Aramena
kleidern / zu pferd / nach Naeman zu reiten / durch etliche von der Königin
wacht begleitet. Er fand daselbst seine schwester / die Prinzessin Ahalibama /
in erträglichem zustande: indem /die angewandte mittel des wundarztes / soviel
bei ihr verfangen / dass sie bereits auf den schenkel wieder treten konnte / und
nicht mehr des bettes hüten dorfte. Der schöne Dison war eben bei ihr im gemach
/ als diese Aramena ankame; weswegen Ahalibama zu lachen begunte / und zu ihrem
ritter sagte: Sehet ihr wohl / Dison! hier kommet euer aufwärter / euch zu
besuchen. Ich erweise billig meine freude / (finge Aramena hierauf an zu reden
/) den schönen Dison wieder zu sehen. Und weil ich von der Timna verständigt
worden / wie eure grosmut / edler ritter! so vollkommen sei / dass ihr wollet die
barmherzigkeit an mir erweisen / mir in meinem gelübde zu dienen / und mich
fördern zu helfen / dass ich von hinnen weg komme: als lege ich hiemit meine
dankbarkeit ab / und erkenne mich dafür ewig eure verbundene.
    Ich achte mich schüldig / (antwortete der schöne Dison /) meiner Aramena
diesen dienst zu leisten /weil unsere beiderseits getanes gelübde uns dahin
verbindet / einander zu dienen: und wüste ich fast nicht / ob auser dem ich
nicht lieber eine warhafte /als falsche / trauung zwischen uns wünschen würde.
Ahalibama hörte mit vergnügen zu / wie ihr ritter so artlich seine person
spielte / und gabe Aramena hierauf zur antwort: weil uns unsere gelübde aller
weltlichen liebe unfähig machen / als müssen wir nichts verlangen / als was uns
werden kann / und durch diesen betrug uns in die ruhe setzen / die wir
beiderseits verlangen. Nimmermehr wird eure begierde (sagte Dison /) grösser sein
/ als die meinige / diese ruhe in unserer Diana tempel zu erlangen.
    Ich sollte zwar euch beiderseits (finge Ahalibama hierauf an) mehr ab- als
anmanen / eur gelübde zu halten / da ich nun einen und andern bässern glauben
angenommen. Allein / weil ich eure hartnäckigkeit sehe / ritter Dison! und mir
eure unruhe / wehrte Aramena! lasse zu herzen gehen / als gebe ich nach / dass
ihr beiderseits tut / was euch gefället. Ich verlange aber / von Aramenen zu
vernemen / ob eure Königin hiermit einstimme / dass euch mein ritter heiraten und
von hinnen wegfüren dörfe? Meine Königin (antwortete Aramena /) ist mit allem
friedlich / zumal da sie sihet / wie die Assyrier mich verfolgen / solang sie in
der einbildung stehen / ich würde ihren Prinzen bekommen. Dannenhero eilet sie
mit unserer trauung /und hat ihr fürgenommen / mit den Stattalter alles /was
darzu vonnöten sein wird / abzureden. Sie hat mich aber daneben mit ein- und
anderem gewerbe beladen / die ich meiner Prinzessin in geheim anbringen soll:
womit sie dann hieher mich füran geschicket /und ist sie willens / diesen
nachmittag selbst heraus zukommen / die Prinzessin zu besuchen.
    Ahalibama / die wohl merkte / dass es ihrem bruder schwer fiele / sich länger
also zu verbergen / winkte ihrem ritter / sie beisammen allein zu lassen. Wie
nun dieses geschehen / und der verkleidte Dison künlicher reden dorfte / sagte
er: Ach liebste schwester! wie verwirrt und elend ist eures armen bruders
zustand! Ich habe erlanget / was ich will / und erwerbe dadurch nichtes / als die
grausamste abwesenheit meiner Königin / und ihren ewigen verlust. Nicht klage
ich euch dieses / dass mich gereuet / was ich iezt tue: dann ich wohl sehe / dass
meine ehre nicht anderst / als auf diese weise / kann gerettet / und der Königin
zorn vermittelt werden. Aber / wehrte Ahalibama! was meint  ihr wohl / dass Dison
nach dieser entfernung beginnen / und wie ihme möglich sein werde / ohn seine
Delbois zu leben / und von ihr zu vernemen / dass sie ein glücklicher mitbuler in
seinen armen habe / inzwischen ich todesqual ausstehe? Solte nicht alsdann die
verzweiflung in mir die oberhand gewinnen? und kann auch mein zustand mit einigem
jammer in der welt verglichen werden.
    Was die ehre zum zweck hat / (antwortete Ahalibama) hat auch die tugend zum
geleitsman / und ist also mit einem so starken gehülfen vergesellschaftet / dass
sie mit demselben auch unmügliche dinge auswirken kann. Euer vorsatz / liebster
bruder! hat mich höchlich erfreuet / und bin ich dessen warhaftig versichert /
dass ihr alles euer betrübnis und ietziges anligen vergessen werdet / wann ihr
nicht mehr hier / sondern bei eurem ordensbruder dem Dison / euch befindet. Wann
ich dieses nicht so gewiss hoffete / so würden mir eure klagen weit tiefer zu
herzen gehen / und ich mich höher üm das betrüben / was ihr leidet. Aber ich
weiss / dass eure ruhe bald angehen wird / und dass der himmel ermüdet ist / euch
zu verfolgen.
    Der betrübte Dison beseufzete dieses / ohne zu antworten: und wie sie noch
in solchem gespräche waren / kame die Calaride dazu / die Fürstin Mehetabeel
mitbringend / welche aus Damasco sich dahin begeben hatte / die Ahalibama zu
sehen. Diese vermeldete / wiedass die Königin von Ninive / und viele andere
Prinzen und Prinzessinnen aus Damasco ihr nachfolgen / sie zu besuchen. Es
stunde auch nicht lang an /als diese grosse und fürtrefliche gesellschaft ankame:
die der Zophar von Naeman / neben seiner gemalin /mit grosser ehrerbietung
entfinge / und zu der Ahalibama in die kammer fürete. Die schöne Königin
erfreute sich neben andern / die Prinzessin von Seir wieder so wohl aufzufinden.
    Unter andern gesprächen / kamen sie auch auf den Esau zu reden: da dann
niemand war / der sein unglück nicht höchlich beklagte / dass er so jämmerlicher
weise seine frauen verlieren müssen. Mehetabeel selber / so verbittert sie auf
den Esau war / konnte der ihrigen beginnen nicht billigen / und betaurete
fürnemlich die Mahalaat / als mit deren sie gar wohl bekant gewesen. Mamellus
bejammerte den tod der Fürstin Judit / die auch von der Ahalibama beklagt wurde
/weil sie ihres Eliesers schwester war. Auch die Timna / ob sie gleich / in so
grosser gesellschaft / das anteil nicht gestunde / das sie an der Ada als ihrer
schwieger mutter hatte / kunte nicht unterlassen / diese Fürstin zu beweinen.
Wer betauret aber / (finge die Königin von Ninive an) den unglücklichen Fürsten
von Edom? der mehr mitleiden verdienet / als die drei ümgekommene Fürstinnen /
die ihrer qual abgekommen / und grossmütig gestorben sind: da hingegen er noch
alles das leidet / was man wegen eines so grosser verlustes ausstehen muss.
    Die warheit zu bekennen / (sagte Baleus /) so dünket mich / dass der grosse
Edom wohl zu trösten sein werde / wann er nur an die Ahalibama gedenket: dann
dieselbe so wohl ihn seines verlusts vergessen machen / als seine rache gegen dem
hause Seir vermindern wird. So begierig ich bin / (antwortete die beschämte
Ahalibama) dieses lezte zu verwehren / dass nicht /des Esau billiger eifer / mit
den meinigen den garaus spiele / so ungern würde ich ihm ursach geben / dass er
nicht seine tugendhafte gemalinnen betaure: und hoffe ich nicht / dass ich / als
eine von Seir / werde können in seinen gedanken schweben / nun er von den
meinigen so hoch beleidigt worden. Dieser Meinung bin ich auch / (sagte
Tarasile /) und halte dafür /Ahalibama tue bässer / wann sie dem jenigen keine
hofnung in der liebe gibet / der unmöglich den ihrigen kann gewogen sein.
Vieleicht aber / (sagte die Königin Delbois) könnte die liebe / so Esau zu
Ahalibama träget / seinen hass austilgen / den die ihrigen verdienet /und einen
beständigen frieden in Seir zu wege bringen? Ob ich gleich / (versezte Ahalibama
/) mein gelübde / nach Ninive in der Diana tempel zu gehen /nicht halten darf /
so bleibet dennoch dieser mein vorsatz beständig / nimmer zu heiraten: worinn
ich der Prinzessin von Ophir getreulich nachfolgen will. Unsere ursachen hierzu
(sagte Indaride seufzend) sind so erheblich / dass dieselben niemand ümstossen /
noch uns darüm verdenken kann. Amraphel und Elieser sind wohl würdig / dass wir sie
ewig beweinen. Diesen vorsatz (wandte Tarasile dargegen ein /) können wir nicht
fäste stellen / weil wir nicht unserer sinnen und des willens gebietere sind /
sondern nach dem willen des himmels uns lenken und annemen müssen / was der über
uns beschlossen und versehen hat. Ich falle der Stattalterin bei / (sprache die
Königin /) und hoffe / des himmels wille werde hierinn beschaffen sein / wie ich
es wünsche.
    Unter diesem gespräche / sonderte sich Baleus von der gesellschaft ab / üm
bei seiner Aramena zu sein: von deren Entschliessung er noch nichtes wusste / weil
die Königin von Ninive es sehr heimlich für ihm hielte / damit er keine
hinterung darzwischen bringen möchte. Zwar hatte sie ihm / ohne den Dison zu
nennen / fast alle hofnung schon benommen / in seiner liebe etwas zu erlangen:
daher dieser verliebter Prinz sich ganz betrübt zu der Aramena nahete / und ihr
ihre härte fürruckte / die sie / in ausschlagung seiner liebe / bezeugte. Ich
verneme / (sagte er zu ihr /) dass meine schwester / die Königin / über euer
felsenherz nichtes erlangen könne / und ihr ohn erbarmen den Baleus in die grube
bringen wollet. Diss ist es eben /was der Prinz von Assyrien mit mir zu tun
gedenket: (gabe Aramena zur antwort /) weil dessen liebes-bezeugungen mir aller
Assyrier hass aufladen / und ich meines lebens nicht sicher bin / wann der Prinz
/ solcher gestalt mit mir ümzugehen / fortfahren wird.
    Mamellus / der auf alle weise und wege der liebe des Prinzen hinterlich sein
wollte / kame eben dazu /als Baleus dieses beantworten wollte / und verstörte also
dieses gespräche: womit er den Prinzen so ungedültig machte / dass er nicht
länger zu Naeman bleiben wollte / sondern von dar auf ein jagen ritte / welches
man / ihm zur lust / zwischen Naeman und Damasco angestellet hatte. Mamellus
bliebe / üm mit den Zophar und der Calaride noch etwas zu reden / nur mit dem
Cimber und Elihu zurücke / und stellte selbiger sich gegen den Fürsten und
dessen gemalin so verträulich an / als wäre zwischen ihnen niemals etwas
ungleiches fürgegangen. Er befragte sie zum ümständlichsten / wegen der
Syrischen Aramena / die er bisher für seine tochter gehalten / und bezeugte
sonderbares vergnügen / als ihn die Calaride nochmals versicherte / dass es mit
auswechselung der beiden kinder also wäre zugegangen / wie Hemor von dem Tebah
sich berichten lassen. Eine sonderbare freudigkeit und munteres wesen /
erschiene hierauf etliche tage aus allem seinem tun: also dass die ienige / die
ihn bisher deswegen in sorgen gesehen / über so plötzlicher änderung sich nicht
gnug verwundern konten. Elihu / so der vertrauteste seiner geheimnise war /
wusste selber nicht / wohin er diese freudigkeit deuten sollte; und wie er anlass
genommen / den Mamellus hierüm zu befragen / raunete der ihm ins ohr: er sollte
nur noch wenig tage verziehen / so wollte er ihm wunderdinge offenbaren.
    Indem dieses also zwischen dem Mamellus und Elihu fürginge / unterhielte die
schöne Delbois die Ahalibama noch mit gesprächen / die verheuratung ihrer
Aramena mit dem ritter Dison betreffend / und bezeugte ihr verlangen / den
ienigen zu sehen / den ihre Aramena liebte. Ahalibama aber / die wohl wusste /dass
er nicht würde bei der hand sein / weil die anwesenheit des Mamellus und der
Tarasile ihn furchtsam gemachet / entschüldigte dessen abwesenheit. Nach
eingenommener malzeit / welche Zophar auf das herrlichste zubereiten lassen /
machte die Königin von Ninive nebst der ganzen gesellschaft sich wieder auf
/nachdem Ahalibama / auf gutbefinden des arztes / ihr in wenig tagen zu folgen /
verheisen hatte.
    Wie sie nun unterwegs durch den wald kamen / da der Prinz von Assyrien
jagete / ersah Aramena / welche neben dem Cimber etwas für der Königin und der
Prinzessinnen wägen füraus ritte / zwei grosse bären /die gejaget wurden / und
ihren lauf dazu vorbei namen. Sie beredeten sich gleich / diese tiere zu
verfolgen: weswegen jeder von ihnen seinen wurfpfeil ergriffen / den bären
nachsezte / die sich vonsammen gaben / und also den Cimber und die Aramena auch
voneinander sonderten. Weil nun das eine von diesen tieren einen zimlichen
fürsprung hatte / als wurde der Aramena pferd schier ganz ausgemüdet / ehe er
den bären einholete: welcher / sich in solcher gefahr sehend / sich gegen seinen
verfolger ümkehrte / und auf die Aramena mit aller wut los ginge / aber von ihr
also entfangen wurde / dass ihme muht und blut auf einmal entginge. Aramena ganz
erhitzet / stiege hierauf vom pferd / bande solches an einen baum / und ginge
hin nach einem bach / den sie rauschen hörte /um ihren durst zu stillen.
    Kaum aber ware sie dahin gekommen / da sah sie zwo personen / in vollem
harnisch / an diesem bache ligen / welche schienen / als wann sie schlieffen /
und stunden ihre pferde nicht weit davon angebunden. Aus ihrer tracht kunte
Aramena leicht urteilen / dass sie nicht von den jägern sein müsten. Wie sie nun
hinzu schliche / üm zu trinken / sah sich der eine von diesen unbekanten um /
und sie ersehend / zugleich erkennend / und bei namen nennend / sprange er
geschwind auf / zuckete sein schwerd / und ginge damit wütend auf die Aramena
los / ihr zuruffend / dass sie das ihrige / (welches sie stäts / wann sie ritte /
zu füren pflegte /) zu ihrer verteidigung auch blössen sollte. Aramena vermeinte
nicht anders / als dieser ritter sei von den Assyriern dazu erkaufet / sie
niederzumachen / wegen der liebe des Prinzen von Assyrien: dann sie sonst nicht
ausdenken kunte / wer sich an sie / die ja ein weibsbild fürstellte / also
reiben sollte.
    Sie wurde in dieser einbildung gestärket / als der frömde zu ihr sagte: du
must / glückliche Aramena! entweder dein leben / oder den Prinzen von Assyrien
verlassen! hiemit schluge er so grimmig zu ihr ein /dass Aramena / wann sie
diesen streich nicht bei zeiten ausgeschlagen hätte / eine gefärliche wunde
würde bekommen haben. Sie versetzete aber alsofort ihren gegenteil einem so
gewaltigen hieb / dass ein teil vom helm auf die erden fiele / und das blut ihme
mildiglich über das haubt herunter flosse. Weil dieser streich die wut des
frömden vermehrte / als konnte die vom jagen ermüdete Aramena nit verhüten / dass
sie nicht auch eine wunde in das haubt bekommen hätte: welche sie aber mit
zweien andern rächete / die sie ihrem feind /in die brust / und in das obere
knie / gleich nacheinander schluge. Dieser vorteil der Aramena / setzete ihre
widersacher auser aller gedult / also dass er / sein leztes heil zu versuchen /
sein schwerd in beide hände fassete / und selbiges der Aramena nochmals auf das
haubt wollte fallen lassen. Daher / wann nicht in dem augenblick Aramena sich
gebücket / und also diesen greulichen hieb mit der achsel aufgefangen hätte /
ihr leben in gefahr gewesen wäre.
    Aramena name / in diesem niederbücken / ihren vorteil in acht / ümfassete
ihren feind / und warf ihn zur erden. Sie war iezt eben willens / mit ihm den
garaus zu machen / als Baleus mir etlichen der seinigen dazu gerannt kame / und
seine Aramena unversehens in solchem zustand antraffe. Seine ankunft / machte
sie stutzen / und den arm zurück halten. Er aber / sie voll bluts und fast
onmächtig findend / wollte den andern am leben straffen / der sich also an ihr
vergreifen dörfen. Wie er aber das übrige teil des helms ihm öfnen lassen / üm
diesen verwegenen / der gegen das frauenzimmer so wenig höflichkeit erwiesen /
zu kennen / wurde er von unbeschreiblicher bestürzung überfallen / als er seinen
geliebten Assur erkannte. Seine todtenfarbe und erblassete wangen / benamen ihme
nichts von seiner schöne: und wie man ihm den harnisch vorne gelöset / und den
hals geblösset / öffneten sich dem Baleus zwo alabasterne brüste / die ihm
anzeigten / dass dieser ritter nicht der Assur / sondern die unbekannte schöne
Prinzessin wäre / die er vordessen beim opfer in Elassar gesehen. Sein eifer
ware ihm durch sein entsetzen völlig vergangen / und nun vertriebe das mitleiden
guten teils seine bestürzung / also dass er auf eiligste hülfmittel bedacht wurde
/ diese halbtodte dame zu retten. Die fast onmächtige Aramena / hatte sich nicht
weit davon unter einen baum gelehnet: welche dann der Prinz auch nicht hülflos
lassen wollte / sondern zu ihr liefe / üm zu vernemen / wie es ihr erginge. Als
er zu ihr kame /befiele sie eben mit einer onmacht / weil sie vorher vom jagen
sich ganz abgemattet hatte / und nun auch dass blut häufig von ihr flosse:
deshalben er geschäftig war / sie mit balsam zu bestreichen / inzwischen einer
von seinen leuten mit zerrissenen stücken von einer schärpen ihr die wunden
verbunde. Ein gleichmäsiges verrichtete bei der frömden vewundtin / einer von
ihren aufwärtern / und liefe Baleus bald zu der einen /bald zu der andern /
nachdem er seine hülfe ihnen nötig erachtete.
    Endlich schluge die unbekannte die augen wider auf: welches als es Baleus /
der eben bei der Aramena war / innen wurde / liefe er zu ihr / ihr sowol seine
dienste anzubieten / als zu fragen / was ihren eifer gegen die Aramena
verursachete? Wie er aber hierzu den mund auftun wollte / kame sie ihm zuvor /
und sagte mit leiser / doch ernstafter / stimme: Gehe von mir / du undankbarer!
und wisse / dass mir nicht der wille /sondern das vermögen manglet / mich an dir
und deiner nichtswürdigen Aramena zu rächen. Kaum hatte sie diese worte
ausgesaget / da rieffe man: Aramena stirbet! welche donnerworte Baleus nicht
hören konnte / ohne nach ihr hinzulaufen. Wie er zu ihr kame /funde er sie von
neuem onmächtig / auch vielleicht nicht ohne lebensgefahr: wann nicht bald des
Prinzen wundarzt / der mit auf dem jagen gewesen / und eben dazugekommen / ihr
ein Mittel gebraucht hätte / dadurch sie wieder luft zu schöpfen und atem zu
holen begunte.
    Indem man aber also mit ihr ümginge / und bei der andern eben ihre leute /
mit einem wagen ankamen, als liesse sich diese verwundete darauf legen / und
mussten sie eiligst mit ihr durchs holz hinweg rennen. Wie nun endlich Baleus
nach ihr sich ümsah / fand er sie nicht mehr: und alsobald den schluss fassend
/sie wieder einzuholen / befahle er die Aramena dem wundarzt und etlichen von
seinen leuten / er selbst aber / neben dem Zameis und wenig dienern / begunte
dem wagen nachzurennen / und folgte der jenigen /die vor ihm flohe. Als er kaum
hinweg war / kame Cimber an das ort: der dann von den Assyriern vernemend / was
sich daselbst begeben hätte / alsofort aus den umständen vermutete / diese
frömde würde seine schwester gewesen sein. Demnach beschlosse er /dem Prinzen
von Assyrien zu folgen / üm in dieser gefahr und noht seine schwester nicht zu
lassen.
    Aramena sah sich hierauf nicht lang allein / weil die Königin von Ninive /
sie vermissend / ihr den Barzes mit vielen von ihren leuten nachgeschikt hatte:
welcher / sie in solcher gestalt antreffend / sie vermanete / mit ihm sich nach
Damasco zu begeben. Sie aber / weil sie sich sicherer achtete / wann sie zu
Naeman bei der Ahalibama / als wann sie zu Damasco in der Königin Delbois
weitläufiger hofstatt / geheilet würde / wehlete den ersten ort / als auch den
nächsten. Sie machte der Prinzessin Ahalibama / mit ihrer ankunft / kein
geringes schrecken: die dann / als sie vername / wie es zugegangen / sich der
reden erinnerte /die sie vor etlichen wochen / zu Damasco im garten /von dem
Zameis und einem frömden vernommen hatte. Sie wusste aber doch nicht / wo sie
dieses hinaus deuten sollte. Man brachte sie gleich / nahe an dieser Prinzessin
kammer / zu bette: welche mit ihren leuten die pflege über sich name / da
niemand / als Astale und zwo andere getreue dirnen / neben dem wundarzt / der
doch ihr geschlecht nicht erkannte / zu ihr kommen dorften. Der Fürst Barzes /
der sie nach Naeman mit begleitet / bliebe solang daselbst / bis der wundarzt
ihn versicherte / dass es keine gefahr hätte / und dass mehr das erhitzen / als
die entfangene wunden /ihr ungelegenheit gemacht hätte: mit welcher guten
zeitung er / gegen den abend / in Damasco wieder ankame.
    Es ware daselbst / über diesem frömden handel / iederman in voller
verwunderung / und wusste man nicht / wo der Prinz von Assyrien geblieben wäre:
deme dann / auf befehl der Königin von Tyro und des Mamellus / viele von seinen
leuten / wie auch unterschiedliche vom kriegsheerr / nachgesandt wurden /damit
er nicht in des feinds hände geraten möchte. Die Königin von Ninive / wie sie
ihr den ganzen verlauf von einem / der dabei gewesen / erzählen lassen /schöpfte
daraus die hofnung / diese frömde Prinzessin / deren gegen ihr der Baleus
vordessen erwehnet /würde ihn der Aramena vergessen machen. Sie bewunderte aber
nichts mehrer / als dass der Cimber /wie er dazu gekommen / sich auch so
beängstigt darüber angestellet / und dem Baleus nachgefolget. Sie begabe sich
des andern tags nach der Timna palast /in Meinung / daselbst die schöne Hercinde
noch anzutreffen / und ihr etwan dieses verborgene rätzel abzufragen. Weil aber
Timna / wegen des eides / damit sie dem Cimber sich verbunden / nicht alles
sagen dorfte / was sie wusste / als berichtete sie nur dieses der Königin / dass
Hercinde nicht mehr verhanden / sondern heimlich / nachdem sie ihr ihre abreise
nach Basan entdecket / in mannskleidern davon gezogen wäre. Dieser bericht
machte die schöne Königin noch mehr wundern: und wie sie eine grosse freundin von
dem Cimber war / als sorgete sie mehr für dessen liebe /als sie es in diesem
fall nötig hatte.
    Es verliefen dergestalt etliche tage / da man von dem Assyrischen Prinzen
nichts vername / aber die posten von Naeman allemal der Aramena bässerung
mitbrachten. Einsmals am spaten abend / wie die sonne schon unterzugehen begunte
/ kame der Stattalter Mamellus unvermutlich für des Fürsten Elihu wonung
gefahren / und liesse ihm zuentbieten / dass er eiligst zu ihm einsitzen wollte.
Wie nun Elihu ihm alsobald gehorchte / und sie also miteinander zur stadt hinaus
rennten / sagte Mamellus zu ihme / mit frölichen gebärden: Nun will ich euch
meine für ein par tagen getane zusage halten / und euch wunderdinge offenbaren.
Wisset demnach / dass ich die Königin Aramena von Syrien in meinen händen habe. O
himmel! (rieffe Elihu /) wie ist das müglich?
    Stillet eure verwunderung / (gabe Mamellus zur antwort /) bis ihr wisset /
was hierbei fürgegangen ist / und helfet mir nur iezt / ein grosses fürnemen ins
werk richten. Wie und welcher gestalt ich sie bekommen / will ich euch zu sagen /
auf eine bequemere zeit versparen / weil ietzund fürnemlich darauf zu gedenken
ist / wie man dem reich Syrien / durch ihren eiligsten tod / frieden verschaffe
/ und dasselbe für den grossen Belochus unsern König erhalte. Sie ist in einem
tempel nahe hier für der stadt / da ich sie wohl bewachen lasse. Selber darf ich
/ vieler ursachen halber / nicht zu ihr kommen / noch der hinrichtung beiwonen.
Ich kann aber / dieses grosse werk niemand sicherer / als euch meinem freund /
anvertrauen. Erweiset demnach / edler Elihu! in dieser tat / dass ihr euren
König liebt / dass ihr mein freund seit / und dass die erhaltung dieses reichs
euch lieb sei. Ich sehe / dass euch mein fürbringen bestürzt machet. Die ehmalige
kentnis der Aramena / erwecket in euch mehr erbarmen / als die wahre vernunft
hierinn leiden kann. Bedenket aber / dass es mir auch schwer ankommet / die jenige
töden zu lassen /die ich iederzeit für mein kind gehalten. Ich tue aber die
augen für allen betrachtungen zu / und beachte bloss und allein das gemeine
bäste. Dann dieser Prinzessin tod / kann vielen tausenden das leben erhalten /
und hingegen ihr leben ein erschrekliches blutbad anrichten.
    Elihu bedachte sich / inzwischen Mamellus also redete / was er antworten
wollte / und die verwirrung seines gemütes / neben seiner Entschliessung / so gut
verbergend /als es ihme müglich war / sagte er endlich: Ich erfahre auf einmal
so viel frömdes / dass der Prinz Mamellus mir meine bestürzung nicht verüblen
muss. Selbige rüret nicht daher / dass ich unentschlossen sein sollte / was in
dieser begebenheit zu beginnen und fürzunemen sein massen ich selber dafür halte
/ dass der allgemeinen ruhe nicht bässer könne geraten werden / als wenn diese
Syrerin wird aus dem weg geräumet. Ich überneme auch gern / dieser ihrer
abfärtigung zum tode beizuwonen: wann ich nur weiss / was dabei in acht zu nemen
/ und wie es anzuschlagen sein werde. Ihr werdet / mein Fürst! (antwortete der
stattalter /) den Tyson / neben huntert mann / im tempel / dahin wir iezt
fahren / bei der Aramena finden: dem zeigt diesen meinen siegelring / und
fordert damit in meinem namen von ihm die Aramena / welche er nicht kennet / wer
sie ist / sondern vermeint sie sei eine geheiligte iungfrau von Ninive / aus
der Diana tempel / die ich / üm gewisser ursachen willen / begehre verborgen zu
halten. Wann er meinem ring sihet / wird er sich nicht entziehen / sie von stund
an euch zu überlassen. Wann nun die finstere nacht wird eingetreten sein / so
könt ihr / mit etlichen meinen slaven / euch auf den Libanon begeben /und sie
beim grab des Königs Aramenes töden lassen. Verschaffet nachmals daselbst /
dieser unglückseligen Königs-tochter / ein ehrliches begräbnis / und bringt mir
bald / (dann das tor soll euch offen bleiben /) die post zurücke / dass alles
recht und heimlich verrichtet worden.
    Indem hierauf Mamellus dem Elihu seinen siegelring zustellte / waren sie
nicht weit mehr von dem tempel: da Elihu ausstiege / und etliche von des
Mamellus slaven neben ledigen pferden / zu sich name / mit denen diese
hinrichtung sollte fürgenommen werden. Mamellus kehrte damit wieder nach der
stadt / und ob er gleich ruhig sein sollen / dass er dieses erlanget / was ihme
des Königs völlige gnade wiederbringen / und sein ehmaliges versehen / da er
dieser Syrerin in ihrer kindheit / aus erbarmung / das leben gefristet /
ersetzen mochte: so überfiele ihn jedoch eine solche bangigkeit / dass / wie er
in seinen palast gekommen / er an keinem orte für grosser herzensqual verbleiben
kunte / und dünkte ihn / er sehe allentalben die unschüldige Aramena / die ihm
die arme zureichete / und ihn üm ihr leben anflehete. Er begabe sich ohn
unterlass an das fenster / vermeinend / Elihu sollte wiederkommen / und er dachte
/ wenn es nur verrichtet wär / so würde ihm die angst wohl wieder vergehen:
massen er solche der ungewissheit seines anschlags / und nicht der tat selber /
zumessen wollte.
    Er war noch in solchem unruhigen harren / als ein grosser fall nahe bei ihm
geschahe / dadurch er noch mehr angebänget / ganz erschütterte: und wie er sich
ümgesehen / wurde er bei der klarheit einer lampen gewar / dass ein metallenes
bild / deren etliche über der tür des gemachs stunden / herab gefallen war.
Dieses bild stellete für / den König Belochus von Assyrien / und ware dem an
seiner kron die hälfte abgebrochen: welches der Mamellus wohl zu herzen fassete /
und / zu seiner angst vermehrung / für kein gutes zeichen hielte. Die
Stattalterin / ob sie wohl von allen diesen dingen nichtes wusste / lage doch
ganz unruhig auf ihrem bette / um fragte ohn unterlass nach ihrem gemal: weil sie
/ von unterschiedlichen träumen erschrecket / grosse angst fülete / also dass ihre
leute es endlich dem Stattalter anmeldeten. Dieser / üm sie zu frieden zu
sprechen / trate zu ihr in die kammer /machte aber / mit seiner gegenwart / übel
ärger: massen die Stattalterin ihn so verändert im gesicht befunde / dass sie
sich nicht entalten kunte / ihn zu fragen / was doch wohl für ein grosses unglück
vorhanden sein müste? Diese frage befrömdete den Mamellus nicht wenig / und
bemühete er sich sehr / alles traurige ihr aus dem sinn zu bringen.
    Nach mitternacht kame Elihu wieder an: mit deme zu sprechen / der
stattalter von seiner gemalin abginge /und ihn ganz allein zu sich in sein
gemach kommen liesse. Ist es geschehen? fragte er ihn / mit zittrenden worten.
Als Elihu solches mit ja beantwortet / und ihme damit den siegelring wieder
zustellete / wurde dem Mamellus nicht anderst zu sinn / als hätte man ihm ein
stuck von seinem herzen gerissen / und wollten ihn seine beine nicht mehr tragen
/ also dass er sich setzen musste / da er dann nochmals den Elihu fragte / ob
Aramena todt wäre? Wie er nun die vorige antwort entfangen / sagte er seufzend:
O grausamer gestirnschluss! der du mich gezwungen /diese mordtat über so
unschuldiges blut ergehen zu lassen! Syrien ist nun (antwortete Elihu /) der
grossen kriegsgefahr entledigt / und musste es ein unschüldiges blut sein / das
so vieler unschüldigen ihr blut ersparen sollte. Wolan! (hube hierauf Mamellus an
/) die götter haben es so verhänget. Euch aber / mein wehrter freund! bin ich
hierüm mehr als hoch verbunden / und wird der König von Assyrien nimmermehr
vergessen / was ihm hierdurch für gute dienste sind geleistet worden. Hiemit
ümarmte er den Elihu / und liesse ihn darauf von sich gehen: in solcher unruhe
das übrige der nacht verbringend / dass kein augenblick verstriche / darin ihme
nicht der klägliche und unschüldige tod der Aramena auf das jämmerlichste
fürgekommen wäre.
                            Ende des zweiten Teils.
 
                               Der Dritte Teil:
                        Der Bluts-Freundschaft gewidmet
           Zuschrift an die Bluts-Freundin: den Kupfer-Titel erklärend.
So bildt die Freundschaft sich / In der Geblütes-Brunst /
Blöst treue Doppel-Brust / Ist einig in zwei Herzen;
Leucht / wie der Himmel tut / Lässt scheinen seine Kerzen.
Auch so die Föbe fühlt / Und Föbus / wechselgunst:
Reisst oft schon Ort und Zeit Sie beide weit vonsammen.
Un-müd / das Bruder-Licht / lacht auf die Schwester zu.
Als auch ein Rehbock-Paar hält gern gepaarte ruh.
Zugleich die Föbus-Leir hallt von den Eintracht-flammen.
Geh / Aramena / zeug von wahrer Seelen-Treu!
Herz-innigst sie sich auf / aus Einem Stamme / schwinget
Zart mit dem Schwester-zweig / der Sie / Sie Ihn / ümschlinget.
Bring ihr / diss Unterpfand verwandter Freundschaft / bei.
Unendlich dieser Baum zum Grunen sich verpflichte.
Bricht dann die zeit davon ach! feigen-süsse Früchte.
 
          Uber die Tugend vollkommene unvergleichlich-schöne Aramena.
Du Wunder aller Zier / und Schönheit aller Wunder!
Du Himel-volles Bild! des Höchsten Ehre-zunder /
ein Spiegel seines Spiels! ein klarer Demant-Bach /
in dem man schicklich siht die Himmels-Schickungs Sach /
erlernet ihre kunst! Nachamerin der Witze /
die alles trefflich fügt! ihr helle Stralen-blitze
vom Wunder-Sonnen Bruñ! wer siht die Vorsicht nicht
nachkünstlen ihren trieb / mit reiffem Rahtgewicht
und juster Ordnungs-art? Wie schön pflegt sie zu füren /
die Fälle / zufalls-weis! wie richtig zu verwirren
die Lebens-Labyrint! die Seltenheiten sie
einführt in grosser mäng: die doch verlieren nie /
durch vielheit / ihren Preis. Die anzahl macht sie schätzen
unzälig - wehrter noch. es pfleget zuzusetzen /
die völligkeit / dem wehrt: wie die gefüllte Blum /
ie mehr sie Blätter treibt / ie höher stäts ihr Ruhm
mit seltner Schönheit steigt. Das künstliche zerrütten /
voll schönster ordnung ist. Es geht aus der mitten /
des klugen absehns Punct: wan man die Striche zieht
zum kunstbemerkten Dupf / das Fügungs-Bild man siht
vollkommen klärlich stehn. Du Schul der Helden-Liebe /
in welcher lernen sich die allerschönste triebe
der Edelmütigkeit / die ja selb-selber sich /
ô Aramena! hat gestürzet ganz in dich /
sonst wärst du nicht so schön! Ach ja! du bist geronnen /
mit überfluss und lust / aus dem Ideen-bronnen
des Edelsten Gemüts. Allein ein Heldenheld
kann schöner / als sie ist / uns bilden ab die Welt /
nach seinem Edlen Geist. Die Stralen / machen kennen
der Sonne grossen Ball. Es zeigt auch das Brennen /
die Kraft und Macht der Glut. Die Bächlein fuhren bald
zur quell und ursprung hin: sind ja so frisch und kalt /
als dieser iemals ist. Was reiches Tugend wesen
muss wohl in Diesem sein / Der soviel gibt zu lesen /
auf einem kleinen Blat! Die Sonne mahlt sich ab
im Spiegel Brünnlein hier. Die schöne Weissheit-haab
zeigt / in dem nassen Glas / ihr Englisches Beginnen /
und wie ihr heiligs ziel sei / Sieg und Seel gewinnen /
zu Gottes Ehr' und Lust. Bekehrend wiekehrt
zum Ursprung / dieses werk; woraus es kame / lehrt /
durch das / wohin es zielt. Wem sollte nicht gefallen /
was himlisch lautt und ist / und wirfet solche Stralen /
die selbst der himmel liebt: Diss tadelt nur der Neid /
und Catons saurer blick. Oft / mit Annemlichkeit /
durch hülf der Gratien / aus ihrem lieben Bronnen /
und aus der Musenröhr / komt Warheit suss geronnen:
da weit beliebter sie und Engel-änlich ist /
dass man der Eitelkeit mit Freud bei ihr vergisst.
O Cherubim-Rubin! Die schönste Kunst im Schreiben
ist / unvermerkt der Erd den Himmel einverleiben.
Die Sonne der Vernunft / kunst-zärtlich hier vertreibt
der Schnödigkeit gewölk / dass nichts als Himmel bleibt
im innern aug-gemerk. Es pflegt sich zu bequemen
die Weissheit / und die art der Erden anzunemen:
in welcher sie verbirgt den allergrösten Schatz /
und schenkt ihn dem / der sucht / und der sie auf den platz
treu und vertreulich führt. Die frömste List der Erden
ist / durch Ergetzungs-Netz' ein Himmel-Fischer werden.
Wan man anbeissen hier den Scherz / und schlingen ein
den Andacht-angel / macht: das mag ein List-Lust sein /
ein Fang voll Heiligkeit. Was kann man schöners sehen /
als reine Gottesfurcht wie eine Heldin stehen:
da Pallas / Pietas mit Helm und Hatnisch deckt;
in Kunst und Artlichkeit / Gottseeligkeit versteckt /
wo sie so nütz als schon. Sonst sie nur zum Stoisten /
ein Geistes-Caro macht. Mit unrecht in die Wüsten
und ganz von aller Lust / sie so verbannet ist:
Als wan / bei Heiligkeit / man sauer sehen must.
Da doch die Freudenquell allein aus ihr entspringet.
Nur sie / als wie die Sonn den Früling / Wonne bringt.
Ein Sonn ansschliessen ists von holder Majenzeit /
wan man die Andacht trennt von der Ergetzlichkeit /
die ohne die nicht ist. O schönes zeitvertreiben
auf Erden / dessen Frucht' im Himmel hangend bleiben /
zur Speis der Ewigkeit! O Geistes-Meisterprob!
ô Kunst-stuck des Verstands / Magnet von allem Lob /
Erfindungs wunderwerk! Bekehrungs-Pillen geben /
in frischer Erdbeer-kost! Lust-Lilien beleben
mit Andacht stralen-Schmuck / die weisssen mit Saffir
verhimmeln! Andacht / gibt der Freuden schönste Zier /
und Unvergängligkeit. Wem dieses nicht beliebet;
kein rechte Freud er kennt / nicht wahre Tugend übet:
die Gott zu Ehren nur / sonst nicht sich freuen kann /
und gerne steckt die Welt mit solchen Flammen an.
Bekehren / Göttlich ist / und komt von solchen Sinnen.
Geschiht es so im Spiel: was wird der Ernst beginnen:
Stralt so / ein Flämlein Geist: was gibt für Wärm' und Schein
die Sonne selber wohl! fällt so ein Leicht herein /
vom kleinem Schatten nur: was Geist- und Flammen-fluten
kann man / vom höhern tun / noch hoffen und vermuten:
Wan man / vom kleinen / recht auf grosses schliessen kann:
so zeigt / diss Fünklein Feur / uns einen Etna an
der Gottverehrungs-brunst. die Höhe / mehrt die Weite.
Wer ist / der / diesen Kreis zu reisen / recht anleite
die allzu-träge Welt: dass sie ihr Liecht nehm war /
es ihr zu nutze mach / als recht ein Glückeshaar /
vom Himmel hergereicht. Wer / Gott zu ehren / zielet
in allem seinem Tun / so gar auch wan er spielet:
den ehrt Gott wieder auch. Wer weiss / was noch im spiel
beim Schickungs-Schicker ist: auf was für hohes ziel
er zielen mag hiermit: Zum Himel alles kehren /
ist ie kein Menschenwerk. Des höchsten Ehre mehren /
ein' Engel-Arbeit ist. Die Tugend fordern fort
auf ihren höchsten grad und endlich in den Port /
ist ja ein Helden-Tun. Im Cimber / sie erreichet
den Ober-Spitz allhier. Er bleibet unvergleichet /
als nur mit Dem / Der ihn so unvergleichlich zeigt.
Ein Nachbild niemals doch des Ur Bilds Lob ersteigt.
So bleibt Ihm aller Preis. Die schönste aller Lieben /
ist in des Cimbers sinn und Freundschaft-Treu beschrieben:
die steht / ohn Eigennutz / in reinster Geistesbrunst /
entfernt von allem Zweck; recht eine Götter-Gunst /
Erd-Engeln eigenbar / ein Fönix nur zu nennen
der einig-wahren Lieb. Er gibet auch zu kennen /
den Weiber-heldensinn / an Eliesers Braut:
die lieber oft dem Tod / als ihrem Feind / getraut
in ihrer edlen Wahl; die nach dem tod beständig /
nie nichts von ihrer Treu sich machen liess abwendig /
die nach dem Leben lebt. Vielleicht wird solche Treu
bezwingen noch den Tod: dass ihn sein tödten reu /
zu lassen seine Beut. Nicht nur den zwo berührten /
nein! jedlicher Person in diesem Werk / gebührten
die Opfer höchstes Lobs. Doch wird mein Blat zu äng.
Die Erde nicht ümfasst / ein' himmel-weite mäng
unendlich-hohes Ruhms. Ich rede mit Erstummen /
und sprich mit Schweigen aus / die grossen Lobes-Summen
der schönsten Königin / des Musters aller Zier.
Der ausbund alles Prachts / der Trefflichkeit quartier /
ist ganz in Sie verlegt. O Sammelplatz der Tugend!
ô Weissheit-wunderwerk / vorstellig in der Jugend!
diss ist die höchste kraft der Ausfunds-möglichkeit:
sie bildet allerschönst die schönste kron der zeit /
macht sehn / was nie gesehn. Eursetzen kann ersetzen /
was ich nicht setze an. Wann mit Entzuckungs-Netzen
die Sinnen sind verstrickt / so bleibt der Ausspruch aus.
die zunge wird gehemmt / und kann nicht aus dem haus.
weil wunder sie ümringt / so muss die feder schweigen.
Man könnte / auser dem / viel schöne Sachen zeigen
in diesem wehrten Werk. Ein Staates-Dädal treibt
Politikspiegel - Spiel / Regirungskünste schreibt;
mahlt Schatten kluger Ränk / mit gutem Schein erhöhet /
da oft sehr weit hinaus ein schlaues Absehn geht;
zeigt / durch verkürzungs-kunst / wie Heimlichkeit der Geist
der hohen Anschläg sei / wie alles allermeist
steh in der Ober-Macht. Es gibet auch zu sehen /
den Stand und Lauf der Welt / wie es pflegt her zu gehen /
nicht allzeit wie es soll / oft wunderbar und bunt;
dass unschuld unterligt / und geht / manche stund /
Gewalt und List vor Recht. Doch Föbus fasst den zügel
der Erd gekehrten Pferd' / und schwingt sich in den bügel /
sie recht zu leiten fort. Astrea fliegt zurück /
und teilt aufs neue mit / ihr billigs Gleichheitglück /
nach juster Urteils-wag. Die Unschuld noch / mit Sternen /
der Ehrenhimmel krönt. Und ob sich hier entfernen
die Freuden-ausgäng' oft: verheiset hofnung doch /
dass alles auf Gut-End die Tugend werde noch
hinleiten / was sie wirkt. Inzwischen werd erquicket
mit süssem Schickungs-tau / Der / Der so schicklich schicket
die schönste Wunder an / vom Höchsten Schickungs-Spiel.
Er sei / zu höchstem Glück / der Gott-geschicke Ziel!
                                                         Die unbekannte Freundin.
 
                                Das Erste Buch.
Die gefahr-besorgung / darin das Babylonische haus schwebete / das måchtige
haus Syrien zu verlieren /weil dessen rechte Erbin / die tochter des grossen
Aramenes / sich wieder eingefunden / würde sich bald wieder verloren haben / wan
der gerechte Himmel hätte zugeben konnen / dass des Mamellus verlangen wäre
erfüllet worden. Gleichwie aber dieser der rechten person verfehlet / also wollte
dem Elihu sein mitleidiges gemute auch nicht zulassen / eine solche mordtat zu
verüben. Demnach hatte er / wiewol er den Stattalter anderst berichtet / die
Dame / so er toden sollen / heimlich in ein lustaus nahe vor Damasco bringen
lassen. Dahin nun begabe er sich / sobald der morgen wieder anbrache: wohl
gesinnet / sein grosses fürnemen zu vollziehen / welches auf die rettung dieser
Aramena zielete. Seine Meinung war / dieselbe dahin zu bereden / dass sie den
abgelegten orden in der Diana tempel wieder annnemen / und damit der ansprache
zu Syrien sich begeben sollte: welches er fur das bäste mittel achtete / ohne
verletzung der treue gegen seinem Konig / dieser unschuldigen ihr leben zu
retten. Er gedachte / nicht vieler überredungen hierzu vonnöten zu haben / indem
er ihre ehmalige gesonnenheit ihm vorstellen wurde / welche dem heiraten ganz
abgeneigt gewesen.
    Als er nun in die kammer / darin sie sich befande /eingetretten / und die
seinigen vor der tür gelassen /fand er sie / eben wie in voriger nacht / mit
verdecktem angesicht und in ihrer geistlichen kleidung. Sie sasse auf einem
schämel / und trocknete ihre augen unter dem tuche: welches Elihu / sowol aus
ihren gebärden / als an dem betrübten ächzen / abnemen konnte. Die grossmütige
Aramena (begunte er sie anzureden /) wolle ihr gemüt in ruhe stellen. Ich
versichere / dass ich nicht komme / ihr betrübnis zu vermehren /sondern ihr nach
meinem äusersten vermögen zu dienen / und zu erweisen / dass ich noch der alte
Elihu sei. Ihr moget sein / wer ihr wollet / (antwortete sie /) so befinde ich
mich euch verbunden für die zusage /die ihr mir jezt und in verwiechener Nacht
getan /mich von meinem banden zu erlösen. Die erfüllung derselben / wird mich
stärken in der zuversicht / die ich von eurer treue geschopfet. Elihu besturzte
nicht wenig über dieser antwort / indem nicht allein ihr stimme richt wie
vordessen in Mesopetamien tönete /sondern auch sie ihn nicht kennen wollte. Weil
er nun anfienge zu zweiflen / ob sie auch die rechte Aramena wäre / fragte er:
ob sie dann ihren alten freund / den Elihu / nicht mehr kennete? Wie kommet ihr
auf diese frage / (fragte sie hinwieder) da euch ja nicht unbekant sein kann /
dass ich niemals in der welt einen freund haben konnen / und niemals mit einiger
Mannsperson gesellschaft gepflogen?
    Wie? erwiederte der bestürzte Elihu: seit ihr dann nicht die Aramena / die
man bisher für des Stattalters in Syrien tochter angesehen und gehalten? Wann
ich dieselbe wäre / (gab sie zur antwort /) so würde man mich nicht von meinem
gemahl scheiden / wie man iezund tut und solche grausamkeit gegen mir blicken
lässet. Ihr götter / was verneme ich! rieffe Elihu. Und wofur soll ich sie dann
halten? Wann eure versprochene hülfe (widerredte sie /) aus diesem irrtum
entstanden / dass ihr mich für des Stattalters in Syrien tochter gehalten: so
muss ich wohl beklagen /meine vergebliche hoffnung / durch euch erlöset zu werden.
Solte aber euer gemüte nicht gleich so /gegen des grossen Aramenes / als gegen
des Mamellus tochter / zu mitleiden konnen beweget werden? Ich halte euch aber
for so grosnütig / dass ihr eurer zusage / so wohl die Konigin Aramena / als eine
Prinzessin dieses namens / werdet geniessen lassen. Elihu / so unvermutete reden
anhörend / wusste nicht / was er denken sollte. Wie er aber diesen dunkeln worten
etwas nachgesonnen / fiele ihm bei / ob nicht etwan diese Aramena die Milcaride
sein mochte / die in ihrer kindheit / von der Calaride und dem Tebah / an statt
der wahren Aramena / in den tempel zu Ninive gebracht worden. Demnach / hiervon
gewissheit zu erlangen / bate er / dass sie ihr gesichte blossen und sich ihme
zeigen wollte: zugleich gestehend / dass er nicht anders gemeinet / als dass sie
die Prinzessin Aramena von Chaldea wäre.
    Auf dieses sein ansuchen / schluge sie die decke vom gesichte / und liese
ihre schönheit sehen: die dann ungemein ware / wiewol sie der Aramena nicht
glieche / die er / als des Mamellus tochter / in Mesopotamien gekant hatte. Weil
ich eure gefangene bin /(sagte sie mit ernstafter stimme und gebärden /) so muss
ich billig eurem befehl hierinn gehorchen. Ihr sehet hier vor euch / die
verlassene Königin von Syrien / die euch mit tränen ersuchet / ihr von hinnen
zu helfen / und sie zu ihrem gemal dem Hemor nach Hierapolis zu bringen. Wird
der himmel gnädig verfügen / dass ich meiner vätter tron erlange: so sollet ihr
tausendfåltig dessen geniessen / was ihr mir iezt gutes erweiset. Nicht die
hoffnung eines genieses / (sagte hierauf Elihu /) sondern meine begierde / allen
hülfbedurftigen zu dienen / soll mich antreiben / der Aramena begehren zu
erfüllen. Weil aber / zu beforderung ihrer ruhe und gluckseeligkeit / vonnöten
ist /dass ich von ihrem leben umstandliche nachricht habe: als erkühne ich mich /
hierum zu bitten / und dass sie solang hier zu verharren sich gedulten wolle /
bis ich dieses mein verlangen vergnugt sehe / welches / wie gesagt / zu ihrer
wolfart gereichen wird. Ich trage dessen (sagte sie /) ganz kein bedenken / und
werde ich solches kurzlich und in weniger zeit verichten können / weil ich von
jugend auf an einem ort gewesen / da mir keine weltliche abenteur begegnen
können. Als nun hierauf Elihu / wie sie begehrte / sich zu ihr gesetzet / hörte
er sie also erzählen / die
                  Geschichte der vermeinten Syrischen Aramena.
Der Stattalter von Syrien / der mich / als die uberbliebene vom Syrischen hause
/ in meiner zarten kindheit / seiner schwester der ehrwürdigen Celia / in den
Dianen-tempel nach Ninive / zugesendet / entdeckte keinem menschen / als der
Oberpriesterin / meine geburt. Niemand im tempel wusste / wer ich wäre: auch mir
selber wurde meine herkunft dermassen verheelet / dass ich mehr nicht erfuhre /
als dass ich Aramena hiese. Unter diesem namen lebte ich also in der Diana tempel
verborgen / und weiss ich nichts von einigen meinen begebenheiten zu sagen / die
erzehlens würdig wåren: weil die stille ruhe im tempel alle zeiten gleichformig
machte / also dass ich überhoben bliebe der widrigen ungluksstosse / die mir
nunmehr allzuviel anzeigen / wiedass ich in der welt lebe. Mein verhångnis
misgonte mir diese ruhe / und ich musste anfahen / deren weniger zu geniessen /
als die Stattalterin von Syrien / bei uns im tempel sich befindend / und mich
ersehend / von ungedult / dass ihre tochter wider ihren willen in diesen orden
getretten / übermeistert /in diese worte heraus brache: Um dieser Prinzessin
willen / muss ich iezt soviel unglücks / zur billigen straffe / erfahren. Wie sie
aber ermerket / dass ich das wort / Prinzessin / in die ohren gefasset /
entfärbte sie sich / und brache gleich das gespräche ab: doch hat sie heimlich
mit der Celia noch etwas geredet.
    Wie wir nun wieder allein waren / fragte ich die Oberpristerin / wer ich dann
wäre / und von was eltern ich entsprossen sein müsse / die mir den namen einer
Prinzessin angebären konnen? Celia / wiewol sie mich sehr liebte / wollte mir
doch nichtes entdecken: so gar / dass sie sich bemühte / mich zu bereden / wie
dass Tarasile mich damit nicht gemeint håtte. Als ich aber solches widerredte /
brachte ich sie endlich so weit / dass sie mir gestunde / ich wäre eine
Prinzessin / und zwar eine solche / die vom Assyrischen hause verfolgt würde:
daher es hochst nötig wäre / dass ich geheim verbliebe / massen sie eben üm dess
willen /wann der König oder die Königin von Assyrien in den Tempel gekommen /
mir anbefohlen hätte / dass ich mich hinter meine ordensschwestern verbergen und
mein / gesichte verheelen müssen. Ein mehrers konnte ich nicht aus ihr bringen /
so hart ich ihr auch anlage. Ich bliebe aber / von dem tage an / so unruhig /
dass mir alle die freude vergienge / die ich sonst in so unschuldigem leben
genossen. Alle orten und fast zu allen stunden / lage mir der name Prinzessin im
sinn /und fühlte ich wohl in mir / dass die begierde / die meinigen zu kennen /
sich ja soviel ergrösserte / als sehr die lust / dem gewönlichen dienst der
gottin bei zuwohnen / sich verlore. Wer weiss / (dachte ich oftmals bei mir
selber / ob die deinen wissen / dass du hier im tempel bist / und ob sie nicht
verlangen / dich bei sich zu haben? Hat Tarasile / wie sie bekennet / sich an
dir versündigt / so ist es darin geschehen / dass sie dich deinen eltern
entwendet. Also ist dieser mein dienst der göttin nicht angenem / weil solcher /
gegen deine eigne wahl / und gegen der deinen gutem willen / geschihet.
    Was diese meine einbildungen sonderlich gestärket / war dieses / was ich
sagen will. Als einsmals mich die reihe traffe / bei dem heiligen feuer zu wachen
/welches alle neumonden auf einem berge bei nacht erhalten wird / überfiele mich
unversehens ein schlaff: welcher so lang wärete / dass ich / als ich erwachet
/das feuer verloschen fand. Weil nun diss für ein grosses unglück geachtet wird
/ als entstunde daher im tempel ein allgemeines trauren / und wurde mir nicht
allein viel busse auferleget / sondern auch manche opferung angestellet / die
erzurnte göttin wieder zu versönen. Es erfolgte hierauf noch ein anders unglück.
Des Stattalters von Syrien tochter / welche bereits einmal aus unserem tempel
war entfüret worden /wurde zum andern mal durch ihren vatter aus Ninive
hinweggebracht / als sie eben ihre wiederankunft uns entbote / und durch den
Fursten von Chale / des Reichs unterstattaltern / sich in den tempel wollte
bringen lassen. Der Celia unmut hierüber war so gross / dass sie sich verschwure /
weder ihrem bruder dem Mamellus / noch dem Konig von Assyrien / der hierzu
geholfen / solches iemals zu vergeben / auch in der ungedult diese worte heraus
stiesse: Wiedass sie / wan sie wollte / durch mich sich genugsam an ihnen rächen
könnte. Ihr grimm ward unendlich ergrössert / als hiernächst der Stattalter
seine tochter zwunge / den Prinzen Hemor zu ehlichen / und mit ihme aus Syrien
nach Canaan zu reisen. Hierauf wurde auch die göttin um ausspruch / wie diese
Aramena wieder könnte herbei gebracht werden / befraget: und / auf deren geheiss /
zwo aus unserem mittel / als die Briane und Zimene / nach Canaan abgesendet /
unter manskleidern sich nach ihr zu erkundigen / und sie wieder in dem tempel
abzuholen. Die einige hoffnung / dass diese beide etwas glückliches verrichten
würden / gabe der Celia einige ruhe: und fehlte es nicht an täglichen opfern /üm
guten ausschlag dieses grossen fürhabens / als wordurch allein wir unsere göttin
befriedigen konten.
    Ungefär nach zweien monaten / wurden der Celia /als ich eben allein bei ihr
war / schreiben gebracht /welche sie mit sonderbarer bewegung ablase / und ihre
bestürzung nicht verbergen konnte: daher ich mich nicht zu entalten vermochte
sie um den innhalt zu befragen. Die Antwort / so ich bekome / verheelte mir zwar
die ursach ihres entsetzens / stellte mir aber dessen grösse und wichtigkeit
noch scheinbarer vor: also dass ich ganz fürwitzig wurde / das jenige zu wissen
/was sie vor mir also verborgen hielte. Demnach beobachtete ich / wohin sie die
Briefe legte / und als eben ein fest einfiele / welches die Oberpriesterin
verbunde / die nacht über im tempel zu bleiben: bediente ich mich dieser
gelegenheit / und schliche selbige nacht in der Celia kammer. Ich fand die
Briefe / und erlernte aus der unterschrift / dass sie Hemor der Prinz von Canaan
geschrieben. Anfangs vermutete ich / dieser Prinz / als ein verlobter mit der
Prinzessin von Chaldea / würde etwan seine heurat entschuldigen / und dieser
wegen die Celia versönen wollen. Wie ich aber den an sie gestellten Brief
durchlase / zeigeten sich mir ungefär dergleichen worte.
 Schreiben des Hemors / an die Oberpriesterin der Diana / die Ehrwürdige Celia.
Wann ich nicht der fästen hoffnung lebte / dass die Ehrwürdige Celia so gerecht
als gottliebend sei /würde ich mich nicht unterfangen / diese zeilen vor dero
augen zu bringen: als welche sie ansehen wird /als kämen sie von einem
straffwürdigen / der ihren hass damit verdienet / dass er bisher eine geheiligte
jungfrau der Diana geliebt. Ich erkenne aber nun meine schuld / und will hiermit
auf hören / des Prinzen Mamellus tochter zu lieben / welche aufgehöret zu sein /
was sie bisher gewesen. Ich wende hingegen meine gedanken zu der königlichen
Prinzessin Aramena von Syrien / die an kein gelubde kann gebunden sein. Diese
Königin von Syrien habt ihr in eurem tempel: welche bisher der ganzen welt
verheelet gewesen / und nun endlich von dem gerechten himmel entdecket worden /
als des Syrischen reichs einige erbin / damit des grossen Aramenes blut nicht
ewig verborgen bleibe. Erlasset demnach / grosse Celia! diese Königin ihres
gelübdes / welches sie wider ihr bässeres wissen getan hat. Erhöret die bitte
aller Syrer / als ihrer untertanen / die durch mich ihre Königin von euch
abfordern. Erzeiget mir auch diese Gnade / und verleihet mir euer kräftiges
fürwort bei dieser schönen: damit sie / die wahl ihrer stände bestätigend / mir
für andern das Glück gönne / sie auf ihren vätterlichen tron zu heben.
Beikommendes an sie gestelltes Schreiben / wird sie nicht verschmähen zu lesen /
wann die Ehrwurdige Celia solches vergönnet. Deren gib ich schliesslich wohl zu
bedenken / dass Syrien seine Königin nit länger wird in einem tempel verschlossen
sein lassen / und es erfordere aller geheiligten jungfrauen ruhestand / dass
Aramena / wer sie ist / erfahre.
                                                         Hemor Prinz von Canaan.
    Ich konnte nicht anders tun / als dieses Schreiben auf mich deuten / und
erklärte ich mir also das jenige /was er von der Aramena aus Chaldea
geschrieben: dass / weil sie ihren weltlichen stand verändert / und also
aufgehöret zu sein / was sie gewesen / er auch aufgehort habe / sie zu lieben.
Ich kann nicht ausreden / was bewegungen dieses Schreiben in mir verursachet: wie
ich dann eine gute weile das vermogen nicht hatte / das andere tåfelein zu
eröffnen / welches an mich überschrieben war. Tausenderlei gedancken stiegen mir
auf einmal zu sinne / die alle einander entgegen liefen. Mir ware / die
entdeckung meiner geburt / von diesem Prinzen so angenem / dass ich über ihn /um
dass er mich liebte / nicht konnte unwillig werden. Mir fiele zwar bei / wie
eiferig er die andere Aramena von Chaldea geliebt / und dass er dieselbe allein
darüm wurde verlassen haben / damit er durch meine person das reich Syrien
erlangen moge. Ich gedachte /wann er mich recht liebte / hätte er solche liehe
geheim halten / und / ohne mein erlaubnis / der Celia nicht offenbaren sollen.
Doch entschuldigte ich ihn mir bald wieder / wann ich / sowol der Aramena
halsstarigkeit / die ihm alle hoffnung / sie zu erlangen /abschnitte / als auch
unseren zustand betrachtete: da er ja nimermehr mich hätte konnen zu sprechen
bekommen / und daher nicht anderst verfahren konnte /seine liebe mir bekant zu
machen. Die nun-erlangte kentnis meines standes / gebare sobald in mir den
fästen fürsatz / Syrien nicht zu entlassen / sondern die Kron anzunemen. Es ware
mir auch lieb / selbige für andern von dem Hemor zu entfangen: wiewol ich vorher
diesen Prinzen nie gekennet noch gesehen. Endlich offnete ich auch das andere
täfelein / darin ich fand / dass Hemor mich als eine Königin verehrte /mich
mein reich zu beziehen eifrig ermanete / und auf die demütigste art von der welt
mir seine liebe zu erkennen gabe. Ich achte fur unnötig / dieses schreiben von
wort zu wort / wie das vorige / allhero zu wiederholen / weil es dem vorigen
meist gleich gelautet. Ich legte hierauf die zwei täfelein wieder an ihren ort
/und gedachte nun abzuwarten / ob Celia von diesem allen mir nichts vermelden
würde.
    Ihre unruhe ware der meinigen gleich / und wie sie mir hernach bekennet /
hatte sie lang angestanden /was sie hierinn tun wollte. Der Vorsatz / das
Assyrische haus nicht zu beleidigen / hielte sie sehr zurucke / in des Hemors
begehren einzuwilligen. Die hoffnung aber / ihres bruders tochter / deren
beständigkeit sie des Hemors schreiben versichert / wieder in den tempel zu
bringen; ferner die begierde / hierdurch an dem Konig Belochus / und an ihrem
bruder / sich zu rächen / üm dass sie ihrer göttin tempel also beschimpfet;
überdas die furcht / einen krieg über sich zu ziehen / wann sie den Syrern und
Canaanitern ihre Konigin versagen wurde: dieses alles / und mehr anders /beredte
sie / dass sie / hiervon mit mir zu reden / und mir alles zu entdecken / sich
entschlosse. Wann ich dieses nicht zuvor schon gewust hätte / wurde ihr
anbringen mich sehr besturzt und unschlüssig betroffen haben. Nun aber fand sie
mich schon darzu bereitet /was ich ihr antworten wollte: massen ich alsofort die
erklärung von mir gabe / dass ich mein angeerbtes reich nicht verlassen / sondern
die Kron meiner vätter aufsetzen wollte. Die erzehlung von des Hemors liebe /
beantwortete ich mit einer errotung: die der Celia zu erkennen gabe / dass mir
nicht schwer fallen würde /den Syrern einen Konig zu erwählen / nachdem ich über
sie zu regiren mich entschlossen hatte. Demnach / auf langes überlegen / bekame
der Hemor diese antwort von der Celia: weil nunmehr / so wohl mir als meinen
untertanen / bekant worden / dass ich eine Erb-Konigin / und folgbar an mein
gelübde nicht verbunden sei; als wäre mir erlaubt / den tempel zu verlassen /
und nach Syrien zu gehen. Diese ihre und meine Entschliessung / wurde nachmals
von den andern bestätigt / und damit des Hemors liebe so weit gefördert / dass
man unser beider trauung anstellte /und alles hierzu-dienliches in ordnung
brachte. Und dieses geschahe in solcher stille / dass weder der Stattalter von
Ninive / noch sonst einiger mensch daselbst / dessen innen wurde.
    Ich will iezt nit weitläufig erzählen / was mit mir fürgenommen worden /
sondern allein sagen / dass / so sehr mein wille gleich anfangs hierzu geneigt
war / so bewegt wurde mein gemüte / als die zeit heran nahete / da ich das
vergnugte ruhige leben in der Diana tempel verlassen / und der göttin den dienst
/ den ich ihr fast mein lebenlang geleistet / aufsagen sollte. Alle meine
ordensschwester fiengen an / nicht allein mich zu beweinen / sondern auch mich
zu meiden. Ich wurde von allen vorigen heiligen verrichtungen ausgeschlossen /
und musste / von ihnen allen abgesondert /meine zeit allein zubringen / bis auf
den dritten tag vor der trauung: da sie ingesamt mich aus meinem zimmer
abholeten / und mit grossem klaggeschrei in den innern tempel der göttin
führten. Derselbe war durchaus mit der traur bekleidet / und blieben wir darin
/ ungeessen und ungetruncken / drei tage und nächte beisammen. In der dritten
nacht wurde / von des Nisrochs priester / den die Celia heimlich kommen lassen /
uns angemeldet / wiedass es nun zeit wäre / mich fahren zu lassen. Also kame es
zum abschied / worbei soviel tränen vergossen wurden /dass mein gewand / so ich
hier üm die brust trage /ganz benetzet wurde. Als ich endlich / zu guter letze
/der Diana bild ümarmet / wurde mir mein gesichte mit einer decke verhüllet /
und ich damit aus dem tempel gelassen: da der priester mich vor einen altar
fuhrte /und allda an den Hemor trauete. Weil die gesetze wollen / dass eine
geheiligte jungfrau / die solcher massen zur heurat schreitet / einen mond nach
geschehener trauung / sich muss innen halten und von keinen menschen sehen lassen
/ üm in solcher zeit ihre verlorne gluckseligkeit zu beweinen: als musste Hemor
auch einwilligen / dass er mich / nunmehr seine vertraute /bis solche zeit
volbracht wäre / nicht sehen noch ansprechen dorfte. Demnach wurde ich alsofort
/ ohne dass er mir ein wort sagen konnte / von ihme in des Nisroch tempel gefüret:
da mich die geheiligte frauen dieses gottes aufnamen und solang beherbergten /
bis der Aner / des Prinzen Hemors Stattalter / mich aus Ninive unvermerkt
hinweg führen würde.
    Der Prinz Hemor zoge füraus / weil seine notwendige geschäfte ihn nach
Hierapolis forderten: und gabe man mir etliche weiber zu / die auf der reise
mich bedienen sollten. Wie nun alles bereitet war / begabe ich mich bei nacht auf
die reise: die ich dann so glücklich fortsezte / dass / wegen des Aners
treufleissiger aufsicht / niemand von mir etwas erfuhre / und ich anfangs aller
orten sicher bliebe. Wegen mänge der kriegsvölker / die auf dem weg hieher /
sonderlich in Mesopotamien / aller orten verteilt ligen / mussten wir viel
ümwege nemen / und dorften die rechte strasse nicht reisen. Wie wir in Syrien
kamen / hielte Aner für ratsam / dass wir gar durch die stadt Damasco gehen
sollten: weil wir da sicherer würden durchkommen / als wan wir mitten durch die
Assyrische macht uns wageten. Und einer von diesen beiden wegen musste notwendig
genommen werden / weil auser solchen kein anderer uns nach Hierapolis führte.
Also ging die reise hieher / und sandte Aner seine meiste leute auf das gebirge
/ dem Prinzen unsere ankunft zu berichten / nur zehen derselben bei sich
behaltend /die mich in Damasco hinein begleiten sollten. Diese verkleideten sich
/ wie Arabische kaufleute / und hatten meinen wagen / auf dem ich mit meinen
weibern sasse / dermassen mit kramwaaren ausgezieret / dass niemand mich darunter
vermuten oder suchen konnte.
    Also kamen wir glücklich durch Damasco / und verblieben unfern davon in
einem dorf / daselbst zu übernachten. Ich dankte nun schon dem himmel / und
achtete mich auser aller gefahr. Ader unvermutlich /als ich eben zu bette gehen
wollte / offnete sich meine kammertür / und sah ich zween junglinge
hineintretten / die mich sobald umarmeten und zugleich bei namen nenneten. Ich
stellte mich erschrocken an / und wollte mich von ihnen losreissen / als einer
von ihnen zu wir sagte: Wie / Aramena? kennest du nicht mehr deine beide
ordensschwestern / die Briane und Zimene? Bei nennung dieser namen erinnerte ich
mich /dass Celia unlangst diese zwo jungfrauen in manskleidern aus dem tempel
abgefärtigt / die Aramena von Chaldea zu suchen; und in Meinung / dass sie etwan
auf dieser reise meine abenteur erfahren / und mich ansprechen wollten / schluge
ich den flor vom gesichte / sie zu entfahen. Sie erschracken / als sie mich
erkannten. Wie / Aramena? fragte mich Zimene: so bist du dann / mit der Königin
von Syrien / aus unserm tempel abgereiset? und hat unsere Oberpriesterin dir
solches vergonnet? Wo ist aber die Königin von Syrien / die wir so sehr
anzusprechen verlangen?
    Indem ich nun aus dieser dunklen frage mich nicht zufinden wusste / und ihnen
eben entdecken wollte /dass ich selber die Königin von Syrien wäre / die sie
sucheten: kame zu mir in die kammer ein ansehlicher ritter / der mir fast eher
zu den füssen lage / ehe ich meinen flor wieder vor das gesicht konnte fallen
lassen. Vergebet mir / schone Aramena! (redete er mich an /) dass der
unglückselige Betuel sich vor euch darf sehen lassen. Nunmehr / da euer gelübde
aufhoret / werdet ihr ihm auch erlauben / seine ehmalige inbrünstige Liebe
wieder fortzusetzen / und dem Hemor seine glukseeligkeit zu bestreiten. Bedenket
/ Aramena! bedenket / wie ich euch geliebt / wie mein gehorsam euch in der
Diana tempel geliefert: den ihr billig nicht verlassen sollen / als nur darüm /
dass ihr meine beständigkeit krönen möget. Ich / als ein Syrischer Fürst / kann
euch euren vätterlichen tron eher / als ein Canaaniter / erhalten. Und wie ihr
vordessen meine tiefe ehrerbietung gesehen / also werdet ihr auch nunmehr diese
gewalttätigkeit dulten: weil diese / sowol als jene / von meiner grossen liebe
herrüret. Hiemit ümfassete er mich / und brachte mich / ungeheitert von meinem
widerstand / aus dem haus hinaus: da ein wagen unserer wartete / auf welchen er
mich sezte /und mit mir nach Damasco / wie ich bei schein des mondes abnemen
konnte / dahin fuhre. Briane und Zimena / wurden mitgefangen und für Canaaniter
angesehen. Ich konnte nicht aussinnen / wie es moglich /dass der Aner / ohne mir
zu hülfe zu kommen / diese meine entfürung also können geschehen lassen. Ein
grosser haufe reuter ümgabe nun zu beiden seiten den wagen: und weil ich nichtes
täte / als weinen und klåglich mich gebärden / als hörte ich nicht darnach /was
mir dieser unbekanter Betuel fursagte. Mir liese auch meine damalige bestürzung
nicht zu / seine im haus angehörte worte recht zu erwågen: daraus ich ja abnemen
sollen / dass es ein irrtum wäre / und er mich fur eine andere gehalten / die er
etwan ehmals geliebt.
    Wie wir nun solcher massen in der Stadt angelanget / brachte uns unser furer
/ wider des Betuels willen / nach dem neuen tempel den Isis. Ich hörte sie
hierüber wortwechseln / und den Betuel zu einem andern / welchen er Tyson
nennete / sagen: Man sollte nach des Stattalters hause fahren; der hingegen des
Stattalters befehl fürwendete / dass wir nach dem Isis-tempel müsten. Die
ungedult / so Betuel hierüber erwiese / war so gross / dass er / als auf seinen
befehl der / so die pferde regirte / nicht stillhalten wollen / aus dem wagen
sprange / üm zu verwehren / dass wir nicht nach der Isis tempel führen. Wiewol er
nun dapfer gegen die andern / die er alle seine verräter nennte / gefochten / so
musste er doch sich gefangen geben und nach der Isis tempel bringen lassen: alda
vor dem tor eine grosse anzahl priestere stunden /die den Betuel angriffen /
und mit gewalt in den tempel schleppeten. Ich war so erstorben über allem / was
ich sah / dass ich nicht wusste / wie mir geschehen /und wie man mich in eine
finstere kammer gefuret /alda ich die nacht und den folgenden tag allein
gelassen worden. Gestern abends aber kame der Tyson wieder zu mir / da ich auf
einen verdeckten wagen gebracht / und nach dem tempel / in welchem ihr mich
fandet / gefüret worben.
    Sobald ich da hinein gekommen / entfiengen mich zwo alte geistliche frauen /
die mir / zum ersten wilkom / den tod ankündeten: darbei aber doch noch die
barmherzigkeit hatten / mich zu trösten / und mir gute anleitung gaben / mich
zum sterben zu bereiten. Vergebens rieffe ich nach dem Hemor / dass der mich aus
dieser todesnoht erretten möchte: der aber allzu weit von mir ware. Ich schrye
auch meine reichsstände ümsonst an / unter denen ich nun zwar lebete / sie aber
nicht wussten / dass ihre Konigin ihnen so nahe ware. In solcher angst habet ihr /
edler ritter! mich angetroffen: und wie schmerzlich ich euch anfangs für meinen
scharfrichter achten musste / so erfreut befande ich hernach das widerspiel / als
ihr mir bei dem grab meines herrvattern entdecket / dass ihr nicht kämet / mich
zu toden / sondern zu erretten. Und weil ihr / zu solchem ende / mich eiligst
hieder in dieses lustaus bringen lassen / als hoffe ich hier die erfullung
eurer zusage zu sehen. Ihr habt mich zwar / gleich der Briane / Zimene und dem
Betuel / für eine andere gehalten: und kann ich nicht ergründen / woher solcher
fehler entspringe. Ihr werdet aber deswegen nicht ermanglen /einer unschuldigen
davon zu helfen / und / wann ihr ein Syrer von geburt seit / damit erweisen /
dass die liebe zu eurem König Aramenes noch nicht in eurem herzen erloschen sei.
    Hiemit hörete sie auf zu reden / und Elihu zweiflete nun nicht mehr / dass
diese Aramena die Milcaride /des Stattalters von Syrien tochter / sein müste.
Weil ihm die liebe des bisher verlorn-vermeinten Betuels wohl bekant war / als
konnte er leichtlich ermessen / dass selbiger / gleichwie er selber und Hemor / an
ihrer person betrogen worden. Warüm aber Betuel in den Isis-tempel geraten /
und wie Mamellus von diesem allem wissenschaft erlanget / solches verlangte er
zu erfahren: vielmehr aber / dem unwissenden vatter den zustand seiner tochter
bald zu hinterbringen. Demnach / als er für den getanen bericht sich bedanket
/ersuchte er sie / dass sie ohne verdruss sich daselbst eine weile gedulten wollte:
mit versicherung / dass er sie iezt allein verliesse / üm etwas fürzunemen / das
ihre wolfart fördern würde. Damit begabe er sich / in höchster eile / nach des
Mamellus palast: den er in einer sommerläube seines gartens antraffe / so
betrübt und verstellt im angesicht / dass er ihm fast unkentlich ware. Liebster
Elihu! begunte der Stattalter ihn erstlich anzureden: was anfechtungen entfinde
ich doch bei mir / dass ich so unschuldiges blut vergiessen lassen! Ach!
verfluchte stats-ursachen / die mich hierzu bewogen! Wie schwer ist es doch /
wan man ein rechter statsman sein will / ein gut gewissen darbei behalten! Elihu
/ ganz erfreuet / ihn also reden zu hören /fragte ihn: Ob er dann bei sich eine
reue entfinde / üm dass er diese hinrichtung der Aramena anbefolen? und ob er wohl
wunschen möchte / dass es nicht geschehen wäre? Wäre es nicht geschehen /
(antwortete Mamellus /) so müste es / wegen der ruhe des reichs und meinem König
zu dienste / noch geschehen. Nun es aber geschehen ist / füle ich darüber ein
leiden / dessen ursache mir guten teils unbewust ist. Haben wir aber auch
(fragte Elihu /) die rechte Aramena bekommen? Ich bitte / mein Prinz erzehle mir
doch ein wenig / welcher gestalt sie hier verraten worden / und in haft
gekommen.
    Euer begehren ist billig / (gabe Mamellus zur antwort /) und ich will euch
alsofort vergnügen. Es hat meiner gemalin bruders sohn / der Fürst Betuel /
ehmals die Aramena / als sie noch für meine tochter gehalten worden / geliehet /
und zwar so häftig / dass /als sie ihn genötigt / sie nach Niniive in den
Diana-tempel zu bringen / er aus verzweifelung seine eltern und vatterland
verlassen / und nach geraumer zeit /inner welcher er in Arabien ümhergewallet /
in Egypten kommend / sich daselbst in den orden der Isis priestere begeben: des
vorsatzes / solcher massen sein lebenlang die Aramena zu betrauren / als die er
nun gleichfalls in den Diana-tempel verschlossen achtete. Nun truge es sich zu /
dass / wegen des von unsrem König allhier neu angerichteten gottesdienstes der
Isis und des Osiris / von wenig wochen etliche Isis-priestere / zu den andern /
die bereits hier in Damasco waren / aus Egypten hieher geschickt worden / da dann
auch den Betuel die reihe und das los getroffen. Unterwegs nun / und als sie
Syrien erreichet / begegnete ihnen / unferne von hier / der alte Tebah / mit
etlichen seinen vettern: die der Betuel gleich erkennte /und darüm begierig
wurde / sowol mit ihnen die alte kundschaft zu erneuren / als auch wegen der
Aramena bei ihnen sich zu erkündigen. Tebah truge keine scheu / dem Betuel /
als einem priester / alles zu offenbaren / dass nämlich Aramena nicht meine
tochter /sondern die erbin von Syrien wäre / und dass der Prinz Hemor ihr anwesen
im tempel zu Ninive erfahren hätte: weswegen er iezt darin begriffen sei / ihr
als der Königin von Syrien ihre geburt bewust zu machen / und anbei sie zu
bereden / dass sie mit ihm nach Syrien kommen möchte.
    Nachdem Betuel diss alles von ihm vernommen /erwachete wieder in seinem
herzen die alte liebe / und triebe ihn / dass er den schluss fassete / seinen
orden zu verlassen / und von den andern sich abzustehlen: worauf er ihm fürname
/ dem Hemor nach Ninive zu folgen. Dieses geriete ihm nach seinem wunsch / und
seumte er sich nicht / nacht und tag fortzureisen: da er dann eben Ninive
erreichte / als der Prinz von Canaan wenig tage vorher daselbst heimlich
angekommen war. Auf lange nachforschung / erfragte er endlich den Hemor / und
traffe daselbst an den Hadat von Chesed / der bei dem Fürsten von Sepharvaim
sich befande /mit dem er vor der zeit in Mesopotamien grosse vertreulichkeit
gepflogen hatte. Dieser offenbarete ihm /wiedass sein herr der Tarsis / als in
die Syrische Aramena auch verliebt / zugegen wäre. Er versprache ihm aber / auf
alle mögliche weise zu verschaffen / dass sein herr in seiner liebe nichts
erlangen sollte. Zu dessen versicherung zeigte er ihm einen brief des Tarsis /
den dieser an die Aramena im tempel durch ihn bestellen lassen; welchen er von
ihr / und darunter diese worte / als wan sie solche geschrieben hätte / zurücke
gebracht: Es sollte Tarsis nur abstehen von dem rechte / welches allein dem
Hemor gebürete. Wie dann Hadat hierdurch soviel zu wegen gebracht / dass Tarsis
hierauf alle liebe gegen der Aramena verloren.
    Aber des Betuels anderer mitbuler ware nicht so leichtlich auszudrengen /
und musste er geschehen lassen / dass Aramena an den Hemor getrauet wurde: welcher
hierauf / als ihr gemal / nach Hierapolis voraus reisete / und seinem
Stattalter / dem Aner / befehl hinterliesse / die Aramena hernach zu bringen.
Hierbei nun gabe die liebe dem Betuel diesen anschlag in den sinn / dass er sich
in des Aner geleitschaft begabe / des fursatzes / im herreisen durch Syrien eine
gelegenheit abzusehen / die Aramena ihm zu entfüren. Zu dem ende sonderte er
sich von dem haufen ab / als sie hier durch die stadt / in Arabische kaufleute
verkleidet / ziehen / und den andern gefärlichen weg durch das Assyrische
kriegsheer vermeiden wollten. Er kame / etliche tage vor ihnen / hieher und in
meinen palast / da ich mich seiner im geringsten nicht versehen. Ich kennte ihn
anfangs nicht / weil ich ihn für längst-verloren gehalten. Als er aber sich mir
nennte / wurde ich von ungemeiner freude überfallen /den jenigen wieder zu sehen
/ den alle die seinige /welche mir iederzeit sehr lieb gewesen / bereits für
todt beweinet hatten. Als er mir aber nachgehends sein fürhaben erzählt /
befande ich meine freude in eine grosse bestürzung verwandlet. Er bate mich /
dass ich ihm / als meinem nahen blutsfreund / in seinem anschlage dienen / und
mit volk an die hand gehen wollte / die Aramena den Canaanitern abzudringen. Ich
sollte ihm auch behulflich sein / dass er dieser Schönen gunst / und dadurch das
Syrische reich / erlangen möchte.
    So willig ich nun ware / ihm in seinem ersten begehren zu wilfaren / so
wenig hatte ich im sinn / sein anderes verlangen zu fördern. Ich liese mich aber
dessen gegen ihme nicht vermerken / behielte ihn selbige nacht heimlich bei mir
/ und fassete nach langem überlegen den schluss / des Betuels mich zu bedienen /
üm die Aramena in meine hånde zu bekommen. Zu solchem ende beschiede ich
folgenden morgen den Tyson vor mich / und befahle ihm / eine gute anzahl
bewehrter kriegsleute in bereitschaft zu halten / die ich zu einem sonderbaren
anschlage gebrauchen wollte. Inzwischen war ich mit aller vorsicht bemühet / in
der änge zu halten / dass diese der Syrer Erbkönigin also nahe wäre / und durch
die stadt reisen würde: dann daraus hätte ein grosses unheil und ein aufstand
leichtlich entstehen mögen. Nur dieses vertraute ich dem Tyson / dass Betuel
eine geheiligte jungfrau der Diana entfüren wollte: welches ich / weil er ein
verlobter Isispriester wäre / als unrecht / verhintern / und /damit er diese von
mir begehrte hülfe bei keinem andern suchen möchte / ihn mit list in den tempel
der Isis bringen / die geheiligte jungfrau aber ihme aus den händen spielen und
bei mir in sicherheit verschaffen wollte. Zu behuf dessen / liesse ich den
Egyptischen Isis-priestern durch den Tyson ansagen / wiedass einer aus ihrem
mittel der / auf ihrer ietzigen herreise aus Egypten / von ihnen entlaufen / in
meinen händen wäre / welchen ich ihnen wieder liefern wollte: das sie dann mit
dank und freuden annamen. Ich musste auf solche weise hierinn verfahren / (wiewol
es mir nahe gienge / dass ich den Betuel den seinigen also zum andern mal
entziehen sollte) weil / die angelegenheit meines Königs und die ruhe dieses
reichs / es erforderte. Wie dann / wann ich dem Betuel die Aramena abgenommen
und ihn losgelassen hätte / er solches würde ruchbar gemacht / und grosse
ungelegenheit dadurch verursachet haben. Durch dieses mittel aber /konnte ich
hoffen / dass ein so grosses werk / als ich fürhatte / so heimlich als sicher von
statten gehen wurde.
    Es verliefen hierauf etliche tage / bis endlich die unglückseelige Aramena
ankame / und in einem dorf hier nahe vor der stadt die einkehr name. Der
verliebte Betuel / so dieses ihr nachtlager vorher schon ausgekundschaftet /
kante die wirtin / welche ehdessen in seiner eltern haus zu Haran gedienet / und
redte mit ihr ab / dass sie die ankommende / jungfrau der Diana allein in ihrem
haus bewirten / ihre bei sich habende mannspersonen aber etwas weit hintan in
einem hause des dorfs einlagern sollte: damit / wan er sie zu entfüren käme /
dieselben ihme hieran nicht hinterlich sein möchten. Dieses alles gienge nun wohl
von statten /und bekame ich also die Aramena / neben zweien jungen Canaanitern /
in meine hände: den verliebten Betuel aber schickte ich in der Isis tempel / da
er itzund den verlust seiner Aramena schmerzlich beklagen wird: mitlerweil diese
armselige / durch eure anstalt /ihr leben verlieren müssen. Hierdurch ist zwar
Syrien und mein König in frieden gesetzet / mein gemüt aber mit solcher
betrübnis beleget / dass ich lieber den tod /als länger diese marter / erdulten
wollte.
    Ich weiss allein / (sagte der erfreute Elihu /) was meines vettern marter
verursachet. Solches ist ein verborgener trieb der natur: weil wir nicht die
Königin von Syrien / sondern die Prinzessin Milcaride / in unsre hände bekommen.
Ich werde verhoffentlich /wegen meines bezeigten ungehorsams / vergebung
erhalten / wann ich sage / dass ich nicht dieser Aramena / sondern der Milcaride
von Chaldea / der einigen tochter des Prinzen Mamellus / ihr leben gefristet.
Mamellus bliebe über diesem berichte ganz unweglich / als ein stein / den Elihu
anschauend. Dieser aber wollte ihn nicht lang in solcher unruhe lassen / sondern
fienge alsofort an / ihme alles ausfürlich zu erzählen / was er aus der
vermeinten Aramena eigenem mund vernommen: die dann keine andere / als die
Milcaride / sein könnte. Niemals hat eine schleunigere veränderung eines menschen
gemüte überfallen / als dissmal dem Mamellus widerfuhre: der auf einmal die
nachricht erlangte / dass seine tochter aus dem tempel entkommen / dass sie bei
ihm in Syrien sei / dass der Prinz Hemor / nicht durch menschlichen betrug /
sondern durch sonderbare schickung des himmels / mit ihr verlobet / dass also die
Syrische Aramena noch verborgen / und dass die unruhe seines gewissens /über
ihrem tod / vergebens gewesen. Ach Elihu! (sagte er endlich / nachdem er aus
seiner tiefen entzuckung erwachet / und wieder zu reden fähig worden /) ist es
nur so ersonnen / oder ist es die warheit / was ich jetzt von euch gehöret? Der
Fürst von Ram beteuerte hierauf mit vielen eidschwüren / wiedass er ihme /was
wahr / erzehlt hätte: und bewoge damit den hoch-erfreuten Mamellus / ihn mit
tränen zu ümarmen. Ach! sagte er / so bin ich dann euch / mein Fürst / ewig
dafür verbunden / dass ihr mich verhintert / nicht mörder an meiner tochter zu
werden.
    Hierauf reitzete ihn die vätterliche liebe / sein kind zu sehen. Wie er aber
dieses werkstellig machen wollte / kamen ihme tausenderlei hinternise in den sinn
/ die seine begierde aufhielten. Auf was weise soll ich sie sehen / (fragte er
sich selber /) da sie mich eher für ihren mörder / als für ihren vatter / halten
muss? Was habe ich für zeugnis / sie zu überreden / dass nicht der König Aramenes
/ sondern ich / ihr vatter sei? Wird sie mich nicht einen betrieger schelten /
der da suche /sie aus ihrer königlichen würde zu setzen? Und wie soll ich es mit
ihr / wegen des Hemors / anfahen? Mein wille ist ja allemal gewesen / diesen
mächtigen Prinzen zum schwiegersohn zu haben. Zwar hat ihn der himmel meiner
tochter gegeben: aber auf so frömde und wunderbare weise / dass ich deswegen
nicht kann ruhig leben. Diese und dergleichen gedanken mässigten die freude des
Stattalters von Syrien / so gar /dass die kaum abgelegte unruhe sich wieder
einfande /und er immer unschlüssiger wurde / iemehr er diesem handel nachsonne.
Elihu fand gleichfalls hierbei viel beschwerlichkeiten / und besorgte unter
andern / wan Hemor / der sie noch nie gesehen / den betrug erfüre /würde er die
Prinzessin verstossen / und sie dardurch sehr beschimpfet werden. Demnach hielte
er für das ratsamste / man sollte selber / bei hof und in der stadt /alsobald
offenbar machen / dass Hemor / an statt der Aramena / die Milcaride aus dem tempel
zu Ninive bekommen / die nun durch wunderbare weise in ihrer eltern hände wieder
geraten wäre: das übrige sollte man dem himmel und der zeit befehlen.
    Nachdem endlich der Mamellus dieses auch für gut befunden / name er den
Elihu bei der hand / und gienge mit ihm nach seiner gemalin gemach: die an
nichts weniger gedachte / als dass sie zeitung von ihrer tochter bekommen sollte.
Anfangs ware ihr alles / gleich einem märlein / was diese beide ihr erzehlten.
Endlich / als sie solches mit vielen worten beståtigten / notigte sie ihr
mütterliches herz / das zu glauben / was sie so gern wollte / dass es wahr sein
mochte. Hierauf wurde sie mit ihnen schlüssig / dass sie alsofort miteinander
nach dem lustause hinaus fahren / und ihre Milcaride herein holen wollten. Indem
erinnerte sich Elihu /sowol aus der Milcaride als aus des Mamellus erzehlung /
dass die beide jungfrauen der Diana / die Briane und Zimene / mit der Milcaride
waren gefangen worden / und fragte nach denselben. Mamellus berichtete / es
wären zween junge Canaaniter / als mitgefangene / in seinem haus: die wurden /
auf des Elihu antrieb /sobald vorgefordert. Die beschämte Briane und Zimene
wollten anfangs leugnen / wer sie waren: sie mussten es aber endlich gestehen /
als ihnen Elihu sagte / was ihme Aramena von ihnen erzählt hätte. Sie bekennten
demnach / was massen sie vor etlichen monden / auf befehl der Oberpriesterin /
also verkleidet ausgegangen wären / die tochter des Stattalters von Syrien zu
suchen / und wieder in den tempel zu bringen. Sie berichteten ferner / wie sie /
nach langem angewandten fleiss / dieses von ihr erfraget / sie sei im tempel zu
Ninive wieder angelanget / aber für die Syrische Erbkönigin erkant / und an den
Hemor getrauet worden. Nachmals seien ihnen / als sie nach Ninive zurücke
gereiset / unterwegs die Canaaniter mit dieser Königin Aramena begegnet: welche
sie noch einmal zu sprechen verlanget / und hätten zu dem ende von dem Aner sich
für soldaten annemen lassen. Gleichwol /weil man die Königin immer gar zu genau
verwahret /hätten sie zu ihrem verlangen nicht eher gelangen können / als in dem
dorfe nahe bei Damasco / da sie vor ihrer kammer neben andern die wacht gehalten
/aber / an statt der Königin / die andere Aramena gefunden / mit deren sie dann
wären gefangen worden.
    Auf erlangten diesen bericht / ward von dem Mamellus und Elihu / auch von
der Tarasile / für gut befunden / diesen beiden alle ümstände zu entdecken /und
alsdan mit ihnen zu der Milcaride abzufahren: deren sie dann / als ihre alte
ordensschwestern und bekantinnen / beibringen sollten / wiedass nicht sie /
sondern die bishergegläubte tochter des Mamellus / die Königin von Syrien wäre.
Wie nun diese beide dessen unterrichtet waren / wurden ihnen weibliche
kleidungen gereichet: die sie in einem nebenzimmer eiligst anzogen / und hierauf
/ (wiewol sie lieber diese ihr ordensschwester in den tempel håtten zurücke
füren mögen /) neben den dreien andern / nach dem lustause fuhren / in welchem
der Fürst von Ram die Milcaride aufbewahren liesse. Selbige mit so unvermuteter
zeitung nicht all zu bestürzt zu machen / hielten sie für ratsam / dass Briane
und Zimene zuvor den weg bahnen / und ihr / wie die sachen stünden / anbringen
sollten: daher allein diese zu ihr in das gemach eintratten / und die andere sich
mitlerweil in ein nebenzimmer begaben.
    Milcaride zeigte sich nicht wenig erfreut / ihre beide gewesene
ordensschwestern bei sich zu sehen. Nachdem sie dieselben ümarmet / und / von
wannen sie so unversehens kämen / befraget / fieng Briane an / ihr alles nach
der länge zu erzählen / was Tebah und Calaride von der vermeinten tochter des
Stattalters in Syrien ausgesaget / wie sie mit der Milcaride verwechslet worden
/ wie Hemor dieselbe inbrunstig geliebt / und darüm / als er ihre rechte geburt
von dem Tebah erfahren / nach Ninive gezogen wäre: in Meinung / dieselbe im
tempel zu finden und von der Celia abzufordern. Sie sezte hinzu / wie solches
alles ganz Syrien wüste: und könnte sie ihr nicht bergen /dass sie nicht die
Syrische Aramena / folgbar auch nicht diejenige sei / die von dem Hemor geliebt
würde. Die zeitung des todes / welche zween tage vorher der Milcaride war
angebracht worden / hatte sie so sehr nicht erschrecket / wie dieser bericht:
als wordurch sie auf einmal / beides der Königlichen Wurde sich entsetzet / und
von dem Prinzen Hemor sich geschieden sah. Die aufrichtigkeit der Briane / als
welche ihr von kindheit auf bekant worden / liesse sie an der warheit ihrer worte
nicht zweiflen.
    Wie sie nun / in solcher verwirrung / nicht wusste /was sie hierzu sagen
sollte / und es bloss auf das weinen gabe / trate Elihu zu ihr hinein; welchen sie
gar erbärmlich anschauete und sagte: Ich weiss nun nicht /mein erlöser! worüm ich
euch ferner bitten soll. Ich bin betrogen / wie es scheinet: und soll andere / zu
meinem unglück / mit betriegen. Ich stehe bei mir an /ob mich nach dem Hemor
verlangen möge: da die erkennung meiner ungestalt ihme kund machen wird /dass er
nicht derjenigen / die er liebt / die eheliche hand gegeben. Ich finde mich
aber hierinn unschuldig / und habe ihn wissentlich nicht betrogen. Ich habe
keine schuld / als dass ich der Celia gegläubet / die eine Syrische Aramena von
mir machen wollen. Die håufige zären ersteckten ihr hierauf die rede / da sie
dann den Elihu also antworten hörte: Stillet / schone Prinzessin! eure
traurigkeit / und danket vielmehr den göttern / dass sie euch also wunderbarer
weise eure geburt entdecket / und euch zu euren eltern wiederbringen. Wo sind
dann meine eltern? fragte die betrübte Milcaride. Habt ihr dann nicht (antwortete
Elihu /) aus der Briane erzehlung vermerket / dass der Tebah und die Fürstin
Calaride euch / in eurer kindheit / als des Prinzen Mamellus von Chaldea und der
Tarasile tochter / mit des Königs von Syrien tochter vertauschet? da ihr dann /
für diese Erbprinzessin / in den tempel der Diana übergeben / und sie hingegen
für euch / als des Stattalters von Syrien tochter / auferzogen worden.
    Indem kame Mamellus und Tarasile auch darzu /die dann beide der Milcaride üm
den hals fielen / und eine gute weile an ihr hangend / viel zären vergossen.
Hierbei nun stellte sich die natürliche regung auch bei der Milcaride ein / also
dass / wie verwirrt sie auch ware / sie dannoch eine ruhe in sich entfande / die
ihr ungewönlich war: und fülete sie das herz ihr zusagen /dass diese ihre eltern
seien. Nach langem ümhalsen und ümarmen / inner welchen die tränen kein wort
hervor gelassen / bestätigten sie beiderseits diese ihre kentnis / und fuhren
hierauf miteinander in die stadt: da dann iederman zuliefe / und diese frömde in
ihrer geistlichen ordenstracht ersehend / zu wissen verlangte / wer sie wäre /
und warüm der Stattalter sie daher brächte. Aber das gerüchte / wiedass er seine
tochter wieder gefunden / breitete sich alsofort überall aus /und floge bald
auch nach hof: als eben die Prinzessinnen bei der Königin von Tyro versamlet
waren / und von dem wundersamen zufall der Aramena von Seir /auch von andern
darbei vorgekommenen begebenheiten / sich bespracheten. Es sezte aber / diese
neue zeitung / sie alle in grosse verwunderung: und weil solche unterschiedlich
vorgebracht wurde / als schickte die Königin von Tyro den Cosdron nach des
Mamellus palast / die warhafte gewissheit hierüber einzuholen. Diesem begegnete
eben der Stattalter / nach hofe fahrend: mit dem er dann wieder ümkehrte / und
also denjenigen einbrachte / der hiervon selber den bästen bericht geben konnte.
    Sobald Mamellus vorgelanget / ward er von der ganzen gesellschaft ümringet /
und wollte iedes viel von ihm wissen. Demnach sie alle / und sonderlich die
Königin von Tyro / zu vergnugen / erzehlte er ausfürlich / welcher gestalt ihme
/ durch sonderbare himmelsschickung / seine tochter wieder eingelanget /und der
Prinz von Canaan / sie für die Syrische Aramena haltend / sich mit ihr hätte
trauen lassen. Die Konigin von Tyro / und nach ihr alle die andern /
beglückwünschten hierauf diese des Mamellus freude /und schöpften zugleich aus
dieser begebnis die hoffnung / es würde die Syrische Aramena nun wohl verloren
bleiben / und also der krieg zwischen den Assyrern und Canaanitern ein loch
gewinnen. Die Timna /so mit zugegen ware / und allein wusste / wer und wo die
rechte Aramena wäre / verlanget sehr / diese zeitung der Ahalibama nach Naema zu
berichten. Weil aber die Königin von Ninive ihr fürgnommen hatte /die Ahalibama
/ und zugleich ihre verwundte Aramena / zu besuchen / als musste sie ihre
begierde bis dahin verschieben.
    Nachdem die gesellschaft wieder voneinander gegangen / beriete sich die
Königin von Tyro / mit dem Stattalter / in ihrem cabinet / was hierbei zu tun
sein möchte: und wurde Belopares / der eben von dem kriegsheer in die stadt
gekommen / in diesen raht mit gezogen. Sie hielte für nützlich / dass diese
begebenheit alsofort dem Hemor / und insonderheit denen zu Hierapolis und Ober
Syrien / entboten würde: damit sie / samt der hoffnung / ihre Erbkönigin zu
bekommen / auch den muht verlieren / und also die Syrer von der Canaanitischen
seiten abgerissen / hingegen in dem Babylonischen gehorsam erhalten werden
möchten. Die beschehene verlobung des Hemors mit der Milcaride / müste man auch
bei den Syrischen ständen sonders hoch und für gültig anbringen: üm dadurch zu
erlangen / dass sie den Hemor nit ferner /wie sie allbereit in Ober Syrien getan
/ ihren König nennten und dafür erkennten. Weil nun die andern hierinn mit ihr
einig waren / als wurden / noch selbigen abend / briefe und boten nach
Hierapolis abgefärtigt. Und weil man wohl vermuten konnte / dass der Aner allbereit
/ wie es ihm in Syrien ergangen / dem Prinzen von Canaan würde hinterbracht
haben: als ware hochnötig / dass zugleich der wahre bericht von diesem handel in
Ober Syrien erschallen möchte. Belopares eilete hierauf wieder zu seinen völkern
/ um den Prinzen Sinear / neben dem Mancaleus und Nechubes / abgeredter massen /
mit den ihrigen nach Hierapolis abzuordnen: daselbst sie / bei der über dieser
zeitung entstehenden verwirrung / einen guten fortgang ihrer waffen absehen
könten. Er selbst aber / neben den Oneballus / Dereilus / Ascrasapes und Abieser
/wollte inzwischen / ohne fernern verzug / dem König Beor entgegen gehen: von
welchem die nachricht eingelaufen war / dass er bereits die stadt Jenysus an den
Ober Syrischen gränzen eingenomen / und iezt mit seinem ganzen heer vor Cadytis
gerücket.
    So vergnügt nun das ganze haus des Stattalters sich befande / dass sie ihre
Prinzessin wieder bekommen / so wenig freude liesse sie hingegen blicken: welches
man aber ihrer stille und eingezogenheit / wie auch ihrer gähen stands-änderung
und dem ausgestandenen schrecken zuschriebe. Um dess willen machte Tarasile ihr
keine gedanken hierüber / sondern lebte der hoffnung / es würde / wan etliche
tage fürbei / mit ihr schon anderst werden. Es war ihr zwar selber so frömd
hierbei zu mute / dass die bestürzung ihr guten teils die freude minderte / und
selbige nicht völlig hervorbrechen liesse. Als aber die nacht herbeigekommen /
und Milcaride / ganz allein gelassen / ihren zustand recht erwägen konnte /
begunte sie ihr furzubilden /wie / ihr eingebildter Königlicher stand / sie das
vergnügte leben in der Diana tempel verlassen gemacht /und zugleich in ihr eine
regung erwecket / welche sie liebe zu nennen sich scheuete: wiewol ihr herz
gestehen musste / dass es nichts anders wäre. Der Hemor /welchen sie am ersten /
unter allen sterblichen / als den jenigen angesehen / den sie lieben dorfte
/schwebte ihr ohn unterlass in gedanken: und schmerzte sie üm des willen der
verlust der Syrischen Kron am meisten / weil sie dadurch die hoffnung verloren /
dessen verlobte zu bleiben / dem sie mit so reinem unschuldigen herzen sich
übergeben hatte. Und wie sie von natur überaus grosmütig / also ware ihr dieses
vor allen das entfindlichste / dass sie von der welt das urteil über sich dulten
musste / als hätte sie durch diesen betrug den Prinzen von Canaan zu erwerben
gesuchet: da sie doch einer andern weichen müste / die sein herz allein verehrte
und anbetete. Sie konnte / bei so verwirrten ümständen / keinen raht ersinnen /
und wünschte sich öffters wieder in ihren vorigen stand: worzu sie aber zu
gelangen kein mittel ersah / weil ihre erkannte eltern ihr nimmermehr / hieran
zu gedenken / zulassen wurden.
    Der morgen brach herein / ehe noch einiger schlaff in der Milcaride augen
gekommen. Und weil der Stattalter sie nach hof zu bringen gewillet war / als
musste sie zugeben / dass man ihr weltliche kleider anlegte: und liese sie mit ihr
machen / was man wollte /weil ihr / in solcher gemüts-verwirrung / alles gleich
ware. Dieser weltliche schmuck aber / gab ihrer natürlichen schönheit nicht
einen schlechten glanz / also dass solche / ungeacht ihrer tiefen traurigkeit /
gar trefflich hervor leuchtete. Wie sie nun nach hof gekommen / wurde sie durch
die Königinnen von Tyro /Ninive und Elam wohl entfangen / und von allen
anwesenden bewundert. Die schone Konigin von Ninive /welche vordessen / da sie
zuzeiten der Diana tempel besuchet / dieser Prinzessin / (weil sie wegen des
irrtums / als wäre sie die Syrische Aramena / vor dem Babylonischen hof sich
verbergen müssen /) nicht wargenommen hatte / erwiese eine sonderbare vergnügung
/ mit ihr bekant zu werden. Die Syrische bediente aber / die bei dieser
ansprache mit zugegen waren /verbargen / so gut sie konten / ihre betrübnis /
dass es mit wiederfindung ihrer Erbkönigin also fehlgeschlagen hätte. Der Furst
Tarsis von Sepharvaim / welcher eben mit seinen untergebenen Niniviten nach
Hierapolis seinen feldzug fürnemen wollte / und solchen / nur diese Prinzessin zu
sehen / noch aufgeschoben / gabe ihr zu vernemen / wiedass er / als man sie an
den Hemor getrauet / im Ninivitischen tempel mit gewesen wäre: worüber sie zu
erröten und zu seufzen nicht unterlassen konnte / und damit den anwesenden zu
erkennen gabe / was unruhe ihr die erinnerung dieser begegnis verursachete.
    Es wollte aber der erfreute Stattalter / wegen dieser wiederfindung seiner
tochter / ein freudenmal anstellen / worzu die königliche und alle fürneme
personen in ganz Damasco eingeladen wurden. Weil solches gegen abend erst
angehen sollte / als fuhre inzwischen die Königin von Ninive neben der von Elam
und den meisten Prinzessiñen (unter denen auch die Timna war /) nach Naema
hinaus / sowol die Ahalibama / als die Aramena / zu besuchen. Die erste von
diesen / hütete nun nicht mehr des bettes. Aber Aramena / befande sich noch
etwas schwach / wiewol ganz auser gefahr: daher die gesellschaft in ihre kammer
sich verfügte. Diese gnadbezeugung der schonen Königin /gabe dem armen unter der
Aramena person verborgenem Dison / eine solche herzstärkung / dass deren wirkung
aus seinen munteren augen hervorblickete.
    Der schone vermeinte Dison aber / so neben der Ahalibama / als die
Koniginnen hineinkamen / bei der Aramena bette stunde / und sich nit füglich /
wie er sonst zu tun gewohnt / für dieser gesellschaft verbergen konnen / wurde
von ihnen allen bewilkommet /und wollte iederman wissen / wo er sich solang
verhalten hätte / seitdass er in dem auflauf / den die leuen verursachet /
verloren worden. Ahalibama antwortete für ihren ritter / wiedass sie selbst so
glückselig nit werden konnte / dieses zu erfahren: weil er ein sonderbares
geheimnis davon mache / was ihme in solcher zeit begegnet. Ohne zweifel ist er
(sagte Timna /) in gesellschaft etlicher damen gewesen / welche er zu nennen
bedenken träget / um seiner verlobten braut keine eifersucht einzuraumen.
Aramena weiss wohl /(widerredte der schöne Dison /) dass mein herz sich ihr allein
ergeben / und hat demnach keine ursache zu eiferen. Sie hat aber ober mich sich
zu beschweren /dass ich ihr in jüngst-begebener abenteur nicht beigesprungen und
die wunden für sie aufgefangen / die meinem geschlechte båsser als dem ihrigen
anstehen. Dieser zufall ist doch wohl wundersam / (sagte die schone Konigin
Delbois zu ihrer Aramena /) und kann ich nicht aussinnen / wie es hierum bewandt
sein müsse. Dann / wie ich verneme / so ist dein widerpart ein weib gewesen: ist
ihr also / die eifersucht gegen dir / nicht zu verublen. Doch ist auch die
ursach ihres hasses nicht zu ergrunden / der sie gegen dir zu solcher
Entschliessung genötiget.
    Eine unverdiente eifersucht / (antwortete Aramena /) hat sich / in dem
gemüte der unbekanten heldin /gegen mir angesponnen. Dieselbe kann aber meiner
gnädigsten Königin so fromd nicht vorkommen /wann sie die umstände betrachten /
die nachgehends hierbei sich hervorgetan haben. Dann / dass der Prinz von
Assyrien dieser dame gefolget / und / wie ich verneme / noch nicht
wiedergekehret: solches zeigt nicht unklar an / sie müsse eben dieselbe
Prinzessin sein /die ehmals der Prinz / am hofe der Königin von Elassar, beim
opfer gesehen. Ich hatte eben diese gedanken / (sagte Delbois /) und wann sie es
ist / so gibt sie durch dieses ihr beginnen an tag / wie sie ubel vertragen
konne / dass der Prinz von Assyrien die Aramena bisher bedienet. Prinz Cimber /
hat gleichfalls dieser unbekanten Heldin nachgerennet: dessen und des Baleus
wiederkunft uns aus diesem traume helfen wird. Es hat sich aber gestern noch was
eues an unserem hof begeben / indem unser Stattalohne alles vermuten / seine
tochter wieder bekommen.
    Wann man auf des schönen Disons gebärden gesehen håtte / als die Königin von
Ninive diese zeitung fürbrachte / wurde sich an denselben eine grosse besturzung
gewiesen haben. Weil aber / auser der Ahalibama und Timna / niemand sie
betrachtete / als merkte niemand / dass ihr hierbei etwas anlage. Sie hatte
bisher fur gewiss gegläubet / Mamellus und Tarasile seien ihre rechte eltern.
Nun aber musste sie anheben zu zweifelen: zumal weil die Fürstin Calaride
bekräftigte / dass sie die wiedergefundene Milcaride / aus liebe zum Syrischen
geblüte / mit der wahren Aramena in ihrer kindheit vertauschet hätte: worbei sie
zugleich ihre freude bezeugte / dass der Stattalter sie wieder bekommen / und
also nicht ewig seines kindes / das sie ihm geraubet / entbären müssen.
    Wie hiervon die ganze gesellschaft noch eine weile geredet / und iederman
die schone Milcaride rümte /verteilten sie sich nach der hand voneinander: da
die Königin Lantine mit dem Hadoran in ein nebengemach / die Prinzessin Indaride
aber / mit der Amorite / Perseis / Calaride / und den übrigen anwesenden herren
und damen / in den garten / der hinter dem schloss gar ergetzlich angebauet war /
sich begaben /und also / die Konigin von Ninive mit der Timna / bei ihrer
Ahalibama / Aramena und dem Dison allein liesen. Die Königin fienge hierauf an /
von ihrer Aramena heurat zu reden / und versicherte den schönen Dison / dass sie
ihm alle hülfe tun wollte / zu seinem zwecke zu gelangen: zumal nun zu hoffen
wäre / dass sie an dem Prinzen von Assyrien fortin keinen mitbuler haben wurde /
weil dessen neue liebe gegen der unbekanten Prinzessin in seiner lezten handlung
sich genugsam spuren lassen. Ich mochte aber wohl / von euer beider lebens- und
liebesgeschichte / ümständlicher unterrichtet sein: massen die liebe zu meiner
Aramena bei mir so gross ist / dass ich für unbillig achte / länger unwissend zu
leben / was denkwürdiges euch beiden iemals begegnet.
    Die beide stifterinnen dieser heurat / Ahalibama und Timna / hatten sich
dieses anmutens der Königin nicht versehen / und daher ihre beide verliebte
dieserwegen nicht unterrichtet: denen es wohl anzumerken /dass sie hierüber
betretten wären. Gleichwol erholte sich der schöne Dison / und antwortete der
Königin: Unser beider liebesgeschichte ist so frömd / und füret solche ümstände
/ die wir / bevor unsre heurat volzogen sei / niemanden entdecken dorfen.
Demnach wolle E. Maj. bis dahin in gedult stehen / da sie dann alles zum gnüge
erfahren sollen. Ihr vermehret zwar hierdurch meine begierde / (sagte die
Königin /) in dem ihr eure begebnise für sonderbar angebet. Ich will mich aber
gedulten / weil die zeit eurer eheverbindnis bald vorhanden sein wird: wie ihr
dann solche nun selber erwählen moget / und werde ich / wann ihr mir solche
benennet eure befördererin sein / dass ihr unverlängt zu eurem zwecke gelangen
möget. Der schone Dison / der nichts mehr wunschete / als dieses zum ende und
dadurch sich wieder in der Diana tempel zu bringen / brache erfreut in diese
antwort heraus: Wann E. Maj. beliebig wåre / innerhalb zehen tagen mir ihre
Aramena antrauen zu lassen / würde ich diese konigliche gnade mit
pflichtschüldigstem dank annemen. Dieses sei euch hiermit versprochen! gab die
Königin zur antwort. Und ob ihr mir gleich eine liebe freundin an dieser Aramena
entwendet / so ziehe ich doch billig eurer beider ruhe der meinigen für / und
will zu frieden sein / wann ich euch mag zu frieden wissen.
    Der armen Aramena ward hierüber / auf ihrem bette / ubel zu muht: doch musste
sie ihren unmut verdrucken / und diese gnade / wie saur es ihr ankame /zu dank
annemen. Ich verliere alles / (sagte sie / mit vielem seufzen /) indem ich die
bedienung von Euer Maj. verliere. Ich vermag aber nicht gegen mein verhängnis zu
streiten / als welches mir nit gonnet / dass ich långer meiner glückseligkeit
geniese. Du gewinnest in verlieren / liebste Aramena! (antwortete die Königin /)
indem dir dein Dison zu teil wird. Mir aber schadet deine abwesenheit / in der
liebe gegen meinem Prinzen / und raubet mir die jenige / mit der ich dieses mein
geheimnis geteilet. Timna kame hierauf der Aramena in der antwort zuvor / und
sagte: Was E. Maj. an der Aramena verlieren / das haben sie ja so gut
hinwiederüm an der Prinzessin Ahalibama und mir: und wann ich es sagen darf / so
vermeine ich E. Maj. in ihrer liebe mehr gedienet zu haben / als eben Aramena.
Aramena (wandte die schone Delbois dargegen ein /) ist allezeit sorgfältiger
gewesen / als die furwitzige Timna: und ob es schon zuweilen schiene /als ob sie
unsere liebe mehr gehintert / als gefordert /so ware doch solches ihrer für mich
tragenden sorgfältigkeit zuzuschreiben / indem sie damit furkommen wollen / dass
wir nicht verrahten wurden. So verneme ich dann / (antwortete Timna) im scherz /
dass ich / an statt gnade verdient zu haben / bin strafwürdig worden / indem ich
so oft darzu geholfen / dass der geliebte Abimelech und meine gnådigste Königin
einander gesehen haben?
    Die Königin sah / bei nennung dieses namens /den schonen Dison an / und
entfärbte sich vor ihme /dass er dieses mit angehöret. Timna aber / als sie
solches merkte / fuhre also fort: E. Maj. entsehen sich nicht / diesen ritter
mit in ihre heimliche unterredung zu nemen: massen ich fur ihn geloben will / dass
er verschwiegen ist / und weil E. Maj. ihm ihre vertraute kammerjungfrau
überlassen / mit äusersten kräften dahin trachten wird / E. Maj. in ihrer liebe
zu dienen. Ihr rächet euch so wohl an mir / (antwortete die schone Königin) üm
dass ich zuvor etwas gesagt / so euch etwan zu nahe gelautet / dass ich leichtlich
sehe / ich werde nachgeben müssen / wofern ich eure rache nicht ferner auf mich
ziehen will. Ich trage zwar an des ritters Dison verschwiegenheit keinen zweifel
/ und / da mir freunde nötig sein mochten / werde ich nicht vergessen / ihn in
die zahl derselben mit zu ziehen.
    Der schöne Dison beantwortete dieses mit einer tiefen verneigung / und wurde
diese unterredung also fortgesetzet / bis sich die Königin von Elam / neben den
anderen wieder herbei fand. Damit namen sie abschied / von der Ahalibama und
ihren wirten / dem Zophar und der Calaride / und giengen zu wagen /nach Damasco
wieder zukehren. Im hinfahren / kamen die beide Königinnen / welche allein
beisammen fassen / von dem Elamitischen krieg zu reden. Die Königin Lantine
beklagte sich / dass Ihre frau mutter ihrer abreise so zuwider ware / und das
Assyrische joch ihrem reich mit gewalt aufbürden wollte / indem sie so eifrig auf
ihre heurat mit dem Prinzen Baleus drange /darzu doch sie so wenig neigung / als
der Prinz selber / hätte. Sie täte hierzu / wie zu befahren wåre / dass die
ankunft des Konigs von Assyrien / worauf sie warten musste / ihr nachteilig sein
möchte / und dass von des Prinzen Sadrachs schleuniger abreise ihr ebenmåsig
nichts gutes ahne. Die Konigin von Ninive / erachtete zwar alle diese sorgen der
Konigin von Elam für erheblich / um deswillen aber deren zustand für nicht so
gefärlich / als ihren eigenen: den sie doch / wiewol sie nun die Lantine sehr
liebte / ihr zu eroffnen bedenken truge. Sie tröstete dieselbe / so gut sie
konnte / und riete ihr / dass sie den Hadoran / üm durch seine gegenwart ihre
untertanen / fur aller auswärtiger unruhe / in obacht zu halten / furaus senden
/selbst aber diese kurze zeit sich gedulten / und dem König von Assyrien / sie
in Dasmasco zu sehen / die vergnügung gönnen wollte. Sie sagte ihr ferner / wie
dessen anwesenheit ihr den Prinzen Baleus nicht aufdringen konnte: weil dieser
Prinz inzwischen / wie sie vermute / seine liebe an einen andern ort fåst
gesetzet haben / und also ihr / ihrem Hadoran beständig zu verbleiben / selber
behüflich sein würde.
    Die Königin von Elam / liese ihr diesen einraht nicht übel gefallen: nur
lage ihr noch an / wie der Hadoran / sie so lang zu verlassen / beredet werden
mochte. Sonsten / weil sie dasjenige / was Delbois von des Assyrischen Prinzen
liebe erwehnet / auf die jungfrau Aramena nicht ziehen wollte / als bezeugte sie
ihre sonderbare begierde / zu erfahren / wie es mit dem Prinzen und der
unbekanten dame ablaufen würde / mit der er in verwiechenen tagen eine so frömde
begebenheit überkommen hatte. Die schöne Delbois erwiese ein gleiches verlangen
/ und versicherte die Lantine / dass ihre Aramena der liebe des Prinzen entstehen
sollte / weil sie damit ümgienge / ihr ehist mit dem ritter Dison hochzeit zu
geben. Die Konigin von Elam / wurde durch diese nachricht hoch erfreuet: zumal
es sie seiter nicht wenig verhönet /dass der Baleus / wiewol sie ihn nicht
liebte / ihr die Aramena / deren sie doch an schonheit weit überlegen /
furziehen / und selbige höher als eine Konigin achten dorfen. Unter dergleichen
reden / gelangeten sie in Damasco wieder an: da sie dann ingesamt / zu dem
angestellten wilkomfest der Milcaride / sich zu rusten und aufs herrlichste zu
schmücken begunten; und solches sowol dem Mamellus / als der Königin von Tyro zu
gefallen / die / wegen wiederfindung derselben / als einer Prinzessin von
Assyrischen hause / sonderbare freude blicken liesse / wiewol sie sonst / wegen
der abwesenheit ihres sohnes / nicht zum frolichsten ware.
    Was diese allgemeine freude vermehrte / war die wiederkunft des Prinzen
Baleus. Und ob man wohl an ihm eine sonderbare traurigkeit verspürte / so
verhoffeten doch die Assyrier / nun sie nur diesen ihren Prinzen wieder hatten /
dessen entwerdung sie so sehr beängstigt / es wurde mit ihm schon auch wieder
gut werden. Er kame zu den Königinnen und Prinzessinnen / als sie eben bei deren
von Tyro versamlet waren / und iezt nach des Mamellus pallast abfahren wollten /
unversehens in den saal hinein / und grüste erstlich die alte Königin / welche
ihn mit diesen worten entfienge: Ihr erfreut uns ja so unvermutlich / meine
vetter! mit eurer ankunft / als ihr uns zuvor mit eurer gåhen entfernung / und
seiter mit eurer abwesenheit /in schrecken gesetzet. Ihr habet wohl getan / dass
ihr einer unbekanten nicht weiter nachgefolget / da uns der himmel hier in
Damasco eine nahe anverwandtin wieder finden lassen / die nun durch eure
gegenwart wird beehret werden. Baleus / etwas beschämet / gabe zur antwort: Ich
hätte nicht vermeint / dass man allhier von der unbekanten bereits wusste / deren
ich nachgefolget / und in ihren nöten beispringen wollen. Wie aber mein ungluck
diesen meinen guten willen behintert / also erkenne ich hingegen billig mein
gluck /eine wase allhier zu finden / die uns alle mit ihrer ankunft erfreuet. Er
erzehlte nichts mehrers von seiner abenteur / weil auch / wegen der grossen
gesellschaft /die Königinnen von Tyro und Ninive / neben der Prinzessin von
Ophir / ihn nicht darüm fragen mochten.
    Hierauf begaben sie sich in gesamt nach des Mamellus palast / der sie in
einen grossen mit prächtigen Sidonischen decken belegten und behengten saal
einfürete. Daselbst liese die angeneme Milcaride / bei dem scheine vieler lampen
/ (weil es allbereit nacht war /) sich auf das herrlichste geschmucket sehen
/und name an die glukwünschungen / von den Königinnen / Prinzen und
Prinzessinnen / wie auch von allen anderen grossen aus ganz Damasco: die ihr
zugleich ansehliche geschenke brachten / üm ihre freude auch damit zu bezeugen.
Hierauf giengen sie / in den tempel der gottin Gad oder des Glukes / (welcher
gerad gegen dem palast über stunde) dem opfer beizuwarten / so der Mamellus
angestellet: da dann / einer ieden person / ein liecht von weisem wachs / in die
hand gegeben wurde. Die Koniginnen liesen zu / weil dieses fest fürnemlich der
Milcaride zu ehren angestellt ware / dass sie / von ihrem vatter und mutter
gefüret / die erste in den tempel eintratte. Alles volk von Damasco hatte die
strasse daselbst eingenommen / üm die vermålte Prinzessin von Canaan zusehen:
welchen namen man ihr gabe / üm die Syrer ihrer hoffnung zu entsetzen / dass
Hemor könnte ihr König werden. Nachdem der Milcaride / die Koniginnen und
Prinzessinnen / in herrlicher reihe / zu tempel gefolget / fürete man sie für
einen altar: daselbst sie / neben ihren eltern / niederkniehete / und im gebet
solang verharrete / bis die priestere der gottin ihre opfere geschlachtet
hatten.
    Der Stattalter liese inzwischen / durch seine kämmerlinge / geld auswerfen
unter das volk: um dadurch nicht allein des gemeinen mannes neigung an sich zu
ziehen / sondern auch dem ruff / dass / an statt der Syrischen Aramena / die
Chaldeische Milcaride wäre wieder gefunden worden / desto läuter und weiter
auszubreiten. Und eben um dess willen liese man ihr auch den namen Milcaride /
wiewol sie ihr lebenlang Aramena geheisen: damit / wo möglich / die gedächtnis
der Aramena / gänzlich möchte ausgerottet werden.
    Nachdem nun alles im tempel verrichtet / und sie aus demselben im palast
wieder angelanget waren /wurden sie alsobald alle in einen garten gefuret: da
eine lauberhütte von citronbäumen / cedern und cypressen zugerichtet / auch mit
grossen gebånden und kränzen von den allerwolriechendsten blumen und früchten
behänget ware: woran die bumtlich-vermängte farben / bei der klarheit von vielen
huntert liechtern / nicht minder zierlich hervorschienen / als lieblich der
vermischte geruch ausduftete. In diesen blumensaal / wurden die speisen
aufgetragen: und mochte nichts prächtigers / als deren anordnung / gesehen
werden.
    So freigebig nun und zufrieden der wirt sich zeigete / so wohl waren auch
seine gäste mit ihm vergnüget: wiewol / die ruhe des gemütes / bei den wenigsten
sich befande. Dann / Milcaride sase / die ganze malzeit uber / in traurigen
gedanken. Der Prinz Baleus /seufzete mehr / als das er redete. Die Königin von
Tyro erinnerte sich / bei der vergnügung / die nun Mamellus und Tarasile
entfunden / ihrer widerwärtigkeit mit ihrem sohne. So machte auch Milcaride /die
schone Konigin von Ninive an ihren zustand gedenken / dass sie in ihrem herzen
wünschete / auch so ein Glück wie sie zu haben / und ihre rechte eltern zu
erkennen. Indaride / wünschte sich in eine angenemere gesellschaft / nämlich zu
ihrem verstorbenen. Die Königin Lantine war auch unvergnugt / wann sie bedachte
/ was hinternise ihr noch im weg stunden / in völlige ruhe zu gelangen. Jaelinde
belegte / ihr ohndas-beladenes gemüte / mit neuer qual über des Cimbers
abwesenheit: als die da immer unlustiger wurde /iemehr mitbulerinnen sich
einfanden. Die anwesende Fürsten von Syrien stelleten sich äuserlich vergnügter
an / als sie innerlich sich befanden: auser dem einigen Elihu / der unter allen
das ruhigste gemüt hatte / weil er nicht allein / indem er der Milcaride das
leben gefristet / dieses freudenfestes ein urheber ware / sondern auch seine
schone Königin vor sich sah / von der er in seiner ehrerbietigen verständigen
liebe nichts anders verlangte / als dass er ihrer gegenwart geniesen mochte.
    Der vergnügte Mamellus / der bei dem Fürsten von Ram an der tafel sasse /
sagte zu ihme: dieses freudfeier begehen wir an statt des todenmals / so wir bei
der Aramena grab hätten halten sollen; welches ich der gnade der götter / und
eurer vorsichtigkeit / zu danken habe. Der gotter vorsicht (antwortete Elihu /)
verspüren wir tåglich / und alsdan zum meisten /wann wir am wenigsten daran
gedenken. Hätte in mir der himmel nicht ein mitleiden gegen der Aramena erwecket
/ so wåre ich an der Milcaride zum mörder worden. Und håtte Betuel (setzte
Mamellus hinzu /) mich nicht zum vertrauten in seiner liebe gemacht / so hätte
ich meine tochter nicht wieder bekommen / hingegen gewärtig sein müssen / dass
ihr zu Hierapolis /wann Hemor seinen irrtum erkennet / alle beschimpfung
widerfahren wåre. Mein vetter erinnert sich des Betuels: sagte hierauf Elihu.
Soll dieser gute Furst /der uns zu heutiger freude / ihm zu leid / verholfen
/nicht wieder aus dem Isis-tempel errettet werden / nun die ursach aufhöret / um
deren willen er hier / wider seinen willen / darein gerahten ist? Ich will
hierbei mein möglichstes tun / (antwortete Mamellus /) üm wieder zu ersetzen
die beleidigung / die ich ihm anzutun genotigt worden. Aber die liebe zur
Syrischen Aramena muss er fahren lassen: dann weil er / durch deren erlangung /
allhier Konig zu werden suchet /zwinget er uns damit / ihn allhier nicht zu
dulten.
    Mir fället iezt bei / (sagte Elihu /) dass der Fürst Ardeus von Chesed
neulich / aus Ninive / die zeitung mitgebracht / wie sich die Oberpriesterin
Celia beschweret habe / dass man ihr die tochter meines vettern entfüret: wofür
sie die Syrische Aramena wird angesehen haben. So wåre dann etwan von ihr einige
kundschaft einzubringen / wo diese Prinzessin hingekommen / und wer sie leztmals
entfüret. Mich dünket / (antwortete Mamellus /) meine schwester habe hiermit
nicht von einer neuen entfürung geredet / sondern von der ersten / da ich sie /
als meine vermeinte tochter / aus Ninive holen lassen. Ich kann nicht aussinnen /
wo sie mag geblieben sein / seiter ich erfahren /dass sie aus Salem heimlich
entflohen. Es ist aber unser aller grosses Glück / dass sie nicht wieder in des
Hemors hände gerahten ist.
    Nachdem diese malzeit ziemlich tief in die nacht hinein gewåret / brachen
die gåste endlich von der tafel auf / und mit der prächtigen freigebigkeit des
Stattalters mehr als wohl zufrieden / begaben sie sich wieder nach dem Hoflager.
Es hatte aber Prinz Baleus der Konigin von Ninive versprochen / ihr folgenden
tags / von seiner lezten abenteur / bericht zu tun. Solches nun werkstellig zu
machen / kame er zu ihr /sobald sie sich sprechen liese: da er dann die
Prinzessin von Ophir bei ihr fand. Ihr werdet euch verwundern / (fienge er an /
nach abgelegtem gruss /) wann ich euch bekenne / dass ich abermals verliebt und
ungeliebt bin: welches mir dann fast in meinem ganzen leben widerfahren. Ihr
saget mir / was das erste betrifft / (antwortete die Königin /) nichts
verwunderbares: massen ich leichtlich schliesen konnte / dass euch die Prinzessin
/ die ihr in Elassar gesehen / nun wieder werde angezündet haben. So wisset ihr
dann bereits / (fragte der besturzte Prinz /) wie es mir mit ihr ergangen?
Anders nichtes weiss ich (versetzte sie /) als dass ihr sie / wie man mir erzählt
/ mit meiner Aramena streitend angetroffen / auch / auf eroffnung ihres
gesichtarnisches / sie fur ein weib erkenner / und zwar fur die schone
unbekannte / die ihr vordessen in Elassar bei der Königin Mirina opfer gesehen.
Weil ich aber solches nicht mit allen ümständen weiss / und die gutige Prinzessin
von Ophir hier zugegen / eben iezund / der Mirina und eure geschichte / soviel
euch in Ophir begegnet / zu erzählen / mir versprochen: als will ich erstlich von
ihr den anfang dieser eurer begebenheiten vernemen / und bis dahin mich gedulten
/dass mein verlangen / auch diese lezte begebnis zu erfahren / von euch vergnügt
werde. Ich bin damit friedlich / (antwortete Baleus /) und wird die Prinzessin
von Ophir die erzehlung mit mir teilen / also dass wir wechselweis euer begehren
erfüllen konnen. Nachdem sie hierauf / (üm nicht wiederum / als vormals / da der
Azura zwischenkunft sie verhintert / davon verstort zu werden /) sich in ein
Cabinet zusammen verschlossen / fienge / nach kurzer bedenk-weile / die schone
Indaride also an / zu erzählen die
 
                         Geschichte der Königin Mirina.
Die Geschichte / die ich furzubringen mich habe anheischig gemacht / wåre wohl
würdig / meiner schonen Konigin von einer beredtern zunge / und die da ohne
gemütsbewegung etwas freier reden konnte / fürgetragen zu werden: wie dann mein
erbärmlicher lebenslauf dermassen hier mit eingewunden ist / dass ich / viel
davon mit zu beruren / genötigt sein werde. Weil nun solches ohne wehmut nicht
geschehen kann / als wird man mir vergeben / wann man meine tränen diese sonst
heroische begebenheiten begleiten sihet.
    Die heldin Mirina / welchen namen ich ihr billig gibe / wurde dem grossen
Marsius Konig in Basan /von der Erbprinzessin selbigen reichs der Salamis
/geboren. Wie sie nun aus einem volk herstammet /welches wegen dapferkeit und
heroischer tugenden weltberumt / un bei deme die kriegsübung auch den weibern
gemein ist: also erwiese sie von kindheit auf /dass sie diesen grossen vaters
würdige tochter / und ihrer nation heloden geist ihr nicht verloschen sei. Weil
der königliche hof zu Basan von allen orten her besuchet wurde / als kame auch
dahin der Prinz Igerman / des Königs Boius aus Celten einiger Sohn. Er hielte
sich aber daselbst ganz unkant auf / sich Riphat nennend: aus ursache / weil
sein hervatter und der König Marsius / wiewol sie brüder waren / in
todfeindschaft miteinander lebten; welchen hass weder die nahe blutfreundschaft /
verhintern / noch die weite entfernung vermindern können. Diesem jungen Prinzen
hatte sein herr vatter erlaubet / frömde konigreiche zu besuchen: damit er die
sitten und arten anderer länder erlerne / und solche in Celten / alwo noch alles
in unordentlicher wildheit lebte / einfüren möchte. Ihm ware von demselben einer
zugeordnet / der auf sein tun acht haben und ihn anweisen sollte. Dieser heise
Bardus / ein gelehrter und geschickter mann: dessen vorfahren einer / gleiches
namens / die verse erfunden / derer sich die Celten und Teutschen viel zu
bedienen pflegen. Anfangs war ihre Meinung / über etliche monate sich zu Basan
nicht aufzuhalten. Wie aber der Bardus sah / dass der junge Prinz Marsius /der
Mirina halbbruder / seiner herren den Ingerman heftig zu lieben begunte und ihn
deswegen unter seine hofedelleute verlangte / liese er solches geschehen: in
betrachtung / dass sein Prinz zu ritterlichen übungen /auch allen andern guten
sitten und wisenschaften /nirgend besser könnte angewiesen werden. Also wurde
Ingerman des Marsius kammerjunker / und erlernte mit glücklichem fortgang alles
/ worinn dazumal / neben dem Prinzen von Basan / der Prinz Apries von Hemath /
der junge Prinz Daces des Königs vetter der Cimber und Tubal / so auch dessen
nahe befreundte waren / und alle andere grossen von Basan / sich zu üben
unterwiesen wurden.
    Bei solcher gelegenheit / bekame Ingermann die Mirina oft zustehen / und
gewanne sie so lieb / dass letzlich diese seine neigung nicht so wohl / als seinem
stand / verbergen konnte. Der getreue Bardus merke zwar wohl / dass sich der Prinz
sehr veränderte / immer stiller wurde / an statt der gewönlichen freudigkeit /ein
saures wesen an sich name: er vermochte aber die rechte ursach nie zu ergründen
/ und an nichts weniger / als an die liebe gedenkend / bekümmerte er sich nicht
gross darum / weil es dem Prinzen / weder an seinen ritterlichen übungen / noch
an seiner gesundheit schädlich wäre. Eines tages / als der verliebte Ingerman im
schlossgarten allein zu sein vermeinte /gabe er daselbst seinen gedanken völligen
raum / und / wie er seinen zustand überlegte / fielen ihm etliche reimen zu /
(in deren wissenschaft er sonderlich geübet war/) die er in ein täfelein / das
er bei sich zu tragen pflegte / eingezeichnet diesen inhalts:
Sol dann die verschwiegenheit meine liebe stäts begleiten?
Eh man schweiget / muss man reden eine sach / verschweigen zwei
Sprich dann / was dir kund allein / und entdeck die heimlichkeiten.
Nimt sie gnädig auf / dein lieben: weiss ich / dass es heimlich sei.
Aber ach! Wan man sie erkläret / was kann alle freundschaft trennen:
wird ich mich nicht selber bannen / und verstossen sein von ihr?
Red ich nun: so schad ich mir. Schweig ich dann: wer fühlt mein brennen?
Such ich ihre gegenliebe: hasch ich ihren hass dafür.
Schweigen / wird dann bässer sein / und nur halb vergnüget leben:
als / durch reden / völlig sich in das verderben geben.
    Indem er dieses schriebe / kam der Prinz von Basan / neben der Prinzessin
Mirina / darzu: und weil er im schreiben so åmsig war / ward er ihrer nicht
innen /bis sie ihm so nahe kamen / dass Mirina ihm das täfelein aus der hand
reissen / und die schrift durchsehen konnte. Wie er hierüber sei bestürzet worden
/ ist leichtlich zu erachten. Als aber / sowol die Prinzessin / als der Prinz
ihr bruder / diese reimen zu end gelesen / wollten sie kurzum von ihme wissen /
auf wen er dieses geschrieben hätte. Marsius insonderheit spottete seiner noch
darzu / dass er verliebt wåre / und sagte: liebe und tugend konten in einem
jungen herzen nicht beisammen sein / und wer sich der einen ergebe /müsse die
andere verlassen. Ingerman / den dieses noch mehr verwirrete / sah den Prinzen
Marsius mit hochmütiger verachtung an / und schier vergessend /dass er dessen
bedienten und nicht dessen vettern vorstellete / gabe er ihm zur antwort: Er
wolle mit seinem blute die Meinung behaupten und bis in tod verfechten / dass die
liebe gar wohl in einem tugendhaften gemüt wohnen könne / und keine lasterhafte
neigung zu nennen sei. So seit ihr dann verliebt? fragte Mirina. Und mich wollet
ihr überreden / (sezte der Prinz hinzu /) dass die liebe ohne laster sei? So
unmöglich ich der Prinzessin von Basan / (ware Ingermans antwort /) ihrem
begehren / das ich fur einen befehl ehre / zu gehorsamer folge / bergen darf /
dass ich liebe / so wenig werde ich auch dem Prinzen Marsius können nachgeben /
die liebe zu tadelen: massen ich versichert bin /wie frei noch zur zeit sein
gemüte ist / er werde dereinst / wann ihn das verhängnis auch solche fässel
anleget / seiner tugend diese neigung zugesellend / hiervon andere gedanken
fassen.
    Der Prinz Marsius / belachete diese seine antwort /Aber Mirina / die mehr
hiervon wissen wollte / und wohl merkte / dass Ingerman / in gegenwart des Prinzens
/ nichts eröffnen würde / zoge ihn auf eine seite /und als sie sich von dem
Marsius ziemlich weit entfernet / sagte sie zu ihm: Ihr must mir sagen / wen ihr
liebt / und ob es nicht etwan meine jungfrau Simede sei / welche unter allen
andern mir die liebste ist. Ingerman / sich also gepresst sehend / antwortete:
ja /die Prinzessin hätte es errahten! Worüber sie sonderbare freude bezeugte /
und ihm versprache / dass sie bei ihr sein bästes reden wollte. Weil nun dieses
also angefangen war / als fure der verstellte Prinz fort / sie in ihrer
einbildung zu stärcken / und für ihr anerbieten sich sehr bedankend / ersuchte
er sie / dass sie dieser versprochenen gnade ingedenk sein wollte. Also wurde die
Mirina des Ingermans vermeinte vertrautin in der liebe: und der Prinz / einer so
unverhofften begebenheit sich zu bedienen / sah seine Zeit ab / mit der Simede
in gespräche zu kommen.
    Diese jungfrau / so sonderbares verstands war /nachdem sie von ihrer
Prinzessin beredt worden / dass Ingerman sie liebe / begegnete ihm also / dass er
nicht merken konnte / ob sie von seiner liebe wisse / oder davon hören möchte.
Weil er aber sich ihr / wer er wäre / nicht eher entdecken wollte / als bis er
ihr gemüte und ihre treu erkennt håtte: gabe er sich endlich verliebt bei ihr an
/ und richtete in etlichen besuchungen soviel aus / dass sie ihn ihrer gunst
versicherte. Hierauf beschenkte er sie mit einem uberaus-stattlichen kleinod /
welches ihr ganz die augen blendete /und sie sagen machte: diss geschenke wäre
königlich /welches ihr zu tragen keines wegs gebüre. Hierauf nun offenbarte er
sich ihr / wie er auch ein Konigssohn und zwar ein Erbprinz des grossen reichs
der Celtern wäre: der sie mit vielen woltaten ferner ansehen wurde / imfall sie
ihme getreu sein / und bei ihrer Prinzessin / die er liebe / gute dienste
leisten wollte.
    Diese entdeckung / sezte anfangs die Simede in nicht-geringe bestürzung. Als
sie aber sich erinnerte /wie ihr vatter / aus Celten durch den König Bojus
vertrieben / in Basan bei dem König Marsius schutz suchen mussen: stellte sie
ihr gleich vor / der Prinz Ingerman würde / wan sie ihm hierinn zu diensten
stünde / das verlorne Glück ihnen wieder ersetzen können. Sie betrachtete auch /
neben dem stand /seine angeneme liebwürdige person / und dass / durch diese
heurat / die feindschaft beider brudere könnte aufgehoben werden. Demnach
versprach sie ihn alles /was er begehrte / und stunde ihr recht / welches sie
nun bereits zu ihme gehabt / gern wieder ab / sich mit seiner gnade und
freigebigkeit vergnügend. Sie liesse sich folgends von ihm unterrichten / wie
sie sich hierbei verhalten sollte. Es wurde lezlich zwischen ihnen beiden
abgeredet / dass Simede / wie sie des Ingermans liebe nicht annemen könne / weil
sein vatter ein feind ihres vatters gewesen / sich stellen / und zugleich die
Prinzessin berichten sollte / wie er durch dieselbe / als die ihm solches
verheisen / ihre gunst zu erlangen vermeine. Hierdurch / hoffete der Prinz /nach
und nach mit der Prinzessin bekanter zu werden / und endlich ihr herze zu
gewinnen. Wie nun / dieser abrede gemäs / die Simede gegen dem Ingerman sich gar
streng erwiese / als suchete er trost bei der Mirina: die dann / aus liebe zu der
Simede / und aus hochachtung für seine person / sehr bemühet war / ihn bei ihr
beliebt zu machen. Diese stellte sich aber immer härter an / und der Prinz
bekente letzlich der Mirina /wiedass ihm unmoglich falle / länger also ungeliebt
zu leben: wodurch die Prinzessin dermassen zu mitleiden bewegt wurde / dass sie
die Simede zwunge / in ihrer gegenwart des Ingermans liebes-antrag anzuhoren.
    Worzu zwingen sie mich / gnädigste Prinzessin? sagte die gleisende Simede.
Wie ist mir möglich /denjenigen zu lieben / dessen vatter den meinigen in alles
sein unglück gestürzet / und meines hauses todfeind ist? Kan dann der sohn dafür
/ (antwortete die Prinzessin /) was sein vatter getan hat? und ersetzet dann
nicht / seine aufwartung und libesbezeugung /alles dasjenige / worinn seine
verwandten dich und die deinen beleidiget? Nein / grosse Prinzessin!
(unterredete der verliebte Ingerman /) die erzurnte Simede verfäret billig also
gegen mir / und tut recht / dass sie / an meinem vatter sich zu råchen / den
sohn dergestalt durch ihre strenge tödet. Nein / nein / Riphat! (sagte die
Prinzessin /) Simede tut euch unrecht /und ich werde sie schon zur gesunden
vernunft zu bringen wissen / dass sie anderst mit euch ümgehe. So möchte ich dann
wissen / (redte die Simede /) ob auch meine Prinzessin / wan sie an meiner
stelle wäre /also verfahren würde / wie sie mir iezt befihlet. Gesezt / dass der
Prinz Ingerman aus Celten / oder der Prinz Baleus von Assyrien / der schönen
Mirina mit liebe aufzuwarten kämen: wollten sie nicht in betrachtung ziehen / was
das haus Assyrien / oder der König Bojus / ihrem hause zuwider getan? Nein
warlich! gabe Mirina zur antwort. Und da es sich begäbe / dass dieser Prinzen
einer mir gefiele / und dass ich seiner treue versichert wäre / so sollten mich
die betrachtungen / die du hegest / nicht abhalten / ihme gutes zu wollen.
    Der verliebte Ingerman konnte / auf so gütige erklärung seiner Prinzessin /
sich nicht långer halten / sondern hir unversehens zu fus fallend / redte er sie
also an: Auf dieses gnädige urteil / stellet sich hiermit ein der Prinz Ingerman
/ und bekennet / dass er die unvergleichliche Mirina / mit der häftigsten und
ehrerbietigsten liebe von der welt / anbete und ewig anbeten werde. Die
besturzte Mirina sah / sonder zu antworten / bald auf die Simede / bald auf den
vor ihr ligenden Ingerman: und gleichwie ihr dieser Prinz iederzeit wolgefallen
/ also befande sie sich von einer sonderbaren vergnügung gerüret / da sie
vername / wer er ware. Sie verbarge aber ihre freude / soviel ihr ihr freies
wesen zuliesse / und weil sie / dass man sie also betrogen / sich beleidigt
achtete / als sagte sie endlich zu ihnen beiden: Ich hätte nie vermutet / dass
man meine gutigkeit also misbrauchen / und mich dergestalt betriegen sollen.
Hiermit gienge sie / als unwillig / von ihnen hinweg: und wäre der Prinz nicht
zu trösten gewesen / wan ihm nicht die Simede håtte muht eingesprochen.
    Mirina mochte damals / als dieses fürgienge / das fünfzehende jahr erreichet
haben. Weil nun / in solchem alter / das nachdenken nicht zum håftigsten ist
/als fiele es der verschmizten Simede unschwer / bei der Prinzessin sowol ihr
selber frieden zu erwerben /als auch den Ingerman wieder auszusünen. Kurz! sie
brachte es so weit / dass endlich zwischen diesen beiden eine vertreuliche
wechselliebe entstanden: worvon aber / auser der Simede / niemand einige
wissenschaft bekame.
    Unter solcher heimlicher liebesverståndnis / fiele des Königs von Basan
geburtstag ein / worbei der Prinz Marsius ein ritterspiel anstellen wollte: daher
/etliche wochen vorher / alle anwesende junge Herren sich hierzu rüsteten und
täglich übeten. Mirina / die mehrmals dieser übung zusah / liess ungemeine
freude blicken / wan ihr Ingerman sich wohl hielte / und den andern einen vorteil
abgewanne. Der junge Marsius begunte endlich etwas zu merken / und daher ihrer
beider tun etwas genäuer zu beobachten. Also ersah er einsmals / dass Simede
ihm einen brief brachte: den er mit freudigen gebården angenommen und
beigestecket. Sobald nun Simede hinweg war /gienge Marsius zu ihm / und wollte
wissen / was diss für ein schreiben gewesen. Ingerman weigerte sich /ihm solches
zu zeigen. Marsius / hierdurch erhitzet /drange noch häftiger in ihn: zumal /
weil Ingerman hierbei die ehrerbietung nicht beobachtete / die sein
gegenwärtiger zustand erforderte. Wie er dann endlich /uber diesen ungehorsam
seines edelmans / sich so sehr entrüstet / dass er ihm andeutete: Er sollte
entweder das schreiben hergeben / oder erwarten / dass er etliche edelleute über
ihn sende / die ihm dasselbe mit gewalt abnemen sollten. Gemach an / Prinz
Marsius! hube Ingerman hierauf an / sich erzürnend. Begegnet man allhier / einem
freien Fürsten / auf solche weise? soll hier gewalt fur recht gehen und gelten?
    Diese worte machten den Marsius stutzen / und stårkten ihn in seiner Meinung
/ dass dieser / der sich nun für einen Fürsten zu erkennen gabe / seine schwester
lieben müste. Demnach dachte er ihm das schreiben auf andere weise abzufordern /
und sagte: Euch zu zeigen / dass ich durch keine gewalt einigen vorteil uber euch
suche / so will ich / nach eurer bekentnis euch für einen Fürsten achtend / euch
das schreiben durch einen kampf anfordern / welches dem überwinder verbleiben
soll. Ingerman / der gegen dem Marsius / dessen schwester er liebte / keinen hass
hegen konnte /liesse sich / durch dieses kampfanbieten / nicht sofort in den
harnisch jagen / sondern / ein sittsamers wesen annemend / antwortete er mit
låchlendem mund: das geheimnis / das der Prinz Marsius von mir wissen will / kann
eher durch freundschaft / als solche feindseligkeit / aus mir gebracht werden.
Ich habe nachmals zeit genug / den kampf anzunemen: und will erstlich vernemen /
ob der Prinz von Basan des Ingermans aus Celten freund werden könne?
    Marsius befande sich in grosser unruhe / dieses anzuhoren. Weil man ihme /
von jugend auf / viel furgesagt / was verfolgung und widerwärtigkeit sein
herrvatter von dem vatter des Ingermans erlitten håtte: als ware / der
widerwille gegen dem Celtischen hause / in seinem herzen so tief eingewurzelt /
dass er / ohne verdruss / diesen Prinzen nicht vor sich sehen konnte. Gedachte er
dann ferner / dass dieser Prinz seine schwester liebte / und vielleicht auch von
ihr wieder geliebt würde / so machte ihn solches noch unlustiger: daher er nicht
wusste wie er den erkannten Ingerman anreden sollte. Weil er nun mit der antwort
verzoge / als volfürte der Celtische Prinz seine angefangene entdeckung / und /
den Marsius ganz freundlich anschauend / offenbarte er ihm auch die liebe gegen
seiner schwester. Dieser / hierdurch nun völlig entrüstet / brache endlich in
diese antwort heraus: Vergebet mir / Prinz Ingerman! dass / da es meines hauses
ehre betrifft / ich euch / an statt euch zu bewilkommen / vielmehr ermanen muss /
unsern hof / an welchem man euch nicht anderst / als für einen abgesagten feind
erkennet / alsofort zu verlassen. Ich sage euch / dass ich / sowenig euer
geheimes hier-bleiben / als die liebe gegen meiner schwester / vertragen will.
Ich will aber / weil ihr euch mir entdecket / euer hier sein geheim halten /damit
euch nichts ungleiches widerfahre. Ihr werdet diese meine verschwiegenheit nicht
misbrauchen /sondern bald eure abreise beschleunigen.
    Durch diese unvermutete üble begrüssung / wurde des jungen Ingermans geblüte
dermassen erhitzet /dass zorn und grosmut ihn übermeisterten / den Prinzen
Marsius diese antwort zu geben: Wolan dann! weil euch des Ingermans freundschaft
zu wider ist / so neme ich die angebotene feindschaft an / und gehe damit von
diesem hofe. Ich will aber zuvor den kampf mit euch ausfüren / den man mir
angemutet. Im übrigen stelle ich es zu eurem willen / ob ihr mich allhier
verrahten / oder mein hier-sein verschweigen wollet. Sehet mich mich nicht für
so lasterhaft an / (widerredte Marsius /) dass ich auf solche weise euer unglück
zu suchen gedenken sollte. Dan / ob ich schon euer freund nicht sein kann / so
werde ich doch darüm nicht aufhören / die tugend zu lieben. Hierauf redten sie
miteinander ab / dass sie / nach geendetem geburtfest und ritterspiel / welches
auf den folgenden tag fiele / beide allein / und ohne iemands wissen / im holz
ihren kampf fürnemen wollten. Es gienge aber dem Ingerman / dieses des Marsius
verfahren / so nahe / dass es auch seine liebe gegen der Mirina nicht wenig
minderte: dann / weil er sich hierdurch sehr beleidigt achtete / als ware bei ihm
/ in der ersten hitze /die begierde sich zu råchen / viel grösser / als die
andere / seine liebe fortzusetzen. Daher Mirina / von allem diesem / nichts
erfuhre.
    Wie nun / des andern tags / das ritterspiel gehalten wurde / bliebe der
Marsius obsieger / und gewonne ihnen allen ab: welches den Ingerman dermassen
verdrosse / dass er also fort den Prinzen zum abgeredten kampf aufforderte. Wie
sie nun unvermerkt beide aus dem haufen sich verloren / und im walde scharf
aneinander waren / wurden sie durch den Fursten Daces /der zeitlich darzu kame /
den handel auszufüren behintert. Sie kamen aber nåchsten tags wieder zusammen /
neben dem Prinzen von Hemath und dem Daces / die auch unter sich etwas zu
streiten bekommen hatten. Sie hätten ohne zweifel einander aufgerieben /wann es
nicht ungefär der König Marsius erfahren hätte: der dann also fort diese vier
Prinzen vor sich bringen liesse. Der bisher unerkante Ingerman / sagte dem König
unerschrocken in die augen / wer er wäre: wormit er ihn und den ganzen hof
besturzt / auch /wie er hierinn verfahren sollte / unschlussig machete. Aber auf
fürbitte des jungen Marsius / der auch dessen liebe zu seiner schwester
verschwiegen / wurde Ingerman auf freien fus gestellet / und ihme anbefohlen /
Basan zu verlassen / auch seinem herr vattern zu vermelden: Er möchte doch auch
so hoflich mit des Marsius leuten verfahren wann ihm dereinst der himmel ihrer
einen in die hände lieferte.
    Also zoge dieser Prinz unwillig davon / sonder von der Mirina abschied zu
nemen. Die Prinzessin liese solches zwar erstlich sich anfechten: aber ihre
fluchtige jugend und das frische gemüt wollte ihr nicht zulassen / sich darum dem
gram zu ergeben. Sie name ihr aber für / keinen andern zu lieben / und behielte
dabei so eine entfindlichkeit über den Ingerman / dass sie /von dem tage an /
ihrem bruder abhold wurde / und /soviel moglich / seine gesellschaft meidete.
Wiewol auch der Prinz Daces ihr aufwartete / so vermochte er doch gar nicht ihre
gunst zu erlangen: zumal die Simede nie unterliese / ihre Prinzessin mit des
Ingermans andenken zu unterhalten; die dann / wiewol sie lang nichtes mehr von
ihm horte / seiner niemals vergessen können.
    Als nach diesem / der Prinz Marsius / neben allen jungen helden aus Basan /
in den Assyrischen krieg zogen / und Daces seine Prinzessin verlassen musste
/liesse er / deutlicher als iemals / seine liebe blicken: worgegen aber Mirina
ihre gewönliche kaltsinnigkeit behielte. Gleichwie nun dieses den Daces betrübte
/dass er sonder hoffnung abreisen musste: also ware auch etwas der Mirina der
groste verdruss / nämlich /dass sie nicht mit zu feld ziehen dorfte / welches doch
ihr kriegerischer muht so håftig verlangte. Sie bliebe aber / nach des Daces
abreisen / nicht lang unbedienet / indem der Prinz Sineab von Elassar nach Basan
kame: welcher / wann er soviel tugend als andere geschicklichkeiten hätte
besitzen mögen / ein lobens-würdiger herr gewesen wäre. Seine kriegserfarenheit
/machte ihn gleich beim König beliebt: und wusste er zugleich der Konigin sich so
gefällig zu machen / dass sie ihn bald in ihren verborgensten raht name / und
seine person hoch ehrete. Er aber gabe der Prinzessin Mirina / auf alle weiss und
art / seine liebe zu erkennen: die doch ihrem entfernten Prinzen Ingerman
beståndig bliebe / und den ihme-bestimmten raum ihres herzens keinem andern
öffnen wollte.
    Nicht lang nach der ankunft dieses Prinzens / kame die unverhoffte und
betrübte zeitung nach hof / wiedass des Königs einiger sohn / der Prinz Marsius
/neben allen grossen von Basan / in einer schlacht ümgekommen wåre. Niemand
kümmerte sich håftiger hierob / als der Konig: welcher auch / von selbigem tage
an / fur schmerzlichem unmut / bettlägericht wurde. Die Konigin aber / welche
diesen stiefsohn nie geliebt / name es nicht so sehr zu herzen / gleichwie auch
nicht die Prinzessin Mirina: die hierbei ihr die einbildung machte / durch
diesen todsfall ihres bruders / Konigin von Basan zu werden. Ihr dapferer muht /
stunde dieser ihrer einbildung bei: zumal ihre fraumutter gleichmåsige gedanken
hatte / worinn der Prinz von Elassar sie mächtig stärkete.
    Diese Königin / liese nun ihren hass / den sie gegen den Teutschen iederzeit
in herzen geheget / merklich hervorscheinen: indem sie / bei anhaltender
schwachheit ihres herren / der königlichen gewalt sich von tag zu tag mehr
anmassete / und den Prinzen von Elassar über alle grossen des reichs hervorzoge.
Hierdurch erwekte sie die eifersucht / und reizte wider sich den hass / der
teutschen Fürsten: da insonderheit der Suevus und Trebetes / als die nächsten
nach dem König und dessen nahe geblütsfreunde / auf sie einen argwahn zu
schöpfen begunten. Demnach hielte der Furst Suevus für nützlich / seinem herren
auf dem todbette dieser wegen zuzureden: der dann verordnete / dass /nach seinem
tode / der Suevus / Stattalter uber alle seine eroberte königreiche / und der
Prinzessin Mirina vormund sein / diese aber allein mit dem beding /wan sie einen
Teutschen heiraten würde / die kron und regierung erben sollte.
    Bald hierauf / schosse dieser grosse Konig die augen zu / und starbe also in
der betrubten einbildung / als wan sein einiger liebster sohn ümgekommen wäre.
Sobald nun die Königin Salamis sich witwe sah / wollte sie in Basan der regirung
sich anmassen. Der Furst Suevus aber / war ihr zu måchtig: welcher /dem lezten
willen seines Herren in allem nachkommend / durch seine klugheit sich / in
seinem anvertrauten amte / bei grossem ruhm erhielte. Salamis /auf einraht des
Prinzen von Elassar / verbarge ihren widerwillen: sandte aber heimlich zu den
Königen der Philister und von Ammon / wie auch zu den grossen in Moab und auf
der Amoriter gebirge / dieselben um schutz anzuruffen. Sobald sie ihrer hulfe
versichert worden / entwiche sie aus Basan / und begabe sich nach Edrei: welche
stadt ihr die tore offnete / und sie gutwillig aufname. Der Prinz von Elassar /
wurde feldherr über ihre volker / die ihr von den Moabitern und Amoritern
täglich zuliefen: wie dann auch der dapfere Fürst von Edom / neben dem Prinzen
der Philister / mit einem gewaltigem heer angezogen kamen /die Salamis auf den
tron zu erheben.
    Mirina feirete auch nicht / bei dieser unruhe / ihr bästes in acht zu nemen
/ indem die kluge Simede ihr den raht gabe / dass sie dem Prinzen Ingerman diesen
zustand in Basan kund machen / und ihn / sich ihrer anzunemen / beruffen sollte:
mit dem versprechen /dass sie / vermog våtterlicher verordnung / ihn als einen
Teutschen ehlichen / und dadurch die krone dieser konigreiche für sich und ihn
erhalten. Sie dorfte aber / dieses grosse fürhaben / weder ihrer frau mutter /
noch dem Suevus entdecken: weil die Königin / als eine abgesagte feindin aller
Teutschen / solches nimmermehr zugelassen / und dieser gleichfals / wegen der
todfeindschaft / so sein herr gegen den Konig der Celten getragen / sich
darwider gesetzet haben würde. Also wurde nun den Mesek / der Simede bruderen
/dieses gewerbe in geheim anvertrauet: wiewol sie /weil diese reise nach Celten
eine lange zeit erforderte / keine hoffnung hatten / eher als nach etlichen
monden antwort zu bekommen.
    Diese heldin folgete inzwischen ihrem kriegerischen muhte / und zoge mit zu
feld: da sie zum ofteren solche proben ihrer dapferkeit wiese / dass ihr ruhm
überall erhallete. Und eben dieses war die meiste ursach / dass die Salamis aller
orten obsiegete. Dan diejenigen / so wieder sie fochten / hielten die Mirina fur
ihre rechte Königin / und liebten sie wegen ihrer dapferkeit: daher die
gegenwehr gering ware. Und wie endlich / der Edom und Prinz Abimelech / auch zu
der Salamis stiesen / fiele es dieser Königin nicht schwer dahin zu gelangen /
dass sie zur regentin des landes in Edrei gekrönet wurde.
    Der stolze Sineab / dem hier alles nach wunsch glückete / hielte sich nun
nicht mehr in den schranken voriger eingezogenen bescheidenheit / sondern redete
mit der Mirina von seiner liebe viel freier und ungescheuter / als sie ihm
bisher vergonnen und zulassen wollen. Was ihn so kühn machete / war die gnade
der Konigin: welche / in ansehung seiner getreuen dienste / nicht übel aufname /
dass er ihre tochter liebte. Daher / wan der Mirina sinn dem willen ihrer frau
mutter håtte gleichförmig sein konnen / wurde dieser Prinz glückseelig gelebet
haben. Es zwange aber die Prinzessin ihr gemüte / auf einraht der Simede / also
dass sie dem Sineab ihren hass und widerwillen nicht völlig erwiese. Dan / weil er
alles bei der Königin vermochte / darbei sehr arglistig und schlau war / als
hätte ihre widersetzlichkeit ihm leichtlich die augen offnen mogen / zu errahten
/ dass ein anderer und zwar mehr-glückseeliger liebhaber vorhanden wåre: welches
dann / alles grosse fürnemen der Mirina / würde zu haufen geworfen haben.
    Ehe ich aber meine erzehlung verfolge / muss ich mich ein wenig abwenden /
und zuvor etwas von dem Prinzen aus Egypten / dem Hiarbas / berichten. Dieser
Prinz wurde / um die zeit / da besagter krieg in Basan angegangen / von meinem
herr vattern nach Ophir erfordert: dass er / mich ehlichend / nach seinem tode
/Konig in Ophir werden sollte. Um des willen zoge er von Salem aus Canaan hinweg
/ und name seine reise durch die benachbarte Königreiche: von seiner begierde /
nicht allein die welt / sondern auch den krieg in Basan zu besehen und darin
sich zu üben / hierzu angetrieben. Als er nun eines tags an der Amoriter gebirge
mit seinen leuten reisete / zur zeit / da der Suevus mit seinem volkern unfern
von Hazezon Tamar lage: ersah er / vor sich im tal / ein scharfes gefechte.
Nachdem dasselbe lang gewäret / und endlich / mit beiderseits-grossem verlust /
aufgehoret: brachte man bald hernach / einen ansehlichen hart verwundten ritter
/ dem Prinzen Hiarbas / des wegs nach Hazezan Tamar / entgegen. Es befanden
sich nur ihrer dreie /bei diesem verwundten: welche ihren weg zurück nemen
wollten / weil sie den Prinzen und seine leute ersahn / und sie für feinde
hielten. Aber Hiarbas liesse ihnen entbieten / er wäre ein frömder und reisender
/ der ihnen nicht zu verwehren begehre / ihren weg fortzusetzen.
    Als sie nun herbei gekommen / und der ansehliche verwundte dem Prinzen von
Egypten fur die erwiesene höflichkeit dankte / dieser hingegen sein beileid über
des frömden ritters unglück bezeugte / sahen sie einen grossen haufen reuter den
berg herab kommen / und auf sie zueilen. Ein diener des verwundten / so sie zu
erst ersehen / erkannte sie fur feind / und ermanete seinen herren / dass er
forteilen sollte. Wie aber der solchem nachzukommen vermeinte / und vom Hiarbas
abschied name / wurden sie von den ankommenden plötzlich umringet / also dass sie
nirgend auskommen konten. Der mutige Hiarbas zoge gleich vom leder /und gabe
damit den seinen ein fürbild / gleichen widerstand zu tun / und den verwundten
ritter zu beschützen. Der feind entfande bald dieses Prinzens dapferkeit / und
konnte ihm / wiewol er weit stärker war /nichtes angewinnen: bis endlich von den
völkern des verwundten einige darzu kamen / und sie völlig auf flüchtigen fus
brachten.
    Der Prinz von Egypten / indem er seine meiste leute verloren / und diesen
schwall fast allein aufgehalten / ware so ubel verwundet worden / dass er mit dem
anderen verwundten / den er errettet / gar schwach und onmächtig nach Hazezon
Tamar sich musste bringen lassen. Der Prinz Suevus / so der fromde verwundte
gewesen / wandte alle sorgfalt ein /seinen unbekanten erlöser wohl zu bewirten /
und war erfreut / als man seiner wunden keine tödlich gefunden / und des
wundarztes glucklicher fleiss ihn bald wieder auf die füsse stellte. Hiarbas
erfuhre inzwischen / dass er dem Suevus / dem feind der Königin Salamis / diesen
dienst getan hatte. Demnach fand er nicht für ratsam / sich kund zu geben:
weil es ihme von beiden teilen mochte verübelt werden / dass er /als ein naher
vetter der Salamis / bei ihrem feind sich aufhielte. Er wollte auch diese partei
nun nicht verlassen / nachdem ihn also der zufall zu ihnen gefüret. Gleichwol
name er / unter dem Suevus / keine kriegsbedienung an: beschlosse aber / seine
reise nach Ophir nicht eher fortzusetzen / bis er das ende dieses kriegs
erwartet hätte. Der Suevus wurde hernach gedrungen / Hazezon Tamar zu verlassen
/ und dem feind an einem andern orte abburch zu tun: da er dann dem Hiarbas /
von dessen dapferkeit er viele proben gesehen / mit sich name / als welchen er
so sehr liebte / dass er fast ohn ihn nicht sein konnte.
    Die Salamis hatte damals ihr lager am fluss Jaboc /und weil die Mirina öfters
in scharmützeln sich mit dem feind einliese / gedachte Suevus / wann er diese
Prinzessin in seine hånde bekommen konnte / es sollte dadurch des krieges ende
beschleuniget werden. Diesen anschlag nun truge er dem Hiarbas auf / und
untergabe ihm deswegen einen grossen teil seiner auserlesensten volker: der dann
das gluck hatte / dass er die Mirina zweien grossen helden / dem Esau und
Abimelech / abname / als sie mit derselben / in geringer schutzgeleitschaft / am
fluss Jaboc spaziren ritten. Mit dieser schönen beute eilete er nach Hazezon
Tamar /in welcher fast-unüberwindlichen vestung der Suevus sie sicher zu
bewahren vermeinte. Weil Simede mit ihrer Prinzessin gefangen worden / als
bediente diese sich ihres einrats / und befanden sie beide sehr gut /dass sich
dieses mit ihnen begeben: weil Mirina ihr vorhaben eher bei dem Suevus / als bei
der Königin ihrer fraumutter / bei deren der Prinz von Elassar regirte /
werkstellig zu machen verhoffete. Demnach wurde sie schlüssig / sich dem Suevus
und darbei dieses zu offenbaren / wiedass sie / des Königs ihres herrvattern
leztem willen gemäs / keinen als einen Teutschen fürsten ehlichen / und bis
dahin unter seiner /des Suevus vormundschaft leben wollte: wordurch sie zu
erlangen verhoffte / dass der friede in Basan wieder erfolgen / des Prinzen von
Elassar macht schwinden /und sie endlich den gewalt erlangen wurde / ihren
geliebten Ingerman neben sich auf den tron zu heben.
    Mitlerweile sie mit solchen anschlågen ümgienge /lage der Prinz Hiarbas an
zweien wunden darnieder /deren die eine und gefärlichste der Mirina schönheit
/die andere ihr dapferer arm / ihm geschlagen hatte: dann sie / in seinem
überfall / sich so kühn erwiesen und so mutig für ihre freiheit gefochten / dass
er das warzeichen am arm davon tragen musste. Aber die andere wunde liesse ihn /
wegen dieser / nicht lang der kammer hüten / sondern triebe ihn / seine schone
gefangene wieder zusehen: welche / weil man sie königlich ehrte und ihr alle
freiheit liesse / täglich auf der stadtmauer spaziren und ihren zeitvertreib
suchen dorfte. Wie er nun unter die kriegsbediente / so ihr aufwarteten / sich
eingemänget / bekam sie ihn ins gesichte / und warnemend / dass er den arm in der
binde hatte / fragte sie ihn: ob er diese wunde vom feind trüge? Der hauptman /
so in der vestung befehlshaber war / und ihr zum nåchsten gienge / antwortete
für den Hiarbas: Er wåre derjenige / so Hazezon Tamar mit der Prinzessin
anwesenheit beglückseeligt hätte. Hiarbas veränderte hierbei die farbe / und war
unwillig / dass diejenige / die er in seinem herzen höher als die welt schåtzete
/ also erfahren mussen / dass er ursach an ihren banden wäre. Sie / die solche
änderung an seinem gesichte warname / lächelte ihn an / und sagte: Ihr habt
warlich erwiesen / dass ihr muht und verstand habet / indem ihr diesen anschlag /
mich gefangen zu nemen / so wohl hinaus gefüret; und muss ich euch / wiewol ich
eure feindin bin / hierum das lob sprechen.
    Dieses wort / feindin / schallete dem verliebten Prinzen / als ein
donnerschlag / für die ohren / und konnte er sich nicht entalten / ihr also zu
antworten: Er achte sich für den unseeligsten menschen unter allen / dass er /
sein ungluck zu befordern / so unglückhaft sein müssen. So haltet ihr dann das
für ein unglück / (fragte Mirina /) dass ich bin eure gefangene worden? Dass ich
die volkommenste Prinzessin der welt (gabe er zur antwort /) in diesen stand
setzen mussen / achte ich für das gröste leid / so mir iemals begegnen mögen.
Diese worte brachte er mit solcher gemütsbewegung vor / dass Mirina / wann sie
recht håtte darauf achten wollen / die ursach derselben würde haben errahten
können. Ich bin darum nicht mehrers eure feindin / (sagte sie darwider /) als
aller der anderen / die wider die Königin meine fraumutter die waffen füren. Und
gleichwie ich alle dapfere leute hoch verehre / also konnet ihr auch wohl von mir
gläuben / dass ich euch wehrt halte. Hiarbas neigte sich hierauf / sonder zu
antworten / mit dem haubte zur erden: als zugleich die Simede der Prinzessin zu
verstehen gabe / wie sie ihm die wunde gegeben hätte /die er am arm truge. Ich
täte ja meine gegenwehr /(redte deswegen Mirina ihn ferner an /) so gut ich
gekont. Doch ist mir lieb / zu sehen / dass ihr eure wunde ja so leicht traget /
als ich meine bande. Die wunden / (versetzte er /) die man von so schoner hand
bekommet / sollte man gern ewig tragen. Ich verhoffe aber in dergleichen
begebenheit keine mehr zu entfangen / da fortin mein blut und leben der
unvergleichlichen Mirina einig und allein ergeben und gewidmet bleiben soll. Ihr
seit so höflich / als dapfer / (sagte die Prinzessin /) und vermehret / aus
beiden ursachen /meine hochachtung für eure person. Hiermit / sonder ihme zur
antwort zeit zu lassen / gienge sie fürter: und blieben die anderen aus
ehrerbietung zurücke / weil sie mit der Simede allein zu reden verlangte.
    Der verliebte Hiarbas befande sich dermassen aus sich selber / dass er fast
weder sah noch hörte / was bei ihm geschahe. Als er hiernåchst in seinem zimmer
sich allein befande / und niemand / als sein vertrauter waffenträger Lamprides
bei ihm ware / fienge er an /sein herz auszuschutten. Bald klagte er sich selber
an / dass er sich also von liebe einnemen lassen. Bald priese er wiederum diese
seine neigung / indem er der Mirina schönheit bei sich hochachtete. Endlich nach
langer unschlussigkeit fassete er den willen / dieser seiner liebe beståndig
nachzusetzen. Er hielte auch solche / für eine verborgene schickung des himmels:
zumal zu Salem die zwo schöne Prinzessinnen Cölidiane und Jaelinde / die doch /
sonderlich die erste /der Mirina weit vorglånzeten / ihn nicht fangen konnen.
Bedachte er dann / dass ich ihm zur braut bestimet / und er durch mich das reich
Ophir erlangen sollte: wurde er darob zwar etwas unruhig / verharrete aberdoch
auf dem schluss / eine bekannte schönheit für eine unbekannte zu lieben. Und weil
dieser Prinz / der sonsten viele tugenden besitzet / sehr häftig ist / und /was
er will / mit macht durch treibet: als ergabe er sich dieser liebe dermassen /
dass / wann Lamprides / der doch seiner sehr måchtig war / ihn nicht noch etwas
zurücke gehalten hätte / er sich alsofort in Hazezon Tamar würde kund gegeben
haben.
    Er trachtete aber nun nach nichtes mehr / als wie er die Prinzessin wieder
befreien möchte. Und hierzu erlangte er bald eine gute gelegenheit / indem der
Furst von Edom an den stadtauptman seinen boten abfärtigte / und üm die
befreiung der Prinzessin handelen liese. Demnach gabe er dem stadtauptman die
vorschläge / die hernach erfullet worden: da nämlich der Fürst von Edom / fur
die Prinzessin / in Hazezon Tamar sich gefangen zu stellen sich erbieten müssen.
    Mirina / die hiervon nichtes erfuhre / bis alles zwischen dem Esau und
haubtman war abgeredet und beschlossen worden / besturzte nicht wenig / als
einsmals der Prinz Hiarbas mit frölichen gebärden zu ihr kame / und sie also
anredte: der himmel zeigt sich mir wieder so gonstig / dass ich zu befreiung der
Prinzessin von Basan nun wieder dienen kann / gleichwie ich zu ihrer
gefangenschaft mich mussen gebrauchen lassen. Ich kündige hiemit der dapfren
Mirina die freiheit an / und berichte / wie die ihrige iezt mit schmerzen
verlangen / ihre unvergleichliche heldin wieder zu sehen. Diese zeitung / an
statt dass sie die Mirina erfreuen sollen / ware ihr so widerlich zu hören / dass
sie / ganz erschrocken / den Hiarbas etliche mal fragte /ob er wahr redete? Er
bestätigte solches / und erzehlte ihr kürzlich / wie er hierzu den stadtauptman
beredet håtte: üm einiger massen wieder zu ersetzen / was er /ihr zur
beleidigung / begangen hätte. Hierauf sah ihn Mirina mit unwillen an / und /
sich zu zwingen vergessend / sagte sie wider ihn: Ihr habt mir mehr dienste
getan / mich hieher bringend / als nun / da ihr alles mein furhaben rükwendig
machet. Hiermit liesse sie den bestürzten Hiarbas stehen / und eilete zu der
Simede / mit derselben sich hierüber zu berahten: welche dann für gut befande /
dass die Prinzessin /ihren anschlag mit dem Suevus / auf alle weise verbergen /
sich in die zeit schicken / und die wiederangebotne freiheit annemen sollte.
Diesem ein raht zur folge / liesse sich Mirina aus Hazezon Tamar erlassen. Und
ob wohl Hiarbas alle gelegenheit suchete /mit ihr allein zusprechen / um wegen
ihres ihme-getanen vorwurfes sich zu entschuldigen / und dessen deutung zu
erfahren: so vermiede sie ihn doch so meisterlich / dass er mit der grösten
unruhe und unzufriedenheit zurück bliebe / und nicht wusste / was er beginnen
sollte.
    Nåchsten tags nach dieser befreiung / bekame er befehl / zu dem Suevus zu
kommen. Dieser hatte /durch die Simede / der Mirina fürhaben heimlich erfahren /
und wollte sich des Hiarbas hülfe gebrauchen / die Prinzessin zu überreden / dass
sie sich nach Basan begeben möchte: da er sie dann / gegen ihrer fraumutter / zur
Konigin und regentin einsetzen wollte. Als aber der betrubte Hiarbas dem Suevus
entdeckte /wie Mirina bereits wieder ledig worden / und sie / an ihrer statt /
den berumten helden Esau in händen hätten: erzurnte sich derselbe sehr darüber /
und drohete /den hauptman in Hazezon Tamar hierüm zu straffen. Aber Hiarbas
entschuldigte ihn damit / dass er durch seinen einraht ihn hierzu bewogen hätte:
in Meinung /des Esau abwesenheit / würde dem feind mehr abbruch tun / als wan
sie die Prinzessin behielten. Er sezte auch hinzu / Mirina wäre bereits von
allen soldaten und inwonern zu Hazezon Tamar so geliebt und geehret worden /
dass zu besorgen gewesen / sie hätte dieselben såmtlich auf der Königin Salamis
seite lenken mögen. Mit dieser schein-ursache / dachte Hiarbas den Suevus zu
besänftigen: dann die wahre ursache / dass nämlich seine liebe zur Mirina hieran
schüldig wäre / dorfte er ihm nicht entdecken / weil er wohl wusste / dass er / als
ein Egyptier / diese Prinzessin nicht begehren dorfte / als die der Konig
Marsius / ihr herrvatter / einem Teutschen bestimmet hatte.
    Suevus / der dem unbekanten Hiarbas sehr wohl wollte / liesse / ihm zugefallen
/ seinen unwillen fahren: und weil er sich ihm gänzlich zu vertrauen gewonet /
als entdeckte er ihm der Mirina und sein fürhaben / und entschlosse sich / ihn
in der Salamis lager zu senden: da er mit der Mirina abreden sollte / ob sie
seinen anschlag belieben und nach Basan kommen möchte? Hiarbas name diss gewerbe
mit freuden an /und machte sich alsobald auf den weg: inzwischen der dapfere
Prinz Abimelech / üm seinen freund / den Esau / wieder zu befreien / Hazezon
Tamar belägert hatte. Als er in der Salamis lager angelanget / fiele es ihm
nicht schwer / bei der Simede heimlich sich einzufinden: welche / als sie
vername von wem er abgeschikt wåre / ihn alsobald in das gezelt der Mirina /die
eben allein war / einfürete / und so begierig als ihre Prinzessin wurde / sein
anbringen zu vernemen.
    Bei dieser der Mirina ansichtigung / verlore Hiarbas vollends / was ihme
zuvor von seiner freiheit noch übrig geblieben: und fehlte es nicht viel / dass
/an statt des Suevus gewerbe anzubringen / er ihr seine liebe neben seinem stand
entdeckt hätte. Sie aber / die solches an ihm wohl merkte / aber üm dess willen /
weil sie ihn nun für einen vertrauten des Fürsten Suevus hielte / ihme viel zu
gut halten wollte / redete ihn begierig und mit sonderbarer freundlichkeit an /
und fragte gleich selber: Ob sein herr / der Suevus / ihr freund sein und ihr in
ihrem grossen fürhaben dienen wollte? Hierauf legte Hiarbas seine botschaft ab /
und machte damit die Prinzessin sehr erfreut / auch sofort gewierigst / auf ein
bequemes mittel zu denken ohne der Königin Salamis und der ihrigen wissen /
sicher und verborgen nach Basan zu dem Suevus zu gelangen. Ihre und der Simede
beratschlagung mit dem Hiarbas / erfolgete hierauf: welcher / sich glückselig
schätzend / seiner Prinzessin zu dienen / sich anerbote / dass er / sie durch das
lager und in Basan zu bringen / sein leben aufsetzen wollte. Eure dapferkeit
(sagte Simede hierwider /) ist uns zwar nüzlich / sie kann es aber allein nicht
ausmachen. Wir mussen ein mittel ersinnen / wie die Prinzessin / ohne allhier im
lager gemisset zu werden / hinwegkommen könne. Dan man lässt sie niemals / ohne
geleitschaft der kriegsbedienten und furnemsten aus dem heer / ausreiten: weil
man / seitdass ihr sie nach Hazezon Tamar entfüret /für ihre person viel
sorgfältig- und wachsamer worden.
    Wan die Prinzessin sich nur will der nacht bedienen / (sagte Hiarbas /) kann
sie wohl verborgen aus dem lager kommen. Und weil hier / durch das gebirge /viel
wege nach Basan gehen / auch niemand leichtlich / dass die Prinzessin sich
vonselbst dahin begeben werde / vermuten wird: als werden die / so sie suchen
mochten / eher nach Hazezon Tamar / als auf unsere strasse / ihren weg nemen.
Diesen des Hiarbas furschlag liesse ihr die Mirina wolgefallen / und nachdem sie
die notturft hierzu abgeredet / gienge der Prinz / die ubrige tagszeit im lager
sich zu verbergen. Sobald nun die nacht angekommen / und er zur bestimmten zeit
vor der Mirina gezelt mit der gegebenen losung sich eingefunden: war die
Prinzessin schon bereit / neben der Simede zu pferd zu sitzen. Und weil sie die
nachtrunden mit wenig dienern selbst zu reiten pflegte / als name sie allein den
Hiarbas und dessen zween mitgebrachte diener zu sich / und ritte also durch das
lager. Es ware niemand / als sie an die wachten kame / der sie aufhielte / noch
üm sie besorgt ware: weil sie / wie gesagt / solcher ritte an ihrer Prinzessin
wohl gewonet waren. Sie aber noch sicherer zu machen / beritte sie die posten
etliche mal: bis sie endlich sich hinaus begabe / und dem wegweiser folgte /
welchen der Furst Suevus dem Hiarbas mitgegeben hatte. Dieser fürete sie durch
das gebirge / einen unwegsamen und sonst unbekanten weg: bis sie /nach dreien
tagen / nahe bei Basan angelangten.
    Auf dieser reise / weidete sich der verliebte Hiarbas mit seiner Prinzessin
gegenwart / und ward oft willens / sich ihr zu erkennen zu geben. Wie kühn er
aber sonst war / so unentschlossen bliebe er doch hierinnen / und verseumte also
diese gute gelegenheit / so ihn das Glück an die hand gegeben. Zu Salcha / wurde
die Mirina von dem Suevus entfangen / der ihr alle königliche ehre erwiese. Es
zeigte sich auch an ihm und allen Teutschen eine solche freude / dass sich die
Prinzessin damit vergnügt achten konnte. Sie hielte aber ihr fürhaben ganz geheim
/ und ergezte sich inzwischen mit der hoffnung / (von ihrer Simede gestärket)
das königreich Basan / welches sie nun ohne schwerd und blut zu erlangen
vermeinte / ihrem geliebten Ingerman zu zubringen.
    Weil der Furst Suevus / aller der grossen in Basan gemute / nach seinem
willen / der Mirina zum bästen /lenken und gewinnen musste / ehe er laut werden
liesse / dass diese Prinzessin / die seite ihrer fraumutter verlassend / dem
lezten willen ihres herrn vattern in allem nachleben wollte: als verstrichen
hierzwischen etliche tage / die sie zu Salcha hinbringen musste. Wie es aber nun
an dem war / dass ihr offentlicher einzug /als einer Konigin / in Basan geschehen
sollte: da bekame Suevus die unvermutete post / wiedass der junge Marsius / seines
Konigs sohn / den man so gewiss für todt gehalten / noch bei leben und in Ammon
eingefallen sei / und mit gluckhaften waffen selbigen Konig demütige / als
welcher an diesem krieg und empörung in Basan / und an der Salamis fürnemen /die
meiste ursache gewesen. Diese erfreuliche post /machte den Suevus ganz andere
gedanken gegen der Mirina fassen. Dan / da er sie zuvor als seine Konigin
angesehen und verehret / hielte er sie nun für die gefärlichste feindin des
reichs / und die allein fåhig sein konnte / vermog ihres dapferen muts und
ehrsüchtigen geistes / unruhe in Basan anzurichten. Er gienge lang mit sich
selber zu raht / wie er die sache angreifen sollte. Endlich befande er für das
bäste / die Mirina in den tempel der Brachmanen zu verschliessen / welchen die
Konigin Milda / der Salamis fraumutter / in Salcha gestiftet: aus welchem sie
allemal wieder konnte herfürgenommen und zur Konigin gekront werden /wan dem
Konig ihrem bruder etwas menschliches widerfahren sollte.
    Weil er nun dem Hiarbas nichts verheelete / als machte er ihn zum mitwisser
dieses seines furhabens. Dieser vername diese zeitung / wegen der Mirina / so
ungern / als unmoglich er gestatten konnte / dass seine Prinzessin bei den
Brachmanen versperret / und ihm dadurch alle hoffnung in seiner liebe benommen
werden sollte. Jedoch / kein mistrauen bei dem Suevus zu erwecken / musste er
seine gedanken verheelen. Er konnte ihn aber mit keinen gründen / seine Meinung
zu åndern / bewegen: wie er dann selber / dass dieser anschlag für den König
Marsius und für Basan der fürträglichste wäre / bekennen musste. Gleichwol triebe
ihn seine liebe / sobald der Suevus ihn verlassen /nach der Mirina zu gehen /
und ihr dieses alles zu entdecken: die / an nichtes weniger als an dergleichen
gedenkend / hieruber sehr bestürzte. Ihre liebe zu dem Celtischen Prinzen / ihre
ehrsucht in Basan zu regiren / ihr widerwille gegen dem Prinzen von Elassar /
und die beschamung / dass sie in aus fürung ihres grossen fürhabens so
unglücklich gewesen / überschwellten ihr auf einmal das gemute / dass sie / den
Hiarbas beweglich anschauend / zu ihm sagte: Ich bin verloren! wo ihr mich nicht
rettet und aus diesem irrwege füret. Der Prinz / welcher / seine liebe zu zeigen
/ ihr hierauf alles versprache / erwartete mit höchster begierde / was sie ihm
befehlen würde. Er horte sie aber also fortreden: des Suevus blut / muss den
anfang meiner ruhe machen / damit er erfahre / wie es dem gelinge /der mich also
treulos verlassen dörfen. Wan dieser feind aus dem wege geraumt sein wird / will
ich euch zu meinem feidherren machen / und mich eurem dapferen arm vertrauen /
mir Basan zu erhalten.
    Dieses ansinnen machte den Hiarbas ganz verstummen / also dass er die
ergrimte Mirina allein unbeweglich ansah. Solche seine besturzung warnemend
/zwunge sich Mirina / freundlich auszusehen / und fuhre fort / ihm also zu
zureden: Wann ihr mich liebt / so wird euch mein befehl nicht beschwerlich
fürkommen. Und weil ich solches weiss / wiewol ihr es mir nie eröfnet: als gebe
ich euch zu vernemen / wie ihr mit meiner vertråulichkeit umgehen müsst / da
ich mich euch ganz entdecket / und auf eure verspürte liebe mich verlassend /
mein leben / meine ehre / und mein Glück in eure hände setze. Die vorige
bestürzung / verglieche sich ganz nicht dieser letzeren / die dem Hiarbas /
hierob aufstiesse. Er warfe sich ihr zu füssen / und sagte: so weiss dann die
unvergleichliche Mirina mein freches beginnen / und unterlässet / mir darüm den
tod anzukündigen? Ich will / dass ihr lebet! antwortete sie: aber für mich / und
nicht fur den Suevus. Rächet mich / und ersetzet damit das ungemach /dass ihr
mich in dieses unglück gefüret.
    Hiemit verliesse sie den Prinzen / und keine zeit zu verseumen / berieffe
sie / auf guteisen der Simede /alle die kriegsbediente / von denen sie wusste /
dass sie ihr sonderlich geneigt wären / und versicherte sich ihrer treue: massen
sie ihr versprachen / gut und blut bei ihr aufzusetzen. Sie sagte ihnen aber
nicht / was sie wider den Suevus fürhatte / weil der von iederman geliebt war.
Nur täte sie ihnen zu wissen / wiedass gefärliche anschläge wider sie vorhanden
wären /worwider sie ihres beistandes vonnöten hätte: üm des willen sie mit einer
starken wacht / die niemanden als ihr gehorchete / sie stäts begleiten sollten.
Mitlerweile sie sich also verwahrete / stunde der verliebte Hiarbas alle die
marter aus / die iemals ein sterblicher mag entfunden haben. Er sah auf einmal
/ in seiner liebe /die hoffnung und die unmöglichkeit: da jene ihn der tugend /
diese aber der liebe / wollte absagen machen. Sein edles herz wehlete zwar nicht
lang / welchem weg er folgen sollte: indem die treu gegen dem Suevus viel zu fåst
war / dieselbe zu brechen. Es war aber /die liebe zu Mirina / hiebei so häftig /
dass / ob gleich sein fürsatz beståndig bliebe / den Suevus / der sich gänzlich
ihm vertraute / zu schützen / er doch auch sie nicht verlassen konnte. Doch sah
er nicht / wie er /ohne den Suevus zu verrahten / ihr dienen mochte.
    In solcher unschlüssigkeit fand ihn / meines herr vattern des Konigs Jaziz
Abgesandter / der Heleb: welcher aus Ophir nach Salem gereiset / alda diesen
Prinzen gesuchet / und ihn endlich hier in Basan angetroffen hatte. Sein
anbringen war / wie häftig seinen König nach ihn verlange / weil er von den
Elamiten mit krieg bedrohet werde / und weil er ihn / als seinen künftigen erben
und nachfolger am reich / gern bei sich haben wollte: zu welchem ende er etliche
huntert wolbewehrter mann an die gränzen des reichs Arabien geschicket / den
Prinzen abzuholen und sicher in Ophir zu bringen. Sein hofmeister / der von
jugend auf bei ihm gewesen / und bisher / wegen häftigkeit seiner liebe / die er
an ihm vermerket / ihn zur fortreise nicht bewegen können / bediente sich dieser
ankunft des Heleb sehr wohl / und beredte den Hiarbas /sein Glück nicht ferner
auszuschlagen / sondern demselben zu folgen: daher dieser Prinz endlich der
wahren vernunft raum gabe / und zur abreise nach Ophir sich erklärte. Demnach /
wie er alles bei sich wohl uberleget / gienge er zu dem Suevus / entdeckte ihm
seinen stand und seine liebe / und ersuchte ihn / fur den dienst / den er / sein
leben rettend / ihm geleistet /ihm zu vergönnen / dass er die Prinzessin Mirina
wieder nach der Salamis lager bringen möchte.
    Da Prinz Suevus entsezte sich häftig / vernemend /dass er einen so grossen
Prinzen bisher bei sich gehabt / und sich dessen / als eines gemeinen soldatens
/ bedienet hatte. Und in erwägung / dass der Mirina freiheit seinem jungen König
schädlich sein / auch dieses Egyptischen Prinzens liebe viel übles nach sich
ziehen möchte / wurde er zweifelhaftig / was er vornemen sollte. Er sagte ihm
endlich / nach erwiesener höflichkeit / dass er sich hierüber bedenken / und ihme
bald seinen schluss eroffnen wollte. Als er aber damit verzoge / gienge Hiarbas /
die Mirina zu sprechen. Diese / sobald sie seiner ansichtig worden / fragte ihn
/ ob der Suevus todt wäre? Grosse Prinzessin! antwortete er: ich urteile zwar
nicht von der rache / die sie wider den Suevus fürgenommen. Ich unterwerfe mich
aber dem urteil der schonen Mirina / ob ich /ohne verletzung der tugend / dero
befehl an diesem Fürsten vollziehen konnen?
    Er wollte ein mehrers reden. Sie aber liesse ihm hierzu keine zeit / sondern
eilete von ihm hinweg: ganz ergrimmet / dass ihre hoffnung / die sie auf ihn
gesetzet / ihr fehl geschlagen. Sie hatte / seiner liebe /die sie ihm angemerket
/ wiewol er solche zu bergen vermeint / sich bedienend / aus ihm ihre creatur
machen wollen: wiewol die unwissenheit seines standes /und ihre liebe zu dem
Ingerman / bei ihr für diesen Prinzen keiner neigung raum liesse. Sie hatte ihr
auch nicht eingebildet / dass Hiarbas / als verliebet / ihrem willen zuwider
leben würde: da ihr befehl / sowol seine liebe / als seine ehrsucht / merklich
befordern können. Nun sie aber ohne ihrem nutzen / ihm entdecket / dass sie üm
seine liebe wisse / und dass sie von derselben einen solchen dienst erwarte:
gienge es ihr so nahe / dass sie nicht nur den Suevus / sondern auch den Hiarbas
/ aus dem weg geraumet wünschete.
    Sie funde nun für sich keine sicherheit mehr in Salcha / weil sie besorgte /
Hiarbas würde dem Suevus andeuten / wessen sie gegen ihm gesinnet wäre. Demnach
entschlosse sie sich / mit einraht der Simede /heimlich hinweg zu fliehen / und
sich wieder in ihrer fraumutter lager zu begeben: da sie ihr vorhaben verhelend
/ den krieg wider den Suevus volfüren / und den ausgang der zeit und dem Glück
befehlen wollte. Etliche kriegsbediente des Suevus / die sie auf ihre seite
gewonnen! waren ihr hierzu beförderlich: also dass sie unvermerkt mit ihnen davon
kame / und beides den Suevus und Hiarbas voll unruhe zuruck liesse. Sonderlich
ware dieser gar nicht zu trösten / als er so schlechten fortgang in seiner liebe
sah / seine Prinzessin in dem widerwillen / den sie auf ihn gefasset /
entwichen wusste / und er / ohne sich zu entschuldigen / nach Ophir ab- und
fortreisen sollte. Weil er aber seinem verhängnis nachgeben musste /als zoge er
höchst betrübt / voll sorgen und unzufriedenheit / aus dem reich Basan hinweg:
nicht geringen argwahn dem Suevus hinterlassend / dass er der Prinzessin zu ihrer
flucht verholfen håtte. Es wurde hierdurch zwar ihre freundschaft in etwas
gemindert / gleichwol / in des Suevus gemüte / die hochachtung für diesen
dapferen Prinzen / nicht gar aufgehoben.
    Inzwischen nun der verliebte Hiarbas nach Ophir reisete / ware Mirina in der
Königin Salamis lager glücklich wieder angekommen: die dann so sehr mit ihrer
gegenwart erfreuet wurde / als vorhin ihre abwesenheit sie beunruhigt hatte. Die
Prinzessin erzehlte /zwar mit andern ümstånden / als es sich begeben /ihre
entfürung und wiedererledigung: ganz geheim haltend / was ihr vorhaben gewesen.
Es bekame aber /der krieg / hiernächst eine viel andere gestalt. Dann /obgleich
der dapfere Abimelech Hazezon Tamar eingenommen / und neben dem Esau
wunderdinge verrichtet: so erweckte doch / die zeitung von des jungen Marsius
leben / nicht allein ein allgemeines schrecken / sondern auch eine grosse
freude. Weil alle der Salamis kriegsbediente / diesen Prinzen für ihren Konig
erkennten / als fiengen sie an / mit verdruss die waffen wider ihn zu gebrauchen:
Und ob schon der Prinz von Elassar allen fleiss anwendete / so vermochte er doch
nicht / sie in gehorsam zu erhalten. Es kamen auch der Salamis soviel gefärliche
reden für ohren / dass ihr aller muht zu entfallen begunte: allermeist / als auch
der Prinz von Ammon mit seinen völkern sie verlassen musste / weil der König
Marsius seinem herr vattern in Ammon soviel zu schaffen machete / dass er selber
hülfe vonnöten hatte.
    Weil nun der hass gegen den Teutschen / durch dieses aufsteigende gluck ihres
Erbkönigs / in der Salamis gemüte zum hochsten wuchse / als liesse sie sich /
durch den Prinzen von Elassar und etliche Moabitische herren / verleiten / dem
Konig von Basan nach dem leben stellen zu lassen: da ihrer zehen / die
verwegensten und listigsten unter den Moabiten / sich zusammen verschwuren /
diesen jungen helden aufzureiben. Mirina / ob sie gleich ihrem stiefbruder
/seitdass er ihrem geliebten Ingerman so feindlich begegnet / nicht mehrgeliebet
/ wollte iedoch dieses beginnen nicht billigen. Sie gedachte aber den ausgang zu
erwarten / und liesse nicht nach / dem Marsius offentlich das reich zu
bestreiten / als die Salamis /durch seinen tod / sich dessen heimlich zu
versichern trachtete. Es schluge ihr aber auch diese hoffnung üm / indeme
Marsius der zehen erkauften mördern sich so dapfer erwehrete / dass sie ihr
vorhaben nicht hinausfüren konten. Es wurde hierauf / zu der Salamis höchstem
unglimpf und nachteil / überall ruchtbar / wie sie ihrem stiefsohn nach dem
leben trachten lassen. Es verlore sich also vollends / auf ihrer seite / alle
gunst bei dem kriegsheer: und wurde sie endlich genotigt /damit sie sich nicht
ihres stiefsohns gefangene sehen mochte / auf die flucht zu gedenken.
    Sie name ihr aber fur / nach Ophir zu ihrer schwester / als meiner
fraumutter / sich zu begeben. Und obschon der Abimelech und Esau / neben dem
Prinzen von Elassar / ihr solches widerrieten / so folgete sie dannoch ihrem
eigenen willen / und flohe aus Basan hinweg / in gesellschaft der Mirina: welche
ihr willigst folgete / weil sie nun alle hoffnung verloren hatte / ihrem
Ingerman die kron von Basan zu zubringen. Als diese beschwerliche reise schier
vollendet war / vername sie auf der grånze des reichs / dass wir /von den
Elamiten und ihren helfern / den Assyriern /bekrieget würden. Weil nun die
Konigin meine fraumutter / samt mir / in Nissa belagert ware / als dachte die
Salamis und Mirina / zu meinem herr vattern dem Jaziz nach Havila zu reisen:
welcher weg aber sie durch das lager der Assyrier tragen musste. Weil der Prinz
von Assyrien bässer / als ich / wird erzählen können / welcher gestalt er der
Salamis den durchzug erlaubet: als will ich meine erzehlung allhier abreissen /
und deren fortstellung dem Prinzen auf eine zeitweile uberlassen.
    Die Konigin von Ninive / welche sehr begierig war / von dieser geschichte
ferner zu horen / sah hierauf den Prinzen von Assyrien an: der dann sich nicht
seumete / die erzehlung also fortzusetzen.
    Indem ich euer verlangen / liebste schwester! den verlauf / sowol der Mirina
lebens / als meiner liebe gegen ihr / zu vernemen / vergnügen soll / muss ich
notwendig erstlich vorstellen / was mir / in diesem heerzug nach Ophir /
unterwegs begegnet: weil solches der grund ist / wovon meine damalige und
ietzige liebe sich angesponnen. Ihr wisset / wie mich zuhaus der Eldane
schonheit eingenommen / ehe ich von Babel zoge / und wie / durch eure
unterhandlung / ich nach und nach zeitung und briefe von ihr bekommen /die diese
meine liebe ernehrten. Als ich aber mit unsern volkern im Babylonischen gebirg
lage / wurde mir eines tags angesaget / dass man mitten in selbiger wildnis eine
höle gefunden / worinn ein warsager wonete / der sowol von vergangenen als
künftigen dingen zu reden wusste: massen viele von meinen kriegsbedienten bereits
die probe seiner kunst erfahren / und mich berichteten / dass dieser Chaldeer
alles ihnen gesaget / was ihnen zeit lebens begegnet ware.
    Mein fürwitz triebe mich an / diesen wunderman auch zu sehen. Als ich nun
mich dahin füren lassen /fand ich einen alten greissen / der mehr tierisch als
menschlich aussah. Ich fragte ihn üm seine ankunft /und wie er hier in so
grässlicher wildnis leben könnte? Er gabe mir zur antwort: Er sei aus Ur bürtig /
und seine liebe zur sternkunst habe ihn alle menschliche gesellschaft verlassen
/ und / üm ståts in seinen betrachtungen ungehintert fortzufaren / bis gebirge
zur wonung erwählen gemacht / da er von den kräutern der erden lebe; und sei es
wohl zehen jahre / seit dass er keinen menschen zusehen bekommen. Weil ich nun
iederzeit an dieser wissenschaft mich auch belustiget /als fülete ich ein
sonderbares vergnügen / mit diesem manne mich im gespråch einzulassen. Er
eröffnete mir endlich / durch seine kunst / nicht allein / was mir bereits
begegnet / sondern auch / was mir noch künftig widerfaren sollte. Solches täte
er aber mit so dunklen worten / dass ich / zwar wohl das vergangene / aber nicht
also das künftige / errahten konnte.
    Weil ich nun furnemlich darin / was meine liebe angienge / unterrichtet sein
wollte / als fragte ich ihn: Ob mir diejenige würde zu teil werden / die ich
liebete? Er antwortete mir: Es sei mir weder diese / noch die vorige / bestimmet
/ und ich würde noch zwei heldinnen nacheinander lieben / von denen ich eine
bekommen / und durch sie / dem reich Assyrien / einen beständigen frieden zu weg
bringen sollte. So unvergnügt / wegen der Eldane / ich hierüber wurde /so
begierig forschete ich ferner / um von den beiden heldinnen ein mehres zu
vernemen. Er wollte mir aber nichtes mehr sagen. Also musste ich mit dem erlangten
bericht zu frieden sein / und wieder von dannen scheiden.
    Auf der folgenden ganzen hinreise nach Ophir /konnte ich niemals unterlassen
/ dieser profezeiung nachzusinnen. Ich will hier nicht / wie der krieg in
selbigem reich abgelaufen / sondern allein dieses melden. Als ich mit dem
Assyrischen heer unfern von Havila lage / da inzwischen unser bundsgenosse / der
dapfere König von Elam / Nissa belågert hielte: kame mir die zeitung / wiedass
die Königin von Basan /neben der Prinzessin ihrer tochter / im anzug wåre /und
den Konig Jaziz besuchen wollte. Ich bekame auch / von dieser Königin / einen
abgesandten / der mich ersuchete / ihr den durchzug durch mein lager /und dass
sie sicher nach Havila kommen könnte / zu vergonstigen. Die ehrerbietung gegen
das frauenzimmer / ob diese schon dem feind zugehorten / machte mich gleich
schlüssig / dem abgesandten also zu antworten: Gleichwie ich ihn versicherte /
dass seine Königin ungekränkt durchziehen würde / also liesse ich ihr zugleich
alle dienste anbieten / die ich ihr auf dieser reise leisten könnte. Als ich auch
den tag erfahren /da sie ankommen sollten / befahle ich / das ganze heer in
zierliche ordnung zu stellen / und ritte / neben meinen fürnemsten Assyriern /
der Konigin entgegen / sie in mein lager einzuholen.
    Das erste / so ich zu sehen bekame / war die Prinzessin Mirina: die / ganz
kriegerisch gekleidet / auf einem mutigen pferd daheritte / welches sie mit so
guter art zu regiren wusste / dass ihre schonheit und ihr dapferes frisches wesen
gleich-herrlich erschiene. Mich verwundete alsobald ihr erster anblick: wiewol
ich das wolgefallen / so ich sie anschauend entfunde /anfangs nicht für liebe
hielte. Als ich sie wilkom hiese / horte sie diese meine begrüssung mit einer
sonderbaren majestät an / und zeigte mir darbei zwar ziemliche höflichkeit /
doch also / dass ich wohl spüren konnte /wie sie / als Teutschen geblutes / einen
widerwillen gegen mir / als einem Assyrier / hegete. Die Königin Salamis /
welche ihr auf einem wagen folgete / erwiese sich mir gutiger / und wusste nicht
worte genug zu finden / mir ihre erkentlichkeit zu verstehen zu geben. Ich
begleitete sie hierauf in das lager / alwo ich ein herrliches gezelt für sie
aufschlagen lassen. Weil sie sehr eilete / als konnte ich an ihr nicht erlangen /
dass sie länger / als selbigen tag und die folgende nacht /sich bei mir
aufgehalten hätte. Nach verrichteter mittags malzeit / eröffnete Mirina ihr
verlangen / meine völker zubesehen. Demnach ritte ich mit ihr durch das ganze
lager: da alle Assyrier die grosse kriegserfarenheit / die diese Prinzessin von
sich scheinen liesse /nicht genug bewundern konten.
    Ich fand hierbei / des warsagers bericht / meinem sinn so gleichformig /
dass ich mich alsofort dieser heldin Mirina gefangen gabe: und behielte Eldane
ferner keinen gewalt über mich / auser dass ihr andenken mich beunruhigte / und
mein gewissen / indem ich also an ihr ungetreu wurde. Ich hielte aber / diese
neue liebe / für den schluss des himmels: zumal ich überdas aus den gestirnen /
in deren erkentnis ich mich oft zu uben pflege / ersehen zu haben vermeinte /
dass / aus Celten oder dem entfernten lande der Teutschen / mein heuratstern
aufgehen würde. Diese meine neue liebe entdeckte ich / sobald mein gezelt
selbigen abend mich wieder allein sah / dem Zameis / der noch iezt bei mir in
diensten ist: welcher dann dieselbe nicht tadeln konnte / weil die Mirina / wegen
ihrer herkunft und hohen standes / seinem bedünken nach / die Assyrische kron zu
tragen / würdiger als Eldane wåre. Die feindschaft aber der Assyrier und
Teutschen /welche / wiewol unter uns ein friede getroffen worden / noch
beständig wäret / wie auch selbiger krieg / in welchem ich wider den Konig von
Ophir / ihren blutsfreund / die waffen furete / machte mich so unruhig /als
unschlüssig / wie ich es in dieser liebe anfahen sollte: massen / bei solchen
ümständen ungereimt schiene / meine gedanken ihr zu offenbaren / oder etwas
gewieriges von ihr zu haben.
    Es war aber / die belagerung der königlichen stadt Havila fürzunemen / in
unserem kriegsraht abgeredet worden. Demnach beschlosse ich / nach dem Glück
meiner waffen den fortgang meiner liebe einzurichten / und / wann mich der
himmel meister dieser stadt machen würde / alsdan gelegenheit abzusehen / wie
ich der Mirina / als sodan meiner kriegsgefangenin / die bande / so sie mir
vorher angelanget / mit vorteil entdecken könnte. Weil ich eine kriegerin lebte /
als musste ich auch meine liebeswerbung kriegerisch anfahen /und die
betrachtungen hintan setzen / die sonst einen verliebten / nichts wider der
seine liebste fürzunemen / hätten verbinden mögen. Nachdem ich diesen schluss
fåst gestellet / berieffe ich / noch in selbiger nacht /meine fürnemste
kriegsbediente / und redte mit ihnen ab / dass sie der Konigin von Basan heimlich
etliche kundschafter mitgeben sollten / der stadt Havila gelegenheit sich wohl zu
erkündigen. Den Zameis traffe es eben mit / diese reise zu tun: welcher diese
gefahr nicht achtete / weil er / auser dem kriegsdienste / den er mir hierdurch
leistete / mir überdas in meiner liebe dienen konnte.
    Folgenden morgens zoge die Salamis samt der Mirina hinweg / und sagte die
Konigin beim abschied: wie sie die höflichkeiten / die ich ihr erwiesen / in
Havila ihrem schwager rümen / und / weil ihr die ursachen dieses kriegs nun
bekant worden / sich bemuhen wollte / ihn dahin zu bereden / dass er gegen dem
Konig von Elam sich der billigkeit gemäs bezeigen /ihme die aufrurere / als den
Kajumaras und dessen anhang / abfolgen lassen / und also diesem krieg ein ende
geben möchte. Der Mirina verehrte ich ein schones pferd / welches sie von mir
anname / darbei sagend: Ich wurde sie nicht verdenken / wan sie dieses mein
geschenke / in furfallenden kriegsbegebenheiten / wider mich selbst gebrauchen
musste. Meine antwort ware / dass ich meines orts mich nie unterfangen könnte /
wider die jenige die waffen zu gebrauchen / die ich als eine göttin verehrte.
Hiermit reiseten sie fort nach Havila / und kame Zameis / neben noch zweien
meiner leute / mit ihnen glücklich und unvermerkt in die stadt. Ich will nun
ferner erzählen / was sich alda begeben hat: weil Zameis solches alles mit
angesehen / und mir hernach treulich berichtet.
    Kurz vor ihrer ankunft / hatte der Prinz Hiarbas bei dem König von Ophir
sich daselbst eingefunden /und den koniglichen hof / samt dem ganzen reich
/damit erfreuet. Man kann gedenken / wie angenem ihm die zeitung müsse gewesen
sein / als man ihm der Mirina ankunft berichtet: massen er seine freude hierüber
so merklich verspüren liesse / dass iederman solches an ihm warnemen konnte / und
seine schleunige ånderung / weil man ihn vorher immer betrübt gesehen /
bewunderte. Wie nun der Konig der Salamis /als seiner gemalin schwester /
entgegen zoge / sie einzuholen / begleitete ihn dieser Prinz mit solcher
vergnugung / als håtte er seine verlobte braut / gegenwärtige Prinzessin
Indaride / entfangen sollen. Mirina /welche bisher noch nicht erfahren hatte /
wer er wäre /bestürzte nicht wenig / als sie ihn an des Königs seite reiten sah
/ und ihn den Prinzen von Egypten nennen hörte. Sie entfärbte sich hierüber /
zumal als sie ihn /indem der König die Salamis begrüssete / ihr zueilen sah; der
dann / ihr keine zeit lassend vom pferde zu steigen / ihre kniehe ümfassete /
selbige mit der hochsten ehrerbietung küssete / und sagte: Er preise den himmel
/ dass ihn vergonnt wäre / die Prinzessin von Basan in einem lande zu sehen / da
er mehr / als zu Salcha / zu sagen hätte.
    Mirina / so beherzt sie sonsten war / liesse doch ihre verwirrung über dieser
unvermuteten ansprache so sehr / als Hiarbas seine freude / blicken. Mein
hofmeister Zameis / welcher / wie gesagt / unbekanter in der Konigin Salamis
geleitschaft sich befande / und alles wohl ausname / sah / im einzug / den
Hiarbas die Prinzessin stäts begleiten. Sie aber / nachdem ihre bestürzung
voruber / begegnete seiner aufwartung mit aller kaltsinnigkeit / und sagte / als
er fortfure / ihr seine dienste anzubieten / ganz veråchtlich: Sie wäre nun noch
weniger / von dem grossen Prinzen aus Egypten / dienste gewärtig / da der
unbekannte Hiarbas sich geweigert / ihr den dienst zu erweisen / den sie
verlanget. Wiewol der Prinz diese fürrückung nach allen ümständen beantwortete /
konnte er sie doch nicht bewegen / sich etwas gelinder zu bezeigen: massen sie so
hart gegen ihm / als er verliebt gegen ihr / verharrete.
    Weil nun dieser Prinz sich in keinem ding zwunge /als merkte man am ganzen
hof seine liebe gegen dieser Prinzessin / und kame es bald dem grossen raht fur
ohren: denen dann nichts unangenemers zu vernemen sein konnte / weil man diesem
Prinzen die Prinzessin Indaride / und mit ihr das Ophirische reich /bestimmet
hatte. Als auch die Salamis den König Jaziz zum frieden zu vermanen begunte /
brachten es des Kajumaras und seines anhangs gute freunde beim Konig dahin / dass
er sich entschlosse / die Königin von Basan / samt ihrer tochter / von hofe zu
entfernen / und ihr das land Nod zur wonung einzugeben: weil /in wårendem kriege
/ sie nach Nissa zu der Königin Rehuma seiner gemalin zu senden / allzu unsicher
ware. Die Konigin Salamis / ware hiermit wohl zu frieden. Aber Mirina wurde
betrübet / dass sie aus ihrem element dem kriege sich begeben sollte. Und wiewol
sie hierdurch eines Prinzen / der ihr mit liebesansuchung überlästig war / ledig
wurde: so kame sie doch hingegen dem Prinzen von Elassar / weil das land Nod an
diss reich gränzete / wieder nåher / welcher sie zuvor / auf der reise aus Basan
nach Ophir / wie der Konig sein herrvatter / (der zwar inzwischen wieder genesen
/) damals tödlich erkranket / verlassen hatte /und sie besorgen musste / dass er
nun bei ihr sich wieder einfinden mochte.
    Der Prinz Hiarbas / wie sehr er sich bemühet / vermochte diese abreise der
Salamis und Mirina nicht zu hintern. Demnach / als die zeit des aufbruchs
angekommen / verfügte er sich / abends vorher / in der Mirina gemach / und als
er sie eben allein gefunden /fiele er ihr / ehe sie sich dessen versah / zu den
füssen / und offenbarte ihr nochmals seine liebe / mit der versicherung / dass
sein herze sich niemals einer anderen schönheit / als ihr ergeben / und er viel
lieber kron und tron / als die hoffnung ihrer besitzung / verlieren wolle. Die
innigkeit / mit der er dieses fürbrachte /triebe ihm die tränen aus den augen;
und weil er nicht von ihr lassen wollte / sie håtte sich dann fur ihn gutig
erklåret / bewegte er damit diese stolze heldin zum mitleiden / dass sie / sonder
über sein künes beginnen zu zürnen / ihm furstellte / wie er fur die Prinzessin
von Ophir bestimmt wåre / und dass er alles sein gluck verscherzen würde / wann er
in seiner ungereimten liebe zu verharren gedächte. Aber alle ihre beredungen /
vermachten bei ihme weniger dann nichtes. Daher / als Mirina sah / dass er sich
nicht wollte abweisen lassen / gebrauchte sie gegen ihm diese offenherzigkeit /
ihme zu entdecken / wie sie ihr herz nit mehr in ihrer macht hätte / es
anderweit zu vergeben /weil es bereits fürlångst versagt wäre.
    Ach grausame! begunte Hiarbas sie anzuschreien: da euer herz fürlängst
versagt gewesen / warum begehrtet ihr dann / zu Salcha / so unmögliche proben
meiner liebe? warum habt ihr euch damals deren bedienen wollen / da ihr sie doch
nicht annemen kontet oder woltet? Denjenigen zum König in Basan zu machen / den
ich liebe / überwande ich mich / eurer liebe mich zu bedienen. Wer ist dann
dieser glückseelige? fragte der betrübte Prinz. Was nützet euch / (gabe sie zur
wiederantwort /) wann ihr dieses wisset? vergnüget euch damit / dass ihr sehet /
wie ich nichtes fur euch / als meine freundschaft / übrig habe. Um derselbigen
willen bitte ich euch nun / Prinz von Egypten! leget euch doch nicht so
vergeblich ein joch auf / und glåubet mir / dass ich eure wurdigkeit wohl erkenne.
Aber mein herz ist nicht mehr mein eigen / und ihr werdet ja die beståndigkeit
an mir nicht tadelen / ob dieselbe gleich verursachet / dass ich euch nicht
lieben kann. Mit dieser erklårung / musste Hiarbas sich abweisen lassen. Und weil
er håftig liebte / als ist leichtlich zu erachten / wie verzweifelt er hieruber
geworden. Also verlore sich bei ihm alle zuvor verspürte freude /da er folgenden
tags die Mirina mit ihrer fraumutter nach Nod abreisen / und er von allen
hoffnung entåusent zurück bleiben / musste.
    Weil sie des wegs nicht reiseten / wo ich mit meinen völkern lagerte / als
erfure ich diese abreise nicht eher / als bis der Zameis mit seinen beiden
gesellen bei mir wieder angelangte. Er hatte alles dieses von einem vertrauten
bedienten des Prinzens erfahren /welcher solche liebe seines herren ungern sah
/ und gegen dem Zameis / mit dem er alte kundschaft gehabt / kein geheimnis
hiervon machete. Ihr konnet erachten / liebste schwester! wie diese zeitung mich
beunruhigt: massen ich mit dem Hiarbas gleich unglückhaft ware / und nun einen
andern unbekanten mitbuler anfeinden musste / der vor uns beiden den vorzug
hatte. Mich musste auch schmerzen / dass meine hoffnung / in eroberung der
königlichen stadt Havila /meine Prinzessin wieder zu finden / nun zugleich mit
erloschen ware. Als hiernächst der Zameis / in versamletem kriegsraht / den
bericht von seinen andern verrichtungen abgeleget / und uns die gelegenheit der
vestung beschrieben: da wurde beschlossen / dieselbe also fort anzugreifen / und
unser heil / wie eben damals der König von Elam mit Nissa täte / daran zu
versuchen.
    Mitlerweil wir aber mit solchen beratschlagungen und zurüstungen ümgiengen /
fassete der Konig von Ophir / auf des Hiarbas gutbefinden / den schluss /sich
durch meine volker hindurch zu schlagen / und Nissa zu entsetzen. Also wurde der
Kajumaras und Berug in der stadt Havila / als befehlshaber / hinterlassen / und
der König Jaziz gienge unversehens von dar aus / stiesse auch auf meine volker /
ehe wir das geringste davon innen wurden. Ich wurde / alles hier umståndlich
erzehlend / eure gedult misbrauchen. Es gabe ein blutiges treffen / da ich die
ehre hatte / etliche mal mit dem dapferen Hiarbas zu fechten: und brachte dieses
helden gute anstalt zuwegen / dass die Ophirische ihren zweck erreichten / und
sich durchschlagend / ihnen den weg nach Nissa offneten. Wie nun dieses nicht
mogen gehintert werden / als blieben wir auch bei unserm vorhaben / Havila zu
belägern: welches dann so glücklich fortgienge / dass ich in kurzem meister von
dieser koniglichen stadt wurde / auch Kajumaras und Berug / die beide furnemste
aufwiglere dieses kriegs / ihr leben einbusten.
    Welcher gestalt hierauf die beide Konige frieden gemacht / solches wisset
ihr allbereit: und habe ich nur noch dieses zu sagen / dass ich / wie ich iezt in
Havila ware / euren brief / den die Dalimire verfälscht / entfangen / und daraus
der Eldane vermeinte unbeständigkeit vernommen. Wiewol nun die Mirina selbige
liebe zur Eldane in mir gånzlich ausgelescht hatte /so konnte ich doch solches
ohne befremdung und entfindlichkeit / nicht vernemen. Ich hielte es für eine
rechtmäsige straffe / und hätte fast selbige liebe wieder anglimmen lassen / wan
nicht die warsagung des Chaldeers diese neue gemehret / und das gedächtnis der
Mirina bei mir erhalten hätte. Diese nun wieder zu sehen / name ich / bei meinem
abzug aus Ophir /einen umweg / und reisete auf Nod zu / wo diese Prinzessin mit
ihrer fraumutter sich aufhielte. Ich habe euch bereits / als ich nach Babel
wiederkame / gesaget / wie es mir bei dieser besuchung ergangen: wie ich / von
liebe übermeistert / mich dieser Prinzessin entdecket / aber mit den harten
worten abgewiesen worden / dass ich / als ein Assyrier / ewig ihr erbfeind
bleiben sollte. Also schiede ich von dannen ganz unvergnügt / und vername uberdas
auf der ruckreise /dass sie in ihr entferntes vatterland verreiset: daher ich
völlig sonder hoffnung bliebe / und / bis der andere krieg in Ophir angienge /
in solcher verzweiflung verharren musste. Die Prinzessin von Ophir wolle nun /was
der Mirina in Celten und anderswo begegnet / zu erzählen ihr gefallen lassen.
    Die Königin von Ninive hat zuvor vernommen /(sagte Indaride /) wie die
Mirina / der Simede Brudern den Mesek / aus Basan nach Celten / an den Prinzen
Ingerman / heimlich abgefårtigt / und demselben entboten / wie die sachen in
Basan stünden / auch dass er kommen und diesen tron / den der tod ihres bruders
ihr überlassen / besteigen sollte. Dieser Prinz nun machete sich auf die reise /
voll süsser hoffnung /sowol seine liebe / als seine ehrsucht / zu vergnügen. Er
fand aber / wie er in Basan ankame / alles verkehret / den jungen Marsius
regirend / auch die Mirina samt ihrer fraumutter fluchtig und abwesend. Die
versagte Kron von Basan krånkte ihn so sehr nicht / als die entfernung seiner
Prinzessin: weil das grosse Celten-reich / dessen er ein Erbprinz ware / ihm
jenen verlust genugsam ersetzen konnte. Demnach ware er mehr geschåftig / zu
erfragen / wo seine Mirina geblieben / als wie der König Marsius von seinem
tron zu verdrengen sein möchte.
    Nach langem forschen / erfure er / dass Ophir diese Prinzessin hegete. Also
såumete er sich nicht / dahin zu reisen: und kame er eben zu Nod an / als wenig
tage vorher auch die Königin Salamis daselbst eingelanget. Der Mesek / sein
gefärte / liesse sich gleich bei der Prinzessin anmelden. Als er vor sie gekommen
/und sie von ihm etfuhre / wie der Prinz Ingerman zugegen wåre / wurde sie
daruber mehr beschåmt / als erfreuet: weil sie dem Prinzen eine kron versprochen
/und dieselbe ihm nicht gewåren konnte. Ihre zu ihm tragende liebe / machte ihr
zwar seine ankunft angenem: doch war ihre ehrsucht so gross / dass sie wünschte /
er möchte in Celten geblieben sein. Sie konnte sich aber nun nicht entziehen /
ihn zu sprechen. Nun musste sie solches heimlich tun / dass weder ihre fraumutter
/ noch sonst iemand / etwas hiervon innen würde. Demnach beschiede sie ihn auf
eine jagt / da sie mit wenig ihren leuten sich wollte finden lassen.
    Der verliebte Celte verzoge sich nicht / an dem bestimmten orte zu
erscheinen: und / weil die liebe ihn gleichsam beflugelte / als kame er daselbst
etliche stunden eher an / weder die Prinzessin. Er hatte nicht lang gewartet /
da sah er einen ansehlichen ritter /von etlichen dienern begleitet / auf sich
ankommen /welcher mit seinen gebärden anzeigte / wie ihm zuwider wäre / einen
andern daselbst zu finden. Die begrüssung / ware gar kaltsinnig: und als dieser
frömde merkte dass der andere auch daselbst wartete / und nicht verrucken wollte /
konnte er sich nicht entalten /ihn zu fragen / was diss orts seine verrichtung
wäre? Ingerman / der nun auch einen verborgenen widerwillen zu fülen begunte /
gabe ihm zur antwort: Er habe ursach / eben diese frage an ihn zu tun / weil er
an diesem orte weder ihn / noch sonst iemanden / anzutreffen vermeint; und sei
er nicht gesinnet / ihme von seinem da-sein rede und antwort zu geben / vielmehr
aber / ihm anzudeuten / dass er von diesem orte sich fortmachen sollte. Diese des
Ingermans worte / setzeten den andern auser alle gedult / so gar / dass er gleich
vom leder zoge / ihn darüm zu züchtigen. Ingerman verweilte nicht / seinem feind
auch die schärfe zu bieten: der dann bald bei sich bekennen musste / wie die werke
seines widerparts nicht minder dapfer seien / als zuvor die worte gewesen.
    Wie aber nun ihr streit am hitzigsten war / kame die Mirina mit ihren leuten
herzu geritten: und als sie beide / aus ehrerbietung / vom kampf abliessen /
erkennte sie nicht nur den einen / fur ihren liebsten Ingerman / sondern auch
den andern / fur den Prinzen Sineab von Elassar. Dieser Prinz war eben auf dem
weg gewesen / zu Nod die Prinzessin zu besuchen: hatte aber / weil er unterwegs
vernommen / dass sie an diesem ort jagen wurde / sich dahin begeben / und also
diese abenteur mit dem Ingerman bekommen. Sobald er die Prinzessin ersehen /
ritte er ihr entgegen /sie zu begrussen. Sie aber war ganz ungedultig / dass sie
ihn nicht allein an diesem ort / sondern überdas wider ihren Ingerman in waffen
fand. Demnach wandte sie sich von ihm / und sagte: Ich vermeinte /allhier mich
heute allein zu ergetzen / und an diesem ruhigen orte nicht solche unruh zu
finden / als ihr /wie ich sihe / habt angefangen. Eben meiner Prinzessin
vorhaben zu befordern (antwortete Sineab /) habe ich diesen verwegenen fromden
mit gewalt von hier hinweg treiben wollen / der sich mit worten nicht hat wollen
abweisen lassen. Simede / welche mit zugegen war / und besorgte / ihre
Prinzessin möchte zuviel reden / antwortete für sie und sagte: Dieser ritter /
ist mein vetter / so erst aus Celten angekommen / deme meine Prinzessin /
allhier meiner zu warten / und dem jagen mit beizuwonen / erlaubet hat. Dieser
hat freilich erlaubnis / (setzete Mirina hinzu /) allhier zu sein: ihr aber
nicht / Prinz von Elassar! und ich bitte /lasset mich allein / wann ihr nicht
meine lust verstören wollet.
    Der Prinz Sineab wurde ganz beschämt / seine Prinzessin also reden zu hören.
Und damit er nicht noch mehr veråchtliche worte vernemen mochte / begabe er sich
von dannen / und ritte nach Nod / zur Konigin Salamis. Selbige entfienge ihn gar
freundlich / und schöpfte einen grossen unwillen / als er ihr erzehlte / wie
übel ihre tochter ihn bewilkommet håtte. Mirina inzwischen / nachdem sie also
des Sineab sich entledigt / ihre leute auf das jagen von sich geschicket / und
allein die Simede und den Mesek bei sich behalten / ümarmete den Prinzen
Ingerman / und sagte: Ich weiss nicht / ob ich / oder das konigreich Basan / den
Celtischen Prinzen sein entferntes land hat verlassen gemacht. Ist es Basan: so
beklage ich billig / die vergebliche herauskunft. Ist es aber Mirina / ohne
kron: so befinde ich dafür / dem Prinzen Ingerman / mich hoch verbunden. Ich muss
aber das erste besorgen: weil die botschaft / so euch der Mesek gebracht / und
nicht euer freier wille / oder das andenken der Mirina / euch aus Celten
getrieben hat.
    Vergebt mir / grosse Prinzessin! (antwortete Ingerman /) dass ich eure
falsche einbildung straffe. Nicht Basan / noch einiger tron in der welt /
sondern allein die unvergleichliche Mirina / hat mich den schluss fassen gemacht
/ mein vatterland zu verlassen. Der Mesek hier zugegen kann sagen / wie er mich
in Celten angetroffen / und ob mich mehr erfreuet die hoffnung /die kron von
Basan zu erlangen / oder die versicherung / dass meine Prinzessin meiner noch
nicht vergessen habe. Wer sich erinnert / auf was weise ich aus Basan scheiden
müssen / der wird mir nicht verüblen / dass ich bisher im zweifel gelebet / ob
die Mirina sich meiner noch erinnere. Håtte ich hiervon eher gewissheit erlanget
/ wurde ich solang nicht verzogen haben / meiner Prinzessin die versicherung zu
bringen / dass ich nie aufgehoret / sie in meinem herzen zu verehren und
anzubeten / und dass meine treue liebe nicht eher von mir / als mit meinem leben
/ weichen werde. Dieses sagend / warfe er sich zu ihren fussen.
    Es bedorfte aber / weil man ohndas gern gläubet /was man wahr zu sein
wünschet / bei der Mirina nicht vielen überredens / ihres Ingermans beständiger
liebe sich zu versichern. Ich unterlasse / alle reden anzufuren / die in dieser
ansprache beiderseits fielen. Ich sage allein / dass eines am andern volkomlich
sich vergnügte: und wurde zwischen ihnen abgeredet / dass Ingerman / sich fur
einen befreundten der Simede ausgebend / im land Nod verbleiben / und von der
zeit einen guten raht erwarten sollte / wie es ferner anzugreifen sein mochte.
Weil Mirina wohl vermuten konnte / dass der Prinz Sineab bei der Königin über sie
wurde geklagt haben / als name sie ihr für / ihren widerwillen gegen ihm / ihrer
fraumutter zu eroffnen / und dadurch / auf einmal seiner verfolgungen sich los
machend / ihm alle hoffnung zu benemen / dass er iemals ihrer liebe konne
teilhaftig werden.
    Sobald nun das jagen geendet / und Mirina in der stadt Nod wieder
eingelanget / fand sie an ihrem hof alles voll unruhe / üm dass sie den Prinzen
von Elassar so übel entfangen hatte. Die Konigin / weil ihre gänzliche Meinung
war / diesem Prinzen ihre tochter zu vermälen / entfunde es üm soviel höher /
dass Mirina gegen ihm sich also bezeiget. Ihr verdruss ward unendlich grosser /
als die Prinzessin / an statt ihren fehler zu bereuen / ihr zu verstehen gabe /
dass sie dem Sineab der ihr unerträglich wåre / niemals anderst /als sie iezt
getan / begegnen konnte. Weder gute noch böse worte der Königin / vermochten
ihrer tochter sinn zu ändern. Weil ihr kriegerischer muht ohnedas keinen zwang
vertragen konnte / als wollte sie lieber den kindlichen gehorsam etwas hintan
setzen / als so widrigem befehl sich unterwerfen. Salamis aber pochete auf ihren
mutterlichen gewalt / und alles mit dem Prinzen Sineab im raht stellend / liesse
sie heimlich völker / aus dem reich Elassar / in das furstentum Nod kommen: üm /
auf allen fall / måchtiger zu sein /als ihre tochter. Sie ordnete auch gesandten
ab / nach Susan zu dem Konig Birsa / mit der versicherung /dass sein sohn ihre
tochter haben sollte. Bei solchen ümständen / fragte Sineab nicht viel nach der
Mirina widrigen bezeigungen / und gienge / an statt durch demut ihren sinn zu
gewinnen / gar trotzig mit ihr üm: sie ansehend / als seine verlobte / um deren
erlangung er sich nicht mehr bemühen dörfte. Ingerman bekame inzwischen / durch
hülf der Simede / zum öftern gelegenheit / mit seiner Prinzessin sich zu
unterreden.
    Inzwischen endete sich der krieg in Ophir: da dann die Konigin verlangte /
ihre schwester zu sehen / und /auf erlaubnis des Königs / meines herrvattern /
mit der Mirina / nach Nissa kame. Ich hatte nun auch /nach geschlossenem frieden
/ den Prinzen Hiarbas zu sehen bekommen: von dem aber das gerüchte schon ganz
laut war / dass er die Mirina liebte / weswegen iederman am hof aufsah / wie sie
sich gegen einander gebärden würden. Weil der Konig Amraphel damals schon /
wiewol ich es selber nicht gedachte / bei mir in achtung ware / als konnte es
mich nicht verdriessen /dass Hiarbas / den das ganze reich Ophir mir bestimmet /
eine andere anbetete. Es kränkte mich auch / dass ich / diesem Prinzen zur marter
/ leben sollte: weswegen ich / soviel moglich / seine gesellschaft vermiede / und
auf solche weise mit ihm ümgienge / dass er wohl spüren konnte / wie uns
beiderseits der himmel einerlei widersinn gegeben håtte.
    Als die Konigin von Basan mit der Mirina ankame / waren wir alle in des
Konigs meines herrvattern kammer beisamen: als welcher / wegen etlicher in
lezter schlacht entfangenen wunden / noch des bettes hürete. Die begrussung
zwischen meiner fraumutter und ihrer schwester / geschahe nicht ohne tränen:
weil sie einander in so langer zeit nicht gesehen / und die Salamis in solchem
verlassenen elenden zustand erschiene. Hiarbas änderte gleich die farbe / als
Mirina in das gemach tratte. Ich / die ich auf dieser meiner base ankunft mich
gefreuet / gewanne sie lieb / sobald ich sie zu sehen bekame: gleichwie sie
hingegen zu mir alsofort ein gutes herz fassete / und mir ihre freundschaft
zueignete. Hiarbas hatte / bei dieser ersten ansprache / wenig gelegenheit / mit
ihr etwas anders zu reden / als was iederman horen dorfte. Weil er / als des
Konigs angenommener sohn / die bewirtung verrichten musste / als war er verbunden
/ dem Prinzen von Elassar / der auch mitgekommen / viel tage gesellschaft zu
leisten. Die Salamis eröffnete alsobald meinem herrvattern / dass sie mit diesem
Prinzen und ihrer tochter eine heurat fürhåtte: wohl wissend / dass es dem König
nicht misfallen würde / weil man dadurch des Hiarbas vermerkter liebe steure
konnte. Sie bate ihn zugleich um hülfe und raht / dass dieses ihr furhaben mochte
vollzogen werden. Mein herrvatter / deme nichts liebers als dieses damals für
ohren kommen konnen / versprache ihr seine hülfe. Worauf dann bei hof uberall
ausbrache / dass Sineab mit der Mirina verlobt wäre.
    Wie diese zeitung dem Hiarbas gefallen / ist leichtlich zu ermessen: und
wurde dieser Prinz / der ihm zuvor schon widerlich gewesen / ihm noch
unerträglicher / nun er ihn für seinen mitbuler halten musste. Er gienge / sobald
er füglich konnte / zu der Mirina: die ihme dissmal freundlicher / als sonst /
begegnete. Er redte sie ganz betrübt an / und sagte: wie er nunmehr den
glückhaften geliebten kenne / den sie ihme in Havila nicht nennen wollen. Er
sezte hinzu: Er konne sie nun nicht mehr verdenken / dass sie seinen namen
verschweigen wollen / weil sie vermutlich sich fur ihr selber schäme. Meiner
wahl (antwortete Mirina /etwas besturzt /) darf und werde ich mich nimmmehr
schåmen: dann solche ist so edel / dass mir der Prinz von Egypten / wann er der
wahren vernunft zuhören will / wird beistimmen müssen. Wie aber dem Prinzen
derjenige / den ich liebe / kund worden sei / solches fållt mir unmöglich zu
errahten. Was der ganze hof weiss / (versezte Hiarbas /) das konnte ja mir nicht
verborgen bleiben. Wer hat uns dann verrahten / (fragte die beängstigte Mirina /)
und dasjenige entdecket /wovon ich ein so grosses geheimnis mache.
    Indem kame ich zu ihnen in das gemach / und wäre gern zurücke gewesen / als
ich ihrer beider verwirrung warname. Weil ich aber nicht schicklich wieder
austretten konnte / als redete ich nicht viel / zumal auch sie sehr stille waren.
Endlich fienge Mirina gegen mir an / und fragte: hat dann die Prinzessin Indaride
auch von meiner liebe gehoret / davon der ganze hof reden soll / wie man mir
saget? Weil ich von den Sineab noch nichts vernommen hatte / als kame mir diese
frage sehr frömd für / und wusste ich nicht / was ich darzu sagen sollte. Ich
achtete sie verliebt in den Hiarbas / der sie liebte: dorfte demnach solches /
als die warheit / nicht verneinen / gleichwol auch nicht keck heraussagen.
Endlich sah ich den Hiarbas an / und sagte lächlend: Ihr / mein vetter! werdet
hiervon mehr / als ich / wissen. Weil er bisher / üm des willen / dass man mich
ihm geben wollte / meine gegenwart geflohen / als wusste er nicht / was er mir
antworten sollte /und schluge / sonder zu reden / die augen nieder. Er machte
hierdurch mich also fortreden. Was der ganze hof soll wissen / wie die Prinzessin
von Basan vermeint / solches habt ihr für mir zu verhelen keine ursache. Ich
erkenne eure liebe zu der Prinzessin von Basan so edel / dass ich euch darin
lieber auf alle weise zu fordern / als zu hintern / verlange. Und wan euch etwan
das im weg stehet / dass mein herrvatter an mich / euch zu ehlichen / begehret:
so schwere ich euch zu / dass ich diesem befehl meines Königs / üm eurer und
dieser Prinzessin ruhe nicht zu schaden /mich åuserst widersetzen wolle.
    Meine ruhe wollet ihr nicht hintern? sagte Mirina. O nein / wehrte
Prinzessin! euch ist der Prinz von Egypten bestimmet / und nicht mir. Ihr / ihr
seit Erbprinzessin von Ophir. Und sehe ich den Prinzen von Egypten für so
verständig an / dass er nichts ungereimtes erwählen werde. Er mag wählen / wie er
will / (antwortete ich / ihme hierzu keine zeit lassend /) so weiss ich doch / dass
ich fur ihn nicht erkoren bin. So handelt er auch damit nicht wider seinen
verstand / indem er die unvergleichliche Mirina liebt. Wäre ich seines
geschlechtes: ich wollte sein mitbuler werden. Und wäre ich seines standes /
(widerredte Mirina /) ich wollte die schöne Indaride erwählen. Indem wir also
redeten / wusste Hiarbas keine gebårde zu fassen /noch aus diesem irrwesen sich
herauszuwickeln. Bald aber kame zu uns andere gesellschaft / wordurch diese
unterredung unterbrochen wurde.
    Es wollte aber die unruhige Mirina / zu ihrer nachricht / ein mehrers hiervon
wissen: zoge derhalben den Hiarbas auf eine seite / und beschwure ihn / ihr zu
sagen / was er von ihrer liebe wisse. Er / der diese ihre anfrage für eine
honung ausdeutete / wollte ihr nichts deutliches antworten. Als aber eben der
Prinz Sineab ins gemach eintratte / sagte er zu ihr / mit vielem seufzen: Ich
muss wohl diesem ankommenden glucklichen liebhaber weichen / damit die grausame
Mirina zum wenigsten die freude nicht habe / in meiner gegenwart sich an meinem
unglück zu erlustigen. Er wollte damit hinweg gehen. Aber Mirina zoge ihn mit
gewalt beim arm zurücke / und auch mich bei der hand fassend / liefe sie mit uns
eilends in das nächste cabinet / die tür hinter ihr fur dem Sineab
verschliessend. Hierauf sagte sie ferner / zu dem Hiarbas: So habt ihr dann mich
in verdacht / dass ich sollte den nichtswürdigen Sineab lieben? Ach nein / mein
Prinz! ihr müst von mir anderst gläuben. Wie? ist es möglich / (fieng der
erfreute Prinz an /) dass hiesiger ganzer hof / samt mir / geirret? Euer aller
irrtum ist so gross / (gabe sie zur antwort /) dass bei mir für den Sineab / nicht
allein keine wolneigung / sondern vielmehr ein todlicher hass / vorhanden ist.
Und euch zu zeigen / wie hoch ich eure verehre / und wie viel ich eurer
verschwiegenheit zutraue / so sage ich euch hiermit / dass der Prinz Ingerman aus
Celten / bereits von langer zeit / mit mir verbunden lebet. Er ist tugendhaft;
er ist edel; er hat mir viel dienste getan; er ist der erste / so sich üm meine
gunst beworben; er ist es / dem ich mein herz einmal übergeben. Urteilet ihr nun
selber / ob ich etwas fur einen andren ubrig habe? Hierauf wandte sie sich zu
mir / also fortredend: Lasset fahren / wehrte Prinzessin! eure kaltsinnigkeit
gegen diesem Prinzen / und nemet ihn für den euren an! Er ist liebens wurdig /
wan er ein herz findet / das noch nicht versaget ist.
    Hiarbas bliebe erstarrt / als ein stein / wie er diese reden anhörte / und
sich also aus dem rauch ins feuer geworfen sah. Ich aber gabe der Mirina zur
antwort: Eure verträulichkeit / wehrte Prinzessin! erheischet von mir / dass ich
gleicher massen mich euch offenbare. Wan derjenige / der tugendhaft / der edel
ist / der uns dienste getan / und der der erste ist / so üm unsre gunst sich
beworben / allen muss furgezogen werden: so wird weder die verständige Mirina /
noch iemand anders mich verdenken / wan ich den Prinzen Hiarbas / ob er schon
seine erste liebesneigung verlassen wollte / nicht annemen kann / weil es mir eben
wie der Prinzessin von Basan ergehet / und ich kein freies herz mehr habe.
Dieses sagte ich / als eine profezeiung: massen ich dazumal selber noch nicht
wissen wollte / dass der Amraphel mein herz nach Elam mitgenommen hatte. Eure
erklärung / edle Prinzessin! (hörte ich hierauf von dem Hiarbas mich anreden /)
machet mich so kühn / dass ich euch zu meiner fürsprecherin bei dieser
unbarmherzigen erwehle. Trösten will ich euch: (unterfuhre ich ihm /) aber dienen
kann ich nicht. Wie sollte ich der Prinzessin von Basan rahten können / was ich
selber nicht zu tun begehre? Ich ernenne und erkenne euch (sagte Mirina wider
ihn /) fur meinen vertrautsten freund / und hoffe / ihr werdet mich von des
Sineab verfolgungen befreien / die mir gewaltig drohen / und schier zu schwer
fallen wollen.
    Wolan! (sagte Hiarbas / halb wutend /) ich will ihn und mich aufreiben: also
werde ich euch / grausame! am bästen dienen. Hierauf / der antwort nicht
erwartend / gienge er von uns hinaus / und nach seinem gemach. Sobald er
daselbst angelanget / liesse er ohne verzug den Sineab fordern / und beschiede
sich mit ihme ganz allein auf einen platz / nahe an der stadt bei einem tempel.
Dieser / wiewol es ihm sonst an muht und dapferkeit nicht fehlte / liesse sich
zur bestimmten zeit daselbst nicht finden. Man weiss nicht /ob diese ausforderung
durch ihn / oder sonst / bei hof ruchtbar worden. Diss aber sah man / dass der
König mein herrvatter etliche bediente hinaus schickte / die den Hiarbas anmanen
mussten / in Nissa wiederzukehren. Hierdurch nun wurde offentlich kund / was man
bisher nur gemutmasset hatte / dass Hiarbas die Mirina liebe / und deswegen den
Sineab anfeinde / weil sie ihm versprochen ware. Der König / den dieses sehr
verdrosse / sandte etliche aus dem grossen raht zu dem Prinzen von Egypten /
liesse ihm seine unfug verweisen / und zugleich andeuten / dass er / üm das reich
Ophir nicht zu verscherzen / mich lieben müsse: widrigen falls dörfte er ursache
geben / dass der König / ihn ganz verlassend / einen andern nachfolger seiner
kron erwählen wurde. Demnach sollte er fortin der Prinzessin von Basan müssig
gehen / und sich alsofort erklären / mich zu ehlichen. Ein gleicher befehl wurde
auch mir / in gegenwart der beiden Königinnen / entboten / dass ich nämlich den
Hiarbas für meinen kunftigen gemal halten sollte. Ich konnte mich anderst nicht
entschuldigen / als dass ich die schuld auf den Prinzen warfe / von dem ich ja
nicht geliebt würde.
    Der Prinz von Egypten gewonne zeit und raum /seine erklårung von sich zu
sagen / indem er / aus häftigkeit seiner liebe / mit einem hitzigen fieber
befiele: welches ihn im haupt so irr machete / dass die ärzte sagten / man musste
ihn ganz mit ruhe lassen / wann er wieder genesen sollte. Der Konig / der ihn
sehr liebte /ware üm ihn sehr besorget. Inzwischen er aber krank lage / und von
seinen sinnen nichtes wusste / redte mein herrvatter mit der Konigin von Basan ab
/ dass sie wieder nach Nod reisen / und daselbst die heurat mit Sineab und Mirina
/ ehe Hiarbas etwas davon erfahren könnte / eilends vollziehen lassen sollte. Die
Salamis seumte nicht / diesem nachzukommen / und damit dem Konig zu fugen / als
dessen gnade sie iezt leben musste. Mirina zoge also halb-verzweiflet von uns
hinweg / als die da wohl wusste / worauf es angesehen war / und doch keinen weg /
diesem unheil zu entkommm / absehen konnte.
    Als sie aber zu Nod angelanget / gesellte sich bald wieder zu ihr / ihr
geliebter Ingerman / der seiter ihr abwesen schmerzlich entfunden / und ihr
ansonne /dass sie mit ihme nach Celten reisen / und also von dieser zwang heurat
sich los machen sollte. Sie fragte ihn: ob sie auch wohl vor seinen herrvattern /
den Konig Bojus / kommen dörfte / da sie des Marsius /seines todfeindes /
tochter wäre? Er / dem des Bojus unversönlicher hass wohl bekant war / zoge die
schultern und konnte sie dessen nicht versichern. Doch sagte er / sie zu bereden:
Sein herrvatter müsse nicht eben hierum wissen / und könten sie viel jahre in
Celten /als welches sehr gross / verborgen leben / ehe der König etwas davon
sollte innen werden. Wiewol nun ihr sinn seinem ansinnen gleichformig war / so
wollte sie doch hierzu nicht eher / als auf die åuserste noht /sich
entschliessen.
    Was hatte sie aber indessen zu tun? Sie name ihr für / den Sineab auf ein
angestelles jagen / ohne des Ingermans wissen / mit sich zu nemen / ihme sodan
die unmoglichkeit / dass sie ihn lieben könnte / furzuhalten / auch / da er von
seinem gedanken und von der gewalt / die ihre fraumutter ihm uber sie gegeben
/nicht abstehen wollte / ihme den kampf anzubieten /und durch raubung seines
lebens sich seiner liebe zu entladen. Wie sie nun solches ihr fürnemen ins werk
zu stellen begunte / hielte Sineab es für ein gutes zeichen / dass die Prinzessin
ihn also mit ihr zu reiten notigte / und ware ganz frolich / sie also geneigt zu
sehen. Wie sie aber anfienge / ihm die warheit zu sagen / schluge er solches in
ein hon-gelåchter / vermessentlich sagend: Mit ihrer liebe sollte es sich schon
schicken / wan sie nur erstlich wurde gehorchen mussen. Als sie hinwider
einwendete / er würde und sollte bei ihr / seines lebens keinen augenblick sicher
sein: verlachte er sie darüm ebenmäsig / seinen spott damit treibend. Hierdurch
wurde / die ohnedas-erzurnte Prinzessin noch mehr erhitzet / also dass sie nicht
länger sich halten konnte / sondern einen sebel /den sie stäts zu füren pflegte /
zuckend / auf ihn losgienge / und ihm zurieffe / dass er sich wehren sollte.
Sineab / sich so unversehens überfallen sehend /wollte nicht länger harren /
sondern eilete davon / was nur sein pferd laufen konnte. Mirina / ob sie ihn
gleich verfolgte / konnte nicht allein diesen flüchtling nicht einholen / sondern
sie hatte auch das unglück / mit dem pferd zu sturzen.
    Also entkame Sineab in die stadt / und verklagte abermals die Prinzessin bei
der Königin: die dann sehr ergrimmet / den schluss fassete / ihre tochter in das
Königreich Elassar zu senden / und sie dem willen des Sineab zu übergeben / also
/ dass er / nach seinem gefallen / mit strenge oder milde / ihren widrigen sinn
ändern und bässern möchte. Mit solcher vertröstung eilete dieser hinweg nach
Susan / also dass er schon aus dem tor war / ehe noch die Prinzessin wieder in
die stadt gekomen: die dann / als sie seine abreise vernommen / darob frolich
wurde / ihr einbildend / dass besagtes ihr beginnen ihn ganz von ihr abwendig
gemacht hätte. Als sie folgends vor ihre fraumutter kame / verbarge dieselbe
ihren zorn und fürsatz / so gut sie konnte / also dass Mirina von allem nichts
innen würde: bis endlich Simede den handel erfure / und ihrer Prinzessin
offenbarte / was man mit ihr vorhätte. In dieser åusersten noht / hatte Ingerman
nicht vieler worte vonnoten / seine Mirina zu der flucht nach Celten zu bereden:
die nun alles gutiesse / was er ihr riehte.
    Unter dieser ihrer reisbereitschaft / kame der Prinz von Assyrien / iezt
hier zugegen / aus Ophir nach Nod: der uns allbereit zuvor erzählt / wie übel
dazumal die Mirina sein liebes-anbringen aufgenommen /als welche nun mit anderen
und zwar diesen gedanken ümgienge die liebe ihres getreuen Ingermans zu
belohnen. Es glückte ihr aber damit bässer / als nachgehends mir / da ich auch
mit dem Konig von Elam heimlich entkommen wollte: dann er sie ganz wohl davon
brachte / dass niemand in Nod es gewar wurde. Sie hinterliesse aber / ein
schreiben an ihre fraumutter / die uns dasselbe nach Ophir zu lesen sendete:
welches wir dann dieses inhalts befanden.
         Schreiben der Mirina / an ihre fraumutter die Königin Salamis.
Weil ich weiss / worzu ich bestimmet bin / und was E. Maj. zu solcher
unbarmherzigkeit gegen ihr einiges kind beweget: als hab ich diss mittel
ergreifen müssen / E. Maj. den namen einer grausamen mutter zu nemen / und
zugleich ihr fürhaben zu befördern /indem E. Maj. dem Konig von Ophir
versprochen haben / des Prinzen von Egypten liebe / die er von der Prinzessin
Indaride auf eine fremde verwendet / zu stören. Ich ziehe in meiner vätter land
/ und folge einem Prinzen / der mir will die Celtische kron aufsetzen. Wie nun
dieses meinem stande nicht schimpflich ist / also hoffe ich / E. Maj. werden mir
solchen ungehorsam vergeben / und den mütterlichen segen nicht entziehen / ihrer
zu dieser flucht gezwungenen Tochter
                                                                         Mirina.
    Dieser brief / hatte erwunschte würkung bei der Konigin. Dann / ob ihr
gleich sehr nahe gienge / was Mirina ihr selbst erlaubet: so ware sie doch
zufrieden / dass hierdurch der liebe des Hiarbas gesteuret wurde. Dann solche war
ihr gar zu nachteilig / und hätte sie /wie man ihr gedrohet / das furstentum Nod
entbären /und in grosses elend gehen mussen / wann nicht ihre tochter
solchergestalt den Hiarbas verlassen und damit bezeuget hätte / dass sie ihn
nicht wieder liebe. Wie sie nun / diese Flucht der Mirina nach Celten / so wohl
uns / als dem Prinzen von Elassar / berichtet /wollte nicht allein Hiarbas / als
er nach uberstandener seiner Krankheit solches erfuhre / sondern auch der Sineab
/ schier verzweiflen. Und zwar dieser letzere /folgte ihr alsobald auch ins
Celtenland: mehr seine rachgier zu sättigen / als vergnugung seiner liebe zu
suchen. Hiarbas aber / der die betrachtung des reichs Ophir nicht so gar konnte
aus den augen setzen / und weil er auch nicht lang hernach erfuhre / dass Mirina
an den Prinzen Ingerman / wie ich iezt erzählen will /sich trauen lassen /
verbleibe an unserem hof / wiewol in ståtiger unruhe. Doch drange der König /
mein herrvatter / nicht mehr so sehr in ihn: zumal er aus folgender unserer
unvertreulichkeit / die doch nicht hierinn / sondern in anderen dingen /
bestunde / die hoffnung schopfete / der Prinz würde noch vonselbst sich bequemen
/ und anheben mich zu lieben.
    Wie nun also der Prinz Ingerman mit der Mirina das land Nod verlassen hatten
/ namen sie ihren weg durch das Bactrianische reich / und begrüsten daselbst den
König Oxiartes: dessen gemalin / die Königin Clotis / ihnen alle höflichkeit und
freundschaft erwiese / als die da gross werk von ihnen machete / üm dess willen /
weil ihr bruder / der Konig von Hemath / an eine ihnen nah-verwandte teutsche
Fürstin war vermålt gewesen. Es wurde auch daselbst ihrer beider eheverlobnis
volzogen: worzu sich die Mirina um soviel eher bereden liesse / weil sie wohl
vermuten konnte /dass sie / mit diesem Prinzen unverehlicht reisend /viel uble
nachrede uber sich ziehen würde.
    Sie hatten aber daselbst in Bactra ein unglück: wovon ein geschrei nachmals
ausbrache / als wan Mirina gestorben wåre. Dan / als sie von dannen wieder ab-
und fortreiseten / stürzte die Prinzessin / mit dem pferd / von einer hohen
brücken herab / in den fluss Sarangis: dessen schnelle fluten sie davon trugen
/dass iederman an ihrem leben verzweifelte. Der betrübte Ingerman / ihr gemal /
folgete / neben der getreuen Simede und seinen bedienten / dem wütenden strome
nach: bekame aber erst nach etlichen tagen die zeitung / dass sie von einigen
fischern aus den wellen errettet und in ihre hutte wäre aufgenommen worden. Ihre
gute natur / und die ämsige pflege dieser barmherzigen leute / brachte ihr bald
die gesundheit wieder. Doch liessen sie mit fleiss hinter ihnen in Bactra
aussprengen / als wan sie ertrunken wäre: üm dadurch / alle nachstellungen der
Salamis und des Sineab /vonsich abzuwenden.
    Endlich / nach langem saurem reisen / kamen sie in Celten glucklich an: da
der Prinz seine gemalin auf einem bergschloss bei einer seiner wasen hinterliesse
/und nach der königlichen hauptstadt Trier zoge / in welcher sein vatter hof
hielte: von welchem er dann /also unversehens ankommend / mit grosser freude
entfangen wurde. Meine erzehlung in die kurze zu ziehen / will ich hier nit
weitläufig anfüren / welchergestalt Ingerman dem Konig Bojus / seine vermälung
mit der Prinzessin Mirina / beigebracht habe. Ich will allein sagen / dass dieser
König / als er seines sohns häftige liebe gespüret / es endlich geschehen lassen
/ dass Mirina nach Tirer kommen dorfte. Sie ware dem Bojus allerdings angenem /
auser nur nicht in dem stücke /dass sie des Marsius tochter ware. Doch verbarge
der vatter diesen seinen widerwillen / aus liebe zu seinem sohne. Also lebten
diese beide in so vergnügter friedlicher ehe beisammen / dass keines ohn das
andere sein konnte. Die heldin Mirina gewonete bald der Celtischen wilden lebens
art / und zoge / weil der Bojus mit den benachbarten ståts zu kriegen hatte /
immer mit zu feld / fürete auch ein eigenes heer Teutscher weiber: mit denen sie
wunderdinge verrichtete / und einen so berümten namen in kurzer zeit erlangte /
dass iederman sie fürchten musste. Sie hat auch öfters /sowol den König Bojus /
als ihrem gemal / das leben gerettet.
    In solcher gluckseeligkeit / traffe sie an / der boshaftige Sineab / welcher
heimlich nach Trier gekommen war / und sich daselbst verborgen aufhielte: des
vorsatzes / sowol an dem Ingerman als an der Mirina sich zu rächen. Und weil er
an diesen getreuen eheleuten alles / was ihm sein tückisches herz eingabe / zu
veruben sich äuserst bemuhete / als fand er lezlich etliche unter des Ingermans
dienern / die sich von ihm erkaufen liessen / sein mördliches vorhaben
volstrecken zu helfen. Wie er nun seine bequeme zeit ersehen / belaurete er sie
eines tags im wald / da sie beide /vom jagen ermüdet / und allein von diesen
ungetreuen knechten bedienet / sich unter einen schartichten baum niederlegten /
und einander in den armen einschlieffen. Simede / welche ihre Prinzessin niemals
verliesse / hatte sich unferne davon auch zu rasten begeben. Wie sie nun in so
unschuldiger ruhe lagen /kame der ehrlosse Sineab / aus dem hinterhalt hervor
/und liesse / durch die erkaufte knechte / den Ingerman und die Mirina mit
stricken fäst binden / auch zugleich von vieren halten / dass sie kein glied
bewegen konnte: worzu ihm dann / ihr starker schlaf / behülflich ware.
    Nachdem sie also gefåsselt lagen / stellete er sich mit einem dolch über den
Ingerman / und rieffe damit uberlaut der Mirina / dass sie sehen sollte / was
seine rache vermochte. Von dieser stimme erwachten sie beide / und wussten nicht
/ wie ihnen geschahe. Aber Mirina erkennte bald den Sineab / und in seiner hand
das mördliche gewehr sehend / schrye sie gar erbårmlich / diesen grausamen /
wider ihre natur / anflehend / dass er ihres gemals verschonen und seine wut
gegen ihr wenden sollte. Aber dieser unmensch hatte für sie keine ohren / sondern
stiesse mit vollen kråfte / dem edlen Prinze Ingerman / den dolch in die brust:
davon dann dieser held / und zwar mit nennung des namens seiner geliebten gemalin
/ den geist aufgabe. Die worte / so der Sineab / bei dieser schändlichen tat
/der Mirina zugeruffen / konnte sie für entsetzen nicht vernemen. Sie befiele
aber mit einer onmacht: da dieser boswicht / üm sie noch mehr zu quälen / alle
mittel fürkehrte / sie wieder zu ihr selber zu bringen. Nachdem er solches
erlanget / gedachte er nun auch an ihr seinen bösen willen zu veruben. Es wåre
auch unfehlbar geschehen / wan nicht Simede / die uber diesem geschrei erwachet
/ eiligst die dapfere Entschliessung gefasst / und mit einem wurfpfeil den
Sineab verlezt hätte. Um des willen / musste er von seinem bosen vorhaben
abstehen / und durch die knechte sich hinweg tragen lassen: dann er ware sehr
verwundet / und befande unsicher / weil er feinde im hinterhalt vermutete / sich
daselbst långer aufzuhalten.
    Die betrubnis der trostlosen Prinzessin / uber diesen an ihrem gemal /
angesichts ihrer / begangenen mordtat / bestunde nun nicht in tränen oder
wehklagen / sondern in einer grausamen wut: also dass sie /gleich einer ergrimten
leuin / deren ihre jungen geraubet worden / an nichts als rache gedachte.
Nachdem die Simede sie von ihre banden gelöset / liefe sie zu ihrem todten gemal
/ schopfte mit den hånden das heisse blut aus seinen wunden / und selbiges
trinkend /sagte sie: Ich will dich rächen / unschuldig vergossenes blut! oder ich
will bald bei dir sein. Hierauf / als der Simede geschrei etliche hirten / so
nicht weit hintan hüteten / herzu gelocket / liesse sie den leichnam auf einen
wagen legen / den sie herbei schaffeten /und als sie sich darneben gesetzet /
fuhre sie also gegen der stadt / die einige hoffnung des Celten reichs also
verstorben daher bringend. Die Celten / so ihr in der stadt begegneten / huben
an erbärmlich zu heulen / und begleiteten also den wagen bis auf die burg / wo
der Bojus hof hielte: der an nichts weniger / als an einen solchen unfall /
gedenkend / von todlichem entsetzen überfallen wurde / als er seinen sohn in der
erblassten Prinzessin schoss verwundet und entseelet ligen sah.
    Rache! Rache! schrye sie / als sie den Konig ersah. Des grossen Ingermans
blut / fordert blut / und keine tränen. Wofern man nicht bald den verråter
Sineab von Elassar verfolget / so wird er uns entkommen. Hiermit / als die
bediente des Konigs den körper aus ihren armen namen und dem halb todten vatter
furlegten / sanke sie der Simede / welche hinter ihr auf dem wagen sasse / in
die arme zurücke / sonder einiges lebenszeichen von sich zu geben. Sie wurde
also in ihr zimmer getragen: da man etliche stunden mit ihr zubrachte / ehe man
sie wieder zu ihr selber bringen konnte. Was klågliches wesen der Konig
inzwischen getrieben / ist leichtlich zu ermessen. Er sandte aber auf alle
strassen / den Sineab und des Ingermans entlaufene knechte einzuholen: nachdem
er von der Simede ümståndlich erfahren / wie der Prinz von Elassar / so ehmals
die Mirina geliebt / aus wütiger rachgier diese mordtat an seinem mitbuler
verubet hätte.
    Der unversonliche hass des Konigs wider des Marsius blut / wachete hier
nächst bei ihm wieder auf /und masse er der Mirina alle schulde bei / als üm
deren willen sein einiger sohn üms leben gekommen. Die einbildung / dass hiermit
des Marsius geblüte über sein des Bojus haus gesieget / schmerzte ihn mehr /als
der klågliche tod seines sohns. Und seinem grimm an der unschuldigen Prinzessin
auszulassen / machte er alsobald ein gesetze / dass fortin die ehefrauen / so
ihren verstorbenen månnern die rechte liebe erweisen wollen / bei ihrer
begräbnis sich lebendig mit verbrennen lassen sollten. Als dieses der Mirina zu
ohren gekommen / erzeigte sie sich daruber mehr freudig als erschrocken / lobte
dieses grausamen Königs gesetze /und entschlosse sich willigst / dasselbe am
ersten zu erfullen. Nur dieses betrübte sie / dass Sineab ungestrafft leben sollte
/ von dem die ausgeschickten nichts erfragen könten: und vermeinte sie freudiger
zu sterben / wann sie ihn erstlich seine straffe håtte entfangen sehen. Simede /
die ihrer Prinzessin hierwider nichtes sagen dorfte / auch wohl sah / dass sie
diesem tod nicht entgehen konnte / fassete den schluss / auch mit zu sterben / und
ihr auch in feuer gesellschaft zu leisten.
    Nachdem nun die Druyden / der Mirina / den willen des Konigs angekündet /
und bald darauf die trauernacht angekommen / da des Prinzen Ingermans begräbnis
und ihre verbrenung geschehen sollte: wurde in einem dicken wald / bei des gottes
Wotans bilde /die leichbegängnis angestellet. Es giengen voran / die
geistlichen von allen orden: denen folgten die getreue bedienten des Prinzens /
mit allen seinen pferden und kriegswaffen / die dann / mit einem dumpfigen
gråsslichen getone / den ganzen wald anfülleten. Hiernächst truge man des
Ingermans leichnam / herrlich gezieret /auf vielen in einander geschrenkten
spiessen. Diesem folgte die witwe Mirina / umgeben von ihren getreusten
kriegsweibern / die über ihren bevorstehenden tod so kläglich schryen / als
vergnügt und standhaftig sich hingegen die Prinzessin erwiese. Hierauf kame der
König Bojus / mit verhülltem angesichte / von allen seinen bedienten und dem
kriegsheer begleitet: dessen schmerz hierdurch gemildert wurde / weil er
zugleich nun an des Marsius tochter seine rache sehen sollte / und mitin seinem
sohn ein angenemes opfer zu tun vermeinte / wan er ihm also seine Mirina bald
nachschickte.
    Wie nunmehr die gewönliche gebräuche mehrernteils verrichtet / des Ingermans
körper auf den holzhaufen gelegt / alle dessen pferde umgebracht und zu ihme
geworfen worden / seine bediente anfiengen einander nieder zu machen / und die
Mirina nun eben die arme von sich streckte / von den Druyden sich an den pfal
binden zu lassen; da erschienen unversehens etliche huntert pferde / deren furer
das umstehende volk anrieffe: Ob sie dann zugeben wollten / dass eine so grosse
Prinzessin so unschuldig und schmålich um ihr leben kommen sollte? Hierauf
rennten er und die seinen eiligst auf die Mirina zu / machten sie wider ihren
willen ledig / huben sie / wiewol sie sich sehr widersezte / auf ein pferd / und
sprengten also mit dieser beute ins holz hinein. Simede / die man mit entfürete
/war froher / als ihre Prinzessin / über dieser erlösung. Weil das anwesende
heer und volk / diese flucht mehr gefordert / dann gehintert: als musste es der
Bojus geschehen lassen / dass Mirina dergestalt seiner wut entkame.
    Die bestürzte Prinzessin wusste nicht / indem man also mit ihr forteilete /
wie ihr geschahe / und in wessen hånde sie gerahten: und sah sie mit unlust
sich von dem ort entfernen / da sie in der vergnugten hoffnung / zu ihrem
Ingerman zu kommen / sich befunden hatte. Sie bildete ihr ein / sie werde durch
den Sineab entfuret: welches in ihr eine grausame freude erweckte / durch die
hoffnung / dass sie nun / an diesem boswicht sich zu råchen / gelegenheit haben
würde. Nachdem sie aber also / bis an den morgen / immer fortgerennet waren /
gabe sich ihr zu erkennen der dapfere Assur / ein Celtischer soldat / welcher
ofters mit ihr und dem Ingerman zu feld gezogen / und viel rumliche taten
verrichtet: wiewol er niemals bei dem Bojus eine gewisse stelle vertretten /
sondern allemal frei geblieben / und sich bald da / bald dort / finden lassen.
Ach Assur! sagte die Prinzessin / nachdem sie ihn erkennet. So seit ihr es / der
mich so hoch beleidigt / indem ihr mir die ehre geraubet / bei meinem Ingerman
zu sterben? Wie / Prinzessin! (antwortete Assur /) woltet ihr dann lieber euch
der wut des grausamen Bojus aufopfern / als eure rache an dem mörder eures
ehgemals veruben. Viel tausend Celtische weiber erwarten euer / als ihrer
ehmaligen fürerin / und verlangen / euch bis in Asien zu folgen / ja bis an der
welt ende euch den morder ihres Prinzen suchen zu helfen. Gebrauchet euch eures
muhtes / den euch der himmel verliehen / den ruhm der Teutschen dapferkeit zu
erweitern. Hierzu stehen wir euch alle zu diensten /und wollen / da wir aus
Celten der tyrannei des Bojus entweichen müssen / in Asien unserer voreltern
wonung wieder suchen / und uns Assyrien / samt den benachbarten låndern / daraus
wir unsren ursprung herfüren / unterwurfig machen.
    Mirina hörte / diese des Assurs reden / mit nicht geringer bewegung an: und
weil ihr dapferer muht ohnedas zu deme / wovon er ihr gesagt / sie anfrischete
/als verlore sie bald die begierde / um ihren Ingerman zu sterben / da sie für
ihn so rümlich leben konnte. Wie sie nun ihre Entschliessung dem Assur hierauf
eroffnet / fürete sie derselbe zu dem heer der streitbaren weiber / die unweit
von dar sich in ordnung gestellet hatten / und dieser heldin erwarteten. Als sie
derselben ansichtig wurden / erneurete sich bei ihnen zugleich leid und freude:
also dass sie / mit weinen und jauchzen / die Peinzessin bewilkomten. Wie nun die
fürnemsten unter ihnen sich ihr genähert / und sie /sowol für sich / als im
namen der andern / ihrer beständigen treue versicherten: name Mirina sie gar
gütig auf / und liesse sie ihr schworen / dass sie ihr in das königreich Elassar
folgen / und nicht eher von ihr weichen wollten / bis sie dasselbe reich / das
einen solchen blutund erzogen / zu grund gerichtet hätte. Sie versprache
hingegen dem Assur / dass sie zu dem recht / welches er / wie er zuvor gesagt /
an Assyrien zu suchen hatte / ihme mit verhelfen wollte / sobald er mit ihr den
kriegszug nach Elassar würde verrichtet haben.
    Hierauf erfolgte ohn fernere såumnis / der fortzug dieses heeres: und liesse
Mirina eine von den weibern zurucke / die den König Bojus ihren schwiegervatter
/in ihrem namen / berichten sollten / wie die liebe zu seinem sohn sie
entschlossen gemacht / dessen klåglichen tod an allen einwonern in Elassar zu
råchen; womit sie ihrem verblichenen ehgemal mehr liebe und dienste zu erweisen
vermeine / als wan sie mit ihm sich håtte verbrennen lassen. Weil sie eben den
weg vor sich name / auf welchen sie ware hergereiset / als musste sie in Ophir üm
freien durchzug / Elassar zu bekriegen / ansuchen lassen. Die Konigin meine
fraumutter ware / neben mir / eben damals / bei den Brachmanen / ihre andacht zu
verrichten / als wir die zeitung bekamen / dass Mirina mit einer starken
kriegsmacht angezogen kåme. Der Konig mein herrvatter aber / befande sich zu
Nissa / und hatte bei sich den Prinzen Hiarbas: allwo auch mein König von Elam /
unter dem namen Sadrachs / (wie der Königin von Ninive bereits bewust ist /)
neben dem Abialton seinem feldherrn / sich aufhielte. Die fast-erstorbene liebe
des Hiarbas / entglomme nun aufs neue / als er erfuhre / dass die Mirina wåre zur
witwe worden. Wiewol nun mein herrvatter dieses hierbei befahrete / so konnte er
doch der Mirina den durchzug nicht versagen. Es ware auch kurz vorher zwischen
ihm und dem Konig von Elassar eine mishelligkeit entstanden /wegen dessen
tochter der Prinzessin Eulea / die an den Berug / welcher im lezten Ophirischen
krieg umkame / verheiratet gewesen. Weil man nun bei uns gelegenheit / an diesem
König sich zu råche / verlangte / als kame uns diese nach allem wunsche: und
wurde der Mirina / nicht allein der durchzug verwilligt / sondern auch zu diesem
krieg unsre hülfe versprochen.
    Nach vielen und weiten tagreisen / kame endlich diese erzürnte Prinzessin
bei uns an: und musste / wer sie zuvor gekent / bekennen / dass sie sich sehr
geåndert hätte. Wir ersahn sie viel wilder und heroischer als sie vorhin
gewesen: und da sonst noch einige gutigkeit in ihrem wese sich hätte erblicken
lassen / so erschiene ietzt aus allem ihrem tun eine sonderbare strengheit /
die nichts als unlust schnaubete. Niemand war hierob unvergnügter / als der
verliebte Hiarbas. Alles ihr reden handelte / von ihrem verlornen gemal /und von
der blutigen rache / die sie / üm seinet willen / dem land Elassar zugedacht
hätte. Weil nun Hiarbas sah / dass er sich ihr mit nichts angenemer machen könnte
/ als wan er diesem feldzug beiwonete: als liesse er nicht ab / beim Konig meinem
herrvattern anzuhalten / bis er ihm solches erlaubete. Es wurden aber die
Ophirische volker / nicht ihme / sondern dem Assur anbefohlen: damit er daselbst
sich nicht zulang aufhalten möchte.
    Der Mirina eilfärtigkeit war so gross / dass sie sich nur einen tag bei uns
aufhalten liesse. Nachdem sie die gränzen des reichs Elassar erlanget / sandte
sie zu dem König Birsa / und liesse ihm den krieg ankünden; zugleich begehrend /
dass er den morder des Prinzen Ingermans ihr übergeben sollte: in verbleibung
dessen / sie auch der Kinder in der wiegen nicht verschonen wollte. Birsa / der
diesen weiber-kriegszug verachtete /hatte seinen hon über ihrem zorn / und liesse
ihr zur antwort sagen: Sein sohn / (welcher / nachdem er sich in Celten heimlich
heilen lassen / kürzlich wieder zu haus gelangt ware /) sollte ihr und ihren
weibern mit dreissigtausend mann begegnen / da ihr dann frei stehen würde / ihn
hinweg zu nemen / wan sie könnte; und was sie den jungen kindern seines landes
gedrohet /dass sollte an den ihrigen war gemacht werden.
    Auf solche erklärung / gienge nun der krieg an: in welchem die Mirina
wunderdinge verrichtet. Weil sie aber nichts mehr / als den Sineab anzutreffen /
verlangete / als suchete sie hierzu allentalben gelegenheit. Er hingegen flohe
/ und liesse sich an keinem ort finden / wo er wusste / dass sie wäre. Hiarbas
furete / auf der Prinzessin begehren / ein eigenes heer: damit der feind an
vielen orten zugleich uberfallen wurde / und damit sie seine person nicht immer
üm sich haben müste. Feuer und schwerd frasse nun alles auf / wo Mirina hinkame.
Und wiewol der Sineab dem Hiarbas und Assur dapfren widerstand täte / so ward
er doch endlich von diesem im gebirge eingeschlossen: also dass er nicht
entkommen konnte / sondern es auf eine schlacht / die er lang vermieden / musste
ankommen lassen. Der König Birsa / der mit einem besondern heer wider den
Hiarbas zu feld lage / horte nicht sobald von seines sohns bedrängnis / da
machte er sich auf / und gienge der Mirina und dem Assur in dem rucken / und
ward hinwiederüm von dem Hiarbas verfolget. Also sah sich der vatter / von
diesem / von der Mirina und dem Assur / der sohn aber / von diesen beiden und
dem gebirge / eingesperret. Wie nun Mirina ihr heer teilete / und den Assur mit
Ophirischen soldaten auf den Birsa angehen liesse / sie selbst aber mit ihren
weibern den Sineab angriffe: als täte der König von Elassar seinerseits nichts
weniger griffe mit der hålfte der seinigen den Assur an / und liess die andere
hälfte / unter furung eines seiner kriegsobristen / dem Hiarbas begegnen.
    Dieser Egyptische Prinz / der für seine Prinzessin fochte / erwiese doppelte
stärke / und drunge / da die dreifache schlacht angienge / mit solcher wut durch
den feind / (den befehl über die ihm anvertraute völker / dem unbekanten Konig
von Elam überlassend /) dass er bis zum haufen der Mirina gelangte. Diese heldin
hatte / aus wütiger rachgier sich so weit in den feind hinein gewaget / dass /
wan nicht der Sineab allen den seinigen ernstlich anbefohlen hätte / ihres
lebens zu schonen / sie ohne zweifel ihren tod würde gefunden haben. Sineab!
Sineab! war ihr einiges wort / welches sie unaufhörlich mit grässlicher stimme
wiederholete: und hatte sie / als sie diesen boswicht unter den seinigen
erblickt / so grimmig auf ihn losgerennet / dass sie solcher gestalt mitten
unter die feinde gerahten / und von denselben ümringet worden. Es ware nun an
dem / dass sie / auf Sineabs zuruffen / sollte gefangen werden: als der Hiarbas zu
gutem gluck ankame. Allhier verrichtete er alles / was liebe und dapferkeit zu
würken vermogen / und hielte den feind solang auf / bis der Mirina kriegerinnen
darzu kamen / und sie befreieten.
    Sineab hatte inzwischen sich unsichtbar gemacht /und / die flucht der
seinigen vermerkend / sich in das gebirge verloren. Diese seine entfernung
brachte so grossen schrecken unter seine volker / dass sie vollig in unordnung
gerieten / und das feld räumen mussten: worauf Mirina und die ihrigen / im
nachjagen / solch ein metzeln verübet / dass die wenigste davon kamen. Mein
Sadrach / oder verstellter Amraphel / und der dapfere Assur / hatten auf ihrer
seite gleiches Glück /also dass sie den Konig Birsa auch auf flüchtigen fus
brachten / und ihn eiligst den rückweg nach Susan vor sich nemen machten. Also
erhielte Mirina den sieg /und sah dadurch ihr furhaben mehr als halb vollendet.
Aber / ob sie schon dieses håtte erfreuen sollen /so war sie doch übel zufrieden
/ dass sie den Sineab nicht zu stand bringen konnen. Sie vermeinte auch /wan
Hiarbas nicht darzu gekommen wäre / Sineab wurde nicht an die flucht gedacht /
und sie ihn also etwan noch betretten haben: weswegen dann der dank sehr schlecht
ware / den dieser ihr erlöser von ihr entfienge. Also wurde sie nun von tag zu
tag unruhiger / um dass sie an dem Sineab sich nicht rächen konnte. Was aber an
dessen person nicht geschehen /das mussten die volker von Elassar fülen: indem
keines menschen verschonet wurde / und also der Ingerman viel tausend opfer
bekame.
    Nach vielem toben / kame Mirina endlich vor Susan / und belågerte diesen ort
/ darin der König lage. Als es zum stürmen kame / erstiege sie mit den ersten
die mauren / eroberte also diesen platz / und mit ihm das ganze Elassar / weil
der andern ihr heil an dieser hauptvestung hienge. Der König Birsa / als er
nicht entfliehen konnte / wollte gleichwol nicht lebendig in der Mirina hände
kommen: zündete demnach sein schloss an / in Meinung / sich zu verbrennen. Weil
aber die Prinzessin solches ihrer rache nicht anständig erachtete / als ritte
sie mitten durch das feuer zu dem Konig / und mit einem speer ihn durchrennend /
rieffe sie: Nimm an / mein liebster Ingerman / diss blut von dem vatter
desjenigen / der dein edles blut so morderisch vergossen. Weil inzwischen das
feuer überhand name / und sie ganz ümgeben wollte / als liefe der Prinz Hiarbas
zu ihr / sie zu erretten: da sie dann / vom dampf eingenommen / ihm onmächtig in
dem arm fiele. Als man sie wieder zu ihr selbst gebracht / vermeinte sie in der
raserei / sie wäre mit verbrant / und befånde sich nun bei ihrem ehgemal. Als
sie aber sich wieder ermuntert / und den verliebten Hiarbas erblickt: schüttete
sie / in der ungedult /alles wider ihn aus / was ihr nur in mund kame / üm dass
er sie also verhintert / zu ihrem Ingerman zukommen. Doch besonne sie sich bald
wieder eines andern / indem sie sich erinnerte / dass Sineab noch lebte /dem sie
ihre groste rache furbehielte.
    Man hörte nun nichtes mehr von diesem Prinzen /und war alle der Mirina
bemühung vergebens / ihn auszufragen. Als aber das greuliche brennen und morden
im land Elassar also fortwårete / versamleten sich endlich die stände des reichs
/ die mehrernteils in das land Elam geflohen waren / kamen ingesamt nach Susan /
begehrten frieden / und ernennten diese sieghafte Prinzessin zur Königin in
Elassar. Also sezte Mirina diese kron auf / und wurde hierauf das fremde
kriegsvolk erlassen: da dann auch die unsern in Ophir wiederkehrten. Hiarbas
hatte inzwischen mit meinem Amraphel so vertreuliche freundschaft gemacht / dass
er ihm bei mir das furwort redete: woraus letzlich meine bewilligung erfolget /
seine liebe anzunemen und mit gegengewogenheit zu beehren / auch / mit
gutbefindung meiner fraumutter / mich durch ihn entfüren zu lassen. Ich will
meine wunde iezt nicht wieder aufreissen / ( sagte Indaride ferner / mit einem
tiefgehalten seufzer /) wie unglucklich es uns beiden ergangen / und wie ich mir
das leben zu nemen gewillt gewesen / als Hiarbas mir den vermeinten kopf meines
Amraphels brachte. Mein ausgesprengter tod wurde von iederman gegläubet / und
mein unbarmherziger vatter / der allein mich lebend wusste / liesse mich so äng
verwahren / dass weder meine fraumutter / noch sonst iemand / von mir etwas konnte
innen werden.
    Der hierüber beångstigte Hiarbas / reisete verzweifelt aus Ophir hinweg: da
ihn die liebe nach Susan truge / alwo er die Salamis bei der Konigin Mirina
antraffe. Diese beide hatten sich / über ihre ehmalige mishelligkeiten /
miteinander wieder versonet / und vernamen / mit sonderbaren leidwesen / den
zustand in Ophir: entschlossen sich auch alsofort / zu meiner fraumutter zu
reisen / und sie über meinem tode zu trösten. Weil hierdurch der Hiarbas mehr
freiheit erlanget / zu lieben / wo er wollte / sonder der hoffnung zur
Ophirischen krone verlustig zu werden: als fienge auch Mirina an / sich gegen
ihme nicht mehr so hart zu erweisen: wiewol sie kein zeichen einiger gegenliebe
blicken liesse. Der verliebte Prinz / dem noch nie soviel gutes widerfahren /
liesse ihm dieses in seiner betrübnis zu trost gereichen / und gienge heimlich in
den Bactrianischen krieg / seiner traurigkeit / im gedrosche der waffen /
etlicher massen zu vergessen: inzwischen die Salamis und Mirina nach Nissa
abreiseten / denen er dahin nicht folgen mochte.
    Als diese beide an unsrem hof ankamen / fanden sie alles / sonderlich aber
meine fraumutter / in grosser traurigkeit. Der König mein herrvatter / stellte
sich zwar auch mitbetrübt an: aber nicht um meint  willen / sondern wegen seines
Hiarbas / von dem er nicht erfahren konnte / wo er geblieben wäre. Dieses sein
anligen klagte er ofters der Mirina / verhoffend / etwas von ihr zu erforschen:
weil er wohl wusste / wie beständig der Prinz diese Konigin noch liebete. Endlich
bediente er sich dieser list / und liesse sich soviel gegen ihr heraus / dass ihme
/ nun der himmel ihm seine tochter genommen / diese liebe nicht zu wider sein
sollte. Das grosse reich Ophir / so ihm bestimmet war / neben der langen und
sonderbaren aufwartung / die ihr der Prinz von Egypten geleistet / machete
dieser heldin Entschliessung / nach des Ingermans tode keinen mehr zu lieben /
ziemlich wanken. Und weil der Assur und die Simede / als ihre treuste ratgebere
/ des Hiarbas seite anfiengen zu halten: als behielte sie zwar das andenken
ihres verblichenen gemales / bereitete aber zugleich ihr gemute / dem Hiarbas
wohl zu wollen / und sich nach dessen verlangen zu bequemen.
    Indem aber / der König und Mirina / also einander mit falscher und wahrer
hoffnung speiseten / kame das geschrei / wie dass der Konig von Elam und der
Prinz von Assyrien mit einer grossen kriegsmacht ankämen / Ophir abermals zu
überziehen. So wenig man sich dieses kriegs versehen hatte / so ungerüstet
befanden sich die Ophirischen. Mirina verhiess dem Konig ihre hulfe: der solche /
als nun sehr beängstigt /mit beiden händen anname. Sie zoge selber nach Elassar
/ ihme ein bewehrtes volk zu zuwenden. Inzwischen liesse mein herrvatter
aussprengen / wiedass der Prinz von Egypten / als sein nachfolger im reich / die
Königin Mirina haben sollte: wordurch er diesen Prinzen / dessen dapferkeit ihm
iezt vonnöten war / wieder herbei zu ziehen verhoffete. Diese seine list
geriehte ihm nach wunsche: massen nicht lang hernach / als der krieg nun
angegangen / dieser Prinz bei hof sich einfunde. Nachdem ihm / diese seine
glückseligkeit / des Königs eigener mund / wiewol fälschlich / bestätigt hatte /
zoge er dem Prinzen von Assirien freudig entgegen: welcher der Königin Mirina
den pass verlegte / dass sie mit ihren volkern nicht in Nissa kommen konnte. Was
hierbei ferner fürgelaufen / solches wird der Prinz Baleus / bässer als ich /
erzählen können.
    Als dieser zweite Ophirische krieg angienge / (begunte der Prinz diese
erzehlung zu ersetzen /) und ich / an den gränzen dieses reiches / mit den
Assyrischen volkern zu dem Konig Amraphel stiesse: beschlossen wir im kriegsraht
/ dass er in Ophir hinein gehen / ich aber / weil wir nachricht hatten / dass
Mirina dem König von Ophir eine ansehliche hülfe zufuren würde / nach Elassar
mich wenden / und ihren anzug verwehren sollte. Weil solches der krieg erforderte
/ dorfte ich mich dessen nicht weigern: wiewol es mich sehr krånkte / dass ich
hierin meiner liebe so übel fürstehen / und derjenigen widerstehen musste / die
ich in meinem herzen so hoch verehrte. Also wandte ich mich nach Elassar / und
liesse den betrübten Konig von Elam allein: welcher / den vermeinten tod seiner
Indaride auf das höftigste zu rächen / entschlossen war.
    Indem ich nun vor dem pass lage / und mit meiner liebe zu raht gienge / kame
mir zu sinne / weil die Königin Mirina / durch Ingermans tod / ihrer ersten
liebe ledig worden / und nun / wie ich gehoret / den Prinzen von Egypten
ehlichen sollte: ob ich nicht ihr /das grosse reich Assyrien / neben meiner
person / so angenem machen könnte / als ihr iezt Ophir und der Hiarbas waren. Ich
verliesse mich hierbei auf die warsagung meines Chaldeers / und bildete mir für /
wieviel gutes fur das Assyrische reich hierdurch konnte gestiftet werden. Demnach
fassete ich den schluss / einen gesandten an die Mirina abzuordnen. Ich fand
niemanden hierzu getreuer und tuchtiger / als meinen Zameis. Diesem nun
vertrauete ich heimlich diss grosse gewerbe / und hielte es sonsten geheim für
allen Assyriern: welche nicht anderst gläubten / als dass ich euch / meine
schwester! liebete. Also liesse ich den Zameis / eine andere ursach dieser
abfårtigung furwendend /nach der Mirina lager abreisen.
    Nächsten tags hernach ritte ich / in geringer geleitschaft / aus meinem
lager / die påsse zu besichtigen: da ich dann / in einem tal vor mir / eines
gefechtes und scharmützels gewar wurde. Durch angestellte erkündigung erfuhre
ich / dass es die meinigen wären /welche einem haufen vom feinde / der einen pass
zu öffnen sich bemühet / widerstand täten. Man sagte mir hierneben / dass der
fürer des feindlichen haufens sehr dapfer föchte / und die unserige / wo sie
nicht bald entsatz bekämen / zu welchen würden gezwungen werden. Ich befahle
gleich dem Prinzen Sinear /ihnen mit einem haufen zu hulfe zu kommen. Ehe aber
dieser befehl ins lager gelanget / sah ich die meinigen den kurzern ziehen /
und nach dem lager die flucht nemen. Weil mir dieses sehr nahe gienge / als
rennte ich den fluchtigen entgegen / sie umkehren zu machen. Aber das grausame
metzeln des feindes / der ihnen nachsetzete / liesse ihnen nicht zu / mir zu
gehorchen. Indem sah ich mich / nur mit zwolfen der meinigen / von etlich
hunterten ümringet / welche riefen: Diss wäre der Prinz von Assyrien / den
müsten sie fahen.
    In dieser äusersten noht / wehrete ich mich mit so gutem glücke / dass ich
stand halten konnte / bis nicht allein der Sinear / sondern auch folgends noch
andere darzukamen: die dann meinen haufen also stårkten /dass wir dem feind
uberlegen waren / und alles niedermachten / auser ihrem dapfren furer / welcher
/ wegen vieler entfangener wunden / sich musste gefangen geben. Ich war begierig
/ diesen helden zu kennen: welcher / nach teutscher gewonheit / sein gesichte
mit einer tygerhaut halb bedeckt hatte. Ich liesse ihm dieselbe abheben / und
ward an ihm einer solcher schönheit ansichtig / dass wir alle davon geblendet
blieben. Einer von seinen dienern / der seinen herrn nicht verlassen wollen /
und bitterlich weinte / machte mich wissen / wiedass ich den grossen Assur / den
feldherrn der Konigin Mirina / håtte gefangen bekommen / welchen man / wegen
seiner schonheit / ingemein den schonen Assur nennte: und ersuchete er mich
darbei gar inständig / dass ich dieses seines herrn wohl pflegen lassen wollte /
weil der Konigin von Elassar sehr viel an ihm gelegen wåre. Indem dieser also
redete / sah mich der Assur an / den das viel verlorne blut fast onmåchtig
machete / und sagte zu mir / mit schwacher stimme: Ich bin euer gefangener /
Prinz von Assyrien! hoffe aber / ihr werdet also mit mir verfahren / wie ich
würde getan haben / wan mir das Glück håtte den Baleus in die hände geliefert.
Meine antwort versicherte ihn aller guten unterhaltung / und befahle ich /dass
man ihn alsobald musste ins lager bringen. Als daselbst meine wundårzte wollten zu
seinen wunden sehen / liesse er ihnen solches nicht zu / sondern begehrte die
seinen aus der Mirina lager: die dann in kurzem ankamen / und seine wunden nicht
tödlich befanden / welches mir angenem zu horen ware.
    Indem ich noch mein Glück um diesen sieg ehrete /kame der Zameis gegen abend
aus der Mirina lager zurucke. Ich liesse ihn alsofort allein in mein zelt kommen
/ und vername von ihme / wie die Königin Mirina erstlich sein anbringen mit
grosser aufmerkung angehoret / auch ihn gar höflich bewirten lassen. Als aber
das gerüchte im lager erschollen / wie der feldherr Assur gefärlich wåre
verwundet und gefangen worden / hätte er alsobald vor sie kommen / und diesen
bescheid anhoren müssen: Sie fånde gar wenig zeichen / die sie das jenige zu
gläuben bereden sollten / was er ihr von seinem herrn angebracht / indem ich ihr
nur alle ersinnliche feindseligkeit erwiese. Diesem nach wusste sie keine andere
Entschliessung von sich zu geben / als diese / dass sie meine todfeind in sterben
würde. Sie wollte aber ihr blut und alles daran wagen /nicht allein den Assur aus
meinen händen zu erledigen / sondern auch nach Nissa ihr einen weg zu offnen.
Ich erfuhre nachmals / dass / als die Mirina ihren vertrautesten rähten des
Zameis anbringen entdecket /dieselben ihr alle gerahten / dass sie sich meiner
liebe bedienen / und solche zu ihrem vorteil gebrauchen sollte: daher der Zameis
so wohl gehalten wurde / bis des Assurs zufall allen handel wieder verderbet /
und bei der Mirina diesen zorn erreget.
    Ihr konnet nun / liebste schwester! leicht ermessen /in was betrubnis dieser
des Zameis bericht mich gesetzet. Ich ware gesonnen / den Assur / ohne einige
entgeltung / ledig zu geben und der Mirina wieder zu zusenden: solches aber
wurde mir / von allen meinen kriegsbedienten / widerrahten und verwehret. Als
ich ihn nachmals besuchet / fand ich seine gesellschaft so angenem / als schon
seine gestalt und als dapfer seine faust ware. Weil mir / der üble fortgang
meiner liebe / viel seufzer aus dem herzen lockete / und meine gestalt
verånderte: als fragte einsmals der Assur / nach der ursache meines unmuts. Ich
truge kein bedenken / mich ihme zu eröffnen: allermeist weil ich wusste / dass er
uber der Mirina gemute sehr viel vermochte. Ich merkte ihm an / dass diese meine
entdeckung bei ihm einige bewegung verursachte /und bliebe er lang in tiefen
gedanken / bis er mir also antwortete: Ich beklage warlich den Prinzen von
Assyrien / dass der seine zeit so vergeblich anwendet /und sich quälet mit einer
unmoglichen liebe. Mirina ist so beståndiges gemütes / dass sie wohl ihr vorhaben
nie ändern wird. Wan mein raht etwas verfangen wollte / so sollte der Prinz ie
eher ie båsser von diesen gedanken abstehen.
    Ich sagte ihm hierauf ferner / von der profezeiung des Chaldeers / wie
dieselbe mir einen muht machete und mich hoffen hiesse: weil dessen wissenschaft
bewåret sei / und er mich fur gewiss vertrostet / dass eine von den beiden
heldinnen mir zu teil werden / und dem reich Assyrien Glück und ruhe bringen
würde. Ist diese dann schon die andere heldin / (fragte hierauf der Assur / ganz
begierig /) die ihr liebt? Als ich ihm solches mit nein beantwortet / sagte er
ferner: Wolan dann! wer weiss / ob der Chaldeer die Mirina geneinet /und ob nicht
noch eine andere heldin sei / auf die seine warsagung zielet? Welche aber konnte
dem reich Assyrien bässer die ruhe geben / (versezte ich /) als diese teutsche
Prinzessin? würde nicht / durch sie /aller eingewurzelter hass zwischen Assyrien
und Basan aufgehoben werden? Wie müssen nicht die deutung machen / (widerredtee
der Assur /) ehe die warsagung erfüllet sei. Der Chaldeer profezeite / der Prinz
Baleus müsse zwo heldinnen nacheinander lieben: nun dieses noch nicht geschehen
/ als ist auch die weissagung noch nicht geendet. Dergleichen gespräche / waren
fast täglich unsre unterhaltung.
    Eines tags kame die nachricht ein / wie dass Mirina auf einen pass / den der
Eliphas von Teman besetzt hielte / einen anschlag hätte / üm durch denselben in
mein lager einzubrechen. Weil aber die unsrige in vorteil und bereitschaft lagen
/ als konnte sie ihr fürnemen nicht volbringen. Dieser sieg betrübte mich
höchlich / und klagte ich mein ungluckhaftes gluck dem Assur: der dann von dieser
meiner lebensart oft scherzredete / und darbei sich allemal bemühete / mir die
liebe gegen der Mirina aus dem sinn zu bringen. Bald hernach liefe die post ein
/ Hiarbas komme mit einem grossen heer / der Mirina durchzug zu befordern.
Demnach wurde für gut befunden / dieses Prinzen zu erwarten / und ihm eine
schlacht / nahe vor unsrem lager / zu liefern. Ich zoge diesem meinem mitbuler
freudig entgegen / und kame es zu einem harten gefechte.
    Indem wir aber zum schärfsten am feind waren /brachte man uns die zeitung /
dass Mirina einen pass eingenommen / und auf unser lager anziehe. Laristenes /
den mir der Konig unser herrvatter von Babel mitgegeben / und ihm / als einen
alten soldaten / die fürung dieses kriegs unserseits anbefolen / riete und
verschuffe alsobald / dass man den kranken Assur nidermachen sollte: weil an
dessen person mehr / als an einen ganzen heer gelegen / und weil er versichert
war / dass die Celtische soldaten / wan dieser ihr feldherr todt sein wurde /
ferner von niemanden sich regiren lassen / und also uns in diesem krieg keinen
abbruch mehr tun würden. Ich musste / diesen des Laristenes vorschlag /
offentlich guteisen. Ich verliesse aber die schlacht / und rannte mit meiner
leibwacht nach dem lager / diese ermordung zu vermitteln. Ich kame eben zu
rechter zeit an / da die abgeschickte schon in des Assurs gezelt eingetretten
waren / ihn hinzurichten. Ich liesse ihn eiligst zu mir auf meinen wagen bringen
/ und sandte ihn folgends / mit dem Zameis und der hålfte meiner leibwacht / der
Mirina entgegen; der mir / fur seine freiheit und leben / tausendmal dankte.
    Nachdem ich dieses verrichtet / eilte ich wieder nach dem heer und zum
treffen: da mir vom feind ein grosser haufe begegnete / und mich / weil ich zum
widerstand viel zu schwach war / gefangen namen / und schwerlich verwundet nach
des Hiarbas lager brachten. Also gewanne dieser die schlacht / und sah nachmals
die Mirina mit ihrem ganzen heer zu ihr stossen. Weil er aber auch viel wunden
entfangen / und daher dem sieg nicht nachsetzen konnte: als fasseten die dapfere
Prinzen / Sinear und Eliphas / den muht und die gelegenheit / in des Hiarbas
lager unversehens einzubrechen / und mich wieder zu erledigen. So bekamen auch
die Assyrier luft / mit guter art sich zurück zu ziehen / indem Hiarbas / so
verwundt er war /die Mirina nach Nissa begleitete: welchen ort sie zu verstärken
eileten / weil der König Amraphel im anzug war / denselben zu belägern. Die
Prinzessin Indaride wird nun fort-erzählen können / wie der Mirina und des
Hiarbas vermeintlich angestelltes beilager in Nissa gestoret worden.
    Es drunge nun / der Prinz von Egypten / (name die Indaride das wort /) auf
des Königs zusage: zumal Mirina selber sich erkläret / dass sie seine lange liebe
nunmehr erkennen wollte. Weil nun nichtes mehr im weg stunde / und der krieg / da
Mirina selber mit zu feld zoge / solches nicht hintern konnte: als wurde mein
herrvatter genotigt / einen tag zum beilager anzusetzen. Weil er aber viel ein
anders im sinn hatte /als kame er / zween tage vorher / zu mir in meinen turn /
darin ich aufbehalten wurde; da ich meines Amraphels verlust unaufhorlich
beweinete; da ich leben musste / weil man mir / den tod zu finden / alle mittel
entzogen hatte. Er bemuhete sich / mit vielen guten und bosen worten / mich
dahin zu bereden / dass ich mich / an statt der Mirina / heimlich dem Hiarbas
sollte zu bette bringen lassen. Als er aber meine widerspänstigkeit sah / gienge
er mit diesen drohworten von mir: dass ich / es geschähe mit willen oder unwillen
/ dannoch dieses sein begehren wurde volbringen müssen. Man hatte mir / zur
aufwartung / niemanden als einen alten torhuter gelassen / dessen erkanter treue
der König dieses geheimnis von meiner aufbewarung anvertrauet. Dieser nun liesse
eine kleine tochter bei mir ab- und zu gehen / von der er nicht befahrete / dass
sie etwas / so dem König zuwider / sollte verrichten können. Dieses mågdlein zoge
ich nach und nach an mich / also dass sie alles täte / was ich an sie begehrte.
Dieser nun gabe ich ein schreiben /solches der Simede zu uberliefern / und hatte
ich darin der Mirina dieses inhalts geschrieben.
           Schreiben der Prinzessin Indaride / an die Königin Mirina.
Wann einige freude in meinem gemüte statt finden könnte / so sollte es diese sein /
dass der edle Prinz von Egypten der Königin von Elassar herz endlich gewonnen.
Aber ich beklage / dass ich noch leben muss / üm dieser keuschen verbindung
hinterlich zu sein: massen man gewillt ist / mich dem Hiarbas / als wan es
Mirina wäre / aus dem turn / darin ich iezt gefangen lige / in das ehebette zu
bringen. E. Maj. verwahren diesen betrug / und gläuben von mir / dass ich / nach
dem verlust meines getreuen Amraphels / nichtes als den tod verlange.
                                                                       Indaride.
    Simede brachte ihrer Konigin diese zeilen: welche so sehr besturzte / mich
noch-lebend zu erfahren / als nahe es ihr gienge / dass der Konig sie dergestalt
teuschen wollen. Ihr eifer hierüber war so gross / dass sie gleich in der ersten
wut / dem Assur befahle / ihre völker / welche vor Nissa lagen / nach Elassar
abzufuren. Mir liesse sie nichtes zurück entbieten / sondern ritte zur stadt
hinaus: mit vorwand / dass sie ihre volker besehen wollte. Als Hiarbas ihr das
geleit gabe / und an ihr eine sonderbare änderung beobachtete /hatte er nicht
sobald um dessen ursache gefraget / da ware sie mit der antwort färtig / und
ihme mein schreiben zeigend / sagte sie: Was dunket euch / Prinz von Egypten!
was ist mir zu tun / auf solche nachricht? Hiarbas erstummete / als er meine
zeilen lase: und über dem / dass ich noch lebte / einige freude erweisend /
machte er die Mirina eifern / weil sie vermeinte / er freue sich mehr uber mir /
als er sollte.
    Wie er in seinem stillschweigen verharrete / sah sie ihn gar scharf an /
und fuhre also fort: Müsset ihr nicht gestehen / dass ich ursach habe / mich zu
rächen? Ehmals in Basan / habt ihr zwar euren beistand mir versaget / als ich
des Suevus tod von euch forderte: woltet ihr dann nun auch den undankbaren Jaziz
leben lassen / wan ich euch durch unsre liebe darzu beschwöre / mich und euch an
ihm zu råchen? Ach grosse Konigin! (gabe Hiarbas zur antwort /) darf ich dann
auch demjenigen / der mir kron und tron anbietet /nach dem leben trachten? Ich
habe genug! fiele Mirina ihm in die rede. Geht / geht / verräter! und gläubet
mir / dass ihr mich fortin nicht mehr betriegen sollet. Hiermit rennte sie davon
/ und liesse ihn allein zurücke. Und wiewol er nachmals bei ihr sich wieder
einsonen und ihr seine liebe beteuren wollte / konnte er doch kein gehör erlangen:
dargegen musste er ansehen / wie Mirina ihre völker aufbrechen und von Nissa
hinweggehen liesse.
    Sie hatte / auf einem hügel / diesen abzug angeschauet / und / da die lezten
ihres heers schon aus dem gesicht entfernet waren / nur etliche von ihren
furnemsten kriegsbedienten bei sich behalten / mit denen sie dem heer
nachzufolgen gesonnen ware. Indem aber kame unversehens / ein grosser haufe
wolbewehrter reuter / aus dem nåchsten busch herfür: welche augenblicklich die
Mirina ümringten / und /ungeacht ihres dapfren widerstandes / sie in das holz
gefangen entfüreten. Der verzweiflete Hiarbas / so ihr aus den augen reiten
müssen / und vor der stadt mit seinem waffenträger ümher wallete / vername nicht
sobald / was seiner Königin begegnete / da vergasse er ihres befehls / und folgte
den räubern sporenstreichs nach / die er auch endlich im wald einholete. Etliche
von ihnen / als sie warnamen / dass ihnen zwo einzele personen nachfolgeten /
vermeldeten solches ihrem furer: der schickte / bei zwanzig der seinen / dem
Hiarbas entgegen / die ihn und seinen waffenträger also zurichteten / dass sie /
wiewol auch ihrer etliche todt blieben / dieselben fur todt ligen liessen. Sie
lagen beide also in der onmacht / bis gegen nacht: da ihr gutes geschicke
etliche hirten auf denselben weg fürete / von welchen sie in die hütten gebracht
/ und folgends so wohl verpfleget wurden / dass sie von ihren wunden wieder
genasen und gesund wurden.
    Weil Hiarbas / in so verwirrtem zustande / sich niemanden entdeckte / als
erfuhre der Konig / mein herrvatter / nichtes hiervon. Ihn befromdete aber
/dessen abwesenheit / und der Mirina abzug. Ihm ahnete zwar / sie möchte
erfahren haben / wie er sie betriegen wollen. Er konnte aber nicht aussinnen /
wer ihn müste verrahten haben: weil er sein vorhaben niemanden / als mir /
entdecket hatte. So hielte er auch mich viel zu wohl versperret / als dass er auf
mich hätte argwänen sollen. Welchergestalt ich aber / ungeacht seiner genauen
aufsicht / gift in mein gemach bekommen / wie der König Amraphel vor Nissa die
schlacht gewonnen / wie mir mein vatter selber des Königs von Elam leben
entdecket / wie er folgends den ungluckseeligen trunk getan / der ihm das leben
name /und mich in den schändlichen ruff einer vattermorderin gebracht: solches
ist meiner schönen Konigin vorhin zur gnüge bekant. Und weil die schmerzliche
erinnerung dieser geschichte mich nicht fortreden lässet: als bitte ich üm
erlaubnis / hiervon schweigen zu dörfen.
    Hiermit verstummete die betrubte Indaride / und konnte ihren trenenbach
nicht långer aufhalten / der sich mildiglich uber ihre schöne wangen ergosse.
Nachdem hierauf / auch die Delbois und der Baleus /eine weile geschwiegen hatten
/ sagte endlich die schone Konigin von Ninive zu dem Prinzen: Nun wird noch
übrig sein / dass ihr mir saget / wo man mit der entfüreten Mirina hingekommen /
und wie ihr von eurer häftigen liebe habt ablassen können. Und ich (täte die
Prinzessin hinzu /) verlange zu vernemen /was ich mir nicht ausdenken kann /
nåmlich / womit die Mirina dem Prinzen von Assyrien ursach gegeben / ihrer zu
vergessen.
    Ich will / euer beider verlangen zu vergnügen (sagte Baleus /) zu erst sagen
/ dass Sineab derjenige gewesen / der vor Nissa die Mirina entfuret. Dieser hatte
/nachdem er das land Elassar verloren / sich iederzeit heimlich im land Ophir
aufgehalten / und dahin getrachtet / wie er sein boshaftiges fürnemen an der
Mirina volstrecken mochte. Es gluckte ihm auch dissmal /gleichwie zuvor in
Celten: dass er also / der Mirina bediente / durch bestechung / auf seine seite
gewinnend / diese gelegenheit / ihrer habhaft zu werden /abgesehen und
ergrieffen. Er eilte mit ihr nach einer hole / die im gebirge / etliche
tagreisen von Nissa /gelegen / und ihme / seiter er sich also verbergen müssen
/ zur wonung gedienet. Er ware kaum daselbst mit diesem seinem raub angelanget /
da musste es sich fügen / dass ich eben mit meinen völkern in selbige gegend kame.
Wie ich nun / des landes gelegenheit zu wissen / kundschafter ausgesendet /
brachten sie mir eines tags die zeitung / wie der Mirina volker nach Elassar
zurücke giengen / sie selbst aber / diese Konigin / unversehens wäre entfüret
worden. Sie sagten auch /wie sie / nicht weit von uns / im gebirge / etliche
frauen ersehen / welche man / wie es schiene / mit gewalt in eine hole gezerret.
    Meine liebe / liesse mir nicht zu / lang nachzudenken / was ich tun sollte /
sondern hiesse mich des wegs hinziehen / wo meine leute die hole gefunden hatten.
Ich fand daselbst / was ich gesuchet / nämlich die Mirina: welche gegen
dreissig oder vierzig mann /die / sie zu binden / bemühet waren / mit
unbeschreiblicher dapferkeit fochte / und mit einem schwerd / das ihr in die
faust gerahten / dermassen üm sich schluge /dass der todten und verwundten die
månge für ihren füssen lagen. Ihr fürer ware der Sineab / welcher sie immer mit
worten anfrischete und ermannete / ein wildes weib zu bändigen. Ich seumte nicht
/ dieser bedrängten heldin beizuspringen: da sie dann alsofort /durch meine hulfe
/ aus dieser noht errettet worden. Der verzweifelte Sineab / wollte ihm selber
einen dolch ins herze stossen: weil er sah / dass er der Mirina nicht entgehen
konnte. Sie risse ihm aber das eisen aus der hand / und sich erinnerend / wie
hoch er sie beleidigt und betrübet / fassete sie ihn oben bei den haaren / und
ganz freudig aussehend / rieffe sie: Nun erkenne ich / dass der himmel gerecht
ist / und nichts ungestrafft låsset; der mir iezt vergonnet / meinem liebsten
Ingerman diesen böswicht aufzuopfern / welcher seine unwürdige hände in so edlen
blut waschen dörfen. Solches sagend / stiesse sie dem Sineab den dolch in den
leib: welcher also / fur alle seine übeltaten / noch eines gar zu guten todes
gestorben.
    Hierauf wandte sie sich zu mir / und dankete höchlich / fur diese
ihr-erwiesene hulfe: zugleich aus dieser mordgruben hervortrettend. Im nächsten
dorf / da wir abtratten / erzehlte sie mir alles / wie es ihr in Nissa ergangen
/ wie sie nicht mehr der Assyrier und Elamiten feind sei / wie der Jaziz und
Hiarbas sie betrogen /und wie sie / fortin keinem menschen mehr zu trauen /
soviel ursachen bekommen. Einen mitbuler in ungnade zu wissen / das musste mir ja
wohl gefallen: aber der Mirina angehångte Entschliessung / konnte mir wohl diese
freude måssigen. Ich befande es unzeitig und nicht schicklich / damals von
meiner liebe zu reden: und bote ihr allein meine dienste an / als sie begehrte /
ich sollte sie nach Elassar / oder zu ihrem heer begleiten lassen. Weil ich mein
heer nicht verlassen /und daher selber sie nicht begleiten dorfte / als gabe ich
ihr den Zameis / samt einer guten anzal meiner soldaten / zu gefärten: schiede
also von ihr mit der grossen hoffnung / dass ich / durch diesen dienst /mich bei
ihr in gunst gesetzet / und nun wohl niemand einigen vorzug vor mir haben würde.
    Ich will mich nit lang aufhalten / bei dem Ophirischen krieg / und wie
endlich beider Könige tod den frieden geboren. Ich will nur vermelden / wie es
mir in Elassar ergangen / dahin ich / nach geendigtem kriege / mich mit den
Assyriern gewendet hatte. Die schein-ursache dieser reise war / dass ich / vor
wieder-abfurung der völker nach Babel / mit der Königin Mirina volligen frieden
schliessen wollte / damit Assyrien ihret wegen auf kunftig der ruhe versichert
sein möchte. Alle meine Assyrische kriegsbediente / beståtigten dieses fur
nutzlich: da dann ich hierunter auch meiner liebe rahten / und der
gluckseeligkeit geniessen konnte / meine Königin zu bedienen. Ich entfienge zwar
von derselben alle ersinnliche hoflichkeit / fand sie aber so fromd fur meine
liebe / dass ich genotiget wurde / zu der Simede und dem feldherrn Assur meine
zuflucht zu nemen / und bei ihnen hülfe zu suchen.
    Der Assur / so in sonderbarer freundschaft mit mir lebte / üm dass ich ihme
vorher das leben errettet / gebrauchte sich aller beredungsgründe / mir diese
liebe aus dem sinn zu heben: worinn dann die Simede ihm zustimmete. Als ich eines
tags bei dieser mich befande / und ihr hart deswegen anlage / vertraute sie mir
/wiedass ihre Königin / nicht allein ihr herze / sondern auch / ihren leib /
einem andern zugeeignet hätte: weswegen sie mir treulich riete / meine gedanken
fahren zu lassen. Ich konnte solches unmoglich gläuben /und wandte gegen der
Simede ein / wiedass sie solches / mich abzuschrecken / bloss erdichtet habe. Als
ich ihr solches etliche tage nacheinander fürruckete /wurde sie endlich aus
ungedult bewogen / dass sie sich anheisig machete / mir dessen / was sie geredet
/ einen augenschein zu zeigen. Zu solchem ende / beschiede sie mich gegen der
nacht in ihr zimmer: von dar sie mich in der Königin schlaffkammer füren / und
meinen unglauben mit der warheit uberweisen wollte.
    Ich liesse mir solches wohl gefallen / und voll unruhiger begierde / das nicht
zu finden / was ich suchete /stellte ich mich an dem bestimmten ort ein: alda /
nach kurzem warten / die Simede ankame / und mich / ihr in aller stille zu
folgen / ermanete. Ich täte solches mit zittern / und fand / wie wir in das
vorgemach kamen / nicht allein der Mirina abgelegte kleider /sondern auch nahe
darbei des Assurs völlige kleidung / auf einem sessel ligen. Ich wunschete / aus
entsetzung / blind zu sein / so sehr erschracke ich hierüber. Aber ich war
bestimmet / noch ein mehrers zu sehen. Dan / als die Simede mich fürter in der
Mirina kammer furete / funde ich diese Konigin und den Assur in einem bette
nebeneinander schlaffen. Der Assur erschiene so schön in dieser schlaffenden
gestalt / dass ich gegen ihme mehr liebe als eifersucht entfunden. Wie ich nun
alles wohl betrachtet hatte / furete mich die Simede wieder von dannen / und
fragte mich / als wir in ihr zimmer zurucke gelanget / ob ich ihr nun gläuben
konnte? Sie musste mir diese frage etliche mal wiederholen / ehe sie von mir eine
antwort bekame. Als ich endlich / ganz betrübt / ihr gestanden / dass ich nun
ihren worten nur allzuviel gläubete / begabe ich mich nach meiner herberge / und
verbrachte die ubrige nacht in hochster unruhe: weil ich mich noch nicht
überwinden konnte / die Mirina zu verlassen.
    Wie nun iederman an mir eine grosse verånderung spürete / also ware Assur
nicht der lezte / der meine traurigkeit mir angemerket. Diss gabe ihm ursache
/mich zu befragen: Ob etwan seine beredungen bei mir hätten statt gefunden / dass
ich / mein eigen bästes beobachtend / von der liebe gegen der Mirina abstehen
wollte / und deswegen / mit mir selbstreitend / in heimlicher unruh lebte? Ihr
werdet es fast errahten haben / (gabe ich ihm zur antwort /) und ist freilich
der schluss bei mir fåst gestellet / die Mirina nicht mehr zu lieben; wiewol es /
mit dessen erfüllung /schwer zugehet. Diese antwort machete den Assur ganz
freudig / wie ich abmerken konnte / und schiene es / als ob er mir viel sagen
wollte: wiewol er damit wieder zurück zoge / und sich nicht gegen mir
herausliesse.
    Weil ich / von der zeit an / mit ihme kaltsinniger ümgienge / als begunte
auch er sich meiner zu åusern. Wie die Simede / die üm unsere vorige
verträulichkeit gewust / solches in acht name / fragte sie mich gar sorgfältig:
ob ich etwan gegen ihme mich dessen vermerken lassen / was sie mir vertrauet?
Ich versicherte sie / dass niemand / auser uns beiden / wan sie es wie ich
verhelet / hiervon wissen würde. Als wir unsere unterredung fortsetzeten /
bezeugte sie ihre sonderbare freundschaft / so sie zu mir trüge / und wunschete
/ dass ich / an statt dieser ubel-angewendten liebe /anderwert ein bässers Glück
finden möchte. Ich kenne auch (sezte sie hinzu /) eine schöne Prinzessin / die
der Mirina an dapferkeit gleich ist / aber an schönheit ihr weit furgehet:
welche ich dem Prinzen von Assyrien wohl gönnen mochte. Als sie mir hiervon zum
öftern fürsagte / und selbige Prinzessin also beschriebe /dass sie den Assur
gliche: erweckete sie in mir eine begierde / deren ansichtig zu werden. Diss mein
verlangen zu erfüllen / berichtete sie mich / wiedass die Königin / in wenig
tagen / ein grosses fest / nach Celtischer gewonheit / der heiligen Jungfrauen
(worunter sie die Egyptische Isis verstehen /) zu ehren / feiern /und darbei
auch diese Prinzessin sich einfinden wurde: da wollte sie mich / mit hülfe der
Aurinien /(sind der Teutschen heilige weiber /) in den wald bringen / da das
fest gehalten wurde / dass niemand etwas davon sollte innen werden.
    Ich liesse / diesen vorschlag / mir wolgefallen / und / als der abend von dem
Isis-fest angekommen / durch die Aurinien mich hinter eine hecke verstecken / da
ich alles mit ansehen konnte. Die Mirina stellte sich daselbst ein / mit ihrem
gesamten frauenzimmer. Ich war begierig / die schöne Prinzessin zu sehen: und
wurde gewar / dass sie der Konigin zur seite gienge. Ich fand an ihr alles / was
mir die Simede von ihr gesaget / und ihre gleichheit mit dem Assur: auser / dass
ihr haar und freies angesicht / neben der statlichen kleidung / ihrer schonheit
einen sonderbaren glanz beilegte / den der Assur in seiner wilden Celten tracht
nicht hatte. Ich muss wohl bekennen / dass ich / auser den zweien schonheiten / mit
denen ich iezt rede /ihres gleichen wenig gefunden. Es kame mir ofters in den
sinn / ob etwan diese die zweite heldin sein mochte / von welcher der Chaldeer
mir geweissaget /dass ich sie lieben würde. Ich verliesse ihr kein aug /solang die
opfere wåreten / und ward unmütig / als ich sie endlich sah von dannen
scheiden.
    Ich bekennte nachgehends der Simede / dass mich die schönheit dieser
Prinzessin vollig vergnügt hätte. So sehr ich ihr aber anlage / mir deren namen
und stand zu benennen / so konnte ich sie doch hierzu nicht bereden. Ich fand /
diese schönheit / nachmals nicht mehr am hofe: horete auch von keinem menschen
/dass eine frömde Prinzessin wäre zugegen gewesen. Ich bate die Simede / dass sie
die glückseeligkeit dieser augenlust mir nur noch einmal verschaffen wollte: aber
vergebens. Ich geriete endlich in den argwan /der Assur musste sich also
verkleidet haben / um der Mirina / als die fast keine stunde ohne ihn sein konnte
/ auch bei diesem frauen-gottesdienste beiwonen zu dörfen: welches die Simede /
mich zu betriegen / fur mir also verborgen hielte. Und solches zu gläuben
/bewegte mich fürnemlich / dass ich aus dem gestirn ersehen hatte / wie ich / in
meiner liebe / durch eine betrügliche tracht würde geteuschet werden.
    Ich zoge endlich / mit diesen gedanken / von Susan hinweg / als die
friedenspuncten / so nach Babel / zur bestätigung / waren übersendet worden /
zurücke kamen. Die Mirina betrurete mir hoch / beim abschiede / dass sie ihren
verstorbenen Ingerman ewig betrauren / und niemals an einige heurat mehr
gedenken wollte / nun der Prinz von Egypten / der sie einmal diesen gefassten
schluss åndern gemacht / sie also betrogen hätte. Sie versicherte mich hierbei
ihrer hochachtung und wohl gewogenheit / und liesse solche zeichen einer keuschen
tugendhaften Prinzessin von sich scheinen: dass ich mich nicht genug verwundern
konnte / wie es doch moglich wäre / sich also vorstellen zu konnen. Also schiede
ich / was die Mirina belanget /ganz frei aus Elassar: Aber dem unbekanten
ebenbilde des Assurs / hinterliesse ich mein halbes herze. Endlich habe ich /
alhier in Damasco / eure Aramena zu sehen bekommen: die mich / durch ihre
dapferes und holdseeliges wesen / dermassen eingenommen / dass ich sie mit
håftiger liebe bis ietzo verfolgen müssen.
    Ich bitte euch aber / liebste schwester! und euch /wehrtiste Prinzessin! ihr
wollet euch fürstellen / wie mir musse zu muht worden sein / als ich diese
Aramena in einem gefechte fand / und zwar gegen einen widersacher / den ich
anfangs fur meinen alten freund / den Assur / aber nachmals für die schone
fromde erkannte / die ich in Elassar beim opfer gesehen? Ich fülete gleich / voll
hochster verwunderung / mehr als ein schlechtes erbarmen / über den elenden
zustand dieser beiden schonen / und spürete mein herz geteilet: also dass ich /
so wenig die Aramena / als diese fromde /verlassen konnte. Ich ward aber / an
beiden otten / mit grosser kaltsinnigkeit / am grausamsten aber von der
unbekanten / entfangen / welche / wie schwach sie auch ware / dannoch mit
grasser stimme zu mir sagte: Gehe von mir / du undankbarer! und wisse / dass mir
/nicht der wille / sondern das vermögen manglet / mich an dir und deiner
nichtswürdigen Aramena zu rächen. Ich konnte / worinn ich gegen ihr undankbar
gewesen und ihre rache verdienet / so wenig / als die ursache ihres eifers gegen
Aramena / begreifen.
    Als ich / ganz bestürzet / von ihr ab und zu der fast-sterbenden Aramena
gegangen / wurde mir bald angesagt / die frömde wåre auf einen wagen gebracht
und hinweggefüret worden. Weil mir unmöglich fiele / ihrentwegen in solcher
ungewissheit zu leben / als jagete ich ihr nach mit etlichen meinen bedienten.
Weil wir im dicken geholze / bei sovielen abwegen / die strasse / so sie
genommen / nicht gleich finden konten: als ersah ich / erst mit anbrechender
nacht /ihren wagen / von vielen pferden umgeben / in einer ebene vor mir hin und
einem wohl-erbauten schlosse zufahren / von welchem einer meiner leute mir sagte
/dass es dem Syrischen Fursten Rames von Jedlaph zustünde. Weil dieser Furst /
der die seite der Canaaniter hält und unlangst aus Damasco entwichen /unser
feind ist: als stunde ich an / was ich beginnen sollte. Offentlich mich kund zu
geben / ehe ich / ob auf diesem schloss freunde oder feinde lågen / und wie stark
der feind sein mochte / nachricht einbringen lassen / fiele mir bedenklich:
darbei aber unerträglich /meine schone nicht anzusprechen. Ich musste mich aber
in gedult fassen / und erstlich den Zameis / der sich hierzu anerbote / üm
kundschaft abschicken.
    Die nacht über / bliebe ich verborgen bei etlichen fischern / die am fluss
Amana kleine hütten bewonen: welche mich nicht erkannten / aber mich nach
vermögen sehr gütlich bewirteten. Es ist unbeschreiblich /was ich selbige nacht
alles ausstunde: da mich / sowol nach dieser unbekanten / als nach der
hinterlassenen Aramena / verlangte. Weil ich sie beide tödlich verwundet
verlassen / als entfunde ich auch nichts als tödliche angst / und sorgte
schmerzlich für alle beide: zugleich mir fürbildend / wie schwer es mir ankommen
würde / fortin zwei zugleich zu lieben. Des andern tags / wartete ich
vergeblich auf des Zameis widerkunft. Und weil er solang verzoge / als triebe
mich die ungedult aus der fischerhutte / und machte mich ganz allein dem
schlosse zu spaziren. In gedanken vertieffet / geriete ich gar bis an die
mauren: alda ich mich auf einen stein niedersezte / und von einer stunde zur
andern hoffete / ob ich den Zameis in die augen bringen mochte.
    Endlich offnete sich / nahe bei mir / eine kleine pforte / aus welcher zwei
ansehliche Männer hervortratten: die waren mit tygerhåuten bedecket / auch sonst
also bekleidet / dass ich sie für Teutsche halten musste. Indem sie allgemach vor
mir über giengen /bliebe ich sitzen und hatte einen mantel vor das gesicht
geschlagen / da ich dann horte / dass der eine sagte: Wir entweichen billig /
weil der Konig und der Furst im garten allein miteinander zu sprechen /
verlangen. Ihre unterredung (sagte der andere /) war so håftig / dass sie unser
nicht gewar wurden: und horte ich wohl / dass der inhalt ihres gespråchs unsere
Prinzessin angehe. Hiermit waren sie nun so weit von mir / dass ich von ihren
reden nichts mehr vernemen konnte. Mein fürwitz aber triebe mich auf von meiner
stelle /und nötigte mich / ihnen sachte nachzufolgen. Als ich sie erreichet /
horte ich den einen also reden: Ich kann nicht ergründen / warüm der Konig so
verborgen sein will / und auser unsrem Fursten und uns beiden / niemand wissen
muss / dass er hier bei der Prinzessin sich befindet. Grosser herren geheimnisen /
(antwortete der andere /) muss man nicht zu genau nachfragen: sonst würde ich wohl
auch so begierig sein / nachzuforschen / wie unsere Prinzessin in diese zustand
/ darin sie iezt schwebet / müsse gerahten sein. Nachdem sie hierauf eine weile
geschwiegen / namen sie ihren spazirweg wieder zurücke: da sie mich dann ersahn
/ und mich für einen frömden haltend / mich unangesprochen fortgehen liessen.
Auser verdacht zu bleiben /dorfte ich nicht zum andern mal ihme nachfolgen:
wiewol meine begierde sehr gross war / auch die nennung des Konigs und der
Prinzessin / in mir / eine eifersucht gegen jenem / und ein verlangen nach
dieser /geboren hatte.
    Als ich den ganzen tag / sonder ein mehrers zu erfahren / daselbst
zugebracht hatte / gienge ich mit dem abend wieder nach der hutte / und
verbrachte die nacht mit so unruhigen gedanken / dass das aug des himmels eher
aufgienge / ehe ich meine augen schliessen konnen. Ich gienge am morgen wieder
dahin / und hatte dissmal mehr Glück / als zuvor: weil / nach wenig stunden /
mein Zameis vom schloss herunter kame. Er wurde über meiner künheit nicht wenig
bestürzt / als er mich erkennet / und bate / dass ich eilends mit ihm nach der
fischerhutte gehen / und alda von ihm / was er ausgerichtet / vernemen wollte.
    Wie wir nun daselbst angelanget / erzehlte er mir /was massen er / als er
vor das schloss gekommen /sich einer jungfrauen erinnert / die er an der Mirina
hof ehmals in Elassar gekant und geliebt / und es fur müglich erachtet / dass
selbige bei dieser frömden Prinzessin / welche auch daselbst gewesen / sich
befinden mochte. Weil er nun hierdurch sich in das schloss zu bringen verhoffete
/ als vermeldete er der wacht am tor / es sei einer vorhanden / welcher die
jungfrau Marpeis / die bei der Prinzessin sich befinden würde / in wichtigen
sachen anzusprechen håtte. Es erfolgte gleich der gewünschte bescheid / dass die
Marpeis seiner wartete / und er zu ihr hinauf kommen sollte. Als ihm nun dieser
erste anschlag geglücket /erkundigte er sich bei dieser seiner alten freundin
/wer ihre Prinzessin wåre / und was sie / zu solcher frömden verbitterung gegen
mich und die Aramena /bewogen hätte? Sie wollte ihm aber hiervon nichtes
entdecken / ihre treu und verschwiegenheit fürschutzend / die sie ihrer
Prinzessin geschworen håtte. Doch endlich / wie er sie meiner liebe zu ihrer
Prinzessin teuer versichert / liesse sie sich bereden / ihm zu versprechen / dass
sie mich heimlich zu ihrer Prinzessin bringen wollte: da ich dann vielleicht
selber von ihr erfahren wurde / was sie nicht aussagen dörfte.
    Wie sehr mich dieser des Zameis bericht erfreuet /kann ich euch / liebste
schwester! nicht beschreiben. Als ich ihn ferner fragte / was fur leute auf dem
schloss wären / und ob er von keinem anwesenden Konig gehoret? sagte er mir / es
wäre ihm anders nichts wissend / als dass für wenig tagen teutsche völker aus
Basan daselbst angelanget / die der fürst Suevus fürete / und die die Prinzessin
/ wie es schiene /nach Basan abholen sollten. Der abend / so von der Marpeis
hierzu bestimmet worden / hatte kaum sich eingefunden / da waren wir schon vor
dem tor: welches uns die wacht willig offnete / weil die dame hinab sagen
lassen / dass man uns / als ihre bekanten /nicht aufhalten sollte. Einer von ihren
dienern furete uns in ein gemach / darin diese jungfrau stunde und mich
entfienge / sagend: Weil sie ehmals mich zu Susan gesehen / und viele woltaten
von mir genossen / als hätte sie mir hierinn ganz gern wilfaret / mir gehör bei
ihrer Prinzessin zu erlangen. Zuvor aber verlange sie / dass ich ihr in vertrauen
sagen möchte /ob ich die Aramena noch liebte / oder ob ich dieselbe / gegen
ihrer Prinzessin / zu verlassen / gesonnen wäre? dann Zameis hätte sie
versichert / dass ich die Prinzessin liebte. Ich funde mich / bei dieser frage /
so betretten / dass ich nicht wusste / was ich antworten sollte. Nachdem ich ihr
aber fur diese gunst / dass sie mir / die Prinzessin zu sehen / beforderlich sein
wollen / gedanket / sagte ich endlich: Ich suchete furnemlich / der Prinzessin
den unverdienten zorn / den sie gegen mir bei lezter begebnis blicken lassen /
auszureden / und zugleich zu vernemen / was ihren grimm wider die Aramena
verursache.
    Der Prinz (unterredte Marpeis /) antwortet nicht auf meine frage. Man will
hier wissen / ob noch einige liebe gegen der Aramena vorhanden sei. Dass ich
diese heldin geliebt / (versezte ich / ganz verwirret /) kann ich nicht leugnen.
Dass mich aber auch der unvergleichliche wunderglanz der schonen unbekanten
Prinzessin / in Elassar beim opfer geblendet / und jungstin bei der begegnis im
walde von neuem entzündet habe / muss ich gleichfalls bekennen. Stellet dann der
Prinz / (fragte Marpeis ferner /) die Prinzessin und die Aramena / in gleichen
grad / und hält eine so hoch / als die andere? Ich bin ihrer beider diener:
(gabe ich zur antwort /) erkenne aber wohl den unterscheid / dass die schönheit
der Prinzessin es der Aramena weit zuvor tue. Wünschet aber der Prinz auch
meiner Prinzessin gegenliebe? fuhre sie fort zu fragen. Ach gutige Marpeis!
(antwortete ich seufzend /) worzu dienet die beantwortung dieser frage? Zameis
hat euch ja eröffnet / mein unbeschreibliches verlangen / eure wunderschöne
Prinzessin zu sehen: urteilt nun selber daraus / ob ich nicht liebe. Der Prinz
will sie aber nur sehen / (widerredte sie /) um / die Aramena bei ihr zu
entschuldigen. Das bin ich gewillet (widerholte ich /) und kann nicht ruhen / bis
ich für mich und sie gnade erlangt habe bei dieser erzürnten Prinzessin / die
wir beide in warheit unwissend beleidigt haben.
    Hiermit öffnete sich unversehens ein fürhang / nahe hinter der Marpeis / den
ich zuvor nicht in acht genommen hatte / von dar die Prinzessin / welche / zu
bette ligend / unser gespräche alles mit angehöret / zu mir rieffe: Gehe /
unerkentlicher Prinz! aus meinen augen / und hoffe nimmmehr einige gnade. Ich
habe in Elassar dich geliebt / weil ich in dir ein königliches gemüte vermutet.
Nun ich dich aber so leichtsinnig befinde / dass du / ganz und gar deines standes
vergessend / bis zu einer nichtswürdigen Aramena dich herunter lassen konnen /
mich noch in bedenken ziehest / sie meinetalber zu verlassen: so wisse / dass
ich dein und aller Assyrier todfeindin sterben will /und dass Mirina sich nicht
also an Elassar soll gerochen haben / als wie ich mich an Assyrien zu rächen
gedenke. Ich / solche harte worte aus einem so zarten munde vernemend / wurde
von leid und freude zugleich überfallen / die mich ganz erstaunen macheten. Als
endlich ihre schonheit mich triebe / ihrem bette zu nähern / und daselber auf
den kniehen sie zu bitten /dass sie ihren zorn wollte schwinden lassen: name die
Marpeis mich beim arm / und fürete mich mit gewalt aus dem gemach / welches sie
alsobald hinter mir verschlosse / nachdem sie uns vermanet / dass wir uns ja
eiligst hinweg machen sollten.
    Ich und der Zameis wurden so bestürzt über dieser begegnis / dass wir / aus
dem schloss und nach unserer hutte gehend / kein wort gegeinander verloren. Dan
/weil er die Marpeis liebte / als hegete er zweifachen verdruss / dass diese
unterredung so ubel abgelaufen. Nachdem wir in der hutte wieder angelanget /
überlegte ich diss mein verhängnis recht bei mir / und befande meine abenteur so
fromd / dass ich mich ganz nicht darein finden konnte. Ich war / ohne mein wissen
/ von einer grossen Prinzessin geliebt worden / die mich nun hassete / weil ich
die Aramena liebte. Ich fülete mich nun dermassen von ihrer verwundersamen
schönheit getroffen / dass ich vielleicht nie so verliebt mag gewesen sein / als
ich mich in diese erzürnte unbekannte befunden. Zameis bemuhete sich sehr / mich
zu trosten. Und als er sah / dass ich gern frieden mit dieser schönen gemacht
hätte / gab er mir den raht /ich sollte der Aramena vergessen / und solches
alsofort der Prinzessin zu wissen tun / sie damit wieder auszusonen.
    Weil ich vermuten konnte / dass diese schone teutschen geschlechtes ware / und
weil ich wusste / wie eine dapfere heldin sie ware: als machte ich mir die
gedanken / sie würde zweifels frei die jenige sein /die mir der Chaldeer
bestimmet hat. Die stäts-erwiesene kaltsinnigkeit hiesiger Aramena / und die
schonheit dieser unbekanten / die aus liebe gegen mir / und aus eifersucht gegen
ihr / diesen streit begonnen / die mich allein darüm hassete / weil sie
vermeinte /dass ich sie nicht genug liebte / bewegten mich / des Zameis raht
anzunemen. Demnach fand ich ihn / folgenden morgens gar früh / wieder nach dem
schlosse /dass er der Marpeis meinen schluss eroffnen sollte. Er konnte aber weder
hinein-noch vor-kommen / und brachte mir die traurige zeitung zurucke / dass er
sich ganz ümsonst bemühet hätte. Ich ward hierüber so ungedultig / dass ich
selber mit dem Zameis nach dem schloss gienge. Als wir an das tor gekommen /
begegnete uns der pfortner / mit der nachricht / wiedass in voriger nacht alle
frömde hinweggezogen / und niemand mehr auf dem haus wåre / als der hausvogt des
Fürsten von Jedlaph / dem dieses schloss zukäme.
    Alle meine hoffnung zerfiele mir / durch diesen bericht. Ich liesse den
hausvogt zu mir kommen / vermeinend ein und anders von ihme zu erfahren. Es war
aber alles umsonst / und konnte oder wollte selbiger mir nicht sagen / mit seiner
unwissenheit sich entschüldigend / wer die Prinzessin und die andere gewesen
/die er bewittet / und wohin sie ihren weg genommen hätten. Weil ich mich ihme
nicht nennen dorfte / als konnte ich das ansehen meines standes gebrauchen /eine
andere erklårung aus ihm zu bringen. Als er auch merkte / dass wir Assyrer wåren
/ wollte er uns in das schloss nicht einlassen. Demnach bliebe für mich nichtes
ubrig / als hieher ohne hoffnung wiederzukehren. Auf dem rückweg / begegnete mir
der Opharteus / mit seinem kriegshaufen: der von hier / mich zu suchen
/abgeschicket / mir / wegen meines ausernseiens / euer aller sorgfalt bezeugte /
und also mich wieder hieher begleitet.
    Erkennet nun / liebste schwester! wie es mir ergehet. Ich liebe eine schöne
und grosse Prinzessin / die ich nicht recht kenne / wer und von wannen sie sei
/und wohin sie sich verwandelt habe. Ich verlasse um ihrent willen die Aramena /
um deren willen sie mir ihre gunst entzogen. Um sie verschmachte ich in
liebes-angst / und muss doch sorgen / dass ihr verbittertes gemute nur auf lauter
rache wider mich / und nicht auf meine ruhe gedenke. Ich kann auch nicht zu
frieden leben / ich habe sie dann wieder gesehen / und sei mit ihr ausgesonet.
Demnach bin ich gesinnet / (welches ich zwar niemanden / als der schonen Königin
von Ninive und der Prinzessin von Ophir vertraue /) heimlich eine reise nach
Basan zu tun / und meine Prinzessin daselbst zu suchen: nicht zweiflend / dass
ich alda etwas von ihr erfahren werde. Und weil mich niemand am selbigen hof
kennet / als werde ich üm soviel leichter zu meinem ziel gelangen konnen: zumal
wan der Prinz Cimber mir hierinn beistehen wollte /welchem / als einem Teutschen
/ diese Prinzessin nicht unbekant sein kann. Und in dieser hoffnung werde ich
gestärket / weil ich verneme / dass er /gleich nach mir / dieser Prinzessin im
holze gefolget: massen er sich allhier noch nicht wieder eingefunden /und wird
nach seiner wiederkunft mich höchlich verlangen.
                                     * * *
    Hiermit endete / der verliebte Prinz / diese Geschichterzehlung; für welche
die Konigin / ihme und der Indaride / schönen dank sagete / und ferner gegen dem
Prinzen also redete: Es schmerzet mich nicht /dass es meiner Aramena / wie der
Eldane / ergehet; weil ich bei ihr wenig anzeig gefunden / dass sie ehrsüchtig
gewesen wäre / den Assyrischen tron zu besteigen. Dass aber euch / eine so
häftige liebe gegen dieser unbekanten Prinzessin / quålen muss / das betrübet
mich / und möchte ich euch gern geholfen sehen / wie ihr es selber verlanget.
Dass ihr auch die reise nach Basan fürnemen / und den Cimber zu eurem vertrauten
in der liebe machen wollet / solches halte ich fur eine sache / die etwas reifer
zu bedenken ist. Dan das erste betreffend / so würde es den ruhm des Prinzens
von Assyrien nicht wenig verkleinern /wan er üm diese zeit von hier hinweggienge
/ da sein herrvatter mit den Canaanitern und Syrern einen schweren krieg
bekommen. Wegen des andern / ist man nicht versichert / ob man nicht eher an dem
Cimber einen mitbuler / als einen freund / in dieser liebe erlangen mochte. Dan
ohne ursach hat dieser Prinz der unbekanten Prinzessin nicht gefolget / und ich
habe viel vermutungen / die mich glåuben machen /dass er diss orts liebe. Demnach
halte ich fur das sicherste und båste / dass ich dem Cimber erstlich hiervon
gewissheit abfrage: wornach ihr dann ferner euch werdet richtet können.
    Der verliebte Baleus / dankete der Konigin / für diesen erteilten guten raht
und für getanes versprechen / zu tausendmalen. Nachdem sie noch eine weile
hiervon sich unterredet / fragte der Prinz gar sorgfältig nach der Aramena
zustand. Solches kame der Konig in lächerrlich fur / dass er gleichwol ihrer nicht
vergessen konnte. Sie lässet sich zu Naema an ihren wunden heilen / (sagte sie /)
die sonder gefahr sind /und sie verhoffentlich nicht hintern werden / bald
hochzeit zu machen. Wie da? (fragte der Prinz / etwas besturzt /) an wen soll sie
dann getrauet werden. Die Königin / welche diss für die bäste gelegenheit hielte
/dem Prinzen alles zu hinterbringen / sagte ihm / wie es mit dem Dison und der
Aramena stunde. Baleus erwiese sich hierauf gar unruhig: ungeacht er ihm
fürgesetzet / sich der Aramena zu entschlagen. Als die Konigin solches vermerket
/ vermanete sie ihn / dass er so gefärlicher liebsgedanken sollte mussig gehen
/die nie etwas gutes konten nach sich ziehen. Man mag wohl (sagte sie) seine
zuneigung auf unterschiedliche personen nacheinander / aber nie zugleich wenden
/wie Esau und andere zum fürbild stehen: und ist eben darin ein grosser
unterschied zwischen liebe und freundschaft / weil jene nur einen / diese aber
viel freunde dultet. Baleus name diese der Konigin erinnerung mit dank an / und
versicherte sie / dass die regung / die ihn Aramena noch fulen machete / keines
wegs mit der liebe / die er zur fromden Prinzessin trüge / zu vergleichen wåre /
auch bald gar verleschen und in eine blosse freundschaft sich verwandlen würde.
    Nachdem die Königin / üm ihrer Aramena ruhe zu befördern / ihn in diesem
seinen vorsatze gestårket /erinnerte sie sich / wie sie ihme / bei dem Cimber
wegen dieser fromden Prinzessn sich zu erkündigen /versprochen hatte: weswegen
sie alsobald ob man diesen Prinzen nicht bei hofe wieder gesehen håtte
/nachfrage anstellte / und gleichwol nichtes von ihm vernemen konnte. Aber gegen
abend / als sie sämtlich in dem koniglichen schlossgarten sich erlustigten /fand
dieser Prinz sich unversehens ein: welches der Fürst Barzes der Königin von
Ninive alsofort anmeldete. Selbige sprachete eben dazumal / mit dem stattalter
/ von diesem Prinzen: dessen fürtreffliche geschicklichkeiten sie unschuldiger
weise dermassen heraus preise / dass Mamellus in seiner geschopften einbildung /
von ihrer liebe gegen diesem Prinzen /dadurch gestärkt wurde. Sie erwiese sich
auch ganz frolich / uber dem bericht von seiner wiederkunft /und als sie ihn
ersehend / auf ihn zugienge / ihn anzusprechen / name der stattalter war / dass
der Cimber sich verwandelte / und mit so ungemeiner tiefer ehrerbietung die
Königin begrüssete / dass daraus genugsam erschiene / wie sehr er diese schöne in
seinem herzen anbetete. Weil Mamellus zur Königin von Elam / die / vor ihrer
abreise nach Elimais / mit ihm reden wollte / zu kommen beruffen wurde: als name
er alsobald abschied / seinen platz dem Cimber überlassend.
    Dieser Prinz name die schöne Königin bei der hand / und sagte zu ihr / im
fortfüren: Ich befinde mich schuldig und straffbar / dass ich meine Konigin
soviel tage allein gelassen; da ich doch / sowol dem Prinzen der Philister / als
E. Maj. selbst / versprochen / alle augenblicke auf sie ein wachendes auge zu
haben. Die schöne Hercinde (antwortete die Konigin /) entschuldigt alles / was
an sich selbst keine schüldigkeit / sondern bloss eine gute des Prinzen Cimbers
zu nennen ist. Woher wissen E. Maj. von dieser Prinzessin? fragte er / ganz
verwunderend? Ich vermute es / (gabe sie zur antwort /) dass Hercinde euch /
diese tage uber / auser Damasco aufgehalten habe: weil diese Prinzessin bei der
Timna nicht mehr furhanden / sondern den weg nach dem schloss des Fursten Rames
von Jedlaph genommen / dahin auch ihr gefolget. Diese fernere erklärung machte
den Cimber ganz bestürzet / und wusste er nicht / was er hierauf sagen sollte. Als
er nun zu antworten verzoge / fienge die Konigin an zu låcheln / und sagte: Ich
begehre von euren geheimnisen nichtes mehrers zu wissen / als was sich
vonselber zu tage gibet. Ihr werdet mir meine begierde nicht verüblen / die
ich hege / zu wissen / warüm doch diese Prinzessin / durch einen so herben kampf
/ meiner Aramena ihre ungnade zu erkennen gegeben? Auch warüm sie dem Prinzen
von Assyrien so hart begegnet / und vor ihm geflohen / als er wolmeinend nach
ihren wunden wollen sehen lassen. Weil euch die Hercinde auch liebt / so kann ja
ihr hass gegen der Aramena / aus keiner eifersucht / um dass sie bisher von dem
Baleus geliebt worden / herrüren / dessen mich sonst die ümstände dieser
begebnis bereden wollen.
    E. Maj. benenne ich / (gabe Cimber zur antwort /) der Hercinde und meinen
lebenslauf / so bewandt /dass ich unmöglich dero noch zur zeit alles entdecken
darf / wie es mit uns beschaffen ist. Doch will ich E. Maj. nicht laugnen / dass
die Hercinde / wiewol sie /als wan ich ihr bruder wåre / mich liebt / dannoch
den Prinzen von Assyrien mir vorziehet / und daher gegen der Aramena in diese
nun-kundbare eiferwut ausgebrochen. Ihr bruder / der König von Basan / hat sie
in sein reich abholen lassen / und ich habe sie bis an des Rames schloss
begleitet: da sie mir / als ich sie verlassen / nochmals bezeuget / wie leid es
ihr wäre /E. Maj. nicht ferner zu sehen / und sonder abschied von ihr zu ziehen;
da die ursach ihrer eilfårtigkeit so erheblich gewesen / dass sie / unhöflichkeit
zu begehen / genotiget worden. Ich hoffe aber neben ihr / E. Maj. werden sich so
gutig erzeigen / und verhelen /was sie von ihrer schwachheit wissen: damit hier
niemand innen werde / wie des Marsius schwester diejenige gewesen / die mit der
Aramena und dem Baleus in diese abenteur gerahten.
    Indem ihr mir eröffnet und bestätiget / (sagte hierauf die schöne Königin)
was ich bereits vermutet /vermehret ihr damit meine verwunderung ob dieser
geschichte / weil ihr mir so ruhig berichten konnet /wie die schone Hercinde
einen andern mehr als euch liebe. Ach! (antwortete er seufzend /) sollten E. Maj.
in mein herze sehen konnen / sie wurden gewar werden / was marter ich darin
ausstehe / dass ich ungeliebet lieben muss. Ich bin aber hierzu geboren / und muss
mit dem schluss des himmels friedlich sein / der dieses über mich verhänget.
Dieses sagte der Prinz mit solcher entfindlichkeit / dass die schöne Delbois
nicht ümhin konnte / ihme ihr beileid zu bezeugen. Solches bewoge ihn / gegen ihr
also fortzureden: das mitleiden / so E. Maj. über meinem zustand fassen /ist
allein kräftig / mein jammer-leben mir erträglich zu machen. Und gleichwie ich
dieses E. Maj. zu diensten gewidmet / als opfere ich es auch für dieselbe willig
hin / und kann in meiner unglückhaften liebe nicht glückseeliger sterben / als
wan ich die versicherung mitneme / dass die schonste Konigin von der welt mich
beklagen mogen.
    Wann die Delbois nicht so gar wäre von der Meinung eingenommen gewesen / dass
Cimber die Hercinde liebte / würde sie aus der häftigkeit / mit der er diese
worte furgebracht / leichtlich ermerket haben /dass er in ihre person verliebt
wäre. Nun aber gedachte sie an nichtes weniger / und weil sie in ihrem herzen
ihn hoch verehrte / als gienge es ihr sehr nahe / dass ein so edler held so
unglückseelig leben sollte. Wan ich etwas erwünschen konnte / (sagte sie /) so
sollte es dieses sein / dass Cimber der schonen Hercinde vergessen möchte.
Nimmermehr werde ich derjenigen /(widerredte er /) die ich mit so häftiger liebe
verehre /vergessen können. Und wiewol ich sonder hoffnung lebe / so liebe ich
doch eiferigst: zwar ohne den vorsatz / meinem mitbuler zu schaden. Ihr seit
hierinn (sagte sie /) ein viel gefårlicherer mitbuler / als ihr selbst
vermeint. Dan eure unvergleichliche sanftmut /die aus der volkommensten tugend
herruret / dorfte der Hercinde gemüte viel eher bewegen / als wann ihr eure
häftige begierde mit gewalt handeln liesset / euch für euren mitbuler bei ihr in
gunst zu bringen. Ach grosse Königin! (widerholte Cimber /) so wenig ich zuvor
dem raht E. Maj. folgen konnen / meine hoffnunglose liebe zu verlassen / so
wenig kann ich mir auch diesen trost zu nutz machen / und hoffen / dass meine
gedult mir dereinst etwas erwerben können. Meine geliebte liebt viel zu
beständig / und ist darneben ihre wahl so edel / dass mir kein trost / als der
tod / übrig bleibet.
    Der Prinz von Assyrien / (sagte die Königin /) ist bei der Hercinde in
hochster ungnade / und will ich gegen euch so unvertreulich nicht sein / als ihr
gegen mir seit / sondern euch entdecken / dass Baleus auf des Rames schloss die
Hercinde gesehen: die ihn aber /weil er sich in seinem reden / die Aramena
betreffend / nicht in acht genommen / mit grossen zorn abgewiesen / und / sonder
ihn wieder zu sprechen / davon gezogen. Der Prinz von Assyrien hat mir dieses
alles geklaget / und mir darneben aufgetragen / mich bei euch / mein Prinz! zu
erkündigen / was ihr von dieser Prinzessin wisset. Ich erkenne wohl / dass ich mit
unrecht euch dieses zu mute / hätte auch dieses gewerbe nicht ubernommen / wan
ich / was ich nun weiss / gewust hätte. Daher ich mich nicht wenig betretten
befinde /was ich dem Baleus antworten soll: deme ich in seiner liebe zu dienen
mich anheisig gemacht / hingegen auch / euch hierinn beförderlich zu sein / mich
geneigt befinde. Cimber / der hiervon mehr wusste / als ihm die Konigin abfragen
konnte / stunde an / was er hierauf / sonder sich zu verreden / antworten sollte.
Endlich sagte er: Ich liebe die ruhe derer / die ich liebe / mehr als mein
leben. Weil nun dieselbe allein darin bestehet / dass mein mitbuler glukseelig
werde /und nicht erfahre / dass ich der seine sei: als konnen E. Maj. ihr selber
leichtlich sagen / was hierbei zu tun sei.
    Der verliebte Cimber / welcher / durch diese zweideutige reden / der Königin
seinen wahren zustand /ohne sich zu offenbaren / eröffnet / machete sich ihr
/wegen so seltner tugend / noch mehr bewunderbar. Und weil sie diese seine
antwort dahin deutete / dass er verlange / den Baleus mit der Hercinde wieder
ausgesont zu wissen / und von ihm nicht für einen mitbuler bei dieser Prinzessin
erkennet zu werden / als gabe sie ihm zur antwort: Euer wunderbares begehren zu
erfüllen / edler Prinz! versichere ich euch / dass Baleus von eurer liebe nichts
erfahren soll. Wann ihr aber selbst eures mitbulers beforderer in seiner liebe
sein wollet / so müsst ihr mir sagen / wie es der Assyrische Prinz anfahen soll
/ seine erzürnte Prinzessin wieder zu versonen; und ob er auch ihren stand / den
er noch nicht recht erkennet / wissen dörfe? Des Baleus unbeståndigkeit (sagte
Cimber /) ist weltkündig: massen sich solche bei vielen / ja gar bei E. Maj.
selber /und iezt bei der dapfren Aramena / hervorgeleget. Weil nun / die ehre
der Hercinde / gefahr leiden möchte / wan man von ihr erfüre / dass sie den
Assyrischen Prinzen geliebt: so muss ich verlangen / dass E. Maj. gegen ihr diese
gütigkeit einwenden / und ihme nichts von ihrem stand sagen wollen / bevor die
beståndigkeit seiner liebe sich mehrers åusere.
    Wann ich es / ohne euch zu betrüben / melden darf / (erwiderte die Konigin
/) so weiss ich den Baleus so verliebt in die Prinzessin / dass ich wohl für seine
beståndigkeit gut sagen wollte. Und weil ihme bewust ist / dass ihr / nach dem
schloss des Rames / dieser Prinzessin gefolget: als treibet ihn seine hoftige
liebesbegierde / von euch zu erkundigen / was euch von seiner schönen bewust ist
/ weswegen er mich an euch abgesendet. Wollet oder konnet ihr nun euren mitbuler
hierinn vergnugen / so lasset mich etwas wissen. Wan E. Maj. belieben mag /
(antwortete Cimber) / den Assyrischen Prinzen zu berichten / dass diese
Prinzessin /eine Teutsche von geburt / dem Konig Marsius nahe befreundet / und
eines so hohen geistes ist / dass sie begehret / allein geliebt und bedienet zu
sein; dass der / so ihr aufwarten will / allen andern bedienungen absagen musse;
dass auch / an ihrer wolfart / der ganzen teutschen nation viel gelegen sei / die
dieser Prinzessin beschimpfung / bis auf den lezten blutstropfen / zu råchen
nicht unterlassen werden: so vermeine ich / der Prinz werde mehrer nachricht von
mir nicht begehren konnen / und furter selber absehen / wie seinen sachen am
bästen möchte gerahten werden.
    Mit dieser erklärung des Cimbers / ware die Konigin wohl zu frieden: wiewol
sie / die sonderbare liebes-art dieses Prinzens / nicht genug bewunden konnte.
Hiernåchst kame sie auf ihren eigenen zustand zu reden / und fragte den Cimber:
was sie / von der verheisenen hülfe aus Basan / zu erwarten und zu hoffen hätte
/ und ob der Konig Marsius / bei seiner heimlichen anwesenheit auf dem schloss
des Rames / wovon man ihr berichtet / dessen nicht erwehnet hätte? Er wird /
(antwortete Cimber /) unter des Fursten Suevus befehl / zu E. Maj. diensten /
dreissigtausend mann ins feld gehen lassen: die / durch das fürstentum Nebajot
/ und durch Arabien / ihren weg nach Ninive nemen / aller orten aber bereit
stehen sollen / auf erhaltenen befehl / dahin zu kommen / wo E. Maj. ihrer
benötigt sein werden. Diese unvergleichliche grossmut des Konigs von Basan /
(sagte Delbois /) habe ich allein euch / mein Prinz! zu danken. Ja / edler
Cimber! euch bin ich hierüm verbunde. Was mir aber an genugsamer erkentlichkeit
ermanglen sollte / das uberlasse ich dem Prinzen Abimelech: welcher lebenslang
nicht vergessen wird / was er seinem freunde dafur schüldig sei. Die
unvergleichliche Konigin Delbois /(gabe Cimber zur antwort /) regiret billig
uber die ganze welt: darum geburet / nicht allein dem König in Basan / sondern
allen menschen / der schönsten Delbois zu gebot zu stehen. Was ich hierinn
erwiesen /ist nur die geringste wirkung meines willens / E. Maj. nutzliche
dienste zu leisten: und soll mein leben zu nichts anders / als für dero hohe
wolfart / angewendet werden. Wann Hercinde solche worte von euch horte
/(versezte die Konigin /) wåre es nicht so verwunderlich / als / da ihr mich mit
so grossen versicherungen beglukseeliget / die fast die wirkungen einer
freundschaft überschreiten.
    Der verliebte Cimber gedachte in seinem herzen /dass sie recht hätte
geurteilet. Er sah sich aber indem von solchen unterredung befreit / durch die
ankunft der Prinzessinnen von Ophir und Gerar: die sich mit der Königin in ein
gespräche von andern dingen einliessen / und also diesem Prinzen gelegenheit
gaben /luft zu schopfen / der schier seine wahre liebe nicht mehr zu bergen
vermochte / da doch / in deren geheimhaltung / seine einige ruhe bestunde. Die
Konigin von Elam / der Mamellus / und noch andere /kamen hiermit auch darzu: und
sah man der Lantine wohl an / dass das mit dem Mamellus gehaltene gespräche sie
unvergnügt gelassen. Dan selbiger hatte ihr nicht allein / vor des Königs
ankunft von Damasco abzureisen / gänzlich widerrahten / sondern auch ihre heurat
mit dem Baleus ihr dermassen notwendig furgemalet / dass sein Konig alles tun
würde / ehe er zugäbe / das diese verbindung und vereinigung beider reiche nicht
fortgehen sollte.
    Die Konigin von Ninive / so der Konigin von Elam wohl anmerkete / name sie
bei der hand / und sich mit ihr von den andern absonderend / fragte sie nach
ihrem anligen / und vername von ihr / wessen der Mamellus sie håtte bereden
wollen. Weil sie nun / des Belochus unrechtfertigkeit hierinn / üm so viel kuner
tadelen dorfte / weil sie ihn nicht mehr für ihren vatter / sonderen vielmehr
fur ihren gefärlichen liebhaber und für den feind ihres reiches halten musste /
als ware sie der verbitterten Lantine mehr ein- als abrätig / sich Assyrien zu
widersetzen. Und wiewol sie ihr nichtes von dem geheimnis entdeckte / welches
sie von ihrem Abimelech erfahren / so sagte sie ihr dennoch so viel /wiedass
Ninive in gefahr stünde: welches / wan es den beistand aus Elam zu gewarten
haben würde / sich mit diesem reiche hinwiederum so verbinden sollte /das Lantine
aller hulfe aus Ninive gegen Assyrien sich zu versehen hätte. Dieses grosmütige
anerbieten /name Lantine mit freuden an: weil bisher ihr gröstes anligen dieses
gewesen / dass sie sich und ihr reich sonder beistand gesehen.
    Als nach langem lustwandelen / beide Koniginnen in eine låube sich zusammen
gesetzet / kame Hadoran zu ihnen hinein: welcher für der Königin von Ninive sich
nicht scheuete / seiner Lantine aufzuwarten / weil sie ihm eroffnet hatte / dass
die schone Delbois um ihre liebe wüste. Er hatte der Königin von Elam den raht
gegeben / auf ihre abreise zudringen: weil er aus des Sadrachs heimlicher
abwesenheit nichts gutes vermutete / auch dieses so hitzigen als mächtigen
Prinzens gemüt ihm mehr als wolbekant war / und er daher nicht unbillig besorgte
/ dass die Elamiten / wan sie nicht bald ihre Konigin zu sehen bekåmen / und wann
sie erfüren / dass die Assyrier die hand mit im spiel hatten / und die Lantine an
den Baleus verheuraten wollten / sich an diesen Prinzen hängen mochten. Ich
bringe euch / (sagte Lantine) zugleich gute und bose zeitung. Mamellus hat mir
deutlich zu verstehen gegeben / das ich ja nicht an meine abreise gedenken soll /
und dass die Assyrier alles daran setzen würden /mich an ihren Prinzen zu
verheuraten / um dadurch mein reich mit dem ihrigen zu vereinigen. Hingegen hat
die grosmutige Königin von Ninive / hierzugegen / mir beistand verheisen: und
will sie / ungeacht Belochus ihr vatter ist / mir dennoch wieder ihn beistehen
/mein reich frei zu erhalten / und das Assyrische joch von mir abzuwenden. Als
die Konigin von Ninive solches hierauf nochmals bekräftigte / wurde Hadoran
darüber so hoch erfreut / dass er nicht worte genug zu finden wusste / ihr dafür
zu danken. Er sagte: nun sie einer so mächtigen Königin beistand zu hoffen
håtten / wåre die gefahr nicht mehr so hoch zu fürchten. Doch wollte er rahten /
dass sich die Lantine / zur heimlichen abreise nach Elimais / entschliessen
sollte: weil sie in ihrem reich mit mehrerm nachdruck / als auser demselbigen /
reden wurde.
    Lantine / die sich / ohne ihrer fraumutter willen /noch nie hierzu
entschliessen wollen / sah die schöne Delbois an: welche zwar des Hadorans raht
fur gut hielte. In betrachtung aber / dass der guten Königin von Tyro / die durch
den tod Amraphels / und durch des Tiribaces heimliche hinwegreise / schon
hochlich betrübet worden / durch gleiches beginnen ihrer tochter noch mehr
herzenleid zukommen würde / wollte sie hierzu nicht einstimmen / sondern hielte
für das båste / dass Hadoran eiligst nach Elimais reisen / und alles /wieder den
Sadrach / in gute ordnung stellen sollte: versprechend / inzwischen seiner
Königin sich also anzunemen / dass die für der Assyrier gewalt sicher bleiben
sollte. Weil ich dann / (sagte Hadoran) meine Konigin alhier unter so grossem
schutz in sicherheit weiss / will ich mich nicht entziehen / diese reise zu
übernemen: worzu ich mich sonst / bei so gefärlicher bewandnis / unmüglich håtte
entschliessen können. Hierauf sah er seine Lantine gar sehnlich an / mit
stummer bitte sie üm erlaubnis ersuchend; welche /mit schiessung etlicher
seufzer / die sie / ihm ihre liebe zu bekräftigen / mit willen nicht verhalten
wollen / zu ihm sagte: Ich bin meine meiste lebenszeit genötigt gewesen / meinen
Hadoran abwesend zu wissen; werde also in dieses scheiden / zumal es so
hochnötig / mich wohl ergeben mussen. Weil der Baleus mit seiner liebe mich nicht
verfolget / als kann ich üm so viel sicherer hier bleiben: zumal ich unter der
Konigin von Ninive schutz leben würde / auf welchen ich mich ruhig verlasse.
    Delbois bekräftigte hierauf nochmals ihr versprechen / mit vielen
versicherungen / und machten beide Koniginnen / in Hadorans gegenwart / einen
bund zusammen / dass sie einander in allen fürfallenden nöten / beistehen wollten.
Weil indem die nacht eintrate / als giengen sie såmtlich wieder aus dem garten:
da folgenden morgens der Hadoran aus Damasco abreisete /ehe iemand etwas davon
gewar wurde / und seinen weg nach Elimais name. Die betrübte Lantine / so nun
alle ihre zuflucht zu der Königin von Ninive setzete / begabe sich / sobald sie
dieselbe angekleidet wusste / in ihren palast / und traffe sie unter ihren
Fursten an: mit denen sie eben die verordnung abredete / wie der Aramena sollte
hochzeit gegeben werden. Der Fürst Barzes / der Königin hofmeister / name uber
sich / alles / was notig sein würde / hierbei zu bestellen: massen die Konigin
sonderlich verlangte bei diesem fest ihren königlichen pracht hervor zu legen /
und damit zu zeigen / wie bei ihr Aramena in gnaden stunde.
    Weil üm dess willen auch der Mamellus / zu der Delbois zu kommen / war
beruffen worden / als stellete der / nicht lange nach der Elamitischen Konigin
/sich auch ein / und vername mit grosser freude von derselben / wiedass ihre
jungfrau Aramena / die man bisher / als eine unglücksbraut für das Assyrische
haus / angesehen hatte / an den ritter Dison vermälet /und damit alles
besorgliche unheil gedämpfet / auch der Assyrische Prinz zu gesündern gedanken
wurde gebracht werden. Er sezte hierzu / die Konigin Lantine anschauend: Aramena
tut wohl / dass sie bei ihres gleichen von stande verbleibet / und dadurch unsrem
Prinzen ein beispiel gibet / auch nur nach Königinnen seine augen zu wenden.
Meiner Aramena beständiges und grosmütiges herz / (antwortete die Königin von
Ninive /) liesse durch einen hellscheinenden tron sich nicht blenden / die
versprochene treue zu brechen: und gleichwie sie durch ihr beispiel erwiesen /
dass kein edles gemut sich zwingen lasse / also wird sie hierinn allemal noch
ihre nachfolgere finden / die nicht aus zwang / sondern aus eigener zuneigung /
lieben werden. Durch diese antwort / befunde sich die Lantine hinwiederum
aufgerichtet / und uberwande sich / dem Mamellus nichts verdriessliches zu sagen.
    Die Konigin von Ninive name hierauf ferner mit dem stattalter die abrede /
dass / innerhalb acht tagen die hochzeit des Disons mit der Aramena fortgehen
/und er hierzu ein tügliches haus verschaffen sollte /worinn alle königliche und
fürneme personen in Damasco könten bewirtet werden. Mamellus / nach langem
erwägen / fand keinen fuglichern ort / als die Kemuels-burg: weil selbige von
der stadt mit mauren abgesondert und wohl verwaret war / dergleichen feste /
sonderlich bei selbigen zeiten / da man tåglich einen neuen aufstand in der
stadt befahren musste / ohne furcht und besorgung / darin anzustellen. So ware
auch der Prinz von Assyrien / der dieses schloss zur wonung inhatte / ohnedas
gewillet / weil es ihme daroben zu einsam / selbiges zu verlassen / und in einen
dem stattalter zuständigen palast einzuziehen. Die Konigin von Ninive liesse ihr
diesen fürschlag wohl gefallen: worauf sie sich ingesamt / nachdem alles / was zu
dieser hochzeit notig / abgeredet worden / nach der Konigin von Tyro begaben.
    Das gerüchte von dieser vermälung des Disons mit der Aramena / erscholle
bald überall in Damasco /und floge endlich auch in des Stattalters palast /
darin sich Briane und Zimene noch aufhielten: die dann den ritter Dison nicht
konten nennen hören / dass sie nicht gleich an ihre verlorne Aramena gedacht
hätten. Sie wurden daher um soviel begieriger / die Prinzessin Ahalibama zu
sprechen / üm aus allem diesem dunkelen wesen heraus zukommen. Timna und
Casbiane / die eben die Prinzessin Milcaride besuchet hatten / boten sich an /
als sie dieser beider verlangen nach Naema zureisen erlernet / sie mit dahin
zunemen: massen sie eben gesinnet waren / die Ahalibama daselbst zu besuchen.
Demnach beschiede Timna /diese beide ordensschwesten der Diana / auf den
nachmittag / in ihrem palast zu kommen: und fuhre sie / mit der Casbiane / nach
hof / bei der Konigin von Ninive um erlaubnis anzuhalten / dass sie mit der
Furstin von Cale nach Naema reisen dorfte: alwo sie fur ihre person so lang
verbleiben wollten / bis Ahalibama und Aramena wieder gesund in Damasco kommen
würden.
    Die Königin willigte gleich in ihr bitten / und wie sie die Casbiane
sonderlich betrübt ersah / vermutete sie / dass die abwesenheit ihres gemals /
des Arses /den sie nach Ninive gesendet / solches verursachete. Demnach sprach
sie ihr zu / dass sie diese entfernung nicht allzusehr zu herzen nemen / sondern
hoffen sollte / dass er in wenig wochen wieder bei ihr sein wurde. Casbiane wollte
nicht gestehen / dass die abwesenheit ihres herrn / oder sonst etwas / sie
anfochte: ob gleich ihr äuserliches wesen / als zeuge des innerlichen leidens /
ihrem mund widersprachen. Die Konigin behielte sie beide zum essen / und gabe
der Timna in befehl / so wohl die Ahalibama / als ihre Aramena zu grüssen / und
der lezten zusagen: es sei nun ihre groste sorge / ihr hochzeitfest wohl
anzuordnen; sie sollte hingegen dahin bedacht sein / ihrer gesundheit also wohl zu
pflegen / dass man zur bestimmten zeit sie bereit finde / dem Dison die eheliche
hand zu geben.
    Wie nun die Timna mit der Casbiane von hof abfuhre / sprache sie / ehe sie
nach ihrem palast wiederkehrete / bei der Mehetabeel ein / die sich in der
Ahalibama wonung aufhielte / und beredte sie / mit ihr nach Naema
hinauszukommen. Sie sagte ihr zwar hierbei von dem verlangen / welches die
Ahalibama nach ihr hätte: die eigentliche ursach aber / worum sie diese Fürstin
gern mit sich haben wollte / war diese /dass sie / als eine Syrische Fürstin / mit
raht geben möchte / wie diese angestellte heurat ihres vettern des Disons /
unter der Aramena namen / mit der Syrischen Aramena / als dem vermeinten Dison /
könnte volzogen werden. Dan / je nåher die zeit heran kame / da dieser
sonderbarer betrug vorgehen sollte / ie mehr angst und furcht entfunde die Timna:
wohl erwägend /dass ein so grosses fürhaben / nicht sonder grosse fürsichtigkeit /
ins werk zu stellen wäre.
    Als sie nun / neben der Mehetabeel / Casbiane /Briane und Zimene / sich zu
wagen begeben / handelte / den ganzen weg / ihr gespräche von dieser hochzeit:
da Casbiane / Briane und Zimene so grosse verwunderung über dem Dison / als
Mehetabeel über Aramena blicken / liessen. Ihrer keine aber meldete die ursach
ihrer verwunderung / weil iede der andern nicht sagen dorfte / was sie wusste.
Wie sie nun Naema erreichet / sagte man ihnen / wiedass die Prinzessin von Seir /
mit dem Fursten Zophar / der Calaride und dem Jotan / im garten wåre: weswegen
sie alsofort dahin eileten. Sie fanden diese gesellschaft bei einem teiche / da
sie sich mit dem fischen ergetzeten. Briane und Zimene erkannten gleich unter
ihnen / den schonen Dison / und den Tirzis; woruber sie so voll freude wurden /
dass / wan sie nicht / wegen der andern / sich zwingen mussen / sie sobald ihre
wiedergefundne Aramena / neben der Tirza / würden umarmet haben. Tirzis / eben
dieses befahrend / eilete ihnen entgegen / inzwischen die andern einander
entfingen / und sagte heimlich zu ihnen: meldet uns nicht / wer wir sind! dann
niemand kennet uns hier / als Ahalibama und Timna.
    Als hierauf Ahalibama / neben dem Zophar und der Calaride / die anderen zu
der Aramena in die kammer furete / bliebe Dison mit dem Tirzis im garten / üm
mit ihren erkannten ordensschwestern sich zubesprechen. Wie sie nun sich allein
sah / huben sie an / ihre freude uber diesem wieder-sehen / durch tausend
umarmungen einander zubezeugen. Ach Briane! ach Zimene (sagte die verkleidete
Aramena /) so sehe ich euch dann zum andernmal wieder? Nun werden es ja die
götter schicken / dass wir endlich unser furhaben erreichen mogen / stäts und
ewig beisammen zu bleiben. Wie aber / Aramena! (sagte hierauf Briane /) ist es
dann wahr / dass du deine namens-trägerin ehlichen wilst? wie soll ich diese
wunderdinge verstehen? Ich kann leicht ermessen / (gabe der schöne Dison zur
antwort /) dass euch diese meine heurat / als ihr davon gehöret / werde frömd
fürgekommen sein. Ihr solt aber wissen / dass diese Aramena / gleich uns andern /
eine verlobte der Diana ist / und durch dieses mittel / von des Prinzen Baleus
liebe / und von hof / abzukommen suchet. Weiss sie aber / (fragte Zimene /) dass
du Aramena bist? Nein! antwortete der schone Dison /) solches weiss sie zwar noch
nicht / sondern sie hält mich annoch für einem mann: sie soll aber erfahren / wie
ich bin / sobald unsere vermeinte trauung wird geschehen sein. Wie trauet sie
dir aber / (fragte Briane ferner) wan sie dich für einen mann achtet? In warheit
/ ich wollte es nicht wagen / mich solcher gestalt an einen zu verbinden / der
nicht meines geschlechtes ist / und meine hoffnung äffen möchte. Ahalibama hat
ihr fürgesagt / (sagte die verkleidte Aramena /) dass ich ein verlobter der
göttin Isis sei / der nicht dorfe heiraten /und der allein aus barmherzigkeit
gegen ihr / und aus heiligem guten antrieb / dieses frömde mittel der trauung /
zu ihrer befreiung / ergriffen habe. Warum aber (fuhre Briane fort zufragen /)
soll diese jungfrau nicht vorher erfahren / dass du ihre ordensschwester seist?
Würde sie nicht / mit mehrer ruhe / diese betriegliche trauung geschehen lassen
/ und ein freies gewissen behalten / als sodann / wann sie die heilige gebråuche
im tempel der Juno verrichten / und schworen wird /dass sie den mann / den ihr
der priester antrauet / ewig behalten / und ihme ihre treu nimermehr versagen
wolle? Wie kann sie solches / ohne beunruhigung angeloben / da sie dich für einen
mann ansihet?
    Weil ich kein mann bin (sagte der schöne Dison /) so machet sie sich durch
ihren schwur zu nichtes verbindlich: und die gottin wird das nicht straffen /
was in so guter Meinung geschihet. Dass sie aber / bevor wir getrauet sind /
nicht erfahren darf / wer ich bin /ist die ursach / weil sie am Ninivitischen
hof sehr wohl daran ist / und etwan der Königin entdecken mochte /dass ich die
Syrische Aramena bin: durch welche eroffnung / ich in grosse ungelegenheit
geraten würde. Ach ja! ich erinnere mich ja hierbei / (antwortete Briane /) dass
wir mit der Syrischen Konigin reden / und nicht mit unsrer alten Chaldeischen
Aramena. Ach Briane! (fiele ihr die verkleidte Aramena ins wort /) gedenket ja
nicht / dass diese entdeckung meiner ankunft meinen sinn geåndert. Ich achte
diesen tron nicht / und begehre die Syrische kron nicht anzunemen / fur den
herrlichen kranz / den mir mein heiliger orden zu tragen gonnet. Håtte die
nunmehr-erkannte Milcaride meine gedanken / sie würde nicht den schatten für das
wesen ergreiffen / noch ihre ruhe verlassen haben. Bin ich aber nicht glukseelig
/ dass ich unserer gottin / an statt der verlornen / eine andere und diese Aramena
/so iezt meine braut heist / zufuren werde?
    Ich verlange / diese Aramena zu kennen / (sagte Briane) noch mehr aber /
liebste schwester! (weil ich die Konigin von Syrien noch also nennen darf /)
deine abenteur zu vernemen / die dir begegnet / seit dass du beim einzug in
Damasco verloren worden: dann ich nicht aussinnen kann / wo du diese zeit uber
dich mussest aufgehalten haben. Ich täte ein so grosses gelübde / (antwortete
der schöne Dison /) niemanden zu sagen / wie es mir der zeit ergangen / dass ich
schwerlich deinem ansuchen würde wilfaren können /wann ich nicht / auf
inständiges anhalten der Ahalibama / die eben dieses von mir zu wissen verlanget
/endlich dieses mittel ersonnen hätte / ohne nennung der personen / bei denen
ich gewesen / meine begebenheit zu erzählen. Weil ich nun diese Prinzessin auf
morgen zu vergnügen vertröstet / als könnet ihr sodann zuhorerinnen mit abgeben:
und weiss ich / ihr werdet euch verwundern / wann ihr meine wunderliche zufälle /
die ich ausgestanden / vernemen werdet. Mit dieser hoffnung ihr verlangen
trostend / erzehlten hierauf Briane und Zimene dem schönen Dison und dem Tirzis
/ wie es ihnen auf ihrer reise ergangen: da sie dann / des Betuels erwähnend /
der mitleidigen Aramena etliche seufzer auslocketen / welche sie aber alsofort /
als ihrem orden unanståndig / verhielte und zuruck triebe. Es kunten sich aber
dieselbe beide jungfrauen der Diana nicht gnug verwundern / dass Aramena für der
Calaride unerkant bliebe / von welcher sie doch aus Syrien ins land Canaan ware
begleitet worden: und schrieben sie diese verblendung ihrer Göttin zu / welche
es also der Aramena zum båsten schickete / damit die ihren zweck üm soviel
leichter erreichen möcht.
    Nachdem sie lang also miteinander geredet hatten /begunten sie der andern
gesellschaft zu folgen: zu mal Briane und Zimene / so wohl die Prinzessin
Ahalibama anzusprechen / als ihre neue ordensschwester Aramena / welche sie am
Ninivitischen hof nicht sonders beobachtet / zu sehen verlangten. Als sie nun
der garten tür zu giengen / ersah die verkleidete Aramena hinter den
schattichten bäumen / welche wegen der abendzeit noch mehr dunkelheit / als
sonst / von sich gaben / einen alten mann / den sie für den alten Tebah halten
musste. Ihr schrecken hierüber war so gros /dass sie stutzete / und gerad wieder
umkehrete / den andern mit zitterenden gebärden andeutend / ihr zu folgen: da
sie dann / auf einem andern weg / dem hause zueileten / und im hingehen von ihr
erfuhren / wiedass sie den Tebah gesehen hätte. Warüm fürchtest du dich mehr fur
diesem Tebah / (fragte Zimene /) als fur der Calaride? hat er dann
scharfsichtigere augen /als diese? Er hålt sich nicht umsonst hier so heimlich
auf / (antwortete der schone Dison /) und betrachtete er mich so genau / dass ich
fürchten muss / er habe mich erkennet.
    Hiermit traten sie in der Aramena kammer / alwo die ganze gesellschaft fur
ihrem bette sich befanden. Ahalibama eilete den beiden jungfrauen der Diana
gleich entgegen / sie zu begrüssen / und nachdem sie dieselbige in ein fenster
von den anderen ab-gezogen /sagte sie zu ihnen: habt ihr meinen Dison gesprochen
/ und was dunket euch von seiner heurat. Wir wissen alles / (antwortete Briane)
was fur scharfsinnigkeit die Prinzessin von Seir erwiesen / durch so ein fromdes
mittel uns die jungfrau Aramena wieder in den tempel zu verschaffen: und werden
wir nun der andern Aramena / als der Milcaride / unbeständigkeit leicht
verschmerzen können / da wir nicht allein die Konigin von Syrien so beståndig
finden / sondern auch die unvergleichliche Ahalibama / und die dapfere dritte
Aramena / neben ihr / in unsern tempel bekommen sollen. Also redete Briane /
deren der Ahalibama glaubens-ånderung / noch unbekant war: welche solches mit
stillschweigen beantwortete.
    Indem nun diese dreie in ein gespräche sich einliessen / auch die Casbiane
mit der verstellten Aramena in einer ecke des gemachs / und Timna mit dem Zophar
und der Calaride redete / überkame die Mehetabeel gelegenheit / mit dem
verstellten Dison gleichfalls allein zusprechen. Wie / mein vetter! (sagte sie
heimlich zu ihm) was für eine heurat gedenket ihr zu tun? ich bin / für
verwunderung schier gestorben /als ich gehöret / dass eure hochzeit mit dem
ritter Dison angesetzet worden. Ach wehrte Mehetabeel! (antwortete er /) dieses
mittel hat mussen ergriffen werden / üm mich aus meinem gefårlichen stand zu
erledigen: dann hiedurch komme ich mit ehre von hof /niemand erfåret meinen
betrug / und ich will nachgehends mit diesem Dison mich so weit entfernen / dass
man nichtes mehr von mir vernemen soll. Weiss aber Dison / (fuhre jene fort / zu
fragen /) wer ihr seit? Nein! (antwortete er /) er hält mich fur eine geheiligte
jungfrau der Diana / und weil er sich zu einen Isis-priester verlobet / als
meint  er / ein heiligs werk dadurch zu stiften / wan er also mich / als seine
ordenschwester erlöset. Meine schwester hilfet am meisten zu diesem betrug / und
habe ich ihr die ausfürung desselbigen vollig übergeben. Wiewol / wann diss alles
nach wunsch abgehet / ich dannoch der elendste von der welt verbleibe: weil ich
/ mit meiner Konigin /alles verliere / was mich vergnugen können. Indem wurde
der wundarzt angemeldet / der nach der Aramena wunden sehen wollte: weshalben die
gesellschaft / ihn nicht zu hintern / sich in ein anderes zimmer begabe.
    Ahalibama name alda die gelegenheit in acht / der Mehetabeel eiligst zu
entdecken / wie dass ihr ritter Dison / die Syrische Aramena wåre. Sie bate aber
/dass sie ja dessen sich nicht merken lassen / noch auch dieser Aramena
offenbaren wollte / dass es ihr bruder Dison sei / der die andere Aramena
furstellete. Diese Furstin bliebe hierüber so besturzt / dass sie kein wort
herfürbringen kunte. / Sie sah den schönen Dison mit unverwandten augen an /
und konnte schwerlich unter solcher tracht / wiewol sie es nun wusste / die rechte
Aramena erkennen. Als inzwischen der wundarzt wieder aus der andern Aramena
kammer gienge / befragte ihn die Timna / wie er der Aramena wunden befunden
håtte? und bekame zur antwort / dass innerhalb dreien tagen sie das bette
verlassen / und nach Damasco wiederkehren konnte. Sie wurden hierüber alle /
sonderlich aber Ahalibama / sehr erfreuet: dann diese Furstin sich wieder in
Damasco wunschete / weil sie zu Naema /als in einem offenen ort / immer in
sorgen lebte / sie möchte wieder in des Beors hände gerahten; unangesehen der
Arteman / mit etlich tausend Niniviten / zu ihrer beschirmung / dort ümher lage.
Nicht lang hernach wurden die drei Syrische Fürstinnen / neben der von Cale /
wie auch der Fürst Jotan von Chesed / die beide jungfrauen der Diana / und der
ritter Dison /von dem Zophar und der Calaride zum nachtessen gefüret. Wie dieses
verrichtet / und ein iedes sich nach seiner verordenten schlaffkammer verfugete
/ blieben Ahalibama / Timna und Mehetabeel beisammen: zu denen sich nachmals
auch der schöne Dison gesellet /der sein zimmer nahe dabei hatte.
    Die alte kundschaft / so ehmals / von der Mehetabeel und dieser Aramena /
auf den gebirg Seir gepflogen worde verursachete / dass Ahalibama sich nicht
gescheuet / diese Prinzessin ihr kund zu machen: die als dann nicht unterlassen
konnte / diese ihre erkannte freundin zu umarmen. Der schone Dison / so nicht
vermeint / dass die Mehetabeel ihn kennen sollte / verwunderte sich / voll
bestürzung / sehr über dieser ihrer bezeigung: die aber / als sie
unterschiedliche mal den namen Aramena genennet / damit an den tag gabe / dass
sie wohl wüsten / in wessen arme sie gerahten. Wie / Mehetabeel! (fragte die
verkleidte Aramena) weist du dann auch / wer ich bin? Wåre es mir nicht gesagt /
(antwortete Mehetabeel /) würde es mir schwer fallen / unter dieser kleidung die
Aramena zu finden. Hiermit trate Ahalibama herzu / und bekannte /dass sie der
Mehetabeel ihre base verraten håtte. Worauf an beeden seiten / die
freud-bezeugungen / dass sie also einander wider sehen mochten / erst recht
angiengen. Nachgehends fragte die verkleidte Aramena: ob Mehetabeel sich nicht
verwunderte / dass Dison und Aramena bald ehelich zusammen würden kommen?
Mehetabeel wusste nicht / was sie auf diese frage antworten sollte / weil sie sich
der Aramena warnung erinnerte / die sie kurz vorher ihr getan hatte: demnach
schwiege sie still / üm / sich nicht zu verreden.
    Ahalibama und Timna aber / denen hierbei bang wurde / aus besorgung / die
Mehetabeel mochte / weil sie nicht völlig in diesem geheimnis unterrichtet war
/etwas fürbringen / dass zu ihrem handel undienlich wåre / gaben sich mit in
dieses gespräch / und erklärten der Mehetabeel / welcher gestalt diese
verkleidete Syrische Aramena gesinnet sei / die Ninivitische jungfrau Aramena /
durch diese vorgewante heurat / mit guter art von hof / und mit sich in der
Diana tempel zu bringen: weil nicht allein der Prinz Baleus mit seiner liebe
diese verlobte jungfrau der Diana verfolget /sondern auch die Konigin von Ninive
auser diesem mittel nie würde gestattet haben / dass diese ihre jungfrau in der
Diana tempel sich begeben möchte. Die Mehetabeel merkete wohl / wie es hiemit
gemeinet war: stellete sich demnach / als ob sie üm nichts wüste / was den Dison
anginge / und verlangete heimlich ihre beide basen bald wieder allein zu
sprechen. Es klagte ihnen aber der schöne Dison / wie dass der Tebah zu Naema
wäre / den man im garten gesehen håtte: welches die Ahalibama / als zu ihrem
vorhaben nuzlich / gern hörete / wiewol sie sich dessen nicht merken liesse.
    Nachdem hierauf diese verkleidte Prinzessin von ihnen gegangen / mit der
vertröstung / dass sie ihnen folgenden tags erzählen wollte / was ihr / seit dass
sie verloren gewesen / in Damasco begegnet: liesse die Mehetabeel ihre
verwunderung gegen der andern beiden vollig aus / die sie ob dieser sonderbaren
begebenheit geschopfet hatte; welche ihr dann / was für ein grosses werk sie
ubernommen / auf den andern morgen zu eröffnen / versprache. Damit begaben sie
sich zur ruhe: deren sie so lang genossen / bis die morgenrote herfur brache /
und ihre stralen durch die fenster in der Fürstinnen kammer fallen liesse. Weil
sie dann / erwachend / sich gleich erinnerten / wovon sie sich zu bereden ihnen
fürgenommen hatten / eileten sie auf zu stehen / und sich an zukleiden. So bald
solches verrichtet war / verschlossen sie sich zusammen in ein cabinet / und
finge Ahalibama also an / die andere beide anzureden.
    Es ist / liebste basen! leider aller welt bekant / in was betrübten und fast
verzweifelten zustand unser Seirisches haus stehet / dass / allem ansehen nach /
der gänzliche untergang unsres geschlechts für der tur sei / und der billig
erzürnte Fürst von Edom / wegen der unserigen unerhort verübter grausamkeit /
den garaus mit uns machen werde. Bei so elender beschaffenheit /zeigt uns der
himmel ein unvermutetes frömdes Glück / indem es sich gefuget / dass auf
sonderbare weise / mein bruder / mit der erbin von Syrien wird getrauet werden
ohne dass sie beiderseits voneinander wissen. Und diese unwissenheit ist hierbei
höchst notig / weil Aramenen gelubde / nach Ninive in der Diana tempel zu gehen
/ und meines bruders liebe zu der Konigin von Ninive / ihnen so fäst eingepråget
ist / dass sie unmüglich davon abstehen würden / wañ es nicht durch dieses frömde
mittel geschihet. So ein grosses Glück / kann unser gefallenes haus einig und
allein wieder aufrichten: und wann einer von unseren Fürsten Syrischer Konig
wird / ist er måchtig genug /hier in Syrien / seinen vettern ihren auf dem
gebirge Seir erlittenen verlust zu ersetzen. Weil nun durch sonderbare schickung
des himmels / da ich vorhin niemals hieran gedacht habe / dieses sich also
angesponnen / als habe ich / meinem vatterland zum bästen / mit allen kräften
hiernach zu streben / mich unterwunden / damit dieses grosse werk wohl und recht
moge hinaus gefuret werden. Um des willen habe ich dir / liebste Timna! dieser
tagen geschrieben / mit der Mehetabeel zu mir zukommen: damit ich / was ich
bisher in dieser sache ausgerichtet / euch erzählen /und dabei auf künftig eures
guten rahts mich erholen könne. Es ist mir aber lieb / dass ich euer beider gutes
vernemen spure / und dass eure ehmalige mishelligkeiten in Seir euch nicht
hintern / für das gemeine bäste unsers vatterlandes euch vertreulich und einig
zu bezeigen.
    Wisset demnach / liebste basen! dass ich unser grosses fürhaben dem Zophar
und der Calaride entdecket: durch diese ursachen hierzu bewogen / weil wir des
beistands der Syrischen Fürsten benötigt sind / üm uns bei hiesigem tron zu
schuzen / und weil ich den Zophar sonderlich erhitzet wider Assyrien befunden
/der neben seiner gemalin öfters gewünschet / dass ihre rechte Erbkonigin / die
Aramena / wieder mochte gefunden werden. Als ich sie so geneigt sah / brache
ich mit meinem geheimnis gegen ihnen heraus / und sagte ihnen / wiedass die
Konigin von Syrien / unter Disons namen / bei ihnen im haus wåre. Sie vernamen
solches / mit bestürzung und freude: und bestätigte Calaride / mit der
gesicht-gleichheit / zwischen dem Dison und der Aramena. Als ich nun fortfuhre /
ihnen zu eröffnen / wiedass die Ninivitische jungfrau Aramena mein bruder wäre /
und dass ich vorhåtte / denselbigen mit dieser Königin durch eine list zu
vermålen / damit sie / auf solche frömde weise / von ihrem gelübde abkäme:
gerieten sie beiderseits in solche verwunderung / das anfänglich ihr
stillschweigen mir bange / und für meine bruder mich keine gute neigung bei
ihnen hoffen / machete. Es erwiese sich aber endlich anderst / indem der Zophar
/ als er alles wohl bei sich erwogen / fur Syrien nützlicher befunde / dass mein
bruder / als dass der Prinz Hemor / ihr Konig wurde. Demnach verhiesse er mir /
alles dabei aufzusetzen / dass sie auf diese weise ihren eigenen Konig bekommen /
und aus der Babylonischen dienstbarkeit ledig werden mochten. Zu diesem ende /
hat er nun an seinen schwager / den Fürsten von Pildas / den vatter der Casbiane
/ und an seinem bruder / den Rames von Jedlaph / geschrieben / die es in
ober-Syrien seiter mit den Canaanitern gehalten / und sie treulich ermanet /
deren seite zu verlassen / und mit ihren völkern sich Damasco zu nähern / damit
/ auf den notfall / wir deren mächtig sein können. Und weil nun der alte Tebah
angekommen / als wird der verhoffentlich /auf dieses des Zophars ansuchen / von
den Syrischen Fursten antwort bringen. Also stehet ietzund diese sache / und
haben wir hoch vonnöten / alles wohl in ordnung zu stellen / weil in sechs tagen
die hochzeit schon fortgehen soll. Ich zweifele nachgehends nicht /an dem
beistand unserer grosmutigen Königin von Ninive: die uns den betrug ja so leicht
/ als die Königin von Syrien und mein bruder / vergeben wird.
    Ich finde / dieses schwere werk / (antwortete Timna /) von dir so wohl
ausgedacht / und so weislich gefüret / dass ich nichtes daran verbässern kann.
Doch habe ich hierbei nur dieses zu sagen / dass ich mich sehr fürchte für dem
zorn der Königin von Ninive / wan es nun wird auskommen / dass dein bruder / fast
zwei jahre lang / bei ihr im frauenzimer gewesen. Ich kenne ihre grosmut / und
sehe schon zuvor / wie nahe es ihr gehen wird / das hierdurch die welt wird
konnen anlas nemen / üble urteile von ihr zu fällen. Es weiss zwar iederman / dass
die Königin keine nacht ohne ihre hofmeisterin / die Perseis / zubringet / und
auser derselbigen niemand in ihre schlaffkammer kommet. Nichts desto weniger
aber wird ihre strenge tugend ihr selbst verübeln / dass sie solang einen mann
unter weibskleidern bei sich beherberget. Was wird auch Aramena beginnen (sagte
die Mehetabeel /) die ihrem gelübde sehr fåst anhanget. Sie liesse zu Dedan / dem
Fürsten Dison / durch mich sagen: wiedass sie nimmermehr /als im tod / ihren
orden zu verlassen gesonnen wäre. Wird sie dann wohl / wann sie diesen betrug
erfåret /dass ihr / an statt eines weibes / ein mann in die arme gelegt worden /
sich begutigen lassen? Dieses ist mein geringster kummer: antwortete die Timna.
Dan ihr gelübde ist unrecht / und muss der / so ihrer seele wolfart suchet /
dahin streben / sie zu bereden / dass sie den falschen gottesdienst verlasse. Ich
will dieses iezt nicht bestreiten / (widerredte die Mehetabeel /) sondern bloss
auf das gemeine bäste unseres hauses sehen / deme des Edoms tyrannei den garaus
drohet: und verpflichte ich mich hiemit / alles mit beizutragen / was zu
erhohung des Fürsten Disons gereichen mag.
    Hiemit kame der schöne Dison / begleitet von der Briane / Zimene und Tirzis
zu ihnen in das cabinet /und ihnen sämtlich einen guten morgen wünschend /sagte
er låchlend: was gilts / euer gespråche handlet von mir / und sehe ich der
Mehetabeel an / dass sie sich über meine künheit verwundert / dass ich offentlich
in Damasco / da ich vordessen so oft gesehen worden / an die Aramena in der Juno
tempel mich will trauen lassen. Hättet ihr weltliche damen auch wohl so einen
muht / als hierinn Aramena und ich / aus liebe zu unserer gottin Diana /
erweisen? Sie waget es ja /an ein mannsbild / wofür sie mich hålt / sich trauen
zu lassen: üm dadurch allen verfolgungen der liebe abzukommen / und zu ihrem
heiligen zweck zu gelangen. Ich hingegen / unterfange mich / ihr zu dienst /
allen Syrern mein gesicht zu zeigen: welches / wann mich nicht ein heiliger
eifer triebe / mir zu tun unmüglich sein wurde. Der schöne Dison hat recht /
(antwortete die Mehetabeel) und unsere unterredung handelte eben von dieser
seltenen und unerhorten heurat. Es ist aber die gefahr hierbei nicht so gar
gross: dann wer könnte vermuten / dass die Syrische Aramena unter Disons kleidern
verborgen sein / und eine heurat mit den jungfrauen Aramena schliessen sollte?
solches zu glauben / ist ja so unmuglich / als es / ihm einzubilden / lächerrlich
sein würde. Eher dörfte man / (sagte Timna /) den Dison für des grossen Aramenes
sohn ansehen / wegen der gleichheit des angesichts: nimmermehr aber wird man ihn
für dieses Königs tochter erkennen.
    Dieses verlornen Prinzens namen / (erwehnete die verkleidte Aramena /) habe
ich etliche wochen / wider meinen willen / füren müssen / und seinetwegen marter
gnug ausgestanden. Du erinnerst dich dessen (versezte Ahalibama) zu rechter
zeit. Niemand ist hier /der nicht mit mir verlangen trage / zu wissen / wie es
dir ergangen. Du hast auf heute mich immer vertröstet: darum lege nur gleich
dein versprechen ab! wir können diese morgenstunde nicht båsser / als zu
anhörung dieser geschicht / verwenden. Ich bringe auch / eben zu dem ende /
(antwortete der schöne Dison) die Briane und Zimene mit mir / als denen ich
gleichfalls meine abenteur zu erzählen verheisen. Bevor ich aber solches tue /
muss iede von meinen zuhorerinnen mir angeloben / wegen der person / von der ich
erzählen werde / weder anfrage zu tun / noch auf sie zu rahten. Dann ich wurde
gar zu treulos handelen /wann ich die jenige auf einige art offenbarete / deren
ich mit teuren eidschwuren angelobet / sie nicht zu melden. Wie nun alle und
iede sich hierzu verpflichtet hatten / setzeten sie sich in einen kreis
zusammen: worauf der schöne Dison also zu erzählen anfienge.
    Ich habe etwas so schweres übernommen / meine zwo widrige verheisungen
miteinander zu erfullen / da ich das / so mir begegnet / zugleich verschweigen
und offenbaren will: dass es mich viel mühe wird kosten /alles deutlich zu
erzählen / und dabei die personen zuverhelen / die es angehet. Wie die Königin
von Ninive ihren einzug in Damasco hielte / und ich unter der Ahalibama
zugeordneten bedienten / als ihr ritter / mit den andern vor der Konigin wagen
ritte / fügete es sich also / dass / wie ich eben unter die ehrenpforte kame /
die man / diesen pråchtigen einzug zu zieren /aufgerichtet / mir eine kron von
oben in die arme fiele: worüber ich so wohl / als die / so bei mir ritten /in
verwunderung geriete. Aber das grosse getümmel und geschrei / so hierauf
plotzlich entstunde / liesse mir nicht zu / diese begebenheit mit der krone zu
erwägen / sondern ich musste acht haben / wohin ich mich / neben den anderen /
retten wollte für den grimmigen leuen: die so unvermutlich unter das volk kamen /
auch menschen und pferde in solchen schrecken brachten / dass sich / wie bekant /
dieser ordentliche einzug mit der höchsten unordnung und verwirrung endete.
    Mein scheu-gemachtes pferd / rante mit mir eine gasse auf / die andere
nieder / bis es sich endlich in den zügel / der mir entfallen wer / verwickelte
/ und also zu boden fiele. Ich kame noch so glücklich herunter / dass ich nur
eine geringe wunde an dem bein davon brachte. Wie nun dieser fall nahe vor eines
vornemen Syrischen herrn palast geschehen / als kamen etliche dienerinne / weil
sonst niemand zu hause war /aus mitleiden zugelaufen / und brachten mich in eine
kammer: da sie mir alle handreichung täten / und selber meine wunde / so gut
sie konten / verbanden /weil kein wundarzt in der noch anhaltenden verwirrung zu
bekommen war. Die angst und der schrecken hatten mich so gemeistert / dass ich
ganz krank davon wurde / und mich ein fieber anstiesse: deswegen mir auch von
diesen barmherzige dienerinnen zu bette verholfen / und meiner nach möglichkeit
gepfleget wurde. Weil ich nicht wusste / wo ich war / und überdas die sorge hatte
/ meinen eltern / für die ich damals den stattalter und die stattalterin von
Syrien noch halten musste verrahten zu werden: als bate ich die ümstehende / mein
dasein geheim zuhalten / und zu verhuten / das auser ihnen mich sonst niemand
mochte zu sehen bekommen. Ich gabe damit ursache /das ihrer aller furwitz / mich
zu kennen / zugenommen.
    Wie nun also die erste nacht verwiechen / und ich /gegen den morgen
erwachend / allein zu sein vermeinte / sah ich eine dame / die ich wohl kennte
unfern von meinem bette bei meinem tische sitzen / welche ihr haupt auf den arm
gelehnet / und in ihrem schoss die kron lige hatte / die mir bei gestrigem einzug
in die arme gefallen war / und die ich halb-unwissend mit in dieses haus
gebracht hatte. Ach frömdes verhångnus! (hörete ich sie zu ihr selber sagen /)
das mich dem jenigen in die hände liefert / der leider mehr als zu sehr in
meinen herzen wonet! Hiemit seufzete sie etliche mal / und die kron betrachtend
/ sagte sie ferner: Gerechter himmel! zeigest du nicht hierdurch /dass dieser
schöner Dison unser Konig Aramenes sei? deme du die Syrische kron so wunderbarer
weise in den schloss fallen lassen / üm dadurch zu weisen / dass er unser herr
werden solle? Als sie diss gesaget / sah sie sich nach mir üm: da ich dann gleich
die augen zutåte / mich anstellend / als ob ich schliefe / damit ich mehr
vernemen mochte. O teurer schatz! (sagte sie / als sie sich meinem bette
genåhert /) dich besitze ich nun / sonder dass ich weiss / wie ich mich bei diesem
Glück verhalten müsse. Wie soll ich dir offenbaren /dass dein wunderglanz mich zu
deiner gefangenin gemacht / dass deine schonheit mich so bezaubert / dass ich
vergesse wer ich bin / und dass du mich vermogliche dinge hoffen heisest? Die
viele seufzer verwehreten ihr fortzureden / und als sie hierauf eine weile noch
bei mir in der kammer verharret / ginge sie ganz leise wieder hinaus / üm mich
nicht aus meinem schlaff zu bringen.
    Also wusste ich nun / in wessen behausung ich gerahten war: und sorgete ich
nicht so sehr / dass diese dame / so meinen eltern befreundet / mich / nach
erkennung meiner person / in ihre hånde liefern würde /als bang mir wurde über
ihrer verspürten liebe / welche nichts gutes nach sich ziehen kunte / weil sie
eine ehfrau war / und ihrer so sehr vergessen hatte. Ich gienge demnach lang mit
mir zu raht / was ich beginnen sollte / und hielte wohl für das båste / wann ich
bald zu dir / liebste Ahalibama! wieder gelangen künte. Ich sah aber kein
mittel / ohne erlaubnus meiner wirtin solches zu erlangen: zumal ich / wegen des
schadens am schenkel / und wegen zugestossenen fiebers / nicht abzukommen
vermochte. In solchen gedanken war ich noch begriffen / als eine dirne zu mir in
die kammer trate / die nach meinen zustand fragte /und ihre frau bei mir
anmeldete / die da kommen wollte / mich zu besuchen.
    Bald darauf stellete sich diese dame bei mir ein /und bezeugte so grosses
mitleiden / uber meinem zustand / als sonderbares vergnügen / dass sie mich
bewirten konnte. Ich fragte gleich nach dir / liebste Ahalibama! ob du auch
unbeschädigt den wilden leuen entkommen / wärest. Sie erzehlte mir hierauf nicht
allein / wie es euch allerseits ergangen / und wie man mich für todt hielte;
sondern sie liesse auch alsofort ihren eifersüchtigen wahn blicken / dass ich dich
lieben musste. Als ich ihr sagte / wie sehr ich verlangete / dir / als meiner
Prinzessin / kund zu tun / wie es mir ergienge / weil ich versichert wäre / dass
du meinetwegen betrübet sein würdest: antwortete sie nur kein wort hierauf /
sondern geriete mit guter art auf ein anderes gespräche / üm mich hievon ab zu
bringen. Solcher gestalt verliefe die erste besuchung. Weil sie von ihren dirnen
vernommen / wie ich sehr verlangte heimlich zu bleiben / stärkete solches ihre
einbildung / dass ich der Konig von Syrien sein musste? Demnach befahle sie gar
ernstlich / dass niemand / auser drei von ihren dirnen / und der wundarzt / zu
mir kommen sollte.
    Gegen abend besuchte sie mich zum andern mal /da sie dann von dem Syrischen
zustande weitläuftig zu reden anfienge / und mich nicht allein ihrer natürlichen
neigung / die sie / als eine befreundte / zu dem Syrischen haus truge /
versicherte / sondern auch hinzu sezte / wie sie / wan der junge Syrische König
sollte gefunden werden / sich demselben zu dienen /glücklich schätzen wollte. Ich
wandte ihr hingegen allerhand ursachen ein / warum sie nicht befugt wåre /den
feind des Assyrischen hauses gutes zu tun: die sie aber alle / als
geringschätzig / ablehnte / und ihre grosse zuneigung / die sie gegen dieser
Aramenes in sich befünde / herfürlegte. Nach langer unterredung /brachte ich
wieder auf die bahn / mein verlangen / dass meine Prinzessin wissen möchte / wo
ich wäre / Sie erotete darüber / und sagte: Es sind so erhebliche ursachen / die
dieses verwehren / dass mir der Dison nicht verüblen wird / wan zu seinem eigenen
bästen ich solches abschlage. Hiermit stunde sie auf / und wünschete mir eine
gute nacht / meine fernere antwort nicht erwartende.
    Ich brachte selbige nacht sonder schlaf und sehr unruhig zu / indem ich
nicht absehen kunte / was hieraus werden wollte. Weil mir hiebei die ungedult die
tränen auspressete / als funde mich in solchem wesen eine von den dirnen / die
unter den andern die klugste zu sein schiene / und bei ihrer frauen viel
vermochte. Diese taurete mein wehmütiges gebärden / also dass sie mich trostete /
und mir zu dienen versprache. Ich klagete ihr hierauf / wie dass mich dieses so
bängete /dass ich die Prinzessin Ahalibama müste in der sorge wissen / als wäre
ich umgekommen / und wie ich sie gerne eines andern verständigen mochte / wann
es mir nicht verwehret würde: dessen ursach ich nicht ersinnen könnte. Sie
verhiese mir / hievon mit ihrer frauen zu reden: wie sie dann auch gleich täte /
und zwar mit so guter wirkung / dass kurz darnach die dame selbst zu mir kame /
nach einem kurzen gespråche von andern dingen / hiervon zu reden anfienge / und
zu mir sagte: wie dass sie konnte geschehen lassen / dass ich /durch ein schreiben
/ meiner Prinzessin von meinem leben / nicht aber von dem ort meiner
aufentaltung /bericht tun möchte. Ich begehrte zu wissen / worzu dann diese
heimliche aufbehaltung dienen sollte? da ich sie doch versichern könnte / dass die
Prinzessin / von Seir sich ihr tausendfåltig verpflichtet achten würde /wenn sie
ihr die barmherzigkeit / so sie an mir iezt erwiese / auch wissend machen wollte.
Sie antwortete /mit verwandelung der farbe: Sie glåube solches gar gern / trage
aber grosse sorgfalt für meine wolfart /welche erforderte / dass niemand den ort
/ wo ich mich aufhielte / wissen müste; und wåre es noch nicht zeit /mir dessen
ursachen zu sagen / welche / wann ich sie erfahren håtte / mir erheblich gnug
fürkommen wurden.
    Was sollte ich / nach dieser dunkelen erklärung /machen? ich war nun fro /
das ich etwas erlanget / dadurch ich dich / liebste Ahalibama! und meine
ordensschwestern / als gegenwårtige Briane und Zimene /vergnügen konnte. Demnach
forderte ich ein tåfelein /und schriebe in ihrer gegenwart den brief / den du am
abend selbigen tags entfiengest: worinn ich dir mein leben zu wissen täte /
aber meiner unpäslichkeit nicht erwänete. Die dame fragte mich / üm dessen
ursache / deren ich zur antwort gabe: wiedass ich meine Prinzessin von Seir damit
nicht betrüben wollte. Ist dann die freundschaft zwischen euch so gross / (fragte
sie ferner /) dass des ritters Dison unpäslichkeit / eine Prinzessin anfechten
könne? Dieses sagte sie mit einem hönischen låchlen / und vieleicht befahrend
/dass sie / in fernerer unterredung / ihres herzens gedanken gar zu kund machen
möchte / gienge sie von mir / mich in der ungewisheit lassend / ob du /
wehrteste Ahalibama / mein schreiben auch bekommen würdest. Wenig tage hernach
hatte ich das gluck /dich im spazirenfahren / neben den beiden Prinzessinnen von
Salem / und der Ammonide / aus meinem fenster zu ersehen.
    Weil ich alles von meiner wirtin erfuhre / was in Damasco fürginge / als
wusste ich schon von der ankunft der Indaride / Amesses / Cölidiane und Jaelinde
/ wie auch des Fursten von Edom: von dem sie mir erzehlete / dass er der
Ahalibama fleissig aufwartete. Ich wiederstritte solches / fürgebend / wie ich
zugewiss versichert wäre / das Ahalibama dem Edom keine gegenliebe erzeigen
würde. Worauf sie / mit eiferenden gebärden / mich fragte: ob mir dann lieber
wåre / wann Ahalibama in den orden der Diana nach Ninive ginge / als wann sie
den Esau liebete? Ich begehre keines! antwortete ich / wiewol mein herz mit
diesem wunsch nicht einstimmete: und sagte ich es nur zu dem ende /damit ich
desto verborgener bleiben möchte. Ich hatte aber hierdurch die eiversucht dieser
frauen gemehret /dass sie fäst gläubete / Ahalibama und ich mussten einander
lieben / und ich wåre der Aramenes von Syrien. Gleichwie sie nun das erste /
durch ihre gebärden und etliche stichelworte / unterweilen an den tag gabe /also
brache sie mit ihrer anderen einbildung heraus /als der aufstand in Damasco
entstanden / da der gemeine pöbel dich / liebste Ahalibama! und die Prinzessin
von Egypten haben wollte / auch alle Königinnen und Prinzessinnen sich auf die
Kemuels burg begeben mussten.
    Nun ist es zeit / (sagte sie zu mir / in derselbigen nacht /) dass ich euch
entdecke / was ich weiss / und was ihr bisher so vergeblich für mir verborgen
gehalten. Ihr seit Aramenes / der verlorne Prinz / und unser rechter Erbkönig:
verberget euch nur nicht ferner für mir / die ich hier in händen habe / was mir
eure geburt mit bestätigen kann. Hiemit zoge sie eine breite guldene armspange
herfür / die ich gleich erkannte / dass sie mir zugehörte: dann der alte Tebah
hatte sie mir gegeben / und mich ermanet / selbige stäts zu tragen. Ich hatte
sie von dem tage an vermisset / als ich in das haus dieser dame gekommen; die
mir wiese / welches ich niemals in acht genommen / dass man diese armspange
offnen konnte / da ich dann diese zeilen / mit Syrischen buchstaben darin
geschrieben fand:
    Trage diesen band / zu deines vatters Aramenes gedächtnis: bis dir der
    himmel dermaleins gönnet / dessen reich einzunemen.
    Sehet ihr nun wohl / grosser Prinz! (fuhre sie fort /) dass ich hinter eure
geheimnis gekommen bin / und zwar durch sonderbare schickung des himmels: massen
ich ein werkzeug sein kann / dass ihr euren våtterlichen tron wieder uberkommet.
Ich darf iezt nur / mit eurer bewilligung / meinen anverwandten ein wort sagen /
so werden die Syrische Fursten und der povel eure seite ergreifen / und das
Babylonische joch vom halse werfen. Sie wissen alle / dass ihr verlorner Prinz
wieder verhanden: niemand aber / auser mir / weiss /dass ihr der jenige seit / der
dem reiche Syrien seinen vorigen glanz soll wiederbringen. Verhelet euch demnach
nicht ferner für mir / und gestehet mir / wer ihr seit. Erkennet auch daraus /
grosser Prinz! meine liebe / und sehet wie ich für euer heil sorge trage.
Verseumet ihr diese zeit / da die Babylonier im schrecken /und hiesiger povel in
den waffen ist / dörfte dergleichen glückes-schein euch so bald nicht wieder
anlachen. Wann ihr euch aber iezt eurem volk offenbaret /so werdet ihr allen
gewünschten beistand von ihnen zu gewarten haben. Dieses ist die ursache gewesen
/dass ich euer hiersein / bisher so verborgen gehalten. Dan / weil fast jederman
/ bei dem einzug der Königin von Ninive / den schonen Dison fur den Aramenes
angesehen; als wurden die Assyrisch gesinnte euch verfolget und aufgerieben
haben / wann ich euch nicht dergestalt für ihrer wut bisher verborgen und
bewahret hätte.
    Mitlerweile sie also redete / besonne ich mich in der angst / wie ich diese
ihre einbildung zu meinen nutzen verwenden wollte: und fiele mir bei / dass ich
hierdurch verborgen bleiben / und endlich aus ihren händen würde entwischen
konnen / wann ich mich für den ausgäbe / für den sie mich hielte. Demnach
fassete ich / in der eile / diesen schluss / ihr also zu antworten: Ich bin ja /
gutige Fürstin! dieser Aramenes / den eure sorgfalt und die zu dem Syrischen
haus euch beiwonende treu / errahten hat. Ich finde ferner keine ursach / mich
für der jenigen zu verbergen / die mir so grosse wolgewogenheit erweiset. Diesen
aufstand des pövels haben meine freunde erreget / und muss ich hochnötig mich
dabei befinden / wofern es soll zu meinem nutzen hinaus schlagen. Erlaubet mir
demnach und helfet mir / liebste Fürstin! dass ich eiligst nach der Ahalibama
palast kommen möge: damit /dieser grosser anschlag / durch meine abwesenheit
nicht aufgehalten und ruckgångig gemacht werde.
    So erfreut nun diese dame sich erwiese / dass ich ihr meinen stand entdecket
/ so grosse bestürzung liesse sie blicken / als sie meine angehångte bitte
vernommen. Sie wusste nicht / was sie beginnen sollte: bis / zu ihrem Glück /
iemand von den ihrigen die betrubte zeitung brachte / wie dass die Königinnen /
und ihr ingesamt / wäret von dem pövel gefangen genommen worden. Unser beider
entsetzen hierüber war so gross /dass ich nicht mehr daran gedachte / auf diese
weise aus ihren händen zu kommen / und auch sie nicht mehr notig hatte / eine
entschuldigung hierwider auszusinnen.
    
    Folgenden morgens erfuhren mir / wie es eigentlich euch allerseits ergangen
war / und liesse nun meine wirtin und liebhaberin sich vernemen / wie sie den
Syrischen Fürsten meinen stand offenbaren wollte. Ich hielte sie aber zurücke /
einwendend / dass es noch zu fruh wäre / mich ihnen zu entdecken / und dass ich
aus allen ümständen wohl spürete / dieser aufstand des volkes wäre nicht durch
meine gute freunde erreget worden / wie ich zwar anfangs vermeint håtte / auf
deren hulfe ich dann länger warten musste. Weil mir dieses nicht angegangen / als
musste ich auf eine andere erfindung gedenken / von meiner wirtin los zu kommen.
Ich hatte mir nun mühe genug gemacht / und musste stäts mit ihr von meiner
künftigen regirung reden /weil nachgehends alle ihre gespräche hiervon
handelten: und mischete sie ihre liebes regung so bescheidentlich allemal mit
ein / dass ich nicht ursach hatte /dieselben zu beantworten / sondern / als wan
ich sie nicht verstunde / konnte vorbei streichen lassen. Die eiversucht gegen
dir / liebste schwester! begunte ihr auch allmälich zu vergehen / als dein
furnemen / nach Ninive in der Diana tempel zu entfliehen / ruchtbar wurde:
welches sie mir erzehlte / und dabei genaue acht auf mein gesicht gabe.
    Weil sie merkte / dass ich darob mich veränderte /name sie davon ursach /
mich zu fragen / ob ich dann nicht die Prinzessin von Seir liebete? Ich halte sie
für meine grosse freundin / (antwortete ich /) aber nicht solcher gestalt / dass
ich sollte einiger massen verlangen / ihr in ihrem gelübde hinterlich zu sein:
weil ich gar zu wohl weiss / wie sehr solches ihre ruhe wird befördern. Diese
antwort / vergnugte sie dermassen /dass sie sich kaum entalten konnte / solches
auch mit worten / als wie durch ihre gebärden / an den tag zu geben. Und weil
ich hierdurch ihren wahn von einer mitbulerin entledigt / als finge sie an / mit
mir ruhiger ümzugehen. Es schiene wohl / dass ihre zufriedenheit darin bestunde /
stäts üm mich zu sein / und mich zu sehen: wie sie dann / wan sie nur konnte /
keinen augenblick mich verliesse. Und solches wesen triebe sie so heimlich / dass
niemand im haus / auser ihre drei dirnen / hievon etwas erfuhre.
    Ich hatte ihr gesagt / dass ich auf einen andern anschlag hoffete / den meine
freunde / mich auf den tron zu erhöhen / fürhätten. Hierüber nun bezeugte sie /
mir zu gefallen / ihr verlangen / dass es wohl ausschlagen möchte; beklagte sich
aber darneben / dass sie alsdan meiner gegenwart würde müssen beraubet leben. Ich
versprache ihr aber / dass ich ihr solche nicht entziehen wollte: und / sie sicher
zu machen / gewonete ich nach und nach / ihre liebe zu dulten. Ich sagte ihr
aber darneben / wiedass ich der Konigin von Ninive jungfrau / die Aramena / auch
liebete / wodurch ich ihr eine neue eiversucht verursachete: die ich doch lieber
wollte auf sie / als auf meine Ahalibama / gewendet wissen / um dadurch alle
gefärliche feindschaft von dir / liebste schwester! abzuwenden. Ich kann und will
nicht alle abenteuren / die ich dieser liebe wegen ausgestanden / noch unsere
unterredungen erzählen: damit ich diejenige nicht verrahte /deren ich / solches
zu verschweigen / so hoch angelobet.
    Ich will aber zum ende schreiten / und berichten /welcher massen ich aus
diesem hause wieder entkommen / und zu meiner freiheit gelanget. Wenig tage vor
meiner hieherkunft / kame an einem morgen meine verliebte ganz erschrocken und
beängstigt zu mir /und kündigte mir an / wie sie nachricht hätte / dass ihr
eheherr / welcher die ganze zeit / seit dass ich bei ihr im hause mich
aufgehalten / verreiset gewesen / den folgenden tag wieder in Damasco sein
würde. Ich fragte / warum sie hierob sich so bestürzt anstellete? Sie verzoge
hierauf etwas mit der antwort / liesse aber endlich sich dieser worte vernemen:
Mein mann ist gar zu gut Assyrisch / also dass ich sorge / er mochte /wann er des
Königs von Syrien hiersein erfahren sollte / nicht solche neigung / wie ich / für
des Aramenes wolergehen / fülen. Meine wehrte Fürstin / (gabe ich ihr zur
antwort /) wird dann so wohl tun / und mich vor seiner ankunft von sich lassen /
damit ich nicht in diese gefahr möge gesetzet werden. Ich werde am sicherste bei
der Prinzessin von Seir leben / die um alle meine anschlåge mit weiss. Und wo die
Götter mein fürhaben segnen / werde ich nimmermehr vergessen /was mir liebes und
gutes von meiner Fürstin wiederfahren ist. Dieses sagend / umarmete ich sie /
und liesse ihr zu / dass sie ihre betrånete wangen an die meinen fügte: da dann
der schmerz und die liebe sie so sehr übermeisterten / dass sie fast aus sich
selber kame.
    Sie wusste / gegen dieses mein begehren / nichtes einzuwenden: nur allein
bate sie / dass ich noch selbigen tag bei ihr verziehen möchte. Ich bliebe von
ihr unbesuchet / bis gegen nacht: da ich bereits an meiner erlösung zu verzagen
anfienge / und deshalben ganz betrübt mich zu ruhe begabe. Ich war aber kaum
eingeschlummert / da kame diese Fürstin zu mir / und mich schlaffen findend /
legete sie ganz leise sich an meine seite. Sie konnte aber solches nicht so
behende verrichten / dass ich nicht davon erwachet wåre. Mein schrecken / iemand
bei mir im bette zu finden / war so gros / dass es mir die zunge / aber nicht die
füsse lämete / indem ich eiligst entspringen wollte. Ich wurde aber von ihr
gehalten / und also angeredet: Verzeihet mir / schoner Aramenes! und vernemet /
in welchen stand ihr mich gesetzet. Diese worte gaben mir zu erkennen / dass es
meine verliebte wirtin war: und sah ich nun allen meinen bisherigen fleis
vergeblich angewandt / fur ihr / als einer so nahe befreundtin meiner fraumutter
/ mein geschlecht ferner zuverhelen. Ich wollte also aus der noht eine tugend
machen / und /ihrer verschwiegenheit mich vertrauend / ihr zu offenbaren / wie
dass ich nicht Aramenes / sondern Aramena wäre.
    Wie ich aber eben anfahen wollte / sie aus ihrem irrtum zu bringen / trate
unversehens ihr ehemann zu uns in die kammer: der zwar / selbigen morgen nach
Damasco zu kommen / furhabens gewesen / daran aber war verhintert worden / und
nun seiner gemalin /durch diese uberraschung / eine sonderbare freude zu geben
vermeinte. Die dirnen / hatten uns nicht warnen können / weil der Furst auch
ihnen zu geschwind auf den hals gekommen. Meine verliebte bliebe mehr todt als
lebendig / als sie zu so ungelegner zeit ihren eheherrn erblickete. Weil mein
entsetzen nicht so gross war / als das ihrige / als begriffe ich mich bald / und
raunete ihr eiligst in das ohr / sie sollte sagen: ich wäre eine dirne / die sich
hätte in ihren schutz begeben. Dieser warhaften lügen bediente sie sich gar wohl
/ und ihrem herrn ihre zittrende arme entgegen streckend /verwiese sie ihm / dass
er sie / an statt zu erfreuen /also erschreckt hatte. Hiernächst entschuldigte
sie sich / wie sie seine ankunft nicht vermutet habe: sonst wollte sie ihr nicht
/ von ihme / zu dieser jungfrauen gebettet haben.
    Der Fürst / so von argwan frei war / und seine gemalin herzlich liebte /
stellte sich ja so beängstigt an /dass sie sich uber ihn so entsetzet / als
erfreuet er war /sie wieder zu sehen. Endlich fragte er sie / üm die iungfrau /
deren sie erwehnet: da dann die Fürstin / als sie sich nun wieder erholet / ihme
ganz beherzt erzehlete / wie dass ich / in seiner abwesenheit / zu ihr gekommen /
und / als flüchtig für meinen anverwandten / bei ihr schutz gesuchet hätte: den
sie mir auch nicht abschlagen wollen / weil ich dessen wohl wurdig wäre. Sie
sagte ferner / wie dass ich mich männlicher kleidung bediente / üm desto
verborgener zu leben; und hätte sie mit mir eine solche freundschaft gestiftet
/dass sie mich / in abwesenheit seiner / zu ihrem schlaffgesellen erwehlet.
Nachdem sie dieses gesaget /hube sie den fürhang auf / und zeigete mich dem
Fursten: den ich dann / mit wenig worten / auch um schutz anrieffe. Er verhiese
mir solches mit gar höflichen erbieten / und ersucheten zugleich seine gemalin /
dass sie mit ihm in ihre gewonliche schlaffkammer kommen wollte. Solcher gestalt
liefe diese gedoppelte gefahr noch so gut ab / dass sowol meine verliebte bei
ehren / als ich von ihr unerkant bliebe.
    Man liesse mich den folgenden ganzen tag allein /also dass ich weder den
Fursten noch die Furstin zu sehen bekame: und erfuhre ich von den dirnen / dass
diese beide eheleute überaus grosse liebe einander verspüren liessen. Am
folgenden tag / stellete sich meine Fürstin wieder bei mir ein: wiewol so
verändert / dass allein die äuserliche gestalt ihr noch änlich war. An statt
voriger freundlichkeit / schluge sie für scham die augen nieder: und da sie
sonst sehr beherzt gewesen / mir ihr anligen zu entdecken / hatte sie iezt kaum
so viel kraft / mit wenig worten mir ihre reue kund zu machen. Ach grosser
Konig! (hube sie seufzend an zu sagen /) wie können sie nach dem betrug /den ich
meinem mann erwiesen / die gute Meinung von mir haben / dass ich dem Aramenes in
seinem mir-entdeckten geheimnis werde treu verbleiben. Wehrte Fürstin / (gabe
ich ihr zur antworte /) urteilt nicht also von mir / sondern gläubet / dass ich
eurer verschwiegenheit vollig traue / und nunmehr verhoffe /ihr werdet mich
wieder der Prinzessin von Seir überlassen / damit mein grosses fürhaben einmal
zum guten ende kommen möge.
    Mein König hat in allem zu befehlen: antwortete sie mir. Wie werde aber ich
armselige bestehen können / wann einiger Mensch in der welt erfahren sollte /wozu
mich die schönheit des Aramenes verleitet? Hiemit fiele sie mir zu fus / und
konnte für tränen kein wort mehr herfür bringen. Wie ich nun ihre reue hieraus
erkannte / und sie mit gewalt von der erden wieder aufgerichtet hatte / ware ich
etlichmal schlüssig / zu beruhigung ihres gemütes / ihr meinen stand zu
offenbaren. Doch hielte ich damit zurucke: weil ich dadurch verrahten / und von
meinem fürhaben / nach Ninive zu kommen / håtte abgebracht werden können. Ich
liesse sie deshalben bei ihrer Meinung / dass ich ihr Erbkönig wäre / und schwure
ihr einen teuren eid /dass ich nimmermehr einigem menschen eroffnen wollte / was
zwischen uns fürgegangen. Ich vermanete sie darnebe / dass sie / an dieser
begebenheit sich spieglend / künftig meisterin ihrer begierden bleiben sollte:
weil sie leichtlich dissmal in grosses ungluck dadurch gerahten konnen. Ihre
tränen täten lang das wort für sie / und beteuerte sie mir / es sei ihr so leid
/dass sie an ihrem frommen herrn diese untreu begehen wollen / dass sie deswegen
nie mehr recht frolich werden würde: und wan sie mir / fur die versicherung /dass
ich es niemanden offenbaren wollte / mit ihrem leben dienen könnte / wollte sie
sich hiermit dazu anheisig gemacht haben.
    Sie entdeckete mir hierauf ferner / wie sie neulich mit zweien Syrischen
Fürsten / als den Husan von Chesed / und dem alten Fürsten von Hus / in ein
gespräche gerahten / den Syrischen zustand betreffend: da diese beide Fursten
solche wolneigung gegen ihrem landsherrn blicken lassen / dass sie sich nicht
entalten können / ihnen zu offenbaren / wie sie wüste / wo dieser Syrische
Konig sich aufhielte Sie håtten solches mit grossen freuden vernommen / und
höchstbegierig in sie gedrungen / es ihnen zu eroffnen: so sie aber / ohne meine
bewilligung / nicht tun wollen. Diesem bericht hångete sie ihr gutachten an /
wie sie es höchst nüzlich für mich hielte / das ich / diesen beiden Fursten mich
offenbarend / zu meinem grossen furnemen mich ihrer versicherte.
    Ich erschracke / als ich hörete / dass sie mich also verrahten hatte / und
besorgete / weil sie mein geheimnis diesen beiden Fürsten entdecket / sie würde
es auch der Prinzessin von Salem / als ihrer vertrautsten / nicht verhalten
haben. Aber sie schwure mir zu / dass sie zwar mit der Jaelinde von mir / iedoch
nicht anderst / als unter des Disons namen / geredet håtte: womit ich dann musste
zu frieden sein. Nachdem ich hierauf für ihre fürsorge mich bedanket / name ich
/üm sie bei ihrer guten Meinung zu erhalten / diesen raht an / dem Hus und Husan
mich kund zu geben /sobald es die rechte zeit sein würde. Hiermit schiede ich
aus meiner gefångnis / da mir meine verliebte einen wagen und etliche zu pferd
mit gabe / die mich hieher nach Naema bringen mussten / und zwar vor tags / ehe
noch ein mensch im haus erwachet. Ihrem herrn hatte sie furgebracht / wiedass die
jungfrau / so bisher bei ihr in schutz gewesen / sie nun wieder verlassen håtte
/ und zu den ihrigen wieder abgereiset wåre.
    Ob ich nun / mit meiner unvermuteten ankunft / alhier freude erwecket /
davon wird meine Ahalibama reden konnen. Es war mein einiges verlangen / endlich
einmal nach Ninive zu kommen: da ich dann mit nicht-geringem leidwesen verstanden
/ (dieses sagte sie zu der Briane und Zimene) dass ihr beide dahin abgereiset.
Die erfahrung meines warhaften standes / da ich / aus des Stattalters Mamellus
/ in des Konigs Aramenes von Syrien tochter verwandlet worden /konnte meinen
schluss / mein leben der Diana diensten aufzuopferen / nicht verändern: deren zu
liebe ich / in diese vermeinte heurat mit meiner künftigen ordensschwester /
eingewilliget.
    Meine gewesene wirtin und liebhaberin / als diese zeitung ihr fur ohren kame
/ geriete darüber in nicht-kleine verwunderung: massen ich solches von ihr / auf
eine sonderbare weise / die ich hier nicht erzählen kann / erfahren habe. Ich
befriedigte sie damit / als ich sie wisse liesse / wiedass diese heurat mit der
Aramena nur zum schein angestellt wäre: weil diese Ninivitische hofjungfrau auch
mit üm den grossen anschlag wüste / welcher unter handen wäre / mir auf den
Syrischen tron zu verhelfen. Ich sezte hinzu / diese Aramena /weil sie nicht
meines standes / wurde / sonder Konigin zu werden / mit dem namen eines
kebsweibs zu frieden bleiben. Dieses letzere befrömdete meine wirtin nicht wenig
/ weil Aramena / durch annemung des Baleus liebe / Assyrische Königin werden
konnen. Doch / wann sie ihr eigen exempel bedachte / konnte sie der Aramena ihre
liebe gegen mir nicht verublen. Ich brachte durch solche not-lügen zu wegen /
dass sie sich zu frieden gabe / und / ohn mein wissen den Husan und Hus nichtes
mehr von mir zu melden / verhiese. Und ob sie es schon hernach tun mochte / so
wird es doch unschädlich und zu spat sein / wann wir / nach verrichteter trauung
/ in geschwinder eile miteinander von hier nach Ninive uns auf- und fortmachen
werden. Hiemit wisset ihr nun / wie es mir ergangen: und werdet mit mir gestehen
/ dass die grosse Diana mich wunderlich bisher gefüret habe. Ich hoffe auch /
durch meine beståndigkeit / bei dieser meiner gottin zu erlangen / dass sie / wie
bisher / alle hinternise mir aus dem weg räumen und überwinden helfe.
    Als hiermit der schöne Dison zu reden aufgehoret hatte / sagte Ahalibama:
Ich muss ja gestehen / dass der Konigin von Syrien begegnise recht frömde sind.
Ich will aber / ihr zu gefallen / und sie nicht zu beunruhigen / auf die person /
die sich also in sie verliebet / nicht rahten: ob ich gleich ein und andern
anzeig finde / die sie mir kentlich machen. Du must (antwortete die verkleidte
Aramena /) auch nicht einmal daran gedenken / vielweniger davon reden / wann du
mich recht vergnügen wilst. Wie nun Ahalibama ihr solches versprochen / sagte
Briane: Wie verlanget mich doch / dass ehe wir in unsern tempel wieder kommen
/unsere ehrwürdige Celia erfahren möge / wie es uns ergehet. Man sollte aber nun
daran gedenken / und davon ratschlagen / wie wir nach Ninive / durch ietzige
kriegesflammen / kommen mogen. Da lasset mich für sorgen: gabe Ahalibama zur
antwort. Die Königin von Ninive wird ihrer jungfrau Aramena / nach volziehung
der vermeinten heurat / mit einer starken begleitung schon nach Ninive fort
helfen / dass man derentwegen sich nichtes wird zu befahren haben. Solte aber
nicht etwan die Syrische Furstin / (fragte Briane /) die sich in unsern schönen
Dison verliebet / ihre zusage brechen / und denen Syrischen Fürsten / unserer
heimwegreise zur verhinterung / ihren vermeinten König verrahten? Ich trage
deswegen keine sorge: wendte die Timna hergegen ein. Dan / wie wir von dem
schönen Dison vernommen / so bauet diese Fürstin so sehr auf ihres vermeinten
Königs worte / dass sie ihn / der ihr so lieb ist / wider seinen willen nicht
entdecken wird.
    Nach diesem und andern dergleichen gesprächen /trate die Furstin Casbiane zu
ihnen in das zimmer /welche / auf entfangene bewilkommung / der Ahalibama
ansagte / wie dass ihre base / die Fürstin Calaride /sie zu sprechen verlange.
Als nun die Prinzessin von Seir dahin ginge / fand sie bei dieser Fürstin / als
ihrer wirtin / ihren herrn den Zophar / und den alten Tebah. Dieser alte eilete
ihr gleich entgegen / ihr mit grosser ehrerbietung den rock zu küssen: und weil
er versichert war / dass sie von ihme nicht erfahren / wie er des auf sie in
Damasco gemachten anschlags / welchen der Fürst von Edom gehintert / ein
anfänger gewesen / als stellte er sich ihr getrost unter augen. Er wurde auch
von ihr auf das höflichste entfangen: weil es ihr eine sonderbare freude war /
dass er / zu ihrem grossen vorhaben / als gar ein tüchtiger werkzeug / so recht
gewünschet sich eingefunden hatte. Die ursach /(begunte Zophar sie anzureden)
worüm ich die Prinzessin von Seir hieher zu kommen bemühet / ist diese / dass wir
uns mit ihr / wegen des grossen anschlags /der Syrien und Seir zugleich
vergnügen soll / bereden wollen. Der weisse Tebah / als ein treuer diener des
Aramenischen geblütes / kann uns merklich hierein fördern. Und weil ich hierüber
durch ihn / von meinen vettern / aus Hierapolis antwort erhalten: als wird
meiner Prinzessin / nicht zuwider sein / dass er hier seine botschaft ablege und
erzehle / was Tare und mein bruder zu tun gewillet / und was es iezt in
Ober-Syrien für eine beschaffenheit habe.
    Als nun Ahalibama ihr verlangen / selbiges zu wissen / erwiesen / und sie
sich darauf zusammen nieder gesetzet hatten / finge der alte Tebah also an zu
reden: Ich vermute wohl / dass der Fürst von Naema alles umständlich zu wissen
begehret / was sich in Ober-Syrien zu getragen / seit dem der Prinz von Canaan
in Hierapolis angelanget / die Syrische Fürsten sich zu ihm geschlagen / und
nachgehends auch der König von Canaan mit seinem kriegsheer dahin gekommen ist.
Solches nun kürzlich zu berichten / will ich anfangs nicht bergen / wie dass
iederzeit mein verlangen allein dahin gestande / wie ich meines Königs Aramenes
hinterlassene tochter auf ihren vätterlichen tron dermaleins wieder bringen
mochte: die ich / von kindheit auf / unter dem namen der tochter des Prinzen
Mamellus / verborgen sein lassen / und nun endlich / als ich die bequemste zeit
abgesehen / sie den Konig von Canaan entdecket habe; um dadurch zu erlangen /
dass der Prinz Hemor / sie heuratend / König in Syrien würde. Welcher gestalt sie
/ diesen meinem anschlag entgegen / kurz vor ihrer angesezten hochzeit / aus
Salem / und / allem damaligem vermuten nach / in den tempel der Diana nach
Ninive / entkommen sei: solches ist weltkundig / und daher dessen erzehlung
unnotig. Dieses aber gabe ursach / dass der Prinz von Canaan ihr nach Ninive
gefolget / und sich daselbst an sie vermeintlich trauen lassen. Der Salma
brachte uns diese freudenpost in Hierapolis / dass nämlich unsere Syrische
Konigin sich gefunden / und Hemor ihr ehgemal wåre. Auf mein zusprechen /
erklärte sich alsofort Hierapolis / und folgends auch Ober-Syrien / für den
Hemor; und kame dieser unser vermeinter König bald darauf an: in susser hoffnung
lebend / dass er seine vertraute Königin / die der Aner hernach brachte / bald
sehen würde. Also wurde Ober-Syrien / ohne mühe / von der Babylonischen gewalt
abgerissen / und kriegte der Konig Beor mit so glücklichem fortgang / dass alle
andere städte / die noch Assyrisch waren / seiner macht sich unterwerfen mussten.
    Diese glückseeligkeit aber verkehrte sich plötzlich in eine grosse unordnung
und unruhe / als wir die betrübte post bekamen / dass die Königin Aramena / auf
ihrer reise durch der Assyrier land / dem stattalter Aner wåre abgenommen
worden: welcher / mehr todt als lebendig / dem verliebten Hemor in Lais / dahin
derselbe seiner gemalin mit den Syrischen Fürsten entgegen gezogen war / diese
zeitung brachte. Ich will mich nicht lang aufhalten / mit erzehlung der
verzweifelten klagen dieses verliebten / und unser aller bestürzung / die man
sich wohl selber fürbilden kann. Ich will nur sagen / dass die häftige liebe diesen
Prinzen die Entschliessung fassen gemacht / mit mir und etlichen bedienten
heimlich in Damasco zu kommen / üm / wo müglich / von seiner Konigin etwas zu
erfragen. Weil ich zu Damasco wohl bekant bin / als kunte ich leichtlich den
Hemor verborgen hinein bringen: und kehrten wir bei einer witwen ein / die mir
getreu war /also dass ich ihrer verschwiegenheit mich versichern dorfte.
    Wir erfuhren von derselben / mit noch grosserer bestürzung / dass der
stattalter von Syrien seine tochter / die Prinzessin Milcaride / wieder
bekommen; dass dieselbe / fur die Aramena / an den Prinzen von Canaan / in der
Diana tempel wäre verlobet worden; und dass den abend / im tempel der göttin Gad
/ für deren widerfindung / ein grosses dankfest wurde angestellet werden. Es
fehlte wenig / dass Hemor nicht rasend /und ich nicht töricht hieruber wurde. Der
betrogene Hemor erfuhre sich also verheiratet / an eine unbekannte / die er nie
gesehen / verlore alle hoffnung zum Syrischen tron / und lebte in schmerzlicher
ungewissheit / wo seine Aramena geblieben wåre. Ich / der ich hierdurch mein
fürhaben vernichtet sah / ware nicht weniger bekümmert / und wusste nicht / was
ich nun fürnemen sollte. Eine kleine hoffnung hielte uns noch auf / nåmlich diese
/ dass wir gedachten / Mamellus mochte / aus list und stats-ursachen / üm die
Konigin von Syrien desto båsser zu verbergen / diese geschicht von seiner
tochter ausgesprenget haben. Demnach stellten wir uns unter das volk / wie mit
grosser ansehnlicher reihe die Prinzessin Milcaride nach dem tempel begleitet
wurde: da uns dann der augenschein mehr als zu gewiss versicherte / dass diese
nicht die Aramena ware / welche wir sucheten. Ihre annemlichkeit und schonheit
gefiele dem Hemor nicht übel / und massete er sich ihrer dabei
herfür-scheinenden traurigkeit mit an / weil er deren ein ursacher zu sein
vermutete.
    Als sie in den tempel gekommen / schliche Hemor hinter den altar / vor
welchem die Milcaride niederkniehete. Weil daselbst niemand auf ihn acht gabe
/und er den altar hol befunde / als verkroche er sich in denselben / also das er
durch ein gitter / welches unten in den altar gemacht war / ganz nahe die
andächtige Milcaride betrachten / und ihre worte / weil sie gar eifrig betete /
völlig verstehen konnte. Ach grosse göttin! horte er sie sagen / du weist allein
wie unschuldig ich zu diesen betruge gekommen / und dass ich nicht aus bosem
fürsatz den Prinzen Hemor also angefüret habe. Sei nur deshalben in meiner
unschuld gnädig / und lenke sein herze zu mir / dass ich selbiges also möge
besitzen / wie er in dem meinigen wonet. Du weist / dass eine keusche liebe / und
keine wollustbegierde / mich aus der Diana tempel gebracht / und dass ich dem
Prinzen von Canaan die eheliche hand gegeben / weil ich vermeint / dass ich
dieselbe wåre /die er suchete. Ach lasse / grosse göttin! den eid / den wir
beiderseits getan / unaufloslich bleiben: und gleich wie ich hiermit mich
verlobe / dem Hemor beståndig zu lieben / also lenke ebenfalls sein herze dahin
/ dass er sich der armen Milcaride wunderbares geschicke jammeren lasse. Hiermit
wurde sie / ein mehrers zu reden / von den tränen verhintert: und ware Hemor
hierdurch so bewegt worden / dass er / als er mir nachgehends diss alles in unsrer
herberg erzählt / mir nicht bergen kente / wiedass er der Milcaride hold wäre.
    Weil ich / wegen des Fürsten Tare / mit den Fursten von Hus / und mit dem
Husan von Chesed /zu reden hatte / als liesse ich diesen neuen verliebten allein
/ und gienge / in der nacht / nach des Fürsten von Hus palaste. Die ursach
dieser besuchung war /dass die beide Fürsten Hus und Husan an den Tare
glaubwürdig berichtet hatten / wiedass ihres Konigs Aramenes sohn wieder
vorhanden wäre: Weshalben ich mich eigentlich erkundigen sollte / weil auf
solchen fall / alle ratschlåge sich ändern / und die Syrische Fursten ihre
sachen anderst anstellen mussten. Diese beide Fursten bekräftigten mir nun / mit
vielen versicherungen / dass gar gewiss der junge Aramenes in Damasco sich auf
hielte: und wollten sie darüm ihre brüder / die iezt die Canaanitische seite
hielten / ermanet haben / nicht wider ihr eigen båstes zu handelen / sondern
sich Damasco zu nähern / üm auf den notfall ihrem König beizuspringen. Ich
übername solches treulich zu berichten / und muss gestehen / dass ich nun dem sohn
meines Konigs / als wie der Aramena / die Syrische kron gönnete. Als ich / erst
gegen morgen /zu den Hemor wieder kame / fand ich ihn ganz in gedanken vertieft
und entschlossen / fortin diese Chaldeische Prinzessin zu lieben: worzu ihn so
wohl der eid / den er der Milcaride getan / als ihre gegenliebe /neben der so
lang von Aramena erdulteten hartnäckigkeit / gebracht hatten. Den verlust der
Syrischen kron / achtete er hierbei so gross nicht / weil ihm die Canaatische
gewiss verbleibet: wie wohl er nicht alle hoffnung / dieses reich noch zu erlangen
/ fallen liesse. Er sagte mir zwar nicht alles / was er hierbei gedachte: und
musste ich solches / aus seinen tun / nach und nach abnemen und errahten. Wir
reiseten ja so heimlich wieder aus Damasco / als wir waren hinein gekommen.
    Nachdem wir Lais erreichet / fanden wir alle Syrer sehr bestürzet über dem /
was mit der Milcaride sich zugetragen hatte. Des Hemors liebe gegen ihr / bliebe
nicht so verholen / dass man dieselbe ihm nicht angemerket hätte: welches dann
verursachte / dass sie mit diesem Prinzen kaltsinniger anfingen üm zu gehen /und
ihn nicht mehr / wie zuvor / als ihren Konig ehreten. Es bestunden aber nun alle
unsere sachen in der unschlüssigkeit: weil kein raht sich finden wollte / wie wir
bei dieser veränderung uns anstellen sollten. Der Babylonier und Niniviten anzug
/ welche unter fürung des Sinears und Tarsis nach Hierapolis gingen /kame uns
auch damit zu ohren: welches dem Hemor nach Hierapolis eilen und schlüssig
machete / weil er der Syrischen hülfe allgemach zu mistrauen anfienge /von dem
Beor seinen herrvattern / der mit seinem heer unfern Cadytis stunde / geschwinde
hülfe zu begehren / und Hieropolis wider diese ankommende zu schützen.
    Die Fürsten Tare / Rames / Cyniras / Ezer / Akan und meine vettern der
Gahan und Maacha / blieben zu Lais: welche / als ich ihnen / von den Fürsten Hus
/die zeitung anbrachte / wie Aramenes der sohn unsers Konigs sich wieder
gefunden hätte / mir hingegen des Fürsten Zophars an sie abgelassenes schreiben
zeigete / darinnen gemeldet wurde / dass die lang bisher verborgen-gewesene
Aramena / unter månlicher kleidung / und unter des Disons namen / allhier in
Naema sich bei ihnen aufhielte. Weil nun diese ihre Erb Prinzessin / durch eine
mit dem Fürsten Dison von Seir seltsam angestellte heurat / von ihrem
Dianen-gelubde erledigt werden / und zu ihrem reich gelangen sollte: Als wurden
sie ingesamt / als redliche Syrer / dass sie doch / dieses werk durch ihre hülfe
zum guten ende zu fordern / fur ihre angeleheit achten / und den eifer / den sie
bisher der unrechten Aramena zu dienst erwiesen /nunmehr der rechten zu wenden
möchten. Ich kann nicht sagen / wie diese unvermuteen zeitung mich erfreuet / und
fehlet nicht viel / dass ich alsofort den Hemor hätte wissen lassen / wie es üm
die verlorne Aramena stünde. Weil aber / dieses Prinzen gemüts- / und der der
Aramena beharlicher widerwille mich hiervon zurück hielten: als wollte ich eher
nichtes anfahen / bis ich hieher gereiset / und alles mit ümständen vernommen
hätte. Die Syrische Fürsten haben nun diese erklårung mir mitgegeben / dass sie
kein bedenken tragen / den Fursten Dison von Seir /durch ehlichung ihrer Königin
/ zu ihrem herrn zuerwählen: iedoch mit der bedignis / wann er / sich bei dem
tron zu schutzen / ihm getrauete / und wan die zeitung von ihrem
wiedergefundenen König / (welche Hus und Husan für gewiss beteureten /) unrichtig
sollte erfunden werden; auf welchen fall / ihrer aller neigung sich mehr nach dem
Aramenes / als nach der Aramena und dem Dison / wenden würde. Ich muss nun
gestehen / dass ich uber allem diesem so unschlüssig worden bin / dass ich in
meiner lebenszeit nie mich ärmer an raht / als für dissmal / befunden habe.
    Ich vermeine / (sagte Ahalibama / nachdem der Tebah seine rede beschlossen
/) ich wisse etwas / so des Tebah verwirrtes gemüt konne wieder zu recht
bringen / wann ich euch nämlich sage / dass die einbildung des Hus und Husans
falsch gewesen / indem sie meinen ritter Dison / von dem ihr nun wisset / dass er
die Syrische Aramena ist / für ihren Erbprinzen Aramenes gehalten. Ich will euch
dann umståndlich berichten / wie es damit zugegangen. Hierauf widerholete sie
ihnen alles / was Aramena ihr diesen morgen erzehlee: doch verschwiege sie
hierbei / was die verliebung der Syrischen Fürstin betraffe.
    Durch diesen bericht / wurde des getreuen Tebah gemüte dermassen wieder
aufgerichtet / dass er sagte: Nunmehr erkenne ich dass alles ausgesprengte
geschrei von einem noch-lebenden Aramenes falsch und nichtig gewesen: und
schliesse fästiglich / dass der Prinz dieses namens / in der Philister lande /
mit eilf jahren verstorben sei. Die gleichheit der Aramena mit unsrem
verstorbenen König / die in ihren / als des vermeinten Disons schoss /
herabgefallene Syrische kron / und die einbildung dieser frauen / welcher die
Aramena solches weis gemachet / die es nachmals dem Hus und Husan wieder
geoffenbaret / haben dieses gerüchte verursachet. Was ist aber / (fiele ihm
Zophar in die rede /) von denen längst vorher ausgestreuten zetteln zu halten /
welche gleichwol so gewiss / der ankunft des noch lebenden Aramenes / uns
versichern wollten? Wann hieran etwas warhaftes gewesen wäre / (antwortete Tebah
/) so wurde / bei jetziger unruhe in Syrien / dieser vorhandene Aramenes nicht
gesäumet haben / den Syrern sich zu zeigen: weil er ja keine bässere gelegenheit
/ als diese / überkommen konnen / sich auf den tron zu setzen. Und gesetzet /er
stelle sich noch ein / so kann er ja leichter die kron von seiner schwester / als
von des Belochus händen /entfangen. Hierauf fragte Tebah nach der zeit und
andern ümständen / die bei der bevorstehenden hochzeit wären in acht zu nemen:
und als ihn Ahalibama berichtet / dass innerhalb sechs tagen / und zwar auf der
Kemuels-burg / die trauung geschehen würde / befande er zu seinem vorhaben /
welches ihme beigefallen / die zeit zu kurz / dem ort aber sehr bequem. Um des
willen / machte Ahalibama sich anheisig / durch die Casbiane / welche selbigen
tag nach Damasco fahren wollte / bei der Königin von Ninive zu erlangen / dass die
hochzeit noch auf sechs tage sollte verschoben werden.
    Der alte Tebah name ihm auch fur / folgenden morgens nach Damasco zu reisen
/ üm / mit dem Hus und Husan sich hiervon zu unterreden. Weil er aber inzwischen
in Naema verborgen zu sein verlangte /als begabe er sich allein in den garten:
mitlerweile Ahalibama / neben ihrem wirt und wirtin / wieder zu der andern
gesellschaft ginge / und mit ihnen das mittagmal hielte. Er uberlegte daselbst
weitläufig bei sich selber / wie am bequemsten dieses grosse werk / fur Syrien /
anzustellen sein mochte. Er war derjenige gewesen / der den ietzigen krieg über
Syrien gezogen: und fand nun / nach veränderten ümständen / dass dadurch sein
zweck nicht war erreichet worden. Demnach gienge nun sein wunsch dahin / wie man
der Canaaniter mit ehren wieder los werden konnte. Bildete er ihm den Beor für /
so erinnerte er sich / dass denselben am meisten / die liebe zur Ahalibama / zu
diesem krieg antriebe: vermeinte er derowegen / wann man ihm diese Prinzessin /
es geschåhe nun gleich mit ihrem willen oder unwillen / konnte in die hånde
spielen / er würde gern dafür Syrien unbekrieget / und selbiges reich seiner
Ahalibama brudern überlassen /auch / auf den fall der noht / diesem seinem
schwager wider die Assyrier beistand leisten. Stellete er dann ihm den Hemor für
augen / so konnte dessen neue liebe / seiner einbildung nach / leichtlich die
oberhand in ihm erlangen / dass er / seine Milcaride zu überkommen / alle andere
ehrsüchtige gedanken wurde fahren lassen.
    Die beide Fürsten Hus und Husan zu gewinnen /kame ihm hiernåchst am
schwersten für: massen er sich ihrer ehmaligen gespråche wohl erinnerte / da sie
fästiglich der Meinung gewesen / wann ihre Erb Konigin sich wieder fände / so
musste dieselbe einen vom Assyrischen hause heiraten / damit friede zwischen
Syrien und Babel bliebe. Demnach besorgte er / wann er ihnen sagen wurde / dass
Aramena vorhanden / und einen Fürsten vom gebirge Seir heiraten sollten / sie
wurden dann alles rükgängig machen. Demnach fassete er nach langem überlegen /
diesen schluss / den Hus und Husan / wie auch die andern Syrischen Fursten zu
Lais / bei ihrer einbildung zu lassen / dass der schöne Dison der junge Aramenes
/ ihres Konigs sohn / der Königin von Ninive jungfrau Aramena aber / der Fürst
Dison von Seir wåre: da dann die ümstände ferner geben würden / was er hiervon
diesen beiden Fürsten fürdichten musste. Er vermeinte auch / wann er sie also
gewonnen / dass alsdann der groste stein / von dieser so glorwürdig- als
gefåhrlichen unternemung /gehoben sein / und mit denen übrigen Fursten zu Lais /
es nachgehends sich leichtlich schicken würde.
    Als er nun dieses alles bei sich fäst gestellet / auch dem Zophar entdecket
hatte / reisete er am folgenden morgen noch in der demmerung / von Naema hinweg
/und erreichete Damasco / kurz nach aufgang der sonne. Nachdem er vor des
Fürsten von Hus palast abgestiegen / fand er / zu gutem gluck / alle in Damasco
sich befindende Syrische Fursten daselbst beisammen / auser dem einigen Elihu /
den sie nicht mit in ihren raht genommen. Sie berieten sich eben mit einander /
wie sie sich hiebei anstellen sollten / da sie aus Lais die nachricht erhalten /
dass ihre brüder die Canaanitische seite gänzlich verlassen hätten: an statt aber
/ unter den Belochus / oder dessen stattalter /den Mamellus / sich wieder zu
begeben / der erscheinung ihres verhandenen Konigs Aramenes erwarten /und für
denselben ihr gut und blut aufsetzen wollten. Sie erfreuten sich alle / als sie
den klugen Tebah erblickt: dann jeder von ihnen seinen raht hoch verehrte.
Nachdem sie ihm die erwähnte ursach ihrer versamlung eroffnet / und hingegen /
was ihn ietzo zu ihnen brächte / von ihm zu wissen begehret / begunte er sie
also anzureden: Ich hätte ja nicht gewünschter ankommen konnen / weil ich die
eigentliche nachricht mitbringe / von dem / wovon ihr iezt handlet. Unser
Aramenes ist verhanden / und hält sich unbekant auf /unter Disons namen / bei
der grosmutigen Prinzessin von Seir der Ahalibama. Seinen ganzen lebenslauf euch
hier zu erzählen / ist iezt unnötig: weil wir von wichtigern dingen zu reden
haten. Ich will nur sagen /dass er / mit dem dapfern Fürsten Dison / der Ahalibama
brudern / grosse freundschaft gemachet: welcher durch wunderbare schickung des
himmels / bisher /unter der Aramena namen / im Ninivitischen frauenzimmer
gelebet.
    Ein allgemeines verwunderungs-geräusche / entstunde bei den Syrischen
Fursten / als sie dieses vernamen; und wie solches sich wider gestillet / fuhre
Tebah also fort zu reden: Dieser Dison / unsers Aramenes vertrautester freund /
stellet ietzo die braut für /mit deren unser König / hier in Damasco / und zwar
auf der Kemuelsburg / sich will trauen lassen: üm dadurch diesen seinen freund /
von des Baleus liebe und ietzigem seinem stand / zu erledigen / auch nachgehends
seiner in seinem grossen furhaben sich zu bedienen. Solches sein vorhaben ist /
unter dieser hochzeit / sich seinen stånden zu offenbaren / und ihnen zu zeigen
/ wie ihn der himmel / sie von der Babylonischen dienstbarkeit zu erlösen / beim
leben erhalten. Bei euch wird es nun stehen / der Entschliessung unserer brüder
zu Lais bei zu pflichten / die fur ihn ihr gut und blut wollen aufsetzen: und
wird solches alles gar leicht von statten gehen / wann ihr hierinn meinem
getreuen raht folgen wollet. Es wäre keiner von uns würdig / (sagte hierauf der
alte Hus /) sich der blutfreundschaft des grossen Aramenes zu berümen / wan wir
dessen erben nicht wollten mit allen kråften beistehen. Und ob ich zwar iederzeit
gut Assyrisch gewesen / so geht doch nun dieses bei mir über / und will ich mein
leben / auch all mein hab und gut / gern daran wagen / üm diesen tron seinem
rechten erbherrn wieder zuzuwenden.
    Als nun / mit gleichem eifer / die anderen auch geredet / baten sie den
Tebah / ihnen seinen ausgesonnenen anschlag kund zu tun: welcher dann dieser
war / dass sie den Cyniras / in der nacht / wann die vermeinte hochzeit des
Disons und der Aramena angesetzet wäre / mit seinen volkern nahe für Damasco
sollten rucken lassen; Da der Nahor und Elhanan / so zwei tore in Damasco
bewacheten / die Syrer einlassen / und mit denen die Kemuelsburg sonder mühe
einnemen und besetzen könten. Wann sie nun diese in ihrem gewalt hätten / würde
es sich nachgehends schon weiter geben. Und wann sie hiermit einig wåren / wollte
er gleich hinaus zu den andern nach Lais sich verfugen / sowol dieserwegen mit
ihnen sich zu bereden / als auch sich zu bemühen / dass der Konig Beor /indem sie
ihm die Ahalibama einzuliefern verhiesen /sich für sie zum zweiten mal erklären
möchte. Als sie nun alle diesen fürschlag beliebet / und ferner / was zu einem
so grossen fürhaben nötig / abgeredet hatten / liessen sie / um keine zeit zu
verlieren / den alten Tebah wieder abziehen; und begaben sich voneinander / üm
keinen Assyrier einigen argwan von ihrer geheimen unterredungen zu geben.
    Der Nahor / und der junge Elhanan / giengen nach dem grossen koniglichen
garten / alwo sie wussten /dass die Koniginnen neben den andern sich befinden
wurden. Sie erfuhr daselbst / wie die ganze gesellschaft folgenden tags / zu
wasser / nach Naema hinaus fahren wollte: massen / zu dem ende / schiffe
bestellet wurden / die am morgen sollten in bereitschaft stehen. Es vername auch
Nahor / wie die schöne Delbois dem Prinzen von Assyrien verwiese / dass er noch
nicht die Aramena zu Naema besuchet hätte: welchen fehler zu ersetzen / dieser
Prinz ihm fürname / dieser fart mit beizuwonen. Weil er vom Tebah gehöret hatte
/ wer Aramena wäre / als bestellte er ihm ebenfalls ein schiff / aus begierde /
so wohl diesen helden /unter der Aramena kleidung / als seinen König unter des
Disons namen / zu sehen. Weil man die Prinzessin Milcaride auch mit nemen wollte
/ als ersuchte die schöne Delbois hierüm den stattalter / der eben auch zugegen
war: welcher dann verwilligte / dass seine tochter / der Königin befehl zu
gehorsamen / sich einfinden sollte; wiewol Calaride es nicht mit ihr so gemachet
/ dass sie ursach hätte / dieselbe zu besuchen. Es wurde aber nachmals diese
spazirfart / weil folgenden tags ein starker regen und ein håftiges wetter
einfiele / bis auf den dritten tag verschoben: da dann solche mit sonderbarer
vergnügung / auf dem Pharphar /volzogen wurde.
    Weil die jungfrau Aramena nicht mehr / wegen ihrer wunden / der kammer huten
dorfte / als ware sie / neben den andern / mit am ufer / als diese königliche
gesellschaft ankame: da sie dann ohne seufzen ihre schone Königin nicht anzusehen
vermochte / als welcher sie nun bald auf ewig gute nacht sagen sollte. Weil /
zwischen dem ufer und des Zophars schloss /eine schone wiesen lage / als gingen
sie / ehe sie in das haus eintraten / eine weile daselbst spaziren. Die schöne
Delbois name den Prinzen Baleus bei der einen / und ihre Aramena bei der andern
hand / da sie zu dieser im fortwandeln sagte: Der Prinz von Assyrien hat meist
diese besuchung angestellet / um zu sehen / wie du dich befindest. Als solches
der Prinz bekräftigt hatte / antwortete Aramena: sie danke den himmel fur ihren
zustand / fürnemlich aber darum /dass eines so grossen Prinzen wunden / durch die
ihrigen / auf so edle weise / wären verändert und verbässert worden.
    Eine schamrote uberzoge hierauf des Baleus wangen / und als er zu antworten
verweilte / sagte für ihn die schone Königin: Aramena hat nicht durch die wunden
/ welche sie von der frömden Prinzessin entfangen / den Prinzen von Assyrien
geheilet / sondern durch diejenigen / die ihr der schöne Dison gemachet; wodurch
er bewogen worden / sich eben so / wie sie /doch auf längere beständigkeit / von
der schönen unbekanten verwunden zu lassen. Ihr seit / liebste schwester! mein
guter fürsprecher / (fiele ihr der Prinz in die rede /) und finde ich mich euch
verbunden / dass ihr die muhe nemet / meinen ietzigen wandel bei der schönen
Aramena zu entschüldigen: die wenigst hieraus erkennen wird / wie ich gesinnt
bin / ihre ruhe zu befördern / indem ich ihr einen verdriesslichen liebhaber
entziehe. Der Prinz tut wohl / (sagte Aramena hinwiederüm) dass er bei seinem
stande / gleichwie ich bei den meinigen / verbleibet.
    Dieses unangeneme gespräche abzureissen / begabe sich die schone Königin auf
andere dinge zu reden /und zoge Milcaride / Ahalibama und Calaride mit in ihre
unterredung: welche letzere sich eben mit der Milcaride bekant machete / und
sich gegen ihr entschüldigte / dass / die lieb / zu ihres Königs tochter /ihr
ehmals dieses an die hand gegeben hätte / sie an statt der Aramena / in den
Ninivitischen tempel zu bringen. Milcaride sagte hierauf: wiedass sie ihr solches
gern vergebe / und allein wünsche / dass ihr vorhaben / in beständiger ruhe zu
setzen / daurhafter sein möge. Die Konigin von Ninive / widersprache diesem
wunsch der Milcarinde; und Calaride sowol / als Ahalibama / sich aus des Tebah
erzehlung erinnernd /dass sie der Hemor liebte / sagte ihr soviel fur von dieses
Prinzen geschicklichkeiten / dass Milcaride / die ohndas bekümmert war / durch
diese erinnerung zu noch mehrern gedanken gebracht werde.
    Weil aber die schone Königin / ihrer Aramena bräutigam / nicht unter der
gesellschaft sah / fragte sie nach dem Dison / und bekame von der Ahalibama zur
antwort / dass er sich ein wenig übel befände: Dan dieser sich für der Milcaride
/ mit welcher er / als Aramena / in Ninivitischen tempel sehr bekant gewesen /
nicht viel wollte sehen lassen. Also sahen der Nahor / und der alte Hus / welcher
auch mit in der gesellschaft war / dass sie sich vergebens bemühet hatten /
diesen ihren König zu sehen. Es vermeinte aber die Königin von Ninive / diese
unpäslichkeit wåre ursach / dass Ahalibama üm aufschiebung der hochzeit durch die
Casbiane bitten lassen: welche aber eine andere ursach einwendete. Unter solchen
gesprächen / kamen sie endlich in das haus: da Zophar und Calaride nichtes
sparten / ihre hohe gäste wohl zu bewirten / und soviel erhielten / dass sie
etliche tage daselbst bei ihnen verblieben. Endlich fuhren sie wieder ab nach
Damasco / daselbst zur hochzeit des Disons und der Aramena anstalt zu machen:
die drei Seirische Fürstinnen / aber nebenst der braut und dem bräutgam /
blieben zu Naema / von dar sie sollten / einen tag vor der hochzeit / aus Damasco
/ mit gewonlichem gepränge abgeholet werden.
 
                                Das Zweite Buch.
Es waren nun nur noch drei tag dahin / dass diese wunderhochzeit fortgehen sollte:
wodurch / die Syrer ihren erbherrn zu erlangen / die Fürstinnen vom gebirg Seir
einen König aus ihrem hause zu sehen / Aramena hingegen in der Diana tempel nach
Ninive zu kommen / und der elende Dison aus seinem gefärlichen stande zu treten
/ verhoffeten. Ihrer aller hoffnung aber war mit grosser sorge vermischet:
massen es den Syrern kein geringes dauchte / sich der Babylonischen macht zu
entreissen; die Ahalibama mit zittern die zeit heran nahen sah / darin sie
ihren bruder / ihre herzensfreundin / das reich Syrien / ja die ganze welt
betriegen wollte; auch Aramena / mit ångsten /die stelle des bräutgams / und
Dison die stelle der braut / zu übernemen sich getraueten.
    Der verliebte Baleus / ob er gleich von allen diesen beunruhigungen nichtes
wusste / fülete doch auch seinen teil: indem ihme tag und nacht / seine schone
unbekannte / für augen schwebete. Und als ihme / die Königin von Ninive / des
Cimbers antwort angebracht /woraus er erlernet / dass er eine grosse Prinzessin
liebete / an der dem ganzen Teutschen geschlechte viel gelegen war / und die
allein wollte verehret und geliebt sein: wuchse hierdurch seine liebe gegen ihr
so häftig / dass er von derselben halb verzehret würde. Weil nun / nach der
Königin von Ninive und Prinzessin von Ophir / niemand üm sein anligen recht
wusste /als der Zameis / sein hofmeister und vertrautester kammerherr: als
bestunde darin sein groster trost /dass er mit diesem sein leiden überlegte.
Demnach /sobald die sonne herfürgekommen / begabe er sich /von niemanden als
diesen Zameis begleitet / in den nächsten wald für Damasco / und widerholete
daselbst / was er täglich triebe: welches darin bestunde / dass er sein unglück
beklagte / bei seiner schönen in ungnaden zu leben / dabei so weit von ihr
entfernet zu sein / und kein mittel abzusehen / wie er bei ihr konne wieder
ausgesonet werden.
    Wann sie nun vernemen wird / (redete er unter andern den Zameis an /) dass
Aramena mit den Dison verheiratet worden / und ich diese dame nicht mehr liebe:
wird sie alsdann nicht ihren zorn fallen lassen? Aber ach! wie wird sie dieses
erfahren? und wer saget mir gut dafür / dass nicht ihre wunderschone unter dessen
von einem andern glücklichen mitbuler verehret werde? Es ist noch hoffnung
vorhanden / (sagte Zameis) wann man nur versichert sein kann / dass mein Prinz
diese schöne beharrlich / und nicht so unbeständig / wie die Konigin Delbois /
die Lantine / Eldane /Mirina und Aramena / zu lieben gesonnen ist. Baleus sah
hierauf den Zameis / ohne zu antworten / so beweglich an / dass dieser treue
diener seines herrn marter nicht långer ohne tröstung anschauen kunte / und
daher mit deme / was er bisher so geheim gehalten /herausbrechend / gegen den
Prinzen also zu reden fortfuhre: Ich kenne diese grosse Prinzessin mehr als wohl
/ und weiss ihren ganzen lebenslauf / ja alle ihre gedanken / die sie / meines
Prinzen halber / iemals gefuret. Wofern nun / wie ich bereits erwehnet / ware
beständigkeit bei ihm vorhanden ist / dörfte ich mich vermessen / dem Prinzen
gute dienste in dieser liebe verheissen. Es fehlte nicht viel / dass der Baleus /
aus sonderbarer vergnugung und gemütsentzückung / dem Zameis zu fus gefallen
wäre / und damit seinem diener für diesen unverhofften bericht gedanket håtte.
Er warfe sich ihm / ganz aus sich selber / um den hals /und forderte / mehr mit
begierigen gebärden als worten / von ihme / dass er dieses ihme deutlicher
erklären sollte.
    Zameis / der nun aus allen bezeugungen seines herrn / seit dass er die
Prinzessin auf des Rames schloss verlassen / abnemen konnen / dass diese liebe des
Baleus die lezte und beständigste sein würde /wollte eben anfahen / dem
verliebten Prinzen zu entdecken / was er bisher für ihm verhelet: als die
ankunft eines ansehnlichen Babyloniers ihn daran verhinterte / welcher / von
wenig dienern begleitet / auf den Prinzen zugeritten kame. Als er von pferd
gestiegen / und sich genähert / erkannte ihn Baleus für den Spiridates / seines
herr vattern Erzschenken. Wäre dieser ihme nicht ein so lieber freund gewesen /
würde er es übel entfunden haben / das er ihn an der unterredung mit dem Zameis
verstoret hatte. Nun aber stellete er sein verlangen etwas zurucke / um diesen /
der so unvermutet vom Babylonischen hof kame / anzuhören und etwas neues zu
vernemen. Und nachdem er ihn /zu bezeugung seiner gnadgewogenheit / ümarmet
hatte / fragte er ihn / warum er käme / und was er brächte? Er ward hierauf vom
Spiridates berichtet /wiedass der König sein herrvatter / mit der ganzen hofstatt
/ auch mit einem ansehnlichen kriegsheer / in Acraba angelanget: und käme er /
auf dessen befehl /den Prinzen dahin abzuholen. Weil Spiridates / dieses sagend
/ nicht gewonlich aussah / vermerkte Baleus /dass diese seine hinforderung
nichtes gemeines bedeuten wurde. Darüm name er ihn bei der hand / gienge mit ihm
auf eine seite / und bate ihn / dass er ihm eigentlicher sagen wollte / was dieses
auf sich håtte?
    Es geht so verwirret bei uns zu / (antwortete Spiridates) und hat sich
alles so verändert / dass sich mein Prinz wird verwundern / wann sie es hören.
Wie konnte dann / (fragte der begierige Baleus /) in so kurzer zeit / eine
änderung sich begeben / da ich ja nur wenig wochen von hofe bin / und nie
nichtes gemerket? Hiemit setzete er sich unter einen baum / und nötigte den
Spiridates / ihm alles zu erzählen. Ich weiss nicht / (fienge dieser an / des
Prinzen verlangen zu vergnügen /) wo ich soll anheben / da ich so viele
unterschiedliche dinge zu berichten habe / die nicht gleiches inhalts sein / und
doch auf einerlei ziel / nämlich auf die verwirrung unsers hofes / hinaus
laufen. Der Konig / mein herr / ist so voll häftiger unruhe / dass man die grosse
seiner marter / die er entfindet / aus allen / was er tut / und redet / abnemen
kann. Dass eine eiversüchtige liebe ihn regire und plage / erhellet aus vielen
ümständen: wiewol man eigentlich die person nicht ausdenken kann / in welche er
sich so sehr verliebet. Dass aber mein gnädigster Prinz eine ursach seiner
eiversucht sei / lässet sich leider mehr als zuviel verspüren / und habe ich
selbst / als er unlångst im garten hause zu Babel ganz allein zu sein vermeinte
/ und meiner nicht warname / hierüber etliche worte von ihm vernommen. Ach!
(sagte er /) muss dann der / dem ich das leben gegeben / mir das meine so sauer
machen? und ist der mein mitbuler / der aus kindlicher ehrerbietung mir seinem
platz billig überlassen sollte? hiermit schwiege er / weil eben leute herzu
kamen.
    Wie komt doch immermehrt (fiele ihm Baleus in die rede /) der Konig auf
solche gedanken / da ich ihm doch niemals ursache gegeben / zu argwånen / dass
ich die Dalimire liebe? Dalimire (gabe Spiridates zur antwort /) ist nicht die
jenige / die dem Konig so heiss im herzen machet / sondern eine uns unbekannte
Prinzessin / von der er glåubet / dass der Prinz sie liebe / und bei ihr mehr
gunst als er habe. Der Prinz erinnerte sich gleich hierbei seiner schonen
Teutschin / konnte aber nicht aussinnen / wie der König diese seine liebe so bald
sollte erfahren haben. Er horte aber / den Spiridates / also fortreden. Die
Assyrier / die alhier auf des Prinzen tun und wesen genaue achtung geben /haben
nach hof berichtet / wiedass die verlangte heurat zwischen ihm und der Königin
von Elam noch im weitem feld stunde / wegen der kaltsinnigkeit / so hierin der
Prinz erwiese: welches dem König zu solchem grim bewogen / dass er geschworen /
der Prinz sollte und müste diese Königin haben.
    Als wir nach Acraba kamen / und ich hieher zu reisen / und den Prinzen
abzuholen befehligt wurde /sagte der König zu dem Baracheel / welcher allein um
alle seine geheimnise weiss: Ich muss dem Baleus zeigen / wie ich nicht allein
sein König / sondern auch sein gefårlicher mitbuler bin / der nicht länger
vertragen wird / dass er derjenigen näher als ich sei / die ich mir zu lieben
auserwehlet habe. Baracheel / etwan mich scheuend / schluge die augen nieder /
zu dieser rede des Konigs; welcher / zu mir sich wendend / ferner sagete:
Bringet mir alsofort den Baleus / und saget ihm / es sei mein ernster wille /
dass er keinen tag länger in Damasco verbleibe. Die zornige blicke und gebärden /
die diesen des Königs befehl begleiteten / gaben gnug an tag / dass ihn mehr eine
eifrende wut / als die våtterliche begierde antriebe / den Prinzen zu sehen.
Gleich wie nun / diese des Konigs eiversucht gegen meinem Prinzen / sich äusert
/ also ist sie auch nicht geringer / gegen dem guten Prinzen der Philister / und
gegen einem teutschen Fursten / der sich Cimber nennet / und hier in Damasco
sich aufhalten soll. Er hat auch / dieses Cimbers wegen / nicht allein an
hiesigen stattalter geschrieben / sondern auch mir anbefohlen / bei dem
Mamellus mich zu erkundigen / warüm dieser fromde Prinz allhier ist / und ihm
darbei anzudeuten / wiedass er verlange / selbigen bald von Damasco entfernet zu
wissen.
    In solchem wesen habe ich meinen König verlassen. Was die Dalimire belanget
/ so regiret diese den König noch immer / und ist / welches wohl recht
verwundersam / seine vertrauteste in seiner neuen liebe. Sie hat auch hierdurch
sich so fäst in des Konigs gemüt gesetzet / dass sie iezt / mehr als iemals / in
den staatssachen tut / was ihr gelüstet. Der Fürst Sparetes von Almodat /
stehet itzo / mit einem grossen heer Assyrier / auf den gränzen des
Ninivitischen reichs /dessen ursach kein mensch ausgründen kann: und wird dieses
geheimnis allein durch die Dalimire gehandelt und getrieben / da täglich boten
bei ihr und dem Sparetes ab und zu reiten. Das geruchte geht stark hierneben /
wiedass in Babel eine verräterei obhanden sei /und man von der Königin in Elassar
/ wie auch von deren verwanten / den Celten und Teutschen / sich nichtes gutes
zu versehen habe. Ungeacht alles dessen / will dannoch unser König die reise
hieher in Syrien nicht einstellen / sondern setzet dieselbe mit solcher begierde
fort / das leicht abzunemen ist / es stecke mehr darhinter / als man äuserlich
fürgibet / und es sei nicht deren einzige ursache / die einweihung der beiden
tempel für die Egyptische götter.
    Alle geborne Syrer / werden bei hofe uns allen fürgezogen / und liebkoset
man dieser nation dermassen / dass eine nicht geringe eiversucht bei den andern
völkern daher entstehet. Als hiesiger Stattalter die wunderbare begebenheit mit
der Syrischen Aramena nach hof berichtet / bezeugete der König darüber mehr eine
vergnügung / als einiges misbehagen / und sagte zu dem Baracheel: diese
vermälung des Hemors und der Aramena / könnte dem hause Assyrien einen
unverhofften frieden geben. Wie aber vor wenig tagen / zu Acraba die andere
nachricht einliefe / dass Milcaride /und nicht Aramena / an den Hemor getrauet
worden /und dass man von dieser lezten nicht wüste / wo sie geblieben wäre:
betrübte sich der König sehr daruber / und wünschete / dass diese Aramena in
ihrer flucht nicht möchte verunglücket oder ümgekommen sein. Also sehen sie /
gnädigster Prinz! wie verwirrt es bei uns zugehe: da alle diese dinge uns üm so
viel verwundersamer furkommen / weil wir deren ursache so gar nicht errahten
können.
    Mein Spiridates! (sagte hierauf der Prinz / von Assyrien /) Ich bin so
verwirrt über dem / was ihr mir gesaget / dass ich iezt noch weniger weiss / als
zuvor /und bei mir anstehe / worauf ich eigentlich mein nachsinnen richten soll.
Ich will euch / vermöge unsrer alten verträulichkeit / nicht bergen / dass ich
liebe /und zwar die gröste schönheit / die jemals das entfernte Celten mag haben
herfur gebracht. Wie aber /mein vatter diese schöne soll zu sehen bekommen und
lieb gewonnen haben / auch darneben meine neigung gegen ihr erfahren können /
dass vermag ich nicht auszudenken. Ob Abimelech und Cimber meine mitbuler seien /
weiss ich ebenfals noch nicht / verlange auch nicht / ein solches von dem Zameis
zu erfahren: welcher von meiner schönen alle ümstände weiss / die er mir eben
iezt vor eurer Ankunft entdecken wollen. Ich sehe nun dass ich nach hof muss /
dessen ich mich auch nicht weigern werde. Was aber / bei so vielen seltsamen
ümständen / mir daselbst vorstehe / kann allein die zeit eroffnen. Hierauf
beschlosse der Prinz / alsofort nach der stadt umzukehren / um der Königin von
Ninive seine abreise zu vermelden / und sich mit ihr von allen diesen
wunderdingen zu bereden.
    Wie er demnach solches werkstellig gemachet /traffe er die schone Königin
allein in ihrem zimmer an: welche bald an des Prinzen gesicht abname / dass ihme
etwas sonderliches anligen müste. Er erzehlte ihr nach der länge / was er vom
Spiridates vernommen: das sie dann alles gar wohl verstunde / massen es völlig
mit dem bericht überein kame / den ihr der Abimelech getan hatte. Sie wollte
aber dem Prinzen nicht sagen / dass sie die unglückliche person / so diese
eiversucht des vatters gegen seinem sohn verursachete / und dass es mit des
Sparetes feldzug auf ihr reich angesehen wåre: dann sie besorgte / wann Baleus
erfure / dass sie nicht seine schwester sei / möchte seine ehmalige liebe wieder
anbrennen und ihn das in der tat beginnen machen / wessen der König sein
herrvatter sich besorgete. Weil ihr aber / durch diese nachricht / ihre eigene
gefahr / darin sie schwebete /von neuem kund getan worden / als hatte sie mehr
ursach / als der Prinz / hierüber sich zu bekümmern. Es verlangte sie deshalben
herzlich / nach des Arsas wiederkunft von Ninive / üm alle ihre anschläge
darnach einzurichten. Sie sprache aber dem Prinzen tröstlich zu / der hierauf
ihr / als sie von seiner liebe zu reden kamen / ihr eroffnete / wie der Zameis
nicht allein seine schöne Prinzessin wohl kennete; sondern auch ihm in seiner
liebe nützlich zu dienen / versprochen hätte.
    Ist es nicht etwan euer wille / liebste schwester! (sagte er zu der Königin
/) dass Zameis / in eurer gegenwart / durch erzehlung dessen / was er von meiner
schonen weiss / mein unbeschreibliches verlangen vergnuge. Weil mein verlangen /
(antwortete die Königin) so gross ist / als dass eure / diese schöne nicht allein
eigentlicher zu kennen / sondern auch eure vergnügung zu befördern: als wird es
mir gar lieb sein /dass Zameis iezt komme / und uns diss geheimnis eröffne. Der
verliebte Prinz eilete hierauf nach der tur /rieffe den Zameis / und sagte zu
ihm / ihn bei der hand hineinfürend: Die Königin meine schwester /darf alles
wissen / was mich angehet; darum haltet mich nur nicht länger auf / treuster
Zameis! sondern erfüllet iezt gleich mein verlangen / und erzählt mir in
gegenwart der Königin / was euch von meiner Prinzessin bewust ist. Wann mir
erlaubt ist zu reden /(antwortete Zameis / die Königin von Ninive ansehend /) so
will ich meines Prinzen begehren gleich ein genügen leisten: zuvor aber meine
gnädigste Königin allhier zu zeugen anruffen / dass ich / mich auf des Prinzen
von Assyrien beständigkeit verlassend / dieses geheimnis / so mir so hoch
anvertrauet ist / nun entdecken werde. Ich wollte fast nicht zweiflen / (sagte
hierauf die Königin) dass der Prinz nunmehr in seiner liebe beständig bleiben
werde: und sollte hierin meine vermutung fehlschlagen / wurde ich mich nicht
entbrechen konnen / deswegen selbst wider ihn zu sein. Als nun Baleus mit vielen
eidschwuren bekråftiget hatte / dass nichtes in der welt ihn von dieser seiner
häftigen lieb abwendig machen sollte: begunte hierauf Zameis / nachdem ihme die
schöne Königin zu reden erlaubet / folgender massen zu erzählen die
                 Geschichte der teutschen Prinzessin Hercinde.
Die Prinzessin / deren lebenslauf ich mir zu beschreiben furgenommen / stammet
her / auf mütterlicher seite / von dem alten Assyrischen geblute / nämlich von
dem Prinzen Trebeta / des Ninias brudern / den dieser Konig verjaget: daher er
sein gluck in entfernten landen suchen musste / und sich in Celten begabe /da er
die stadt Trier gebauet / und sie nach seinem namen genennet. Er hatte aber /
neben seinen nachkommen / mit den Celtischeñ und Teutschen Königen unaufhörlich
zu kriegen: welches dann / zwischen seinem geschlecht und den andern Celten / zur
erbfeindschaft gedyen. Zu des Konigs Bojus und seines bruders des Marsius zeiten
/ waren des Trebeta nachkommen also herunter gekommen / dass sie die eingenomene
Länder meist wieder verloren / und sich in die wälder und gebirge zu verkriechen
/ genötigt wurden: da dann ihre haubtstadt Trier der König Bojus einbekame / und
das Königliche geschlecht der Trebetier bis auf etliche wenige ausgerottet
wurde. Unter den überbliebenen ware auch / die schone Prinzessin Arovinda: in
die sich der König Marsius verliebte / und wider den willen des Bojus seines
bruders sie heuratete.
    Hieraus nun entstunde / der unversönliche hass zwischen diesen beiden
brudern: der endlich dem Marsius anlass gabe / aus Celten zu fliehen / und seiner
gemalin zum Assyrischen tron habendes recht hier in Asien zu suchen. Nicht
dieses allein aber ware die ursach dieses bruder-hasses; sondern es kame noch
dazu / dass der König Marsius den aus Kitim verjagten König Hesperus / mit dessen
beiden schwestern / der Valentia und Hesperia / in seinen schutz genommen
/welche ihr leiblicher bruder / der Italus Kitim / verjaget hatte. Weil nun
dieser mit dem Konig Bojus im bund stunde / als konnte es dieser gegen dem
Marsius seinem bruder nicht ungeantet lassen. Dieses habe ich mit wenigen
vor-anfüren sollen / damit nachfolgende meine erzehlung desto verständlicher
sein mochte.
    In dieser unruhe wurde von der Arovinda / auf einem bergschlosse / dass der
Fürstin Hesperia zugehörte / die Prinzessin Hercinde geboren: und zwar eben zu
der zeit / da ihr herrvatter / der Konig Marsius / der grausamen verfolgung
seines bruders / aus Celten / hieher in Asien / entweichen / und seine sterbende
Arovinda zurück verlassen musste. Die Furstin Hesperia / die einen Teutschen
Fursten zum gemal gehabt / und denselben / in einem von den lezten kriegen wider
den König Bojus / verloren hatte / name die erziehung der kleinen Hercinde uber
sich: die sie dann /so treulich / als heimlich für den Bojus / verrichtete. Es
liesse sich aber / bald von zarter kindheit an / bei dieser Prinzessin eine
soviel schönheit und eine so dapfre tugend blicke / dass man wohl von ihr hoffen
konnte / sie wurde in beiden stucken sonderbar werden. Alle ihre belustigung /
bestunde in kriegerischen und manlichen ubungen / als etwan pferde zuzureiten
/oder ein wildes tier zu erlegen / oder mit dem bogen zu schiessen / und mit
der schleuder zu werfen. Dieses / neben ihrer grossen schönheit / machte weit
und breit das gerüchte von ihr reden: dannenhero die Hesperia ihr nicht
getrauete / sie långer für dem Bojus zu verbergen / welcher / wann sie ihm wäre
kund werden / sie seiner wut würde aufgeopfert haben.
    Diesem nun fürzukommen / brachte sie die Hercinde an den hof ihres schwagers
/ des Lucus Konigs der Aborigener / welcher ihre schwester die dapfere Valentia
geheuratet hatte: alwo sie / fur dem Bojus sicher / und nach ihrem kriegerischen
gemüt bequemer /leben konnte. Der junge Prinz Tuscus Sicanus / des Königs sohn /
fienge gleich an ihre schonheit anzubeten: bekame aber einen ungleichen mitbuler
an seiner mutter brudern / dem alten König Hesperus / der / wie ich anfangs
berichtet / aus Kitim war von seinem bruder veriaget worden / und nun / nach der
abreise seines ehmaligen beschützers / des Königs Marsius /sich bei diesem
seinem schwager aufhielte. Lucus und Valentia / welche beiderseits die schone
Hercinde herzlich liebten / wünscheten nichtes mehrers / als sie zur
schwiegertochter zu überkommen / und hielten sie von tag zu tag wehrter / iemehr
sich ihnen ihre unvergleichliche edle natur zu erkennen gabe: welche
freundschaft sie dann mit so grosser gegenbezeigung erkannte / als wenig ihr gemüt
sonsten geneigt war /des Tuscus Sicanus / oder des Hesperus / liebes beginnen
anzunemen.
    Diese beide / merketen einander bald ab / dass sie an einer krankheit lagen /
und fiengen daher an / in ehmaliger vertreulichkeit kalt zu werden / und jeder
auf des andern tun und lassen acht zu geben. Sie neideten einander / und kamen
doch ståts bei der Prinzessin zusammen. Hesperus / als ein Konig / und des
andern mutter bruder / vermeinte den vorzug zu haben: welchen ihm aber der Prinz
der Aborigener bestritte / als ein Prinz voll hoffnung / einen tron zu erlangen
/ da der andere nichtes zu hoffen und überdas zimlich viel jare auf sich hatte.
Es fielen öfters entfindliche und harte worte zwischen ihnen: da aber Hercinde
ihre entzweiung / durch ihren grossen verstand / meisterlich wieder beizulegen
wusste. Und weil sie meist auf dem jagen sich bei ihr befunden / als gabe sie
diesen ihren beiden aufwartern / in ausspürung der wilden tiere / so viel zu
schaffen / dass sie selten gelegenheit überkamen / von andern dingen mit ihr zu
reden. Sie konnte auch dergestalt sie beide in den schranken der ehrerbietung
halten / dass keiner von ihnen sich unterfahen dorfte / seine gemütsneigung ihr
zu entdecken.
    Sie war von natur eine feindin der liebe / und tadelte nichtes an dem Tuscus
Sicanus / als dieses / so sie für ein laster hielte: ihr fåst einbildend / man
konne unmüglich zugleich dapfer und verliebt sein. Die Konigin Valentia wollte /
ihrem sohn zum bästen / ihr diese Meinung durch ihr eigenes beispiel benemen:
weil sie den ruhm einer dapfern heldin hatte / und doch dabei den Lucus / ihren
herrn / liebete. Aber Hercinde liesse solches dahin gestellet sein / und gabe für
/ sie hätte ein unüberwindliches gemut / deme nichtes / als der tod / angewinnen
sollte. Weil Tuscus Sicanus noch jung war / als erwartete Valentia von der zeit
die änderung dieser ihrer Meinung / und drunge nicht so sehr in die Hercinde /
üm nicht dadurch sie noch hartnåckichter zu machen. Hingegen bemühte sie sich /
ihrem bruder diese liebe aus dem sinn zu reden: richtete aber anders nichtes
damit aus / als dass dieser alter Hesperus in seiner liebe verborgener wurde /
und sich für ihr zu huten anfienge.
    Wie es nun an des Lucus hof diese gestalt hatte /erfuhre man daselbst / wie
dass der König Italus seine beide Prinzen und Prinzessinnen / den Morges und
Sicorus / die Electra und Roma / von Trier abholen liesse / da sie bisher waren
erzoge worden: und dass des gewesenen Konigs der Janigener / des Blascons /sohn
und tochter / der Camboblasco und die Hermione / sie begleiten würden. Die
erbitterte geschwistern / der Hesperus und die Valentia / aus begierde /sowol an
ihrem bruder / als an ihrem feinde dem Blascon / sich zu råchen / machten
hierauf einen anschlag auf diese königliche personen / und liessen ihnen
vorwarten / als sie über das hohe gebirge der Alpen reisen wollten. Wiewol nun
der dapferen Camboblasco /neben dem Morges und Sicorus / mutigen wiederstand
täten / mussten sie doch endlich sich gefangen geben: da sie dann / mit grossem
frolocken / an des Lucus hof gebracht / und wiewol sie an dem / was ihre eltern
getan hatten / ganz unschuldig waren / aus grausamer rachgier / zu einem
schmälichen tod verdammet. Um aber hiemit dem Blascon / der sich zu Trier
aufhielte / und dem Konig Italus in Kitim / desto weher zu tun / liesse man sie
auf ein bergschloss bringen /und überall aussprengen / wiedass die kinder des
Italus und des Blascons würden hingerichtet werden.
    Der grosmütigen Hercinde gienge dieses fürnemen sehr zu herzen / und kunte
sie solches nicht billigen: wiewol sie selber dem Bojus nicht gut war / weil er
ihr geschlecht auszurotte gesuchet; aber auf eine loblichere art an ihm sich zu
rächen verlangete. Sie fassete demnach einen solchen hass gegen dem Hesperus /
und hielte ihn für so nichtswert / dass er kaum sich mehr erkunen dorfte / für
ihre augen zu kommen. Dem Tuscus Sicanus war dieses eine hohe freude / der dann /
ihr åmsiger als vorhin aufzuwarten / sich befliesse. Und weil er / wie sie /
sein misfallen über dem beginnen der seinigen bezeugte / brachte er damit zu
wegen / dass sie sich mit ihm in verträulichere gespräche einliesse / und endlich
mit ihm abredete / diese gefangene Prinzen und Prinzessinnen los zu machen. Der
verliebte Prinz hierzu von tugend und liebe angereget / setzete alle
betrachtungen hintan / üm allein seiner Prinzessin sich gefållig zu machen. Als
nun die zeit / so sie hierzu bestimmet / erschienen / und alles in bereitschaft
war / stelleten sie sich beide an / als wollten sie / auf etliche tage / ein
jagen anstellen: und weil man dessen bei hof an ihnen schon wohl gewonet war /
als vermutete niemand / dass etwas anders dahinter stecken möchte.
    Also eileten sie / mit ihren bestellten und zusammen gebrachten leuten /
nacht und tag fort / bis sie an das bergschloss kamen / welches mit einer starken
wacht beleget war. Tuscus Sicanus / seine Prinzessin für gefahr zu bewaren /
vermeinte die kriegsleute seines herrvattern zu bereden / dass sie freiwillig
eingelassen würden: aber Hercinde befande solches nicht für ratsam / in erwägung
/ dass man ihnen den rückgang verwehren möchte. Demnach rustete sie sich zum
stürmen / und wie solches handwerk gleichsam ihr element war / als gluckte ihr
dieser kune anschlag so wohl / das sie / neben dem Prinzen / dieses berghaus
erstiege / und alles niederhauend / ihr einen freien pass zu den gefangenen
Königlichen personen offnete. Diese / so an nichtes weniger / als an ihre
erlösung /gedachten / sahen mit bestürzung ihre befreierin zu ihnen in das
gemach eintreten / in welches schloss zusammen zu kommen / der haubtman ihnen
erlaubet hatte. Als sie vernamen / dass es fürnemlich die dapfere Hercinde wäre /
deren sie ihre freiheit zu danken hatten / geschahe solches von ihnen mit ja so
grosser verwunderung als erkentlichkeit: und schaueten die beide brüder aus
Kitim / der Morges und Sicorus /und der Prinz der Aborigener / einander sonder
hass an / sich mehr erinnerend / dass sie zusammen geschwister-kinder waren / als
dass sie an ihrer eltern feindseligkeit hätten gedenken mogen.
    Diese Prinzen / neben der erlösten Hermione /Electra und Roma / hafteten
noch in besturzter freude / und konten ihre so unvermutete erlosung nicht
begreifen: als gegen der nacht unversehens ein neuer auflauf entstunde / und ein
ruffen / wie dass die burg abermals erstiegen würde. Wie nun die Prinzen /neben
der Hercinde / hinaus und diesem geschrei zu liefen / fanden sie zwar ihre leute
fechten / aber mit so schlechtem fortgang / dass die fromde ankommende sich eben
meister von der maur sahen / als diese dazu kamen. Die mutige Hercinde / so
keine gefahr scheuete / eilete dem fürer dieser frömden entgegen / mit demselben
sich in einen kampf einlassend: welcher beiden das leben würde gekostet haben /
wan man sie nicht / wiewol beiderseits schwerlich verwundet / und fast onmåchtig
/ von einander gebracht hätte. Es war aber dieser frömder / der Prinz Jetur von
Hevila: welcher aus begierde / fromde reiche zu suchen / gar biss in das
entfernte Celten gereiset / und eine geraume zeit am Trierischen hofe / (wiewol
heimlich / und aus sonderbaren ursachen / die in diese erzehlung nicht gehören /
unbekant /) sich aufgehalten. Die schonheit der Prinzessin Roma hatte ihn so
eingenommen / dass er nicht allein ihr daselbst aufgewartet / sondern auch in
ihrem abzug ihr nach Kitim zu folgen willens gewesen. Wie er aber nachmals / in
der Aborigener land / von ihrer gefängnis vernommen / hatte ihn die liebe zu
dieser Entschliessung getrieben / seine Prinzessin zu erlösen.
    Als er nun von der Hercinde solcher massen verwundet worden / erkannten ihn /
bei dem schein der herbei gebrachten fakeln / die Prinzen Morges / Sicorus / und
Cambloblasco / fur ihren alten freund / den sie zu Trier erworben / und gleich
vermutend / es würde dieses zu ihrer erlosung angesehen sein / riefen sie / dass
man mit aller tåtlichkeit ferner einhalten sollte. Also ward im augenblick wieder
friede / und truge man den verwundten Jetur / wie auch die schier onmåchtige
Hercinde / in zwei absonderliche gemächer / alda mit allem fleiss nach ihren
wunden gesehen wurde: Dan die erloste Prinzen und Prinzessinnen für sie beide
gar besorget waren / als für die jenigen / die wegen ihrer befreiung in solchen
stand gerahten. Als Jetur erfuhre / dass er eine Prinzessin verwundet / die so
wohl / als er / für der andern freiheit gefochten hatte / wurde er darum sehr
bekümmert / und fårtigte / weil er es selber nicht zu tun vermochte / den
Prinzen Morges an sie ab / seine entschuldigung dieserwegen bei ihr abzulegen.
Hercinde vergabe ihm gern / was er ihr hierinn zuwider getan / und lobete
überdas seine treu und dapferkeit / die er hierdurch an seinen freunden und an
ihr erwiesen. Es ist leicht zu erachten wie /für allen / der Tuscus Sicanus üm
seine Prinzessin sorgfältig worden / als er sie in solchem zustand gesehen. Alle
nur ersinnliche pflege / wurde ihr / so wohl von ihm / als fürnemlich von den
dreien Prinzessinnen / geleistet.
    Als die groste gefahr vorbei war / und sich bei ihr das blut gestillet hatte
/ gedachte sie mehr an das heil der andern / als an ihr eigenes / und triebe sie
ingesamt an / ihre reise nach Kitim zu dem König Italus zu beschleunigen / bevor
der Lucus / und ihr abgesagter feind der Hesperus / ihrer befreiung innen
wurden. So ungern sie nun ihre woltäterin verliessen / so nötig wurde doch
solches befunden. Also reiseten / die vier kinder des Italus / neben dem
Camboblasco und dessen schwester / aus diesem ihrem gefängnis hinweg: die
ungemeine grosmut der Hercinde und des Tuscus Sicanus / bis an den himmel
erhebend. Weil die Prinzessin Roma ihren geliebten Jetur / wegen seiner wunden
/ alda zurück lassen musste / als entfohle sie ihn der Hercinde auf das
treulichste / und bate ihn /dass er sie auf allen notfall / wider den Konig der
Aborigener / in schutz nemen wollte. Als sie hinweg waren / färtigte Tuscus
Sicanus gleich einen boten ab / an seinen herrvattern / und täte ihm zu wissen
/ wie ihn und die grosmütige Hercinde die erbarmung angetrieben hätte / diese
unschuldige personen / über welche man ein so strenges urteil fällen wollen / zu
erledigen: nicht fürchtend / dass der König dieses ihr beginnen so gar ungutig
aufnemen würde / dass er deswegen keine vergebung zu hoffen haben sollte.
    Als der bote in des Lucus hof ankame / und diesen verlauf der erledigung
erzählt / stritte in des Lucus gemüte die verwunderung und der unwille: da
leichtlich die erste in ihm die oberhand wurde behalten haben / wann nicht der
Hesperus wåre dazu gekommen. Dieser deutete des Prinzen Tuscus Sicanus beginnen
so übel aus / dass der König sein schwager bewogen wurde / seinem sohn auf ein
zeitlang das reich zu verbieten. Hercinde aber wurde / wieder nach hof zu kommen
/ beruffen. Die Konigin Valentia reisete selber dahin / ihr in dieser krankheit
handreichung zu bieten: da sie dann den Prinzen im begriffe fand / dem strengen
befehl des Konigs zu gehorsamen / und sich hinweg zu machen.
    Nichtes fiele ihm hierbei schmerzlicher / als dass er die Hercinde verlassen
musste: und zwar bei dem Hesperus / seinem mitbuler / der sich nun seiner
abwesenheit bedienen wurde. Bei diesem abschied / stellte er die stäts
beobachtete ehrerbietung ein wenig auf die seite / uñ entdeckte sich seiner
Hercinde etwas kecker / als er sonst mochte getan haben. Sie wollte aber von
dergleichen ganz nichtes hören / und so hoch sie ihn versicherte / dass zeit
seiner abwesenheit / weder der Hesperus / noch iemand anderer / ihme bei ihr
würde schaden konnen / so wenig hoffnung gabe sie ihm hingegen / dass ihme
solches worzu nützen sollte. Ja sie erklårte sich frei gegen ihme / dass sie weder
ihn /noch einigen menschen / also / wie er es wunschete /lieben könnte; und
mochte er das für ein grosses zeichen ihrer sonderbaren hochachtung fur seine
person erkennen / dass sie gegen ihn / nach seiner so künen erklärung / ihren
unwillen nicht völlig blicken liesse /den sie darüm hinterhielte / weil es sie
schmerze / dass er üm tugend willen / also übel von seinen herrvattern angesehen
/ und sein dapferes beginnen ihm so übel belonet wurde. Der arme Prinz / musste
sich hiermit abweisen lassen: ware aber doch etlicher massen zu frieden / dass er
in der hoffnung dorfte abscheiden / in seiner abwesenheit keinen glucklichern
mitbuler zu überkommen Valentia / wiewol sie ihrem sohn diese tat auch verwiese
/ liesse doch / zwischen ihrem zorn / die mutterliche liebe herfur blicken: dass
also der Prinz nicht ursach hatte / sich über sie zu beschweren. Doch musste er /
gleich den andern tag nach ihrer ankunft / hinweg reisen: und begehrte seine
fraumutter an ihn / dass er nach Asien gehen und an des Marsius Königs von Basan
hof sich begebenssolte.
    Die grosmütige Hercinde truge hierauf sorgfalt / für den Prinzen Jetur /
den ihr die Roma so hoch anbefohlen hatte / und brachte bei der Valentia zu
wegen /dass er wohl in acht genomen / und ihm als einem ausländer alles zu gut
gehalten wurde / was er in ersteigung des bergschlosses begangen hätte. Wie nun
seine und der Hercinde wunden gånzlich geheilet waren / reiseten sie wieder nach
hof ab: da ein kleiner verweis / den sie vom König entfienge / alle der Hercinde
straffe war / die sie hierum leiden musste. Aber die plage / die ihr der Hesperus
antäte / ware ihr viel schwerer und unerträglicher: massen er ståts üm sie war /
und ihr von seiner liebe fursagte / auch ihre harte antwort und unfreundliches
bezeigen sich im geringsten nicht davon abhalten liesse. Der wackere Jetur
hielte sich auch fleissig zu der Hercinde / und fand ihre schönheit und
gesellschaft so vollkommen / dass er von diesem hof nicht sehr hinweg eilete /
sondern gar willig an einem ort / da er so gern war / sich aufhalten liesse.
    Es hatte aber das gerüchte / wie der König Lucus /so wohl des Königs von
Kitim / als auch des Blascons kinder / welche letzere des Königs Bojus aus
Celten schwester / die Martinde / zur mutter hatten / wollte hinrichten lassen /
sich überall ausgebreitet: welches dann / wiewol sie schon wieder befreit waren
/ ursach gabe / dass die Konige von Celten und Kitim den Lucus mit heersmacht
überzogen / üm dieser wegen an ihm sich zu råchen. Die Aborigener aber waren
/wider diese gewaltige feinde / unerschrocken / und teilten sich in zwei
haufen: da Lucus den ankommenden Celten / Valentia aber / mit ihrem bruder dem
Hesperus / und mit der Hercinde / dem Italus Kitim ihrem bruder entgegen zoge.
Diese Valentia / war des kriegens wohl gewonet: daher sie ein grosse mänge weiber
abgerichtet hatte / welche mit ihr pflegten zu feld zu gehen / und auch diesen
zug mit verrichteten. Die freudige Hercinde täte von der welt nichtes lieber /
als diese reise / und beredte auch den Jetur /dass er / als ein freiwilliger /
ohne annemung eines kriegs-amtes / sich hierbei gebrauchen liesse. Er weigerte
sich zwar anfangs / wider den vatter seiner Roma zu fechten: weil aber Hercinde
diese betrachtung nur verlachete / und seine dapferkeit / auch dass er diesem zug
aus dankbarkeit beiwonen müsse / für die guttaten / die ihme an des Lucus hof
wiederfahren / ihm fürhielte / liesse er sich bereden / und war im feld stäts der
Hercinde zur seiten: deren frisches wesen / und unermüdete wachsamkeit / er
nicht gnugsam bewundern konnte.
    Wie nun die beide heere gegen einander zu stehen gekommen / und nur ein
weites tal zwischen sich hatten / das sie voneinander scheidete: war die hitze
und der eifer bei der Valentia und dem Hesperus so gross / dass sie alsofort auf
ihren ankommende bruder /den Italus / wollte los gehen. Dann ihr hass gegen diesen
König / war so håftig / dass die länge der zeit sie nicht konnte vergessen machen
/ was ihr und den ihrigen dieser bruder zu leid getan hatte: wordurch sich dann
wahr erwiesen / dass kein hass tiefer in das geblüt einwurzle / als der unter
blutsfreunden entstehet. Italus Kitim hingegen / als der noch eine neigung gegen
diese seine schwester / wiewol er sie ins elend verjaget / in sich entfunde /
erwiese sich nicht so hitzig /wie sein gegenpart / sondern sandte der Valentia
einen seiner fürnemsten haubtleute entgegen / und liesse ihr sagen: Es befrömde
ihn / dass er nicht den Konig Lucus / an ihrer statt / hier finde / mit dem er
/und nicht mit ihr / es auszufuren hätte / was ihm in der person seiner kinder
wäre zu leid geschehen. Valentia liesse ihm hierauf zur antwort sagen: dass ihr
herr / der Lucus / seine des Italus kinder gefangen nemen lassen / sei geschehen
/ um / ihre und des Königs Hesperus rache zu suchen; daher auch ihr wohl anstehe
/ dass sie ihm dafür mit den waffen ein genügen tue / weile er das auf solche
weise begehrt hätte. Nach dieser botschaft / rüsteten sich beide heere zum
streit / und sobald der morgen aufgienge / brachen sie zu einander ein. Valentia
und Hercinde verrichtete alhier wunderdinge / sonderlich die lezte / deren arm
so viele / als ihre schönheit / verwundete. Der sieg bliebe auf der Aborigener
seite / und wurde der Italus Kitim zu weichen genötigt: der dann mit den seinigen
eine klippe einname / die von natur so beschaffen war /dass aus ihren vielen
holen und winkeln grosse gegenwehr geschehen kunte.
    Wie nun also Valentia / neben ihrem bruder / sieghaft in ihr lager
wiedergekehret / wurde Hercinde gemisset / und überall vergeblich gesuchet.
Dieser verlust machte den Alborigenern ihren sieg so bitter /weil sie solchen
alle dieser heldin zu schrieben / dass /an statt des freudengeschreies / ein
allgemeines wehklagen unter dem heer entstanden: welches sich zwar folgenden
tags ein wenig wieder stillete / als man erfuhre / dass sie / wie auch der Prinz
von Hevila / vom feind wåren gefangen worden. In diese gefängnis war die küne
Hercinde gerahten / weil sie sich allzusehr in den feind hinein gewaget: doch
erleichterte dieses ihre bande / dass sie sich hierdurch wieder in der
Prinzessinnen Electra und Roma gesellschaft sah / als welche dem Konig ihrem
herrvatter mit ins feld gefolget waren. Die Roma bezeigte sich zwar anfangs
gegen dem Prinzen von Hevila gar übel zu frieden / dass er die waffen wider sie
gefüret; und liesse daneben nicht eine geringe eiversucht gegen der Hercinde
blicken: welche ihr aber solche bald wieder bename / als sie ihr alle ümstånde
berichtete / dadurch der Prinz zu diesem feldzug bewogen worden. Worauf die
liebes erbarmung bei dieser Prinzessin sich bald wieder einstellete / also dass
sie des gefangenen Jetur wohl pflegen liesse / und durch vermittelung ihrer
brüder es dahin brachte / dass er dorfte in ihre gesellschaft kommen.
    Wie nun also der Italus in der klippen lage / berennte Valentia dieselbe /
und bemühete sich täglich /dem feinde neuen abbruch zu tun. Eines tags / als
sie mit wenigen der ihrigen sich zu nahe an die klippen wagete / brache ein
grosser haufe vom feind auf sie los: unter deren månge sie hätte erligen mussen
/ wan es ohne den schutz eines unbekanten ritters gewesen wåre / der so dapfer
für sie fochte / dass / mitlerweil er fast allein den feind aufhielte / die
Königin gelegenheit bekame / sich in sicherheit zu entziehen. Dieser frömde /
war ihr sohn / der Prinz Tuscus Sicanus /welcher also zu rechter zeit diese
kindliche treue seiner fraumutter erwiese. Er hatte / nach seiner verbanuung von
hof / noch immer in den benachbarten ländern ümher gewandert: bis das geschrei
von diesem krieg ihn hieher gefüret / wo er den seinigen /und sonderlich seiner
Hercinde / dienst zu leisten vermeint. Er musste aber / wegen der vielen
entfangenen wunden / und weil er sich vom feind übermannet sah / sich lassen
gefangen nemen: zu unbeschreiblicher freude des Italus Kitim / als welcher nun
die beide personen in händen hatte / die der Valentia die liebsten in der welt
waren. Weil er aber wohl wusste / dass dieser Prinz und die Hercinde die seinigen
vom tod befreit hatten / als erwiese er ihnen alle hoflichkeit /und gewann den
Prinzen / als seiner schwester sohn /sehr lieb / dass er endlich auf die gedanken
geriete /ihn mit einer von seinen töchtern zu verehlichen / und zwar zugleich
hierdurch frieden zu stiften. Hierzu nun erkiesete er die Prinzessin Roma: weil
die ältere Prinzessin / mit seiner bewilligung / bereits an den Prinze
Camboblasco verlobet war. Er hielte aber diese seine gedanken anfangs gar
heimlich / und merkte inzwischen / dass der Tuscus Sicanus die Hercinde liebte
/und der Jetur seiner tochter aufwartete: weshalbe er nicht vergebens befahrete
/ dass dieses seinem fürhaben hinternis bringen würde. Er war aber entschlossen /
eher seine ganze macht daran zu setzen / als dieses nicht nach seinem verlangen
werkstellig zu sehen.
    Die freimütige Hercinde / bekümmerte sich in dieser ihrer gefängnis üm
nichtes / als dass sie aus dem stand gesetzet war / kriegerischen ubungen
obzuligen: dann auser diesem / gienge es ihr gar wohl / in gesellschaft der dreien
Prinzessinnen und der Prinzen. Es lebete auch der Jetur so vergnugt bei seiner
Roma /und Tuscus Sicanus war so wohl zu frieden / seine schone Hercinde / ob
schon von ihr ungeliebt / nur zu sehen / dass ihrer keines daran gedachte / dass
sie gefangen wåren. Aber die Valentia liesse ihr / diese ihres Sohnes und der
Hercinde bande / tieffer zu herzen gehen / und stunde ihrentalber alle angst
aus /welche ihr des Italus Kitim rachgier fürbilden konnte. Es wolt auch der
verliebte Hesperus schier verzweiflen / wan er an seine Hercinde gedachte. Diese
beide gerieten hierüber zu dieser åusersten Entschliessung /dass sie einsmals bei
nächtlicher zeit / den felsen / darin der Italus mit den seinigen und mit den
gefangenen sich befande / unversehens stürmeten / und dergestalt in den klippen
sich verstiegen / dass sie ganz von den ihrigen sich verloren / und bei
anbrechendem tage / (als inzwischen / aus mangel eines anfürers / die Aborigener
mit grossen verlust wieder abgezogen waren) von den feinden ersehen und gefangen
genommen wurden.
    Der Konig Italus / nachdem er also / auch seinen bruder und schwester / in
seinen händen sah / die ihn und die seinigen so håftig verfolgten / besonne
sich nicht lang / was nun zu tun wäre / sondern befahle alsofort den seinigen /
dass sie nach Kitim auf brechen sollten. Solcher gestalt zoge er mit seinen
gefangenen davon / die Aborigener in der hochsten bestürzung verlassend: weil
nicht allein ihre Königin / samt dem Kronprinzen / in des feindes händen blieben
/ sondern auch ihr König nicht im land ware. Es kame aber /nicht lang hiernach
dieser ihr Konig Lucus sieghaft wieder nach haus / nachdem er die Celten
gezwungen / sein land zu verlassen / und üm frieden zu bitten. Als er nun / bei
seiner ankunft / die betrübte zeitung vernemen musste / wie es seiner gemalin /
ihrem bruder und seinem sohn ergangen ware: bote er eilends alles auf / was nur
zum krieg sich schickete / und brache in Kitim ein / um die seinige wieder zu
befreien. Italus / der solches wohl vermutet / aber an statt der rache und
feindseligkeit / nur mit friedensgedanken ümgienge / hatte an den gränzen seines
reichs / auf ein fästes unuberwindliches bergschloss / mit seiner beute sich
begeben: alda er / mitlerweil der ergrimte Lucus zum feindlichen angriff alle
anstalt machete /von lauter verheuratungen gehandelt. Er liesse der Valentia
antragen / dass er / ihrem sohn seine tochter zu geben / gemeinet wäre. Als er
auch seines bruders liebe zu der Hercinde erfahren / bote er sich gleichfalls an
/ dieselbe an ihn zu verheuraten. Diese unvermutete anwerbungen kamen diesen
beiden geschwistern verwundersam fur / dass sie es für keinen rechten ernst des
Italus hielten. Daher die grosmütige Valentia ihrem bruder hinwiederüm zu
entboten: wie sie nicht müglich gläube / dass er mit der jenige gedächte in
nähere freundschaft zu treten / die er vordessen ins elend verjaget; und vermute
sie eher / dass man ihr den tod ihres sohnes / als seine vermälung mit der Roma
/ankündigen möchte.
    Der König Italus veranlassete hierauf eine zusammenkunft / da er vorher
seine schwester noch nicht besuchet hatte. Das natürliche Blut / welches so viel
jahre gegen einander erfroren gewesen / begunte sich an beiden seiten / in
dieser ansprache / wieder zu erhitzen: also dass sie mit tränen einander
ümfiengen /und unter sich eine vollige verträulichkeit wieder stifteten / auch
zu deren versicherung / ihre kinder alsofort einander versprachen. Hierauf wurde
der Hesperus auch zu ihnen beruffen / welchen der Italus mit wenig worten
ermanete / die geschehene dinge zu vergessen / und von ihm / einen teil der
Janigener landschaft / neben der schonen Hercinde / anzunemen. Hesperus besonne
sich nicht lang / dieses gütige erbieten seines bruders willigst anzunemen:
fürnemlich / da er ihm / die besitzung der schonen Hercinde /welche er über alle
Königreiche der welt schätzete /daneben verhiesse. Er begabe sich auch gern
alles rechtes an Kitim / nun er diese glückseligkeit erlangen sollte. Es wurde
hierauf abgeredet / dass Valentia dem Prinzen ihrem sohn / und Italus seiner
tochter / was sie zusammen geschlossen / fürtragen sollten: zu welchem ende der
Tuscus Sicanus gleich zu der Königin beruffen wurde / mitlerweil der König die
Roma für sich kommen liesse.
    Weil die Valentia wohl erachten konnte / wie schwer es dem Prinzen ankommen
würde / seine Hercinde zu verlassen / die er so herzlich und häftig liebete: als
gebrauchte sie sich aller ihrer beredsamkeit / ihme die notwendigkeit dieser
heurat mit der Prinzessin von Kitim furzustellen / und dass hierauf ihr leben /
die wolfart ihres reiches / ja ihr einiges wolergehen beruhete. Sie richtete
aber / mit allen ihrem grunden / anders nichts aus / als dass sie ihren sohn zu
dieser verzweifelten Entschliessung brachte / lieber sein leben für ihrer aller
heil aufzuopfern / und der Roma die anwartung seines reiches zu übergeben / als
dass er der Hercinde sollte unbeständig werden. Misglückte aber solcher gestalt
der Valentia dieses ihr gewerbe / so ergienge es dem Italus mit seiner tochter
nicht viel bässer: massen dieselbe durchaus nichts hören wollte von dem Prinzen
der Aborigener / sondern ihrem Jetur beständig zu bleiben / höchst betraurete.
    Als nun Italus und Valentia diese widerspenstigkeit ihrer Kinder einander
ankundigten / befunde der König von Kitim für gut / hieriñ die strenge zu
gebrauchen / und redete mit seiner schwester ab / dass sie die harte verfarungen
/ die er zum schein verkehren wurde / sich nicht sollte befrömden lassen. Demnach
befahle er / dass Valentia so wohl / als die Hercinde und der Jetur / genau
bewachet / und ohne sein wissen / niemand zu ihnen sollte gelassen werden.
Hiernächst liesse er den Prinzen Tuscus Sicanus / und die Roma / für sich kommen
/ und kündigte ihnen an /dass sie innerhalb dreien tagen sich entschliessen
müsten / einander zu ehlichen: widrigen falls sollte / nach verlauf derselbigen /
die Valentia so wohl / als Hercinde und Jetur / es mit ihrem leben bezahlen.
Alles klägliche gebärden des verzweifelten Prinzen und der verliebten Prinzessin
/ ware vergeblich / den Konig zu einer andern Entschliessung zu bewegen: welcher
sie wieder in ihre zimmer gehen / und daselbst / die drei tage über / sich
bedenken hiese / ob der Prinz lieber den tod seiner mutter und der Hercinde
befördern / als durch ehlichung der Roma solches abwenden; und ob die Roma /
eher ihres Jeturs tod / als demselben unbeständig zu werden / erwählen wollte?
    Der erste tag gienge nun ganz unschlussig fürbei /und liessen sie dem König
nichtes sagen. Den folgenden tag aber / als die auslaufende frist-zeit ihnen
/wegen der Valentia / Hercinde / und des Jetur / bang und angst machete / baten
sie beiderseits üm erlaubnis die Hercinde und den Jetur zu sprechen. Hierauf
liesse der König / diese beide / welche bisher die ursach ihrer neuen gefängnis
noch nicht erfahren hatten / in einen saal füren / und ihnen / durch einem
seiner feldobristen / andeuten: Sie beide / und die Valentia /sollten sich
alsobald zum tod bereiten / oder den Prinzen der Aborigener und die Roma dahin
bereden / dass sie einander ehlichten. Hercinde hörete / dieses anbringen / ganz
kaltsinnig und sonder entfindung an: aber der Jetur konnte diesen befehl / der
ihme schmerzlicher als der tod fiele / sonder grausen nicht vernemen. Gleich
darauf brachte man auch den Tuscus Sicanus / und die Roma / zu ihnen / und liesse
also diese viere allein beisammen. Sie waren alle / auser der Hercinde / ganz
erstaunet von bekümmernis / und redeten allein mit ihren tränenden augen: weil
der mund / wegen der grösse ihres leidens / kein wort herfürzubringen vermochte.
    Hercinde sah die drei verliebte eine weile an / und endlich gienge sie zu
der Roma / deren sie also zuredete: Wie / liebste Prinzessin! konnet ihr euch
wohl eine so leichte sache / so schwer machen? Und / wie soll sich das reimen: ihr
liebt den Jetur / und begehret ihme doch nicht das leben zu retten / welches
er /üm eurer liebe willen / verlieren soll? wollet ihr nicht /euren sinn zu
ändern / dem unwidersprechlichen geschicke / ja der gesunden vernunft / folgen?
Wann ihr den Prinzen der Aborigener ehlichet / so stiftet ihr frieden zwischen
euren blutsfreunden / und tut ein rümliches werk / davon die nachwelt wird zu
sagen haben. Wann ihr aber einer törichten und unmüglichen liebesregung folget /
so erweiset ihr damit / dass euch / (welches euch zu kleinem ruhm gereichet /)
das heil des landes Kitim und der Aborigener wenig anlige: indem ihr lieber den
untergang derselben und des Jeturs tod befördern / als durch einen geringen
zwang dieses alles verhüten wollet. Nachdem sie dieses gesaget / name sie die
Roma bei der hand / und sie zu dem Jetur fürend / redete sie denselben also an:
Verzeihet mir / Prinz von Hevila! dass ich diese Prinzessin solcher massen abmane
/ euch beständig zu bleiben. Wofern ihr vernunft habet / und die wolfart der
Roma wünschet und verlanget / so werdet ihr ja selbst sie bereden helfen lieber
Königin der Aborigener zu werden / als in so unglückseeliger liebe gegen euch zu
verharren. Ich lasse euch hiermit beisammen. Setzet eure liebesregungen ein
wenig beiseit / und beredet euch hierüber mit eurer gesunden vernunft: was gilts
/ ihr werdet euch bald überwinden.
    Hiermit gienge sie / von diesen beiden / zu dem Prinzen der Aborigener / den
sie also anredte: von euch edler Prinz! habe ich die hoffnung / ihr werdet euch
nicht so unbesinnt erweisen / dass ihr lieber eine mutter dahin geben / ja kron
und tron verlieren / als eine schöne Prinzessin zu ehlichen einwilligen soltet.
Ihr habt mich bisher / und zwar wider meinen willen /geliebt: dieses einige
habe ich auch nur an euch gehasset. Ich widerhole euch aber hiemit meine
erklärung / die ihr schon oft von mir gehöret / dass ich nämlich mich nimmermehr
versehlichen / und so wenig euch / als einigen menschen in der welt / auf solche
weise lieben werde. Nicht spreche ich euch also zu / aus furcht fur dem tode /
den man mir drohet / wofern ihr eure liebe nicht åndert: sondern es geschihet
aus mitleiden / dass ein so vernünftiger Prinz / wie ihr sonsten seit / hierinn
sich so vergehen / und seinen guten nachrum meinetwegen verlieren soll. Valentia
/neben ihrem sohn / soll sterben: warüm? Weil Tuscus Sicanus sich nicht
übermeistern kann / eine Hercinde zu verlassen / die ihn niemals lieben wird; und
eine schöne Prinzessin zu ehlichen / welche zweien häusern die gewünschte ruhe
und einigkeit kann zu wege bringen. Ach grausame Hercinde! (fiele ihr hier der
Prinz in die rede /) ihr verschweiget hiebei / was mich am ersten wird bewegen
können. Hercinden tod / den man ihr drohet / der / der überwindet mich / dass ich
/ob ich zwar niemals sie zu lieben aufhören werde /dannoch / meine hoffnung /
iemals ihr felsenherze zu erweichen / verbannend / die Roma ehlichen werde.
Liebet / liebt mich! (antwortete Hecinde /) nur ehlichet die Roma / mit der
versicherung / dass ihr mir nun lieber seit / als vorhin: weil ich ohne die
furcht euch ansehen darf / dass ihr von mir begehren werdet /was ich euch
abschlagen müste.
    Indem tratte die Roma herzu / samt dem Jetur /mit dem sie bisher allein
geredet hatte / und sagte zu dem Tuscus Sicanus: wofern euch / Prinz der
Aborigener! eure Hercinde dahin bereden können / sie zu verlassen / so wisset /
dass ich ein gleiches zu tun entschlossen bin. Ich erbiete mich / euch zu
ehlichen /damit mein Prinz von Hevila beim leben bleibe. Gleichwie ich aber euch
iederzeit erinnern werde / die Hercinde beständig zu lieben: also werdet ihr mir
auch gonnen / dass / ob ich euch meinen leib gebe /mein herz dannoch der Jetur
behalte und besitze. Nachdem sie diese worte mit mühe herfür gebracht hatte /
fiele sie dem halbtodten Jetur onmächtig in die arme: da dann / auf der andern
ihr geschrei / von der Roma bedienten etliche in den saal kamen / und ihre
Prinzessin in so elender gestalt nach ihrem zimmer brachten.
    Es hatte aber Italus Kitim / neben dem Hesperus /seinem bruder / in einem
verborgenen winkel / alle unterredungen dieser vier personen mit angehöret /und
tratten sie beide herfür / als man die Roma solcher massen onmächtig hinweg
brachte. Hercinde / als die mutigste / gienge dem Italus entgegen / und
überwande sich / ungeacht sie gegen diesem Konig / weil er solcher tyrannei sich
bediente / keine hochschåtzung mehr hegete / ihn also anzusprechen: E. Maj.
haben nicht ursach / ihre unschuldige schwester / die Königin Valentia / tödten
zu lassen / weil ihr sohn sich bequemen wird / E. Maj. eidam zu heisen; demnach
wird / der Prinz von Hevila und ich / auch hoffen dörfen / bässer als bisher
geschehen / in E. Maj. schloss gehalten zu werden. Vergebet mir darfere
Prinzessin! (antwortete Italus Kitim /) dass ich mich solcher grausamkeit
bedienen müssen / üm / den Prinzen der Aborigener / und meine tochter / zur
wahren vernunft zu bringen. Euren überredungen / die ich mit angehöret / habe
ich alles zu danken / und will ich euch dafur meinen bruder geben / als der von
eurer schonheit fürlängst uberwunden ist: damit hierdurch völlig / der friede
und die einigkeit / 'n unserem haus mö-aufgerichtet werden.
    Als er dieses gesagt / name er den Hesperus bei der hand / und wollte ihn der
Hercinde-zufüren: dieselbe aber wiche etliche schritte zurück / und mit
verächtlichen gebärden den Hesperus ansehend / sagte sie: wofern man meine reden
/ die ich iezt gegen dem Prinzen der Aborigener gefüret / mit angehöret hat / so
wundert mich / dass Hesperus meiner begehre / und der König Italus mich ihme zu
geben vermeint. Ich habe nicht darüm den Tuscus Sicanus von seiner liebe gegen
mir gemanet / dass ich den Hesperus an seiner statt wählen möchte / sondern weil
ich befunden / dass / auf diesem schluss / der beiden reiche beruhigung bestehe.
Es wird aber wohl ruhe und friede / im lande der Aborigener und hier in Kitim /
können fäst gestellet werden / sonder dass ich darüm meinen freien sinn zwinge
und den Hesperus ehliche. Ihr bedenket nicht /wo ihr seit / (gabe ihr Hesperus
zur antwort /) und vergesset / dass ihr vor einem König stehet / der euch alles
befehlen kann / was ihm gelüstet. Todten kann er mich wohl lassen / (antwortete sie
ganz hönisch /) aber nicht meinen willen ubermeistern. Und wann ihm sein bruder
lieb ist / wird er denselben nicht / auf solche gefahr / in einer wütenden
frauen hände liefern. Man wird wissen / (sagte Italus hierauf /) wie man der
schönen Hercinde dieses wüten beneme.
    Hiemit befahle er / die Hercinde wieder nach ihrem zimmer zu bringen / und
ja so stark / als zuvor / zu bewachen. Als man nun auch den Jetur wieder
abfuren wollte / warfe er sich zu des Königs süssen / und bate / dass er ihn wollte
tödten lassen / wofern er sein reich unbeunruhigt / und die zwang heurat seiner
tochter unzerstöret verlange. Dieses begehren / (sagte der erzürnte König /) kann
leicht erfullet werden / und hätte wohl / sonder diese erinnerung / geschehen
sollen. Also wurde dieser verzweifelte verliebte fortgefüret / und bliebe der
König entschlossen / ihn der Roma / durch den tod / aus den augen zu bringen.
Also ware im saal noch der einige Prinz der Aborigener übrig / welcher über dem
/ was mit ihm fürgegangen / so gar aus sich selber geblieben / dass er von der
unterredung des Königs und der Hercinde nichts gehöret / und schier nicht wusste
/ ob er wachete oder traumete. Es name ihn aber der Italus bei der hand /und
fürete ihn nach der Valentia: deren er dann erzehlte / wie ihr sohn / um ihr das
leben zu retten / sich nun dazu bequemet håtte / sein eidam zu werden / und
sollte deswegen sie hiermit ihre freiheit wieder haben. Valentia / die mit dem
Konig all dieses scheinwerk abgeredet hatte / fiele ihrem sohn üm den hals / und
dankte ihm also / für die erhaltung ihres lebens. Der arme Prinz sah sich
genotdränget / zu allem ja zu sagen / was man ihm fürsagte: und überwande er
sich also / üm / seiner Hercinde tod zu verhintern. Inzwischen wurde der Roma
hochzeit / ungeacht ihrer schwachheit / auf den folgenden tag angesetzet.
    Der König Lucus / so von allem diesem nichts wusste / war indessen drunten in
grossem eifer begriffen / das schloss in einem sturm zu ersteigen: dessen aber
die daroben spotteten / weil nur ein einiger steig hinauf gienge / und die burg
sonst allentalben mit jähen unwegsamen felsen und klippen ümgeben war. Italus
wollte den Lucus zuvor noch etwas quålen / ehe er ihm seine friedens-gedanken
eröffnete. Es streckte sich / für dem schloss hinaus / ein platter fels / welchen
der Lucus recht in den augen hatte / und alles /was man darauf täte / aus
seinem lager absehen konnte. Auf diesem felsen / liesse Italus die trauung des
Tuscus Sicanus mit der Roma / wie auch des Hesperus mit der Hercinde / und dann
die hinrichtung des Jetur / fürnemen. Zuvor aber hiesse er alle zurüstung / zur
hinrichtung der Valentia / des Prinzens und der andern / herfür bringen: womit
er den Lucus in angst setzen / und also zwingen wollte / frieden zu begehren. Wie
nun alles bereitet war / fürete man zu erst die Valentia auf den plan / mit
gebundenen hånden / und umgeben von den Opferpriestern / die alle bereitschaft
bei sich hatten. Dieser folgete / ihr und des Lucus einiger sohn / der Prinz
Tuscus Sicanus: welcher dann im werk so elend aussah / dass niemand zweiflen
konnte /er würde ernstlich zum tod gefüret. Hierauf kame Hesperus mit gebundenen
händen / auch die Hercinde / gleichfals in banden / und letzlich der Jetur:
welche beide man dem Tuscus Sicanus und der Roma fürstellte / als ein
schlachtopfer / wofern sie die geringste weigerung / einander die eheliche hand
zu geben /würden blicken lassen; wiewol / wie gesagt / der arme Jetur ohnedas
den kopf hergeben sollte. Auf der andern seite des felsens / erschiene der König
Italus /mit der hofstatt / neben allen seinen kindern.
    Die Aborigener / welche ihr König eben zum sturm anfürete / erstutzeten über
dieser traurgeschicht / und der verzweifelte Lucus zerrisse seine kleider / als
er seine liebste gemalin / seinen sohn und schwagern /auch die Hercinde / welche
er als sein kind liebete / in so betrübtem zustand ersah. Er liesse eiligst mit
dem stürmen inn halten: vermeinend / hierdurch seinen tyrannischen schwager auf
andere gedanken zu bringen. Bald aber wurde er gewar / dass man der Valentia /dem
Tuscus Sicanus / und dem Hesperus ihre bande auflösete; dass dieser und jene den
dritten zwischen sich namen / und dem Konig Italus zufüreten: welcher die Roma
bei der hand hatte / und sie an den Prinzen durch einen priester trauen liesse.
Hierauf verschwunden alle tödliche zurüstungen / hingegen erschalleten die
freudentrompeten / und liessen sich viel knaben mit hochzeit-fakeln sehen. Der
König Lucus bliebe hierüber ganz verbaset / nicht wissend / was dieses wohl
bedeuten möchte.
    Hierauf wurde auch Hercinde von ihren banden entlöset / und machete sich der
Hesperus schon bereit / ihr die eheliche hand zu bieten. Aber diese heldin
/solches zwangs ungewonet / ergriffe mit dapferer Entschliessung unversehens ein
schwerd von der ümstehenden einem / machete ihr damit raum zu dem Jetur /
schnitte ihm die bande von den händen / warfe ihm ein schwerd zu / und winkte
ihm / ihr nach zu folgen. Dieser Prinz / aus verzweifelung / dass er seine Roma
verloren / håtte gern / wann es ohne diese der Hercinde grosmütige hülfe gewesen
wäre / den bestimmten tod erlitten. Nun aber leistete er seiner erlöserin dapfren
beistand / also dass sie sich bald frei und unbehintert sahen / einen jähen
felsen hinab zu steigen. Keiner von den andern wagete sich / ihnen nach zu
folgen /auser einer Celtischen dame: welche / unter der Valentia die waffen
führend / mit gefangen worden / und / aus liebe zur Hercinde / nicht hinter ihr
bleiben wollte.
    Weil ich eigentlich allein der Hercinde geschicht erzehle / als will ich nur
kürzlich hier noch anfuren /dass des Lucus sorge und bestürzung sich endlich in
eine erfreuliche verwunderung verwandelt / als / ihme dieses frömde gesicht
auszulegen / der Italus Kitim /neben der Valentia / dem Prinzen ihrem sohn / und
denen andern / zu ihm hinab ins lager kame. Also wurde daselbst friede gemacht /
und lebten folgends beide häuser in eintracht und guter verständnis: worbei man
hoffete / dass des Tuscus Sicanus und seiner gemalin der Roma traurigkeit sich
mit der zeit auch verlieren würde.
    Der betrübte Hesperus zoge hierauf nach der Janigener landschaft / die ihm
sein bruder eingeraumt hatte. Er fragte auch aller orten / wiewol vergeblich
nach seiner verlornen Hercinde / von welcher man nichts erfahren konnte / wo sie
/ nach der herabsteigung von dem felsen / mit dem Jetur geblieben wäre: und
ward vermutet / dass sie in diesen greulichen klippen sich zerfallen hätten /
oder sonst in den sumpfen daselbst umgekommen wären. Der gerechte himmel aber /
so diese schöne heldin nicht so bald der welt entziehen wollen / hatte sie
wunderbarer weise bewahret / und wohl an ihr und dem Jetur wahr gemachet / dass
kein weg / der tugend unwegsam sei: massen sie unbeschädigt die jähe klippen
herab gekommen / die kein mensch jemals bestiegen hatte. Als sie sich darunten
sahen / eileten sie zwischen dem hohen gebirge und vielen sümpfichten ortern
immer fort / bis sie abends in ein haus kamen / deren inwonere / so
kolenbrennere waren / ihnen die herberge vergonneten. Sie verblieben etliche
tage daselbst / weil Hercinde noch unschlussig war / und der betrübte Jetur
noch weniger wusste / sowol was dieser Prinzessin fürnemen sein wurde / als was
er selber / nach verlust seiner Roma / beginnen sollte.
    Endlich fassete die dapfere Hercinde den schluss /nach Asien zu ihrem
herrvattern zu gehen. Sie eröffnete solches dem Jetur / und gabe ihm zu
bedenken /wie wunderbar das gluck mit ihnen gespielet / da es ihn / durch
raubung einer liebsten / und sie durch befreiung von zweien aufwärtern / in
solchen stand gesetzet / dass sie / weder in Kitim / noch in Celten /noch in der
Aborigener lande / sich sicher befanden: massen der Hesperus sie in allen dreien
Königreichen verfolgen / und er / der Jetur / gleichfalls nicht unverfolgt
bleiben / auch darneben / wegen der Roma /in solcher nåhe stäts gequält leben
würde. Demnach begehrte sie / dass er sie in sein vatterland nach Asien bringen
wollte: dahin sie sehr verlangte / üm ihren vatter und bruder zu sehen / welche
iezt Basan und die ümligende reiche beherrschten. So triebe sie auch ihr gemute
dahin / welches nur zum kriegen lust hätte: worzu sie alda gnug anlass finden
würde / weil die ihrigen ihr noch viel / mit dem schwerd zu erobern /übrig
gelassen hätten / indem ganz Assyrien die ihrigen noch nicht für ihre herren
erkennete.
    Der Prinz von Hevila befande diese Entschliessung der Prinzessin so edel /
dass er alsofort sich willigst erklårte / ihr einen geleitsman auf dieser fernen
reise abzugeben. Und dieses täte er üm soviel lieber / weil nicht allein in
Celten für ihn nichtes übrig war / das ihn anhalten konnte / sondern auch / weil
er eine sonderbare vergnugung in der schönen Hercinde gegenwart entfande / die
wider sein eigen wissen und gedenken / ihme der Roma verlust etwas ertråglich
machete. Er hatte zuvor nichts als den tod gesuchet / und sich darein ergeben /
vor seiner Roma augen sein leben zu verlieren: wie dann der Italus Kitim willens
gewesen / diesen Prinzen / für das heil und die ruhe des reichs / aufopfern zu
lassen. Nunmehr aber /wurde er andres sinnes / als er sah / dass sein leben
einer so schönen Prinzessin zu dienst konnte angewendet werden. Welcher gestalt
er aber diese weite reise anstellen / und fur die Hercinde eine schickliche
schutzgeleitschaft zu sich bekommen möchte / solches fiele ihm schwer
auszudenken. Dann seine leute waren am hof des Konigs Lucus zurücke geblieben
/und dorfte er von dar ihrer keinen / ohne gefahr verrahten zu werden / zu sich
beruffen. So hatte auch Hercinde die einige Celtische dame bei sich / und wusste
keine leute mehr zu bekommen / auf die sie sich hätte einiger massen verlassen
können.
    Es schickte es aber das gute Glück / dass / als sie nun ganz sonder raht
waren / auf dieser unwegsamen strasse / welche sonst nie bereiset worden / der
Celtische Prinz Ingerman ungefär zu ihnen kame. Dieser war nun viel jare in
entfernten landen herümgereiset /und wollte iezt nach Trier zu seinem herrvattern
wiederkehren. Der Jetur kennete ihn alsobald / massen er ihn ehmals in Hevila
an seines herrvattern des Mibsams hof gesehen / als er der orten durchgereiset.
Demnach truge er kein bedenken / weil ihm die tugend dieses Prinzen genug bekant
war / sich und die Hercinde / mit allen ümständen und zugestossenen
begebenheiten / ihme zu entdecken. Ingerman / der damals die Mirina von Basan
schon liebte / wurde höchst erfreut / die Hercinde / als eine schwester seiner
geliebtin / zu sehen: deren er dann alles sein vermögen zu dienst anbote / sie
auch dahin beredte / dass sie / in seinem geleit nach Celten zu gehen / und
daselbst zu ihrer fürgenommenen weiten reise sich bässer auszurüsten /
verwilligte / worzu er ihr auch selber von seinen leuten etliche mitgeben wollte.
Hercinde name dieses anerbieten willigst an: zumal weil er ihr so hohe
versicherung gabe / dass sie niemanden verrahten werden / sondern unfern von
Trier auf einem schlosse verborgen leben sollte.
    Also gienge nun die reise nach Celten für sich / da unterwegs die Hercinde
einen täglichen streit / wegen seiner stätswärenden traurigkeit / mit dem Jetur
furete / und es seiner grosmut ungemåss nennete / dass er /um der Roma willen / so
lang sich bekümmerte. Ingerman widerstritte ihr diese Meinung / und fiele dem
Jetur bei: darneben anfürend / wie er sich fur seine person also gesinnt
befånde / dass er / wann ihm dergleichen ungluck mit der Mirina begegnete / er
nicht mit so grosser gedult / wie Jetur / dieses leiden übertragen würde.
Hercinde verwunderte sich / wie es doch möglich wäre / dass die liebe solche
macht in einem verständigen herzen haben könnte: und wünschte öfters / dass die
beide Prinzen also / wie sie / gesinnet sein möchten / um / mehrer ruhe zu
geniesen / und nicht in der qual zu leben / die sie also ihnen selber
verursacheten. Ihr unaufhörliches zusprechen ware endlich so mächtig bei dem
Jetur / dass er allgemach an die Roma zwar weniger zu gedenken / hingegen aber
die schonheit dieser seiner reisgefärtin genauer zu betrachten / begunte. Also
hatten ihre worte die kraft / ihn zwar der abwesenden Roma vergessen zu machen /
aber zugleich gegen der Hercinde / wider ihre Meinung / in ihm eine neue liebe
anzuzünden: deren häftigkeit daraus abzunemen / weil er sich nicht zwingen konnte
/ die jenige nicht zu lieben / von deren er wusste / dass sie nichtes so sehr /
als die liebe / an ihm tadelte.
    Weil der winter auf dieser ihrer reise eingefallen /da die grimmige kålte /
so in Celten herrschet / sie kurze tagreisen tun liesse: als kamen sie langsam
fort / mussten auch / wegen unpässlichkeit des Ingermans /der dieser rauhen luft
meist entwonet / unterwegs über drei monden stille ligen / und zwar auf einem
landgut / welches der Celtischen dame zugehorte / die mit der Hercinde aus Kitim
die flucht genommen hatte. Wie nun diese dame der Hercinde sehr ergeben war /
als sparete sie nichtes / sie und die beide Prinzen auf das båste zu bedienen.
Sie gabe auch der Hercinde ihre tochter / die angeneme Marpeis zur aufwartung:
deren treue und scharfer verstand ihr die Prinzessin so gewogen machte / dass sie
ihr nachgehends alle ihre geheimste gedanken vertrauet. An diesem ort erfuhren
sie von einen aus der Aborigener lande ankommenden Celten / dass der Konig Lucus
/ gleich nach der wiederkunft in sein reich / verstorben / und Tuscus Sicanus
die kron dieses reichs aufgesetzet / aber neben der Roma in so tiefer
traurigkeit fortlebte / das nichts klåglichers konnte gesehen werden.
    Ist nun nicht die liebe (sagte auf diesen bericht / die Hercinde zu dem
Jetur /) eine feindselige gemüts bewegung / da sie aus verständigen so
närrische leute machet / und so unnotige unruhen verursachet / die keinen andern
zweck haben / als das sie uns unser leben verbittern? Um meint  willen quälet
sich so vergeblich / der Tuscus Sicanus: und die Roma vermeint / es laufe wider
die gesetze der liebe / der unmuglichkeit weichen / und euer vergessen. Wollet
ihr euch nicht hieran spieglen und euren sinn zwingen / der tugend bässer
nachzuleben? Wie sollte man (gabe Jetur zur antwort /) so edlen und grosmütigen
gesetzen / als mir die Prinzessin Hercinde gibet / widerstreben können? Hätte
die Roma wahre liebe gegen mir geheget /sie würde eher den tod / als mich zu
verlassen / erwehlet haben. Nun dann die unmöglichkeit mich von ihr frei machet /
folge ich billig dem einrat der unvergleichlichen Hercinde / und will fortin
dieserwegen keine traurigkeit mehr blicken lassen. Ich habe euch zwar
überwunden: (antwortete Hercinde) ihr seit aber noch nicht an eurer krankheit
vollig geheilet. Dan /nicht aus verachtung der liebe / sondern aus einbildung /
dass die Roma nicht alle gesetze / so die liebe vorschreibet / vollig in acht
genommen / stehet ihr ab / euch ferner üm sie zu quälen.
    Ist dann die liebe so gar böse  / (fragte Jetur /) dass sie und die tugend
unmüglich beisammen sein können? Ich vermeine es: (gab Hercinde zur antwort /)
und bewegen mich / solches zu glåuben / die taten /so die liebe bei ihren
slaven würket. Man ist ja verbunden / indem man ihr folget / das fur ein laster
zu halten / was doch an ihm selbst kein laster ist: hingegen den ungehorsam
gegen die obern / die eigenwilligkeit / die verzweiflung / und tausend andere
dinge /für tugend zu achten / bloss weil es die liebe also gebietet. Warum aber
schaffet die natur so schone creaturen / (widerredete Jetur) wann man sie nicht
lieben darf? Sind dann die schönheiten (fragte sie hingegen) nur darüm erschaffen
/ dass sie die menschen quålen sollen? und pfleget auch die liebe etwas anders /
als qual zu bringen? Weder die liebe / (versezte Jetur) noch die schönheit ist
es / was uns quälet: sondern die strenge und unbarmherzigkeit / die sie zu
begleiten pflegen. Wann gleich die strenge überwunden ist /(wandte Hercinde
dargegen ein) so bleibet doch die liebe nicht sonder marter: dann da ist
eiversucht / sorge und stätige unruhe / also dass ein gemüt nie kann frei werden /
seine gedanken zu dapfern tugendhaften verrichtungen zu erheben.
    Das wäre (antwortete Jetur /) den grossen eltern der schonen Hercinde viel
zu nahe geredet / deren beispiel erweiset / dass man wahre liebe und tugend wohl
zugleich hegen konne. Meine eltern (widerredte Hercinde) sind zum ehelichen
stand ausersehen gewesen /und hat bei ihnen die tugend endlich obgesieget. Weil
aber ich nicht also gesinnet bin / und zweien gemütsneigungen / die ich einander
entgegen befinde / nicht zugleich mich überlassen kann: als will ich bei der
tugend verbleiben / und dem krieg / den ich von kindheit auf geliebt /
beständig nachfolgen. Die welt wird nicht untergehen / wann schon ich sie nicht
vermehren helfe. Eben darum aber (gabe Jetur zur antwort) lässet der himmel so
vollkommene creaturen auf erden kommen / dass sie / ihres gleichen hervor
bringend /die menschenwelt zieren sollen. Ist die welt (wiederholete sie) vor
meiner geburt geziert gewesen / so wird sie solches auch verbleiben / wan ich
nicht mehr vorhanden bin. Eure bemühung ist ganz vergebens /mir diese
gemütsregung einzureden / die ich bisher so sehr an euch getadelt: die ich auch
ferner an euch tadeln werde / wann ihr nicht vollig davon abstehet. Ich weiss
hierauf weiter nichts zu sagen / (antwortete er /) als dass ich fortin / in
meinem leben / nach keiner sache eiferiger streben werde / als der grossen
Hercinde willen in allem mich zu unterwerfen / und ihren geboten zu gehorchen.
Hiermit brache er dieses gespräch ab / weil er sich nicht geschickt befande /
länger zu verhelen / was seine gemütsneigung ware. Es name aber von tag zu tag
seine neue liebe dermassen zu / dass sie ihn ganz abzehrete: welches aber
Hercinde alles auf die Roma deutete / und stäts fort fuhre /ihme das aus dem
sinn zu reden / was ihre schönheit schon ganz daraus getrieben hatte.
    Wie nun der Prinz Ingerman wieder gesund worden / reiseten sie furter / bis
dass sie Trier erreicheten. Hercinde begabe sich / unferne von der stadt auf dem
Martis-berg / zu den geheiligten Aurinien; Jetur aber verbarge sich / nicht
weit davon / bei den Druyden: bis Ingerman / nach seinem versprechen / zu ihrer
bevorstehenden weiten reise / sie nach notturft würde versehen haben. Die freude
an des Bojus hof / wegen des Ingermans wiederkunft / war so gross / dass viel tage
mit freudenfesten und opfergeprängen zugebracht wurden: dieses hinterte den
Prinzen / dass er für seine freunde nicht sorgen konnte. Als aber dieselben vorbei
waren / teilte er befehle aus unter die seinigen / dass eine anzahl wagen und
pferde / auch tapfere Celtische weiber / neben welchen von seinen leuten / die
mit ihm aus Asien gekommen waren / etliche meilen von Trier in bereitschaft
gebracht würden: mit denen Hercinde und Jetur / über Scytien und Bactra / ihre
reise fortstellen sollten.
    Weil aber dieses alles eine zeit von etlichen wochen erforderte / als machte
die untreu eines dieners /den der Prinz wieder mit in Asien schicken wollte /und
der zu so einer weiten reise keine sonderbare lust mehr hatte / dass solche
reis-zurustungen der König Bojus erfuhre. Weil nun dieser besorgte / sein sohn
/dessen stätiges sagen und rümen von Asien war /deme Celten / als ein rauhes
land / gar nicht beikäme /möchte unvermerkt wieder hinwegreisen: als liesse er
heimlich etliche hundert man auflauren / welche befehl hatten / ohne ansehen der
person / diejenigen / so mit dieser bereitschaft abreisen wollten / nach Trier
einzubringen. Der Dircer / so alles beim Konig vermochte / und ein böser
ohrenbläser war / fürete diesen haufen: und musste also der redliche Ingerman /
sein gutes fürnemen gehintert sehen / die dapfere Hercinde aber / neben dem
Jertur / der mänge weichen / und sich nach Trier gefangen füren lassen; wiewol
sie beiderseits für ihre freiheit so mutig gefochten hatten /dass ihre
überwindere es nicht gnugsam ausbreiten kunten.
    Dem Prinzen Ingerman ware der Dircer sehr aufsätzig: weil selbiger gar nicht
damit zufrieden war / dass der König so hoch von ihm hielte. Demnach trachtete er
auf alle weise / wie er uneinigkeit zwischen vatter und sohn erwecken möchte:
damit also der Prinz nicht angehoret wurde / wann er etwas wider ihn beginnen
wollte. Hierzu nun bediente er sich dieser gelegenheit /da er dem Konig
einbildete / wie etwas sonderliches hierunter verborgen sein müste / dass der
Prinz / diese schone dame und den ritter / so heimlich aus dem reich
fortschaffen wollen. Also beredte er den ohndas argwänischen Konig / dass er
seinen sohn ernstlich befragen liesse: wer diese wären / denen er also davon
helfen wollen / und ob nicht einige verräterei wider ihn darunter verborgen
lige?
    Ingerman wusste wohl / dass er die Hercinde und den Jetur in lebensgefahr
stürzen wurde / wann er sie entdeckete: dann er kennte die wut des Bojus / die er
gegen seines bruders kinder erwiesen / welche viel zu gross / als dass er sollte
barmherzigkeit uben konnen. So wusste er auch / dass Jetur / wegen vieler
umstände / sich gleichfalls nichts gutes zu dem Konig versehen konnte. Demnach
weigerte er sich / dem König zu sagen / was ihm hiervon wissend war / und antete
gar entfindlich des Dircers anstiftung / dass diejenige / so er in seinen schutz
genommen / also übel gehalten wurden. Hierüber nun beschwerte er sich bei dem
König / und vermeinte durch zu dringen / dass er die Hercinde und den Jetur
wieder erlassen sollte.
    Aber der Bojus name hiervon mehrern anlass / auf ihn eifrig und argwånisch zu
werden / und hielte / in allem des Dircers einblasen gläubend / dieses werk für
eine verråterei. Die warheit nun herfür zu bringen / liesse er den Jetur und die
Hercinde vor sich kommen: die er / in gegenwart des Dircers / befragte / wer sie
wåren / und was ihr fürhaben gewesen? Hercinde /die weniger / als der Jetur /
sich hiebei erschrocken anstellete / weil er für sie / sie aber får nichtes
sorgete / sagte dem Konig kunlich unter augen: Sie verhele ihren namen / nicht
aus furcht für ihme / sondern weil sie ihm nicht den willen tun moge / zu sagen
/ wer sie wäre. Dieser aber / (fuhre sie fort / auf den Jetur zeigend /) ist
der Macres / ein ausländischer Fürst /welcher / noch für seiner abreise / der
Celten hoflichkeit erfahren mussen / da man ihm die freiheit / hinweg zu reisen
/ verwehret hat. Durch diesen erdichteten namen / den sie dem Jetur gabe /
wollte sie die gefahr von ihme abwenden / die ihm sein rechter name verursachen
können.
    Es ergezte aber / diese fursorge der Hercinde / den verliebten Jetur
dermassen / dass er aller gefahr vergasse / und sich auf gleiche weise für seine
Prinzessin anzustellen / den Bojus also anredete: Ich finde keine ursach / worüm
der Konig der Celten nicht sollte wissen dörfen / dass diese die dapfere Celtin
Marpeis sei /welche mit mir nach Asien reisen wollen. Weder Marpeis noch Macres
aber / haben hier etwas zu verrichten: und ist ihre heimliche abreis-rustung
nicht wider den Konig angesehen / sondern gegen einen /der sie verfolget / also
angestellet worden / welcher von der Marpeis schönheit sich zu sehr blenden und
einnemen lassen. Mitlerweil Jetur dieses sagte / betrachteten Bojus und Dircer
diese Prinzessin / und wurden beide in sie verliebet / auch darneben
eifersuchtig / so wohl gegen den Macres / als auch gegen den angegebenen
verfolger dieser so genanten schonen Marpeis. Als man sie wieder von dem König
hinwegfürete / wurde alsofort verordnet / die Prinzessin in ein bässers zimmer
zu bringen / damit ihre gefängnis ihr desto leichter ankommen mochte: Jetur
aber musste wieder nach seiner ersten herberge wandern. Der grosmütige Ingerman
beworbe sich zwar / sie los zu machen / kunte aber nichts erlangen: und was ihm
noch das unerträglichste war / so hielte man ihn selber so in der änge / dass er
nicht auskommen konnte / und ihme also alle mittel benommen wurden / seinen
freunden zu dienen.
    Weil aber nun der Dircer verliebt war / als bemühete er sich sehr / dem
König den argwan wieder aus den sinn zu reden / welchen er anfangs / wegen
einiger verråterei / ihm beigebracht hatte. Er brauchte hierzu nicht viel
uberredungen / weil der ebenfals verliebte Konig gern anname / dass die schöne
Marpeis unschüldig wäre. Dircer riete hierauf / der Konig mochte ihr etwas
gütiger begegnen / und ihr alle freiheit an seinem hof / auser der hinwegreise /
vergönnen: welches der Bojus bestätigte / und ferner mit ihm abredete / dass der
Macres sollte von hof geschaffet /dem Prinzen Ingerman aber auferleget werden /
einen feldzug zu tun wider die Eusterwoner / als welche sich von ihm abgewendet
/ und einen eignen König gewehlet hatten. Des Prinzen schleuniger abzug / die
begnadigung der Prinzessin / und die fortschaffung des Fürsten von Hevila /
geschahen nun zu einer zeit: welches iedem von ihnen unbequem fiele. Dan der
Ingerman verlore dadurch alle gelegenheit / der Hercinde zu dienen. Und diese
Prinzessin lebte in sorgen /ausgekundschaftet zu werden / und sah sich
behintert / nach Basan zu den ihrigen zu gelangen. Der verliebte Jetur aber
wurde / durch diese absonderung von seiner Prinzessin / mit aller marter beleget
/ die nur auszudenken sein mag.
    Weil man diesen Prinzen / unter des Macres namen / freigestellet / zu reisen
/ wohin er wollte / nur dass er am koniglichen hof sich nicht mehr sollte finden
lassen: als erwehlte er / in dem feldzug des Ingermans wider die Eusterwoner
sich mit zu begeben. Er kunte aber unmüglich zu dieser abreise sich
entschliessen /er hätte dann zuvor die Hercinde noch einmal gesprochen und ihr
seine liebe kund getan. Es wurde zwar diese Prinzessin so genau bewachet / dass
niemand /ohn des Königs und Dircers vorwissen / zu ihr kommen konnte. Jedoch /
wie der liebe nichtes unmüglich ist / also ersonne Jetur diesen anschlag / und
verstellte sich in weibskleider: stahle sich damit / an einem abend / unter den
anderen ihr zugeordneten dirnen / in ihr zimmer hinein: da die Marpeis / welcher
er sich zu erkennen gegeben / ihme gehör bei der Prinzessin verschaffete. Weil
Hercinde den Jetur sehr wert hielte / als wurde sie froh / ihn sprechen zu
können: nicht vermutend / dass sein anbringen ihr so zuwider sein würde / sondern
hoffend / er möchte ein mittel / sie von dannen zu bringen / ausgesonnen haben.
    Ich würde euch schelten / (redete sie zu ihm /) dass ihr euch weiblicher
kleidung bedienet / wann ich nicht wüste / dass man ja so dapfer sein könne in
unseren kleidern / als in den eurigen. Und weil die list nicht allemal der
dapferkeit entgegen ist / als will ich gern von euch hören / was ihr durch diesen
betrug anzustellen ersonnen habet. Der Prinz von Hevila / so / in erwägung / wie
Hercinde gesinnet / allen muht verloren / hatte kaum das vermögen / sie
anzusehen. Er liesse sich aber zu ihren füssen nieder / welche er zum öftern
unter vielem seufzen küssete / und / sonder ein wort zu sagen / in solchem wesen
eine geraume zeit verharrete: bis Hercinde / unwissend und höchstverwundert /
was ihm anläge / ihm ernstlich gebote / dass er reden / und dieses dunkle rätzel
ihr eröffnen sollte. Ach! grosse Prinzessin? (sagte er endlich) ich ziehe mit dem
Ingerman fort / wider die Eusterwoner / und weiss nicht / ob ich iemals wieder
vor der schonen Hercinde augen kommen werde. Es wäre demnach unbillig / dass ihr
nie erfahren soltet / was eure grosse schönheit für gewalt über mich erlanget.
Ach ja! dieselbe hat mich also überwunden / dass sie mich der Roma ganz vergessen
/ und hingegen zu euren slaven gemacht hat. Ja / schönste Hercinde! euer
unvergleichlicher glanz ist mächtiger bei mir gewesen /mich verliebt zu machen /
als eure uberredungen / der liebe abzusagen. Und ob ich schon weiss / dass kein
sterblicher euer würdig ist: so will ich dannoch / bis in den tod / die
wunderschone Hercinde in meinem herzen anbeten und verehren. Ihr möget nun / wie
euch beliebet / wegen dieser künen erklärung / über mich ein urteil fällen:
welches mir nicht zu schwer fallen soll / weil es mir nicht verbieten kann / euch
beständig zu lieben.
    Wer damals die Hercinde gesehen hätte / wurde bald verspüret haben / was
widerwillen diese entdeckung des Jeturs ihr verursachet / massen sie ihre
lebtage nie so entstellet gewesen / als sie hierüber wurde. Sie hatte / nächst
dem Tuscus Sicanus / nie einigen menschen höher gehalten / als diesen Prinzen:
und musste nun vernemen / dass der sie auf solche weise liebte / welche sie über
alles in der welt hassete. Und da sie voll hoffnung gewesen / Jetur würde / üm
ihre erledigung ihr anzukünden / zu ihr gekommen sein /musste sie nun sich
betrogen und zugleich auf das åuserste beleidigt sehen. Gleichwie nun ihn die
liebe anfangs stumm gemachet / also konnte auch sie / für zorn / lange nicht zur
rede kommen. Endlich aber brache sie in diese worte heraus: O leichtsinniger
Prinz / als iemals einen der erdboden mag getragen haben! du machest mich
beschåmt / dass ich so grosses vertrauen in dich gesetzet. Weil du aber nun /
nach dieser tat /kaum meiner ungunst wurdig bist / als will ich deiner so gar
vergessen / als wann ich niemals den Jetur gesehen oder gekant hätte. Du hast
recht bis iezt / das lezte mal / da du mich sihest / gesparet / mir zu sagen /
dass du / nicht ein verständiger ritter und treuer freund / wie ich vermeint /
sondern ein nichtswürdiger betrieger gewesen. Gehe auf ewig von meinen augen /
und wisse / dass du / wann ich dich iezt an einem andern ort vor mir håtte /
diese mir-angetane beleidigung mit deinem blut büssen soltest.
    Hiemit gienge sie von dem halbtodten Jetur hinweg / und war sie allein
hierin noch barmherzig gegen ihm / dass sie / sonder ihn zu verrahten / ihn
wieder aus ihrem zimmer hinweg gehen liesse. Ich wurde mich zu lange aufhalten /
wann ich alle verzweifelte reden und klagen / die der Jetur hierauf gefüret /
erzählen wollte. Er zoge / ganz entschlossen / den tod zu suchen / mit dem
Ingerman davon: dem er dieses sein leiden klagte / und nur noch diesen trost
erlangte / dass dieser mitleidige Prinz seinen elenden zustand betrauren halfe.
    Mitlerweil nun der Celtische Prinz / gleich als von seines vatters hofe
verbannet / mit den Eusterwonern kriegen musste / bediente sich Dircer seiner
abwesenheit zu Trier gar wohl / und sezte sich wieder fäst und völlig in die
gnade / deren ihn des Prinzen ankunft bald håtte entsetzen sollen / wann er
nicht / zu seinem Glück / diese misverstånde angestellt håtte. Demnach
beunruhigte nun diesen glucklichen menschen nichtes mehr / als die liebe / die
er zu der schonen Marpeis oder verstellten Hercinde geschopfet hatte. Er merkte
auch bald / dass sein Konig sein mitbuler wäre: daher er alle seine listen und
ränke versamlete / üm so glückhaft in seiner liebe zu werden / als wie er es
sonst in allen dingen zu sein pflegte. Demnach wartete er der Prinzessin
fleissig auf / ihr in allem seine dienste anbietend / und diss mit solcher
unschuld / und so meisterlich / dass Hercinde nicht merkte / wie sie an ihm einen
neuen buler bekommen håtte. Der König war in seiner liebe nicht so heimlich /
als der Dircer: daher die Hercinde mehr verfolgungen von jenem / als von diesem
/ ausstehen musste. Bojus offenbarete sich ihr gleich / wiedass er sie liebte:
wurde aber mit solcher ungestüm abgewiesen / dergleichen er ihme von einer
gefangenin nicht vermutet hatte. Sein tyrannischer sinn / wurde ihn gleich zur
gewalttätigkeit gegen ihr bewogen haben / wann Dircer solches nicht verwehret
hätte: der sich dann dazu gebrauchen liesse /wie er vorgabe / zwischen ihr und dem
König zu gehen / üm sie zu dessen liebe zu bereden. In der tat aber täte er
bei der Prinzessin viel ein anders / manete sie hiervon ab / und tadelte des
Königs beginnen. Er setzete sich hierdurch bei ihr in ein solches vertrauen /
dass sie mit ihm sich beriete / wie sie / durch seine hülfe / aus Trier entkommen
möchte: worzu er sich alsobald willigst anerbote / massen er für seine liebe
nichts bässers hätte erwünschen können. Wie nun alles zu seinem fürhaben färtig
war / brachte er die Prinzessin / neben ihrer vertrautesten jungfrauen /ohne
sonderbare mühe davon / weil er bei hof alles zu befehlen hatte. Des Konigs
gnade hierbei zu erhalten /vertraute er die Prinzessin einem / der seine creatur
war / und auf den er sich verlassen dorfte: er selbst aber bliebe zu Trier / und
stellte sich ja so besorgt und beängstigt an / als der König / als die flucht
der schönen Marpeis ruchtbar worden. Sein getreuer /brachte die Prinzessin auf
ein berghaus / so dem Dircer zugehörte: und wurde sie alda so heimlich verwaret
/ dass niemand von ihm deswegen argwänen konnte.
    Sobald nun dieser listige fuchs mit guter art vom König abkommen konnte /
reisete er nach diesem seinem berghause / und musste die Prinzessin ihn von
seiner liebe reden hören / da sie doch gehoffet / er würde ihr nun völlig davon
helfen. Und weil er alle scham ausgezogen hatte / und bei seiner habenden macht
alles künlich begehrte / was ihn gelustete / als wurde hierdurch die sonst
unerschrockene Prinzessin in solche angst gesetzet / dass sie / wider ihre natur
/ sich auf das flehen und bitten begabe / und damit diesen unmenschen abhielte /
nicht alsofort / wie er vorhabens gewesen / seinen bösen willen bei ihr zu
erfüllen. Er gabe ihr nun etliche wochen frist / sich zu bedenken: inner welcher
zeit sie zwar wohl gehalten /aber so genau bewachet und eingeschrånket wurde /dass
es ihr unmüglich fiele / hinweg zu kommen. Dircer reisete inzwischen ab und zu:
und wann er zu Trier war / halfe er seinen betrübten Konig trösten /und gabe
tausend anschläge / die verlorne Marpeis wieder zu finden. Es befiele aber der
Bojus / vieleicht aus liebe und eifer / mit einer gefärlichen krankheit:
weswegen Dircer tag und nacht üm ihn sein musste /und nicht abkommen konnte /
seine gefangenin zu besuchen.
    Also bekame / die beångstigte Hercinde / raum und zeit / einen von der wacht
/ durch hülfe ihrer getreuen Marpeis / auf ihre seite zu gewinnen: der sich
bereden liesse / ein schreiben an den Prinzen Ingerman nach dem lager zu
uberbringen / in welchem sie ihm ihren elenden zustand zu wissen täte / und
seiner hülfe begehrete. Der verliebte Jetur war eben bei dem Ingerman im gezelt
/ als dieser brief ankame: der dann schier verzweiflen wollte / dass er seinen
Prinzessin in solcher gefahr wissen musste. Weil Ingerman nicht wohl abkommen
konnte / als versah er den Jetur mit etlicher bewehrter manschaft von seinen
Celten / und schickte ihn / die Hercinde zu erledigen: der dann /unter des Macres
namen / wie ein blitz forteilete / bis er in einer nacht den ort erreichete / wo
seine Prinzessin gefangen sasse. Er kame zu rechter zeit an / als eben der
böswicht / nach wiedergenesung des Königs / sich daselbst eingefunden hatte /
nun endlich seinen mutwillen an der Prinzessin zu veruben. Der dapfere Macres
liesse alsofort das haus stürmen / und erstiege dasselbe in der stunde / da die
gebundene Prinzessin des ehrvergessenen Dircers geile flammen külen sollte. Er
rante mit ungestum die kammer auf / darin sie beisammen waren. Dircer hatte
kaum zeit genommen /zum degen zu greifen / da lage er schon in seinem blut für
der Prinzessin fussen: worauf alle die seinigen niedergemacht / und die Hercinde
auf freien fus gestellt wurde.
    Jetur hatte das herz nicht / nach dieser tat / sich seiner Prinzessin zu
nähern. Sie aber / die ihn gleich erkannte / gienge auf ihn zu / und sagte: Wann
ihr aus andern ursachen / als aus närrischer liebe / mir diesen dienst erwiesen
hättet / so wollte ich euch dafur danken. Nun aber kann ich / über dieser erlosung
aus des Dircers gewalt / mich nicht erfreuen: weil ich dadurch nur meinen
verfolger vertauschet / aber nicht vertilget sehe. Haltet mich doch nicht dem
Dircer gleich / grosse Prinzessin! (gabe er zur antwort) sondern unterscheidet
einen ehrerbietigen liebhaber / von einem grausamen verfolger. Ich halte dieses
alles gleich /(antwortete sie hinwiederüm /) und mache keinen unterscheid
zwischen dem Macres und Dircer / wofern man mir nicht alsofort meine freiheit
gibet / und mich reisen låsset / wohin es mir beliebet. Die habt ihr ja
/grausame! (versezte er /) und bin ich nur darum hier /euren befehl zu erfüllen
/ und euch / mit denen bei mir habenden Celten / dahin zu begleiten / wohin ihr
begehret. Die Celten neme ich an / (sagte sie) keines wegs aber ihren fürer: und
werde ich / in geleitschaft dieser dapfren kriegsleute / mir schon selbst sicher
fortzuhelfen wissen / dass ihr also meinetwegen den Prinzen Ingerman nicht
verlassen dörfet.
    Hiermit wandte sie ihm den rücken / und liesse den armseligen verliebten also
stehen: der dann / aus äuserstem gehorsam gegen ihr / seinen Celten befahle und
sie ersuchte / dass sie der Prinzessin gehorchen / und sie hinbringen sollten /
wohin sie verlangen würde. Er aber machte sich / aus verzweifelung / ganz allein
hinweg: wiewol unentschlossen / wohin er gehen sollte / üm einen rumlichen tod zu
finden. Zu dem Ingerman mochte er nicht wiederkehren: weil ihm / aus unmut /für
aller gesellschaft / und also auch fur der seinigen /eckelte. Hercinde aber /
die nun so viel dapfere Celten unter ihrem gebot sah / wollte mit ihnen nach
Asien gehen: wie sie dann alle / ihr zu folgen / sich anerboten / weil zugleich
ihre schönheit und grosmut sie sämtlich zu ihren slaven machete. Nachdem sie den
Ingerman / für diese zugesandte hülfe / höchlich danken lassen / eilete sie von
diesem schloss hinweg: des armen Jeturs verzweiflung wenig achtend / weil sie
ihn einmal für unwürdig ihrer hochachtung erkant hatte.
    Auf dieser ihrer reise / kame sie durch die landschaft / worinn die Fürstin
Hesperia wonete / von der sich Hercinde auferzogen erinnerte. Weil sie nun
/diese ihre pflegmutter anzusprechen / verlangte / liesse sie bei ihr / wiewol
sie ihrer verfolgere / des Hesperus und Italus / schwester war / sich anmelden.
Diese gute Fürstin ward sehr erfreuet / zu vernemen / dass sie noch lebete:
massen man sie für gewiss todt gesagt hatte. Sie entfinge dieselbe mit
freudentränen / und liesse ihr alles erzählen / was ihr begegnet / seit dass sie
von des Italus schloss / den unwegsamen felsen hinab / entkommen war. So sehr
aber Hercinde hinweg eilete / so inständig bate und erbate Hesperia /dass sie ein
zeitlang bei ihr verbleiben musste: zumal weil sie solches ohne gefahr tun konnte
/ nachdem der Hesperia zeitung von Trier eingelanget / dass der König / gleich
nach des Dircers tod / als er erfahren /wie er von ihm betrogen worden / seiner
vergessen /und / den verlust seiner geliebten Marpeis aus den gedanken zu
schlagen / selber wider die Eusterwonere zu feld gezogen wäre / und also von der
Hesperia fürstentum sich weit entfernt befände.
    Wiewol nun diese schöne für dem Bojus verborgen bliebe / so kame doch bald
ihr da-sein / fur des verliebten Hesperus ohren: welcher bisher in ungewissheit
gelebt hatte / wo seine Hercinde müste geblieben sein. Demnach eilete er ganz
heimlich nach der Hesperia furstentum / und / wohl wissend / dass er nichtes von
der strengen Hercinde durch güte erlangen wurde / gedachte er auf mittel / sie
zu entfüren: da er dann auf eine jagt / deren sie fast täglich abwartete / seinen
anschlag machete. Es fugte sich aber / dass eben damals der Prinz von Hevila in
den wildnisen selbiger gegend ümher wallete. Wie er nun an einem einsamen ort
allein zu sein vermeinte / und in einer hole sich schlaffen gelegt hatte / wurde
er an seiner ruhe verstoret durch den ankommenden Hesperus / welcher mit den
seinen / in dieser gruft / sonder den Jetur zu ersehen /völlig abredete / wie
die entfurung der iezt beim jagen sich befindenden Hercinde sollte angestellet
werden. Dieses bewoge den unglückseligen Jetur / dass er / so bald der Hesperus
hinweg war / die Princessin zu warnen sich aufmachete. Er eilete nun zu pferd an
den ort / da des Hesperus leute gesagt / dass die Prinzessin anzutreffen sein
würde. Er fand sie / von niemand als ihrer Marpeis begleitet / auf einer ebene
/ dem walde zurennend / darin Hesperus mit seinem hinterhalt auf sie laurete.
    Vergebet mir / grosse Hercinde! (rieffe Jetur ihr zu) dass ich mich wieder
vor eure augen stelle. Der himmel machet mich so glücklich / euch einen dienst
zu tun / indem er mich hersendet / euch zu warnen /dass ihr diesen weg nicht
reitet: dann der Hesperus wartet euch allhier vor / des künen vorhabens / euch zu
entfüren. Hercinde / die fur zorn des Jeturs anbringen nicht recht einname /
schalte ihn einen ungestummen unhöflichen menschen / wollte auch an seine reden
sich nicht kehren / sondern rennte ihren weg immer fort: unangesehen Marpeis ihr
zusprache / dass sie doch des Jeturs warnung in acht nehmen wollte. Dieser
armselige Prinz wollte sie aber nicht verlassen /sondern eilete ihr nach / um den
Hesperus widerstand zu tun: der dann auch bald mit seinem hinterhalt herfür
wischete / und auf die Hercinde los gienge. Sie sah nun zu spat / dass des
Jeturs warnung wahr gewesen: stellete sich aber ganz unerschrocken in gegenwehr
/ des vorhabens / sich nicht lebendig dem Hesperus zu überlassen. Der ererhjetzte
Jetur rante sporenstreichs diesem räuber entgegen / und hielte ihn so manlich
auf / indem er / ganz verzweifelt fechtend /nichts als den tod suchete / dass er
sowol den Janigenen / als der Hercinde / sich verwunderbar machte. Es beeiferte
aber diese Heldin / dass Jetur ihr diesen dienst tun sollte: weswegen sie ihm
zurieffe / dass er von dem Hesperus abstehen sollte. Der ungeliebte Jetur deutete
diese worte dahin / als wann der Hesperus geliebt würde: doch gehorchte er
alsobald / und begabe sich zurucke. Hercinde tratte hierauf in seinen platz /
und drange dem Hesperus / der sich gegen ihr nicht wehren wollte / so sehr auf
den leib / dass / wann die månge der seinigen ihn nicht beschüzt / er vor ihrem
arm håtte erligen mussen.
    Wie aber Jetur sie also überfallen sah / setzete er in die Janigener / als
ein wütender leu. Er konnte aber /als ein einziger mensch / den sieg nicht
behaupten /sondern musste / von der mänge der feinde umringet /endlich neben der
Hercinde sich gefangen nemen lassen: wiewol auch diese Prinzessin ihre
müglichste kråfte daran gewendet / eher den tod als diese bande zu leiden. Weil
Hesperus sich des nachjagens besorget / als eilete er mit seiner beute fort /
und war ungläublich vergnüget / dass er nun nicht allein seine Prinzessin /
sondern auch den Jetur / welchen er für seinen geliebten mitbuler hielte / in
seiner gewalt hatte. Die Hercinde liesse er auf einen wagen setzen /und den
halbtodten Jetur / weil er sonst nicht fortzubringen ware / ihr zugesellen:
welches sie aber nicht dultete / sondern / voll unerhörter härte gegen diesem
Prinzen / ganz ungestüm begehrte / man sollte ihr ihn aus den augen schaffen.
Also musste der arme Jetur sich wieder zu pferd begeben / und einer von den
Janigenern / ihn zu halten / sich hinter ihn setzen. Hesperus brachte seine
beute glücklich davon: hatte aber nie den muht / sich dem wagen der Prinzessin
zu nähern: die er / wiewol sie in seiner gewalt war / dannoch fürchten musste.
    Ich will hier nicht weitlåufig erzählen / wie der Hesperia dieser raub
misfallen / und wie die Celten /nachdem sie also ihre furerin verloren /
dieselbe zu suchen / sich auf alle strassen zerstreuet. Ich bleibe allein bei
der gefangenen Prinzessin / welche endlich in des Hesperus land angekommen /
alda sie mit so grosser fürsichtigkeit / als ehrerbietung / von ihm verwahret
wurde. Er täte alsobald dem Konig Italus /seinem bruder / zu wissen / wie ihm
das Glück seine verlorne braut wieder hätte in die hände geliefert. Der arme
Jetur / wiewol er wenig in acht genommen worden / musste dannoch leben / und von
seinen wunden wieder aufkommen: da er dann / in seiner gefängnis /auf nichts
anders gedachte / als wie er seine Prinzessin von dem Hesperus erlösen mochte /
unangesehen er dafur keinen dank von ihr zu hoffen hatte. Hercinde war auch
selber üm ihre befreiung bemühet / und brachte es durch ihre getreue Marpeis
dahin / dass deren bruder / so bei dem Hesperus im dienst war /sich erbote / sie
davon zu bringen. Ehe aber dessen anschlag konnte zu werk gerichtet werden /
wurde der Jetur eher mit dem seinigen färtig: der nicht allein seine wacht
bestochen / sondern auch seine gewesene bediente / die bisher an des Königs der
Aborigener hof sich aufgehalten / unvermerkt zu sich bekommen hatte.
    Mit dieser gienge er bei nåchtlicher weile / wie nun alles zu erlösung der
Hercinde / bereitet war / nach der Prinzessing gemach. In erwägung / dass es ihre
befreiung antraffe / trate er kunlich zu ihr hinein / und kündigte ihr an / wie
sie nun abermals von ihren banden los wäre / und / wan sie ihm folgen wollte /
gar leichtlich den Hesperus entgehen konnte. Ob nun gleich / diese unverdrossene
bedienung des dapfern Jeturs / in der Hercinde gemüt grosse verwunderung
verursachte / so deutete sie doch solches alles dahin /dass es wirkungen seiner
liebe wären / mit der er sie so beständig verfolgte. Um des willen wurde sie
immer zu neuem unwillen gegen ihm beweget / so oft er ihr einen neuen dienst
erwiese. Demnach wollte sie diese ihre erlosung / so er ihr brachte / von ihm
nicht annemen / sich auf des bruders ihrer Marpeis versprochene hülfe /
verlassend / und gabe ihm die herbe antwort: Es sei diese seine bemühung ihr
nicht angenem / weil sie so gern beim Hesperus als bei ihm wåre. Der arme Prinz
/ der diesen unversonlichen hass / welchen sie /auch mit beliebung ihres schadens
/ so hartnåckicht gegen ihm fortsetzete / nicht begreifen konnte / erkünete / sie
nochmals ganz beweglich um die ursach dieses hasses zu fragen.
    Demnach fiele er ihr zu fus / und sie anfassend / als er spurete / dass sie
ihm entweichen wollte / sagte er zu ihr: Womit habe ich dann immermehr diesen
unbeschreiblichen gram verdienet? Ich bin ja niemals aus den schranken der
ehrerbietung getreten / habe auch nie von euch etwas begehret / sondern bloss
euch eröffnet / dass ich euch liebte. Eben das ist es / (fiele ihm die Prinzessin
ins wort /) und hätte ich mich nimmermehr zu euch versehen können / dass ihr / da
ihr meinen sinn wusstet / und soviel zeichen verträulicher freundschaft von mir
entfangen / mich so beleidigen soltet / mir eure schwachheiten zu entdecken.
Hättet ihr mich geliebt / sonder iemals mir solches zu sagen / so hätte ich
unwissend euch gut bleiben konnen: nun ihr aber euch mir entdecket / was kann ich
anders tun / als euch meiden? Weder der Bojus / noch Dircer /noch Hesperus /
beleidigten mich in ihrer liebe also /wie ihr getan: dann diese mein gemüte
nicht / wie ihr /gekennet. Sie konten mich noch mit hofnung lieben: ihr aber
wisset / wie beståndig ich sei in meiner Entschliessung / niemals einer so
ungereimten regung mich zu unterwerfen. Wann einen ein freund beleidiget / geht
solches nåher / als wan uns tausend feinde qual anlegen. Weil ich nun euch für
meinen freund gehalten / so urteilt selber / ob ich in der welt iemanden årger
hassen könne / als euch / nun ich dieses von euch erdulten mussen.
    Ach grausame Hercinde! (sagte er hierauf) seit doch nicht so unversonlich /
und verzeihet mir / wann ich euch beleidigt habe. Vergönnet ihr mir nicht eure
liebe / so nemet doch nur euren hass von mir / und lasset den armen Jetur euch
nicht so gar zu wider sein /dass ihr diesen dienst nicht von ihm annemen woltet
/den er euch iezt anbietet. Meinem zorn könnet ihr entgehen / (gabe Hercinde zur
antwort) wann ihr euch verpflichten wollet / ewig aus meinen augen zu bleiben /
und so weit von mir euch zu entfernen / dass ich nie von eurem tun und wesen
hören / und dadurch beunruhigt werden möge. Mehrere dienste begehre ich von euch
nicht an zunemen: dann es mir schon marter gnug ist / dass ich euch mehr
verpflichtet bin / als ich begehre. Dieses war der bescheid / den der arme Prinz
von Hevila bekame. Als er nun sah / dass alles vergebens war / sagte er halb
wütend zu ihr: Nun so gebe der grosse Teutates / den ihr verehret / dass ihr
einmal die gewalt und kraft der liebe / die ihr so sehr iezt an mir hasset und
verachtet / entfinden / und dadurch zur erkäntnis kommen möget / wie ihr euch an
mir versundiget. Ihr sollet mir aber / wider euren willen /noch mehr
verpflichtet sein / indem ich euch diesen lezten gehorsam erweise / und hiermit
den schluss fasse / auf ewig eure gegenwart / und / wo müglich /auch eure
gedächtnis zu verlassen. Hiermit gienge er von ihr / und begabe sich mit den
seinigen heimlich hinweg: und konnte Hesperus nicht das geringste erforschen / wo
er geblieben wäre / so wenig man auch sonst hernach in Celten ferner etwas von
ihm vernommen hat.
    Hercinde / die diesen fluchwunsch des Jeturs damals wenig beobachtete / war
froh / dass sie solcher massen von diesem verliebten abgekommen: zumal /als nach
wenig tagen der bruder der Marpeis sie glücklich davon brachte. Wie sie nun sich
wieder frei sah / und heimlich in Celten wiedergekehret traffe sie alda den
Mesek an / welcher ein grosser freund von der Marpeis brudern war / und von der
Mirina ihrer schwester / aus Basan an den Ingerman ware abgeschicket worden.
Dieser berichtete ihr von dem damaligen zustand in Basan / wie der alte und
junge Marsius / als ihr herrvatter und bruder / gestorben wäre /und ihre
schwester / als erbin von Basan / den Ingerman / dahin zu kommen / beruffen
liesse. An dieser zeitung scheiterte der Hercinde ganzes fürhaben / da sie sich
nun vatter- und bruder-los sah / und zu dem den hass ihrer stiefmutter / der
Seilamis von Basan /gegen ihrem geschlecht vername. Demnach änderte sie ihre
Meinung / nach Asien zu gehen: wiewol der Prinz Ingerman / als er / seine reise
nach Basan antretend / mit dem Mesek an den ort kame / wo sie sich befande / sie
bereden wollte / mit ihm diese weite reise für zu nemen. Dan ihre grosmut und
ehrsucht / wollte nicht zugeben / dass sie / schwester / wan sie gegenwärtig wäre
/ ihrer jüngern schwester das reich Basan / welches ihr herrvatter mit dem
schwerd gewonnen /in ruhigem besitz überlassen sollte. Also bliebe sie gesonnen /
in Celten zu verbleiben. Und weil sie seiter / in ihrer weiblichen kleidung /
soviel ungemach und gefahr ausstehen müssen / als beschlosse sie / um mehrerer
bequemlichkeit und sicherheit willen / fortin männliche kleidung zu gebrauchen
/ und ihr leben im kriege / von welchem damals ein guter teil des Celtischen
landes lohete / unter dem namen des Assur / zuzubringen.
    O himmel! was verneme ich? fiele allhier der Prinz von Assyrien dem Zameis
in die rede. Ist dann der schöne Assur / und die Hercinde / eine person? Ja
/durchleuchtigster Prinz! (wiederholete Zameis /) diesen namen erwehlte die
kriegerische Prinzessin / und liese / durch den Ingerman / ihrer schwester / der
Mirina / zuentbieten: Sie hoffe / durch die waffen / ihr selbst ein reich in
Celten zu erobern: welches sie alsdan / sonder einen mann / zu regiren / ihr wohl
getrauete. Mit diesen worten stichelte sie auf ihre schwester /dass sie also
diesen Prinzen zu sich holen liesse. Der name des schönen Assurs / rourde in
Celten bald bekant / weil sie im krieg wider die Eusterwoner / so herrliche
taten verrichtete / dass ihr die feldherrn-stelle angetragen wurde. Sie wollte
aber solche nicht annemen: aus beisorge / dass sie dadurch in gefahr kommen / und
an des Bojus hofe verrahten werden möchte. Sie bliebe auch sonsten frei / und
wollte sich nicht mit kriegsdienst verbündlich machen. Nach geschlossenem frieden
des Bojus mit den Eusterwonern / und also daselbst nichtes mehr fur sie zu tun
war / gienge sie mit etlichen huntert Celten / die sich in ihren dienst
versprochen / nach Kitim / alwo / nach absterben des Italus / zwischen seinem
sohn / dem jungen König Morges / und dem Camboblasco seinem schwager / ein
blutiger krieg entstanden: da dann der Assur nicht minder / als in Celten /
berümet worden. Ich unterlasse aber / alle ihre heldentaten zu erzählen. Genug
wird sein / wan aus iezterwähnten / und aus denen / die er nachmals selber mit
angesehen /mein gnädiger Prinz erkennet / wer Hercinde gewesen sei.
    Inzwischen kame Ingerman mit seiner Mirina in Celten an: da dann Hercinde /
aus begierde / diese ihre schwester / welche ihr eben so tapfer / als sie selber
war / beschrieben worden / zu sehen / ihr volk wieder aus Kitim nach Celten
furete. Sie gabe sich / dem Ingerman und der Mirina / erstlich durch einen
dapfern dienst zu kennen. Dan / als dieselben / in einem treffen wider die
aufrürische Wigewoner / vom feinde sehr beängstigt wurden / brache sie mit ihren
soldaten in den fastsiegenden feind hinein / und sezte dem also zu / dass
Ingerman und Mirina das feld behielten. Ingerman / der den schönen Assur gleich
erkannte / entdeckete seiner gemalin / dass selbiger ihre schwester Hercinde wåre.
Diese beide dapfere schwestern /sahen einander mit verwunderung an / und
begunten hiernächst in verträulicher freundschaft zusammen lebten. Hercinde
verliesse aber nicht ihre kleidung /und den namen Assur: weil sie / unter
weiblicher gestalt / keine sicherheit für dem Bojus zu hoffen hatte /und die
gegenwart ihrer schwester sie wider ihn nicht schützen konnte. Es wachete aber
bei ihr die begierde wieder auf / nach Asien zu reisen / als sie vername /dass
ihr bruder Marsius noch lebte. So hatten auch die heiligen Aurinien / die der
Celten warsagerinnen sind / als sie vordessen bei Trier unter ihnen lebte / ihr
geprofezeiet / dass sie in Celten ihre ehrsucht nicht stillen würde / sondern in
Asien / ihres stamvatters des Trebeta kron / auf sie warte. Um deswillen stunde
alles ihr sinnen und dichten nach Asien / und ware diss der meiste inhalt ihrer
unterredungen: da sie / mit dem Ingerman und der Mirina / diesen ihren
fürhabenden grossen feldzug überlegete.
    Ehe sie aber solches werkstellig machen konnte /kame das grosse unglück über
den edlen Prinzen der Celten / dass er meuchelmördischer weise / in den armen
seiner gemalin / durch den Prinzen von Elassar ermordet wurde: worauf der
tyrannische Bojus / sein herrvatter / das grausame gesetze gemacht / dass die
hinterbliebene witwe des Ingermans / bei ihres gemals begräbnis sollte verbrant
werden. Hercinde hatte solches nicht sobald vernomme / da eilete sie zu dem heer
der dapfern weiber / welche der Mirina im feld zu folgen pflegte / und zu
friedenszeiten / um Trier in den wäldern und hölen / ihre wonungen hatten: die
sich dann von ihr bald aufsprechen liessen / ihre Prinzessin von so elendem tode
zu erretten. Wie sie nun alles in bereitschaft geordnet / liesse sie das heer der
weiber bei einem pass ihrer warten / und gienge in der nacht mit ihren Celten /
die sich / seit ihrer zurückkunft aus Kitim / auf etliche tausend vermehret
hatten /nach dem ort / wo des Ingermans begräbnis und der Mirina aufopferung
angestellet war.
    Nachdem ihr diese erlösung der Mirina nach wunsch geglücket / namen beide
schwestern ihnen für / nach Asien zu ziehen: die Mirina zwar / an dem mörder
ihres ehegemals / in Elassar / sich zu rächen; Hercinde aber / wider Assyrien
den krieg zu volfüren /den ihr herrvatter ehmals angefangen. Auf diesem hinzug /
mehrte sich nicht allein unterwegs das heer der Mirina mit vielen weibern /
sondern es samleten sich auch viel fürneme Celten und Teutschen zu ihnen /welche
nach dem tod ihres Prinzen / in Celten nicht bleiben wollten / und hingegen es
für eine ehre hielten / unter des dapfern Assurs gebot zu stehen: unter welchem
namen / die Hercinde alle diese mitreisende helden fürete. Mirina befande auch
mit ihr fur gut / das sie in dieser ihrer verstellung verharren sollte: massen
sonst / wann die Celten erfuren / dass ihr feldherr ein weib wäre / sie ihnen
nicht mehr von ihr hätten befehlen lassen. Und weil diese völker viel zu
grosmutig /als dass sie einem weib gehorchen sollten: üm deswillen musste auch
Mirina gar vorsichtig mit ihnen ümgehen / damit sie diesen weiten zug mit ihr
tun möchten. Welcher gestalt sie nach langwüriger reise / endlich in Elassar
angekommen / und selbiges reich unter sich gebracht / solches ist allbereit
weltkundig. Als Hercinde daselbst die Königin Salamis / ihre stiefmutter / zu
sehen bekame / wollte sie auch vor derselben nicht anderst / als unter des Assurs
gestalt / erscheinen: weil sie den hass wusste / welchen Salamis zu ihrem
stiefsohn dem König von Basan truge / der dann auch auf sie håtte kommen mogen.
    Was ich nun noch übrig zu sagen habe / das auch meinen gnädigsten Prinzen
furnemlich angehet / solches ist wenigen bekant / und werde ich wohl damit die
båste und eigentlichste nachricht geben konnen. Als Mirina (fuhre er fort / nach
kurzem bedenken / seine rede fürnemlich zu der Königin von Ninive richtend /)
die königliche kron von Elassar aufgesetzet / und nun der dapfern Hercinde
behulflig sein wollte / Assyrien anzugreifen / fiele der zweite Ophirische krieg
ein: da sich Mirina verbunden befande / dem Konig von Ophir mit volk beizustehen
/ weil er ihr auch in eroberung des reichs Elassar / hatte hulfe geleistet.
Welchen kriegszug dann auch die Hercinde um so viel lieber mittäte / weil sie
dadurch den anfang machen konnte / gegen die Assyrer zu fechten: wie wir dann /
als bekant / nicht allein den König von Ophir mit bekriegten / sondern auch
unsere waffen recht gegen Elassar wenden mussten / um / der Mirina den zuzug zu
verwehren. Der Hercinde war es eine unbeschreibliche freude / gegen ihren
grösten feind / für den sie damals meinen Prinzen hielte / zu fechten. Sie hatte
von ihrer schwester erfahren / dass der Baleus bei ihr ehmals liebe fürgegeben
hätte: deren sie dann / solche anzunemen / eiferigst widerriete / nicht vermutend
/ dass er noch ihr selbst so lieb werden sollte.
    Wie sie nun einsmals / als Assur und der Mirina feldherr / aus ihrem lager
ausfiele / um etliche von den unsern zu ertappen / traffe sie auf ein heer
Assyrier /worzu endlich auch mein Prinz sich einfande / den unsrigen
beizuspringen: aber vom feind ümringet /und fur den Babylonischen Prinzen
erkennt wurde. Die hierob erfreute Hercinde / kehrte gleich ihre waffen gegen
dem Prinzen: um / ihren wider die Assyrier furgenommenen hass / an ihm
auszulassen. Das gefechte war beiderseits hitzig: doch verursachte endlich die
herzukunft des Sinears / dass wir das feld behielten / und den schonen Assur /
gar hart verwundet / gefangen bekamen.
    Hercinde hatte / sobald sie meines Prinzen ansichtig worden / eine
veränderung und sonderbare regung in ihr entfunden: weswegen sie in ihrem herzen
soviel hass nicht fülete / als sie wohl / gegen dem Assyrischen Prinzen / billig
haben sollen. Ja es musste hingegen /eine ungemeine hochachtung für seine person
/ ihr ihre bande leidlich machen / also dass sie eine vergnügung zeigete / wann
mein Prinz zu ihr kame / sie zu besuchen. Um aber verborgen zu bleiben / wollte
sie nach ihren wunden niemanden sehen lassen / als ihren eigenen wundarzt / der
um ihr geschlecht wusste / und der / auf ihr begehren / aus der Mirina lager
geholet wurde. Ihre getreue Marpeis stellte sich / unter manskleidern / auch
bald bei ihr ein / in dieser krankheit ihrer zu pflegen: welche sonst sich
weiblicher kleidung an der Mirina hof bediente / auch nicht mehr mit zu feld
zoge / weil sie gewillet war / sich unter die heiligen Aurinien zu begeben.
Diese merkte bald ihrer Prinzessin sonderbare unruhe: welche sie nicht auf ihre
gefångnis noch verwundung deuten konnte / dann sie dergleichen ungluck öfter / in
Celten und Kitim /da sie etwan viel gefärlicher verwundt gewesen / mit
grosmutiger gedult uberstanden hatte.
    Als sie nun bei ihr üm dessen ursach angefraget /bekannte ihr die Prinzessin
/ die bisher nie nichtes für ihrer Marpeis geheim gehabt / wiedass sie nach dem
tag / da sie meinen Prinzen gesehen / sich ganz anderst gesinnet befunden:
dessen ursach ihr doch unbekant wäre. Da ich zuvor (sagte sie) grossen hass gegen
diese verfolger der meinigen in mir gespüret / so sehe ich mich ietzund viel zu
schwach / den Baleus anfeinden zu können. Ich befinde mich ganz wohl / wann
dieser Prinz bei mir ist. Alle seine worte und sein wesen / haben eine besondere
macht / mich zu vergnügen. Wann ich ihn nicht sehe / so quälet mich seine
abwesenheit / dass mich / unwissend warum? wie der nach ihm verlanget. Und dieses
macht in mir die gröste marter / dass ich ihn so gern hassen wollte / und doch
hierzu mich untuchtig befinde. Ich schlaffe oder wache / ich denke / oder träume
/ so ist es Baleus / der mir fürkommet. Ich wollte mich hierüber nicht so
verwundern / weil ich ja wohl eher den Tufcus Sicanus /wie auch den Jetur / und
andere / hoch gehalten: wann es nur dissmal nicht mit solcher unruhe zugienge /
da es sonst mich nicht gequälet / ob ich gleich die /so ich zu freunden erwehlet
/ nicht stäts üm mich sehen kunte. Marpeis / nach angehörter dieser klage ihrer
Prinzessin / fienge an zu lachen: und weil sie zu antworten verzoge / fragte
Hercinde / was sie hievon gedächte? Dieses / (gabe Marpeis zur antwort /) dass
ehmals in Celten die Aurinien / des Trebeta tron /meiner Prinzessin durch
profezeiung zugeeignet haben. Die Prinzessin / so gleich merkete / wohin die
Marpeis zielete / wurde unwillig / sie also reden zu hören / und verbote ihr /
fortin keine solche deutung mehr zu machen. Sie geriete aber hieruber in tiefe
gedanken / liesse iedoch etliche tage verstreichen / ehe sie hiervon ferner mit
der Marpeis redete.
    Ich hatte inzwischen / wie meinem Prinzen bekant /bei der Mirina botschaft
abgelegt / aber von ihr auf meine anwerbung / abschlågige antwort erhalten: das
dann der Prinz dem schönen Assur / neben entdeckung seiner liebe zur Mirina / wie
auch der ehmaligen profezeiung des Chaldeers / von seiner liebe zu zweien
heldinnen / geoffenbaret. Sobald der Prinz die Hercinde verlassen / und sie sich
bei ihrer Marpeis allein befande / sagte sie zu derselben / ihre worte mit
vielen seufzern begleitend / dessen sie vordessen in Celten nicht gewonet
gewesen: Baleus liebt meine schwester / mit solcher häftigkeit / dass er /
ungeacht alles meines zuredens von ihr nicht ablassen will. Vieleicht sihet meine
Prinzessin (antwortete die verschmizte Marpeis /) diese liebe nicht gern / weil
solche unserem grossen fürhaben hinternis geben könnte / Assyrien zu bekriegen /
wann die Konigin Mirina des Baleus liebe billigen / und also unsere seite
verlassen sollte. Dieses besorge ich nicht / (antwortete Hercinde / die farbe
verånderend /) sondern beklage vielmehr diesen edlen Prinzen / dass er sich so
vergeblich quålen muss: weil Mirina meinen gegebenen raht nicht verlassen wird /
fortin aller liebe abzusagen / nun sie einmal entfunden / was sie fur marter
verursachet. Bedenke dann nur / Marpeis! ob dieser edle Prinz nicht zu beklagen
sei / dass er also ohne hoffnung liebt? Es ist mir auch noch wohl im gedächtnis /
was verzweifelte marter dergleichen hoffnung-lose liebe ehmals bei dem Tuscus
Sicanus und bei dem Jetur gewirket /welches dem Baleus auch begegnen könnte.
Stürzet die liebe diesen Prinzen in verzweiflung / (gabe Marpeis zur antwort /)
so ist es gut für uns / und wird uns desto leichter fallen / Assyrien zu
gewinnen / wann dieser held untüchtig gemachet wird / unseren waffen zu
widerstehen.
    Wie / Marpeis! (sagte die verunwilligte Prinzessin /) habe ich dann iemals
verlanget / unbewehrte feinde zu bestreiten? und kann dieses auch wohl meine
ehrsucht vergnügen / wann ich einen Prinzen überwinde /der sich nicht zu
beschutzen vermochte? Hiermit wandte sie sich auf die andere seite des bettes /
und wollte nichtes mehr reden. Ihr vieles seufzen aber gabe der Marpeis genug zu
vernemen / wie ihrer Prinzessin eine sonderbare gemütsqual anligen müste: massen
sie auch / in solcher unruhe / weder essen wollte / noch schlaffen konnte. Die
hierob bekümmerte Marpeis / so die ganze nacht bei ihrer Prinzessin wachete /
vername / dass sie mit sich selbst redte / und unter andern also sagte: Ach
Jetur! dieses war dein wunsch; der ist nun erfüllet. Der grosse Teutates hat
deinen fluch erhöret: ich füle / ich füle die marter / die ich an dir nicht
erkennen kunte. Bald hiernach / fuhre sie also fort: wo bleibet / Hercinde! dein
unüberwindliches herz? kanst du nicht dich selber besiegen / da du so viel
andere bezwungen hast? Vertilge dieses laster /das dich also anficht / aus
deinen gedanken / und wende / an statt der liebe / deinen hass / gegen dem
Assyrischen Prinzen. Hierauf schwiege sie eine weile /bis sie wie er also
fortredte: liebe ich dann den Baleus? und herrschet dieses laster in meinem
gemute? Ach ja! ich muss es bekennen. Doch will ich für aller welt verhelen / was
ich mir selber nicht bergen kann und soll so wenig der rachgierige Jetur / als
einiger anderer sterblicher / iemals erfahren / dass die liebe mich überwunden
habe.
    Mit solchen gedanken / brachte die Prinzessin die nacht zum ende. Und als
den folgenden tag mein Prinz sich wieder anmelden liesse / sie zu besuchen /wollte
Hercinde sich entschuldigen lassen / wie sie gern allein sein mochte. Wird aber
(fragte Marpeis) den Assyrischen Prinzen solches nicht verdriessen /dass wir
seine hoflichkeit also verschmåhen? Wie furchtsam bist du doch / Marpeis!
(antwortete die Hercinde /) lass dann den Prinzen kommen / weil du es fur gut
befindest. Hiemit eilete Marpeis / dem Prinzen diese antwort zu entbieten: dann
sie wohl erkannte / dass in seiner gegenwart / ob sie es ihr gleich selbst
verwehren wollte / der Prinzessin vergnügung bestunde. Indem nun diese
unterredung / gleich allen den andern / dahinaus liefe / dass dem betrubtem Assur
/ in höchstem vertrauen / von der liebe zur Mirina fürgesaget wurde / als
ergrosserte sich von tag zu tag dieser Prinzessin leiden: welches sie doch so
verborgen für der Marpeis zu halten begunte / dass diese treue jungfrau nicht
erkünen dorfte / wie gern sie auch gewolt / ihr mit trost zu zusprechen.
    Es werden aber E. Maj. aus der Mirina geschichte /die mein Prinz ihr
erzählt / sich zu erinnern wissen /wie der Prinz Hiarbas aus Nissa angekommen /
der Mirina den pass zu offnen: da dann / unter wärendem treffen mit dem Hiarbas /
der Laristenes den grausamen befehl erteilete / den Assur in unsrem läger nieder
zu såbeln. Weil diese unbilligkeit mein Prinz nicht leiden konnte / als eilete er
/ neben mir und etlichen der unsrigen / aus der schlacht nach unserm lager / und
befreiete den Assur: den er mir folgends /ihn nach der Mirina lager zu bringen /
anbefohle. Wie sehr diese grosmütige tat der Hercinde gefallen / hat mir
hernach die Marpeis nicht gnug beschreiben können: massen mir / dieser schöne
Assur / tausend danksagungen für meinem herrn mit auf den rückweg gabe. Ich
fand aber / bei meiner wiederkehr / sein und der seinen Glück in gar
verånderten zustand: dann er selbst war gefangen worden / und die unsrigen hatten
die Mirina / zu den Ophirischen völkern in Nissa zu stossen / durchlassen
müssen. Die noch nicht vollig wiedergeheilte Hercinde / musste nach Nissa sich
füren lassen: alda sie offentlich beklagte / dass ihrentwegen der Prinz von
Assyrien in diss unglück gerahten wåre. Sie liesse auch nachmals ihre freude ja so
scheinbar blicken / als in Nissa die zeitung einkame /dass der Sinear und Eliphas
ihn wieder befreit hätten.
    Die gute Prinzessin wurde hiernächst von tag zu tag trauriger / und begunte
ein so stilles wesen zu füren / dass / auser der einigen Marpeis / welche ihr
anligen gemerket / niemand die wahre ursach ergründen konnte. Mirina / die mit
ihr selber gnug zu tun hatte / weil sie den Hiarbas zu ehlichen unschlüssig war
/ name diese veränderung ihrer schwester nicht so bald in acht: mit der sie in
raht stellete / ob sie des Königs von Ophir begehren / den Hiarbas / und mit dem
das grosse reich Ophir / anzunemen / erfullen sollte. Hercinde riete ihr solches
eiferigst / von allen ihren ehmaligen lehrsätzen abschreitend / womit sie ihrer
schwester / sich nimmer zu verehlichen / widerraten hatte. Wie nach diesem /
durch der Prinzessin von Ophir schreiben / die list des Königs / der Mirina
entdecket / und diese erzurnte Königin dadurch bewogen worden / mit höchstem
unwillen so wohl über den Jaziz / als auch über den Hiarbas / ihre völker nach
Elassar wieder abzufärtigen: solches kann allhier wohl übergangen werden. Und
obwol Hercinde diese heurat ungern getrennt sah / so musste sie sich doch in die
zeit schicken / und der Mirina völker / als der feldherr Assur / aus Ophir
abfüren. Als sie aber unterwegs die Mirina verloren / welche der Sineab geraubet
hatte /sandte die besorgte Hercinde allentalben nach ihr aus / und bliebe mit
dem heer / sonder fürter zu rücken / so lang stehen / bis ich / auf meines
Prinzen befehl / der sie befreit / diese Königin wieder zu ihren völkern
brachte.
    Die freude der ihrigen war unbeschreiblich / als sie ihre Königin wieder
sahen. Hercinde aber / als sie vername / dass mein Prinz ihrer schwester diesen
dienst getan / fienge nun auch an zu fulen / was eiversucht vermag: massen sie
dieses / dass Baleus eine andere liebte / so håftig quälete / dass sie / als
dergleichen leidens ungewonet / fast gar darunter versinken wollte. Ich
überbrachte aber diesem schönen Assur einen gruss von meinem herrn / mit
versicherung seiner beständigen freundschaft: welches er alles mit seufzen und
verwandelung der farbe anhörete / und mir mit solcher verwirrung antwortete /
dass ich solches damals nirgend anders hinaus deuten konnte / als dass dieser Assur
die Königin Mirina lieben müste /und ein mitbuler meines Prinzen worden wåre.
Weil ich befehl hatte / die Königin bis nach Elassar zu bringen / als war ich
unterwegs stäts bei ihrem frauenzimmer: da ich dann mit der Simede und Marpeis
sonderlich in vertreuliche kundschaft geriete / und mich die annemlichkeit der
letzern so sehr übermeistern liesse / dass ich sie lieb gewonnen / und die
bescheidene Simede dabei zu meiner vertrauten und guten befördererin bei der
Marpeis erwehlete. Ich habe dieses /so nur mich betrifft / hiebei mit erwähnen
mussen /weil ich dadurch alles erfahren / was ich iezt erzehle /das E. Maj. zu
wissen verlanget / und meinem Prinzen zur nachricht höchst nötig und dienlich
ist.
    Weil nicht allein die getreue Marpeis / sondern auch die Simede / und
letzlich die Mirina selber / der Hercinde eine grosse ånderung abmerkten: als
war diese Königin / wiewol vergebens / bemuhet / aus ihrer schwester zu bringen
/ was ihr anläge. Es wurde auch Hercinde von tag zu tag kaltsinniger und
eingezogener / gegen der Mirina: daher endlich Marpeis /durch der Simede
beförderung / sich musste gebrauchen lassen / dieser Prinzessin ihr anligen
abzufragen / wiewol sie schon alles wusste / doch dessen sich nicht wollte merken
lassen. Wie sie nun einsmals die gelegenheit zu dieser erkündigung abgesehen /
da der schöne Assur / auser dem lager / sich ganz allein unter einen baum gelegt
hatte / daselbst seinen betrubten gedanken gehor zu geben / wagte sie es / und
gienge zu dieser ihrer Prinzessin / deren sie zu fus fiele / und mit tränenden
augen sie also anredete: Wie lange soll ich dann der grossen Herzinde qual mit
stillschweigen ansehen / und nicht darnach fragen dorfen? Nicht allein ich /
sondern alle welt sihet / dass eine tieffe traurigkeit bei meiner Prinzessin
vorhanden sei. Ist dann meine treu und verschwiegenheit vermindert /dass man mir
nicht mehr trauen darf? oder hat sich die gnade verringert / die ich sonsten so
überflussig genossen?
    Ach Marpeis! (fiele ihr hier die trostlose Hercinde ins wort /) keines von
diesen verursachet mein stillschweigen / sondern allein die scham / iemanden zu
offenbaren / was mich quälet / welches ich fur mir selber verhelen wollte / wan
es möglich wäre. Als nun Marpeis ferner in sie drunge / fuhre sie also fort zu
reden: Der himmel straffet mich / dass ich dem Prinzen Jetur mit solcher
grausamkeit begegnet / und an ihm die liebe nicht dulten konnen: da ich iezt wohl
sihe /dass es nicht in seinen mächten gestanden / solche abzustellen. Nein /
Marpeis! dieses feuer låsset sich nicht dåmpfen / wo es einmal zunder gefasset.
Dieser gift ist nicht abzutreiben / wan man ihn einmal eingeschlucket. Hiemit
offenbarete sie ihr ümståndlich / dass sie meinem Prinzen liebte; dass sie eiferte
/ümwillen ihre schwester seine herz besåsse; dass sie ihr selber hierum feind sei
/ und dass sie nichtes mehr als den tod verlange / welcher sie befreien könnte /
üm ihre schwachheit der welt nicht zu offenbaren: dann sie könne nicht wollen /
dass iemals einiger mensch erfahren sollte / wie dass sie geliebt hätte. Die
Marpeis fienge hierauf an / ihr die möglichkeit furzustellen /dass ein gutes ende
von dieser liebe werden könne. Sie widerholete ferner / nicht allein / was der
Chaldeer dem Prinzen / von zweien heldinnen / die er nacheinander lieben wurde /
geprofezeiet; sondern auch / was ihr die Aurinien von erlangung der Assyrischen
kron gesagt håtten / welche / so wohl durch heuratung meines Prinzen / als durch
krieg / konnte erhalten werden. Die Hercinde befande sich hierdurch ziemlich /
jedoch nicht völlig / getröstet: massen sie nicht vertragen konnte / dass mein
Prinz anderswo liebte / und entschlossen war / eher tausendmal zu sterben / als
ihme / bevor er seine liebe gegen der Mirina eingestellet /die geringste
nachricht von ihrer person und zustand wisslich zu wachen.
    Die Marpeis neben der Simede / deren sie dieses alsofort eroffnet /
überlegten alles reiflich / und fanden für ihre Prinzessin nutzlicher / mir
dieses geheimnis zu entdecken / als durch verschweigen den tod der grostätigen
Hercinde zu befördern. Demnach / auf vorher von mir abgeforderten
erschrecklichen eidschwur / dieses geheimnis niemanden gemein zu machen /
erfuhre ich von der Marpeis alles / was ich iezt von der Prinzessin erzählt:
welches ich auch / wan sie nach diesem mich des eides nicht wieder erlassen
hätte / noch ferner wurde haben verschweigen müssen. Dass der schöne Assur des
grossen Marsius schwester wår / und meinen Prinzen liebte / solches kame mir so
wundersam als angenem für: und wünschte ich neben ihnen nichts mehrer / als dass
diese heurat fürsich mochte gehen.
    Diesen wunsch nun / an meinem wenigen ort befördern zu helfen / unterliesse
ich nicht / in der wiederkunft / meinem Prinzen zuzusprechen / dass wir nach
Elassar reisen möchten. Als wir nun / nach geendetem Ophirischen krieg /
daselbst ankamen / ginge sowol die vertreulichkeit zwischen meinem Prinzen und
dem schonen Assur / als dessen liebe zu der Mirina / von neuem wieder an:
worüber die ungedultige Hercinde endlich wurde heraus gebrochen sein / und ihr
misfallen anderst / als dem Assur zustunde / erwiesen haben / wan nicht die
Marpeis / sich zu zwingen / sie immer vermanet hätte. Sie name ihr auch zum
öftern für /den hof ihrer schwester zu verlassen / und nach Basan zu ihrem
bruder zu gehen: um / in der abwesenheit /meines Prinzen desto eher vergessen zu
können. Simede und Marpeis waren inzwischen neben mir geschåftig / dieser
grossen Prinzessin wider ihr wissen zu dienen. Und weil zuvor die Mirina aus
meines Prinzen herzen musste gesetzet werden / ehe man die Hercinde dafur hinein
bringen konnte: als fasseten wir einen raht / der zwar der Königin Mirina gutem
gerüchte konnte schädlich sein / und daher lang nicht wollte angenommen werden /
iedoch endlich / auf unser zureden / beliebet wurde. Es war aber diss unser
anschlag / dass die Simede meinen Prinzen bei nacht in ihrer Königin kammer
fürete / und ihm den schlaffenden Assur in ihren armen sehen liesse: wodurch bei
ihm / alle hochachtung und liebe gegen der Königin /sich verlore / und er
hierauf anfienge kaltsinniger mit ihr ümzugehen; welches gar bald der ganze hof
gemerket.
    Nun bin ich (fiele allhier die Königin von Ninive dem Zameis in das wort /)
mit der Mirina wieder zu frieden / weil ich verneme / wer ihr beisch äffer
gewesen. Und ich habe dieser Königin / (sagte Baleus) zu nahe getan / dass ich
einen so bösen verdacht von ihr gefasset. Aber erzählt fort / Zameis! meine
begierde ist unbeschreiblich / das ende hiervon zu hören. Nachdem uns dieser
gefärliche anschlag / erzehlte hierauf Zameis ferner /) so glücklich von statten
gegangen / schritten wer weiter zu der sache / und fårtigten die Simede wieder
ab / die meinem Prinzen von einer frömden Prinzessin fürsagen musste / die dem
Assur gliche: wodurch mein Prinz begierig wurde / diese schönheit beim opfer der
Mirina zu sehen. Bei diesem fest nun / welches die Celtische weiber hoch feiern
/ erschiene Hercinde in ihrer rechten tracht / unwissend / dass mein Prinz
heimlich zugegen wäre: deme dann ihre fürtreffliche wunderschönheit dermassen
wolg fiele / dass er sie nachmals der Simede nicht genug preisen konnte. Weil nun
mein Prinz sehr darauf drunge / dass Simede ihm / diese frömde noch einmal zu
sehen / behülflich sein mochte: als erkünete sie sich der Hercinde hievon zu
sagen.
    Sie traffe dieselbe eben an / in gesellschaft etlicher Assyrischen herren /
die mit uns gekommen waren: unter denen des Prinzen kåmmerling Abdemon /neben
anderen kleinodien / die er von dem Prinzen in verwarung hatte / ihr das bildnis
meiner gnädigsten Königin zeigete / und dabei berichtete / wiedass solches unser
Prinz / als dieser Königin bestimmter und kunftiger ehgemal / bei sich furete.
Wie? (fragte sie hierbei / ganz besturzet /) heiraten dann / in Assyrien die
brüder und schwestern zusammen? Als nun Abdemon solches bejahete / gienge dieser
vermeinter Assur mit dem bildnis zur Simede / und zeigte sich sehr verwundert
uber die schönheit der Konigin von Ninive /wie auch / über deme / dass mein Prinz
an diese Königin verlobet wäre. Die Assyrischen herren verliessen hierauf die
Simede bei dem Assur: die dann / weil sie nun mit ihm / als mit der Hercinde /
frei reden kunte /ihr offenbarete / dass mein Prinz / beim neulichen opfer / sie
in ihrer rechten tracht gesehen / und solche begierde erwiesen håtte / diese
fromde schonheit zu kennen / dass sie daher so wenig ihn mit seiner schwester der
Königin von Ninive verlobt / als gewiss sie hingegen ihn in sie verliebt / achten
konnte. Wie nun nichtes höher / als solche vereinigung des Teutschen mit dem
Assyrischen hause / zu verlangen wåre / als hätte sie sich hiermit erkünet aus
der vertreulichkeit /mit der die Prinzessin sie bisher begnadiget / meinen
Prinzen ihr anzutragen.
    Der Hercinde kame dieses anbringen der Simede so unvermutet / dass sie ganz
betreten darüber bliebe /und sich nicht sobald zu entschliessen wusste / wie sie
ihr antworten sollte. Sie stellete ihr auf einmal viel sachen fur / die da
unterschied iche regungen bei ihr erwecketen: und würde sie sich in alles eher
gefunden haben / wann nicht das bild der schönen Konigin von Ninive bei ihr die
meiste verwirrung verursachet hätte. Es befromdet mich sehr / (sagte sie endlich
/) dass ihr mir ratet / denjenigen zu lieben / den meine schwester ihrer liebe
nicht würdig achtet / und der die gröste schonheit der welt lieben darf / da ihm
als einem Assyrier / erlaubt ist / seine schwester zu ehlichen. Erkundiget euch
vielmehr nach der person / die diesen Prinzen in unsere heilige versamlung
einlassen dorfen / um dieselbe gebürlich abzustraffen / an statt dass ihr mich
bereden wollet / unmögliche dinge zu verlangen. Hiemit färtigte sie die Simede
ab / welche nicht ratsam befunde / ihr für dissmal mehr hiervon zu sagen.
    Sobald Hercinde bei ihrer Marpeis sich wieder allein sah / schuttete sie
gegen derselben alle ihre gedanken aus / die ihr wegen dieser begebenheit waren
eingefallen. Bald verdachte sie die Marpeis sie hätte es bei den Aurinien
angebracht / dass mein Prinz sie zu sehen bekommen. Bald erfreute sie sich
hierüber: wiewol solche freude nicht lang daurete / wann sie das bildnis meiner
gnädigsten Königin betrachtete /das ihr der Abdemon hatte in handen gelassen.
Ach! (sagte sie) kann diese wunderschone den Baleus nicht bewegen / sie allein zu
lieben: was hätte dann ich zu hoffen / die ich kein geteiltes herrz annemen kann?
Das verlangen des Prinzen / mich zu sehen / wird nur ein furwitz sein / nicht
aber ein zeichen einiger liebe. Welche leichtsinnigkeit lässet mich dieser Prinz
erblicken / dass er sonder ursach aufhöret / die Mirina zu lieben / und nun nach
einer frömden begierig ist /deren stand er noch nicht weiss / und die er etwan
einen augenblick gesehen hat. Indem kame mein Prinz dazu: da ich dann das
gespräche / so sie mit dem Assur hielten / hieher zu wiederholen / fur nötig
ermesse.
    Wie finde ich euch so betrubt / mein Assur! und so voll gedanken? fragte
mein Prinz. Ich bewundere nur /(antwortete Assur / zugleich ihm das bildnis
wieder zustellend /) dass der Prinz von Assyrien die schone Königin von Ninive
lieben darf / und doch auch bei anderen liebe furgibet. Wehrter Assur! (gabe der
Prinz zur antwort /) ihr werdet aufhören / euch hierüber zu verwundern / wann
ich euch sage / dass mir nicht erlaubet ist / ob es gleich meine Assyrier
vermeinen / meine schwester zu lieben. Diese unvermutete erklärung / so die
Hercinde ganz vergnügt liesse /gabe anlass zu einer fernern unterredung. Ich habe
vermeint / (sagte sie /) die kaltsinnigkeit / so der Prinz eine zeit her gegen
unserer Königin erwiesen / sei daher entsprungen / weil man sich etwan der
hinterlassenen schönheit zu Ninive erinnert? Diese frage /weil mein Prinz den
Assur fur einen heimlichen buler der Mirina hielte / machte ihn die farbe
verändern /und gabe er mit einem hönischen låchlen zur antwort: Ihr habt mir so
eifrig gerahten / von der liebe zur Konigin abzulassen / dass ich endlich dem
schönen Assur folgen müssen: und heget Susan grössere schönheiten / die liebens
würdig wann ihr nicht so geheim und verborgen damit wåret. Hercinde konnte sich
des errötens nicht erwehren / als sie meinen Prinzen also reden hörete / und
wusste sie nicht / was sie darauf sagen sollte. Um aber ein mehrers aus ihm zu
bringen / fragte sie ihn ganz vertreulich / was er hiemit meinte / weil diese
seine reden ganz unverständlich wåren?
    Mein Prinz name hierauf den schonen Assur auf eine seite / und offenbarete
ihm / was er für eine furtreffliche schönheit bei der Königin opfer gesehen
håtte: und bate zugleich / dass er / üm ihrer ehmalichen vertreulichkeit willen /
ihme doch sagen wollte /wer diese schöne / die ihm so sehr gliche / wohl sein
möchte? Hålt sie dann der Prinz für schön / (fragte Assur /) da sie mir gleichen
soll? So würdig ihr (antwortete mein Prinz /) den namen des schonen Assurs füret
/ so billig kann man auch dieser unbekanten solches lob geben: und kann es wohl
nicht anderst sein /ihr müsst / als ihr verwandter / sie wohl kennen. Ich kenne
sie ja! (sagte Assur /) ich kenne aber noch nicht soviel den Prinzen von
Assyrien / dass ich ihm sagen sollte / wer sie ist. Worin kennet ihr mich dann noch
nicht? (fragte mein Prinz ganz begierig /) und womit soll ich mich entdecken um
dieses geheimnis aus euch zu bringen? Wann nicht eben iemand dazwischen gekommen
wäre / der diese unterredung zerstöret /wurde Hercinde / in fernerem
wortwechseln / sich leichtlich verrahten haben: massen ihr verwirrtes aussehen
genugsam wiese / dass sie etwas sonderbares mit dem Prinzen zu reden gemeinet
gewesen.
    Als sie hierauf wieder allein war / eröffnete sie der Marpeis / wie ihr zu
mut wäre / und dass ihr des Assyrischen Prinzen leichtsinniges gemut / (wie sie
es nennte /) sehr misfiele / indem er seine håftige liebe von der Mirina ab /
und so geschwind auf eine unbekannte gewendet: welches beginnen gar keine
beständigkeit anzeigete / die sie doch fürnemlich / an dem /der sie lieben wollte
/ erfodere. Also machete sie ihr daraus ein leiden / dass mein Prinz sie liebte:
welches sie doch so sehr verlanget hatte. Marpeis dorfte aus furcht ihre
Prinzessin zu erzürnen / nicht melden /was sie mit der Simede / angestellet: dass
nämlich mein Prinz sie / als den vermeinten Assur / in den armen der Mirina
gesehen / und daher die liebe zu der Konigin fahren lassen. Demnach suchete sie
andere gründe herfur / den Prinzen wegen dieser seiner sinnånderung zu
entschuldigen: die aber alle bei ihr nichts verfingen.
    Also wurde diese gute Prinzessin mit neuer plage gemartert / indem sie einen
liebte / dessen wankelmut sie sich befahren musste: worin auch der Abdemon sie
stårkete. Dan dieser liesse sich von ihr ausfragen /welcher gestalt mein Prinz
seine liebes-neigung oft geåndert / da er anfänglich seine schwester /
nachgehends die Lantine von Elam / und ferner die Eldane /geliebt hätte. Alles
dieses / so der Hercinde an dem Prinzen misfiele / gienge ihr nicht so sehr zu
herzen /als dass sie dabei ihn nicht hassen konnte. Je mehr auch nachgehends mein
Prinz / um benennung der schonen unbekanten / bei dem Assur anhielte / iemehr
deutete die Prinzessin solches auf einige leichtsinnigkeit. Sie verursachte aber
endlich mit ihrem ståten versagen /dass mein ungedultiger Prinz / mit der
einbildung / als wann Assur / beim opfer / der Mirina zu gefallen /sich also
verkleidet hätte / aus Elassar hinwegschiede: da ich dann / beim abzug / der
Marpeis meinen getanen eidschwur erneuen musste / und darum bisher von allen
diesen dingen nichtes entdecken dorfen.
    Es wird aber mein Prinz sich noch erinnern / was massen / als wir unterwegs
/ auf den gränzen des reichs Elassar / bei dein alten Beleaster / der beim König
von Assyrien vordessen oberkammerherr gewesen / einkehrte / sie etliche reimen
auf die Königin Mirina verfasset: die diesem Assyrier so wohl gefielen / dass er
des Prinzen eigne handschrift / solche für sich auf zu bewahren / aus bate. Er
ware aber / nach unsrem abzug / hiermit nicht so geheim / als sich wohl geburet
håtte / und machte durch seine unfürsichtigkeit /dass dieses gedichte der Königin
von Elassar in die hände geriete. Meiner gnädigsten Königin / die ursach des
eifers der erzurnten Mirina wohl furzumahlen /muss ich die unglückliche reimen
hersagen / die also lauteten.
                  Uber der Mirina übel-erworbenen guten namen.
Von ausen glänzt sie schon / und tråget edle fruchte.
Die ganze welt sie ehrt / und trauet dem geruchte
nur sie allein befahrt / dass nicht der ausen schein
könn allemal das wesen sein.
Wie hoch ist sie gestraft / nun sie sich selber kennet.
Ihr scharfer richter nie von ihrer seit sich trennet.
Rumt sie gleich alle welt: ihr herz es widerspricht.
Sie weiss / was sonst weiss niemand nicht.
Ach! wust' auch ich es nicht: so wär' ich / zwar betrogen
von ihrem glanz / iedoch verliebt / von dar gezogen;
ich håtte nicht bereut die zeit / die ich verwendt /
als ich in ihrer lieb gebrennt.
Nun aber weiss ich diss / und lebe frei / ohn lieben.
Elassar! gute nacht! ich bin von dir getrieben.
Sol mirs leid sein? soll ich froh sein in meiner wahl?
Ich weiss von keiner freud noch qual.
                                                                         Baleus.
    Als diese / der unschüldigen Mirina ehre so hart antastende reimen / am
ihrem hof ankamen / waren eben die beide schwestern beisammen. Ich kann wohl nicht
sagen / welche von ihnen dieses zum höchsten entfunden habe. Die grosmütige
Mirina / musste es zwar / als am meisten damit angegriffen / zum häftigsten
anten. Die verliebte Hercinde aber / wurde zugleich von zorn und unruhe gerüret:
indem sie eines teils so wenig vertragen konnte / dass Mirina ihren Baleus hassete
/ als dass sie ihn liebte; anders teils es zum höchsten ubelname / dass man ihre
schwester / so unverschuldter weise / an ihrer ehre verunglimpft hatte. Ach!
(sagte sie zu ihrer Marpeis / als sie nachgehendes bei ihr sich allein sah /)
hat mir dann der himmel auferlegt / einem Prinzen wohl zu wollen / der so wenig
tugend erweiset / und der unbeständigste und leichtsinninste von der welt ist?
War es mir nicht straffe / und dem Jetur rache genug / dass ich lieben müssen?
Muste ich noch meine wahl auf einen so unwürdigen werfen? Und wie kann ich / ohne
verletzung der tugend / demjenigen ferner gut sein / der meine schwester so sehr
beschimpfet hat?
    Die Marpeis / so sich nicht unterwinden dorfte /ihren und der Simede
verübten betrug / dadurch alle diese mishelligkeiten entstanden waren / zu
offenbaren / wusste nicht / wie sie sich hiebei bezeugen sollte /meinen Prinzen zu
entschüldigen. Hercinde aber /ihrer schwester zorn billigend / fassete mit ihr
den schluss / Assyrien zu bekriegen / und damit ihre rache zu suchen. Weil aber
die liebe / wider ihren willen / in der Prinzessin gemüt noch mit herrschete /
und sich nicht konnte dämpfen lassen: als verursachte solches einen so herben
kampf und streit in ihren gedanken /dass endlich die sonst unüberwindliche
Hercinde dem gram völlig unterlage. Um deswillen kame sie von allen kråften /
und wurde von tag zu tag schwåcher; daher die Marpeis und Simede / als welche
allein üm die ursach ihres anligens wussten / nicht wenig besorgeten / es wurde
diese unvergleichliche heldin in die långe solche lebens art nicht überdauern
können.
    Als nun diese beide schwestern sich mit einander berieten / was hiebei zu
tun wäre / entschlosse sich Hercinde / auf gut befinden der Mirina / unter
Assurs gestalt / mit wenig leuten / nach Basan zu ihrem bruder dem König Marsius
zu reisen / üm denselben in diesen krieg mit ein zuflechten / den sie wider uns
furhatten. Auf der hinreise / in Mesopotamien / erkünete die Marpeis / (welche
auch unter mannsgestalt /ihrer Prinzessin folgete) ihr zu offenbaren / was sie
und die Simede mit mir angestellet hätten / um die Mirina aus des Prinzen herzen
zu bringen / welches nun all dieses unwesen verursacht hätte. Anfangs name
Hercinde / dieses küne beginnen ihrer Marpeis /sehr ubel auf / Allmählig aber
liesse sie sich wieder begütigen / und den guten zweck ihrer Marpeis erwägend /
vergabe sie ihr / dass sie dieses betrugs sich unterfangen hätte. Sie sah ja /
dass ihre erzürnte schwester durch diesen bericht wieder zu versönen wäre: sie
besorgte aber dabei / dass der Prinz / wan er also die Mirina unschuldig erfüre /
sie wieder lieben mochte. Doch beunruhigte sie das letzere nicht so sehr / als
wie ihr vorher nahe gegangen war / meinem Prinzen /ihrer Meinung nach / so
leichtsinnig zu finden.
    Wie sie also noch unschlussig war / was sie nun fürnemen sollte / kame das
gerüchte in Haran / woselbst sie damals sich befande / dass mein Prinz / von
Babel hieher nach Damasco gehend / daselbst durchreisen sollte. Ich würde mich zu
lang aufhalten / wan ich alle gespräche allhe o wiederholen wollte / die /dieser
ankunft wegen / die schone Hercinde mit ihrer Marpeis gefüret; die man auch
selber ihm bässer furbilden / als von mir zu hören verlangen kann. Die Prinzessin
sah unsern einzug mit an / und entfande dabei solche ånderung in ihrem gemute /
dass der glanz ihrer wunderschone viel herrlicher / als er ein zeitlang
geschienen herfur leuchtete. Kurz! der dapfere Assur / so bisher ganz unlustig
und verdrossen gewesen / erwiese sich nun so frisch und munter / dass Gaisus /
einer von ihren Celtische hohen kriegsbedienten / der die Hercinde nur als
seinen feldherrn kante / diese schleunige änderung dahin deutete / als wan sie
von dem kriegerischen eifer herrürete / den der mutige Assur / in ersehung
seines feindes des Assyrischen Prinzen / bei sich entfinde. Hercinde liesse den
Gaisus bei dieser Meinung / ob gleich seiner einbildung ganz entgegen stehende
regungen sie beherrscheten. Sie hätte auch wunschen mögen / dass ihre Marpeis
eben ein solches urteil von ihr gefållet håtte: dann sie schåmte sich / dass
iemand etwas solches an ihr merken sollte.
    Diese getreue Marpeis aber / so allein dahin bedacht war / wie sie ihrer
Prinzessin ferner / wider ihr wissen / in dieser liebe dienen möchte / suchete
gelegenheit / mich zu sprechen: dazu sie dann gelangte / als ich / mit dem
Prinzen Sinear / den abend nach unserer ankunft / vor Haran auf den grossen
spazirplatz mich verfugte / um die schöne schäfergesellschaft zu besehen so
daselbst / um die zeit / sich zu befinden pflegte. Ich gedachte wohl nicht / dass
meine geliebte Marpeis mir so nahe sein würde. Als sie in ihrer verkleideten
tracht sich mir genähert / wurden durch die bekannte stimme / eher meine ohren /
als meine augen /innen / dass die angeneme Marpeis bei mir ware. Als ich nun /
voll bestürzung / nicht wusste / wie mir geschahe / zoge mich Marpeis auf eine
seite / und entdekte mir alles / was ich ietzund erzählt / und wie ihre
Prinzessin in ihrer liebe verharrete / aber sich nicht dazu entschliesen könnte /
auf einige weise zu dulten / dass man diese liebe befordere. Weil aber in einem
so zarten gemüte / dass niemals einigen zwang zu leiden gewonet / solche qual
bald den garaus spielen mochte: als hätte sie mir diesen der Prinzessin zustand
entdecken wollen / um durch meinen raht zu verhüten / dass so eine
unvergleichliche heldin nicht fürzeitig der welt entzogen wurde.
    Ich bote mich hierauf an / dem Prinzen Baleus dieses alles zu eröffnen / und
versicherte die Marpeis /dass die grosse Hercinde / von meinen Prinzen / auf
solche kentnis / mit heftigerer liebe / als ehmals in Elassar die unbekannte
schönheit / wurde verehret werden. Sie wollte mir aber solches nicht zugeben /
und meines hohen eidschwures mich erinnerend / verpflichtete sie mich zu
fernerer verschwiegenheit. Nach langem überlegen / fasseten wir den schluss /
folgenden abends zu veranlassen / dass Hercinde / sonder gesehen zu werden /
einem gespråche zuhören sollte /welches ich mit meinem herrn von ihr halten
wollte: dadurch sie / meines Prinzen gemüt erforschen / und seine liebe zu ihrer
schönheit erkennen würde. Eben der spazirplaz / wo wir damals uns befunden /
wurde zu diesem anschlag bestimmet. Gleichwie nun mein Prinz sich noch entsinnen
wird / wie häftig ich ihnen gerahten / dass sie möchten sich belieben lassen /
den hirtinnen und schåfern daselbst ihre gegenwart zu gönnen: also täte auch
die Marpeis an ihrem ort /und beredte die Hercinde / dass sie / folgenden abends
/ allein von ihr begleitet / sich an diesen ort verfügte /und / um verborgen zu
bleiben / hinter eine wand von brettern sich stellete / durch deren ritzen sie /
sowol uns / als alles / was da fürgienge / betrachten konnte.
    Weil mir nun der ort / alwo sie stunden / von der Marpeis bedeutet wo den /
als veranlassete ich / dass mein Prinz an diesen planken sich nidersezte / und
alda die schönheiten nach einander betrachtete / die daselbst in grosser mänge
zu sehen waren. Der Prinz Sinear / der Nahor / und andere von unsern Assyriern /
so zugegen / wehleten ieder eine besondere schonheit aus / deren sie den preis
zuerkanten: worüber Sinear und Nahor in einen streit gerieten / weil der Prinz
von Chaldea des Nahors schwester / die schöne Rahel / dieser aber eine andere
schäfe in / so Aprite hiesse /für die schönste unter der gesellschaft behaubten
wollten. Sie wehlten meinen Prinzen zu ihrem richter: der dann / wie ihnen /
gnädigster Prinz! noch beiwonen wird / dem Sinear beifiele / und die Aprite der
Rahel fürzoge / und zwar aus der ursache / weil sie einige gleichheit zwischen
der Aprite / und der unbekanten schonheit / so sie beim opfer in Elassar gesehen
/ befanden. Ich bediente mich sobald dieses urteils / weil es gar schicklich zu
meinem zweck kame / und ich keine bässere gelegenheit håtte wünschen können
/unser gespräche auf die Hercinde zu kehren. Ich habe zwar / (sagte ich zu dem
Prinzen) die schönheit / so sich bei der Mirina opfer befunden / nicht gesehen:
wan ich aber den feldherrn Assur mir fürbilde deme sie gleichet / so dörfte ich
fast sagen / sie sei schoner /als diese Aprite.
    Ich erinnere mich zum teil / (fiele alhier der Prinz von Assyrien dem Zameis
ist die rede /) was unser gespräche damals gewesen. Doch wird der Königin
/meiner schwester / nicht entgegen sein / selbiges von euch anzuhoren / weil es
zu erleuterung eurer erzehlung / und zu meiner eigenen nachricht / dienen kann.
    Mein Prinz / (fuhre Zameis hierauf fort zu erzählen /) fiele meiner Meinung
bei / und sagte: Diese schöne / so mir von stand und namen unbekant / ist in
meinem sinn die schönste / so ich nach der Königin von Ninive iemals gesehen.
Und wan ich nicht besorgte /dass sie nicht in der welt / sondern nur in dem
verkleidten Assur zu finden sein mochte / würde ich so freien gemütes nicht sein
/ als ich iezt bin / sondern die jenige warhaftig lieben / deren blosser
schatten /wan ich daran gedenke / mich fast nicht sonder liebe lassen will.
Vermeinen sie dann / gnädigster Prinz! (gabe ich zur antwort /) dass diese schöne
nicht in der tat eine dame gewesen? Ich meines teils gläube es sicherlich: dann
der Assur eines viel zu edlen tugendhaften gemütes ist / als dass er der Celten
heilige versamlung also entehret / und an so heiligem orte sich weiblicher
kleidung sollte bedienet haben. Ach Zameis! (sagte mein Prinz / und hube an zu
seufzen /) wären Assur und diese unbekannte eine person: ich sage nochmals / ich
würde sie lieben.
    Wann mein Prinz / (gabe ich zur antwort /) solche reitzung in sich entfindet
/ des schonen Assurs ebenbild zu lieben / so dörfte die schäferin Aprite
vielleicht heute unter uns mehr als einen verwunden. Ich zielete hiemit auf den
Nahor / der aus allem seinem tun eine liebe zu dieser schåferin herfur blicken
liesse Mein Prinz aber / mir meine einbildung / und dem Nahor seine eiversucht /
zu benemen / sagete hierwider: das betrübte wesen / so an dieser Aprite
erscheinet / ist meinem sinne so entgegen / dass ich sorgen müste / ich würde /
wan ich sie liebte / um ihr zu gefallen / meine lebtage nicht lachen dorfen. Und
eben das ist es (sagte Nahor) was mir an dieser schäferin am båsten gefället.
Und dieses einige machet / (antwortete mein Prinz /) dass ich nicht euer mitbuler
werde. Dan / wan gleich Aprite durch das / worin sie meiner schonen unbekandten
etwas gleichet / mich könnte verliebt machen: so finde ich doch nicht in ihr
/dieses lebendige feuer / so meine schone in Elassar aus ihren augen schiessen
liesse. Ihr heroisches wesen / von so unvergleichlicher anmut begleitet /
bezauberte mich mehr / als die schönheit selber: wiewol ich eines vom andern
nicht absondere. Und sollte diese schöne heldin in der welt sein / so musste ich
mir selber verüblen / dass ich noch so freies gemutes lebe. Mein Prinz håtte
nicht gewunschter / unserm anschlag zur beförderung / reden konnen.
    Es verursachte auch dieses bei der schönen Hercinde / die alle worte mit
angehöret / eine sonderbare vergnügung / welche sie / als wir kurz darauf mit
dem Prinzen / auf anmanen des Nahors / uns unter die schåferinnen mängeten / und
ihren spielen mit beiwonete / gegen der Marpeis ausliesse. Wer hätte mir (sagte
sie /) ehmals in Celten sagen sollen / mich würde einmal vergnüge / wan ich
hörete / dass man mich liebte? Ja / Marpeis! dir gestehe ich es allein /dass des
Baleus liebe mir angenem sei / und dass ich wünschen mochte / er wüste / wer ich
wäre. Hierzu wollen wir bald gelangen / (antwortete Marpeis /) und darf ich nur
dem Zameis ein wort sagen / so ist dieser sache geholfen. Wie / Marpeis! (sagte
hierauf Hercinde / sie ganz unwillig ansehend /) ist dir meine ehre und guter
name nicht lieber / als dass du ihn solcher massen in die schanze zu schlagen
begehrest? woltest du wohl einigen menschen meine schwachheit eröffnen / dass ich
liebe? Marpeis / die nicht melden dorfte /dass ich es bereits wüste / sagte
darwider: Wie soll dann Baleus erfahren / dass er die grosse Hercinde liebt /
wann man ihm des Assurs zustand nicht eröffnet. Ich kenne ihn noch nicht genug /
(widerredte Hercinde /) dass ich ihm gonnen sollte / meinen stand zu erfahren. Er
muss mir zuvor noch mehr proben weisen / dass er mich liebe; und unsere liebe muss
nicht durch mich / sondern durch ihn / offenbar werden. Wie kann man aber dazu
gelangen / (wandte Marpeis wieder ein) wan wir nicht einen kundschafter bei dem
Prinzen haben / der uns seine gemütsneigungen bekant mache? Werden wir auch
allezeit diese gelegenheit überkommen / den Prinzen von Assyrien zu behorchen?
Zameis liebt mich / und liebt auch die wolfart seines herrn: warum sollte ich
ihm dann nicht künlich vertrauen dörfen / dass es die grosse Hercinde sei / die
sein Prinz liebt / und dass er den grausamen krieg /der Assyrien drohet / nicht
bässer von sich werde abwenden können / als wan er den unfug erkennet / den er
der Mirina angetan / und / durch fleissige bedienung der schönen Hercinde /
sich bewirbet / einen ewigen frieden mit den Teutschen zu stiften.
    Auf dieses vorbringen der Marpeis / geriete Hercinde in tiefe gedanken.
Indem sie aber also stilschweigend den schäferspielen zusah / an denen wir uns
zugleich belustigten / wurde sie gewar / dass mein Prinz sich bemuhete / die
schåferin Aprite zu kussen: die es aber mit solcher strenge verwehrete /
dergleichen man von einer gemeinen schäferin nicht vermutet hätte. Schau /
schaue / Marpeis! (sagte hierbei die Hercinde /) des Assyrischen Prinzen
fluchtiges gemute! Solte ich mich deme so unbedachtsam offenbaren / der so wenig
standhaftigkeit in seinem tun blicken lässet? Solte ich die straffe / die mir
bereits der himmel auferleget / dass ich lieben muss / mir damit selber
vergrossern / und aller welt zum spotte werden / wan Baleus also / um einer
andern willen / mich zu lieben aufhorete? Hierauf wollte sie dem spielen nicht
långer zusehen / sondern gienge wieder nach ihrer wohnung: da sie die ganze
nacht unruhig bliebe / und / bei allem zureden ihrer Marpeis / sich zu nichtes
entschliessen konnte.
    Den folgenden morgen eilete ich nach dem hause /darin sie waren / welches
mir Marpeis bedeutet hatte; und wie ich / der abrede gemäs / in einen schafstall
mich verfuget / alwo Marpeis mich sprechen wollte: kame sie daselbst zu mir / und
hinterbrachte mir den gestrigen verlauf / wie ich ihn iezt erzehlt habe. Als wir
aber mitten in solcher unterredung waren / schickte es das Glück / dass Hercinde
/ ihre Marpeis suchend / in diesen stall kame / und uns beide hinterwårts
ersehend / schliche sie leise hinzu /um zu hören / was wir redeten. Weil der
inhalt von ihr und von meinem heren war / wurde sie so unwillig /dass sie sich
nicht länger geheim halten konnte / sondern mit grossen zorn heraus brache / und
die Marpeis eine leichtsinnige verråterin schalte. Wie sie und ich hierob
erschracken / ist leicht zu ermessen. Wir beide fielen dem ergrimten Assur zu
fuss: da Marpeis ihre treue und sorgfalt für ihrer Prinzessin wolfart / ich aber
meine verschwiegenheit / fürschützete / mit teurer versicherung / dass alles zu
ihrem bästen angesehen gewesen. Weil sie aber / in der ersten hitze / sich nicht
wohl begreifen konnte / als winkte mir Marpeis / dass ich mich von dannen machen
sollte: damit die Prinzessin / mich nicht mehr sehend / desto eher wieder zu
frieden könnte gesprochen werden.
    Die viele tränen der Marpeis wirketen auch so viel / dass nicht allein ihre
Prinzessin sie wieder zu gnaden aufname / sondern auch erlaubte / dass ich fur
sie kommen / und für meinen Prinzen reden dorfte. Ich sagte / wie sehr
derselbige sie unter dem namen der unbekanten schönheit liebte / und wie seine
liebe sich noch häftiger gegen der grossen Hercinde herfürtun würde / wan er /
sie zu kennen / die ehre haben sollte. Diese geheime unterredungen wäreten / so
lang wir in Haran ausruheten. Und weil die Prinzessin auf meine verschwiegenheit
sich verliesse / deren sie die Marpeis hoch versicherte / als entdeckte sie mir
ihren fürsatz /wie sie nach Basan zu ihren bruder ziehen wollte: da ich / sobald
sie daselbst sein / und ich die beståndigkeit in meines herrn liebe erkant haben
wurde / ihr eröffnen sollte / dass sein alter freund Assur die Prinzessin Hercinde
aus Celten gewesen; und würde / nach solcher entdeckung / mein Prinz von selbst
schon wissen / was ihm zu tun oblige.
    Ich war mit dieser erklärung der Prinzessin mehr als wohl zufrieden / und
unterhielte sie stäts mit der versicherung / dass mein Prinz sie håftig liebte.
Wir reiseten hierauf von Haran ab / und die Prinzessin folgete uns wenig tage
hernach / hieher nach Damasco. Den Gaisus aber und die andern / schickte sie
nach Basan füraus / dem König Marsius des Assurs ankunft zu vermelden: dem sie
darbei heimlich durch ein schreiben zu wissen täte / wiedass sie seine schwester
wåre. Die Marpeis bliebe allein bei ihr / die mir dann bald ihr hiesein kund
machete. Als ich den schönen Assur wieder sah / konnte ich mich nicht gnug über
dessen vermehrte schönheit verwundern: massen die zufriedenheit in der
Prinzessin gemute / seit dass sie solche versicherungen entfangen / dass sie
sonder eiversucht meinem Prinzen seine liebe vergelten konnte /deren äuserlichern
glanz dermassen in die höchste vollkommenheit gesetzt hatte / dass ich ganz
geblendet darob verbliebe.
    Ihr sehet / (sagte sie zu mir /) dass ich noch gewillet bin / für Assyrien
den frieden zu erlangen / wofern euer Prinz beståndig verbleibet / diejenige zu
lieben /die er noch nicht kennet: und will ich dessen proben alhier noch erwarten
/ ehe ich mich kund gebe / weil ich doch solang hier verharren muss / bis Gaisus
von meinem bruder wieder zurücke kommet. Welcher gestalt diese worte der
Prinzessin mich gerüret / kann ich nicht mit worten ausdrücken: dann ich hatte
dazumal schon die neue liebe meines Prinzen zu der Aramena vermerket / und
selbige / durch alles mein zureden /aus dessen gemüte nicht bringen konnen. Ich
verbarge aber mein anligen auf das båste / und antwortete der Prinzessin mit
diesen worten: Ich bin versichert /wann mein Prinz wird wissen dörfen / dass ihm
der himmel die grosse Hercinde bestimmet / er werde alles anwenden / so eine
vollkommene schonheit fur sich zu erlangen. Ich finde aber hierzu hochst nötig
/dass ich moge meines eids erlassen werden / um meinem herrn seine
glückseeligkeit zu offenbaren. Dieses mein ansuchen / wollte das erstemal bei ihr
nichts verfangen. Doch bewilligte sie endlich / als ich die Marpeis auf meine
seite name / das ich dem Prinzen hiervon sagen mochte.
    Mitterweil ich aber / zu einer so grossen zeitung /meines Prinzen gemut
etliche tage zu vorbereiten /und erstlich zu erforschen gedachte / ob die neue
liebe gegen der Aramena / durch kentnis der Hercinde /auch wohl könnte ausgetilget
werden / auser dem ich in bedenken zoge / einer so fürnemen Prinzessin hohes
ansehen in gefahr zu setzen: erscholle überall in ganz Damasco das gerüchte /
wiedass Aramena / der Konigin von Ninive kammerjungfrau / von dem Assyrischen
Prinzen geliebt würde. Hercinde erfuhre solches nicht zum spätsten / und konnte
ihr unmüglich fur wahr einbilden / dass ein so grosser Prinz / der ihre schönheit
verehrte / von ihr ablassen / und von eine geringern stand und schöne lieben
sollte. Sie beschiede mich demnach in den koniglichen schlossgarten / und fragte
mich daselbst / was ich hiervon wüste? Mein stilschweigen und verwirrtes
aussehen machte sie alsofort gläuben / woran sie zuvor gezweifelt hatte: woruber
dann solch ein wütendes feuer ihr ins gesichte stiege / dass ich noch erschrecke /
wann ich daran gedenke. Wie? (sagte sie endlich / als die bestürzung sie reden
liesse /) liebt man die Aramena / nachdem man mich gesehen? und liebt Hercinde
einen Prinzen / der so nidrigen gemüts ist / dass ihm seiner schwester
dienerinnen gefallen konnen? Hierauf schwiege sie / und gienge mit schnellen
schritten von mir hinweg / sonder / mich ferner anzusehen.
    Ich eilete ihr nach / und hörte / dass sie bei sich selber sagte: Du must
sterben / Aramena! nichtswürdige Aramena! des Baleus fehler zu bezahlen / dass er
dich gelietet. Ich kann diesen unbesonnenen Fürsten nicht härter bestraffen / als
wann ich ihn derjenigen beraube / die er liebt / und wann ich mich tüchtig
zeige / mit ihr seine liebe zu toden / gleichwie er fåhig gewesen /in ersehung
ihrer person / die liebe gegen mir zu verlieren. Ich trate hierauf näher / und
bemuhete mich /sie zufrieden zusprechen. Sie aber wollte von nichtes hören; und
musste sie überdas meinen Prinzen mit der Aramena sehen in den garten kommen:
welches ihr so an das herze stiesse / dass sie kaum diesen ankommenden konnte aus
dem weg gehen. Sie befiele auch mit einer onmacht / nahe bei einer lauberhutten:
da ich und die Marpeis / welche mit ihr gekommen war / sie in dieselbe trugen /
und gnug zu tun bekamen / sie wieder zu ermuntern. Das Glück wollte / dass
niemand im garten dieses merkete. Nachdem wir endlich / mit grosser mühe / die
Prinzessin in ihr haus gebracht /stiesse ihr ein häftiges fieber zu: welches / in
geschwinder eile / sie dermassen aller kräfte braubet /dass sie des bettes hüten
musste.
    In diesem zustand / erfuhre der Prinz Cimber / dass die Prinzessin Hercinde
in Damasco wäre: dem hatte der König von Basan das gewerbe aufgetragen / sich üm
sie anzunemen / und ihre hinreise nach Basan zu befördern. Ich fand denselben
bei ihr / als ich / meiner gewonheit nach / sie zu besuchen kame. Er sprache ihr
sehr zu / in der Furstin Timna palast sich bringen zu lassen / da sie bässere
pflege haben würde / als in diesem wirtshause: welchen einraht sie beliebte /und
den folgenden tag / nachdem sie weibliche kleider angeleget / so schwach sie
auch war / dahin sich furen liesse. Weil ich daselbst sie nicht mehr besuchen
konnte / als name sie abschied von mir / mich bei allen göttern beschworend /
niemals einigem menschen zu offenbaren / was ich von ihr wusste. Sie verlangte
aber nichtes / als den tod: massen sie sagte / dass ihr leben ihr nunmehr eine
last wäre. Ich vermeinte sie zwar auf eine andere Meinung zu bringen / zumal ich
mich in meinem gewissen verbunden befande / dieses meinem herrn nicht länger zu
verschweigen / worauf Assyriens wolfart beruhete: Hercinde aber so wohl / als
Marpeis /hielten mir meinen eid für / womit sie mich zwungen /dass ich ferner
musste verschwiegen bleiben.
    Es kamen aber / in der Timna palast / der Prinzessin Hercinde ihre verlorne
kräfte bald wieder / also dass nur das gemüt krank verbliebe. Sie fassete endlich
den schluss / meines Prinzen / wo müglich / zu vergessen / und nach Basan zu
gehen: da / auf des Rames schloss / eine starke Celtische leibwacht ihrer wartete
/ sie dahin zu begleiten. Auf diesem weg / da sie wieder in manskleidern sich
sehen liesse / traffe sie die Aramena an / als sie und Marpeis von den andern
sich etwas abgesondert hatte: mit der sie dann / vom zorn übermeistert / sich in
kampf begabe / von meinem Prinzen daselbst gesunde / und erstlich für den Assur
/ hernach aber für die unbekannte schönheit / erkant wurde. Diese erkentnis / so
die alte liebesflammen wieder aufwehete / machte uns dem wagen der Prinzessin
folgen: und dankete ich in meinem herzen dem himmel / welcher dieses also
geschicket / davon wir die vereinigung des Assyrischen und Celtischen hauses
wieder hoffen konten. Es ist schon bekant /wie ich / in des Rames schloss / durch
beforderung der Marpeis / eingelassen worden. Ich kame nicht allein zur Marpeis
/ sondern auch / (wiewol der Konig von Basan / zwar mir-unwissend / sich
daselbst befunden) vor die Prinzessin selber: welcher ich meines herrn grosse
liebe furmalete / und endlich durch meine überredungen bei ihr so viel erhielte
/ dass sie meinem Prinzen die erlaubnis gabe / selber zu ihr zu kommen. Um aber
gewiss zu sein / ob Aramena / mit der sie sein herz nicht zu teilen begehrte /
gänzlich aus des Prinzen gemüt gebannet wäre / und sie selbiges allein
beherrschen würde / stellte sie es also an / dass mein Prinz mit der Marpeis /
bevor sie sich selber sprechen liesse / sich unterreden musste: welches dann so
unglucklich ablieffe / dass Hercinde / mit des Prinzen erklärung nicht zufrieden
/ aus ihrem verborgenen ort herfür rieffe / und ihm höchlich verwiese / dass er
die Aramena noch liebete. Hiemit ware nun / meine und der Marpeis arbeit und
bemühung / übel geendet. Die unwillige Prinzessin / wiewol sie / wegen
entfangener wunden / noch sehr schwach war / wollte daselbst nicht långer
verbleiben / sondern reisete hinweg: also dass wir das leere nest funden / wie
wir den folgenden tag wieder nach des Rames schloss giengen. Ich stunde nun ganz
unschlüssig bei mir an / wie ich hierbei mich verhalten / ob ich meinen eid
brechen oder länger schweigen sollte? Vor wenig tagen aber / entfienge ich ein
schreiben von der Marpeis / welches ich hiermit dieses inhalts fürlesen will.
                      Schreiben der Marpeis an den Zameis.
Wir sind in Basan / und zwar so unwillig uber die Assyrier / dass ich mich kaum
darf merken lassen / wie ich einem unter ihnen noch gewogen bin. Ich werde aber
endlich mich auch mussen feind erklären: wofern euer Prinz nicht bald bässer
erkennet / was für ein Glück / in erlangung der unvergleichlichen Hercinde /ihm
vorstehen möchte. Wofern seine fürgewandte liebe beständig ist / und er der
Aramena vergessen hat / wie hier das gerücht erschallet: so erlasse ich euch
eures eides / und bin zufrieden / dass Baleus sein gutes geschicke erfahre. Waget
aber nicht / einer so grossen Prinzessin ehre und guten namen / auf ein
ungewisses /und sehet euch bei dieser offenbarung wohl für / so lieb euch ist euer
Herr / euer Vatterland / und eure
                                                                        Marpeis.
    Nach vorzeigung dieses briefes / habe ich nichts mehr zu sagen: massen aus
meiner abgelegten erzehlung erhellet / dass ich der Marpeis befehl nachgekommen /
und wie fäst ich mich auf die beständigkeit meines Prinzen verlasse / indem ich
nicht befahre / durch diese entdeckung meinem herrn / meinem vatterland /und
meiner liebe zu schaden / sondern vielmehr deren båstes hierdurch zu befordern.
                                     * * *
    Ach Zameis! (rieffe hierauf der verliebte Prinz /) was für unheil hat eure
verschwiegenheit angerichtet /und wie kontet ihr doch so lang mich gequälet
sehen /da euch mein verhångnis kündig gewesen? Wann mein Prinz (antwortete
Zameis) alle umstände recht erwåget / so werden sie mir dieses verschweigen
nicht verübeln konnen. Dan / allhier nicht zu erortern / wie hart ein eid einen
diener gegen seinem herrn / etwas geheimes zu verhelen / verbinde: so ist ja zu
betrachten / dass / wann ich dieses zur unzeit entdeckt hätte /mehr schaden / als
vorteil daraus hätte erwachsen können. Mein Prinz ware / was das verlieben
angehet / bisher zimlich wankelbar: wan nun hierdurch / diese grosse und
grossmutige Prinzessin / einiger massen zu zorn und in beschimpfung wäre gebracht
worde /håtte ganz Assyrien dasselbe ausbaden müssen. Daher dann ich / ehe ich
meines Prinzen beståndigs lieben erkennet / nicht eröffnen dörfen / was widrigen
falls ein so grosses übel hätte mögen nach sich ziehen.
    Ich falle dem Zameis bei / (sagte die Konigin /) dass er hierin verständig
gehandlet / und erfreue mich eures gluckes / dass euch der himmel eine so
vollkommene Prinzessin ausersehen. Dieses unverdiente Glück /(antwortete Baleus
/) zeigt sich mir noch sehr von weitem: weswegen ich zwar euren wunsch dankbar
anneme / verlange aber nötiger euren einraht / wie ich es nun hierinn anschlagen
musse / mich so wohl gegen die erzürnte Mirina / als gegen die schöne Hercinde
und den König unsern herrnvatter / klüglich zu erweisen. Mein verlangen / nach
Basan zu gehen / üm dieser beleidigten Prinzessin zu fus zufallen / ist
unbeschreiblich; aber der scharffe befehl des Königs / heiset mich nach hof
ziehen: dass ich also nicht weiss /was ich tun oder lassen solle.
    Die schöne Delbois besanne sich etwas / auf dieses des Prinzen fürbringen /
und stunde an / ob sie nicht von dem / was ihr wissend war / ihme teil geben
sollte. Sie sah wohl / dass sein beistand ihr merklichen vorteil würde bringen
konnen / gedachte deshalben ihn zu verpflichten / indem sie endlich in gegenwart
des Zameis / als dem sie wohl trauen konnte / ihm alles entdeckte / was Abimelech
von des Belochus liebe / seiner eiversucht / und der Dalimire anschlag auf
Ninive / ihr geoffenbaret. Sie vertraute ihm auch ihre liebe zu dem Prinzen von
Gerar / und verschwiege ihm nichtes / auser nur dieses / dass sie nicht des
Belochus tochter sei: dann ihr viel zu bange war / Baleus möchte sie wieder
lieben / wan er erfure / dass er nicht ihr bruder wäre. Ihr sehet nun / (fure sie
fort / ihm zuzureden /) dass der verliebte Konig euch für seinen mitbuler hält
/weil er noch nicht weiss / wie ihr gegen mir gesinnet /und das euer angenommener
wahrer glaube euch eines bässern unterwiesen. Und wie die verliebten
scharssichtige augen haben / als hat der König dem Prinzen der Philister
abgemerket / was sonst niemand sehen konnen. Der Prinz Cimber aber kommet
unschuldig in diesen verdacht: der Konig müste dann ihn für einen geschwornen
freund des Abimelech erkennen / der mir von dem mächtigen König zu Basan allen
beistand versprochen / mich so wohl wider die ungeziemte liebe des Konigs / als
bei meinem reiche /zu schützen und zu erhalten. Wann ihr nach hof kommet /
werdet ihr alles dieses mit mehrerm erfahren: darnach ihr dann euer tun
einzurichte habet. Ich zweifle aber nicht / ihr werdet eurer schwester euch
annemen / auch alle rånke und listige anschläge der Dalimire hintertreiben
helfen. Die beleidigte Mirina betreffend, so köntet ihr den Zameis nach Elassar
senden / euch durch ihn zu entschuldigen / und daneben diese Königin zu ersuchen
/ dass sie euer wort bei ihrer schwester reden wolle. Ein gleichmäsiges will ich /
durch den Cimber / bei ihr werben / auch durch ein schreiben sie zu gewinnen
trachten / dass sie eure liebe und euch zu gnaden auf- und anneme. Dass ihr aber
selber iezt nach Basan reiset / solches kann ich / aus vielen erheblichen
ursachen / nicht ratsam befinden.
    Auf diese erofnung und erklårung / konnte der vergnügte Baleus sich nicht
entalten / seine vermeinte schwester zu ümarmen: und name er nicht allein
gutwillig / in allem / ihren raht an / sondern erbote sich auch hingegen / ihr
und dem Prinzen Abimelech möglichst zu dienen. Die unnatürliche liebe aber
seines herrvattern zu seiner eigenen tochter / kame ihm so ärgerlich für / dass
er ohne grausen nicht daran denken konnte. Nachdem er nun ferner alles mit der
Konigin abgeredet / wie sie sich in diesen gefärlichen und weit-aussehenden
dingen bezeigen wollten / begaben sie sich miteinander nach der Konigin von Tyro
/ die eben mit dem stattalter Mamellus / in einem ämsigen gespråche begriffen
war: daher sie in ein neben zimmer zu der Königin von Elam sich verfügten / um
diese nicht an ihrer unterredung zu verhintern.
    Es handelte aber der Königin von Tyro und des Mamellus gespräche / von der
ankunft des Spiridates /und von der schleunigen abforderung des Prinzen Baleus:
da sie beiderseits die eigentliche ursache nicht ergründen konten / die den
König hierzu antriebe. Der Stattalter hatte auch / auf seine verschiedene
berichte / von verwechselung der Aramena / und von der unvermuteten
wiederfindung seiner tochter / so sonderbare antworten (welches ihn und diese
Konigin sehr befrömdete) von hof erhalten / die ganz nicht mit dem ehmaligen
eifer übereinstimmeten / den sonst der König wider das Syrische geblut blicken
lassen: dann er mehr sorge als zorn / uber der verlornen Aramena unbekantem
geschicke / darin erwiesen. Hierauf redeten sie ferner von der heurat des Baleus
mit Lantine /dazu sie noch von beiden seiten so wenig anzeig eines fortgangs
sahen.
    Als Mamellus die Königin ferner berichtete / wie er befehl bekommen / dem
Cimber anzudeuten / dass er aus Damasco sich hinweg machen sollte: betrübte sie
sich nicht wenig hierüber / weil sie eine sonderbare hochachtung für diesen
Prinzen hegete / und konnte sie sich nicht gnug über ihres bruders frömdes
beginnen verwundern. Es kame ihr zwar selber / die beständige anwesenheit dieses
frömden Fursten / gar nachdenklich für: weswegen sie den stattalter fragte /
was er wohl vermeinte / dass die ursach seines da-seins wäre? Er lächlete hierüber
und sagte: Die schönheit der Königin von Ninive ist noch wohl so kräftig / einen
teutschen Fürsten hier anzuhalten. Habet ihr dessen grund / mein vetter! fragte
die Königin / ganz begierig. Ich vermute es zwar nur / (antwortete Mamellus /)
vermeine aber / ich fehle nicht in meiner einbildung. Ihr gotter! (rieffe und
sagte hierauf die Konigin von Tyro / als sie sich ein wenig bedacht hatte) sollte
wohl mein bruder seine tochter lieben / und darum / so wohl den Baleus / als den
Cimber / nicht hier dulten wollen? Mamellus zoge die schultern / zu dieser frage
/ und wollte nicht sagen / was er gedachte.
    Indem wurde der Königin von Tyro angemeldet /wie dass die Konigin von Ninive
und der Prinz Baleus bereits eine gute weile da gewesen wären / sie anzu
sprechen: weshalben sie dieselben alsofort vor sich kommen liesse / aber ihre
verwirrung nicht so wohl bergen konnte / dass diese ihr solche nicht angemerkt
hätten. Der Assyrische Prinz name dissmal abschied von seiner mumen / wie auch
von der Konigin von Ninive: weil er folgenden tags in der frühe / nach Acraba zu
seinem herrvatter / abreisen wollte. Dieser schleunige aufbruch / nachdem er
ruchtbar worden / machte ganz Damasco sich verwundern / und hatten so wohl die
Babylonier / als die Syrer / ihre eigene gedanken hierüber. Etliche vermeinten /
der Prinz entferne sich / um / der hochzeit des Disons mit Aramena / nicht
beiwonen zu dorfen / weil er vieleicht bei sich noch eine liebe zu dieser
jungfrauen fulete. Andere aber / und sonderlich die Syrische Fürsten /
besorgeten / man hätte etwan an Assyrischer seiten etwas erkundschaftet / von
ihrem wiedergefundene Aramenes: um des willen der Prinz zu dem Konig so eilig
erfordert wurde.
    Die schöne Konigin von Ninive gienge / gegen abend / ganz allein in den
schlossgarten / alda sie /weil es an der Ahalibama / Timna / und Aramena
vertreulicher gesellschaft / welche allein üm die geheimnise ihres herzens
wussten / ihr fehlete / bei ihr selber alles überlegte / was ihr / so wohl in
ihrer liebe / als wegen erhaltung ihres reichs / für gefärlichkeiten fürstunden:
das sie aber alles endlich der schickung des höchsten lediglich anheim stellete.
Hierauf wandte sie ihre gedanken / von diesen verdieslichen dingen / auf die
verwundersame geschicht der Hercinde: da sie ganz nicht begreifen kunte / wie
Cimber sie so heimlich lieben konnen / dass weder Marpeis noch Zameis das
geringste davon gemerket: massen seiner / in der ganzen erzehlung / mit keinem
einigen worte war erwehnung geschehen. Und ie mehr sie dieser seiner frömden
liebes-art nachdachte / ie grösser darob ihre verwunderung wurde.
    Als er indem eben dazu kame / bote sie ihm gleich begierig die hand / und
sagte: Ihr kommet recht /Prinz Cimber! ich war eben mit meinen gedanken bei euch
/ und truge mich mit einem zweifel / den ihr allein und am bästen mir werdet
benemen können. Ich bin nicht wurdig / (gabe Cimber zur antwort / zugleich die
Königin auf dem spazirweg fortfürend /) in so edlen gedanken zu schweben: dabei
aber erbötig /meinen schuldigsten gehorsam zu erweisen / in erklärung desjenigen
/ was E. Maj. von mir zu wissen verlangen. So seit ihr dann nun verbunden /
(sezte die Königin) mir zu eroffnen / wie ihr die Hercinde so heimlich lieben
können / dass kein mensch etwas davon erfaren. Dan ich weiss nunmehr ihren ganzen
lebenslauf / und kenne des grossen Marsius unvergleichliche schwester volkömlich
/ auser in dem / was euch betrifft. Ich kann mich in eure heimliche liebe nicht
finden / und lebe in zweifel / wie mir diese Prinzessin solche gestehen konnen /
da sie doch so häftig dem Prinzen von Assyrien liebt.
    Cimber bliebe / uber dieser frage seiner Konigin /ganz betreten / und wusste
anfånglich nicht / wie er sich heraus wickeln sollte. Endlich aber sagte er: E.
Maj. sind bereits so gutig gewesen / mit meiner verschwiegenheit in dieser sache
friedlich zu sein / dass ich E. Maj. unerträgliche ungnade nicht auf mich zu
ziehen verhoffe / wan ich sage / dass ich noch ferner schweigen muss / ja dass ich
unmüglich melden kann /was die schönste Königin von mir zu wissen begehret. Wider
die unmöglichkeit habe ich nichtes einzuwenden: gabe Delbois zur antwort. Ich
muss aber üm soviel mehr mich verwundern / je weniger ich ersinnen kann / wie
Cimber die Hercinde mit ihrem wissen lieben konne / die doch / auser dem Baleus
/ keinen jemals lieben wollen; und wie es moglich sei / mit solcher gemütsruhe
seinem mitbuler in seiner liebe dienen zu können. Cimber zoge hierauf / ohne zu
antworten / ein täfelein herfür / in welches er etliche reimen auf seinen
zustand verfasset hatte / die er seiner Konigin uberlieferte; welche dieselben
ablesend / solches inhalts befande:
Was nehret meine lieb? gedult und immer schweigen.
Ist hoffnung nicht dabei? ach! diese ist dahin.
Wer sonder hoffnung liebt / mus zweifelmut erzeigen.
Nein! ich verzweifle nicht: weil lieben mein gewin /
so sonder eigennutz. Nicht wunsch ich mein vergnugen:
weil deren ruh / die ich verehr / sonst must' erliegen.
    Die schone Konigin forderte hierauf von dem Cimber einen griffel / und
schriebe / nach kurzem besinnen / folgende reimen unter die seinen.
Der wahren liebe ziel / ist gegenlieb' erlangen:
wo die nicht wird gesucht / ist liebe keine lieb.
Im lieben seit ihr klein: in freundschaft kont ihr prangen.
Was ihr der lieb zuschreibt / ist nur der freundschaft trieb.
Doch meld' ich dieses nicht / um euch mehr zu entzunden.
Ihr könt / auf eure weis / die ruhe båsser finden.
Als sie dieses dem Cimber zugestellet / lase er solches unter begleitung so
vieler seufzer / dass die schone Delbois gnugsam abnemen kunte / seine
liebens-art mosse sonder ruhe sein. Weil noch ein kleiner raum auf dem täfelein
ledig war / als beantwortete der verliebte Prinz / der Konigin reimen / mit
folgenden zweien zeilen.
Wär der tugend wohl gemäs / fäster liebe band zu scheiden?
Meine liebe ist so gross / dass ich nur allein will leiden.
Indem er diese der Konigin zu lesen gabe / sagte er: E. Maj. werden mir
vergönnen / dass ich künftig in dergleichen reimen / meine unschuld / dass ich
recht liebe / umständlicher beweisen dorfe; dann / wan mein herze sichtbar wäre /
sollte es sich so von liebe angezundet zeigen / dass mir hierin kein liebhaber
jemals füurzuziehen sein würde. Unter den verståndigen liebhabern / (sagte
Delbois) wird der Prinz Cimber wohl den preis davon tragen. Ja es wäre der / die
ganze welt zu beherrschen / wohl wurdig / der sich selbst so verwundersam
beherrschen kann. Was aber eure reimen betrifft / wird es mir lieb sein /
dergleichen erfindungen von so seltnem inhalt ofters zu lesen.
    Cimber beantwortete dieses lob / wie auch seiner Konigin angehengten befehl
/ mit einer tiefen verneigung / worauf sie ferner zu ihm sagte: Nun ich euch
/mein Prinz! also von tag zu tag båsser kennen lerne /darf ich nicht sorgen / dass
ich euch betruben werde /wan ich euch den glucklichen fortgang der liebe eures
mitbulers verkündige. Der Prinz von Assyrien ist nun / nach erhaltener / genauer
kentnis seiner Prinzessin /in sie so håftig verliebet / und so sorgfältig / sich
bei ihr wieder ausgesönet zu wissen / dass er mich dahin vermöget / für ihn an
die Hercinde zu schreiben. Ich zweifle nicht / ihr werdet den brief nach Basan
befordern helfen / und hierdurch eine probe eurer seltsamen liebe erweisen. Ich
bin so gewonet (antwortet Cimber /) meinem mitbuler zu dienen / dass solches mir
nicht mehr fromd fürkommet: und weil der Hercinde ruhe und wolfart die meinige
ist / als soll hierin von mir alles auf das fleissigste beobachtet werden. Aber
/darf ich fragen / grosse Konigin! woher hat der Prinz von Assyrien / der
Hercinde zustand erfaren? Es hat (antwortete Delbois) der Zameis / auf erlangte
erlaubnis aus Basan / dem Prinzen und mir alles ümständlich erzählt / was der
grossen Hercinde begegnet. Ihr aber werdet zweifels ohne noch vielmehr von ihr
wissen / welches Zameis etwan mit fleiss / üm des Baleus eiversucht zu verhuten /
verschwiegen hat. Zameis weiss von meiner liebe nichtes / (antwortete Cimber /)
sonst wurde ich / da sie so ruchtbar wåre / nicht so ein geheimis davon machen
können. Ich versichere aber E.M. nochmals / dass ich alle möglichste forderung
tun will / der Prinzessin von Basan ruhe zu schaffen.
    Hierauf redete die Konigin mit ihm ab / wie sie folgenden tags an die
Hercinde schreiben wollte. Nachdem sie ihn hierauf ferner kurzlich berichtet /
was die ursach von des Assyrischen Prinzen so schleuniger abreise wäre / gienge
sie / weil es begunte dunkel zu werden / wieder aus dem garten / befahle noch
ein und anders ihren leuten / so bei der morgigen einholung der hochzeitere
sollte in acht genommen werden / und begabe sich hierauf zur ruhe: alles das
jenige / so sie daran behintern konnte / auser dem andenken ihres Abimelech / aus
dem sinn schlagende.
    Kaum war es wieder tag worden / da schickte sich der Prinz von Assyrien zur
abreise. Und weil er in stätem andenken seiner Hercinde begriffen war / als
machete ihn dieselbe folgende reimen dichten.
                  An die unvergleichliche Prinzessin Hercinde.
Du wunderglanz! ich sah deinen schein:
doch meint  ich / ich håtte nichts gesehen.
Ich liebte dich / eh ich wolt selbst gestehen /
dass / was ich liebt / zu lieben konnte sein.
Drum stellte sich kaltsinnigkeit drauf ein.
Den schonen freund / den Assur / liess ich gehen;
gewillt / mich aus dem liebesgarn zu drehen:
vergebens doch floh ich vor dieser pein.
Kaum gab ich so den schonen Assur hin:
da legt' er mir von neuem an / die bande.
Ich meinte zwar / weil ihr von einem stande /
mein freund und du / so wår mein freier sinn
von liebe los: doch Assur und Hercinde
die binden mich / nun ich sie eins befinde.
Als er diese reimen in ein täfelein eingezeichnet /sezte er über seinen namen /
noch diese zwo zeilen:
Der dich bisher unwissend must betruben /
der soll fortin bis in den tod dich lieben.
                                                                          Baleus
Diss tåfelein legte er / wohl verwaret / auf der Delbois von Ninive nachttisch /
neben einem schreiben an diese Königin / darin er ihr seine angelegenheit bäst
entfohle: und schiede er damit / neben dem Spiridates / Zimenes / und seinen
leuten / so verliebt als unruhig / aus Damasco / den weg nach Acraba vor sich
nemend.
    Sobald nun die schone Konigin die ruhe verlassen /und dieses auf ihrem tisch
gefunden / sezte sie sich /nachdem sie sich ankleiden lassen / alsofort nider
/ihrer dem Baleus getanen zusage nachzukommen /und schriebe an die Hercinde wie
folget.
    Schreiben der Konigin von Ninive / an die Celtische Prinzessin Hercinde.
Ich habe so viel gütigkeit / in wenigen minuten / da ich meine Prinzessin sehen
dörfen / an ihr wargenommen / dass ich um so viel williger erküne / für den
Prinzen von Assyrien diese bittzeilen zu schreiben: der aus unwissendheit / und
nicht aus fürsatz / eine so grosse Prinzessin hat beleidiget. Ich kann mit
warheit zeugen / dass ich niemals den Prinzen Baleus verliebter / noch auch
betrübter / gesehen habe. Zu beiden /hat er erhebliche ursachen. Dan / die
schöne Hercinde zu sehen / und nicht zu lieben / ist unmüglich. Sie erzürnet
wissen / und ihre aussönung nicht hoffen dörfen / ist unerträglich. Vergönnet
demnach / werteste Prinzessin! dass der Prinz eure schone anbeten / und die
vergebung nächst eurer gnade hoffen dorfe. Ihr werdet ganz Assyrien / indem ihr
ihnen also ihren einigen Prinzen wie von neuem wieder schenket / dadurch
erfreuen / und aller welt zeigen / dass die dapfere Hercinde sowol mit ihrem
wunderglanz / als mit ihren sieghaften waffen / grosse königreiche einzunemen
wisse. Verzeihet mir / schöne Prinzessin / dass ich iezt für den Baleus so
künlich spreche. Die umstände / welche in der zeit / seit dass ich die ehre euch
zu sehen nicht genossen / sich herfür getan haben /verursachen / dass ich des
Prinzen Cimbers diss orts nicht anderst kann erwähnen / als eines verwundersamen
beförderes der glückseligkeit des Prinzens von Assyrien.
                                                     Delbois Konigin von Ninive.
    Als sie dieses kaum verfärtigt hatte / sah sie in ihrem zimmer / alle
Prinzessinnen und furneme damen aus Damasco: welche auf das herrlichste
geschmückt erschienen / üm / die braut Aramena von Naema abzuholen. Die Königin
zu vergnüge / wollte keine zurück bleiben / so gar / dass auch die stäts-betrubte
Prinzessin von Ophir sich mit aufsprechen lassen /der hochzeiterin diese ehre zu
erweisen. Die leutselige Konigin erkannte sich / für diese bezeigung / ihnen
verbunden / und dankte einer ieden mit solcher hoflichkeit / dass ihrer aller
begierde dadurch noch grosser wurde / der schonen Delbois in mehrern fällen
gefällige dienste zu erweisen. Die såmtliche herren /so sich in Damasco befunden
/ stellten hierauf / um gleicher ursache willen / bei der Königin von Ninive
sich auch ein; welche / den Cimber unter ihnen erblickend / ihn zu sich an ein
fenster rieffe / ihm das schreiben an die Hercinde zu lesen gabe / und folgends
zu ihm sagte: Wofern ich gläuben könnte / dass ihr dieses mein beginnen wider die
freundschaft / die ich euch gewidmet / deuten mochtet / würde ich dieses
schreiben nicht abgehen lassen. Weil ihr euch aber habt erkläret / euren
mitbuler zu dienen / so habe ich mir kein gewissen davon machen können / sowol
dieses zu schreiben / als auch es eurer beförderung zu übergeben. E. Maj.
gläuben mir (gabe Cimber zur antwort / das täfelein zu sich nemend /) dass ich
der Prinzessin Hercinde ruhe zu befördern / mich åuserst bemuhen werde; und dass
die schone Konigin von Ninive ihre verdiente gnade mir nicht wesentlicher
zueignen können / als mit anbefehlung dieses gewerbs /dem Assyrischen Prinzen in
seiner liebe zu dienen. Eure grosmut ist unvergleichlich: (sagte die Königin /)
doch gibet euer betrübtes wesen gnug an tag / was ihr darunter leiden musset.
    Dass E. Maj. einige ånderung an mir verspuren /(gabe Cimber zur antwort /)
dörfte wohl daher rüren /weil ich gleich ietzund die entfindlichste zeitung von
der welt vernemen müssen / indem der Prinz Mamellus mir angedeutet / dass man
mich nicht mehr hier in Damasco dulten wolle. Wie? was sagt ihr / Prinz Cimber!
(unterfuhre ihm die bestürzte Königin /) wie soll das zugehen? Der Konig von
Assyrien / (antwortete er / ganz betrübt /) will mich von hinnen haben:
zweifelsfrei allein durch mein widriges gluck hierzu angereitzet / welches mir
nicht länger gonnen können / der schönsten Königin von Ninive aufzuwarten. So
woltet ihr dann (sagte die Königin / ihn ganz beweglich ansehend) mich iezt
verlassen / da ich eurer hulfe so hoch benotigt bin? Erinnert ihr euch nicht /
wozu die zusage / die ihr dem Abimelech getan / euch verbindet. Ich denke wohl
an dieses alles / (antwortete Cimber /) und an noch viel anders / so mich
treibet /mein leben der schonen Delbois diensten aufzuopferen. Ich sehe aber
nicht / wie ich fur der Assyrischen gewalt sicher alhier verbleiben konne /
wofern mich E. Maj. nicht in ihren schutz nemen. Das will ich auch tun: (gabe
sie zur antwort /) und erkiese ich euch hiermit für einen meiner hausgenossen /
welcher name euch alle sicherheit fur den Assyriern geben wird. Ich lasse mir
aber / dieses ungereimte verfahren das Belochus / nicht verwunderlich fürkommen
/ nun ich weiss / dass man euch in verdacht hält / als ob ihr mich liebtet: dann
der Konig / so keinen mitbuler leiden kann /alle diejenige für solche hält / von
denen er durch seine kundschafter erfåret / dass ich vertreulich mit ihnen lebe
und umgehe. Der verliebte Cimber wusste /als er seine Königin also reden horete /
keine stäte gebårde zu fassen / und stunde an / wie er antworten sollte: da / zu
seinem glücke / der Mamellus in das gemach trate / und ihn also hiervon
befreiete.
    Dieser Prinz / der / die hochzeit des Disons und der Aramena auf das
prächtigste anzuordnen / ihm angelegen sein lassen / um die Königin von Ninive
damit zu vergnugen / kame eben darüm / ihr anzumelden /wiedass nun alles / sowol
auf der Kemuelsburg / als zum auszug / bereitet wåre. Die Konigin / die keine
gelegenheit / dem Cimber zu dienen / verseumen wollte / sagte zu dem stattalter:
dieser Prinz wird / als einer von meinen hausgenossen / die braut auch mit
abholen; massen ich ihn gleich iezt an meinen hof /und folgbar in meinen schutz
/ genommen habe. Sie und Mamellus erröteten / dieses zu reden und anzuhoren.
Nachdem aber der stattalter solches nur mit einer verneigung des hauptes
beantwortet / gesellte sich Cimber zu ihme / und sagte leise wider ihn: So
billig ich des Konigs von Assyrien befehl nachkommen sollte / Damasco zu räumen /
so unwidersprechlich ist hingegen auch meiner Konigin begehren / allhier in
ihrer aufwartung noch långer zu verharren. Ich verneme so gern / (antwortete
Mamellus / seinen widerwillen verbergend) dass die Königin von Ninive den Prinzen
Cimber allhier aufhalten kann / als ungern ich meines Königs befehl venichtet /
und werde ich allemal mich einen diener des Prinzen Cimbers erweisen / er mag
auch sein / wo er will. Und ich (gabe Cimber zur antwort /) verlange gleichfalls
/ dem Prinzen Mamellus bei gelegenheit darzutun / wie ich seine tugenden höchst
verehre.
    Nach ablegung dieser höflichkeiten / die die Königin abkürzte / begabe sich
die gesellschaft von dannen / auf den koniglichen schlosshof: alwo der Furst
Barzes einer ieden Person anzeigte / was ordnung sie /im hinausziehen aus der
stadt / halten sollten. Zu anfang ritten etliche hundert jünglinge / von den
edelsten kindern aus Damasco / alle mit blumenkrånzen geschmücket / und mit
allerhand gefåssen zum baden /auch korben voll fruchte / versehen. Diesen
folgeten eine grosse anzal spielleute / die auf zimbeln / pauken / floten / und
harpfen sich gar annemlich hören liessen. Sie ümgaben den brautwagen / der mit
herrlichen Sidonischen decken und blumen bezieret / und von vier weissen pferden
gezogen wurde. Hinter diesem folgeten in verschiedenen wägen / die Prinzessinnen
/ Fürstinnen / und jungfrauen aus Damasco. Den ersten bekleideten / Indaride /
Ammonide und Jaelinde. Milcaride / weil man sie ansah / als eine verheuratete
Prinzessin von Canaan / war zurück geblieben. In dem andern waren / die Dersine
und Zelinde; in dem dritten /die Siringe / Merone und Melinde. In den folgenden
/deren an der anzal dreissig / fuhren die ubrigen Fürstinnen von Syrien / wie
auch die damen von hof / und die jungfrauen aus der statt Damasco. Nach diesen
kame die reuterei / bestehend in allen den grossen herren / so noch
unverheuratet waren / und am Tyrischen und Ninivitischen hof sich aufhielte /
wie auch / was von Syrischen Fursten / Assyriern / und fürnemen / in Damasco
sich befunde. Der wackere Cimber furete diesen edlen haufen / begleitet von dem
Elihu / Nahor und Elhanan / welche sich fur allen andern / wegen ihrer guten
gestalt und ansehlichen wesens / herfür täten. Der Mede Altadas beschlosse / mit
zweitausend Syrern / den ganzen haufen. Es waren aller orten die gassen mit
blumen und grünen zweigen bestreuet / da sie mit der braut mussten herdurch
kommen.
    Wie sie nun also / in schoner ordnung / nach etlichen stunden / Naema
erreichet / entfinge diese grosse gesellschaft fur dem hause / der Furst Zophar
neben seiner gemalin und den dreien Seirischen Furstinnen /und fureten die
Prinzessinnen zu der Aramena in das gemach: welche mit so grosser unruhe diese
ehre anname / dass sie fast vergasse / ihnen dafür ihre erkentlichkeit zu
bezeugen. Ahalibama ihres orts entfunde auch solche angst / nun es an dem war /
dass ihr grosses fürnemen sollte für sich gehen / daher sie sich zwingen musste /
sich gesellig zu erweisen. Doch gliche sich ihre und der Timna angst nicht / mit
des verkleidten Disons marter / weil ihre unruhe mit grosser hofnung begleitet
war / er aber in seinem anligen dergleichen nicht entfunde: dann er konnte wohl
ermessen /dass sein furhabender anschlag / wan er auch noch so glücklich
ausschlüge / doch lauter verdrus nach sich ziehen und ihn traurig lassen würde.
Die Prinzessin Ammonide / nebenst der Dersine / Merone und Siringe / die dieser
Aramena gespielinnen am Ninivitischen hof gewesen / fingen an / wegen der
verspürten traurigkeit / diese falsche braut aufzuziehen: und wollten sie
dieselbe teils beschuldigen / dass sie den schönen Dison nicht gnug lieben musste;
teils legten sie ihr auf / der Prinz von Assyrien wäre schuld daran / dass sie
sich nicht frolicher erzeigte. Wie nun solches scherzgespräch eine weile gewäret
/ trate der bråutgam / der schöne Dison / von allen angekommenen herren
begleitet / zu ihnen in das zimmer: welcher ob er wohl nicht solche qual / als
seine braut / in seinem gemut entfande / dannoch nicht sonder furcht war /dass /
bei so offentlicher darstellung / in Damasco seine person mochte verrahten
werden; massen insonderheit der Nahor und Elhanan ihn unaufhörlich betrachteten
/ wiewol sie in ihm keine Aramena sucheten / sondern vielmehr ihren König
Aramenes an ihm wieder gefunden zu haben vermeinten. Wie dann dessen ansichtigung
sie so vergnugte / als verwundert sie uber der braut verblieben: weil sie von
ihr wussten /dass der Fürst Dison von Seir / wie ihnen Tebah vertrauet / unter
solchen weibskleidern verborgen ware.
    Nachdem nun die braut auf ihren verordneten wagen gebracht worden / und der
schöne Dison zu pferd sich gesetzet / reiseten sie von Naema hinweg: da ihre
bisherige wirte / der Zophar und dessen gemalin / tausend gluckwunschungen ihnen
mit auf den weg gaben / die noch von vielen mehrern im herzen begleitet wurden /
das nåmlich der himmel der Syrer grosses fürnemen gesegnen / und durch diese
heurat das Babylonische joch von ihren hälsen reissen wollte. Weil in Syrien
gebräuchlich / dass nur unverheuratete personen bei solchem Hochzeitfesten und
einzügen sich mussten finden lassen / als liessen auch Zophar und Calaride hierbei
sich nicht finden / sondern fuhren und folgeten allein nach Damasco. Solchen
gebrauch aber name die Timna nicht in acht / sondern bliebe bei der grossen
gesellschaft: weil die meisten unter den Damen nicht wussten / wie es mit ihr
beschaffen war.
    Als nun diese gesellschaft bis eine meile von Damasco gekommen / fanden sie
daselbst / auf einer grossen wiesen / stattliche gezelte aufgeschlagen / in
welchen auf das köstlichste die malzeit zubereitet war: und wurden sie von den
Ninivitischen bedienten / im namen ihrer Konigin / zur tafel genötigt / und nach
eingenommenen speisen / die früchte in grosser månge / von den junglingen /
welche aus Damasco die einholung der braut mit verrichtet hatten / aufgetragen.
Wie nun dieses gastmal etliche stunden gedauret / machten sie sich wieder auf
den weg / und zogen /gegen den abend / in Damasco ein / auch ferner auf die
Kemuelsburg / mit harffen / pauken und reigen: da alle einwonere / der heldin
Aramena glückwunsche zurieffen / und ihre ehmalige dapfere tat da sie die leuen
erlegen helfen / herausstrichen / und also die ganze stadt / neben den
mitkommenden / über dieser braut sich frölich erwiesen / auch ihre hochachtung
vor deren person an den tag gaben. Der Fürst Hus /neben dem Husan und alten
Tebah / stunden im fenster / und sahen diesen einzug auch mit an: da dann die
beide Syrische Fürsten herzliche freude blicken liessen / weil sie ihren Erbkonig
zu sehen vermeinten.
    Aber der Tebah / so anderst wusste / konnte in seinem herzen sich nicht gnug
verwundern / über diese sonderbare verwandelung des bråutgams und der braut /
die ihre namen und geschlecht vertauschet hatten. Er hielte es fur eine
verborgene schickung des himmels / der fur das überbliebene von des grossen
Aramenes geblüt auf so fromde weise sorgete / und sah sich dadurch måchtig in
seinem grossen fürnemen gestärket: der ungezweifelten hoffnung / die gotter
würden seine gerechte anschläge fördern / und ihn einen guten ausgang erleben
lassen. Er war / eben den tag aus ober Syrien heimlich wieder angekommen / und
hatte alles in solchen stand gesetzet / dass nun nichtes / als die erfullung
dieses grossen werks / mehr übrig ware. Er verfugte sich / sobald er kunte /
nach des Fursten Zophars behausung / (welcher allein um seinen volligen anschlag
wusste /) als er vernommen /dass der auch angekommen wåre / und sagte ihm / was er
ausgerichtet håtte: wie er nämlich nicht allein die Syrische Fursten / sondern
auch den König von Canaan und den Prinzen Hemor / auf seine seite gebracht / die
er beide unfern Hierapolis gesprochen / und diese Entschliessung von ihnen
erlanget / dass der König Beor dem Fürsten Dison / in der eroberung von Syrien /
beistehen wollte / wan der ihm seine schwester die Ahalibama versprechen würde;
und Hemor wollte sich des rechtes an Syrien begeben / nun ihm der himmel so
wunderbarer weise die Milcaride gegeben / welche er beståndig zu lieben
gedåchte. Der Fürst von Naema konnte sich nicht genug verwundern /über den
verstand des Tebah / der / aus treue zu seinem verstorbenen König / alles
dieses so meisterlich angestellet hatte. Und weil noch gar viel / so zu diesem
grossen fürhaben notig / abzureden war / als begaben sie sich miteinander / so
bald es dunkel wurde /nach des Fürsten von Hus palast: da sie mit
kriegs-anschlägen ihre zeit zubrachten / immittels / auf der Kemuelsburg / alles
von lust und freuden erschallete.
    So bald die hochzeitere daselbst angekommen / und man nach landesgebrauch /
die braut so wohl / als den bräutgam / in abgesonderte zimmer gefüret / kamen
zwolf jünglinge / dem schönen Dison / und zwölf jungfrauen / der Aramena im
bad-gemach aufzudienen: und bliebe die übrige gesellschaft / in einem darzu
bereiteten grossen saal / beisammen / um die ganze nacht hindurch mit mal-halten
/ danzen und spielen sich zu ergetzen. Der Ahalibama und Timna aber / wurde
nicht wohl bei der sache / als sie sahen /wie Aramena und Dison zum baden gefuret
worden: dann sie hatten dieses gebrauchs sich ganz nicht erinnert / und daher
solche gefahr zu verhintern / keine anstalt ersonnen. Sie stellten ihnen nun der
beiden verstellten personen grosse angst für / wie selbigen bei soviel
mannsleuten und dirnen zu muht sein wurde. Demnach / solches ungemach ihnen
abzunemen / und zu verhüten / dass nicht aller anschlag hierdurch möchte
verrahten und offenbar werden / erkundigten sie sich bei der Zelinde / als einer
Syrischen Fürstin /wie es mit diesem baden gehalten wurde / und erfuhren / dass
beide vertraute mit ihren dirnen und junglingen erstlich zu speisen / und
hierauf in später nacht das baden anzugehen pflege.
    Der listigen Timna fiele hierauf ein mittel bei / mit guter art zu ihnen zu
kommen / und ihnen mit raht an die hand zu gehen / wie sie dem baden entgehen
möchten. Sie gedachte / neben der Ahalibama und andern / die man dazu bereden
könnte / sich als Egyptische warsagerinnen zu verkleiden: und im schein / mit
solchem aufzuge die gesellschaft zu ergetzen / wollten sie begehren / dass man sie
auch zu der braut und dem bråutgam einlassen sollte / um denen ihr Glück und
künftiges ergehen zu profezeien. Dieser ausfund der Timna / gefiele der
Ahalibama sehr wohl: und ob schon sie in anderen begebenheiten / wegen ihres
Eliesers tod / zu solcher lust sich nicht hätte bereden lassen / so wollte sie
doch iezt alles mitmachen / um ihrem bruder zu dienen. Sie eröffneten dieses ihr
furhaben / am ersten der Mehetabeel / Briane / Zimene und Astale: mit denen sie
in ein nebenzimmer eileten / da sie mit den decken / so sie üm und auf den
bänken und betten fanden / sich so gut verkleideten /als es die zeit und
umstånde leiden wollten. Weil sie aus der gesellschaft bald gemisset wurden / als
kame die Prinzessin von Salem Jaelinde / neben der Siringe / auch zu ihnen / um
zu sehen / was sie fürhatten: welche dann / ihr vorhaben vernemend / mit in ihrer
mummerei sein wollten / und sich auch also verkleideten. Um aber / unversehens
also herfur tretend / mehrern lust den anderen zu erwecken / verschlossen sie
sich /bis dass sie ganz angekleidet waren. Damit kamen sie unvermutet in den
grossen saal / wie eben die gesellschaft zur malzeit sitzen wollte. Timna / als
erfinderin dieser mummerei / furete den reihen / und die weise der Egyptischen
warsagerinnen haltend / finge sie an /mit etlichen von den andern zu danzen /
und in Egyptischer sprache ein diesen weibern gewönliches lied zu singen /
welches also lautete:
Berget euch / berget euch / für uns vergebens!
Isis kann sehen /
was da geschehen:
drum von uns forschet die laufte des lebens.
Was da gewesen / cur wesen und taten /
konnen wir sagen.
Wollet ihr fragen
kunftige dinge? Hier sind sie zu rahten.
    Als aber Timna / und die andern / besagtes lied mit sonderbarer
annemlichkeit gesungen / eilete diese Furstin zu der Prinzessin Ammonide / deren
hand sie erwischete / und nach besichtigung ihrer linien zu ihr sagte / auf
Egyptische art: Du bist verliebt / und wilst es nicht gestehen. Dein glücksstern
wird aber bald aufgehen / wiewol er ihrer viele betruben wird. O schalkhafte
warsagerin! (antwortete Ammonide / die nicht eher / als an der sprache / die
Timna erkant hatte /) du solst in dem lezten so unwahr / als in dem ersten /
reden. Dan ich so wenig von liebe weiss / als wenig ich verlange / durch mein
gluck andere zu betrüben. Deine gespielin wird kündiger / als du / in ihrer
wissenschaft sein: von der will ich mir lassen mein geschicke entdecken. Hiermit
reichete sie die hand der Ahalibama / welche / nach besichtigung derselben /zu
ihr sagte: Du bist so geheim / dass auch den sternen / die mir den einfluss des
warsagens mitteilen / verborgen ist / was du im schilde fürest. Wirst du mir
aber ein wenig sagen / was dir vordessen begegnet / so will ich dir dagegen
entdecken / was dir künftig widerfaren soll. Du redest warhaftiger / (antwortete
Ammonide /) als deine vorgängerin. Wann aber mein künftiges geschicke dir bekant
ist / so will ich eine bequemere zeit / als die ietzige ist / erwarten / mit dem
von dir fürgeschlagenen beding meine begegnise zu erfahren.
    Weil indem die andern alle um sie herkamen /konnte Ahalibama dieses nicht
wieder beantworten. Es wollte aber ein jedes / sein geschicke / von diesen
angenemen warsagerinnen vernemen. Jaelinde / so dem Cimber am nåchsten war /
ergriffe dessen hand / welches nicht ohne ihrer beider errötung geschahe: weil
er wusste / wie sie gegen ihm gesinnet war; und sie /bei dieser abenteur / die
warheit nicht sagen dorfte. Nachdem sie die hand eine lange weile / sonder ein
wort zu reden / besehen / sagte Cimber: Es scheinet /meine angeneme warsagerin
scheue sich / alle das unglück / so sie in meiner hand findet / mir zu
offenbaren / um mich nicht vor der zeit betrubt zu machen. Weil ich aber der
widerwårtigkeit wohl gewonet bin /als wird dieses ihr mitleiden allhier nicht
statt haben konnen. Ich sehe so viel / aus dieser hand / (antwortete hierauf die
angeneme Jaelinde /) dass man sein ungluck und gluck selbst machen oder abwenden
kann: wan man nämlich wird abstehen / diejenige zu lieben / so die liebe nicht
erkennet; und selbige hingegen zu derjenigen wendet / die da fåhiger ist /
gegenliebe zu erweisen. Dieses sagte sie so leise / und dabei mit solcher
gemütsbewegung / dass / wann Cimber nicht schon vorhin gewust / was ihme mehrmals
unruhe machte / er doch aus diesen worten etwas besonderes wurde ermerket haben.
Meiner schonen warsagerin ist gnugsam bekant / (antwortete er ihr /) wie
unmuglich man dem fåsten himmelsschluss widerstreben kann /und das daher in
unseren kräften nicht stehet / sein båstes zu sehen / oder sein unglück zu
vermeiden. So hat dann meine warsagung eingetroffen / (erwiderte Jaelinde /) dass
der grosse Cimber sein ungluck befordert / in ernehrung einer ubel-erkannten
liebe? Was man errahten kann / (gabe Cimber zur antwort) solches bedarf keines
nachfragens. So profezeie ich dann ferner / (sagte Jaelinde /) dass man entweder
von solcher hofnung-losen liebe abstehe / oder nichts als ungluckseelige
verdriesslichkeit in seinem leben erwarte. Diese profezeiung / (antwortete Cimber
/) mochte wohl mehr als zu gewiss eintreffen: dann weil meine schöne warsagerin
sihet / der himmelsschluss wolle / dass ich sonder hofnung lieben soll / so wird
der betrubte erfolg solcher unglückseeligen liebe auch nicht ausenbleiben.
Gleichwie er nun dieses mit seufzen furbrachte / also horte es die Prinzessin
mit gleicher gemütsbewegung an: und betaureten sie in ihren herzen eines des
andern zustand / da einerlei anligen / nämlich ungeliebet lieben / sie quålete
und ihr leben verbitterte.
    Sie mussten aber diese ihre unterredung abreissen /weil die andern
darzwischen kamen / und Astale dem Cimber warsagen wollte / auch Elhanan ein
solches von der Jaelinde begehrte. Astale raunete dem Cimber in das ohr / was
sie ihm wollte wisslich machen. Jaelinde aber / so alles ihr lustiges wesen bei
dem gespräche / das sie mit dem Cimber gehalten / verloren hatte / sagte dem
Elhanam nicht viel sonderliches / und wandte sich bald von ihm ab: weil ein
allgemeines gelächter unfern von ihr entstanden / dahin sie dann eilete / dessen
ursach zu vernemen. Dieses hatte die lustige und verschmizte Siringe angerichtet
/ indem sie dem Fürsten Jotan / der auf seiner Konigin der schonen Delbois
befehl / der Ahalibama zu Naema bisher aufgewartet / gewarsaget / wie dass er
diese Furstin liebe / aber nimmermehr von ihr würde wieder geliebt werden:
welches diesen guten Fürsten sehr beschåmet / indem dadurch die ganze
gesellschaft zum lachen bewogen worden.
    Wie komt es doch / (fragte die Prinzessin von Ophir) dass gegenwärtige
warsagerinnen von nichtes als liebe reden? Leben sie etwan alle / unter der
regirung des liebessterns / der ihnen allein seine einflüsse mitgeteilet? Oder
ist niemand unter uns begierig / von andern zufållen seines lebens nachricht zu
haben? In warheit / (sezte Elihu hinzu /) die Prinzessin von Ophir furet meine
gedanken / und weiss ich nicht / ob die schuld bei uns / oder bei den schonen
profetinnen haftet. Weil die meiste begebenheiten unsers lebens (sagte Altadas)
von der liebe herrüren / und einem fast nichts sonderliches begegnen kann / dabei
die liebe nicht ihr anteil habe: als hatten unsere schöne warsagerinnen fug und
recht / ihre profezeiungen dergestalt einzurichten. Timna sagte hierauf: Sie
wollten den Altadas nicht für ihren fursprach erkennen / sondern vielmehr der
Indaride und des Elihu Meinung beipflichten / auch deswegen keinem mehr von der
liebe worsagen / sondern den inhalt verändern. Wisset demnach / Altadas! (fure
sie fort gegen diesem Meden /zugleich ein profetische gebärde an sich nemend)
dass dein Glück dir nicht so beständig scheinet / als du wohl vermeinest / und dass
keine stützen so fäst sind / die deinen fall sollten vermitteln können. Hiemit
zielte sie auf dieses Meden übermut / der / als ein vetter der Dalimire / seinen
hohen gedanken mächtig den lauf liesse. Nachdem sie dieses fürgebracht / wandte
sie sich zu dem Ardeus und sagte: Wan deine witz allein deinem herrn zum båsten
angewendet wird / so wisse / dass du ein glückhafter mann wirst werden; auser
deme mochten deine statsränke dich leichtlich ins verderben stürzen. Diesen
stich / den der Ardeus auch im scherz annemen musste / verstunde niemand / als
Ahalibama und Cimber / denen bekant war / wie diesem Fürsten beigemessen wurde /
dass er / wider seine Königin / die Assyrische seite hielte.
    Ahalibama profezeite hierauf / aus des Elihu hand /dass seine tugend ihm alle
welt zum freund / auch dass die zufriedenheit seines gemutes / und die
ubermeisterung sein selbst / ihn tuchtig machen wurde / ein grosser König zu
werden. Sagst du mir dann nichtes / angeneme warsagerin! fragte hierauf Indaride
die Ahalibama / und zeigte ihr zugleich ihre hand; welche die Prinzessin von
Seir zum mund furete / und solche küssend sagte: Ach! was soll ich dir ankunden?
Mochte ich aus den gestirnen ersehen / dass du nicht ewig ursach soltest haben /
mir einer von deinen ergebensten dienerinnen üm gleichen verlust zu trauren: wie
herzlich gerne wollte ich dir solches offenbaren. Durch diese worte wurden / so
wohl ihr selber / als der Indaride / die tränen abgelocket. Wie nun auch
Mehetabeel / Briane / Zimene und Astale / den meisten in der gesellschaft etwas
geprofezeiet hatten / wollten die Prinzessinnen Indaride und Ammonide an die
tafel gehen / und diese Egyptische warsagerinnen mit hinzu nötigen. Timna aber /
die etwas anders im sinn hatte /sagte darwider: Es sei billig / dass sie dem
bräutgam und der braut auch ihr künftiges geschicke profezeiten; weshalben sie
um erlaubnis båten / solang die gesellschaft verlassen zu dorfen / der sie aber
auch beklagen / wan ihr vernemet / wie mein zustand beschaffen ist.
    Hiemit / als sie sich zusammen gesetzet / und Cimber / sonder ein wort zu
sagen / den Dison ansah /fuhre dieser also fort / zu reden. Ich trage keinen
scheu / edler Prinz! euch zu offenbaren / wie es mir bisher ergangen: weil ihr
einer von den vererautsten meiner Königin seit / als will sich geburen / euch
dessen mit-teilhaft zu machen / was deren båstes nunmehr erfordern will. Die
liebe / grosser Cimber! die måchtige beherscherin der menschen / war schuld daran
/ dass ich bisher / der unvergleichlichen Königin von Ninive gegenwart nicht zu
verlieren / mein geschlecht verlaugnet / und diese unschuldige Königin teuschend
/ mich selbst mit einbildung einer gluckseligkeit betriegen dörfen. Ich habe
aber nach der hand wargenommen / dass / sonder verletzung der ehre / und ohn
fernere beleidigung der unschuldigen Königin /ich länger nicht mein
betriegliches leben füren könnte. Als ich demnach den Dison / meiner schwester
rittern / ersuchet / mich durch diese vorgegebene heurat von hof zuerlösen: hat
Ahalibama / neben der Timna und Mehetabeel / es so gespielet / dass ich die
durchleuchtige Aramena von Syrien zu bette und in meine arme bekommen habe.
    O himmel! (riefe Cimber / ihme ganz erstarret ins wort fallend) Aramena ist
in euer bette und arme geraten? Was fur bestürzung (fragte Dison) erweiset der
Celtische Prinz hierüber / da er doch an dieser schonen kein teil haben kann? Wie
/ Dison! (antwortete der erhitzte Cimber) habe ich keinen teil an der
unvergleichlichen Aramena? Nein warlich / weit gefehlet! ich bestreite dieses
vor aller welt / dass mir kein mensch hierin auf sich zu ziehen / und machten
raum der Prinzessin Jaelinde und den anderen / die alle dem bråutgam etwas
profezeien wollten.
    Jaelinde / welcher nicht unbewust war / wie dieser schone Dison heimlich in
Damasco geliebt worden /wollte sich bei ihm / wegen ihres warsagens / in ein
sonderbares ansehen setzen / und sagte: du bist hier in Damasco / von einer
furnemen frauen sehr bedienet worden; doch hat dieselbe nun nichtes mehr / als
freundschaft / fur dich übrig / und beeifert nicht deine geliebte Aramena. Der
schone Dison konnte hierbei des errötens sich nicht erwehren: nicht darum / weil
die Jaelinde solche warhafte sachen herfür brachte /dann ihm wolbekant war / wie
sie der Fürstin / die ihn geliebt / ihre vertraute gewesen; sondern deswegen
/weil er besorgte / diese Prinzessin würde ihn erkennen / weil sie zu Salem /
vor wenig monden / so lang und vertreulich mit einander waren umgegangen. Diese
sorge aber war unnötig: massen Jaelinde in diesem Dison nichtes weniger / als
die Aramena / suchete. Mehetabeel warsagte darauf dem bråutgam / wiedass er
selber nicht wüste / wie verliebt er in seine braut wåre; und dass die ietzige
liebe nicht zu vergleichen sei mit der kunftigen / die noch erfolgen sollte.
Briane sezte hinzu: es wurde dieses eine sehr friedliche und vergnugte heurat
werden / aber nicht mit kindern gesegnet sein. Zimene sagte: der bräutgam würde
sehr viel mitbulere bekommen / aber solche sonder eiversucht vertragen können.
Siringe / profezeite ihm ein königreich; und lezlich die Astale / ein
versonliches gemute / das allen zugefugten betrug nachsehen werde.
    Wie sie nun dergestalt ihre personen alda wohl gespielet hatten / giengen sie
furter und liessen sich auch bei der braut anmelden. Es hatte aber diese
vonselber eben den raht gefasset / den man dem schonen Dison gegeben / und /
dem baden zu entgehen / sich krank gestellet / auch gar zu bette geleget: dahero
die jungfrauen / welche der braut dienten / sie abwiesen /mit dem vorwand / dass
die Aramena bereits ruhete /und sich nicht wohl befånde. Niemand / als die drei
Seirische Fürstinnen / verstunden diese krankheit: über welcher sie sich dann
åuserlich ja so besorgt bezeigten / als wohl sie innerlich damit zufrieden waren.
Also begaben sie sich wieder in den saal / alwo die andern von der malzeit ihnen
entgegen eileten / und sie zwischen sich verteilten. Die ganze malzeit hindurch
/ trieben sie ihre gespräche und kurzweil mir diesen warsagerinnen / und kamen
tausenderlei lustige fragen und beantwortungen auf die bahn / die ihnen /etliche
stunden bei der tafel zu verharren / anlass gaben.
    Wie nun endlich die malzeit aufgehoben war / fiengen sie an zu danzen. Aber
die Prinzessinnen stelleten diese ergetzung bald wieder ein / solche den andern
/die in grosser mänge sich daselbstin versamlet hatten / überlassend. Um aber
aus dem grossen getose zu entkommen / begaben sie sich in ein nebenzimmer /da
sie ein besonderes spiel anfiengen / welches sie nanten
 
                              Der Gedichte-zuwurf.
Es befanden sich aber hierbei / die Prinzessin von Ophir / die von Ammon / die
von Salem / die drei Fürstinnen von Seir / die Furstinnen Zelinde und Dersine /
und die Siringe. Die mannspersonen waren / der Prinz Cimber / der Elihu / Nahor
/ Elhanan / Barzes /Ardeus / Altadas / Arteman / und Opharteus. Diese sezten
sich in einen kreis / und fienge die schöne Indaride das spiel an / welches in
diesen regeln bestunde / dass die jenige person / deren man in der gesellschaft
ein zeichen (worzu sie dissmal eine granatapfel wehlte /) zuwerfen / und zugleich
zwei reimworte benennen würde / alsofort sonder bedacht hiervon ein schickliches
par verse zu machen / und solche zuerklåren / widrigen falls eine straffe zu
erlegen / gehalten sein sollte.
    Ahalibama war die erste / deren das zeichen / mit den beiden worten /
schaden / beladen / zukame /wovon sie diese reimzeilen machete:
Man findet falsche leut: die nicht so würden schaden /
wan nicht mit etwas guts man sie auch såh beladen.
Das äuserliche gute an einem menschen / (sagte sie ferner) bedecket ofters
dessen bosheit / dass man davor nicht sehen kann / was in seinem herzen verborgen
liget: daher ein solcher weniger zu furchte wåre / der gar nichts gutes
åuserlich an sich håtte.
    Wie diese Prinzessin hiermit dem spiel ein genugen getan / und die reihe
nun an ihr war / ein anders hinwieder aufzufordern / warf sie das zeichen dem
Elihu zu / mit den worten / wissen / verdriessen; auf welche / der Furst von Ram
/ folgende verse ersonnen:
Es ist uns angenem / um andrer håndel wissen:
wan man um unsre weiss / das pflegt uns zu verdriessen.
Die meisten in der welt (täte er hinzu) sind also gesinnet / dass sie mit
höchster belustigung in anderer ihre verborgene håndel kucken: ob sie gleich
hochstschmerzlich entfinden / wan man auch nach ihren eigenen geheimnisen
forschet.
    Der Siringe kame hiernächst das zeichen zu / und gabe ihr zugleich Elihu
diese worte / vermeinen / scheinen / zu bekleiden; die dann folgender massen dem
spiel sein genügen täte:
So glucklich sind wir nie / als wir es wohl vermeinen:
auch wird uns gegenteils / das ungluck / grosser scheinen.
Wir sind in glücklichen tagen ubermutig / (sezte sie hinzu) und in bosen tagen
verzagt: darum konnen wir / gutes und boses / niemals nach seiner eigentlichen
grösse erkennen. Hiemit / als sie warname / dass der Altadas eingeschlummert /
wurfe sie ihm den granatapfel zu / mit den worten / schrecken / wecken. Altadas
/ so sich sobald nicht erholen konnte / wurde eines pfandes verlustig: das er der
Siringe zustellen / und /nach endigung des spiels / durch leistung dessen / was
sie ihm auferlegen wurde / solches auszulösen versprechen musste.
    Er warfe aber das zeichen der Dersine zu / welcher er diese beide worte
aufgabe / betriegen / lügen. Diese Fürstin / reimete hieraus folgendes.
So schwer es ist / die leute zu betriegen:
so leicht ist auch / ihm selber fur zulugen.
Wir beschmeicheln uns selbst so gern in unserem tun / (sagte sie /) dass wir
daher niemals unsere mångel und gebrechen recht sehen können: daher wir uns
ofters betriegen / indem wir andere zu betriegen vermeinen.
    Hiemit gabe sie das zeichen ihrem bruder dem Barzes / mit eben den zweien
worten / so sie bekommen hatte: welches sie aus schalkheit täte / verhoffend
/dadurch ein pfand heraus zu bringen. Er aber / so ihre list wohl merkte /
besonne sich nicht lang / und gabe folgende reimzeilen:
Wan uns ein freund verrått / wan feinde uns betriegen /
sind wir ergrimt: und froh / wan wir uns selbst belügen.
Meine schwester / (sagte er ferner /) hat die erklärung dieser reimen bereits
vorgebracht / dass ich also nichtes weiter hinzu zusetzen habe.
    Das zeichen bekame darauf der Nahor / mit den worten / sehen / gehen;
welcher sich also losete:
Wann man des freundes mud / ist man erfreut / zu sehen
sein' untreu: dass man fort mog seiner mussig gehen.
Ich kenne solche leute / (erklärte er sich ferner /) die nichts liebers
verlangen / als von ihren freunden beleidigt zu werden: damit sie den namen der
unbeständigkeit von sich abwelzen / und ohne nachrede ihnen böses tun mogen.
    Hiemit warfe er das zeichen der Prinzessin Jaelinde zu / mit den worten /
genossen / verdrossen. Weil aber dieselbe eben fast ganz aus sich selber und in
tiefen gedanken sasse / als verseumte sie die zeitweile /in der sie sich auf
einen vers bedenken konnte: war also gehalten dem Nahor ein pfand zu uberreichen.
    Sie gabe hierauf das zeichen / der Indaride / mit diesen worten / zu ruh;
womit sie auf die schlaffenszeit zielete. Die Prinzessin von Ophir aber / reimte
dieselben also zusammen:
Wan / der natur gesetz / die tur uns schliesset zu:
so offnet sich der weg / zur unbezielten ruh.
Solte ich diese meine reimen / (sagte sie folgendst) ferner erklåren / würde ich
eher einem leichgespräche / als diesem spiel / sein recht tun.
    Hierauf warfe sie den granatapfel dem Opharteus zu / mit den worten / leute
/ bereite; der dieselben also zusammen bande:
Man lobt sich selbst / wan man lobt andre leute:
dass dann ihr lob uns wieder lob bereite.
Eine höflichkeit reitzet die andere / (sezte er hinzu) und bringt mancher das
auf sich selber / was er einem andern rumliches beimesset.
    Hiermit fiele das zeichen nochmals der Jaelinde zu / die auf diese
entfangene worte / willen / erfullen /also reimdichtete:
Geht es nicht nach unsrem sinn / geht es doch nach Gottes willen
Dieser nuzt uns mehr / als wan wir den unsern hier erfullen.
Wan wir diese vollkommenheit mochten erreichet haben / (sagte sie ferner) uns in
allen fürstehenden fållen dem himmel zu lassen / so würden wir niemals unruhig
noch betrubet sein / wan es nicht nach unsrem sinn ergehet.
    Nachdem sie sich etwas bedacht / gabe sie dem Elhanan / mit dem zeichen /
die reimwörter / sein / stein; der sie folgender massen zusammen sezte:
Dess klage wird vergebens sein /
der zweimal stost an einen stein.
Seine erklärung war: Wer sich nicht will warnen lassen / der soll auch nicht
beklaget werden / weil er närrischer ist / als ein kind / welches ja das licht
scheuet /an dem / es sich einmal verbrennet.
    Elhanan traffe hierauf mit dem zeichen die Prinzessin Ammonide / deren er
zugleich diese worte / gebrechen / stechen / in reimen zu binde gabe / die es
also verrichtete.
Viel eher sihet man des andren sein Gebrechen:
die unsren aber uns nicht in die augen stechen.
Die stralen unserer augen / (sezte sie hinzu) gehen aus uns / nie aber in uns /
also / dass wir das ferne bässer /als das nahe / erkennen können: daher wir so oft
andere beklagen / die nicht so sehr / als wir selber / der beklagung würdig
sind.
    Hierauf warfe sie der Prinzessin vor. Ophir das zeichen zu / mit den worten
/ friede / Indaride; welche sie also zusammen reimete:
Ob / aller welt / gåb alle freud der friede:
Ich bleib betrubt / was half es Indaride:
Ein herz / so der ganzen welt abgestorben / (sagte sie ferner) machet sich weder
des leids noch der freude teilhaftig / sondern ist bei allen fürfallenden dingen
unentfindlich und leblos.
    Ardeus bekame hierauf von ihr das zeichen / mit den worten / kann / an; womit
er diese zeilen schlosse:
Wan eigne hand ein ding verrichten kann:
man soll dazu nicht andre nemen an.
Keiner meint  es so treulich mit uns / (sagte er) als wir selber / und wird das
am besten getan / was wir in person tun konnen.
    Hierauf stellte er der Timna / mit dem zeichen /zwei (seiner Meinung nach)
schwere worte zu / in hofnung / sie ein pfand verlieren zu machen. Sie aber
fand sich bald darein / und liesse / von den worten / Schalk / Kalk / diese
verse hören:
Was schon von ausen scheint / birgt ofters doch den schalk:
gleich einem todten-grab / das ubertuncht mit kalk.
Wan jedem (sezte sie hinzu) seine gedanken für die stirn geschrieben stünden /
man würde nicht ein so gutes urteil von ihm fållen / als zum oftern aus
unwissenheit geschihet.
    Hiemit wurfe sie das zeichen dem Arteman zu / der / weil er eben seitwarts
sah / ihr anlas gabe / folgende worte / Arteman / nemt an! zu benennen. Weil er
nun darauf so bald nichtes zu erfinden wusste / als gabe er der Timna ein pfand /
der Mehetabeel aber das zeichen / mit den worten / Kunst / Gunst; die von ihr
folgender massen in reimen eingeschlossen wurden:
Umsonst und dunst ist alle kunst
oft / zu erlangen menschen gunst.
Nicht die kunst / (sagte sie ferner) sondern das Glück machet einen beliebt vor
dem andern / und pfleget man eher den unwürdigen / als den geschickten / zu
erwählen.
    Auf den Cimber liesse sie hiemit das zeichen fallen / samt den aufgab-worten
/ blasen / rasen; vermeinend dieselben wåren so schwer / dass der Prinz nichtes
würde darauf ersinnen können. Er aber besonne sich nicht lang / auf folgendes:
Blase / die vom wind entstehn / gehn auch fort von einem blasen.
Rasen gleich die stolzen leut: heut noch fallen kann ihr rasen
Es ist nichts mislichers noch unbeständigers / (fügete er hinzu) als der
hochmut: dann / weil er auf schlüpfrigen grund gebauet ist / als kann ihn das
geringste unglücks-windlein zu haufen werfen.
    Hiermit gabe er das zeichen / der Siringe / mit den worten / recht /
sprecht. Weil sie aber sich dessen nicht versehen hatte / und zweimal ruffen
liesse / als wurde sie eines pfandes schüldig / das sie dem Cimber / das zeiche
aber der Ahalibama zustellete / samt den worten / loben / erhoben; die solche
also zusammen reimete:
Den / der ståts gutes tut / ermudet man / zu loben:
wer selten gibt und hilft / dess lob wird mehr erhoben.
Was man gewonet / (sagte sie ferner /) solches achtet man endlich nicht mehr:
daher man viel höher schätzet / wen ein böser mensch einmal etwas rümliches
verrichtet / als wann redliche leute / immer und ohn aufhören / der tugend
nachwandlen.
    Schliesset / geniesst! rieffe sie hierauf der Zelinde zu / die / mit entfang
des zeichens / sich also vernemen liesse:
Ging es nach meinem wunsch / so wolt ich bitten: schliesset /
reimt morgen mehr / und heut der ruh und nacht geniesst!
Wann ich dieses erklåren sollte / (täte sie hinzu) so müste ich sagen: ich bin
mude / und spure / dass die ganze gesellschaft hierinn mit mir einig ist. Es war
niemand / dem nicht dieser schluss der angenemen Zelinde wohl gefallen håtte:
daher sie gleich / wegen späte der nachtzeit / das spiel aufhuben / zuvor aber
/ehe sie voneinander gingen / wegen der eingenommenen pfande / die straffen
austeilen wollten.
    Demnach wurde / dem Altadas / von der Siringe auferleget / auszusprechen /
welches die grösten laster an einer dame wåren? Diese sind es / (gabe er zur
antwort /) wann sie nicht so barmherzig als schon / und hergegen nicht so schon
als mitleidig ist. Hiemit bekame er sein pfand wieder / und begehrte Nahor
hierauf von der Jaelinde / dass sie / zu einlosung ihres pfandes / mit den
vor-aufgegebenen zwei worten / genossen / verdrossen / die sie damals nicht
zusammen bringen konnen / noch ein paar reimzeilen schliessen wollte / welches sie
/ nach weniger bedenkzeit / also werkstellig machete:
Der mensch ist so verkehrt: wann er das gut genossen /
wornach er lang gestrebt / so macht es ihn verdrossen.
    Hiernächst legte Timna dem Arteman auf / er sollte / um sein pfand / welches
eine verschlossene schreibtafel war / wieder einzulösen / dieselbe erofnen / und
sie darin blåttern lassen / üm zu sehen / was darin geschrieben stünde. Dieser
Ninivitische bediente wurde hierüber ganz besturzet / welches alle / die in der
gesellschaft waren / in acht genommen. Wie er nun verzoge zu antworten /
stellete sich Timna an / als wollte sie das täfelein selbst erbrechen. Aber
Ardeus verwehrte ihr solches / indem er / unter dem vorwand /als wollte er ihr
helfen / die ofnung des tåfeleins zu finden / selbiges ihr aus den händen name /
und damit dem Arteman winkete: welcher nicht seumete / es gleichfalls dem Ardeus
aus den händen zu reissen /und also wieder an sich zu bringen. Er sagte hierauf
/zu der Timna: Er wolle der fürwitzigen Fürstin von Seir / seine geheimnise /
die in dieser tafel entalten /zu einer bequemern zeit eröfnen / und entzwischen
in ihrer schuld verbleiben: welches sie / wiewol sie ihre eigene gedanken
daruber hatte / geschehen liesse.
    Die ganze gesellschaft stunde damit auf / der Siringe / ohne entgelt / ihr
pfand wieder zustellend / weil sie all zu mud waren / und ginge sie fast mit
anbrechende morgen erst von einander: da die Prinzessinnen Indaride / Ammonide
und Jaelinde / sich nach dem koniglichen schloss begaben; Ahalibama / Timna und
Mehetabeel aber / wie unter ihnen abgeredet worden / auf der Kemuelsburg
verblieben / mit fürwand /dass sie die nåchste freunde der beiden hochzeitere
wären. Also legten sie sich ingesamt zu ruhe / womit sie den ganzen vormittag
hinbrachten: üm folgends desto munterer zu sein / dem hochzeitfest beizuwonen.
    Sobald der abend wieder eingetretten / sandte die Königin von Ninive / ihrer
Aramena / einen überaus-köstlichen brautrock: welcher / mit grossem geprånge und
gewönlichen gebräuchen / nach der Kemuelsburg gebracht wurde. Die Fürstin
Dersine truge denselben /sitzend in der Königin wagen / und begleitet von allen
fürnemen herren des Ninivitischen hofs. Wie sie in das brautgemach gekommen /
und in gegenwart der Prinzessin Ahalibama / auch der andern Fürstinnen von Seir
/ der Aramena den rock überliefert hatte /wurde sie gleich damit angekleidet /
und nichtes gesparet / diese braut auf das herrlichste auszuschmücken. Wie ihr
hierbei zu mut war / gabe der augenschein gnug an tag / und hatten Ahalibama und
Timna aller ihrer beredsamkeit vonnöten / dieser sonst so mutigen Aramena ein
herz einzusprechen: wiewol sie selber / ihre angst über diesen gefårlichen
handel / soviel sie konten / verbargen. Zu dem schönen Dison durften sie nicht
gehen / welchen seine junglinge immittels ankleideten: doch wurden sie getrost /
als sie vernamen / dass die treue Tirza / unter des Tirzis namen / bei diesem
ankleiden des Disons sich mit befande. Wie nun braut und bråutgam geschmuckt
waren / wurden sie zusammen in ein schones zimmer gefuret: da der bråutgam / die
begrussung / bei seiner braut auf das annemlichste ablegte.
    Inzwischen man aber auf der dreien Königinnen von Tyro / Ninive / und Elam /
wie auch der anderen eingeladenen / ankunft warten musste name Ahalibama
gelegenheit / mit dem bräutgam allein zu sprechen /zu dem sie sagte: Du zeigest
dich ja so beängstigt /als deine braut / wiewol sie dessen mehr ursach hat /als
du. Dan / da sie vermeint / sie werde diese nacht einem mann zu bette gebracht
werden / kanst du leichtlich ermessen / dass solches bei ihr eine angst erwecken
musse: ob sie gleich hoffet / dass du / als ein Isis-priester / ihrem
Dianen-gelubde dich nicht widersetzen werdest. Demnach / liebste schwester!
offenbare dich ihr alsobald / wan ihr nun zu bette gebracht werdet / und sage
ihr / dass du Aramena bist / die Konigin von Syrien / welche bisher den namen des
Disons gefuret: dadurch wirst du ihr alle furcht benemen / und ihr ruhe
verschaffen. Wann ich dir / liebste Ahalibama! (antwortete der schone Dison /)
sollte die ursach melden / warum mein herz so beängstigt ist /so wüste ich
solches nicht zu sagen. Nicht plaget mich die sorge / vom Mamellus / oder sonst
von iemand erkant zu werden / sondern etwas anders und unbekantes / das ich
selber nicht begreife: und håtte ich dieses zuvor gesehen / ich wurde mich
schwerlich dazu bequemet haben / diese falsche trauung einzugehen. Was du aber /
wegen beruhigung dieser Aramena / begehrest / dem will ich also nachkommen: und
wunschen mochte ich / dass sie bereits furlånst gewust hätte / wer ich bin /
damit sie also weniger angst erlitten hätte.
    Mitlerweil diese beide also zusammen spracheten /hielte Timna mit der braut
fast ein dergleichen geheimes gespräche / zu der sie sagte: Wann nun / die
ehmalige liebe zu dem schönen Dianen-bild / in euch wieder entzündet wurde /
deme / wie ihr saget / dieser Dison so gleich sihet / wurdet ihr nicht etwan
wünschen / in der tat Aramena zu sein / um eurer liebe zu geniessen? So
låcherrlich diese frage ist / (antwortete der verkleidte Fürst /) so warhaftig
entfinde ich in mir eine sonderbare regung / wann ich diesen schonen Dison
ansehe / die ich nicht kann liebe nennen / und die doch der liebe eigenschaften
mit sich füret. Bin ich nicht hart von dem himmel gestraffet / dass der mich
stäts treibet / etwas unmugliches zu lieben? Erstlich musste ein lebloses
Dianen-bild / nachgehends eine verlobte person / als die schöne Königin von
Ninive ist / und nun einer meines geschlechtes / mich bezaubern. Dieses habe ich
an meinen eltern verschuldet / dass ich mich deren befehl so ungehorsam erwiesen
/ und die Aramena damals nicht ehlichen wollen /die doch nun zu einem Königreich
mir verhelfen können. Ach Timna! beklaget mit mir meinen wunderbaren gluck-stand
/ der so frömd ist / und solche seltenheiten mit sich furet / dass mir kein
sterblicher darin kann vergleichen werden: massen ja niemand des glückes
wunderspiel also / wie ich / erfahren mussen. Wer weiss / mein vetter!
(antwortete Timna / die erfreut war / solche worte von ihm zu vernemen /) ob der
himmel nicht bald ermüden wird / euch zu verfolgen? und ob eure prob-zeit nicht
vorbei sei / die euch auferlegt ist / eure gedult zu üben? So wunderbar der
himmel ist wann er uns verfolgungen zuschicket / so sonderbar ist er auch / wann
er seine hülfe will blicken lassen.
    Indem wurde angemeldet / wie die Königinnen und Prinzessinnen ankåmen:
weswegen sie ihr gespråch einstellete. Der schone Dison / und seine braut / die
Aramena / namen ein munteres wesen an sich / und verbargen ihr anligen: üm /
keine argwan ihres betrugs bei einem und andern zu erwecken. Als aber die schöne
Konigin von Ninive / in ihrem koniglichen schmuck / von dem Mamellus gefuret /
in das gemach eintrate / veränderten braut und bråutgam beiderseits die farbe:
weil dem schonen Dison eine furcht / erkant zu werden / zustiesse; und Aramena
wohl fülete / dass die liebe zur schonen Delbois in ihr noch nicht vollig
erstorben ware. Diese Konigin aber eilete / in ihrer unschuld / ihrer lieben
Aramena gleich entgegen /umarmete sie herzlich / und wunschete ihr Glück zu
ihrer vorstehenden heurat: welches hierauf auch von allen den andern geschahe.
Hiermit nun ginge man /in ansehnlicher und zierlicher ordnung / nach der Juno
tempel / der oben auf der Kemuelsburg von dem Konig Belochus erbauet worden: in
welchem alles von gold und lampen schimmerte / die ihre stralen in die viele
kleinodien / mit denen das ankommende frauenzimmer beschmucket war / warfen /
und damit den glanz und pracht noch herrlicher macheten. Vor der Juno altar war
ein erhobener tron aufgerichtet /auf welchen die braut und der bråutgam allein
gesetzet wurden / und alda von iederman im tempel konten gesehen werden.
    Weil man die opfer und andere gebråuche zuvor hielte / ehe sie zu der
trauung schritten / als gedachte die verkleidte Aramena / (die nun den bråutgam
bei dieser wunderhochzeit fürstellete) den von Ahalibama ihr-gegebenen raht
nicht bis zum brautbette zu versparen / noch ihre ordens-schwester långer in
ihrem irrtum zu lassen / sondern ihr die angst zu benemen /die sie bei ihr
vermutete / weil sie vermeintlich an einen man sollte getrauet werden. Demnach
redete sie zur Aramena ganz leise / folgender massen: Wir sind /liebste Aramena!
noch bis ietzo glücklich in unserem betrug gewesen / woraus erscheinet / dass wir
die grosse Diana auf unserer seiten haben / um deren willen ja dieses
furgenommen worden. Es ist aber nicht billig / dass eine geheiligte jungfrau der
Diana länger in fast-gleichem betrug gelassen werde / darin Aramena sich annoch
befindet. Ich erachte es ja meiner herzlichen zu euch tragenden liebe entgegen /
wann ich euch långer verhelen sollte / wer euren bräutgam furstellet. Wisset
demnach / dass kein Dison noch Isispriester hier vorhanden / sondern dass ich
sowol von geschlecht und namen / als von gelübde / eures gleichen sei. Ich bin
die Aramena / welche man jederzeit für des Stattalters von Syrien tochter
gehalten / und die erst neulich fur die Syrische Erbkonigin ist erkant worden.
Euch kann nicht unwissend sein / wie mein gelubde / so ich furlängst der gottin
Diana getan /mich in ihren heiligen orden gesetzet / und bin ich also / durch
viele abenteuren / um meiner göttin beständig zu bleiben / bisher in den Dison
verwandelt herüm gerirret. Als ihr durch die Timna mich ersuchen liesset / dass
ich / durch heurat vorgeben von hinnen und in den Diana-tempel nach Ninive euch
verhelfen wollte: war ich gleich willens / mich euch / als meiner ordensschwester
/ zu offenbaren. Weil mir aber an meiner geheimhaltung soviel gelegen / und ich
sorgen musste / ihr mochtet der Konigin von Ninive / als mit der ihr so
vertreulich gelebet / meinen stand kund machen / als habe ich damit bis hieher
zurücke gehalten. Nun mich aber kränket / eure angst zu sehen / als habe ich
euch dieselbe hiermit völlig benemen / und euch berichten wollen / wie dass ihr
nicht an einen Isispriester / sondern an eine jungfrau von eurer Diana / sollet
getrauet werden. Dieses band / so uns binden wird / soll in unaufloslicher
freundschaft uns ewig beisammen erhalten. Es ist alles schon zu unserer abreise
nach Ninive bestellet: dahin wir glücklich kommen werden / weil uns ein so
gerechtes furnemen treibet.
    Die schöne Syrerin hatte genug zeit ihre gedanken recht auszureden / weil
die besturzung dem verkleidten Fursten Dison / die zunge gebunden hatte / dass er
kein wort herfur bringen konnte. Es bliebe ihm vom gebrauch aller seiner
sinlichkeit nichts frei / als die augen / welche unaufhorlich diesen schonen
bråutgam betrachteten / und den liebesgift so begierig in sich zogen / dass das
herz von håftiger glut angefüllet wurde / ehe der gute Fürst es in acht
genommen. Es war ihme das bild der gottin Diana nie schoner fürgekommen / als
dissmal / da er nicht die einbildung /sondern das wesen selber / vor sich sah.
Und ob gleich die schöne Ninivitin Delbois / den vorzug der schonheit / dieser
Syrerin bestritte: so fand doch der Fürst Dison sich geneigt / das schonste
licht der welt zu lassen / um ein geringeres / wiewol auch uberaus volkommenes /
dargegen anzubeten. Alles / was dieser neuen liebe zu vorteil gereichen konnte /
stellte sich auf einmal seinem gemute fur: dann er / die ehmalige durch seine
eltern beschehene verlobung; die seltsame verliebung in das Dianen-bild /
welches diese Aramena fürgestellet; seinen in seiner angenommenen weiblichen
tracht erwehlten namen Aramena; ingleichen ihre angenommene namen Dison / und
lezlich ihre ietzige verwundersame zusammenfugung / nicht anderst ausdeuten
konnte / als dass der himmel an ihrer beider verehlichung ein wolgefallen haben
müsse. Demnach machete er ihm kein gewissen / dieser Syrerin zu verschweigen /
an wen sie wurde getrauet werden.
    Wie aber / bestürzung / verwunderung und liebe /dieses Fürsten gedanken noch
eingenommen und verwirret hielten / wurde es zeit / nach dem altar zu gehen;
dahin dann diese verkleidte Aramena so verliebt als der vermeinte Dison
unschuldig sich füren liesse: da das stillschweigen der braut auf solche
entdeckung / eine bei ihr darob entstandene verwunderung bezeugte. Indem nun die
trauung fortgienge / schickten die anwesende ihre wünsche gen himmel / auf
verschiedene art und weise. Die Konigin von Ninive /rieffe zu Gott / dass er ihr
/ um willen sie diese trauung / aus dringender noht / in einee abgottischen
tempel verrichten liesse / nicht zumessen / und dieses paar in glücklicher Ehe
beisamen erhalten wollte! Ahalibama / nebe der Timna und Mehetabeel / dem Zophar
/der Calaride / und dem alten Tebah (welcher verborgen mit im tempel war)
wunschten zwar eben dieses /aber mit dem unterschied / dass sie wussten / wem sie
solches wunschten / und dabei für das glückliche gedeien ihres grossen furhabens
/ dem Dison die Syrische kron zu erlangen / den himmel anfleheten. Die Syrische
Fürsten / welche mehrteils / wie sie Tebah beredet / den bråutgam für ihren
König Aramenes /und die braut fur den Fursten Dison von Seir / ansahen / beteten
zwar nicht mit / um eine gluckliche ehe /sondern ein ieder rieffe seinen gott an
/ dass ihr wiedergefundener Konig Aramenes / durch dieses mittel /seiner våtter
tron besteigen / und ihr grosses fürhaben / des Assyrischen joches sich zu
entladen / wohl von statten gehen mochte. Die Konigin von Tyro / und der
stattalter Mamellus / hatten hiebei auch ihre eigne gedanken / indem sie sich
erinnerten / dass diesem bräutgam / dem schönen Dison / die Syrische kron in den
schoss gefallen ware: und weil sie an demselbigen eine so grosse gleichheit mit
dem Konig Aramenes von Syrien funden / schosse es ihnen aufs herze / dass dieser
jungling vom Syrischen geblüt sein musste. Es wollte aber weder dem Mamellus /
noch der Tarasile und Milcaride / noch auch den anderen / die ehmals mit dieser
Aramena umgegangen / zu sinn kommen /auf ihren warhaften stand zu rahten. Die
Syrische Furstin / die den schönen Dison in ihrem haus bewirtet / und ihm so
viel liebes erzeiget / ware auch mit im tempel: deren gedanken dann hierbei
gleichfalls nicht die ruhigsten waren.
    Doch vergliche sich nichtes mit der unruhe der beiden hochzeitere selber:
massen der schöne bråutgam /mit bebenden lippen dem Juno-priester das ja-wort
gabe / und der Aramena die hand mit zittern hinreichte. Dan die ehrfurcht gegen
die gotter war in dem herzen dieser tugendhaften person so gross / dass sie das
/was sie allhier fålschlich begienge / für sünde halten musste. Den verkleidten
Fürsten betreffend / so hatte der zwar andere gedanken / und wusste nun wohl / dass
alles / was da fürgienge / durch wunderbare schickung des himmels geschahe. Es
konnte aber doch bei ihm ohne bewegung nicht zugehen / sich in einem augenblick
zugleich verliebt und an die geliebte getrauet zu sehen: zumal auf solche weise
/ da so vielerlei (wiewol unschüldige) betriegereien mit fürliefen. Wie man nun
alle gewönliche gebråuche verrichtet / und beide getraute den hochzeit-becher
zusammen ausgetrunken hatten / wurde diese handlung im tempel beschlossen / und
sie alle in einen grossen saal gefüret: alda / auf verschiedenen tischen / die
malzeit auf das herrlichste und köstlichste zubereitet war.
    Der Fürst Barzes ordnete alles an / was zu diesem grossen fest vonnöten war
/ und liesse / sowol seine geschicklichkeit / als seiner Königin ubergrosse
freigebigkeit / in allem blicken. Die braut sasse an der obersten tafel /
zwischen den Königinnen von Tyro und Ninive: zu denen ferner auch / die Konigin
von Elam / die Prinzessinnen von Canaan / Ophir /Ammon und Salem / eingewiesen
wurden. Die stattalterin von Syrien / neben der Prinzessin Ahalibama / der
Timna / Mehetabeel und allen Fürstinnen / bekleideten den andern tisch: und
wurde das ubrige frauenzimmer / wie auch alle anwesende manspersonen /an die
folgende tafeln verteilt. Der bråutgam musste nach landesgebrauch / mit seinen
zwölf jünglingen allein speisen / und / gegen endigung der malzeit die gåste
bedienen. Dazumal begunten / teils Syrische Fürsten / diesem ihren vermeinten
Konig fleissig aufzuwarten: welches aber der alte Tebah / der heimlich sich mit
in den saal gedrungen / und auf alles ein wachsames aug hatte / bald abstellte /
ihnen fürhaltend / dass sie solches / üm allen verdacht zu vermeiden /
unterlassen mussten.
    Unter wärender dieser malzeit / hatte der verkleidte Fürst Dison aller
seiner kräfte nötig / den wunderglanz der beisizenden Königin zu vermeiden / dass
der seinen fursatz nicht wieder wendig machen mochte: und risse er mit gewalt
die augen von ihr ab / üm sich nicht wieder in sein altes gefängnis zu liefern.
Die liebkosungen / so von der Königin / die ganz vergnügt ware / bei ihrer
vertrauten Aramena wieder zu sein / ihm erwiesen wurden / waren ihme mehr
beschwerlich / als angenem: weil die wahre vernunft /die nun / nach abgelegter
liebe / kräftiger in ihn zu herrschen begunte / ihm üm soviel mehr sein
verbrechen fürbildete / ie mehr gnadbezeigungen er von der Konigin entfienge. Es
fiele auch seinem aufrichtigen gemüt hochstschmerzlich / für einen betrieger
angesehen zu werden / nun er / sowol die schonste Konigin von der welt / als die
schöne Konigin von Syrien / betrogen hatte. Die viele seufzer / so dieserwegen
der Aramena wider willen entflogen / gabe der schönen Delbois anlass / sie um
dessen ursache zu befragen: zumal sie / ihrer einbildung nach / nun billig
vergnügt sein sollte. Sie entfienge diese antwort: Was ich beseufze / das sollen
E. Maj. bald erfahren; und kann ich sagen / dass ich mich ja so betrubt als
vergnügt befinde. Weil sie diese worte mit sonderbarer bewegung herfürbrachte /
konnte die Königin leicht urteilen / dass es was geheimes sein müste: demnach
wollte sie nicht ferner in sie dringen / verhoffend / solches noch wohl von ihr zu
erfahren / wann sie allein sein wurden.
    Wie man nun endlich die tafeln aufgehoben / und sie alle mehr als
überflüssig dieser koniglichen bewirtung genossen hatten / wurde die braut in
ihr verordnetes schlaffzimmer gefuret: welches so herrlich ausgeschmücket war /
dass sich iederman darob verwundern musste. Die marmorne wände / waren überall
/mit kränzen und langen gebänden von Citronen-laub und blüten / auch anderen
wolriechenden blumen / bekleidet: wordurch dann / sowol das gesicht / als der
geruch / vergnüget würde. Das brautbette / war von kostbarstem helfenbein / mit
edelsteinen besetzet /und mit den zärtsten Sidonischen decken behånget: und
stunden an beiden seiten / auf langen tafeln /güldne geschirre / die mit
herrlichsten zuckerwerk und früchten angefüllet waren. Eine verborgene liebliche
musik / liesse sich dabei vernemen: die also eingerichtet war / dass sie mehr die
sinne einschläfern / als aufmuntern konnte.
    Allhier namen die Koniginnen / auch sämtliche Prinzessinnen / von der braut
ihren abschied: da es nicht viel fehlete / als die schone Delbois ihre Aramena
umarmete / sie wäre in ihren armen onmächtig dahin gesunken; so einen herzstoss
entfinge dieser verkleidte Fürst / mit dieser lezten gnade / von seiner Konigin:
den er auch nicht würde haben ausstehen können / wann er noch nicht gewust hätte
/ an welche er verlobet worden. Die erinnerung aber dessen / erfullte so gar
seine sinne / dass er dafür nicht recht zu sich selbst kommen / und in vielheit
der gedanken ganz verwirret bliebe. Als auch Ahalibama und Timna / die auf der
Kemuelsburg verblieben / von der Konigin von Ninive abschied namen / konten sie
sich der tränen nicht entalten: in furstellung / wie sie dazu geholfen / dass
diese unschuldige Königin betrogen worden. Weil sie auch noch nicht wussten / wie
ihr grosses furhaben ablaufen wurde / als anete ihnen nicht unbillig / dass sie
wohl nicht so gut ihre liebste Konigin wieder würden zu sehen bekommen. Es name
aber die schone Delbois / in dem getümmel / diese wachmütigkeit ihrer beiden
freundinnen nicht in acht /und schiede / samt den andern Koniginnen und
frauenzimmer / vergnugt von dannen: unwissend / dass sie diese nacht so übel
ruhen würden.
    Wie sie nun alle hinweg waren / mussten auch Ahalibama / Timna und Mehetabeel
die braut verlassen /als welche / durch ihre dazu verordnete jungfrauen /nach
landsgewonheit / sollte zu bette gebracht werden: und weil sie / in gegenwart
derselben / nichts geheimes zusammen reden konten als verrichteten sie solches
mit zuwinken / und schieden also von einander. Es befande sich aber diese
wundersame braut so verwirret / dass sie bald / ihrer selbst vergessend / sich
nicht gnug für ihren jungfrauen verborgen håtte: die aber nichtes merkten / und
/ nach ihrer abkleidung /auf ihr inståndiges begehren / sie allein verliessen
/nachdem sie alle lichter in der kammer ausgeleschet. Hierauf nun gienge / in
des Fürsten Disons beunruhigtem gemüte / der streit erst volkömlich an / und
wusste er nicht / wie er bei seinem unvermuteten Glück / welches ihm die schöne
Syrische Konigin in die arme lieferte / sich verhalten sollte. Je mehr er daran
gedachte / ie weniger konnte er aussinnen / was ihm zu tun wäre. Doch legte er
sich endlich zu bette / ein unaussprechliches verlangen nach der schonen Aramena
ankunft in sich entfindend: welches aber mit einer ungemeinen angst begleitet
war / und zwar um soviel mehr / je nåher die zeit kame / dass sie sich einfinden
sollte. Das geringste geräusche / so er vername / erregte bei ihm / wegen ihrer
ankunft / ein herzklopfen: und wann es dann wieder still worden / stellte sich
die traurigkeit ein / dass er vergebens auf sie gehoffet hatte.
    Nachdem er lang also geharret / hörete er endlich die kamertur sich öffnen:
worauf eine person zu sich ihm ins bette legte / von der er vermuten musste / dass
es seine geliebte Aramena wåre. Weil die kammer ganz finster war / und man also
nichtes sehen konnte /laurete er / bis dass sie zu reden anheben wurde; welches
dann auch gleich erfolgte / und horte er diese holdseelige stimme also zu ihm
sagen: Liebste schwester! (dann also werdet ihr mir nun erlauben / euch künftig
zu neñen /) wie grosse ursach haben wir doch / der Diana zu danken / dass wir
diesen gefärlichen tag uberstanden haben / der uns ja so leicht unglücklich
verscheinen können / als wie er nun gewunscht für uns abgelaufen. Sie wird auch
unser beider fürnemen /welches der himmel für rechtmåsig erkennet / ferner
segnen: und wann wir in Ninive den gebenedeiten tempel wieder bewonen / wollen
wir unsere gelübde dieser göttin bezahlen / dass sie uns so wunderbar von der
welt verfolgung erloset hat / und mit ja so grosser ruhe / als ångstig wir ietzo
sind / an dieser begebenheit uns ergetzen / dass wir hier in Damasco eine solche
wunder-heurat zusammen anstellen dörfen.
    Diese ihre worte waren so weit entfernet von dem /was der verliebte Furst
verlangte / das sie ihn noch verwirrter macheten. Als er nun zu antworten
verzoge / wusste Aramena nicht / wohin sie solches stilschweigen deuten sollte.
Demnach näherte sie sich der vermeinten Aramena / und als sie dieselbe ümarmet /
und gekusset / sagte sie: wie seit ihr so stille / liebste Aramena! gegen eurem
Dison? fürchtet ihr euch noch / in meinen armen zu ligen / nun ihr doch wisset /
wer ich bin? Ja / liebste Aramena! (antwortete er / mit bebender stimme) meine
unwurdigkeit erwecket bei mir eine furcht / an statt des Disons / die grosse
Königin von Syrien zu ümarmen. Bin ich euch dann nicht lieber /(fragte sie ferner
/ in ihrer unschuld /) als wann ich noch Dison wäre? Tausendmal lieber!
(widerredte er /) aber / grosse Königin! wer weiss .....
    Allhier verstummete er / und vermochte nicht weiter zu reden: woruber sie
verwundert / ihr ümarmen einstellete / und etwas zu ruck weichend / ihn fragte
/wie diss gemeint wäre? Der verliebte Dison / so nun ein herz gefasset / sagte
ferner: wer weiss / ob der unwürdige Dison von Seir das gluck wird erlangen / der
Königin von Syrien so angenem zu sein / als die vermeinte Aramena gewesen?
Hiermit hielte er ein / und als er warname / dass sie ganz still bliebe / triebe
ihn die liebe / die furcht etwas hintan zu setzen / und als er sich ihr genähert
/ fure er fort / sich also zu offenbaren: Der himmel fugt es so / liebste
Konigin! dass /da wir ehmals beiderseits zu Dedan uns geweigert /als Dison und
Aramena einander zu ehlichen / wir nun / als Aramena und Dison / sonder eins vom
andern zu wissen / sind zusammen verbunden worden. Ich bezeuge mit dem hochsten
Gott / dass ich nicht gewust / wiedass der schone Dison die Königin Aramena wäre /
bis sie es mir selber gesaget. Darüm haltet mich nicht für einen betrieger /
sondern für den unschüldigen bruder der Ahalibama: die / ohnzweifel meine
glückseeligkeit ohne mein wissen zu fordern /diesen listigen anschlag ersonnen
hat / uns sonder unsere gedanken zusammen zu bringen. Widerstrebet demnach nicht
mehr dem schluss des himmels / und gedenket / dass wir mit dem ehelichen band
verbunden seien. Nemet an mein herz / dass sich hiermit eurer schönheit vollig
aufopfert; und verstosset nicht denjenigen / den euch der himmel bestimmet.
    Nachdem er dieses gesaget / wollte er sie umarmen. Sie aber risse sich von ihm
los / sprunge mehr todt als lebendig aus dem bette / und eilete der tür zu / als
sie in der hast ihren nachtrock ergriffen / und den uber sich geworfen hatte. An
der tur begegneten ihr die Ahalibama / Timna / Calaride / Mehetabeel / und der
alte Tebah / die eben ankamen / ihnen den betrug /neben ihrem vorhabenden
grossen anschlag / zu entdecken. Als Ahalibama ihrer Aramena so erschrocken und
erblasset ansichtig wurde / konnte sie wohl gedenken / dass ihr bruder sich ihr
müste geoffenbaret haben. Sie umarmte sie deshalben / und sie herzlich an sich
drückend / bate sie um vergebung / dass sie also sie betrogen hätte: welches zwar
/ zu ihrem selbst-eigenen bästen / geschehen wåre. Ach weh! (antwortete Aramena
/) wer håtte diss deiner freundschaft konnen zutrauen? damit risse sie sich von
ihr /und wollte entfliehen. Aber die drei Furstinnen von Seir / neben der
Calaride / begleiteten sie / wider ihren willen / in ihr zimmer.
    Sie warfe sich daselbst auf ein bette / und alles gegen dem himmel
ausschüttend / was ihr die ungedult in den mund gabe / wollte sie keine von ihren
freundinnen anhören: daher Ahalibama und Calaride sich vergebens bemüheten / ihr
einzureden / und sie zu bewegen / dass sie den Syrischen tron annemen möchte. Ihr
klagaeschrei und erbärmliches winseln name üm soviel mehr zu / ie mehr sie
nachdachte /wie man sie betrogen håtte. Sie rieffe ohn unterlass ihre grosse
Diana üm schutz und hülfe an / nun alle menschen sie verlassen hätten. Die
andern weineten mit ihr in die wette / und fiengen an zu bereuen / was sie
getan hatten. Calaride aber / als die beherzteste /sprache ihnen einen mut ein
/ und sagte: Man müste nicht ablassen / diesem anschlag nachzusetzen / sondern
dem reich Syrien / wie man angefangen / einen König geben. Und weil das
klaggeschrei der trostlosen Aramena leichtlich / bei denen auf der Kemuelsburg
sich befindenden Syrern / alles verderben konnte /als wurde Aramena in ein anders
von allen leuten abgesondertes zimmer gefuret / und daselbst / von den
Seirischen Fürstinnen / keinen augenblick verlassen: da zugleich Calaride die
anstalt machte / dass Briane und Zimene in einem gemach behalten wurden / damit
sie / dieses erfarend / nicht einen lårmen verursachen mochten.
    Tebah / der inzwischen bei dem Fursten Dison in der kammer geblieben /
begunte ihm seinen anschlag zu eröfnen / und wollte ihn bereden / die Syrische
kron anzunemen. Dieser verliebte Prinz aber / war ja so untüchtig / einen
solchen vorschlag anzuhoren / als denselben zu erfüllen: dann seine gedanken
schwebten bloss bei seiner Aramena / die so beleidigt von ihm geschieden war. Als
er endlich von dem Tebah sich berichten und unterrichten lassen / wie die
Syrische Fürsten den vermeinten Dison fur ihren jungen König Aramenes hielten /
daneben auch seine des wahren Disons person kennten; wie er sich dessen bedienen
/und hernach / wann sie die oberhand erlanget / die Syrische kron auf setzen
sollte: wollte er gar nicht darein willigen. Seine antwort ware: wie dass er ferner
nicht gesonnen wäre / auf so verstellte weise sein leben anzustellen; und / da
er / wider ein wissen / die grosse Syrische Königin betrogen hätte / möchte er
nicht auch ihre stände betriegen / noch die krone dieser Konigin / sonder ihre
einwilligung / zu begehren /sich gelusten lassen.
    Der gute Tebah / der dieser antwort sich nicht versehen hatte / wusste fast
nicht / was raht er ergreifen sollte: zumal indem die Syrer / durch den Nahor und
Elhanan / in die stadt / und ferners auf die burg sollten eingenommen werden.
Doch fassete er in eil diese küne Entschliessung / und besezte mit etlichen von
den Syrischen völkern / die der Altadas / zur wacht / auf die burg gelegt hatte
/ die auch dem Zophar und ihm in allem gehorchten / des Prinzen von Seir gemach:
denen er ernstlich befahle / niemanden aus- oder ein zulassen. Hierauf eilete er
nach dem andern zimmer /darin die Seirische Fürstinnen bei der klagenden
Aramena waren: üm einen versuch zu tun / ob diese noch endlich sich wollte
gewinnen lassen; wornach er mit dem Prinzen von Seir leichtlich überein zukommen
/ verhoffete. Er fand aber daselbst noch viel mehr widerstand / als bei dem
Prinzen Dison. Er sagte ihr zwar viel fur / und bate / dass sie doch ihres landes
und ihrer untertanen sich erbarmen / und dem lezten befehl ihrer eltern / die
regirung des Syrischen königreichs anzunemen / diesen gehorsam erweisen wollte:
aber er hatte solches alles / wie gegen einem harten stein / geredet / und
vermochten weder seine noch der Calaride tränen sie zu erweichen / dass sie von
etwas anders / als von ihrem gelübde / hätte hören mögen.
    Weil nun der Tebah alle mühe verloren sah / und die åuserste gefahr ihm
fur augen stunde / dass alles zurück gehen würde / wofern man nicht eine
geschwinde Entschliessung ergriffe: als fassete er / mit einraht des Zophars und
der dreien Furstinnen von Seir / den schluss / im namen des Königs von Syrien
alle notige befehle auszuteilen / und das Syrische volk solang in dem wahn von
ihrem neuen König zu erhalten / bis das sie obgesieget håtten / und die
måchtigere worden wåren. Demnach gienge er eiligst zu den Syrischen Fürsten /
die / auf sein gutbefinden / dem Opharteus / der als hauptman in der burg lage /
ankündigten / wie die sachen stünden: dass nämlich ihr König Aramenes vorhanden
wäre / und ihm befehlen liesse / die tore den ankommenden Syrern zu ofnen. Kaum
war diese zeitung diesem Syrer und seinen untergebenen kund getan / da
erklårten sie sich alsofort für diesen ihren Konig / und namen das tor ein / ehe
die Assyrier auf der burg etwas davon innen wurden. Indem kame auch dem Fursten
Hus die zeitung / wiedass der Fürst Cyniras mit zweitausend Syrern vor Damasco
angekomen / welchen der Nahor das tor öffnen sollte. Man berichtete auch dabei /
dass eben auch der Tare mit vier tausend / und der Gaham mit drei tausenden fur
das andere tor / so der Elhanan besezt hielte / gerucket wären.
    Als nun / denen Syrischen Fürsten / solcher massen ihr fürhaben glücklich
von statten ginge / wollten sie ihren König sehen / und ihn ihrer gehorsamsten
dienste versichern / auch nun alles seiner verordnung und befehl anheim stellen.
Demnach drungen sie sehr in den Tebah / dass er sie zum Konig füren sollte.
Dieser hatte schon hierauf sich vorbedacht / und ginge zu der Ahalibama / die er
sehr bate / ihren bruder dahin zu bereden / dass er zu ihnen treten / und ihr
gutes vorhaben wollte befördern helfen: dann er / durch ihn / die begierde der
Fürsten mit guter art zu stillen verhoffete. Diese Prinzessin / als die
anfängerin dieses grossen anschlags / liesse sich leicht hierzu bereden / und
fürete ihn alsobald in ihres bruders zimmer: den sie noch zu bette fanden. Sie
eroffneten ihm alles / wie sie diesen handel angesponnen / und brachten ihn
endlich durch allerhand gründe auf ihre seite: insonderheit ihme furstellend /
wie dass er / wan er nicht zu ihnen umtretten wollte / die Aramena / ihr reich /
ja gar ihr leben / verlieren machen / auch seine ehre und ansehen verscherzen
würde. Wolan! (sagte er / nach vielem widersprechen) so brauchet mich dann ferner
zu eurem betrug! seit aber versichert / dass ich alles / was ich hierin tue /
nicht meines bästens wegen / sondern allein der schonen Aramena zu dienen / tun
werde. Wan mein Prinz mir nur folgen will / (antwortete Tebah) so soll dieser
Konigin geholfen werden / und sie auser gefahr verbleiben. Mein leben und alles
was ich vermag / (gabe er zur antwort) biete ich willigst dar / dieser Konigin
wohl-sein zu befordern.
    Wie erfreuet mich doch dieses / (sagte Ahalibama) dass ich euch / zu eurer
vergnugung / so wohl betrogen habe / und nun / in ablegung des namens der Aramena
/ euch selbst in die Aramena verliebt sehe. So furet nun hinaus / was so gut
angefangen / und folget dem einraten des Tebah: welcher der einige wegweiser
ist / dass unser schluss fortgehe / und für euch die Syrische kron zu erlangen.
Ach liebste schwester! (antwortete er seufzend) wan Aramena mit eurem betrug so
wohl zu frieden wäre / als wie ich bin / so wollte ich mich glückselig achten. Nun
aber sorge ich / ihr billiger hass werde / unter allen sterblichen / mich zum
ziel wählen / und mich unendlich erfolgen.
    Mein Prinz stelle diese unnötige liebessorgen beiseit / (sagte Tebah) und
erwarte / bis unser furhaben glücklich gehoben sei. Und weil jezt keine zeit zu
versäumen ist / so lasset uns von wichtigern sachen reden / und beratschlagen /
wie wir so wohl den Assyriern als den Syrern begegnen sollen. Die Syrer vermeinen
/ sie haben ihres Konigs Aramenes wiedergefundenen sohn: welches sie so mutig
machet / den Babyloniern sich zu widersetzen. Wüsten sie / dass nur die tochter
dieses Aramenes verhanden sei / wurde ihr eifer gleich bei den meisten
verleschen. Weil nun diese Königin aus jetziger besturzung sich so bald nicht
finden kann / so mussen wir / wider ihren willen / ihr bästes beobachten. Es ist
demnach hochnötig / dass ihr /mein Prinz! euch alsofort den Fursten von Syrien
zeigt / und den Konig entschuldiget / dass der / wegen einer / doch sonder
gefahr / zugestossenen unpässlichkeit / sich diese nacht nicht konne sehen und
sprechen lassen: da ihr immittels befehl hättet / seinen willen ihnen in allem
fürzutragen. Hierdurch werdet ihr / ihr verlangen nach ihrem Konig / nicht
allein stillen und aufhalten / sondern auch alle macht und gewalt / unter des
Konigs namen / uberkommen / diesen Krieg wider die Assyrier nach eurem willen zu
furen. Solcher massen wird allgemach / der Syrer hochachtung gegen euch / als
ihrem feldherrn / wan sie eure dapfere taten sehen / wachsen und so viel frucht
schaffen / dass die liebe zu eurer person sie endlich nötigen wird /den Dison von
Seir zu ihrem Konig zu beståtigen.
    Wie nun / durch dieses zusprechen / der Prinz endlich gewonnen war / eilete
Ahalibama wieder nach ihrer Aramena / und Tebah / der solche schon in vorrat
verschaffet hatte / brachte mannskleider: welche der Dison eiligst anlegte / und
zu den beiden Syrischen Fürsten / dem Hus und Husan / hinab ginge. Selbige
warteten unten am tor / mit hochstem verlangen / auf die ankunft des Fürsten
Cyniras mit seinen zweitausend soldaten: und als sie von dem Tebah erfuren /
dass dieser Dison die gestrige braut fürgestellet / auch ein vertrautster freund
ihres Königs wäre / entfingen sie ihn mit aller ersinlichen ehrbezeigung. Er
sagte ihnen / was ihm zuvor der Konig in den mund geleget: wiedass nåmlich der
Tebah sich nicht wohl befände / und ihm aufgetragen hätte / seine person zu
entschuldigen / dass er sie nicht gleich jetzund für sich kommen liesse / ihnen
für den eifer zu danken / den sie sehen liessen / ihme auf seinen våtterlichen
tron zu verhelfen. Tebah fiele ihm / in diesem fürbringen / getreulich bei /
und meldete darneben / wie dass der Konig / als welcher auser dem krieg von
jugend auf erzogen worden / die fürung dieses instehenden kriegs dem Fursten von
Seir anvertrauen und ubergeben wollte: wie dann S. Mai. ihnen hiermit andeuten
liessen / dass der Prinz Dison feldherr und nach ihm der furnemste im reich sein
sollte.
    Keinem unter den gegenwärtigen Syrischen Fursten / war diese wahl des Königs
zuwider: massen dieser Prinz unter der Aramena namen sich so berümt gemacht
hatte / dass sie von seinem heldenmut nichts als Glück und sieg hoffeten. Die
vorgewandte unpässlichkeit des Königs / war ihnen zwar leid / und vermehrte ihr
verlangen / ihn zu sehen: weil aber der Tebah solche gar gering machte / und
sie auf den folgenden tag vertröstete / waren sie zufrieden des Königs freund
und einen dapfern helden bei sich zu haben /der mit raht und tat ihnen sehr
nützlich sein würde. Tebah verliesse hiernächst diesen Prinzen keinen augenblick
/ ihm allen benötigten einrat zu geben: dann dessen verwirrung war annoch zu gross
/ dass er in diese schleunige ånderung / sich so bald nicht schicken konnte / weil
er so urplözlich in eine ganz andere lebensart geraten war / von der er ihm
nichts hatte traumen lassen. Dan da er zuvor einen liebesaufwärter bei der
Konigin von Ninive abgegeben / fülete er sich nun in die Konigin von Syrien
verliebet. Aus einer jungfrau / wurde er ein Kriegsobrister. Und da er nun sein
leben in stiller einsamkeit zuzubringen vermeint / sah er sich in eine
weitläuftigkeit gesetzet / die ihn /für die gewünschte einode / ein grosses
reich einzunemen / antriebe.
    Die ankunft des Cyniras erfolgte endlich / welcher seinen einzug durch die
stadt so heimlich verrichtete /dass kein Assyrier solches wargenommen. Seine zwei
tausend Syrer / wurden gleich auf alle posten der burg verleget. Weil Opharteus
sich Syrisch erkläret / als mussten die andere Assyrisch-gesinte kriegsbedienten
der macht weichen: ward also die burg / ohne verlierung eines manns /
eingewonnen. Weil man aber an diesem sieg nicht gnug hatte / sondern / ob
möglich /der stadt sich in eile zu bemächtigen trachtete / bevor die Assyrier /
deren zwölftausend darin lagen / die oberhand bekåmen: als hielte man fur ratsam
/ von des Gahams dreitausenden / welche nun auch glücklich in die stadt gekommen
waren / zwölfhundert man an iedes der beiden tore / die der Elhanan und Nahor
bewachete / zu legen: damit durch dieselben allemal mehr Syrische hulfe hinein
kommen könnte. Die ubrige sechshuntert / stiessen zu des Fürsten Tare viertausend
Syrern: die auf den grossen platz vor des Osiris und Isis Tempel / alda fernern
befehl zu erwarten / geordnet waren. Bis hieher ware noch immer alles still
zugegangen. Dan / weil Elhanan und Nahor ihre kriegsbediente / die diese nacht
die wacht in den toren versahn / auf ihre seite gebracht hatten / als kame
dieses grosse kriegsvolk sonder widerstand hinein; und weil die burg / samt dem
platz vor den Tempeln gar vorteilhaft und nahe bei diesen toren lage / als ware
ihnen auch / im einzug / keine Assyrische wacht aufgestossen.
    Es hatte aber der fürsichtige Stattalter Mamellus /sonderlich diese nacht
wegen des hochzeitfestes /allen aufstand zu verwehren / starke wachten hin und
wieder in der stadt ausgesetzet: daher des Fürsten Tare erste völker / bei der
Isis tempel / auf deren eine traffen / uber welche ein unterbedienter des
Elhanan / der aber ein Assyrier von geburt / und dem Mamellus sehr ergeben war /
zu gebieten hatte. Diese machten lårm / und gingen auf des Tare völker los: von
denen das geschrei hiervon erschallete / und so fort durch alle gassen liefe.
Weil die Syrer allhier anhuben / einhällig zu schreien: Es lebe her König von
Syrien Aramenes! wurden augenblicklich alle häuser wach / und liefen in kurzer
frist etliche tausend burger zusammen: welche die fröliche zeitung / dass ihr
konig wieder gefunden worden / anfrischete / ihn wider die Assyrier verfechten
zu helfen. Hierauf ginge das grosse gefechte an / so wohl in den häusern / als auf
den gassen: massen die Syrer ohn unterschied die Babylonier niedermachten / die
hin und wieder in den häusern verlegt waren. Und weil zugleich mit aller orten
erschollen war / wie dass der neue König von Syrien auf der Kemuelsburg vorhanden
wäre / als eilete der ganze pöbel dahin / und nenneten eines mundes den namen
Aramenes / also dass diss geschälle bis an den himmel stiege. Die Assyrier
rotteten sich inzwischen auch zusammen / und kamen auf den tempelplatz /den
ihrigen zu hülfe: alda sie aber grossen verlust litten / weil die verwirrung und
der schrecken bei ihnen / bei den Syrern aber alles in guter ordnung / ware. Wie
nun / die auf der burg / das geschrei unten in der stadt vernommen / antworteten
sie ihnen mit eben dem ruff: Es lebe der Konig Aramenes von Syrien!
    Die Fursten Hus und Husan achteten für notig / die Königin von Ninive in
ihre gewalt zu bekomen: aus ursachen / die zwar allein ihnen beiden bekant
waren. Demnach brachten sie bei dem Prinzen Dison an / wie sie gesinnt wären /
mit tausend man diese Konigin aus dem koniglichen schloss abzuholen. Er wollte
erstlich ganz nicht darein willigen / dass dieser Königin einiger gewalt
widerfahren sollte. Als sie aber sehr darauf drungen / und fürwendeten / wie dass
der Königin von Ninive hochste wolfart ein solches erfordere /und weil der
Tebah (wiewol er die ursach nicht wusste / und es lieber vermieden gesehen håtte
/) auch darzu stimmete / musste es der Prinz geschehen lassen: deme das getummel
und die vielheit der geschåfte / (in dem er bald da bald dort sein musste / wo
man nåmlich / in dieser kriegsunruhe / seiner person vonnoten hatten) nicht
zuliesse / alles hierbei genauzu erwägen. Weil er ihm fürgenomen hatte / das
Syrische reich fur seine Königin Aramena zu behaupten: als wollte er nichtes
unterlassen was hierzu forderlich sein konnte. Demnach täte er / mit tausend
Syrern / einen ausfall aus der burg / um den ankommenden Mamellus der /diesem
aufstande zu steuren / mit etlichen tausend Assyriern sich in person auf dem
grossen platz unten vor der burg sehen liesse / mit freudigem muht entgegen zu
gehen.
    Weil bereits der tag herfur zu brechen begunte / als machte die erkentnis
der personen das gefechte desto blutiger. Der dapfere Dison hatte grossen zulauf
von den bürgern / und machte dem Mamellus soviel zu schaffen / dass er nicht
durchbrechen konnte / die burg /wie er gewillet war / anzugreifen / und in der
hast sich deren zu bemächtigen. Der Statalter wusste nicht /wer sein dapferer
gegner war / weil er der jungfrauen Aramena gesicht /wegen des helms / nicht
erkennen konnte: und mochte er wohl nichts weniger vermuten /als dass er seinen
schwester-sohn / den Prinzen Dison / vor sich håtte. Weil er vernommen / dass
diesen aufstand furnemlich der wiedergefundene Konig von Syrien verursachet /
hielte er diesen helden für denselben: und wohl erwågend / wieviel dem Belochus
an dessen person gelegen wåre / wan er ihn todt oder lebendig bekommen konnte /
versuchete er sein åusserstes / und schickte auf ihn seine dapferste soldaten.
Sie mussten aber alle ins gras beissen / und täte Dison so verwundersame
gegenwehr / dass Mamellus ihn zugleich hoch achten und furchten musste. Weil aber
des Mamellus volker sich immer stårkten / hingegen des Disons haufen kleiner
wurde / da seine leute meist unerfahrne krieger und bürger in Damasco / seine
aber wolgeubte gute soldaten waren: als hoffete der stattalter endlich
obzusiegen / und diesen vermeinten Konig Aramenes zu fahen. Je mehr völker aber
der Prinz von Seir verloren / ie grösser wurde sein muht; und fochte er so
heldenmütig / dass die Syrer / die an seiner seite fochten / ihn für einen gott
zu halten begunten: daher musste Mamellus gestehen / dass er mit einem ungemeinen
helden zu tun bekommen.
    Es hätte aber in die länge mit dem Prinzen keinen bestand haben konnen / wan
nicht der Fürst Tare mit tausend Syrern ihm wäre zu hülf gekommen / und der
Tyson dem Mamellus die post gebracht håtte / dass Husan in das königliche schloss
eingebrochen / und also alle königliche personen daselbst in gefahr wåren.
Demnach zoge der Stattalter sich alsofort zu rücke; und Dison / der etliche
wunden bekommen /begabe sich auch wieder auf die burg: da alle Syrer die ihn
fechten gesehen / sein lob bis an den himmel erhebten / und zweifachen muht
erwiesen / unter einem solchen feldobristen zu kriegen.
    Mitlerweile nun dieser Prinz nach seinen wunden sehen liesse / die ihn zwar
nicht des bettes hüten machten / stunde im königlichen schloss alles in höchster
verwirrung. Der Prinz Cimber / so bald er diesen auflauf vernommen / hatte mit
dem Arteman und dessen in eil zu sammengeraffeten Niniviten / sich alsofort nach
dem palast seiner Konigin verfüget / üm derselben / wan die gefahr auf sie
ankommen sollte /bei zuspringen. Sie kamen dahin / als gleich der Fürst Husan /
mit den bei sich habenden Syrern / so wohl die Babylonische / als Tyrische /
Ninivitische und Elamitische wachten angegriffen: üm einen freien durchgang zu
der Konigin von Ninive palast zu machen. Ehe Cimber seine Niniviten in ordnung
stellen konnte /war Husan schon durch alle wachten gedrungen: daher dieser
verliebte Prinz nichts anders zu tun vermochte / als dass er sich für die pforte
des Ninivitische palastes stellete / mit dem vorsatz / alda eher sein leben
seiner Königin zu lieb aufzuopfern / als zuzulassen / dass ihr einiger überlast
widerfüre. Wie grausam er demnach in die Syrer gesetzet / konten diese bezeugen
/ die seinen dapfern arm gefület.
    Unter diesem grausamen gefechte / eilete die schone Konigin von Ninive / die
/ nach dem sie mit schrecken und entsetzen erwachet / ihre nachtkleider angelegt
hatte / oben auf das dach des Hauses / begleitet von der Prinzessin Ammonide /
der Furstin Perseis / der Dersine / Siringe und Merone: von dar sie dem streit
zusehend / nicht anders denken konnte / als dass Belochus sie wollte entfuren
lassen. Ihren geliebten Abimelech / wie auch ihre dapfere Aramena / rieffe sie
in diesen nöten ümsonst an. Doch fassete sie noch einen trost / als sie / bei
herfürbrechendem tag /den Cimber für sie fechtend erkannte. In dem sie nun /für
dessen sieghaften arm / den himmel anflehete /und ihres Gottes beistand in
dieser angst sich getröstete: wurde sie gewar / dass ein teil von denen / die sie
für ihre feinde halten musste / durch den garten einbrachen / und folgends zu ihr
hinauf drungen. Sie konnte / für schrecken / nicht alsobald sehen / dass der Husan
diesen haufen furete; welcher / als er sich ihr genähert und zu erkennen gegeben
/ sie also anredete: Ich komme / nicht als ein feind / sondern als E. Maj.
gehorsamer diener / um sie in sicherheit zu bringen /weil sie bei den Assyrern
nun nicht länger sonder gefahr verbleiben konnen. E. Maj. geruhen nur / sich mir
künlich zu vertrauen / und gonnen mir / dass ich sie auf die Kemuelsburg in
sicherhrit bringen dörfe; da sie vernemen sollen / wie ihre hohe wolfart
erfordere / die Syrische seite zu halten.
    Delbois / so kein wort verstunde / von allen dem /was Husan fürbrachte / war
doch froh / diesen Fursten zu sehen. Und weil ihr von dem aufstand der Syrer
/wiewol ohne ümstände / eine stimme vor ohren gekommen: als fiele ihr bei / es
würde dieser Fürst vieleicht wissenschaft haben von der Syrischen Aramena /
dessen er auch gegen ihr vor etlichen wochen sich vernemen lassen / und es würde
üm deren willen diese aufrur entstanden sein. Demnach fassete sie den schluss /
sonder ferneres nachfragen / diesem Fürsten nach der Kemuelsburg zu folgen: da
sie dann von ihrer Aramena zu erfahren verhoffete / was die ursache und wer die
anfångere dieser unruhe wären. Also liesse sie sich durch den Husan hinunter
füren / und fand im garten etliche wägen auf sie warten: auf welche sie /neben
der Prinzessin Ammonide und ihrem gesamten frauenzimmer / sich setzete / und im
kurzen / durch unwegsame strassen / und mit starker begleitung / in der
Kemuelsburg wohl angelangte.
    Der dapfre Cimber / fochte immittels immer frisch fort / und nicht wissend /
dass seine Königin von hinten durch den garten bereits entfuret wäre / gedachte
er sie bis auf den lezten blutstropfen zu verteidigen: da dann Barzes / Arteman /
und die andere Ninivitische kriegsbediente / ihm treulich beistunden / welche
/durch seine verwundersame dapferkeit angefrischet wurden / seinem edlen
fürbilde nach zu folgen. Weil aber Husan sein verlangen erlanget / hielte er fur
unnotig / die Syrer vor dem schlosse weiter fechten zu lassen: zumal auch
Manmelius mit den seinigen dazukame / und der feind ihnen zu stark wurde.
Demnach liesse er sie wieder mit vorteil ab- und zurücke ziehen / als Cimber ein
grausames gemetzel unter ihnen verübt hatte. Nachdem sie die Kemuelsburg
glücklich wieder erreichet / konten sie des unvergleichlichen Cimbers erzeigten
widerstand ihren mitgesellen nicht genug beschreiben: welche hingegen / von
ihres feldherrn / des dapfern Disons / heldentaten zu erzählen hatten. Als aber
anderseits Mamellus dem Cimber genähert / priese er dessen erzeigte hulfe vor
allem volk / ihme allein beimessend / dass dem tobenden feind die konigliche
personen nicht wären zu teil worden.
    Hierauf eilete er zu der Königin von Tyro / ihr von diesem aufstande der
Syrer bericht zu geben: wiewol er hiervon selber noch keinen gewissen grund
wusste. Der Cimber aber ginge in den Ninivitischen palast /seine Königin zu
sprechen: daselbst er / zu seiner hochsten besturzung / alles leer / und die
hintertur zum garten offen fand; und konnte er / aus dem gespör der wägen / die
uber alle hecken und buschwerke gefahren waren / leichtlich abnemen / was alda
geschehen sein müste. Er wurde deswegen so unwillig und ergrimmet auf sich
selber / dass er / wann er nicht ja so stark von gemut / als verliebt im herzen
gewesen wäre / sich selbst hierum wurde gezuchtigt haben. Er wusste nun nichtes
zu tun / als dass er gleichfalls nach der Königin von Tyro palast eilete: alda
er bei ihr /die fast mehr todt als lebendig war / ihre tochter die Königin
Lantine / die Indaride und Jaelinde / samt dem frauenzimmer fand / die sich
alle dahin versamlet hatten / und den Mamellus von diesem aufstand reden
höreten. Sobald er in das gemach eingetreten /rieffe er: Die Königin von Ninive
ist entfüret! worüber alle anwesende unbeschreiblich erschracken /und eine gute
weile verstummeten. Was raht da? fragte endlich die besturzte Königin von Tyro.
Wir müssen diese Konigin retten / (antwortete der erhitzte Cimber /) oder mit ihr
sterben!
    O ihr götter! (rieffe die Königin von Tyro /) wie trubselig endet sich /
unsere hochzeitfreude? Wer ist dann aber unser feind? und woher entstehet uns
dieses unversehene unglück? Ich kann noch anders nichts erfahren / (sagte
Mamellus /) als dass ein geschrei geht / des Konigs Aramenes von Syrien sohn sei
vorhanden. Ich habe gleich iezt / vor der Kemuelsburg / mit einem gestritten /
der so verwundersam dapfer fochte /dass / wan dieser der gestrige bräutgam Dison
/ und nun der beschryene Aramenes ist / wir warlich nicht mit einem gemeinen
feinde zu schaffen haben. Er sei so dapfer / als er wolle / (antwortete der
eiversüchtige Cimber /) so soll er doch die Konigin von Ninive nicht behalten.
Wird man mir einige volker anvertrauen / so will ich alsofort die Kemuelsburg
angreifen /und nicht eher ablassen / bis deren eroberung / oder mein tod / dem
streit ein ende mache. Man hat zweifelsfrei die Konigin nach dieser burg gefüret
/ (sagte Mamellus /) weil selbige der feind innen hat. Sofern der edle Cimber
uns / in dieser äusersten gefahr / will seinen beistand zeigen / so sollen
alsobald so viel völker / als in dieser eile und verwirrung aufzubringen /
bereit sein / einem so dapfren helden zu folgen.
    Hierauf / sonder ferneres zeitverlieren / ordnete der stattalter die hålfte
seiner bei sich habenden völker dem Cimber zu / und befahle dem Altadas / der
bisher die sechstausend Syrer in Damasco / die nun alle abtrünnig zu den andern
Syrern ubergelaufen / gefüret hatte / dass er alsofort die viertausand Assyrier /
über die der Nahor gesezt gewesen / dem Cimber zufuren sollte. Der Tyson war
noch mit den Gaham / auf dem tempelplatz / im gefechte begriffen: dem schikte
der stattalter noch viertausend mann zu hülfe / und er behielte / zu
beschutzung und besetzung des koniglichen schlosses / alle ubrige völker bei sich
/ die vom Elhanan überlieffen / und etwan noch zweitausend kopfe sein mochten;
mit denen er alle zugånge und gassen gegen dem schloss belegte / dass die Syrer
nirgend herankommen oder einbrechen konten.
    Als nun der eifrige Cimber mit diesen ihm untergebenen völkern fårtig stunde
/ und Arteman noch mit tausend Niniviten zu ihm gestossen war / fürete er /als
ein wütender leu / dieses ansehnliche heer nach der Kemuelsburg: da dann
unterwegs alles / was ihnen widerstand tun wollte / nieder gemacht wurde. Er
berennte nun die burg auf allen seiten / des vorhabens /in der eile / und dem
feind keine zeit lassend / die mauren zu ersteigen. Zu dem ende teilete er sein
volk in drei haufen: da Altadas den pöbel / welcher in grosser mänge / ihren
neuen Konig zu beschutzen / alda versamlet war / angreifen; Arteman mit dem
andernhaufen / ihnen hier und dar zu hülfe zu kommen /stillstehen; er selbst
aber / mit dem dritten haufen /die burg stürmen wollte. Der alte Hus / neben dem
Husan / war eben willens / zu der Königin von Ninive in der Juno tempel / dahin
sie üm sicherheit willen gebracht worden / zu gehen / und die ursach ihrer
hieherholung ihr zu entdecken. Weil sie aber dieses des feindes vorhaben
vermerkten / als eilten sie / mit dem Tare / Zophar und jungem Cyniras / zu dem
Prinzen Dison / der eben ihm seine wunden verbinden liesse /und beredten sich mit
ihme / ob es nicht ratsam wäre /dass man / durch zwei tore zugleich / einen
starken ausfall auf die Assyrier täte / und sie also abzuwenden versuchete? Als
er solches für gut befunden /wurde alsobald der Opharteus / neben dem Masor
/einem von seinen unterbefehlshabern / befehligt / dass ieder mit fünfhuntert
mann auf den feind ausfallen sollte. Diese wurden von dem Cimber mit solcher
håftigkeit zu rücke getrieben / dass Masor selber todt bliebe / und Opharteus
kaum das tor wieder erreichen konnte. Hierauf täten sie einen stärkern ausfall
/unter anfürung der beiden hauptleute von des Cyniras volkern / des Sachar und
Itobalus: welche aber / mit grossem verlust der ihrigen / zurücke kamen.
    Als hiernåchst das stürmen anfienge / und der Dison neben den Syrischen
fürsten die gefahr sah /begehrten sie nicht allein eiligste hülfe von dem Gaham
/ welcher mit seinem volkern vor des Osiris und der Isis tempeln stunde / und
daselbst im streit begriffen ware: sondern sie liessen auch / durch die tore /
die Elhanan und Nahor besezt hielten / ihren brüdern dem Ezer und Akan entbieten
/ wie es hohe zeit wäre / dass sie mit ihren volkern / welche seiter unten am
Libanon gestanden / und auf befehl gewartet hatten / in die stadt rücken sollten.
Inzwischen unter wärendem stürmen / fiele Cyniras / und Badezorus des Tare
fürnemer kriegsbedienter / zum drittenmal aus / und stiessen auf den Arteman:
welchem sie so viel zu schaffen gaben / dass er in eine gasse zurück weichen
musste. Altadas / der mit dem pöbel im streit begriffen war / kunte diesem keine
hulfe tun. So ware auch der Cimber so eiverig im stürmen / dass sein heer völlig
in unordnung geriete / ehe er ihrer noht gewar worden. Er brachte aber / durch
seine gegenwart / alles wieder in vorigen stand / und kame ihm zugleich eine
gewaltige hülfe / indem der Tyson und der dapfere Astarinus / nachdem sie den
Gaham von dem tempelplatz hinweg getrieben hatten / zu ihme stiessen: da dann der
Cyniras den Badezorus im stiche / und er selber hart verwundet sich in die burg
bringen / lassen musste.
    Hierauf wurde auch der pobel / so bisher mit dem Altadas zu tun gehabt / in
die flucht gebracht: die dann auf einen grossen platz vor des Rimons tempel sich
versamleten / unschlussig / weil sie keinen rechten fürer hatten / was sie
beginnen sollten. Sie waren teils schon so verzagt worden / dass sie sich vernemen
liessen / sie wollten unter dem König Belochus bleiben /wan er ihnen friede geben
würde. Dieses alles erfuhren und sahen die Syrer in der burg: weil sie / auf der
andern seiten / ohne hinternis aus und ein kommen kunten / und also immer ihre
kundschaft hatten. Demnach beschlossen sie / nochmals so stark / als sie nur
immer könten / auszufallen / und dem Gaham nachricht zu geben / dass er / sobald
es müglich / sich erholen und mit seinen völkern zu ihnen stossen sollte. Der
Prinz Dison / ungeacht seiner wunden / fürete die Syrer selbst an: da dann er /
für das reich seiner Konigin Aramena fechtend / und Cimber / seine Königin von
Ninive zu erlösen / beiderseits solche wunderdinge verrichteten / dass die / so
von den mauren zusahn / über diesen zweien helden erstaunt verblieben.
    Cimber / der den Dison für den Sirischen König /und auch für seinen mitbuler
hielte / welches letzere er aus so schleuniger entfürung der Ninivitischen
Konigin mutmassen mussen / ware gar froh / dass ihm einmal der himmel einen solchen
mitbuler verfuget /an dem er seine wut künlich auslassen dorfte. Demnach gienge
er so freudig als grimmig auf ihn los: also dass / wan Dison nicht mit fleis ihm
ausgewichen /und seine waffen gegen andere gewendet hätte / es zwischen ihnen
einen rechten leuen-kampf würde abgegeben haben. Es wollte aber Dison dem Cimber
/den er in seinem herzen verehrte / und von dem er wohl vermuten konnte / dass
nicht ein hass gegen die Syrer /sondern die liebe zu der Königin Delbois / ihn in
die waffen håtte kriechen gemacht / nicht feindlich begegnen: daher er alle
gelegenheit vermiede / mit ihm selbst zu kampf zu komen. Weil nun an beiden
teilen / wo ihr arm hinfiele / der sieg erfolgte / als geschahe ein sehr
blutiges und scharfes treffen.
    Die Syrische Fürsten / so von der mauer zusahn /konten wohl ermessen / dass
der Dison in die långe nicht würde bestehen können: weil der Assyrier mehr waren
/ und der Gaham zu kommen verzoge. Demnach drungen sie einmütig in den Tebah /
sie zu ihrem Konig zu furen: weil sie hochnotig befanden /dass der sich / in
dieser äusersten gefahr / dem volk zeigte / sie damit anzufrischen / und zum
streit wiederkehren zu machen. Dann sie hatten zeitung bekommen / wie dass der
pobel begunte kleinmutig zu werden / und nach dem koniglichen schloss iemand
abgefårtigt håtte / mit dem Mamellus einen frieden zu handeln. Der bestürzte
Tebah liefe eiligst zu der Ahalibama und den andern in das zimmer / alwo sie
voll schrecken und sorgen beisammen waren / und deutete ihnen an / in was gefahr
sie stunden / wofern sie nicht die Aramena dazu beredeten / sich unverweilt /
als Syrischer König / dem volke zu zeigen.
    Demnach giengen sie gleich alle mit ihm zu dieser Prinzessin / und ihr
sämtlich zu fus fallend / baten sie mit tränen / dass sie doch ihrer und des
armen landes sich erbarmen / und nicht / durch ferneres widerstreben / sie und
ganz Syrien zu grund richte wollte. Bedenket doch / edle Prinzessin! (sagte
Tebah) dass eure eltern euch meiner aufsicht anbefohlen / und in ihrem lezten
willen verordnet / euch zu regirung des Syrischen reiches aufzuerziehen.
Bedenket doch ihren befehl / betrachtet eure schüldigkeit / und habt mitleiden
mit eurem volke / das verloren geht / wann ihr ihnen nicht beispringen werdet.
Kanst du nicht meinen bruder lieben / (täte Ahalibama hienzu) so sei doch
wenigst nicht so grausam / ihn und uns alle zu verderben / durch verhinterung
unsers anschlags. Zwinge dich doch nur solange / bis dieses unwetter furüber
gerauschet. Vermeinest du wohl / (ersezte Mehetabeel) du werdest in den
Ninivitischen tempel gelangen konnen / wann du durch eigensinniges versäumen
zugibest / dass die Assyrier diese burg gewinnen /und dich in ihre hånde
bekommen? Ach mein kind! (bate Calaride /) lasset doch diese tränen euch
erweichen / und verhütet den untergang unser aller: welches euch ja so leicht zu
tun ist / wann ihr nur ein wenig euch zwingen wollet. Ich bin versichert /
(sezte Timna hinzu) der Königin von Syrien grosmut werde nicht zulassen konnen /
dass durch sie ein ganzes reich /welches ihr angeerbet / also verloren gehe.
    Ihr habet mich alle betrogen / (finge endlich die betrubte Aramena an zu
reden /) und dörfet noch begehren / dass ich eurem einrat ferner folgen soll. Und
was wollet ihr den / dass ich tun solle? Hierauf unterrichtete sie der Tebah
ausfurlich / wie hochnötig es sei /dass sie / unter des Aramenes namen / sich
ihren stånden zeige. Sie bewilligte solches endlich: wie wohl sie / ihr
geschlecht länger zu verhelen / sich schwerlich wurde entschlossen haben / wan
sie nicht uberstimmet und also fast mit gewalt dazu wäre gebracht worden. Sie
hatte allbereit / wegen dieser unruhe / ihre gestrige manskleidung wieder
angezogen: damit sie / auf allen fall / nicht nackend mochte gefunden werden.
Demnach seumte der erfreute Tebah nicht / den alten Fursten Hus / neben den
andern / in das konigliche gemach zu beruffen / nachdem die Calaride samt den
Seirischen Fürstinnen abgetretten waren. Also wurde der schone Aramenes / von
ihnen allen / nach landesgewonheit / angebetet / und begrüssete ihn der alte Hus
/ im namen der andern / mit einer zwar kurzen /doch zierlichen rede: dem himmel
mit tränen dankend / dass er ihn den tag erleben lassen / den sohn seines Konigs
zu sehen. Nachdem sie ihn hierauf / dass er alsofort / weil die verweilung sehr
gefärlich / sich seinem volk zeigen wollte / erbetten / füreten sie ihn hinab /
sezten ihn auf ein pferd / und begleiteten ihn /durch eine hinterpforte / nach
des Rimmons tempel. Zophar / Tare und der verwundte Cyniras blieben auf der
burg / dieselbe zu beschützen. Der alte Tebah ritte dem Konig an der seite / üm
auf alles acht zu haben / und zu verhuten / dass sich Aramenes nicht verreden
möchte.
    Es begunte schon abend zu werden / als sie auf des Rimmons platz ankamen: da
dann der beredte Tebah /dem zaghaften volk den kron-erben ihres verstorbenen
Konigs zeigend / sie beweglichst ermanete / dass sie gut und blut / leib und
leben aufsetzen sollten / diesem ihrem erbherrn auf seinen våtterlichen tron zu
verhelfen. Alles volk wurde / bei ansichtigung des schönen Aramenes / wieder
bemutigt und angefrischet / also das sie einhällig und mit grossen freuden
riefen: Es lebe unser Konig Aramenes! Und ihme ihren eiver zu zeigen / auch zu
versicherung ihrer treue / säbelten sie den Abibalus / einen fürnemen ratsherrn
in Damasco /vor seinen augen nieder / der ihnen gerahten hatte / zu dem Mamellus
üm frieden zu schicken. Wie man sie nun so eiverig und gut konigisch befande /
säumete man nicht / sie in der hitze anzufüren: da sie dann / viel tausend stark
/ den Cimber und die Assyrier überfielen / als dieselbe eben den garaus mit des
Disons volkern machen wollten / und gaben alsofort dem streit eine andere gestalt
/ also dass die siegere in der überwundenen stelle treten mussten. Dison / der zu
den wunden / die er den morgen davon getragen / noch frische und weit
gefärlichere entfangen hatte / musste /als eben diese hülfe mit seiner Aramena
ankame / sich in die burg bringen lassen: da dann Ahalibama sobald bei ihm ware /
und anstalt machete / dass er verbunden und zu bette gebracht wurde.
    Der dapfere Cimber / fochte immittels ganz verzweifelt: und weil er ohnedas
sein verdriesliches leben wenig achtete / als schluge er es nun fur eine so edle
ursach / nämlich für seine Königin / vollig in die schanze / und name sich so
wenig in acht / dass er viel wunden bekame. Doch verkaufte er sein blut den
Syrern teuer genug / und metzelte so schrecklich um sich / dass sie einen ganz
blutigen sieg erhielten. Seine wut und stärke verdoppelte sich / als er vername
/ dass sein bisheriger dapferer gegner nicht der König von Syrien gewesen / und
dass dieser nun erst mit der neuen hülfe angekommen wäre. Wolan! (sagte er zu
sich selber) gleichwie ich in meinem leben meinem geliebten mitbuler ståts
gedienet / also will ich es auch in meinem tode tun / und / den Syrischen Konig
und mich zugleich aufopferend / den Abimelech von allen seinen mitbulern
befreien. Hierauf wehlete er ihm von den Assyriern die båsten aus: die mussten
sich verschweren / bei ihm zu stehen / und nicht abzulassen / bis sie den
Syrischen König todt oder lebendig bekommen håtten. Mit diesen nun drange er in
die Damascener hinein / und ihme aller orten raum machend / weil sie wider so
rasenden anfall nicht bestehen konten /stiesse er endlich auf den Konig / der den
Hus / Husan und Tebah um sich hatte. Diese stellten sich zwar fur ihn / und
fingen des wütenden Cimbers streiche auf: sie wurden aber solcher massen mit
wunden beleget /dass sie beide ganz kraftlos zwischen ihre pferde niederfielen;
mitlerweile der Konig / neben dem Tebah davon zukommen und die burg zu
erreichen / gelegenheit erlangte. Der abgemattete Cimber wurde hierauf auch
onmächtig / und brachten ihn der Barzes und Jotan in das konigliche schloss:
immittels Arteman und Ardeus mit den uberbliebenen volkern / so gut sie mochten
/ sich zuruck zogen / und den Damascenern den sieg hinter lassend / sich nach
dem Mamellus begaben.
    Dieser sieg / brachte nun fast ganz Damasco unter der Syrer botmäsigkeit /
also dass dem Mamellus und seinen Babyloniern kaum der dritte teil der stadt / in
welchem das konigliche schloss lage / samt einem tor / übrig bliebe. Demnach /
aus der noht eine tugend machend / und ehester hülfe / sowol von seinen Konig /
als von dem Belopares und dem Sinear aus ober Syrien / (zu welchen er auch
alsofort reitende boten abfärtigte /) sich versehend / zoge er alle ubrige
manschaft an sich / (deren die meisten / an diesem blutigen tag / dem neuen
Konig von Syrien zu ehren aufgeopfert worden) und liesse die ganze nacht hindurch
arbeiten / sich aufs bäste zu verschanzen: weil er keinen augenblick versichert
war / dass die Syrer nicht einbrechen wurden. Seine gemalin und tochter / die
diesen tag über mit grosser gefahr in ihrem palast sich aufgehalten / bedienten
sich der nacht / und kamen durch abgelegene gassen zu ihm: da sie / in einem von
den koniglichen palästen ihre wonung namen / aber keiner ruhe geniessen kunten /
weil das geringste geräusche sie erschrekte und ermunterte.
    Der Cimber stunde / wegen seiner wunden / die nacht über / eine grosse
gefahr aus / weil das erhitzte blut sich nicht wollte stillen lassen. Er genosse
aber von den Fürsten und bedienten der Konigin von Ninive alle pflege: als
welche / in betracht der sonderbaren hochachtung / damit dieser Prinz von ihrer
Königin angesehen worden / und wegen der dienste / die er ihr geleistet / sich
seiner anzunemen / für ihre schuldigkeit erkannten. Die beide Fursten von Syrien
/ der Hus und Husan / wurden unter den erschlagenen aufgehoben / und in ihre
paläste gebracht: alda sie sicher bleiben konten / weil die bürgerschaft in
selbigem teil der stadt meister spielte. Wie nun ihnen hierdurch / ihrem neuen
König ferner mit raht und tat beizuspringen /verboten war / als musste Tare /
Zophar und Tebah die fortfürung eines so grossen werks über sich nemen: welches
sie nun mit desto freudigerm mut verrichteten / nachdem der himmel also anfangs
ihrer sache sich so gunstig erwiesen.
    Unter diesem gelårme / befande sich die Königin von Ninive / den ganzen tag
/ im tempel der Juno: und weil allein der Fürst Hus und Husan / neben dem Dison
und Tebah / von ihrem dasein wissenschaft hatten / als verursachte dieser ihre
verwunderung /und des Tebah überhåufte geschäfte / dass niemand kame / sie von
dar abzuholen. Demnach lebte sie / die nacht durch / mit ihrem frauenzimmer / in
sorglicher ungewissheit / was es mit ihnen / bei diesem jåhen auf stand und
unverhoften krieg / werden wurde. Je mehr sie der sache nachdachte / ie weniger
kunte sie sich darein finden: und wusste sie gar nicht auszusinnen /wie dieses
zuginge / dass sie weder von ihrer getreuen Aramena / noch von Ahalibama und
Timna / die doch auf der burg waren / besuchet wurde.
    Als nun die nacht furbei war / entdeckte der wiederherfürkommende tag / an
allen orten der Stadt /sonderlich aber vor der Kemuelsburg / die grausame
warzeichen der gestrigen schlacht: massen die gassen so voll von todten und
verwundten lagen / dass es niemand ohne grausen ansehen konnte. Es ward / von
beiden teilen / nichts feindseliges fürgenommen: weil die Assyrier / als die
schwächsten / keinen anlass dazu gaben; und die siegende Syrer / neben den neuen
hulfvolkern / welche nun die Fürsten Ezer und Akan auch hinein gebracht /
ingleichen des Gahams leute /die in der nacht sich wieder gesamlet hatten / müd
waren / und daher etwas ausruhen wollten. Inzwischen begrube man beiderseits die
todten / und bemühete sich / die verwundete unter dach zu bringen. Mit des
Prinzen Disons / wie auch des alten Fürsten von Hus und des Husans von Chesed /
wunden / liesse es sich so wohl an / dass die wundårzte deren förderlichste
genesung versprachen. Ahalibama / die in diesem zustand ihren bruder keinen
augenblick verliesse / unterhielte ihn stäts mit gespråchen von seiner Aramena:
zu deren bequemung sie ihm grosse hoffnung machete / weil Tebah sie bereits so
weit gebracht / dass sie /als der Syrer Konig / sich den Damascenern / wie auch
den Syrischen Fürsten / fürgestellet hätte. Dem verliebten Prinzen ware dieses
nicht ein kleiner trost /der dann seine schwester eiferigst ersuchte / dass sie
nie ablassen wollte / sein båstes bei dieser Konigin zu reden.
    Er erinnerte sich auch seiner Königin von Ninive /wie er deren zorn auf sich
geladen / indem er unter weiblichen kleidern sie solang betrogen / und nun / da
es ganz anderst hinausliefe / als er vermutet / an statt der verborgenen abreise
mit dem ritter Dison / in Damasco / wer er wåre / offenbar machen mussen. Dieses
gienge ihm nun sehr zu herzen / und fragte er seine schwester / wie es dieser
Königin erginge / seit dass der Fürst Husan sie / aus ihrem palast / in die burg
hieher gebracht håtte? Ahalibama vername der Konigin von Ninive da-sein / das
sie noch nicht gewust / und bedachte mit nicht minderer angst / als ihr bruder /
dass diese Königin auf sie sehr wurde erzurnet werden / wan sie sich also
hintergangen erfüre. Sie hielte aber für ratsam / ie eher ie båsser diese grosse
Königin wieder zu besänftigen: weswegen sie den Prinzen / als welcher ohn das /
auf verordnung des wundarztes / eine ruhe tun sollte / verliesse / und nach der
Timna und Mehetabeel ginge / üm sich mit ihnen dieserwegen zu bereden. Sie fand
diese beide Fürstiñen nicht in ihrem zimmer / und vername / dass sie bei dem
König von Syrien wåren: dahin sie dann ihnen folgete / und ihre Aramena in harter
wortwechselung mit diesen ihren beiden wasen antraffe.
    Ihr gespråche handelte / von dem betrug / womit die Seirische Furstinnen sie
so unverschuldter weise beleidigt und betruhet hätten. Als sie nun auch die
Ahalibama kommen sah sagte sie zu ihr: Um dich /üm dich habe ich es am
wenigsten verschuldet / dass du mich soltest in solche unruhe sturzen / da ich
doch an dir eine beständige ordensschwester in meiner gottin tempel zu haben
vermeinte; nun aber erfahre ich / dass du am meisten mir hinterlich gewesen.
Kanst du dann / liebste schwester! (antwortete Ahalibama) noch nicht unbescholten
lassen / was ich zu deinem bästen habe fürgenommen? Dein stand erfordert ja /dass
du dich deines reichs annemest / und den Syrern einen König verschaffest. Da nun
dieses hat geschehen mussen / wofern du anderst deine königliche geburt nicht
verleugnen wollen / so sage mir doch: was habe ich dann wohl gesundigt / dass ich
meinem bruder diese gluckseeligkeit für andern zuwege gebracht / an dich
getrauet zu werden? Ich weiss / Gott lob! dass der Diana gotterdienst ungültig ist
und wider den rechten glauben streitet: dorfte ich also mich keiner sünde
furchten / dieses dein gelübde zu verstoren.
    O unbeståndige Ahalibama! (rieffe Aramena /) die du weder den gottern noch
menschen treu verbleibest! Ich stelle dahin / was dir hierinn zu tun beliebet:
ich aber will meine gelubde nicht brechen / bis das ich sterbe. Weil aber ihr
Furstinnen von Seir alle diese unruhe darum habt angestiftet / um eurem vettern
und eurem hause die Syrische kron zu erlangen: so will ich meinen angebornen tron
dem Dison gutwillig uberlassen und abtreten. Erbarmet euch nur meiner / o ihr
grausame freundinnen! und helfet mir in den Dianen-tempel. Wann ihr diese
barmherzigkeit mir erweiset /will ich alles vergessen / womit ihr mich iezt
beleidigt / und nie aufhören / für den wachstum eures hauses meine gottin tag
und nacht anzuruffen. Vermeinet dann die Königin von Syrien / (sagte Timna) dass
man in Ninive diejenige in den tempel wieder aufnemen werde / die nicht allein
an einen man getrauet worden / sondern auch bei ihm im bette gelegen / deren
auch die oberpriesterin / wiewol sie an der person gefehlet /aus ihrem tempel
zugehen bereits erlaubet hat? Ach grosse Diana! (rieffe Aramena ganz wehmutig)
sollte mich dann dieses / in deinem dienst zu bleiben / untüchtig machen / dass ich
hinterlistiger weise an einen man getrauet worden? Du kennest mein keusches herz
/ und wirst mein gelubde dieserwegen nicht für ungültig erkennen.
    Indem sie dieses mit grosser bewegung redete / trate Tebah zu ihnen in das
gemach: der dann / den inhalt ihrer unterredung vernemend / für nützlich ermasse
/das zarte gemüt der Aramena nicht ferner zu erzurnen / sondern ihr einige
bedenk-zeit zu gönnen. Demnach winkete er den Fürstinnen / hiervon nichts mehr
zu reden / und sagte zu der Königin: Alles volk ist in Damasco höchst erfreuet /
dass E. Maj. gestern sich vor ihnen sehen lassen. Wan sie nun / um ihrer grossen
eltern wunsch zu befordern / sich noch ferner bequemen wollten / mit den
Syrischen Fursten kriegesrat zu halten / würde solches sehr viel zur sache tun.
Warum soll ich (antwortete Aramena) noch ferner dieses volk betriegen / mit der
falschen einbildung / dass ich ihr König sei? Weil ich ihre angeborne Königin bin
/ und darum dieses reich mir gehoret / als will ich dem land einen König
verschaffen / und mein reich dem Dison von Seir übergeben: der / durch seine
gestern-erwiesene dapferkeit / dieses trones und meiner untertanen zuneigung
sich mehr als würdig dargestellet.
    
    Weil alle Syrische Fursten in dem falschen wahn stehen / (gabe Tebah zur
antwort) es sei ein sohn von dem grossen Aramenes vorhanden / als sind sie üm
seinet willen so eifrig / das Babylonische joch ab zu werfen: welches sie / um
der tochter willen ihres Königs / nicht tun wurden / aus befahrung / dass
hernach erst ihr rechter Konig erscheinen / und also diese mühe vergeblich sein
mochte. Nun sie diesen ihren Konig zu haben vermeinen / treiben sie alles üm so
viel eifriger: und wird alsdan erst zeit sein / den Syrern zu sagen / dass die
Konigin Aramena dem Prinzen von Seir die Syrische kron uberlassen wolle / wenn
wir uns fäst gesetzet / und alle benötigte macht in hånden haben werden. O so
gebe der himmel / (rieffe hierauf Aramena) dass sich dieser mein bruder Aramenes
einfinden möge: wie frölich wollte ich diese königliche bürde fur ihn ablegen /
die mich an meiner hochsten vergnugung verhintert. Sind dann E. Maj. zu frieden /
(fragte Tebah nochmals) dass alsofort in ihrer gegenwart kriegsrat gehalten
werde? Was soll ich dann dabei tun? fragte sie / ganz ungedultig. E. Maj.
vernemen / (antwortete er) was die Syrer ferner /wegen eroberung dieses grossen
reichs / beschliessen werden. Ich bin eure gefangene / (sagte sie hierauf
/nachdem sie eine weile sich bedacht hatte) und werde wohl alles tun mussen / was
ihr von mir haben wollet.
    Der alte Tebah / so dieser Entschliessung noch nicht recht trauete / sondern
besorgte / sie möchte /aus ungedult / sich dannoch entdecken / sagte ihr so viel
gefärlichkeiten für / die ihr wurden zustossen /wen sie nicht bei dieser ihrer
erklärung beständig verbliebe: dass sie / in betrachtung dessen / und in kein
grössers unheil zu geraten / gar hoch versprache /blindlings seinem einraten zu
folgen. Sie trostete sich aber heimlich mit der hofnung / dass sie endlich
gelegenheit und die freiheit erlangen würde / sie sämtlich wieder zu betriegen /
ihren händen zu entgehen / und nach Ninive zu entkommen.
    Wie nun hierauf von dem Tebah gut befunden wurde / dass Aramena als
Syrischer König / die beide verwundte Fürsten / den Hus und Husan / besuchen
/und daselbst / mit zuziehung der andern / kriegsrat halten lassen sollte /
begabe sie sich zu pferd / und ritte dahin: da dann unterwegs / von allen orten
und enden / ihr tausend glückwunsche zugeruffen wurden. Die beide Fürsten namen
diese besuchungs-ehre / die ihnen der Konig erwiese / sehr erkentlich auf: die
dann in eine kammer sich hatten zusammen tragen lassen /üm dem kriegsrat
beizuwonen. Die Fürsten von Haso / der Ezer und Akan / wurden daselbst / den
Konig zu grussen / auch furgelassen. Der Tebah täte / im namen des Königs / den
vortrag / wie nåmlich S. Maj. verlangten / ihrer aller Meinung zu vernemen / was
nun ferner in diesem angefangenen grossen werk sollte fürgenommen werden. Dem Ezer
wurde hiernächst aufgetragen /seinen bericht abzulegen / wie es in ober Syrien
stünde / und wie sie es daselbst gelassen hätten: welchem er alsofort nachkame.
    Das eifrige verlangen / (sagte er) welches der mehrere teil von uns
Syrischen Fursten iederzeit getragen /aus dem schweren joch der Assyrier
zuentkommen /gabe uns anlass / die waffen wider den König von Babel zu ergreifen:
als der weisse Tebah uns zu Hierapolis hoffen machte / dass die tochter des
grossen Aramenes vorhanden wåre. Wir gerieten deswegen an den Hemor von Canaan /
und wollten / diese Prinzessin mit ihm verehlichend / ihn auf den Syrischen tron
setzen. Die fursichtigen gotter schickten es aber anderst / als wir vermeint:
indem / weil sie gegenwårtigem unserm Konig die kron fürbehalten hatten / dieser
Prinz der rechten Prinzessin im tempel zu Ninive verfehlen / und sich an die
Milcaride musste trauen lassen. Und als sowol der Fürst Zophar / als der Tebah /
uns der verborgenen gegenwart unsers Konigs versicherte / verliessen wir die
Canaaniter / und versamleten uns zu Lais / des fåsten vorsatzes / gut und blut
/leib und leben / bei ihm aufzusetzen.
    Wir teilten demnach unser heer in zween haufen: deren einen / der Rames
Fürst von Jedlaph nach Hierapolis fürete / selbige stadt sowol wider die
Assyrier und Niniviten / als wieder die Canaaniter / zu verteidigen; mit dem
andern aber eileten wir hieher / üm unserm Konig beistand zu leisten. Der Rames
/ wie wir hernach erfuhren / fand in Hieropolis nicht den geringsten widerstand
bei den Canaanitern; massen /gleich nach ihrer ankunft / alle Sichemiten davon
zogen: dass wir also von ihnen keiner feindseligkeit uns befahren dorfen.
Inzwischen stehet Belopares mit den Assyrern färtig / dem Beor zu widerstehen.
Der Prinz Sinear / befindet sich auch üm Hierapolis. Der Tarsis aber / mit den
Niniviten / ist uns an dem rucken / und wird vermutlich in wenig tagen alhier
vor Damasco sein: den wir am meisten werden zu fürchten haben. Diss ist kurzlich
der zustand unserer waffen. Mein geringer raht stimmet nun dahin / dass man weder
des Tarsis / noch von Acraba der Assyrier und ihres Königs / ankunft erwarte /
sondern alsofort dem angefangenen sieg nachsetze / das konigliche schloss stürme
/ und sich also meister von der ganzen stadt mache; sodan dem Belochus mit einem
heer / an die gränzen des reiches beim fluss Amana / entgegen gehe / und ihme den
pass / herein zu kommen / verwehre.
    Als hierauf auch die andere befraget worden / ward von den meisten dem Ezer
beigestimmet. Wie aber die reihe an den Husan kame / sah der den Fürsten von
Hus an / und sagte: weil uns beiden allein bekant ist / dass die Niniviten unsere
feinde nicht bleiben werden / als finde ich ratsamer / des Tarsis und der
zwolftausend Niniviten ankunft zu erwarten / als unsere gestern
schon-abgemattete volker ferner zu ermüden. Dan / wan wir erstlich mit den
Niniviten uns vereenigt haben / können wir alsdan ein frisches heer wider den
Belochus ins feld stellen / welches ihnen gnug gewachsen sein wird / die
eroberung von Syrien zu behaupten. Hiermit schwiege Husan / und liesse die ehre
dem Fürsten Hus / das geheimnis von der schönen Königin von Ninive / der
versamlung furzutragen.
    Dieser Furst wendete sich zu dem Konig / und begunte also zu reden. Das
Glück so bisher Syrien verlassen / scheinet nun gedoppelt herwieder / indem es
uns Syrern vergonnet / nicht allein unsern langverlornen König wieder zu sehen /
sondern auch die schöne Königin von Ninive ihm zur schwester zu geben. Ja
/gnädigster Konig! es ist die durchleuchtige Syrerin Aramena / die bisher die
ganze welt fur des Belochus von Assyrien tochter gehalten. Und wie das ebenbild
des grossen Aramenes in unserm Konig herfür leuchtet / also lässet sich auch die
wunderbildnis der Philominde an dieser Koniglichen schwester erblicken. Weil nun
der gutige himmel uns zwei kinder von unsrem lieben Konig sehen lässt / als
wollen wir hoffen / dass dritte / nämlich die jüngere vom Tebah auferzogene
Prinzessin Aramena / werde auch bald wieder gefunden / und also unsere grosse
freude ergänzet werden.
    Was vergnügung die verkleidte Aramena / in ihrem herzen / uber diesem
unverhofften bericht entfunden /erschiene genugsam aus ihren åuserlichen
gebården: und ware sie nicht allein darüm erfreut / dass sie so eine schwester
bekommen / sondern auch und noch vielmehr / weil sie hoffete / dass nun ihrer
ältern schwester das reich / und folgbar ihr der Diana-tempel / ungekränkt
verbleiben würde. Es fehlte wenig / dass sie nicht alsofort sich kund gegeben.
Der alte Tebah / der über dieser zeitung ganz betreten war / befahrete dieses /
und deshalben sich eiligst erholend / fiele er dem Fürsten von Hus in die rede
und sagte: Wofern mein König Aramenes mehr töchter gezeuget / als die jenige /
die erst nach seinem tode die welt erblickt /so konnte man / durch vorteilhafte
verheuratung dieser beiden fürtreflichen schönheiten / unsrem Königreich
beståndigen frieden zu wegen bringen: wiewol ich nicht gläuben kann / dass mehr
als eine Aramena verhanden sei. Der Fürst von Hus (antwortete der junge Konig)
wird ia beweisen konnen / was er saget: welches ich den zu vernemen verlange.
    Freilich gonnet der himmel mir und meinem vettern / gegenwärtigem Fürsten
von Chesed / (sagte der Fürst ferner) dass wir dieser durchleuchtigen Syrerin
geburt beweisen konnen. Und wann die zeit es zuliesse / wollte ich alles
ausfurlich berichten / wie es mit dieser Aramena geburt daher gegangen. Es weiss
auch der König von Babel wiewol er solches erst neulich erfahren / von wem die
Konigin von Ninive erzeuget sei: daher die liebe / welche ehmals diesen
monarchen gegen ihre frau mutter / unsere unvergleichliche Konigin / entzundet /
in ihme gegen der tochter wieder angeglommen; vermutlich aus gütiger schickung
des himmels / damit diese lezte liebe / dem reich Syrien /den frieden und die
ruhe wieder gebe / so uns durch die erste so erschrecklich geraubet worden.
Daher ist mein raht / man gebe dem verliebten Belochus diese Konigin / und wende
also alles fernere blutvergiessen ab / dessen wir hiedurch uns enteben werden.
Dass die schöne Ninivitische Konigin unsers grossen Aramenes tochter sei / (sagte
Husan) solches ist ganz gewiss: nimmermehr aber ist zu hoffen / dass diese
grosmütige Konigin den todfeind ihrer koniglichen eltern lieben / noch die
Niniviten / die das Assyrische joch als den tod hassen / solches dulten werden;
und würden diese deswegen nicht allein ihre Konigin /sondern auch unsere seite
verlassen / und uns also eine mächtige hulfe entziehen. Wan wir mit Assyrien
frieden haben / (wandte der Fürst von Hus dargegen ein) so wird uns kein
Ninivitischer beistand mehr notig sein.
    Diesem einrat fielen Zophar und Tebah mit bei; der Husan aber / und ihr
vermeinter König / beharreten auf der gegenmeinung: und håtte dieser streit
unter ihnen noch lang gewåret / wann sie nicht / durch ein geschrei auf der
gassen / wären aufgebracht worden /an die fenster zu laufen / üm zu sehen /
worvon es herrürete. Also wurden sie gewar / dass der pobel einen wagen verfolgte
/ auf welchem eine dame sasse /die da / sich zu retten / eiligst fortrennete. Sie
schikten iemand hinab / sich hierüm zu erkundigen: der ihnen den bericht brachte
/ wiedass der pobel des gestern von ihnen niedergesåbelten ratsherrn Abibalus
haus gestürmet / und darin diese dame gefunden hätte: welche / nach dem
Königlichen schloss zu entrinnen gewillet / also von ihnen verfolgt würde.
Elhanan gienge / auf gutbefinden der andern / unter das volk / sie zurück zu
halten: machte also / dass diese dame davon kame / und das schloss erreichete.
Inzwischen überkame der alte Tebah gelegenheit / mit der verkleidten Aramena
allein zu reden / deren er ins ohr sagte: Stehet euch doch / mein kind! nicht
selber im lichte / und verratet ja nicht euren wahren zustand; welches zu nichts
anders dienet / als die Syrische Fürsten dahin zu lenken / dass sie euch mit dem
Hemor verehlichen /um dadurch mit den Cananitern frieden zu erlangen. Diese
warnung des Tebah hatte bei ihr gewünschte wirkung / und machte sie schweigen /
da sie sonst /sich zu offenbaren / gänzlich gewillt gewesen.
    Als man hierauf in der beratschlagung fortfure /wurde / nach langem
wortwechseln / der schluss gemacht / dass man / bis zu des Tarsis ankunft /
stille bleiben / und nichts feindliches wider den Mamellus furnemen / indessen
aber der Konigin von Ninive ihre geburt eröfnen sollte. Diese verrichtung wurde
dem Hus und Husan aufgetragen / sobald sie ihrer wunden halber wieder wurden
ausgehen können: welche beide Fursten auch den König und die ander Fürsten auf
selbige zeit vertrösteten / die umstände von der geburt dieser durchlauchtigen
Syrerin ihnen zu entdecken /welche bisher so verborgen gewesen. Der Konig name
hierauf abschied von diesen beiden fürsten / üm mit den andern Syrischen Fürsten
/ in voriger starker begleitung von etlichen tausend soldaten / wieder nach der
Kemuelsburg zu reiten.
    Aber auf dem grossen platz vor der burg / stiesse unversehens auf sie der
Mamellus / mit einem grossen heer der Assyrier. Dan / als dieser erfaren / dass
der Syrische Konig von der burg / nach des Hus palast /sich begeben håtte /
fassete er diesen kunen schluss /ihn zu überfallen / und / wo müglich / sich
seiner person zu bemåchtigen: üm dadurch allen Syrern den mut zu benemen / und
dem krieg eine andere gestalt zu geben. Weil nun dieser anschlag von grosser
wichtigkeit war / als fochte Mamellus neben seinen Assyrern halb verzweifelt /
und drunge so grimmig in die bestürzte Syrer / dass / ehe dieselben mit mehrer
hülfe sich stärken konten / er den Konig hinwegbekame /und in guter ordnung mit
stätigem fechten sich gemach zu rück ziehend / endlich den schlossplatz
erreichete / und also sein grosses fürnemen glucklich volzogen sah. Der
vermeinte Aramenes / wurde alsofort in einen fästen turn gebracht / und alda wohl
bewachet. Weil auch Mamellus vermuten konnte / dass die Syrer und Damascener ihr
åuserstes daran setzen wurden /ihren König wieder zu bekommen: als machte er
sich gefasst / ein- und andern sturm auf etliche tage auszu halten / bis
entweder von Acraba sein Konig hülfe schicken / oder der Sinear und Tarsis aus
ober-Syrien ihre Babylonier und Niniviten herzu furen würden.
    Dieser unverhofte verlust / sezte die Syrische Fursten / und fürnemlich den
alten Tebah (der beim Fürsten Hus verblieben war / und alda diese traurpost
erfuhre /) in grossen schrecken und åuserste verzweiflung. Das erhitzte volk in
Damasco / liefe zwar blindlings und ohne ordnung dem schlosplatze zu / daselbst
zu stürmen und ihren könig zu erledigen: aber sie erlitten eine grosse niederlag
/ und mussten Nahor und Elhanan sie mit gewalt zurückziehen / damit sie nicht
alle aufgerieben wurden. Als dem verliebten Prinzen Dison diese unglückliche
post zukame / fehlte es nicht viel / dass er aus ungedult und unmut nicht ganz
vergienge. Er wollte / in der ersten wut / aus dem bette / und nach seiner
Konigin eilen: das aber seine wunden und grosse mattigkeit ihm verwehrten / und
konnte er nichtes tun / als seine klage wider den himmel ausschütten.
    Die herzliche-betrubte Ahalibama / leistete den klagen ihres bruders / mit
ihren milden zären / treue gesellschaft: weil sie nicht allein ihrer Aramena
zugestossenes ungluck schmerzlich mit fülete / sondern auch ihr / dass sie bei
ihrer Konigin von Ninive in ungnaden ware / so tief zu herzen zoge / dass sie
nicht zu trosten war. Dan diese Konigin hatte nun von der Casbiane erfahren /
wer ihre Aramena gewesen / und wie der erkannte Konig von Syrien diese
schein-hochzeit mit seinem freund angestellet / um dadurch sein vorhaben zu
erlangen / und den Syrischen tron zu besteigen: dadurch ihr keusches herz und
entfindliches gemut zu solchem zorn bewogen worden / dass / wie Ahalibama und
Timna sich darauf angeben lassen /ihr aufzuwarten / sie von ihnen nichts hören
noch wissen wollen. Dieses machte / die Ahalibama / und die Timna / so unmutig /
dass sie nicht wussten / wo sie sich lassen sollten. Und was sie noch mehr
schmerzte /so dorfte Ahalibama dieses ihr anligen ihrem bruder nicht erofnen:
weil sie damit / sein ohndas betrübtes herz / nur noch mehr wurde gekrånket
haben. Sie hatte / nach ihres Eliesers todestag / keinen betrubtern lebenstag /
als diesen / gehabt / da sie auf einmal ihre groste guttäterin erzürnet / ihre
herzensfreundin Aramena gefangen / und ihren bruder / neben ihnen allen / in
solcher gefahr und noht wissen musste.
    Sie überwande sich aber / soviel sie immer vermochte / und weil weder ihr /
noch der Aramena /noch ihrem bruder / durch blosses klagen / geholfen ware / als
vermanete sie den bestürzten Zophar / wie auch den trostlosen Tebah / welche in
des Disons kammer zu dem Tare / Ezer / Akan / Nahor / Elhanan und den ubrigen
Fürsten / sich versamleten / dass sie doch diesem äusersten unheil raht suchen
wollten. Nach langem uberlegen / ward für das båste gehalten /dass man dem feind
keinen augenblick ruhe gönnen /sondern von stund an / wiewol der abend sich
nåherte / mit aller macht / den koniglichen schlossplatz von allen seiten
berennen / denselben an vier orten zugleich stürmen / auch nicht ablassen sollte
/ bis sie ihren König wieder befreit hätten. Der alte Hus und der Husan / wie
sie der andern ihre Meinung erfuhren / fielen diesem entschluss auch mit bei: und
waren sie alle so ungedultig über diesem schimpf / der ihnen /als dem siegenden
teil / begegnet / dass sie einiges trostes nicht wåren fähig worden / wann nicht
die hoffnung / bald wieder einzubringen / was sie so schändlich verloren / sie
erhalten håtte.
    Inzwischen nun ganz Damasco und ihre Fursten sich eifrigst zu diesen anfall
rusteten / auch Mamellus hingegen alle anstalt zur gegenwehr machete / stunde
die schone Konigin von Ninive / in der Juno tempel auf der Kemuelsburg / alle
die marter aus / die ein so grosses gemüt / welches an seiner ehre sich gekrånkt
erkennet / immermehr entfinden kann. Sie konnte / weil sie keine vertraute person
mehr hatte / ihre noht und anligen niemanden recht klagen: und schmerzte sie
dieses insonderheit / dass diejenige ihre beleidiger worden / denen sie sonst ihr
ganzes herz pflage zu offenbaren. Wan sie ihrer Aramena sich erinnerte /kame ihr
ein grausen an: also dass sie die stunden verfluchte / die sie mit ihr
vertreulich verbracht hatte. Die Timna hielte sie für ungetreu / weil sie ihr so
lang verschwiegen hatte / was sie billig / zum bästen ihrer Konigin / hätte von
sich sagen sollen. Uber die Ahalibama klagte sie / dass sie / da sie ihr doch
soviel gutes getan / die blutfreundschaft mehr bei sich gelten /und heimlich
sich gebrauchen lassen / in ratschlågen /die ihrem guten namen verkleinerlich
waren. Daher /von allen alten freunden sich verlassen sehend / überlegte sie bei
sich selbst / in was unglücklichen stand sie geraten. Und wiewol sie sonsten die
güte selber ware / so befande sie sich doch nun so erzurnet / dass sie / weder
auf der Casbiane / noch auf der Ammonide und der anderen zureden / die Ahalibama
und Timna vor sich kommen lassen / noch aus dem tempel in ihr bereitetes zimmer
sich begeben wollen. Sie zehlte /unter die andere beleidigungen / auch diese /
dass zweifelsfrei der Ahalibama bruder sie liebe / und sie darüm / auf dessen
befehl / wäre gefangen genommen worden: welche gewalttåtigkeit ihr so nahe ginge
/dass sie / ihrer grosmut vergessend / milde zåren uber ihre schöne wangen herab
fliessen lassen / und ihr sonst zu allem unglück bereitetes und standfästes
gemüte dieser entfindlichkeit unterwerfen musste.
    O himmel! (sagte sie bei sich selber / weil / die anwesenheit der Prinzessin
von Ammon und der andern / ihr auch diesen trost / von ihrem anligen öffentlich
zu sprechen / verwehrte /) mussten dann diejenige meine vertrautsten in der liebe
werden / die durch ihr ietziges tun an den tag legen / wie wenig sie geneigt
gewesen / dem Abimelech und mir zu dienen? O falsche Aramena / die du mir alle
meine gedanken aus dem herzen gelocket! was meinst du wohl / dass in der Delbois
gemüte für dich / als den nunmehr-erkannten Dison / übrig sein könne? Gedenkest
du etwan / ich werde dich lieben / und den Abimelech hassen / um /an statt dieses
Prinzen erbarer treue / deine unverantwortliche kunheit zu belonen? Du hast wohl
recht / da du um meine gunst dich (wiewol vergebens) bemühen sollen / dich
deines gewalts gebrauchet: dann mit meinem guten willen / würdest du mich
nimmermehr in deine hånde bekommen haben. Aber gläube mir / dass keine bande noch
gefångnis mein gemüt iemals båndigen sollen / aus meinem mund einiges gutes wort
fur dich herfür zu geben.
    Aber wie ist es immer müglich / (fure sie fort) dass solche falschheit eure
herzen / ô Timna und Ahalibama! hat besitzen können / in dieses bösliche
beginnen des Disons einzuwilligen und dasselbe zu befördern /da ihr mich so
vielfältig eurer treue versichert? Ja /Timna! auf dich hätte ich wohl / als auf
felsen / gebauet: und dir / Ahalibama! håtte ich mehr tugend zugetrauet / als
dass du fåhig sein soltest / solche dinge zu verüben. Ach darum / was ist die
welt? Töricht habe ich getan / dass ich menschen getrauet / und durch gutes-tun
mir freunde erlangen wollen.
    Hiemit trate Casbiane in das zimmer / und brachte die Konigin aus ihren
gedanken: welche / diese Furstin anschauend / warname / dass sie / über gewonheit
/ betrubt und beängstigt aussah. Was ist euch /Casbiane! (fragte sie) habt ihr
mir etwan ein neues unglück anzubringen? Das unglück / gnädigste Konigin!
(antwortete Casbiane) ist mehr als zu gross / welches iezt die Syrer betroffen.
Unser Konig Aramenes ist gefangen worden / und sihet also Syrien sich abermals
seiner hofnung beraubet / wofern die unsrige nicht obsiegen / welche iezt mit
aller macht das konigliche schloss bestürmen. Ich würde / in E. Maj. gegenwart /
den Syrern so künlich den sieg nicht wünschen / wann ich nicht von meinem
vettern versichert wäre / dass E. Maj. an unserer aufname gross anteil haben / und
dass ihr und unsers Königs wolfart miteinander verbunden sei. Jetzige verwirrung
leidet es nicht / dass ich hiervon umståndlicher vernemen und erzählen moge. Nur
dieses habe ich mir sagen lassen /dass E. Maj. völker / die der Tarsis zurück
furet /ihnen wider die Babylonier werden zu hülfe kommen. Er kommet vielleicht /
(sagte die Konigin / voll ungedult) die Syrer zu straffen / weil ihr König mich
hier als seine gefangenin hålt / und so vertraute freundschaft mit demjenigen
heget / der mich bis in den tod beleidiget.
    Was E. Maj. von ihrer gefångnis zu reden beliebet /(antwortete Casbiane)
wollen sie mir gnädigst erlauben / dass ich dasselbe anderst erklären dorfe. Die
Syrische Fursten beteuren einmütig / E. Maj. seien hier bei ihren freunden /
auch keines wegs als gefangen hieher gebracht / sondern dadurch in sicherheit
und schutz gesetzet worden. Dieses hat mir zwar der Husan auch gesaget / (fiele
ihr die Konigin in das wort) ich habe aber solches noch nicht begreifen können.
Was den Fürsten Dison / (fuhre Casbiane fort zu reden) und dessen freundschaft
mit unsrem König betrifft / so kann ich wohl beteuren / dass ich mich hieraus nicht
zu finden weiss / noch auch erreichen kann / was die Seirische Furstinnen bewogen
habe / hiebei also zu verfahren. Dass sie aber von herzen uber E. Maj. ungnade
weinen / davon kann ich zeugen: und ist weder Timna noch Ahalibama zu trosten /
dass ihnen /E. Maj. angesicht zu sehen / verbotten ist. Ach! hätten sie mich
unschüldige nicht soviel gesehen! (gabe die Königin seufzend zur antwort) so
dorfte ich mich nicht betrogen klagen / und sie håtten nicht ursach /sich zu
kränken / dass ich sie nun bässer kenne. Wer weiss / (unterfinge sich Dersine
darzwischen zu reden) ob sie nicht einiger massen ihre tat entschuldigen konnen
/ wann E. Maj. sie nur daruber vernemen wollten.
    Zwinget mich nicht weiter / (sagte die Konigin /mit einem ernstlichen wesen)
meine schwachheit der welt darzutun / dass ich in einer so herben beleidigung /
die euch guten teils selber mit angehet / meine unversonlichkeit nicht meistern
kann. Mein königlicher stand / mein haus / person / und gesamtes frauenzimmer /
ist geschändet / dass wir solang / unter weiblichen kleidern / den Dison von Seir
bei uns gehabt. Wer wird uns zutrauen / dass wir diesen betrieger nicht gekant
haben? Und was kann einem tugendliebenden ehrlichen gemute nåher gehen / als
seinen guten namen mit solcher bosen nachrede beschmitzet zu wissen? Ich habe /
diesen betrieger / so unschuldig geliebt. Ich konnte fast nicht leben / wann ich
meine Aramena nicht bei mir hatte. Seine verwandtinen / als die Timna und
Ahalibama / liebte ich eben so herzlich: unwissend / dass sie seines geblütes /
gleichwie iezt seines betrugs / teilhaftig waren. Wie håtte man mich ärger
beschimpfen können / als dass ich / auf so fromde weise / dem damals
noch-verborgenen Konig von Syrien eine braut geben / und hier auf der
Kemuelsburg offentlich für aller welt die hochzeit anstellen müssen? Hierum
haben die Timna und Ahalibama /ihrer eigenen bekentnis nach / wohl gewust: das
sie doch / sonder / mich zu warnen / haben geschehen lassen / und uberdas auch
zweifelsfrei die ratgeberinnen mit gewesen sind / dass ich hier als eine
gefangene sitzen muss. Kan ich dann nun diejenige mit meinem willen sehen / die
also mit mir umgegangen? und konnet ihr mich darum verdenken / dass ich
entfindlich bin / in einer sache von solcher wichtigkeit? Hiermit stiessen ihr
die tränen so häufig zu / dass sie nicht mehr reden konnte: und ware niemand üm
sie / der etwas hierwider zu sagen gewust håtte. Casbiane gienge hierauf / mit
wissen der Königin / zu den Furstinnen von Seir: denen sie aber ihr betrübnis
vermehrte / als sie ihnen die beståndigkeit von der Konigin ungnade ankunden
musste.
    Waren aber diese trostlos und unruhig / so entfunde der getreue Tebah auch
das seinige: welcher nicht wusste / was er davon gedenken oder daraus machen
sollte / dass die Aramena eine und zwar ältere schwester bekommen / deren das
reich Syrien billiger zustunde / und von der er / auser was ihnen nun der Fürst
Hus berichtet / niemals das geringste vernommen hatte. Er gienge / so bald diese
unruhe es zulassen wollte / ganz allein zu dem Zophar und dessen gemalin / und
beschwure sie bei allen gottern / dass sie ihm sagen wollten / was ihnen hiervon
bewust ware. Zophar / beteuerte seine unwissenheit. Die Calaride brache endlich
heraus / und sagte: Nun es so weit gekommen ist / kann ich nicht leugnen / dass
unsere Konigin Philominde mir einst entdecket / wie sie zu Babel bei ihrer
schwester heimlich eine tochter geboren habe: fur welche aber die Königin
Naphtis also gesorget / dass sie dereinst an Syrien etwas zu suchen nicht notig
haben wurde: daher sie dem kinde / mit dem sie eben damals schwanger gienge /
welches unsere Aramena ist / den Syrischen tron angewünschet / und mich ermanet
meine hulfe und treu bei demselben aufzusetzen / und es nimmermehr zu verlassen.
    Ist diesem also / (gabe Tebah / nachdem er der sache eine weile
nachgesonnen / zur antwort) so lasset uns ferner unserer Aramen treulich
beistehen / üm deroselben so wohl eine krone / als wie ihre schwester hat / zu
wege zu bringen. Um dess willen / müssen wir alle dazu helfen / dass der Konig von
Babel die Konigin von Ninive / welche er liebt / bekomme: wodurch dieses reich
den frieden / und wir Syrer unseren eignen herrn / behalten. So ist demnach
hochnotig / dass Aramena ihre jetzige person / als Syrischer Konig /noch långer
spiele / und dass man mit dem Belochus diese heurat ehist schliesse: damit die
Konigin von Ninive / ihre ankunft erfahrend / sich darwider zu setzen / nicht
ihre Ninivitische macht an sich ziehe. Mein raht wäre / man fårtigte alsofort
noch diese nacht jemand ab / nach Acraba an den Konig Belochus / und trüge ihm
diese unsers Konigs schwester an. Ist er so verliebt / wie ihn mir der Fürst von
Hus beschrieben /so zweifle ich nicht / er werde uns gern unsern König / und den
frieden / fur unsere Prinzessin geben / und Syrien uns überlassen; welches
ohnedas so gut als unser ist / weil wir / ungeacht der gefångnis unsers
vermeinten Konigs / aller orten den meister spielen /und auf einen wink / des
Beors aus Canaan hulfe erlangen können. Dan dieser hat heimlich / mit einem
starken heer / dem Libanon sich genähert / üm / auf bedurfenden fall / uns
beizuspringen / und seine Ahalibama abzuholen.
    Der Zophar fiele dem Tebah in allem bei / und befunden sie für gut / mit
den andern Syrischen Fürsten / die nicht mit beim sturmen waren / nach dem
Fursten Hus und Husan sich zu verfuge / und daselbst diesen anschlag ferner zu
überlegen. Als sie nun solches vollzogen / wurde unter ihnen / wiewol der Husan
es widerriete / beschlossen / dass der Elhanan und Akan in gesandschaft nach
Acraba gehen / dem König vom Babel die Königin von Ninive antragen /und dafür
den frieden und die freiheit des Aramenes begehren sollten. Sie machten sich
gleich / von etlichen huntert Syrern begleitet / auf den weg / und eileten /
diesen anschlag forderlichst ins werk zu richten. Inzwischen stürmeten die
erhitzte Syrer unaufhörlich vor dem koniglichen schlossplatz / welches drei ganze
tage und nächte hindurch wärete: und ob wohl ihrer eine grosse anzal zu boden
gienge / fochten sie doch so halsstarrig und verzweifelt / dass Mamellus endlich
/ ungeachtet seines dapfern widerstandes / (indem /die verhoffte hülfe seines
Konigs wie auch des Sinears und Tarsis / weil der Beor diesen beiden letzern am
Libanon den weg verrannt hatte / ausbliebe) sich nicht länger zu halten
vermochte. Er ersonne aber ein grausames mittel / die Syrer und Damascener
abziehen zu machen. Er liesse den vermeinten Aramenes / auf einen hohen turm /
der oben ganz platt gebauet war woselbst ihn alle Syrer sehen konten / mit
gebundenen hånden füren / und zugleich dem feind ansagen / dass sie von fernerem
stürmen ablassen sollten / oder er wollte ihrem Konig das haubt abschlagen lassen.
Die fürnemste Syrische Fürsten befanden sich nicht mit bei dem stürmen / sondern
auf der Kemuelsburg /und zwar eben bei dem Prinzen Dison / als ihme diese
grausame zeitung angebracht wurde: welche dieser verliebter mit zittern und
todesangst anhorete. Es fehlte wenig / dass er nicht in diesem schrecken
ausgebrochen / und den Fürsten entdeckt håtte / wer Aramenes wåre. Er wurde aber
/ durch des Tebah vorsichtigkeit / hieran verhintert / der ihn beweglichst
erinnerte / seiner liebe nicht zu zulassen / dass sie ihn der hochnotigen
verschwiegenheit hierbei vergessen mache.
    Man füre mich hin / (rieffe er) wo diese grausamkeit soll verübet werden! wir
müssen / durch aufopferung aller Syrer / dieses unglück verwehren. Hiemit
sprange er aus dem bette / und liesse / weil in dem schrecken / der einen jeden
ergriffen / niemand ihm hinterlich war oder einredete / sich ankleiden / warf
sich auf das pferd / und rante / im geleite aller Syrischen Fürsten / nach dem
schlossplatze. Er ersah alda seine geliebte Aramena den grausamen schlag von dem
henker erwarten / und bildete ihm für / wie sie ihm zurieffe / sie zu retten. Er
befande zwar möglich /das schloss alsobald zu ersteigen. Weil aber / sein und
seiner Aramena leben / an dem faden eines einigen streichs und augenblicks
hienge: als musste er sich entschliessen / sie lieber noch länger gefangen / als
todt /zu wissen. Er musste sie dissmal verlassen / üm / sie nicht gar zu
verlieren; und den sieg fahren lassen / der ihn so ein grosses kosten sollte.
    Haltet ein! haltet ein / unglückselige Syrer! (rieffe er ganz verzweifelt /)
euren sieg so teuer zu kaufen /und weichet dem grausamen geschicke. Gönnet lieber
den Assyriern diesen vorteil / als euch so einen unwiderbringlichen verlust!
Hiermit liesse er zum abzug blasen; und weil iederman diesem helden gehorchte
/als sahen sich die Assyrier von stund an befreit: da dann Mamellus den Aramenes
wieder hinab bringen liesse / hochst erfreuet / dass sein anschlag ihm so wohl
gelungen war. Er hätte auch dem Syrischen Konig sein leben so lang nicht
gefristet / wan er nicht vermutet / dass er sich seiner auf diese art nutzlich
gebrauchen konnte. Die verbitterte Syrer zogen nun wieder nach der burg / und
brachte man den halbtodten Dison in sein zimer: der aus verzweiflung sich nicht
würde haben zu bette bringen lassen / wan ihm die mattigkeit / der gewalt zu
widerstehen / nicht verwehret hätte. Die drei Furstinnen von Seir / fanden sich
zwar gleich bei ihm ein: er hatte aber von ihnen keinen trost zu erwarten / weil
sie selber uber diesem allen so betreten waren / dass sie sich zu nichtes / als
zum weinen / tüchtig befanden.
    Der kluge Tebah trostete immittels die verzagte Syrische Fursten / mit der
versicherung / dass alles /wan die gesandschaft vom Konig Belochus zurücke kåme /
noch wohl für sie ablaufen wurde. Hierbei riete er ihnen / dass sie nur stille
sitzen / und ferner den Syrischen stattalter nicht reitzen sollten: damit sie
ihren Konig nicht aufs neue in gefahr setzen möchten. Der alte Hus / in dessen
palast sie folgenden tags zusammen kamen / stimmete hierinnen dem Tebah bei
/und beschriebe des Belochus liebe zu der Konigin von Ninive so håftig / dass er
ihnen / wo nicht Syrien /doch wenigst ihren Konig / fur diese ihre Prinzessin
wiedergeben würde. Um aber inzwischen nicht müssig zu sitzen / sondern des
reiches Syrien sich ie mehr und mehr zu bemåchtigen / wurde gut befunden / dass
der haubtman Badezorus mit einem heer vor Aroer rücken sollte / üm selbigen und
die umligende orter unter seine gewalt zu bringen. Man färtigte hierneben den
Gaham an den Konig von Canaan / und dem haubtman Sachar an den Tarsis ab / mit
des Tebah briefen: welcher an den Konig Beor schriebe / dass er nur kommen / und
seinen beistand dem Dison leistend / dessen schwester die Ahalibama abholen
sollte. Dem Fürsten von Sepharphaim aber gabe er zu wissen /wie dass die Konigin
von Ninive für die Syrische Prinzessin Aramena wäre erkant worden: ihn darneben
bittend / dass er die seite der Assyrier verlassen / und zu ihnen stossen wollte.
Es war darauf in Damasco /etliche tage lang / alles stille / weil beiderseits
nichts feindseliges fürgenommen wurde.
    Inzwischen nun Mamellus so wohl / als die Syrer /auf antwort von dem Belochus
aus Acraba mit verlangen warteten / bedachte sich der Fürst Husan / wie er die
schone Konigin von Ninive aus des Belochus händen erretten mochte: dann es ihm
sehr nahe ginge / dass diese seine angeborne Prinzessin / gegen ihrem willen / zu
dieser heurat mit dem feind ihrer eltern / sollte gezwungen werden. Und weil er
ohndas gut Ninivitisch war / als konnte er wohl ermessen / dass auch fur selbiges
reich diese heurat nicht vorteilig sein würde. Demnach hielte er für höchstnotig
/ dass diese Konigin ie eher ie bässer innen würde / wie es mit ihr stunde /und
dass sie / aus den händen der Syrer / förderlichst in ihr reich nach Ninive zu
entkommen / trachten sollte: da sie dann folgbar / an statt allhier ihre person
/für das heil von Syrien / dem Belochus aufzuopfern /diesem reich und ihrem
bruder mit ihrer Ninivitischen macht zu hülfe kommen konnte. Er sah aber /
hierzu zu gelangen / viel schwere hinternise. Er wusste nicht /wo er die Konigin
/ ehe sie von dar abzureisen gelegenheit bekäme / lassen sollte. So befande er
auch durch seine leibsschwachheit sich angehalten / dass er selber der Konigin
hievon nicht öffnung tun konnte.
    Nachdem er alles wohl und vernünftig bei sich überleget / fiele ihm endlich
zu / wiedass der Isis-tempel tauglich sein würde / die Konigin heimlich
zubewirten: massen einer von den fürnemsten priestern / der Abdastartus / sein
herzens-freund war / dem er sich auf alle weise vertrauen dorfte. Demnach sandte
er einen seiner bedienten nach diesem tempel / und liesse den obersten unter den
priestern ersuchen / dem Abdastartus zu erlauben / dass er kommen dörfte / ihm in
seiner krankheit zu zusprechen. Weil dieses einen schein sonderbarer andacht
hatte / als ermangelte Abdastartus nicht / sich bei dem Husan einzufinden: von
dem er dann nach der läng erfure / worinn man seiner hulfe benotigt wäre / dass er
nämlich die Syrische Prinzessin Aramena / als Konigin von Ninive / in einem
bequemen zimmer ihres tempels / aufs heimlichste aufbewaren sollte. Abdastartus
liesse sich hierzu willig finden / versprache dem Husan seine treue /und gabe
alle anschläge / wie solches schiklich geschehen konnte.
    Wie er nun im tempel wieder angelanget / bemühete er sich / einen priester
durch geschenke und grosse vertrostungen zu gewinnen: der sich dann bereden liesse
/ die pforte bei nacht / wann des Husans leute ankommen wurden / zu öffnen /
ihnen das frauenzimmer / so bei ihnen im tempel war / zu überliefern / auch
selber mit aus dem tempel zu gehen / und nach Ophir / alwo er zu haus gehorte /
sich hinweg zu begeben. Nachdem Husan diesen guten anfang vom Abdastartus mit
freuden vernommen / stunde er nun an / wie und durch wen er der Konigin dieses
sein vorhaben sollte hinterbringen lassen. Doch ward er endlich schlüssig /ihr zu
schreiben / und den brief durch die Timna / als deren vertreulichkeit bei der
Königin ihm wohl bekant war / ihr einhändigen zu lassen. Wie er nun den brief
geschrieben hatte / schikte er damit seinen hofmeister / den Bubastes / solchen
der Timna heimlich zu uberreichen / und ihr darbei die grosse angelegenheit und
eilfärtigkeit des darin-entaltenen geschäftes furzustellen. Inzwischen täte
er ferner alle benotigte anordnung / der Konigin bei nächtlicher weile aus dem
einen tempel in den andern zu verhelfen / und sie also aus der Syrer händen /
darein er sie geliefert / wieder zu befreien.
    Die Timna / als sie das schreiben entfienge / befande sich sehr betreten /
wie sie sich hiebei bezeigen sollte: weil / die noch-anhaltende ungnade ihrer
Konigin / ihr bei derselben allen zutritt versagte. Jedoch dem Bubastes ihr
anligen zu verbergen / name sie das anvertraute gewerbe über sich / und verhiesse
/ ihm in wenig stunden antwort zu verschaffen: wiewol sie noch nicht wusste / wie
sie ihm diese zusage halten sollte. Sie ginge erstlich zur Ahalibama / und wiese
ihr dass schreiben: von welchem sie beide wohl vermuteten / dass der Konigin hieran
viel gelegen sein musste. Demnach wollten sie solches keiner andern hand vertrauen
/ sondern es wagen / dasselbe selber zu uberliefern: zumal ihnen ohndas
unerträglich fiele / långer auser ihrer Konigin gegenwart zu leben / deren
ungnade sie nun bis in den zehenden tag mit schmerzen trugen.
    Also ergriffen sie diese gute gelegenheit / und giengen / wiewol nicht
sonder angst / unangemeldet nach dem tempel: da sie / in der Konigin vorzimmer /
die meiste Syrische Fürsten und herren antraffe / die derselben fleissig
aufwarteten / iedoch aber ihre wahre geburt aus stats ursachen / die ihnen der
vorsichtige Tebah beigebracht / ihr nicht eroffneten / sondern dasselbe den
Fursten Hus und Husan auf bequeme zeit zu verrichten überliessen. Sobald nun
diese Syrische Fürsten die Ahalibama und Timna ankommen sahen / welche sie noch
für die liebsten und vertrautsten bei der Königin hielten / wollte einer vor dem
andern sich bei ihnen bedient machen / sie in der Königin zimmer zu begleiten:
da dann der Nahor der Ahalibama / und Cyniras (welcher erst von seinen wunden
wieder aufgestanden war) der Timna / die hand bote /und sie hinein fureten. Die
schone Ninivitin hatte eben niemand bei sich / als ihre hofmeisterin / die
Furstin Perseis. Wie sie nun diese unvermutete besuchung entfinge / war / beim
ersten anblick / die gegenwart ihrer Ahalibama und Timna ihr nicht unangenem:
indem sie sich der ehmaligen vergnügung erinnerte / die sie von ihrer
gesellschaft genossen. Als ihr aber gleich darauf zu sinn kame / wie diese beide
Fürstinnen sie hintergangen hatten: verwandelte sich augenblicklich ihr
vergnügen in eine häftige entrustung /also dass sie deren anwesenheit nicht
vertragen konnte /sondern eiligst in ein cabinet gehend / ihnen den rucken
zukehrete. Die Syrische Fursten / vermeinend /dass sie etwan bei ihren
freundinnen allein sein wollte / liessen die Furstinnen von Seir im gemach / und
begaben sich wieder von dannen.
    Die Perseis aber ginge diesen beiden entgegen /und beschwerete sich sehr
daruber / dass sie / die schüldige ehrerbietung / die ihrer Königin geburete
/also hintan sezten / unberuffen in das königliche zimmer zu kommen. Dieser
verweis ware der Ahalibama so schmerzlich zu vernemen / dass ihre tränen fur sie
antworteten: dann sie ungewonet war / bei der Konigin von Ninive also entfangen
zu werden. Ist dann mein verbrechen so gros / (fragte sie endlich die Perseis)
dass ich gar keine aussönung hoffen darf? Die Prinzessin von Seir ist so
verständig / (antwortete die Perseis) dass sie von selbst ermessen kann / ob meine
gnädigste Konigin zum unwillen beursachet sei / da man sie und ihr ganzes
frauenzimmer so nachteilig betrogen / und noch überdas / ihr allhier diesen
zwang anzutun / bemühet ist.
    Unter diesem wortwechseln / erkünete die Timna /der Königin in das cabinet
nachzufolgen / die sie am fenster stehen fand / da sie mit einem tuch die augen
trocknete. Sie fiele ihr zu fus / ehe sie es verwehren konnte / und / ihr die
beine ümfassend / sagte sie / mit zubrochenen worten: Sol dann / die arme Timna /
also ungehört verdammet werden? Ach Timna! (antwortete die Königin / sich damit
von ihr los reissend) wie stehet das zu entschüldigen / wessen man sich vor der
ganzen welt schuldig gemacht? Da euch meine ehre nicht lieb gewesen / deren zu
verschonen / so håttet ihr doch gedenken sollen / was ihr dem Prinzen Abimelech
versprochen: nun aber habt ihr / wider dessen bästes / euch gebrauchen lassen.
Gehet! geht! und lasset mich allein / mein elend zu beweinen. Ich finde an euch
keine Timna mehr / deren ich von meinem leiden teil geben dorfte.
    Mitlerweil die Konigin also redte / erseufte sich fast die Timna in ihren
tränen / und verlore so gar allen mut / der ihr bisher noch beigewonet / dass sie
lange kein wort herfürzubringen wusste. Endlich aber sagte sie: Ich würde die
unglückseelige Timna ihrer erzurnten Konigin nicht haben für augen gebracht /wan
nicht hiesiger brief / an welchem E. Maj. hochst gelegen / mich dazu veranlasst
håtte / den man mir E. Maj. zu uberliefern anvertrauet / weil man vermeint /
dass ich añoch in meinem ehmaligen glückstand lebte. Diese worte verursachten /
dass die Konigin /welche bisher die Timna nicht ansehen wollen / sich umwandte /
die hand nach dem täfelein / (solches von dem Abimelech überschrieben vermutend)
ausstrekte /und dasselbe von der Timna anname: welche hierauf alsofort ganz
wehmutig die Konigin verliesse / und im zimmer die Ahalibama noch antreffend /
selbige wider aus dem tempel fürete. Wer sie also hinweggehen sah / konnte ihnen
ihre betrubnis wohl anmerken: und fielen daher / unter den Syrern / verschiedene
urteile /deren keines doch das rechte ziel erreichete. Als aber die schöne
Konigin das täfelein erbrochen / lase sie daraus folgende worte.
     Schreiben des Husans / Fürsten von Chesed / an die Königin von Ninive.
Ich habe E.M. üm sicherheit willen / in den tempel der Juno verholfen: befinde
aber nun / dass E. Maj. alda in ja so grosser gefahr / als vorhin bei den
Babyloniern / schweben. Die Syrer wollen E. Maj. zu einer unanständigen heurat
nötigen. Dieser gewalttätigkeit zu entgehen / ist kein ander mittel übrig / als
dass /sonder zeit-verlieren / E. Maj. sich von hier in einen andern sichern ort
begeben. Ich hoffe / des Husans ehrliche treu sei E. Maj. so bekant / dass sie
kein bedenken tragen werden / dessen fürung sich künlich zu vertrauen. In
solcher zuversicht / werde ich diese nacht vor den garten des tempels getreue
leute bestellen / die E. Maj. durch beförderung eines dazu gewonnenen
Juno-priesters / von dannen füren / und in der Isis tempel bringen sollen: alwo
ich innerhalb wenig tagen E. Maj. persönlich aufwarten zu können verhoffe / und
so dann von allem ausfurlich berichten werde / was ich iezt aus eilfärtigkeit
verschweigen muss. Und eben solche zwinget mich / dissorts nichtes mehr zu sagen /
als dieses / dass hierbei der geringste verzug unwiderbringlichen schaden
verursachen kann /und dass in der eile und verschwiegenheit E. Maj. und ihres
reiches ruhe und wolstand bestehe.
                                                                          Husan.
    Was kann anders hiermit gemeinet sein / (sagte die Konigin hierauf zu sich
selber) als was ich befahret /dass man mich nåmlich an des Syrischen Königs
freund / dem Dison / übergeben will? Was fur eine mir-unanståndige heurat / könnte
Husan hierunter sonst verstehen? Wolan! (fuhre sie fort / nach kurzer
bedenkweile) was soll ich lang wanken? In diesem gefårlichen zustand / darin ich
mich befinde / kann es mir nirgend schlimmer / als hier ergehen. Des Husans
ehrlichkeit ist mir bekant: darum will ich seinem einrat folgen und den
Isis-tempel für den hiesigen erwählen. Nach diesem entschluss gedachte sie auf
mittel / solches werkstellig zu machen. Indem sie aber wohl beherzigte / wie der
Husan ihr die hierbei-hochnötige verschwigenheit entfohlen / fand sie niemand
unter ihren leuten / deme sie sich hierin vertrauen dorfte /und der ihre antwort
an den Husan uberbringen möchte. Weil sie von der Timna vermutete / dass sie auf
des Disons seite wåre / als konnte sie derselben hierin auch nicht trauen /
wiewol sie von ihr den brief entfangen hatte. Weil sie auch selber bekennet /
man habe ihr dieses täfelein nur darum zugestellet / da man vermeint / dass sie
noch in der vorigen vertreulichen gnade lebe: als schlosse hieraus die Konigin /
dass Timna bloss eine briefträgerin / und keine mitwisserin / in dieser sache sein
müste.
    Nach langem überdenken fiele ihr bei / wie der Husan auch eines priesters
der Juno erwehnet / der um alles wüste. Bei demselben sich zu erkundigen /
gienge sie den nachmittag / in den tempel / und begunte daselbst mit den
anwesenden priestern sich zu besprechen. Sie fragte unter andern / ob nicht in
ihrem tempel bei nacht ein priester auch die wacht hielte /gleichwie solches an
andern orten üblich wäre? Als man ihr dieses mit ja beantwortet / erkündigte sie
sich ferner / welcher unter ihnen die kunftige nacht solches amt verrichten
würde? Hierauf ward ihr der priester gezeiget: welcher dann eben derselbe war /
den der Husan zu seinem vorhaben hatte erkaufen lassen. Sie suchte und fand
auch bald gelegenheit / mit diesem priester allein zu reden: von dem sie dann
erfuhre / was sie zu wissen verlanget. Es name auch dieser priester die
botschaft auf sich / dem Husan kund zu tun / wie dass die Konigin nicht allein
sein schreiben erhalten /sondern auch / in künftiger nacht seinem einrat zu
folgen / gesonnen wåre.
    Wie es nun später abend worden / liesse die Konigin ihr frauenzimmer / als
die Prinzessin von Ammon / die Perseis ihre hofmeisterin / die Dersine / Siringe
/Merone / und etliche gemeine von ihren bedienten / zu ihr kommen / und deutete
ihnen an / wie sie nicht länger an dem ort verbleiben möchte / da ihr feind der
betrieger Dison / so viel gälte: und wollte sie demnach sich heimlich hinweg
machen / einen andern sichern ort zu ihrem aufentalt erwählen / und folgends
bedacht sein / zu den Assyriern wiederzukehren. Dieses ihr fürhaben wurde
furnemlich von der Perseis gebilligt / und liessen sich auch alle die andere
bereit finden / der Königin zu folgen. Sie giengen hierauf miteinander / als wan
sie beten wollten / in den tempel: von dar sie der priester durch den garten und
so fort / neben des Husans bedienten / durch die stadt begleitete / bis sie den
Isis tempel glücklich erreicheten. Allhier ubergabe der hofmeister Bubastes /
dem getreuen priester Abdastartus / die schöne Konigin und ihre bei sich
habende: der sie ganz verborgen / durch den innern tempel / in ein schönes
gebåude fürete / alwo sie sich sehr wohl befanden / und von diesem ihrem neuen
wirt nach aller möglichkeit bedienet wurden.
 
                                Das Dritte Buch.
Als nun der tag wieder angebrochen / wurde die schone Konigin von Ninive auf der
Kemuelsburg / im tempel der Juno gemisset: worüber unter den Syrern eine neue
bekümmernis und furcht entstunde / und vermeinten sie alle / der Mamellus håtte
sie mit list wieder in seine hände bekommen. Als die Timna solches vername /
urteilete sie alsobald / dass diese abwesenheit der Konigin / durch das gestrige
von dem Husan ubersandte schreiben wäre verursachet worden. Sie wollte aber
hiervon nichtes melden / weil sie die treue gegen dieser ihrer Konigin /
unangesehn dieselbige sie für treulos hielte / beständig zu erhalten gedachte.
Alle Priester im tempel wurden hieruber zur rede gestellet / und fand man im
nachfragen / dass einer unter ihnen sich verloren hatte: deme dann diese schuld
beigemessen wurde. Der alte Tebah war gar nicht zu trösten / als er sah / wie
alles so widrig abliefe / und eine hinternis nach der andern sich herfür täte /
sein getreues fürnemen zu zerstören. Er wandte aber allen åusersten fleiss an /
dass diese der Königin von Ninive verlierung den Assyriern nicht kund werden
mochte: damit dieselbigen (wan sie nicht selber /wie er fast besorgte / diesen
raub begangen) hierdurch nicht neuen muht bekåmen / wider ihren gefangenen Konig
zu wüten. Es verlangte sie aber alle nach der abgesandten Fürsten / des Elhanan
und Akans / wiederkunft: vor deren sie keinen schluss fassen konten /etwas
furzunemen. Ein gleiches verlangen truge der stattalter Mamellus / nach seinen
ausgeschickten: den es nicht wenig wunder name / dass er von Acraba ganz keine
nachricht erhielte.
    Als er aber eines tags bei dem Prinzen Cimber /dessen wunden / ob sie gleich
sich sehr båsserten / ihn dannoch der kammer hüten macheten / seine besuchung
ablegte / trate der Fürst Elihu unversehens zu ihnen in das zimmer; welchen der
stattalter gleich fragte: wo er herkäme / und wo er / zeit wärender dieser
neuen unruhe / gewesen wåre? Es erfordert zeit /(gabe Elihu zur antwort /) diese
frage recht zu beantworten / und will ich iezt nur das notigste sagen: dass ich
nåmlich vom Assyrischen hof komme / und ein sonderbares gewerbe vom Konig an den
Prinzen Mamellus abzulegen habe. Weil der stattalter aus diesen worten abname /
das Elihu ihn allein sprechen wollte /eilete er von dem Cimber hinweg: welchen
der Elihu /auf das hoflichste / mit bezeugung seines beileids /begrussete / und
hierauf dem stattalter folgete. Als er nun / in dessen zimmer / sich bei ihm
allein sah /sagte er: Ich bringe soviel fromde zeitungen mit / dass ich grosse
verwunderung damit verursachen werde. Ich habe den schlussel bei mir / von allem
dem / was die bisherige fromde bezeigungen des Königs erwecket hat. Mamellus /
der höchst begierig war / dieses bald zu wissen / name ihm nicht zeit / hierauf
zu antworten / sondern fassete den Elihu bei der hand / und notigte ihn / sich
bei ihm zu setzen / und seine erzehlung anzuheben: der dann solches folgender
massen verrichtete.
    Als die unvermutete emporung allhier entstunde /und mir kund wurde / dass der
wiedergefundene König der Syrer / der junge Aramenes / hieran schuldig wäre:
stunde ich bei mir an / wohin ich mich wenden sollte. Die naturliche pflicht
triebe mich / die seite des Aramenes zu wählen: meine geleistete pflicht aber
befahle mir / dem König von Assyrien treu zu verbleiben. Diese beide
betrachtungen stritten in mir so stark miteinander / dass ich / weder zu einem
noch zum andern / mich entschliessen konnte. Als ich auch nicht sah / wie ich /
da alles in vollem streit begriffen war / sicher hieher zum koniglichen schloss
gelangen mochte / fassete ich den schluss / und reisete eiligst aus Damasco
hinweg: üm diese fremde zeitung dem Baracheel / meinem herrvattern / nach Acraba
zu überbringen. Ehe ich aber dahin kame / wussten sie bereits am hof / wie es
hier stunde / und war der König /über dieser wiederfindung des Aramenes so
bestürzt /dass er nicht wusste / worzu er sich entschliessen sollte. Der Prinz
Baleus / so eben reisfärtig war / nach Babel zu gehen / (alda man wegen der
Konigin von Elassar /weil sie / mit einem grossen heer / den grånzen des
Babylonischen reiches sich näherte) / wäre lieber auf diesen gewissen feind
hieher angezogen / als dass er / bei so gefärlichem zustande / von seinem
herrvattern sich so weit entfernen sollte. Aber der Konig wollte ganz nicht davon
horen / dass der Prinz långer bei ihm zu Acraba verbleiben / viel weniger / dass
er wieder hieher ziehen möchte: musste er also / gleich den folgenden tag nach
meiner ankunft / sich fortmachen. Der Konig bezeigte sich auch gegen ihm so
unwillig und kaltsinnig / dass ich / ob ich gleich erst angekommen /solches
alsobald gar eigentlich vermerken konnte.
    Als ich nun bei meinem herrvattern anfragte / wie ich mich gegen unsrem
neuen Konig bezeigen sollte: vertraute er mir den wahren grund alles dieses
verwirrten wesens / dass nåmlich die schone Königin von Ninive / nicht des Konigs
von Assyrien und der Naphtis / sondern des grossen Aramenes und der schönen
Philominde tochter / und also die durchleuchtige Syrerin Aramena wåre. Was höre
ich? (rieffe Mamellus / dem Elihu in die rede fallend) die Königin Delbois / ist
des Aramenes tochter? Es ist / wie ich sage: (antwortete Elihu) und wollte ich
wohl ihre geburt-geschicht / wie sie mir mein vatter erzählt /gleich wiederholen
/ wan ich nicht notigere dinge / die keinen verzug leiden / fürzubringen hätte.
Diese schöne Syrerin / wird von dem König / der ihre rechte geburt nunmehr
erfahren / ja so häftig / als ehmals ihre frau mutter / geliebt. Und weil keine
wahre liebe ohne eiversucht brennet / als ist es auch dem König eine grosse qual
/ dass er so viel mitbulere hat unter denen er seinen eigenen sohn fur den
gefårlichsten hält / und deswegen anfeindet / weil ihm diese Konigin von jugend
auf vermeint gewesen / und er mit derselben gar vertreulich ümgehet. Dieses
erfäret er von seinen heimlichen kundschaftern an diesem Ninivitischen hofe /
unter denen der Fürst Ardeus von Chesed / und der Ninivite Arteman / die
furnemsten sind: welche auch den Konig / sowol gegen den Prinzen der Philister /
als auf den Cimber / eifersüchtig machen.
    Dieses nun ist die ursach dessen / worein wir uns bisher nicht finden konnen
/ dass nåmlich der Konig die heurat des Prinzen Baleus mit der Königin von Ninive
lassen rükgångig werden / und hergegen die andere mit der Königin von Elam so
eifrig gesuchet; dass er den Prinzen nach Acraba beruffen / und nach Babel zu
gehen / befehligt; dass er den Cimber / allhier in Damasco / nicht länger dulten
wollen; dass er /wegen des verlusts der Aramena / als der schwester seiner
geliebten Konigin / sich so besorgt erwiesen; dass man die Syrer / über gewonheit
/ bei hof so geehrt gesehen; und dass der Konig / über der zeitung von des
Aramenes ankunft allhier / so besturzt und unschlüssig worden. Dan / Syrien dem
wiedergefundenen Aramenes gutwillig abzutretten / solches riete ihm zwar die
liebe zu dessen schwester: aber die ehr- und regirsucht reitzete ihn hingegen /
die waffen zu ergreifen / um dieses måchtige reich nicht fahren zu lassen.
    Unter dieser seiner unschlüssigkeit / kamen Syrische gesandten von unsren
fursten / als der Elhanan und Akan / nach Acraba / und begehrten gehör beim
Konig: die ihnen / nach langem verweigern / weil man sie fur aufrürer hielte /
durch meinen herrvattern endlich erlanget wurde. Ihr unvermutetes fromdes
anbringen war / dass sie dem Konig ihre erkannte Prinzessin Aramena / als die
Ninivitische Königin / zur gemalin anboten / hingegen üm die befreiung ihres
gefangenen Konigs Aramenes und um frieden ansuchten. Also wurde kund / dass nicht
allein die schone Königin von Ninive in der Syrer hände geraten und für die
Syrische Aramena erkant / sondern auch der Aramenes von den Assyriern gefånglich
eingebracht worden wåre. Dieses nun erweckte neuen streit und unruhe / in des
verliebten Konigs gemüte: dann er so wenig seine Aramena /als den Aramenes /
wollte fahren lassen. Die Abgesandten wurden nun / auf diesen ihren abgelegten
vortrag / gar höflich bewirtet: weil der Konig / was seine liebe betraffe / sich
nun völlig zufrieden sah. Wie er aber so wenig seine ehrsucht / als seine liebe
/ unvergnuget wissen wollte / als fassete er endlich diesen entschluss / dass er
der Syrischen Fursten anerbieten annemen / zuvor aber den Aramenes heimlich aus
dem weg räumen wollte: damit er / in ehlichung der Syrischen Prinzessin /
zugleich das reich Syrien behalten möchte.
    Diese hinrichtung aber des neuen Syrischen Konichs von sich abzulehnen und
bei der schwester / die er uber alles liebt / deswegen keinen verdacht auf sich
zu ziehen / wurde ich befehligt / bevor die Syrische gesandten abgefårtigt
wurden / eiligst heruber zu reisen / und im namen des Königs / dem Prinzen
Mamellus dieses anzubringen: wie nämlich S. Maj. verlangen / dass alsofort der
Aramenes / in / verborgenster stille / den priestern in der Isis tempel
überantwortet / und daselbst heimlich aufbehalten / hiernåchst aber ein geschrei
/ als wan der Konig von Syrien sich selbst aus der gefängnis erledigt und
unwissend wohin verloren hätte / ausgesprengt werden mochte. Solcher gestalt
vermeint der König alle beschuldigung von sich abzulehnen / sich in der Syrer
guter gunst zu erhalten / und seinen liebeszweck ungehintert zu erreichen. Also
bin ich nun / mit diesem hochwichtigen gewerbe / eiligst hiehergereiset / und
wird man inzwischen die Syrische gesandten mit dieser erklårung abfärtigen /
wiedass der Konig gesonnen / innerhalb wenig tagen selbst hieher zu kommen:
inzwischen sollte ihr Konig auf freien fus gestellet / und wegen der
fürgeschlagenen heurat / auch wegen des friedens / eine beredung furgenommen
werden. Diese abgeschickte / werden vermutlich morgen wieder angelangen: dahero
höchst notig ist / dass zuvor des Königs wille geschehe / der Aramenes in den
tempel /und das geschrei von seiner verlierung unter die leute / gebracht werde:
welches ich / zu fernerer überlegung / dem Prinzen hiermit anheim stelle. Das
übrige / was ich zu Acraba erfahren und verrichtet / soll bis auf eine bequemere
zeit zu erzählen versparet bleiben.
    Euer bericht / mein vetter! (sagte hierauf Mamellus) setzet mich in grosse
bestürzung / und hätte ich /so seltsame sachen zu vernemen / mir nimmermehr
träumen lassen. Mich wundert aber / da mein Konig den Aramenes aus dem weg
geräumt verlanget / dass man nicht vielmehr zu dessen hinrichtung / als
heimlicher aufbehaltung in dem Isis-tempel / sich entschlossen hat: da man
nachgehends / mit mehrer sicherheit /den Syrern furbringen konnte / dass ihr Konig
nicht mehr vorhanden sei; hingegen bei dessen leben ståts in gefahr sein muss /
dass Aramenes im tempel werde ausgekundschaftet werden. Ich muss bekennen /
(antwortete Elihu) dass mein vatter und ich / an der lebenserhaltung des Aramenes
/ ursach sind / und hat der König / auf unsere fürbitte / uns darin wilfahren
wollen / zu gnädigster erkåntnis / dass wir seiter so beståndig die Assyrische
seite gehalten. Was nutzet euch aber des Aramenes leben / (fragte Mamellus) wan
er nicht regiret? Eines Konigs leben ohne kron /ist als ein leben ohne seele.
Was kann ein so unschuldiges blut dafür / (wandte Elihu hergegen ein) dass des
Konigs von Assyrien feinde seine eltern waren? Dieser Aramenes wird schon mit
dem blossen leben und geistlichen stand müssen zufrieden sein / wan er gleich den
tron nicht erlanget / den er auch zu besitzen nie gewonet. Es ist aber der Isis
tempel (sagte Mamellus) in der Syrer macht: wie werden wir den Aramenes dahin
bringen? Dafür lasse der Prinz mich sorgen / (antwortete Elihu) ich will es diese
nacht schon in die wege richten / dass es unvermerkt zu werke kommen soll.
    Mamellus sah hierauf / sonder zu antworten / dem Elihu stark in die augen /
ihn gleichsam ungeredt fragend / ob ihme auch / als einem Syrer / zu trauen
wäre? Elihu / solches merkend / und ihm diese gedanken zu benemen / zoge ein
tåfelein herfür / darin der Konig von Assyrien eigenhåndig an den Mamellus alles
das geschrieben / was er ihm iezt mündlich berichtet hatte. Die eilfärtigkeit
(sagte er / zugleich das täfelein überreichend) hat mich dessen vergessen
gemacht / wodurch ich meine worte kann bescheinigen und warhaft behaupten.
Mamellus / als er seines Königs hand gelesen / liesse allen zweifel fahren / und
übergabe dem Elihu die fürung dieses ganzen werks: wiewol er in seinem herzen
bereuete / dass er den Aramenes nicht hatte hinrichten lassen / ehe dieser befehl
von hof angekommen.
    Wie gebärdet sich aber / (fragte er den Elihu ferner /) bei dieser neuen
liebe des Königs / die Dalimire? hat deren macht also abgenommen / dass sie
dieses muss geschehen lassen? Was ich von dieser zu erzählen habe / (antwortete
Elihu) will ich / üm zeit zu gewinnen / alles versparen / bis wir erst dieses
wichtige werk hinaus gefuret. Mamellus bliebe hiermit befriedigt / und liesse
Elihu sich hierauf bei der Konigin von Tyro anmelden: welche herzlich erfreuet
wurde / als sie von ihrem bruder zeitung vername. Sie wollte auch ein- und anders
dem Elihu abfragen: aber er vertrostete sie gleichfals auf den folgenden tag /
und entschuldigte sich mit seinen notigen geschäften / die ihn dissmal eiligst
anderswohin forderten.
    Nachdem er also sich von diesen beiden entledigt /bemühete er sich nach
äusersten kråften / wie er sowol seinem erwehlten als angebornen Konig dienen
mochte. Er verfügte sich nach der Isis tempel: da ihme / als einem Syrischen
Fürsten / niemand in Damasco etwas sagte / sondern iederman ihn ganz frei gehen
liesse. Als er daselbst / bei dem furnemsten unter den priestern / der / an statt
des oberpriesters / (welcher /weil der tempel noch nicht geweihet / damals noch
nicht war gewehlet worden) im tempel regirte / sich anmelden lassen / musste er
zimlich lang warten / bis er kunte fürgelassen werden: dann eben die såmtliche
priester im gebet versamlet waren / welches sie täglich für die wolfart des
Konigs Belochus von Assyrien verrichteten / und sich hiervon nicht abhalten
liessen /ob gleich die Syrer in Damasco die oberhand hatten. Elihu / dieses gar
gern vernemend / verhoffete / dass er sie desto williger finden würde / des
Belochus begehren zu erfüllen.
    Dieser gute Fürst musste / in diesem handel / gleich dem Prinzen Cimber /
seiner eignen liebe zuwider streben / und dem mitbuler dienst erweisen: welches
ihm aber doch / aus angeborner grosmut / und weil er seine begierden wohl
meistern konnte / nicht schwer ankame. Er betrachtete / weil er / fur die schone
Konigin von Ninive / keine vorteilhaftere heurat / als mit dem grosten
weltmonarchen / ersinnen konnte / mehr ihr bästes / als sein eigenes / und liesse
seiner begierde nicht die oberhand / hierinn ihm selber forderlich zu sein. Er
war damit vergnügt / dass er lieben dorfte auf eine solche weise / die ihm kein
mensch besprechen konnte: weil sein einiger zweck war / sich in anschauung seiner
wunderschonen Konigin zu ergetzen. Hierneben machte ihn / die naturliche liebe
zu seinem angebornen Konig / ganz eifrig / dessen befreiung aus des Mamellus
händen zu befordern: und hoffete er / es wurde mit der zeit die schöne Königin
von Ninive den Belochus schon dahin vermogen / ihrem brudern die Syrische kron
zu uberlassen / und ihn aus dem Isis-tempel ledig zu geben. Auf solche art
gönnete er Syrien dem Aramenes: nicht aber / dass er solches mit gewalt / und
wider des Assyrischen hauses guten willen / welchem er / gleichwie sein vatter /
mit aller treu ergeben war / erlangen sollte.
    Wie nun endlich die priester ihr gebet verrichtet /wurde Elihu in den innern
tempel gefuret: uber dessen herrlichem gebäu er sich nicht gnug verwundern /noch
dasselbe zu genügen betrachten konnte. Eine grosse anzal alter Egyptischer
erbarer männer / kamen ihm daselbst entgegen: die ihn / als einen abgeordneten
des Königs von Assyrien / mit grosser ehrerbietung entfingen. Weil er geheimes
gehor begehrte / als fürete ihn der furnemste unter ihnen in ein zimmer /und
vername von ihm nach der länge / in Egyptischer sprache / (welche Elihu nicht
allein verstunde / sondern auch wohl redete) was massen der Konig von Assyrien
verlangte / dass sie den vom stattalter in Syrien gefånglich eingebrachten
Aramenes in ihren tempel aufnemen / und so geheim verwahren sollten / dass kein
mensch / so wohl in ihrem tempel / als in Damasco /dessen innen würde. Er sezte
hinzu / dass hieran des grossen Belochus höchste wolfart lige / und sie ihn
/durch ihren hierunter-erweisenden fleiss / verbinden würden / ihrem tempel / und
ihnen allen / noch mehr gnade / als bisher / zu erzeigen. Der weise Mephres
/(also hiese dieser priester) erbote sich hierauf / mit höchster freude und
begierde / diesem befehl des Assyrischen Königs åmsigst nachzukommen / auch
niemanden / als dem priester Abdastartus / hiervon etwas zu eröffnen.
    Dieser ware nun eben derjenige / deme der Husan die schöne Konigin von
Ninive anvertrauet: welcher dann / weil er ein Syrer / und der andern priester
ihr schafner war / auch wegen der sprache / und seiner verspürten treue / von
dem Mephres hierzu der taugligste ernennt wurde. Demnach ward er zu ihnen in das
zimmer beruffen: da er mit verwunderung vername / wie ihme nun auch der Syrische
Konig / gleichwie zuvor die Konigin von Ninive / anvertrauet wurde. Sie redeten
hierauf mit ihm ab / dass er ein gemach / diesem Aramenes zur bequemen wonung /
zurüsten sollte: und musste er / üm mehrer versicherung willen / seine hand in des
Mephres seite legend / der gottin Isis schweren / keinem menschen dieses
geheimnis iemals zu offenbaren. Es war / hinten im tempel / ein abgesondertes
grosses gebäude / an welches ein lustiger garten stiesse / worüber allein
Abdastartus die aufsicht hatte: selbiges wurde / zu dieser des Aramenes
bewirtung / tüglich befunden. Es wonete aber /in eben selbigem gebäude / die
Königin von Ninive /mit ihrem frauenzimmer: welches doch weder dem Mephres /
noch einigem andern priester im tempel /bekant war / und er dannenhero neben dem
Elihu / als sie die zimmer daselbst besichtigten / nicht wusste /dass nahe dabei
so ein edler schatz aufbehalten wurde.
    Wie sie nun alle notturft / und dass der Abdastartus mit etlichen priestern /
selbige nacht / auf den königlichen schlossplatz kommen sollte / abgeredet hatten
/begabe sich Elihu wieder von dannen: und ware ihm /in der eile / nicht
beigefallen / nach des Betuels zustand zu fragen / der in diesem tempel
verwahret sasse. Sobald die nacht herankame / verfügte er sich zu dem Mamellus:
und gingen sie beide selber / weil sie sonst niemanden trauen wollten / nicht von
vornen / da die wacht stunde / sonderen hinten / durch heimliche wege / zu dem
Aramenes ins gefängnis. Sie fanden diese verkleidte Prinzessin / in gesellschaft
des treuen Tirzis: und erschracke sie nicht wenig / als sie / so wohl ihren
ehmaligen vatter / als ihren vertrauten freund / zu ihr kommen sah / die nun
beide sie nicht erkannten. Prinz von Syrien! (sagte Elihu) ich habe befehl vom
Konig zu Babel / euch von hier nach dem tempel der Isis zu bringen. Ihr werdet /
wann ihr mir gutwillig dahin folget / und kein geschälle machet /euer bästes
damit befordern: widrigen falls bin ich gehalten / wider meinen willen / euch
gewalt anzulegen. Tut mit mir / was ihr wollet! (antwortete sie) ich bin in
eurer gewalt / und bereit / ohne widerrede dahin zu folgen / wohin ihr mich
haben wollet. Hiermit stunde sie auf / und Elihu losete ihr die ketten ab / mit
denen man sie geschlossen hatte / damit es auf den gassen kein gerassel gåbe.
    Mamellus sah diesen schonen Aramenes nicht sonder bewegung an / weil ihme
noch nie so deutlich furgekommen / dass er seiner pflegtochter / der Aramena / so
sehr gliche. Elihu / der nun diesen Aramenes mehr betrachtete / als da er noch
Dison hiesse /fand auch solche änlichkeit bei ihme mit dieser verlornen
Prinzessin / dass sein mitleiden die zu ihm tragende wolneigung üm ein grosses
vermehrete. Sie füreten hierauf / diesen vermeinten Syrischen König /aus dem
gefångnis / und übergaben ihn dem Abdastartus: welcher mit seinen bei sich
habenden / bei einer ången pforte / die nach einer unbewonten strassen hinaus
ginge / gewartet hatte / und diesen gefangenen zu sich nemend / mit ihm durch
die stadt forteilete. Alle Syrische wachten liessen sie / als geistliche
ordensleute / unbefragt und ungehintert fürbeigehen: dass sie also / ohn einigen
anstos / im tempel angelangten / alwo der Abdastartus den Aramenes und Tirzis in
das verordnete zimmer eingefuret.
    Was soll nun dieses bedeuten / Tirza! (fragte Aramena / als Abdastartus sie
allein verlassen) dass mir mein gefångnis also veråndert und erleichtert worden?
Es wird bedeuten / (antwortete Tirza) dass der himmel ermudet sei / uns zu
verfolgen. Ach! (sagte und seufzete Aramena) solle ich wohl dieses hoffen dörfen
/ dass / nach sovielen versuchungen / meine göttin sich endlich geneigter
erzeigen / und meines elends / in ansehung meiner beständigkeit / sich erbarmen
werde? Was muss ich doch alles erleiden / um ihres dienstes willen? Auch meine
liebste freunde haben sich bemuhet / mich zu verfolgen / und in diesen
verwirrten jammer zu stürzen. Was sie getan haben / (gabe Tirza zur antwort)
ist alles guter Meinung geschehen: und möchte ich wohl selber / was den Dison
belanget /so einen König dem Syrischen reich gönnen. Aramena sah hierauf /
sonder zu antworten / die Tirza so unfreundlich an / dass diese ferner nicht
erkünen dorfte /hievon zu erwånen. Sie begabe sich hierauf zu ruhe /deren sie
hochst benötigt ware / weil sie / etliche nächte / in ihren schweren banden /
und in dem unfreundlichen kerker / deren nicht genossen hatte.
    Der Mamellus und Elihu / ihren anschlag hinaus zu furen / machten / mit
anbrechendem tage / auf dem königlichen schlossplatz das geschrei erschallen /
wiedass der Konig von Syrien sich aus dem gefängnis verloren håtte. Es wurde /
zum schein / die wacht unschuldig in ketten geschlossen / und der Aramenes
überall gesuchet / auch hierdurch an allen Assyriern ein warhaftes solches
trauren erwecket / als wie es Mamellus åuserlich erwiese. Weil sie gar nicht
geheim damit waren / als liefe dieses gerüchte auch bald auf die Kemuelsburg: da
erstlich unter allen Syrern ein grosses frolocken entstunde / weil sie
vermeinten /dass einer aus ihrem mittel den König von seinen banden wurde
befreit haben / und darum ihn bald wieder zu sehen verhoffeten. Der verliebte
Prinz Dison wollte dieser unverhoften zeitung nicht völlig trauen / und liesse den
Zophar hierüm befragen: welcher ihm bestätigte / wie das geschrei gienge / dass
die Assyrier den Aramenes verloren beklagten.
    Weil nun des Prinzen gemüte / aus dieser post /hochste vergnügung schopfte /
als genosse auch der leib sein anteil hiervon / also dass ihm auf einmal alle
mattigkeit verginge / die ihm ein zugestossenes fieber / seitdass Aramena
gefangen worden / verursacht hatte / und er sich stark genug befande / das bette
zu verlassen / und sich anzukleiden. Ja die begierde und hofnung / diese sein
Aramena wiederkehren zu sehen /triebe ihn folgendes gar aus dem zimmer: und
beeiferte er hierbei / dass ihme ein anderer war zuvorgekommen / seine Konigin zu
befreien. Alle Syrische Fursten und kriegsbediente / die ihm begegneten /ümfinge
er / zu bezeugung seiner freude / und kundigte ihnen an / was sie schon wussten /
dass nämlich ihr Konig wieder frei wäre: da er auch / fur entzückung /nicht
hörete / wie sie alle / wegen seiner wiedergenesung / ihm gluckwünschten.
    Er ginge endlich nach seiner schwester gemach: die er / sowol mit seinem
unvermuteten gesunden aufwesen / als mit dieser guten post / erfreuete. Diese
betrubte Prinzessin hatte / den vorigen ganzen tag / aus kummernis wegen der
Konigin von Ninive noch wårender ungnade gegen ihr / und dass dieselbe sich nun
gar aus der burg verloren / des bettes gehutet: daher diese gewünschte zeitung
von ihrer Aramena / neben der genesung ihres liebsten bruders / ihr zu
aufrichtung ihres niedergeschlagenen gemutes wohl zu statten kame. Als dieser
hingegen von ihr erfuhre / wie dass die Konigin von Ninive in der Juno tempel
nicht mehr vorhanden / sondern mit allem ihrem frauenzimmer entkommen wäre /
sagte er: Solte wohl Cimber / die befreiung dieser beiden durchleuchtigen
personen /durch seine sonderbare geschiklichkeit / zuwegen gebracht haben? In
warheit / wann ich dieses Prinzen gemut betrachte / kann ich mir solches leicht
muglich furbilden: und misgonne ich ihm diese ehre nicht /sondern ich kann wohl /
sonder eiversucht / ihn den erlöser meiner Königin nennen. Das unsere Konigin
von Ninive / (antwortete Ahalibama) mit ihrem guten willen von hier entkommen
sei / dessen bereden mich viele vermutungen: wer aber sowol sie / als eure
Aramena / erlöset / solches wird die zeit offenbaren.
    Hiemit kamen Timna / Mehetabeel / Casbiane und die andere Syrische
Fürstinnen / zu ihnen in das zimmer: welche gleichfalls grosse freude bezeugten
/ dass der Aramenes aus den Assyrischen banden erloset worden. Niemand aber war
hierüber mehr erfreuet /als die Casbiane: welches bei der Ahalibama ein
sonderbares nachdenken erwekte. Als aber die Syrische Fürsten / wie auch der
Tebah und die fürnemste kriegsbediente / sich nach und nach einfanden / und
doch keiner diese gute zeitung / mit darstellung ihres erledigten Königs /
verbåssern konnte: wurde der Dison / der auf seiner Aramena ankunft mit hochstem
verlangen wartete / so ungedultig / dass er einen ieden sorgfältigst fragte / ob
er an der erlosung ihres Königs nicht anteil håtte? Als aber ihrer keiner hievon
einige nachricht geben konnte / wurde deswegen auch bei dem Fursten Hus und Husan
angefraget: die dann zur antwort gaben / dass sie hiervon nicht mehr oder weniger
wüsten / als was der gemeine ruff sagte.
    Dem klugen Tebah schosse es gleich auf das herz / Aramena wurde sich
heimlich haben davon gemacht / üm nach Ninive in den Diana-tempel zu kommen:
weswegen er die zuvor-erzeigte freude wieder verlore / und in tiefen gedanken
stunde. Der Prinz von Seir merkte solches an ihm / name ihn auf eine seite / und
fragte: Mein vatter! wisset ihr nicht / wo unsere Konigin ist? Ach mein Prinz!
(antwortete er /) ich zweifle /dass wir sie wieder bekommen werden / weil es
scheinet / sie verberge sich / sowol für uns / als für den Assyriern / und habe
diese ihre fässel zerbrochen / um solche in dem Diana-tempel mit ewigen banden
zu verwechseln. Wie konnte sie aber (wandte Dison hierwider ein) sonder hulfe
hierzu gelangen? es scheinet ja unmoglich zu sein / dass sie selber sich befreien
konnen. Ist also der warheit ånlich / dass sie und die Konigin von Ninive / weil
sie beide fast zu einer zeit gemisset worden / zugleich einen erlöser gefunden
haben.
    Diese Meinung des Prinzen fassete der Tebah wohl in die gedanken / und
beståtigte solche bei sich selber. Er wusste aber nicht auszusinnen / wer doch
ihr erlöser / und an welchem ort sie sein musste. Er betrachtete /wie sie beide /
fur den Syrern sich zu verbergen / so gar keine ursach hatten: es musste dann /
die Konigin von Ninive die unwissenheit ihrer geburt / und die Aramena der
beständige fursatz nach Ninive zu kommen / hierzu angetrieben haben. Also bliebe
er hierüber ganz unruhig / und zweifelte / ob er / sich zu erfreuen / ursach
håtte / dass Aramena des Mamellus tyrannei entgangen: zumal er ohndas ihre
befreiung /durch der Fürsten von Syrien dem Belochus hinterbrachtes anerbieten /
hoffen konnen. Dison aber verharrete in seiner guten hofnung und erfrolichung /
und schluge alles widrige aus dem sinn: die Syrer zugleich / aller orten
kundschaft hiervon einzuziehen / vermanend.
    
    Inzwischen befande sich Elihu bei der Konigin von Tyro: welche häftig
verlangte / von allem den verborgenen dingen / die ihren bruder / die Königin
von Ninive und dem Konig von Syrien angingen / davon sie nur mummeln gehoret /
eigentliche nachricht zu bekommen. Hierinnen nun von dem Elihu vergnugt zu
werden / verschlosse sie sich / mit ihme und dem anwesenden Mamellus / in ihr
zimmer / und horte hierauf den Elihu seine erzehlung also ablegen.
    Als der König von Assyrien / E. Maj. herrbruder /den krieg in Syrien wider
den Aramenes fürete / begabe sich dessen gemalin / die Königin Philominde
/heimlich von hinnen / und suchete schutz mitten in ihres feindes land / nåmlich
zu Babel: alda / sonder einiges menschen wissen / die Konigin Naphtis / ihre
schwester / sie aufname / und sie / den ganzen ersten krieg hindurch / bei sich
verborgen hielte. Es befanden sich beide Koniginnen eben schwanger / als sie
zusammen kamen. Indem sie nun den erbårmlichen zustand von Syrien / wie auch des
königreichs Ninive / welches gleichsfalls durch den tod des frommen Arius in
grosse verwirrung gesezt worden / miteinander uberlegten: machte dieses / neben
der herzlichen liebe / so die Naphtis zu ihrer schwester truge / diese
grosmütige Königin den schluss fassen / das kind / mit welchem ihre schwester
schwanger ginge / für das ihrige auszugeben / und demselben also die
Ninivitische kron / vermög des vergleichs mit den Ninivitischen stånden /
anzuerben. Es fugte sich nun / dass die Naphtis mit dem Prinzen Baleus / und zwei
tage hernach die Königin von Syrien mit einer tochter / nieder kame: welcher sie
/ nach ihrem herrn / den namen Aramena gabe / die aber nachgehends / auf des
Belochus verordnung / Delbois nach E. Maj. ist genennet worden. Bei dieser
geheimen genesung der beiden schwestern / war niemand zugegen / als meine frau
mutter / (die damals / als eine nahe anverwandtin beider Koniginnen / am
Ninivitischen hof in vertraulicher kundschaft mit ihnen gelebet) des Fürsten
Husans schwester die Hemire / ietzige stattalterin in Ninive / und die Furstin
Perseis, durch deren treu und verschwiegenheit dieses werk so geheim verbliebe
/dass in ganz Babel kein mensch anderst wusste / als dass die Naphtis dem König
Belochus zwillinge geboren hätte.
    Wie nun hierauf das Glück / wiewol nur auf eine geringe zeit / den Syrischen
König geneigter anschiene / und ihnen bässern fortgang der waffen verliehe
/machte sich Philominde heimlich auf den weg / um zu ihrem gemal in Syrien
wieder zu kehren. Wie betrubt die beide schwestern vonsammen geschieden / kann
man leicht ermessen: weil sie einander auf ungemeine art liebten / und Naphtis
die Philominde in einen gefårlichen krieg gehen sah / dessen ausgang
zweifelhaft war; diese aber bei einem ungeliebten König /und der ihr todfeind
war / ihre schwester zurück verlassen musste. Wie hernach diese unglückliche
Königin / nach der zeitung von ihres herrn tode / zu Reblate in der geburt
gestorben / und die Assyrische Konigin Naphtis ihrer schwester tochter fur die
ihrige / bis in ihren tod / ausgegeben / solches will ich alhier nicht
weitlåuftig erzählen: weil aller welt bekant ist / wie man am Babylonischen hof
/ die heurat des Prinzen Baleus mit seiner schwester / iederzeit fur gewiss
gehalten.
    Ich will aber nur dieses melden / was wenigen bewust ist / dass nåmlich der
Konig von Assyrien / ungeacht ihn iederman für verliebt in die Dalimire gehalten
/ sobald die Königin Naphtis zu Ninive ihre augen geschlossen / die seinigen
voller liebesflammen auf seine damals vermeinte tochter / die junge Königin von
Ninive / schiessen lassen: und zwar mit solcher häftigkeit / dass er / diese liebe
durch äuserliche zeichen kund zu geben / sich nicht entalten können. Wiewol nun
den Assyriern erlaubt ist / schwestern oder tochter zu heiraten / so musste doch
der Konig an dieser nahen blutfreundschaft sich årgern. Doch verlore er deswegen
seine liebsneigung gar nicht / sondern dieselbe wurde durch diesen widerwind nur
mehr aufgeblasen: und ergrosserte sich seine begierde / je mehr die wahre
vernunft ihn davon abmanete.
    Weil mein vatter von jugend auf dem König gedienet / und wegen seiner treue
/ die er / ungeacht er ein Syrischer Fürst / und dem Syrischen Konig nahe
befreundet / ståts unverbruchlich gehalten / ihm für andern lieb ware: als war
er auch der erste / der diese liebe erfuhre / und in dieser beschwerlichen sache
ein vertrauter seines Konigs wurde. Er hätte lieber gar nichts hiervon wissen
mögen: dann er kein mittel absehen konnte / wordurch diese liebe in des Konigs
herze auszutilgen wäre und wusste er wohl / als dem seines herrn gemüt von so
vielen jahren her bekant worden /dass alles einreden vergeblich sein wurde.
Demnach bekümmerte er sich sehr hierüber / und liesse es ihm /so wohl wegen seines
Konigs / als wegen des Prinzen Baleus / den er auferzogen / tief zu herzen gehen
/ dass diese unartige liebe das königliche haus dergestalt beflecken sollte.
    Es mehrte sich aber des Belochus liebe von tag zu tag / und eräugte sich bei
ihm alles / was eine håftige liebe zu begleitem pfleget: daher auch die
eiversucht sich einstellte / und ihm alle Ninivitische Fursten / die mit der
Königin zu Ninive ümgiengen / verdächtig machte. Damit er aber von ihrem tun
und lassen genaue nachricht haben mochte / gewonne er den Fürsten Ardeus / den
Arteman / wie auch die Perseis und Merone / auf seine seite: welche / ob sie
gleich von seiner liebe nichts wussten / iedoch unter dem schein /dem Prinzen
Baleus damit zu dienen / dem Konig alles kund toten / was zu Ninive vorginge. Er
fand aber / auch hierdurch / seine qual vermehret. Dan die Perseis / aus liebe
zu ihrer Konigin / und aus tragendem verlangen / die heurat zwischen ihr und dem
Baleus zu befordern / schriebe stots von ihrer Königin herzlicher wolneigung
gegen diesem ihrem bruder. Hingegen meldete Ardeus / wiedass die Königin heimlich
liebte: sonder dass man wissen könnte / wohin ihre gedanken stünden. Arteman /
berichtete von des Ninias liebe. Die Merone aber wollte behaubten / dass der Prinz
Abimelech von Gerar / für allen andern / der Königin gunst håtte. Dieses alles
bewoge den verliebten Belochus / dass er die vätterliche gewogenheit von dem
Prinzen abzoge / seinem heimlichen mitbuler nachforschete / des Ninias macht
scheuete / und dem Abimelech nicht mehr trauen wollte.
    Mein vatter / der alles dieses anligen des Konigs allein erfuhre / war auch
der einige / der es tragen halfe: und grämte er sich daruber mit seinem herrn in
die wette / also dass meine fraumutter diese grosse änderung an ihm zu spüren
begunte / und darum ohn unterlass ihm in den ohren lage / dass er sein anligen ihr
entdecken wollte. Er widerstrebte ihr zwar eine lange zeit: liesse aber doch
endlich durch ihre tränen sich gewinnen / und offenbarete ihr / wiedass der König
seine tochter liebte. Sie / die wohl wusste / wer die Konigin von Ninive wåre /
weil sie bei ihrer geburt gewesen /hörte diesen bericht nicht mit so
erschrockenen gebården an / als mein vatter ihm eingebildet / sondern lachte
hierzu / und sagte: Es sei dieses kein ungluck vor Assyrien / dass der Konig / an
statt der Dalimire /ihm eine grosse Konigin zur gemalin wehlte.
    Auf langes anhalten meines vattern / musste endlich meine fraumutter diese
worte erklären: da sie ihm dann der Aramena geburt kund machte / und ihn damit in
so unbeschreibliche freude sezte / als wann er ein ganzes konigreich erlangt
håtte. Dan er betrachtete / wie für Assyrien und Syrien nichts gewunschter und
vorteilhafter kommen könnte / als wann so ein band diese beide reiche mit der
Ninivitischen kron vereinigte: massen dadurch die Babylonische monarchie recht
fäst gegründet werden / und die furcht für den unruhigen Syrern / auf die man
stäts ein wachendes aug haben musste / damit zugleich aufhoren würde. Weil ihme
aber diese zeitung allzu gut ware / als wollte er lang nicht glåuben / sondern
hielte es für unmuglichkeit. Als aber meine fraumutter solches mit vielen
ümständen bekräftigte / auch ein schreiben von der Philominde herfürbrachte /
darin diese Konigin ihr die Aramena anbefohlen: musste er endlich gläuben / was
er über alles in der welt wunschen mogen. Er verweilte keinen augenblick / diese
froliche zeitung dem Konig zu hinterbringen.
    Ich will mich nicht lang aufhalten / die angeneme entsetzung dieses
verliebten Königs fürzumalen / als er so unversehens vername / dass er nun nicht
in seiner / sondern in der schonen Philominde tochter / dieser Königin
gleichheit lieben konnte. Sein umarmen und liebkosen / das er meinem vatter
erwiese; sein unzehliches forschen / nach der warheit dieser geheimen geburt;
und sein unaussprechliches verlangen / nun diese rechtmåssige liebe ungeseumt
ins werk zu setzen / die auf einmal alle ihre hinternise verloren hatte: diss
alles lässet sich bässer mutmassen / als beschreiben. Der ganze hof / merkte
alsofort diese grosse änderung an dem König: da dann Dalimire / mit ihrer list
/alles aus dem Konig lockete / und / welches wohl verwunderlich / die vertraute
in seiner neuen liebe wurde / auch hierdurch sich so fåst in des Belochus gemüt
wieder einsezte / als sie iemals vorher darin gewesen sein mochte.
    Hierauf nun wurde beschlossen / dass man die Königin von Ninive nach Damasco
einladen / und alda die hochzeit mit ihr vollziehen / auch der Syrer gemüter /
diese verbindung genem zu halten / vorbereiten wollte. Zu dem ende musste mein
herrvatter an seinen vettern / den Fürsten Hus / schreiben / und ihme alles
dieses entdecken: der dann / seine freude über dieser unvermuteten herfurkunft
seiner Erbprinzessin / und sein wolgefallen über der angebotenen vereinigung des
Syrischen geblutes mit dem hause Babel / in seiner antwort merklich verspüren
liesse. Der Fürst von Almodat / Sparetes / wurde hiernächst befehligt / sich
unvermerkt der stadt Ninive zu nähern / und / durch habende kundschaft mit
etlichen von den furnemsten Niniviten / dahin zu trachten / wie er der stadt /
und dadurch des ganzen Konigreichs / sich bemächtigen mochte: damit die
Niniviten / diese heurat merkend /nicht von ihrer Königin abtrunnig werden
könten.
    In solchem zustand fand ich den hof / als ich nach Acraba kame: und
offenbarte mir nicht allein mein vatter dieses alles / sondern es wollte auch der
Konig /dass ich solches E. Maj. und dem stattalter / und darneben / was mit dem
wiedergefundenen Aramenes fürzu nemen / umständlich eröffnen / auch absonderlich
E. Maj. vermelden sollte / wie dass der Philominde schönheit S. Maj. abermals /
und zwar ja so håftig /als das erstemal / gefangen hielte: worbei sie aber
hoffeten / der tochter gutigkeit würde sie in friedlicher beherrschung des
reichs Syrien erhalten / gleichwie der mutter verachtung ihn gezwungen håtte /
dasselbe mit blut zu überschwemmen / und also einzugewinnen. Wie ich vermute /
so werden S. Maj. in wenig tagen allhier sein: und stösset sich seine
heruberkunft nur noch an einer von Ninive und Elam eingelaufnen zeitung / wiedass
in beiden reichen ein gefärlicher aufstand durch den Ninias und Sadrach erwecket
worden. Diesem zu steuren / soll der Laristenes mit teils völkern zu rücke
gehen: Sie wollten auch befehl an den Stattalter in Meden erteilen / diesem
unheil alsofort mit aller macht vorzukommen. Ich habe auch dieserwegen noch
sonderbaren befehl an E. Maj. tochter /die Königin von Elam: die der Konig
Belochus versichern lässet / dass er sich ihres reiches eifrigst annemen wolle /
in der fåsten zuversicht / sie würde die dienste / so er ihr hierin leistet /
seinem sohn hinwieder zum bästen gereichen lassen.
    Hiemit beschlosse Elihu seine erzehlung / und liesse die gute Königin von Tyro
über diesem allem in so grosser verwunderung / dass sie solches lang in ihren
gedanken überlegte / ehe sie ein wort daruber vorbrachte. Mamellus seines teils
fand nichtes båsser für Syrien / als diese heurat: zumal weil dadurch er in
seinem stattalter-amt ungekränkt bleiben wurde. Nun aber ware er sorgfältig /
wie sowol der Aramenes / als auch der Cimber / möchten vom brod gerichtet
werden: dann er diese beide für die gefärlichste feinde seines Königs hielte /
indem der erste ihm um das Syrische reich / der andere aber üm seine geliebte
Königin / bulete. Die staats-ursachen / unterdruckten bei diesem Fürsten alle
andere betrachtungen: dass daher öfters die tugend / die ihn sonst regirte /
weichen musste / wo der staats-nutze sie nicht dulten konnte. Dannenhero machte er
ihm kein gewissen / darauf zu gedenken / wie man dieser beiden Fursten mit guter
art und fürsichtigkeit sich erledigen möchte: welches er hernach bei seinem
herrn / dessen gemüt ihm bekant war / wohl zu verantworten ihm getrauete. Er
sagte aber hievon nichtes / weder der Königin von Tyro / noch dem Elihu: weil
die barmherzigkeit der ersten / und die bezeigung des andern bei
neulich-aufgetragener hinrichtung der vermeinte Aramena / ihn zurückhielte / und
er also / in einer so wichtigen sache / sich niemanden als ihm selber zu
vertrauen / schlussig bliebe.
    Mitlerweile nun / er und die Königin von Tyro /also in gedanken sassen /
klopfte man sehr stark an die tur des gemachs: welches dem Mamellus ursach gabe
/ eiligst hinzulaufen und dieselbe zu öffnen. Er befande / dass es der Astarinus
war / einer von seinen fürnemsten und bästen kriegsbedienten: welcher anmeldete
/ dass der Prinz Sinear / mit acht tausend Chaldeern / ihne zu hülf kåme / und
gleich ietzund zum tor einziehen würde. Hierneben berichtete er auch / wie dass
man von der stadt-seite her ein grosses getümmel verneme / und vom turn ersehen
habe / dass auch den Syrern hülfe müste zugekomen sein. Nach anhorung dieses
berichts / name der Mamellus alsofort urlaub von der Konigin / üm den Sinear mit
den seinigen zu entfangen / auch alle posten gegen der stadt doppelt besetzen zu
lassen / weil er sich eines neuen überfalls besorgte. Der Prinz Sinear machte
ihn noch sorgfältiger / mit dem bericht / wiedass der König von Canaan ihme am
Libanon den pass verleget: da er zwar endlich / neben dem Tarsis und seinen
Niniviten / sich durchgeschlagen / diese aber folgends / als der hauptman Sachar
/ von den Syrern abgeschickt / zu ihnen gekommen / sich von den Chaldeern zu den
Syrern gewendet / welche also mit siebenzehn tausend man verstärket worden.
    Man hielte hierauf kriegsrat / in des Cimbers gemach / dem sie / wegen
seiner erwiesenen heldentaten / auch weil er noch schwach war / diese ehre
gaben: doch wurden die Niniviten / als der Barzes / Ardeus /Jotan / Arteman und
die andere / ausgeschlossen. Mamellus riete / man sollte ganz still sein und
nichtes feindliches fürnemen / bis der Syrischen Fursten gesandte von Acraba
wiederkämen / die / als Elihu berichtet / den frieden mitbringen würden: weil
der Konig Belochus sich erklåret / die angebotene heurat mit der Konigin von
Ninive / die nun fur die Syrische Erbprinzessin Aramena erkant worden /
anzunemen /und den Syrischen König / der aber nun schon aus der gefängnis
entkommen / auf freien fus zu stellen. Die anwesende / als der Sinear /
Mancaleus / Nechubes /Altadas / Tyson und Astareus / verwunderten sich hochlich
uber dieser zeitung / von verwandelung der Königin von Ninive / und deren
bevorstehender heurat. Der Cimber aber / so zwar schon gewust / dass seine
Königin nicht des Belochus tochter wåre / aber niemals ihme traumen lassen / dass
Syrien ihr vatterland sein würde / vermochte / auf so frömden bericht / die
farbe so wohl nicht zu halten / dass Mamellus die grosse bewegung seines gemütes
nicht erkennet håtte. Als nun dieser so verliebt- als getreue Prinz betrachtete
/ wie gefärlich es für seinen Abimelech stunde /stünde / und wie er seiner
Königin beizuspringen grosse ursach hätte: verlangte ihn nur nach dem ende dieser
beratschlagung / üm auf mittel zu denken / so wohl zu seiner Konigin zu gelangen
/ als die hülfvolker aus Basan zu befehligen / dass sie Damasco sich nähern
sollten. Es beliebten aber alle anwesende die Meinung des Stattalters / und
funden sie dabei nötig /den Niniviten / so noch bei ihnen waren / die
bevorstehende dinge zu bergen / und acht auf sie zu haben /dass sie keinen lärm
anfangen mochten. Mamellus hätte zwar dieses / in des Cimbers gegenwart / lieber
verschwiegen gesehen: weil er aber allbereit keine gute anschlåge über ihn hegte
/ als hoffete er / dass dieser Prinz ihnen nicht lange mehr schädlich sein sollte.
    Als sie wieder von einander giengen / entstunde unversehens ein grosser
auflauf: und erfuhren sie / dass der Furst Barzes / neben dem Jotan / mit den
Niniviten zum feind übergingen; welches Ardeus und Arteman / als die gut
Assyrisch und zuruck geblieben waren / selber anmeldeten. Mamellus / fernerem
unheil zu wehren / eilete dahin / wo ein scharmützel zwischen den Niniviten und
Assyriern angegangen war: da er dann die seinigen an- und zu ruck hielte /weil
von der stadt her die Syrer bereits zusammen liefen / und mit an den streit
wollten; die aber / als die Assyrier sich zurück zogen / und die ankommende
Niniviten sich freund erklärten / die waffen wieder niederlegten. Barzes / als
hochstbegierig / seine Königin zusprechen / und zu erfahren / warüm sie sich von
der Assyrier seite abgewendet / eilete nach der Kemuelsburg: da die Syrische
Fursten / gleich wie zuvor den Tarsis / ihn zwar freundlich bewilkommeten /
aber zugleich ihme ankundigten / wiedass die Konigin von Ninive sich verloren /
und man aller orten ihr vergeblich nachgeforschet håtte. Die Syrer fragten
hingegen nach ihrem König / welcher gestalt er aus dem gefängnis entronnen wäre:
wovon ihnen der Barzes gleichfalls keine umständliche nachricht geben konnte.
    Der Prinz Dison war zugegen / als diss gespråche mit dem Barzes furgienge:
welchen dann dieser Fürst von Arvad nicht kante / ob er ihn gleich unter
Aramenen gestalt öfters gesehen hatte. Dison gabe sich demnach ihm zu erkennen /
und machte ihn dadurch so besturzt / dass er nicht wusste / was er sprechen sollte.
Eure verwunderung (sagte Dison) ist so billig / dass ich euch deswegen gar nicht
verdenke. Soltet ihr aber die ursachen wissen / die mich zu dieser langwurigen
verstellung und seltsamen trauung bewegen / wurdet ihr mich so sehr beklagen /
als ihr mich nun bewundert. Es ist aber jezt nicht zeit / hievon zu reden: da
uns vielmehr obliget / unsern grossen verlust / wo muglich / zu ersetzen / durch
ämsige nachforschung /wo unser König und Konigin geblieben. Diese lezte worte
brachte Dison mit solcher håftigkeit fur / dass er sie mit tränen begleitete: und
ware diesem verliebten nun aller muht entgangen / nachdem der ganze tag /sonder
einige nachricht von dem verlornen Aramenes / dahin verstrichen / worinn ihm dann
alle Syrer gesellschaft leisteten.
    Mitlerweile nun der Nahor / Opharteus und Badezorus / die mit dem Tarsis
angekommene Niniviten /wie auch die andere volker / welche der Barzes
herzugebracht / in und auser der stadt verteilten / ware Tebah geschäftig / den
Tarsis zu vermanen / und mit vielen staatsgrunden zu bereden / dass er gegen
seine Niniviten noch zur zeit heimlich halten wollte / wie ihre Konigin für die
Syrische Prinzessin wäre erkant worden: welcher ihme solches auch gefallen
lassen. Dieser vorsichtige statsmann ware auch sonderlich darauf bedacht / so
lang als immer muglich / fur dem Dison diese geburt zu verbergen: weil er
besorgte /dieser Prinz würde alsdan / aus angeborner tugend /nicht mehr so
eifrig sich bemühen / das reich Syrien fur die jüngere Aramena zu verfechten /
wann er wüste / dass eine ältere schwester / und also eine nähere zur kron /
vorhanden wåre. Die Niniviten aber wollte er darüm hievon nichts wissen lassen /
damit sie nicht zu einiger neurung / worzu sie ohndas geneigt waren / und der
Konigin / als unrechtmäsigen erbin von Ninive / diese kron zu entziehen / anlass
bekåmen.
    Als nun die folgende nacht / von den meisten hohen personen in Damasco /
sehr unruhig zugebracht worden / begunte es nicht sobald wieder zu tagen / da
machte sich der Furst Husan aus seinem bette herfur /und liesse sich ankleiden /
des fürhabens / weil die årzte ihm auszugehen erlaubet / der Konigin von Ninive
in dem Isis-tempel heimlich aufzuwarten / und ihr die ursach / warüm er sie also
verborgen hielte /zu entdecken. Wie er aber aus dem zimmer treten wollte / kame
ihm der Fürst Arsas von Cale entgegen: welcher iezt eben von Ninive wiederkehrte
/ und von dem oberstattalter zu Ninive an ihn war gewiesen worden / wan er
etwan / wegen der in Damasco entstandenen unruhe / davon sie zu Ninive bereits
vernommen hatten / zu seiner Konigin nicht kommen konnte. Husan / der von des
Arsas abschickung nach Ninive nichtes gewust / erfreute sich hochlich / diesen
Fürsten zu sehen: noch mehr aber / als er von ihm vername / dass er aus Ninive
von seinem schwager kåme / und ein hochangelegenes gewerbe von demselben
mitbrächte. Demnach gienge er mit ihm zurucke in sein gemach / und hörte ihn
diese erzehlung ablegen.
    Ich komme von einem so verwirrten ort / und finde auch hier alles so
verkehrt / dass meine begierde nicht geringer ist / hiesigen zustand recht zu
wissen / als mein obligen / dem Fürsten von Chesed zu eroffnen /womit unser
oberstattalter mich beladen hat. Meine gnådigste Konigin sandte mich / vor
wenig wochen /von hier nach Ninive: dass ich so wohl / wegen der besorgten gefahr
/ davon sie nachricht erhalten / mich erkundigen / als auch ein kåstlein abholen
sollte / darin sie von ihrer geburt etwas gewisses zu finden verhoffete / weil
sie am Assyrischem hof / dass sie des Konigs Belochus tochter nicht wåre, mit
grosser befrömdung erfahren hatte. Als ich nun daselbst angelanget / und dem
oberstattalter mein anbringen eroffnet / truge derselbe keinen scheu / weil die
sachen iezt also stunden / mir zu entdecken / was bisher die welt anderst
geglåubet / dass nämlich unsere Königin die erbin von Syrien wåre. Er gabe mir
hierbei seine verwunderung zu verstehen / dass / auf sein so vielfältiges
zuschreiben / der Furst von Chesed der Königin ihre geburt allhier noch nicht
geoffenbaret / und / was sie beide mit einander beschlossen / werkstellig
gemacht hätte. Er sagte mir ferner / wie es nicht ohn / dass gefahr obhanden /
weil der Fürst Sparetes von Almodat / mit einem grossen heer / an den gränzen
des reichs låge: doch verhoffte er / durch gute aufsicht / allem unheil
fürzukommen.
    Wie ich nun etliche tage mich daselbst aufgehalten / und eben im werk
begriffen war / mit erwähntem kåstlein hieher zureisen: erhube sich unversehens
/ in dem ort der stadt / welcher Ressen heiset / und darin der berumte Dianen
tempel liget / ein gewaltiger aufstand indem die daselbst-wonende burger und
soldaten / fur den Ninias Prinzen von Ressen sich erkläret. Dieser hatte
heimlich von hier sich dahin begeben /ihm in der stille einen grossen anhang
gemacht / und darauf / nachdem er seine macht versamlet / diese empörung
lautmärig werden lassen. Alles volk in Ressen rieffe: Es lebe unser regent
Ninias! Dieses geschrei erweckte in den anderen teilen der stadt / fürnemlich in
Jr und Cale / eine solche furcht und unordnung / dass der oberstattalter / wie
auch die andere des reichs furneme bediente / gnug zu tun bekamen / die ubrige
Niniviten in gehorsam zu erhalten. Ich hatte erfahren /dass der Sparetes in Babel
befehligt worden / sich der stadt zu bemåchtigen / sobald die heurat mit dem
Belochus und unserer Konigin hier in Damasco wurde volzogen sein: daher ich
anfangs nicht anderst gläubte / als dass diese unglückliche hochzeit bereits
geschehen / und Sparetes der urheber des aufstands wåre.
    Des Peldas fürsichtigkeit konnte nicht verwehren /dass nicht / zwei tage nach
diesem ersten aufstand /auch Ir zur emporung griffe und sich Assyrisch erklårte.
Es hatten auch die unsrigen / und unter andern /(welches ich / zu meines hauses
höchster beschimpfung / mit innigster betrübnis melden muss /) mein vatter selber
/ in verråterei sich mit einflechten lassen: daher Sparetes keiner mühe brauchte
/ sowol unsere anschläge zu erfahren / als in Ir zu kommen; welches er man nicht
länger verschieben wollte / weil Ninias anderweit ihm so unvermutlich zuvor
gekommen war. Ich vermeinte nun zum andern mal / unsere Königin wäre schon an
den Belochus getrauet worden. Ich hatte aber / hieruber mich zu betrüben / wenig
zeit: weil der unverhofte abfall meines vatters mich so kleinmütig machte / dass
ich nicht wusste / was ich beginnen sollte. Sonder eitlen ruhm zu melden / war ich
unter allen Niniviten wohl der furnemste in meiner Konigin gnade: und musste nun
denjenigen / der mir das leben gegeben / so gröblich gegen unsere guttäterin
sundigen sehen. Peldas zoge mich darüm nicht unbillig in verdacht / dass ich auch
einer von diesen verrätern wåre.
    Solche einbildung ihme zu benemen / sprache ich alles volk in Cale auf / und
fürete sie an / wider die von Ir: sie zur beständigkeit fur unsere Konigin
eifrigst ermanend. Weil mein vatter in Ir lage / als wollte Peldas mir nicht
zulassen / auf denselben los zugehen: daher er mich auf Ressen beordnete / und
die belagerung von Ir selbst über sich name. Mein eifer für unsere Königin /
machte mich so mutig / das ich in Ressen einbrache / und den Ninias triebe /
seine sicherung in dem Dianen-tempel zu suchen: den ich dann belägerte / des
vorhabens / nicht davon abzuziehen /bis ich ihn erobert håtte. Von den
gefangenen / die ich bekame / erfuhre ich / wiedass der Prinz Tiribaces von Tyro
/ und der Prinz Sadrach von Elam / bei dem Ninias wåren: deren der erste die
Prinzessin von Sidon /der andere aber die Prinzessin von Egypten / aus dem
Dianen-tempel zu entfuren / ihnen vorgenommen hatten. Wie sie dann solches bald
darauf werkstellig machten / indem sie in den tempel brachen / denselben
anzündeten / und mit den beiden Prinzessinnen bei nacht uber den Hidekel davon
kamen. Ich erfuhre nachmals / dass sie mit ihrer beute nach Elimais den weg
genommen / und daselbst fast einen gleichen aufstand / wie in Ninive / erwecket.
Der Ninias inzwischen gedachte / sich bis auf das äuserste zu wehren /und
schaffete deswegen die oberpriesterin Celia /samt allem frauenzimmer / von sich
hinaus: die dann voll schrecken und betrubnis zu mir kamen / und /ihres
herrlichen weltberumten tempels untergang mit tränen begiessend / fast mehr todt
als lebendig / sich nach des oberstattalters palast furen liessen
    Weil der abtrünnige Ninias wohl sah / dass es ihm allein in die länge zu
schwer fallen dorfte / zoge er den Sparetes mit den Babyloniern auf seine seite:
daher ich / zumal auch der Peldas meines beistands vonnöten hatte / von ihm
ablassen / und ihm also raum geben musste / herr von Ressen zu bleiben.
Inzwischen / weil ja alles unglück auf einmal uns anstossen sollen / mussten wir
auch erfahren / dass hier in Damasco gleichfalls alles über und uber ginge:
wiewol diese zeitung so undeutlich / und mit so ungewissen umstånden / uns
zukame / dass ich auf nichtes fussen konnte. Der oberstattalter sah demnach für
gut an / dass ich meine rückreise hieher eiligst anstellen /und sowol hiesigen
wahren zustand dahin berichten /als alhier / wie es dorten stünde / kund machen
sollte. Also bin ich mit grossen tagreisen hieher gereiset /und wunsche nun / mit
ångstlichem verlangen / zu vernemen / wie eigentlich hiesige unruhe sich
angesponnen / und wo ich meine Konigin antreffen solle.
    Ihr kommet / mein Furst! (sagte hierauf Husan) zu so gewünschter zeit / dass
ich daraus abneme / der gutige himmel werde mein vorhaben segnen / nun er dieses
so wohl verfuget. Es ist ja nicht ohn / dass mein schwager fürlångst der Konigin
von Ninive geburt mir zu wissen getan / und dabei mich fleissig ermanet / dass
ich ihr zu ihrem vätterlichen tron verhelfen sollte. Ich habe aber solches /
vieler ümstände halben /müssen anstehen lassen / und zwar fürnemlich darum /
weil das gerüchte von einem noch verhandenen sohn des Aramenes stark gegangen:
wovon nun endlich das werk erfolget / und haben wir / allein unsers neuen Königs
halber / alle diese ietzige unruhe auf dem halse. Wann euch aber beliebet / eure
Konigin zu sehen / und in deren gegenwart ein mehrers von hiesigen dingen zu
vernemen / so kommet mit mir! ich will euch alsofort dieser vergnügung teilhaftig
machen.
    Der erfreute Arsas zeigte sich über dieser post so vergnügt / als betrubt er
zuvor wegen des verlusts seiner Konigin erschienen: und name ihn der Husan
alsofort in seinen wagen / ihn ermanend / dass er den mantel fur das gesicht
schlagen sollte / damit niemand auf der gassen ihn erkennen möchte. Also fuhren
sie nach dem Isis-tempel / wiewol mit einem weiten ümschweif / und traten auf
der hinterseite vor der gartentur ab: da der Abdastartus sie entfinge / und in
das zimmer der Konigin von Ninive begleitete. So redlich nun dieser priester
sich erwiese / den Syrern zu bergen / dass die schone Königin von Ninive in ihrem
tempel sich befande / so verschwiegen war er auch gegen dem Husan / des
Syrischen Konigs da-sein ihm zu verhalten: der dann also beiden teilen / als den
Syrern und Babyloniern / treu verbliebe / sonder ihre geheimnise auszubringen.
Wie nun Arsas mit den Husan in das gemach trate / täte die Konigin für freuden
einen grossen schrei / und dem Husan keine zeit lassend sie anzusprechen /
bezeugte sie so bald ihr häftiges verlangen / des Arsas verrichtung zu vernemen.
    Dieser fürst aber liesse / aus ehrerbietung / den Husan erstlich sprechen /
der dann die Königin also anredete: Es ist nunmehr der vierte tag / seit dass E.
Maj. beliebet / meinen einraten zu folgen / und diesen ort zu ihrem geheimen
aufentalt zu erkiesen. Meine leibs-schwachheit hat mich seiter gehintert / bei
E. Maj. meinen bericht abzulegen / was fur ursachen mich bewogen haben / diesen
raht zu ergreifen. Es gonnet mir der himmel die ehre / (fuhre er fort / nachdem
er eine weile ingehalten /) der schonen Königin von Ninive zu verkündigen / wer
ihre durchleuchtigste eltern gewesen; aus welcher kentnis alles das andere
herruret / was ich zu berichten habe: und wird der Furst Arsas mir nicht
verublen / dass ich ihm hierin zuvorkomme / und das jenige eröffne / dessen
bekråftigung er von Ninive mitgebracht hat. E. Maj. sind unsers verstorbenen
Konigs / des Aramenes / und seiner Philominde ältste Prinzessin / die bei ihrer
geburt den namen Aramena entfangen. Demnach begrüsse ich hiermit E. Maj. als
meine angeborne Erbprinzessin: alles heil und wolergehen / von dem höchsten
himmel / ihr herzinnigst anwunschend. Indem Husan diese worte herfürbrachte /
fiele er auf sein angesicht / und küssete den boden.
    Die verwunderte Königin richtete ihn bald wieder auf / und sich erfreuend /
dass der himmel ihr solche zu eltern bescheret / die sie allemal in ihrem herzen
so hoch verehrt hatte / liesse sie dieser antwort sich vernemen: Dass ich nicht
des Assyrischen Konigs tochter sei / habe ich bereits fur etlichen wochen
gewust; dass ich aber dem edlen Syrien mein leben zu danken habe / solches ist
mir bis iezt unbekant gewesen. Diese kentnis aber befrömdet mich nun gar nicht:
weil eine natürliche neigung gegen dem Syrischen geschlecht in mir sich allemal
so håftig spuren lassen / dass ich nun leicht urteilen kann / solche sei von dem
verborgenen geblüt erreget worden. Ich gläube derhalben / sonder beweis / des
Fürsten von Chesed worten / massen mir ohndas dessen aufrichtigkeit mehr als zu
wohl bekant ist: die mich auch / auf sein einraten / diesen tempel zu meinem
aufentalt zu wählen / bewogen hat / ungeacht mir dessen ursache verborgen
gewesen und noch sind.
    E. Maj. gute (versezte Husan) urteilt recht von meiner redlichkeit / die
ich auch / bis in meinen tod /dem Aramenischen geblüt erweisen werde. Und ob man
zwar bisher mich für Assyrisch-gesinnt angesehen / so ist doch iederzeit mein
herz gut Syrisch geblieben: wie ich dann solches gleich erwiesen / sobald ich
erfahren / dass meines Königs sohn noch im leben sein sollte. Um aber E. Maj.
verlangen / wegen der ümstände von ihrer geburt / zu erfüllen / so bringt Arsas
das kästlein mit / darin die Konigin Naphtis alle urkunden von E. Maj. ankunft
beigeleget. Zwar ihrem willen nach / hätte E. Maj. dieses nicht eher erfahren
sollen / als wan sie mit dem Prinzen Baleus /ihrem sohn / wären verehlicht
gewesen. Wie fein hat nun der himmel / nach dem wunsch E. Maj. fraumutter / wie
ich hernach berichten will / es anderst geschicket / dass sie nun / sonder diese
verehlichung / erfahren konnen / von welchem hohen stammen sie entsprossen
seien.
    Hiermit trate Arsas herzu / der ihr / nachdem sie ihn bewilkommet / kniehend
das begehrte kästlein uberreichte / und sagte: wie dass er dasselbe / auf dero
gnådigsten befehl / aus dem königlichen schatz geholet hätte / das dann des
Husans worte beståtigen wurde; und wollte er / die andere verrichtungen seiner
reise zu erzählen / versparen / bis das kästlein geöfnet wäre. Es ist dessen so
viel / was ich zu wissen verlange /(sagte hierauf die Königin) dass ich / um
durch die vielfältigkeit nicht verwirret zu werden / die ordnung beliebe / und
damnach von dem Fürsten Husan am ersten zu horen verlange / wie meine rechte
geburt aller welt so lang verborgen bleiben können / und was sich dabei alles
zugetragen: nachgehends will ich sehen /was dieses kästlein in sich verschliesset
/ und vernemen / was ihr / Furst Arsas! mir von Ninive / und von dem Peldas /
anzubringen habet.
    E. Maj. befehl zu erfüllen / (fienge Husan hierauf an /) so muss ich
gehorsamst berichten / wie dass es /zu zeiten des grossen Aramenes / sich
angelassen / als wan der himmel / durch die geburt des Prinzen Aramenes / den
uns die erste Konigin Philistina mit einbuss ihres lebens hinterlassen / unserem
Syrien die glückseligkeit gönnen wollte / welche allein die reiche und lande in
guter ruhe und frieden zu erhalten pfleget. Es verlore sich aber bald diese
unsere hofnung /indem von dem jungen Aramenes / in seinen noch zarten jahren /
aus Gerar / daselbst ihn unser König bei seinem schwager erziehen lassen / die
leidige zeitung von seinem tod einlieffe. Die Syrer / hierdurch hochst betrubet
/ sezten hiernåchst ihre hofnung auf die Königin Philominde / E. Maj. fraumutter
/ dass die unser reich anderweit mit einer erfreulichen geburt beseeligen würde.
Wegen des damaligen kriegswetters / welches der Belochus über uns furete / war
unsere Konigin / schwangers leibs / heimlich aus dem reich und zwar nach Babel
geflohen: von dar sie nachmals / als es mit unsrem zustand sich zu bässern
schiene / wiederkommend fürgabe / wie dass sie keines lebendigen oder zeitigen
kindes genesen wåre.
    Dieses / wie auch die sorgfältige geheimhaltung der geburt der jüngern
Aramena / worbei unsere unvergleichliche Konigin den geist aufgegeben /
verursachte / dass wir verlassene Syrer das Babylonische joch gedultig auf uns
namen: weil wir nichtes von unsrem grossen Aramenes übrig wussten / das uns håtte
konnen mutig machen / die waffen wider die so grosse Assyrische macht zu
ergreifen; hingegen unter uns Fürsten die ehr-eifersucht regirte / dass keiner
dem andern das nähere recht zur Syrischen kron gestehen oder gönnen wollte. Also
blieben die Assyrier in ruhiger besitzung unsers landes: und weil sie nach und
nach sich mit uns befreundeten / als wurden wir hierdurch üm so viel mehr
gebunden / sonder widerreden gut Assyrisch zu bleiben.
    In solchem zustand lebten wir nun so viel jahre: bis man / ungefår vor vier
monden / viel beschriebene zettel allentalben durch Syrien / unwissend durch
wessen hand / ausgestreut gefunden / des inhalts / dass unsers Konigs sohn / der
junge Aramenes / noch lebe / und wir die waffen wider die Assyrier ergreifen
sollten / um dadurch zu befordern / dass dieser unser Konig sich seinem volk sehen
liesse. Als wir Syrische Fürsten / wegen dieser nachricht / uns nach Hierapolis
versamlet hatten / und doch daselbst keinem schluss machen konten: kamen meinem
vettern / dem Fursten von Hus / von dem Baracheel / und mir von meinem schwager
aus Ninive / fast zu einer zeit / briefe / mit der nachricht / wie dass E. Maj.
fur die Syrische Erbprinzessin Aramena erkant worden; dass die Konigin Philominde
sie heimlich zu Babel / als die Naphtis eben auch mit den Baleus niedergekommen
/ geboren habe; dass diese Konigin E. Maj. zu ihrer tochter angenommen; dass nun
der König Belochus solches alles erfahren / auch in häftiger liebe gegen E. Maj.
entbrant / und daher willens wåre / durch diese heurat auf den tron des reichs
Syrien sich fäst zu setzen / und den sohn / der aus dieser ehe kommen würde / zu
unsrem kunftigen Konig zu benennen. Um des willen sollte der Fürst von Hus
bedacht sein / die gemüter der andern Fursten dahin zu lenken / dass sie diese
heurat aufs bäste befordern mochten.
    Der Hus / als nahe an das Assyrische haus beschwiegert / weil seine
schwester an den Prinzen Bildat von Chaldea verehlicht ist / liesse diese
fürschläge des Baracheel ihm sehr wohl gefallen / und machte mehr werk davon /
als aus den zetteln / die uns auf den noch lebenden Aramenes vertrostet hatten.
Wie hierauf E. Maj. in Damasco kamen / wurde er durch dero hofmeisterin / die
Perseis / eines mehrern berichtet / also / dass er an E. Maj. wahrer geburt nicht
mehr zweifeln dorfte. Demnach fassete er den schluss / dero heurat mit den
Belochus nach möglichkeit zu befördern: welches er dann auch mir / als seinem
freund / entdeckte.
    Ich gebrauchte aber nicht gegen ihm hinwieder solche vertreulichkeit / und
meldete ihm nichts von dem /was mir der Peldas mit geschrieben / wie dass nämlich
meine schwester / die von jugend auf bei E. Maj. fraumutter kammerjungfrau
gewesen / mich bitten liesse /unserer unvergleichlichen verstorbenen Konigin zu
liebe / dahin bemüht zu sein / dass ia die heurat zwischen E. Maj. und dem
Assyrischen Prinzen / (um des willen sonder zweifel / der Konig von Assyrien /
E. Maj. hieher zu kommen werde eingeladen haben) nicht fortgehen / sondern
vielmehr E Maj. auf ihren våtterlichen tron in Syrien / der ihr von rechts wegen
geburet / gelangen moge. Peldas sezte noch hinzu /wie dass es nicht eher / als
ietzund / nutzlich gewesen /E. Maj / geburt mir zu offenbaren / da bisher noch
die gelegenheit ermangelt / solches mit vorteil zu tun: die dann nicht
gewunschter sich darbieten konnte / als da E. Maj. in ihr reich zu kommen / von
dem Belochus so unversehens genotigt worden.
    Ich bekenne / dass ich sehr unschlussig bliebe / wie ich hierbei mich bezeigen
sollte. Die liebe zu meines verstorbenen Konigs geblute / liesse mich zwar nicht
wanken / welche seite ich von beiden halten sollte: die umstånde aber / und die
art solches wohl auszufüren /konnte ich unmuglich absehen / weil ich den andern
Syrern gar nicht trauen dorfte. Die wahre abbildung unserer Konigin in E. Maj.
gestalt / reitzete mich tåglich an / die waffen für sie zu ergreifen: etwas
verborgenes aber zoge mich wieder zurück / und hiesse mich der zeit erwarten / da
mir immer schwanete / dass E. Maj. bruder / der Aramenes / sich noch einstellen
würde. Inzwischen unterhielte ich meinen schwager in stäter hofnung / dass ich
fur E. Maj. mich erklären wollte. Ich machte ihn auch alles wissen / was
fürgienge / insonderheit wie / zu des Hus und meiner höchsten bestürzung /
unsere meiste Fürsten / des Hemors von Canaan seite ergriffen hatten / mit
vorwand / dass der an unsere Prinzessin Aramena / als Syrische Erbkönigin /
vertrauet wäre. Weil ich ihn üm erklärung dieses rätsels ersuchet / bekame ich
hierauf / in seinem brief / den mir mein vetter der Ardeus mitbrachte / die
nachricht / wie dass E. Maj. als ihn die oberpriesterin Celia berichtet / noch
eine schwester hätte: welche aber / seiner gewissen ausrechnung nach / junger
sein müste / und also an den tron von Syrien nicht kommen konnte.
    Ehe ich diesen brief erhalten / hatte / mir und dem Fursten Hus / des
gegenwärtigen Fursten Arsas gemalin / die Casbiane / vertrauet / wie unser
erbherr / der Aramenes / gewiss vorhanden / und gar bei uns in Damasco wäre:
welche zeitung nachgehends der alte Tebah uns beståtigte / und alles erofnete /
was nun am tag ist / wie nämlich bisher unser Konig / unter des Disons namen /
bei der Prinzessin von Seir sich heimlich aufgehalten / und an die dapfere
Aramena aus E. Maj. frauenzimmer / die man für den Dison Prinzen von Seir
erkennet / zum schein sich trauen lassen / um seinem Fürsten / bei dieser so
grossen zusammenkunft / sich zu erkennen zu geben. Mein Gott! was verneme ich?
(fiele der Arsas alhier dem Husan in die rede) ist Aramena / der Prinz von Seir?
Ja freilich / mein Arsas! (sagte die Königin / ganz errötet und mit vielem
seufzen) also böslich hat dieser betrieger meine unschuld gemisbrauchet / und /
mit zuziehung der Fürstinnen von Seir / so viel frevels an mir verüben dorfen.
Husan bestürzte nicht wenig / als er die Konigin also reden horete / weil er
bisher in dem wahn gestanden / als ob zwischen ihr und diesem Prinzen eine liebe
vorhanden wäre: die er dann auch /in erwågung dieses Fürsten sonderbarer
geschicklichkeiten / die ihn die Ninivitische kron zu tragen würdig machte /
gern hätte mögen erfüllet sehen. Der Arsas aber vertiefte sich immer mehr in die
verwunderung /ie mehr er dieses betrachtete / und konnte für uberhåuften gedanken
auf nichts gewisses kommen / weil er gar zu viel frömdes auf einmal erfuhre. Ihr
seit aus eurer erzehlung gebracht worden / Fürst Husan! (sagte die Konigin) die
ich zu volfüren bitte.
    Der gesamten Syrer erklårung / (fuhre dieser fort zu reden) fiele hierauf
fur unsern neu-erkannten Konig /und wissen E. Maj. wie wir in unsrem fürhaben
anfangs so gluckseelig waren / dass wir grossen vorteil über die Assyrier
erhielten / und E. Maj. glücklich aus ihren händen auf die Kemuelsburg brachten:
welcher sieg aber uns sehr teuer wurde / als wir / aus gar zu grosser sicherheit
/ unsern König dem grausamen gewalt der Assyrier überlassen mussten. Seine bande
verursachten / dass der Fürst von Hus seine bisher-verschwiegene gedanken / dem
König Belochus zu gefallen / herfürbrachte / und die andere Syrische Fürsten
dahin beredte / dass sie gesandten an diesen Konig abfärtigten / und ihme / üm
ihren gefangenen König samt dem frieden wieder zu erlangen / E. Maj. zur gemalin
anbieten liessen. Weil ich ihren vergeblich widersprochen hatte / als brachte
mich solches zu der Entschliessung / E. Maj. heimlich aus der Kemuelsburg hieher
zu verhelfen / und sie also von dieser zwang-heurat zu erretten / auch / mit
offenbarung ihrer ankunft / ihr meine getreuste dienste ferner anzubieten. Der
himmel hat es nun also gefuget / dass eben heut der Arsas den båsten beweiss von
E. Maj. geburt mit hieher bringen müssen / damit sie die warheit meiner worte
erkennen mögen.
    Wie ich erfahre / (sagte hierauf die Königin) so erwecket der Himmel noch
immer einem treuen freund /wan es scheinet / dass wir nun gånzlich verlassen
seien. Ich bin euch hochlich dafür verbunden / mein vetter! und werdet ihr auch
nun mir erlauben / dass ich das vom Arsas mitgebrachte kästlein / üm mehrere
versicherung von meiner geburt daraus herfürzuholen / eröffnen moge.
    Der oberstatalter Peldas / (fienge Arsas hierauf an zu reden) schicket E.
Maj. aus dem Königlichen schatz / gegenwårtiges kästlein / das sie begehret: und
ist / dessen mundlicher bericht / von dero geburt / mit des Fürsten von Chesed
erzehlung allerdings einstimmig. Hiemit name die Konigin das kästlein in die
hand / welches in einem silbernen gehäuse verschlossen war: nach dessen eröfnung
/ ein guldnes lådlein /mit den köstlichsten edelsteinen besezt / sich zeigte /an
welchem man aber keine stelle fand / da es konnte aufgeschlossen werden. Nachdem
die Königin eine weile vergeblich gesuchet / sagte Arsas: Es hat die
oberstatalterin mir hierbei berichtet / wiedass die Konigin von Assyrien / als
sie alle diese urkunden von E. Maj. geburt in dieses lädlein zusammen legen
wollen / es mit fleis also verfärtigen lassen / dass es kein mensch / ohne
sonderbaren gewalt / offnen könne / als nur die Perseis / meines vatters
schwester / und dann die Fürstin von Bus / Baracheels gemalin: damit E. Maj.
nicht vor der zeit / wer sie wären / erfahren möchten. So weiss dann Perseis /
(fragte die Königin) wer ich bin? So gut als iemand! (antwortete Arsas) und ist
sie zudem gut Assyrisch / wie ich aus einem schreiben an meinen vatter ersehen:
welches ich von ihr entdecken muss / unangesehen sie meine nahe mume ist. Sie mag
nun (gabe die Konigin zur antwort) derer seite halten / die ihr lieb sind: mir
soll es keinen schaden mehr bringen / nun ich hier in sicherheit bin / und eures
eintatens mich bedienen kann.
    Hiemit befahle die Königin / dass man die Perseis eilig herzu holen sollte:
deren sie / als sie gekommen /das lådlein zeigte / und sie fragte / ob sie
solches kennte? Perseis wurde ganz bestürzt / dieses kleinod in der Konigin
händen ersehend / und wusste nicht /was sie sagen sollte. Die Konigin aber
reichete es ihr hin / mit einem angenemen lächeln / und begehrte /dass sie es
öfnen mochte. Als sie sich deswegen entschuldigte / sagte die Konigin / sie
wollte es mit gewalt aufschlagen: weil ihr mehr an der inlage / als an dem
åuserlichen zierat / gelegen wåre. Perseis schauete hierauf / bald den Husan /
bald den Arsas an / üm aus ihren gebården abzusehen / ob die Königin üm ihre
geburt wüste. Als sie aber gewar wurde / dass die Königin des Husans an der seite
fürendes schwert ergriffe / und damit das lädlein zerschlagen wollte / fienge sie
an zu ruffen / und sagte: Wofern E. Maj. diese gewalt gebrauchen / so werden sie
alles darin zernichten; dann dieses lådlein ist so kunstlich und wolbedåchtig
zubereitet / dass alle darin entaltene beschriebene tafeln in tausend stücke
zerbrechen werden / wan nicht am rechten ort die öfnung geschihet. So verwehret
dann dieses unheil / (antwortete die Königin / etwas ungedultig /) und zeigt an
/ wie man es öfnen müsse.
    Es wissen E. Maj. (wandte Perseis ferner ein) wie ihre fraumutter / bei
ihrer lebensletze / ernstlich befohlen / dass / bevor E. Maj. an den Prinzen
ihren bruder verheiratet sein wurden / dieses lädlein nicht sollte erofnet
werden. Nun bin ich versichert / es sei der verstorbenen und zwar so naher
blutsfreunde lezter befehl bei E. Maj. in so heiliger verehrung / dass sie
solchen nicht überfahren werden. Meine fraumutter (antwortete die Konigin) wusste
nichts von diesem befehl / welchen allein die Königin Naphtis aus guter
wolmeinung hinterlassen. Ich bin auch für den Prinzen Baleus nicht bestimmet /
weil ich / an seiner statt /den Konig von Syrien zum bruder bekommen: ist es
demnach unnötig / länger unwissend zu leben / dass /nicht Assyrien / sondern
Syrien meines vatters haus ist. Ich verneme / (sagte hierauf Perseis) dass E.
Maj. schon alles wissen / was ich / aus grosser treu und sorgfalt für dero bästes
/ bisher verschwiegen habe: und werden E. Maj. mich darum nicht verdenken /weil
ich es der Meinung getan / E. Maj. auf den ersten und höchsten tron der welt
erhoben zu sehen. Und eben dieses waren der Konigin Naphtis gedanken / welche /
E. Maj. ein reich hinterlassend / die hofnung schopfte / dass sie solches mit
ihrem sohn wiederüm teilen wurden: daher sie ihren lezten willen so bündig
machte / und mich dazu ausersah / nach ihrem tode diese heurat zu befordern /
wordurch Babel / Ninive und Syrien beisammen in einigkeit und friede wåren
erhalten worden / wan der himmel ihr gutes vorhaben hätte segnen wollen. Weil
aber E. Maj. von ihrer fraumutter ein anders wissen / also will ich das lädlein
zu öfnen mich nicht långer weigern: hoffe aber von E. Maj. ein zeugnis zu
erhalten / dass ich an allem unschuldig sei / und wider den heiligen willen
meiner verstorbenen Königin Naphtis / ohne meinen fürsatz / handeln müssen.
    Hiermit eröffnete sie das lådlein / sezte es für die Königin auf den tisch /
und gienge damit aus dem zimmer: weil sie es ihrem versprechen entgegen
erachtete / ein mehrers hierbei zu sagen. Wie gewissenhaft ist man doch / (sagte
Arsas) wann es uns zu nutzen kommet! da man doch in andern fällen / solches oft
hintan setzet. Meine mume machet mit diesem lådlein soviel wunders: da sie doch
in der verräterei mit begriffen ist / die man wider E. Maj. reich angesponnen.
Wie / Arsas! (fragte die Königin / ganz bestürzet) bringt ihr mir / auf so gute
post / eine so bose zeitung? ist dann / des Belochus oder vielmehr der Dalimire
anschlag wider Ninive / ins werk gestellet worden? E. Maj. vergnugung nicht zu
verbittern (antwortete Arsas) will ich sie erstlich besehen lassen / was in
diesem lådlein entalten ist / und alsdan erst berichten / was in Ninive
fürgegangen. Weil man nun weiss /(sagte Husan) dass die Perseis gut Assyrisch ist
/ als haben E. Maj. auf sie wohl acht zu geben / dass sie dero hiersein nicht
lautmärig könne machen. Mein rat ist /dass man dem Abdastartus alsofort hoch
einbinde /niemanden von E. Maj. leuten aus dem hause zu lassen / wann es etwan
eine begehren würde.
    Die Königin liesse ihr dieses gefallen / und gienge der Husan hin / solches
zu bestellen. Welcher gelegenheit sich die Konigin bediente / den Arsas zu
befragen / ob er nichts von ihrem Abimelech gehört hatte / wie es ihm in Seir
ergehe? Als dieser Fürst solches mit nein beantwortet / sagte sie ferner: Was
wird dieser Prinz von mir gedenken / das ich so lange zeit /in meinem
frauenzimmer / eine verkleidte mansperson geheget? wird er mich nicht schüldig
achten / dass ich üm diesen betrug gewust habe? fürnemlich / da ich nun für des
Konigs von Syrien schwester bin erkant worden / dessen vertrautster freund
dieser betrieger Dison sein soll? Und was dunkt euch wohl üm die Timna / die alle
diese rånke mit gefordert / auch / zu dieser falschen hochzeit des Syrischen
Königs und des Prinzen von Seir / so meisterlich geholfen hat? Solte sie / als
eine fürgegebene freundin des Abimelech / mich nicht gewarnet haben /) die
falsche Aramena von mir zu stossen / und mich dieser beschimpfung unschuldig zu
machen / dass nun alle welt gläuben muss / dieses alles sei mit meinem willen
geschehen. Dieser leichtsinnige darf nun noch meine gegenliebe suchen / dessen
ich viel anzeigungen habe. Und wan ich meinem bruder in die hände geriete / was
habe ich anders zu erwarten / als dass der / wan es sollte nach seinem willen
gehen / mich einmal zwingen wurde / diesen seinen freund zu ehlichen?
    Ich muss gestehen (sagte hierauf Arsas) dass ich nicht weiss / was ich von
allen diesen verwirrten håndeln bei mir gedenken oder reden soll. Am
allerwenigsten aber begreife ich / was die verlobung des Syrischen Königs mit
dem Prinzen Dison sagen wollen: weil ja / ohne dieselbe / alles / was hier
fürgegangen /hätte geschehen können. Ich vermute / (antwortete die Königin) sie
haben keine fuglichere gelegenheit / auf die Kemuelsburg zu komen und deren zu
ihrem vorteil sich zu bemächtigen / ersinnen konnen / als diese scheinheurat /
durch welche ich also müssen geteuschet werden. Alle welt kennet (sagte Arsas)
meiner gnädigsten Königin unvergleichliche tugend: wird also niemand / der von
diesem handel horet / von E. Maj. ein ungleiches urteil fällen können. Bei dem
Abimelech wird es wohl grosse verwunderung / aber sonst weder argwan noch
eiversucht / erwecken: weil er seiner Konigin fäster treu und keuscher liebe
mehr als wohl versichert ist.
    Hiemit kame Husan wieder / und machte sie dieses gespråche abreissen. Die
Konigin name das lädlein für sich / und langte aus demselben erstlich herfür
/ein sehr köstliches mit edelsteinen verseztes tåfelein /welches von der Königin
Naphtis hand überschrieben war / und ihr folgende worte zu lesen gabe:
Die Königin Naphtis von Assyrien / an ihre geliebte Schnur / die Königin Aramena
                             von Ninive und Syrien.
Liebste tochter! Die gewisse zuversicht / dass euer iederzeit erwiesener
kindlicher gehorsam / meinem lezten willen gemäs / euch diese zeilen nicht eher
werde lesen lassen / als wan eure heurat mir meinem sohn dem Prinzen Baleus wird
volzogen sein / stellet meinem gemüte die vergnugung für / die ihr entfinden
werdet / wann ihr hieraus ersehet / dass euer gehorsam euch ohne sunde an euren
vermeinten bruder verbunden habe. Dan nicht ich habe euch zur welt geboren
/sondern meine schwester / die Königin Philominde /ist eure mutter / und der
grosse Aramenes von Syrien euer vatter: den der gerechte himmel für würdiger /
als den tyrannischen Belochus / erkant hat / euch das leben zu geben. Lasset
aber nun den sohn nicht entgelten / was euren eltern von seinem vatter zu leid
geschehen: sondern sehet ihn an / als der Naphtis sohn /die euch alle
mutter-treu erwiesen hat. Die ewige güte / segne euch und eure reiche mit
unvergänglichem segen / und lasse euch soviel ruhe und vergnügung erleben / als
viel unruhe und trübseligkeit die eurigen ausstehen müssen: unter die ich / als
eure treuste mutter / mich mitrechne / uneracht die natur / oder vielmehr das
unänderliche himmelsgeschicke / mir solchen namen versagen wollen.
                                                   Naphtis Königin von Assyrien.
    Die tränen stiegen der schonen Konigin von Ninive häufig herfür / als sie
diese zeilen von ihrer ståts-vermeinten fraumutter durchlesen: und musste es sie
kränken / dass / da diese Konigin / aus herzlicher liebe / ihr ihren sohn geben
und gönnen wollen / es damit sich nun anderst geschicket / als es dieselbe
gewunschet. Husan / der diese weichmütigkeit an der Königin wargenommen / langte
ein tåfelein aus seinem kleid herfür / uberreichte es der Konigin / und sagte:
E. Maj. belieben / auch diese schrift zu durchlesen / die ist von E. Maj.
fraumutter / der Königin von Syrien. Wie nun die Königin solches erofnet / fand
sie folgendes.
          Schreiben der Königin von Syrien / an ihre getreue Hermine.
Die vielfältige guttaten / die meiner kleinen Aramena an eurem hof wiederfaren /
sehe ich mit einem so erkentlichen gemüte an / dass ich für meine mitleidende
schwester mein leben / zur dankbarkeit / dahin geben wollte / wann ihr damit
gedienet wäre. Ich kann aber darüm mich nicht überwinden / zu zugeben / dass mein
armes kind dem geblüte des grausamen Belochus zu teil werde: welches ich für das
höchste unglück schätzen müste / so mir der himmel zuschicken könnte. Meine
schwester / für ihre guttaten / nicht zu betruben / scheue ich mich / ihr in
ihrem vorhaben zu widersprechen. Du aber / allertreuste Hemire! nim dieses auf
dich / meiner Aramena / wann sie wird erwachsen sein / diesen meinen willen zu
eröfnen: dass sie ja nimmermehr mit dem Assyrischen hause sich befreunde /
welches ihr vatterland und die ihrigen auf das äuserste verfolget / und bis in
den tod betrübet hat. Gedenke / dass dir dieses deine Königin aufträget / die
noch diesen lezten dienst / als den grösten / von deiner treu erwärtig ist.
                                                  Philominde Königin von Syrien.
    Die Konigin liesse / nach verlesung dieses schreibens / eine sonderbare
munterkeit verspuren / zu deren hierauf der Husan ferner sagte: Dieser brief
/den meine schwester mir unlängst von Ninive geschicket / ist die ursach / dass
ich so eifrig mich bemuhet / E. Maj. aus der Assyrier gewalt zu retten. Dan /da
der grosmütigen Philominde des Baleus verehlichung mit E. Maj. zuwider gewesen:
wie viel weniger wurde sie haben dulten konnen / dass E. Maj. an den Belochus
selber getrauet würden. Ich habe diese unvergleichliche Konigin in meinem herzen
iederzeit so hoch verehret / dass ich lieber mein leben verlieren /als zulassen
wollte / dass nicht nach äuserster möglichkeit ihr wille und begehren erfüllet
wurde. Ich gestehe gern / (erwiderte die Königin) dass meine fraumutter diesen
widerwillen gegen dem Assyrischen hause mir angeboren: massen ich zwar allemal
dem Belochus /als meinem vattern / seine ehre erwiesen / aber darbei stäts ein
grausen für ihm in mir entfunden / dessen ursach ich nie sagen konnen. Den
Prinzen Baleus schåtze ich zwar hoch / wegen seiner tugenden: es ist aber dem
Arsas bekant / wie seine liebe / solang er die gegen mir geheget / mir von
jugend auf entgegen gewesen / die mir / nicht allein der schwester-name /sondern
auch sonst etwas verborgenes / so widerlich gemachet hat.
    Hierauf grieffe die Konigin wieder in das lådlein /und fand eine schrift /
welche ihre geburt in Babel mit allen ümständen dartåte / und von der Konigin
Naphtis / der Konigin Philominde / wie auch von der oberstattalterin Hemire /
von der Fürstin von Bus / und von der Perseis / war unterzeichnet worden.
Hiernächst folgeten verschiedene briefe / sowol von dem König Aramenes in Syrien
/ als von der Philominde /an die Konigin Naphtis geschrieben: worinn meist nur
grosse danksagungen entalten waren / für die gut-und woltaten die man der
Aramena bezeigte. Fürnemlich war / unter allen der lezte / sehr beweglich
geschrieben / den die schone Königin / mit vergiessung vieler tränen / also
herlase.
  Schreiben des Aramenes Königs in Syrien / an die Königin Naphtis von Syrien.
Ich ziehe nun / liebste schwester! eurem grausamen gemal zum lezten mal entgegen
/ entweder zu siegen oder zu sterben. Demnach befehle ich euch meine kleine
Aramena / als die übrige erbin meines reichs /aufs bäste / und bitte / dass ihr
dieselbe ferner erziehen / und zu seiner zeit / wan der himmel ermüdet wird sein
/ Syrien so erbärmlich zu straffen / ihr zu ihrem vätterlichen tron
beförderlich erscheinen wollet. Erlaubet mir / wofern sie keinen bruder bekommen
sollte / ihres bereits-entseelten bruders segen auf sie zu legen: damit mein
reich / welches man nun in den staub gedrücket / durch sie in den vorigen glanz
wieder erhoben werden möge. Verüblet mir auch nicht /dass ich euch allein mein
kind / und nicht auch meine liebste Philominde / anbefehle: welches darüm
geschihet / weil ich weiss / dass die kleine Aramena eurer hülfe bedürftig sein /
die arme Philominde aber mich keinen augenblick überleben werde.
                                                      Aramenes Konig von Syrien.
    Hierunter hatte / die Königin Philominde / diese zeilen geschrieben.
    Es ist war / liebste schwester! was mein König meldet. Sieget er / so werde
ich leben. Erliget er / so will ich sterben. Weil auch meine stunde zu gebären
sich nähert / als befehle ich euch auch diese meine leibesfrucht. Gibet mir der
himmel einen sohn / so lasset unser reich Ninive für Aramena aufgehoben bleiben.
Gebäre ich aber eine tochter so helfet der ältern zu dem Syrischen / und der
jüngern zu dem Ninivitischen tron. Misgönnet mir mein Glück nicht / dass ich
sterbe. Auch verarget mir nicht / dass ich euch / wegen meiner armen kinder /
nicht auch dergleichen kann anwünschen.
                                                                     Philominde.
    Als die Königin nach vielen weinen / ferner in dem lädlein suchete / fand
sie noch ein täfelein / von der Königin Naphtis uberschrieben / welches also
lautete.
                  Zeugnis / der Königin Naphtis von Assyrien.
Hiermit beteuere ich / vor dem allwissenden Gott / dass ich / ungeacht alles
angewandten fleisses / nie erfahren können / ob meine schwester ihre lezte
leibesfrucht /bei deren geburt sie den geist aufgegeben / lebendig habe zur welt
gebracht: auf welchen fall ich / ihrem lezten willen gemäs / mit dem reich
Ninive eine andere verordnung hätte machen wollen. Demnach verbleibe ich billig
bei der erbin von Syrien / der Aramena /deren ich nicht bässer / als durch die
verehlichung mit meinen sohn / zu ihrem vätterlichen tron kann verholfen sehen.
Hierdurch wird nun Syrien / Ninive und Assyrien / zu ruhiger vereinigung
verbunden und verknüpfet bleiben.
    Wie hat aber die Naphtis (fragte die Königin den Husan) wegen Ninive
verordnung tun können / da dieses reich ihrem sohn zukommet / und ich /
dasselbe ferner zu regiren / mir zu gewissen ziehen werde? Die Ninivitische
staatsgesetze (antwortete Husan) bringen mit sich / dass der Naphtis andres kind
/ das sie dem Belochus gebåren würde / das reich Ninive erben sollte. In
ermanglung aber dessen / ist verordnet / dass der andern schwester / als der
Philominde / kinder zu der kron von Ninive gelangen sollen: um zu verhüten / dass
Ninive nicht wieder unter das Babylonische joch gerate. Wir leben unter so
glücklicher regirung /(sezte Arsas hinzu) dass kein Ninivite eine andere
herrschaft / wan die schon nåher verwandt wäre / annemen und dulten wird.
Hierauf zoge die Konigin ein güldnes büchlein aus dem lådlein herfur / das in
etlichen blättern bestunde / und in Chaldeischer sprache diese vorschrift hatte:
                Des Chaldeers Nebozars / Weissagung über Syrien.
    Sie wurden alle begierig / dieses berümten warsagers gedanken zu vernemen:
und fanden sich / auf der halben seite iedlichen blats / des Chaldeers
profezeiungen / auf der andern aber / des Königs Aramenes eigenhändige
anmerkungen. Selbige wurden / von der Königin / den beiden Fürsten / folgenden
inhalts fürgelesen.
                                       1.
    Wehe dir / Syrien! die du / in stolzem frieden sitzend /auf deine festungen
und mauren dich verlässest! dein wolstand wird plötzlich zu ende gehen / und
alles in dir mit blut überschwemmet werden.
    Mehr als zu wahr ist dieses an dir worden / du elendes Syrien! dein stolzer
friede ist dahin / und der grausame krieg zu deinen toren eingedrungen.
                                       2.
    Die liebe / wird die zerstörung deiner ruhe verursachen / und manches
ehliche band durch deines Königs Ehe sich müssen trennen lassen.
    Unschuldige ursache des verderbens meines landes! Ach! musste dann / eine so
gerechte liebe / solche ungerechtigkeit nach sich ziehen?
                                       3.
    Von morgen her wird der krieg dich überfallen / und deines Königs dich
berauben: das du dein haubt für frömden wirst mussen beugen / und diese dein volk
nennen /die dein volk nicht waren.
    Lass kommen / gerechter himmel! was du über mich und mein armes land
bestimmet hast! ich bin hierzu bereit / weil dein unånderlicher schluss es also
erheischet.
                                       4.
    Von mittag und von abend wird zwar hulfe kommen: aber sie wird viel zu
gering sein. Wehe dem / der sich auf freunde soll verlassen.
    Die dapfern Celten / stunden bei mir: aber / durch den Abimelech verleitet /
haben sie mich verlassen. Des Prinzen Ahusat befreiung / hat verursachet / dass
niemand mehr sich meiner angenommen.
                                       5.
    Der erlöste bruder / ziehet alle hülfe von dir ab: doch werden die kinder
von Gerar dermaleins bitter bussen mussen / was die ihrigen / wiewol ohne schuld /
dir böses zugezogen.
    Ach warum sollen die kinder darum bussen / was sie nicht verschuldet haben?
Sonder vorsatz kommet der Ahusat und Abimelech hierzu / mein ungluck zu
befordern.
                                       6.
    Doch wird endlich der himmel ihre unschuld ansehen /und uber dich / Syrien!
eines von diesen kindern setzen: dadurch du in glucklichern stand geraten wirst
/ als iemals einer dich zuvor mag beseligt haben.
    Was dir / ô liebes vatterland! deine verlorne gluckseligkeit soll
wiederbringen / dass will ich dir hiermit herzlich angewünschet haben.
                                       7.
    So sei dann wolgemut / ô Syrien! dein ietziger fall wird dich nicht ewig
begraben. Du wirst / nachdem du vier und zwanzig jahre lang frömde herrschaft
angebetet /unter deine rechte erben und landsherren wiederkehren.
    O susser hofnung-blick / für meine hinterbleibende Aramena! Verleihe / ô
gutiger himmel! dass dieses an ihr erfullet werden / und mein reich / in der von
dir bestimmten zeit / sie / als die rechtmåsiige erbin / wieder moge sehen und
verehren konnen.
                                       8.
    Jezt ist deine freude verschwunden. Dein einziger Prinz / des ganzen reiches
hofnung / ist in deinen gedanken todt und verloren. Es wird dir ihn aber / zu
seiner zeit / das land von mittag wieder geben / den du nun beweinest.
    Dieser Prinz wird / meinem vermuten nach / aus Gerar sein / deme / in den
vorhergehenden worten / die besitzung von Syrien profezeiet worden / und den dir
/ ô Aramena! zweifelsohn der himmel zum gemal auserkoren.
                                       9.
    Darum wird dir / mit deinem König / der sein lebe fur dich wird lassen /
nicht alle hofnung genommen sein: dann Babel / ohne dein wissen / und das reich
gegen mittag / und dein eignes land / dir deine rechtmäsige erben aufbewahren
werden.
    Was mir Babel für einen teuren schatz aufbewahret /solches ist mir bekant.
Von den andern aber låsset mich /die dunkelheit der worte / noch zur zeit
nichtes begreifen.
                                      10.
    Mit blutvergiessen / geht dein unglück an: mit blut-vergiessen / wird es sich
auch endigen. Du wirst unter drei regirungen geraten: von denen die dritte / die
ruhigste und beståndigste sein wird.
    Ach liebes Syrien! mache dich dann gefasst / noch viel auszustehen / ehe
deine beståndige gluckseligkeit angehet.
                                      11.
    Die erste regirung wird voll betrug und verwirrung sein / und nicht über
zwei wochen wären / mit greulicher blutsturzung der deinigen. Die andere wird
bässer scheinen / aber doch nicht beståndig sein / sondern ein kurzes ziel
erreichen. Die dritte wird hierauf / uber alles dein vermuten / zu deiner
höchsten ruhe und vergnügung anheben / und unzchlige jahre / in allem wolstand
und gluckwesen / dauern und bestehen.
    Uberdulte dein betriegliches regiment / weil es nur so kurze zeit dauern
soll. Lass dich das bässere / so darauf folgen soll / zum gluck vorbereiten. Mache
dich fårtig / dem himmel zu danken: der dein elend angesehen / und dir aus dem
staube wieder aufgeholfen hat.
                                      12.
    Demnach / ô du betrübter König! stelle dein gemut zur ruhe / wegen der
kunftigen zeiten: die so glucklich fur dein land und deinen samen sein werden /
als unglücklich du ietzund dich und dein reich sehen must. Und hat schon der
himmel beschlossen / dass du in dieser trubsal sterben solst: so troste dich
damit / dass du in deinem samen leben wirst / welcher bis in das weit-entfernte
abendland / in auch gegen morgen / sich ausbreiten / und fast die halbe welt
unter seine botmäsigkeit bezwingen wird.
    Das verhångnis schaffe mit mir / was es will: ich bin zu allem bereit / und
zufrieden / weil ich hoffen darf / dass du / ô liebste Aramena! auf die ich der
zeit alle diese profezeiungen deuten muss / und deine nachkommen / zu so grossem
glucke gelangen werdet.
                                      13.
    Sei dann zufrieden / ô Aramenes! du vatter dreier mächtiger Konige! welche
über Celten / Syrien und Ninive regiren sollen. Troste dich dessen / dass zwar
Syrien untergehen / mit deinen kindern aber / zu viel grösserer herrlichkeit /
nach bestimmter zeit der vier und zwanzig jahre / wieder erstehen und ewig bluhen
werde.
Wolan! muss dann in leid ich meine jahre schliessen:
So lass der himmel freud die meinigen geniessen.
Ich sterbe fur mein land / gleichwie der Fonix tut.
Auf dass mein same leb / so schutt' ich hin mein blut.
    Nach verlesung dieser profezeiungen / blieben so wohl die Konigin / als ihre
beide zuhorer / daruber sehr besturzet: weil viel darin entalten / das ihnen
sämtlich grosses nachdenken verursachete. Muss ich dann (sagte die Königin / ihre
milde zåren abtroknend /) eben erst um diese zeit die meinigen anheben zu
beweinen / da / nach dieser weissagung / das unglück ihrer nachkommen sich
åndern und enden soll? Die vier und zwanzig jahre sind nun eben verflossen; die
unruhe und das blutvergiessen / ist in Syrien wieder angegangen. Solte mein
bruder Syrien / und ich Ninive / beständig zu regiren / von Gott ernennet sein /
so müste meiner jungern schwester das entfernte Celten zufallen / dessen der
Chaldeer alhier erwehnet.
    Es sind des berumten Nebozars gedanken (sagte Husan) so verdekt und dunkel /
dass solche vor der zeit sich nicht erraten noch ausdeuten lassen / und täte man
übel / wann man sein gemute damit quälen wollte. Bässer wird es sein / wann wir
auf das sehen /was uns vor augen stehet / und einen gewissen schluss fassen / wie
wir / den königreichen Syrien und Ninive zum bästen / uns verhalten wollen. Ich
bin allerdings eurer Meinung: antwortete die Königin. Und weil ich nun weiss /
wer ich bin / und wie nahe mir die aufname dieser beiden reiche anlige / als will
ich nun von dem Arsas vernemen / in was zustand er Ninive gefunden und gelassen
habe.
    Ich habe leider / gnädigste Königin! (begunte hierauf Arsas zu berichten)
das bedrangte Ninive so verwirrt hinterlassen / als wie ich hier Damasco
gefunden: und ist nicht allein der berümte Dianen-tempel eingeäschert / und der
aufrurer Ninias herr von Ressen / sondern auch der Sparetes mit den Babyloniern
meister über Ir / geworden: welchen letzern der Peldas belågert hielte / als ich
hinweg zoge. Ohn eilige hulfe / wird wohl der oberstattalter nichts
fruchtbarliches verrichten können. Cale und Ninive / hält sich zwar noch: doch
ist zu besorgen / diese möchten / wann kein entsatz erfolget / bald auch
verloren gehen / massen der Peldas / als wir erfuhren / dass allhier die
verwirrung so gross als bei uns sei / fast alle hoffnung angegeben. Er wird aber
/ in seiner Konigin dienst / bis auf den lezten blutstropfen fechten: und hat er
mit dieser zeitung mich hieher gesendet / von E. Maj. befehl erwartend / wessen
er sich hierbei verhalten solle. Dieses ist kürzlich der Ninivitische zustand:
wovon ich / auf gnädigstes begehren / weitläufigern bericht werde abstatten
konnen. Ich bin nun eine zeit her /(sagte die Konigin) dergleichen widrige dinge
zu vernemen / so gewonet / dass ich sonder bestürzung / iedoch mit grossem
beileide / den elenden zustand von Ninive vernemen kann. Ist meine abreise aus
dem reiche hieran schuldig / wie ich vermute / so bin ich straffbar / dass ich
hierinn des Peldas einrate gefolget. Ihr wisset / Arsas! wie ungern ich diese
reise hieher übernommen.
    E. Maj. werden mir erlauben (sagte Husan) dass ich hieruber meine gedanken
eröffnen möge. Ihre hieherreise nach Syrien war uberaus nötig: als weiche /
dieses bedrangte reich von dem Babylonischen joche zu befreien / forderlich sein
konnte. Nun über das der Konig Aramenes / E. Maj. herrbruder / sich eingefunden /
ist keine hülfe in der welt ihm nutzer / als E. Maj. ihre: die sie auch
zuversichtlich / ihrem vatterland aufzuhelfen / gern einwenden werden. Wan
demnach mein rat etwas kann verfangen / so soll es dieser sein / dass E. Maj. sich
förderlichst / aus Damasco /nach Sepharvaim in des Peldas fürstentum begeben
/welches mitten zwischen Ninive und Syrien liget: daselbst sie / ihre
Ninivitische macht / welche Tarsis und Barzes uns gestern zugefüret / zusammen
ziehend / sowol ihrem bruder / als ihrem reich und ihr selber zu helfen /
anstatt machen konnen. Der Konig Aramenes wird also nicht gehalten sein / nach
des Hus und der andern Syrer willen zu leben / wann er auf eine andere macht
sich wird verlassen dörfen. So wird auch Ninive / von E. Maj. kriegsheer / nach
und nach hülfe erwarten können. Sie selber aber / gnädigste Königin! werden
dadurch dem grausamen zwang entgehen / sich von den Syrern zu einer heurat
genotigt zu sehen / die weder ihrem stand / noch ihrem gemute / angenem sein
kann. Beliebet E. Maj. dieses mein treu-gemeintes gut-achten / so wird ferner zu
reden sein / von der art und weise / wie sie heimlich nach Sepharvaim gelangen /
ihre völker daselbst an sich ziehen / und sich also in gute verfassung stellen
konnen.
    Der Fürst Husan / (antwortete die Königin /) erweiset sich einen so treuen
freund der kinder seines verblichenen Königs / dass ich keine erkentlichkeit
haben musste / wann ich solches nicht hoch achtete: zumal ich auch kein bässer
mittel vor der hand sehe / dem zwang der Syrer zu entgehen / als wan ich mich
von hinnen an einen sichern ort / wie Sepharvaim ist / begebe. Weil ich aber
alhier noch verborgen / und also auser neuer gefahr lebe; weil ich auch auf
einmal soviel wunderliches erfahren / dass es zeit erfordert / solches alles mit
einem ruhigern gemüte zu überlegen: als bitte ich / mein vetter! gonnet mir doch
frist auf etliche tage / mich wohl zu bedenken / ob es auch dienlich sei / dass
ich aus Damasco scheide / ehe ich meinen armen bruder / mit meinen völkern / aus
seinen schweren banden befreit habe.
    Unser König (sagte Husan seufzend) ist aus der Assyrischen gefångnis
entkommen / sonder dass man erfahren können / wo S. Maj. geblieben seien. Wir
hoffen zwar noch immer / nachricht von ihm zu erlangen: aber der verzug / macht
uns allerhand unlustiges nachdenken. Demnach werden E. Maj. um seinet willen
dero abreise zu verschieben / nicht ursach haben. Diese neue begebenheit mit
meinem bruder / (antwortete die Königin) vermehret nicht wenig meine
gemütsverwirrung. Ich werde aber / um des willen /nicht seumen / wegen aller
dieser schwerer sachen einen gewissen schluss zu fassen.
    Als hierauf der Husan merkte / dass die Konigin allein zu sein verlangte /
name er neben dem Arsas abschied: mit dem erbieten / dass er / wo müglich /
folgenden tags sich wieder einfinden wollte. Sie giengen hierauf unvermerkt
wieder aus dem tempel / und als sie in seinem palast wieder angelanget /
erfuhren sie /dass gleich die abgesandten / als der Furst Elhanan und Akan / von
Acraba zurücke gekommen wären. Das verlangen / ihre verrichtung zu vernemen /
triebe den Husan / sobald er mit dem Arsas ein wenig gespeiset / nach der
Kemuelsburg: dahin ihn der Fürst von Cale begleitete / weil er kein bedenken
truge /sich öffentlich sehen zu lassen; wiewol er nicht mit in der Syrer
versamlung kame / sondern nach seiner gemalin sich verfügte. Es waren aber / bei
dem Prinzen Dison / alle Fursten von Syrien versamlet: und hatte auch der alte
Hus sich eingefunden / aus begierde seines sohns verrichtung zu vernemen. Diese
lautete nun so gewünscht / als die Syrer es immermehr verlangen konnen: und
wussten / die beide abgeschikte / des Konigs von Assyrien gütigkeit nicht gnug zu
rümen. Der entfangene bescheid / den sie ablegten / war dieser / dass Belochus
den Konig von Syrien los lassen /und aus innigstem verlangen / die heurat mit
der Königin Aramena zu volziehen / auch den frieden zu schliessen / in wenig
tagen in Damasco / persönlich sich einfinden wollte.
    Diese verheuratung der Aramena / kame dem Dison sehr fromd für / weil ihm
der Konigin von Ninive rechte geburt noch nicht bewust war. Es stillte sich aber
in etwas seine unruhe / als der alte Hus ihm hievon die wahre bewandnis entdekte
/ welcher hierauf seufzend in diese worte herausbrache: Ach! muss es nicht dem
himmel geklagt sein / dass sich also diese beide durchleuchtigste personen
verloren haben / die hierbei am meisten teil-haben! was soll man immermehr
hiervon gedenken? wie hart sind wir doch gestrafft / mitten in unsrem Glück so
unglückseelig zu werden! Die ganze gesellschaft / voraus der verliebte Dison /
und der alte Tebah / begleiteten diese klage mit ihren seufzern: sonderlich
dieser lezte / der nun ganz ohn raht verbliebe / da die vornemste personen sich
aus seinem spiel verloren hatten / welche die seele seines ganzen vorhabens
gewesen. Sie beschlossen aber endlich / an den stattalter Mamellus einen aus
ihrem mittel abzuschicken / und ihme / neben anbietung eines stillstands der
waffen / des Assyrischen Konigs erklärung ansagen zu lassen: und sollte der
abgeschikte sich zugleich erkundigen / wie es / mit ihres Königs entkommung aus
der gefångnis / zugegangen wäre.
    Der Nahor / als der beliebteste beim stattalter /weil er dessen gemalin
bruderssohn / wurde hierzu ausersehen: welcher dann / mit angenemer wolredenheit
/ das gewerbe der Syrischen Fursten anbrachte /auch von dem stattalter gar
höflich entfangen wurde. Dieser nun liesse ihm den stillstand der waffen gefallen
/ beklagte darneben / dass er / wegen des Aramenes / die geringste nachricht
nicht geben / und daher des Königs befehl nicht erfullen könnte: verspreche aber
/ deswegen noch ferner kundschaft anzustellen /mit furwand / wie er nicht
anderst vermutet hätte / als dass er bei seinen Syrern sich wurde eingefunden
haben.
    Hierauf wurde der stillstand abgeredet / auch von beiden teilen geiseln
ernennt / die / zu versicherung /sollten gegeneinander ausgewechselt werden:
worzu an Assyrischer seite der Altadas und Mancaleus / von den Syrern aber der
Ezer und Opharteus / sich gebrauchen liessen. Als Nahor dem Mamellus unter andern
erzehlte / wie sich auch die Königin Aramena von Ninive verloren hätte / auch
dass sein schwester sohn /der Prinz Dison / die bisher-vermeinte jungfrau Aramena
gewesen / und nun bei ihnen / als ihr feldherr /sich aufhielte: erwiese der
stattalter ein sonderbares leidwesen über der ersten / und eine grosse
verwunderung uber der andern zeitung / welche nachgehends im koniglichen
schlossplatz uberall erscholle. Der Nahor hatte auch befehl / von wegen der
gesamten Syrischen Fürsten / die Koniginnen und Prinzessinnen zu begrussen: üm
ihnen ihr misbehagen zu bezeugen / dass solche durchleuchtige personen von diesem
krieg so viel ungemach ausstehen mussen.
    Die Konigin von Tyro / weil sie nun die Konigin von Ninive für eine braut
ihres bruders halten musste /bekümmerte sich sehr darüber / dass sie wäre verloren
worden. Die Konigin Lantine / befande sich / nicht allein hierob / sondern auch
wegen der zeitung / die sie aus Elam entfangen / betrübt und unruhig / und håtte
gern mit der Königin von Ninive sich besprechen mogen. Die Prinzessinnen /
konten nicht aufhoren /sich über die falsche Aramena zu verwundern. Und weil
dieser Prinz Dison sich mit eben diesem namen nennen lassen / den nun die
Konigin von Ninive / als erkannte Prinzessin von Syrien / furete: als urteilten
sie alle daraus / dass eine lange kentnis zwischen diesen beiden gewesen sein /
und das der Syrische Konig /unter des Disons namen / wie auch die Ahalibama und
Timna / hievon mit-gewust haben musste.
    Die Prinzessin Jaelinde / die den Cimber / zeit wärender seiner krankheit /
fleissig besucht hatte / wollte ihm von diesen wunderzeitungen teil geben / und
eilete mit ihren leuten nach dessen palast: der eben / in süssem angedenken bei
seiner Konigin schwebend /auf deren und seinen zustand etliche reimen
geschrieben hatte. Er hegte / in seinem herzen / fur diese schöne Prinzessin von
Salem / eine sonderbare hochachtung / und verehrte ihre besuchungen mit der
hochsten erkentlichkeit: bei sich selber hoch betaurend / dass eine so håftige
neigung / dieses edle gemut regiren /und ihre ruhe verstoren musste / welche ihr
zu benemen / viel weniger sie zu vergnügen / er kein mittel ersinnen konnte /
weil er an einer gleichen krankheit danieder lage.
    Er gienge ihr dissmal entgegen / sie zu entfangen. Sie aber / seines
beschriebenen tåfeleins gewar werdend / verlangte dasselbe zu besehen / und name
es zu sich / ehe er solches verwehren konnte. Ich muss doch schauen / Prinz
Cimber! (sagte sie) woran ich euch verstöret / ob eure gedanken mit krieg oder
frieden zu tun gehabt. Mehr mit krieg / als mit frieden: (antwortete er / etwas
verwirret /) wiewol nicht gegenwårtiger Syrischer krieg hierunter gemeinet ist.
So erlaubet mir dann / (sagte sie ferner) dass ich vernemen möge / was ihr
geschrieben. Hiemit / seiner antwort unerwartet / lase sie / und fand folgende
zeilen.
                     Als er einen neuen mitbuler besorgte.
Ich eifre nicht: sonst must ich selbst mich neiden /
dass in der lieb ich mich so sehr vergess.
Solt ich dann nicht an andren das erleiden /
was ich ja selbst so håftig mir zumess?
Drum liebt mit! wir wollen uns nicht scheiden.
Wir konnen beide nie des glückes teilhaft werden:
was schadts dann / wan zugleich wir tragen die beschwerden?
    Habe ich wohl iemals / (sagte sie / nach ablesung dessen) einen liebhaber
eures gleichen gesehen / der so verpicht ist / alda zu lieben / wo für ihn keine
hofnung ist / iemals etwas zu erlangen. Dieses schlags habt ihr mir bisher stäts
eure liebe beschrieben / und von einer solchen reden auch diese reimen. Es nimt
mich hochst wunder / dass / bei eurem so erleuchten verstande / eine solche
krankheit dauern kann / die euch selber nur verzehret. Wie sie dieses nicht
sonder bewegung gesaget / name Cimber sie bei der hand /und fürete sie auf eine
kleine auslage / die gegen den garten hinaus gebauet war / da es sonderlich zur
abendzeit gar angenem sich sitzen liesse.
    Nachdem er sich daselbst gegen ihr über gesetzet /sah er sie eine weile an
/ und brache endlich in diese worte heraus: Schone Prinzessin! eure gütigkeit
ist gegen mir so gros / dass ihr gern meinem leiden geholfen sähet. Bekennnet mir
aber die warheit / ob ihr vermeint / dass meine krankheit heilbar sei? Uberleget
sie recht / ehe ihr davon euer urteil gebet / und seit dessen versichert / dass
ich alle hulfe anmemen werde / die ihr für mich verfänglich achtet. Ach Cimber!
(antwortete Jaelinde / seufzend) ihr wehlet hierin ubel auf mich: weil ich ganz
untüchtig bin dissorts ein urteil zu fällen. Ich mochte ja eurem edlen gemut die
ruhe wünschen / und euch von solcher qual erloset wissen. Wan die Prinzessin
Hercinde / von der ihr mich bereden wollet / dass sie dieses eures leidens
ursåcherin sei / eure würdigkeit so wohl erkente / als sie billig sollte / so
würde euch konnen geholfen werden. Ich zweifle aber sehr / ob eure liebe so weit
von hinnen schwebe / und ob nicht / wie ich schon oft erwehnet / die schöne
Königin von Ninive die wahre Hercinde sei / die euch so unauflosliche bande hat
angeknüpfet. Ich will euch auf die probe bringen / und sehen wie ihr euch
anstellen werdet / bei anhörung einer zeitung / die ich euch von ihr bringe.
Cimber verwandelte hierüber die farbe / und begunte ein herzklopfen zu fülen /
dass ihme nichts gutes von seiner Königin schwanen machte.
    Er hatte den mut nicht / die Prinzessin hierüm zu fragen: die dann wohl in
acht name / wie ihn dieses geruret hatte. Demnach ihrer einbildung gewiss zu
werden / brache sie in diese worte heraus: Die Konigin von Ninive ist verloren /
und keiner von den Syrischen Fursten weiss zu sagen / wo sie hingekommen. O
himmel! (rieffe der erschrokne Prinz) was verneme ich? Was noch verwundersamer
ist / (fuhre sie fort) so ist die jungfrau Aramena / die fast ins zweite jar an
der Konigin hof sich aufgehalten / fur den Prinzen Dison von Seir erkant worden.
Ein kalter schauer überfiele den armen Cimber / wie er auch dieses vername: und
/ da er bisher noch von keiner eiversucht gewust / griffe ihn diese nun so
häftig an / dass er nicht wusste / wie er sich gebärden sollte. Er wollte anfangs
nicht gläuben / dass dieses moglich sein konnte. Aber die aufrichtigkeit der
Jaelinde / und ihr ernstliches wesen / womit sie diese zeitung ihm furbrachte
/bename ihm bald allen zweifel: also dass er / gleich einem steinernen bild /
unbeweglich bliebe.
    Den namen Aramena / (sagte die Prinzessin ferner) dessen sich der Prinz
Dison bisher gebrauchet / furet nun die Königin von Ninive / und zwar / als eine
erkannte tochter des verstorbenen / und als die schwester des ietzigen Konigs
Aramenes von Syrien. Es erhellet hieraus / wie vertreulich diese konigliche
personen mit diesem Prinzen sein müssen / weil er ihren / und Aramenes seinen
namen / als der Ahalibama ritter /bisher gebrauchet. Man zweifelt / in
betrachtung aller dieser umstånde / gar nicht / die Königin musse /sowol als ihr
bruder und das haus Seir / üm alles /was bisher in Damasco fürgegangen / gewust
haben: die nun vieleicht mit einander / weil man sie beide zu einer zeit
verloren / sich anderstwohin begeben haben.
    Ich bin ganz aus mir selber / (sagte hierauf Cimber) und weiss nicht / was
ich von allen diesen wunderdingen gedenken soll. Hiermit sah er die Prinzessin
ganz ernstlich an / um aus ihrem gesicht zu erlernen / ob sie vieleicht im
scherz redete. Sie / seine gedanken erratend / bename ihm allen zweifel / indem
sie ihm die ümstände dieser begebnise eroffnete / wie der Nahor solche erzählt.
Dieser verliebte hatte sein lebenlang nie dergleichen unruhe / wie dissmal /
entfunden: und wusste er nicht / ob er für den Abimelech / oder für sich selber /
zur eiversucht wär bewogen worden. Die höchste ehrerbietung / die er für seine
Konigin hegte /wollte ihm zwar allen argwan verbieten. Aber die seltsame ümstånde
bei diesem handel / zwungen ihn / dass er den Prinzen Dison fur seinen mitbuler /
und zwar fur einen geliebten / achten musste / dessen seite bei der Delbois / der
neue Konig von Syrien / als ihr erkanter bruder / wie auch ihre freundinnen /
die Ahalibama und Timna / hielten. Ungluckseliger Abimelech! (sagte er bei sich
selber /) belonet man also deine unvergleichliche treue? und heiset man dich
hoffen / da inzwischen ein anderer deinen platz bekleidet? Bald aber straffete
er sich selber / wegen dieser gedanken: welche dann in ihm einen harten streit
aufregten / und ihn auf das häftigste beunruhigten.
    Jaelinde ergezte sich inzwischen / wiewol mit grausamer belustigung / uber
dieser des Prinzen marter /und als sie ihm eine weile zugesehen / sagte sie: Was
gilt es / Prinz Cimber! euch gereuet iezt der reimen /die ihr zuvor geschrieben;
und ich bitte euch / seit ihr auch noch so frei von der eiversucht / wie ihr
euch darin berumet? Diese frage musste sie mehr als einmal tun / ehe Cimber
solches hörete; der endlich / wie aus einen tiefen traum erwachend / zu ihr
sagte: Was wollet ihr dann / gutige Prinzessin! dass ich euch hierauf antworten
soll? Mir solt ihr bekennen / (antwortete sie /) dass ihr die Königin von Ninive
liebt. Worinn bestehet dann (fure er fort zu fragen /) der nutze / wann ich euch
dieses gleich gestehe? Darin / (gabe sie zur antwort /) dass ich so dann üm soviel
mehr / und mit båssern gründen / euch abraten kann / etwas unmögliches nicht zu
begehren. Ihr gönnet mir gar zuviel gutes / edle Prinzessin! (sagte Cimber /)
dafür ich /bis in den tod / der grosmütigen Jaelinde verbundenster diener
verharren werde. Und zum zeichen meiner aufrichtigen erkentlichkeit / will ich
ferner nicht leugnen / dass ich die Konigin von Ninive / die nunmehr für die
Prinzessin Aramena von Syrien / soll erkant worden sein / mit der allerhäftigsten
ehrerbietigsten liebe anbete und verehre / die iemals ein sterblicher mag
entfunden haben. Weder die unmüglichkeit / gegenliebe zu erlangen / noch die
unendliche qual / die ich darum meiner seele antue / können mich bewegen / eher
als mit dem leben diese liebe zu verlieren. Dieses allein war hierin meine
wiewol betrübte vergnugung / dass mir nicht verboten war / sie zu lieben /auch
dass ich in ihrer vertrauten freundschaft vermeintlich gestanden / und ihr / zu
wolgefallen / erspriessliche dienste leisten konnen. Sehet / Prinzessin von
Salem! also schütte ich diss mein anligen gegen euch aus / welches ich noch nie
gegen einigem menschen getan: und wann ich mich nicht auf eure güte verliesse /
dass ihr meine bekennte schwachheiten aller welt verhelen werdet / hätte ich der
gefahr mich unterworfen / hierdurch in die äuserste noht zu geraten.
    Was hoffet ihr dann in eurer liebe? fragte hierauf Jaelinde / mit grosser
verwirrung. Nichts anders /(antwortete er) als die freiheit / zu lieben: wird
mir nur das nicht verboten / so mus ich zufrieden sein. Woltet ihr aber wohl /
(fragte sie weiter / die augen fur sich niederschlagend) einer dame guteissen /
wann die von eben solcher regung angegriffen würde / wie diese ist darüber ihr
euch beklaget? Ich wollte sie /(antwortete er) wie mich selber / beklagen. Wolan
dann! (sagte sie / mit bebender stimme / damit aufstehend) beklaget dann mich /
wie ich euch beklage / und tadelt nicht an mir / was ich an euch billigen muss.
Cimber / der alle ihre worte wohl verstunde / hatte den mut nicht / ihr zu
antworten: daher sie / mit beiderseits-höchster verwirrung / von einander
gingen. Und weil die wundärzte noch nicht haben wollten / dass er /und sonderlich
gegen abend / in die luft ginge / als begleitete er die Prinzessin nur bis an
die tur: welche fürter / durch einem Tyrischen hofbedienten / nach der Konigin
von Elam palast sich füren liesse / alwo sie /in wärender dieser kriegs-unruhe /
sich ståts aufgehalten hatte.
    Sie ginge / sonder die Konigin anzusprechen /gleich in ihre kammer: darin
sie die dame funde /welche / aus des entleibten ratsherrn Abibalus hause /im
anfang dieses unwesens / geflüchtet / sich nach dem königlichen schloss in
sicherheit und schutz begeben hatte. Diese merkte ihr gleich ihre bekummernis an
/ und / aus liebe / zu ihr / fragte sie / was doch ihre ståts erwiesene / und
iezt sehr vermehrte / unruhe und traurigkeit auf sich håtte? Ach liebe freundin!
(gabe Jaelinde / mit augen voll tränen / zur antwort) wann ihr mir helfen kontet
/ wollte ich euch mein anligen nicht verhelen. Nun aber kann kein mensch meinem
elend rat schaffen: und wurde ich solches nur verdoppelt sehen / wann iemand
sonst auser mir wusste / was ich entfinde. Hiemit liesse sie sich eiligst
abkleiden /und warf sich auf das bette: daselbst sie einen so starken trånenbach
ausgosse / dass die dame zu sonderbarem mitleiden bewogen wurde. Sie sezte sich
vor die Prinzessin auf das bette / und eine von ihren hånden ergreifend / sagte
sie zu ihr / als sich ihre dirnen hinweg begeben hatten: Wir sind allein / mein
kind! ich bitte euch / vertrauet mir was euch fehlet. Wer weiss /ob nicht der
himmel / durch mich / euer niedergeschlagenes gemüte wieder aufrichten möchte?
    Ach weh! (antwortete Jaelinde) was soll ich euch entdecken? Ich muss befahren
/ dass ihr mich hassen werdet / wann ich euch eurer bitte gewåre. Hassen /mein
kind! wiederredte die dame. Ach nein! ihr wisset noch nicht / wie håftig ich
euch liebe / und wie nahe mich euer wohl und weh angehet. Ich bin durch soviel
ursachen / euch zu lieben / verbunden / dass ihr nimmermehr euch einiger änderung
von mir zu befahren habet. Darum berget euch nur nicht fur mir: ich bin
diejenige / so euch euer leiden abnemen kann. Jaelinde sah hierauf / sonder ein
wort zu sagen / diese dame eine gute weile an / und fragte sie endlich: ob ihr
der Celte Cimber bekant wåre? Als die andere dieses mit nein beantwortet / sagte
sie ferner: Dieser Prinz liebt / sonder geliebt zu sein; und ist geliebt /
sonder zu lieben. Es sei dem also! antwortete die dame. Was tut aber dieses /
zu meiner Prinzessin anligen? Ach weh! (fuhre Jaelinde wehmütig fort /) ich bin
dieselbige / die da liebt / sonder geliebt zu werden. Erwäget nun / ob ich
nicht elend sei. Ich sehe mein gebrechen /ich sehe die unmoglichkeit / und bin
nicht blind / abzusehen / was ungemach diese liebe nach sich ziehet: und dannoch
kann ich mich nicht erlosen von meinem feind / sondern muss ihn freiwillig in
meinem herzen herbergen. Ja ich bin von ihm so ubermeistert / dass ich nicht mehr
gegen ihm aufkommen kann / sondern mich gefangen geben muss.
    Nun ihr / liebste Prinzessin! (sagte hierauf die andere) euch mir also
geoffenbaret / will ich gegen euch nicht mindere vertreulichkeit gebrauchen / und
euch eröffnen / wiedass es in eurem willen nicht mehr stehet / zu lieben / wo es
euch gefället: dann eure eltern haben euch bereits fürlångst verlobet / und
wurdet ihr des himmels fluch auf euch ziehen / wann ihr dieser ehe /die man euch
verordnet / widerstreben woltet. Bedenket demnach / dass ihr fur ein königreich
bestimmet seid / welches euch iederzeit zu bewonen lieb gewesen. Jaelinde hörte
mit grosser aufmerkung diese fromde zeitungen an / und bate / weil sie davon
ganz nichtes verstunde / ihre beisitzerin üm deren erklärung: die ihr solches
auf folgenden morgen versprache / und damit ihr eine gute nacht wunschte / nur
noch dieses hinzu setzend / wiedass Melchisedech / ihr vetter / keine grössere
irdische freude erleben konnte / als wann er diese heurat mit ihr würde volzogen
sehen. Weil nun die Prinzessin diesen Konig / der sie erzogen / über alles in
der welt liebte / als war ihre begierde sehr gross / etwas zu vernemen / dadurch
sie ihn vergnugen möchte: daher sie die nacht mit ja so grossem verlangen / als
ångstlichem andenken des Cimbers / zubrachte.
    Sobald nun die sonne wieder herfür gebrochen /schikte sie nach dieser
fromden dame / die ihre lagerstätte bei der Königin von Elam kammerjungfrau /
der Iphis / genommen hatte. Nachdem sie angekommen /und auf der Prinzessin bette
sich niedergelassen /fragte sie dieselbe / mit einer sonderbaren annemlichkeit /
ob ihr auch von ihrem verlobten Prinzen getraumet hätte? Jaelinde beantwortete
solches mehr mit seufzen / als mit worten / und bate diese dame / sie ihrer
gestrigen zusage erinnerend / dass sie ihr erzählen wollte / was sie zu wissen so
sehr verlangte. Ich komme eben deswegen / (gab diese zur antwort) mich und euren
eignen zustand euch kund zu machen / den ihr ja so wenig als mich kennet: und
werde ich bei euch damit nicht geringe verwunderung erwecken. Kein sterblicher
weiss solches noch zur zeit / auser mir: und sollet ihr / liebste tochter! nun
die erste sein / deren ich mich offenbare. Wisset demnach / dass ihr des Konigs
von Salem gemalin / die unglückseelige Eurilinde / allhier vor euch sehet: deren
ihr euch schwerlich werdet erinnern konnen / weil ihr noch gar zu kindisch
gewesen / als man von mir und meinem kleinen sohn / dem Adonisedech / gläubte /
dass wir auf dem schlosse Sion im feuer verbrant und verdorben wären.
    Jaelinde wurde / über dieser entdeckung / von solcher freud-verwunderung
überfallen / dass sie sich nicht entalten konnte / der nun-erkannten Königin von
Salem in die rede zu fallen / mit den worten: Wie! sehe ich vor mir meines
liebsten Königs gemalin? ist es moglich / dass sie noch lebe / die der
Melchisedech mit unendlicher traur für todt beweinet? Ich will euch /mein kind!
(gabe Eurilinde zur antwort) alles umståndlich kund tun / und meinen ganzen
lebenslauf euch erzählen: da ihr vernemen werdet / wie der himmel so wunderbar
mich gefüret / wie es euren eltern ergangen / und in was verbindung ihr
schwebet; die so heilig ist / dass ihr alles unglück auf euch ziehen würdet /
wann ihr die nicht erfullen woltet. Nachdem sie hierauf sich etwas bedacht hatte
/ und ihre zuhorerin sehr aufmerksam ersah / finge sie also an zu erzählen.
            Die Geschicht des Königs Melchisedech und der Eurilinde.
Als der vorige Konig von Salem / meines Melchisedech herrvatter / mit des Konigs
Barzanes von Armenien schwester / der schönen Ramestris / sich verehlicht / und
dadurch / wegen der schwigerschaft mit dem måchtigen König von Ninive / dem
weissen Arius / der seiner gemalin schwester / die Sambetis / geheuratet hatte /
sich und sein land in grosses ansehen und wolstand gesetzet: zeugte er / aus
dieser Ehe /sehr viel kinder / unter denen der jüngste sohn nachmals mein
ehgemal wurde / den man dazumal / ehe er zur kron kame / den Prinzen Adonisedech
nente. Der grosse vorzug / den seine brüder für ihm hatten /machten ihn / als er
kaum das achtzehende jahr erreichet / das weite suchen: und war der Konig sein
herrvatter zufrieden / dass er seinem gluck anderswohin nachziehen mochte. Also
wurde er / mit nötigem unterhalt versehen / von seiner fraumutter nach Armenien
zu ihrem bruder verschicket: welcher ihn wohl aufname / und ihm alles gutes
erwiese. Der junge Prinz Togarma / des Königs von Armenien einiger sohn /ob er
wohl jünger als der Adonisedech / ware dannoch stäts um diesen Prinzen / und
erwiese ihm anfangs ja so grosse liebe / als gross hernach seine eiversucht gegen
ihm gewesen: massen / als die neulichkeit der ankunft dieses vettern vorbei war
/ die missgunst sich hingegen bei ihm einzustellen begunte / also dass der Prinz
von Salem nichtes tun konnen / daran der Togarma nicht etwas zu tadeln sollte
gefunden haben.
    Aus dieser ursache / musste Adonisedech endlich den hof zu Tosana wieder
råumen: da er dann nach Nisibis / zu einem von den weissen Sagen oder Armenischen
priestern / sich begabe. Er kame nach der hand in kundschaft / mit der tochter
eines fürnemsten unter diesen priestern / die schöne Blisinde genant / einer
witwe des fürsten der Myniader / welcher ein reicher Armenischer herr gewesen:
von dem sie dann viel landes und grosse schätze geerbet / und unfern von Nisibis
auf ihren landgütern wonete. Seine gute gestalt /und ihre unvergleichliche
schöne / verursachte beiderseits eine wolneigung / und ein verlangen / gern
beisammen zu sein / und hierzu keine gelegenheit zu verseumen. Die hohe geburt
des Adonisedech / so sich zu seinen schlechten mitteln übel reimte / machte die
Blisinde begierig / seinen mangel mit ihrem reichtum zu ersetzen / und durch
seinen königlichen stand den ihrigen zu erheben. Ihr beständiges woltun /neben
ihrer sonderbaren annemlichkeit / machte den Prinzen verliebt / ehe er es selbst
gewar wurde: und fand sich an beiden seiten kein widerstand / diese anglimmende
liebe zu ernehren. Daher sie / nach kurzer zeit / ihrer sachen eins wurden / und
durch das band der ehe ihr verlangen vergnugt sahen.
    Sie / die an jahren ålter als er war / wusste ihm doch so ehrerbietig in
allem zu begegnen / dass sie sich im geringsten nicht merken liesse / wie ihre
grosse güter ihr wåren / und sie damit dem armen Adonisedech aufgeholfen hätte /
sondern sie liesse ihn damit nach eignem gefallen schalten: der dann auch der
herrschaft hieruber / bei solcher jugend / sich so bescheidentlich bediente /
dass eines an dem andern ganz vergnügt bliebe. Blisinde wurde bald nach der
hochzeit schwanger: das dann ihre ehliche liebe noch mehr ergrösserte / zumal
Blisinde / von solchem ehe-segen /in ihrem ersten ehestand nichts gewust hatte.
    Weil aber selten das ungewitter / auf gar zu hellen sonnenschein /
auszubleiben pfleget / als mussten auch diese eheleute solchen wechsel erfahren.
Dan die Blisinde nicht so bald einer jungen tochter genesen war /da kame ihrem
Adonisedech botschaft / dass er / weil seine brüder im krieg wider die Caphtorim
ümgekommen waren eiligst ins land Canaan / zu seinem herrvattern / nach Salem
komen sollte. Der wehmütige abschied / den diese eheleute voneinander genommen
/zeigte wohl an / wie ihnen das herze zuvor sagte / dass sie einander nicht wieder
sehen wurden. Also schiede er aus der Myniader landschaft hinweg / viele von
seiner Blisinde bedienten mit sich nemend / die ihn nach Salem begleiten wollten.
Als er aber nahe an Syrien gekommen / und über den fluss Halis setzen wollen
/hatten die schiffere / die ihn überfüreten / das ungluck / dass sie / aus
unvorsicht / auf eine klippe stiessen /davon das schiff scheiterte / und sie alle
in lebensgefahr gerieten: wie dann auch / unter allen im schiffe /niemand als der
Prinz von Salem / und ein alter kåmmerling der Blisinde / mit dem leben davon
kamen /und doch ihrer keiner dieses von dem andern wusste.
    Weil nun dieser kämmerling den Adonisedech /gleich allen den andern / für
todt achtete / als brachte er solche trauer-post der armen Blisinde / wie ihr
Prinz so jåmmerlich um sein leben gekommen wåre. Das klagen und ächzen dieser
betrübten dame / die sich nun das zweite mal eine witwe gläubte / ist leichtlich
zu ermessen. Indem aber sie ihren verstorbenen Prinzen beweinte / kame derselbe
/ nachdem er in Syrien / wegen dieser wassergefahr / eine langwürige krankheit
ausgestanden / nach Salem zu seinem herrvattern: der ihn dann mit freuden
entfienge /weil / nach absterben seiner åltern bruder / die hofnung der
kron-erbschaft auf ihm bestunde; weswegen er auch den namen Melchisedech / als
den gewönlichen zunamen aller Könige von Salem / an sich name. Bei dieser
unverhoft-erlangten hoheit / vergnügte ihn nichts mehrer / als dieses / dass er
seiner Blisinde / für alle das gute / so sie ihm erwiesen / zur erkentnis einst
eine kron aufsetzen konnte. Er hatte / ihr seinen zustand kund zu machen / so
bald er in Canaan angekommen / einen eigenen boten abgefärtigt: der aber bei der
Blisinde nicht angelanget / und hat man niemals erfahren konnen / wo er hin
verkommen.
    Sein innigstes verlangen nach ihr / hätte ihn wohl selbst nach Armenien
gefüret. Weil man aber des Konigs ableiben tåglich vermuten musste / und auf
solchen fall die regirung seine gegenwart erforderte; weil auch der erst neulich
auf den tron gesezte König Beor ihnen viel zu schaffen machte / und er deswegen
seinen herrvattern nicht verlassen dorfte: als musste er solche reise einstellen
/ und notwendig im land verbleiben. Demnach sandte er den Asmanat / einen
seiner fürnemsten bedienten / nach Armenien / seine Blisinde abzuholen: welcher
dann ihm fürsezte / diese weite reise auf das schleunigste zu verrichten. So bald
er in Armenien angelanget / fand er iederman frölich über ihres konigs heurat:
weil / ungefår vor monatsfrist / das beilager zu Tosana war gehalten worden. Als
er nun fragte / wer die königliche braut gewesen /musste er mit bestürzung und
grostem schrecken vernemen / dass die Blisinde / die Fürstin der Myniader /an den
König wäre getrauet worden. Anfangs wollte er solches nicht gläuben: befande es
aber nur allzu wahr / als er nach Nisibis kame.
    Er stunde hierauf lang bei sich an / ob er alsofort wieder nach Canaan zu
rücke gehen / oder zuvor diese ungetreue Blisinde ansprechen sollte. Doch wehlte
er endlich das lezte / und reisete nach Tosana: da alles /wegen dieser hochzeit
/ noch in vollen freuden schwebte. Er musste aber fast zwei monden lang verziehen
/ ehe er die neue Konigin konnte zu sehen bekommen: welche / nach landsgebrauch /
nicht viel unter die leute kame. Doch brachte er sie endlich zu gesichte / als
sie einem angestellten grossen fest / da die wilden tiere miteinander kåmpfen
sollten / neben dem gesamten Königlichen frauenzimmer / auf dazu-bereiteten
schaubunen / mit beiwonete. Er hatte sie vorher noch nie gesehen / und musste so
schon als leichtsinnig preisen. Doch name er dabei war / dass sie sich gar
betrübt gebärdete / und alles gepränge /neben der hohen ehre / die man ihr
erwiese / sehr kaltsinnig anname. Als sie auf den zubereiteten tron sich
gesetzet / und neben ihr / die junge Prinzessin Barzine / des Konigs base /
folgends auch die andere Fürstinntn und hofdamen / sich niedergelassen / drange
sich der Asmanat auch mit hinauf: deme man dann / weil er ansehliches wesens und
dazu ein fromder war / willig platz machte / damit er alles mol sehen und
folgends in der fromde ausbreiten konnte.
    Wie er nun endlich gerad hinter der Konigin zu stehen gekommen / und eine
weile dem tiere-streit mit zugesehen hatte / fugte es sich / dass man einen
leuen los liesse / wider den ein leopard kåmpfen musste. Als nun dieser streit
eine weile gewäret / und der leu endlich matt zu werden begunte / sprange
unversehens eine leuin aus dem kasten herfur / und liefe hitzig auf den leopard
los: den sie dann bald ubermeistert / und also den leuen gerettet. Diss ist ein
schones sinbild (sagte Asmanat) eines tugendhaften weibes / und mochte diese
leuin wohl ihrer viele schamrot machen /die ihre treu nicht also in acht nemen.
Weil er dieses auf Canaanitisch / und wie man zu Salem zu reden pfleget /
fürbrachte / wurde die Konigin bewogen /hintersich zu sehen / und den Asmanat
zu fragen / ob er von Salem kåme? Wie er nun diese frage mit ja beantwortet /
und tief dazu geseufzet / sah ihm die Konigin stark in die augen / und die
ihrigen wider willen voll wasser fassend / fragte sie ihn ferner etwas leise /
wie es in Salem zustünde? Also / (antwortete er / gleichfalls mit leiser stimme)
wie es an einem orte zustehen kann / da man in vergeblicher hofnung lebet /die
Blisinde getreu zu sehen. Mich zu sehen? erwiderte sie / ganz besturzet. Ach!
ich habe alles in Salem verloren / was mir daselbst lieb gewesen. Hiermit wandte
sie sich zur Barsine / die ihr etwas zu sagen hatte; doch kehrte sie sich bald
wieder zu ihm / und fragte: Ob ihm der Prinz Adonisedech wäre bekant gewesen? Er
ware es nicht allein / (antwortete er) sondern er ist es auch noch / weil er
iezt mein herr ist. Wie? (fragte sie ferner / ganz aus sich selber) ist
Adonisedech noch im leben? Er ist es freilich / (gabe er zur antwort) und sollte
iezt Blisinde unsere Kronprinzessin heisen / wan ihre beständigkeit mit meines
herrn liebe sich vergliche / und wan sie / ihre ehrsucht zu vergnügen / sowol in
Canaan / als wie iezt in Armenien / eine kron håtte suchen wollen. Mein
Adonisedech / ist der nicht todt? fragte sie nochmals mit häftiger bestürzung.
Wan er todt wäre / (wiederholete Asmanat) so würde er der qual uberhoben sein /
die ihn überfallen wird / wan die nie-erhörte untreu seiner Blisinde ihm für
ohren kommet.
    Als der Asmanat diese worte geredet / vermochte die arme Blisinde dem
schmerzlichen entsetzen nicht ferner zu widerstehen / sondern gen himmel sehend
/und die hånde zusammen schlagend / fiele sie onmächtig von ihrem tron auf das
gerüste: worüber ein allgemeiner zulauf und grosses jammergeschrei entstunde /
also dass der König / so zu pferd unten am platz hielte / voll schrecken selber
herzurennte / ihr bei zu springen. Wie die frage entstunde / woher der Konigin
dieser zustand gekommen / sahen und wiesen die ümstehende auf den fromden
Asmanat / welcher mit der Konigin heimlich geredt hätte. Er wurde gleich beim
kopf genommen / und zu gefångnis / die Konigin aber / als sie sich wieder
ermuntert / auf das schloss gebracht / und also diese lust mit einer grossen
unlust geendet. Der Konig bliebe ståts üm und bei der Königin / die dann in
seiner gegenwart sich / soviel müglich / zwange / und allerhand schein-ursachen
ihres übel-aufwesens fürbrachte / unter denen auch war / dass sie sich schwanger
befande. Aber der verliebte König / hierdurch nur mehr verwirret / unterliesse
nicht / den gefangenen Asmanat etliche mal / in seiner gegenwart / scharf
verhören zu lassen / und zu befragen / wo er herkäme / was sein gewerbe sei /
und was er der Konigin betrubtes angebracht håtte? auf welche fragen er so
schiklich antwortete / dass man ganz nichts von der warheit aus ihm bringen
konnte.
    Inzwischen er nun also gefangen lage / bemühte sich die Königin / ihn
heimlich zu sprechen / brachte auch / durch geschenke und viele verheisungen /
den huter so weit / dass er den Asmanat in ihr zimmer zu bringen versprache: der
aber nicht ermangelte / solches begehren der Königin / dem König anzumelden.
Dieser fassete gleich den rat / hierdurch das geheimnis zu erfahren. Er befahle
dem huter / den Asmanat zu der Königin hinein zu furen: und er begabe sich
heimlich hinter eine tapezerei / da er alle reden ihres gespråchs anhoren konnte.
Asmanat fand die betrubte Blisinde auf einen bette ligen / also entstaltet von
ihrer vorigen schonheit / dass es ihn mühe kostete / sie zu kennen. So bald sie
ihn ersah / finge sie ihr klagwesen wieder an / das ihr kaum zuliesse / ihn
nochmals zu fragen / ob dann sein herr noch lebte?
    Nachdem er ihr solches bekräftiget / und in der kurze seine abschickung /
auch wie er es zu Salem gelassen / berichtet hatte / sagte sie / tief seufzend:
Wehe mir / die ich nun dessen leben muss beweinen den ich als todt so lang
betrauret! Ach liebster Adonisedech! was nützet mir dein leben / nun ich nicht
mehr fur dich leben kann? Hiemit überwande sie sich /ihr klagen einzustellen /
und erzehlte dem Asmanat /wie ihr gemal der Adonisedech ihr todt gesagt / und
sie nachgehends von dem Konig in Aramenien gesehen / worden: der sich in sie
verliebet / und dem sie /als ihrem König und oberherrn / die heurat nicht
versagen dörfen. Weil sie nun ihren liebsten Adonisedech noch im leben wusste /
und aber von dem Konig in Aramenien sich schwanger befånde / als könnte ihr / in
diesem elenden zustande / nichts als der tod helfen: der ihr den namen einer
Ehbrecherin / worzu sie unschuldig geraten / abnemen / und allein / das
Armenische und Salemische haus / wieder in ruhe zu bringen vermöchte. Sie wollte
auch ihren tod durch gewaltsame mittel befördern / wan sie nicht der
unschuldigen frucht verschonete / die sie noch viel monden zu tragen hätte.
Inzwischen begehre sie von seinem herrn nichtes mehr / als dass er seine
treugewesene Blisinde beklagen / und alsdan ihrer vergessen mochte.
    Der bestürzte Asmanat wusste nicht / was er der Konigin hierauf antworten
und bei solchen umständen rahten sollte: weil sie ja so stark in Armenien
angehalten / als nach Salem gezogen wurde. Ich will auch (fuhre sie fort) den
Prinzen von Salem mit dem ungluckseligen kinde nicht beladen / welches ich von
ihm zur welt geboren: sondern es soll dem König von Armenien verbleiben / der mir
versprochen hat / selbiges in der Myniader land erziehen zu lassen. Ich bitte
und wünsche aber nochmals / dass Adonisedech seiner Blisinde / wie auch seiner
armen kleinen Eurilinde /auf ewig vergessen möge. Hiemit winkte sie dem Asmanat
/ hinweg zu gehen: der dann wieder in sein gefängnis gefüret wurde.
    Der Konig von Armenien bliebe hierob so betrübt /dass er wünschte / niemals
erfahren zu haben / was ihme nun so schmerzliche unruh erweckte. Die schwangere
Blisinde zuverlassen / wiederriete so wohl die liebe / als die natürliche
erbarmung gegen ihrer leibesfrucht. Dieselbe aber zu behalten / da ihr erster
gemal noch lebte / schiene auch wider alle erbarkeit zu sein. Endlich / nach
langem selbstreit / beschlosse der König / den Asmanat unter die Sagen nach
Nisibis zu schicken / und daselbst ewig verwahren zu lassen: damit er nimmermehr
/ dem Adonisedech / diese zeitung von seiner Blisinde bringen könnte. Indessen
wollte er seine liebste Konigin behalten / und sich alles dessen unwissend
stellen / aber ihren tod im land aussprengen lassen / und also allem besorgenden
unheil zuvorkommen.
    Dieser raht wurde alsofort ins werk gerichtet / und die tod-gesagte Konigin
vom ganzen land betrauret. Der Konig ware ståts in ihrer gesellschaft / liesse
sich gegen ihr nichts merken / und erwiese ihr soviel liebkosungen / dass / wann
Melchisedech nicht gelebt hätte / Blisinde sich fur gluckseelig hätte achten
konnen. Aber das andenken des Prinzen von Salem /erhielte sie in ståter
traurigkeit: daher sie endlich / als die geburt-zeit heran kame / den geist
aufgabe / und den König in den traurstand sezte / dessen er vorher zum schein /
für den leuten / sich angemasst hatte.
    Von allen diesen dingen / erfuhre nun Melchisedech zu Salem nichtes: der
sich / ein ganzes jar hindurch / mit der leeren hofnung speisete / dass seine
Blisinde ankommen würde. Endlich kame / an ihrer statt / der Asmanat zurücke:
welcher den Armenischen priestern entwischet / und / mit der zeitung vom tode
der Blisinde / nach Salem wieder abgereiset. Es ist unnotig / des Prinzen
schrecken und betrubnis alhier zu beschreiben / die ihn überfiele / als er von
dem Asmanat alles dieses erfuhre: wie dann so viel unvermutete dinge wohl fähig
waren / ein so edles herz / als das seinige / in unordnung zu bringen.
    Wie aber die vergessenheit die tochter der zeit ist /also erholete sich
allgemach sein niedergeschlagenes gemüte / und unterwarfe sich in gedult dem
willen des himmels. Hiernåchst richtete er alles sein tichten und trachten auf
Gottliche und geistliche dinge / und erneurete / mit bewilligung des alten
Königs / zu Salem und Kiriatsepher alles wieder / was seine vorfahren /zu
erziehung der jugend / daselbst angeordnet. Er richtete auch das priestertum
wieder auf / und begunte selber / als priester / dem höchsten zu opfern und zu
dienen. Seine schwester / die verståndige Saradine eure fraumutter / wuchse in
solcher zeit bei ihm auf /und dienete ihm / mit zuwachs der jahre und ihres
verstandes / in seinem angestellten Gottesdienst / mit grossem nutzen.
    Ich muss aber / mit meiner erzehlung / mich von Salem wieder nach Armenien
wenden / um desto deutlicher alles fürzubringen. Ihr werdet in gedult stehen
/die ümstånde meiner geburt erst hernach zu vernemen: da euch solche / an ihrem
gehörigen ort / viel angenemer fürkommen werden.
    Zu Nisibis wurde / die Prinzessin Tiphabruma und ich / als schwestern / und
kinder des königs Barzanes von Armenien / auferzogen. Weil man uns von jugend
auf furgesager / wiedass die Konigin / unsere fraumutter / in unserer zarten
kindheit verstorben wäre / als bekummerten wir uns nicht üm deren stand oder
lebenslauf / sondern waren zu frieden / dass man uns sagte / wie wir des grossen
Barzanes kinder wåren: da wir dann / nach unserem koniglichen stand wurdig und
geschickt zu leben / mit allem fleis unsern zuchtmeisterimen folgten / und alles
so wohl annamen /dass die / so über uns gesezt waren / ein genugen daran hatten.
Der Prinz Togarma unser bruder / ob er wohl ungleich älter an jahren war / fand
doch in unser gesellschaft seine zufriedenheit / und besuchte uns zum oftern /
gleich wie auch die Prinzessin Barsine unsere base: daher / in unsrem
aufwachstum / es uns an guter gesellschaft und ergezlichkeit nicht gefehlet.
    Als nun der schwere krieg / den wir mit dem Syrern bekamen / uns
überschwemte / und mit dem Konig auch das frauenzimmer zu feld zoge: blieben wir
beide schwestern zu Tosana / weil wir zu Nisibis nicht trauen dorften / und
kamen damit in gewonheit /dass / als folgends zwischen dem Barzanes und Aramenes
fried wurde / wir am hofe verharreten; sonderlich weil die flucht der Prinzessin
Barsine / die nach Meden sich begeben und alda den Konig Pharnus geheuratet /
ihre stelle zu ersetzen / zu unsrem da-bleiben anlas gabe.
    Wie wir nun solcher gestalt / die freiheit und den pracht des Königlichen
hofs / ein jahr lang mochten genossen haben / kame zu uns die Prinzessin der
Philister / die Andagone / und brachte mit sich den Prinzen Aramenes: welchen
der König von Syrien / sein herrvatter / ihr / als der schwester seiner mutter /
die mit diesem sohn im gebären gestorben war / zu erziehen übergeben hatte.
Diese Prinzessin konnte man so schön / als gottselig / preisen. Und ob sie gleich
sechs jahre älter als wir war / so erwiese sie sich dannoch so leutselig / und
machte mit uns eine so verbindliche freundschaft / das wir sie ståts um uns zu
haben wünscheten. Ihr vorsatz war / den kleinen Aramenes / zu ihrem bruder / dem
Prinzen Ahusat / eurem herrvattern / nach Caphtor zu bringen: weil sie dessen
erziehung bei diesem bruder bässer / als bei dem andern /hoffen konnte / indem zu
Gerar die Konigin Eglone /als dem götterdienst ergeben / das kind leicht auf
einen irrweg hätte verleiten mogen. Dieserwegen / wie auch um einer anderer
ursach willen (die allhier zu erzählen allzu weitläufig fallen / auch zu meinem
fürhaben nicht dienen würde) name sie aus Syrien hieher diesen weiten ümschweif
/ und hielte sich bei uns so lang auf / bis sie aus Caphtor / das an unser land
anstösset / wegen ihrer dahinkunft / nachricht erhalten konnte.
    Der Prinz Togarma / unser bruder / bliebe / bei ersehung dieser schonen
Philisterin / nicht ohne entfindlichkeit / der doch bis dahin in stäter
kaltsinnigkeit gelebt hatte: und liesse er ihm ihre schone so wohl gefallen / dass
er seine ruhe darüber verlore / und ein so eifriger aufwärter der Andagone wurde
/ als jemals ein liebhaber mag gewesen sein. Weil sie nicht weniger streng als
schon war / als hatte der Prinz nicht den muht / ihr sein anligen selber zu
offenbaren: sondern er gebrauchte mich dazu / ob ich gleich damals kaum in das
dreizehende jar gehen mochte / in Meinung /ich würde ihm am båsten bei ihr
dienen können. Ich fand aber diese Prinzessin so widersinnig / des Prinzen
liebe anzunemen: dass mir alle hofnung entsunke /etwas angenemes fur ihn
auszurichten. Weil sie in dem rechten Gottesdienst mich unterwiese / und wohl
warname / dass ich ihre unterrichte und lehren wohl beobachtete / als verhielte
sie mir nicht die ursachen /die sie eigentlich antrieben / den Togarma also zu
begegnen / welche dann diese waren: dass sie keinen abgöttischen Prinzen lieben /
noch auch beståndig ihr leben in einem solchen lande zubringen könnte / da man
den wahren Gott nicht verehrte. Ich wandte hergegen ein / wie sie / den Prinzen
bekehrend / alle diese betrachtungen verlieren würde: welches sie aber fur
unmüglich hielte. Damit sie aber dem verliebten Togarma die gelegenheit / seine
liebe durch ihre gegenwart mehr anzufeuren / abschneiden mochte / beschleunigte
sie ihre abreise / und zoge nach Caphtor: von dar wir folgends die nachricht
erhielten / dass /sowol wegen des kriegs daselbst / als auch anderer ursachen
halber / sie ihren zweck / den Prinzen von Syrien alda zu erziehen / nicht
erreichen können / und dadurch gezwungen worden / in der Philister land zu ihrem
ältsten bruder /dem Konig Abimelech / sich zu begeben.
    Etliche jare hierauf / entstunde der blutige krieg zwischen den Babyloniern
und Syrern: da der macht des Belochus zu steuren / der Konig Barzanes für gut
befunde / die Könige von Canaan zum bunde mit dem Aramenes von Syrien
aufzusprechen. Hierzu nun fuglich zu gelangen / weil man den Belochus sehr
fürchtete / dienete gar wohl zur schein-ursach / dass der Konig zeitung bekame /
wie sein schwager / der alte König von Salem / verstorben / und der junge
Melchisedech seinen våtterlichen tron bestiegen hätte. Diesem nun zu seiner
angetretenen regirung gluck zu wunschen / schickte er den Prinzen Togarma
selber /diese botschaft abzulegen / und heimlich die besagte bündnis mit
anzuspinnen. Dieser übername solches gewerbe üm soviel williger / weil er also
zu Gerar seine Adagone wieder zu sprechen verhoffte.
    Als er nach Salem kame / fand er den neuen König bereits im bunde mit den
Philistern / Syrern und Teutschen / und hielte eben zu Salem euer herrvatter
hochzeit mit eurer fraumutter: deren er mit beiwonete / auch nachgehends /
wiewol heimlich für seinem herrvattern / (als der ihn / weil er ein einiger sohn
war / niemals zu krieg wollen ziehen lassen) unter dem dapfern Ahusat / nach
Syrien sich mit zu feld begabe / der hoffnung / durch diesen feldzug so wohl
seine ehrsucht als liebe zu vergnugen. Er hatte zuvor seine Andagone zu Gerar
gesehen / ehe er zu krieg ginge.
    Inzwischen er aber bei dem bruder seiner schonen sich bedient machte / ware
dessen gemalin die Saradine / bemuhet / zwischen dem Melchisedech ihrem bruder /
und dieser Andagone / eine liebe zu stiften: weil sie dessen einsames leben /
welches er nun soviel jare nach seiner Blisinde tod gefüret / nicht länger
ansehen konnte. Melchisedech liesse sich durch seiner schwester zureden gewinnen /
und als er vernommen /dass Andagone eine wallfart nach dem gebirge Ararat in
Armenien angestellet / da man / aus andacht / auf diesem hohen gebirge den
kasten pflegte zu besuchen / darin sich / nach Gottes befehl / der Noa mit den
seinigen / auf der grossen welt-wasserflut / vor mehr als 500 jaren /
wunderbarer weise erhalten hatte: entschlosse er sich / zwar unbekant und
heimlich / auch dahin zu reisen; zumal er ohnedas seine schwester nach Biblis /
welche stadt an den Armenischen grånzen liget / zu begleiten hatte / daselbst
sie / solang der krieg in Syrien wärete / ihren aufentalt haben wollte.
    Es musste sich eben fügen / dass / als meine schwester und ich diese wallfart
mit verrichteten / und in gesellschaft dieser gottseeligen Prinzessin unsere
zeit auf dem gebirge Ararat zubrachten / ungefär der Melchisedech / und Togarma
unterwegs zusammen stiessen / beide des vorhabens / nach diesem gebirge zu reisen
/ und die Andagone zu sehen. Der Prinz von Armenien / kame aus dem Syrischen
krieg / welchen zu verlassen / der Ahusat ihme / weil sein herrvatter im hohen
alter und wegen seiner in sorgen ware / geraten hatte. Es hatten diese beide /
ihres alten grolles /den sie in Armenien vordessen gegeneinander gehegt
/vergessen / und hingegen zu Salem grosse freundschaft gestiftet. Demnach
vertraute Melchisedech dem Prinzen / wie der Andagone ihm noch-unbekannte
schönheit ihn bewogen håtte / diese reise zu übernemen / um / seiner schwester
der Saradine einrate folgend / seinen königlichen stammen fortzupflanzen. Was
håtte / dem verliebten Togarma / verdrieslichers konnen offenbaret werden?
Zumal er besorgen musste /dass Andagone dieses gottseeligen Konigs liebe willigst
annemen würde. Demnach volfurete er diese reise mit grosser unruhe: die er aber
so ämsig verbarge / dass Melchisedech von seinem anligen nichts merkte / sonderen
fortfuhre / seinem unerkanten mitbuler seine liebesgedanken zu entdecken / und
bei ihme beforderung zu suchen.
    Weil er die Andagone nicht kante / als bate er den Prinzen / ihme behulflich
zu sein / dass er sie / ohn ihr wissen / möchte / zu sehen bekommen: der ihme dann
solches versprache. Sie kamen auf das gebirge / als wir eben einer opferung nahe
bei dem Noa-kasten beiwoneten / so die Andagone angestellt hatte. Weil daselbst
viel busche und gesträuche waren / als kunte der Konig von Salem und der Prinz
von Armenien /ganz unvermerkt / unserer opferung zu sehen: da dann Andagone / ich
und Tiphabruma / in einer reihe / fur dem altar niederknieheten / und also
unser gebet verrichteten. Melchisedech bekame / durch schickung des himmels /
mich am ersten in die augen: und eine grosse regung in sich fülend / euch zu
lieben / wünschete er / dass ich Andagone sein möchte. Weil er nun / in solcher
seiner entzückung / den Togarma nicht fragte / war der auch nicht begierig /
von selbst seinem mitbuler die Andagone zu zeigen. Nachdem er mit grosser unruhe
gewartet / was Melchisedech sagen würde /vermochte er endlich dessen stilles
wesen nicht långer an zusehen / sondern fragte ihn / wie Andagone ihm gefiele?
Wofern die andere in der ordnung / (antwortete Melchisedech / auf mich zeigend)
die Prinzessin Andagone ist / so wird es mir nicht schwer fallen /dem einrat
meiner schwester nach zukommen.
    Dem Togarma fiele / bei dieser des Melchisedech erklärung / alsofort eine
list ein / ihn zu betriegen /und ihm zu bekråftigen / dass ich die Andagone wäre.
Wie nun hierauf Melchisedech seinen schluss fäst gestellet / mich zu lieben /
betrachtete er / mit grosser aufmerkung / auch die andere beide / und fragte den
Prinzen / üm die namen dieser seiner zwei schwestern / sonderlich aber der
vermeinten ältsten / so die Andagone ware. Diese erkundigung / machte den
Togarma gleich besorgen / Melchisedech hätte auf die Andagone seine gedanken
gerichtet. Demnach ihn ferner zu betriegen / verwechselte er auch dieser beiden
ihre namen / wie den meinen / und beredte ihn / dass er die Tiphabruma für
Eurilinde / und die Andagone fur Tiphabruma ansah. Hierauf finge Melchisedech
tief an zu seufzen / und sah die vermeinte Eurilinde mit unverwandten augen an:
dass also Togarma in zweifel bliebe / welche unter seinen beiden schwestern den
Melchisedech eingenommen hätte. Dessen nun eine erklärung ihm abzulocken /
brachte er den Melchisedech aus seinen tiefen gedanken / mit dieser frage: Ob
ihn nicht / die schönheit der Andagone / fürtrefflich dünkte? Er / so mich fur
Andagone hielte / gabe mir mehr lobs / als mir zustunde und bekennte dem
Togarma / dass er ganz entschlossen wäre / diese schone Philisterin zu lieben.
    Was konnte Togarma / seiner liebe zum vorteil /gewunschters horen? Und wie
er nun / durch betrug dieselbe zu fördern / angefangen / also gedachte er damit
fortzufahren: weswegen er gegen dem Melchisedech sich erbote / dass er ihm alle
möglichste dienste zu seinem vorhaben leiste wollte. Dieser name solches mit dank
an / und redete folgends mit ihm ab /wie er unbekant daselbst verbleiben / und
durch seine beförderung die gelegenheit / mit der Andagone in geheim zu reden /
absehen wollte. Togarma fand sich /noch selbigen tag / bei mir ein / und mich
hochlich mit seiner ankunft erfreuend / brachte er mir in vertrauen bei / wie
der König Melchisedech mit ihm gekommen wåre / des vorhabens / mich zu sehen /
und folgends zur ehe zu begehren: worbei er diesen König mir so gut heraus
preise / dass ich / die ich diesen bruder als meinen andern vatter liebte /
leichtlich überredt wurde / hierin seinem einrat allerdings zu folgen /und des
Melchisedech ansprache anzunemen.
    Wie er nun dieses bei mir ausgerichtet / kehrte er wieder zu dem Konig / und
sagte ihm: wiedass die Andagone / aus gewissen ursachen / nicht bekant sein wollte
/ daher er viel mühe gehabt / sie dahin zu bereden / dass sie von einen fromden
sich sprechen zu lassen / eingewilligt. Es musste aber Melchisedech dieses nicht
misbrauchen / sondern sich also in seinen reden mässigen / dass weder seines noch
ihres standes darbei erwånet würde. Hierauf seumte er nicht / den König zu mir
zu füren: der dann / bei dieser besuchung / so vergnügt von mir als ich / von ihm
/ verbliebe / und war der inhalt unsers gesprächs von lauter hohen und
geistlichen dingen; worbei ich so sehr seinen erleuchteten verstand bewunderte /
als er mit meinen beantwortungen sich zufrieden bezeugte.
    Der begierige Togarma verlangte / mit der hochsten ungedult / zu vernemen /
wie wir einander hätten angestanden. Demnach / sobald Melchisedech mich
verlassen / gesellte er sich zu ihm / und vername mit freuden / seine beständige
Entschliessung / mich bis in den tod zu lieben. Folgends forschete er auch bei
mir / wie Melchisedech mir gefallen håtte: da dann meine antwort auch also
lautete / dass er damit zu frieden sein konnte. Solcher gestalt verstrichen nun
etliche wochen / die wir in unsern gezelten auf dem gebirge zubrachten: im
welcher zeit Melchisedech öfters bei mir ware / und so vergnügt von seiner
Andagone verbliebe / als unvergnugt Togarma bei der rechten Andagone war / die
seine liebe gar nicht annemen wollte. Doch trostete er sich / mit der hoffnung /
durch diesen betrug endlich noch einigen vorteil zu erwarten. Dieser gute
fortgang seines betrugs ward hierdurch mit befördert / dass die Prinzessin
Andagone / wegen einer bösen zeitung / so sie aus Syrien bekommen / fast von
keinem menschen sich sehen liesse / und also hierbei die geringste hinternis
nicht geben konnte. Es kame auch dem Melchisedech aus Canaan die nachricht /dass
es daselbst zu einer unruhe mit dem Könige Beor sich anlassen wollte: worüm er
eiligst nach Salem wiederkehren musste / und also desto bässer bei seiner
betrieglichen einbildung / die sonst in die länge nicht bestehen mogen / konnte
erhalten werden. Wie er nun /in Armenien unbekant zu sein / sonderliche ursachen
hatte / als wollte er auch mir / der vermeinten Andagone / nicht sagen / wer er
wäre / sondern solches sparen / bis er wieder zu haus sein würde: da er / üm die
Prinzessin von Gerar werben zu lassen / ihm furgenommen hatte. Also schiede er
ganz heimlich wieder hinweg / nachdem er zuvor von mir abschied genommen / und
zimlich verblumt mir seine liebe zu verstehen gegeben hatte. Er kame endlich /
mit dieser seiner liebe / wieder nach Salem / nachdem er unterwegs zu Biblis
seine schwester Saradine gesprochen / und ihr seine Meinung / die er zur
Andagone trüge / entdeckt hatte.
    Diese Prinzessin reisete bald darauf auch aus Armenien wieder ab / und zwar
voll betrübnis / weil ihr Syriens elender zustand und unvermeidlicher untergang
sehr zu herzen gienge / und ihr liebster bruder /der Prinz Ahusat / in schwere
gefångnis nach Babel war hinweg gefüret worden. Zu Biblis besuchte sie
gleichfals die betrubte Saradine / und trostete sie / so gut sie vermochte /
über dem ungluck ihres gemales. Sie entfienge hingegen von ihr die nachricht /
dass der Melchisedech unbekant auf dem geburge Ararat gewesen / sie gesehen und
lieb gewonnen hätte. Es bedurfte nicht grosse muhe / der Andagone gemüte zu etwas
zu bereden / dazu sie von selber so geneigt war: massen sie allemal sich
vernemen lassen / wan sie ja sich verheuraten sollte / müste ihr gemal dem Konig
von Salem an fromkeit und tugend gleichen. Also vermeinte Saradine für ihren
bruder ein grosses auszurichten / wan sie die Andagone / (welche noch eine gute
weile zu Biblis verbliebe) in ihn verliebt machen / und ihre erklårung zu
erlangen / seine anwerbung zu Gerar über sich nemen würde.
    Inzwischen aber Melchisedech / wegen der unruhe in Canaan / mit vollziehung
seiner heurat-werbung etwas verzoge / war Togarma immittels in Armenien
geschåftig / das / so er angefangen / auch wohl auszufüren. Hierzu erlangte er
nun mehr macht und gelegenheit / indem es der himmel also schickte / dass der
Konig Barzanes starbe / und ihm den tron hinterliesse. Er verzoge hierauf nicht
lang / mich mit einer ansehnlichen gesandschaft nach Salem zu schicken: da er
mich überredte / als hätte Melchisedech üm mich werben lassen. Er schriebe ihm
hierbei / wie dass er nun die Andagone dahin vermögt hätte / seine liebe
anzunemen / und mit der ihrigen zu erwiedern. Sein obergesandter hatte dabei in
befehl / dem Melchisedech eine und andere dringende ursach anzubringen /worüm er
so eilig verfahren müssen / die Andagone ihm zu schicken. Ihn selber triebe auch
die häftige liebe zu der wahren Andagone / sein neu-angetretenes reich zu
verlassen und nach Biblis zu reisen / allwo er wusste / dass sie sich noch
aufhielte. Er wurde aber von ihr gar kaltsinnig entfangen / und / unangesehen
seiner Koniglichen würde / nicht båsser / als wie vorhin gehalten.
    Ich reisete also / in meiner unschuld / nach Canaan: und der verliebte
Melchisedech / sobald er seiner vermeinten Andagone ankunft innen worden / kame
/ mit so grosser verwunderung / als liebe / mir nach Ennon am Jordan entgegen.
Der gesandte / als er diese des Konigs entgegenkunft erfahren / liesse mich auf
eine tagreise zurucke / und zoge füraus / ihme / wegen dieser meiner
unvermuteten ankunft / die notdurft zu berichten. Wie nun dieser ein sehr
verschlagener man war / als brachte er des Togarma ursachen dem Melchisedech so
scheinbarlich für / dass dieser Konig mehr als wohl zufrieden war / und / von
liebe eingenommen / nicht so eigentlich beachtete / was ihme ein und andern
zweifel geben können. Die groste von den ausgedachten ursachen war / dass der
König Abimelech / als bruder der Andagone / diese Prinzessin nach Babel / um
gnade zu erlangen / zu geisel schicken wollen: weshalben Togarma / aus treuer
freundschaft zum Melchisedech / ihme die braut in die hand spielen wollen / ehe
dieses zu werke kommen können.
    Gleichwie nun Melchisedech / dem König von Armenien sich hierum verbunden
erkente / also entfinge er mich / den folgenden tag / mit so unbeschreiblicher
freude / dass seine vergnügung nicht zuliesse / von andren dingen als vom beilager
zu reden: massen solches / noch selbigen abend / zu Ennon vollzogen wurde. Des
andern tags / name der Armenische gesandte gehor bei mir / offenbarte mir alles
/ was ich iezt erzählt / und bate mich / im namen meines bruders / um unserer
treuen freundschaft willen / dass ich ihm diesen betrug vergeben / und so lang /
als muglich / den König meinen gemal darin erhalten wollte: damit er unterdessen
die Prinzessin Andagone zu seiner liebe gewinnen könnte. Ich wusste / mein
entsetzen hierüber / nicht zu beschreiben / und verhonete es mich so sehr / ein
werkzeug dieses betrugs zu sein /dass ich lang nicht wieder zu besänftigen ware.
Endlich aber liesse ich mich / weil es nun geschehen /dahin bereden / meinen
rechten stand und namen dem König zu verschweigen / es kåme dann / dass er mich
selbst hierüm fragte: womit der gesandte zufrieden war / und gleich folgenden
tags mit seinem gefolge nach Biblis zu seinem herrn abreisete.
    Also bliebe ich nun zurücke / und entfienge voll unruhe die liebkosungen /
die mir mein gemal erzeigte. Er brachte mich in die Königliche statt Salem / da
wir das schloss Sion bezogen / und folgends in so vergnügter und friedlicher ehe
zusammen lebten / dass ich nicht glucklicher sein konnen / wan ich nur Andagone
gewesen wåre. So oft der König von den meinigen redte / schwiege ich dazu still
/ und seufzete: welches er dahin deutete / als nagete es mich / dass ich / ohne
meiner bruder wissen / ihn geheuratet håtte. Er zoge aber / vier monden nach
unsrer hochzeit / auf Gerar: da ich / wegen meines zustandes / weil ich bereits
schwanger gienge / mich entschuldigte / auf dieser reise ihm / wie er verlanget
/ gesellschaft zu leisten. Ich bliebe aber in groster angst zurucke / und dorfte
nicht erkünen / dem Konig / vor der abreise / zu entdecken / dass ich / nicht
Andagone / sondern Eurilinde wäre.
    Als er zu Gerar ankame / fand er daselbst / bei dem Abimelech / dessen
brudern / den Prinzen Ahusat / und dessen gemalin / wie auch seine schwester
die Andagone / und den Konig von Armenien. Weil man dazumal am hof / wegen des
Syrischen unwesens / in hochster verwirrung schwebte / und mit der erlosung
eures herrvattern / des Ahusat / aus der Babylonischen gefångnus zu tun gehabt
/ als wussten sie noch nichts von des Melchisedech verheuratung /zumal solche ohn
alle weitlåufigkeit war vollzogen worden: und hoffete jederman / auser dem
einigen Togarma / Melchisedech wäre darüm hingekommen / üm die Prinzessin
Andagone zu werben. Man unterliesse nichtes / diesen König wohl zu entfangen / um
ihme zu weisen / dass seine verlangte verbindung mit dem hause Gerar ihnen
annemlich wäre.
    Wie nun Melchisedech eben bedacht war / sich zu entschuldigen / dass er des
Königs schwester ohne vorhergehende anwerbung geheuratet / kame der verliebte
Togarma zu ihm / und entdekte ihm den betrug / den er mit ihme bei seiner
heurat gespielet: mit ersuchen / ihme zu vergeben / dass er / aus eigner zu der
Andagone tragenden liebe / an deren statt ihm eine andere zugefreiet.
Melchisedech / hierüber erschrocken /konnte nichts als diese worte herfürbringen:
O weh! so ist es Eurilinde / die ich geheuratet? Der schlaue Togarma / hieraus
abmerkend / dass ein sonderbares bedenken mich ihm zuwider machen musste / fand
sich gleich darein / und sagte: Es wäre nicht Eurilinde /sondern eine andere
Prinzessin aus Armenien / vom Königlichen hause / die er / an statt der Andagone
/geehlicht håtte. Das erschrockene gemüt des Melchisedech / erholete sich
hierauf nach und nach wieder: und weil er mich herzlich und häftig liebte / als
golte es ihm gleich / ob ich schon nicht Andagone ware.
    Togarma erzehlte ihm hiernächst / wie er diese Prinzessin von Gerar längst
geliebt / iedoch ihre huld nicht erlangen konnen: und wäre er eben darum iezt
an diesem hof / bei dem Abimelech üm sie zu werben / und ihm alle seine
Armenische macht wieder seine feinde anzubieten. Melchisedech war nicht allein
mit diesem allem zu frieden / sondern er liesse sich auch erbitten / durch
entdeckung seiner heurat / dem Togarma zu der seinigen beforderlich zu
erscheinen. Die Andagone lebte inzwischen in voller hofnung / ihren Melchisedech
nun zu bekommen / und eroffnete der Saradine / wie sie / ihre doppelte
schwägerin zu werden / nicht geringes verlangen trüge. Als aber diese mit ihrem
bruder hiervon sprechen wollte / vername sie mit der hochsten bestürzung von der
welt / dass bereits eine andere zu Salem der Andagone stelle bekleidet / und dass
/ die liebe zu derselben / den Melchisedech der rechten Andagone vergessen
machte.
    Togarma / wie abgeredet worden / fand sich bald darauf bei der Saradine
auch ein / und beschwur sie zum höchsten / ihm beizustehen / dass er die Andagone
überkommen möchte. Demnach liesse eure fraumutter / die vergnügung ihres liebsten
bruders erwägend /und dabei des grossen Togarma vorteilhafte befreundung
bedenkend / von ihnen sich uberreden / des Aramenischen Konigs wort bei der
Andagone zu sprechen. Ihr herr / der Prinz Ahusat / als er dieses erfuhre /
beliebte gleichfals / den måchtigen Togarma zum schwager zu haben / und
erofnete solches dem Abimelech / seinem bruder: der dann / so wohl als alle grosse
von Gerar / diese verbindung der Philister mit Armenien für höchstnützlich
erkannte. Also kamen sie ingesamt zu der Andagone / und bemüheten sich / sie zu
dieser heurat mit dem Togarma zu bereden.
    Weder mein ehmaliges entsetzen / noch des Melchisedech und der andern
bestürzung / vergliche sich mit der erstaunung dieser Prinzessin / als sie die
betrügliche heurat vername / zu der sie den namen herleihen müssen. Sie befande
sich ganz auser sich selbst / und konnte endlich nichtes / als ihren verbitterten
hass gegen dem betriegerischen Togarma / fürbringen: dem sie auch mit solcher
feindschaft aufsetzig wurde /dass weder ihre beide brüder / noch ihre freundin
Saradine / sie besänftigen konten. Sie zoge auch alsobald von Gerar nach Gaza /
mit dem vorsatz / nimmermehr den Togarma zu sehen / noch auch an einige heurat
ferner zu gedenken: wie sie dann auch beides beståndig bisher gehalten hat. Der
arme Togarma / voll betrubnis / dass alle seine list so übel ausgeschlagen /
reisete wieder nach Armenien. Es liesse auch meinen Melchisedech / das verlangen
nach mir / nicht lang in der Philister land verharren / sondern triebe ihn /
wieder nach Salem zu eilen: da er so erfreut ware / mich zu sehen, als mich
seine wiederkunft machte.
    Aber ach! wie kurz war diese unsre vergnugung /und wie plozlich verwandelte
sie sich in die grausamste unruhe und marter / die jemals zwei treuliebende
eheleute mögen ausgestanden haben. Dan / wie mein König zu mir in das zimmer
getreten / und mich mit den freundlichsten gebården ümarmet hatte / verwiese er
mir scherzweis / den ihme-zugefugten betrug / und sagte: Muste man so der
Andagone person furstellen /da eure volkommene schonheit mächtig gnug war /ohne
diesen betrug meine wahl beständig zu machen? Als er hierauf mich gekusset / und
meiner errötung war genommen / låchelte er / und sagte ferner: Entsetzet euch
nicht / dass ich weiss / wie ihr mich betrogen habet. Mir ist dieser betrug gar
angenem / und bin ich dem Togarma doppelt verpflichtet / dass er also unsere
verehlichung angestiftet. Diese worte gaben mir den muht wieder / und sagte ich:
Mein bruder hat so wohl meiner unschuld / als meines Konigs unwissenheit /
gemisbrauchet; massen ich nicht eher gewust /dass er mich fur die Andagone
ausgegeben / als da unsere ehe schon vollzogen war. Meine blödigkeit machte mich
sündigen / und bisher verschweigen /dass nicht die wurdige Andagone / sondern die
gluckliche Eurilinde / dem König Melchisedech in die arme geraten.
    Kaum hatte ich diese worte ausgeredet / da erblassete der König wie ein tuch
/ und liesse mich aus seinen armen fahren / die hånde und augen gen himmel
kehrend. Ich / die ich diese schleunige ånderung des Königs / einer
zugestossenen schwachheit zuschriebe / rieffe gleich üm hülfe / und fassete dem
Konig an /der nun begunte onmächtig zu werden / und also ganz sinlos in mein
bette gebracht wurde. Die starke mittel / so wir ihm gebrauchten / täten das
ihrige / dass seine verstreute geister sich wieder einfunden. Er wandte alsofort
seine augen nach mir / und liesse /mich weinen sehend / die zären auch häufig
fliessen. Er wollte mir auch kein wort antworten / als ich nach seinem anliegen
fragte: inzwischen sein unaufhorliches seufzen für ihn das wort täte.
    Wie nun solcher gestalt die nacht heran gekommen / wollte ich mich zu ihm in
das bette verfügen: aber er verbote mir solches / und begehrte / dass ich ihn
allein lassen mochte. Dieser grausame befehl bedrängte mir das herz / und wusste
ich nicht was ich hiervon gedenken sollte. Tausend verdrusliche einbildungen /
waren die ganze nacht hindurch meine gesellschaft: und schwumme ich schier in
tränen / so hoch nahme ich auf / was mir wiederfahren war. Als ich folgenden
tags wieder zu meinen König gehen wollte / kame zu mir einer von dessen
kämmerlingen / der mir anmeldete: Wie dass der König nicht mehr auf dem schlosse
Sion wåre / sondern sich in einen palast / der in Jebus läge / begeben håtte /
und für gut befände / dass ich auf Sion verbliebe. Ihr konnet gedenken / wie
dieses meinen kummer vermehret: massen diese plotzliche verånderung / zumal ich
auch schwanger ginge / mir eine fast-tödliche krankheit verursachet / und ich so
håftig befiele / dass jederman an meinem aufkommen verzweifelte. Gleichwie ich
nun mich ganz und gar dem gram ergabe / also wollte ich auch keine arznei
gebrauchen / und verlangte nichtes / als nur bald zu sterben.
    Melchisedech unterliesse nicht / in diesem meinem elenden zustande mich zu
besuchen / und liesse mich eine solche entpfindlichkeit und herzliche liebe sehen
/ dass selbige bezeugungen kräftiger waren / als alle arzneien / mich wieder
aufzurichten / und hofnung von meiner genesung zu geben. Eines tags / als ich
ihn vor meinem bette sitzen sah / bate ich ihn so beweglich / als es mir immer
moglich war / dass er mir doch sagen wollte / was ihn bewogen / auf anhorung
meines namens / nicht allein zu erschrecken und gar onmåchtig dahin zu sinken /
sondern auch so grausamlich mir sein bette und beiwonung zu versagen? Ach
Eurilinde! (gabe er mir zur antwort / zugleich einem tiefen seufzer holend) weil
ich euch so håftig liebe / vermag ich euch nicht zu sagen / was mein anligen
verursachet. Gnug ist / dass ich es allein weiss. Fraget mich nicht mehr üm etwas
/ was ich noch zur zeit euch nicht entdecken kann. Ich habe zwar vermeint /
(antwortete ich /) es musste leid und freud unter eheleuten gemein sein / und
also keines für dem andern etwas verborgenes haben. Nun aber dem König gefället
/ mich dieser sache nicht teilhaftig zu machen / die so ein grosses gemüt
niederzuschlagen fåhig ist: so will ich auch nicht mehr darüm fragen / sondern
zufrieden sein / wann ich hoffen darf / dass mein Melchisedech gegen seiner
getreusten Eurilinde keinen hass trage / und nur aus herzlicher liebe mir sein
anligen verschweige. Dessen seit versichert! gabe mir der Konig zur antwort /
und buckete sich damit zu mir /mich herzlich küssend: welches mich also
vergnugte /dass / von dem tage an / es merklich båsser mit mir wurde.
    Der König / den dieses hätte erfreuen sollen / bliebe dannoch bis in den tod
betrübet. Er war zwar gern bei mir / dabei aber immer so unruhig / dass es
schiene / als wann ihn allemal iemand mit gewalt von mir hinweg zoge. Oft gingen
ganze stunden furbei / dass er kein wort mit mir redete / und wie aus sich selber
ware. Wann er meinte / dass ich nicht acht darauf gäbe / sah er mich mit
unverwandten augen an: die er nachgehends gen himmel schluge / und eine
sonderbare herzens-qual dabei verspuren liesse. Ich war / mit der weile / dieses
lebens so gewonet / dass ich endlich wieder ruhiger wurde / weil ich darbei von
meinem Konig mich immer fort geliebt sah.
    Ich kame endlich mit einem sohne nieder / der /nach gewonheit der Prinzen
von Salem / Adonisedech genant wurde. Es liesse Melchisedech nicht die geringste
freude spuren / als er diesen sohn sah / sondern er begruste denselben mit
seinen seufzern / als wie er täglich gegen mir täte: und schiene es / als wann
dadurch / dass der ganze hof hieruber seine freude bezeugte / seine qual nur
vergrössert wurde. Wie nun meine sechs wochen geendet waren / und ich / mit
dieser meiner leibesburde / auch alles mein krankheit-wesen abgelegt hatte /
finge der Konig an / mich seltner als sonst zu besuchen / und sich ie mehr und
mehr zu äusern.
    Ich name endlich / auf einrat meiner leute / den entschluss / und ginge in
einer nacht heimlich in des Konigs schlaffkammer: da ich / als er bereits
schlieffe / mich in sein bette ihm an die seite legte. Als er nicht lang hernach
erwacht / und iemand bei sich spürte /erschracke er håftig / nicht wissend / wer
es wåre. Ich finge gleich an zu reden / und sagte: Ich hätte meinen platz wieder
bekleiden wollen / der mir geburte / und könnte nicht länger also von ihm
getrennet leben. Ach Eurilinde! (rieffe er hierauf) dieser platz stehet euch
nicht zu: weil ihr hier nicht im ehebette / sondern auf eures vatters lager
liget. Auf meines vatters lager? fragte ich voll besturzung. Ja / Eurilinde!
antwortete er mir. Es ist endlich zeit / dass ihr auch erfahret / in was grosse
sünde und blutschande wir geraten sind: da der grosse Gott verhänget / dass ich /
als ein andrer Lot / mein eigenes kind berüren / und zugleich vatter und
grosvatter des armen Adonisedech werden müssen. Erwåget nun / ob meine bisherige
betrübnis /mein klagen und seufzen nicht sei billig gewesen /und ob ein
sterblicher / der nach åusersten kråften sich stäts bemühet / die sunden zu
meiden-gröber als ich håtte fallen können?
    Ich bliebe / über diesen reden / ganz besturzet / und wusste nicht / ob ich
warhaftig / oder nur im traum /gehoret. Ich vermeinte auch / meiner geburt so
gewiss zu sein / dass die geringste einbildung nicht bei mir haften konnte / ob
sollte nicht Barzanes / sondern Melchisedech / mein vatter gewesen sein.
Inzwischen ich nun / meinen gedanken zuhörend / stum verbliebe /stiege der König
aus dem bette / und einen mantel um sich werfend / sezte er sich bei mir nieder
/ und als er mich bei der hand gefasset / redete er mich ferner also an: Traget
in gedult / was uns von so hoher hand ist auferlegt / und berget allerdings
unsere schande /damit kein mensch erfahren möge / wie es mit uns beschaffen ist.
Unsere ehe / wie ihr sehet / ist ungültig /und darf ich euch fortin nicht
anderst / als wie ein vatter / lieben / wofern wir verhuten wollen / dass uns der
erschreckliche zorn und straffe des hochsten nicht uberfalle. Ach mein König!
(antwortete ich mit tränen und ächzen) vieleicht ist dieses nur also ersonnen
/üm den widerwillen damit zu beschonen / den man gegen mir tråget. Hierauf
bestätigte er mir mit vielen schwuren die warheit dessen / was er gesaget / und
brachte damit in mich ein solches erschrecken und grausen / dass eine onmacht auf
die andere mir zustiesse und ich mich halb todt in mein zimmer musste tragen
lassen.
    Was ist es aber notig / euch alles furzustellen / was diese kentnis bei mir
gewirket / und wie gar nicht ich mich darein zu finden wusste / von einer
ehefrauen /des Melchisedech tochter / und von einer mutter / eine schwester
meines sohnes zu werden: da der greul /den ich für mir selbst hatte / so håftig
war / dass ich nichts als den tod verlangen konnte. Ich will nur noch sagen / dass
Melchisedech mir hierauf alle seine mit der Blisinde gepflogne liebe erzehlte /
und wie er mich mit ihr erzeuget / wie ich nachgehends / am Armenischen hof /
als des Barzanes tochter erzogen /und von diesem Konig / aus beständiger liebe
zu der verstorbene Blisinde / stäts für seine tochter gehalten / und von ihme ja
so sehr / als die Tiphabruma / die ihm auch diese Blisinde geboren / wåre
geliebt worden.
    Ich grämete mich nun mit dem Melchisedech in die wette / da bald er mir /
bald ich ihme / mit trost zusprechen musste. Es erfuhre aber niemand an unsrem
hof / wie es mit uns beschaffen war. Ich verharrete nun in stätiger einsamkeit /
auf dem schlosse Sion: der König aber hielte hof in Jebus / und kame selten /mich
zu besuchen. Ich liesse aber meine groste angelegenheit sein / den kleinen
Adonisedech wohl zu erziehen: und begaben wir beide / der König und ich / uns
ganz auf ein geistliches leben / üm in ståter reue unsere jare hinzubringen /
wegen der unglücklichen heurat / die wir also getroffen hatten.
    Als solcher gestalt etliche jare verflossen waren /stiesse dem Konig eine
neue traurigkeit zu / durch die zeitung von Gerar / dass seine liebste schwester
/ eure fraumutter / die Saradine / gestorben wäre. Ihr und Colidiane / als deren
hinterbliebene kinder / kamet darauf nach Salem / da euch der König meiner zucht
untergabe: und mochtet ihr kaum das vierte jar erreichet haben / als mit meinem
sohn eure kundschaft anginge. Ihr habt euch stäts zusammen gesellet / und ware
fast niemals Adonisedech ohne Jaelinde / noch Jaelinde ohne den Adonisedech /
anzutreffen. Der Konig belustigte sich an eurer unschüldigen liebe /und
wünschete / dass aus euch beiden / zu seiner zeit /ein par werden mochte. Der
Ahusat / euer herrvatter / kame nicht lang hernach / und ehe er mit dem Fursten
Edom nach Caphtor ginge / zu uns nach Salem / und eröffnete uns den wunsch und
das verlangen seiner verstorbenen gemalin / ihrer tochter eine in unser haus
dereinst verheiratet zu wissen. Er brachte damit zu wege / dass Adonisedech mit
euch allerdings verlobet wurde: und schwuren beiderseits eltern / bei dem
hochsten des himels und der erden / dass diese heurat gültig sein / auch
unverbruchlich sollte gehalten werden.
    Sobald aber der Ahusat wieder hinweg war / finge Melchisedech an zu bereuen
/ dass er den in blutschande gezeugten sohn an euch verlobet: aus besorgung /dass
ihr künftig unglücklich mit einander leben möchtet / weil er schwerlich / wegen
seiner trübseeligen geburt / himmlischen segen auf erden erlangen würde. Ich
konnte nichts darwider sagen / und musste selber diesem armen Prinzen alle
zeitliche gluckseeligkeit absprechen. Doch stellte ich alles gedultig dem
hochsten anheim / und fuhre fort / euch zusammen /nach meinem vermögen / wohl
zuerziehen.
    Nach etlichen jaren / entstunde auf dem schlosse Sion eine feuersbrunst / die
so schnell überhand name / dass wir den schnell-wütenden flammen nicht zu
entfliehen vermochten. Die von Salem retteten zwar /was sie konten / und zogen
euch und die Cölidiane aus dem feuer. Wie sie aber auch mich und den kleinen
Adonisedech herausholen wollten / schosse eine wand zwischen sie und uns ein / dass
unmuglich einiger mensch zu uns gelangen konnte. Ich erinnerte mich / wie Sodom
mit feuer war gestraffet worden: bildete mir demnach ein / dass auch dieses eine
straffe des höchsten sein müste. Demnach bereitete ich mich willig zu meinem für
augen stehenden tode: wiewol / die klägliche gebärden des Adonisedech / mir das
verlangen zu sterben in etwas benamen. Um seinet willen gedachte ich auch auf
mittel / uns zu retten: und als ich ein kellerloch für mir sah / sprange ich
dahinein /den Adonisedech auf den armen haltend. Ich ware kaum darunten / da
verfiele das loch mit aschen und maurwerk / also dass ich / aus der gefahr zu
verbrennen / nun in noch grössere noht des verhungrens mich gestürzet sah:
daher ich / für mich und mein armes kind / einen geschwinden tod / an statt einer
so langen qual / wunschen musste.
    Ich verbliebe in solcher noht / bis auf den driteen tag: da endlich der
himmel mir eine hülfe zuschickte. Es kamen etliche råuber / unter den aschen und
steintrümmern dieses schlosses nach schåtzen zu suchen: die endlich auch in
diesen keller gerieten. Ihr mitleiden / neben der hofnung / mit mir ihren nutzen
zu schaffen / machte sie mir ihre hülfe anbieten / mich von dannen zu bringen:
dann sie waren Araber / und gedachten mich zu verkaufen. Sie / als fromde /
kanten mich nicht: massen ich auch nicht fur ratsam hielte / mich ihnen zu
entdecken. Ich fassete den schluss bei dieser gelegenheit / da nun alle welt mich
fur todt hielte / Salem zu verlassen: dadurch ich des Melchisedech traurigkeit
zu stillen / und ihme / anderweit / und zwar mit der Andagone / sich zu
verehlichen / anlass zu geben vermeinte. Wie sie demnach ein und anders von
silber und gold in dem verbranten Sion gefunden hatten / zogen sie mit uns
davon: und bliebe mir von allem nichts in händen / als die urkunden von meines
sohnes geburt / welche in etlichen schriften von des Melchisedech hand bestunden
/ die ich dann mitname.
    Meine räuber brachten mich nach Sidon / da meine schwester Tiphabruma dem
Konig Syphon vor etlichen jahren geheuratet / und ihme schon eine tochter
/namens Orosmada / geboren hatte. Durch viel anschläge brachte ich zu wegen /
dass die Königin mich zu sehen bekame / und von meinen Arabern mich und mein kind
mit geld erlosete. Wie wir nun also bei ihr blieben / entdeckte ich ihr meinen
ganzen zustand /und unterrichtete sie von allem / wovon sie und ich in Armenien
niemals etwas vernommen hatten. Ihr mitleiden dienete mir nun zu grossem trost /
und weil der Sidonische hof für mich viel zu laut war / als wehlete ich Zarpat
zu meiner wonung / und nennte meinen sohn Adonias / damit er desto verborgener
konnte erzogen werden: meinen eignen namen aber behielte ich /weil der sehr
gemein war / und viele in Zarpat denselben füreten. Es war nun meine einige
sorge / wie ich diesen jungen Adonias wohl erziehen möchte.
    Nach kurzer zeit / name mir der himmel auch den trost / den ich noch übrig
hatte / nämlich die Tiphabruma: welche / in ihrem lezten willen / ihren gemal
dahin beredet / dass er mir / die junge Prinzessin Orosmada / zu erziehen nach
Zarpat schickte. Es eräugte sich alsofort zwischen diesen beiden kindern eine
liebe / die ich bei ihrem zarten alter nicht beachtete. Als aber nachgehends die
zunemende jahre diese verborgene glut mehr zu äusern begunten / widerstunde ich
derselben mit allen kråften / und wollte keines wegs zulassen / dass mein sohn
einige andere / als euch / lieben sollte. Zu dem ende / und diese beide verliebte
von einander zu scheiden / sandte ich meinen sohn nach Kitim und in die
entfernte Inseln / daselbst sich etwas zu versuchen / und diese liebe aus den
gedanken zu bringen.
    Orosmada wurde inzwischen nach dem Sidonischen hof zuruk beruffen / dahin
ich / auf ihr bitten /mitreisete. Weil ich weiss / dass euch die Iphis dieser
tagen alles erzählt / was ferner zwischen dem Adonias und dieser Prinzessin
fürgegangen / als will ich selbiges hier übergehen / und allein was ihr noch
nicht wisset / zu erzählen fortfahren. Ich täte / als ich zu Botris mich
aufhielte / ein gelübde / auf das gebirge Ararat zu des Noa kasten zu reisen /
üm daselbst /fur meines sohn wolergehen / den himmel anzuflehen. Adonias war
inzwischen zu Sidon / wie ich diese reise übername. Als ich in Armenien und auf
dem gebirge angekommen / fügte es sich / dass der König Togarma sich eben auch
daselbst befande. Er hatte mich /bereits vor vielen jahren / als todt beweinet.
Ich wollte auch / weil ich alle meine ehmalige bekanten meidete / fur ihm
verborgen beiben: darüm bestellte ich mir /tief im wald / meine wonung / kame
auch fruh zu dem kasten / da ich wusste / dass der Konig sich noch nicht einfinden
wurde.
    Weil er aber mein da-sein vernommen hatte / als kame er eines tags ganz
allein / mich zu sehen. Er erkannte mich gleich / ungeacht wir so lange zeit
nicht beisammen gewesen. So sehe ich dann (riefe er voll bestürzung /) die
Eurilinde noch lebendig? und gönnet mir also der himmel / euch eure rechte
geburt zu entdecken? Diese wort erinnerten mich meines elendes: daher ich / für
månge der tränen / nichts antworten konnte / als dass ich mit drei oder vier
worten bekente /wie ich ja freilich die ungluckselige Eurilinde wåre. Warum dann
(fragte Togarma) seit ihr unglückselig? Weil meine geburt alhie bekant ist /
(antwortete ich) so lässet es sich leicht erraten / was mein klagen verursache.
Ich finde aber hierin nichts / (wandte er hiergegen ein) das euch zu trauren
ursach geben konnte. Ich sah ihn hierauf an / sonder ein wort zu sagen. Er aber
der ja so erfreut war / mich so unvermutlich zu sehen / als begierig / von mir
seinen zustand zu erfahren / sezte sich mit mir unter einen baum / und fragte
mich / was ich dann von mir wüste?
    Ich erzehlte ihm hierauf alles / wie es mir zu Salem und Sidon in etlichen
und zwanzig jahren ergangen /und wie ich / wegen der begangenen blutschande mich
für aller welt verbergend / mein armseliges leben in der fromde zubringen müste.
Togarma konnte kaum sich gedulten / bis ich meine mit vielen tränen benezte
geschicht-klage geendet; da er mich ganz frölich ansah / und sagte: Ihr und der
gute Melchisedech habt euch bisher vergeblich betrübet / weil ihr nichts weniger
/ als seine tochter seit. Hierauf umarmte er mich inniglich / und die augen voll
wasser schöpfend /sagte er ferner: Hier sehet ihr euren rechten vatter! nicht
Barzanes / noch Melchisedech / sondern Togarma / hat euch gezeuget.
    Ich wurde über dieser unvermuteten guten zeitung ganz sprachlos / und fulete
in mir zugleich / die freude / die verwunderung / und die natürliche regung /üm
den vorzug streiten / nicht wissend / welcher von den dreien ich mich mehr
einräumen sollte. Diese zeitung war ja so gut / dass ich sie frölich glåuben
konnte: aber auch so verwunderbar / dass fast der glaube nicht haften wollte. Ich
sah demnach meinen neuen vatter /den ich ehmals als meinen bruder geliebt /
begierigst an / und verlangte / durch erklärung dieser worte /mich in meinem
glauben gestärkt zu sehen. Solches vermerkend / finge er alsobald an / mir
ausfürlich zu erzählen / wie es mit meiner warhaften geburt beschaffen war:
welches ich dann / als das fürnemste in meiner geschicht / euch liebste
Prinzessin / nun auch wiederholen will.
    Ehe der Konig Barzanes die vermeinte witwe des Melchisedech / die schone
Blisinde / ehlichte / hatte er zuvor in eine andere von ihren schwestern /
welche Eurilinde hiesse / sich verliebet. Weil aber dieselbe allbereit ihre treue
dem jungen Togarma versprochen hatte / als liesse sie geschehen / dass sie von
ihm auf ein schloss / so dem Prinzen gehörte / entfuret wurde. Sie spielten aber
dieses mit so grosser fursichtigkeit /dass der Konig niemals das geringste davon
inn wurde / wie sein sohn an der Eurilinde flucht schuldig gewesen. Mitlerweile
nun Barzanes / ihrer vergessend /ihre schwester die Blisinde ehlichte / lebten
auch diese beide mit einander heimlich in vergnugter ehe: die aber nicht länger
wårete / als wie ich zu leben anfinge / weil meine geburt dieser meiner mutter
tod verursachete. Die Königin Blisinde starbe auch nicht lang hernach / und
hinterliesse dem Barzanes eine tochter / die Tiphabruma: welche dann / auf des
betrübten Konigs befehl / nach Nisibis gesandt wurde /um alda mit der Blisinde
tochter / die sie dem Melchisedech vorher geboren hatte / auferzogen zu werden.
    Niemand wusste / wer dieses kind wåre / welches auch Eurilinde hiesse: massen
alles / was mit dem Melchisedech furgegangen / in hochster geheimnis gehalten
wurde. Als kurz darauf die kleine Tiphabruma gestorben / wollten die leute /
denen diese kinder zu erziehen anvertrauet worden / diesen todesfall dem König
nicht ankündigen: sondern / auf einrat des Togarma / namen sie mich / als
dessen tochter / in die stelle. Es wollte aber der Prinz nicht gestatten / dass
ich die kleine Tiphabruma fürstellen sollte / sondern richtete es in die wege /
weile er bei allen den leuten zu Nisibis måchtig war / dass die unbekannte
Eurilinde für Tiphabruma ausgegeben / ich aber in ihre stelle /mit behaltung
meines namens / gesetzet wurde. Solcher massen sind wir nachgehends miteinander
aufgewachsen / da iederman die Tiphabruma und mich fur des Barzanes kinder / und
für schwestern des Togarma gehalten: wiewol im werk ich des Togarma / und
Tiphabruma des Melchisedech / tochter gewesen.
    Alles dieses / erzehlte mir der König Togarma mit vielen ümstånden / und
bezeugte mir dabei seine entfundene grosse betrübnis / als er vernommen / wie ich
neben meinem sohn verbronnen wäre: da ihn nichtes so sehr geschmerzet / als dass
ich sterben müssen /ohne zu erfahren / dass er mein vatter gewesen. Ich schöpfte
hieraus eine unbeschreibliche freude / indem ich also meinen Melchisedech als
seine ehefrau / und nicht als eine tochter / wieder lieben dorfte. Ich vergasse
im augenblick alles meines leids / das ich so viel jahre her ausgestanden / und
sorgte nun für nichts mehr / als wie ich meinen sohn von der Orosmada abwenden /
und meinen Melchisedech mit dieser guten post bald erfreuen möchte: von dem der
Konig mir sagte / dass er die Andagone nicht geehlicht hätte. Ich verlangte
demnach sehr / aus Armenien zu reisen. Ich musste aber / meinem neu-erkannten
vatter zu gehorsamen / mit nach Toana reisen: und erscholle / diese geschicht
von meiner geburt / in kurzem durch ganz Armenien / welches dann ihrer viele nach
hof kommen machte / ihrem Konig / wegen seiner wiedergefundenen tochter / gluck
zu wünschen. Einer von den alten Sagen / wie auch die wartfrau / so die
Tiphabruma und mich erzogen / bekråftigten alles / was mir der Konig gesagt
hatte. Weil nun als die Orosmada den Melchisedech zum grosvatter bekommen / als
konnte ich üm so viel weniger dulten / dass mein sohn dieselbe anderst / als seine
schwester / lieben sollte.
    Demnach eilete ich / so bald ich meine erlassung vom König erlanget / aus
Armenien hinweg / und kame so glucklich als frölich nach Sidon zurucke. Ich
brachte es endlich daselbst zu wege / dass mein sohn die Orosmada aus dem sin
schluge / und hingegen euch / nachdem er euch etliche mal gesehen / ganz
verliebt in sein herz einschlosse. Er ist nun nach Armenien gezogen / üm hulfe
wider den grausamen Beor / zu befreiung unsers Melchisedech / anzusuchen: und
versah ich mich tåglich / dass er mit einem måchtigen heer ankomme. Er weiss noch
nicht / wer er ist: so viel habe ich ihm aber gesagt / dass er ein Prinz sei /
und dass die bewerbung um die schone Jaelinde ihm ein reich zu bringen werde.
Hiermit habe ich / so wohl seine macht / als seine liebe / aufgefrischet / dass er
euch mit der ehrerbietigsten liebe von der welt anbetet / und die Orosmada
andern überlässet.
    Ich will nun / meine liebste Prinzessin! auf eurer seite keine solche
widerspänstigkeit vermuten / dass ihr den sohn des Melchisedech nicht lieben /
oder die kron von Salem / das euch von kindheit auf ernehret hat / ausschlagen
soltet. Ich bin vielmehr versichert /ihr werdet unser aller ruhe befördern
helfen / und euch zu etwas bequemen / das den Melchisedech / den Ahusat / den
Adonisedech / mich und das ganze haus Salem vergnügen kann. Gott zeigt mir ja /
dass nimmermehr die unglücks-wogen / die soviel jahre über mich zusammen
geschlagen / sich legen sollen: und wird Jaelinde / die tugendliebende Jaelinde
/ nicht die jenige sein / die einen neuen sturm erwecke. Lieben /ist ja
natürlich: darüm verüble ich euch nicht / eure neigung zu dem Celtischen
Fürsten. Aber es stehet hohen personen zu / dass sie ihren willen uberwinden. Ich
kenne aber eure grosmut / die werdet ihr auch hierin erweisen / und einer
neigung obsiegen / davon ihr ohnedas / wegen unmüglichkeit / keine vergnügung zu
hoffen habet. Ihr seufzet / liebste Prinzessin! eure tränen reden fur euch / und
es fället euch schwer /einen unbekanten für einen bekanten zu erwählen. Ich weiss
aber gewiss / wan ihr recht mit euch selbst zu raht geht / ihr werdet befinden /
dass ein liebhaber dem jenigen / der nicht gegenliebet / billig vorgezogen werde.
                                     * * *
    Hiermit horte Eurilinde auf zu reden / und horchete / was Jaelinde antworten
würde: die aber einen so häftigen streit in sich entfande / dass sie nicht fåhig
war / etwas hierauf zu sagen. Sie war innigst erfreuet /die gemalin ihres Königs
/ den sie mehr als einen vatter liebte / nun zu kennen / auch von dessen einigem
sohn und tron-erben nachricht zu haben: sie war aber dabei ganz unruhig / dass
sie den Cimber verlassen sollte. Ihre Gottesfurcht / neben der waren vernunft
/triebe sie zu dem Adonisedech: aber von ihrer blinden liebe / ward sie zu dem
Cimber zurücke gezogen. Sie sah die Konigin von Salem so beweglich an / dass
deren mitleiden dadurch grosser wurde. Sie befande endlich für gut / dieser
armen Prinzessin bedenkzeit zu geben.
    Als sie aber hinweg gehen wollte / ergriffe sie Jaelinde beim rock / und
sagte: Ach liebste fraumutter! sie verlassen mich doch nicht / sondern gonnen
mir noch långer ihre angeneme gegenwart. Eurilinde liesse sich hierzu gern
erbitten / drunge aber nicht weiter auf ihre erklärung / die liebe gegen ihrem
sohn betreffend / sondern finge an / von ihrer lezten gefahr zu erzählen / da
sie / als ihr wirt Abibalus von dem pöbel in Damasco hingerichtet / und
nachgehends dessen haus gestürmet worden / mit harter noht entrinnen / und den
königlichen schlossplatz erreichen kömen: wordurch ich aber (beschlosse sie) zu
der vergnügung gelanget / mit meiner liebsten Jaelinde bekant zu werden. Ich
vielmehr habe ursach / mich seelig zu preisen / (sagte Jaelinde) dass ich der
gegenwart derjenigen /die meinem Konig am liebsten ist / genossen habe. E. Maj.
werden mir diese meine freude leicht zuglåuben /wann sie bedenken / dass
Melchisedech mich / von meiner kindheit auf / so herzlich geliebt / und von mir
hinwieder mit der innigsten neigung ist verehret worden. Ich trage nun auch
grosses verlangen nach der Prinzessin Orosmada kentnis / und wunsche / dass sie
nicht in dem heidnischen tempel zu Ninive verbleiben moge: wie ich dann / uber
dieser ihrer Entschliessung / mich hoch verwundere / weil ich vermeint / sie
sei / unter so edler zucht / rechtgläubig unterwiesen worden.
    Es würde freilich Orosmada / (antworte Eurilinde) wann sie geblieben wäre /
wie ich sie zu Zarpat unterrichtet / nimmermehr diesen schluss gefasset haben.
Aber der verfürische hof zu Sidon / hat allerhand abgottische irrtumer aufs neue
in ihr zartes gemut gestreuet: doch hoffe ich / dass solche sich mit der zeit
wieder verlieren werde. Ich verneme auch / dass der Prinz Tiribaces diese
Prinzessin bereits aus den Ninivitischen tempel hinweg bekommen haben. Diesen
Prinzen (antwortete Jaelinde) will man an mich verheuraten: dessen die Königin
von Tyro sich deutlich vernemen lässet. Wåre sowol dieser Prinz / als ich hierzu
zu bereden / so wurde Orosmada hoffnung überkommen / ihren getreuen Adonias /
von dem sie so betrieglich / wann ich es sagen darf / getrennet worden / wieder
zu erlangen. Ihr habt aber von mir vernommen / (widerredte Eurilinde) dass
Orosmada meines sohns schwester tochter ist / und er darüm sie nicht / als seine
braut / lieben darf. Und wann schon dieses nicht im weg stunde / so hintert doch
das fäste gelubde meines gemales und eures vattern / welches den Adonisedech an
die Jaelinde verbindet. Ach wertste Königin! (sagte Jaelinde seufzend) ich bin
nicht wert / des Melchisedech sohn zu lieben / sonst wurde der himmel nicht
verhänget haben / dass ich einen andern Prinzen lieben muss. Adonisedech verlieret
ja nichtes / wann er schon mich nicht überkommet / und wird die entbrante liebe
leichtlich bei ihm wieder verleschen / wann er erfåret / wie es mit mir
beschaffen ist.
    Bedenket euch! bedenket euch! liebste tochter! (sagte Eurilinde / damit
aufstehend) und streitet nur dapfer mit euch selbst: sicher! ihr werdet
überwinden. Hiemit ginge sie von ihr / der antwort unerwartet /nachdem sie zuvor
sie beschworen hatte / niemanden von ihr etwas zu melden. Die arme Jaelinde
hinterbliebe in einem verwirrten zustand / dass sie nicht wusste / was sie
beginnen sollte. Solang sie den Cimber kunte aus den gedanken lassen / fiele ihr
nicht schwer / sich zu der heurat mit dem Adonisedech zu bequemen. Sobald aber
dieser schone Celte ihr wieder zu gedåchtnis kame / da verschwanden bei ihr alle
vernünftige gründe. Mit solchem selbstreit brachte sie etliche stunden zu: bis
sie endlich / ihre sorgen etwas beiseit-setzend / sich ankleiden liesse / zu der
Königin von Elam / und folgends mit derselben zur Königin von Tyro / ginge. Sie
fand daselbst eine allgemeine freude / wegen des mit den Syrern getroffenen
waffen-stilstandes / und redte iederman von des Konigs Belochus heurat mit der
erkannten schönen Aramena / deren wiederfindung sie dann eifrig wunschten. Die
Königin von Tyro hoffete / dass nunmehr die gröste gefahr und unruh fürüber sein
würde: wiewol der Canaaniter macht / wie auch ihres sohns und des reichs Elam
zustand / ihre vergnügung hieruber sehr verminderte /wann sie daran gedachte.
    Weil / nach getroffenem stillstand / beide feindliche parteien einander
freundlich besuchten / als liesse auch der Prinz Dison von Seir bei der Konigin
sich anmelden / dass er kommen wollte / ihr aufzuwarten. Sie wurden alle begierig
/ diesen Fürsten zu sehen: weswegen ihm die Königin zurück entbote / dass er
kommen möchte / wann es ihm belieben würde. Dieser verliebte Prinz / in hoffnung
/ von seiner verlornen Aramena daselbst genauere kundschaft einzuziehen /såumte
sich hierauf nicht / nach hof zu kommen: da er von dem Cosdron auf das
höflichste entfangen / und in der Königin von Tyro zimmer gefuret wurde. Eine
schamröte bekleidete seine wangen / als er alle diese damen ins gesicht bekame /
die vordessen mit ihme /als mit der jungfrauen Aramena / vertreulichkeit
gepflogen hatten. Es entstunde auch / als sie seiner ansichtig wurden / ein
allgemeines gemürmel / da eine zur andern sagte: Ob auch aus der Aramena ein
Dison werden konnen?
    Nachdem er seine begrussung / bei den beiden Königinnen / und bei allen
Prinzessinnen abgeleget /sagte die alte Delbois zu ihme: Die verwunderung /mein
vetter! die ich uber eurem verånderten stand geschopfet / ist bei mir so gross /
dass ich darüm nicht weiss / wie ich euch recht entfangen soll; und wäre die
nunmehr erkannte Königin von Syrien hier zugegen /so sollte sie mir sagen / was
einen so dapfern Prinzen bewogen / ihren namen so lang zu furen / und damit
sowol gotter als menschen zu betriegen. Ich gestehe E. Maj. gern / (antwortete
Dison) dass ich bisher ein betriegliches leben gefüret / und dass ich darum billig
scheu tragen sollte / vor so durchleuchtigen personen /die ich damit geärgert /
zu erscheinen. Dörfte ich aber alle ümstånde / die mich hierzu bewogen / von mir
sagen / welches mir eine grosse ursach verwehret: so sollten E. Maj. sehen / dass
ich mehr unglücklich / als an allem diesem handel schüldig / gewesen.
    Könnet ihr uns dann nicht berichten / (fuhre die Königin fort zu fragen) wo
eure Konigin hingekommen? Wir leben / ihrent wegen (antwortete er) ja so ungewiss
auf der Kemuelsburg / als wie man hier von dem Syrischen Konig nichtes wissen
will / welcher eben zu selbiger zeit sich verloren hat. Dieser euer sonderbarer
vertrauter freund / (sagte die Königin / und hon-lächelte) sollte ja billig
seiner verlobten braut eroffnet haben / wo er sich befinde. Und weil ihr nun
seinen ehmaligen namen füret / gleichwie die Konigin euren abgelegten namen
angenommen: als erscheinet hieraus nicht unklar / dass sie beide euch ihre
geschäfte vertrauen / und man also billig sich an euch zu halten habe / wann man
von diesen beiden etwas erfahren will.
    Ich bin nichts weniger / (antwortete Dison seufzend) als ihrer beider
vertrautster / sondern habe leider! von ihnen mehr ungnade / als gunst / zu
erwarten. Dorfte ich mich deutlicher erklåren / so wurden E. Maj. befinden / dass
ich aus dem grund die warheit geredet. Als ein so gut Syrisch-gesinter /
(antwortete die Königin /) könnet ihr nicht anderst tun / als geheim sein. Doch
hoffe ich / ihr werdet euch kunftig deutlicher erklåren / wann nun mein bruder
die schöne Syrerin ihme wird haben antrauen lassen. Die Königin von Tyro brachte
dieses mit fleiss auf die bahn / üm den Dison damit zu quålen: weil sie ihn für
einen heimlichen liebhaber der Konigin von Ninive hielte. Sie wurde auch in
dieser ihrer einbildung gestärket /als Dison hierauf ganz verwirrt antwortete /
und nicht undeutlich sein misbehagen über der heurat mit dem Baleus / von deren
er wusste! / wie sehr sie der schonen Königin zuwider sein wurde / an den tag
gabe.
    Sie kamen hierauf alle üm ihn herüm / und machten viel fragens / seinen
vorigen Aramenen-stand betreffend: da unter andern die Azura wissen wollte / wie
er doch sein bartaar so wohl vertreiben können / dass man daran sein geschlechte
nicht erkennet? Dison gabe ihr in antwort zu vernemen / wiedass er / als er vor
dessen in Egypten ein Isis-priester gewesen / von seinen ordensgenossen eine
gewisse salbe bekommen / die bis in das dreissigste jar verwehret / dass kein
bartaar herfur kome. Wie er nun / mit dieser und dergleichen beantwortungen /
die gesellschaft nach moglichkeit vergnüget / name er wieder seinen abschied /
des vorhabens / auch seiner mutter brudern den Mamellus / wie auch den Cimber /
noch anzusprechen.
    Als er zum stattalter gekommen / bezeugte der nicht mindere verwunderung /
ihn zu sehen: und nun auch in den wahn gebracht / dass er die Königin Aramena von
Ninive liebte / liesse er sich sehr an ihn heraus / so wohl diese seine liebe /
als / wo diese Konigin sein möchte / aus ihm zu bringen. Dison aber ware so
bedachtsam im antworten / dass der stattalter sich daraus nicht beklügen konnte:
und bemuhte er sich /ihn zu bereden wiedass er noch ein Isis-priester wåre /üm
dadurch allen andern argwan von sich abzulehnen. Mamellus gläubte solches gar
gern / weil er nichts lieber wunschte / und daher vertreulicher mit ihm werdend
/ sagte er: Ich verdenke auch nicht mehr / mein vetter! dass ihr ehmals / wegen
eures getanen gelübdes / euch mit meinem haus durch heurat zu befreunden / so
ungeneigt gewesen; massen dergleichen gelubde uns verbinden / sonder einigen
betracht dieselbige zu halten. Dison / uber dieser vermanung des Stattalters
sich verwunderend / lächelte ein wenig /und sagte: Ich habe ehmals zu Dedan
nicht vermerken können / dass man mein gelübde fur so gültig gehalten; und wäre
damals die zwang-heurat zwischen der Aramena und mir für sich gegangen / so wäre
ich dadurch an das grosse königliche haus von Syrien beschwiegert worden /
welches mein vetter / als mein so naher blutsfreund / zweifelsohn würde gern
gesehen haben.
    Solches konnet ihr leichtlich ermessen / (antwortete Mamellus) sonderlich da
die ältere schwester nun an meinen König soll vermålet werden: und weiss ich nicht
/ was ich wünschen wollte / wann zu hoffen stünde / dass ihr diese Prinzessin /
die ehmals meine tochter gewesen / zur liebe uberreden kontet. Dieses sagend /
schauete er dem Dison scharf in die augen: der dann / sich getroffen findend /
nicht zu seufzen unterlassen konnte / und durch verånderung der farbe zu tag gabe
/ dass die erinnerung dieser durchleuchtigen Syrerin ihn geruret hätte. Mamellus
merkte ihm solches wohl an / und als Dison überdas etwas verwirrt antwortete /
geriete er gänzlich wieder auf den ersten wahn / dass der Prinz von Seir die
schöne Konigin von Ninive liebte.
    Er lenkte demnach das gespräche auf seine vorige lebens-art / die er bei
dieser Königin gefüret / und fragte nach den ursachen / die ihn bewogen håtten
/also lang ein weib fürzustellen. Dison ihme antwortend / bezoge sich auf sein
gelübde / und berichtete /wie dass er zu dem ende die falsche heurat mit dem
damaligen ritter Dison furgenommen hätte / üm also sonder argwan von hof
abzukommen: weil aber nachgehends / des erkannten König Aramenes von Syrien
bästes / sein dableiben erfordert / hätte er seine Meinung ändern / und seine
heimliche abreise einstellen mussen. Ihr und der Aramenes / (sagte hierauf
Mamellus) seit sehr gute freunde. Ich möchte aber wünschen / dass ihr / als ein
bluts-freund von Assyrien /dem König von Babel hiedurch nicht anlass gäbet /noch
mehr / als bisher geschehen / das haus Seir zu verfolgen. Die ehre / und viel
andere wichtige ursachen / (gabe Dison zur antwort) reitzen mich / dieses Konigs
von Syrien ergebenster bis in den tod zu verbleiben: und wird es ia dem König
Belochus nicht entgegen sein / dass ich seinem künftigen schwager meine treue
dienste gewidmet. Dieses brachte Dison so herzhaft vor / dass Mamellus nicht
wusste / was er von dessen vermuteter liebe gläuben / und wie er hiebei / seinem
König zum bästen / sich erzeigen sollte.
    Er liesse damit den Dison wieder von sich: welcher alsofort nach des Cimbers
palast eilete. Bei demselben war das verwirrte verlangen / die falsche Aramena
zu sprechen / nicht geringer / als des Disons begierde / diesen edlen Celten zu
sehen / und mit ihme /von gegenwärtiger unruhe / sich vertreulich zu unterreden.
Als sie zusammen gekommen / begruste Dison den Cimber mit einem ganz freien
wesen: der hingegen / sich gar eingezogen und veråndert anstellte /nicht wissend
/ wofür er den Dison halten sollte. Ich zweifle nicht / mein Prinz / (finge Dison
an zu reden) dass ihr euch verwundert / die Aramena in dieser gestalt zu sehen.
Ihr werdet sie aber auch beklagen /wan ihr vernemet / wie mein zustand
beschaffen ist.
    Hiemit / als sie sich zusammen gesetzet / und Cimber / sonder ein wort zu
sagen / den Dison ansah /fuhre dieser also fort / zu reden. Ich trage keinen
scheu / edler Prinz! euch zu offenbaren / wie es mir bisher ergangen: weil ihr
einer von den vererautsten meiner Königin seit / als will sich geburen / euch
dessen mit-teilhaft zu machen / was deren båstes nunmehr erfordern will. Die
liebe / grosser Cimber! die måchtige beherscherin der menschen / war schuld daran
/ dass ich bisher / der unvergleichlichen Königin von Ninive gegenwart nicht zu
verlieren / mein geschlecht verlaugnet / und diese unschuldige Königin teuschend
/ mich selbst mit einbildung einer gluckseligkeit betriegen dörfen. Ich habe
aber nach der hand wargenommen / dass / sonder verletzung der ehre / und ohn
fernere beleidigung der unschuldigen Königin /ich länger nicht mein
betriegliches leben füren könnte. Als ich demnach den Dison / meiner schwester
rittern / ersuchet / mich durch diese vorgegebene heurat von hof zuerlösen: hat
Ahalibama / neben der Timna und Mehetabeel / es so gespielet / dass ich die
durchleuchtige Aramena von Syrien zu bette und in meine arme bekommen habe.
    O himmel! (riefe Cimber / ihme ganz erstarret ins wort fallend) Aramena ist
in euer bette und arme geraten? Was fur bestürzung (fragte Dison) erweiset der
Celtische Prinz hierüber / da er doch an dieser schönen kein teil haben kann? Wie
/ Dison! (antwortete der erhitzte Cimber) habe ich keinen teil an der
unvergleichlichen Aramena? Nein warlich / weit gefehlet! ich bestreite dieses
vor aller welt / dass mir kein mensch hierin vorgehen soll / diese gottin mit der
ehrerbietigsten häftigsten liebe jederzeit anzubeten und zu verehren.
    Dison bliebe so höchst verwundert / als er niemals gewesen / da er den
Cimber also reden hörte / den er kurz vorher zu seinem vertrautsten erkieset /
und nun für seinen mitbuler halten musste. Sein trotziges bezeigen machte ihn
eben auch hitzig: und weil er ihm so hart unter augen gesaget / dass er sein
mitbuler wåre /hielte er für eine notdurft / ihme in gleichem ton zu antworten.
Ich verdenke keinen / (sagte er) dass man meine göttin anbete: aber deren
besitzung werde ich /bis auf den lezten blutstropfen / gegen aller welt
bestreiten. Nun sie in euren armen ist / (gabe Cimber ganz kaltsinnig zur
antwort) konnet ihr zwar alle welt verhonen: ihr werdet aber meinen
verzweifelten eifer nicht hemmen / euch das zu rauben / was nicht ihr /sondern
ein ander / verdient håtte.
    Das ist zu viel! riefe Dison / und zoge damit von leder: das dann alsobald
der Cimber auch täte. Aber ihr leztes lautes wortwechslen / wie auch das
klingen ihrer schwerter / machte etliche von denen / so vor dem zimmer stunden /
zu ihnen hinein dringen / und sie von einander bringen. Unter diesen ware
Astarinus / einer von des Mamellus vertrautsten / welcher den ergrimten Dison /
im hinausgehen / zum Cimber sagen horte: Bei båsserer gelegenheit / wollen wir
miteinander besehen / wer von uns beiden würdig sei /sie zu besitzen. Weder
Cimber noch Dison ist ihrer würdig! antwortete Cimber. Doch will ich morgen /mit
dem tag / hinter dem Isis-tempel deiner warten /und den kampf wider dich annemen
/ zu behauptung dessen / was ich iezt geredet.
    Diese worte nun / welche Astarinus allein beobachtet / hinterbrachte er
alsofort / neben dem / was er sonst vor der tür vernemen können / dem Mamellus
/und stärkte ihn damit vollig in seiner einbildung / dass so wohl Cimber / als
Dison / seines Königs mitbulere wären. Weil er nun ohn das in seinem sin / dem
Cimber das licht auszuleschen / ihm fürgenommen / solches aber / da jederman
diesen Prinzen liebte und wegen seiner bezeigten heldentaten hochschåzte
/offentlich nicht zu werk richten konnte: als gedachte er hierzu dieser
gelegenheit sich zu bedienen / und so wohl den Cimber / als den Dison / in den
stand zu setzen / du sie seinem Konig in seiner liebe keinen eintrag tun
könten. Demnach redte er / noch in selbiger nacht / mit dem haubtman Tyson ab /
dass er etliche zwanzig man / den Cimber im bevorstehenden kampf bei dem
Isis-tempel nieder zu machen / erkaufen sollte: da dann er ferner / durch andere
hierzu bestellte treue leute / sich des Disons bemächtigen und ihn nach dem
Isis-tempel woltebringen lassen. Tyson /der eine creatur vom stattalter war /
besonne sich nicht lang / seinen ungerechten befehl anzunemen /und rüstete sich
alsobald / denselben aufs bäste zuverrichten.
    
    Gleichwie aber / die anstalt dieses mordvorhabens /den Mamellus einen teil
der nacht schlaflos zubringen machte / also überlegten auch Cimber und Dison /
die ganze nacht hindurch / diese ihnen zugestossene abenteur. Der verliebte
Cimber wusste sich nicht zu trosten / dass seine Konigin sollte in des Disons und
der betrieglichen Aramena arme geraten sein: und fülete er darüm eine doppelte
eiversucht / sowol wegen seiner selbst / als wegen seines freundes Abimelech /
dessen getreue liebe hierdurch geteuschet worden. Wan er sich dieser schönen
Konigin erinnerte / konnte er ihm diese schleunige änderung nicht müglich
einbilden: und behielte er für sie die schuldigste ehrerbietung /die ihm nicht
zuliesse / einiger unbeståndigkeit sie zu beschuldigen. Er konnte sie aber auch
deren nicht unschuldig achten / weil sie nun in des Disons armen lebte. Demnach
wurde er / in betrachtung aller ümstände / ganz verwirret / und bemühete sich /
diese gedanken aus dem sin zu schlagen: um zu verhüten /dass er nichts unbilliges
von seiner Konigin gedenken mochte. Ungeacht aber dieses seines fursatzes
/schallten ihm ohn unterlass diese worte für die ohren /dass Dison die
durchleuchtige Aramena / durch hulfe der Fürstinnen von Seir / in sein bette und
arme bekommen hätte.
    Tausend seufzer / welche er gen himmel sandte /begleiteten diese
schmerzliche erinnerung / wodurch auf einmal / und so gar unvermutet / alle
seine hofnung in den staub geleget wurde. Sein eifer hieruber /hatte ihm die
bekentnis abgetrieben / die er sonst zu verhelen so sorgfältig gewesen. Weil er
dann nun ganz verzweifelt handelte / auch wegen seines freundes des Abimelech /
den er so wohl / als sich / fur betrogen hielte / keiner gedult platz geben konnte
/ als stunde sein herz und sinn auf lauter rache: und trostete ihn allein dieses
/ dass er hoffete / den Dison das herze zu durchstechen / welches er / zu einer
wonung für die schönste Königin der welt / unwürdig achtete. Sein wüten liesse
ihm nicht raum / zu bedenken / ob er etwan hiedurch die schöne Konigin betrüben
möchte /deren vergnugung er sonst allemal / auch mit hintansetzung seiner ruhe /
zu befordern getrachtet: sondern er war allein bedacht / wie er sich und seinen
Abimelech an dem glücklichen Dison rächen mochte. Um dess willen name er ihm für
/ mit aufgang der sonne /einen seiner slaven / die er in Damasco erkauft / auf
die Kemuelsburg an den Prinzen von Seir zu schicken / und ihme andeuten zu
lassen / wie dass er seiner auf dem platz hinter dem Isis-tempel warten würde. Er
hatte diesen ort hierzu erwehlet / weil solches alda zum heimlichsten geschehen
konnte / und sie beide sonst so gar immer mit leuten ümgeben waren / dass sie
allein miteinander aus der stadt nicht hätten kommen konnen.
    Der Dison hatte inzwischen auch eine unruhige nacht / und wusste sich nicht
darein zufinden / dass Cimber seine Aramena lieben sollte / da er doch bisher
nicht allein so viel zeichen einer liebe zu der schonen Königin von Ninive von
sich gegeben / sondern auch selbiger Konigin gestanden hatte / dass er die
Hercinde liebte. Er war in guter Meinung zu ihm gegangen /um sich mit ihm zu
bereden / was massen der nunmehr-erkannten Königin von Syrien zu ihrem reich
mochte verholfen werden: dann er nun nicht mehr / ungeacht alles zuredens des
Tebah und der andern / üm dieses reich / weil sich die rechte erbin von Syrien
gefunden / für sich oder seine Prinzessin sich zu bemühen bedacht ware. Er hatte
dieses geheimnis erst erfahren / als die gesandten der Syrischen Fürsten von
Acraba wieder zurücke gekommen: welches dann die eigentliche ursache gewesen /
die ihn angetrieben /seine gemutsmeinung dem Cimber / als einem so ergebenen
freund der Konigin von Ninive / zu entdecken. Nun aber dieser ihm so trotzig
begegnet hatte /fassete er / neben der eiversucht / die feste einbildung / der
Cimber müste diese verlorne Prinzessin heimlich bei sich haben: daher er so
begierig ware / den angebotenen kampf mit ihm anzugehen / dass er kaum des
morgens erwarten kunte.
    Selbiger war noch nicht völlig angebrochen / da liesse sich des Cimbers slave
bei ihm anmelden: welcher ihm andeutete / wie dass sein herr bereits / auf den
platz hinter dem Isis-tempel / seiner wartete. Es verdrosse ihn / dass sein feind
sich eher als er daselbst eingestellet. Doch fårtigte er den slaven mit dem
bescheid ab / dass er gleich bei seinem herrn sein wollte: und nachdem er sich
eiligst gewaffnet / ritte er heimlich nach dem tempelplatz / nur von einem
diener begleitet. Weil er den Stattalter Mamellus sah daher fahren / der den
geraden weg nach dem Isis-tempel vor sich hatte: name er einen umweg / damit er
nicht von demselben möchte aufgehalten oder behintert werden.
    Als er endlich an dem bestimmten ort angelanget /fand er daselbst ein
ungleiches gefechte / indem ihrer viele einen einigen ritter anfielen: dessen
dapfern widerstand sie gleichwol so entfunden / dass derer etliche schon todt zu
seinen füssen lagen. Er besturzte nicht wenig / als er näher hinzu kommend /
diesen fur dem Cimber erkannte. Indem er nun / ungeacht ihrer feindschaft / ihme
beispringen wollte / fiele dieser edle held / und gabe ihm zugleich einer einen
fang / mit den worten: Dieses geschihet / auf befehl des Fürsten Disons von
Seir. Dison / solches horend / widerredte dem böswicht / und sezte damit ganz
wütend in diese morder / üm den Cimber zu råchen. Aber in dem augenblick sah er
sich von einem neuen haufen überfallen / welcher hinter einem gemäur herfür
brache / die dann alle riefen: Man sollte diesen morder des edlen Cimbers
gefangen nemen. Dieses geschahe auch / ungeacht seines dapfern widerstandes /
nicht allein ihm /sondern auch denen übrigen / die den Cimber überfallen hatten.
    Sie füreten sie nach dem tempel der Isis / da Mamellus / als wan er ungefår
käme / ihnen begegnete /und sie anhaltend / sich unwissend und bestürzt
anstellte man ihm sagte / dass sein schwester-sohn / der Dison / den Cimber hätte
lassen niedermachen. Wie /Dison! (redete er ihn ganz ernstlich an) verleugnet
ihr also das haus / daraus ihr entsprossen / und begehet eine solche untat /
die eurem namen einen ewigen schandflecken anhängen wird? Gläubet dann mein
vetter / (antwortete Dison / voll ungedult) dass ich solcher beschuldigung konne
fähig sein? Hiemit verwehrten ihm alle die andern / weiter zu reden / und
beteureten einmutig / dass er schuldig wåre.
    Mamellus / üm allen diesen dingen einen bässern schein zu geben / begabe
sich ganz betrübt von der strassen / in einen nebenhof des tempels / und liesse
dahinein / sowol den Dison / als seine angegebene helfere / neben seinen
anklägern / kommen: da / in dieses unschuldigen Fursten gegenwart / die andern
ihre schuld bekanten / dass sie / den Cimber zu ermorden / sich von dem Dison
hätten erkaufen lassen. Wie nun ein grosmütiges herz nichts weniger / als solche
ehrenrurige beschüldigungen / vertragen kann / als vermochte Dison solches auch
nicht zu erdulten / sondern erwischte ein schwert von den umstehenden /und
machte damit den nächsten von denen nieder / die diese lugen von ihm sagen
dorften. Mamellus erfreute sich heimlich hierüber / weil dieser entleibte eben
der Tyson war / welcher allein üm seinen anschlag wusste. Er bezeugte aber
öffentlich sein misfallen hierüber / und befahle / den rasenden Dison / wie auch
diejenigen / die man mit ihm beschüldigte / zu binden / und den entleibten
Tyson hinweg zu bringen. Es wurde hierauf / in dieses armen Prinzen gegenwart
/den andern anwesenden geld gegeben / und ein mehrers noch versprochen / dass sie
diese seine mordtat verschweigen / und / zu rettung seiner ehre / aussprengen
sollten / es wäre sowol der Dison / als der Cimber / niedergemacht worden.
    Nachdem er diese damit erlassen / und die andern /so hierzu geholfen / in
eine heimliche gefängnis hinfüren fassen / behielte er den gebundnen Dison
allein bei sich / welchen er gar beweglich anschauend / also anredte: Ihr sehet
/ Dison! wie ich bemühet bin / eure ehre / als welche die meinige mit ist / zu
schützen /indem ich diesen meinen leuten / sowol durch geschenke / als durch
bedrohungen / das maul gestopfet / niemanden zu sagen / was ihr begangen habet.
Euren tod aussprengen zu lassen / habe ich für gut befunden: weil ich mir nicht
einbilden kann / dass ihr von nun an /mit solchem schandflecken in der welt zu
leben / mehr begehren werdet. Ja / grausamer vetter! (fiele ihm der Dison in die
rede) ists moglich / dass ihr mich konnet für einen so ehrlosen menschen ansehen?
Gläubet mir - - - - Ha / Dison! (sagte Mamellus / ihn nicht ausreden lassend /)
dieses ist nicht der weg / die ehre wieder zu erlangen / wan man es auf das
verleugnen setzet. Ach nein / unglückseeliger Furst! ihr musset von nun an der
welt absterben / und in diesen tempel euch verschliessend / auch eurem ehmaligen
gelubde folgend / die übrige tage eures lebens allhier zubringen. Dieses ist das
einige mittel / womit euch kann geraten werden: und entschliest euch nur bald
gutwillig hierzu / ehe mit euch etwas anders fürgenommen werde.
    Wie? (sagte Dison) soll ich mich / gleich einem /der seine ehre verloren /
für der welt verbergen / und in diesen tempel mich verschliessend / alle
gelegenheit verseumen / meine unschuld vor den tag zu bringen? Worin kann dann
eure unschuld bestehen / (fragte Mamellus) da die schuld so klar erscheinet? Ich
sehe aber wohl / dass bei euch die güte nichts verfangen will: darum werde ich
gezwungen / die gewalt zu gebrauchen.
    Hiemit / ungeacht alles widersprechens des schier rasenden Prinzens / liesse
Mamellus die obersten unter den Isis-priestern fur sich fordern / die in Egypten
den Dison bei sich in tempel gehabt: welche auf des Stattalters befragen / ob
sie nicht diesen ihren entlaufenen priester kennten? sich seiner gleich
erinnerten / und anfånglich eine freude / nachgehends eine bestürzung wegen
seiner bande / lezlich aber einen unwillen über seiner ungebärde / und (auf des
Mamellus bericht) über seinem begangenen mord / bezeugten. Sie weigerten sich
lang / einen solchen mörder in ihren heiligen orden einzunemen. Als aber
Mamellus aus seiner habenden macht / die bei ihnen sehr viel golte / ihnen
zuredte / bewilligten sie endlich / dass Dison in ihren tempel aufgenommen werden
/ zuvor aber allen ihren ordnungen und gebräuchen / die gefängnis und harte
reinigungen fur seine begangene übeltaten auszustehe / sich unterwerfen sollte /
und eher nicht zu ihren opfern zugelassen werden konnte. Der stattalter
beståtigte alles dieses / doch dass sie seines lebens verschonen sollten / welches
er diesem armen Prinzen noch gonnte. Also musste Dison leiden / dass man ihn mit
gewalt in ein finsteres gewolbe schleppte: alda man ihm die weltliche kleider
abname / hingegen einen hårinen sack anzoge / und also ihn / sein elend zu
betrachten / allein verliesse.
    Mamellus / nachdem er also seinen zweck erreichet begabe sich wieder nach
dem schlosse: da ihn unterwegs die Syrer / so ihm begegnet / freundlich grüsseten
/ und / in hofnung des friedens / ihm alle ehre erwiesen. Jederman vermeinte /
er hätte / seine andacht im Isis-tempel abzulegen / diesen heiligen ort so früh
besuchet. Er aber / so dissmal nicht betens halber daselbst gewesen / verfügte
sich sofort nach der Königin von Tyro palast / und berichtete sie / nicht sonder
bezeigung eines grossen leidwesens / wie er gleich iezt erfaren håtte / dass
Cimber und Dison / unferne von dem Isis-tempel / wären niedergemacht worden. Das
mitleiden / so allen hohen personen angeboren / rürete dermassen das herz dieser
Königin / dass sie nicht aufhoren konnte / diese beide dapfere helden / und
sonderlich den Cimber / zu beklagen: worinn ihr auch alle anwesende gesellschaft
leisteten.
    Das geruchte hiervon / kame bald darauf auch in der Konigin von Elam palast:
da dann die arme Jaelinde mit tödlichem schrecken überfallen wurde / als ihr so
plözlich dieser elende tod ihres liebsten Cimbers zu ohren kame. Die allgemeine
tränen der andern /machten die ihrigen sonder argwan fliessen / und hielte man
das an ihr für eine würkung der blossen erbarmnis / was in der tat ihre
herzliche liebe verursachte. Als auch Eurilinde solches erfuhre / beklagte sie /
dass / das unglück eines so grossen heldens / der Jaelinde ruhe und ihr verlangen
befördern sollen: weswegen sie auch hierüber / an statt der freude / sich
betruben musste.
    Jederman ware nun begierig / die ümstånde von dieser greulichen tat zu
wissen: und weil ihrer vielen bekant war / dass den vorigen abend einige harte
wortwechselung zwischen dem Cimber und Dison sich begeben hatte / als wurden
tausend geschichten / hiervon erdichtet; die aber mit der warheit nicht
einstimten. Der stattalter befahle / nach den beiden leichen zu suchen / und
des Disons korper den Syrern auszuliefern: wiewol er wusste / dass sie diesen
nicht antreffen würden. Die abgeschikte fanden daselbst eine grosse månge volkes
versamlet / und hatte man die korper aller der erschlagenen in den
fürbeifliessenden strom geworfen.
    Wie grosse klag aber / über den Cimber / die Assyrer füreten / so ware es
doch nichts / gegen dem allgemeinen trauren der Syrer in der stadt und auf der
Kemuelsburg / üm dass sie ihren feldherrn / den Dison /auf so fromde weise
verloren hatten. Insonderheit aber war die arme Ahalibama gar nicht zu trosten /
als sie diesen tod ihres einigen bruders erführe. Die viele onmachten / die ihr
in dieser angst zustiessen / verhielten erstlich ihr klaggeschrei. Als sie aber
zu bette gebracht / und mit allerhand diensamen mitteln / durch die
ebenfallstrostlose Timna und Mehetabeel / wieder ermuntert worden / schüttete
sie ihr betrübnis in den kläglichsten worten aus / und furete so traurige
gebärden / dass das grausamste herz dadurch hätte mogen zu mitleiden bewogen
werden. Dieses allein war noch übrig / grausamer himmel! (sagte sie) deine wut
vollig uber mich auszuschütten. Du hattest nicht genug /dass du mir meinen
Elieser genommen / meines hauses untergang mir gezeiget / mich aus meiner lieben
Königin gunst gesetzet / meine freundin mich verlieren und alle meine anschläge
rükgängig gemacht: sondern ich musste auch noch diesen herzensriss fulen / und
meines liebsten bruders verlustig werden. Ach Dison! wie ubel habe ich dir
geraten und für dich üm die Syrische kron geworben / da du allhier nicht den
tron /sondern dein grab gefunden? Verflucht / verflucht müsse sein die stunde /
darin mir diese betriegliche hochzeit zu sinn gekommen! und wehe mir! dass ich
dich nicht von hinnen / von diesem unglücklichen ort / habe hinweg ziehen
lassen.
    Als sie in solchen klugen begriffen war / kame der alte Tebah dazu: welcher
aber fähiger ware / trost zu holen / als auszugeben. Ach Tebah! (rieffe
Ahalibama / als sie seiner ansichtig worden /) wo ist nun unser Konig von
Syrien? Wir sind seiner nicht wert gewesen / (antwortete er) darum haben ihn die
gotter uns entzogen. Ach weh! (sagte die trostlose Prinzessin /) warüm darf ich
ihme nicht nachfolgen? Was hält mich / diesem jammerleben gute nacht zu sagen?
Hiemit befiele sie von neuem mit so gefärlichen onmachten / dass die / so zugegen
waren / besorgten / sie würde ihnen unter den hånden sterben.
    Weil man die ruhe für sie zum nuzlichsten erachtete / ginge Tebah wieder
von ihr: welcher allbereit /so betrübt und ertäubt er auch war / einen neuen
raht für Syrien ersonnen hatte. Er ginge zu den Syrischen Fürsten: die er alle
ganz besturzt fand / weil sie täglich soviel neues erlebten / indem ihr Konig
und dessen schwester so seltsamer weise sich verloren / und nun ihr feldherr /
neben dem Cimber / unwissend /wie und durch wen / umgekommen ware. Der kluge
Tebah suchte zuvor mit dem Elihu allein zureden: dann er / weil der Dison nun
todt war / den Syrischen Fürsten die wahre beschaffenheit ihres Konigs zu
entdecken / für notwendig erachtete.
    Der Husan und Arsas begaben sich aus der gesellschaft / die Königin Aramena
heimlich zu besuchen /und diese zeitung ihr zu hinterbringen. Als sie im tempel
angelanget / fanden sie die schone Königin /ihre zeit zu kürzen / in dem buch
Jezirah lesen / welches ehmals Arsas aus Canaan ihr mitgebracht hatte. Sie
ergezte sich also mit des erleuchten Abrahams herrlichen schriften / als Husan
mit dem Arsas hinein trate / und / nach abgelegter entschüldigung / dass er ihr
den vorigen tag nicht aufgewartet / den tod des Cimbers und des Disons
anbrachte. Ihr entsetzen hierüber war so häftig / dass ihre schöne wangen allen
glanz verloren / auch ihr die sprache benamen: daher sie den Husan nicht zu
fragen vermochte / wie dieses ungluck sich begeben håtte. Arsas / deme bewust
war / in was vertrauter freundschaft der Cimber mit ihr gelebet / daher er ihr
entsetzen nicht bewundert / bekråftigte diese zeitung / und erzehlte ihr ferner
/ was ihme von dieser traurgeschicht bewust war.
    Gerechter himmel! (sagte endlich die Königin) wie hast du können zugeben /
dass dieser held / der der welt so nützlich war / ihr so zeitlich und so
erbärmlicher weise müssen entzogen werden? teilest du dann umsonst so seltene
gaben aus / dass dieselben / ehe sie viel gutes gewirket / zu dir wiederkehren
mussen? Hiemit liesse sie ihre teure zären mildiglich fliessen / und achtete sich
hochst-unglücklich / dass sie und ihr Abimelech einen so treuen tåtigen freund
verloren hatten. Und wiewol sie seiter uber den Dison gar unlustig gewesen / so
musste sie doch auch dessen ermordung schmerzlich entfinden: und ware ihr ihre
ehmals-vertraute Aramena inzwischen nie so sehr in den sin gekommen / als nun /
da sie deren tod erfahren musste. Als sie nun endlich diesen unmut in etwas
überwunden / und wieder fåhig worden / von andern dingen zu reden / fragte Husan
/ ob sie sich entschlossen hätte / nach Sepharvaim zu reisen? Ihre antwort war:
Sie wollte seinem raht in allem folgen / und es sei nun in Damasco nichtes mehr
übrig / das sie halten könnte. Auf diese erkärung / ward abgeredet / dass Husan
und Arsas mit den Niniviten in Damasco heimlich sich besprechen / und sie dahin
vermögen sollten /nach Sepharphaim sich zu wenden. Es wurde auch für nutzlich
erachtet / dass die Königin zuvor den Tarsis / wie auch den Barzes / fürlassen
sollte: damit sie / des Husans und Arsas worten / desto fäster gläuben möchten.
    Nach dieser abrede verliessen sie die Konigin: welche / ihrer betrübnis
bequemer nachzusinnen / in den garten / der an ihr wonungs-zimmer stiesse / sich
begabe. Der vorsichtige Abdastartus / hatte seinem andern heimlichen gast / dem
vermeinten König von Syrien / welcher in eben diesem gebäude aufbewahret wurde /
wegen seines übelaufwesens / erlaubet / dieses gartens sich auch zu bedienen:
damit die frische luftschopfung seine baufållige gesundheit wiederbringen
möchte. Er liesse ihn aber da hinein gehen / wann die Königin zu abends tafel
hielte: weil alsdan kein mensch im garten sich befande / und auf der seite / da
die Konigin wonete / alles verschlossen war. Wie demnach dieser abend angekommen
/ und Abdastartus vermeinte / dass die Königin / nach ihrer gewonheit /beim essen
sein würde / liesse er den Aramenes mit dem Tirzis in den garten gehen / und
eilete folgends nach seinem zimmer: weil ein bedienter von seiner schwester /
die in Damasco wonete bei ihm sich anmelden lassen / den er ungeseumt anhören
musste.
    Die betrübte Königin / so dissmal / üm allein zu sein / nicht speisen wollte /
hatte allen ihren leuten befolen / ihr nicht zu folgen / und liesse sich bei
einem wasserfall nieder: dessen herab-regnende tropfen sie mit ihren zären
vergliche / und daher diesen ort / fur allen andern im garten / ihr belieben
liesse. Weil die verkleidte Aramena / mit ihrer Tirza / diesen ort auch zu
erkiesen pflegte / als namen sie ihren weg gerad darauf zu. Diese Prinzessin
erkannte alsofort ihre schwester / die Konigin von Ninive: auf die sie dann mit
hochster freude zuliefe / und sie umarmete / ehe sie sich dessen versehen
können. So gross aber ihre freude / so häftig war der Königin entsetzen / sich in
eines mannes armen zu sehen. Indem sie aber von ihm sich losreissen wollte /
ersah sie den schonen Dison /welcher nunmehr fur ihren bruder Aramenes erkant
worden. Ach / mein bruder! (rieffe sie /) finde ich euch hier / und gönnet mir
der himmel / euch zu solcher zeit zu sehen / da ich mich alles menschlichen
trostes beraubt achtete. Ja / liebste schwester! (antwortete diese Prinzessin /)
die gotter machen mich so glucklich / dass ich euch nunmehr kann eine schwester
zeigen / die bisher / wiewol gegen ihrem willen / um euer konigreich sich
annemen müssen. Wie / mein bruder! (widerredte die bestürzte Königin) was sagt
ihr mir von einer schwester? Hier stehet dieselbe /(gabe sie zur antworte) und
bin ich nicht Aramenes /welchen vorzustellen / der Tebah und die Fürstinnen von
Seir mich überredet / sondern die jungere Aramena / die der Diana sich verlobet
/ und bisher fur des Stattalters von Syrien tochter gehalten worden.
    Die Konigin / so fur verwunderung noch nicht glåuben konnte / was sie hörte /
verlangte alles dieses umständlicher zu wissen: worinn ihr dann die Prinzessin
ein völliges gemugen gabe. Sie erzehlte ihr nach der långe / alles / was ihr
begegnet: wie sie anfangs /als ritter Dison / beim einzug in Damasco / einer
Syrischen Fürstin in die hånde geraten / und sie uberredet / dass sie Aramenes
wåre / die dann solches unter die Syrische Fürsten ausgebracht håtte. Der alte
Tebah /und die Fürstinnen von Seir / wären hierdurch auf die gedanken geraten /
sie an den Syrischen Prinzen Dison zu vermälen / und ihme also die Syrische kron
zu erlangen: welchen betrug sie erst erfahren / als sie den Dison in die arme
gekommen / den sie / bis er sich ihr geoffenbaret für die jungfrau Aramena
gehalten. Sie hätte / auf zureden des Tebah / nachgehends gedultet / dass man
aus ihr noch länger den Aramenes gemacht: bis endlich die Fursten von Hus und
Chesed sie mit dem bericht erfreuet / dass die Königin von Ninive fur ihre åltere
schwester / und fur die rechte erbin von Syrien / wäre erkant worden. Es wåre
alsofort /sich derselben kund zu geben / ihr vorhaben gewesen: wovon sie aber /
durch unvorsichtigkeit der ihrigen /wäre abgehalten / und den Assyriern zum raub
uberlassen worden; die sie in ein grausames gefängnis geworfen / auch / den
sturm der Syrer von sich abzuwenden / sie einmal zum tode füren lassen. Endlich
hätten sie Mamellus und Elihu / bei nacht / aus dem gefängnis genommen / und dem
Abdastartus uberliefert: der sie bisher in diesem tempel heimlich aufbehalten /
und wegen leibesschwachheit ihr erlaubet /um die abendstunde zuweilen in diesen
garten zu kommen; da sie dann / so verwundert / als erfreuet / die Königin / ihre
schwester / glucklich angetroffen håtte.
    Nach ausgang dieser erzehlung / ginge zwischen diesen beiden schwestern das
umhalsen wieder an: welches die Königin Aramena verdoppelte / und eine innigste
vergnügung spüren liesse / dass sie also endlich einmal ihre schwester gefunden
hatte. Wie wunderbar (sagte sie) bringt uns heut der himmel zusammen / und wie
plözlich finde ich meinen zustand verändert: da eure entdeckung / liebste
schwester! mir die Syrische kron / euch aber die Ninivitische zueignet. Dan /
weil ihr bisher den Konig Aramenes / unsern bruder / habt furgestellet / und nun
aus allen ümständen erhellet / dass dieser nicht mehr im leben sein musse: als
ist / vermog unserer eltern lezten willens /mir Syrien / euch aber Ninive /
zugefallen. Die gewalt des höchsten wolle behülflich sein / dass wir diese unsere
Erbkönigreiche wider alle feinde behaupten mogen. Was mich betrifft / (gabe die
Prinzessin zur antwort /) so soll zwar Ninive / aber nicht der tron daselbst /
sondern der Dianen tempel / meine wonung werden / und ist der Ninivitische
zepter in viel zu edler hand / als dass er solche mit einer andern verwechslen
sollte.
    Wir haben iezt nicht zeit / (antwortete die Königin) von dieser eurer
einschliessung in den Dianen-tempel zu reden: sonst wüste ich euch / liebste
schwester! viel starke gründe dagegen anzufüren. Jetzund aber vergönnet mir /
dass ich euch fragen moge / ob dann der Dison / der bei mir so lang Aramena
geheisen / euch geliebt habe. Freilich (antwortete die Prinzessin) hat er mich
mit seiner liebe verfolget / und mir dieselbe deutlich gnug zu verstehen gegeben
als ich zu ihme /in Meinung / dass er / meines geschlechts wäre / zu bette kame.
Ich håtte auch diese seine vermessenheit nimmermehr verschmerzen konnen / wann
er nicht /so wohl als ich / durch betrug zu dieser wunderbaren hochzeit geraten
wäre: dann sein vorhaben dieses gewesen / dass er hiedurch mit guter art aus dem
Ninivitischen frauenzimmer kommen / und folgends von hinnen reisen wollte. Seine
schwester aber / neben der Timna / hatten hieran die meiste schuld: welche uns
auf so fromde weise zusammen zu bringen / und dadurch ihren blutsverwandten /
mit hülfe des Tebah /auf den Syrischen tron zu setzen / vermeint.
    So hat euch dieser Prinz geliebt? fragte die Konigin nochmals / ganz voll
gedanken. Was bewegt euch liebste schwester! (antwortete die Prinzessin) so
ämsig hiernach zu fragen? habt ihr etwan teil hieran? und ist vielleicht dieser
Prinz euch unbeståndig worden? Unbeständig genug / (war der Königin
wiederantwort) nicht aber auf solche weise / wie ihr vermutet. Ich habe diesen
betrieglichen Fürsten / unter der Aramena namen / zum mitwisser aller meiner
heimlichkeiten gemacht und håtte nimmermehr gläuben oder mir einbilden können /
dass man mich also teuschen wurde. Zwar ist er hierüm nur all zu schwer
gestraffet worden: und wie ich dadurch allen meinen unwillen gegen ihm verloren
/ also verneme ich nun gerne / dass ich mir fälschlich von ihm eingebildet /als
wan sein verbrechen von einer ungereimten liebe entsprungen wåre.
    Wodurch dann (fragte die Prinzessin) hat dieser Prinz seine straffe
entfangen? Ach leider! (sagte die Königin / und mit einem seufzer) er und der
edle Cimber / sind diesen morgen jåmmerlich üm ihr leben gekommen. Kaum hatte
sie dieses ausgeredet / da gereuete sie dessen: weil sie verspurte / dass ihre
schwester ganz erblasste / und ein håftiges entsetzen zu tag gabe. Die
Prinzessin wusste selber nicht / wie ihr geschahe / dass diese zeitung ihr also an
das herze stiesse: und da sie niemals vermeint / dass sie den Dison lieben konnte
/ entfande sie nun eine unruhe /dergleichen sie nie gefüllet hatte. Diese lockte
ihr die tränen aus den augen: welches die Königin ersehend /sich nicht entalten
konnte / ihr mit weinen gesellschaft zu leisten. Sie verharreten in diesem
mitleiden / bis die Prinzessin sich wieder erholend / zu der Konigin sagte: Ich
sehe / wir beweinen beide unsern feind /den Dison; wiewol der edle Cimber
vielleicht mehr teil haben mag an meiner schwester tränen / als der Prinz von
Seir. Ich beweine sie beide / (gabe die Konigin zur antwort) wiewol mit dem
unterschied /dass der eine mich nie beleidigt / der andere aber /durch verhelung
seines geschlechtes / gegen mir sich gröblich versehen.
    Darf ich mich wohl unterstehen / (fragte die Prinzessin /) diesen armen
Prinzen zu entschuldigen? Sein verbrechen / ist dem meinigen ganz gleich. Er hat
anfangs / das gelübde ssiner gottin Isis zu halten / sich weiblicher kleidung
müssen bedienen: und ich bin gleichfals / nun etliche monate / der Diana
beständig zu bleiben / in manskleidern betrieglich einhergegangen. Sein
verlangen ware / unvermerkt und mit guter art vom Ninivitischen hof hinweg zu
kommen: welches ja anzeiget / dass er seine Konigin / wider seinen willen / so
lang betrogen habe. Also wartete auch ich auf eine sichere gelegenheit / nach
Ninive zu kommen: da ich dann långer / als ich gesonnen war / des Disons namen
füren müssen. Da er heimlich ein man war / und gleichwol mich / die er auch für
einen man hielte / ihn zu heiraten / durch die Timna ersuchen lassen / was ist
anders hieraus abzunemen / als dass sein vorsatz / gleichwie der meinige /
warhaftig gewesen. Wir haben uns miteinander beraten / dass wir durch solches
mittel / ich mit ihm / als einer geheiligten iungfrauen der Diana / nach Ninive
zu gelangen /und er mit mir / als einem Isispriester / zu entkommen / trachten
wollten. Wäre es nach unser beiderseits gedanken ergangen / so hättet ihr /
liebste schwester! niemals erfaren / dass Aramena Dison / und Dison Aramena
gewesen. Ahalibama und Timna sind allein schuldig / dass sich der arme Dison
neben mir in diese weitläuftigkeit gesturzet: dadurch er / von liebe gegen
meiner person betört / an seinem gelubde brüchig worden / und folgends gar üm
sein leben gekommen; ich aber meiner hofnung / zu meiner ruhe im tempel zu
Ninive zu gelangen / bin entsetzet worden.
    Ihr seit so beredsam / den Prinzen von Seir zu verteidigen / (sagte die
schöne Konigin / mit einem betrubten lächlen /) dass ich den Dison wider lebendig
wünsche: damit ich hinwider ihme bei euch das wort rede; wodurch ich seine und
meine unschuld aller welt kund machen / und er / euch liebend mich aus dem
verdacht setzen wurde / als wan ich um seine verstellung in meinem frauenzimmer
gewust / und dieselbe so lang gedultet håtte. Nun er todt ist / (antwortete die
Prinzessin) finde ich dieses zu beantworten unnotig /und haben wir unsere zeit
nützlicher anzuwenden /weil die nacht uns bald wird von einander trennen. Ich
verlange aber zu wissen / wie ihr an diesen ort gekommen / und wie ich nun /
nach unserer kentnis /mich ferner zu verhalten habe? Die schone Königin
vergnügte hierauf ihrer schwester verlangen / ihr alles erzehlend / wie es üm
Ninive und mit ihr selbst bewandt war: und hielte sie hiernächst für nötig /
folgenden tags dem Husan und Arsas zu eroffnen / was mit verwandlung des Königs
Aramenes in die Prinzessin Aramena sich begeben / welches dann in vielen stucken
ihr gefasstes vorhaben ändern würde. Aber dem Abdastartus keinen argwan zu geben
/ befanden sie fur gut / dass die Prinzessin sich ietzund in ihr verordnetes
zimmer verfügen / und sie folgenden abends an diesem ort einander wieder suchen
sollten: und verhiesse ihr die Konigin / dass sie für sie sorgen wollte /damit ihr
bästes mit in acht genommen würde.
    Also schieden nun diese beide durchleuchtige Aramenen wieder voneinander /
und begaben sich in ihre zimmer. Sie hatten auch das gluck / dass ihr
sonst-wachsamer hüter / der Abdastartus / nichts von dieser ihrer zusammenkunft
innen wurde: welcher inzwischen beschäftigt gewesen / seinen neuen gast wohl zu
bewirten / den er diesen abend bekommen hatte. Dieser ware der halbtodte Cimber
/ für dessen lebens-fristung der himmel wunderbarer weise gesorgt hatte: weil
dieser grosser held / noch viel gutes auf erden zu verrichten / verordnet war /
und darüm nicht also verderben sollen. Er ware / mit vielen wunden und onmächtig
/ von seinen mördern in den Pharphar geworfen worden: der ihn aber nicht weit
getragen / sondern nahe darbei an ein haus getrieben / in welchem des
Abdastartus schwester / eine tugendhafte matron / und witwe eines ratsherrn in
der stadt Damasco / wonete. Diese mitleidige frau hatte diesen verwundten körper
gleich aus dem wasser ziehen lassen / auch / weil sie noch ein leben in ihm
vermerkte / die barmherzigkeit an ihm erzeiget / und seiner so wohl gepfleget /
dass Cimber / wieder zu sich selbst kommend / ihr als seiner woltäterin eroffnet
/ wie es ihm ergangen ware. Weil hieraus diese frau abname / dass der Cimber /
als ein feind der Syrer / sonder zweifel von denselben also zugerichtet worden /
ware sie in die furcht geraten / dass / wan Cimber långer bei ihr bliebe und
solches auskåme / es ihr wie dem Abibalus ergehen mochte / welchen der pobel
ermordet / und dessen haus geschleiffet. Um des willen hatte sie ihn ihrem
bruder / dem priester Abdastartus / zugeschicket: wohl wissend / dass der ihn
nicht allein heimlich verwaren /sondern auch / als ein erfarner arzt / seiner
wunden wohl pflegen würde.
    Diesen ihren bruder / fand sie hierzu ganz willig: massen derselbe den
verwundten Cimber / bei spatem abend / in dieses angebåude des tempels bringen
liesse / auch alsobald seine wunden besichtigte. Er fand deren keine todlich /
und den Prinzen / allein wegen des viel verlornen bluts / entkråftet: da er dann
seine bäste arzneien fur ihn hervorsuchete / welche so heilsam waren / dass sie
dem Cimber eine ruhige nacht verfuget håtten / wann nur seine unruhige gedanken
ihn hätten schlaffen lassen. Es lage ihme stäts im sinn / dass derjenige / den
seine Königin liebte / (wie er aus seinen worten sich beredte) diese mordtat an
ihm verüben mussen: und fiele es ihm tod schmerzlich /von so einer
tugendvollkommensten Konigin zu gläuben / dass sie hierbei anteil habe / und nun
mit lastern befleckt lebe. Höret diese unvergleichliche Königin dann auf / (sagte
er bei sich selbst /) tugendhaft zu sein / als sie nun erfahren / dass ich sie
geliebt / welches der glückliche Dison ihr nicht wird verschwiegen haben? Was
ist wohl hierbei mehr zu bewundern? dass die Konigin in meine ermordung
eingewilligt? oder dass sie / des getreuen Abimelech vergessend / den morder
seines freundes lieben kann? Hätte man noch darüm diesen schluss gefasset / den
Abimelech eines mitbulers zu entledigen / so wollte ich solches der liebe gern zu
gut halten. Nun ich aber sterben sollen /üm eines Disons willen / der / nicht
wie ein held /sondern wie ein lotterbube / mein blut gesuchet: das /das geht
mir all zu nahe! Ich beklage / dass ich noch leben mus / um zu wissen / und mich
zu erinnern /dass die Königin von Ninive unbeständig / leichtsinnig und
lasterhaft werden können. Verzeihe mir / unvergleichliche schöne! dass mein mund
dieses von dir reden darf: und wisse / dass mein herz dich doch noch liebt / ob
es schon diese gedanken von dir hegen muss.
    Die mattigkeit schlosse ihm hiermit mund und augen / und machte ihn gegen
dem morgen einschlaffen: als eben Abdastartus kame / ihn zu besuchen. Dieser war
erfreut / ihn ruhen zu sehen / dessen er so sehr vonnoten hatte / und gienge hin
nach seinem andern kranken / dem König von Syrien: den er gleichfalls ganz
munter und frisch fand. Er schriebe solches seinen arzneien zu / welches doch
eigentlich von gestriger abendbesprechung in garten herrurete: weswegen er ihn
zu deren fernerem fleissigen gebrauch vermanete. Aus angeborner verschwiegenheit
und begierde / nie anderst als treu erfunden zu werden / verhelete er ihm / und
der Konigin von Ninive / dass Cimber in seinen hånden ware: gleichwie er auch dem
Cimber von diesen beiden andern seinen gästen nichtes sagte / welcher dannenhero
unwissend bliebe / dass seine durchleuchtige Aramena ihm so nahe wåre. Gleich so
verschwiegen war er auch / gegen seiner schwester / gegen dem Mephres / Husan /
Mamellus und Elihu: und musste ihrer keines üm mehrere personen wissen / als die
ihm ein iedes anvertrauet hatte.
    Als die zeit / bei dem gottesdienst zu erscheinen /heran gekommen / begabe
sich Abdastartus nach dem ort / da man die opfere zu halten pflegte: weil noch
nicht der innere tempel und ein oberpriester / in gegenwart des Konigs von
Assyrien / war eingeweiht worden. Er fand daselbst den Fürsten von Ram /neben
etlichen Assyriern. Weil er wohl wusste / dass Elihu nicht ihres glaubens war /
massen er ihm solches vertrauet hatte: als konnte er leicht erraten / dass er
betens halber nicht angekommen wåre. Demnach gesellte er sich zu ihm / und
fragte nach der ursach seiner dahinkunft. Elihu fragte hinwieder / wie es dem
Syrischen König erginge? Abdastartus erfreute ihn hierauf mit der zeitung / dass
es iezt gar wohl üm ihn stünde / und dass er ihn noch nie so gesund an leib und
gemüt gefunden hätte / als diesen morgen. Nemet ihn doch wohl in acht / mein
vatter! (sagte Elihu) dann /die warheit zugestehen / ich bin sehr besorgt / unser
stattalter dorfte gegen diesem unschüldigen Prinzen nichts gutes im sinn haben.
    Es ist Aramenes / (antwortete Abdastartus) auf euer und des Mamellus
verordnung / von meinen obern mir in hut befolen worden: weil ich nun die
aufsicht uber ihn habe / als will ich schon gut dafur sein / dass ihme bei mir
kein leid widerfare. Es ist auch ohndas unsres amtes nicht / einigem menschen
schaden zu zufugen: und da ich sonst iederman gern diene / wurde ich doch meine
dienste demjenigen versagen / der solche zu iemands beleidigung misbrauchen
wollte. Euer edles anerbieten (widerholete Elihu) ist mir um soviel erfreulicher
/ weil meine fürsorge hierin sich nicht ohn ursach bemuhet: massen ich dem
stattalter angemerket / dass er mit mördlichen gedanken gegen unsrem Konig
umgehe. Ich bin / sowol als er / gut Assyrisch: aber /auf zulassen des Königs
von Babel / darf ich wohl für das leben des armen Aramenes sorge tragen; zumal
meinem vatter und mir der Konig Belochus erlaubet /dass wir uns dieses Syrischen
Prinzen / so ferne / als es ihme und dem staat nicht schädlich ist / gar wohl
annemen mögen. Daher habe ich euch / mein vatter /beizeiten erinnern wollen /
dass ihr auf ihn gute acht haben wollet. Ich konnte wohl erachten / (antwortete
Abdastartus / und lächelte) dass euch nicht / der eifer zum dienst unsrer gottin
/ also früh in diesen tempel getrieben / und dass es ein andere ursach haben
müste.
    Nachdem hierauf Elihu den opfern beigewonet hatte / und nun wieder hinweg
gehen wollte / wurde er unversehens von dem alten Tebah begrüsset: welcher als er
diesen Fürsten nach dem tempel fahren gesehen / diese gelegenheit ergriffen /
ihme sein grosses fürhaben zu entdecken. Elihu freuete sich nicht wenig / diesen
alten / den er vordessen wohl gekant / wieder zu sehen: von dem er viel dings /
die Syrische Konigliche kinder betreffend / zu erfahren verhoffete. Demnach war
er ganz willig / auf sein ansuchen / ihme geheimes gehör zu geben. Zudem ende /
ginge er mit ihm in einen abgesonderten ort des tempels / da niemand sie
verstoren noch behorchen konnte. Wie sie nun daselbst sich niedergelassen /
begunte Tebah den Elihu also anzureden: Die alte vertreulichkeit / edler Fürst!
mit deren ihr mich ehmals bewürdigt / und die wissenschaft / so ich dadurch von
eurer grossen aufrichtigkeit und sonderbarem verstand erlanget / reitzet mich an
/ bei ietzigem zustand unsres vatterlandes /mein absehen allein auf euch zu
richten / und unter allen Syrischen Fürsten euch auszukiesen / durch den mein
grosses fürhaben möge erfüllet werden. Es fehlet euch weder an muht noch an
verstand / ein Königreich zu regiren. Es manglen iezt auch die mittel nicht /
euch in solche würde zu erheben: wan ihr nur dem raht eures getreuen Tebah
folgen wollet / der euch die schönste dame auf erden / samt diesem grossen
Königreich / zu besitzen anbietet.
    Elihu / ganz verwundert / und nicht wissend / wie er dieses verstehen sollte
/ sagte lächlend zu dem Tebah: Wollet ihr mich vielleicht auf die probe füren?
oder wisset ihr nicht / dass ihr mit einem Assyrier redet? Ich weiss gar wohl /
(versezte der Tebah) dass ihr sehr gut Assyrisch seit. Aber / wie gesagt: Syrien
und deren kronerbin ist euer / wann ihr nur selber wollet. Weil er hiemit den
Elihu aufmerksam gemacht / als finge er hierauf an / ihm alles nach der länge zu
erzählen / was sich von anfang her mit der Prinzessin Aramena zugetragen / und
wie er endlich dieselbe /um sie an den Prinzen von Seir zu verehlichen / mit
hülfe des Zophars und der dreien Fürstinnen von Seir / bisher fur den Konig von
Syrien ausgegeben håtte: da ihre Meinung gewesen / die Syrer / weil sie so sehr
nach ihrem König verlanget / durch dieses fürgeben /von Assyrien abtreten zu
machen; und håtte nachgehends der Dison / wann er durch beistand der Canaaniter
sich auf den tron befästigt / die larve abziehen /und sich den Syrern / als ihr
Konig und der Aramena gemal / zeigen sollen.
    Weil aber der elende tod dieses Prinzen / (fuhre er fort / nachdem er
etliche seufzer geholet) nunmehr diesen anschlag vernichtet hat / und ich /
meines Konigs nachgelassenen kindern bis in den tod treu und hold zu bleiben /
so schuldig als geflissen bin /auch nunmehr die Königin von Ninive für des
grossen Aramenes åltste tochter erkant worden: als ist iezund mein meistes
denken und dichten / dass ihr auf ihren vätterlichen tron möchte verholfen
werden. Solte / die vorhabende heurat zwischen ihr und dem König von Babel / für
sich gehen / so bliebe Syrien / nach wie vor / unter dem joch eines fromden
Monarchen: welches die nun einmal aufgeregte Syrer nimmermehr zugeben / sondern
dieser heurat / wann sie erfahren /dass es mit ihrem Konig Aramenes ein betrug
gewesen / sich ja so stark widersetzen werden / als eifrig sie nun dieselbe
befordern. Ist es wohl möglich / (fiele ihm der bestürzte Elihu in die rede) dass
der vermeinte Aramenes diejenige Prinzessin sei / die man solang für des
Stattalters von Syrien tochter gehalten? Wo habe ich dann bisher meine augen
gehabt / dass ich diese Prinzessin nie erkennet / mit der ich doch ehmals so
grosse vertreulichkeit gepflogen habe?
    Das beständige gelübde dieser Prinzessin / (sagte Tebah ferner) hat sie
solang unter mannskleidern versteckt gehalten: und kann ich nicht anderst gläuben
/als dass sie nach Ninive / dahin iederzeit ihr verlangen gestanden / entkommen
sein werde. Weil nun / der geburt-vorzug / ihrer ältern schwester den hiesigen
tron zuerkennet / als müssen und werden alle rechtschaffene Syrer dahin trachten
/ dass sie diese ihre Erbkonigin darbei schützen mögen. Ein Syrischer Fürst / muss
ihr gemal werden: und ist Elihu solcher ehre vor andern würdig / auch deren
fåhig / wann er nur seinen verstand dazu anwenden will. Ich weiss /mein Furst! dass
ihr diese wunder-schone liebt / so heimlich ihr auch solches halten möget.
Verzeihet mir / (rieffe der getroffene Elihu) dass ich euch wieder in die rede
falle: aus was grund wisset ihr von meiner liebe zu sagen?
    Ist es auch notig / (antwortete Tebah /) euch ein ding zu erweisen / so ihr
schon selbst am bästen wisset / dass es wahr sei? Jedoch / euch hierin zu
befriedigen / will ich euch nur jenes abends erinneren / als die wunderhochzeit
des Disons und der Aramena auf der Kemuelsburg fürginge: da ihr / im tempel der
Juno /euch an eine seule gelehnet / und mit unverwandten augen die schöne
Königin von Ninive betrachtet. Ach! erlaube mir doch / (hörte ich euch damals
sagen /) du allmogendes himmelsgeschicke! dass ich / gleichwie Dison iezt ihm die
Aramena vermålen låsset /also auch mein herz und meine gedanken mit der
himlischen Delbois verbinden dörfe! Suchet doch meine keusche liebe nichtes /
als nur den blossen augengenuss ihrer anschauung: darum entziehe mir doch nicht
meine unschuldige vergnugung / welche der hohen verehrung / die ich ihr schüldig
/ nicht das geringste entziehet. Ich betaurete damals bei mir selber / was ich
nun für das Glück von Syrien halten muss: weil zweifelsfrei der himmel / nicht
ohne ursach / euch diese neigung zu unserer Erbkonigin ins herz gepflanzet.
Diese durchleuchtige Aramena ist nun euer /wann ihr nur selber wollet: und will
ich euch alsobald die ganze Canaanitische macht zu hülfe bringen /wann ihr nur
den schluss fasset / allhier Konig zu werden.
    Ich sehe / Tebah! (sagte hierauf Elihu) dass ihr von mir wisset / was ich
für aller welt / ja fast fur meinem eignen herzen / verborgen halte. Ich erkenne
aber mit schüldigstem dank / dass ihr mir dieses hochste gluck zuschätzet. Weder
mein muht / noch meine liebe /konnen euren guten raht ausschlagen. Aber / es
fehlet uns hiebei noch das fürnemste / nämlich die einwilligung der grossen
Aramena. Wann ihr die reden recht erwåget / so ich damals in der Juno tempel
gefüret /werden sie euch die hohe ehrerbietung anzeigen / mit der ich diese
gottin anbete. Solte ich nun / selbige hintan setzend / ein vorhaben fassen /
das den gedanken ihres herzens entgegen wäre? ach nein! Auf ihrem willen beruhet
dieses ganze werk. Wir sind auch so unglücklich / dass wir nicht einmal wissen /
wo sie zu finden ist. Lasset uns demnach für allen dingen trachten / sie wieder
zu finden: damit wir / so grosse anschläge / bei dem rechten ende anfassen.
    Ich bin ganz mit euch einig / (gabe Tebah zur antwort /) und finde alles
recht von euch beurteilet. Die wiederfindung der Königin von Syrien aber zu
befördern / müsst ihr euch fur sie offentlich erklären /auch die beschaffenheit
ihrer und des bisher-geläubten Syrischen Königs geburt / allentalben kund
machen. Solches wird ihr / sie sei auch wo sie wolle / bald für ohren kommen /
und sie / euren guten dienst zu erkennen / verbinden. Denen Fürsten in Syrien /
euren vettern / dörfet ihr hierin euch nicht vertrauen: dann euch /teils deren
eiversucht / teils ihr mistrauen / mehr hinter-als förderlich sein würde. Ihr
müsst andre hülfe suchen / die sich bereits aus Canaan anbietet: und wird es
mich nur ein wort kosten / so soll euch der Beor auf den Syrischen tron erheben.
    Man muss (antwortete Elihu) zuvor wohl uberlegen /was von so grosser
wichtigkeit ist / ehe man darin einen gewissen schluss fasset. Ich bin dem
Assyrischen haus verbunden: und mit demselben zu brechen / wird mir sehr schwer
fallen. Wem seit ihr aber mehr schuldig? (fragte Tebah) euch selber / oder dem
Belochus? Und wird auch dem haus Assyrien dardurch geholfen sein / wan schon ihr
euch weigern wollet / ihm die Syrische kron ab zu nemen? Ich frage ferner /mein
Fürst! werdet ihr wohl / euer Glück verachtend /damit verwehren / dass Aramena
nicht Syrische Königin werde? Und wird auch Cyniras / Elhanan / Nahor / oder ein
anderer Syrischer Fürst / dasjenige ausschlagen / was ihr anzunemen so lang in
bedenken ziehet? Ich habe darüm euch allen diesen fürgezogen /weil ich vermutet
/ dass euer kuner verstand dieses grosse Glück am båsten zu ergreifen wisse. Der
feldherr Dison / ist todt. Der vermeinte Aramenes / bleibt noch immer verloren.
Belochus / wird täglich erwartet. Vermeinet ihr / dass ich die gewisse hülfe der
Cananiter aus handen lassen / und deren mich nicht gebrauchen werde? Ich habe
wider die Syrer mich zu schutzen / die ich mit aufdichtung eines Konigs
beleidigt. Wir müssen dem Belochus wehren / dass er / der jetzigen verwirrung sich
bedienend / die Syrer nicht wieder aus ihrem vorteil treibe. Ich habe wenig zeit
mehr in der welt zu leben: alle stunden aber / so mir noch bevorstehen mögen /
will ich allein zu beforderung der aufname des Aramenischen hauses anwenden / und
meinen lezten odem dabei aufsetzen / üm Syrien unter seinen rechten herrn wieder
zu bringen.
    Habt ihr noch einen Syrischen blutstropfen in euch / (sagte der Tebah
ferner / und zwar mit ernstafter rede / als er sah / dass Elihu in tiefe
gedanken geriete) so erweiset es bei dieser gelegenheit. Bedenket / wie euer
eltervatter / der grosse Nahor / euch aus dem grab zuruffe / dass ihr euch seines
und eures geschlechts annemen / und dieses land von fromdem joch befreien
sollet. Was hält euch / Elihu! da tugend / liebe / natur / ehre und die
moglichkeit / zu diesem vorhaben euch gleichsam hierbeiziehen. Ich bin
überwunden / weisser Tebah! (sagte endlich Elihu) und erkläre mich / mein leben
für die Königin von Syrien aufzusetzen. Ich werde hierzu angetrieben / durch die
liebe gegen meinem geblute und gegen meinem vatterland. Weil auch kein Aramenes
vorhanden ist / als befinde ich / dass des Konigs Belochus heurat mit der Aramena
nicht fortgehen könne.
    Der erfreute Tebah ümfasste etliche mal den Fürsten von Ram / auf diese
seine erklärung: welcher ihm hiernåchst vertraute / wie die jüngere Prinzessin
Aramena / als vermeinter Aramenes / in diesem tempel von dem Abdastartus
aufbehalten würde; mit erzehlung aller ümstånde / wie es damit zugegangen. Der
Tebah vername dieses mit unbeschreiblicher freude /und fiele ihm hierbei ein /
diese Prinzessin an den Tarsis zu verbinden / und ihm dadurch zum Konigreich
Ninive zu verhelfen: weil er von der Fürstin Calaride vernommen hatte / wie die
Königin Philominde es also verordnet / dass wann zwo tochter nachbleiben würden /
die ältere Syrien / die jungere aber Ninive /haben sollte. Er vertraute alsofort
diese seine gedanken dem Elihu / der dann alles gut befande: wie er dann nunmehr /
da er einmal sich dahin erkläret / die Syrische seite zu halten / ihme ämsig
angelegen sein liesse /dieses grosse werk wohl hinauszufuren. Es ward hierauf
abgeredet / dass der Tebah in person alsofort nach dem Beor reisen / und
denselben / sich eiligst Damasco zu nähern / bereden sollte: mit versprechen /dass
ihme sobald die Ahalibama / dem Hemor aber die Milcaride / sollte ausgefolget
werden / wann sie dargegen / der Syrischen Konigin / wider ihre feinde / hulfe
zu leisten / versicherung tun wollten. Um aber noch iemand auf ihrer seite zu
haben / beschlossen sie /dem Zophar / wie auch den Niniviten / diesen anschlag
zu vertrauen / damit durch ihren beistand die Canaaniter in die stadt kommen
konten. Auf solche abrede / schieden sie endlich von einander.
    Mitlerweile nun der Tebah sich zur reise rustete /und Elihu seine ehrsucht
und liebe in gedanken weidete / befanden sich Husan / Arsas / Barzes und Tarsis
/ bei der schonen Königin Aramena: da die beide letzere eine unbeschreibliche
freude bezeugten / ihre verlorne Königin wieder zu sehen. Sie hatte / durch
beförderung des Abdastartus / diese Syrische und Ninivitische Fürsten in den
tempel zu sich beschieden /und nachdem sie die freudbezeugungen ihrer Niniviten
mit der hochsten gutigkeit aufgenommen / sagte sie zu dem Husan: Ich befinde
mich genotigt / euch /mein vetter! fur alle gute dienste / die ihr mir bisher
erwiesen / eine böse zeitung zu sagen. Aramenes /euer Konig / ist nicht mehr
vorhanden. Wil nun Syrien mich annemen / so stelle ich mich hiermit dar / als
eures Königs nåchste erbin zu dieser krone.
    Husan wurde so bestürzt / die Königin also reden zu horen / dass er kein wort
ihr zu antworten vermochte. Sie aber / ihn nicht lang in dieser qual aufzuhalten
/ erzehlte ihm und den andern / was ihr gestriges abends im garten begegnet /
wie sie nåmlich / da sie vermeint / ihren bruder zu sehen / eine schwester
gefunden / und von ihr erfahren / dass sie bisher den Aramenes fürgestellt håtte.
Ihr sehet nun / (sagte sie ferner / zugleich das kästlein herfur ziehend / darin
die zeugnise von ihrer geburt lagen) dass / vermog meiner eltern verordnung / und
des Nebozars profezeiung / nur Syrien / und meiner jüngern schwester Ninive /
zukommet / wie den hiervon der Königin Philominde eigene worte reden / welche
also lauten: Helfet der åltsten zu dem Syrischen / der jungsten aber zu dem
Ninivitischen tron. Es wird auch / in dem dreizehenden absatz iezt-erwähnter
weissagung / beider reiche Syrien und Ninive gedacht / die des Aramenes kinder
erben sollen. Darüm zweifle ich nicht / ihr werdet sämtlich euch das gefallen
lassen / was der himmel also gut befunden und verordnet hat.
    Grosse Konigin! (sagte hierauf Husan /) es wird verhoffentlich kein Syrer
sein / der nicht mit mir ubereinstimme / und mit freudigem gemüt diese
himmelsgabe / eine so unvergleichliche Konigin / anneme. Wie ich dann hiemit E.
Maj. im namen der andern / die schüldigste pflicht / die untertanen geburet /
abstatte / und versichere / dass wir gut und blut bei E. Maj. aufsetzen wollen.
Nachdem er dieses kniehend gesaget / liesse er den andren auch raum / der Königin
zu dem Syrischen tron Glück zu wunschen. Die Niniviten beklagten zwar hierbei /
dass Ninive also ihrer fürtreflichen regirung beraubet wurde: doch trostete sie
sich wieder mit der hoffnung / einen beständigen dienst bei ihr zu behalten. Bei
dem Tarsis wachete sein ehmaliges liebesfeuer wieder auf / da er vername / wie
es mit der Prinzessin Aramena beschaffen / und dass die erlangung ihrer person
ein ganzes königreich konnte zu wege bringen.
    Es begunte aber / nach dieser eröfnung / die schöne Königin mit ihnen raht
zu halten / wie alles nun anzugreifen wåre / und wie man so wohl den Assyriern /
als den Syrern und Niniviten / begegnen musste. Husan /nach reifer erwägung
dieses handels / fand darin viel schwere dinge. Doch wurde / nach langem
ratschlagen / endlich dieser schluss gemacht / dass die Konigin ihre reise nach
Sepharvaim nicht beschleunigen müste; und dass der Tarsis / mit der hälfte der
Ninivitischen volker / sich nach Ninive wenden / und seinem herrvattern zu hulfe
kommen sollte. Inzwischen wollte Husan gelegenheit suchen / den Syrischen Fürsten
beizubringen / wie sie / nicht einen König / sondern eine Königin bekommen
hätten / die nicht durch heurat mit dem Assyrischen Konig / sondern durch
gänzliche absonderung von den Assyriern / ihren tron bestätigen musste. Und weil
die Konigin erwehnet hatte /dass / durch beförderung des edlen Cimbers / der
Konig von Basan ein mächtiges heer / ihr zu dienst /an die Syrische gränzen
schicken wollte: als wurde für gut befunden / dass die Konigin den Fursten Arsas
an diesen König abfärtigen / und seiner zusage ihn erinnerend / diese
hulf-völker nach Damasco zu senden /ihn sollte ersuchen lassen. Weil nun die
Königin solches auch schriftlich tun wollte / als forderte sie alsofort
schreibzeug / und zeichnete auf ein täfelein folgende zeilen.
   Schreiben der Königin Aramena von Syrien / an den König Marsius von Basan.
Es hat mir unlängst / die freundschaft des unvergleichlichen Prinzen Cimbers /
dessen gedächtnis ich niemals ohne tränen verehren werde / von E. Maj. die
grosmütige versicherung erhalten / dass sie mir / als damaliger bedrangter
Königin von Ninive / durch diesen Prinzen / ihre dapfere Celten und Teutschen zu
hülfe schicken wollten: für welche unverdiente guttat ich mich zeit lebens E.
Maj. werde verpflicht erkennen. Weil dann nun mein name und ankunft / nicht aber
mein bedrangter zustand / sich verändert / als lebe ich der hofnung / E. Maj.
werden sich der Königin von Syrien / so gütig / als deren von Ninive / erweisen
/ und nun verordnen / dass dero versprochene hülfe in der tat und eiligst
erfolgen möge. Wird nun /mein königlicher tron / durch so dapfren beistand
/befästigt werden / so will ich nimmermehr aufhören /die güte des höchsten für
des grossen Marsius wolwesen anzuflehen / und allemal mit meinen land- und
leuten den Celten wieder zu dienste stehen: die ich sämtlich höchst verehre / in
erinnerung des edlen Cimbers / der mir nicht allein ihre kentnis erworben
/sondern auch das Glück zu wege gebracht / dass ich mich darf nennen
    E. Maj.
                                                         verpflichtete freundin.
                                                     Aramena Konigin von Syrien.
    Nach verfårtigung dieses schreibens / stellte sie dasselbe dem Fürsten von
Cale zu / und sagte: Ich beschwere euch iezt unaufhorlich mit reisen / welches
der lohn ist für eure sonderbare treu; doch hoffe ich /mit Gott / eure dienste
dermaleins mit ruhiger vergeltung zu erkennen. Hierauf / zoge sie ihn beiseits
an ein fenster / und gabe ihm noch ein schreiben / an ihren Abimelech lautend /
worin sie demselben ihren ganze zustand entdecket: ihn hoch verpflichtend /
solches durch einen sichern boten nach Seir zu verschaffen. Nachdem dieser Fürst
/ alles aufs treulichste zu verrichten / angelobet / kame er auf die Timna und
Ahalibama zu reden: deren klåglichen zustand /wegen des tods ihres brudern und
wegen der Konigin ungnade / er so beweglich fürbrachte / dass die fromme Königin
/ alle beleidigung vergessend und mit dem Dison verscharrend / ein sonderbares
verlangen erwiese / diese ihre alte freundinnen bald wieder zu sehen. Aber Husan
/ der solches mit anhorte / fand es noch zur zeit nicht ratsam / und hielte fur
der Konigin grosse angelegenheit / dass weiter niemand erfure / wo sie oder der
vermeinte Aramenes sich aufhielte: welches sie dann / zumal in betrachtung ihres
jetzigen zustandes / der ihr keine vergnügung gönte / ihr musste gefallen lassen.
    Als sie hierauf die Königin verlassen / und Husan sich nach dem Fürsten von
Hus begeben / liesse der Tarsis von stund an / durch den Elimodan und Hadat /
die Niniviten / die meist drausen vor Damasco lagen / zusammen ziehen / und
verfügte sich auf den abend selber hinaus / üm den folgenden tag in aller frühe
fortzugehen: den Zaphis / mit acht tausenden / in Damasco verlassend. Der Arsas
rüstete sich auch zu seiner reise nach Basan / und zoge noch selbigen tags
hinweg / sonder seiner gemalin / noch auch der Ahalibama und Timna / zu sagen /
wohin er reisete / und was er von der Konigin wusste. Also wurde auf zweien
seiten / von dem Husan und Elihu / fur die schone Königin Aramena gearbeitet /
ohne dass einer von dem andern wusste.
    Elihu brachte es / in wenig tagen / mit dem Zophar so weit / dass der ihm
verhiesse / seine seite zu halten /und den Beor in Damasco einzulassen. Husan
hingegen hatte nicht minder Glück / und beredte die meisten von den andern
Fursten / dass sie / so lieb die Konigin von Ninive / als einen König / über sich
herrschen zu lassen / sich erklårten: wiewol der Fürst von Hus noch beståndig
bei dem Aramenes hielte / und die heurat des Belochus mit der Aramena sehr
verlangte. Es sagte ihnen zwar Husan nicht eigentlich / wie es mit dem
vermeinten Aramenes bewand war / weil er solches noch fur undienlich hielte:
sondern er priese nur die ungemeine tugenden der Königin von Ninive /und stellte
ihnen dabei die zärtlichkeit ihres Königs fur / der auch vielleicht von den
Assyriern wohl heimlich gar hingerichtet sein möchte. Es beunruhigte aber / so
wohl den Elihu / als die andere Syrische Fürsten /nicht wenig / der unvermutete
aufbruch des Tarsis mit seinen Niniviten: und schlossen sie alle daraus /dass
etwan die schone Konigin Aramena ihren weg musste nach Ninive genommen haben. Der
zurückgelassene Ninivitische Zaphis / wurde hierum befraget: der aber sich mit
seiner unwissenheit entschuldigte /und ihnen des Tarsis zurückgelassenen befehl
fürzeigte / welcher dahin lautete / dass er mit den acht tausend Niniviten in
Damasco sollte stehen bleiben.
    Gleichwie aber / das hohe fürnemen des Elihu /dessen vertreulichkeit gegen
dem Mamellus nun sehr vermindert / also fulete auch hinwieder der Stattalter bei
sich eine nicht-geringe kaltsinnigkeit gegen diesem Fürsten / den er doch sonst
wie sein kind geliebt / und fienge er an / ein mistrauen in ihn zu setzen:
welches damals schon sich angesponnen / als Elihu die vermeinte Syrische Aramena
beim leben erhalten /wiewol dadurch des Mamellus eigne tochter / die Prinzessin
Milcaride / beim leben erhalten worden. Dieses mistrauen hatte bei ihm folgends
tief gewurzelt / als Elihu zuviel sorgfåltigkeit für das Königliche Syrische
geblüt erwiesen / indem er / üm des Aramenes erhaltung und aufbewahrung in den
tempel der Isis /sich so ämsig bemuhet hatte. Dieses verursachte / dass Mamellus
ihm nichtes davon endecket / wie er die hinrichtung des Cimbers und
verschliessung des Disons angestellet.
    Weil ihm alles dieses so wohl von statten gegangen /als wuchse in ihm die
begierde / dem staat zum bästen / mehr boses zu veruben und den Aramenes auch
auf die seite zu schaffen: welches er nicht für unrecht hielte / weil es zum
båsten seines Königs angesehen war /und sein gewissen / durch die gewonheit so
ungerechter händel eingeschläfert / ihn unfåhig machte / die in ihm
noch-glimmende tugendbegierde aufzumuntern /und von solchen bösen stücken
abzuhalten. Es fiele ihm auch so unleidlich / das Konigliche ansehen / in
welchem er soviel jahre bei dem Syrern gelebet / zu verlieren / dass er /
zugleich üm deswillen / in Syrien keinen Konig dulten konnte. Er besorgte / wan
sein Konig die schöne Aramena von Syrien geheuratet /ihre überredungen würden
bei ihm so gultig und kräftig sein / ihrem bruder die Syrische kron zu erlangen.
Um nun Stattalter in Syrien zu bleiben / und den Babylonischen zepter alda fåst
zu stellen / beschlosse er /dass Aramenes sterben musste: welches aber werkstellig
zu machen / er gar schwer befande. Seines Königs befehl / welchen Elihu von
Acraba mitgegebracht; die mitwissenschaft dieses klugen Fürsten / wo Aramenes
aufbehalten wurde; des Abdastartus redlichkeit /und der heilige ort des tempels:
diss alles waren grosse hindernise / dieses mordliche vorhaben hinaus zu füren.
    Doch überwande seine list dieses alles / und fuhre er / eines morgens sehr
früh / nach den Isis-tempel: da er von dem obersten unter den priestern / dem
weissen Mephris / entfangen wurde / und mit ihm allein sich in ein zimmer
verfügte. Er fragte erstlich nach des Disons zustand / und vername / dass dieser
sich wie unsinnig anstellte / nur immer über seine unschuld rieffe / auch sich
ganz und gar nicht zum priestertum verstehen wollte / und sehr lästerliche worte
gegen die heilige Isis ausstiesse. Sie wären hiedurch genotigt worden / ihn
anzuschliessen und zu dem Betuel zu bringen / der sich gleich also gebårdete /
und seit der zeit / da er auf des statalters befehl in ihren tempel gebracht
worde / sich auch ganz nicht bequemen wollen: ungeacht etliche von ihren
weissesten priestern ståts üm sie wären / und sie ihres gelubdes erinnerten.
Mamellus ermanete hierauf den Mephris / dass er ja nicht ermüden wollte / diese
beide wieder zu recht zu bringen: dann er wollte nun den Betuel nicht / wie er
willens gewesen / auch dem Elihu verheisen hatte /aus dem tempel erlassen / in
befahrung / dass er an ihm einen verfolger / als einen freund des Syrischen
koniglichen samens / bekommen möchte.
    Nachdem er hierauf dem Mephris angedeutet / wie er ihme / von seines Konigs
wegen / etwas sonderbares anzubringen håtte / und diesen guten alten nun sehr
aufmerksam sah / redete er ihn also an: Ehrwürdiger vatter! ihr wisset / ohn
mein sagen / den jetzigen gefärlichen zustand in Syrien / und wie so gewaltige
feinde sich herfür tun / dem grossen Belochus zu schaden / und ihme dieses
Königreich zu entwenden. Den furnemsten unter diesen / habt ihr bei euch in
eurem tempel. Der Furst Elihu von Ram und ich /haben / auf den scheinbefehl
unsers Königs / euch den Aramenes / etwan vor zehen tagen / uberliefert. Ich
nenne es einen scheinbefehl: weil der Konig von Assyrien / üm diese beide / bei
ietzigem gefårlichen zustande / nicht von ihme wendig zu machen / gegen dem
Syrer Baracheel und dessen sohn dem Elihu /sich also gesonnen stellen müssen /
als wollte er diesen seinen feind alhier in tempel verwaret wissen. Ich aber habe
einen andern befehl von meinem König erhalten / nåmlich / dass S. Maj. zur
sicherheit seiner person / zu erhaltung des teuren friedens / und zu aufname
eures tempels / beschlossen habe / diesen Königlichen jungling / der gottin Isis
/ zu einem wolgefålligen opfer zu schenken / durch dessen blut den zorn der
götter zu versönen / und also dem bedrangten Syrien die verlorne ruhe wieder zu
geben. Diss ist es /ehrwürdiger Mephris! was ich euch anzubringen gehabt. Euch
wird nun obligen / dem gebote des grossen Belochus hierin ein genugen zu leisten.
    Als Mamellus hiemit zu reden aufgehört hatte / bedachte sich Mephris eine
weile auf die antwort / welche endlich also lautete: So schuldig ich neben allen
hiesigen priestern mich erkenne / des grossen Konigs von Assyrien befehlen ein
gehorsames genügen zu leisten / so sehr stehet uns hierin unser gesetz entgegen
/das nicht zugibet / einiges menschen blut zu vergiessen / wan derselbe nicht ein
priester ist. Wolan! (fiele ihm Mamellus in das wort) so weihet den Aramenes
erstlich zu eurem priester / und lasset ihn alsdan ein opfer werden. Wan es so
viel zeit erleidet / (antwortete Mephris) werden wir billig gehorchen müssen. Wie
lange zeit ist dann hierzu vonnoten? fragte Mamellus /etwas ungedultig. Drei tage
(antwortete Mephris) werden dazu erfordert / da den ersten die einkleidung /den
andern und dritten aber die reinigung und salbung / geschehen muss. Drei tage /
(sagte Mamellus) konnen uns nicht schaden. Ihr müsst euch aber für allen dingen
hüten / dass Abdastartus nichts hievon innen werde: weil derselbe eine creatur
des Elihu ist / und durch entdeckung dieses furhabens / alles ruckgängig machen
würde.
    Wie kann aber / (fragte Mephris) der Abdastartus hiervon ausgeschlossen
werden / da er den Aramenes verwaret? Ihr müsst ihm (sagte Mamellus) diese nacht
/ bei eurer gottin / etwas zu tun geben / in seiner abwesenheit den Aramenes
aus seiner kammer holen / und ihn in ein anders wohl-verwahrtes zimmer bringen:
da dann Abdastartus / wan er das ledige zimmer findet / gedenken muss / dass sein
gefangener sich ledig gemacht und entkommen sei. Bei des Aramenes einweihung und
folgender opferung / habet ihr ja den Abdastartus nicht vonnoten: inmassen ich
mich erinnere / dass er zu diesen allerheiligsten gebräuchen nicht kommen darf /
weil er / als euer schaffner / mit zu vielen weltlichen håndeln umgehet. Ihr
könnet / die von der siebenden reihe unter euren priestern / allein hierzu
nehmen / auch solches an einem andern ort /auser dem gewonlichen / im tempel
verrichten / weil doch noch nicht alles bei euch in rechte ordnung gestellet
ist.
    Diese fürschläge des Stattalters / liesse Mephris ihm gefallen / und
verhiesse / solchem treulich nachzukommen. Der vorsichtige Mamellus / liesse zum
überfluss / etliche von den andern priestern / die in die reihe des Mephris
gehorten / vor sich kommen: die er eben so / wie den Mephris unterrichtete. Und
/ ihre treu gegen dem Assyrische haus noch mehr aufzumuntern / täte er ihnen von
köstliche kleinodien /herrliche geschenke / die er zu dem ende mit sich
genommen. Worauf er wieder von ihnen ginge / nachdem er zuvor ihrem opfer im
tempel beigewonet hatte. Dieses schwere werk / so nun den priestern oblage
/machte sie ämsig miteinander ratschlage. Nachdem sie aber endlich in ordnung
gerichtet / und die nacht herbei gekommen / wurde Abdastartus beruffen / und ihm
aufgetragen / bei dem heiligen bilde der Isis zu wachen: mit vorwand / dass der
priester / an deme die ordnung / nicht bei der hand wåre. Er / der keines
betrugs sich versah / liesse sich hierzu gehorsam und willig finden.
    Sobald dieser sich zu dem bild der Isis in den tempel begeben / sandte
Mephris etliche / in geheimer stille / nach des Abdastartus wonung / die den
Aramenes / sonder einiges geräusche / abholen sollten. Es fiele ihnen nicht
schwer / weil sie aller orten die gånge und schliche wussten / zu dem
bereits-schlaffenden Aramenes unvermerkt in das zimmer zu gelangen: den sie dann
behend weckten / und aufmaneten / mit ihnen zu gehen. Diese gute Prinzessin /
die nun solcher abenteuren wohl gewonet war / entsezte sich eben nicht sonders /
diese graue geistliche månner um ihr bette zu sehen / sondern liesse ihr durch
den Tirzis eiligst ihre kleider anwerfen / und folgte also ihren furern / sonder
zu fragen / wo man mit ihr hin wollte. Also wurde der vermeinte Aramenes vor den
Mephris gebracht / welcher / neben allen seinen priestern von der siebenden
ordnung / in einem mit blumen und wolriechenden kräutern bestreut- und beziertem
gewelbe / dieses unschüldigen opfers erwartete / und /nachdem er die schone und
holdseeligkeit dieses jünglings / bei dem schein der vielen angezündten lampen /
höchlich bewundert / ihm ankundigte / wiedass er ein Isis-priester werden / und
seine einkleidung folgenden tags geschehen sollte. Man verliesse ihn hierauf in
diesem zimmer / seiner antwort unerwartet: doch wurde dem Tirzis / auf
vielfältiges bitten / bei ihm zu bleiben / verstattet.
    Sobald sie beide sich allein sahen / begunten sie diese ihre neue begegnis
zu überlegen. Ich spüre /(sagte die Prinzessin von Syrien /) dass mich die gotter
sonderlich straffen / ümwillen ich so lang in manlicher kleidung bleibe: dann was
muss ich nicht / dieses meines namens halber / ausstehen? Gegenwärtige
gewåltigung kommet zweifelsohn von den Assyriern her / die hierdurch / indem sie
aus mir einen Isispriester machen wollen / mich um den Syrischen tron zu
bringen gedenken. Was ist aber nötig / mich långer also zu verstellen? Die
offenbarung meines standes kann alle diese verfolgungen enden. Und weil mich die
götter in so heiliger männer hånde geliefert / so habe ich ja nichts ungleiches
zu befahren / und kann vielmehr hoffen / dass sie mir ihre hülfe / nach Ninive zu
kommen / nicht versagen werden: zumal mein verlangen / weder diesen staat / noch
die gotter / beleidiget.
    Bedenken sie aber nicht / (sagte Tirza hierwider) dass / die offenbarung
ihres geschlechtes und standes /der Konigin von Syrien / ihrer schwester /
nachteilig sein mochte? Ich erinnere mich / wie diese Königin fur hochnotig
erachtet / dass man unter den Syrern und Babyloniern noch zur zeit gläube / es
sei ein Aramenes vorhanden. Sind sie dann nicht / gnädigste Prinzessin! dieses
ihrem vatterlande schüldig / dass sie das noch ein wenig verschweigen / dessen
offenbarung leichtlich schaden bringen könnte? In betrachtung meiner schwester /
(antwortete die Prinzessin) sollte ich billig noch långer schweigen. Um aber die
gottin Isis nicht also zu betriegen / muss ich notdrünglich reden: und wollte ich
gern raht annemen / wann ein drittes mittel vorhanden wäre / dass mich weder
schweigen noch reden hiesse. Als die Tirza hierauf eine weile sich bedacht hatte
/ sagte sie: wann ich die gefahr betrachte / darein meine Prinzessin / durch
entdeckung ihres geschlechtes / geraten kann / so stehe ich sehr bei mir an / ob
nicht den gottern das notige schweigen angenemer sein mochte: massen sie dadurch
der grossen Diana sich sicherer aufbewaren / als wann sie / der gewalt und dem
willen so vieler mannspersonen hier im tempel / sich unterwerfen. Ich vermeine
aber /(widerredte die Prinzessin) dieser heilige ort werde nicht anderst / als
mir sichern schutz halten / konnen. Ist schon dieser ort heilig / (wendte Tirza
dargegen ein) so folget darüm nicht / dass auch heilige leute allhier wonen
mussen. Nicht die kleidung / sondern das herz / machet einen zum heiligen.
    In warheit / Tirza! (sagte hierauf die Prinzessin) du bringest mich in neue
angst / und werde ich wohl / aus zweien übeln das geringste wählend / üm meiner
sicherheit willen / noch länger Aramenes bleiben mussen. Wer weiss / (täte Tirza
hinzu) ob uns nicht unverhoffte hülfe widerfäret? Ist doch die Königin von
Syrien iezt voll hoffnung / ihren tron zu besteigen! wann das geschihet / kann
meine Prinzessin alsdan sonder gefahr sich kund geben. Die Prinzessin beschlosse
hierauf / dem einrat der Tirza zu folgen / und sagte ferner: In was sorge wird
meine schwester meinetwegen geraten / wann sie morgen meinen verlust vernemen
wird. Der himmel gönne ihr ein bässers geschicke / als mir / dass man nicht etwan
auch ihrer person sich also bemächtige. Nachdem Tirza diese sorge ihrer
Prinzessin aus den sinn geredet / legten sie sich auf herrliche ausgebreitete
teppiche zur ruhe nieder: in gedult erwartend / was man den folgenden tag mit
ihnen fürnemen wurde.
    Es war aber die Prinzessin kaum eingeschlaffen /als ein gerassel von fässeln
und ketten sie wieder erweckte / welches sie unter ihr zu sein vername: und weil
nur ein düñer breterner boden in dem zimmer war / als schallete alles gar
deutlich hinauf / was darunter fürginge und geredet wurde. Wie nun die
aufmerksame Prinzessin das ohr dicht an den boden geleget / hörte sie iemanden
folgende worte sagen: Dieser tag unserer qual ist nun / Gott lob! auch fürbei.
Unsere peiniger müssen uns doch noch diese vergnügung gonnen / dass wir / indem
sie ruhen / unser elend miteinander überlegen können. Ach mein freund! (hörte
sie darauf eine andre stimme reden) wie grausam ist diese vergnugung! durch jene
qual wird nur der leib /durch diese aber das gemut / angefochten und gepeinigt.
Was kann mich grausamer quälen / als wann ich bedenke / das mein guter name und
geruchte verloschen / und man mich für den mörder eines berümten helden
unschüldig ausschreiet: da ich inzwischen /sonder mich zu verantworten / diese
finstere wonung /als wann ich todt wäre / bekleiden muss / und zwar zu solcher
zeit / da ich dem bedrangten Syrien und der unvergleichlichen Aramena so gern
dienen mochte. Ach mein bruder! (sagte der erste wieder / tief seufzend) mit was
unschuld haben wir ehmals / diese schöne Diana / in Arabien und Egypten geliebt
/ da dieser orden / der uns ietzund so zuwider ist / uns so sehr vergnugte? Du
erinnerst mich eben recht / (widerholete der andre) in erwånung dieses unsers
ehmaligen lebens / deines versprechens / mir zu erzählen /wer du seist / und
was deine abenteuren bei / dieser Prinzessin gewesen. Ich habe gestern dein
gleiches verlangen vergnuget: darum ist billig / dass du heut mit erfüllung
deiner zusage mir solches vergeltest.
    Ach mein bruder! (sagte der erste / und seufzete) was soll ich dir erzählen?
soll ich dir bekennen dass ich noch dein mitbuler sei? Bedenke / wer am meisten
ursach habe / sich zu beklagen / du oder ich? Ich liebe noch / so häftig / als
vordessen / diejenige / die bereits in deinen armen gelegen: ob ich gleich nicht
hoffen kann / sie zu überkommen / weil sie der himmel durch priesterliche trauung
in deine hände gegeben. Wie stimmet das mit deinen worten überein / (fiele der
andere allhier dem ersten in die rede) derer du vor etlichen tagen dich gegen
mir vernemen lassen? Nentest du nicht damals / diese Prinzessin / eine
undankbare /eine unerkentliche / die die grausamkeit an dir erwiesen / und
ursach gewesen / das du mit gewalt in diesen tempel verschlossen worden /
deswegen du sie ewig aus deinen gedanken verbannen woltest. Ich ware ja freilich
also entschlossen / (sagte der erste) so lang ich vermeint / dass Milcaride die
Aramena gewesen. Nun du aber mir aus diesem traum geholfen /muss ich bekennen /
dass ich von neuem in diese Prinzessin verliebt sei. Eröffne mir dann / (sagte der
andere / mit einen tiefen seufzer) wie deine liebe gegen dieser Prinzessin
angefangen.
    Als nun der erste / auf das / so er erzählen wollte /sich zu bedenken / eine
weile still bliebe / hatte inzwischen auch die Prinzessin zeit / dasjenige bei
sich zu überlegen / was sie so unvermutet vernommen hatte. Es war ihr / die
stime der ehmaligen Aramena / noch so wohl bekant / dass sie / den letzern von
diesen beiden / für den Dison halten musste: wiewol dessen so gewiss
ausgesprengter tod / sie noch zweiflen machte. Sie fülete in sich eine freude /
diesen Prinzen noch im leben zu wissen / die ihr selber fremd fürkame. Wie sie
nun ferner nachsonne / wer der andre wohl sein mochte / hörte sie denselben
folgender massen seine erzehlung anfahen. Mein vatterland (sagte er) ist
Mesopotamien / und hat Laban / der Fürst von Haran /mich gezeuget: da man mir
den namen meines grosvatters / des Betuels / gegeben. Die umstånde meines
lebenslaufs haben nichts denkwürdiges in sich / als dieses / dass ich dazu
versehen gewesen / die wunderschone Aramena zu lieben: welche aber / ihr Dianen
gelubde furwendend / meinen gehorsam so weit triebe / dass ich ihr selber / in
den Dianen-tempel nach Ninive zu kommen / behüflich war.
    Ich weiss bereits dieses alles / (antwortete der andere /) massen ich es in
Arabien erzählen hören: nur dein stand / und dieses ware mir noch unbekant / dass
dein Dianen bild die Prinzessin Aramena fürgestellet /welches ich ja so häftig /
als du / geliebt. Meine schwester / (sagte der erste /) die von dieser schonen
solches bild bekommen / hatte mich damit beschenket / und leider! wie ich nun
verneme / damit anlass gegeben / dass auch du gegen diese Prinzessin verliebt
worden. Du wirst mir das vergeben! antwortete der andere. Ich hatte nach diesem
/ wie ich dir bereits erzählt / die schöne Königin von Ninive lieb gewonnen:
von der mich endlich die unmoglichkeit abgewendet / und zu meiner ersten liebe
mich wieder gebracht hat / als auf so seltsame weise das Glück / diese schöne /
in meine arme lieferte. O fur mich gar zu grausames Glück / (rieffe der erste /)
das mein leiden auf die allerhöchste spitze setzet! Was bin ich dessen gebässert
/ (antwortete der andere /) da ihr felsenherze von keiner liebe hören will / und
vieleicht iezt / da wir hier um die besitzung ihrer person uns zanken / im
tempel zu Ninive unsere qual verspottet. Ach! (dachte die Prinzessin bei ihr
selber) möchte es mir doch so gut ergehen / wie dieser von mir urteilt. Sie
hörete aber ferner den nun von ihr erkannten Betuel erzählen / was ihm nachmals
in Egypten / und mit der vermeinten Aramena in Damasco begegnet / und wie er
dadurch in diesen tempel geraten: da man nun sie beide zwingen wollte / gegen
ihrem willen Isis-priester zu bleiben. Mein angenommener glaube / (sagte hierauf
der andere) der mir verbeut / mehr götter / als den einigen wahren Gott zu
verehren / machet mich los von diesem gelübde: massen ich solche nicht einer
gottin Isis / sondern nur dem kalk und steinen / abgeleget. Hätte unsere
Prinzessin diesen glauben / (gabe der erste zur antwort /) so wurde sie ihr
gelübde sich auch nicht hintern lassen / die liebe anzunemen. Doch (fuhre er
seufzend fort /) was würde mir solches helfen / da nicht ich / sondern der
glückliche Dison / als ihr verlobter / ihre huld besprechen darf?
    Durch diese des Disons benennung wurde nun Aramena völlig versichert / dass
dieser Prinz noch / und zwar mit ihr in gleichen zustand / lebte: da dann die
anregung seines nun angenommenen glaubens / dessen die Konigin Aramena / ihre
schwester / im garten auch erwehnet / ihr sonderlich zu herzen ginge / und ihr
anlass gabe / solchen hohen dingen bässer nachzudenken. Sie schlieffe aber
endlich wieder ein / und erwachete nicht eher / als wie die Isis priester hinein
traten / diesen Aramenes zu der priesterlichen einkleidung abzuholen. Weil sie
in kleidern sich niedergelegt hatte / als war sie auch gleich färtig / mit ihnen
fortzugehen. Sie wurde / durch viele finstere gewölbe gefüret / bis sich ein
grosses offnete / welches voll lampen hinge: bei deren schein man sehen konnte /
dass dieses gebäude mit sehr herrlichen Egyptischen decken behängt ware.
    Der Mephris / in seinem priesterlichen schmuk /entfinge alda diesen
unschuldigen priester. Aus besorgung einer abschlägigen antwort / wurde der
vermeinte Aramenes nicht befraget / ob er den orden annemen wollte: sondern man
ware gleich über ihn her / die heilige kleider ihm anzuziehen; und musste er die
hand einem ochsen auf das haubt legen / welcher / nach verrichtung etlicher
gebete / geschlachtet wurde. Nach verrichtung dessen und anderer gebräuche /
wurde der neue priester wieder ab- und zwar in ein anders zimmer gefüret: darin
ein tisch gedecket war / und bald hernach herrliche speisen in grosser mänge
aufgetragen wurden. So wenig nun dem Aramenes mit diesem gastmal gedienet war /
so eifeig liessen es die priester ihnen angelegen sein / ihn wohl zu bewirten: und
zechten sie so dapfer / dass die meisten unter ihnen begunten laut zu werden /
und schier vergassen / dass alles dieses in geheimster stille zugehen sollte.
    Abdastartus hatte inzwischen am morgen den Aramenes gemisset / und war voll
sorgen / wie es mit ihme möchte ergangen sein: massen er fast für unmüglich
hielte / dass er aus den tempel entkommen können. Weil er ihn nun nirgend weniger
/ als wo er war / vermutete / als kame er auf den argwan / ob etwan Aramenes der
Konigin / seiner schwester / wargenommen / und durch den garten in ihr zimmer
sich möchte verwandelt haben. Demnach begabe er sich dahin / und forschete
fleissig bei der Konigin leuten /konnte aber nicht das geringste von ihm
erfahren. Also musste er endlich / mit hochster unruh und betrübnis /dem Mephris
anmelden / dass sich der Syrische König verloren håtte: welcher hieruber /
gleichwie auch die andren / so mit ihm hiervon wissenschaft hatten / sich einer
grossen besturzung anname. Elihu kame eben darzu / und riete gleich / wie er
dieses vernommen /auf den Mamellus / dass der mit dem Aramenes einen neuen bosen
rank musste gespielet haben. Mit solcher vermutung / ging er alsofort zu ihm /
und diesen verlust des Aramenes ihm ankündigend / beobachtete er ganz genau
dessen gebärden: da er dann wohl warname /dass er weniger leid / als solche zeitung
erforderte /hierob entfunden hatte.
    Was wird unser Konig sagen / (fragte er) dass wir den Syrischen Prinzen nicht
bässer bewahret. Er kann uns die schuld nicht geben / (antwortete Mamellus ganz
kaltsinnig) weil wir hierbei das unsere getan haben. Hiermit risse er diese
unterredung ab / und fienge an / mit dem Fürsten von Ram von andern dingen zu
sprechen. Diss waren nun grosse anzeigungen /dass er / von dieser böslichen
wegzuckung des Aramenes wissenschaft haben musste. Wie sehr ihn nun solches
krånkte / so sah er doch nicht / wie er hinter die warheit kommen möchte.
Demnach hielte er für das bäste / die Königin von Ninive / wie er vorhatte /
eiligst Syrische Königin zu erklären / und den verstellten Aramenes zu
entdecken: damit also Mamellus zu rükgehalten wurde / etwas mordliches an dieser
Prinzessin zu verüben. Um des willen wunschete er mit schmerzen / dass der alte
Tebah bald zurücke kommen möchte. Nachdem er den stattalter wieder verlassen /
gienge er ganz allein in den Koniglichen schlossgarten: da er sein vorhaben
weitläufig uberlegte / und wohl fulete / dass die liebe ihn hierzu am meisten
antriebe.
    Bisher hatte er / sonder ihm einige hofnung zu machen / in seiner verehrung
gegen der schöne Konigin von Ninive / sich also erwiesen / dass keine unruhe noch
einbildung seine gedanken beherschet; und wusste er sich also zu meistern / dass
ihm niemals in den sin kame / seine liebe anderst / als in der bewunderung und
im blossen anschauen ihrer unvergleichlichen schonheit / zu weiden: dadurch er
ein so glücklicher und ruhiger liebhaber bliebe / dass er in höchster
gemüts-vergnügung leben konnte. Nun aber / da der Tebah ihm seiner Konigin
geburt eröfnet / und zugleich ihm den weg gewiesen / üm diejenige sich mit
hoffnung zu bewerben / die er mehr als sein leben liebte: wacheten zugleich
unruhe / sorge / schrecken /ehr- und eiversucht / bei ihm auf / die seine liebe
begleiteten / und einen ganz andern menschen aus ihme machten / als er zuvor
gewesen. Zwar achtete er sich hierbei glucklicher / als er vordessen ware / und
nennte die unruh süsse / weil sie seine liebe nehrte; die sorge angenem / weil
sie stäts auf seine Königin gerichtet war; das schrecken ertråglich / weil er
darbei gutes muts war; die ehrsucht zulässig / weil nur Konige an diese
durchleuchtige Syrerin gedenken dorften; und die eiversucht / das gröste zeichen
der liebe / weil selbige aus hofnung des geniessens entstunde.
    Er brachte mit diesen gedanken fast den ganzen tag zu / und vergasse schier
darbei / dass er beider Prinzessin Milcaride sich hatte anmelden lassen /
derselben aufzuwarten. Wie er demnach zu ihr gekommen / und diese stäts-betrübte
Prinzessin mit allerhand gesprächen aufzumuntern sich bemühet hatte / machte er
sie durch seine überredung schlussig / sich zuweilen ümzutun / und der
Prinzessin Ahalibama / wie auch den andern Fürstinnen von Seir und Syrien auf
der Kemuelsburg / zuzusprechen: welches er dann zu dem ende täte / damit er
diese Prinzessin / aus dem Königlichen schloss zu gehen / gewönen / und sie also
desto leichter / bei ankunft des Hemors in Damasco / wie er versprochen / dem
Prinzen von Canaan in die hånde liefern konnte. Es waren aber diese Furstinnen
noch nie / seit dass diese unruh wårete / zu den Koniginnen und Prinzessinnen auf
das schloss gekommen: weil sie / als anstifterinnen dieses ganzen werks / solches
nicht wagen dörfen / und nun / durch Disons vermeinten tod / in unbeschreibliche
traurigkeit / die sie stäts der kammer hüten machte / gesetzet waren.
    Elihu brachte / die hierauf kommende nacht / ganz unruhig zu: welches auch
die meisten in Damasco täten / sonderlich aber die jenigen / so sich im
Isis-tempel befanden. Die nunmehr zum Isis-priester eingekleidte Prinzessin /
erwartete mit angst / was man folgenden tags ferner mit ihr vornemen wurde. Weil
sie üm des willen schlaflos lage / vername sie wiederüm ihre beide liebhabere /
die man unter ihr in einer gar üblen herberge bewirtete. Was muss doch die ursach
sein / (hörte sie den Dison zum Betuel sagen) dass man uns heut hat ungeplagt
gelassen / und wir keinen Isis-priester haben zu sehen bekommen. Bekümmere dich
nicht um das / (antwortete Betuel) was uns zum bästen unterlassen worden / und
erweise vielmehr deine fürwitz / mir abzufragen / was der priester / der heut so
åmsig mit mir allein redte / mir gesaget. Wan es etwas gutes ist / (erwiederte
Dison) so wirst du mir / ungeacht wir mitbulere zusammen sind / deine freude
nicht verhelen. Wir sind frei / mein bruder! sagte hierauf Betuel. Dieser
Isis-priester /der uns lang in Egypten gekennet / låsset sich unsers elendes
jammern / und will uns in morgiger nacht davon helfen. Die vergeltung / so er fur
solchen Dienst begehret / ist diese / dass wir ihm versprechen sollen / gut und
blut / ja unser leben / für das Syrische haus auf zu opfern. Ich vermeine nicht
/ dass diese bedingnis zu schwer sei / unsre freiheit zu erkaufen.
    Als Dison solches bekräftigt / und in seiner antwort eine grosse freude uber
dieser zeitung bezeiget / kame der Prinzessin Aramena in den sinn / ob es sich
nicht tun liesse / durch diese gelegenheit auch mit los zu kommen: zumal ihre
angst immer zuname / ie länger sie / unter diesem betrüglichem namen / im tempel
sich aufhielte. Ihren beiden liebhabern sich zu offenbaren / fiele ihr zwar sehr
bedenklich: iedoch / die bescheidenheit Betuels und die tugend des Disons ihr
fürbildend / hielte sie sich bei diesen beiden bässer verwahret / als bei so
vielen priestern / die bei ihrer heutigen berauschung sich nicht zum erbarsten
erwiesen hatten. Die nähe der Konigin von Syrien / ihrer schwester / die in eine
mauer mit ihr beschlossen war / machte sie noch eifriger / ihre freiheit durch
diese beide Fürsten zu suchen: weil sie sofort ihre sicherheit bei dieser
Konigin finden konnte / und nicht lang in der zweien mitbulere händen bleiben
dorfte. Sie erofnete /diesen ihren einfall / der Tirza: die solchen für gut
befande / und åmsig zuriete / ihn sonder zeit-verseumen ins werk zu richten.
    Hiemit nun fassete die Prinzessin ein herz / und begunte erstlich an den
bretternen boden zu klopfen: welches die beide Fürsten unter ihr aufmerksam und
stille machte. Nach diesem redte und rieffe sie also zu ihnen: Weil ihr / für
eure freiheit / euch verpflichtet /dem Syrischen hause zu dienen / so findet ihr
hierzu gute gelegenheit; weil des grossen Aramenes tochter eben also / wie ihr /
alhier gefänglich verwaret wird /und durch euren beistand leichtlich kann erlöset
werden. Ihre holdselige stimme / die weder dem Dison noch dem Betuel unbekant
war / schallte diesen beiden verliebten so wundersam in die ohren / dass sie
vermeinten / sie wåren bezaubert. Wie nun also ihre bestürzung sie nicht
antworten liesse / begunte die Prinzessin noch läuter zu reden / und so wohl den
Betuel / als den Dison / bei namen zu nennen; daher endlich Dison diese antwort
gabe: Wofern es möglich / dass die stimme / so wir horen / der Prinzessin Aramena
von Syrien zukommet / so sind wir erbötig / üm sie zu erlosen / unser leben auf
zu setzen. Der ungluckselige Betuel (sagte der andere) soll diesen angenemen
befehl / die unvergleichliche Aramena zu befreien / mit nicht geringern eifer
verrichten / als er ehmals / sie in den Dianen-tempel zu bringen / sich gehorsam
erwiesen hat. Euer beider anerbieten / (gabe die Prinzessin zur antwort) stårket
mich in dem wahn / dass ich mich habe meinen freunden vertrauet. Und weil ich nun
eures beistandes versichert bin / so lasset uns von der art und weise reden /
wie ich von hier hinweg kommen möge. Ich verneme / dass euer erlöser euch
verheissen / euch in der nåchsten nacht von hinnen zu bringen. Wan man nun
inzwischen werkzeuge / durch dieses priesters vermittelung / herbei schaffen
könnte / wordurch dieser bretterne boden der uns scheidet / sich öfnen liesse /
wurde es mir sodan nicht schwer fallen / zugleich mit euch von hinnen zu kommen.
    O himmel! (riefen sie hierauf beide) so ist es dann wahr / dass wir so
gluckselig sind / die Prinzessin von Syrien zu befreien? Tut gemach!
(antwortete sie) damit eure unzeitige freude nicht alles verderbe. Wie sie nun
hierauf sich bässer einfanden / und so wohl ihre verwunderung als freude gezämet
hatten / versprachen sie gegen folgende nacht / durch des priesters hülfe /die
benotigte werkzeuge / zu erofnung des bodens /herbei zu schaffen. Weil aus
besorgung / von andern gehöret zu werden / die Prinzessin in ferneres gespräche
sich mit ihnen nicht einlassen wollte / als mussten diese beide verliebte / bei
unaussprechlichem verlangen / sich gedulten / bis die gewünschte stunde
erscheinen wurde / ihrer göttin auf zu dienen / und sie zu sehen.
    Sobald der morgen gekommen / fanden sich die alten priester bei ihrem
neu-eingekleidten wieder ein /und füreten diesen jungen ordensbruder zum
zweitenmal fur den Mephris: der aber dissmal viel anderst als den vorigen tag /
den Aramenes entfienge / und ihm nun ankundigte / wie dass er bestimmt wåre / der
göttin Isis geopfert zu werden. Wan die Prinzessin nicht hätte die hofnung
gehabt / durch den Dison und Betuel erloset zu werden / würde ihr diese
todes-ankündigung einen schrecken eingejagt haben. Nun aber name sie diesen
bericht sonder bewegung an / und liesse sich gutwillig in ein bade-zimmer furen /
da man den Tirzis bei ihr zu sein vergönte / üm ihr beim baden aufzuwarten: und
war es ein gluck / dass kein priester sie zu bedienen begehret / wodurch ihr
geschlecht hätte konnen verraten werden. Nach verrichtetem baden / stellten die
priester sich wieder ein /und brachten ein andres kleid mit / welches die / so
zum Isis-opfer bestimmt wurden / anzulegen pflegten. Sie ward hierauf wieder in
ihr verordnetes zimmer gefüret / und ihr den ganzen tag nichts zu essen
gereichet.
    Dison und Betuel verrichteten inzwischen / was sie mit der Prinzessin
abgeredet: und als sie nach gewonheit / in der schule der priester den tag über
sein mussten / um von neuem in der Isis geheimnisen unterrichtet zu werden /
hatte Betuel gelegenheit / mit dem priester / der sie erlosen wollte / deswegen
zu reden. Dieser ward hochst erfreuet / als er erfure / dass bei ihnen im tempel
die Prinzessin von Syrien wäre /die er zugleich mit erlösen könnte. Es war dieser
priester (welcher / als einer aus der fünften ordnung / von der mit dem Aramenes
fürhabenden opferung nichts wusste) nicht allein ein Syrer von geburt / sondern
auch einer von des Nahors nachkomen / und ein befreundter des Tebah: daher ihm
die liebe zu seinen vatterland / und die neigung zu dem Betuel / als seinen
verwandten / angetrieben hatte / diesen Fursten /neben dem Dison / als Syrischen
feldherrn / zu erlosen; weswegen er auch willigst ware / die Syrische Prinzessin
also mit zu befreien. Sobald nun die nacht eingetreten / stellte sich dieser
priester bei dem Dison und Betuel ein / und brachte mit sich etliche leitern
/hacken und sågen: womit sie / so heimlich als sie konten / den boden gegen der
Aramena gemach aufzubrechen begunten. Sie waren so glücklich hierin / dass sie in
kurzem zu der Prinzessin hinauf kommen konten: die sie dann / in ihrer
Isis-kleidung / ihrer warten fanden.
    Dison / der zum ersten in das zimmer gekommen /fiele ihr zu fuss / und
ergriffe ihre hand / die er mit grosser entzuckung zum mund fürete. Sie hatten
einander seit ihrer hochzeit auf der Kemuelsburg / nicht gesehen: daher bei
dieser ansprache / Dison ganz aus sich selber / und die Prinzessin beschåmt
bliebe. Diese ihre verwirrung machte / dass Betuel den Dison noch also kniehend
und der Aramena hand küssend fand; weswegen er / voll eifersucht / zu ihr
sagte: Ach schonste Aramena! gönnet zum wenigsten dem armen Betuel auch einen
gnadenblick / der sich ja so viel um eure befreiung / als der glückliche Dison /
bemuhet. Ich bin euch beiden hoch verbunden / edle Fürsten! (sagte die
Prinzessin / und trate damit vom Dison zurücke) dass ihr mir also meine freiheit
wieder verschaffet / und werde ich / so wohl gegen dem Betuel / als gegen dem
Dison / iederzeit mein dankbares gemüt bezeugen. Hiermit reichete sie ihnen
beiden die hånde / üm sich von ihnen die leiter hinab furen zu lassen. Der
priester stutzete anfangs / sie in solcher opfer-kleidung zu sehen. Nachdem sie
aber / mit wenig worten / ihm und den beiden Fürsten ihren zustand eröfnet /
gingen sie mit einander fort / und kamen in den innern hof des tempels: da der
priester ihnen frei stellete / wohin sie nun wollten / sich in sicherheit zu
begeben.
    Dison sah seine Prinzessin an / um von ihr zu vernemen / wo sie hin
begehrte: welche ihr dann vorname / wan es müglich wåre / nach der Königin ihrer
schwester zu gehen. Wo sollen wir aber diese Konigin finden? fragte Dison. Hier
im tempel! (gabe die Prinzessin zur antwort /) und wollet ihr mir folgen / so
kann ich euch den ort zeigen / wo sie sich befindet. Hiermit ginge sie / beim
schein des mondes / füran /und wiese ihnen den weg: da dann der priester sich
höchst verwunderte / dass die beide durchleuchtige Aramenen in ihrem tempel
wären. Weil er zu dem garten / den ihm die Prinzessin wiese / wie auch zu allen
gebåuden des tempels / den haubtschlussel aus des Mephris kammer mit list
überkommen und zu sich genommen hatte / als konnte er die gartentur öfnen: da sie
dann miteinander hinein giengen / und von der Aramena erlernten / in welchem
zimmer die Königin sich aufhielte. Ihr trachtet beide / (sagte sie hierauf zu
dem Dison und Betuel) nach der aufname meines hauses: darum werdet ihr so gutig
sein / und nicht allein mir erlauben / dass ich mag zu meiner schwester gehen /
sondern auch unser hier-sein in geheim halten. Ich habe von meiner schwester /
der Konigin / verstanden / dass es noch nicht zeit sei / offenbar zu machen / wo
sie sich befinde / und was es mit mir / als dem vermeinten König Aramenes / für
eine bewandnis habe.
    Dison und Betuel mussten / wider ihren willen /diesen schluss der Prinzessin
billigen / und ja so plotzlich wieder verlieren / was sie allererst so geschwind
erworben hatten. Demnach begleiteten sie /voll betrubnis / die Aramena bis an
die pforte des hauses. Sie wollten mit hinein gehen: wurden aber von ihr zurück
gewiesen / weil sie allein den priester mit sich haben wollte. Gehet / edle
helden! (sagte sie) wohin euer mut euch treibet / und wo eure dapferkeit uns
mehr dienste leisten kann / als in diesem orte / da wir / auser der höchsten
geheimhaltung / nichts vonnöten haben. Wie nun der priester die pforte geöfnet
/wollte die Prinzessin / aus beisorge / die Königin möchte etwan nicht mehr
daselbst vorhanden sein /ihn nicht von sich lassen / bis sie dessen sich
versichert hätte. Also musste er / mit ihr und der Tirza /hinein gehen / und sie
/ auf ihr begehren / den wendelsteig hinauf füren / der nach ihrer schwester
zimmer gienge.
    Als sie nun droben waren / klopfte sie an der tur /und horchte / ob jemand
sich regen würde. Als sie mit dem klopfen anhielte / kame endlich die Perseis
herfür / und fragte / wer an der tur wäre? Aramena war ganz erfreuet / die
hofmeisterin ihrer schwester zu sehen / woraus sie auch die Konigin anwesend
vermuten konnte. Ihre antwort war: sie musste zu der Konigin hinein / und håtte
ihr etwas notiges anzumelden. Perseis / die üm die geheimnise ihrer Konigin
nichts wusste / gienge für ihr bette / und deutete ihr an / wiedass zwei priestere
/ neben noch einer person / vor dem zimmer wåren / und sie zu sprechen
verlangten. Das wird gewiss (gedachte die Konigin bei sich selber) eine botschaft
von dem Husan sein! Als sie hierauf befohlen / sie einzulassen / eilte die
verkleidte Prinzessin fur der Konigin bette: welche sie / mit ihrem ümarmen / ja
so sehr / als wie das erstemal im garten / erschreckte.
    Wie / liebste schwester! (rieffe die Königin / als sie die Prinzessin
erkannte) ists moglich / dass ich euch sehe / in so verånderter tracht / bei so
ungewonlicher zeit / und an diesem geheimen orte / da / ohne des Abdastartus und
meinen willen / niemand zu mir kommen kann? Ihr sehet mich ja / (antwortete die
Prinzessin) und zwar ganz frei / und von meinen banden erloset. Wie geht aber
das zu? fragte die Königin. Alsobald (sagte die Prinzessin) will ich euch hierin
vergnügen: erlaubet mir nur zuvor / diesem priester zu danken / und ihn
abzufärtigen / der zu meiner erlösung am meisten geholfen. Hiemit ginge sie zu
dem priester / täte ihm tausend versicherungen ihrer erkentlichkeit /und
entfohle seiner fürsorge / die beide Fursten von Seir und Mesopotamien / dass er
die vollends in freiheit setzen wollte. Der priester versprache / solches zu tun
/ name damit seinen abschied / schlosse aller orten wieder zu / und gienge zu
den beiden Fürsten: die er ferner aus dem garten auf die gassen fürete /und sie
der obhut des himmels anbefohle.
    Wie nun die beide Aramenen allein waren / musste die jungere sich zu der
ältern ins bette legen: da sie ihr dann ausfurlich erzehlte / wie es ihr in der
nächsten tagen ergangen wåre. Die Königin bezeugte ihre angst / darin sie
ihrentwegen geschwebet / als sie / ihrer abrede zuwider / sie nicht mehr im
garten vernommen /und weder den Abdastartus / noch sonst einigen menschen /
hierüm befragen dorfen. Es war ihr aber sonders angenem / des Disons leben zu
vernemen: worbei sie wünschte / dass es auch mit dem Cimber ein falsches geschrei
sein möchte. Sie verbrachten das ubrige der nacht / in sanfter ruhe. Als aber
der morgen wieder angebrochen / und sie aufgestanden waren /liesse die Königin
ihrer schwester eines von ihren kleidern bringen: welches sie anzoge / und in
solcher tracht so vollkommen schon erschiene / dass die Konigin sich nicht satt
an ihr sehen konnte. Um aber ihr da-sein für dem Abdastartus (welcher sie dem
stattalter Mamellus håtte verraten / und dadurch viel ungelegenheit anrichten /
mögen) geheim zu halten / musste auser der Perseis / keines unter der Königin
leuten etwas hiervon wissen: und beschwure die schöne Syrerin diese ihre
hofmeisterin sehr hoch / ihr die treu zu erzeigen / und ihre schwester niemanden
zu entdecken.
    Nicht lang hiernach / liesse sich Husan anmelden: der dann / mit
nicht-geringer besturzung / bei der Kunigin diese fromde schönheit antraffe. Und
wiewol er sie / als sie den Dison und folgends den Aramenes furstellte / zum
öftern gesehen: so hatte doch die weibliche kleidung sie dermassen veråndert /
dass sie ganz unkentlich ware. Die schöne Königin aber /seine besturzung in ein
verwunderung zu verwandeln / sagte ihm / wer sie wäre / mit erzehlung alles
dessen / was mit ihr seiter sich begeben hatte. Der Furst seumte hierauf nicht
/ sie zu begrussen / und ihr /gleichwie der Königin / ihrer schwester / seine
dienste anzubieten. Nun der gutige himmel / (sagte er ferner) uns so gnädig
erscheinet / und unsere beide Erbprinzessinnen uns wieder gegeben / dorfen wir
nicht länger verweilen / den Syrern ihren rechten zustand kund zu machen: zumal
ich ohndas die meisten hierzu geneigt finde. Wie ich dann eben darum iezt
hiehergekommen / meiner Königin befehl einzuholen / ob derselben beliebig sei /
alsofort den Syrern anbringen zu lassen / wiedass E. Maj. als ihre Königin /
neben der Prinzessin / ihrer schwester / allhier vorhanden sei. Dan zu besorgen
ist / wan wir länger verziehen /es dörfte / wie geredet wird / der König von
Assyrien / ankommen / und uns viel hinternise mitbringen. Ich bin mit allem
zufrieden / (gabe die Königin zur antwort / und verlasse mich auf des Husans
verstand und gute neigung / der schon mein bästes wird wissen zu beobachten.
    Nachdem hierauf alle notturft abgeredet worden /begabe sich Husan wieder von
dannen: gienge aber zuvor in den tempel daselbst / üm Glück / zu seinem schweren
fürhaben / die gotteit anzuruffen. Er fand alles daselbst in grosser unordnung
und verwirrung /also dass nicht einmal die opfere / die man alle morgen
anzuzünden pflegte / in bereitschaft stunden. Er konnte hieraus leicht vermuten /
der Mephris müste vernommen haben / wie ihm das bestimmte opfer entwischet. Weil
er nun besorgte / Mamellus / welcher ohnzweifel dieses mord-opfer angestiftet /
mochte / wann er diese loskunft erfüre / einen andern bosen anschlag zu
schmieden nicht ermanglen: als eilete er / solchem fürzukomen / nach der
Kemuelsburg / und machte die anstalt / dass die Syrische Fürsten sich daselbstin
versamleten. Sie erschienen alle / auser dem Elihu und Zophar: weil der erste /
als den man fur gut Assyrisch hielte / nicht mitberuffen worden / Zophar aber
/neben ihm / in einem andern geschåfte / womit sie zwar auch der schönen Aramena
auf den tron verhelfen wollten / begriffen gewesen.
    Es war / in selbiger nacht / der Tebah von dem Beor wieder angekommen / und
hatte mitgebracht /wie dass am morgen dieser Konig / neben dem Prinzen von Canaan
/ in Damasco sein wollte: weswegen der Zophar / mit seinen unterhabenden Syrern /
bei dem Libanon tor aufwartete / diese gåste einzulassen. Elihu aber begabe sich
nach der Prinzessin Milcaride / und beredte sie / ihrem vorsatze zu folg / die
Fürstinnen von Seir auf der Kemuelsburg zu besuchen: die dann / sonder
beschwernis / sich dahin von ihm begleiten liesse. Sie fanden die gute Prinzessin
Ahalibama auf dem bette / die wegen des ausgesprengten todes ihres brudern /
noch trostlos lebte. Sie name aber / neben der Timna und Mehetabeel / diese ehre
von der Milcaride mit grosser erkentlichkeit an: sich mit ihrem verwirrten
zustand entschüldigend / dass sie hierinn sich zuvorkommen lassen / und nicht
erstlich bei ihr ihre schüldigkeit abgelegt håtten.
    Indem sie also beisammen waren / entstunde im ganzen schloss ein grosser
auflauf / und vername man auch von der stadt her ein lautes getone. Wie nun die
Timna an das fenster gelaufen / sah sie ein frömdes volk / so den Canaanitern
gliche / auf die burg anziehen / und horte zugleich von allen orten ruffen: Es
lebe unsre Konigin Aramena! Indem sie solches dem andern ankündigen wollte / kame
die Casbiane zu ihnen hinein / und berichtete / wiedass der Konig Beor / und der
Prinz Hemor / mit viel tausend Canaanitern / in der stadt wären / und gleich auf
der burg sein würden. Ein ungleiches entsetzen überfiele hiebei die Ahalibama
und Milcaride: da die erste für angst / und die andere fur freude / schier
vergangen wäre. Wie sie nun also / teils in furchten / teils voll hoffnung / des
ausgangs erwarteten / kame der Beor neben dem Hemor auf die burg / und verstörte
der Syrer ihre versamlung: die alle / ganz bestürzet / diesen Canaanitern
entgegen eilten.
    Nachdem sie den Konig in einen saal gefüret / trate Elihu herfür / und
fienge an mit einer zierlichen rede /den Syrischen Fürsten nach der länge
anzukunden /wie kein Aramenes vorhanden wäre / und allein die Fürstinnen von
Seir / ihren bruder und vettern / den Dison / auf den Syrischen tron zu heben /
die jüngere Prinzessin Aramena fur diesen König ausgegeben /und die bekannte
hochzeit mit ihm angestellet hätten. Es wäre aber damit / sowol durch dieses
dapfren Prinzens erbårmlichen tod / als durch die entdeckung einer ältern
Aramena / der bisher geglåubten Konigin Delbois von Ninive / in einen andern /
und zwar in solchen stand geraten / dass dieser Konigin das reich Syrien von
rechtswegen zukåme. Um nun diese tochter des grossen Aramenes auf den tron zu
heben / und fur dem Assyrischen gewalt zu schützen / wäre der König von Canaan
erschienen / und begehrte / fur alle hulfe /die er hierin den Syrern leistete /
gar nichtes / als nur die Prinzessin Ahalibama von Seir und fur seinen sohn /
die Milcaride von Chaldea: die man dann S. Maj. leichtlich konnte abfolgen lassen
/ zumal sie allesamt hohe ursach håtten / dieses grosmütigen Konigs gutige hulfe
mit schüldigsten dank anzunemen und zuerkennen.
    Auf diese rede des Elihu / täte der erfreute Husan die antwort / und sagte:
Wie man nun augenscheinlich sehe / dass die gotter fur Syrien sorgten / indem
dieses zu keiner gewünschtern zeit / als ietzund / sich begeben konnen / da er
eben / seinen brudern einen gleichlautenden vortrag zu tun / in werk begriffen
gewesen. Er zweifle nun nicht / man werde allerseits / des Königs von Canaan
geneigten willen und beistand wieder die Assyrier / schuldigster massen erkennen
/auch die Prinzessinnen Ahalibama und Milcaride ihm gerne folgen lassen. Es wäre
aber nicht allein ihre Konigin / sondern auch ihre Prinzessin / im Isis-tempel
wohl bewaret und in guten zustand: denen man gleich diese freudenpost bringen /
und jene auf ihrer vätter tron erheben müste. Der verliebte Elihu konnte sich
nicht mässigen / seine freude an den tag zu geben / wie er so unverhoft erfahre
/ dass seine Konigin sich in der nähe befånde. Es begleiteten aber / alle die
andere Syrer / sein freudengeschrei: sonderlich der getreue Tebah / der nun
endlich Syrien / seinem verlangen nach / einmal in ruhe zu sehen verhoffete.
    Wie nun der Beor hierauf von allen Syrischen Fürsten / nach landsgebrauch /
sich begrüssen lassen /name er den Elihu bei der hand / und sagte zu den
sämtlichen Fursten: Es ist billig / erfordert auch solches eure sicherheit und
euer bästes / dass ihr euch einen König aus eurem mittel erwehlet / der mit der
Königin Aramena euer land regire. So wollet demnach von meiner hand den edlen
Elihu annemen: dem ich mit aller meiner macht / wider einen ieden / beizustehen
/ bei Königlichen glauben versprochen habe. Die art / womit der Konig von Canaan
diese worte herfürbrachte / neben der macht / die er hinter sich hatte / liesse
den Sirern nicht zu / ihre erklårung lang aufzuschieben / und seinen vortrag in
bedenken zu nemen. Weil auch des Elihu person und stand ihnen lieber war / als
alle auswärtige måchtige / als gaben sie einhällig ihre stimmen hierzu: wiewol
der alte Hus noch immer gut Assyrisch in seinem herzen verbliebe / auch der
ehrsuchtige Cyniras / und Elhanan / ja so nahes recht / als Elihu / üm die
schone Aramena zu werben / ihnen einbildeten.
    Elihu / ungeacht ihm sein gluck nach verlangen zulachete / konnte doch in
seinem gemute nicht ruhig sein / bevor er wusste / ob auch seine Königin mit
einstimmen würde: ohne deren willen / er nichtes von dieser seiner
gluckseeligkeit begehrte. Er richtete auch des wegen seine danksagung / gegen
dem Beor und den Fürsten von Syrien / hiernach ein / und sagte /wiedass alles /
so sie ihm zugedachten / an dem willen der Konigin von Syrien hienge: wann der
mit dem ihrigen einstimmen würde / wollte er diese höchste glückseeligkeit / mit
erkentnis seiner unwürdigkeit /annemen und besitzen. Als hierauf Husan / neben
dem Tebah / nach dem Isis tempel eilte / der Konigin den verlauf dieser dinge
anzumelden / hielte der Konig kriegsrat mit den Fursten / wie dem Mamellus und
seinen Assyriern zu begegnen sein wurde: und ward für gut befunden / dass man
alsofort den stillstand der waffen wieder aufkundigen / und das Konigliche
schloss von neuem angreifen sollte. Indeme man nun /mit diesen zurüstungen / die
zeit verspielte / verliefe sich der tag / und mussten also Beor / Elihu und Hemor
ihre geliebten zu besuchen / bis auf folgenden tag verschieben.
 
                                Das Vierte Buch.
Die verwirrung / darein ganz Damasco / durch so unvermutete ankunft des König
von Canaan / und da man / an statt / einen Aramenes zu krönen / auf den gassen
geruffen / Es lebe die Königin Aramena! war gesetzet worden / wurde durch
fleissige sorgfalt des Husan / Zophar und Tebah bald wieder gestillet. Wie dann
der pobel / als man ihnen andeuten lassen /dass es mit ihrem König nur eine
einbildung gewesen /und nun die Konigin von Ninive ihre rechte Erbkönigin wäre /
sich wieder zu frieden gabe / und dem Elihu gern die glückseligkeit gonte /
ihrer Konigin ehgemal zu werden. Sie griffen demnach mutig wieder zu den waffen
/ und zeigten sich entschlossen / den Assyriern die spitze zu bieten: daher sie
der Zophar in ansehnlicher manschaft den Canaanitern zu furete /welche / unter
dem befehl des Prinzen Hemor / den Koniglichen schloss-platz berennet hatten /
und die feinde mit häftigem sturmen ängsteten.
    Mamellus / durch so viel widrige begegnise noch mehr erhitzet / fochte ganz
verzweifelt neben den seinigen. Er hätte aber in dieser neuen gefahr nicht
bestehen konnen / wan er nicht durch die zeitung / von dem anzug seines Konigs /
wäre bemutigt worden: daher er / bis zu dessen ankunft den ort zu verfechten /
an keinem zusprechen bei den Assyriern es erwinden liesse. Der Barzes und Zaphis
stunden mit ihren Niniviten üm den Isis-tempel / die Konigin zu beschirmen / und
hatten die wonung des Abdastartus von allen seiten so stark ümlagert / dass ihr
keine gefahr zukommen konnte.
    Diese schone Königin hatte bereits von dem Fürsten Husan und den alten
Tebah vernommen / wie es mit ihr stünde: Wie nämlich der Beor / ihr
bisher-gewesener feind / ihr nun auf ihren vätterlichen tron verhelfen / daneben
aber ihr den Fursten Elihu zum gemal geben wollte / worein auch ihre Fürsten
schon gewilligt hätten. Hierdurch nun wurde ihr gemüte von neuem beunruhigt /
und ginge sie lang mit ihr selber zu raht / wie sie hiebei sich bezeigen sollte.
Sie vermochte auch nicht auszusinnen / wie Elihu seine liebe / die er zu ihr
getragen / bisher so verborgen füren können / dass sie nicht den geringsten
argwan davon geschöpfet. Hiernächst krånkte sie der armen Ahalibama zustand /
die nun wieder in des Beors hände geraten war. Sie erinnerte sich / wie sie
diese bedrangte Prinzessin in ihren schutz genommen / und deswegen gegen diesem
Konig sich in krieg eingelassen hatte. Der unwille / den sie bisher gegen sie /
wegen des Disons / geheget / konnte das mitleiden bei ihr nicht aufheben / sie in
dieser noht zu verlassen: zumal ihr zorn gegen ihr und der Timna schon wieder
verloschen war / nun sie eigentlich erfahren / warüm sie mit dem Dison ein
solches spiel angefangen hatten /welches nicht / dieses Prinzen liebe ihr
zuzuwenden /wie sie anfangs vermeint / sondern ihn auf den tron zu heben /
angesehen gewesen. Gleichwie sie aber den fästen schluss gefasset / weder den
Elihu zu ehlichen /noch die Prinzessin von Seir hülflos zu lassen: also fiele es
ihr sehr schwer / in solcher verwirrung die mittel auszusinnen / wie sie ihren
vorsatz erreichen mochte.
    Mitler weile sie nun damit ihr edles gemüt quålte /ware auch der verliebte
Beor auf der Kemuels-burg ganz unschlussig / wie er es mit seiner Ahalibama
anfahen sollte: die er inzwischen / vor ihrem zimmer /mit einer starken wacht von
Canaanitern bewahren liesse / dass sie ihm nicht entwischen möchte. Das verlangen
/ sie zu sehen / war zwar sehr gross bei ihm: aber die beisorge / von ihr so hart
/ als vordessen / angelassen zu werden / machte ihn anders sinnes: also dass er
ihm fürname / fortin / als ein König mit ihr ümzugehen / und sonder gute worte
sie zu seinem willen zu bringen. Demnach sandte er den Tahas an sie / der ihr /
dass sie / als seine verlobte / ihm aus Salem entlaufen / verweisen / und darbei
anzeigen musste /wiedass seine håftige und beståndige liebe ihn gleichwol bewege /
sie wieder anzunemen / und ihr die Canaanitische kron zu gonnen. Es befande sich
diese trostlose Prinzessin annoch schwach und zu bette / als Tahas ihr diese
begrüssung anbrachte: da sie dann /diesen fursten wieder ersehend / alles vorigen
sich erinnerte / und daher laut aufschreiend / onmåchtig zurück sanke. Timna und
Mehetabeel / die sie die ganze nacht nicht verlassen / brachten sie / durch
allerhand kråftige mittel / wieder zu sich selber: worauf sie das verdrüssliche
gewerbe des Beor anhörte / aber solches zu beantworten fur uñotig hielte / und
bloss mit ihren tränen bezeugte / wie ihr zu sinn ware. Als nun Tahas wohl sah /
dass er alda nichtes ausrichten wurde /name er wieder seinen abschied: worauf sie
/ als die von aller welt verlassenste / so jämmerliches klagen fürete / dass
Timna und Mehetabeel / für mitleiden /neben ihr vergehen mochten. Auf der
Konigin hülfe konnte sie nicht hoffen / in betrachtung der grossen ungnade / darin
sie / wegen ihres brudern / annoch bei ihr zu sein vermeinte. Sie wusste sonst
nirgend hinaus / und sah auch keinen weg / entrinnen zu konnen.
    So unglücklich aber der König von Canaan in seiner liebe war / so vergnugt
war hingegen dessen sohn: welcher / sobald er nur von den völkern / die wider
die Assyrier fochten / abkommen konnte / durch den Elihu sich zu seiner Milcaride
füren liesse: da sie anfangs beiderseits beschamet blieben / als sie einander
ersahn. Hemor wusste nicht / wie er ihr sollte seine liebe antragen: weil
weltkundig war / dass er / nicht sie / sondern die Aramena von Syrien gemeinet
hatte. Milcaride hingegen / stunde in sorgen / wie sie ihm begegnen sollte /
bevor sie wusste / wie er gegen ihr gesinnet ware. Elihu / der ihrer beider
anligen merkte /war der erste der zu reden anfinge / und sagte er zu der
Milcaride: Ich bringe allhier / schöne Prinzessin! den Prinzen von Canaan euren
gemal / der ursach hat / erfreuet zu sein / dass nun das glücke ihn die jenige
sehen låsset / die er unter dem flor ihme trauen lassen. Ich achte mich ja
glucklich / (täte Hemor hinzu) dass ich also betrogen worden / wofern ich / wie
ich hoffe /mehr güte dissorts erwarten darf / als bei der unerkentlichen Aramena.
Meine gemütsneigung (antwortete Milcaride) habe ich ja gnugsam durch meine
Entschliessung an den tag gegeben / da ich vor dem Dianen-tempel / den Prinzen
von Canaan mir erwehlet. Ich darf aber deswegen nicht hoffen / da der mit
Aramena und mir betruglich angestellte tausch / dem Prinzen gefällig sein werde.
Die götter haben fur mich gesorget / (versezte Hemor) und mein herz geheilet von
einer liebesseuche / die mir nichts als marter zugezogen. Der himmel hat mich
euch gegeben: darüm versichert euch / liebste milcaride! (welches sagend er sie
umarmete) dass ich beståndig der euere verbleiben werde.
    Weil nun Elihu sah / dass er dissorts nicht mehr nütz wåre / liesse er sie
allein beisammen / und begabe sich nach den König von Canaan: bei welchem alle
Syrische Fursten versamlet waren / und miteinander /wegen des kriegs / sich
beredten. Es wurde gut befunden / ehe die Assyrier mit ihrem Konig in die stadt
kåmen / zuvor das Konigliche schloss / und was sonst noch in der stadt ubrig /
unter ihre gewalt zu bringen. Zu dem ende wurde der Aner mit viertausend
Canaanitern / wie auch der Nahor mit eben so vielen Syrern / beordnet / durch
den fluss Amana zu setzen / und jenseits der stadt / gegen Mesopotamien / dem
Belochus den pass abzuschneiden: mitlerweile sie mit dem sturmen fortfaren
wollten. Es ward auch beliebet / dass / so wohl vom Beor / als von den Syrischen
Fürsten /jemand abgeordnet wurde / der Königin Aramena wegen der Canaanitischen
hülfe alle versicherung zu tun / und die heurat mit dem Elihu ihr anzutragen:
in welches lezte dieser verliebte Furst mit zittern einwilligte / und bei aller
seiner glückseligkeit sich unvergnügter achtete / als vorhin / da er weder
hoffen noch fürchten dorfte.
    Die beide alten / als der Tahas und sein bruder der Tebah / namen diese
verrichtung über sich / und als sie im Isis-tempel bei der Konigin fürgelassen
worden / brachte Tahas erstlich / im namen seines Königs /sein gewerbe an: wie
nämlich S. Maj. beklagten / dass sie bisher mit der Königin von Ninive in
feindschaft leben mussen / welches sie der håftigkeit seiner liebe gegen der
Prinzessin Ahalibama von Seir beimessen möchte. Solchen seinen fehler aber nun
zu ersetzen /böte er ihr hiemit alle seine hülfe an wider ihre feinde / und
wollte dafur nichts begehren oder aus Syrien mit nemen / als nur seine verlobte
braut: deren sie ja gonnen wurde / Königin von Canaan zu werden.
    Ich bin eurem Konig so sehr verpflichtet / (gabe hierauf die schöne Konigin
/ mit einer sonderbaren majestet / zur antwort) dass ich / solches nicht
erkennend / die undankbarste von der welt sein musste: und neme ich ja so gern
den frieden von dem grossen Beor an / als ungern ich / wider ihn zu kriegen / mir
den schluss abnötigen lassen. Hat die liebe damals den Konig von Canaan zu
solcher håftigkeit bringen können: so ist bei mir die gebür ja so kräftig
gewesen /die jenige zu schützen / die sich in meine arme geworfen. Solte nun
euer Konig / wider der Prinzessin von Seir willen / sie aus Syrien hinweg furen
wollen /würde ich gezwungen sein / selbige ferner in meinem schirm zu nemen. Ich
lasse demnach S. Maj. hochstes fleisses ersuchen / dass sie mich nicht zwingen
wollen / für die guttaten / die ich iezt von ihnen entfangen /mich widerwårtig
zu erzeigen: massen ich bekenne /dass ich die Ahalibama aus meinem schutz nicht
lassen werde / es sei dann / dass solches mit ihrem guten willen geschehe.
    O ihr gotter! (riefe Tebah) wofern der Konig von Canaan diese antwort
bekommet / so ist Syrien verloren: und wird er doch das mit gewalt zu werk
richten /was er jezt mit höflichkeit suchet. Wie kann ich ihm aber anderst tun?
antwortete die Königin. Mein Konigliches wort ist einmal gegeben / diese
bedrangte zu beschutzen: das kann und will ich nicht widerruffen. Hierauf fiele
Tebah ihr zu fuss / und bate sie / mit trånenden augen / dass sie sich doch des
armen Syriens erbarmen / und die hulfe / die der himmel zeigte /nicht abschlagen
wollte. Tebas redte auch mit zu /und beteuerte hoch / dass dieser abschlag beim
Konig nichts anders fruchten konnte / als dass er Syrien wieder verlassen / und
dannoch die Ahalibama mit sich hinwegfüren würde: massen selbige nun in seinen
händen wäre / daraus sie niemand reissen würde. Weil nun die verståndige Königin
aus allen ümständen wohl abnemen konnte / dass sich hierin mit gewalt nichts würde
tun lassen / stellte sie sich / als wan diese beide treue Syrer sie überredet
håtten / und war zu frieden / das Tahas / von beschirmung der Ahalibama gegen
seinem König nichts gedenken sollte.
    Hierauf legte auch der Tebah sein anbringen ab /welches in untertäniger
treuer unterwerfung der Syrischen stände bestunde / die zugleich ihrer Königin
/einen aus ihrem mittel / und zwar den Elihu / Fürsten von Ram / als ihren
vettern / zum gemal antragen liessen: weil sie befånden / dass unmoglich ein
auslåndischer mächtiger / ohne des reichs untergang und verderben / hierzu
gelangen könnte / und dieses das einige mittel sein würde / den Konig von
Assyrien von ihnen abzuhalten. Ich erkenne mit allem dank / (sagte hierauf die
Konigin / sonder sich zu bewegen) so wohl das gute anerbieten meiner Fursten /
als ihre vorsorge / mein reich bei ruhigem stande zu erhalten. Ich werde stäts
beflissen sein / guten raht / so viel in meinem vermogen ist / anzunemen / und
deme zu folgen: hoffe aber / man werde mir dissmal zeit gönnen / mich hierüber zu
erklären. Mit dieser antwort / war Tebah mehr als wohl zu frieden. Wie sie
hierauf ihren abtrit wieder genommen / liessen sie sich auch bei der Prinzessin
Aramena anmelden / die sie in gesellschaft der Prinzessin von Ammon fanden. Ihr
anbringen bei derselben / bestunde in lauter begrüss und versicherungen der
gewogenheit / so wohl des Königs Beor / als der Syrischen stånde: dabei der alte
Tebah / für sein person / grosse freude / bezeugte diese seine pflegtochter nun
wieder zu sehen; bis sie / mit gleichen hoflichkeiten / von ihr abgefårtigt
wurden.
    Die Prinzessin begabe sich hiernächst nach der Königin / ihrer schwester:
die sie mit augen volltränen fand / wegen der verlassenen Ahalibama. Als sie
von ihr erfaren / wie es der guten Prinzessin ergienge /ward sie / gegen dieser
ihrer ehmaligen herz-freundin / zu gleichem mitleiden bewogen. Sie sahen nicht
/wie ihr zu helfen stünde / im fall es nicht durch list geschåhe. Nachdem sie
beiderseits der sache ein wenig nachgesonnen / sagte die Prinzessin: Könte dann
Elihu uns nicht hierin dienen / der so viel alhier vermag? Ach liebste
schwester! (antwortete die Konigin) Elihu ist derjenige / der die arme Ahalibama
also verkaufet / üm mein und meines landes willen. Als die Prinzessin üm dessen
erklårung bate / erofnete ihr die Königin alles / was man mit ihr und dem Elihu
furhåtte. Die Prinzessin hielte solches erstlich nicht für ungereimt / weil sie
/ der heimlichen liebe ihrer schwester und des Prinzen Abimelech / sich dissmals
nicht erinnerte. Als ihr aber die Königin hiervon sagte / kame sie auf andere
gedanken / und vermeinte / der Prinz Dison würde ja noch wohl mittel finden /
diese seine schwester zu befreien.
    Ich hore nichts von diesem Prinzen / (sagte die Königin) und kann nicht
aussinnen / wo er und Betuel müssen geblieben sein. Hätten sie sich kund gegeben
/so wurde ich es schon wissen: dann mir Barzes alles erzählt / was gestern und
diesen morgen fürgegangen. Ihr seufzet / meine schwester! bei erwänung dieser
beiden getreuen liebhaber: vielleicht tut euch die wahl wehe / welchen ihr
erkiesen sollet? Noch zur zeit (antwortete sie) gelten sie mir beide gleich: ich
werde mich auch hüten / auser der freundschaft /einem von ihnen mein herz
einzuråumen. Ich spreche (wiederholte die Königin) für meine betriegliche
Aramena: dass ich zwar zu tun nicht ursach håtte / in erinnerung / wie ich
hintergangen worden. Weil aber die umstånde also beschaffen / dass ich einiger
massen ihnen verzeihen kann / so wunschte ich wohl / liebste schwester! dass euch
gefiele / dem reich Ninive diesen Fürsten zum König zu gelten: damit nicht
allein alle welt daraus erkenne / dass Dison nicht üm liebe willen so lang in
meinem frauenzimmer sich aufgehalten /sondern auch eure verlobung / die in
gegenwart so vieler tausend personen geschehen / dadurch gultig gemacht und
vollzogen werde.
    Wie kann ich diesen wunsch erfüllen / (gabe die Prinzessin zur antwort / da
meiner / nicht der Ninivische tron / sondern der tempel zu Ninive / wartet?
Wisset ihr dann nicht / (sagte die Königin) dass euer tempel abgebrant ist. O
grosse Diana! (rieffe die Prinzessin) was verneme ich? Betrubet euch nicht
(sagte die Königin ferner) um so ein abgöttisches wesen /und bequemet euch
vielmehr / den wahren Gott zu erkennen und zu verehren / der allein Gott ist.
Die betrübte Prinzessin / die für dissmal nach solchen ermanungen nicht hören
konnte / weil sie unfähig war / auf etwas anders / als auf diesen grossen verlust
/ zu gedenken / begabe sich in ein nebenzimmer: zumal eben etliche Syrische
Fürsten ankamen / ihrer Königin beim abendessen aufzuwarten / und von dem / was
diesen tag fürgegangen / bericht abzulegen.
    Diese waren der Tare / Cyniras / und Elhanan /die sie mit aller höflichkeit
entfienge / und bei dem ersten / als ihrer Casbiane vattern / fleissig nach
seiner tochter anfragte. Er berichtete sie / wiedass / wegen der ietzigen unruhe
/ niemand sich auf die gassen wagen dorfen: sonst hätte bereits seine tochter /
mit den andern Syrischen Furstinnen / kommen sollen /ihrer Königin aufzuwarten.
    Mitlerweile nun die abendmalzeit gehalten wurde /befande sich der
Abdastartus bei seinem gast / dem verwundten Cimber / dem er von allem / was in
Damasco furgegangen / soviel ihm wissend / bericht gabe: und hatte er zu diesem
edlen tugendhaften helden eine solche liebe gewonnen / dass er sich ihme /nach
äuserstem vermögen / verpflichtete. Der so verliebte als betrübte Cimber / hörte
unter diesem allem nichtes / was seine Konigin von dem verdacht befreien konnen
/ dass sie und Dison seine niedermachung angestiftet: daher er in seinem gemüte
so übel zufrieden bliebe / dass alle hülfmittel des weissen Abdastartus / bei
sotaner verschlimmerung seiner gemütswunden / seine leibeswunden zu heilen /
nichts verfangen konten.
    Nachdem er / sonder einige bewegung / alles angehoret / was Abdastartus ihme
/ so wohl von den beiden Aramenen / als von dem Beor und Elihu fürbrachte /brache
er / wie aus einem tieffen traum erwachend / in diese frage heraus: Ist es wohl
moglich / mein werter Abdastartus! dass ich einmal die Konigin / sonder ihr
wissen / könne zu sehen bekommen? Wann euch sonderlich viel hieran gelegen ist /
(antwortete Abdastartus) so muss man sehen / dass man es in die wege richte. Mir
konnte / (gabe jener / mit einem tiefgeholten seufzer / zur antwort) bei ietzigem
meinem zustande /nichts liebers widerfahren. Abdastartus verhiesse ihm hierauf /
sein verlangen zu erfüllen. Der verzweifelte Cimber suchte zwar hierunter keinen
andern trost / als diesen / dass er in der Königin unvergleichlicher schonheit
etwas zu finden vermeinte / so eine tyrannei und leichtsinnigkeit andeuten
möchte: damit er nachgehends üm so viel leichter / ihrer zu vergessen / sich
zwingen konnte.
    Nachdem diese schöne Königin abgespeiset / und /üm zur ruhe zu gehen / den
Syrischen Fursten urlaub gegeben hatte / liesse sich der Barzes bei ihr anmelden.
Dieser / als er furgelassen worden / brachte ihr die post / wiedass der Prinz
Dison von Seir / ihre ehmalige kammerjungfrau / höchst verlange / sie in geheim
zu sprechen / woran ihr sehr viel gelegen wäre. Wie kann ich diesen Fürsten sehen
/ (sagte die Konigin) der mich also betrogen hat? Doch was hilft es! mein
zustand ist iezt also beschaffen / dass ich mich alles dessen bedienen muss / was
mir kann hülfe bringen. Er träget gros bedenken / (widerholte Barzes) in Damasco
bei tag sich sehen zu lassen / daher er /wann es E. Maj. gefållig / erst in der
abend-demmerung / dieses gehör suchet. Füret ihn nur herein: (gabe die Königin
zur antwort /) sobald es zeit ist / dass man die lichter anstecket / soll Dersine
eure schwester ihn einlassen. Barzes eilte / mit diesen befehl / nach dem Dison
/ welcher heimlich bei ihm sich verborgen aufhielte. Wie nun die bestimmte zeit
gekommen / brachte er ihn unvermerkt in der Königin gemach: da Dersine seiner
wartete / und ihn folgends in ein cabinet fürete / alwo er die schöne Konigin
bei einem tische sitzen fand / da sie / den kopf in die hand lehnend / ihn
ankommen sah.
    Aller sein mut verginge ihm / als er dieses schonheit / die er so sehr
beleidigt / und ehmals so håftig geliebt / in die augen bekame. Er konnte mehr
nicht tun / als dass er niederfiele / und ihre fusse mit vergiessung häufiger
tränen küssete. Ach Aramena! (hube die Königin an zu reden /) mustest du also
eine unschuldige Konigin teuschen / und ihre vertreulichkeit mit so ungereimter
verschwiegenheit belonen? Womit hab ich es doch / um euch vom hause Seir /
verschuldet / dass ihr meinen guten namen nicht båsser habt beobachtet? Die
falsche Aramena / (antwortete Dison) und ihre verwandten / haben den tod
verdienet / dass sie die unvergleichliche Aramena beleidiget / den ich auch
meines teils von E. Maj. fordere. Nur ist meine demütigste bitte / dass ich nicht
unnützlich / sondern in diensten meiner erzürnten Konigin / sterben dorfe. Es
zeigt sich iezt hierzu eine gelegenheit / die ich entdecken will / wann meine
ehmals-gnådige Königin ihrer vorigen Aramena so viel gehör verleihen wollte.
    Weil Dison seine schuld erkennet / (gabe die Konigin / mit gütigen gebärden
/ zur antwort /) so soll mir /und nicht ihme / die straffe offen bleiben / die
auf sein verbrechen gehöret. Und weil sein tod mir nichtes helfen kann / als lege
ich ihm auf / meine schwester / die Prinzessin Aramena von Syrien und künftige
Königin von Ninive / zu lieben / und damit aller welt zu zeigen / dass unter uns
beiden keine liebesgemeinschaft gewesen. Dison wusste nicht / was er auf diesen
fürtrag sagen sollte / und erstummete ganz uber so unvermuteter gutigkeit: ihme
sein verbrechen um soviel grosser für augen stellend / weil er damit die tugend
selber betrübt hatte. Als er nun zu antworten verzoge / fure die Konigin also
fort zu reden: Wie / Dison! habe ich euch ein zu schweres ioch aufgebürdet?
Findet ihr bedenklich / mein Konigreich Ninive und eure vertraute Aramena
anzunemen? O überirdische güte! rieffe hierauf Dison. Wann ich nicht wusste / dass
meine Königin sich nicht verstellen kann / dörfte ich nimmermehr glåuben / was
ich anitzo verneme. Glaubet mir / mein Prinz! (sagte die Konigin / und hube ihn
damit von der erden auf) dass ich die warheit rede /und versichert euch dabei /
dass ich euch bei meiner schwester dienen wolle / zur vergeltung / dass ihr auch
mir in meiner liebe gegen dem Abimelech zum oftern trostlich gewesen.
    O Himmel! (antwortete Dison) ich war dazumal ein häftiger mitbuler des
geliebten Abimelech / und habe nun endlich / durch die unmüglichkeit überwunden
- - - Haltet ein / Prinz von Seir! (fiele ihm die Königin / ganz errötend / in
das wort /) mit solchen reden / womit ihr eure sache bei mir werdet ärger
machen. Ihr liebt die Prinzessin / meine schwester / seit auch an dieselbe
verlobet. Ich will euch hierinn dienen / und fordere hingegen von euch getreue
brudersliebe /und die wahre vertreulichkeit / die mir ehmals Aramena im schein
erwiesen. Weil ich / fur solche unaussprechliche güte / (antwortete Dison / ihr
wieder zu fuss fallend) nicht danken kann / wie ich soll / will ich lieber schweigen
/ als solches nicht nach gebür verrichten. Wir können (sagte die Konigin / ihn
damit wieder aufhebend) unsere zeit ietzund nutzlicher anwenden. Ihr wisset ja
von einer neuen gefahr / die mir drohet: darum entdecket mir solche nur bald /
auf dass man / wo möglich / derselben entgehen moge.
    Weil mir dann erlaubt ist zu reden / (hube Dison an /auf der Konigin befehl
sich gegen ihr über setzend) so wird die Prinzessin Aramena E. Maj. berichtet
haben / wie ich / durch anstiftung meines vettern / des Syrischen statalttes /
als morder des edlen Cimbers beschüldigt / in den Isis-tempel verschlossen /
alda /neben dem Betuel von Haran / mit schwerer gefångnis und vielen plagen
beleget / und endlich durch einen priester / neben unserer Prinzessin und dem
Betuel / davon erledigt worden. Nachdem nun wir beide auf die gassen entkomen /
und unschlüssig waren / wohin wir uns wenden sollten / kame aus einem gemäur / auf
den grossen platz hinter dem tempel / etliche månner herfur / die alsofort auf
uns zu giengen. Der erste fragte mich: ob es nun zeit wåre /die Konigin hinweg
zu furen? Seine stimme kame mir so bekant für / dass ich ihn hierauf / bei hellem
mondschein / genau ins gesicht sah / und ihn für den Ninias / Fürsten von
Ressen / erkannte.
    Ich erinnerte mich gleich seiner ungestümen liebe /womit dieser verwegene
ehmals E. Maj. beunruhigen dorfen. Seine frage recht betrachtend / konnte ich
leicht schliessen / dass auf E. Maj. ein anschlag müste gemacht sein. Ich begriffe
mich nun in der eile / so gut ich konnte / und als ich seine frage mit Nein
beantwortet / fragte er ferner: Was hintert dann hieran? die abrede ist ja mit
euren geistlichen gewesen / dass / wan ihr beide ankommen würdet / es die losung
sein sollte / in des Abdastartus wonung ein zu brechen. Ihr musset (antwortete
ich) noch eine stunde verziehen / und euch noch etwas hintan begeben: weil der
ehrwürdige Mephris / vermöge unserer heiligen gebråuche / ietzund einen
ansehlichen umgang üm den ganzen bau des tempels halten wird. Wan der verrichtet
ist / und alle priester sich zu ruh begeben / so soll eurem begehren ein genügen
geschehen. Diese antwort fiele mir zu gutem glücke bei / wodurch der Ninias
beredt wurde /sich mit den seinigen zurück zu ziehen und am strom nieder zu
lassen / da wir / ich und Betuel / uns zu ihnen setzen mussten. Er fienge
hierauf an / mit einem seiner gesellen zu schwätzen / wie er es in Ninive
gelassen hätte / da nunmehr der halbe teil der stadt seiner botmässigkeit
unterwürfig wåre / und daher das Konigreich Ninive ihm nicht entstehen konnte:
wann er nur die schone Königin / um deren willen er alles dieses angefangen / in
seine gewalt bekommen könnte. Zu solchem ende habe er sich ietziger unruhe in
Damasco bedienen / und / auf einrat seines freundes / des Ardeus / herüber
reisen wollen / seine Konigin zu entfüren. Weil er seinem beisitzer / für diesen
gegebenen rat / hochlich dankte / als erfure ich dadurch / dass es Ardeus wäre /
welcher hiernächst auch zu reden anfienge / und erzehlte: Wiedass / als er dem
Ninias geschrieben håtte / herüber zu kommen / die Konigin noch in der Juno
tempel auf der Kemuelsburg gewesen / nachgehends aber verloren worden; daher er
auch diesem anschlag für verloren geschätzet. Nachmals aber hätte ongefär / das
vielmalige hinfaren seines vettern / des Husans / und des Arsas / nach dem
tempel der Isis / ihn argwänen gemacht / ob etwan die Konigin alda verborgen
sein mochte. Dieses hätte /nachdem er einen von des Abdastartus unterpriestern
auf seine seite gebracht / sich also befunden: worauf dann dieser anschlag zu
werk gerichtet worden. Ninias fragte hiernåchst: wieviel wohl unter den Ninivite
ihre seite hielten? Ardeus berichtete ihn / wie die hålfte von des Barzes
volkern / uber viertausend mann / zu ihrem gebot stünden: mit deren hülfe man
die Königin sicher aus Damasco / und nach Ninive / bringen könnte.
    Wie ich nun alles dieses angehöret / und es fur eine sonderbare schickung
des Hochsten achten musste /der mir damit an die hand gabe / von E. Maj. diese
gefahr abzuwenden: redte ich heimlich mit dem Betuel ab / dass wir ein paar
schwerder / die nicht weit von uns des Ninias soldaten abgeleget hatten / zu uns
nemen / und damit diese boswichter angreifen wollten. Sobald wir also uns
bewehret hatten / fielen wir diese verråter so grimmig an / dass / ungeacht ihres
widerstands / Ardeus in die flucht geriete / und Ninias als todt mir zu den
füssen niederfiele. Mit hülfe des Betuels / name ich hierauf diesen hitzigen
liebhaber /und warfe ihn / seine flammen vollends abzukülen / in den Pharphar:
dergleichen wir auch mit den andern täten / die wir niedergemacht hatten.
Hierauf eilten wir von dannen / und begaben uns in ein haus / dessen einwonere
dem Betuel bekant waren: welche uns willig unter ihr dach aufnamen.
    Wir zogen daselbst andere kleider an / und wollten gleich den folgenden
morgen / als gestern früh / E. Maj. hiervon ofnung geben. Wir konten aber hierzu
nicht gelangen: weil der Konig Beor eben damals in Damasco kame / und ietzigem
unwesen eine andere gestalt gabe. Der pöbel / als er erfure / wie sie bisher mit
dem Aramenes betrogen worden / ward sowol auf die Furstinnen von meinem hause /
als auf meine person / wiewol sie mich für todt halten mussten / sehr erbittert
und liesse sich bedrohlicher reden vernemen: welches mir ursach gabe / mich
verborgen zu halten /damit niemand in Damasco etwas von mir möchte innen werden.
Betuel / wiewol er mich seinen mitbuler weiss / hielte treulich bei mir / und
wollte auch seinem bruder sich nicht kund geben / bis der ablauf dieser unruhe
sich äusern mochte. Sobald die nacht angekommen / machten wir uns wieder aus dem
haus hervor / kamen hieher / und suchten gelegenheit / bei E. Maj. durch
iemanden uns anmelden zu lassen.
    Weil der himmel uns ausersehen hatte / diese verråterei / die man wider E.
Maj. geschmiedet / so wunderbarer weise zu erfaren / und folgends abzuwenden:
als musste es sich ferner schicken / dass / als wir kaum an die mauer des tempels
gelanget / zween priester auf uns zu kamen / und uns für andere haltend / zu
wissen begehrten / ob der Fürst von Ressen bald ankommen würde? massen alles
schon für ihm bereitet wåre / dass er bei ihnen an seinen wunden möchte geheilet
werden. Indem ich nun auf diese frage mich bedachte / kamen etliche hinter uns
her / die einen menschen trugen: welcher eben dieser Ninias sein musste /weil die
priestere / die uns begegnet / ihn gleich aufnamen / und in den tempel brachten.
Ich bliebe ganz verwundert / diesen todten / den ich ins wasser geworfen /
wieder lebendig zu sehen: und suchte ich darum gleich heut gelegenheit / mich
dem Fürsten Barzes zu offenbaren / und durch ihn bei E. Maj. mich anzumelden /
um dieselbe zeitlich zu warnen / damit sie dieser gefahr und verråterei vorbauen
und entgehen möchten. Wo Ardeus mag geblieben sein / kann ich nicht erfaren: dass
er aber / nun der Ninias noch lebet / wider E. Maj. ferner beschäftigt sein
müsse / solches lässet sich aus allen ümständen gnugsam abnemen und erkennen..
    Hiemit horte Dison auf zu reden / und sagte die Konigin: Es scheinet / als
wann alles / was nur einen odem hat / ietzund wieder mich auf sei / mich zu
verfolgen. Doch wird der gütige himmel mir endlich uberwinden helfen: massen mir
nie kein unglück zustösset / worbei nicht gleich des Hochsten vorsorge /mir zur
rettung / sich blicken låsset.
    Diese worte der Konigin horte drausen der verliebte Cimber mit an / welchen
der Abdastartus / seiner zusage gemäs / als er die Konigin noch nicht in der
ruhe zu sein vernommen / heimlich aus seinem zimmer auf einen gang / der an den
fenstern des cabinets /worin die Königin mit dem Dison sasse / herginge /gefüret
hatte. Er konnte / durch die rauten / seiner schönen Delbois gerad ins gesicht
sehen / und kame er eben dazu / wie die Konigin dieses dem Dison geantwortet.
Seine håftige liebe machte ihn fast / bei erblickung ihrer schonheit / alles
vergessen / was er gegen ihr zu anten hatte. Weil es aber also verhångt war /
dass dieser held / durch die einbildung / mit grausamer eiversucht sollte geplagt
werden / musste er dazu neuen anlass bekommen / indem er nicht nur den Dison um
seine Königin bei nächtlicher weile antraffe / sondern auch reden von ihnen
vername / die seinen argwan beståtigen konten.
    Ich schåzte mich überglucklich / (horte er den Dison sprechen) dass der
himmel mich ausersehen / E. Maj. von einen solchen liebhaber zu befreien / wann
der erfolg meinem willen hätte gleichförmig sein wollen. Ich vermeinte / so wohl
die wunden / die ich ihm angebracht / als der Pharphar / darein ich ihn geworfen
/ sollten diesen frechen menschen aus der welt bannen / und also E. Maj. auf ewig
von ihm erlösen.
    Ich bin euch / mein Prinz! (antwortete die Konigin) hoch verbunden / dass ihr
meinetwegen also euer leben wagen / und diesen ungestümen in den stand setzen
wollen / mich nicht mehr mit seiner liebe zu verfolgen: weswegen ich / zur
vergeltung / üm so viel mehr bemuht sein werde / eure liebe zu befördern. Weil
aber / weder des Disons dapfere faust / noch die starke wellen des Pharphars /
deme das leben nemen können / der mir nun / da ich seine bosheit kenne / mehr
zuwider ist / als mir iemand von meinen feinden sein mag: so besorge ich nicht
unbillig / der himmel habe diesem verfolger nicht sonder ursach das leben
gefristet; massen es wohl fromd scheinet / dass wir eben allhier unter einem dach
wonen sollen / und diejenige /so mich beherbergen / auch meinem feind gutes tun
müssen. Was ich hierbei getan / (sagte Dison) verdienet nicht ein so hohes
versprechen: da ich sonder hofnung einiger vergeltung / mein leben fur meine
Königin hinzugeben / schüldig gewesen. Dass aber Abdastartus diesen boswicht
heimlich herberget / ist wohl zu bewundern / und haben E. Maj. ursach /
dieserwegen ihn zu besprechen.
    Als die Königin hierauf wieder antworten wollte /öfnete die Prinzessin
Aramena die tür / um zu ihrer schwester hinein zu gehen: die aber als sie den
Dison bei ihr erblickte / wieder zurück trate. Welches die Königin warnemend /
den Dison bei der hand ergriffe / mit ihm aus dem cabinet eilte / und ihn ihrer
schwester entgegen füren wollte. Der halbtodte Cimber / so fur besturzung / der
Prinzessin ankunft nicht wargenommen / deutete diese schleunige hinwegeilung der
Königin und des Disons ganz anderst aus: und alle vernommene reden auf sich
ziehend / wünschte er nichtes mehr / als zu sterben; sich schämend / dass er so
lange seine zeit in Damasco verloren / und seine liebe so übel angewandt hatte.
Er gienge / ganz aus sich selber / wieder nach dem Abdastartus / der seiner
nicht weit hintan wartete: und ihm / sonder ein wort zu sagen / die hand bietend
/ hatte er kaum das vermogen / wieder in sein zimmer zu kommen. Daselbst warfe
er sich gleich auf das bette / und den guten Abdastartus in dem wahn lassend /
als ob sein schwacher zustand von seinen wunden herrürete / begehrte er /dass man
ihn / um zu ruhen / allein lassen wollte: da aber erst die höchste unruhe und
entfindlichste marter in ihm anginge / indem er zeit hatte / alles / was er vor
dem gemach gehöret / bei sich zu überlegen / und zu erwägen.
    Ach unerkentliche Delbois! (rieffe er) bist du darüm dem Dison so hoch
verbunden / dass er mich ungestümen / nicht zwar mit dapferer faust / wie er dir
fürgelogen / sondern morderischen weise / in den stand setzen wollen / dich mit
meiner liebe nicht mehr zu verfolgen? Habe ich dann / mit dieser liebe
verschuldet / dass Delbois darum aufhören müssen / die tugend zu üben / die sonst
allemal ihr tun begleitet. Ich nenne sie Delbois / die ich iezt Aramena nennen
sollte. Dan die ist es / die nicht allein ihren namen /sondern auch ihr gemute:
die sich sowol gegen mir /als gegen dem edlen Abimelech / verändert. Sie liebt
nun den Dison offentlich / dem sie heimlich / als er noch Aramena hiesse / so
viel liebkosungen und güte erwiesen. O welche falschheit / und schein-tugend!
Kan auch / solche tyrannei und bosheit / in so schönen hause wonen?
    Hierauf finge er an / die Königin ihme fürzustellen / wie sie äuserlich
anzusehen war / da die groste redlichkeit / tugend und güte aus ihren augen /
worten und gebärden herfurleuchtete: welches ihn fast zweiflen machte / ob er
auch recht gehört hätte. Ach! es ist alles nur all zu wahr! fure er fort zu
klagen. Ich bin ihr freilich mehr zuwider / als ihr einiger von ihren feinden
ist: und es wird / so lang ich lebe / ihre verfolgung dauern. Wolan dann /
Aramena! so will ich sterben / und dir diesen lezten liebes dienst erweisen: um
sowol von diesem deinem grösten feind dich zu befreien / als das mit in die
grube zu nemen / was ich von dir weiss und erfahren. Ich will aufhoren / dich zu
lieben: darum muss ich auch aufhoren / zu leben. Dan deine bezauberungen /
ungeacht ich dich iezt bässer kenne / sind so kräftig in mir / dass ich dich noch
lieben muss / ob ich gleich keine bewunderung deiner tugend in mir mehr finden
kann.
    Solcher gestalt quålte sich dieser verlassene liebhaber / und mattete sich
so sehr ab / das Abdastartus /als er folgenden tags zu ihm kame / ihn sehr
schwach und mit einem hitziger fieber befallen fand. Weil er diesen helden
innigst liebte / ginge ihm sein zustand tief zu herzen: zumal er fast an seiner
auskunft zu zweiflen anfinge / weil alle kråfte sich auf einmal verloren hatten
/ und die hitze so håftig / dass grosse lebensgefahr vorhanden ware. Als er auch
etliche gute arzneimittel ihm beibringen wollte / weigerte er sich /solche
anzunemen / und bate / man mochte ihn damit zufrieden lassen: welches den
Abdastartus noch mismütiger machte.
    Als dieser hierauf wieder von ihm ginge / der Königin aufzuwarten /
erschracke er nicht wenig / als dieselbe ihn gar ungnådig entfinge / und ihn
fragte / ob er nicht einen verwundten heimlich bei sich hegte /der aus dem
wasser gezogen und bei nacht in den tempel gebracht worden? Es ist dieser mensch
mein todfeind / (fuhre sie fort) und wan euch die ruhe dieses reichs und eure
Konigin lieb ist / so schaffet ihn alsofort von euch / und bewehret euch ferner
nicht mit seinen händeln. Abdastartus / der nicht leugnen dorfte /was er nun
kund zu sein vername / gestunde zwar /dass er so einen gast auf solche weise
bekommen / beteuerte aber dabei gar hoch / dass er denselben der Königin nie
widerwärtig verspuret / vielmehr von ihm gehöret / dass er von ihr stäts mit der
hochsten ehrerbietung geredet. Er ist einmal mein verfolger / (widerholte die
Königin) und hätte ich ursach / ihn beim kopf nemen zu lassen / wan nicht
sonderliche betrachtungen mich davon abhielten. Ach! er ist iezt (antwortete
Abdastarstus) in solchem zustand / dass ich sehr an seinem leben zweifele. Es
wird die welt (widerredte sie) nicht viel an ihm verlieren. Ihr werdet ihn /wie
gesagt / ie eher ie båsser von euch hinweg schaffen: und möget ihr ihm darbei
wohl andeuten / wie ich gegen ihm gesinnet sei.
    Hiermit liesse sie ihn gehen / und ginge selber auch nach ihrer schwester:
deren sie ferner / wie sie angefangen / den Dison beliebt zu machen / auch sonst
von ihrem zustand sich mit ihr zu bereden / ihr fürgenommen hatte. Weil zu dem
ersten fürnemlich vonnöten war / dass diese Prinzessin ihren aberglauben verliesse
/ und also ihrem Dianen-gelübde absagte: finge sie an / sie in dem rechten
Gottesdienste zu unterrichten und ihr die nichtigkeit der götzen fürzustellen /
als welche allein von menschlichen erfindungen herrürten. Sie hatte das Glück /
das edle gemut dieser Prinzessin guten teils zu gewinnen: welche / ob sie schon
nicht gänzlich ihr gelübde fahren liesse / gleichwol zu wanken begunte / und
neben ihrer Diana auch dem Dison einen platz in ihrem herzen gönnte.
    Dieser Prinz kame nun / neben dem Barzes / heimlich zu ihnen / üm sich
miteinander zu beraten / was /wegen der von dem Beor angetragenen heurat mit dem
Elihu / wegen des Ninias und Ardeus verräterei / und wegen der Ahalibama
beschutzung / fürzunemen wäre. Die schone Königin erklärte sich uber dem ersten
/ dass sie mit dem Elihu selbst davon reden wollte. Den Ninias betreffend /
erzehlte sie / was sie deswegen dem Abdastartus anbefohlen / und liesse zugleich
sich vernemen / wie sie entschlossen wäre / diesen tempel zu verlassen und die
Kemuelsburg wieder zu beziehen / weil sie daselbst fur des Ardeus verräterei
sicherer zu leben verhoffte: zumal sie auch von dem Barzes nicht erfaren konnte /
welche unter den Niniviten / die zu ihrer beschirmung um den tempel lagen /in
diesem anschlag mitbegriffen wären / oder nicht. Sie hielte auch für ratsam /
dass man diese verräterei für den Canaanitern / Syrern und Babyloniern so
heimlich / als müglich / halten sollte: massen sie auch mit dem Ninias nicht
schärfer verfaren wollen / üm kein geschälle daraus zu machen. Die Ahalibama
belangend / bliebe sie bei dem entschluss / dieselbe wider den Beor zu schützen:
wie es aber geschehen könnte / wussten sie noch nicht abzusehen / und mussten von
der zeit hierzu gelegenheit erwarten. Der Prinz Dison / so sich in Damasco nicht
offentlich dorfte sehen lassen / sollte indessen / neben dem Betuel /bei dem
Barzes sich verborgen aufhalten: welcher auf den notfall / sein leben zu dienst
der Königin und seiner schwester aufzusetzen / sich anheisig machte. Nachdem
hiermit diese beratschlagung sich geendet /wollte die Konigin dem verliebten
Prinzen zeit und raum lassen / mit seiner Prinzessin allein zu reden: ginge
derhalben nach ihrem zimmer.
    Sie ware kaum daselbst angelanget / da wurde ihr angemeldet / wie der Furst
Elihu kommen wollte / ihr aufzuwarten. Als sie nun / wiewol sonder bewegung
/hierein gewilligt / erschiene er bald darauf / in begleitung der meisten
Syrischen Fursten: die aber / aus ehrerbietung / in dem vorzimmer verblieben.
Als Elihu der Konigin ansichtig worden / erschiene alsobald /dass er von ihr
allein / und von keinem andern / seine glückseligkeit erwarten wollte: massen er
ganz erblasst und erschrocken zu ihr trate / und die augen gegen die erde
niederschlagend / alle kunheit verlore /sie an zu reden.
    Die Königin musste demnach die erste sein / welche also zu sprechen anfinge:
Ich bin wohl sonderbar glücklich / dass bei meinem ietzigen verwirrten zustande /
der weisse Elihu hat mussen derjenige sein /den so wohl meine stände / als der
König von Canaan /ausersehen und furgeschlagen / mir meinen zepter füren zu
helfen. Dan / wan ich dessen hohen verstandes nicht versichert wäre / oder
hierin einen andern so mächtig sehen musste / als wie nun der Fürst von Ram ist /
so stünde wohl ich und dieses reich in sorglicher gefahr / viel tyrannei und
ungemach auszustehen. Nun aber verlasse ich mich gänzlich / mein vetter! auf
eure weltbekante tugend / und bin dessen gewiss / ihr werdet nicht unmugliche
Dinge begehren /noch mich zwingen / treubruchig zu werden an einem Prinzen / der
meine gegenliebe durch tausend dienste fürlängst überkommen: also dass ich lieber
mein reich verlieren / als von ihm abstehen wurde. Sehet / Elihu! wie ich auf
eure redlichkeit baue / mich euch also zu offenbaren. Ihr werdet demnach
gläuben: wann ich einigen menschen in der welt hoch achte / und von ihme
getreuen beistand erwarte oder hoffe / so seit ihr derselbige / den ich zu
meinen freund und beschutzer erwehlt habe.
    Ach grosse Königin! (sagte Elihu /) wählen sie dann den zu ihrem beschützer /
der nun nicht ferner leugnen kann / dass er liebt. Ja / schönste Konigin! der
unwürdige Elihu hat seiner so gar vergessen / dass er durch das anscheinende
Glück sich verfüren lassen / diese liebe nun kund zu machen / die er so lang in
seinem herzen verborge geheget. Nimermehr sollte dieses einigem menschen kund
worden sein / wann mein ungluck mir / in damaliger meiner zufriedenheit zu
bleiben / håtte gonnen konnen. Mein beståndiger vorsatz war / bloss in anschauung
E. Maj. schone / meine vergnügung zu suchen / wie ich dann solches unlangst /beim
spiel / in der stattalterin palast / durch diese reimen geoffenbaret:
Im schauen nur beruht / was mir kann ruhe bringen:
Dan weiter darf ich nicht in mein vergnügen dringen.
Ich tadle / was ich tu. Drum zwing ich meinen sin:
Dass übermeistert auch ich dannoch meister bin.
    Aber ach leider! wie ist diese meine ruh zerstöret /und wie sehr bin ich nun
ein slave der liebe worden /die ich sonst so sehr gehasset! Ich kann mich keiner
meisterschaft mehr berümen. So liget dann allhier vor E. Maj. (dieses redte er zu
ihr / auf den kniehen) der verliebte Elihu / der nun / nach eröfnung seiner
liebe /nichts mehr zu erwarten hat / als von E. Maj. das endurteil seines todes
zu vernemen. Ich erkenne mich fortin untüchtig / E. Maj. wider mich selber zu
schützen / und sonder eiversucht einen andern glücklich zu sehen: darum ist für
mich nichts mehr ubrig /als dass ich sterbe, weil auf andere weise E. Maj. nicht
konnen von meinen verfolgungen befreit bleiben.
    Wie / mein vetter! (antwortete die Königin / und bemühete sich / wiewol
vergebens / ihn aufzuheben) sind das reden des weissen Elihu? kann auch / ein so
verståndiges gemüte / zu verzweifelten dingen greifen / das sich allemal so
weisslich zu regiren wusste? Muss dann eben ich so unglücklich sein / dass Elihu
seine witz verlieret / da er mir damit gute dienste leisten konnte? Und begehret
ihr dann nicht ein freund derjenigen zu sein / die ihr liebt? Erwäget doch / als
verständig / ob sonder leichtsinnigkeit ich augenblicklich euch lieben / und
einen Prinzen verlassen konne / der mich / und ich ihn / so lang wir einander
kennen / geliebt / und der mir tausend dienste / die mich / ihm getreu zu
bleiben / anreitzen / erwiesen hat. Gesezt /ich würde / aus furcht / mein reich
zu verlieren / oder aus anderen bedenken / des sinnes / euch zu vergnugen: wie
lang würde wohl eure liebe gegen mir dauern? würdet ihr nicht selbst einen eckel
gegen mir fassen /und mir meine leichtsinnigkeit verüblen. Redet / Elihu /
redet! aber nach einrat der wahren vernunft: und ich schwöre / dass ich tun
wolle / was ihr mir nach solchem einrat für sagen werdet.
    O grausame gute! (rieffe hierauf der verzweifelte Furst) die mich / mir
meine torheit zeigend / in den stand setzet / nichtes hoffen zu dörfen. Was kann
ich mir selber raten / da E. Maj. einrat mir nicht hilfet /den sie / bei
vorgedachtem spiel / mir dieses inhalts gnädigst erteilet.
Hofft immer in gedult! wer weiss / was der gedenket /
Der alles / wie er will / nach seinem rahte lenket?
Dieses waren E. Maj. holdselige worte / die / aus profetischem trieb / mir
gegolten / ungeacht ich damals nicht getroffen worden: und habe sie damit mich
aufgemuntert / die hofnung nicht fahren zu lassen / deren ich mich schon begeben
hatte. Mein unglucklicher raht / (widerholte die Königin) wurde dem verståndigen
Elihu / nicht aber einem ungestümen gegeben /der darum aufhoren sollte / witzig
zu sein / damit ich mich seiner / bei ietzigem meinem zustande / nicht bedienen
mochte. Was für dienste (wandte dargegen Elihu ein) konnen E. Maj. von mir
fordern / da sie nun sehen / wie wenig ich mein selber bin. Wüsten sie nicht /
dass ich liebe / und wåre aller welt mein beginnen verborgen / so wollte ich mich
bemühen / wieder in meinen vorigen stand zu tretten / da ich E. Maj. zwar eben
so häftig / aber ruhiger liebte / und sonder entfindnis dulten konnte / dass ein
ander bei E. Maj. das erlangte / wornach meine hofnung nicht langen dorfte. Wie
ich dann solches auch darin erwiesen / da ich die heurat des Königs von Assyrien
mit E. Maj. nach möglichkeit zu befordern trachtete. Nun aber hiesiger zustand
sich so verändert / dass E. Maj. geburt / der Syrer einwilligung / und der
Canaaniter hülfe / meine hofnung angezundet / und meine verborgenste
heimlichkeit entdecket: so ist nichtes mehr übrig / das mir helfen könnte /
indem E. Maj. mich verlassen / und einen andern glucklichern liebhaber mir
furziehen / an den ich niemals gedacht / und der nun alles auf einmal über einen
haufen wirfet.
    Werdet wieder / der ihr zuvor gewesen / (sagte die Konigin) so will ich
zulassen / dass ihr mich liebt: massen eurer liebe kentnis mir nicht hinterlich
sein soll / eure freundschaft und gegenwart zu begehren. Erlischet dadurch die
hofnung eurer liebe / so darf darum eure ehrsucht nach einer krone nicht
ersterben: dann ich weiss euer habendes recht an dem reich Hemath / zu dessen
erlangung ich euch alle hulfe verspreche / und soll es mir eine freude sein /
demjenigen eine kron zu verschaffen / der mir zu der meinigen geholfen hat.
Werden dann E. Maj. (fragte Elihu) dessen gegenwart vertragen können / der so
sehr die schranken der ehrerbietung überschritten / dass sie nun üm sein
frevelhaftes verbrechen wissen? Ich werde darüm (antwortete die gütige Konigin)
euch nicht hassen /dass ihr mich liebt / wann ihr euch nur dadurch nicht zu
unmuglichen dingen verleiten lasset. Erweiset euch / mir zu lieb / als den alten
Elihu / bleibet in dieser gefahr mein freund / und helfet mir das erhalten / was
ihr mir iezt zu wege gebracht.
    Diese reden der schönen Konigin / hatten solche macht über das edle gemüt
des Elihu / dass er sich fassete / und sein selbst gar vergessend / den schluss
name / sonder einigen nutzen / der Königin zu dienen. Weil ihm aber dieses
uberaus schwer ankame / als hatte er das vermogen noch nicht / sich der Königin
hierin zu erklåren. Demnach eilte er wieder von ihr /ohne ferner ein wort zu
sagen / und liesse die andere Syrische Fursten hinein / der Königin die hånde zu
küssen. Inzwischen gienge er / ganz verstellet / nach den zimmer des Abdastartus
/ üm alda bei sich selbst recht zu überlegen / wie er hierin sich verhalten
müste. Er traffe auch daselbst niemand an / weil Abdastartus eben bei dem armen
Cimber sich befande: welches ihm dann üm so viel lieber ware.
    Der Prinz Cimber musste inzwischen seine wonung räumen / und wurde / auf des
Abdastartus verordnung / in einem verdekten wagen / aus dem tempel / in das haus
eines seiner befreundten / unfern von dannen /gefuret. Er verhelete aber diesem
elenden verliebten nicht / wie der Konigin von Syrien befehl wåre / ihn also
fortzuschaffen / weil sie / aus ihm-unbekanter ungnade / ihn nicht so nahe bei
sich leiden wollte. Doch bote er ihme dabei seine dienste ferner an / und
bezeugte ein grosses erbarmen / dass er / dieses zu tun /wåre genötigt worden.
Weil der halbtodte Cimber /alles grausame von seiner Konigin zu hören / nun
schon gewonet war / als besturzte er nicht uber diesem bericht / sagte auch-fur
mattigkeit und verdruss /kein wort darwider / dass er / bei seinem so ublen
aufwesen / seine lagerstelle åndern mussen / und liesse alles / was man wollte /
mit sich fürnemen. Wann des Abdastartus kräftige arzneien nicht das bäste getan
håtten / würde dieser grosse held kaum lebendig in seine neue wonung gekommen
sein: wie er dann daselbst so matt und kraftlos zu bett gebracht wurde /dass er
fast nicht mehr von seinen sinnen wusste.
    Nachdem sein getreuer wirt ihn daselbst verlassen /und wieder in den tempel
gekommen / fand er den Elihu in seinem zimmer: welchem er / als nun erklärtem
König in Syrien / fur freuden zu fus fiele / und dieselbige umarmend / ihme
tausendfaltiges Glück zu dieser würde anwünschte. Ach mein freund! (sagte dieser
betrubte Furst) wünschet mir nicht gluck zu dieser würde / sondern helfet mir
kraft und stärke erbitten / dass ich beståndig in meiner überwindung verharre /
solche hochheit / und was deren anhängig /fahren zu lassen. Hiermit eilte er
wieder von dannen /und nach der Königin gemach zurucke: darin er die Prinzessin
Aramena / neben allen Syrischen herren /antraffe / welche ihrer neuen Konigin /
und ihrer schwester der Prinzessin / aufdienten. Die Prinzessin entschüldigte
eben damals gegen ihnen allen / dass sie / unter dem namen ihres Königs Aramenes
/ sie bisher also betriegen mussen / die schuld allein auf den Tebah schiebend:
welches dieser alte / so zugegen war /gern bekennte / und sich nicht scheuete /
solchen betrug zu gestehen / worzu ihn die treu gegen dem geblüte seines Konigs
angetrieben hätte.
    Wie nun Elihu die schwester seiner Königin auch gegrusset / und gegen ihr /
soviel ihm seine verwirrung vergonnte / sein bezeigen / als er sie im gefångnis
gesprochen / aufs bäste entschüldigt hatte / gienge er zu der Konigin / und
ersuchte dieselbe / dass sie ihm allein gehör erteilen wollte: welches er alsofort
erlangte / massen sie / ihm die hand bietend / mit ihm in ihr cabinet sich
begabe. Als er daselbst / für vielem seufzen / zu reden noch verzoge / schauete
ihn die Konigin beweglichst an / und sagte: Solte wohl meine hofnung vergebens
sein / dass ihr diese geheime unterredung / allein zu meinem bästen und
beförderung meiner ruhe / gesuchet? Nein / grosmåchtige Königin! hube Elihu
hierauf an zureden. Ich komme / für E. Maj. wolfart mich willigst aufzuopfern /
auch allen anspruch zu diesem reich und zu E. Maj. person fahren zu lassen:
nichtes dagegen begehrend / als ein gütiges mitleiden und gedulten meiner
hofnunglosen liebe. Hiemit sturzten ihm die tränen so håufig aus den augen / dass
er nicht weiter fortfaren konnte: welches der Konigin dermassen das herz rürte /
dass sie mit ihren gütigen zåren die seinem begleiten musste. Elihu / solches für
ein zeichen der allerhochsten gnade achtend / die ihm iemals wiederfaren mögen /
ermannete sich damit / die Konigin ferner anzureden / und sagte: Nun bin ich zu
frieden / da ich ein zeichen sehe / dass mein freches beginnen mir keine ungnade
erworben hat. Ich bin aber nicht würdig / dass E. Maj. solch ein mitleiden
blicken lassen: welches mich aber üm soviel mehr aufmuntern soll / E. Maj. ruhe
zu befördern.
    Ich habe (antwortete die Konigin) von dem weissen Elihu keine andere
gedanken schopfen konnen als dass er / in unmoglichen dingen / sich zu uberwinden
wissen / und mir / ob ich seiner liebe nicht nach seinem verlangen begegnen kann
/ dannoch seine freundschaft nicht versagen werde. Ich schätze mich / (versezte
er) in betrachtung meiner unwürdigkeit / über-seelig /dass die unvergleichliche
Aramena einen wisslichen liebhaber dulten / und ihm / ihr seine dienste ferner zu
erweisen / erlauben will. Ich werde auch fortin / wie ich bereits erwehnet / für
E. Maj. und dieses reiches wolfart / alle meine kräfte anwenden. Demnach / aus
diesem schweren handel zu kommen / und zu verhuten / dass die Canaaniter / wie
auch die Assyrier / und die Syrer selber / nichtes zu E. Maj. nachteil beginnen
mogen / ist hoch nötig / auch für der hand nichts båssers zu ersinnen / als dass
E. Maj. noch eine kleine weile mich in dem stande bleiben lassen / darin mich
Syrien nun ansihet: massen meine iezt habende macht E. Maj. mehr nutzen und
dienen soll / als wann ich /solche ablegend / sowol dem Beor / als den Syrischen
Fürsten / zu neuer unruhe anlass gäbe.
    So übel nun die schone Konigin / aus besorgung /dass sie bei ihrem liebsten
Abimelech / wann er solches vernäme / eine eiversucht dadurch erwecken würde /
hierzu sich entschliessen konnte / so nötig und unumgånglich musste sie doch
solches achten: daher sie endlich einwilligte / die Syrer und Canaaniter noch in
dem glauben zu lassen / dass Elihu würde Syrischer Konig und sie dessen gemalin
werden. Urteilet nun /edler Elihu! (sagte sie wider ihn) ob ich nicht eurer
redlichkeit vertraue / und mich deme ganz in die hånde liefere / den ich wohl
billig furchten sollte. Gleichwie E. Maj. ( antwortete dieser Fürst /) ihre
grosmut hierin blicken lassen / also will ich solche nicht weniger erweisen / und
meinem glucklichen unbekanten mitbuler dienend / mit verlust aller meiner
geschopften hoffnung / seine person fürstellen. /Gleichwie auch euer gesunde
vernunft / (wiederholte die Königin) euch ehmals der schonen Rahel vergessen
gemacht / also wird euch die nun auch / zu vergessung meiner / dienen können.
Und ob ihr zwar mehr mit mir verlieret / als mit der Rahel / da Syrien für euch
seinen tron bestimmet: so soll euch iedoch dieses wieder trösten / dass ich euch /
vor-versprochner massen / das reich Hemath will zu wege bringen / zu welchem ihr
bässern anspruch habet / als zu Syrien. Nicht die vergleichung mit Rahel /
(antwortete Elihu) noch die hofnung zum reich Hemath /sondern die begierde / in
meiner Königin gnade zu bleiben / soll mich aufmuntern / die wahre vernunft in
mir zu E. Maj. diensten fortin anzuwenden.
    Hiemit giengen sie wieder miteinander in das gemach / da jederman aus ihrem
freien wesen urteilte /sie müsten ihrer sachen einig worden sein: daher sie üm
so vielmehr / dem Elihu Konigliche ehre zu erweisen / beflissen waren / als den
sie nun / durch die wahl ihrer Königin / auf den Syrischen tron befåstigt
ansahen.
    Weil aber die Königin sich wieder nach der Kemuelsburg begeben wollte / als
wurde hiernächst die anstalt gemacht / sie sicher dahin zu begleiten: damit es
mit ihr nicht / wie vormals mit dem vermeinten Aramenes / ergehen möchte.
Nachdem nun die gassen /da sie herdurch mussten / mit einer starken manschaft
besetzet worden / fuhren die beide durchleuchtige Aramenen miteinander auf einen
wagen / und horten unterwegs tausend zuruffe und glückwünschungen von dem volke
/ die dieses unvergleichliche schwestern paar mit höchster freud-bewunderung
ansahen und betrachteten.
    Wie sie nun auf der burg angelanget / und daselbst von allen anwesenden
Syrischen Fürstinnen entfangen worden / stunde es nicht lang an / da kame auch
der König von Canaan / sie beide zu begrussen: da dann der Konigin wunderschein
ihn ohn zweifel würde gerürt haben / wan ihn nicht die liebe so unaufloslich bei
der Ahalibama hätte in fässeln gehalten / welche ihn allein mit bestürzter
verwunderung diese schone betrachten liesse. Es bestunde aber diese ansprache /in
lauter höflichen danksagungen und fernern anerbietungen / worbei von der
Ahalibama nichts gedacht wurde: weil sowol der Beor / als die Königin / sich
dafur hütete / um allen verdruss zu vermeiden. Die Prinzessin Aramena hatte zwar
auch ihr anteil hieran: doch spürte man wohl / an des Königs kaltsinnigkeit /dass
er noch nicht / wie sein sohn / vergessen håtte /was sie vordessen zu Salem mit
der Ahalibama angestellet.
    Der Prinz Hemor üm sich an dieser unentfindlichen Prinzessin zu rächen /
erschiene folgends auch in der Königin gemach / die Milcaride an der hand
fürend: welche er der Konigin überreichte / und darauf seine begrussung bei der
ehmals-geliebten Aramena so lau ablegte / als wan er sie niemals gesehen hätte.
Sie war ihres orts mit dieser seiner änderung mehr als wohl zu frieden / erwiese
auch nicht geringe vergnügung / ihre gewesene ordensschwester Aramena / die sich
nun Milcaride nente / wieder zu sprechen: wie dann diese Prinzessin hinwiederum
ihre freude blicken liesse /ihre alte tempelbekantin vor sich zu haben.
    Nachdem der Beor und Hemor sie wieder verlassen / bezeugten die beide
schwestern ein sonderbares verlangen / die Ahalibama zu sehen: deswegen
Milcaride sie alsobald zu ihr in die kammer fürete. Diese bettlågerige
Prinzessin / die ihr solche gnade ganz nicht geschätzet / wäre für freuden
schier gestorben / als sie ihre Konigin also wieder ansichtig wurde. Timna / so
mit zugegen war / fiele der Konigin zu fuss / ehe sie der Ahalibama bette sich
genähert / und vermochte fur tränen kein wort herfür zu bringen; die dann / von
der Königin / mit aller gnadbezeugung aufgehoben und umarmet würde / und diese
ihre worte vername: Es ist iezt auser der zeit / Timna! euch auszuschelten / üm
das / so ihr mir habt zu leid getan. Meine schwester hat euren frieden schon
wieder gemacht / und will ich fortin / wie zuvor / euch für meine freundin
erkennen. Hiemit trate sie zu der Ahalibama bette: welche sie also verfallen und
vergrämt fand / dass dieses allein genug war / sie zu begutigen und in ihr ein
mitleiden zu erwecken.
    Wie steht es um euch / Ahalibama! fragte die Königin. Wie es um eine
verlassene stehen kann / (antwortete sie) die ihren bruder / ihrer Konigin gnade
/ und ihre freiheit / verloren hat. Ihr habt deren keines verloren! (antwortete
ihr die Königin mit leiser stimme /damit Milcaride und die andere anwesende
Syrische Fürstinnen es nicht horen mochten) und ich bitte euch / stellet euer
gemüt in ruhe / bis ihr mich allein gesprochen habet. Hiermit gabe sie ihr einen
kuss / der dieser trostlosen Prinzessin solche erquickung brachte / dass eine
ungemeine munterkeit sich gleich an ihr verspüren liesse. Sol dieses gnad-zeichen
(sagte sie zu der Königin) die straffe sein / die ich mit meiner mishandlung
verschuldet / da ich die meiste ursacherin gewesen / dass E. Maj. also sind
betrogen worden? Euer betrug / liebste base! (gabe die Konigin zur antwort) ist
nicht mir zum schaden angesehen gewesen /und hat eure freundin hiezugegen mir
allen unwillen gegen euch benommen. Ja / liebste Ahalibama! (finge hierauf die
Prinzessin Aramena an zu reden) die Konigin / meine schwester / hat sowol als
ich vergessen / was dein fürwitz uns angerichtet / und bleiben wir deine
ergebenste freundinnen. Ach! (sagte Ahalibama weinend) meinen fürwitz habe ich
hart gebüsst / und ist der mir wohl bezahlt worden / da ich darüber denjenigen /
üm dess willen ich alles dieses angefangen / nämlich einen so lieben einigen
bruder / verlieren mussen.
    Weil Milcaride / vom Beor hierzu befehligt / keinen augenblick sie verliesse
/ konnte die Königin und Prinzessin / der Ahalibama / von des Disons leben
/nichtes sagen / noch auch sonst vertreulich mit ihr reden. Nachdem sie aber
eine weile von sachen / die iederman hören dorfen / gesprochen hatten / liesse
die Königin ihre schwester bei der Ahalibama bette / und ginge hin / mit der
Casbiane und Zelinde zu reden: alda sie unvermerkt die Timna bei der hand name
/und mit ihr sich an ein fenster stellte. Milcaride / die nicht zugleich alles
in acht nemen konnte / bliebe bei der Ahalibama bette sitzen / und hörte zu / was
diese beide freundinnen mit einander redten. Inzwischen entdeckte die Königin
der Timna alles / wie nåmlich der Dison noch lebte / und wie sie hoffete / durch
hulfe des Elihu / die Ahalibama aus des Beors händen zu befreien. Timna schöpfte
hieruber solche freude /dass sie kaum dieselbe verbergen konnte: vergasse aber doch
nicht / der Konigin ihre verschwiegenheit / des Disons person betreffend /
nochmals mit tränen abzubitten. Hierauf namen sie wieder ihren abschied von der
Ahalibama / üm der Timna bald gelegenheit zu verschaffen / jene mit so guter
post zu erfreuen.
    Sobald sie wieder voneinander waren / schickte der unruhige und verliebte
König Beor nach der Milcaride / und forschete bei ihr auf das genåuste / wovon
man in dieser besuchung geredt håtte: dann er sehr argwänisch war / dass die
Ahalibama / durch hülfe ihrer alten freundin / der Aramena / ihm abermals
entkommen möchte. Und wiewol die Milcaride ihm nichtes zu sagen wusste / das
seine einbildung stärken können / fassete er doch den entschluss / ohne fernern
verzug diese Prinzessin ihm beilegen zu lassen. Er hätte auch selbige nacht
darzu ausersehen / wan nicht eine hinternis ihn davon abgehalten.
    Diese nun ware / des Konigs von Assyrien ankunft in Damasco / von dem sie
die post bekamen / dass er sich durch des Aner und Nahors völker durchgeschlagen
/ und also in den Königlichen schloss-platz glücklich angelanget wäre. Diese
zeitung erscholle alsofort in der ganzen stadt / nicht allein durch blosses
gerüchte / sondern auch durch die folgende tåtlichkeit: indem der Prinz Sinear /
durch diesen neuen entsatz verstärket / einen ausfall in die stadt täte / und
nicht allein die Canaaniter und Syrer von den mauren zuruck weichen machte /
sondern auch die auf der Kemuelsburg in solchen schrecken sezte / dass der Beor
und Hemor selber / neben dem Elihu / genotigt wurden / die ganze nacht in waffen
und bei ihren volkern zu bleiben. Es kame auch unversehens ein pfeil geflogen /
welcher dem Konig Beor am einen arm verlezte / davon er / wiewol auser gefahr /
einige ungelegenheit entfinge: welches dann der Ahalibama zum bästen / um zeit zu
gewinnen / gereichte.
    Die Assyrier wiechen doch endlich wieder zurücke / und begaben sich in den
schlossplatz / da / wegen dieser neuen hülfe / alles voll freuden ware.
Sonderlich hatte die Konigin von Tyro grosse vergnügung /wie sie also den König
ihren bruder zu sehen bekame: der dann auch dieser schwester alle ersinliche
liebkosungen erzeigte. Die Fürstin Dalimire war diesmal noch nicht mitgekommen /
sondern zu Aeraba verblieben: daher die Konigin von Tyro desto volliger ihres
bruders geniessen konnte. Wiewol dieser Konig / wegen einer zwar-geringen wunde /
die er unterwegs im treffen mit dem Aner und Nahor entfangen / sich zu bette
begaben / so war doch sein verlangen so häftig / alles zu vernemen / wie es mit
seiner schönen Königin und dieser unverhoften verånderung bewandt wäre / dass
Mamellus / in der Konigin von Tyro und des Fürsten Baracheels gegenwart / noch
selbige nacht / ihm alles erzählen musste / was ihm davon bekant war.
    Ach Mamellus! (sagte dieser verliebte Monarche) wie geht es doch immer zu /
dass die Syrer von ihrer mit mir gepflognen handlung so schleunig abgeschritten /
und die Canaaniter wider mich in Damasco / eingenommen haben? Meine eigne
verwunderung / gnädigster König! (gabe Mamellus zur antwort) ist hierüber so
gross / dass ich mich eher des himmelfalles /als dieser begebnis / versehen hätte.
E. Maj. werden sich aber entsetzen / wan ich sage / dass Elihu der jenige ist /
so alles dieses unwesen angestiftet. Wer? der Elihu? fragte der bestürzte König
/ damit den Baracheel ansehend: der dann / hierob ganz erschrocken / nicht wusste
/ was er darzu sagen sollte. Er und der Konig horten hierauf / mit grosser
aufmerkung /den Mamellus ferner erzählen / was er durch seinen kundschafter
erfahren: dass es nåmlich mit dem bisher-gegläubten Aramenes ein betrug gewesen /
und derselbe nun für die Prinzessin Aramena wäre erkant worden. Er verschwiege
aber hierbei / was er / diesen vermeinten Konig hinzuopfern / durch die
Isis-priester angestellt hatte. Nåchst diesem berichtete er / wie folgends Elihu
/ durch verleitung seiner unbesonnenen liebe / aller treu vergessend / die
Canaaniter in die stadt gelocket: des vorhabens / durch ihren beistand /die kron
/ samt der Konigin von Syrien / zu erlangen; welches ihm auch dermassen
geglucket / wie es nun am tag läge.
    O ihr götter! (rieffe hierauf Belochus) warüm musste also eine neue hinterung
meiner liebe widerstehen /und / da bereits alles so gut fur mich aussah /
dieses unwesen sich erheben? Wer hätte imermehr dem Elihu dieses zugetrauet /
den ich mit so viel gnaden uberschüttet / und fur den getreusten unter allen
Syrern gehalten? Was bedünket euch hiebei / Baracheel? verteidigt ihr auch /
dieses beginnen eures sohnes? oder seit ihr etwan gar der ratgeber gewesen zu
dieser verråterei / die den staat und meine liebe also verstöret?
    Solte wohl / (gabe Baracheel zur antwort) eines unbesonnenen bubens böses
beginnen / einen argwan in E. Maj. gemüt wider den jenigen können erwecken /der
so viel jahre / seine aufrichtige treu dem hause Assyrien erwiesen hat? Ich will
es ja nicht vermuten / und noch viel weniger dieses / dass der vatter dasjenige
büssen sollte / was der sohn verschuldet. Ich getroste mich aber dessen / E. Maj.
werden meiner erkannten redlichkeit dieses zutrauen / dass ich die gnade meines
Konigs nicht üm meines sohnes ungewissen nutzen vertauschen / sondern tausendmal
eher denselben verleugnen / als von E. Maj. abfallen werde. Konnen und wollen
demnach E. Maj. ohne mistrauen meinen raht bei dieser sache ferner annemen / so
schwore ich bei dem allerheiligsten des himmels und der erden / dass ich / zu
meines Königs bästem / rahten und reden /und ganz und gar vergessen will / dass
der nichtswerte Elihu jemals mein sohn gewesen.
    Wolan dann! (sagte der König) was ist euer bedenken? wie meint  ihr / dass wir
es angreifen sollen / diesen gefårlichen mitbuler aus seinem vorteil zu bringen?
Wan E. Maj. (antwortete Baracheel) bis morgen in gedult stehen / und mir / diese
nacht mich hierauf zu besinnen / vergonnen wollen / so hoffe ich / E. Maj.
verlangen ein genügen zu tun. Nachdem der König / zwar mit ungedult in diese
nachwart eingewilligt / begehrte er / dass man ihn allein lassen sollte: wiewol
seine häftige gemuts-entfindungen ihn / die ganze nacht hindurch / keiner ruhe
geniessen liessen.
    Sobald nun die morgenröte wieder herfürgeblicket /musste Baracheel für den
König kommen / den er / ihn mit unverwandten augen anschauend / also anredte:
Wie ists Baracheel! was habt ihr für einen raht ersonnen / und durch was mittel
wollet ihr eurem König das wiederbringen / wessen euer sohn ihn entsetzet hat?
Ich habe (gabe der Furst zur antwort) diese sache lang bei mir überleget / und
endlich nichts bässers gefunden / als dass wir eiligst trachten / den Konig Beor
auf unsere seite zu gewinnen / und also dem Elihu diese stutze bemmen / darauf
er sich lehnet. Wie ich vernommen / so hat diesen Kõnig hierzu nichts anders
getrieben / als allein das verlangen / seiner Ahalibama habhaft zu werden. Diese
ist nun in seinen hånden /und wird er ferner nach nichtes mehr trachten / als
mit derselben in seinem reiche ruhig zu leben. Er kann aber dieses / ohn E. Maj.
einwilligung / nicht hoffen / und muss uberdas / wan er der Syrer sich ferner
annimmet /von dem grossen Belochus einen Krieg erwarten. Man hat uns zu Acraba
fur gewiss berichtet / dass die Armenier in Canaan einfallen wollen. Wan wir nun
uberdas / den König von Cus und Arabien ihm auf den hals zu schicken / ihm
androhen lassen: wird er ferner des Elihu und der abtrunnigen Syrer wolfart ihm
so sehr nicht angelegen sein lassen / dass er sein eigenes bästes dabei in gefahr
setzen sollte. Wollen nun E. Maj. in die heurat mit der Fürstin von Seir
einwilligend /die seite ihrer schwester verlassen / so verspreche ich einen
guten glucklichen ausschlag dieses ganzen handels.
    Dem verliehten König fiele nicht schwer / in diese beschimpfung der Konigin
Atis einzuwilligen / da es ihm üm die erhaltung des Syrischen reichs und der
Aramenen zu tun gewesen. Wie er nun den Baracheel dessen versichert / riete
dieser ferner / dass man alsofort jemand an den Beor abschicken und mit ihm
hiervon sollte handeln lassen: wiewol solches heimlich und ohn der Syrer wissen
geschehen müste. Es ward hierzu von ihnen niemand tüchtiger befunden / als der
Midignite Eldaa / des Königs Erbschenk: der sollte nun / in einem ausfall /
welche sie tun wollten /sich gutwillig lassen gefangen nemen / und alsdan
gelegenheit suchen / mit dem Beor allein zu reden / und ihm diese
friedenshandlung anzutragen.
    Nach dieser abrede / kame die Königin von Tyro und Mamellus zu ihnen: da dann
die Königin / aus liebe zu ihrem bruder / ihr alles mitgefallen liesse /und wurde
alsofort der verschmizte Eldaa beruffen /welchen man allerdings unterrichtete /
wie er sich hierbei verhalten sollte. Der Sinear und Abdeel bekamen hierauf
befehl / mit etlich tausend in die stadt zu fallen / unter dem schein / den
Syrern und Canaanitern einigen abbruch zu tun. Es gabe ein blutiges treffen an
beiden seiten: weil die Syrer ganz verzweifelt fochten / und mit gewalt den
schlossplaz zu erobern vermeinten / ehe der Prinz Bildat / den der Nahor und Aner
bei einem pass aufhalten mussten / mit dem volligen Assyrischen heer zum feind
stossen / und Belopares aus Ober-Syrien auch ankommen mochte.
    Eldaa liesse sich / abgeredter massen / in diesem treffen gefangen nemen /
und auf die Kemuelsburg bringen: da er / seines stands und amtes halber /
ehrlich gehalten wurde Das gluck schiene ihm so wohl /dass er noch selbigen tags
gelegenheit erlangte / den Beor allein zu sprechen: als welcher / von dem
Assyrischen zustand ihme etwas auszufragen / ihn in sein zimmer vor sich kommen
liesse. Er legte sein gewerbe mit solcher geschiklichkeit ab / und wusste seiner
wolredenheit sich so fein zu bedienen / dass der Beor ihm ein geneigtes gehör
erteilte / und er nach wunsche seinen zweck erreichte. Zwar anfangs wankte Beor
noch etwas / indem er sich erinnerte / wie er dem Elihu versprochen / gegen
überlieferung der Ahalibama / ihme sein vorhaben ausfüren zu helfen. Weil aber
die staats angelegenheiten allen andern fürdringen / sonderlich in einem gemüte
/ das nicht so sehr die tugend / wie den nutzen liebt: als fiele es dem Eldaa
nicht schwer / alle hinternise zu überwinden / und den Konig zu überreden / dass
er ihn mit der vertrostung von sich liesse / folgenden tags ihn mit guter
erklärung abzufårtigen.
    Es wurde damals eben / in der Konigin Aramena gemach / kriegsrat gehalten:
dahin dann der Beor sich auch begabe. Wie man nun von fortsetzung dieses kriegs
redte / und ein ieder seine gedanken hiervon erofnete: fielen die meiste
Syrische stimmen / dass man nicht allein ohn aufhoren den schlossplatz / der sich
in die länge nicht würde halten konnen / bestürmen /sondern auch des Königs von
Basan hülfvolker / die er der Konigin Aramena versprochen / an sich ziehen /
auch ferner die Nabateer und die von Hevila / als ihre befreundte /
aufzubringen sich bemuhen sollte. Aber der Beor widersprache solches alles / und
begehrte / man mochte nicht so eifrig das sturmen fortsetzen / als welches viel
volk wegfressen / und die Syrer in die länge zum fechten überdrüssig machen
dörfte. Er riete hingegen / dass man von Basan und andern orten volker zu hulfe
beruffen sollte: weil man dem måchtigen Konig von Assyrien noch nicht gewachsen
genug wäre / diesen krieg wieder ihn auszufuren. Und bei dieser Meinung beharrte
er so fåst /dass weder Elihu / noch Husan und Tebah / die am eifrigsten das
gegenteil behaubteten / ihn davon abbringen konten. Weil man nun ihme / als
einem grossen Konig und helfer / nachgeben musste / als wurde dissmal nichts
anders geschlossen / als dass man immer auf der hut stehen / und der Assyrier
beginnen absehen wollte. Dieser des Beors eigensin / kame der klugen Konigin
Aramena sehr verdachtig fur / und erofnete sie nachgehends dem Elihu / wie sie /
nach dieser versamlung / allein bei ihm war / ihre gedanken: welcher gestunde /
wie er gleichfalls befarete / dass hinter dieser kaltsinnigkeit des Beors etwas
anders verborgen stecken musste. Die Konigin bediente sich dessen /dem Elihu
anzutragen / dass er ihr behulflich sein wollte / die Ahalibama aus des Beors
hånden zu erlosen. Der Furst von Ram / bestürzte nicht wenig / über diesem der
Konigin zumuten / weil er einen so fåsten bund mit dem Beor geschlossen hatte /
ihm / für die erzeigte hülfe / die Prinzessin von Seir zu liefern: daher er
sonder antwort bliebe / und weder mit ja noch mit nein sich heraus lassen konnte.
Die Konigin /seine unentschlossenheit merkend / sagte ferner zu ihm: Wie es
scheinet / Furst von Ram! so habe ich euch übel für meinen freund und beistand
erwehlet /und lasset ihr / eines staatwutrichs ungerechtes verlangen zu
befördern / euch viel mehr angelegen sein /als mir / in so billigen begehren /
eure freundschaft zu bezeugen. Ach grosse Konigin! (antwortete der verwirrte
Elihu) wie gross ist doch mein ungluck / dass ich auch in dem / was meine einige
vergnügung ist / nåmlich E. Maj. befehle auszurichten / wanken und zweiflen muss!
Der König Beor komt mit aller seiner macht / Syrien zu helfen / bloss seine
verlobte braut dafür erwartend: die ich nun ihm aus den hånden spielend /einen
treu- und bundbruch begehen würde. Hiergegen ist meiner Königin / deren ich mein
gut und blut zu diensten aufgeopfert / ihr ernster wille / diese Prinzessin von
dem Beor zu erlösen: das ich dann willigst tun wollte / wan nur meine ehre nicht
darbei in gefar stünde. Aber / gnädigste Königin! ich habe E. Maj. mich ganz zu
eigen gewidmet / und wie ich / dero zu dienst / alles faren lasse / also will ich
auch meine ehre verlieren / wann es E. Maj. begehren werden. Mit nichten /
Elihu! (sagte die Konigin) ich begehre nicht so harte proben eurer freundschaft.
Ihr könnet mir wilfaren / sonder eure ehre zu verlieren. Ihr habt dem Beor die
Ahalibama versprochen. Ich frage euch: ware sie damals in euren / oder in meinen
/ händen? Gehöret sie nicht mir zu / die ich sie in schutz genommen? Kontet ihr
dann wohl / ohne verletzung der tugend / die jenige einem andern geben / die ich
beschütze? Habt ihr euch nicht darin übereilet / dass ihr etwas versprochen so
ihr ohn meine einwilligung nicht zu halten vermöget? Helfet mir demnach wieder
zu meinem rechte / welches ihr mir entzogen / und bedenket / dass ihr / weil ihr
alles dieses / zu beförderung der ruhe von Syrien / fürgenommen / auch solche
erlosung einer unschuldigen Prinzessin befördern müsst: weil ich ehren halber
die Ahalibama nicht verlassen kann / sollte auch mein tron und ganzer staat
daruber zu grund gehen.
    Ich ergebe mich ganz / (antwortete der Fürst) in E. Maj. willen. Wie wollen
sie aber / dass ich hiebei mich verhalten soll. Ihr sollet / (versezte sie) aus
eurer iezt habenden macht / der Ahalibama / aus der Kemuelsburg / heimlich in
den tempel der Isis verhelfen: daselbst sie sich so lang aufhalten kann / bis man
sehe / wie dieser handel ablaufen mochte / und bis meine seite die stärkste
werde / so wohl den Canaanitern / als den Assyriern / die oberhand zu zeigen.
Dieses soll mir wohl nicht schwer fallen / (gabe Elihu zur antwort) wann wir nur /
mit zu grosser eilfärtigkeit / uns nit selber schaden / und dem Beor / durch den
verlust seiner braut / anlass geben / eher E. Maj. seite zu verlassen / als es
zeit sein wird. Er dringet aber auf die volziehung der heurat / (wandte die
Königin ein) und wäre bereits zu solcher gewalttåtigkeit geschritten /wann er
nicht hätte am arm eine wunde entfangen. Weil diese ihn noch ein zeitlang davon
abhalten wird / (antwortete Elihu /) als erlauben mir E. Maj. nur noch diese
wenige tage: damit die zeit gewonnen /und durch unnötiges übereilen nicht etwas
verscherzet werde.
    Nachdem die Königin hierein gewilligt / und nochmals den Elihu eifrigst
vermanet hatte / ihr in dieser sache nicht aus handen zu gehen / begabe sie sich
nach der Ahalibama: die sie / zu gutem gluck / eben allein fand / weil
Milcaride von dem Hemor untehalten wurde. Die nachricht und vertrostung / so
diese Prinzessin von der Timna / sowol ihres liebsten bruders leben / als ihre
erlosung und bei ihrer Königin wieder-erlangte gnade betreffend / erhalten /
hatte ihr niedergeschlagenes gemüt dermassen wieder aufgerichtet / dass die
Königin sie in weit bässern zustand fand. Weil sie nicht mehr des bettes hütete
/ als eilte sie der Konigin entgegen / und fiele ihr zu fuss: solcher gestalt
ihre erkentlichkeit erweisend / fur alle das gute / so sie ihr wiederfaren
liesse. Ich komme / wertste Prinzessin! (sagte die Königin / sie zugleich von der
erden aufhebend / und herzlich an ihre brust drückend) nicht solche frömde
ehrbezeigungen von euch zu entfangen / sonderen unsere alte vertreulichkeit
wieder aufzurichten / und euch zu ermanen / dass ihr wegen eures ietzigen
verfolgers / euch minder ängsten wollet / weil ihr hoffen könnet / bald von ihm
erlost zu werden.
    Nun meine Konigin so gutig gegen mir gesinnet ist / (antwortete Ahalibama)
banne ich billig allen kummer von mir hinweg / und will / in fåster hofnung
/meiner erlösung erwarten: wiewol die gefahr mir sehr nahe ist / da ich
augenblicklich von dem Beor einer gewalttåtigkeit mich zu befurchten habe. Eure
erlösung (sagte die Königin) kann alle tage geschehen / sobald wir von des Beors
beginnen etwas vermerken werden: und will ich alle meine macht daran setzen /dem
Esau eine liebste aufzubewaren. Ahalibama errotete / bei anhörung dieser lezten
worte / und wollte /aus ehrerbietung gegen der Königin / nichts darwider sagen.
Wie ihr nun diese ferner alles entdecket / was sie mit dem Elihu abgeredet /
spracheten sie auch von dem Dison / und von den andern begebenheiten / die ihnen
/ seit ihrer absonderung / in Damasco begegnet waren / welches dann beiderseits
mit grosser vergnügung geschahe: bis der verliebte Beor dazu kame /und ihre
unterredung zerstorte.
    Es hatte dieser König die Ahalibama noch nicht gesehen / weil er / in harte
wortwechselung mit ihr zugeraten / besorget: konnte aber nun / von liebe /
verlangen / und mistrauen übernommen / diese besuchung nicht länger verschieben.
Vergebet mir / Prinzessin von Seir! (redte er sie an) dass ich so langsam komme /
euch zu besuchen: daran / nicht meine kaltsinnigkeit gegen euch / sondern
gegenwårtiger zustand schüldig ist / der mich treibet / an etwas mehrers / als
an meine liebe / zu denken. E. Maj. tun wohl / (antwortete sie /mit einer
sonderbaren herzhaftigkeit) dass sie dero hohe geschåfte einer so unnotigen
besuchung furziehen: und wissen sie wohl / dass ich solche ehre niemals verlangt
habe. Mir ist solches wohl erinnerlich: gabe Beor zur antwort. Ich lebe aber der
hofnung / dass ihr künftig meine gegenwart bässer gewonen / und mich lieber um
euch haben werdet.
    Hiemit wandte er sich zu der Königin / und überhube also die Ahalibama / ihm
auf diese worte zu antworten: welche mit angst und zittern / so standhaft sie
sich auch gebärdete / des Koniges gegenwart vertruge. Er redte mit der Königin /
von dem Syrischen zustande: die dann iemehr und mehr aus seinen worten abnemen
konnte / dass er den Assyriern nicht so entgegen war / als er sich wohl angestellt
hatte. Sie verbarge aber diesen ihren argwan / so gut sie konnte / und wiese sich
äuserlich ob seinen bezeigungen vergnügt: wie sie ihn dann auch / als er wieder
hinweg ginge / ersuchte / dass er ferner / wie er angefangen / sich ihres reichs
annemen wollte. Er versicherte sie dessen / mit vielem höflichen worten / und
sagte / im hinaus gehen / noch dieses / die Ahalibama anschauend: Gleichwie er /
üm dieser Prinzessin willen / solches angefangen /also wolle er auch dabei
sonderwanken verharren /und des Syrischen hauses bästes zu befördern / ihme
jederzeit angelegen sein lassen.
    Gleichwie er aber / dieses bäste vor Syrien / nicht also verstunde / wie
Elihu oder die Konigin es aufname / sondern damit auf den frieden mit dem
Belochus zielte: also sezte er auch hiernächst dieses sein vorhaben fåste / mit
Assyrien sich zu vereinigen. Demnach liesse er / sonder zuziehung einiges
menschen / den Eldaa gegen die nacht wieder vor sich kommen / und färtigte ihn
an den Belochus zurücke / mit so guter erklärung / als es dieser begehren mogen:
massen er ihn versichern liesse / dass er / auf vorgeschlagene bedingnis / frieden
mit ihm / machen / und ihm Syrien samt dessen Königin in die hände liefern
wollte. Die bequemlichkeit der nacht / gabe dem Eldaa gute gelegenheit / im
geleite einer Canaanitischen wacht wieder zu den Assyriern zu kommen. Weil er
wusste / wieviel seinen König hieran gelegen war / truge er kein bedenken / ihm
von schlaff erwecken zu lassen: der dann / mit unbeschreiblicher vergnügung /
sein anbringen vername / und nun schon für seine liebe obgesiegt zu haben
vermeinte / da ihme diese hinternis sollte aus dem weg geråumet werden.
    Es wurde alsofort auch der Mamellus und Baracheel für den Konig gefordert:
die dann gleichfals aus des Eldaabericht grosse hofnung schöpften / dass sie Syrien
behaupten würden. Baracheel hielte für gut / dass man / sobald es tag wurde /
nicht allein den Eldaa dem Beor / als dessen gefangenen / mit vorwand / dass man
den / ohn seine einwilligung und erlassung / nicht wieder an zu nemen begehrte /
zuschicken / und ihm dabei heimlich ein neues gewerbe auftragen / sondern auch
den Syrern ihre beide geiseln / dem Ezer und Opharteus / durch diese höflichkeit
ihre gute gunst zu gewinnen / wieder ausliefern sollte: da zugleich Baracheel /
ein schreiben an den alten Hus mit zugeben / und darin ihn seiner ehemaligen
treue zu erinnern / versprache. Dieser vorschlag ward beliebet / auch alsofort
ins werk gerichtet: welches die Syrer in grosse verwunderung sezte / die dann / an
dieser hoflichkeit sich zu råchen / den Altadas und Mancaelus hinwieder los
gaben / und hiernächst weniger eifer gegen die Babylonier spuren liessen / auch
des Beors fürschlag / mit fernern anfällen gegen die Assyrier einzuhalten /
meist beifielen.
    Der Tubal / welchen der Cimber abgeschickt hatte /die hulfvölker für die
Konigin von Ninive aus Basan abzuholen / war inzwischen in Damasco wieder
angekommen: und fügte es sich / dass er eben in das haus einkehrte / darin der
kranke Cimber sich befande. Es stunde dazumal so schlecht mit diesem Fursten /
dass die leute im haus / derer wenig waren / in seine kammer gelaufen / ihm
beizuspringen: daher Tubal / als er in die kammer eintrate / ihn dem Abdastartus
onmächtig in den armen ligen fand. Sein entsetzen /den grossen Cimber in solchem
zustande zu finden /war so häftig / dass er schier in gleichen zustand geraten
wäre: und wusste er nicht / ob er seinen augen trauen / oder es für einen traum
halten sollte. Er hatte /weder von des Cimbers ausgesprengtem tode / noch von
allen den andern dingen / so in Damasco fürgegangen / etwas gehöret: auser dass
das gerüchte von grossen ånderungen / die daselbst geschehen / geredet hatte.
Weil des Cimbers liebe ihm bekant war / als ahnete ihn gleich / es müste ihm
etwas grausames begegnet sein / wodurch er in diesen stand gesetzet worden. Der
vorsichtige Abdastartus / so diesen frömden gast nicht kante / sah dessen
gegenwart nicht gern /und sagte der wirtin / dass sie ihn in ein anders zimmer
bringen sollte: der aber zu weichen sich weigerte /einwendend / wie er grossen
anteil an diesem kranken håtte / den er mehr als zu wohl kennte.
    Hiemit ofnete Cimber seine augen / und bekame gleich den Tubal / seinen
freund / ins gesichte: den er sofort / wie schwach er auch war / erkannte / und
/beide arme nach ihm ausstreckend / ihn also entfinge. Als Abdastartus dieses
warname / ward er sehr erfreuet / und hoffete / nun Cimber einen bekanten
bekommen / es wurde solches nicht wenig zu seiner gesundheit helfen. Er hiese
hierauf jederman aus der kammer gehen / also dass niemand / auser ihm und diesem
frömden / bei dem kranken verbliebe. Edler ritter! (sagte Abdastartus zu dem
Tubal) ich sehe /dass ihr diesen meinen kranken kennet / den mir das geschicke
für weniger zeit in die hände geliefert: und habe ich soviel tugenden und seltne
gaben an ihm gefunden / dass ich mich seelig preise / einem solchen menschen
dienen zu konnen; wie ich dann tue / und darbei / den gütigen himmel üm gutes
Glück in meiner angefangenen cur anruffe. Ich bin euch hievor / ehrwürdiger
vatter! (antwortete Tubal / der ihn an der kleidung für einen priester erkannte)
höchstverbunden /dass ihr euch meines freundes also annemet: welches nicht allein
der gerechte himmel belonen wird / sondern auch seine anverwandten nicht
unerkant lassen werden.
    Nach ablegung dieser und dergleichen höflichkeiten / liesse Abdastartus sie
allein beisammen / weil er bei der Konigin zu tun hatte / auch ihnen nicht
hinterlich sein wollte / von ihren angelegenheiten frei miteinander zu reden.
Tubal bezeugte hierauf / dem Cimber / seine besturzung / ihn in solchen zustand
zu finden / und drange häftig in ihn / dass er die ursach seiner krankheit ihm
entdecken sollte: konnte aber nichts / als tiefgeholte seufzer / aus ihm bringen /
weil der arme Prinz sich schämte / einigem menschen / am wenigsten aber dem
Tubal / zu offenbaren / wie es ihm mit seiner Königin ergangen. Er hegte noch
für sie diese ehrerbietung / dass er alles / was ihr schimpflich / aufs äuserste
vertuschen / und die tyrannei / so sie an ihm verubet / mit in die grube nemen
wollte: wie er dann auch fästiglich hoffete / dass sein tod ihn bald von aller
marter befreien würde. Wo sind unsere völker? fragte er den Tubal / mit
schwacher stimme.
    Der Sueuus (gabe Tubal zur antwort) hat mich von dem Arabischen gebirge
hieher abgefårtigt / üm zu vernemen / ob etwan unsere hülfe alhier nötiger sein
mochte / als wan wir weiter fort nach Ninive gehen: massen die kriegs emporungen
/ so seit meiner abwesenheit hier entstanden / bis zu uns dortin / wiewol ohn
einige gewisse und wahre nachricht / erschollen /da die Königin von Ninive bald
gefangen / bald verloren gesagt worden. Wie ich dann / um nachricht hiervon /
eine postreise anher tun müssen. Nie aber håtte ich vermutet / bei meiner
ankunft den grossen Cimber also beschaffen zu finden: und kann ich leicht ermessen
/ die liebe gegen dieser schönen Konigin werde ursach sein / dass zu den
gemütswunden diese wunden des leibes gekommen.
    Cimber schwiege hierauf eine gute weile / endlich aber brache er in diese
antwort heraus: Werter Tubal! du findest mich zwar an solchen wunden krank /
derer du erwänest; aber mein zustand hat sich sofern geändert / dass ich in
meiner liebe so wenig mehr hoffe /als hofnung zu haben verlange. Dringe nicht
ferner in mich / von meiner begebenheit etwas zu vernemen /und sei mit dieser
eröfnung vergnüget. Dafern die Konigin von Ninive meine volker begehret / so
biete ihr dieselben an. Hat sie aber deren nicht vonnöten /so lasse sie wieder
nach Basan gehen / dahin sie meine leiche verhoffentlich werden begleiten
konnen. Diese worte / welche aus einem hochstbetrübten herzen gesprochen worden
/ bewegten den Tubal dermassen / dass er / fur tränen / lang nicht zu worten
kommen konnte. Und weil er ferner nicht fragen dorfte / als mehrte sich seine
bestürzung über dieses Prinzen so grosser änderung / die er ganz nicht ergrunden
konnte.
    Indem kame Abdastartus wieder zu ihnen / welcher / auf des Cimbers begehren
/ bei der Königin Aramena sich anmelden und ihr sagen mussen / wie dass er
gestorben wäre: welche unwarheit auf sich zu nemen der tugendhafte Abdastartus
in kein bedenken gezogen / weil solches seinen edlen kranken fur fernerer
nachstellung bewahren / auch der erzurnten Königin gemüt beruhigen können. So
abgestorben nun der Cimber / allem dem / was ihm noch einige hofnung geben könnte
/ sich achtete / so begierig fulete er sich dannoch / zu wissen / was die
Konigin zu dieser zeitung von seinem tode gesagt hätte. Er scheuete sich aber /
in gegenwart des Tubals darnach zu fragen / als welcher aus des Abdastartus
antwortet was hätte erraten mogen / was er doch für ihm zu verborgen trachtete.
Demnach winkte er dem Abdastartus / als der wollte zu reden anheben / und gabe
dem Tubal ein gewerbe / das ihn verbunde / aus der kammer zugehen. Wie er nun
bei dem Abdastartus allein war / sah er ihn ganz beweglich an / und fragte / ob
er die botschaft abgelegt hätte? Als er vom ja vernommen / begehrte er
ümständlichen bericht / was dabei wäre fürgegangen: welchen der priester also
ablegte.
    Sobald ich vor die Königin gekommen / fand ich sie über die weise traurig /
und war niemand bei ihr im zimmer / als die Fürstin Timna von Seir. Sie redte
mir gleich freundlich zu / und erinnerte sich der bewirkung / die ihr von mir in
der Isis tempel widerfahren. Wie ich nun erlaubnis erlanget zu reden / sagte ich
ihr / wiedass der jenige / den ich / auf ihren befehl /aus diesem tempel schaffen
müssen / gestorben wäre /und zwar mit erweisung eines grossen eifers für ihre
wolfart / und mit dem wunsche / dass sie die gluckseligste Königin von der welt
sein und bleiben möchte. Was sagte sie doch hiezu? fragte der begierige Cimber.
Sie errötete etwas / (antwortete Abdastartus) als sie euren tod vername / zwar
nicht aus mitleiden /sondern aus grimme, welches mir diese ihre worte zu
vernemen gaben: Der himmel sei gelobet / (sagte sie) der / bei ietziger meiner
unruhe / mich dieses böswichtes entladen hat!
    Verzeihet mir / grosser held! (fuhre Abdastartus fort zu reden) dass ich /
eurem befehl gemäs / der Königin eigne worte widerhole. Sie kehrte sich hierauf
zu der Fürstin von Seir / und sagte: Danket Gott mit mir / Timna! mein verfolger
/ von dem ich euch erzählt / ist todt / und mit ihm meine sorge / die mich
seinetwegen beunruhiget. Ich erfreue mich mit E. Maj. hierüber: (antwortete
Timna /) und der himmel wolle allen E. Maj. verfolgern solchen lohn geben / als
wie dieser verwegene nun entfangen hat! Darf ich mich auch wohl erkundigen /
(sagte ich hierauf /) mit was verbrechen dieser verstorbene so grosse ungnade
verdienet / die auch sein tod nicht mildern können? Ach Abdastartus! (gabe die
Königin zur antwort /) dieser verräter / der aus unerhörter vergessenheit sein
selber - - -. Indem tratte der Canaaniter Elon / als ein abgeschickter vom
Konig Beor / in das gemach: daher die Königin ihre rede abbrechen musste. Weil
ich nun daselbst nicht mehr nütze war / als begabe ich mich wieder hieher: und
habe ich nun alles getreulich eröffnet / was dissorts geredet worden.
    Ich wiederhole meinen wunsch / dass ein so grosmutiges hertz diss alles in
vergessenheit stellen / und über einem unschuldig-erworbenen hasse sich nicht so
abquälen möge. Ich habe genug / Abdastartus! (sagte hierauf Cimber /) will auch
euren lehren folgen /und mit dem leben alle entfindlichkeit ablegen. Ja
/grausame Aramena! ich will für deine ruhe sterben /wie ich ehmals für der
gütigen Delbois ruhe gelebet: und hoffe ich / im lande der vergessenheit / dich
hassen zu können / weil im lande der lebendigen mir solches unmüglich fället.
    Nachdem er / fast ganz entselbstet / dich worte gesprochen / trate Tubal
wieder in die kammer / zu dem er sagte: Eile / zu der Königin Aramena zu gehen
/üm zu erfahren / was wir / ihr zu dienste / mit den völkern aus Basan beginnen
sollen. Hüte dich aber /ihr zu sagen / dass ich noch lebe: weil sie mich nun todt
gläubet / der ich auch bald sein werde. Tubal /dieses gewerbe über sich nemend /
seumte nicht /durch den kammer herrn Jotan / bei der Kõnigin sich anmelden zu
lassen: welche / höchst-erfreut sein da-sein vernemend / ihn gleich vor sich
kommen liesse. Ach Tubal! (sagte sie / als sie ihn entfienge / mit tränenden
augen /) wir haben / inzwischen ihr nicht hier gewesen / den unvergleichlichen
Cimber verloren. Da mir dieser dapfre held / in meinen ietzigen schweren
angelegenheiten / grosse hülfe leisten könnte / muss ich nun seines beistands
beraubet leben / und / an statt solcher süssen hoffnung / dieses grossen Fürsten
verlust beweinen.
    Tubal / der die Königin also klagen hörte / wusste sich nicht darein zu
finden / warüm Cimber in ihren gedanken todt zu sein verlangte / die doch sein
leben so herzlich wünschte. Um aber seines freundes willen zu erfullen / stellte
er sich ja so betrübt an / als die Königin / und beklagte ebenmäsig den tod
dieses noch-lebenden. Hierauf begunte er ihr anzumelden /wiedass der Fürst Suevus
/ mit dreissigtausend Celten / an der Arabischen grãnze stünde / und ihren
befehl erwartete / ob er hieher nach Damasco ihr zu hülfe ziehen / oder nach
Ninive fortgehen sollte. Nicht gewünschter (sagte die Königin / die hände für
freuden zusammen schlagend) hättet ihr / edler bote! ankommen können / da ich
ietzund / ganz verlassen / in tausend nöten sitze / weil ich aller orten
verraten bin: und muss ich hieraus schliessen / dass der himmel und dessen regirer
noch fur mich sorge träget / ob es gleich schiene / dass alle hoffnung verloren
wäre. Wan ich nun (sagte sie ferner) dieser gütigkeit des Königs von Basan mich
bedienen darf / so werde ich solche hülfe nicht aus handen lassen. Erlaubet mir
aber / dass ich / ehe ich mich deswegen erkläre / hiervon mit meinen leuten mich
unterreden möge.
    Hiemit eilte sie in ihr nebenzimmer / alwo der Husan / Barzes / Zaphis und
Tebah beisammen waren: welche raht hielten / wie man sich zu verhalten hätte /
da es schiene / dass Beor und Belochus frieden machen / und also der erste sie
dem letzern verraten würde. Der himmel schicket uns unvermutete hülfe /(rieffe
sie ihnen zu) und da wir fast nicht wissen / was fürzunemen sei / bringt mir
Tubal die post / dass dreissigtausend mann aus Basan vorhanden seien /mir hulfe
zu leisten. Dieser bericht der Königin sezte die anwesende in höchste freude /
und fiele ihnen hierauf nicht schwer / einen raht zu fassen / nachdem dieses
hulf mittel sich angeboten. E. Maj. werden dann am bästen tun / (sagte Husan /)
wan sie sich nach Aroer wenden / welchen ort Badezorus unter E. Maj. gehorsam
gebracht: daselbst sie diese grosse hülfe an sich ziehen können / die allein uns
fähig machet / Syrien wider die Babylonier zu handhaben. Dan / bei ietziger
beschaffenheit / sind E. Maj. allhier keinen augenblick mehr sicher / und müssen
stäts befahren / dass Beor sie und dieses reich dem Belochus einliefere. Dieser
raht wurde durch beistimmung der andern bekräftigt: welchem der Tebah beifügte
/ dass man auch die Nabateer und die von Hevila eiligst an sich ziehen müste.
Nach beschliessung dessen / wurde der Tubal hinein beruffen: deme die Königin
nochmals ihr dankbares gemüt zu vernemen gabe / und ihm andeutete / dass je eher
je bässer der Fürst Suevus mit seinem heer nach Aroer kommen / und daselbst zu
den ihrigen stossen möchte.
    Auf erlangten diesen bescheid / seumte er nicht /diese antwort dem kranken
Cimber zu hinterbringen. Die Königin (sagte er zu ihm) beweinet des Cimbers tod
mit so häftigem schmerzen / dass sie kaum ihrem Abimelech mehrere zeichen wahrer
gewogenheit darweisen könnte. Sie nimmet auch die hulfe von Basan willigst und
mit dank an / und verlanget / dass solche eiligst zu Aroer bei ihren völkern sein
möge. O unerhörte falschheit und gleissnerei! sagte Cimber bei sich selber. Wie
ist es möglich / dass alle laster in ein so schönes haus sich also zu hauf
versamlen können? Wolan dann! (sagte er hierauf zu dem Tubal) weil die Königin
unsrer hülfe begehret / so muss ihr dieselbe werden: und lasse ich dir die
vorsorge hierüber / dass der Königin begehren in allem möge ein genügen
geschehen.
    Warüm soll sie aber nicht wissen / (fragte Tubal) dass Cimber / den sie so
beweinet / noch lebe. Ach Tubal! (antwortete er seufzend) dringe nicht ferner in
mich / sondern vergnüge dich mit meiner versicherung / dass es also sein müsse.
Hierauf triebe er an bei dem Tubal / dass er noch selbigen abend von Damasco
wieder abreisete: wiewol ihm höchstschmerzlich fiele / seinen freund in solchem
zustande zu hinterlassen. Er musste aber gehorchen / weil die ümstände es also
erforderten. Weil Cimber ihm gänzlich einbildete /dass ihn der Tubal nicht wieder
lebendig finden würde / als name er von ihm einen förmlichen abscheid / und
befahle ihm ein- und anders / das reich Basan betreffend: welches diesen
getreuen freund in solche verzweiflung sezte / dass / wan Abdastartus ihm nicht
noch einige hofnung der wiedergenesung seines freundes gemacht hätte / er
schwerlich / üm der Königin von Syrien bästens willen / den grossen Cimber wurde
verlassen haben.
    Es stunde aber nun von neuem zu Damasco alles in höchster verwirrung / indem
der Fürst von Hus /durch den Baracheel verreitzet / mit teils Syrischen Fürsten
dem Elihu ab- und dagegen den Assyriern wieder zufallen wollte; hingegen der
Husan / Zophar /Tare und Cyniras / beständig bei der Königin hielten. Der
verliebte Elihu / mit herzlicher betrübnis bereuend / dass er die Canaaniter /
als vermeinte helfere /in Damasco beruffen / und dadurch übel årger gemacht
hatte / dachte nun ferner auf nichts anders / als was seiner Königin gefallen
und zu nutzen gereichen mochte. Er liehe zwar seinen namen hierzu / dem Belochus
die Syrische kron streitig zu machen / hatte aber deren sich schon ganz begeben
/ und alles / was er noch zum schein täte / geschahe bloss / seiner Königin
darunter zu dienen: welche von bevorstehender gefahr zu erretten / er sich
eifrigst bemuhete. Als er nun / da es iezt begunte finster zu werden / der
Konigin aufwarten wollte / um sich mit ihr hiervon zu bereden / sah er sich
unvermutet / in einer ängen gassen /von einer grossen schaar gewaffneter männer
überfallen / die seiner sich ohn grosses geråusche bemächtigten / und auf des
Beors befehl / der sie hierzu ausgesendet / ihn heimlich in gefångliche haft
hinwegfureten.
    Der Furst Barzes / so von weitem dieses mit angesehen / eilte alsofort nach
der Konigin gemach / ihr solches anzumelden: die dann / ganz bestürzend / sich
gleich entschlosse / ehe man weiters schritte und mit ihr auch also verfure /
sich hinweg zu machen. Weil sie aber die Ahalibama nicht hinter ihr lassen wollte
/als redte sie mit dem Barzes ab / dass er eilends / dem Husan und den andern
Syrischen Fürsten / die auf ihrer seite waren / wie auch dem Dison und Betuel
/hiervon heimlich nachricht geben / und sie ingesamt /mit allem ihrem volk / was
sie zusammenraffen konten / auf die Kemuelsburg einfallen / und sie hinweg füren
sollten. Der Tare hatte eben / zu gutem Glück /das tor gegen Aroer besetzet /
und Cyniras befehligte die haubtwacht auf der burg neben dem Canaaaniter Pyream:
daher ihnen nicht schwer fiele / diesen anschlag hinauszufüren. Barzes såumte
sich nicht / diese botschaft abzulegen: da dann der Königin vorschlag /wiewol
grosse gefahr darbei war / von ihnen allen gutbefunden wurde: zu dessen
vollziehung der Husan / nicht allein etliche wagen an die hand schaffete
/sondern auch seine volker / samt den Niniviten / in höchster eile und stille zu
hauf kommen liesse.
    Um den Beor sicher und glåuben zu machen / dass sie von den banden des Elihu
nichts wussten / stellte auf diese nacht / die schöne Konigin / in der Milcaride
gemach / einen danz an / worbei auch Ahalibama erschiene: daher der König Beor
sich gleichfalls hierzu einfande / wiewol er nicht lang daselbst bleiben konnte /
weil heimlich etliche von des Belochus leuten bei ihm waren / mit denen er den
friedensvertrag abhandeln wollte. Es erfreute ihn innerst / dass sein erster
anschlag / die fästmachung des Elihu belangend / ihm so glucklich / ohn
geråusche und verdacht / war von statten gegangen: weswegen er auch das ubrige
wohl hinaus zufüren verhoffte. Wie aber nun dieser betriegliche König zum
sichersten zu sein vermeinte / entstunde unversehens ein grosses geschrei auf
der burg: in welche die Syrer und Niniviten zugleich einbrachen / und nach dem
saal eilten / worin die konigliche personen sich beim danz befanden. Husan
ergriffe alsofort die Königin von Syrien / Dison seine geliebte Prinzessin /
Betuel die Ammonide / Tare die Ahalibama / und so folgends die andern das
übrige frauenzimmer: mit denen sie nach den wägen fort-eilten /(deren einen sie
mit der Konigin båsten sachen / die sie ihnen vor-ausgeliefert / beladen hatten)
sie darauf sezten und also dem tore der stadt zu rennten.
    Weil Hemor furnemlich auf rettung seiner Milcaride bedacht war / als verlore
er die zeit / den Syren zu widerstehen / in dem er selbige in sicherheit
brachte. Doch kehrte er bald zu seinem verzweifeltem vatter wieder / neben ihme
dem Zophar und Cyniras zu begegnen / welche die burg zu behaubten und die
Canaaniter heraus zujagen vermeinten: das aber ihnen fehl schluge / weil die
Canaaniter von den andern Syrern hulfe bekamen / und also meister blieben.
Demnach begaben sie sich nach dem Isis-tempel / und zogen daselbst alles ihr
volk zusammen: des vorhabens / alda sich zu verschanzen und solang den feind
aufzuhalten / bis die hülfe von Basan ihnen zu entsatz kåme. Also waren nun funf
rotten in Damasco: nämlich die Assyrier auf dem koniglichen schlossplatz /die
Canaaniter auf der Kemuelsburg / die Syrer in der stadt / so dem Hus anhiengen /
die freunde des Elihu und der Aramena auf dem tempelplatz / und die Niniviten
unter dem Ardeus / welche letzere dann hin und wieder sich heimlich aufhielten.
    Die durchleuchtige fluchtige eilten inzwischen zur stadt hinaus / von einem
so starken heer der Syrer und Niniviten ümgeben / dass sie für den nacheilenden
sich nicht zu fürchten hatten. Ahalibama und Timna waren ungefär zusammen auf
einen wagen zu sitzen gekommen: da diese gnug zu tun hatte / jener einen mut
einzusprechen / mit versicherung / dass sie auser gefahr wären. Bei anbrechendem
morgen / ersah die Timna einen menschen / von etlichen aus dem heer begleitet /
ihrem wagen zurennen: welchen sie alsobald für den Asareel / ihres Eliphas
waffenträger / erkannte. Es stiesse ihr gleich ans herz / dieser bote müste ihr
nichts gutes bringen: weil bei ihr keine freude /sonderen ein entsetzen / sich
einfande. Sie erblassete auch / als dieser Asareel ihr ein schreiben zustellte:
welches sie sonder ein wort zu sprechen / mit zittrenden händen erbrache / und
diese worte darin fand.
            Offentliche Erkläruung / des Fürsten Eliphas von Teman.
Ich erkläre mich hiemit / für der ganzen welt / wo irgend / die heurat der Timna
von Seir mit meiner person / erschallen möchte / dass dieselbige ungultig sei
/und ich sie nicht anderst als für mein kebsweib erkenne und achte. Ich ernenne
auch hiemit / an ihrer statt /die Fürstin Ahalibama von Seir / für meine
rechtmäsige ehegattin und erbin aller meiner güter: welches ich / mit guten
vorbedacht und aus erheblichen ursachen /also verordnet / und mit meinem namen
unterzeichnet habe.
                                                       Eliphas Fürst von Teman.
    Als Timna diese grausame zeilen gelesen / und nach dem Asareel sich umsehen
wollte / hatte der sich schon wieder hinweg gemacht: daraus sie wohl vermuten
konnte / dass er / ihr weiter nichts zu sagen / vom Eliphas befehligt wäre. Sie
hube demnach an erbärmlich zu weinen / da Ahalibama sich vergebens bemuhte /
durch fragen die ursache dieses ihres traurens aus ihr zu bringen. Sie name
derhalben ihr das täfelein aus der hand / und durchsah solches: worüber sie dann
nicht minder / als die gute Timna / bekümmert wurde. Dass ihr name hierin mit
entalten / solches kame ihr so ungereimt und verwunderlich vor / als grausam
sie dieses ganze verfahren des Eliphas achtete. Gibe dich zufrieden / liebste
base! (sagte sie endlich zu ihr /) und traue mir sicherlich / dass ich mit dieser
erklårung des Eliphas gar nicht einig bin / und dir nimmermehr eintrag tun
werde. Ach liebste Ahalibama! (antwortete die trostlose Timna) du wirst nicht
unter diesem namen verstanden / sondern eine andere / die mir also meine ehre
und mein liebstes raubet. Hiermit ergabe sie sich wieder so sehr den tränen /
dass sie kein wort mehr herfür bringen konnte /und ihr haubt in der Ahalibama
schoss legend / solcher gestalt in tiefster traurigkeit viel zeit verbrachte. Wie
aber die erste häftigkeit ihres schmerzens vorüber war / sagte Ahalibama zu ihr:
Es geht mir nahe / dass ich deiner lebens-geschichte also unwissend / und daher
unfähig sein muss / dir einen rechten trost einzusprechen. Wåre es dir möglich /
liebste Timna! so wollte ich wohl bitten / dass du mir erzehltest / wie es mit dir
und diesem Eliphas beschaffen / und wer diese sei /die meinen namen träget / und
deinen geliebten Fursten an sich ziehen will. Weil iezt meine gedanken
(antwortete Timna /) mit nichts als mit diesen dingen erfüllet sind / als will
ich dein verlangen gern vergnügen / und dir alles eröfnen / wie es mir nach der
zeit ergangen / da du aus Dedan abgereiset. Also hörte nun Ahalibama erzählen /
die
                     Geschichte des Eliphas und der Timna.
Wer meine eltern gewesen / ist unnötig dir zu wiederholen: weil dir vorhin zur
gnüge bekant ist / dass / wie meine fraumutter / die aus dem unglucklichen hause
Moab entsprossen / diese welt gesegnet / ich bei meinen ältern brudern / die
alle hätten meine våtter sein können / erzogen worden / und mehrteils zu Dedan
bei deinem herrvattern mich aufgehalten. Wie nachgehends deine liebe
gesellschaft mir daselbst mangelte /kame ich nach Denhaba zu dem Lotan: welcher
ort /wie du weist / unfern von dem fürstentum Teman liget. Ich hatte demnach
gelegenheit / mit der Fürstin Ada / des Esau gemalin / die alda wonete / bekant
zu werden: welche / weil sie mich sehr zu lieben begunte / dannenhero ofters
meine gegenwart verlangte. Also verstriche fast keinewoche / dass ich mich nicht
zu Teman befande. Der wackere Eliphas / der Ada sohn / kame in solcher zeit /
aus fernen landen / auch dahin: welcher sich / sowol im krieg / als in allen
freien künsten / so geschickt zeigte / dass sein ruhm dort herüm überall
erscholle. Ich will hier nicht ohne noht weitläufig sein / nach der ordnung zu
erzählen / wie wir einander zu sehen bekommen / und einander wolgefielen; wie er
gelegenheit gesucht / mir seine liebe zu verstehen zu geben; wie ich erstlich
eine unentfindliche und grausame / folgends eine erkentliche und durch so
ungemeine aufwartung zu mitleiden bewogene freundin fürgestellet: als man dann zu
tun pfleget /wan man eine wechsel-liebe pflanzen will. Dieses alles übergehend /
sage ich allein / dass wir einander zu lieben begunten / und zwar so håftig / dass
ich nimmermehr deren ende zu erleben vermeint.
    So gross aber unsere liebe war / so geheim mussten wir solche halten: weil die
Ada nicht zugeben wollte /dass ihr sohn eine heiraten sollte / die nicht sehr
grosses vermögens wåre. Ihr eigenes beispiel brachte sie auf diesen entschluss /
da sie sich erinnerte / was ungemach sie deshalben mit dem Esau erlitten / indem
sie beiderseits keine lebensmittel zusammen gebracht /und daher ofters mangel
und dürftigkeit / auch streit und widerwillen / ausstehen müssen. Nun war ihr
mein zustand zur gnüge bekant / da meine brüder mir / uber den nötigen unterhalt
/ nichtes zuwandten / und meine fraumutter auch von den ihrigen nichts bekommen
hatte. Weil sie nun / wie heimlich wir auch liebten / wohl warname / dass Eliphas
mir mehr als andern liebkosete / und ich auch nicht so unentfindlich gegen ihm
wäre / wie ich mich wohl stellte; als åuserte sie sich allmählich meiner
gesellschaft / und lude mich nicht mehr so oft nach Teman: daher Eliphas
vielmale / von liebe getrieben / eine schein-ursach ersinnen musste / zu uns nach
Denhaba zu kommen / die er aber doch nicht so oft / wie er wohl gewolt / erlangen
konnte.
    Nun begabe es sich / in selbiger zeit / dass ein vornemer reicher herr aus
dem land Cus / der an den Seirischen gränzen wonete / ein grosses fest
angestellet: seine freude damit zu bezeugen / dass sein Konig von Cus / der
Scheba / aus der Egyptischen gefängnis ledig gekommen / und zwischen beiden
kronen friede gestiftet worden. Hierzu nun lude er alle benachbarte: und weil
wir auch gebeten waren / ermanete mich Eliphas durch ein schreiben / dass ich
mich ja einstellen wollte. Zu gutem glücke / kame eben der Sobal mit seiner
tochter / der Mehetabeel / und die Fürstin Bilha des Ezers tochter / nach
Denhaba: in deren gesellschaft ich soviel füglicher / neben dem Lotan / diesen
mohren besuchen konnte. Ich will nicht / die herrliche bewirkung / so uns daselbst
wiederfaren / die ansehnliche gesellschaft / welche von allen benachbarten orten
sich dahin versamlet / und die unzålige belustigungen / die unser artiger wirt
angestellet / allhier beschreiben. Ich will nur kürzlich sagen / dass an pracht
und lust nichts ermangelt / und die vier wochen / die wir alda zubrachten / uns
wie einzele tage vergingen.
    Die Furstin Ada / so sich auch daselbst befande /zoge gleich die Mehetabeel
an sich / und gewonne zu ihr ein sonderbares vertrauen / weil sie ihren reichtum
und die grosse anwartung an das reich Hazor wohl wusste: dann sie / wie du weist /
des alten Königs von Hazor einige tochter zur mutter hat / und selbiges land
billig erben sollte / wann nicht der Beor durch seine gewalt ihr recht einmal
unterdrücken dorfte. Demnach geriete sie in die gedanken / diese schone und
reiche Fürstin an ihren sohn zu verehlichen. Ehe sie aber diese ihre gedanken
ihrem sohn eröffnete / erwähnte sie zuvor dessen gegen der Mehetabeel selbst /
und sagte: wie sie ganz in sie verliebt wäre / und ihr aufwårter werden müste /
wann sie sich in der stelle ihres sohns befånde. Diese worte / neben den
liebkosungen der Ada / gefielen der Mehetabeel nicht übel: zumal Eliphas / wie
ich aus meinem beispiel urteilen kann / wohl zu lieben stunde. Wie nun die Ada
täglich dergleichen reden triebe / und ihr alle hofnung zu ihrem sohn machte /
gienge ihr solches so wohl von statten / dass es / an der Mehetabeel seite / ganz
richtig und klar wurde.
    Diese Furstin / wie sie von jugend aus mit mir zu Dedan vertreulich gelebet
/ konnte nicht unterlassen /mir diese der Ada werbung zu offenbaren / und
hierüber meinen einrat mir abzuheischen: den ich ihr dann ubel zu geben wusste /
und håtte sie keine schlimmere vertraute in ihrer liebe erwählen konnen. Ich
verbarge aber gegen ihr / so gut ich mochte / was grossen anteil ich hiebei
hätte / und warnete sie / sich wohl fürzusehen / damit die mutter ihr nicht
grossere hofnung machte / als sie nachgehends ihr halten konnte. Weil nun Eliphas
nicht so viel / vor andern damen / mit ihr ümginge / dass sie daraus håtte
abnemen konnen / was ihr die Ada für sagte, als wurde sie dadurch veranlasst /
wie einsmals / die Ada wieder anhube / ihr von dem Eliphas fürzuschwätzen / ihr
zu bekennen: wiedass sie nicht glåuben könnte / dass der sohn / gegen ihr /
gleichen sin mit der mutter håtte.
    Dieses gabe ursach / dass Ada ihr furname / dem Eliphas solches ihr fürhaben
zu erofnen. Wie sie demnach ihn im garten / da die ganze gesellschaft beisammen
war / und er eben mit mir allein redte / zu sich beruffen / sagte sie zu ihm:
Solte dir auch wohl schwer fallen / mein sohn! die Fürstin von Arabat zu lieben
/ wann ich dir solches ansinnen wurde? Diesen beinamen Arabat gabe man nun der
Mehetabeel / seit dass der Sobal / ihr vatter / an selbigem ort wonete: da
vordeme / als mein vatter / der Seir / noch daselbst gewonet / ich die Fürstin
von Arabat genennet worden. Weil ich nun diesen namen auch noch fürete / und
dem Eliphas nicht bekant war / dass Mehetabeel solchen zunamen bekommen / als
vermeinte er / dass die Ada mich hierunter verstünde: weswegen er über dieser
frage seiner mutter so voll freuden wurde / dass er ihr mit tausend eiden
angelobte / ihrem befehl willigst zu gehorchen / und die Fürstin von Arabat zu
lieben.
    Wer war nun vergnügter / als die Ada? welche sich nicht halten konnte /
alsofort die Mehetabeel aus der gesellschaft zu beruffen / und ihr ihres sohns
guten willen anzukunden. Weil nun Mehetabeel in ihrer zuversicht fortfure / mir
alles zu entdecken / als vername ich noch selbigen abend von ihr / wessen
Eliphas sich erklårt hätte. Ich / viel eines andern von ihm versichert / konnte
solches nicht für wahr achten / und sagte / dieser guten Fürstin aus ihrem
irrtum zu helfen: Sie möchte doch hievon nichtes gläuben / bis es ihr Eliphas
selber gesagt håtte / weil der mutter reden mir gar verdächtig vorkåmen.
Hierdurch hatte ich / ihre hofnung / ihr guten teils wieder aus dem sinn
geredet.
    Als am folgenden tag alle manspersonen auf ein jagen hinaus ritten / und das
wetter eben gar schwul war / redten wir damen miteinander ab / in einem strom /
der unfern vom schlosse durch ein angenemes schattichtes wåldlein flosse / gegen
abend zu baden /und dieser zeit / da wir allein sein würden / uns auf solche
weise zu bedienen. Wie wir nun såmtlich unsere kleider an das ufer geleget / und
mitten im baden begriffen waren / erschallte die post / wie dass sie alle / und
zwar durch dieses holz / vom jagen zuruck ankämen. Jede unter uns eilte
deshalben / in die kleider zu kommen / und fugte es sich also / dass in der hast
ich der Mehetabeel rock / sie aber den meinigen / ergriffe: und konten wir /
weil wir fast in einer långe /dieses kleidung wechsels uns bequem bedienen. Nun
ware mein rock dem Eliphas kentlich / weil er mir das zeug zu selbigem
geschenket / und ich daher / ihme zu lieb / mich dessen am meisten bediente. Wie
nun die gesellschaft wieder zusammen gekomen / und diese überraschung zum
gespräche anlass gegeben / hielten wir folgends im holze die abendmalzeit / und
begunten / nach dem essen / mit allerhand spielen die zeit vollends hin zu
bringen.
    Eliphas / der wegen eines fürfalles sich verspätet /stellte sich erst bei
uns ein / als das spielen anginge: da er dann / mich gleich suchend / rückwärts
meines rockes gewar wurde / welchen die Mehetabeel anhatte. Weil er nun
vermeinte / dass ich es wäre / schliche er hinter ihr zu / und raunte ihr diese
worte in das ohr: Wie lang hat mich doch dieser tag gedünket / weil ich meine
schöne nicht gesehen! Ich bringe aber eine zeitung mit / von der ich mir die
süsse hofnung mache, dass sie meine schöne ja so sehr vergnügen werde / als sie
mich innigst erfreuet hat. Die betrogne Mehetabeel / den Eliphas also reden
horend / entsah sich / für scham / zu antworten: war aber dabei höchst vergnugt
/ der Ada worte nun warhaftig / und meine einwürfe falsch zu finden. Demnach
neigte sie sich mit dem haubt / und gabe ihm also zu verstehen / dass sie seine
rede wohl vernommen håtte. Eliphas vermeinend / dass ich nicht reden wollte / aus
furcht von meinen beisitzern gehört zu werden fuhre fort zu reden / und sagte
heimlich zu ihr: Meine mutter befihlet mir / euch zu lieben; gedenket doch /
werte Fürstin! ob mir in der welt ein mehr-angenemer befehl håtte zukommen
können / und den ich weniger vermutet hätte. Also sind nun alle hinternise auf
einmal gehoben / die unsrer keuschen liebe drohen konten.
    Indem erforderte das spiel / dass Mehetabeel ihre stelle verändern und einer
andern dame ihren platz räumen musste / die dann eben ich ware: daher Eliphas /mit
höchster bestürzung / seine Timna zugleich doppelt / als von vornen und hinten /
zu sehen bekame. Wie ich nun mich in der Mehetabeel stelle gesetzet /fragte er /
ganz aus sich selber: ob ich dann zweimal in der gesellschaft wäre? Wie ich ihm
hierauf aus dem traum geholfen / und darneben erzählt / was Mehetabeel von ihm
sich einbildete: sagte er mir hinwieder /was ihme wiederfahren / und wie er
seiner mutter worte / von der Fürstin von Arabat / auf mich gezogen håtte. Wir
blieben hierüber ganz unruhig / weil wir wohl absahn / was dieses fur
widerwärtigkeit in unserer liebe nach sich ziehen würde.
    Die Mehetabeel kame nachgehends zu mir in mein zimmer / und offenbarte mir /
mit grosser freude / wie Eliphas ihr nun seine liebe selber entdecket / und sie
also gar nicht mehr zu zweiflen hätte. Ich würde mich schwerlich der eiversucht
haben erwehren können /wann ich nicht die rechte beschaffenheit bässer gewust
håtte. Nun aber stellte sich / an deren statt / ein mitleiden bei mir ein /
welches mich etlichemal antriebe / ihr aus ihrem irrtum zu helfen. Weil ich aber
solches nicht tun konnte / sonder ihr zu sagen / wie ich beim Eliphas ihren
platz verträte / und dass nicht sie /sondern mein rock / ihn also hätte reden
gemacht / als hielte ich hiemit zurucke: zumal ich wohl merkte / wie die liebe
sich bei ihr so sehr eingedrungen / dass sie /nach dieser offenbarung / doch
nicht abstehen / und anbei für mich eine häftige verfolgerin abgeben würde.
    Ich erkündigte mich demnach / folgenden tags / bei dem Eliphas / was hiebei
zu tun wäre / und vername den einrat / dass wir uns in die zeit schicken / und
allerdings geheim sein müsten: weil der Fürst Sobal bereits wüste / was die Ada
mit seiner tochter fürhätte / und er sowol / als alle Fürsten von Seir / diese
heurat wünschten / daher / wan sie das geringste von unsrer liebe merkten /
solcher mit allen kräften widerstehen / auch uns alle gelegenheit / einander zu
sehen /abschneiden würden. Hieraus nun erfolgte / dass Mehetabeel die öffentliche
liebste des Eliphas fürstellte /ich aber die heimliche und warhafte in seinem
herzen verbliebe. Ich bekame nachgehends zu Denhaba /durch beförderung der
Mehetabeel / öfter als sonst /die gelegenheit / meinen Eliphas zu sehen / weil
Ada ihn immer antriebe / seine liebste zu besuchen: und musste also der
unschuldigen Mehetabeel person uns dienen / unsere liebe sicher und heimlich
fortzusetzen; und wiewol sie mich deswegen taurete / so wusste ich es doch / ohne
grosse gefahr / nicht zu ändern.
    Wie nun solcher gestalt eine gute zeit verstrichen /kame zu uns der Fürst
von Edom / welcher / nach dem Furstentum Nebajot reisend / unterwegs / als ein
alter freund / bei unsrem Lotan einsprache. Ich war anfangs erfreut / den
vatter meines Eliphas zu sehen. Als aber derselbe nach und nach anfienge / nicht
wie des Eliphas vatter / sondern wie Eliphas selber / mit mir zu reden / und /
durch den Lotan gefördert / mir seine ehliche neigung anbringen liesse: verlore
ich auf einmal alle meine bisher genossene ruhe / und färtigte eiligst jemand
nach Teman ab / den Eliphas zu mir zu holen. Dieser damals getreue liebhaber /
hätte keine betrübtere post / als diese / vernemen können /dass sein vatter ware
sein mitbuler worden: und säumte er sich nicht / heimlich nach Denhaba zu
kommen.
    Ich hatte damals eine Arabische dirne bei mir / Calmana genant / die ich von
kindheit auf erzogen / und mir so treu zu sein vermeinte / dass ich mich nicht
scheute / sie bei den heimlichen besuchungen des Eliphas zu gebrauchen. Aber
dieses lose stuck erwiese mir die falschheit / und offenbarte der Mehetabeel
/wiedass Eliphas heimlich in Denhaba wäre / und bei spatem abend im garten zu mir
zu kommen pflegte. Die greulichste eiversucht entstunde / auf diesen bericht /
bei der Mehetabeel / und argwänte sie gleich /es musste unklar sein / dass Eliphas
/ sonder sie zu sprechen / in Denhaba wäre. Dan / (dachte sie) ob er gleich
vieleicht für seinem herrvattern verborgen sein wollen / so wurde er doch so
leicht eine gelegenheit haben ersinnen können / zu mir / als zu der Timna /zu
kommen. Sie erinnerte sich hierbei vieler ümstånde / die sie glåuben machten /
dass Eliphas mich lieben müste.
    Auf anleitung der Calmana / belaurete sie uns selbigen abends im garten /
und hörte alle unsere anschläge / wie wir unsere liebe fördern wollten: wiewol
wir keinen gewissen schluss fassen konten / weil ich so ungern zum entfüren mich
verstehen / als zum bleiben ein mittel absehen konnte / um gegen dem Eliphas
beständig zu verharren. Was die Mehetabeel am meisten ängstete / ware ein lied /
welches mein Eliphas von unsrer liebe verfasset / und mir damals hersagte /
dieses inhalts:
Sie brennet doch /
die treue lieb: ob rauhe winde wehen.
Lasst rasen! heller noch
wird nur dadurch die stille flamm' aufgehen.
Sie brennet doch.
Ob ich schon muss
mich gegen der verliebt von ausen stellen /
die mir nur macht verdruss:
Mein herz wird sich zu ihr doch nie gesellen /
Ob ich schon muss.
Das herz bleibt euch:
die andre mag den mund und worte haben /
bis ich mein ziel erreich.
Sprecht ihr indes zu mir auch / mich zu laben:
Das herz bleibt euch!
Erwart der zeit /
und lasst gedult fåst setzen die gedanken.
Das / was nicht kommet heut /
erlebet der doch morgen / der ohn wanken
Erwart der zeit.
    Die erzürnte Mehetabeel / sich zu rächen trachtend / brachte zuwegen / dass /
als wir folgenden abends /abgeredter massen / in unschuld wieder daselbst
beisammen waren / der Furst von Edom / neben dem Lotan / ihr an das ort folgte
/ und uns behorchte. Weil wir nichts solches vermuteten / wurde weder der
Mehetabeel / noch des Esau und Lotans / in unsrem gespräche verschonet: da wir
/ sowol die leichtglåubigkeit dieser Fürstin / als die einbildung des Edoms /dass
man ihn für seinen sohn wählen sollte / und die onmacht des Lotans / der mir /
als ein bruder / nicht zu befehlen hatte / belachten / und dabei in ewiger treu
gegen einander zu verharren uns verschwuren.
    Der fürwitz dieser drei personen war ihnen übel bekommen / und wurden sie
dermassen in zorn entzündet / dass sie denselben kaum solang verbergen konten /
bis sie wieder von dar hinweg geschlichen waren. Der Esau drohete häftig / den
Eliphas zu straffen /und seiner kindlichen schuldigkeit ihn eingedenk zu machen.
Lotan vermasse sich auch / dass er mich schon zwingen wollte / das jenige zu tun
/ was man mir raten würde. Die Mehetabeel fand in dem / was uns widriges
angedrohet wurde / ihre vergnügung: ob sie gleich von dem Eliphas nun nichtes /
als durch zwang / zu hoffen hatte. Wir erfuhren aber bald hierauf / dass wir
verraten wären: massen Lotan sich nicht scheuete / mir alles dieses
furzurucken. Weil nun also des Eliphas da-sein kund worden / als musste der auch
vor seinem vatter erscheinen / und bekame gleich / zum wilkom / den ernstlichen
befehl / die Mehetabeel / als welcher er einmal die hofnung gemacht /zu lieben /
und mich fahren zu lassen. Eliphas mochte hierwider einwenden / was er wollte /
und unsere einander ewig-geschworne treu furschützen / so bliebe es doch bei dem
strengen gebot / sich zur hochzeit mit der Mehetabeel zu rüsten: massen er den
schimpf / der dieser Fürstin wiederfahren / auf alle weise ersezt wissen wollte.
    Zum uberfluss unsers unglückes / kamen noch zu uns / der Mehetabeel vatter /
der Sobal / dein vatter der Ana / und der Zibeon / neben andern unseren
anverwandten: da sie dann / ohn zuziehen des Eliphas und meiner / unser beider
heurat mit der Mehetabeel und dem Edom abredten / auch einen tag ansezten / da
diese ehen sollten vollzogen werden. Weil die Fürsten von Seir / wie dir bekant /
sehr hochtrabend von gemüte / und dabei sehr kitzlich waren / als machten sie
ein sonderbares werk daraus / sowol der Mehetabeel zu helfen / als mich zu
zwingen: zugleich aber hierdurch ursach suchend / sowol dem Edom / als dem
Eliphas / in die haare zu kommen; welches aber nachgehends über sie selbst
ausgeschlagen. Die Ada hatte / in solcher zeit / zu Denhaba sich nicht
eingefunden: weil ihr / die liebe des Esau / vieleicht nicht zum bästen gefallen
mochte.
    Bei diesem zustand / erwehlten wir endlich die flucht: weil uns unmöglich
fiele / einander zu verlassen. Ich schickte alle meine köstliche sachen und
kleinodien füraus nach Arabien / und folgte dahin mit dem Eliphas / ehe man zu
Denhaba sich dessen versah. Wir selber kamen zwar sicher an des Königs Arieus
hof an: aber alles unser geräte ward von denen / die man uns nachgeschickt /
wieder eingeholet. Also mussten wir / in höchster dürftigkeit und mit vieler
gefahr / unsere reise fürter nemen. Nach langer mühseligkeit / kamen wir endlich
nach Damasco / alwo die Prinzessin Tirdane / meiner mutter schwester / sich
aufhielte / zu der ich meine zuflucht nemen wollte. Ich muss dir aber zuvor / ehe
ich weiter schreite / diese Tirdane und ihren zustand beschreiben.
    Diese Prinzessin / als die jüngste von den Moabitischen kindern / hatte
ihrer eltern gunst doppelt geerbet: so gar / dass alle schätze und güter / die
ihre fraumutter / die Königin Mesa / die aus dem hause Seir gewesen / nur
zusammen bringen konnte / dieser tochter zugewendet wurden. Meines brudern / des
Fürsten Zibeons / jungster sohn / der Ana / wurde am Moabitischen hof erzogen:
dessen vatter so jung geheuratet /dass dieser Ana fast fünf und zwanzig jahre alt
gewesen / wie mein vatter / der alte Seir / der sein grosvatter war / üm meine
fraumutter gefreiet. Es hatten diese beide schwestern / als meine fraumutter und
die Tirdane / ein seltsames geschicke / indem die eine dem grosvatter beigelegt
wurde / und die andere den enkel liebte: massen zwischen dieser Prinzessin und
dem jungen Ana eine so häftige liebe entstanden / dass fast keines ohn das andere
leben konnte. Es war aber vom himmel nicht versehen / dass diese heurat für sich
gehen sollte; und wurde dieser Ana / wie zu Dedan meines herrvattern beilager
gehalten worden / eiligst nach Seir gefordert: da die beide brüder / als dein
herrvatter und der Zibeon / welche für allen den andern brüdern einander innigst
geliebt / zu weg brachte dass dieser Ana / der nach deinem herrvattern geneñet
worden / die Prinzessin Ahalibama heurate musste.
    Diese schone riesin / war / aus dem hause Talmai / von den Enakim
entsprossen: und hätte sie dein herrvatter selbst geehlicht / wan er nicht
bereits mit deiner fraumutter zu fäst wäre verknüpft gewesen. Also wurde die
Tirdane von dieser Ahalibama ausgestochen: die aber im ersten jahr sturbe / und
dem Ana eine tochter hinterliesse / welche man / nach der mutter / Ahalibama
genennet. Die beständige liebe deines herrvattern gegen der riesin Ahalibama /
gabe ihm anlass / dich nach ihr nennen zu lassen: wodurch es sich begeben / dass
wir in Seir zweier Ana töchter / so beide Ahalibama heisen / bekommen haben; da
dann /zum unterschied / diese andere gemeinlich die Neffe Zibeons genennt worden.
    Ich habe wohl niemals / (fiele Ahalibama allhier der Timna in die rede) von
dieser Ahalibama / in Seir gehöret. Das machet / (antwortete Timna) weil sie von
kindheit auf auser Seir gelebet / und bei der Tirdane ist erzogen worden: die /
aus liebe zu dem Ana / dieses kind von ihm begehrte / ihn aber nach der mutter
tod nicht ehlichen wollte / wie sehr er auch sich darüm bemühet / weil sie ewig
im ledigen stande zu bleiben sich verlobet hatte. Wie nun die trübselige
änderung in Moab fürgienge / entwiche die Tirdane hieher in Syrien / gross geld
und gut aus Moab mitfürend: womit sie hier üm Damasco einige ländereien kaufte
/und sich in so guten stand sezte / dass sie stäts den ruff einer reichen dame
behalten.
    Allhier nun fand ich diese meiner mutter schwester / und die Ahalibama:
deren schönheit so volkommen / dass ich wohl sagen darf / das gebirge Seir habe
/wegen seiner zwei Ahalibamen / für vielen ländern sich zu berümen. Ich wurde
von beiden sehr wohl aufgenommen / da die eine / als eins mutter / die andere
/als eine schwester / mich zu lieben versprache. Als sie nach der ursach meiner
ankunft fragten / erzehlte ich /sonder des Eliphas liebe zu erwänen / wie mich /
die angemutete zwangheurat mit dem Esau / aus Seir hinweg getrieben hätte. Die
Tirdane lobte und billigte diese meine flucht / und sezte mich deswegen noch
fäster in ihre gewogenheit. Sie fienge darnächst an / mir den ehlichen stand
verhasst zu machen / und wollte mich bereden / in ihr gelübde mit einzutreten /
welches / gleich wie der Diana tempel seine jungfrauen /die verlobung zu ewiger
keuschheit erfordert. Ich hätte freilich / bei solcher lebensart / vergnügt sein
können / wan mir / des Eliphas zu vergessen / wäre möglich gewesen. Aber dieser
hielte mich von solchem gelubde zurücke / und erinnerte mich einer ältern an
seine person beschehenen verlobung / von deren ich nicht zurück treten konnte. Um
aber bei der Tirdane in gnaden zu bleiben / und / bei unsrem schlechten zustande
/ lebensmittel von ihr zu erlangen / mussten wir unsre liehe verschweigen / und
Eliphas /welchen niemand kennte / sich dahin entschliessen /sein Glück im krieg
zu suchen / und immittels mich bei der Tirdane zu lassen. Das scheiden fiele uns
beiderseits gar schwer: doch konnte es nicht anderst sein /und mussten wir uns
darein ergeben / von der zeit die änderung und verbåsserung unsres zustandes zu
erwarten.
    Nach des Eliphas abreisen / brachte ich meine zeit bei zwei personen zu /
die ihme bei mir keinen guten dienst leisteten: massen ich täglich nichts anders
horte / als was der liebe entgegen war / und hatte Ahalibama der Tirdane lehren
so wohl eingenommen / dass weder ihre jugend noch schönheit sie abhielten / alle
liebe zu verachten und zu verbannen. Ich kann dir meine qual / dass ich mein
anligen niemand vertrauen konnte / und alles bei mir selber verschmerzen musste
/so wenig beschreiben / als sehr ich sie etliche jahre entfunden: zumal ich in
so langer zeit nicht erfuhre /wie es dem Eliphas ergienge. Weil der gram endlich
meine gesundheit schädigte / merkten mir Tirdane und Ahalibama bald an / dass mir
etwas sonderbares anligen müste: daher sie begierig wurden / dessen ursache zu
ergrunden / und deshalben auf alles mein tun und fürnemen fleissige acht gaben.
    Wir waren einsmals zu Aroer / alwo die Tirdane ein schönes haus / mit darzu
gehörigen herrlichen låndereien / besitzet: da kame eben dieser Asareel / der
mir jezt die schöne post gebracht / und des Eliphas waffentråger ist / von Salem
/ mit briefen an mich von seinem herrn. Weil ihm nun befohlen war mir solche
heimlich zu zustellen / also suchte er hierzu gelegenheit / und traffe mich auf
der gassen an / wie ich hinter der Tirdane und Ahalibama nach dem tempel ginge.
Er steckte mir / sonder ein wort zu sagen / das schreiben zu / und machte sich
gleich wieder hinweg. Sobald ich / nach verrichtetem gottesdienst / mich allein
befande / lase ich den brief mit hochster begierde / und fand darin lauter
versicherungen seiner ewigen treue. Hierneben täte er mir zu wissen / wo er
bisher gewesen / und wie ihm das Glück / zwar ehre und ruhm / auch grosse freunde
/ aber keine mehrere lebensmittel verliehen hätte; woraus ich abnemen sollte /dass
noch zur zeit sein zustand sich nicht verbässert /und er auf kein heiraten
gedenken dorfte.
    Wie ich nun also diese zeilen mit vergnugung durchliefe / vergasse ich für
freuden der vorsichtigkeit / den brief verborgen zuhalten / und ware so aus mir
selber / dass ich der Ahalibama nicht warname: welche / mich hinterschleichend /
alle zeilen dieses briefs über meine schultern mit ablase. Sie schliche also
/wie sie angekommen / unvermerkt wieder hinweg /und entsah sich nicht / der
Tirdane gleich alles zu berichten / was sie gelesen hatte: die dann deswegen sehr
unwillig über mich wurde. Dieses feuer nun in der asche zu dåmpfen / liesse
Tirdane mich zu ihr beruffen / und hielte nur mein unbesonnenes beginnen fur:
mir ernstlich anbefehlend / an den Eliphas nicht mehr zu gedenken / auch sein
schreiben nicht zu beantworten. Dieses unwesen welches so plotzlich auf meine
freude gefolget / verstörte nun wieder alle meine ruhe / deren ich kaum einen
augenblick genossen: und wusste ich im schrecken mich nicht zu besinnen / was ich
tun / und ob ich leugnen oder bekennen sollte. Zwar konnte mir das erste nicht
helfen: weil Tirdane mir nicht verschwiege / dass die Ahalibama meinen brief
gelesen hätte.
    Ich ginge demnach / sonder ein wort zu sagen /wieder von ihr / und als ich
bei mir selber wohl überlegte / wie ich / ohn der Tirdane hülfe / meinen
lebens-unterhalt nicht haben wurde / gab mir die liebe diese list in den sin /
der Tirdane weiss zu machen /als wan ich mich des Eliphas abtun wollte. Zu dem
ende verfassete ich ein schreiben an ihn / des inhalts /dass er fortin nur
abstehen möchte / mich zu lieben: weil ich gewillt wäre / den heilsamen lehren
meiner mumen zu folgen / und niemals mich zu verehlichen. Als ich hiermit vor
der Tirdane wieder erschienen /und ihr meine Entschliessung hinterbrachte /
gewonne ich ihr dadurch das herz dermassen ab / dass keine liebkosungen zu
ersinnen sind / die sie mir nicht angetan. Asareel musste hierauf vor mich
kommen /dem ich / in ihrer gegenwart / mit diesem brief abfårtigte. Ich steckte
ihm aber dabei unvermerkt ein nebenbrieflein zu / darin ich meinem Eliphas
erklårte / was mich also zu verfahren bewogen und ihn bate /dass er doch eh ist
nach Aroer heimlich kommen mochte.
    Wie nun Asareel hinweg war / finge ich an die früchte meiner betriegerei zu
geniessen / indem ich in der Tirdane gnade mich so fäst sezte / dass ich schier
mehr / als Ahalibama / bei ihr zu gelten begunte. Sie beschenkte mich mit so
vielen gutern / dass solche erlangte lebensmittel meine hofnung aufmunterten /
Eliphas keusches liebesverlangen desto eher vergnügen zu können. Unter andern
bekame ich von ihr / in Damasco / einen palast / den ich noch besitze / den sie
mir nach meinem belieben auszubauen und einzurichten vergonte: wodurch ich dann
öfters die freiheit erlangte / hieher allein zukommen / und ihrer aufsicht mich
zu entziehen. Die Ahalibama / welche so tugendhaft als schön ist / misgonte mir
dieses glücke nicht / sondern halfe vielmehr dazu / und nennte sich glucklich /
dass sie / des Eliphas schreiben offenbarend / die anfängerin meines wolergehens
gewesen. Wiewol ich ihr nun in meinem herzen dafür gar nicht dankte / so wiese
ich ihr doch äuserlich eine grosse vergnügung / und verstellte so kunstlich alle
meine liebes-entfindung / dass sie beide mich für vollig bekehrt hielten.
    Es gluckte mir aber meine list nicht so gut bei dem Eliphas / als bei diesen
zweien: dann der Asareel verlore mein nebenschreiben / und verschwiege / (aus
beisorge / deshalben von seinem herrn ubel angesehen zu werden) dass ich ihme
mehr als ein schreiben zugestellt håtte. Er war eben auf dem weg gewesen / nach
Aroer zu kommen. Wie er aber diese unvermutete post von mir entfinge / änderte
er seine Meinung / und zoge voll unmuts / mit den Prinzen von Assyrien / in den
ersten Ophyrischen krieg. Weil ich nun / von einer zeit zur andern / vergeblich
auf seine ankunft gewartet / als machte sein ausenbleiben / dass ich von neuem
mich dem gram ergabe: den ich aber bässer /als vordessen / für der Tirdane und
Ahalibama bergen konnte / weil mein haus zu Damasco mir gelegenheit gabe / allein
zu sein / und sonder aufmerkere meinen elenden zustand zu beweinen.
    Wie nun also eine geraume zeit verstrichen / kame endlich der Prinz
Abimelech mit dem Eliphas nach Aroer: welches uns bald zu ohren kame. So etwas
unverhoftes / fand mich unbereitet / mich zu verstellen /und verwandelte ich
mich dermassen darüber / dass Tirdane und die Ahalibama solches in acht namen.
Ich will nicht heffen / (sagte Tirdane zu mir) dass noch einige liebesregung in
euch diese verånderung errege /sondern lieber gläuben / die erinnerung eurer
alten torheit erwecke noch in euch diese schamhaftigkeit /dadurch ihr eure reue
wolt erweisen / dass ihr euch also vergehen konnen. Inzwischen Tirdane dieses
furbrachte / erholete ich mich so viel / dass ich ihre Meinung bekräftigen konnte
/ und sie daher vollig mit mir zu frieden bliebe.
    Es unterliesse aber der Prinz von Gerar nicht / uns zu besuchen / und brachte
den Eliphas mit sich: da ich dann aller meiner sinne vonnöten hatte / mich
zuverstellen: massen Tirdane und Ahalibama / auf mein tun genau achtung gaben.
Wie Eliphas in das zimmer trate / sah ich über ihn hinweg; und als er ferner /
nach begrüssung der Tirdane / zu mir kame / solche auch bei mir abzulegen / sagte
ich heimlich zu ihm: Stellet euch / als hättet ihr mein vergessen! Welche worte
aber Eliphas / der ja so verwirrt war als ich /nicht vername / und nur auf mein
kaltsiniges wesen sehend / in der einbildung von meiner unbeståndigkeit
gestärket wurde. So sehr ihm nun dieses zu herzen ginge / so eifrig ward er
gesonnen / sich an mir zu rächen. Demnach finge er an / die Ahalibama mit
gespråchen zu unterhalten / mitlerweile der Prinz Abimelech mit der Tirdane
redte: das ich alles für ein zeichen seiner vorsichtigkeit aufname / und meines
orts auch nicht unterliesse / den schein zu furen / als ob ich des Eliphas nicht
mehr achtete. Solches aber kame mir sehr schwer an / und hatte ich immer das
eine auge und ohr nach dem Eliphas gerichtet; unterhielte inzwischen denjenigen
/ der mit mir redte / mit so verwirrten gespråchen / dass ich nachgehends nicht
wusste / wovon unsere unterredung gewesen.
    Nachdem diese erste besuchung sich geendet /fand Eliphas sich so häftig
beleidigt / und dabei die schöne Neffe des Zibeons so angenem / dass er sich
äuserst bemühte / meiner zu vergessen / und mir zum hon die Fürstin Ahalibama zu
lieben. Also stunden nicht zween tage an / da liesse er sich bei ihr wieder
anmelden / sie zu besuchen. Ahalibama / die diese höflichkeit ihm nicht
abschlagen dorfte / musste ihn kommen lassen; und begehrte Tirdane / dass ich bei
ihr bleiben sollte / damit Eliphas mich nicht zu sprechen bekåme: massen sie ihr
einbildete / dass diese besuchung auf mich angesehen wåre. Ich stellte mich
hierbei ganz frei / und lachete bei mir selbst darüber /dass Eliphas sich so wohl
hierein zu schicken wusste: mir gedenkend / dass diese Ahalibama die andere
Mehetabeel werden würde. Ich verlangte aber dabei nicht wenig / ihn bald
heimlich zu sprechen / und besonne mich auf ein mittel / wie ich hiezu gelangen
möchte /dass es Tirdane nicht merkte: welches mir dann überaus schwer fiele / weil
man mich gar zu fleissig in acht name / und mein tun belaurete. Wie aber die
liebe gar sinreich ist / also fiele mir bei / in der Ahalibama kleidern / mich
hierüm zu bewerben.
    Demnach / als eines tags Ahalibama / eine von ihren bekantinnen zu besuchen
/ ausgegangen / und ich wusste / dass sie vor abends nicht wieder einkommen würde
/ zoge ich einen von ihren röcken an / dessen sie gewonlich bei hohen festen
sich zu bedienen pflegte / und ginge also / mit verdecktem gesichte /nach des
Magog tempel / vor welchem die kaufleute markt hielten: alda um die stunde / als
ich hinginge /alle frömde / und also auch der Eliphas / sich einzufinden
pflegte. Ich fand daselbst / wie ich gehoffet /den Prinzen von Gerar und meinen
Eliphas: welcher /als ich / bei ihnen fürüber / in den tempel gegangen /mir
nachfragte / wer ich wåre? Als man ihm die Ahalibama nennte / fur die ich wegen
der bekanten kleidung gehalten wurde / eilete er mir alsofort nach / und redte
mich an / ehe ich noch den flor vom gesicht abtun konnen.
    Ich gedachte mein lustspiel mit ihm zu haben / und ihn ein zeitlang in
diesem irrtum zu sehen / liesse ihn demnach ausreden: da er dann seine
liebesregung zimlich deutlich offenbarte / und inståndig anhielte / ihm nicht so
grausam / als das leztemal / zu begegnen /sondern seinem anbringen ein gnädiges
ohr zu verleihen. Er sagte dieses mit solcher bewegung / dass ich /sonder
eifersucht / dieses vermeinte verstellen meines Eliphas länger nicht vertragen
konnte. Demnach hube ich den flor vom gesicht / und mich also zu erkennen gebend
/ sagte ich: Ihr seit ein wenig zu håftig in eurem verstellen / mein Furst! und
wan Ahalibama euer ansinnen annemen wollte / würdet ihr muhe bekommen / euch zu
entwickeln. Eliphas bestürzte /mich zu sehen und also reden zu hören; erholete
sich aber bald wieder / und in dem gegen mir gefassten unwillen verharrend /
weil er vermeinte / dass ich ihm /durch meinen brief / den kauf aufgesagt hätte /
ginge er augenblicklich von mir hinweg / sonder ein wort zu sprechen: und ob
mich schon die liebe antriebe / ihn etliche mal zu ruck zu ruffen / kehrte er
sich doch nirgend an / sondern eilte aus meinen augen.
    Ich wusste nicht / wie mir geschahe / oder was ich hiervon gedenken sollte.
Der schrecken sezte mir so sehr zu / dass ich / fast halbtodt / kaum das vermogen
hatte / wieder nach haus zu kommen. Ich legte daselbst die ungluckliche kleidung
der Ahalibama wieder ab / und begabe mich zu bette: da die tränen / die ganze
nacht hindurch / meines leidens gesellschaftere waren. Ich mattete mich so sehr
ab / dass ich folgenden tags mit einem hitzigen fieber befiele / und nicht
geringe lebensgefahr anstunde. Gleichwie nun diese meine erkrankung durch ganz
Aroer bald erscholle /also war Eliphas nicht der lezte / so dessen innen wurde:
da er dann in seinem herzen fulete / dass ihm noch nicht gar die liebe zu seiner
Timna vergangen wäre / und dass bisher / mehr die rachgier / als die
vergessenheit / diese seine neue bulerei verursachet. Er wollte gleich / unter
dem fürwand einer besuchung /bei der Tirdane kundschaft einziehen / wie es um
mich stünde: wurde aber für dissmal abgewiesen /indem Tirdane sich entschuldigen
liesse / dass sie / so lang ich krank läge / keinen fromden sprechen konnte. Sie
hatte nicht allein seine aufwartung bei der Ahalibama sehr übel genommen /
sondern auch über der kundschaft / wiedass Ahalibama in Magogs tempel mit diesem
Fürsten geredet / sich häftig entrüstet /auch deswegen diese unschuldige Fürstin
hart angelassen: welche mit huntert eidschwüren nicht erlangen konnte / dass ihr
Tirdane solches aus dem sinn håtte bringen lassen.
    Eliphas / solcher massen abgewiesen / wurde noch begieriger / meinen zustand
zu wissen. Demnach vertraute er / dieses sein anligen / dem Prinzen Abimelech:
welcher eben von seinem herrvattern aus Gerar /unwissend warum / befehl bekommen
hatte / noch etwas zu Aroer sich aufzuhalten / der auch ihm hierinn zu dienen
versprache. Dieser Prinz brachte bei einer Syrischen dame / die in Aroer wonete
/ zu wegen / dass die ihm verhiesse / mir einen brief heimlich zuzustellen / daran
mir viel gelegen wäre. Ich entfienge das schreiben / welches / wan ich mich
recht erinnere / in reimen also gelautet:
Wann Timna wiederkehrt / bereu' ich mein beginnen.
Nicht ich / sie macht' allein in mir die rache wach:
dass ich / gleichwie sie mich gebannt aus ihren sinnen /
sie wieder bannen wolt. Doch gar zu bittre rach!
Was richt' ich damit aus? ich würde nichts gewinnen.
Sie bleibt in meinem sinn / wie vormals / so hernach.
Seh ich nach andren schon: mein herz doch Eine ehrt.
Sie soll die Eine sein / wan Timna wiederkehrt.
    Mit was gemuts-bewegung ich dieses durchlesen /ist unschwer zu ermessen. Ich
vermutete gleich die warheit / dass des Eliphas verdacht aus meinem schreiben
entsprungen / und er dieses eine ohn das andere musste bekommen haben. Ich
verfasste demnach folgende antwort / die ich dem Prinzen Abimelech hinwieder
zustellen liesse.
Die nie sich umgewandt / wie kann sie wiederkehren?
die Timna hat nicht schuld / dass eure treue wankt.
Die schone / deren glanz kann ihren schein entehren /
die ist es / die euch zieht / und sie låst so erkrankt.
Hått man von Eliphas wohl diss vermeint zu horen /
dass er so grosser treu mit solcher untreu dankt?
Kehr wieder! wan du wilt / dass aus des todes hand
die Timna wiederkehr / die nie sich umgewandt.
    Als Eliphas diese meine zeilen durchlesen / und daraus war genommen / dass
ich unschuldig an allem dem wåre / worüm er mich bisher in verdacht gezogen /
liesse er den Asareel vorfordern / und befragte ihn ernstlich / ob ich selber ihn
damals / als er an mich abgeschickt worden / mit dem brief / den er ihme
mitgebracht / beladen håtte? Asareel / um seinen herrn aus seiner unruhe zu
bringen / bekannte / dass ein nebenschreiben dabei gewesen wäre / welches er aber
verloren håtte. Dieses öffnete dem Eliphas die augen /und bediente er sich / mit
Abimelechs hülfe / der gelegenheit / mir ofter zu schreiben / und antwort von
mir zu erhalten: da wir dann einander völlig erklärten / wie es mit uns
beiderseits beschaffen war. Weil uns auch einander zu sprechen verlangte / als
machten wir / ungeacht der Tirdane wachsamkeit / einen heimlichen anschlag / dass
Eliphas bei nacht zu mir in mein zimmer kommen sollte. Ich gienge nun schon im
gemache wieder auf und ab: da / die aussönung mit meinem Fürsten / mich mehr
gestårket / als alle gebrauchte arzneien. Wie nun der bestimmte abend erschienen
/ da Eliphas / abgeredter massen / mit einer wurfleiter vor meinem fenster sich
einstellte / und ihm von einer meiner dirnen sollte hinein geholfen werden:
hatten wir uns zwar der losung vergliechen / dass er in dem zimmer / an welches
er die leiter anwerfen sollte / ein liecht sollte scheinen finden. Es fügte sich
aber / dass nicht allein in dem augenblick / wie er ankame / mein liecht ausgehen
musste / sondern auch in einem andern zimmer ein liecht brennen musste: welches
ihm die vermutung gabe / dass alda seine Timna vorhanden wåre. Wie er nun mit
grosser muhe hinauf gestiegen /und droben keine dirne seiner warten fand /
kuckte er durch die raute / und wurde gewar / dass / an statt meiner / die
Ahalibama in diesem zimmer sich befande. Er eilte / so gut er konnte / wieder
hinunter / und folgends vor der tur des hauses furübergehend / fand er
dieselbe offen / und eine magd darin stehend / die etliche mal hustete / und ihm
damit die losung gabe /hinein zu kommen. Er hielte diese person fur meine dirne
/ und liesse sich / ganz erfreut / von ihr in ein zimmer furen: da er aber / an
statt meiner / die Ahalibama fand / welche anfangs ihm freudig entgegen kame /
nachgehens aber / ihn erkennend / ja sowol /als er / besturzte / und kein
vermögen hatte ein wort zu sagen.
    Ich muss dir aber ehe ich weiter fortfahre / erstlich berichten / wie es
hiemit beschaffen gewesen. Es hatte Ahalibama / nicht allein fürlängst einen
verdruss entfunden / in solcher einsamkeit / wie sie bei der Tirdane leben musste
/ ihre jahre hinzubringen / sondern auch / nachdem Tirdane sie mit dem Eliphas
in verdacht fassend / alle ihre güter ihr entwendet und mir geschenket / ihr den
vorsatz genommen / wieder nach dem gebirge Seir zu den ihrigen zu reisen.
Hiervon nun ihnen eröfnung zu tun / und diese abreise heimlich anzustellen /
hatte sie einen slaven nach Seir heimlich abgeschicket: welcher nun wieder
gekommen / und eben diese nacht ihr von seiner verrichtung bericht ablegen
sollte. Weil nun dieser sich etwas gesåumet / und Eliphas inzwischen der
Ahalibama dirne angetroffen / als fügte es sich / dass dieser irrtum fürgegangen
/ welcher uns allerseits in ungemeine verwirrung gesetzet.
    Ahalibama wollte nun zürnen / Eliphas sich entschuldigen / und die magd /
ihren irrtum zu åndern /dem Eliphas beim arm wieder hinaus ziehen: als
unvermutlich zu diesen dreien bestürzten Personen die vierte / nåmlich die
Tirdane / ankame. Diese hatte so getreue leute in ihrem dienste / dass dieselben
alsofort ausgekundschaftet / wie die haustur offen stunde /worzu Ahalibama die
schlüssel heimlich aus der Tirdane kammer entwendet håtte. Demnach gienge sie in
nachtkleidern nach diesem zimmer / und den Eliphas allhier findend / schrye sie
über gewalt und üm hulfe /sich seiner zu bemåchtigen. Als der aber entwischte
/und glucklich auf die gassen kame / schüttete sie allen ihren zorn uber die
Ahalibama aus. Es halfe da kein entschuldigen / weil der augenschein wieder sie
redte /und musste sie die allerschimpflichste vorwürfe anhören: also dass ihr
grossmütiges herz die höchste gedult vonnöten hatte / solches alles zu
verschmerzen / und nicht aus den schranken der ehrerbietung zu schreiten. Doch
ihre hofnung / bald nach Seir zu entkommen /machte sie endlich alles uberwinden.
    Wie nun / fast die halbe nacht hindurch / der Tirdane unfreundliches
gespråche mit ihr gewåret / begabe sich diese erzürnte Fürstin wieder nach ihrer
kammer: daselbst sie / aus gram und eiver / mit einer gefärlichen krankheit
befiele / so sehr hatte sie ihr diesen der Ahalibama vermeinten fall zu sinn
gezogen. Wie mir hierbei zu mut worden / ist unschwer zuermessen: da ich nicht
allein eifersuchtig worden / als ich vernommen / dass mein Eliphas bei der
Ahalibama gewesen /sondern auch seinetalben in schrecken und furcht geraten /
dass ihme ein ungluck widerfahren sein mochte.
    Sobald es tag worden / liesse mich Tirdane zu sich kommen / und klagte mir
mit hochstem unmut / wie es ihr mit ihrer Ahalibama ergangen wäre. Ich konnte
diese Fürstin nicht entschuldigen / weil ich sie für meine mitbulerin halten
musste: hingegen auch auf ihr beginnen nicht schelten / weil ich in eben diesem
verbrechen begriffen / und allein glücklicher als Ahalibama gewesen. Tirdane
schenkte mir hierauf alles das jenige / was sie vorher der Ahalibama zugewendet.
Ich weigerte mich zwar / solches anzunemen / weil ich es mit gutem gewissen
nicht tun konnte: aber ihr befehl meisterte meinen willen; und musste also diese
unschuldige Furstin einer schuldigen dienen / deren Glück zu fordern.
    Eliphas gabe mir nachgehends durch ein schreiben zu vernemen / wie dieses
sich zugetragen / woraus ich / sowol seine als der Ahalibama unschuld erkannte
/und zwar einen trost für meine liebe / aber keinen für mein gewissen /
schöpfte: massen ich / ohne schmerzen / die unschuldige Ahalibama in der Tirdane
ungnade nicht sehen konnte; hingegen / sonder in die höchste gefahr mich zu
sturzen / kein mittel zu ersinnen wusste / ihre unschuld an den tag zu bringen.
Ich sah auch nun / meinen Eliphas zu sprechen / mir alle gelegenheit benommen /
weil wir es nicht mehr wagen dorften / in der Tirdane haus eine zusammenkunft
anzustellen: und musste ich mich mehr als jemals in acht nemen / damit meine mume
nichts von meiner liebe vermerken mochte.
    Wir begaben uns hiernächst in die warmen båder /so nahe bei Aroer ligen:
weil die ärzte der Tirdane und mir rieten / dieser bruñ-cur / zu
wieder-erlangung unserer gesundheit / uns zu gebrauchen. Weil der Prinz von
Gerar / als bei der Tirdane sehr wolgelitten / mich daselbst / wiewol allemal in
beisein der Tirdane / besuchen und sprechen / Eliphas aber sich nicht sehen
lassen dorfte: als richtete dieser edle Prinz / fur seinen freund / soviel bei
mir aus / (als er einsmals gelegenheit absah / allein mit mir zu reden / indem
Tirdane andere gesellschaft bei sich hatte / und daher auf uns nicht acht haben
konnte) dass ich die einwilligung von mir gabe / meinen Eliphas heimlich zu
ehlichen. Die ursach / warüm Eliphas dieses so eiligst triebe / ware / dass er
von Babel befehl bekommen /sich nach dem heer zu begeben / da er unter dem
feldherrn Laristenes sich zu kriegsdiensten verpflichtet: weswegen er zuvor / um
meiner person sich zu versichern / die ehe volzogen wissen wollte. Und wiewol ich
viel darwider einwandte / und unter andern meiner armut erwähnte / auch wie ich
nirgend hinaus wüste /wan Tirdane solches erfahren sollte: wandte doch der Prinz
Abimelech diese meine beisorge damit ab / dass auf solchen fall ich nur nach
Babel zu seiner Prinzessin Delbois mich verwandlen möchte / die um seinetwillen
mich gern in schutz nemen und so gut als Tirdane versorgen wurde.
    Wie ich nun / wie gesagt / mich endlich hierzu bereden lassen / bate ich /
nach verrichteter brunn-cur /die Tirdane üm verlaub / eine reise nach Damasco zu
tun / üm in meinem palast / den sie mir geschenket /etwas anzuordnen: welches
sie dann / ohne allen argwan / gern geschehen liesse. Also wurde nun daselbst /in
beisein des Prinzen Abimelech / und einer dame aus Damasco / die mit mir in
vertrauter freundschaft lebte / des Eliphas begehren erfüllet / und unsre ehe
vollzogen: worauf / nach versicherung ewiger treue /mein liebster gemal nach
Babel / der Prinz von Gerar aber nach Salem / abreisete / und mich also höchst
betrübt zuruck liesse. Ich stellte mich hierauf bei der Tirdane wieder ein / und
schwebte daselbst in ewiger angst / dass sie von meinem zustand endlich etwas
erfahren mochte. Ahalibama indessen / weil sie von ihrem herrvattern die
einwilligung nicht erhalten können / die Tirdane zu verlassen / war gedrungen /
ihr leben noch ferner alda / und zwar in lauter elend und verdruss / zuzubringen:
dann sie bei der Tirdane keine gute stunde mehr hatte.
    Weil es also versehen war / dass alles / was ich begangen / auf sie kommen /
und ich hingegen ihr Glück erben musste / als stunde es nicht lang an / da wurde
der Tirdane fürgebracht / wie dass Ahalibama / in Damasco / heimlich etliche
nächte mit dem Eliphas in unzucht zugebracht håtte. Diese lügen hatte so guten
schein / dass Tirdane es gläuben musste: massen alle umstände mit dem bericht
übereinstimten. Dan / Ahalibama war / in der zeit / da Eliphas zu Damasco sich
aufgehalten / und wir den brunn bei Aroer gebrauchet / bei etlichen ihren
bekantinnen daselbst gewesen / die zu einer jagt / so sie um Damasco gehalten /
sie eingeladen / etliche tage bei ihnen zu verbleiben. Nun war dem Eliphas ein
slav entlaufen: der sprengte in Damasco aus / sein herr hätte bei einer Furstin
von Seir gelegen. Dieses brachte die arme Ahalibama völlig herunter / und mochte
Tirdane sie nun weder hören noch sehen. Sie schriebe auch selbst an die ihrigen
nach Seir / dass man sie von dieser lasterhaften bald erlosen wollte / damit sie
mich nicht ansteckte.
    Also hatte Ahalibama ihren zweck erreichet / nach Seir wiederzukehren /
wiewol nicht auf weise / als sie vermeint. Sie konnte aber diese üble nachrede
nicht verschmerzen / als welche ihren glimpf / ehre und guten namen auf einmal
zu boden richtete. Sie legte sich demnach / nicht allein auf das grämen /
sondern auch auf die kundschaft / ihre unschuld an tag zu bringen. Sie färtigte
auch jemand an den Eliphas ab /und begehrte / dass er / ihre ehre zu retten /
erscheinen / sich verantworten und sie entschuldigen sollte. Ich kann nicht
beschreiben / wie sehr es mich geängstet /da ich diese unschuldige Fürstin
meinetwegen in solches elend musste geraten sehen; und quälte ich mich hieruber
fast mehr / als sie selber. Solcher unruhe nun mich abzutun / fassete ich
endlich den schluss / lieber alles auf mich zu nemen / als diese Fürstin länger
in solchem unglück zu lassen.
    Ich name mir demnach fur / mit der Prinzessin von Ammon / die in Damasco war
und eben nach Babel reisen wollte / dahin zu gehen: zuvor aber der Tirdane und
Ahalibama alles umständlich zu offenbaren / was zwischen mir und dem Fürsten von
Teman fürgegangen / und wie nicht sie / sondern ich / wiewol ehrlicher weise /
dem Eliphas zugehorte. Wie ich nun in Damasco alle meine sachen bestellt /
schriebe ich nicht allein an die Ahalibama und Tirdane / (diesen brief jenem
beischliessend) sondern auch an die beiden Fürsten von Seir / den Aja und Esban
/ die dieserwegen nach Aroer gekommen waren: denen allen ich /meine
heimlich-verehlichung und der Ahalibama unschuld / zu wissen täte. Nach dem ich
einen boten damit nach Aroer abgefårtigt / reisete ich / keiner antwort
erwartend / mit der Ammonide aus Damasco hinweg / nach Babel zu gehen. Wir
stunden unterwegs viel gefahr aus / und wurden durch den Prinzen von Gerar
befreit: in dessen geleite wir folgends in Babel wohl ankamen.
    Ich wurde daselbst mit meines liebsten Eliphas anwesenheit erfreuet / musste
aber / wie dir nicht unbekant sein wird / bald erleben / dass die damalige
Prinzessin Delbois / auf ernsten befehl ihres herrvattern /mich von sich tun /
und mit dem Fürsten von Cale wieder nach Damasco schicken musste. Ehe es aber mit
mir hierzu gelangte / hatte ich aus Syrien / von meinem gemal / der dahin
heimlich gereiset war / die nachricht erhalten / dass die grosmütige Ahalibama
/mein gluck nicht zu verderben / mich nicht melden /noch mein schreiben der
Tirdane fürzeigen wollen /sondern damit vergnugt / dass ihre unschuld denen
Fürsten von ihrem hause kund worden / mit ihnen davon gezogen / und zwar / ehe
noch mein gemal /ihre unschuld zu retten / nach Aroer ankommen können. Dieser
zoge nun in bedenken / sonder noht mein gluck bei der Tirdane zu stützen /
unterliesse derhalben / bei ihr sich anzumelden / üm sie zu berichten /wie es mit
uns beiden beschaffen wåre / und kehrte also wieder nach Babel: da eben der
andere krieg in Ophir anginge / dahin er dann mit dem Prinzen Baleus fortziehen
musste.
    Ich gienge nun auch wieder nach Syrien / da ich /die durch mein abreisen
beunruhigte Tirdane / mit einer notlügen zu frieden sprache / vorgebend / wie
dass die Prinzessin Ammonide mich / gegen meinem willen / aus Damasco entfüret /
um nach Babel gefärtschaft zu haben: von dar sie und ich zurück geschrieben /
und meinen zustand berichtet hätten / welche briefe unterwegs mussten verunglückt
worden sein. Weil Tirdane mich häftig liebte / gläubte sie alles / was ich ihr
sagte / und machte mich hierauf zur völligen erbin aller ihrer güter. Und weil
sie mich nun ihrem siñ ganz gleichformig achtete / als name ihre liebe gegen mir
täglich zu: daher ich / üm solche beständig zu erhalten / mir åuserst angelegen
sein liesse / meinen zustand ihr zu verbergen. Ich unterhielte inzwischen meinen
Eliphas / mit ihren mir-geschenkten gütern / also dass er reichlich in Ophir
davon leben konnte: da er sonst / auser diesem / weil ihm die seinigen mit
nichtes zu willen waren / wenig lebensmittel würde gehabt haben.
    In diesem wolstand bliebe ich bisher bei der Tirdane: ohne dass ich / auf
inståndiges begehren unsrer Königin / inzwischen einmal bei ihr zu Ninive
gewesen. Ich weiss nun nichts mehr meiner erzehlung zu zusetzen / als dass mein
gemal / am ende des verwiechenen winters / aus Ophir heimlich zu mir nach
Damasco gekomen / üm sein verlangen nach mir zu bezeugen: dazumal er / neben mir
/ durch vermittelung des Prinzen von Gerar / bei seinem vatter wieder ausgesonet
worden. Nun aber hat er / wegen des Prinzen Cimbers / einen verdacht auf mich
geworfen: wordurch seine eiversucht und ehmalige rachgier in ihm wieder erwachet
/ dass er leider! mit der neffe Zibeons das jenige vollzogen / was er ehmals zu
Aroer mit ihr angefangen; und gerate ich deswegen fast auf die gedanken / dass er
und Ahalibama nicht so rein von der liebe gewesen seien / als ich wohl vermeint.
Zum überfluss meines leidens befinde ich mich nun schwanger / und bin die
elendeste von der welt: da ich auf einmal meine ehre / meinen gemal / meine
woltåterin /und meine zeitliche guter verlieren soll.
                                     * * *
    Hiemit beschlosse / viel zären vergiessend / die betrübte Timna ihre
erzehlung: und wiewol die Prinzessin von Syrien / ihr einen trost einzusprechen
/ sich bemühte / wollte doch solches bei ihr nichts verfangen. Indem kamen sie /
gegen den mittag / in ein dorf / da sie abtratten / üm frische furspann zu nemen
/ und die malzeit zu verrichten. Die auf unterschiedliche wägen und sonst
verteilte gesellschaft / hatten einander /nach ihrer flucht aus Damasco / noch
nicht gesprochen: daher sie erst an diesem ort ihre freude erwiesen / einander
frei zu sehen. Die schone Königin von Syrien dankte tausendfältig / sowol dem
Fürsten Husan /als dem Prinzen Dison / dem Betuel / Barzes / Tare und allen
den andern / für diese erlösung / und die Ahalibama anredend / sagte sie: Dieses
ist das andere mal / liebste base! dass ihr beim danz von eurem verfolger seit
erledigt worden. Der himmel (antwortete diese Prinzessin) lasse mir dissmal meine
freiheit länger / als damals / dauern! daran ich auch nicht zweifele / weil wir
iezt bässer zur gegenwehr versehen sind /und ich bei E. Maj. mich befinde / die
der Hochste dem reich Syrien zum bästen / wider ihre mächtige verfolger in
schutz nemen und erhalten wird. Ich verlasse mich / (sagte die Königin / alle
ümstehende anschauend) nächst Gott / auf den treuen und dapfern beistand dieser
helden: die nicht zugeben werden /dass mein konigreich långer meines verfolgers
joch trage / noch auch derselbe über meine person herrsche / und des Aramenes
blut ferner betrube.
    Wie nun hierauf alle Fürsten die schone Königin Aramena ihrer beständigen
treu versichert / gienge die Prinzessin Ahalibama zu ihrem bruder / den sie
neulich fur todt beweinet / und seiter noch nicht wieder gesehen hatte / und
gabe ihm ihre freude durch viele ümarmungen zu erkennen / zugleich zu der
Prinzessin von Syrien sagend / welche nahe bei ihnen stunde: Eifere nicht mit
mir / liebste schwester! dass ich mit deinem Dison also ümgehe! dann ich vermeine
/ dass mir dieses recht noch wohl zukomme. Die Prinzessin entfärbte sich nicht
wenig / als die Ahalibama dieses sagte: dann sie gegen dem Prinzen Dison sich
noch nicht also erwiese / dass sie in seiner gegenwart von seiner liebe so frei
konnte reden hören. Aber der Prinz bediente sich dessen gar wohl / und name davon
anlass / seine Prinzessin also anzureden: Liebste Aramena! gönnet mir / dieses
von euch selbst zu vernemen /wessen meine schwester iezt erwehnet / damit ich
des glückes mich versichert achten dorfe / dessen mich Ahalibama teilhaftig
wunschet. Ich vermeine nicht /mein Prinz! (antwortete die Prinzessin Aramena /
mit sonderbarer annemlichkeit /) dass ietzund zeit sei / von dem zu reden / was
eure furwitzige schwester auf die bahn gebracht; und will ich / dass nicht sie /
sondern ich selber / den dank für meine erklärung davon trage. Dieses sagend /
errotete sie nochmals / und küssete damit die Ahalibama: um also zu verbergen /
was ihre schöne wangen an ihr verrieten. Dison aber war mehr als wohl mit dieser
antwort zufrieden: die ihm genugsam zu erkennen gabe / dass er ursach hätte / in
seiner liebe alles zu hoffen.
    Sie giengen damit zur malzeit; die dann zimlich auf der hast verrichtet wurde
/ weil die Königin und Ahalibama in ståten sorgen schwebten / man möchte ihnen
aus Damasco nachjagen: wofür anderseits der Prinzessin von Syrien nicht so bange
war / weil dieselbe keinen buler zurück wusste / für dem sie sich solcher gestalt
zu fürchten hätte. Ich mochte wünschen /(sagte sie zu der Ahalibama /) dass dein
Beor in der liebe so unbeständig / als sein sohn / wäre: so dörftest du dich
nicht so quälen / wie du nun tust. Wolte doch der himmel / (antwortete
Ahalibama) dass dieser dein wunsch mochte wahr werden. Aber ach! mein ungluck
machet ihn also beståndig / meine marter dadurch zu erlångern. In warheit!
(sagte die Konigin) der Hemor ist gar bequem in seinem lieben: dann er weiss der
unmoglichkeit nachzugeben / und steifet sich nicht auf eine sache / die ihm
nicht werden kann. Wiebald vergasse er der damals-betrieglichen Aramena /als meine
schwester ihm in die augen kame! und nun verfäret er gleich also mit dieser / da
die Milcaride sich ihm gezeiget. Ich bin dem Prinzen von Canaan /(sezte die
Prinzessin von Syrien hierzu) deswegen recht hold worden / dass er / üm die
Milcaride nicht zu beschimpfen / meiner vergessen wollen / und hat er hierin
sich wohl recht grosmütig erwiesen. So werden dann diejenigen / (unterredte der
betrubte Betuel) die gunst der schönen Aramena nicht erlangen / die solcher
bequemlichen grosmut sich nicht bedienen können.
    Die Prinzessin / so über diesen worten des Betuels errötete / schluge /
sonder zu antworten / die augen nieder / und begunte die Königin / üm sowol ihre
schwester / als die beide verliebte / aus ihrer verwirrung zu bringen / mit dem
Husan von ihren abenteuren zu reden / die ihr und ihrer schwester in dem
Isis-tempel begegnet: die alle die jenigen / so hievon noch keine wissenschaft
gehabt / insonderheit aber die boshaftige listen des Stattalters von Syrien /
der die blutfreundschaft und andere betrachtungen den staats-ursachen nachsezte
/ höchlich wunder machten.
    Weil die Fürstin Timna bei der tafel gemisset wurde / als fragte die Königin
gar sorgfältig nach derselben: und vername hierauf von der Prinzessin Ammonide /
dass sie nicht speisen wollen / sondern in einem zimmer allein geblieben wäre.
Ahalibama / die bei der Königin sasse / name hiervon anlass / ihr mit wenigem /
der Timna zustand / ins ohr zu erzählen: worüber die mitleidige Königin grosse
betrübnis blicken liesse / auch gleich nach der malzeit zu dieser angstafte
Fürstin gienge / ihr etwas trost und muht einzusprechen. Sie liesse auch fleissig
aller orten nach dem Asareel ümfragen / ob etwan aus dessen bericht noch etwas
tröstliches für die Timna zu ersinnen sein möchte. Man konnte aber diesen
Temaniten nirgend erfragen / und musste also die Timna von dieser unruhe sich
nach Aroer begleiten lassen / dahin man hierauf die reise fortsezte.
    Es bliebe aber der Zaphis / mit den Niniviten / die nicht so eiligst
fortziehen konten / wie auch der Sachar mit den Syrern / zurucke / einen pass zu
besetzen /damit man aus Damasco ihnen nicht folgen möchte. Der Badezorus / auf
erhaltene nachricht von ihrer ankunft / kame mit seinen völkern aus Aroer ihnen
entgegen / und begleitete sie in die stadt: alda die Königliche personen sich
gleich zu ruhe begaben / als deren sie wohl benötigt waren. Die betrübte Timna
eilte nach dem hause ihrer mumen / der Tirdane: welche über ihrer ankunft hoch
erfreuet ware / und durch ihre liebkosungen gnug zu erkennen gabe / wie ihr von
der Timna zustand noch nichtes wisslich wäre.
    Der verliebte Betuel aber / der / für unruhe seines gemütes / der ruhe des
leibes wenig genosse / befande seinen zustand elender als iemals / und stunde
bei sich an / ob er nicht lieber seine Aramena in dem Dianen tempel / als in des
Disons armen / hätte sehen mögen Ungeliebt zu lieben / achtete er für nicht so
schmerzlich / als einen geliebten mitbuler zu sehen /und fand er / durch des
andern Glück / sein unglück verdoppelt. Die verzweiflung machte endlich diesen
armseligen Fürsten zu dem entschluss greifen / vor tags aus Aroer heimlich hinweg
zu gehen / und in seinem vatterland Mesopotamien die einsamkeit zu erwählen /
also dass niemand von ihme mehr etwas hören oder sehen sollte. Er wollte aber zuvor
schriftlich von seiner Aramena ewigen abschied nemen / welchen er in folgende
reimen verfasste.
Nim / Aramena! hin / was dir das lezte mal /
zum opfer heisser lieb / dein Betuel furbringet.
Es ist sein schwanen-lied / das er dir nun fürsinget.
Brauch keine lieb / nur gut / zu horen seine qual.
Nicht will er deine lieb betruben: deine wahl
ist edel / und gerecht. Nur dieses er bedinget /
dass keiner in der lieb an grosse ihm furdringet /
dass keinen hab so tief verwundt der liebe stral.
Gonn mir / zu lieben dich / ich sei auch / wo ich sei:
lass Aramena ståts in meinen sinnen schweben.
Erlaubst du diss: du magst mit deinem Dison leben.
Dir werd ich / im gemut / doch ewig wonen bei;
und / ob du schon von mir fortin wirst nichtes horen /
mit unverfålschter lieb bis in den tod dich ehren.
    Nachdem er dieses verfärtigt / begabe er sich / sobald der tag anbrache /
nach dem zimer / darin die Prinzessin sich befande / legte / da noch iederman in
der ruhe lage / das täfelein wohl verwaret vor die tür /und schriebe ausen
darauf / an wen es hielte. Hiernächst machte er sich ganz allein aus Aroer
hinweg /dass niemand etwas davon gewar wurde. Sobald nun die Prinzessin Aramena
erwachet / und / nach der Königin zu gehen / sich wollte ankleiden lassen / fand
man / bei eröfnung der tür / dieses täfelein / und erriete sie gleich / des
Betuels hand erkennend / was dessen inhalt sein würde. Nachdem sie es eröffnet
/konnte sie sonder grosses mitleiden diese reimen nicht ablesen. Sie zeigte es
folgends der Kõnigin: die dann neben ihr den edlen Betuel beklagte. Als auch
nachgehends alle die andern dazu kamen / üm zu beratschlagen / was man nun wider
den Belochus und Beor furnemen wollte / ware niemand in der gesellschaft /auch
den Prinzen Dison selber nicht ausgenommen /den nicht dieses trübseligen
Fürstens gejammert hätte.
    Als man hierauf zu ratschlagen begunte / ward nicht allein für nötig
befunden / alsofort / nach Hierapolis in Ober Syrien / dem Fürsten Rames ihren
zustand zu entbieten / sondern auch dem Tarsis nach Ninive / dem Abimelech und
Phalacus nach Seir / und dem Fürsten Nahor / eiligst hievon zu berichten:
welcher letzere sich wohl fürzusehe hatte / dass nicht der Canaanite Aner / der
bisher bei ihm gewesen / eher /als er / diese trennung erfüre / und ihn
verhinterte / zu ihnen zu stossen. Wie man auch noch nicht wusste /was ihre
freunde in Damasco / nach ihrer flucht / für sie ausgerichtet / als erwartete
man mit höchstem verlangen / dass hiervon nachricht einkomen möchte. Man hoffete
nun auch täglich auf die hülfe aus Basan / wie nicht weniger auf den
versprochenen beistand des Königs Eridanus von Cus: welchen von ihm / wie auch
von den Nabateern und Fursten von Hevila / eiligst zu erhalten / der Gaham
abgefärtigt wurde.
    Die beihabende völker / wurden üm Aroer verleget / und also ein rechtes
lager geschlagen: da sich dann befande / dass sie bei zwölftausend stark waren /
unter denen Husan und Tare fünftausend Syrer / Barzes und Zaphis viertausend
Niniviten / und Badezorus noch dreitausend Syrer befehligte. Hierzu erwarteten
sie noch den Nahor / und hoffeten auch / dass Rames ihnen von Hierapolis einige
manschaft würde schicken können: weil er daselbst von den Belopares wenig
anfechtung hatte / und daher aller seiner völker nicht benötigt ware.
    Als man mit diesen geschäften und abschickungen etliche tage zugebracht
hatte / wollte die Gott-fromme Königin von Syrien nicht aus der acht lassen /
zuvörderst den Höchsten üm hulfe und beistand anzuflehen: weswegen sie / unfern
von der stadt / nahe bei ihrem aufgeschlagenen lager / auf einem erhabenen hügel
/den der Libanon machet / ein herrliches opfer anstellte / da zugleich die
Prinzessin / ihre schwester / ihre glaubens-bekentnis offentlich ablegen wollte.
Wie demnach die rechtglaubigen / früh morgens / zu pferd / weil man mit den
wägen nicht wohl hindurch kommen konnte / sich begaben / und nach diesem hugel
ritten: fügte es sich eben / dass die Prinzessin Ahalibama / und Dison ihr bruder
/ gesellschaft machten. Dieses gabe ihnen gelegenheit / sich in ein gespräche
von ihrem zustand einzulassen / und sagte Ahalibama unter andern zu diesem
Prinzen: Müsset ihr nun nicht / mein bruder! meine sorgfalt rümen / die ich
angewendet / euch die Syrische Kron und die Prinzessin Aramena zuzuwenden? Zwar
ist / durch der Königin nunmehr-bekannte geburt-ümstände / unser fürhaben /was
dieses reich betrifft / rukgängig worden: es bleibet euch aber gewiss die hofnung
zu dem Ninivitischen tron / und wird nun Aramena euch dieses Königreich /
unsrem hause Seir aber grosse aufname / zu weg bringen.
    Ich musste unentfindlich sein / (gabe Dison zur antwort /) wan ich nicht eure
unvergleichliche sorgfalt erkennte / da allein ihr / nächst der gnade des
himmels /diese herrliche veränderung meines zustandes mir zugespielet. Wolte
Gott! dass ich euch dafür wieder dienen / und eure ruhe / liebste schwester!
gleichwie ihr die meine / befördern könnte! Ach Dison! (sagte sie seufzend) ich
kann in dieser welt die ruhe nicht erlangen / die ihr mir wunschet: weil kein
Elieser mehr vorhanden ist / der mir sie allein hätte geben können. Ich kann zwar
(widerredte Dison) eure beständigkeit nicht tadeln: ich mõchte aber wünschen /
dass ihr /weil ihr es sonder laster oder leichtsinnigkeit tun könnet / durch
euch selbst fur unser haus zu sorgen fortfüret. Solches würde geschehen / wan
ihr in Seir frieden machen woltet: das dann euch ganz leicht zu tun wäre / wen
nur Elieser könnte vergessen / und Esau geliebt werden.
    Vergeltet mir doch nicht mit solcher grausamkeit /(wandte Ahalibama ein) die
dienste / die ich euch erwiesen! Und ob ihr gleich einwenden möchtet / ich hätte
euch ebenfalls von der liebe zu unsrer Konigin abgebracht / so müsst ihr doch
hiebei betrachten /dass / eine wechsel-liebe und eine einseitige zu trennen / ein
grosser unterschied sei. Was einmal der tod getrennet / (versezte Dison) ist
frei gemacht / und an nichtes mehr verbunden. O Dison! (antwortete sie) wofern
ihr eure Aramena recht liebt / so weiss ich gewiss / dass ihr / in erlebung ihres
todes / ihrer nicht vergessen werdet. Ihr bringt mich auf eine harte probe /
(sagte er) uñ weiss ich hierauf euch noch nicht zu antworten. Ich bin gar wohl
zufrieden / (erwiederte sie) dass ihr mir nichtes darauf zu antworten wisset. Wie
ich aber wünsche / dass euch dieser unfall nimmermehr begegnen möge / also bitte
ich euch: gönnet mir doch / nun ich leider in denselben geraten bin /dass ich
also leben möge / wie ihr tun würdet / wan ihr euch in meiner stelle befändet.
    Weil sie hiemit auf dem berg angelanget / mussten sie dieses gespräche
einstellen: da der verliebte Dison die höchste vergnügung genosse / seiner
Aramena eifriges glaubens-bekentnis mit anzuhören / und ihrer ersten opferung
mit beizuwonen. Sie verrichtete solches in grosser andacht / mit feurigem eifer
allem abgöttischen wesen absagend: da die Gottliebende Königin /für diese
bekehrung / dem höchsten mit hellen zären dankte.
    Nachdem sie ferner alle heilige gebräuche verrichtet / auch daselbst
angebetet hatten / machten sie sich wieder auf den ruckweg / und besahen nicht
allein unterwegs ihr lager / sondern sie besuchten auch die Tirdane / in ihrer
wonung: von deren kentnis die Königin hoch vergnügt bliebe / da sie an ihr eine
dame von ungemeinem verstand und tugend gefunden. Weil sie sich der welt so gar
abgetan / als ware zwar alles reinlich und sauber / aber nichtes / das ihren
Fürstlichen stand anzeigen mögen / in ihrem hause zu finden: darin sie doch
diese Kõnigliche gesellschaft also bewirtete / dass sie alle damit wohl zu frieden
waren. Wie dann auch die Timna / so betrübt sie auch war /sich gar geschäftig
erwiese / und nach aller möglichkeit ihrer Königin aufwarten halfe.
    Folgenden tags stellten sie eine allgemeine besichtigung ihrer völker an /
dabei die Königin / neben den andern damen / wiederüm zu pferd erscheinen wollte.
Das ganze heer wurde / durch ansichtigung dieser unvergleichlichen heldin /
dermassen aufgemuntert / dass sie / ihr blut und leben willigst für sie
aufzuopfern /sich entschlossen vernemen liessen. Wie sie aber noch hierinn
begriffen waren / kame einer mit briefen / die an den Zophar hielten / in das
heer: welcher / als er vor den Husan gefüret worden / sich für des Rames
waffenträger zu erkennen gabe / und berichtete / wie sein herr ihn aus
Hierapolis / mit diesen briefen / an den Fürsten von Naema seinen bruder /
abgeschickt hätte. Husan höchstbegierig / hierdurch den zustand in Ober Syrien
zu erfahren / überlieferte gleich / den waffenträger neben den briefen / seiner
Königin: welche / als sie in ein gezelt abgetreten / in gegenwart des Disons /
Husans / Tare / und der Prinzessin Aramena / die schreiben durch den Fürsten
von Chesed /weil Zophar noch in Damasco war / eröffnen und ablesen liesse / da
dann das erste also lautete:
           Schreiben des Rames von Jedlaph / an den Zophar von Naema.
Beikommende schreiben / die der Assyrische feldherr Belopares nach Acraba
versenden wollen / sind von den unsrigen aufgefangen worden: und habe ich für
nötig erachtet / dir solche alsofort zu uberschicken /üm unserer Königin und
denen Fürsten / unsren brüdern / sie fürzuzeigen. Es erhellet hieraus die ursach
/warum allhier der Belopares mir bisher so wenig zu tun gemacht. Und weilich
nun Ober-Syrien völlig unter unserer Königin gehorsam sehe / als werde ich meine
völker zusammen ziehen / und damit / auf erhaltenen befehl / mich Damasco
nähern: alda ich dem reich grössere dienste / als hier / zu leisten vermeine.
                                                        Rames Fürst von Jedlaph.
    Hierauf eröfnete Husan das andere täfelein / welches von dem Belopares
geschrieben / und von den Syrern aufgefangen / folgenden inhalt fürete:
                    Schreiben des Belopares an die Dalimire.
Mit höchstem vergnügen habe ich / aus dem bericht /womit meine Fürstin mich
beehren wollen / ersehen /dass Sparetes in Ninive seine sache noch wohl verrichtet
/ und dass die abwesenheit des Ninias ihme mehr luft gelassen / der
unvergleichlichen Dalimire zu dienen. Und weil mein schlechter einrat begehret
wird /bin ich ganz einig damit / dass meine Fürstin nun nicht länger säume /
selbst in person sich nach Ninive zu erheben: dahin auch / wie mein bruder mir
aus Edom geschrieben / und ich sicherlich traue / der Prinz von Gerar / mit dem
ersten sich einfinden wird / üm die kron von der grosmutigen Dalimire händen zu
entfangen. Inmittels stehen alle meine hohe kriegs-bediente zu meiner Fürstin
gebot / und ist keiner unter ihnen /der nicht eifrigst verlange / die würdigste
Dalimire Königin von Ninive zu sehen. Was ich an meinem ort bisher dabei tun
können / ist diss gewesen / dass ich den Syrern allen vorteil gelassen / üm
dadurch den König von Assyrien zu bewegen / dass er seine kriegsmacht völlig
hieher wende / und meiner Fürstin raum gebe / ohne hinternis ihren grosmutigen
vorsatz hinaus zu füren. Ich ziehe nun meine macht gegen Palmyra zusammen / üm
mit derselben ehist überzugehen / und zu meiner Fürstin zu stossen. Der himmel
wolle /zu dem fürhaben der grossen Dalimire / alles gedeien geben!
                                                                      Belopares.
    Was in diesem schreiben die schöne Konigin vergnuget / war dieses / dass sie
darin ihren liebsten Abimelech nennen horte: von dessen hinkunft nach Ninive sie
verhoffete / dass selbige diesem bedrangtem reich wohl zu statten kommen würde.
Diese ihre vergnügung ward ferner vermehret / durch nachfolgendes drittes
schreiben / welches der Husan ihr dieses lauts fürlase.
 Schreiben des Eupales / an seinen bruder Belopares / aus dem Assyrischen lager
                                   bei Edom.
Hiemit berichte ich in eile / dass wir nun auf dem weg nach Ninive begriffen
sind. Der Niniviten feldhauptman Phalacus / wie mich der junge Fürst von Ressen
berichtet / wird mit seinen völkern / üm der daselbst entstandenen unruhe willen
/ nach Syrien gehen. Der Prinz Abimelech / ist zu Gerar bei seinem herrvattern:
und ist uns anbefohlen / beim gebirge Mescha seiner zu warten. In Edom und Seir
/ wie auch im Königreich Cus / ist nun alles gestillet. Wir haben / in diesem
par monate / viel verrichtet: das ungläublich scheinen würde / wan nicht die
umstände also wären beschaffen gewesen / dass sie die müglichkeit zu wege
gebracht. Ich werde nun nicht wieder schreiben / bis dass wir an das gebirge
kommen. Inzwischen darfst du / meiner aufrichtigen treue / dich ewig versichert
achten.
                                                                        Eupales.
    Dieser brief / welchen Belopares / der Dalimire zur nachricht / mit
beigeleget / gabe der Konigin / wie auch den andern anwesenden / grosse hofnung /
dass Phalacus mit seinen Niniviten bald ankommen wurde. Weil dem Husan und Tare
nicht bekant war / wie es zwischen der Königin und dem Prinzen Abimelech stunde
/ als fiengen diese beide an / des Abimelech verräterliches beginnen / da er es
mit der Dalimire wider die Königin hielte / håftig aus zuschelte: welches die
Königin nicht vertragen konnte / und darüm /ihres Prinzen guten namen unter den
Syrern zu erhalten / ihnen / auser ihrer liebe / alles entdeckte / was ihr
Abimelech bei diesem handel bereits geoffenbaret hatte. Hieraus nun schlossen sie
ingesamt / dass Abimelech seine untergebene völker / nicht gegen die Königin /
sondern vielmehr derselben zum bästen / nach Ninive furen wurde: und ward
deswegen diese nachricht fur sie sehr nutzlich befunden. Sie befragten den
waffentråger ferner / wie es in Ober-Syrien stunde /und wie stark daselbst der
Rames noch sein möchte: worauf sie von ihm völligen bericht entfingen.
    Sie waren noch in dieser unterredung begriffen / als der Fürst Barzes
eiligst zu ihnen in das zelt kame /und anmeldete / wie dass man von ferne auf dem
weg /der nach Damasco geht / einen grossen staub aufgehen sehe / der immer
grösser wurde. Dieser bericht sezte alle anwesende in die sorge / dass es ein
uberfall der Assyrier aus Damasco sein mochte: wiewol sie nicht vermuten konten
/ wie der feind / bei dem pass /durch des Zaphis und Sachars völker / ohne dass
diese ihnen hiervon etwas entboten hätten / sich durchschlagen konnen. Sie
stellten sich aber / üm sicherheit willen / in gute verfassung / und befanden
sich gewachsen genug / dem feind widerstand zu tun. Sie sahen aber / als dieser
haufe näher kame / dass ihre furcht vergebens gewesen: dann der Fürst Cyniras / so
für aus geritten / brachte die gute zeitung / dass keine feinde /sondern der
Konigin bäste freundinen / nåmlich die Prinzessinnen Colidiane und Jaelinde /
gleich bei ihnen sein würden.
    O himmel! kann diss auch moglich sein? rieffe die Konigin / eine ungemeine
freude fülend: wiewol solche mit einiger unruhe vermischt war / weil sie nicht
wusste / wie ihre liebe Cölidiane gegen dem Abimelech und ihr gesinnet sein
mochte / nachdem sie dessen und ihre briefe entfangen / die ihr deren wahren
zustand von Abimelechs liebe kund getan hatten. In solcher ungewissheit /
erwartete sie dieser schönen Prinzessin / die nicht lang hernach ankame / von
vielen mohren und kamelen begleitet: welches die Konigin mutmassen machte /
Colidiane würde etwan als Konigin von Cus erscheinen. Indem sah sie einen
ansehnlichen Prinzen / der ihr aus dem wagen geholfen /diese Prinzessin ihr
zufüren: deren sie alsofort üm den hals fiele / und dadurch ihre freude / sie
wieder zu sehen / an den tag gabe. Nachdem hierauf auch Jaelinde von der Konigin
entfangen worden / liesse sich eine mohrin sehen / welche die Colidiane zu der
Konigin brachte / ihr vermeldend / wiedass diese die schone Prinzessin Danede von
Cus wäre. Weil die Konigin viel gutes von dieser Prinzessin gehoret / als wurde
sie sehr erfreut / dieselbe zu sehen. Hiernåchst gabe sich auch der fromde / fur
den Egyptischen Prinzen Amosis / zu erkennen: der dann / neben der Danede /von
der Königin alle ihnen-zukommende ehre entfinge.
    Sie wandte sich hierauf zu der Colidiane / und sagte: Ich kann mir kaum
möglich machen / dass dieses / was ich hie sehe / mir warhaftig wiederfahre.
Gleichwie wir in Damasco unversehens voneinander gekommen / also kommen wir nun
auch unversehens wieder zusamen; und wie uns damals eine grosse unruhe getrennet
/ also musste uns der Prinzessin von Caphtor wiederkunft in gleicher unruhe
finden. Nur weiss ich nicht / (fugte sie lächlend hinzu) ob der schonen Colidiane
ihr zustand sich inzwischen auch also / wie der meinige / verändert habe / dass
das reich Cus an ihr seine Königin sehe / gleichwie Syrien mich nun für die
seine erkennet. Ich danke dem himel / (antwortete Cölidiane) dass ich meine
allerwertste Königin bedienen kann; und preise Syrien glücklich / dass es nun
unter so tugendhafter regirug schweben soll. Was mich belanget / so hat mein
stand seiter sich nicht geändert / und meine treu / neben des Prinzen Eridanus
tugend / soviel gewirket / dass er nicht ferner in mich gedrungen / einem Prinzen
unbeståndig zu werden / der mich so lang vor ihm geliebt.
    Die schöne Konigin errotete / solche worte vernemend / und konnte sich nicht
darein finden: massen ja ihre und des Abimelech briefe / bei dieser Prinzessin
/andere gedanken hätten erwecken sollen. Weil aber dieses kein ort war / sich
dergleichen sachen zuerkundigen / als versparte sie solches / bis sie beisammen
allein sein würden. Indem wurde sie noch einer ansehnlichen dame gewar die ihr
die Jaelinde zubrachte / und zugleich ihr vermeldete / wiedass diese die
wiedergefundene Königin Eurilinde von Salem wäre: weswegen sie dieselbe / des
Melchisedech sich erinnerend / gar freundlich entfienge. Es erweckte aber /diese
unvermutete ankunft so vieler frömden Königlichen personen / bei der Konigin
eine grosse begierde /zu vernemen / was für ein zufall sie eben jezt also hieher
gefüret.
    Wie nun allerseits anwesende / von beiden teilen /einander begrüsset / fand
man für gut / nach Aroer zu fahren. Weil das dringende volk / welches aus
neugierigkeit / die frömde mohren zu sehen / schier der ehrerbietung gegen den
hohen personen vergasse / ihnen hinterlich war / ein mehrers im lager miteinander
zu reden. Wie demnach die Königinnen von Syrien und Salem / die Prinzessin von
Cus / die Aramena und die beide von Caphtor / sich in den wagen der Cölidiane
zusammen gesetzet / und die andern auf ihre pferde sich wieder begeben hatten /
fragten die Königin Aramena und Colidiane / unterwegs einander tausenderlei
dinge / und waren begierig / zu wissen / was ihnen beiderseits in Damasco und
Naphis begegnet / seit dass sie einander nicht gesehen hatten.
    Ich will hoffen / (sagte unter andern die Königin von Syrien) dass der König
Eridanus mir den beistand / den mir meine liebste Prinzessin bei ihm zu wege
gebracht / bald zusenden werde: wie dann ich / ihn dessen erinnern zu lassen /
durch ietzige noht bin gezwungen worden. So haben dann E. Maj. (fragte Colidiane
ganz begierig) meine briefe entfangen / die ich damals zurück geschrieben / und
dieser des Eridanus verheisener hulfe darin erwehnet? Ich habe sie nicht allein
entfangen / (sagte die Königin) sondern auch gleich wieder beantwortet. Nachdem
Colidiane der Königin bezeuget / dass sie nichts entfangen hätte /sagte sie
ferner: Wolte Gott! der Prinz Eridanus hätte das vermogen / seine damalige
zusage zu halten! wan aber meine Konigin vernemen wird / wie es ihm iezt ergehet
/ werden sie es nicht ubel deuten / dass er / so wenig hieher / als nach Salem /
die versprochene hulfe senden kõnnen. Die Königin ware nun noch begieriger /
hiervon ein mehrers zu wissen: worin Colidiane sie mit nächstem zu vergnugen
versprache.
    Sie sah hierauf die Königin von Salem an / deren sie / wiewol sie ihr
unbekant war / aus sonderbarer hochachtung ihres gemals des Melchisedech / alle
ehre antäte. Ich weiss wohl nicht / für verwirrung /(sagte sie zu ihr) wie ich
hierein mich schicken soll /dass der himmel mich nicht allein so viel freunde auf
einmal sehen lässet / sondern auch unter denselben fürnemlich mir der Königin
von Salem gegenwart gonnet / deren ankunft mir dann ja so lieb / als verwundersam
ist. Ich kann wohl bezeugen / (gabe Eurilinde zur antwort) dass ich diesen tag mir
fur andern glucklich schätze / der mich in so werte kentnis bringt. Es soll
aber meine schone Königin meinen ganzen zustand erfahren / wan wir in Aroer
werden angelanget sein. Unter diesem und dergleichen gespråchen /kamen sie
endlich in die stadt: da jederman sich verwunderte / die Königin in so fromder
begleitung wieder ankommen zu sehen. Es wurden aber / sowol die Konigin von
Salem / als der Prinz aus Egypten / und die Prinzessinnen / in eigene paläste
eingewiesen / da sie / ihrem stande gemäs / wohl und herrlich bedienet wurden.
    Weil die Konigin von Syrien / neben ihren Fürsten / sehr begierig war / zu
vernemen / wie es in Damasco zustunde / als wurde / nach gehaltener malzeit /
die Prinzessin Jaelinde ersuchet / hiervon bericht zu geben: die dann / solches
ihr verlangen / durch folgende erzehlung vergnügte. Es mogen nun sechs tage sein
/ (sagte sie) da wir in Damasco auf dem Koniglichen schloss-hof die unvermutete
zeitung bekamen /dass E. Maj. neben allem bei sich habenden frauenzimmer / sich
aus der Kemuelsburg begeben / und die meiste Ninivitische und Syrische volker /
an sich gezogen håtte: das dann uns alle in verwunderung / den Konig von Assyrien
aber in hochste verzweiflung und ungedult gesetzet; zumal er eben mit dem Konig
von Canaan in heimlicher friedenshandlung gestanden /die ihme die besitzung E.
Maj. person sollte zu wege bringen. Dieses unglück nun welches / in dem verlust
von E. Maj. und der Prinzessin Ahalibama / beiden Königen gemein war / machte
ihre bis dahin heimlich-gefürte anschlåge offenbar / indem sie / noch selbigen
tags / als freunde / in des Belochus palast zusammen kamen / um eifrigst raht zu
halten / wie sie ihren verlust wieder ersetzen möchten.
    Weil man nicht gewiss wusste / ob E. Maj. in oder auser Damasco sich befände /
und der Cyniras hierzugegen / neben den andern Syrern / die E. Maj. und des
Elihu seite hielten / den tempelplatz eingenommen hatte: als ward vermutet /
zumal weil man sich auch des priesters Abdastartus erinnerte / bei dem E. Maj.
vorher schon etliche zeit sich verborgen aufgehalten /dass E. Maj. sich dahin
würde begeben haben. Demnach versamleten sich alle Assyrier als Canaaniter /und
gingen einmütig auf die Syrer los / die den tempel platz innen hatten: welche
zwar anfangs sich trefflich zur gegenwehr sezten / aber endlich der grossern
macht des gegenteils weichen mussten. Der Fürst von Hus und sein anhang / der
zwar gut Assyrisch war /aber dabei die Syrische freiheit zu erhalten trachtete
/gönnte dem Cyniras und Zophar / zu ihm zu stossen: dass also diese beide widrige
teile / gleichwie zuvor Belochus und Beor / ein heer zusammen machten.
    Wie nun / die Assyrier und Canaaniter / des tempelplatzes meister geblieben
waren / durchsuchten sie alle orte und winkel in des Abdastartus wonung / und
funden endlich an statt E. Maj. den Fürsten Ninias von Ressen / der an etlichen
wunden krank darnider lage: und beteuerte Abdastartus / dass er üm dessen da-sein
nicht gewust håtte. Weil dieses Fursten liebe zu E. Maj. nicht heimlich war /
als erweckte dessen gegenwart in das verliebten Belochus gemut eine neue unruhe
/ und brachte ihn in den argwan / dass dieser von E. Maj. etwas wissen würde:
weswegen er ihn fleissig auf bewaren / und in den königlichen schlossplatz bringen
liesse. Nachdem man aber / so wohl bei ihm / als sonsten in Damasco / nach E. Maj.
und der Prinzessin von Seir / sich lang vergebens erkundigt / kame endlich die
zeitung wiedass man E. Maj. neben allen den andern / auf dem weg nach Aroer / in
voller flucht gesehen hätte. Weil diese nachricht erst gegen die nacht
eingekommen / und kein mondlicht am himmel war /als mussten sie bis folgenden tag
warten / E. Maj. nachzusetzen. Solches geschahe zwar / durch den Prinzen Sinear:
der kame aber / gegen den abend / unverrichter sachen wieder zurucke / weil er
durch den pass nicht durchbrechen konnen / den die Syrer und Niniviten besezt
gelassen.
    Mitlerweile nun beide Könige (auf sich selber hochst ungedultig / dass sie
ihr liebstes also aus den hånden gehen lassen) miteinander ratschlagten / wie
sie es ferner angreifen wollten / auch zwischen ihnen und den Syrern in Damasco
die vertrags-handlung fürgenommen wurde: gedachte die Konigin von Salem / welche
unbekant bei uns ein zeitlang sich aufgehalten / der gegenwart des feindseligen
Beors aus Damasco zu entweichen. Ich stimte ihr hierinn bei /weil mir nun alles
in Damasco zuwider war / und namen wir also den schluss / hieher zu gehen: wozu
uns der Furst Cyniras / als wir ihm heimlich unsre gemutsmeinung entdecken
lassen / beförderlich erschiene / und uns selbst hieher zu begleiten / sich
anheisig machte. Wir erkiesten hierzu die vergangene nacht / und kamen also
glucklich davon. In der ersten herberge / eine meile von Damasco / traffen wir
gegenwärtigen Prinzen und Prinzessin an / die meine schwester nach E. Maj.
begleiten wollten. Diese /nachdem sie von uns alles erfaren / was in Damasco
fürgegangen / und wo E. Maj. anzutreffen wåre / begaben sich mit freuden in
unsere gesellschaft / und sind wir also miteinander hieher gelanget: da wir nun
uns allerseits glucklich schätzen / dass wir E. Maj. langverlangte gegenwart
wieder geniessen mogen.
    Also endete die betrübte Jaelinde ihre erzehlung /und nachdem die schöne
Königin ihr dafur gedanket /sagte Colidiane: wann ich auch so kürzlich E. Maj.
berichten könnte / was mir in Cus begegnet / und was meine beide durchleuchtige
reisgesellschafter hieher zu kommen beursachet / wollte ich von stund an meine
liebste Konigin damit vergnugen. Ich muss aber hierzu eine bequemere zeit
erwarten / da ich dann / E. Maj. damit zu vergnugen / bereit sein werde. Seit
versichert / werteste Prinzessin! (gabe die Königin zur antwort /) dass mich
hochlich hiernach verlanget. Ich will aber / etwas so seltenes zu vernemen / auf
eine gute zeit-musse versparen / und euch nicht so schleunig damit beunruhigen:
zumal ich eure allerliebste gegenwart länger / als einen tag / zu geniessen
hoffe.
    Nachdem sie hinauf die Cölidiane ümhalset /wandte sie sich folgends zu dem
Husan / und sagte: Wie ich verneme / so hattet ihr / mein vetter! mich in
verräterliche hände geliefert / indem ihr mein wohl-und übelgehen dem Abdastartus
anvertrauet; massen dieser scheinheilige die seite des Ninias wider mich hålt /
dessen todes er mich fälschlich versichern dorfen. Ich kann mich nicht bereden /
(antwortete Husan) dass Abdastartus so ein boswicht sein könne / massen seine
aufrichtigkeit mir furlangst bekant worden: und wollte ich schier / seine
unschuld zu behaubten / dahin stimmen / dass hierunter ein misverstand verborgen
sein musse. Ihr tut wohl / (antwortete die Konigin) dass ihr das bäste gläubet:
welches ich auch gern tun will / nun ich mich von dorter nichts arges mehr zu
befahren habe.
    Es ward hierauf raht gehalten / was / sowol auf diese / als auf die andere
von dem Rames aus Ober-Syrien erhaltene nachricht / ferner fürzunemen wäre. Der
schluss ware / dass Cyniras zu seinem herrvattern nach Hierapolis reisen / und die
Syrische völker / sobald Belopares Syrien wurde geräumt haben / herzu füren
sollte: welches dieser dapfere Fürst willigst übername / auch gleich den
folgenden tag sich dahin aufzumachen versprache.
    Es bewunderte aber der Husan nicht wenig / dass die Königin von Syrien mit
keinem worte des Elihu erwehnet / noch nach ihm gefragt hatte / den er doch für
ihren geliebten halten musste. Weil er nun vermutete / dass sie aus
schamhaftigkeit solches unterliesse /als wollte er hierin für sie das wort tun /
und erkundigte sich bei dem Cyniras / wie es diesem ihre vettern ergienge?
Selbiger berichtete hierauf / wie sie /durch angestellte genaue kundschaft / so
viel erfahren hätten / dass / auf fürbitte seines herrvattern des Baracheeel /
der Belochus dem Elihu zwar das leben geschenket / ihn aber zu ewiger gefängnis
nach Babel füren lassen. Ich beklage von herzen / (sagte hierauf die Königin von
Syrien) das verhängnis dieses edlen Fürsten / der / in hofnung / seinem
vatterlande und mir zu dienen / selbiges neben mir und ihme in dieses neue
unwesen gesturzet. Doch werde ich nicht ruhen /bis dieser Fürst / durch mich von
seinen banden erledigt / erfahren habe / wie ich gegen ihm ein erkentliches
gemüt hege und trage. Durch diese worte wurde der Husan in vergnugung / und die
Königin bei ihm in sonderbare hochachtung / gesetzet.
    Wie nun hierauf die gesellschaft sich voneinander begeben / und Cölidiane
bei beiden durchleuchtigen Aramenen sich allein befande / fragte sie nach der
dritten Aramena / die vordessen der Konigin vertraute kammerjungfrau gewesen.
Die Königin und ihre schwester / erröteten uber dieser frage / und erzehlten ihr
mit wenig worten / wie der Prinz Dison von Seir /der ietzund von ihnen gegangen
/ diese Aramena gewesen. Die Prinzessin von Caphtor vername solches mit höchster
verwunderung / und liesse hierauf der Konigin von Syrien keinen friede / bis sie
ihr erzählt / was / seit ihrer abwesenheit / in Damasco mit ihnen sich
zugetragen. Hiermit liefe nun der abend vollig zu ende / und versprache diese
Prinzessin der Königin hingegen / dass sie ihr folgenden tags auch erzählen wollte
/ wie es ihr in Cus ergangen / und wie sie daselbst ihrem liebsten Prinzen von
Gerar das leben gerettet hätte. Durch diese lezte worte / ward die schöne
Königin nicht wenig beunruhigt: weswegen sie auch /nachdem Cölidiane sie
verlassen / sich so sehr mit gedanken schluge / dass sie die ganze nacht hindurch
/zu keinem schlaff gelangen konnte.
                            Ende des Dritten Teils.
 
                               Der Vierte Teil:
                      Der Vermählten Freundschaft gewidmet
         Zuschrift an die vermählte Freundin: den Kupfer-Titel erklärend.
Edler keine Freundschaft ist / als Vermählter Seelen.
Liebe Tauben-Lieb Sie Beide Irdisch-seelig macht.
Ihre Treu / gleichwie der Demant / unter Schlägen lacht;
Spielt mit Wechselflammen-Schein / läutert alles quälen.
An Vergnügung kann es nie Ihren Herzen fehlen.
Bäumen gleich / Sie sich ümarmen / angetan mit Pracht
Eines Wachstums / der wie Reben / neue Frucht oft bracht.
Teure Zweig' auch macht der Himmel an dem Stamme zehlen.
Herzlich reicht hier Aramena dieser Freundschaft Pfand /
Zeigt den Ring der Trauungs-Treu / neuret das Versprechen /
Bis zum Tode dass ja nie dieser Bund soll brechen.
Unverändert und unendlich heist das Liebes-Band.
Lieb sich wird in Werken noch zu erkennen geben:
Gibt der Himmel ferner nur hier was zeit zu leben.
                                Das Erste Buch.
Der Königin Aramena ungedultiges verlangen / von der Prinzessin Cölidiane /
ihres Abimelech zustand zuvernehmen / war so häftig / dass sie kaum den
anbrechenden tag erwarten konnte / diese ihre begierde erfüllet zu sehen. Sobald
sie sich angekleidet / name sie allein die Ahalibama / als welche nun / nach
ihrer aussönung / ihre vertrauteste völlig wieder geworden /mit sich auf den
wagen / und liesse sich nach dem palast der Prinzessin von Caphtor führen: des
willens /dieselbe mit aufzunehmen / und also mit beiden in einen spazir-wald zu
fahren / welcher mitten in Aroer belegen war / und mit überausgrosser lust und
annemlichkeit prangete. Sie fanden aber diese Prinzessin noch in süsser ruhe:
daher die Königin / mit der Prinzessin von Seir / ihren weg allein füraus nach
erwähntem wäldlein name. Nachdem sie daselbst abgestiegen / giengen sie unter
den schattichten spazirgängen gemachsam fort / da der kühle morgentau / und der
annemliche geruch der bäume / neben dem leisen gesause der hin und wieder
verteilten springbrunnen / und die sonst daselbst wonende grosse stille / der
Königin gemute sehr ergetzete: und hätte sie keinen bequemern ort wählen mögen /
ihren unruhigen gedanken gehör zu geben.
    Werte Ahalibama! (sagte sie zu ihrer beigängerin) wie glücklich ist man doch
/ wan man seinen zustand nicht kennet! Die unvergleichliche Cölidiane liget iezt
in süsser ruhe / und weiss von keiner sorge: weil sie den Prinzen Abimelech fäst
und sicher für den ihrigen erkennet / und an dessen gegenliebe keinen zweifel
träget. Ich trage für sie die unruhe / die sie entfinden sollte / und quäle mich
bald zu todt / wan ich mir furstelle / wie diese unschuldige Prinzessin sich
wird gebärden / wan sie nun muss erfahren / dass Abimelech und ich sie betrogen
habe. Ach unveränderliche schickung des himmels / die unsere sinnen so
gleichförmig gemacht / zugleich an einem ort zu lieben! wie gern wollte ich
dieser Prinzessin weichen / wan Abimelech nur wollte. E. Maj. (antwortete hierauf
Ahalibama) seufzen zu diesem wunsch / und handlen auch darinnen gegen die
liebestreu / die sie dem Abimelech schuldig. Die gute Prinzessin von Caphtor ist
billig hoch zu betauren: sie ist aber so edel und grosmütig /dass sie sich
uberwinden wird / wan sie die eigentliche bewandnis dieser dinge erfåret / und
hielte ich für wohl-getan wan E. Maj. / und der Prinz von Gerar /ihr alles
schriftlich håtten geoffenbaret.
    Das ist zwar schon geschehen / (sagte die Konigin) der himmel hat es aber
also gefüget / dass unsere berichte ihr nicht in die hånde gerahten: zweifelsfrei
darum / weil auch ihn tauret / dass eine so tugendhafte Prinzessin soll dergestalt
betrübet werden. Ihr habt meiner seufzen wargenommen / Ahalibama! Ach ja! ich
bekenne / dass ich den Abimelech der Cölidiane nicht überlassen könnte / ohne ihn
noch beständig zu lieben. Ich wollte ihn aber mir und ihr zugleich sonder
eifersucht gönnen / wen dieser grossen Prinzessin es anständig wäre / des Königs
von Syrien neben-frau zu heissen / oder mein zustand leiden wollte / des
Philister-Prinzens zweite ehegesellin mich zu nennen. Wie aber dieses an beiden
seiten eine lautere unmöglichkeit ist / also quälet es mich üm so viel mehr:
weil ich kein mittel sehe / ihr zu helfen / noch länger ihr zuverschweigen
welcher gestalt sie sich selber betrieget. Ich bin aber hierin ja so furchtsam /
als mein Abimelech: welcher auch niemals ihr eröfnen können / dass er das Glück
nicht geniessen darf / ihre so edle liebe anzunemen. Wie verlanget mich doch /
bis ich von ihr verneme / was zwischen ihnen im lande Cus fürgegangen! Und mich
jammert / dass diese edle seele / so unschuldig / ihrer glücklichen mitbulerin den
zustand ihres liebsten eröfnen muss / sonder zu wissen / wie sehr sie mich mit
diesem bericht erfreue. Ich muss bekennen / (sagte Ahalibama /) dass bei dieser
sache alles sehr frömd und ungewönlich ist: doch zweifle ich nicht / dass es / so
unmüglich es auch scheinet / zu aller vergnügung endlich hinaus schlagen werde.
Dieser worte erfüllung wünschte die schöne Konigin weit mehr / als dass sie
dieselbigen hoffen dorfte.
    Damit kamen sie an einen brunnen / der rund umher mit grasbänken ümgeben /
und zum ruhen ein sehr bequemer ort war. Weil die Königin selbige nacht nicht
geschlaffen / als begunte sie einige müdigkeit zu entfinden: welches ihr anlass
gabe / sich auf eine von diesen grasbänken niederzulassen / da sie dann
allmählich in der Ahalibama schoss einschlieffe; welche sich damit ganz vergnügt
achtete / diese vollkommenste Königin / als nunmehr ihren edelsten schatz auf
der welt / nach der sie / seit ihres Eliesers tode / nichtes mehr häftig liebte
/ also in ihrer verwahrung zu haben. Sie dankte tausendmal bei sich selbst dem
himmel / dass sie mit dieser grossen Königin wieder ausgesönet war: massen sie
deren fernere ungnade nicht hätte ertragen können. Wie sie nun also bei sich
selbst / so wohl den Syrischen als Seirischen verwirrten zustand / überlegte /
vername sie unfern hinter den dicken büschen jemand sich rühren. Als sie
begierig das ohr dortingewendet / hörte sie die person oft seufzen; und stunde
es nicht lang an / da sang dieselbe ein lied / dessen worte Ahalibama alle ganz
deutlich verstehen kunte / und lautete solches also.
Du schnöder wollust-siñ /
dem ich den zaum gelassen!
Du machst mich selbst mich hassen /
wess ich so ganz dahin
die Erbarkeit gesetzet /
und mich damit ergetzet /
dass ich beschämt nun bin.
Weiss niemand schon die Schuld /
in der ich mich vergangen:
ich darf darum nicht prangen.
Ich hab des Schöpfers huld
verscherzt / der alles sihet /
dess Straff man nicht entfliehet /
ob er schon übt gedult.
Was hilft mich dann / dass man
mich strafbar nicht erkennet?
da mich das bose brennet
und nagt / so ich getan.
Mein urteil ich selbst spreche /
und nicht verheel noch schwäche /
was mich verdammen kann.
Weil dann auf erden nicht /
ein trost für mich zu zehlen:
will ich den himmel wählen
dem nur es nie gebricht
an güte und erbarmen:
Ich weiss / der wird mich armen
nicht ziehen vor gericht.
Sein trost / wird meiner Reu
gewünscht zu statten kommen;
was ich mir selbst genommen /
ersetzen / und aufs neu
mit unschuld mich bekleiden.
Das / was er nicht kann leiden /
ich auch hinfüro scheu.
Ich sag dann allem ab /
was mich je kann verleiten.
Der eitelkeiten säiten
und klang mich nicht mehr lab.
Die freude dieser erden /
soll mir ganz freudlos werden.
Nichts wünsch' ich / als das grab.
    Ahalibama vername / so wohl aus dem inhalt / als aus dem tone / dass die
jenige Syrische fürstin dieses busslied angestimmet / welche gegen den vermeinten
ritter Dison / der nun Aramena vorstellte / einige schwachheit entfunden hatte.
Wie sie nun hierauf noch begieriger zuhorchte / ihr ferneres beginnen zu
vermerken / brachte sie diese Fürstin in die augen /und zwar von der Prinzessin
Jaelinde vergesellschaftet / welche sie also reden hörte: Liebste Furstin! unser
beider zustand bleibet allemal unterschieden /ob gleich die liebe uns zu erst
gleich unglücklich gemachet. Ihr bereuet eure liebe / nun euer Dison euch
abgestorben: ich aber kann meines todten Cimbers nicht vergessen / weil ich mich
erinnere / dass meine wahl so edel und ohne tadel gewesen. Zwar ist / der rest
meiner liebe gegen diesen unvergleichlichen Fürsten / also beschaffen / dass ich
deswegen keine eiversucht noch unruhe in mir entfinde / sondern vergnugt sein
wollte / wan ich die Konigin von Syrien zu meiner mitbulerin nur bekommen könnte:
weil ich dadurch / die edle gebeine dieses ihres getreuen liebhabers /noch zu
erfreuen gedächte. Der himmel hat / wider unsren willen / (antwortete die
Fürstin) für uns beide gesorget / indem er den für mich gar zu schönen Dison in
die Aramena verwandlet / meiner Prinzessin aber / durch des Cimbers tod / den
weg gewiesen hat /dem ihr-bestimmten Adonisedech ihr herze zu geben. Ach weh!
(widersprache die Prinzessin) üm dess willen hätte der grosse Cimber nicht dörfen
sterben: massen dieses opfer / für die erlangung meiner ruhe / viel zu edel
gewesen.
    Sehen sie wohl / Prinzessin! (sagte hiernächst die Fürstin) meinen ehmaligen
bulen dort ankommen? Ich kann ja / sonder schamröte / die gesellschaft dieser
Prinzessin nicht geniessen. Diese worte machten die Ahalibama noch aufmerksamer
/ weil sie verlangte /ihre Aramena mit dieser Fürstin reden zu hören. Es stunde
nicht lang an / da vername sie dieser schönen ihre stimme / die also zu der
andern redete: Finde ich euch dann stäts betrübt beisammen / werteste
freundinnen! Sol dann / das trauren meiner liebsten Fürstin /nimmermehr aufhören
/ da sie ja nun weiss / wie herzlich ihr Dison sie liebt? Und will meine
Prinzessin niemals ermüden / die edle gebeine des Cimbers mit ihren klagen zu
beunruhigen / da ihr ja nun bekant ist / dass dieser Fürst sie nicht lieben
können? Gönnet mir doch beiderseits / da ich allein die ehre habe /eure
vertraute zu heissen / dass ich möge linderung euren wunden geben. Es kann euch
einerlei mittel heilen / nämlich die vergessenheit. Wan ihr alle beide das
vergangene aus den gedanken schlaget / so werdet ihr leichtlich eure verlorne
ruhe wieder erlangen können. Dieser raht / grosse Prinzessin! (hörte Ahalibama
die Fürstin antworten) ist so heilsam / dass ich den gern annemen wollte / wan ich
gläuben könnte / dass der schöne Dison ebenfalls vergessen werde / was zwischen
uns fürgegangen. Gläubet mir / werte Fürstin! (sagte die Prinzessin von Syrien)
dass / die erinnerung dessen / meine liebe und hochachtung gegen euch sehr
vermehret: dann ich / eure edle reue und dapfere überwindung eurer selbst /
bewundere / und eure tugend /die in euch die oberhand behalten / billig liebe
und verehre. Diese reue (gabe die Fürstin zur antwort) spricht mich nicht frei
von meinem schändlichen vergehen / und müste ich des todes sein / wan / auser
euch beiden / einiger mensch auf erden von meiner torheit wissen sollte.
    Das soll mit mir ins grab sterben / (widerredte Aramena) und weiss ich
Jaelinde eben so gesinnet. Dieses bedarf keiner versicherung (sagte diese
Prinzessin) und begehre ich ja so heimlich mit eurer begebenheit zu sein / als
wie ich kein bedenken trage / die meinige nun offenbar zu machen. Deinen raht
aber / werte Aramena! meines Cimbers zu vergessen / kann ich nicht annemen: und
werde ich keinen scheu haben /aller welt zu gestehen / dass ich den grossen
Cimber geliebt. Diese bekentnis / kann allein meine ruhe mir zu wegen bringen:
und will ich ihm / nach seinem tode / bei deiner schwester dienen / in
offenbarung der häftigen und ehrerbietigen liebe / die er zu dieser schönen
Königin getragen / von der ich allein zeugnis geben kann. Was hilft es aber
meiner schwester / (antwortete Aramena) wan sie die liebe des Cimbers erfäret?
sollte nicht viel eher ein hass gegen diesem armen Fürsten / als einiges mitleiden
/ hierdurch bei ihr verursachet werden? Das sei ferne / (widerredte Jaelinde)
dass der Königin von Syrien edles gemüte gegen dem jenigen einen hass sollte hegen
können / der / mit der ehrerbietigsten liebe / ihre schöne bis in seinen tod hat
verehret. Ich will vielmehr gläuben / und hoffen /eine mitbulerin an ihr zu
bekommen: üm dadurch iederman zu zeigen / dass meine wahl edel gewesen /weil die
gröste Königin der welt hierinn meine gesellin wird. Was andere scheuen / das
verlange ich am meisten / und finde darin den unterschied / zwischen der liebe /
zu einem lebenden und todten: dass nämlich diese sonder eigennutz / mehr auf die
geliebte Person / als auf sich selber sihet / da jene das eigene vergnügen am
meisten beobachtet.
    Ahalibama / die diesen unterredungen mit sonderbarer belustigung zuhörte /
sah indem eine grosse menge von leuten ankommen: unter denen sie / im
herannähern / die Königin von Salem / den Prinzen von Egypten / die
Prinzessinnen von Cus und Caphtor / und den Dison ihren bruder / erkente: deren
geräusche die Königin von Syrien aus ihrer sussen ruhe brachte / welche eben
erwachte / als ihre geliebte Cölidiane nun nahe bei ihr stunde. Weil diese
angeneme mitbulerin im traum ihr hatte gesellschaft geleistet /als ware sie ihr
auch nun im wachen üm so viel angenemer: und bezeugte sie ihre freude / durch
ein freundliches ümarmen / womit sie diese schöne Prinzessin wilkomm hiesse. Wie
nun die Königin von Salem / neben den andern / sich auch genähert / und die
beide Prinzessinnen Aramena und Jaelinde dazugekomen: bote die schöne Cölidiane
sich an / in gegenwart so ansehlicher gesellschaft zuerzehlen wessen sie
gestriges tages bei der Königin von Syrien sich hatte anheisig gemachet. Diese
hätte zwar lieber allein von ihrem Abimelech / vieler betrachtungen halber
/mogen reden hören. Weil sie aber das verlangen der andern verspürte / sagte sie
nichts dagegen / sondern ermahnte vielmehr die Prinzessin / diesem ihren
vorhaben nachzusetzen.
    Ich finde mich so bereit und färtig / (sagte Cölidiane /) meine Königin und
diese gesellschaft in allem zu vergnügen / dass alsofort ihrer aller wille soll
von mir erfüllet werden. Ich weiss auch / der Prinz Amosis /neben der Prinzessin
Danede / werden ja so friedlich sein / dass man alhier ihre begebenheiten erfahre
/ als verlangig meine durchleuchtige zuhörer sein mögen /so wohl ihre / als des
edlen Erydanus und der andren Arabischen Könige / lebenslauf zu vernemen. Dan
die Cusitische geschichten und was mir dabei begegnet ist / deutlich zu erklären
/ muss ich alles / was eine zeiter / so wohl in Egypten / als in Meden / Saba
/Arabien / bei den Nabateern / und nun lezlich in Edom und Seir fürgegangen /
zusammen tragen / wan anderst meine erzehlung einige vergnügung erwecken soll.
Deren weitlåuftigkeit aber wird meinen zuhörern nicht misbehagen: weil ich viel
hörenswürdige dinge vorzutragen habe / auch die zeit und das kuhle gewitter uns
dazu beförderlich sein wird. Wie nun hierauf iedes in der gesellschaft sein
verlangen / auch Amosis und Danede ihre genemhaltung / dass man ihre abenteuren
erführe / bezeuget: namen sie die schöne Cölidiane mitten ein / und als sie sich
in die runde üm sie gelagert / hube / nach einer allgemeinen stille / diese
Prinzessin also an zu erzählen /
                           Die Arabische Geschichten.
Meine durchleuchtige zuhörer sollten wohl billig bewundern / wie in so kurzer zeit
/ die ich in Cus gewesen / die kentnis aller begebenheiten in Arabien so
umständlich habe erfahren können. Ich vor-berichte aber / dass nicht allein /
weil das Glück zu gegenwärtiger Prinzessin Danede mich gefüret / ich von
derselbigen viele nachricht erhalten / sondern auch der weisse Cussite Balaat /
und die Fürstin von Saba / die Sapha / mir von allem unterricht gegeben / was
mir nun dienlich sein kann / die lezte Arabische begebenheiten vollig alhier zu
erzählen. Diese grosse Reiche / die ich alle unter dem Arabischen namen begreife
/ teilen sich vornemlich in Saba und Cus / und in die beide furstentumer
Nebajot und Hevila: wiewol einen absonderlichen teil dieser länder der Konig
Arieus / unter dem namen des Königs von Arabien / beherrschet /und also die
fünfte regirung machet. Saba / hat zur Konigin / die dapfere Petasiride. Cus /
wird beherrschet / von dem König Scheba. Der edle Nebajot /regiret sein
fürstentum. Und der berümte Jetur / der sich auch Macres nennet / ist neulicher
zeit regent in Hevila worden. Alle diese herren / stammen ursprunglich von dem
Eber / nachgehends aber von dem grossen Abraham her: wie dann dessen sohns / des
fürsten Ismael / kind und kindeskind / dieser Nebajot und Jetur sind; auch
Arieus / Scheba und Petasiride / von dem Peleg teils ihre abkunft haben / wiewol
Scheba von des vatters seite unter die Canaaniter sich muss zehlen lassen.
    Der so listige als dapfere Nadias / ein bruder des vorigen Königs in Arabien
/ suchte sein Glück in Meden / weil er in Arabien fur sich nichts funde / dass
seine ehrsucht vergnügen können: und hat er / bei dem Könige aus Meden / dem
Sisimordacus / sich dermassen eingebrüdert / dass der ihn nicht allein zu seinen
Reichsstattalter machte / sondern ihm auch seine einige schwester zur ehe gabe.
Wie aber dieses alles seinen hochmut nicht zu stillen oder zu vergnügen vermocht
/ also sezte er alle erkentlichkeit und tugend aus den augen / wie er eine
bequeme gelegenheit absah / sich selbst zum Konig zu machen / und scheuete sich
nicht / die greuligste bosheit zu begehen: weil der zweck / das reich Meden zu
beherschen / andern nicht konnte erlanget werden. Er bemächtigte sich demnach /
als er alle die grossen des reichs auf seine seite gebracht / der person des
Königs / wie auch des ganzen Königlichen samens / liesse die allesamt grausamlich
hinrichten / und sezte damit die kron von Meden auf. Doch entkamen seiner wut
die beide tochter des Konigs / und wurden / durch hülfe des Nadias tugendhafter
gemalin / heimlich bei leben erhalten. Chinzira die ältste von diesen beiden /
entkame nach Petra / in der Nabateer land: da nachgehends des Fürsten Ismael
ältster sohn / der Nebajot /sie ehlichte; dem sie zwei sohne / als den jungen
Nebajot / und den Hadar / geboren. Die Prinzessin Evechoa / ihre schwester /
fuhrte ihr Glück in weit entfernte länder / und zwar in Kytim: da sie an den
damaligen Fürsten der Janigener / den Blascon / verehlicht worden und ihm die
Prinzessin Hermione geboren / aber damit den geist aufgegeben.
    Wie nun hierauf der Nadias das Medische reich ruhig beherschet / und nach
dessen tode / sein tugendliebender sohn / der unvergleichliche aber unglückselige
Pharnus / diesen zepter geerbet / trachtete dieser äusersten vermögens dahin /
durch gerechte regirung den zorn des himmels von sich abzuwälzen / den er nicht
unbillig befahrete. Er stunde auch dem reiche so wohl fur / dass die Meden unter
diesem König sich uberseelig schäzten / und allen bis dahin wegen des Nadias
tyrannei und unrechtmäsiger erlangung der krone / gehegten groll / üm dieses
seines edlen sohns tugenden willen / meist aus den gedanken sezten. Ihre ruhe
und glückseeligkeit wurde / durch die heurat ihres Konigs mit der Armenischen
Prinzessin Barsine / vollends auf den höchsten grad erhoben: massen diese grosse
Königin / ihrem gemal an tugend nichtes nachgebend / seine lobliche regirung mit
ihrem unsträflichen wandel sehr erleuchten halfe. Also wurde durch dieses edle
par / das land Meden in solchen flor gebracht / dergleichen es noch nie vor dem
gesehen hatten.
    Die frucht nun dieses keuschen ehebettes / war die schöne Prinzessin Delbora
/ welche / als eine einige tochter / für die kunftige Reichs-erbin angesehen
wurde: deshalben dann viel frömde Fürsten und herren sich am Medischen hof
einfunden / dieser jungen Delbora aufzuwarten. Sie wiese aber / in so zarter
jugend / solche seltene gaben und geschicklichkeiten / des leibes und gemütes /
dass die anwartung zur Medischen kron die schwächste kette war / so ihre
vielfältige aufwärtere in Rages anfåsselte / sondern bloss ihre person das meiste
hierbei täte / und ihr alle ankommende frömden zu slaven machete. Weil Pharnus
/ als vom Arabischen geblüt entsprossen / auch viel Arabische herren unter
seinen geheimen räten hatte / als waren diese / aus liebe zu ihrem vatterland /
gar sorgfåltig / dass ein Arabischer Fürst ihre Prinzessin / und folgbar die
Medische kron / erlangen möchte. Daher nach Naphis / Petra und Hevila / wie auch
nach Jauan an des Arieus hof / vielfältige anmanungen abgiengen / dieses gluck
nicht zu versäumen / sondern äusersten fleisses sich darum zubewerben.
    Diese zeitung / erweckte gleich an allen diesen höfen eine eifersucht / da
jeder besorgte / es möchte ihm der andere zuvorkommen. Arieus sandte den Prinzen
Mardocentes / seinen jüngern sohn / ganz heimlich an den Medischen hof: den
ältern welcher Parannus hiesse / als seinen Kron-erben / bei sich behaltend.
Mardocentes / als mit dem König Pharnus nahe befreundet / wurde zu Rages sehr
wohl entsangen und nichts gesparet / ihn in allen wissenschaften geschikt zu
machen: worzu er auch sich so fähig zeigte /dass jederman ihn lieben musste. Als
der König von Cus hiervon vernommen / fiele ihm in den sin / seinen einigen sohn
/ den Eridanus / auch nach Rages zu schicken. Dieses Konigs wunderbarseltsames
gemüt hierbei zu beschreiben / kann ich nicht wohl ümhin / ob gleich die
Prinzessin seine tochter allhier mit zugegen ist: dann sie selber deswegen mehr
als zuviel widerwårtiges hat erdulten müssen.
    Dieser Scheba / so mit der tugendhaften Königin Lilit / der Königin von
Saba mutter schwester / gegenwärtige Prinzessin Danede und den Prinzen Eridanus
erzeuget / liebte üm selbige zeit die tochter so sehr / als er den sohn
angefeindet: und durch diese beide bewegungen angereitzet / ward er entschlossen
/die tochter zur erbin seines reichs zu machen / dem sohn aber die Medische kron
zu erlangen. Was ihn am meisten in diesem vorsatze stårkte / war die ungemeine
eiversucht / die er gegen seinen eigenen sohn zu fülen begunte / weil er den von
allen seinen ständen geliebter als sich selbst sah: und beneidete er an dem
Eridanus die tugenden / die sonst diesem Prinzen bei der ganzen welt liebe und
bewunderung erweckten. Eliphelet / sein vertrautster freund und schändlicher
ohrenbläser / dem in bosheit auch Lucifer selbst nicht kann überlegen sein /
unterhielte meisterlich diese einfälle seines herren: massen ihm hoch daran
gelegen war / dass der Prinz aus dem weg käme /damit er sein verlangen / die
Danede zu ehlichen / und also die Cusitische kron aufzusetzen / ungehintert
erlangen könnte.
    Der Prinz / welcher damals zwanzig / und die Prinzessin vierzehn jahre auf
sich haben mochte / reisete davon / nicht sonder trauren des ganzen landes: der
aber ganz freudig war / durch diese gelegenheit die weite zu besehen. Wer diesen
Prinzen kennet wird leicht urteilen können / dass er in Meden müsse angenem und
willkom gewesen sein. Weil anfangs die rechte ursach seiner dahinkunft nicht
gemeldet worden / als blieben Mardocentes und er gute freunde / und erzeigte die
junge Prinzessin Delbora ihnen beiden gleiche gute / als dass keiner von ihnen
sich über sie beklagen kunte.
    Der Fürst Nebajot / und sein bruder Mibsam von Hevila / wollten nicht
weniger / als die andern / ihr heil am Medischen hofe versuchen / und jener den
jungen Nebajot / dieser den Jetur / nach Rages schicken. Die Furstin Chinzira
/ Nebajots gemalin /vername nicht sobald das fürhaben ihres gemals / da suchete
sie solches auf alle weise zu hintern. Dann /ob sie schon mit ihrem gemal
einerlei Meinung und verlangen fürete / ihrem sohn den Medischen tron zu
erwerben: wollte sie doch durch einen ganz andern weg / und nicht durch
verbindung mit des Nadias geblüte / sondern durch ausrottung desselbigen / ihn
hierzu gelangen machen. Diese grosmütige Prinzessin hegte stäts in ihrem herzen
den fästen fursatz / die ihrigen an dem Pharnus und dessen samen dermaleins zu
råchen. Sie hatte aber ihr absehen auf die streitbare Celten gerichtet / mit
denen sie durch ihre verstorbene schwester beschwiegert war. Demnach beredte sie
ihren sohn / beschwure ihn auch hierzu mit vielen eiden dass er heimlich / an
statt nach Meden zu gehen /in Celten reisen / zu Trier an des Bojus hof üm die
gunst der Prinzessin Hermione / die ihrer schwester tochter war / sich bewerben
/ hierdurch alle ansprüche an Meden auf sich allein bringend / mit hülfe der
Hermione anverwandten / den Pharnus bekriegen und also des Sisimordacus und
ihrer brüder vergossenes blut rächen sollte. Der dapfere Nebajot ware diesem
ansinnen seiner grosmütigen mutter nicht entgegen /und name freudig diese reise
auf sich / dessen der alte Nebajot nicht innen wurde. Es fügte sich auch / dass
der mutige Jetur von Hevila diese ferne reise mittåte: als welcher dazumal
einen abscheu vor der liebe hatte / und also lieber den weg nach Celten / als
nach Meden und der Delbora aufzuwarten / erkiesen wollte.
    Mitlerweile aber diese beide ausen waren / sturbe die Furstin Chinzira:
erlebte also nicht / die rache über Meden zu sehen / wie sie ihr unaufhörlich
gewunscht hatte. Sie hinterliesse aber eine schriftliche erinnerung an ihren
sohn / dass er ja diese rache an des Nadias geschlechte nicht unverubet lassen
sollte. Nabajot und Jetur kamen endlich beide wieder in Arabien / und zwar
jener / nach seiner fraumutter wunsch und verlangen / in die Hermione / der
Prinz von Hevila aber / in die Roma Prinzessin von Kitim / verliebet: wiewol mit
dem unterschiede / dass Nabajot ungeliebet / Jetur hingegegen hochstvergnügt /
von seiner geliebten abgeschieden war. Wie dann dieser hernach zum andern mal
wieder nach Celten gereiset / ungeacht der Mibsam sein herrvatter sich diesem
vorhaben sehr widersetzet. Aber Nebajot / üm so wohl seinen herrvattern durch
gehorsam wieder zu befriedigen /als seiner fraumutter ermanung nachzukommen /
liesse sich bereden / auch nach Meden zu gehen: von dar sie zeitung und nachricht
erhalten hatten / dass Delbora noch zur zeit für allen ihren aufwärtern ihr herz
frei bewaret hätte. Doch triebe ihn hierzu mehr seine ehrsucht / als der Delbora
person: die er damals noch nicht / sondern das Medische reich meinte / welches
er ihr / als rechtmäsiger erbe / bestreiten wollte. Unterwegs / ehe er in Rages
angelanget / machte er kundschaft zu Nazada mit einem vornemen Medischen herren
/ dem Sardes / der bei seinem grosvatter / dem Konig Sisimordacus / in diensten
gewesen: welcher durch seine freude / die er / den enkel seines Konigs zu sehen
bezeugte / dem Nebajot anlass gabe / eine vertreuliche freundschaft mit ihm zu
stiften / und seines beistandes bei vorkommender gelegenheit sich zu bedienen.
Dieser nun unterrichtete ihn von dem zustande des ganzen Medischen hofs / also
dass er / noch vor seiner ankunft / denselbigen schon kennte; und gabe ihm alle
die einschläge / die er nachgehends werkstellig gemacht.
    Wie er nun zu Rages erschienen / erzeigte ihm der Konig so wohl / als die
Konigin / ungemeine ehre / und erwiesen sich dabei so erfreuet / das Nebajot
alsobald nicht anderst urteilen konnte / als dass unter diesen liebkosungen einige
Stats-ursachen müsten verborgen ligen. Diesem beispiel des Pharnus und der
Barsine folgte der ganze hof / auser dem Mardocentes und Eridanus: welchen
beiden es gleich zu anfangs der sin zutruge / das dieser neue ankomling ihnen
eintrag tun würde. Es waren aber diese mitbulere damals sehr eiverig / und
meinte ieder von ihnen / der schönen Delbora gunstgewogenheit zugewinnen: zu dem
ende sie allerhand dienste aussonnen / und damit bei ihr einer den andern zu
übertreffen sich beflisse. Nebajot / der nicht gewillet war / auf diese art mit
ihnen einzuhalten / beklagte in seinem sin nichtes mehr / als dass er den König
von Meden so gerecht / die Konigin so tugendhaft / und die Prinzessin so
wunderschön befande. Und weil diese ihn öfters in seiner Entschliessung / seines
grosvatters blut zu rächen / wanken machte: als vermiede er / so kräftigen
bezauberungen zu entgehen / alle gelegenheit / die schone Delbora zu sehen; wie
er dann zugleich auch / so viel müglich /von hofe sich absonderte / üm der
übermässigen gnaderweisungen des Konigs und der Königin überhoben zu bleiben.
    Es hatten aber sie beide diesen Ismaelitischen Fursten / als den enkel des
Sisimordacus / und folgbar rechtmåssigen erben des Medischen trones / aus trieb
der tugend und ihres gewissens / auserkieset / mit der Delbora den Medischen
zepter ihm zu zu wenden: auf dass also / mit gutem fug und reinem gewissen / ihre
tochter / nach ihnen / dieses reiches erbin verbleiben könnte. Weil sie
vermuteten / dass Nebajot dieserwegen / gleich den andern / nach Rages würde
gekommen sein / als erachteten sie fur unnotig / ihm alsobald an die hand zu
geben / wozu er von selber sich antragen wurde. Inzwischen aber vermaneten sie
die junge Delbora / dass sie dem Mardocentes und Eridanus / wie auch den andern
anwesenden Medischen Fursten / mit gleicher kaltsinnigkeit und sonder
verbindlichkeit begegnen sollte: die dann / als eine gehorsame tochter und
verständige Prinzessin / dieser lehre also wusste folge zu leisten / dass so wohl
ihre eltern /als auch ihre aufwärtere / ursach hatten / mit ihrem bezeigen wohl
zu frieden zu sein.
    Gleichwie nun aber Nebajot fast bei seiner Meinung verblieben / sich auf
alle weise des Medischen reiches zu bemächtigen / also brachte er / durch hülfe
des Sardes / den er zu Nazada kennen gelernet / bald zu wegen / dass viel grosse
des reichs / unter denen Hamram der Stattalter in Meden sich selbst mitbefunden
/ auf seine seite traten / und heimlich zu Rages ihre versamlungen anstellten:
alda sie sich beredten /wie ihr grosses fürnemen könnte werkstellig gemacht
werden. Viele unter ihnen / stimten auf die hinrichtung der Königlichen
personen: worein aber Nebajot ganz nicht willigen wollte / sondern vielmehr
seinem feind öffentlich unter augen zugehen verlangte. Also ward endlich unter
ihnen beschlossen / dass Sardes in der landschaft Phanaspa einen aufstand erwecken
/und / wan er ein zimliches volk wurde beisammen haben / den Nebajot dessen
berichten / alsdan dieser sich dahin begeben / wider den Pharnus sich öffentlich
erklären / und sein recht an Meden auch seine rache wegen des vergossenen blutes
seiner vorfahren /anten sollte. Man konnte aber dieses grosse fürhaben so verborgen
nicht treiben / dass nicht bei hof etwas davon erscholle / wie nåmlich in
Phanaspa eine aufruhr obhanden wåre. Diesem nun fürzukommen / befahle der König
dem Stattalter Hamram / mit etlichen Völkern in ermeldte landschaft zu gehen /
und warhafte erkundigung hiervon einzuholen / auch die verdåchtigsten beim kopf
zu nemen. Hamram / der selbst mit unter diesem anschlag verborgen lage / fand
nichts gewünschters / als eben dieses / ihr vorhaben wohl hinaus zu füren. Er
sprache auch den wankenden Nebajot mit auf / dass er gleich mit fortgehen sollte.
Diesem aber war so eine hinterlist ein greuel / und beklagte er von herzen / dass
ihm die mittel mangelten /sich öffentlich seinem feind unter augen zu stellen.
Jedoch / weil er einmal eingestiegen / sah er kein ander mittel / als in diesem
handel fortzufaren: liesse ihm demnach gefallen / mit nach Phanaspa zu reisen.
Alle grossen bei hof leisteten ihm gesellschaft / absonderlich Mardocentes und
Eridanus: weil keiner dahinten bleiben / sondern ieder seine dapferkeit erweisen
wollte.
    So bald aber dieses bei hof erschollen / dass Nebajot mit fort wollte / wurde
ihm von wegen des Konigs angedeutet / dass er dieses furnemen einstellen sollte.
Solches erregte in ihm eine nicht geringe befrömdung / und wusste er nicht / was
er hiervon gedenken sollte. Wie nun die Königin diese seine verwirrung an ihm
warname / die sie zwar seinem dapfern muht zuschriebe / fand sie gelegenheit /
mit ihm allein zu reden. Ich sehe / Nebajot! (sagte sie wider ihn) dass ihr
betrübt seit / üm dass man eure reise nach Phanaspa abgewendet. Wisset aber / dass
solches zu euren båsten geschehen: dann eure gegenwart in Phanaspa / wurde eher
die unruhe daselbst vermehren / als abstellen. Die einwoner selbigen landschaft
/ haben den unglücklichen Sisimordacus viel zu lieb / dass sie dessen enkel sollten
anschauen konnen / sonder einen aufstand wider uns zu erwecken. Ist demnach zu
besorgen / unser hof mochte die ehre der angenemen gegenwart des Fürsten der
Nabateer verlieren / und euch dörfte viel ungelegenheit zuwachsen: welches
alles ich gern verhutet sähe. Man kann erachten / wie / diese verbündleche reden
der Barsine / dem Nebajot müssen das herz gerüret haben: der dann / grossmut mit
grossmut zu erwidern / sich bald selber vor ihr angeklagt hätte / wie dass er eben
das bei denen von Phanaspa suche /wofur sie ihn warnen und schirmen wollten. Wie
er aber solches / eben so wenig / als einige andere schikliche antwort /
furzubringen wusste / kame die schöne Delbora zu ihnen / als von der Konigin
beruffen / üm den Nebajot bereden zu helfen / dass er sonder verdruss bei ihnen
in Rages verbleiben wollte. Barsine liesse sie allein beisammen / und verrichtete
darauf die Prinzessin den befehl ihrer fraumutter / mit solcher wolredenheit und
annemlichem wesen / dass dieser Furst / der Hermione gänzlich vergessend / aus
diesesmal völlig die freiheit verlore / die er / so lang er in Rages gewesen /
so ämsig vor ihr bewaret hatte.
    Indem er nun also / so wohl über der tochter reden /als über der mutter
gefurtem gespräche / ganz verwirrt stunde / brachte ihn aus dieser angst / des
Prinzen Eridanus ankunft: welcher mit eiversucht die zusammensprache dieser
beiden wargenommen / und so ungern seinen mitbuler daselbst sah / als froh
derselbige hingegen war / sich durch dessen gegenwart von einem so gefärlichen
gespräche erloset zu sehen. Sobald demnach der wolstand es litte / liesse er den
Eridanus bei der Prinzessin allein: der dann / wie er gewonet / der Delbora / mit
der beweglichsten art von der welt / seine liebe furbrachte; von ihr aber keinen
andern trost erlangte / als dass sie über seiner künheit nicht zürnte / und
geschehen liesse / dass er ihr sein leiden entdecken dorfte. Wan ihn seiner liebe
heftigkeit triebe / einige erklärung von ihr zu fordern / erlangte er niemals
einen andern bescheid / als diesen: wie dass sie es lediglich ihren eltern anheim
stelle / ihr zu befehlen / wen sie lieben sollte / denen sie dann unweigerlich
gehorchen wurde. Dieses dienete dem edlen Prinzen etlicher massen zum trost / so
fern er nämlich ihm einbilden konnte / dass der König und die Königin auf seine
Person zielen möchten. Mardocentes war hierinn gleich glückselig / weil er von
der Prinzessin /eben diese erklårung vername / und er nit minder auf des Königs
wahl hoffen dorfte.
    Wie nun diese beide verliebten mit dem Medischen heer nach Phanaspa
abreiseten / des fursatzes / sich in diesem zuge dapfer zu halten / damit ihre
geleistete dienste in betrachtung gezogen werden / und ihnen die schöne Delbora
zu wege bringen mochten: bliebe der verwirrte Nebajot in Rages zurücke / und
liebte nun die jenige / deren haus er ausrotten wollte. Er fülete auch deswegen
in ihm selbst einen häftigen streit / da einerseits seiner mutter befehl /
seines grossvatters vergossenes blut / und der nun fortgehende anschlag /in
welchen er die grösten des reichs durch seine beredung eingewickelt / ihm für
augen stunden; anderseits aber die unvergleichliche Delbora / ihre unschuldige
tugendhafte eltern / und die guttaten / die er von ihnen entfienge / ihm in den
sinn kamen. Er dorfte auch keinen augenblik verseumen / einen gewissen schluss zu
sassen / ober den aufstand wider den Konig fortsetzen / oder einstellen sollte?
Er gabe / in einem tage / seinem leuten über huntert widrige und gegeneinander
laufende befehle. Bald wollte er fortreisen /um dem Hamram nach Phanaspa zu
folgen; bald aber diese reise wieder einstellen. Er hätte sich gern in zwei
teile gerissen: üm so wohl gegen / als fur den König fechten zu konnen. Hamram
ware halb unwillig von ihm geschieden / weil er seine änderung ersehen / und
hatte nicht unklar sich vermerken lassen: wan ia Nebajot so leichtsinnig sein
wollte / seine gebür nicht zubeobachten / so wollte doch er nicht nachlassen / des
Sisimordacus tod zu rächen / und Meden von dem unschuldig vergossenen blut frei
zu machen.
    Wie nun Nebajot etliche tage sich also gequälet /und inzwischen nicht nach
hof gekommen / entschlosse er sich endlich / dem Hamram zu folgen /und bestellte
bei nacht seine leute / um heimlich hinweg zu gehen. Er wusste aber nicht / dass
der Konig ihn bewachen liesse: welcher / aus fürsorge und befahrung / dass des
Fürsten dapferer muht ihn möchte seine befehl überschreiten machen / dieses also
verordnet hatte. Der haubtman von der wacht der den Nebajot anzuhalten
befehligt worden / täte ihm die hochste versicherungen / dass solches aus keiner
ungnade des Königs / sondern bloss aus sorgfalt für seine person herrüre / und
sollte er in Rages alle freiheit haben / die er selbst begehren würde. Der
besturzte Fürst / war mit diesen versicherungen nicht zu frieden / und nicht
anderst vermeinend / als dass der Konig üm alle seine anschläge wusste / wollte er
schier verzweiflen. Er warfe sich aufs bette / und nicht wissend / was er täte
/ fürete er die verwirrtste reden / die niemand recht verstehen konnte. Als der
hauptman von der wacht / dem Konig alles anbrachte / hielte dieser es für
würkungen von Nebajots dapfrem muhte /name daher anlass / ihn noch mehr zu
lieben. Er hatte eben eine reise / unfern von Rages / auf eines seiner
lustäuser angestellet: dahin er mit dem ganzen hofe sich verwandelte / und
etliche zeit daselbst verbleibend / solchergestalt dem Nebajot alle gelegenheit
bename / seine missetat / wie er willens war / dem König freiwillig zu erofnen
/ als welche er doch schon fur halb entdekt achtete.
    Wie aber / die anhaltung dieses Fürsten / allerhand reden in Rages erweckete
/ also stunde es auch nicht lang an da erfuhre solches auch der Hamram auf dem
hinzuge nach Phanaspa: der dann / besorgend / dass aller anschlag verrahten wäre /
in einer nacht / mit seinem leuten / von dem Königlichen heer sich absonderte /
und eiligst nach Phanaspa sich begebend / mit des Sardes hülfe / daselbst alles
zum öffentlichen aufstand wider den Pharnus erregte / auch sich so stark machte
/ dass / wie der unterfeldherr / neben den Prinzen Eridanus und Mardocentes /
hernachkame / sie den Hamram / fast stärker als sie waren / im anzuge gegen sie
begriffen fanden. Dieser aufstand wurde gleich nach hof berichtet / und kame
solches dem Konig um so viel fromder vor weil er niemals des Hamrams treue in
einigen zweifel gezogen. Man sandte alsofort / dem unterfeldherrn / mehr völker
zu hulfe: und wie es mit dem Hamram zum treffen kame / täten beide junge
Prinzen / der Mardocentes und Eridanus / solche helden-proben / dass weit und
breit ihr lob und ruhm erscholle. Ich will mich bei diesem kriege nicht lang
aufhalten / sondern allein sagen /dass in kurzer zeit alle unruhe in Phanaspa
gestillet /und Hamram / neben den andern aufrürern / nach Rages gefangen
gebracht worden / Eridanus und Mardocentes aber voll ehre und sieghaften ruhms
bei hof wieder angelanget.
    Der Konig / so von diesem heer sich wieder in die Stadt einbegleiten lassen /
wollte gleich dem Nebajot dieser allgemeinen freude mit teilhaftig machen / und
liesse ihn deshalben nach hof erfordern. Er weigerte sich aber / zu kommen / und
konnte anfangs niemand die ursach dessen ergründen. Bald aber erfure man /durch
der gefangenen aussage / dass der Fürst der Nabateer ein urheber dieser aufruhr
in Phanaspa gewesen. Als der Stattalter Hamram selbst diesen bericht bekräftigte
/ wurde der Konig und die Konigin hierüber so bestürzet / dass ihnen alle freude
über ihrem erlangten sieg vergienge. Auf allgemeines gutbefinden des grossen
reichsrats / wurde Nebajot in gefängliche haft genommen / und ihm / der sein
verbrechen nicht leugnete / so wohl als dem Hamram und den andern /das leben
abgesprochen. Weil aber der unvergleichliche Pharnus / in seinem herzen und
gewissen / den Nebajot für den rechtmåsigen erben seines reichs ansah / auch
die mordtaten / die sein vatter begangen /allstäts betaurete / und darum nicht
ferner wider des Sisimordacus geblüt zu wüten begehre: als begunte er /
miteinraht der grosmütigen Barsine / über den Nebajot ganz andere gedanken zu
fassen.
    Wie er diese bei sich selber fåst gestellet / wurde ein tag des urteils
angesetzet / da der ganze hof in vollem pracht erschiene. Wie nun der Pharnus
sich auf den richterstul gesetzet / geschahe / in beisein vieler tausenden / die
hinrichtung des Hamrams und der andern aufruhr-häubter. Hierauf wurde der Fürst
Nebajot auch herfür gebracht / der nichts anders / als den tod / vermutend /
ganz freudig sich gebärdete / und /als ihm zu reden erlaubet worden / also
anfienge: Man wird mir nicht verüblen können / dass ich / üm meiner voreltern
blut zu råchen / dieser tat mich unterfangen / üm deren willen man mir zwar das
leben / aber nicht meine ehre / nemen wird. Es kann wir auch keine grössere gnade
/ als der tod / wiederfahren: dann der allein wird mir verwehren / dass ich nicht
meine rache wider die unvergleichliche eltern der wunderschönen Delbora
fortsetze / die ich mehr als alles in der welt verehre / ob gleich das
verhängnis mich zwinget / des Nadias geblute bis in den tod zu hassen.
    Als er dieses kaum ausgeredet / warfen sich die beide Arabische Prinzen /
Eridanus und Mardocentes / unversehens für des Königs tron nieder / und baten
üm ihres vettern des Nebajot leben. Diese unvergleichliche grosmut erwiesen sie
/ ungehintert ihrer eiversucht gegen diesem Fursten / und da sie die stunde /
dieses ihres mitbulers erledigt zu werden / vor augen sahen / welches sie selber
zu verhintern trachteten. Der Konig / der das / was sie suchten / allbereit /
und zwar båsser für ihn / als sie es verlangten / beschlossen hatte / stiege von
seinem tron herunter / und bezeugte öffentlich vor allem seinem volke / dass er
des Nebajoht beginnen nicht tadeln konnte / und håtte derselbe getan / was ihm /
als einem nachkommen des Sisimordacus / zutun obgelegen. Er wollte ihn hiemit
fur den rechtmäsigen erben des reichs erkennen / und dadurch allen Meden / die
ihren vorigen herrn noch liebten / auf künftig die ursach und den anlass benommen
haben / wider seine person etwas fürzunemen. Diese grosmut des Königs / erweckte
bei allen anwesenden eine solche bewunderung und weichmutigkeit / dass sie
ingesamt freuden-tränen vergossen. Nebajot wusste nicht / wie ihm geschahe / als
er sich so unversehens von dem Medischen Konig ümarmet sah. Liebet mich hinfuro
/ (sagte zu ihm der gütige Pharnus) als euren vatter / und gonnet mir / so lang
ich lebe /euren våtterlichen tron / den ich ja sonder meine schuld besitze.
Eure untertanen sind bisher mit meiner regirung friedlich gewesen: ich will
ihnen ferner also fürstehen / dass ihr dermaleinst nach mir ein ruhiges regiment
uberkommen möget. Mit so verbindlichen worten begegnete der Konig diesen Fürsten
/ der / alles einwendens und weigrens ungeacht / sich zu ihm auf seinen wagen
setzen und also in die konigliche burg / nicht sonder seine grosse bestürzung /
mit einziehen musste.
    Diese sonderbare begebenheit / setzete ganz Meden / auch den Königlichen hof
/ in einen andern stand: massen diese grosmütige tat des Königs / ihme von
neuen aller Meden herzen zu unveränderlicher treue verbande / dass niemand ihn
mehr für des Nadias /sondern fur des Sisimordacus sohn / und fur Nebajots
vattern / ansah. Bei hof zwar fand sich solche ruhe nicht / massen unter den
höflingen / die wolgesinnten des Mardocentes und Erydanus / auch teils Medische
Fursten / sich zu beschweren begunten / dass der König seine tochter vom reich
ausgeschlossen und ihr den Nebajot fürgezogen hatte. Dan dadurch war diesen
verliebten auf einmal alle hofnung zu wasser worden / sonderlich dem Mardocentes
/welcher mehr / als Erydanus / nach dem Medischen tron / gestrebet / weil ihm
nicht der weg zum vätterlichen tron / wie diesen Cussiten / offen verbliebe.
Dem Eridanus gienge eben / weil er bloss der Delbora person liebte / in ernennung
des Nebajot zum Medischen erben / so viel nicht ab: es schreckte ihn aber die
sorge / dass dem Nebajot die Prinzessin mochte verehlicht werden / welches ihme
dann zu leiden unertråglich war. Zwar trostete er sich noch zuweilen mit der
hoffnung / dass vielleicht des Konigs von Meden gedanken auf diese verheuratung
nicht zielen möchten / weil er deren mit keinem wort erwehnet / und etwan seine
tochter lieber an ein ander reich / als in Meden /vermälet sehen wollte.
    Dessen aber gewiss zu werden / fassete dieser verliebte Prinz das herz /
gienge noch selbigen tag / da solches geschehen / zum Pharnus hinein / und
hielte um die Prinzessin an / sein gewerbe so wohl fürbringend / dass der Konig
nicht wenig darob bewegt verbliebe. Alle vollkommenheiten / die einen Prinzen
zieren / finden sich bei diesem wackern Eridanus. So kamen auch / sein mächtiges
haus und seine der kron geleistete Dienste / in nicht geringe betrachtung.
Pharnus / der solche erklärung von dem Nebajot zuvor noch nicht gehöret / wollte
diesem grossen Prinzen nicht alle hofnung in seiner liebe abschneiden: demnach
versicherte er ihn / dass / ob er zwar geneigt gewesen / dem Nebajot seine
tochter für allen andern zu gönnen / er dennoch / in betrachtung / dass der Prinz
Eridanus zu erst üm sie geworben / den willen der Delbora nicht zwingen /
sondern ihr frei stellen wollte / ihre wahl auf den jenigen zu richten / der ihr
am bästen gefallen möchte; und würde es also bei ihm stehen / sich üm ihre
gewogenheit zu bewerben / ob er die für andern erlangen könnte.
    Wer war / auf solche erklärung / vergnügter / als Eridanus? der dann / durch
tausend danksagungen /dem König sein erkentliches gemüt zu erkennen gabe / und
nun voller hoffnung lebte / durch unverdrossene aufwartung / bei seiner
Prinzessin seinen mitbulern fürzudringen. Weder Mardocentes noch Nebajot /waren
ihm anfangs hinterlich. Der erste bekam die post von haus / wie dass sein älterer
bruder gestorben /und der König Arieus eiligst seine rükkunft verlangte:
weshalben er alsobald von Rages abzoge / und bei iederman ein zeugnis seiner
hohen geschicklichkeiten hinterliesse. Delbora gabe ihm die vergnügung / sich
deswegen betrübt zu erzeigen / als er kame / abschied von ihr zu nemen.
    Der andere mitbuler des Erydanus / der Furst Nebajot / befande sich seines
teils noch so verwirrt über seinen begegnisen / dass er nicht sofort an die
bedienung der Delbora gedenken konnte: und war ohnedas beschäftigt / so wohl die
gluckwünschungen von den Medischen ständen anzunemen / als auch sonst / seinem
veränderten zustand gemäs / sich bei hof einzurichten. Das erste so er tate /
war dieses / dass er die übrigen von den jenigen / die wider den Konig geaufruret
/ ledig bate / und sich ihrer hinterlassenen witwen und kinder anname. Aber des
statalters tochter / die Dalimire / wollte solches nicht erwarten / sondern name
die flucht nach Assyrien: daselbst sie / in des Konigs Belochus schutz sich
begebend / das erbårmliche ungluck angerichtet / welches nachgehends mit Meden
den garaus gespielet. Er täte auch / nach Petra / seinem herrnvattern sein
erlangtes Glück zu wissen / und wie er durch solche woltat sich dahin verbunden
befände / seines vatterlands zu vergessen /und üm der Delbora gunst sich
ernstlich zu bemuhen /die vor deme nur die schein-ursache seiner reise nach
Meden gewesen. Dieses nun ins werk zu richten / betrachtete er / bei mehrerer
ruhe des gemutes / die schone dieser vollkommenen Prinzessin / und war beflissen
/ sein feindliches vorhaben bei ihr zu entschuldigen / mit der erklärung / dass
er nimmermehr / ohne ihren willen und gutbefinden / die vom Konig ihm angebotene
ehre anzunemen begehre.
    Weil die Konigin das gemüt ihrer tochter schon vorbereitet hatte / diesen
Fursten wohl zu begegnen /als spürete er an ihr ganz keinen verdruss über seinem
beginnen / sondern hingegen so viel gute / dass er dadurch endlich so kühn wurde
/ seine liebe ihr völlig zu entdecken. Es geschahe solches in der Königin
weinberge / dahin sie / wegen der eingefallenen weinlese / sich eingefunden. Wie
er ihr nun sehr anlage /sich gnådig für ihn zu erklåren / erblikte sie beide der
verliebte Eridanus von weiten / schliche demnach hinzu / und erhorchte / dass
Delbora dem Nebajot eben die antwort gabe / mit der Mardocentes und er sich
immer hatten abspeisen lassen mussen. Ich sollte wohl / (sagte sie zu ihm) uber
eure künheit mich beschweren / dass ihr mir dergleichen fürtrag tun dörfen /
davon nicht ich / sondern meine eltern zu ordnen haben. Weil aber diese
schwachheit / die ihr liebe nennet / so unbesonnen machet / und die sinne eines
menschen völlig einnimmet und beherrschet / als halte ich dieses beginnen euch
zu gute / und will darum so grausam nicht mit euch handeln / meine freundschaft
euch aufzukündigen.
    Hiemit trate Eridanus herfür / und dem Nebajot verwehrend zu antworten /
sagte er zur Prinzessin: Ich muss wider meinen willen / schönste Delbora / dem
Nebajot in seiner liebe dienen. Nicht eurer eltern /sondern euer eigner wille
wird erfordert / ihn entweder glücklich oder unglucklich zu machen. Der König
låsset der Prinzessin freie wahl / wessen liebe sie annemen und erkennen will /
wie ich dessen aus seinem eignen munde zeugnis geben kann. Wie häftig meine liebe
gegen euch sei / wisset ihr fürlångst. Gönnet demnach / dass Nebajot und ich /
durch ämsige aufwartung und bewerbung üm eure gegenliebe / uns so lang hierum
bemuhen mogen / bis ihr den ausspruch gebet / wer dieselbe erlanget habe.
Nebajot bliebe ganz betreten / seinen mitbuler also reden zu horen /gleichwie
auch die Delbora seine worte sehr befrömdet. Doch sagte er endlich / nachdem er
sich wieder erholet: Es ist des Eridanus anbringen so billig / dass /wan der
Konig die verordnung dergestalt beliebet / es an uns nur ligen wird / uns um das
Glück zu bewerben / das einen von uns in den seeligsten stand der welt wird
setzen konnen. Lasset es ja nicht (unterfure ihm Delbora) auf meine wahl
ankommen! dann ich keinen von euch zu betrüben begehre / wo es nicht durch meiner
obern willen geschihet / in deren händen lediglich stehet / was euer so-genantes
gluck oder ungluck verursachen soll.
    Was hilft uns diese güte / (antwortete Eridanus) wan wir hingegen befahren
mussen / dass die schöne Delbora ihre gnadgewogenheit / nicht aus freier wahl /
sondern aus gehorsam / einem von uns zugewendet? wer wird / auf diese weise /
versichert sein / dass er warhaft solcher gnade geniese / und dass mehr von
kindlicher ehrerbietung / als vom freien willen / unser gluck hergerüret. Ich
falle des Eridanus Meinung bei /(sezte Nebajot hinzu) und zwar wider mein
selbst eigen båstes. Dan / wie der König von Meden die gutigkeit gehabt / mich
für den erben dieses reichs zu erkennen: also konnte ich mir auch die hofnung
machen / dass S. Maj. am liebsten sehen würden / dass die Prinzessin den Medischen
tron mit mir zugleich besässe. Dannenhero sollte ich billig nichts höher
verlangen / als dass die wahl / mich glücklich zu machen /allein bei dem Konig
bestünde. Ich will aber lieber /sonder vorteil / von der unvergleichlichen
Delbora selbst eignem freien willen mein Glück erwarten / als hierunter eines
andern macht mich bedienen. Ach Eridanus! ach Nebajot! (sagte hierauf die
Prinzessin) meine güte machet euch gar zu frech: ich vermag nicht ferner eure
reden anzuhören. Ihr wisset meine erklärung / dass ich gänzlich dem willen meiner
eltern unterworfen bin / und ohne deren befehl lasse ich keine liebe bei mir
aufkommen: daher alle eure bemuhungen bei mir vergeblich angewandt sein werden.
    Hiemit ginge sie von ihnen / und verliesse hierüber ihre beide aufwärter / in
grosser (zwar nicht gleicher) unruhe. Dan der Nebajot deutete dieses für sich
gar vorteilhaftig / als wohl versichert / dass der Delbora eltern / fürnemlich die
Königin / seine seite hielten: beschlosse / mit seiner Werbung bei der Barsine /
daher er auch / der Prinzessin begehren gehorchend / den anfang zu machen.
Eridanus hingegen / wiewol unruhiger / als sein mitbuler / hielte sich an des
Konigs befehl / und war des sinnes und willens / alle müglichste aufwartung
seiner Prinzessin zu widmen / dadurch sie endlich / seine treue liebe anzunemen
/möchte bewogen werden. Wie kaltsinnig aber / nach diesem tag / diese beide
verliebte Fürsten miteinander umzugehen begunten / ist leichtlich zu ermessen.
Es zerteilte sich ihrentalben der ganze hof / da die eine hälfte dem wackern
Mohren / und die andere dem edlen Ismaeliten anhinge.
    Wie aber Barsine von dem Nebajot sein anbringen vernommen / erklårte sie
sich alsofort auf seine seite: dann sie hatte iedesmal dieses gewünscht /worum er
bate / und war mit ungemeiner gewogenheit / dieses Fürsten ganzen geschlechte /
von wegen des Furstens Hanoch / des Midianiters / zugetan / als welcher ihr
ehmals grosse dienste erwiesen. Sie versprache ihm demnach alsofort die Delbora /
und befahle auch dieser jungen Prinzessin in seiner gegenwart / dass sie ihn
lieben sollte. Delbora / die niemals ihr gemute geprüfet noch befraget / ob sie
den Eridanus fur dem Mardocentes / oder diesen für den Nebajot / oder sonst
einen ihrer aufwärter / deren sich verschiedene unter den Meden befunden /
lieben konnte /name gleich diesen befehl ihrer fraumutter willigst an. Indem sie
nun also / aus kindlichen gehorsam / der liebe raum gabe / wirkte diese
nachgehends / als sie in ihr wirken dorfte / eine so häftige beständigkeit / dass
Nebajot der glückseligste liebhaber von der welt wurde. Auf gutbefinden der
Königin / musste dieses alles ingeheim zugehen: weil der König anfinge zu
wunschen / dass Eridanus der Delbora herz gewinnen mochte. Dan er vermeinte / wan
Delbora / als der überrest von des Nadias geblüt / in Meden verbliebe /wurde
nimmermehr beständiger segen noch ruhe im reiche zu hoffen sein: darum wollte er
sie lieber in Arabien vermälet wissen / daraus sie ihren ursprung hatte. Barsine
/ mit der er dieses zum öftern überlegte / hielte ihm allemal hierin die
gegenseite: und wiewol der König heimlich dem Eridanus gunstete / so hatte doch
Nebajot den vorteil hinweg / dass seine vorsprecherin seine geliebte Prinzessin
bereits gewonnen hatte.
    Der verliebte Eridanus / der nicht wusste / wie unglücklich es ihm in seiner
liebe ergienge / wartete inmittels mit unverdrossenen fleisse seiner Prinzessin
auf / und liesse keinen tag vorbei gehen / sonder ihr einige dienste zu erweisen:
welches alles aber Delbora nunmehr anderst aufname / als vor dessen / und ihre
dem Nebajot geschworne treu betrachtend / von tag zu tag dem Eridanus mehr
kaltsinnigkeit bezeugte. Sie erwiese sich aber in ihrer liebe nicht so geheim /
dass dieser aufmerksamer verliebter / diese grosse änderung an ihr nicht hätte
warnemen sollen. Hierüber erwachte nun seine verzweiflung / und wie er allzeit
etwas heftig in seinen tun gewesen / also konnte er das gluck seines mitbulers /
mit der vorigen gedult / da er ihn ihm gleich ungluckselig geachtet / und ihn
deswegen wohl um sich leiden können / nicht mehr ansehen. Demnach von eifer und
wut ganz aus sich selber gesetzet / begegnete er ihm eines tags vor dem
Koniglichen schloss / wie eben Nebajot hochst zufrieden von seiner Prinzessin
herunter kame. Er fiele ihn alsofort mit worten an: welches Nebajot / als dessen
nicht gewonet / erwiderte. Hierauf griffen sie / als beiderseits erhitzet / zu
den waffen / und giengen mit solcher wut aufeinander los / dass Nebajot gleich
anfangs eine fast tödliche wunde in den leib bekame: der aber in der hitze
solches nicht fülete noch achtete / sondern hinwider den Eridanus etlichemal
verwundete / ehe dann er fiele. Es kame aber bald ganz Rages zugelaufen / und
ward / als sie ihren Kronprinzen in tödlichen zustand befanden / einmütig auf
den Eridanus eingestürmet: der auch des todes würde gewesen sein / wen er sich
nicht bald / wiewol kummerlich / in dem tempel der Rhea gerettet hätte.
    Dieser handel sezte nun den ganzen hof in lermen /und weil das ganze reich
den Nebajot für ihren rechtmäsigen Kron-erben ansah / als fand der sonst
gütige Pharnus kein mittel / den Eridanus zu retten / sondern musste befehlen /
dass dieser Prinz / der sich an dem Medischen geblüt vergriffen / ungeacht der in
der Rhea tempel erworbenen freiheit / mit gewalt heraus genommen / und in
schwere haft gebracht wurde. Die betrubte Prinzessin / die sich dieses unglucks
ursache wusste / verliesse den Nebajot in diesem seinen zustand fast keinen
augenblick / und brache also ihre liebe hervor / dass der Konig und der gesamte
hof solche vermerkten. Wie nun Pharnus nicht mehr wunschen dorfte / dass Eridanus
seine tochter ehlichte / als liesse er ihm diese wahl seiner tochter wolgefallen
/ und verlangte nichts mehr / als dass dieser Furst sein leben mochte davon
bringen: wovon nach wenig tagen die wundärzte begunten hofnung zugeben. Hierauf
wurde auch an den armen Eridanus gedacht / den der grosse raht in Meden mit
gewalt todt haben wollte: dann ihre gesetze lauten dahin / dass der das leben
sonder gnad verlieren sollte / der sich an dem Königlichen Medischen geblüt
vergreifen würde. Pharnus / gleichwie auch die Barsine und Delbora / aus
angeborner güte zu mitleiden bewogen / verlangten hingegen / ihn zu retten: und
weil solches nicht offentlich fur dem volk geschehen konnte / als wurde alles in
höchster geheime angestellet / was zu seiner befreiung dienen mochte / und also
dieser Prinz bei nächtlicher weile /in aller stille / aus dem gefängnis gelassen
/ auch /damit er in Meden aus verzweiflung nichts weiter anfinge / mit einer
zugeordneten wacht / die der unterfeldherr gefuret / bis nach Arabien und in
Naphis zu seinen herrvattern begleitet.
    An selbigem hofe stunde es dazumal also / dass man lieber den årgsten feind
der krone / als diesen einigin Erbprinzen / hätte mögen ankommen sehen. Dan
Eliphelet hatte sich der abwesenheit des Eridanus so wohl bedienet / dass er als
Kronprinz / nach seinem belieben alles ordnete und gebote / was ihn nur
gelüstete / und dabei gegenwärtige Prinzessin Danede mit seiner ungestümen liebe
dermassen verfolgte / dass die deshalben viel marter ausstunden / und also
höchsterfreut ihren bruder wiederankommen sah / als von dem sie hoffete / dass
er ihre freiheit ihr verschaffen sollte. Der höchstbetrübte Eridanus aber / war
damals so wenig fähig / seiner schwester tröstlich zu sein / dass / seine
traurigkeit zu stillen / sie ihre eigne noht eine weile hintansetzen und ihme
mit raht und tat zu hülfe kommen musste. Der alte Scheba / über seines sohns
wiederkunft / und dass es deme in Meden so misglücket / ganz unwillig und übel zu
frieden /stellte sich dennoch äuserlich an / als wäre er dem Pharnus hoch
verbunden / dass er ihme solcher massen seinen sohn wieder geschenket. Unter dem
vorwand /diesem verzweifelten verliebten zu wehren / dass er nicht wieder nach
Meden ginge / wurde ihm eine grosse anzahl leute / welche alle des Eliphelet
creaturen waren / zugeordnet / auf sein tun und lassen acht zu haben. Es war
aber hierunter diese haubtursach verborgen / dass Scheba und Eliphelet solcher
massen verhintern wollten / damit Eridanus nicht zu mächtig wurde / noch die
stände des reichs gelegenheit überkämen / mit diesem ihren Prinzen sich zu
bereden /üm die unordnungen im lande / so des Eliphelet regiment verursachet /
abzustellen. Also sah sich nun Eridanus wie gefangen in seines vatters hause /
und war Danede sein einiger trost: wiewol Eliphelet / soviel müglich / auch
hinterte / dass sie nicht viel allein zusammen kamen. Er liese auch / durch seine
erkaufte / die er üm die Prinzessin hatte / ihr immer in den ohren ligen / dass
dieser ihr bruder der einige wäre / so ihr hinterlich / das mächtige Königreich
Cus zu erben: welches aber bei dieser Prinzessin nichtes verfinge /die nicht so
krongeizig als tugendhaft war / und mehr von der tugend / als von der ehrsucht
sich regiren liesse. Also hinge sie nun beständig an ihrem bruder /und mochte ihr
Eliphelet vorsagen oder sagen lassen /was er wollte / so war sie doch durch
keinerlei weise auf seine seite zu bringen.
    Mitlerweile es aber also in Naphis daher ginge /und Eridanus das
erbärmlichste leben von der welt fürete / fand der Medische unterfeldherr / als
er wieder in Meden ankame / alles daselbst in vollen waffen: weil die Assyrier
bei Nazada schon eingefallen waren / und also alles dem reiche Meden einen
blutigen krieg drohete. Nebajot / der wieder an seinen wunden genesen / und
kaum angefangen hatte / seiner geliebten Prinzessin sonder mitbuler zugeniesen /
musste / diesem unwesen zu begegnen / mit dem König zu felde gehen. Weil der
Assyrier macht sehr gros / als entstunde nicht ein vergebliches schrecken / dass
es übel vor Meden ablaufen wurde. Die ursach dieses kriegs wusste niemand zu
erraten / ohne dass eine zeiter / zwischen beider Könige bedienten / etliche
irrungen an den gränzen waren fürgegangen: welches aber zu solcher
weitläuftigkeit keinen anlass geben können. Aber Dalimire / durch ihre bei dem
Belochus erlangte macht / war die einige ursach an diesem krieg / und daraus
erfolgtem untergang des Medischen reichs. Man sihet aber / an dieser kläglichen
begebenheit / die wunderbare gerichte des Höchsten / der kein unrecht ungerochen
lässet / so lang es auch immer anstehen mag / und muss die straffe unvermeidlich
kommen / sollte sie auch gleich die unschuldigen betreffen. Der gute Pharnus und
die unvergleichliche Barsine verloren beide hieruber / wie weltkündig / zu dem
reiche / das leben. Von der Prinzessin Delbora aber / erscholle das gerüchte
unter den Babyloniern / wiedass sie im tempel der Rhea mit verbronnen wäre: daher
sie ihrentwegen weiter keine nachsuchung täten.
    Der Fürst von Midian / der Hanoch / hatte inzwischen diese Prinzessin
heimlich in der Nabateer land entfüret / da sie in betrubnis bei dem alten
Fürsten Nebajot ankame / und als die verlassenste von der welt / sich so sehr
der traurigkeit ergabe / dass sie darin verschmachtet wäre / wan nicht der
höchste sie gestärket und in ihrem elend erhalten hätte. Dass aber /in dieser
noht / der junge Nebajot ihr keinen beistand geleistet / rürete aus einer ihr
damals unbekanten ursach her / womit es sich also verhalten. Der König hatte /
in wärendem krieg / ein schreiben von dem Prinzen Bildat / als Assyrischen
feldherrn / an dem Nebajot lautend / aufgefangen: darin dieser Fürst
angefrischet wurde / des Pharnus / als seines todfeindes / seite nicht länger zu
halten / sondern sich zu ihm zu schlagen / und den haubtman von Assisara / der
noch dem König Sisimordacus gedienet / nicht zu hintern / dass er ihme diesen
platz übergeben möchte / gleichwie ermeldter hauptman sich auf ihn beruffen
hätte. Als der König diesen brief dem Nebajot zeigte / entfärbte der sich
darüber / weil er dem König vorher nicht angemeldet / wie dass ihme von dem
Bildat schon mehr dergleichen briefe zugekommen wåren. Hiermit gabe er anlass /
dass der König einen kleinen argwahn auf ihn warfe: den er doch verborgen hielte
/ bis Assisara kurz hernach durch den haubtman / dessen der Bildat erwehnet /
übergeben wurde. Weil derselbe / den tag vorher / lang mit dem Nebajot allein
geredet / urteilte Pharnus nun nicht anderst / als dass der Nebajot so wohl sein
feind wäre / als die Assyrier: und dieses alles für ein gerechtes gerichte des
himmels achtend / der solches über ihn und sein haus verhänget / liesse er nun
allen muht sinken. Aber dem Nebajot ferner keine gelegenheit zu lassen / sich
an ihm / als seinem so grossen woltäter /zu versündigen / auch damit die straffe
/ die er nun leiden müste / nicht auch dereinst über ihn käme /liesse er diesen
unschuldigen Fursten auf dem gebirge bei Zalace / in einen tempel der
Armenischen priester / so Sagæ genant werden / und die er / der König /dahin
gestiftet hatte / füren und verschliessen: und wurde den priestern hart
eingebunden / nicht eher / als wan der Medische Krieg zu ende sein würde / den
Nebajot wieder heraus zu lassen.
    Also wurde dieser dapfere Fürst / den ganzen krieg hindurch / untuchtig
gemacht / so wohl für seine Prinzessin / als für sein königreich zu streiten: und
vername er mit der höchsten ungedult / wie der Medische zustand täglich
schlimmer wurde. Als endlich der garaus damit erfolgte / fehlte es wenig / dass
dieser Fürst nicht in verzweiflung geraten: allermeist / da er seine Delbora tod
zu sein vermeinte. Die gesunde vernunft wollte fast in ihm zu wirken aufhören /
und begunte er sich wie ein unsinniger zu gebärden. Daher die Sagen / als seiner
ohnedas uberdrüssig / und weil er so sehr darauf drange / ihn endlich los
liessen: zumal da sie an des Pharnus gebot sich nicht mehr verbunden achteten /
weil mit dessen leben der Medische krieg sich geendigt hatte. Nebajot eilte nun
alsofort nach Rages /und ungeacht der gefahr / darein er geraten mogen /wan er
von den Assyriern wäre erkant worden / erkundigte er sich nach den priestern der
Rhea / und war so glücklich / dass er etliche derselben antraffe: die ihm die
fröliche zeitung ankündigten / dass seine Delbora in sein vatterland / und zwar
von dem Fursten Hanoch / gefüret worden. Demnach alle andere betrachtungen aus
den sin schlagend / die ihn in Meden noch hätten aufhalten können / eilete er
nach Petra: daselbst fand er seine trostlose Prinzessin / die ihm durch ihre
gegenwart die ruhe wieder gabe / welche seine ankunft auch bei ihr erwecket
hatte; wiewol / die erinnerung des vergangenen / sie ihre zusammensprache nicht
sonder unmut verbringen liesse.
    Der alte Nebajot höchst erfreuet / seinen sohn wieder zu haben / den er
bereits wie verloren beweinet / verbarge seine gedanken / die er von der Delbora
fürete: welche er ansah / als eine unglücksfackel / die den fluch auch in sein
haus bringen würde / und üm derer willen er die Assyrische macht ihm auf den
hals laden könnte / wan man erfüre / dass Delbora bei ihm vorhanden wäre. Weil er
seinen sohn innigst liebte /als liesse er sich gegen ihme dessen nicht vermerken:
doch spurete derselbe wohl so viel / dass sein vatter ein sonderbares anligen
haben müste. Er deutete solches auf eine betrübnis / üm dass die hofnung zum
Medischen tron verloren gegangen: darüm er / sein gemüte zu befriedigen / ihn
einsmals versicherte / wie er nicht ruhen wollte / bis er eine gelegenheit
abgesehen hätte /sich des Medischen reichs wieder zu bemächtigen. Aber dieses
hielte der alte Nebajot nicht allein für unmüglich / sondern bemühete sich auch
/ mit allerlei gründen seinem sohn solches aus dem sin zu reden: welches auch
Delbora täte / die nicht allein Meden gutwillig zu vergessen / sondern auch in
ihres Nebajots lande / ihre lebenszeit vergnügt zu zubringen / diesem
glücklichen liebhaber versprache. Weswegen er / ungeacht alles zugestossenen
unglücks /sich auf die höchste staffel der gluckseligkeit gestellet achtend /
nun nach nichtes mehr / als nach der vollziehung seiner ehelichen liebe
verlangen truge.
    Es schickte aber der himmel / der die heiraten machet / etwas anders in den
weg / welches nicht allein dieses sein fürhaben ihn auf schieben machte /
sondern auch endlich gar zu rück triebe. Es war ein unvermuteter krieg im lande
Cus mit den Egyptern entstanden / der diese streitbare völker / unter ihrem
feldherrn dem Epha / und den beiden dapfern Prinzen Amosis und Armizar / gar bis
für Naphis zoge: welche hauptstadt des reichs sie unversehens einbekamen / und
den König Scheba / neben der Prinzessin Danede / gefangen mit sich nach Egypten
hinweg füreten. Die abwesenheit des Prinzen Eridanus / auch die üble aufsicht
und anordnung Eliphelets / hatte dieses unglück verursachet: das dann ganz
Arabien in unruhe sezte / weil weder die Petasiride / noch Arieus / noch die
Ismaelien dulten konten / dass der Pharao von Egypten mit einem so grossem König /
ihrem bundsverwandten / der gestalt verfahren sollte. Demnach rusteten sie sich
ingesamt wider Egypten / und trugen die fürung ihrer völker / welche sie in zwei
heere teilten / dem Mardocentes und Nebajot auf: die dann /ungeacht sie ehmals
mitbulere gewesen / sich nun wohl zusammen verstunden / weil sonderlich der Prinz
von Arabien sich der Delbora begeben hatte / und üm unmügligkeit willen sein
gemüt nicht ferner quälen wollen. Der abschied aber / den Nebajot und Delbora
voneinander namen / wie er zu feld zoge / ginge an beiden teilen gar schwer zu /
da ihnen vielleicht der sin viel böses schwanen machte: massen dieser verliebte
seine Prinzessin an einem ort hinterliesse / da sie nicht zum bästen und
sichersten verwaret ware.
    Der Prinz Eridanus befande sich damals nicht in Cus / wie dieses ungluck
seinem herrnvattern / und der Prinzessin / seiner schwester / begegnet. Dan
dieser verliebte / als er erfaren / wie es in Meden zustunde / und dass die
Assyrier mit diesem reiche den garaus spielten / hatte von der genauen bewachung
Eliphelets sich endlich los gemacht / und heimlich den weg nach Menden genommen.
Er kame daselbst an / wie der edle Pharnus bereits umgekommen / und die
tugendvolle barsine in Rages belägert war: da er dann viel heldentaten / wiewol
vergeblich / verrichtete /und letzlich dieser Königin tod und der Delbora
verlust erfahren musste. Als er hierauf verzweifelt nach Arabien umkehrte / und
sich dem lande der Ismaeliter genähert / erhielte er die glaubhaft nachricht /
das seine Delbora bei den Fürsten Nebaiot zu Petra sich befinde. Die freude /
sie lebend zu wissen / war in ihm so häftig / dass er / die betrachtung / wie sie
in den händen seines mitbulers wäre / auch die zeitung von seines vatterlandes
zustand hintan setztend / nach Petra eilete / die jenige zu sehen / in deren er
allein lebete.
    Er wurde alda von dem alten Nebaiot höflich empfangen / und fürete ihn
gleich zu der Delbora / als von welcher er wusste / dass der Prinz sie in Meden
wohl gekant hatte. Diese besuchung ginge an beiden teilen sonder grosse bewegung
nicht ab / weil sie einander nach dem tage / da zwischen diesem Prinzen und dem
Rebaiot das blutige gefechte fürgegangen /nicht wieder gesehen hatten. Als die
ersten begrüssungen abgelegt waren / sagte der prinz: Ach grausame Prinzessin!
Muss ich euch nun noch in meines mitbulders händen sehen / da der euch so übel in
Meden beschützt / dass ihr eure grosse eltern samt dem königreich verloren habet?
Hat man darüm aus Meden mich verbannet / dass mir das Glück entzogen wurde /
diesem Trauerfall zu vermehren! Und ist es möglich /dass Delbora / wie ich hier
vernehmen muss/ den Nebaiot noch lieben kann? Wan Nebaiot /(antwortete die
Prinzessin) an meinem und der meinigen Unglück / durch seine nachlässigkeit /
schuldig / könnte man von dem Prinzen von Cas diese frage noch anhören. Nun aber
weiss ich / dass ihn die meinen selbst gehintert / uns mit seiner tapfren hilfe
beizuspringen. So ist auch / des Prinzen Eridanus verbannung aus Meden /mehr ein
zeichen der gütigkeit des Königs / als seines zorns gewesen / massen wir alle
damals für erhaltung eines so edlen lebens gebeten: und zweifelt mir nicht /es
würde nachgehens allen Meden angenehm gewesen sein / wann sie der hülfe des
tapfren Eridanus hätten geniessen sollen. Ob der glückliche Nebaiot schuldig
oder unschuldig sei / (antwortete Eridanus) will ich nicht bestreiten / nun
Delbora ihn selbst verteidigt. Dass ich aber / eurer güte / die erhaltung meines
lebens beimessen sollte / solches kann ich nicht gebieten / sondern muss vielmehr
sagen / dass ihr solches mir damals gefristet / um mich desto öfter zu tödten
/und des Nebaiot sieg zu vergrössern.
    Ihr wisset / Prinz Eridanus! (sagte sie hinwieder) dass meiner eltern befehl
den Nebaiot bei mir in den stand setzt / darin er sich befindet / und dass ich
/ihrem willen zu folgen / fäst beschlossen habe / wie ich euch dann solches nicht
nur einmal zu verstehen gegeben. Wäre die wahl auf euch gefallen / so seit
dessen versichert / dass ich mit ja so willigem herzen den Eridanus / als wie nun
den Nebaiot / lieben wollte. O grausames wort / ( fiele der verliebte Prinz ihr
allhier in die rede) dass ich jetzt vernehme! Diese war noch übrig / mein unglück
vollkommen zu machen /dass ich von Delbora selbst muss anhören / wie sie den
Nebaiot liebe. Hiermit triebe / die heftigkeit seiner liebe / ihm die tränen
häufig aus den augen / dass er nicht fortreden konnte. Delbora war bemühet / ihn
von dieser liebe abzumanen / als die ihme nur ungemach und plage zuziehen würde.
Er aber / solche vermanung anzunemen ganz unfåhig / schiede / nach dieser ersten
besuchung / so verzweifelt von ihr / dass er tausendmal den willen hatte / seinem
damals-irrigen glauben nach / ihm selber das leben zu nemen. Seine höchste
betrubnis schiene aus allem seinem tun so klärlich herfur / dass es iederman zu
Petra an ihm warnemen kunte. Weil man solche sonst nirgend hin zu deuten wusste /
als auf seines vatters und seiner schwester gefängnis / auch auf den elenden
zustand seines vatterlands / als verwunderte sich iederman desto mehr / wie
dieser Prinz also säumen konnte / den seinigen beizuspringen. Der gute alte
Nebajot war bemuhet / ihn aufzurichten / und auf die grosse Arabische macht /
die den Cussiten zu hülfe käme / zu vertrösten. Weil aber dieses nicht sein
gröstes leiden war /als verfinge auch kein trost bei ihm / und bliebe er /sonder
seine abreise zubefördern / daselbst zu Petra: da die tågliche gegenwart der
schönen Delbora / diesen trostlosen Prinzen anfåsselte / indem er seinen einigen
trost darin suchte / dass er ihr von seiner häftigen liebe stäts fürsagen mochte.
    Weil aber Delbora / der treue / die sie dem Nebajot gelobet / es entgegen
zu sein erachtete / dieses Prinzens lieb-ansuchung immer anzuhoren / also name
sie ihr für / ihm diese gelegenheit zu benemen /und sich eine weile von Petra zu
entfernen. Sie eröffnete dem alten Nebajot ihr vorhaben / wie sie nämlich
gewillet wäre / üm des Eridanus verfolgungen abzukommen / heimlich mit der
Fürstin Mahalaat / seiner des Nebajot jüngsten schwester / nach einem landgut
zu reisen: der dann ihrem begehren nicht entgegen sein kunte / und solches
geschehen liesse. Wie sie nun hinweg war / name des verlassenen Eridanus leiden
so überhand / dass er ganz darüber erkrankte. Weil der alte Nebajot eine
sonderbare hochachtung für diesen edlen Prinzen in seinem gemüt hegte / als
besuchte er ihn fleissig / und liesse sich seinen zustand dermassen tauren / dass
er / seinem eignen sohn zuwider / ihm in seiner liebe gegen der Delbora
beförderlich zu sein sich entschlosse / und ihm an die hand gabe / oder vielmehr
ihn dazu beredte / dass er diese Prinzessin entfüren sollte. Er bediente sich aber
dieser gelegenheit / um die Delbora aus seinem hause zu schaffen / als welche er
/ von der ersten stunde an /aus angezognen ursachen / nicht gerne bei sich
gesehen. Er richtete hiemit den hochbetrübten Eridanus dermassen wieder auf /
dass er alsobald genase und in dieser sache lediglich dem antrieb seiner liebe /
und dem einrat des alten furstens / gehorchend / der Delbora nach dem landgut
folgte. Wie nun alles / was hierzu vonnoten / herbei geschaffet worden / brachte
er sie glucklich davon / und furete sie nach Naphis in das Konigliche schloss:
dann die Egypter hatten selbige stadt wieder geraumet / und nicht besetzet
gelassen.
    Er hatte unterwegs den muht nicht / ihr für augen zu kommen: damit ihr
klägliches gebården / ihm nicht zu herzen gehen / noch sein mitleiden seine
liebe überwågen und ihn zur wiederkehr bewegen mochte. Wie er aber mit ihr zur
stelle gekommen / wagte er es / und liesse sich vor ihr sehen: da er ihr dann zu
fuss fiele / und diese erzürnte Prinzessin mit den beweglichsten worten üm
vergebung bate / dass er dieses an ihr verubet. Ach Eridanus! (sagte sie / voll
tränen) ist das recht / ist das grosmütig / ist das tugendhaft gehandelt / dem
Nebajot seine braut entfüren / indem derselbe sein leben für euer vatterland
dargibet? wo finde ich hier den edlen Eridanus / der sich mir in Meden allemal
so grosmutig erwiesen? Muss dann nun das ungluck mich so sehr verfolgen / dass
Eridanus /mein elend zubefordern / muss aufhören tugendhaft zu sein / damit ich
aufhore / ruhig zu leben? womit habe ich üm euch solche gewalttåtigkeit
verschuldet / dass ihr so grausamlich mich meiner ehre gedenket zu berauben? Ach
unglückselige Delbora! ruffe nun vergebens den schutz der Meden an / die dir
nicht helfen können! erkenne nun die grosse deines elendes / da du von aller
welt dich verlassen sihest! Ihre viel fältige zären und seufzer vehrwehrten ihr
/ in ihrem klagen fortzufaren / und wusste dieser arme Prinz fast keine worte
zufinden / seine entschuldigung fürzubringen.
    Ich klaget mich hart an / schonste Prinzessin! (sagte er ganz beweglich)
aber erwåget / dass ich euch eine so geraume zeit geliebt / dass ich nie in eurem
dienst ermudet / dass auch der grosse Pharnus meiner liebe gewogen war / und dass
die grösse derselben mich getrieben / euch wider euren willen von einem ort
hinweg zu bringen / da ihr nicht / euren würden nach / bedienet und verehret
worden. Der Fürst der Nabateer ist schuld daran / dass euch nun Naphis in seinen
mauren verehret / und hätte ich mich nimermehr dessen unterstanden / was ich
verübet / wan ich nicht / durch seinen einrat und gegen euch tragenden
verspürten widerwillen / hierzu wär verleitet worden. Hierauf erzehlte er ihr /
alles was zwischen ihm und dem alten Nebajot hierunter fürgegangen. Er kunte
aber mit allem dem / was er furgebracht / kein gehör bei ihr erlangen / und
bestunde sie so fäst darauf / dass er sollte wieder nach Petra reisen / dass sich
dieser verliebte / bei aller seiner habenden gewalt / unglückhaft sah / und
alle marter / so die Prinzessin ausstunde /mit erlitte.
    Die Cussiten / welche hocherfreuet waren ihren Prinzen / den sie über alles
liebten / zu einer solchen zeit bei sich zu sehen / da es in ihrem lande so ubel
stunde / machten sich seines leidens bald mitteilhaftig / wie sie dessen
traurigkeit / und deren ursach / erfuhren: sonderlich / als sie spüreten / dass
solche ihn fast untüchtig machte / an den zustand seines reichs zugedenke.
Demnach sie soviel mehr bemuhet waren / ihm geholfen zu sehen / und wollten
einmutig / dass Eridanus die Medische Prinzessin ihm sollte beilegen lassen. Aber
dieser schluss / den von der stände wegen der weisse Balaat ihm vortragen musste /
wurde ganz nicht / ungeacht er nichts håftiger wunschte und verlangte / von ihm
angenommen: sondern er beteuerte hoch / dass / auser dem guten willen der
Prinzessin / er an diese gluckseligkeit nicht eins gedenken dörfte. Wie ihn
hierauf der Balaat weiter fragte / was er dann mit der Delbora beginnen / und ob
er sie wieder nach Petra senden wollte: fand er den verliebten Prinzen auch
dissfals ganz unschlüssig / der nichtes mehr als den tod verlangte / üm seiner
qual abzukommen.
    Wie nun der weisse Balaat die håftigkeit der liebe /so diesen Prinzen
besessen / wohl betrachtet und bei sich erwogen / befand er höchst nötig / dass
ein geschwindes mittel ersonnen würde / diesen grossem unheil / welches dem
lande Cus drohete / zu begegnen: massen alle årzte sagten / der verliebte
Eridanus würde solcher gestalt sein leben bald enden müssen. Demnach beschlosse
er / neben der Prinzessin Sapha /des Eridanus mutter schwester / die im einfall
der Egypter nicht mit war entfüret worden / bei der Delbora auf alle weise seine
glückseligkeit zu verschaffen. Also waren sie nun ståts um und bei dieser
Prinzessin / und füreten ihr weitläufig zu gemute / wie nicht allein Eridanus
sie långer / als Nebajot / geliebt / sondern auch / wie dieser ihr und der
ihrigen angeborner feind wåre / und einen solchen sich öfters erwiesen / und wie
dessen vatter / zweifelsfrei mit seinem vorwissen / sie so gutwillig aus seinem
lande und dem Prinzen von Cus überlassen hätte: darum sie doch in sich gehen und
mit gute dazu sich erklären möchte / wozu sie endlich mit gewalt zu bringen /
des ganzen reichs wolfart erfordern wurde.
    Alle diese beredungen / beantwortete die Prinzessin allein mit tränen / und
wollte von der treu keines wegs abweichen / die sie dem Nebajot gelobet: worbei
sie sich kläglich gebårdete / nacht und tag uber gewalt schrye / und ihren
abwesenden Nebajot üm hulf anrieffe / auch damit sich so sehr abmattete / dass
sie des bettes hüten musste. Eridanus hatte den muht nicht mehr / zu ihr zu
kommen / und name auch täglich an kräften so sehr ab / dass man seinen gewissen
tod für augen sah. Um dess willen fasseten endlich die Sapha und der Balaat den
schluss / sie beiderseits zu betriegen: da sie dann dem Prinzen furbrachten / wie
dass nun Delbora sich gutwillig erkläret hätte / ihn zu ehlichen; ihr aber ward
angekündigt / wie dass das ganze land begehrte / dass sie / sonder fernere
widerrede / an den Prinzen sich sollte trauen lassen. Der verliebte Prinz /dem
diese zeitung ganz unglaublich fürkam / wollte solches aus seiner Delbora eigenem
munde vernemen. Aber der Balaat verhinterte solches / mit furgeben /wie dass das
zarte gemüt der Prinzessin leichtlich zu andern gedanken wieder könnte gebracht
werden /wann er sich eher vor ihr / als es zeit sein wurde /sehen liesse; und
håtte sie selbst gebeten / dass man sie so lang allein lassen möchte / bis sie im
tempel vor ihm erscheinen wurde. Delbora aber / sich hierzu gezwungen sehend /
rieffe / als von aller Welt verlassen / den beistand des himmels an / und
erwartete mit tödlicher furcht des tages / da sie / die dem Nebajot gelobte
treu / der liebe des Eridanus aufopfern sollte.
    Wie nun derselbe erschienen / wurde diese höchstbetrübte Prinzessin auf
einen Königlichen wagen gesetzet / und also / in begleitung der Sapha / nach dem
tempel des Phaetons geführet: da alles volk auf den gassen / dieser ihrer
angehenden Prinzessin / tausend gluckwünschungen mit auf dem weg gaben / und die
wahl ihres Prinzen / in erblickung ihrer schöne / die der gram an ihr nicht
vertilgen kõnnen / für vernünftig erkenneten. Eridanus / der ihrer im tempel
erwartet /sähe diese schöne nicht sobald ankommen / da erblasste er / in
erkentnis ihrer herfürscheinenden traurigkeit / und reichte ihr folgends mit
zittern die hand dar / als des Phaetons priester die trauung verrichtete. Es
ware diese Prinzessin / in der zeit / da sie zu Petra gewesen / von dem alten
Fürsten Nebajot im wahren Gottesdienst und rechte glauben unterrichtet worden:
daher sie so gedultig diesem ihrem verhängnis folgte /und nicht selber hand an
sich legete / wie ihr solches die verzweiflung oftmals riete. Und weil sie sah
/dass alles widerreden vergeblich war / schwiege sie ganz still / und liesse die
seufzer für sich sprechen /welche dem Nebajot tausend guter nacht sagten.
    Solchergestalt wurde Delbora des Eridanus gemalin: der / in besitzung ihrer
/ sich fur den seligsten menschen von der weit hielte / und nach und nach ihre
anhaltende traurigkeit / durch tausenderlei erweisungen seiner liebe / zu
überwinden verhoffete. Er name hierauf sich auch eiserigst üm die geschåfte des
reichs an / und auf genaue nachforschung / wie sich der krieg zwischen den
Cussiten und Egyptern angesponnen / und woher das grosse unglück entstanden / dass
sein herrvatter / und die Prinzessin seine schwester /gefangen hinweg gefüret
worden / erfuhre er / dass Eliphelet / in bestellung untuchtiger leute zu den
hochsten ämtern des reichs / hieran meist schuldig wäre: massen fast kein
erfahrner kriegsman dem Cussitischen heer furgestanden / und der haubtman in
Naphis / dem die verwahrung des Konigs und der haubtstatt anvertrauet worden /
ein Arabischer rauber / von herkunft / aber einer von Eliphelets vertrautsten
dienern / und der auswirker seiner losen håndel gewesen. Diese und tausend
andere unordnungen / so des Eliphelet regirung verursachet / machten die stände
den schluss fassen / dass sie hinfüro diesen bosewicht nicht mehr im lande leiden
wollte / und lagen sie ihrem Prinzen stark an / alle diese unordnungen
abzustellen. Also wurde der Herzrai / ein dapferer held / zum feldherrn in Cus
erwehlet / auch sonst hin und wieder die Reichs-ämter mit tüchtigen leuten
besetzet / und des Eliphelet creaturen abgeschaffet. Ein teil des landes
/welches aus ungedult / dass ihnen so übel fürgestanden worden / sich an den
Pharao ergeben / name er glucklich wieder ein / und vertriebe von dannen den
Egyptischen Haubtman.
    Als er endlich mit einem auserlesenen volk im anzug war / zu den andern
Arabern / ihren bundsgenossen / zu stossen / welche bereits in Egypten gegangen /
und den König Scheba wieder frei haben wollten: kame die unvermutete post / wie
dass der Pharao /die Arabische macht scheuend / den Konig und die Prinzessin von
Cus wieder los gegeben hätte / die ersten tages in das reich wieder ankommen
würden /und dass darüm die Araber / Sabeer / Nabateer und die von Hevila wieder
ümgekehrt wåren. Viele und zwar die meisten / von den Cussiten / hätten lieber
gewolt / dass der Scheba nimmermehr wåre wiedergekommen / weil der tyrann
Eliphelet auch wieder mitkame: zumal sie nun / unter des Eridanus regirung sich
so wohl befanden / dass sie keinen wechsel verlangten. Dieser gehorsame sohn aber
/ der wohl erwogen / worzu ihn das recht der natur furete / eilete alsofort mit
dem ganzen heer / bis an die gränzen des reichs / dem Konig entgegen / und
sobald er den ersehen / warf er sich zu seinen füssen nieder / und beteuerte gar
hoch seine reue / die er entfünde / dass er /sonder seine våtterliche
einwilligung / aus dem reich gezogen / und also durch seine abwesenheit
behintert worden / seiner kindlichen schuldigkeit gemäss / dem König
beizuspringen. Scheba / aus dem gerüchte wissend / wie måchtig sein sohn sich in
Cus gemachet /stellte sich / mehr aus noht / als aus warhafter liebe /sehr gütig
gegen dem Prinzen / name auch alle begrüssungen der neuen kriegsbedienten / die
sein sohn bestellet / ganz gnädig auf / uñ erwiese durchgehends / wie dass er mit
allem vergnügt wåre. Eliphelet der da vernommen wie die Cussiten auf ihn
geschmähet und ihn die ursach alles dieses unheils genennet / liesse sich nicht
sehen / sondern war heimlich füran nach Naphis gegangen / da er des Königs
ankunft erwartete.
    Eridanus und Danede fületen unbeschreibliche freude sich wieder bei einander
sehend: und weil dieser beider verlangen / sich allein zu sprechen / sehr gross
war / als fanden sie bald gelegenheit / hierzu zu gelangen. Eridanus begunte
seiner schwester zu erzählen / wie seine verheuratung mit der Delbora sich
zugetragen / und wie er verhoffe / dass ihre gegenwart die traurigkeit seiner
gemalin zu stillen tüchtig sein wurde / damit sie ihm / wie ihren leib / also
auch ihr herz einraumen möchte. Danede / des glückes ihres bruders sich
mitteilhaftig machend / verbarge ihm auch nicht / was ihr seitdessen in Egypten
begegnet: das ich dann dissorts miteinzubringen für nötig erachte / bevor ich
weiter mit den Cussiten nach Naphis hinreise.
    Wie der Prinz Eridanus / erzehlter massen / heimlich aus dem reich hinweg
und nach Meden gezogen war / zeigte / weder der Konig noch der Eliphelet /sich
unlustig hierüber: als die vielmehr froh waren /dass der jenige ihnen entgangen /
dessen sie mit so grosser sorgfalt hüten müssen / und der ihnen / so onmåchtig
er auch war / deñoch viel hinternus machte /alles nach ihrem belieben
einzurichten. Die blinde liebe des Königs zu dem Eliphelet war so gross / dass er
alle andere betrachtung hintansezte / üm nur diesen seinen liebling zu erbeben /
von welchem er gläubte /dass er allein seinen königlichen tron erhielte / und dem
Eridanus verwehrte / denselben ihm abzunemen. Weil sie nun wussten / dass dieser
verliebte Prinz nach Meden gegange / hoffeten sie / er sollte daselbst entweder
den tod oder die Erbprinzessin bekommen. Geschähe das erst / so wären sie aller
sorgen befreit. Geschähe dann das andere / so müste der Medische tron des
Eridanus ehrsucht befriedigen / dass er nicht mehr nach Cus gedenken dörfte. Um
nun dieses Prinzen abwesenheit sich zu bedienen / wurden alle ämter des reichs
mit untüchtigen leuten besetzet / die teils des Eliphelet creaturen teils ihnen
zu schaden unfähig waren. Es sonderten sich aber alle ehrliche Cussiten vom hofe
ab / und vermochte keiner dieser neuen regirung bei zu wonen.
    Die verfolgung der Prinzessin Danede gienge damit auch eiferiger an / und
lage der König ihr ståts in den ohren / des Eliphelet / als seines treusten
freundes /liebe anzunemen: zugleich ihr vertrauend / wie dass er gewillet / sie
zur erbin des reiches Cus zu machen. Er unterliesse auch sonst nichts / wodurch
das gemüt einer jungen Prinzessin kann eingenommen und gewoñen werden / ihr bei
zubringen. Sie aber / die viel zu tugendhaft / auch dem Eridanus ihrem bruder
viel zu treu war / liesse sich durch kein überreden bewegen /demselbigen etwas
entgegen zu tun / und hegte hingegen eine so håftige liebe gegen ihm in ihrem
herzen / als gross der hass war / den des Eliphelet ungereimte freche liebe bei
ihr erweckte. Derohalben wendete sie / das anmuten des Scheba / zwar mit
kindlicher ehrerbietung / allemal grosmütig von sich ab / und begegnete daneben
dem Eliphelet mit solcher stränge / dass /ungeacht seiner gewalt / er dennoch
diese Prinzessin furchten musste.
    Als er aber / solches verschmachs endlich überdrüssig / der Königlichen macht
wider sie sich bedienen wollte / schickte es der himmel / dass an den gränzen des
reichs gegen Egypten eine unruh entstunde: welche zu stillen der Eliphelet
selbst hinreisete / aber das ubel durch seine schlimme bezeigung immer årger
machte / also dass die Cussiten selber die Egypter ins land lockten / um dadurch
des jochs abzukommen /das ihnen Eliphelet aufbürdete. Solcher gestalt nun gienge
der krieg an / da die Prinzen / Amosis von Egypten / und Armizar von Ophir /
unter dem feldherrn Epha / mit grossem volk angezogen kamen / und in Cus
einfielen. Der König Scheba / wollte diesem mächtigen feinde selber entgegen
ziehen: weil aber Eliphelet solches widerriete / als wurde dem Caldis einem
vornemen Cussiten / des Eliphelet vertrautestem / der den ruf von einem
erfahrnem kriegsman hatte / dieser feldzug anbefohlen: welchen der Eliphelet
selbst zu übernemen / ihm nicht getraute / nicht darum / dass er nicht herz und
muhts genug hierzu gehabt / sondern weil er bei den Cussiten gar zu verhasst war
/ die ihn keinen tag bei sich hätten leben lassen / und dann auch / weil er es
nicht nützlich fur sich befande / von dem Konig in so gefärlicher zeit sich zu
entfernen. Alle grosse des reichs / die man vordessen beleidigt und mit unwillen
von hofe ziehen lassen / wurden mit vielen liebkosungen nach hof wieder
beruffen: und stellte sich der beängstigte Eliphelet gegen sie alle so demütig
an / als wan er niemals ihnen etwas leids getan hätte. Es war aber vergeblich /
dem verdorbenen staat durch solche griffe wieder aufzuhelfen. Armizar / den man
damals noch nicht als Prinzen von Ophir kennete / kam unversehens vor Naphis /
brach in die stadt hinein / überfiele die hofburg / und name den König neben der
Prinzessin und den vornemsten bedienten / unter denen auch Eliphelet war /
gefangen / die er alle mit sich davon fürete. Hezrai / Balaat und andere edle
Cussiten / ungeacht sie keine kriegsbedienung verwalteten / täten dennoch so
dapfere gegenwehr / dass sie die stadt erhielten / und die Egypter wieder hinaus
weichen machten: als welche nun vergnügt waren / dass sie diese grosse beute
davon brachten.
    Armizar gienge damit nach dem Egyptischen haubtlager / zu dem feldherrn Epha
/ und Prinzen Amosis: die dann / über so grossem sieg hocherfreuet / dem
unglücklichen Konig von Cus entgegen kamen / ihn einzuholen. Sobald Amosis die
Prinzessin Danede zu sehen bekame / fülete er in sich ein so grosses erbarmen
über ihren zustand / dass alsofort die vorhin geschopfte freude sich bei ihm
verlore / und wurde er sehr unruhig über das / was ganz Egypten für ein so
grosses Glück hielte. Er verliesse sie keinen augenblik / und verseumte niemals /
bei ihr zu sein / wan er nur konnte: da er dann immer sein mitleiden ihr bezeugte
/und sie beklagte. Hierdurch ward diese Prinzessin zur wolneigung gegen diesem
Prinzen / und hinwiederum er / sonder dass er selber es merkte / zur liebe gegen
sie / bewogen. Weil sie beide alhier zu gegen sind /als unterlasse ich / (üm sie
nicht zu verhonen) den anfang ihrer wechsel liebe / und wie der Prinz die seine
zuverstehen gegeben / dissorts fürzubringen: dann solches doch nicht so formlich
von mir geschehen konnte. Ich will allein sie beiderseits entschuldigen / dass sie
nicht zu verdenken waren indem sie von der liebe sich beherrschen liessen: weil
ihre wahl beiderseits mit so guter vernunft geschehen / und sie wohl geurteilt
haben / dass eines das ander wehrt sein wurde.
    Indem die Prinzessin Colidiane / (fiele ihr alhier die schöne Danede ins
wort) von uns nichts sagen will / verhönet sie mich mehr / als sie vermeint:
und will ich dann selbst dieses erzählen / was den Prinzen Amosis und mich angehet
/ um zu verschaffen / dass die Prinzessin von Caphtor inzwischen / als vom reden
ermüdet / etwas ausruhen möge. Weil es der Prinzessin von Cus sehr schwer fället
/ (versezte Cölidiane) Syrisch zu reden / als will ich gern / meine erzehlung
vollfürend / sie dessen überheben / und kürzlich sagen / wie dass der
gegenwärtige Prinz von Egypten und diese Prinzessin / ungeacht ihrer våtter
feindschaft / einander zu lieben anfiengen / und Amosis ein gefangener seiner
gefangenin wurde. Den Prinzen Armizar / machten sie zum vertrauten in ihrer
liebe. Mitlerweile aber also diese ihre geheime verständnis zu kråften kame /
musste man / auf des Pharao befehl / den Konig und die Prinzessin von Cus /nach
Raemses bringen: da sie dann der Amosis nicht verlassen wollte / sondern heimlich
/ unter anderm vorwand / mit dahinreisete / dem Epha und Armizar den krieg
allein fortzufüren hinterlassend.
    Weil Danede / zur ersten probe der warhaften liebe des Prinzen / von ihm
begehrte / dass er ihre und ihres herrvattern befreiung befördern sollte / brachte
er bei den Egyptischen priestern zu wege / dass sie den Pharao dahin beredeten /
den Scheba wieder los zu geben: zumal weil eben die Arabische herren in Egypten
einfielen / und diesem ihrem bundsverwandten / zu hulfe kommen wollten. In
ermeldter stadt Raemses / wurde der friede geschlossen / als die Egypter alles
erlangt hatten / was sie / vor angehendem krieg / den Cussiten angesonnen. Diese
seine glückliche verrichtung /machte den verlibten Amosis voll betrubnis: dann er
sah nun wohl / dass er dadurch seiner Prinzessin gegenwart wieder verlieren / und
ihre entfernung müste geschehen lassen; und war ihme nicht unbekant / wie seine
Danede in ihres vatters hause dem Eliphelet verfolget wurde. Sie schieden / mit
versicherung ewiger treu / von einander / als die für die Cussiten und Egypter
gewünschte / für sie beide aber elende / zeit heran kame / dass der Scheba wieder
nach seinem reich sollte erlassen werden. Die Danede eröfnete oberwähntes alles
ihrem bruder / und wurden sie also wechsel-vertraute beiderseits in ihrer liebe.
    Wie sie nun also in der Koniglichen stadt Naphis angekommen / war das erste
/ welches der verliebte Eridanus verrichtet / dass er seine liebste Delbora dem
König seinem herrvattern darstellte: welcher / wie er in allem sich über den
Prinzen vergnügt erwiesen /auch hierbei sein sonderbares wolgefallen erscheinen
liesse / und die Prinzessin von Meden gar gütig entfienge und aufname. Diese
Prinzessin hatte / bei ihrer stäts-anhaltenden traurigkeit / gleichwol / von
denen ihr beiwonenden kräftigen wirkungen bei iederman sich beliebt zu machen /
nichts verloren: massen sie / von allen Cussiten / angebetet wurde. Danede
schopfte alsofort / gegen diese ihre schwågerin / eine herzliche liebe / und
wusste ihr gemut also zugewinnen / dass Delbora / ungeacht ihrer miszufriedenheit
/ dannoch ruhe entfande / wan sie bei dieser Prinzessin sein mochte. Sie fienge
nun almählich an / auf der schwester vermittelung / dem bruder sich gütiger
zuerweisen: zumal sehend / wie es des himmels schluss gewesen / dass sie nicht den
Nebajot / sondern den Eridanus / ehlichen sollen.
    Wie es nun am Cussitischen hof also zustunde /dass Scheba / seinem Eliphelet
wieder aufzuhelfen / so wohl seinem sohn / als seinen ständen / wiewol mit
widerwille / liebkosete; dass dieser Prinz und seine schwester / teils
gegenwärtig teils abwesend / mit ihrer liebesregung sich unterhielten; und dass
Eliphelet alle künste hervorsuchete / sich wieder fåst zu setzen: verbrachte
inzwischen / in der Nabateer lande / der verlassene Nabajot / das
erbårmlichste leben von der welt / weil er / bei seiner rükkunft aus dem
Egyptischen krieg / seinen unwiederbringlichen verlust erfuhre / und die bei
seinem herrvattern nicht mehr fand / die er bei demselben in so sicherer
verwarung hinterlassen zu haben vermeint. Seine wut triebe ihn alsofort / mit
dem kriegsheer der Nabateer und deren von Hevila / welche er gefüret / in Cus
einzufallen und seine Delbora wiederzuholen. Der alte Nebajot aber / der
volkommene unbeschränkte macht und gewalt in seinem land / und eben seines
brudern / des Fursten von Hevila soldaten / hatte / steurete bald diesem
fürnemen seines sohnes / und sezte den dadurch in solchen traurigen stand / dass
er aller freude absagend / in den wäldern und einsamen orten seine zeit
zubrachte / und bloss eine gelegenheit erwartete / sich an dem Eridanus zu
råchen.
    Weil nun der friedliebende alte Nebajot den Cussiten / sich für ihm nicht
zu fürchten / um soviel mehr zu verstehen geben wollte / richtete er von neuem
einen bund mit dem König Scheba auf / und ordnete deswegen abgesandte nach
Naphis. Diese wurden anfånglich von dem Prinzen Eridanus mit unruhe angesehen:
weil er befahrte / es mochte seiner Delbora gelten. Nachgehends aber / wie man
ihr anbringen vernommen / half er desto emsiger dazu dass diese genauere bündnus
zwischen beiden volkern gestiftet wurde. Dem jungen Nebajot sandte er uberaus
herrliche geschenke / und liesse mit dem vorwand seiner håftigen liebe / das / so
er an der Delbora begangen /hochst entschuldigen: erbote sich auch / ihm in
allem fortin ein genügen zu tun / auser in dem / was die wiedergebung der
Delbora betreffen mochte. Wie nun der listige Eliphelet keine gelegenheit
verseumte / ihm selbst und seiner liebe zu dienen / als beredete er den König
dahin / dass er der Prinzessin / seiner tochter /durch ihn fürtragen liesse / wie
er gewillet wäre / sie dem Fürsten Nebajot in heurat anzubieten. Hierdurch
suchete er / nicht allein ihr aus dem sinn zu bringen / dass er sie selber noch
liebte / sondern auch nachgehends ihr sich nützlich zu machen / dass sie ihm
wieder zu trauen anheben mochte / wan er ihr dienlich wäre / sie von dieser ihr
nicht anståndigen heurat zu befreien: dann er wusste gar wohl / dass sie den Amosis
aus Egypten liebte / weil sie für einem so schlauen mitbuler / als wie dieser
bösewicht war /nicht heimlich genug ihre sache hatte anstellen konnen.
    Als nun Eliphelet / der / seit ihrer wiederkunft in Naphis / sie noch nicht
gesprochen hatte / zu ihr in das zimmer trate / wollte sie / seiner ungestumen
gesellschaft zu entfliehen / sich hinweg machen. Aber er fiele ihr zu fuss / und
beteuerte ihr bei allen seinen göttern / wie dass er seine ehmalige freiheit /
sie zu lieben / nicht mehr bei sich hegte / sondern vielmehr /in erkennung
seiner unwurdigkeit / dahin bedacht wåre / durch treue dienste ihre dadurch
billig erworbene ungnade von sich wieder abzuwålzen. Zudem håtte ihn der König
mit einem gewerbe an sie abgefårtigt / von welchem er zweifelte / dass es ihr
angenem sein wurde. Diese lezte worte bewegten die Prinzessin / ihm stand zu
halten: da er ihr dann anbrachte / wie dass sie den Nabateer Fürsten haben sollte.
Diese post / deren sie sich nicht versehen / verursachte bei ihr solch einen
schrecken / dass Eliphelet / wan er schon solches nicht vorvermutet / dennoch
hieraus leichtlich der Prinzessin widerwillen hätte spüren können. Wie sie nun
verzoge / zu antworten /fuhre der böswicht fort / und sagte: Er spure ganz wohl /
dass die Prinzessin hierob betretten bliebe. Er habe auch solches wohl vermutet /
und sich ungern in dieser sache vom König abordnen lassen: wollte auch uberselig
sich schätzen / wan er / solches hinterend / (wie er ihm dann wohl zu tun
getrauete /) versichert sein möchte / dass ihr damit ein dienst wiederfüre.
    Danede / die sich gegen ihm nicht heraus lassen wollte / gabe ihm zur
antwort: Er sollte dem Konig sagen / wie sie das anbringen wohl vernommen / und
ehist ihre erklärung hieruber dem Konig wollte erofnen lassen. Nachdem sie ihn
also abgefårtigt / und nun sich allein befande / liesse sie ihren tränen den
freien lauf / und schüttete damit ihre traurigkeit aus / die sie hierbei
entfunde / dass sie ihren Amosis verlassen sollte. Delbora fand sie in diesem
zustand / und als sie ihr anligen vernommen / ware sie bemuhet / diese
Prinzessin zu bereden / dass sie den ihr so liebgewesenen Nebajot ehlichen
möchte / den sie keinen in der welt lieber / als ihr vergönnete. Danede bezeugte
hingegen die treue / die sie dem Amosis gelobet: welches aber Delbora beseufzte
/ und ihr eigenes beispiel anfürete / da sie solche brechen / und dem
unwidersprechlichen schluss des himmels folgen mussen. Zu diesem gespräche kame
auch Eridanus: der dann wohl /für seine person / nichts lieber gesehen / als dass
dieses hätte sein können. Weil er aber seine schwester über alles liebte / als
wollte er ihr in keinem dinge zuwider rahten / sondern verhiesse ihr / sein
båstes dabei zu tun / dabei zu tun / dass dieses furnemen des Königs rükgängig
werden möchte. Um des willen liebkosete er dem Eliphelet / und brachte durch ihn
bald zu wegen / dass der Konig eben durch diesen Eliphelet der Danede sagen liesse
/ wie er ihren sinn fortin nicht zwingen / sondern ihr in ihrer wahl alle
freiheit gönnen wollte.
    Hiemit zogen nun die Nabateischen gesandten wieder ab / und sah sich die
Prinzessin durch den Eliphelet von dieser angst befreit. Dieser feirete nicht
/ihr bei solcher gelegenheit den Prinzen Amosis zu nennen: als aus dessen tun
er zu Raemses wargenommen hatte / dass er ihre schone verehrte. Hierbei bezeugte
er ihr / dass dem Konig sehr lieb sein wurde / mit dem Egyptischen haus auf
solche weise in bündnis zugelangen. Danede gabe diesen worten gehor /und mit der
weile dem Eliphebet trauend / begunte sie ihm wohl zu wollen / und wehrete ihm
nicht / ihr zu zeiten von dem Egyptischen Prinzen etwas fürzusagen. Sie brachte
ihn also bei dem Prinzen / ihrem bruder / wieder in gnaden / dass der ihn so sehr
nicht mehr / als anfänglich / verfolgte. Wie nun dem listigen Eliphelet dieses
gelungen / strebte er hiedurch sein Glück zu fordern / und erwehlte ihm eine
dame in der Delbora frauenzimmer / von der die Prinzessin sehr viel hielte: in
die er sich verliebt stellte / und durch sie bei der Delbora sich vollig in
gnaden brachte / also dass das ganze Cussitische frauenzimmer seine seite hielte.
Wie er nun dergestalt auch den hof gewonnen / trachtete er nun ferner / wie er
die macht im lande / die er vor dem gehabt / wieder erlangen möchte. Demnach
riete er dem Konig / dem Prinzen seinem sohn zu befehlen / dass er mit der
stattlichen mannschaft / welche seit dem Egyptischen kriege /durch des Prinzen
gute verordnung / stäts auf den beinen war erhalten worden / in Meden gehen /
und seiner gemalin Erbreich ansprechen sollte. Hierzu eräugte sich eben eine
gewunschte gelegenheit / indem die Assyrier mit dem Konig von Basan in einen
schweren Krieg gerahten waren: und dachte er / wann der Prinz hinweg wäre /
wollte er schon alles wieder in den alten stand setzen.
    Dem mutigen Eridanus dorfte dieses nicht zum zweitenmal vom König angemutet
werden: massen seine dapfere begierde ihn ohndas dazu antriebe Delbora aber wie
sie solches vernommen / wollte ganz nicht darein willigen / sondern lage ihrem
Herrn unaufhorlich in den ohren / dass er sich an Meden nicht vergreisen sollte /
als welches / durch rechtmäsige straffe und schickung des Himmels / ihrem
geschlecht wäre entzogen worden: und musste solches auch / nicht durch sie /
sondern durch den Nebajot / den Assyriern wieder abgenommen werden. Weil
Eridanus sich hieran nicht kehren wollte / suchte Delbora ihre Zuflucht zu dem
Eliphelet / und bate ihn / es bei dem Konig in die wege zu richten / dass
derselbe nicht ferner seinen sohn hierzu antreiben möchte. Dieser ergriffe
gleich einen andern fund / und ware zwar der Prinzessin hierin beförderlich /
überredte aber den König anderweit / den Prinzen / zu hulf dem Konig Arieus nach
Arabien zu senden: dann derselbe mit den wilden Arabern / die sich / unter
anfürung des weitberumten raubers / des Sabnoch / zusammen getan hatten / in
einem schweren kriege begriffen war. Der Prinz ware auch zu dieser verrichtung
ganz willig /und machte sich gleich zum abzug fårtig: da dann nichtes von grossen
und dapferen leuten in Cus zu rück bliebe / sondern ein ieder / einem so dapfern
fürer zu folgen verlangte. Delbora / auf zureden der Danede /wollte auch nicht
hinter ihrem gemal verbleiben / und zoge mit zu feld / von dieser Prinzessin
begleitet: welches der König / oder vielmehr Eliphelet / ganz gern geschehen
liesse / damit sie / unter ihrer abwesenheit /desto bässer und ungehinterter
ihres gefallens in Cus schalten und walten könten.
    Der gute Arieus / wurde wohl durch ihre ankunft sonders erfreuet / weil er
dieser hülfe hoch benötigt war / und seinen sohn / schier auf den tod verwundet
/erst neulich aus Saba zurück bekommen hatte. Alda erneuerten nun Mardocentes
und Eridanus ihre alte kentnus: zumal jener die Delbora / als nunmehr des
Eridanus gemalin / sonder bewegnis ansehen kunte /und er / von dieser liebe ganz
ledig / in die Königin Petasiride von Saba sich verliebt hatte.
    Er erzehlte dem Cussitischen Prinzen nach der långe / wie es ihnen in Saba
ergangen: wie er daselbst diese schöne Königin vergeblich geliebt und ihr viel
gute Dienste wider ihre feinde / die Nabateer (welche aber nicht unter den
Nebajot gehören / sondern ihren namen von dem Nabonnadus / ihrem General /
füren) geleistet; und wie er endlich durch seinen glucklichen mitbuler / der
sich Dison Prinz von Seir genennet / in einem kampf also verwundet worden: dem
es zwar nun nicht bässer / als ihm / ergangen / indem Nabonnadus diese Konigin /
wider ihren willen / in Saba geheuratet hätte.
    Als Cölidiane dieses erzehlte / sah jederman in der gesellschaft auf den
Dison: welcher sich entfårbte /und seine Prinzessin Aramena anschauend / der
Prinzessin von Caphtor ins wort zu fallen / sich nicht entbrechen konnte. Ich bin
zwar dieser Dison / (sagte er) aber niemals des edlen Mardocentes mitbuler
gewesen: massen er selber nachgehendes bezeuget. Die Prinzessin Cölidiane / und
meine durchleuchtige mitzuhörer werden diese meine entschuldigung nicht übel
deuten: weil meine Prinzessin Aramena hier zugegen ist / die ich nicht in so
einem falschen verdacht lassen kann. Diese worte jagten der Prinzessin von
Caphtor eine rote ab: doch winkte ihr die Konigin Aramena /in ihrer erzehlung
fortzufahren / und verhinterte also ferneres zwischenreden; die dann auch
solches folgender massen verrichtete.
    Der Sabach / und dieser Nabonnadus / waren gute freunde / und hatten sich /
von einerlei begierde wider ihre herren krieg zu füren / aufregen lassen: daher
des Nabonnadus erlangtes Glück / des Sabach macht anfrischte / und ihme
gleichfalls zu gutem fortgang / den er auch / vor der Cussiten ankunft /
ziemlich gehabt /gute hoffnung machte. Demnach fand Eridanus nicht geringen
widerstand / wie er dem Sabach entgegen gienge / und verzoge sich also dieser
krieg bis ins andere jahr: da dann beide Prinzen / weil Mardocentes /nach
erlangter gesundheit / nun auch wieder ins feld gienge / viel heldentaten
verübten: die ich / als des kriegs unerfahren / allhier mit stillschweigen
ubergehe. Ich will aber / inzwischen diese helden zu felde ligen / mich nach
Javan an des Arieus hof wenden /und erzählen / was alda den beiden
zuruckgebliebenen Prinzessinnen wiederfahren.
    Es hatten ihr da-sein / der verliebte Amosis in Egypten und der elende
Nebajot zu Petra / erkundschaftet / und deswegen beide / ihre Prinzessinnen zu
sehen / sich auf die reise begeben. Sie kamen / fast zu gleicher zeit / daselbst
an: und hielte der Prinz von Egypten / in betrachtung / dass die offenbarung
seines alda-seins / bei dem Pharao seinem herrvattern / ihm viel ungelegenheit
verursachen konnte / für hochstnotig / sich geheim zu halten; gleichwie auch
Nebajot / als gewillet / die Delbora zu entfüren / keinem menschen in Javan
sich kund gabe. Indem nun beide verliebte /ihren zweck zuerlangen / bedacht
waren / erfuhre der Prinz von Egypten / dass seine Prinzessin um abendzeit /
entweder in dem balsamgarte sich aufzuhalten /oder auf dem fluss Arnus der
spazirfart beizuwonen pflegte: welches auch dem Nebajot / durch seine erkaufte
kundschafter / von seiner Prinzessin berichtet wurde. Daher erkiesten sie beide
/ keiner von dem andern wissend / einen abend / und bereiteten sich / ihre
liebsten zu sehen: wiewol Amosis die seinige nur sprechen / Nebajot aber die
Delbora davon füren wollte.
    Amosis / auf erhaltenen bericht / dass die Prinzessin von Cus abends auf dem
fluss fahren wurde / gesellte sich zu der ruderpursche / welche die Prinzessinnen
uberzufüren pflegten: wozu er gelangte / durch beforderung eines seiner
bedienten / der mit dem schiffman kundschaft hatte. Nebajot hingegen / auf
erlangte zeitung / dass die Prinzessin Delbora selbigen abend gewiss in dem
balsamgarten sich befinden wurde /stellte mit seinen bei sich habenden alles in
bereitschaft / und verschliche sich in den garten: mit der höchsten ungedult /
seiner Delbora ankunft erwartend. Der verliebte ruderknecht / so in gleichem
verlangen brennte / sah endlich / wie die sonne untergegange /vom koniglichen
schloss das frauenzimmer ankommen: welches aber / auf dem grossen platz vor dem
schlosse / sich verteilte / und die eine hälfte nach dem balsamgarten / die
andere aber dem schiff zugienge. Es schosse ihm gleich auf das herz / die beide
Prinzessinnen mochten voneinander geschieden / und etwan seine Danede nach dem
garten gegangen sein: worinn er auch nicht geirret / massen Delbora allein mit
ihrem frauenzimmer in das schiff stiege / und diese wasserfart anfienge. Die
ursach / dass diese beide Prinzessinnen / gegen ihrer gewonheit / sich dissmal
geschieden / war diese / dass zur Danede jemand von Naphis angekommen / den sie
heimlich sprechen wollte. Delbora behielte ihr leute bei sich /und gabe also
ihrer schwägerin raum / sich desto freier mit ihrem zeitung-boten zu unterreden.
    Der verliebte Prinz von Egypten könnte seine ungedult båsser / als ich /
beschreiben / die er entfunden /als er im schiffe die nicht fand / um deren
willen er ein ruderknecht geworden war: und tröstete ihn dieses allein / dass er
hoffen konnte / auf einen andern tag glücklicher zu werden. Mitlerweil er nun des
Nebajot geliebte Delbora den strom hinab furen halfe / eilete seine Danede in
den garten: da dann Nebajot /der sie / mit einem flor bedecket / unter den
schattichten bäumen ankommen sah / und für seine Prinzessin hielte / mit seinem
hinterhalt herfür brache / auch /um der Danede nicht zuverfehlen / alles
frauenzimmer durch die seinigen davon furen liesse. Die erschrockene Prinzessin /
meinte nicht anderst / als dass Eliphelet ihr diesen possen gerissen / und gabe
alles auf das schreien; welches ihr aber nicht halfe / und musste sie sich auf
einen wagen setzen / und feld-ein furen lassen: da es sich dann also fügte / dass
sie nahe an dem fluss Arnus vorbei mussten / woselbst eben der Delbora schiff
daher ruderte. Weil die wågen hastia fortrannten / und es schon im schimmern war
/ konten die vom schiffe nichts erkennen. Aber gleich hinter den wägen kamen
etliche zu pferd von des Königs bedienten / welche denen im schiff zurieffen /
wie dass man die Prinzessin Danede entfuret.
    Der Delbora entsetzen / vergliche sich nicht mit dem schrecken des
ruderknechts Amosis / der / alle betrachtungen vergessend / das ruder fahren
liesse /sich unversehens in den strom stürzte / und mit allen kräften nach dem
ufer zu schwamme. Weil der liebe nichts unmuglich / als kame er durch die
schnelle wellen hindurch / und glucklich an das land: da er / so nass er auch war
/ ein pferd / welches alda unter vielen in der weide ging / ergriffe / und sich
darauf werfend / den raubern seiner Prinzessin nachrannte. Weil sie in steinigte
wege und klippen gerahten waren / da sie nicht geschwind fortfahren konten / als
holete er sie endlich ein / und kamen damit / auf sein geschrei /von den
feldleuten so viele zusammen / dass sich Nebajot von allen seiten umzinglet
sah. Er wollte aber in dieser åusersten noht / lieber sterben / als sich
gefangen geben: wehrte sich derhalben ganz verzweifelt mit den seinigen / bis er
endlich / mir vielen wunden beschlagen / sich gefangen geben / und die
Prinzessin musste fahren lassen. Amosis gabe sich hierauf zu erkennen / und
erweckte damit bei dieser Prinzessin ein solches freud-entsetzen / dass sie / so
unverhofft ihren liebsten Prinzen und nun zugleich ihren erloser bei sich sehend
/ all ihres schreckens vergasse. Als sie nach Javan zu fuhren / ginge Amosis
neben ihrem wagen her / und unterhielte sie / den ganzen weg hindurch / mit
seiner liebe: da sie auch zusammen abredten / wie Amosis unbekant verbleiben
sollte. Ich weiss gewiss / wann diese verliebte an diesen abend gedenken / sie
werden darüber in ihrem gemüt keine geringe vergnugung entfinden.
    Als sie nun in Javan angekommen / und man den täter herbei brachte / erkannte
Delbora den Nebajot bei dem schein der fakeln / welcher halbtodt daher
geschleppt wurde: daher sie / ihrer ersten bewegungen nicht meisterin
verbleibend / mit einem lauten schrei der Danede onmächtig in die arme fiele.
Sie erweckte damit / bei allen / ein grosses entsetzen / und wusste niemand / was
man davon gedenken sollte. Nebajot /der / bei allem vergossenen blute / noch
seine vernunft behalten / sah dieses wesen der Delbora für ein zeichen ihrer
noch zu ihm tragenden liebe an: und /dadurch sehr erquicket / truge er sein
unglück mit grosser gedult / als er überdas in einen kerker gestecket wurde.
Sobald Delbora wieder zu ihr selbst gekommen / erofnete sie der Danede / wie
dieser ihr entfürer der Nebajot gewesen. Als dieses vor den König Arieus
gekommen / liesse er / noch in selbiger nacht /den Fürsten aus dem kerker in ein
zimmer bringen /und fleissig nach seinen wunden sehen: wie er dann das haus
Nebajot hoch hielte / und alle freundschaft bei demselben suchte. Weil aber
dieser Fürst so krank am gemut / als am leibe / sich befande / als befiehle er
mit einem hitzigen fieber / und zwar so håftig / dass die ärzte schier an seiner
wiederaufkunft verzweifelten. Weil sein einiges reden von seiner Delbora war
/als begehrten die ärzte / dass sie ihn besuchen möchte: worzu sie aber sich ganz
nicht verstehen wollte / in betrachtung / dass solches der ehelichen treue / die
sie dem Eridanus schuldig / entgegen wäre; massen sie auch sehr bekümmert war /
dass ihr die bei erkennung des Nebajot zugestossene schwachheit übel mochte
gedeutet werden. Sie konnte zwar in ihrem herzen ihr selbst nicht leugnen / dass
sie dem ehmals-geliebten Nebajot noch wohl wollte: sie war aber äuserst bemuhet /
sich zu überwinden / und allein der strengen tugend zu folgen; welches dann ihren
schwachen Leib so ergriffe / dass sie nicht weniger / als Nebajot / bettlägerig
wurde.
    Danede und Amosis / lebten inmittels vergnügter zusammen / und kam er alle
tage heimlich zu seiner Prinzessin: da sie allein dieses quälte / dass Amosis gar
zubald an seine wiederabreise gedenken musste /weil der zustand in Egypten
solches erforderte. Sie redten aber mit einander ab / dass Amosis / bei ehster
guter gelegenheit / den Pharao seinen herrvattern dahin vermogen sollte /
gesandte nach Cus abzuordnen / und üm sie anhalten zu lassen: worbei sie ihn
versicherte / dass der Eridanus / ihr bruder / wie nicht weniger ihr herrvatter /
sehr geneigt auf seiner seite wären. Mit solcher vertrostung schiede endlich
Amosis aus Javan hinweg / und erfuhre kein mensch / dass er da gewesen: wie dann
jederman das / was mit dem beherzten ruderknecht geschehen / fur einen trieb von
dessen treu und herzhaftigkeit hielte / sondern ferner nachzuforschen / ob
jemand anders unter diesem schifferkleid verborgen gewesen.
    Auf dieser rückreise / hatte er eine begegnis nahe bei des Mardocentes lager
/ indem er von etlichen Arabern angefallen wurde: welches verursachte / dass er
die kentnis von diesem edlen Prinzen erlangte /weil ihm derselbe zu hulfe
gekommen / und ihm das leben retten helfen. Dieserwegen befand er sich ihme so
verpflichtet / dass er ihm und dem Eridanus / seinen stand offenbarte. Also
erfuhren diese Prinzen / was sich in Javan zugetragen hatte / und erwiese
Eridanus diesem liebhaber seiner schwester / tausend hoflichkeiten: worauf sie /
als verbundene freunde / von einander schieden. Als aber Eridanus folgends
dieser begebenheit weiter nachdachte / und nun den von seiner Delbora ehmals
geliebten Nebajot in Javan bei ihr wusste / triebe ihn die eiversucht / das
lager auf eine weile zuverlassen / und eine postreise nach Javan hinüber zu
tun: um zu sehen / wie es seiner gemalin erginge. Er funde sie krank und
betrübt / wiewol seine ankunft sie etwas wieder ermunterte. Er konnte nicht ümhin
/ sich über sie zubeschweren / dass sie / wegen Nebajots / solche schwachheit
überkommen. Ihr wisset / mein herr! (sagte sie hierauf zu ihm) dass ich vordessen
/ ehe ich an euch getrauet worden / diesen Fürsten geliebt: drum nemet doch
nicht übel / dass dessen zustand meine natur / wider meinen willen /
angegrieffen. Ich versichere euch aber / dass ich mich überwinde / so viel ich
kann / seiner zu vergessen. Und desto leichter hierzu zugelangen / habe ich ihm
gänzlich abgeschlagen / ihn zu besuchen: damit ich so wenig euch / als mir
selber / anlass geben möge / unruhig zu werden.
    Ach besuchet immer hin / (gabe Eridanus zur antwort) diesen gluckseligen
Fürsten: nur verbannet ihn aus eurem herzen. Was nutzet mir der äuserliche zwang
/ wann innerlich er den sieg bei euch davon tråget. Keines wegs soll er das
erlangen! (widerredte Delbora) Ich weiss viel zuwol meine pflicht zu beobachten /
als dass ich ein solches in mir gestatten sollte. Furet mich nur alsofort mit von
hinne / und lasset mich nicht aus eurer gesellschaft: dann ich schwore bei dem
Hochsten / dass ich nun nirgend lieber als bei euch bin / weil meine pflicht mich
darzu verbindet. Ach Delbora! (sagte Eridanus seufzend) lasset hier nicht die
pflichtgebur / sondern allein die liebe herrschen: was gilts / diese wird euch
ferne von mir ziehen. Ich liebe euch / Eridanus! (antwortete sie) weil ich euch
lieben muss: weiss auch von keiner andern liebe / als die ich meinem gemal
schuldig bin. Dass ich aber sagen sollte / ich håtte euch vordessen geliebt / das
kann ich / sonder euch zubetriegen / nicht zu wort bringen. Ich gestehe gern /
dass der zwang / in mir / die liebe gegen dem armen Nebajot ausgeleschet / und
die gegen euch fåst gesetzet. Danede / die mit zugegen war / sah wohl / dass
dieses wortwechslen in die länge nichts gutes gebåren würde: darum legte sie
sich dazwischen / und brachte sie auf andere gespräche / voraus ihrem Bruder
erzehlend / wie sie aus Naphis nachricht erhalten / dass Eliphelet wieder auf die
alte weise sich beginne anzustellen / und dass man des Eridanus wiederkunft
höchst verlange.
    Solcher gestalt war die erste besuchung zwischen dem Eridanus und seiner
Delbora / abgelaufen / von der sie beiderseits gar unvergnügt verblieben. Indem
aber Eridanus bei sich anstunde / ob er den Nebajot sein da-sein sollte wissen
lassen / als über den er höchst unwillig zu sein befugt war / dass er ihm seine
gemalin entfüren wollen: käme der alte Nebajot unvermutlich in Javan an /
welcher / als er seines sohns zustand erfahren / von vätterlicher liebe / ihn zu
besuchen / war getrieben worden. Der König Arieus erwiese diesem Fursten alle
ehre / gienge auch selber mit ihme zu seinem verwundten sohn: sehr betraurend
und beklagend / dass ihm dieses ungemach an seinem hofe widerfahren. Nebajot
hingegen entschuldigte /den von seinem sohn verübten frefel / mit seiner
häftigen liebe / verwiese auch ihme selber solchen nicht: weil er ihn so schwach
fand / dass er ihn für untuchtig hielte / harte reden zu vertragen.
    Dieser armselige verliebte winselte nur unaufhörlich nach der Delbora / und
weil unter dem hitzigen fieber / darin er lage / stäts die fantaseien ihn
plagten /redte er nacht und tag von dieser Prinzessin: daher die ärzte
bestätigten / dass / wan er wieder auf kommen sollte / die Prinzessin sich
überwinden müste / ihn zu besuchen. Der alte betrübte vatter gienge hierauf zu
dem Eridanus / und ihn erinnerend / dass er ja von ihme seine Delbora besässe /
beschwure er ihn bei allem dem / was er zum wertsten hielte / seiner gemalin zu
erlauben / dass sie seinen sohn mochte. Dieser Prinz / so ungern er es auch tate
/ musste doch seinen willen darein geben / und seine gemalin selbst darzu zwingen
/ den Nebajot zubesuchen. Der alte Fürst wollte sie auch hierzu erbitten helfen:
aber sie begehrte ihn nicht anzuhören / ungescheut sagend / wie dass er die
einige ursach von seines sohns unglück wåre. Es wollte aber Delbora zu dieser
besuchung sich nicht anderst verstehen / als mit dem beding / dass Eridanus mit
zugegen sein / und folgends alsofort mit ihr aus Javan hinweg ziehen sollte:
welches beides ihr der Prinz verhiesse. Um aber den Nebajot mit seiner gegenwart
nicht zu årgern / noch etwas wider seine ehre zu tun / die er hierbei so
hochlich beleidigt befande: begleitete die Prinzessin / nur bis an die tur /
und verbarge sich folgends hinter einem teppich / da er ungesehen alles mit
anhören konnte.
    Nebajot und Delbora sahen eine gute weile einander an / ehe eines von ihnen
zu sprachen begunte. Endlich fienge Delbora an / und sagte wider ihn: Was für
labsal bringt auch nun dieses / Fürst Nebajot! dass ihr des Eridanus gemalin
habt sehen wollen? vermeint ihr wohl an ihr eure alte Delbora zu finden? oder
könnt ihr glauben / dass die jenige / die ihr ehmals so sehr geliebt / so wenig
tugend besitze / dass sie nun noch etwas für euch werde übrig haben / da sie ganz
und gar dem Prinzen von Cus zugehöret? Die susse ruhe (antwortete Nebajot) die
ich nun entfinde / da ich eure undankbarkeit und untreu euch furrücken kann / ist
ursach / dass ich euch zu sehen begehret. Ich weiss wohl / dass ich die alte Delbora
nicht mehr finde: kann auch ganz wohl glåuben / dass ihr fur den armen Nebajot
nichts mehr übrig habet / weil ihr vorsetzlich denselbigen verlassen habt.
Vorsetzlich! (rieffe hier Delbora) das soll mir kein mensch erweisen! Nein /
Nebajot! ich bin dazu gezwungen worden / dass ich euch verlassen müssen: und
håttet ihr mir nicht selbst die lehre von dem wahren glauben beigebracht / bei
deme man nit morder an seinem eignen leibe werden darf /so soltet ihr viel eher
meinen tod / als meine untreu erfahren haben. So darf ich dann noch hoffen /
(fragte Nebajot) dass euch der zwang / nicht aber der freie wille / dem Eridanus
gegeben? wann dem also ist / so weiss ich gewiss / dass dieser Cussite nur euren
leib besitzet / und der arme Nebajot noch ein räumlein in eurem gemute
bewohnet.
    Forschet nicht (gabe sie zur antwort) nach solchen dingen / die euch zu
wissen unnötig sind / und stehet ab / um unserer ehmaligen liebe willen / meinen
stand hinfüro zubeunruhigen. Die Königin der Janigener /eure ehmalige geliebte
Hermione / ist nun wittwe /wie man glaubwurdig berichtet: diese liebt / als die
rechte erbin des reichs Meden / und bildet euch fur /wan ihr der Delbora nicht
vergessen könnet / dass Hermione Delbora sei / gleich wie ich nun den Eridanus
liebe / als wan er Nebajot wäre. So folget dann hieraus / (sagte Nebajot) dass
ihr meiner nicht vergessen wollet. Wan ihr mir verheisen werdet / (wiederredte
sie) mich von nun an nicht mehr zu sehen /auch niemals / wie ihr iezt getan /
zu einiger gewalttätigkeit gegen meiner person euch verleiten zu lassen / so
will ich euch angeloben / des Nebajot nicht zu vergessen. Nein / grausame
Delbora! (antwortete er /) das vermag ich euch nicht zu versprechen. Mein recht
/ das ich an euch habe / ist viel zu gross / als dass ich euch gutwillig deme
überlassen sollte / der euch mir so bösslich geraubet. Wolan dann! (sagte sie /
damit von ihm gehend /) so wisset / dass ich von nun an / eure feindin zu sein /
mich befleissigen werde.
    Damit eilte sie / seiner antwort unerwartet / zur tür hinaus / und liesse
sich alsofort bei dem König Arieus anmelden / um von ihme abschied zu nemen.
Hiernåchst sezte sie sich mit der Danede auf den wagen / und fuhre nach dem
lager: dahin auch der unruhige Eridanus sich wieder begabe / und nicht wusste /
ob er mit dem bezeigen seiner gemalin zu frieden oder unvergnügt leben sollte.
Weil / durch diese begebenheit / ihre alte wunde wieder aufgefrischt worden /als
furete sie ein sehr betrübtes leben: darin ihr auch Eridanus treulich
gesellschaft leistete. Und ob der ihr gleich nicht sagte / dass er / bei aller
seiner gluckseligkeit / den Nebajot beeiferte / so zeigte er es doch in der
tat: befande sich also gnug gestraffet / dass er dieses verliebte paar getrennet
hatte. Nebajot aber wurde zu Javan / gegen aller årzte verhoffen / wieder
gesund / und musste seinem herrvattern nach Petra folgen: welcher ihn in genauere
obsicht nemend / verhütete / dass er ferner dergleichen nicht wieder anfangen
kunte.
    Nicht lang hernach endete sich der Arabische krieg mit dem Sabach / und zwar
zu grossem vorteil des Königs: massen er diesen rebellen dazubrachte / dass er
entfliehen / und alle eingenommene örter ihrem rechtmäsigen herrn wieder
abtretten musste. Wie nun desshalben der Eridanus / mit den völkern seines
herrvattern / in Arabien nichts mehr nutze war / schiede er / nachdem er grosses
lob erworben / vom hofe des Arieus: den betrübten Mardocentes zu Javan
hinterlassend / der eben also den verlust der Königin Petasiride / als wie
Nebajot seine Delbora / betraurete. Wie nun der Cussitische Prinz / neben
seiner gemalin und schwester / nach Naphis wiedergekommen / bezeigte sich
niemand erfreuter / als Eliphelet: welcher den schalk so meisterlich verbarge
dass Eridanus so wenig / als Danede / seine rechte bubenstücke vermerkten; und ob
gleich der Prinz viel ånderungen warname / welche seit seiner abwesenheit
furgegangen / so wusste sich doch Eliphelet so heraus zu wickeln / dass man ihn
nicht für gewiss den urheber dessen nennen konnte. Den Caldis fand er Feldherrn
an des Hezrai stelle / der dann ganz eine creatur vom Eliphelet war: doch
vermochte Hezrai dem Eliphelet nicht beizumessen / dass der an seiner verstossung
schuld gewesen. Weil nun der Prinz dem Hezrai sehr wohl wollte / als gabe er sein
misbehagen wegen dessen verstossung nicht unklar an den tag / und verursachte
damit / dass Eliphelet ihm die reichsschatzmeisterstelle zu wege brachte: die
zwar furnemer als des feldherrn stelle / jedoch so mächtig nicht ware. Also
behielte Eliphelet / durch den Caldis / allen gewalt / sich / wan es zeit sein
wurde / der soldaten zubedienen /und die Danede / die er annoch so häftig als
iemals /wiewol heimlich / liebte / zu überkommen.
    Es erschiene aber / in solcher zeit / sein geliebter mitbuler / der Prinz
Amosis / unvermutlich am hof /und suchete schutz / bei dem König Scheba / wider
seinen herrvattern: der ihm aufsetzig worden war /wegen dessen / dass er der
Prinzessin Amesses / seiner schwester / heimlich hatte davon geholfen. Selbige
geschicht ist allen meinen zuhörern bekant / und derhalben unnoht / solche hier
weitläufig zu wiederholen. Die erfreute Prinzessin Danede / besorgend / ihr
herrvatter möchte diesen schutz dem Prinzen versagen /name ihre zuflucht zu dem
Eliphelet / erinnerte ihn seiner ehmaligen reden / die er mit ihr von diesem
Egyptischen Prinzen gewechslet / und bate ihn / den König dahin zu bereden / dass
nicht allein Amosis an ihrem hof aufgenommen würde / sondern auch der König in
ihre liebe willigen möchte. Dieses anmuten der Prinzessin / reimte sich nun gar
nicht mit Eliphelets zu ihr tragender liebe: welcher iedoch / seinen reguln zu
folgen / und durch verstellen sein ziel zu erjagen / ihr verhiesse / alles / was
sie suchete / fur sie zu wege zu bringen. Wie er dann solches auch täte / und
verschaffete / dass Amosis von dem Scheba höflich und wohl entfangen wurde. Dieser
verliebte Prinz vermeinte nun / er hätte den schwersten stein in seiner liebe
gehoben: massen es so weit mit ihm gekommen / dass er täglich ungescheut seine
liebste Prinzessin sehen und ihrer unterredung geniessen kunte. Wie aber dieses
dem eifersüchtigen Eliphelet in die länge unertråglich fiele / als musste der
König / durch den er alles täte / was er wollte / seiner tochter etwas mehrers
liebkosen / und ihr fürstellen / wie er / da ihme in Egypten solche beschimpfung
widerfahren / unmöglich dulten konnte / dass ein Egypter sie dermaleins heiraten
sollte; und dass seine zu ihr tragende vätterliche liebe ihn triebe / ihr das
reich / neben dem Eliphelet / zuzuwenden.
    Weil dieser vortrag der Danede ganz unvermutet kame / wurde sie darob üm so
viel bestürzter. Doch erholete sie sich bald wieder / und ein herze fassend
/sagte sie: wie dass sie ihrem bruder den Cussitischen zepter nicht zu entziehen
/ noch weniger den Eliphelet / als ihren untertanen / zu ehlichen begehre /
sondern dem Prinzen von Egypten dem sie einmal ihr herz gegeben / beständig
verbleiben wolle; zumal sie durch den Eliphelet selber hierzu wäre angefrischet
worden /der sie allemal versichert / dass dieses dem König /ihrem herrvattern /
ganz nicht entgegen wåre. Diese freie erklårung der Danede / setzete dein König
in solchen zorn / dass er / des Eliphelet raht einzuholen vergessend / in der
ersten wut dem kämmerer Tola anbefohle / alsofort dem Prinzen von Egypten
anzudeuten / dass er seinen hof meiden sollte. Dieser grausame befehl / der den
Prinzen so sehr beschimpfte als betrübte / wurde gleich von ihm erfullet: und
zoge er aus Naphis hinweg / sich nach des gütigen Arieus hof wendend / da er
båsser bewirtet zu werden / verhoffen kunte. Sobald Eliphelet dieses erfahren /
der eben /unfern von Naphis / zu dem feldherrn Caldis verreiset gewesen /
bezeugte er offentlich sein misfallen über diesem verfahren des Konigs / und
hätte es gern anderst gesehen / weil er es noch zu früh zu sein erachtete /
sonder larve zu spielen. Er entschuldigte sich auch / mit so guter wirkung / bei
der Prinzessin / dass die ihn ganz auser bösen verdacht hielte.
    Inzwischen aber fure er fort / seine bosheit heimlich auszubruten / und
liesse / durch seine unterhändler / die wolgeneigten des Eridanus aufwiegelen /
nicht allein wider den König und die Prinzessin gefårliche worte zu füren / üm
dass die den tron dermaleins bekommen sollte / sondern auch dem Prinzen in den
ohren zu ligen / dass er auf seine schanze acht haben sollte. Hierdurch brachte er
zu wege / das Eridanus mistrauig / die Danede unruhig / der Konig immer
verbitterter gegen seinem sohn / und die stånde zu einem aufstand geneigt
wurden: welches alles er an allen seiten wieder beizulegen / offentlich ja so
bemuhet war / als wie er es heimlich gefördert und angestiftet.
    Dieses unwesen aber bewegte die Prinzessin Danede / auf mittel zu denken /
wie sie aus ihres vatters haus entkommen möchte: weil sie / durch ihre gegenwart
/ so viel unheil entstehen sah / da / wegen der häftigen liebe des Konigs zu
ihr / und wegen des entstandenen geruchtes / dass der Konig ihr seinen tron
bestimmet hatte / sie so wohl ihren vatter / als ihren bruder / in lebensgefahr
wissen müste. Sie vertraute ihren anschlag ihrer mume / der Prinzessin Sapha
/dass sie nämlich / wie sie alle drei jahre zu tun pflegte / in das land Moab
nach Rabbat / auf das fest des Chamos reisen / und daselbst der Prinz Amosis
sie entfuren und nach Salem zu uns ins land Canaan bringen sollte: weil das
gerüchte ihr mehr gutes von uns /als wir verdienen / fürgebracht hatte. Die
Sapha / weil sie ihre entfernung dem lande Cus selbst für nutzlich hielte /
widerriete dieses furnemen ihrer basen gar nicht / sondern begunte sie vielmehr
darin zu stärken. Nachdem sie nun dieses dem Amosis nach Javan heimlich zu
wissen getan / und die zeit nach Rabbat zu reisen / heran gekommen / erhielte
die Prinzessin erlaubnis von dem Konig / und reisete nach Saba zu der Königin
Petasiride: die dieses götterfest auch zu besehen pflegte / und sie in ihrem
geleit mit dahin nemen wollte. Delbora / als eines andern glaubens / tate diese
reise nicht mit / wusste aber wohl /dass die Danede nicht wieder kommen wollte:
daher der abschied an beiden teilen sehr wehmütig abgienge.
    Wie nun diese Prinzessin Saba erreichet / fand sie daselbst die Petasiride
/ neben ihrem vermeinten gemal / dem Nabonnadus: welchem ich darum diesen namen
zulege / weil er nicht in der tat diese Konigin / als die welt gegläubet /
geheuratet hatte. Solches aber mit wenigem hier zu berüren / muss ich erzählen
/dass / wie diese grosse Konigin / des Prinzen Mardocentes liebe verachtend / und
des ihr damals unbekanten Disons liebe vergeblich begehrend / durch verräterei
von dem Nabonnadus überwunden worden / und er Saba einbekommen / sie dannoch
keines wegs den hohen muht sinken lassen / der alle ihre taten pfleget zu
begleiten / sondern dem Nabonnadus ja so verächtlich begegnet / als wan er nicht
meister ihres reiches gewesen wäre. Er durfte das herze nicht fassen / ihr unter
augen zu kommen: besasse also einen unsichtbaren schatz / und erkannte / dass er in
Saba nicht mächtiger wäre / als er vordeme auser Saba gewesen. Weil er aber sehr
verschmitzet ist / machte er sich glücklicher als er war / und sprengte im
ganzen reiche aus /wie dass ihn die Petasiride geheuratet håtte: wodurch er sich
fast fäst setzete / dass jederman / ihn fur den gemal der Königin ansehend / ihm
die schuldige ehrerbietung erwiese; und hielte er die Königin / durch seine
creaturen / so genau umzigelt / dass niemand die warheit von dieser sache
erfahren konnte. Petasiride /die / als hochvernünftig / wohl sah / wie sie / bei
solchem zustande / da Nabonnadus alles in seinen hånden hatte / bässer tun
würde / wan sie schwiege / als wan sie / durch unzeitiges geråusche / ihm anlass
gäbe / sich seiner macht wider sie noch unbescheidener zu bedienen / oder sie
gar vom reich zu stossen / war zufrieden / dass sie heimlich noch die gewalt über
ihn behielte / die eroffentlich uber sie zu haben furgabe /und an ihrer
Koniglichen hoheit ihr hierbei nichts abgienge: wodurch sie dann mit beförderte /
dass alle welt diese ehre heurat fur war hielte. Sie wusste auch wohl /dass sie
keinen beistand von allen ihren benachbarten zu gewarten håtte: als welche
såmtlich ihr / einem weibe / die regirung misgonnten / und daher lieber dazu
wurden geholfen haben / dass sie gar aus der regirung wäre gesetzet worden.
    Als Danede zu Saba angekommen / besorgte Nabonnadus / dass Petasiride dieser
Prinzessin ihren rechten zustand eröfnen wurde. Sie aber liesse ihn /durch den
Euriles seinen vertrautsten / versichern /dass sie schweigen / und so lang / als
er in den schranken der ehrerbietung gegen ihr bleiben würde / ihn niemals
verraten wollten. Diese versicherung machte ihn so unbesorgt / dass er ihr diese
reise nach Rabbat gern erlaubte: massen ihm ihr ehrsüchtiges gemüte /und dass
sie / durch eröfnung ihres zustandes / sich in die gefahr / die kron zu
verlieren / nicht setzen würde / wohl bekant war. Mitlerweil sie nun / mit der
Danede und allen andern grossen Damen / nach Rabbat reisete / stellte der
verliebte Amosis alles an / was / seiner Prinzessin erteilten befehl zu
vergnügen / erfordert wurde. Als er auch dem Mardocentes hiervon sagte /kame dem
in den sin / mit dieser gelegenheit gleichfalls seine Konigin aus des Nabonnadus
händen zu entfüren. Weil sein herrvatter ihme niemals in dieser seiner liebe
hinterlich gewesen / sondern vielmehr dieselbe befordert / um dadurch Saba und
Javan zusammen zu ziehen und ein reich daraus zu machen /als offenbarte der
Prinz sein vorhaben dem Konig: der dann / diesem lieben sohn in allem zu fügen /
seinen willen gleich dazu gabe / und anstalt machte / dass /sobald der anschlag
in Rabbat glücklich würde von statten gegangen sein / man zu gleicher zeit in
Saba einfallen / und den Nabonnadus bekriegen sollte.
    Beides wurde nun glücklich zu werk gerichtet: massen Mardocentes und Amosis
/ die Petasiride und Danede / aus Rabbat sonder geråusche davon brachte / auch
Labdeon / des Arieus feldherr / in Saba einfallend / selbiges sicheres land in
grossen schrecken sezte. Weil eben zur selbigen zeit der alte Nebajot gestorben
war / und man von einem grossen kriegsheer / dass der junge Nebajot nach Cus
fürete / stark geredet: als entschlosse sich Danede / wie die unsicherheit der
wege / den reisenden gefahr drohete /nicht zu uns nach Salem zu reisen / sondern
zu Javan bei der Petasiride zu bleiben: das dann / wie ihrem Prinzen / also auch
der Petasiride angenem war / welche / bei der gesellschaft dieser Prinzessin /
in ihren zustand sich desto bässer schicken kunte. Es bemuhete sich aber / so
wohl der Konig Arieus / als der verliebte Mardocentes / dieses beginnen bei der
erzürnten Petasiride bästens zu entschuldigen: und wandten sie für / wie dass sie
länger nicht hätten dulten können / dass der unwurdige Nabonnadus einen so teuren
schatz besitzen sollen; worbei Mardocentes nichtes unterliesse / ihr furzubringen
/ was die häftigkeit seiner treuen liebe ihr mochte andeuten können. Die Konigin
/ so allemal gegen ihme sich streng erwiesen / wollte auch nun sich nicht anderst
erzeigen / zumal sie hiermit sich beleidigt erachtete. Und wiewol sie in ihrem
herzen fro war / dass sie durch dieses mittel von dem Nabbonnadus abkommen /
liesse sie sich doch dessen nicht merken / und hielte noch immer geheim /was es
mit ihr und dem Nabonnadus für eine bewandnus hatte.
    Es hinterliesse aber Mardocentes seine Konigin zu Javan / und zoge selbst /
neben dem Amosis zu felde. Mitlerweile sie aber Saba bekriegten / wäre der furst
Nebajot in Cus eingefallen / seine Delbora von dem Eridanus wieder abzufordern.
Zu eben dieser zeit spunne sich auch an / die mishelligkeit zwischen den Fürsten
von Seir und dem grossen Esau: dass also auf einmal / in Cus / in Saba / und auf
dem Seirischen gebirge / und also in ganz Arabien / eine gefärliche
kriegesbrunst entstanden. In Saba stillte sich die unruhe zum ersten wieder /
massen der dapfere Mardocentes so glucklich war / dass er den Nabonnadus in einer
schlacht gefangen bekame: welcher / weil er sich tödlich verwundet befande /
freiwillig gestunde / wie dass er die Petasiride nie besessen / sondern nur / um
die Sabeer in den stand zu setzen / dass sie ihn dulten möchten / solches
ausgesprenget hätte. Wer war nun erfreuter / als Mardocentes? der dieses den
Sabeern alsobald kund tun liesse / auch seine tiefste verehrung der Königin zu
erweisen / nach des Nabonnadus tode / und nach ausrottung aller seiner creaturen
/ aus Saba abzoge / und der Petasiride zu Javan ankündigte / wie dass sie nun von
dem Nabonnadus erledigt / und vollige freiheit håtte / ihr reich als zuvor zu
beherschen. Diese grosmut des Prinzen rürete der Königin das herz / dass sie sich
geneigter / als vor deme / gegen ihm erwiese / und mit einem gewissen beding /
welches ich hier nicht melden mag / das auch dem tugendhaften Mardocentes sehr
schwer ankame / und er es nicht wohl eingehen kunte / ihm ihre liebe und ihren
tron verhiesse.
    Die Prinzessin von Caphtor vergebe mir / (fiele allhier der Prinz Dison ihr
in die rede) wan ich mich unterneme / zu fragen / ob ich nicht teil an diesen
bedingnis der Königin gehabt / und ob nicht des Disons haubt habe das mittel
sein sollen / dem Mardocentes die liebe dieser Königin zu weg zu bringen? Der
Prinz von Seir / (antwortete Colidiane) hat die warheit erraten; massen es nicht
anderst ist / als dass sein haubt begehret werde / welches dieser Konigin seine
unerkentlichkeit gegen ihrer liebe bezahlen sollen: dann es fiele ihr
unerträglich / den jenigen im leben zu wissen / dem sie ihre liebe sonder nutzen
hatte geoffenbaret. Ich verneme / (sagte die schone Konigin von Syrien) dass des
Prinzen Disons begebenheit / die er zu Saba gehabt / wohl einer eigenen erzehlung
würdig sei: dazu er sich auch anheisig machen / iezt aber gehalten sein soll /
die Prinzessin Cölidiane nicht ferner in ihrer erzehlung zu verwirren. Wie nun
Dison der Königin seinen gehorsam bezeuget / volfürete Cölidiane diese Arabische
geschichte folgender massen.
    Weil / des Mardocentes habende freundschaft mit dem Dison / nicht zuliesse /
also schlechter dinge dieses der Konigin zuversprechen / als verwehrte ihm auch
seine liebe / es ihr gänzlich abzuschlagen. Er ersonne aber dieses mittel / und
sagte ihr für / er glåubte nicht anders / als das Dison bereits todt sein würde.
Gleichwol konnte er von ihr nicht erlangen / dass sie ihr herz ihme völlig
übergeben hätte / bis er die gewissheit dessen / was er sagte / würde eingebracht
haben. Also musste er sich damit vergnügen / dass er hoffen und seiner geliebten
Königin gegenwart stäts geniessen kunte. Es fügte sich auch / dass die Sabeer /
Araber / und die von Hevila / den Fursten von Seir wider den Esau zu hülfe
kamen: da den Petasiride selbst mit den Sabeern zu feld zoge / auch den
Mardocentes und Jetur zu gefärten hatte / welche die Araber und die von Hevila
nach Seir füreten. Der Prinz Amosis war nicht bei diesem feldzug / weil er vom
Arieus ein eigen heer Arabischer volker bekommen / mit denselben dem König von
Cus wider die Nabateer zu hulfe zu ziehen. Dieses täte er / in betracht des
Prinzen Eridanus / und nicht des Königs Scheba / als welcher ihm so hoflich
nicht begegnet hatte / ihn zu diesem dienste zu verbinden. Er liesse seine Danede
bei dem tugendhaften Arieus / da sie in guter verwahrung bliebe / und mit
verlangen den ausgang dieses kriegs erwartete: verhoffend / den Scheba ihren
herrvattern /durch die dienste / so Amosis bei diesem kriege ihm leisten würde /
zu bewegen dass er dieses Prinzen liebe gut heisen möcht.
    Als er in Cus angekommen / erfure er / dass der wütende Nabateer siegte:
welcher / damit er so wohl den Konig / als die Cussiten / die Delbora heraus zu
geben / zwingen mochte / mit dem leuten grausamlich verfahren / und alles in die
asche legen und verheeren liesse. Eridanus / täte hingegen dapfere gegenwehr
/seine Delbora zu beschützen; die er in Naphis bei seinen herrvattern liesse /
und dem Nebajot entgegen gienge: welcher aber weit von dañen / in einer andern
gegend des landes beim Arabischen gebirge / sich befunden / und daselbst alles
unter seine gewalt brachte. Des Nebajot vatters bruder / der Furst Duma /
dessen land gleiches namens an Cus grånzet / kame von der andern seite seinem
vettern zu hulfe: gegen deme sich dann der Prinz von Egypten wandte / und zwar
mit so gutem fortgang / dass er an selbiger seite das land Cus von allen feinden
ganz frei machete.
    Eliphelet laurete mitlerweile in Naphis / und bei aller dieser verwirrung
seine angelegenheiten in acht nemend / sonderlich was seine liebe betroffen /
trachtete er fürnemlich dahin / die Danede wieder in seine gewalt zu bringen.
Demnach gabe er dem Amosis so gute worte / dass er ihn in Naphis hinein lockte /
die anstalt machend dass er mit grossem pracht entfangen /und ihme / wegen der
erwiesenen hülfe / grosse ehre angetan wurde. Der Scheba stellte sich / als wan
er von entfurung seiner tochter nichts wusste / sondern gläubte / dass sie / wegen
entstandener unruhe / sich nach Javan begeben håtte. Eliphelet wusste allgemach
bei dem Prinzen sich so wohl einzuspielen / dass der /auf sein zureden / der
Danede zuentbieten liesse / wie sie sehr wohl tun wurde / wan sie nach Naphis
wieder kåme. Dieser boswicht verhiesse hierbei dem Prinzen /sein wort beim Konig
zu reden: wie er dann solches in seiner gegenwart täte / und von dem König die
versicherung erlangte / dass er nicht ferner in seine tochter dringen / sondern
ihr ihre wahl frei lassen wollte. Dieses alles / wie es der Danede nach Javan
berichtet worden / bewegte dieselbe / nach Naphis zu kommen: da dann die
beängstigte Delbora wiederum einige erquickung von ihrer gegenwart entfienge;
die sonst /wegen des kriegs / dessen sie ursach war / ihr selber tausenderlei
qual und unruhe machte.
    Als nun Eliphelet dieses erlanget / und der König seine tochter selbst
versichert hatte / wie dass er von seinen ersten gedanken abgestanden wäre /
warde /auf dieses boswichts anstiften / beschlossen / die Delbora dem Nebajot
zu übergeben: wodurch er / nicht allein dem lande Cus den frieden zu erlangen /
sondern auch den Eridanus zu solcher verzweiflung zu bringen suchete / dass der
einen aufstand wider dem Konig erwecken / oder doch dessen schein von sich geben
/ und er also / ihm öffentlich beizukommen /ursach gewinnen möchte. Dieses
untreue beginnen des vatters gegen seinem sohn / wollten sie nicht eher
werkstellig machen / als bis man des Eridanus person sich versichert hätte.
Deswegen wurde an den Prinzen geschrieben / dass er eiligst nach Naphis kommen
sollte: welcher / nichtes weniger als dieses besorgend /alsofort sich einfande /
die fürung des krieges indessen dem Caldis überlassend. Kaum aber war er in
Naphis angelanget / da brache diese bosheit herfür / und musste der treue Hezrai
dem Prinzen ankundigen / wie dass des reiches wolfart erheische / dass man die
Delbora dem Nebajot überliesse. Alles bitten / dreuen und verzweifeltes beginnen
des armen Eridanus /wollte hierwider nichts verfangen. Als er auch / in der
ersten wut / mit seiner Delbora darvon wollte / wurde ihm eine wacht für sein
zimmer gestellet / und ihme damit alle macht benommen / hiergegen etwas
anzufahen.
    Delbora stellte sich hierbei zum kläglichsten / und konnte sie nicht einmal
erlangen / dass man ihr / nur noch einmal den Eridanus zu sehen / gestattet hätte
/sondern sie musste sich von dem Nebajot / wie hierzu der bestimmte tag
herangekommen / aus Naphis lassen hinaus furen: welcher mit dieser edlen beute /
ganz vergnügt aus Cus hinweg zoge. Es verursachte aber sein bruder / der Duma /
noch fernere unruhe / welcher die von dem König Arieus hinein gesandte Araber
überfiele / und denen so grausam begegnete / dass Arieus / solches zu rächen /
den Prinzen Mardocentes aus Edom abfordern / und wider Fürsten Duma musste gehen
lassen. Hieraus entstunde ein neuer krieg / der sich ganz aus Cus hinweg nach
Arabien zoge / und des Duma jüngere brüder / den Hadar und Jehur /auch mit
einflochte: da sie dann ingesamt dem guten Arieus gnug zu schaffen machten.
Dieses hatte Eliphelet mit angestellet / und wie er nun so weit gekommen / dass
Eridanus auser macht und in verzweiflung gesetzet worden / liesse er aller orten
aussprengen /wieder Prinz gegen dem Konig sich gefårlicher reden vernemen lassen
/ die einer verräterei nicht ungleich wåren / und dass auch Amosis sich darein
mit gemischet hätte. Dieser gute Prinz wurde nun / so wohl als Eridanus / auf dem
Königlichen schlosshof bewachet. Danede bate zwar für ihren bruder und liebsten
/wurde aber allemal abgewiesen: da dann Eliphelet /alles von sich auf andere
schiebend / die den König hierzu verleiteten / ihr mit trost und beirat zu hulfe
kame / und daher stäts bei ihr in gutem ansehen verbliebe.
    Den Eridanus betrubte anfangs nicht so sehr sein zustand / als der verlust
seiner Delbora: allermeist /da er für gewiss gläubte / dass sie um diese
ubergebung an den Nebajot wohl gewust / und solches mit ihrem guten willen
geschehen lassen. Um des willen / erlitte er die grausamste eifersucht von der
welt / auf die ein häftiger zorn gegen die unschuldige Delbora folgte /und
diesen raht seinem gemüt erteilte / durch die vergessenheit sich an ihr zu
råchen / und die hinwieder zu verachten / die alle seine liebs-bezeugungen so
übel belohnt hätte. So schwer dieses fürnemen ihm erstlich eingienge / so tiefe
wurzeln fassete es hernach / und machte ihn bei diesem fürnemen beständig
verharren. Indem er nun also / mit aller macht / die Delbora aus seinen gedanken
bannete / stellte er ihm desto eigentlicher seinen zustand für / darein er
geraten war / und entfande es hoch / dass man einen so bösen verdacht von ihm
haben sollte / der den Konig zu solcher häftigkeit gegen ihn verleiten können. Er
wollte demnach / dass man das / wessen man ihn beschuldigte / auf ihn beweisen
sollte / und drunge stark daraus / den König selber zu sprechen: weil aber
Eliphelet deme schon vorgebauet / als kunte er hierzu nicht gelangen / und war
dieser böse mensch bei dem König so mächtig / und galte sein wort so viel / dass
der sicherlich glåubte / wie dass sein sohn und der Egyptische Prinz ihme nach
dem leben stünden. Er ware nun bemüht / solches aller welt offentlich darzutun:
damit er keiner tyrannei noch ungerechtigkeit mochte beschuldigt werden / um dass
er seinen sohn des erb-rechts beraubte / und daneben auch mit dem Egyptischen
Prinzen also verfure. Zuweiln glimmete zwar bei ihm die våtterliche liebe etwas
wieder auf /aber Eliphelet wusste solche bald zu dåmpfen.
    Dieser / sein anbringen desto glaubhafter zu machen / stellte es also an /
dass des Prinzen wolgeneigte im lande zusamen rotteten / und mit hellem haufen
vor Naphis giengen / des vorhabens / ihren Prinzen zu befreien. Dieses bewoge
den Konig zu solchem eifer /dass er / ungeacht der gefahr / darein er sich damit
stürzte / des Eridanus haubt diesen rebellen über die mauren zuzuschicken
beschlosse: welches dann Eliphelet einig und allein verlangte. Aber der himmel
fugte es anderst / indem / durch des treuen Hezrai beistand /Eridanus in einer
nacht erloset wurde / da Eliphelet und der Konig sich dessen am wenigsten
versahn. Der Prinz dachte gleich an seine schwester / und an seinen freund /
den Prinzen aus Egypten / und wollte dieselben mit los haben / ehe er das
Königliche schloss verliesse. Demnach / die gefahr nicht ansehend / liesse er die
Prinzessin wecken: die er dann samt ihren vertrautesten leuten / ganz unvermerkt
in seine gewalt brachte. Wie man aber den Amosis auch befreien wollte / worum die
Danede inständig anhielte / und sie von hinten nach seinem zimmer zu giengen /
fienge eben der mond an so hell zu scheinen / dass die wacht / so vor des Königs
gemach stunde / sie von fernen ersehend / sie gleich anschrye. Auf des Hezrai zu
reden / dass er / durch ungewisse befreiung des Amosis /seine eigene freiheit
nicht in die schanze schlagen sollte / und diesem Prinzen mit seiner macht mehr /
als mit seinen banden / würde dienen konnen; wiche endlich Eridanus der
unmogligkeit / und machte sich /mit seiner schwester und dem Hezrai / aus Naphis
hinaus: da er dann / gegen anbrechendem tag / bei seinen getreuen / die ihm zu
hulfe gekommen / angelanget.
    Aus kindlicher ehrerbietung / fürete er dieselben alsobald von Naphis ab /
und gienge mit ihnen nach Tauba / einer festen stadt desselben landes: von dar
aus er nicht allein an den König / sondern auch an alle grossen des reichs / die
ursach schriebe / warum er sich entfernen und in solche verteidigung setzen
müssen; die keines wegs wider den Konig / sondern allein / gegen die heimliche
und mächtige / feinde / die er am hof hätte / sich zu schutzen / angesehen wåre.
Die Danede gabe ihre erklärung zugleich mit heraus / wie sie nämlich / üm des
reiches ruhe willen / wåre gedrungen worden sich zu entfernen; weil der König
ihr den tron zueignen wollen / der nicht ihr / sondern ihrem bruder gehöre:
zugleich das ganze land bittend / dass man sie / wie auch den Prinzen von Egypten
/der ihrentwegen die ungnade ihres herrvattern erlitte /schutzen wollte. Alle
grossen im reiche schlugen sich hierauf zu dem Prinzen / und wurde Hezrai zum
andernmal feldherr / weil sie dem Caldis nicht traueten: welcher auch / diese
ånderung nicht abwartend / sich nach Naphis begeben hatte.
    Der Scheba ware daselbst / fur grossem eifer / erkranket / welches der
listige Eliphelet dem Eridanus zu wissen täte. Der aber / solchem bericht nicht
allerdings glaubend / sich immer mehr und mehr verstärkte und in gute verfassung
stellte. Wie nun Eliphelet hiermit nichts ausrichtete / und wohl sah / dass er
den Prinzen nicht würde konnen sicher machen / er dachte er einen andern sund /
und bediente sich des Tola / eines cammerherrn beim Prinzen / den er furlängst
auf seine seite gezogen / und mit ihm heimlich briefe wechselte / den auch
Eridanus sonderlich wohl leiden mochte / und stäts um sich hatte / auch ihme viel
zugläubte: und diesen hiesse er ein mistrauen zwischen dem Prinzen und dem Hezrai
anstiften. Diese list furete Eliphelet so meisterlich / dass gute wirkung folgte
/ und nach und nach so wohl Eridanus /als die Danede / in mistrauen gegen ihre
eigene leute gesezt / auch endlich / durch auffahung eines briefes /welchen
Hezrai sollte an den Caldis geschrieben haben (den aber in der tat Eliphelet
verfasset / und durch den Tola übergeben lassen) worinn entalten / dass in
wenig tagen der König seine ungehorsame kinder in hånden haben sollte / ganz irre
gemacht und in die höchste unruhe gesetzet wurden. Es gienge aber doch dem
Eliphelet diese seine list nicht recht an / indem er damit das nicht erlangte /
was er gesuchet. Dan / an statt / dass er vermeint / der Prinz sollte offentlich
auf den Hezrai los gehen / fassete er mit seiner schwester einen andern schluss /
und giengen sie heimlich bei nacht von Tauba hinweg: unter andern bedienten
auch den Tola mitnemend / dem diese reise so eilig kame / dass er den Eliphelet
dessen nicht vorher berichten konnte.
    Sie hatten zu ihrem schutz-ort Damasco erwehlet: weil meiner liebsten
Königin da-sein ihnen kund worden / und das gerüchte ihnen so viel gutes von E.
Maj. gesagt hatte / dass sie nicht allein schutz / sondern auch hülfe wider den
Scheba / von ihr zu erlangen verhoffeten. Nach vielen tagreisen / kamen sie eben
daselbst an / wie der grosse aufstand in Damasco sich erhoben / der / durch eine
sonderbare verfügnis des höchsten / mich dem Eridanus in die hände lieferte:
welcher noch selbige nacht mit mir davon ziehen musste / weil Eliphelet ihme die
post gebracht /dass der König von Cus gestorben wäre.
    Nachdem Colidiane mit ihrer erzehlung bis hieher gelanget / kame der Furst
Barzes / und meldete an /wie dass es zeit zur malzeit wäre: worüber die ganze
gesellschaft sich verwunderte / die sich dunken liessen / dass sie kaum eine
stunde der schönen Cölidiane zugehöret hätten. Die Konigin von Syrien aber ware
recht fro / dass eben iezt durch eine hinternis diese erzehlung abgeschnitten
wurde / da es zur begebenheit ihres Abimelech mit der Colidiane kommen sollen:
massen sie dieselbe lieber allein / als in so grosser gesellschaft / vernemen
wollte / als wohl vermutend / dass diese unschuldige Prinzessin viel von Abimelechs
vermeinter liebe mit einmischen wurde / das dann zu mehrerer ihrer verhönung
gereichen müssen / wan sie nachgehends erfahren hätte / wie es hiemit bewandt
ware. Und weil sie sah / dass es länger nicht tunlich / dieses der Colidiane zu
verschweigen / fassete sie den schluss / ihr alles zu offenbaren / wie es mit dem
Abimelech und ihr stunde: wiewol solches mit nicht geringer sorge und furcht
geschahe / also dass die anwesenden an ihr eine sonderbare und ungemeine stille
warnamen / deren ursach die wenigsten ergründen kunten. Sie giengen aber
ingesamt von dannen / nach der Konigin palast / da sie / auf deren einladen /
alle bei ihr zum essen blieben: und handelten ihre tischreden von nichts anders
/ als von den vielen begebenheiten / die sie von der Colidiane vernommen hatten.
    Ich kann nicht genug (fienge der Fürst Husan an /) des Eliphelet kluge
bosheit bewundern / dass der so listig seine dinge treiben konnen / fast sonder
einigen argwahn deswegen von sich zu geben. Die bosgesinten sind warlich in
dieser welt allemal kluger / als die frommen: und das darum / weil ihre
bubenstucke eine kunheit erfordern / die ihnen ofters angehet / und auf welche
es ehrliche leute in ihren anschlägen nicht wagen mögen. Ich bewundere vielmehr
/ (sagte die Konigin von Syrien) wie weisslich Gott allemal die hand uber die
bösen hålt / und sie nicht weiter gehen lässet / als es ihm gefället: welches an
dem Eliphelet zu sehen ist. Dieser hätte ja leichtlich des Eridanus tod / den er
so hochlich verlangte / durch gift konnen zu weg bringen / zumal Tola / der
ståts üm den Prinzen war / zu seinem gebot und willen stunde: Aber Gott wollte
nicht haben / dass ihm ein so leichtes mittel beifiele; üm zu weisen / dass er die
macht der boshaftigen umschränkt halte / und sie am zugel füre. Wie getrost kann
man demnach in allem unglück leben /(sezte Colidiane hinzu) weil man versichert
ist / dass ein so gütiger als gerechter fürer alles nach seinen willen leitet und
lenket.
    Indem sah die Königin von Syrien / dass ihre schwester und Jaelinde in einer
geheimen unterredung miteinander stritten / und begehrte den inhalt ihres
gespräches zu wissen. Jaelinde (sagte die Prinzessin Aramena) verteidigt mir zu
sehr die Petasiride / welches ich nicht dulten kann / dass sie / sonder erstlich
geliebt zu werden / sich verliebet hat. Hier låuft wohl /(sagte Ahalibama) etwas
eifersucht mit unter / und bin ich versichert / dass der Prinzessin von Syrien
/nicht weniger dieser Königin ihre liebe / als ihr bitterer hass / gegen meinem
bruder / misfalle. Ich höre zwar ungern / (antwortete sie) dass dieser grossen
Königin ungnade / dem Prinzen von Seir so gefårlich ist: wäre ich aber in der
Petasiride stelle / ich weiss nicht /ob ich es würde anderst machen. Dan würde
ich auch (antwortete der verliebte Dison) des todes tausendfältig schuldig sein
/ wan ich der schönen Aramena zorn dergestalt auf mich laden sollte. Man muss
meine gründe horen / (fienge Jaelinde hierauf an) warum ich die Petasiride
verteidige. Diese Königin hatte in ihrem reich die macht und die freiheit ihr
einen gemal zu erkiesen / welchen sie wollte: wie sollte es ihr dann ubel anstehen
/ dass sie den Prinzen von Seir erwehlet? und da ihre wahl gerecht ist / warum
sollte sie dann ihr herz nicht dahin haben wenden dörfen! Ich kann nicht begreifen
/ weswegen unser geschlecht weniger lieben dörfe / als die manspersonen: weil ja
unser gemute nicht unentfindlicher geschaffen ist / als das ihrige. Und wan eine
von uns eine keusche erbare liebe heget / warum sollte es schåndlich sein /
solches zu erkennen geben? Ich falle der Prinzessin bei / (sagte Danede) und
beståtige / dass unsere liebe / wan sie die erbarkeit und tugend zu gefärten hat
/ kein laster sei /und wir dieselbe zu bergen nicht verbunden seien.
    Ich möchte wohl wissen / (finge uber eine weile die Ammonide an) ob die
Delbora nicht zu schelten gewesen / dass sie sich dazu bequemet / den Eridanus zu
ehlichen. Was hätte dieser Prinz / den sie ja tugendliebend kennte / widriges
beginnen konnen / wan sie beständig bei dem Nebajot geblieben / und lieber den
tod / als diese gezwungene heurat / erkieset hätte? Es ist nicht ohn! (versezte
die Konigin von Syrien) ich schätze zwar die Prinzessin Delbora hoch in meinem
herzen / und finde sie sehr vernünftig in ihrem tun und wandel: wan ich aber
die warheit soll gestehen /so wüste ich nicht was ich würde getan haben / wan
ich in Delbora stelle gewesen wäre. Ich muss gleichwol (sagte Danede) meine
schwågerin verteidigen. Colidiane / sich der kurze in ihrer erzehlung
befleissigend / hat nicht alle der Delbora betrachtungen angefuret / die sie mir
ofters gemeldet: unter denen noch zweie / und diese die erste gewesen / dass sie
sich / als die überbliebne von dem unglucklichen stammen des tyrannischen Nadias
/ unwürdig anfienge zu achten /des Nebajot / als des rechtmåsigen Medischen
erben / gemalin zu werden. Und weil sie nun sah / dass der himmel es nicht haben
wollte / und eine hinternus nach der andern in weg legte: wollte sie lieber den
fluch des himmels allein tragen / als solchen auch über des Nebajot haus
bringen. So ware sie auch / (welches die andere ursach gewesen /) des Eridanus
tugend so gewiss nicht versichert / dass sie nicht von ihm aller gewalttätigkeit
sich håtte befahren sollen / wan sie sich / ihn gutwillig zu ehlichen /
geweigert hätte. Da auch der alte Nebajot / (sezte die Konigin Eurilinde von
Salem hinzu) die Delbora so verräterlich dem Prinzen von Cus überliesse / hatte
sie billig ursach / in zweifel zuziehen / ob auch der junge Nebajot sie
ehlichen würde. Ich bin dieser Prinzessin so gut / üm ihrer tugendhaften mutter
willen / die ich von kindheit auf in Armenien gekennet / dass mich mit schmerzen
verlanget / zu vernemen / wie es ihr nun ergehe / und ob sie wieder bei ihrem
gemal / oder bei dem Nebajot / sich aufhalte. Alle die andern / erwiesen eine
gleichmässige begierde: daher Colidiane versprache /nach der malzeit ihre
erzehlung vollends hinaus- zu führen.
    Wie aber die tafel aufgehoben war / und die Konigin Aramena in ihrem zimmer
sich befande / bate sie die Colidiane / allein bei ihr zu bleiben / weil ihr
nicht wohl wäre: weswegen sie / durch die Ahalibama /den andern an die hand geben
liesse / dass der Prinz Amosis ihnen diese geschichte zu end erzählen könnte
/welches auch in der Königin Eurilinde gemach vollzogen worden. Wie aber diese
beide unvergleichliche mitbulerinnen also allein beisammen waren / ümarmte
Aramena die Colidiane / und sie fäst an sich druckend / weinete sie so
müdiglich, dass Colidiane nicht wusste / was sie dazu sagen oder davon gedenken
sollte. Dass diese unvermutete betrübnis nichts geringes bedeuten müste / zumal
ihr der Königin standhaftigkeit in allem ungluck wohl bekant war / ahnete ihr
mehr als zu bald / und wurde ihr herz dermassen gerüret / dass sie / sonder zu
wissen warüm / ihr im weinen musste gesellschaft leisten. Endlich sagte die
schone Königin: Ach werteste Prinzessin! tut mir nun den gefallen /eure
begebenheiten in Cus mir allein zu erzählen. Ich will euch nachgehends die
ursachen melden / warum ich gehintert habe / dass ihr solches nicht in gegenwart
der andern tun konnen. So weinen dann E. Maj. (fragte die bestürzte Prinzessin)
um das / was sie ihnen einbilden / das ich noch zu sagen habe? Ich kann hiervon
nichtes ergründen / ohne dass mir der sin zutråget / es sei fur mich etwas
unglückliches obhanden. Dringet nicht ferner in mich / ( widerredte die Königin
/sich damit erholend) sondern lasset mich nur eure erzehlung anhoren: massen ich
daran ja so grosses teil habe / als ihr selber. Colidiane / wie unruhig sie auch
uber diesem bezeigen der Königin worden war / unterliesse nicht / ihrem begehren
ein genügen zu tun: und / nachdem sie sich bei ihr auf ein ruhbette
niedergesetzet / erzehlte sie ihr also / den
 
                       Erfolg der Arabischen Geschichten.
Man mochte sich wohl verwundern / über des Prinzen Eridanus leichtglåübigkeit /
dass der sofort / auf Eliphelets bericht / von seines hertvattern tode / aus
Damasco gegangen / und diesem boswicht sich anvertrauet. Aber es hatte alles
einen grossen schein der warheit / indem / durch des Tola listige anstalt / der
Prinz / seit seiner reise aus Cus / immer nachricht erhalten / dass es mit des
Königs krankheit sich tåglich schlimmer anliesse: daher dessen endlich erfolgter
tod wohl zu glauben / und eine so grosse darunter verborgene bosheit nicht zu
vermuten war. Ich reisete nun /in gesellschaft dieses neuen Konigs und der
Prinzessin Danede / gegen Arabien: voll sorglicher angst fur E. Maj. und der
andern zustand / die ich in dem unwesen zu Damasco zuruck liesse. Es musste sich
also fugen / dass Eridanus / in ersehung meiner person / der Delbora zu vergessen
/ leichter als sonst befunde /und / und an dieser unschuldigen sich zu råchen /
ihm fürsezte / mich zu lieben.
    Die erste probe / die ich hiervon entfangen / war diese / dass er mich
allemal mit der Delbora vergliche / als deren ich änlich sehen soll: welches
etwan daher ruren mag / dass ihre fraumutter / die Königin Barsine / und meine
grosmutter / die Ramestris aus Armenien / nahe befreundet gewesen. Seine mit
dieser Prinzessin ihm zugestossene abenteur mir erzehlend /wunschte er allemal /
dass ihr gemute so edel / als wie er das meinige hielte / håtte sein mögen / so
würde sie so unerhörte untreu ihm nicht erwiesen haben. Danede und ich redten
dagegen immer ihr bästes / und entschuldigten sie / als die wir nicht glåuben
konten /dass sie an des Nebajot entfürung teil hätte: welches alles aber bei ihm
nichts verfangen wollte / und wurde er ganz ungedultig / wan man sie
entschuldigte / weil solches seiner neuen liebe entgegen liefe. Weil ich nun in
seinem schutz war / vermiede ich müglichst alle gelegenheit / ihme zu wider zu
sein / und name alles / was er mir gutes erwiese / anderst auf / als er es
meinte und von mir verstanden haben wollte. Weil ich ståts über E. Maj. und den
Konig Melchisedech wemmerte / verhiesse er mir alsofort / seine hulf-volker / so
wohl nach Syrien / als nach Canaan zu schicken / und mir zu lieb / dem Beor den
krieg anzukündigen: und dieses wollte er gleich werkstellig machen / sobald er
nur in seinem reich ankommen / und alles in ruhigen stand würde gesezt haben.
Ich liess diese gute zeitung hieher nach Damasco an E. Maj. und meine schwester
gelangen / neben einem schreiben an meinen liebsten Prinzen: worauf aber keine
antwort erfolgte / weil der nachmalige zustand in Cus alles in solche verwirrung
gebracht / dass ich den abgeschickten nicht wieder zu sehen bekommen / und wohl
dessen tod vermuten muss.
    An den grånzen des reichs entfinge uns nun Hezrai / mit dem ganzen heer und
allen grossen herren des landes: da die allgemeine freude so gross war / den
Eridanus Konig zu sehen / dass uberall dessen merkliche zeichen sich blicken
liessen / und stunde das ganze land in voller hofnung / dass sie nunmehr
glücklicher /als vor deme unter den tyrannischen Scheba / leben wurden. Das
einige / so sie kränkte / war des Eliphelet gegenwart: den sie / als ihren alten
verfolger /nicht gern um den Konig sahen. Eridanus aber / der es nicht tunlich
befande / diesen sobald von sich zu lassen / folgte vielmehr / weil er ihn fur
einen alten verständigen hofman hielte / in vielen dingen seinem einrat. Und
noch mehr durch den Tola / als durch ihn /verleitet / machte er / sobald er in
Tauba angekommen / diese für ihn selbst ungluckselige verånderung /dass er den
treuen Hezrai absezte / und dem ungetreuen Caldis / an dessen stelle / das
feldherrn amt wieder gabe: wodurch Eliphelet / sich nun meister von dem
kriegsheer sehend / mutig wurde / seine böse anschläge hinauszufüren.
    Der einzug in Naphis wurde nun angestellet: da die Danede / mit
unbeschreiblichen verlangen / ihren Prinzen von Egypten wieder zu sehen /
desselbigen tages erwartete / und ofters sich hochlich verwunderte / dass den
seine liebe / ihr entgegen zu kommen / nicht antriebe: welches alles aber
Eliphelet mit scheinbaren grunden zu entschuldigen wusste. Sobald wir Naphis
erreichet / welches erst einen mond nach unsrer abreise von Damasco geschehen /
fürete Caldis und Eliphelet / die nun vollig herren des kriegsheers waren /den
betrogenen Eridanus / als einen gefangenen / nach dem Koniglichen schlosshof: da
/ an statt des trones /den er für sich zu finden verhoffte / wir den alten Scheba
auf uns zukommen sahen. Dieser entfienge seine kinder nicht mit freundlichen
gebärden / sondern mit einem solchen unwillen / welcher allein genug war / ein
grosses schrecken einzujagen. Der halbtodte Eridanus / deme nun zu spat die
augen aufgetan wurden / sich betrogen zu sehen / fand sich doch gleich in
diese bestürzung / und eilete seinem vatter entgegen / ihm die füsse zu küssen:
der ihn aber auf eine solche weise abwiese / aus der man abnemen konnte /wie bei
diesem tyrannen nichtes våtterliches mehr vorhanden wäre. Die namen / rebelle
und aufwiegler /waren die bästen ehrentitel / die er entfinge / und hatte die
erschrockene Danede auch ihr anteil an solchen unhoflichen begrüssungen: bis
endlich der Prinz mit einer starken wacht in sein zimmer gefüret / Daneden aber
und mir vergönnet wurde / beisammen zu bleiben. Ich weiss wohl nicht / wie man
mich bei diesen umständen entfangen: dann ich so verbaset worden über dieser
schleunigen änderung / dass ich fast nicht sah noch horete. Alle grossen des
reiches / so mit uns waren / wurden gleich also / wie ihr vermeinter neuer Konig
/ wilkom geheisen.
    Also ergienge es alles nach Eliphelets wunsch und willen: der nun / die
larve abziehend / die bisher seine bosheit bedecket / öffentlich erwiese / wer
er war und was er im schild truge. Die liebkosungen / die der Konig ihm erwiese
/ dass er so meisterlich diesen grossen anschlag hinaus gefüret / waren unendlich
/ und schaltete er iezt freier / als jemals / nach seinem gefallen im ganzen
reiche: nach nichtes mehr strebend / als durch ehlichung der Danede / und
hinrichtung des Eridanus / sich zum Konig zu machen / welches er auch /bevor
eine auswårtige hinterung dazwischen kommen möchte / schleunigst zu vollziehen
sich bemühte. Weil man mir / als des Prinzen Ahusat tochter /nicht traute / der
/ nahe an den Cussitischen gränzen /mit einem mächtigen heer in Edom stunde /
und alda gegen die Fürsten von Seir die waffen sieghaft furete /als wurde ich
sehr genau verwahret / keine post nach Edom zu tun / auch mir die abreise zu
den meinigen verwehret: dann man vermutete / mich des Eridanus und der Danede gar
zu gute freundin kennend / ich wurde fur sie eine hülfe zu wege bringen / wan
ich in freiheit wäre. Demnach hielte ich mit der Danede gedultig aus / und
machte ihr zugleich ihr leiden leichter / indem ich sie zu dem wahren Gott
bekehrte: da dann ihr herz nachgehends mehr trost fassen kunte / dass dieser grosse
beschützer der unschuldigen / an den sie nun glaubte / sie nicht verlassen
wurde.
    Mitlerweile wir aber also in Naphis unsere zeit erbärmlich zubrachten / der
Scheba mit morderlichen gedanken gegen feinen einigen sohn umgienge / dieser
nichts als den tod vermutete / auch Amosis und Danede / sonder einander zu sehen
/ wie gefangene gehalten wurden: muss ich mit meiner erzehlung mich von ihnen
wenden / und berichten / was in den benachbarten orten sich zu getragen. In Seir
hatte nicht allein die grosse macht der Assyrier und Niniviten / die mein Prinz
Abimelech furete / sondern auch der abzug der Arabischen volker / dem Esau das
ganze gebirge untertånig gemacht: daher alle Seirische Fürsten fluchtig / teils
in Egypten / teils in Cus schutz zu suchen /genotdrånget wurden. Sie erlangten
selbigen / auf Eliphelets fürbitte: welcher nicht allein mit statlichen
geschenken von ihnen versehen / sondern auch durch das beispiel des Konigs
Pharao hierzu angetrieben /dem Scheba solches riete. Weil er nichtes so sehr /
als die Egyptische macht / scheuete / und ungeacht der Prinz Amosis bei seinem
herrvattern in grossen ungnaden war / besorgte / dass diesem grossen Konig das
harte verfahren mit dem Prinzen misfallen mochte: als wurde er oft des sinnes /
den Amosis frei zu lassen. Aber die liebe zur Danede hielte ihn hiervon zurucke
/mit der besorgung / Amosis möchte / wan er frei wåre / nicht ruhen / ihme
hinternis in sein vorhaben zu bringen. Weil in Egypten mit den Midianiten der
friede wieder getroffen war / und Pharao / eine grosse kriegsmacht zusammen
ziehend / sich den Arabischen gränzen nåherte / wuchse besagte sorge des
Eliphelet /und verhinterte dass er so bald keinen schluss machen konnte / wie man
den Eridanus und die grossen des reichs / die man alle rebellen nente /
abstraffen und austilgen wollte.
    Im lande Nebajot / war nun auch der zustand sehr verändert. Dan / als der
junge Nebajot zur regirung gekommen / und seiner ersten wut folgend / die
Prinzessin Delbora aus Cus hinweg bekommen hatte /fand er sich / nach erlangung
eines so teuren schatzes / weit unglückseliger / als er jemals gewesen. Dan /da
er zuvor noch immer der gnade seiner Prinzessin sich getrostet / und hoffen
konnen / dass sie ihn liebte /musste er nun von ihr sich einen verräter / einen
ehrenschänder / und ihren årgsten feind schelten lassen /auch so eine
widerspånstigkeit an ihr warnemen / dass er den mut nicht mehr hatte / vor ihre
augen zu kommen / sondern in seiner eigenen stadt / vor der / welche er in
seiner macht und gewalt hatte / sich verbergen musste. Man sagt / es sei diesem
Fürsten im traum seine mutter erschienen / und habe ihn ermanet / nicht allein
die Delbora ihrem gemal wieder zu senden /sondern auch die Hermione zu ehlichen
/ und Meden wieder einzunemen: welches ich in seinem wert und unwert beruhen
lasse / und weder bekråftigen noch widersprechen will. Dieses aber ist gewiss /
dass Nebajot plotzlich / ehe man dessen sich versah / anders sinnes wurde / und
der Delbora fürtragen liesse / wie dass sie freie macht håtte / wieder nach Cus zu
reisen: massen er sich uberwunden hätte / und wider das unverånderliche
himmels-geschicke nicht ferner wüten /noch dessen verordnung umstossen wollte.
    Diese unverhofte Entschliessung des Nebajot / begabe sich eben um die zeit /
als es uns in Naphis so widerlich erginge. Und weil davon das gerüchte überall
erschollen war / als kame auch der Delbora zu ohren / wie es mit ihrem gemal
stunde: das dann ihr ursach gabe / dem Nebajot zu entbieten / wie sie uber ihrer
wieder erlangten freiheit sich nicht erfreuen könnte / wan er nicht noch dieses
hinzutäte / und den Eridanus von seines vattern tyrranei erlosete. Der Fürst
musste ihr dieses zu tun versprechen / um ihr damit seinen lezten liebesdienst
zu erweisen / indem er sie wieder zu seinem mitbuler förderte. Demnach rüstete
sich nun das ganze Nebajot wider das reich Cus / und machten sie einen bund mit
dem König von Basan / welcher dreissig tausend man / zu des landes versicherung /
in Nebajot schickte / mitlerweile sie plötzlich das land Cus überfielen / ehe
man in Naphis einen feind vermuten konnen. Sie bekamen auch beistand von dem
grossen Esau / der neben meinem herrvattern und dem Prinzen Abimelech / in Cus
gegangen war / üm alda die Seirische Fürsten ferner zu verfolgen. Wie mein
liebster Prinz vername / dass auch ich in Naphis mich befande / verdoppelte
solches seinen eifer / und stiesse er mit den Assyriern zu dem Nebajot /
inzwischen Esau und mein herrvatter nach der Cussitischen landschaft Jotis
giengen / dahin die flüchtigen Fursten von Seir sich begeben hatten. Eliphelet /
wiewol er dieses uberfalls sich nicht versehen /liesse dannoch den muht nicht
fallen: weil der feldherr Caldis ein måchtiges volk auf den beinen und gute
soldaten hatte / die tuchtig waren / einem feinde widerstand zu tun. Er machete
demnach uberall so gute anstalt / dass die Nabateer / und der Prinz von Gerar /
mit den Assyriern / mehr gegenwehr fanden / als sie vermutet hatten.
    Weil Nebajot / wegen verlust der Delbora / die inzwischen sich nach Tauba
begeben / verzweifelt fochte / und nichts mehr wunschte / als den tod zu finden
/ geriete er in manche gefahr: dass auch / ohn sonderbare verhütung des höchsten
/ ihme zu seinem ungedultigen wunsche und vom leben würde geholfen haben. Weil
aber mein Abimelech / der allemal zu siegen gewonet ist / neben ihnen fochte /
glückte es ihm so wohl / dass sie / ungeacht aller gegenwehr / zu uns in Naphis
einbrachen / und daselbst / ja so plotzlich unsern unglücklichen stand
veränderend /als unversehens wir darein geraten waren / den Eridanus und Amosis
wieder in freiheit sezten. Es wusste Eridanus nicht / wie ihm geschahe / als er
solche verånderung ersah / und sonderlich / dass er sie guten teils dem Nebajot
zu danken hätte / von dem Mesa erfure: dann Nebajot hatte / nach eroberung der
stadt Naphis / sich gleich hinweg gemachet / und diesem Fürsten / als seinem
vettern / an seiner statt die Nabateer zu furen / anbefolen / weil ihm unmoglich
fiele /seinen mitbuler in zufriedenheit zu sehen / und sich dabei zu überwinden.
    Die drei Prinzen kamen / alsobald im ersten lärmen / zu der Danede und mir
in das zimmer: da dann meine werteste Konigin ihr leicht furbilden kann / wie ich
meinen liebsten Prinzen müsse entfangen haben. Des Eridanus gegenwart / wehrete
mir nicht / ihme also /wie es meine liebe erheischte / zu begegnen. Nachdem er
mir seine freude / mich zu sehen / durch tausend bezeugungen hinwieder zu
vernemen gegeben / und Amosis mit seiner Danede sich etwas von uns entfernet /
auch Eridanus zu ihnen sich gesellet hatte / sah mich Abimelech mit
unverwandten augen an / und verharrte in solchem wesen / sonder ein wort zu
sagen. Ich musste demnach die erste sein / die da redete. Warum betrachtet ihr
mich also / mein Prinz! (sagte ich zu ihme) sehet ihr mich etwan darüm an /um
ohne rede zu fragen / ob ich noch beståndig die eure sei? und habet ihr dann mein
schreiben / durch unsere liebste Königin von Ninive / nicht erhalten /darin ich
euch dessen so fäst versichert? Und ist dann nicht / meine antwort auf dieses
schreiben / (fragte er mit sonderlichen gebården) der Prinzessin eingehändiget
worden? Ich habe nichts entfangen / (gabe ich zur antwort) und würde ursach
haben / (sezte ich lächlend hinzu) an meines Prinzen beståndigkeit zuzweiflen
/wan nicht dessen jezt erwiesene dapfere dienste mich eines andern versicherten.
Dieses beantwortete er mit einem tiefgeholten seufzer / und stiegen ihme dabei
die tränen in die augen: daraus ich nicht anderst abnemen kunte / als dass er
eifersüchtige gedanken über den Eridanus haben müste. Weil er nun / so wohl als
dieser Prinz / sehr viel zu tun hatte / als kunten sie bei uns nicht länger
verharren / und war ich also gehalten / diese einbildung ihme zu benemen / einer
bequemen zeit zu erwarten. Mich vergnugte aber diese unruhe des Prinzen / weil
ich daraus seine håftige liebe erkannte: und wusste ich wohl / dass ich diese
eifersucht ihme leichtlich würde benemen konnen / wan ich ihn nur einmal wieder
sprechen würde.
    Alles in Naphis ware nun unter des Eridanus gewalt und botmåssigkeit wiewol
darum dieser tugendhafte sohn die kindliche ehrerbietung gegen seinem
herrvattern und Konig nicht verlore / sondern nach desselben zimmer eilete /
ihme / dass er mit seinem willen frei sein mochte / anzukunden. Es wollte ihn aber
der boshaftige Scheba nicht sehen / sondern verrigelte sich mit dem Eliphelet:
und von unnatürlicher raserei getrieben / waren sie beide des verzweifelten
fürhabens / sich selbst zu verbrennen; welches sie auch / wan nicht des Konigs
und Prinzen leute bald dazugekommen / und das feuer wieder geleschet /vollzogen
hätten. Um nun dem König zu solchem wuten nicht ferner anlass zu geben / fassete
Eridanus die Entschliessung / aus Naphis zu weichen. Gegen die Nabateer bedankte
er sich / (wiewol nicht sonder verwirrung / in erinnerung dessen / was ihme
ehmals von ihrem Fursten zu wider geschehen /) dass sie / ihm seine freiheit
zuverschaffen bemuhet gewesen / und liesse sie wieder nach haus abziehen: dann er
wollte nicht / dass sie långer / den Konig seinen herrvattern zu betruben / in
Naphis verbleiben sollten. Alle grossen des reichs / die mit ihm waren gefangen
worden /machete er frei / und name sie mit sich hinaus: und wurde fast ganz
Naphis diesem ihrem Prinzen gefolget sein / wan er sie nicht gezwungen hätte /
bei ihrem König auszuhalten / und deme getreu zu verbleiben.
    Er erwehlte ihm aber / zu seiner bleibnis und sicherheit / die stadt Tauba
/ alwo er jederzeit sich gern befunden: daselbst er ein kriegsheer anname
/welches bloss zu seiner verteidigung / und nicht wider seinen herrvattern etwas
zubeginnen / sollte unterhalten werden. Er ware aber sehr bemuhet / ehe er in
person nach Tauba verruckte / die mishelligkeiten in Jotis zwischen dem Fürsten
von Edom und denen Seirischen Fursten / die ihre sicherheit dahin genommen
/beizulegen: massen es ihm auch gluckte / dass der friede zwischen ihnen
getroffen / dem Esau / auf sein inståndiges begehren / die Fürstin Ahalibama zur
ehe versprochen / und alle mishelligkeiten vollig beigelegt wurden. Hierauf
zogen sich die Assyrier und Niniviten aus Cus zurucke / und kame mein herrvatter
neben dem Abimelech / Eridanus / Esau / Amosis und Hanoch / nach Tauba: da wir
inzwischen geblieben /und ich mit der angenemen Delbora kentnis gemacht hatte.
Es ist unschwer zu ermessen / wie herzlich ich mich erfreuet / meinen herrvatter
zu sehen / von dem ich so lang ab-gewesen: welcher / als er des Melchisedech
unglück vernommen / sich gleich entschlosse /mit den noch ubrigen von seinen
volkern / diesem frommen König zu hulfe zu kommen: da dann auch Esau / in
erwägung / was er von meinem herrvattern gutes entfangen / seinen beistand
anbote / und die zusag täte / sich und uns an dem stolzen Beor zu rächen / und
in Canaan so eine trennung zu machen /die nachgehends auch E. Mai. sollten mit
zugeniessen haben.
    Es vergiengen / in überlegung dieses neuen kriegs /etliche wochen / da
Eridanus inzwischen auch geschäftig war / wider den König seinen herrvattern
sich in gute sicherheit zu setzen: welches er mit solcher klugheit verrichtete /
dass er hierbei die kindliche ehrerbietung nicht vergasse. Inzwischen litte er
alle marter / die ein verliebten und dabei eiversüchtiger mensch immermehr
anstechen kann. Es hatte seiner Delbora wiederkunft ihn ganz nicht erfreuet /
sondern vielmehr beunruhiget: massen er ihm dieses nicht konnte zu sinn bringen /
dass Delbora / die allemal dem Nebajot liebe erwiesen / mit dieser ihrer
entfurung nicht wohl zu frieden gewesen; noch weniger / dass Nebajot sie so
gutwillig / sonder ihrer zu geniessen /sollte wieder uberschickt haben. Daher war
er nicht zu bereden / dass er diese unschuldige Prinzessin besucht håtte: welche
in einem abgesonderten hause sich aufhalten musste / da sie zwar fürstlich
bedienet / sonsten aber ganz allein gelassen wurde. Unterdessen wartete er mir
fleissig auf / und brachte alle stunden bei mir zu / die er von seinen andern
geschåften abreissen kunte: da dann Abimelech und er sich öfters zusammen bei mir
einfunden / und wohl zu verstehen geben / dass sie einander eine last waren.
    Ich hatte nun meinem Prinzen alle ursach der eifersucht benommen / und /
ihme hierzu nicht ferner anlass zu geben / noch auch den edlen Eridanus in
unmuglichen dingen aufzuhalten / diesem umståndiglich eröfnet / was es mit dem
Abimelech und mir für eine bewandnis hätte; ihn dabei sehr hoch bittend / dass er
doch nicht meinetwegen die tugend / die allemal seinen wandel vergesellschaftet
/ verlieren / noch durch blinde liebe / seiner unschuldigen gemalin dergestalt
zuvergessen / sich verleiten lassen wollte: von der ich anbei ihm alles erzehlte
/ was mir von ihr selbst und von andern gesagt worden / dass zu ihrer
entschuldigung diente. Mit grosser aufmerkung hörete er meine reden an / und wie
er nach dem eine gute weile still geschwiegen / brache er endlich in diese worte
heraus: Wan ich der Delbora unschuld versichert wäre / sollte keine schonheit in
der welt mich meiner treu gegen ihr vergessen machen. Aber / Prinzessin! (fuhre
er seufzend fort) wer will mir hiervon gewissheit geben? und wer kann mir den
glauben einbringen / dass Delbora ehrlich / und Nebajot aus blosser grosmut sie
verlassen habe. Sie / die von jugend auf einander so beständig geliebt / und
die ich durch gewalt voneinander getrennet / sollten gutwillig von einander
geschieden sein? und muss ich mir dieses nicht zum hon ausrechnen / dass man sie
wieder hat in mein haus gesendet? Ach Eridanus (gabe ich ihm zur antwort) ihr
tut der Delbora zu viel / und wollte ich wohl für ihre tugend /alles / was mir in
der welt zum liebsten ist / aufsetzen und verwetten.
    Hiemit kame die Danede dazu / welche ihres bruders vertraute jederzeit
gewesen / daher er sich nicht entsah / in meinem beisein zu ihr zu sagen: Die
grausame Colidiane hat mir iezt alle hoffnung benommen / der Delbora platz durch
sie zu ersetzen, weil der glückselige Abimelech ihre gute gunst besitzet. Bin
ich nun nicht zu beklagen / dass ich iedesmal zu spat komme / und nie ein herz
anbeten kann / dass ihme nicht bereits andere opfer bringen lassen. Wan schon
Colidiane (antwortete Danede) diese entschuldigung nicht hätte / eure liebe
auszuschlagen / so kann ich doch hier nicht bergen / dass ich sie nicht zur
schwägerin verlange / so lang Delbora lebet. Dan / ob sie gleichwol / neben der
Delbora / euer ehebette berüren konnte / so ist sie doch viel zu edel von stand /
dass sie dermaleins nicht sollte Konigin von Cus / sondern nur die frau des Konigs
heissen: der Delbora aber geburet einmal dieser name / den ihr auch kein argwan
und ubelgedeutete einbildung kann benemen. Ihr seit mein übler anwalt / (
antwortete Eridanus) und nemet euch der Delbora mehr an / als sie würdig ist.
    Weil hiemit andere zu uns kamen / als wurde diese unterredung abgerissen.
Doch veranlasste dieselbe /dass Danede und ich darauf gedachten / wie wir diese
eheleute wieder zusammen bringen mochten. Nachdem wir unsere gedanken den andern
eröfnet / wurden sie alle einig / die Delbora dem Eridanus in sein zimmer zu
bringen / und durch eine unterredung sie wieder zu vereinigen. Weil ich wegen
meiner ruhe / ein doppel-anteil hierbei hatte / als war ich auch hierüm am
meisten bekümmert / und name neben der Danede das gewerbe willigst uber mich /
diese Prinzessin dahinzufüren. Es wusste diese unschuldige nichtes von dem
verdacht / den ihr gemal von ihr hegte / gegen dem sie niemals grössere liebe in
ihrem herzen / als damals entfunden / weil des Nebajot frevel / alles andenken
seiner person / gänzlich in ihr ausgetilget hatte: und wäre sie von uns immer in
den wahn erhalten worden / dass Eridanus in Tauba noch nicht angekommen wäre.
Demnach erwiese sie grosse freude / als wir ihr diese angeneme post brachten /
und eilte mit uns alsofort nach dem gemach / da Eridanus / in gesellschaft
meines herrvattern / des Amosis / Abimelech / Esau und Hanoch sich / befande.
    Sobald sie ihres gemals ansichtig worden / liefe sie ihm entgegen / ihn zu
ümarmen. Er / der gleich merkte / was wir angestellet hatten / überwande sich in
so grosser gesellschaft / so viel er konnte / und begegnete ihr zwar mit aller
hoflichkeit: erwiese sich aber dabei so kaltsinnig / dass Delbora solches bald
warname. Wir fingen hierauf alle an / von ihren abenteuren zu reden / und iedes
erzehlte etwas / dass zu verteidigung ihrer unschuld dienen konnte: welches aber
bei dem Eridanus wenig verfienge. Weil nun für gut angesehen wurde / diese
eheleute allein beisammen zu lassen /als stolen wir uns eines nach dem andern
hinaus: in hofnung / es wurde nun alles gut werden. Es erfolgte aber das gerade
widerspiel: massen Eridanus sich nicht sobald allein bei ihr sah / da ruckte er
ihr / mit den entfindlichste worten / ihre untreu fur / und beleidigte dieses
zarte gemüt dermassen mit vielen beschuldigungen / dass sie / die nun erst / ihn
so wohl von freiem willen / als aus schuldigkeit / zu lieben angefangen hatte /
verzweifelten schluss fassete / den sie wenig tage hernach zu werk gerichtet. Dan
/ wie wir alle nachdem beschäftigt waren / dieses edle par wieder zusammen zu
bringen / verlore sie sich unvermutlich / dass niemand ersinnen kunte / wo sie
mochte geblieben sein. Man fand / an ihrer statt / ein beschriebenes täfelein
auf dem tisch ihres leibzimmers / das an ihren gemal lautete / dieses inhalts.
                 Schreiben der Delbora an den Prinzen Eridanus.
Nach dem ihr gewaltsamer weise / mein liebstes fahren zu lassen und euch zu
ehlichen / mich genotigt /habt ihr / weder mit der schuldigen ehrerbietung / die
ich euch ståts erwiesen / noch mit meiner wahren herzlichen liebe / die ich
nachmals zu euch gesetzet /vergnugt leben / sondern vielmehr darnach streben
wollen / mich meiner ehre / als des lezten / so ich noch übrig hatte / zu
berauben. Weilich dann gnugsam spure / dass ihr meiner uberdrüssig / und nichtes
mehr an mir findet / dass euch ergetzen könnte / da ihr doch nun / nachdem ich
alle andere gedanken verloren /versichert leben können / dass ich ganz euer eigen
sei: so soll dann auch die unglückselige Delbora hinfort euren augen sich so weit
entziehen / als ferne sie bereits aus euren gedanken verbannet ist / und den
jenigen nicht mehr mit ihrer gegenwart betruben / der ihr zwar schon viel
betrübnis zugezogen / aber nie keine entfindlichere / als diese lezte / da er
vergessen konnen der ungluckseligen
                                                                        Delbora.
    Dieses bewegliche schreiben hatte solche wirkung /dass Eridanus in sich
schlagend / nachdem er genauere erkündigung / von der Delbora verhältnis im
lande der Nabateer / eingezogen / sie völlig wieder lieb gewonnen / und zwar so
häftig / dass ihr verlust ihm unerträglich fiele / und er aller orten nach ihr
fragen liesse / sie wieder einzuholen. Wir alle leisteten ihm in seiner betrubnis
getreue gesellschaft / und wurde ich nun dieses Prinzen vertraute freundin / da
er mir nicht mehr von liebe sagte / sondern alle freundschaft erwiese / und sein
bezeigen gegen seiner gemalin so sehr bereuete / dass keines von uns war / das
ihn nicht beklagt hätte. Es waren aber alle bemühungen vergebens / von ihr das
geringste zu erfahren / und setzete solches den Eridanus in so grosse
verzweiflung / dass er selber / sie zu suchen / von uns zoge / und seinen weg
nach Syrien name: dahin / er vermutete / dass Delbora sich würde begeben haben.
Seine abreise gienge so schleunig fort / sonder abschied von uns zu nemen / dass
er bereits hinweg ware / ehe wir dessen gewar wurden: und brachte seine
entfernung der Danede eine neue sorge / als auf die nun alle last walzete / sich
gegen ihrem vatter und den Eliphelet in gute verfassung zu stellen. Mein
herrvatter / neben dem Esau und Hanoch / eileten / ihrer angelegenheiten halber
/ auch von dannen. Weil auch mein Prinz nötig hatte / nach Gerar zu reisen / als
vermochte ich ihn kaum / noch etliche wenig tage nach der andern abreise / bei
mir aufzuhalten; welche ich zubrachte / raht von ihm zu nemen / wohin ich mich
wenden sollte. Mein verlangen / meine liebste Königin wieder zu sehen / zoge mich
unaufhorlich nach Damasco: der weite und unsichere weg aber / da man dieser
orten her / von lauter krieg geredet / und der Konig aus Egypten mit einem
grossen heer selbst im anzug war /dessen eigentliches vorhaben wir doch nicht
wussten /hielte mich an in Tauba. Es riete mir auch mein Prinz / so lange bei
der Prinzessin Danede zu bleiben / bis er eigentlich würde erfaren haben / wie
es in Syrien zustünde: mit dem versprechen / dass / auf erlangte gute nachricht /
E.M. feldherr Phalacus / der noch mit den Niniviten auf dem gebirge Seir stunde
/ mich abholen / und zu E. Maj. bringen sollte.
    Den lezten abend / wie er eben abschied nemen wollte / nach Gerar zu reisen /
und eine sonderbare betrubnis blicken liesse / die ihm die sprache gehemmet /dass
er fast nichtes vorbringen konnte / brachte uns aus dieser traurigen und stummen
unterredung / ein urplotzliches geschrei / welches unfern von uns im schlosshof
entstanden. Wie wir nun hiernach zu sehen an die fenster liefen / wurden wir
gewar / dass der hof voll frömde kriegsleute war / die die Prinzessin Danede
davon füreten. Weil sie mich erblickte / schrie sie mir zu / und Abimelech / von
angeborner grosmut getrieben / eilte alsofort hinunter / diesen raub zu
verwehren. Der Prinz Amosis / welchen er alda / neben wenigen / zu seinem
beistand furfande / fochte für seine Prinzessin so verzweifelt / dass er / sein
leben nicht achtend / viel wunden bekame / und endlich für todt auf dem platz
ligen bliebe. Abimelech / wie dapfern widerstand er auch täte / vermochte doch
allein ihre macht nicht aufzuhalten / noch zu verhintern /dass sie nicht / mit
der Prinzessin / aus Tauba wären hinaus gekommen. Dieses machte meinen Prinzen
der ihm solches für einen grossen hon hielte / ganz wutend / dass er in der eile
alles / was in Tauba nur reiten kunte / zu pferd brachte / und also dem feind
bis gegen den morgen nachsezte: da er ihn notigte / seine beute auf einen tempel
des Phaetons zu bringen. Selbiger ligt auf einem berge / zwischen Tauba und
Naphis / und ist ein freier ort / den die Cussiten über-heilig halten: den auch
alle Araber so sehr verehren /dass / in allen den grossen kriegen / kein feind
sich iemals daran vergriffen.
    Eliphelet / so allen diesen anschlag wieder die Danede so heimlich als
glucklich angestiftet hatte / war selbst der jenige / der die Prinzessin
entfuret: und meinte er nun sicher zu sein / da er mit ihr bis an diesen tempel
gekommen war. Abimelech aber / der / als ein rechtglaubiger / die heiligtume der
gotzen wenig achtete / hielte es für keine sünde / diesen tempel zu sturmen. Er
wurde aber von den abergläubischen Cussiten / die ihn gefolget / verlassen / als
welche sich an diesen ort nicht vergreifen wollten. Er kame also mit seinen wenig
leuten / oben auf den berg: da der oberpriester des Phaetons / mit seiner
geistlichkeit / ihm entgegen eilete / und ihm die waffen niederzulegen gebote.
Eliphelet und seine soldaten stunden daselbst /sonder ein gewehr gegen den
Abimelelech zu zucken /weil der ort zu heilig war. Aber Abimelech / der die
Prinzessin wieder haben wollte / es mochte auch kosten / was es konnte / brache zu
den pfaffen ein / und ihrer etliche erlegend / drange er in den tempel / allwo
sie die Prinzessin Danede in verwarung genommen. Daselbst nun wurde er von allen
geistlichen / auch von des Eliphelet soldaten / umringet / und musste endlich
sich lassen gefangen nemen: weil kein sterblicher einer so grossen månge,
widerstand zutun vermochte / und er daselbst erst allzu spat warname /was er
vorhin in der hitze nicht in acht genommen /dass nämlich alle Cussiten ihn
verlassen hatten.
    Diese frömde begebenheit brache nun gleich überall aus / und wurde das ganze
reich aufrurig / dass ein frömder sich unterstanden hätte / ihren heiligen tempel
zu entehren. Was schrecken mich in Tauda uberfallen / als ich dieses
unglucklichen verlaufs innen wurde / können E. Maj. leicht ermessen / und sah
ich kein menschliches mittel meinen Prinzen zu retten /da die Cussitische
gesetze / sonder gnade / den jenigen / wan es auch des Königs sohn selbst wäre /
zum tod verdammen / der solches frevels sich unterfangen dörfen. Ihr machet mir
angst / liebste Colidiane! (fiele die schone Konigin ihr allhier in die rede)
dass ich mit zittern das ende von dieser gefahr zu vernemen verlange. E. Mai.
(sagte hierauf Colidiane) können dann mutmassen / wie mir müsse zu sin gewesen
sein / da nicht ein blosses mitleiden / wie sich bei meiner gütigen Königin
findet / sondern eine so herzliche liebe /mir todes angst erweckte / als ich in
dieser gefahr meinen Prinzen so hülflos sah.
    Die ohn unterlass abgefårtigte boten brachten mir anders nichts mit / als das
zu dem grossen opfer / welches dem Phaeton gehalten werden / und in der
hinrichtung meines Abimelech bestehen sollte / das ganze land sich rüstete; und
dass der Konig selber nach dem tempel kommen wurde / so wohl dieser opferung / als
der zugleich mit-angestellten trauung der Danede mit dem Eliphelet / beizuwonen.
Ich sandte in höchster eile nach den Assyriern und Niniviten in Edom und auf das
gebirge Seir / dass sie ihren gewesenen General in dieser noht nicht verlassen
sollten. Ehe aber dieselben ankommen konten / musste ich sorgen / dass der grausame
tag anbrechen würde / an welchem ich mein liebstes verlieren sollte. Amosis / so
krauk und schwach er an seinen wunden war / leistete mir doch in meinen klagen
treulich gesellschaft / und war sehr bemuhet / das kriegsheer / so dem Eridanus
/ und nach dessen abzuge / der Danede geschworen / aufzufrischen / ihre
Prinzessin von der schändlichen heurat mit dem Eliphelet zu erlösen. Sie wollten
aber / so getreu sie sonst ihren Prinzen und der Danede waren wider den heiligen
tempel nichtes beginnen und sagten wie dass dieses noch einer von den listigsten
ränken des Eliphelet gewesen / sich gefahr-los zu stellen. Sie erboten sich aber
/ wider den Scheba gern zu felde / und vor Naphis / zu gehen / wan Amosis sie
dahin furen wollte / und auf solche weise / wo müglich / dieses vornemen zu
hintern und aufzuhalten. Weil nun dieser getreuer liebhaber nichts aus der acht
lassen wollte / was ihn einiger massen helfen konnte / name er / auf mein
zusprechen / ihre hülfe an / und ruckete mit diesem heer vor Naphis: mich in
Tauba so trostlos und elend zu ruck lassend / dass / ohne sonderbaren beistand
des höchsten / ich diesen unglucks-sturm nicht würde haben überwinden können.
    Ich hatte aber zu Tauba kundschaft gemacht mit der Prinzessin Sapha / der
Danede mutterschwester: welche mir alle der mohren bei diesem tempel / und opfer
ubliche heidnische gebråuche erzehlte. Also vername ich unter andern / wie dass /
nach verordnung ihrer gesetze / wan man diesem Phaeton / ( welcher der Put des
Hams sohn / und bruder des Cus und Canaan / gewesen / auch nach seinem tod
vergöttert /und Phaeton genennt worden) ein solches grosses menschen-opfer /
einer person / die sich an ihme versundigt verrichten wollte / der mistäter sein
leben retten konnte / wan sich eine jungfrau anbote / das ihrige fur ihn zu
lassen. Weil aber solches (sagte sie) sich gar selten zutråget / als ist dieses
eine hülfe / die den armen leuten wohl nimmermehr wiederfåret / und wusste ich
nicht / dass jemals ein solches sich zugetragen hätte. Ich hatte diesen bericht
der Sapha mit grosser aufmerkung angehört / und als ich nachgehends bei mir
allein solches uberleget / forschte ich in meinem herzen / ob ich / sonder sünde
/ auf diese weise meinem Abimelech sein leben erhalten konnte? Die betrachtung
des grossen nutzens / den ich der welt hierdurch wurde zuziehen / welche eines so
unvergleichlichen helden / nicht so bald müste beraubet werden /gesellte sich zu
meiner herzlichen liebe / und machte /dass ich weder den tod scheuete / noch mir
ein gewissen druber machte / selbigen durch so gewaltsame weise zu fordern:
zumal ich versichert war / dass ich doch des Abimelech tod nicht wurde überleben
konnen. Ich wagte es demnach / und bereteite mich hierzu / sonder wissen einiges
menschen / auser einer von meinen dirnen / die ich in Naphis angenommen /und mit
mir nach Phaetons tempel nemen wollte / alda / auf bestimmten tag / mich
öffentlich / für meinem Prinzen / zum opfer anzubieten.
    Es erginge mir hierin alles nach wunsch / und kame ich zu pferd heimlich an
diesen grausamen ort / wie den folgenden tag das blutfest sollte gehalten werden.
Wegen menge des vielen volkes / so aus dem ganzen reich dahin gereiset / konnte
ich nirgend unterkommen / musste also / die nacht / mit meiner, dirne in einer
hole verbleiben: alda ich zugleich angst und herzhaftigkeit in mir fulete / wan
ich an das / so mir vorstunde / gedachte. Ich furchtete zwar nicht meinen tod:
doch grausete mir / den götzen pfaffen in die hände zu geraten. Wan ich aber den
nutzen und die ehre betrachtete / die ich davon zu erwarten hatte / wurde mir
alles leicht / und trostete mich insonderheit dieses /dass ich versichert war /
mein Abimelech wurde /wegen solcher treue / seine Colidiane ewig lieben /und
deren gedåchtnis verehren. In dieser versicherung / begabe ich mich am folgenden
morgen nach dem tempel / stellte mich / als ich mich in einen mantel verhüllet /
unter das volk / und drange / so nahe ich immer konnte / zu dem altar / der
bereitet war / das edelste leben von der welt darauf zu schlachten. Weil meine
sinnen bloss an den Abimelech gedachten / gabe ich wenig achtung / auf den
prächtigen bau des tempels / auf alle vorgehende gebräuche / auf die ankunft des
Königs und aller grossen des reichs: das ich deswegen alhier mit stillschweigen
übergehe. Ich stunde also ganz entsinnet / bis ein grosses gemurmel der
umstehenden mich aufmerkend machte: welche den ankommenden Abimelech teils
beklagten / teils bewunderten / dass er so kune sich erweisen dörfen / diesen
heiligen ort anzugreifen.
    Ich bekame diesen Prinzen alsofort ins gesicht / der / mit gebundenen hånden
und entblöstem leibe / so ruhig daher trate / als wan er ganz nicht zum tod wåre
gefuret worden. Wie nun das begierige volk hinzu drange / und mich also weit
zurücke brachten / kunte ich nicht sobald / wie ich gewolt / herfür kommen /und
musste sehen / dass der oberpriester das beil schon ergriffe / und selbiges
aufhube. Ach Prinzessin! (rieffe allhier die Königin / ganz aus sich selber) wie
machet ihr mir so bange! Sie errötete aber hierauf / dass sie sich so viel heraus
gelassen / und horte Colidiane fortreden / welche zu ihr sagte: Bezeugen E. Maj.
bei blossem zuhoren eine solche angst / wie vermeinen sie dann / dass mir im
auschuen musste zu mut worden sein. Ich arbeitete mit händen und füssen / und
konnte doch durch den unbändigen pövel nicht durchbrechen; gebrauchte mich
derhalben der zunge / als die mir noch frei war / und rieffe überlaut: Sie
sollten einhalten! weil vermög ihrer gesetze / eine jungfrau vorhanden wäre / für
diesen mistäter zu sterben.
    Jederman sah auf mich / mit ungemeiner verwunderung / und ward mir bald
platz gemacht: da ich dann meinen mantel abwarfe / und zu dem oberpriester mich
wendend / mich herzhaft anbote / für den Abimelech das opfer zu werden. Scheba
und seine hofbedienten / erstauneten über dieser meiner tat / und mich alsofort
erkennend / bezeugten sie allerseits ein grosses mitleiden / und wollten mich
abwendig machen / nicht dergestalt gegen mich selber zu wüten. Ich aber an
nichtes mich kehrend / bliebe bei dem oberpriester / und drange auf die
erfüllung ihres gesetzes: der dann auch / neben der gesamten geistlichkeit / mich
anname / und den Abimelech ledig liesse. Sobald dieser Prinz von seinen banden
befreit / warfe er sich zu meinen fussen / und mich ganz beweglich anschauend /
sagte er: Ach grausame wirkung so unverdienter gewogenheit! warum lasset ihr
mich nicht lieber sterben / als so schåndlich leben / da ich mein leben dem tode
der Colidiane soll zu danken haben? Nemet von mir an / werter Prinz! (antwortete
ich ihm) dieses lezte zeichen meiner liebe / und misgonnet mir nicht / für euer
so edles leben zu sterben. Keines wegs (widerredte er) will ich meine freiheit so
teuer erkaufen! Hiermit erwischte er unversehens ein opferbeil / mit deme man
ihn hinrichtenwollen / und hube an uberlaut den ümstehenden zuzuruffen. Wer
unter euch die gerechtigkeit liebt / der helfe mir diese schöne Prinzessin aus
dieser morder hånden erretten. Als er das gesaget /stellte er sich vor mich /
und mussten die jenigen seinen arm entfinden / die ihnen wollten zu nahe tretten.
Das mitleidige volk trate darauf auf unsere seite / und wiewol sie kein schwert
auf den heiligen berg zuckten / verwehrten sie doch denen auf uns zu dringenden
/uns nicht zu uberfallen; sondern gaben uns raum / in deme sie einen kreis üm
uns schlossen / dass wir konten hinweg kommen.
    Kaum hatte also Abimelech und ich luft geschopfet / da ersahn wir den
Amosis und die Danede / umgeben von einem grossen heer mohren / und auf einem
wagen sitzend / die uns zurieffen / dass wir sollten zu ihnen kommen. Also namen
wir eiligst die flucht /entgiengen aus des Scheba händen / und kamen sicher nach
Tauba. Daselbst / sobald es unser allerseits besturzung wollte zulassen /
erzehlte uns Amosis wiedass er heimlich einen anchlag auf seine Prinzessin
gemacht håtte / dieselbe von hinten aus dem tempel zu entfüren / inzwischen die
priester und alles volk mit dem Abimelech würden zu tun haben: welches ihm auch
geglucket / und ward unser allerseits vergnügung dadurch vermehret / dass wir
sämtlich einander nun wieder frei sahen. Ich will nun nicht weitläufig erzählen /
was wir hierauf vorgenommen / weil ich ohnedas schon zu lang geredet habe: nur
will ich noch mit wenigem sagen / dass die Assyrier und Niniviten / welche ich
beruffen / erst den andern tag ankamen / unter furung des Zalmon und des
Phalacus / und ungemeine freude blicken liessen / ihren General aus dieser gefahr
erloset zu sehen. Meine tat wurde hoher von ihnen erhoben / als sie würdig war.
Mein Abimelech aber liesse mehr betrubnis als vergnügung blicken / uber so grosser
verpflichtung / von welcher er sagte / dass er sie nimmermehr würde erwidern
konnen. Ich forderte dafür nichtes / als seine treue und beståndigkeit: wozu er
tief seufzte / anzuzeigen / dass er die zu gering hielte / für das / so ich ihm
erwiesen.
    Weil Danede / nach diesem überfall des Eliphelet /und in ihres bruders
abwesenheit / länger in Cus zu bleiben ihr nicht getraute / als wurde der schluss
gefasset / dass wir miteinander nach Syrien zu E. Maj. reisen / da unter dero
edlem schutz / der Egyptische Prinz mit seiner Prinzessin / den fernern verlauf
ihrer abenteuren abwarten wollten. Wiewol auch mein Abimelech sein
unbeschreibliches verlangen bezeugete /diesen gefärlichen weiten weg mit uns zu
reisen / so triebe ihn doch die unumgångliche noht nach Gerar: daher er dann den
Sosares / mit sechstausend Niniviten / uns mitgabe / und zogen auch mit uns
etliche von dem Cussitischen heer / das dem Eridanus geschworen. Weil Amosis /
wegen seiner wunden / und ich wegen meiner ausgestandenen unpåslichkeit /
langsam fortkonte / als brachten wir fast einen mond zu /ehe wir Syrien
erreichet. Sosares / wie auch die Cussiten / werden nun bald hier sein / und
kommen zu /rechter gewunschter zeit / da E. Maj. zustand erfordert / sich in
starke kriegs verfassung zu stellen / um ihr Konigreich wider ihre feinde zu
behaubten. Ich danke dem himmel / der mich meine Konigin wieder sehen lassen /
und mir gonnet / nach so vielen ausgestandenen widerwärtigkeiten / mich in so
sicherem und vergnugten schutze zubefinden.
                                     * * *
    Als Colidiane hiermit ihre erzehlung geendet / ümfasste sie die in gedanken
sitzende Königin / und ihr haubt an deren brust lehnend / bezeugte sie dadurch
ihre herzliche liebe / und das vertrauen / so sie zu ihr hegte. Aber die schöne
Syrerin fülete eine so schmerzliche qual in ihrem gemüte / dass ihr seufzen ihre
unruhe an den tag gabe / die sie doch so gern wollte verborgen gehalten haben.
Werde ich nun auch wissen dorfen / (fragte Colidiane) warüm ich dieses meiner
Konigin müssen allein erzählen? und was die ungemeine betrübnis bedeutet / die
E. Maj. blicken lassen. Ach werteste Prinzessin! (antwortete die Königin) ich
finde mich untuchtiger / als jemals / euch zu melden was mich quälet. Nur dieses
kann ich euch iezt sagen /dass ich aus zu euch tragender herzlicher liebe /
verstummen und das verschweigen muss / was ihr notwendig wissen müsst. Ach weh!
(rieffe Colidiane) mein Abimelech ist gewiss todt / und man scheuet sich / es mir
zu offenbaren. Hiermit stürzten die tränen so häufig von ihr / dass sie sich fast
darin hätte ertränken mögen; und leistete ihr die Königin eine gute weile
gesellschaft. Endlich aber / wie sie das winseln dieser Prinzessin nicht långer
anhören kunte / beteuerte sie ihr gar hoch / dass sie nicht anders wüste / als
dass Abimelech lebte / und vermanete sie / sich dieserwegen zu frieden zu geben.
Was ist es dann / (fragte die beängstigte Colidiane) dass ich so notwendig wissen
muss? und woran soll ich doch erkennen / dass meine Konigin mir gewogen sei / da
solche unvertraulichkeit sich blicken låsset? Ach! dringet nicht ferner in mich
/ liebste Colidiane! (sagte die Königin) und gonnet mir noch diese nacht: morgen
will ich euch sagen / was ihr ja endlich wissen musset. Was marter leget man mir
doch zu / (widerredte Colidiane) dass ich nun noch eine nacht mich quulen soll /
sonder die ursach meiner qual zu erfahren.
    Hiemit trate die Prinzessin Ahalibama in das immer / und hatte ihre augen so
rot geweinet / dass Colidiane / die nun voll schrecken war und alles unglück
befahren musste / von neuen ihr einbildete / wie dass der Prinz Abimelech todt
sein müste. O ich elende! (begunte sie demnach zu ruffen) man birget mir
vergebens den verlust / den ich erlitten: Abimelech ist nicht mehr vorhanden!
mein herz saget mir solches nur all zu gewisse. Helfet mir doch (sagte hierauf
die Königin zur Ahalibama /) diese Prinzessin uberreden / dass sie gläube / wie
sie des Abimelech tod ihr fålschlich einbilde / massen uns ja nichts hievon
bewust ist. Wie nun Ahalibama solches mit vielen eidschwuren bekråftiget /
fragte Colidiane / warum sie dann geweinet. Weil man mich (antwortete diese
betrubte Prinzessin) dem Fürsten von Edom versprochen / und mit ihme frieden
gemacht / auf so harte bedingnise / die meine ruhe und zufriedenheit zerstören.
Der Prinz Amosis hat uns alles erzählt / nicht vermeinend / dass er mich mit
diesem bericht so sehr betrüben würde. Weil ich weiss / (gabe Colidiane zur
antwort) wie lieb der Prinzessin von Seir das andenken ihres Eliesers ist / als
verwundere ich mich nicht /dass diese zeitung einige bewegung bei der beständigen
Ahalibama erwecken können. Jedoch / weil dem ganzen hause Seir hierdurch viel
gutes zuwächset /massen Amosis wird erzählt haben / dass durch diesen frieden /
und wan dessen bedingnise werden erfullet sein / die Seirische Fürsten Elat und
Ezeongaber inbehalten sollen: so erfordert ja die grosmut / dass man / durch
aufopferung seiner eignen ruhe / der seinigen wolfart befordere. Ich falle
dieser Meinung der Prinzessin von Caphtor bei / (sagte die Konigin) und gönne
dem grossen Edom so viel gutes / dass Ahalibama mir nicht verublen muss / wan ich
sein wort rede.
    Ahalibama seufzete hieruber / sonder darauf zu antworten / als eben die
Konigin Eurilinde neben den andern in das gemach eintrate. Weil diese sich
alsofort in das gespråche mångten / als verlore Colidiane die gelegenheit /
ferner bei der Konigin üm offenbarung dessen anzuhalten / was ihr wenig
vergnügung bringen konnte. Demnach sich zur gedult bequemend /nachdem sie endlich
von der gesellschaft sich absondern konnen / überlegte sie tausend dinge bei ihr
selbst / üm zu erraten / was es doch immer sein mochte / dass ihr die Konigin von
Syrien zu sagen hätte: wiewol ihr / unter allem / doch das rechte niemals
beifallen wollen. Also wurde / die darauf einbrechende nacht / so wohl von ihr /
als ihrer grosmütigen mitbulerin / in grossen ångsten zugebracht: weil folgenden
tags die eine etwas sagen / und die andere etwas horen sollte / das ihnen
beiderseits schmerzentfindlich fallen musste.
    Sobald der morgen angebrochen / liesse sich der Fürst Sosares mit dem
Ninivitischen heer / und der dapfere Hezrai mit seinen mohren / vor Aroer sehen:
welches der Konigin anlass gabe / selbige volker zubesichtigen. Hierdurch nun
wurde / die geheime unterredung zwischen ihr und der Colidiane / abermals
aufgeschoben / und begabe sich die schöne Konigin /neben ihrer schwester und der
Danede / alsobald hinaus nach dem lager: da dann die ankommende Niniviten ihre
Konigin / wie auch folgends ihre landsleute /mit grossem freudengeschrei
begrüsseten. Die Konigin / erwiese sich gegen einem ieden unter ihnen / gar
gnådig / und rumte ihre dapferkeit / die sie in diesem ihrem feldzuge nach Seir
erwiesen hatten. Der junge Sosares vermeldete ihr / wie dass der Phalacus / ihr
feldherr / innerhalb achttagen auch ankommen wurde / welches er unterwegs von
einen vorausgeschickten vernommen håtte. Die Prinzessin Danede aber / übergabe
der Königin den Hezrai / sie dessen und seiner bei sich habenden mohren getreuer
dienste versicherend: welches die Konigin mit grosser erkentlich- und
höflichkeit anname / und dem dapfren Hezrai / der ihr aus dem geruchte bereits
bekant war / ihr sonderbares vergnügen bezeugte / bei itzigen ihren
angelegenheiten seines beistandes zu geniessen.
    Weil der vorsichtige Husan die Königin ermanete /nun sie eben im lager wåre
/ kriegsrat zuhalten / als wurden zu ihr und ihrer schwester / der Prinzessin
Aramena die anwesende Syrische und Ninivitische Fürsten / neben dem Prinzen
Dison von Seir / und alle obriste kliegsbediente / ins gezelt versamlet. Husan
täte den vortrag / wie nåmlich hochnotig wäre / dass man zuvörderst auf einen
feldherrn gedächte / der diesen schweren krieg füren / und im namen der Konigin
/ den befehl über das kriegsheer haben mochte: worbei er der Königin / einen
hierzu zu erkiesen / heimstellte. Ich sollte zwar (sagte hierauf die schöne
Königin) meiner Fursten einmal beschehene wahl gelten lassen und den Prinzen
Dison von Seir in diesem amte beståtigen / welches er / in der lezten unruhe zu
Damasco / bereits vertretten hat. Weil ich aber deme /samt meiner schwester /
vermög des lezten willens meiner fraumutter / mein reich Ninive ubergeben habe /
und dieses landes bedrangter zustand ihres künftigen Konigs gegenwart vor allen
dingen erfordert: als treibet mich / die liebe zu jenem reich / ihme seinen
beschirmer allhier nicht zu vorentalten. Nun erfordert aber freilich auch die
billige sorgfalt fur Syrien / einen andern geschickten feldherrn bei itzigem
zustande auszu wählen. Ich habe dann mein absehen gerichtet /auf den Prinzen
Abimelech von Gerar / dessen ungemeine geschicklichkeiten und tugend niemanden
unter euch verborgen sein können: und zweifelt mir nicht /ich werde meinem
reiche / mit einem solchen helden /wohl geraten sehen / welcher bereits die ganze
welt hat von sich lob reden gemachet.
    Husan liesse / aus ehrerbietung / den Prinzen Dison erstlich antworten:
welcher dann / das hohe erbieten der Konigin von Syrien / mit schuldigster
erkentlichkeit anname; so wohl ihr / als ihrer schwester / der bestimmten Konigin
von Ninive / lediglich heimstellend /an was ort er / bei ietzigem kriege /
seinen dienst erweisen sollte / daer / so wohl in Syrien als in Ninive /fur das
durchleuchtigste Aramenische geblute zu fechten / bereit wäre. Dieser Prinz
merkte wohl / dass die schöne Konigin von Syrien / wegen ihres Abimelech /und um
des willen / was mit ihme in Damasco fürgegeangan / seine abwesenheit verlangte:
daher er ihrem schlusse / wiewol ihn der seiner Prinzessin gegenwart beraubte /
sich nicht widersetzen wollte / zumal seiner Aramena båstes / und die wolfart des
reichs / das er regiren sollte / ein solches mit erforderte. Es leidet ietziger
verwirrter zustand nicht / (sagte die jüngere Aramena) von teilung unserer
angestamten reiche zu reden / und wird die sorgfalt für erhaltung des Syrischen
und Ninivitischen trones / gleich heilsam und nötig sein: allermeist / da beide
länder einen gemeinen feind bekommen haben. Der Prinz Dison wird demnach / dem
bedrangten Ninive / gleich wie diesem reiche Syrien der dapfere Abimelech /
nützlichen beistand leisten konnen. Nun dann meine schwester (finge die Konigin
hierauf an) in Disons abreise williget ist /wegen Ninive / die sache richtig.
Jetzund verlange ich von meinen vettern zu vernemen / wie ihnen mein
fürgeschlagener feldherr gefalle.
    Husan / der hierauf das wort name / bezeugte völlig sein vergnügen an dieser
wahl der Konigin / worin ihm auch alle anwesende einhällig beifielen / und dass
alsofort deswegen an ihm sollte geschrieben werden /beliebten. Hierauf kame
ferner in beratschlagung / wie man die kriegesmacht teilen wollte: und ward für
gut befunden / dass / weil beide Aramenen in Syrien zur stelle wären / alle macht
bei ihnen verbleiben / Dison aber ohne kriegsheer nach Ninive gehen / und
daselbst des Tarsis hingebrachter völker / auch derer /die der Pildas noch
unter seinem gehorsam haben würde / sich so lang bedienen sollte / bis der
Syrische zustand zuliesse / ihn mit mehrerer manschaft zu versehen. Endlich
beschlossen sie / solang still zu sitzen /bis die völker aus Ober Syrien / auch
der Phalacus aus Seir / und die hulfe aus Basan zu ihnen stossen wurde: worauf
sie vor Damascogehen / selbige stadt belägern / und also den Assyriern und
Canaanitern den kopf bieten wollten.
    Wie nun hierauf der kriegsrat sich geendet / und sie wieder aus dem zelt zu
den andern / unter denen der Prinz von Egypten / die Prinzessin von Cus / und
Ahalibama befindlich waren / sich begeben / meldete man der Konigin an / wie dass
gesandte von den Philistern und Ammonitern mit grossem pracht durch das lager
nach Aroer gezogen wåren / welche / dass ihre anwerbung auf nichts kriegerischs /
sondern auf etwas froliches und eine heurat ziele / das gewönliche zeichen /
nämlich verschiedene weisse fahnen / deren stangen mit blumen und allerhand
zierat ümwickelt /mit sich fureten. Es schosse der Königin alsofort auf das herz
/ diese würden von ihres Abimelech herrvattern kommen / üm sie zu werben / zumal
sie ihren Prinzen iezt in Gerar zu sein vermutete: welches ihr dann / bei
ietzigem zustand / da Syrien notwendig einen König haben musste / mehr als
angenem war; und beunruhigte sie nichtes / als die arme Colidiane /deren leiden
/ das sie hierüber entfinden würde / ihr herz allbereit voran mitfulete. Um aber
diese gesandten bald zu sprechen / die ihr von einem so lieben orte kamen /
eilete sie mit den andern wieder nach der stadt. Sie ware kaum in ihren palast
abgetretten / da sah sie sich von ihrer liebsten mitbulerin umarmet /welche
ganz munter ihr diese freuden-post brachte /wie dass gesandten von Gerar
angekommen wären /und sonder zweifel die werbung bei ihr ablegen würden; wodurch
sie dann aller der ausgestandenen angst /die ihr die Königin vorigen abends
erwecket / sich wieder ergetzet sähe.
    Sol dieses nun (fure sie fort / scherzweis fragend) die betrübte post sein /
die ich heut erfahren sollen? und ist es nicht so / dass meine Konigin von meinem
Abimelech ihr etwas anders eingebildet / als sich nunmehr zu tage gibet? Ach
Colidiane! (sagte die Königin / darzu seufzend /) ich zweifele fast / ob die
ankunft dieser gesandten euch die ruhe bringen werde /die ihr euch fürbildet /
und ist nun keine zeit mehr ubrig / euch zu verhelen / was bisher / der
Abimelech aus schuldigster ehrerbietung / und ich aus recht-mitleidigem gemüte /
euch verschwiegen haben. Ja /Colidiane! der himmel sei mein zeuge / wie gern ich
/eure ruhe zu befördern / mein leben fur euch hingeben wollte / und wie
schmerzlich es mir fållet / dass ich die jenige sein muss / die euch soll bis in
den tod betrüben. Die erschrockene Colidiane / kein wort hievon begreifend /
sah halb erstorben aus / indem zugleich die gesandten sich anmelden liessen /
bei der Königin gehör zu erlangen. Wie ihnen nun solche bewilligt worden /
ersuchte die Königin die Colidiane / so lang einen abtrit in ihr cabinet zu
nemen: dahin sie / nach abhorung der gesandten / alsofort zu ihr kommen /und ihr
nicht länger verhalten wollte / was sie nun wissen müste. Colidiane / ganz aus
sich selber / liesse mit sich machen / was man von ihr begehrte / und seumte sich
nicht / von der stelle zu gehen.
    Nachdem hierauf die gesandten von beiden Königen vorgelassen worden / täte
der Ammonitische das wort: dessen anbringen / zu erst in einen grus von seinem
Konig / nachgehends in anwunschung alles Koniglichen wolergehens / bestunde;
wobei er anfurete / wie dass sie in Ammon den verånderten und kriegerischen
zustand von Syrien noch nicht gewust /sonst würde sein Konig nicht ermanglet
haben / Ihr Maj. zu der Syrischen kron und zu bevorstehendem krieg / alle
gluckseligkeit und guten ausgang anzuwunschen. Hiernächst dankete er der Konigin
/ im namen seines herrn / für die gnade / sie der Prinzessin Ammonide bisher
erwiesen / und schlosse seine rede mit dem begehren / dass der Konigin nicht
entgegen sein mochte / diese Prinzessin zu erlassen / weil der gesandte des
Königs der Philister befehl håtte / sie nach Gerar abzufordern. Hierauf trate
der andere gesandte alsofort herfür / und gleichmässige hoflichkeiten im namen
seines Königs bei der Königin ablegend / brachte er ihr ferner nichts an / als
dass sein König verhoffe / Ihr Maj. wurden die Prinzessin Ammonide bereden helfen
/ gutwillig mit ihnen nach Gerar zu reisen. Dieser vortrag / dergleichen die
Konigin gar nicht vermutet / und die dabei herfurscheinende kaltsinnigkeit des
Philisters / der ihr auch von dem Prinzen Abimelech weder gruss noch schreiben
mitgebracht / hätte ein weniger standhaftiges gemüt / als das ihrige /
leichtlich verwirren mogen. Sie aber sich um nichtes annemend / antwortete
beiden gesandten mit annemlicher gebårdung und wolredenheit / was die notdurft
erheischte / und erklärte sich dahin / wie sie die Prinzessin Ammonide nicht
aufhalten wollte /wan diese abforderung mit deren gutem willen geschähe.
    Nachdem die gesandten sich geburend hierfür bedanket / und ihren abtritt
wieder genommen / gienge die Königin voll gedanken zu der Cölidiane in das
cabinet: bei deren sie / sonder ein wort zu sagen / auf ein ruhbette sich nieder
liesse / und so wohl / als ihre beångstigte beisitzerin / schweigend / in ihrem
gemüt uberlegte / was doch wohl die abforderung der Ammonide sagen / und diese
kaltsinnige begrussung von Gerar auf sich haben mochte. Oft vermeinte sie / ihr
Abimelech håtte die ungemeine treu der Colidiane /welche ihn vom tod errettet /
bei sich so viel gelten lassen / dass er seine liebe zu ihr gewendet / und daher
nicht notig erachtet / bei dieser gesandschaft an sie zu gedenken. Wan aber
schon (dachte sie ferner) diesem also wåre / was hat dann Ammonide zu Gerar zu
tun /und was bedeutet diese gesandschaft / die ihrentwegen ist furgenommen
worden? Indem ihr soll gewaltig durch den kopf gienge / und sie noch in so
unruhigem nachsinnen begriffen war / trate die hofmeisterin der Prinzessin
Ammonide zu ihr in das zimmer / und /nachdem sie der Königin angemeldet / wie
die gesandten von Gerar und Ammon bei ihrer Prinzessin gehor gesuchet / brachte
sie ferner an / wiedass selbige die Königin ganz flehentlich bitten liesse / sie
in ihrem schutze zu behalten / imfall etwan ihr herrvatter sie wollte hinweg
holen lassen. Die Konigin erzehlte ihr hierauf / was dieser wegen mit ihr die
gesandten geredet / und wie sie alles lediglich der Prinzessin freiem willen
heimgestellet: mit der versicherung / dass wider willen ihr nichts sollte
angemutet werden. Als diese ihren abtritt wieder genommen / fragte Colidiane die
Königin / wie es hiermit bewandt wäre? Sie musste aber wohl dreimal diese frage
tun / ehe die Konigin es hörte und ihr antwort gabe. Wie nun endlich solches
geschehen / bliebe Colidiane so besturzt daruber / als die schöne Königin / und
tausenderlei ångstliche gedanken ihr hieruber machend / mochte sie nichts weiter
fragen.
    Also sassen diese beede mitbulerinnen eine gute weile / wie verstummet /
beisammen / bis endlich ein klang von allerhand seitenspielen / neben einem
gemurmel des vielen volks / sie gleich als aus einem tieffen schlaff erweckte /
und sie veranlasste / an das fenster zu tretten. Sie wurden alda gewar / dass die
beide gesandten / in zierlicher ordnung / mit solcher music und freudenszeichen
/ nach dem hause der Prinzessin von Ammon zu giengen: woraus Colidiane /deren
die Cananitische gebräuche wolbekant waren /alsofort urteilete / dass es auf eine
heuratwerbung angesehen wåre. Indem sie nun dieses bedachte / kame kurz darauf
Dersine gelaufen / und vermeldete / was massen in der Ammonide behausung / von
den hineinkommenden Philistern / der ruff erschalle / dass sie /fur ihren Prinzen
Abimelech / üm diese Prinzessin wurben.
    O himmel! (rieffe allhier Colidiane / zugleich zurück auf einen schåmel
fallend) sollte wohl Abimelech die untreu begehen / mich zu verlassen und die
Ammonide zu ehlichen? Ach allerliebste Konigin von Syrien! diss ist die betrubte
post / die ich heut erfahren sollen. Hierauf befiele sie mit einer onmacht:
weswegen die Konigin / die in ihrer verwirrung selbst hulfe nötig hatte / dieser
trostlosen Prinzessin beispringen und mehr leute herzu ruffen musste. Man brachte
sie alsofort in der Königin bette / alda ihr viele onmachten nacheinander
zustiessen. Nachdem sie wieder zu ihr selber gekommen / und so wohl die Konigin
Eurilinde /als ihre schwester Jaelinde samt der Prinzessin Danede / voll tränen
um sich fand / schauete sie ganz klåglich die Danede an / als welche noch das
lezte mal sie bei ihren Abimelech vergnügt gesehen hatte /und sagte zu
derselben: Wer hätte mir sollen in Cus sagen / dass ich darüm dem Abimelech das
leben gerettet / damit Ammonide seiner liebe geniessen mochte. Ach! ist es dann
immer muglich / dass dieser Prinz mich verlassen konnen? Hiemit verwehrte ihr die
herzensangst / in ihren klagen fortzufahren: und weil das gerüchte / von der
gesandten werbung bei Ammonide / nun bereits überall erschollen war / als wussten
/ weder Danede / noch die andern / dieser Prinzessin einigen trost beizubringen;
daher sie allein bemuhet waren / die hulfmittel fur den schwachen leib herbei zu
schaffen / weil sie fur das so tief verlezte gemüte keines finden kunten.
    Mitlerweile sie aber eine so traurige arbeit bei dieser Prinzessin
verrichteten / waren die Prinzessin von Syrien und Ahalibama / bei der
trostlosen Konigin: die in ihr cabinet sich verschlossen hatte / und sich nicht
entielte / in gegenwart dieser ihrer schwester und freundin / ihrem billigen
schmerzen völlig den zaum schiessen lassen. Sie hatte nun ganz gewiss vernommen /
dass man für den Abimelech um die Ammonide geworben hätte / und konnte sie / so
gern sie auch wollte / keine entschuldigung fur diesen Prinzen finden: welches
ihr dann so frömd und ungereimt fürkame / dass fiel sie sich dem entsetzen und der
entfindlichkeit musste gefangen geben / da sie doch sonst alle unglücksfälle mit
ungemeiner standhaftigkeit jedesmal noch vertragen können. Ist es müglich / ist
es müglich / ( sagte sie / aus ganz beklummenem herzen) dass dieses sich so
verhalte? Wie Prinz von Gerar! verlässest du diese / die du dein lebenlang
geliebt? und zwar üm Ammonide willen? warüm nicht viel eher von Colidiane
wegen? Tausendmal lieber wollte ich / dieser Prinzessin halber / dir dein
untreues beginnen zu gut halten. Hierauf uberlegte sie bei sich / was doch immer
diesen Prinzen hierzu verleiten können / ihr unbeståndig zu werden: da ihr
endlich beifiele / was sich mit ihr und dem Dison zugetragen. Demnach sah sie
ihre schwester ganz kläglich an / und sagte: Euer Dison / euer Dison / richtet
mir dieses alles an; sein aufentalt in meinem frauenzimmer / hat diesen Prinzen
zweifelsohn geärgert / dass er mich seiner liebe unwürdig erkennen müssen. Warum
geht aber deine rache / bis zu der unschuldigen Colidiane? bin ich etwan dir so
zu wider worden / dass du / auch in dieser edlen Prinzessin / meine gestalt nicht
leiden konnen?
    Aramena / welche gern ihren Prinzen Dison verantworten wollte / finge hierauf
an / der Königin fürzustellen / wiedass Abimelech jederzeit nichts als hohe
tugend an ihr verspuret und wargenommen / und daher / an derselbigen zu zweifeln
/ weder grund noch fug hätte: musste also / eine andere dringende ursach /diese
grosse änderung bei ihm erwecket haben. Ich bin mir nichts bewust / (antwortete
die Königin) kann auch nicht ersinnen / wie einige staats-ursache diese heurat
mit der Ammonide begleiten / und daher des Abimelech herz gewinnen können: zumal
er auch sonst alle dieselben in betrachtung seiner liebe / hintan zu setzen
pflegte. Wie sie hierauf der vorigen zeit sich erinnerte / drungen ihr die zåren
so häufig aus ihrem schonen augen / dass ihre klage darüber verstummete. Als sie
aber in einer marmornen wand / die so hell geschliffen war / dass man sich darin
bespiegeln konnte /sich in solchem wesen ersehen / verdrosse es sie / dass sie
seinetwegen sich so kläglich gebärdet. Demnach ermannte sie sich / und trucknete
ihre tränen ab / ganz mutig sagend: Wolan / diese zären sollen die lezten sein /
die ich üm dieses undankbaren willen vergiesse. Ich habe meine schwachheit genug
erwiesen: es ist zeit / dass ich dieselbe überwinde und von mir lege.
    Hiermit stunde sie auf / des willens / nach der Colidiane zu gehen. Sie
wurde aber hieran behintert /durch der Ammonide plötzliche ankunft / welche
/ganz entstellet / über der post / die ihr die gesandten angebracht / der
Königin davon erofnung tun wollte. So hart sich auch die Königin zu halten
vermeinte / in ersehung dieser ihrer mitbulerin / so unfähig war sie doch / ihre
verwirrung zu bergen: welches gleichwol die Ammonide / als ebenfals verwirret
nicht beobachten konnte. Ich komme / gnädigste Konigin! (sagte sie) E. Maj. zu
berichten / dass man mir .... Ich weiss bereits (fiele die Konigin ihr in das
wort) was ihr mir sagen wollet. Es bestehet aber / (fuhre Ammonide fort zu
reden) lediglich bei E Maj. wessen ich mich entschliessen und hierauf erklären
soll. Meines rahts (sagte die Konigin) habt ihr dissorts nicht vonnöten: ihr habt
aber meinen willen / dass ihr tun möget /was ihr wollet. Als sie das gesaget /
gienge sie / ihrer antwort unerwartet / aus dem zimmer / und nach der Colidiane.
    Ahalibama bliebe allein bei der Prinzessin von Ammon / und fragte dieselbe:
ob es dann wahr wåre /dass der Prinz von Gerar um sie werben lassen? Es ist mehr
als zu wahr / (antwortete Ammonide) und weiss ich nicht / weil mir dieses so
plotzlich kommet / wie ich mich hierein finden soll. Warum tut man dann (fragte
die Ahalibama) so bestürzt hieruber? Ich habe / (antwortete sie /) nun etliche
jahre das elend in der fromde bauen und fluchtig fur meinem herrvattern leben
müssen; gerate aber nun unversehens in die grosse verånderung dass der König mein
herrvatter mich lässet seiner gnade versichern / und mir den weltberumten
Prinzen von Gerar zum gemal gibet /auch dieser Prinz / üm ewigen frieden mit
Ammon zu stiften / mich für die Prinzessin von Salem wehlet /die er ja / dem
gemeinen ruff nach / geliebt hat. Solte mich nun dieses nicht befromden / da so
schleunig mein zustand sich båssert / und ich mir so unvermutet das gluck wieder
scheinen sehe / welches etliche jahre mir den rücken zugewendet? Ist dann meine
Prinzessin (fragte Ahalibama ferner) zuvor des Abimelech liebe nicht versichert
gewesen? Ich kann wohl beteuren /(gabe sie zur antwort) dass ich nie das geringste
an diesem Prinzen vermerket / und also vermuten muss /wie uns mehr der gehorsam /
den wir unseren eltern schuldig / als die liebe / zusammen bringe. Jammert es
aber die Prinzessin nicht / (versezte Ahalibama) dass sie an des Abimelech
unbeständigkeit ursach sein mussen. Es ist nicht dieses allein / (antwortete sie
seufzend) so ich zu betauren ursach habe. Hiemit schweige sie still / und wollte
ferner nichtes sagen /sondern stellte sich an / der Königin nach zu folgen:
Ahalibama aber verwehrte ihr solches / mit bericht /dass die Königin bei der
Prinzessin Cölidiane sich befånde: deren dann / bekanten umstånden nach / ihre
gegenwart nicht gar angenem sein wurde.
    Dieserwegen bliebe nun Ammonide zurücke / und als sie nach ihrer wonung
umgekehret / meldete sich jederman bei ihr an / üm ihr / zu der wiedererlangten
gnade ihres herrvattern / und zu ihrer bevorstehenden vorteilhaften heurat gluck
zu wünschen. Die mitgekommene aus Ammon / stellten sich auch bei ihr håufig ein
/ um ihr die freude zu erweisen / die sie uber ihrem erlangten glücke
geschöpfet. Also wurde ihr palast den ganzen tag nicht leer / daher sie fast
keine stunde sich abmüssigen konnte / diesen ihren veränderten zustand bei sich
recht zu uberlegen. Die schöne Königin war inmittels bei der Cölidiane / und
halfe ihr trost einsprechen: wiewol sie / wie sie selbst / und zwar mehr als sie
/ betrogen worden / ihr zu entdecken / auf andere zeit / da sie etwas ruhiger
von gemüt sein würde / verschobe. Ammonide begabe sich / folgenden tags / mit
fruhem morgen / in den spazierwald zu Aroer / und sich in selbiger einsamkeit
freier sehend / schüttete sie alles ihr anligen gegen dem himmel aus / und
beschwerte sich über ihr Glück / dass ihr solches grösser erschiene / als sie es
verlanget. Sonder tränen kunte sie an ihren Ahusat nicht gedenken /und fülete
sie nun / mehr als iemals / dass sie diesen ritter liebte / welches sie sonst /
wie sie noch frei gewesen / ihr selbst nie zugläuben wollen.
    In diesen ihren anligen / stiesse auf sie die Mehetabeel: welche der külen
morgenstunde sich zu bedienen / diesen allgemeinen spazir-platz erkieset hatte.
Weil nun die beide eine sonderbare vertreuliche freundschaft zusammen gestiftet
/ als entsahn sie sich nicht / ihr herz gegeneinander auszuschütten. Wie /
meine Prinzessin! (sagte diese Furstin zu ihr) muss man noch voll trauriger
gedanken gehen / da der glücksstern so vollkommen scheinet? ist es wohl möglich /
dass man den wackern Prinzen Abimelech mit unlust ehliche? Ach Mehetabeel!
(antwortete Ammonide) ich erkenne gnugsam mein Glück / und bin auch nicht
gesinnet /selbiges auszuschlagen. Aber ach! (sezte sie seufzend hinzu) was wird
Ahusat sagen / wan er nun erfäret /wie ich ihn verlassen? Ich bin so oft (sagte
Mehetabeel) vertrostet worden / die ümstånde von des Ahusat liebe zu vernemen:
darf aber wohl iezt nicht darüm ansuchen / weil / die erinnerung dessen / die
unruhe meiner Prinzessin vergrössern möchte. Keines wegs /liebste Mehetabeel!
(sagte Ammonide) ich rede gar gern von dem Ahusat / bin auch erbötig / euch von
stund an hiemit zu vergnügen. Wir werden schwerlich (antworrete Mehetabeel)
diesen ort lang allein geniessen: darum bitte ich / dass solches bald geschehen
möge. Wolan (versezte Ammonide) lasset euch hier bei mir nieder: ich bin bereit
/ euren vorwitz alsofort zu vergnugen. Wie sie nun hierauf sich unter einen
schattichten Cederbaum zusammen gesetzet / horte die Furstin folgender massen
erzählen /
 
                          Die Geschicht der Ammonide.
Ich bin so aus mir selber / uber dem / was mir iezt begegnet / dass ich darum
sehr unförmlich werde fürbringen / was ihr von mir zu wissen begehrt. Ich kann
mich auch iezt nicht aller der umstände erinnern / die hierbei mogen fürgegangen
sein: doch sollet ihr alles das / so mir noch beifallen wird / vernemen. Wisset
demnach / dass / wie der lezte krieg in Basan entstanden /da die Salamis sich von
der Teutschen foche zu entreissen vermeinte / mein herrvatter / der Konig Hanon
/ sich auch in diesen krieg miteingemischet / und meinen bruder / den Prinzen
Baalis / mit einem ansehlichen volk / dieser Königin zu hülf schickte. Diss
verursachte / dass der Suevus / welcher gegen die Salamis stritte / uns
unversehens ein mächtiges heer Teutschen von der andern seiten ins land schickte
/ und / uns unbewehrt findend / alles verheeren und verwussten liesse. Diesem
unheil zu steuren / erlangten wir eiligst hülfe von den Philistern / die der
Bagastanes gefuret: der den Teutschen verwehrte / dass sie nicht weiter in Ammon
eindringen konten. Diese Philister wurden nun um so viel besser von meinen
herrvattern entfangen / je notiger uns damals ihre hulfe gewesen.
    Zu Carchar bekamen wir diese hülfvolker zum erstenmal zu sehen / da / unter
andern furnemen kriegsbedienten / die den Bagastanes begleiteten / der wackere
Ahusat sich fürnemlich betrachten liesse: dessen ansehliche person und
ungemeines wesen / ihme gleich einen vorzug fur allen andern verursachte / also
dass meine augen långer bei ihm / als bei seinem kriegs gesellen / angehalten
wurden. Es ergienge auch also auf seiner seite / dass er mich unaufhörlich
betrachtete: massen ich allemal seine augen auf mich gewendet fand / wan ich
ihn ansah. Ich konnte mich nicht entbrechen / bei dem Bagstanes nach seinem
namen anzufragen: der mich dann berichtet / wie dass dieser Ahusat sein pflegsohn
wäre / der zu Gaza bei den Koniglichen kindern erzogen worden. Ich bekräftigte
solches / wie man nämlich an ihn warnåme / dass er müste in guter zucht gewesen
sein. Auf des Bagastanes geheiss / musste er sich mir hierauf nähern / und
erröteten wir beiderseits / unwissend warum / als er diese seine begrüssung bei
mir ablegte. Der inhalt unsers gespråches bestunde darin / dass ich seine bei
diesem uns zu hulfe beschehenem feldzug erwiesene dapferkeit herausstriche / und
er hingegen / seine taten verkleinerend / sich selbst anklagte / üm dass er
nicht also / wie er billig tun sollen / sich hierbei erwiesen håtte. Dergestalt
ist diese unsere erste zusammensprache abgelaufen. Weil auch die Philister von
ihrem Konig befehl erhielten / zu unserer sicherheit bei uns im lande zu bleiben
/ verseumte nachgehends Ahusat nicht die geringste gelegenheit / üm mich zu
sein /und mir aufzuwarten: da dann tausend dinge furliefen /die seine liebe
håtten andeuten konnen / wan sein gemeiner stand ihme nicht wäre hinterlich
gewesen / an mich zu gedenken. Dieser unterschied verursachte auch bei mir / dass
ich mich im geringsten nicht scheuete / seine gesellschaft / die mir so angenem
war / zu belieben; und liesse ich stäts geschehen / dass er mit mir umgienge / als
wohl versichert / dass niemand solches wurde ubel deuten konnen. Er stellte ohn
unterlass / mir zu ehren / mit seinen Philistern allerhand kostbare ritterspiele
an / und munterte unsern ganzen hof auf: daher dann alle Ammoniter / und
sonderlich unser frauenzimmer / ihn lieb gewonnen.
    Unter diesen war eine / Aryda genant / welche von sehr gutem hause / und
viel nach hof zu kommen pflegte / weil ihr vatter eine fürneme bedienung hatte
und des Konigs herz regiret. Diese nun betrachtete den Ahusat mehr / als alle
die andern / und soge den liebesgift so stark in sich / dass es nachgehends eine
unmoglichkeit war / desselben wieder los zu werden. Sie hielte auch ihre
gewogenheit gegen ihme nicht heimlich / also dass bald der ganze hof davon zu
reden begunte. Ahusat mochte wohl der lezte gewesen sein /dem dieses geruchte zu
ohren gekommen. Ich vername / unwissend warum / dieses gar ungern / und gonte
der Aryda nicht / dass sie des wackern Ahusat liebe überkommen sollte: war
demnach bemuhet / ofters ihre zusammenkunften zu hintern. Ich name auch einsmals
gelegenheit / ihn zu fragen / ob er die Aryda liebte. Er wurde über dieser frage
ganz berötet / sonder mir zu antworten; daher ich vermutend / dass er sich
schuldig fände / wiewol mit widerwillen / zu lachen anhube und sagte: Man dorfe
nun hieran nicht mehr zweiflen /weil ihn seine farbe schon verraten hätte.
Hierauf beteuerte er mir gar hoch das gegenspiel / und dass er gegen die Aryda
keine andere gedanken / als gegen alle damen ingemein / hege / und wegen ihrer
person sich ganz frei von aller liebe wusste. Diese lezte worte sagte er nicht
sonder bewegung: daher ich furwitzig wurde / ihn zu fragen / ob er dann sonst
liebte? Diese frage machte ihn bestürzt / und sah er mich an / sonder zu
antworten: daher ich noch mehr in ihn drunge /und seine geheimnise wissen wollte.
Aber er entschuldigte sich mit so guter art / dass er dissmal davon kame: wiewol
ich nachgehend ihn ofter mit dieser frage gequålet.
    Nun hatte Bagastanes auch davon gehoret / dass zwischen dem Ahusat und der
Aryda eine liebe obhanden sei. Welches er dann mit grossen ernst zu verwehren
suchete / und also ein ding den Ahusat verbote / welches zu unterlassen / er
von selber mehr als wohl geneigt war. Einsmals / wie der Aryda bruder den
Philistern ein grosses gastmal / sonder zweifel auf anstiften seiner schwester /
angestellet hatte / wobei ich auch erschienen / fugte es sich / nach dem essen
/dass wir allerhand spiele anfiengen / da / in überfarung der spielgesetze /
beliebige straffen erkant wurden. Es traffe unter andern auch den Ahusat / deme
ich etwas zu verrichten auferlegen musste. Dieses ware nun / dass er uns sagen
sollte / ob und wo er liebte. Niemanden in der gesellschaft gefiele dieses båsser
/ als der Aryda: welche nun hoffete / ihren namen nennen zu horen. Als aber
Ahusat sich lange geweigert / erbote er sich endlich / es mir in geheim zu
sagen. Wie ihme nun das vergönnet worden / raunete er mir diese worte ins ohr:
Wåre ich ein Prinz / so wollte ich mich nicht fürchten / meine liebe zu bekennen.
Hiemit gienge er wieder von mir / und liesse mich so bestürzt / als begierig die
ganze gesellschaft war / mir auszufragen /wer des Philisters liebes-ziel wäre.
Ich war sonder mein wissen errötet / und Ahusat ebenfals: daher der Aryda
begierde üm soviel mehr zuname / dieses zu wissen. Ich wiese sie aber alle ab /
einwendend / dass ihnen an des Ahusat geheimnis nichtes gelegen sei /weil
niemand in der gesellschaft vorhanden / so teil daran hätte.
    Aryda erblassete ganz uber diesen meinen worten /und wie sie folgends allein
zu mir kommen konnte /lage sie mir sehr an / ihr zu eroffnen / was Ahusat mir
vertrauet. Weil ich nun der Aryda macht bei ihrem vattern / und dieses menschen
gewalt bei dem Konig scheuete / sorgte ich / wan ich ihr die hoffnung ihrer
liebe benäme / würde ihre darauf folgende todfeindschaft gegen dem Ahusat ihm
gross unheil zu weg bringen. Demnach machte ich sie weiss / wie dass er mir hätte
ihren namen genennet. Wer war nun fröher / als die Aryda? welche hienåchst kein
geheimnis hievon machete / sondern bei allen ihren vertrauten /deren sie sehr
viel hatte / ihr gutes gluck ausbreitete. Es lage ihr nun nichtes mehr an / als
dass Ahusats eigener mund ihr die zeitung nicht selbst entdecket hatte. Ahusat
war nachdem etwas verzagter / mit mir ümzugehen / weil er spürte / dass ich seine
worte nicht zum bästen aufgenommen; und ich sonderte mich mehr von ihm ab / als
vordessen / und meldete alle gelegenheit / mit ihm allein zu reden. Wan er dann
etwan solche suchen wollte / berieffe ich die Aryda in unsere gesellschaft:
wordurch ich sie mir so sehr verbunden machte / dass ich völlig die vertraute
ihrer liebe wurde / von welcher nun der ganze hof / als von einer ausgemachten
sache / redete.
    Den Bagastanes aber sezte solches in so grosse unruhe / dass er / des Ahusat
beständigem vernemen nicht mehr glaubend / seine zuflucht zu mir name /und
inständig mich ersuchete / diese liebe zu verhintern: weil er mir fur gewiss
sagen konnte / dass sein König / der sehr viel von dem Ahusat hielte / nimmermehr
diese seine heurat mit der Aryda zulassen wurde. Ich versicherte darauf den
Bagastanes / dass sein pflegsohn die Aryda nicht liebte / weil ich dessen gewisse
kentnis håtte. Solches sezte diesen Philister wieder in ruhe / wiewol nicht
volkömlich: massen er nachgehends ja so begierig wurde / zu wissen / wen dann
sein Ahusat liebte; weil er sattsam an ihm spurte / dass er nicht mehr die
freiheit hatte die er in Ammon gebracht. Ich wollte ihm nicht sagen / was ich
dissfalls vermutete; deutete aber / durch meine gebården /meine unwissenheit
nicht so warscheinlich an / dass Bagastanes mich auser verdacht håtte lassen
konnen. Daher ich nachmals mich so wohl von ihme / als von der Aryda / verfolget
sah: da iedes / wegen der håndel des Ahusat / von mir viel ausfragen wollte.
Weil aber / wie gesagt / ich nun die gelegenheit / so viel müglich / meldete /
mit dem Ahusat in gesellschaft zu sein / spürte er genugsam / dass ich von
seiner liebe etwas wissen müste. Demnach ward er sehr betrubt / dass er sich so
verlaufen hatte / und grämte sich deshalben also ab / dass jederman seine
ånderung erkannte / und nach dessen ursach anhube zu fragen.
    Aryda / als die sorgfåltigste unter allen / lage mir ohn unterlass in den
ohren / dem Ahusat sein anligen auszufragen. Als ich ihr aber solches
abgeschlagen /bediente sie sich einer list / mich hierzu zu vermogen / und liesse
den Ahusat durch einen meiner kåmmerer / in meinem namen / zu mir beruffen. Sie
hatte mich selbigen tag besucher / und sich zu fleiss bei mir im gemach
aufgehalten: da sie dann an der tur laurete /bis Ahusat ankame. Dieser / sich
verwunderend uber meine gnade / dass ich ihn beruffen lassen / trate nicht sobald
in die tür / da sagte Aryda / im hinaus gehen /zu ihme: Die Prinzessin will
einmal euer anligen wissen; darüm verheelet ihr nicht / was der ganze hof an
euch merket. Wie bestürzt wir beiderseits darob verblieben / ist leichtlich zu
ermessen. Als wir uns hierauf allein beisammen sahen / wusste er nicht / was er
sagen / noch weniger ich / was ich fragen sollte. Wie wir nun eine weile also
stum geblieben / erholete ich mich endlich wieder / und mich nach der ursach
seiner ankunft erkundigend / bekame ich von ihme den bescheid / wie dass ich ihn
ja håtte beruffen lassen. Ich merkte nun / mich ihrer lezten worte erinnerend /
dass Aryda dieses wurde angestellet haben / und sagte wider ihn: Ihr sehet /
Ahusat! wie begierig Aryda ist / euer anligen zu wissen / also dass sie auch
mich dazu gebrauchen wollen / solches von euch auszuforschen. meint ihr nun /
dass sie es wissen dörfe / so bitte ich euch / sagt es ihr selber: dann mein
vorwitz ist nicht so gross / als der ihrige / eure geheimnise zu wissen. Meine
geheimnise (antwortete er mir / mit niedergeschlagnen augen) sind also
beschaffen / dass ich / wo möglich / dieselben vor mir selbst verbergen und mich
deren unwissend machen will; und in dieser unwissenheit zu bleiben / wunsche ich
nichtes als den tod / der das einige mittel sein kann / mein anligen mir zu
benemen.
    Ich muss bekennen / dass diese worte mich gerüret. Und weil ich die håftigkeit
des leidens / so Ahusat fulete / aus allem seinem wesen abnemen konnte / als
fand ich nutzlicher für ihn / recht heraus zu gehen /als durch ferneres
verstellen sein elend zu vermehren. Demnach brache ich gegen ihm in diese worte
heraus: Ich weiss zwar eigentlich euer anligen nicht / vermute aber / aus den
worten / die ihr mir neulich beim spiel gesaget / dass ihr müsst über euren
stand lieben. Weil ich nun viel von euch halte / als rate ich euch / dass ihr
euer edles leben nicht mit so unmuglichen dingen martern / und wohl gar verkürzen
/ sondern die wahre vernunft in euch die oberhand sollet behalten lassen /welche
leichtlich solche aufsteigende gedanken in euch wird uberwältigen können. Dieser
raht / grosse Prinzessin! (antwortete er mir) wäre der jenige anzunemen fåhig /
der keine grossmut in sich fulete / ein konigreich zu erlangen / das ihme die
geburt versaget. So lang aber hierzu die hofnung bleibet / kann auch nicht die
liebe / als welche von ihr die narung nimmet / vergehen / sondern sie tröstet
sich stäts / durch künftige änderung die jetzige unmügligkeit zu überwinden.
    Wan ihr dann (antwortete ich) die hofnung habet /warüm quälet ihr euch dann so
ab / und lasset jederman sehen / dass euch ein verzweifeltes anligen naget?
Dieses machet meine verzweiflung / (widerredte er) dass ich keine gegenliebe
hoffen darf / wan schon der ungleiche stand mir nicht im weg stunde: und dörfte
ich diese furcht fahren lassen / so sollte mir wohl geraten sein. Dieses sagend /
sah er mich so verliebt an /dass mein herz noch mehr gerüret wurde / und mich zu
ihm sagen machte: Wer einen so grossen muht hat / als ihr von euch rumet / wird
durch blosse einbildung sein elend nicht grosser machen / und zweifele ich / ob
ihr gewiss wisset / dass man euch nicht lieben konne / wan ihr eine kron truget.
Diese wenig worte munterten den Ahusat also auf / dass er sich nicht entalten
kunte /mir zu füssen zu fallen / und dieselbige zu küssen. Ich aber / damit ich
ihm fernere gelegenheit / sich mir deutlicher zu erklären / benemen möchte /
hiesse ihn aufstehen / und sagte: dass so eine danksagung mein gegebener rat nicht
verdiente / und ich für ihn sehr zutråglich hielte / gegen die hohe person / die
er liebte /solche ehrerbietung zu gebrauchen / dass sie nicht eher das wort Liebe
hören dorfte / bis er ihr solches mit einem gekronten haubte sagen konnte.
    Hiemit schieden wir voneinander / und üm der Aryda abzukommen / stärkte ich
sie nachgehends in ihrer liebe / mit dem bericht / wie dass des Ahusat anligen
nichtes / als ihre kaltsinnigkeit / verursachte: wodurch ich sie dann noch
tausendmal verliebter machte / als sie bereits gewesen / und dem Ahusat mehr
qual verursachte / ihrem beginnen mit guter art zu begegnen.
    Als es nun solcher gestalt bei uns zustunde / kame uns die unvermutete
zeitung / dast der tod-vermeinte junge Marsius von Basan wieder lebendig worden
/und mit einem mächtigen heer seiner Teutschen und Celten in anzug begriffen
wäre / in Ammon einzufallen: weil mein herrvatter / als aller Teutschen
abgesagter feind / fur die groste ursache angesehen und gehalten wurde / dass die
Konigin Salamis diesen aufstand in Basan wider ihn erreget hatte. Was schrecken
dieses bei uns erwecket / ist unbeschreiblich. Es ware aber hierbei niemand
beherzter / als Ahusat: der sich freuete / dass es etwas für ihn zu tun geben
wurde /dadurch er zugleich seinen mut und seine liebe hervorlegen könnte. Man
schriebe nun nach allen orten üm hulfe / und wurde mein bruder / der Prinz
Baalis /aus Basan abgefordert / auch alles / so viel müglich /wider diesen
ankommenden feind in gute verfassung gestellet. Es kame auch zu uns der Prinz
Bileam von Hemath / fur uns fechten zu helfen. Wie nun unser heer dem Marsius /
der schon bei Rabbat stunde /entgegen zu gehen / in begrif war / namen die
Prinzen Baalis und Bileam / neben dem Ahusat und andern fürnemsten
kriegsbedienten / von uns den abschied: da dann der Aryda betrübnis so offenbar
herfurschiene / dass sie sich nicht scheuete / vor jederman zu weinen. Ich /
sowol sie / als den Ahusat / zu vergnügen /name eine schärpe von meiner
kleidung / und gabe sie der Aryda / scherzweise zu ihr sagend: Gebet diese
feldbinde / dem ritter Ahusat / zum andenken mit /so wird er desto mutiger
fechten / und unter dem schirm dieser eurer begünstigung weniger gefahr zu
besorgen haben. Aryda bande mit ja so grosser vergnügung ihm die feldbinde an
den leib / als erfreut er solche / nicht von ihrer hand / sondern von mir
anname. Er würde auch / bei folgendem abschied / für diese gnadbezeugung sich
sehr bedanket haben / wan ich ihme darzu zeit und gelegenheit gelassen håtte.
    Wie nun das heer hinweg / und ich den Ahusat nicht mehr sah / fülete ich /
dass ich unruhiger worden / als ich vordeme iemals gewesen. Ich dultere nun gern
der Aryda gesellschaft / weil sie stäts von ihrem Ahusat redete / und ohn
unterlass / fur sein wolergehen / gen himmel seufzer schickte: die ich dann
heimlich mit den meinigen begleitete / und von tag zu tag mehr in mir verspürte
/ dass Ahusat mir näher / als andere menschen in der welt / wäre. Wir bekamen
aber nach und nach zeitung / dass Marsius mit seinem siegenden heer immer weiter
in Ammon drunge / und ungeacht des widerstands der unsrigen / bereits Carchar
hinweg genommen hätte. Endlich erfolgte gar die betrubte post / dass man ein
haupttreffen gehalten / die unsrige geschlagen / und unter vielen andern todten
/auch der Ahusat geblieben wäre. Wir waren zu Ar /als dieses sich zugetragen:
da dann / des dapfern helden verlust / uns allen fast so nahe gienge / als wie
aller der andern erlittener schaden. Insonderheit war die Aryda nicht zu
trösten: welche / auf einrat der årzte / die luft zu ändern / nach Aim auf das
gebirge reisete / alwo ihrer mutter schwester sich aufhielte; und wollte sie / in
selbiger einsamkeit / ihre traurige tage hinbringen.
    Es fügte sich aber / dass ein Hirt den Ahusat / welcher in der schlacht
verloren worden / unter den todten fand / und ihn / weil er noch ein leben in
ihm vermerket / aus mitleiden mit sich in seine höle name /die ihm an statt einer
hütten dienete. Sowol die treue pflegung dieser guten schåferleute / als des
Ahusat starke natur / brachte zu wegen / dass er allgemach wieder aufkame. Weil
aber dieser hirte / der nach Aim und zwar unter die fraue gehoret / bei welcher
die Aryda sich aufhielte / keine mittel hatte / seinen kranken mit diensamer
arznei zu versehen / meldete er solches der frauen an: welche / von mitleiden
bewogen /den verwundten in ihr haus bringen liesse. Die Aryda erkannte ihn
alsofort für ihren Ahusat / und wåre bald für freuden gestorben / den jenigen
so unvermutlich wieder ersehend / den sie schon als todt beweinet hatte. Alle
pflege / die nur auszusinnen / wurde an ihn verwendet. Weil aber ein hitziges
fieber dazu geschlagen / als wårete es sehr lang / ehe er aller lebensgefar
entkommen. Niemand erfure / dass er noch lebte: weil das ganze land mit krieg
uberschwemmet war / und sie zu Alim in den bergen sich verstecket hielten / von
dar ihrer keines auf das platte land sich herfür wagen dorfte.
    Es fiele aber dieser Krieg für uns so unglucklich /dass alle fäste städte des
reichs von dem Marsius erobert / und wir in die mauren von Ar eingeschlossen
wurden: da dann unser untergang für augen war / und wir kein bässers gluck / als
wie vordeme der Konig von Moab gehabt / vermuten konten. Der uberrest von den
Ammonitern / hielten zwar / in dieser fästen stadt / getreulich an ihrem König /
und waren sie alle entschlossen / ihr leben bei uns aufzusetzen. Was half uns
aber solches / da unsere starke mauren und dapfere gegenwehr nicht verhüten
konten / dass nicht der hunger zu uns eingedrungen / und also diese grausame qual
uns auch noch begegnet wäre? Der König mein herrvatter wollte doch / in dieser
äusersten noht /lieber sterben / als seine abgesagte feinde / die Teutschen /
mit einem guten wort versönen: wir mochten ihm auch zureden / wie wir wollten /
dass er lieber der gütigkeit des Konigs von Basan sich uberlassen / als dem
hunger sein und unser aller leben unterwerfen sollte. Weil er nun auf seinem
fürnemen verharrete /als mussten wir / wider sein wissen und willen / auf mittel
denken / ihn und uns aus diesem elend und verderben zu erretten.
    Derhalben fassete ich den schluss / als wir bereits in den dritten tag kein
brod mehr hatten / und gienge mit allen frauenzimmer und kindern aus Ar hinaus /
zu dem Marsius in das lager: dem wir ingesamt zu fuss fielen und um gnade baten.
Dieser gutige herr / der die höflichkeit selber ist wurde durch dieses mein
beginnen dermassen beweget / dass er alsofort die belägerung vor Ar liesse
aufruffen / und seinen leuten gebote / lebensmittel in die stadt zu füren:
welche der Prinz Daces / des Königs vetter / selbst hinein begleitete / und
dabei meinem herrvattern / nicht allein den frieden / sondern auch die
wiedereinråumung seines ganzen landes / anbote. Diese grosmütige tat hätte nun
billig des Hanons herze bewegen sollen / allen widerwillen und groll gegen die
Teutschen faren zu lassen. Aber sein herz ward hierdurch nur noch mehr verhärtet
/ und täte ihm wehe / dass er also seinem feinde sich verpflichtet wissen solle.
Euserlich zwar stellte er sich gar erkentlich / und täte dem Daces alle ehr an:
aber im herzen verbarg er die nucke / die er nachgehends herfür brechen lassen.
Der unvergleichliche Marsius / sein versprechen zu halten und Ammon zu räumen /
kame hierauf in Rabbat / und wollte von dar aus alle gehörige anstalt machen /
nach Moab zu gehen: verschobe auch / bis zu endschaft dieser verrichtung / uns
in Ar zu besuchen / nachdem er mich /bis an das tor der stadt / mit aller
höflichkeit begleitet. Alle einwoner in Ar / nennten mich ihre schutzgottin.
Aber der König erwiese weniger freude / als er billig tun sollen: da doch das
ganze land / wegen so wunderbarer weise erlangten friedens / frolockte.
    Diese zeitung erschallte zeitlich auch nach Aim /und zwar mit dem zusatz /
dass Marsius mich liebte: welches dann im ganzen lande für wahr ausgesprochen
wurde. Der kranke Ahusat / solches gläubend / geriete hierdurch in solche
betrubnis / dass die Aryda eine merkliche verschlimmerung an ihm verspurte /und
mit grosser herzens qual sehen musste / dass seine krankheit täglich zuname und
ärger wurde. Weil er nun den tod vermutete / zuvor aber seine liebe mir deutlich
erofnen wollte / als bate er die Aryda / ob es ihr nicht müglich wåre / ihm zu
verhelfen / dass er die Prinzessin von Ammon / vor seinem sterben / noch einmal
sprechen möchte: welches diese barmherzige liebhaberin ihm zuwegzubringen
verhiesse / auch nicht seumte / alsofort iemand an mich abzufärtigen. Ich
entfinge demnach einen brief / in welchem ich von ihr auf die allerbeweglichste
art hierum ersucht wurde. Ich kann nicht leugnen / dass ich vorher des Ahusat tod
beweinet und beklaget: nunmehr aber / da ich von seinem leben / das doch nun
nicht båsser als der tod war / nachricht bekommen jammerte mich seiner so sehr /
dass ich ihm diese lezte erquickung nicht versagen konnte / und daher mich
entschlosse / der Aryda bitte zu wilfaren und sie zu Aim zu besuchen. Ich konnte
sicher dahin kommen / weil die Teutschen unsere feinde nicht mehr waren. Ich
kein nicht beschreiben wie ich die Aryda mit dieser meiner überkunft erfreuet:
welche sich mir gross verpflichtet bekente / dass ich ihr und ihrem Ahusat diese
gnad erweisen wollen.
    Als ich zu diesen kranken gekommen / merkte ich wohl / dass meine gegenwart
ihm ungemeine erquickung brachte und sagte er zu mir / nach abgelegten
begrüssungen / mit schwacher stimme: Wollen sie wohl / grosse Prinzessin! nach so
vielfältig bezeigten gnaden / noch diese lezte und gröste hinzu tun / dass ich
die fürneme person nennen moge / die der kune Ahusat zu lieben sich unterfangen
dorfen? Ich begehre /auser diesem / nichtes mehr in der welt / und will
nachgehends gerne sterben / wan ich zuvor mein herz hiervon werde erleichtert
haben. Redet kunlich / edler ritter! (antwortete ich ihm) und seit versichert /
dass ich) / euer geheimnis zu verschweigen / mich getreu erweisen werde. So
sollen sie den wissen (fure er hierauf fort zu reden) dass Ammonide schönheit
mehr / als ihr hoher stand / mich bezwingen konnen; dass ich in betrachtung des
lezten / mich nicht abschrecken lassen / dass erste zu verlangen / und zwar mit
solcher ehrsucht / dass ich nicht sonder hofnung gelebet / dermaleins den genus
von meiner liebe zu erlangen. Ich war so verblendet / schönste Prinzessin! dass
ich vermeinte / ich müste sonder zweifel eine kron erwerben: weil mir der himmel
in den sin gegeben / eine Königstochter zu lieben. Nun aber spüre ich wohl / dass
keine irdische kron mir bestimmet gewesen / und dass der himmel dem grossen
Marsius das gluck ausersehen / welches ein nichtswurdiger Ahusat begehren
dorfen. Derohalben lebet wohl / mit diesem glücklichen liebhaber! Nur gönnet mir
/ in mein grab den trost mit mir zu nemen / dass euch die offenbarung meiner
künen liebe zu mehr mitleiden als zorn bewogen habe.
    Die gemütsbewegung / womit er dieses herfürbrachte / mattete ihn dermassen
ab / dass ich die lezte worte kaum vernemen konnte. Weil ich ihn nun wie einen
sterbenden ansah / als wollte ich ihm / so viel mir müglich / sein leiden nicht
schwerer mache / sondern vielmehr ihm trostlich erscheinen. Demnach gabe ich ihm
eine solche antwort: Ihr seit / edler Ahusat! nicht in solchem zustand / dass
ich uber euer beginnen mich beschweren dorfe; finde euch auch in eurer liebe so
venunftig / dass solche bei mir mehr ein mitleiden als unwillen erwecket. Härte
euch der himmel eine kron gegönnet / so solle Ammonide so willig euer / als
eines andern / geworden sein. Marsius aber hat dergleichen gedanken gegen mir
nicht / die ihr euch einbildet / wird also dieser mich nicht hintern /euer
andenken stäts in meinem herzen zu hegen und zu verehren. O unbeschreibliche
güte! (rieffe hierauf der halbtodte Ahusat) wie seelig bin ich in meinem
sterben! Alles leiden wird mir hierdurch reichlich ersetzet / so ich in meinem
leben ausgestanden: Als er diss gesagt / befiele er mit einer starken onmacht:
daher ich / nicht anders vermeinend / als dass er jezt stürbe / voll tränen von
ihm gienge / und den leuten im haus rieffe / ihm in seinem tode beizuwonen.
    Er erholete sich aber bald wieder / und brache damit die krankheit: daher /
von dem tag an / die årzte gute hofnung gaben / dass er wieder aufkommen würde.
Aryda wurde hierüber offentlich so erfreut /als wie ich es heimlich ware.
Nachdem ich etliche tage daselbst zugebracht / und auf die rukkehr gedenken
musste / besuchete ich noch einmal den Ahusat /wiewol in beisein der Aryda /
(damit ich von seinem anligen ihn nit ferner müste reden hören /) und vermanete
ihn / auf seine gesundheit wohl acht zu haben /damit wir ihn bald zu Ar wieder
sehen möchten. Er verhiesse mir dieses / und bliebe nun so vergnugt über meinem
bezeigen / dass er nach vierzehen tagen / sich schon bei volligen kråften sah /
das bette und die kammer zu verlassen. Weil aber die Philister / aus furcht für
dem Marsius / durch den Konig von Gerar /gleich nach der unglucklichen schlacht
/ die die unsrigen verloren / wieder waren abgefordert worden / als hegte mein
herrvatter nun auch einen sonderbaren groll gegen die Philister: weswegen
Ahusat / als er wieder bei hof erscheinen wollen / gewarnet wurde /solches
einzustellen. Der Aryda vatter täte ihm selbst diese warnung / und liesse / weil
er seine tochter an diesen edlen Philister getraut verlangte / ihm an die hand
geben / dass er sie nur nach Gerar solle abfordern lassen / wan es sein zustand
erheischen würde. Diese wilfärigkeit gefiele dem Ahusat so wenig / als müglich
ihm fiele / dieselbe zu erfüllen. Er hatte bisher dieser Aryda sich bedienet /
desto bequemer üm mich zu sein: nun ihm aber solches zu fehlen begunte /ward er
uberdrussig / ihrentwegen sich länger zu verstellen / und liesse ihr andeuten /
wiedass seine gelegenheit nicht erleiden wolle / sie zu ehlichen / wiewol ihr
vatter diese ehre ihm håtte antragen lassen.
    Als ich ihm erlaubet / in Milcoms tempel mich zu sprechen / erzehlte er mir
dieses alles: hinan fügend /wie er es für eine sünde hielte / sich länger also
anzustellen und wider seine wahre liebe zu handeln. Weil ich / bei seinen
gesunden tagen so ein mitleiden / wie in seiner krankheit / ihme zu erweisen /
nicht für notig hielte / als bezeugte ich ihm hierauf / dass mir nicht anstünde /
hiervon zu horen / und mochte er nun bässere ehrerbietung gebrauchen / als
ehmals / da die krankheit das bei ihm entschuldigen konnen / was nun die gesunde
vernunft anderst von ihm erheischte; und gelte mir im übrigen gleich / ob er der
Aryda liebe annemen oder ausschlagen wurde. Diese unvermutete antwort machte den
Ahusat so bestürzt / dass er verstummete / und nicht wusste / was er ferner sagen
sollte. Er erholete sich aber bald wieder / und mich tausendmal um vergebung
bittend / dass er gegen die mir schuldige ehrerbietung / gehandlet /
verpflichtete er sich mit tränen / fortin dessen gegen mir nicht mehr zu
erwähnen / sondern damit vergnugt zu sein /dass ich sein anligen wüste / und ihm
versprochen håtte / deshalben ein mitleiden mit ihme zu tragen. Weil er nun
allein dieses forderte / dass ich dabei beständig verharren möchte / versprache
ich ihme solches und vermanete ihn / sich eine weile zu entfernen: da vielleicht
die abwesenheit / dieser unmöglichen liebe ihn wurde konnen vergessen machen. Er
schuttelte hierüber das haubt / anzudeuten / dass nimmermehr einige vergessenheit
bei ihm statt finden wurde. Mir aber zu gehorsamen / bequemte er sich zur abreise
aus Ammon / name abschied von mir / und zoge ohn seumnis hinweg: mich / wan ich
es gegen euch gestehen darf / mit seinem gehorsam ja so unruhig /als die Aryda
verzweifelt und erzurnt / hinterlassend.
    Wenig tage nach seiner abreise / fand ich in meinem cabinet etliche zeilen
auf bast geschrieben / von denen ich nicht weiss / wie sie dahin gekommen /
welche also lauten:
Wär ich der erste mensch / was hätt ich doch zu klagen?
es würde dir geburt nicht fåsslen meinen muht.
Nun aber macht mein stand / dass ich nicht eins darf sagen /
was mir das rauhe gluck / aus abgunst / böses tut.
Aus dem inhalt konnte ich abnemen / dass Ahusat dieses geschrieben. Weil eben die
trostlose Aryda in mein gemach eintrate / besonne ich mich nicht sobald / diesen
zettel für ihr zu verbergen / sondern liesse ihr ihn sehen: die dann gleich die
hand erkannte / und von dem tage an / neben den ihrigen / mir aufsetzig zu werden
/ und mich wegen des Ahusat zu beneiden begunte. Wie sich den bald darnach eine
gelegenheit eräugete / ihre rache an mir zu veruben.
    Es käme in der zeit der Konig Marsius / mit seinen völkern / aus Moab wieder
zurücke / nach Basan zu gehen: da er dann / sein wort zu halten / den Prinzen
Daces mit den kriegsheer liesse furausgehen / er selbst aber mit wenig bedienten
uns in Ar zu besuchen / und den friedensbund zu vollziehen / sich ansagen liesse.
Das frolocke hierüber an unsrem hofe / war allgemein: wiewol mit dem
unterschiede / dass der König von Ammon / mein herrvatter / sich dieser
gelegenheit freute / den grossen Marsius in seine falle zu bringen; wir andere
aber an der grosmut eines so mächtigen nachbarn / der unser bundsverwander
werden wollte /uns unschuldiger weise ergezten. Wie nun Marsius /sich keines
bösen versehend / zu uns in Ar kame / da ihn der Prinz mein bruder / mit allem
mogligsten pomp einholen müssen: sah mein herrvatter diesen Konig nicht sobald
zwischen seinen ringmauren / da liesse er ihn unverantwortlich-tuckischer weise /
an statt königlicher bewirtung / in ein gefängnis verschliessen / und schriebe so
fort an die rebellische in Basan / Moab und auf der Ammoniter gebirge / dass sie
nun das joch der Teutschen vom halse werfen und ihme beispringen sollten / weil
er den Konig von Basan hätte in seine gewalt bekommen.
    Man kann ermessen / wie ich mich an diesen beginnen geårgert / und wie es
mich geängstet / dass / da dieser unvergleichliche held von mir hierzu beredet
worden / aus blosser grosmut uns den frieden zu schenken / ich nun ihm / zwischen
unseren mauren /mit solcher undankbarkeit musste begegnen sehen. Niemand von den
grossen in Ar leistete mir in diesem meinem unmut gesellschaft / als der einige
Prinz Baalis. massen alle die andern ihre gedanken nicht heraus liessen / und
teils / als bose statisten / ihres herrn ungerechtes beginnen gut und wolgetan
hiessen. Ich ginge mit meinem bruder lang zu raht / wie wir es möchten anfahen /
den grossen Marsius wieder zu befreien. Endlich gewonnen wir / nach vieler
bemuhung / die wacht / so vor dem gefångnus aufwartete / dass sie uns bei
nåchtlicher zeit hinein liesse / und uns vergonte / den Marsius hinaus zu füren.
Ich will hier nicht weitläufig erzählen / wie ich meinen vatter bei dem Marsius
entschuldigt / und ihn ersuchet / dass er dieses ja nimmermehr an Ammon rächen
wollte. Ich will nit sagen / mit welcher erkentlichkeit und danksagung er die
freiheit von mir angenommen / und mich versichert / dass er / um meint  willen /
ungeacht dieser unfreundlichen begegnis / solches nie anten wollte. Ich will nur
sagen / wie uns das gluck so wolgewolt / dass wir den Konig aus der stadt
brachten / sonder dass einiger mensch / auser der wacht / welche mit fort ginge /
dessen gewar worden.
    Als man am folgenden morgen erfure / dass der König von Basan nicht mehr
vorhanden wåre / wollte mein herrvatter über diesem verlust von sinnen kommen.
Keine bemühung und nachforschung wurde versparer / um zu erfaren / wie dieses
wäre zugegangen: wiewol alles vergeblich abliefe. Also sah nun Hanon seine
hofnung zu wasser geworden / samt allen den grossen anschlägen / die er mit den
Moabitern und Amoritern gemacht hatte. Uns kame bald hierauf die zeitung / wie
die ankunft des grossen Marsius / in Basan alles hätte anderst aussehen gemacht /
und dass sich nun iederman vor diesem grossen König demütigte / der zuvor / in
seinem ungluckstande / sich wieder ihn erhoben hatte. Weil man nun deshalben in
Ammon nicht unbillig einen krieg vermutete / als unwissend / dass Marsius mir /
sich nicht zu rächen /versprochen hatte / rüstete man sich hierzu mit aller
macht / und wurden nochmals wiewol vergebens / die Philister um hülfe
angeruffen: die aber solches abgeschlagen / aus furcht für den Teutschen / und
dieselben nit ferner zu reissen. Weil aber / wie gesagt / die rachgierige Aryda
nacht und tag dahin bemühet war /mir schädlich zu sein / indem sie mich für die
jenige hielte / die neben dem Ahusat sie betrogen hatte: als erforschete sie
endlich bei einer von meinen dirnen /dass ich die nacht / wie Marsius
hinweggekommen /mit meinem bruder heimlich und ganz allein nach dem ort der
gefångnis gegangen wäre. Dieses liesse sie alsofort / durch ihren vatter / dem
König hinterbringen /und brache es / auf fernere nachfrage / endlich heraus /
dass Baalis und ich des Königs von Basan erlösere gewesen.
    Ich gläube nicht / dass iemals ein grösserer grim einen menschen überfallen /
als wie der König bei sich befande / da er dieses vernommen: und bannete er auf
einmal alle våtterliche liebe so gar aus seinem herzen / dass er uns verrätere
des vatterlandes scholte /und in Rabbat / alwo damals die hofstatt war / in
gefångliche haft bringen liesse. Es wurde auch / um uns von der krone ganz
auszuschliessen / von einer anderweitigen verheuratung des Konigs geredet:
massen meine fraumutter fur längst gestorben und mein herrvatter bisher in
einsamen stand blieben ware. Weil uns in dieses unglück kein begangenes laster /
sondern vielmehr ein trieb der tugend gesetzet / als ertruge so wohl mein bruder
/ als ich / mit gedult / alles das / so uns deswegen widerfure.
    Es fugte sich / kurz hierauf / dass unser vetter / der Hadoran von Moab / aus
Elam zu dem Konig nach Rabbat kame / und ihn um hulfe ersuchte / sein grosses
vorhaben wider Moab ins werk zu richten: welches ihm auch zugesagt / und alle
anstalt / Rabbat Moab zu überfallen / gemacht wurde. Diesen nun jammerte meines
bruders und meiner: daher er uns /fast auf gleiche art / wie wir dem Marsius aus
Rabbat / darvon halfe. Wir schieden uns vor der stadt: da Baalis den weg nach
Basan vor sich name / ich aber nach Tyro zu unserer mutter brudern reisete.
    Weil es aber an selbigem hof mir also ergienge /dass iederman mich ansah /
als eine unglucksfakel /die leicht ihr land in kriegesbrunst setzen können /
befande die Königin Delbois für gut / mich nach Babel zu ihrer schwester zu
senden: dahin ich auch / mit der Timna / reisete. Mein herrvatter hatte diese
meine reise ausgekundschaftet / und mich bis in Mesopotanien verfolgen lassen:
da der Aryda bruder / welcher diese nach mir ausgesandte gefuret / mich antraffe
/auch bei nahe hinweg bekommen / wan nicht mein gutes gluck den Prinzen
Abimelech und den Ahusat mir håtte zu hülfe geschicket. Diese nun erretteten
mich / von ihnen / und brachten mich sicher nach Babel: worbei der erfreute
Ahusat mir bezeugte / wie dass er / ungeacht er nichtes sagen dorfte / dennoch
seine alte gedanken gegen mir beständig hegte.
    Wie es mir hierauf in Babel / folgends in Ninive /und letzlich hier in
Syrien / diese jahre her / ergangen / solches ist nicht wert zu erzählen. Es mag
ungefär in den vierten mond gehen / dass Ahusat das leztemal bei mir in Damasco
gewesen: da er / auf sein inständiges ansuchen / und unverdrossenes bemuhen /
endlich diese erklårung von mir erhalten / dass / wan er ein Prinz sein mochte /
keiner in der welt vor ihme den vorzug bei mir haben sollte. Ich hatte hiermit
verliebten ritter in seinem betrübten gemüte dermassen aufgerichtet / dass er
ganz wolzufrieden / hinweg schiede: ob gleich / in dieser meiner erklärung /
nichts verbündliches entalten / war; das sich dann ietzund zu tage gibet / da
Abimelech das in einem augenblick /wornach der arme Ahusat so viel jahre
vergeblich gestrebet.
    Nun aber auf diese unvermutete anwerbung zu kommen / so sollet ihr wissen /
dass / wie man mir gestern berichtet / die mishelligkeiten / zwischen Ammon und
den Philistern / bisher noch immer gedauret: bis letzlich beider Kronen bediente
sich dahin bemühet / durch eine heurat zwischen dem Prinzen Abimelech und mir /
das alte vertrauen nicht allein wieder aufzurichten / sondern auch / mit andern
Canaanitern / wider den tyrannischen Beor einen neuen bund zu schliessen: weil
sie dessen erhebung uber die andere Canaanitische Könige / nicht länger gedulten
wollen. Dieses ist ihnen nun geglucket / und hat mein herrvatter sich bequemet /
in betrachtung des Prinzen Abimelech / meinen bruder und mich wieder zu kindern
aufzunemen: welches dann verursachet / diese gesandschaft hieher abzuordnen. Nun
sehe ich im geringsten kein mittel / dieses zu verhintern: weil hieran / nicht
allein mein einiges und höchstes Glück / sondern auch die wolfart von Ammon / ja
von auch ganz Canaan / hånget und beruhet. Ich weiss wohl / dass Abimelech / nicht
aus liebe / sondern aus andern stats-ursachen / mich heuratet: daher ich / wan
ich es sagen darf / lieber wollte / dass Colidiane meine stelle vertråte. Ich kann
aber nicht nach meinen wunsch hierinn verfaren / sondern mus bloss meinem glücke
folgen /und die augen für den armen Ahusat zutun: den ich nie angenemer noch
mir lieber zu sein befunden habe / als diese wenig stunden / da ich erfaren /
dass ich dem Philister-Prinzen verlobet hin / und selbigen nun lieben muss. Sehet
demnach / liebste Fürstin! wie mit nur mein verhångnis spielet: da es mir
allemal zu wenig oder zu viel angeboten / und nun / mich unversehens aus der
tiefsten ernidrigung erhebend / in ein Glück setzet / welches mir meine ruhe
rauben / und mir dartun muss / dass nicht der stand / die hoheit oder ehre / des
herzens ruhstand mehre.
                                     * * *
    Sie beschliessen ihre erzehlung (sagte hierauf Mehetabeel / als Ammonibe
aufgehort zu reden /) mit einem reim: und zeigen damit an / dass nichtes / als
dieses / wie es nun gekommen / sich bässer fur die Prinzessin von Ammon gereimt
hätte. Dieses ist von mir unwissend geschehen: (gabe Ammonide zur Antwort /)
massen meine sinne iezt nicht so aufgeraumt sind / verse zu stellen. Wozu dienet
aber diese unruhe? (sagte Mehetabeel) Ich sehe nicht / worüber meine Prinzessin
sich hierbei sonderlich zubeklagen habe: da sie ja alle die gedanken gegen den
Ahusat behalten dorfen / die sie vordeme gegen ihm geheget /sonder dass dem
Abimelech darin einiger abbruch widerfare. Ach Mehetabeel! (sagte Ammonide) mich
jammert nicht allein des armen Ahusat / welcher hierbei viel verlieret; sondern
auch ich leide verlust /indem ich gegen ihm die gedanken nicht mehr hegen darf /
die mir sonst von ihm beigewonet. Diese lezte worte begleitete sie mit vielen
seufzern: woraus dann erschiene / dass diese Prinzessin den Ahusat håftiger
liebte / als sie selber bisher vermeint. Es ist je wahr /(sagte Mehetabeel) dass
keine vergnügung einem menschen in dieser welt bescheret sei: massen das
allergroste gluck immer ein Aber mit sich furet / dass den genuss bitter machet.
Wåre es nicht iezt um den Ahusat zu tun / was hätte meine Prinzessin fur
ursach zu klagen / da sie / durch heuratung des weltberumten Prinzens der
Philister / sich nicht allein in ihres vatters gnade wieder setzet / sondern
auch dem ganzen Canaan dadurch einen dienst erweisen kann.
    Woher komt es aber immermehr / (fuhr diese Fürstin fort / zu fragen) dass der
mächtige König von Basan meine Prinzessin so hülflos gelassen / und nicht einmal
/ in diesen jahren / als sie aus Ammon sein mussen / nach ihr gefraget / da sie
doch allein seinet wegen alle diese verfolgungen ausgestanden? Ach! dieser
unvergleichliche König (antwortete Ammonide seufzend) hat ofters seine hulfe
wider Ammon mir anbieten lassen / wan ich sie nur hätte annemen wollen / und so
lang er gelebet / sich iederzeit meinen sonderbaren freund erwiesen. Ist dann
dieser Konig nicht mehr im leben? (fragte Mehetabeel ganz begierig) und
welchergestalt mag dann dessen tod sich begeben haben? Ich darf von diesen dingen
/ (sagte Ammonide) wegen eines harten eides / der mich bindet /nichtes melden:
darum dringet nicht ferner in mich /und seit damit zu frieden / dass ihr wisset /
dieser grosse König sei nicht mehr unter den lebendigen.
    Sie stunden hiemit beide auf / weil die Ammonitische gesandten / wie auch
die Fürsten Husan und Taxe / neben der Perseis / Casbiane und Merene /dazu
kamen / und dieser braut des Prinzens der Philister aufwarten wollten: massen sie
nun iederman feirete und verehrte / da ihr das Glück so gutig sich erwiese. Weil
Ammonide von der Perseis verstunde / dass ihre Konigin sich diesen tag nicht
würde sehen lassen / als stellte sie ihr vorhaben ein / nach deren palast zu
gehen / und begabe sich / wie sie noch eine weile bei der gesellschaft
verblieben / nach ihrer wonung / alda alles zu ihrem aufbruch bereit gemacht
wurde. Wie dann / sowol die Ammonitische gesandten / als die von Gerar / stark
darauf drungen / dass sie / wegen der kriegs-unruhe in Syrien / ihre abreise
beschleunigen mochte: weswegen auch der folgende tag hierzu benamet und
angesetzet wurde.
    Weil durch ganz Aroer / das gerüchte von dieser heurat erscholle / als war
die Timna nicht die lezte /so hiervon nachricht erhielte. Wiewol sie nun sich
unpåslich befande / welches sie verhintert hatte / dass sie in etlichen tagen
nicht zu ihrer Königin gekommen: so vermochte sie doch / nach dieser erhaltenen
zeitung / nicht länger der kammer zu hüten / sondern eilete /so matt und schwach
sie auch war / gegen abend zu ihrer Königin. Sie fand dieselbe im bette / und
wurde gleich vorgelassen / da doch sollst iederman abgewiesen worden. Ihre
bestürzung liesse sie kein wort herfur bringen / weil sie die schone Konigin so
entstellt fand / dass mitleiden und schrecken sich bei ihr zusammen gesellte:
daher sie / sonder die gebürende ehrerbietung in acht zu nemen / auf einen
sessel niederfiele / und also ihre Konigin mit unverwandten augen ansah. Was
dünket euch / Timna! (hube diese schone an zu reden) um euren Abimelech / dessen
wort ihr ståts bei mir so treulich geredet? hättet ihr euch wohl muglich
einbilden konnen / dieses zu erleben / was nun geschehen ist? Ach gnädigste
Königin! (antwortete Timna) ich glaube es noch nicht / ja es ist unmüglich / dass
Abimelech sein selbst sollte so gar vergessen haben. Inzwischen aber / dass ihr
daran zweifelt / (sagte die Konigin) ziehet Ammonide zu dem Prinzen / und wird
an ihn getrauet.
    Als die Timna / vor verwirrung / hierzu nichtes redte / fuhre uber eine
weile die Konigin also fort. Erinnert ihr euch noch wohl / als die Prinzessin von
Ammon neben euch nach Babel kame / wie sie sowol als Abimelech errotete / als
der Konig von Assyrien mit diesem Prinzen scherzte / dass man für ihn diese
schone Prinzessin fleissig aufbewaren wollte? Solte nicht schon damals Ammonide
das in der tat besessen haben / wozu ich den namen herleihen müssen? Ja wisset
ihr auch noch / wie sie mich verraten / und dem Belochus entdecket / dass
Abimelech bei uns in eurem zimmer gewesen? Ach wie war ich doch so gar blind
/dass ich diesem betrieger geglåubet! und schmerzet mich nun nichts mehr / als
dass ich ihn geliebt habe. Bedenket / Timna! in was unschuld ich mit ihm gelebet
/ und wie ich ihme mich vertrauet: massen ich noch gestern ihn allen meinem
Fursten und haubtleuten fur einen General furgeschlagen / in Meinung / ihn zum
König von Syrien zu machen. Nichtes geht mir so nahe / als der schimpf / dass
Abimelech nun über mich mit seiner Ammonide frolocken soll /und bin ich deswegen
mir selber feind: und eben darum bin ich so schwach / indem ich dieses zu herzen
fasse. Hat dann der Prinz / (fragte Timna) dieses sein beginnen / bei E. Maj. gar
nicht entschuldigen lassen? Nicht ein gruss / (antwortete die Konigin) nicht ein
wort / ist mir von ihm angebracht worden. O grausame undankbarkeit! (rieffe
hierauf Timna). Ich erstarre / wan ich diesem recht nachdenke / und finde nicht
das allergeringste / womit ich diesen Prinzen entschuldigen konnte. Wåre ihm
etwan / durch ein falsches geschrei / etwas widriges von seiner Konigin zu ohren
gekommen / so hätte er doch nicht also zufahren / sondern bässere erkundigung
einziehen sollen. Er hat ja so viel tausend proben E. Maj. unvergleichlicher
treue und grosmutiger tugend erlebet / dass er billig keinem argwan / wan er ja
einen fassen konnen /hätte gehör geben sollen.
    Ach! Timna / Timna! (sagte die Konigin) euer böser anschlag / die Aramena
betreffend / und eure verschwiegenheit / da ihr den Prinzen / euren vettern /in
meinem frauenzimmer gewust / und mir es nicht geoffenbaret / sind wohl grosse
schulde mit / dass es also ergangen ist. Diese entfindliche fürruckung sezte die
Timna halb in verzweiflung: daher sie / voll tränen / vor dem bette
niederfallend und der Konigin füsse kussend / dieselbe inständig bate / dass sie
doch solche todende worte gegen ihr nicht mehr gebrauchen wollte. Es mag
vielleicht (täte sie hinzu) eher dem Abimelech zu ohren gekommen sein / dass
Elihu sollen Syrischer Konig werden: weswegen er zu solch einem
unvetantwortlichen beginnen sich entschlossen. Weil die Konigin wohl warname /
dass die gute Timna ohnedas wegen ihres Eliphas hochstbetrubet war /wollte sie
nicht leiden zu leiden setzen / hielte ein mit diesem vorwurf / und versicherte
die Fürstin / dass sie ja so sehr / wie vordessen / sie liebte und sich ihr
vertrauen wollte.
    Als nun diese trostworte die Timna wieder aufgerichtet / redten sie beide
ferner von diesem fromden handel / und sagte unter andern die Konigin: Ich muss /
zu meinem eignen leide / auch das entfindliche anligen meiner liebsten Colidiane
mit fulen / welche nicht zu trosten ist / dass Abimelech sie also verlassen. Ich
hätte heut ihr zum trost eröfnet / wie ich so wohl / und vielleicht mehr als sie
betrogen worden: wan nicht diese schwachheit mir wäre zugestossen / die mir
verbietet / vom bette zu kommen. Ich habe auch so viel nachricht von ihr / dass
sie heut noch kläglicher / als gestern / sich gebården soll. Dieser betrieger ist
nicht wert / (sagte die unwillige Timna) dass seinetwegen so edle tränen
vergossen werden. Ich weiss auch / es werden E. Maj. ohn mein erinnern / diese
untreu mit verachtung und vergessenheit belonen.
    Ach Abimelech! (sagte hierauf die Königin bei sich selber) must du nun den
namen eines betriegers davon tragen / da du jedesmal in solchem tugend-rum
geschwebet? wie mag dieses doch immer zugehen? Scheinet es doch / der himmel
habe / mich zu straffen / verhängen wollen / dass du / ô ehemals liebwurdiger
Prinz! hast müssen aufhoren zu sein / was du sonst allezeit gewesen bist! Doch
was gedenke ich? (finge sie uber eine weile an / mit stårkerer stimme /)
nimmermehr hat in dir wahre tugend gewonet: dann diese ist unendlich / und
bleibet / wo sie einmal sitz genommen. Darum leget man dir billig den namen zu /
dass man dich einen betrieger nennet. Aber wie? vielleicht ist dein kindlicher
gehorsam hieran schuldig / dazu ich dich ja selber so oft ermanet / der dich nun
zwinget die Ammonide zu ehlichen? Wol! diese pflicht mag so weit gelten / als
sie kann: sie håtte dir aber nicht verwehren konnen / mir vorher darvon nachricht
zu geben. Nein! Nein! es ist allzu klar / (fuhre sie fort) dass du schuldig bist.
Du hast meine verachtung und meinen hass verdienet: die sollen dir auch / weil
ich lebe / ja so beståndig / als ehmals meine liebe /verbleiben. Timna horte
alle diese harte worte der schönen Konigin / und befande sich selbst so
verbittert über den Abimelech / dass es ihr eine grausame freude war / diese
Entschliessung zu vernemen: welche sie auch mehr befästigen halfe / als
widerriete.
    Indem wurde der Königin leibarzt angemeldet /welcher / als er furgelassen
worden / ihren zustand /seit selbigen morgens / gar nichtes verbåssert fand. Er
wusste zwar nicht eigentlich ihr rechtes anligen /konnte aber wohl so viel
mutmassen / dass ein grosser schrecken diese verånderung in ihrem leibe musste
verursachet haben. Demnach riete er der Königin / die warme båder unsern von
Aroer zu gebrauchen / und zwar je eher je båsser. Die Königin entschlosse sich
/diesem rat zu folgen / und die furgeschlagene Cur nåchster tagen anzusahn.
Weil der Colidiane zustand mit dem ihrigen gleichformig war / als wollte sie
dieselbe auch mit darbei wissen. Demnach / als sie folgenden tags sich etwas
stärker befande / fuhre sie zu dieser trostlosen Prinzessin / die nun wieder in
ihren eignen verordneten palast sich hatte bringen lassen. Sie traffe vor ihrem
bette bei ihr an / die Königin von Salem / neben der Prinzessin Jaelinde: welche
beide dieser betrubten mit trost zusprachen / und deren leiden mit ihrem
erbärmnis vergesellschaften halfe. Weil der Königin von Syrien unpässligkeit so
kündig als kentlich war / bezeigten Colidiane und die andern /desto höhere
erkentlichkeit wegen dieser besuchung /und urteileten daraus die herzliche liebe
/ so die Konigin zu dieser Prinzessin tragen musste.
    Ich komme / allerliebste Colidiane / (begunte diese schöne Aramena sie
anzureden) in der hofnung / euch stärker als vor zween tagen zu sehen / und
wollte erfreuet sein / wan ich von euch hören mochte / dass ihr des Prinzen von
Gerar vergessen håttet. Vergessen! (rieffe Cölidiane) ach weh! wie ist das
muglich? Ich liebe den Abimelech / ungeacht seiner untreue / und will ihme dieses
leid nicht gönnen / dass durch meinen hass sein gewissen / ihn zu quälen /
aufgereget werde /weil ich zu dieser ånderung ihm keine ursach gegeben. meint
ihr dann / (sagte die Konigin / sich zu ihr auf das bette setzend) dass Abimelech
euch betrogen? Ach! ich habe vielmehr ursach / als ihr / mich uber ihn zu
beschweren? Ich laugne es nicht mehr / Colidiane! Abimelech und ich haben
einander von kindheit auf geliebt / und täte er mir viel tausend versicherungen
/ mir allein treu zu verbleiben. Eure gewogenheit gegen ihm / die er mir
iedesmal also beschrieben / als wan sie ihm sonder sein zutun wiederfaren wåre
/ hat er zwar stäts in meinem beisein hoch erkennt / und dabei beklaget / dass
seine liebe zu mir ihm verwehrte / dieselbe der gebur nach anzunemen. Ich spüre
aber nun wohl / dass er mich so wenig / als euch gemeinet. Weil ich es eine sünde
zu sein erachtet / euch dieses in die länge zu verhalten / habe ich immerzu euch
erofnen wollen / dass Abimelech mich liebte. Es hat mich aber alles mal getauret
/ da ich eure unschuldige und häftige liebe gesehen / euch damit zu betruben:
bis ich endlich / vor etlichen tagen / den fästen schluss gefasset / euch in
dieser unwissenheit nicht långer stecken zu lassen. Die unvermutete begebenheit
aber mit der Prinzessin von Ammon / ist meinem fürsatze zuvor gekommen: dass also
/ nicht ich / sondern sie euch / allerliebste Colidiane! andeuten mossen / dass
Abimelech ein unbeständiger liebhaber und der gewogenheit unwürdig sei / die ihr
in eurer unschuld / und ich in meiner einbildung / ihme zugewendet. Vergesset
demnach / gleichwie ich tue /dieses Prinzen / und gönnet ihm nicht / dass er mit
seiner Ammonide uber uns honlåchlen könne.
    Colidiane wurde gleich einem steinernen bilde / als sie diese unverhoffte
mähre von ihrem Abimelech horte: und vermeinte sie anfangs / als ob die Konigin
von Syrien mit ihr scherzte. Wie sie aber die häftigkeit / neben dem traurigen
wesen / dieser schonen Aramena erwogen / musste sie solches glåuben. Demnach
schluge sie beide hånde gen himmel / und sagte: Ach mein Gott! du weist / mit
was unschuldigem reinen herzen ich den Abimelech geliebt / und wie ich mich im
geringsten nicht versehen konnen / solche dinge zu horen. Ich will aber fortin
in meinem klagen ganz geheim sein / da die schönste Königin der welt also
betrogen worden / und mich allerdings bemuhen /ihrem grosmutigen beispiel
nachzufolgen: nur dieses ausgenommen / dass ich des Abimelech vergessen sollte /
welches mir leider unmuglich fållet / massen ich ihn / bis in den tod / beständig
lieben werde. Woher kommet doch / in euch kinder von Caphtor / (finge die
Konigin von Salem hierauf an) diese sonderbare beståndigkeit / mit der ihr auch
die unmügkeit zu uberwinden gedenket. Jaelinde / eben also gesinnet / liebt
einen todten / und Colidiane einen lebendigen: von denen sie nun beiderseits
wissen / dass ihre liebe nicht angenommen worden.
    Als Jaelinde / über diesen worten / von der schönen Konigin angesehen wurde
/ sagte sie: Ich scheue mich nicht / dieses zu gestehen / dass ich den edlem
Cimber in seinem leben / und auch nun nach seinem tode / geliebt / ob gleich
eine viel wurdigere / als ich bin /sein herz eingenommen. Ich will auch bei
dieser gelegenheit / nicht bergen / dass eben diese die Konigin von Syrien
gewesen / die er mit der ehrerbietigsten liebe von der welt angebetet und
verehret. Was saget ihr / Prinzessin von Caphtor? (fragte die Königin) wan ihr
kentnis von dieses Prinzen begebenheiten habt / so werdet ihr ja wissen / an
welchem ort er geliebt. Ich merke wohl (antwortete Jaelinde) dass E. Maj. die
Prinzessin Hercinde meinen. Es ist aber anders nicht / als wie ich melde: des
Cimbers eigener mund / und die nach seinem tode gefundene schriften /beståtigen
die warheit meiner worte. Der Königin kamen diese reden der Jaelinde sehr fromd
für / und wusste sie nicht was sie hierzu sagen sollte. Mitlerweile sie nun
hieruber in tieffen gedanken bliebe / eilte Jaelinde nach einem cabinet / aus
welchem sie ein lädlein mit allerhand schriften herfürlangte / solches der
Konigin überreichte / und sagte: Diese gedichte / und was sonst in diesem
kåstlein entalten / habe ich /nach dem trauerwurdigen tode dieses Prinzen / in
seinem gemache gefunden / und zu mir genommen; des vorsatzes / es E. Maj.
dereinst zu ubergeben / und den edlen Cimber noch damit zu vergnügen / dass seine
Königin nach seinem tod erfahre / wie sehr er sie geliebt. Könte ich ein
erbarmen / ja noch mehr als etwas solches / in E. Maj. herzen hiermit zu wege
bringen / wollte ich solches mir zum troste dienen lassen / dass ich eine so
unvergleichliche mitbulerin bei meinem todten überkommen.
    Ich habe diesen grossen Fursten (erwiderte die Konigin) iederzeit so hoch
geachtet / indem ich ihn für des Adimelech freund / nicht aber fur seinem
mitbuler angesehen / dass ich nicht wusste / wie ich iemanden meine vertreuliche
freundschaft vollkommener zuwenden könnte: niemals aber habe ich etwas von deme
gemerket / wessen ihr mich überreden wollet. Wan mir vergönt ist / die
übergebene schriften zu durchsehen / will ich künftig mich erklären / wie weit
meine beglaubigung diese nachricht vermoge anzunemen. Wie nun Jaelinde der
Königin dieses lådlein uberlassen hatte / sagte Cölidiane: E. Maj. sehen / wie
die beide unglückselige kinder von Caphtor / die groste und schonste Konigin der
welt zu ihrer mitbulerin zu haben / bestimmet sind; wiewol Jaelinde verhängnis
darin båsser ist / als das meinige / dass sie ihren Cimber nicht in solcher
ungnade / als ich den Abimelech /bei E. Maj. wissen darf. Wan Cimber noch lebte
/(antwortete die Konigin) würde er sich über des Abimelech beginnen halb todt
verwundern: massen dieser Prinz allemal des andern sein vertrauter und
unterhändler in seiner liebe / keineswegs aber sein mitbuler / gewesen. Also kann
ich nun nicht vermuten / dass mir mit fug der name einer mitbulerin bei der
Jaelinde konne beigelegt werden: gleichwie ich solchen hingegen / bis ietzund /
bei der Colidiane getragen / nunmehr aber davon befreit / mit desto ruhigern
gemute meine liebste Prinzessin lieben werde. Dieses sagend / bückte sie sich
zur Cölidiane / und kussete sie herzlich: welche / so betrübt und verstort sie
auch über allem dem war / so sie von ihrem Abimelech erfaren /dannoch mit
innerstem vergnügen diese liebkosungen ihrer so werten Konigin anname / und ihr
gleiches mit gleichen erwiederte.
    Die verständige Konigie Eurilinde / diese edle und betrubte gesellschaft von
ihren traurigen gedanken ein wenig abzubringen / brachte hierauf andere dinge
auf die bahn / und veranlasste / dass so wohl die Königin von Syrien / als die
Colidiane / an ihr begehrten /ihren und des Melchisedech lebenslauf ihnen zu
erzählen: welches sie / wie sie der Jaelinde vordeme getan / verrichtete; womit
dann die zeit verliefe / in welcher ihre zuhorerinnen der betrachtung ihres
eigene leidens anstand geben mussten. Weil nun Eurilinde /wie sie von dem
Ammonitischen gesandten verstanden / zu ende ihrer erzehlung mit hinan fügte /
dass iezt die meiste Könige in Canaan / einen bund wider den Beor zu machen / und
den Melchisedech zu erlösen / im werk begriffen wåren / sagte die Konigin von
Syrien: Es wird zweifelsohn dieser bund eine ursach mit sein / dass der Prinz von
Gerar die Entschliessung gefasset / die Ammonide zu ehlichen. Sein gehorsam
(versezte Colidiane) mag ja wohl hieribei das gröste verrichten: doch weiss ich
für ihn keine entschuldigung / wan ich glauben soll / dass E. Maj. von ihme sind
geliebt worden. Dass er stäts ein solches vorgegeben / (widerredte die Königin)
ist ganz gewiss / wie auch dass er es mich gläuben gemacht. Ob aber iemals sein
herz dabei gewesen / daran muss ich nun zweifeln / weil alle ümstände ein anders
anzeigen.
    Ach allerliebste Konigin! (sagte Cölidiane) was hatte ich dann verschuldet /
dass man mir nicht eher entdecken wollen / wie ich mich in meiner liebe betroge?
da nun diese liebe in mir so fäste wurzeln gesezt /dass / ungeacht des Abimelech
untreue / ich doch nicht von ihm lassen / noch ihn hassen kann. Hätte dieser
Prinz zu Salem mir gesaget / wie er bei der schonsten Konigin der welt in
gunsten stünde: so wollte ich gut zeit abgelassen haben / mir die einbildung zu
machen / die nun in mir eine ewigwärende unruhe erwecken wird. Wie hat dieser
Prinz (antwortete die Konigin) meiner Prinzessin seine liebe gegen mir entdecken
können / da er dieselbe niemals im ernst gehabt? Dass aber ich damit verschwiegen
gewesen / daran ist allein mein mitleiden schuldig: welches ich doch endlich
überwinden wollen / in dem ich nach Cus den eigentlichen verlauf geschrieben /
so aber meiner Prinzessin nicht ist zu handen gekommen. Ach dass dann (rieffe die
betrübte Colidiane) diese briefe sind verloren worden! lieber wollte ich ja
meinen Abimelech E. Maj. als der Ammonide / gegonnet haben. Und ich (widerredte
die Königin) gönne ihn niemanden weniger / als euch: weil seine leichtsinnigkeit
ihn / die vollkommene Cölidiane zu besitzen / unwurdig machet. Colidiane
beseufzete dieses / sonder zu antworten. Weil es aber bereits spat worden war /
auch die Konigin wohl fulete / dass ihre schwachheit ihr nicht långer gonnen wollte
/ vom bette zu bleiben / name sie abschied von der Prinzessin / wie auch von der
Königin von Salem und der Jaelinde: nachdem sie zuvor mit ihnen abgeredet / dass
sie in zwee tagen miteinander nach den warmen bädern reisen wollten / allwo
Jaelinde die Cur mit anzufahen sich erklärte. Hiermit begabe sich die Königin
wieder in ihrem palast / da sie den Husan fürfunde / der ihr anmeldete / wie dass
der Nahor mit dreitausend Syrern im lager glucklich angekommen wäre; welche post
sie zur andern zeit wurde erfreuet haben: nun aber war sie so in ihrem gemüt
verwirret / dass sie alles gleich wenig achtete /auch / des Nahors bericht
anzuhoren / bis auf den andern Tag verschobe.
    Selbiger Tag war zur abreise der Ammode bestimmet: und weil nun den Prinzen
Abimelech alle Syrer und Niniviten fur ihren General hielten / wollte ein jeder
dieser seiner braut eine sonderbare ehre bei ihrem abzug erweisen. Die gassen in
Aroer waren alle mit teppichen und blumen bezieret / alwo sie herdurch kommen
sollte. Das getan  der trompeten / harffen /pauken und pfeifen erschallte
überall: und weil selbiges / so wohl die Konigin von Syrien / als die
hochbetrübte Colidiane / aus ihrer ruhe gebracht / da sie beide erst gegen den
morgen eingeschlummert waren /erinnerten sie sich der gluckseligkeit ihrer
mitbulerin. Dieses nun verdoppelte ihre schmerzen / und risse ihre tieffe wunden
von neuem auf: also dass sie nicht anders dünkte / als ob sie eine todenmusik
vernämen /die alle ihre freude zu grab bringen sollte. Niemals war Abimelech der
Königin von Syrien in ihren gedanken so angenem und gefällig fürgekommen / als
diesesmal / und stellten ihre sinne ihr auf einmal vor /alle die
geschicklichkeiten dieses Prinzen / und was er sein leblang ihr für proben
seiner wahren liebe erwiesen: daher ihr das noch unglåublich fiele / was sie
nunmehr von ihm erlebet / und liesse sie / auf etliche minuten / die liebe wieder
in ihr wirken / die sie sonst gånzllich verbannet hatte.
    Als indem die Perseis kame / und sie berichtete /wie die Ammonide / abschied
zu nemen / sich anmelden liesse / und sie sich erinnerte / dass diese ihr raubte /
was sie fast durch ihre ganze lebenszeit so herzlich geliebt: stunde sie lang
bei sich an / ob sie dieselbe sollte fur sich kommen lassen. Endlich uberwunde
sie sich / und befahle / ihr ein lädlein auf das bette zu bringen: aus welchen
sie verschiedene sehr kostliche kleinodien hervorlangte / die ihr alle der
Abimelech ehmals geschenket hatte / mit denen sie die Ammonide begaben wollte.
Sonder tränen / so hart sie sich auch hielte / konnte sie von diesen teuren
pfanden ehmaliger liebe nicht abscheiden. Es ware unter andern darbei / des
Prinzen Abimelech bildnis / in einer diamanten-schachtel verwaret: welches sie
offnete / und mit verwunderung die diesem Prinzen aus den augen herfürleuchtende
treu und aufrichtigkeit betrachtete /welche er doch nun nicht an ihr erwiesen.
Sie verschlosse es aber geschwind wieder / weil sie entfande / dass ihr hass gegen
ihm sich verminderte / ie länger sie ihn ansah. Endlich sagte sie zu diesem
todten bilde: Nun gute nacht / Abimelech! lebe wohl! ich banne dich hiemit ewig
aus meinen augen und gedanken.
    Nach diesem gesprochenen endschluss / liesse sie der Ammonide sagen / dass sie
wohl zu ihr kommen möchte. Selbige erschiene nicht lang hernach / und name ihren
abschied: welcher in demütiger danksagung für alle genossene gnade bestunde /
zugleich sich und ihren Abimelech ihrer Königlichen hulde ferner entfelend.
Nachdem die Königin solches mit wenig worten beantwortet / gabe sie der Ammonide
die kleinodien / sagend: Sie mochte die für ihre geleistete aufwartung annemen /
und sie ihr sonders lieb sein lassen / weil sie meist von ihrem Prinzen herkäme
/ der sie ehmals damit in Babel beschenkt håtte. Ammonide / uber der
köstlichkeit dieser kleinodien ganz verblendet / wusste nicht worte gnug zu
finden /ihre danksagung abzulegen und schiede mit tränen hinweg: da in der
Konigin vorgemach / die Prinzessinen Aramena / Danede / Ahalibama / wie auch die
Mehetabeel / Perseis / Dersine / Casbiane / und das gesamte frauenzimmer / neben
allen anwesenden Prinzen und rittern / ihrer warteten / um sie aus der stadt
hinaus zu begleiten / wie solches die Konigin sonderlich begehrt hatte. Weil
aber Ammonide zuvor auch von der Konigin von Salem abschied nemen wollte /als
fuhren sie vor deren palast fürüber / und stiegen daselbst ab: da ihr dann alle
hoflichkeit von dieser Konigin wiederfure / welche ihr ihres liebsten
Melchisedech angelegenheit aufs båste anbefahle. Jaelinde /die sich von ihrer
halb-todten schwester ein wenig abbegeben / um zu verhintern / dass Ammonide
nicht zu ihr käme / entschuldigte die Cölidiane / wegen ihrer grossen
unpäslichkeit: daher Ammonide / ihren grus und gute nacht an sie / der Jaelinde
anbefole / und damit / neben den gesandten / und der ganzen gesellschaft / aus
der stadt hinweg schiede / ja so unruhig und verwirret in ihrem gemüte / als wie
sie ihre beide schönste mitbulerinnen in Aroer hinter sich verliesse. Unter
diesen war sonderlich die Prinzessin Colidiane in so schweren zustand geraten /
dass die onmachten /deren eine nach der andern ihr zustiesse / den anwesenden
nicht geringe sorge für ihr leben verursachten.
    Bei der Königin von Syrien war nun der fürsatz fäst gestellet / nicht mehr
an den Abimelech zu gedenken. Und ihre gedanken von ihm desto eher abzuziehen /
liesse ihr das lädlein mit des Cimbers schriften langen / das ihr von der
Jaelinde war zugestellt worden. Wie sie nun solches durchsuchte / fand sie
darin nicht allein verschiedene beschriebene täfelein und zettel / sondern auch
mit hochster verwunderung / ihr eigenes bildnis / welches dem jenigen gleich
sah /dass ehmals in Ninive / bei des Ninias angestelltem ritterspiel / ein
frömder ritter davon gebracht und gewonnen hatte. Sie gedachte bei sich selbst /
ob dieser Fürst wohl mochte der ritter gewesen sein: konnte es aber / allen
ümstånden nach / unmüglich glåuben. Sie besah hiernåchst einen zettel von bast
/ der um dieses kleinod gewunden war / und sie folgendes lesen liesse.
                Uber das bildnis der unvergleichlichen Delbois.
Nichts sterbliches hat dieses werk gemalet:
vom himmel schiest der blitz hier selbst herein /
der wunderbar aus diesen farben stralet.
drum wird es ja die Isis müssen sein.
weil die sich dann in diesem bilde zeigt:
besturz' ich nicht / dass sie die freiheit beuget.
    Weil die Celten und Teutschen / die heilige jungfrau / unter den namen der
Isis / verehrten / als begriffe die Konigin leicht / was den Cimber / ihr diesen
namen beizulegen bewogen hätte. Als sie ferner suchete / kame ihr folgendes in
die hände.
                     Wahre liebe / und treue freundschaft.
Die treue freundschaft steht der wahren lieb zur seiten:
hält solche ab / wo sie sich lassen wolt verleiten.
ohn sie die andre stund geblendet und verstort!
sie ofnet ihr das aug / dass sie selbst in sich kehrt /
und folget der vernunft. Ist diss schon fromd geliebt:
so wird jedoch dadurch die wahre lieb geubet.
    Die schöne Konigin erinnerte sich ganz wohl / dass der edle Cimber stäts eine
solche liebens-art von sich hatte blicken lassen: die sie aber allein auf die
Prinzessin Hercinde / und nicht auf sich selst / deuten können. Wie sie ferner
nachsuchete / zeigte sich ihr folgendes:
                         Beweis / dass er heftig liebe.
Ob meine lieb schon suchte gegenliebe:
wird doch mein stand darum nicht bässer sein.
Wan sie mich gleich zu was unmuglichs triebe:
fänd ich doch nicht die mindrung meiner pein.
Und ob ich schon ein solches nicht verube:
folgt nicht / dass ich sei in der liebe klein.
Die glut / die sich hålt in der kluft zu sammen /
feurt wohl so scharf / als da man siht die flammen.
    Von diesen reimen vermutete die Königin / dass sie Cimber wurde auf die
ihrigen gemacht haben / die sie ihm vor ungefär sechs wochen / zu Damasco im
garten / zu lesen überlassen. Also wurde sie immer begieriger / die folgende
täfelein zu durchsehen / üm ferneres licht von deme / das sie unmuglich glauben
konnte / zu erlangen: da dann das vierte also lautete.
              Klage / dass er lieben müsse / und nicht lieben könne.
Womit hab ich verschuldt / ô himmel! diese plagen /
das ich geliebt ward / wo ich nicht lieben kann /
und dass ich lieben muss / wo nichts ist zu erjagen?
warüm nimt dann mein herz / was moglich ist / nicht an?
Steht es in meiner macht / hierin mir wohl zu wählen?
bin ich dann noch mein selbst? die bande sind zu fåst /
die zwingen mich: dass mir viel süsser dieses quålen /
als alle ruh / die mir die andre sehen låst.
    Dass die Prinzessin Jaelinde hiemit musste gemeinet sein / konnte die Konigin
leicht ermessen: ob aber sie selbst hierbei sollen verstanden werden / das wollte
ihr noch nicht zu sinne / weil Cimber ihr für gewiss seine liebe zur Hercinde
beschrieben hatte. Sie fand hierauf ein klinggedicht / das ihr vollig aus dem
traum halfe / und also redte.
                      Als er aus Damasco entweichen sollte.
Sol mir dann nun auch diss fortin entzogen werden /
was so viel tausenden der milde himmel gont?
Ist auch der wunsch zuviel / dass ich nur schauen könt
die wunder-Konigin und gottin dieser erden?
Ach! wer entfähet doch hierinn von mir beschwerden?
wird dir / mein herzensfreund! hierdurch auch was entwendt?
geht ihrer ehr was ab / die ihre hoheit kront?
ich mein' es nicht; wer ist / der furchte hier gefården?
Zwar meine freiheit leidt: doch das kont mich erlaben.
was meine matte seel noch nehrte / das geht hin.
es war zu viel / dass ich noch dessen fåhig bin:
Mein ungluck will / ich soll ganz keine labung haben.
doch weiss es nicht / wie tief mir die ist eingedruckt /
die man mir aus dem aug / nie aus dem herzen / ruckt.
    O bescheidener liebhaber / (rieffe die Konigin) desgleichen kaum jemals der
erdboden gehabt. Ich darf mich nicht entsehen / dich zu beklagen: da Abimelechs
untreu / und dein tod / mir solches wohl erlaubet. Hiernächst zeigte sich ihr
eine schrift / welche sie nicht sonder entfindlichkeit lesen konnte / die also
lautete.
                        Uber Disons unverdientes Glück.
Hier handelt wohl des blinden glückes trieb.
Kein fleiss / kein treuer dienst / ja kein verdienst / mag wehren /
dass der / so durch betrug gewirket / komm zu ehren.
Kan dulten diss / die teure treu und lieb?
Verlässest du / O wunder unserer zeit!
in so geschwinder eil / den fästen schluss der sinnen /
dass keiner solt dein herz / als einer nur / gewinnen?
ist deine wahl dir / schönste! wordenleid'?
Ach! ich verstum / weiss nicht / wie mir geschicht.
Was hätte Cimber wohl / nach dieser tat / zu hoffen /
nun seinem edlen freund diss unglück so getroffen?
Ja / ich verstum / kann diss begreifen nicht.
    Nun sehe ich erst / (hube die Konigin seufzend an zu sagen) was den
Abimelech wendig machet: nämlich das falsche geruchte von meiner und des Disons
liebe / und dass ich diese betriegliche Aramena / so wohl wissentlich bei mir
gedultet / als endlich gar soll geliebt haben. Ach Prinz! wan dieses dich
bewogen hat / mir unbeständig zu werden / so kann ich dich nicht verdenken / dass
du auch / den gehorsam gegen dem König der Philister / dich zu dieser
Entschliessung antreiben lassen. Aber wie? (fuhre sie fort / auf kurzes
nachdenken) hast du wohl / ô Abimelech! einem so ungegründten gerüchte so bald
trauen / und auf so eine rache gedenken können / da du dein leblang mein herz
anderst gekant / dass es zu solcher leichtsinnigkeit nie gemeint gewesen? Nein!
nein! dieses entschuldiget dich nicht: massen du ja / in solchem fall / wohl eher
auf die Cölidiane / als auf die Ammonide / würdest gewehlet haben / wan ja
andere / als blosse staats-gedanken und eigennützige ränke / dich von mir
abgezogen. Wie sie dieses gesaget / griffe sie nach dem siebenden täfelein /
daraus sie dieses lase.
                Er beklagt sein schweigen / und will sich rächen.
Was hilft mich / dass ich schwieg? da nun ein ander träget
den lohn davon / der war für meinem freund geheget.
ein andrer kriegt den sieg:
was hilft mich / das ich schwieg?
Wüst sie es nur allein / wie ich sie hab geliebt;
hätt ich mich nur beklagt / wie mich ihr glanz betrübet /
so wolt ich ruhig sein:
wüst sie es nur allein.
Sie wird es werden im / wan meine rechte rache
erscheint / und füret aus mein' und des freundes sache,
wer ich gewesen bin /
soll sie dann werden im.
    Hierauf name sie wieder eines herfur / dessen überschrift lautete: Als er
einen neuen mitbuler besorgte. Sie wurde aber / solches zu lesen / durch die
Timna behintert / die wegen ihrer noch anhaltenden unpåslichkeit / und wegen
traurigkeit des gemutes / mit der Ammonide nicht war hinaus gefahren / sondern
indessen / ihre liebste Königin zu besuchen ihr furgenommm hatte. Mit was für
arbeit / (fragte sie die Konigin) finde ich E. Maj. beunmussigt? Wol mit recht
sonderlicher / (bekame sie zur antwort) und werdet ihr neben mir euch verwundern
/ wan ich euch sage / dass der edle Cimber / der unlängst so unglücklich sein
leben verlieren müssen / mich geliebt habe. Dieses wundert mich darüm /
(antwortete Timna) dass ich verneme / wie E. Maj. kentnis hiervon erlanget: sonst
aber ist es mir nicht verborgen gewesen / massen dieser grosse held es mir
entdecket. O gar zu verschwiegene Timna! (rieffe die Königin) was hat euch dann
immermehr beweget / mir auch dieses zu verhelen? Der schwere eid / (gabe sie zur
antwort) welchen Cimber von mir genommen / weil er leben würde / ihn nicht zu
verraten. Wie hat er euch aber (fragte sie ferner) dieses sein anligen
beigebracht? Als die Prinzessin Hercinde (erzehlte Timna) krank zu mir in
Damasco kame / die ich / auf dieses Prinzen inståndiges ersuchen / zu mir in
meine behausung genommen /vertraute er mir / welcher gestalt sie seine schwester
wåre / und hochst notig håtte / dass ihr da-sein verborgen bliebe. Wie? seine
schwester? (fiele ihr die Königin in die rede) weiss ich doch solches bässer /
und dass der Konig Marsius von Basan ihr bruder sei.
    Ich kann hiervon (fuhre Timna fort) nichts anders sagen / als wie sie
beiderseits mich berichtet. Es bliebe auch nit bei dieser vertreulichkeit /
sondern Cimber gienge noch weiter / indem er / durch veranlassung dieser seiner
vorgegebenen schwester / die / in meinem beisein / seiner liebe gegen E. Maj.
erwehnet /mir gestunde / üm mich zur verschwiegenheit zu bringen / dass er die
damalige Königin von Ninive liebte. Ich hab mit höchster verwunderung diesen
bericht angehoret / weil ich üm die grosse und verbindliche freundschaft zwischen
ihm und dem Abimelech wusste. Er aber bedeutete mir / wie diese seine liebe also
beschaffen wäre / dass sie dem Prinzen von Gerar keinen eintrag täte; und suchete
er / in dieser seiner trostlosen liebe / nichts mehrers als die freiheit zu
lieben / sonder einige hofnung der gegenliebe. So frömd mir nun diese
liebens-art fürkame / so sehr bewunderte ich diesen grosmütigen Fürsten: der
mich auch wie gesagt / mit einen schweren eide / dieses zu verschweigen /
verpflichtete. Werden also E. Maj. es nicht ungnädig deuten können / dass ich ihm
hierin bis in seinen tod bin getreu geblieben. Ich halfe auch / üm damals meine
ehre zu retten / mit auf die bahn bringen / dass der Cimber seine schwester für
seine liebste ausgeben musste: welches E. Maj. neben dem Abimelech und den andern
/ bis auf diesen tag geglaubet haben. Ihr machet mich ganz verwirret / Timna! (
sagte die Königin) dass ich nicht weiss / was ich recht hiervon gedenken soll. Dass
Hercinde des Marsius schwester sei / weiss ich mehr als zu gewiss: und nun würde
hieraus folgen / dass Cimber der Marsius selbst müste gewesen sein.
    Von diesem König / (antworte Timna) wie ich von der Mehetabeel gestern
verstanden / soll das geschrei gehen / dass er tod sei: würde es also / auch in
diesem stuck / nicht uberein treffen; wiewol ich sonst nicht wohl glauben konnte /
dass dieser grosse Konig so lang /sonder erkant zu werden / in Syrien sich
aufhalten können. So ist dann ganz gewiss / (fragte die Konigin) das Hereinde des
Cimbers liebste nicht gewesen? Es ist / wie ich sage: (wiederholete Timna) und
kann ich mit Gott beteuren / dass ich nie anders von ihm gehöret / als dass sie
sich fur seine schwester ausgegeben. Lasset uns ferner suchen / (sagte die
Königin) ob etwan in diesem lädlein / das ich von der Jaelinde entfangen / noch
einige erklärung dieser dunkelen dinge sich finden wollte. Solches sagend / zoge
sie aus dem lådlein herfür / einen seidenen gewirkten beutel und aus demselben /
als sie ihn eröfnet / verschiedene kleinodien. Das erste war ein goldstück /
worauf zweier damen brustbilder erhoben getrieben waren: auf der andern seiten
stunden in Celtischer sprache ihre namen (die die Königin / als die so viel
Celtisch von dem Cimber gelernet / lesen und verstehen kunte) und hiese die
vörderste / Valentia Fürstin der Janigener; die andere / Hesperia Fürstin der
Janigener. Die Königin erinnerte sich aus der Hercinde erzehlung /dass darin
dieser beiden schwestern meldung geschehen war. Sie besah hierauf das andere
klenod / welches ihr zeigte das bildnus eines schönen kindes / aus einen onyx
geschnitten / mit der überschrift / Tuscus Sicanus Prinz der Aborigener. Ferner
kam ihr zu gesichte / in einen agat gegraben / das bildnis des Celtischen
Fürsten Hermans / der an die Hesperia war verheiratet gewesen; und dann ein
guldnes armband /etwan einer hand breit / worauf diese teutsche reimen gegraben
waren.
Diss band / das die dir schenkt / die dich zur welt getragen /
lass dir ein denkmal sein /
dass / wo du dich in krieg und in gefahr wirst wagen /
du nimmer seist allein:
Der mutter bitten und ihr segen /
ist stäts üm dich / hält bei dir wacht;
Damit wirst du die feind' erlegen /
und fechten stäts mit siegespracht.
    Hieraus erhellet / (sagte die Konigin) dass Cimber nicht der Marsius konne
gewesen sein: weil er so klein aus Celten von seiner fraumutter gekommen /dass
sie ihn mit solchem gedächtnis nicht versehen konnen. Doch wird vielleicht /
(sezte sie hinzu) das folgende kleinod uns etwas mehrers sagen. Dieses war nun
ein diamant / (wie man solche in einer Celtischen landschaft findet / die aber
an tugend den diamanten aus Ophir sich nicht vergleichen) worin zwei bildnise /
als der Hercinde Prinzessin aus Celten / und des Tuscus Sicanus Prinzens der
Aborigener / geschnitten waren; auf der andern seite / stunden gegraben diese
reimworte:
Die schwester stimmet hier mit ein /
dass dieser soll ihr bruder sein.
Nun ist das räzel gelöset / (sagte die Königin) und Cimber ist sonder zweifel
dieser Tuscus Sicanus / den die Hercinde zum bruder angenommen: und weil er
diese Prinzessin sehr geliebt / als hat er mir darin die unwarheit nicht
berichtet / dass er ehmals in liebe gegen ihr sei entzündet gewesen. Ist nicht
dieser König (fragte Timna) an die Roma verheiratet worden / und wie mich dunket
/ für betrübnis gestorben. Das gerüchte (antwortete die Konigin) hat zwar
hiervon also geredet: aber wie viel dinge begeben sich anderst / als man
geglaubet.
    Dieser dapfere held / (versezte Timna) mag gewesen sein / wer er wolle / so
bin ich doch versichert /dass er / wan er noch lebte / E. Maj. an dem undankbaren
Abimelech hätte råchen sollen / und wollte ich mich so wenig scheuen / diesem
unvergleichlichen Prinzen bei der schönen Konigin von Syrien zu dienen / als
sehr ich die zeit bereue / die ich ehmals /wegen des ungetreuen Philisters / bei
der Königin von Ninive verloren habe. Nun dieser edle Celte nicht mehr im leben
/ (antwortete die Konigin seufzend) kann ich solchen euren vorsatz euch wohl zu
gute halten: massen ich mich so geneigt finde / die gedächtnis dieses
verschwiegenen liebhabers und unvergleichlichen heldens zu verehren / dass mir
dessen standhafte ungemeine liebe eines teils zum troste dienet / in meinem
jetzigen zustande / da der andere mich so schändlich betrogen. Indem sie dieses
sagte / liesse sie zugleich die zären über ihre zarte wangen herab fliessen.
    Als sie endlich in dem beutel nichts mehr fand /und nun alle kleinodien
wieder zusammen hinein getan hatte / suchte sie weiter nach den schriften / und
fand unter andern eines / dass sie der Timna folgendes inhalts furlase:
         Selbst-Streit / ob ihme das leben oder der tod zu kiesen sei.
Wohin soll mein verlangen gehen?
Das leben nuzt mir nicht; der tod ist meine qual.
auf beiden wegen kann ich sehen /
wie dass verdruss und pein begleite meine wahl.
Leb' ich / muss ich die marter heelen /
die in mir hat entzündt / die hofnung-lose lieb.
Sterb ich / entzieh ich meiner seelen /
das labsal / die zu sehn / der ich mein herze gib.
Doch was nüzt mein geplagtes leben?
ich wünsche nur den tod: der kann mir wehren nicht /
üm meine schöne stäts zu schweben.
ich will doch bei ihr sein / lass' ich das lebenslicht.
Dieses fürnemen / (sagte die Königin) wird nun dem guten Prinzen nicht mehr
beiwonen / da er die eitelkeit abgeleget; er wird auch in der freude / darin er
zweifelsfrei iezt wonet / erkant haben / dass er seine liebe zu etwas nichtiges
gewendet. Ich will aber / von nun an / die gedächtnis dieses Prinzen hoch
verehren /und wan ich zu ihm / wie ich wünsche und einig verlange / bald kommen
werde / ihm in reiner unschuld die liebe erweisen / die er in dieser welt zu
geniessen vergeblich verlanget.
    Als sie dieses gesagt / schlosse sie das lädlein wieder zu / weil sie den
Prinzen von Seir / neben den beiden Prinzessinnen / ihrer und seiner schwester /
ankommen sah: die nun die Ammonide hinaus begleitet hatten / und ihr verlangen
/ die Konigin zu sprechen /hiermit erfüllen wollten. Es war ihrer keinem unbekant
/ wie es mit dieser schönen Königin und dem Prinzen der Philister vordem
gestanden: daher sie leichtlich abnemen konten / was diese unvermutete änderung
fur eine gemüts-bewegung bei der Königin müste verursachet haben. Die nasse
augen / mit denen sie diese schone funden / zeigten solches gnug an / und
leuchtete ihrer aller mitleiden herfur / als sie deren qual sah / die aller
welt liebe und hochster verehrung mehr als wurdig war. Dison furnemlich / konnte
sich hieruber nicht zu frieden geben / als deme am bästen bekant war / wie diese
liebe ehmals so feurig gewesen / daher er zu der Konigin sagte: E. Maj. gönnen
mir / dass ich sie dorfe an diesem leichtsinnigen Prinzen råchen /deme wir iezt
seine braut hinaus begleitet / und dass mir möge erlaubet sein / deme sein herz
zu durchstechen / der mit so unverdienter gnade für allen sterblichen angesehen
worden / und nun so schändlicher weise sich deren hat verlustig gemacht. Ach
Dison! (antwortete die Königin) dieses ist nicht der rechte weg / an dem
Philister mich zu råchen. Ich will nicht boses mit bosen vergelten / wohl aber
vergessenheit mit vergessenheit belonen / und mir einbilden / als håtte ich
diesen Abimelech niemals gekennet.
    Wan wollet aber ihr / Prinz von Seir! (sagte sie ferner) euren weg nach
Ninive fortsetzen? Verlanget euch dann nicht / eurer Aramena ein ruhiges reich zu
verschaffen? Dison wurde ganz berötet / über diesen fürruck der Konigin / und
antwortete: Sol ich dann E. Maj. bei ietzigem verwirrten zustand verlassen? und
darf ich nicht meine dienste hier anbieten / für dero wolfart zu fechten? Ihr
werdet solches (widerredte die Königin) bässer zu Ninive / als hier / verrichten
konnen: zumal mir sehr viel daran liget / dass die ganze welt wisse und ehist
erfahre / wie dass meiner schwester mein reich Ninive gehore / und dass sie euch
zum gemal und König erkieset habe. Ich werde auch /zu dem ende / morgen-tags /
ehe ich von hier nach den warmen bädern abreise / den Ninivitischen zepter und
kron / in gegenwart meiner Fürsten / meiner schwester ubergeben: die dann schon
wissen wird / wem sie solche anvertrauen solle. Es begunte zwar / diesem
beginnen der Königin von Syrien / so wohl die Prinzessin / ihre schwester / als
der Prinz von Seir / sich zu widersetzen / und einzuwenden / dass sie doch die
Ninivitische kron behalten möchte / bis sie in ruhige beherrschung von Syrien
gelanget wåre: sie wollte aber von ihrem vorsatze sich nicht abwenden lassen.
Indem liesse Husan um gehor ansuchen / und als er furgelassen worden / auch zu
vorderst seinen unmut wegen der Königin unpäsligkeit bezeuget / die Königin
fragte / ob ihr gefällig / von dem Nahor zu vernemen / wie er alles auf seinem
her-zug von den Mesopotamischen gränzen befunden habe? weil solche nachricht
ihnen etwan nutz und vorteilig sein konnte. Die Königin war dessen gleich zu
frieden / und liesse diesen Fürsten furkommen: welcher / als er erlaubnis zu
reden erlangt / seinen bericht also abstattete.
    Es mögen nun ungefår vierzehn tage sein / seit dass ich mit viertausend
Syrern / neben dem Canaaniter Aner / der eben so viel ihrer völker mitfürete
/beordnet worden / uber die hohe Amana zu gehen /und gegen Mesopotamien /
zwischen Damasco und Acraba / bei einen pass mich zu setzen / üm auf des Belochus
beginnen aufsicht zu haben: der aber / ungeacht alles angewandten fleisses /
dennoch durch unser volk hindurch gebrochen und Damasco erreicht. Ich verlore
wenig leute in diesem gefechte / welches wir mit den Assyriern hielten: weil sie
vornemlich auf die Canaaniter getroffen hatten. Um aber diesen schaden /der
unsere seite betroffen / zu ersetzen / suchten wir einen vorteilhaften ort aus /
da der Prinz Bildat mit dem völligen Assyrischen heer durchziehen musste: welche
wir so wohl bewaretern / dass dieselbe nicht eher / als ietzund nach Damasco
durchgelangen konten. Als ich etliche kundschafter ausgesendet / erfure ich von
einem / der gar bis nach Acraba gekommen war / wie dass / alsofort nach des
Belochus aufbruch /die Fürstin Dalimire / an statt ihme zu folgen / ihren weg
nach Ninive genommen: und redte man gar frömd von diesem beginnen / als wan
nämlich diese Furstin / selbige kron aufzusetzen / begehren sollte. Hierneben
berichtete mich dieser ausgeschickte / dass ganz Meden wider den Belochus sich
empöret / und dass man des Fürsten der Nabateer in selbigem reich gewårtig sei /
üm deme die kron anzubieten.
    Diese zeitungen / so für uns gut zu sein befunden wurden / machten / so wohl
die bei mir stehende Canaaniter / als auch meine Syrer / beherzter / also dass
nun mit grosserm muht / dem ankommenden Prinzen Bildat / der pass bestritten
wurde: welcher mit dem ganzen heer still stehen / und nicht durch uns herdurch
kommen konnte. Weil er von unserer gemuts-änderung noch nichtes wusste / und die
Syrer ansah / als wan sie noch in friedlicher handlung mit seinem König stunden
/ konnte er sich um so viel weniger in dieses feindliche bezeigen finden. Er
sandte auch zu mir / als der ich sein naher verwandter bin / und liesse mich
fragen / wie dieses gemeinet wäre? Ich verheelte ihm hierauf die warheit nicht /
dass nämlich in Damasco / nach eigentlicher kentnis von E. Maj. person / alles
ein anders aussehen gewonnen hätte / und wir nun nicht mehr für einen
eingebildeten Syrischen Konig / sondern für unsere Königin und den von ihr
erwehlten Fursten Elihu fochten / auch unsere freiheit wider die Assyrier
bestreiten wollten. Dieser bericht machte den Prinzen so erhitzet / dass er mit
aller macht in uns drunge: er konnte aber nichtes schaffen /weil wir in einem
vorteilhaften orte stunden / und mehr mit einem man / als er mit zehen /
auszurichten vermochten.
    Dergestalt nun hielten wir ihnen stand / bis der abgeschickte von E. Maj. zu
mir kame / und die unvermutete post brachte / dass die Assyrier und Canaaniter
zusammen freunde / und also / auch diese / unsere feinde worden wåren: weshalben
ich / mit guter art von dem Aner mich abzuziehen / trachten sollte. Dieser
Canaaniter bekame / zu gleicher zeit / eben diese nachricht aus Damasco: daher
er heimlich dem Prinzen Bildat solches zu wissen machte / und denselben an sich
zoge / ehe ich mit den meinigen mich zurück wenden konnte. Diese uberfielen mich
nun unversehens / konten mir aber doch nicht verwehren / dass ich nicht bei
dreitausend Syrer von den dreien gerettet und davon gebracht håtte: mit denen
ich Damasco vorbei /hieher mich gewendet. Ich bekame unterwegs etliche gefangene
aus der stadt / welche ausgesaget / dass daselbst grosse einigkeit zwischen beiden
Konigen sei /und diese fleissig mit dem Hus und andern Syrischen Fürsten in
handlung stunden / selbige auch völlig auf ihre seite zu bringen. Diss ist es /
was ich zu berichten gehabt / und erbiete ich mich ferner / mein leib und leben
fur E. Maj. und des vatterlandes wolfart willigst aufzuopfern.
    Als Nahor hiemit seine rede beschlossen / bedankte sich die Konigin für
seinen angewandten fleiss / und für die anbietung seiner ferneren dienste / sah
folgendes den Prinzen Dison an / und sagte: Wie sie nun fur noch notiger / als
zuvor / erachtete / dass er eiligst nach Ninive / um der Dalimire bösem fürnemen
zu steuren / sich wendete / und dass hieran keine stunde zu verseumen wåre. Der
Prinz musste ihm dieses gefallen lassen / und wurde er am folgenden morgen
/nachdem zuvor die Königin von Syrien / in gegenwart der anwesenden
Ninivitischen Fursten / ihre schwester / die jüngere Aramena / zur Konigin von
Ninive ernennet hatte / nach Ninive zu gehen / beurlaubet. Die Ninivitische
staats-gesetze / so wohl auch der Konigin Philominde leztes schreiben / darin sie
an die Königin Naphtis / ihre schwester / diese teilung beider reiche unter ihre
töchter / die zwo Aramenen / begehret /machte dass keiner von den anwesenden
hierwider geredet: und war nun nichts mehr übrig / so des Disons abreise
aufhalten konnte / als der abschied / den er von seiner geliebten Königin noch zu
nemen hatte.
    Weil diese schone bisher ganz unerfahren in der liebe gewesen / als hatte
sie noch nicht entfunden /wie schmerzlich es ankomme / von dem geliebten zu
scheiden: daher dann ihre milde zåren / zu höchster vergnügung ihres verliebten
Prinzens / hervordrangen / welche ihn so aus sich selber brachten / dass er
langsam aus dieser entzückung sich würde haben erholen können / wan Ahalibama
ihn nicht angetrieben håtte /hiervon ein ende zu machen. Diese treue schwester
/sah nun mit nicht geringerer wehmütigkeit / als die junge Königin von Ninive /
den geliebten Prinzen abscheiden: und ward ihm / von ihnen beiden /
tausendfältig gluck auf den weg gewünschet / welchen wunsch auch alle
zurückbleibende Niniviten / mit seufzen gegen dem himmel / begleiteten. Tausend
Niniviten gingen mit ihme fort / zu schirmung seiner person: denen die übrigen /
wan die hulfe aus Basan angekommen sein würde / und noch einige von diesen
Teutschen völkern / zu unterdruckung der Dalimire und ihres anhanges / folgen
sollten.
    Die Königin von Syrien machte hierauf vorbereitschaft / mit der Cölidiane
nach / den warmen bådern abzureisen: welches dann / weil selbige nit ferne von
der stadt im gebirge gelegen / erst auf den nachmittag fürgenommen wurde. Alle
die Königliche und grosse personen gaben diesen beiden durchleuchtigen kranken
das geleite dahin: und machte der vorsichtige Husan die anstalt / dass etliche
tausend Syrer auf das gebirge umher verleget wurden / um daselbst diesen
Königlichen personen sicherheit zu verschaffen / weil diese heilbrunnen / aus
ganz Syrien und allen benachbarten landen / häufig pflegten besucht zu werden.
Sie fanden alda so viel gelass / dass sie alle wohl und gemächlich konten
unterkommen: zumal / wegen des krieges in Syrien / wenig frömde damals sich
eingefunden hatten / und also die meisten häuser noch ledig stunden. Die schöne
Syrerin name mit den beiden Prinzessinnen von Caphtor eine wonung ein weil sie
die Cur allein gebrauchen wollten. Der Colidiane mattigkeit war so gross / dass sie
so fort / nach erster ankunft / sich wieder musste zu bette begeben / und keinen
augenblick über ende bleiben konnte.
    Der Königin leibarzt stellte alsobald / mit dem ordentlichen arzte / der bei
diesen warmen bädern sich stäts befunden / eine beratschlagung an / wie diese
drei durchleuchtige personen der Cur sich am bästen und nützlichsten bedienen
sollten: da dann / keine stunde zu verseumen / notig erachtet wurde / und wollten
sie gleich den folgenden tag damit den anfang machen. Nachdem sie dieses
abgeredet / verfugte sich der brunn-arzt zu seinen andern kranken: unter denen
einer fürnemlich seiner pflege höchst bedürftig war /der vor wenig tagen mit dem
priester Abdastartus /seinem alten freund / aus Damasco dahin gekommen /und / üm
verborgen zu bleiben / ein ganz abgesondertes haus / mitten in den felsen und
klippen belegen /zu seiner wonung ausgewehlet hatte. Dieser war nun /der so wohl
am gemute als am leib sehr schwache Prinz Cimber / den der getreue Abdastartus /
seine gesundheit zu befordern / heimlich dahin bringen lassen: musste er also
diese pflege und wartung wider seinen willen annemen / und zugeben / dass man ihm
sein leben erhielte. Als der Arzt ihn zu besuchen kame /brachte er ihm gleich
die neue zeitung mit / dass die Konigin von Syrien / neben so vielen andern hohen
stands-personen / daselbst angekommen wäre.
    Dieser bericht verursachte neue beunruhigung in des verliebten Prinzen
gemüte: massen er / sonder sich zu verwandeln / den namen seiner Königin nicht
konnte nennen hören. Abdastartus solches merkend /und des Prinzen gedanken auf
etwas anders zu leiten /erzehlte ihm / was er den tag vernommen / wie nämlich
der Philister Prinz / die Prinzessin von Ammon /als seine braut / aus Aroer
hätte abholen lassen. Wie? Abimelech? (fragte Cimber) sollte der wohl auf diese
weise sich haben rächen wollen? Als er hierauf sich etwas besonnen / stuzte er /
und sagte weiter nichts /sondern horte nur wunderend alles an / was Abdastartus
hiervon berichtete. Weil er allen dingen der welt so abgestorben / dass fast
keine entfindlichkeit mehr in ihm ware / als bliebe auch sein meistes sinnen und
verlangen nur dahin gerichtet / bald zu sterben. Weil ihme / alles in der welt /
nur widerwillen und verdruss erweckte / als ware dieses insonderheit sein groster
kummer / dass er noch leben musste: massen auch /wan nicht furnemlich der himmel /
und dann des Abdastartus sonderbarer treuer fleiss / dieses helden ungedultigen
wunsch verhintert hätte / es unmüglich gewesen wäre / dass er so lang bestehen
können.
    Nachdem also / nicht allein er / sondern auch die andern in gewonlicher
unruhe die nacht hingebracht /und der tag nun wieder angebrochen / auch dieser
Prinz das bad / so ihme von dem Abdastartus tåglich bereitet wurde / eben
gebrauchen sollen / trate Tubal zu ihm in das zimmer: dessen unvermutete ankunft
nicht so verwunderlich war / als dieses / dass er des Cimbers aufentalt /
welchen er doch so geheim hielte / antreffen können. Des Tubals freude war
unbeschreiblich / den Cimber wieder zu sehen / und bezeugte er dieselbe so fort
/ durch ein herzliches umarmen: welches dieser zwar wohl aufname / dennoch aber
in seiner tiefen traurigkeit verharrete / und schier nicht fragen mochte / woher
er käme / auch wie es in Basan zustünde. Gleichwol berichtete ihn Tubal (wiewol
mit leisen worten / dass die anwesende es nicht vernemen konten /) wie dass der
Suevus mit den dreissig tausenden angekommen / und auf eine meile von Aroer sich
gelagert håtte. Der Fürst Arsas (sagte er ferner / und zwar mit lauter stimme /
weil ihn dünkte / dass der Cimber wegen seiner krankheit / sein geheimes reden
nicht recht eingenommen hatte /) ist / üm dieser der Konigin von Syrien
versprochenen und nun angekommenen hülfe-volker willen / in Basan gewesen / und
hat gegenwärtiges schreiben an unsern Konig mitgebracht / welches der grosse
Marsius hiemit meinem freunde zu lesen schicket / weil darin seiner gar
vorteilhaftig erwehnung geschihet.
    Der betrübte Prinz wandte hierauf die augen auf den Tubal / und begriffe
leichtlich / dass der / wegen des Abdastartus und der seinen gegenwart / also
redete. Er name / sonder zu antworten / das tåfelein aus des Tubals hand / und
lase es durch: da er dann fast nicht einige zeile / sonder herzliches seufzen /
zu rück bringen kunte. Wie? (sagte er bei sich selbst) kann wohl die jenige mein
gedächtnis nicht sonder tränen verehren / die mit solcher freudigkeit die
zeitung meines todes vernommen? und will die den Celten / in erinnerung meiner /
zu dienste stehen / die den himmel darum gelobet / dass er sie eines solchen
bösewichts /als ich sein soll / entladen hat? O mehr als verwunderbare
gleisnerei! Muss ich dann nur darum leben / dass ich täglich mehr zeichen einer
unartigen seele in einem so schonen leib erkennen moge? Ach Cimber! wan will dann
dein tod dich von der furcht erlosen / die dir stäts auf dem herzen liget / dass
du endlich derjenigen einen verächtlichen hass werdest zuwerfen / die du / mehr
als etwas menschliches / insonderheit geliebt und verehret hast? Lass es nicht
dergestalt auf das äuserste mit dir kommen / und verliere eher dein leben /als
den vorsatz / sie bis in den tod zu verehren.
    Es wurde dieser Prinz in seinen schmerzlichen nachdenken noch lang verharret
haben / wan Abdastartus ihn nicht hätte daraus gebracht / mit der anfrage: ob er
das bad gebrauchen / oder zuvor mit seinem angekommenen freunde sich allem
besprechen wollte? Ich / habe nichtes mit ihm zu reden / (sagte Cimber) und gehen
mich alle weltändel so wenig an / dass es mir ein last ist / davon zu horen. Aus
diesen worten kunte Tubal wohl abnemen / dass die allerheftigste traurigkeit des
Cimbers gemüt müste uberfallen haben /und wusste er sich immer weniger darein zu
finden / je mehr er der sache nachgedachte. Weil Cimber das täfelein / so er ihm
ubergeben / unachtsamer weise bei sich niedergelegt / name er selbiges wieder zu
sich /und sah wohl / dass er nicht das jenige damit ausgerichtet / was er ihm
eingebildet. Demnach wurde er sehr betrübet / und fragte in geheim den
Abdastartus /was doch er von des Cimbers krankheit urteilte? der ihme diesen
trost gabe / wiedass noch hofnung vorhanden / und das bad allmählig die
traurigkeit des gemütes aufzuheben vermochte. Ach so lasset ihn den fleissig
baden / (sagte der beängstigte Tubal) und verseumet ja nichtes / was diesem
helden sein leben fristen kann. Gleichwie nun Abdastartus von selber hierzu
geneigt war / also triebe er / auf des Tubals ermanung / den Cimber an / dass er
/ das bad verordneter massen zu gebrauchen / sich in die hierzu bereitete wanne
sezte.
    Abdastartus / üm ihn aus seinen unruhigen gedanken zu bringen / fragte den
Tubal / wie er sie doch immermehr an diesem abwegsamen verborgenen orte finden
konnen? Weil ich euch vor vierzehen tagen zu Damasco verlassen / (antwortete
Tubal) suchete ich /bei meiner widerkehr / meinen freund in dem vorigen hause /
als ich / mit Egyptischen gesandten / die der Pharao Uchoreus an die Könige von
Assyrien und Canaan geschicket / glücklich in Damasco angekommen. Als ich das
leere haus gefunden / erfuhre ich durch nachfragen so viel / dass ihr /
ehrwürdiger vatter! mit eurem kranken hieher gereiset. Ich eilete sofort euch
nach / und gienge von haus zu haus / meinen freund und euch anzutreffen; da ich
endlich / wie keines mehr als dieses ubrig war / das gluck hatte / euch hier zu
finden: dafür ich dem himmel danke / und von herzen wünsche / dass dieser ort so
heilsam sein möge / meinem freunde die gesundheit wieder zu bringen.
    Dass will ich (sagte Abdastartus) von dem gütigen himmel hoffen / nicht
zweiflend / mein angewandter fleiss soll nicht vergeblich gewesen sein. Euch aber
hingegen zu berichten / mein herr! wie es uns / nach eurer abreise / in Damasco
ergangen / so solt ihr wissen / dass die unvermutete ankunft des Königs von
Assyrien / und unserer Königin flucht nach Aroer / daselbst alles in neue unruhe
und verwirrung gesetzet: da teils Syrer zu den Babyloniern und Canaanitern
fielen / teils noch beståndig unsere seite hielten. In unserem tempel wurde
fleissig nach unserer Königin gesuchet / und wir sehr zugesetzet: weil man mich
in grossem verdacht hielte / dass ich hiervon mehr wüste / als gestünde. Man
fand den Fursten Ninias von Ressen bei mir im hause: welches den verdacht auf
mich ergrösserte / und anlass gabe / mich in gefängliche haft zu ziehen. Mir
gienge nichtes so sehr hierbei zu herzen / als eben dieses / dass mein edler
kranker inzwischen seine rechte und höchstnotige pflege nicht haben wurde:
weswegen ich auch üm so viel mehr mich bemühte / meiner haft zu entkommen.
Solches fiele wir nun nicht schwer / weil man / in der grossen verwirrung /
nicht so genau acht auf mich gabe. Ich seumte mich hierauf nicht / durch hülfe
des Zophar /mit meinem kranken aus der stadt zu kommen: da wir dann glücklich
hieher gelanget / und also der gefahr entronnen sind. Wie Abdastartus ausgeredet
/ rieffe Cimber diesen priester zu sich / und raunte ihm ins ohr / dass er ja
seinem angekommenen freunde nichtes von dem eröfnen sollte / was ihm von der
Konigin in Syrien ungnade bewust war: welches ihm Abdastartus versprache / und
damit den Tubal bei ihm allein liesse.
    Dieser wollte nun solcher gelegenheit sich bedienen / den zustand von Basan
dem Cimber ausfurlich zu erzählen: er kunte aber kein gehör erlangen / da der
Prinz ihn allein eiferigst antriebe / die angekomene hülf-volker aus Basan der
Syrischen Konigin eiligst zu uberliefern; und musste er ihm auch bei dem grossen
Teutates zuschwören / dass er weder der Königin /noch dem Suevus / noch einigem
menschen / seinen zustand bewust machen wollte. Der Suevus weiss es aber / (wandte
Tubal ein) dass der Cimber noch lebet /dem ich solches in Basan notwendig
entdecken müssen. So weiss er doch nicht / (antwortete Cimber) dass ich alhier bin
/ und will ich auch nicht / dass er solches eher / als nach meinem tod / erfahre.
Tubal zoge hierzu die schultern / und musste sich zum gehorsam bequemen / den
Cimber / sobald Abdastartus wieder hinein gekommen / verlassen / und nach der
Konigin von Syrien sich begeben / üm derselben die ansehliche hülfe anzubieten /
die fur sie aus Basan angelanget war.
    Er funde sie / neben den beiden Prinzessinnen von Caphtor und der Ahalibama
/ bei dem gesundbrunnen / da sie eben zu trinken angefangen hatten. Der erfreute
Husan fürete diesen Celten vor seine Königin / ihr mit kurzen worten die ursach
seiner ankunft vermeldend. Als folgends der Tubal eben dieses / im namen seines
Königs / bei ihr abgeleget / erwiese sie eine geziemende erkentlichkeit über
dieser grosmut des Königs von Basan: darbei mit seufzen erwähnend / wie sie
solches dem edlen Cimber zu danken hätte / der ihr diese gute beim grossen
Marsius zuwege gebracht. So ist dann / (sagte sie ferner zu dem Tubal) das
geschrei Gottlob erdichtet / dass der grosse Marsius tod sei / wie man mich
bereden wolle? Nachdem Tubal sie dessen versichert / befahle die Königin dem
Husan / dem Fursten Suenus eine Botschaft entgegen abzuordnen / und ihme den ort
anzuweisen / wo sie ihr lager stellen sollten: welcher dann nicht seumte /solches
ins werk zu richten. Es entstunde hierauf überall / so wohl bei den anwesenden /
als zu Aroer und im feldlager / eine allgemeine freude / dass ihnen eine so
ansehliche hulfe zugekommen. Weil nun Tubal auch zum Suevus wieder abreisen
wollte / als name er seinen abschied von der Konigin: über die er / sie so
verändert und in so betrubtem wesen findend /sich nicht gnugsam verwundern
kunte. Sobald er hinweg war / musste die matte Colidiane sich wieder in ihre
wonung bringen lassen. Die Königin aber und Jaelinde / weil sie etwas
vermoglicher / und die årzte es nützlich befanden / wollten sich noch ein wenig
bewegen / und erkieseten einen eichenwald / der nahe an den brunnen stiesse / zum
spazirplatz: da ihnen die Ahalibama / wiewol sie die Cur nicht mit gebrauchet
/gesellschaft leistete.
    Welche von uns dreien (fieng die Konigin an zu reden) ist wohl die tuchtigste
/ die andern zu ergetzen /und aus den traurigen gedanken zu bringen? Ich sorge
fast / es dörfte uns allen fehlen. Dan ihr / liebste Ahalibama! seit bekümmert /
dass man euch zwingen will /eures todten zu vergessen. Jaelinde und ich beweinen
einen todten / dem diese Prinzessin in seinem leben ihre liebe gegonnet / und
nun nach seinem tode /durch offenbarung seiner gegen mich tragenden liebe /mich
bewogen hat / wiewol auf eine ganz unschuldige und zulåssige weise / ihre
mitbulerin zu werden. Wan der verdruss / (sagte Ahalibama) den ein undankbarer
Prinz E. Maj. verursachet / nicht eine billige betrübnis und unwillen bei
deroselben mit erwecket / so muss ich meine traurigkeit höher achten / als E.
Maj. und der Prinzessin ihre: massen sie ja noch mit ruhe den jenigen beweinen
können / den sie ihrer tränen wurdig achten / welches mir zu tun so grausamlich
will verwehret werden. Ich gestehe es / (wandte Jaelinde ein) dass die Prinzessin
von Seir hierin recht hat: und müste ich nicht besorgen / in ihren orden zu
kommen / da man mir den Prinzen Adonisedech / gleich wie ihr den Fürsten Esau /
geben will / wollte ich noch mit meinem ungluck zufrieden sein.
    Auf solche weise (gabe die Königin zur antwort) werde ich dann das geringste
leiden tragen / weil ich ungehintert beweinen darf / was ich will / und nicht zu
furchten habe / dass jemand komme / der des edlen Cimbers gedåchtnis bei mir
ausrotte. Weil ich den hierin / von euch beeden / als die stärkste angesehen
werde / so will ich mich auch bemühen / euch bederseits zu bereden / den
Adonisedech und den Esau zu lieben / weil hierzu die gebür und die tugend euch
antreibet. Doch gedenket nicht / Prinzessin von Caphtor! dass mich der eigennutz
dieses rahten mache / um also des Cimbers gedächtnus allein zu verehren: massen
ich solches euch hierbei ganz wohl zulassen und gonnen kann. Und ihr / liebste
Ahalibama! werdet mir auch leicht gläuben / dass ich dissorts des Esau person oder
freundschaft nicht ansehe / sondern vielmehr euer haus / und die notdurft / so
euch antreibet /selbigem durch diese heurat wieder aufzuhelfen. Jaelinde kann
eher / als ich / ( sagte Ahalibama) meiner gnädigsten Königin einrat folgen: dann
sie darf nicht verlassen die gedächtnis von einem / der sie geliebt habe / wie
leider! ich tun muss / da meines Eliesers ungemeine treue mir ståts und ohn
unterlass vor augen schwebet / und mich abziehet / einem andern einzuraumen / was
ihme allein gebüret. Eben diese beständigkeit / (wandte Jaelinde ein) macht es
mir so schwer / einem andern mein herze zuzuwenden / das ich einmal den Cimber
gewidmet. Dan / ob gleich derselbe meine liebe nicht angenommen / so dauret doch
solche gegen ihme / um dess willen / weil keine unbeståndigkeit / noch verachtung
meiner person / sondern die unmügligkeit / und die schönste Konigin der welt
/deren ich gern weiche / mein herze anzunemen / ihn abgehalten.
    Konnet ihr aber beide nicht / (versezte die Konigin) die todten / samt den
lebendigen / zugleich lieben? Ach gnädigste Konigin! (sagte Ahalibama) das
dünket mich unmüglich zu sein. Und ich (täte Jaelinde hinzu) will endlich wohl dem
Prinzen von Salem die eheliche hand geben / wan der mir erlauben wird / das
gedächtnis des Cimber / ihme unschådlich / dabei zu verehren. Ein solches
(antwortete die Königin) wird Adonisedech euch nicht verublen: gleichwie es
ebenfals der Esau seiner Ahalibama nicht verargen kann /wan gleich der treue
Elieser neben ihm noch geliebt würde.
    Ahalibama schwiege zu diesem vortrag der Konigin / und ware es auch der
Jaelinde fast leid / dass sie sich so weit hatte heraus gelassen. Diese musste
hierauf der Königin erzählen / wie sie zu dem lädlein des Cimbers gelanget wäre:
da sie dann berichtete / wie dass / als / nach der zeitung von seinem tode /
niemand sich seiner hinterbliebenen sachen annemen wollen /sie in sein zimmer
gegangen und dieses kåstlein heraus genommen / das übrige geräte aber / als
seine kleider / geld und gewehr / unter seine slaven verteilt hätte. Wollet ihr
dann / (fragte die Königin ferner) dass ich es bei mir in verwarung behalte? Es
kommet niemanden billiger zu (antwortete Jaelinde) als E. Maj. und bin ich fro /
dass ich meinen zweck erreichet /welcher darin bestanden / dass ich dieses grossen
helden herzliche und ehrerbietige liebe E. Maj. wissend machen / und ihme
hiermit einen dienst erweisen mochte. Ihr erweiset (antwortete die Konigin)
nicht allein ihme / sondern auch mir / hierin einen gefallen: massen ihr dadurch
mir anlass gebet / auf so unschuldige weise mich an einem Prinzen zu rächen / der
eure schwester so wohl / als mich / so schåndlich aufgefuret. Ich entsetze mich /
(sagte Jaelinde) wan ich an diesen Prinzen gedenke / und kann .... Haltet ein /
(fiele ihr die Konigin in das wort) ferner von ihme zu melden / und helfet mir /
durch stätige erwehnung des Cimbers /diesen undankbaren ganz aus meinem
gedåchtnis bannen. Wolte Gott! (sagte Jaelinde seufzend) meine arme schwester
folgte einer so grosmutigen Entschliessung! die sie auch verhoffentlich von den
unfehlbaren tod würde retten können. Lasset uns (beschlosse die Königin) diese
werte freundin besuchen! massen unsre müdigkeit uns ohnedas verwehret / diesen
spazirgang fortzustellen. Also giengen sie wieder nach ihrer wonung / da sie die
Colidiane noch schwach und matt fanden: und war bei derselbigen die Konigin von
Salem / wie auch die Prinzessin Danede / die ihr alle handreichung täten.
    Selbigen abend / kam der Fürst Arsas von seiner gesandschaft aus Basan
wieder an: welchen / weil er von allem dem / was seit seiner abwesenheit sich
begeben / nichtes gewust / nicht wenig wunder name /seine Königin zu einer
solchen zeit bei dem gesundbrunnen zu finden / da ihr so viel kriegsgeschåfte
und verrichtungen auf dem halse lagen. Er erlangte sofort gehör bei ihr / wiewol
sie sich bereits zu ruhe begeben hatte. Gleich anfangs / ehe er seine
verrichtung erzehlte / überreichte er ihr ein verschlossenes tåfelein: welches
sie / in Meinung es käme vom König in Basan / alsobald erofnete. Als sie aber
darin des Abimelech hand und unterschrift fand / ginge es ihr so nahe / dass sie
es sobald uber eine glutpfanne hielte /die nahe bei ihrem bette stunde / und es
dergestalt /sonder abzulesen / verbrennte. Wie da / gnädigste Konigin! (fragte
der besturzte Arsas) verfåret man also mit des Prinzen Abimelech schreiben? Ist
euch dann verborgen / (fragte die Konigin) wie dieser unbeständige sich unlångst
bezeiget? Seiter wan (fuhre Arsas ganz erschrocken fort zu fragen) hat dieser
getreue liebhaber etwas begangen / das ihn in ungleichen verdacht bei seiner
Königin setzen kann? Es sind ja nur wenig wochen / dass ich den Abimelech
gesprochen habe. Ach! sagt mir nichtes von diesem betrieger! (antwortete die
Königin) dann ich entfinde in mir /dass ich zu schwach bin / seinen namen nennen
zu horen. Wie geht diss doch immer zu? (sagte Arsas) und darf ich dann zum
wenigsten nicht wissen / was Abimelech begangen habe?
    Indem trate Timna in die kammer / zu welcher die Königin sagte: Ihr kommet
gleich eben recht / Timna! erzählt doch dem Fürsten von Cale / die grosse
liebeszeichen / die mir der Philister-Prinz erwiesen. Timna gabe hierauf dem
Arsas ausfurlichen bericht /von allem dem / was mit der Ammonide in Aroer
fürgegangen / und wie dieselbe für wenig tagen / durch die gesandten von Gerar
und Ammon / als eine braut des Abimelech / nach Gerar abgeholet worden. Dem
Arsas kame diss alles wie ein märlein für / und erstummete er ganz / ja er starbe
fast für schrecken und verwunderung / als er so unglåubliche und seinem bedunken
nach unmugliche dinge vername. Wie er nun zu reden verzoge / sah ihn die
Königin an / und fragte: Ob sie nun noch ursach hätte / des betriegers von Gerar
briefe zu lesen? und ob er ihr verüblen könnte /dass sie disen lezten dem feuer
gewidmet? Arsas zoge die schultern / und bliebe so verwirret / dass er sich gar
nicht wieder erholen konnte. Ihr werdet mir wollen sagen / (sagte die Königin
ferner /) dass die hülf-völker aus Basan angekommen. Ja / gnädigste Konigin!
(antwortete Arsas) ich bin in deren geleite hergereiset / und habe iezt meine
verrichtung ausfurlich abstatten wollen: bin aber so aus mir selber gebracht /
dass ich /fast gedanken-los / nicht weiss / was ich sagen soll. Weil ich nichtes
eiliges dabei vermute / (sagte die Königin) so wird morgen beim brunnen zeit
gnug sein / eure verrichtung anzuhoren: mag es also bis dahin verschoben
bleiben.
    Hiemit liesse sie ihn von sich: da er dann die ganze nacht dieser wunderbaren
begebenheit nachdachte /und unmüglich glåuben kunte / was er doch notwendig
glåuben musste. Folgenden morgen verfügte er sich gar frühe nach dem brunnen / da
er die drei durchleuchtige brunn-gåste bei einander angetroffen. Nachdem er die
trink-zeit aus gewartet / rieffe ihm die Konigen / dass er sie nach dem
spazirwald begleiten /und daselbst ihnen erzählen sollte / was er in Basan
ausgerichtet. Weil Colidiane nicht lang gehen kunte /als sezten sie sich
zusammen nieder an einen schattichten ort / da die Königin zu den Fürsten von
Cale also sagte: Ich vermute wohl / dass ihr / in eurem bericht / des
Philister-Fürstens werdet erwähnen müssen. Weil nun dessen bezeigte falschheit /
so wohl mir als der Prinzessin Colidiane dienen kann / unsere verachtung ihme
desto beständiger zuzuwenden / so ist mir nicht entgegen / dass ihr noch dieses
mal seiner gedenket: nachgehends aber werde ich / so wenig von euch / als sonst
von iemanden in der welt / seinen namen mehr nennen zu hören / vertragen können.
    Weil mir dann vergönt ist zu reden / (finge Arsas hierauf an) so muss ich
berichten / dass / als ich / ungefär vor einem mond / von E. Maj. nach Basan
gesandt worden ich den grossen Marsius im reiche nicht gefunden / und wegen
dessen abwesenheit bei dem verweser des reichs / dem Prinzen Trebetes / zu Edrei
gehör suchen / auch E. Maj. schreiben an seinen König ihme zu erbrechen
einreichen müssen. Ich verspürte wohl / dass Trebetes sehr erschrocken / als er
das schreiben durchlase. Er liesse sich aber dessen gegen mir nicht vernemen /
was die ursach seiner besturzung ware / sondern verliesse mich bald / mit der
vertröstung / dass ich nicht lang sollte aufgehalten werden. Mir wiederfure darauf
alle ersinliche hoflichkeit / und wurde ich von alle grossen des reichs fleissig
besuchet: die aber sämtlich sich betrübt anstellten / und damit ein sonderbares
allgemeines anligen zu verstehen gaben. Ich wusste nicht / was ich daraus
vermuten sollte. So eifrig ich auch auf meine abfärtigung drunge / so sehr waren
sie bemühet / mich von einem tag zum andern aufzuhalten. Endlich kame der
Trebetes zu mir / und vertraute mir / mit der hochsten betrübnis von der welt /
wiedass sie vom tod ihres Konigs / welcher /üm verborgener ursachen willen / ein
zeitlang vom reich abgewesen / gewisse nachricht erhalten håtten: wodurch dann ihr
zustand sich also geåndert / dass sie E. Maj. die verheisene hulfe unmüglich
schicken könten / und um ihrer eignen sicherheit willen genötigt wären / den
Suevus mit seinen dreisigtausenden aus der Nabateer land wieder abzufordern. So
schwätze auch das gerüchte / wiedass der Aborigener König /Tuscus Sicanus / den
man für tod gehalten / unter einen fromden namen und in unbekanter gestalt / in
Syrien und bei ihnen wäre gesehen worden; ingleichen / dass ein måchtiges heer
der Celten und Aborigener /von Riphatischen gebirge her / im anzuge begriffen
sei: und mussten sie befürchten / dass es ihrem land gelten mochte / weil
erwähnter König der Aborigener / einen alten anspruch auf Basan hätte / aus dem
vorwand / dass sein herrvatter / der Lucus / des vorigen Konigs von Basan / des
Abinaels / ålterer bruder / aus Basan vertrieben worden / und nach Kitim
flüchten mussen.
    Mit diesem unangenemen bescheid / ginge ich nun von Basan hinweg / und
eilete / was ich konnte / nach den Arabischen gränzen: des willens / zu dem
Prinzen von Gerar zu gehen / und ihme E. Maj. schreiben zu überliefern / auch
von dero angelegenheiten und gefärlichem zustand mich mit ihm zu bereden. Ich
hatte das Glück / ihn auf seiner reise nach Gerar / wie er eben aus dem reiche
Cus gekommen / anzutreffen: da er dann / nicht allein eine ungemeine freude / von
E. Maj. etwas zu hören / und dero handschreiben zu sehen / blicken liesse /
sondern auch mir ümståndlich erzehlte / was sonderbare gnadgewogenheit er von
der Prinzessin von Caphtor entfangen; da ihn dann sehr quålete / dass er solche /
wie er sollte / nicht erkennen konnte / und also in seinem hohen glücke sich
unglücklich achten / und ein leiden fülen müste / das auser ihm wohl keiner in
der welt entfinden würde. Er hat ihme gar wohl davon geholfen / (fiele alhier die
Königin dem Arsas in das wort /) und war die heurat mit Ammonide das rechte
mittel / von mir abzukommen /und der Cölidiane liebe zu erkennen.
    Seine eil-reise nach Gerar (sagte Arsas ferner /) war so gross / dass ich kaum
etliche wenig stunden ihn aufhalten können: und wusste ich damals nicht / håtte
es auch nimmermehr vermuten konnen / dass seine angelegenheiten zu Gerar dieses
frömde beginnen gebären sollen. Er gabe mir hinwiederum ein antwort-schreiben an
E. Maj. mit / dessen inhalt / wie er mir dabei erofnet / dieser gewesen: dass er
/ nach abgelegter seiner verrichtung / alsofort von Gerar nach Ninive mit den
Assyrischen volkern reisen / und alda der Dalimire bösem fürhaben / die ihn
dahin zu kommen beschieden / steuren / inzwischen aber den Phalacus /mit den
Niniviten hieher zu gehen / abfärtigen wollte. Er sagte mir auch die ursach /
warum er nach Ninive Assyrier / hieher aber Niniviten sendete: weil nämlich zu
gläuben / dass die Assyrier daselbst wider die Dalimire / als nunmehr feindin
ihres Konigs / båsser fechte / und die Niniviten alhier keinen anlass haben würden
/ in die aufrürische håndel / so iezt in selbigem reiche vorgiengen / sich mit
einzumischen. Was versicherungen ewiger treue gegen E. Maj. ich darbei von ihm
vernommen / solches mag ich hier nicht alles wiederholen. Kurz! er stellte sich
also an / dass er wohl einen scharfsinnigern / als ich bin / hätte betriegen
sollen.
    Wie er nun hinweg war / und auch ich / nach Damasco wieder zu kehren /
meinen ruckweg name / begegnete ich dem Prinzen Suevus mit seinen dreissig
tausend Teutschen / die er hieher füren sollen / aber nun mit ihnen nach Basan
zoge. Sie änderten aber plötzlich ihr vorhaben / als sie ganz unvermutet die
fröliche zeitung erhalten / dass ihres Königs tod nur ein falsches geschrei
gewesen / und derselbe in Basan noch lebe. Ich hatte ja so grosse ursache / als
sie /mich dieser freude mitteilhaftig zu machen: eilete auch alsofort zu dem
Suevus und triebe bei ihm E. Maj. angelegenheit. Er ware gleich willig / nach
Syrien zu gehen: allermeist weil der Tubal / den ich daselbst beim heer fand /
hierzu gar eiferig mit antriebe. Also bin ich nun mit ihme glucklich alhier
angekommen: hätte mich aber eher des himmelfalls versehen / als zu vernemen /
was der Prinz der Philister beginnen dorfen. Wäre es auch nicht / dass alle welt
mir diss gegenspiel behauptete / so wollte ich ungescheut sagen / dass ich es
unmuglich gläuben könnte.
    Also endete der Fürst von Cale seinen bericht / und liesse seine
durchleuchtige zuhöreriñen in tiefem nachdenken: die ja so gern / als er / das
jenige nicht hätten gläuben mögen / was ihnen so unmüglich als warhaft fürkame.
Weil die schwache Colidiane von dannen eilete / als leistete ihr die Konigin
gesellschaft / neben den andern / und begaben sie sich also alle wieder in ihre
wonungen. Folgenden tags entschlosse sich die Königin / auf des Husans antrieb /
das angekommene heer aus Basan zu besichtigen. Zu dem ende sasse sie /nach dem
mittag / zu wagen / in begleitung ihrer schwester / wie auch der Prinzessin
Danede und Ahalibama / und fuhre dahin / sich von diesen dapfern Celten und
Teutschen sehen zu lassen. Ein allgemeines verwunderungs-geschrei erhube sich
bei ankunft dieser schönen Konigin / und eilete so fort der Prinz Suevus und die
andern hohe kriegsbedienten ihr entgegen / ihr den rock zu küssen: da dann jener
/ im namen seines Königs / ihr dieses volk überlieferte /und mit einer
sonderbaren ernstaften annemlichkeit seine rede gegen ihr ablegte. Die Konigin
/ die vordessen schon von dem dapfern Suevus viel gehört hatte / erwiese ihm
alle geziemende ehre / und bedankte sich mit der höchsten erkentlichkeit / für
diesen ansehnlichen beistand / den sein König ihr schickte: sich und ihr reich
zu des grössen Marsius diensten hinwieder anbietend. Es musste aber / all dieses
grosse heer / für ihrem wagen über gehen: da dann / neben ihr / alle zuschauere
über dieses schone volk sich verwunderten / desgleichen sie vordeme nicht
gesehen hatten.
    Unter dieser musterung / erinnerte sich Husan / der nahe bei der Königin
wagen stunde / des Prinzen Abimelech / daher er zu ihr sagte: Ich mochte
wünschen /dass unser General sich bald einstellte / dieses schöne kriegsheer vor
Damasco zu furen / weil wir nun mächtig gnug sind / diese stadt anzugreifen.
Solche worte trieben der Königin eine rote ab / die aberdoch dem Husan / soviel
müglich / ihr anligen verhelete / und /als sie sich wieder erholet / ihm
antwortete: des Prinzen von Gerar zustand hat sich also verändert / dass ich ihn
nunmehr nicht werde zu meinem General bekommen / und habe ich seiter vergessen
/ euch /mein vetter! diese änderung / und dass ich nicht nach ihm geschicket /
anzusagen. Husan bliebe hierüber ganz bestürzt / und erwähnte ferner / dass
demnach hochnötig sein würde / einen andern bald zuerwählen. Ich bin aber
beschamt / (fuhre er fort) dass ich keinen unter allen Syrischen Fursten finde /
der hierzu tuchtig wäre: welches der Assyrier verubte list und weltklugkeit
verursachet / indem sie jederzeit / so lang sie Syrien besessen / verhütet / dass
keiner von uns zu kriegs åmtern und verrichtungen gezogen worden / damit solches
ihnen nicht einmal konnte zum nachteil geraten. Ich wüste also / auser dem
Cyniras und Nahor /wohl keinen / der dieses schwere amt verwalten konnte: diese
beide aber werden es schwerlich uber sich nemen. Demnach wäre / meines ermessens
/ niemand hierzu tüchtiger gewesen / als der Prinz Abimelech: den ich auch
nochmals fürzuschlagen mich unterwinden wollte / wofern die ursachen nicht zu
erheblich wären / die E. Maj. hiervon abhalten.
    Es ist einmal unmüglich / (sagte die Königin) dass der Philister-fürst konne
mein General werden. Ich will aber selbst / mit zuziehung euer aller / diesen
krieg füren / und alle eiversucht unter euch aufzuheben / die befehle erteilen /
und stäts bei euch im felde sein. Die Cur / die ich wegen meiner gesundheit
vornemen mussen / wird keine drei wochen mehr dauern. Inmittels werden die aus
Ober-Syrien unter dem Fürsten Rames / ingleichen der Phalacus mit den Niniviten
aus Edom / wie auch der Gaham / von den Nabateern und denen in Hevila /
verhoffentlich mit guter erklärung / ankommen: da wir dann / mit gesamter macht /
etwas haubtsächliches gegen dem feind anschlagen mogen. Diese grosmütige
Entschliessung /(antwortete Husan) ist so edel und unwidersprechlich / dass ich
vielmehr deswegen meinem vatterland gluck wunsche / als dass ich es widerraten
sollte. Um aber dem feind keine zeit zu gonnen / so konnen wir / mit diesen zwei
und fünfzig tausenden / die wir nun beisammen haben / wohl gleich Damasco
berennen lassen / und dörfen nicht warten / bis die drei wochen / so E. Maj. zu
ihrer Cur bestimmet / zu ende / und die andere hülf-volker angekommen seien. Ich
bin mit allem friedlich / (antwortete die Königin) und kann mit dem ehisten
hierüber kriegsrat gehalten / auch / was alsden beschlossen / werkstellig
gemacht werden. Nachdem sie diese erklärung von sich gegeben / und bis gegen den
spaten abend bei dem heer sich aufgehalten hatte /fure sie wieder nach der
brunn-wonung: da ihr dann viel tausend glückwünschungen mit auf den weg gegeben
wurden / und hinterliesse sie keinen im ganzen heer / der nicht / mit freuden
sein blut für diese schöne Königin zu lassen / sich entschlossen hätte.
    Wie man nun folgenden tags kriegsrat hielte / welchem die Königin / wegen
der Cur / in person nicht mit beiwonete / sondern sich nachgehends daraus
berichten liesse: wurde einhällig für gut befunden / alsofort Damasco zu berennen
/ und fiele der schluss / dass Nahor mit achttausend Syrern / Sosares mit
sechstausend Niniviten / Gaisus ein Celtischer kriegsbedienter mit zehentausend
Celten / und Hezrai mit seinen zweitausend Cussiten / unter anfürung des
Egyptischen Prinzen Amosis / (deme sie den kriegserfarnen Hezrai zuordneten)
diesen zug fürnemen sollten. Der Suevus mit zwanzig tausend Celten / wie auch
Zaphis mit drei tausend Niniviten / und Badezorus mit dreitausend Syrern /
blieben bei den Königlichen personen / und am pass zwischen Damasco und Aroer:
bis dass die Konigin von Syrien selber mit vor Damasco würde gehen können. Mit
dieser Königin gesundheit begunte es von tag zu tag sich båsser anzulassen / und
finge sie nun an / auf gutfinden der ärzte / sich des warmen bades zu bedienen /
welches sie nur vierzehn tage lang gebrauchen sollte: nach welchem ausgang sie
dann höchlich verlangte / weil ihre einige begierde war / ihr reich Syrien von
den Babyloniern zu befreien /und ihre untertanen wieder in frieden und ruhe zu
setzen.
    Wenig tage nach des Prinzen Amosis anzug vor Damasco / kame auch der Fürst
Rames / neben dem Cyniras seinem sohne / aus Ober-Syrien mit zwolf tausend
Syrern: welches dann verursachte / dass Badezorus von den alten völkern noch
dreitausend man dem Prinzen Amosis nachfüren musste. Der Fürst Rames berichtete /
wiedass ganz Ober-Syrien von den Babyloniern befreit / auch Belopares mit allem
seinem volke das reich geraumet und nach Ninive sich gewendet hätte. Die Konigin
/ üm allen ihren völkern sich erkentlich vorzustellen / wollte diesen
neu-angekommenen nicht weniger ehre / als den vorigen / erweisen: daher sie
nachmittags / von niemanden als der Timna begleitet / an den ort / da sie sich
gestellet hatten / zu ihnen hinaus fuhre / und durch ihre angeborne
leutseligkeit dermassen ihrer aller herzen eingewonne / dass sie sich überseelig
schäzten / eine solche schönheit zu ihrer Konigin und heerfürerin zu haben. Wie
sie nun die schwadern alle wohl beschauet / name sie wieder den ruckweg vor sich
/ liesse / in der einsamkeit ihre vergnügung suchend / alle ihre leute von sich /
und behielte allein die Timna bei ihr: mit der sie aus dem wagen stiege / durch
ein angenemes schattichtes tal nach ihrer wonung gienge / und von ihrem zustand
sich mit dieser freundin besprachete.
    Wer hätte uns beiden ehemals zu Babel sagen sollen / (sagte sie unter andern
zur Timna) dass es uns in unserer liebe also ergehen wurde / als wie wir es nun
erleben müssen? Ich meines teils håtte mich wohl ehedessen für unfähig und zu
schwach gehalten / das auszustehen / was mir nun begegnet ist. Das leiden
/(versezte Timna) so wir noch nicht am hals haben / ist allemal schwerer / als
das / so uns überfållet: weil wir das entfernte mit gutem bedacht und gesundem
geist ansehen / hingegen das jenige / so uns drücket / unsere sinnen so betrubet
/ dass wir nicht recht wissen /wie uns geschihet / und also fastentfindlos werden
/indem wir nicht konnen zu uns selber kommen / unser leiden recht zu überlegen.
Ihr saget gar wahr / liebste Fürstin! (versezte die Konigin) und gestehe ich
gern /dass ich noch nicht weiss / wie mir geschihet / und sind mir / gleich als in
einem hitzigem fieber / alle sinnen eingenommen / also dass ich / so zu sagen /
sinlos leide. Es hat der himmel / (erwiderte Timna) E. Maj. mit so ungemeiner
grosmut versehen / dass sie eher /als iemand anders / uberwinden konnen / was
ihnen widriges begegnet. Mir aber will es leider hieran fehlen / und füle ich wohl
an mir / dass ich nicht lange mehr mein unglück werde tragen konnen. Ich verlange
auch nichtes mehr / als den tod: weil der noch das einige mittel ist / an meinem
schmerzen ein ende zu machen. Ich weiss wohl nicht / (sagte die Königin) ob ich
mich der grosmut berumen kann / die ihr mir zuleget. Dieses aber gestehe ich
gern! dass ich mich bemühe /so viel mir müglich ist / mein leiden zu uberwinden.
Und weil dem reich Syrien mein leben noch zur zeit nützlich sein kann / als
wünsche ich mir den tod nicht: wiewol / die warheit zu gestehen / ich lieber von
der welt sein / als deren falschheit länger entfinden möchte.
    Wie sie in solchen reden begriffen waren / überfiele sie unversehens ein
starker platzregen / und zwar mit solcher häftigkeit / dass augenblicklich das
tal / darin sie gingen / mit wasser anflosse / und sie ihren wagen / der
zimlich weit hinter ihnen her fure / nicht erreichen konten / sondern / der flut
so wohl von oben als unten / zu enfliehen / sich in ein haus begeben mussten / das
sie in den klippen und bergen herfür ragen sahen. Dieses war nun eben der ort /
alwo Abdastartus des kranken Cimbers pflegte: welcher / als die Konigin die tür
des hauses eröfnete / ganz besturzet /des Cimbers kammertur zu schluge / und den
ankommenden entgegen eilete. Die Königin entsezte sich noch mehr / als er; wie
sie ihn / als einen vermeinten freund ihres todfeindes des Ninias / vor ihr
sah: daher sie auch nicht wissend / was sie sagen sollte /gern wieder hinaus
gegangen wåre / wan es sich hätte schicken wollen.
    Welch ein unverhofftes gluck / widerfäret mir hier /(redte er sie an) dass
meine gnådigste Königin unter mein dach kommet. Wol recht das blinde Glück
/(gabe sie ihm zur antwort) hat mich hieher gefüret: dann es mein vorsatz nicht
gewesen / den jenigen zu besuchen / der meinen årgsten feind zu schutzen / mir
dessen tod hat fälschlich anbringen dörfen. So wissen dann E. Maj. (antwortete er
/ ganz erschrocken) dass mein kranker noch lebet? Freilich weiss ich solches
/(sagte sie ganz unwillig) und håtte dem Abdastartus nimmermehr zugetrauet / dass
solch ein betrug bei ihme sich bergen können. Ich erkenne meine schuld /(gabe
Abdastartus zur antwort / zugleich der Königin zu fus fallend) und habe nicht
vermeint / E. Maj. unwillen und ungnade dadurch auf mich zu laden / dass ich also
einen armen menschen dem zorn seiner Königin zu entziehen vermeint. Ihr habet
damit / (antwortete sie) einem meiner ärgsten feinde und grosten verfolgere
gutes getan / und wider eure landes-Königin einem solchen gedienet / der mir
verhasster ist / als alles / so in der welt kann gefunden werden.
    Weil / indem sie dieses sagte / die Timna in die kammer hinein gehen wollte /
üm alda ein feuer zum abtrucknen zu suchen / und Abdastartus mit dem vorwand /
dass ein kranker darin läge / sie zu rück wiese /vermeinte die Königin nicht
anders / als dass der Ninias alda vorhanden wäre: weswegen sie wieder zum haus
hinaus eilte / und lieber dem ungestumen wetter /als diesem frechen liebhaber /
sich vertrauen wollte. Er ist hier / er ist hier / dieser verwegene / (rieffe
sie) der mich lieben dörfen! drum eilet / Timna! ehe er uns weiter überlast
mache. Als sie nun in das ungestume wetter sich wieder gewaget / traffe sie
ihren wagen an: auf den sie mit der Timna sich eiligst sezte / und durch die
flut / die schon wieder zu verlaufen begunte / hindurch rennte / bis das sie zu
ihrer wonung gelanget. Jederman erwiese sich besorget / wegen dieses zufalles /
und brachte man gleich die Konigin zu einem feuer / auch folgends zu bette /
damit diese erkåltung / ihrer gesundheit und angefangenem Cur /keinen schaden
und nachteil bringen mochte.
    So unruhig sie aber die nacht zubrachte / so wenig genosse auch die ruhe der
trostlose Cimber: welcher /zum uberflusse seines schmerzlichen leidens / seiner
Königin grausame donnerworte selbst mit anhören mussen. Abdastartus vermochte
ihn nun nicht mehr zu trösten / noch ihn zu bereden / dass er seines lebens
schonen möchte; wie er dann / ganz verzweifelt / von keinem arznei oder deren
gebrauch mehr horen wollte. Sein getreuer Tubal / der keinen tag / sonder ihn zu
besuchen / fürbei liesse gehen / kame in spater nacht zu ihme / weil er den tag
über bei dem heer zutun gehabt. Als er seines freundes zustand so verschlimmert
gefunden / verlangte er dessen ursach zu erfahren: es wollte ihm aber / weder
Cimber / noch Abdastartus / etwas sagen. Gegen dem morgen / kame ein diener des
Abdastartus gelaufen / der mit erschrockenen gebärden ihm die post brachte / wie
dass man sie suchte / und ein Ninivitischer haubtman mit vielen soldaten auf dem
weg wäre / ihr haus zubesetzen und sie gefangen zu nemen. O unerhorte
grausamkeit! (rieffe hierauf Cimber / der sich nun nicht länger halten konnte /)
welches Tyger hat dich aufgezogen? oder vielmehr / welche zauberei hält mich /
diese Königin noch zu verehren / will nicht sagen / zu lieben? Wiewol ich mein
leben nicht achte / so will ich ihr dannoch den willen nicht gonnen / in ihre
hände zu geraten. Darüm / Abdastartus und Tubal! könnet ihr mich davon bringen /
so tut es / und lasset mich nachgehends ohn ihr zutun sterben.
    Diese worte öfneten dem Tubal die augen / dass er verstunde / was bisher des
Cimbers anligen gewesen; und darüm sehr verbittert / sagte er: Stehet nicht die
ganze Celtische macht zu unsrem befehl? und sind wir nicht stärker / als die
Syrer? was hält uns / dass wir uns nicht entschliessen / und aus diesem
undankbaren land hinweg scheiden. Nein / Tubal! (sagte Cimber / der es bereuete
/ dass er sich also entdecket) hute dich / solche unruhe alhier anzurichten! Es
sollen dannoch die von Basan dieser grausamen dienen / ob sie gleich mit mir
also verfäret. Weil hier (sagte Abdastartus) keine zeit zu seumen ist / so
mussen wir /hinter dem hause / durch die klippen und felsen entrinnen / da mir
verschiedene holen bekant sind / uns zu verbergen. Die gröste schwerigkeit finde
ich darin /wie wir unsren kranken mogen fortbringen. Helfet mir nur von hinnen!
(sagte der verzweifelte Cimber) hernach wird alles euer sorgen überflussig sein.
Schaffet nur / dass ich nicht in ihre hände gerate / und ihr die vergnugung gebe
/ mich sterben zu sehen. Als er diss gesagt / warfe er sich vom bette / und die
decke des bettes üm sich nemend / lehnte er sich auf den Abdastartus und Tubal:
die mit ihm durch die hintertür hinweg eilten / und ihn in eine höle brachten /
die von ausen mit vielen buschwerk verwachsen war.
    Sie befanden sich kaum darin / da kamen der Königin von Syrien abgeschickte
in das haus: welche befehl hatten / des kranken / den sie unfehlbar für den
Ninias hielte / sich zu bemåchtigen / und ihn in sichere verwarung zu bringen.
Sie fanden alles im hause ledig / und wie sie hin und her vergeblich gesuchet
/hinterbrachten sie solches dem Barzes: welcher es folgends seiner Konigin
berichtete / und dieselbe in nicht geringe sorge dadurch setzete / aus furcht /
dass nicht dieser verschlagene listige Fürst / der noch teils Niniviten sehr
beliebt war / einen anschlag auf sie machen / und sich ihrer person bemächtigen
möchte. Demnach liesse sie / alle ihre leibwachten / mit lauter Syrern besetzen
und verstärken. Es wurde auch noch ferner aller orten fleissige haussuchung
getan / gleichwol aber die hole nicht gefunden / die den verzweifelten Cimber
aufbewarete.
    Wie nun dieser also / mit den andern / sich den ganzen tag verborgen
gehalten / da der hunger ihre geringste ungelegenheit gewesen / wagte sich der
treue Abdastartus mit anbrechender nacht heraus / des vorhabens / von dem
brunn-arzt / als seinem vertrauten freund / so wohl speisen / als benötigte
arzneien zu bekommen: damit seinen kranken so lang aufzuentalten / bis sie
einen gewissen schluss gefasset hätten /was sie furnemen wollten. Wie nun Tubal
inzwischen sich bei seinem freund allein sah / finge er an / ihm zu zureden /
und fragte ihn: Ob es auch seiner grosmut / ja der tugend / gemäs wäre / länger
ein solches leben zu furen / dass bloss aus einer unmüglichen liebe herrurte? ob
auch sein gewissen ihn nicht triebe / die måchtige lande und reiche / ja so viel
tausend seelen /zu bedenken / die ihm bestimmet / und deren heil und wolfart
bloss und allein auf der erhaltung seines lebens beruhete? Dieses zusprechen ward
von ihme so beweglich und umständlich fürgebracht / dass endlich Cimber / wie aus
einen tieffen schlaf erwachend / in sich ginge / und dem Tubal in die hand
angelobte / alsofort / wan ja der himmel beschlossen håtte / dass er noch långer
leben müste / nach Basan wieder zu kehren / und das für ihn unglückselige Syrien
mit seiner liebe zu verlassen. So grosse freude nun diese erklårung bei den Tubal
erwecket / so sehr bereuete Cimber dieselbe gleich darauf in seinen herzen / und
fülete / dass er niemals verliebter gewesen / als nun / da er den schluss von sich
gegeben / nicht ferner zu lieben. Doch gabe er dem Tubal diese seine unruhe
nicht zu erkennen / und war damit einig / dass er folgenden tags / zu ihrer
abreise / alles in bereitschaft bringen möchte.
    Dieser treue freund / als er zuvor noch ein- und anders / die Hercinde und
den zustand in Basan betreffend / mit ihm geredet / unterliesse nicht / den
wiederkommenden Abdastartus zu berichten / wie sein kranker nicht allein zu
leben / sondern auch hinweg zu ziehen / sich entschlossen hätte. Als er ihn
hierauf der fleissigen pflege dieses priesters uberlassen / begabe er sich von
dannen / und wurde so schleunig mit dieser anstalt fårtig / dass er / gegen die
folgende nacht / bei ihm in seiner hole sich wieder einstellte. Er brachte mit
sich / nicht allein einen bequemen wagen / sondern auch tausend pferde der
auserlesensten Celten: die ihm der Prinz Suevus / auf sein ansuchen / mitgegeben
/ ohne dass er von ihme die eigentliche ursach /wozu er die gebrauchen wollte / zu
wissen begehrt. Abdastartus beschlosse / nach Basan mit uberzugehen / und
reiseten sie also selbige nacht miteinander ab: da dann der Tubal mit so
freudigem herzen aus Syrien schiede / als viel tödliche qual diese entfernung
dem Cimber verursachte; der auch solche nicht hätte überstehen können / wan der
himmel ihn nicht zu einem bässern gluck hätte aufbewaren und erhalten wollen.
 
                                Das Zweite Buch.
Indem nun der grosse Cimber / vor dem zorn seiner geliebten Königin flohe /
beweinte diese schöne seinen eingebildten tod / und hatte die ganze nacht in
ihren gedanken mit ihme zugebracht: daher sie gegen dem morgen erst
einschlummerte / und also die bade-zeit verschlieffe; und rieten ihr die årzte /
als sie nachgehends erwachet / dass sie diesen tag aussetzen und dafür sich etwas
bewegen sollte. Wie sie nun ihre schwester / die junge Konigin von Ninive / wie
auch die Konigin von Salem / und die andere Prinzessinnen / ersuchen lassen /
ihr gesellschaft zu leisten / und dieselben sich bei ihr eingefunden hatten:
begaben sie sich såmtlich / neben einer starken wacht / (die sie nimmer verliesse
/ und von dem Fürsten Tare gefüret wurde /) nach der grossen wiesen / welche
die Königs-aue genant wurde / die auch allen brunn-gästen pflegte zu ihrer
ergetzung zu dienen. Es begriffe dieser platz / einen überaus grossen / weiten
und dabei ebenen raum / und ware mitten durchflossen von einem sehr kalten
krystallinen båchlein / dessen sanfter lauf / über den steinigten boden / ein
angenemes geråusche verursachte. Gleichwie nun hierdurch das gehör vergnügt
wurde / also fiele auch von allen seiten in das gesichte / eine überaus angeneme
entfernte landschaft: massen wohl keine lustigere gegend / die also alles
beisammen besessen / hätte konnen gefunden werden.
    An einer seite / und zwar gegen morgen / waren hohe klippen und felsen / die
an teils orten durchbrochen / eine tieffe entfernung vorstellten / und weil vor
dem mittag die sonne nicht über diese berge herfur kommen konnte / für eine
schirmhütte dienten. Es machten auch vielfältige wasserfälle / so von diesen
hohen herab schossen / ein starkes oder gelindes getone / nachdem man nahe oder
fern dabei wollte spaziren gehen. Gegen über / als abend-wärts / flosse der
schiffreiche Pharphar / dessen schlangenweis-fliessender strom stäts mit schiffen
von Biblis erfüllet war: welche / üm diese zeit des jahrs / allerhand notturft
den brunn-gåsten zu kauf brachten / auch hinwieder das Brunn-wasser häufig
abholten / und nach Biblis überfüreten. Wegen des kriegs / waren sie zwar vor
dissmal nicht in solcher månge / als sonst daselbst versamlet: doch kamen ihrer
nicht wenig / und gingen ihre waaren unter die kriegsleute wohl ab / das dann die
kleine zahl der brunn-gåste reichlich ersezte. Gegen mittag / lage Aroer / in
einer weit-gebreiteten grossen ebene / und gaben / die viele bunte gezelte und
fahnen des heerlagers umher / dieser gegend keine geringe annemlichkeit. Gegen
über mitternachtwårts / zeigte sich ein dickes gehölze / von allerhand
schattichten bäumen: dahin man dann sich verfügen konnte / wan die mittags sonne
diese aue zu bescheinen anfinge. Hinter dem wald / nach dem gebirge zu / waren
nicht allein die gesund-brunnen / sondern auch die warme quellen: welche / durch
roren nach den wonungen / und in die dazu bereitete badstuben / geleitet wurden.
    Viel tausend mans- und weibs-personen befanden sich auf selbiger wiesen /
als diese schönen ankamen: die dann mit allerhand spielen und bewegungen die zeit
hinbrachten / aber / in ersehung dieser allerschonsten gesellschaft / alles
fahren liessen / und herzu liefen /dieselben zu betrachten. Man spüret hier noch
nicht /(sagte die Königin von Salem) dass uns der krieg so nahe ist: massen hie
alles in freude und ergetzlichkeit zugehet. Hätte dieses weibsvolk etwas so
liebes vor Ninive und Damasco / als wie die schöne Aramena und Danede haben /
dorften sie vielleicht weniger freude / als sie iezt tun / erweisen. Solten wohl
(antwortete Danede) unter so vielen frauen personen / die wir hier sehen / keine
sein / die ihre liebste freunde mit vor Damasco oder Ninive haben? Sonder
zweifel würden wir dergleichen finden: (versezte die Konigin von Salem) aber
diese sind in so ståter gewonheit /die ihrigen in gefahr zu wissen / dass sie es
fast nicht mehr achten. In diese gewonheit (finge die junge Königin von Ninive
an) kann ich mich noch nicht schicken / massen ich mehr fule / als ich sagen darf
/ üm dass dein bruder / liebste Ahalibama! sein leben iezt für Ninive waget.
Diese quäl hore ich gern / (sagte Ahalibama /) und musste mir leid sein / wan die
Königin von Ninive solche nicht entfånde. Und ich (sagte Danede) bin in solcher
gewonheit nun eine geraume zeit gewesen / meinen Prinzen in gefahr zu wissen:
wiewol nicht diese / sondern der trost mich alles gedulten macht / dass ich weiss
/ die måchtige fursehung des himmels / welcher ich ihn befehle / werde ihn schon
mir erhalten können und wollen. Wol dem /(antwortete Ahalibama seufzend) der auf
die art /wobei noch hofnung bleibet / sorgen kann! auser welcher / die sorgen
unetråglich fallen.
    Diese worte gaben der Prinzessin von Cus anlass /von des Eliesers
begebenheiten zu reden: daher auf ihr ansuchen die Ahalibama sich anheisig
machte / ihre abenteuren ihr zu erzählen. Um dess willen sonderte sich die
Konigin von Ninive / Danede und Ahalibama von der andern gesellschaft ab / und
blieben diese dreie allein beisa$en: da dann Aramena / nun mit mehrer aufmerkung
/ als das erste mal zu Salem / dieser geschichte zuhörte / und båsser / als
damals / ihre freundin erkennen konnte.
    Die Königin von Syrien ginge inmittels / von dem Tare gefuret / in ihren
stäts anhaltenden tiefen gedanken. Die von Salem ersah einen kaufman aus Tyro
unter dem volke / den sie vordessen gekant /liesse ihn zu sich ruffen / und
begabe sich mit demselben in ein gespräche. Daher endlich / weil die andern alle
sich auch so verteilten / niemand bei der Konigin von Syrien / als ihr
frauenzimmer / verbliebe. Mit diesem nun / begabe sie sich / als sie von gehen
mude worden nach der seite des gebirgs / da ihr Casbiane wollte eine
sonders-annemliche grotte zeigen / welche sie zu ihrer ruhe sehr bequem finden
würde. Auf dem hin-wege wurde sie sehr von den bettlern und armen leuten
angelaufen / welche sie / durch ihre milde gaben / immer ungestümer machte / so
gar / dass sie derselben sich zu entladen / der Furstin Perseis / ihrer
hofmeisterin / den geldbeutel täte / mit befehl / solchen unter sie vollends
auszuteilen. Wie nun zu dieser Furstin alle bettler herbei drungen / nahete sich
auch ein verhulltes weib / so in geschwinder eile zu der Perseis sagte / ohne
dass jemand etwas davon warnemen konnte: Ich bin Arteman / und bringe vom König
Belochus einen befehl an euch. Diese wenig worte machten die Perseis nicht
allein bestürzet / sondern auch besorget / ob etwan iemand auser ihr dieselben
gehöret. Wie sie sich aber gleich gefasset / winkte sie ihme mit dem haubt / und
sagte leise: diesen abend kommet vor der Merone wonung / da will ich mit euch
reden. Hiermit verliesse sie diese bettelgeselschaft /und folgte der Konigin.
    Selbige kame nun zu der grotte / welche ihr Casbiane so gerumet / und
befande / dass sie wahr geredet: massen die natur diesen ort / so kunstlich
bereitet hatte / dass nichtes annemlichers konnte gesehen werden. Ein hoch
erhabenes felsichtes tor zeigte sich zu erst / worauf ferner / im hinein gehen
/ eine weite höle sich ofnete / die / wegen der vielen luftlocher / weder
finster noch dåmpfig war. Die wände schienen allentalben einem weissen marmor
gleich / und waren vier unterschiedliche wasserfälle darin / da das wasser von
oben herab einen geraden fall hernieder täte / auch durch die luft und
sonnestralen gefärbet / wie lauter regenbogen aussah / und dabei ein
sehr-angenemes gesäusel machte. Durch die viele luftlocher / sah man in ein
tiefes tal hinab / dass sich schier das gesicht verlore. Selbiges war mit eitel
bergen umgeben / auf welchen die schäfer ihrer herden huteten: und hörte man den
schall von den hirten-flöten / durch den wiederhall / sich so oft verdopplen /
dass es nicht anmutiger sein konnte. Ihr habet recht / Casbiane! (sagte die
Konigin) dass ihr mich hieher gefuret. Ich wüste nicht / wie für mein jetziges
gemüt ein bässerer ort hätte mögen ausgesonnen werden. Hiermit sezte sie sich
/auf einen mit moss bewachsenen ort / und hiesse alle ihre leute ein wenig sich
entfernen / um sie in ihrer einsamkeit / die sie verlangte / nicht zu verstoren.
    Wie nun solches geschehen / gabe sie ihren gedanken vollig gehor / und
uberdachte bei sich / ihren ganzen lebenslauf / was ihr darin begegnet: da ihr
dann alles widerlich vorkame / auser die unschuldige stunden / die sie mit dem
Prinzen Abimelech und dem Cimber zubringen können. Ach! (sagte sie bei ihr
selbst) diese sind nun auch vorbei / und hat die unbeständigkeit des einen / und
der tod des andern / die nichtigkeit aller weltlichen dinge sich mir auch hierin
gezeiget. Diese betrachtung der welt-nichtigkeit /machte ihr ferner einem eckel
und verdruss / üm was irdisches ferner bemuhet zu sein. Was hilft es mich /(fuhre
sie in ihren gedanken fort /) dass ich mir / üm die erlangung des Syrischen
reichs / soviel muhe und sorgen mache? wird es nicht auch wie ein traum sein
/wan ich es erlanget. Und für wen wird diese meine mühe angewendet? wem soll ich
die kron von Syrien erwerben? keinem! keinem! weil ich lebe: und darum wird mein
leben vielen eine last / gleichwie mir selber / dünken. Ach! dörfte ich meinen
tod wünschen (sagte sie kurz hierauf) und also der bösen welt entfliehen! Aber
nein! mein leiden komt von Gott / der es mit mir gut meint : dem will ich nicht
in seine schickung fallen / sondern die zeit ausharren / die er mir / diese
eitelkeit zu bauen / bestimmet hat.
    Indem sie also mit sich selbst redte / sah sie von weiten durch die hole /
den Prinzen Suevus und den Fursten Cyniras / auf sie zukommen. Weil sie diesen
berümten Teutschen Fürsten höchst verehrte / als wollte sie seiner warten / und
seiner gesellschaft sich nicht entziehen. Er ware / üm mit dem Cyniras allein zu
reden / lang vor der Konigin / in diese höle gekommen: welche sie sobald nicht
erblickt / da stunden sie beide auf / ihr aufzuwarten. Sie waren aber noch fern
von ihr / und sagte Suevus im fortgehen: Euer bericht / mein Fürst! läst mich
ganz besturzet / und ists möglich / das Tuscus Sicanus diese nacht mit dem Tubal
hinweg gezogen? Es ist / wie ich sage / (antwortete Cyniras /) und konnte seine
krankheit ihn von diesem schluss nicht abwenden. Wollet ihr aber / wohl bemühet
sein / edler Furst! (fragte Suevus) bei dieser schonen Syrerin meinen König nun
in gnaden zu bringen / da Abimelech ihr untreu geworden / dessen liebe / wie ihr
saget / mein Konig ståts gescheuet? da auch Dison die schwester dieser schönen
liebt / und Elihu / wie ihr meint  / von ihr noch nicht geliebt wird? Was
könnte ich / (antwortete Cyniras) gewünschters ausrichten / als eben dieses / wan
ich also meinem vatterlande einen so grossen unvergleichlichen tugend-helden zum
herrn verschaffete / der würdig ist / die ganze welt unter seinem gebot zu
sehen? So müssen wir dann (wiederholete Suevus) dem Marsius ohne sein wissen
dienen: werden aberdoch dessen keinen bösen dank haben / wan wir etwas gutes
ausrichten.
    Sie waren nun der Konigin so nahe / dass Cyniras nicht wieder antworten
kunte. Suevus / nachdem er vor ihr sich bis zur erden geneiget / sagte: wie er
besorget wäre / dass seine gegenwart sie mochte aus ihren hohen gedanken gesezt
haben / weil dieser ort /den sie erwehlet / sattsam anzeige / dass ihr die
einsamkeit mehr / als die gesellschaft / beliebe. Ob zwar mein sin also
beschaffen ist / (antwortete die Königin) so kann ich doch den edlen Prinzen
Suevus versichern /dass / wie meine gedanken billig ohn unterlass auf die
erkentlichkeit müssen gerichtet sein / die ich dem Konig von Basan und allen
dapfern helden aus Celten schuldig bin / also ich nicht ungern die gegenwart des
nåchsten vettern des grossen Marsius bei mir sehen kann / sondern vielmehr solche
hoch schåtze und verehre. Nach solchen und dergleichen abgelegten höflichkeiten
/ wie sie beide sich bei ihr niedersetzen müssen / kamen sie im gespräche auf
den zustand in Celten / und begunten von ihrer ersten herauskunft in Asien zu
reden / daher die schone Königin gelegenheit name zu dem Suevus zu sagen: Ich
habe so grosse ursach / edler Prinz! nach des Königs von Basan / als meines
woltäters / ursprung / leben und wandel mich iezt mehr als vordessen / zu
erkundigen / dass mir nicht wird verublet werden / wan ich hiemit mein verlangen
bezeuge / solche genauere kentnis von euch zu erlangen. Ich bin versichert / dass
ich nichts gemeines werde anhören dorfen / und dass die zeit nicht edler konne
angewendet werden / als wan ich verneme /was in Celten und in Asien / mit den
dapfren Teutschen und ihren grossen Königen / sich denkwurdiges begeben hat.
Eurer beiden heldinnen / der Mirina und Hercinde / grosstaten sind mir nicht
unbekant: daher es ja unbillig wåre / wan ich nicht auch den lebenslauf ihres
bruders wissen sollte. Deshalben bitte ich euch /mein Prinz! diesen meinen
vorwitz anitzo zu vergnügen.
    Mein Konig (sagte Suevus hierauf) hat mir anbefohlen / E. Maj. in allem /
wie ihm selber / zu gehorchen. Demnach erkenne ich mich schuldigst / solchen
befehl auch hierin zu erfüllen: und halte ich es / vor meinem Konig / für ein
sonderbares glückzeichen /dass E. Maj. vonselber das zu wissen begehren /was
sonst nie zu ihrer kentnis hätte kommen dorfen. Weil E. Maj. sowol meines Königs
ursprung / als seinen lebenslauf / wissen wollen / werde ich das erste auf mich
nemen / das andere aber dem Cyniras überlassen / welcher uneracht er ein Syrer
ist / mehr kentnis vieler dinge hierbei hat / als ich selber / ob ich gleich ein
Teutscher bin. Nun ich dieses vom Cyniras weiss / (antwortete die Königin) werde
ich von ihme des grossen Marsius lebenslauf zu vernemen trachten / ietzund aber
von euch / mein Prinz! die erzehlung der Celtischen geschichte erwarten / welche
niemand bässer / als der dapfere Suevus / der alles mit belebet /wird fürbringen
können. Hiemit als sich Suevus ein wenig auf das / so er zu sagen / besonnen
hatte / hube er also an / der schönen Syrerin zu erzählen.
         Die Geschichte des alten Marsius / Königs in Celten und Basan.
Gleichwie der Teutschen erste ankunft aus den morgenländern gewesen / von dar
unsere vorfahren sich nach und nach gegen abend gewendet / und nicht allein das
Riphatische gebirge und das reich Ascenas /sondern auch gar Kitim samt den
Inseln / und das weite und wüste Celten zu bewonen angefangen haben: also hat
der grosse Teutates bei unseren zeiten es wunderbar gefäget / dass teils der
unsrigen zu ihrem ersten ursprung wiederkehren / und hier in Asien einsitzen
müssen. Der verstorbene König Marsius / war zu dieser weltberumten grossen
verrichtung vom himmel ausersehen: darzu er dann auf so sonderbare weise geleitet
wurde / als grosmütig und dapfer / auch mit unsterblichen ruhm / er solches
ausgefuret. Dieser König war der jüngste / unter zweien brudern / die dem
Wigewon / dem grossen König der Celten / von der Zadis Prinzessin aus Bätica / zu
Marsburg geboren worden. Sein älterer bruder Bojus / hatte nichts vor ihme / als
die erstgeburt: da hingegen er tausend geschicklichkeiten besasse / mit denen er
dem Bojus überlegen war. Es wurde aber / gleichwie die tugend /also auch der
neid und die verfolgung / mit ihm geboren: welche ihm von kindheit an auf dem
fus nachtraten / und / da sie ihm die liebe und hochachtung aller menschen nicht
nemen kunten / ihme doch seine zween nåchste blutsfreunde / den Bojus / und
seine schwester / die Martinde / zu feinden erweckten; wodurch er dann stäts
geübt wurde / und viel zu leiden von jugend auf gewonete.
    Der Konig sein herrvatter der ihn sehr liebte / sah wohl zuvor / was aus
diesem bruder-hass werden würde wan er nicht bei seinem leben den Marsius
versorgte. Demnach raumete er ihm einen grossen teil von dem Celtischen landen
ein: welches er aber / üm eiversucht zu verhuten / also anstellte / dass Marsius
das land mit dem schwerd gewinnen musste / das er beherschen sollte: auf welche
weise er auch mit dem Bojus verfuhre. Diese beide nun / indem sie durch diss
mittel voneinander kamen / liessen ihre eiversucht in sich herschen / und waren
dahin bedacht / wie sie / durch dapferkeit und überwindung der feinde / einer
dem andern überlegen sein mochten. Die feinde / so sie hatten / waren die
nachkommen des bekanten Assyrischen Fürstens Trebeta / welche auf das äuserste
verfolget und ausgerottet werden sollten: wie dann Wigewon und sein bruder Sodar /
der mein herrvatter gewesen / diese volker sehr herunter gebracht hatten /und
war nur noch der einige dapfere held / der Altobrox / der sie erhielte / und
ihren gänzlichen untergang verwehrte. Dieser Fürst war der lezte von des grossen
Trebeta geschlechte / und hatte sich mit einer Celtischen Fürstin / der schonen
Gomerine / aus dem Golischen reiche / verehlicht / die von ihrem vorigen herrn /
dem Daces / einen sohn und tochter ihm zugebracht: von denen er den sohn /
seinem stamvatter zu ehren / Trebetes nennen / aber der tochter Aurinia ihren
namen liesse. Er selbst zeugte / mit dieser Gomerine / eine tochter die dapfere
Arovinda: welche nun einige erbin aller ansprache des grossen Trebeta verblieben
/ und von jugend auf einen so dapfren muht blicken liesse / dass sie dahero nicht
geringe hoffnung von sich gabe. Sie folgte dem mutigen Altobrox allentalben im
kriege nach / und munterte dadurch ihre stiefschwester auf / dergleichen zu
tun.
    Wie nun dieser küne held / durch die beide Prinzen den Bojus und Marsius /
an verschiedene orten / mit einer starken heersmacht angegriffen wurde / ginge
er selbst in person dem Bojus entgegen / und schickte wider den Marsius einen
seiner bästen kriegs haubtleute / auf den er sich sehr zu verlassen pflegte: dem
er auch seinen stiefsohn / den Trebetes / mitgabe / die Aroninda und Aurinia
aber bei sich behielte. Ich wurde / von dem Wigewon / dem Marsius zugegeben /
daher ich stäts ein zeuge seiner heldentaten sein können / und würdigte er mich
/ neben dem Fursten Herman / der von der mutter wegen / ja so nahe / als ich /
an das Königliche haus befreundet war / seiner allergeheimsten freundschaft:
gleich wie im gegenteil des Hermans bruder / der Fürst Bodus / des Bojus herz
ganz eingenommen hatte und regirte. Weil wir /von des Königs Celtischen
alt-erfahrnen båsten kriegs-leuten angefüret wurden / als lernten wir mehr
allein gar bald den krieg / sondern wir machten uns auch bald tüchtig / den
krieg selber zu füren. Des Marsius arm siegte uberall / so gar / dass in kurzer
frist der Trebetes vor uns weichen und uns meister im feld hinterlassen müste.
Verschiedene berghäuser /(dann wir in Celten / auser Trier / so damal der
Altobrox noch innen hatte / von wenig städten wissen) bekamen wir ein / und
gelangten gegen den winter sieghaft nach der Marsburg: da der alte Konig seinen
dapfern sohn mit herzlichen freuden entfinge /auch verordnete / dass er fortin
den Konigs-namen annemen / und nun die länder beherschen sollte / die er mit
seinem schwerd gewonnen hatte.
    Mitlerweile / und wie dieser junge Konig / ganz ruhm und ehrsüchtig über
seinem sieg / den winter uber in der Marsburg verbleiben wollte / ergienge es
seinem bruder nicht so glucklich: massen deme der Altobrox viel zu schaffen
gemacht / und ihn endlich mit seinem ganzen heer / in einen wald / der fast halb
Celten durchstreichet / gejaget / auch darin also eingeschlossen / dass er weder
sich durchschlagen / noch in die långe lebensmittel haben kunte. Wigewon
richtete hierbei sein absehen auf seinen jüngsten sohn / und bildete ihm ein /
wan der seinen älteren bruder in dieser gefahr zu hülf käme / und ihn erlöste /
dass solcher dienst nachgehends dessen hass verringern / und zu bruderlichen
einigkeit anlass geben würde. Demnach mussten wir / ungeacht der herben kälte /
wieder zu feld / und täte der küne Marsius diesen zug ganz freudig / bloss mit
der ehre vergnüget: dann er wusste wohl /dass alles für seinen bruder bestimmet war
/ was wir dem feinde dissmal würden abgewinnen können. Altobrox / unsere ankunft
vernemend / ruckte uns entgegen / und lieferte uns eine schlacht / die an beiden
teilen sehr blutig ablieffe. Doch behielten wir den sieg / und zwungen diese
Fürsten / dass er dem Bojus musste luft gönnen / zu uns zu stossen. Hierauf wurde
der sieg mit gesamter macht verfolget / und trieben wir den feind bis in seine
haubtstadt Trier: inzwischen der Bojus ein anderes heer der Trebetier / so die
Arovinda / die schöne tochter des Altobrox gefüret / jagete und eben also / wie
ihm zuvor geschehen / in einen wald einschlosse. Weil nun seine rachgier gegen
des Trebetische haus sehr gross und häftig war / als fiele ihm diese grausamkeit
ein / den wald rund ümher anzuzünden / und dergestalt die Arovinda mit ihrem
heer aufzuopfern.
    Der König Marsius und wir andere waren eben im anzuge begriffen / wie dieses
geschehen sollte / und eileten wir / als wir unterwegs davon gehöret / solche
tyrannei zu verhuten. Der wald stunde aber bereits in voller glut / als wir zum
Bojus kamen / dem der Marsius zuredete: Ob das auch grosmütig gehandelt sei
/solcher massen sich an seinem feind zu rächen? und wie er dem ruhm ihrer
siegreichen waffen / den schimpf antun mögen / solchen mit dieser untat zu
verdunklen? Bojus / der ohne das dem Marsius von herzen feind war / name diese
einrede sehr ubel aus /und seiner spottend / fragte er: Ob er auch ein Asianer
wåre / dass er wollte die weiber anbeten? wie hiesige völker / bei uns wilden
Celten / damals solche nachreden hore mussten. Marsius / hierdurch noch mehr
angereitzet / die Prinzessin zu retten / fassete in der noht diesen so eilig-
als unvermuteten schluss / und den seinigen zuruffend / ihm zufolgen / sezte er
mitte durch die flamme / und rante an den ort / da die Arovinda ware. Der viele
dampf und rauch / der sich schon durch den ganzen wald gezogen / liesse uns keine
weitere frist / als dass wir die Prinzessin auf ein pferd namen / und ihren
halb-todten leuten zurieffen / uns zu folgen / weil wir sie zu erlosen kämen.
Als wir damit durch das feuer wieder durchgerant / darzu teils der unsrigen uns
raum gemachet / sahen wir uns von dem ergrimten Bojus angegriffen / so dass es zu
einem blutigen gefechte kame. Mitlerweile nun also ein Teutscher dem andern in
den haare lage / brachte Marsius die Arovinda auf ein berghaus / liesse sie
daselbst mit einer starken wacht / und kame wieder zum treffen: welches langsam
würde ein ende genommen haben / wan uns die finstere nacht nicht geschieden
hätte.
    Folgenden tags / weil Bojus schwerlich verwundet war / und Marsius an diesem
bruder-krieg kein gefallen hatte / zogen wir von dannen / des willens / wieder
heim zu kehren: da auch die Trebetier / welche bei der Aroinda gewesen / mit
guter art zu rücke gewichen waren. Es wollte aber Marsius vorher des Altobrox
tochter ansprechen / und sie nicht dergestalt halbbefreiet dahinten lassen. Ihre
schönheit schiene damals ihme dermassen in die augen / dass er / mit einem wort
zu sagen / sie häftig lieb gewonne / und auf ihr begehren / sie nach Trier zu
ihrem herrvattern brachte: wiewol er nicht selbst in die stadt kame /sondern vor
dem tor einen solchen abschied von ihr name / der viel zu verliebt für einen
Celten war / und satsam erwiese / dass in unseren kalten landen / die liebe ja so
mächtig und hitzig / als in diesen morgenländern / regiren können. Diese an sich
selbst lobwürdige tat / wurde nun nicht zum bästen bei unsrem hof aufgenommen /
und brachte es / Martinde des Boius liebe schwester / und die andere fur ihn
gutgesinte /mit so verhaften ümständen vor den alten Wigewon /dass der zu
befahren begunte / sein sohn stünde mit dem Trebetier-Fürsten in heimlichem
bunde. Demnach wurde dem Marsius an die hand gegeben / nach seinem lande zu
gehen / und nicht bei hof zu erscheinen. Also wandten wir uns / in die / den
Trebetiern ab-eroberte landschaften. Aber dem verliebten Marsius / schwebte der
Arovinda bild stäts fur augen /dass sie nacht und tag eine gesellschafterin
seiner gedanken war / und er dafur fast zu keinem andrem nachsinnen gelangen
konnte. Daher ihm / nicht so sehr die sorge wegen vätterlicher ungnade / als wie
er seine Arovinda erlangen möchte / auf dem hals lage: massen ihm dieses sehr
schwer vorkame / weil sie seine feindin / auch der hass zwischen den Celten und
Trebetiern unversönlich ware.
    Bei diesem zustand / befiele der alte Wigewon mit einer todlichen krankheit
/ und ordnete / auf einblasen der Martinde / in seinem lezten willen / dass Bojus
König nach ihme werden und über ganz Celten herschen sollte / allein die
landschaften ausgenommen /die er seinem andern sohn / dem Könige Marsius /
bereits übergeben hatte. Also wurde / nach Wigewons tode / der Bojus so mächtig
/ dass er nicht allem mit dem Altobrox den krieg håftiger / als vordessen
fortsezte / sondern auch die gränzen des Marsius also beschnitte / dass er nicht
viel zu tun vermochte. Der Bojus belägerte endlich die stadt Trier / und kunte
Altobrox / weil seine macht von tag zu tag abname /nicht davor sein / dass ihn
sein feind in seinen eignen mauren nicht eingeschlossen hätte. Er wehrte sich
zwar / als einem helden eignet und geburet / entschlossen / nicht lebendig dem
Bojus in die hände zu fallen: womit er aber mehrers nicht ausrichtete / als dass
die zeit des unfehlbaren untergangs der seinigen in etwas verschoben wurde. Wie
hierbei dem Marsius zu sin gewesen / lässet sich nicht beschreiben: welcher zwar
seines hauses ehre durch den untergang der Trebetier gemehret / aber solchen /
wegen seiner lieben Arovinda / weniger als seinen eignen untergang dulten konnte.
Daher sasse er auch mussig bei diesem krieg / weil ihm unmüglich fiele / gegen die
Arovinda und ihren vatter die waffen zu füren. Er war auch dem Bojus so
verdåchtig / dass / wan er sich schon hätte anbieten wollen / man ihn doch würde
abgewiesen haben.
    Weil er nun so wenig wider / als fur sie fechten kunte / wollte er jedoch in
dieser schweren belägerung seine Arovinda nicht hülflos lassen. Demnach
entschlosse er sich / selbdritte / nämlich mit dem Herman und mir / verkleidet
in Trier hinein zu gehen / und die Arovinda heraus zu bringen. Es glücke uns
alles hierbei nach wunsch / und kamen wir in die stadt / indem wir sturm mit
liefen / der eben bei unserer ankunft zum dritten mal war abgeschlagen worden /
nun aber eben gluckte / und den Bojus sieghaft hinein brachte. Wir eileten
sofort nach des Altobrox schlosse / den wir in den armen der Arovinda fanden / da
er eben den geist aufgeben wollte / als mit einem pfeil tödlich verwundet: und
bejammerte er nichtes / als seine Arovinda / die er ermanete / eher zu sterben /
als sich den Celten in die hände zu liefern.
    Sie erkannte meinen König gleich für ihren ehmaligen erlöser / und vermeinend
/ als ob er mit dem Bojus kåme / rieffe sie ihn üm schutz an: worzu er dann mehr
als willig war / auch so fort etlichen von des Altobrox bedienten befahle /
ihren herrn aufzunemen /und ihn / neben der Arovinda und Aurinia / ihm
nachzufüren. Also ginge er allein füraus / dem Herman und mir befehlend / dass
wir hinter ihnen bleiben sollten / und brachten wir sie also / mitten durch den
feind / aus Trier hinaus: da uns zwar zum bästen kame / dass die Celten auf das
rauben und plündern mehr / als auf uns / acht gaben. Wir wurden aber doch von
ihrer vielen angegriffen / und war es fast ein wunderwerk / dass wir also davon
kamen. Wie wir nun drausen waren / namen wir eiligst vor uns den weg nach unsrem
lande: da der gute Altobrox unterwegs /nachdem er dem Marsius seine einige
tochter / samt ihrem recht an Assyrien / übergeben / mit der vergnügung sturbe /
dass er seine Arovinda in eines so dapfren heldens sichrem schutz hinterliesse.
Der König liesse ihm hierauf diese schöne antrauen / und hielte sich nun für den
seeligsten der welt / weil er einen so werten schatz besasse. Trebetes fürte uns
hierauf alle übrige Trebetier zu / die nun den Marsius für ihren herrn erkenten:
welches dann unsere macht ein wenig stårkte / dass wir dem feindseligen Bojus
zimlich gewachsen sein konten.
    In solcher zeit fluchtete der Janigener König Blascon / aus Tuscia in Celten
/ und warfe sich unter des Bojus schutz: welchen der Hesperus / König in Bätica
/ von seinem reich verjaget / und sich selbst in Tuscia zum Konig gemacht hatte.
Weil Blascons schwester /die Prinzessin Galatea / an den Bodus / den liebsten
freund des Bojus / verehlicht war / als entfinge er allen guten willen zu Trier
/ und wurde wider den Hesperus der krieg beschlossen: daher dem Marsius luft
gelassen wurde / dass man ihn sobald nicht zu bekriegen suchte. Blascon / durch
den tod seiner gemalin / die ihm eine tochter zu Trier geboren / in den
Witwerstand gesetzet / verheuratete sich alsofort wieder mit der Martinde / des
Königs schwester: dadurch er sich dann noch fäster bei dem Bojus in gnade setzete
/ der nun seines schwagers angelegenheit fur seine eigne achtete und ansah. Um
aber den mächtigen Janigenern gewachsen zu sein / die die Aborigener auch auf
ihrer seite hatten / (weil deren König Lucus sich an des Hesperus schwester /
die dapfere Valentia verehlicht / und in Tuscia bei seinem schwager sich
aufhielte bediente sich die verschlagene Martinde dieses mittels / und stiftete
eine heurat zwischen ihrem bruder und einer Fürstin aus Celtiberien / deren
schwester den Italus Kitim zum gemal hatte: wodurch sie zu weg brachte / dass
Italus Kitim / der des Hesperus leiblicher bruder war / von der einen seite /
indem die Celten auf der andern kamen / in Tuscia einbrache /und dem Hesperus
soviel zu tun machte / dass der /neben seinem schwager dem Lucus / und seiner
schwester der Valentia / entfliehen musste / und bei uns schutz suchte / der ihm
auch nicht verweigert wurde. An statt aber / dass Blascon / auf diese flucht des
Hesperus / hätte wieder sollen der Janigener König werden / sezte Italus Kitim
selber die kron auf / und sah Bojus hierbei durch die finger: weil seine
gemalin / als schwägerin des Italus Kitim / bei ihm so viel vermochte / dass er
der ihrigen bästes / seiner schwester angelegenheiten vorzoge.
    Gleichwie aber der Bodus des Blascons schwester in Tuscia geehlicht / also
hatte sein bruder / der Herman / die Hesperia / des Hesperus und der Valentia
jüngere schwester geheuratet: welches dann die verbitterung zwischen diesen
brudern / da ihre beide gemalinnen einander todfeind waren / also vermehrte /
dass jeder seinen König / (als die da beider herz regirten) anfrischete / ihre
alte feindschaft noch eifriger / als jemals / gegeneinander fortzusetzen. Also
liesse der Bojus unsrem Konig sagen: wofern er nicht gleich den Hesperus / und
dessen schwager den Herman / nebst seiner gemalin der Hesperia / würde von sich
tun /sollte ihm hiemit ein ewiger krieg angekündet sein. Unsere antwort / die
wir hierauf gaben / bestunde in der tåtlichkeit: da wir sofort uns zum krieg
rüsteten /und mehr unsern dapfern muht / als die ungleiche macht / ansehend /
den Bojus weniger dannichts achteten. Fünf jahre daurete dieser innerliche
bruderkrieg / da mein König tausend dapfere taten verrichtete: mit denen ich E.
Maj. einen ganzen tag unterhalten könnte / wan ich dero gedult misbrauchen wollte.
    Unter der zeit / wurde dem Marsius von seiner Arovinda ein sohn geboren /
welcher sowol des vatters namen / als dessen helden-tugenden geerbet: also dass /
wan er dermaleins in seiner liebe so glücklich als der vatter werden wird / kein
vatter iemals einen gleichern sohn mag gezeuget haben. Der edle Furst Herman
bussete in diesen krieg sein leben ein / und hinterliesse seine betrübte gemalin
/ mit einem sohn / dem der name Cimber zugelegt wurde / und der / weil er
gelebet / an dapferkeit seinem vatter nichts nachgegeben. Die schöne Königin von
Syrien seufzete zu dieser erwehnung des dapfren Cimbers / wollte aber des Suevus
erzehlung nicht unterbrechen / und hörte / sonder etwas zu sagen / die geschicht
also fortsetzen.
    Der tod des Fursten Hermans / war ein vorbote alles des unglückes / so uns
nachgehends zu handen stiesse: massen nach dem tage / alle unsere sachen den
krebsgang gewonnen / und folgte uns die wiederwårtigkeit so sehr auf dem fusse
nach / dass des Boius Glück zu- und das unsere abname. Arovinda / die so
gottsfürchtig als dapfer war / erkundigte sich / so wohl bei den heiligen
Aurinien / als bei den warsagern den Vacien / was die ursach dessen sein möchte?
da ihr dann zur antwort wurde: Des Marsius Glück blühe in Asien / und nicht in
Celten / und müsse er sich dahin verwandeln / üm seiner gemalin recht an
Assyrien durch das schwerd zu suchen und zu erlangen. Sie lage hierauf ihrem
gemal immer in den ohren / Celten zu verlassen / und dieser weissagung nach zu
setzen: sie vermochte aber eher bei ihm nichtes auszurichten /als bis er selbst
nach dem berumten hayn auf den brockenberg reisete / alda dem Tuiscon / unsrem
ersten stamvatter / eine ehrenseule aufgericht stunde /welche / zu verschiedenen
zeiten im jahr pflegt antwort zu geben. Als er nun daselbst sich befraget /
vername er diesen /
                            Des Tuiscons Ausspruch.
Je länger dass dein fus wird Celtenland betreten /
ie später wird dein stätes gluck angehn.
Nicht hier / in Asien wirst du dich König sehn:
Doch deinen samen wird man künftig hier anbeten.
Von dir das Celtenland die Könige wird zehlen;
auch Assur soll für sich die deinen wählen.
    Dieser ausspruch war so vorteilhaftig für die Arovinda / dass sie endlich bei
dem Marsius erhielte / was sie verlanget. Und weil sie eben wieder schweres
leibes ginge / wollte sie das kind / so sie gebären würde /heimlich in Celten
hinterlassen: weil der Tuiscon gesaget / dass Celten so wohl / als Assyrien / von
ihrem samen Konige zehlen würde; und bote sich die Hesperia an / die erziehung
dieses kindes über sich zu nemen. Hierauf rüsteten wir uns alle zu dieser fernen
reise / und zogen unser volk zusammen / des willens /teils durch das reich
Ascenas in Asien zu gehen / teils von Kitim aus / zu wasser / nach Asealon uns
übersetzen zu lassen. Bojus / der hiervon wind bekommen / zoge unsrem heer / das
der Trebetes fürete / auf dem weg nach dem land Ascenas entgegen / und verlegte
ihnen den pass / dass sie nicht hindurch kommen kunten: wodurch Marsius genötigt
wurde / den Trebetes zu entsetzen. Also kame es zu manchem blutigen gefechte /
da bald wir / bald die feinde siegeten. Nachdem wir also in dem gebirge etliche
zeit zugebracht /schlugen wir uns doch endlich durch / und hatten damit / den
weg in das land Ascenas / so ferne schon vor uns gebracht / dass es uns viel volk
würde gekostet haben / wan wir erst wieder zu rücke gehen / und mit den übrigen
/ die bei der Arovinda in der Fürstin Hesperia landschaft noch stunden / uns
håtten vereinigen wollen. Deshalben vertraute der Konig mir und dem Trebetes
diesen teuren schatz / nåmlich seine gemalin / und seinen sohn / dass wir ihm
dieselben über see nachbringen sollten: er aber gienge mit seinen völkern fort /
um / nach des Tuiscons ausspruch / in Asien wieder zu finden / was er in Celten
fahren liesse.
    Nachdem Trebetes und ich durch des Bojus volker heimlich durch gekommen /
und der Hesperia schloss erreichet hatten / fanden wir die Konigin Arovinda nicht
mehr im leben / und an ihrer statt die kleine Prinzessin Hercinde / in deren
geburt sie ihren edlen geist aufgeben müssen. Weil Hesperia / dem lezten willen
der Konigin zu folge / diese tochter des Marsius erziehen wollte / liessen wir sie
gern in Celten: zumal wir auch / mit einem so zarten kind / uns nicht gern auf
das wilde meer wagen wollten. Also namen wir mit uns den jungen Prinzen Marsius /
und unsere ubrige volker: dergestalt Celten verlassend / üm unser Glück in
diesen morgenlanden zu suchen. Wir kamen / nach überstandener vieler
mühselichkeit / in Ascalon an: da wir unser König vor uns fanden / und ihm die
traurige post brachten / dass seine Arovinda in der geburt verschieden wäre.
    Sein heldenmut konnte ihm nicht verwehren / hierüber bitterlich zu weinen.
Wie nun die daselbst anwesende Konige / als der Aramenes von Syrien E. Maj.
herrvatter / der Konig der Philister / der Konig von Hemath / und der Prinz von
Caphtor / ihme trost einsprachen / war der kleine Prinz Marsius mehr dann sie
alle bemühet / seinem betrubten herrvattern diese traurigkeit zu benemen. Was
für verständige grosmutige reden / von verachtung des todes und der nichtigkeit
dieses lebens / dieses kind damals auf die bahn gebracht / ist nicht auszusagen.
Mein König fand an ihm seinen einigen trost / und ware nun eifrig bedacht / für
dieses kind / der verstorbenen Arovinda recht an Assyrien / bis auf den lezeen
odem zu bestreiten. Zu diesem ende ward / zwischen ihm und E. Maj. herrvattern /
der damals / durch den Belochus / aus Syrien schon geflüchtet war / wie auch den
Philistern und den dreien Canaanitischen Königen / als dem Ephron zu Kiriat
Arba / dem Melchisedech zu Salem / und dem Regu zu Jericho / zu Ascalon ein bund
aufgerichtet / und beschlossen / dass dem König Aramenes zu hülfe / der Trebetes
in Syrien gehen / wir aber inzwischen / den durchzug durch Canaan nach Babel /
von allen Königen des landes begehren wollten.
    Als man sich nun hierzu rustete / kame nach Gerar die Milda / der Königin
Eglone fraumutter / und des Konigs Abinael zu Basan gemalin / neben der
Prinzessin Salamis ihrer tochter / wie auch den beiden Prinzessinnen der
Moabiter und Amoriter / der Kezia und Ogire. Wie alle diese Konigliche personen
/neben der Aurinia und meiner schwester der Sonna /einsmals auf das herrlichste
von dem Abimelech bewirtet wurden / und alle / nach gehaltener tafel / in einem
grossen saal beisammen stunden / lieffe der kleine Prinz Marsius unter allen
diesen damen herum / und war geflissen / eine jede von ihnen / einem von uns
zuzufreien: da er dann dem Trebetes die Moabitische Prinzessin / dem Konig von
Hemath meine schwester / mir die Prinzessin der Amoriter / und der Aurinia den
abwesenden Prinzen Zipor / den bruder der Kezia / zu ordnete. Wie wir nun
hieruber unsern scherz trieben / fragte ihn der König von Syrien / ob dann sein
herrvatter keine haben sollte? Hierauf liefe der Prinz alsofort nach der Salamis
/ und wollte nicht eher davon ablassen / bis er sie dem Konig Marsius zugefüret.
Jedweder in der gesellschaft bliebe uber dieser wahl des Prinzens vergnüget /
und wollte er /von der zeit an / diese anderst nicht als mutter nennen: darin dann
zu Gerar ihn jederman stärkte / weil man allerseits nichtes eifriger wunschte /
als dass der Marsius diese heurat tun möchte.
    Es schiene fast nicht anders / als wåre der kleine liebesgott / von denen
die Asianer so viel dichten / in unseren kleinen Prinzen gefahren: massen alle
die personen / die er damals zusammen gefuget / von der zeit an / einander lieb
gewonnen. Zwar dem Marsius wollte / das beståndige andenken seiner Arovinda /
lang nicht zugeben / die Salamis zu lieben. Doch uberredte ich ihn darzu / und
gebrauchte mich dieser schlussrede: wie dass ich / unser grosses fürnemen
auszurichten / nichts nutzlicher fände / als so eine befreundung mit den
Amoritischen Königen / die nachmals auf unsere seite tretend / unser beginnen
wider Assyrien leichter machen und sehr befördern würden. Also ist /aus diesem
kinderspiel des kleinen Marsius / ein ernst worden / uñ hielten wir alle zu
Gerar auf einen tag unsere hochzeiten: nachdem die Königin Milda / so wohl bei
ihrem gemal / als bei dem Konig der Amoriter und Moabiter / es zu entschuldigen
ubernommen hatte /dass hiemit / damaligen ümstånden nach / so schleunig verfahren
worden.
    Wir gedachten hierauf wieder an den krieg / und machten bald in Canaan von
uns reden: also dass /ohne eitelkeit zu reden / unser blosser name jederman einen
schrecken einjagte. Wie aber die Konige jenseit des Jordans / wiewol sie nun
unsere schwiegervåtter waren / auf des Marsius ansuchen / uns nicht allein den
durchzug durch ihr land verweigerten / sondern auch aller feindseligkeit sich
gegen uns vernemen liessen / ginge der zug zum ersten wider sie / und brachen wir
in der Amorite gebirge ein / mitlerweile Trebetes in Syrien war: da dann alles
unserer macht wiche / also dass auch selbst der König Emori in einem treffen
bliebe / und hierauf die Amoritische kron dem Marsius aufgesetzet wurde. Die
freude über diesem unsren sieg / wurde uns durch eine widrige zeitung aus Syrien
zimlich versalzen / indem wir von dem Trebetes die nachricht erhielten / wie dass
er von den Assyriern / weil die Philister zurücke gegangen / und so wohl ihn /
als den Konig von Syrien / verlassen hatten / bis aufs haubt wåre geschlagen
worden. Dieses brachte der fortsetzung unsers sieges nicht geringe hinternis /
und hätte es die Königin Salamis nicht verhintert / würden wir deswegen mit den
Philistern selber in streit geraten sein. Wie besorgt aber diese Konigin üm
ihren schwager war / so wenig name sie hingegen zu herzen / als man / nach
eroberung des landes Moab / ihren herrvattern in Basan bekriegte: weil sie nun
lediglich allein / auf ihres gemales wolfart / ihr absehen richtete.
    In wenig jahren / hatten wir alle diese länder über den Jordan erobert / und
begabe sich Marsius nach Basan: alda er seine hofhaltung anstellte / auch / nach
Abinaels tode / die kron von Basan aufsezte / und die andere beide Konigreiche /
als Moab und der Amoriter gebirge / dem Trebetes und mir / als stattaltern /zu
regiren übergabe. Wir blieben nun / sonder ferner an Assyrien zu gedenken / eine
gute zeit mit diesen eroberten landen vergnügt: zumal uns die riesen zu Astarot
gnug zu tun machten / welche zu bändigen wir alle unsere kräfte anwenden und
beisammen behalten mussten. Aus Celten bekamen wir inzwischen auch grossen zulauf:
weil die tyrannei des Bojus viele von ihm wegtriebe / die da lieber das weite
suchen und unter dem Marsio leben / als jenes grausamkeit ferner dulten wollten.
Es kamen nicht allein kriegsleute / sondern auch Druyden und Vacien / in grosser
mänge: mit denen der König alle eroberte landschaften besezte / und die
Celtische gebräuche einfürete /die der berümte Druyde Gambrivius bis noch in
gutem stand und aufnemen erhalten.
    Endlich / nachdem wir etliche jahre still gesessen /rüsteten wir uns von
neuem / die Assyrier anzugreifen / und zogen in Mesopotamien / mit einem
gewaltigen heer auserlesener volker: da wir anfangs die städte einnamen / die
vordem zu Basan gehoret und die der Assyrier König davon gerissen hatte. Der
Prinz Bildat von Chaldea / kame uns mit einem måchtigen heer entgegen / und
folgete ihm der Belochus in person: welches uns dann alle aufmunterte / dapfer zu
fechten /weil wir mit einem starken feind zu tun bekamen. Wir verlangten ein
treffen mit ihnen zu halten: aber sie entzogen uns hierzu alle gelegenheit / und
uns also aufhaltend / gingen sie inzwischen über das gebirge /und belagerten
unsere stadt Maachati / hierdurch den rückzug uns auf zudringen vermeinend /
Aber es fehlte ihnen: weil Marsius den schluss fassete / fortzugehen / und den
dapfern Gaisus / der in Maachari lage /die erhaltung selbiger stadt zu
uberlassen. Also schweiften wir nun bis über den Phrat hinüber / und fasseten
endlich den Belochus bei Edessa: da er / uns eine schlacht zu liefern / ihm
musste gefallen lassen.
    Wie nun folgenden tags dieses treffen / darauf so ein grosses bestunde /
angehen sollte / bekame der Konig Marsius die unverhofte zeitung aus Basan /wie
dass die riesen von Astarot in Edrei eingefallen /und so wohl die Königin / als
den jungen Prinzen Marsius / und die kleine Prinzessin Mirina / gefangen hinweg
gefüret. Was håtte wohl trübseligers sich begeben können / diesen helden verwirrt
zu machen / als eben dieses? das er zu einer solchen zeit erfure / da er den
lieben seinigen nicht beispringen konnte / und nur bedacht sein musste / die
bevorstehende schlacht / an der seine ehre hinge / wohl anzuordnen. Die betrübte
worte / die er hierüber gegen den himmel ausgeschuttet /gehen mir noch zu herzen
/ wan ich mich deren erinnere: und wurde er aller dinge überdrüssig weil er nicht
wusste / für wen er sich nun bemühete / wan sein Marsius / der einige uberreste
seiner Arovinda / und der allein an Assyrien zu sprechen hatte / nicht mehr im
leben sein sollte. Dan dieses musste er von den grausamen riesen vermuten / dass
sie seinen einigen sohn schon würden aufgeopfert haben.
    Wiewol nun alles dieses uns keinen sieg profezeien konnte / so fügte es
dennoch der himmel / der nicht mit zweien ruten auf einmal schläget / dass wir
meister im feld blieben / und Belochus in Edessa entwiche. Wir hätten hierauf
unser Glück verfolgen sollen / welches auch alle unsere haubtleute rieten. Aber
Marsius / ungeacht aller einrede / ging zu rucke / und machte sich färtig /
nach Basan zu eilen: den Trebetes hinterlassend / der das feld inbehalten / und
auf der Assyrier ferneres beginnen acht haben sollte. Aber diese boten den
frieden an / weil ihnen der Konig von Ellassar war ins land gefallen: welchen
der betrübte Marsius mit beiden händen anname. Also endete sich für dissmal der
krieg mit den Assyriern / oder / recht zu sagen / es geriete zum stilstand auf
etliche jahre / weil ein gewisser fäster friede nicht kunte aufgerichtet werden.
Wir waren nun eiferigst bedacht / auf die riesen und råuber los zu gehen: welche
aber die Königin und die Königliche kinder / viel bässer hielten / als wir
gehoffet / und nur darnach auswaren / ein gutes stuck gelds und einige
freiheiten zu erobern. Sie erlangten auch ihren wunsch: massen der besorgte
Marsius / seine liebe gefangene wieder ledig zu sehen / ihnen alles einwilligte
/ was sie begehrten.
    Die freude war beiderseits unaussprechlich / wie die Konigin / neben dem
jungen Marsius und der kleinen Mirina / nach Basan wieder kame: nur an dem
Prinzen erschiene eine traurigkeit / der es ihm für einen grossen hon achtete /
dass er sich lassen gefangen nemen / und nicht lieber den tod erwehlet hatte.
Dieses grosmut-zeichen bewunderten wir alle an diesem jungen Lewen / und
bemüheten uns vergeblich /ihm seinen unmut auszurede. Er wünschete nichtes mehr
/ als des riesen Sesai gesellschaft zu haben: von dem er sagte / dass der krieg
von ihm zu lernen wåre /massen er von ihm in der kurzen zeit / da er zu Astarot
gewesen / wohl angefüret und unterrichtet worden. Dieses sein verlangen nach dem
Sesai / wiederholte er täglich / und wollte von uns andern / die wir ja auch den
krieg verstunden / nichtes annemen. Der Konig ward endlich hierdurch / und
zugleich auch von der staats-ursache / diese riesen ihm verbindlich zu machen /
bewogen / den Sesai an seinem hof zu laden: der auch / nach grosser versicherung
/ sich einfande /und solche freude bei dem Prinzen erweckte / dass er /von dem an
/ seine vorige mutigkeit wieder an sich name / und diesen Sesai so lieb gewonne
/ dass er ståts üm und bei ihm sein musste.
    Man wendete nun alle sorgfalt ein / diesen edlen Prinzen wohl zu erziehen.
Alle fürnemste Celtische kinder / wurden ihme / zur aufwartung und gesellschaft
/ zugeordnet: unter denen der Prinz Daces / des Trebetes sohn / fürnemlich einer
mit war / und die gunst des jungen Marsius vor allen andern an sich zoge. Es
wurde nun der Basanische hof einer von den berümtesten in Asien / da wir / zu
jedermans verwunderung / mehr angenemheit und hofliches wesen / als viel unsere
nachbaren / blicken liessen: welches niemand von den wilden Celten vermuten
können. Weil ich meist um und bei dem Konig sein musste / der auch / zu erweisung
seiner sonderbaren / freundschaft / mich mit dem namen eines brudern bewürdigte
/ als erlangte auch meine einige tochter / die Amorite / die gewogenheit / mit
der Prinzessin Mirina auferzogen zu werden: welche / wan nicht der himmel dem
Prinzen Marsius eine weitgrossere schönheit zu lieben /ausersehen und bestimmet
hätte / und wan es nach dem willen des alten Marsius ergehen mögen nunmehr
Konigin von Basan heisen wurde / aber / nachdem sie mich viel schmach erleben
gemacht / elender weise ihr leben verlieren müssen.
    Dem edlen Suevus stiegen hierbei die tränen so häufig in die augen / dass er
nicht fortreden konnte. Weil sich die Konigin wohl erinnerte / was mit dieser
Prinzessin und dem König von Hemath fürgegangen /billigte sie nicht allein des
Suevus betrubnis / sondern sie ward auch aus mitleiden bewogen / ihme mit trost
zuzusprechen. Sie sagte / wie dass sie gewiss wüste /dass seine tochter noch in
Mesopotamien lebe: daher er sich zufrieden geben / und fur sie ein bessers Glück
/ als sie vor dem gehabt / erwarten sollte. Diese unbesonnene / (antwortete
Suevus) hat zwar / wie ich erfahren / nach Mesopotamien gewolt: es sind aber
rauber und böse unmenschen an sie geraten / die sie erwürget / und ihr die bei
sich habende kleinodien abgenommen / von denen mir etliche / die ich vordessen
wohl gekant / zu handen gekommen / und hat der fluch / den ihr grosvatter der
Konig Emori / in seiner lebensletze / auf die arme Ogire / ihre fraumutter /
geleget / über uns haften müssen / dass wir nämlich lauter ungluck an unsern
kindern erleben sollten / üm willen / dass er den Amoritischen tron verlieren
musste. Ich lasse dahin gestellet sein / ob dieser fluch mit recht oder unrecht
sei ausgesprochen worden: dieses aber hab ich erfahren / dass der eltern fluch
nicht leer abgehe / wie solches mein eignes beispiel erweiset. Aber ich komme
von meinen fürgesezten ziel zu weit ab /und habe fast vergessen / dass ich des
Marsius geschichte E. Maj. erzählen wollen.
    Als nun dergestalt unser hof in grossen ruff gekommen / und daselbst der
friede mehr / als der krieg regirte / wollte endlich / die der Atovinda vom König
getane teure verheisung / nicht zugeben / also müssig zu sitzen / sondern es
erforderte die ehre / dass wir wieder einmal anfingen von unsrem recht an
Assyrien zu reden: daher ein neuer krieg wider sie beschlossen wurde / und
waffnete sich alles / was nur fähig war /das schwerd auszuziehen. Wie nun der
König der haubtmusterung beiwonete / und durch alle glieder des heeres ritte:
weiss ich nicht / wie es zuginge / dass das pferd mit dem König strauchelte / und
im fallen ihm ein bein brache. Jederman hielte solches fur ein böses zeichen /
und verlosche also der vorige eiver /zu diesem kriege. Dessen aber ungeacht /
wollte der Konig / dass der Trebetes mit dem heer fortgehen musste. Dieser hatte
kaum drei tagereisen getan / da kame die pest so plötzlich unter das heer / dass
in kurzen etliche tausend dahin fielen.
    Dieser zweite zufall / brachte den ersten wieder zu gedächtnis. Es wurden
die Vacien beruffen / und sonderlich der oberste Druyde / der Gambrivius /
befraget: die widerrieten alle dem König für dissmal / und stimmeten dahin / dass
einer von den Druyden nach Celten zu des Tuiscons seule sollte abgeschickt werden
/ einen ausspruch einzuholen / ob unser König Assyrien ferner angreifen / oder
solche ausrichtung seinen sohn überlassen sollte? dann es war in dem ersten
ausspruche nicht entalten / dass Marsius selbst in Assyrien die kron tragen /
sondern nur / dass er in Asien ein Konig werden wurde. Wiewol nun unsere
kriegshelden auf diesen einrat der geistlichen so gross nicht absahn / so liesse
doch der König zu / dass einer von den Druyden und Vacien nach Celten abreisete:
denen er zugleich befahle / von seiner tochter / der Hercinde / nachricht
einzuholen / wie es ihr erginge; und ward mitlerweile / bis zu ihrer widerkunft
/ nichtes ferner fürgenommen.
    Sie kamen nach langer zeit wieder zu haus und brachten mit sich diesen
                            Ausspruch des Tuiscons.
Nicht die waffen / nur die lieb / muss Assyrien bezwingen /
und so des Trebeta sta$ wieder zu den seinen bringen.
Wir wussten aus diesen dunklen worten nichtes zu schliessen / weil auf eine
heurat zwischen unsrem Prinzen und E. Maj. als damals vermeinter Prinzessin von
Assyrien / niemand gedenken dorfte / nach dem die Trebetier / in denen meist
unsres Königs geheimer raht bestunde / wider die Assyrier einen unversönlichen
hass hegten. So wollte auch / wie ich zuvorhin erwehnet / mein König zwischen
meiner tochter und seinem sohn eine heurat haben: weswegen auch ich des Lucus /
Königs der Aborigener / ansuchen ausschluge / der / durch die wiedergekommene
aus Celten / für den Tuscus Sicanus / seinen kohn / üm dieselbe anwerben lassen.
Also wurde nun des Tuiscons antwort nicht recht gedeutet / und rieten wir alle
dem König / weil dazumal eben der krieg zwischen den Assyriern und Meden
einfiele / dieses zeitgluck nicht zu verseumen / sondern den Assyriern den kopf
zu bieten. Der König zoge selbst zu feld / mich bei dem Prinzen seinem sohn
hinterlassend: der sich nicht zu frieden geben wollte / dass er diesen feldzug
nicht mit beiwonen dorfte. Er befiele auch / (ich weiss nicht / ob es dieser
unmut / oder sonst eine schickung des himmels verursachet) mit einer todlichen
hitzigen krankheit / also dass alle ärzte unter den Druden ihn schon dahin gaben.
Ich berichtete sofort diesen betrubten zufall an unsren Konig / und brachte
damit zu wegen /dass der wieder heim kehrte / und auf zureden des ehrwurdigen
Gambrivius / diesen zug wider Assyrien einstellte: und schiene es also
allerdings / dass wir mit diesem volk keinem krieg haben sollten.
    Als endlich des Prinzen starke natur dessen schwere krankheit übermeistert /
und er seine gesundheit wieder erlangt hatte / gönte ihm der König alle freiheit
/ und liesse ihn / seinen dapfern muht zu zeigen /wider die aufrürische Amoriter
mit ziehen / welche zu bändigen / ich vom König befelicht worden. Dieses waren
aber nur kleine kriege von wenig monden / und vergienge damit die zeit: bis
endlich / auf des Prinzen starkes antreiben / der schluss von neuem gefasset
wurde / Assyrien anzugreifen / und diesen krieg nicht länger auszusetzen. Unser
Prinz erhielte / durch vieles bitten / die erlaubnis / unter dem Trebetes
mitzuziehen. Der Konig beschlosse anfänglich / zu haus zu bleiben / weil sein
auszug nun so oft unglucklich gewesen / und ware willens hernachzufolgen. Nun
schickte es der schluss des himmels / dass nach Basan der ruff von unsers Prinzen
tod erschallen musste: welcher das grosmütige herz unsers Konigs dermassen
niederschluge / dass er / dem gram sich vollig ergehend / in meinen armen den
geist aufgabe. Håtte ich damals nur dieses vom himmel erwünschen sollen /dass
mein Konig / vor seinem ende / das leben seines sohnes noch erfaren mogen / so
wollte ich in diesen todesfall noch eher mich gefunden haben. Es liesse wohl
jämmerlich / dass der vatter mit dem schmerzlichen leiden / als wan sein einiger
sohn / die hofnung aller seiner anschläge / dahin wåre / dieses leben verlassen
/ und so betrübt abscheiden musste. Wiewol mich dieses noch trostet / dass ich
versichert bin / die unsterbliche seele meines grossen Konigs wisse jetzund
alles /wie es seinem sohn ergehet / und dass die welt in diesem jungen Marsius
noch bewundere / was sie vordem an seinem vatter gepriesen.
    Wollen nun auch E. Maj. dass ich ihr die innerliche kriege in Basan / die
sich nach meines Konigs tod angesponnen / erzählen soll / so will ich damit den
anfang machen: Wie die witwe meines Königs / mit der gewalt / die mir mein Konig
hinterlassen / nicht zufrieden / einen aufstand erreget / und nach Edrei mit
ihrer tochter Mirina sich begeben. Ich weiss dieses allbereit mit allen ümstånden
/ (fiele ihm die Königin allhier in das wort) und ist mir nichtes verborgen /
was / unter abwesenheit des jungen Marsius / in Basan furgegangen. Was aber nach
seiner wiederkunft sich begebe /und was seiter dieses dapfern helden
verrichtungen gewesen / solches verlange ich zu vernemen. Es wird zwar Cyniras
diese meine begierde erfullen konnen /und mit eurem erlaubnis / mein Prinz! an
dem ort wieder anheben zu erzählen / wo ihr aufgehoret. Weil es E. Maj. also
gefället (sagte Suevus /) auch niemand bässer / als dieser Furst / solches
werkstellig machen kann / als werde ich mich seelig schätzen / einen zeugen
abzugeben / dass die schone Königin von Syrien meines jetzigen Königs lebenslauf
zu wissen verlanget habe. Diese worte brachte der Suevus mit einer sonderbaren
gebärde vor / die der Königin allerhand nachdenken verursachte.
    Wie nun Cyniras eben seine erzehlung anfahen wollte / kamen die Königinnen
von Ninive und Salem / neben den andern: welche die Konigin von Syrien verloren
hatten / und sie nun / nach vielem suchen / in dieser grotte fanden. Es kommet
diese gesellschaft /(sagte diese Konigin zu dem Cyniras) zu rechter zeit: massen
sie zuhorerinnen mit abgeben konnen / dessen was ihr mir erzählen wollet. Ach
nein! gnädigste Konigin! (antwortete Cyniras) des Königs von Basan
lebensgeschichte ist nicht also bewandt / dass jederman solche wissen dörfe / und
werde ich solche niemanden / auser E. Maj. allein / kund machen. Weil ihr dann so
geheim / (wiederholte die Königin) oder vielmehr so misgonstig seit / dass diese
ankommende den Konig Marsius neben mir nicht bewundern sollen: so will ich mich
bis auf eine andere zeit gedulten / euch aber dieserwegen in meine pflicht nemen
/ dass ihr in meiner schuld verbleibet. Wie sie das gesaget / eilte sie den
andern entgegen / und zeigte ihnen den angenemen ort / den sie gefunden hatte:
der dann ihnen sehr wohl gefiele / und ruheten sie daselbst eine weile / bis sie
endlich nach ihren wonungen ümkehrten.
    Wie sie nun daselbst angelanget / und dieser tag bald zu ende war / kame der
verkleidte Arteman an den benanten ort vor der Merone tur / dahin ihn die
Perseis beschieden hatte: und gelangte er ungehintert durch die wachten / weil
jederman ihn für ein armes bettelweib ansah. Perseis wartete daselbst seiner
mit der Merone / und sobald er bei ihnen im zimmer allein war / finge ihre
begrüssung mit einem gelåchter an / als sie diesen Niniviten so verstellt sahen.
Perseis verwiese ihm hierauf / dass er sie in solche gefahr sezte / und in diese
seine oder vielmehr Assyrische anschläge sie mit einwickelte. Sie sehen / edle
Furstin! (antwortete er /) wozu mich / der eifer fur das haus Assyrien und für
die ruhe aller dieser reiche /treibet: und weil ich dissorts noch gleichmässige
neigung vermute / als hat mich das so kun gemacht /mein hier-sein und dessen
ursach auch beiden zu erofnen. Seit versichert / Arteman! (antwortete Perseis)
dass ich die treue / die ich dem König von Assyrien gelobet / noch unverbruchlich
zu erhalten gemeinet bin: allermeist / da es nicht wider meiner Königin bästes
angesehen ist / sondern vielmehr deren ruhestand befördern wird. Ich weiss auch
die Merone also gesinnet: weswegen ich / in deren hause / diese zusammenkunft
anstellen wollen.
    Wie nun Merone solches bekräftiget / und sie sich zusammen niedergesetzet /
fienge Arteman an / ihnen den zustand in Damasco / und die ursach seiner
hieherkunft zu berichten. Ich achte fur unnotig / (sagte er) mit ümständen zu
erzählen / wie jezt der König von Assyrien / und der von Canaan / miteinander
für einen man in höchster einigkeit stehen / nicht allein Syrien wider unsere
Konigin / die nunmehr erkannte Aramena / zu beschutzen / als äuserst dahin sich
zu bemuhen / wie sie so wohl diese schone / als die Prinzessin von Seir / wieder
überkommen mogen. Dieses lezte ist in ihrem raht fäst beschlossen / und
vermeint man dem krieg ein ganz anders ansehen zu verschaffen / wan / nicht
durch gewalt / welches wir für unmuglich halten / sondern durch list und
geschwindigkeit / das gesamte Königliche frauenzimmer in Damasco konnte hinein
gebracht werden. Ich. darf auch hier wohl sagen / dass so wohl die Assyrier / als
Canaaniter / sich zu schwach befinden / hiesiger gewalt /nun die von Basan dazu
gekommen / zu widerstehen: und erhalten sie tåglich widerliche zeitungen von
allen orten her / die ihnen sehr ihre anschläge verrucken.
    Es ist die Fürstin Dalimire unvermutet nach Ninive gegangen / da sie den
Belopares und Spacetes / wie auch den Prizen Abimelech / mit ihren untergebenen
Assyriern / an sich gezogen / und die Ninivitische kron aufzusetzen sich dorfen
gelüsten lassen. In Meden ist der Nabateer Fürst unversehens eingefallen / und
hat alle Meden auf seiner seite / die ihn wollen zum König haben: und gläubet
man / dass Dalimire auch mit hierunter stecke. In Elam ist der Laristenes aufs
haubt geschlagen / und herschet da der Sadrach nach seinem gefallen. Also wird
den Assyriern aller beistand aus diesen beiden reichen entzogen. Der einfall der
Konigin von Ellassar in das Babylonische /erfordert die noch ubrige Assyrische
macht / und haben sie demnach allhier von haus keine hülfe mehr zu hoffen. Dem
Beor ergehet es auch nicht bässer /wider den sich die meiste Canaanitische
Könige empöret / und ist ihm überdas der König von Ararat oder Armenien ins land
gefallen: daher er / so wenig als Belochus / hülfe von den seinen erwarten kann.
Und ob sie gleich auf des Königs von Egypten beistand trotzen / auch über der
Araber ankunft frolocken / so wird doch solche hülfe nicht gnug sein / zugleich
Syrien /und die andere angefochtene länder / als Babel /Meden / Ninive / Elam
und Canaan zuverteidigen.
    Bei so gestalten sachen / ist / wie ich anfangs erwehnet der raht genommen
worden / auf alle weise dahin zu trachten / wie man / durch erlangung wenigst
beider Aramenen und der Ahalibama / das jenige ausrichten moge / was sonst einen
langwierigen krieg erfordern wurde. Dan / wan diese in der Konige hånde wåren /
so könnte sonder mühe / durch eine zwang heurat / Syrien an das Babylonische haus
befästet /und der verliebte Beor / nach eroberung seiner Ahalibama / den
angehenden feuer in Canaan zu steuren /gefordert werden. Dieses nun ist die
ursach meiner ankunft / dass ich nämlich mich mit euch bereden soll /wie man
hierzu am füglichsten gelangen möge. Durch eure nach und nach erteilte berichte
/ haben die Könige hiesigen zustand gnugsam erfahren / und wie man aller orten
so fleissig wacht halte / üm dergleichen emporungen zu verhüten. Man vermeint
aber doch bei uns nicht / dass es unmüglich sei: wofern nur die Fürstin Perseis /
neben der Merone / auf unserer seite sein wollen.
    Es ist warlich ein schweres / (sagte Perseis) hierzu sich zu entschliessen.
Doch / weil es meiner Königin bästes ist / und die ruhe von ganz Asien kann zu
weg bringen / so gehe ich endlich diesen vorschlag mit ein / und will sie lieber
zu ihrem nutzen betruben / als ihr zu ihrem schaden dienen. Wie konnte unsere
Königin vorteilhafter heiraten / (sagte Merone hierzu) als wan sie diesen
Monarchen der welt ehlichte? Es kann ja auch hierdurch allein / unser liebes
Syrien / den frieden erlangen. Merone redet / (sagte Arteman) wie einer Syrerin
gebüret. Ist aber auch die Konigin zu dieser heurat zu bewegen? oder hat es wohl
einen schein / dass sie sich hierzu werde zwingen lassen? Ich gebe ganz genaue
acht auf alles ihr tun / (antwortete Perseis) und kann nicht finden / dass ihr
gemut von einiger liebes-regung angefässelt sei: allermeist nun / da der Prinz
der Philister die Prinzessin von Ammon geheuratet. Weil dann dissfalls kein
widerstand zu besorgen / so kann der naturliche widerwille gegen dem Belochus /
wegen ihrer eltern / hierbei wenig hintern /und wird endlich die liebe sich wohl
einstellen / wan das eheliche band sie dazu verbindet.
    Wie mussen wir es aber anfahen? fragte Arteman. Dieses (wiederredte sie)
will ich von euch vernemen: dann ich mich zu schwach befinde / hierinn einen raht
zu geben. Ich bin aber erbötig / einen gefassten anschlag ausfüren zu helfen.
Ich will wohl (fuhre Arteman fort) meiner Fürstin eröffnen / wohin bei uns die
gedanken zielen. Ardeus und ich haben noch vier tausend Niniviten zu gebot in
Damasco stehen: mit denen wollten wir zu euch übergehen. Wir könten auch noch
etliche tausend Syrer hernach bringen /deren haubtleute von dem Fürsten Hus /
der nun ganz Assyrisch ist / heimlichen befehl / was sie tun sollten / bei sich
haben müsten. Wan nun diese allhier alle beisammen wären / wurden fünf oder
sechs tausend man noch wohl etwas ausrichten können / das unsrem anschlag möchte
zu statten kommen. In zehen tagen /(sagte Perseis) ist die Cur meiner Königin
zum ende /alsdan rucken wir vor Damasco / und wird die belägerung mit gesamter
macht vorgenommen werden. Wan alsdan dieser euer übergang zu uns geschehen / so
vermeine ich noch wohl gute dienste dabei zu tun /dass / sonder grosse mühe / wir
mit der Konigin in Damasco kommen. Sol ich / die versicherung dessen /(fragte
der erfreute Arteman) den Konigen zuruck bringen? Versichert ihr nur E. Maj.
(antwortete Perseis) dass ich in der ihme und der vestorbenen Königin Naphtis
geschwornen treue beständig verharren / und um soviel weniger davon aussetzen
werde / weil meiner Konigin eigene wolfart mich also handlen machet. Der grosse
Belochus wird / mir die gnade meiner Königin / die ich hiermit verscherze /
dermaleins wieder zu erlangen / gnädigst eingedenk verbleiben.
    Als nun Arteman / im namen des Königs / sie dessen versichert / und sie
ferner hiervon sich unterredet hatten / kamen sie auch auf des Ninias zustand /
da ihnen Arteman erzehlte / wie dass man diesen Fürsten in der Isis tempel krank
gefunden / und gefänglich einziehen lassen: da aber Ardeus so wohl bei ihm getan
/ ihn wieder frei gemachet / und ihm aus Damasco geholfen. Demnach konnte er nun
ferner nicht sagen / wo er geblieben. Man hält für gewiss / (sagte Merone) dass er
hier sei / massen die Königin ihn allentalben / wiewohl vergeblich / suchen
lassen: und verursachet dieses / dass wir nun aller orten doppelte und stärkere
wacht halten. Ich beklage von herzen (sagte Perseis /) dieses Fursten elenden
zustand / der ihn endlich wird verzweiflen machen / weil er alle seine anschläge
zerrinnen sihet. Ardeus und ich /(täte Arteman hinzu) haben ihm so treulich
geraten /was zu seinem bästen dienen mochte: er erweiset aber / dass die liebe
meister uber ihn ist / und ihn zwinget /die unmuglichkeit zubestreiten. Warüm
geht er nicht nach Ninive / (fragte Perseis) da ja die stadt zu seinem gebot
gestanden? Seit dass er sich entfernet / (antwortete Arteman) und Dalimire neben
dem Belopares hinein gekommen / hat er alle seine gewalt daselbst verloren.
    Ist aber dem also / (fragte Merone /) dass Ardeus dem Ninias in Damasco
wollen behulflich sein / unsere Königin nach Ninive zu entführen? Ich bin dessen
nicht in abrede: (gabe er zur antwort) doch müsst ihr wissen / dass damals alle
dinge ein anders ansehen gahabt / und jetzo die wissenschaft von der Königin
geburt nicht mehr leidet / für den Ninias zu sorgen. Wir denken iezt vielmehr /
Syrien und (so zu sagen) die ganze welt zu beruhigen / auf das jenige / davon
iezt unsere unterredung gehandelt. Es war schon zimlich weit in die nacht hinein
/ als Arteman solcher massen bei der Perseis und Merone sich befande: daher er /
um sie nicht ferner zu beunruhigen / endlich abschied name / und also verkleidet
/ wie er gekommen / sich wieder davon machte / seine gute verrichtung in Damasco
zu bringen.
    Die unschuldige Königin wusste nichtes von diesen gefärlichen anschlågen /
die wider sie geschmiedet wurden / und lage unterdessen in guter ruhe / weil die
bewegung des vorigen tags ihr den schlaff hatte zu wege gebracht. Wie nun / bei
anbrechendem tage / die leibärzte warnamen / dass es mit der Konigin üm ein
merkliches sich gebåssert / wurden sie schlussig / tåglich / und zwar des
nachmittags / ihr die bewegung zu raten. Sie brauchte den vormittag das bad / da
ihre betrübte gesellschafterin / die schöne Cölidiane / ihr leiden / in
erwehnung des Abimelech / stäts erneuerte: und stritten also diese beide immer
miteinander /indem Colidiane der Königin nicht nachgeben kunte /deren einrat zu
folge / den Abimelech aus ihren gedanken zu bannen. Es machte demnach dieses
mehr als geliebten Prinzen andenken die edle Prinzessin so matt / dass sie bei
weitem nicht so stark / als ihre mitbulerin / sich befande / und daher wenig aus
dem zimmer kame / auch der spazirlust nicht beiwonen konnte.
    Weil aber solche einsamkeit jemehr und mehr ihrer gesundheit schadete / als
ward sie durch die schöne Königin von Syrien und die andern genötigt / dass sie
eines nachmittags / als der himmel sonderlich heiter war / mit ausspaziren musste
/ und zwar / nach der Königin von Syrien grotte: die nun diesen zunamen bekommen
/ weil diese Königin selbige täglich zu besuchen pflegte. Findet ihr / liebste
Prinzessin! (sagte die Königin von Syrien zu der Cölidiane / als sie dahin
gelanget) diesen ort nicht sonderlich schon und bequem für unsere sinne? Ich
gestehe solches gern /(antwortete Colidiane heimlich) wan ich mit E. Maj. hier
allein sein konnte. Versprechet mir nur / (versezte die Königin) ståts mit mir
auszugehen: so wollen wir schon ofters uns hier allein befinden. Meine liebste
Konigin weiss ja zuvor schon / (widerredte Cölidiane) dass ich nirgend lieber /
als bei ihr bin / wan ich mag aus dem zimmer kommen: daher ich dieses leicht
versprechen kann.
    Weil indem die Prinzessin von Cus fürbrachte / wie sie nåchster tagen einen
sonders schönen ort gefunden hätte / da der Königin von Syrien grotte nicht bei
käme: wurden sie alle einig / denselben zu suchen und zu besehen. Also folgte
nun die schöne Syrerin / alle die andern zu rücke lassend / mit ihrer schwester
/ und den Prinzessiñen Cölidiane / Jaelinde und Ahalibama / der Prizessin
Danede: von der sie / durch diese grotte / einen zimlich rauhen ungebahnten weg
/ in ein tal gefüret wurden / welches rund umher mit hohen spitzigen klippen
ümgeben war. Wie sie nun dieses tal zurücke gebracht / öffnete sich ihnen eine
rundung von lauter felsen: da ein starker wasserfall mit so lautem geräusche
hernieder brausete / das kaum eines des andern wort dafur vernemen kunte. Dieses
wasser ergosse sich zusammen in einen see / und flosse über grosse steine / mitten
durch diesen runden platz. Druben am see / in der ferne / liessen sich
verschiedene holen sehen / dergleichen die Syrer für wonungen der wassernymfen
zu halten pflegten. Danede zeigte der gesellschaft einen ausgehauenen sitz in
einem felsen / der zum ruhen sonderlich bequem war: alda sie dann sämtlich sich
niederliessen / und mit sonderbarem vergnügen dem wasserfall ein zeitlang
zusahn.
    Der jungen Königin von Ninive dünkte endlich /als wan sie jenseit des
wassers in den holen etliche weibspersonen erblickte. Sihest du wohl! (sagte sie
zur Ahalibama) dort lassen sich wasser-Nymfen sehen. Wie nun Ahalibama ihre
augen dahin gewandt / und diese hervorkommende auch ins gesichte gefasset
/bekråftigte sie der Aramena Meinung / dass es Nymfen sein müsten: weil es nicht
das ansehen hatte / dass zu diesen greulichen klippen ein anderer weg / als über
das wasser ginge / dieses aber so tief zu sein schiene /dass ohne schiffe / die
doch daselbst nicht vorhanden waren / kein mensch hinüber gelangen kunte.
Cölidiane / diese beide also reden hörend / musste wider ihren sin und willen
lachen / und sagte zu ihnen: Seit ihr noch in eurem angenommenen glauben so übel
gegründet / dass ihr nicht wisset / es seien keine wassergotter oder Nymfen /
deren keine / auch iemals anderswo / als im gedichte der menschen / gefunden
worden? Deme sei / wie ihm wolle / (antwortete Ahalibama) so ist es doch
verwundersam / dass wir in dieser wildnis leute finden. Die wir dort drüben sehen
/(versezte Cölidiane) haben ja so grosse ursache / sich über uns / als wir / uns
über sie / zu verwundern.
    Indem sie also miteinander redten / kamen diese fromde immer näher aus den
holen herfür / und waren ihrer dreie: die sich zusammen auf eine schmale klippe
/ welche in das wasser hinein sich streckte / und gleichsam eine halb-insel
machte / niedersezten / und also ferner sich beschauen liessen. Die mittlere von
ihnen / deutete durch ihre klägliche gebärden an / dass sie den andern beiden ihr
leiden erzehlte. Nachdem Danede / die zimlich scharf sehen kunte / durch die
hole hand eine zeitlang diese frömde betrachtet / rieffe sie unversehens auf: ô
himmel! ich sehe die Delbora! Diese worte / machten die Colidiane aufstehen / da
sie auf einen aus dem wasser hoch herfürragenden stein sich stellte / und etwas
aufmerksamer dahin sah. Weil ihre augen der Danede Meinung beståtigten /und sie
solches den andern sagte / regte sich bei der Prinzessin von Cus ein
ungedultiges verlangen / dieser ihrer schwågerin näher zu kommen. Wegen des
starken geråusches vom wasserfall / war ihr ruffen vergebens / und konten sie
von ihnen druben nicht gehöret werden: gleichwie auch das winken nichts halfe /
indem die dreie so ämsig miteinander redten / dass sie sich gar nicht ümsahn.
    Danede befahle endlich einem kleinen moren / den sie bei sich hatte / und
der wohl schwimmen kunte /dass er über das wasser setzen / und der Prinzessin
Delbora ihr da-sein anmelden sollte. Wie nun dieser zum überschwimmen / durch
ablegung der oberkleider / sich bereitet / und schon im wasser ware / wurden
jene gewar / dass sie ersehen worden / stunden demnach eiligst auf / und liefen
wieder nach den holen: daher der mohr / ob er schon hinuber kame /doch niemand
finden kunte / auch vergeblich in den hölen nach ihnen ümsuchete. Er kame mit
diesem bericht wieder herüber / und blieben deswegen die Danede und Cölidiane
ganz unruhig: weil sie keinen weg wussten / zu dieser Prinzessin zu kommen. Es
wird das bäste sein / (sagte die Konigin von Syrien) dass man sich bei den leuten
hierüm erkundige / wo der weg zu diesen hölen geht: dann weil die Prinzessin
Delbora dahin gekommen ist / so wird ja der weg auch für uns noch offen sein.
Nachdem solches die andern bestätigt / rieffe die Königin von Syrien einem von
der wacht / und befahle / dass er einen in dieser gegend wonhaften man suchen
sollte. Er fand gleich einen hirten / und notigte ihn / vor diese Königliche
gesellschaft zu kommen.
    Dieser / als man ihn befraget / berichtete / wie dass auf jenseit kein andrer
weg / als uber das wasser /ginge: wan man aber über land dahin wollte / musste man
etliche meilen / und zwar durch Aroer reisen /und über den fluss Pharphar setzen.
Ist dann in jenen hölen / (fragte die Konigin von Syrien ferner) etwas zutun /
und wonet jemand darinnen? Diese frage jagte dem hirten eine rote ab / und
bliebe er bei dem verneinen / dass er nichts darum wusste; und wiewol beides mit
verheiss- und bedrohungen in ihn gesezt wurde / wollte er doch nichts aussagen. Er
weigerte sich auch / ihnen den weg zu zeigen / mit vorwand /dass er in vielen
jahren nicht dahin gekommen wäre. Wir wollen den weg wohl finden / (sagte die
Königin von Syrien) und must du mit laufen / üm in den hölen uns zu recht zu
weise. Hierauf liesse sie ihren haubtman von der wacht holen / und befahle ihm
die bewahrung dieses hirtens: sie aber beschlosse / von dem Pharphar schiffe auf
wägen herüber bringe zu lassen /und auf denselben hinüberzufahren. Weil aber
solches viel mühe und zeit erforderte / als mussten Danede und Cölidiane sich bis
auf den andern tag gedulten. Inzwischen wurde die ganze nacht mit anschaffung
der schiffe zugebracht: also dass / gegen folgendem nachmittag / alles zu dieser
überfart bereit und fårtig stunde. Weil nicht allein die Prinzessin von Cus und
Salem / sondern auch die Koniginnen und alle anwesende / diese besuchung
verrichten wollten / als verordnete der Fürst Husan / alle gefahr zu verhüten
/dass etliche schiffe mit wolbewehrten soldaten voraus fahren mussten: denen dann
diese durchleuchtige gesellschaft nachfolgte / und solcher gestalt jenseit des
sees angelangte.
    Es wiesen sich ihnen alda verschiedene holen / die ohn ende durch die tieffe
felsen hindurch lieffen. Der hirte / den sie mit ubergenommen / sollte sie durch
die gänge hinein füren: weil der aber sich mit seiner unwissenheit entschuldigte
/ als übername solches der Furst Arsas / und folgte etlichen mensch-fusstapfen
/die er auf der erden im sand wargenommen. Wie sie nun eine gute weile gegangen
waren / offnete sich ihnen an der rechten seiten eine höle: welche / weil oben /
durch den durchgebrochnen felsen / der tag hinein fiele / ihnen zeigte / dass
alda etwas musste zu finden sein. Wie sie etwas fortgetretten / ersahn sie eine
tur / über welcher / in Celtischer sprache / diese worte eingehauen waren.
             Dem gedächtnis des Cimbers / ist dieser ort gewidmet.
Die Konigin von Syrien und Jaelinde / die allein dieses lesen konten und
Celtisch verstunden / wurden hierüber sehr bestürzt / und erklärten den andern
diese worte: in welchen aber für Danede und Cölidiane nichtes entalten war /
das ihnen / die Delbora zu finden / ein licht geben können.
    Sie giengen aber fürter durch diese tür / und fanden ein zimmer / gleich
als ein tempel rund ausgehauen / und überall mit grünen moss bewachsen. In der
mitten stund eine seule / von verschiednen siegs- und kriegszeichen mit
Celtischen gewehren aufgefuret /und gar künstlich in stein ausgearbeitet. An den
wänden umher / stunden schriften in Celtischer sprache eingehauen / die die
Königin von Syrien und die Prinzessin Jaelinde begierig ansahen / und folgende
reimen daraus lasen.
Der grauen ewigkeit sei dieses anvertrauet /
die kein verwesen hågt /
diss alles / was hier wird in diesem fels geschauet /
der diese würde trägt /
des grossen Cimbers angedenken
in seinem rund zu schliessen ein.
Es müss die zeit ja niemals kränken /
was hier soll eingegraben sein:
Des Cimbers ehrenseul allhier ist aufgerichtet
der weil er in der welt /
des vatterlandes ruhm und preis nicht hat zernichtet /
und / als ein edler held /
bezeigt / woher er war entsprossen /
dass man in ihm den Herman sah /
und dass er hab die milch genossen
der edelsten Hesperia.
Des vatters dapfren muht / der mutter grosse tugend /
ererbte Cimber zwar.
doch machte sich ihm auch / gleich in der zarten jugend /
das unglück offenbar:
das seine eltern stäts entfunden /
weil dieses leben sie gebaut;
und wie sie solches uberwunden /
hat man ihn stäts auch so gescheut.
Des himmels strenger schluss / der / was er will / låst kommen /
führt' ihn in dieses land:
nachdem er ihm zuvor den vatter weggenommen.
Und wie sein muht entbrant /
der Celten waffen nachzugehen /
die Marsius sein König führt:
must er sich bald verwundet sehen /
von einem götterstral gerürt.
Assyrien ihm nam / was er ihm wollte nemen:
die freiheit liess er da.
Was nüzte seine qual / sein schmerz-entfindlichs grämen?
was half ihm / dass er sah
den wunderglanz / der ihn verlezte /
der / einem Basilisken gleich /
mit solchen kräften in ihn sezte /
dass ihn must fällen solcher streich?
Ach! die zu deiner ehr und nachrum dieses schreibet /
kann hier doch schweigen nicht /
dass untreu dich regirt / so ungeandt nie bleibet:
damit du angericht
diss unglück / das dich hat getroffen;
da / von die stärkern liebes flam /
der du so häufig eingefoffen /
die rache mehr als scharf dir kam.
Doch bliebst du sonder schuld. Es war des himmels wollen /
der strafte dich und mich:
mich / dass ich nicht geliebt / den ich hätt lieben sollen;
dich / dass du liderlich
verliessest / die du dir erwehlet /
gabst deine Hermione hin:
da ich / ob du schon bist entseelet /
dir doch mebr als beståndig bin.
Wir wollen nun hiervon ein mehrers nicht gedenken.
Mir soll nur ligen ob /
zu Cimbers ehr und ruhm / ein denkmal ihm zu schenken:
das seiner tugend lob /
von zeit zu zeit / mach immer grunen /
so lang als dieser tempel steht;
der ihm zu seinem preis soll dienen /
bis das der bau der welt vergeht.
Solt nun sein dapfrer muht hier werden vorgestellt /
sein kriegerisch gemüt /
das / wie ein fels / niemals im sturm zurück geprellet /
und wie ein Lew gewut:
So wurden diese wånde
nicht alles können schliessen ein;
es könten auch nur gotter hände /
diss recht zu schreiben / tuchtig sein.
Bei solcher Lewen wut / war keiner wohl zu finden
von so gelindem sin /
wan es den freunden galt. Ihn kont die treue binden /
dass er sich selbst gab hin /
für seines freundes wohl-ergehen /
sezt dessen ruh der seinen fur.
Bei ihme kunt man lehren sehen /
von eines waren freunds gebür.
Der zucht und mässigkeit war Cimber so ergeben /
dass er zum beispiel dient /
wornach die tugendwelt anstellen kann ihr leben.
Auch hat in ihm gegrunt
der wahre eifer / Gott zu ehren.
er liebte recht und billigkeit;
und seines Konigs ehr zu mehren /
war stäts sein treues herz bereit.
In solcher treu ist er bis an das end geblieben.
der edle held ist tod.
Ach! klagt / ihr Celten / klagt! dass Cimber aufgerieben /
der euch aus sorg und noht
so dapfer pflegt zu retten;
der Cimber / eures namens ehr.
Assyrien ihn musste todten
Ach! euer Cimber ist nicht mehr!
Nicht nur Assyrien hat ihn dem tod gegeben:
Delbois zauber-schein
der todet ihn zu erst / dass er war mud zu leben /
und wunschte nicht zu sein:
weil er die pein nicht kunt ertragen /
die diese lieb in ihm gewurkt;
da sonder hofnung er must klagen /
dass ruh und freiheit war umzirkt.
Was half ihm der gewinn / den Ninive ihm gabe /
da er im ritterspiel /
Delbois bild bekam? das ihn nun bringt zu grabe /
wodurch sein wolstand fiel.
Ach hätt er niemals mogen schauen
diss schone wunder unsrer zeit!
so hått man hier nicht dörfen bauen
die ehrenseul die ihm bereit.
Doch / was nun ist geschehn / das hat geschehen mussen.
Was nach ihm ubrig bleibt /
sein ewigs tugendlob / das wollen wir begrussen:
das keine zeit aufreibt.
Prinz Cimber / weil er hat gelebet /
erwiese / dass er war ein Celt /
ein held / dess lob auf erden schwebet:
gleichwie sein geist in jener welt.
    Es waren / bei überlesung dieser reimen / die Konigin von Syrien und die
Prinzessin Jaelinde / sehr aufmerksam und åmsig / und vergossen beide ihre milde
zåren / als sie so unvermutlich des edlen Cimbers ehrengedächtnis allhier
antraffen. Weil auch die schone Syrerin / wegen dieses todes / sich beschuldigt
fand /gab ihr solches anlass / zu der Jaelinde heimlich zu sagen: Haltet dann
auch ihr / werte Prinzessin! wie diese unsere neue mitbulerin Hermione / mich
schuldig an dem tode dieses Prinzen / und erkennet ihr meinen zauberschein so
schådlich / dass der diesen helden zu grabe fordern konnen? E. Maj. (antwortete
Jaelinde / nachdem sie die zåren abgetrocknet) sind unschuldig eine ursacherin
seines todes / und konnen nicht dafur / dass alle welt von ihrem wunderglanz
gefässelt und geblendet wird. Und wie sollte ich mich nun ferner uber den Cimber
beschweren dorfen / dass er seine liebe zu der schonsten von der welt gewendet /
da diese Hermione / die doch schon von ihm geliebt gewesen / wieder abstehen /
und seine unbeständigkeit vertragen mussen? Weil ich diesen Prinzen (widerredte
die Konigin) fur den Tuscus Sicanus bisher gehalten / habe ich ihm nicht
verüblet / dass er die Prinzessin Hercinde und Roma / als von welchen er geliebt
worden / (sonderlich / wan die lezte / als seine gemalin / wie ich vermute /
wåre gestorben gewesen /) verlassen. Dass aber Hermione / die er einmal geliebt
/ zurucke stehen müssen / solches kann ich an ihm nicht entschuldigen: massen ich
wunschen wollte /dieses von ihm nicht erfahren zu haben / weil solches bei mir
die bewunderung seiner seltenen tugenden etwas vermindert.
    Als Jaelinde hierauf wieder antworten wollte /kamen die andern dazu / und
wollten von ihnen wissen / was in diesen reimen / ihre tränen zu verursachen
/entalten wäre: da sonderlich Danede / üm von ihrer Delbora etwas zu horen /
begierig anfragte. Die Königin erklårte ihnen / wie dass diese reimen einem
Celtischen Fursten zu ehren aufgesetzet / und die gedächtnisseule ihm gewidmet:
und dieser wåre der Cimber /den meisten unter ihnen bekant / dessen fruhzeitigen
tod sie håtten beweinen müssen. Ich habe diesen Cimber auf einen angenblick
gesehen / (sagte Danede) und zwar in Damasco / als er / die Prinzessin Cölidiane
zu retten / zu meinem bruder in das haus kame: und vermehrt dieses meine gegen
ihm geschopfte hochachtung / dass ich die schönste augen der welt ihn beweinen
gesehen. Wollen wir dann nicht weiter gehen? (fragte Colidiane) üm endlich zu
finden / was wir suchen? Mein verlangen hiernach (antwortete die schöne Konigin)
ist nun grosser / als es je gewesen. Hierauf gingen sie / nachdem sie alles in
diesem tempel wohl beschauet und bewundert / wieder hinaus /und folgten ferner
dem Arsas: weicher sie bald auf einen offenen platz brachte / der rund umher mit
felsichten mauren ümfangen / einen kräutergarten vorstellte / auch an der
mittragsseiten aufgezogene weinranken zeigte; woraus sie abmerken konten / dass
diese felsen und holen müsten bewonet sein.
    Wie sie nun endlich / uber selbigen platz / in lauter klippen und berge
gekommen / und nun fast nicht weiter zu gehen wussten / wurden sie von fernen
eines weibs gewar / die einen korb auf dem rücken truge /welcher / wie es
schiene / mit allerhand mundkost angefüllet war / und damit in eine höle hinein
gienge: deren sie dann auf der spur nachfolten. Der mit hinein gebrachte hirte /
dieses weib ersehend / stellte sich erschrocken an / und wollte ihr zuruffen: es
wurde ihm aber solches verwehret / und er mit etlichen soldaten zu rucke
galassen / die acht auf ihn haben mussten. Wie sie nun dem weib nacheilten /
kamen sie lezlich in eine kuche / die in einen felsen gehauen war. Die leute /
so darin waren / erschracken so sehr / als sie so viel fromde ankommen sahen /
dass sie sofort / was sie in dem händen hatten / fallen liessen / und entlieffen.
Nur eine morin / welche die Danede kennte / bliebe stehen / und fiele dieser
Prinzessin zu fus / ihre unbeschreibliche freude bezeugend / sie wieder zu
sehen. Wo ist deine Prinzessin Delbora? ware alsofort der Danede frage. Die
dirne antwortete heimlich / und in Arabischer sprache: Sie wäre nicht weit von
dannen /und sie wollte sie zu ihr bringen / wan es ohne die andere anwesende
geschehen könnte. Wir haben die Delbora gefunden! (sagte hierauf Danede zu der
Colidiane) und (ferner die Konigin von Syrien anredend /) verneme ich / dass sie
gesellschaft scheu ist. Wan es nun E. Maj. erlauben / dass wir beide allein
dörfen zu ihr gehen / sie anzusprechen / so will ich von ihr nachricht zurücke
bringen.
    Wie nun die Konigin solches fur gut befunden / eileten Danede und Colidiane
mit der dirne fort / und wurden von ihr in ein gewölbtes zimmer gefuret: darin
sie diese Prinzessin / neben noch zweien frömden / antraffe. Die erfreute Danede
lieffe gleich / der erschrockenen Delbora üm den hals zu fallen: die sie eher
küssete / ehe sie wusste / wer ihr diese liebe erwiese. Wie sie aber ihres gemals
schwester / von der sie in Cus jederzeit so hoch geliebt worden / erkant hatte
/ verwandelte sich ihr entsetzen in eine freude /die ihr die tränen aus den
augen triebe. Diese beide freundinnen lagen ein ander lang in den armen / sonder
ein wort zu sagen: dass also Colidiane / die immittels die andere beide
schönheiten bewundert / eine weile zuruck stehen musste. Sie wurde von der
Delbora gleich erkent / aber nicht so herzlich entfangen: weil diese Prinzessn
sie mit ihrem Eridanus in nicht-geringem verdacht / und für eine ursacherin
alles ihres unglucks / hielte. Wie aber Danede die andere zwo schonen / so im
zimmer sich mit befande / auch ansprechen wollte / und nicht wusste / wofur sie
dieselben ansehen sollte / sagte Delbora zu ihr: Diese beide Celtische Königinnen
gonnen mir allhier meinen aufentalt / und ist diese die Königin Hermione / eine
witwe des Morges Königs in Kitim / die andere aber ist die Königin Roma / witwe
des Tuscus Sicanus / Konigs der Aborigener. Weil sie beide meine freundinnen
sind / als kennen sie schon die schone Danede aus meinen vielfåltigen
erzehlungen / und lieben sie allbereit / mir zu gefallen: dass ich also ihren
namen wohl eröfnen darf / ob sie schon sonst fur aller welt verborgen zu leben
verlangen. Solcher gestalt / und als auch Danede ihrer gefärtin stand und namen
den beiden Koniginnen entdecket / wurden diese Damen beiderseits einander
bekant: und da von den zwei angekommen die Hermione und Roma schon befunden
worden / so bekanten hingegen diese beide Königinnen in ihrem herzen / dass sie
nie etwas schöners / als Colidiane / noch etwas angenemers / als die Danede /
gesehen hätten.
    Wer hat dich (begunte Delbora die Danede zu fragen) diesen verborgenen
unwegsamen weg / und was fur ein gutes oder boses geschicke hat dich aus Cus
hieher / gefuret? Ich verspare auf die lezte von deinen fragen zu antworten /
(sagte Danede) bis wir hierzu mehr zeit und gelegenheit uberkommen: was aber
Colidiane und mich hieher bringt / das will ich dir sofort erofnen. Hiemit
erzehlte sie ihr kurzlich / wie sie vorigen tags jenseit des sees wären ersehen
worden. Als sie endlich erwähnte / wie dass die Konigin von Syrien / neben andern
hohen Frauenspersonen / in diesen holen sich befände / und sie zu suchen
ausgegangen wäre / besturzte furnemlich Hermione darüber /und kunte sich lang
nicht entschliessen / von dieser Königin sich sehen zu lassen. Wie aber sowol die
Roma / als Delbora / ihr zuredten / und es eine unhöflichkeit zu sein ermassen /
diese grosse Konigin / in deren lande sie waren / und die / sie zu suchen / sich
so viel bemuhet / nicht anzusprechen: waren sie zu frieden / dass Danede und
Colidiane die Konigin von Syrien / neben wenigen von ihrer gesellschaft / in ihr
zimmer bringen / jedoch ihre namen ihr nicht eher /als wan sie beisammen wären /
ansagen mochten. Hierauf eilten Danede und Colidiane wieder an das ort / wo sie
ihre gesellschaft gelassen / und sagten diss den Königinnen: die dann / diesen
beiden Prinzessinnen / mit der Jaelinde und Ahalibama / in das zimmer
nachfolgten / und / in ersehung dieser drei frömden schonheiten an einem so
ungewonlichen orte / nicht wenig bestürzt blieben.
    Die Konigin Eurilinde erkannte alsofort die Delbora / an der gleichheit / die
zwischen ihr und ihrer fraumutter / der Konigin Barzine / sich befunden: und
weil sie deren grosse freundin in Armenien gewesen /als bezeugte sie sonderbare
freude / diese ihre tochter zu sehen; weshalben sie auch gleich zu ihr eilete /
und sie umarmete. Delbora / so sie anfånglich nicht erkannte / erfuhre bald / von
wem diese liebkosungen herrürten: daher sie nicht weniger erfreuet war / eine so
gute freundin ihrer fraumutter zu sehen. Als sie hierauf zu der Konigin von
Syrien gekommen / sagte sie: E. Maj. sehen hier vor sich eine verlassene / die
wider ihr wissen in dero reiche schutz gesuchet; den sie auch / E. Maj.
weltbekanter güte versichert / noch ferner hier zu finden verhoffet. Das
gerüchte (antwortete die Konigin von Syrien) hat mir schon långst soviel gutes
von der Prinzessin Delbora gesaget / dass ich mich seelig schåtze / selbige nun
in person zu sehen. Ich biete euch auch / schone Prinzessin! hiermit alles / was
in meinem reiche ist / zu euren diensten an / und werde mich beglückt achten /
wan ich euch in einigem dinge erweisen kann / wie hoch ich eure tugenden verehre.
Wan das geruchte (widerholete Delbora) meine abenteuren E. Maj. hat bekant
gemacht / so werden sie wissen / dass ich auf alle weise die unglückseeligste
person auf erden bin / und ursach habe / mich für der ganzen welt zu verbergen:
und diesem meinem zustand habe ich hiesige einöde so gleichformig gefunden / dass
mein höchstes verlangen ist / allhier verborgen zu leben / bis ich sterbe.
    Ich widerspreche euch dieses / schone Prinzessin! (antwortete die Konigin
von Syrien) als die ich dem Prinzen von Cus viel zu hoch verbunden bin / dann dass
ich ein solches zugeben sollte. Es wird so wohl die Prinzessin Danede / als
Cölidiane / meinem bitten zu hülfe kommen / dass man sich nicht allein aus diesem
felsen hinweg begebe / sondern auch zulasse / dem Prinzen von Cus diese
erfreuliche post von seiner gemalin / üm die er beångstigt ist / kund zu machen.
Delbora sah / auf dieses zureden / die Konigin ganz wehmutig an / und die
augenbrunnen offnend / vermeinte sie / wie dass man / allein sie zu trösten /
also mit ihr von dem Eridanus redete. Wie aber Danede solches merkte / trate sie
hinzu / und beteuerte ihr gar hoch des Eridanus reue / auch wie er / sie zu
suchen /das reich Cus verlassen håtte / und nun zweifelsohn aller orten nach ihr
sich befragen würde: welches auch die Colidiane beståtigte. Wie man nun gern das
jenige glåubet / was man wünschet / als fiele es diesen beiden Prinzessinnen
nicht schwer / den Eridanus bei seiner Delbora wieder einzusonen; massen sie /
ganz wunter aussehend / zu der Konigin von Syrien sagte: Wan mein gemal das
unrecht / so er mir getan / erkennet / bin ich nicht gewillet / meine gegenwart
ihm länger zu entziehen / sondern verlange vielmehr / wiederum bei ihm zu sein /
als bei dem allein ich mit ruhm und ehre mein leben zubringen kann. Ich werde
aber doch / diese wonung zu verlassen / mich eher nicht entschliessen dörfen /
bis meine beide wirtinnen hierzugegen soches mit bewilliget haben.
    Diese worte der Delbora verursachten / dass die Königin von Syrien ihre augen
auf die Hermione und Roma warfe / und aus deren majestätischem wesen ihren hohen
stand urtreilend / fragte sie die Delbora ganz begierig / wer diese wären? E.
Maj. überheben mich dieser frage / (antwortete Delbora) weil ich /ohne ihren
willen / sie nicht nennen darf. Dass eine unter ihnen (sagte die schone Konigin)
müsse Hermione heissen / haben mir / unweit von hier / in des Cimbers
ehren-tempel / etliche Celtische reimen zu erkennen gegeben. Weil ich auch mich
erinnere / dass der Adonias / gegenwärtiger Konigin Eurilinde sohn /vor wenig
jahren / aus Kitim / neben der Konigin Hermione / auch die Konigin Roma habe
nach Asien übergefüret: als vermute ich / dass die Königin der Aborigener allhier
auch zu finden sei. Hermione /über diesen reden ganz errötet / trate hierauf
herfür /und sagte: Wan wir Celten viel götter glåuben dörften wollte ich denken
ich sehe die groste göttin hier vor mir; weil nicht weniger dero himlischer
glanz / als ihre profetische stimme / mich solches vermuten machet. Ich sehe
auch nicht / wie wir ferner uns bergen konnen / da bereits unsere namen sind
erraten worden. Ich bin die unglückliche Hermione / und meine gefärtin ist die
Konigin Roma. Wir haben Kitim verlassen mussen / um hier in Asien die
unbeständigkeit der welt kennen zu lernen: die uns dazu getrieben / dass wir / so
zu sagen / aus der welt zu gehen / und in dieser einsamkeit die übrige zeit
unsers lebens hinzubringen / uns entschliessen müssen. Niemals aber håtten wir
besorget / in dieser einsamkeit gestoret zu werden. Zwar hat es dem himmel zu
meinem glücke gefallen / durch hieherkunft der Prinzessin Delbora von Cus anlass
zu geben / dass ich die schönste Konigin der welt / die wider ihr wissen mir
meine ruhe genommen / vor meinem ende noch habe müssen zu sehen bekommen.
    Wol recht saget die Königin von Kitim / (antwortete die von Syrien) dass
sonder mein wissen ich ihre ruhe allhier verstoret; massen ich daran so
unschuldig bin / als am tode des edlen Cimbers: und möchte ich wuschen / dieser
held håtte meinen Basilisken-blick nie gesehen / weil solcher an dieses Prinzen
unbeständigkeit ursach sein mussen. Ach grosse Konigin! (gabe Hermione zur
antwort) ich bekenne meine schuld /dass ich solcher worte in dem ehrengedåchtnis
des Cimbers mich bedienet. Was tut aber nicht der entfindlichste gram? und was
wird nicht / einer bis in den tod betrübten gut gehalten? Ich sage auch dieses
nicht fürrückungs-weise / (widerredte die Konigin von Syrien) sondern deute nur
damit an / wie ich mein unglück beklage / dass ich einer so schonen Königin
unruhe / und eines so edlen Prinzen wankelmütigkeit befordern müssen. Nun ich
die schönste Delbois gesehen / (wandte Hermione hinwider ein) unter welchem
namen der Cimber sie angebetet / verdenke ich ihn nicht mehr / dass er die
Hermione verlassen können: und musste es auch ein solcher wunderschein sein / der
/ die vergessenheit meiner / in ihm erweckte. Ich beklage nun nicht mehr so sehr
/ (widerredte die Konigin von Syrien) den tod dieses Prinzen / als seine an der
Konigin von Kitim erwiesene unbeständigkeit: und hätte ich diese nicht erfahren
/ sollte ich mich wohl nicht haben erwehren konnen / mich eine mitbulerin der
schonen Hermione zu nennen. Nun ich ihm dieses verziehen habe / (sagte Hermione)
bitte ich noch fur ihn / dass die Konigin von Syrien ihre hochachtung gegen ihm
nicht aufgeben wolle: zumal seine andere tugenden / die ihm überflussig beiwonen
/ ein solches wohl verdienen.
    Es ist aber die wankelmutigkeie (erwiderte die Konigin von Syrien) kein
geringes gebrechen / und weiss ich nun / das Cimber nicht allein die schone
Hermione / sondern auch die Prinzessin Hercinde aus Celten lieben und verlassen
konnen. Wie? des grossen Marfius tochter? (fragte Hermione ganz verwundert) wie
sollte das moglich sein können? Diese schone (hube Roma hierauf seufzend an zu
reden) hat auch einen andern Prinzen seiner treue konnen vergessen machen / dass
wohl noch ungläublicher geschienen. Zweifelsfrei (antwortete ihr die Konigin von
Syrien /) wird hierdurch der Prinz von Hevila verstanden? Ich verneme /
(versetze die angeneme Roma) dass alles hier bekant ist / was unser beider
unglück / und die hiesige freiwillige einsperrung / hat verursachen können. Ich
weiss hiervon so viel nicht / (sagte die Königin von Syrien) als ich wohl zu
wissen verlange. Ich will hoffen / da mir das gluck die kentnis zweier so grossen
Koniginnen erworben / ich werde auch in ihre vertreuliche freundschaft
aufgenommen und tüchtig erkant werden / ihnen allhier in Syrien dienste zu
leisren / auch ihres wohl- und wehstandes mich teilhaft zu machen. Unser zustand
(widerredte Hermione) ist also beschaffen / dass wir ungern diese wonung werden
verlassen konnen: und wird uns nur hier das freie leben ferner gegonnet / so
geniessen wir dardurch alle die guttaten / die wir zu entsahn fåhig sind. Wofern
auch die schone Konigin von Syrien verlanget / die ursache die uns beide zu
diesem schlusse gebracht / eigentlicher zuvernemen / sind wir sie hierinn zu
vergnügen erbotig.
    So gross mein verlangen ist / (antwortete die Konigin von Syrien) solches
umständlich zu wissen / so wenig werde ich konnen zugeben / dass diese einöde
länger zwei so grosse schonheiten beschliesse: wie ich dann hoffen will / dass
Syrien noch bequemere orter haben werde / Koniginnen zu bewirten. Wir wollen
hiernächst (sagte Roma) die Konigin von Syrien selbst ein urteil fållen lassen /
wan sie unsern zustand erfahren hat / ob wir befugt seien oder nicht / solch ein
leben zuerkiesen / als wir jetzund füren. Wie nun auch die junge Konigin von
Ninive / neben der Jaelinde und Ahalibama / diese fromden begrüss t / und sich
ihnen zu erkennen gegeben hatten sagte die Konigin von Syrien: weil es dann nun
auf mein urtreil ankommet / ob dieser ort ferner seine edle einwoner behalten
solle / oder nicht / ich aber solches nicht eher fållen kann / bis mir der beiden
Koniginnen ursachen bekant sein werden; als will ich erwarten / ob iezt /neben
mir / meine mitgebrachte gesellschaft / von denen ich nichtes verborgen halte /
diese ihre begebenenheiten mochten anhören dorfen. Wir seind hierin zu willigst
(antwortete Hermione / nachdem sie zuvor heimlich mit der Roma sich beredet) und
befinde ich diese gellschaft so edel / dass wir keinen schreu tragen dörfen /
ihnen unsere begebenheiten bewust zu machen. Wir konnen (widerholte die Konigin
von Syrien) das übrige vom tag nicht bässer zubringen / als mit anhorung dieser
geschichte: und werde ich von hier nicht wegscheiden / bis ich weiss / ob ich
meine beide Koniginnen mit mir von hier hinweg füren moge. Hierauf sezten sie
sich alle / auf denen an den wänden ümher ausgehaunen bånken / zusammen nieder /
und nach einer kurzen frist / fienge die schone Celtin an zu erzählen / die
 
Geschichte der Hermione Konigin von Kitim /und der Roma Konigin der Aborigener.
Gleichwie das widrige gluck mir / fast so lang ich gelebet / keine ruhe gegönnet
/ also musste ich auch / ehe ich geboren worden / dessen tucke entfinden / und
mit meinen eltern / noch in mutterleibe / aus Tuscia / nach des Bojus hof in
Celten flüchten gehen: da / wegen vielen schreckens und ungemach der reise / die
Königin Evechoa / meine fraumutter / kurz nach ihrer ankunft / in Trier mich zur
welt gebare / und darbei den geist aufgabe. Sie befahle mich aber vorher einer
Medischen dame / die mit ihr aus Rages gekommen / als sie von dar neben ihrer
schwester / für des Nadias wut / die weltkundig ist / entfliehen müssen: von der
sie begehrte / dass sie mich ehist zu ihrer schwester in Arabien / die an den
Fürsten der Nabateer verheiratet war / bringen sollte; damit in ehlichung des
jungen Nebajot / meines vettern / ich wieder an den Medischen tron zu gelangen
die hofnung haben konnte. Es war auch diese verlobung zwischen dem Nebajot und
mir / vor unser beider geburt / von unsern muttern / auf ihrer flucht aus Meden
abgeredet worden. Als nun die Königin / nach eröfnung dieses ihres lezten
willens / die welt gesegnet / name die verständige Mesahab (so hiess die dame)
sich meiner getreulich an /als wie eine mutter / und ware des fåsten vorhabens
/ihrer Königen befehl / nach äusersten vermogen / dermaleins zu erfullen.
    Weil der Blascon / mein herrvatter / von land und leuten verjaget / und
wider den Konig Hesperus / der aus Bätica gekommen und ihn vertrieben / bei dem
Bojus schutz und beistand gesuchet / erlangte er zwar solche / durch getreuen
vorspruch seines schwagers /des Fürsten Bodus / der beim König Bojus fast alles
vermochte. Er sezte sich aber noch fåster in des Königs gunst / durch ehlichung
der Prinzessin Martinde /dessen schwester: welche heurat nicht so bald
geschlossen war / da rustete sich ganz Celten wider den Hesperus. Es ehlichte
auch / in der zeit / der Konig Bojus die Celtiberische Prinzessin Bombis / die
schwester der Königin Harsia der gemalin des Bätischen Konigs Italus Kitim:
wodurch / auf anregung der Martinde / zu weg gebracht wurde / dass auch Italus
Kitim / sich zu dem Bojus und meinem herrvattern schlagend / den Hesperus /
seinen leiblichen bruder /bekriegte. Er wurde auch endlich weister in Tuscia
/und sezte die kron selbiges landes auf: welches er nach seinem namen Kitim
nente / und den Hesperus daraus verjagte. Er vergasse hierbei / das reich / so er
erobert / seinem rechten herrn / dem Blascon / wieder zu ubergeben: welcher dann
hierum / sowol bei ihm /als bei dem Bojus / vergeblich anhielte / und neben der
Martinde mit schmerzen ansehen musste / dass des Bojus gemalin / als schwägerin
des Italus Kitim /mehr / als sie / beim Konig golte / und erhielte / dass man
sich der neuen regierung in Kitim ganz nicht widersezte / sondern mit dem Italus
Kitim / gute nachbarliche freundschaft haltend / meinen herrvattern ståts mit
süssen worten abspeiste / und ihn sonst in allem / auser in diesem / das er am
meisten verlangte /viel gunst erwiese.
    Nach verfliessung etlicher jahre / inzwischen er /sonder einige Hoffnung / in
Trier sich aufgehalten / als die Königin Bombis / und meine stief fraumutter die
Martinde / nun vertraute freundinnen worden / richteten sie es in die wege / dass
der Italus Kitim seine vier kinder / den Prinzen Morges / den Sicorus / und die
Prinzessinnen Electra und Roma / nach Trier sandte /alda sie an des Bojus hofe /
mit dem jungen Kronprinzen / dem Ingerman / mit dem Camboblascon meinem / stief
bruder / mit dem Tubal / des Fürsten Bodus sohn / und mit mir / sollten
auferzogen werden: damit nicht allein / auf solche weise / unter uns kindern
eine vertreuliche freundschaft entstehen / sondern auch /durch wechsel-heiraten
zwischen uns / aus beiden geschlechten des Blascons und Italus Kitim / einerlei
stamhaus beständig aufgerichtet und erbauet werden mochte. Also wurde / dem
jungen Camboblascon /des Italus Kitim ältere Prinzessin die Electra; mir /der
åltere Prinz aus Kitim / der Morges; dem Ingerman aber / die jüngste Prinzessin
/ gegenwärtige Konigin Roma / zugedacht. Diesem schluss zu folge /ward uns allen
und jeden anbefohlen / also mit einander ümzugehen / wie sie es gut befunden /
und wie sie uns einander zugeteilet hatten. Weil wir noch allerseits kinder
waren / als liesse es sich nicht gleich anfangs spüren / ob ein- und andrem diss
gebot wohl oder ubel anstunde / sondern ein iedes gesellte sich zu dem / dazu man
uns bestimmet hatte: also dass Morges mir und Camboblascon der Electra fleissig
aufwartete / Ingerman aber der Roma alle hoflichkeit erwiese.
    Weil man / in dieser austeilug / dem jungsten Prinzen aus Kitim / dem
Sicorus / wie auch dem jungen Tubal / nichtes zuerkant hatte / wehlten diese
selber ihnen von uns welche aus: massen der Tubal die Roma Sicorus aber meine
person / mit mehrer håftigkeit / als unsere verordnete liebhabere / zu bedienen
anfinge. Also gabe es manchen streit unter ihnen /indem Sicorus seinem åltern
bruder / dem Morges / in bedienung meiner / etwas zuvor tun wollte / oder Tubal
ofters / wegen des Prinzen Ingerman / um die Roma nicht sein kunte. Die Mesahab
aber / so mich erzoge / warnete mich immer / die Prinzen aus Kitim nicht zu
lieben / sondern mein / herz fur den Fursten Nebajot aufzubewaren / als welcher
der jenige wåre /den mir meine fraumutter bestimmet hätte; und dass ich an keinen
andern tron in der welt / als an den Medischen gedenken müste / von dem ich die
rechte erbin wäre / und den mir der Nebajot sollte zu wege bringen. Sie
verursachte hiermit / dass ich jemehr und mehr meine kaltsinnigkeit diesen beiden
Prinzen erwiese / und dadurch mir manchen verweis von dem Blascon / meinem
herrvattern / wie auch von der Martinde / zu weg brachte / die eine andere
bezeigung von mir sehen wollten. Keines lebte unter uns ruhiger und vergnügter /
als Camboblascon und seine Electra: massen sie / sonder zwang und anfechtuug /
in wechsel-liebe lebten / und keiner einrede noch vermanung notig hatten / das
zu tun / was die Konige so sehr verlangten. Die Roma / weil sie / von den
Ingerman nicht genug geliebt zu sein / ihr einbildete / und den Tubal nicht
lieben kunte / war mit ihnen beiden so wenig / als mit ihr / zu frieden.
    Es fügte sich / dass in solcher zeit der junge Cimber unbekant nach Trier
kame: welcher diese reise / um den berümten hof des Bojus zu sehen / übernommen
/und die gefahr / aus antrieb der frischen jugend / nicht scheuete / die ihm /
wan er wär erkant worden / håtte zuwachsen konnen: dann man bei uns / sowol
seinem vatter / dem Fürsten Herman / als fürnemlich seiner mutter / der Hesperia
/ todfeind ware / und daher zweifelsfrei den sohn ubel wurde angesehen haben.
Sein vorwitz / seine anverwandten zu sehen / (weil der Prinz Ingerman ihm nahe
befreundet / des Italus Kitim kinder mit ihm geschwisterkind / und Tubal seines
vatters brudern sohn war) machte ihn einsmals einer unfern von Trier
angestellten bärenjagt mitbeiwonen / worbei so wohl die Konige / als wir ingesamt
/zu pferd erschienen: da das verhångnus wollte / dass er / mich ersehend / etwas
anziehendes fand / welches ihn auch / die andern etwas genauer zu betrachten
/verhinterte. Also kame es nun / dass er mich lieb gewonne / und fast die ganze
zeit der jagt uber / keinen augenblick mich verliesse / sondern stäts meiner spur
nachfolgte.
    Nun begabe es sich eines tags / dass wir / indem wir etlichen bären
nachjagten / uns allerseits voneinander zerstreuten: da ich mich dann ganz allein
sah / ohne dass dieser unbekannte Cimber mir folgte. Weil ich ihn für einen von
unsern leuten hielte / beachtete ich sein nachfolgen nicht / sondern rante
meines wegs fort. Indem wischete plötzlich ein grosser bår aus dem dusch herfür
/ und liefe auf mich zu / den ich zwar mit etlichen bogenschossen grüste / aber
ihn damit nicht abwendete: und war diss das ärgste / dass mein scheues pferd sich
mit mir båumte / und mich herunter warfe. Ich würde ohn zweifel des todes
gewesen sein / wåre Cimber nicht zu rechter zeit dazu gekommen / welcher sofort
vom pferd sprange / und sich zwischen mich und den båren stellte: da dann diss
ergrimte tier auf ihn los ginge / aber seine dapfere und kune faust bald
entfinden musste / und zu seinen fussen tod danieder fiele. Diese küne tat / die
ich mit angesehen /machte mich diesen frömden genauer betrachten: und wie er
kame / mir seinen sieg anzukünden / auch daneben sein beileid zu bezeugen / dass
dieser unfall mich in schrecken gesetzet / zeigte sich mir seine gestalt mit
solcher heroischen annemlichkeit / dass ich ganz darob verwundert bliebe. Nemet
an / grosse Prinzessin! (sagte er zu mir) dieses erste zeichen meiner bedienung /
die ich euch auf lebenslang beständig gewidmet / und die ihr nicht auszuschlagen
/ mir die gnade erweisen wollet. Edler / ritter! (gabe ich ihme zur antwort)
euer erster dapfrer dienst / ist für mich so vorteilhaftig / dass ich meiner
eigenen wolfart feind sein müste / wan ich euer grosmutiges erbieten nicht
willigst annemen wollte. Ihr werdet mir aber gönnen /euren namen und herkunft zu
wissen: damit mir nicht unbekant sein möge / wem ich mein leben zu danken habe.
Er antwortete: wie dass er mir hierin nicht wilfaren könnte / bis er zuvor die
gnade / mich zu sprechen /ofter genossen håtte.
    Hiermit kamen etliche von unsren leuten dazu / und storeten unsere fernere
unterredung: und indem diese üm mich besorgt waren / verlore sich Cimber in das
gehölze / also dass ich ihn selbigen tag nicht wieder zu sehen bekame. Als aber
die Konige und Prinzen erfuren / was vorgegangen / ware ihr entsetzen uber
meinem zufall nicht grosser / als die begierde / diesen fromden zu kennen / der
so dapfer mich erloset hatte. Die Prinzen Morges und Sicorus / erwiesen sich
hiebei mehr beschåmt / als begierig / diesen frömden zu kennen; und ersonnen
tausend entschuldigungen / die ihnen in den weg kommend sie behintert hätten /
mir diesen dienst zu leisten. Sobald ich aber bei der Mesahab mich wieder allein
befande / und ihr meine abenteur erzehlte / machte ich sie damit glåuben / dass
dieser fremde zweifelsohn der Nebajot sein musste: weil sie aus Asien / von der
Fürstin Chinzira seiner fraumutter / die nachricht erhalten hatte / dass er ehist
in Celten kommen würde. Ich sagte ihr: wan dieser der Nebajot wåre / wurde mir
nicht schwer fallen /ihn zu lieben. Dieses gefiele ihr nun sehr wohl: weil sie
hoffete / dass Nebajot gewiss vorhanden wäre.
    Der Prinz Cimber suchete hiernåchst alle ersinliche gelegenheit / mich
wieder zu sprechen / und gelangte hierzu / als der Ingerman sein abschiedfest
feirete: dann dieser Prinz hatte / auf inständiges anhalten / von dem König
seinem herrvattern die erlaubnus erlanget /unter fürung des weissen Bardus / die
Asiatische höfe und landschaften zu besuchen. Weil bei solchem feste / welches
nach Celtischer gewonheit / in einem lustigen wald gehalten wurde / und die
ganze nacht hindurch wärete / iederman erscheinen dorfte / fiele es dem Cimber
nicht schwer / sich auch alda unter der grossen månge einzufinden. Weil er auch
allein mich suchete / als name er den ort wohl in acht / wo ich mich befande. Wie
die übliche spiele und dånze angegangen / stellte er sich mir von weiten unter
augen: da ich ihn gleich erkente / und darob erfreuet / ihn der Mesahab zeigte /
die eben bei mir ware. Er merkte wohl aus unsern gebärden / dass wir seiner müsten
wargenommen haben: daher er sich almåhlich nåherte / und zwar mit einer solchen
art / die uns vermuten machte /dass er nicht gern bekant sein wollte. Weil nun die
gute Mesahab nicht anders glaubte / als dass es Nebajot wäre / gesellte sie sich
zu ihm / und redte ihn / als denjenigen / vor den sie ihn hielte / Arabisch an:
damit keiner von den anwesenden Celten ihr gespråche verstehen mochte. Zu seinem
gutem Glück / verstunde Cimber diese sprache / weil ihm von kindheit auf ein
Asiatischer lehrmeister war gehalten worden /der ihn in allen sprachen
unterrichtet. Daher / als sie ihn fragte / ob er nicht wegen der Prinzessin
Hermione sich allhier hätte eingefunden? antwortete er mit ja / und dass diss die
einige ursach seiner ankunft in Trier wåre. Findet ihr dann meine Prinzessin so
schon / (fragte sie weiter) als wie der ruff sie gemachet? und wollet ihr / dass
wir hier gläuben sollen / sie habe euch eure freiheit genommen?
    Cimber / ganz verwundert / die Mesahab also reden zu hören / hielte es fur
ein sonderbar gutes zeichen / und sagte / sie ganz beweglich anschauend: Nicht
das geruchte / sondern meine augen haben mich zu der Hermione gefangenen
gemacht; und wurde ich solches so künlich hier nicht bekennen / wan ich nicht
hoffen dorfte / dieses fragen geschehe zu meinem båsten. Hoffet / edler Fürst!
(antwortete sie ihm) und seit versichert / dass ich euch dienen werde. Es fehlete
nicht viel / Cimber wåre ihr / nach solcher guten versicherung / zu fus gefallen
/ so erfreut bliebe er hieruber. Er schiede damit von ihr / in der Meinung /
Mesahab håtte allein / um sich ihme zu erkennen zu geben / Arabisch geredet:
gleichwie auch sie mit den gedanken zu mir wiederkehrte / dass dieser ganz gewiss
der Nebajot wåre. Tausend gutes sagte sie mir hierauf vor / von diesem Fursten
/ wie gros sie nämlich dessen geschicklichkeiten fånde / und wie ein ungemeines
helden-ansehen ihn begleitete: daher ich / meiner verstorbenen fraumutter
gehorsamend / und meiner eigenen neigung nachfolgend / unschwer zu bereden war /
diesen Fursten zu lieben. Nachdem die hierob erfreute Mesahab meine gute
erklårung vernommen / seumte sie nicht / ihrem vermeinten Nebajot /den sie zu
ihr zu kommen beschieden / solches wisslich zu machen. Sie brachte ihn auch
verborgen zu mir / damit wir miteinander die notturft abreden möchten / bevor er
öffentlich in Trier und bei hof sich sehen liesse: welches sie zwar so sehr
fürchtete / als verlangte / und ofters den raht gabe / (weil sie besorgte / der
König mein herrvatter mochte mich ihm nicht geben / sondern lieber bei dem
Morges bleiben wollen) dass ich heimlich nach Asien mit ihm davon ziehen sollte.
    Wie er nun zu mir gekommen / fiele er mir gleich zu fus / und wusste nicht
worte gnug vorzubringen /seine erkentlichkeit wegen der unverdienten gnade /die
ich ihm widerfaren liesse / zu bezeugen. Ich sagte zu ihm: Wie das ich nimmermehr
/ sonder wissen meiner obern / ihn zu sprechen mir die freiheit wurde gegeben
haben / wan ich nicht den lezten befehl meiner fraumutter vor mir hätte / der
mich zu dem / was ich täte / so wohl aus gehorsam / als aus eigener neigung /
antriebe. Diese verbindliche worte sezten ihn fast gar aus sich selber: wiewol
er nicht begreifen konnte / was ich mit meiner fraumutter wollte verstanden haben.
Und wie er mich hierüm gefraget / erwähnte ich gegen ihme / ganz unschudiger
weise: Er würde ja bässer als ich wissen / wie jederzeit unsrer beider mütter
wille gewesen / dass Hermione den Nebajot / und Nebajot die Hermione lieben
sollte. Der name Nebajot öffnete dem Cimber die augen / dass er so wohl meinen als
der Mesahab irrtum erkannte / und wohl verspurte / wie wir ihn fur einen andern
ansähen: daher er so betreten wurde / dass er nicht wusste / wozu er sich
entschliessen sollte. Sich von mir geliebt zu wissen / hielte er damals für seine
höchste glückseligkeit: nun aber musste er fürchten / wan er mir seinen namen
nennte / (weil sein vatter und mutter der meinigen abgesagte feinde waren) er
mochte alle erlangte gunst auf einmal wieder verscherzen / und alsdan nimmer für
meine augen kommen dorfen. Demnach beschlosse er bei sich selber / diesen betrug
/ ob er ihn gleich nicht angefangen / unschuldig fortzusetzen /und / seiner
liebe zum bästen / zu verschweigen / dass er nicht Nebajot wäre. Demnach gabe er
mir solche zweideutige antworten / die mich immer hin bei meiner einbildung
erhielten / und ihm die vergnügung liessen / von mir die versicherung zu vernemen
/ dass ich ihn liebte. Wiewol nun diese seine ruhe unvolkommen war / weil er nur
unter dem namen eines andern sich geliebt sah: so trostete er sich doch damit
/ dass er /ob er schon nicht Nebajot war / gleich wohl vor selbigem einen so
grossen vorzug bei mir håtte / welchen der Nebajot / wan er ankäme / schwerlich
bei mir würde austilgen konnen. Worinn er dann auch nicht geirret.
    Es kame / nicht lang hiernach / der rechte Fürst Nebajot / neben dem
Prinzen Jetur von Hevila /und liesse sich offentlich an Trierischen hofe sehen:
da sie dann / als frömde Fürsten / von dem König Bojus wohl aufgenommen / und in
betrachtung / dass sein sohn sich auch in ihren landen aufhielte / ihnen sonders
gütig begegnet wurde. Ich wusste nicht / als ich ihre ankunft vernommen / was ich
von dem Nebajot gedenken sollte / dass der es mir nicht zuvor gesaget /wie er
offentlich bei hof erscheinen wollte. Indem ich aber mit der Mesahab hiervon
redte / meldete man mir an / wie dass Nebajot und Jetur mich zu besuchen kommen
wollten. Als ich sie nun furgelassen / wurde ich von unbeschreiblicher entsetzung
uberfallen / als ich meinen Nebajot unter diesen beden nicht fand /sondern
zweier ganz frömden gestalten ansichtig wurde. Sie küsseten mir den rock / und
der erste / so Nebajot war / uberreichte mir ein schreiben von der Fürstin
Chinzira / seiner fraumutter: die mir darin diesen ihren sohn aufs bäste
anbefohle / und darbei erwähnte / wie sie herzlich wunschte / dass das mit ihme
und mir mochte erfullet werden / was sie und ihre schwester / meine fraumutter /
mit einander so fåst abgeredet und gelobet håtten. Meine verwirrung hierüber war
so gros / dass sowol die beide frömde /als meine leute / solche an mir warnamen.
    Nachdem ich diese erste besuchung / die gar kurz war / uberstanden / und
mich bei der Mesahab wieder allein sah / begunten wir einander zu fragen / wie
es mit dieser fromden begebnis müsse beschaffen sein. Weil der Mesahab die hand
der Fürstin Chinzira wohl bekant war / als mussten wir glauben / dass eher mit dem
ersten als mit diesem lezten Nebajot / ein betrug vorgehen müste. Sie fienge
nun gleich an die seite des lezten zu halten / und wollte mich uberreden /
alsofort den andern fahren zu lassen. Gleichwie mir aber solches / bevor ich
mehrere erkundigung hievon eingezogen / so unmüglich als unbillig furkame /
wollte ich den bishergeglåubten Nebajot erstlich sprechen / und von ihm selber
die auflosung dieses rätsels vernemen. Als er demnach gegen den abend fur mich
gekommen / fand ich ihn so verändert und erschrocken aussehend / dass ich nun
nicht mehr zweifelte / er würde mich betrogen haben. Was soll ich hierzu sagen /
(redete ich ihn an) dass zween Nebajot alhier sich einfinden? Der Nabateer
Furstin / die Chinzira / bietet mir iezt / durch ein schreiben / ihren sohn an:
für den ich euch nicht halten darf / weil ein anderer mir den brief uberliefert
hat. Demnach so helfet mir aus dem traum / und saget mir / welcher der Nebajot
sei / den ich lieben musse?
    Als ich diese kurze frage getan hatte / sah ich unversehens den Cimber zu
meinen fussen niederfallen /welche er ümfassete / und so håufig mit seinen zären
benezte / dass er lang kein wort herfürbringen kunte. Endlich wie ich ihn von der
erden wieder auszustehen genötigt / sagte er: Wan Hermione keinen andern / als
den glücklichen Nebajot / lieben kann / so muss ich sagen / dass Cimber der
allerelendste von der welt ist. Wie? Cimber? fiele ich ihm ganz besturzt in das
wort. Ja eben der Cimber / des verhassten Hermans sohn /(antwortete er mir)
dessen unglückselige mutter allhier so sehr noch angefeindet wird / als wie ihr
sohn unverdient bisher geliebt worden. So hat dann Cimber / (sagte ich wider ihn
/ als ich von meinem entsetzen mich etwas erholet) dergestalt eine unschuldige
Prinzessin betriegen dorfen? Ach grosse Prinzessin! (antwortete er mir) bedenket
doch selber / ob meine inbrünstige liebe mein gluck / das sich mir gezeiget
/habe ausschlagen und verachten konnen? und ob ich /da man mich fur den
glucklichen Nebajot gehalten /anders tun konnen / als schweigen / weil mein
reden wurde meiner liebe entgegen gewesen sein? Habe ich dann vor der zeit mich
unglucklich machen sollen / und kommet es mir nun nicht frü zeitig genug / dass
ich horen muss / es konne kein anderer / als Nebajot / geliebt werden? Ach!
wåre ich dieser Nebajot / dazu ihr mich machen wollen! wie seelig wurde ich
sein! da ich nun der unseeligste von der welt bin / weil ich Cimber und nicht
Nebajot heisse.
    Diese klagworte brachte er so beweglich für / dass sie mich rüren mussten /
und fülete ich wohl / dass Cimber mir so angenem als vorher ware / da er noch
Nebajot hiesse. Zwar stellte ich mich anderst gegen ihm an / als ich es im
herzen meinte / und entfande es hoch / dass er mich also hintergangen hatte.
Gleichwol ihm nicht zu einer verzweifelung anlass zu geben / fårtigte ich ihn
also ab / dass er wohl spüren konnte / wie ich ihm nicht alle hofnung benemen
wollen. Aber die Mesahab erzeigte sich ihme nicht so gutig / sondern schalte ihn
häftig aus / und verbote ihm auf ewig meine gegenwart: da sie doch nicht wusste /
ob ich auch diesen ihren befehl bekråftigen würde. Der Cimber kehrte sich auch
nicht daran / und kame / ungeacht dessen / zum oftern / mich zu besuchen:
dardurch dann dieser beständig-vermeinte liebhaber zu weg brachte / dass ich weder
der Mesahab vermanung /noch des rechten Nebajot fleissige aufwartung / noch die
feindschaft der meinigen gegen des Cimbers anverwandten / etwas bei mir gelten
liesse / sondern mich ganz dem Cimber verpflichtete / ihn allein zu lieben. Zwar
erfolgte dieses nicht sonder selbstreit in mir / da ich erwoge / was ich meiner
fraumutter leztem willen schuldig / und wie mich die grosmut / mit dem Nebajot
in Meden zu herschen / antriebe. Doch behielte der angeneme Cimber die oberhand
/ und betrachtete ich in solcher jugend nicht / dass die liebe der wahren
vernunft weichen müsse.
    Mitlerweile nun der Nebajot offentlich bei mir suchte / was Cimber heimlich
besasse / finge der Jetur auch an / der Prinzessin Roma fleissiger / als den
andern / aufzuwarten. Er hatte / der abwesenheit des Ingermans sich bedienend /
fur den diese Prinzessin von der Königin Bombis seiner fraumutter bestimmet war
/ so gewunschten fortgang in seiner liebe / dass er das bei dieser Prinzessin
erhielte / wornach der Tubal sich bisher so vergeblich bemühet / und das auch
dem Ingerman noch nicht zu teil werden können. Der König Bojus war dazumal nicht
in Trier / sondern hatte eine ferne reise in der Eusterwoner landschaft
fürgenommen / wie dieses alles bei uns sich also zutrage / und waren der
Nebajot und Jetur nicht uber zweimal beim Konig zur aufwartung gewesen: welche
des Bojus abwesenheit / sowol diesen zweien / als dem verborgenen Cimber / mehr
freiheit und gelegenheit gabe / dem frauenzimmer aufzuwarten. Es merkten aber
die beide Prinzen aus Kitim in kurzen / dass Nebajot ihr mitbuler wåre: daher
sie / mir ämsiger als sonst aufwartend / ihre beide schwestern / bei mir ihr
wort zu reden / anstellten. Des Morges vertraute /wurde die Electra; die Roma
aber / war dem Sicorus bedienet: und ward von ieder / ihres bruders
angelegenheit / treulich bei mir getrieben. Roma bewürdigte mich daneben / mit
entdeckung ihrer heimlichen liebe / mit deren sie dem Prinzen von Hevila ergeben
war: welches ich gern mit gleicher vertreulichkeit hätte ersetzen wollen / wan
mir nicht ihr bruder / der Sicorus / wär im wege gestanden / der mich schweigen
machte.
    Nun trug es sich zu / dass ich / wegen eines getanen gelübdes / auf etliche
wochen / bei den heiligen Aurinien auf ihrem berge / den sie unweit von Trier
haben / mich verschlosse / und alda ihren heiligen gebräuchen mitbeiwonete.
Dieses gabe allen meinen vier aufwartern anlass / in geheim daselbst zu mir zu
kommen / und an diesem heiligen orte / da keiner seines herzens gedanken
verhelen / noch sich anders stellen darf / als wie er es meint  / aus mir
zuerforschen /was jeder von ihnen zuhoffen hätte. Dem Morges fiele dieser
anschlag am ersten ein / welchen er der Electra / seiner vertrauten schwester /
eröfnete: die es dann sehr gut befande / und ihm heimlich hierzu zuverhelfen
verhiesse. Roma / die ihrer beiden vertraute unterredung / sonder ihr wissen /
mit angehöret / erofnete solches ihrem bruder dem Sicorus / und machte sich bei
ihm anheisig / ihn gleichfalls unvermerkt zu mir zu bringen. Weil sich eben
alles hierzu so schicken musste / als fiele gleicher Anschlag dem Nebajot und
Cimber ein: da jener von begierde / meine erklärung zu wissen / angetrieben /
der Mesahab / die nicht mit mir auf dem berge der Aurinien sich befunden /
anlage / ihm daselbstin zu mir verholfen zu sein / weil er nicht länger in
solcher ungewissheit leben könnte; welches sie ihm auch verhiesse / und es selber
für das bäste mittel hielte / auf solche weise von mir den gewissen schluss zu
erlangen. Den verliebten Cimber aber triebe nichtes / als die ungedult / mich zu
sehen: weil er nicht / gleich den andern / notig hatte / auf dem heiligen berg
der Aurinien das von mir zuerfragen / was ich ihme bereits anderweit sonder
zwang gestanden hatte.
    Es wehlten aber alle diese viere zugleich einen tag hierzu aus / als an
einem grossen festtage / die Konigin Bombis / wie auch die Konigin Martinde /
meine stieffraumutter / (die auch den königlichen namen furete / ungeachtet mein
herrvatter keine kron mehr hatte) neben den beiden Prinzessinen / und der
Fürstin Galatea / meines vatters schwester / des Bodus gemalin / auf den berg
kommen wollten / die Aurinien zu besuchen: da dann Electra / Roma und Mesahab /
ihre beide brüder und den Nebajot / unvermerkt unter den hofbedienten mit sich
namen / sonder dass einer von dem andern wusste / und dieselben hinter die bäume
verbargen. Daselbst verblieben sie / wie die Königin samt den andern wieder
hinweg waren / und in der nacht kame jeder aus seinem winkel herfür / des
willens / bei dem feuer / dass im walde / der heiligen jungfrauen / die wir in
Celten anberen / zu ehren angezündet war / mich zu finden und anzusprechen /und
folgenden tags / wan die Königinnen würden wieder kommen / in ihrer geleitschaft
sich von dannen zubegeben. Sie hatten die nachricht / dass ich an seibigem ort
mich einfinden würde: wie sie mich dann auch bald ersahn / dass ich / neben
dreien von meinen dirnen / kniehend bei diesem feuer / meine andacht verichtete.
Im hingehen / hatte keiner des andern /wegen der dicken nacht finsternus /
wargenommen /auch kamen sie von dreien unterschiedenen orten herfür / und wurden
wohl höchlich besturzet / wie sie einen fromden ritter bei mir erblickten / der /
in meiner andacht mich nicht stören wollend / sonder sich zu rüren / hinter mir
stunde.
    Die eiversucht triebe sich allerseits / das beginnen dieses fromden / so der
Cimber war / zu beobachten: daher jeder an seinen orte stehen bliebe. Sie horten
demnach alles / was wir mit einander redten. Ich fragte diesen verliebten / als
er sich mir kund gegeben /und diese seine freiheit aufs båste entschuldiget /
mit etwas unwillen: Was ihn bewöge / also ohne not meinen guten namen und seine
person in gefahr zusetzen / und sich daselbstin zu wagen / wo keine mansperson
sonst gedultet wurde? Er antwortete: Wie dass die liebe ihn / alle gefahr aus den
augen zusetzen / beredet / und ihn angetrieben im hätte / auch an dieser
heiligen stelle die versicherung meiner gegenliebe aus meinem munde zu horen /
und mich hierum zu ersuchen. Wie nun / Cimber! (war meine wiederantwort)
verratet ihr nicht hiemit einen kleinen zweifel / den ihr von mir heget / indem
ihr also mich gedenket auf die probe zusetzen? Ach! dörfte ich an diesem
heiligen ort anders reden / als ich es meine! so wollte ich euch zur straffe
sagen / dass ich den Cimber nicht liebe /sondern den Nebajot ehlichen wolle. Nun
aber wisset ihr / dass ich nicht lügen darf / und muss ohne meinen dank euch
gestehen / wie Cimber / des Fursten Hermans sohn / der jenige allein sei und
bleiben werde / der der Hermione aus Tuscia herz und gegenliebe erworben hat.
Hiemit fiele Cimber zu meinen fussen nieder / und die hände gen himmel breitend
/schwure er mir bei dem grossen Teutates / ja bei sonne / mond und feur / so bei
uns das allerheiligste ist / das niemals sein beständiges herze / was ich ihme
fur unverdiente gnade erwiese / vergessen / und dass eher der himmel als seine
treue brechen solle.
    Ach ja! dieses waren damals (fuhre Hermione seufzend fort) des Cimbers
worte. Mitlerweile wir aber also zusammen redten / litten Nebajot / Morges und
Sicorus alle die marter / die unbeliebte personen anzustehen pflegen / und
fassete jeder von ihnen einen sonderbaren schluss / wie er sich hiebei verhalten
wollte. Nebajot / der ungeliebt nicht lieben mochte /name ihm für / durch åmsige
aufwartung sich zu bewerben / dass Cimber aus meinem herzen möchte ausgetrieben
werden. Sicorus aber / der eines sehr rachgierigen herzens war / entschlosse sich
/ böslicher weise dem Cimber zu schaden / und eilte so fort von dannen / üm der
wacht anzumelden / die unten am berge die heilige Aurinien bewachte / wie dass
des Königs Erbfeind / des Hermans und der Hesperia sohn / an diesem verbotenen
ort sich befände: damit sie kämen / und ihn in gefängliche haft brächten.
    Indem nun dieser hinginge / und der betrübte Morges sich auch von dannen
begabe / fassete Nebajot die Entschliessung / mich anzusprechen: kame also aus
seinem verborgenen winkel herfur / und sezte damit / so wohl mich als den Cimber
/ in grosse bestürzung. Verublet mir nicht / Hermione! (redte er mich an) dass ich
hieher komme / eure und des Cimbers unterredung zu stören. Ich bin aber vielmehr
gewillet /dieselbe durch meine erklärung ruhiger zu machen /und erofne euch
hiemit / dass hinfort der unglückselige Nebajot euch keine hinternis mehr geben
soll / mit dem Cimber nach eignem gefallen zu leben. Ich sage euch hiemit gute
nacht / weil ich wohl erkenne / dass euch Nebajot ohne den Medischen tron nicht
anstehen könne: der auch euch nicht eher wieder unter augen kommen soll / bis er
die kron selbigen reiches auf seinem haubte trage. Und ihr / Furst Cimber!
(sagte er ferner / zu selbigem sich wendend) lebet wohl mit Hermione! doch /
ihrer wurdig zu werden / bemuhet euch mit mir in die wette / wer ihr zu erst
einen tron erlangen konne.
    Nebajot hatte gut reden / da weder Cimber noch ich uns sobald aus unsrem
entsetzen erholen kunten. Indem wir aber also beisammen waren / kame der
bosliche Sicorus mit der gesamten wacht zurucke: die alsofort den Cimber / wie
auch den Nebajot / überfielen / und ungeacht ihrer dapfren gegenwehr / sie
gefänglich hinweg fureten. Weil Sicorus / nach dieser tat / keinen guten willen
von mir hoffen konnte / als bemühete er sich nicht / mich zu sprechen / sondern
liesse allein seine rache herschen. Ich wurde hierdurch so gar aus mir selber
gesetzet / dass ich onmächtig meinen dirnen in die arme fiele / und sinnlos
hinweg gebracht wurde. Weil nun dieses einen grossen auflauf und schrecken
verursachte / als wurden alle Aurinien wach / und vernemend / dass zween fromde
/mich zu überfallen / sich erkünen dorfen / schrien sie noch eifriger rache /
als Sicorus getan / uber den armen Cimber und Nebajot / und dorfte ich des
ersten / wie ich gern gewolt / mich nicht annemen. Folgenden morgens breitete
sich dieses gerüchte überall aus / und entsezten sich furnemlich sehr hieruber
die Prinzessinnen Electra und Roma / wie auch die Mesahab / sonderlich die zwo
letzere / welche höchlich beklagten / den Nebajot in solchen zustand geraten zu
sehen: und weil keine von ihnen recht wusste / wie dieses zugegangen / waren sie
begierig / mich bald zu sprechen. Deshalben kamen sie sofort zu mir auf dem
berg: da sie mich dann auf dem bette antraffen / und zwar voll tränen / wegen der
gefahr / die dem Cimber zugestossen.
    Roma ware die erste / die sich erklärte / wie dass sie ihrem jüngern bruder
auf den heiligen berg verholfen hätte: welches hierauf auch Electra und die
Mesahab /wegen des Morges und Nebajot / gestunden. Ich verwiese ihnen hierauf /
dass sie so übel getan: musste aber von der Mesahab / als sie allein zu mir
kommen kunte / mir viel häftiger zureden lassen / die nun aus allen umständen
ermerken musste / wie ich den Cimber dem Nebajot vorzöge / und nicht üm des
lezten willen / diese viele tränen vergösse. Demnach verhelete ich ihr nun nicht
mehr meine zu dem Cimber tragende neigung / und achtete nicht so sehr ihr
schelten / als die gefahr / worin mein Cimber schwebte. Diese triebe mich auch
meine zuflucht zu der Roma zu nemen: deren ich vertrauete / wie es mit mir und
den Cimber stunde / und sie bate / dass sie ihren bruder Sicorus /nicht allein
mich ferner vergeblich zu lieben abmanen / sondern auch dahin bereden sollte /
dem Cimber davon zu helfen. Die mitleidige Roma erbote sich gleich / mir hierin
zu dienen: und so wenig ihres bruders verubte grausamkeit billigend / als nun
ferner sein wort bei mir zu sprechen gesonnen / bemuhete sie sich sofort /
diesen Prinzen dahin zu bereden / dass er den Cimber so wohl / als den Nebajot /
wieder in freiheit setzen mochte.
    Aber der boshaftige Sicorus wollte hiervon nichtes hören / und war es auch
fast nicht mehr in seinen måchten: massen / zu allem unglück / der König Bojus /
der Blascon mein herrvatter / und der Furst Bodus / die abgesagte feinde des
Cimbers wegen seiner eltern / eben in Trier wieder angelanget / und alle drei
eine grausame freude entfunden / diesen unschuldigen Fursten in ihren händen zu
haben / und ihn die schuld seiner eltern / fürnemlich der Hesperia / die meines
herrvatters verjagung aus Tuscia befordert /büssen zu machen. Den Fürsten
Nebajot / erliessen sie gleich wieder seiner gefängnis: doch ward ihm dabei an
die hand gegeben / sich aus Celten hinweg zu machen / welches die Konigin Bombis
/ ihres brudern sohne dem Prinzen Morges zu gefallen / am meisten triebe / und
den vonwand daher name / dass er sich an unseren heiligen gebråuchen gröblich
versundigt hätte / und also im lande nicht gedultet werden konnte. Mit dem Cimber
aber verfuhre man nicht so bescheidenlich: massen die grausamkeit des Bojus so
gross war / dass er diesen armen Fürsten verdammen liesse / dem Wotan geopfert zu
werden. Es ist nun leicht zu ermessen / was ich hierbei erlitten: und bewegten
meine tränen / diese gütige Prinzessin Roma /dass sie / alles ihr vermögen zu
befreiung des Cimbers anzuwenden / sich entschlosse / und sowol ihren geliebten
Prinzen von Hevila / als auch den ungeliebten Tubal aufsprache / diesen
gefangenen zu erlosen.
    Es bedorfte hierzu / bei diesen zweien Fursten /keiner grossen beredsamkeit /
weil ihre angeborne grosmut / der unschuld beizustehen / ihnen ja so sehr /als
die schone Roma / anbefohle: und triebe uberdas den Tubal die nahe anverwandnis
/ um den Cimber sich anzunemen. Dieses nun werkstellig zu machen /brachten sie
eine gute anzal wolbewehrter junger unverzagter männer zusammen / brachen mit
den selben bei nächtlicher weile in des Cimbers gefängnis / und hatten das Glück
/ ihn zu erlösen. Dieses erscholle folgenden morgens überall in Trier / und
erfure man bald / dass der frömde Prinz von Hevila und des Bodus eigener sohn /
die tätere gewesen: worüber des Konigs zorn so häftig entbrante / dass er ihnen
aller orten äuserst nachstellen / und fast ganz Celten aufbieten liesse / diese
verwegene zu suchen. Sie wurden aber nirgend gefunden / und hatten sich so wohl
furgesehen / dass sie des Bojus nachstellungen glücklich entkamen. Sie
entschlossen sich / miteinander hieher in Asien / und an des König Marsius ihres
vettern hof nach Basan sich zu begeben. Jetur / der dem Nebajot auch nach
Asien wieder gefolget / erweckte durch seine abwesenheit / sowol als der Cimber
/ bei der Roma und mir eine betrübte unruhe: und ward dadurch das band unserer
freundschaft noch unauflöslicher zusammengezogen / weil wir an einerlei leiden
krank lagen. Wir rucketen auch einander nicht vor / dass Roma ihren Jetur meint 
wegen verlieren / und ich durch ihren ersonnenen anschlag den Cimber also
beungluckt sehen müssen.
    Die Prinzen Morges und Sicorus / nach dem sie also / durch des Nebajot und
Cimbers entfernung /luft bekommen / mich ungehintert mit ihrer liebe zu
verfolgen / waren nun stäts meine verdrussliche aufwarter: wiewol der boshaftige
Sicorus kein gutiges wort von mir bekame / und ihme weh zu tun / redte ich mehr
mit dem bescheidenen Morges / als ich sonst würde getan haben / liesse auch /
auf zusprechen des Prinzen Camboblascon / meines brudern / der des Morges ältere
schwester die Electra liebte / geschehen / dass er mir von seiner liebe fürsagte
/ ob gleich mein herz dem Cimber beståndig verbliebe.
    Etliche jahre strichen dergestalt vorbei / bis unvermutlich der Prinz von
Hevila / wie auch der Cimber mit dem Tubal / sich heimlich bei uns in Trier
wieder einfanden / und keine gefahr scheuend / uns zu sehen /diese weite reise
über sich genommen hatten. Sie kamen aber nicht alle von liebe getrieben: dann
der Tubal / hatte am Basanischen hof / in die junge Prinzessin Amorite / des
Suevus tochter / sich verliebet /und also der Roma vergessen. Dieses aber wurde
/durch die håftige liebe des Jetur / bei der Prinzessin von Kitim doppelt
ersetzet: die auch dem Tubal seine vergessenheit nicht verübelte / weil solches
ihre und Jeturs ruhe beförderte.
    Sie erschienen bei uns in der gestalt und tracht auslåndischer kaufleute /
kamen auch / weil sie zu solchem / ihnen haar und bart hatten wachsen lassen /
so unkentlich / dass wir über eine stunde mit ihnen ümgingen / ehe wir wussten /
wer unsere kaufleute waren. Wir mussten durch einen dolmetscher mit ihnen reden
lassen / und stellten sie sich so unwissend unserer sprache / dass wir meinten /
wir könten alles künlich vor ihnen reden / sonder von ihnen verstanden zu
werden. Die fromde und schone waaren / die sie mitgebracht / blendeten uns so
sehr die augen / dass wir mehr auf dieselbe / als auf deren verkåufere / sahen.
Sie zeigten uns auch verschiedene gemålde von bunten farben / welche wir dann /
als in Celten etwas unbekantes und fromdes / nicht gnugsam bewundern kunten. Wie
aber Roma und ich / etwas abgesondert von dem frauenzimmer / dergestalt diese
gemålde durchsuchten / fand ich unvermutlich meines Cimbers bildnis: das ihme
dann änlicher war und mehr gliche /als er damals selbst aussah. Ich kunte nicht
umhin /solches der Roma zu zeigen / und zu ihr zu sagen: Sihe / liebste
schwester! was mir allhier das gluck in meine hände liefert / da ich so
unverhoft den edlen Cimber in diesem wunderbilde zu sehen bekomme! Roma
vermanete mich nun / das gemälde zu kaufen: und weil ich nicht allein hiernach /
sondern auch / von diesem Prinzen etwas zu vernemen / begierig war / als musste
unser dolmetscher / nicht nur nach dem preiss des bildes / sondern auch nach der
person fragen / die es vorstellte. Der kaufman / dem es zustunde / war nun der
Cimber selber / der mit hochster vergnugung meine begirde vername / sein bildnis
zu haben / aber ein so überaus-grosses gelt dafur forderte / dass der dolmetscher
mir die summe nicht nennen wollte. Wie ich aber in ihn drunge / und es erfahren /
zehlte ich sofort das begehrte gelt dar: wodurch dann mein beutel ganz leer wurde
/ also dass ich ferner nichts kaufen konnte / und mehr gelt von meinem herrvattern
holen zu lassen / nicht wagen durfte / weil damit hätte auskommen mogen / was
ich für eine torheit begangen. Wie nun / der über meiner verschwendung
verwunderte dolmetscher / den kaufman ferner wegen dieses bilds befragte / bekam
ich den becheid / wie dass der jenige / den dieses gemålde fur stellte / eine
zeitlang am hof des Königs von Basan sich håtte aufgehalten /nun aber / seines
wissens / in Celten wäre; und mochte wohl die ursach dieser seiner fernen reise
eine schone Prinzessin sein / die er noch beständig liebte.
    Diese antwort machte mich den kaufman genauer betrachten / und weil / er
seine verliebte augen unverwandt auf mich warfe / fand ich in demselben meines
Cimbers wesen so eigentlich / dass ich ganz errötet mich ihm näherte / und ihn
heimlich fragte / ob ich meinen augen trauen dorfte? Der verliebte Prinz / der
sich nun nicht länger halten kunte / fürnemlich da er meine beständige liebe
erkennet / gabe sich mir hierauf zu erkennen: und fehlte es nicht viel / wir
hätttn beiderseits vergessen / dass wir nicht allein waren. In solcher unserer
vergnügten bestürzung / kame die gleichfals besturzte Roma dazu: welche mir
einen zettel zusteckte / den der Jetur / dessen hand sie kennte / mit diesen
reimen überschrieben hatte.
Was wollet ihr / ô schonste! von uns kaufen?
ist alles doch schon / was wir haben / eur.
Die sonst die welt / gleichwie wir tun / durchlaufen /
die machen sich um narung willen teuer.
Wir aber nicht. Um unsre lieb zu nehren /
so liebt / und nemt / was wir umsonst verehren.
    Dieses habe ich (sagte Roma zu mir) in einem lädlein voll herrlicher
kleinodien gefunden / das mir einer von diesen kaufleuten in die hände geliefert
/ und ist es meines Jeturs hand: welches mich dann mehr als sehr befrömdet. Weil
ich wusste / wie es um den Cimber stunde / fiele mir nicht schwer / dieses råtsel
aufzulosen: demnach begehrte ich von der Roma / dass sie mir den kaufman zeigen
sollte / der ihr das lådlein überliefert. Dieser nun war der Jetur / wie ich so
fort ihn an den augen erkannte: und besorgend / Roma mochte sich / in erkennung
seiner / nicht zwingen und bergen konnen / name ich sie bei der hand / und
eilete mit ihr in ein anders zimmer; alda ich ihr solches entdekte / und damit
so grosse freude in ihr erwekte / als ihre furcht war / dass diese liebe kaufleute
mochten verraten werden. Wir gingen sofort wieder zu ihnen /blieben aber nicht
lang / allen verdacht zu verhuten /sondern machten uns bald von dannen: nachdem
wir zuvor diesen kramern einen kleinen zedel zugestecket / den ich in dem
nebengemach geschrieben hatte /darin wir ihnen andeuteten / dass sie des andern
tags /in der Furstin Galatea wonung / uns wieder finden wurden. Dieses kame nun
sehr wohl / weil Tubal / ihr sohn / der auch einer von diesen kaufleuten war /
seiner fraumutter / als von der er sich versicherte / dass sie ihn nicht verraten
wurde / sich geoffenbaret / und den Cimber und Jetur zu sich ins haus genommen
/doch ihrer keinen genennet: da dann diese guterzige mutter / durch ihres sohns
widerkunft in unbeschreibliche freude gesetzet / um seinet willen / diesen
vermeinten kaufleuten alles zu gut täte / was sie vermochte.
    Wie nun Roma und ich abgeredter massen dahin kamen / hatten wir keine
hinternis / mit unsren geliebten Prinzen nach genügen uns zu unterreden. Unser
gespräche handelte von allen denen begegnisen / die wir / seitdess wir
voneinander gewesen / erlebet hatten: da uns dann die liebe tausenderlei dinge zu
erzählen in den mund gabe / die sonst des werts nicht gewesen / deren zu
gedenken. Weil aber der Cimber /seine fraumutter zu besuchen / an des Konigs
Lucus hof reisen wollte / und Jetur / der als kaufman in die länge in Trier
nicht bleiben kunte / auch mit dahin gienge / als wurden wir / der gegenwart
dieser unserer geliebten Prinzen / bald wieder beraubet: doch redten wir vorher
zusammen ab / dass / solang sie noch in Celten sich aufhalten würden / wir
zuweilen gelegenheit suchen wollten / einander in geheim zu sprechen. Diss
geschahe auch nachgehends / zu verschiedenen malen / und trugen sich dabei viel
abenteure zu / welche hier zu erzählen unnotig ist.
    Wie aber der dapfere Cimber seine besuchungen abgelegt / und inzwischen den
fürruck des Nebajot noch nicht vergessen hatte / da er ihn ermanet / um einen
tron fur mich / sich mit ihm in die wette zu bemühen: als fassete er endlich den
schluss / wieder nach Asien zu gehen / und daselbst in den kriegen des grossen
Marsius wider die Assyrier / sich dapfer zu halten; ob es etwan ihme / in
eroberung selbigen grossen Königreichs / den Chaldäischen tron / worauf sein
absehen gerichtet / zu erlangen / gelingen mochte? da dann auch der Tubal / wegen
seiner liebe zur Amorite /und wegen der mit dem Cimber gemachten freundschaft /
diese reise mit übernemen wollte. Ich musste letzlich in diesen grausamen abschied
willigen / der mir um so viel schmerzlicher ankame / weil mein beklommenes herz
mir zusagte / dass ich meinen Cimber zum lezten mal gesehen håtte. Roma / die
dergleichen betrübnis nicht entfinden dorfte / weil Jetur heimlich in Trier
verblieben / und sich bei ihren beiden brüdern verborgen aufhielte / war mein
einiger trost in diesem meinen leidstande; und hatte ich hierbei noch diese
labnis / dass ich / durch beförderung des Jetur / zuweilen briefe aus Basan von
dem Cimber / und damit nachricht wegen seines ergehens / bekame.
    Wie es nun also bei uns zustunde / kame ein gesandter des Konigs Italus
Kitim nach Trier / und begehrte / dass seine vier kinder / neben meinem bruder
und mir / zu ihm in Kitim kommen mochten: weil er vor seinem ende / da er / zwar
mehr von ungesunder natur / als von alter / sehr schwach wurde / alles unter
seinen kindern in richtigkeit zu bringen gedachte. Er war aber des vorhabens /
weil ihn sein gewissen rurete / und er befande / dass mein bruder und ich / an
dem tron von Kitim mehr anteil als er hätte / seine kinder mit uns zu
verehlichen / und nach seinem tode sowol den Morges als den Camboblascon zu
Königen in Kitim zu machen: da dem Sicorus / seinem jüngsten sohne / Celtiberien
zu beherschen bestimmet bliebe. Wie wir nun / zu dem ende / von Trier abreiseten
/stiesse uns unterwegs ein zufall auf / der unsern zustand ganz veränderte. Wir
wissen guten teils alles /(fiele alhier die Königin von Syrien der Hermione in
die rede) was auf dieser reise euch begegnet / wie der König Lucus auch gefangen
bekommen / wie sein grosmutiger sohn und die dapfere Hercinde euch befreit /
auch wie es nach gehends / mit der zwangheurat zwischen dem Tuscus Sicanus und
gegenwertiger Konigin Roma / zugegangen: daher die Konigin von Kitim sich nicht
bemühen darf / uns solches von neuem zu erzählen / und wird / auser der
Colidiane und Danede / wohl niemand unter uns sein / der hiervon nicht
ümständliche kentnis haben sollte. Uns beiden (sagte hierauf Danede) ist dieses
ebenfalls nicht verborgen: nur wissen wir nicht / wie es der Roma in der
Aborigener lande / und der Hermione in Kitim nachmals ergangen ist. Eben dieses
(widerholte die Königin von Syrien) verlange ich auch eigentlicher zu wissen:
weil daraus erhellen wird / ob ich zugeben soll / dass diese höle ferner zwei so
grosse Koniginnen verschliesse.
    Weil dann (fuhre die augeneme Hermione fort zu reden) alles dasselbe schon
hier bekant ist / so muss ich nun meine ubrige erzehlung teilen / und berichten /
was der unglücklichen Roma an des Lucus / und mir an des Italus Kitim hofe /
nach diesem begegnet ist. Es war der Italus Kitim auf die gedanken gekommen
/seine jüngere tochter an den Prinzen Tuscus Sicanus zu verehlichen: weil man um
diese zeit den Prinzen Ingerman fur todt hielte / der noch nicht aus Asien
zurucke gekommen war / und er also das gewisse fur das ungewisse wählen wollte. Wie
nun / als ihnen hier wissend / diese zwang-heurat mit dem Tuscus Sicanus und der
Roma fur sich gegangen / und dieser beiden ihre geliebten / die Hercinde und der
Jetur / unserer damaligen vermutung nach / ums leben gekommen waren / füreten
so wohl Tuscus Sicanus / als die Roma / das armseligste leben von der welt / und
handelte ihre unterredung von nichtes / als der Hercinde und dem Jetur: da sie
dann / ungeacht sie eheleute waren /dannoch einander fleissig ermaneten / ihrer
ersten geliebten nicht zu vergessen / sondern die bis an ihr ende zu beweinen.
    Solang ich noch in ihrer Gesellschaft bleiben dorfte /ehe sie nach der
Aborigener land / und wir nach Kitim gingen / leistete ich der Roma treulich
gesellschaft in diesem ihrem fammerstande. Wie wir aber uns scheiden müssen /
beklagte ich abwesend diese meine herzens freundin / und konnte lang nicht
gewonen / nicht mehr bei ihr zu sein / und nun niemanden zu haben /mit dem ich
von meinem Cimber reden können: massen ich der Prinzessin Electra / ihrer
schwester / nichtes davon sagen dorfte / als die bei mir ihres bruders Morges
seite alzugetreulich hielte. Es war auch mit dessen liebe nun so weit und mir so
nahe gekommen /dass man bereits von der hochzeit bei hof redte / und würde
dieselbe / wan nicht der Konigin Harsia / der gemalin des Italus / todsfall wåre
darzwischen gekommen / angesetzet worden sein. Weil ich aber / nach endung
dieser traur / dasjenige wieder befahren musste / was hierdurch mir zum bästen
nur war verschoben worden / als warfe ich meine zuflucht auf den abwesenden
Cimber / und berichtete ihn von meinem zustand / mit bitte / eiligst zu kommen
und mich nach Asien uberzuholen. Einen treuen Celten / der ehmals dem Cimber
gedienet / färtigte ich damit zu wasser ab / weil die stadt Veij / da Italus
Kitim hof hielte / am mecre liget: und versprache mir dieser / innerhalb vier
oder längst funf monden / gewiss wieder bei mir in Kitim zu sein. Wie fleissig
zehlte ich doch damals alle tage und stunden / ehe diese zeit der funf monden
zum ende liefe. Aber / an nichtes weniger / als an das / so mir vorstunde /
gedenkend / bekame ich endlich einen brief von dem Cimber / dessen inhalt meinem
gedächtnis viel zu tief eingepräget / als dass ich selbigen nicht von wort zu
wort sollte herzusagen wissen / massen er also gelautet
                     Schreiben des Cimbers an die Hermione.
Wan dieses einiger massen mein verbrechen könnte geringer machen / dass ich die
grösse desselben zur gnüge erkenne / und mich für den allerleichtsinnigsten und
strafbarsten von der ganzen welt achte / so wollte ich küner / als wie nun
geschihet / diese zeilen an diejenige lassen abgehen / die mir mehr gnade und
güte erwiesen / als einiger sterblicher würdig sein können. Ja / schöne
Hermione! eure beståndige treue liebe erforderte billig viel ein anders / als
dass ich euch gestehen muss / dass mein grausames geschicke mich treibet / euch zu
verlassen: da alhier in Asien / die uberjrdische ja göttliche schonheit der
Assyrischen und Ninivitischen Erbprinzesisin Delbois / mir so grausame fåsseln
angeleget / dass ich überwunden /widerwillens deren slaven mich nennen / und
einig und allein sie anzubeten / mich beqwemen mussen. Gedenket aber nicht /
Prinzessin! euch dieser wegen an mir zu råchen: massen der Himmel euch bereits
vollkömlich gerochen / indemich armseliger sonder einige hofnung lieben / und
keine änderung / als den tod / in meiner ausstehenden marter zu gewarten habe.
Lebet demnach wohl / mit dem glückseligen Prinzen Morges / den euch der himmel
gibet! weil der / und nicht ich / dazu bestimmet ist / der würdigen Hermione
eine kron aufzusetzen. Und wofern ihr den armen Cimber nicht beklagen wollet /
so gläubet doch zum wenigsten vonihme / dass er dessen mehr / als einiger
sterblicher / bedürftig ist / und dass der erdboden nie einen menschen getragen /
an dem das grausame verhängnis mehr wut erwiesen / als an dem ungetreuen.
                                                                         Cimber.
    Ist es müchlig / (fiele die schone Konigin von Syrien Hermione alhier in das
wort) dass Cimber an der Konigin von Kitim solche leichtsinnigkeit veruben
konnen? Eben diesen namen (sagte die betrübte Hermione) gab ich ihm damals: nun
ich aber diese schonheit gesehen / die meines Cimbers unbeståndigkeit verusachet
/ verdenke ich ihn darum nicht mehr /sondern erkenne wohl / dass er zu schwach
gewesen /diesen kräftigen wunderstralen zu widerstehen. Er hat auch seine untreu
gnugsam gebüsst / wie ich ferner berichten werde. Die andern baten die Königin
von Syrien / in gedult zu stehen / bis die Konigin Hermione ihre erzehlung hätte
zu ende gebracht: weswegen sie auf diese lobreden der schönen auslånderin
nichtes antwortete / sondern ihrer erzehlung ferner zu zuhören sich bequemte.
    Ich ward einem steinernen bilde gleich / (fuhre die Hermione fort in ihrer
geschichte /) wie ich dieses schreiben abgelesen und konnte erstlich nicht
glåuben /dass meine augen recht gesehen hätten: weswegen ich diese grausame
zeilen zum öftern durchlase. Als ich nun allemal einerlei gefunden / ergabe ich
mich endlich dem schrecken und der entfindlichsten betrübnis dermassen / dass
mein schwacher leib solches nicht auszustehen vermochte / und ich daher mit
einer todlichen krankheit befiele: da ich mir erstlich die hofnung machte /
meiner marter bald abzukommen / aber durch die erfolgende wiedergenesung innen
wurde /wie dass der himmel meinem leiden noch kein ziel gestecket håtte. In
diesem meinen zustand vermochte ich niemanden mein anligen zuvertrauen / als dem
nach Asien abgeschickten Celten / mit dem ich mich hiervon ofters unterredte:
der mir dann ausfürlich erzehlte /wie er den Cimber in Basan befunden / wie der
zu einem schemen sich abgråmte / nachdem er diese neue liebe in sich herschen
lassen / und wie er / als er / das bild der schönsten Delbois / zu Ninive auf
einem ritterspiel gewonnen / nichts anders täte noch fürnåme /als selbiges
zubetrachten / und dabei zu beweinen /dass es ihn zwunge / mir unbeståndig zu
werden. Ich muss gestehen dass / bei solcher bewandnis / ich den Cimber mehr
beklagte / als anfeindete.
    Nun aber sein andenken mir aus dem sin zu bringen / liesse ich mich endlich
vom König in Kitim / wie auch von dem Camboblascon meinem bruder / und von der
Prinzessin Electra / überreden / des Prinzen Morges liebe anzunemen / und ward
also unser beilager / neben des Camboblascons und der Electra ihrem / auf einen
tag angesetzet. Sicorus / der diese glückseligkeit seines brudern nicht ansehen
kunte / zoge betrubt hinweg / und verschaffete der König sein herrvatter / üm
seine traurigkeit zu stillen / das er nach Celtiberien gehen musste / alda die
kron aufzusetzen /die / durch seiner mutter bruders tod / dem Italus Kitim
heimgefallen ware. Sobald er abgereiset / ward / mit frolocken des ganzen landes
/ meines bruders und meine hochzeit angestellet: worbei ein jeder sich frolich
erzeigte / auser mir und der getreuen Mesahab; wiewol unser anligen nicht
einerlei ursach hatte / weil ihr der Nebajot / mir aber der Cimber gedanken
schwebte. Nach volzogener heurat / zwange ich mich nun sehr / des Cimbers zu
vergessen / und gewehnte mich / den Prinzen Morges zu lieben: daher ich ein weit
ruhiger leben / als vor dem / fürete.
    Ich verharrte in solchem stilstande meines unglücks / bis der tod uns den
König Italus Kitim hinweg name: welcher alles in Kitim uber einen haufen warfe /
und aus freunden feinde machend / die gepflogne vertreulichkeit unter seinen
kindern aufhebte / und einen ieden / sein eigen båstes in acht zu nemen /
aufmanete. Morges sezte nun die kron auf / und überliesse meinem bruder den
andern teil von der Janigener lande / der ihm / vermög des Italus Kitim lezten
willens / zukommen kunte. Dieser aber / hiemit unvergnügt / fassete in seine
gedanken / wie dass er /als des Blascons sohn / rechtmässiger erbe von dem ganzen
lande der Janigener wäre: daher er / gegen seinem schwager sich aufzulehnen /
sich nicht entsah. Also musste ich das unglück erleben / dass mein bruder und
mein gemal wider einander krieg fureten / und zwar so häftig und blutig / dass
die ganze abendwelt davon zu sagen bekommen. Wir erlangten / unter andern / auch
aus Celten hulfevolker / von dem damals-berümten dapfern Assur: welcher / nur
mit etlich hunderten / wunderdinge in Kitim verrichtete. Doch dieses verwehrete
nicht / dass nicht Camboblascon endlich wåre meister geblieben: nachdem der
unglückselige König Morges / zugleich von ungedult und grosmut / lieber sein
leben als seine kron zu verlieren / angetrieben / alles auf das äuserste wagte /
und darüber tödlich verwundet / in meinen armen den geist aufgeben musste. Sein
tod brachte das ganze land unter meinen bruder / und sah ich mein geschechte
siegen /mit verlust meines ehgemals: welche ehre mir daher sehr teuer ankame /
weil sie mich so was grosses gekostet. Ich musste nun / mit tausend verdrüssen /
unter eines bruders gebot leben / welcher / meine rachgier befahrend / mich
ståts mit genauer aufsicht bewachen liesse. In der Electra Gesellschaft fand ich
damals meinen einigen trost / und erkannte / auf zureden der Mesahab / nun
allererst / dass darum das unglück mich also verfolgte / weil ich meiner
fraumutter leztem willen ungehorsam gewesen / und des Nebajot liebe nicht
angenommen hatte.
    Die betrübte Roma kame / um selbige zeit / zu uns in Kitim: von deren
verändertem zustand ich zuvor mit wenigen reden muss / ehs ich weiter fortfahre.
Diese hatte / in ihrem eheleben mit dem Tuscus Sicanus / keine fröliche stunde
genossen: da sie immer ihren Jetur beklaget / er aber unaufhörlich den verlust
seiner liebsten Hercinde beweinet / und sich also dem gram ergeben / dass endlich
gar eine solche schwachheit des leibes und des gemütes dazu geschlagen / die dem
Lucus / seinen herrvattern / aus bekummernis hierüber / und nachgehends ihm
selber das leben gekürzet / als er eine kleine zeit den tron der Aborigener
besessen / und sich Konig gesehen hatte. Valentia / seine fraumutter / um sein
niedergeschlagenes gemüte mit einigem trost aufzurichten / hatte sich einer
erfindung bedienet / und ihren sohn / in wärender dieser krankheit / beredet /
wie dass er / als der Hercinde bruder / diese Prinzessin niemals hätte überkommen
konnen: weil sie ihm nun nicht ferner bergen wollte / dass er / nicht ihr und des
verstorbenen Lucus rechtes kind / sondern nur ihr angenommener sohn wäre /
massen er den König Marsius in Basan zum vatter / und die Arovinda zur mutter
gehabt / die ihn ihrer pflege und aufsicht anbefohlen / und geschehen lassen /
dass sie / ihn vor dem wütenden Bojus zu verbergen / ihn für ihren sohn ausgeben
dörfen; welches dann sehr scheinbarlich lautete / weil ein ieder / der den jungen
Marsius in Basan gesehen / zwischem deme und diesem Konig der Aborigener / eine
grosse gleichheit zu sein bestätigte. Diese vorsichtige mutter brachte zwar
hierdurch zuwege / dass Tuscus Sicanus etwas ruhiger wurde; sie vermochte aber
seinen tod nicht mehr zu hintern / weil die krankheit allzu tiefe wurzeln bei
ihm gesenket: und starbe er damit / als der Hercinde eingebildter bruder / die
er / zeit seines ledens / mit so ungemeiner liebe verehret hatte.
    Die Konigin Roma / hierdurch in den witwenstand gesetzet / uberliesse der
betrubten Valentia die regierung des Königreichs / und kame in Kitim / wie ich
erwehnet. Es diente uns zu merklichem troste / dass wir einander wieder zu sehen
bekamen / und unser elend miteinander überlegen kunten. Jetur und Cimber hatten
/ bei unseren unterredungen / das meiste anteil. Weil Roma damals noch nicht
wusste / wie Jetur sie üm die Hercinde vertrauschet / als hoffete sie noch immer
/ dass dieser treue liebhaber sich bei ihr einfinden wurde. Ich aber konnte vom
Cimber nichts solches vermuten / weil dessen änderung mir mehr als zu wohl bekant
war: und bejammerte ich wohl herzlich dieses edlen Fürsten elenden zustand / der
auf so erbärmliche weise sein leben hinbringen musste.
    Es wollte uns aber das unglück / auch in dieser einsamen ruhe / nicht länger
lassen / sondern erweckte den König von Celtiberien / den Sicorus: welcher sich
rüstete / meinen bruder mit einer kriegsmacht zu überziehen / und des Morges tod
zu rächen. Der Camboblascon / solche unruhe von seinem land abzuwenden / und
nicht gehalten zu sein / wider alle brüder seiner Electra zu kriegen / liesse
mich dem Sicorus zur gemalin anbieten / und begehrte frieden. Sicorus name
solches mit beiden händen an / und erwiese dadurch /dass sein zweck / nicht so
sehr die rache seines bruders / als die erlangung seiner witwe / gewesen ware.
Wie sehr ich hierüber erschrocken / als Comboblascon mir dieses anbrachte / ist
leicht zu ermessen. Weil es schon eine geschlossene sache war / bei der meine
einwilligung oder verweigerung nichtes mehr fördern oder hintern kunte / ersonne
ich ein anders mittel /dieser zwang-heurat zu entgehen / und fassete den schluss
/ weil ich in ganz Celten keine sicherheit für mich sah / nach Asien zu dem
Konig Marsius zu entfliehen: wozu die Mesahab mir häftig riete / weil sie
hoffete / durch diss mittel mich noch dermaleins an den Nebajot zu bringen. Roma
wollte auf dieser reise mich nicht verlassen / weil sie nun ihr geschicke
unabgesondert von dem meinigen zu haben begehrte. Weil eben damals des Königs
von Creta gesandter /der Adonias / bei uns ware / erbaten wir denselben /dass er
/ uns auf schiffen nach Creta heimlich mit uberzufüren / bewilligte. Dieses
ginge nun glucklich von statten / dass mein bruder nichtes davon innen wurde. Als
wir Creta erreichet / da uns der Konig alle höflichkeit erwiesen / gingen wir
weiter nach Tyro: da wir unterwegs eine begebenheit hatten / die uns unseres
gewonlichen unglucks erinnerte / das uns aller orten zu verfolgen / niemals
ermuden wollte.
    Es wird niemand in der gesellschaft sein / (sagte die Köngin von Syrien) der
nicht wissen sollte / was dem Adonias und dem Konig Sicorus damals begegnet / als
sie miteinander / unfern von Tyro / in das meer gefallen / und wie diesem
Adonias / der der Konigin von Salem hierzugegen einiger sohn ist / eine
unvermutete begebenheit das leben gerettet: demnach verlangen wir allein zu
vernemen / wie es ihnen nachgehends ergangen sei. Hermione wandte sich / auf
diesen bericht / zu der Eucilinde / und bezeugte derselben mit vielen hoflichen
worten ihre vergnügung / die mutter ihres so grosmutigen und dapfren beschutzers
zu sehen / und vollfurte darauf ihre erzehlung / wie folget.
    Nachdem wir den dapfem Adonias solcher massen verloren / und uns von des
Sicorus soldaten los gerissen hatten / änderten wir unsere erste Meinung / und
wandten uns nach Joppen: da wir zu land stiegen /und unsere herberge bei einem
Celischen kaufman /einem verswandten des jenigen / der mir ehmals des Cimbers
schreiben uberbracht / und nun diese reise mit uns überkommen hatte. Ehe wir nun
diesen ort wieder verliessen / wollten wir zuvor von unserer schweren reise recht
ausruhen. Weil wir in eine ganz andere und wärmere luft gekommen / als
verursachte solches in uns keine geringe ånderung: also dass wir gehalten waren /
etliche monden daselbst zu verbleiben. Mitlerweile sandten wir unsren Celten aus
/ den eigentlichen zustand in Basan zu erkundigen / und machten alle unsere
mitgebrachte kleinodien zu gelde / üm davon in der fromde zu zehren. Von unsrem
wirte erfuhren wir nun alles / was sich in Canaan bisher begaben: wie es der
Ahalibama von Seir mit dem Beor ergangen / wie die Orosmada von Sidon / durch
den König von Jarmut / aus Tiro entfüret / und bei uns in Joppen durch den
Adonias wieder befreit worden / auch wie es sonst in den benachbarten låndern
zustunde.
    Es fügte sich aber / dass der Konig von Jarmut /wie auch der Prinz Jetur
von Hevila / und der von Gibeon / die eine zeitlang zu Tyro gewesen / nach
Joppen ankamen / und in unsere herberge einkehrten: wodurch die Roma in eine
angeneme bestürzung geriete / ihren ehmaligen geliebten Prinzen nun so nahe
wissend. Weil wir ganz heimlich oben im hause woneten / als wurden diese
ankommende fromde unser nicht gewar: wir aber / weil ihr gemach / da sie essen
sollten / recht unter unserem zimmer war / machten verborgene löcher in den boden
/ dadurch wir sie kunten speisen sehen. Der Prinz Jetur ware so verändert und
abgegråmet / dass seine åuserliche gestalt sein innerliches leiden gnugsam an den
tag gabe: und deutete die Roma solches alles auf sich / dass nämlich der verlust
ihrer person ihn dergestalt abgemärgelt håtte. Weil sie nun verlangte / sich ihm
zu zeigen / als beredte sie mich / dass wir / den abend nach ankunft dieser
frömden / als wir den Jetur und den Prinzen von Gibeon im garten / der hinten
am hause war / spaziren sahen / auch dahin gingen / und uns hinter einer hütten
verbergend / in welche sie sich gesezt hatten /alles ihre gespräche vernemen
kunten.
    Wie teuer bezahlte aber die gute Roma diesen ihren fürwitz / als sie mit der
grosten besturzung anhören musste / dass Jetur / den sie ihr so getreu zu sein
erachtet / dem Prinzen von Gibeon nach der långe erzehlte / wie er in Celten die
schone Hercinde lieb gewonnen / wie er ihr tausend dienste erzeiget / und mit
unbeschreiblicher unbarmherzigkeit von ihr wåre abgewiesen worden: welches
allhier umständlich zu wiederholen / viel zeit erfordern würde / wiewol es
vermutlich allhier schon bekant sein mag. Er beschlosse seine rede mit den
worten / wie er noch der fåsten hofnung lebte / an dieser grausamen sich
dermaleins gerochen / und den fluch ihr auf dem hals ligen zu sehen / den er ihr
beim abschied hinterlassen / dass sie nämlich die kraft der liebe / für ihre
ietzige unentfindlichkeit / volkömlich fülen möchte. Ich brachte hierauf diese
Konigin / weil ihrer person nicht mehr erwehnt wurde / mehr todt als lebendig /
wieder in unser zimmer: und ist kein so jåmmerliches wesen zu ersinnen /das man
deme / welches sie gefüret / hätte vergleichen konnen. Weil ich / aus meinem
eignen beispiel / ihr leiden wohl erkannte / kunte ich ihr mit nichtes / als mit
meinem mitleiden / tröstlich sein. Sie ergabe sich dergestalt dem kummer / dass
sie gefärlich lågerhaft wurde: inzwischen der abtrünnige Jetur / von dem sie
nichtes mehr horen noch wissen wollte / mit seiner gesellschaft wieder abreisete
/ und nicht erfure / dass wir ihm so nahe gewesen waren.
    Nach ihrem abzug / stellte sich unser ausgesandter Celte auch wieder ein:
welcher berichtete / dass der junge König Marsius / nach seines vattern tode / in
Basan regirte / und dass alles daselbst in guter ruhe wåre. Von dem Cimber sagte
er mir / auf mein befragen / wie dass der himmel mich an dessen unbeständigkeit
gerochen håtte / indem er nicht mehr unter den lebendigen wäre. Diese
unvermutete zeitung sezte mich so aus mir selber / dass ich alle sinnen
verlierend / onmåchtig der Roma in die arme sanke / und damit zu tag legte / dass
ich den Cimber annoch mehr liebte /als ich selbst vermeint hatte. Nachdem man
mich wieder zu recht gebracht / beklagte ich diesen Prinzen nicht anderst / als
wan er niemals einige untreu mir erwiesen hätte. Ich wollte nun ausfurlich die
umstände von seinem tode wissen: da der Celte / des Cimbers vertrauten
waffentråger / den er mit sich gebracht /mir vorstellete. Dieser erzehlte mir /
wie der edle Cimber / neben dem Tubal / in dem lezten kriege der Teutschen wider
die Assyrier / in einer schlacht geblieben wäre: da er aber noch so viel kråfte
gehabt /dem Konig Marsius das fur ihn und mich unglückliche bildnis der
schonsten Delbois zu überreichen /und den zum besitzer dieses edlen schatzes zu
machen. Hierauf hätte er sich zu ihme / als seinem waffenträger / gewendet / und
ihm anbefohlen / mir in Kitim seinen tod zu verkündigen / und mich zu versichern
/ dass keine menschliche gewalt / sondern eine gotteit ihn von mir abgezogen /
und dass ich deswegen üm so viel eher sein verbrechen ihme vergeben /und diese
ruhe in seinem tode ihm vergonnen möchte / dass er von mir beklaget / nicht aber
gehasset /wurde. Ich will alles tun / (sagte ich hierauf) was Cimber von mir
begehrt hat / und seine gedåchtnis verehren / weil ich lebe.
    Hiermit liesse ich den waffenträger wieder von mir /und berieten die Roma und
ich uns miteinander / was fur eine lebensart wir erkiesen wollten / und ob / nach
Basan / oder wieder zurück nach Kitim zu gehen / fur uns zutråglicher sein
mochte. Wir konten aber keines von diesen beiden erwählen: weil so wohl der Roma
als mir unerträglich fiele / uns in Basan sehen zu lassen /da der Heecinde
bruder / und des Cimbers blutsfreunde woneten; weil auch in Kitim meine alte
plage mit dem Sicorus wieder angehen würde / wan der etwan sein leben /
gleichwie der Adoniasaus / dem meer errettet håtte. Demnach fasseten wir endlich
den schluss / uns nach Salcha im land Basan zu wenden / und zwar in den tempel
der Brachmannen uns zu begeben / wovon uns die Mesahab vordessen so viel
fürgesagt hatte. Diese riete nun måchtig mit ein / in der hofnung / weil Salcha
an den Arabischen grånzen liget / von dem Nebajot desto eher etwas zu erfahren
/ und zwischen uns beiden / nach unserer mutter willen / noch eine heurat zu
stiften. Also macheten wir uns auf / reiseten und kamen nach Salcha / da man uns
in dem tempel wohl aufname / und viel güte erwiese: und erfuhren wir daselbst
alles / was zwischen dem Nebajot / dem Prinzen Eridanus und gegenwårtiger
Prinzessin Delbora / sich zugetragen hatte: welches dann der Mesahab hofnung
nicht verminderte / da sie nun die Delbora an den Eridanus verehlicht wusste /
und also des Nebajot gedanken-änderung vermuten dorfte.
    Es wollte uns aber auch in diesem tempel das unglück nicht in ruhe lassen /
und musste es sich fugen /dass der Konig Sicorus / den die seinigen aus dem wasser
errettet / uns solang nachforschte / bis er endlich erfuhre / wo wir uns
aushielten. Die schuldige ehrerbietung gegen diesem heiligen ort / der uns zur
sicherheit diente / und gegen uns als weibs personen /kunte diesen tollsinnigen
Konig nicht abhalten / dass er nicht seinen begierden gehor gegehen / und einen
anschlag auf uns gemacht hätte / uns zu entfuren. Wie unbillig nun dieses
vorhaben war / so schwer fiele ihm auch / dasselbe ins werk zu richten. Er
wendete viel zeit und gelt daran / bis er es so weit brachte /dass er etliche von
den Brachmannen auf seine seite gewonne / und durch deren hülfe / in ihre tracht
verkleidet / in den tempel kame. Wie er nun daselbst alle gelenheit abgesehen /
und wargenommen / dass mein und seiner schwester zimmer nahe an der mauer gelegen
war / liese er / drausen an der mauer / alle zu seinem vorhaben dienliche
bereitschaft zusammen bringen. Wie nun die nacht angekommen / stiege und brache
er / neben den Brachmannen / die um seinen anschlag wussten / deren einer des
obersten priesters naher blutsfreund war / zu uns in die kammer / und mich in
meinen nachtkleidern ergreifend / wollte er mit mir fortwandern. Der schrecken
hatte mich aber so sinnlos nicht gemacht / dass ich mich nicht zur gegenwehr
gefasset håtte. Ich ergriffe ein messer / dass aus sonderbarer schichung mir in
die hånde geriete / und gienge damit auf den mir unbekanten Sicorus los: der /
meiner wut weichend / seiner schwester in die hände geriete / welche eben also /
wie ich / ihre ehre und freiheit zu verteidigen / ihme mit gleichen gewehr
begegnete / und ihm etliche todliche wunden anbrachte /mitlerweile ich den
vetter des Oberpriesters todt zur erden fårtigte.
    Wie nun dieser handel ein grosses geschrei verursachte / und die andere
mitgekommene / mehr nach dem verwundten Sicorus und todten Brachmanne / als nach
uns / sich ümsahn / erlangten wir inzwischen luft zu entrinnen / und eilten /
was wir konten / nach den andern junfrauen / denen wir unsere begegnis
erzehlten. Hierauf wurde alles im tempel wach / und wie der Oberpriester
dazukame / und seinen vettern tod fand / bekümmerte er sich nicht so sehr um
dessen mishandlung / als wie er an den tåterinnen rache uben mochte. Demnach
befahle er / an statt er des Sicorus leute hätte sollen verfolgen lassen / dass
man die Roma und mich in haft nemen sollte / damit wir / als morderinnen / konten
abgestraffet werden. Also sahen wir uns nun von denen gefangen / die uns billig
schutzen sollten / und erfuhren am folgenden morgen /mit nicht geringer
besturzung / dass mein schwager und der Roma bruder dieses spiel angefangen / und
dass dieser Konig / auf den tod verwundet / seine schwester verlangte zu sehen.
Die natürliche liebe zu einem bruder / und die zu mir tragende grosse
freundschaft / stritten anfangs in der Roma / ob sie diese bitte dem Sicorus
gewåren sollte. Wie ich aber sie selbst darüm bate / und der Oberpriesteresge es
geschehen liesse / dass man die Roma aus unsrem gefängnis zu ihm fürete / fand
sie diesen ihren bruder / den sie selber also verwundet / in solcher
beschaffenheit /dass er nicht fåhig war / ihre fürrückungen anzuhören. Die ursach
/ warüm er sie zu sprechen begehret / war seine reue / dass er die liebe sich
also hatte sündigen gemacht: weswegen er sie dann um vergebung bitten liesse / mit
der versicherung / wiedass er gern sterben wollte / wann er nur zuvor meiner gnade
versichert sein konnte.
    Das erbarmen triebe hiermit die Roma / mir dieses zu hinterbringen / und
mich zu bitten / dass ich ihn besuchen wollte: welches ich ihr dann / mit des
Oberpriesters erlaubnis / zu willen täte / und also diesen unglucklichen
verliebten / mit der zufriedenheit / dass er mit mir ausgesonet / und mein
mitleiden aus vergiessung meiner zären erkant hatte / in der Roma armen sterben
sah. Diese betrubte schwester wollte sich über so einem erbärmlichen tod ihres
bruders nicht zu frieden geben / und wachete alle ihre schwesterliche liebe
wieder in ihr auf / mit der sie vor diesem ihme sonderlich war zugetan gewesen:
daher sie / alles leides / so er nachgehends uns zugefugt / vergessend /sehr
klåglich sich gebårdete / und eine morderin ihres einigen bruders sich nennend /
viel erbärmliche klagworte gegen den himmel ausschuttete; welches dann auch mich
nicht wenig ängstete / da um meint  willen dieses ungluck sich zutragen mussen.
    Wir kamen hierauf wieder in unser gefångnis / und liesse so fort der
ungerechte Oberpriester unsere sache durch ja so ungerechte richter / als wie er
selber war /vornemen: von denen wurden wir nun einhällig zum feuer verdammet /
weil wir hand an die heilige Brachmannen geleget / und uns mit deren blut
belchmitzen dorfen. Wie nun dieser handel vieles reden hin und wieder
verursachte / als gelangte es auch für die ohren des Stattalters in Basan / des
Trebetes / der in abwesenheit des Königs das reich regirte: der kame nun mit
seiner hohen hand dazu / und wehrete den tollen Brachmannen / dass sie ihre
unsinnigkeit gegen uns nicht auslassen dorften. Weil er von des todten Sicorus
hinterbliebenen leuten erfuhre / wer wir waren /name er sich unser / als ein
landsman / um so viel eifriger an / und sezte zurück die alte feindschaft / die
ehmals in Celten zwischen unsern eltern gewesen. Er kame auch selber zu uns nach
Salcha / da die ganze stadt / wider uns als morderinnen ihrer Brachmannen
/erhitzt war: und hatte er viel zu tun / uns aus den händen dieser tollen leute
zu erretten.
    Wiewol uns unsere wieder-erlangte freiheit lieb war / so sahen wir doch
ungern / dass Trebetes / und folgbar der hof zu Basan / uns kennen sollte. Doch
mussten wir ihm nach Basan folgen / und durften dessen begehren nicht
widersprechen / der uns unser leben erhalten hatte. Weil / wie gesagt / der
König nicht zugegen war / als diente uns solches zum vorteil / nicht von vielen
leuten gesehen zu werden. Wir kamen daselbst in kentnis mit dem Jokes / der ein
vertrauter des Cimbers gewesen / und mich darüm liebte / weil er mein gemüte
gegen seinem verstorbenen freund erkannte. Dieser nun erzehlte mir alle umstände
/ von meines Cimbers leben und tode; und unser beider verlangen erkennend / in
der einsamkeit zu leben /war er uns behülflich / dass wir / ohne des Trebetes
wissen / aus Basan hinweg kamen. Wir hinterliessen aber / um nicht undankbare
gåste zu heisen / ein schreiben / darin wir ihme mit wenigem unsern zustand und
die ursachen zu erkennen gaben / die uns nötigten / alle grosse gesellschaft / so
viel muglich / zu fliehen / und unbekant in einsamer stille unser leben fortin
zuzubringen. Wir kamen hierauf / mit dem Jokes / hieher in Syrien / da er uns
diese höle zeigte /die vor deme / zu des Konigs Aramenes von Syrien zeiten / als
der von den Assyriern gedrückt und verfolgt wurde / durch einen Syrischen herrn
/ (dessen töchter eine mit dem Jokes verehlicht war / daher er auch bässer / als
sonst iemand / üm diese gelegenheit wusste /) also zubereitet worden: der darin /
samt seinem weib und kindern / etliche jare sich verborgen aufgehalten / und von
seinen landgütern / welche nahe bei Aroer gelegen / ihme die lebensmittel herbei
verschaffen lassen.
    Roma und ich / håtten keinen ort in der welt zu unsrem vorhaben tüchtiger
finden können / als diesen: daher wir den schluss fasseten / unsere übrige
lebenszeit allhier zuzubringen / auch den Cimber / Jetur wie auch den Morges /
Tuscus Sicanus und Sicorus /zubeweinen / und uns für ferneren unglücks-anfällen
zuverwahren. Des Jokes schwager / der Nebod / welcher unweit von hier ein
landgut hat / wurde zum mitwisser dieser unserer Entschliessung erkieset: der dann
etlich wenigen von seinen untertanen solches entdeckte / die uns / die ganze
zeit uber / seit dass wir hier gewesen / mit lebens-mitteln versorgen mussen. Ich
kann wohl sagen / dass unser lebenlang wir solche ruhe und vergnügung nicht
genossen / wie uns dieser ort widerfahren lassen. Wir mussen aber befahren / nun
wir so unversehens hier gefunden worden / dass der himmel wieder ein neues
unglück über uns beschlossen habe.
    Die Prinzessin Delbora war die erste / die vor wenig wochen aus der welt zu
uns käme. Und ob wohl deren liebe gegenwart uns sehr angenem ist / wir auch
unsere wonung ihr gern mitgeteilet haben / so mussen wir doch nun gestehen / dass
sie uns unruhe verursachet: dann / aus vermutung ihres hier-seins und aus
begierde / die Delbora zu suchen / hat diese durchleuchtige gesellschaft / fast
wunderbarer weise / diesen sonst fur aller welt verborgenen ort finden mussen.
Nicht sage ich solches / als wan uns zuwider wåre /die teure kentnis so
hochfürtrefflicher personen / die ich alleine noch vor meinen sterben mir
gewunschet /und die anschauung der wunderschönheit / die meinen Cimber
unbeständig gemacht / erlanget zu haben: sondern ich befahre nur / es werde /
nun unser geheimer aufentalt kund worden ist / das unglück uns allhier wieder
zu finden wissen. Mich tröstet aber hingegen dieses / dass ich hoffen darf / die
gütige Koniginnen und Prinzessinnen / so uns allhier gefunden / werden uns diese
barmherzigkeit widerfahren lassen / und verhuten / was sie allhier vernommen und
gesehen haben: damit Roma und ich vor neuen unglucks-stossen sicher zu wonen / in
desto gewisserer hoffnung verharren konnen.
                                     * * *
    Also endete die schone Hermione ihre erzehlung /und war niemand in der
gesellschaft / der nicht dieser beiden Koniginnen zustand von herzen bejammert
hätte. Ich versichere die Koniginnen von Kitim / im namen aller anwesenden /
(sagte die schone Königin von Syrien zu ihnen) dass keine von uns iemals werde
gesinnet sein / ihre ruhe fürsezlich zu zerstören: und wollte ich selber die
eifrigste mit sein / ihr ferneres geheimes hierbleiben zu befordern / wan ich
befände /dass solches ihnen die länge widerfahren konnte. Nun aber wissen alle
meine leute / die ich mit mir gebracht / und die noch drausen in den andren
wonungen dieses felsens sich befinden / dass allhier etliche damen wohnen: daher
ich keine versicherung geben kann / dass bei itzigem kriege ratsam sein werde /
länger also allein zu verbleiben. Der weg ist nun einmal geoffnet /und kann man
durch das mittel / dessen wir uns bedienet / nun täglich zu ihnen heruber
kommen. Ich will demnach iezt der ursachen nicht erwähnen / ob meine beide
Koniginnen befugt seien / diese lebens-art zu furen / sondern nur die
unmüglichkeit einwenden /dass sie sonder grosse gefahr nicht länger werden allhier
bleiden können. Wåre nicht Syrien iezt (sagte Colidiane) in vollem krieg / so
wollte ich eher hierzu als davon ab-raten / dass man diese ruhige wonung nicht
verlassen sollte / und würde ich für meine person keinen bässern ort zu ersinen
wissen / mein leben hinzubringen / als eben diesen. Wir haben einerlei gedanken
/ werteste Colidiane! (antwortete ihr ingeheim die Konigin von Syrien) ich weiss
aber nicht / ob wir dem ungetreuen Abimelech auch ein solches ehrengedåchtnis /
wie hier dem Cimber wiederfaren / aufrichten würden.
    Cölidiane beantwortete dieses mit etlichen seufzern / und tratten hierauf
Delbora und Danede zu der noch wankenden Hermione und Roma / sie zu bereden: die
endlich selber befanden / dass fur sie nichts båssers sein wurde / als sich in
die zeit zu schicken / und diesen aufentalt zu verlassen. Wie sie demnach ihre
Entschliessung kund gemacht / sagte Delbora: Ich werde nun um soviel lieber
diesen ort verlassen / da meine beide wirtinnen mit von hinnen wollen; und
wünsche ich von herzen / dass / gleichwie die ankunft dieser durchleuchtigen
gesellschaft mir so unverhoft meine ruhe gebracht / selbige auch / der Königin
Hermione und Roma unglucksstern zu verändern / der eingang sein moge. Sie wissen
beiderseits / was zu verschiedenen malen meine tröstungen gewesen / und dass
Nebajot und Jetur ihnen beiden wohl wieder die ruhe verschaffen konnen. Diese
worte machten so wohl sie selbst / als die beide Königinnen erröten: und weil
alle die andren wussten / wie häftig die liebe der Delbora zu dem Nebajot ehmals
gewesen / bewunderten sie um so viel mehr ihre hohe tugend / die dergestalt sie
meisterin ihrer selbst verbleiben gemacht.
    Sollen wir dann nicht auch wissen / (sagte die Königin von Salem zu dieser
Prinzessin) wie die schone Delbora aus Cus an diesen ort geraten sei / der ja
fast aller menschlichen gesellschaft bisher verborgen geblieben. Dieses kann ich
mit wenig worten verrichten: (gabe die angeneme Delbora zur antwort) dann weil
ihnen allen bereits kündig ist / was den zweifelmut in mir erwecket / und mich
bewogen / aus Cus hinweg zu reisen / als habe ich anders nichtes hinzuzutun
/als zu berichten / wie ich es anschluge / dass ich entkommen und hieher
gelanget. Ich vertraute mich einem von meinen getreuen kämmerlingen / der noch
aus Meden mit mir gekommen war: welcher / bei nåchtlicher weile / mich samt
etlichen meinen dirnen und dienern / aus Tauba hinweg brachte. Ich ware
gänzlich gesonnen / so einen verborgenen ort in der welt zu suchen / da kein
mensch / am wenigsten der Eridanus / nachricht von mir erhalten sollte. Mein
angenommener glaube verwehrte mir / selber hand an mich zu legen: sonst hätte
der häftige schmerze / da ich das liebste in der welt / nämlich meine ehre /
angetastet fand / mich zu selbst-mördlichen gedanken getrieben. Ich erkiesete /
zu meinem aufentalt / eben den tempel in Salcha / da es der Hermione und Roma
so widerlich ergangen ist. Weil ich aber darin / vermog ihrer neuaufgerichteten
ordnung / anderer gestalt nicht konnte gedultet werden / als wan ich den heiligen
orden der jungfrauen annäme / und der gotteit / die sie daselbst verehren /
mich mit einen eid verpflichtete / solches aber mein stand und gewissen mir
nicht zuliesse / als musste ich weiter fort wandern / und konnte daselbst nicht
erlangen / was ich gesuchet. Ich fassete endlich den schluss / nach Armenien zu
meiner fraumutter freundschaft zu reisen.
    Als ich aber unterwegs / durch Syrien gehend / unweit von hier / von einem
starken haufen kriegsvolk verfolger wurde / verandassete mich die noht / in
diesen felsen mich zu verbergen / bis sie furbei sein wurden. Ich bliebe die
ganze nacht / mit meinen leuten / voll todlicher furcht / in diesen hölen /
hatte auch folgenden tags den muht nicht / mich hervor zu machen / sondern
schickte etliche der meinen aus auf die wege / üm kundschaft / ob sicherheit da
wäre / furter zu reisen. Diese stiessen auf einen hirten / welcher getränke in
einem krug / auch dabei etliche brode unter den armen truge. Weil sie mich nun
sehr heilig wussten / boten sie diesem menschen an / das / so er bei sich hatte /
ihnen für geld zu überlassen: der aber dessen sich weigerte / und wie er sah /
dass man ihn dazu zwingen wollte / in die höle entlieffe. Er verursachte damit /
dass etliche meiner leute seiner spur folgten: da sie ihn dann endlich einen nicht
gar grossen stein abwålzen und also hinein kriechen sahen. Dieses sagten sie mir
gegen abend wieder / und deuteten mir daneben an / wie das kriegsheer sich
hierum gelågert håtte / und ich / bevor sie wieder aufbråchen / schwerlich würde
furter reisen konnen. Also musste ich zulassen / dass meine leute / mir nahrung
zuverschaffen /den bemerkten eingang in die hole ofneten / und diesen von ihnen
entlaufenen hirten sucheten. Sie fanden endlich / durch sonderbare schickung des
himmels /alle diese wonungen / und kamen mit den bericht zu rücke / dass sie
frauenzimmer gesehen hätten. Hierdurch ward ich aufgemuntert / mich hinein zu
wagen /und bin solcher gestalt mit diesen beiden Koniginnen in kundschaft
geraten: die mich / aus erbarmen / willig aufgenommen / und meinen bei mir
habenden mansleuten bei dem Syrischen herrn / der unweit von hier aus seinem
landgut wonet / aufentalt solang verschaffet haben. Hätte nun das gute Glück
die Danede nicht hiehergefüret / und mich so erwunschte post von meinem
reumutigen Eridanus wissen lassen / sollte mir wohl nimmermehr ein verlangen / von
hinnen zugehen / angekommen sein: massen ich gänzlich gewillet war / mein leben
allhier zu enden.
    Der Himmel liebt den Prinzen Eridanus viel zu sehr / (sagte hierauf
Colidiane) als dass er ihn länger in ietziger unwissenheit hätte sollen leben
lassen / und hat es demnach also geschicket / dass seiner Delbora aufentalt kund
werden müssen / damit dieser edle Prinz an seinem ängstigen nachsuchen ein ende
sehen moge. Verüblet mir nicht / schone Cölidiane! (erwähnte die Delbora) wan
ich euch bis her fur eine ursach meines unglücks mitgehalten: massen ich nicht
in abrede sein kann / dass ich euch beeifert habe. So wenig ich solches verdienet
/ (antwortete Cölidiane) so begierig bin ich / dafur nun der Prinzessin von Cus
gunstgewogenheit volkomlich zu erlangen. Die ist und soll euch / schönste
Prinzessin (sagte Delbora) ganz eigen verbleiben. Du wirst mir aber auch meinen
teil lassen: sagte Danede / zugleich diese ihre geliebte schwågerin ümhalsend:
die ihr hinwieder gleiche liebkosung erwiese.
    Die ganze gesellschaft dieser durchleuchtigen personen beschlosse hierauf /
weil es begunte abend zu werden / sich von dar nach den brunn-wonungen zu
begeben. Wie sie nun aus dieser hole hervorgingen wurden die drei fromde von
allen den andern mit verwunderung beschauet: da dann die schone Konigin von
Syrien die Hermione / die Konigin von Ninive die Roma / und die von Salem die
Delbora ander hand fürete. Die bedienten dieser dreien / vernamen mit hochster
freude den entschluss ihrer obern / sonderlich die getreue Mesahab / die hierob
am meisten ihre vergnugung blicken liesse. Es wurde die anstalt gemacht /dass die
meiste dieser bedienten die nacht alda verblieben: denen der Tare eine starke
wacht zu verordnete / damit sie fur allem frevel der kriegsleute sicher bleiben
möchten. Der hirte und die andere landleute / die bisher ihre narung hiervon
gehabt / weineten / als sie die Koniginnen sahen hinweg scheiden: wiewol
Hermione sie vertröstete / dass sie nur auf ein zeitlang diese ihre wonung
verliessen / und bald wieder zu kommen gesonnen wären. Sie zoge aber einen
statlichen ring von finger / und schickte ihn dem Syrischen landherrn / welcher
bisher um ihre verpflegung sich angenommen hatte. Es musste auch die Mesahab
/unter diese gute leute / überflüssig geld austeilen. Sie schiede aber / neben
der Roma / nicht sonder tränen aus dieser höle. Nachdem sie uber den see
gefahren /und bei spatem abend zu den wonungen der andern angelanget waren /
wurde ihnen alsofort ein eignes haus eingeraumet / und nichtes gesparet / nach
gelegenheit des ortes sie wohl und koniglich zu bewirten.
    Folgenden morgens / als die Konigin von Syrien neben der Colidiane und
Jaelinde / ihr gewönliches bad gebrauchte / kamen sie von der gestrigen
begebenheit zu reden / und sagte die schöne Konigin zu der Jaelinde: Was dunket
euch / werte Prinzessin! um unsern Cimber? wollen wir uns ferner der Hermione
mitbulerinnen nennen lassen? oder ist nicht bei euch /die hochachtung für diesen
Prinzen / ein wenig gefallen / nun wir solche unbeständigkeit von ihm erfahren
haben? In warheit / (antwortete Jaelinde) ich muss gestehen / dass ich des Cimbers
beginnen nicht zu entschuldigen weiss / wofern ihme dieses nicht zu statten
kommet / dass E. Maj. unvergleichliche schone ihn uberwältigen konnen. Ach
Jaelinde! (gabe die Konigin zur antwort) beschuldigt mir doch nicht meine
geringe kraft / als ob sie fähig wåre / die tugend zu verbannen. So kann auch
dieses den Cimber keines wegs entschuldigen / weil er sich selbst hätte
überwinden sollen: welches er nachmals mehr als überflüssig in allem seinem tun
erwiesen / und habe ich ihn / so lang ich ihn gekant / ganz anderst gefunden /
als er von der Hermione beschrieben worden. Demnach weiss ich nicht / was ich
hieraus schliessen soll. Kan es auch wohl ein Cimber sein / (finge Colidiane an zu
fragen) da der Hermione ihrer in dem Assyrischen krieg geblieben / der andre
aber erst neulich in Damasco ümgekommen ist? Dieser irrtum / (antwortete die
Königin) dass Cimber zu zweien malen soll gestorben sein / machet keine zwei
personen aus ihme: massen wir wissen / dass ein gleichmäsiges falsches geschrei
in selbiger schlacht auch den jungen Marsius tod gesaget / der doch nachgehends
wieder ist lebendig worden. Vieleicht hat der Cimber mit fleis / gegen der
Hermione / seinen tod aussprengen lassen / um desto ungehinterter mich zu
lieben: bis sein warhafter tod dazu gekommen / und mit ihme den garaus
gespielet. Solte die Hermione erfahren / (sagte Colidiane) dass Cimber viel zu
früh von ihr als todt beweinet worden / wird solches ihren kummer merklich
ergrössern. Dieses vermute ich zwar nicht / (antwortete die Konigin) bin auch
entschlossen / es ihr zu sagen: massen ja billig ist / dass sie die rechte
beschaffenheit von ihrem Cimber erfahre.
    Diese bezeigung des Cimbers / (finge Jaelinde an) ist der Königin von Salem
måchtig zu statten gekommen: massen sie daher anlass ergriffen / mich håftiger
/als jemals / zu der liebe ihres sohns zu bereden; wie ich dann deshalben / fast
diese ganze nacht / keine ruhe vor ihr haben können. In warheit / (antwortete
Colidiane) Eurilinde erweiset euch viel gute / mich zu einer sache zu bereden /
die ihr von selbst erwählen soltet. Dan bedenket doch selber / liebste
schwester! ob in dieser welt euch etwas vorteilhafters / und eurem hause
wolanständigers / als eben diese heurat /widerfaren konnen. Ich erkenne dieses
sehr wohl / (widerholte Jaelinde) sehe auch darneben / dass ich der wahren
vernunft widerstreben würde / wan ich nicht endlich / hierzu mich
zuentschliessen / den vorsatz ergriffe. Aber / wie kann ich lieben / was ich nie
gesehen? und hassen / was mir / so lange zeit / mehr als lieb gewesen? Das
gerüchte von beiden (sagte die Konigin von Syrien) kann euch zum lieben und
vergessen bewegen / wan ihr nämlich einerseits die weltkündige tugenden des
sogenanten Adonias / und anderseits das unbeständige gemüt des Cimbers
betrachtet /die euch schon lehren werden / was ihr wählen sollet. Aus E. Maj.
reden (erwiderte Jaelinde) låsset sich gnugsam spuren / dass ich mein fürnemen
nicht erreichet / den armen Cimber nach seinem tode bei seiner Konigin geliebt
zu machen.
    Ich gestehe / (antwortete diese schone) dass ich bis gestern eure mitbulerin
bei dem Cimber gewesen: aber nun fule ich in mir nicht mehr den eifer / dieses
Prinzen gedächtnis also / wie zuvor / zu verehren. Es scheinet / ich solle in
dieser welt nichtes mehr lieben: weil auch die todten sich verändern müssen. Ich
darf auch meinen beiden vertrauten freundinnen wohl sagen / dass / nächst dem
ungetreuen Abimelech / ich gegen keinem in der welt die liebesneigung in mir
entfunden / als eben gegen diesem Cimber: weswegen ich auch mich nicht gescheuet
/ seinen tod zu beweinen / und sein edles gedåchtnis einig zu verehren. Nun ich
aber erfahren / wie er die Königin Hermione / die ihm ganz keine ursach dazu
gegeben / bloss darüm verlassen /weil er mich schoner als sie zu sein vermeint /
muss ich gestehen / dass ich solche leichtsinnigkeit nicht loben kann: und wurde
dieser Prinz / wan er noch lebte / gefärlich zu lieben sein / weil man stäts in
sorgen leben müste / dass eine schonere seine treu vertilgen mochte. Dannoch hat
er (widerredte Jaelinde) sein verbrechen erkant / auch bis zum tode E. Maj. mit
der höchsten ehrerbietung geliebt / sonder es jemals bekant zu machen / oder
einige hofnung in seiner liebe zu schöpfen. Dieses beweget mich auch nicht
wenig: (versezte die Königin) doch ist mein sin also beschaffen / dass / was ich
lieben soll / in keinem ding einigen mangel erweisen / noch so grosse
unvolkommenheit an sich muss blicken lassen.
    Als Jaelinde hierauf wieder antworten wollte /kamen der Konigin leibårzte
dazu / die von andern dingen zu reden anlass gaben / und die gute wirkung
erkenten / die das bisherige viele bewegen bei dieser Cur getan hatte. Daher
vermaneten sie fleissig / damit fortzufaren: sonderlich weil in drei tagen diese
brunn-und bad-cur sich enden sollte. Sie hatten aber viel mühe / die stäts
betrübte Colidiane hierzu zu bringen: welche / wen sie nicht immer zum
hervorgehen wåre gezwungen worden / ihr zimmer nie wurde verlassen haben. Sie
musste nun auch diesesmal / die fürgenommene besuchung der beiden Königinnen von
Celten /mit verrichten / welche sie in gesellschaft der Konigin von Salem / wie
auch der Prinzessin Delbora und Danede / antraffen: und wollten diese fromden
nicht gestehen / ob es gleich die warheit war / das sie daselbst bässer diese
nacht / als in ihren rauhen klippen / hingebracht håtten. Es wurde / in dem
zimmer der Königin Hermione / mittagmal gehalten / wornach sie såmtlich den
nächstbelegenen wald / weil es daselbst sehr schatticht und kul war / zu ihrer
spazirlust erkieseten / und sich voneinander verteilten / nachdem einer jeden
dieser oder jener spazirweg angenem vorkame. Die schone Königin von Syrien /
bliebe bei der Hermione und Roma: da sie dann der ersten / den eigentlichen tod
des Prinzen Cimbers / wie der nåmlich unlångst / nach ihrer Meinung / in Damasco
ümgekommen erzehlte / sie zugleich ermanend / nicht ferner mit dieses Prinzen
andenken sich zu quälen / weil er durch sein bezeigen solcher gnade sich
unwürdig gemacht hätte. Hermione konnte ihr unmüglich einbilden / dass Cimber
nicht eher sollte gestorben sein /massen sie davon gar zu eigentliche und gewisse
nachricht hatte. Wie sie es aber glauben musste / stellte sie ihr für / wie
gluckselig sie würde gewesen sein / wan sie in der zeit / seitdass sie aus Kitim
in Asien gekommen / ihren Cimber nur noch einmal håtte sprechen mogen: dass dann
neue tränen und neues wehklagen bei ihr verursachte.
    Wie aber / durch zureden der beiden Koniginnen /die sie begleiteten /
solcher brast sich ein wenig gestillet hatte / kame sie auf den Tuscus Sicanus
zu reden: von deme / die Konigin in Syrien / der Roma bericht gabe wie dass sie
fur gewiss gehoret håtte / als wan dieser Königin noch leben sollte / und dass auf
dem Riphatischen gebirge ein grosses heer Aborigener und Celten sich befänden.
Diese zeitung erwekte zwar / bei der Königin Roma eine sonderbare freude: sie
war aber dabei so kleingläubig / dass sie es nicht wohl annemen kunte. Ach! (sagte
sie seufzend) wan dieser edle Konig nicht wåre in meinen armen verschieden / ja
wan ich ihm nicht selber die augen zugedruckt håtte / so wollte ich glåuben / was
das gerüchte von ihm aussprenget. Nun aber trüget mich leider mein gedächtnis
nicht / und ist es all zu wahr / dass der edle Tuscus Sicanus nicht mehr
vorhanden ist. Wan aber (versezte die Konigin von Syrien /) der Prinz Jetur von
Hevila / die Konigin Roma eine witwe zu sein erachtend / wieder umkehrte / sie
zu lieben: sollte als dann wohl des Tuscus Sicanus leben keine unruhe verursachen?
Ganz keine! (antwortete Roma) massen der Aborigener Konig / dem Jetur alle
beförderung zu tun / sich befleissen wurde. Die Konigin von Syrien schauete /
unter diesen reden / die Konigin der Aborigener mit grosser verwunderung an /
und wusste nicht / was sie denken sollte.
    Endlich finge die Königin Hermione an / und sagte: Ich halte es fur unbillig
/ dass man vor der Konigin von Syrien ferner verhele / was in gestriger
gesellschaf nicht dorfte entdecket werden / nämlich / dass Tuscus Sicanus und
Roma niemals eheleute zusammen gewessen sein. Wie? was verneme ich? rieffe die
besturzte Königin von Syrien. Es ist also / wie sie saget: (täte Roma hinzu) und
trage ich keinen scheu /die wahre beschaffenheit hiervon meiner schonen Konigin
zu erofnen. Wie sie nun von derselben hierum ersuchet worden / finge sie
folgender gestalt an zu erzählen.
    Als Tuscus Sicanus und meine eltern / uns tyrannischer weise in ein eheband
zusammen nötigten / und dieser Prinz / seine geliebte Hercinde / gleichwie auch
ich / meinen Jetur / vom tode zu erretten / in diesen zwang bewilligt hatten /
ware unser beider eigentliche Meinung nicht / einander zu ehlichen / sondern nur
vor den leuten uns also zu stellen / im herzen aber unsren geliebten beståndig
zu verbleiben. Unser keines wusste anfangs von dieser gleichgesonnenheit /und war
ich die erste / die / nach verrichteter trauung /hier von anregung täte: da dann
er / hieruber hoch erfreuet / mir hinwieder seine mit mir einstimmende gedanken
eröffnet. Also wurden wir / aus eheleuten /vertraute freunde / und lebten als
schwester und brüder zusammen: da dann allemal / Hercinde und Jetur /der inhalt
unserer gespräche gewesen. Um auch einander einiger massen zu vergnügen / name
ich an mich den namen der Hercinde / und er nennte sich Jetur; auf welche
fromde art wir beiderseits unsere treue liebe mehrten: da mitlerweile die zweie
/ üm derer willen wir also lebten / unser wenig achteten / und sonderlich der
ungetreue Jetur meiner gar bald vergessen hatte.
    Weil aber / bei dieser wunderbaren lebens-art / der gram an uns beiden
zehrte / als konnte dem Konig Lucus und der Valentia / zu ihrer hochsten herzens
qual / die traurigkeit ihres sohns nicht verborgen bleiben: wie er dann auch sich
nicht scheuete / sie mordere seines lebens zu nennen / weil sie ihm seine
Hercinde entwendet hatten. Sie hoffeten auch vergebens / dass die zeit endlich
eine vergessenheit und sinn ånderung mit sich bringen mochte / und verlangten
wir beiderseits nichtes mehr / als den tod: da wir dann die abrede namen / dass /
wan der himmel eines von uns zu grab fordern wurde / das hinterbliebene / des
andern tod der Hercinde oder dem Jetur bewust zu machen / und zugleich unser
gefurtes leben / und wie wir in unveränderter beständiger liebe gegen verharret
/ ihnen zu erzählen / gehalten sein sollte. Also setzeten wir es nun beiderseits
auf das gråmen / da dann Tuscus Sicanus eher als ich seinen zweck erlangte / und
so baufållig an seiner gesundheit wurde / dass alle årzte an seiner aufkunft
verzweifelten. Dieses machte den betrubten Lucus so voll kummers / dass er seines
einigen sohns tod nicht erlebte / sondern / sich bald abgrämend / noch vor ihm
die welt gesegnete.
    Valentia / wie sie also ihren gemal verloren / sorgte nun / mehr als jemals
/ um die erhaltung ihres sohns /und ersonne endlich dieses mittel / indem sie
ihn mit scheinbaren umstånden beredte / zu glåuben / dass er der Hercinde bruder
/ und der jungste sohn des Konigs Marsius wår: wie solches gestern die Konigin
Hermione umståndlich erzählt hat. Weil die Valentia mich taurete / und ich
überdas wusste / dass alles / was Tuscus Sicanus täte / die unentfindliche
Hercinde für nichts achten würde / fiele ich mit auf deren seite /diesen König
beim leben zu erhalten: und arbeiteten wir also / neben dem gesamten hofe der
Aborigener /bis wir den Tuscus Sicanus solches glåuben machten. Dieses beruhigte
ihn nun zwar nicht wenig / erweckte auch in ihm wieder die begierde zu leben.
Aber es war leider zu spat / und das ubel so eingesessen / dass dieser tugend
liebende herz doch sterben / und die regirung des Konigreichs seiner mutter /
der dapfren Valencia / hinterlassen musste. Nach seinem tod / begabe ich mich
nach Kitim / und halfe meine schwågerin die Hermione bereden / hieher nach Asien
zu gehen: weil ich es dem geiste der Tuscus Sicanus schüldig zu sein erachtete /
der Prinzessin Hercinde / von der wir / dass sie in Basan sein würde / vernommen
hatten / dieses unvergleichlichen liebhabers gefürtes leben und ende kund zu
machen. Es fügte sich aber also / dass die reise uber meer / anfangs nach Creta /
und folgends nach Canaan ginge: da ich dann / als ich wider alles vermuhten die
ånderung meines Jetur erfuhre / einen ganz andern schluss fassete / und mit der
Hermione mein leben / wie sie erzählt hat / bisher in einsamkeit zugebracht
habe.
    Ich bleibe uber dieser nachricht ganz verwundert /(sagte hierauf die Konigin
von Syrien) und weil die Prinzessin Hercinde anietzo den Prinzen Baleus von
Assyrien liebt / weiss ich nicht / ob Jetur / der nur aus unwissenheit gegen
seine erste liebe gesündigt /nicht zu der schonen Roma wiederkehren würde / wan
er wissen sollte / wie es mit ihr und dem Tuscus Sicanus beschaffen / und dass sie
ihm iezt so nahe lebet. Wan Jetur (antwortete Roma seufzend) mich also /wie ich
ihn / geliebt håtte / würde er niemals mich zu lieben aufgehort haben: und kann
ihn meine eingebildte heurat nicht entschuldigen / weil gar wohl / sonder hofnung
und genuss / eine wahre liebe sein und dauern kann. Es ist aber / (widerredte die
schone Syrerin) dem Jetur sein verbrechen eher zu vergeben / als dem Cimber /
der ohne ursach seine erste liebe verlassen hat. Ach grosse Königin! (antwortete
Hermione) redet nicht also scharf wider den gnug-gestraften Cimber! hat er doch
sein verbrechen selbst erkant / und wåre der Aramena wunderschone nicht so
måchtig / würde er wohl diese untreu nicht begangen haben. Ich beklage /
(versezte die schone Konigin) wan mir die natur sollte vor andern etwas verliehen
haben / dass solches /den sonst tugendhaften und grosmutigen Cimber / zu so einer
vergessenheit sein selbst bewegen mussen: und wan er noch lebte / wollte ich die
jenige sein / die ihn sollte seiner gebür gegen die schone Hermione sich erinnern
machen. Nach diesem gerieten sie wieder auf das gerüchte / von des Tuscus
Sicanus leben: welches die Roma ihr durchaus nicht einbilden kunte. Wie sie
solches lang bestritten / kamen sie endlich zu reden /von der Hercinde liebe
gegen dem Baleus: wowon die Königin von Syrien diesen beiden Koniginnen
ümständlichen bericht gabe.
    Nachdem sie hierauf / vom gehen und erzählen ermüdet / unter etliche
schattichte båume sich nieder gelassen / kam der Fürst Husan / neben dem Arsas
und noch entlichen andern / auf sie zugegangen: und waren diese letzeren
anfånglich der Konigin von Syrien unbekant / bis sie im näher-kommen gewar
worden / dass es der Ninivitische feldherr Phalacus / und der Fürst Pannias ware.
Sie erfreute sich / dieselben wieder zu sehen: sonderlich da sie des Phalacus
treue versichert zu sein vermeinte / und seinen beistand / den er mitbringen
wurde / für so notig als nützlich hielte. Wie nun Husan diese angekommene vor
sie gestellet /fiele Phalacus auf ein nieder / seiner Konigin den rock zu
küssen. Ihr findet mich sehr veråndert wieder /Phalacus! (redte sie ihm zu)
massen ich euch als Konigin von Ninive ausgesendet / und nun wieder als Konigin
von Syrien wilkomm heisse. Es waltet aber zwischen beiden reichen eine so grosse
einigkeit / dass ich / als eine Syrerin / die vorige dienste von den edlen
Niniviten darf gewårtig sein: und ob ich selber in Ninive nicht mehr gebieten
werde / so regiret doch mein geblute darinnen / weswegen ich mir / das bäste
sowol von Ninive als Syrien zubeobachten / jederzeit werde angelegen sein
lassen. E. Maj. seien versichert / (gabe Phalacus hierauf zur antwort) dass alle
mit mir ankommende Niniviten / wan sie diese verånderung mit ihrer Konigin
erfahren / gleiche bestürzung / als wie iezt ich und diese Fürsten / meine
begleitere / darob entfinden werden. Doch soll ihnen sowol / als uns / dieses zum
troste dienen / dass E. Maj. die grossmutige versicherung von sich stellen /das
bäste von Ninive hiesigem reiche allemal gleich zuhalten.
    Habet ihr dann in Seir noch nicht gewust / (fragte die Königin) dass sich
diese grosse änderung allhier zugetragen? Das geruchte (antwortete er) hat wider
seine gewonheit so wenig hiervon geschwåtzet / dass wir nichtes / als nur von
einer grossen unruhe / die sich in Ninive und Syrien sollte angesponnen haben
/erfahren konten. Sehet alhier / (sagte die Königin von Syrien / als sie ihre
schwester erblickte / die eben herzukame /) eure neue Königin! und weil ich sie
als mich selbst liebe / werdet ihrleicht erachten / dass Ninive mich noch ja so
sehr / als zuvor / angehe. Hiermit eilte Phalacus / wie auch der Pannias /
dieser jungen Konigin entgegen: welche / von ihrer schwester unterrichtet / wer
sie wären / mit erweisung grosser hoflichkeit sie entfinge / und die versicherung
ihrer ergebnen treue mit solcher leutseligkeit anname / dass sie / uber diesen
wechsel sich zu beschweren / keine ursach fanden. Weil aber Phalacus / in so
grosser gesellschaft / die nach und nach sich verstårkte / seinen bericht / was
ihre verrichtung in Seir gewesen / wie es mit seinen volkern beschafen / auch
was ihnen unterwegs begegnet / nicht wohl abstatten konnte / Husan aber mächtig
darauf drunge / um / als ein vorsichtiger Furst / alles wohl in acht zu nemen /
was bei ietziger beschaffenheit ihnen konnte zu nutzen gereichen / als stellten
die Königinnen ihren spazirgang ein / und begaben sich wieder nach den wonungen:
da man dann /noch selbigen abend / in der Königin von Syrien gemach / gegenwarts
ihrer schwester / alle anwesende Syrische / Ninivitische und Celtische hohe
kriegsbedienten zusammen beruffen / um mit anzuhören / was Phalacus berichten
würde. Dieser / nachdem er von den beiden Koniginnen erlaubnus erlanget / hube
an zu reden / wie folget.
    Welcher gestalt wir / neben den Assyriern / unter dem dapfern Prinzen von
Gerar / dem unvergleichlichen Abimelech / dem Fursten von Edom nicht allein zu
seinem lande wieder verholfen / sondern auch ihme ganz Seir unterworfen /
solches wird der junge Furst von Arvad / der Sosares / bereits berichtet haben.
Gleichwie diesem unuberwindlichen helden der sieg allentaben nachfolget / also
waren wir kaum in Seir angekommen / da sahen wir uns schon des feindes meister.
Nach endung dieses kriegs / als auch unser General nach dem Philister-land zu
seinem herrvattern eiligst abreisen musste / bekame ich diesen befehl / mit
meinen unterhabenden / deren / samt des Sosares volkern / sechzehen tausend sind
/ hieher nach Syrien zu eilen / weil die alhier entstandene unruhe ein solches
erforderte. Ich reisete dann so fort von dem gebirge ab / meinen weg hieher
nemend / und erlangte durch die voraus-gesandte kundschafter die nachricht / dass
der König Pharao Uchoreus in person / mit einem heer von mehr als zwanzigtausend
Egyptern /vor uns herzoge / und eben auch den weg nach Syrien näme.
    Dieses nun machte mich nicht wenig bestürzt / weil ich nicht wusste / ob der
König von Egypten unser freund oder feind wäre. Ich musste das lezte vermuten
/wan ich mich erinnerte / wie sehr die aufnemung der Prinzessin Amesses / seiner
tochter / diesen König misfallen / die er etwan aus dem Ninivitischen tempel mit
gewalt wieder holen wollte. Ich stunde deshalben lang bei mir an / was mir zu
tun sein wurde / und befande es eine lautere unmüglichkeit / durch einen andern
weg neben-aus hieher zu kommen. Ich beschlosse endlich / gemach fort zugehen /
und bliebe mit meinem heer vier tagreisen zurucke / üm das volk sicher durch und
hieher zu bringen. Weil verschiedene von ihren heer nicht folgen konten /
sondern zu ruck bleiben mussten / wurden sie von den unsrigen eingeholet. Ich
erlangte nun alle nachricht / die ich nur verlangen mogen / von einem kranken
haubtman unter ihnen / der mein alter bekanter und ein Ninivite von geburt ist:
der sagte mir / wie dass der Konig / sein herr / nach Syrien ginge / üm zwischen
dem König von Babel und dem König von Canaan / seinen beiden bundsverwandten /
frieden zustiften / wider das reich Ninive aber seine waffen zu wenden / weil
wir ihme seine tochter / die von ihm iezt mehr als iemals geliebe Prinzessin
Amesses / vorentielten. Nachdem er aber unterwegs gewisse nachricht erhalten /
dass die Prinzessin / von dem Sadrach entfüret / im Konigreich Elam sich befinden
sollte / als håtte er dem Petasiris befehl erteilet / mit zwolf tausend mann sich
nach Elimais zu wenden / um / wo müglich / die Prinyessin zu erobern /
inzwischen er mit dem übrigen volk seinen weg nach Syrien fortsezte.
    Diese zeitung håtte mir nicht gewünschter kommen konnen / weil ich also das
Egyptische heer getrennt erfure / und demnach / alle furcht verlierend / auch
mich stärker als sie befindend / an statt des bisherigen langsamen reisens / tag
und nacht forteilete / bis ich bei Palmyra die Egypter einholete. Wiewol ich nun
des Pharao heer mit leichter mühe hätte zerstreuen konnen / so hielte ich doch
nicht fur rätlich / ohn gewissere nachricht aller ümstånde / einen so mächtigen
und grossen Konig zu beleidigen / und dadurch den Niniviten einen gewissen krieg
auf den hals zu laden: liesse mir demnach genugen / neben den Egyptern an der
seite fort zuziehen / welche / vermutlich auf erlangte nachricht von unserer
macht / sich um uns nicht annamen / und in der stille ihres wegs reiseten. Wie
wir endlich die gegend von Damasco erreichet /fanden wir diese stadt von allen
seiten berennet: da der Prinz Amosis von Egypten / meine ankunft vernemend
alsofort mich vor sich kommen liesse. Von diesem erfuhre ich nun erst / den
hiesigen wahren zustand / und alle die grosse verånderungen / die sich seit
meiner abwesenheit allhier zugetragen: und wurde fur gut befunden / dass ich so
fort mit meinem heer hieher gehen / und fernern befehl alhier erwarten sollte.
    Diesem zu folge / habe ich nun / neben dem Fürsten Pannias / mich
eingefunden / und wird der Elimadan / längst in zweien tagen / mit dem heer
hernachkommen. Vor Damasco stehet es noch alles wohl / und lästet sich der feind
durch ausfälle selten vernemen. Der Prinz von Egypten / um nicht gehalten zu
sein wider seinen herrvattern zu fechten / wird mit dem Ninivitischen heer
herüber kommen / und dem Gaysus und Hezrai den befehl überlassen: welche / dem
Pharao den einzug in die standt zuverwehren / sich gefasset halten / und wird
ehist zeitung einkommen / was sie wider die Egypter ausgerichtet. Wie man mich
gestern unterwegs berichtet / so sollen die Araber / Cussiten und Sabeer auch im
anzuge sein / sich zu den Assyriern zuschlagen; und wird deren hülfe sehr stark
gemacht / wiewol das geruchte davon vieleicht grosser / als die warheit / sein
mag. Dieses ist mit wenigem der bericht von meiner hieherreise aus Seir / und
wünsche ich von herzen / dass die götter alle dapfere anschlåge dieserseits
segnen / und E. Maj. rechtmässigen waffen zutretten wollen. Es wird aber ein
jeder von uns / sein gut und blut vor das vatterland aufzusetzen / fur eine
sonderbare gluckseligkeit achten.
    Wie Phalacus hiemit aufgehoret hatte zu reden /und damit unter den
anwesenden hohen kriegsleuten die beratsch agung angienge / ward beschlossen /
je eher je bässer / mit der völligen belägerung vor Damasco den anfang zu machen
/ und gleich folgenden tags zehentausend Syrer unter dem Fürsten Rames /und
soviel Celten / die der Prinz Suevus selber furen wollte / denen vor der stadt zu
zuschichen / üm auch der Araber zuzug zuverwehren. Und weil in dreien tagen der
Königin brunncur sich enden sollte / als ward sie entschlossen / sodan auch mit
den ubrigen volkern aufzubrechen / und vor Damasco zu rücken. Demnach befahle
sie dem Phalacus / mit gutbefinden ihrer schwester / nach abgelegter danksagung
/ fur seine in Seir erwiesene dienste / dass er seine Niniviten nicht furter
gehen / sondern ihrer ankunft sollte erwarten lassen. Die junge Konigin von
Ninive erinnerte hierbei / ob man nicht / der abrede gemäs / dem Prinzen Dison
nach Ninive hulfvolker nachsenden wollte; welches sie zwar sonder errötung nicht
fürbringen kunte. Es wurde solches fur notwendig erachtet /und daher beschlossen
/ dass der Zaphis mit seinen dreitausend Niniviten / die bisher den pass zwischen
Damasco und Aroer bewahret / wie imgleichen einige von des Phalacus
mitgebrachten volkern / sobald diese ein wenig würden ausgeruhet haben / dahin
gehen sollten. Phalacus berichtete ferner / wie dass vierzehntausend Assyrer /
unter des Zalmons fürung /von dem Prinzen Abimelech / nach Ninive zu gehen
/wåren befehligt worden: zugleich versicherend / dieser Zalmon wurde / in
erfahrung / dass Assyrien nun feind geworden / wider der Königin bästes nichtes
fürnemen / noch sich von ihnen wenden / sondern / als den Prinzen Abimelech ganz
ergeben / ihnen zu lieb /alle andere betrachtungen hintan setzen / und diese
seite halten.
    Die Konigin von Syrien schluge / zu diesen des Phalacus versicherungen / die
augen nieder / und selbige unbeantwortet lassend / sagte sie: Es wird das
Konigreich Ninive von niemanden bässer / als von den Niniviten selber / konnen
beschützet werden /weswegen ich sehr mit zuraten werde / dass / sobald unser
hiesiges grosses fürhaben und die belågerung der stadt Damasco in rechte ordnung
wird gebracht sein / ihr ingesamt nach Ninive geht um so wohl der Assyrier / als
der Dalimire und des Ninias / beginnen zu begegnen. Diese benennung des Fürsten
Ninias /machte den Pannias / seinen bruder / der mit zugegen / ganz beschåmet /
und wollte er eben aufstehen / seine entschuldigung / dass er üm seines bruders
böse händel nichts wusste / vorzubringen / als ihm die Konigin von Syrien
zuvorkame / und sagte: Gedenket / nicht Furst von Ressen! dass ich eures bruders
beginnen an seiner ganzen freundschaft hasse / sondern ich werde den
unschuldigen von den schuldigen wohl zu unterscheiden wissen. Eure treu / die ihr
meiner schwester hinfuro leisten werdet / kann alles das jenige wieder ersetzen /
womit euer bruder mich beleidiget. Jederman priese diese grosmut der Konigin von
Syrien / und wusste Pannias seine erkentlichkeit nicht gnugsam an den tag zu
geben. Hierauf / weil es nun daher nachtete / und der Konigin leibårzte schon zu
verschiedenen malen / wie dass es zeit wåre zu ruhe zu gehen / angereget hatten /
liesse man die Koniginnen allein beisammen / und begabe sich ein jeder an seinen
ort / um zu dem morgigen aufbruch nach Damasco sich färtig zu halten. Der
getreue Husan / so keinen augenblich verseumen wollte / bliebe die ganze nacht
auf / üm anstalt zu machen / dass der benotigte schanzen-zeug / mit schaufeln /
spaten / hacken / schubkarren / leitern und anderer zugehor / in bereitschaft
stehen mochte.
    Die morgenrote war kaum herfürgebrochen / da befande sich der wachsame
Suevus schon im felde bei seinen dapfern Teutschen: unter denen er siebentausend
auswehlte / die / unter befehl des Fürsten Isters /bei der Konigin bleiben
sollten; er selbst aber wollte /mit den ubrigen zwolftausend / (davon zweitausend
/mit dem haubtman Altobor / bereits am pass bei Aroer stunden) zu den andern
Celten vor Damasco / die der mutige Gaisus fürete / stossen und die belågerung
mit anfangen. Der alte Furst von Jedlaph / der Rames /war gleichfalls geschäftig
/ seine zehentausend Syrer in ordnung zu bringen. Hiemit verginge der halbe tag
/ also dass sie erst gegen den nachmittag aufbrechen konten: worbei dann / das
gesamte frauenzimmer / sich zu pferd sehen liesse. Als Cyniras von dem Suevus
abschied name / sagte der heimlich zu ihme: Vergesset nicht / mein Fürst! meines
Konigs bästes bei eurer schonen Konigin zu befordern! welche ermanung den
Cyniras gelegenheit suchen machte / die Konigin von Syrien mit des Marsius
lebensgeschicht zu unterhalten. Er ritte / zu dem ende / als sie nach den
wonungen wiederkehrten / der schönen Königin stäts an die seite; welches sie wohl
in acht name und daher zu ihrer schwester / die neben ihr ritte / sagte: Der
Cyniras verlässet mir kein auge; ich bin versichert / dass solches / um mir des
Konigs von Basan lebenslauf zu erzählen / geschihet / worzu er sich anheisig
gemacht. Ich habe aber / solche anzuhoren / seiter immer vermieden / nachdem
ihr mir eröffnet / was euch ehmals die Prinzessin Amorite / von des Marsius zu
mir tragender liebe / kund gemacht.
    Ich wollte aber doch / (antwortete die Königin Ninive) wan ich in eurer
stelle wåre / die wahre gewissheit dessen vom Cyniras einnemen: weil man hiernach
/nicht sonder grossen nutzen / sich richten konnte. Dan /ist es wahr / dass dieser
König euch liebt / der euch iezt so måchtigen beistand leistet / so habt ihr
hohe ursach / euch wohl zu bedenken / wie ihr diese liebe aufnemen wollet: damit
nicht euer hartes bezeugen diesen grosmutigen König bewege / seine guttaten
wieder einzuziehen. Solches aber zu verhüten / (gabe die Köngin von Syrien zur
antwort) wollte ich lieber das nicht wissen / was mir Cyniras sagen will. Solches
kann aber hierbei wenig nutzen: (sagte die Konigin von Ninive) weil der grosse
Marsius darum seine liebe nicht einstellen wird / ob ihr sie gleich vom Cyniras
nicht erfahren habet. Ach! was neue widerwärtigkeiten (sagte hierauf die schone
Syrerin seufzend) wird mir diese liebe noch verursachen / die ich schon wie im
spiegel zuvor sehe. Wan ich die warheit reden soll /(widerredte die von Ninive)
so sehe ich so sonderbare widerwärtigkeiten hierbei nicht / nun euch des
Abimelech treulosigkeit euch selbst überlåsset / und werdet ihr doch den Syrern
einen König geben müssen.
    Ach liebste schwester! (antwortete hierauf die Konigin von Syrien) ich bin
unfähig / iemals einigem sterblichen mein herz wieder einzuraumen / wie es
Abimelech / der treulose Abimelech / besessen hat; und ist solches mit so viel
hass und verachtung gegen das mänliche geschlecht angefüllet / dass der Konig von
Basan es mit entgelten muss. Warüm habt ihr dann (fragte die angeneme Ninivitin)
mir den raht gegeben / einen man zu lieben / da ihr selber keinen zu trauen
begehret? Damals (gabe die Konigin von Syrien zur antwort) wusste ich noch nicht
von des Abimelech untreue / und konnte euch / die ihr noch nie betrogen worden /
wohl hierzu raten: da hingegen ein verbranter /wie ich / das feuer scheuet / und
sich nicht zweimal verleiten låsset. Ist aber Dison (fuhre die jungere Aramena
fort) ehrlich und getreu / warum sollte man das von den weltberümten Marsius
nicht auch vermuten konnen? Der Teutschen ihre beständigkeit in der liebe / ist
ja im grossen lobe! Und dieses hat (antwortete die ältere Aramena) der Cimber
erwiesen / der seine Hermione verlassen / als er mich fur schoner hielte. Ich
gestehe euch / wan einiger mensch des Abimelech stelle bei mir vertreten oder
mein herz gewinnen könnte / so würde es der Cimber gewesen sein: es musste aber /
auch dieser / nach seinem tode / mir anderst bekant werden / und meinen vorsatz
stärken / von nun an aller liebe abzusagen / und dieselbe wie ein schädlichs
gift zu meiden. Ich will aber dennoch eurem rat folgen / und den Cyniras reden
lassen / um die gewissheit dessen / was wir iezt vermuten / zu erlangen.
    Als sie das geredet / wandte sie ihr pferd nach dem Cyniras / winkte ihm mit
der hand / und sagte: Erinnert ihr euch auch / mein vetter! eurer verheisung
/mir des Konigs von Basan lebenslauf kund zu machen? Gnädigste Konigin!
(antwortete Cyniras) ich habe seiter täglich diese gnade zu erlangen erwartet
/und stehe bereit / E. Maj. befehl nachzukommen. Weil ich weiss / (widerredte die
Königin) dass ihr niemanden / als mich allein / zum zuhörer verlanget / als will
ich morgen nachmittag in meinem zimmer euer warten / und dieserwegen den
gewönlichen spazirgang einstellen / um zu erweisen / wie hoch ich die gedåchtnis
des grossen Marsius verehre. Wie nun Cyniras / um selbige zeit sich einzufinden
/ sich anheisig gemacht / und hierauf diese Königliche gesellschaft wieder nach
ihrer wonung begleiten helfen / begabe auch er sich in die seinige / und
bedachte sich die ganze nacht / wie er folgenden tags dem König von Basan zum
bästen / bei der schonen Königin seine erzehlung wohl ablegen möchte. Folgenden
tags stellte er sich zur bestimmten zeit ein / da alle die andern vergeblich
aufgewartet hatten / sie beim spaziren zu begleiten. Wie sie nun alle hinweg
waren / und er bei der schonen Königin Aramena sich allein befande / wurde ihm
nicht anders zu sinne / als wan er einen gefärlichen anschlag fürzunemen hätte /
an dessen glucklicher ausfurung ein grosses haftete. Doch ermannete er sich
endlich / als die Konigin ihm zu reden erlaubte /und finge seine erzehlung an /
wie folget.
                Begegnise des jungen Marsius / Konigs in Basan.
Die freiheit / deren ich iezt mich unterfange / E. Maj. des Königs von Basan
begegnise und geheimen lieben zu entdecken / entstehet daher / weil ich / als
ein treuer Syrer und untertan von E. Maj. es für eine unbilligkeit ja
treuvergessenheit gehalten / etwas / das E. Maj. so nahe angehet / zu wissen /
und solches nicht /zu nützlicher nachricht / deroselben zu offenbaren. Es ist E.
Maj. so wohl / als dem ganzen Syrien / hoch daran gelegen / dass sie erkennen /
was für gedanken der grosse und mächtige König von Basan / wie auch dessen
furnemste Fürsten / gegen sie füren: massen er nicht mit einer gemeinen /
sondern mit einer sonderbaren recht hohen liebens-art / E. Maj. schönheit
anbetet und verehret. Ja / gnådigste Königin! diesem unuberwindlichen helden
haben sie / ohne ihr wissen /die fåsseln angeleget: und wie seine höchste
ehrerbietung gegen sie / ihn schweigen gemacht / also tut seine håftige liebe
ihm soviel grossere marter an / die in die långe diesen helden töden würde / wan
nicht der edlen Celten / nåmlich des grossen Suevus und Trebetes / inståndiges
flehen / welches durch mich /im namen aller Celten und des ganzen reichs Basan
/hiermit abgehet / und E. Maj. erkentliche gute / diesem unvergleichliches König
das leben erhalten. Sonder sein wissen geschihet diese eroffnung gegen E. Maj.
und ist / wie gesagt / meine tren und der grossen in Basan ihr bewegliches bitten
/ hieran ursach / dass E. Maj dieses geheimnis / so bisher kein mensch alhier
gewust / nun erfahren mussen.
    Ihr håttet dann wohl getan / Furst Cyniras! (sagte die Königin von Syrien)
wan ihr dem beispiel des höflichen Königs von Basan gefolget / und ferner euch
der verschwiegenheit beflissen håttet. Wan E. Maj. (erkunete sich Cyniras
hierauf zu antworten) den grossen Konig von Basan / und dessen grosmutige hulfe /
die er anietzo E. Maj. und dem reiche Syrien erwiesen /betrachten / so zweiflet
mir nicht / E. Maj. werden so gnådig sein / mir nicht zu verublen / dass ich ihr
dieses Königs leben / auf dero befehl / ümständlich kund mache: welches ich aber
nicht tun können / sonder seine liebe zu eröffnen. Wie kann dann dieser Konig
(fragte sie) mich so häftig lieben / wie ihr fürgebet /da er mich ja niemals
gesehen hat? Wan meine gnådigste Konigin (antwortete Cyniras) nur die gedult
wollte nemen / mir zuzuhören / wurden sie gar bald aus diesem zweifel kommen. So
recht dann! (sagte die Königin) doch hütet euch / mein vetter! ein mehrers /als
einem blossen geschichtschreiber zustehet / mir furzubrigen.
    E. Maj. werden sich annoch erinnern (fuhre Cyniras hierauf fort) wie der
dapfere Prinz Marsius / von dem Konig seinem herrvattern erlaubnis bekommen / in
den Assyrischen krieg unter dem Prinzen Trebetes mit fortzuziehen. Wiewol nun
sein angeflamtes herz anders nichts als krieg verlangte / so musste es doch sich
fugen / dass auf diesem zug ein anders feuer sich in sein herz hineinspielte. Er
hatte kurz vorher / bei dem Prinzen Cimber seinem vettern / das bildnis von E.
Mai. als damals geglaubter Prinzessin Delbois von Ninive / zu sehen bekommen:
welches ihn sobald bezaubert / dass nacht und tag die schone Delbois ihm vor
augen schwebte. Es hinterte ihn auch gar nicht /E. Maj. zu lieben / dass sie
damals für seindes tochter gehalten wurde. Zwar stritte noch eine weile in ihm
wider neue regung / der ihm angeborne widerwille gegen dem haus Assyrien: doch
behielte die liebe noch die oberhand / und deutete er zu seinem vorteil /den vom
Tuiscon erlangten ausspruch / der also galautet.
Nicht die waffen / nur die lieb muss Assyrrien bezwingen /
und so des Trebeta stamm wieder zu den seinem bringen.
Dieses / (sagte er / zu seinem vertrautsten freunde /dem Prinzen Daces) hat
Tuiscon dahin verstanden /dass ich die wunder schone Delbois verehren sollte /und
werde ich damit der Arouinda / meiner fraumutter / keinen ungehorsam erweisen /
wan ich gleich diese schöne feindin liebe.
    Als nun dieser schluss fåst gestellet war / gebare seine liebe sofort eine
eiversucht gegen dem Cimber /dem er das bild von E. Maj. zu besitzen nicht wohl
gönnen konnte / und hierin denselben glücklicher als sich selbst schåzte / als
der diejenige ståts im gemålde schauen konnte / die sie beide verwundet hatte.
Weil Marsius so bescheiden als verliebt war / wollte er seines gewalts gegen
diesem seinem mitbuler sich nicht bedienen: zumal auch dadurch / das / was er
vor aller welt geheim hielte / hätte konnen entdecket werden. Demnach bemühete
er sich / durch vieles zureden /den Cimber von seiner unmüglichen liebe
abzubringen / ihme insonderheit die treue / die er vor deme der Celtischen
Hermione gelobet / vorhaltend. Es konnte aber solches den Cimber nicht bewegen /
von seiner liebe abzustehen: welcher vermerkend / dass Marsius mitliebte / sich
gleichmåssiger abmanungsgrånde gebrauchte / dass nämlich die unmugligkeit auf des
Marsius seite ja so gros wäre / als auf seiner / und hårte er sich vielmehr um
die Amorite anzunemen / die ihm zu lieben bestimmet wäre. Diese des Prinzen
Sueuus tochter ward / üm die zeit / von ganz Basan / fur die verlobte ihres
Kronprinzens angesehen / und ware der Marsius dieser schönen auch nicht
ungeneigt: allein es schiene / dass er sonder grosse mühe nicht lieben konnte / und
dass er sich lieber üm die grosse Delbois muhsam bewerben / als die Amorite ruhig
besitzen wollte.
    Inzwischen ginge nun der zug fort wider die Assyrier / und erwiese sich der
Prinz von Basan einen ungemeinen helden / in allen begebenheiten / also dass
lauter erwünschte und froliche zeitungen von ihm an dem hof zu Basan erschollen.
Wie endlich der Konig Belochus von Assyrien / unfern von Acraba / dem Trebetes
entgegen zoge / und es zu einer offenbaren feldschlacht kame / täte dieser Prinz
abermal wunder-dinge / und erwiese satsam / dass Marsius sein vatter /und
Altobrox der vatter seiner mutter gewesen. Wie aber die liebe den Cimber so
häftig regirte / dass er /ungeacht er keinen nutzen hiervon absehen konnte / in
das Assyrische lager einbrache / und E. Maj. aus ihrem gezelt entfuret / wurde
solches dem Marsius sobald nicht kund gemacht / da eilte er aus der schlacht /an
den ort / alwo man ihm gesagt / dass er den Cimber finden würde; den er auch / E.
Maj. vor sich auf dem pferd daher fürend / antraffe. Die ümstände des orts und
der zeit / liessen ihm nicht zu / viel zu sprechen /und als E. Maj. ihn üm hülfe
anrieffen / ergrosserte solches seinen fursatz / ihr zu dienen / und gebote er
so fort / dass man E. Maj. frei lassen sollte. Cimber /der sich schuldig erkannte /
seinem Kronprinzen zu gehorchen / sah sich hierzu genotigt: und werden E. Maj.
sich noch wohl erinnern / wie dieser dapfere ritter / so der Marsius war / sie
wieder in der Königin Naphtis gezelt gebracht / und hierbei schwerlich verwundet
/ den wutenden Assyriern kaum entkommen können.
    Ich entsinne mich noch wohl / (fiele alhier die Königin dem Cyniras in die
rede) aller dieser begebenheiten / hätte aber nimmermehr vermeint / dass der
sonst so bescheidene Cimber diese tat an mir zu begehen fähig sein konnen /
noch dass ich damals meine erlosung dem Marsius zu danken gehabt. Es waren ja
freilich diese beide verliebte (fuhre Cyniras fort) die also E. Maj. betrüben
und erfreuen mussten. Und da solcher gestalt der verliebte Marsius E. Maj. zum
erstenmal gesehen / ware ihm völlig seine freiheit vergangen /also dass er nun
noch mehr / als iemals / den beständigen schluss fassete / E. Maj. bis in den tod
zu lieben. Was unbeschreibliche freude entfunde er die zeit über / als er E.
Maj. nach dem lager furete / und ihr also einen gefälligen dienst leisten
dorfte! Etwan / von häftiger liebe getrieben / begunte er zu reden / und E. Maj.
sein anligen zu eroffnen: aber seine furcht und dero entsetzen mussten diesen
seinen vorsatz in der geburt erstecken.
    Als er nun an statt der belonung / von den Assyriern / die ihn für einen
rauber ihrer Prinzessin hielten / so übel zugerichtet / mit harter noht
entkommen konnen /erquichten ihn diese seine wunden mehr / als dass sie ihn
schmerzten / weil er seiner Delbois misfallen hieruber wohl erkennet. Er konnte
aber / wegen des vielen verlornen bluts / der schlacht nicht ferner beiwonen
/und liesse sich halb onmächtig / durch seine leute /samt dem Prinzen Daces / in
die hütte etlicher fischer bringen / deren guterzigkeit / ob sie schon feinde
waren / dieser beiden helden edles leben erhielte. Nach etlichen stunden /
brachte man auch den tödlich verwunden: Cimber / neben dem Tubal seinem vettern
/ aus der schlacht / in diese fischer-hutte: die zwar den sieg der Teutschen und
der Assyrier niederlage anmeldeten / aber dabei ihr leben einbussen mussten.
Cimber erkannte / vor seinem tode / alles sein verbrechen / dass er nicht allein
gegen E. Maj. und dem Marsius es groblich versehen / sondern auch die Konigin
Hermione so unschuldig verlassen hatte. Er überreichte dem Marsius einen beutel
voll kleinodien / worunter auch war das bildnis der schonen Delbois. Diesen
schatz / neben seiner liebe / ihm überlassend / gabe er also den geist auf: und
kame ich eben darzu / diese zween helden / den Cimber und Tubal / sterben zu
sehen.
    Die Konigin von Syrien konnte sich nicht entalten /alhier abermals dem
Cyniras in die rede zu fallen. Dieser Cimber (sagte sie) hat noch lang nach
dieser zeit bei uns gelebet / und mögen es kaum sechs oder sieben mochen sein /
dass er hier in Damasco umgekommen. So ist auch Tubal / noch vor wenig tagen
/alhier bei uns gesehen worden. Was den wahren Cimber und Tubal belanget / (gabe
Cyniras zur antwort) so konnen selbige unmüglich noch leben / weil ich ihre
korper selbst / nach Celtischer weise / verbrennen gesehen. Ich weiss wohl / dass
ein Celte / namens Tubal / ein zeitlang in Syrien sich aufgehalten: es ist aber
nicht dieser / von dem ich rede. Die Konigin geriete hierauf in tiefe gedanken /
und hörte ferner dem Cyniras begirig zu / welcher seine erzehlung also
vollfürete.
    Ich war ongefår von Babel / da ich / unter dem Prinzen Bildat / von jugend
auf die waffen zu füren /mehr gluck als meine vettern gehabt / daselbst
angelanget: und weil ich vorher den Cimber gekant / auch zwichen uns eine
sonderbare freundschaft aufgerichtet war / horte dieser sterbender nicht sobald
meinen namen nennen / da erwiese er eine sonderbare freude /mich noch einmal zu
sehen / und erweckte in mir eine grosse betrubnis / ihn so nahe beim tode zu
finden. Er entsah sich nicht / den Prinzen Marsius mir zu nennen / und zu sagen
/ wie dass er dem die schone Delbois zu lieben überlassen / und dass er mit ganz
vergnugtem gemut sterbe / weil er also der marter abkäme / die ihn sein
trübseliges leben hätte füren gemacht. Ich verwunderte mich nicht wenig / den
sohn des grossen Konigs von Basan / unsers feindes / von deme man so gewiss
gesaget / dass er in der schlacht umgekommen wäre / lebend / und an seinen wunden
meist genesen / vor mir zu sehen. Ich war so betrübt und bestürzt / dass ich
nicht wusste / was ich sagen sollte / als Marsius / der nun / nach des Cimbers
entdeckung / sich nicht länger bergen konnte / mir selber gestunde / was ich von
dem Cimber gehoret / doch dabei mir die geheimhaltung seines da-seins anbefohle.
Ich wurde sofort von seinem heroischen wesen dermassen eingenommen / dass ich
diesen grossen Prinzen lieb gewonne / und bei ihm / in seiner freundschaft / des
Cimbers platz erbte / gleichwie des Cimbers verlust durch erlangung des Marsius
gewogenheit mir ersetzet wurde.
    Es starbe der Prinz Cimber noch selbigen abend /da ich am morgen angekommen;
und folgte ihm sein freund / der Tubal / in selbiger nacht. Man konnte nicht
spuren / dass dieser Cimber des Marsius mitbuler gewesen: massen der edle Prinz
ihn und den Tubal also beweinte / als ob sie seine bruder wären. Nachdem wir
ihren leichnamen / so viel zeit und ort leiden mochte / den lezten dienst
wiederfahren lassen / ergabe sich der Prinz Marsius dermassen seiner neuen liebe
/ dass kein zusprechen seines vettern / des Daces / ihn bewegen konnte / die
gegend um Acraba zu verlassen / darin damals E Maj. mit dem König von Assyrien
sich befunden. Weil ich auf die volker / die der Prinz Bildat von Babel dem
Konig zufüren wollte /warten musste / als verharrete ich inzwischen bei dem
Marsius: da ich dann diesem helden mein beileid bezeigte / und der vertraute in
seiner liebe wurde. Weil ich E. Maj. ofters zu Babel gesehen / als musste ich ihn
ståts mit gespråchen von der schönen Delbois unterhalten.
    Wir spazirten einsmals in dergleichen unterredung /bei nachtzeit /
miteinander an den Phrat / und sahen beim schein des mondes etliche schiffe den
strom hernieder fahren: die aber unfern von uns / an denen daselbst befindlichen
klippen scheiterten / und einen erbårmlichen schifbruch litten. Dem verliebten
Marsius sagte gleich das herze / dass er etwas liebes hierbei håtte / massen auch
das geschrei sofort erscholle: man sollte den Königlichen personen von Assyrien
zu hulfe kommen. Kaum hatten wir diese stimme gehöret / da ersah Marsius eine
dame / von den ungestumen wellen daher getrieben: welche zu retten er bei sich
selbst angereget wurde / sich sonder bedenken in den strom wagte / und also E.
Maj. glucklich aus dem wasser heraus brachte. Prinz Daces und ich / wie auch die
fischere / durch dieses grosmutige beispiel angefrischet / täten gleiche hülfe
dem Belochus / der Naphtis / und allen den andern. Prinz Marsius eilte mit E.
Maj. nach der fischerhütte: da die weiber im haus E. Maj. als die ganz erkaltet
und onmåchtig ware / alsbald bei ein feuer brachten / und den fast verzweifelten
verliebten hochlich erfreuten / als sie ihn versicherten / dass E. Maj. noch
lebte / und es mit ihr keine gefahr haben sollte.
    Indem aber diese frauen E. Maj. etwas ungestum den überrock abrissen / fiele
aus demselben eine diamantene schachtel: die im fallen sich öffnete / und ein
gemaltes bild sehen liesse. Des Marsius vorwitz / dieses gemälde zu beschauen /
war so gross / dass er eiligst damit an das feuer liefe / und darin die gestalt
eines schonen bräunlichen junglings ersah / mit der umschrift / Abimelech Prinz
der Philister. Weil er aus meinen erzehlungen sich erinnerte / dass dieser Prinz
am Babylonischen hof erzogen worden / und daher stäts um E. Maj. gewesen / und
uberdas des sterbenden Cimbers bericht / wie dass E. Maj. als er dieselbe aus dem
lager entfuret / zum öftern den namen Abimelech geruffen / ihm zu sin kame:
entstunde so fort eine betrubte eiversucht in seinem gemüte / indem es ihm auf
das herze schosse / dass dieser Prinz von E. Maj. mit gegenliebe musste bewurdigt
werden.
    Er legte dieses kleinod gleich wieder an seinen ort /und nun wohl vermutend /
dass E. Maj. nach ihrem erloser fragen wurden / bate er die wirtin des hauses
/ihm einen verborgenen raum zu gönnen / und denen die nach ihm fragen würden /
zu sagen / wie dass der jenige / so die Prinzessin von Assyrien errettet / sich
hinweg verloren hätte. Nachdem sie ihm dieses verheisen / ginge er / sich in der
hütte zu verbergen / da eben E. Maj. die augen wieder geoffnet. Sie werden nun
selber sich gnädig erinnern / wie / nach verlauf etlicher tage / sie ingesamt zu
land wieder nach Babel abgereiset. Ich hatte mich ebenfalls / neben dem Daces /
heimlich verstecket / weil dieser mich sehr darüm bate: dann er besorgte / wan
ich mich sehen liesse / die Assyrier möchten mich erkennen / und /ihnen die beide
Celtische ritter zu nennen / mich anlassen. Unsere sorge / wo Marsius mochte
geblieben sein / daurete nicht länger / als bis E. Maj. von uns abgereiset: da
wir wieder zusammen kamen / und einander unsere abenteure erzehlten.
    Der Prinz von Basan zeigte sich viel betrubter / als er zuvor gewesen / und
offenbarete mir / was er gesehen / und wie des Abimelech bildnis ihn
beunruhigte. Daces machte ihm dieses zu nutze / ihn von seiner liebe abzumanen:
ihme noch uberdas vermeldend /wie dass E. Maj. bereits an den Prinzen Baleus /
ihren bruder / verlobet wåren. Er konnte aber damit nichtes ausrichten / und
diente diese neue hinternis mit dem Abimelech / nicht seine liebe / sondern
seine ruhe aufzuheben. Er befande sich / nun er E. Maj. gesehen /häftiger als
jemals verliebet: daher er / ungeacht aller gefahr und ungelegenheit / die den
seinigen daraus zuwachsen konnte / nach Babel E.M. heimlich zu folgen sich
entschlosse / und zu dem ende / neben dem Daces und mir / sich auf die reise
machte. Ich konnte sonder bedenken mit hinreisen / weil ich nachricht erhalten
hatte / dass der Prinz Bildat noch sobald nicht mit den volkern ankommen würde.
Ich ware / als bekant in Babel / der furer dieses verliebten Prinzens / und
dingte ihm ein haus / da er täglich die gelegenheit haben kunte / E. Maj. zu
sehen / wan sie nach dem garten der Semiramis spaziren gingen. Dieses ware ihm
nun die höchste erquickung / und machte ihn ganz unersåtlich / also dass er nie
an seine wieder-abreise gedachte.
    Es kame ihm aber die verdrüssliche und betrubte zeitung aus Basan / wie dass
sein herrvatter / weil man ihn fur todt gehalten / vor kummer gestorben wåre
/und seine stiefmutter / die Salamis / eine gefärliche empörung angefangen
hätte. Dieses nun machte des Marsius vernunft seine liebe ubermeistern / also
dass er mit grosser reue in sich ginge / und håftig beklagte / dass seine
verborgenheit / soviel unheil in Basan hatte angerichtet. Oft beschuldigte er /
aus ungedult /E. Maj. selber / dass die / als die feindin seines hauses / von dem
himmel hierzu ausersehen wäre / ihn unglücklich zu machen. Doch gereuete ihn
dessen alsobald wieder / und schriebe er dieses seinem eignen unglück zu /
welches die Assyrier auf alle weise über des grossen Trebeta nachkommen wollte
triumfiren machen. Also schiede er betrübt aus Babel hinweg: und weil ich wegen
meiner kriegsdienste / die mich nach Bactra trieben / diesen grossen helden
verlassen musste / als trostete ich ihn mit dem versprechen / dass ich ihm von E.
Maj. zustand allemal fleissig berichten / und sonderlich genaue erkundigung
einziehen wollte / ob der Prinz von Gerar E. Maj. liebte; massen er sich mehr vor
diesem / als vor dem Baleus / furchtete.
    So verneme ich dann / (fiele die schone Syrerin / die sich ganz entfärbt
hatte / dem Cyniras alhier in seine erzehlung) dass ich damals an euch unwissend
einen kundschafter hatte. Mein gewissen (antwortete Cyniras) beunruhigt mich
nicht deswegen: massen ich /einen freunde zu dienen / den ich so edel gefunden
/für kein unrecht halten kunte. Ich war auch versichert / dass zwischen der
Prinzessin von Assyrien und dem Konig von Basan eine heurat zu stiften / keinem
teile schådlich sein wurde: zumal mich / als einen Syrer /das Assyrische absehen
/ Ninive an die Babylonische kron zu bringen / zu nichts verbande. Ich erhielte
nun / durch einen Chaldeischen kaufman / mit dem ich deswegen verlass genomen /
nach und nach briefe von dem Marsius / nunmehr König in Basan / und schriebe er
mir alles / wie es ihm in wiedereroberung seiner lande ergangen: das dann E Maj.
aus dem allgemeinen gerüchte nicht kann unbekant sein / und meist in dapferen
heldentaten des unvergleichlichen Marsius bestanden.
    Ich spüre / mein vetter! (sagte die Konigin lächlend) dass ihr mir sonst
nichtes von diesem König wollet bewust machen / als was ich billig nicht wissen
sollte / und dass ihr in eurer erzehlung eher den namen eines kuplers / als eines
geschichtschreibers / verdienet. E. Maj. mögen mich nennen / (antwortete
Cyniras) wie sie wollen: wan ich nur meinen zweck erreichen mag / welcher dieser
ist / dass E. Maj. des grossen Marsius von Basan liebe wissen und erkennen. Es
ist mir lieb / (widerredte die Konigin gar ernstlich) dass allein ein so
bescheidener Fürst als der Cyniras ist / diese kentnus hat: weil ich dadurch
versichert bin / dass er damit in den schranken der verschwiegenheit sich halten
werde. Ich will demnach eure erzehlung nicht mehr unterbrechen / sondern euch nun
bis zum ende zuhoren. Weil dann / (fuhre Cyniras fort) E. Maj. gütigkeit mir
erlaubet / diesen grossen liebhaber hier ferner bekant zu machen / so will ich
nun unter vielen briefen / die ich aus Canaan von ihm bekommen /einen hieher
wiederholen / welcher also gelautet.
  Schreiben des Marsius Königs von Basan / an den Fürsten Cyniras von Jedlaph.
Es ist nur allzuwahr / mein freund! dass Abimelech von unserer grossen Prinzessin
geliebt wird: und kann ich ihren hohen verstand und gutes urteil daraus abnemen
/ dass sie einen so tugend-vollkommenen Prinzen erwehlet hat. Ja / Cyniras! ich
finde alles an diesem Prinzen edel und unvergleichlich / und wunsche nicht
häftiger / ein beständiger liebhaber der überirdischen Delbois / als ein
ergebner freund des Abimelech zu leben. Sehet / Cyniras! auf was weise ich
liebe: da das / was von meiner schönen geliebt wird / in so hoher verehrung bei
mir schwebet / dass ich auch lieber tausendmal sterben / als einer so wurdigen
liebe hinternus bringen wollte. Gleichwol werde ich bis in den tod / die
Assyrische Prinzessin / ob schon sonder einige hofnung / anzubeten und zu
verehren / nicht ablassen.
                                                                        Marsius.
    Diesem schreiben folgten noch viele gleiches inhalts / und erfuhre ich nach
und nach / wie des Marsius waffen in Ammon / Moab und Basan siegten: daher ich
ursach gewonne / ihm hierzu gluck zu wunschen und darauf diese antwort entfinge.
  Schreiben des Königs Marsius von Basan / an den Fürsten Cyniras von Jedlaph.
Ach! warum wunschet ihr mir Glück / dass ich / in jetzigen kriegen wider die
Salamis obgesieget? warum beklaget ihr mich nicht vielmehr / dass ich den tod in
allen diesen gefärlichkeiten nicht finden können / der allein meine
glückseligkeit mir zu geben vermöchte? Was helfen mich soviel siege / da die
tugend / des Abimelech und der Delbois liebe ganz unüberwindlich machet / und
ich sie nimmermehr bestreiten darf? Weil ihr dann wisset / dass ohne der Delbois
besitzung / nichtes in der welt sei / das mich vergnügen könne und ich doch
dieselbe niemals verlangen darf / so helfet mir den himmel erbitten / dass das
ende von meiner qual bald kommen möge.
                                                                        Marsius.
    Es ware mir wohl hochschmerzlich zu vernemen /den tugendhaftesten König von
der welt in solcher qual zu wissen: und suchete ich alle meine beredsamkeit
hervor / ihn von solcher beschwerlichen lebensart abzubringen. Ich richtete aber
nichtes damit aus / als dass Marsius seltner an mich schriebe / um uberhoben zu
sein / meine so vielfåltige abmanungen zu lesen. Es waren ihm auch meine
schreiben nicht mehr angenem / als ich / seiner liebe die narung zu entziehen
/von E. Maj. zustand ihm nichtes mehr berichtete: massen ich ihm auch dieses
verschwiegen / wie der Prinz Abimelech nach Babel zu E. Maj. wieder gekommen /
weil solches doch nur seine qual vermehrt hätte. Es wurde aber nach der zeit /
wie etliche jahre verflossen / dem unglücklichen Zalmon / der wider die
Bactrianer nicht viel ausgerichtet / der Prinz Abimelech mit neuem volke
nachgeschicket / ich aber von meinem herrvattern aus Bactra abgefordert: weil
der mich nicht långer unter den Assyrischen waffen wissen wollte / da keine
beförderung fur uns Syrer zu hoffen war; wiewol sich auch damals ein- und anders
hier in Syrien eräuget / das zu dieser meiner abforderung anlass gegeben.
    Weil ich solcher gestalt dem reiche Basan wieder nåher gekommen / triebe
mich mein verlangen / dem Konig Marsius aufzuwarten / sobald ich nur von den
meinigen mit fug abkommen kunte. Ich fand ihn / bei meiner dahinkunft / nicht
anheimig: und hatte er / inzwischen er ausen sein wurde / dem Prinzen Trebetes
die regirung aufgetragen. Ich vermutete gleich / dass diese reise ihn nach Ninive
zu E. Maj. wurde getragen haben. Ich beklagte / aus ungedult / bei einer
unterredung mit dem Trebetes und Suevus / dieses grossen Konigs zustand / und
brachte damit diese beide Prinzen in den argwan / dass sie mich der geheimnise
ihres Konigs mit-wissend mutmasseten / und dahero mir hoch anlagen / zu des
ganzen reiches bästem / ihnen hievon etwas zu eröfnen. Ich weigerte mich lang
/ihrem ansuchen statt zu geben. Wie sie aber die an den Konig bei der abreise
verspürte betrubnis mir so häftig beschrieben / hielte ich dafür / ich würde
nicht wider die freundschaft handlen / wan ich diesen beiden fürnemsten des
reichs offenbarete / was ihres Königs anligen ware: demnach sagte ich ihnen /
wie dass der Marsius die schöne Konigin von Ninive liebte.
    Ich merkte / dass dieser bericht dem Prinzen Suevus näher zu herzen ginge /
als dem Trebetes / weil jener noch immer eine kleine hofnung übrig behalten /
dass seine tochter / die Prinzessin Amorite / zur kron von Basan gelangen würde.
Doch verbarge er hierbei seinen unlust / so gut er kunte / und betaurete nur
/neben dem Prinzen Trebetes / dass diese liebe ihres Konigs viel unheil nach sich
ziehen wurde. Weil zwischen diesen beiden Fürsten keine eiversucht noch hass
regirte / unangesehen der Trebetes dem Suevus /bei dieses Königs regirung / in
allen war furgezogen worden / und Trebetes nun das verwaltete / was Suevus bei
dem alten Konig vertreten / als ware auch ihre beratschlagung ganz einmütig /
welche dahinaus ginge / das der riese Sesai / von welchem der Marsius in seiner
jugend so viel gehalten / nach Ninive reisen /den Konig daselbst suchen / und
wan er ihn angetroffen / von diesem gefårlichen vorhaben abmanen sollte: da sie
dann / auf erhaltene nachricht / nicht seumen wollten / selber hernach zufolgen /
ob sie ihn bereden mochten / dass er in sein reich wieder kehrte. Der weisse Sesai
name nun diese reise uber sich / und schiede ich damit auch wieder aus Basan
hinweg / als ich zuvor ihnen verheissen / wan ich ein mehrers erfahren würde /
es ihnen gleich kund zu machen.
    Als ich nun / auf der ruckreise / Hierapolis erreichet / stunde es nicht
lang an / da bekam ich / durch beforderung des kaufmans in Babel / ein schreiben
von dem König Marsius / darin er mir sein anwesen in Ninive kund machte / und
was erquickung er von E. Maj. anschauen entfinge. Wie ich nun solches /meiner
zusage gemås / dem Trebetes und Suevus gleich wissen lassen / folgete allein
Trebetes / weil sie beide zugleich nicht wohl absein kunten / dem Sesai nach
Ninive: welcher bereits den verliebten König daselbst angetroffen / und bei ihm
das aufgetragene gewerbe angebracht hatte. Soviel nun der Sesai und Trebetes
sonst bei ihme golten / so wenig konten sie doch dissmal ausrichten / den König
von seinem fürhaben abzubringen: und scheuete sich dieser grosse Monarche nicht /
kniehend und mit tränen den Trebetes zu bitten / ihme doch zu erlauben / dass er
noch ein zeitlang dieses sein leben fortfuren mochte. Dieser weisse Furst / wohl
erkennend / dass hieraus noch ein grossers unheil entstehen konnte / entschlosse
sich endlich /nicht mehr hierwider zu reden.
    Es liefe aber eine gefårliche zeitung ein / dass nåmlich Valentia / die
Konigin der Aborigener / ein mächtiges heer zusammen bråchte / des willens /
uber das Riphatische gebirge zu gehen / und dem reiche Basan den krieg
anzukünden: weil sie / ihres gemals halber /der des vorigen Konigs von Basan /
des Abinael / älterer bruder gewesen / und den Lucus verjaget / eine scheinbare
forderung an das reich Basan hatte. Dieses machte nun den Marsius von Ninive
abreisen / und nach Basan umkehren: da dann alle seine ungnade auf mich fiele /
um dass ich sein verräter gewesen. Er stellte nicht allein die vorige
briefwechselung ein /sondern er wurde auch nachgehends in allem seinem tun
geheimer gegen mir / als gegen einigen menschen: welches er mir fatsam zu
erkennen gabe / als ich wieder nach Basan eine reise täte / und ihm aufwartete.
Weil ich diesen Konig herzlich liebte / und alles / was ich seinet wegen getan
/ aus treuer wolneigung furgenommen hatte / fiele mir diese seine kaltsinnigkeit
unertråglich / und suchte ich solche auf alle weise wieder von mir abzuwenden:
ich vermochte aber nicht zu erlangen / dass er ferner mich gewurdigt eåtte / der
vertraute in seiner liebe zu heissen. Doch liesse er inzwischen nichtes erwinden /
worinnen er mir Königliche gnade und guttaten erweisen kunte: womit er dann mich
einiger massen befriedigte / dass ich endlich mich darein ergabe / und mich gern
befreit sah / seine ståtige liebesklagen anzuhören: zumal ich doch nicht hätte
unterlassen können / denselben zu widersprechen / und also von neuen seine
ungunst mir aufzuladen.
    Wie ich nun endlich von Basan wieder nach Syrien abreisete / bekame ich den
Prinzen Suevus / als er zuvor in seinem geschåften zu Hesbon gewesen / zum
gefårten: der dann / wie man zu Basan beschlossen hatte / durch Syrien nach dem
Riphatischen gebirge gehen wollte / üm alda mit den heranziehenden Aborigenern
sich zu bereden / ihre forderung zu vernemen /und / wo moglich / sie zu
befriedigen. Er gedachte aber / bevor er diese ferne reise ubername / zu seiner
tochter nach Hemath zu reisen / um dieselbe zu bereden / dass sie den König Jobad
ehlichte: worüber / dieses Konigs gesandte / bereits die erklärung von Basan
eingeholet hatten / die ihnen der Trebetes / kurz vor des Konigs und des Suevus
widerkunft von Ninive /auf gut befinden des grossen rahts / erteilt hatte. Es
kame aber dieser gute Furst eher von dieser reise zurucke / als er vermutet. Er
ware / nach vollendtem hochzeit fest / noch wenig wochen von Hemath hinweg
gewesen / da bekame er die traurige zeitung / wie elend es daselbst den beiden
unglücklichen verliebten / der Amorite und dem Apries / ergangen ware: welches /
als nun etwas weltkundiges / E. Maj. zu erzählen ich eine unnot erachte. Um des
willen unterliesse dieser betrubte vatter seine reise nach dem Riphatischen
gebirge / und kame zu uns nach Hierapolis: da er dann so klåglich sich gebårdete
/ dass der Rames /mein herrvatter / und wir alle / zu innigstem mitleiden bewogen
wurden.
    Sein sonst grossmutiges herz befande sich viel zu schwach / dieses leiden
sonder eine gefärliche krankheit / zu über stehen: massen ihn solche etliche
monden / bis in den vergangenen fruling / bei uns bleiben machte. Unterdessen
schickte uns der himmel noch einen furnemen kranken / nämlich den König der
Aborigener / den Tuscus Sicanus / den ein Canaanitischer Arzt begleitete: wiewol
dieser anfangs seinen kranken nicht meldete / wer er ware / sondern nur allein
uns seine person / als an welcher viel gelegen /båst anbefohle. Nach der hand /
wie diesem arzte / der den Suevus noch in Celten gekennt / durch lange beiwonung
/ kund wurde / was dieser Fürst / im namen des Königs von Basan / mit den
Aborigenern zu handeln im sinn hatte / offenbarte er ihm von seinem kranken /
wie dass selbiger der Tuscus Sicanus / des Lucus und der Valentia warhafter sohn
wäre. Der gute Prinz schopfte hieraus / soviel es seine traurigkeit zuliesse /
eine herzliche vergnugung / und erwiese eine sonderbare hochachtung und liebe
gegen diesem König / weil er dessen fraumutter / die Valentia / ehmals in seiner
jugend geliebt: und lebte er nun der hofnung / da ihn das gluck den
Aborigener-Konig selbst finden lassen / dass er für Basan alles zu gewünschten
ende bringen wurde. Der treue arzt liesse zu dieser unterhandlung sich åmsig
gebrauchen / und berichtete den Suevus / dass die Aborigener / so auf dem
Riphatischen gebirge sich befanden / von ihres Königs leben und aufenhalt in
Syrien noch nicht wussten: daher / weil sie und die Konigin Valentia alles dieses
/ ohne des Tuscus Sicanus willen und wissen / vorgenommen / es leichtlich
zwischen dem König von Basan und ihm / ohne krieg / zu gutlichem vergleich
gedeien wurde.
    Dieses wurde von dem Suevus sofort nach Basan berichtet / und stunde es
nicht lang an / da kame der Konig Marsius selber / neben dem Trebetes / dessen
sohne dem Daces / und etlichen andern seinen vornemsten Celten / zu uns nach
Hiempolis: worum aber / auser uns / niemand wusste. Es ward hierauf zwischen
beiden Konigen ein bund aufgerichtet / dieses entalts: dass nämlich / so bald
der Marsius / nach abgang des Konigs Bojus in Celten / selbiges grosse reich
ererben würde / dem Tuscus Sicanus Basan verbleiben sollte. Hierbei liessen so wohl
der Marsius als Trebetes / zu beruhigung des betrübten Suevus / dieses ihre
sorge sein / wie sie zwischen dem Tuscus Sicanus und der Prinzessin Amorite (von
der sie nicht anders vermeinten / als dass sie nun wieder in Hesbon sein wurde /
) eine heurat stiften mochten: als sich wohl erinnerend / dass ehmals der Lucus /
sein herrvatter / solches auch im sinn gehabt. Der arzt des Tuscus Sicanus /
machte hierzu dem Suevus / im namen seines Königs / grosse hofnung: welcher
handel auch /den guten Prinzen wieder aufzurichten / nicht wenig fåhig war /
massen er / von dem tag an / neue kråfte bekame / und in kurzem seine vollige
gesundheit wieder erlangte. Mein herrvatter / um der gegenwart zweier so
måchtigen Konige sich nüzlich zu bedienen / entdeckte ihnen unsere damalige
angelegenheit /nämlich wie allentalben viele von einem noch-vorhandenen
Syrischen Konig redende zettel gefunden wurden: da sie uns dann verhiessen / im
notfall hülfliche hand zu leisten; wiewol es hiermit bei dem Marsius sehr
kaltsinnig zuginge / weil er dieses versprechen E. Maj. entgegen zu sein
vermeinte.
    Es war damals eben um die zeit / wie E. Maj. ihren einzug in Damasco halten
sollten: da dann / wie leicht zu ermassen / der verliebte Marsius nicht zu rück
bleiben wollte. Er beredte sich deswegen mit niemand / als dem Daces: wiewol es
Trebetes auch wusste / und Suevus neben mir es wohl vermuten kunte. Was aber
dieser verliebte Konig so heimlich und verborgen triebe / dass täte der Tuscus
Sicanus offenbarlich: welcher sich vernemen liesse / wie hoch ihme daran gelegen
wäre / E. Maj. einzug in Damasco beizuwonen. Weil nun beide Könige einander wie
brüder liebten / als machten sie reis-gesellschaft dahin: doch liessen sie ihre
leute nichts hiervon inn werden / und dorfte auch ich / weil ich es einmal
verderbet / nicht mit in diesen raht kommen / sondern musste mich dessen
unwissend anstellen. Ich musste auch meinen fürwitz / diesen E. Maj. pråchtigen
einzug mit anzusehen / mir hierbei vergehen lassen / weil mein herrvatter meiner
benötigt war / mich in damaliger geheimen handlung zwischen uns und den
Canaanitern zu gebrauchen. Doch vername ich nicht lang hernach / wie zween
frömde unbekannte ritter E. Maj. von den grimmigen lewen errettet håtten: die ich
dann fur den Marsius und Tuscus Sicanus halten müssen / und weiss ich nicht / ob
ich irre /wan ich sage / dass diese beide Könige damals mitbulere geworden. So
genau ich aber folgends nach ihnen mich erkundigt / konnte doch nichts von ihnen
erfahren: bis ich / ongefär vor eilf oder zwolf wochen /durch einen unkentlichen
slaven / zu Hierapolis einen brief von dem Konig Marsius folgendes inhalts
entfinge.
  Schreiben des Königs Marsius von Basan / an den Cyniras Fürsten von Jedlaph.
In hofnung / dass ihr in den dingen / die meine freundschaft angehen / euch
geheimer / als in meiner liebe /erzeigen werdet / gebe ich euch in vertrauen zu
vernemen / dass die Prinzessin Hercinde / meine schwester /auf ihrer reise nach
Basan / eines von euren zustehenden luståusern / das unsern von Naema gelegen
ist /beruren / und ich samt ihr daselbst / mit eurer bewilligung / mich befinden
/ auch etliche huntert Teutschen zu ihrer sicherheit mitbringen werde. Wollet
ihr nun hierin eurem alten freund wilfaren / so gebet bringern dieses einen
befehl an euren daselbst wonenden hausvogt / auf dass derselbe willig sei / uns
aufzunemen: und versichert euch / dass ihr diese freundschaft keinem undankbaren
werdet erwiesen haben.
                                                                        Marsius.
    Was hätte mir wohl erfreulichers wiederfaren konnen / als diesen kleinen
dienst dem grossen Marsius zu erweisen? Wiewol nun damals bei uns in Ober-Syrien
alles in hochster unruhe stunde / so brache ich danoch so viel von meinen
geschåften ab / und eilte selbst nach dem benenten lustause: doch hatte ich
zuvor / begehrter massen / meinem bedienten daselbst befehl erteilet / wie er
sich verhalten sollte. Ich kame aber zu spate dahin / weil meine grosse gäste
schon angelanget waren / und fand ich die schone Prinzessin Hercinde
bettlågericht: daher ich deren wunderschonheit nicht eher / als wie sie wieder
abreisete / zu sehen bekame. Es war auch bei ihnen / neben dem Prinzen Suevus /
der Konig der Aborigener: der dann ja so voll betrübnis / als der Marsius / zu
sein schiene. Ich konnte vor ihrem ståtigen seufzen nicht zur frage kommen /
woher sie kämen / wohin sie wohin sie wollten / und was sie vorhåtten. Dass
vielleicht Tuscus Sicanus die Prinzessin Hercinde liebte / wie ich mich
erinnerte / dass mir der verstorbene Cimber von solcher liebe etwas erzählt /
wollte daraus nicht erhellen / als beim abschiednemen / (worbei niemand / als
Marsius / sie beide und ich waren / weil er sich vor seinen eignen leuten geheim
hielte) die Hercinde diesen König ihren bruder nennte / und ihn ermanete /sich
mit seiner unmuglichen liebe nicht ferner zu quälen / sondern ehist Damasco zu
verlassen / und nach Celten zu der dapfern Valentia / seiner und ihrer
fraumutter zu reisen: welches er ihr auch verhiesse / und damit von ihnen schiede
/ sie beide auf dem weg nach Basan allein fortreisen lassend.
    Es geschahe dieser aufbruch bei nacht / und so schleunig / dass ich es bald
verseumt håtte. Weil ich eiligst nach Lais zu unsrem heer zu kommen beruffen
worden / als reisete ich auch noch selbigen morgen von dannen / und war uber
dieser bezeigten unvertreulichkeit des Konigs von Basan so unlustig / dass ich
mich nicht zu frieden geben kunte. Aber der Syrische krieg liesse mir nicht zeit
/ hieran so viel zu gedenken / als ich wohl sonst wurde getan haben / und
brachte mich der in selbiger nacht nach Damasco / wie eben die wunder-hochzeit
mit E. Maj. schwester und dem Prinzen Dison sich begeben hatte. Ich verharrete
daselbst / bis die dinge so wunderbar sich verändert /dass ich vor dreien wochen
/ nach Hierapolis zu kehren / von E. Maj. befehligt worden. Unterwegs unfern von
hier / traffe ich unversehens den Tuscus Sicanus wieder an / und zwar ganz
erkranket: wiewol seine schwachheit mehr im gemüte als im leib herschete /und
kunte ich aus ihm anders nichtes bringen / als dass ihn die grausame liebe in
solchen stand hätte gesetzet. Auf ämsiges zureden des arztes / der immer um
diesen Konig war / liesse er zu / dass man ihn hieher nach den warmen bädern
furete: und allhier geheim zu bleiben /kiesete er ein haus / dass ganz
abgesondert in der klippen lage.
    Von dem König Marsius konnte ich gar nichtes vernemen / bis ich / meine
ruckreise mit den volkern hieher nemend / ungefär den alten Elamiten Sesostris
antraffe / welcher einer von den treusten bedienten des Suevus war / und
vordessen den Amoritischen Königen gedienet hatte. Dieser berichtete mich / wie
dass der Konig von Basan / seit dass er E. Maj. einzug in Damasco mit angesehen /
in seinem reiche nicht mehr gesehen worden / sondern stäts verborgen geblieben:
welches dann keine geringe betrübnis unter den grossen in Basan erwecket / und
hätte insonderheit sein herr / der Prinz Suevus / sich sehr darob bekümmert
/weil er / als hochverständig / wohl absah / worzu in die länge dieser gram
erwachsen konnte / wan deme nicht beizeit gewehret und geraten würde. Er erzehlte
mir daneben / von dem tod der Prinzessin Amorite /der tochter seines herrn / die
auf ihrer reise nach Mesopotamien ümgekommen: welches ich / ob es gleich in
meine erzehlung eigentlich nicht gehoret / doch darüm mit anfüre / damit E. Maj.
sehen / wie der himmel alles / was des grossen Marsius liebe hintern konnen /
aus dem weg habe räumen wollen. Weil ich diesen edlen Fursten iederzeit hoch
verehret / als hat dieser bericht von dem verlust seiner einigen tochter /nicht
weniger / als die lebensart des grossen Marsius /mich betrüben konnen.
    Ich veruame allhier / bei meiner ankunft / dass der Prinz von Gerar die
Prinzessin von Ammon geehlicht / und also dieses grossen Konigs eingebildter
mitbuler nicht mehr vorhanden war: weswegen ich wieder auf den vorsatz geriete /
meinem vatterlande zum båsten /dem Konig von Basan in seiner liebe bedient zu
sein / und / wie ich / durch deren ehmalige offenbarung /eine hinternis darein
gebracht / durch ietzige eröffnung ihm eine grosse beforderung zu erwerben. Ich
entdeckte dieses mein furhaben / (nämlich E. Maj. des grossen Marsius verehrung
kund zu machen) dem Prinzen Suevus / wie der mit den dreissig tausend Celten hier
ankame: der dann für freuden mich tausendmal umarmte / dass ich dem ganzen Basan /
ja dem grossen Celtischen reiche / diesen dienst erweisen wollte. Er liesse sich
vernemen / wie dass er / ob es schon sein Konig nicht meinte / jedennoch wusste /
wo er wåre /und dass sein zustand also beschaffen / dass / wan er nicht bald hulfe
bekåme / dieses unvergleichlichen helden geist unter seinem leiden würde erligen
müssen. Ich drange sehr in ihn / aus begirde / hiervon ein mehrers zu wissen: er
wollte mir aber nichtes mehr sagen / weil er es hoch verschwören mussen / und
musste ich mich also damit vergnügen / dass ich dem grossen Marsius dienen konnte /
sonder dass ich von ihm / oder er von mir / etwas innen wurde. Als ich dem Suevus
sagte / wie dass der Aborigener Konig hier beim saurbrunn sich heimlich befånde /
war er sehr begierig / ihn zu sprechen: deshalben er mir auftruge / dessen
wonung und aufentalt auszukundschaften. Ich übername zwar diese muhe / kam aber
damit zuspate: massen der Tuscus Sicanus / eben die nacht zuvor / wie ich seine
herberge gefunden / nach Basan abgereiset war.
    Nun habe ich / grosse Königin! nichtes mehr übrig zu sagen / als dieses / dass
E. Maj. die kentnis / die ich ihr von der grossen ungemeinen liebe des Konigs
von Basan gegeben / ihr wolle zum antriebe dienen lassen / ihre grosmütige
erkentlichkeit zu erweisen / und die ganze welt ihr verbindlich zu machen / in
aufnemung dieses mächtigen Monarchen: den der himmel / zu keinem andern ende /
mit so ungemeiner tugend und allen gaben des leibes und gemütes versehen hat /
als dass er der grosten schönheit teilhaftig werden / und also die zwo einige
vollkommenheiten der welt sich vereinigen sollten. E. Maj. hocherleuchter
verstand wird vonselbst begreifen / dass Syrien des grossen Aramenes
wiedersprossenden stammen nicht verdorren lassen / und daher E. Maj.
verehlichung höchst verlangen wird / gleichwol aber / durch des unglucklichen
Elihu frisches beispiel gewarnet / keinen Syrer aus unsrem mittel deroselben zum
Konig furzuschlagen vermag / und daher notwendig einen fromden und måchtigen
Konig suchen muss / der uns wider die Assyrier schützen konne. Hiernach nun zu
trachten /wird / wie ich bereits erwehnet / der grosse Marsius unter allen
Monarchen allein geschickt / und fåhig sein: und weiss ich gewiss / dass meine
kunheit mich nicht sundigen mache / wan ich sage / dass / auser ihm / kein
sterblicher / unsere Königin zu besitzen / mag wurdig erfunden werden.
                                     * * *
    Als Cyniras hiermit seine erzehlung beschlossen /schauette er die schone
Syrerin mit unverwandten augen an: welche / das gesicht zur erden kehrend /eine
geraume zeit in tiefen gedanken verharrete. Endlich aber / nachdem sie sich
erholet / sah sie den Fursten von Jedlaph an / und sagte: Wan ich euer ietziges
beginnen recht überlege / so finde ich / dass ich nicht so grosse ursach habe /
mich uber euch zu beschweren / als eure sorgfalt zu loben. Ihr habt es eine
notwendigkeit zu sein erachtet / und ich erkenne es auch dafur / mich wissend zu
machen / wie der grosse König von Basan gegen mir gesinnet sei: daher ich diese
freie liebes-entdeckung / die ihr mir von ihm getan / nicht unwillig aufnemen
kann / sondern euch zu gut halte / dass ihr eurem freund / eurem lande und mir /
zugleich hiermit dienen wollen. Ihr werdet aber / als ein kluger Furst / dieses
werk von solcher wichtigkeit erkennen / dass ich zuvor alles wohl bei mir
uberlegen musse / ehe ich hierin einige erklårung von mir stellen kann. Seit aber
dessen versichert / dass ich nicht unterlassen werde / so viel an mir ist / des
grossen Konigs von Basan zustand ruhiger zu machen.
    Der mehr als iemals erfreute Cyniras / war mit dieser erklärung der Konigin
båst zufrieden / und unterliesse nicht / noch mehr bewegliche ursachen anzufuren
/ die die Konigin hierzu bereden mochten. Sie fragte ihn unter andern / ob er
nie nichtes von dem Cimber und Tubal gehoret / die sich in Damasco bei ihr
hätten aufgehalten / durch deren beförderung ihr auch die ansehnliche hulfe aus
Basan zugekommen wåre? Cyniras antwortete: Er hätte / als ståts abwesend / von
dem ersten nichts gehoret; von dem andern aber wüste er / dass der bei dem König
der Aborigener sich aufgehalten / mit dem er auch / ungefär vor zehen tagen /
von dar hinweg gereiset wåre. Dieser bericht sezte die Konigin in neue
verwunderung / und als Cyniras vermerkte / dass sie allein zu sein verlangte
/name er wieder seinen abtritt / nachdem er ihr verheissen / dieses / so er ihr
entdecket / vor aller welt geheim zu halten.
    Kaum ware er von ihr gegangen / da stellte sich Ahalibama und Timna bei ihr
ein: von denen die lezte so erblasst aussah / dass die Konigin sich furchtete
/nach ihrem zustand zu fragen. Sie erfuhre aber von ihr / wie dass der
ståts-anhaltende gram / üm bewusster ursachen willen / diese änderung ihrer
gestalt verursachte. Nachdem Timna die Konigin genau angesehen /sagte sie: Ich
finde / wan ich nicht irre / E. Maj. auch nicht wenig veråndert / und haben sie
gewiss etwas erfahren / das eine bewegung des gemuts verursachen konnen. Ach
liebste freundinnen (antwortete die Konigin) ihr urteilt nicht unrecht von mir
/ und ist es mehr als zu wahr / dass ich mich in der grosten verwirrung von der
welt befinde. Mich liebt der Konig Marsius von Basan / und hat deswegen seine
måchtige hülfe mir zugeschicket: weil er / allem ansehen nach / Syrien selber zu
besitzen verlanget. Man hat mir dieses kund gemacht / üm meine erklårung darüber
zu vernemen / und bin ich daher sehr betreten: weil ich in jetziger bedrängnis
nicht sagen darf / dass ich den Konig von Basan nicht lieben kann / wan ich nicht
dessen hulfe verlustig gehen / und einen måchtigen feind mir auf den hals laden
will. Wie kann aber dieses (begunte Timna zu fragen) E. Maj. so schwer vorkommen /
da die leichtsinnigkeit des Abimelech sie ihr uberlåsset / und keine båssere
rache / als diese / dem Prinzen von Gerar konnte gezeiget werden / als wan eine
uns so wohl anständige vereinigung zwischen Syrien und Basan getroffen würde?
    Ach Timna! (antwortete die Königin) wer einmal wie ich geliebt / der ist
zum andermal hierzu nicht fähig. Meine rache soll darin bestehen / dass ich / üm
Abimelechs willen / mich an keinen andren begehre trauen zu lassen / auser an
den Cimber / wan der noch lebte: als welchen seine treu und seltene tugend / die
er bis in seinen tod erwiesen / von allen ubrigen menschen auch ausnimmet und
absondert. Wie kommet der Cimber (fragte Ahalibama) zu dieser neuen gnade? Ich
erinnere mich ja / dass / seit der Konigin Hermione kentnis / die huld gegen ihme
nicht mehr so gross / als vordem / gewesen. Man will mich ja nun (widerredte die
Königin) ganz gewiss versichern und glauben machen / dass dieser Cimber / der der
Konigin Hermione unbeständig worden / schon fürlångst in der schlacht bei Acraba
tödlich verwundt worden: massen Cyniras mir beteuret / dass er ihn und den Tabal
/ nach Celtischem gebrauch bei ihrem begräbnis habe verbrennen gesehen. Hieraus
folget nun / dass der Cimber und Tubal / die beide ein zeitlang bei uns sich
aufgehalten / andere personen sein müssen: und wan ich nicht wüste / dass der
König von Basan und der König der Aborigener noch lebte / wollte ich sicherlich
glauben / dass einer von ihnen dieser Cimber gewesen wåre.
    Hierauf erzehlte die Königin / diesen beiden Furstinnen von Seir / nach der
länge alles das / was ihr der Cyniras berichtet. Wie nun die Timna den sachen
ein wenig nachgedacht / sagte sie: was gilt es / ob nicht der König von Basan
dieser Cimber ist? E. Maj. sind seines todes nicht so gewiss versichert / dass ihn
nicht ein zufall håtte können beim leben erhalten. Ich erinnere mich / dass / wie
ich berichtet worden / fast um selbige zeit / als man den Cimber bei uns todt
gesaget / auch in Basan dergleichen geruchte von ihrem Konig erschollen sei. Als
der Arsas (sagte die Konigin / der Timna gedanken zu bekråftigen) mit meinem an
den Konig Marsius abgegebenen schreiben in Basan angekommen / brachte der inhalt
desselben /von des Cimbers tod redend / eine allgemeine traur in Basan / welche
solang gewäret / bis der Tubal bei dem Suevus ankame / und zweifelsfrei
mitbrachte /dass diese zeitung falsch gewesen. Dieses (täte Ahalibama hinzu) sind
zwar gute grunde / fur den König von Basan. Wan ich aber alles recht betrachte /
so wollte ich dafür halten / der Konig der Aborigener sei dieser tod-gesagte
Cimber gewesen: und weiss ich nicht / was für eine verborgene mir unbekannte
regung mich treibet / diesem Tuscus Sicanus so wohl zu wollen.
    Ist Tuscus Sicanus der Cimber / (sagte die schöne Aramena) so berge ich euch
nicht / dass dieser tugendhafte Konig bei mir nicht in gemeiner betrachtung
schweben wird. Ist aber Marsius derselbige / so sage ich ebenfalls / dass der
allein wird können fåhig sein /das vom Abimelech verlassene herz wieder zu
bestreiten. Ich vermeine aber den tod des edlen Cimbers nur all zugewiss zu
wissen / weil sein freund / der Tubal /mich dessen selber versichert hat. So
wird es demnach unnötig sein / diesen verstorbenen mit den noch-lebenden zu
vergleichen / und muss ich / weil ich Cimbers leben nicht hoffen darf / mich mehr
gefasst machen / mit guter art des Konigs von Basan liebe abzuweisen / als
dieselbe aus ungewisser einbildung zu erkiesen. Dan / wan der unvergleichliche
Cimber ein anderer / als des Hermans sohn / etwan der Marsius oder Tuscus
Sicanus ist / gleichwie sein sehr vermutlicher tod / und die zeit von dessen
ableiben / mich dessen vergewissert / so gestehe ich ohne scheu / dass keiner in
der welt die hochachtung bei mir erwerben soll / die ich ihme zugewendet / und
die er auch schwerlich so vollkommen / wan er noch lebte /wurde erlanget haben /
als nun / da sein tod mir die versicherung gibet / dass er sich nicht mehr werde
åndern können. Es ist nicht ohn / (sagte Timna) dass ich E. Maj. wahl / den
tugendhaften Cimber belangend /sehr edel und gut befinde. Weil aber derselbige
todt ist / und E. Maj. ihm niemals ihre treue gelobet / auch der König Marsius
von Basan / vermög des allgemeinen ruffes / alle tugenden besitzet / die einen
helden zieren konnen / und daneben Syrien von ihme nutz und schaden zu erwarten
hat: so wollte ich mich wohl unterstehen E. Maj. anzuflehen / in betracht dieses
Konigs sich zu uberwinden / und dem reiche Syrien ewige ruhe zu verschaffen.
    Liebste Timna! (antwortete die Konigin darzu låchlend) kurz zuvor woltet ihr
den Cimber nicht todt haben / und aus selbigem grunde mich bereden / des Konigs
von Basan liebe anzunemen / in erwägung /dass er der Cimber sein mochte: nunmehr
aber / tretet ihr davon ab / und bekummert euch nicht mehr um des Cimbers leben
oder tod / wan ihr nur den Konig von Basan mir ins herz bringen könnet. Wan
dieser Cimber / wie ihr selbst mutmasset / noch bei leben wåre / woltet ihr mir
dann nicht raten / ihme meine wahl vor allen anderen zu zuwenden / wan er gleich
weder Marsius noch Tuscus Sicanus wäre? Ich weiss hierbei nicht zu raten / (gabe
Timna zur antwort) wofern der unvergleichliche Cimber noch lebet: ist er aber
todt / so bleibet meine stimme für den Marsius. Und die meinige / (sezte
Ahalibama hinzu) weil die Roma und er nicht eheleute sind / fur den Tuscus
Sicanus. Und die meinige / (sagte die schone Königin) für niemanden / weil
Abimelechs beginnen mir alles lieben zuwider gemacht. So soll dann (fragte Timna)
der weltberumte Marsius sterben / weil Abimelech /sonder dieses Konigs schulde /
ist unbeständig worden? Die liebe todet sobald nicht / (antwortete die Königin)
und ist deren håftigkeit / oft mehr gestellet /als warhaftig. Ich bestehe fåst
darauf / dass ich nicht fåhig sei / mehr als einmal zu lieben. Ich habe einen
lebenden geliebt: weil nun der mir ungetreu worden ist / so liebe ich einen
todten / von dem ich versichert bin / dass er es nie werden konne. Doch bin ich
auch dieser meiner liebe nicht so gar gewiss / wan Cimber /wider alles vermuten /
derjenige sein sollte / der sonder ursach die schöne Hermione verlassen / und im
lezten kriege der Assyrier wider die Celten / mich zu entfuren / sich hat
unterfangen dorfen: dann auf solchen fall sage ich aller liebe ab / und werde
durch seine andere erwiesene dienste nicht konnen überredet werden / sein
gedåchtnis hochzuachten.
    Weil aber Cyniras (finge die Timna wieder an) des Königs von Basan zustand
so gefärlich machet / so wird er zweifelsfrei sehr auf E. Maj. erklärung dringen
/ und wird an deren inhalt gar viel gelegen sein. Weil dieser bescheidene Konig
/ (antwortete die schone Syrerin) so lang geschwiegen / als werden er oder die
seinigen / die dieses ohne sein wissen also treiben / mir auch nicht verublen /
dass ich nicht gleich mit der antwort fårtig stehe. Weil auch die zeit ein arzt
gefårlicher dinge ist / als will ich hierinn langsam gehen / und diese meine
erklårung / die ihr beide iezt von mir vernommen / nicht eher offenbar machen /
bis es die höchste notwendigkeit erfordern wird.
    Mit diesen und dergleichen gespråchen unterhielten sich / diese schöne
Königin und ihre beide vertraute freundinnen: bis die nacht sie hiesse von
einander gehen. Die durchleuchtige Aramena verharrete in unruhigem nachsinnen /
uber dieser begebenheit / und stellte ihr tausenderlei sachen von dem
noch-lebenden Cimber vor: die aber alle ihr keine vergnugung geben kunten / wan
ihr widerwillens der Abimelech dazwischen einfiele / und sie daneben glauben
musste / dass doch der Cimber gar gewiss todt wäre. Ihre qual / die sie hieruber
ausstunde wärete die ganze nacht hindurch / und mattete sie sich damit nicht
wenig ab /also dass am folgenden tag / der der lezte ihrer cur war / die årzte
keine geringe änderung an ihr verspürten. Sie bliebe auch / weil sie ohndas
arznei gebrauchen musste / den ganzen tag in ihrem zimmer / da allein Colidiane
und Jaelinde ihr gesellschaft leisteten: vor denen sie aber ihr neues anligen
verhelete / üm nicht auch andere damit zu beunruhigen / und sonderlich der
Jaelinde nicht neue sorgen zu machen / deren fast-erloschenes liebesfeur
hierdurch leichtlich håtte wieder anglimmen mogen.
    Es liefe selbigen abend eine zeitung von dem heer vor Damasco ein / mit
deren zugleich der Prinz Amosis angekommen: und verursachte deren wichtigkeit
/dass so fort / neben diesem Egyptischen Prinzen / alle anwesende furneme
kriegesbedienten in der Konigin gemach sich zusammen täten / üm dem bericht mit
beizuwonen / der alda sollte abgelegt werden. Sobald Amosis die Königin ersehen /
eilte er / ihr den rock zu küssen / und legte sofort seine entschüldigung ab
/dass er / aus kindlicher ehrerbietung gegen seinem herrvattern / die völker vor
Damasco verlassen hatte. Nachdem die Königin ihn mit kurzen worten wilkom
geheisen / sah sie den Fürsten Nahor an / der von dem heer war abgeschicket
worden / und / sowol in seinem / als des Husans angesicht einigen unmut lesend /
liesse sie ihr schwanen / dass sie nichts gutes vernemen würde. Redet / Furst Von
Haran! (sagte sie zu ihm) und scheuet euch nicht / unsern zustand / wie schlecht
er auch sein mag / mir zu eroffnen.
    Gnädigste Konigin! (antwortete er) was ich zu berichten habe / macht eben
unsren zustand nicht schlechter / sondern dienet uns nur zur warung / und zur
aufmunterung / unsern dapfren muht zu erweisen /und für E. Maj. unser leben zu
lassen. Es hat der feind eine mächtig hülfe von den Arabern und Egyptern
bekommen / da nicht allein der Pharao Uchoreus mit acht tausend Egyptern /
sondern auch die Konigin Petasiride mit sechs tausend Sabeern / der Prinz
Mardocentes mit vier tausend Arabern / und der Eliphelet mit sechs tausend
Cussiten / durch unsere völker sich durchgeschlagen / und nicht allein den
Fursten Sosares samt seinen Niniviten gänzlich aufgerieben / sondern auch unter
den Celten keinen geringen schaden verubet haben. Es hat aber der unsrigen
mishålligkeit / dieses ungluck verursachet. Dan wie der Prinz von Egypten / üm
nicht gehalten zu sein / gegen seinem herrvattern zu fechten / uns verliesse /
täten sich Badezorus / Sosares / Gaisus / Hezrai und ich zusammen /und
beschlossen / nach vielem wortgefechte / dass dreitausend von meinen Syrern /
dreitausend Celten und so viel Niniviten / dem ankommenden Pharao sollten
entgegen gehen: welche dann / von dreien jeden volks haubtleuten angefüret
wurden.
    Als aber indem auch zeitung einlieffe / wie dass von jenseit der stadt die
Araber in grosser månge ankåmen / zogen wir uns alda zusammen / und stellten den
Sosares mit seinen Niniviten an eine brucke / den feind abzuhalten. Gaisus
verlegte sich / mit seinen Celten /an des gebirge / üm aller orten acht zu haben
/ wo die Araber durchbrechen wollten. Wir andren aber / nämlich Hezrai /
Badezorus und ich / blieben bei unsren posten / üm auf den feind in der stadt
ein wachendes auge zu haben: wie sie dann / sonder zweifel nachricht habend / dass
hülfvölker fur sie im anzug wären / mit ståtigen ausfållen / das sie sonst nie
getan / uns zu schaffen gaben. Der Pharao Uchoreus ginge nun / in der nacht /
auf unsere neun tausend man los; und weil von des Eliphelet Cussiten / uns
unwissend / noch viertausend mit ihm ankamen / vermochten die unsrigen / zumal
sie unter einander selbst sich ubel verstunden / sich nicht långer zu halten /
und begunten zurück zu weichen: da sie dann / üm mehrere hulfe /ins lager
sendeten.
    Weil wir eben im handgemånge mitten Assyriern begriffen waren / nachdem der
Prinz Sinear einen starken ausfall getan hatte / kunte ich von meinen bei mir
habenden keine wohl entraten / und liesse demnach dem Tabrinnon / welcher tausend
von denen mit der Prinzessin Danede angekommenen / Cussiten furete / entbieten /
dass er doch den unsrigen zu hulfe kommen mochte. Nun hatte es diesen verdrossen
/ dass sie anfangs nicht mit waren befehligt worden / den Egyptern entgegen zu
gehen: daher weigerten sie sich hierwider / und wollten erst deswegen von dem
Hezrai befehl erwarten. Als ich hiernächst den Celten Hesion aufmanete / ward
ich mit gleichem abschlag beantwortet. Inzwischen brachte Pharao durch / und
kame /mit zimlicher niederlage der unsrigen / in die stadt. Wie nun dieses
keinen geringen verdruss unter uns erwecket / als wurden die Syrer so verbittert
/ dass / wie am folgenden morgen / der Eliphelet mit den Cussiten und teils
Arabern / auf die Celten stiesse / kein einiger ihnen begehrte zu hülfe zu
kommen. Es machte auch des Sosares unzeitige dapferkeit / dass er den posten
verlore / auch der Konigin Petasiride und dem Prinzen Mardocentes anlass gabe /
uber den strom zu kommen. Dan / wie dieser Ninivite sah / dass die Sabeer heran
zogen / welche / in warnemung seiner volker / sich anstellten / als wan sie
fliehen wollten / sezte er über die brücke zu ihnen hinuber / und vermeinte sie
zu schlagen: er hatte sich aber des mächtigen hinterhalts nicht versehen / der
jåhlings ihn überfiele / und ihn samt allen den seinigen aufriebe. Hierauf
brache der helle haufe zu uns herein / da dann alles in grosser unordnung ginge:
und hätten sie / an statt nach Damasco zu eilen / sich unserer verwirrung
bedienen wollen /würden sie uns ganz aufgerieben haben.
    Dieser zufall machte mich hieher reisen / da ich unterwegs zu Aroer den
Prinzen Amosis gefunden: üm allhier zu erinnern / wie dass wir unmuglich sonder
einem General / dem alle und jene völker gleich gehorchen mussen / etwas gutes
werden ausrichten können. Was ich aber sonst hierbei suchen wollen / nåmlich
eilige hulfe / das habe ich mit höchster freude allbereit auf dem weg
angetroffen: massen nicht allein der Prinz Suevus / neben dem Fürsten Rames mit
zwanzig tausenden / sondern auch das Ninivitische heer unter dem Elimodan / mir
begegnet / die nun auch E. Maj. durch mich ersuchen lassen / eiligst in person
nachzufolgen / und diesem heer einen obersten furer zu geben / ohne welchen
dieses grosse werk kein gutes ende gewinnen kann. Es sind noch sechstausend Sabeer
/ vier tausend Araber / und so viel Cusiten /für den feind unterwegs: denen die
vereinigung mit den andern zu verwehren / hochstnotig sein wird.
    Es ist nun meine sache (antwortete hierauf die schone Konigin von Syrien)
etwas erhitzet: darum will ich selbst mit zu felde gehen / und euren General
furstellen. Der grosse Gott / und meine sache ist gerecht: darum zweifle ich
nicht / an gutem ausschlag dieses kriegs. Weigert euch nicht / ihr dapfren
helden (sagte sie ferner / sich zu ihnen allen wendend) einem weibe zu
gehorchen! Von euch ingesamt soll der raht gegeben / von mir bestätigt / und
sodan von euch volzogen werden. Und weil ihr euer blut / fur mich und mein reich
aufzuopfern / mir verheissen / als verspreche ich euch hingegen / mein leben
gleichfals nicht zu achten / sondern es allemal / wo ihr werdet fechten mussen /
mit fur die spitze zu stellen. Keiner unter allen anwesenden ware / in welchem
nicht diese grosmut der schönen Syrerin so viel bewunderung / als wolneigung zu
ihr / verursacht hätte: und fiele nun der einhållige schluss / dass man morgen mit
dem tage nach Damasco aufbrechen müste. Des jungen Sosares tod ward von allen
beklaget: da fürnemlich Dersine /seine schwester / wie sie es erfuhre / grosse
betrübnis blicken liesse. Der Prinz von Egypten entschuldigte sich nochmals gegen
der Konigin von Syrien / und beteuerte / mit des Nahors zustimmung / dass weder
seine anwesenheit die mishälligkeit der kriegsbedienten verhintern / noch seine
abwesenheit dieselbe befördern konnen. Die Konigin gabe ihm zur antwort: wiedass
sie dieses ihm ganz nicht zuschriebe / und gar wohl begreifen konnte / dass wider
seinen herrvattern zu fechten / der wolstand keines weges gedultet. Der Prinz
versicherte sie hingegen / dass / ungeacht sein herrvatter in Damasco wäre / er
dannoch in dieser belägerung sein leben / ihr zu dienst / willigst aufsetzen
wollte: wofür sie sich ihm hochverbunden bezeugte.
    Dieser Prinz eilte hierauf nach seiner geliebten Prinzessin / die er bei der
Delbora / zwar so befromdet / als erfreuet / antraffe. Das geschrei von der
Syrer niederlage / hatte sich in der Prinzessin von Cus wonung grosser
ausgebreitet / als sie an sich selbst war /und erschiene deswegen dem
Egyptischen Prinzen seine Prinzessin mit nassen augen: die da betraurete /dass
man dem Hezrai und ihren Cussiten die meiste schuld beilegen wollte. Wie aber
Amosis die ursach ihres unmuts vernommen / sprache er sie zu frieden /und
verbliebe fast dieselbe halbe nacht bei ihnen: die sie dann miteinander in
erfreulicher unterredung verbrachten / und endlich / als der Prinz sie verlassen
/dass ubrige dem schlaff widmeten. Diesem aber mussten sie fruher / als sonst /
wieder urlaub geben / weil der algemeine aufbruch alles wach machte / und jeder
an seinem ort hierzu sich rüsten musste. Die beide Koniginnen Hermione und Roma /
weigerten sich anfangs / diesen zug mit zu verrichten / und gingen deshalben zu
der Konigin von Syrien / ihr anzusagen /wie sie gewillt wåren / ihre hölen
wieder zu beziehen. Aber die schone Aramena kunte sich zu dieser absonderung
nicht verstehen / und bate sie solang / mit hülfe der Prinzessin Delbora und der
andern / bis sie sich entschlossen / bei der gesellschaft im lager zu bleiben.
    Es hatte / dem beispiel der dapfren Syrerin zu folge / alles frauenzimmer
sich kriegerisch gekleidet / und mit pferden versehen: da auch Colidiane / ob es
gleich ihrem leben und sin zuwider ware / eine heldin mit abgabe / und sich so
stark befande / dass sie das reiten wohl auszudauern vermeinte. Als die schöne
Konigin diese ihre liebste mitbulerin zu pferd erblickte / sagte sie zu ihr:
Wolan Cölidiane! der unmut muss uns zu kriegern machen / und wollen wir darin
glucklicher /als in der liebe / werden. Ich bin ein soldat / (antwortete
Colidiane) der kein gluck begehret / sondern nur den tod verlanget. Dieses
ungedultigen wunsches (versezte die Konigin) ist unser treuloser nicht würdig /
und begehre ich seinetalben nicht zu leben / noch weniger aber zu sterben.
Hiemit / weil alle die andern dazu kamen / ginge der aufbruch fort: da diese
heldin / ein verwundersames heer der meisten schonsten damen von der welt
auffurete.
    Ihr majestätisches wesen / dass sich / bei dieser handlung / mehr zu einer
ernstaftigkeit zwunge / als ihr sonst von natur gewönlich war / bename ihrer
schonheit gar nichtes / mehrte aber / bei denen die sie ansahen / ihre
verehrung. Man sah auch aus ihrem wesem einigen verdruss hervorblicken: der ihr
aber /weil ihr alles wohl anstunde / nichts von ihrer zierd bename. Allen
uberflüssigen weiberschmuck / hatte sie hinweg gelassen. Es bedeckte aber ihre
guldne sturmhaube / die sie aufgesetzet / eine überauskostbare diamanten-krone:
die doch nicht so viel / als ihre augenstralen / bei ihr den vorzug andeuteten /
dass sie furerin dieses kriegs sein wollte. Eine schone tygerhaut /oben auf der
schulter mit einem feurigen sehr grossen rubin zusammen geknupfet / bedeckte
guten teils ihren leib: daruber ihr ein köcher mit pfeilen den rucken herab
hinge / und furete sie einen von den pfeilen in der hand / der ihr an statt des
generalstabs dienen musste.
    Die Konigin von Ninive / ihre schwester / die des reitens / als sie den
Dison furgestellet / zimlich gewonet hatte / liesse sich nächst ihr mit nicht
geringerer anemlichkeit sehen: deren dann die Königin Eurilinde zur seiten ritte
/ die / ob sie schon mit den andern ungleicher jahre war / dannoch diesen
schonen haufen nicht verunzierte. Nach ihnen kamen die beide Celtische
Koniginnen / ferner die zwo Prinzessinnen von Cus / sodan die Colidiane und
Jaelinde / folgends die Ahalibama und Mehetabeel / und dann alles der Koniginnen
frauenzimmer / auch die gemalinnen und tochter der Syrischen / Ninivitischen und
Celtischen Fursten und vornemsten soldaten. Dieser aufzug gabe nun so ein
schones aussehen / dass das kriegsheer /welches sich in zierlicher
schlachtordnung fur das lager gestellet / mit einem himmel-anschallenden
geschrei sie bewunderte und bewillkommete.
    Vierzehen tausend man folgten diesem weiblichen heer: von denen der Husan
dreie / der Tare zwei /und Cyniras auch zweitausend Syrer furete / und die
übrige siebentausend Celten waren / die unter dem befehl des dapfern Isters
gingen. Sie kamen selbigen tag nicht weiter / als nach Aroer: alwo sie erfahren
/ dass ein starker ausfall aus Damasco diese nacht geschehen wåre / der aber mit
sehr grossem verlust der Assyrier abgelaufen; so håtte auch des Suevus hinkunft
alles in guten stand gebracht / und wäre man nun so ämsig /sich zu verschanzen /
und eine wagenburg üm die stadt zu schlagen / dass verhoffentlich der ort / wo
die Königinnen und das gesamte frauenzimmer lagern sollten / noch vor ihrer
ankunft fårtig stehen wurde.
    Die Königin von Syrien besuchte / gleich nach ihrer ankunft in Aroer / die
weise Tirdane: welche eben etliche tage zuvor / durch des Eliphas waffenträger
den Asareel / von der Timna zustande / nachricht erhalten hatte / und nicht
wusste / was sie fur bekummernis beginnen sollte. Timna / die stäts unpäslich war
/ und daher furaus nach Aroer sich furen lassen /hatte um dieses neue ungluck
nicht gewust / als sie in der Tirdane haus gekomen: daher ihr schrecken / wie
sie dessen innen worden / der Tirdane ihrem gliche. Sie lagen beide zu bette /
als die Königin mit der Ahalibama ankame: deren dann die ungedultige Tirdane
nicht verheelete / was sie schmerzte / und so entfindlich ihren darob
geschopften verdrus fürzubringen wusste / dass die Königin von Syrien / vor dissmal
und bei solcher eilfärtigkeit / die arme Timna bei ihr auszusönen keine
muglichkeit ersah. Doch sprache sie ihr beweglich zu / das / so Timna getan /
nicht also übel zu deuten / und zu erwägen / dass der Furst von Teman von einem
geschlecht wäre / dessen sie sich nicht schämen dörfte. Dieses alles aber
verfinge nichtes bei der bekummerten Tirdane / zumal wan sie ihr /zu der Timna
betrug / auch des Eliphas unbeståndigkeit vorstellte. Also musste die Konigin von
Syrien hinweg scheiden / sonder etwas fur ihre freundin /auser / dass sie ferner
in ihrem palast sollte gedultet werden / erlanget zu haben.
    Wie sie aber vorher auch zu dieser trostlosen in die kammer gekommen / fand
sie dieselbige in so elendem und erbårmlichen zustand / dass sie mehr mit ihr zu
weinen / als sie zu trosten / vermochte. Weil deren herannahende geburt-zeit /
neben ihrer aus der betrübnis geschöpften unpäslichkeit / dieser Fürstin
verwehrte / mit der Königin für Damasco zu ziehen / verdoppelte solches ihr
leiden / und war der abschied so schmerzlich / dass Timna in ihrer Konigin armen
onmåchtig wurde. Es verliesse sie aber die schöne Syrerin / mit der fästen
vertrostung / dass sie vor ihr båstes nach aller moglichkeit sorgen / und sie so
wohl mit dem Fürsten Eliphas / als mit der Tirdane / bald wieder auszusönen
trachten wollte.
    Sobald die Königin in ihren verordneten palast wieder angekommen / meldete
ihr der Fürst Jotan von Chesed ihr kammerherr an / wie dass man den priester
Abdastartus in Aroer gefunden / und zu gefångnis gebracht håtte / der bisher in
grossem verdacht gewesen / als wan er es mit dem Fursten Ninias von Ressen
gehalten hätte / von dem er dann vermutlich wurde nachricht zu geben wissen. Weil
die Konigin /so wohl des Abdastartus ihr-erwiesene gute dienste /als was er ihr
mit dem Ninias zuwider getan / bei sich in gleiche erwägung zoge / wollte sie
nicht / dass man ihm einiges leid antun sollte / und verlangte /ihn selber zu
sprechen: der Meinung von ihm zu erfragen / wo ihr feind der Ninias wåre / und
was ihn doch bewegte / diesem veråter / wider sie / so treue dienste zu leisten.
Wie er nun vor sie gebracht worden / und sie jederman / auser Ahalibama / von
sich hinaus gehen lassen / sah sie ihn eine gute weile an / ehe sie anhube zu
reden / und vermochte ganz nicht / sein ehrliches feines aussehen / mit seinen
taten zu vergleichen. Er hingegen / so ihme nichts boses bewust war /
bewunderte / in seinen gedanken / dieses tyrannische verfahren der sonst
allergutigsten Königin und erwartete unerschrocken / wovon diese unterredung
handlen würde.
    Abdastartus! (horte er sie endlich reden) ist es wohl müglich / dass ihr /
nach so vielen mir erwiesenen guttaten / den fästem fürsatz haben könnet / mich
zuverfolgen? warum zwinget ihr mich / solcher massen /wie nun geschihet / mich
gegen euch undankbar zu erweisen? und womit habe ichs verschuldet / dass ihr
meinem feinde / mir zum schaden / also wohl wollet? Der himmel soll mein zeuge
sein / (antwortete Abdastartus) dass ich / sonder einiges boses furnemen / dem
Cimber die bisherige pflege erwiesen / und hat mich anfangs .... Was sagt ihr /
Abdastartus? (fiele ihm alhier die schone Aramena in die rede) was wollet ihr
damit / dass ihr den Cimber nennet? Dieser unglückselige (gabe er zur antwort)
ist ja der jenige / der mich bei E. Maj. gleichwie sich selber / in solche
ungnade gestürzet. Ich begreife es nicht / was ihr saget / (sagte die Konigin)
weil hier nicht die rede ist von einem Cimber / sondern von dem verwegenen
Ninias / meinem verfolger / den ihr geschutzet / und wider meinen willen / auch
mir zum schaden / so wohl in dem tempel zu Damasco / als nachgehends bei dem
saurbrunn /ihme heimlichen aufentalt gegeben. Ihr habt auch anfangs / mich zu
betriegen / von ihm ausgeben dorfen /dass er todt wåre: da doch hernach / vermog
euer eignen bekentnis / das widerspiel sich befunden. Wie /gnådigste Konigin!
(fragte der so erfreut als bestürzte Abdastartus) halten sie mich dann darum fur
schuldig /dass ich den Ninias soll bei mir heimlich bewirtet haben? Bin ich dann
dessen (fragte sie hinwieder) nicht mehr als genug befuget? Dieses (antwortete
er) weiss ich nicht zu widerreden: aber mit der höchsten warheit kann ich sagen /
dass ich nie von diesem Ninias einige kentnis gehabt / und dass der tugendhafte
Celte / der Cimber / der jenige gewesen / den ich bisher in seiner krankheit
bedienet.
    Es fehlte wenig / dass der schönen Konigin von Syrien nicht alle sinnen
vergangen / so ein freudiges entsetzen hatte diese unvermutete zeitung von des
Cimbers leben in ihr erwecket. Sie kunte es auch anfangs unmuglich glauben / als
der treue und warhafte Abdastartus ihr ausfürlichen bericht gabe / wie seine
schwester ihm den verwundten und in das wasser geworfenen Cimber in den
Isis-tempel zugeschicket / da er ihn so traurig von gemut / als verlezt am leib
gefunden; wie er ihm daselbst / auf sein inständiges bitten / verholfen / dass er
sie einsmals / bei spatem abend / durch ein fenster gesehen / welches ihm aber
so ubel bekommen / dass er onmächtig in sein zimmer wieder gekehret / und ganz
trostloss sich angestellet; wie er hierauf / ihrem befehl zu folg / seinen
kranken aus den tempel schaffen mussen; wie er / auf dessen begehren / und ihn
von fernerer verfolgung zu befreien / ihr seinen tod furgesagt / und ihre darauf
erfolgte herbe antwort ihm wieder hinterbracht / die seinen grossen kummer sehr
vermehret; wie er dessen ursach vor seinem bästen freund / dem Tubal / so lang
heimlich gehalten / bis er neulich / als sie in sein haus beim saurbrunn
gekommen / in der nebenkammer /ihre harte reden angehoret / und hierauf aus
ungedult /gegen dem Tubal und ihm heraus gebrochen / dass er nicht ferner also
elend leben / sondern nach Basan kehren wollte: dahin sie auch folgends /
ungeacht seiner schwachheit / abgereiset wåren.
    Die schöne Konigin hatte bisher / mit gedultigster aufmerkung / dem
Abdastartus zugehoret / konnte aber nicht långer sich halten / ihre verwunderung
zu bezeugen. Welche wunderdinge (sagte sie) verneme ich von euch / mein vatter!
und wie unschuldig habe ich mich doch in den verdacht gesetzet / dass der edle
Cimber mich fur seine feindin geachtet. Alles / was ich widriges gegen euch von
eurem kranken geredet / das ware von dem Ninias zu verstehen / und ist mir
niemals in den sinn gekommen / diesen helden / den ich stäts für meinen freund
geachtet / zu verfolgen. Aber ist es auch wohl muglich / dass Cimber noch lebet?
und haben sich diese irrungen also begeben konnen / dass ich nicht zeitiger die
rechte warheit hiervon ergründen können? Ich entfinde / gnädigste Konigen!
(antwortete Abdastartus / des edlen Cimbers halber / von dem E. Maj. nur gewiss
glauben mogen / dass er noch lebe /eine solche freude / dass ich alle augenblicke
beklage /die ich versaumen muss / ihme sein gluck zu hinterbringen / auf welchem
seine gesundheit / ja die erhaltung seines lebens / beruhet. Ist er dann so nahe
/ (fragte sie) dass ihr so gleich euer verlangen erfullen kontet? Wan E. Maj.
(antwortete er) den fernern verlauf unserer reise nach Basan / und erfolgter
wiederkehr /anhoren wollen / will ich sofort berichten / wo sich Cimber iezt
befindet / und wie es um ihn stehet.
    Wie nun die Konigin ihr håftiges verlangen / nach dieser erzehlung bezeuget
/ fuhre Abdastartus also fort zu reden. Wir zehlen nun den zwolften tag / seit
dass E. Maj. den vermeinten Ninias an dem ort suchen liessen / wo Cimber und ich
uns aufgehalten: das uns dann anlass gabe / solang in einer höle uns zu verbergen
/ bis durch den Tubal zur reise nach Basan alle anstalt verfuget worden / und
wir in der nacht / unter der schutzgeleitschaft von tausend Celten / uns
fortmacheten. Ich wusste die betrübte reden / die der Cimber unterwegs gefuret /
auf so erbårmliche weise / wie er sie vorgebracht / nicht furzustellen. Ich
hörte aber nicht / dass er / in seinen klagen / etwas wider E. Maj. hohes ansehen
geredet / und gabe er bloss seinem unglück die schuld / welches also wider ihn
wütete. Weil ich hierbei / allen umständen nach / so viel abnemen kunte / dass
dieser Cimber etwas grosses und nicht derjenige sein müste / den er fürstellte /
als bemühete ich mich sehr / seinen rechten stand zu erforschen: ich vermochte
aber keine recht sichere nachricht zu erlangen / auser dass es munkelte / als wan
er der Konig der Aborigener / der Tuscus Sicanus /wåre. Die Celten / so bei uns
waren / wussten selber nicht / wen sie begleiteten: massen er / so wohl wegen
seiner unpåslichkeit / als auch wegen geheimhaltung seiner person / auser dem
Tubal / seinem arzte und mir / von niemand gesehen wurde. Weil er uns / vor
grosser mattigkeit / unter den hånden vergehen wollte /mussten wir sehr gemachsam
reisen.
    Es fugte sich aber / durch sonderbare schickung des himmels / wie es nun der
erfolg lehret / dass wir eben in ein dorf kommen mussten / wobei das ganze heer
der Cussiten stunde / welche Damasco zu entsetzen /im anzug waren. Weil diese
råuberische leute nicht gern etwas vorbei lassen / sonder es anzusprechen /als
fielen sie bei nacht mit etlich tausenden in unsere wonungen ein / welches ihnen
die wachsamkeit der Celten nicht verwehren kunte / zundeten so fort alle håuser
an / und begaben sich auf das rauben und morden. Tubal und ich waren in dieser
gefahr allein beschåftigt / unsren Cimber zu erretten. Dieser verzweifelte aber
/ verlangte nichts häftiger / als den tod: massen er sagte / dass er nicht bässer
sterben könnte /als auf die weise / da niemand jemals erfahren wurde /wie er
umgekommen. Aber sein ungedultiges wunschen machte unsere vorsicht / ein solches
zu verhuten / nur desto eifriger: und wie die mohren in unser haus einbrachen /
erhielten wir ihm und uns das leben / indem wir dem furer von diesem haufen
sagten / wie dass der Cimber ein furnemer reicher herr wåre / dessen tod ihnen
wenig nutzen / aber sein leben ihme viel schätze und güter zu weg bringen konnte.
Dieses nun bewegte die geitzige mohren / uns wohl in acht zu nemen / und wurden
wir zu gluck / in einem besondern wagen zusammen gesetzet / auch von den andern
ganz abgesondert.
    Es hatte aber noch ein anderer / der so wohl als Cimber unbekant leben wollte
/ diese reise nach Basan mit uns getan / welches ich bis dahin nicht gewust: um
dessen zustand der Tubal sich sehr besorget erwiesen / weil er ihn fur verloren
hielte. Doch risse ihn aus dieser bekummernis ein mir unbekanter mensch /der dem
Tubal / indem wir durch das Cussitische heer gefuret wurden / in Celtischer
sprache von einem baum zurieffe: Sein herr sei nicht gefunden / und halte sich
in einem keller verborgen; sie wollten / sobald sie nach Basan kåmen / unsern
zustand daselbst kund machen / damit wir eiligst hülfe bekämen / und wieder
befreit wurden. Uber diesem bericht stellte sich /so wohl Tubal / als der Cimber
/ sehr erfreuet an / und damals nicht vermeinend / dass ich Celtisch verstunde /
redten sie ein und anders zusammen / wiewol so heimlich / dass ich nicht alle
worte vernemen / doch soviel verstehen kunte / was mich in meiner bereits
gefassten einbildung stärkte / nämlich dass Cimber der Tuscus Sicanus sein müste.
    Nachdem wir zum andern heer der Cussiten wieder gelanget / mussten wir also
mit ihnen den rückweg nach Syrien nemen: da der eingebildte reichtum / den unser
Cussite von uns verhoffte / uns alle gute pflege und wartung zuweg brachte. Es
wollte unser gutes gluck / dass die Cussiten / unfern von Damasco / die stadt
Asora überfielen / alda ungefär unser Cussite eine seiner schwestern antraffe /
die einen Syrischen kaufman geehlicht / welcher mir langster wohl bekant
gewesen. Ich machte mir dieses zu nutze / und beredte den Syrer / dass der seinem
schwager / auf ein grosses geld / für uns gut sagte / und wir also in Asota
blieben / weil der kranke Cimber unmüglich weiter fort kunte. Solcher gestalt
erlangten wir wieder unsere freiheit / und nachdem Tubal den kaufman ganz gewiss
versichert / dass das fur unsere befreiung versprochne geld sich einstellen sollte
/ machten wir uns auf den weg / hieher nach Aroer zugehen: da wir dann vor wenig
tagen angekommen / und ganz nahe bei E. Maj. palast unsere wonung genommen
haben. Meine unvorsichtigkeit / oder vielmehr mein und des Cimbers gutes gluck /
haben mich folgends in diese haft gebracht / da jemand von E. Maj. leuten / weil
er mich auf der gassen heut ersehen / und / vielleicht vermeinend / dass ich mit
dem verråterischen Ninias mich allhier aufhielte / meine verhaftung verursachet.
Ich danke nun zu förderst dem gutigen himmel und der grossen Isis / dass E. Maj.
nicht allein meine unschuld erkennen / sondern auch / den edlen Cimber aus
dieser noht zu retten / sich zweifelsfrei gnädigst erklåren werden: massen ich
versichert bin / dass einig und allein in E. Maj. hånden sein leben und tod
stehet / und er / wan er erfåret / wie es ein irrtum mit E. Maj. ungnade gewesen
/ seine verlorne kräfte und gesundheit gleich wieder erlangen wird.
    Die schöne Syrerin / die dem Abdastartus mit grosser aufmerkung zugehoret /
blieb eine geraume zeit in unschlüssigen gedanken / was sie hierzu sagen sollte:
zumal sich auf einmal ihren sinnen alles vorstellte / so hierbei zu bedenken
sein mochte. Sie fand endlich notwendig / vor allen dingen den grossen Cimber
aus seinem irrtum zubringen / und befahle deshalben dem treuen Abdastartus / dass
er so fort zu ihm gehen und ihm die wahre bewandnis dieser ganzen sache eroffnen
sollte. Wan ich für meinen kranken (antwortete Abdastartus) eine gnade begehren
dörfte / so sollte es diese sein / dass er aus dem holdseligen munde seiner
Königin selbst die versicherung anhören möchte / wie mit dieser ungnade nicht er
/ sondern der Ninias / gemeinet gewesen / und dass E. Maj. die erhaltung seines
lebens verlangen. Die Königin errotete / als sie dieses begehren des Abdastartus
vername: weil sie es aber nicht ungereimt befunde / als wollte sie es ihm weder
ab-noch zusagen / und liesse ihn damit von sich / dass er dem Cimber erstlich
diese post bringen / und sein eingenommenes gemut vorbereiten sollte / ihre
besuchung / nicht als von einer feindin / sondern als von seiner freundin
aufzunemen. Hierauf wurde dem Jotan anbefohlen / den Abdastartus auf freien fus
zu stellen / und ungehintert gehen zu lassen.
    Sobald die schöne Konigin mit ihrer vertrauten Ahalibama sich allein sah /
überlegte sie mit derselben alles / was sie nun erfahren / und kunte die
wissenschaft von des Cimbers liebe in ihr die freude nicht bergen / die diese
zeitung von seinen leben erweckt hatte. Das mitleiden / dass sie ihn / wiewol
unschuldig / so sehr betrübet / stellte sich auch bei ihr ein: und wollte ihr
öfters / so wohl die rache wegen des Abimelech / als ihre eigne regung den raht
geben / des Cimbers liebe wohl aufzunemen; welcher gedanke iedoch von der wahren
vernunft wieder untergedruckt wurde. Sie befande aber ihre unruhe durch nichtes
mehr befordert / als durch dieses / dass sie üm des Cimbers liebe wusste / und
zugleich besorgte / dass er der Hermione ihr Cimber sein mochte: welches sie bald
unwahr / bald wieder wahr wunschete. Kurz ihr lebenlang hatte sie sich nicht in
ihrem gemute so verwirrt und unschlussig / wie dissmal / befunden. Wollen dann E.
Maj. (finge endlich Ahalibama an zureden) dem Cimber / nach so viel
ausgestandener marter / nicht diese erquickung gonnen / ihn vor dero aufbruch
nach Damasco zu besuchen? Ach Ahalibama! (antwortete die Königin) wie willig
wåre ich hierzu / wan ich nicht wüste / dass er mich liebte. Es weiss aber der
Cimber nicht / (widerredte Ahalibama) dass / durch seine verborgene schriften /
und durch die Jaelinde /E. Maj. solches bewust worden. Dem ist zwar also /(sagte
die Konigin) ich bin aber nicht versichert / dass er es künftig nicht erfahren
sollte: woraus er dann abnemen wurde / dass ich seine liebe gebilliget. Wollen aber
E. Maj. (fragte die Prinzessin ferner) darüber zurnen / dass Cimber sie liebt?
Wan er (gabe die Königin zur antwort) seine liebe mir eröfnete / würde ich mich
uber solche kunheit zu beschweren haben: nun er aber mir bisher mit so
ungemeiner bescheidenheit begegnet / finde ich hierzu keine ursach; und mochte
nur wunschen / dass ich seine schwachheit nicht wusste / damit ich des zwangs
überhoben wåre / seine gesellschaft zu fliehen.
    Wie wan er aber (fuhre Ahalibama fort) in solcher geheimen liebesart
verbleibet? Das schadet nicht! (antwortete die Konigin) es ist gnug / dass ich es
weiss. Auf diese weise (sagte Ahalibama) wäre der Cimber glucklicher in seiner
liebe / wan er todt wåre / als nun / da er noch lebet. Versichert euch / liebste
Prinzessin! (erwånete die Konigin) dass oft solche ungereimte wunsche bei mir
aufsteigen / dass ich / mit mehr ruhe /des Cimbers tod / als sein leben / wissen
wollte. Woher kommet aber dieses? (erkunete die Prinzessin von Seir zu fragen)
finden sie dann bei sich einigen widerwillen gegen diesem Cimber? und erkennen
sie sich unfähig / eine so treue liebe von diesem Konig der Aborigener (dafur
ich ihn gewiss halte) anzunemen? Wie dringet ihr doch in mich / Ahalibama! (gabe
die schone Königin zur antwort) und warum wollet ihr mich zwingen / etwas zu
gestehen / dass ich meinen eigenen gedanken nicht gut heisse? Ihr wisset /dass ich
einmal geliebt / und dass nun der betrug / den ich erleben mussen / mich abhält /
zum zweitenmal diese gefahr zustehen. Zudem weiss ich ja noch nicht /wer Cimber
ist / und bin dessen nicht gewiss versichert / dass nicht des Fursten Hermans sohn
der jenige sei / der mich nun liebt / und dessen treubruchigkeit /an der
Hermione erwiesen / ihn meiner hochachtung /will geschweigen eines mehrern /
unfähig machet.
    Dass ist leichtlich zu erfahren: (sagte Ahalibama) man fure die Königin
Hermione mit zu dem Cimber /so wird es sich leicht weisen / ob er der oder ein
anderer sei. Ihr redet meine gedanken / (antwortete die Konigin) und habe ich
dieses für den sichersten weg erachtet / aus diesem zweifel zu kommen. So haben
sie dann fåst gesetzet / (wiederholte Ahalibama) den kranken Cimber zu besuchen?
Wie arg seit ihr doch /(antwortete die Konigin Aramena lächlend) dass ihr sobald
aus meinen worten ergriffen / was ihr fur den Cimber gut zu sein erachtet. E.
Maj. wissen / (gabe Ahalibama zur antwort / ) dass ich die beforderung dero
wolergehens / mehr als mein leben / suche und verlange: daher ich billig wunsche
/ dass ein so tugendbegabter dapferer held / wie der Cimber sich allemal erwiesen
/ möchte erkieset werden / über Syrien mit E. Maj. zu regiren. Ich veruble euch
diesen wunsch nicht / liebste Prinzessin! (sagte die Königin von Syrien / )
allein es ist noch viel zu früh / hievon zu reden / oder einen schluss zu fassen.
    Indem sie also redten / liesse sich Tubal bei der Konigin anmelden: dem sie
dann / vor sie zu kommen /nicht versagen dorfte / wiewol dessen ankunft ihre
verwirrung nicht um ein geringes vermehrte. Als er ins gemach eingetreten / gabe
sein munteres aussehen genug zu erkennen / dass Abdastartus ihnen bereits die
froliche post von der Königin gnade hinterbracht hatte. Er kniehete aber so fort
zu der Konigin fossen /und als er die geküsset / sagte er: Ich komme und verrichte
dieses / im namen und von wegen des Prinzen Cimbers / der vom Abdastartus
erfahren / wie dass ihm die gnade der Konigin von Syrien noch nicht entzogen sei
/ gleichwie sein widriges Glück ihn ein zeitlang hat wollen glauben machen.
Seine unbeschreibliche freude ist hierüber so gross / dass er sich nicht entalten
konnen / so fort mich hieher zu senden / üm E. Maj. für diese erwiesene gute zu
danken: und hat des priesters Abdastartus bericht in diesem augenblick mehr
ausgerichtet / als alle die arzneien / mit denen er sich eine geraume zeit her
gequålet. Er verlanget nun nichtes / als bald die gesundheit zu erlangen / üm E.
Maj. in diesem krieg seine dienste zu leisten / und sein leben der schonsten
Konigin der welt aufzuopfern. Und wan ich es zu sagen mich erkünen darf /waltet
bei aller dieser freude / so uns Abdastartus erwecket / ein kleiner zweifel / ob
nicht dessen freundschaft zu dem Cimber ihn habe also reden gemacht: daher ich
dann bei E. Maj. mich einfinden mussen / um des Cimbers leben oder seinen tod aus
dero munde selbst anzuhoren.
    Die schone Konigin hatte zeit genug / unter dieser rede des Tubals sich von
ihrer verwirrung zu erholen /deme sie / als sie ihn aufstehen heissen / diese
antwort gabe: Es tut mir sehr leid / wann ich mich erinnere /verursachet zu
haben / dass der Prinz Cimber in den wahn geraten / als ob ich die undankbarste
und unerkentlichste person von der welt wäre / indem ich seiner freundschaft
also begegnet. Mir geschihet aber hierin gross unrecht / und bitte ich / den
Prinzen Cimber zu versichern / dass ich seinen vermeinten tod von herzen beweinet
/ und dass alle reden / die bei ihm so widrige einbildungen erwecket / nicht ihme
/ sondern dem Ninias zuvermeint gewesen. Der Prinz Cimber hatte auch nicht
ursach / wegen dieser von mir geschopften einbildung sich also abzumatten: und
wåre ich seiner fernern freundschaft nicht würdig / wan ich eine solche gewesen
wäre / wie er mich ihm eingebildet. Wan mein wünschen zu eiligster
wiedererlangung seiner gesundheit etwas beiwirken kann / so versichert ihn / dass
ich den himmel eifrig für ihn anruffen werde: weil mein eigen-bästes ein solches
erfordert /um in gegenwårtigem krieg seines dapfern beistandes mich bedienen zu
können.
    Als Tubal / nach erlangtem diesen bescheid / hinweg zugehen verzoge / merkte
Ahalibama / was er wollte / sagte deshalben zu der Königin: Es scheinet /dem
edlen gemüte des Prinzen Cimbers sei diese einbildung von E. Maj. ungnade so
fåst eingedrucket /dass solche schwerlich ihm wird völlig können benommen werden
/ wofern E. Maj. nickt selbst ihm die gütigkeit erweisen / ihn dessen personlich
zu versichern; massen ich nicht anders glåube / als dass der Abdastartus ihme
hofnung hierzu gemacht habe. Der Prinzessin von Seir gutigkeit / (täte Tubal
hinzu) gibet mir die kunheit / um eben dieses E. Maj. anzuflehen / und wird
solches das einige mittel sein den Cimber wieder aufzurichten. Wan ich hiermit
(sagte die Konigin / sich nicht wenig entfårbend / ) zu des grossen Cimbers
wiedergenesung etwas forderlich sein kann / will ich nicht ermanglen / morgen vor
meinem aufbruch ihn zu besuchen. Mit dieser erklärung /(antwortete Tubal) werde
ich den Cimber so weit bringen / dass ich hoffe / E. Maj. sollen ihn morgen mehr
dann halbgesund antreffen. Ich erkenne mich unwurdig / (widerredte die Konigin)
dass der grosse Cimber um meine gnade und ungnade sich so håftig annimmet: und
wollte ich wohl vermeinen / dieses wurde nicht viel zu seiner wiedergenesung tun
können /wan ich gleich mich seines ergehens nicht teilhaftig machte.
    Als Tubal das wiederspiel weitlåufig erwiesen /und nun hinwegeilen wollte /
dem Cimber so gute post zu bringen / ersuchete er noch zuvor die Konigin / so
gütig zu sein / und des Cimbers geheimhaltung zu befördern / dessen grosse
ursachen sie kunftig erfahren würde: welches dann die Konigin zu tun verhiesse
/und sagte / dass sie morgen / ihn zu besuchen kommend / niemand als die
Prinzessin von Seir / und noch eine dame / mit sich bringen würde. Damit kehrte
der erfreute Tubal wieder zu seinem freund: den er noch mit dem Abdastartus
streiten fand / als wan die gluckseligkeit / deren sie ihn überreden wollten /
nur von ihnen also erdichtet wåre. Wie aber Tubal ihm die gewissheit dessen mit
vielen eidschwüren beteuerte / und daneben sagte / wie dass morgen die Konigin
/ihn zu sprechen / kommen würde: musste dieser unvergleichlicher verliebter sich
der freude und vergnugung gefangen geben / und glauben / was er so herzlich
wunschte. Er umarmte so wohl den Abdastartus / als den Tubal / zu tausendmalen /
und brachte die ganze nacht sussen gedanken von seiner Konigin zu: welches ihn /
auf folgenden morgen / ganz munter machte / und konnte Abdastartus kaum so viel
bei ihm zu wege bringen / dass er im bette zu bleiben / sich entschlosse; alle
augenblicke mit der höchsten ungedult zehlend /in / denen seine Konigin zu
kommen verzoge.
    Als er endlich ihren wagen vor sein haus fahren hörte / fehlte es wenig /
dass er ihr nicht entgegen gesprungen / wie sie neben der Hermione und Ahalibama
zu ihm in die kammer trate. Diese schone sah nun zugleich auf den Cimber / und
auf ihre beigeherin die Konigin Hermione / in Meinung / dass an diesen beiden /
wan sie einander ansichtig wurden / sich eine verånderung herfurtun sollte:
welches aber nicht erfolgte / und wusste Hermione nicht / warum die Konigin von
Syrien sie mit hatte dahin genommen. Die änderung aber / so die Königin Aramena
der Hermione absehen wollen stiesse ihr selber zu / wie sie sich dem bette des
Cimbers nåherte / und diesen Prinzen lebendig sah / den sie so gewiss fur todt
beweinet / und in seinem tode mit keiner gemeinen wert-achtung beseeligt hatte.
Ich habe euch / edler Prinz! (redte sie ihn an) furlångst als todt betrauret /
und nicht vermeint /dass euch der gutige himmel uns noch länger gonnen wollen /
wie ich iezt mit hochster vergnugung sehe. Ich komme nun darum hieher / euch zu
ermanen / dass ihr / eure gesundheit bald wieder zu erlangen / euch bemuhen
wollet / damit Syrien / in ietzigem schweren krieg / des grossen Cimbers
beistand erfreuen moge.
    Hermione sah hoch auf / wie dieser name / den sie so sehr geliebt /
genennet wurde. Wie sie aber ihren Cimber nicht daselbst fand / gabe sie ferner
nicht so genau achtung / und redte mit der Ahalibama; inzwischen der verliebte
Cimber / schier aus sich selber /seiner Konigin also antwortete: So unwürdig ich
dessen bin / dass die schönste Konigin der welt meinem tod beklagen wollen / so
seelig schätze ich mich deswegen / und weiss mich in mein unvermutetes gluck
nicht zu finden / das so plötzlich meinen zustand verkehret. Ich kann nicht
laugnen / dass ich die güte / wie ich iezt verspüre / bisher von E. Maj. mir
nicht eingebildet / und hatte der wahn mir ein anders so fåst eingedrucket / dass
ich iezt kaum fåhig bin zu glåuben / was meine sinne sehen und hören. Ja /
schönste Königin! ich vermeinte ganz gewiss / aus dero eignem munde / das urteil
meines todes gehoret zu haben / als sie dem Prinzen Dison von Seir dankten / dass
er den jenigen wollen aus den weg raumen / der ihr mehr als iemand unter allen
ihren feinden zu wider wåre: daher ich auch billig in zweifelmut geraten müssen.
Wie nachgehends Abdastartus mir anbrachte / dass E. Maj. mich nicht mehr in
dessen tempel-wonung leiden wollte / kunte ich nichts anders daraus schliessen /
als dass ich der allerverhasteste bei meiner Königin wäre: dessen eine probe zu
nemen / Abdastartus meinen erfolgten tod ausprengen musste / den E. Maj. mit den
worten aufgenommen; wie dass sie den himmel dankten / der sie eines solchen
bosewichts entladen wollen.
    Womit habe ich doch verdienet / gedachte ich damals oft bei mir selber / dass
mich die selbste gutigkeit also verfolget / und dass sie aufhöret die jenige zu
sein / die sie jederzeit gewesen / um mein elend zu befordern. Wan ich meinen
ganzen gefürten wandel überlegte / so fand ich nichtes / so hierzu ursach geben
konnen. Ich stellte mir fur / wie ich ja stäts E. Maj. mit der hochsten
ehrerbietung verehret / üm meines freundes Abimelech willen den Prinzen Dison
zum kampf ausgefordert / und wissentlich nichtes iemals verlanget oder begangen
/ das der Konigin von Ninive und Syrien entgegen sein konnen. Weil ich nun /
dessen allen ungeacht / mich so sehr gehasset sah / als wurde ich meines lebens
ganz uberdrussig /und wusste / E. Maj. diesen lezten dienst zu leisten /nichtes
höher als den tod zu verlangen. Ich sagte: wan ich todt bin / so wird ja ihr
zorn sich legen / und sie aufhoren / wider einen schatten zu wute. Ich wusste
aber damals nicht / dass die meinen tod beweinte / von der ich gläubte / dass sie
mein leben und gedåchtnis nicht leiden konnte. Nun! allergütigste Konigin! ich
bin / mit grossem vorteil fur mich / betrogen worden /und geniesse die ubermass
gutes / für meine ausgestandene qual. Ich will auch E. Maj. befehlen / so viel an
mir ist / nachkommen / und so ich ferner das leben haben soll / dasselbige zu
diensten der Konigin von Syrien und zu ihres reichs bästem aufzuopfern / mir
angelegen sein lassen.
    Als Cimber diese rede getan / welche die schone Syrerin mit ja so grosser
bewegung / als er sie fürgebracht / angehöret / sagte sie zu ihm: Ich håtte wohl
ursach / uber den edlen Cimber mich zu beschweren /dass er alle diese gehabte
einbildungen von nur schopfen konnen / da mir ja niemals einige ursach gegeben
worden / mit des Ninias freveltaten andere zu beschuldigen. Nun ihr aber /
grosser Prinz! das unrecht / so ihr mir getan / erkennet / fasse ich die sichere
hoffnung / ihr werdet fortin nicht mehr mich in dergleichen argwon nemen / und
die Aramena nicht anderst / als die Delbois / gesinnet erachten. Auf diese worte
der Konigin / sah Cimber sie ganz entzuckt an und sagte: Wie die schönste
Aramena gegen mir gesinnet zu sein / sich erklären will / das darf ich nicht
einmal hoffen viel weniger begehren. Ich werde aber meine einbildungen also
wissen zu mässigen / dass ich niemals meiner unwürdigkeit dabei vergessen möge.
Wan der Prinz Cimber (antwortete sie / mit niedergeschlagenen augen) also mein
freund verharren wird /wie er allemal sich erwiesen / so wird sich Aramena
niemals anderst als gut für ihn erklären: massen ich gern gestehe / dass ich
keinen freund in der welt weiss /den ich dem Prinzen Cimber vorziehen könnte.
Hiermit fassete dieser verliebte die hand seiner Konigin / selbige zum munde zu
füren: sie aber zoge dieselbe von ihm zurucke / und machte mit einem ernstlichen
blicke / dass er nicht weiter aus sich selber ginge.
    Wie er demnach sich erholet / und seine gemütsbewegungen båsser in zaum
gefasset / sagte er ferner zu ihr: Ist es muglich / dass der Prinz Abimelech /
die groste schönheit der welt verlassend / sein mehr als irdisches Glück also
verscherzen konnen? In warheit ich erstaune darob / und halte es für eine
unmöglichkeit /dass mein freund sich solcher massen verändern können. Uber diese
frage ward die schone Konigin etwas ungedultig / und schwiege eine weile /
sonder zu antworten; endlich aber sagte sie: Wan des Cimbers freundschaft / der
liebe des Abimelech gleich wåre /wurde ich die tränen bereuen / die ich um euren
tod vergossen. Ich bitte aber / dieses treulosen nicht mehr gegen mir zu
erwähnen; massen ihr einer von den grösten zeugen seit / wie dieser betrieger
mich geteuschet. Es gehen iezt soviel irrtumer in der welt vor (antwortete er)
wie mein eignes beispiel zeigt / dass ich zuweiln noch zweifele / ob Abimelech
diese seltsame vergessenheit sein selbst begangen habe. Doch dem sei wie ihm
wolle / so versichere ich doch mit warheit-grunde / dass keiner in der welt mir /
an ergebenster treue gegen E. Maj. etwas zuvortun solle: welche also beschaffen
ist / dass ich auch meinen liebsten freund / wegen solches bezeigens / zu hassen
mich bemuhen werde.
    Die schöne Königin / besorgend / dass ein ferneres gespråche undienlich sein
möchte / wandte sich hierauf zu der Konigin Hermione / zu der sie sagte: Ich will
nun nicht mehr bergen / warum ich die Königin von Kitim / mit mir hieher zu
gehen bemuhet; massen ich vermeint / sie sollte alhier den jenigen lebendig
finden / den sie so lang für todt beweinet. Ich spure aber nun wohl / dass
gegenwårtiger Prinz Cimber derselbe nicht sei / der vordessen mit der Konigin
Hermione so bekant gewesen. Diese nennung der Hermione / machte den Cimber ganz
aufmerksam / und als der Tubal sich zu ihm an das bette genähert / und ihme von
ihr bericht erteilet / grüssete er sie mit sonderbarer ehrbezeigung: welche aus
ihrer verwirrung sich nicht entwicklen konnte / darein die nennung des Cimber und
Tubals sie gesezt hatte. Weil nun Cimber verborgen zu bleiben begehrte / und die
Königin von Syrien ihme / sich zu entdecken / als worauf die eröfnung seiner
liebe hätte folgen mögen / keinen anlass geben wollte / als vermieden sie
beiderseits dergleichen gespräche. Bald darauf schieden sie wieder von ihme /
nachdem die Konigin von Syrien ihn versichert / dass sie / mit höchsten verlangen
/ seiner nachfolge ins lager erwarten wurde: welches der Cimber in kurzem
werkstellig zu machen ihr versprache / mit der bezeugung / dass sein zustand sich
schon ganz gebåssert / und also ihre erwiesene gute kråftig gewirket hätte.
    Wie nun die beide Koniginnen / neben der Ahalibama / sich wieder zu wagen
gesetzet / und im schein / als hätten sie einen tempel bei so früher morgen zeit
besuchet / wieder nach ihrem palast fuhren / fragte die schöne Syrerin die
Hermione ganz begierig / ob sie sich nicht erinnern konnte / ehedessen in Celten
eine solche gestalt / wie dieser Cimber hatte / gesehen zuhaben? womit sie auf
den Tuscus Sicanus zielte / von dem sie wusste / dass er dieser Konigin nicht
unbekant gewesen. Meines behalts / (sagte Hermione) wusste ich wohl nicht / wohin
ich dieses gesicht bringen sollte: man musste dann einige gleichheit zwischen ihm
und dem verstorbenen Konig der Aborigener machen /welcher fast ein so liechtes
haar / auch solche feurige augen / wie dieser fromder / gehabt. Von dem Konig
der Aborigener (antwortete die Konigin von Syrien) sagt man fur gewiss / dass er
noch im leben sei / wie mich glaubhafte personen berichtet. Wäre aber dieser
(wandte die Hermione ein) der Tuscus Sicanus / so würde er sich ja gegen mir /
als die ich ihn wohl gekennet / nicht also bergen. Er soll verlangen / (antwortete
die schöne Syrerin) verborgen zu leben / und mag er darüm / weil ich zugegen
gewesen / seiner alten freundin sich nicht haben kund machen wollen. Wan ich der
Roma erzehlung bedenke / (widerredte die Hermione / ) wie warscheinlich sie des
Tuscus Sicanus tod beschrieben / so erachte ich für eine unmoglichkeit / dass er
noch leben könne. Doch stehet solches leichtlich zu erfahren: massen er sich der
Roma nicht also / wie mir / wird bergen konnen. Ich wollte wohl nicht gern /
(sagte hierauf die Konigin von Syrien /sich zugleich entfårbend) dass man wider
seinen willen ihm die larve abzöge: da er so sehr bezeiget / wie hoch ihm daran
gelegen sei / dass er verborgen bleibe. Er wird / sobald seine gesundheit es
gönnet / wie er mir versprochen hat / uns in das lager nachfolgen: bis dahin /
mochte ich wohl wünschen / dass die Roma /ihn zu sehen / verschub nåme. Dieses
stehet allein (gabe die Hermione zur antwort) zu der schönen Königin von Syrien
ihrem willen / und wird Roma nichtes beginnen / ohne was dero beliebig sein kann.
    Hiermit kam sie wieder zu ihrem palast / da schon alles zum aufbruch sich
bereitet und gerustet hatte. Wie nun / unter andren damen / die sich daselbst
versamlet / die Roma auch mit zugegen war / zoge die Konigin von Syrien / in
gegenwart der Hermione /dieselbe auf eine seite / und erofnete ihr / wie sie den
Tuscus Sicanus / ihren vermeinten gemal / gesehen zu haben / sich bedunken
liesse: welches aber der Roma ganz ungläublich fürkame / und wie sie darum / den
Cimber / den sie für diesen König hielten / zu sehen und anzusprechen / ganz
keine begierde zeigte / also fiele es auch der schönen Aramena gar nicht schwer
/sie von dessen besuchung abzuhalten. Es spürete nun jederman eine sonderbare
änderung an der Konigin von Syrien / und kunte sie nicht aus Aroer scheiden
/ohne an den tag zugeben / dass ihr darin etwas sonderbares musste widerfaren
sein. Ihre nåchsten und liebsten / wie ihre schwester und die Prinzessinnen
Colidiane und Jaelinde waren / merkten dieses nicht zum lezten: weswegen sie so
wohl ihr selbst / als der Ahalibama / anlagen um etwas hiervon zu erfahren. Aber
die Königin / so wohl ihren freundinnen alle gelegenheit zu benemen / dass sie ihr
ferner zu einer neuen liebe rieten / als auch fürnemlich der Jaelinde zartes
gemüte nicht aufs neue zu beunruhigen verbliebe hierinn ganz geheim gegen ihnen:
gleichwie auch die Ahalibama sich allerdings unwissend stellte / als die den
willen der beiden Koniginnen hierunter wohl begreifen konnte. Weil auch / auf
dieser reise nach Damasco / die schone Konigin ihre zugestossene abenteure
uberlegte / und daher nicht viel redte / fugeten ihr alle die andern hierinn /
indem sie sich von ihr entzogen / und hier und dar zwo oder dreie sich zusammen
gesellten / um den weg mit gespråchen zu verkürzen.
    Unter andern befande sich die Konigin Hermione bei beiden Prinzessinnen /
der Delbora und Danede: von welchen sie mitten eingenommen / und ihr eifrigst
zugeredet wurde / den Fürsten Nebajot zu lieben. Konte ich dieses gluck (sagte
Delbora) von Gott erbitten / den Nebajot an die Hermione verbunden zu sehen /
so wollte ich sagen / dass meinem gemut / in dieser welt noch eine wahre ruhe zu
geniessen / bescheret gewesen: massen mein herz / eh solches geschihet / sich
nicht kann zu frieden geben. Ich verspüre satsam hieraus / (antwortete Hermione)
dass mich Delbora sonderlich lieben müsse / weil sie mir ihr liebstes in der welt
/ nämlich den Nabateer Fursten / uberlassen will. Aber / werte Prinzessin! es
können sich nicht alle dergestalt von ihrer ersten liebe entledigen / dass sie
fåhig werden / sich einer andern zu übergeben. Dass Nebajot / (gabe Delbora zur
antwort) mein liebstes in der welt gewesen / leugne ich nicht: nun mir aber der
schluss des himmels einen andern zu lieben befolen / kenne ich / so zusagen / den
Nebajot nicht mehr / und mochte daher / seine ruhe wie die meinige zu fordern /
diese heurat zwischen der Konigin von Kitim und ihme gern gestiftet sehen. Ist
es wohl moglich zu glauben / (fragte Hermione) dass Nebajot nicht mehr sollte
geliebt werden? Solches vermeine ich / (war dieser tugendhaften Prinzessin
antwort) kann die Königin von Kitim von ihrem eignen beispiel abnemen: massen ich
nicht glåube / dass / mitlerweile der Konig Morges gelebet / man den Cimber
geliebt habe.
    Ich bin bemuhet gewesen / (antwortete Hermione) meinem ehegemal alle
schuldige ehrerbietung zuerweisen / und habe ihn geliebt / wie es von mir die
gebür erfordert. Wan ich aber sagen sollte / ich hätte in der zeit den Cimber
gehasset / ob ich gleich dessen untreu erfaren / würde mir solches sehr schwer
fallen: und habe ich darin meinen willen nicht bestritten /was ich nicht fur
unrecht gehalten. Weil Cimber (versezte die Prinzessin Delbora) seine Hermione
nicht mehr geliebt / und also von deme / was dem Morges allein gebürte / nichts
gefordert / als ware diese grosmütige gütigkeit der Konigin / gegen diesem
ungetreuen / sonder gefahr und unschådlich. Hätte aber der Cimber diese liebe
verlanget / wie der unglückliche Nebajot bei mir getan / so zweifele ich nicht
/ es wurde ihm dieselbe versaget / und er gånzlich sein abgewiesen worden. Es
leget mir hiermit (sagte Hermione) die Prinzessin Delbora eine schwere frage fur
/und glaube ich wohl nicht / dass ich den Cimber bis auf das hassen wurde
abgewiesen haben / wan er schon /in wårender meiner ehe / mir seine beståndige
liebe bezeugt hätte. Ich sage auch hier nicht vom hassen /(antwortete Delbora)
und erweise / dass ich dem Nebajot wohl will / indem ich mich bemuhe / ihm die
gunst einer grossen und schonen Königin zu erwerben / die ihme der himmel von
anfang bestimmt hatte: es erheischet auch dessen gerechtigkeit / dass das rechte
Medische geblüt der gestalt wieder vereinigt werde.
    Ich falle meiner schwester bei / (finge Danede an zu reden) und wunsche
ebenfalls / wegen meines brudern / dass eine liebe zwischen dem Nebajot und
meiner schönen Konigin zu stand kommen möge / die ich / in betracht aller
ümstånde / und wegen des versprechens ihrer beider müttere / fur höchst-billig
erkenne. Ich widerstreite der billigkeit nicht (gabe Hermione zur antwort / )
und habe längst in gedanken mein ungluck aus dieser quelle geschöpfet / dass ich
/ wie ich tun sollen / des Nebajot liebe nicht angenommen /als ihn der befehl
seiner mutter deshalben nach Trier gefüret. Aber warum dringet ihr in mich / da
bei mir nicht stehet / mein Glück nunmehr meinen andren stand zu setzen. Solches
stehet einig und allein (antwortete Delbora) bei der schonen Hermione / und wird
/ wan ich deren willen und Entschliessung habe /schon alles getan sein / was
hierzu vonnöten ist: massen Nebajot seinen willen so völlig meinem gutbefinden
unterworfen / dass ich alle macht habe / seine freiwerberin zu werden. Wie soll
das zugehen konnen /(fragte Hermione) dann ja ihme so wenig / als uns beiden /
einfallen mogen / dass wir iemals mit einander wurden in kentnis geraten.
    Wie Nebajot (antwortete Delbora) seine unzeitige liebe sich ubermeistern
lassen / und mich nach Petra entfüret / brachte ich ihn endlich so weit / nach
vieler angewendten bemuhung / dass er abliesse / seine unmugliche liebe ferner
gegen mir zu hegen / und / sich überwendend / mich wieder in das reich Cus
lieferte. Wir bekamen unterwegs nachricht / dass die beide Königinnen aus Kitim /
über meer / zu uns in Asien angekommen wären. Dieses gabe mir anlass / dem
Nebajot zu zureden / dass er sein Glück / so sich / durch diese unvermutete
ankunft der schönen Hermione /ihm zeigte / nicht aus der acht lassen / sondern
seiner ersten liebe / neben dem recht an Meden / nachstreben sollte. Er musste mir
auch solches endlich verheissen /und name ich uber mich / selbst dahin bemühet zu
sein / dass die schone Hermione / wan ich die wurde zu sehen bekommen / sich
hierzu mochte bereden lassen. Dass nun mein vorschlag recht gewesen / bezeuget
ietziger erfolg / da ich so wunderbarer weise hier in Syrien diejenige finden
mussen / die hiermit des Nebajot / des Eridanus / meine und ihre selbst eigne
ruhe wird befordern konnen. Der Fürst Nebajot ist nun in Meden / üm seinen und
der Hermione tron den Assyriern abzunemen: und hoffe ich ebenmåsig meine rache
an den Assyriern noch zu erleben / gleichwie sie ehedessen den Sisimordacus und
dessen blut an dem ungluckseligen Pharnus und der Barsine gerochen haben. Ich
weiss hierzu nichtes zusagen / (antwortete Hermione / ) als dass ich die grosmut
der Prinzessin Delbora hoch bewundere / die mich auch ie mehr und mehr in meiner
ihr gewidmeten freundschaft wird stårken und befåstigen.
    Wie sie das gesagt / kamen Ahalibama / Colidiane / Jaelinde und Casbiane zu
ihnen geritten / und mengten sich mit in ihre unterredung. Es war unter
denselben fast ein gleichmåssiger streit entstanden / von annemung eines zweiten
liebhabers / welches Casbiane wider diese drei Prinzessinnen verfechten wollen:
und ob schon Jaelinde in etwas sich drein ergeben / so war doch Colidiane
unbeweglich in ihrer Meinung geblieben. Und dieser wurde nun auch von der
Ahalibama /wiewol mit einiger ausname / beigepflichtet. Nachdem sie vernommen /
dass der Hermione / Delbora und Danede gespräche auch von dergleichen handelte /
begaben sich Colidiane und Ahalibama auf der Hermione seite / und wollten dieser
Konigin Meinung helfen bekråftigen. Colidiane sagte: Ich finde es so unmuglich /
zweimal zu lieben / dass meine liebste Delbora mir vergeben wird / wan ich ihre
gegenseite halten / und der Konigin von Kitim recht / die gedächtnis des Cimbers
/ ob er gleich untreu geworden / stäts zu verehren / und keiner andern liebe
wieder raum zu geben / behaubten muss. Wer hat doch zu solcher unzeit (antwortete
Delbora scherzweise) die Prinzessin von Caphtor zu uns gefuret / da ich fast
über der Konigin von Kitim gemute den sieg erlangt zu haben vermeint? Dieser
sieg (sagte die Konigin Hermione) war eben so gewiss noch nicht erlanget: dann es
ist ein grosser unterschied unter dem / was aus eigener wilkur geschihet / und
was man aus gebur in der welt tun muss. Solte mich endlich die gebur darzu
treiben / der Delbora einrat zu folgen / so kann ich doch nicht zugeben / dass
mein freier wille dabei sein werde / gleichwie auch Delbora selber ihren
Eridanus also hat zu lieben / angefangen.
    Eben dieses ist auch meine gånzliche Meinung /(täte Ahalibama hinzu) und
befinde ich bei mir / dass /wan ich ja / meinem haus und meinen eltern zu dienen
/ des Fürsten von Edom liebe sollte annemen müssen /mich hierzu bloss die gebür /
und keine liebe / wurde antreiben können. Ich widerstreite auch dieses nicht
/(gabe Delbora hierauf zur antwort) und bin eurer Meinung nicht entgegen: nur
allein gedenke ich dieses zu behaubten / dass es nicht soll und muss in unsrer
freien wilkür stehen / das jenige / so unsre gebür erfordert /zu tun oder zu
lassen / sondern dass wir gehalten seien / deme / was uns obliget / auch gegen
unsrem willen zu folgen. Wan die Prinzessin Delbora (sagte Jaelinde) es also
verstehet / so glåube ich gewiss / wir werden hier alle einer Meinung sein. Ich
halte es nicht dafur / (wandte Casbiane dagegen ein) massen die Prinzessin
Colidiane für unmuglich hålt / dass man aus gebur lieben könne / und will sie die
liebe / die aus zwang entstehet / fur keine liebe erkennen. Hierinn (antwortete
Delbora) tut die schöne Colidiane / der Konigin Hermione und mir / zu nahe /
die wir beiderseits unsere ehegemale aus zwang zu lieben angefangen haben. Ich
bin aber versichert / dass keine häftigere liebe soll gefunden werden / als die
ich zu dem Eridanus trage: und weiss ich / dass der Konig Morges /weil er gelebet
/ auch also geliebt worden. Diese eure liebe (sagte Colidiane) die ihr beide
gegen eure ehegemale getragen und noch traget / hat nicht den zwang /sondern die
tugend / zur mutter gehabt: ich aber habe zuvor gegen der Casbiane nur das
bestreiten wollen /wie ich nicht dafur halte / dass man / aus eignem freien trieb
/ seine einmal-gefasste liebe åndern und einem andern zuwenden konne.
    Eure meinungen in eins zu bringen / (liesse Danede sich vernemen) so muss man
die liebe zu unterscheiden wissen. Die liebe / die aus freier wahl kommet /ist
unånderlich: die aber / so aus der gebur und tugend entstehet / kann nach den
ümstånden sich veråndern /und herrschet über die freie liebe / ob sie gleich
nicht fåhig ist / dieselbe zu vertilgen. Solcher gestalt hat die Konigin von
Kitim / aus freier wahl / den Cimber geliebt: die gebur und tugend aber haben
sie den König Morges lieben gemacht / die nun auch fåhig sein werden / einen
andern in dessen stelle zu bringen. Aus freier wahl / genosse Nebajot meiner
schwester ihre erste liebe: meinen bruder aber liebt sie nun aus gebur / und
zwar so håftig / dass ich versichert bin /die erste liebe könne bei ihr vor
dieser lezten keinen vorzug mehr haben. Eben also wird es der Prinzessin von
Seir mit dem Fursten von Edom ergehen / wan die gebur / ihn zu lieben / sie
antreiben wird / und kann / ihre erste liebe zu dem Elieser / dieser lezten keine
hinternis bringen. Wan man diesen unterschied recht in acht nimmet / so sind wir
alle einig / und haben dieser wegen nicht ferner zu streiten.
    Wolte Gott! (sagte Ahalibama seufzend) dass ich hierbei nicht zum beispiel
dienen sollte! dann ich wohl absehe / dass diese liebe / die uns iezt die Prinzessin
Danede beschrieben / gar sauer eingehen musse / dessen ich gern uberhoben bleiben
möchte. Weil meine unglückselige eltern / (finge Delbora an) fast üm dieses
Fürsten willen / ihr leben enden mussen / möchte ich wohl wünschen / dass ihme
nicht eine so liebe Prinzessin zu teil wurde / deren tugend ihme gluck und segen
bringen wird: das ich ja billig ihme / als den mitverheerer meines hauses /
nicht gönnen soll. Ich finde mich gehalten / (antwortete Ahalibama) den Fürsten
von Edom hierinn zu verteidigen: weil er /sonder fursatz / des Königs Pharnus
ermorder worden / und / als ein soldat / hierbei seine obligende pflicht
erwiesen hat. Dieses ist (sagte Hermione scherzweise) das erste zeichen / dass
die Prinzessin von Seir / von der andern liebes-art / die uns Danede iezt
beschrieben / schon etwas anhebe zu entfinden.
    Ahalibama beantwortete dieses mit vielem seufzen / und kamen sie damit
såmtlich an den ort / welcher zum mittag-ablager verordnet war. Nachdem sie
daselbst etliche stunden ausgeruhet / ginge der zug wieder fort nach Damasco /
dessen pråchtige spitzen und ansehnliche turne ihnen bald zu gesichte kamen. Die
Königin von Syrien gedachte bei ihr selbst / wie sie für dissmal Damasco auf eine
viel andere art / als vor dem / zu sehen bekäme: dann zuvor hatte man / sie
einzuholen / alle tore der stadt geöffnet / auch ihr viel schone ehrenpforten
aufgerichtet / da nun / vor ihr /ungeacht sie ihre erbkonigin / alle tore und
eingänge verriegelt und versperret wåren. Nachdem sie angelanget / ward diese
wunderschone heldin von dem ganzen heer / (auser denen / die auf der andern
seite der stadt in ihren posten lagen) entfangen: da sie / in einem weiten ebnen
tal / zu beiden seiten / sich in prächtige ordnung gestellet / und diesem
schonen trupp der ankommenden damen so viel raum gegeben / mitten zwischen ihnen
durch / nach ihrem verordneten lager zu reiten. Weil auch die sonne bereits
untergienge / als hatten sie viel tausend feuer hin und wieder im lager
angezundet / welche diesem anzug einen desto herrlichern schein gaben. Die
Celten und Cussiten / sowol als die Syrer und Niniviten / bewilkomten die beide
durchleuchtige Aramenen / mit einem freudengeschrei / welches bis an den himmel
erscholle /und denen in der stadt kein geringes entsetzen einjagte: massen sie
hieraus mutmasseten / dass den Syrern eine grosse hülfe zugekommen sein müste.
Alle die grossen / als Suevus / Rames / Elimodan / Gaisus /Hezrai / Badezorus /
Sachar / Altobor / Hesion und Tabrinnon / hatten sich versamlet / die Koniginnen
und Prinzessinnen in ihre gezelte einzubegleiten: worauf man alsofort zur ruhe
ginge / um auf den morgen desto munterer zu den kriegsgeschäften sich
einzufinden. Die schone Königin von Syrien ruhete gar wenig / weil ihren sinnen
die begebenheit mit dem wiederlebenden Cimber fürschwebte / und sie ihr ein
gewissen darob machte / dass sie / da ihr doch dessen liebe bekant war / ihn zu
besuchen sich bereden lassen: welches sie / als wan es wider ihren guten namen
stritte /ihr einbildete.
    Es hatten auch der Marsius und Abimelech ihr anteil / bei dieser ihrer
gedanken-unruhe: da die unbekannte liebe des ersten / und die erwiesene untreu
des letzern / ihr stäts fürkame / und sie quålete. Dessen ungeacht / ware sie
gleich munter / als die morgenrote herfürzubrechen begunte / und ihre andere
sorgen von sich legend / richtete sie nun alle gedanken auf ihr iezt furendes
amt / und auf die kriegsgeschäfte. Wie die wachsamkeit nicht eine von dem
geringsten eigenschaften eines kriegshelden ist / also erwiese auch diese heldin
/ dass ihr dieselbe beiwonete / indem sie fast die erste sich zu pferd befande /
üm nach den schanzen zu reiten / die sie vor der stadt aufwarfen. Die Prinzen
Amosis und Suevus / wie auch die Fürsten Husan / Tare / Rames / Nahor / Cyniras
/ und die Kriegsbediente Phalacus / Pannias / Hezrai und Gaisus / begleiteten
die Konigin neben dem andern frauenzimmer daselbstin: und wurden / durch die
gegenwart dieser heldin / die arbeitere / wie auch die soldaten / nicht wenig
aufgemuntert / mit aller ämsigkeit ihre gebür zu verrichten. Weil sie sich
zimlich nahe an die tore der stadt wagte / schossen die belagerten anfånglich
scharf mit pfeilen heraus: welches aber bald eingestellt wurde / als sie die
Konigin von Syrien erkannten. Sie achtete aber diese gefahr nicht /und wollte
uberall mit darbei sein / weil alles allein um ihre angelegenheiten zu tun
ware.
    Wie sie nun / von einem posten zum andern / ganz Damasco rund umritten / da
/ vor die neun tore der stadt / das ganze heer / bestehend in dreissigtausend
Syrern / neun und zwanzig tausend Celten / dreizehentausend Niniviten und
zweitausend Cussiten / sich gelagert hatte / ordnete die Konigin alles selbst an
/welchen posten ein jeder bewaren sollte: und kame also der Furst Rames von
Jedlaph / mit sechstausend vor das erste tor / der Gaisus / der Ninivite Sabad
/der Tabrinnon / Nahor / Ister / Elimodan / Cyniras und Astobor / nach der
ordnung vor die neun andere /zustehen / dieselbe zu beobachten / und sich alda
zu verschanzen. Aber den Prinzen Amosis / den dapfren Suevus / den Husan / Tare
/ Phalacus / Pannias und Hezrai / behielte sie / als ihre kriegsräte / neben
zwanzig tausend mann / bei sich in ihrem lager. Jederman bewunderte die
anordnung der Königin / welche sie so kluglich ausgesonnen / dass keine
ehr-eiversucht unter ihnen darob entstehen konnte: massen jedem volke damit
gleiche ehre widerfuhre / und die Syrer mit den Niniviten / Celten und Cussiten
/ in die vier und fünfzig tausend stark / also verteilt waren /dass keiner uber
des andern vorzug sich zu beklagen hatte.
    Wie sie nun folgends im kriegsrat zusammen kamen / wurde beschlossen / dass /
um dem feind keine zeit zu lassen / sie / sobald muglich / die stadt an der
seite gegen der Kemuelsburg sturmen wollten: üm / wan sie diese burg erobern
konten / desto eher meister von Damasco zu werden. Zu diesem ende wurde nun alle
dienliche bereitschaft dahin gefuret: und vermeinten sie / in wenig tagen dazu
den anfang zu machen. Weil auch gewisse nachricht eingelaufen /dass der König von
Cus in person / wie auch der Araber Labdeon / mit viertausend Cussiten und
achttausend Sabeern und Arabern / uber das Arabische gebirge / zu ihren feinden
zu stossen / im anzug wåren /und Petosiris mit zwölftausend Egyptern von Elam
wiederzuruck käme / welcher unterwegs die Prinzessin Amesses / die er gesuchet /
angetroffen hatte: als wurden / unter dem Ninivitischen feldherrn Phalacus
/tausend Niniviten und dreitausend Syrer beordnet /die dem Petosiris entgegen
gehen / und ihn so lang beim gebirge Senir aufzuhalten sich bemühen sollten /bis
der Prinz Jetur von Hevila / der der Konigin mit funfzehen tausend man aus
Hevila zu hülf kame / zu ihnen würde stossen können / von dessen ankunft der
Gaham ebenselbigen morgen erwunschte nachricht erteilen lassen. Es bote sich
auch der Prinz von Egypten an / diesen zug mit zu tun / um seine liebste
schwester aus den hånden des Petosiris zu erretten. Dem Konig von Cus und den
Arabern / wurde der dapfere Hezrai / neben dem Badezorus und Hesion / mit
siebentausend Syrern und fünftausend Celten entgegen zu gehen / befehligt. Weil
nun also nur viertausend man im lager bei der Königin übrig blieben / verhiesse
der Prinz Suevus mehrere hulfe von seinem Konig aus Basan zu erlangen. Der Tare
name uber sich / in Ober-Syrien zu gehen: um alles / was von Syrischen leuten
noch die waffen furen konnte / herbei zu bringen.
    Wie nun / unter solchen beratschlagungen / fast der halbe tag verflossen war
/ bate die Konigin von Syrien alle die grossen in ihr gezelt zur malzeit / da
der Furst Barzes / ihr hofmeister / alles auf das pråchtigste zurichten und
anordnen lassen: und erwiese sich jederman sehr freudig / dass sie so glückselig
waren /unter der schonsten Konigin von der welt die waffen zu füren. Nach der
malzeit / rusteten sich so fort der Prinz von Egypten / wie auch der feldherr
Phalacus und Hezrai / neben dem Tare / Badezorus und Hesion / zu ihrem abzug:
da dann / beim abschied-nemen /der Prinzessin Danede bitte diese ware / dass ihr
Prinz sich nicht zuviel in gefar begeben sondern bedenken möchte / wie er ihr
mehr rede und antwort von seinem leben / als wegen der Prinzessin Amesses /
seiner schwester / zu geben håtte. Sie vermanete auch den Hezrai / so
bescheidenlich dem Konig von Cus /ihrem herrvattern / zu begegnen / dass er /
zwar den sieg erlangen / nicht aber ihr die post von des Scheba tod zuruck
bringen mochte. Zweifelsfrei (sagte hierzu Amosis) geschihet diese sorgfåltige
bitte deshalben /damit der Scheba dem Eliphelet noch dermaleins die versprochene
tochter geben konne. Es kann ja (antwortete die Konigin von Syrien / fur die
Danede) diese Prinzessin ihren vatter so wenig / als der Prinz von Egypten den
seinigen / verleugnen. Dieser geheime furwurf (widerredte Amosis) gibet mir mein
begangenes versehen zu erkennen / dass ich / vor dem Pharao zu weichen / hiesiges
heer verlassen. Dass ich solches (sagte die schone Konigin) für billig gehalten /
bezeuge ich ja hiermit / indem ich diese kindliche treue an der Prinzessin von
Cus lobe. Wie sie diss gesaget /wandte sie sich zu der angenemen tochter des
Italus Kitim / der Roma / und fragte sie ingeheim: ob sie den Jetur nichts
entgegen zu entbieten hätte? Sie antwortete: wie dass sie alles versparen wollte /
bis sie diesem unerkentlichen Prinzen selber seine verhältnis wurde furhalten
konnen.
    Nachdem hierauf diese gesellschaft sich voneinander begeben / und Roma bei
der Königin von Syrien und der Prinzessin Colidiane allein im zelt verblieben
war / name die schöne Aramena anlass / mit dieser Konigin wieder von dem Tuscus
Sicanus zu reden: da dann Roma sie mit solchen ümständen des todes dieses Konigs
versicherte / dass sie nicht wusste / was sie daraus schliessen oder davon gedenken
sollte. Vielleicht (sagte sie zur Roma) hat der himmel wunderbarer weise den
Tuscus Sicanus beim leben erhalten / um es also zu fügen / dass aus der
schein-ehe noch eine rechte und warhafte zwischen euch beiden werden moge.
Keines wegs ist diese vermutung zu schopfen / (antwortete Roma) wan gleich
Tuscus Sicanus / das doch unmuglich ist / noch leben sollte / dass wir mit einer
andern liebe / als wie es die freundschaft erfordert /einander begegnen wurden;
und sind unsere sinne viel zu beståndig / als jemals einer solchen änderung /
wie Hercinde und Jetur begangen / fähig zu werden. Solte aber wohl / (fragte die
schone Syrerin / nicht sonder entfårbung) der Tuscus Sicanus / wan er lebte /die
Prinzessin Hercinde wieder anheben zu lieben /wan er erfure / dass er nicht ihr
bruder sei?
    Hieran wollte ich wohl nicht zweifeln / (antwortete Roma) wan ich nicht wusste
/ dass Hercinde sich geändert: weswegen sie auch schwerlich / bei dem Tuscus
Sicanus / die hochachtung fur ihre person wird erhalten können. Wåre dieser
unvergleichliche Konig noch im leben / so wollte ich ihm die schöne Konigin von
Syrien zugesellen: weil ich versichert bin / dass der erdboden kein edlers par
jemals würde getragen haben. Doch ist nicht zu vermuten / dass eine so
unvergleichliche schonheit sonder viele anbetere sein konne / und mag vielleicht
schon der platz berennet sein / den ich für meinen todten erkieset. Es
versichere sich die schöne Roma / (versezte die Konigin von Syrien) dass mein
herz iezt frei ist / und in solcher ruhe beståndig zu verharren verlanget:
wiewol ich nicht leugnen kann / dass ich ehmals / aber sehr unglücklich /
geliebt. Diese worte gaben der Roma anlass / hiernach sich weiter zuerkundigen:
und verhiesse ihr die schöne Aramena / mit dem ehsten ihren lebenslauf ihr zu
erzählen. Hierauf / weil sie von der vielen tags-bemühung etwas auszuruhen
verlangte /ginge die Roma von ihr / zu der andern gesellschaft: da dann sie / und
Colidiane / hinter ihr gezelt / alwo auf einem ebenen platz etliche schattichte
nussbåume stunden / sich verfugten / und daselbst / nachdem iede einen von den
bäumen hierzu erkieset / sich zu schlaffen niederliessen.
    Mitlerweile diese beide betrubte schönheiten solcher gestalt der ruhe
genossen / würde dem Fursten Husan durch dem haubtman Heldai / der die äuserste
wacht versah / angemeldet / wie dass der Prinz von Gerar / der Abimelech / mit
wenig personen ins lager angekommen wåre / und die Königin zu sehen verlangte:
welche post diesem Fursten uberaus angenem war / und ihn sofort dem
Philister-Prinzen / ihn zubewilkommen / entgegen eilenmachte. Nachdem er ihn in
sein zelt gefuret / und der Prinz daselbst seine reiskleider mit andern
verwechselt hatte / liesse er sich von dem Husan nach dem gezelt der Konigin
bringen / und war so unfähig / sein verlangen zu bergen / dass man die sonderbare
bewegung seines gemütes leichtlich aus dem åuserlichen tun abnemen konnte:
massen er alles / was Husan ihm erzehlte / oder ihn fragte /mit kurzen worten
beantwortete. Wie sie nun vor das gezelt gekommen / und die wacht sie
eingelassen /fanden sie darin die Fürstin Perseis / neben dem andern
frauenzimmer der Konigin: welche / den Prinzen Abimelech ersehend / ihn alle
wilkom hiessen / und nach seinem zustand fragten. Wie er nun mit gewönlicher
hoflichkeit ihnen begegnet / und nach der Konigin sich erkundigt / sagten sie
ihm / wo sie wäre. Er name sobad die kunheit / ihr in diesen baumhof zu folgen:
ganz gewiss ihm einbildend / dass sein uberraschen ihr nichtsanders / als ein
ungenemes entsetzen /verursachen wurde. Weil der Fürst Husan sonst etwas notiges
zu bestellen hatte / liesse er ihn dasebst / und ginge also der vergnugte
Abimelech voll susser einbildung alleine fort: da ihme dann zu erst die
schlaffende Colidiane zu gesicht kame.
    Die hohe verpflichtungen / die er von dieser schonen Prinzessin truge /
neben der verborgenen reitzung / die ihn triebe / ihr wohl zu wollen /
verursachte /dass er auf sie den weg zu name: da dann sein geråusche sie erwachen
machete / als er nun ganz nahe vor ihr stunde. Weil seine gestalt ihr im wachen
und im traume stäts vor augen schwebte / als erkannte sie ihn gleich / und dieses
fur einen traum achtend / weil sie noch halb im schlaff war / sagte sie / mit
betrübter stimme: Komst du wieder / treuloser Prinz! deine Colidiane aufzufuren?
Diese worte / welche ihn vermuten machten / Colidiane wüste wissen / wie es mit
ihm und der Konigin stunde / gingen ihm nicht allein tief zu herzen / sondern
sie veranlasseten ihn auch /seine auf diesen fall furlångst ersonnene
entschuldigung bei ihr abzulegen. Demnach liesse er sich auf ein knie vor ihr
nieder / und sagte: Der himmel soll mein zeuge sein / unvergleichliche Cölidiane
/ wie schmerzlich es mich quålet / dass ich meine gluckseeligkeit also teuer
kaufen müssen / und dass ich meine beständigkeit nicht uben konnen / sonder eine
so tugendhafte Prinzessin zu beleidigen. Ja / Cölidiane! das meiste / so mich
wider euch sündigen machet / ist meine verschwiegenheit / dass ich euch nicht
eher meinen zustand erofnet: welches ich aber / in erwågung aller ümstände /
unmoglich tun können. Vergesset meiner / himlische Prinzessin! und bennet mich
gänzlich aus euren gedanken; nur allein hasse mich nicht: dann ich dieses so
wenig würde ertragen konnen / als unfåhig ich eurer huld und wolgewogenheit
gewesen bin.
    Cölidiane / die mitlerweile sich recht erholet /wurde von so einem entsetzen
überfallen / den Abimelech warhaftig vor sich zu sehen und also reden zu horen /
dass sie solches mit einem lauten schrei an tag gabe / und geschwind aufspringend
/ sonder ihm ein wort zu antworten / nach dem gezelt eilete: da sie der Siringe
onmächtig in die arme fiele / und von ihr und den andern alsofort zu bette
gebracht wurde. Die Königin / von der Prinzessin geschrei erwachend / richtete
sich gleich auf / und sah um sich; da sie dann / so wohl die laufende Cölidiane /
als den anwesenden Abimelech erblickte und erkennte: massen ihr die gestalt
dieses so lieben Prinzens viel zu tief eingedrucket war / als dass die
vergessenheit selbige so bald sollte ausgelescht haben. Ihr entsetzen aber
vergliche sich nicht ihrem eifer / den sie in sich fülete / als sie diese grosse
künheit des Prinzen betrachtete / der mit ganz freiem wesen auf sie zukame: und
kunte sie auch nicht verhuten / dass er ihr nicht zu fus gefallen wåre / und den
saum ihres rockes zum munde gefuret håtte. Wie er aber anheben wollte / ihr seine
herzliche freude zu bezeugen / dass er sie / und zwar in solchem zustande /wieder
angetroffen / kame sie ihm zuvor / und sagte: Gehe / du so verwegen als
treuloser Prinz! und hute dich / jemals mehr mir unter augen zu kommen. Hiermit
risse sie sich von ihm los / und fast nicht wissend / wie ihr geschahe / kame
sie in ihr gezelte: da sie /aus beisorge / Abimelech mochte ihr nach folgen
/sich zu innerst begabe / und allen ihren leuten / die ihr begegneten /
anbefohle / niemanden den eingang zu ihr zu verstatten.
    Es war aber dieses gebots / um Abimelechs willen /ganz unvonnöten: dann der
selbst hieruber von einem so tödlichen entsetzen war uberfallen worden / dass er
eine gute weile nicht im vermögen hatte / einen fus aus der stelle zu setzen. Er
vermochte / eine so ungewonliche begegnung von seiner liebsten Konigin
/dergleichen er niemals in seiner liebe ausgestanden /mit seiner sonst
angebornen grosmut nicht zu uberwinden; und fiele es ihm so unerträglich / dass
wenig fehlte / er wåre auf der stelle todt zur erde gesunken. Seine unschuld
wollte ihn ja noch uberreden / dass hierunter ein irrtum verborgen låge / und die
Königin ihn nicht gekennt oder gemeinet håtte. Wan er aber ihr gesichte / womit
sie ihme mehr als genau und scharf unter augen gesehen / neben ihren dabei
gefurten donnerworten / betrachtete / entfiele ihm aller trost / und bliebe er
ganz gedanken-los; fulete aber darüm soviel mehr leiden / weil nichtes sich
funde / so seinem schmerzen die gegenwage halten konnen.
    Wie nun dieser elende Prinz sich also quålete /sah er die Prinzessin
Ahalibama auf ihn zu kommen: woruber er sich sehr verwunderte / weil er sie in
Edom zu sein vermutet hatte. Es gabe ihm aber ihre ankunft einen sonderbaren
trost / weil er wusste / in was vertreuligkeit die Konigin mit dieser Prinzessin
lebte: und verhoffete er / dass sie ihm / von der ursach seines unglücks / wurde
nachricht geben konnen. Aber sie kame / sein unglück zu mehren: massen sie von
der Königin befehl hatte / ihm zu sagen / dass er sich mochte von dannen begeben.
Wie sie nun dieses gewerbe mit sonderbarer kaltsinnigkeit abgeleget /sah der
betrubte Abimelech sie ganz erbärmlich an /und sagte: Bin dann ich / mit diesem
gebot der Konigin gemeinet? Kein anderer / (gabe sie ihm zur antwort) als der
Prinz Abimelech: und lässet sie euch zum überflus inständig hierum bitten /
damit ihr sie überheben moget / aller welt ihre schwachheit sehen zu lassen.
Delbois lässet mich bitten / (widerredte er ganz verwundert) dass ich von hinnen
gehen soll /damit ihre schwachheit niemand sehen moge? O himmel / was ist damit
gesaget? Entdecket mir doch / gütige Prinzessin! was ich gesundigt habe! Ich
glaube /(sagte hierauf Ahalibama / ihn zugleich beim arm anfassend) ihr wollet
uns alle hier åffen. Erlaubet mir /dass ich euch darf von hinnen füren / und
überhebet die mehr als hoch beleidigte Konigin / solches durch die wacht
verrichten zu lassen. Hiemit zoge sie den halbtodten Prinzen mit sich fort / und
wie sie ihn /durch das Konigliche gezelte / in den vorhof gebracht / liesse sie
ihn stehen / und eilte wieder hinein zur Konigin.
    Sie fand dieselbe bei dem bette der Cölidiane / mit der sie von dieser des
Prinzens verwegenheit redte. Wer håtte denken sollen / (sagte sie voll unmuts /
) dass Abimelech sich unterfahen dörfen / so frech uns unter augen zu kommen; und
hat er mich damit so gar aus mir selber gesetzet / dass er meinen zorn mehr / als
er wert ist / erkennen mussen. Welch eine freude muss ihme das nun sein / dass er
meinen verdruss über seiner anderwårtigen heurat gesehen: weswegen ich ihme bloss
meine verachtung / und keinen zorn / zu zeigen gesonnen gewesen. Er hat aber
auch hierin uber mich siegen / und durch diese überraschung meine schwachheit
erkennen mussen: die er nicht hätte sehen sollen / wan ich / mich zu erholen /
hätte zeit haben mogen. Was soll dann ich hierzu sagen / (finge die bis in den tod
betrubte Colidiane an) da ich erkenne / wie hohe ursach E. Maj. haben / dem
Prinzen von Gerar also zu begegnen? Er hat bei mir seine verhåltnis / soviel
meine besturzung von seinen worten mich vernemen lassen / sehr entschüldigt /
auch alle schuld auf seine gezwungene verschwiegenheit geschoben: und kann ich
nicht begreifen / was er damit sagen wollen. Freilich ist das schweigen /
(antwortete die Königin) sein grostes verbrechen: dann håtte er ehedessen zu
Salem / und hier bei uns erwehnet / dass er die Ammonide liebte / würde er uns
beide nicht also haben auffüren konnen.
    Er stellet sich / (sagte Ahalibama) uberaus besturzt an / und habe ich ihn
fast mit gewalt müssen aus dem gezelte ziehen. Das verstellen (gabe die Königin
zur antwort / ) ist seine andere natur / und hätte ich nimmermehr geglaubet /
dass die erde einen solchen schein-frommen erzbetrieger herfur bringen konnen.
Aber wolan / Cölidiane! lasset uns auch dieses uberwinden! quålet euer edles
herze nicht mehr üm dieses menschen willen / und rustet euch hingegegen mit
grosmutiger verachtung! Ich werde solches auch tun / und wan die unümgångliche
gelegenheit es ferner geben sollte / dass wir ihn hier sprechen mussen / so
verfaret mit ihme / als mit einem fromden / den ihr niemals gekent / und lasset
ihn nicht merken / dass euch der Ammonide erwehlung verdriesse. Folget hierin
meinem beispiele: und wie wir beide seine liebhaberinnen gewesen / also lasset
uns nun miteinander auch seine veråchterinnen werden. Die weichmütige Colidiane
beseufzete diese lehren der Königin / und antwortete nichtes darauf: weil sie
wohl bei sich fulete / dass ihr gemut unfåhig wär / ihren hass oder verachtung dem
Abimelech zu zuwenden.
    Dieser verzweifelte befande sich mitlerweile in dem verwirrtesten und
elendsten zustand von der welt /und hatte aller seiner kräfte vonnoten / vor
andern zu bergen / wie es ihm ergangen war. Er fand / vor der Konigin gezelt /
alle grosse kriegsbediente: welche /nachdem sie seine ankunft vernommen / ihn zu
entfangen sich dahin versamlet hatten; und wollten insonderheit die Niniviten von
ihm erfahren / wie es ihme in selbigem reich / davon er iezt herkame / ergangen
wåre. Er entschuldigte sich / hiervon einen ümständlichen bericht zu tun / für
dissmal mit seiner mudigkeit / und begabe sich nach dem gezelt / welches der
Husan für ihn aufschlagen lassen / ihnen bezeugend /wie er den abend daselbst
allein zu bleiben verlangte: welches sie dann / wiewol ungern / mussten geschehen
lassen / und kaum des folgenden tags / ihn wieder zu sprechen / erwarten kunten.
Wie wenig ware aber diesem helden mit der ganzen welt huld gedienet / da er nun
diejenige verloren / die ihn allein zu laben vermochte.
    Er warfe sich auf ein bette / und niemand von seinen mitgebrachten leuten /
als den einigen Mitreus /um sich leidend / überlegte er mit grossen nachsinnen
/seinen ganzen lebenslauf und gefürten wandel: da er dann auf seiner seite nichts
fand / dass ihn anklagen oder einiger untreu gegen seine Konigin überfüren
mochte. Er erinnerte sich anderseits / wie sie / solang er sie gekant / die
gutigkeit selbst gewesen / und niemals ungehört jemand verdammet hatte. Ihre
vollkommene tugend liesse ihm auch nicht zu / sie einiger unbeständigkeit zu
beschüldigen: und wie er sie immer ihm fürstellte / so kunte er doch ihrerseits
eben so wenig eine ursach dieser ungnade finden. Dass die Colidiane ihm diesen
hass erwecket / war ganz nicht glåublich: weil er nicht allein deren edles gemute
dieser bosheit / sondern auch die Konigin / dergleichen angebungen anzunemen /
unfähig kennte. Er wusste ihm auch nicht einzubilden / dass ein von ihm
widrig-erschollenes geruchte solches verursachen können /weil dissfalls alle
anwesende im lager ihm solche liebkosungen nicht wurden erwiesen haben: auser
dass er sich besorgte / die boshaftige Dalimire möchte heimlich hieran schuldig
sein.
    Wie er aber / nach langem quälen und vergeblichen überdenken / eben so
unwissend als zuvor geblieben /fiele ihm endlich Timna ein / die allemal seine
herzensfreundin gewesen: von der er dann zu erfahren verhoffte / was es wåre /
das ihm also mehr dann tausend tode antäte. Demnach befahle er dem Mitreus / nach
dieser Fürstin von Seir ihrem gezelt sich zu erkundigen: der dann mit dem bericht
zurucke kam / wie dass sich die Timna zu Aroer befunde. Weil nun sein
ungedultiges verlangen war / zu wissen / was ihme dieses unglück verursachet /
und er im lager keinen menschen üm die Königin wusste / von dem er solchen
bericht hoffen konnte / zumal der Arsas selber / der doch neulich mit ihme so
vertreulich gelebet / ihn vor der Königin gezelt ersehend / ihm den rücken
zugekehrt hatte: als fassete er den schluss / noch in selbiger nacht nach Aroer
zu gehen. Seine mudigkeit / da er verschiedene tage und nächte unaufhörlich
gereiset /konnte ihn hiervon nicht abhalten: und musste Mitreus alsofort nach
frischen pferden sich umtun. Als der Pannias ihm solche zukommen lassen /
machte er sich gleich mit zweien dienern auf / und von seiner verzweilfelten
liebe fort getrieben / kame er mit anbrechendem tag in Aroer: den Mitreus neben
den andern im lager verlassend / welcher / wan es begehrt wurde /den
Ninivitischen guten zustand eröfnen / und seine schleunige wieder-abreise
entschüldigen sollte. Das erste / so Abimelech in Aroer furname / ware dieses
/dass er sich in der Tirdane wonung bei der Timna anmelden liesse. Diese / hochst
bestürzet / ein so unvermutetes gewerbe von dem Prinzen von Gerar zu vernemen /
wusste anfangs nicht / wie sie sich hierbei verhalten sollte. Die erinnerung / wie
er ihre liebste Konigin betrogen / erneuete ihren auf ihn geworfenen hass üm so
viel mehr / nun er / dessen ungeacht / noch die kunheit name / sie anzusprechen.
Demnach schlosse sie endlich / ihn mit seiner besuchung abzuweisen; und liesse sie
darneben durch eine getreue slåvin / die er ihr vordessen geschenket / ihm zu
entbieten: Wie dass sie den Prinzen von Gerar nun nicht mehr kennte / und keine
gemeinschaft fortin mit ihm haben wollte / nun er also aller welt gewiesen / wie
wenig man auf seine freundschaft zu bauen håtte. Wie nun diese slavin / neben
seinem abgeschickten / zu ihme kam / und ihme der Timna fromde worte
hinterbrachte / wusste er nicht / was er immermehr hiervon gedenken sollte: und
finge er an / sich selber für schüldig zuhalten / ob ihm gleich sein verbrechen
unbekant war. Dieses aber zu erfahren / schriebe er etliche zeilen an die Timna
/ und bate sie / üm aller ehmaligen vertrauten freundschaft /ja üm der dienste
willen / die er ihr ehmals in Aroer erwiesen / dass sie ihm nur so gutig sein
wollte / ihm zu vermelden / was doch sein verbrechen wäre /womit er also seiner
Konigin und aller seiner freunde abhuld / ihm erworben håtte. Er entfinge aber
hierauf keine antwort / und ginge vergebens vor der Timna wonung etliche stunden
spaziren. Oft gedachte er in das haus zu gehen / und sie wider ihren willen zu
sprechen: das er iedoch unterliesse / nachdem er ihre unpåslichkeit vernommen.
    Er war noch in solcher unruh begriffen / als ein wagen vor ihm furbei fuhre
/ auf welchem zwei manspersonen sassen: deren der eine sich in einen mantel
gehullet / der andere aber sein gesichte sehen liesse /und von ihm für den Tubal
erkant wurde. Er erfreute sich / diesen vertrauten seines gewesenen freundes
gefunden zu haben / und rieffe ihm alsofort bei namen: der dann den wagen halten
hiesse / und den Prinzen von Gerar erkennend / zu ihm heraus sprange. Indem sie
aber einander grusten / sah sich Abimelech unversehens von jemanden umarmet /
der seinem liebsten Cimber allerdings gliche. Er håtte / wan er ihn nicht so
gewiss todt geglåubet / ihn für diesen seinen herzensfreund alsofort
angesprochen: nun aber machte die erkannte gleichheit ihn seufzen / und wusste er
nicht / was er aus diesem fromden machen sollte. Selbiger aber gabe sich ihme
gleich zu erkennen / und sagte: Wie nun Abimelech! kennest du deinen Cimber auch
nicht mehr / und ist dir nun alles / was dir vordessen lieb gewesen / durch
deine neue liebe vergangen? Die besturzung des Prinzen von Gerar / liesse ihn
diese worte nicht so eigentlich vernemen / indem er allein bemühet war / dem
Cimber seine freude und verwunderung / dass er ihn lebendig sah / durch
vielfältiges ümarmen zu verstehen zu geben. Weil Cimber /wegen des zulaufenden
volks / befahrete / dass iemand ihn erkennen mochte / nötigte er den Abimelech
mit auf seinen wagen: da sie dann sich alle drei zusammen hinein sezten / und
nach dem spazirwald / der mitten in der stadt belegen / hinfuhren.
    Cimber und Abimelech sahen eine gute weile einander an / ehe sie zur sprache
kamen: und betrachtete sonderlich der Cimber / mit höchster bewunderung /an dem
Abimelech / dessen unbeständigkeit; welche /ob sie gleich die einige ursach
seines gluckes war /ihm dannoch an ihme höchst misfiele. Ich habe so viel zu
fragen / (begunte endlich Abimelech zu reden) /dass ich nicht weiss / wovon ich
soll den anfang machen. Weil aber mein anligen mich am meisten treibet / als
verzeihe mir / wertester freund! wan ich dich zu erst frage / ob du mir nicht
weist zu sagen / worin ich gegen unsrer unvergleichlichen Königin mich
versundigt habe. Diese frage des Abimelech erweckte sowol bei dem Cimber / als
bei dem Tubal / ein hönisches gelächter / und sahen sie beide diesen Prinzen an
/sonder ihm zu antworten. Die ungedult / welche Abimelech hierob entfunden war
so häftig / dass er / auch den Cimber gegen sich verändert achtend / ein par
nasse augen gegen dem himmel wandte / und fast ganz aus sich selber / in diese
worte heraus brache: Wan dann alle welt mich für schuldig hålt / so wirst ja du /
ô allwissender! meine unschuld an den tag bringen. Kanst du dann (finge Cimber an
ihn hinwieder zu fragen) dich unschuldig preisen / da du die schonste Konigin
betrubet hast? Womit dann? fragte der ungedultige verliebte. Damit / (antwortete
Cimber) dass die Prinzessin von Ammon in dein ehebette aufgenommen worden /
welchen platz die unvergleichliche Aramena bei dir zu nennen / vor allen
sterblichen dich beseeligen wollen. Gläubet man dann dieses alhier von mir /
(fragte der hierob erfreute Prinz) und rüret daher meiner Konigin ungnade? Ist
dann das (antwortete Cimber) auch fragens würdig? So sei dann dem himmel gedanket
/ (brache hierauf der Philister-Prinz heraus / zugleich die hände
zusammenschlagend) dass ich nun weiss / was alle diese verwirrung alhier
verursachet! Ich bin aber hieran ganz unschuldig / und ist Ammonide nicht an
mich verehlicht / wohl aber an den Prinzen Abimelech / meinen ältern bruder / fur
den der Ahusat / den du oft bei mir gesehen / zu Gerar ist erkant worden. Nun
spure ich / dass der zorn meiner liebsten Konigin / aus ihrer zu mir tragenden
beständigen liebe / hergeruret / und bin ich dir / wertster freund!
tausendfåltig verbunden / dass du mich aus dieser todlichen qual gerissen hast.
    Dem armen Cimber wurde hierbei nicht anders zu mute / wie er seines
mitbulers unschuld vername / als wan man ihm sein herz hätte aus der brust
gerissen /und vergingen ihm auf einmal alle sinne / also dass er /gleich einem
todten / dem Abimelech in die arme fiele. Dieser / dem die ursach dieses zufalls
nicht wissend / erschracke håftig / und liesse sich von dem Tubal berichten / wie
dass dieser Prinz an einer tödlichen krankheit bisher dadanieder gelegen / und /
um frischen luft zu schöpfen / heute zum ersten mal sich aus dem hause gewaget
håtte: daher dann / weil er noch sehr schwach / diese onmacht kommen mochte. Weil
sie damals eben in dem spazirwald bei einem springbrunn sich befanden / wurde
alsbald wasser geschöpfet / und der Cimber damit angespritzet: welcher /sich
wieder erholend / die augen aufschluge / und /auf zureden der andern / sich nach
seinem hause zurück füren liesse. Der treue Abdastartus kunte / aus der
schleunigen widerkunft / und aus dem erblassten gesichte des Cimbers / wohl
abnemen / dass ihm diese ausfart ubel müste bekommen sein: demnach half er ihn so
fort abkleiden / und zu bette bringen.
    Nachdem der Cimder allerhand diensame stårkungs-mittel zu sich genommen /
und den Abimelech vor seinem bette sitzen sah / streckte er die hand gegen ihm
/ und sagte: Versichere dich / allerliebster freund! dass / nicht die zeitung von
deiner unschuld /sondern eine verborgene schwachheit / die mir noch anhänget /
und mich noch nicht vollig verlassen will /mir diesen zufall verursachet. Ich bin
üm deiner / wie auch der unvergleichlichen Königin von Syrien / ruhe willen /
von herzen erfreuet / dass ich deine tugend unbeschmitzet / und dieser schönen
ihren zorn gestillet sehe: und finde ich den himmel gerecht / der alles dieses
noch zu rechter zeit an den tag hat kommen lassen. Deine versicherung /
wertester Cimber! (antwortete Abimelech) sind unnötig und uberflussig / weil mir
mehr als wohl bekant ist / wie treulich du mich liebest: und beklage ich allein
dieses in meiner jetzigen glückseligkeit / dass ich deinen zustand so schwach
finden muss / der mich hintert / dich zum aussöner bei meiner erzurnten Konigin
zu gebrauchen. Hast du bei ihr (gabe Cimber zur antwort) meiner dienste notig /
so bin ich stark genug / etwas vor dich zu verrichten: und ware ich ohn das
gewillet / morgen nach dem lager zu reisen.
    Niemand kann båsser (sagte Abimelech) meine unschuld meiner Konigin furbringen
als der Cimber: und weil sie mir / auf ewig aus ihren Augen zu gehen / befohlen
/ als will ich diss gebot / vor ihrem widerruf / nicht uberschreiten / sondern ihr
auch meinen gehorsam erweisen. Ich weiss und kenne dein verlangen /(sagte Cimber
/ mit grosser standhaftigkeit) dass alle augenblicke dir wie jahre dünken werden /
bis deine unschuld der Königin kund worden sei: darum will ich alsobald mit dir
nach dem lager reisen. Und weil ich gewisse ursachen habe / mich alda nicht von
jederman sehen zu lassen / als wird es gut für mich sein / wan wir in der nacht
dahin kommen: da verhoffentlich in deinem gezelt ein räumlein für mich wird
übrig sein /da ich mich verborgen aufhalten könne. Nicht allein mein gezelt /
(antwortete Abimelech / seinen freund damit umfassend) sondern auch mein herz /
und alles was ich habe / ist zu meines Cimbers diensten: und wünsche ich nur /
dass mir der himmel wolle gelegenheit fugen / mich an dir mit treuen
gegendiensten zu rächen.
    Als er diss gesaget / stunde er auf / um dem Cimber raum zu lassen / sich
wieder anzukleiden: der dann /weder durch den Tubal / noch durch den Abdastartus
/noch durch den arzt / sich von dieser reise wollte lassen abwendig machen. Lasst
mich nur reisen! (sagte er zum Tubal / ) mein vorsatz ist / so lang ich noch
leben werde / der Königin von Syrien dienste zu tun: unter denen dieser der
fürnemste sein wird / wan ich ihr ihren getreuen Abimelech wieder bringe. So
wird dann ja einmal (sagte Tubal heimlich zu ihm) mein König aufhören / dieser
vergeblichen liebe ferner nachzugehen. Bald / bald soll es geschehen /
(antwortete Cimber) doch wohl nicht also / wie du dir einbildest. Wie nun / unter
solchem gespräche / der Cimber sich angekleidet / und Tubal die reise zu
bestellen übernommen hatte / wollte Abimelech zuvor der Timna aus ihrem irrtum
helfen / und beredte den Cimber / neben ihm diese Fürstin zu besuchen: welcher
sich hierzu ganz willig finden liesse. Cimber liesse sich nur allein bei ihr
anmelden / und bliebe Abimelech /als sie zu ihr kamen / anfangs unter den
dienern vor der tür stehen. Cimber wurde / mit bezeugung sonderbarer freude /
von der Timna entfangen / und kunte sie ihm nicht gnugsam zu erkennen geben /
wie lieb es ihr wäre / ihn lebendig zu sehen: da sie / neben der Königin von
Syrien und andern seinen guten freundinnen / ihn furlängst als todt beweinet
håtte. Weil die Konigin / vor ihrem abzug aus Aroer / ihr diese gute zeitung
wissen lassen / als kame ihr sein leben so gar fromd nicht vor: und begehrte sie
nur von ihm zu vernemen / was es eigentlich mit diesem seinem ausgesprengten
tode für eine bewandnis gehabt.
    Er wollte / ihr solches zu erzählen / eben anfahen /als Abimelech zu ihnen in
die kammer trate. Weil Timna im bette war / kunte sie dieser widrigen besuchung
nicht entfliehen: doch gabe sie mit ihren gebården an tag / wie sehr ihr diese
seine freiheit zuwider wåre / sonderlich / da sie ihn lachen sah / als der nun
/ dessen ursach wissend / ihren unwillen wohl vertragen kunte. Werte Timna!
(redte er sie an) erzürnet euch nicht so sehr über den gemal der Ammonide /und
lasset gegen dieser armen Prinzessin euren unwillen nicht eher aus / als bis ihr
eigentlich wisset / wen sie habe unbeständig gemacht. Meinen zorn (antwortete
Timna) wird die Prinzessin der Philister so wenig achten / als wenig ich /
hinfort die gedåchtnis ihres Prinzen zu verehren / mich schuldig erkenne. Warum
aber das? (fragte Abimelech) ich erinnere mich ja /dass der erkannte Prinz von
Gerar / wie er noch Ahusat hiesse / der Furstin Timna alle schuldige
ehrerbietung erwiesen hat. Weil aber Abimelech die zeit gewinnen wollte / üm
seine reise zu beschleunigen / als unterliesse er / die Timna länger aufzuhalten
/ und eröfnete ihr kurzlich / was es mit dieser verheuratung der Ammonide für
eine beschaffenheit håtte. Die gute Timna begunte nun ihre sprache zu verändern
/ und sich aufs höchste zu entschuldigen / dass sie dem Prinzen von Gerar solche
unhöflichkeit erwiesen hatte. Sie erfreute sich ja / ihrer Königin und dieses
Prinzen halber / über seiner unschuld: doch betaurete sie darneben den edlen
Cimber / dessen liebe ihr nicht unbekant war / und sah sie ihm sein anligen wohl
an / ob er gleich solches verbergen wollte.
    Er erzehlte hierauf ihnen beiden ausfürlich / wie es ihme in Damasco mit dem
Dison / und nachgehends im Isis tempel / und mit allen den misverständen wegen
der Konigin von Syrien ungnade / ergangen ware: wusste aber doch sich so wohl
dabei in acht zu nemen / dass Abimelech nichtes von seiner liebe verspüren oder
merken kunte. Diesem Prinzen kame alles dieses / sonderlich die verwandelung der
Aramena in den Dison / sehr frömd für / als wovon er noch nie die rechte
ümstände vernommen hatte. Um auch die Timna zu vergnugen / täte er ihr bericht /
dass es dem Fürsten von Teman noch wohl erginge; welche worte ihr die zären
håufig heraus locketen / und sagte sie ganz wehmutig: diese nachricht könnte ihr
keine freude bringen weil Eliphas für sie nicht zu leben begehrte. Nachdem sie
beide hierauf von ihr vernommen / was Eliphas ihr für ein unfreundliches
schreiben geschicket / und wie es ihr iezt mit ihrer basen / der Tirdane
/erginge: verhiesse ihr der Prinz von Gerar / wiedass er alle diese misverstånde
wieder beizulegen trachten wollte. Als er auch bei der Fürstin Tirdane sich
ansagen / selbige aber mit ihrer unpåslichkeit sich entschuldigen lassen / namen
sie abschied von der betrubten Timna / sezten sich / mit dem Tubal / Abdastartus
und dem arzte / zu wagen / und jagten so geschwind / als nur muglich / dem lager
zu: dahin sie mitten in der nacht angelangten. Abimelech und Cimber legten sich
zwar zur ruhe / vermochten aber nicht zu schlaffen: weil die unruhige freude bei
dem Abimelech / und das gedultige leiden bei dem Cimber / so håftig und
schmerzlich war / dass ihre vollig damit eingenommene sinne ståts munter gehalten
wurden.
 
                                Das Dritte Buch.
Es hatte / des Prinzen Abimelech schleunige wieder-abreise / eine grosse
bestürzung / gleichwie zuvor dessen ankunft eine allgemeine freude / im lager
erwecket. Aber dieser unmut verwandelte sich bald wieder in vorige frolichkeit /
als folgenden morgen / durch das ganze lager / die zeitung erscholle / dass
dieser dapfere held selbige nacht wieder eingelanget wäre. Mitreus war der erste
/ so sich bei dem Prinzen einfande: und bezeugte er grosse begierde / ihn
vergnügter als bei vorgestrigen abschied zu sehen. Dieser sein wunsch schluge
auch nicht fehl: massen der Abimelech in allem seinem tun so munter erschiene /
dass man die zufriedenheit seines gemutes daraus wohl abnemen kunte. Es ware zwar
diese zufriedenheit noch mit grosser unruhe begleitet / weil ihme unertråglich
fiele / die ungnade seiner Königin auch nur zu wissen: ob er gleich versichert
war / dass die sofort aufhören wurde / wan sie rechten bericht von ihm entfangen
hätte. Er hielte sich aber / in dem hintern gezelt / mit dem Cimber verborgen /
des an die Königin von Syrien abgeschickten Tubals rukkunft erwartend; und wollte
inzwischen niemand von allen / die sich bei ihm anmelden liessen / gehor erteilen
/ sondern befahle dem Mitreus / ihnen zu sagen / wie dass er noch in der ruhe
låge. Immittels ware diss sein tun / dass er seinen vertrauten freund
unterrichtete / was er seiner Konigin / zu beglaubigung seiner unschuld /
fursagen sollte.
    Weil er des Cimbers herfürscheinende traurigkeit bloss für eine wirkung
seiner noch anhaltenden unpåsligkeit achtete / machte er sich darüber keine
gedanken / ob er ihn schon zum oftern seufzen hörte. Selbiger stunde nun in
seinem herzen den allerherbsten kampf aus / indem die liebe / freundschaft und
tugend miteinander stritten: und befarete er zum öftern / dass die erste die zwo
andren ubermeistern mochte. Aber sein edler und unüberwindlicher geist
verharrete standfäst auf dem schluss / seiner Konigin und seines freundes ruhe /
mit hintansetzung der seinigen / ja gar seines lebens / zu befördern: dessen er
wohl von herzen überdrussig war / weil er tåglich solch eine marter fülete / die
ein ander / den der himmel nicht mit solcher wunderstårke / wie diesen grossen
helden / versehen /nicht würde haben überstehen können.
    Mitlerweile aber diese quålende und hoffende zween liebhaber sich also
beisammen befunden /stunde die schone Konigin von Syrien gleichfalls nicht
geringe unruhe aus / als sie des Cimbers ankunft / auch dass er sie in geheim
sprechen wollte / erfahren hatte: dann sie bildete ihr ein / er würde kommen / ihr
seine liebe zu offenbaren; weswegen sie auch lang unschlussig bliebe / ob sie ihn
furlassen wollte. Ohne /die hochste unhöflichkeit von der welt zu begehen /kunte
sie diesem Prinzen sein begehren nicht versagen: zumal auch ungereimt und gegen
die freundschaft zu sein befindend / aus ungewisser vermutung einen so grossen
helden zu beleidigen. Weil ihr aber auch / da sie seine liebe wusste / ihn allein
an zu horen / bedenklich fiele / als liesse sie endlich / nach langem uberlegen /
die Prinzessin von Seir / welche nahe bei ihr wonete / beruffen / dass sie bei
dieser unterredung sein sollte: um durch ihre gegenwart zu verhintern /dass Cimber
nicht aus den schranken der ihme sonst gewönlichen erbarkeit schreiten möchte.
    Wie nun Ahalibama sich eingefunden / und erfaren / was ihre verrichtung sein
sollte / hube sie an zu lachen / und sagte: E. Maj. haben übel auf mich gewehlet
/ dem Cimber eine hinternis in seinem vermeintlichen fürnemen zu bringen; dann
sie wissen / wie ich dieses Cimbers seite bisher gehalten. Wie konnte wohl dem
ungetreuen Abimelech bässer gelohnet werden /als wan E. Maj. in seinem hier-sein
sich fur den Cimber / oder vielmehr fur den Tuscus Sicanus / erklärte /und
diesem helden ihr heer / neben ihrer kron und person / zu vergeltung seiner
treuen dienste und ungemeinen liebe / ubergåbe? wurde nicht solches alle welt
für billig achten / und der dadurch verhönte Abimelech erst innen werden / was
er verscherzet. Ich berge euch nicht / liebste Ahalibama! (antwortete hierauf
die Konigin) dass / wan einiger in der welt den platz bei mir bekommen sollte /
den der Abimelech gehabt / ich auf den Cimber wählen wurde. Ich finde aber viel
ursachen / frei zu bleiben. Ich bin das erstemal / in meiner liebe / so
unglücklich gewesen. Ich weiss mich auch von dem König Marsius geliebt /dessen
macht ich billig zu furchten habe. Demnach werde ich / weder des Cimbers treu /
noch des Abimelech unbeständigkeit / zu belonen / mich entschliessen können / ehe
und bevor ich in Syrien den frieden sehe. Was wollen aber E. Maj. tun / (fragte
Ahalibama) wan der Cimber sich ihr zu erkennen gäbe? wollen sie dann diesen
unvergleichlichen liebhaber abweisen /und dadurch zu einer neuen verzweiflung
ursach geben / da er sich kaum aus der vorigen ausgewunden? Wan Cimber /
(widerredte die Königin) diese zwei stücke in seiner liebe verlieret / nämlich
die verschwiegenheit und die überwindung sein selber /die ich zum meisten an
ihm wert-schätze und verehre: so dann werde auch ich die hochachtung gegen ihm
verlieren / und ihme ungescheut meine gegenwart verbieten.
    Wie sie diss gesaget / trate der Cimber / in einen mantel verhüllet / neben
dem Fürsten Arsas / in ihr gezelt: dann dieser Fürst ihn also heimlich die
hintere gezelte herdurch gefüret / weil er / üm verborgen und ungesehen zu
bleiben / inständig darum gebeten hatte. Er warfe / sobald er die Königin
erblickt / seinen mantel von sich / und ginge mit niedergeschlagenen augen auf
sie zu: die er mit fleis von ihrer himlischen schönheit abwandte / üm an seinem
grosmütigen fürnemen nicht gehintert zu werden. Sie / die da wohl sah / dass er
kein geringes anligen haben müste /zweifelte fast nicht mehr an ihrer gehabten
furcht /dass er sich entdecken würde / und erwartete mit nicht geringer unruhe
sein anbringen / als er ihr solches in diesem worten furtruge: Ich achte mich
seelig / dass ich E. Maj. die erste post von der unschuld des glücklichen
Prinzens Abimelech anmelden darf / weil ich weiss / welche billige ruhe dieselbe
in E. Maj. gemute erwecken wird. Dieser Prinz hat nicht / wie alle welt alhier
geglaubet / die Prinzessin von Ammon geehlicht / sondern sie ist seines erkannten
ältern bruders /dem man vordessen unter dem namen des Ahusat gekennet / seine
gemalin. Was verneme ich von euch /edler Cimber! (fragte die Konigin) ist der
Prinz Abimelech unschuldig / und hat er die Ammonide nicht geehlicht? Es ist wie
E. Maj. sagen: antwortete Cimber / ganz betrübet. Und ihr / (fragte sie ferner)
seit der bote / der mir diese nachricht bringt? Der mehr als iemals verliebte
Abimelech (antwortete er) färtiget mich iezt an seine schönste Konigin ab / um
ihr dieses anzukünden / und keinen augenblick / ob er gleich ganz unschuldig /
E. Maj. ungnade ertragen könnend /flehet er durch mich inständig / um
widerruffung des grausamen gebotes / dass er ewig vor E. Maj. angesicht nicht
wieder kommen solle: welches ihn sein gehorsam nicht wird überschreiten lassen /
ob schon /auf erfüllung desselben / sein unfehlbarer tod bald erfolgen muss.
Warüm gebrauchet aber / (fragte die Konigin / fast mehr in gedanken / als aus
fursatze) der Abimelech hierzu den Prinzen Cimber / mir dieses anzukünden? Weil
er (gabe Cimber zur antwort /) alhier niemand gefunden / der seine unschuld
gläuben wollen / und weil er vermeint / ich würde ihm hierin zum treulichsten
dienen konnen.
    Die schöne Syrerin bliebe hierauf in solcher verwirrung / dass ihr unmüglich
fiele / sobald sich zu erholen. Die verwunderung / über des Cimbers mehr dann
grosmütiges beginnen; die freude / ihres Abimelech unschuld zu vernemen; die
erste liebe zu diesem Prinzen / welche sofort in ihr wieder anglimmete; der
unmut / dass sie ihm so hart begegnet; das erbarmen /über der Cölidiane und des
Cimbers zustand; neben einiger gewissens-unruhe / wie sie fast dem Cimber holder
wäre / als die treue gegen dem Abimelech dulten konnte: diss alles drunge zugleich
in ihre sinne und gedanken / und machte sie folgbar ganz erstummen. Der
armseelige Cimber / erwartete inzwischen sein leztes end-urteil aus ihrem munde
zu horen; und wie Ahalibama vermerkte / dass sich die besturzung der Konigin
nicht enden wollte / trate sie näher hinzu /und den Cimber anschauend / sagte sie
zu ihme: Kan es dann wohl muglich sein / dass unsren Philister-Prinzen die Amonide
nichts angehe? Der schier aus sich selbst sich befindende Cimber / beantwortete
diese frage / als ob die Königin solche selbst noch einmal getan hätte / mit
der höchsten versicherung / und fuhre nachmals fort / nicht als ein mitbuler des
Abimelech / sondern als dessen treuster freund / seine unschuld weitläufig
darzustellen.
    Inzwischen hatte die Königin von Syrien sich wieder erholet / da sie dann dem
Cimber also antwortete: Wan mir dieses nicht der aufrichtige Cimber sagte /wurde
ich schwerlich aus meinem irrtum zu bringen sein / und nicht sobald glåuben
konnen / dass Abimelech unschüldig sei. Nun ich aber dem grossen Cimber zutraue /
er werde kein belieben tragen / mit vergeblicher hofnung mich aufzufuren / als
neme ich diese unglåubliche post fur warhaft an / widerrufe hiermit /auf euer
wort / meinen vorigen befehl / und gonne dem Abimelech / dass er seine unschuld
mir selber eröfnen möge. Als Cimber diesen bescheid hatte / ginge er / mit einer
tiefen verneigung / samt dem Arsas aus dem zelt wieder hinaus / sonder darauf zu
antworten. Die Konigin sah hierauf die Prinzessin von Seir an /und sagte: Was
dunket euch nun / Ahalibama! sprechet ihr noch für den Cimber? oder glaubt ihr
wohl /dass er mich noch lieben konne. Das lezte von E. Maj. frage (antwortete
Ahalibama) erstlich zu beantworten / so glåube ich für gewiss / dass Cimber E.
Maj. liebt: ob ich aber ferner für diesen Prinzen sprechen dörfe /daran muss ich
zweiflen / nun Abimelech ist unschuldig erfunden. Ich kann nicht sagen / wie mir
zu mut ist / (sagte hierauf die schone Königin) und habe ich niemals eine
seltsamere freude / als die itzige / in mir entfunden. Was konnte mir liebers auf
der welt widerfaren / als die unschuld dieses Prinzens zu vernemen /deme ich vor
so langer zeit mein herz eingeraumet? Ich finde aber / wider meinen willen solch
ein mitleiden in mir / wan ich die arme Cölidiane und den trostlosen Cimber mir
fürstelle / dass es fast meine freude überwieget / und mich mehr unruhig als
zufrieden machet. E. Maj. arten hierin dem unvergleichlichen Cimber nach /
(antwortete Ahalibama /) der auch mehr für andere als für sich selber sorget /
und iezt dessen solch eine probe von sich gestellet / dass er für mehr als einen
gemeinen menschen zu halten ist. Ich will doch hoffen / (sagte die Königin) weil
Cimber / sich zu überwinden / einen so grossen anfang gemacht / er werde / wan es
nicht schon geschehen / auch bald von seiner unmöglichen liebe ablassen / und
sich völlig einen siegenden erzeigen: auser deme werde ich ihn nicht mehr sehen
dorfen / um meine liebe gegen dem Abimelech nicht zu verletzen.
    Wie sie diss gesaget / meldete Arsas den Prinzen von Gerar an: welches eine
solche neue gemütsånderung und bewegung in ihr verursachte / dass sie ganz
erblasste / als sie diesen geliebten Prinzen zu ihren füssen ligen sah. Ist es
wohl muglich / (redte sie ihn an) dass Abimelech unschüldig? Ist es wohl müglich
(fragte er hingegen) dass meine Königin diesen verdacht von mir fassen konnen?
Stehet auf / edler Prinz! (sagte sie ferner / ihn zugleich bei der hand fassend
/) und demutiget euch nicht dergestalt vor derjenigen /die euch soviel unrecht
angetan hat / wan ihr mich wolt glåuben machen / dass ihr sie noch liebt. Wonet
dann hiervon (antwortete er / ganz ungedultig) E. Maj. noch ein zweifel bei / und
bestehen sie noch darauf /mir so grosses unrecht anzutun / und solche frömde
dinge von mir zu glauben? Was soll ich sagen / (gabe die Königin zur antwort /)
üm mich zu entschüldigen? die gesandten der Philister / die für den Abimelech um
die Ammonide geworben / haben nicht allein mich / sondern auch ganz Syrien
betrogen. So hat dann dieser irrtum (versezte Abimelech) meiner schonsten Konigin
zorn gegen mir erwecken / und ursach gebe müssen / dass ich daraus noch mehr und
deutlicher erkenne / mit was gnadhuld ich seiter bin beseeligt gewesen. Lasset
uns beiderseits vergessen / liebster Prinz! (antwortete die Königin) womit ihr
mich unwissend / und ich euch unschuldig beleidigt / und beurteilet nicht meine
freude / die ich / euch wieder und zwar noch den meinigen sehend / geniesse / aus
meinem äuserlichen bezeigen: massen mein bestürztes gemüt die vergnügung so fåst
an sich hålt / das sie keinen ausen-schein sobald von sich geben kann. Diese
verbundliche worte der schonen Syrerin bewegten den verliebten Prinzen / ihre
schneeweisse hånde zu ergreifen / und die ohne unterlass zum munde zu füren:
welche freiheit die Konigin ihm zu gut hielte / als dem jenigen / dem sie sich
bald gånzlich selber zu eigen geben wollte.
    Nachdem sie hierauf sich zusammen nieder gesetzet / und Ahalibama / üm
diesen verliebten nicht hinterlich zu sein / mit dem Arsas an das andere ende
des gezeltes sich entfernet hatte / fingen sie an / ihr ausgestandenes leiden
einander ausfürlich zu erzählen / und kunten sie sich nicht satt fragen / ob
Abimelech schuldig / und die Konigin noch ungnädig wäre? das sie dann beiderseits
laugnend / hierinn ihre groste vergnügung fanden. Als auch die Königin ihm
erzehlte /was sich mit ihr in seiner abwesenheit zugetragen hatte / entfande der
verliebte Prinz eben so grosse angst / als wan er sie noch wirklich in solcher
gefahr sähe. Tausend gluckwünschungen erfolgten hierauf von seiner seite / wegen
ihres nunmehr recht-erkannten standes / und kunte er nicht unterlassen / ihr
seine unruhe zu bezeugen / dass Dison / unter der Aramena kleidern / sich so lang
in ihrem frauenzimmer befunden. Die schone Königin errötete hierob / und sagte
/wie ihre gänzliche einbildung gewesen wåre / als hätte er hiervon anlas
genommen / ihrer zu vergessen / und die Ammonide zu erwählen: woruber er
hingegen sich beschwerte / dass sie diese einbildung von ihm fassen können. Weil
sie hiernåchst ihr verlangen eröffnete / von ihm die umstände dieser zu Gerar
volzogenen heurat / die so viel unruhe und unheil zwischen ihnen angerichtet /
neben seinen andern verrichtungen seit seiner abwesenheit / zu vernemen / zeigte
er sich sobald fårtig ihr zu willfaren; und rieffe die Konigin der Ahalibama und
dem Arsas / solches mit anzuhoren. Wie nun diese sich genähert / und der wacht
vor dem königlichen gezelte anbefolen worden / niemand einzulassen / weil die
Königin bis an den mittag allein sein wollte / begunte der Prinz seine begebnise
zu erzählen / wie hiermit folget.
                        Erzehlung des Prinzen Abimelech.
Wie der grosse Edom / so wohl von E. Maj. als dem Konig von Assyrien / in seiner
bedrängnis / die ansehnliche hulfe der vierzig tausend Niniviten und Assyrier
bekommen / und wir damit nach Edom und den Seirischen gebirge gingen / fanden
wir / bei unserer ankunft / die seite der Seirischen Fürsten sehr schwach: weil
sie keinen beistand mehr hatten / als die einige der Cananiter / von denen doch
auch der Prinz Ephron sich abgesondert / und / wegen der unerhorten tyrannei /
die man an des Esau dreien gemalinnen verübet / nicht länger für sie fechten
wollen. Der dapfere Prinz von Caphtor / stunde vor Bean /einem fåsten ort in
Edom / und als wir mit unserer grossem macht zu ihme gestossen / ware nicht
allein Bean gleich unser / sondern es ginge auch in schneller eile ganz Seir und
Edom verloren: da die billige rache des Fürsten von Edom alles / ohne erbarmen /
was ihm nur furkame / der asche seiner gemaliñen aufopferte / und vermochte /
die beståndige liebe zu der Prinzessin Ahalibama hierzugegen / ihn hiervon nicht
abzuhalten.
    Wie nun Bazra / Arabat / Dedan / und alle andere festungen / sich ergeben
hatten / und alles durch die schärfe des schwerds gefallen war / was noch von
Canaanitern und denen von Seir fechten konnen / namen alle Fürsten von Seir die
flucht nach Ezeongaber /alda sie vermeinten über das rohte meer zu entkommen /
und ihren schutz in Egypten zu finden. Sie wurden aber von unserer geschwinden
nachfolge hieran verhintert / und sahen sich also in ihre mauren eingeschlossen.
Nach zweitågigem sturmen / wurde die stadt erobert / und kamen also alle
Seirische Fürsten und Furstinnen in des Esau hände. Ich will / die Prinzessin
Ahalibama nicht lang zu ängsten / nur kürzlich melden: wie dass der Lotan / samt
seinen sohnen dem Hori und Heman / wie auch des Sobals zwei söhne der Sephi und
Onam / neben dem Esban / Jetran /Chran und Aran / weil sie verzweifelt
gefochten / in eroberung der stadt todt geblieben; die andern aber /als der
herrvatter von der Prinzessin Ahalibama /neben ihrer fraumutter / wie auch der
Fürst Sobal mit seinen beiden übrigen söhnen / dem Alian und Manahat /
ingleichen der Zibeon und dessen beide söhne /und die übrigen Fürsten unsere
gefangene worden.
    Bei diesem zustand wachete / die nie-erloschene liebe des Esau gegen die
Prinzessin Ahalibama /håftiger als iemals auf / und hegte er deswegen / bei
aller seiner verbitterung wider Seir / gegen dem Fürsten Ana und der Prinzessin
Poliphide / eine sonderbare ehrerbietung: massen solche bei ihm soviel wirkte /
dass er heimlich den Ana mit den seinigen los liesse / indem die andere mit harter
gefångnis belegt wurden. Aber die treue dieses klugen Fürsten gegen sein geblüte
/ brachte bei ihm zuwegen / dass er / wie wir / unsrem sieg zu vollenden / vor
Elat und Denhaba rückten / und der Eupales / so mit achttausend Assyriern in
Ezeongaber geleget war / nicht acht darauf hatte / allen Fürsten von Seir uber
meer davon halfe: die dann sich in zwei haufen teilten / da der Sobal und der
Zibeon mit den ihrigen nach Egypten / der Furst Ana aber / mit dem Ezer / Disan
und deren kindern /nach Cus giengen / und von beiden Konigen in schutz genommen
wurden.
    Weil wir / vieler bedenklicher ümstånde halber /wider Egypten nichts
fürnemen dorften / zumal /sowol die Assyrier / die ich furete / gegen diesem
bundsverwandten des Belochus nicht fechten / auch E. Maj. volker den mächtigen
Pharao dem reiche Syrien nicht auf den hals ziehen wollten: als wandten wir uns
nach Cus / und stiessen zu dem Nebajot / der eben in Cus ginge / und also den
krieg hinein brachte. In Jotis / dass der König Scheba den Seirischen Fursten
eingeraumet / wurden sie nun dermassen von uns beängstigt / das ohnzweifel ihr
garaus erfolget / wan nicht das andenken der schönen Ahalibama das mittel
gewesen wäre / so wohl ihrem hause den frieden / als auch ihrem herrvattern die
stadt Ezeongaber zu seinem aufentalt zu erlangen. Diesen sieg uber des Ana und
der Poliphide gemute / die nun dem verliebten Esau ihre einige tochter
versprochen hatten / hielte dieser held viel höher / als alles / was er sein
lebenlang erworben. Und weil man ihn glaubwürdig berichtet / wie dass die
Prinzessin Ahalibama sich verborgen in Edom aufhielte / als ginge sein einiges
und höchstes verlangen dahin / von ihr selbst auch das jenige zu erhalten / was
ihme von den ihrigen bereits ware zugesagt worden.
    Ihr rächet euch an mir / Prinz von Gerar! (fiele alhier Ahalibama ihm in die
rede) auf sonderbare art /üm dass ich / von unsrer Konigin befehligt / euch vor
zwei tagen allhier die tur weisen mussen: dann / wan es ohn diese meine
unschuldige verschuldung wåre /würde ich iezt nicht so viel verdriesliches horen
dörfen. Weil nicht allein solches (verantwortete sich Abimelech) in meine
erzehlung laufet / sondern auch ich vermeint / dass es meinem freunde / dem
Fursten von Edom / zum båsten gereichen / auch von der grosmutigen Ahalibama
würde beliebig aufgenommen wurden / habe ich nicht unterlassen können / dieses
wenige hiervon zu melden: welches die Prinzessin von Seir nicht mit dem titel
einer rachgier bekleiden wollen /massen ich hierin für sie nichts widriges
finde. Wan ich aber eine rache zu verüben hätte / würde solche darin bestehen /
dass ich ihr den grossen Edom misgonte: welches aber in warheit meine Meinung
nicht gewesen. Als Ahalibama dieses wieder beantworten wollte / verwehrte ihr
solches die Königin / sagend: sie hätten wenig zeit ubrig / des Abimelech
erzehlung hinaus zu hören / weswegen man ihn nicht ferner aufhalten musste. Als
nun Ahalibama ihr solches gefallen liesse / fuhre Abimelech fort seinen bericht
zu erstatten / folgender massen.
    Welcher gestalt Esau / neben dem Prinzen von Caphtor / dem Konig
Melchisedech zu hulfe zu kommen / sich nach diesem entschlossen / auch was mir
in Cus mit der mehr als grosmütigen Prinzessin Cölidiane begegnet / und wie ich
nach Gerar mich wendend /die Niniviten hieher / und die Assyrier nach Ninive
gehen lassen: solches wird gegenwärtiger Furst Arsas den ich unterwegs
gesprochen / E. Maj. berichtet haben. Ich will mich demnach hierbei nicht
aufhalten /noch auch zugleich die freude und den unlust beschreiben / so ich aus
E. Maj. gnadreichen zeilen /und aus des Arsas bericht / von dero verwirrtem
zustand allhier / und von des Cimbers tod / geschopfet: massen solches E. Maj.
vonselbst ihnen fürbilden /auch aus meinen antwort-zeilen sich erinnern können /
wie hoch ich beklaget / dass ich unümgånglich / auf meines herrvattern eifriges
begehren / nach Gerar reisen / und also die gelegenheit / meiner Königin hier
und in Ninive zu dienen / verseumen / auch wegen des so treuen als dapfren
Cimbers tod E. Maj. in noch grösserer gefahr wissen müssen.
    Diese zeilen (unterredte allhier die schöne Syrerin) mussten damals meine wut
entfinden / indem ich sie /sonder zu uberlesen / verbrannt habe: weil sie mich
in der fästen einbildung antraffen / dass mein Abimelech mir unbeståndig worden
wäre. Wan meiner schonsten Konigin ungnade (antwortete der verliebte Prinz) mit
diesen flammen nun völlig erloschen ist / so werde ich das geschicke meines
briefes nicht beklagen: und ist deme nichts anders widerfaren / als was alle
meine ehmals abgegangene küne briefe verdienet hatten. Ihr wisset / liebster
Prinz! (gabe sie ihm mit einem sussen blick zur antwort) dass alles / was von euch
kommet /mir das angenemste in der welt ist: und habe ich gegen euch nur damals /
als ich euch nicht mehr fur den meinigen halten dorfen / also gewutet. Aber ich
begehe iezt selber / was ich zuvor an der Ahalibama gestraffet: darum werdet ihr
nun eure erzehlung / ohn fernere hinternis / zum ende fure.
    Wie ich nun (fuhre er fort / ihrem befehl zu gehorchen) so geschwind / als
immer müglich / nach Gerar geeilet / um von dar desto eher wieder ledig zu
kommen / sah ich / zu meiner höchsten verwunderung /dass der Ahusat / im
Koniglichen schlosshof / von allen grossen am hof / ansehnlichst begleitet / mich
entfinge / und mich umarmend seinen bruder nennte. Bagastanes / der mit zugegen
war / erklärte mir sofort dieses rätsel / mich berichtend / wie dass dieser
Ahusat der ältste Prinz von Gerar wäre / und auch / wie ich / Abimelech hiesse:
dessen bisherige geheimhaltung / und deren ursach / ich hernach erfaren sollte.
Weil meine hierob bezeigte verwunderung / von allen anwesenden / und folgbar
auch von meinem ältern bruder / für ein zeichen meiner bekümmernis / dass ich
hierdurch die anwartung zur krone von Gerar verlöre /gehalten wurde / als
verdoppelte dieser Prinz seine liebkosungen / und versicherte mich / wie er in
Gerar gleiches stands mit mir leben / und keines wegs sich des rechts der
erstgeburt über mich bedienen wollte.
    Ich / der ich endlich aus meiner besturzung mich etwas erholet / gabe / über
diese erlangte kentnis meines bruders / ihme und den andern meine innige freude
zu verspuren: und gleich an E. Maj. gedenkend /befande ich / dass nichtes wäre /
so mein hiesiges Glück eher befördern konnte / als eben dieser gluckfall /der /
mich von der krone zu Gerar los machend / mir allhier eine weitbässere / durch E.
Maj. gutigkeit /würde zueignen konnen. Gleichwie ich nun vordeme den unbekanten
Ahusat herzlich geliebt / also vermehrte sich dieselbe gegen dem nunmehr
bekanten Abimelech um ein grosses / und erschienen wir bei hof / eine solche
vertraulichkeit erweisend / dass der Konig und die Königin / wie auch des Konigs
schwester die Prinzessin Andagone / eine grosse vegnugung darob entfunden. Ich
will mich hier nicht lang aufhalten mit der erzehlung / wie gut ich bei hof
entfangen worden / und wie der König mein herrvatter / meinen ältern bruder zu
lieben / mich ermanet: sondern ich will nur kurzlich sagen / wie es mit dieser
erkentnis des Ahusat / so mir nachmals der Bagastanes erzählt / eigentlich
zugegangen.
    Wie mein herrvatter die Königin Eglone / meine fraumutter / geehlicht / und
dieselbe keines wegs von ihrem falschen gotterdienst abstehen / sondern bei
ihrem Astarot beståndig verharren wollte / kame ihr in den sinn / ihren
erstgebornen sohn / ihrem herrvattern / dem König Abinael / nach Basan
zuzuschicken / damit er daselbst in ihrem glauben mochte auferzogen werden.
Diesem nun / als es zu Gerar kund worden / zu steuren / ersonne die verständige
Prinzessin Andagone das mittel / und name zu Gaza der Königlichen kinder ihre
erziehung über sich: da dann / aus dem ganzen lande / wie auch von frömden orten
/ die knaben von gleichem alter / zur gesellschaft mit uns auferzogen / und uns
in allem so gleich gehalten wurden / dass so wenig wir selbst / als die Konigin
Eglone / noch sonst jemand am hof / eigentlich wissen kunten / welche die
Konigliche kinder wären. Hierdurch wurde nun verhütet / dass Eglone / ihre kinder
nicht kennend / deren abschickung nach Basan einstellen musste: es diente auch
wohl zu unserer erziehung / dass wir alles desto ämsiger von unsern belehrern
aufnamen / weil die kentnis unserer hohen geburt uns keine hohfart und hinternis
bringen kunte. Unser rechter stand aber ware allein meinem herrvattern und der
Andagone bekant / die aus rümlicher sorgfalt und gutem fürsatz dieses also
angestellet hatten.
    Wie nun der König von Babel / einen sohn von dem König Abimelech zu geissel
begehrt / traffe mich die wahl / nach Babel zu ziehen: wobei dann ausgesprenget
wurde / wie dass ich der einige Prinz von Gerar wäre / gleichwie ich selber auch
nicht anders wusste. Also musste mein bruder Abimelech / unter den namen Ahusat /
verborgen bleiben: damit nicht / in erfahrung dessen / der tyrannische Belochus
darauf bestehen möchte / dass man auch diesen / gleich als mich / in seine hände
liefern sollte.
    Das frische gemüt des Ahusat / wollte ihn in die länge nicht zu Gaza lassen:
und ward er vom Konig /dem weissen Bagastanes / meinem hofmeister / in seine
aufsicht und erziehung anbefolen / weil Andagone mit ihm / wegen seiner wilden
natur / nicht mehr zu recht kommen konnte. Er erlangte auch endlich die erlaubnis
/ nach Babel zu gehen: da wir dann zum erstenmal / als erwachsen / einander
wieder sahen / und / wiewol unwissend dass wir brüder wären / gleichwol mit
brüderlicher liebe einer dem andern begegneten. Er lebte neben mir / als des
Bagastanes sohn: welcher dann / so viel er kunte / unsere freundschaft nehren und
befästigen halfe / auch algemach einen andern sitsamern menschen aus ihm erzoge.
Er verliebte sich nachgehends in die Prinzessin von Ammon / wovon ihn sein
ungleicher stand nicht abhalten kunte. Als /in dem damaligen Ammonitischen
kriege mit dem Konig von Basan / mein herrvatter dem Konig Hanon hülfe gesendet
/ kame ein geschrei nach Gerar / dass Ahusat im treffen geblieben wäre; welches
grosse bekummernis bei dem Konig und der Konigin erweckte / die auch etliche
jahre gewehret / weil Ahusat / nicht wissend / was zu Gerar an seinen leben
gelegen wäre /in der welt ümherreisete / und oft üm mich ware. Endlich / ungefär
vor etlichen monaten / als ich ihn von Damasco nach Gerar geschicket / erweckte
er daselbst eine unvermutete freude / und ward für den Kronprinzen erkant.
    Seine gedanken trugen ihn hierauf gleich zu der Ammonide: und wie dem König
nichtes lieber sein kunten / als durch solches mittel die stäte anwesenheit
seines ältsten sohnes zu verschaffen / als wurden gesandte nach Ammon abgeordnet
/ und daselbst alles richtig gemacht / auch beschlossen / dass von beiden höfen
nach Damasco eine botschaft abgehen sollte /üm die Ammonitische Prinzessin zu
werben und sie abzufordern. In solchem zustand hatte ich Gerar gefunden / und
erwartete mein bruder täglich antwort von seiner Ammonide / mich inzwischen mit
gesprächen von dieser seiner liebe stäts unterhaltend: welches ich dann hinwieder
täte / und ihme meine freude eröffnete / dass durch die kentnis seiner geburt mir
die gelegenheit wäre gegeben worden / in meiner liebe zu hoffen. Dieses nun war
die ursach / warum man mich nach Gerar fordern lassen. Weil die Andagone mich
von jugend auf herzlich / und mehr / als meinen bruder / geliebt / als war ihre
sorgfalt meinetwegen nicht gering / und wollte sie mir immer etwas sonderliches
und hochangelegnes offenbaren / daran sie aber allemal verhindert wurde. Weil
sie mir sehr anlage / die Prinzessin Colidiane zu ehlichen / als bewoge mich
solches / gegen ihr geheim zu sein / und lieber dem Konig meinem herrvattern in
vertrauen zu entdecken /was gnadgewogenheit E. Maj. mir erwiesen; der dann mit
diesen worten seine einwilligung gabe: Ziehe hin /mein sohn! und erlange dieser
schönen ihr reich Ninive wieder / um dadurch dich wurdig zu machen / dass sie
dieselbe kron mit dir teile. Wir wussten damals zu Gerar den rechten hiesigen
zustand noch nicht / und hatte ich ihnen nur von der Ninivitischen unruhe
gesaget: daher mein herrvatter also allein von dem reich Ninive geredet. Ich
truge auch bedenken / ihnen zu eröfnen / dass E. Maj. nicht des grossen Belochus
tochter sei: weil ich besorgte / sie möchten üm des willen mir verwehren wollen
/ die todfeindin des Assyrischen Konigs zu lieben / um ihnen nicht dieses
tyrannen hass von neuem aufzuladen.
    Ich eilete nun / wie ich diese gute erklärung erhalten / von Gerar hinweg /
üm Ninive so wohl wider die Dalimire / als wider den Belochus und Ninias zu
schützen / und dasselbe unter E. Maj. gehorsam zu bringen: weil mir damals noch
nicht bekant war / dass dieses reich E. Maj. jüngerer schwester zuerkant worden /
ich auch die Ninivitische gefahr fur grosser / als die hiesige / achtete / und
meine gegenwart daselbst am nötigsten erkannte. Dalimire und ihr ergebenster
Belopares / hatten mich durch schreiben inständig ermanet / mit meiner überkunft
zu eilen: weil sie den Ninivitschen tron nur mit zuwenden wollte / der ihr doch
selber nicht zukame. Weil nun / bei solchen umstånden / ich mich mehr der list
als der macht wieder sie zu bedienen hatte / als musste ich gegen meine natur
mich zwingen / und diesen auftrag annemen: üm dadurch sie sicher zu machen / und
mein vorhaben desto eher zu erreichen. Weil ich nacht und tag fortreisete / als
kame ich geschwind bis an das gebirge Mescha: dahin ich den Zalmon mit der
Assyrischen macht hatte furausgehen lassen / der noch nicht wusste / wozu ich sie
gebrauchen wollte. Daselbst aber offenbarte ich heimlich allein ihme und dem
Mitreus / weil ich dem Eupales / als des Belopares brudern / hierin nicht trauen
kunte / wie es in Ninive stünde: wie alda die Dalimire und der Belopares wider
den Konig von Assyrien sich aufgeworfen, auch der Sparetes / den der König dahin
gesendet / von seinem Konig zu ihnen getretten wäre: daher ihnen / als getreuen
Assyriern / oblige / wider diese aufrurer zu fechten / und die angelegenheit des
grossen Belochus in acht zu nemen. Sie billigten diesen meinen vortrag / und
erboten sich darüm soviel williger / meinem befehl noch länger zu gehorchen /
weil ich sagte / dass ich für ihren König stritte: dann sonst / mit der Seirischen
verrichtung / der gehorsam / den sie mir zu leisten schüldig / bereits
verloschen war.
    Wie ich nun auf solche weise mich dieser achtzehntausend Assyrier versichert
hatte / stellte ich eine andere geheime unterredung mit dem Eupales an / und
dieses ganze werk mit gezwungener falschheit treibend / eröfnete ich ihme / wie
sein bruder mir die Ninivitische krone neben der Dalimire zueignen wollte; und
gabe ihm darbei zu verstehen / wie ich verhoffte /dass er mir hierin nicht
entgegen sein / und seines bruders vorhaben befördern wurde. Nachdem er mir
solches mit vielen eidschwüren versprochen / bediente ich mich seiner / ihn an
die Dalimire und Belopares füraus zu senden / und ihnen meine ankunft zu
verkünden. Ich schäme mich / wan ich daran gedenke /was hofliche schreiben ich
an diese Fürstin müssen abgehen lassen: wie ich dann / als ich / hier ankommend /
E. Maj. ungnade verspüret / öfters vermeint /es müsse / ein dergleichen
schreiben / E. Maj. ungefär in die hånde geraten sein / und mir solchen unglimpf
erwecket haben.
    Wie nun Eupales abgefärtigt war / welches ich dem Zalmon und Mitreus nicht
verhelet / folgete ich mit dem ganzen heer hernach / und sezte mich unfern von
Ninive: da ich den zustand also befande / dass Dalimire / Sparetes und Belopares
/ (welcher aus ober-Syrien mit siebenzehentausend man zu ihr gestossen /) meister
in Ninive waren; die getreuen Niniviten aber /unter dem Fürsten Peldas und
seinem sohne Tarsis /den ort der stadt / so Cale genent wird / noch innen
hielten / und sich daselbst / wiewol kümmerlich / zur gegenwehr sezten. Bei
solchen umständen / sah ich nun kein bässer mittel / als ferner mich zu
verstellen. Demnach liesse ich dem Belopares ankünden / wie dass ich diese
achtzehntausend Assyrier / der Dalimire zum beistand / von Seir mit gebracht
hätte / und wåren sie geneigt / gleich ihren brüdern / dem befehl der Dalimire
zu gehorchen / und sich für sie zu erklären. Es ist leicht zu ermessen / wie der
Dalimire und dem Belopares dieses müsse gefallen haben / und kame der Belopares
alsobald zu mir ins lager / mich im namen der Dalimire zu bewilkommen und in die
stadt einzuholen. Zalmon und Mitreus erwiesen sich gegen dem Belopares auch ganz
höflich und vertreulich / und weil diese beide das ganze heer zu ihrem gehorsam
hatten / als fiele es uns nicht schwer / diese Assyrier dahin zu vermögen / dass
sie blindlings folgten /worzu wir sie gebrauchen wollten.
    Ich entschlosse mich demnach / in die stadt zu gehen / den Mitreus mit
etlich tausend Assyriern mit mir nemend; und musste ich leiden / dass in allen
gassen mir zugeruffen würde: Es lebe Abimelech und Dalimire in glücklicher
regirung! welche worte mir durch das herze schnitten / und hatte ich aller
meiner standhaftigkeit vonnoten / meinen verdrus zu verbergen. Ich hätte aber
schier dieselbe verloren / wie ich die Dalimire zu sehen bekame: die / auf E.
Maj. tron ganz übermütig sitzend und zum prächtigsten gekleidet / mich entfinge
/ und sich soviel demütigte / mir etliche schritte entgegen zu gehen / auch mich
/ auf den tron an ihre seite zu sitzen / nötigte. Ich gedachte bei mir selbst /
wozu es mir doch der himmel kommen liesse / und bereuete sehr / dass ich mich mit
meinen achtzehntausend Assyriern nicht alsofort öffentlich wider sie erklårt
hatte. Wan ich aber betrachtete / in was weitläufigkeit ich mich dadurch wurde
gestürzt haben / befande ich / dass ich / die Dalimire zu fällen /mich ihr noch
zur zeit gefällig erweisen müste. Ich hatte das vermögen nicht / sie anzusehen /
weil ich fürchtete / ich möchte ihr solche blicke geben / die ihr nicht
anständig wåren. Die noch bei ihr übrige wenige schamhaftigkeit / machte auch
sie die augen oft von mir abwenden / und ihre sonst beiwonende beredsamkeit fast
verlieren / als sie dieselbe gebrauchen wollte /mir den Ninivitischen zepter
anzubieten.
    Endlich hörte ich sie also zu mir sagen: Ihr sehet /edler Prinz / wie
gerecht die götter mein fürhaben finden / indem sie es also glücklich lassen von
statten gehen. Wie nun solches fürnemlich zu euren diensten geschehen / also
nemet auch nun von mir diesen tron an / den ich fur euch erlanget / und helfet
mir den undankbaren Belochus ferner bestreiten / der üm Aramenen willen mich so
liderlich verlassen dorfen. Eine tiefe verneigung ware alles / was ich hierauf
antwortete / und hielte ich / auch nur dieses / strafbar genug /weil ich damit
meine genem haltung der Dalimire beginnens anzeigte. Wie ich nun ferner mich in
ein gespräche mit ihr einlassen musste / welches wohl die saureste verrichtung
gewesen / die ich mein lebenlang gehabt / redte ich mit ihr ab / dass sie / zu
erhaltung ihres zweckes / der ietzigen unruhe des Belochus sich bedienen / und /
um diesen Konig desto kraftloser zu machen / seinen feinden beispringen sollte;
welches dann in Meden gegen dem Fürsten Nebajot geschehen konnte und musste. Sie
liesse ihr alles wohl gefallen / und verübelte mir nicht / dass ich nicht von
liebessachen /noch von meiner erkentlichen dankbarkeit / mit ihr redte: weil sie
solches meinem kriegerischen sinne /und der wichtigkeit unserer angelegenheiten
/ zuschriebe. Also liesse sie mich dieses erstemal ganz vergnugt von sich / ob
ich gleich ihr wenig liebeszeichen erwiesen hatte.
    Man sah mich nun an / als den Konig von Ninive /und stunde mir alles zu
gebot. Demnach / vermög meiner mit der Dalimire genommenen abrede / liesse ich
sofort den Oneballus und Ascasapes mit zehntausend man nach Meden gehen / und
diese hülfe dem Nabateer-Fürsten zufüren: wordurch des Belopares und Sparetes
macht geschwächet wurde / und ich also samt meinen mitgebrachten Assyriern der
stårkste verbliebe. Ich zoge dieselben nach und nach in die stadt /um / wan es
zeit sein würde / mich ihrer zu bedienen. Weil in dergleichen fällen an der
geschwindigkeit alles gelegen / und ich meine anschlåge nicht in die länge
schalten dorfte / auch mit der hochste unruhe von der welt diese
mir-unanständige person spielete /versicherte ich mich so fort des Mitreus / und
warnemend / dass der mich liebte / vertraute ich ihme meinen rechten anschlag:
wie ich nämlich Ninive für E. Maj. als die rechtmåsige Konigin / wieder zu
erobern / meine hochste angelegenheit sein liesse. Ich bate ihn hierauf / dass er
mit seinen unterhabenden meine seite halten / auch daneben sich gebrauchen
lassen wollte /dem Oberstatalter Peldas / wie auch dem Tarsis /meine Meinung in
höchster geheim / zu entdecken. Er name solches alles über sich / und war so
glucklich in dessen verrichtung / dass durch ihn warlich alles geschehen ist /
was meinen zweck also zum guten ende hat bringen können. Weil mir nun Peldas und
Tarsis heimlich alle nachricht gaben / wie Cale beschaffen war / als mussten des
Belopares haubtleute / Dercylus und Abieser / dieses teil von Ninive an der
stärksten seite unaufhörlich stürmen: dadurch sie also abgemattet wurden / dass
nun ich / neben dem Zalmon / den meister spielete.
    Hierauf erklärte ich mich unversehens fur den Konig von Assyrien / und liesse
den Belopares / Sparetes und ihren anhang für rebellen ausruffen. Innerhalb acht
tagen nach meiner ankunft in Ninive /brachte ich es in solche wege. Wie ich nun
also die erste larve abgezogen / musste ich der Dalimire selber ankunden / wie
sie war betrogen worden: weil sie /dem gerüchte nicht glaubend / zu mir kame /
dessen warheit von mir zu verdernemen. Ihre verzweifelte reden darf ich hieher
nicht widerholen. Gleichwol ihre mir erwiesene guttaten nicht mit gar zu vielem
undank zu belonen / liesse ich mir genügen / dass ich ihr die kron / so ihr nicht
gebürete / abgenommen / und verschaffete / dass sie mit sichrem geleit nach Meden
in ihr vatterland reisen konnte: dahin auch Belopares /Sparetes und die anderen /
auf ihr begehren / mit zugehen erlassen wurden. Weil ich sie schon mehr als
zuviel gesehen hatte / wollte ich sie nicht ferner sprechen. Ich wurde aber
berichtet / dass sie häftig über mich verbittert geblieben / und nichtes mehr
gewunschet / als den tag zu erleben / da sie ihre rache völlig gegen mir
auslassen könnte.
    Solcher gestalt ware nun / die erste befreiung von Ninive / glucklich
abgelaufen / aber damit der schwerste stein zu ihrer völligen erlösung noch
nicht gehoben. Weil ich / dem getreuen Zalmon / dass er seines herrn seite hielte
/ mit betrug ubel abzulonen /nicht tugendhaft befande / auch die leute / die mir
der König von Assyrien anvertrauet / gegen ihm selbst mit gutem gewissen nicht
gebrauchen kunte: als gedachte ich zwar / sie ruhig von mir ziehen zu lassen
/vermochte aber solches sonder anhang nicht zu volbringen / weil die Assyrier
meister von der stadt waren / und ich mich ganz allein sah. Diesem nach ersonne
ich diese list / und sagte / wie dass ich einen befehl vom Assyrischen hoflager
bekommen hätte /darin der Belochus begehrte / dass dem Prinzen Baleus / den die
Königin Mirina aus Elassar / wie auch die Prizessin Hercinde aus Basan uberzogen
/ eiligst welche von des Zalmons völkern zu hulfe ziehen sollten. Also brachte
ich den Zalmon / mit zwolftausend Assyriern / aus Ninive hinweg / und untername
/ mit den übrigen sechstausend die stadt zu verteidigen. Aber der Zalmon ware
kaum hinaus / da öffnete ich dem Peldas und Tarsis die tore / und liesse sodan
auch die übrigen Assyrier / ohne beschädigung / hinaus ziehen: da dann Mitreus
nicht von mir wollte / sondern ståts bei mir zu bleiben / sich entschlosse.
    Nachdem die zeitung hiervon im land erschollen /kamen die hin und wieder
verschüchterte Niniviten auch wieder vor den tag / und unter denselben des
Fürsten Arsas reu-tragender herrvatter / der Fürst von Cale: deme ich / auf E.
Maj. verhofftes gutbefinden /die freiheit / in Ninive zu bleiben / vergönnet
habe. Wie nun also Ninive / so wohl von den Assyriern / als von des Ninias
anhange / gånzlich gereinigt war / und alles in guter verfassung stunde /
überliesse ich dem verständigen Peldas die fernere furung dieses werks /und
eilete hieher: um so wohl meiner schonsten Königin dieses alles zu eroffnen / als
auch zu sehen /worzu ich etwan hier möchte nützlich erfunden werden. Hier hätte
ich nun bald den tod / an statt einer eingebildeten vergeltung / entfangen: und
würde ich /wan es ohn den beistand des treuen Cimbers / den ich ungefär und
unvermutet in Arver lebendig fand / gewesen wåre / noch sobald nicht aus diesem
verzweifelten zustande entkommen sein / der mir ganz unerträglich fiele. E. Maj.
sehen nun Ninive wieder unter ihrer botmässigkeit / und werden daselbst keine
äuserliche gewalt mehr zu fürchten haben / weil alle innerliche unruhe / die
diesen schaden angerichtet / aus dem weg geraumt ist / und der Belochus sich
nicht /noch weniger aber Dalimire / in dem zustand befinden / von neuen wieder
etwas feindliches daselbst anzufahen. Ich beklage nur / bei allen diesen
glücklichen und geschwinden verrichtungen / dass ich alles mehr durch list / als
durch dapferkeit / zu werk bringen /und dergestalt wieder meine natur und
gesonnenheit handeln müssen.
    Diese list / grosser Prinz! (sagte hierauf die Königin von Syrien) war die
wirkung eines dapfern muts /ohne welchen ihr nimmermehr so was grosses würdet
gewagt haben / und hatte allein dieses rumliche absehen / sonder beistand dieses
reich von dessen vielen feinden zu befreien. Ich bin demnach euch hierum hoch
verbunden / und danke dem gütigen himmel /der mir einen solchen helden
zugeschicket / der in so wenig tagen ein ganzes Konigreich befreien können. Ist
aber nicht daselbst der Prinz Dison von Seir / wie auch der Zaphis mit seinen
Niniviten / angekommen /oder sind sie euch nicht unterwegs begegnet? Sie sind
beide dahin abgereiset / und hat dem Dison meine schwester / als ernante Königin
von Ninive / selbige kron bestimmet. Ich habe ihrer keinen gesehen / (antwortete
Abimelech /) auch weder in Ninive / noch auf dem weg / etwas von ihnen gehöret.
Diese seine antwort beunruhigte / sowohl die Königin / als die Ahalibama: doch
trosteten sie sich mit der vermutung /dass sie / wegen der streifenden feinde /
sich verweilet / oder einen andern weg mochten genommen haben.
    Weil die kentnis von dem Ninivitischen zustand fürnemlich ihre schwester
anginge / als musste der Arsas nach dieser Konigin gehen / und dieselbe aus ihrem
zelt / welches nahe bei diesem war / heruber holen: die dann sobald sich
einstellte / und dem Prinzen Abimelech / in ihrer person / den schonen ehmaligen
Dison vorstellte. Sie verwunderte sich aber nicht wenig / den Prinzen von Gerar
bei ihrer schwester /und zwar also ausgesonet / zu finden: bekame aber bald von
allem völligen unterricht / da die Königin von Syrien ihr kürzlich seine
unschuld / und dann auch den zustand in Ninive erzehlte. Die Konigin von Ninive /
erkente sich / vor diss letzere / verbunden / ihm höchlich zu danken: der
hingegen sich seelig schäzte /der schwester seiner Konigin einen dienst erwiesen
zu haben. Sie konnte nicht unterlassen / wiwol nicht sonder errötung / nach ihrem
Prinzen Dison zu fragen: bekame aber gleichfalls die unvergnugte antwort / dass
er von ihm nichts wüste.
    Die schone Königin von Syrien / beschlosse hierauf von neuem / nicht allein
ihren Abimelech zum feldherrn zu bestellen / sondern auch / damit sie dem
Belochus alle hofnung in seiner liebe benemen möchte /diesem geliebten Prinzen /
mit dem ehisten / die Syrische kron aufzusetzen. Es verbitterte ihr aber ihre
zufriedenheit / die erinnerung der Colidiane und des Cimbers: worüber sie dann
tief zu seufzen / sich nicht entalten kunte. Als nun der verliebte Abimelech um
dessen ursach fragen wollte / kame sie ihm zuvor / und sagte: Ach Gott! wie
tauret mich doch / bei diesem unsren glücklichen zustande / die tugendhafte
Cölidiane / die eure unschuld liebster Prinz! sonder vergnugung vernemen wird /
nun dieselbe / nicht ihr /sondern mir zum bästen gereichen muss! Ach! dass ihr
doch zweimal in der welt wäret / damit ich mit wahrer völliger ruhe den einen
und meinen lieben dörfte! So sehr vergnügten diese verbundliche worte den
Prinzen / dass seine erkentlichkeit ihn ihr zu den sussen warfe. Aber nicht minder
bewegte ihn daneben / die erinnerung der Colidiane / nicht allein zu seufzen /
sondern auch milde tränen zu vergiessen: worin dann seine geliebte Königin / ihn
zugleich von der erden wieder aufhebend / ihm gesellschaft leistete.
    Indem sie aber noch hiervon redten / entstunde vor dem gezelt ein
ungewonliches geräusche / und wie der Arsas nach der ursach sich erkundigt /
kame er mit dem bericht zurücke / wie dass der feind aus Damasco einen starken
ausfall getan / und mit den Cyniras im gefechte stünde. Die Königin von Syrien
/ üm hierbei mit zu sein / forderte alsofort ihr pferd; und ob gleich der Prinz
Abimelech sie inständig bate / ihrer zu schonen / und ihn fechten zu lassen /
wollte sie doch nicht von ihrem fürhaben abstehen / einwendend: Sie wolle und
musse / bis sie ihm ihr ganzes heer offentlich anvertrauet håtte / inzwischen die
feldherrn-stelle vertretten. Als sie nun ihn auch beritten gemacht /sassen sie zu
pferd / und liessen sich im lager sehen /da schon alles in waffen stunde. Sie
bekamen eben nachricht / wie dass der feind in zwölftausend stark herausen wåre /
auch bereits den dapferen Cyniras aufgerieben håtte / und nun auf den posten des
Altobors los ginge. Suevus / Husan und Pannias / wie auch der Tubal /
begleiteten die Königin und den Abimelech nach dem ort des treffens: da ihre
gegenwart gewünscht kame / und dem streit gleich ein anders ansehen gabe.
    Der Prinz Sinear hatte mit sechstausend Assyriern /zweitausend / Canaanitern
/ auch sovielen Egyptern und Arabern / diesen ausfall getan: und begunte
Altobor bereits zu weichen / wie die Syrische Konigin mit ihren helden ankame.
Abimelech bliebe ganz entzücket / seine Konigin also kriegerisch zu sehen / und
merkte an sich / dass die furcht wegen ihrer person ihm den muht bename / so
frisch als sonst in den feind zu setzen: weil er stäts auf sie acht hatte / und
an nichtes / als sie zu schützen / gedenken kunte. Aber der Suevus verrichtete
das jenige / wovon dissmal die liebe den Abimelech abhalten musste: und befahle
dieser weisser Celte alsofort / dass von des Isters volkern viertausend ihnen
mussten zu hulfe kommen: wodurch der feind so dapfer zurucke getrieben wurde /
dass viel tausend auf dem platz blieben / und sie bis an das tor der stadt sich
verfolgt sahen. Es bekamen auch die Syrer verschiedene gefangene / unter denen
der Nechubes mitware. Sie hatten aber den Cyniras mit viertausend man verloren /
welcher edler Fürst von iederman sehr beklagt wurde: und erinnerte sich die
Konigin von Syrien / wie der Konig von Basun an ihm einen treuen freund verloren
hatte.
    Wie man nun wieder nach dem lager ritte / beschwerte sich Abimelech gegen
seiner Königin zum höchsten / und sagte / wie dass er nimmer fechten wollte / wan
sie ferner sich darbei befinden würde. Hiervon name sie gelegenheit / zu dem
Fürsten Suevus / der ihr an der andern seite ritte / zu sagen: Der Prinz von
Gerar hålt es ihm für einen hon / unter einem weibe zu fechten. Ich werde
demnach wohl tun / wan ich die waffen niederlege / und die furung meiner völker
diesem helden anvertraue: der keine ehr-eiversucht erwecken wird / weil ihm alle
diese verschiedene nationen gleich gelten / und nicht zu befahren stehet / dass
er eine der andern vorziehen / noch / weil er in diesem lager der einige
Philister ist / seine landsleute über die Celten / Syrer / Niniviten und
Cussiten erheben werde. E. Maj. wahl (gabe Suevus zur antwort) ist ganz edel und
hochvernünftig / und wird niemand unter uns allen sein / der es nicht für eine
sonderbare ehre schätze / diesen Prinzen / als E. Maj. erwehlten feldherrn / zu
verehren und ihm zu gehorchen. Es ist auch seine sorgfalt für E. Maj. person so
gross / als die unsere: daher wir alle üm das zu bitten ursach hatten / wessen E.
Maj. sich nun vonselber erkläret haben.
    Diese worte brachte Suevus mit einer sonderbaren betrübnis vor / und merkte
die Konigin gar wohl / dass die aussonung des Prinzen Abimelech ihme / wegen
seines Königs / nicht behagte / sich erinnerend / was der gute Fürst Cyniras ihr
erzählt / wie nåmlich der Prinz Suevus vor andern ihn angetrieben / des Konigs
von Basan wort bei ihr zu reden. Sie liesse sich aber dessen nicht merken / und
sich zu dem Abimelech wendend / sagte sie: Ihr habt gehoret / wie der Prinz von
Celten meine wahl auf eure person fur gut erkennet; darum werde ich mein
furnemen fåst stellen / das vollkommene gebiete über dieses ganze heer euch
morgen anzuvertrauen. Wiewol E. Maj. (antwortete Abimelech) unter sovielen
helden / viel tüchtigere /als mich / erwählen könten / so wird doch keiner in
dem eifer mir vorgehen / E. Maj. und diesem reiche mit muht und blut zu dienen:
wie ich dann / in annemung dieses hohen amtes / mein leben für E. Maj. wolergehen
aufzuopfern / mich hiermit verbündlich mache. Ihr müsst aber dergestalt (sagte
hierauf die schöne Konigin) dieses amt versehen / dass ihr stäts darbei erwäget /
wie viel mir und dem ganzen Syrien an erhaltung des Prinzen Abimelech gelegen
sei / und darum eure person ja so sehr schonen / als wie ihr heut von mir
begehret. Diese verbindliche worte /hatte sie mit fleiss hinzu getan / um
iederman zu erkennen zu geben / was für sie gedanken sie gegen den Abimelech
fürete: dann sie fand nicht mehr nötig /ihre zu ihm tragende liebe heimlich zu
halten. Das gerüchte liefe so fort durch das ganze lager / dass der Prinz von
Gerar General werden würde / und war niemand der sich nicht daruber freuete:
massen dieser held von allen menschen / sonderlich aber von den Syrern /
geliebt wurde.
    Nachdem sie im lager wieder angekommen / da man wegen der Syrischen Königin
in grosser sorge gewesen / begunte sowol die Königin von Ninive / als die von
Salem / wie auch die Prinzessin Ahalibama /sich über sie zu beschweren / dass sie
dergestalt ihre person in gefahr stürzte: sie liessen aber hiervon ab /als sie
vernamen / dass sie nun das leztemal sich in dem streit mit befunden hatte / und
fortin der Prinz Abimelech / als feldherr / ihre stelle vertretten würde. Wie
aber diese schöne / unter allen alda sich befindenden damen / die Colidiane
nicht ersah / vermutete sie bald / dass ein neuer gram sie zurucke halten müste.
Demnach / sobald sie gespeiset / und von der grossen gesellschaft sich los machen
kunte / auch als sie den Abimelech bei den andern gelassen hatte / um ihnen den
Ninivitischen zustand zu eröfnen: ginge sie nach dieser lieben Prinzessin / die
sie im bette nicht sobald ansichtig wurde / da zeigten gleich alle gebärden der
Colidiane an / dass sie wissen müste / was mit dem unschuldigen Abimelech
fürgegangen. Sie vermochte demnach kein wort hervor zu bringen / und wie sie mit
augen voll tränen / diese Prinzessin herzlich ümarmet / und sich auf ihr bette
gesezt hatte /sahen diese zwei freundinnen und mitbuleriñen / eine geraume zeit
/ einander mit unverwandten augen an /ehe eine von ihnen zu wort kommen kunte.
    Endlich brache Cölidiane dieses stillschweigen am ersten / und sagte: Ich
bin mir selber gram / dass ich E. Maj. bei ihrer jetzigen vergnügung muss unruhe
verursachen / und dass ich in mir die nårrische regung nicht ausbannen kann / die
mir das angedenken des Prinzen gibet. Liebste Königin! (fuhre sie fort / als sie
die augen abgetrocknet) hasset mich nicht / dass ich den Abimelech noch lieben
muss / und lasset mich in der vergnugung sterben / dass ich mit reiner
unschuldiger liebe bis in mein grab ihme bin zugetan verblieben. Ach wertste
Colidiane! (antwortete die betrubte Königin) warum hasset ihr mich nicht / dass
ich die einige hinternis eurer ruhe sein muss? und warum wünschet ihr mir nicht
den tod / um eure so edle liebe gekrönt zu sehen? Dieser hass und ein solcher
wunsch /(gabe Colidiane zur antwort) musse auf mich kommen. E. Maj. nemen mir
meine ruhe ganz ohn ihre schulde /und können dafur nichtes / dass ich mir des
Abimelech liebe eingebildet. Abimelech (sagte die Konigin) ist aber auch ja
sonder schuld / und betauret wohl von herzen / dass er dazu müssen geboren werden /
die vollkommenste tugend zu betrüben. Ach! seine zu grosse verschwiegenheit
(antwortete Colidiane) setzet mich in diesen jammer. Hätte er das erstemal zu
Salem mir eröffnen mögen / wie es mit ihm und E. Maj. beschaffen gewesen / so
wurde nimmermehr die liebe so tiefe wurzeln / die nun nicht mehr auszurenten
sind / in mir gefasset haben.
    Was kunte er aber sagen / (widerredte die Königin) da / an der geheimhaltung
unserer liebe / seine und meine wolfart hinge? Ach liebste Prinzessin! seufzet
nicht über den armen Abimelech / dass ihr ihn nicht unglücklich machet.
Uberwindet doch die unmuglichkeit: dazu eure vollkommene tugend euch wird
behülflich sein konnen. Aus liebe zu ihm und zu E. Maj. (sagte Cölidiane / mit
einem härtern ton) will ich nach allen kräften bemühet sein / euer beider ruhe zu
befordern / welches E. Maj. sicherlich glauben mögen. Aber nur üm eines will ich
bitten: dass nåmlich Abimelech nicht kommen möge / mich zu suchen / bis ich die
überwindung mein selbst völlig über mich erlanget habe. O grosse tugend! (rieffe
die schöne Königin) wie ist es moglich / dass dir der himmel kein bässers gluck
auf erden gönnet? Der himmel (antwortete Colidiane) will mich himmlisch haben /
weil er wohl weiss /dass ich mich in ein irdisches Glück nicht wurde schicken
können. Es ist an dem haus Syrien verschuldet worden / dass es des Ahusat
kindern so unglücklich muss ergehen / welcher / wiewol unschuldig / die ursach an
dem unglück des Königs Aramenes / E. Maj. herrvatters / gewesen ist.
    Wie hierauf die schöne Syrerin wieder antworten wollte / trate die Königin
von Salem / neben der Delbora / Danede und Jaelinde / zu ihnen hinein: die / auf
anregen der weissen Eurilinde / mit fleis die unterredung dieser zwei
unvergleichlichen mitbulerinnen störten / als welche ihnen beiderseits nicht
anders als verdruslich sein konnte. Sie wussten nun allerseits / wie es mit dem
Abimelech und der Königin von Syrien stunde: daher niemand war / der nicht das
geschicke der schönen Cölidiane beklaget / und doch dabei sowol die Konigin von
Syrien / als den Prinzen von Gerar / unschuldig erkant hätte. Wie nun diese
gesellschaft / von andren dingen zu reden / anlas gegeben /und man fürnemlich
des edlen Cyniras tod beklaget /schieden sie bei spatem abend wieder von dannen
/und liessen die Colidiane so betrübt in ihrem gezelte /als unruhig die Konigin
Aramena die nacht in dem ihrigen zubrachte.
    Aber der nunmehr als hoch erfreute Abimelech entfunde nichtes von dieser
bekümmernis / weil seine sinne unfähig waren / an etwas anders / als an seine
bevorstehende gluckseeligkeit / zu gedenken / zu welcher sich nun alles so
scheinbarlich anliesse. Er befande sich / in seinem gezelt / bei seinem herzens
freunde / dem Cimber: dessen zustand ihm allein in seiner vergnügung unruh
erweckte / zumal er sich schuldig hieran achtete / dass der sich ubel
aufbefunden. Dieses war ja wohl die warheit / ob schon nicht auf die weise /wie
es Abimelech ihm einbildete: dann dieser wusste nicht / dass Cimber sein mitbuler
wåre / und konnte demnach auch nicht vermuten / dass dieses Prinzen schwachheit
mehr aus dem gemüt / als von dem leib /herrurete. Also vermehrte er unwissend
dessen marter / indem er unaufhorlich von seiner vergnügung redte /wie er in
wenig tagen zu seiner hochsten glückseligkeit zu gelangen verhoffete / und
wieviel gnadenzeichen seine Konigin ihm gegeben håtte / daraus er abnemen konnen
/ dass sie ihme das / so er verlangte /nämlich die volziehung ihrer Ehe /
widerfaren lassen wurde. Tubal der mitzugegen war / und wohl sah /wie solche
zeitung den Cimber ie mehr und mehr anfochte / erinnerte zum öftern / dass es
zeit sein würde /zur ruhe zu gehen. Aber beide verliebte / so wohl der
ungluckliche / als der glückliche / beachteten solches nicht / und ward also ihr
gespräche bis in die mitternacht erstrecket.
    Nachdem sie hierauf / in einem zelt / zusammen sich zur ruhe geleget / und
der vergnugte Abimelech eingeschlummert war / erwoge der armselige Cimber seinen
zustand / und von anfang bis zum ende seine liebe überlegend / fand er / dass
der himmel ihm ganz hierinn entgegen sein musste / und dass er / ohne nachteil
seines beruffs und verletzung der tugend / nicht länger in solchem unbekanten
stand verharren könnte. Daher er / wiewol nach langem gedanken-streit / ihme
fästiglich fürname / sich selbst zu meistern / der unmuglichkeit zu weichen /
und den gram so ferne zu überwåltigen / dass der ihm nicht hinterlich sein konnte
/ mit dem ehesten / und zwar bevor Abimelech die besitzung der schönen Aramena
erlangen würde / sich hinweg zubegeben / und seinen rechten namen wieder
anzunemen: massen er sich nun zu schämen begunte /dass er so lang also gelebet
hatte. Oefters fiele ihm bei / die Prinzessin Jaelinde zu lieben: aber ein
einiger gedanken-blick nach der schonen Syrerin / stiesse dieses sein fürnemen
gleich über einen haufen / und fülete er wohl / dass es ihn ja so saur ankommen
würde /eine andere liebe anzunemen / als seine erste zu verlassen.
    Wie nun unter solchen seinen gedanken die nacht verstrichen war / und das
schone morgenlicht herfür brache / schlummerte Cimber erst ein / als ein feind
des tages / und ermunterte sich hingegen der vergnügte Abimelech: welcher /
seinen freund schlaffen sehend / mit leisen schritten von ihm ginge / und sich
auf das herrlichste / wider seine gewonheit / heraus schmuckte / um sowol dem
ganzen heer / dem er sollte vorgestellt werden / als seiner Königin / desto mehr
zu gefallen: wiewol er dessen nicht notig hatte / weil ohnedas sein annemliches
wesen alle welt bezaubern konnte / dass er hierzu keinen äuserlichen zusatz
bedurfte. Wie er nun also vor dem gezelt seiner Königin erschienen / fand er /
dass diese schöne allschon für ihn ihre sorgfalt blicken liesse / indem / auf
ihren befehl / alle die grossen aus dem ganzen heer / sich daselbst bereits
versamlet hatten / um bei seiner vorstellung gegenwärtig zu sein. Es wurde das
heer in drei haufen gezogen und gestellet / um dem feind nicht raum zu geben /
sich dieser zusammenfurung zu seinem vorteil zu bedienen. Hierauf liesse sich die
schone Konigin von Syrien / neben ihrer schwester / auch den meisten anwesenden
Koniginnen und Prinzessinnen /vor dem gezelte sehen: und hatte sie nicht mindern
fleis / als ihr geliebter Prinz / angewendet / ihme zu gefallen / sich etwas
herrlicher / als sonsten / anzukleiden. Seine verliebte augen wandten sich
niemals von dieser wunderschonen ab; und sie / die nun ihrer tugendhaften
zuneigung alle freiheit liesse / gabe hinwider ihrem Prinzen die holdseligste
blicke: voraus dann alle / die sie sahen / auch diejenigen / denen zuvor von
dieser liebe nichtes kund gewesen / wohl abmerkten / dass keine gemeine zuneigung
zwischen ihnen sein musste. Es war auch keiner unter allen Syrern / der hierwider
etwas dachte oder redte: massen sie alle zum himmel ihren wunsch aufschickten /
dass dieser beliebte held ihr König werden möchte.
    Als sie nun ingesamt zu pferd sitzen wollten /wurde der Prinzessin Ahalibama
ein schreiben gebracht / in welchem sie ihrer mutter hand erkannte /und daraus
sich berichtete / wiedass ihr herrvatter /zwar todlich krank / zu Aroer
angekommen wäre /und sie zu sehen höchst verlangte. Dieses nun machte / dass sie
die Konigin von Syrien um erlaubnis bate /zu ihm zu reisen: dahin dann die
Königin von Ninive /um ihres Disons vattern zu sprechen / wie auch die
Mehetabeel / sie begleiten wollte; welches ihr die Konigin von Syrien gefallen
liesse. Mitlerweile nun diese / nach Aroer zu gehen / sich fårtig machten /
ritten die andren nach dem heer: da das volk / mit allgemeinem freudengeschrei
und Glück-zu-ruffen / die schöne Königin Aramena und ihren neuen feldherrn
bewilkomten / und von dem höchsten bis zu dem nidrigsten eine sonderbare freude
über dieser wahl der Königin blicken liesse. Also wurde nun der Prinz ihnen allen
zum General vorgestellt / worbei die Konigin eine sonderbare rede hielte: aus
welcher die scharfsichtigen wohl abmerken kunten / wiedass es mit dem Abimelech
nicht bei dem namen eines Generals verbleiben würde / sondern demselben noch
eine viel höhere / und zwar die höchste würde / bestimmet wäre.
    Der getreue Fürst Husan / der dieses vor andern merkte / kunte hierüber in
seinem herzen sich nicht genug erfreuen / und hielte diese der Konigin wahl für
so edel / er nachgehends / wie sie wieder in ihrem gezelt und zwar allein sich
befunde / mit ihr davon zu reden / gelegenheit suchte. Weil die ümstände nicht
mehr erforderten / dass die Königin / wie bisher / ein geheimnis hiervon machte /
als offenbarete sie diesem Fursten die ganze beschaffenheit ihrer zu dem
Abimelech tragenden liebe / und beschlosse: wiedass sie in der hoffnung stünde /
die Syrer würden diese ihre wahl genem halten / und nichts dagegen einzuwenden
haben. Husan / nachdem er sie dessen teuer versichert / gabe ihr den raht /
nicht allein alsofort offentlich diesen Prinzen fur ihren geliebten zu erklären
/ sondern auch mit volziehung der heurat zu eilen: damit man denen in Damasco
alle hofnung benäme / durch ihre person mit dem hause Assyrien iemals vereinigt
zu werden. Der schonen Königin wangen wurden ganz mit schamrote bedecket / als
sie diesen vortrag des Husans anhörete. Sie folgte aber seinem einrat / gabe
auch ihm und dem Arsas das gewerbe an den Prinzen Abimelech / ihm diese fröliche
post zu bringen / dass das konigliche beilager innerhalb vier tagen sollte
gefeiret werden.
    Dieser Prinz befande sich eben bei dem Cimber /der sich / ohne iemands
wissen / in seinem zelt noch immer aufhielte / als Husan und Arsas / ihn zu
sprechen / sich ansagen liessen. Wie er nun zu ihnen hinaus gegangen / und diese
gewunschte botschaft vernommen / umarmete er einen nach dem andern zu
tausendmalen / und wusste nicht worte zu finden / seines herzens vergnügung gegen
ihnen satsam auszureden. Sobald er nur von ihnen gekommen / eilete er erstlich
zu dem Cimber / ihn seiner freude teilhaft zu machen. Hiernächst konnte er sich
nicht entalten / seiner schönen Konigin dafur in person dank zu sagen. Als er
zu ihr hinein kame / ward sie ganz erotet / und stellete sich dabei gegen ihm so
fromde / dass er anfangs nicht wusste / was er daraus schliessen sollte. Wie er aber
verspürte / dass die schamhaftigkeit und ihr ehrbares gemüt sie also handlen
machte / liesse er ihm diese bezeugung nichtes von seiner entzückenden freude
benemen / und ergriffe ihre schone hand: die er unzehlige-mal küssete / und
dabei mit den allerbeweglichsten worten seine glückseligkeit priese / darein er
von ihr gesezt würde.
    Betauret ihr aber nicht / (fragte sie ihn / unter vielen andern gesprächen)
dass hiedurch eine so tugendhafte Prinzessin / als wie die Colidiane ist / wird
müssen betrübet werden? Meine glückseligkeit (antwortete Abimelech) wurde
unaussprechlich sein /wan mich nicht dieses andenken ein wenig zurück hielte.
Doch bitte ich / meine liebste Königin wolle mir iezt keine erinnerung derer
dinge geben / die meine ruhe verhintern konnen. Wan ihr aber nicht undankbar
heissen wollet / (wiederholete die Königin) so müsst ihr diese tugendhafte seele
beklagen / die euch so viel gutes erwiesen / und deren ich es zu danken habe /
dass mein Abimelech noch lebet. Freilich beklage ich sie / (gabe Abimelech zur
antwort) und zwar mehr / als ich zu sagen weiss. Ich vermeine aber / es konne mir
/ in dieser meiner grossen freude / nicht verüblet werden / dass meine sinne iezt
einig und allein auf dieselbe gerichtet bleiben / und ich / in erwägung meines
glückes / alles / was mich betruben kann / auf die seite setze. Ihr werdet aber
doch / dapfrer Prinz! (sagte die Konigin) eurer hierbei nicht so gar vergessen /
dass ihr euch nicht eurer sorgfalt für dieses grosse heer / das euch anvertrauet
ist / erinnern soltet: massen ich befahre / das volk werde übel von seinem
General urteilen / wan er zuviel zeit und stunden seiner liebe widmet. Diese
worte gaben dem Prinzen zu erkennen / dass die Konigin seine längere geheime
unterredung nicht gern sah: weswegen er / wiewol mit harter muhe / von ihr
gleichsam abgerissen wurde.
    Nachdem er sie verlassen / überlegte diese tugendhafte Königin bei sich / ob
sie des Königs von Basan / und des Tuscus Sicanus oder Cimbers liebe nun länger
dem Abimelech verhelen / und was sie mit dieses lezten seinen schriften und
kleinodien vornemen sollte / die ihr von der Jaelinde zugestellet worden. Weil
Cimber nicht wusste / dass sie dieses sein kästlein in hånden / noch auch / dass
sie kentnis von seiner liebe hätte / als befande sie ratsamer / ihme so wohl /
als dem Abimelech / dieses zu verhelen. Sie kunte auch /wiewol sie noch eine
ungemeine hochachtung und ein grosses mitleide für diesen Prinzen in sich
entfunde /nicht nachgeben / dass Cimber ferner ihr bildnis / mit ihrem wissen /
besitzen sollte. Also beschlosse sie /ihren Prinzen vor dem Konig von Basan zu
warnen /des Cimbers kleinodien aber in das lådlein wieder zusammen zu legen /
und auser ihrem bildnis und den schriften / wohl verwahret dem Arsas zu
überliefern /mit befehl / dass er solche unvermerkt in des Cimbers gezelt legen
sollte damit selbiger nicht wusste / wie sie dahin gekommen wären. Diss letzere /
wurde nun / folgenden tags / durch diesen treuen Fürsten aufs bäste verrichtet:
welcher eben die gelegenheit fand / die kleinodien dem Tubal in seinen rock zu
bringen / dass er dessen nicht gewar wurde.
    Abimelech entfienge inzwischen in seinem gezelt /von allen grossen aus Syrien
/ die unter dem heer sich befunden / die glückwünschungen wegen des Syrischen
trons / und wegen bevorstehender heurat mit ihrer schönsten Königin: massen er
auch / in betracht dieser umstände / bereits als ihr König angesehen und verehrt
würde. Der lehre seiner Konigin nach zukommen / zwunge er sich / soviel er konnte
/ von ihr zu bleiben / und ritte / mit dem Husan / Nahor / Sachar und andern
Syrern / nach des Rames Fürstens von Jedlaph gezelt: welcher über den tod seines
einigen sohnes / des wackern Cyniras / sich nicht zu frieden zu geben wusste.
Diese ehre von seinem künftigen König / erquickte ihn nun nicht wenig / und
machte /dass er / seinen kumer möglichst verbergend / seine grosmut zu erweisen /
sich nachgehends / wie Abimelech wieder von ihm ritte / mit zu pferd sezte / und
ihm zeigte / was seine leute an den schanzen arbeiteten / und wie weit sie damit
gekommen wären.
    Als sie hiermit / gerade gegen einem tor von der stadt uber / vorbei kamen /
öffnete sich dasselbe unversehens / und vermeinten sie anders nicht / als dass es
wieder einen ausfall bedeutete: demnach wurde so fort des Rames volker zusammen
gezogen / und dem Gaisus / der ihm am nåchsten stunde / befehl erteilet /mit den
seinigen sich fårtig zuhalten / um ihres entsatzes versichert zu sein. Indem nun
ein grosses heer aus Damasco auf sie zu kame / sahen sie / dass einer von ihnen
füraus rante / welcher / vor den Abimelech gebracht / ihm zu wissen täte /
wiedass Ardeus und Arteman mit viertausend Niniviten / wie auch Altadas mit
zweitausend Syrern / zu ihnen übergingen / und ihr langes furnemen hiermit
werkstellig machten / ihrer Königin Aramena ihre dienste anzubieten. Jederman
war erfreut über diesem neuen zuzug und wurden nun die ankommende mit verlangen
erwartet: denen der Abimelech den Mitreus entgegen sandte / um sie zu versichern
/ dass sie wilkom sein wurden. Sie wurden auch folgends / mit grossem
freudengeschrei des ganzen heers / entfangen / und diese sechstausend man /von
des Abimelech und Rames leuten ümschlossen /nach dem haubtlager gefuret. Weil
Ardeus / Arteman und Altadas die Konigin von Syrien zu sprechen verlangten / als
brachte Abimelech sie sofort in ihr gezelt / da sie / vor ihr nieder kniehend /
sie um vergessung der vergangenen dinge inståndig anfleheten / und auf künftig
alle treu und gehorsam ihr zu leisten angelobten.
    Die gütigkeit der durchleuchtigen Syrerin Aramena ware gleich bereit / den
Ardeus und Arteman aufzunemen / und sagte sie: Sie håtte / mit dem namen der
Konigin von Ninive / die gedåchtnis alles dessen /was ihr ehmals zuwider
geschehen / hinweg gelegt /und wollte sie hoffen / dass ihre schwester / die
Konigin von Ninive / die ihr angebotene treue dienste vor Damasco zu leisten /
ihnen gern erlauben würde. Hierauf ginge sie vor das gezelt hinaus / alle mit
gekommene hohe kriegsbediente zu grüssen: da sie sonderlich dem Altadas und
seinen mitgekommenen Syrern bezeugte / dass diese ihre gefasste Entschliessung ihr
sehr angenem wåre. Weil aber alle grossen verlangten / von diesen aus Damasco
angekommenen zu vernemen / wie es in der stadt zustunde / als wurde Ardeus /
Arteman und Altadas / nach eingenommenem mittagmal / worbei der Abimelech /
Husan /Rames / Barzes / Arsas / und alle andere hohe kriegsbediente / sich
eingefunden / in der Königin inneres gezelt zukommen / beruffen: da dann Ardeus /
ihnen und dem anwesenden frauenzimmer / den nachfolgenden bericht erstattete.
    Welcher gestalt der verschlagene Ninias von Ressen uns verfüret / und ursach
gewesen / dass wir /ihme zu dienst / uns bisher Assyrisch erklåret / solches ist
leider genug am tag / und daher unnötig / dessen mit mehrern zu erwähnen: massen
auch / die himlische gütigkeit der grossen Aramena / uns dieses schon verziehen
hat. Wir fületen aber also fort eine håftige reue / wie wir allein in Damasco
zurück blieben / und uns auf deren seite befanden / die nicht allein unser
vatterland zu zerstören / sondern auch unsere Konigin so unbillig alhier zu
bekriegen / sich angelegen sein liessen. Auf diese reue folgte nun der fursatz /
uns des Assyrischen jochs zu entladen / und bei erster gelegenheit / wie auch
nun erfolget ist /uberzugehen / und zu E. Maj. völkern zu stossen. So geschwind
liesse sich dieses zwar nicht tun / und mussten wir eine rechte bequeme zeit
erwarten / da der Assyrier sicherheit unserer freiheit mochte zu statten kommen.
Unter solchem harren / mussten wir nun mit verdrus ansehen / wie den beiden
Konigen von Babel und Canaan eine ansehnliche hulfe / von den Egyptern / Sabeern
/ Arabern und Mohren zukame / die bei vier und zwanzig tausend man zusammen
brachten: worbei der Pharao Uchoreus in person / wie auch die Petasiride von
Saba / und der Prinz Mardocentes sich befunden. Dieses brachte nun allen
Assyrisch-gesinten in Damasco die gröste freude / und hielten sie es für so gut
/ als wan sie eine grosse feldschlacht gewonnen hätten.
    Die schonheit der Perasiride stunde dem Belochus so wohl an / dass man fast
sprechen wollte / als wäre die fähig gewesen / ihn von seinen gedanken / E. Maj.
betreffend / abzubringen: wiewol ich solches so gewiss nicht sagen kann. Doch ist
dieses unlaugbar / dass /nach der Sabeischen Königin ankunft / der Belochus sich
weniger unruhig uber E. Maj. abwesenheit erwiesen / und hat man ihn von der
schonen Aramena nicht mehr so viel / als vordessen / reden hören. Der Konig Beor
ist schwerlich krank / daher ich von ihm nicht sagen kann / ob seine unzeitige
liebe zu der Ahalibama etwas habe abgenommen. Aber der verliebte König von
Egypten hoffet / von einem tag zum andern / auf die ankunft seiner tochter / der
Prinzessin Amesses /welche mit zwolftausend Egyptern / und achttausend Assyriern
/ die der Laristenes aus Elam füret / erwartet wird. Und weil sie in Damasco
sich wohl einbilden können / dass man im lager allhier dieser ankommenden starken
hülfe den durchgang bässer / als das erstemal geschehen / bestreiten würde / als
hat man ihnen entgegen gesandt / und sie warnen lassen / nicht den geraden weg
aus Elam hieher / sondern durch das land Hus auf Palmira zu gehen. Weil nun
überdas auch des Konigs Scheba von Cus anzug mit zwölftausend man vermutet wird
/ als ist des frolockens in Damasco kein ende.
    Es hat zwar diese freude sich zimlich vermindert /nachdem vor zween tagen
der Chaldeische Prinz Sinear / mit so grossen verlust / in die stadt zurücke
geschlagen worden / und eine ansehnliche manschaft im stiche lassen mussen. Es
nimmet auch schon der hunger und die teurung sehr überhand / daher man dem
feinde keinen grössern abbruch / als mit der langsamkeit / wird tun konnen. Weil
sie durch kundschaftere von hier erfahren / dass man sich ruste / ehist auf der
seite bei der Kemuelsburg die stadt zu stürmen / als haben sie sich alda stark
zur gegenwehr gerustet: daher man an selbigem ort viel volk verspielen / auch
besorglich gar vergebens arbeiten möchte. Den Prinzen Dison von Seir haben sie
in Damasco eingebracht / auf den ein heer von viertausend Assyriern / so von
Babel kame / gestossen / alle die seinen niedergemacht / und ihn gefangen
genommen: und kamen sie eben damals bei nacht in Damasco / als der König Pharao
durch das lager gebrochen. Der Konigin von Syrien betrubnis uber dieser
nachricht / liesse ihr nicht zu / sonder zwischen-reden dieses anzuhoren: und
beklagte sie mit vielem seufzen dieses dem Prinzen Dison zugestossenes ungluck /
von welchem sie leicht vermuten konnte / dass es ihrer und seiner schwester grosse
sorge verursachen würde.
    Es wird zwar dieser Prinz (fuhre Ardeus hierauf fort) wohl gehalten / weil
ihn Belochus der Petasiride zum gefangenen geschenket: die anfangs von einem
todlichen hass gegen ihm gesaget / aber nachgehends mildere gedanken geschöpfet /
und nun nicht mehr so streng wider ihn verfäret. Weil er gehen darf / wohin er
will / als haben wir / diese gelegenheit nicht aus handen lassend / uns bei ihm
angemeldet / und unser grosses fürhaben ihm entdecket: da er dann begierig wurde /
zugleich mit uber zu gehen. Weil er aber grosse gefahr hierbei sah / da man ihn
/ bei seiner freiheit / dennoch genau in acht nimmet / und nie ohn eine wacht
von der Petasiride getreusten leuten gehen låsset: als hielte er fur ratsamer /
seinem verhängnis länger nach zu warten / als E. Maj. diese unsere hiemit
überbrachte hülfe zu entziehen. Unsere eilfärtigkeit / als wir eine bequeme
stunde / unser fürnemen werkstellig zu machen / ersehen / hinterte diesen
Prinzen / ein schreiben uns mitzugeben. Doch hat er uns aufgetragen / seinen
zustand / und dass es ihme noch wohl erginge / ob er gleich den namen eines
gefangenen füre / zu eröffnen.
    Der Furst Zophar lässet hierneben seinen ergebensten gehorsam E. Maj.
vermeiden: und ist er ursach daran / dass Altadas mit zweitausend Syrern samt uns
ist übergegangen / wozu wir auf solche weise geraten sind. Als heut ein
allgemeines fest / der grossen Isis zu ehren / angestellet worden / worbei alle
fürnemste Assyrische kriegsbediente erscheinen mussten / wurde dem Arteman dass
tor / wo wir heraus gekommen / zu verwaren eingeraumet / und die daselbst
gestandene Assyrier auf dem tempelhof zu erscheinen beruffen: daher uns leicht
fiele / mitlerweile alles in hochster andacht war / mit des Artemans hülfe /
durch dasselbe tor zu entkommen. Wir sprengten dabei aus / üm desto leichter
durch zu kommen / wie wir einen ausfall tun wollten / inzwischen die andern in
ihrem gottesdienst begriffen wären. Dieses hat nun der himmel glucklich lassen
von statten gehen / und biete ich hiemit / im namen aller mitgekommenen Syrer
und Niniviten / unser blut an / solches in E. Maj. diensten aufzusetzen:
versicherend / dass wir fortin / mit getreuster ergebenheit / dasjenige wieder
einzubringen uns befleissigen werden / was bisher unser unglück uns hat verseumen
gemacht.
    Hiemit beschlosse Ardeus seinen bericht / und erweckte bei seinen zuhorern
allerhand nachsinnen: da sie sonderlich in sorgen gerieten / es mochte Phalacus
der Egypter verfehlen / und also diese ansehnliche hülfe / dem feinde zum båsten
/ in die stadt gelangen. Daher ward beschlossen / gegen alle strassen in
bereitschaft zu stehen / und inzwischen das furgehabte stürmen einzustellen: bis
sie nachricht / sowol von dem Tare aus Ober-Syrien / als von des Phalacus und
Hezrai verrichtungen / wie auch die bevorstehende hülfe des Prinzen von Hevila /
würden erlanget haben. Um nun dem Ardeus / wie auch in dessen person dem Fursten
Husan / seinem vettern / sich gefällig und erkentlich zu erweisen / wurde ihm
die ledige stelle / die der edle Cyniras vertreten / anvertrauet /auch dem
Arteman und Altadas ansehnliche kriegsbedienungen unter ihme zugewendet: dadurch
dann Ardeus / mit seinen sechstausend Niniviten / ein eigenes tor vor Damasco zu
beschanzen und anzugreifen bekamen / welches ihm dann wohl zu seinem vorhaben
diente.
    Sobald aber der spate abend eingetreten / suchete er gelegenheit / die
Furstin Perseis zu sprechen: die dann mit gleicher begierde seiner wartete. Wie
sie nun ganz unvermerkt zusammen gekommen / sagte Perseis zu ihme: In was
ängsten bin ich doch euretwegen gestanden / dass ihr so lang zukommen verzogen:
massen ihr nur noch drei tage ausbleiben mogen / so würde von diesem unsern
grossen fürhaben nichtes geworden sein / weil die Königin / dem Abimelech alsdan
die ehliche hand zu geben / sich beschlossen hat. Ich habe unmüglich eher
(antwortete Ardeus) hierzu gelangen mögen / und danke den göttern / dass noch
zeit übrig ist: weil dieses das einige mittel sein wird / den frieden zu
verschaffen / und vieler tausend menschen blut zu verschonen. Ist aber allem dem
also / (fragte Perseis) was ihr uns heut berichtet? Nicht die hälfte davon ist
wahr / (antwortete er) und musste ich mich mit lügen behelfen / üm meinen
zuhörern mich beglaubt zu machen. Dan an statt / dass man in Damasco der
angekommenen hulfe sich gross freuen sollte / lebet man in grossen sorgen / und
sihet wohl / dass ihnen die hiesige gewalt überlegen sei. So stehet es auch alles
in Babel / Ninive / Meden und Canaan so übel fur den Belochus und Beor / dass es
nicht schlimmer dienet. Ist aber (fragte Perseis) unser Konig in die Konigin von
Saba verliebet? Das musste ich nur vorgeben /(widerredte Ardeus) üm die Konigin
alhier sicher zu machen. So ist auch der Beor nicht krank: welches ich ersonnen
/ üm der Ahalibama alle furcht zu benemen /dass man iezt auf sie einen neuen
anschlag schmiede. So kommen auch wohl nicht Petosiris und Laristenes (fragte
Perseis) durch einen ümweg aus Elam? Keines wegs! (antwortete er) und werden sie
die gerade strasse gehen.
    Wie wan man aber hier erfåret (wandte Persis ein) dass ihr soviel dings nur
erdichtet? Bis dieses geschihet / (gabe Ardeus zur Antwort) mussen wir schon in
Damasco sein. Ihr machet mir aber angst / (sagte die Perseis) mit eurem bericht
/ von der grossen hungersnot / die schon in Damasco sein soll. Meine Fürstin
gläube das nicht! (erwiderte er) massen ich es zu dem ende ersonnen / üm sie
hier dahin zu bereden / wie es mir auch schon eingetroffen / dass sie in allem
langsam gehen / und wider die stadt nichtes mit voller macht anfahen. So wird
auch dieses erdichtet sein (sagte die Fürstin) dass der Prinz Dison von eurem
übergang zuvor gewust habe? und wird der Zophar auch wohl keine geheime
unterredung deshalben mit euch gepflogen haben? Der Prinz Dison (gabe er zur
antwort.) ist durch des Ninivas list in Damasco gekommen / und weiss von uns
nichts. Was aber den Zophar betrift / ist die warheit: dann wir so wohl ihn / als
euch allhier / betrogen / und ist er ursach daran / dass die zweitausend Syrer
mit uns ubergegange. Er weiss aber nicht / dass ich die zu dem ende aus Damasco
gefüret / üm die Königin von Syrien bald hinein zu bringen: gegen deren / und
der Ahalibama / wie auch der Amesses / ankunft / das grosse Isisfest zu begehen
/verschoben wird / welches man / allein in meiner erzehlung / heute feiret. Wie
greifen wir es aber (fragte die Perseis) nun weiter an / und woher ist so ein
schleuniges mittel zu nemen / so geschwind / ehe die heurat der Königin mit dem
Philister-Prinzen volzogen wird / dieselbe / samt der Ahalibama / aus allen
diesen viel tausend gewaffneten / die sie bewachen /zu entfüren?
    Geehrte Fürstin! (antwortete Ardeus) dafür lasset nur mich sorgen. Es geht
alles so wohl von statten /dass ich an dem guten ausgang nicht zu zweiflen habe.
Man vertraute mir und meinen volkern / sobald ich nur angekommen / einen gewissen
posten: wodurch ich die bäste gelegenheit erlanget / den weg nach der stadt
offen und frei zu behalten. Wan nun der angestellte hochzeit-tag einen ieden
nichts als zu freuden aufmanen wird / werde ich nicht feiern / nach der stadt
das abgeredte zeichen zu geben / dass es nun zeit sei /unsren anschlag zu
vollfüren: da dann ihr und Merone dass eure hierbei werdet zu tun wissen. Ich
werde (antwortete Perseis) mich zu allem bereit finden lassen / und weiss / dass
Merone eben also gesinnet ist. Ich vermag aber / mein Fürst: für dismal nicht
länger bei euch zu bleiben / weil ich in der Königin kammer schlaffe / und mein
längeres verziehen mir leichtlich einigen verdacht erwecken konnte. Hiermit gabe
sie ihm urlaub / und unterliesse er nicht / im hinaus gehen / alle gelegenheit
wohl in augenschein zu nemen / und die wachten zu betrachten: welche alle diesen
Fürsten ungehintert hindurch gehen liessen / sobald sie nur seinen namen nennen
gehöret; weil niemand im ganzen heer war / der nicht den Ardeus / wegen seines
ubergangs / hoch geschätzet und verehret hätte.
    Folgenden tags kame von Aroer die Königin von Ninive / neben der Ahalibama
und Mehetabeel / wieder ins lager / und als sie bei der Konigin von Syrien
abgestiegen / erkannte die sofort / an der Ahalibama betrübtem wesen / die
unzufriedenheit ihres gemutes: und mochte sie nicht gleich nach dessen ursache
fragen / als besorgend / dass etwan der Fürst Ana / ihr herrvatter / todes
verblichen wäre. Ahalibama aber /bename ihr diese gedanken / indem sie selbst
wehmütig ihr erzehlte / dass sie aus staats-ursachen / (wie vordessen auch mit
dem Beor geschehen) die zwischen ihr und dem Esau aufgerichtete
heurat-verschreibung unterzeichnen / und also ihre ruhe für das heil der ihrigen
dahin geben müssen. Die Konigin von Syrien war hierauf bemühet / ihr gemüte
dieserwegen zu frieden zu sprechen / und wie sie allemal des Fürsten von Edom
seite gehalten / also täte sie solches nun noch vielmehr / da es eine
ausgemachte sache ware. Sie erfure folgends von ihnen / wiedass des Ana
unpäslichkeit so gefärlich nicht wäre / auch dass derselbe den ehmaligen groll
gegen seinem sohn fahren /und grosse vergnugung blicken lassen / als er vernommen
/ was es nun mit ihm und der Konigin von Ninive für eine beschaffenheit hätte.
Wie nun die Königin von Syrien ihnen hinwider erzählt / was sich seit ihrer
abwesenheit begeben / wie Ardeus ihnen zu hulfe gekommen / und wie über zween
tage ihr beilager mit dem Abimelech sein wurde / bezeigten sie darüber höchste
freude: wiewol hernach der bericht von dem Prinzen Dison / dass der in Damasco
wäre /so wohl der Konigin von Ninive / als der Ahalibama /häufig tränen ausjagte:
und musste nun die schöne Ninivitin auch entfinden / was eine herzliche liebe für
leiden mit sich furet. Die anwesende Koniginnen / wie auch die Prinzessin
Delbora und Danede / kamen hierauf / der Königin von Syrien zu ihrer heurat /
die nun überall erschollen war / Glück anzuwünschen. Wie nun solches anlas gabe
/ von dieser edlen liebe /wie die nämlich sich angesponnen hatte / zu reden
/vergnügte die schöne Syrerin sie allerseits / durch erzehlung ihrer
begebenheiten mit dem Prinzen von Gerar. Und als hiermit der abend einbrache /
blieben sie sämtlich bei ihr zum nachtessen / und bote sich jede von ihnen an /
dieser Koniglichen braut bei ihrem hochzeitfest aufzuwarten.
    Der verliebte Abimelech / der / üm wolstands willen / seine liebste Konigin
/ bis auf den hochzeit tag /nicht sehen dorfte / befande sich inzwischen bei
seinem bis in den tod betrubten Cimber / dessen anligen er nicht merken konnte /
weil seine sinne von freuden ganz eingenommen waren / und unterhielte ihn
unaufhorlich mit gespråchen von seiner Konigin: über nichts anders klagend / als
über sein ungedultiges leiden / dass noch soviel stunden dahin waren / ehe er den
lohn für seine treue liebe entfangen sollte. Mochte ich doch (sagte er unter
andern) von dem himmel erbitten / dass deine schöne Hercinde iezt auch hier und
des willens wäre / dir deine liebe also zu vergelten! ach! wie herzlich wollte
ich dir doch diese höchste vergnügung gonnen! Du beseufzest zweifelsfrei deren
ietzige abwesenheit / und bildest dir / mich betrachtend / den unterschied für /
der sich iezt zwischen deinem und meinem zustand befindet. Diesen unterschied /
(antwortete Cimber) erwäge ich freilich / und sind wir darin / was das gluck im
lieben betrifft / so weit / als wie morgen und abend / unterschieden.
    Verheele mir doch nicht länger (sagte der Prinz von Gerar) die ümstände
dieser deiner liebe / und lass deinen Abimelech nicht also deiner
lebens-geschichten unwissend leben. Gedulte dich bis morgen / liebster freund!
(gabe Cimber zur antwort) so solst du alles erfaren / was ich bisher vor dir so
geheim halten müssen. Diese kurze zeit (sagte Abimelech) will ich noch gerne
warten / und wünsche ich / dass du / aus dieser meiner begierde / deine
begebenheiten zu wissen / die herzliche freundschaft abnemen mogest / die ich zu
dir trage: massen meine ietzige freude mich allein darum nicht völlig vergnuget
/ weil ich dabei an meinen betrübten Cimber gedenke. Wie herzlich ich dich
hingegen liebe / (widerredte Cimber /) solst du morgen erfaren / wan ich dir die
ursachen bekant mache / die mich bisher bewogen haben / also geheim gegen dir
meinem herzensfreunde zu leben. Diese worte des Cimbers machten den Abimelech
noch begieriger / ein mehrers hiervon zu vernemen: weil aber Cimber nur bis
morgen üm aufschub bate / zwange er sich / bis dahin in gedult zu stehen.
    Wie nun inzwischen die sinkende nacht eingetreten / suchten sie die ruhe:
wiewol deren allein der Prinz von Gerar genosse. Dann der Cimber sah sich nicht
sobald mit dem Tubal allein / da rustete er sich zu seiner beschlossenen
abreise. Er bestürzte aber nicht wenig / als Tubal die von dem Arsas ihm
zugesteckte kleinodien herfürzoge / und er erkente / dass es diejenigen wären /
die er in Damasco hinterlassen hatte. Der himmel / (sagte er /) gibt mir noch
diese vergnugung / die er mir ståts in meinem unglückseligen lieben gegönnet /
dass ich das bildnis dieser schönen besitzen mag / die mir meine freiheit
genommen hat /indem nun ein ander ihre selbste person besitzen wird. Wie zu
rechter zeit stellet sich doch dieser schatz bei mir wieder ein / um einiger
massen meine nun auf ewig beschlossene abwesenheit mir erträglicher zu machen.
Hiermit langte er begierig nach den kleinodien / und suchte unter denselben der
schonen Königin ihr bildnis. Als er aber solches nicht fand / ward er ganz
betrubt / und sagte / den Tubal anschauend: So entziehest du mir nun auch /
grausamer freund! diese einige noch übrige vergnügung / in vorentaltung dieses
bildes / dass mir zu erst meine fåssel angeleget? Meinest du etwan dadurch
diejenige aus meinen gedåchtnis zu bannen / die ich nun / üm ihrer ruhe willen /
aus meinen augen gebannet? Ach nein / mein Tubal! suche nicht hierinn das mittel
meiner genesung / und gib mir wieder / was noch allein fähig ist / mich in
meinem armseligen zustand zu erquicken.
    Der grosse Teutates sei mein zeuge / (gabe Tubal zur antwort /) dass ich nicht
weiss / wie ich zu diesen kleinodien komme / und daher das bildnis der Konigin
von Syrien nicht entwenden können. Ich achte es fur eine schickung des himmels /
der also E. Maj. derjenigen üm so viel eher will vergessen machen / die nicht ihr
/ sondern dem Prinzen Abimelech / von der ewigen versehung bestimmet ist. Wie
nun Tubal mit tausend eidschwüren diese seine unwissenheit bekråftigt / fuhre
der trostlose Cimber fort / sein mehr als grausames verhängnis zu bejammern /
das ihme auch nicht die geringste vergnügung in der welt mehr gönnte: und fürete
er so klägliche worte / dass nicht allein der Tubal / sondern auch Abdastartus
und der arzt /welche / wie es eben tagen wollte / dazu kamen / ob wohl diese beide
lezte sein anligen nicht recht wussten /ihre tränen mildiglich vergossen. Er
verteilete unter sie die wiedergefundene kleinodien / wie auch andere noch
köstlichere / zur vergeltung ihrer treuen dienste. Er wollte aber keinen von
ihnen / auf seine reise nach Basan / mit sich nemen / und erwehlte allein zween
slaven / deren treue er wohl versichert war / die auch kentnis der wege hatten /
und sich vermassen / ihn sicher über das sonst unwegsame gebirge zu bringen. Beim
abschied ümarmte er den Abdastartus / und sagte: Der himmel vergelte euch / mein
vatter! die treue / die ihr an mir getan habet. Wisset aber / dass ihr einem
grossen König seiter gedienet / der / weil er lebet / auch gutes zu tun sich
bemühen wird. Ein mehrers / wollte er ihm nicht offenbaren.
    Wie alles zur abreise färtig war / trate er zu dem noch-schlaffenden
Abimelech in die kammer: den er ümfinge / und dadurch aus einem sussen traum
erweckte. Wie nun Abimelech seinen freund vor sich sah / beschwerte er sich
über ihn / dass er ihn aus den armen seiner Konigin gerissen hätte. Ich komme
eben / (gabe ihm Cimber zur antwort) dich / mein liebster freund! den armen
deiner schonen ruhig zu überlassen / und dir auf ewig gute nacht zu sage. Wie!
(fragte der besturzte Abimelech) was ist damit gesaget? Als nun Cimber sich zu
ihm auf das bette gesetzet / fuhre er fort / sich / ihm zu offenbaren.
    Wertester freund! (sagte er) es ist nun nicht mehr zeit / dir zu bergen / wo
ich seiter geliebt. Ja / Prinz von Gerar! die stunde ist gekommen / dass meine
verschwiegenheit aufhören / und ich dir entdecken muss /dass du bisher an mir
einen mitbuler üm die schone Königin Aramena gehabt. Was mich bewogen / sie zu
lieben / solches darf ich dir nicht erst sagen: weil du an dir selbst befindest
/ wie mächtig ihre schonheit ist / unauflösliche ketten anzuwerfen. Sonder
hofnung und ohne misgunst / habe ich diese meine liebe / bloss mit geniessung
ihres anschauens / ernehret / und allståts ihre auf den edlen Abimelech
geworfene huld so billig befunden / dass mir nie in den sin gekommen / einer so
teuren liebe hinternis zu bringen. Nun ich aber befinde / dass ich ein mensch bin
/ und / ungeacht alles zwangs / den ich mir selbst antue / mich nicht möchte
überwinden können / einige schwachheit blicken zu lassen / da iezt deine höchste
gluckseligkeit angehen soll: als habe ich für notwendig erachtet /mich hinweg zu
begeben / um nicht derjenige zu sein / durch den einiger massen deine und der
schonsten Aramena ruhe und vergnügung möchte gestoret werden. Gehabe dich
demnach wohl / mein liebster freund von allen / die ich iemals auf der welt
gehabt / und vergiss deines Cimbers nicht / ob er gleich dein mitbuler gewesen.
Es weiss die unvergleichliche Aramena nichtes / von meiner vermessenen liebe /
und ich bitte dich / verhele solche noch ferner vor ihr / und gönne mir dadurch
diesen trost / dass sie mich nie hassen möge. Lass dich auch nicht wundern / so du
fortin von deinem Cimber nichts mehr hörest: dann heut ist der lezte tag / dass
ich diesen namen füre. Und ob ich gleich nicht mehr dich sehen werde / so sei
doch versichert / dass ich bis in den tod dein wertes andenken lieben und
verehren werde.
    Hiemit bückte sich Cimber nochmals zu dem Abimelech aufs bette / ihn
ümarmend / und mit seinen tränen benetzend: worauf er / dessen antwort nicht
erwartend / aus dem zelt hinaus ginge / zu pferd sasse /den mantel / um nacht
erkant zu werden / üm sich schluge / dem Tubal gute nacht gabe / und ihm ins ohr
raunete / was er der Konigin von Syrien und dem Prinzen Suevus sagen sollte. Er
ritte aber vor dem zelt der Konigin füruber / da er mit tausend seufzern
abschied von dieser schone name / und / solang er kunte / diesen ort ihres
aufentalts durch ståtes zuruckschauen / in den augen behielte. Wie ihm aber
endlich auch diese vergnügung entzogen worden / ergabe er sich völlig dem
schmerzen / und liesse sich / ganz aus sich selber / von seinen beiden slaven
dahin furen.
    Der vom entsetzen halb-todte Abimelech / konnte sich so spat aus seiner
bestürzung ermuntern / dass /als er seinen nachtrock üm sich werfend / dem Cimber
nacheilen wollte / er weder ihn / noch von den seinen iemand mehr sande / als den
Abdastartus: welcher in dem nebenzelt das gedåchtnis des grossen Cimbers noch
beweinte / und die von diesem helden ihm geschenkte kleinodien vor sich auf
einem tisch ligen hatte. Wo ist mein Cimber? (fragte so fort der Abimelech /)
ach! wisset ihr nicht / mein vatter! wo er geblieben ist? Dieser
unvergleichliche held (antwortete der betrubte Abdastartus) ist gleich hinweg
gereiset /und sind hier die zeichen seiner koniglichen freigebigkeit / die er
mir hinterlassen hat. Dieses sagend / zeigte er auf die kleinodien: welche
Abimelech begierig beschauete. Er fand am ersten das bildnis des Tuscus Sicanus
/ in einen teutschen diamant gegraben: welches er genau betrachtend / dem Cimber
ähnlich zu sein vermeinte / und daher den Abdastartus ferner befragend / von ihm
erfuhre / wie Cimber selbst beim abschied sich einen grossen König genennet.
Dieses nun machte ihn vermuten der Cimber müste gewiss der Tuscus Sicanus sein /
von welchem bisher so verschiedene reden gegangen. Dieses konnte aber seine
gedanken so sehr nicht einnemen / als die lezte worte /die dieser sein
herzensfreund zu ihm gesaget / da er sich für seinen mitbuler zu erkennen
gegeben. Es dauchte ihn aber solches so unmoglich zu sein / dass er sich gern
überreden mogen / er hätte selbige des Cimbers worte nicht eigentlich vernommen:
musste aber solches glåuben / weil es iezt der ausgang bestätigte.
    Nichtes in der welt (sagte er bei sich selber) hätte mir begegnen konnen /
meine ietzige glückseeligkeit zu beunruhigen / als eben dieses / dass ich an dem
Cimber so ganz unverhofft einen mitbuler finden muss / den ich bisher für den
vertrautsten in meiner liebe gehalten. Aber unvergleichlicher freund! was
ungemeine tugend zeigt sich in dir / die die überwindung dein selbst in dieser
schwersten sache wirken konnen! und wie sehr beschämet mich dein sieg / worinn
ich dir wohl nicht nachzufolgen wüste. Warum fliehest du aber / liebster Cimber!
deinen Abimelech / und wilst den nicht mehr sehen / der sonder eiversucht dich /
als seinen mitbuler / hätte lieben wollen? Warum hast du nicht vielmehr ihm dein
lieben ferner verschwiegen /wie du bisher mit so verwundersamer tugend getan
hast? Ach wärest du nur noch bei mir / ob ich schon dein anligen weiss! wie
seelig wollte ich mich doch schåtzen! da ich nun hingegen / in meinem
Glück-stande / deine abwesenheit mit schmerzen dulten muss / und kein mittel zu
ersinnen weiss / dir einige linderung in deinem leiden zu verschaffen.
    Indem nun Abimelech mit dergleichen gedanken diesen neuen zufall bei sich
beklagte / und sich inzwischen eiligst ankleiden liesse / üm kundschaft
einzuziehen / wo sein Cimber geblieben wåre: brachte ihm der Furst Arsas von
seiner liebsten Königin ein verschlossenes täfelein / welches er begierigst
eröffnete /und darin noch zwei andere fand / beide von der Prinzessin
Cölidiane / und zwar eines an die Konigin von Syrien / das andere aber an ihn
geschrieben. Er lase erstlich den ersten / der dann also lautete.
 Schreiben der Königin Aramena von Syrien / an den Prinzen Abimelech von Gerar.
Sehet / liebster Prinz! was ich diesen augenblick von unserer unvergleichlichen
Cölidiane entfange! welches mich also beweget / dass ihr mir nicht verublen
werdet / wan ich euch gestehe / dass mir dasjenige unruh und betrubnis erwecket /
was ich eurer liebe einzuwilligen mich entschlossen. Zwar sage ich nicht / dass
ich solches bereue: weil ich allzu wohl weiss /was ich euch / mein Prinz! und dem
ganzen reiche schuldig bin. Ich kann aber nicht bergen / dass ich / an statt uber
unserer bevorstehenden ruhe mich zu erfreuen / eine ungemeine angst in mir
entfinde / wan ich an die stunde gedenke / darin ich euch soll die eheliche hand
geben. Um alles unglück / so mir ahnet / von uns abzuwenden / bin ich
entschlossen / morgen in aller frühe dem Allerhöchsten im himmel ein opfer
anzustellen / und ihm unsere Ehe vorzutragen. Wollet ihr hierbei erscheinen / so
hat Arsas befehl / euch dahin zu begleiten. Inzwischen helfet mir unsere
Colidiane beklagen / und gläubet / dass ich / sie vergnügt zu wissen / ihr
unglück gern übernemen wollte / wan es mir / an statt des Abimelech / mein leben
sollte kosten. Nun es aber diesen gilt / finde ich mich zu schwach / mich so
ferne zu überwinden / dass ich den namen ablegen könnte / eurer bis in den tod
ergebensten
                                                                        Aramena.
    Abimelech küssete diese lezte zeilen / die bei ihm alle / durch den anfang
dieses schreiben erweckte /unruhe wieder stillten: wiewol dieselbe / in
erinnerung der Cölidiane / sich nicht ganz verloren. Er offnete hierauf dieser
Prinzessin an seine Königin überschriebenes täfelein / das ihm folgende zeilen
zu lesen gabe.
          Schreiben der Cölidiane / an die Aramena Königin von Syrien.
Es treibet mich mein unglück von hinnen / grosse Königin! weil ich finde / dass
meine gegenwart an dem orte nichts nützen wird / wo der Prinz von Gerar die
eheliche hand von E. Maj. entfangen soll. Nicht sage ich dieses / dass ich die
fügung des weissen himmels tadlen oder einige unzeitige eiversucht wollte blicken
lassen: sondern weil ich ermesse / dass E. Maj. und des Prinzen ruhe nicht bässer
kann befördert werden /als wan Cölidiane sich allhier unsichtbar machet. So neme
dann E. Maj. diese meine entfernung für ein zeichen meiner ergebenen treuen liebe
und freundschaft auf / und verüble mir nicht / dass ich nicht persönlich meiner
liebsten Königin die lezte gute nacht sage: welches zu nichts anders gedienet
håtte / als meine schwachheit / und E. Maj. mitleiden / aller welt kund zu
machen. Der himmel uberschütte E. Maj. und ihre vorhabende Ehe mit ewigem segen!
Und wan sie es gut befinden / so lassen sie beigefügte zeilen dero liebsten
Prinzen sehen: die ich ihm / ohn E. Maj. bewilligung / nicht wollen zukommen
lassen / und die die lezten sein sollen / mit denen ihn beunruhiget
                               E. Maj. ergebenste
                                                                      Cölidiane.
    Die tränen stiegen hieruber dem Prinzen Abimelech so häufig in die augen /
dass er lang nicht vermochte /das an ihn haltende schreiben zu eroffnen. Wie er
sich aber endlich hierzu genötigt / fand er folgenden inhalt.
                  Schreiben der Cölidiane / an den Abimelech.
Verdenket mich nicht / dass ich / bei eurer ietzigen gluckseligen zufriedenheit /
euch diese zeilen lesen lasse: weil solches in der Meinung von mir geschihet
/eure beständige ruhe dadurch zu befördern / indem ich euch die warhafte
versicherung hiermit gebe / dass ich nimmermehr / über euch zu seufzen / oder
euch die ursach meines unglucks zu nemen / mir in die gedanken kommen lassen /
sondern vielmehr unaufhörlich den himmel anflehen wolle / euer vergnügtes
wolergehen beständig und unendlich zu machen. Entschüldiget meine
leichtglaubigkeit / die ihr durch eure verschwiegenheit befördert / dass ich mir
das zugeeignet /was allein der grösten und schönsten Königin gebüret und
urteilt darum nicht widrig von meiner tugend. Ich berge euch hierbei nicht /
dass ich euch noch liebe. Damit aber meine liebe weder euch beunruhigen /noch
eurer liebsten Königin einiger massen nachteilig sein könne / so sollet ihr von
nun an von der Cölidiane nichtes mehr hören / und ist dieses die lezte gute
nacht / die dem mehr als würdigen König von Syrien gibet die unglückselige
                                                                      Cölidiane.
    Der Prinz Abimelech wurde durch diese zeilen dermassen beweget / dass er / um
dem Arsas nicht seine weichmütigkeit zu zeigen / von ihme in sein nebengezelt
eilete: da er dann sein ungluck mitten in seiner glückseligkeit betrachtete / und
nicht verschmerzen kunte / dass er an dieser so schönen / als tugendhaften /
Prinzessin unglück ursach sein musste. Er fülete in sich eine so starke regung /
sie zu lieben / dass er auf etliche minuten / seiner Konigin von Syrien vergasse:
deren ihr bezeugtes mitleiden er auch ganz nicht misdeutete / weil er sich
selbst also gesinnet befande. Die begebenheit mit dem Cimber / und diese mit der
Cölidiane / die nun deren ganz gleich und in einer stunde garauf gefolget /
waren zween harte stösse wider seine gemütsruhe: und glaubte er / dass der himmel
ihm darum / zu eben der zeit / da er sich höchstglückselig schäzte / dieses
zuschicke / üm ihn niedrig zu halten /damit er sich seines glückes nicht
überheben möchte. So fülete er auch / gleichwie seine Konigin ihm geklaget /
eine herzens-angst / die ihm eine erschaurung austriebe / wan er an den
morgenden tag gedachte. Um aber erkundigung einzuziehen / wo der Cimber und die
Cölidiane möchten geblieben sein / eilete er /seiner Konigin zu antworten:
welches er / so gut es ihm seine verwirrung vergonte / in nachfolgenden zeilen
verrichtete.
  Antwort-Schreiben des Prinzen Abimelech / an die Aramena Königin von Syrien.
Ich verdenke meine schönste Königin so wenig / um ihr erwiesenes mitleiden / als
gewiss ich hingegen mich versichere / dass mir nicht werde verubelt werden / wan
ich gestehe / wie unruhig auch ich mich hierüber in meinem gemüt befinde. Dörfte
ich alles sagen / und verböte mir nicht der freundschaft gesetze das reden / so
sollten E. Maj. erkennen / dass nicht Cölidiane allein die jenige ist / die mich
iezt beunruhiget. Es war meine glückseligkeit zu gross: darum mussten sich solche
Dinge einfinden / die mir dieselbe verwirrten. Aber wie dem allen / so will ich
diese unruh überwinden / wan ich nur meiner liebsten Königin unänderliche gnade
behalte. Ich werde morgen nicht ermangeln / am bestimmten ort bei E. Maj. opfer
aufzuwarten: üm mich dabei zu erinnern / auch dem gutigen himmel nochmals zu
danken / dass ich dazu ehemahls ausersehen gewesen / E. Maj. den rechten
Gottesdienst zu zeigen. Dieser Gott den sie verehren /wolle auch nun alles
unheil abwenden / und der tugend volkommensten Königin von der welt / ihrer
würdigkeit nach / ein beständiges Glück blühen lassen. Nimmermehr aber verlange
ich zu erleben / das ende eines so schönen lebens: weil ich meine freiheit
dadurch allzu teuer wurde kaufen mussen.
                                                                      Abimelech.
    Als er dieses geschrieben / ginge er zu dem Arsas wieder hinaus / und
bateden / ihm ümständlich zu erzählen / was man von der Cölidiane abreise wüste.
Hierauf entfinge er den bericht / wie dass die Prinzessin Delbora / neben der
Danede und Jaelinde / in aller frühe und weinend zu seiner Konigin gekommen
/diese briefe von der Colidiane ihr uberbrachte / und dabei vermeldet hätten /
was massen diese Prinzessin / in der nacht / mit etlichen von ihren frauen
hinweg gekommen wäre / sonder dass sie die geringste nachricht davon geben konten
/ wie sie solches so geheim anfahen können / und wohin sie ihren weg möchte
genommen haben. Dieses nun hätte unter dem frauenzimmer ein grosses wehklagen
erwecket: und wiewol man wegen der gefahr / so sie ihr also aufgeladen /üm sie
sehr besorgt worden / habe man doch / in solcher bestürzung / fast unterlassen /
auf mittel zu gedenken / wie man sie wieder auskundschaften könnte. Es wäre mir
unverantwortlich / (sagte hierauf Abimelech /) wan ich nicht mein müglichstes
daran wendete / diese grosmutige Prinzessin aus der gefahr / darein sie sich um
meinetwillen gesturzet / wieder zu erretten. Es ist ja unmuglich / dass sie durch
die wachten kommen konnen / sonder gesehen zu werden: derohalben muss alsbald bei
allen wachten im ganzen lager nachfrage geschehen / und glaube ich fästiglich /
dass wir hierdurch auf die spur kommen werden / üm zu erfahren / welchen weg
diese schone genommen.
    Hierauf liesse er alsofort den Fürsten Nahor beruffen / und truge ihm / wie
auch dem Sachar / auf /diese nachforschung anzustellen. Nachdem er folgends dem
Arsas die schreiben zugestellet / auch morgen frü bei dem opfer zu erscheinen /
und sich durch ihn dahin füren zu lassen / versprochen / sezte er sich selbst zu
pferd / und ritte von einem posten zum andern / üm zu erfaren / wo sein Cimber
und Colidiane wären hingekommen. Jedweder / der ihn sah / konnte aus seinen
unruhigen gebården abnemen / dass ihm etwas sonderliches müste widerfaren sein.
Er wusste aber / bei dieser verrichtung / fast selber nicht / was er wünschen /
oder wie er sich anstellen sollte / wan er nun diese beide liebe personen wieder
fände: weil er /den Cimber zu beruhigen / ihm seine Konigin nicht abtreten /
noch die Cölidiane zu befriedigen / die Aramena würde verlassen können; welches
beiderseits das einige mittel war / diese edle verzweifelte wieder aufzurichten.
Also suchete er nun / sonder recht zu wissen / ob ihn verlangte / zu finden /
was er suchete.
    Er vergasse aber hierbei nicht / alles / was ihme als den General und
feldhaubtman oblage / wohl in acht zu nemen / und was in einer so namhaften
belägerung notig / anzuordnen. Weil er / eben um mittag / in der gegend / da der
Celte Gaisus seinen posten hatte /sich befunden / hielte er daselbst malzeit;
und als er von dannen fürter geritten / sah er zur linken hand einen zederwald
ligen / den die soldaten fast ganz hernieder gehauen hatten. Daselbstin begabe
er sich /um etwas auszuruhen / und gebote allen kriegsbedienten / die ihm in
grosser mänge gefolget / ihn daselbst allein zu lassen. Seine furgenommene ruhe
sollte nun darin bestehen / dass er seinem zustand / und der abenteur / die ihme
diesen tag zugestossen / recht nachdenken wollte. Er fand ursach / sich zugleich
für den seeligsten und unseeligsten menschen von der welt zu halten / und
vermochte über der ehesten besitzung seiner schönen Königin sich nicht recht zu
freuen / wan ihm dabei einfiele / dass solches ihn seinen liebsten freund und
seine liebste freundin kostete / denen er mehr als einmal sein leben zu danken
hatte.
    Wie er also allein zu sein vermeinte / hörte er /hinter den büschen /
etliche nahe bei ihm vorüber gehen; und dortin schauend / wurde er gewar / dass
es der Suevus und Tubal ware / die gar eifrig miteinander redten. Weil er wusste
/ wie vertreulich sein Cimber mit dem Tubal ståts gelebet / hoffete er / aus
ihrem gespräche etwas von diesem seinem freunde zu erfahren: sprange derhalben
auf / und folgte ihnen nach. Als er nahe hinter ihnen war / hörte er den Suevus
in Celtischer sprache / die auch er wohl verstunde /also sagen: So habe ich nun
vernommen / wie es üm unsern König beschaffen. Wie stehet es aber üm den König
der Aborigener / den Tuscus Sicanus? Diese frage machte den Prinzen von Gerar
noch aufmerksamer / und vername er / dass Tubal also antwortete: Sobald dieser
verliebte König hier erfahren / dass die jenige / welche er mit so herzlicher
liebe verehret / sich für seinen mitbuler erkläret / fassete er den schluss
/wiewol gar zweifelmütig / von hier nach Basan zu gehen; da dann ich ihme mehr
zu- als davon abgeraten habe.
    Warüm aber (fragte Suevus weiter) hat dieser König vor mir so verborgen /
als wie sonst vor aller welt / leben wollen / da er doch wohl weiss / wie herzlich
ich ihn wegen seiner fraumutter liebe? Er scheuete sich (hörte Abimelech den
Tubal antworten) seine liebe dem grossen Suevus zu offenbaren / welche die
einige ursache seines bisherigen geheimen hier-seins gewesen: weil er wohl
erkennte / was grosse verpflichtung er dem Prinzen Suevus schuldig / indem
derselbe ihm seine tochter / die Prinzessin Amorite / wan die hätte sollen
wieder gefunden werden / zu-ehlichen wollen; und darum hat er / seine andere
liebe so geheim zu halten / sich entschlossen. Er hat ja dessen (versezte
Suevus) nicht notig gehabt / in betrachtung /dass diese armselige nicht mehr
vorhanden ist. Ich wünschte aber / üm dieses grossen Königs eigener ruhe willen /
dass ihm seine unmögliche liebe vergehen mochte. Ich / habe ja (antwortete Tubal)
alles was zu deren austilgung dienen können / ihme vorgebracht / ihn nicht nur
einmal / sondern vielfältig / der anwartung an das reich Basan erinnert / und
ihme seinen stand zu gemüt gefüret: ist aber alles vergebens gewesen. Ich
verfluche wohl die liebe in meinem herzen /(sagte Suevus hierauf) die soviel
unheil anrichtet: wie meiner eignen tochter / auch dieser beiden grossen Könige /
des Marsius und Tuscus Sicanus / ihr beispiel zu tag bringt / welche / der lieb
zuviel folgend / fast vergessen haben / was ihr amt und schuldigkeit ihnen
anfordert.
    Weil hiermit Abimelech viele von des Suevus leuten auf sie zukommen sah /
scheuete er sich / ferner also verborgen ihnen nachzugehen / und bliebe zurücke:
zumal er gnug vernommen zu haben vermeinte /und / ob er es schon nicht alles
begriffen / nunmehr so viel wusste / wer sein Cimber wäre / und wohin derselbe
sich gewendet hätte. Wie er nun wieder in sein zelt gekommen / und alle / die er
/ nach dem Cimber und der Cölidiane sich zu erkündigen / ausgeschicket / mit der
nachricht wiederkehrten / dass niemand von allen wachten hierum etwas wissen
wollte: vermehrte solches seine verwunderung / nicht wenig / und kunte er sich
die ganze nacht hierüber nicht zu frieden geben /da auch die träume ihn
erschreckten / und in seinem gemüt eine unbekannte bangigkeit verursachten.
Seiner geliebten Königin erginge es nichtes bässer: massen selbige / die ganze
nacht / sich in solcher unruhe befunden / dass ihr nicht wenig ahnete / es musste
ihr ein grosses unglück bevorstehen.
    Der morgen des grossen tags / da die Königin dem reich Syrien einen Konig
geben wollte / war kaum angebrochen / da fanden sich / abgeredter massen / die
Konigin von Ninive / und die von Salem / die Prinzessin Delbora / Danede /
Ahalibama / und die andre rechtgläubige / bei ihr ein / üm nach dem angestellten
opfer sie zu begleiten. Es ware dieses der gottseligen Konigin kein geringes
leiden / dass sie also heimlich ihren Gottesdienst verrichten / und durch den
abgottischen oberpriester in Syrien an ihren Prinzen sich sollte trauen lassen:
welches sie nicht ändern konnte /weil bei solchem gefärlichen zustande nicht
ratsam schiene / sich allschon zu offenbaren / da die groste gewalt noch bei dem
kriegsheer stunde. Weil sie nun /auch dieserwegen / Gott auszusonen / gewillet
war /als verfügte sie sich / mit den andern / nach dem zubereiteten ort / darzu
sie ihren hinterhof gewidmet hatte: welcher nicht allein mit kleinen hügeln rund
umfangen / sondern auch uberdas mit den gezelten also verbauet war / dass sie
daselbst ganz allein und ingeheim des Gottesdiensts abwarten kunten. Der getreue
Arsas / der alles bereiten und die benötigte altare dazu aufrichten lassen /
seumte nicht den Prinzen Abimelech auch dahin zu begleiten: da dann dieses hoch
verliebte par nicht sobald einander wieder ansichtig wurde / da vergassen sie all
ihres ausgestandnen leidens / und erquickten sich von neuem in ihrer
unschuldigen liebe / die ihnen kurz vorher / das andenken des Cimbers und der
Cölidiane / bitter gemacht hatte.
    Sie knieheten nun beide / und nach ihnen alle andere anwesende / vor den
altar nieder. Als aber / unter dem gebet und gesänge / die opfer angezündet
wurden / wollten dieselbe keines wegs brennen / noch einige flamme geben: welches
sofort von allen fur ein sehr boses zeichen gehalten wurde. Die feurige andacht
/darin die Konigin von Syrien begriffen war / liesse ihr anfangs nicht zu /
dieses zu beobachten. Wie sie es aber endlich wargenommen / schauete sie ihren
Prinzen ganz beweglich an / und sagte: Was will dieses für uns bedeuten /
liebster Prinz! da auch die Gotteit unser opfer nicht annemen will? Abimelech /
seine eigne hierüber geschöpfte angst verbergend / gabe die schuld auf die
jenigen / die das opfer nicht recht angezundet. Demnach wurde noch mehr holz und
stroh herbei gebracht / so zwar das opfer liecht machte: aber / die flamme /
wider die natur unter sich lohend /schluge mit solcher häftigkeit den beiden
Koniglichen verlobten in die augen / dass sie genötigt wurden / von ihrer stelle
aufzustehen / und der hitze zu entweichen. Sie sahen sich hierauf einander ganz
betrübt an /indem alle anwesende erstaunten: und wussten sie beide sich keiner
unrechtfärtigkeit zu erinnern / die ihnen also den zorn des Allerhöchsten hätte
aufladen können.
    Abimelech / fast aus sich selber / ergriffe seine Konigin bei der hand / und
nachdem er sie etwas auf die halbe gefüret / sagte er zu ihr: Ich wusste nicht
/worinn ich mich versundigen können / da ich ja an der Prinzessin Colidiane
zufall eine unschuldige ursache sein müssen. Und ich (antwortete die wehmütige
Konigin) vermeine ebenfals nicht / an dem Cimber mich versündigt zu haben / da
dessen liebe ihn in zweifelmut gesturzet. Weiss dann meine schonste Königin
(fragte Abimelech) von des Cimbers liebe? Freilich ist mir solche bekant /
(antwortete sie) und achte ich nun nicht mehr nötig / dieses zu bergen / da ich
aus eurem gestrigen antwortschreiben so viel wargenommen / dass ihr seine liebe
wissen müsst. Er hat mir / bei entdeckung derselben / (gabe Abimelech zur
antwort) hart verboten / meiner Königin ja nichts hiervon zu melden. Ich weiss es
aber doch / (widerredte die Konigin) und zwar nicht allein seine / sondern auch
des Königs von Basan liebe: das ich euch zwar / mein Prinz! zu verhelen
vermeint / um euer gemut nicht zu beunruhigen.
    Hierauf erzehlte er ihr / auf ihr begehren / was ihm dieserwegen mit dem
Cimber begegnet: dass dann ihr die tränen häufig ablockte. Sie eröffnete ihm aber
hinwider / wie sie nicht allein / durch den Cyniras / des Konigs von Basan /
sondern auch des Cimbers liebe erfahren: zugleich kürzlich mit anfürend / was es
mit ihme / als dem vermeinten Tuscus Sicanus / und der Roma / fur eine
bewandschaft håtte / und wie Tubal nun dessen abreise bei ihr entschuldigen
lassen / die er unümgånglich hätte übernemen müssen. Vieleicht hat es dann (sagte
Abimelech) der himmel also versehen / dass Cimber / oder der unter diesem namen
verborgene Tuscus Sicanus / der Königin von Syrien gemal werden soll? Vielleicht
ist auch dieses (antwortete sie) durch den unwandelbaren ratschluss des höchsten
verordnet / dass Abimelech und Colidiane einander ehlichen sollen. Ach schönste
Konigin! (sagte er hierauf) wollen dann E. Maj. dieses zugeben? Wollet dann ihr /
liebster Prinz! (versezte sie) gestatten / dass Tuscus Sicanus eure Aramena
heuratete? Sie seufzeten hierauf alle beide / und beantworteten diese fragen mit
ihren augen: aus deren sprache sie dann beiderseits wohl begriffen / was ihre
herzen wollten. Weil der wolstand und ort ihnen nicht gönte långer beisammen zu
bleiben / als beteten sie nochmals daselbst / sich dem Höchsten zu befehlen /
und schieden also / wiewol sehr unruhig / wieder voneinander.
    Die schone Syrerin begabe sich hierauf in ihr gezelt / daselbst man ihr
einen gerollten und verschlossenen zettel überreichte / welcher / an die
durchleuchtige Syrerin Aramena uberschrieben / vor dem gezelt war gefunden
worden. Der priester Abdastartus / welcher /nach des Cimbers abreise / von des
Abimelech heurat mit der Konigin von Syrien / auch wie die Prinzessin Colidiane
/ gleich dem Cimber / verzweiflend entwichen wäre / ümständlich vernommen /
hatte seine gedanken hierüber auf diesem zettel verfasset / und als er von dem
Tubal / des Cimbers abreise ihr anzukünden / an die Konigin gesendet worden /
denselben alda hinterlassen; welchen sie ablesend / dieses inhalts befande:
War diss die angst / die unsren Cimber quälte /
die ihn halbtodt legt' unter meine hand?
Ich weiss / wie ihn die treu oft schier entseelte /
die unbelohnt ganz kein erbarmen fand?
So gingen dann zur grossen Aramenen
die seufzer hin / die tausend heisse tränen?
Ich leugne nicht / ich muss es ja gestehen:
so eine schön' ist solcher schmerzen wert.
Durch dornen nur / kann man zu rosen gehen.
der sieg / die kron / nur dapfre kåmpfer ehrt.
Ists aber recht / nach lang- und bangem leiden /
erwerben nichts / verzweifelt müssen scheiden?
Was ist / das nicht der edle Cimber litte?
Es liess den tron der grosse König stehn.
Verborgen ihm / der schmerz / das herz durchschnitte:
weil seine lieb zu tag nicht dorfte gehn.
Den freund must er / vor ihm / geliebt wissen:
war / ihm bei ihr zu dienen / doch geflissen.
O wunder-muht! sich also zwingen konnen.
ô wunder-lieb! selbst hintern den genuss.
ô wunder-treu! dem freunde das zu gönnen /
was man sucht selbst mit solchem angst-verdruss.
Ach! dass sich doch der himmel liess versonen /
die trubste lieb / die treuste neu / zu krönen!
Ihm erschiene ja der himmel ausgeheitert:
er fand schon gnad bei seiner Königin.
Sein' hoffnung nun hat in dem port gescheitert /
da diesen schatz nimt Abimelech hin.
Da dieser Prinz die alte huld findt wieder /
da schlägt das gluck den armen Cimber nieder.
Und muss dann auch Colidiane leiden /
da ihre treu sie sterben hiess vor ihn /
dass sie nun soll den Prinzen ewig meiden?
und låst sie sich verzweiflung füren hin?
Muss einer dann / und eine / so geliebt
von zweien sein / dass bleiben zwei betrübet?
Durch dich hat ja / ô himmel! überstanden
der teure held / der Cimber / alle pein.
Vor ihn wird noch ein' hülfe sein vorhanden.
Die treu muss ja nicht unvergolten sein.
Ich weiss / es wird sich noch ein Glück herfinden /
das diese vier' erfreuter soll verbinden.
    Nicht ohne tränen wurden diese zeilen abgelesen /und wusste sie nicht zu
erraten / von wem solche wåren verfasset worden. Sie hielte es / besag der
lezten zeilen / für eine halbe weissagung / und zweifelte fast / aus mitleiden
gegen der Cölidiane und dem Cimber / ob sie solches nicht wunschen sollte: zumal
der himmel beim opfer solche vorzeichen gegeben /die hiermit einzustimmen
schienen. Doch hatte ihre neigung gegen dem Prinzen von Gerar so tief gewurzelt
/ dass sie die gluckliche volziehung ihres vorhabens ängstig wünschen musste.
    Die anwesende Koniginnen und Prinzessinnen hatten inzwischen / ihren
koniglichen schmuck in ordnung zu bringen / übernommen. Und ob gleich der krieg
verwehrte / dass sie sonst in Syrien übliche gebräuche bei diesem koniglichen
beilager nicht ordentlich kunten in acht genommen werden / so war doch alles
nach müglichkeit aufs prächtigste angestellet /und hatten der getreue Furst
Husan / und der verständige Barzes / keinen fleis gesparet / alles also zu
ordnen / wie es der konigliche staat erforderte. Es wurde nun / unferne von der
Konigin gezelt / fast mitten im lager / eine grosse büne aufgerichtet / und mit
den herrlichsten Sidonischen decken behänget / auch in die mitte derselben ein
erhabener königlicher tron gesetzet: auf welchem die schone Königin von Syrien
/in gegenwart des ganzen heers / mit ihren Prinzen sollte getrauet werden. Gegen
dieser büne über / stunde ein andres geruste von gleicher grosse: auf welchem die
altäre der Juno / und der gottin Gad / mit allen opfer-bereitungen / stunden.
Weil sie augenblicklich einen ausfall von dem feind gewärtig sein mussten /als
ward nicht allein / aller orten / in waffen zu stehen / anbefohlen / sondern man
hatte auch fürnemlich auf der seiten / über zehntausend bewehrter soldaten
gestellet / und ward keiner im lager sonder gewehr gefunden.
    Aber alles dieses liess der listige Ardeus und sein anhang sich nicht irren /
und hatte er die gewisse zuversicht / dass er die Königin von Syrien in Damasco
liefern wollte. Weil ihm hierzu gleichsam alles fugen musste / als schickte es
sich eben / dass Arteman mit viertausend man / am selbigen tag / vor der Konigin
gezelt die wacht hatte. Hinter diesem gezelt flosse der Pharphar / welcher einen
furt hatte / der sonst wenigen / auser den Ardeus und seiner rotte / bekant
ware. Demnach hatten sie die abrede miteinander genommen / dass / wan Ardeus
durch ein gewisses zeichen denen in der stadt das los geben würde / sie nicht
allein vor allen toren lärmen machen / sondern fürnemlich vor seinem tor / da er
die wacht hatte / einen starken ausfall tun / auch Arteman sofort die Konigin
/unter dem schein / sie zu retten / neben der Königin von Ninive / und der
Ahalibama über den Pharphar füren / und mit ihnen an das Libanonische tor gehen:
da alsdan gleichfalls ein starker ausfall geschehen /und sie damit hinein
gebracht werden sollten.
    Mitlerweile nun die menschen also heimlich sich bemüheten / hinternis in
diese heurat / zu bringen /schiene der himmel nicht weniger diesem königlichen
par entgegen zu sein: indem unversehens / in begleitung eines starken
platzregens / ein ungewönlicher sturmwind sich erhube / welcher alle gerüste und
andere zubereitungen / samt dem königlichen tron / über einen haufen wurfe / und
damit alles in die höchste unordnung gesetzet. Man ware zwar gleich wieder
bemühet / und geschäftig / alles in vorigen stand zu bringen / und ward dieses
einem ungefären zufall zugeschrieben: aber ein jeder machte ihm hierüber seine
gedanken / und hielte man es heimlich / vor der Konigin / üm dieselbe nicht
damit zu beunruhigen.
    Der Prinz Abimelech aber hatte solches alsofort erfahren / und ware noch in
grosser besturzung deswegen begriffen / als man ihm einen frömden in sein gezelt
brachte / den er gleich für den Philister Asdod erkannte. Weil ihme diesen tag
alles zuwider schiene /was ihm begegnete / als fürchtete er sich / den Asdod üm
die ursach seiner ankunft zu fragen. Dieser aber /nachdem er dem Prinzen die
fusse geküsset / finge gleich an zu berichten / was für ein geschicke ihn ins
lager gefüret. Ich komme / gnädigster Prinz! (sagte er zu ihm) aus dem lande der
Philister / und zwar / dem vorsatze nach / in gesellschaft der Prinzessin
Andagone / meines Königs schwester: die mit höchster eilfärtigkeit hieher nach
Syrien eine reise ubernommen /aber hierin so unglücklich gewesen / dass sie /
wegen anzugs des Königs Scheba von Cus / der unsren herweg ganz unsicher gemacht
/ unmüglich durchkommen / sondern zu Abela verbleiben müssen.
    Weil nun solcher verzug sie fast in verzweiflung gesturzet / massen sie
erwähnte / dass die ruhe / ja die wolfart dieses ganzen reiches / daran haftete /
meinen Prinzen bald zu sprechen: als bote ich mich an / ein schreiben von ihr
hieher zu uberbringen / welches sie ihr gefallen lassen / und mir diss wichtige
werk anvertrauet. Sie gabe mir / als ich von Abela abreisete /tausend
vermanungen mit auf den weg / mich keinen augenblick zu seumen: welches ich auch
getan / auch glücklich durch die Cussiten durchgekommen bin. Ich muss aber
beklagen / dass ich das schreiben von der Prinzessin Andagone / nicht volståndig
und verschlossen / wie es gewesen / alhier überliefern kann: massen / als ich
diese nacht mit dem pferd in einen graben gestürzet / das tåfelein zerbrochen /
und ich /wegen dunkelheit und schlammes / aus dem wasser nicht alle stücke
wieder zusammen bringen konnen. Was nun noch daran übrig / dass uberliefere ich
hiermit: in der zuversicht / mein Prinz werde diese verwarlosung mehr dem unfall
/ als meiner verschuldung / beimessen.
    Hiemit zoge Asdod das zerbrochene täfelein herfür / und überlieferte solches
dem Prinzen: der es mit zittrenden händen zu sich name / und das siegel noch
unverrückt fand / also dass nichtes davon hatte können gelesen werden. Er
erofnete aber solches / und fand diese gebrochene zeilen darinnen.
          Schreiben der Prinzessin Andagone an den Prinzen Abimelech.
So höchstnötig ich euch selber sprechen mögen.
ich es mir iedoch wegen ietziger unsicherheit . .
ich euch durch diese zeilen wissen / dass ihr . . .
mit der Aramena von Syrien nicht vollziehen . .
dieser Königin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Aramenes von Syrien gehabt . . . . . . . . . . . . . . .
euch zu bergen und glaubt . . . . . . . . . . . . . . . . .
unwarheit euch berichten will . . . . . . . . . . . . . . .
verlanget . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
    Alle / die im gezelt bei dem Abimelech waren /merkten ihm wohl an / dass
dieses schreiben etwas sonderliches in sich halten müste: massen der Prinz / bei
iedem worte / so er lase / bald bleich / bald roht wurde / und so bestürzt
bliebe / dass er nicht wusste /was er sagen oder den Asdod fragen sollte. Gleichwol
seine besturzung zu bergen / rieffe er endlich dem Asdod in sein inneres gezelt
/ und ihn scharf anschauend / stellte er ihn zur rede / ob er nicht wüste / was
ihm die Andagone schreiben wollen. Asdod entschuldigte sich beståndig mit seiner
unwissenheit / und beteuerte hoch / dass ihm nichts anders hiervon bekant wäre /
als dass diese Prinzessin / wie nach Gerar das gerüchte bei ankunft der
Prinzessin Ammonide erschollen / dass die Königin Delbois von Ninive für die
Erbkonigin von Syrien wäre erkant worden / alsofort mit dem König gar eifrig zu
raht gegangen / und herüber zu reisen beschlossen hätte. O himmel! (rieffe
hierauf Abimelech) was soll ich immermehr hiervon gedenken? Nach ausstossung
solcher worte / begriffe er sich wieder / und liesse den Asdod von sich: üm
denselben nicht ferner zum zeugen seiner schwachheit zu haben.
    Als er nun wieder allein war / uberlegte er der Andagone zerstümmeltes
schreiben von wort zu wort /konnte aber die ursach / warum die heurat mit der
Konigin von Syrien nicht zu vollziehen / gar nicht begreifen noch ausdenken. Er
beklagte hierbei / dass das schreiben / so ihm hiervon ein mehrers licht geben
sollen / zu schaden gegangen: welches er doch bald darauf ihm wieder gefallen
liesse / weil der bericht nur fåhig wurde gewesen sein / ihme / durch vorstellung
dieser unmüglichkeit / sein elend zu ergrossern. Demnach bediente er sich dessen
zu seinen trost / indem der himmel es so wunderbar gefüget / dass dieses täfelein
müssen zerbrochen werden. Endlich mit gewalt alles widrige aus dem sin schlagend
/ stellte er ihm allein seine glückseeligkeit für / die er in selbiger stunde
antreten sollte. Nachdem er nun ein ganz munteres wesen angenommen / zeigte er
sich den Syrern und den andren / die sich in sein zelt versamlet hatten: unter
denen der einige Suevus eine verborgene betrübnis / wegen seines Konigs /
blicken liesse / die doch niemand in acht name. Es waren furnemlich der Husan /
Rames / Nahor und Ardeus / als Syrische Fürsten und der Königin blutsverwandten
/ in die wette beschäftigt / die königliche kleidung dem Abimelech anzuziehen /
und ihn als einen koniglichen bräutigam auszuschmucken.
    Wie nun Ardeus merket / dass das fest bald angehen sollte / und der abend
herein brache / stahle er sich heimlich hinweg / und eilete nach seinem posten:
von dar er seinen waffenträger / mit notigem unterricht /eiligst nach Damasco
abfärtigte. Es stunde nicht lang an / da öffneten die belägerten auf einmal alle
ihre neun tore / und machten ein so grosses geschrei / dass Naharai / der / in
abwesenheit des Fürsten Rames /dessen posten versah / wie auch der Gaisus /
Sabud /Tabrinnon und Hepher / in abwesenheit des Nahor /Ister / Elimodan und
Altobor / sich alle in bereitschaft stellten / dem vermuteten ausfall des
feindes zu begegnen. Als aber aus dem tore / vor welchem der Ardeus lage / der
Prinz Mardocentes und Hemor mit sechstausend Arabern und soviel Canaaniten
ausfiele / wiche Ardeus mit den seinen zurücke / und machten ihnen platz /
ungehintert in das lager einzufallen: welches die aus den andren posten / weil
sie ohnedas nun schwächer als sonst waren / nicht verwehren konten /sondern
ihres orts wider einen gleichen ausfall stand fassen mussten.
    Wie man dieses dem General angemeldet / der iezt mit andren gedanken umginge
/ befromdete ihn solches nicht / massen er es wohl vermuten können: und befohle
er dem Rames / die zu dem ende zusammen gefürte zehentausend man dem feind
entgegen zustellen. Wie aber nach und nach berichte einliefen / dass der feind
begunte schaden zu tun / legte der dapfere Abimelech seinen koniglichen schmuck
ab / und mit helm und panzer versehen / sezte er sich zu pferd /und rante selbst
dahin / alwo der streit am häftigsten war. Er rieffe den seinigen freudig zu /
und sezte mit solcher herzhaftigkeit in den feind / dass alle die andere / durch
sein beispiel aufgemuntert / ihrem neuen König dapfer nachfolgeten. Abimelech
und Mardocentes traffen verschiedene mal aufeinander / wurden aber allemal von
ihren dazwischen-kommenden leuten verhintert / den angefangenen kampf
auszufüren.
    Wie dieses alles der schönen Königin von Syrien zu ohren gekommen / und sie
vername / dass ihr Prinz sich selbst mit in den streit begeben / uberfiele sie
ein tödliches entsetzen: und deutete sie das am morgen übel-verrichtete opfer
dahin / dass dem Abimelech ein unglück wiederfahren sollte. Die Perseis und Merone
/so mitgeschäftig waren / ihre Konigin zu schmücken /entfanden allein unter
allen eine innerliche freude /dass ihr anschlag sowol begunte von statten zu
gehen: und wan man damals auf ihr wesen håtte acht gegeben / wurde man erkant
haben / dass ihnen eine sonderliche angelegenheit auf den herzen schwebte.
    Indem kam der verschmizee Arteman / ganz erschrocken sich anstellend / zu
ihnen hinein / und deutete der Konigin von Syrien an / wie dass fur sie keine
sicherheit allhier länger sein würde: massen ein grosses heer vom feinde sich
bereits durchgeschlagen hätte / und nun auf das Konigliche gezelt losginge. Die
Ahalibama zeigte sich über dieser nachricht / die erschrockenste / weil sie
augenblicklich fürchtete /dem Beor in die hände zu fallen. Es war eben niemand
bei der Konigin im gezelt / als die Konigin von Ninive / die Prinzessin Danede
von Cus / und Ahalibama: weil die andere Konigliche personen / um gegen
bevorstehender Konglicher trauung sich an zu kleiden / in ihre gezelte sich
begeben hatten. Diese viere nun entschlossen sich in der eile / auf des Artemans
und der Perseis zureden / das zelt zu raumen /und anderswo sich so lang zu
verbergen / bis dieser streif fürüber sein wurde: da dann Arteman nicht seumete /
sofort etliche von den Königlichen wägen anspannen zu lassen.
    Wie nun solche färtig waren / warfe sich die schone Syrerin samt all ihrem
Koniglichen brautschmuck /neben den dreien Prinzessinnen / auf derselben einen
/und hiesse die Perseis / Dersine / Merone / Siringe /Tirza / Astale und ihr
ganzes ubriges frauenzimmer /ihr auf den andern folgen. Arteman und seine leute
/füreten sie hierauf durch den Pharphar / nachdem er der wacht von den
viertausenden / denen er zu gebieten hatte / anbefohlen / das Königliche gezelt
zu beschützen / als wann die Konigin noch darin wåre: er aber name nur etliche
huntert zu sich / denen er meist trauen dorfte / und eilete eines rennens / bei
dunklem abendschein / mit den wågen nach der stadt. Es fugte sich eben / dass er
/ bei ihrer ankunft / den Sinear und Mancaleus / vor dem Libanonischen tor /
abgeredter massen / in einen starken ausfall und gefechte mit dem Elimodan und
seinen Niniviten / begriffen fand: daher dann Arteman von niemand angehalten
wurde /sondern ungehintert seinen raub bis an das stadtor bringen kunte. Weil
die verwirrung / darin die beide durchleuchtige Aramenen neben der Ahalibama
sich befanden / keiner unter ihnen zuliesse / auf ein und anders acht zu geben /
als merkte allein die Danede /wiewol zu spat / dass hierunter verråterei
verborgen sein müste.
    Sie wollte eben der Konigin von Syrien solches ansagen / als ihr wagen von
vielen ansehnlichen manspersonen angehalten und umziegelt wurde: unter denen
sich der Prinz Bildat / der Ahalibama mutter bruder / der Fürst Hus / der
Baracheel / und der Aner / zu erkennen gaben / auch die beide Koniginnen /samt
den zweien Prinzessinnen / notigten / in Damasco hinein zu kommen. Alles / was
die Konigin von Syrien bei diesem schrecken sagen kunte / war dieses / dass sie
dem Arteman seine untreu verwiese /und damit die augen und hånde gen himmel
kehrend /sich dessen verordnung und schickung in gedult unterwarfe. Wie sie
folgends nach der stadt zufuhren /erholete sie sich aus dieser verwirrung / und
begehrte von den andern / dass man ihr die Konigliche brautkron abnemen sollte:
damit ihren feinden die gelegenheit benommen würde / über sie zu honlachen.
Danede / die in dieser angst an den Eliphelet nicht gedachte / war / als die
unerschrockenste / auch die tüchtigste /der schönen Syrerin diesen dienst zu
erweisen. Endlich öffnete sich ihnen das tor von Damasco: in welcher Aramena
billiger / als Erbkönigin / ihren siegeseinzug hätte halten sollen.
    Der dapfere Abimelech fochte inzwischen immer fort / und / üm desto eher
wieder zu seiner Konigin zu gelangen / auch deren die ehliche hand zu reichen
/verdoppelte er seine streiche / und eilte / den sieg zu behaupten: da dann in
kurzer frist der feind genötigt wurde / wieder in die stadt zu kehren. Es würde
aber ein viel-grossers metzeln entstanden sein / wan nicht die einfallende nacht
sie voneinander geschieden hätte. Ardeus / als er erfahren / dass sein anschlag
glucklich von statten gegangen / begabe sich mit den andern nach der stadt.
Wiewol nun die niederlage der belågerten hierbei grosser / als der Syrer ihre /
gewesen / so bliebe doch der sieg den Assyriern: weil sie die allergroste beuten
/ so sie jemals verlangen konnen / davon getragen. Wie nun der siegende
verliebte wieder ins lager angelanget / und ihm die susse hofnung machte / wiedass
nun alles widrige / dass ihm dieser tag gedrohet / mit diesem ausfall der feinde
unterdruckt und uberstanden wäre / eilte er / seine blutige waffen abzulegen /
und die jenige kleider wieder anzuziehen / mit denen er vor seiner schönen
Königin erscheinen sollte.
    Er wurde aber bald mit der zeitung beunruhigt /dass / unter diesem gefechte /
die Königin aus ihrem zelt hinweg gefahren / und noch nicht zurücke gekommen
wåre. Demnach liefe er also fort dahin / und fragte den Ahasbai / dem der
Arteman den befehl uber die wacht vor der Konigin zelt hinterlassen hatte / ganz
ungedultig / wo die Konigin wåre? Wie nun derselbe ihm eröffnet / was er hiervon
wusste / und Abimelech vollends in das gezelt hinein getreten war / auch alda
alles ledig gefunden hatte: begunte ihm sein herze zusagen / dass es hierüm nicht
richtig sein müste / und forderte er gleich ein pferd / üm dem weg zu folgen
/den man ihm gezeiget / dass seine Konigin denselben durch den Pharphar genommen
hätte.
    Er sollte bald / im eifer / des rechten pfads verfehlet / und sich in die
tiefe des stroms verloren haben. Doch truge ihn sein irisches pferd noch heraus
/ und rante er damit / wie ein unsiñiger / nach dem posten des Elimodans / der
eben / die seinigen wieder zusammen zu bringen / im werk begriffen war / und
sich nicht wenig verwunderte / in so ungewönlicher zeit den General des heers im
feld zu sehen. Wo ist die Königin von Syrien geblieben? war das erste wort / so
er von dem Prinzen vername: und wusste er hiervon keine nachricht zu geben / weil
in der zeit / da sie Arteman nach der stadt gefüret / alles bei ihnen / wegen
des ausfalles / in hochster verwirrung gewesen. Also musste der ungedultige Prinz
/ ja so unwissend / als er angekommen / wieder umkehren / und hielte er still
bei jedem geräusche das er vername: in Meinung / von seiner Königin etwas innen
zu werden. Alle / die er bei sich hatte / sandte er einen nach dem andern von
sich / und nach allen toren der stadt / üm sich zu erkundigen / ob nicht jemand
in heer etwas von seiner Königin wüste: und behielte er / auf die letze / fast
keinem mehr um sich / so viel wege fielen ihm ein /da er seine Konigin suchen
liesse.
    Bei seiner widerkunft ins lager / fand er die beide Koniginnen von Kitim /
neben deren von Salem / und die Prinzessinnen Delbora und Jaelinde / wie auch
die Casbiane / Mehetabeel und alles andere frauenzimmer / in der Königin von
Syrien gezelt versamlet / und zwar alle miteinander voll tränen / über diesem
wunderbaren zufall. Es war nicht eine unter ihnen / die nicht zu verschiedenen
malen von dem ungedultigen Abimelech wäre befraget worden / ob sie nicht wusste /
wo seine Aramena sich befände? Ihrer aller tränen und einstimmiges nein /
verdoppelten seine wut / also dass er fast nicht wusste / was er täte. Als er
hierauf wieder von ihnen eilte / befahle er / den Ahasbai gefangen zu nemen /
und ihn peinleich zu befragen / ob er hiervon keine nachricht zu geben wusste.
Gleichwie aber dieser befehl wider seine natur war / als gereuete ihn dessen
alsobald wieder / und hiesse er solches unterlassen Er wurde aber noch unlustiger
/ als alle seine ausgeschickte / mit einerlei bericht wieder kamen / nämlich dass
sie von der Konigin nichts erfraget håtten.
    Er geriete hierauf in die gedanken / ob nicht etwan der Konig von Basan /
dessen liebe zu seiner Konigin er nun wusste / einen anschlag auf sie machen /
und sie hätte hinweg furen lassen? Demnach begab er sich nach dem gezelt des
Prinzen Suevus: der ihn / mit grosser höflichkeit entfinge / und nicht wusste /
was diese spate besuchung auf sich hätte. Es wusste dieser Prinz noch nicht / in
was sorgen man wegen der Konigin von Syrien stünde: weil er / nach ausgang des
gefechtes / sich in sein gezelt begeben / um alda allein seines Königs zustand /
wegen dessen liebe zu der schonen Syrerin / zu betrauren / die nun durch ihre
verheuratung mit dem Abimelech / hoffnunglos worden war. Er bestürzte nicht
wenig / als er von diesem glücklich-vermeinten liebhaber sich also anreden
hörte: Verzeihet mir edler Prinz! wan ich meine widrige gedanken / die ich von
dem grossen Marsius /eurem Konig / fassen müssen / euch jezt offenbare. Ist
nicht dieser Konig schuld daran / dass die Königin von Syrien / unter dem
gefechte / uns aus dem lager entfüret worden.
    Hiermit sah er den Suevus stark in die augen: welcher durch diese reden in
zweifache bestürzung gesezt wurde / daran die offenbarung von seines Königs
person / und die entfürung der schonen Aramena / zugleich ihren teil hatten.
Wissen sie dann / (fragte er hingegen) dass mein König die Syrische Königin
liebt? Freilich weiss ich solches / (antwortete der ungedultige verliebte) und
hat mir meine Konigin nichts verhelet / was ihr Cyniras davon eröfnet. Diese
antwort des Abimelech sezte den Suevus wieder etwas in ruhe / und sagte er
hierauf: wan mein Prinz die bescheidene liebe meines Königs weiss / so wird er
sich auch leicht vorstellen konnen / dass der tugendhafte Marsius nicht fähig sei
/ eine solche gewalttätigkeit an der jenigen zu verüben / die er stäts mit so
grosser ehrerbietung angebetet: und setze ich hiemit mein leben zu pfande / dass
an diesem raube mein Konig und alle unsere Celten unschuldig seien. Was mir das
gerüchte (antwortete Abimelech) von des grossen Marsius tugenden beschrieben /
käme hiemit nicht überein / wan er hieran schüldig sein sollte. Ich weiss aber
auch / dass mein Cimber / der dem Fürsten Suevus nicht unbekant / ganz unfåhig
ist / die Konigin von Syrien und mich also zu / betrüben. Weder Marsius noch
Cimber / (sagte Suevus) sind hieran schuldig; und wan mein Konig diesen raub
erfahren wird / weiss ich gewiss / dass er alle seine konigliche macht wird daran
wenden / um Syrien an den raubern seiner Königin zu rächen.
    Was hilft mich elenden dieser trost? (rieffe hierauf der verzweifelte
Abimelech) und warum ist Marsius nicht schuldig / damit ich wüste / wohin ich
mich zu wenden hätte? Als er das gesagt / eilete er wieder von dannen / und zwar
nach dem orte / da das treffen mit dem feind geschehen war. Als er daselbst nach
dem Ardeus fragte / ward er innen / dass auch dieser nicht mehr vorhanden / und
die gesamte Niniviten / die er aus Damasco gebracht / mit ihm wieder
durchgegangen wären. Hiemit fiele ihm der Ninias ein / dessen seite Ardeus
vordessen gehalten: daher er / für gewiss vermutend / dass der seiner Aramena
rauber wäre /gleich alle wege verlegte / die dieser böswicht mit seiner edlen
beute vor sich nemen konnen / und da tausend / dort wieder tausend man abordnete
/ ihn zu suchen. Er selbst ritte mit einer starken begleitung /gegen Aroer zu:
weil er vermeinte / der Ninias mochte da hindurch den weg nach Ninive genommen
haben. Die sonne ginge nun wieder auf / bei seinem so schmerzlichen suchen / und
erfreute in etwas diesen bis in den tod betrubten: weil er nun bässer üm sich
sehen / und alle wege in acht nemen kunte.
    Wie er nun also / wegen zu vieler gedanken halbsinlos / bald da / bald
dortin ritte / wurde ihm angemeldet / wiedass der Prinz Jetur von Hevila mit
fünfzehntausend man angekommen / und dass der Prinz von Egypten / neben dem
Phalacus / sich auch mit dabei befunden: welche post / die ihn zur andern zeit
wurde hoch erfreut haben / er fast gar nicht beachtete /als er / auf nachfrage /
hierbei nichtes von seiner verlornen Königin hörte. Gleichwol machte ihn diese
zeitung wieder nach dem lager ümkehren / und war er kaum in sein gezelt
eingetretten / da furete Husan zu ihm hinein den Prinzen Amosis / den Jetur /
den Phalacus / und einen ansehnlichen mohren: welchen Abimelech / vor betrubnis
/ nicht genau betrachtete /sonst wurde er ihn sofort erkant haben. Wie nun
Amosis ihn ümarmet / und ihme den wackern Jetur überliefert / vermochte er kaum
diesem Prinzen / mit etlichen höflichen worten / seine erkentlichkeit wegen so
ansehnlicher hülfe / zu erweisen. Es war aber seine erste frage an den Phalacus
/ ob er nichtes von seiner Königin und dem Ninias gehört hätte; wie nun derselbe
mit nein geantwortet / bezeigte Abimelech ferner kein verlangen / zu wissen /
was Phalacus in diesem seinem zug ausgerichtet håtte: er wurde aber / durch
zureden des Husan und Rames / wie auch des Suevus selber / genotigt / dessen
bericht / als wornach sie sich in vielen wurden zu richten haben / mit
anzuhoren. Solches täte zwar dieser armselige verliebte / war aber mit seinen
gedanken so weit davon entfernet /dass er gar nichts vername / was gesagt wurde.
Phalacus / nachdem sie sich alle in einen kreis gesetzet / erzehlte ihnen / wie
folget.
    Es geht nun in die zweite woche / seit dass ich nach dem Senirischen gebirge
/ die Egypter mit ihrer schönen beute daselbst aufzuhalten und ihnen den anzug
zu verwehren / mit viertausend man von hier abgeschicket worden. Ich kame / zu
gutem gluck /einen tag vor des Petosiris ankunft / an das gebirge /und besezte
aller orten die påsse mit meinen wenig leuten / so gut ich kunte / also dass der
feind unmüglich durchzukommen vermochte: wiewol dessen macht / durch des
Laristenes volker verstårket / sich in zwänzigtausend man erstreckte. Weil aber
/ durch stätiges fechten / da der feind unaufhörlich durch zu brechen suchte /
die meinigen sehr abgemattet wurden / als håtte es in die långe nicht bestehen
können / wan nicht der Prinz von Hevila hier zugegen / mit seinen
funfzehntausenden / zu mir gestossen wåre. Diese hülfe nun machte uns wieder so
mutig / dass wir / um der sache bald den ausschlag zu geben / auf den feind los
gingen / da er dessen am wenigsten sich versah /und an ihm eine so grosse
schlacht verrichteten / dass der sieg vollig unser bliebe / und alle diese
zwölftausend Egypter / samt den achttausend Assyriern / hin und wieder
zerstreuet in das gebirge sich verlieffen.
    So habt ihr dann (fiele alhier der Husan dem Phalacus in die rede) den feind
beim gebirge Senir noch angetroffen? der ehrvergessene Ardeus wollte uns ja hier
eines andern berichten! und setzet mich dieses in den argwahn / er habe mit den
Assyriern zugehalten / und ihnen wohl gar unsere Königin in die hände geliefert.
Abimelech / als aus einen tiefen traum erwecket /hörte nicht sobald seine
Konigin nennen / da vermeinte er / Phalacus müste von ihr wissen / und fragte
deshalben ganz eifrig: ob solches gewiss wäre / dass sie sich in Damasco befände?
Phalacus beantwortete dieses mit seiner unwissenheit / und vollfurte seine
erzehlung / als Abimelech sein fragen einstellte.
    Wie nun / auf diesen unsren grossen sieg / der Prinz von Egypten begierig war
/ die Prinzessin seine schwester zu erlösen / eilte er sofort nach des feindes
lager. Als er aber so wenig sie selber / als einige nachricht von ihr erhalten
kunte / auch weder den Petosiris noch den Laristenes gefunden / ward er nicht
wenig betrübet: da ihme / an wiederfindung seiner schwester / soviel gelegen
war. Weil mir die liebe / so unsere Königin zu dieser tugendhaften Prinzessin
träget / wohl bekant ist / als bemuhete ich mich nicht minder / einige nachricht
von ihr einzubringen / und liesse alle gefangene befragen / ob sie nicht wüsten /
wo die Amesses geblieben wäre. Nach langem nachforschen /fand sich einer von
der Prinzessin gewesenen bedienten / den der Prinz Amosis gleich erkannte. Dieser
nun erzehlte uns umståndlich / was seiner Prinzessin / so wohl in Ninive / als
nachgehends in Elam / begegnet: welches in diesen meinen bericht eigentlich
nicht gehoret. Ich will aber nur das / so notwendig zu wissen ist / davon
erzählen / dass nåmlich das reich Elam sich ganz für die Königin Lantine und den
Hadoran erklåret / und sowol den Sadrach / als die Assyrier / ausgetrieben /
auch unserer Konigin seite wider die Babylonier und Canaaniter zu halten / sich
vernemen lassen.
    Der bediente machte uns ferner wissen / dass / wie wir also den feind
geschlagen / der Petosiris die beide Prinzessinnen / als die Amesses und die
Orosmada von Sidon / mit ihren leuten / hinweg gefuret / und ihn in der hast
zurucke gelassen håtte: und konnte er nicht anders vermuten / als dass er äuserst
bemühet sein würde / die Prinzessinnen in Damasco zu bringen. Dieser bericht
bewegte den Prinzen von Egypten / dass er den Prinzen von Hevila um etliche
tausend man ansprache / mit denen er den Petosiris suchen und verfolgen wollte /
um verhoffentlich seine schwester zu erlosen. Als ihme nun hiermit wilfaret
worden / eilete er also fur aus / mitlerweile wir andern gemächlich unsren
rückweg hieher namen. Er erhielte zwar die gewisse kundschaft / das Petosiris mit
den Prinzessinnen vor ihm wäre. Dieser aber / sich vom Amosis verfolget sehend /
gebrauchte sich der list / und notigte beide Prinzessinnen / wie auch ihr
frauenzimmer / dass sie sich in mänliche kleidung verstellen mussten: und ginge er
also mit ihnen in einer nacht fort / alle seine Egypter im stich lassend.
    Wiewol nun endlich Amosis auf diese getroffen /fand er doch das nicht / was
er gesuchet. Als aber die Egypter ihren Kronprinzen erkannten / den sie sehr
liebten / schlugen sie sich gleich zu ihme: wie auch vorher viele von den andern
getan hatten / die auf dem gebirge Senir zu uns ubergegangen. Weil nun diese
ihm entdeckten / wie es Petosiris mit seiner schwester angefangen / horte er
nicht auf / ihn zu verfolgen / und auf alle wege / die nach Damasco gingen / ihm
seine leute nachzuschicken. Es war aber alles vergeblich / und wie wir gestern /
drei meilen von der stadt / jenseit des Flusses / uns gelagert / da auch Amosis
wieder zu uns gestossen / brachten unsere kundschafter uns gegen dem abend die
nachricht / dass der feind aus zweien toren einen starken ausfall getan hätte:
woraus wir uns die vermutung machten /dass Petosiris diese gelegenheit ergriffen
haben / und mit seinen verkleidten frauenzimmer in die stadt würde entkommen
sein. Hat dieser (fiele alhier Abimelech dem Phalacus ins wort) einen weg / in
Damasco zu kommen / finden können / so ist solches dem Ardeus und Arteman auch
nicht unmüglich gewesen. So ist es dann wohl nicht anders / unsere Königin wird
dem grausamen Belochus in die hände geraten sein. Die vorbildung dieses
unglückes / sezte ihn hierauf aus aller gedult / und vermochte er des Phalacus
ferneren bericht nicht anzuhören: der auch zu seiner erzehlung nichtes mehr
hinzu zu fügen hatten / als dieses / dass noch diesen abend des Prinzen von
Hevila völker im lager ankommen würden.
    Wie nun / bei solcher verwirrung / darin sich Abimelech und alle Syrer vom
lager befunden / der mitgekommene ansehnliche mohre wohl begriffen / dass man ihn
langsam erkennen würde / triebe ihn seine ungedult / sich selbst kund zu machen.
Hierauf nun den Prinzen Abimelech umarmend / sagte er zu selbigem: ob er dann
sich nicht mehr des Eridanus von Cus erinnerte? welcher iezt hieher käme / ihm
fur die wolfart von Syrien fechten zu helfen. Mein Prinz verzeihe mir /
(antwortete der betrübte Abimelech) dass mein unglück mich blind gemacht / den
grossen Eridanus nicht zu kennen. Ach dapferer Prinz! (fuhre er seufzend fort /)
wäret ihr doch hier gewesen / ehe meine Konigin entfüret worden! diese worte
brauchete er auch gegen dem Jetur und Amosis: und weil diesen beiden Prinzen /
da sie unterwegs / wie es mit der Königin von Syrien und ihm beschaffen /
erfaren hatten / dessen liebe und sein grosser verlust nunmehr bekant war /als
ermangelten sie nicht / ihn beklagen zu helfen.
    Der Prinz Amosis wusste noch nicht / dass seine Danede mit der Königin von
Syrien wäre verloren worden. Weil nun ihn nach dieser seiner Prinzessin / auch
den Eridanus zu seiner Delbora zu füren / verlangte /namen sie bald ihren
abtritt / und wurden von dem Husan in die für sie zubereitete gezelte geleitet.
Mitlerweile aber der Prinz Jetur mit dem Husan abredte / wohin seine ankommende
völker sollten verleget werden / eileten Eridanus und Amosis nach den zelten der
beiden Pinzessinnen von Cus / und vermeinten beiderseits dieselben durch ihre
unvermutete ankunft in angeneme bestürzung zu setzen. Weil noch niemand ihnen
des Eridanus da-sein angekündet / so hatte die Delbora sich nichts weniger
versehen / als mit dieses ihres gemals gegenwart erfreuet zu werden. Sie befande
sich eben in der Königin Hermione gesellschaft / mit der sie von dem Nebajot
redte: als sie den Eridanus in die augen bekame / der mit dem Amosis in ihr zelt
hinein trate / auch so fort / ehe sie sich recht besinnen kunte / zu ihr eilete
/ und sie mit seinen armen ümschlosse.
    Vergebet mir / liebste Delbora! (redte er sie an /) dass ich mich so grausam
gegen euch erwiesen / und schreibet alles meiner häftigen liebe zu / die mich zu
solcher eiversucht gereitzet. Diese worte entdeckten der Delbora völlig / in
wessen arme sie geraten. Und weil sie nun / nicht allein aus schuldigkeit /
sondern auch freiwillig / diesem ihrem gemal eine herzliche liebe zutruge / als
kunte diese zusammenkunft nichts anders / als sonderbare grosse freude / bei ihr
erwecken: wie sie dann solches ihme auch äuserlich zu erkennen gabe / indem sie
ihn so fäst in ihre arme schlosse / dass es schiene / als wan sie ihn wieder zu
verlieren besorgte. Wisset ihr nun / (sagte sie zu ihme / wie die erste
freud-bestürzung fürbei war /) dass eure Delbora unschuldig ist / und dass ihr zu
viel getan /euch also gegen ihr zu erweisen? Ich erkenne solches nicht allein /
(gabe ihr Eridanus zur antwort /) sondern finde mich auch unwürdig / eure huld
hinwieder zu erlangen / wan ihr mit mir nach recht verfaren woltet. Ihr seit
versichert / wertester Prinz! (sagte sie hingegen) dass meine huld euch ewig ganz
eigen verbleibet / wan ihr / der meinige zu sein / euch entschliessen werdet.
Nimmermehr (versezte er) soll mein herz /auser Delbora / eine andere verehren.
Und nimmermehr (fügte sie hinzu) sollet ihr von mir anders horen / als dass ich
den Eridanus lieben werde.
    Die Konigin Hermione schauete / neben dem Prinzen von Egypten / diesem edlen
par mit sonderbarer vergnugung zu: aber es wurde dem Amosis endlich zu lange /
der in alle winkel nach seiner Danede sich ümsah / die er doch nirgend finden
kunte. Hermione /die sein anligen merkte / fragte ihn / wen er suchete? wie er
nun geantwortet / dass es die Danede wåre /seufzete sie / sonder ihme zu
antworten. Delbora hatte inzwischen dem Eridanus entdecket / wie es seiner
schwester ergangen wäre. Wie nun solches hierauf der Amosis von ihm erfahren /
bildete ihm die angst auf einmal alles das widrigste für / so seiner Prinzessin
könnte begegnet sein: sonderlich wan er gedachte / dass sie in Damasco sein möchte
/ alwo auch der Eliphelet sich befande. Demnach uberfiele ihn eine tödliche
furcht: daher er nicht minder / als der Abimelech / zu klagen begunte. Er eilete
auch alsofort zu diesem seinem betrübten leid-gesellschafter / den er eben fand
/wie er den Ahasbai / der die wacht vor der Konigin gezelt gehabt / verhören
liesse: da er dann / wegen gleicher angelegenheit / auf das genauste mit aufmerkte
/was der fürbringen würde. Ahasbai / als unschuldig /bliebe bei der vorigen
aussage. Die beide Prinzen kamen letzlich auch auf diese gedanke / es möchte die
durchsetzung durch den Pharphar ihnen mislungen sein / und das wasser sie
ersåuft hinweg gefüret haben. Hiervon nun gewissheit zu nemen / sassen sie beide
zu pferd / und rennten an dem ufer des Pharphar hinunter: da kein einiges
fischer-hütlein von ihnen unbesucht gelassen wurde.
    Nachdem sie hiermit den ganzen tag vergeblich verbracht hatten / stiessen sie
abends auf die ankommende völker des Prinzen von Hevila: die dieser dapfere
Fürst dem betrübten Abimelech / wie auch den anwesenden Syrischen Fürsten /
überlieferte. Es mangelte nichtes / als die Königin von Syrien / die freude
hierüber vollig zu entfinden: massen auch ihr zu willen diese ansehnliche hulfe
angekommen war. Weil aber deren verlust alle freude im ganzen lager getödet
hatte / als hörte man nichtes / dann winseln und wehklagen: und ware nur
Abimelech noch ihr einiger trost / der doch selbst keinen trost für sich zu
schopfen fähig ware.
    Bei dieser allgemeinen / fülete nun die schöne Roma auch ihre besondere
unruhe / indem / die zeitung von des Prinzen Jeturs ankunft / ihr gemut so sehr
eingenommen hatte / dass alles auf einmal bei ihr wieder reg wurde / was sie
iemals wegen dieses Prinzen für qual ausgestanden. Sie kunte auch seine
vergessenheit nicht verschmerzen / und suchte vergeblich dieses hülfmittel /
durch gegen-verachtung sich seiner zu entschlagen. Die Konigin Hermione / die
stäts bei ihr war / auch leid und freude mit ihr gemein hatte /merkte ihr dieses
ihr anligen bald ab / welches sie auf ihrem ruhbette / die ganze nacht / in
unaufhörlichem ächzen hervorlegte. Hierdurch nun bewogen / ihr zuzureden /
stellete sie ihr vor / wie sie nicht allerdings befugt wäre / wegen des Prinzen
Jetur sich also zu bezeigen: da ja dessen unbeständigkeit sich nicht blicken
lassen / als er in seiner liebe zu ihr noch hoffen dörfen. Da er aber diese
hofnung / durch ihre verheuratung an den Tuscus Sicanus / verloren / da hätte
ihn allererst der Hercinde schönheit eingenommen: worinn er darum noch zu
entschuldigen wäre / und sähe sie kein bedenken / wofern er zu seiner ersten
liebe wieder umkehren würde / warum sie ihn nicht wieder annemen sollte.
    Roma fulete wohl in ihrem herzen / dass diese Meinung der Hermione ihr nicht
entgegen war: massen des angenemen Prinzen von Hevila ehmalige treue liebe / so
starke wurzeln gesasset / dass sie vergeblich sich bemuhte / dieselben
auszureuten. Sie vermochte aber hierbei nicht zu verschmerzen / dass er ihrer
vergessen können / da sie ihm solche beständigkeit erwiesen. Sie fand auch
darin ihr grostes anligen /dass sie besorgte / Jetur würde in seiner andern
liebe sich standhafter / als in der ersten erweisen / und nicht zu ihr
wiederkehren: massen er ja diesen ganzen tag vorbei gehen lassen / sonder sich
nach ihr umzusehen. Hermione beflisse sich / der schonen Roma diese sorge durch
allerhand scheinbare grunde zu benemen / und entschuldigte des Jetur
ausenbleiben / mit ietziger kriegs-unruhe: sich versichernd / dass er folgenden
tags / wan er von den geschäften freier worden / sich anderst bezeigen würde.
Roma zoge hierauf in bedenken / ob es ihr auch wolanståndig wäre / dafern es
also erginge / ihn vor sich kommen zu lassen: weil sie nicht wusste / wie sie ihm
begegnen sollte / nachdem er sie so hoch betrübet. Hermione bename ihr auch
diesen zweifel / einwendend / wiedass aus seinem bezeigen das ihrige erfolgen /
und wan er sich reuig erwiese / ihr amt sein würde / ihn aus erbarmung wieder
anzunemen.
    Als diese beide freundinnen mit dergleichen gesprächen fast die ganze nacht
zugebracht / und gegen dem morgen kaum eingeschlummert waren / vernamen sie sich
bald wieder erweckt / durch die vor ihr zelt fürüber gehende volker aus Hevila:
welche auf die posten / die sie besetzen sollten / gefuret wurden. Weil seit der
beiden Aramenen und Prinzessinnen verlustes / iederman / sonderlich aber das
frauenzimmer / in schrecken und furcht lebte / als vernamen /diese beide
Königinnen aus Kitim / dieses gedrösche /nicht sonder neue angst: welche aber
nicht lang wårete / als ihre leute sie berichteten / was dessen ursache gewesen.
Sie entschlossen sich aber / nachdem sie angekleidet waren / die Prinzessin
Delbora zu besuchen / und ihr wegen ankunft ihres gemals Glück zu wünschen. Sie
fanden auch dieses edle par beisammen /und bei ihnen die Konigin von Salem / und
die Prinzessin Jaelinde / welche um gleicher ursache willen dahin gekommen
waren. Alles / was das geruchte von dem wackern Eridanus ausgebreitet / fanden
sie zweifach an ihme / und kunten nicht worte gnug finden /ihr vergnügen an den
tag zu geben / das sie uber der glücklichen vereinigung dieser beiden entfunden.
    Werteste Konigin! (sagte Delbora / nach etlichen andern gespråchen / zu der
Hermione) es findet der Prinz meine wahl sehr wohl ausgedacht / indem ich dem
Nabateer-Fursten die schone Hermione zuzubringen verlange / und gestehet er mit
mir / dass dieses ein vorteilhafter tausch fur den Nebajot sein wurde. Diese
worte jagten / sowol der Konigin von Kitim /als dem Eridanus und seiner Delbora
selber / eine rote ab / die doch aus unterschiedenen ursachen entstunde: massen
bei dem mohren ein kleiner rest von seiner vorigen eiversucht / bei seiner
tugendhaften gemalin die strenge überwindung ihrer selbst / und bei der Hermione
die schamhaftigkeit / ein solches gewirket hatte. Wie aber diese Königin der
Delbora hierauf zu antworten verzoge / trate die von Salem hinzu / und sagte: Es
ist so billig / dass die Königin von Kitim der Prinzessin Delbora vorhaben
erfülle / dass ich mich mit auf ihre seite schlagen / und fur den Nebajot zu
sprechen / mich bemühen werde. Ob des Cimbers tod / (antwortete Hermione) und
der Delbora verehlichung / meiner und des Nebajot fraumutter einigen wunsch zu
stand bringen soll / solches stehet lediglich bei des himmels schickung: wan der
es versehen hat /so werden sich unsere gemuter beiderseits / auch schon darnach
schicken müssen / dass sowol der Prinzessin von Cus / als der Konigin von Salem
wolgemeintes verlangen zu seiner zeit moge erfüllet werden. Wir bedorfen weiter
keiner erklärung / (sagte hierauf Delbora) und halte ich nun diese sache bereits
für geschlossen: weil ich weiss / dass es der himmel also haben will / und dass
Nebajot hierzu ganz geneigt sei.
    Eridanus fragte folgends die Delbora heimlich /wer diese wåre / die mit der
Konigin Hermione zu ihnen gekommen? und hatte er nicht sobald ihren namen
erfaren / da eilete er / sie zu begrüssen. Ich achte mich seelig / (sagte er) die
Konigin der Aborigener zu sehen / weil ich weiss / wie hoch ich damit einen
freund / den ich mir neulich erworben / werde erfreuen können / wan ich dem die
post bringen darf /dass die schone Roma alhier vorhanden sei. Wer konnte wohl
(antwortete sie / mit sonderbarer annemlichkeit) der freund sein / den eine
frömde und verlassene alhier erfreuen sollte? Ist dann der Prinz von Hevila
(versezte Eridanus) so gar vergessen / dass man sich dessen nicht mehr erinnert?
Ich sorge / (fiele alhier Hermione der Roma ins wort) meine schwester möchte zu
kaltsinnig auf diese frage antworten; darum will ich es vor sie verrichten / und
sagen: dass / wan Jetur noch der jenige ist / der er ehmals zu Trier gewesen /
die Roma wohl leiden könne / dass ihre anwesenheit ihn erfreue. Er ist mehr / als
jemals / (antwortete Eridanus /der Roma nicht gonnend / dazwischen zu reden) der
verliebte Jetur / gleichwie er sich zu Trier erwiesen hat / und kann ich
bezeugen / dass er mehr als tausendmal die stunden verfluchet / darin er die
Prinzessin Hercinde geliebt: welches auch nimmermehr würde geschehen sein / wan
Tuscus Sicanus ihme nicht seine Roma genommen hätte. Es hatte aber / nach dieses
Königs tode / (sagte die angeneme Roma) der Prinz von Hevila dannoch nicht
abgelassen / die Hercinde zu lieben. Wie kunte sobald (antwortete Eridanus) ein
so häftiges feuer gedämpfet werden / welches weder anzuzunden / noch zu leschen
/ in unserer macht stehet. Es hat aber die länge der zeit dem edlen Jetur
aufgeholfen / und seine erste liebe wieder angefeuret / die niemals bei ihm
völlig erloschen gewesen / ob gleich die verlorne hofnung sie zimlich
untergedrucket.
    Vielleicht hat (versezte Roma) die stäts-dauernde verachtung der Hercinde /
und deren wahl auf den Assyrischen Prinzen verursachet / dass Jetur müde worden
/ ihre schonheit ferner anzubeten? Meine schöne Königin (gabe Eridanus zur
antwort) suchet allzu genau / eine ursach an dem Jetur zu finden. Es wird ja
sein begangenes verbrechen nicht unter die jenige gehoren / die nicht zu
vergeben sind: sonst wurde Delbora mir auch nicht haben verzeihen können / dass
ich die Prinzessin Colidiane geliebt / mitlerweile ich sie ungetreu zu sein
vermutet. Dass Cimber eine andere geliebt / (sezte Hermione hinzu) sollte mich
nicht abgehalten haben / ihn wieder anzunemen / wan nicht sein tod / darzwischen
kommend / seine reue und wiederkehr verwehret hätte. Die Königin der Aborigener
(sagte Eurilinde) sihet ja alle ihre einwendungen ausgeschlagen / und wird uns
müssen gewonnen geben. Weil ich den Prinzen von Hevila kenne / muss ich hier sein
wort reden / und mein verlangen bezeugen / ihn vergnugt zu wissen / welches er
mehr als wohl verdienet. Die schöne Roma schluge hierauf zu diesen worten die
augen nieder / sonder sie zu beantworten.
    Als Delbora merkte / dass sie / sich zu erklären beschämet war / wollte sie
ihr behülflich sein / mehr bedenkzeit zu fassen / und sagte: Es war mein Prinz
/was ihme / zeit seiner abreise aus Cus / begegnet /eben wie meine beide
Königinnen darzu kamen / uns zu erzählen gewillet. Dafern es nun ihnen gefället
/solches mit anzuhören / so will ich meine begierde nicht bergen / die mich
antreibet / ihn dieses seines vorhabens zu erinnern. Was werden sie / (fiele
Eridanus ihr ins wort) an meiner wegen eures verlusts ausgestandenen marter /
annemliches hören? jedoch /weil ich zugleich von dem wackern Jetur etwas werde
zu erzählen haben / bin ich bereit / auf begehren / meine abenteure allhier kund
zu machen. Wir sind nicht hiehergekommen / (sagte Hermione) ichtwas zu stören /
so euch beiden zur vergnügung dienen kann / sondern wollen es vielmehr befördern.
Weil nun diss etwas solches ist / und man kein bedenken tråget / unsere
anwesenheit dabei zu dulten / so versichere ich / dass uns nichts liebers wird
widerfaren konnen. Wie nun hierauf Delbora nochmals ihren gemal hierüm gebeten /
erfüllte er solches ihr verlangen / nachfolgender massen.
    Wie soll ich beschreiben (hube er an / zu den drei Königinnen zu reden) die
håftige bekümmernis / die mir zu Tauba / der Delbora entfernung / und ihr
hinterlassenes schreiben verursachet? da dieselbe so häftig mich angegriffen /
dass ich / fast meiner sinnen beraubet / alle meine angelegenheiten im Königreich
Cus zurück sezte / und davon zoge / üm / wo müglich / die verlorne Delbora
wieder zu finden. Ich musste auf lauter ungewisse vermutungen meine reise
anstellen /und begabe mich erstlich hieher nach Syrien / vermeinend / alhier
eher / als anderswo / etwas von ihr zu vernemen. Aber alles mein suchen war
umsonst / und verwehrte mir der hiesige krieg / genåuere erkundigung
einzuziehen: der mich auch glauben machte / es wurde Delbora eher in ihr
vatterland Meden gegangen sein / als in diesem unsichern lande zu bleiben sich
entschlossen haben. Um nun dahin zu reisen / und es ferner auf ein ungewisses zu
setzen / ginge ich durch das land Hevila: alwo ich alles in voller
kriegs-rüstung fand / weil man der Konigin von Syrien hülfvolker schicken
wollte. Ich vrrname auch daselbst /dass Nebajot mit einem grossen heer in Meden
eingefallen / um selbigen tron / als dessen erbe / zu bestreiten. Diese zeitung
wollte fast meine alte eiversucht in mir wieder aufblasen / da dieses böse gift
in mir die einbildung erwekte / es möchten etwan Nebajot und Delbora ihrer
sachen eins worden / und zu einerlei zweck in Meden beisammen sein. Demnach
verzoge ich in Hevila / und sandte einen meiner verständigsten und getreusten
bedienten nach Meden / um hiervon erkundigung einzuziehen.
    Inmittels nun dieser den befehl verrichtete / erlangte ich die kentnis des
wackern Prinzens Jetur / der mir so wohl anstunde / dass die gleichheit unsrer
sinne zwischen uns eine ånge freundschaft hegte / und uns beiderseits antriebe /
dass ich ihm offenbarte / wer ich war / und er hingegen aller seiner geheimnise
mich kündig machte. Also erfuhre ich dieses Prinzen ganze liebe / und wie es ihm
/ so wohl mit der Roma / als mit der Hercinde / ergangen war: und kann ich mit
warheit-grunde bezeugen / dass er der schönen Roma mit der höchsten ehrerbietung
gedachte. Weil auch Hercinde noch damals ihr anteil in seinem klagen mit hatte
/und er dieser Prinzessin verübte grausamkeit nicht vergessen kunte / als
erwähnte er allemal dabei / dass der gerechte himmel es also gefüget / ihn zu
straffen /um dass er eine andere schönheit / als seine Roma /verehren wollen.
    Mit der weile kame nun mein ausgeschickter wieder zurücke: welcher nicht gar
nach Meden gewesen war / weil er unterwegs so viel nachricht von meiner Delbora
bekommen zu haben vermeinte / dass er Meden nicht sehen dorfte. Seine kundschaft
war diese / wiedass ein gewaltiges heer Egypter im anzug wäre /die den weg von
Elam daher kamen / und frauenzimmer bei sich füreten: unter denen er ganz gewiss
/ die Delbora gesehen zu haben / ihm eingebildet. Meine begierde erregte hierauf
bei mir wohl tausend fragen /die ich gegen ihm täte / um dessen / was er sagte
/gewiss zu werden. Er erzehlte mir aber nach der länge / dass er / wie er der
Egypter durchzug mit anzusehen /sich in Acraba begeben / da der Assyrische
haubtman / so darin gelegen / sie alle durch die stadt ziehen lassen / etliche
verdeckte wågen mit frauenzimmer ins gesichte bekommen / aus deren vörderstem
eine dame heraus gesehen / die eben solch ein lichtes haar / wie die Prinzessin
von Cus / gehabt / und håtte er gleich gemutmasset / dass sie es sein müste. Er
hätte ihnen hierauf in das nachtlager gefolget / und daselbst / weil er / als
ein Cussite / die man fur gut Assyrisch hielte /uberall gedultet worden /
gelegenheit erlanget / diese damen / und zwar im absteigen von den wågen
/nochmals zu sehen: da dann die gestalt und länge /auch das betrubte wesen der
jenigen / die er fur meine Prinzessin angesehen / ihr allerdings geglichen. Er
hätte auch / auf ferneres nachfragen / so viel erfaren /dass zwo Prinzessinnen
bei diesem heer sich befänden / deren eine aus Egypten / die andere aber
unbekant wäre.
    Ich rieffe hierbei gleich auf / dass meine Delbora die andere Prinzessin sein
musste / die mit der Prinzessin Amesses / wegen der liebe / die deren bruder /
der Amosis zu meiner schwester Danede truge / wurde kentnis gemacht haben. Ich
triebe nun den Prinzen von Hevila eifrig an / den aufbruch seiner volker zu
beschleunigen / üm diesen Egyptern bei dem Senirischen gebirge den weg zu
verhauen / und diese beide Prinzessinnen ihnen abzunemen. Also geschähe nun
unser aufbruch in wenig tagen / und wie wir / an der Mesopotamischen grånze /
das Singarische gebirge berüret / erhielten wir kundschaft / dass ein måchtiges
und grosses heer auf dem gebirge stünde / und uns im fortreisen gerad in die
seite gehen / auch / wofern sie unsere feinde wåren / uns aufreiben wurden. In
diesem heer waren nun Assyrier / und Celten / auch die aus dem reich Elassar /
und hatten zu heerfurern / den Prinzen Baleus von Assyrien / die Königin Mirina
von Elassar / die Prinzessin Hercinde ihre schwester /und den Prinzen Hiarbas
aus Egypten. Der Prinz Jetur / konnte den namen der Hercinde sonder grosse
bewegung nicht nennen hören: und da wir noch zweifelhaft waren / ob wir sie für
freunde oder feinde achten sollten / versicherte uns der Syrische Fürst Gaham
/den die Konigin von Syrien an den Jetur abgeschicket / wiedass dieser beiden
Heldinnen ihr bruder / der grosse Marsius König von Basan / die Syrische seite
hielte / und daher die schwestern nicht auf des bruders gegenseite sein konten /
sondern / wie es schiene / mit dem Prinzen von Babel frieden gemacht hätten /
und nun / die unruhe in Syrien beilegen zu helfen / im anzug begriffen sein
möchten.
    Wir befanden fur gut / iemand an sie abzuschicken: worzu der Prinz von
Hevila den Elika / seinen vertrautsten und fürnemsten bedienten / erkiesete /
und ihn weitläuftig unterrichtete / was und wie er die botschaft ablegen sollte.
Wie nun dieser hinweg war / verschanzten wir uns aufs bäste: üm auf allen fall
bereit zu sein / ihren angriff auszuhalten. Wir warteten aber beide / mit grosser
ungedult / auf des Elika wiederkunft: weil ich alle stunden diese verseumnis
anklagte / und er die bezeigung der Hercinde zu vernemen /hochst verlangte. Nun
verhielte es sich nicht anderst /als wie der Gaham gemutmasset: massen zwischen
den beiden Celtischen heldinnen / und dem Prinzen von Assyrien / der friede
geschlossen worden / und nun ihr anzug hieher nach Syrien geht / mit dem
absehen / dass sie sich zwischen beide teile legend / und ein heer von funfzig
tausend man zusammen bringend / sich damit gewachsen achten / die Könige von
Assyrien / Egypten und Canaan / auch deren bundsverwandte / dahin zu zwingen /
dass sie von ihrem unbilligen suchen abstehen / und dem ganzen Asien den frieden
und die ruhe wieder geben müssen. Dieses ihres vorhabens wurden wir nicht allein
von dem Elika / bei seiner rükkunft / verständigt / sondern es bekräftigte
solches auch ein mit-abgeschickter von dem Assyrischen Prinzen / welcher an den
Prinzen von Hevila befehl hatte. Uns auch allen guten willen spüren zu lassen /
wurden wir von ihnen mit allerhand notdurft für unser volk reichlich versehen /
und uns durch das ganze Singarische gebiete wohl durchgeholfen.
    Als hierneben der Jetur von dem Elika erfuhre /dass Baleus und die Hercinde
einander liebten / und also diese Prinzessin von ihrer ehmaligen strenge
nachgelassen hatte / verhönete ihn solches dermassen / dass er seinen
ohndas-gefassten schluss noch fäster stellte / ihrer zu vergessen / und der
schonen Roma /als nunmehr witwen / sich völlig wieder zu ergeben. Es ersturbe
aber hierbei nicht so gar sein fürwitz / dass er nicht eine begierde sollte
gefület haben / zu wissen /wie doch die Hercinde sich angestellet / als sie von
ihm diese botschaft vernommen. Der Elika stillte dieses sein verlangen / und
beschriebe ihm ihre beschåmung / die ihr bei anhörung seines grusses wåre
zugestossen. Er erzehlte auch / wie sie zu dem Baleus gesagt hätte: dieser Prinz
von Hevila wåre schuld daran / dass sie / ihn zu lieben / wäre genotigt worden.
Welches Baleus damit beantwortet: wie dass er hierum diesen Prinzen sich sehr
verpflicht erkente. Sie hätte hierauf ihn / den Elika / ümständlich befraget /
wie es dem Jetur / nach seiner abreise aus Celten / ergangen? darbei wehnend /
dass sie alhier vor Damasco ihn wieder zu sehen / das Glück verhoffte.
    Dieses alles / wie gesagt / stårkte den verhonten Jetur in dem vorsatz /
nicht mehr nach ihr zu fragen /und reisete er mit so freiem gemüte von dar ab /
als wan er niemals die häftige liebesregung entfunden håtte / die diese
Prinzessin ihm ehmals verursachet. Alle seine unterredungen / die er mit mir
pfloge /waren von der schonen witwe des Tuscus Sicanus: da er dann mir alles
erzehlte / wie es mit dieser zwang-heurat zugegangen / und wie ihre keusche
liebe dadurch wäre getrennet worden.
    Wir kamen hiernach an das Senirische gebirge / da wir den Prinzen von
Egypten / neben dem feldhaubtman Phalacus / vor uns fanden / die den Egyptern
und des Laristenes völkern den durchzug verwehrten: worzu wir dann sehr gewünscht
kamen /massen es schon an dem war / dass des feindes macht durchdringen wollen.
Der Prinz Amosis erfreute mich alda / mit der unverhoften zeitung von eurem hier
sein / liebste Delbora! und sah ich mich also gar angenem betrogen: indem ich
euch unter den Egyptern gesucht / und nun wieder verhoffen allhier finden sollte.
Wir erfuhren auch nachgehends / dass die Prinzessin / für welche man euch
angesehen / die Orosmada von Sidon gewesen. Ach meine Orosmada! (fiele hier die
Königin von Salem dem Eridanus in die rede) so hore ich einmal wieder etwas von
dieser Prinzessin / nachdeme mir solang deren zustand unbekant gewesen! Es ist
hier bei uns ein Egypter / (sagte Eridanus) der alle umstände zu sagen weiss /
wie es der Orosmada und der Amesses in Ninive und Elam ergangen: welcher der
Königin von Salem ein volles genugen wird geben konnen. Eurilinde erwiese
hierauf ein sonderbares verlangen / diesen Egypter zu sprechen: welchen der
Prinz von Cus ihr zuzufüren sich anheisig machte.
    Er beschlosse hierauf seine erzehlung mit dem bericht / von ihrem sieg
wieder die Egypter und Assyrier / wie auch von der gewissen vermutung / dass die
beide Prinzessinnen / von dem Petosiris / in Damasco gebracht worden: deren
unglücklichen zufall sie dann sämtlich beklagten und betaureten / weil zu der
Amesses ihr vatter eine unziemliche liebe truge / und die Danede nun wieder in
des Eliphelet händen ware. Wie komt es aber / (fragte hiernächst die Konigin
Hermione) dass der Prinz von Hevila sich bei uns nicht einfindet / da er doch
hier sein liebstes von der welt zu finden hat? Es ist ihm so wenig / als mir /
(antwortete Eridanus) bekant gewesen / dass alhier die Konigin der Aborigener
sich aufhalte: massen der Prinz von Egypten ihrer mit keinem wort erwehnet.
    Indem trate Abimelech zu ihnen in das gezelt / welcher den Cussitischen
feldherrn Hezrai an der hand fürete / und ein freudigers wesen / als man nun an
ihm gewonet war / erweisend / in diese worte heraus brache: Wir wissen nun / wo
unsere Koniginnen und Prinzessinnen geblieben; man hält sie in Abela gefangen /
und hat der edle Hezrai uns diese post mitgebracht. Sie waren alle erfreut /
dieses zu vernemen. Wie aber Hezrai den Eridanus erblickt / liefe er ihm
entgegen / ihm die füsse zu kussen / und nennte ihn seinen König und herrn:
woraus Eridanus vermuten musste / dass der König Scheba / sein herrvatter / nicht
mehr im leben sein wurde. Weil er aber schon einmal mit dergleichen zeitung /
wiewol nicht von dem Hezrai / war betrogen worden / als sah er ihn an /wege
dieser frömden begrüssung / und fragte ihn / wie er solches verstünde? Der
gerechte himmel (antwortete Hezrai) hat in die länge des Scheba tyrannei nicht
dulten konnen / sondern diesen Konig von der welt geräumet / und zwar durch die
siegreiche Syrische waffen. Dan / als dem Hesion / Badezorus und mir
/siebentausend Syrer und fünftausend Celten von hier mitgegeben worden / dem
ankommenden Scheba und den Arabern / die der Labdeon gefüret / den durchgang
nach Damasco zu verwehren: ist uns solches dergestalt geglucket / dass die Araber
gänzlich in die flucht gebracht / der Konig Scheba und Labdeon auf der walstatt
geblieben / und etliche tausend Cussiten /die mich kennten / zu uns übergegangen
sein; welche nun / ihren neuen König anzubeten / und ihm die lang-gewidmete
treue zu schwören / innigst verlangen.
    Auf diesen bericht / schauete Eridanus seine Prinzessin an / und sagte: Wir
sind erloset / liebste Delbora! wiewol nicht sonder schmerzen / da ich hierbei
einen vatter zu betrauren habe / der uns so viel plage zugezogen. Hiermit
drungen dem tugendhaften Prinzen die tränen aus den augen: und eilete er von
dieser grossen gesellschaft / die durch ankunft der andren Fürsten und
kriegsbedienten gemehret wurde / mit seiner Delbora und den Hezrai / in ein
neben-zelt /sich ein wenig zu erholen. Als hierauf die Koniginnen den Abimelech
fragten / wie es mit den beiden durchleuchtigen Aramenen / der Danede und
Ahalibama /stünde? zeigte dieser so ungedultig als erfreute liebhaber auf den
Badezorus / welcher dann folgenden bericht erstattete.
    Nach unsrem glücklichen treffen mit dem Scheba und Labdeon / als wir vor
zwei tagen / unfern von Abela / da diese grosse schlacht geschehen / uns gelagert
/ brachten uns etliche von unsren ausgestellten wachten diesen bericht / dass sie
in den nahgelegnen weinbergen einen haufen frömder reuter ersehen / die etliche
wägen mit frauenzimmer bei sich gehabt /unter denen sonderlich eine sehr schon
gewesen / und / wie sie von ferne ausnemen konten / unserer Konigin geglichen
håtte. Diese nachricht bewoge den Hezrai /unsren feldhaubtman / sich dessen
eigentlicher zu erkündigen: daher wurde ich mit etlich hunderten beordnet /
diesen frömden nachzufolgen / üm zu vernemen / wer sie wären. Wie ich nun auf
ihre spur gekommen / und sie meiner ansichtig worden / namen sie eiligst die
flucht / und ranten so stark nach Abela zu / dass ich sie nicht einholen kunte.
Die zu Abela öffneten ihm die tore: aber mir / als ich auch davor kame / wollten
sie nichtes zu willen wissen. Weil eben damals von hier aus dem lager / etliche
auf uns stiessen / die uns die betrübte post brachten / dass man unsere Königin
entfüret / zweifelten wir nicht / dass Abela diesen grossen schatz in seinen
mauren haben würde. Demnach hiessen wir den Celten Hesion / mit etlich tausenden
/ Abela berennen / liessen das übrige volk im lager / und eilten heruber / dieses
hier anzumelden. Wir können aber doch nicht sagen / wer der Königin entfürer sei
/ oder wie die leute in Abela / die doch stäts gut Syrisch gewesen / zu dieser
bosheit seien verleitet worden.
    Wolan / ihr edle Syrer! (rieffe hierauf der verliebte Abimelech) wir haben
keinen augenblick zu verseumen / damit unsere Königin befreit werde: und zwar /
so darf ich euch erst nicht anmanen / mir zu folgen /weil eure treu euch schon
selber hierzu anreitzet. Rames / Husan / Nahor / und die andern / so zugegen
waren / erwiesen / neben der freude über dieser post /ein allgemeines verlangen
/ Abela zu stürmen / und dasselbe / wegen dieser verwegenheit / in feuer
aufgehen zu machen. Wie nun der mit-anwesende Prinz Suevus / in Abimelechs
abwesen gute aufsicht bei der belägerung zu haben / übernommen / und alle
behorige anstalt zu diesem zuge in hochster eile gemacht wurde: trate der Prinz
von Egypten / mit dem Prinzen von Hevila / zu ihnen in das zelt / die diese gute
zeitung auch vernommen hatten / und daher angekommen waren / sich mit dem
Abimelech darüber zu erfreuen. Abimelech ersah nicht sobald den Amosis /da
lieffe er ihme mit ausgesperreten armen entgegen /und ihn ümfassend / sagte er
zu ihme: Danket mit mir dem himmel / dass wir unsere verlorne Prinzessinnen
wieder gefunden haben / deren erledigung / mit hulfe des Hochsten / uns nicht
saur ankommen sollen / nun wir wissen / wo sie sich befinden. Amosis ward
hieruber so vergnügt / dass er diese worte vor freude nicht beantworten konnte.
    Indem nun also zween liebhabere ihre zufriedenheit zu tage legten / wurde
inzwischen der dritte / der Prinz von Hevila / mit dem anschauen seiner Roma
/gleich wie von einem blitz überfallen / und kame ihm solches so unvermutet /
dass er ganz aus sich selber bliebe / und seine bestürzung allen anwesenden zu
erkennen gabe. Und wiewol / diese unversehene gegenwart des Prinzen / bei seiner
schönen nichts solches erweckte / so fülete sie demnach bei sich eine grosse
bewegung / als sie denjenigen so plotzlich wieder zu sehen bekame / den sie von
jugend auf mit so ungemeiner liebe zugetan gewesen / und von deme sie auf so
grausame art war getrennet worden. Sie entfunde wohl in ihrem herzen / dass Jetur
ihr noch eben so lieb wäre / als vordessen / und vergasse auf einmal alles /so er
ihr zuwider getan / als sie ihn zu ihren fussen ligen sah.
    Ist es muglich / (horte sie ihn reden) dass ich die unvergleichliche Roma
soll hier finden? Ist es moglich /(antwortete sie / ihn damit von der erden
aufhebend) dass der Prinz von Hevila / eine unglückseelige noch kennet / die
schon längst vergessen worden? Weil Jetur durch diesen fürwurf sich getroffen
fand / stiegen ihm die tränen häufig in die augen / und wusste er nicht / ob er
sich sollte schuldig geben oder nicht. Aber die Hermione halfe ihm aus dieser
verwirrung /die ihn ümarmend / zu ihm sagte: Sind euch dann eure alte freundinnen
so gar aus dem sinn gekommen / dass ihr sie nicht mehr möget in die augen fassen?
Jetur /hiermit des Blascons schone tochter erkennend / unterliesse nicht / sie
zu begrüssen / und ihr sein vergnügen zu bezeugen / dass er sie so unvermutlich
angetroffen. Hierauf trate auch die Königin von Salem hinzu / und erinnerte ihn
der kentnis / die sie zu Sidon mit ihm gepflogen: da er dann die weisse Eurilinde
sofort erkannte / und mit verwunderung von ihr vername /dass sie des Melchisedech
von Salem gemalin wäre.
    Abimelech / dem seine Konigin alles / wie es mit diesem Prinzen und seiner
Roma / wie auch mit dem Tuscus Sicanus beschaffen / entdeckt hatte / erwiese
hierob seine freude / den Prinzen von Hevila / den er nun anfinge sehr wert zu
halten / so vergnügt zu wissen / und ersuchte ihn / dass er / neben dem Prinzen
Suevus / in seiner abwesenheit / bei der belägerung bleiben / und dadurch der
gegenwart seiner schönen geniessen wollte. Hierauf wandte er sich zu dem Eridanus
/ und fragte ihn: ob er nicht mit auf sein wollte /seine schwester die Prinzessin
Danede erlosen zu helfen? Dieser König ware nun gleich hierzu bereit / und musste
also seine Delbora ihn wieder von ihr scheiden sehen / da sie ihn kaum einem tag
bei sich gehabt. Weil sie aber dessen wohl gewonet war / und ihren gemal in
seinem beruff zu sein wusste / als gabe sie sich gutwillig darein / und wünschte
seine ehiste rükkunft / auch dass er ihre liebste Danede ihr wieder mit bringen
möchte.
    Wie nun alles zum aufbruch nach Abela in bereitschaft stunde / wurde Zameis
/ des Assyrischen Prinzen hofmeister / vor den Abimelech gebracht: welcher sagte
/ wie dass er / von seines herrn wegen / bei dem dapfern General des Syrischen
heers etwas sonderliches anzubringen hätte. Wie nun der Prinz mit ihm auf eine
seite getreten / brachte ihm Zameis weitlåufig vor / wie sein herr / neben den
beiden schwestern des grossen Marsius / und der Hiarbas / zwischen Babel und
Syrien frieden zu machen / bemühet wären / auch deshalben Baleus und Hiarbas in
Damasco zu kommen / den pass durch das lager begehrten. Der eilfärtige Abimelech
/ keine ursach findend / ihnen dieses zu versagen / färtigte den Zameis alsofort
mit gewuriger antwort ab / und sasse hierauf / (sonder jemanden in der eile zu
sagen / was des Zameis anbringen gewesen) mit dem König Eridanus / mit dem
Amosis / und allen anwesenden Syrischen Fürsten / zu pferde. Also zogen sie /
mit einem heer von achttausend auserlesenen Syrern / nach Abela fort: da dann /
wie geschwind es auch fortginge / die beide verliebte dannoch über des zuges
langsamkeit klagten.
    Unterwegs kamen dem Abimelech tausend gedanken in den sinn / die ihm wegen
seiner Königin bange machten: unter denen nicht der lezte war / dass er besorgte
/ weil der Celte Hesion Abela berennet / derselbe möchte / wan etwan sein König
Marsius diesen raub der schönen Aramena verübet / ihme / mit ihr davon zu kommen
/ gelegenheit geben. Bedachte er dann / dass etwan Cimber oder Tuscus Sicanus
diese entfürung begangen / (welches er doch nicht gläuben wollte /) so wusste er
nicht / wie er sich gegen diesem seinem freund gebärden sollte / wan er ihm seine
Königin wieder abnåme: und wünschte er öfters / dass doch dieses Königs und der
schonen Roma vermålung nicht also eine schein-hochzeit gewesen wåre / damit er
nun überhoben leben dorfte / an seinem liebsten freunde seinen mitbuler zu
haben.
    Nachdem sie andertalben tag und eine nacht auf diesem weg zugebracht /
kamen sie folgenden abends vor Abela: da dann / ungeacht der soldaten müdigkeit
/alsofort alles zum sturmen bereitet wurde. Weil aber dieser ort so dapfren
helden / die ihn angriffen / zu widerstehen nicht vermochte / als ginge gegen
morgen die stadt über / und fiele alles über die schneide des schwerdes / was
sich zur gegenwehr sezte. Als sie hierauf nach dem entfurten frauenzimmer
fragten /mussten sie mit hochster bestürzung vernemen / dass die nicht mehr
vorhanden / sondern / so bald man vor die stadt gekommen / wären hinaus gebracht
worden. Es fehlte nicht viel / dass Abimelech nicht von sinnen gekommen / wie er
dieses vername. Als er aber / ein mehrers hiervon zu erfaren / bei den
gefangenen umfragte / fand sich endlich einer / dessen ansehnliches wesen
anzeigte / wie er mehr / als ein gemeiner mensch sein müste / massen auch den
Abimelech dünkte / dass er ihn ehedessen gesehen håtte. Sage mir / mein freund!
(redte er ihn mit sonderlicher leutseligkeit an) weist du nichtes von unsren
zweien Koniginnen und Prinzessinnen / die man hieher gebracht? Hat nicht Ardeus
/ neben dem Arteman und Altadas / sich hier aufgehalten / und diesen raub
verübet.
    Der Prinz von Gerar / (gabe dieser zur antwort) irret sehr / wan er ihm
einbildet / dass allhier die jenigen vorhanden gewesen / die er iezt benennet:
massen auser seiner geliebten Prinzessin Cölidiane / die mein herr der Prinz von
Hemath entfuret / und der Prinzessin Andagone / wir kein frauenzimmer alhier
gesehen. Wie! (rieffe der verliebte Prinz) ist dann die Konigin von Syrien nicht
hier gewesen? Weder sie / (antwortete der andere) noch die benannte manspersonen
/haben wir hier gesehen: und so der alte BaalHanan bei dem Prinzen Abimelech
noch glauben findet / so will ich hoffen / man werde diesen meinen bericht nicht
in zweifel ziehen. Abimelech erinnerte sich hierauf / wie dieser BaalHanan zu
Salem des Bileam hofmeister gewesen / der / nicht allemal mit dem unartigen
wesen seines herrn friedlich / sein misfallen darüber öfters bezeuget hatte:
daher er / bei seiner damaligen höchsten ungedult / dannoch sich erfreute / dass
ihm der himmel diesen menschen in die hånde geliefert hatte / von deme er die
warheit zu erfaren hoffen konnte. Ach BaalHanan! (sagte er zu ihm) haltet mich
nicht lang auf mit eurem bericht / und erofnet mir bald / was ihr wisset.
    Ich wollte mich seelig achten / (antwortete BaalHanan) wan durch den bericht
/ den ich dem Prinzen von seiner Cölidiane tun kann / ich zugleich das mittel
könnte weisen / sie aus meines herrn händen zu erretten / der iezt diese
tugendhafte Prinzessin / mit der grosten lift von der welt / in seine gewalt hat
bekommen. Wir waren zu Hemath / alda sich mein herr eine geraume zeit
aufgehalten / als wir die nachricht erhielten / dass die schone Prinzessin von
Caphtor im lande Cus sich befånde / dahin sie der Prinz Eridanus aus Damasco
gefüret hatte. Die nie-erloschene liebe des Bileam / schöpfte aus dieser zeitung
keine geringe erquickung: massen es ihm eine freude war / seinen mitbuler
gequält zu sehen / da er ihm leicht einbilden kunte / wie der Prinz von Gerar
sich ängstigen würde / wan er seine geliebte Prinzessin in der Cussiten gewalt
wissen müste. Und da ihme bisher nur die gelegenheit / niemals aber der wille
gemangelt / mit gutem oder bösem willen sich der Prinzessin Cölidiane zu
bemächtigen / kame ihm nun von neuem in den sin / gleichwie er ehmals in Bactra
sie entfüret / also auch iezt es noch einmal zu wagen / und sein heil im
Königreich Cus an ihr zu versuchen. Hierbei mussten nun allerhand ränke das båste
tun: massen wir zu Hemath uns nicht in dem stand befanden / uns öffentlich an
die Cussiten zu reiben.
    Ich must nun mit fort / ungeacht alles meines einredens und abmanens / und
kamen wir unbekant in Naphis an / da wir unsre herberg namen bei einem / namens
Tabrinnon / der eine Medin namens Sephra gsheuratet / die wir vordem auf unsren
reisen nach Bactra wohl gekant hatten / und die uns allemal sehr viel gutes
erwiesen. Weil bei ihr geschenke und gaben viel verrichten / als wurde sie bald
des Bileams leibeigne / und bote sich an / ihme zu verhelfen / dass er die
Cölidiane davon bringen könnte. Sie ginge viel bei der Prinzessin Danede ab und
zu / mit deren die Colidiane in grosser vertreulichkeit lebte: daher sie nicht
fur unmuglich hielte / durch hulfe des Tabrinnon /ihres mannes / dem Bileam wohl
zu dienen / als welcher bei hof sich sehr viel vermochte / und ein gut teil von
dem heer auf seiner seite hatte. Wie aber der anschlag zu dieser entfurung nun
fäst gestellet war / und gleich iezt erfüllet werden sollte / sponne die grosse
unruhe sich an / durch welche alles in Cus über einen haufen gegangen: und weil
sie selber / gnädiger Prinz! dabei gewesen / und daher wissen / was damals
vorgelaufen / als können sie leicht erachten / wie des Bileams anschlag und
fürhaben rückgångig geworden.
    Ich will hier nicht erzählen / was dieses fur unmut und verzweifelung in
seinen gedanken erwecket / da er meinen gnädigen Prinzen / als seinen
glucklichen mitbuler / so vorteilhaft bei der Prinzessin eingeschrieben sah.
Ich will auch nicht sagen / wie nahe es ihm gegangen / dass sie ihrem lieben
Abimelech / mit verachtung des lebens / so ungemeine liebeszeichen erzeiget. Ich
will aber / um die gedult meines Prinzen nicht zu misbrauchen / nur dieses sagen
/ dass / wie die Prinzessin Cölidiane mit der Danede hieher nach Syrien / unter
andern auch von dem Hezrai begleitet /gesandt worden / der von dem Bileam
erkaufte Tabrinnon auch mit ginge / und mit beirat seiner frauen zu
verschiedenen malen bemühet war / uns / die wir unbekant immer mit-reiseten /
die unschuldige Cölidiane unterwegs in die hände zu liefern: welches doch /
durch tausend hinterungen / allemal vermieden bliebe / und musste Bileam zu Aroer
/ alwo wir uns immer heimlich aufhielten / von einem tag zum andern harren / bis
Tabrinnon und Sephra ihr versprechen würden halten köñen. Oefters redte ich ihm
zu / von solchem unfruchtbaren beginnen abzustehen: zumal er ja nicht
glücklicher mit der Colidiane / als ohne sie /sein würde. Es wollte aber alles
nicht verfangen / und tröstete ihn das beispiel der Prinzessin Delbora von Cus:
die auch sich bequemen mussen / den Eridanus /unangesehen sie den Nebajot
liebte / zu ehlichen / so auch wohl abgelaufen wåre.
    Weil nun im lager die Sephra stäts üm die Prinzessin war / als vertraute ihr
dieselbe / nun ungefär vor sechs oder sieben tage / (doch die ursach / so sie
dazu triebe / verschweigend) wie sie gewillet wäre / heimlich ins land Caphtor
nach Mazaca zu reisen / und bate sie / ihr dazu behülflich zu sein. Die Sephra
befande solches recht gewünscht für meinen herrn / und täte es uns gleich nach
Aroer zu wissen / mit benennung des tags / da wir auflauren sollten. Bileam /
voll unbeschreiblicher freude / ermanglete nicht / diesen handel aufs
klüglichste anzustellen. Etliche von des Tabrinnons Cussiten begleiteten nun die
Prinzessin /die ganz heimlich bei nacht aus dem lager sich hinweg gemacht. Wie
nun dere fürer / der Cussite Mebunai / dieselbe unter Aroer uns auslieferte /
wurde sie von tödlicher angst überfallen / sich in dessen hånden sehend / den
sie mehr als den tod hassete. Des Mebunai frau / wie auch die andern weiber / so
um sie waren / fanden gnug mit ihr zu tun / sie lebendig fortzubringen: massen
sie ohndas von einer uns-unbekanten betrubnis angefochten wurde / also dass kein
schmerzlichers leiden / als dass ihrige / könnte beschrieben werden. Weil aber
alles dieses den Bileam nicht zu bewegen vermochte / dass er sie håtte von sich
gelassen / als musste diese trostlose mit uns fort /und an statt nach Caphtor den
weg zu nemen / mit uns auf Hemath zu reisen.
    Wir stiessen aber / unfern von Abela / auf ein grosses kriegsheer: vor deme
wir uns erstlich in den weinbergen versteckten / aber / weit wir daselbst nicht
verborgen blieben / in Abela entweichen mussten. Diese stadt / so ehmals nach
Hemath gehöret / ofnete dem Bileam willigst die tore / und name uns in ihren
schutz / wiewol mit mehr treuherzigkeit als verstand: massen diese blinde leute
ihren mauren zuviel zutraneten / und ihre kräfte weit långer gemessen / als sie
sich erstrecket; und erweisen sie nun mit ihrer kläglichen niederlage / was des
blinden pöbels hartnäckigkeit für früchte bringt. Wir fanden aber allhier die
Prinzessin Andagone von Gerar: das dann der betrubten Colidiane nicht wenig trost
gabe / in diesem ihren elend eine so nahe anverwandtin zu sehen. Sie sprache
auch dieselbe diese nacht mit auf / als Bileam sie nötigte / ihm zu folgen: und
hat Andagone / die Cölidiane nicht zu verlassen / lieber als eine gefangene des
Bileams mit fortreisen / als ohn die Colidiane frei bleiben wollen. Ein bürger
in Abela halfe dem Bileam zu dieser flucht / den er / wiewol die stadt / noch
vor des Prinzen von Gerar ankunft / von einigen völkern schon berennt und
ümschlossen war / durch die morastige örter an der einen seite der stadt / und
über den Libanon / ganz sicher hinweg brachte. Weil ich bei der eilfärtigen
abreise mich verweilet / indem ich allhier mit den hinterbleibenden leuten
meines herrn noch ein- und anders zu schaffen hatte / als bin ich nun der
gefangenen einer: danke aber dafür dem himmel / weil ich hiedurch gelegenheit
erlanget / der unvergleichlichen Cölidiane zu dienen / und / wo muglich / darzu
zu helfen / dass diese tugendhafte Prinzessin möge wieder befreit werden.
    Als BaalHanan hiermit seine erzehlung geendet /befande sich der Prinz sehr
unschlüssig / ob er wieder ümkehren / oder zuvor die Cölidiane zu erretten sich
bemühen sollte? Doch zoge ihn endlich die Königin von Syrien nach sich / sie
ferner zu suchen. Gleichwol hierneben auch der Prinzessin von Caphtor
beizuspringen / liesse er aller orten dem Bileam nachjagen /sonderlich auf den
straffen / die BaalHanan benennte. Inzwischen aber stunde er die grausamste
marter aus /die iemals ein verliebter mag entfunden haben. Er wusste nun so wenig
/ als anfangs / wohin er sich wenden sollte / und sah seinen zustand elender /
als vorher / da er noch hoffnung hatte / allhier seine verlorne wieder zu
finden. Der König Eridanus war / bei solcher beschaffenheit / sehr bemühet /
sowol diesem helden / als dem trostlosen Prinzen Amosis / einen muht
einzusprechen. Wie aber / von ihnen und den anwesenden Syrischen Fürsten / alle
umstände der entfürung dieser koniglichen personen recht erwogen worden / fiele
ihrer aller einhällige Meinung dahinaus / dass sie Ardeus in Damasco musste
gebracht haben. Daher beschlosse Abimelech / ohne seumnis Damasco zu stürmen.
    Dieser verzweifelte Prinz / vermochte nun zu Abela nit länger zu bleiben.
Demnach truge er dem Nahor auf / nach der Cölidiane ferner fleissige kundschaft
anzustellen. Den Mitreus aber schickte er / in begleitung BaalHanans / nach
Hemath / selbigem reiche den krieg anzukundigen / wofern man die Prinzessin
Colidiane nicht alsobald wieder auf freien fus stellen wurde. Weil er die
mitgebrachte achttausend Assyrier wegen müdigkeit / nicht mit sich nemen konnte /
liesse er dieselben unter dem befehl des Nahors stehen / und mussten ihm hingegen
die zehentausend man folgen /welche der Hezrai von Celten / Syrern und Cussiten
zusammen gebracht hatte: mit denen er folgends sein heer üm ein merkliches
verstärket. Weil sie nacht und tag fort eileten / als konten sie / den andern
nachmittag nach ihrem aufbruch von Abela / das feldlager wieder erreichen.
Daselbst nun verursachte ihr leeres wiederkommen eine neue algemeine betrübnis:
weil jederman so gewiss verhoffete / dass sie dissmal ihre Konigin wieder sehen
würden.
    Es waren aber / an deren statt / die beide dapfere schwestern des Konigs von
Basan / die Mirina und Hercinde / unversehens im lager angekommen: welche
Abimelech / gleich nach seiner ankunft / zu besuchen keinen ümgang nemen kunte.
Er fand bei der Konigin von Elassar / neben ihrer fürtreflichen schwester /alle
edle Celten und Teutsche / auser dem einigen Suevus / versamlet / und hatte
niemand nötig / nach seiner verrichtung zufragen / weil sein betrübtes wesen
ihnen gnugsam ankündigte / dass er vergeblich zu Abela gewesen wäre. Doch machte
ihn solches nicht der ehrerbietung gegen dem frauenzimmer vergessen: massen er
die beide heldinnen mit grosser höflichkeit bewilkomte / und seine erkentlichkeit
zu tag legte / üm dass diese durchleuchtige Fürstinnen / wie er hoffe / gleich
ihrem bruder dem Konig von Basan /die Syrische seite zu halten angekommen wären.
Sie antworteten ihme mit gleicher hoflichkeit / und beklagten dabei zum höchsten
/ dass die Königin von Syrien / um deren willen sie meist angekommen /nicht
vorhanden ware: welche erinnerung dem armen Prinzen viel seufzen auspressete /
und damit seine häftige betrübnis genugsam zu vorschein brachte.
    Er konnte aber die schonheit der Hercinde nicht gnug betrachten / noch
begreifen / warum sein Cimber dieselbe zu lieben / sobald aufgehoret / massen er
sie /noch vor wenig monden / in Damasco als verliebte beisammen gesehen hatte.
Es ware ihm unwissend /was die Roma seiner Königin erzählt / welcher gestalt
die Valentia ihren sohn / den Tuscus Sicanus /überredet hatte / dass er der
Hercinde bruder wåre: sonst wurde er / gleich wie seine Königin / leicht die
ursach gefunden haben / die den Cimber (welchen sie beide für diesen König der
Aborigener hielten /) bewogen / seine liebe von der schonen Hercinde / als
seiner schwester / abzuwenden. Mir zur plage / (sagte Abimelech bei sich selbst)
muss Cimber weder von der Roma / noch der Hercinde / schönheit gefässelt bleiben
/ damit ich nur die marter anstehen müsse /meine Aramena nicht ohn einen mitbuler
zu lieben. Diese gedanken vermehrten nicht wenig sein leiden. Gleichwie er aber
nicht fähig war / an andere dinge /als nur auf seinen betrübten zustand / zu
gedenken /als erkundigte er sich nicht sonderlich nach der eigentlichen ursache
/ die diese beide schwestern ins lager gebracht hatte / sondern eilete / sobald
er nur kunte / wieder von ihnen hinweg: üm mit seinen kriegsbedienten abzureden
/ welcher massen sie es mit dem vorhabenden sturm anstellen wollten. Weil Mirina
/ vor des Prinzen ankunft / das lager zu besehen / gewillet gewesen / als machte
sie solches nun werkstellig / und ward sie vom Gaisus aller orten ümher gefuret.
    Die betrübte Hercinde bliebe mitlerweile allein /und überlegte mit ihrer
getreuen Marpeis / ihren gegenwärtigen zustand. Ach! (sagte sie zu ihr) es ist
bereits der dritte tag / seit dass Baleus sich in Damasco befindet / und / gegen
unsrer abrede / uns nichtes von seinem zustand wissen lässet. Was kann ich andres
hieraus schliessen / als dass er entweder meiner vergessen habe / oder zu unglück
gekommen sei. Das lezte ist nicht so leicht zu vermuten / als wie das erste:
massen ich mich noch wohl erinnere / wie sich Baleus angestellet / als er
erfahren / dass die Königin von Ninive nicht seine schwester / sondern für die
Syrische Aramena wäre erkant worden; es folgte eine entfärbung auf die andere /
und bliebe er so aus sich selber /dass ich zu verschiedenen malen ihn angeredet /
sonder einige antwort zu bekommen. Ach Marpeis! die Aramenen sind fur mich
gefärlich. Und weil ich weiss / dass den Prinzen nie etwas anders / als sein
glaube /und die einbildung / dass er ihr bruder sei / diese schöne Konigin zu
lieben / abgehalten / als sorge ich billig / das nun diese Aramena / mit deren
er Syrien beim haus Babel erhalten kann / über die arme Hercinde siegen werde.
    Keine liebe (antwortete hierauf Marpeis) ist iemals sonder eiversucht: darum
auch meine Prinzessin solche entfindet / weil sie den Prinzen von Assyrien
liebt. Gleichwie aber meist die einbildung eine mutter der eiversucht ist /
also hoffe ich / dass nur sie in der grossen Hercinde gemute diese unruh ietzund
gebäre. Es ist so unmüglich / dass der Prinz von Assyrien /was er meiner
Prinzessin schuldig / vergessen sollte /dass er eher zu leben / als sie zu lieben
/ aufhören wird. Die ursach aber / die diese bestürzung / in erfarung von der
Konigin von Ninive wahrer ankunft / bei dem Prinzen erwecket / kann leichtlich
erraten werden; dann selbige ist nichts anders / als der verlust des Syrischen
reiches: massen ein Monarch nicht sonder bewegung vernemen kann / dass er ein so
grosses Konigreich / wie dieses ist / verlieren soll. Warüm bekomme ich dann keine
post? (fragte Hercinde) und was ist die ursach / dass Baleus mir von seiner
verrichtung nichts vermeldet? Wie viel tausend hinternisen (antwortete Marpeis)
konnen solchen verzug verursachen? Wer weiss auch / wie der Prinz von Assyrien
den König von Babel gefunden / und was ihme sonst in Damasco mag zugestossen
sein? Deine liebe zu dem Zameis /(versezte Hercinde /) machet dich so gut
Assyrisch /und heiset dich / wan du denselben treu befindest /auch also von dem
Baleus urteilen.
    Indem die schöne Hercinde dieses sagte / trate Suevus zu ihr in das gezelt:
der die zeit / da die Königin Mirina ausgeritten / in acht genommen / und nun /
da er ihre schwester allein wusste / dieselbe besuchen wollen. Weil dieser Prinz
die Hercinde hoch verehrte /und wie sein kind liebte / als pflage er sich auch /
wie ein vatter / üm alle ihre angelegenheiten anzunemen: er ward auch hinwider
von ihr / wie von einer wahren tochter / geliebt / und hatte sie / in Basan /
ihm nichtes von allen ihren anligen verhelet; massen sie auch nun keine scheu
truge / ihn aller ihrer gedanken teilhaftig zu machen. Wie / meine schöne
Prinzessin! (redte er sie an) muss man dann stäts in solcher bekummernis leben?
Wie schicket sich diese einsamkeit allhier zum kriege? oder ist solche etwan dem
heroischen geist der Hercinde gewonlich? Ach mein vatter! (antwortete sie ihm)
die ehmalige Hercinde ist in Celten geblieben / und was ihr nun noch an ihr
sehet /das zeigt euch alle das schwächliche / so sie vordem so freimütig zu
überwinden wusste. Meine Prinzessin (sagte Suevus) urteile nicht also von einer
wohl-zulässigen neigung / die uns der himmel eingibet / üm der ordnung nachzuleben
/ die in seinem unwandelbaren ratschluss ist gemacht worden. Eine keusche liebe
zeigt keine schwacheit an / deren ja die groste helden unterworfen sind. Und da
die grosse Hercinde / durch des Tuiscons ehmaligen ausspruch / zur mutter des
künftigen Assyrischen stammes benamet worden / so wird zweifelsfrei diese andere
Semiramis der welt weisen / dass der Trebeta ihr stamvatter gewesen / und dass ein
Celte sie gezeugt habe.
    Ach Suevus! (widerredte sie) woher wisset ihr /dass des Tuiscons worte also
müssen gedeutet werden /und dass mich Assyrien soll seine Konigin sehen? Vermeinet
ihr nicht / dass diese schöne Aramena von Syrien / zur marter unseres ganzen
hauses / noch werde dienen müssen? Suevus / der aus diesen reden wohl abname / dass
Hercinde des Assyrischen Prinzen wankelmutigkeit besorgte redte ihr solches aus
dem sinn /und sagte ferner seufzend: Diese schone Syrerin /dörfte meine
Prinzessin eher eines brudern / als eines liebhabers / verlustig machen / wan
der Teutates so ein grosses unglück nicht verhütet. Wo ist dann nun mein bruder?
fragte hierauf die Hercinde. Er ist / (antwortete der Suevus) mit dem Tuscus
Sicanus / nach Basan gereiset: weil diese beide unglückselige liebhabere nicht
länger an dem ort verbleiben wollten / da ihnen stäts ihre qual vor augen
schwebte. Vieleicht (sagte Hercinde) kann die abwesenheit sie an ihrer krankheit
heilen: doch ist die nicht allemal so bewärt /ein solches auszurichten. Diesen
trost müssen hierbei wir Celten zum wenigsten haben: (antwortete Suevus /) und
wan nur erstlich die heurat alhier seine hoffnung getilget / so zweifle ich
nicht / es soll endlich die vergessenheit auch seine liebe verzehren.
    Aber / grosse Prinzessin! (fuhre er fort zu reden) darf ich dann nicht
ümständlich wissen / wie es eigentlich / so wohl mit endung des Babylonischen
kriegs /als mit ihrer herüberkunft / zugegangen? und was befehlen sie / dass man
hiervon an den Konig nach Basan berichte / der täglich von allem / was hier sich
begibet / post zu haben verlanget? Eure erinnerung ist billig / mein vatter /
(antwortete sie) auch nötiger / als ihr wohl vermeint: weswegen ich ganz bereit
bin /euch hierin alsofort zu vergnugen. Wie nun die Prinzessin dem Suevus einen
stul setzen lassen / erzehlte sie / was er verlanget / und vername er also den.
 
    Verfolg der geschickte / der Königin Mirina und der Prinzessin Hercinde.
Es geht nun ongefär in den vierten mond / dass ich nach Basan kame: und könnet
ihr selber zeugen / wie verbittert ich über den Prinzen von Assyrien gewesen /
dass der / auf des Rames schloss / sich so vorteilhaftig für die damalige jungfrau
der Königin von Ninive /in meiner gegenwart / erklären dorfte. Ich triebe auch
deshalben / meinem ersten furnemen gemäs / das mich aus Elassar gebracht hatte /
so eifrig an der kriegsrüstung wider Assyrien / dass ich schon in zehntausend
Celten / die meiner schwester sollten zugefüret werden / völlig in bereitschaft
hatte. Es kamen aber schreiben von der Königin zu Ninive / und von dem König
/meinem bruder: die nicht allein den Baleus in allem entschüldigten / massen er
in beigefügten reimen selbst mit getan hatte / sondern auch mir befohlen /diese
Prinzen liebe anzunemen / und damit des Tuiscons profezeiung zu erfullen. Ein so
angenemer befehl / der mir von meinem König kame / neben der hoflichen fürbitte
der schönen Ninivitin / und der entschüldigung des Prinzen / konten keine andere
wirkung bei mir haben / als wie sie es verlangt hatten.
    Ich zoge nun zwar mit meinem heer fort / nicht aber in Meinung / Assyrien zu
bekriegen / sondern zwischen meiner erzürnten schwester und dem Prinzen Baleus
frieden zu machen. Weil ihr meine schwachheit wisset / darf ich euch nicht
beschreiben / was ich alles auf diesem weg in mir entfunden / und wie Marpeis
keinen tag vorbeigehen lassen / darin sie nicht des Baleus wort bei mir gehalten
hatte: wozu ihr dann der Königin von Ninive schreiben måchtig zu statten kame /
mit der erwehnung / dass sie den Prinzen Baleus nie verliebter noch betrübter
gesehen hätte, und wie ganz Assyrien mir die erhaltung ihres einigen Prinzen
wurde zu danken haben. Hiermit wurde nun diese reise zugebracht / bis dass wir
Elassar erreichten: da ich die Konigin meine schwester /und ihr land in vollen
waffen / fand. Es hatten teils ihrer völker sich schon an die Babylonische
gränze gezogen / und warteten nur auf unsere nachfolge / üm einen einfall in
Assyrien zu tun.
    Meine ankunft erweckte anfänglich nicht geringe freude / wie man mich noch
ja so verbittert / als wie die Mirina war / gegen den Baleus ansah. Als ich
aber meiner schwester dieses Prinzen unschuld zu entdecken begunte / und dass
mein name Assur / den ich furete / alles dieses angerichtet håtte / auch wie
ihre jungfrau Simede / neben meiner Marpeis / mich dem Baleus in der Mirina
armen ligend bei nacht gezeiget: erbosete die Konigin dermassen gegen die arme
Simede / dass / ungeacht aller ihrer treuen dienste / und meiner inständigen
vorbitte / sie vor ihre augen nicht mehr kommen / sondern den hof verlassen
musste. Sie bliebe auch ja so verbittert gegen dem Baleus / als sie zuvor gewesen
/ und beharrete auf ihrem fürhaben /seinet wegen wider Assyrien den krieg
anzufahen: massen sie ihme das nicht wollte zu gut halten / dass er / was er ihm
ubels von ihr eingebildet / also kund gemacht hatte. Ich wusste bei solcher
beschaffenheit nicht / wie ich mich bezeigen sollte: dann ich mit meinen
zehntausend Celten mich zu schwach befande /der macht von Elassar zu
widerstehen. Demnach hielte ich es fur rätlicher / gemach zu tun / als durch
unzeitigen eifer alles zu verderben.
    Der himel schickte aber eine sehr gewünschte gelegenheit / die mir wohl zu
statten kame / und die ich auch heimlich stark befördern halfe / um hinternis in
diesen feldzug zu bringen. Es hatten die gesamte stånde in Elassar / lang vor
meiner hinkunft / bei der Mirina inständig angehalten / dass sie sich verheuraten
/und also dem reich beatändige ruhe verschaffen wollte: welches sie nun / da die
Königin diesen feldzug vor-hatte / so eifrig trieben / dass sie für einen man
zusammen traten / und sich verbanden / die Königin nicht ziehen zu lassen / bis
sie sich zu heiraten erklärte. Die fürneme geschlechte in Elassar / trachteten
alle nach dieser hohen würde / und war ihre Meinung / dass der erwehlte Konig im
lande bleiben sollte / mitlerweile Mirina in Assyrien den krieg füren wurde. Weil
das ganze kriegsheer auf der stånde seite war / und ich sie heimlich / wie
gesagt / dapfer auffrischen halfe: als sah sich Mirina endlich genotigt / ihren
ständen eine gewurige antwort zu geben. Es war aber ihr ernst nicht / und hatte
sie eine blutige list ausgesonnen /hiervon abzukommen. Sie sagte / wie dass sie
den jenigen / der den drachen / welcher eine geraume zeit am fluss Euleus sich
sehen lassen / und grossen schaden im lande getan hatte / erlegen wurde / fur
ihrem gemal und zum Konig in Elassar annemen und erklären wollte; üm einen alten
ausspruch dadurch zu erfüllen / von dem sie in Elassar viel sagten / und den
ihre gottin Atergatis ehmals soll gegeben haben / welcher also lautet:
Wan einst ein frömdes tier das land wird sehr verheeren /
so wird / Elassar! erst dein stolzes Glück angehn.
Den würger dieses tiers wirst du als König ehren;
und er wird seine lieb alsdan belohnet sehn.
    Was håtte Mirina scheinbarers / als eben dieses /ihren ständen vorbringen
konnen? welches / so tyrannisch es war / dannoch von keinem konnte getadelt
werden. Das fromde tier war nun vorhanden / und das land wollte auch einen König
haben. Also kame alles der Mirina sehr wohl zu statten: und würden die von
Elassar / wan sie so eine erklärung hätten vermuten konnen / nicht so sehr
darnach gerungen haben. Wie aber dieses volk eines von den ubermütigsten unter
der sonne ist / als verbargen sie die innerliche furcht /vor diesem grausamen
tier / und zweifelten nicht / dass verschiedene Fürsten sich anfinden würden /
der Atergatis ausspruch zu erfüllen / und mit dem drachen zu streiten. Dieser
handel erweckte nun ein grosses geschälle durch ganz Elassar / und wurden alle
tempel fleissiger als sonst besuchet: da alles volk ihre götter inständig
anrieffe / dass der båste und würdigste / mit dapferkeit ausgerüstet / sich
hierzu erklären / und den sieg davon tragen möchte. Mirina selber musste / wie
sehr sie auch nach Assyrien verlangte / diesem grossen werk in person mit
beizuwonen / des hierzu angesezten tags erwarten.
    Indem nun / unter den benotigten zurüstungen / etliche wochen verstrichen /
kame inzwischen / das gerüchte hiervon / auch dem verliebten Hiarbas nach Ophir
zu ohren: welcher ungeacht er das leztemal von der Mirina sehr ubel abgewiesen
worden / dannoch gegen ihr in beständiger liebe verharret. Er hatte seine
heimliche kundschafter hinterlassen / die ihm nach Ophir alles berichteten / was
in Elassar vorginge. Sobald nun dieser gehöret / dass durch uberwindung des
drachen seine Mirina zu erlangen wåre / bedachte er sich keinen augenblick / und
fassete gleich die Entschliessung / unbekant nach Elassar zu gehen / und für
einen kämpfer sich anzumelden. Er hatte aber einen schweren krieg auf dem halfe
/ mit dem Prinzen Armizar / der ihm die Kron von Ophir bestritte / welche
Hiarbas / nach des Jaziz tode / als ernanter erbe aufgesetzet hatte. Es stunden
auch seine sachen eben nicht zum bästen / weil alles volk dem Armizar / als
ihrem angebornen Prinzen / begunte zuzulaufen / und des Hiarbas seite verliesse.
Wiewol nun / üm des willen / seine dapfere gegenwart daselbst vonnoten war /so
sezte er doch alles hintan / üm seine liebe zu vergnügen.
    Er kame an den ort / wo dieser kampf geschehen sollte / eben den tag als wir
und das ganze Elassar alda versamlet waren. Ich muss euch aber / mein vatter!
zuvor diesen ort beschreiben / da der drache sich aufhielte / üm mich in meiner
erzehlung vernemlicher zu machen. Es machet der fluss Euleus eine halbe Insel /
ungefär auf ein viertel wegs gross / die auf der einen seite an dem
erschrecklichen gebirge hänget /welches Ophir von Elassar unterscheidet: und
ware dieses fromde tier / aus den hölen daselbst / etwan vor dreien monden am
ersten hervor gekommen. Dieses ungeheur pflegte den ab- und zufluss des stroms /
der sich mit dem mond vermehret und vermindert / in acht zu nemen / und allemal
auf das land zu gehen / wan das wasser klein wurde: da es dann alles umher
verheerte / und folgends / wan der strom wieder anliefe /sich zuruck in seine
vestung begabe. Weil nun solches mit grossem schaden der anwoner geschehen / als
ware jederman furchtsam / sich vor diesem greulichen tier sehen zu lassen: zu
geschweigen / dass iemand sich an dasselbe hätte reiben sollen.
    Man hatte nun eine zeit benennet / da das wasser alle ufer anfüllte / und
eine erhabene schaubune an dem strand des Euleus für uns aufgerichtet: die aber
/so kämpfen wollten / sollten aus schiffen in die Insel fahren / und entweder zu
dem tier in seine höle hinein gehen / oder es auf den vördern platz der Insel
heraus locken. Die Konigin hatte hierbei bedungen / dass die kämpfer nur einen
tag / üm solchen preis / sollten zugelassen werden. Es ware fast das ganze
Elassar daselbst versamlet / welche meistenteils in ihrem herzen die grausamkeit
der Königin tadelten: doch hatte diese handlung / wegen des ausspruchs der
Atergatis /einen solchen schein / dass niemand darwider reden dorfte. Mirina
hielte auch nicht für möglich / dass iemand sich finden sollte / der an dis
ungeheur sich wagen dörfte: daher sie so frei sich selber zum preis des gewinns
aufgesetzet.
    Hiarbas / der unbekant sich herzu gemacht / besorgte / seine noch
unsichtbare mitbulere möchten /ehe es an ihnkäme / das Glück erlangen und den
sieg davon tragen. Demnach erwartete er nicht / bis das zeichen sollte gegeben
werden / sondern eilete / weil iedem überzufaren erlaubt war / auf seinem
bestellten schiffe unversehens gegen der Insel. Seine ansehnliche gestalt /
neben seinem freien wesen / erweckte ihm gleich bei dem ganzen volk eine
wolneigung / aus welcher dann ein grosses erbarmen entsprunge / und die furcht /
das dieser küne held in so gefårlichem streite unterligen mochte. Indem er nun
an der Insul ausstiege / sah ich meine schwester an / und fragte: Ob sie nicht
betaurete / dass ein so ansehnlicher ritter ihrentwegen so jämmerlich sein leben
verlieren sollte? Sie beantwortete dieses gar kaltsinnig / und sagte: Es sei
solches seine eigne schuld und sein freier wille / und hätte sie darüm sich
dahin erklåret / weil sie nicht geglaubet / dass iemand so nårrisch sein wurde /
sich eines solchen zu unterfangen. Indem sie aber / wer dieser sein möchte /
sich begierig erwiese / und niemand sie berichten kunte / sahen wir das ungeheur
/aus seiner höle hervor wischen: welches allen / auser dem einigen Hiarbas / ein
schrecken einjagte. Das geschrei des volks machte das tier noch hitziger / das
dann sofort auf den Hiarbas los-eilete: welcher dessen standhaft erwartete / und
also einen verwundersamen kampf mit diesem drachen anfinge. Wie nun Mirina
solches ersah / begunte ihr allmählich die bis dahin erwiesene kaltsinnigkeit
zu vergehen / und stellte sie sich sehr besorgt an / wan es zuweilen schiene /
dass der brache obsiege wollte. Es wärete dieser wunderkampf über eine stunde /
der sie auch beide so müd machte / dass sie zu verschiedenen malen voneinander
abliessen / und luft schöpften. Das mitleidige volk begehrte / man sollte diesem
dapfren kämpfer zu hülfe kommen: aber viele von den anwesenden Fürsten
widersprachen solches / weil der Konigin schluss also lautete / dass einer allein
das tier bekämpfen musste. Es waren aber eines ieden gedanken / wan dieser frömde
/ der nun ganz ermüdet schiene / unterligen würde / so wollte er sich hernach zum
kämpfer einstellen / und alsdan mit leichterer mühe den sieg davon tragen. Aber
es kame anderst / indem der drache / von allen seiten verwundet vor dem
unbekanten ritter zu fliehen begunte. Als er in seiner hölen rettung suchen
wollte /stellte sich Hiarbas vor den eingang / und ängstete ihn dermassen / dass
er in den strom sprunge / und den weg nach uns herüber schwumme.
    Niemand hatte vermutet / dass dieses tier schwimmen kunte / weil es sich nie
ins wasser gewaget. Der schrecken wurde so gross / dass iederman sich auf die
flucht begabe. Mirina und ich / blieben allein auf unsren stellen / und machten
unsere bogen färtig / die wir zu füren pflegten / üm den drachen damit zu
entfangen. Aber der Hiarbas wollte uns diesen sieg nicht gönnen / sondern sezte /
mit unser aller bestürzung /dem drachen in das wütende wasser nach: und machte
die liebe / neben der furcht / dass das tier seine Mirina beschädigen möchte /
ihn so mutig / dass er die starken wellen ja so wenig als zuvor die giftige
klauen des drachen scheuete. Er würde aber schwerlich dem tod entkommen sein /
wan nicht sein getreuer waffenträger ihm eiligst sein schiff nachgefüret / und
also /zugleich mit dem tier / ihn an das ufer gebracht hätte. Mitlerweile nun
ganz Elassar flohe / vollendete dieser dapfere held seinen sieg / erlegte das
ungeheur / unfern von unsrer schau-büne / schluge ihm das haubt ab / und kame
damit vor die Mirina: deren er solches zu füssen legte / aber damit / wegen viel
vergossenen blutes / selbst onmächtig vor ihr niedersanke.
    Man risse ihm gleich den helm vom gesichte / und ward er also für den König
Hiarbas erkennet. Alle vorige bestürzung ware mit dieser nicht zu vergleichen
/die hierüber bei allen anwesenden entstunde. Mirina selbst wusste solches nicht
zu bergen / und sah man wohl / dass ihr dieser sieg lieber von dem Hiarbas / als
sonst von jemanden / wäre. Man sorgte nun gleich für seine wunden / und ward er
/ als man ihn wieder erquicket / vor die ärzte gebracht: die zu
unaussprechlicher freude des volks beteureten / dass keine von seinen wunden
todlich oder gefärlich wäre. Ganz Elassar sah ihn nun an / als seinen König /
und feirete ich nicht / der Mirina so eifrig / als wie ihre stände / zuzureden /
dass sie doch gutwillig sich dazu verstehen wollte / worzu sie nun von rechtswegen
verbunden ware. Demnach entzoge sie sich nicht / den verliebten Hiarbas zu
besuchen: da sie dann / durch die hofnung /die sie ihm gabe / sein gemüte
dergestalt erquickte /dass sein leib dessen mit zu geniessen hatte / und er also
in weniger zeit wieder zu völligen kräften gelangte. Der ungehorsam / welchen
Hiarbas ehmals seiner Mirina erwiese / indem er euch mein vatter /wie auch den
König Jaziz / ihrer wütenden rache aufzuopfern / sich geweigert / war nun
hierdurch gänzlich ersetzet: und lebte er nun / als der gluckseligste /in seiner
liebe.
    Aber diese seine ruhe ward ihm verstöret / durch die widrige zeitung aus
Ophir / dass Armizar aller orten obgesieget / und nicht allein Havila / die
konigliche haubtstadt / eingenommen / und die seinigen, so ihm noch angehangen /
in die flucht geschlagen / sondern auch bereits die königliche Kron aufgesezt
hätte. Der verlust dieses grossen reichs / schmerzte ihn nicht so sehr fur seine
eigne person / als wegen der Mirina: massen sein tugendhaftes gemüt ihm wohl
sagte / dass er doch dem Armizar das reich Ophir mit unrecht wurde vorentalten
haben. Er beklagte nur / dass er nicht seiner Königin / gleichwie sie ihm / eine
kron zubringen sollte: wiewol solches bei ihr die liebe gegen ihm nicht
verminderte / und tröstete sie ihn damit / dass er den Ophirischen verlust an
Assyrien hinwieder könnte ersezt bekommen / wan er selbiges reich ihr wollte
bekriegen helfen. Hierzu erklärte er sich willigst / weil nun / in allen dingen
der Mirina zu fugen / und / durch verweigerung / nicht zum dritten mal ihre
ungunst auf sich zu laden / seine höchste angelegenheit ware.
    Solcher gestalt vermochte ich nicht länger zu hintern / dass der zug nach
Assyrien nicht fortgegangen wäre. Es kame zwar Zameis von dem Assyrischen
Prinzen nach Susa / und entschüldigte auf das beweglichste / was sein herr ihr
hatte zuwider getan. Aber diese demutigung wollte auch nichts verfangen / und
steifte sie sich auf dem einmal gefassten schluss /durch verheerung des
Babylonische reichs / an dem Baleus sich zu råchen. Bei dieser beschaffenheit
/wusste nun Zameis nicht / wie er es mit mir hatte / ob auch ich uber den Baleus
noch unwillig wäre / oder nicht? dann weil ich auf die von Damasco entfangene
schreiben nicht geantwortet / als ware ihm nicht bekant / dass ich des Prinzen
entschüldigung bei mir hatte statt finden lassen / bis Marpeis ihme davon
erofnung täte: wordurch er bekünet wurde / bei mir geheimes gehör zu suchen / üm
selbst von mir zu vernemen / wie seines herrn sachen stünden. Die versicherung
meiner wolgewogenheit / erfreute den getreuen Zameis dermassen / dass er fast
nicht mehr beachtete /was zornzeichen Mirina für seinen herrn und dessen lande
blicken liesse. Er eilete mit dieser versicherung von mir hinweg / dass ich / auf
zuschreiben der Königin von Ninive / auch auf gutbefinden meines bruders des
Königs von Basan / dem Prinzen von Assyrien bei allen begebenheiten wollte zu
erkennen geben /wie mir seine liebe nicht entgegen wäre. Hierneben liesse ich ihm
sagen / dass er nichts widriges von mir gedenken sollte / wan ich gleich mit der
Mirina den zug nach Assyrien täte: massen ich / nicht als eine feindin / sondern
/ wo möglich / frieden zu machen /kommen wurde / und das noch endlich über der
Mirina gemüte zu erlangen hoffete / was mir bisher nicht gelingen wollen.
    Wie nun Zameis hinweg war / ginge unser zug nach Assyrien fort / und redte
ich meiner schwester nichts mehr entgegen / weil ich es für unzeitig erkannte /
sondern wartete nach einer bequemen gelegenheit /mein vorhaben ins werk zu
setzen. Hiarbas musste mir hierzu am meisten dienen / dem ich vorstellte / wiedass
Mirina ohnzweifel den Baleus noch liebte / weil sie nicht verschmerzen könnte /
dass er sie verlassen hätte: mochte er demnach acht haben / dass er nicht seinem
mitbuler diente / indem er vermeinte / ihm schaden zu zufügen. Der verliebte
Prinz schluge diese meine erinnerung nicht aus der acht / und als er deshalben
mit mir zu raht ginge / beschlossen wir zusammen / dass wir heimlich den Prinzen
von Assyrien dahin wollten bereden lassen / wan nun die schlacht angehen würde /
von seinem heer ganz allein zu dem unsrigen für-aus zu reiten / und gegen der
Mirina offentlich sich demutigend / vor aller welt zu zeigen /wie ihm leid wäre
/ dass er ihre tugend also betrübet: da dann / wan Mirina hieran kein genügen
finden sollte / Hiarbas und ich / neben allen grossen des heers / die er auf
seiner seite hatte / zusammen treten / und die Königin / als wie mit gewalt / zu
diesem vergleich zwingen wollten.
    Dieses nun ins werk zu stellen / täte ich heimlich dem Baleus / durch einen
meiner getreusten Celten /zu wissen / dass er sollte gelegenheit suchen / unbekant
zu mir in unser lager zu kommen: welches ein befehl war / den er mit der
höchsten vergnugung ins werk sezte; und ginge es so ganz unvermerkt zu / dass
niemand / als die es wissen dorften / seine ankunft erfuhren. Das erste / so er
täte / wie er mich ersehen / war dieses / dass er mir zu fus fiele / und durch
tausend bezeugungen mir erwiese / wie ihn diese meine gnad-huld ganz auser sich
selbst gesetzet. Ihr könnet leicht ermessen / mein vatter! wie mir müsse zu mut
gewesen sein / diesen angenemen zerstörer meiner ruhe dergestalt mein eigen zu
sehen / und nun von aller andern liebesneigung frei zu wissen. Was wir alles
geredet / ist unnötig hier zu wiederholen: und konnet ihr selbst euch solches
leichtlich vorstellen / wan ihr zurück denket / wie ehmals eure unterredungen
mit der schönen Ogire gelautet. Ich eröfnete ihm aber meinen anschlag / wie er
die Mirina begütigen sollte: das ihme dann alles wohl gefiele. Nachdem wir länger /
als ich anfangs gewillt gewesen / beisammen geblieben /schiede er hinweg / mit
dieser versicherung / dass er alles / meinem begehren gemäs / ins werk richten
wollte.
    Folgenden tags / da eine schlacht sollte gehalten werden / ware die erhitzte
Mirina mit dem tage auf /alles selber in ordnung zu stellen: und verrichtete ich
solches auch bei meinen Celten / wiewol nicht üm einerlei zwecks und ursache
willen. Es stunden nun schon beide kriegsheere gegen einander / und sollte indem
das treffen angehen / als der Assyrische Prinz /abgeredter massen / mit
niedergebogener lanze / dergleichen auch sein ganzes heer tun musste / auf uns
zugerant kame / und vom weiten absteigend zu der Mirina eilte / sich gegen ihr
bis auf die erde neigte /und zu ihr sagte: Ich finde mich schüldig / grosse
Königin! und bezeuge vor aller welt / dass ich der tugendvolkommenen Mirina zu
nahe getan; weswegen ich auch gutwillig mich samt meinem heer überwunden
erkenne / und alle die straffe auszustehen mich anheisig mache / die man wird
von mir begehren können. Hiermit kehrte er sich zu mir / mir ebenfalls vor allem
volk solche ehre zu erzeigen: mich ersuchende / dass ich meinen zorn fahren
lassen / und seine unterwerfung willigst aufnemen wollte. Das hitzige gemüt der
Mirina wankte noch im zweifel / was sie hiebei fürnemen sollte / als Hiarbas und
alle hohe kriegsbediente des heers herzu traten / und diese demutigung des
grossen Baleus dermassen erhoben / dass ich fast nicht nötig hatte / etwas dazu zu
sagen: dann sie richteten damit soviel aus / dass Mirina vom pferd sprange /und in
gegenwart beider heere den Prinzen von Assyrien umarmete.
    Hiarbas und ich / wären hierüber fast eiversüchtig worden. Aber die Mirina
fürete den Baleus bei der hand zu mir / und sagte: Nemet an von meiner hand
/liebste schwester! diesen Prinzen / den eure schönheit gefangen hat / und
versaget Assyrien den frieden nicht / den niemand auser euch / fäst uñ
unverbrechlich diesem reiche geben kann. Ich hatte mich solcher bezeigung von
meiner schwester nicht versehen: daher meine bestürzung der vergnügung des
Prinzen gleich wurde. Er wollte aber nicht eher von meinen füssen sich erheben /
bis ich mich öffentlich vor dem ganzen heer erklärt hatte / wie es mein wille
mit wäre / dass auf solche art friede gemacht würde. Ein allgemeines
freudengeschrei / sowol der Assyrier / als derer von von Elassar und Celten /
erschallete hierauf bis an den himmel / und sah man diese im augenblick ein
heer werden / die kurz vorher einander schlagen und wurgen wollen: und schiene
es wohl etwas himlisches und übernatürliches zu sein / dass diese zwei widrige
völker / die Celten und Assyrier / welche so lange zeit mit einander krieg
gefüret / nun so plotzlich freunde geworden.
    Wir zogen hierauf miteinander nach Sephar / und hielten raht / was wir
ferner vorzunemen hatten. Baleus ware / bei aller seiner vergnügung / sehr
unruhig / wan er bedachte / dass der König sein herrvatter /seine heurat / in
betracht der Konigin von Elam / die man ihme mit gewalt geben wollte / nicht
billigen /und also der zwischen Basan und Babel aufgerichtete friede von den
seinigen hintertrieben werden möchte. Hierzu kam noch dieses / dass von allen
orten her soviel widrige zeitungen einliefen / die nicht gut für Assyrien waren:
unter denen der aufstand in Meden / wie auch hiesige unruhe in Syrien / den
Prinzen nicht wenig bekümmerten. Wir vernamen auch von hier so viel seltsames
und ungewisses / dass wir nicht wussten /was wir gläuben sollten: bis endlich über
Acraba einer ankame / der uns von allem rechten bericht brachte /und uns / von
verwandelung der Konigin Delbois von Ninive in die Aramena von Syrien / wie auch
des Disons in die Aramena und dieser in jenen / von vereinigung der Assyrier und
Canaaniter / von belägerung der stadt Damasco / von der Celten hülfe für die
Syrer / und von gegenhülfe der Egypter und Araber / umståndlich erzehlte.
    Wie nun Baleus vername / dass seine bisher-geglaubte schwester / die schöne
Delbois / die Syrische Aramena wäre / entfärbte er sich ganz darüber / und
geriete in so tiefe gedanken / dass er lang aus denselben nicht wieder zu bringen
ware. Ich / die am meisten solches an ihm beobachtet / redte ihm deswegen zu /
und sagte: woher komt es / mein Prinz! dass /diese zeitung von der Königin
Aramena / euch so bestürzt lässet? Tut dann solches etwas zu verschlimmerung
eures zustandes / nun ihr wisset / dass ihr an dieser schonen keine schwester
mehr habet? Mein zustand (antwortete mir Baleus /) wird hierdurch nicht bässer /
dass die rechte erbin von Syrien sich wieder gefunden hat: massen wir üm des
willen dieses mächtige reich nicht mit recht behalten konnen / durch dessen
verlierung aber den Babylonischen tron sehr geschwächt sehen werden. Der König
von Basan (widerredte ich ihm) liebt diese schöne nunmehr-erkannte Syrerin / wie
ich euch vertrauet: werdet ihr ihm nun verhelfen / ihre huld zu erlangen / so
hat Babel sich niemals vor Syrien zu furchten; weil ich für den Marsius gutsagen
will / dass der fortin eures hauses treuer bundsgenosse sein und bleiben werde.
Der Prinz von Gerar / (antwortete er mir / und / wie mich dunkte / nicht sonder
seufzen) stehet so fest in dieser schönen ihrer huld / dass ihre beständigkeit
allen andern die hofnung abschneidet / sie zu erlangen. Ich beklage von herzen
ihren zustand / wan sie sollte meinem herrvattern in die hände geraten: weil
dessen liebe mir bekant ist / die er mit ungemeiner häftigkeit auf sie geworfen.
Wan es aber / (wandte ich hingegen ein) zwischen dieser Konigin und eurem
herrvatter eine heurat abgäbe / so wurde ja Babel an seiner macht nicht
geschwächet werden. Nimmermehr wird sie dieses tun / (antwortete er mit
sonderbarer häftigkeit) und wan schon Abimelech hierin keine hinternis brächte /
so täte es doch der widerwille gegen dem Assyrischen hause: massen ich mir wohl
kann furbilden / wie solchen bei ihr / die erinnerung / welcher massen man mit
dem König Aramenes ihrem herrvattern verfahren / erwecken werde.
    Solche und dergleichen reden fürete damals Baleus / deren ich zu dem ende
hier erwehne / damit ihr daraus abnemet / wie meine jetzige unzufriedenheit
nicht sonder grund sei / und ich nicht ohne ursach an des Assyrischen Prinzen
beståndigkeit zu zweiflen habe: massen ich nochmals noch mehr dergleichen
umstände beachtet / die mir dieses mehr dann zu viel angedeutet. Meine Prinzessin
vergebe mir / (fiele alhier der Prinz Suevus ihr in die rede) wan ich hierinn
ihr widerspreche / und sage: wiedass ich aus deme / was ich noch gehoret / keine
solche unbeständigkeit des Baleus abnemen kann / dergleichen sie daraus erzwingen
wollen.
    Ach Suevus! (antwortete Hercinde) dieses saget ihr mir nur zum trost / und
machet euch darin meiner schwachheit gefällig / die ihr hierdurch angefochten
spüret. Um aber euch zu erweisen / dass ich nicht sonder ursach mit dem Baleus
eifere / so wisset ferner /wie dass nach diesem tage / als wir zu Sephar solche
nachricht aus Syrien erhalten / der Prinz immer trauriger worden: da dann nicht
ich allein / sondern auch alle anwesende / diese ånderung an ihm vermerkten.
Damit auch Mirina ihr anteil unlusts entfinden möchte / begunte Hiarbas / nun
bässer / als vorher / zu überlegen / was so wohl der Konig in Egypten, sein
herrvatter / als die ganze welt / hierzu sagen würde / dass er ihme Ophir /
sonder deshalben sich zu bewegen / also abnemen / und dem Armizar seinen
königlichen tron über-lassen. Daher gabe er der Mirina nicht unklar zu verstehen
/ wie ihn verlangte / nun es mit Assyrien ein ander absehen gewonnen / Ophir
hinwieder anzugreifen: da dann viele von den Ophirischen bedienten / die er um
sich hatte / ihn in diesen gedanken stårkten. Wiewol nun die ehrsucht der Mirina
dieses beginnen ihres Hiarbas nicht tadelte / fand sie dannoch sein recht so
wenig gegründet / und hingegen den Armizar so berechtigt / König in Ophir zu
sein / dass sie des Hiarbas furnemen nicht zu fördern begehrte.
    Wie nun sie / diese gedanken ihm aus dem sin zu bringen / beschäftigt war /
und ich andersteils den Baleus ferner zu beobachten mir angelegen sein liesse
/fand ich ihn eines tags in einem walde ganz allein /da er sich an einem bach
niedergesetzet / und ganz betrübt seinen sinnen gehor gabe. Als er mich ersehen
/name er zwar ein freudigere wesen an sich: selbiges aber ware so gezwungen /
dass ich ursach genug hatte / ihn zu fragen / was ihn doch so sehr betrübte?
Solte ich nicht / (antwortete er mir / seufzend) herzlich beklagen / dass ich
mein haus in solchen zustand finde /und keinen raht zu ersinnen weiss / wie ich
ihm dienen könne? Syrien / geht verloren. Meden / stehet in gefahr. Und
diejenige / die ich ståts so hoch verehret /wird von den meinigen verfolget / da
ich kraftlos bin /ihr / wie ich gern wollte / bei zuspringen. In Ninive haben die
unsrige sich so stinkend gemacht / dass die Königin Aramena keine ursach hat /
einigem Assyrier mehr zu trauen. Weil auch auf unserer seite überall die
ungerechte sache regiret / vermute ich destoweniger den beistand des Höchsten;
und bejammere dieses am meisten / dass ich dessen sohn bin / der solche
unrechtfärtigkeit begehet. Ihr werdet / (antwortete ich ihm) durch solch euer
betrüben / dieses nicht heben /was euch anficht: ihr müsst vielmehr einen raht
ergreifen / wie es anzufangen / dass man alles diss unheil zum guten ausgang
bringe. Wie soll aber das geschehen? wiederantwortete er seufzend. Wan ihr /
(versezte ich) frieden zu machen / euch bemühen werdet: welches zu tun / mit
zuziehung der Mirina und meiner volker / euch nicht schwer fallen wird; weil wir
/bei funfzig tausend man stark / jedem von beiden teilen wohl werden weisen
können / was die billigkeit erheischet.
    Diesen meinen raht name der Prinz ganz freudig an / und veranlassete solcher
/ dass unter uns folgends hiervon unterredung gepflogen wurde. Nach uberlegung
aller ümstånde / fiele dieser schluss / dass wir alle dreie / Mirina und Baleus
iedes mit ihren zwanzig tausenden / und ich mit meinen zehn tausend Celten /uns
zusammen vereinigen / und / weder die Babylonische noch Syrische seite haltend /
schiedsleute abgeben / und an die Syrische gränze uns setzen / auch beiden
teilen / mit vorschlagung gewisser puncten /solches unser vorhaben alsofort
ankünden wollten. Es ginge aber kürzlich unser vorschlag dahinaus / dass man an
Syrischer seite das konigreich Ninive abtreten / und an das haus Babel ewig
einverleiben / und zwar sofort der Prinz Baleus die kron selbigen reiches
aufsetzen / auch Belochus Syrien räumen / und solches den rechtmässigen erben
überlassen / hingegen die Syrer / fur den König zu Babel das reich Meden wieder
sollten erobern helfen. Der König in Egypten / wie auch die Könige aus Arabien /
sollten die Assyrier und Canaaniter / und die Syrische bundsverwandten die
Königin Aramena / hierzu bereden; und welcher teil solches einzugeben sich
widerspänstig erweisen wurde / der sollte dazu genötig werden.
    Wie nun dieses fäst gesetzet war / kame die zeitung / dass der Zalmon aus
Ninive mit zwolftausend Assyriern in das Babylonische angelangt wäre: welches
uns unsren aufbruch beschleunigen machte / weil Baleus befahrte / dass mit der
weile die macht der andern Babylonier zu sehr wachsen / und dadurch ihme sein
ziel verruckt werden möchte. Es war aber die Mirina darüm hierbei mit ihrem
beistande so willig / weil sie vernünftig überlegte / dass guten teils die ruhe
von Elassar hierinn mit bestehen würde / wann Asien dergestalt den frieden
erlangte. Ich will aber hier in vertrauen euch nicht bergen dass ihr absehen
heimlich zugleich mit auf Basan ginge / welches sie / als ihr grosvätterliches
erbe / wider den Tuscus Sicanus verfechten wollte / wann der / im fall unser
bruder / der Marsius / nach Celten gehen sollte / als bei uns die rede sich
ausbreitete / um das reich Basan sich würde annemen wollen. Zwar sie hat mir
diese ihre gedanken niemals erofnet / weil sie wohl weiss / wie hoch ich den
Tuscus Sicanus liebe: massen ich zwischen dem und meinem bruder fast keinen
unterscheid zu machen weiss / und daher des einen wolergehen so hoch als des
andern wünsche. Ich habe es aber von dem Hiarbas erfahren / und werde euch
solches ümståndlicher eröfnen / weil ich weiss / dass ihr den König der Aborigener
sehr liebt: üm zu verhüten / dass es / bei begebender verånderung / ihm nicht
widrig ergehe.
    Diese nachricht / (sagte hierauf Suevus) die mir meine Prinzessin hat gönnen
wollen / ist warlich nicht aus der acht zu lassen. Es ist ja an deme / dass
meines Konigs unglückliche liebe ihn auf die gedanken gebracht / Asien zu
verlassen / und in sein entferntes Celten zu gehen / üm desto eher die jenige
aus seinem sinne zu bringen / die ihm alle seine ruhe gestöret /und ist er
vorhabens worden / dem Tuscus Sicanus das reich Basan abzutreten: weswegen dann
wohl nötig sein wird / auf der Mirina tun ein wachendes aug zu haben. Weil ich
mit dem König der Aborigener briefe wechsle (antwortete Hercinde) als habe ich
schon vor etlichen wochen / ihn dieserwegen / doch sonder die Mirina noch einige
person zu nennen / gewarnet / üm sich in acht zu nemen / und sein volk auf dem
Riphatischen gebirge zusammen zu ziehen / weil ihm eine sonderbare gefahr
drohete. Dieses wird dann ursach gegeben haben (versezte Suevus) dass dieser Konig
sofort von hier nach dem Riphatischen gebirge gezogen: und hielte ich bisher
dafür / dass allein seine verzweiftlte liebe ihn so weit hinweg getrieben hätte.
Ob wohl diese (sagte Hercinde) seine betrübnis måchtig befordert / so hintert sie
jedoch nicht seine fursichtigkeit / acht auf seine schanze zu geben / und seine
angelegenheit zu bedenken.
    Wir wollen aber (fuhre sie fort) hiervon hernach reden / und habe ich iezt /
meine erzehlung zu volfüren / euch noch zu sagen / dass wir also mit funfzig
tausend man aufgebrochen / und hieher uns wendend /bis an das gebirge Singara in
Mesopotamien gelanget: alda wir eine weile ausruheten und auf die nachkommende
völker warteten. Inmittels kame uns von dem Prinzen von Hevila eine gesandschaft
/ die uns seinen anzug nach Syrien zu wissen täte. Ich kann nicht sagen / wie mir
zu mut worden / als ich diesen Prinzen nennen hörte: welcher eben der jenige ist
/ der ehmals in Celten mich mit so ungemeiner liebe verehret / und so grausam
von mir abgewiesen worden; der auch aus ungedult / mir beim lezten abschiede den
fluch täte /dass der grosse Teutates mich dermaleins die macht der liebe mochte
kosten lassen / die ich an ihm nicht kennen wollen. Ich hatte seit der zeit
nichts von ihm gehöret / und erinnerte mich sofort / dass es mir nun /seinem
wunsche gemås / erginge: massen ich / eben selbigen tag / gegen dem Baleus eine
neue eifersucht geschöpfet hatte / als der Elika / des Jeturs gesandter / bei
uns sich angemeldet.
    Es hatte aber diese eiversucht daher gerüret / weil ich mich nicht
überwinden konnte / zu vertragen / dass Baleus / üm dass er der Konigin von Syrien
bildnis verloren / sich nicht zu frieden geben / sondern den kåmmerling Abdemon
/ der bei diesem verlust seine nachlässigkeit erwiesen / nicht eher wieder vor
seine augen wollte kommen lassen / bis er dieses kleinod wieder gefunden håtte.
Ich konnte nicht umhin / dieserwegen mich zu beschweren / und sagte: wie dass ich
nicht glaubte / dass er sich solcher massen wurde betrüben konnen / wan er mein
bildnis verloren hätte. Er widersprache zwar solches mit vielen hoflichen worten
/ liesse aber doch darbei den eifer nicht blicken /den ich dazu erforderte; und
verdrosse mich das am meisten / dass er / sich stellend / als ob er mein misfallen
nicht merkte / gleichwol fortfuhre / seinen verlust zu beklagen. Ich sprache ihm
trost ein / wiewol er nicht von herzen ginge / und sagte: wie dass ja sein
verlust ihm wieder könnte ersetzet werden / wan er zu der schonen Aramena von
Syrien käme. Seine antwort war: dass er nicht hoffen könnte / dass sie ihm solches
mehr geben wurde / nun sie wüste / dass er ihr bruder nicht wäre. Diese antwort
war nun fähiger / meine unruhe zu mehren / als zu mindern / und bekame ich noch
verschiedene dergleichen / die mich in der Meinung stärkten / dass der verlust /
welchen Baleus an einer schwester erlitten / mir eine mitbulerin erworben hatte.
    In solcher unruhe fand mich nun der Elika / den ich ehmals in Celten
gekennet / und stunde Baleus bei mir / als mir der den grus von seinen herrn
brachte. Weil ich zu dieser besuchung mein gemüte schon vorbereitet hatte / als
liesse ich keine bestürzung blicken /wohl aber eine grossere freude / als ich in
der tat entfunde: üm einiger massen an dem Baleus mich zu rächen. Mitlerweile
ich nun den Elika üm den zustand seines herrn fragte / gabe ich achtung auf des
Baleus gebården: der aber nichts weniger / als eine eiversucht / die ich von ihm
erwartet / erscheinen liesse / und ganz kaltsinnig anhörte / was ich vorteiliges
für den Prinzen Jetur redete. Als auch der Elika abgefärtigt war / fuhre ich
fort / den Prinzen von Hevila gegen dem Baleus zu rümen: der mir dann sich nur
gar zu gefållig hierin erwiese / und wegen des guten geruchtes /dass er von ihme
gehoret / ihn bis an den himmel mit erhube / und ferner ganz keine eiversucht
noch sorgfalt erwiese / dass dessen ehmalige liebe ihm schaden möchte. Alle diese
dinge vermehrten nun meine vermutung / dass die alte unbeständigkeit bei dem
Baleus sich wieder eingefunden hatte.
    Mitlerweile ich aber mich damit in geheim quälte /entfunde der Hiarbas auch
sein leiden / da Mirina /keine geringe unversönlichkeit hierdurch bezeugend
/ihren alten groll gegen euch / mein yatter / wieder hervorsuchte / und dem
Hiarbas ansonne / gut zu heissen / was sie mit vielen aus Basan die ihre seite
hielten /sowol wieder euch / als wider den Tuscus Sicanus beratschlaget hatte.
Weil sein versagen ihn ehmals bei ihr in grosse ungelegenheit gestürzet / als
gabe er ihr dissmal / bloss mit stillschweigen / sein misfallen hieruber zu
erkennen: das sie aber eben so wenig verstehen wollte / als der Baleus / dass ich
eifersüchtig ware. Weil wir beide / Hiarbas und ich / uns zum klagen befugt
fanden / als erofneten wir auch einander unsere noht: da dann sein trost / den er
mir gabe / da hinaus ginge / dass allein die liebe in mir solche einbildung
erweckte; ich aber sprache ihn damit zu frieden / dass ich der gefahr / die euch
drohete / sonder sein zutun /schon vorzukommen wüste. Wie ich dann / hierzu mich
schüldig erkennend / euch / mein vatter! hiermit in vertrauen völligen bericht
geben will / wie es in Basan / wegen der Mirina / jetzund beschaffen ist: damit
solches euch zum unterricht diene / alles unheil bei zeiten abzuwenden.
    Es hat diese Konigin / nach ihrer flucht aus Basan /jederzeit heimlich einen
grossen anhang im reiche behalten: massen furnemlich die riesen noch auf ihrer
seite sind / sonderlich die Hazorim und Aim in Moab. Es ist auch der Gaisus /
wie auch der Ister / und mehr andere von den grossen bei hof / ihr so ergeben /
dass sie von ihnen bisher alles erfahren hat / was auch in dem geheimesten raht
des Trebetes fürgefallen. Die schwürigkeit / so die Celten / wegen der ståtigen
abwesenheit ihres Königs / erwiesen / kame der Mirina auch treflich zu statten /
ihren anhang immer grösser /und ihre person dem volk beliebter zu machen. Weil
sie / wie gesagt / alles erfuhre / als bliebe ihr auch die ankunft des Königs
der Aborigener nicht verborgen /noch weniger der zwischen ihm und meinem bruder
aufgerichtete vergleich / darin jenem das reich Basan zuerkant worden / wan
Marsius in Celten gehen würde: welches zu hintertreiben / die Mirina mit allen
kräften sich bemühete / und daher eifriger als vorhin /dahin arbeitete / durch
einen aufstand sich erstlich des Amoriter-gebirges zu bemächtigen / und durch
diese sonderbare / euch mein vatter / zuvermeinte rache /den anfang zu ihrem
grossen fürnemen zu machen.
    Die grosse kriegszurüstungen in Elassar / hatten fürnemlich dieses absehen /
und war der Assyrische krieg nur die schein-ursache: massen sie / auf solche
weise mit dem Baleus sich zu vergleichen schon beschlossen gehabt / wan er
nåmlich / dass er ihr zu viel getan / erkennen würde. Die hulfvolker / die ich
ihr zugefüret / wie auch die dreissigtausend mann / so hier in Syrien unter eurem
gebot stehen / helfen ihr furhaben sehr stärken und befordern / weil deren
abwesenheit Basan sehr schwächet. Nachdem auch alle furnemste Amoritische
geschlechter / nämlich die Evi /Reken und Reba / ihr zu gebot stehen / und sie
vernommen hat / dass unser bruder nach Celten gedenket / als ware ihr vorhaben /
wie wir noch auf dem Singarischen gebirge stunden / (welches sie dem Hiarbas
/und er mir / entdecket) dass sie / sobald wir hier wieder angelanget / und
unsere friedenshandlung zwischen den Babyloniern und Syrern würden fürgenommen
haben / den lärmen zu Hazezon Tamar wollte angehen lassen: da Hiarbas die
Egypter auf ihre seite zu bringen / sich bemuhen / euch aber / mein vatter!
vorher auf die seite raumen sollte / als denjenigen / der ihrem vornemen die
meiste hinternis bringen könnte.
    Ich entsehe mich / dieses von meiner schwester euch zu offenbaren. Weil aber
ihre grosmut / oder vielmehr ihr hoher geist / sie zu solcher unversönlichkeit
treibet da sie euch ihrer flucht aus Basan ursächern nennet / als werdet ihr
darüm nicht widrig von ihrer tugend urteilen / und sie fur eine solche feindin
halten / die da würdig ist / dass ihr euch bemühet / ihre freundschaft wieder zu
erlangen. Der edle Hiarbas klagte mir alles dieses oberwähnte / und weil er euch
wie seinen vatter liebt / als betauret er diesen hass /den seine Mirina gegen
euch tråget: weil er auch alles ihr fürnemen unrechtmässig findet / da ja das
reich Basan dem Tuscus Sicanus / eher als ihr / zukommet. Es hat ja damit fast
eine bewandnis / als mit Ophir /welches auch dem Armizar billiger / als dem
Hiarbas gebüret: wiewol nicht allemal in dergleichen fällen auf das recht /
sondern vielmehr auf die macht das absehen genommen wird und man alles für
tunlich hålt / was die erwerbung eines trons kann zu wege bringen /daher auch
Hiarbas so eifrig / seine ansprüche an Ophir fortzusetzen / als der Mirina in
ihrem furnemen / auser was seinen woltåter den Prinzen Suevus angehet / zu
dienen / entschlossen bleibet. Er war auch zu frieden / dass ich euch vor dem
Gaisus und Ister warnte: als welche neben ihme / von der Mirina befehligt worden
/ euch auf die seite zu schaffen.
    O unversönlicher hass / (rieffe alhier der Prinz Suevus) den ich mit
recht-tun erlangt habe! Wie unterschieden ist doch diese Königin von ihrem
edlen bruder / der niemals dergleichen zorn gegen einigem menschen hegen konnen.
Weil sie in der ehrsucht sich also vertieffet / (antwortete Hercinde /) und ihr
/ mein vatter! dieselbe ihr verstöret / als kann solches von ihr nicht
verschmerzet werden: und furchtet sie sich / wie vielleicht nicht unbillig / dass
ihr ferner ihrem furhaben grosse hinternis bringen möchtet. Das werde ich
versichert tun / (sagte Suevus) und keine gefahr /noch einiges absehen achten /
meinem Konig und dem lande bis auf den lezten blutstropfen zu dienen. Ich
erkenne solches der billigkeit gemäs / (versezte Hercinde) will aber doch hoffen
/ weil ich euch das fürhaben meiner schwester entdecket / ihr werdet so gütig
sein / und hierin meinen raht gelten lassen / der mir ist beigefallen.
    Wie nun Suevus / durch sein stillschweigen / zu tag gegeben / dass er solchen
raht zu hören verlangte /sagte Hercinde ferner: der könig von Basan ist mir
lieb; ich liebe auch den König der Aborigener / als einen bruder; Mirina / ist
meine schwester; und euch verehre ich / als meinen vatter: daher euer aller
wolfart mich angehet / und ich solche zu befördern wünsche. Weil nun Marsius
nach Celten zu gehen / und dem Tuscus Sicanus seine eroberte reiche in Asien zu
uberlassen / gewillet ist: so tut dann so wohl / und helfet beide Konige bereden
/ dass sie / der Mirina ehrsucht zu vergnügen / ihr das gebirge der Amoriter
/oder Moab / einraumen. Sie hat solches einiger massen / als eine tochter des
alten Marsius / zu fordern: und werde ich ihr / auf den fall / auch mein anteil
willigst abtreten. Sie wird / durch diese grosmut uberwunden / sich entschliessen
/ alles ihr vorhaben fallen zu lassen. Ihre macht / so wohl aus Elassar / als
auch in Basan selbst / und die sie aus Egypten zu hoffen hat / ist nicht gering
noch zu verachten: und da sie /bei ietziger allgemeinen unruhe in ganz Asien /
ihr fürhaben zu werk färtigen sollte / würde solches unaussprechlich viel unheil
nach sich ziehen: und sehe ich nicht / von wem und wie ihr solches zu wehren
wäre. Zwar habe ich / wie ich bereits erwehnet / an den Tuscus Sicanus
geschrieben / und denselben vermanet / sich mit seinen Aborigenern zu nåhern.
Ich bin auch wohl zufrieden / dass ihr den König / meinen bruder / warnen möget.
Aber wie dem allen / so bleibet Mirina des grossen Marsius tochter / und folgbar
meine schwester / die ich auch nicht werde konnen sehen zu grunde gehen: welches
aber unfehlbar erfolgen müste / wan ihre verzweiflung / nun ich es offenbar
gemacht / ungeacht alles widerstandes / sie zu diesem ihrem grossen beginnen
treiben würde. Folget derhalben meinem raht / edler Suevus! und eilet von hier
nach Basan zu dem König / entdecket ihm diese ganze sache / stellet ihm
weitläufig fur / was ich euch iezt gesaget / und nemet euer leben in acht: dann
Gaisus und Ister nicht feiern werden / ehist / wo es ihnen moglich / der Mirina
grausames begehren an euch werkstellig zu machen.
    Was! (sagte Suevus hierauf) soll ich / der ich über dreissig tausend man hier
zu gebieten habe / vor einem weibe fliehen / und derjenigen bei dem Marsius und
Tuscus Sicanus ein konigreich zu wege bringen / die mein blut so dürstiglich
begehret? Edler Suevus! (antwortete Hercinde gar sanftmutig) ich verdenke euch
nicht / üm euren billigen eiver / der euch also reden machet. Wan ihr aber
solchen ein wenig beiseit setzet / und dieses werck recht uberleget / so werdet
ihr sicherlich andere worte füren. Es ist wahr / ihr habet dreissig tausend man
zu eurem gebote. Wisset ihr aber nicht / dass unfern von hier bei funfzig tausend
/ der Mirina zum beistande / bereitet stehen / und dass /unter euren Celten /
vieleicht wohl die hälfte dem Gaisus / und folgbar meiner schwester / anhangen?
Wollet ihr wider sie euch regen? Was würdet ihr dadurch für eine unruhe hier im
lager anstiften? und was grossen vorteil würdet ihr damit dem feinde einraumen
/hiesiger verwirrung sich zu bedienen? meint ihr /dass ich alsdan eure seite
halten konnte / wan durch meine offenbarung die Mirina in einige ungelegenheit
geraten sollte? oder seit ihr versichert / dass solches dem Marsius gefallen
würde? Bedenket es wohl / Suevus! und schaffet der ehrsüchtigen Mirina ein
konigreich / nicht / weil sie nach eurem leben trachtet / sondern weil dadurch
die algemeine ruhe in Asien gefördert wird / und ihr damit anlas gebet / dass
diese sonst tugendhafte Konigin wieder in sich gehe / ihren unfug erkenne / und
/ durch eure grosmut beweget / ihren unversonlichen hass schwinden lasse.
Bedenket auch /dass ihr alles / was ihr tut / üm Hercinde willen zu tun
schüldig seit: die dieses zur vergeltung von euch fordert / üm dass sie euch alle
diese dinge hat kund gemachet.
    Dieser grosmütigen Prinzessin zu ehren / (rieffe hierauf Suevus) will ich
dero rate folgen / und es also anschlagen / wie sie es verlanget. Weil ich aber
/ bei ietziger beschaffenheit / mein heer alhier nicht wohl verlassen kann / zumal
ich nun weiss / wie wenig ich mich zu dem Gaisus zu versehen habe / als werde ich
nur noch wenig tage verziehen müssen. Ich erwarte alhier den Prinzen Baalis / mit
zehntausend Celten: wan dieser angekommen / will ich so fort nach Basan gehen /
und der schönsten Hercinde befehl ausrichten. Ehe und bevor der Hiarbas (sagte
die Prinzessin) aus Damasco wiederkehret / ist eben die eilfärtigkeit so nötig
nicht / weil ohne denselben die Mirina nichts beginnen wird. Doch ist dieses wohl
in acht zu nemen /dass ihr eure leibwachten mit treu-erkannten leuten besetzet /
und euch wohl vorsehet / dass nicht tuckischer weise / (dann offentlich hat es
keine gefahr) euch nachgestellet werde. Diese gutige vorsorge und erinnerung /
(antwortete Suevus /) werde ich nicht aus der acht lassen. Weil wir aber / wegen
dieses handels / ganz von unsrem ersten fürhaben abgekommen / als bitte ich /
meine Prinzessin wolle mir doch gar zu ende erzählen / was sich auf ihrer
herreise aus Mesopotamien ferner zugetragen habe.
    Dieses kann ich / (gabe sie zur antwort /) mit wenig worten verrichten. Als
unser heer an dem Singarischen gebirge ein zeitlang ausgeruhet / ginge der
fortzug gerad hieher: da wir / im näher-kommen / einen schluss fassen mussten /
wie wir uns alhier bezeigen /und welcher gestalt wir unsere friedens-vorschläge
beiden teilen ankünden wollten. Hiarbas riete / man sollte ihn lassen nach Damasco
reisen / da er den Konig Pharao / seinen herrvattern / bald hierzu zu bereden
verhoffete. Baleus beliebte solches / und erbote sich / hieher in das lager zu
gehen / üm der Königin Aramena einen gleichmässigen vortrag zu tun. Aber meine
eiversüchtige liebe triebe mich / diesem vorhaben des Baleus zu widersprechen:
und / die rechte ursach verhelend / welche war / dass ich ihn nicht bei der
schonen Syrerin wissen kunte / ersonne ich etliche andere / brachte es auch /
mit hülfe der Assyrier / die üm den Prinzen waren / zu diesem schluss / dass sie
beide nach Damasco / meine schwester aber und ich hieher ins lager gehen sollten:
und wurde zu dem ende der Zameis abgefärtigt / bei dem Prinzen Abimelech / als
hiesigem General / für beide Prinzen urlaubnis zu begehren / dass sie mit ihren
leuten / durch das lager /nach Damasco gehen möchten.
    Er kame bald mit gewüriger antwort zurücke / und ginge darauf die reise fort
/ die wir mit tausend Celten / tausend Assyriern und so vielen aus Elassar
verrichteten: das übrige heer / unter dem befehl des dapfern Heleb aus Ophir /
zu rück lassend / welcher stäts bei dem Prinzen Hiarbas geblieben war / und zur
zeit seines unglücks in Ophir / nicht von ihm weichen wollen. Unferne von
Damasco / bei der äusersten wacht /schieden wir von unsern geliebten Prinzen: da
sie die abrede mit uns namen / ihren zustand / und wie sie es in Damasco
gefunden hätten / uns bald wissend zu machen. Es ist aber / bis heute / nichts
erfolget / und muss ich sorgen / dass die vermutliche anwesenheit der Konigin von
Syrien dieses stilschweigen bei dem Baleus verursacht habe. Wan diese daran
schuldig wäre /(sagte Suevus) so würde doch Hiarbas seiner Konigin etwas haben
zu-entbieten lassen. Ich kann aber nicht bergen / wie sehr diese Entschliessung
der beiden Prinzen mich befromdet / dass sie solcher gestalt / ohne noht / ihren
wunderlichen vättern sich in die hände geliefert: die / meines ermessens / diese
friedenshandlung nicht billigen / und ihre söhne schwerlich zu schiedsleuten
annemen werden. Alle Assyrier (versezte Hercinde) haben dieses dem Prinzen
geraten / und muss ich gestehen / dass ich keine gefahr hierbei betrachtet: weil
unsere funfzig tausend man sich in der nähe befinden / und auf den unverhofften
fall / da man in Damasco sich gegen dem Baleus und Hiarbas widrig erweisen wollte
/ das vermögen haben / die belägerte zu gesündern gedanken zu bringen.
    Wusten sie dann schon / (fragte Suevus) wie sie herkamen / dass die Königinnen
von Syrien und Ninive uns entfüret worden? Das geringste nicht! (gabe die
Prinzessin zur antwort /) dann der Zameis / weil er hierum sich nicht bekümmert /
auch allein den Prinzen Abimelech ansprechen dorfte / hiervon keine nachricht
erlangen konnen. Der himmel verleihe /(sagte Suevus) dass solches das mittel sein
möge /diesen landen den frieden zu geben. Und weil ich der Mirina wiederkunft
augenblicklich vermuten muss /als wird meine Prinzessin mir erlauben / mich von
hinnen zu begeben / üm ihr erzürntes angesicht nicht sehen zu dorfen. Ich lasse
zwar acht darauf haben /(antwortete Hercinde) wan sie wiederkommet: doch will ich
euch / mein vatter! nicht långer aufhalten /weil ich wohl begreife / dass mein
getaner bericht euch geschåfte bringen werde / die keinen verzug leiden.
                                     * * *
    Wie nun Suevus der Prinzessin / für diese eröfnung / nochmals gedanket /
auch daneben sie ermanet / der traurigkeit / die aus blosser einbildung herrurte
/ sich nicht so sehr zuergeben / verliesse er sie / und begabe sich nach seinem
gezelt / alda er sofort mit seinen wachten eine andere anstalt machte. Er kunte
nicht genug bei sich überlegen / wie es doch müglich wäre /dass sein alter Konig
/ der ihn so herzlich geliebt /eine tochter hinterlassen können / die ihn mit
so ungemeinem hass verfolgte? Und in solchem seinem nachsinnen verharrete er
nicht allein selbigen abend / sondern es ware auch inzwischen ein grosses teil
der nacht verflossen.
    Er wollte nun eben einschlaffen / als Sesostris / sein alter und treuster
bedienter / zu ihm in das gezelt kame / und ihm ansagte / wiedass der Fürst Tare
aus Ober Syrien mit etlichen tausend neu-geworbenen völkern vor dem lager
angekommen und bei der åusersten wacht der Celten / welche Hesion mit versah /
eine Prinzessin aus Canaan / die mit dem Tare angelanget / sich anmelden liesse
/ und ihn zu sprechen verlangte. Eine Prinzessin aus Canaan! (sagte der Suevus
bei ihm selber) sollte auch wohl die Jerode sich eingefunden haben? Solches nun zu
erfahren / liesse er sich alsobald ankleiden / und erteilte befehl an den Hesion
/ dass er diese ankommende frei durchlassen /und sie in sein zelt bringen sollte.
Wie sie nun nicht lang hernach sich einstellte / wurde Suevus von nicht-geringer
freud-verwunderung überfallen / als er die Prinzessin Coricide von Hebron
erblickte: welche vordessen bei ihm zu Hesbon sich solang aufgehalten / und die
ungluckliche reise mit seiner tochter nach Hemath getan hatte. Diese lezte
erinnerung gabe seiner geschöpften freude eine sonderbare betrubnis zur gefårtin
/ und machte / dass er diese ihm so liebe Prinzessin / sonder ein wort zu sagen /
ümarmete.
    Mein vatter verüble mir nicht (redte sie ihn an) dass ich bei so ungelegner
zeit komme / die der ruhe gewidmet ist. Mein verhängnis treibet mich hierzu und
mein vertrauen macht mich so kün / dass ich an dem Prinzen Suevus noch meinen
alten woltäter zu finden /und seines schutzes mich zu getrösten verhoffe.
Befehlet mir nur / liebste Prinzessin! (antwortete ihr Suevus) worin ihr wollet
/ dass man euch hier dienen solle / und gläubet sicherlich / dass ich so fro als
verwundert bin / euch an diesem ort zu sehen. Eurer bewunderung (gabe sie
hierauf zur antwort /) bin ich würdiger / als eurer freudbezeugung. Doch wünsche
ich / dass diese lezte niemals aufhoren möge / gleich wie die erste tun möchte /
wan ich euch meinen zustand werde eröffnet haben. Nichts geringes muss es sein /
(versezte er) das euch bei dieser zeit aus Canaan / und zwar hieher in diese
kriegs-flammen / treiben können. Doch / so begierig ich bin / solches von euch
zu erfahren / so besorget bin ich auch für eure ruhe: die ich euch zuvor zu
verschaffen bemühet sein werde / ehe ich mein verlangen erfüllt zu sehen
begehre. Mein vatter erlaube mir / (sagte Coricide) dass ich dorfe bei der
Prinzessin Ahalibama mein lager nemen / die ich zu sehen / innigst verlange: und
will ich morgen nicht ermanglen / ausfurlich zu erzählen / wie es in Canaan
zustehet / und was mich hieher getrieben hat.
    Diese eure grosse freundin (antwortete Suevus) ist hier im lager nicht
vorhanden / sondern vor etlichen tagen mit der Königin von Syrien hinweg
gekommen /und zweifels ohn ihrem verfolger / dem Beor / in die hånde geraten.
Muss ich dann / (rieffe Coricide seufzend) gleich bei meiner ersten ankunft /
etwas so unglückseliges vernemen? und ist der himmel noch nicht ermüdet / diese
armselige zu verfolgen? So lang unser leben dauret / (sagte Suevus) wird diese
ümwechselung des gluckes auch wåren / und haben wir auf erden anders nichts /
als eine stäte verneuung unsrer plagen zugewarten. Es ist wohl also / (widerredte
sie) wie mein vatter saget / und gibet zweifelsfrei meine gegenwart anlass /
dessen zu erwähnen. Ihr verstehet hierdurch (antwortete er) meine Amorite / von
der ich weiss / dass ihr sie zu lezt gesehen habet: und ist es nicht ohne / dass
diese armselige mir eingefallen / wie ich euer bin ansichtig worden. Was ich von
der zu sagen habe / (erwähnte Coricide /) wird noch wohl würdig sein / dass ich
darüm ein absonderlichs gehor bei euch erlange. Nun / da diese unglückselige
nicht mehr verhanden ist / (sagte Suevus /) kann mir / viel von ihr zu hören / zu
nichtes nützen / und werden dadurch meine wunden mehr erfrischet als geheilet.
Ach! soll ich dann hier nichtes hören / (rieffe die Prinzessin) als lauter
unglückseligkeit? und muss ich nun auch deren tod vernemen / die ich als mich
selbst geliebt? Der armen Amorite (widerredte er) war auch nichtes bässer / als
der tod / und hat der himmel wohl getan / dass er sie mir hinweg genommen.
    Coricide beantwortete / diese des betrübten vatters reden / mit ihren tränen
/ und stunde nun / da die Ahalibama abwesend / im zweifel / wo sie sich
hinwenden sollte / und besorgte / dass sie / bei so spater nacht /dem Suevus
ungelegenheit machen wurde. Er / der solches vermerket / sagte ihr / wiedass nahe
bei dem seinen ein lediges zelt wåre: welches sie mit ihren leuten beziehen
mochte / bis morgen bässere bequemlichkeit für sie konnte gemacht werden. Sie
name solches willigst an / und liesse von dem Sesostris sich dahin begleiten: bei
dem sie sich der ehmaligen kentnis erinnerte / in deren sie mit ihm zu Hesbon
und Hemath gelebt hatte.
    Mitlerweile nun diese schöne ausruhete / befande sich der wachsame Abimelech
mit seinen leuten an dem ort / da die stadt sollte gestürmet werden / und
leisteten ihm / der dapfere Eridanus / der verliebte Amosis / und der wackere
Jetur / getreuen beistand. Sobald die sonne hervor gebrochen / kunten die
Damascener / von den mauren ihrer stadt / die gewaltige zurüstungen sehen / die
ihnen den sturm droheten. Als hiermit eben der Tare / mit seinen Syrern / zu
gewünschter zeit ankame / besezte Abimelech mit denselben die posten der andern
/ die er hingegen zusammen zoge / üm den sturm mit ihnen zu verrichten. Und weil
der Tare anmeldete / dass der Konig von Hazor aus Canaan / mit einem grossen heer
/ ihn in Ober Syrien verfolgt hätte / als wurde anstalt bei allen posten gemacht
/ um einem befahrenden einfall gewachsen zu sein.
    Weil dieses des Abimelech furhaben das ganze lager wach machte / als kame es
auch bald fur der Konigin Mirina und der Prinzessin Hercinde ohren: die dann
hierüber nicht wenig erschracken / weil es ihrem anschlage ganz entgegen ware.
Demnach schickten sie eiligst an den Husan / und liessen durch ihn dem Abimelech
zu gemüte furen / dass er doch nur so lang mit dem stürmen einhalten wollte / bis
man von dem Prinzen Baleus und Hiarbas nachricht erhalten hätte / welche ietzund
/ in der stadt / in friedenshandlung begriffen wären / die aber auf solche weise
schlechten fortgang haben würde. Husan fand den Prinzen allbereit fårtig / mit
leitern an die mauren zu gehen / und so erhitzet / dass er kaum diesem anbringen
gehor geben konnte. Jedoch / auf starkes zureden des weissen Husans / trate er mit
den andern Prinzen und hohen kriegsbedienten in ein zelt / diese sache weiter zu
uberlegen.
    Er hatte wegen der verwirrung / darin er / seit dass er seine liebste Königin
verloren / sich befunden / an nichts anders gedacht / als wie er dieselbe wieder
finden mochte / und daher nicht in sonderbare betrachtung gezogen / warüm die
Prinzen Baleus und Hiarbas in Damasco sich befänden / und dass üm gleicher
ursache willen die beide schwestern des grosses Marsius bei ihnen im lager wären.
Nun aber wurde dieses etwas näher von ihm angesehen / als Husan ihme
hochvernünftig dartäte und erwiese / wie ihnen an beibehaltung dieser
mittelspersonen sehr gelegen wäre /und dass sie denselben freundlich begegnen
müsten /üm zu verhüten / dass sie nicht / zu ihrem nachteil /auf die seite der
feinde treten möchten. Weil nun alle anwesende dem Husan beifielen / dass man
nämlich mit dem sturmen etwas inhalten musste / bis man erfure / was für
erklårung der Baleus und Hiarbas aus der stadt mitbrächten: als musste der
ungedultige Abimelech sich auch darein ergeben.
    Indem er nun den sturm wieder abkünden liesse /kamen die beide dapfere
schwestern des Marsius selbst herzugerennet: des vorhabens / auf den fall / da
des Husans bitte nichts verfangen wurde / dem Abimelech selber zuzureden / und
die gefahr / die hierbei ihren beiden liebsten Prinzen drohete / abzuwenden. Die
schone Hercinde erwiese fürnemlich eine grosse angst bei dieser handlung / die
jederman an ihr warname / und kunte sie sich nicht entalten / den soldaten /die
die sturmleitern trugen / zuzuruffen / dass sie damit zurucke blieben: die dann üm
so viel williger gehorchten / weil ihnen Abimelech gleichen befehl erteilet
hatte. Wie nun dieser Prinz beiden schönen genåhert /sagte er zu ihnen:
Euretwegen / dapfere heldinnen! zwinge ich mich / meine Konigin nicht diesen
augenblick aus des Belochus klauen zu reissen: welches ihr erkennen werdet / als
das höchste zeichen / dadurch ich wüste darzutun / wie hoch ich euch verehre.
Eurer gedult / edler Prinz! (antwortete Hercinde) die ihr hierinn / uns zu
gefallen / erweiset / wird euch nicht gereuen / wan wir hierdurch unser vorhaben
erreichen allen diesen landen die ruhe und den frieden zu erwerben. Was hilft
mich diese ruhe / (sagte der betrübte Prinz) wan des Belochus grausamkeit mir
die jenige raubet / um deren willen ich allein lebe! Ein standhaftes herz (redte
hierzu Mirina) wie ich eines bei der Königin von Syrien vermute / lässet sich
durch keine gewalt noch grausamkeit überwinden: darüm habet ihr nicht zu
besorgen / dass der Konig von Babel / über eurer Konigin gemüt / ichtwas zu eurem
nachteil werde erlungen können. Abimelech /der sich / unter diesem zureden der
Mirina / wieder erholet / zwange sich / in gegenwart so vieler leute /seine
gemüts-bewegungen nicht ferner an den tag zu geben.
    Indem sie aber also beisammen waren / täten die aus der stadt unversehens
einen starken ausfall / um das vorhabende stürmen zu verwehren / und fürete sie
der dapfere Mardocentes. Er fand aber die Syrer nicht unbereitet / weil sie ein
solches vom feind wohl vermuten können. So begierig nun die beide dapfere
schwestern waren / ihrem kunen mute bei dieser gelegenheit zu folgen / und mit
in den feind zu setzen / so sehr verwehrte ihnen solches ihr jezt-furender name:
daher mussten sie sich daran genugen lassen / dass sie von ferne diesem gefechte
zusahn. Der Prinz Abimelech / so hochst erfreuet war / dass ihm der feind diese
gelegenheit in die hände gespielet / fochte niemals mutiger / als dieses mal /
und drunge dergestalt in sie hinein / dass er dem stadtor fast nåher als sie war
/ und da sie nun vor der Syrer dapfrem arm nach der stadt flohen / fehlte es
nicht viel / dass er sich nicht mit hinein gedränget hätte. Eridanus war noch der
jenige / so ihn hiervon zurück hielte: welcher dann / neben dem Amosis / mehrmals
auf den Mardocentes getroffen hatte; der aber / sie erkennend / allemal von
ihnen gewichen / und nicht mit ihnen fechten wollen.
    Sie hatten aber / bei diesem ausfall / verschiedene gefangene vom feind
bekommen: die der Abimelech /in gegenwart der Mirina und Hercinde / wie auch der
andern / wollte abhören lassen / was sie von seiner Konigin wüsten. Wie sie nun
alle in deren gezelt vorgefuret worden / erblickten Abimelech und Husan unter
ihnen / den Fursten Elhanan / den sohn des alten Fürsten Hus: welchen der Prinz
/ als einen vettern von seiner Konigin / loszulassen befahle / folgends umarmte
und zu ihm sagte: Wie komt es immermehr /werter Elhanan! dass ich euch wider eure
Königin und vatterland muss fechten sehen / und dass ihr nicht vielmehr dem edlen
beispiel eurer vettern und bruder folget / die / vor die Syrische freiheit ihr
gelt und blut aufzuopfern / sich verbunden haben? Elhanan errötete zu dieser
frage / und schluge die augen für sich nieder.
    Als aber der Prinz die andere gefangene abfüren lassen / und Elhanan sich
nun allein bei ihnen befande / schauete er den Abimelech an / und sagte zu ihm:
Sol dann / grosser Prinz! der sohn darum leiden / was sein vatter / und zwar nicht
aus boser Meinung / begangen hat? Mein vatter vermeint nicht / seiner Königin
und dem vatterlande zuwider zu sein / indem er geraten und dazu geholfen / dass
das haus Syrien mit Babel beständig vereinigt bleibe / und unsere Königin den
Assyrischen Monarchen heurate. Ob meine gedanken hierin meinem vatter
beigestimmet oder nicht / solches habe ich bisher nicht wohl zu tag bringen
können. Nun aber / da mir die gelegenheit in die hände gewachsen / dass ich mich
frei erklären darf / so trete ich zu den Syrisch-gesinnten / die nicht ihrer
Königin gesetze wollen fürschreiben / sondern ihren gesetzen lediglich gehorchen
/ und sage ich ungescheut /dass ich nicht mehr für Assyrien fechten wolle / und
dass ich für wiedererlangung der Königin freiheit ...
    Wie ist es dann mit ihrem zustand bewandt? riefe und fragte der begierige
Abimelech / der sich nicht zu zwingen vermochte / den Elhanan ausreden zu
lassen. Sie befindet sich (berichtete er) auf der Kemuelsburg. Und wie ist es
mit der Prinzessin Danede? fragte Amosis. Diese befindet sich in Damasco /
(sagte Elhanan) Ahalibama aber und Amesses leisten iezt der Königin
gesellschaft. Wisset ihr uns nicht zu vermelden / (fragte Hercinde) wie es dem
Prinzen von Assyrien ergehet? Mehr als übel (antwortete Elhanan) ist dessen und
des Prinzen von Egypten rumliches vorhaben aufgenommen worden. Hierauf triebe
die ungedult den Abimelech / nach seiner Königin; den Amosis / nach seiner
Prinzessin und schwester; den Eridanus / gleichfals nach seiner schwester; und
die Mirina und Hercinde / nach ihren beiden Prinzen / zugleich und auf einmal zu
fragen. Weil nun der Fürst von Hus sie nicht alle mit eins vergnugen kunte / als
redte Husan dazwischen / welcher ja so begierig war / als sie alle / den zustand
in Damasco zu wissen / und bate sie ob ihnen belieben möchte / dem Elhanan in
gedult zuzuhören / der ihnen ümständlich und ordentlich würde erzählen können /
was sie so sehr zu wissen verlangten.
    Husan hat recht / (sagte die Königin Mirina) und wird unser schweigen uns
mehr erfahren machen / als unser unzeitiges reden. Redet dann / mein Furst!
(sagte zu ihm der ungedultige Abimelech) doch gebrauchet euch / in der erzehlung
/ keiner weitläuftigkeit. Es wird aber nötig sein / (versezte Husan) dass uns
Elhanan etwas ümständlich berichte / wie es seiter / nach unsrem abzug aus der
stadt / in Damasco eigentlich zugegangen. Dan das / was uns Ardeus neulich davon
vorgesaget / keinen glauben verdienet. Ach! des hosewichts! (rieffe Abimelech)
was hält doch meine rache / dass ich die nicht alsofort wieder ihn und meine
andere feinde wüten lasse? Wan mir zu reden erlaubet ist / (antwortete Elhanan)
und man mich nicht mir dem betruglichen Ardeus vergleichen will / so werde ich /
durch abstattung eines warhaften berichtes / hiemit dartun / dass ich meine
treue / ja mein leib und leben / meinem erwehlten König aufzuopfern gesonnen
bin. Dieses sagend / neigte er sich vor dem Abimelech: welcher aber / in seinem
eiver / solche anerbietung nicht so sehr beachtete / als wie er die schleunige
ablegung von Elhanans bericht verlangte: worüm er ihn auch nochmals bate /
denselben ohne seumnis abzustatten.
    Wie nun Elhanan alle seine zuhörer aufmerksam sah / und ihn der Husan
erinnert hatte / seine erzehlung von dem tag anzuheben / da die vereinigung
zwischen dem Belochus / Beor und den Syrern in Damasco ware geschlossen worden /
verrichtete er solches folgender massen. Das absehen / welches stäts meinem
herrvattern beigewonet / die Assyrische seite zu halten / hat keinen andern
grund jemals gehabt /als die liebe zu der ruhe dieses landes: und kann ich für
ihn gut sagen / dass er es treulich und wohl mit Syrien gemeinet / ob es gleich in
der tat möchte anderst geschienen haben. Unser keiner wusste die hohe zuneigung
/ mit welcher der Prinz von Gerar von unserer Konigin angesehen worden / und
befanden wir nicht unschicklich / den grosten welt-Monarchen mit ihr vereinigt
zu verlangen / und unsrem land also den frieden zu erlangen: zumal / mit
gutbefinden aller Syrischen Fursten / die tochter des grossen Aramenes diesem
König damals war angetragen worden / da wir noch vermeinten / dass wir den
wiedergefundenen jungen Aramenes bei uns hätten. Als aber nachgehends des alten
Tebah betrug kund geworden / und man dem Elihu unsere Erbkönigin bestimmet /
muss ich wohl bekennen / dass uns solches nicht gefiele: weil wir den Elihu / als
eine aus unsrem mittel / für all zu schwach hielten / die Syrische kron gegen
dem grossen Belochus zu erhalten. Hieraus ist nun erfolget /dass nach der zeit
mein herrvatter allemal bei der Meinung verblieben / es würde für Syrien nichts
vorteilhafters sein / als das nunmehr-gewohnte joch der Babylonier ferner zu
tragen / und mit denen / durch beförderung dieser heurat / in erträglicher
einigkeit zu leben.
    Dieses war die ursach / dass die in Damasco befindliche Syrer / auf zureden
meines herrvattern / sich mit den Assyrern und Canaanitern vereinigt haben. Weil
ich nun also bei diesen Königen einen freien zutritt erlanget / als kann ich auch
am bästen davon zeugen /mit was ungedult sie die abwesenheit der Königin Aramena
und der Prinzessin Ahalibama entfunden /und wie alle ihre bemühungen dahinaus
gelaufen / sie wieder zu überkommen. Weil die macht nichts verfangen wollte / als
musste es die list und der betrug tun: worzu sich dann der Ardeus und Arteman
gebrauchen lassen. Ehe sie aber diese ihre anschläge zu werk gerichtet / kam der
König von Egypten / wie auch die Konigin von Saba / der Prinz von Arabien / und
der Eliphelet von Cus / mit vier und zwanzig tausend man uns zu hulfe: die dann
keine gemeine freude bei dem Belochus und Beor erweckten / und wurde dieselbe
noch üm ein grosses vermehret / durch die unvermutete ankunft des Prinzen Disons
von Seir / den der Zaphis verråterischer weise mit viertausend Niniviten dem
Belochus überliefert; und hatte der die zeit in acht genommen / dieselbe nacht
in Damasco zu kommen / wie die Egypter alhier durch das lager gebrochen.
    Es stehet unschwer zu ermessen / wie der Belochus / als er von dem Zaphis
erfahren / dass Dison ernanter König in Ninive wäre / sich müsse ergetzet haben
/denselben nun in seiner gewalt zu sehen. Es kame aber diesem Prinzen nichtes zu
statten / dass Bildat und Mamellus / als beide seiner fraumutter bruder /bei dem
König so wohl daran waren / noch dass der König von Canaan seine schwester liebte:
massen er dessen unbetrachtet / in schwere bande sich musste schliessen lassen. Es
war keine grossere ursach / dass man gegen ihm so hart verfuhre / als die
erinnerung /dass er in Aramenen gestalt an unserer Königin hofe sich so lang
aufgehalten hatte: weil der eiversüchtige Konig nicht in seine gedanken bringen
konnte / dass Dison dieselbe nicht sollte geliebt haben. Wie hingegen der grosse
Pharao / auch die schöne Petasiride /auf das herrlichste von beiden Königen
entfangen worden / ist hier unnötig zubeschreiben. Es liesse sich gleich spuren /
dass der Pharao mit unsren zweien alten verliebten an einer krankheit litte:
massen er die abwesenheit der Prinzessin Amesses / seiner tochter /häftig
beklagte. Der Mardocentes wartete auch der Königin von Saba so fleissig auf / dass
sein liebesfeuer nicht verborgen sein kunte.
    Wenig tage nach dieser ankunft / begaben sich alle königliche personen in
den Isis-tempel / üm alda die gotteit / wegen glücklicher ausfürung dieses
kriegs /anzuflehen: da dann / nach verrichteten opfern / die zween stiftere
dieses tempels der Pharao und Belochus / wie auch die Petasiride / die alte
Delbois und der Beor / neben vielen von uns anderen / die wir ihnen aufwarteten
/ die prächtige arbeit dieses neuen gebåudes zu besehen / von dem Mephris
allentalben ümher gefüret wurden / und wünschten sie / dass / bei einweihung der
beiden bilder des Osiris und der Isis /die nun / da der bau so weit verfärtigt /
in kurzem geschehen könnte / sie an ihre geliebten zugleich sich mochten trauen
lassen.
    In diesem ümgange kamen sie auch in eine kammer / darin die wände mit
traurteppichen behånget / und ein kleiner altar aufgerichtet war / auf welchem
ein von sonderbaren kräutern angezundtes feuer brennte. Belochus / als höchst
begierig / alle diese ihm noch ungewönliche und unbekannte gebräuche kennen zu
lernen / erkundigte sich hiernach bei dem Konig von Egypten. Als aber auch
dieser seine unwissenheit hierin bekannte / musste Mephris die deutung dieses
fromden Isis-dienstes erklåren. Dieser nun hube ganz wehmutig an zu erzählen /
wie unglucklich es ihnen unlängst in ihrem tempel ergangen / da zween von ihren
priestern nicht allein ausgebrochen und entronnen / sondern uberdas auch den
Syrischen Prinzen Aramenes / der zum heiligen opfer der Isis bestimmt gewesen /
freventilch mit sich davon gefüret hätten: weswegen die beleidigte gotteit
auszusunen / und diesen fall zu betrauren / solche klagopfer angestellet würden.
Dieser bericht des Mephris sezte sie alle in verwunderung / die aber der Prinz
Mamellus ihnen bename / indem er erzehlte: wiedass die schwester unserer Königin
diejenige gewesen / die er fur den Syrischen Aramenes angesehen / und / seinem
König zum bästen / also aus dem weg raumen wollen. Diese des Mamellus treu rümte
der Belochus sehr und als er ferner nach den beiden priestern sich erkundigte /
die diesem vermeinten Aramenes davon geholfen / berichtete der Statalter ferner
/ dass selbige der Fürst Betuel und der Prinz Dison / seine und seiner gemalin
vettern / gewesen wären / die er / dem reiche zum bästen / in den tempel der
Isis widmen wollen / zumal sie beide vorher schon in Egypten den geistlichen
orden angenommen håtten.
    Als Belochus dieses vernommen / gedachte er die Isis damit auszusönen / wan
er ihrem tempel diesen Dison wider schenkte / und bote ihn derhalben dem Mephris
wieder an: der aber sich weigerte / ihn zum priester aufs neue zu bestellen /
einwendend / selbiger hätte sich eines so heiligen amtes unwürdig gemacht /und
konnte nicht lebendig unter ihnen gedultet werden. So gebe ich ihn euch dann todt
/ (sagte der grausame König /) als ein opfer der grossen Isis / ihren zorn durch
sein blut auszusonen. Wie nun der Mephris /hiervor sich bedankend / das
geschenke annemen wollte / verwehrte ihm solches die Königin Petasiride /welche
an den König von Babel / ganz bewegt und erhitzt / begehrte / dass ihr dieser
Dison möchte überlassen werden: weil derselbe sie so sehr beleidigt / dass sie /
der Isis rache an ihm zu veruben / so befugt als gewillet wäre. Ich wurde gewar
/ dass der Prinz Mardocentes / dieses anhörend / ganz erblasste. Als aber den
König von Babel so wohl / als die andere anwesende / diss ihr begehren befrömdet /
erzehlte sie öffentlich / wie dieser Prinz ehmals eine stadt / die sie ihm samt
ihrer eigenen person anvertrauet / dem feind überlassen / auch die hochste
veråchtlichkeit / in ausschlagung der kron von Saba / ihr aufgeburdet hätte /das
er dann mit seinem blut bezahlen müste. Weder der König von Assyrien / noch
einiger von des Prinzen Disons anwesenden verwandten / dorften solcher bitte der
Konigin von Saba / widersprechen: und wurde /dieser erzürnten Königin zu fugen /
alsofort von dem Belochus befohlen / dass Dison den Sabeern sollte ausgefolget
werden.
    Weil ich / dieses zur nachricht alhier bekant zu machen / für nötig ermesse
/ als werde ich verhoffentlich meiner durchleuchtigen zuhörer ungedult nicht
erwecken / wan ich dieses ferner zum ende erzehle: massen guten teils / alles /
was ich vorzubringen habe / hierauf sich grundet. Also geriete nun Dison in die
hände der erzürnten Petasiride / und wurde auf die Kemuelsburg gebracht / alwo
sie hof hielte. Der Prinz Mardocentes / der die Königin häftig liebt / und doch
auch den Dison für seine herzensfreund hålt / wusste hiebei nicht zugleich seiner
liebe und freundschaft zu raten /und ware ihm beiderseits angst / sowol üm des
Disons leben / als üm dessen aussönung mit der Königin: auf welche letzere / er
besorgte / dass ihre liebe sich wieder einstellen würde. Weil Hemor und er gute
freunde sind / und ich bei dem Prinzen von Sichem einen grossen zutritt hatte /
als erfuhre ich alle umstände / die hierbei fürgelaufen. Die zeit zu gewinnen
/will ich nur sagen / dass es also / wie Mardocentes besorgte / erfolget / und
Dison nicht allein / nach wenig tagen / mit der Petasiride völlig ausgesönet /
sondern auch mit ihrer ehmaligen liebe wieder beschlagen wurde.
    Die Prinzessin von Saba / die Sapha / welche sich bei der Königin aufhålt /
hatte diesen vertrag zu wege gebracht / und erscholle es bald überall / dass der
Prinz Dison nicht allein frei wäre / sondern auch in sonderbarer hulde bei der
Petasiride schwebte. Den Babylonischen hof befromdete zwar solches / und gabe es
viel gespräche. Weil man aber in nichtes der Petasiride entgegen sein wollte /
und das Assyrische haus keinen nachteil noch schaden dabei fand / zwischen dem
Dison und der Konigin von Saba eine heurat zu vermuten / als ward hierdurch der
hass und die feindschaft wider ihn aufgehoben / die zuvor die anwartung zur
Ninivitische kron / und die sorge / dass er die schone Königin von Syrien liebte
/ erweckt hatten: und richtete sich nun ein jeder nach diesem seinem glücke /
ihme liebkosend / den sie zuvor todt haben wollten. Mamellus selbst / als der
allerlistigsten staatskopfe einer / erwiese ihm sein sonderbares vergnugen / und
entschuldigte sein voriges rauhes verfahren gegen ihme: das dann Dison also
hingehen liesse / weil seine gedanken allein dahin gerichtet stunden /diese seine
erlangte freiheit den Syrern alhier im lager zum bästen anzuwenden.
    Ich hatte in der zeit / da er bei voriger unruhe in Damasco unser General
gewesen / seine huld erlanget: darum finge er nun wieder an / dieselbe gegen mir
zu erweisen / also dass ich täglich bei ihm ware / und durch seine unterredungen
je mehr und mehr darin gestärkt werde wessen ich mich iezt unterwunden habe.
Ich erfuhre / in solcher vertreulichkeit / von ihme alles / wie es mit der
Petasiride ergangen / und dass er sich nur also stellte / ihre gunstgewogenheit
annemend / üm dadurch zu seinem zwecke zu gelangen / welcher ware / den Syrern
die stadt einzuliefern. Er musste seinen freund / den Mardocentes / selber in
diesem wahn erhalten / und ihn damit quälen: üm alle hinternise zu verhuten /
die dieser Prinz / als ein bundsverwandter der Assyrier und Egypter / konnte
dazwischen bringen: der dann immittels die groste eifersucht ausstunde / und mehr
dann einmal dem Dison vorruckte / wiedass er ja ihme vordessen die besitzung der
Petasiride selbst zuerkant hätte.
    Mitlerweile es also in Damasco stunde / schmiebeten Ardeus und Arteman ihr
listiges fürhaben an des Belochus hofe / die entfürung der Konigin von Syrien
betreffend / und wurde alles / was diesen grossen anschlag fordern sollte / zu
werke gerichtet. Sie kamen mit den Niniviten und Syrern so eilig aus der stadt
/dass weder Dison noch ich einige gelegenheit erlangen kunten / wie wir vorhatten
/ mit ihnen jemanden hieher zu senden / der die Königinnen gewarnet hätte. Zur
bestimmten zeit / die Ardeus durch heimliche posten andeuten liesse / mussten
Sinear und Mancaleus durch das Libanonische tor den ausfall tun / da sie die
Königinnen hinein bringen wollten / mitlerweile der Hemor und Mardocentes auf der
andern seite /durch einen starken ausfall / ihnen alhier zu schaffen machten:
und glückte es alles so wohl / dass Dison und ich mit grossem leidwesen ansehen
mussten / als diese verråtere die beide schone Königinnen von Syrien und Ninive /
samt den beiden Prinzessinnen von Cus und Seir / in Damasco hinein brachten.
    Der Belochus / Beor und Pharao / wie auch die Königinnen Petasiride /
Delbois und Lantine / die Prinzessinnen Milcaride und Indaride / neben dem
Prinzen Dison und allen grossen von Damasco / waren in dem königlichen schlosshof
versamlet / und harreten die verliebten Konige mit ängstlichem verlangen / auf
die glückliche endschaft dieses ihres anschlages: als der Prinz Bildat / neben
meinem vattern / auch dem Baracheel und Aner / diese vier schönheiten / mit
grossem frolocken des zulaufenden volkes / daher füreten / und den Königen
überantworteten. Weil ich mich nahe mit hinzu gedrånget / ersah ich bei den
vielen angezundte fakeln / nicht allein unsere wunder-schöne Königin / in ihrem
brautschmuck / sondern ich konnte auch alles eigentlich horen / was sie mit dem
Belochus redte. Was sagte sie doch? fragte alhier der beängstigte Abimelech /
dem der schweis / bei anhörung dieser erzehlung / häufig ausbrache.
    Sie sah (antwortete Elhanan) den Konig von Assyrien mit einem sonderbaren
verdruss an / doch sonder einige furcht dabei blicken zu lassen / und ware sie
die erste / die also zu ihm redete: Es tut mir leid /dass / da ich E. Maj. stäts
als einen vatter geehret / ich nun solche bezeugung erleben muss / die mir mehr
als zu gewiss andeutet / dass ich dem verfolger der meinigen bin in die hände
geraten / und muss ich daher uber denjenigen weh und ach schreien / den ich
bisher wie ein kind geliebt. Doch weil dieses uber mich und das arme Syrien
verhångt ist / dass ich meiner eltern Glück ererben / und mein land die
Assyrische dienstbarkeit noch ferner erdulten soll / so will ich auch nicht
dagegen murren / noch weniger mich grämen / dass ich meinem grösten feinde durch
diese verübte list bin zu teil worden: massen ich versichert bin / dass der grosse
Gott / der allen tyrannen vermag ein gebiss an zu legen / auch schon ein mittel
finden werde / mich von diesen banden zu befreien. Ja er wird den dapfren arm
meines geliebten Prinzen / dem ich iezt von der seite bin geraubet worden / also
stärken / nicht durch tückische list / sondern offenbar und auf redliche weise /
mich wieder von hier in meinen vorigen stand zu bringen. Belochus redte etliche
mal dazwischen / üm diese reden der Königin abzureissen. Wie er sie aber solche
müssen enden lassen / spürete man keine geringe bewegung an ihme / und kunte man
nicht horen / was er ihr antwortete: nur sah man / dass er sich sehr höflich
erzeigte / und sie an der hand fürend / zu seiner schwester der Königin von Tyro
brachte; von der sie /mit bezeugung grosser liebe / umarmet wurde.
    Ich betrachtete hierauf den verliebten Beor und die Ahalibama / die fast
eben also gegen einander sich bezeigten / wie der Belochus und unsere Konigin
getan hatten. Der verliebte Prinz Dison / als er seine schone Konigin ankommen
sah / verbarge sich vor derselben hinter die leute: üm / in gegenwart der
Petasiride / ihr keinen anlass zu geben / dass sie ihm ihre gnadgewogenheit
erwiese. Als ich der Königin von Saba gebården / bei ansichtigung dieser jüngern
Aramena / beobachtet / sah ich sie stutzen: vielleicht weil sie ihre mitbulerin
schöner befande / als ihr lieb ware. Weil man auf dem schlossplatz / nahe bei der
Königin von Tyro / unserer Königin einen herrlichen palast zu bereitet hatte /
als begabe sich die ganze gesellschaft dahin: und wollten sich die andere dreie
von unserer Konigin nicht absondern lassen / ob gleich eigene häuser auch fur
sie zugerüstet waren. Sie blieben bei einer stunde daselbst beisammen / da die
Königin von Tyro das bäste täte / sowol die betrubte Aramena / als ihren bruder
/ zu frieden zu sprechen / und an beiden seiten zu verhüten / dass nicht gar zu
herbe worte fallen möchten: die doch in die länge nicht würden ausgeblieben sein
/ wan man nicht / auf zureden der Delbois / unsere Konigin allein gelassen / und
auf diesen schrecken sich zu erholen und auszuruhen / ihr gegönnet hätte.
    Weil selbige nacht gleichsam bestimmet war / alle verliebte Konige in
Damasco zu erfreuen / als fugte es sich also / dass der Petosiris / des Konigs
von Egypten oberkämmerer / neben dem Laristenes / dem Pharao ganz unvermutlich /
die Prinzessin Amesses / seine tochter / und zwar in manlicher kleidung /
überlieferte / als eben selbiger Konig von den andern sich abbegeben und in
seinem palast zur ruhe gehen wollte. Sein freud-entsetzen håtte bald dasjenige
bei ihm erwecket / was bei dieser tugendhaften Prinzessin die angst verrichtete:
welche / ihren herrvattern ansichtig werdend / wie todt zur erden fiele / und
fast kein lebenszeichen mehr von sich blicken liesse. Ihre schöne beigängerin
/die eben also / wie sie verkleidet war / nämlich die angeneme Prinzessin
Orosmada von Sidon / erwiese sich bei diesem zufall die beherzteste / und indem
der hierob-erschrockene König / neben den andern / verweilte / der Amesses
beizuspringen / brachte sie dieselbe wieder zu rechte. Pharao / als er sah /
wie seine gegenwart sie erschrecket / wollte dissmal mit ihr gelind verfaren / und
sich selbst der vergnügung berauben / die / so er zu seiner straffe lieben muss /
anzuschauen: demnach liesse er sie in ein abgesondertes zimmer bringen / und sie
/ neben der Orosmada / die bei ihr bleiben wollte / alda bedienen.
    Am folgenden morgen erscholle überall / dass nicht allein unsere Königin und
ihre schwester / sondern auch die Prinzessin aus Egypten / neben der von Cus
/Sidon und Seir / in unsren ringmauren wären. Weil man dem pöbel hierdurch
hofnung machte / dass dieses wurde das mittel sein / den frieden zu erlangen /als
ware niemand / der sich nicht herzlich darob erfreuet. Es wurde / an statt
mehrerer ausfälle / dazu die kriegsverståndigen gewaltig rieten / nur von den
koniglichen beilagern geredet / und alle vorbereitschaft darzu gemacht. O
himmel! (rieffe alhier Abimelech) warüm bin ich so seumig / dieses zu verwehren?
Die unpäslichkeit der Ahalibama (fuhre Elhanan fort /) neben der
unbeschreiblichen betrübnis der Konigin von Syrien / die sie nicht vom bette
komen liesse / war eine hinternis / dass nicht sofort diese bestimmte hochzeiten
vollzogen wurden. Der Pharao gönnte seiner tochter / dass sie den anderen
hochbetrubten dorfte gesellschaft leisten: da dann eine von der andern getröstet
wurde / und suchten sie darin ihre einige vergnügung / einander zur
beständigkeit in diesem ihren leiden anzumanen. Die verliebte Könige / wie auch
der Cussite Eliphelet / verseumten nun keine stunde / bei ihren geliebten zu
sein: gingen aber allemal unvergnügt von ihnen / und mussten ihren schönen
gefangenen das zu gut halten / dass sie von ihnen auf das häftigste ausgescholten
wurden. Dison / der nun / auf diese ihre gefängnis seine gefasste Entschliessung
noch fäster stellte / so wohl diese zu erlosen / als Damasco in der Syrer hände
zu spielen / liesse sich / üm allen argwan zu verhüten / niemals bei den
Königinnen sehen: welches dann der Konigin von Saba nicht wenig wolgefiele / und
vermeinte sie / ihrer mitbulerin angesieget zu haben / raumte auch daher dem
Dison immer mehr gewalt ein / also dass er ihrer Sabeer zu seinen diensten sich
gebrauchen kunte.
    In solchem zustande liessen / ongefär vor vier tagen / die beide Prinzen von
Assyrien und Egypten sich anmelden / üm in die stadt eingelassen zu werden:
welches / wegen des Prinzen Baleus / allerhand nachsinnen bei hof verursachte /
und stunde man lang an / ob man ihn einlassen wollte. Dan Belochus war sehr
unwillig uber diesen seinen sohn / nennte ihn einen verräter und aufwiegler /
und erwiese in keinem dinge mehr / dass er sein vatter war / als so weit ihm
dieser name anlass gegeben / das furgebildte verbrechen des Prinzen desto grösser
auszudeuten. Doch fiele endlich der schluss dahin / dass man / durch dieses mittel
sich des Baleus zu bemächtigen / ihn sollte herein kommen lassen. Wessen
beschüldigte man dann / (konnte Hercinde sich nicht entalten zu fragen) den
Prinzen von Assyrien? Dass er / (antwortete der Furst von Hus /) sonder befehl
vom hof / in Assyrien mit der Konigin von Elassar frieden getroffen / auch nun
sich dorfen gelusten lassen / mit ihr und den Celten sich zu vereinigen / und /
unwissend aus was ursachen / mit einem so grossen heer sich Syrien zu nähern:
worbei der eiversüchtige König nicht wenig befahret / dass es auf die Konigin von
Syrien angesehen sei / die der sohn / so wohl als er / mit ungemeiner liebe
verehret. Hat man dessen einigen grund? fuhre Hercinde fort zu fragen. Davon
werde ich iezt bald sagen / (gabe Elhanan zur antwort) sofern der Prinz der
Philister mir erlaubet /durch diesen neuen mitbuler ihm unruhe zu erwecken. Weil
hierauf / als auf etwas unvermutetes / keine gegenrede erfolgte / als wurde von
Elhanan diese erzehlung also fortgesetzet.
    Der entrustung des Königs von Assyrien / kame der unwille des Pharao gegen
seinem sohne nicht ungleich / weil er denselben / Konig in Ophir zu sein /
geglaubet hatte / und nun das widerspiel erfahren musste. Doch liesse er mit zu /
dass er möchte in Damasco kommen: wiewol so wenig seine / als des Belochus
/gedanken waren / dieser Prinzen ihre fürschläge anzuhoren. Wie sie nun beide
hinein kamen / wurden sie /an statt vor die Könige gebracht zu werden / von dem
Abdeel und Petosiris in ihren verordneten palast gefuret / daselbst mit einer
starken wacht versehen / und von diesen beiden befraget / was sie anzubringen
hätten? Sie bezeugten zwar ihr verlangen / die Könige selber zu sprechen / und
beschwerten sich höchlich uber dieses bezeigen: aber solches wurde nicht
beachtet. Weil sie nun dem Abdeel und Petosiris die ursach ihrer ankunft nicht
erofnen wollten / als geschahe deswegen keine fernere nachfrage: und wurde
hingegen diesen beiden Prinzen angekündet / dass sie gefangene sein sollten / weil
man bei ietzigem zustande sich ihrer versichern musste.
    Dieses harte verfahren årgerte jedermånniglich /und bediente sich der Prinz
Dison / neben mir / dieses unwillens der Assyrier und Egypter / üm / wan es zeit
sein würde / uns dessen zu unsrem vorteil zu bedienen. Es erregten aber sofort
des Prinzen Baleus wolgesinnte / als der Spiridates und Abdemon / in
vorgestriger nacht / ehe man sich dessen versah / einen aufstand in der stadt /
und befreiten zugleich diese Prinzen und die Königinnen; die sie nach dem
Isis-tempel füreten / sich daselbst verschanzten / und dem Belochus sagen
liessen: Er sollte seinem sohn die Konigin von Syrien uberlassen / um also diesem
reiche und ganz Asien den frieden zu gönnen. Dieses machte nun ganz Damasco
aufrurisch / und sezte alles in grosse verwirrung: massen uns gewundert / dass
hiesige wachten dieses geschrei nicht gehoret / und dass man eines so grossen
vorteils sich nicht bedienet hat. Ich ware damals abwesend / (sagte Abimelech)
meine Königin zu suchen / als dieses sich begeben hat / und verlangt mich sehr /
das ende davon zu hören.
    Ich befande mich eben (fuhre Elhanan fort) bei dem Dison auf der Kemuelsburg
/ wie das geschälle hiervon sich erhube; und als wir dazu kamen / waren die
Königinnen / wie auch die Prinzen / allbereit auf dem Isis-platze / und auf
allen gassen lårmen / da jederman rieffe: Man sollte dem Baleus ihre Konigin
geben / und frieden machen. Es war aber dieses von dem Spiridates und Abdemon zu
unzeitig angefangen worden / und kunte den nachdruck nicht haben / weil sie
keinen fästen ort / zum aufentalt wider die grosse gewalt ihrer feinde /
erwehlet hatten: daher der Prinz Bildat / der Hemor / Mardocentes / Eliphelet
und alle andere kriegshåupter / die mit diesen aufstand keine gemeinschaft
gehabt / durch die gegenwart ihrer Konige angefrischet / mit hellem haufen zu
ihnen einbrachen. Der küne Dison / seinen anschlag / den er mit mir geschmiedet
/ einmal werkstellig zu machen /und hierzu dieser unvermuteten gelegenheit / die
gleich als vom himel uns zukame / sich bedienend /fiele mit den Sabeern von der
Kemuelsburg herab /als wan er diesen aufstand mitstillen wollte / nachdem er
zuvor die Konigin von Saba / sich nach deren von Tyro auf den Koniglichen
schlosshof zu begeben / beredet hatte. Mitlerweile eilte ich mit dreitausend
Syrern / die gänzlich zu meinem gebot stunden / in die Kemuelsburg / und besezte
dieselbe / der rükkunft des Prinzen von Seir daselbst erwartend.
    Dieser dapfere Prinz seumte nun nicht / mit seinen Sabeern in des Baleus
heer zu setzen / und hatte er das Glück / dass er eher als alle die andern an den
ort kame / da beide Koniginnen / neben den vier Prinzessinnen und ihrem
frauenzimmer / sich befanden. Er rieffe alsofort unserer Konigin zu / wiedass er
kåme /sie fur den Prinzen Abimelech zu befreien. Dieses wort munterte die uber
diesem zufall sehr erschrockene Konigin alsobald auf / dass sie / zu folgen /
sich entschlosse. Als er aber hierauf zu seiner geliebten Königin kame / wandte
die ihm den rucken zu / ihn einen undankbaren nennend / der ihr mehr zuwider
wäre / als alle ihre andere feinde. Weil ihme gleich einfiele / dass dieser ihr
unwille daher rüren wurde /dass sie von ihm / als ob er in die Petasiride
verliebt wäre / geargwånet / und folgbar dieses aus eiversucht redte / ginge es
ihm / als unschuldigem / so sehr nicht zu herzen / sondern / dieses orts sich
gegen ihr zu entschuldiegen / für unschicklich erkennend / ware er nur bedacht /
sie davon zu bringen. Demnach die höflichkeit für dasmal beiseit setzend / wollte
er sie vor sich auf sein pferd heben / wie zu gleicher zeit der Sabeer Casban /
der dem Dison ganz ergeben war und um unsren anschlag wissenschaft gehabt / mit
unserer Konigin täte. Sie aber risse sich von ihm los / und indem den Prinzen
Hemor ersehend / rieffe sie demselben / dass er sie erretten wollte. Dieser ware /
mit dem Sinear und einem haufen der Assyrier / die noch bei dem König hielten /
eben dazu gekommen: da er dann alsofort / seiner ehmals geliebten Aramena befehl
gehorchend / sie auf sein pferd hube welches auch der Sinear mit der Prinzessin
Danede von Cus / und ein ander von ihrem heer mit der Orosmada / verrichtete.
    Aber die Amesses und Ahalibama / namen zween von des Disons leuten vor sich
/ und ranten dem Casban nach / der unsere Konigin nach der Kemuelsburg fürete /
inzwischen der armselige Dison das nachsehen hatte / und seine Königin wider
willens musste fahren lassen. Weil er aber die in solcher gefahr nicht wusste /
wie ihre schwester / als folgte er / wiewol ganz betrübt / unserer Königin / die
ich in dem tor der burg entfinge / und das Glück hatte / ihr am ersten
anzukünden / wessen Dison neben mir / zu ihrer befreiung / sich unterfangen
hatte. Ist sie aber (fragte Abimelech / fast aus sich selber) dergestalt erlöset
worden? Es ist / wie ich erzählt: (antwortete Elhanan) und fugete uns das Glück
so wohl / dass niemand bis an den hellen morgen innen wurde / was wir begonnen
hatten. Dison bliebe meister von der burg / und hatte die Königin von Syrien
samt den zweien Prinzessinnen in seinem händen / ehe der geringste argwan
erscholle / dass dieser dapferer Prinz einer so künen tat sich unterfangen
dörfen. Der unglückliche Baleus hingegen / musste nun das jenige büssen / was ein
ander für ihn verrichtet hatte / und wurde mit so schwerer auch seinem stande
und geburt übelanständiger gefångnis beleget / dass genug daraus erschiene / wie
er einem tyrannischen mitbuler in die hände geraten wäre.
    Weil man die Königin von Ninive und etliche Prinzessinnen wieder bekomen
hatte / als vernamen die verliebte Könige nicht eher ihren verlust / als bis sie
ihre geliebten / nach völlig gestillter unruhe / besuchen wollten. Die empörung
auf der Kemuelsburg wurde damit auch ruchbar / und sezte des Disons beginnen /
so wohl den Belochus / als die Petasiride / in die verzweifeltste eifersucht /
also dass sie beide in person ihre leute anfüreten / diese burg zu sturmen. Weil
aber der Prinz sich dapfer wehrte / als kunten sie uns nichts angewinnen. Wie
wir nun diesen morgen vernamen / dass man sich im lager zum stürmen rustete /
befande Dison für gut / bei dem ausfall / den der Prinz Mardocentes deswegen
täte / mich heimlich mit heraus zu senden / üm alhier den iezt-erzehlten zustand
in Damasco kund zu machen / auch wegen des vorhabenden stürmens / rechte
anschläge zu geben. Dieses ist mir nun glücklich gelungen / und habe ich mich
gutwillig lassen gefangen nemen / üm meinen zweck zu erreichen. Ein brief von
unserer Konigin /an den Prinzen Abimelech lautend / wird verhoffentlich die
warheit meiner worte bekräftigen können. Hierauf zoge Elhanan ein täfelein
herfür / und uberlieferte solches dem verliebten Prinzen: der es mit
unvergleichlicher vergnugung anname / und seiner Königin hand erkennend / es zum
munde fürete / und zu verschiednen malen küssete. Hierauf verlase er dasselbe
/und zwar öffentlich: weil seine freude ihn so gedanken-los machte / dass er alle
betrachtungen verloren /die ihn / hiermit geheim zu sein / hätten bereden
konnen. Demnach vernamen die anwensende von ihm folgende worte.
 Schreiben der Königin Aramena von Syrien / an den Prinzen Abimelech von Gerar.
Urteilet nach eurem leiden / wertester Prinz! von meiner qual / die unsere so
plötzliche trennung bei mir erwecken können: da / an statt euch die eheliche hand
zu reichen / ich mich in meiner ärgsten feinde gewalt habe sehen müssen. Ich
habe deren viele zu nennen: weil nicht allein Belochus mein verfolger ist /
sondern auch der Prinz Baleus sich einen solchen hat erwiesen / und von neuem
euer mitbuler worden ist. So komet dann bald / und reisst mich aus ihren klauen:
worzu euch der Fürst Elhanan den weg wird zeigen können /welchen der Prinz von
Seir / zu dem ende / an euch abgeschicket. Nicht allein ich / sondern auch die
Prinzessinen von Egypten und Seir / erwarten diese eure hülfe: die mir erwerben
kann / die eure zu leben. Wofern es aber der himmel anderst versehen / werde ich
dennoch sterben
                                 Eure getreuste
                                                                        Aramena.
    Mit nichten (rieffe hierauf der verliebte Prinz) wird der himmel die
unbilligkeit verüben / noch geschehen lassen / dass diese hulfe mislingen sollte.
Eroffnet nur gleich / Elhanan! was ihr wisset / das hierzu erfordert wird. Wie
nun der Fürst fortreden wollte / winkte ihm Husan: weil er nicht ratsam befande /
dass in gegenwart der andern / sonderlich der Königin Mirina und Prinzessin
Hercinde / ein mehrers hiervon geredet würde; welches der Prinz vermerkend /
sich auch begriffe / und hiervon still wurde. Die hochstbeleidigte Hercinde aber
/ vermochte ihre schmerzen / uber des Baleus unbeständigkeit länger nicht
auszustehen noch zu bergen / dachte deshalben nach ihrem gezelt / üm ihre tränen
/ welche zorn / mitleiden und verhonung in ihr erregte / ungehintert
auszuschütten. Demnach ware sie die erste / die den aufstand machte: welches
Abimelech beforderte / desto eher mit dem Elhanan allein zu sein. Er musste ihn
aber doch / indem sie alle wieder nach dem haubtlager ritten / bei der Mirina
lassen: welche auf dem ganzen weg ihn üm den Hiarbas fragte / weil er dessen /
am ende seiner erzehlung / nicht weiter gedacht hatte. Sie vername auch von ihm
/ nicht sonder grosse zufriedenheit / dass er bei dem Pharao / seinem herrvattern
/ nach diesem / weil er seine unschuld erwiesen / in bässeres vernemen geraten /
und daher nicht mehr so hart / als vorhin / gehalten würde.
    Hercinde ritte / mitlerweile ihre schwester dieser vergnügung genosse / in
grösser betrubnis daher / und sah endlich den Prinzen von Hevila ihr nähern:
welcher im verwichenen treffen / da sie am ersten waren zusammen gekommen /
wegen der verwirrung / sie nicht ansprechen konnen. Weil ihm ihre liebe nicht
unbekant war / als kunte er die ursach ihrer traurigkeit leicht ergrunden:
welches ihm dann eine grausame vergnügung erweckte / sie damit gequälet zufinden
/was er ihr beim lezten abschied in Celten / aus verzweifelter ungedult hatte
angewunschet. Sehe ich mich iezt nicht gerochen / grosse Hercinde! (redete er zu
ihr) und deuten diese tränende augen nicht an / dass der verachtete Macres seinen
wunsch erlangt habe? Um / euch unsres lezten abschiedes zu erinnern / und
darneben euch zu sagen / dass ich von dem laster der liebe / so weit es die
Prinzessin Hercinde betrift / nunmehr befreit bin / breche ich das gelübde / so
ich damals getan / euch nimmer wieder unter die augen zu kommen / und hoffe /
meine gegenwart werde euch nun nicht mehr so widerlich sein konnen / nun ich
keine schwachheit dabei blicken lasse.
    Hercinde / unter dieser ansprache / des Prinzen von Hevila sich erinnerend /
den sie / ob er gleich Elhanans abgestattetem berichte mit beigewonet / für
grosser aufmerkung / und begierde / von ihrem ungetreuen Baleus etwas zu hören /
nicht gesehen hatte / fand sich sehr geruret / wegen dieser seiner fürrückung
/und dass er nun eben zugegen sein müssen / da es ihr also erginge: daher sie /
für rasender ungedult / fast nicht wusste / was sie beginnen sollte. Ihr anligen
zu verbergen / war unmuglich; solches aber dem Jetur zu gestehen / ihr
unleidlich. Wie sie nun eine weile zu antworten verzogen hatte / sagte sie
endlich zu ihm /ihr pferd zugleich anfrischend: Ihr habt eure rache an mir
gesehen / Prinz von Hevila! sollet aber nun bald auch von der meinigen horen /
die ich wider meine verächtere veruben werde. Jetur konnte ihr hierauf nicht
antworten / weil sie damit fortrennte / und zum Abimelech sich gesellte: welcher
mit grosser ungedult diesen ritt verrichtete / weil er den Elhanan nicht sprechen
kunte / und die Mirina selbigen solang mit gesprächen unterhielte / bis dass sie
im lager wieder anlangten Sobald nun der verliebte Prinz die Konigin von Elassar
und die Prinzessin Hercinde in ihre gezelte gefuret / verschlosse er sich / mit
dem Husan und Elhanan / in das seinige / üm von diesem zu vernemen / wie er es /
mit gewinnung der stadt und erlösung seiner Königin / angreifen sollte.
    Die Hercinde warfe sich inzwischen auf ein bette /und sah sich sobald nicht
bei ihrer Marpeis allein /da verhielte sie nicht mehr ihren häftigen schmerzen
/sondern liesse denselben vollkömlich aus / und fürete so verzweifelte reden /
dass Marpeis / als sie des Baleus verhältnis in Damasco / auch was sonnenklare
zeichen seiner neuen wankelmütigkeit er von sich blicken lassen / umständlich
vernommen / nicht mehr sein wort bei ihrer Prinzessin zu halten vermochte /und
so bestürzt / als mitleidig / ihrer Prinzessin teure zären mit den ihrigen
begleitete / auch ihrem beispiel zu folge / eben also auf ihren Zameis schalte /
als wie die Hercinde über den Assyrischen Prinzen sich beschweret. Es verlangte
aber diese trostlose Prinzessin den Prinzen Suevus zu sprechen / den ihr
abgeschickter eben auf dem weg antraffe / da er zu der neu-angekommenen
Prinzessin von Canaan ginge: dann er hatte seine verheisene besuchung seiter
nicht abstatten können / weil er / unter dem auflauf und gefechte mit den
belagerten / auf alles im lager achtung geben mussen. Demnach gienge er nun /
sein verlangen zu erfullen / und von der Coricide zu vernemen / wie es zu Hebron
stünde / und was alda die Jerode machte: der Hercinde aber liesse er sagen / dass
er in wenig stunden bei ihr sein wollte. Vergebet mir / liebste tochter! (sagte
er zu der Prinzessin von Canaan / als er zu ihr gelanget) dass ich so spat meine
schüldigkeit bei euch ablege: ietziger zustand bringt es also mit sich / und
lässet mich nicht mein selbst sein. Ich stunde nicht in geringen ångsten /
(antwortete die Prinzessin) soviel geräusche und geschrei diesen morgen
vernemend / und begunte zu vermuten / dass solches mir gelten mochte / und dass
meine feinde / mein hier-sein wissend / mich bis hieher würden verfolget haben.
Was sind dann das für mächtige feinde / (fragte Suevus /) die der Prinzessin von
Hebron solche furcht einjagen können? Wan ich dieselbe beschreiben / und hierinn
mich verständlich erklären soll / (gabe sie zur antwort) so müsst ihr meinen
ganzen lebenslauf wissen: dann auser dem werdet ihr die ursachen nicht begreifen
können / die den Konig von Hazor iezt benennen /mich also zu verfolgen. Ich habe
diss par stunden (widerredte Suevus) euch gewidmet: wollet ihr nun euren
lebenslauf / den ich zwar vordeme zu Hesbon /aber nicht völlig vernommen / mir
kund machen /werde ich solches mit begierde anhören. Ich will /(antwortete sie)
eurer gedult / mein vatter! nicht zu misbrauchen / in müglichste kürze fassen /
was ich /üm hernach eures guten rahtes zu geniessen / zu eurer nachricht
vorzubringen habe. Wie sie nun hierauf sich zusammen gesetzet / vername er über
eine weile / aus ihrem munde / wie folget.
 
                          Die Geschichte der Coricide.
Weil ich an dem Prinzen Suevus nicht einen zuhörer habe / der darin ein
vergnügen suche / wan ich ihm alle ümstånde beschriebe / die sich in der liebe /
zwischen dem Prinzen Ephron und mir / von kindheit auf zugetragen: als will ich
nur mit wenigem anfüren / dass so lang ich denken kann / ich den Prinzen Ephron
geliebt / der / als meines herrvattern bruder-sohn / auch meiner fraumutter
schwester-sohn / zu Hebron bei uns erzogen worden. Weil dieser Prinz seines
vattern liebster sohn / als hatte er auch auf dessen versorgung viel mehr mühe
verwendet / als an den Elieser / und mit gutem vorbedacht ihn nach Hebron
gesendet: üm dereinst / durch unser beider verheuratung / ihme einen grossen
vorteil / wo nicht gar die kron von Kiriatarba / zu zuschanzen. Der Fürst Beri
/ sein herrvatter / ist viel zu bekant / als dass ich dessen gemüte zu beschreibe
notig hätte. Er ist zwar nicht so gar boshaftig / wie seine schwester / die
Jerode / welche unwürdig die ehre hat / des Prinzen Suevus gemalin zu heissen:
gleichwol regiret der eigennutz alle seine werke dermassen / dass er wenig tut
oder furnimmet /worbei dieses laster nicht am meisten teil habe. Ich bin so
unglucklich / dass alle meine verwandten / auch die allernåchsten / viel an sich
haben / so mehr zu schelten als zu rümen ist: und vermag ich deren mängel / wie
sonst meine schüldigkeit wåre / nicht wohl zu verschweigen / wan ich anders eine
warhafte geschicht erzählen will.
    Die Prinzessin Jerode / die mich so sehr liebte / als wie sie meine arme
fraumutter gehasset / liesse ihr meine erziehung sehr angelegen sein: wiewol sie
die meiner fraumutter schuldige ehrerbietung mir nicht aus dem sin schwetzen
konnte / sondern das gerade wiederspiel damit erlangte / indem sie mich derselben
nur näher an das herze sezte / ie mehr sie mich von ihr abzuziehen bemühet war.
Weil nun ihr hass gegen ihr sich auch auf alle die ihrigen erstreckte / als hatte
sich Ephron dessen nicht zu erfreuen / dass er ihres bruders sohn war: weil er
zugleich der Konigin schwester-sohn / und also ein vetter ihrer feindin war.
Daher verhinterte sie / auf alle ersinliche weisel / dessen herfurglimmende
liebe / und gebote wir ernstlich / mich seiner zu entschlagen / und keine
gemeinschaft mit ihm zu haben / als der meiner viel zu unwurdig wäre. Dieses ihr
verbot glückte ihr aber so wenig / als das erste / und zoge mich ja so sehr an
den Ephron / als wie ihre abmanungen mich zu meiner fraumutter brachten: welche
dieses Prinzen liebe billigte / und ihn wie einen sohn liebte / auch zum teil
hierdurch an der Jerode sich zu rächen / dessen armut und schlechte hofnung zur
krone nicht beachtend / mir fast gebote /ihn wieder zu lieben.
    Dazumal / als dieser Prinz / neben seinem ältern bruder / dem Elieser / aus
dem Medischen krieg wieder zu haus gelangte / kame es so weit mit unsrer liebe /
dass / auf der Königin anregen / der Beri / sein herrvatter / bei dem König um
mich / für seinen sohn anhielte. Ihr erinnert euch nicht / liebste tochter! (
fiele alhier der Suevus ihr in die rede) dass ihr mir dieses einsmals / im garten
zu Hesbon / ausfürlich erzählt: und entsinne ich mich daraus noch wohl / wie
übel euer herrvatter diese anwerbung aufgenommen / und wie der Beri nach Sichem
zu seinem stiefbruder /seine sohne aber nach dem gebirge Seir / sich begeben
müssen. Ich weiss alles / was sich alda zugetragen: nur dieses ist mir noch
unbekant / wie es euch mit dem Prinzen von Hazor / und mit dem Merotas von Tyro
ergangen / die den abwesenden Ephron nicht allein eiversüchtig machten / sondern
auch gar zu der verzweiflung bringen konten / dass er / üm sich an euch zu rächen
/ die Melistea / des Elons tochter / zu ehlichen / sich entschlossen. Wie ich
verneme / (antwortete Coricide) so wisset ihr / mein vatter! schon mehr von
meinen begebenheiten / als ich geglaubet / und erinnere ich mich iezt / dass ich
damals / aus gewissen ursachen / meine abenteur mit dem Merotas und dem Madon
euch nicht erzählen können / massen auch die eiversüchtige Jerode / im garten zu
Hesbon / uns daran verhinterte. Es ist / wie ihr saget / (versezte Suevus /) und
hat eben diese unsere unterredung zu ihrem nachmaligen unglücklichen beginnen
ursach gegeben / die mir so viele seufzer gekostet.
    Weil dann der Prinz Suevus albereit weiss / (fuhre Coricide fort) was damals
so wohl den Beri / als seine söhne / von unsrem hof gebracht / als will ich nur
sagen / wie die Jerode sich bei dieser entfernung bezeiget. Diese hätte es nicht
gewünschter sehen können / als es nun ergangen war. Dan / wie sie also den
Ephron hinweg getrieben hatte / ware sie gleich bemuhet /andere in dessen stelle
zu bringen: massen sie anlass dazu gegeben / dass des alten Konigs von Hazor
einiger sohn / der Madon / an unsren hof kommen musste /üm eine heurat mit mir zu
schliessen. Dieser Prinz /der nun schon zimlich bei jahren war / schickte sich so
wenig für meine jugend / als schlechten lust er selbst zeigte / ungeliebt zu
heiraten: und konnte man an ihme wohl spüren / dass er / mehr seinen herrvattern zu
vergnugen / als aus eignem belieben / an unsrem hof erschienen war. Wie nun
dieses sich bald geäusert / wiewol es die sonst-scharfsichtige Jerode nicht
merkte / als verursachte solches zwischen uns beiden eine sonderbare
geselligkeit / und ward er / an statt statt eines liebhabers / in meiner liebe zu
dem Ephron so gar mein vertrauter / dass er mich anmanete / diesem Prinzen meine
treue zu lassen / und nicht von ihm abzustehen. Ich hingegen war bemühet / ihm
die Prinzessin Jerode beliebt zu machen / die seinen jahren fast gleich kame:
dann ich wåre gern dieser zuchtmeisterin los gewesen / als welche allein die
ursach war / dass mein herrvatter den armen Ephron so übel abgewiesen hatte.
    Mitlerweile ich mich nun hierüm bemuhet / schickten die gotter einen andren
liebhaber mir auf den hals / dessen ungeschicke und unerträgliche ungestümigkeit
die gutigkeit des ersten dermassen verbitterte /dass alle meine genossene ruhe
mir dadurch auf einmal entginge. Dieser ware der Prinz von Tyro / der unartige
Merotas: welcher / auser seiner hohen ankunft /nichts von der welt an sich hatte
/ das ihn konnte gefållig machen. Seine äuserliche gestalt / vergliche sich mit
seinem innerlichen gemüte: und war er wenig tage bei uns gewesen / da hatten wir
dasselbe schon so ungeschickt / als gleich anfangs seine person / befunden. Weil
er nichtes bergen konnte / als brache gleich sein liebesfeuer herfur: welches
aber mit lauter groben holzern angelegt war / und ganz ungereimt vor den tag
kame. Die Jerode / als dem Prinzen Madon von Hazor nicht ungeneigt / hatte
meinem zureden / so ich ihr getan / so viel gehör gegeben / dass es ihr nicht
unangenem vorkame / diesen Prinzen zu lieben. Solches nun desto eher zu stand zu
bringen / wollte sie /dass ich den Merotas ehlichen sollte: weil sie / ungeacht ich
zwischen dem Madon und ihr freiwerberin war / dannoch eine eiversucht gegen mir
truge / und unsere ståtige vertreulichkeit / wenigst auf seiner seite / für eine
liebe ausgedeutete; zumal weil er auch gegen ihr sich nicht also erwiese / wie
ich ihr von ihm fürgesagt hatte. Daher ich zugleich diese bede befehle von ihr
entfinge: dass ich nåmlich des Prinzen Madons mich entschlagen / und den Merotas
lieben sollte.
    Weil der ganze hof uber den Merotas sein gespotte triebe / als war mir
dieser befehl der Jerode nicht wenig låcherrlich: massen ich auch nicht gläubte /
dass sie es ernstlich meinte. Demnach alles in scherz aufnemend / verharrte ich
in meiner vertreulichkeit mit dem Madon / und halfe ihm den Merotas verlachen.
Dieses verdrosse nun die Jerode höchlich / und / meinen ungehorsam zu straffen /
brachte sie es bei dem Konig ihrem bruder dahin / dass ich offentlich dem Merotas
/ in beisein der Tyrischen gesandten / als braut zugesaget wurde. Das geruchte
hievon / erweckte bei dem Ephron diese eiversuchtige rache / dass er die Melistea
heiraten / und also verachtung mit gegenverachtung vergelten wollte: da ich doch
/ mitlerweile er mich so unschüldig hassete / äuserst bemühet war / meine treu
ihm unverbruchlich zu halten. Wie ich dann den Prinzen Madon für meinen einigen
beistand erkennend / ihn anflehete / mich von dem Merotas zu erlösen: der mir
auch solches verhiesse / wiewol er mir nicht sagte / wie er es anstellen wollte.
Seine verrichtung ware nun hierinn diese / dass er ihn eines tags / ohne mein
wissen / bei des Baals tempel / verwartete / und ihn zu kampfe forderend / todt
zu erden fårtigte. Weil des Madons vermumte dienere / des Merotas bei sich
habende gleich verjaget / als wussten dieselben hernach nicht zu sagen / wer
ihren herrn entleibet hatte. Das geruchte hiervon kame bald nach hof / und
folgbar auch mir zu ohren: da ich dann nicht wusste / ob ich diese sonderbare art
meiner erlösung dem Prinzen Madon / oder iemand anderem / zu zuschreiben håtte.
    Ich überlegte solches noch bei mir / als Jerode zu mir in das zimmer trate /
und mir dieses was ich bereits wusste / mit tränen / ankündigte. Weil ich / auf
ihren bericht / ja so kaltsinnig als zuvor bliebe /schalte sie mich håftig aus /
dass ich demjenigen / an den ich verlobt gewesen / nicht mehrere treu erwiese.
Wie es nun hierauf eine harte wortwechselung zwischen uns abgabe / kamen wir
auch auf den Prinzen Madon zu reden: dem die Jerode zuschriebe / dass ich solcher
gestalt mich gegen den Merotas verhielte. Ich wollte ihr diese einbildung benemen
/ und bekråftigte hingegen / wiedass dieser Prinz sie liebte: welches sie aber
nicht anname / sondern ihr misstrauen noch ferner bezeugte / das sie auf den
Madon hatte geworfen. Das unglück wollte / dass sie indem diesen Prinzen / über
den schlosshof nach meinem zimmer dahergehend / erblickte. Jetzund (sagte sie zu
mir) will ich des Prinzen von Hazor und eure aufrichtigkeit prufen / wan ihr / in
meinem beisein / da ich mich hier vor ihm verbergen will / von dieser sache mit
ihm sprechen werdet / deren ihr mich überreden wollet. Ich dorfte hierzu nicht
nein sagen / hatte auch nicht mehr zeit hierzu / weil Madon indeme zu uns in das
gemach trate. Ich ware so voll angst / dass ich fast nicht wusste / was ich täte.
    Jerode stunde nun hinter dem teppich verborgen /und weil der Prinz mich
allein zu sein vermeinte /sagte er freudig zu mir: er hätte mich von dem Merotas
erloset; und erzehlte hierauf umståndlich / wie es damit zugegangen. Ich dorfte
ihm hiervor nicht danken / weil Jerode zuhörte / und musste mich vielmehr
beschweren / dass er eines so gewaltsamen mittels sich bedienet / das ich ja
nicht an ihn begehret hätte. Um aber hiervon ihn abzubringen / kame ich gleich
auf die Jerode zu reden / meine sorge ihm andeutend / dass / wan sie dieses von
ihm erfahren sollte / solches ihr die hochachtung für seine person benemen würde.
Er beantwortete mir dieses mit so veråchtlichen worten von der Jerode /
dergleichen er sonst niemals gegen mir sich vernemen lassen / und beteuerte mir
hoch /dass alle meine beredungen vergeblich wären / die Jerode zu lieben. Wollet
ihr wissen / meine Prinzessin! (sagte er ferner zu mir) was mir für gedancken
dieser tagen hievon beigefallen? Wiewol ich nun mich weigerte / solches zu
vernemen / zoge er dannoch ein beschriebenes tåfelein hervor / welches er laut
ablase /und nachgehends mir zustellte: daher ich solches nachmals meinem
gedächtnus eindrucken konnte / und ware es ein lied / welches also gelautet.
Da mich die zarte jugend /
die an gestalt und tugend
all andren hålt die wag /
hier nicht verleiten mag:
solt mich das alter sangen /
des abgenuzte wangen
und schlechter tugend schein
von keinen kråften sein?
Nein / schonste! ihr must wissen:
weil / eurer zu geniessen /
die tugend mir verbeut /
dass keine mich erfreut.
Euch werd' ich nur verehren /
und / eure ruh zu mehren /
(ohn andre liebes macht)
bemüht sein tag und nacht.
Legt mir nicht auf / zu lieben /
da / wo man führt betruben.
Ich bitt vielmehr / erwegt /
dass / wer das böse regt /
ihm mache viel zu schaffen.
Meint ihr mich ja zu straffen:
so macht es nicht zu schwer /
straft / wo ist wiederkehr.
    Bedenket doch / mein vatter! wie der Jerode / so wohl als mir / bei anhorung
dieser reimen / zu muht geworden / und ob ich nicht ihren zorn befahren müssen /
da sie also des Prinzen von Hazor verachtung / und unsere vertreulichkeit
vernommen. Ich besorgte nicht unbillig alles unglück fur diesen Prinzen / ihr
rachgieriges gemute mir furstellend / und vermochte ihn nicht zu warnen / dass er
hiermit einhalten sollte / weil Jerode durch eine ritze im teppich mich ståts in
den augen hatte / und alles mein wesen beobachten kunte. Wie ich ihm nun dieses
freie gedichte verweisen wollte /kame zu meinem guten glucke iemand dazu / der
mich nach der Konigin zu kommen beruffte. Wie nun der Prinz mich dahin geleitet
/ bekame die Jerode luft /hinter dem teppich wieder herfur zu kommen. Sie
erbosete üm soviel mehr / weil ich also gelegenheit erlangt hatte / im hingehen
nach der Konigin ihm zu entdecken / wie sie ihn behorchet håtte: massen ich
sofort täte / und dem Madon eröfnete / dass Jerode heimlich wäre zugegen gewesen.
Man kann erachten /wie er sich hieruber entsetzet / und verwiese er mir so sehr /
dass ich ihm nicht gewinket / als sehr ich beklagte / dass er in diese
ungelegenheit geraten war.
    Weil die Königin noch beständig des Ephrons seite hielte / auch die
vertreulichkeit zwischen dem Madon und mir wohl wusste / als verheelten wir ihm
nicht / was fürgegangen: die uns hinwieder zu erkennen gabe /wie erfreut sie
wäre / mich also von dem unartigen Merotas erloset zu wissen. Sie sorgte aber
dabei nicht wenig für den Prinzen von Hazor / weil des Merotas tod ein grosses
wesen bei hof machte: dessen umstände die erboste Jerode nun schwerlich
verschweigen würde. Aber diese listige Prinzessin erwiese sich ganz anderst /
als wir vermeint / und folgenden tags zu mir kommend / stellte sie sich an /
als wäre sie mit dem Madon mehr als wohl zu frieden / und schluge alles in einen
scherz / was er mir gesaget. Sie wollte mich auch uberreden / dass er gegen ihr
sich viel anderst heraus gelassen håtte / und allein / um seine gedanken geheim
zu halten / sich dergestalt gegen mir erwiesen håtte: welches ich ihr also
zugefallen glaubte. Es verlieffen aber hiernach wenig tage / da wurde dieser
edle Prinz todt in seinem zimmer gefunden /und also der schrecken in Hebron
gemehret / da fast in einer wochen / zweier Koniglichen Prinzen ermordung sich
zugetragen. Weil Jerode ihn so wohl / als wir andere / beweinet / als fiele mir
nie ein / sie fur eine ursåcherin dieses mordes zu halten. Es wurden hierauf
gesandte nach Tyro und Hazor abgeordnet / unsren hof wegen dieser betrübten
fålle zu entschuldigen: da dann insonderheit der alte Konig zu Hazor sich gar
nicht wollte zu frieden geben / dass er also seinen einigen sohn und tron-erben
verloren hatte. Er schwure auch / sich deswegen an unsrem hause zu råchen: woran
er zwar damals sich behintert sah / durch den Konig Beor von Sichem / der ihme
allen überlast täte / und nun / nach dem tode des Madons / sich erben des landes
Hazor zu machen / bemühet war; worzu doch die Fürstin Mehetabeel von Seir / die
/ von der tochter dieses Königs / dem Fursten Sobal geboren worden / das nächste
recht hatte.
    Als ein zeitlang hernach / der reuige Ephron / mit dem Elieser und ihrer
beiden herrvattern / sich bei uns wieder einfanden / welche höchstbeleidigt und
erzürnet von Sichem waren abgegangen / versönten Ephron und ich uns wieder
miteinander / und schiene uns der himmel etwas geneigter / indem der König /
mein herrvatter / unserer liebe nicht mehr so sehr entgegen sich erweisend /
geschehen liesse / dass Ephron hierinn hoffen durfte. Ich weiss alles dieses /
(fiele alhier der Suevus ihr abermals in das wort /) wie es mit eurem liebsten
Prinzen / wie auch mit dessen brudern und der Prinzessin von Seir hierauf
ergangen / und verspüre nun / dass ihr gutes vorsatzes / die geschicht mit der
Jerode und den beiden Prinzen von Hazor und Tyro / ehmals zu Hesbon übergehen
wollen / üm nichts solches von meiner gemalin mir fürzubringen /dass mich hätte
betrüben konnen. Es ist nicht ohn /(antwortete Coricide /) dass mir damals
bedenklich fiele / dieses von der Prinzessin Jerode vorzubringen. Ich wollte es
auch noch iezt verschwiegen haben / wan nicht leider! dem Prinzen das boshaftige
gemute dieser Fürstin schon satsam bekant wäre: dass sich mir so vollig erwiesen
/ dass ich eure hochste besturzung /mein vatter! erwecken werde / wan ich nun mit
meiner erzehlung dahin komme / da ihre håftigste bosheit sich hat zu tage
gegeben. Kan die wohl noch erschrecklicher sein / (sagte der betrubte Suevus) als
ich bereits von ihr erfahren? Ihr sollet es bald vernemen /(antwortete Coricide)
zumal ich mich damit nicht aufhalten darf / was mit der guten Prinzessin
Ahalibama nach diesem bei uns furgegangen / da ich mich erinnere / dass ich
solches alles euch bereits erzehlt habe. Weil des Ephrons hartnäckichtes gluck
sich hierbei seines brudern zustande gleichformig erwiese / als kunten wir auch
nirgend zu gelangen: und erhielte uns bloss die hoffnung / dass dermaleins eine
bässere zeit für uns kommen würde; die mich dann / sowol des geliebten Ephrons
abwesenheit / welcher ståts seinem liebsten bruder folgte / und ihn niemals
verliesse / als meiner mume unaufhörliche verfolgung / ertragen machte.
    In solcher zeit / da ich eben auch meiner liebsten fraumutter durch den tod
beraubet worden / verhångten die götter / dass der tugendhafte Prinz Suevus um
die Prinzessin Jerode bei uns anwerben liesse: die ihm auch versprochen wurde /
und kamet ihr / mein vatter! hierauf zu uns / das beilager mit ihr zu
vollziehen. Ich kann wohl mit warheit sagen / dass ich damals euch beklagen / und
eines so edlen Fürsten trübseligkeit / die ihme mit dieser heurat zukame /
beweinen müssen: welche tränen dann leider! all zu wahre propheten gewesen / und
hat es nachmals der erfolg ausgewiesen. Weil / nach ihrem abzug / meines
bleibens in Hebron nicht mehr ware / auch deshalben der Konig mein herrvatter
begehrte / dass ich mit der Jerode nach der Amoriter gebirge gehen sollte / als
gehorchte ich diesem seinem gebote. Ich name aber zuvor / durch schreiben /
abschied von meinem Ephron der damals /neben seinem bruder / zu Rabbat bei der
Ahalibama sich aufhielte / und sandte meinen kämmerling den Nadop dahin: der mir
hernach zu Basan die antwort einhåndigte. Weil ich ihme in reimen geschrieben /
als hatte er deren sich auch bedienet. Die meinige / waren diese gewesen.
Fahr wohl / meines lebens leben!
ich lass' Hebron / weil ich soll
auch bei fromden kentnis geben /
was die treue lieb vermag.
Folge mir! und / wie ich sag /
fahr wohl!
Sei mein / wie ich dein mich nenne.
Kein gewolk noch freuden schein /
Unser keusches band zertrenne.
Bleib beståndig felsen fåst /
bis das gluck dich horen låst:
sei mein!
Wie bald kann die zeit sich zeigen /
dass des truben glucks gestalt
sich geneigter muss eråugen!
dult indes und harr mit fleis:
bis uns hofnung ruft / wer weiss /
wie bald!
    Seine antwort / die ich hierauf bekommen / lautete also:
Wie bald die vergnugte tage
bei uns sind geworden alt /
zeigt sich / ohn meine klage /
da ich dein muss mussig gehn!
Mocht ich dich erst wieder sehn!
wie bald.
Sei mein! wird uns gleich gewehret /
dass wir froh beisammen sein.
Das entfernen doch nicht storet
unsrer keuschen liebe glut.
Bleib beståndig auf der hut /
sei mein!
Fahr wohl! schonste aller schonen!
Canaan doch endlich soll
unsre keusche liebe kronen:
wan der treue sieg und ehr
fördert deine wiederkehr.
Fahr wohl!
    Ich håtte zwar wohl etwas nötigers / als dieses /mein vatter! euch zu
erzählen. Weil aber die Jerode hinter diese reimen gekommen / und dieselbe in
meinem nachtlådlein / neben dem entwurf der meinigen /gefunden / habe ich es
melden sollen: um euch desto deutlicher fürzustellen / wie die Jerode anlass
hiervon genommen / so wohl die beharrlichkeit meiner liebe gegen diesem Prinzen
mir zu verweisen / als auch aus seinen reimen zu erzwingen / und mir einzubilden
/dass er mich seiner beständigkeit mit keinem worte versichert / und ich also
mich viel verliebter gegen ihme / als er sich gegen mir / heraus gelassen hätte.
Dieses nun gereichte mir zu keinem geringen spott /und ward ich zugleich darüber
unmütig! weil ich / ob ich schon die Jerode wohl kennte / mir dannoch gedanken
hiervon machte: und quålte ich mich so lang mit dieser einbildung / bis der
himmel mir etwas grossers zuschickte / das meiner sorge würdiger ware.
    Ihr wisset / mein vatter! wie diese boshaftige anlass dazu gegeben / dass ich
/ neben eurer tochter der Amorite / euren hof verlassen / und nach Hemath / nach
dem ungluckseligen Hemath / reisen musste: da dann der bekannte klågliche fall sich
begebe hat. Ich entschlosse mich hierauf / mit der Ardelise und Amorite gluck
und ungluck auszustehen / und mit ihnen nach Mesopotamien zu gehen / welches
land sie erkieseten / ihr armseliges leben daselbst unbekant zuzubringen: massen
Amorite sich scheute / vor eure augen ferner zu kommen / und uber sich selbst so
beschämet war /dass sie vor aller welt sich verbergen wollte. Ich fand
Mesopotamien / wie es mir beschrieben worden / meinen sinnen so gleichformig /
dass ich lieber daselbst /als bei dem König meinen herrvattern / die ånderung
meines glücks erwarten wollte. Aber die zeitung / die ich zu Canaan erhielte /
dass mein herrvatter todlich krank danieder läge / brachte mich zu andren
gedanken / und achtete ich es der kindlichen schüldigkeit entgegen / ihme in
solchem zustand nicht beizuspringen. Der armseligen Amorite musste ich
versprechen /den ort ihres aufentalts niemanden zu benennen: welches ich auch
nun halten wollen / wan nicht teils der Prinz Suevus mich gejammert håtte /
solcher gestalt von dem zustand seines kindes unwissend zu leben /und ich
uberdas iezt erfahren mussen / dass diese meine herzensfreundin / dem von ihr so
sehnlich verlangten tode zu teil geworden. Sesostris / den ihr kennet /
(unterredte alhier der Prinz Suevus) hat mir ihren und der Ardelise tod für ganz
gewiss und ümståndlich berichtet / das ich euch zur andern zeit erzählen will: und
hat / der lezten ihr ableiben / der Prinz Baalis von Ammon bei uns unaufhorlich
beweinet. Auch ich kann nun von keiner freude der welt mehr sagen / nun ich
diejenige / und zwar auf so elende weise / verloren /die einig und allein mir
den vatternamen geben kunte. Aber fahret fort / liebste Coricide! mir zu
erzählen /wie es / bei eurer wiederkehr nach Hebron / euch ergangen sei.
    Als ich in Canaan ankame / (vollfurete die Prinzessin ihre rede) fand ich
nicht allein zu Hebron meinen herrvattern schwerlich krank / sondern ich vername
auch gleich die betrubte zeitung von meinem Ephron /dass ihn der König Beor /
neben seinem bruder Elieser / weil sie die Ahalibama entfüren wollen / nach
Salem in schwere gefångnis bringen lassen. Die freundschaft und liebe wirkten
beide deswegen in mir eine ungemeine kümmernis. Es verursachten aber des Konigs
liebkosungen / damit er mich bewurdigte / dass ich dessen anhaltende schwachheit
noch häftiger entfunde / und daher / um seiner wohl zu pflegen / weder tag noch
nacht von seinem bette kame. Er klagte mir /dass guten teils der Ahalibama
verlust ihm diese krankheit verursachet / die er nun ja so sehr / als wie sein
bruder der König Beor / liebte. Um meiner liebe zu dienen / widersprache ich in
keinem dinge dieser liebe des Konigs / ob ich schon selbige in meinem herzen
nicht billigen kunte. Ich vergasse auch nicht /bei vorkommender gelegenheit / des
Ephrons zu gedenken / und brachte in abwesenheit der Jerode / den König so weit
/ dass er abermals in dieses Prinzen liebe einwilligte.
    Nach dieser erlangten erklårung / ware ich nun freier und offentlicher / als
zuvor / mit meinem klagen über den zustand dieses Prinzen: richtete es auch /
mir zuziehung der grosten bei hof / in die wege / dass wir /dieser beiden Prinzen
und der Ahalibama erlassung /beim Beor / mit ernstlicher bedrohung / auf
verweigrenden fall ihn zu uberziehen / suchen wurden. Es wollte aber mein unglück
/ dass eben damals die Jerode bei uns wieder ankame. Diese fluchtige / die euch
/mein vatter! wegen ihres bösen gewissens / verlassen / und ein zeitlang zu
Hazor sich aufgehalten / hatte mich so wenig in Canaan vermutet / als ich
bestürzt ihre ankunft erfuhre: und weil ich nun ihr wider mich erbostes gemut
wusste / wovon ich aus Hesbon / ungeacht eurer vernunftigen vorsicht / sie bei
ehren zu erhalten / bericht entfinge / truge ich kein bedenken /mich ihrer
offentlich zu entschlagen / und verheelte dem König nicht / wie es mir an eurem
hofe mit ihr ergangen ware. Die besturzung des Königs / der diese schwester
häftig liebte / war so gross / dass er nicht wusste / was er hierzu sagen sollte.
Und weil ich indessen / da ich allein bei ihm gewesen / sein herz gewonnen hatte
/ wankte er zwischen der liebe zu der tochter und schwester / unschlüssig /
welcher von beiden er gehor erteilen sollte. Die ursach ihrer ankunft / die er
bis dahin nicht ergründen konnen / musste er nun aus meiner gegebenen nachricht
erkennen / und deswegen hochlich betrubet / liesse er / auf mein zureden / der
Jerode nach Lus / da sie angekommen war / entbieten und sie bitten / dass sie
daselbst bleiben / und bis auf weitern befehl nicht furter reisen sollte / weil
er sie nicht sehen konnte / bis sie sich von den beschuldigungen gereinigt / die
sie / von Hesbon und von ihrem gemal hinweg zu gehen / veranlasst hatten.
    Der Prinz Suevus / der leider! mehr als zuviel diese boshaftige kennet / kann
gedenken / wie / eine so unfreundliche begrussung / von ihrem so lieben bruder
/ihr musse gefallen haben. Es fiele ihr gleich bei / dass ich dieses wurde
angestellet haben: weswegen sie /alle ihre ränke herfürsuchend / diesen befehl
des Konigs ganz willig anname / und sich erbote / wan sie ja ihren lieben bruder
nicht sehen dorfte / dass sie doch schriftlich ihre unschuld / und die ursach
ihrer ankunft / eroffnen wollte. Als der abgeschickte mit dieser antwort
wiederkehrte / sonder ein schreiben von der Jerode mit zubringen / spurete ich
wohl / dass dieses dem Konig misfiele: und begehrte er daher an seine schwester /
dass sie dann ihre schriftliche entschuldigung ablegen sollte. Wie aber ihr dieser
befehl zukame / hatte sie sich krank gemacht / und zwar so gefärlich / dass sie
zu schreiben nicht vermochte. Wie nun der Konig ihr seinen leibarzt gesendet /
und ihn dann / ihre krankheit betreffend / ja so sehr / wie alle andere /
betrogen hatte / liesse sie dem Konig sagen: Er möchte sich ja vor gift und vor
heimlichem uberfall verwahren / auch niemals allein / ohn seine wacht / aus dem
palast gehen. Der leibarzt / solches / neben ihrer gefärlichen schwachheit / dem
Konig hinterbringend / gabe dadurch anlass / dass der in nicht geringe unruhe
geriete: auch / da er mir solches sagte / und ich die hierunter
verborgen-ligende betrüglichkeit der Jerode ihm fürstellte / merkte ich wohl /
dass ihm solches misfallen hatte.
    Er finge nach diesem tag an / unvertreulicher mit mir um zu gehen / und täte
der Jerode viel heimliche botschaften / weiche / wie ich von etlichen am hof
/die ich mir gewonnen hatte / erfahren / darin bestunden / dass er ihr stark
anlage / ihm zu entdecken / wer dann seine feinde wåren / die ihn mit gift oder
sonst hinrichten wollten. Es war aber / dieses ihm zu offenbaren / der Jerode
noch nicht gelegen / und hielte sie ihn immer auf mit der bitte / dass er doch
desfalls nicht in sie dringen sondern zufrieden sein wollte / bis sie ihre
völlige gesundheit wurde wieder erlanget haben: da sie dann zu erst die grobe
beschüldigungen von sich ablehnen / und dann aller welt zeigen wollte /wie
unglucklich sie wäre / und wer / mit gift umzugehen / bässer als sie gelernet
hätte. Wie sie nun also den König etliche wochen aufgehalten / der inzwischen
noch immer bettlågericht war / gewonne sie unterdessen verschiedene kåmmerlinge
bei hof auf ihre seite /und unter andern einen / der ståts dem König pflegte das
essen hinein zu bringen. Weil ich tåglich selber dem Konig etwas kochte / und
durch diesen kämmerling in seine kammer auftragen liesse / stellte sie es mit ihm
an / dass er unvermerkt gift in die schüssel warfe. Wie nun / seit der Jerode
geschehener warnung / alle speisen in beisein des leibarztes besichtigt / und
wegen giftes vorgekostet wurden / fand es sich / dass eine derselben das
stärkste gift bei sich hatte. Dieses machte den betrogenen König die augen / wie
wohl nicht recht / öffnen / dass er einen grossen verdacht auf mich fassete / und
nachgehends keine speise von mir mehr essen wollte: ob er gleich zuliesse / dass
ich täglich dieselben ihm hinein schickte. Ich wurde dessen nicht innen / weil
man es vor mir heimlich hielte / und der Konig noch mehr proben hiervon sehen
wollte /ehe er damit heraus bråche.
    Inzwischen wurde dem gefassten schluss / die Ahalibama und die beide Prinzen
von dem Beor abzufordern / nachgesetzet / und zu dem ende / um nachdrücklich mit
ihm zu reden / eine heimliche verfassung mit den benachbarten Konigen wider ihn
gemachet: worzu fürnemlich der alte König von Hazor / als des Beors abgesagter
feind / wie auch die Konige von Jericho / Jarmut und Gibeon / sich willigst
finden liessen. Diese ordneten nun ihre gesandten nach Kiriat Sepher ab / (dann
zu Hebron håtte es mogen ein zu grosses aufsehen machen) üm von diesem bunde zu
handlen: dahin dann / von meines herrvattern wegen / sein vertrautster freund /
der Fürst Mamre / abreisete. Dieser nun musste daselbst vernemen / dass der
gesandte von Hazor befehl hatte / wegen des an seinem Prinzen Madon vor etlichen
jahren geschehenen mordes / zuvor eigentliche erkundigung einzuziehen / und eher
nicht die handlung zu schliessen / bis / nach genauer erforschung / diese untat
gebürlich gerochen und abgestraffet sein wurde.
    So billig dieses ware / so willig wurde es auch von dem König beliebet:
massen er in die Prinzessin von Seir so verliebt war / dass er / dieselbe zu
erlangen /und seinem bruder schaden zu zufügen / wohl ein weit mehrers / als
dieses / würde eingegangen haben. Demnach bekame der Mamre befehl / in des
Konigs namen / und in gegenwart der Canaanitischen gesandten / in des gottes
Berit tempel vor dem Altar / offentlich zu schwören / dass / wer hieran wurde
schüldig erfunden werden / ohne ansehen der person / dem Moloch zum opfer / und
dem vergossenen blute des Prinzen Madons zur versönung / sollte geschlachtet
werden. Wie dieses geschehen / liesse man dem Ahiam / als gesandten von Hazor /
volle macht / nach seinem belieben sich in Hebron zu erkundigen / und die
nachfrage anzustellen: der dann / als von der boshaftigen Jerode / wie sie zu
Hazor gewesen / schon unterrichtet und voreingenommen / neben seiner Konigin /
in dem fåsten argwan schwebte / dass ich wäre die morderin dieses Prinzen gewesen
/ und daher / die erforschung darnach einrichtend / alle meine bediente / die
ich damals in Hebron mit gebracht / ernstlich und hernach peinlich befragen
liesse / ob sie von dieser mordtat nichtes wussten? Ich beschwerte mich zwar sehr
uber dieses harte verfahren / musste aber alles geschehen lassen: weil der König
nicht allein mit einem eide sich hierzu verbunden / sondern auch durch der
Jerode creaturen in den wahn gebracht wurde / dass ich wohl hieran nicht so gar
unschuldig sein möchte. Es betrubte ihn zwar dieses von herzen / doch konnte er
nicht hintern / der untersuchung den freien lauf zu lassen.
    Nun hatte die verboste lasterhafte Jerode diesen mord an dem edlen Prinzen
von Hazor begangen / und aus ungemeiner rache / da sie sich von ihm nicht
geliebt gesehen / selber hand mit angeleget / ihn zu ermorden. Sie ware hiezu
gelanget / durch ihre damals-habende macht / da ein jeder ihr zu gebot stunde.
Sonderlich aber hatte ein vetter des Madons / der Furst Achsaph / hierüm gewust
/ welcher an unsrem hof sich aufhielte / und die Jerode geliebt: aber
nachgehends / als sie seine liebe nicht erkannte / ihr aufsätzig worden / und
darüm / sich an ihr zu råchen / mir diese untat eroffnet. Nun dann meine und
meiner armen leute unschuld an den tag zu bringen / bate ich ihn /dass er mit mir
zum Konig hinein gehen / und ihm diese tat seiner schwester erzählen wollte. Er
name zwar solches willig uber sich: damit er aber hierauf der gefahr entfliehen
/ und dem gesandten des Königs von Hazor nicht in die hand kommen mochte / liesse
er seine pferde in den garten des Konigs bringen / in welchen man gleich aus
dessen kammer gehen kunte /üm alsofort sich hinweg zu machen. Wie er nun zum
Konig gekommen / und ihm diese tat umståndlich berichtet / eilete er nach der
garten-tur / und kame also davon / den König in grosser bestürzung
hinterlassend.
    Weil ich mit zugegen gewesen / unterliesse ich nicht / den König anzuflehen /
auf diese erlangte nachricht /die grausame verfolgung meiner leute abzustellen.
Indem er aber unschlüssig war / was er beginnen sollte / trate der gesandte Ahiam
zu uns hinein / und vermeldete dem König / dass nun die täterin wäre gefunden
worden / massen zween meiner kåmmerlinge auf mich bekant håtten. Weil / die
liebe des Konigs zu der Ahalibama / die liebe zu seiner tochter und schwester
uberwoge / als wollte er lieber uns beide fur morderinnen ausruffen lassen als
långer harren / dem König Beor den krieg anzukunden: zumal zeitung von Salem
einkame / dass daselbst dessen beilager mit der Ahalibama bereits angesetzet /
auch dass der Prinz Elieser todt / und mein Ephron bei hof wieder in gnaden wäre.
Er name deshalben / so wohl des Ahiam / als des Achsaph bericht / fur bekant an /
und mich anschauend / sagte er: Ich müste samt der Jerode nach Hazor zu dem
Konig reisen / und alda mit dieser / welche von uns beiden schuldig sein mochte
/ so gut ich konnte / es ausmachen. Wie mich diese grausame Entschliessung
befromdet / ist leicht zu ermessen. Ich vermochte / weder mit tränen / noch mit
vernunftigen fürstellungen / diesen ungereimten tyrannischen willen des Königs
zu hintertreiben / und wurde also dem Ahiam ubergeben: welcher mich so genau
bewachen liesse / dass ich keinen raum zur flucht / oder dem Ephron meinen zustand
bewust zu machen / gewinnen konnte.
    Dieser war immittels zu Sichem / und hatte befehl /unter dem Fursten von
Betel / die Canaanitische hülfvölker den Fürsten vom gebirg Seir zu zufüren:
und wurde er / so wohl von seines herrvattern / als von des Beors leuten / so
genau bewachet / dass er zu mir nach Hebron nicht kommen konnte. Doch bemühete er
sich / mir seinen und den Sichemetischen zustand schriftlich kund zu machen:
welches ihm auch gelunge / also dass ich den brief in meine hände bekame. Es
ginge mir aber nicht so glucklich mit meiner antwort: massen die / neben dem
waffentråger des Ephrons /durch der Jerode creaturen aufgefangen wurde / und er
also meines elenden zustandes unwissend verbliebe. Es verzoge aber der Konig /
solang Ephron noch im lande war / mich nach Hazor zu schicken: aus besorgung /
dass dadurch dieser Prinz möchte bewogen werden / etwas wider ihn zur unzeit
anzufahen. Demnach bliebe ich solang zu Hebron / bis Ephron nach Seir fort
gezogen war: da inzwischen der Konig die teils-erfreuliche teils-betrubte
zeitung bekame / dass seine Ahalibama zu Salem / wenig tage vor der angestellten
hochzeit / sich verloren håtte. Wie nun dieses seine anschläge veränderte / da
er von dem Beor / der die Ahalibama nun selber suchete / nichts mehr zu fordern
hatte: verursachte solches / dass der Konig / so wohl mit der Jerode / als mit mir
/ etwas gelinder verfuhre / und nicht zu Hazor / sondern zu Hebron wollte
ausgemacht haben / welche von uns beiden an dem morde des Madons schüldig sein
würde.
    Zu dem ende kame auch die Jerode / die nun vermeintlich wieder gesund worden
war / nach Hebron: und zwar sich hochst beleidigt befindend / dass der Konig sie
in verdacht von einer solchen untat ziehen dorfen. Sie begehrte deshalben ihren
bruder nicht zu sehen / und da ihr nun / so wohl als mir / vergönnet war / unsere
verteidigung furzubringen / unterliesse sie nicht / alles / was zu behauptung
ihrer unschuld dienen mochte / herfür zu suchen. Weil aber solche nicht båsser /
als durch meine schuld / konnte erwiesen werden / als finge sie an / mit allen
den bosheiten öffentlich heraus zu brechen / die sie bisher heimlich geschmiedet
und wieder mich ersonnen hatte.
    Sie sagte demnach: wiedass ich zu Hesbon mit euch / mein vatter! in unzucht
gelebet / und euch dazu verleitet håtte / sie mit gift hinzurichten: wodurch sie
wåre bewogen worden / von Hesbon zu entfliehen /und bei ihrem ehmals-geliebten
bruder schirm zu suchen. Denselben aber / mit furstellung der untaten und bösen
natur seiner einigen tochter / nicht zu betruben / håtte sie bisher lieber
schweigen und alles uber sich wollen gehen lassen / iedoch aber nicht gar
verheelen konnen / in was gefahr der König bei mir schwebte. Nachdem sie zu
Hazor einen meiner slaven aufgefange / welcher ein schreiben an den Ephron
gehabt / habe sie das erbrochen / und daraus die greulichste untaten ersehen /
die sie zu eroffnen / weil sie mich erzogen / sich fast schämen müste. Nun sie
aber nicht mehr schweigen könnte / weil es mit mir auf das äuserste gekommen wäre
/ als musste sie sagen / wie dass ich / um dem Ephron auf meines vatters tron zu
verhelfen / keine scheu getragen / mich des giftes oder einer verråterei wider
den König zu bedienen: und hätte ich diesem Prinzen fästiglich versprochen /
dasselbe werkstellig zu machen. Sie hätte dieses aus Lus / wie sie alda / auf
mein angeben / im elend schweben müssen / verblümter weise dem Konig zur warnung
sagen lassen / und mich jedoch nicht genennet. Sie wollte auch meiner ferner
verschonet haben / wan sie nicht diese lezte bosheit hätte erleben müssen / dass
ich / sie zur morderin des Prinzen von Hazor zu machen / bemuhet gewesen: den
sie doch so innigst geliebt / wie sie nun nicht mehr leugnen wollte / und daher
dessen tod mehr / als einiger mensch / beweinte.
    Wie nun dieses alles dem Konig hinterbracht wurde / grausete ihm recht vor
mir / dass er ein solches ungeheur zur welt erzeugt hatte. Doch liesse er zu /dass
ich auf diese greuliche beschuldigungen mich verantworten mochte: die er zwar
meist glaubte / weil es mit vergiftung der speisen zum teil eingetroffen / auch
uberdas meine leute wegen des Madons tod / mich in bösen verdacht gesezt hatten.
Wiewol ich nun an allem unschuldig war / so fiele mir doch schwer /diese
beschuldigungen von mir abzuwelzen: weil ich euch / mein vatter! da diese
boshaftige euch in ja so grossen verdacht / als mich / gesezt hatte / zum zeugen
meiner unschuld nicht beruffen dorfte / auch durch blosses verneinen nichts
ableinen konnte. Was aber die andere unwarheiten betraffe / dass ich / etwas so
bosliches / wider den Konig / an den Ephron sollte geschrieben haben / darin
pochete ich auf den augenschein: weil ich nicht vermuten konnte / dass sie eine
solche schrift wurde darlegen konnen. Hiemit vermeinte ich sie gewiss zu schlagen
/ und berieffe mich im ubrigen / wegen des dritten / die ermordung des Madons
betreffend / auf den Achsaph / begehrte auch die jenige von meinen leuten zu
sehen / die mich solcher untat bezüchtigen dörfen.
    Wie man dieses der Jerode wieder fürbrachte / ware sie gleich erbötig / das
begehrte schreiben vorzuweisen: massen sie auch sobald dem Konig ein tåfelein
/von meiner hand überschrieben / zusandte. Weil selbiges schiene im feuer
gelegen zu haben / und daher hin und wieder ganze worter und zeilen ausgeleschet
waren: als liesse sie dabei berichten / wie dass sie aus erbosung / diese schrift
sofort ins feuer geworfen /nachgehends aber wieder herausgenommen / und bisher
aufbewaret hätte. Als man mir diesen zerstummelten brief brachte / musste ich
meine hand gestehen /besonne mich aber nicht gleich / dass dieses mein lezter
brief an den Ephron gewesen: darin dann alle zeilen vom gewaltsamen tode / von
gift / von des vatters tron / und dergleichen dingen redten. Ich hatte muhe /
diesen grossen argwan von mir abzuleinen / bis mir endlich einfiele / dass in dem
lezten brief / den ich an den Ephron geschicket / dergleichen worte entalten
gewesen. Demnach suchete ich unter meinen schriften /da ich dann den ersten
aufsatz dieses briefes fand. Ich ersah / denselben gege diese zeilen haltend /
dass alles damit uberein stimte: und musste vermuten / dass Jerode den brief
aufgefangen / und nun dessen zu ihrer bosheit sich bediene. Um aber euch / mein
vatter! eigentlicher furzustellen / wie sie dieses angefangen / will ich euch das
schreiben zeigen / welches ich hier bei mir trage: und habe ich darin die worte
/ so Jerode stehen lassen / und die nicht durch das feuer verzehret waren /
unterzeichnet. Hiermit zoge sie ein tåfelein hervor / dass sie dem Suevus zeigte
/ und ihm solches fürlase / wie folget.
           Schreiben der Prinzessin Coricide / an den Prinzen Ephron.
Weil eure freude und leiden mir gemein ist / als lasse ich euch urteilen / was
fur ein entfindlicher schmerz meine vergnugung begleitet habe / zugleich eure
freiheit und den tod eures edlen bruders zu vernemen. Ja liebster Prinz! dieses
gewaltsame hinopfern des tugendhaften Eliesers / nimmet mir meine sinne also ein
/ dass ich bald darüber mein eignes leiden euch zu klagen vergesse / welches mir
iezt in meines vatters hause begegnet: das aber euer waffenträger / und zugleich
meine hofnung erlost zu werden / die ich auf euch allein gesetzet / dem dapfren
Ephron wird erofnen. Eilet demnach / eure Coricide zu erretten / die hier so
wenig vor gift als vor gewalt sicher lebet / und die / zur vergeltung eurer
treuen dienste / ihres vatters tron euch anwunschet / und euch verspricht / bis
in den tod sich die eure zu nennen.
                                                                       Coricide.
    Als ich nun ihre bosheit dergestalt gemerket / forderte ich gehör bei dem
Konig: der sich lang weigerte / mir solches zu erteilen / endlich aber / auf
zureden etlicher von seinen bedienten / die noch meine seite hielten / mich vor
sich kommen liesse. Ich zeigte die abschrift meines briefes / dabei
entschuldigend / dass ich an den Ephron begehret / mich zu erretten. Ich richtete
aber damit nichtes aus / und musste anhören /dass der Konig mich auf das håftigste
ausscholte / und mir fürruckte / dass ich ihme bereits einmal mit gift hätte
vergeben wollen. Meine unschuld machte mich dieses kuner beantworten / als ich
gegen meinem König und vatter tun sollen / und da er mir sonderlich verwiese /
dass ich seinen tron dem Ephron angewunschet / machte mich die ungedult mit
diesen worten heraus brechen: Ich hätte wohl ursach solches zu wunschen / weil
ich sodan so elend nicht / wie nun /würde gehalten werden. Hiemit war nun alles
verderbet / und alle Konigliche gnade mir auf einmal aufgesaget: so gar / dass
meine widerwärtige / dieser gelegenheit sich bedienend / durch meine schuld der
Jerode unschuld beweisend / es dahin brachten / dass der Konig sie wieder nach
hof kommen liesse. Meine erzehlung zu kurzen / will ich nicht weitlåufig ihre
gånzliche aussönung hier beschreiben / wie listig sie es damit angestellet. Ja
sie brachte es bald so weit / dass der Konig ihr sehr nachgehen musste / ihre
vollige gewogenheit wieder zu erlangen: massen sie ihn mehr /als vor der zeit /
wieder in ihre stricke bekame / und also ferner keine grosse muhe mehr brauchte /
ihn zu allem / was sie verlangte / zu uberreden.
    Ich wurde nun angesehen / als wan ich aller der mir aufgedichteten laster /
nämlich der ermordung des Prinzen Madons / der vorgehabten hinrichtung des
Königs / und der verubten unzucht mit dem Prinzen Suevus / völlig wåre uberfüret
worden. Jerode feirete auch nicht / bis sie es dahin brachte / dass ich des
Konigs von Hazor leuten uberantwortet / und solcher gestalt / als die årgste
ubeltåterin / nach Hazor geschleppet wurde. Ich entsetze mich / (fiele ihr
Suevus alhier in die rede) über diese unerhörte bosheit der Jerode. Ich würde
aber solche noch mehr bewundern /wan nicht auch ihre brüder mir ursach gäben /
ihre harte und tyrannische sinne zu betrachten / die sie wider ihr eigen fleisch
und blut verübet haben. Aber saget mir doch / liebste tochter! was täte Ephron
hierbei? Mir ist bange für euch / ob ich euch gleich iezt frei bei mir sehe.
    Dieser treue Prinz (sagte Coricide) war damals in Seir / und zwar
meinetwegen sehr unruhig / weil er keine antwort von mir erhalten. Und ob man
wohl / als er noch in Canaan gewesen / alles mit mir sehr geheim angestellet / so
hatte ihn dannoch mein übler zustand geahnet. Demnach / und weil auch eben
damals die Fursten von Seir / an des grossen Edoms dreien gemalinnen / unter
denen auch seine schwester gewesen / die greuliche mordtat verubet hatten /
eilete er aus Edom hinweg / und kam eben in Canaan / als ich meinen betrubten
einzug in Hazor hielte. Wie es nun mit mir kein geheimnis mehr war / als erfuhre
er alsobald / wie es mir erginge und dass er mich in gleicher grausamen
todesgefahr anträffe / wie die / so auf dem Seirischen gebirge seine schwester
aufgerieben hatte. Er eilete furter nach Tapua zu seinem herrvattern: den er in
grosser verwirrung und betrübnis / wegen des todes seiner tochter / der Furstin
Judit von Edom /antraffe. Es war der Beri zu diesen trauerfållen nicht so
unentfindlich / als wie er sich bei des Eliesers seinem angestellet: und weil
ihm nun / auf diese beide so eilig aufeinander folgende todesfålle / der Prinz
Ephron allein übrig geblieben war / als wandte er zu selbigem alle seine
vätterliche hulde / ihme mehr als jemals liebkosend; daher er auch dessen
schmerzliches anligen / meinen zustand betreffend / wohl zu herzen fassete / und
ihnen allen beistand zu leisten verhiesse. Es entstunde aber eben damals die
grosse kriegszurustung in dem Sichemitischen Konigreiche / da der Beor auf Syrien
seine gedanken gerichtet / auch / weil er in erfahrung gebracht / dass seine
Ahalibama sich hier in schutz begeben / selbst in person mit zu feld gegangen
war / üm seine braut wieder einzuholen. Um des willen hatte nun Beri viel zu
tun / als Stattalter des reichs / alle drohende einheimische feindseligkeit
abzukehren: zumal des Beors an dem frommen König Melchisedech von Salem /
verübte tyrannei /indem er ihn zu Sichem unschuldig in verhaft und schwere bande
genommen / ganz Canaan reg machte /und also Beri einen ehisten uberfall von den
benachbarten Königen befahren musste.
    Wiewol nun Ephron / bei solchen ümstånden /keine offentliche hülfe von
seinem hervattern wider den Konig von Hazor / erlangen kunte / beredte er ihn
dannoch dahin / dass er ihm / zu seinem ersonnenen anschlage / tausend man
hergabe: mit deren hulfe er /durch eine list / weil ihm hierbei mit gewalt etwas
furzunemen verboten war / mich aus des Königs von Hazor klauen zu retten
verhoffete. Er hatte durch kundschaft erfahren / dass man mich würde in der
Mobiter land / nach dem tal Hinnon / zu dem pråchtigen tempel des Moloch bringen
/ üm alda / für des Madons vergossenes blut / mich aufzuopfern. Demnach passete
er heimlich auf / bei Jericho / und war so glucklich / als die von Hazor mich
dahin brachten /dass er mich aus ihren hånden erlosete. Was ist es notig / unsere
wechsel-freude hier vorzubilden / die wir beide hierüber entfunden? Ich mag nur
sagen /dass ich hierdurch wie vom tod erwecket worden: weil ich bereits alle
hofnung verloren hatte / davon zu kommen / und den willen der götter mich
ergebend /in gedult erwarten wollte / was die uber mich wurden verhånget haben.
    Mein Ephron / für vergnügung fast aus sich selber /brachte mich nach Tapua
zu seinem herrvattern: der aber / so froh er auch / uber diesen glucklichen
ausschlag von dem furhaben seines sohnes / sich erwiese / dannoch in bedenken
zoge / mir meinen aufentalt bei ihme zu gonnen. Die ursach dessen ware / dass er
besorgte / er mochte dadurch noch ferner den Canaanitern anlass geben / in des
Beors land einzubrechen /da vorhin schon des Melchisedech verhaftung / wie
gesagt / alle benachbarte Könige aufgeregt hatte. Demnach schluge er fur / ich
sollte mich heimlich nach dem König von Sidon begeben / als dem nähsten und
sichersten hof / da ich willigst wurde aufgenommen werden: weil der Konig
gelegenheit gnug hätte / mich verborgen zu halten / wan er etwan / mich
offentlich zu dulten / in bedenken ziehen möchte. Um den Beri bei gutem sinn zu
erhalten / mussten wir ohn widerrede dieses eingehen / ob ich gleich tausendmal
lieber meine flucht nach Basan hätte nemen mögen / alwo ich eures beistandes /
mein vatter! mich hätte versichern können. Weil demnach kein widerreden fruchten
mochte / ginge die reise nach Sidon fort: da dann /in meinem unmut / die
gegenwart meines Prinzen mich noch erquickte / deren ich / nach so langer
abwesenheit / mich nun gebrauchte / so wohl mein ausgestandenes elend ihm zu
klagen / als von ihm seine abenteure zu vernemen / die ihm begegnet waren.
    Der Konig zu Sidon name mich nun willigst auf /und versprache man mir
daselbst ruhe und sicherheit /alwo damals die groste unruh regirte. Dan ich
befande / bei meiner ankunft / die Königin und den Kronprinzen gefangen sitzen /
weil sie in offenbarer blutschande beisammen waren ertappet worden: und redte
man bei hof von nichtes / als von der Prinzessin Orosmada / die man iezt wieder
herbei verlangte / und gegen ihr eine grosse liebe und hochachtung bezeugte /
weil sie vor ihrer stiefmutter von hof entfliehen mussen / und nun durch deren
erkannte schuld unschuldig war erfunden worden. Es musste aber der Prinz Ephron
mich daselbst wieder verlassen / weil die unruhe in Canaan ihn nach haus
beruffen: und stunde / bei seiner rükkehr / bereits alles in vollen flammen /
indem der Konig / mein herrvatter / neben dem König von Hazor und seinen andren
bundsgenossen / in das konigreich Sichem eingefallen ware / üm / wie sie
vorwendeten /den unschüldigen Konig von Salem zu befreien / eigentlich aber /
des Beors gewalt zu brechen / und ihn zu verhintern / dass er die Prinzessin von
Seir nicht erlangen mochte / auch mich / die sie zu Sichem sucheten / wieder in
ihre hånde zu uberkommen.
    Meinem Prinzen / deme das verhängnis auferleget /allemal für die sache zu
fechten / deren er zuwider war / musste sich zum General wider die Könige von
Canaan bestellen lassen / und also des Beors land /den er doch zu hassen so
grosse ursach hatte / beschützen / hingegen den unschüldigen Melchisedech
verfolgen helfen / und wider dessen befreiere streiten. Also konten nun die
Konige den Sichemiten wenig abbruch tun / bis die Armenier von Ararat dazu
kamen: deren dapfrer Konig Togarma / und der berumte Adonias / mit einer grossen
macht in Canaan einbrachen / und den Konig von Salem wollten befreien helfen.
Weil nun der Konig von Hazor / den übermut des Königs Beor zu dåmpfen / und mich
/ als das sün-opfer seines sohnes / in seine gewalt zu bringen /meist die waffen
furete / die andre Konige aber /neben dem grossen Togarma / den Melchisedech
ihren bundsverwandten zu retten / ausgezogen waren / und der König von Kiriat
Arba / mein herrvatter / die Ahalibama zu uberkommen / seinen grösten zweck sein
liesse / worum er kriegte: als teilten sie sich dieserwegen in drei
unterschiedene haufen. Der Konig von Armenien / neben den Konigen von Jericho /
Jarmut / Gibeon und Lachis wie auch der Prinz von Caphtor / und die Fürsten von
Edom und Midian / so sich mit für den Melchisedech erklårt hatten / stritten
wider den Beri. Der König von Hazor / weil er den ort meines aufentalts
erfahren / wandte sich nach Sidon. Mein herrvatter aber ginge / mit einem
ansehnlichen heer / hieher nach Syrien: des willens / sich wider den Beor und
seine Canaaniter / zu den Syrern zu schlagen / und alsdan eine gelegenheit
abzusehen / wie er die Ahalibama aus hiesigem lager entfüren möchte.
    Diesen lezten hatte die Jerode / nicht aus wahrer treue / sondern aus einem
erschrecklich-bösen beginnen / hierzu beredet. Dan dieses unmensch ware /nicht
vergnugt an der rache / die sie über mich erhalten / auch selbigem ihrem
leiblichen bruder im herzen feind worden / um dass er sie so lang zu Lus sitzen
lassen / auch wegen des ermordten Prinzen Madons in verdacht halten dorfen.
Demnach erdachte sie wider eine greuliche und unerhörte verråterei / ihn nicht
allein vom brod zu richten / sondern auch sich zur Königin von Hebron zu machen.
Sie brachte zu wegen /dass er nach Syrien ginge: und machte heimlich die anstalt
/ durch ihre erkaufte boswichte / dass er unterwegs sollte hingerichtet werden.
Was soll ich sagen /mein Prinz! ihr anschlag ginge ihr so glücklich von statten /
dass Hebron sie fur seine Königin erkannte /nachdem ihr das haubt des Königs /
meines herrvattern / als das erste opfer ihres tyrannischen regiments /wiewol
ganz heimlich / gebracht worden. Nichtes geht mir näher / bei diesem kläglichen
tode des Konigs / als dass er ohne zweifel seinen geist aufgebend / mich sein
leibliches kind / für die ursach dieser seiner ermordung gehalten / weil er
solches auf keine weise von seiner schwester ihm einbilden oder vermuten konnen.
Erlaubet mir / meine tränen alhier zu vergiessen / die dieser vatter von mir
fordert / ob gleich sein verfahren gegen mir mehr als hart und ungerecht
gewesen: dazu ihn zwar die bose Jerode verleitet / die ihm sein vatter herz
genommen hatte.
    Ich weiss gar nicht / was ich hierzu sagen soll /(finge der besturzte Suevus
an zu reden / mitlerweile die Coricide ihre tränen abtrocknete) dass der himmel
eine so boshaftige creatur mit solcher klugheit begaben wollen / die da fähig
wäre / mit ihren listigen erfindungen die ganze welt uber einen haufen zu
werfen. Nunmehr ist mein verlangen unbeschreiblich / zu vernemen / wie es dieser
neuen Königin ergangen sei. Der Simron / (fuhre Coricide fort) welcher an unsrem
hofe stäts die bedienung eines feldhaubtmans versehen / war derjenige / so der
Jerode zu diesem greulichen beginnen behulflich gewesen / und zwar in solcher
geheime / dass weder eines noch das andre /wegen dieses bruder- und Konigs-mords
/ in verdacht geraten. Sie beweinten beide diesen grossen verlust /welchen
Hebron hierdurch erlitten / und name Jerode /als gezwungen / die regirung auf
sich / liesse auch allen bunds-verwandten entbieten: dass sie neben ihr dahin
bedacht sein mochten / dieses vergossene Königsblut / an dem Beri / dessen sohne
und mir / zu rächen / weil sie und Simron so viel nachricht hätten erhalten /
dass von uns dreien diese greuliche tat wäre angestiftet worden. Sie erlangte
hiermit ihrer aller mitleiden und beifall / und gingen sie hiernåchst noch
frischer auf die Sichemiten los / also dass der Beri und sein dapfrer sohn der
mänge weichen / und Sichem verlassen musste. Der unschuldige Melchisedech wurde
hierauf wieder befreit / und in Salem eingesetzet.
    Der Konig von Hazor war mitlerweile in das land Sidon eingefallen / und
begehrte / dass man mich ihm sollte folgen lassen: worzu zwar der grossmutige Konig
Siphon sich nicht verstehen wollte / gleichwol mir an die hand gabe / dass ich /
indem die gesandten von Hazor in Sidon gehoret wurden / heimlich entfliehen
sollte; massen er mir auch leute zuordnete / mich dahin / wohin ich verlangte /
zu begleiten. Diesem nach wehlte ich Syrien zu meinem schutz-orte / und kame
glucklich bis nach Hierapolis: da ich den Syrischen Fursten Tare angetroffen /
welcher ein neues heer Syrer samlete. Ich erfuhre von ihm allen hiesigen zustand
/ und von dem Achsaph / (den das gluck ungefär dahin gefuret) was verånderliches
seiter in Canaan war fürgegangen. Weil dieser sich bisher sehr bemühet hatte /
meine unschuld wider die Jerode völlig an den tag bringen zu helfen / als war er
so glücklich gewesen / dass er dreie von ihren furnemsten bedienten /die üm alle
ihre lose håndel ümståndlich wussten / in seine hånde bekommen: welche nicht
allein mündlich und ausfurlich aussagten / was ich iezt euch / mein vatter!
erzählt / sondern auch mit der Jerode eigenhåndigen briefen es bescheinen
konten.
    Weil sie uberdas berichteten / das Jerode iezt darauf aus wåre / den Beri /
ihren bruder / als rechtmässigen Konig von Kiriat-Arba / und dessen sohn den
Prinzen Ephron / aus dem weg zu raumen / und dass ihrer viele hierzu heimlich
erkauft wåren: wurde mir sehr angst fur den Ephron / zumal ich nicht wusste /wo
er sich befände. Ich täte aber hierwider soviel / als ich konnte / und schickte
gleich den Achsaph / mit dessen bei sich habenden / zu den Canaatischen Königen
und dem von Armenien / der Jerode bosheit ihnen kund machen: in hofnung / sie
dadurch zu bewegen /dass sie ihre seite verlassen / und sie also machtlos machen
mochten. Wenig tage hernach / als diese abgefårtigt waren / bekame ich zeitung
von meinem Prinzen / dass derselbe / neben dem Beri seinem vatter / einen
aufstand in Kirat Sepher erreget / und sich desselben ortes bemåchtigt håtte /
auch uberall aus dem lande zulauf bekäme / und wider die aufgeworfne Königin
Jerode sich stårkte: welches mir dann keinen geringen trost gabe / in hoffnung /
dass / bei solcher bewandnis / des Achsaph abfårtigung an die gesamte Konige zu
rechter zeit kommen / und alles fernere unheil dadurch wurde gestöret werden.
    Ich reisete nun wolgemut mit dem Tare hieher warts / als der seine neue
völker beisammen hatte /wurde aber in neue angst gesetzet / als wir auf dem wege
nachricht erhielten / dass uns der König von Hazor mit einem grossen heer
verfolgte: welcher / als er meine flucht von Sidon ausgespüret / mich schier
eingeholet håtte / wan nicht der Tare mit seinen Syrern so starke tagreisen
getan / und also ihnen entwischt wåre. Dieses ist nun kürzlich / mein vatter!
der Coricide ungluckseliger lebenslauf / und der bericht von ietzigem zustand in
Canaan: da der Beor / euer feind / alle seine gewalt verloren / eure unwurdige
gemalin Konigin von Hebron heisset / Beri und mein Prinz in Kiriat Sepher sich
wider dieselbe von tag zu tag stårken / und die Armenische neben der andern
Canaanitischen macht / euch und den Syrern vermutlich / bald zu hulfe kommen
wird / wan ihr solches verlanget.
                                     * * *
    Euer getaner bericht / liebste Prinzessin! (sagte Suevus hierauf) ist uns
allen alhier sehr dienlich / und wird es nötig sein / dass man sofort den zustand
von Canaan im kriegsrat furbringe und uberlege. Euer ausgestandenes und recht
ungemeines leiden / wird der himmel bald mit glücke verwechslen: und wie eure
unschuld schon an den tag gekommen / also wird auch fortin die ruhe und ein
vergnugter wolstand euer leben beständig begleiten. Wan ich um die Jerode mich
noch annåme / wollte ich mich bemühen / sie zu entschüldigen. Weil aber diese
unholdin nicht wert ist / dass sie eures vattern schwester und meine frau heisset
/ als will ich mehr / als iemand anders / sie verfolgen / und ihre gebürende
abstraffung helfen befordern. Hierauf erinnerte er sich der Prinzessin Hercinde
/ die ihn so nötig zu sprechen verlangt hatte. Solches nun zu vollziehen /
gleichwol aber die Prinzessin von Canaan nicht im gezelt allein zu zuverlassen /
bote er ihr an / ob sie nicht zu dem andren frauenzimer / das sich im lager bei
ihnen aufhielte / sich begeben wollte? Sie liesse ihr solches gefallen / und wie
ihr der Suevus alle anwesende Koniginnen und Prinzessinnen hergenennet / wehlte
sie auf die Königin von Salem: weil bei derselben die Prinzessin Jaelinde sich
aufhielte /die sie vor dessen in Canaan wohl gekant hatte.
    Demnach liesse Suevus seinen wagen bespannen /sezte sich mit ihr darauf / und
fuhre / in begleitung einer starken wacht / deren er sich / seit der Hercinde
warnung / bedienet / nach dem gezelte der Königin von Salem. Unterwegs begegnete
ihm der waffenträger des Prinzen Baalis / der dessen ankunft aus Basan mit
zehntausend Celten berichtete: welches er der Hercinde / als eine gute zeitung
mitbringen / und nun / seine abreise zu beschleunigen / ihm vornemen konnte. Sie
fanden aber / in der Eurilinde gezelt / eine grosse gesellschaft / nåmlich die
Königinnen Hermione und Roma / den Prinzen von Hevila / die Fürstin Mehetabeel /
und die Prinzessin von Caphtor /beisammen. Wie nun Suevus seine schöne frömde
der Königin von Salem überliefert / die von der Jaelinde alsobald erkant worden
/ eröfnete er ihr mit wenig worten / wer die Coricide wäre / und was sie dahin
brächte: daher Eurilinde diese schöne Canaaniterin auf das freundlichste
entfinge / und ganz begierig /nach dem zustand in Canaan und nach ihrem liebsten
Melchisedech / sich erkundigte. Ihre freude war unmesslich / als Coricide ihr
erzehlte / dass der König von Salem / durch ihren herrvattern / den König von
Armenien / wäre erlöset worden / wozu auch der dapfere Adonias viel geholfen
håtte. Weil sie also von den dreien personen / die ihr die nächsten und liebsten
waren / gewünschte zeitung erhalten: erwiese sie nun /mehr als iemals / eine
herzliche begierde / wieder bei ihrem gemal zu sein / und ihme den Adonisedech /
so wohl erzogen / zu überliefern.
    Indem aber hiervon die gesellschaft ihre unterredung / auch der verliebte
Jetur seiner Roma zu erzählen / begunte / was für ein gespräche er mit der
Hercinde gehalten / eilete Suevus wieder von ihnen nach dieser Prinzessin / die
er in einem erbärmlichen zustand antraffe: massen sich dieselbe also dem
entfindlichsten schmerzen ergeben hatte / dass Suevus zu grossem mitleiden
bewogen wurde / ehe er noch die ursach ihres anligens von ihr vername. Sie hatte
sich auf einen ausgebreiteten teppich / und ihr haubt in den schoss ihrer
getreuen Marpeis / die bei ihr kniehete /geleget / die ihre milde zären
unablässig abtrocknete: und gabe sie / durch ihre vielfältige seufzer / ihre
herzens-bangigkeit so sehr hervor / dass der Prinz hierüm so grosses entsetzen
als erbarmen in sich fülete. Was ist immermehr hier geschehen (singe er an zu
reden) das die grosmütigste Prinzessin der welt hat also können herunter
bringen? Ach Suevus! (antwortete sie ihm) warum seit ihr nicht eher gekommen /
da ich noch mehr wut als weichmutigkeit in mir entfande /und mehr gesinnet war /
mich zu rächen / als durch tränen meine schwachheit an den tag zu geben? Wer ist
dann derjenige / (fragte er weiter) wider den diese rache ergehen soll? Der
ungetreue Baleus! (sagte sie) der mich nur geliebt / so lang er nicht gewust /
dass Aramena seine schwester wäre: nun er aber solches erfahren / setzet er die
ungluckselige Hercinde hintan / und machet die ganz verächtlicher weise aller
welt zu spotte / indem er ihre leichtglaubigkeit einer andern schönheit
aufopfert.
    Haben sie dann (fragte Suevus) dessen einen wahren grund? Wie sollte ich nicht
haben / (antwortete die betrubte Prinzessin) da meine mitbulerin selber es
schriftlich gegen dem Prinzen Abimelech gestanden /dass Baleus sie liebe. Hierauf
erzehlte sie ihm in der kürze / was Elhanan berichtet / und machte damit /dass
Suevus nicht mehr zweiflen konnte / sondern den Baleus fur unbeständig halten
musste. Wie ihm nun solches nicht wenig zu herzen ginge / als name er daher
gelegenheit / die Prinzessin zur rache anzumanen / ihr fürstellend / dass / nach
diesem bezeigen des Baleus / sie nicht mehr gehalten sei / mit ihme im bund zu
verbleiben / den sie / neben der Königin Mirina und dem Hiarbas / mit ihm
aufgerichtet / und könnte es nun nicht anders sein / als dass man Assyrien den
offenbaren krieg anbote / und also an allen Assyriern die leichtsinnigkeit ihres
Prinzens bestraffete. Ich bin eurer Meinung / edler Suevus! (sagte hierauf
Hercinde) wiewol ich nicht gleich mein gegebenes wort zuruck ruffen / und /
wegen des Baleus / den Hiarbas und meine schwester verlassen kann. Ich werde
demnach deren vorhaben so lang befördern /bis es zu einem zweck wird hinaus
geschlagen sein: wornach ich mich öffentlich erklären will / dass ich eine
abgesagte feindin aller Assyrier zu sterben begehre. Nun sie aber (wandte Suevus
dagegen ein) so rechtmässig befugt sind / den Baleus zu verlassen /sollte ich
vermeinen / dass dieses nicht wäre aus der acht zu lassen: um zugleich dadurch
der Mirina bösliches fürhaben zu verhintern / das sie mir gestern vertrauet.
    Ihr wisset / mein Prinz! (antwortete hierauf die Prinzessin) dass ich euch
ein mittel fürgeschlagen /sowol der Mirina grim zu entgehen / als Basan vor
ihren anschlägen zu bewahren / wan ihr nämlich eilen werdet / dem König meinem
bruder bewust zu machen / was ich euch eroffnet / und ihme meine vorschläge
vorstellet / die die Mirina besänftigen / und ihme / wie auch dem Tuscus Sicanus
/ friede und ruhe in ihren landen erhalten können. Die neue hulfe aus Basan /
(widerredte Suevus) ist unter dem Prinzen von Ammon bereits in der nähe:
weswegen ich / wan meine Prinzessin auf vorigem vorschlag beharret / selbigem zu
folgen / und mich / den weg nach Basan vor mich zu nemen / entschliessen werde.
Eilet / mein Prinz! (gabe Hercinde zur antwort) und lasset euer edles leben
nicht långer in solcher gefahr: massen Mirina nicht ruhen wird / imfall ihr
långer allhier verweilet / bis sie an euch ihre wut erfülle. Ziehet hin und
eröffnet meinem bruder / wie es mir ergehet / und wie /diese verachtung seiner
schwester / rache erfordere. Stellet ihm vor / dass des grossen Marsius und der
Arovinda tochter diejenige sei / die also beleidigt worden / und dass des Trebeta
stammen oblige / sich des reichs Assyrien zu bemächtigen. Nichtes soll hinfort
mich hiervon abbringen: und bekenne ich meine schuld / dass ich bisher / durch
die liebe / von dem furnemen / so mich anfänglich aus Celten gefüret /mich
ableiten lassen. Es wird aber der ungerechte Baleus nimmermehr bei meinem bruder
sich damit entschüldigen / dass er durch die gröste schonheit der welt / die ihn
selber gefangen hält / zur unbeständigkeit sich bewegen lassen: massen Hercinde
noch wohl würdig ist / dass ich / weder der Aramena / noch einiger andern / etwas
nachzugeben begehre. Ja / Suevus! ich erkläre mich / dieser Königin ihre feindin
zu sein / weil sie mir mein liebstes entzogen.
    Alhier nötigten diese beleidigte Prinzessin / die viele tränen und seufzer /
dass sie zu reden einhalten musste: und verhiesse ihr Suevus / alles fur sie in
Basan auszurichten / was zu ihrer billigen rache dienen konnte; sie daneben
ermanend / ihre grosmut hierinn zu gebrauchen / und zwar zorn und rachgier /doch
ohne schmerzen / vorzukehren auch dem undankbaren Prinzen durch ihre tränen kein
frolocken zu erwecken. Ach Suevus! (sagte hierauf die Prinzessin) wie edel wäre
euer raht / wan mein gemüte fähig wäre / bei ietzigem zustande denselben
alsofort zu ergreifen. Doch will ich mich dahin bemühen / und das / so ihr iezt
an mir sehet / fur aller welt verbergen / und weder gegen dem Baleus / noch
gegen dem frolockenden Prinzen von Hevila / meine schwachheit / die noch aus
einem überrest der liebe herrüret / blicken lassen. Als sie diss gesagt / stunde
sie eiligst von ihrem lager auf / des willens / die Königinnen von Kitim denen
sie vorigen tags sich schon ansagen lassen / zu besuchen: um dadurch zu erweisen
/ wie die zeitung von des Baleus untreu / ihr nicht so sehr zu herzen ginge /
dass sie darum alle gesellschaft meiden / und ihrer zusage sich nicht erinneren
wollte. Und ob sie gleich / da Suevus ihr berichtet / wiedass er / bei diesen
beiden Koniginnen / den Prinzen von Hevila gefunden hätte / wohl vermutete / dass
die Roma und Hermione von ihm alles ihr anligen wurden erfahren haben: achtete
sie doch solches nicht / sondern machte sich so stark / auser einer grosmutigen
verachtung /ihnen kein leidwesen sehen zu lassen.
    Der Prinz Suevus aber / als er urlaub von ihr genommen / begabe sich nach
dem gezelt des Abimelech / um demselben / sowol die ankunft der zehntausend
Celten mit dem Prinzen Baalis / als den Canaanitischen zustand und des Konigs
von Hazor näherung / anzumelden / auch wie er fur seine person eine notige reise
nach seinem Konig ubernemen musste. Er fand diesen helden unter seinen Syrischen
Kriegs-bedienten / denen er allerhand nötige kriegs-befehle erteilte. Er wurde
von ihme mit so munterem wesen entfangen / dass er daraus abnemen kunte / wie dass
diesem verliebten Prinzen eine sonderbare froliche post musste zugekommen sein.
Weil aber Abimelech sich deswegen gegen ihme nicht heraus liesse / als war er
auch nicht so furwitzig / darnach zu fragen: massen ihme mehr im sinne lag /
seines eigenen Konigs und der seinigen zustand zu bedenken / als hierum sich
sonderlich zu bekümmern. Demnach / wie er merkte /dass der Prinz in seiner
gegenwart sich zwunge / eilte er bald wieder von ihme / nachdem er gutwillig
seine erlassung erhalten / üm seine reise nach Basan vor sich zu nemen. Es
stellte sich auch der Prinz / uber die neue hulfe aus Basan / nicht so frölich
an / dass er notig befunden hätte / ihme mehr volks anzubieten.
    Sobald er hinweg war / und es bereits abend zu werden begunte / sezte sich
der verliebte Abimelech zu pferd / und ritte von dem Arsas und sonst wenigen der
seinen begleitet / gegen der stadt: unterwegs / mit diesem treuen Fürsten / von
seiner liebsten Konigin /und von der glückseligkeit redend / die er nun bald in
ihrer gegenwart zu geniessen hoffete. Werter Arsas! (sagte er zu ihme) dünket
euch nicht / dass nun einmal das wankelbare Glück aufhoren werde / meiner liebe
und ruhe so mancherlei hinternisen zu bringen? da ich nun hoffen darf / ehest
unsere Königin wieder zu erlosen / und meister von Damasco zu werden? Arsas /den
diese worte höchst erfreuten / wusste nicht / woher diese hofnung rurete weil
ihme unbekant war / was Elhanan heimlich berichtet. Wie er nun hierum den
Prinzen ganz begierig fragte / entzoge derselbe sich nicht / ihme mit wenigem zu
entdecken / was der Prinz Dison fur sie gutes angestellt hatte. Dieser edle
Prinz / (sagte er) will sich an mir råchen / dass ich ihm sein bestimmtes
Königreich Ninive wieder erworben habe / indem er iezt bemühet ist / uns die
stadt Damasco zu liefern: wie er dann einen verborgenen gang gefunden / der von
der Kemuelsburg hinaus in das feld geht / den er auszuraumen und zum durchgehen
bequem zu machen / seit dass er iezt in Damasco ist /durch die ihm-ergebene
Sabeer heimlich arbeiten lassen. Es ist ihme aber vorher die unvermutete
gelegenheit in die hånde geraten / dass er nicht allein der Kemuelsburg sich
bemåchtigt / sondern auch unsere liebste Konigin dahin in sicherheit gebracht:
da er nun / wider die ganze Assyrische macht / bereits etliche tage diese burg
vertätiget. Er wird aber / ohn unsere hülfe / sich in die länge nicht halten
können: weswegen Elhanan heraus gekommen / mir dieses zu eröffnen / und den ort
ungefår an zu weisen / wo sie inwendig arbeiten; damit wir von dieser seite
ihnen zu hülfe kommen / und desto eher dieses werk zur endschaft bringen mögen.
    Dank sei dem Höchsten! (rieffe hierauf der getreue Arsas) dass es so gut um
unsere sachen stehet: und wundere ich nun nicht mehr / dieses vernemend / dass
ich so ungemeine munterkeit an meinem Prinzen verspuret. Wie lang wird mir doch
die zeit / (antwortete Abimelech) ehe die nacht einbricht / um den gluckseligen
ort zu suchen der mich nach meiner Konigin furen soll? Warum muss man dann hierzu
der nacht erwarte? fragte Arsas. Die beschwerliche gegenwart der beiden
schwestern des Konigs von Basan / (widerredte Abimelech) wie auch der andern
Celten und frömden völker / die sich hier befinden / verwehret mir / dieses
offenbar zu machen. Dan weil Mirina und Hercinde / zwischen den Assyriern und
uns / mittelspersonen abgeben wollen / als werden sie es hintern /der stadt
meister zu werden / ehe sie wissen / wie ihr fürtrag angenommen worden: da /
ungeacht der Belochus seinen sohn den Prinzen von Assyrien gar ubel hält /
gleichwol der Prinz von Egypten bei dem Pharao beginnet båsser angesehen zu
werden. Dieser möchte nun leicht zu wege bringen / dass die Assyrier sich
bequemten / dieser friedens-handlung das ohr zu bieten: wodurch wir / bei
notwendiger verweigerung /solche fürschläge einzugehen / fünfzig tausend man uns
auf den hals ziehen werden / welche unfern von hiesigem lager / der Mirina und
Hercinde / wie auch dem Baleus und Hiarbas / zu gebot stehen. Was fur einen
gefärlichen mitbuler ich an dem König von Basan habe / solches wisset ihr: und
muss ich demnach immer befahren / dass diese grosse hulfe der Celten / zwar Syrien
/ nicht aber mir / zum bästen angesehen sei. Ich weiss auch nicht / ob diese
nicht eher verwehren / als befõrdern wurden / dass wir durch den heimlichen gang
in Damasco gelangen. Dem Eridanus und seinen Cussiten / wie auch dem Prinzen
Amosis /konnen wir hierin auch nicht völlig trauen: dann des Scheba tod / hat bei
den Cussiten alles veråndert; und ist auch Amosis nicht zu verdenken / wan er
seines vatters und bruders seite sollte ergreifen wollen. Alle solche
betrachtungen / mein Arsas! bewegen mich /dieses grosse furhaben so geheim zu
halten / und solches niemanden / als den Syrern / zu erofnen. Ich schliesse die
Niniviten hiervon aus / ob ich gleich iezt mit einem Niniviten spreche: weil
deren bezeigungen / in verratung unserer Königin und des Prinzen Disons / mich
abschrecken / ihnen ferner zu trauen.
    Ich lebe dem grossen Abimelech (antwortete Arsas) üm soviel mehr
verpflichtet / dass ich dieses geheimnises / ungeacht ich ein Ninivite bin /
dörfen teilhaft werden / und befinde alle angeregte ursachen / dieses werk
verborgen zu halten / von grosser wichtigkeit. Ich halte aber dafur / dass auch
das mistrauen / so man gegen die Celten und Cussiten / wie auch gegen die beide
schwestern des Konigs von Basan / billig heget / so sehr / als dieser anschlag /
vor ihnen musse verborgen bleiben: damit sie nicht dadurch / unsere seite
gänzlich zu verlassen / bewogen werden. Eure gedanken / mein Arsas! (gabe
Abimelech zur antwort) sind hochvernunftig / und habe ich mit dem Fursten Husan
/ mit dem Rames / und mit eurem schwähervatter dem Tare / gleichlautende abrede
genommen: dass nämlich / sobald ich mit meinen Syrern werde hinein gelanget sein
/ sie mit den Celten und Cussiten die stadt angreifen sollen. Wie dann / zu dem
ende / morgen im kriegsrate / sonder mein rechtes furhaben zu benennen / ein
allgemeiner sturm soll furgetragen werden.
    Indem Abimelech also redte / begegnete ihm der Elhanan / welcher ausgewesen
war / den geheimen ort zu suchen / der nach der Kemuelsburg fürete. Der
begierige Prinz ritte sofort mit ihm an eine seite / um zu vernemen / was er
ausgerichtet: da er dann hochst erfreut von ihm horete / wie dass er ein altes
gemäuer gefunden / das er für den ort hielte / wo man ehmals durch diesen
verborgenen gang aus der stadt gekommen. Er erwartete deshalben / mit
unbeschreiblichem verlangen / der nachtzeit / und beschlosse abends in dem zelte
des Rames zu speisen / als deme dieser ort nächst angelegen war: wiewol sein
vorhaben ihn an kein essen gedenken liesse / und bediente er sich dessen nur zum
schein / wegen seines abwesens vom haubtlager / keinen verdacht auf sich zu
laden. Weil ihme auch wissend war / dass seine Konigin in der Kemuelsburg hart
bedrånget wurde / als hatte er viel kundschaftere bis gar an die stadtmauren
ausgeschicket / um zu horchen / ob etwan ein grosser auflauf in der stadt wäre:
die dann / als er eben uber der malzeit sich befande / ihm die nachricht brachten
/ dass gegen der Kemuelsburg ein sehr grosses geschrei vernommen wurde. Ach! nun
werden die Assyrier (finge er an bei sich selbst zu sagen) die burg erobern /
und abermals meine liebste Konigin in ihre gewalt bekomen. Uber diesen gedanken
brache ihm der angstschweis aus / und sah er ohn unterlass gen himmel / ob es
noch nicht nacht werden wollte.
    Als dieses endlich erfolget / machte er sich ungeseumet auf / mit tausend
man von des Rames leuten /die sich alle mit hacken und schaufeln versehen hatten
/ und eilete neben dem Elhanan / als seinem wegweiser / in aller stille / zu der
alten mauer / die Elhanan gefunden hatte. Wie sie nun dieselbe durch suchet
/fanden sie / an einer seite / ein kleines gewolbe / und darin / neben einem
zeltbette / allerhand anderes geräte: welches anzeigte / dass dieser ort musste
bewonet sein. Solches nun vermehrte seinen fleiss / diese einwonere anzutreffen:
und name er aus dem weibergeråte ab / dass er auf einem tische / ligen sah / das
frauenzimmer daselbst vorhanden sein musste. Wie sie aber lang vergebens gesucht
/ und weil sein vorhaben ware / daselbst nicht menschen / sondern einen
verborgenen gang nach der stadt zu finden / als bemühete er sich nur üm dieses /
und traffe endlich eine hole unter der erden an / die nach dem augenmas und nach
dem urteil etlicher bauverståndigen / die er bei sich hatte / nach der stadt
furen musste. Seine unbeschreibliche begierde / machte ihn zu einem von den
ersten /die sich in diesen gang wageten. Sie waren aber kaum zwanzig schritte
hinein gegangen / da fanden sie alles mit steinen und erden dermassen verfallen
/ dass sie nicht weiter kommen kunten.
    Hierauf mussten nun die schaufeln und spaden das båste tun: und weil tausend
man / von ihrem General selber aufgemuntert / zugleich an die arbeit gingen /als
wurde in kurzer zeit ein grosser raum gemacht /und kamen sie vor anbrechendem
tag so weit / dass sie wieder eine ofnung fanden: die aber / gleich der ersten /
etwan zwanzig schritte lang wårete / und abermals verfallen war. Elhanan
berichtete / wiedass es / von der andern seite aus der Kemuelsburg / ihnen eben
also ergangen wåre / und gabe damit dem verliebten Abimelech keinen geringen
trost / dass sie bald zusammen stossen wurden. Dieser sah nun eben so ungerne
den tag herfur brechen / als angenem ihme vorigen abends dessen untergang
gewesen. Weil er demnach nicht långer bei der arbeit bleiben kunte / als
uberliesse er die aufsicht dem getreuen Arsas und eilete / ehe es vollig tag
wurde / wieder nach dem haubtlager: da er sich / um einen augenblick zu ruhen /
in sein zelt niederlegte / und mit der sussen hoffnung einschlieffe / nun bald
alle seine bemühung wohl belonet zu sehen.
    Der neue Konig von Cus / wie auch der Prinz Amosis aus Egypten / befunden
sich immittels / neben dem Hezrai und andren grossen von den Cussiten und
Egyptern / versamlet / üm zu raht zu gehen / was ihnen bei diesem zustande zu
tun sein mochte. Hezrai / und der angekommene weisse Balaat / den dieser
feldherr der Cussiten / nach des Königs Scheba niederlage / mit den anderen
Cussiten ins lager gebracht hatte / gaben dem Eridanus zu bedenken / dass /da nun
sein herrvatter todt wåre / alle betrachtungen sich verlören / die ihn bisher
wider die Assyrier fechten gemacht; und såhen sie nicht / wan ihme die Assyrier
einiger massen ein genugen täten / mit was recht und billigkeit sie wider diese
völker fechten könten /mit denen sie iederzeit in so fästem bunde gestanden.
Eridanus / der den Abimelech liebte / wollte anfangs von diesen furtrag / der ihn
von dessen seite abziehen wurde / nichtes hören. Wie aber Balaat fort fuhre
/sich zu erklären / dass es noch zur zeit nicht dahin gemeint wåre / den
Abimelech zu verlassen / und dass /wan man alles / was man von den Assyriern zu
fordern håtte / wurde erlanget haben / der König / als eine mittelsperson /
gleich der Mirina und Hercinde /den frieden wurde konnen stiften helfen / gabe
Eridanus ihme ein gedultigers gehör / und fragte: was er dann meinte / das man
von den Assyriern fordern musste? Den verråter Eliphelet / (antwortete Balaat /)
und alle unsere in Damasco sich befindende Cussiten / wie auch unsere Prinzessin
Danede.
    Kaum hatte Balaat dieses lezte wort ausgeredet / da fiele ihm der verliebte
Amosis bei / und fand Eridanus auch nichtes dagegen zu sagen. Er billigte auch
ferner des Amosis erinnerung / den Prinzen Hiarbas seinen bruder betreffend /
dass man den zugleich / in dieser abschickung nach Damasco / abfordern sollte.
Weil nun dieses die Konigin Mirina mit anginge / und ihrer aller zweck war /
nach ihrem von den Assyriern erlangtem begehren / sich neben der Mirina zu
mittelspersonen gebrauchen zu lassen / eilten sie ohne zeit-verseumen / zu
dieser heldin in ihr gezelte. Sie fanden dieselbe in gesellschaft der dapfren
Hercinde /ihrer schwester: die eben / von der untreu des Baleus redende / der
Konigin von Elassar versprochen hatte /dieserwegen nicht von ihr auszusetzen /
sondern ihr gefallen zu lassen / was sie in angefangener sache /die
friedenshandlung betreffend / furnemen würde. Weil nun Mirina / die in ihrem
herzen den grossen anschlag auf Basan und alle die andere von ihrem herrvattern
eroberte Konigreiche hegte / und selbigen hinaus zu furen / alle ihre anschlåge
dahin richtete /wurde nicht wenig erfreuet / von dem Eridanus und Amosis zu
vernemen / was für ein vorhaben sie zu ihr gefüret. Sie gabe auch sofort ihren
willen darein / dass sie / neben dem König von Cus und Prinzen von Egypten /
diese abschickung in Damasco verrichten wollte: wovon dann (sagte sie ferner / die
Hercinde ansehend) meine schwester sich auch / nicht entziehen wird /
unangesehen des Baleus verfahren nicht verdienet / sich ferner um ihn anzunemen.
    Hercinde / die keine scheu mehr truge / von des Baleus unbeståndigkeit frei
und öffentlich zu reden /liesse sich hierauf also vernemen: Ich weiss meine eigene
sache / die mich den Baleus bis in den tod zu hassen notiget / von dem bästen
des allgemeinen wesens so wohl zu unterscheiden / dass ich / diese nicht zu
hintern / jene gar gern bis zu seiner zeit will ruhen lassen. Demnach bleibe ich
/ mit meinen Celten / in der aufgerichteten bundnis / und kann geschehen lassen /
dass fur den Assyrischen Prinzen / wie auch fur den Prinzen aus Egypten / unsren
andern bundsverwandten /moge geredet werden. Diese sonderbare grosmut /(sagte
Eridanus) so die schone Hercinde erweiset /machet des Baleus verbrechen noch
grösser / und aller menschen gemüte noch williger / der grossen tochter des
Marsius wider diesen Assyrier zu dienen / wan zuvor der zweck wird erlanget sein
/ der uns treibet /die allgemeine ruhe in Asien zu befordern. Des edlen Konigs
von Cus hohes anerbieten / (sagte Hercinde) neme ich dankbarlich an: wiewol wir
/ wie gesagt /diese rache aufschieben mussen / bis bässere zeit und gelegenheit
sich dazu wird eingefunden haben. So ist dann (sezte Amosis hinzu) kein
augenblick zu verseumen / eine gesandschaft deswegen nach Damasco abgehen zu
lassen. Solte wohl der bruder allein (fragte Mirina scherzweise) die ursache sein
/ dass der Prinz Amosis dieses so eiferig treibet? ich halte dafur / Danede habe
an dieser gefassten Entschliessung den grösten anteil. Ich leugne solches nicht
(antwortete Amosis /) wiewol auch dem Hiarbas / und hierdurch der Konigin von
Elassar / zu dienen / meine schuldigkeit erfordert.
    Nach diesen und dergleichen gesprächen / wurde abgeredet / dass der weisse
Balaat / in ihrer aller namen / an die Könige von Assyrien und Egypten in die
stadt abgehen / und die Prinzen Baleus und Hiarbas / wie auch die Prinzessin
Danede / und Eliphelet mit den Cussiten / abfordern sollte: mit dem versprechen
und bedrohen / dass sie / da man ihnen diese würde abfolgen lassen / zwischen
beden kriegenden teilen schiedsleute abgeben / widrigen falls aber sich hiermit
für ihre feinde erklären wollten. Wie nun dieses fäst gestellet war / wollten sie
auch dem Abimelech / als welcher im lager allein zu befehlen hatte / hiervon
eröffnung tun lassen / und dessen einwilligung fordern. Also wurde sobald der
Hezrai an ihn abgefårtigt / welcher ihn antraffe / da er eben von seinem kurzen
schlaff wieder erwachet / sich ankleiden liesse. Weil er dieses bereits vermutet
hatte / als befrömdete es ihn nicht so sehr / und gabe er die erklärung von sich
/dass im kriegsraht / der gleich iezt sollte gehalten werden / man hievon reden
und einen schluss fassen könnte.
    Wie nun alle hohe kriegsbediente / auch Eridanus und Amosis selber /
insonderheit der Prinz Suevus /der Jetur von Hevila / der Husan / Tare /
Phalacus und Hezrai / in sein zelt sich versamlet hatten / stellte er ihnen vor
/ wie hochnötig es sei / einen allgemeinen sturm an die stadt zu laufen: weil
Elhanan berichtet /was gestalt ihre Konigin auf der Kemuelsburg vom feind
beängstigt wurde / deren man auf keine andere weise zu hülf kommen könnte. Alle
anwesende waren hiermit einig / auser dem Eridanus / Amosis und Hezrai: die den
Abimelech inständig baten / und einrieten / so lang zu verziehen / bis man der
Assyrier erklärung / die befreiung der beiden Prinzen betreffend /wurde erhalten
haben. Der Prinz liesse endlich ihm solches auch gefallen / als der ohndas nicht
gemeinet war / diesen sturm furzunemen / ehe sein verborgener zugang nach der
stadt offen sein wurde: massen alsdan der sturm allein darzu dienen sollte / dass
der feind abgehalten würde / der Kemuelsberg so häftig zuzusetzen.
    Keiner hatte unter ihnen so eifrig zu diesem sturmen geraten / als der Prinz
Suevus / weil der nichtes lieber / als das ende von diesem kriege / sehen mögen:
wordurch er sich dann in nicht geringen verdacht bei dem verliebten Abimelech
sezte / als wan unter dieser wilfärigkeit etwas anders / das des Königs von
Basan liebe zuträglich sein können / verborgen läge. Wie nun / nach geendtem
kriegsrate / der Balaat nach Damasco abgefärtigt worden / name Suevus urlaub von
ihnen allen / weil er noch selbigen tag nach Basan abzureisen gesonnen war /
massen der Prinz Baalis / seine stelle in seiner abwesenheit zu bekleiden /
bereits angekommen. Ein jeder begabe sich hierauf von dannen / die antwort aus
Damasco mit verlangen erwartend / als nach welcher sie alle ihre anschläge
richten wollten: wiewol Abimelech solches nicht so sehr / als seine geheime
arbeit / beachtete /die er nun bald zu besuchen gedachte.
 
                                Das Vierte Buch.
Es ware nun kaum das bleiche mondenlicht wieder herfür gebrochen / als der
verliebte Abimelech / mit seinen vertrautesten / die um seinen grossen anschlag
wussten / sich nach der höle verfügte / alwo der weg nach der Kemuelsburg
geraumet wurde. Er ware nun voll hoffnung / bald hindurch zu gelangen / da ihme
den tag über zu verschiedenen malen die gute post war gebracht worden / dass sie
/ dem augenmas nach /sich nicht ferne mehr von der stadt befänden. Wiewol nun
sein herz / über die gewonheit / etwas schwermutig war / und der sinn ihm
nichtes gutes zusagte / so schluge er dannoch solches alles aus den gedanken
/und weidete sich in der süssen einbildung / bald in der Kemuelsburg bei
derjenigen zu sein / um deren willen er allein lebte. Er musste aber ohn unterlass
an die Prinzessin Cölidiane gedenken / ob schon sein sinn ihn allein dahin truge
/ der Königin von Syrien sich zu erinnern.
    Wie er nun in diesen so vergnügten als unruhigen gedanken fort ritte /
stiesse auf ihn ein waffenträger des Fürstens Nahor / der ihm anmeldete / dass
sein herr nahe wäre / und mit der Prinzessin Cölidiane ihm auf den fus nachfolge
/ auch von seiner glucklichen verrichtung erwünschten bericht abstatten wurde.
Dieser Fürst / der vor etlichen tagen / bei eroberung der stadt Abela / war
befehligt worden / den raubern dieser Prinzessin nach zu setzen / und ihr
moglichst die freiheit wieder zu geben / hätte dem Prinzen nicht unvermutlicher
kommen konnen: und war seine freude /die er uber der befreiung dieser Prinzessin
entfunde /mit solcher unruhe vermischet / dass er noch ganz betreten war / wie er
die schöne Cölidiane / mit der Andagone von Gerar / daher fahren / und bei
vielen fakeln / in begleitung des Nahor ihres erlösers sich ihme näheren sah.
Er sprange so fort vom pferde / sie zu begrüssen. Als auch Andagone / die ihn
erzogen /und die er gleich einer mutter ehrte / seiner ansichtig worden / eilte
sie so fort von ihrem wagen ihm entgegen / und ümarmte ihn / mit so grosser
bezeugung einer sonderbaren zuneigung und freundschaft / dass ihme sowol / als
ihr / eine gute weile die sprache entgienge.
    Weil sie nicht anders vermeinte / als dass ihr schreiben / das der Asdod dem
Prinzen überbringen müssen / ihme das geheimnis würde entdecket haben / das ihme
und der ganzen welt bisher ware verborgen gewesen / als begunte sie ihn endlich
also anzureden: Der Höchste sei ewig gelobet / der mich nun einmal die zeit
erleben lassen / nach der mich so herzlich verlanget / und worüm allein ich zu
lebe gewunschet /nämlich euch / mein vetter! als den Konig von Syrien zu
begrüssen. Dieser hohe und glückselige name (antwortete Abimelech) kommet mir
noch zur zeit nicht zu / unangesehen die schönste Königin der welt mir denselben
zu geben bestimmet. Wie / mein vetter! (fragte Andagone ganz verwundert) wisset
ihr dann noch nicht / wer ihr seit? Ich weiss ja / wer ich bin (gabe er zur
antwort / nicht sonder verwirrung) nämlich derjenige / den ich mein lebenlang
furgestellet. Habt ihr dann (fuhre sie fort zu fragen) den brief von dem Asdod
nicht erhalten? Zwar erhalten / (gabe er zur antwort) aber nicht völlig gelesen:
weil er zerstummelt / und durch einen zufall zerbrochen / mir in die hände
geraten.
    Auf solche nachricht / schwiege Andagone / und wollte an diesem orte nichtes
mehr davon erwähnen /furete aber die schöne Cölidiane zu dem Prinzen: da dann /
mit beiderseits errötung / die begrüssung geschahe / sonder ein wort zu sprechen.
Doch konnte der Prinz / bei solcher verwirrung seine grosse vergnugung nicht
bergen / die er / sie befreit zu sehen / in sich entfunde: gleichwie auch sie
keine betrubnis in ihrem tun mehr blicken liesse / die doch unlangst /als sie so
heimlich aus dem lager schiede / in ihrem gemute geherschet hatte. Es leidet
hier nicht die zeit /(sagte Abimelech zu dem Nahor) von euch / mein Fürst! zu
vernemen / welcher gestalt ihr diese schöne Prinzessin befreit / und will ich
solches bis morgen versparen: nun aber euch allein meine freude und dankbarkeit
erweisen / die mein gemut über diesem euren erzeigten dapfren dienst entfindet.
Solches sagend / umarmte er den Nahor: welcher / weil er aus der Andagone
bericht erfahren hatte / wer Abimelech ware / ihm zu fus fiele / und ihm also
königliche ehre erwiese.
    Der Prinz wurde solches mit mehrerm widerstand ausgeschlagen haben / wan er
nicht indem auf dem turn der Kemuelsburg ein ausgesteckte fakel ersehen hätte:
die dann das vom Elhanan benennte zeichen war / wan Dison in der burg von dem
feinde zu sehr geängstigt sein würde: daher Abimelech / voll angst fur seine
Konigin / nicht wusste / wozu er am ersten schreiten sollte. Es ware im lager /
furnemlich unter den Syrern / bereits anstalt gemachet / dass sie / wan sie diss
zeichen sähen / sich zusammen ziehen und zum stürmen bereit halten sollten.
Dieses geschahe nun / auf diese gegebne losung / und entstunde aller orten /
sonderlich wo die Syrer lagen und ihre posten hatten / ein allgemeiner auflauf /
da jedweder unter seinen haubtman sich in ordnung stellte / und ferneren befehl
erwartete. Der Prinz / so nicht zugleich bei der Cölidiane bleiben / oder nach
seiner Königin sich begeben / und auch anstalt im lager machen kunte / sah
diese schone ganz beweglich an / sie dadurch üm erlaubnis bittend / von ihr zu
gehen.
    Er wollte auch eben sich wenden / und sie dem Nahor anbefehlen / sie neben
der Prinzessin Andagone zu begleiten / und sicher hindurch zu bringen / als
Arsas von der arbeit aus der höle auf ihn zu eilend kame / und ihm anmeldete /
wiedass sie nun die völlige öffnung nach der burg gefunden / und bereits mit den
arbeitern auf der andern seite geredet hätten. Was seume ich dann ferner /
(rieffe der Prinz) der Königin in ihren nöten selbst beizustehen? Demnach
änderte er seinen schluss nach dem lager üm zu kehren / und gabe dem Fürsten
Rames befehl / solches an statt seiner zu verrichten / und mit dem stürmen / vor
den vier toren / alwo die Syrer ihre schanzen hatten / also fort den anfang
machen zu lassen. Wie dieser hinweg war / auch indem auf der Kemuelsburg noch
eine fakel ausgesteckt / und dadurch das zeichen der gefahr verdoppelt wurde /
rante er ungeseumt nach dem verborgnen gang. Als hierauf der Nahor die
Prinzessinnen Andagone und Cölidiane nach dem lager begleiten wollte / weigerten
sie sich / bei solcher unruhe / in der nacht sich dahin zu wagen. Und wie sie
vernamen / dass Abimelech durch einen verborgenen gang in die stadt und zu der
Königin von Syrien zu kommen / bemuhet wäre / wollten sie auch dahin folgen:
massen die Andagone sich deshalben sehr beängstigt anstellte. Also rennten sie
auf ihrem wagen den andern nach / die den weg nach dem verborgenen gange
genommen hatten.
    Wie nun der mehr als jemals verliebte Prinz / voll sorglicher angst / dass es
zu spät sein möchte / kaum huntert schritte / bei dem scheine vieler lampen in
diese höle hinein gegangen war / und iezt gleich anstalt machen wollte / dass ihm
seine bei sich habende Syrer folgen und dem Dison in der burg zu hulfe kommen
sollten: ersah er / dass ihm der Tare gefolget /welcher ihm den verdrieslichen
bericht brachte / dass /wan er nicht bald ins lager zurücke kåme / alda alles in
die höchste verwirrung geraten / und aus dem hochnötigen stürmen / zumal solches
die andere volker hinterten / nichtes werden würde. Weil nun die hochste
notwendigkeit erforderte / dass er hierbei sein Generals-amt in acht nåme / und
damit er nicht das grosse durch das kleinere verscherzte / als uberwand er seine
begirde / seiner Königin in person beizuspringen / und befahle dem Elhanan / dass
er / durch diesen gang / soviel Syrer / als er durch bringen konnte / auf die
Kemuelsburg dem Dison zufuren sollte: er aber eilte / mit dem Husan / Tare /
Gahan und den andern / nach dem lager / üm der entstandenen unordnung / durch
seine gegenwart / ein anders ansehen zu machen.
    Er traffe daselbst den Konig Eridanus / die Konigin Mirina und Hercinde /
den Amosis / Jetur / Baalis und alle grossen im heer / beieinander an: welche
/auser den Prinzen von Ammon und Hevila / allen ihren müglichsten fleiss
anwendeten / das vorhabende stürmen zu verhintern. Es hatte auch der Mirina wort
/unter den meisten Celten / soviel zu sagen / dass /auser den jenigen / die mit
dem Prinzen Baalis vorigen tags erst angekommen waren / fast alle die andern ihr
zu gebot stunden / und daher / auf ihr zureden /dem Rames und den Syrern
hinterlich waren / die leitern nicht an die mauren vor Damasco zu bringen.
Sobald nun diese versamlete den Abimelech erblickt /ranten sie alle auf ihn zu
/ und fragte ihn Mirina: ob das der abrede gemås wäre / dass man solche
feindseligkeit vornäme / da ein gesandter an den König von Assyrien abgeschickt
wäre / friedens-vorschläge fürzutragen? Diesen worten der Mirina / ward von den
andern beigestimmet. Abimelech aber / voll ungedult / wollte von diesem einwenden
nichtes hören / sondern deutete ihnen an / wie die Konigin von Syrien auf der
Kemuelsburg in höchster gefahr schwebte / und dass /dieselbe zu retten / ihn
keine andere betrachtung abhalten konnte. Dieser verliebte Prinz vergasse fur
dissmal seiner sonst-angebornen leutseligkeit / und beschwerte sich sehr / dass
man ihme also entgegen sein wollte / da er doch / als General / im lager zu
befehlen hätte.
    Hierauf sich nicht ferner an ihr einreden kehrend /gebote er erstlich seinen
kriegsbedienten / dass sie den sturm vornemen sollten. Und sich zu dem Prinzen
Jetur wendend / sagte er zu selbigem: Zu euch habe ich die zuversicht / ihr
werdet / als ein treuer bundsgenosse / mir willig zutreten / und bei dieser
handlung erweisen / dass ihr es gut mit Syrien meint . Diese vermanung /
(antwortete der dapfere Prinz) geschihet ohne noht: massen ich zuvor wohl weiss /
wozu mich die gebür verbindet. Als er diss gesagt / eilte er zu seinen Ismaeliten
/ die alle / auf seinen befehl / zu den Syrern stiessen / und williget das
stürmen mit ubernamen. Baalis bote ebenfalls / dem Abimelech / seine
mitgebrachte Celten an: die verordnete er zum hinterhalt / wan man ihrer hülfe
würde notig haben. Weil nun Eridanus so wohl / als Mirina / Hercinde und Amosis /
zu schwach waren / dieses mit gewalt zu verwehren / das sie zwar auch nicht zu
tun gemeinet waren / als liessen sie dem Abimelech alle freiheit /und zogen ihre
Cussiten / Egypter / und was von denen aus Elassar und der Hercinde zustehenden
Celten vorhanden war / in ein heer zusammen / um ein wachendes auge auf den
ausgang zu haben.
    Hierauf ginge nun an vier orten zugleich / nåmlich auf die vier tore / vor
denen die Syrer ihre schanzen aufgeworfen hatten / das stürmen an: und weil
indem der erhitzte Abimelech gewar wurde / dass sie noch eine fackel / und also
die dritte / auf der Kemuelsburg aussteckten / griffe er üm so viel eifriger
dieses werk an / und unterliesse nichtes / was einem verständigen und dapfren
General zu tun oblage so wohl seinen soldaten zuzusprechen / als sie selbst
anzufüren. Seinem beispiel zu folge / erwiesen sich alle Syrer gleich mutig /
und täten den ersten anlauf mit solcher freudigkeit / dass man einen guten sieg
vermuten konnen. Weil aber die nacht / da eben der mond mit wolken bedecket war
/ ihnen grosse hinternis brachte / als kunten sie nicht viel ausrichten: wiewol
sie dannoch ihr vorhaben so weit erreicht / dass die drei ausgesteckte fakeln auf
der Kemuelsburg sich verloren / und also der Abimelech ein zeichen ersah / dass
sie alda luft bekommen hatten.
    Er sezte aber / ungeacht dessen / sein vorhaben weiter fort / und triebe es
bis zum anbrechenden morgen: da der vorigen tags abgeschickte Cussite Balaat
/neben dem Prinzen Baleus und Hiarbas / wie auch der Prinzessin Danede und dem
gefangenen Eliphelet /auch allen Cussiten / die in Damasco sich befunden
/unversehens in das lager wiederkehrte / und einen Assyrischen gesandten mit
sich brachte. Sobald Eridanus und Mirina dieser ihre ankunft erfahren / eilten
sie sofort zu dem Abimelech / und baten den inständig / mit dem stürmen
einzuhalten: weil dieser ihre ankunft andeutete / dass man auf Assyrischer seite
mit friedensgedanken umginge. Es kame auch gleich ein herold von den andern /
der eben diese ansuchung täte. Bei solcher bewandnis / fand der verliebte Prinz
nicht ratsam / sonder noht mehr soldaten unnötig auf die fleischbank zu opfern /
und liesse den sturm abblasen: um hiermit dem Konig und der Königin von Cus und
Elassar einiger massen zu fugen. Als er hierauf mit denen in ein gezelt
abgetreten / da sie die aus der stadt ankommende Prinzen und Prinzessin annemen
und sprechen wollten / fanden sie daselbst die schöne Hercinde ganz reisefärtig /
und zum abzug gerustet. Es ist nun nicht mehr zeit / (sagte sie zu ihnen allen)
euch zu bergen / dass mein vorsatz ist / mich des Baleus gegenwart zu entsiehen:
das ich bisher zu dem ende verschwiegen / weil ich nicht vermuten konnen / dass
der Assyrische Konig / auf des Balaat zureden / seinen sohn / oder vielmehr
seinen mitbuler / würde haben losgegeben. Nun aber diss erfolget ist / muss ich
euch eröfnen / dass ich entschlossen bin / nach Basan zu meinem bruder zu gehen.
Ich bin aber mit dieser entfernung nicht gemeinet / mich von euch zu trennen /da
ich einmal in euren bund getreten / sondern ich lasse deshalben meine
untergebene zehentausend Celten bei euch / um den vorhabenden frieden befördern
zu helfen. Verublet mir meine schwachheit nicht / die mich von hinnen treibet /
und gedenket / dass ich dadurch euer vorhaben merklich befordere / indem /durch
meine abwesenheit / alle ungelegenheit vermieden wird / die sonst hier wegen des
Baleus leichtlich entstehen könnte. Wie Hercinde dieses gesaget / ümarmte sie
ihre schwester: die dann sehr bemuhet war /sie von diesem furnemen abzubringen /
endlich aber es selber fur das båste befande.
    Wie sie nun also ihren eiligen abschied genommen / wollte sie Abimelech aus
dem lager begleiten / um sowol diese höflichkeit der schonen schwester des
Marsius zu erweisen / als auch den andern die freiheit zu lassen / die aus
Damasco ankommende allein zu sprechen / und immittels nach dem verborgenen gange
/ der ihn zu seiner Königin auf die burg furen sollte /sich wieder zu begeben.
Wie er nun solches verrichtet / und die betrübte Hercinde mit tausend Celten /
die ihr der Prinz Baleus mitgabe / von dar geschieden war / eilete er dahin wo
seine liebe ihn hintriebe / und war so glucklich / im eingang dieser hole die
erfreuliche zeitung von dem Nahor zu vernemen / dass die Aramena / wie die gefahr
auf der Kemuelsburg so gros erschienen / sich in diese höle begeben / und nun in
derselben von dem hernachkommenden Dison wåre berichtet worden / dass die
Assyrier die burg zu stürmen / abgelassen hätten. Die Prinzessin Colidiane
(sagte Nahor ferner) befindet sich auch bei ihr / und werden C. Maj. sie
beisammen antreffen / da sie der Andagone zuhoren / was die ihnen von dero
geburt erzählt. Diese lezte worte des Nahor milderten dermassen des Prinzen
geschopfte freude / dass er ganz verstumte / und nicht wusste / wie ihm geschahe.
Er hatte das vermögen nicht / den Nahor um erklärung dieser dunklen reden zu
fragen / und wurde ihm der Konigs-titel / wie auch / was ihm Andagone vor
etlichen stunden gesaget / so verdåchtig / dass ihm fast das herze zusagte / was
der mund nicht fragen dorfte.
    In solcher verwirrung eilte er nun immer fort / bis das sich ihm ein
ziemlich weites gewölbe öffnete / das zur seiten abginge: darin er / bei der
klarheit verschiedener lampen / seine Königin / neben der Amesses und Ahalibama
/ wie auch der Prinzessin Colidiane /Andagone und dem Prinzen Dison / sitzen
sah. Die freude / seine Königin wieder zu sehen / ubermeisterte ihn dergestalt
/ dass er / alles andere vergessend / zu ihr eilte / und ihr den rock küssete.
Aramena / ihn ersehend / erwiese sich mehr besturzt / als erfreuet / und nachdem
sie ihn aufgehoben / fassete sie ihn / bei dem arm / und fürete ihn also zu der
Colidiane / zu der er sagte: Allerliebste Prinzessin! nemet diesen an von meiner
hand / den ich keiner in der welt lieber / als euch / zu-gönne. Abimelech hatte
so wenig / als Colidiane / das vermögen / hierauf zu antworten. Indem aber diese
den Prinzen / er aber die schöne Aramena ansah / trate Andagone herzu / und
sagte zu dem Prinzen: Ich spure gnugsam dass ihr noch nicht wisset / wer ihr
seit; sonst würdet ihr vonselber euch dazu verstehen / worzu euch iezt eure
schwester anweiset. Meine schwester? fragte der bestürzte Prinz. Ja eben diese!
(antwortete Andagone) und ist nun die zeit gekommen / die ich so sehnlich zu
erleben verlanget /dass ich euch und dem reiche Syrien eröffnen darf /wie ihr des
grossen Aramenes sohn / und also rechtmåssiger Konig dieses landes seit.
    Ich / Aramenes? fragte er / mit bebender zunge. Ja /mein vetter! (antwortete
Andagone) ihr seit der erbe von Syrien: und ware ich iezt eben im werk begriffen
/den anwesenden die ümstände eurer geburt zu erzählen / wie ihr dazu kommet.
Indem nun / auf diese entdeckung / die neu-angekomene Syrer begierig hinzu
drungen / und eine allgemeine verwunderung entstunde / schauete dieser erkanter
Aramenes / und die Aramena seine schwester / mit unverwandten augen einander an
/ und sagten solcher gestalt / in ihrer liebe / einander die lezte gute nacht.
Eine schamröte uberzoge ihrer beider wangen / da sie sich erinnerten / wie sie
seiter geliebt / und dass bei ihnen keine liebe /sondern nur eine freundschaft
/ statt haben sollen: und drungen ihnen hierüber die tränen beiderseits aus den
augen. Die schöne Aramena / welche eher / als ihr bruder / sich hierein fand /
weil sie es zeitiger erfahren hatte / brache am ersten dieses stumme gespräche /
zu ihm sagend: Haben wir nicht ursach / mein bruder! dem himmel zu danken / dass
der uns die augen geöffnet / bevor wir / unwissend in unsren sünden fortfahrend
/ so gar unsre ehe vollzogen haben. In warheit es erhellet hieraus dessen grosse
fursorge /und preise ich seine gute / dass ich selbigen tags des Belochus
gefangene werden müssen / die ich / euch die eheliche hand zu geben / bestimmet
hatte.
    Saget aber Andagone die warheit? (fragte hierauf der noch ganz besturzte
Prinz) und ist so blosser dinge / ohne gnugsamen beweis / solch einem bericht
von dieser wichtigkeit zu trauen? Wie / mein vetter! (antwortete hierauf
Andagone /) lernet ihr mich dann heute zum ersten kennen? und dörft ihr an meiner
redlichkeit und treue zweiflen / die ich meine lebtage erwiesen habe? Ermesset /
geehrte Prinzessin! (gabe der Prinz zur antwort) bei meiner besturzung / diese
freie frage / und erwäget / was das sei / die Aramena verlassen / die man
iederzeit geliebt. Liebet sie / (versezte Andagone) mit brüderlicher treue /
nun der himmel und die natur euch ein mehrers verwehret. Cölidiane ist die andre
Aramena (sezte diese schöne Syrerin hinzu) die der himmel mir gleich geschaffen
hat /üm sie / an meiner statt / zur Syrischen Königin zu machen. Dieses ist ihr
vorlängst profezeiet worden /und gewinnet ihr im verlieren / indem ihr nun /
sonder die mir geschworne treue zu schwåchen / euer herz einer so vollkommenen
Prinzessin geben dörfet / die ich als mich selbst liebe / und die durch so
fromde und wunderbare weise von dem himmel angereget worden / euch für
denjenigen zu halten / den ihr nun mit billigstem fuge furstellen könnet.
Mittlerweile die schöne Aramena dieses sagte / schauete der erkannte Aramenes die
Colidiane unaufhörlich an / und nun alle hinternise aus dem weg geraumt sehend /
die ihn bisher abgehalten / die tugendhafte liebe dieser unvergleichlichen
Prinzessin anzunemen und zu erwiederen / fülete er nun das in sich / was seine
neu-erkannte schwester so innigst von ihm verlangte. Doch war ihm unmüglich /
alsofort in eine so schleunige änderung sich zu schicken / und fiele er der
Cölidiane /fast ganz aus sich selber / zu fusse / sie ersuchend /ihme nicht zu
verüblen / dass seine ietzige besturzung ihn so verwirret liesse / und unfåhig
machte / ihr der gebür nach zu begegenen. Diese schöne Prinzessin liesse ihn
nicht lange dergestalt vor sich ligen / sondern hube ihn auf / und sagte: wiedass
sie ihm gar nicht verübelte / dass er in solche entsetzung geraten /weil so eine
unvermutete zeitung dergleichen wohl verdiente.
    Wie nun die ganze gesellschaft / neben den anwesenden Syrern / dieser
verwundersamen begebenheit sich mit-teilhaftig gemacht / hier aber der ort nicht
war / vor so viel leuten / die gemutsbewegungen herfür zu legen / als truge der
Prinz Dison vor / ob sie nach der burg oder in das lager / weil beide wege ihnen
offen stunden / sich begeben sollten? Die Aramena / wie auch die Amesses und
Ahalibama hatten in diese höle sich verfüget / weil sie auf der Kemuelsburg
nicht länger bleiben wollen / und von den Assyriern sich eines uberfalls
besorget. Doch erwehlten sie nun die Kemuelsburg / an statt in das lager sich zu
begeben / und wollten gleich dahin gehen. Sie erfuhren aber von dem Nahor / dass
der schmale gang ietzund mit Syrern angefullt wäre / die heimlich auf die burg
verlegt wurden / daher sie an diesem ort noch ein wenig verharren mussten. Weil
sie nun die zeit nicht båsser zu verwenden wussten / als der Andagone bericht von
der geburt des Aramenes anzuhören / wornach auch dieser Prinz ein häftiges und
sonderbares verlangen erwiese: als liessen sie sich alle um diese Prinzessin
nieder / welche hierauf also anfinge zu erzählen / die
                   Geburt-Geschichte des Syrischen Aramenes.
Ich kann nicht gnug die wunderbare regirung des Höchsten betrachten / die
derselbe hiernieden auf erden / bei den hohen dieser welt und in ihren
konigreichen / erscheinen låsset: da deren Glück-wechsel so seltsam / und die
fursorge vor deren erhaltung öfters so verborgen und weislich waltet / dass man
satsam daraus ersehen und abnemen kann / wie nichtes alhier von ungefär geschehe
/ und dieser weisse regent alles zuvor wohl geordnet und versehen habe. Diese höle
muss iezt der ort sein / darin Aramenes zu erst erfahre / wer er sei; in deren
er gezeuget ist / und die ehmals seiner fraumutter gedienet / ihren falschen
götzendienst dem Dagon hier zu halten: und es muss nun dieser verborgene erdgang
/ dem sohne / den eingang in seine konigliche stadt eroffnen / der von dessen
fraumutter / um durch ihren abfall / das ungluck über Syrien / und uber ihren
gemal und sohn zu füren / also zubereitet worden.
    Es ist aller welt bekant / dass der grosse Aramenes erstlich die Philistina
meine schwester geheuratet: mit der er dann bis in das zehende jahr lebte /
sonder eine eheliche frucht mit ihr zu zeugen. Weil nun dieses allein ihren
sonst glucklichen ehestand unruhig machte /also ware auch die Philistina am
meisten besorget /ihren herrn so wohl / als ganz Syrien / hierin zu vergnugen:
daher sie uberall raht suchte / wo sich weisse leute funden / die ihr zur
fruchtbarkeit verhelfen mochten. Nach vielen vergeblichen bemühungen /gabe sich
eine alte dame aus der Philister lande an /die der Konigin unfehlbar zu helfen
versprache / und meine schwester mit dieser verheisung dermassen erfreute / dass
ihr nichts so schweres von dieser frauen /die sich Manabat nennte / kunte
auferlegt werden /das sie nicht willigst volzogen håtte. Wie nun also diese
Philisterin gehor bekommen / brachte sie nach und nach das gift ihrer falschen
lehre der Philistina bei / und solches anfangs meisterlich verbergend /wandte
sie andere ursachen fur / dadurch sie die Konigin überredte / gegenwårtige hole
bauen zu lassen: darin sie aber / dem Dagon einen tempel anzurichten / gemeinet
war. Sie triebe dieses werk so heimlich /dass weder der Konig / noch einiger
Syrer / hiervon etwas gewar wurde.
    Weil die königliche hofhaltung damals auf der Kemuelsburg war / als liesse
Philistina diesen verborgenen gang vom schloss bis zu dieser hole füren / welcher
fürter / auf der Manabat angeben / in das feld hinaus geleitet wurde: da sie
unvermerkt ihre priester aus der Philister lande / die der König unser bruder
von dannen verjaget / hinein kommen liesse / welche ihrem abgotte diesen ort zum
tempel vollig ausrüsteten. Weil Manabat mir nicht trauete / als verbote sie der
Konigin / mir hiervon etwas zu eröffnen: das dann der lieben schwester kein
geringes leiden war / weil wir ståts so vertreulich mit einander gelebt hatten.
Doch folgte sie gerne der Manabat / um an sich nichtes zu verseumen / das ihr
den ehesegen zu wege bringen sollte. Sie wusste aber anfangs nicht / wozu alle
diese zurüstungen angesehen waren / und wurde nicht wenig besturzt / als eines
tags / wie die Manabat sie hinein fürete / sie des Dagons bild / neben dessen
altar / und verschiedene priester erblickte / und zugleich von der Manabat
unterrichtet wurde / dass sie diesen gott anruffen musste / wan sie wollte einen
sohn gebären. Sie wiedersezte sich damals diesem anmuten / eilete auch ganz
betrubt von dannen / und liesse eine sonderbare traurigkeit blicken / sonder
deren ursache iemanden zu eröffnen / mit deren sie auch sich etliche wochen
geschleppet. Sie kame zwar nicht wieder nach der höle: dultete aber doch die
Manabat ferner um sich / deren stätigen beredungen gehör erteilend.
    In solcher zeit entsponne sich der krieg mit dem König in Armenien: da dann
Aramenes höchst betrubt mit seiner gemalin in ein gespråche sich einliesse / und
mehr als iemals ihre unfruchtbarkeit beklagte / einwendend / wiedass dieses dem
Konig von Armenien zu solchem krieg bewege / weil er unbeerbt wåre /und daher
Barzanes hoffete / dass die Syrer nicht so eifrig fechten würden / weil sie
keinen Erbprinzen håtten. Dieses ginge der Konigin so nahe / dass sie ihr
geheimnis nicht länger verschweigen konnte / sondern ihrem gemal eröffnete / dass
sie wohl einen sohn bekommen könten. Was håtte Aramenes erfreulichers /als dieses
/ vernemen können? welcher / nach fernerem unterricht / von der Manabat / die
die Konigin zu dem Konig furete / sich ubereden liesse / diesen tempel des Dagons
zu besuchen. Es war in Syrien bereits die abgotterei so sehr eingerissen / und
fand sich bei so wenigen der wahre und reine glaube / dass dieser abfall dem
König so schwer nicht / wie ihr /ankame. Wie er nun vollig der Manabat traute /
dass er / durch verehrung des Dagons / seinen wunsch erlangen wurde / beginge er
heimlich / neben der Königin / ohne iemands wissen / diese torheit / etliche
nächte nacheinander mit verehrung dieses gotzens zu zubringen. Wie er nun mit
der Königin zum öftern daselbst geschlaffen hatte / verhängte Gott (welcher /wan
man / um irdischer wünsche und eitelkeiten willen / die liebe zur warheit
verlieret / in irrtum fallen lässet /) dass sie sich endlich schwanger befande:
das dann der Manabat ruhm so gross machte / dass es ihr nun nicht schwer fiele /
diesen ihren angefangenen gotzendienst / durch herbeischaffung mehrer priestere
/ zu bestätigen. Weil damals noch keine götzentempel in der stadt waren / die
erst hernach von Assyriern sind erbauet worden / als dorfte der Konig der
Manabat begehren hierinnen nicht erfullen / öffentlich ihren gotzendienst
einzufüren / welcher dann in dieser höle verbliebe. Immittels ginge der zug nach
Armenien fort / da die Konigin auch mit reisete / als die nicht gewonet war /
ihren herrn zu verlassen.
    Was in diesem krieg vorgegangen / und wie sich der geendigt / gehöret zu
meiner erzehlung nicht: demnach will ich solches übergehen / und nur sagen /dass
die Konigin / meine schwester / nach geendigtem kriege / durch einen
unglücksfall / wieder nach Damasco gekommen / und darauf euch gegenwårtigen
meinen vettern zur welt geboren. Wiewol bei der hierob-entstehenden allgemeinen
freude / nichts solches in ihr herz kame / und sie / gleich nach der entbindung
/so traurig wurde / dass iederman darob sich verwunderte. Sie vertraute mir aber
ihr anligen / wie nåmlich ihr gewissen sie quålte / dass sie durch sundliche
mittel diesen sohn erworben / und deshalben falschen göttern nachgegangen wåre.
Ich erschracke nicht wenig / alles das / so ich iezt erzählt / von ihr zu
vernemen: und erwiese sie hiernächst so grosse und ungemeine reue / dass diese
bängung ihrer selbst ihr vollig alle kråfte bename / und sie also zum tod
förderte. Sie befahle mir aber zuvor gar sehnlich ihren kleinen Aramenes / (wie
sie euch / mein vetter! nach dem König nennen lassen) und name von mir einen eid
/ nach ihrem tod euch aus Syrien hinweg zu bringen / und entweder zu Caphtor bei
unsrem bruder dem Ahusat / oder zu Gerar bei dem König / unsrem åltern bruder /
im wahren glauben zu erziehen: damit ihr also wieder ersetzen mochtet / womit
sie sich versündigt hatte. Der betrubte König / so mit zugegen war / musste in
dieses ihr begehren mit einwilligen: massen er es auch nach ihrem tod hielte /
und mir vergönnte / euch / seinen einigen sohn / und das ubrige von seiner
liebsten Philistina / aus Syrien hinweg zu füren. Er hat aber ihrer andren bitte
/ des Dagons tempel auszurotten / kein gehor gegeben: welches mich dann so viel
mehr bewoge / von dem orte zu entweichen / da die abgottische Manabat so viel
zu sagen hatte.
    Ich wehlte zwar / lieber nach Caphtor / als nach Gerar / zu gehen / weil an
diesem orte die Königin Eglone sich befande / die auch sehr abgottisch ware. Wie
ich aber dahin nicht gelangen kunte / musste ich euch doch in der Philister land
bringen. Als ich mit euch zu Gerar angekommen / hatte eben die Königin Eglone
meinem bruder auch einen sohn geboren. Sie /die den göttern uberaus ergeben war
/ wollte diesen ihren sohn heimlich nach Basan / zu ihrem herrvattern dem König
Abinael / schicken: damit er daselbst im aberglauben der falschen götter erzogen
/ und nicht den wahren glauben / den man zu Gerar bekennet /annemen mochte. Aber
der Konig Abimelech erfuhre dieses / und meinem raht hierin folgend / gabe er
mir seinen sohn / den kleinen Abimelech / und euch / zu erziehen: da ich dann mit
euch beiden nach Gaza zoge /und viel kinder von den furnemsten aus dem lande
/die euch an jahren gleich waren / mit aufname. Diese wurden euch in allem
gleich gehalten / um der Eglone die gelegenheit zu benemen / ihren sohn / wie
sie sich verlauten lassen / von Gaza zu entfuren: weil es also angestellet war /
dass sie denselben nicht von den andern kindern zu unterscheiden wusste. Wiewol
sie nun dieses sehr geschmerzet / so musste sie es doch geschehen lassen. Ich
triebe hierauf zu Gaza diese kinderzucht mit so glücklichem fortgang / dass ich
lauter wolgeratene knaben aus euch zoge. Ich sah insonderheit meine lust an
euch / mein vetter! und an eurem eiver zum wahren Gottes-dienst: den ihr / neben
allen andren wolanständigen tugenden / so reichlich hervor scheinen liesset / dass
ich euch vor allen andren lieben musste / und durch eure person den an meiner
liebsten schwester erlittenen verlust zu verschmerzen begunte.
    Es schickte aber der himmel etwas in den weg / das mir diese vergnugung auf
die allerschmerzlichste art entziehen und mich eurer berauben musste. Es ware
/nach dem unglücklichen krieg in Syrien / der eurem herrvattern und der Konigin
Philominde das leben gekostet / auch Syrien den Babyloniern in die hånde
gespielet / wegen dessen / dass mein bruder Ahusat und die Philister eurem
herrvattern in diesem kriege gedienet / ein vergleich zwischen dem Belochus /
und meinem bruder dem König Abimelech / aufgerichtet worden / des inhalts / dass
der Philister Konig seinen einigen sohn zur geissel nach Babel schicken / und ihn
fünfzehen jahre lang daselbst lassen sollte: dessen sich Abimelech so wenig
entziehen / als willig sich darzu entschliessen kunte. Weil etliche wenig jahre
vorher /die Eglone ihre bis dahin behaubtete falsche Meinung von den göttern
verlassen / und rechtglåubig worden war / hatte sie damit erlanget / dass der
Konig sie den jungen Abimelech zu Gaza sehen liesse: welches eben um die zeit
geschehen / als euer herrvatter / der ungluckliche Aramenes / zu uns ins land
kame / und wider die Assyrier um hülfe ansuchte. Damals sah er auch euch zum
ersten und leider zum lezten mal / und schenkte euch ein guldenes band am arme
zu tragen /welches man auf eine verborgne weise öffnen kunte /und waren darin /
meines behalts / diese worte zu lesen.
    Trage dieses band / zu deines vatters Aramenes gedåchtnis: bis dir der
himmel dermaleins gönnet / dessen reich einzunemen.
    Ahalibama / dieses hörend / fand in ihrem gedåchtnis / wie die Konigin von
Ninive / die jungere Aramena / ein solches band gehabt / welches ihr der alte
Tebah gegeben / und berichtete dessen die Andagone; welches dem erkannten
Aramenes anlass gabe /zu sagen: Ich erinnere mich ganz wohl / dass der Konig von
Syrien mir zu Gaza ein band gegeben; ich wusste aber nicht / dass es von meinem
vatter mir ware geschenket worden / und habe ich dasselbe zu Babel verloren. Man
fand fur gut / (antwortete Andagone) euch so wohl / als dem kleinen Abimelech /
eure rechte geburt beståndig zu verhelen / üm dadurch keinen ubermut in euch zu
erwecken / noch euch tråge zu machen / alle wissenschaften mit solchen fleiss /
wie ihr tåtet / anzunemen. Dan ihr lebtet in der einbildung /dass ihr
mittelmässigen standes wäret / und notig håttet / durch grossen fleiss euch
geschickt zu machen / um durch die welt zukommen. Weil nun / wie gesagt / die
Königin Eglone ihren sohn kente / und dieses harte begehren von Babel ankame /
lage sie ihrem herrn tag und nacht in den ohren / dass er euch / an statt des
kleinen Abimelech / nach Babel zu geissel schicken wollte. Vergebens widersezte
ich mich diesem ihrem vorschlag / und musste also zugeben / dass man euch nach
Gerar brachte / und euch daselbst eröfnete / wiedass ihr der Prinz Abimelech
wåret / und dass ihr nach Babel reisen soltet.
    Eure freude / ein Konigs-sohn zu sein / war in euch nicht so gros / als die
zeitung / nach dem entfernten Babel zu reisen / und sah ich mit verwunderung /
wie freudig ihr zu diesem weiten weg / da auch die entfernung solang dauern
sollte / euch gerüstet. Der weisse Bagastanes wurde euer hofmeister / deme dann
eure geburt wohl bekant war / und befahle ich ihm eifrigst die aufsicht uber
euch. Ich gabe euch auch eine büchse mit / darin das bildnis eurer fraumutter
samt einer verborgenen schrift von eurem herkommen / so kunstlich verschlossen /
dass / wer den handgriff nicht weiss / es nicht wird eröffnen konnen. Indem
Andagone dieses sagte / lösete Aramenes diese buchse von seinem halse ab / und
überreichte sie dieser Prinzessin: welche sie sofort erkannte / und mit leichter
mühe erofnete. Die ganze gesellschaft beschauete nun darin der Konigen
Philistina bildnis / und die Andagone zoge daraus einen zettel herfur / aus deme
sie folgendes ablase.
Wisset / dass ihr Aramenes / der erbe von Syrien /auch dieses Königs und der
Philistina von Gerar sohn seit. Euer widriges verhängnis will nicht leiden / dass
ihr zu eurem nutzen eure herkunft erfahret / bis der gerechte himmel / euch zu
verfolgen ermudet / verleihen wird / dass ihr auf eures vatters tron diese
kentnis erlangen möget. Inzwischen lebet und erwachset / zur grossen hofnung dem
verlassenen Syrien / und eurer Pflegmutter
                                                                       Andagone.
    Warum aber / liebste Mume! (fiele alhier Aramenes ihr in die rede) musste ich
so lang unwissend leben /wer ich wåre? Darüm / (antwortete die Prinzessin) weil
euer grosser leuenmut euch zur unzeit håtte wider den Belochus aufregen mogen:
und weil ihr ja an dessen hofe leben mustet als ware euch båsser / nicht zu
wissen / dass ihr an eures abgesagten feindes hof lebtet / als wan / durch solche
kentnis / ihr euch ein unglück sonder nutzen hättet auf den hals geladen.
    Wie ihr nun / mein vetter! (fuhre sie fort zu erzählen) erwähnter massen für
den Prinzen Abimelech nach Babel fortgesandt waret / bliebe der warhafte
Abimelech (unter dem namen des Ahusat / aus furcht vor Babel) noch ferner in
meiner zucht: wiewol nachdeme mit so ublem fortgange / dass dessen ungedult /von
euch geschieden zu sein / ihn zu allen dingen verdrüssig machte. Er erwiese sich
so wild / und sehnte sich so häftig / in die welt zu kommen / dass er / wie er
das achtzehende jahr erreichet / sich nicht länger wollte halten lassen / sondern
dem König / der Königin und mir / so häftig anlage / dass die endlich fur gut
befanden / ihn unter dem namen Ahusat / nach Babel an den Bagastanes zu
schicken. Also seit ihr beide wieder zusammen gekommen. Wie ich nun hiernåchst
nach nichtes mehr trachtete / als euch zu eurem reiche wieder zu verhelfen / als
gedachte ich nacht und tag auf ein mittel / wie ich es in solche wege richten
möchte. Aber die furchtsamkeit des Konigs / meines bruders / die grosse macht der
Assyrier hier im lande /und die schlechte einigkeit der Syrischen Fursten
/machte mich von einem jahr zum andern aufschieben /wornach ich so sehnlich
strebte.
    Zwischen solcher zeit kame der Abimelech / unter des Ahusat namen / wieder
nach haus / mit dem Bagastanes / welcher euch zu Salem bei der Prinzessin
Cölidiane hinterlassen hatte: da der König / so wohl als ich / erfreulich
verstanden / dass zwischen euch und ihr eine liebe entsprungen; massen wir auch
keiner Prinzessin lieber / als dieser / den Syrischen tron zu-gonneten. Ich sah
mich aber in dieser hoffnung sehr betrogen / als bei eurer wiederkunft ich das
gegenteil vernomen / und ihr mir erofnet / dass die schöne Delbois von Assyrien
euch eure freiheit genommen hätte. Weil ich sie damals fur eures hauses
abgesagte feindin hielte / als bemühte ich mich sehr / euch von dieser liebe
abzubringen: wiewol ich damit nichts ausgerichtet. Als ihr nachgehends in den
Basanischen krieg ginget / bekamen wir nach Gerar die betrübte zeitung aus dem
reich Ammon / dass der Ahusat /welcher alda unter dem Bagastanes die waffen
gefuret / in einer schlacht mit den Teutschen / umgekommen wåre. Es würde ein
überfluss sein / das leiden des Königs und der Königin uber dem verlust dieses
ihres einigen sohnes hier fürzustellen. Mein bruder fassete hierauf den schluss /
euch / mein vetter! der ihr bis dahin seinen sohn fürgestellet / fortin
beståndig dafur zu halten. Um des willen / schwatzte er mir aus dem sinn / euch
ferner in meinen gedanken zum Konig in Syrien zu machen; zumal solches ja
ohnedas unmuglich schiene / und der himmel euch / an dessen statt / den tron von
Gerar bestimmet håtte.
    Dieserwegen stellte ich nun auf ein zeitlang mein vorhaben ein / des willens
/ wan ihr dermaleins die kron von Gerar würdet aufgesezt und also mehr macht und
gewalt gewonnen haben / alsdan euch kund zu machen / wie ihr noch um ein grössers
reich euch anzunemen hättet. Also bliebe euch nun verborgen / dass ihr nicht
Abimelech wåret / und verliefen also wieder etliche jahre: inner welchen der
rechte Abimelech unter des Ahusat namen / nicht wissend / was für qual sein
ausgesprengter tod dem Gerarischen hofe gemachet / in der welt umher schwebte;
bis / ungefår vor sieben monden / die unvermutete zeitung nach Gerar erscholle /
dass er noch lebte / und aus dem Bactrianischen krieg nach Babel glucklich
angekommen wäre. So gros vorher das leiden gewesen / so gros war nun auch die
freude / und kunte man sich kaum bei uns darin mässigen / welches doch / wegen
des Königs von Babel / den man stäts hierin gefurchtet / höchstnotig ware: und
musste Bagastanes jemand nach Babel absenden / der den Ahusat / nach Gerar zu
kommen /beruffen sollte.
    Die freude des Konigs / gabe mir nun auch die freiheit wieder / für euch zu
sorgen / und liesse er zu / dass ich / durch verschiedene zetel / die ich uberall
in Syrien heimlich ausstreuen liesse / den Syrern dorfte zu wissen tun / wie
ihres Königs Aramenes sohn noch vorhanden wåre: wodurch ich zu erfahren suchete
/ ob sie in Syrien beherzt gnug sein wurden / einen aufstand wieder den Belochus
anzufahen. Inzwischen ich nun hierauf laurete / kame Ahusat zu Gerar an / und
erregte mir solche freude / dass der Konig und die Konigin / ihrer ehmaligen
regeln / sich zu bergen /vergessend / sich ihrem sohn entdeckten / und ihn fur
den wahren Abimelech erklärten. Dieses erweckte in seinem gemüte so grosse
besturzungs freude / dass er nicht wusste / wie ihm geschahe / als er so
unversehens sich in hohen stand gesezt sah / darnach seinen muht ståts
verlanget hatte. Als er aber nach euch / als den bisher geglaubten Abimelech /
fragte / wurde es noch zu früh zu sein erachtet / eure wahre geburt zu
entdecken: daher mustet ihr für einen jüngern Abimelech euch ausruffen lassen /
den man / und nicht den åltsten / nach Babel schicken wollen. Ich liesse solches
gern geschehen / in hofnung / euch diesen namen bald wieder abzunemen / und den
rechten zuzulegen.
    Wie nun / nach dieser kentnis / der Prinz Abimelech seine liebe zu der
Prinzessin von Ammon kund machte / erhielte er alles / was er hierbei suchte /
und wurde zugleich hierdurch die mishelligkeit / so bisher zwischen Ammon und
uns geschwebet / gänzlich aufgehoben: da dann gesandten von beiden Konigen nach
Damasco abgefårtigt wurden / die Prinzessin Ammonide abzuholen. Der verliebte
Prinz wollte hierbei seine Prinzessin prufen / ob sie ihn unter dem namen des
Ahusat noch liebte / und verbote den gesandten /in Damasco nicht kund zu machen
/ was mit ihme sich zugetragen / sondern bloss in des Prinzen Abimelech namen die
anwerbung abzulegen: da sie / auf den fall / wan Ammonide sich mitzuziehen
weigern wurde / alsdan erst ihr alles entdecken / und erzählen sollten /wie ihr
geliebter Ahusat eben dieser Abimelech wäre. Immittels kamet auch ihr zu uns
nach Gerar / da ihr dann diesen euren vermeinten bruder furfandet. Ihr habt aber
/ wegen der liebe zur Königin von Ninive /und des fürhabens / ihr reich wieder
zu erobern / solches nicht geachtet / dass ihr hierdurch die erstgeburt zu Gerar
verloren / da euch ein andrer tron hingegen offen stunde.
    Wir beide / der König zu Gerar und ich / wollten damals diesem eurem fürnemen
nicht widersprechen: in hoffnung / weil nun in Syrien die unruhe stark anginge
euer anschlag auf Ninive sollte die erste staffel sein / euch auf den Syrischen
tron zu erheben. Durch ein sonderbares verhångnis / mustet ihr uns zu Gerar
nicht eröffnen / dass die Konigin Delbois fur die Aramena von Syrien erkant
worden: welches wir erst erfuhren / als unsres Abimelech braut / die Ammonide
/sich eingefunden / und uns diese zeitung mitbrachte. Ihr kont gedenken / wie
ich mich entsetzet / hiedurch zu vernemen / dass ihr in eure leibliche schwester
/eures vatters tochter / verliebt wäret. Ich fassete demnach alsbald den
entschluss / selber eilends hieher zu reisen / und euch zu entdecken / wie es mit
eurer geburt beschaffen: massen auch keine bequemere / als diese gegenwårtige
unruhige zeit / sich herfur tun können / mein lang-gehegtes furnemen nach
wunsche werkstellig zu machen.
    Ehe ich aber abreisete / musste ich zuvor die unruhe stillen helfen / die bei
der Prinzessin von Ammon ankunft zwischen den beiden verliebten entstunde:
massen Abimelech ganz ubel zu frieden war / dass die Prinzessin / ohne ihn fur
den Ahusat zuerkennen /diese werbung angenommen; und sie hinwieder es ungleich
entfunde / dass der Prinz sie in solche versuchung gesetzet / und nicht zugleich
die wahre beschaffenheit seiner person ihr håtte zu wissen gemacht. Wie aber die
gesandten dem Abimelech / seiner braut ståts-verspürte traurigkeit / so sie
unterwegs erwiesen / sattsam beschrieben / und ich / wie erwehnt / sie beide
wieder zu vereinigen / mich gebrauchen lassen / wurde endlich dieser
liebesstreit aufgehoben /und das beilager vollzogen. Ich reisete des andern tags
ab / meinen weg hieher nemend: musste aber zu Abela / wegen unsicherheit /
verbleiben / und also den Asdod mit briefen an euch abschicken: weil mir der sin
zusagte / dass es hohe zeit und sehr nötig sein wurde / hiermit zu eilen ehe eure
und eurer schwester unwissenheit euch in eine grobe blutschande sturzen möchte.
    Indem ich nun hochst begierig auf antwort wartete /kame gegenwärtige
Prinzessin von Caphtor / mit dem Bileam ihrem entfurer / in Abela / und wurde so
sehr über mein da-sein erfreuet / als ich über ihre ankunft besturzt und betrübt
worden. Bileam / wie er erfuhre /dass ich der Colidiane blutsfreundin wåre /
verwilligte / dass wir zusammen kommen dorften: wiewol er ja vermuten konnen /
dass unsere unterredungen ihm zuwieder sein würden. Ich erfure von dieser meiner
basen alles / was sie / aus dem lager vor Damasco hinwegzugehen / genotigt hatte
/ auch wie es alhier zustünde / und wie sie dem Baleam so unversehens in die
hände geraten. Diss alles hatte mich sehr gerüret /nichtes aber so häftig / als
dass ich befahren musste /euer beider heurat mõchte schon vollzogen sein. Meine
ungedult kame hieruber ganz aus schranken /und beklagte ich wohl tausendmal / dass
ich gegen euch so verschwiegen gewesen / und also zu dieser sunde mitgeholfen
hatte.
    In solcher meiner gemuts-unruhe / die ich der Colidiane nicht verhelete /
wurden wir in Abela von den eurigen belagert: welches dem Bileam anlass gabe /mit
der Colidiane sich davon zu machen. Ich wollte diese trostlose nicht verlassen /
und wie wir also miteinander vor euren siegreichen waffen flohen / stiesse der
Fürst von Haran / der dapfere Nahor / auf uns: der uns nicht allein befreiete /
und den Bileam schwerlich verwundet in die flucht triebe / sondern auch mir die
fröliche zeitung brachte / dass eure heurat noch nicht vollzogen / sondern durch
der Konigin entfürung wåre gestöret worden. Demnach eilete ich / das lager hier
zu erreichen / weil ein jeder augenblick / den ich versäumte / mich zu lang
dunkte / euch aus dem irrtum zu setzen / darin euch die unwissenheit eurer
geburt gesturzet: und danke ich tausendmal dem Hochsten /der mich nun den tag
erleben lassen / euch zu sagen /dass ihr Aramenes von Syrien seit / und euch in
solchem zustande zu sehen / dass ihr eure krone den Babyloniern wieder abnemen
könnet. Erwartet demnach von dem gütigen und gerechten himmel / einen
unfehlbaren sieg wider eure feinde / und erweiset aller welt / durch /
besteigung eures vätterlichen trones /dass der himmel doch gerecht bleibet / ob
er gleich ein zeitlang die bösen hier auf erden herschen låsset.
                                     * * *
    Hiemit endete Andagone ihre erzehlung / und zweifelte Aramenes nun nicht
mehr / wer er ware / daher er / die schöne Aramena seine schwester ansehend / zu
ihr sagte: Nun ich ja meine Konigin verlassen muss /so vergnuget / mich dannoch /
dass ich dieselbige fortin als ihr bruder lieben darf. Euren einrat aber zu
folge / liebste schwester! der meinem eignen willen ganz gleichförmig / werde
ich das herze / welches bisher Delbois und Aramena besessen / der schonen
Cölidiane ubergeben / in hofnung / dass deren gutigkeit /durch die eure erwecket
/ dieses anerbieten nicht ausschlagen werde. Meine unverruckte freundschaft
(antwortete die schone Eyrerin) bleibet ewig euch zu eigen / und wie ich gerne
den Abimelech der schonen Cölidiane ganz überlasse / also will ich hingegen den
Aramenes mit ihr teilen / und sie zwar die besitzerin seines herzens sein lassen
/ aber nur so viel davon behalten / als eine schwester mit fuge begehren und ihr
zu eignen kann. Ihr seit ja dessen zufrieden / werteste freundin! (sagte sie
ferner / sich zu der Cölidiane kehrend) und wollen wir in diesem stuck fortin
mitbulerinnen sein / uns in die wette zu befleissen / welche von uns beiden am
meisten ihre treue dem König von Syrien erweisen konne. Die schamhafte Cölidiane
/die / in gegenwart sovieler personen / diese reden nicht zu beantworten
vermochte / sprache dannoch durch ihre schöne augen / die sie so holdselig auf
den Aramenes schiessen liesse / dass er / bei aller seiner verwirrung / ganz
vergnugt und verliebt verbliebe.
    Er erinnerte sich indem seines liebsten freundes /des Cimbers / den er
bisher mit solcher marter fur seinen mitbuler erkant hatte / und dessen
gluckseligkeit nun auch zu befördern / sagte er zu seiner schönen schwester: Mir
hat der himmel den verlust / den ich an euch erlitten / durch die uberkommung
der schönen Cölidiane ersetzet. Gleichwie nun dieselbe fortin meine Delbois und
Aramena sein soll / also bitte ich euch / meine schwester! auch den edlen Cimber
/ den wir nun fur den Tuscus Sicanus erkennen / in des glücklich-gewesenen
Abimelechs stelle anzunemen /und dessen unvergleichliche treue zu belonen. Eine
häftige röte uberzoge der schönen Syrerin zarte wangen / als sie diesen fürtrag
anhorte; doch erholete sie sich bald wieder / und sagte: Weil ich einmal so
unrechtmässig geliebt / als stehe ich billig an / mich zum zweiten mal aus
meiner freiheit zu setzen? Wan ich / als euer König / (antwortete Aramenes) euch
gebieten sollte / den Tuscus Sicanus allen Potentaten in der welt vor zu ziehen /
so wollte ich nicht zweiflen /dass dieser mein erster befehl von euch willigst
wurde angenommen werden. Nun ich euch aber / um unserer ehmaligen getreuen liebe
willen hierum anflehe / als getroste ich mich üm soviel mehr / ihr werdet
fortin den Tuscus Sicanus euren Abimelech sein lassen / der eben so mein
ander-ich ist / gleichwie ich in der Colidiane die andere Aramena sehe. Weil
mein Konig /(antwortete die schöne Syrerin) auch mein bruder /und gewesner
Abimelech / mir dieses befihlet / werde ich billig gehorchen mussen / zu einem
zeichen des überrests meiner ehmaligen liebe. Diese worte / ihr Prinzessinnen!
(sagte hierauf Aramenes zu der gesamten gesellschaft) und ihr / dapferer Prinz
von Seir /sollen zeugen sein / wessen meine schwester sich iezt erkläret: dass
nåmlich weder Marsius von Basan /noch Baleus von Assyrien / noch einiger anderer
/ iemals einigen vorzug vor dem Tuscus Sicanus haben /sondern dass der allein der
schonen Aramena liebe kunftig geniessen solle. Wie nun die anwesende vier
Prinzessinnen / wie auch der Dison / solches bekräftigt / und ferner diesem
neuen König von Syrien gluck gewünschet hatten / traten auch alle in der hole
sich befindende Syrer hinzu / und fielen nieder auf die erde / ihres Königs fusse
zu kussen.
    Wie nun hierauf die zeit sie erinnerte / zu beratschlagen / was bei
so-gestalten sachen / so wohl auf der Kemuelsburg / als im lager / furzunemen
sein möchte / triebe Dison / als bei diesem handel der ruhigste von gemute / die
andre an / auf die Kemuelsburg zu kommen: welches sie auch beliebten. Es kame
auch der Nahor eben wieder zu ihnen / mit dem bericht / wiedass nun der gang
geraumt / und bei tausend Syrer schon hindurch nach der burg gegangen wären. Wie
sie nun vor die tür dieser höle kamen /und der Sabeer Casban in dem verborgenen
gang sie fortfurete / fügte es sich / dass die schone Syrerin /neben der Amesses
und Ahalibama / die vörderste waren / Aramenes aber / samt der Andagone /
Cölidiane und dem Dison etwas hernach kamen: da dann /weil die durchgegangene
Syrer an beiden seiten in die frische erde zu weit hinein gearbeitet hatten /
dieselbe von oben plotzlich herunter schosse / und die schone Aramena mit den
zweien Prinzessinnen von den nachfolgenden absonderte / also dass dieselben kaum
vor diesem erdbruch sich retten konten / und halbtodt den übrigen weg nach der
Kemuelsburg verrichteten.
    Der Fürst Nahor und seine Syrer / die hinter dem König Aramenes / dem
Prinzen Dison und beiden Prinzessinnen hergegangen / erschracken über alle
massen / so unvermutlich eine wand von der herabgeschossenen erde vor sich zu
sehen / welche ihren König und dessen liebste Prinzessin / ihrer Meinung nach /
samt allen den andren / bedecket und lebendig begraben hatte. Ein so ungemeiner
zufall / der sie aus der grösten hofnung in die hochste verzweifelung gestürzet
/ erregte auch billig ein ungemeines entsetzen bei ihnen allen / und triebe sie
endlich die furcht /damit sie nicht auch vom erdfall erschlagen wurden /eiligst
heraus zu laufen: da sie dann allen / die sie vor der hole antraffen /
ankundigten / was sich begeben hatte. Sie machten hiemit die Syrer erstutzen /
welche nach und nach / sich in die Kemuelsburg zu werfen /im anzuge waren / und
erregten ein solches schrecken und klaggeschrei unter ihnen allen / dass in
kurzer frist von einem zelt zum andern / und endlich durch das ganze lager /
diese betrubte post erscholle / wiedass der neu-erkannte König der Syrer / ihr
gewesener General Abimelech / neben der Königin / dem Prinzen von Seir / und
etlichen Prinzessinnen / wäre von der erden uberfallen und erschlagen worden.
    Der ort / wo diese erschreckliche begebenheit am spåtsten ruchtbar wurde /
war das gezelte / alwo der Konig Eridanus / die Konigin Mirina / und der Prinz
Amosis / die ankommende aus der stadt Damasco mit denen es sich / ehe sie
erschienen / bis dahin verweilet / eben aufgenommen hatten / und mit ihnen sich
unterreden wollten. Die ursach ihres so langen ausenbleibens / hatte die noch
anhaltende unordnung wegen des vorgewesenen stürmens verursachet / dass sie
sobald nicht mit dem vielen volke in das lager kommen /noch den Assyrischen
gesandten / den Fursten Baracheel / in sein verordentes zelt bringen können. Die
Prinzessin Danede entfinge / der Konig ihr bruder und der Prinz Amosis / mit
grossen freuden zeichen: und wurde der Prinz Hiarbas von der Mirina und seinem
bruder / gleich also bewilkommet. Baleus aber bekame von allen eine kaltsinnige
begrüssung / wiewol er solches nicht in acht name / als gar zu begierig / seine
Hercinde / die er alda nicht fand / nun wieder zu sehen. Doch måssigte er sich
in diesem seinen verlangen / und schwiege / üm den Cussiten Balaat sprechen zu
lassen: welcher seine verrichtung dem Eridanus und der Mirina folgender massen
erzehlte.
    Wie ich gestern (sagte er) von hier aus dem lager in Damasco ankame / wurde
ich so fort für die Könige von Assyrien / Egypten / und Canaan gefuret: die
/neben der Konigin von Saba / dem Prinzen von Arabien / und dem Eliphelet / in
des Belochus palast mich anhoren wollten. Ich richtete meinen vortrag an den
Assyrischen Konig / und unterliesse nicht / auch den Eliphelet / ob er schon
zugegen war / im namen meines Konigs abzufordern. Ich vermerkte nicht undeutlich
/ dass der Konig von Assyrien sich sehr bewegte / mich so küne reden zu hören /
und schiene es nicht / dass ich eine gewunschte antwort erlangen würde: massen
ich damals gar kaltsinnig abgefärtigt /jedoch in meinem verordneten palast mir
mit aller höflichkeit begegnet wurde. Das gluck fügte es / dass einer von den
Assyrischen bedienten / die mich bewirten mussten / vordessen in Arabien mein
guter freund gewesen / und lange freundschaft mit mir gepflogen hatte. Dieser /
sich solcher unserer ehmaligen kundschaft erinnerend / vertraute mir viel dings
/ den zustand in Damasco betreffend: da ich unter andern von ihm erfuhre / dass /
nach meinem vortrage / die Könige beschlossen hätten / ihr heil an der
Kemuelsburg nochmals zu suchen / und die ganze nacht hindurch selbige sturmen zu
lassen: da / auf den glückfall / wan sie meister von der burg und der Königin
von Syrien werden sollten / sie nachgehends weder von loslassung der Prinzen /
noch vom frieden reden horen / sondern mit einer kurzen antwort mich abweisen
wollten.
    Es erginge also / wie er berichtet / und war die nacht kaum angebrochen / da
kamen die Könige in person vor die Kemuelsburg / und trieben ihre soldaten
dapfer an / wiewol dieselben häufig ins gras beissen müsten: in hofnung / diesen
verlust / durch eroberung der burg und deren schöner beute / ersezt zu bekommen.
Ehe sie aber sich dessen versahn / wurden sie drausen zugleich an vier orten
der stadt hinwieder angegriffen / und zwar mit solchem nachdruck und eifer / dass
sie zu zweiflen anfingen / ob sie solcher gewalt würden widerstehen konnen. Wie
nun die gefahr immer grosser zu werden begunte / liessen mich die Könige vor sich
fordern / und wollten mich anfangs einer verräterei beschüldigen / als wan ich um
das / so hierausen im lager wider sie fur genommen worden / wissenschaft hätte.
Weil dieses wenig zur sache täte / wan es schon wäre wahr gewesen / als hielte
ich fur unnötig solches zu verantworten / und gabe ihnen dagegen künlich zu
verstehen / dass es nur an ihnen låge / diesem stürmen ein ende zu geben. Wie nun
der Stattalter Mamellus / der sonderlich die gefahr gross machte / mich fragte /
wie dann diss geschehen konnte? begehrte ich ungescheut nochmals /dass man die
Prinzessin Danede / wie auch gegenwårtige Prinzen von Assyrien und Egypten / den
Eliphelet und die Cussiten / nur sollte abfolgen lassen: mit der versicherung /
dass die nicht sobald im lager sein würden / so sollte mit dem stürmen eingehalten
werden.
    Die Prinzessin Danede wurde mir hierauf bewilligt / wie auch / auf vieles
zureden der Egypter / der Prinz Hiarbas. Wie es aber an den Prinzen Baleus kame
/wollte Belochus lange nichts von dessen befreiung horen / auch den Eliphelet und
die Cussiten nicht fahren lassen. Endlich aber / wie die gefahr immer grösser
wurde / erlangte ich auch dieses Prinzen freiheit. Der Prinz Mardocentes sprache
auch den Konigen zu /dass sie die freundschaft meines Königs / dess grossen
Eridanus / nicht um den leichtfårtigen Eliphelet verscherzen wollten: welches so
gewunschte wirkung hatte / dass alfort die Cussiten auf einen grossen platz
zusammen gefüret / Eliphelet aber mit ihrer aller frolocken gefangen genommen /
und befehl erteilet wurde / diese Prinzessin und Prinzen vor die Konige zu
bringen. Ich name das gewerbe selber auf mich /meines Konigs schwester aus ihrem
palast abzuholen; die ich so sehr mit der zeitung von ihrer freiheit erfreute /
als sehr sie durch den bericht von endschaft ihrer verfolgung betrubt wurde:
weil sie den tod ihres herrvattern noch nicht gewust hatte / und / aus antrieb
ihrer edlen natur / sonder tränen dieses nicht vernemen kunte / was ihr doch so
grosse ruhe erworben. Weil aber damals nicht zeit zum klagen war / als vermanete
ich sie / sich zu schleuniger abreise zu rusten. Nachdem ich sie den Konigen
eingeliefert / ginge ich /die Cussiten meinem König schwören zu lassen. Wie ich
das dritte mal wieder vor die Könige kame / fand ich die beide Prinzen bei
ihnen / und den Assyrischen eben im werke begriffen / dem Konig seinem
herrvattern bei allen göttern zu zuschworen / wiedass er die Aramena von Syrien
nicht liebte / und dass man ihn unschuldig in solchem verdacht hielte.
    Mirina / über diesen worten ganz errotend / kunte sich nicht entalten / dem
Balaat hier in die rede zu fallen / und sagte: Man wird aber so falschen
schwuren dort eben so wenig / als hier geschehen wurde / glauben zugemessen
haben. Diese worte öffneten dem verliebten Baleus die augen / die ursach zu
erraten / warüm seine Hercinde nicht zugegen ware. Demnach beantwortete er / fur
den Balaat / diese der Konigin von Elassar entfindliche reden / und sagte: wie
ich verneme / so hålt man mich alhier fur so schüldig / als in Damasco / und hat
des Spiridates und Abdemons unbesonnene hülfe mir nichts als verdrus und
ungelegenheit zuwegen gebracht. Ist es aber wohl müglich / grosse Konigin! dass man
mich fur so leichtsinnig halten kann / von mir zu glauben / dass ich die
unvergleichische Prinzessin Hercinde so bald vergessen konnen? Dass ich ehmals
die Aramena von Syrien geliebt / wie ich noch vermeinte / dass sie meine
schwester wåre / solches laugne ich nicht. Dass aber nach deme / wie mich das
gluck die wunderschone Prinzessin von Celten sehen lassen / und ich deren huld
und gewogenheit bin gewurdigt worden / mir dieselbe ehmalige liebe zu der
Konigin Aramena sollte wieder in den sin gekommen sein: solches hat nicht den
geringsten grund der warheit: und beteuere ich bei dem Hochsten / dem Gotte aller
Götter / dass ich diese Aramena nicht anderst / als wan sie meine schwester noch
wäre / mit freundschaft liebe und verehre. Wozu diente dann (wandte Mirina
hingegen ein) dass man die Konigin von Syrien / mit so grosser gefahr und
schlechtem nachdruck / aus des Belochus hand zu befreien gesuchet? welches ja
nicht die gesunde vernunft / sondern eine unbesonnene liebe / musste geraten
haben. Und warum hat die Königin von Syrien / in einem schreiben / dem Prinzen
Abimelech selber entdecket / wie Baleus / so wohl als Belochus / sie mit ihrer
liebe verfolgten?
    Es wird wohl notig sein / (antwortete Baleus) dass ich hier eben die grunde /
die ich diese nacht in gegenwart des Balaats / dem König von Assyrien
fürgestellet / wiederhole / und zu erweisung meiner unschuld erzehle / was es
mit diesem irrtum fur wahre bewandnis habe. Als ich / neben dem Prinzen von
Egypten /so übel in Damasco entfangen / verhaftet worden / ärgerten sich die
meisten unter den Assyriern an dieser verfarung / und war insonderheit der
Spiridates bemühet / mir hierinn seine treue und liebe zu erweisen. Weil er mit
dem Abdemon viel umginge / der vordeme mein kåmmerling gewesen / und von mir
wegen seiner nachlässigkeit war abgeschaffet worden / da er unlängst der Konigin
von Syrien bildnis / samt andern briefsachen / die er in verwarung gehabt /
liederlicher weise verloren hatte: als stiftete dieser es an / in Meinung
dadurch die verlorne gnade wieder zu erlangen /dass der Spiridates / mit den auf
seine seite gewonnenen Assyriern nicht allein mich / sondern auch die Königin
von Syrien / in einer nacht zu befreien / sich unterwunden / und dabei aller
orten ausruffen liessen /dass Aramena von Syrien und ich einander ehlichen sollten.
Dieses / weil die treue mehr / als der verstand /darbei gewirket / liefe so
unglucklich ab / dass wir nur etliche stunden der freiheit genossen: wiewol es
zufälliger weise dazu gedienet / dass dadurch die Konigin von Syrien auf die
Kemuelsburg entkommen / alwo sie sich auch noch befindet. Wir beide aber /
Hiarbas und ich / fielen wieder in unsren vorigen stand: der mir um so viel
schwerer wurde / weil mein herrvatter mich nun vollig / ungeacht aller widerrede
/ fur seinen mitbuler hielte / und darüm alle vätterliche gewogenheit mir
entziehend / nur dahin bedacht war / wie er mir satsam seinen zorn und ungnade
möchte zu fulen geben. Dieses ist die wahre geschicht / welche zu diesem
verdacht anlass gegeben hat. Und wan ich ja so unglucklich sollte sein / keine
beglaubung zu finden /so ist der Prinz Hiarbas hierzugegen / der weiss / so gut
als ich selber / meine unschuld / und kann bezeugen / ob ich diesen unglimpf
verdiene.
    Ich kann mit höchster warheit sagen / (finge Hiarbas hierauf an zu reden) dass
ich den Prinzen von Assyrien nie verliebter / als wie diese zeit über / in die
Prinzessin Hercinde von Celten / erkennet: und haben wir täglich dieses in
Damasco unsere unterredung sein lassen / einander die unruhe vorzubilden / die /
wegen unsers zustandes / die beide unvergleichliche schwestern alhier im lager
ausstehen würden. Wan diesem also ist / (sagte Eridanus) so haben wir dem
Prinzen von Assyrien zuviel getan / einen solchen verdacht von ihm zu fassen:
und ist billig / dass jeder von uns ihm dafur seine dienste anbiete / seine
aussönung bei seiner Prinzessin wieder zu befordern. Wie angenem ist mir doch
(rieffe Baleus) die ursach dieser ungnade / die eine wahre liebe andeutet / mit
der diese schone mich beseeliget! und dunken mich nun alle augenblicke jahre zu
sein / dass ich meine Prinzessin nicht sehen soll / um ihr selbst meine unschuld
zu entdecken. Ich bin froh (antwortete hierauf Mirina) dass meine schwester / so
wohl als wir alle / sich betrogen: und wird der Prinz von Assyrien sich gedulten
/ an seine aussönung zu gedenken / bis der weisse Balaat uns völlig seine
verrichtung abgestattet / an deren uns allen viel gelegen ist. Redet dann eiligst
/ Balaat (sagte der Prinz) um mir zu helfen / dass ich aus ietziger unruhe mich
bald moge erlöset sehen.
    Wie der Prinz von Assyrien (fuhre Balaat demnach fort) fast dieses inhalts /
wie er iezt getan / gegen dem Konig seinem herrvattern sich entschuldiget
/wollte der / zur probe seiner unschuld / dass er / die Königin Lantine von Elam
zu ehlichen / sich erklären sollte. Dieses gabe dem Prinzen ursache / seine wahre
liebe zu eroffnen / und frei zu bekennen / dass er die Prinzessin Hercinde aus
Celten liebte. Man sah wohl /was grosses misvergnügen diese entdeckung dem
Belochus erwecket. Er zwunge sich aber / und gabe dem Prinzen mit diesem beding
seine freiheit wieder / dass er sollte schworen / nicht über einen tag im lager zu
bleiben / und mit den völkern / die er in Babel finden würde / dem Nebajot in
Meden entgegen zu gehen: üm durch wiedererlangung dieses reichs / sein
verbrechen auszusönen / und also darzutun / dass er an der liebe zur Aramena von
Syrien unschuldig wäre. Wiewol nun hiergegen viel einzuwenden ware / auch Baleus
und Hiarbas ihre friedenspuncten fürbringen wollten / woraus dann wurde erhellet
haben / dass der Prinz von Assyrien / als eine furneme mittelsperson / bis zu
austrag solcher handlung / notwendig zugegen bleiben musste: so litte es doch
weder die zeit / noch des Belochus erhitztes gemüte / ihme solches vorzustellen.
Wir mussten also / mit ermeldter bedingnis für den Baleus /weil post über post
einliefe / dass es mit dem sturmen uberhand nåme / und die gefahr nicht grösser
diente /uns fortmachen. Um aber auch der Konigin von Elassar / der Prinzessin
Hercinde und meinem König zu weisen / dass man sie zur friedenshandlung als
mittelspersonen anzunemen beliebte / wurde Baracheel / der Fürst von Ram / uns
mit gegeben: alhier nicht allein einen stilstand der waffen auf etliche tage
anzubieten /sondern auch zu vernemen / worin die friedenspuncten bestehen
sollten. Dieser ist nun im lager / und erwartet / was man ihme derwegen
furzutragen hat: worbei dann wohl zu uberlegen sein wird / dieses werk also zu
fassen / dass dadurch ein beständiger friede / zu beider teile vergnügung und
belieben / zu stand gebracht werde.
    Als Balaat hiemit seine rede geendet / trate Hezrai zu ihnen in das gezelt /
der voll entsetzung ihn anmeldete / was für ein geruchte im lager erschollen
wåre /wie nämlich in einen verborgenen gang / der unter der erden nach der
Kemuelsburg furete / und den der Abimelech heimlich gefunden / derselbe samt der
Konigin von Syrien / der Prinzessin aus Egypten / der Colidiane / Ahalibama und
dem Prinzen Dison / unversehens uberfallen und erschlagen worden. So unglåublich
nun diese zeitung ihnen vorkame / so sehr werde dieselbe gleich darauf durch den
Celten Hesion bekräftigt / der noch diese umstände hinzutäte / dass Abimelech fur
den Konig Aramenes von Syrien wäre erkant worden / und zwar kurz vorher / ehe
dieses erschreckliche unglück sich zugetragen. Niemand in der gesellschaft /
konnte dieses sonder grausen und entsetzen anhören. Eridanus und seine schwester
/ betaurete am meisten / den dapfren Abimelech / und die Colidiane /welche der
Danede in Cus waren bekant worden; die dann auch die schöne Aramena von Syrien
beweinte. Baleus / alles anligen seiner liebe vergessend / kunte den Abimelech
und die Aramena nicht gnug bejammeren. Amosis und Hiarbas / beseufzten den
klåglichen tod ihrer schwester.
    Mirina war bei ihrer aller besturzung / die beherzteste / weil sie keinen
von diesen durchleuchtigen sonderlich gekennet: wiewol ihr dieses unglück nicht
weniger / als den andren / zu herzen ginge. Aber / an statt die zeit mit klagen
zu verlieren / sagte sie / man müste dieser schickung des himmels sich bedienen
/ und nun mit den Assyriern den frieden zu schliessen / auch hierzu die bestürzte
Syrer zu zwingen / nicht aus der acht lassen. Es konnte aber diesen vorschlag
ihrer keiner / auser dem einigen Balaat / vor entsetzen beachten oder
beantworten / und eileten sie ingesamt aus dem gezelt / um mehrere nachricht von
diesem unerhörten trauerfall einzuziehen. Sie sahen / dass hier ein haufen / dort
ein haufen erschrockener Syrer liefen /und die hånde zusammen schlagend / das
erbårmlichste geschrei von der welt anstimmeten / auch ihren kopfen so wenig die
helme / als die haare / långer zu tragen gonten / welche sie halb wutend
ausrissen /und in allem ihrem klåglichen ton dartäten / dass ihr verlust
unersetzlich wäre. Husan / Rames und die übrige Syrische Fursten / sassen zu
pferd / und bemuheten sich / dieses verzweifelte volk beisammen zu halten. Sie
sprachen ihnen mit diesem troste zu / dass es ja noch ungewiss wåre / ob dieser
erdfall die Königliche personen erschlagen håtte: und auf allen betrübten fall /
so wåre ja noch die jüngere Aramena ubrig / fur die sie die waffen ferner füren
und ihr den Syrischen tron erhalten sollten. Aber dieses zureden wollte bei ihnen
gar nichts verfangen.
    Der Badezorus und Arsas fureten einen haufen Syrer / mit hacken und spaden /
an die höle / dieselbe ausråumen zu lassen: da dann Baleus / Amosis und Hiarbas
sich mit dahin begaben / um zu erforschen /ob den verfallenen noch zu helfen
sein mochte. Als sie nun unterwegs mit dem betrubten Arsas von diesem zufall zu
reden kamen / erzehlte der ihnen umståndlich / wie es ich alles begeben hatte /
massen er selber mit dabei gewesen. Nachdem sie daselbst angelanget / funden sie
/ dass der Nahor bereits ausraumen liesse; dessen leuten sie dann zu hulfe kamen.
Sie fanden zwar verschiedene erschlagene / die zunåchst um den Aramenes gewesen:
von ihm aber und von der Königin / wie auch von dem andern frauenzimmer /wollte
sich nichtes åusern. Endlich ward ein mantel herfürgezogen / welchen der Nahor
für der Colidiane ihren erkente. Sie bekamen auch einen abgeschlagenen fus / der
eben also bewaffnet war / wie den tag der Abimelech sich getragen hatte. Weil
das arbeiten und nachsuchen alda gar gefårlich war / und so viel erde von oben
wieder nachfiele / als sie unten hinweg gebracht / richteten sie mit aller ihrer
bemuhung sonst nichtes aus / als dass sie dieses traurfalles nur mehr versichert
wurden: massen viele von den arbeitern zu schaden kamen / und zu tod befielen.
Demnach wurde / bis zu weiterer verordnung / diese untersuchung eingestellet /
und kehrten die drei Prinzen betrübt zurucke: da sie das lager in noch grosserer
verwirrung antraffen / als sie es zuvor hinterlassen hatten.
    Weil bei solcher unordnung man nicht unbillig zu befahren hatte / dass der
feind sich deren bedienen /einen ausfall tun / und das ganze lager aufschlagen
mochte / als zogen die Ismaeliter / unter dem dapfren Jetur / ihrem Prinzen /
sich zusammen / und machten eine eine schlachtordnung. Dieses täte auch der
Prinz Baalis mit seinen Celten: und / weil der Suevus / vor seinem abzug / ihn
gewarnet hatte / sich vor dem Gaisus und den andern Celten fürzusehen / als
hielte er seine zehentausend allein beisammen / und stunde bei dem Jetur. Der
Gaisus / Ister / Altobor / Hesion und die andre hohe kriegsbediente aus Basan /
brachten hingegen ihre untergebene auch in die waffen: wiewol mehrerteils bereit
und entschlossen / der Konigin Mirina geboten nachzuleben. Phalacus / Pannias /
Barzes / Jotan / Sabad und Elimodan / als die fürnemsten unter den Niniviten /
zogen ihre völker auch in einen haufen / und gaben acht auf ihre schanze. Eben
also verfuhre Eridanus mit seinen Cussiten: und den gefangenen Eliphelet unter
den neu-angekommenen ersehend / liesse er ihn in sichere verwarung bringen /an
des himmels gerechter rache / und dieses boswichtes gluck-fall sich höchst
ergetzend. Wie nun endlich die verschüchterte Syrer das beginnen der andren
volker sahen / liessen sie von dem Husan / Tare / und Rames sich auch zusammen
bringen / und stellten sich in eine schlachtordnung: unwissend / wessen sie sich
zu den Niniviten / Celten / Cussiten und Ismaeliten zu versehen håtten / nun ihr
General und Konig samt der Konigin nicht mehr vorhanden waren. In solcher
grossen verwirrung liefe der tag zum ende / und bekame Baracheel kein gehor /
weil iederman so sehr geschåftig ware. Dieser entfande nicht wenig / ungeacht er
gut Assyrisch / dieses grosse ungluck / so dem Königlichen Syrischen samen
begegnet war / und stellte ihm seines Konigs leidwesen für / wan er seiner
geliebten Konigin so elenden tod erfahren wurde.
    Diese trostlose befande sich inmittels auf der Kemuelsburg / dahin sie der
Sabeer Casban / samt der Amesses und Ahalibama gebracht hatte / im dem elendsten
und jåmmerlichsten zustande / und kunte sich nicht darein finden / wiewol sie
sonst die grosmut selber war / so plotzlich ihren liebsten Prinzen und bruder /
ihre liebste freundin und allen beistand auf einmal verloren zu haben. Dieser
zufall / den sie bloss von Gott herrurend achten musste / und worzu kein mensch
etwas getan hatte / kame ihr um soviel erbårmlicher vor / wan sie ihr
furstellte / dass der Allerhöchste uber ihr haus solche zorn-zeichen kommen
liesse: üm damit anzudeuten / wie unendlich sein grim uber das arme Syrien
brennte / und wie des Aramenes same ein fluch vor ihm wäre / der ganz kein Glück
auf erden zu hoffen håtte. Alles dieses uberlegte sie bei ihr selbst auf ihrem
ruhbette: auf welches sie sich geworfen / sobald sie aus diesen unglückseligen
gang /der sie von ihren liebsten in der welt geschieden / auf die burg
angelanget. Die trostlose Ahalibama leistete ihren jammertrånen gesellschaft /
die nun von neuem den tod ihres bruders Dison beweinte / und dessen so
plötzliches ende / eben zu der zeit / da sein dapfrer beistand ihnen so
hochnötig gewesen / schmerzentfindlichst bejammerte.
    Amesses / die / aus tugendhaftem erbarmen / alles leiden der Königin und der
Ahalibama / als eigen mit entfunde / besonne sich vergebens auf einen trost
/diese beide betrubte damit aufzurichten / weil die wunde zu frisch und viel zu
tief war: daher sie für ratsamer befunde / mit ihnen zu weinen / als so billige
tränen zur unzeit abzustillen; wiewol ihre eigne angst / durch des dapfren
Disons verlust / und durch den abschnitt der gehofften hülfe aus dem lager / in
der Konige hånde und gewalt wieder zugeraten / sich daneben bei ihr einstellte.
Nachdem sie / gegen den abend / ihre beide leidensgefärtinnen ein wenig
verlassen / gesellte sie sich zu dem betrübten Elhanan und dem verzweifelten
Sabeer Casban: die noch in stäter bestürzung begriffen waren / und nicht wussten
/wozu sie greifen sollten. Sie hatten vergeblich sich bemuhet / von den
erschlagenen etwas zu erfahren: massen der ganz uberall verfallen und ausgefullt
war / dass sie / alles wieder hinweg zu raumen / viel tage håtten zubringen
mussen. Weil nun also die Syrer über dem tod ihres Generals / und die Sabeer uber
des dapfren Disons verlust / allen muht sinken liessen / als funde die Prinzessin
von Egypten dieselbe zaghafter / als sie selbst ware / da sie doch trost bei
ihnen zu holen vermeinte.
    Wie sie nun also auf der maur stunden / und in die stadt hinunter sahen /
wurde Amesses neben ihnen gewar / dass auf allen gassen die soldaten haufenweis
zusammen liefen / und wie es schiene / zum streit sich rusteten. Sie besorgten
erstlich / es wurde nun wieder ihnen gelten: sahen aber folgends / dass sie sich
auf die stadtmauren verteilten. Demnach verwendete sich ihre furcht in eine
verwunderung / und kame es ihnen frömd für / dass / bei der ungezweifelten
verwirrung im lager / von dar ein abermaliger sturm sollte erwartet werden: zumal
auch / die angebotene friedenshandlung / beiderseits ein andres riete. Um nun
hiervon /auch sonst von allem / was in Damasco fürginge / einige gewisheit / zu
ihrer nötigen nachricht / zu erlangen / und erkundigung einzuholen / wurden sie
schlüssig / den Argob / einen verschlagenen Syrer / der dem Fursten Elhanan lang
gedienet / und durch tausenderlei beweistum seine treue kund gemacht hatte
/sobald es wurde nacht werden / in einem korbe an der mauer herab zu lassen.
Dieser liesse / ganz beherzet /sich willigst hierzu gebrauchen: und wurde
abgeredet / dass er alle nacht an die mauer der burg kommen /und was er erfahren
/ ihnen schriftlich in dem herab gelassnen korbe hinauf berichten sollte.
    Dieser getreue Argob seumte nun nicht / dasjenige auszurichten / wozu man
ihn gesandt hatte / und nachdem er also bei nacht in die stadt gekommen / fand
er die gassen aller orten voll volks / und vername /dass sie einen abermaligen
sturm von den Syrern befahreten: weil sie von der stadtmauer abgesehen / dass
sich im lager alles in ordnung gestellet / und daraus vermuteten / dass sie etwas
grossers im sinn haben müsten. Hierbei liesse sich ihrer aller furcht nicht wenig
blicken / und gaben sie gnug zu erkennen / dass sie sich nicht getrauten / des
feindes gewalt aufzuhalten: da auch die geborne Syrer nicht unklar zu vernemen
gaben / dass sie / fur das gluck ihrer bruder im lager /den himmel anfleheten.
Wie nun Argob auf den mauren alle ihre gegenverfassung angesehen / da sie doch
die ganze nacht vergeblich gewachet hatten / weil es zu keinen sturmen gekommen
/ schliche er mit dem anbrechenden tag in des Zophar von Naema behausung / alda
er sich zu erkennen gabe. Nachdem er etliche wenig stunden ausgeschlaffen /
machte er sich wieder herfur / und fand uberall noch die vorige wachsamkeit.
    Er konnte aller orten ohne verdacht frei durchkommen / weil er allen denen /
die ihn kanten / andeutete /wiedass sein herr / der junge Fürst von Hus / ihn im
stiche gelassen / als er die verräterei mit dem Prinzen von Seir auf der
Kemuelsburg angefangen: und wurde er hierbei / wo er / seit dass die burg und die
Königin von Syrien in Disons und Elhanans hånde geraten /sich aufgehalten hätte
/ von niemanden befraget. Weil er sich zu den leuten des alten Fursten von Hus
gesellet / kame er mit ihnen in den koniglichen schlosshof /und fand alda die
Könige versamlet / welche ihre ungedult offentlich zu vernemen gaben / um dass
der abgeschickte Fürst Baracheel nicht wiederkehrte / und besorgten / die
loslassung der beiden Prinzen / würde nirgend zu gedienet haben / als ihre
feinde noch mutiger zu machen / dass sie nun von keiner friedenshandlung mehr
horen / sondern die stadt mit gewalt zu erobern trachten wurden. Keiner
schmähete und scholte so sehr hierüber / als Belochus: welcher alle schuld
seinem sohne dem Baleus gabe / und ihn nun von neuem fur seinen mitbuler hielte
/ auch gänzlich argwänete / dass der zu dem besorgenden sturm wurde geraten haben
/ um sich zum herren von Damasco und der Königin von Syrien zu machen. Weil er
die häftigkeit seiner gemütsbewegung für allem volk heraus liesse / als bemüheten
sich die Prinzen Bildat und Mamellus / ihn in seinen palast zu bringen: dahin
sie ihn endlich / mit vorwand anderer ursachen / zu gehen beredten / wordurch
dem Argob / ein mehrers zu horen /die gelegenheit entginge.
    Er verfügte sich hierauf nach dem koniglichen garten / alda / wie man ihm
gesaget / die Königin von Elam / neben der gefangenen Konigin von Ninive /die
man in Damasco nur Prinzessin von Syrien nennte / wie auch die Prinzessinnen von
Ophir und Sidon /anzutreffen. Weil etliche von des alten Hus bedienten bei ihme
waren / als wurden sie von der wacht ungehintert eingelassen / und war sein
fursatz / der Konigin von Ninive / wofern er dazu gelangen könnte / den betrübten
zustand der Konigin ihrer schwester zu eröffnen. Nachdem er aller orten nach ihr
sich umgesehen / ward er endlich gewar / dass diese schone / von der andern
gesellschaft abtretend / mit zwei jungfrauen / auf die sie sich gelehnet / in
eine an einen weinberg gebaute laubhütte ginge / da er ungesehen hinter den
weinstöcken sich bequemlich hin zu machen kunte. Wie er nun ihr nachgeeilet /
und ganz nahe an die hutte gekommen / wollte er / ehe er sich zu erkennen gabe /
zuvor vernemen / wer bei ihr sein mochte. Demnach schliche er nahe hinzu / und
gukte durch das gebusche: da er dann die Königin von Ninive zwischen den beiden
ihm-bekanten jungfrauen des tempels den Diana / der Briane und Zimene sitzen /
und zwar sie alle dreie håftig weinen fand / sonder ein wort zu sagen.
    Nachdem dieses eine zeitlang gewäret / finge Aramena also an zu reden: Ach
ja! solche unbeständigkeit musste ich erleben / zur straffe / dass ich mein
gelubde gebrochen / und der schnöden liebe gehör gegeben. Ach Briane! ach
Zimene! bespottet mich nicht / sondern erweiset vielmehr euer mitleiden / dass es
mir also ergehet. Wen sollte dieses (gabe Briane zur antwort) nicht håftig dauern
/ da es mit der geheiligten Aramena dazukommen müssen / dass die zum abfall bewegt
worden / die sonst allezeit so ungemeine beständigkeit blicken lassen? Des
Disons erwiesene leichtsinnigkeit ist wohl die geringste straffe / so hierauf
erfolget: massen ich diese viel hoher achte / die unsere grosse gottin dieserwegen
über ihren weltberumten tempel hat ergehen lassen. Solte ich dann wohl (fragte
Aramena) die ursach sein / dass dieses herrliche gebäude und wonhaus unserer
ehmaligen ruhe / also müssen in die asche gelegt werden? Wer wollte hieran
zweiflen? (horte Argob die Zimene antworten) es musste ja die grosse Diana solches
hoch empfinden /dass eine von den nachkommen ihres geschlechtes solcher massen
sich ihr ungetreu erweisen wollen. Man bildete mir (sagte die Konigin von
Ninive) all zu fäst ein / dass es mit unserer grossen Diana nichtes / dass ihre
gotteit ein gedicht / dass sie so wohl ein mensch wie wir / und das es sunde wåre
/ sie zu verehren. Das waren die rechte griffe / (versezte Briane) gegen dem
Dison eine liebe zu erwecken / und musste Ahalibama sich dessen gebrauchen / üm
betrieglich auszufüren /was sie und Timna so listig hatten angefangen.
    Meine schwester / (antwortete Aramena) bemühete sich üm diese meine
bekehrung am meisten / und muss ich wohl bekennen / dass ihre fürgebrachte grunde
mich haben bewegen können / dieselbe ohne des Disons betrachtung anzunemen. Die
Königin von Syrien (sagte Zimene) hat wohl den Dison zum zwecke gehabt / um deme
zu seiner Aramena zu verhelfen: weil auser dieser beredung keine müglichkeit
gewesen / dem Prinzen von Seir einiges gehör bei ihr zu erwerben. Du sagest die
warheit / Zimene! (gabe die Königin zur antwort) und wäre ich nimmermehr dazu
gekommen / wan mich nicht mein vermeinter irriger glaube dazu gebracht håtte.
Wie fein büsse ich aber nun mein verbrechen / da dieser betrieger dergestalt mich
geteuschet / und mich fur die Petasiride verlassen / nun aber dieselbe wieder /
für die Konigin meine schwester / verstossen hat. Sihe / wie dieser unbeständige
uns alle dreie betrübet / da er der Petasiride und mir seine liebe wollen
einschwåtzen / und solche nun so gewaltsamlich der Konigin meiner schwester
erzeiget / welches nichts anders / als grossen verdrus / bei ihr erwecken kann:
massen ich weiss / wie sehr sie den Prinzen Abimelech liebt / und wie sie sich
bemuhet /aller welt darzutun / dass Dison sie niemals geliebt habe. Ihr werdet
billig alle dreie (sagte Zimene) durch ihn gestraffet: massen Petasiride einen /
der ihr zuvor keine liebe erwiesen / nicht lieben / die Königin von Syrien
niemand von unserer grossen Diana abwendig machen / und unsere so beständig
gewesene ordensschwester sich nicht verfuren lassen / sollen.
    Dank sei der grossen Diana / (rieffe hierauf Aramena) dass ich wieder bekehret
worden / und meinen alten orden aufs neue angenommen habe. Wer ist dann ursach /
(fragte Briane) an dieser neuen bekehrung? Das ist guten teils die Prinzessin
von Sidon / (antwortete Aramena) die mir die wunderwerke beschrieben /so / bei
der kläglichen einäscherung unsres tempels /sich mit dem bildnis der grossen
Diana begeben: und da nun euer beider gegenwart dazu gekommen / hat dieselbe /
neben meinem verdrus / dass ich einen betrieger geliebt / in mir die begierde
wieder angezundet / mein voriges unschüldiges leben aufs neue zu erkiesen. Was
elende saure zeit (finge Briane hierauf an zu klagen) haben wir auf der
Kemuelsburg / von dem tage an / ausgestanden / da diese betriegliche hochzeit so
gar anderst / als wir vermeinten / hinaus geschlagen / und da wir täglich mit
ungleichen zeitungen /von dem ergehen unsrer Aramena abgespeiset werden: bis es
endlich sich fügte / dass / nach eurer flucht aus Damasco / wir unsere freiheit
erlangten / und gehen dorften / wohin wir wollten. Nun aber hat der gütige himmel
/ nach so langem und bittrem scheiden / uns wieder zusammen gefuret: wiewol in
betrübtem zustand / weil der verlust unsres tempels / auch mit blutigen tränen /
nicht gnug von uns kann beweinet werden. Als hierauf die beide ordensschwestern
ihr klaggeschrei von neuem anfingen / trostete sie Aramena /und sagte: Gebt euch
zu frieden / liebste schwestern! Gönnet mir der himmel mein reich / so soll
dieser tempel-bau das erste werk sein / so ich furnemen werde: und alsdan will
ich / meine regirung dem Betuel / zur erkentnis seiner erwiesenen treuen liebe
/ uberlassend / der seeligen Colia platz bei euch wieder bekleiden /und
ungeschieden / weil ich lebe / die eure verbleiben.
    Alle diese reden horte Argob mit an / und aus denselben abnemend / dass /
dieser Königin / bei diesem gefassten entschluss / den zustand auf der
Kemuelsburg zu entdecken / unnutzlich sein würde / änderte er seine Meinung /
sich ihr zu offenbaren. Doch hoffete er / vor seinem weggehen / noch etwas
seinem herrn dienliches auszuforschen / als er die Königin Petasiride neben der
Prinzessin von Sidon in die hutte trete sah. Demnach verharrete er in seiner
stelle / und horchete / was weiter furgehen wurde / da er dann / die Königin von
Saba / die von Ninive also anreden hörte: Wie / meine Prinzessin! wollen sie
stäts einen betrieger beweinen / und ihm den willen tun / sich seinetwegen so
betrübt zu erzeigen? Warum waltet nicht viel mehr ein grosmütiger hass in eurem
herzen? und warum folget man nicht meinem beispiel / die ich mehr an rache als
an einigen verlust gedenke? Wolten die Könige meinem willen folgen / so sollte
mir dieser verwegene nicht so lang auf der Kemuelsburg ruhig bleiben und unsere
leichtglåubigkeit belachen. Nun aber muss ich gedult üben / da der staat es
anderst erfordert. Ich versichere euch aber / Prinzessin von Syrien! ich will
euch råchen / sofern mir die götter mein leben fristen.
    Ich bin bereits gnug gerochen / (gabe Aramena zur antwort) da ich seine qual
mir fürstelle / die er wird entfinden / wan er sich ungeliebt sihet / und von
der Königin / meiner schwester / den verweis anhoren muss / den seine
leichtsinnigkeit verdienet. Dieses ist mir rache genug / und begehre ich nicht /
dass ihme etwas härters widerfahre. Ich aber will ihn todt haben (antwortete die
erzurnte Petasiride) und kann eher nicht ruhig sein / ich habe dann denjenigen von
der welt getilget / der sich berümen kann / Petasiride habe ihn auf verschmach
geliebt. Hierauf kamen / die Königin von Elam / wie auch die Prinzessinnen von
Ophir und Sidon dazu / und verursachten mit ihrer gegenwart /dass dieses fur
Aramena widriges gespråche sich endete. Weil sie hierauf nicht lang mehr im
garten verblieben / sondern wieder nach den palåsten gingen / dahin sie / wegen
der Aramena / eine starke wacht begleitet / als begabe sich Argob auch wieder
von dannen. Gegen den abend / sah er die ganze Königliche gesellschaft auser
der Aramena und Orosmada / in der Königin von Tyro palast speisen: da er alle
reden / die fürfielen / wohl beobachtete / und so viel vername /dass / wan
folgenden tags der Furst Baracheel nicht wieder aus dem lager ankommen wurde /
alsdan die Kemuelsburg nochmals mit aller macht sollte angegriffen und gestürmet
werden. Dieses alles brachte Argob in eine schrift zusammen / und als die nacht
sich eingestellet / verfügte er sich nach der Kemuelsburg: da /auf erteiltes
zeichen / der korb hernieder gelassen wurde / darein er seinen bericht legte /
und darauf wieder hinweg eilete / um ferner etwas auszuforschen.
    Es wurde aber diese nacht / eben wie die vorige /mit stätiger wachsamkeit
und bereitschaft verbracht /und als der morgen wieder angebrochen / liesse
Baracheel / vom lager wiederkehrend / am tore sich anmelden. Diese post machte
ganz Damasco munter /und wurde er von einer unzäligen mänge des pobels bis vor
die Könige begleitet: welche / in das Belochus palast versamlet / sein anbringen
mit häftigen verlangen erwarteten. Wie ihme nun / in ihrer und der Petasiride /
und aller anwesenden Prinzen gegenwart / zu reden erlaubet war / sah er seinen
König mit augen voll tränen an / und sagte: Ich sollte wünschen / dass E. Maj.
mich dieses anbringens erlassen mochten / welches / dero und der andren Könige
hohe gemüter gånzlich niederzuschlagen / kann fåhig sein / wan ich nicht glåubte
/ dass eine uber natürliche grosmut / das geschehene unglück zu verschmerzen /
sich einfinden werde. Wie / Baracheel! (widerredte der erschrockene Belochus)
welch ein fromdes anbringen ist mir dieses? Es ist so fromd und klåglich /
(antwortete Baracheel) dass die höchste potentaten der welt darüber zu weinen /
sich nicht entsehen dorfen: und will ich endlich reden / wan ich erstlich einen
absonderlichen befehl deswegen erhalte. Keiner von den Königen hatte den mut /
dem Baracheel fortreden zu heisen / und sagte ihrer iedem der sin zu / dass es
etwas böses sein würde. Jedoch aber / wan sie betrachteten / dass ihr liebstes
auf der Kemuelsburg wäre / davon ihnen Baracheel nichtes sagen konnte / fasseten
sie sich wieder / und bildete ihm jeder etwas anders ein. Belochus gedachte / es
wåre etwan dem Baleus / seinem sohn /ein unglück begegnet. Pharao hatte gleiche
gedanken /von seinen beiden söhnen. Beor vermutete eine noch bösere zeitung /
als er bereits wusste / aus Canaan zu vernemen. Wie nun endlich der Konig von
Assyrien dem Baracheel befahle / heraus zu sagen / was er wüste / verrichtete
der solches folgender massen.
    Wie ich / vor zween tagen (sagte er) von E. Maj. mit den beiden Prinzen und
den Cussiten ins lager abgeschickt worden / um so wohl den Syrern einen stilstand
der waffen anzubieten / als die vorgeschlagene friedenspuncten von dem König aus
Cus und der Konigin von Elassar anzuhören / ware ich wenig stunden im lager
gewesen / da entstunde in selbigem ein plötzlicher auflauf / und beweinten alle
Syrer den tod ihres Konigs Aramenes und der Königin. Nach einem so frömden
geruchte mich bässer zu erkündigen / suchte und fand ich einen Syrischen
haubtman: mit dem ich eine gute weile zu tun hatte / ehe ich ihn bereden kunte
/ an statt des klaggeschreies / zu sprechen und mir dieses gemeine anligen zu
eroffnen. Endlich erfuhre ich von ihme / (ô himmel! ich entsetze mich /es zu
sagen) dass man vor etlichen tagen / unfern vom lager / einen verborgenen gang
unter der erden gefunden / der nach der Kemuelsburg gefuret / den ihr General
der Prinz Abimelech ausraumen lassen / und durch solchen weg die Königin von
Syrien / wie auch die Prinzessin von Egypten und Seir / aus der burg hinaus
holen / dargegen volks genug herein werfen und also der stadt sich bemächtigen
wollen. Wie sie nun beide in diesem gange zusammen gekommen /und eben die
Prinzessin Andagone von Gerar ihm eröffnet hatte / dass er nicht Abimelech /
sondern Aramenes der erbe von Syrien / wåre / sei jählings die erde über sie
såmtlich herunter gefallen / und habe sie alle plotzlich erstecket und
erschlagen.
    O ihr götter! (riefe der König von Canaan) ware Ahalibama auch mit hierbei?
Dieser Prinzessin / (antwortete Baracheel) wie auch deren von Egypten und dem
Prinzen Dison von Seir / ist / neben der Konigin von Syrien und ihrem erkannten
bruder / dieses unglück zugestossen. Eine allgemeine stille entstunde hierauf in
dem Königlichen zimmer / und hatte niemand das herz / die drei Könige
anzuschauen: die gleich den steinernen bildern unbeweglich blieben /und als
ihrer sinnen beraubet / anzusehen waren. Petasiride / den tod des Disons
vernemend / der ihn eben zu der zeit betroffen / da er die groste hoffnug
erlanget hatte / die Königin von Syrien / auf die erkåntnis ihres bruders /
lieben zu dorfen / bezeigte hierbei mehr freude als leidwesen / und den
Mardocentes anschauend / name sie war / dass deme die tränen håufig die wangen
herab flossen / daher sie anlass name / zu ihm zu sagen: Sind das vielleicht
freudentrånen / weil ihr nun in eurer liebe hoffen dõrfet / da Dison todt ist?
Disons tod / (antwortete Mardocentes heimlich) setzet mich zwar / durch E. Maj.
hohe gute / in einen gluckseligen stand: ich kann aber denselben sonder
entfindung nicht vernemen / da er so unvermutet und plötzlich gekommen. Indem
schauete Belochus den Baracheel mit nassen augen an / und befahle / sonder etwas
zureden dass er seinen bericht vollfuren sollte: welches er dann also verrichtete.
    Ich finde unnötig / (sagte er) mit beschreibung meiner hieruber entfundenen
bestürzung die zeit zu verlieren. Wie mir nun hierauf oblage auf alles ein
wachendes auge zu haben / was diese grosse änderung im lager zu wege bringen
konnte / vername ich / dass im ganzen lager die uneinigkeit und das mistrauen
nicht geringer als wie der schrecken wurde: massen sich alle völker / als die
Niniviten unter den Fürsten Barzes und ihrem feldherrn Phalacus / die Ismaeliten
unter den Prinzen Jetur / die Cussiten unter den Hezrai / der Celten ein teil
unter den Gaisus / das andere unter den Prinzen Baalis / und die Syrer unter
ihre Fursten sich rotteten / und ein volk für dem andren sich hutend / ein iedes
acht auf seine eigne schanze gabe / um den abgang des Generals durch ihre
vorsicht zu ersetzen. Ich konnte demnach selbigen ganzen tag zu keinem gehör
gelangen: weil der schrecken und die verwirrung viel zu gros war / als dass man
håtte an mich gedenken konnen. Der Zameis / des Prinzen von Assyrien hofmeister
/ war der einige / der mich selbigen abend besuchte / und mir vertraute / dass
sein Prinz gesonnen wäre / der Prinzessin Hercinde nach Basan zu folgen: massen
auch gestrigen morgens der Prinz selber zu mir kame / und mir seine
angelegenheit anbefohle / wegen des Königreichs Ninive für ihn zu sprechen /
welches ein punct der vorgeschlagenen friedenshandlung gewesen / ehe dieses
grosse unglück sich zugetragen / und hätte / auf solche bedingnis / die
Prinzessin Hercinde ihn zu ehlichen / sich eingelassen. Er klagte mir zwar dabei
ihre jetzige ungnade /und wie sie auf / ihn erzurnet / hinweg gezogen / üm des
verdachts willen / den alle welt / wegen der liebe zur Königin von Syrien / auf
ihn geworfen håtte. Etliche stunden hierauf / wie der Baleus bereits hinweg war
/ forderte man mich in des Eridanus gezelt zur verhor / da ich diesen Konig /
neben der Mirina und den beiden Prinzen aus Egypten / antraffe: die mir die
allgemeine verwirrung im lager entdeckten / und sich ferner anerboten / nicht
allein frieden zwischen E. Maj. und den Syrern zu machen / sondern auch das
Konigreich Ninive und Meden wieder unter den Assyrischen gehorsam zu bringen.
Ich vername hierbei /wie sie wegen der noch übrigen Prinzessin von Syrien / die
sich alhier befindet / dahin zieleten / dass E. Maj. deroselben Syrien / üm die
Syrier zu vergnügen / auch die Celten und Ismaeliten ihre bundsverwandten zu
besänftigen / abtretten sollten: welches alles ich so ferne angenommen / dass ich
davon berichten wollte /und merkte ich wohl / dass der Konig Eridanus solches am
meisten triebe / dem die Syrer darum in den ohren ligen mochten.
    Als ich hierauf wieder in mein gezelt gekommen /fanden sich der Husan von
Chesed / der Prinz von Hevila / und der von Ammon bei mir ein / und trugen mit
auf / in namen aller dreier völker / E. Maj. zu ersuchen / dass sie die jungere
Aramena / als nunmehr Syrische Konigin / wieder in freiheit setzen / und auf
vorerwähnte puncten / das reich Ninive und Meden betreffend / den frieden
annemen wollten. Dieses ihr zumuten hielte mich gestern auf: massen ich auch mich
gern halte liesse / um zu nötiger nachricht noch ein mehrers drausen zu erfahren.
Wie ich dann hierin nicht fehl gedacht / und nun den bericht mitbringen kann / dass
die gesamte Niniviten diese nacht unversehens aufgebrochen sind / nach Ninive zu
gehen: weil sie wind bekommen / dass man damit umginge / sie unter Assyrien zu
bringen. Als diesen morgen selbige zeitung mich nicht wenig befrömdete /
erhielte ich in den augenblick noch eine andere / dass nåmlich die Königin Mirina
mit den meisten Celten / auser den jenigen / die der Prinz von Ammon vor
etlichen tagen ins lager gefüret / nach dem gebirge der Amoriter /unwissend zu
was ende / aufgebrochen wäre. Der Prinz Hiarbas kame kurz vor meiner abreise zu
mir /und deutete mir an / dass er nach ihrem heer / so in fünfzig tausenden
bestehet / und die ihnen / wie auch dem Prinzen Baleus und den beiden Celtischen
schwestern zu gebot stehen / hinreisen wollte / um mit denen sich zu nähern / und
den frieden stiften zu helfen. In solchem stande habe ich nun das lager
verlassen: und weiss ich fast nicht zu sagen / ob wir noch belagert sind oder
nicht / weil alles zerrissen ist / und die Syrer mit den Ismaeliten und Celten
zusammen stehen / hingegen die Cussiten sich auch beisammen halten / und / mit
den Egyptern / auf der Syrer tun und fürnemen gute aufsicht haben. Es stehet
demnach der friede wohl in unsren hånden / und wird zu überlegen sein / ob die
erlangung dessen / neben den beiden reichen Ninive und Meden / würdig sein /
Syrien dafur fahren zu lassen.
    Ach! gar zu grosser verlust! (rieffe hierauf Belochus) der mich unfähig
machet / hierin einen raht anzunemen oder zu geben. Als er diss gesagt / stunde
er auf / und folgten ihme die beide gleichbetrübte Könige: da sie dann in
verschiedenene cabinete sich verschlossen / um alda ganz allein ihren klagen den
freien lauf zu geben / die Belochus uber der schönen Philominde und Pharao über
seiner eignen tochter / Beor aber uber der Ahalibama verlust / in sich
entfunden. Bald hernach begaben sich Pharao und Beor in ihre eigene paläste: da
sie sich zu bette warfen / und niemanden / als ihren vertrautsten / gonnen
wollten / selbigen tag vor ihr angesicht zu kommen. Unter diesen ware / bei dem
Könige von Canaan / der Tahas und sein bruder / der alte Tebah / der bisher so
treulich für des grossen Aramenes geblute gearbeitet / und mit allen kräften
darnach gestrebet hatte / seines verstorbenen Konigs hinterbliebenen kindern
ihrem verlornen tron wieder zu erlangen. Dieser nun wollte schier von sinnen
kommen / als er eine so erschreckliche post vername: und da er bisher sich
heimlich in seinem herzen genaget / dass es mit der Königin von Syrien nicht nach
seinen wunsch ergange war / vermeinte er nun gar zu verzweiflen / da er dieses
unglück vernemen müssen. Gleichwie er aber anfangs für die noch ubrige Aramena
gearbeitet / also beschlosse er in dieser bestürzung noch ferner zu tun: wiewol
er nicht sah / wie ohne des Beors hülfe hierzu würde zu gelangen sein / mit
deme doch / wegen so frischer wunde / diesen tag noch nichtes konnte geredet
werden.
    Diese betrübte post breitete sich nun bald uberall durch ganz Damasco aus:
da dann / nicht allein die bedrangte einwoner / sondern auch die Königin von Tyro
/ die von Elam und die Prinzessinnen Tarasile /Milcaride und Indaride / grosse
betrübnis erwiesen. Solche aber vergliche sich nicht mit dem schmerzen der
Konigin von Ninive / die nicht zu trösten war / als ihr der unvermutete
todesfall ihrer schwester / und ihrer liebsten freundin Ahalibama / zu ohren
kame: und ob sie gleich / den Dison anzufeinden / vermeinte befugt zu sein / so
fulete sie doch in sich / dass sie auch jammerte / seinen tod zu vernemen / und
dass sie lieber ein långeres leben ihm håtte gönnen mogen. So eine
barmhertzigkeit fand aber nicht in sich die Petasiride / welche hierbei nichts
beklagte / als dass Dison den tod nicht von ihrer hand entfangen sollen. Weil nun
also ihre rache gegen ihm zu ende war / wandte sie dieselbe gegen ihre
abtrunnige Sabeer / furnemlich aber gegen den Casban / der sich von dem Dison
verleiten lassen / ihme die Kemuelsburg zu ubergeben. Um nun diese abtrünnige
der gebür nach abzustraffen / wurde sie rahts / die burg nochmals sturmen zu
lassen: wozu ihr Prinz Mardocentes / mit seinen Arabern / sich ganz willig
erbote / und lage es nur an dem gutbefinden der Könige und ihrer råte. Weil aber
diese /für traurigkeit / diesen tag sich nicht sprechen liessen /als wurde dieses
vorhaben auf folgenden verschoben. Also hatte der aufmerksame Argob gelegenheit
/ diss alles / den abend vorher / durch den herabgelassenen korb / denen in der
burg wisslich zu machen.
    Wiewol nun diese entschlossen waren / bis auf den lezten blutstropfen sich
zu wehren / und durch die erlangte hulfe der tausend Syrer sich stårker wussten /
so sahen sie doch wohl dass sie in die länge nicht würden bestehen köñen: weil sie
von ausen / bei dem zustand / da der erkannte Aramenes tod war / keine hülfe
vermuten dorften. Also waren sie mehr verzweifelt / als beherzt / ihr leben bei
der Konigin von Syrien zu lassen. Wie es demnach wieder tag worde / und die
betrübte Konige in der Petasiride begehren eingewilligt hatten / fürete der
dapfere Mardocentes seine Sabeer zum sturmen an: und ob er gleich mehrern
widerstand / als er nach des Disons tode vermuten konnen / daselbst fand /
drange er doch endlich durch die vormals-durchlocherte mauren / und erstiege die
burg; da dann alles von seinem schwerd fiele / und begehrte kein Sabeer das leben
/ ob es ihm gleich angeboten wurde. Die Königin von Syrien / neben beiden
Prinzessinnen / die nun abermals ihrer freiheit sich beraubet sahen / und in der
Königin hånde gerieten / waren noch von voriger angst so erstorben / dass sie
dieserwegen keine neue bestürzung anzunemen nötig hatten. Sie gingen sofort den
siegenden feinden entgegen / um ihnen dadurch zu verwehren / einige gewalt an
ihnen zu begehen.
    Des Prinzen von Arabien entsetzung war unbeschreiblich / als er diese so
gewiss todt-gesagte drei schonheiten ins gesicht bekame: von denen er anfangs
schier glauben wollte / dass es der verstorbenen ihre geister wåren. Wie nun die
schöne Konigin ihn also stutzen und sie unbeweglich anschauen sah / sagte sie
zu ihme: Entsetzet ihr euch etwan dafur / Prinz von Arabien! dass ihr darzu
ausersehen seit / mir meine erst-abgelegte bande wieder anzulegen? so wisset dass
ich den himmel danke / dass ich in eines so tugendhaften Prinzen hånde geraten
bin / der / wan er ja mir meine freiheit nicht erlangen kann / dass ich zu den
Syrern hinaus in mein lager komme / dannoch meine fåssel mir hier tragen helfen
/ und bei aller begebenheit zeigen wird / dass ihme nicht lieb sei / mich und
gegenwärtige verlassene Prinzessinnen unter solcher tyrannei zu wissen. Der
himmel sei mein zeuge / (antwortete Mardocentes) dass weder ich / noch sonst
iemand in Damasco vermutet / solche schönheiten alhier beschlosen zu finden /
massen wir sie ingesamt als todt beweint: und wollte ich / hiermit das gegenspiel
erfahrend / nich innigst erfreuen / wan ich dabei die macht hätte / nach meinen
verlangen die freiheit auszuteilen. Doch werde ich allemal / der schonsten
Königin von Syrien und ihren unvergleichlichen gefärtinnen / erweisen / dass ich
also beschaffen sei / wie man iezt von mir die gute einbildung geschopfet.
    Diese lezte worte sagte er heimlich / weil viel Assyrier dabei stunden / die
sich mit bei diesen sturmen gebrauchen lassen: die dann / aus unaussprechlicher
freude / der Konigin zu fus fielen / und einer noch håftiger als der andere
seine vergnügung erwiese / sie lebendig zu sehen. Diese eileten auch / was sie
kunten / nach dem Koniglichen schlosshof / solche gute post den Königen zu
hinterbringen: die dann als im traum anhörten / was man ihnen nicht allein von
dem leben ihrer liebsten / sondern auch von deren überkommung / fürsagte. Es
hatte dieses freud-entsetzen fast so gefärliche wirkungen bei ihnen / als
vordern tags die betrübnis: daher sie / weil beides so geschwind aufeinander
ankame / fast zu schwach werden wollten / so häftige bewegungen zu ubertragen.
Sie liessen sich eiligst von ihren kammerherren zu wagen bringen / und rennten
nach der Kemuelsburg / alwo Mardocentes bei diesen schonen gefangenen ihrer
erwartet: der dann sich schåmte / diese edelste beute den Königen zu überliefern
/ die er lieber aus ihren klauen hätte reissen mogen. Demnach machte er sich
gleich unsichtbar /wie er diese alte verliebte ankommen sah / und beschäftigte
sich / seine volker / nach diesem erlangten siege / wieder in ordnung zu
bringen.
    Belochus / sobald er seine Aramena ersehen / eilete ihr entgegen / und war
so voll freuden / sie lebendig und in seinen hånden zu wissen / dass er schier
nicht wusste / was er täte. Ist es müglich / (fragte er ohn unterlass) dass euch /
meine schöne! der tod nicht aufgerieben? Der hochste Gott (antwortete sie ihm /
mit grosser standhaftigkeit) will noch nicht / dass ich durch solches mittel meines
elends soll entladen werden. Die götter wissen / (versezte dieser verliebte) dass
ein so schones leben der welt noch grosses vergnügen bringen kann / darum sorgen
sie billig fur dessen erhaltung. Inzwischen die Konigin von Syrien also mit dem
Belochus in widrigem gespräche begriffen war / erginge es der Amesses und
Ahalibama nicht båsser: wiewol mit diesem unterschiede / dass Pharao mit jener /
als mit seiner tochter / wenig hoflichkeit gebrauchte /massen er / seine
väterliche gewalt zu erweisung seiner liebe anwendend / diese seine schone
tochter ungescheut küssete; Beor hingegen / ob er gleich fürlängst einen bräutgam
bei der andren Prinzessin abgegeben / ihr dannoch alle ersinlichste ehrerbietung
bezeigte / und fast unter diesen dreien der furchtsamste liebhaber war / wiewol
er das meiste recht fürzuschutzen hatte. Weil sie aber alle dreie ungeliebt
waren / als schiene bei jedem die unzufriedenheit herfür: welches auch die
Königin von Syrien mit einer grosmutigen verachtung / Amesses mit ihren bittren
tränen / und Ahalibama mit widrigen gebärden bezeugten. Doch gingen sie gedultig
mit zu wagen / und liessen sich wieder nach ihrer alten herberge bringen: da
überall / wo sie durchkamen / ein freudgeschrei auf den gassen erscholle / dass
man sie nun wieder lebend wusste.
    Sie waren kaum abgestiegen / da sahen sie sich von den Koniginnen zu Tyro /
Elam und Saba / und den Prinzessinnen Indaride / Tarasile / Milcaride und allem
andren frauenzimmer umgeben: welche über ihrem widerkehren und leben
unbeschreibliche freude von sich blicken liessen. Jederman verlangte nun zu
wissen / wie es mit erhaltung dieser dreien zugegangen: und sorgte Belochus
allbereit / dass er das leben des Aramenes auch würde vernemen müssen / bis die
Amesses / als hierinn die unentfindlichste / alles erzehlte / wie dieser erdfall
sich begeben / und wie Casban sie gerettet hatte. Wan unsere lebens rettung
/(sagte hierauf die bis in den tod betrübte Königin von Syrien) alhier freude
erwecket / so lasse man dieselbe so wohl diesen Sabeer / als meinen vettern den
Elhanan / geniessen / damit sie ihre freiheit wieder erlangen /die sie in unsren
diensten verloren haben. Dem Elhanan sei das leben und die freiheit geschenket!
(sagte Belochus zugleich befehlend / ihn los zu lassen) ob aber die Königin von
Saba dem Casban gleichfalls begnadigen wolle / solches stehet lediglich bei
deren gütigkeit / und habe ich darbei nichtes zu reden.
    Nun mein feind Dison gewiss todt ist / (antwortete Petasiride) will ich der
Konigin Aramena bitte nicht entgegen sein / sondern auf ihren befehl dem Casban
seine straffe erlassen: wiewol es mir sehr schwer fällt / dass er sich von dem
verräterischen Prinzen verleiten lassen / der mich vor meinen leuten also zum
gespotte und gelåchter machen dorfen. Es hat ja mein armer bruder (sagte
Ahalibama) mit dem tode gebusset / was er wider seinen willen / um seinen
freunden zu dienen / der Konigin von Saba zu wider tun mussen: darum sollte ich
wohl vermeinen / dass deren unwille sich nun endlich legen könnte. Euer bruder /
Prinzessin von Seir! (antwortete Petasiride ganz erhitzet) hat sich also
erwiesen / dass er nicht würdig war / den namen eines Fürsten zu füren / noch aus
dem Assyrischen stammen entsprossen zu sein: und werde ich den für meinen
todfeind halten / der jemals seine taten zu beschönen / sich wird unterwinden
dorfen. Um dieser bedrohung willen / (gabe Ahalibama zur antwort) werde ich
nicht unterlassen / des edlen Disons tugend und ehre gegen aller welt zu erheben
/ und hat er seinem stande nichts schimpfliches zugefüget / indem er / seinen
unterdrückten freunden helfen wollend / sich nicht schuldig erkant hat / die
Königin von Ninive um die von Saba zu verwechslen. Indem trate / sowol der König
von Canaan / als die Konigin von Tyro / dazwischen / üm fernere wortwechselung
zu verhuten: und mitlerweile Beor seine Prinzessin besänftigte /zoge Delbois die
Petasiride an ein fenster / um sie zu frieden zu sprechen. Es teilete sich auch
hierauf die gesellschaft von einander / und fügte man der Konigin von Syrien
damit / dass man sie allen liesse / weil sie nicht bergen konnte / wie sehr sie
hiernach verlangte. Also wurde allein die Ahalibama / auf ihr begehren /bei ihr
gelassen / und auch der Amesses vergonnet /diesen zweien ferner gesellschaft zu
leisten.
    Sie waren nicht lang allein gewesen / da kame die jungere Aramena neben der
Orosmada zu ihnen in das zimmer: von denen die erste ihrer schwester mit
ausgespanten armen zuliefe / und die andere solches bei der Amesses verrichtete.
Ihre freudentrånen / sie wieder lebendig zu sehen / täten zu erst das wort für
sie /die aber nachgehends in trauerzären sich endeten: in betrachtung / was
elender zustand sie wieder zusammen brachte. Weil Argob in seinen kundschaften
auch erwehnet hatte / was grossen unwilen die Königin von Ninive gegen dem
Prinzen von Seir in ihren reden verspuren lassen / und wie sie ihr ehmaliges
gelübde wieder angenommen / als entfanden die Konigin von Syrien und Ahalibama /
die solches alles wussten / ein doppeltes leiden / sonderlich daruber / dass sie
diese edle seele / die schon einmal zum wahren erkentnis gebracht war / also von
neuem verleitet sehen sollten. Ihr alsbald hiervon zu sagen / fand die schöne
Syrerin nicht ratsam / und unterhielten sie einander mit andern gesprächen / den
erkannten Aramenes betreffend: den die jungere Aramena nun mit-beweinte / und
sich ferner neben der Orosmada bemühte / den andern dreien mit trost zu
zusprechen / und sie zu vermanen /dass sie / wegen dieser verfolgung von ihren
alten liebhabern / sich zu frieden geben sollten.
    Wir beide (sagte Orosmada / auf die Konigin von Ninive zeigend) wüsten wohl
ein mittel / wie sowol die Konigin von Syrien / als die Prinzessin von Seir
/ihren verfolgern entgehen möchten / wan solches nur meiner Königin anständig
sein konnte. Was du damit meinst / (fiele ihr die Königin von Ninive / nicht
sonder errotung / in die rede) kann meine schwester /wegen ihres reichs Syrien /
nicht annemen / wohl aber Ahalibama / wan sie klug wåre. Worinn dann (fragte
Ahalibama) sollte wohl dieses bestehen? Darinn (antwortete Orosmada für die
Königin von Ninive) dass man der Diana gelubde annåme / und durch solchen guten
zweck gestärket / auf mittel bedacht würde /von hier zu entkommen. Dieses lezte
/ (gabe Ahalibama zur antwort /) liesse sich wohl ohn das erste tun. Wie kann aber
die Konigin von Ninive dieses mittel furzuschlagen gesinnet sein / da sie ja
viel eines bässern unterrichtet ist? Ach Ahalibama! (antwortete diese Konigin
seufzend) dein guter fürsatz / mir deinen ungetreuen bruder zu geben / brachte
dir und meiner schwester dieses in die gedanken / mich von meinem glauben und
getanem gelubde abzuleiten: welches aber nun nicht mehr nötig ist / da Disons
tod und meine reue mich wieder in meinen vorigen stand gesetzet hat.
    Muss ich dann / (finge hierauf die Konigin von Syrien an) bei aller meiner
widerwärtigkeit auch noch diss erleben / dass meine schwester / nach ihrer
erleuchtung / wieder vom liecht abfalle und den irrweg ergreife /den sie einmal
verlassen? Weder Dison / noch einige weltliche betrachtung / hat mich bewogen /
eure bekehrung so begierig zu suchen / sondern der eifer gegen dem himmel / und
euch zu dem wahren licht zu bringen / sind ursach hieran gewesen: und wäre
gleich Dison unbeständig worden / dessen er doch mit unrecht beschuldigt wird /
so sollte man sich doch solcher gestalt nicht rächen / da man selber den grosten
schaden / und zwar an der seele / zu gewarten hat. Vermeinet dann die Konigin von
Ninive / (täte Ahalibama hinzu) dass mein bruder fåhig sein können /seine Aramena
zu verlassen? Hat es dann nicht die tat erwiesen / dass er / um seine Königin und
uns befreien zu können / der Konigin von Saba geliebkoset? und ist dieses die
belonung fur meinen armen bruder / dass / indem er für uns stirbet / seine
Aramena ihren glauben åndert / üm seiner zu vergessen? Ich halte dafur
/(antwortete die Konigin von Ninive) dass Petasiride so wohl / als ich / sei
betrogen worden / und dass Dison uns beide nicht gemeinet / sondern meine
schwester /die er eher als mich geliebt. Ihr stecket / liebste schwester!
(sagte die schone Syrerin) voll gemüts-und seelen-irrtümer / und tut dem edlen
Dison / euch selbst und uns allen / gleiches unrecht an. Beweinet diesen treuen
Prinzen / dessen ihr grosse ursach habet /und gonnet mir / was mir iezt die
betrübnis verwehret / euch künftig im rechten glauben wieder fåst zu machen.
    Diese worte gingen der Konigin von Ninive nicht wenig zu gemute / und
beunruhigten sie dermassen /dass sie / an statt der antwort / håftig zu weinen
anhube: und stellte sich ihr damals der unschuldige Dison /mit allen seinen
schonen geschicklichkeiten / so volkommen für / dass ihr der hass gegen ihm auf
einmal verginge / und sie nur / fur den andern ihre liebe zu bergen / sich
bemuht erzeigte. Weil aber / wegen des ausgestandenen schreckens / und aller
erlittenen angst / die Konigin von Syrien zu ruhen verlangte / als redte man
hievon nicht mehr / und wurde sie mit ihrem frauenzimmer allein gelassen:
welches / solang sie auf der Kemuelsburg gewesen / alda beisammen geblieben war
/ und nun mit innerster freude sich wieder bei ihrer Königin befande. Sie
erteilte ihnen allen / auser der Perseis und Merone / einen gütigen blick: diese
beide aber / weil sie ihre verråterei erfahren / schaffte sie aus ihren augen.
Amesses und Ahalibama folgten ihrem beispiel: bei welcher lezten dann die Königin
von Ninive verbliebe / als die sich ja so schwach als die anderen / und die ruhe
ihr gleich nötig / befande.
    Dieses ausruhen hielte die Konige ab / ihre geliebten nach mittag / wie sie
willens gewesen / wieder zu besuchen: und blieben sie also / fur übermässiger
freude / so plötzlich ihr Glück veråndert zu sehen / ganz unentschlossen / was
sie beginnen sollten / bis auf den andern morgen: da / auf fleissiges zureden der
Assyrischen räte / und sonderlich des Syrischen statalters Mamellus / bei dem
Pharao Uchoreus eine zusammenkunft veranlasst wurde / deren allein die drei
Konige / neben dem Bildat / Mamellus / Baracheel /Petosiris und Tahas
beiwoneten. Daselbst nun uberlegten sie wie man sich dieses grossen erlangten
glückes gebrauchen wollte / üm dadurch sowol dem staat als der liebe geholfen zu
sehen. Nach dem sie alles reiflich erwogen / ward beschlossen / fürnemlich dahin
zu trachten / dass niemand im lager erfahren möchte / wie die Königin von Syrien
noch lebte: damit hierdurch die vorhabende friedenshandlung nicht schwerer
gemacht wurde. Ferner so sollte man die Syrer und einwoner in Damasco / durch
verheisung tausend freiheiten und gerechtigkeiten / dahin gewinnen / dass mit
ihrem guten willen ihre Konigin an den Belochus verehlicht würde / wie sie dann
deren / und der Ahalibama / wie auch der Amesses / vermälung fur hochstnotig
hielten / ehe jener ihr verlobter Furst) der grosse Edom / aus Canaan herzu kåme
/ und dieser ihre beide brüder / der Amosis und Hiarbas /hiervon nachricht
bekämen / und hinternis dazwischen brächten.
    Es sorgten zwar die drei verliebten nicht / dass diese zwangheuraten
unglücklich sein mochten / weil dergleichen geschichten / sonderlich des Königs
von Cus / vor augen waren / da solche heiraten nachgehends wohl geglücket. Die
groste schwerigkeit fand sich /wo man mit der jungern Aramena bleiben wollte /
die das reich Ninive begehrte. Doch machte endlich der König von Assyrien diesen
schluss / dass er sie und mit ihr das reich Hemath / an welches der Baracheel
einen billigen zuspruch hatte / dem Elihu / des Baracheels sohne / geben wollte:
fur welche unvermutete gnad-bezeigung der Fürst von Bus nicht worte gnug finden
kunte / seinem Konig zu danken / und seine erkentlichkeit satsam an den tag zu
geben / dass er / seinen gefangenen sohn / einen Konig / und zwar einen schwager
des grösten weltmonarchen / sehen sollte. Um aber den Prinzen Bildat von Chaldea
auch zu vergnugen / wandte sich Belochus folgends zu demselben / und bote ihm /
fur seinen sohn den Prinzen Sinear / die Konigin von Elam an: der dann nicht
weniger / als Baracheel / diese gnade tief erkannte. Und vermeinte Belochus
hierdurch das mittel gefunden zu haben / seinem Koniglichen stul die konigreiche
Syrien / Ninive / Elam Hemath und Meden fäst unterwürfig zu machen.
    Nachdem diese beratschlagung sich geendet / ware nun ubrig / das
beschlossene zu werk zu richten. Baracheel übername / wieder hinaus ins lager zu
gehen / und sowol den Syrern und ihren bundsverwandten / als den Cussiten /
anzubringen dass man sich an Assyrischer seite / dieser lezten getane friedens
furschläge (doch sonder des reichs Ninive dabei zu erwähnen / welches Baleus
sofort regiren sollte) gefallen liesse / und der Syrer begehren / ihnen die
überbliebene schwester der Königin von Syrien abfolgen zu lassen / wan erst der
friede unter ihnen völlig würde aufgerichtet und beschlossen sein / auch erfullt
werden sollte. Ehe Baracheel sich auf den weg machte / verbote er zuvor bei
lebensstraffe seinen leuten / die er mit ins lager name / dass sie niemanden /
von der Königin von Syrien / noch von der andern beiden Prinzessinnen leben /
etwas eroffnen sollten.
    Wie dieser hinweg war / name Mamellus uber sich / mit den Syrern und
einwonern in Damasco zu reden / und seines Konigs verlangen ihnen anzutragen:
weswegen der alte Furst Hus / wie auch der Zophar / und die fürnemsten aus der
stadt / in seinen palast zu kommen / ersuchet wurden. Daselbst nun stellte er
ihnen mit grosser beredsamkeit für / wie sie den guldenen frieden in ihren händen
håtten / und denselben nicht allein ihrer bedrangten stadt und dem lande
/sondern auch dem ganzen Asien / erteilen konten /wan sie mit ihrem guten willen
geschehen liessen / dass ihre Königin / des grossen Belochus gemalin / und durch
solches susse band / Syrien mit Babel auf ewig verbunden / wurde. Der alte Hus /
so fürlängst dieser Meinung gewesen / wiewol er es in seinem herzen anderst
gewunschet / fand nichtes hierwieder zu sagen. Zophar zoge hierzu die schultern
/ ohne ja oder nein zu antworten. Aber alle die andren / weil sie des kriegs von
herzen mude waren / erwiesen sich willig hierzu / und / durch die susse
vertrostungen des Mamellus von ihrer kunftigen freiheit / geblendet / widerten
sie sich nicht / unter Assyrien ferner zu bleiben /sondern schieden frölich von
dannen / und breiteten es sofort durch die ganze stadt aus / dass in wenig tagen
friede werden / und man ihre Königin an den Assyrischen Monarchen trauen wurde.
    Wie Belochus diese gute verrichtung des Mamellus vernommen / begabe er sich
nach seiner schwester /der Konigin von Tyro / eröffnete ihr alles dieses / und
bate sie / seiner schönen anzutragen / dass sie ihm nach dreien tagen / bei
angesezter einweihung der beiden tempel des Osiris und der Isis / die ehliche
hand geben wollte. Die Konigin von Tyro / so ihren bruder in allem gern fugte /
gabe ihm hierauf zu bedenken /ob nicht diese angesezte zeit zu kurz sein würde /
der Konigin von Syrien gemüte zu einer solchen Entschliessung zu bewegen? massen
der todesfall ihres bruders des Aramenes / ihr wenigst neun tage die traur zu
halten vergönte. Sie entfinge aber zur antwort: wiedass der zustand es iezt nicht
anderst erlitte /weil / wan man so lang warten wollte / bis Hiarbas /der nach
seinen volkern gereiset / mit denen zu rucke kåme / oder Baleus aus Basan wieder
kehrte / oder der Konig Marsius mehr hülfvolker den iezt-besturzten Syrern
zuschickte / oder diese erfüren / wie die Königin Aramena noch lebte / hierdurch
leichtlich alles ihr fürhaben zernichtet und rückgångig werden konnte. Die
Delbois / diese gründe bei sich gelten lassend /name über sich / der Königin von
Syrien solches anzubringen / dabei sagend: dass der König von Egypten und der von
Canaan ihnen andere freiwerbere bei ihren bråuten verschaffen mochten / weil sie
für keinen / als allein für ihren bruder / zu reden begehre. Belochus liesse ihm
solches nicht misfallen / massen er selbst die heurat des Pharao misbilligte /
auch seine schwester nicht verdenken kunte / dass sie die heurat des Beors ungern
sah: doch mussten sie beides geschehen lassen / weil solches der staat und des
Belochus eigennutz erforderte.
    Der Königin von Tyro konnte / wegen einer sonderbaren andacht / die sie eben
auf selbigen tag / im tempel der göttin Gad / abzulegen ihr fürgenommen hatte /
der Konigin von Syrien nicht gleich diese unlustige botschaft bringen / und
musste solches bis gegen abend versparen: sie verhiesse aber den Belochus / die
gottin üm glücklichen fortgang dieses seines fürhabens mit anzuruffen. Dieser
Konig wollte solches auch von seinen göttern erbitten / und ginge neben dem
Pharao und Beor / nach den Isis-tempel / daselbst anzubeten / auch zugleich
alles anzuordnen / was bei der einweihung dieses tempels / der nun vollig färtig
/auf das ansehnlichste und prächtigste sollte furgenommen werden.
    Die schone gefangene befanden sich inzwischen /zu ihrem vergnügen /
beisammen: da dann ihre ergetzung meist darin bestunde / dass sie ståts von ihrem
elende redten / und selbiges beweinten. Die Furstin Dersine / so mit zugegen war
/ ihre Konigin von der traurigkeit auf ein par stunden abzubringen / brachte die
begebnise der Prinzessin von Egypten und deren von Sidon auf die bahn / die
ihnen beiden / so wohl zu Ninive / als nachgehends in Elam zugestossen: und machte
damit / dass man hiervon zu reden begunte /und die schone Syrerin den
eigentlichen verlauf zu wissen verlangte: fürnemlich um dess willen / weil bei
verbrennung des tempels in Ninive sich etwas sollte zugetragen haben / das ihrer
schwester anlass geben konnen / von den angenommenen rechten glauben wieder
abzutreten. Demnach bate sie die schöne Orosmada / als die ruhigste von gemüt /
ihr den gefallen zu erweisen / und zuberichten / was ihr und und der Prinzessin
Amesses begegnet / seit dass sie von Damasco hinweg gereiset. Diese Prinzessin
übername solche erzehlung willigst / und legte dieselbe gleich darauf ab
/nachfolgender massen.
    Als die Prinzessin von Egypten / vor der nie-erhorten wut ihres bulerischen
vatters / nach Ninive fliehen müssen / stunde es nicht lang an / dass ich gleiche
Entschliessung zu fassen / durch die Konigin von Tyro gedrungen wurde: welche /
ihren sohn zu heiraten /mich unwürdig erkennend / durch den Cosdron mir an die
hand geben liesse / dass ich meine einmal-gefaste Meinung nicht ändern / sondern
den tempel von Ninive zum aufentalt erkiesen sollte. Dieses nun stårkte mich in
meinem vorsatz / und machte mich entschlossen / der bösen welt auf ewig
abzusagen / und eine geheiligte jungfrau der Diana zu werden. Ich hatte sobald
nicht Ninive erreichet / da eroffnete ich der ehrwürdigen Cölia mein furnemen /
und werde nicht allein von ihr und den gesamten jungfrauen freundlich entfangen
/ sondern auch willigst meiner bitte gewåret / in ihren heiligen orden treten zu
dörfen. Wie ich nun bald darauf in ihre kleidung mich begeben / und mein gelübde
abgeleget / erwiese sich die Prinzessin Amesses / die wegen des Prinzen Armizars
/ nicht also /wie ich / diss mittel / den verfolgungen der welt zu entkommen /
ergreifen kunte / der Colia und uns andren so gefällig / dass ihr gegont wurde /
die geistliche kleidung mit anzulegen: in welcher tracht sie / durch eine aus
unsrem orden / die wohl mahlen konnte / sich abbilden liesse / und solches gemåle
dem Prinzen von Ophir zuschickte; mit dem sie / auf vergonstigung der
Oberpriesterin / ståts briefe wechselte / und ihren zustand ihm eroffnete / auch
hinwieder den seinigen / insonderheit aber den glücklichen fortgang seiner
waffen / in eroberung seines Konigreichs / wider ihren bruder / erfuhre.
    Wir lebten nun also in guter ruhe / bis das unwesen in Ninive sich
angesponnen / welches so sehr überhand name / dass auch unser heiliger tempel
nicht verschonet bliebe: massen Ninias / der Furst von Ressen / seinen schutz
und sicherheit darin suchte / wider den Fürsten von Cale / der ihn belagerte /
und die heiligkeit des orts nicht ansehend / seinen feind in allen winkeln zu
verfolge / fur seine kriegsregel achtete. Also wurde in den heiligen platz zu
uns hinein gedrungen / da die zu uns gefluchtete nicht weniger angst / als wir
im tempel / ausstehen mussten. Wie wir nun / diese allgemeine noht von uns
abzuwenden /einsmals bei nachtzeit alle / auser der Amesses / die da nicht
hinein kommen dorfte / in unsrer heiligen innern capelle / da der grossen Diana
bild stunde / versamlet waren / und beteten / entzundete sich plotzlich der
åusere bau dieses herrlichen wunder-tempels / und geriete sofort in volle
flammen: welches uns bewegte /vom gebet abzulassen / und nach diesem unglücke zu
sehen.
    Sobald wir mit der Cölia den vorderplatz betreten /kame die ersckrockene
Amesses auf uns zu gelaufen /und ward verfolget von etlichen gewaffneten månnern
/ die auch nicht von ihr liessen / ungeacht sie ihre zuflucht hinter die
ehrwürdige Colia name. Diese / so sehr sie auch über dem entstandenen brand /
und über der gegenwart dieser manspersonen an einen so heiligen ort bestürzt war
/ unterliesse doch nicht / mit grosser herzhaftigkeit / dem vordersten von diesen
in die arme zu fallen / und ihn dergestalt aufzuhalten. Mitlerweile aber dieser
ungleicher streit wärete / kame einer auf mich zu / den ich sofort / weil die
brunst die nacht zum tag machte / für den Prinzen von Tyro erkannte. Ihme zu
entfliehen / name ich gleich die Entschliessung / mich hinter das wunderbild der
grossen Diana zuverstecken. Weil ich die Amesses auch mit dahin nemen wollte / als
fassete ich deshalben dieselbe eiligst beim arm / und liefe mit ihr / so schnell
ich kunte / nach dem inneren tempel: nimmermehr gedenkend / dass Tiribaces / und
der Sadrach / welcher der war / den die Cölia aufgehalten / so verwegen sein
sollten / diesen heiligsten ort mit ihrer gegenwart zu entehren. Wie wir uns aber
kaum hinter die seule der Diana gestellet / und dieselbe nun umfasseten / sahen
wir den tempel / in welchen noch nie / seit dessen erbauung / einiges mansbild
gekommen war / von dem Tiribaces / Sadrach und ihren leuten angefüllet / die
ohne ehrerbietung auf uns zudrangen / und uns entfüren wollten. Die grosse gottin
/ ihr misfallen sehen zu lassen / bewegte sich nicht allein von ihrer stelle
/sondern liesse auch von ihrem angesicht helle stralen auf diese ihre entehrere
schiessen: worbei zugleich ein so häftiges erdbeben entstunde / dass die
allerwildesten dadurch in furcht geraten sollen. Aber solches alles wollte bei
diesen lieb-verblendeten nichts verfangen / die uns verwegentlich angriffen /
aus dem tempel zogen / auf ein schiff sezten / und also mit sich davon fureten.
    Ist diss das grosse wunderwerk / (fiele alhier die Konigin von Syrien der
Orosmada in die rede) das meine schwester von neuen bewegen konnen / abgöttisch
zu werden. Ist dann das kein grosses wunder /(verantwortete diese frage / die
schöne Niniviten) dass Diana ihre gotteit damit zu erkennen gegeben /indem so
ein heller strahl von ihr geschossen / dass die erde gebebet? Ein grossers wunder
(versezte die schone Syrerin) sollte es gewesen sein / wan Diana euch beide fur
euren entfurern håtte schützen konnen: dann dass sie solches tun wollen /
bezeuget das erdbeben / und der von ihr geschossener blitz / welchen eine
onmåchtige gotteit / und zweifelsohn der feind des wahren Gottes / um die
irrende in ihrem unglauben zu stårken / muss hervorgebracht haben.
    Indem die jungere Aramena hierzu stillschwiege /volfürete Orosmada ihre
angefangene erzehlung. Amesses und ich (sagte sie) waren fast halb todt / wie
wir mit unsrem schiffe über den Hidekel sezten / und /mitlerweile der edle
tempel ganz und gar abbrente / in der nacht unsren entfurern folgen mussten: die
dann alle benotigte anstalt dazu gemacht hatten / wågen in bereitschaft zu halten
/ um damit uns aus den reich Ninive nach Elam hinweg zubringen. Weil diese
gewalt sich keines wegs entschuldigen liesse / als entfinge Tiribaces so wenig
bei mir / als Sadrach bei der Prinzessin Amesses / ein gnädiges gehör; und
wiewol sie / zu ihrer entschuldigung / die grosse und håftigkeit ihrer liebe
fürschüzten / so verfinge doch solches alles bei uns nichtes: massen ich auch
dem Prinzen von Tyro /nicht die ehmalige hochachtung fur seine person /sondern
vielmehr / der Amesses beispiel folgend / soviel ich nur konnte / meinen hass
bezeugte. Also hatte dieser Prinz wenig nutzen davon / dass er mich im tempel der
Diana bekommen. Wir setzeten nun / allerseits unvergnugt / unsere reise fort /
bis nach Elimais: welches dem Sadrach willigst die tore offnete / auch ihn als
ihren herrn aufname und verehrte. Der grosse und bekannte aufstand / den er
folgends wider der Elamiten rechte Königin / die Lantine / erreget / war anfangs
so glücklich für ihn / dass er in kurzer zeit die vollkommene gewalt in selbigem
reich erhielte / und nun nach eigenem belieben schalten und walten dorfte. Durch
diese erlangte hoheit / hoffete er bei der Amesses bässer gehör zu erlangen. Aber
sie bliebe /einen weg wie den andern / hart und widerspenstig gegen ihm / und
bestunde darin aller ihr trost / dass sie auf die eiligste rettung von Armizarn
ihre hofnung gegrundet hatte.
    Solche ihre hoffnung / war auch die meinige / dass nåmlich ihre befreiung
meine erlosung wurde mit zu wegen bringen. Mitlerweile wir nun einander trost
einsprachen / und uns mit gedult rüsteten / kame auch Laristenes mit Assyrischen
völkern in Elam; deme der verschlagene Sadrach / also zu begegnen wusste / dass
sie beide eins wurden: massen er sich anstellte / wiedass alles / was er in Elam
fürgenomen / dem Assyrischen König zum bästen gemeint wäre. Wie aber der Hadoran
/ von wegen der Konigin Lantine / in Elam erschienen / und die Elamiten dadurch
aufgemuntert wurden / ihrer rechten Konigin zu dienen / fielen nach und nach die
grossen stätte in Elam dem Sadrach ab /und spielte der dapfere Hadoran überall
den meister: dass dann uns in Elimais keine geringe freude zu vernemen war / und
mussten unsere ungeliebten mit höchstem schmerzen hören wie wir ihren
widersachern alles gute gluck anwunscheten.
    Weil aber der Prinz Tiribaces des Sadrach beginnen in seinem herzen nie
gebilligt / auch so wenig an dem brand des tempels in Ninive / als an der
aufruhr in Elam belieben getragen / sondern nur / aus ermanglender eigenen macht
/ sich solcher gelegenheit mit bedienet / mich aus einen orte hinweg zu nemen
/dahin ich / seiner einbildung nach / nicht gehörte: als fiele es ihm die länge
sehr schwer / des Sadrachs freund zu bleiben / und hielte er es gegen die tugend
zu sein / seiner schwester / der Königin Lantine / an die Elamitische krone
habendes recht zu widerfechten / und ihren rebellen bedient zu sein. Demnach
wandte er sich plötzlich von dem Sadrach ab / als der sich zu Hala befande /
(doch sonder einige untreu hierbei zu begehen / weil er ihm allemal in die augen
gesaget /dass er sein unrechtes tun schelten musste) und gesellte sich zu dem
Hadoran / der mit seinem heer unferne von Elimais stunde: von dar aus liesse er
mir / durch den Borgias seinen hofmeister / entbieten / was er für eine
Entschliessung gefasset / und und wie er wünsche / dass ich auch mir mochte
gefallen lassen / Elimais zu raumen / und ihm in des Hadorans lager nach zu
folgen. Borgias / der eine vollkommene creatur der Königin von Tyro ist /
brachte mir des Prinzen ansinnen dergestalt an / dass er meinen gegen ihm
erweisenden widerwillen nicht sehr tadelte / auch / auf mein veranlassen / mir an
die hand gabe / dass ich wohl / neben der Prinzessin Amesses / heimlich nach
Syrien entkommen könnte / wan mir nicht gefiele / ferner in Elam zu bleiben.
    So willig ich nun diesen raht anname / so lächerrlich kame mir darbei für /
dass des Tiribaces eigener bedienter mir ein solches anbringen täte. Wie ich nun
mit der Amesses hierauf alles abgeredet / die wohl nichtes höher / als aus des
Sadrachs klauen zu entrinnen / verlangte / betrogen wir den guten Tiribaces
wieder / zu vergeltung seiner entfurung aus Ninive /und bedienten uns zwar
seiner eigenen leute und mittel / aus Elimais zu entkommen: als er aber uns bei
dem Hadoran im lager zu entfangen vermeinte / wandten wir uns auf die andere
seite / und eileten mit grossen tagreisen fort / in Syrien zu kommen. Aber das
neidische Glück brachte uns bald wieder um diese erlangte freiheit und schickte
uns den Petosiris mit seinen Egyptern in den weg / der uns gefangen nehme /auch
/ ungeacht alles widerstandes der Syrischen völker / die unterwegs auf ihn
stiessen / uns hier in Damasco einbrachte / und in verstellter kleidung dem Konig
von Egypten überlieferte: und geschahe solches eben damals / als auch die schone
Königin von Syrien / neben ihrer schwester und den andren Prinzessinnen / ihren
verliebten Konigen in die hände gerieten.
    Das Königreich Elam / wie wir unterwegs erfahren / stehet nun seiner Konigin
vollig zu gebot / und ist Sadrach / wie man sagt / in einer schlacht / die er
dem Hadoran geliefert / umgekommen. Aber der Prinz Tiribaces soll auf dem weg
sein / mit einem ansehnlichen heer Elamiten zu uns zu stossen: wiewol ich hieran
zweifele / und eher glåube / er werde zu den Syrern ubergehen. Die Königin von
Tyro / die wegen seiner wiederkunft in frolicher hoffnung schwebet / würdigte
mich nicht ihrer ansprache: onzweifel aus beisorge /sie mochte von mir vernemen
/ dass ich ihren sohn liebte / dafur ich ihr doch gern eine versicherung geben
will; massen ich nimmermehr mein der grossen Diana getanes gelubde zu brechen
begehre / und die welt so böse finde / dass ich nicht länger / als ich iezt
gezwungen tun muss / dann zu leben verlangen werde.
    Hat dann die weisse Eurilinde (finge hierauf die Königin von Syrien an) die
Prinzessin Orosmada in ihrer jugend nicht bässer unterrichtet / noch sie gelehret
/dass wir nur einen Gott haben / den wir verehren müssen? Die Eurilinde / deren
königlichen stand die Konigin von Ninive mir eröffnet / (antwortete Orosmada)
hat mir freilich von diesem Schöpfer der welt viel furgesaget: weil ich aber
nachgehends am Sidonischen hofe mehrern unterricht bekommen / dass nåmlich unter
ihme die gerecht-verstorbene tugend-menschen konnen vergöttert werden / als
vermeine ich nicht / dass dem grösten Gott an seiner ehre etwas abgehe / wan auch
ich die unter-gotter und gottinnen verehre. Wer versichert euch aber / (fuhre
die Konigin von Syrien fort zu fragen) dass diese verstorbene /gotter seien / die
ihr dafür erkennet / und dass die ehre / die ihnen erwiesen wird / dem höchsten
Gott gefalle. Der gebrauch / (antwortete Orosmada) und die ganze welt! Habt ihr
aber (fragte die schöne Syrerin) dieser wegen kein eigenes gebot auf zu weisen /
das euch köñe sicher in eurem glauben machen?
    Wie nun Orosmada hierauf nichtes fürzubringen wusste / fuhre die Königin also
fort: Unsres vatters Noe gesetze / so noch bei uns vorhanden / welches er seinen
kindern auf dem gebirge Ararat gegeben / lehret hievon viel anders / und
gebeutt ernstlich / dass wir einen Gott allein ehren sollen / und dass den / der
andren gottern folget / der Hochste straffen wolle. Vermeinet ihr dann / es wisse
iezt die welt den willen Gottes bässer / als damals / da Noa / sein auserwehlter
/gelebet? Wie nun Orosmada hiergegen nichtes zu sagen wusste / schauete die
Königin von Ninive sie an / und sagte: Warüm seit ihr iezt so stum / Prinzessin
von Sidon! da ihr doch ehmals soviel fürzubringen wusstet / mich zu uberreden /
dass ich / üm an dem Dison mich zu rächen / meinen alten glauben hier wieder
annemen sollte? Ich finde nun / (antwortete Orosmada) dass ich zu schwach bin /
gegen die Konigin von Syrien dasjenige zu behaubten / was der meiste teil der
welt mit mir glaubt / und das ich schwerlich verlassen werde / da ich es meinem
sinne so gleichförmig befinde. Ein gelübde / nicht zu heiraten / (sagte die
Konigin von Syrien) kann man wohl tun / sonder abgottisch zu werden: wiewol die
liebe des tugendhaften Prinzen von Tyro billig ein andres raten sollte /und finde
ich nichtes / als eine harte mutter / die dieser liebe entgegen ist / die sich
aber bald bequemen wird / wan sie der Prinzessin von Sidon unschuld /und dass ihr
in ihres vatters hause zuviel geschehen /vernemen wird.
    Nicht allein die harte mutter / (antwortete Orosmada) ist hierinn entgegen /
sondern noch mehr der ehmals-geliebte Adonias / den man mich solang für todt
beweinen lassen / und dessen leben ich erst kürzlich wieder erfahren habe. Als
ihr / werte Prinzessin! (versezte die Königin von Syrien) in Ninive euer gelubde
annamet / wusstet ihr noch nichtes von dem Adonias: und hätte damals die Konigin
von Tyro ihres sohnes liebe gebilligt / wurdet ihr euch schon gütig für ihn
erkläret haben. Was ihr nun einmal für ihn zu tun gewillt gewesen / davon
lasset euch ein so geringes /das sich bald ändern wird / nicht abhalten. Wir
kommen ganz ab von dem ersten zwecke / (sagte Orosmada) ha wir von dem rechten
Gottesdienst redten. Weil meiner schwester liebeseifer (antwortete die Syrische
Königin) sie den rechten glauben verlassen gemachet / auch die Prinzessin
Orosmada nur darum der Diana so gewogen worden / um an dem unschuldigen
Tiribaces rache zu uben / als bin ich eben so gar weit nicht von unsren zweck
abgewichen / da ich dieses dem Prinzen von Tyro zum båsten geredet.
    Wolte der Himmel / (finge die Konigin von Ninive hierauf seufzend an) dass
man / dem armen Dison zum båsten / mir auch etwas fursagen konnte! wie gern wollte
ich doch meinem begangnen fehler erkennen /und bereuen! Solches werdet ihr ja /
liebste schwester! ohne das tun / (antwortete ihr die von Syrien) und so wohl
von euch selbst / als von unsrem Konigreiche / den zorn des Höchsten / durch
herzliche bereuung eures begangenen groben versehens / abwenden helfen. Der
himmel ist schon mehr als zu viel /wegen abgötterei / über das arme Syrien und
uber unser haus / ergrimmet / wie solches / nicht allein aus ietziger
kriegsflamme / sondern auch aus dem klåglichen fall des liebsten Abimelech /
unsres erkannten bruders / und des edlen Disons / erhellet / welche uns also
entzogen worden / nun Syrien ihrer hülfe am höchsten benötigt ware: und wan der
himmel uns nicht sonderlich hilft / auch ehest einige rettung uns zuschicket /
so ist es mit uns allen getan und verloren.
    Indem wurde ihr von der Siringe angemeldet / wiedass die Konigin von Tyro /
sie zu besuchen kåme. Es schosse ihr gleich auf das herz / dass diese Konigin ihr
etwas widriges würde anzubringen haben. Wie sie nun die augen getrocknet / weil
des Abimelech wertes angedenken / ihr am ende ihrer rede die tränen häufig
ausgepresset / machte sie sich bereit / die Delbois zu entfangen. Selbige
stellte sich auch bald ein / und /soviel andere bei ihr antreffend / name sie
die Syrerin bei der hand / und ginge mit ihr in ein cabinet. Nachdem sie
daselbst sich verschlossen und zusammen gesetzet / sah die von Tyro eine gute
weile diese Konigin an / und begunte endlich sie also anzureden: Wan ich euch
sage / liebste Konigin! dass ich von meinen bruder komme / so werdet ihr / als
ich glåube / mein anbringen leicht erraten können. Der König von Assyrien
(antwortete die betrübte Syrerin) kann mir so viel gutes / auch so viel böses /
sagen lassen / nachdem er seiner gute oder seiner macht über mich zu gebrauchen
begehret / dass ich nicht weiss / auf was ich hiervon raten sollte. Wan ihr (fuhre
Delbois fort) die ungemeine häftige liebe betrachtet / die mein bruder auf eure
schönheit geworfen / so zweifele ich nicht / ihr werdet es ohne befromdung
anhören / dass ich euch iezt den tag ankündigen muss / da ihr Konigin von Assyrien
/ und mein bruder König von Syrien / werden sollet.
    Kan ich dann dieses / (antwortete die schöne Aramena ganz beängstigt) ohne
befrömdung anhören /dass mein und der meinigen todfeind bei mir darf liebe
furgeben / und in der hoffnung stehet / dieselbe zu erlangen? Fället kein
solches urteil / (antwortete die Konigin von Tyro) von dem Konig zu Assyrien /
als sollte der euer und eures hauses todfeind sein. Ob schon vergangene dinge
euch dessen erwähnen machen / so ist doch nun alles veråndert / und dieses kein
zeichen einiger feindschaft / dass Belochus die schöne Aramena in sein ehbette
begehret. Wie kann ich einige liebe daraus erkennen / (gabe die schöne Syrerin
zur antwort) da man mich hier gefangen hält / da man mein Konigreich mit
kriegesmacht überzogen / da man auf Ninive einen gefärlichen anschlag gehabt
/und noch neulich meiner schwester / selbige für den Aramenes von Syrien haltend
/ listiger weise nach dem leben getrachtet? Suchet man so wenig grosmut bei mir?
und kann man sich wohl von mir einbilden /dass ich die freiheit der Syrer samt der
meinigen also liederlich in die schanze schlagen / und in dieses anmuten
willigen werde? Werteste Aramena! (antwortete Delbois / dieselbe bei der hand
fassend /) die götter haben euch in einen solchen stand gesetzet / dass meines
bruders macht und habende gewalt alhier begehren kann / was sie will / und wollte
ich nicht gerne / dass / auf ein vergebliches versagen / die schöne Königin von
Syrien müste gezwungen werden / die Assyrische kron aufzusetzen.
    Was! (sagte die Königin von Syrien / ganz entrüstet) will man mir / einer
freien Konigin / vom zwang fürsagen / die ich so viel tausend Syrer / neben
vielen meinen grossen bundsverwandten / hier nahe an den mauren stehen habe /
welche noch nicht / uneracht ihres grossen verlustes / so onmächtig worden sind
/dass sie mich nicht sollten wieder in freiheit setzen können? Nein warlich!
Belochus kennet des grossen Aramenes tochter noch nicht recht / wan er vermeint
/ dass sie sich schrecken lasse. Seit ihr eine grosse Konigin / (antwortete
Delbois) so wisset / dass Belochus noch ein grosserer König ist / weil ihm das
Glück die grosse Königin von Syrien in seine gewalt geliefert. Es tut mir leid /
dass ich euch überdas verkündigen muss / wie dass es drausen im lager nicht also
zustehet / als ihr wohl vermeint / sondern dass die Assyrier daselbst ja so viel
gute freunde als die Syrer haben. Bedenket euch demnach wohl / was ihr durch mich
für eine erklärung meinem bruder erteilen wollet: der mich an euch schicket /
und euch zu wissen tut / dass / bei des Osiris und Iris grosser tempel-einweihung
/ er euch zur Babylonischen Königin machen will / und ist die zeit von heute an
uber drei tage fest gesetzet / darin dieses geschehen soll. Keine menschliche
gewalt / kann oder mag dieses vornemen hintern: der himmel wird es auch nicht
tun / weil es gerecht und gut ist. Wofern euer armes land / und so vieler
tausende blut / euch tauret / so werdet ihr / also den frieden zu stiften /
nicht ausschlagen / und aller welt zeigen / dass sich die schöne Aramena
überwunden /und ihrem reiche zum bästen / eine ihrem gemüte sonst-unanständige
heurat angenommen habe.
    Nachdem die Königin von Syrien diesen vortrag eine weile bei sich uberleget
und erwogen / seufzte sie tief / schauete gen himmel / und sagte: Ach dapfrer
Abimelech! mutiger Dison! wer hilfet mir nun / da ihr nicht mehr verhanden seit?
O küner Cimber / der du neben diesen beiden der dritte warest / mich dortmals
von den grimmigen leuen zu erretten! wo bleibest du iezt mit deiner hulfe? sihe
/ wie deine Aramena von aller welt verlassen ist / und uberdas soll genötigt
werden / dasjenige / so ihr bittrer als der tod ist / einzugehen! Indem diese
schöne also klagte / erweckte sie ein so grosses mitleiden in der Königin von
Tyro gemute /dass sie / so gern sie auch diese vereinigung zwischen Babel und
Syrien sah / dennoch darüber weinen musste. Weil es aber nicht anderst sein
kunte / fuhre sie fort / ihr zu zureden / und sagte: Eure weltbekante grosmut
wird euch dissmal nicht stecken lassen / und wisset ihr ohndas wohl / dass unsers
gleichen nicht nach wilkur / sondern nach erforderung des staats /heiraten
mussen. Ich wollte solches gern wissen und übernemen (versezte die Syrische
Konigin) wan es der staat von Syrien erforderte: deme aber hingegen /durch
dieses beginnen / mehr geschadet als geholfen wird / indem die Babylonische
dienstbarkeit dadurch auf ewig diesem Reich aufgebürdet bleibet.
    Hiermit schauete sie die Konigin von Tyro ganz beweglich an / und sagte
ferner: wan ich von der gunst / die ich vor deme bei der Königin von Tyro gehabt
/ noch das geringste zu geniessen habe / so bitte ich / üm derselben willen /
sich meiner zu erbarmen /und diesen zwang von mir abzuwenden; massen ich mich
lieber / zu sterben / als dieses einzugehen / erklåren werde. Versichert euch /
liebste Konigin! (antwortete Delbois) dass / wan es in meiner macht stunde / ich
euch hierzu nicht zu bereden begehren wollte. Nun aber ein verliebter Monarch /
der hierbei nichtes als seine liebe anhöret / hierinn zu walten hat / so kann und
weiss ich euch unmüglich zu helfen / als bloss mit diesem einrat / dass ihr euch
uberwindet / und durch ein unzeitiges nein euren zustand nicht schlimmer machet.
Hierauf name die schöne Aramena ein ganz andres wesen an sich / und sagte zu der
Konigin von Tyro: Wolan! so wird man mir doch eine nacht bedenkzeit gonnen / und
morgen soll der König von Assyrien meine erklärung vernemen. Diese worte
erfreuten die alte Delbois so sehr / dass sie zu verschiedenen malen die Konigin
von Syrien ümarmte / und ihr zu dieser bedenkzeit gute gedanken anwünschend /
von ihr abschied name / üm dem König ihrem bruder diese vor-antwort zu
uberbringen.
    Dieser verliebte wartete ihrer mit unbeschreiblichen verlangen / und hatte
ihm keine so gute erklärung / als er nun vername / nicht eingebildet: wiewol
sein fürsatz fäst bliebe / auf ermanglende und nicht zureichende gute / sich
seiner gewalt zu bedienen. Wie er dann / zu dem ende / alle wachten üm der
Königin palast verstärken lassen / und hart anbefohlen / keinen einigen menschen
mehr zu ihr zu lassen: daher auch ihr eigene schwester / die jungere Aramena /
wie auch die Prinzessin von Sidon / von ihr bleiben mussten /und ward dieses
verbot sofort auch allem andren frauenzimmer angekundet. Weil dem Beor / zu
Salem /seine braut ehemals so listig entkommen / als hatte er den Belochus
gewarnet / sich wohl fürzusehen / dass es nicht auch dissmal also ergehen möchte:
und kame der eben / neben dem Pharao / zu dem Belochus ins gemach wie die
Königin von Tyro / die antwort der schönen Aramena ihrem bruder furgebracht
hatte.
    Belochus sah diesen beiden verliebten an / dass sie übel zufrieden sein
mussten / und fragte nach dessen ursache / sobald die Königin von Tyro
abgetretten. Er horte hierauf den Pharao klagen / wiedass er gleich iezt von
seiner tochter kåme / die er auf keinerlei weise bereden konnte / sich mit ihme
trauen zu lassen /und hätte sie sich dergestalt kläglich erwiesen / dass er nicht
länger bei ihr verharren konnen. Eine gleichmäsige beschwerung furete Beor /
über seine Ahalibama. Endlich dienete diesen dreien verliebten Königen dieses
zum troste / dass ihre habende gewalt das ersetzen konnte / was man ihnen mit
gutem willen versagen wollte. Wie sie nun den abend beisammen verblieben /und auf
des Baracheel wiederkunft aus dem lager vergeblich gewartet hatten / der ihnen
durch seinen waffentråger bei spatem abend hinein entbieten lassen /wiedass /
wegen eines sonderbaren furfalles / er den folgenden tag erst wieder hinein
komen konnte / begaben sie sich in ihre paläste zur ruhe: mit den süssen gedanken
sich weidend / die ihnen die eheste besitzung ihrer so geliebten schonheiten
vorstellte.
    Die Konigin von Syrien immittels / die keinen trost hatte / als an ihre
beide trostlose leidgesellinnen / die Amesses und Ahalibama / welchen man
alleine noch /neben ihrem frauenzimmer / sie zu besuchen vergonnet / überlegte /
nachdem sie sich in ein cabinet verschlossen / bei sich alles dasjenige / so in
ihrem ietzigen zustande zu bedenken war. Indem sie erstlich alle menschliche
hülfe / die sie mochte zu erwarten haben / ihr fürstellte / fand sie / dass
solche auf ihren Syrern / auf dem König von Basan / und auf dem von ihr
geliebten Cimber / dem Tuscus Sicanus / bestehen würde. Die erste hülfe der
Syrer / ware ihres ermessens viel zu schwach / da deren General / ihr
ehmals-geliebter Abimelech / nicht mehr vorhanden / und sie also keinen dapfren
anfurer mehr hatten. Die andre aus Basan / dauchte ihr viel zu gefärlich / weil
sie selbiges Konigs liebe wusste / und also in der lebensverfolgung nur person
wechseln wurde. Wiewol der Marsius nicht so zuwider / als der Belochus / war /
und so es immer möglich sein können / dass sie / nach ihres Abimelech tode /
einen andern / als den Cimber / zu lieben sich entschliessen sollen / würde die
wahl eher auf den tugendhaften Marsius / als auf den tyrannischen Belochus /
gefallen sein. Die dritte hülfe des Cimbers / wäre ihr wohl die liebste und
angenemste gewesen: sie hatte aber zu selbiger die schlechteste hofnung / weil
sie nicht wusste / wo dieser Cimber geblieben / und anders nicht vermuten kunte /
als dass er bei seinen Aborigenern auf dem Riphatischen gebirge sich befinden /
oder wohl gar / aus zweifelmut / nach Celten mochte entritten sein.
    Wie sie nun / in diesem ihrem ungluck / alle menschliche hulfe zerrinnen
sah / wandte sie sich lediglich zu dem himmel / und begunte ihr
niedergeschlagenes gemüte damit aufzurichten / dass ihrem Gotte kein ding
unmöglich wäre / und er sie gar leicht durch ein wunderwerk erlosen und aus des
Belochus hånden befreien könnte. Ob aber deme solches würde beliebig sein / daran
finge sie kurz hernach an zu zweiflen / indem sie ihr fürstellte / dass auf ihrem
haus und vatterland ein sonderbarer fluch haftete / und dass der himmel ihr kein
zeitliches Glück und wolergehen gonne / weil ihre vorfahren sich und ihre
nachkommen dessen verlustig gemacht hätten. Demnach begabe sie sich alles
zeitlichen / sagte der eitlen welt ganz ab / in glåubiger hoffnung / dass Gott
ihr in jener welt die vergnügte ruhe geben wurde / die sein unerforschlicher
raht ihr auf erden nicht nützlich erkannte.
    In solchen gedanken verlangte sie nun nach dem tode / den sie ihr ganz süsse
fürstellte / in betrachtung / dass der sie zu ihrem Abimelech und zu ihrer
Colidiane wieder bringen wurde. Das einige andenken des Cimbers / machte sie
noch etwas unruhig: doch schluge sie auch solches aus dem sinne / ihr fürbildend
/dass es doch dem Cimber erträglicher sein wurde / sie in des todes / als in des
Belochus armen zu wissen. Wie sie aber / als eine rechtgläubige / ohne sünde den
tod suchen sollte / das war das meiste / so sie unschlussig machte. Es ware ihr /
in gegenwart der Konigin von Tyro / eingefallen / wie sie an dem gotzenbilde der
Isis / wan deren einweihung geschehen wurde /sich vergreifen und also den
unvermeidlichen tod auf sich ziehen wollte. Dieses fürnemen zoge sie nun in
reifere und fernere betrachtung / und fand endlich /dass ihr glaube ein solches
erforderte / und dass sie /ohne grosse sünde / nicht ferner den heidnischen
gebråuchen beiwonen / noch vor dem Isis-bild niederfallen könnte / welches / wie
sie wusste / durch ein allgemeines gebot / bei lebensstraffe / wurde anbefohlen
werden.
    Sie hatte eben / nun ganz ruhig und getrost / dieses fürnemen bei sich fåst
gestellet / als die Amesses und Ahalibama ganz voll tränen zu ihr hinein traten.
Die munterkeit / die die schone Syrerin an sich genommen / leuchtete so sehr aus
ihrem wesen herfür / dass diese beide ankommende Prinzessinnen sich nicht gnug
darob verwundern kunten / und bewegte solches die Ahalibama / zu ihr zu sagen:
Wie / allerliebste Konigin! finde ich E. Maj. ietzo so munter / da so grosse noht
vorhanden ist? Die noht ist nicht so gross (antwortete sie) dass nicht ein grosser
entschluss dieselbe sollte überwinden konnen. Ach! wan man nur den tod (sezte
Amesses hinzu) ohne sünde befördern dorfte /wie gern wollte ich doch meinem
getreuen Armizar seine Amesses unbefleckt aufopfern! nun aber weiss ich / aus der
edlen Colidiane lehre / dass uns ein solches zu tun verboten ist. Eigne hand an
sich legen /(gabe die Königin von Syrien zur antwort /) ist sunde und verboten:
der himmel hat mir aber ein mittel gewiesen / dadurch unsere verfolgere selber /
wider ihren willen / sollen gedrungen werden / uns toden zu lassen.
    Uber diesen vortrag der Königin blieben sie beide stum / und gaben ihr damit
zeit / sich ferner zu erklären. Es ist (sagte sie) über drei tage / bei
einweihung beider Egyptischen tempel / unsere ungereimte trauung an die drei
Konige angesetzet: da dann / wie ich gewiss weiss / ein gebot ergehen wird / dass
iederman vor dem Osiris und der Isis niederfalle / und sie als götter anbete;
mit der bedrohung / dass der / so sich dessen weigern würde / wer er auch sei /
ohn alle gnade soll verbrant werden. Dieses gebot haben die in Damasco sich
befindende Syrer schmieden helfen /um also die verehrung dieser Egyptischen
gotter ernstlich einzufuren: und weil solches die drei Könige mit beschworen /
als können sie ihren eid nicht wiederruffen. Seit ihr nun gesinnnt vor diesen
götzenbildern niederzufallen / und ihnen göttliche ehre zu erweisen? Weil die
Amesses und Ahalibama leicht abnemen kunten / wan sie wurden nein sagen / was
die Konigin fur einen schluss davon machen wurde / schwiegen sie still zu dieser
frage / und hörten / mit nicht geringer verwunderung / die schone Syrerin ferner
also reden: Gott weiset mir / dass ich bisher mich versundigt /indem ich meinen
glauben heimlich gehalten / und den nicht vor der welt bekant habe. Ich will
demnach solches bei dieser gelegenheit tun / und aller welt zeigen / dass mich
die furcht des todes nicht abhalten mögen / offentlich zu bekennen / dass ich den
wahren Gott einig und allein bekenne und verehre.
    Da aber der tod (widersprache Ahalibama) gewiss hierauf erfolgen soll / wie
kann die schone Konigin von Syrien also ihr anvertrautes reich verlassen? Ich
diene Syrien hierin / (antwortete sie) weil dadurch der tyran von Babel den
zweck verlieret / durch ehlichung meiner person sich dieses trones meister zu
machen: welcher durch meinen tod auf meine schwester fållet / die vielleicht ein
båsseres gluck als ich erleben wird / üm Syrien wieder von seinem joche frei zu
machen. Wil man aber (fuhre Ahalibama fort zu fragen) so fürsetzlich den
getreuen Cimber betruben? Welches wird ihm grössere qual sein / (fragte sie
hinwieder) die Aramena als die seinige tod / oder lebendig eines andern / zu
wissen? Vergnüget euch nicht mehrers /Prinzessin von Seir! dass euer Elieser todt
ist / als wan er lebte und ein andre liebte. Ich gestehe solches gern: (versezte
Ahalibama) wan aber hier noch hülfe zum entkommen vorhanden wåre / sollte man
gleichwol sich also in den tod stürzen? Wan ich alles / (sagte Aramena) und
meine obliegende gebür erwåge / so finde ich nicht / wie ich bei der
tempel-einweihung anderst verfahren konnte / als wie ich iezt gesaget; und wåre
schon die lust zu sterben nicht bei mir / so musste ich doch / als eine
rechtgläubige / mich also erweisen.
    Man könnte aber wohl / (versezte hierauf Amesses) von den heidnischen
gebrauchen hinweg bleiben / und vorher seinen glauben kund machen. Wurdet ihr
aber / schone Prinzessin! (erwiderte die Königin) hierdurch euch von der heurat
des Pharao erledigen? Wan ganz keine hülfe vorhanden / (versezte jene) so will
ich lieber den tod / als diese schändliche ehe / begehren. Habt ihr beide dann
hoffnung / (fragte hierauf die Konigin) dass einige hulfe uns widerfahren konne?
Ich bin (antwortete Ahalibama) so mancher gefahr meine lebtage entkommen / dass
ich iezt noch nicht allen mut kann sinken lassen: doch begehre ich willigst zu
sterben / wan meine Konigin bei diesem fursatze verbleibet. Lasset zu deme uns
entschliessen / (sagte die schöne Syrerin) was uns obliget und gebüret: will uns
dann der Hochste erretten / so wollen wir etwas so unvermutetes von seiner hand
annemen / sonst aber uns freudig erweisen / dieser eitlen welt gute nacht
zusagen. Was mich auf dieser welt zu bleiben reitzet /(gabe Ahalibama zur
antwort) ist so gering / da ich meine liebste freunde verloren / dass ich
deswegen keine stunde zu leben begehre. Aber die grausamkeit eines gewaltsamen
todes schrecket mich nicht wenig /und machet mir vor der qual / nicht aber vor
dem tode / grausen. Um die ehre seines Gottes sterben / (antwortete die Königin)
ist so rumwürdig / dass alle marter dargegen gering zu halten. Und wer sich dem
himmel opfert / achtet nicht / wie er von dem leib komme. Eine so grosmütige
furgångerin / (versezte Ahalibama) als wir haben / ist tüchtig / alle
menschliche furcht zu benemen: und bin ich meines teils ganz bereit / meiner
liebsten Konigin zu folgen / will auch gern so ein strenges mittel ergreifen /
um wieder zu meinem Elieser zu kommen. Weil mein Armizar (fügte die Prinzessin
Amesses hinzu) auf dieser welt meiner nicht kann teilhaftig werden / so will ich
doch demselben / durch dieses mittel / meine unverrückte treue bis in den tod
beståndig erhalten. Solcher gestalt entschlossen sich diese beide Prinzessinnen /
mit der grosmütigen Königin von Syrien willig zu sterben; und redten sie demnach
mit einander ab / wie sie folgenden morgens ihre erklårung den verliebten
Königen erteilen wollten; massen auch beide Prinzessinnen / gleichwie die Konigin
/ eine nacht bedenkzeit genemmen hatten.
    Kaum ware das taglicht wieder herfür gekommen /als der verliebte Belochus
seine schwester antriebe /bei seiner schonen die lang-verlangte antwort
abzuholen; und sandte / zu gleichem zweck / der furchtsame Beor die Prinzessin
Milcaride / seines sohns gemalin /zu der Ahalibama / und der König von Egypten
den Petosiris zu seiner tochter: da dann diese drei abgesandten jede von den
betrübten bråuten ruhiger fanden / als sie vermeint hatten. Die Syrische Königin
ersah nicht sobald die von Tyro / da kame sie ihrer frage zuvor / und sagte:
Ich sehe wohl / dass es mir / wan ich meine rechte gemutsmeinung hier eröffne / zu
nichtes nützen wurde; darüm bin ich entschlossen / mich in allem gedultig finden
zu lassen / was man mit mir fürzunemen beschlossen hat / und wird verhoffentlich
der König von Assyrien mit dieser erklårung zu frieden sein konnen. Die Konigin
von Tyro / so hiemit mehr als wohl vergnuget war / umarmte ihre künftige
bruders-gemalin / mit bezeugung sonderbarer liebe /und eilte so fort wieder von
ihr / ihrem bruder diese gute antwort zu bringen. Milcaride und Petosiris /kamen
mit gleichmässiger guter erklärung von den beiden Prinzessinnen zu rucke. Dieses
nun erweckte zwar / bei den dreien Königen / eine unbeschreibliche freude /
iedoch darbei kein kleines mistrauen / dass hinter dieser geschwinden und
einmutigen erklårung etwas anders stecken müste. Dieses warfe fürnemlich der
öfters-betrogenen Beor den andern in den sin /und erhielte damit / dass vor
dieser bräute gemächer starke wachten gestellet wurden / und dorften diese dreie
nicht mehr zusammen / auch sonst niemand zu ihnen hinein kommen. Diss waren zwar
schlechte liebesbezeigungen: doch hielten sie es für die båste versicherung /
und hoffeten nachgehends / durch ståtes liebkosen / dasjenige wieder zu ersetzen
/ was sie iezt / um ihren zweck zu erlangen / unterlassen mussten.
    Weil sich diesen gekronten verliebten das gluck auf einmal ganz gunstig
zeigen wollte / als kame selbigen mittag der Furst Baracheel auch wieder aus dem
lager an / da eben die drei Könige bei der Königin von Saba aufder Kemuelsburg /
alwo sie wieder ihre wonung genommen / sich befanden / und wurde Baracheel
daselbst vorgelassen: der dann sofort durch sein munteres freudiges aussehen den
Konigen zu erkennen gabe / das er gute zeitung bråchte. Gnädigster Konig! (sagte
er) Die götter segnen so scheinbarlich alles beginnen von E. Maj. dass ich nicht
vermeinte zu irren / wan ich gleich E. Maj. zu dem Syrischen trone von neuem
gluck wünschete. Eröfnet uns dann / (sagte der erfreute Konig) was euch so gute
einbildung fassen machet.
    Als ich gestriges morgens (fienge Baracheel hierauf an zu erzählen) von E.
Maj. hinaus ins lager geschickt worden / fand ich daselbst alles in einem so
verånderten zustande / dass ich mich fast nicht mehr kante /und war es aller
orten so leer von volk / dass es ehe einem aufgebrochenen als noch-stehenden
lager ånlich sah. Etliche der Syrischen Fursten kamen gleich zu mir / mein
anbringen zuvernemen. Wie ich nun / in gegenwart des Konigs Eridanus / des
Celtischen Generals und des Prinzen von Hevila / meinen furtrag zu tun begehrte
/ erfuhre ich von ihnen / dass die nicht mehr bei ihnen im lager wären / auser
dem Prinzen Baalis / der jenseits der stadt mit seinen Celten stunde. Weil sie
mir ein mehrers nicht sagen wollten / zoge ich erstlich in bedenken / mein
gewerbe ihnen allein furzutragen. Ich täte es aber doch endlich / und merkte aus
ihrer antwort / dass sie voll besturzung waren /und alles einzugehen beliebten /
was zum frieden dienen konnte; daher sie auch die zeit / hierunter zu handelen /
zu unsrem belieben stellten. Wie ich hierauf in mein gezelt gekommen /
erkundigte ich mich heimlich nach den eigentlichen umstånden / die mir die
Syrische Fürsten nicht entdecken wollen / und erlangte folgende nachricht.
    Sobald die unglückliche geschicht mit dem Abimelech oder erkannten Aramenes
sich zugetragen / hatte das gesamte frauenzimmer / so noch im lager vorhanden /
als die Königinnen von Cus / Salem / Kitim und der Aborigener / ingleichen die
Prinzessinnen von Cus / Caphtor und Kiriat-Arba / nach Aroer sich begeben. Die
lezte von diesen / die Prinzessin Coricide /war vor wenig tagen im lager
angekomen / und zwar flüchtig für dem König von Hazor: der sie mit einem starken
heer beståndig verfolgend / und unferne vom Libanon sich befindend / durch seine
kundschafter erforschet / dass sie / neben andren / in Aroer sich aufhielte.
Demnach hatte dieser König sich eilends herzugemacht / die stadt unversehens
uberrumplet / und also dieses ganze furneme konigliche frauenzimmer in seine
gewalt bringend / dem Konig Eridanus / wie auch dem Prinzen Amosis und dem von
Hevila anlass gegeben / diesen verlassenen eiligst beizuspringen /und Aroer zu
belågern. Also stehen sie nun vor selbigem ort / und befordern damit unwissend
E. Maj. furhaben / die heurat mit der Syrischen Königin ungehintert zu
vollziehen. Wie ich ferner erfahren / so sind auch die andere Konige aus Canaan
/ neben dem Fursten von Edom und dem Prinzen von Captor / zu ihnen gestossen.
    Dieses alles eigentlich zu erforschen / hielte ich mich mit fleis diese
nacht im lager auf / und diente mir dieses zur schein-ursache / dass ich / wegen
etlicher puncten / die friedenshandlung betreffend / diesen morgen noch eine
unterredung mit den Syrischen Fürsten veranlasst: da sie mir dann weitläufig
furgetragen / auch schriftlich mitgegeben / welcher gestalt sie den beståndigen
frieden mit E. Maj. zu schliessen /erbotig wären. Es wird aber ietzo solches zu
erörtern unnotig sein / weil die instehende heurat mit der Konigin von Syrien /
die sie noch als todt beweinen /den sachen eine ganz andere gestalt gibet.
Dieses ist aber nicht alle die gute post / die ich bringe / sondern es eräuget
sich noch ein neues Glück / das vorige erst recht zu befåstigen / indem nicht
allein der Zalmon mit zwölftausend Assyriern unferne von hier stehet /sondern
auch Oneballus und Ascrasapes mit zehntausend man aus Meden dazu gestossen / und
beide förderlichst alhier vor der stadt sein werden. Dercylus hier zugegen / hat
mir diese nacht / da er mich im lager ausgekundschaftet / diese gute post
gebracht /und bittet der / im namen der andern / um gnade / dass sie sich von der
Dalimire und dem Belopares verfüren lassen / und zu dem Nebajot in Meden
ubergangen: wie sie dann solche tat bereuen / und ihr verbrechen durch kunftige
treue dienste zu ersetzen sich anheisig machen.
    Als Baracheel hiermit seinen bericht geendet / stellte er den Dercylus vor
den Belochus: der dem König zu fus fiele / und also auf begnadigung wartete. Die
ümstände liessen nicht zu / dieselbe ihm und denen /die ihn abgeschickt hatten /
zu versagen: deshalben der König ganz gnådig ihm aufzustehen gebote. Wie man nun
über diesem allem sich hoch erfreuet / ward ferner beschlossen / mit den
angestellten dreien hochzeiten fortzu fahren / auch / nach deren volziehung /die
larve abzuziehen / und sich den Syrern anderst zu zeigen. Hiernächst richteten
sie alle ihre sinne und gedanken dahin / die tempel-einweihung des Osiris und
der Isis aufs herrlichste zu begehen: massen selbigen nachmittag / von den
gesamten Isispriestern zu der wahl des hohenpriesters geschritten / und in allen
tempeln zu Damasco deswegen opfer und gebete angestellet und gehalten wurden:
worbei die Konige und alle vorneme / wie auch die Königinnen von Tyro und Saba /
und die andere / sich mit einfanden / üm von den göttern zu erbitten / dass diese
wahl / daran so viel gelegen / wohl und glucklich ablaufen mochte.
    Der ehrsuchtige Mamellus / welcher wohl wusste /dass ihm dieses hohe amt werden
wurde / massen er heimlich alle Isis-priester auf seine seite erkauft hatte /
trachtete hierdurch in Syrien sich rechte fäste zu setzen / und also wider alle
besorgende ungunst der Konigin von Syrien / deren er nicht trauete / sich zu
versicheren / weil sie nachgehends über ihn keine gewalt mehr haben / da er
nicht allein von dem König /sondern auch von der gottin Isis / seine ehre furen
wurde / die ihm dann kein mensche nemen konnte. Er ware eben bei dem König von
Assyrien in des Rimmons tempel / als Mephres mit der gesamten priesterschaft /
so viel ihrer aus dem tempel gehen durften /daselbst erschienen / und ihme die
post brachten / dass die wahl des hohenpriesters auf ihn gefallen wäre. So
bestürzt er sich hierüber anstellte / und seine unwürdigkeit fürschützete / so
erfreut erwiese sich Belochus hieruber: massen der immer in sorgen gestanden /
dass die wahl einen Syrischen Fursten treffen mochte. Es wurde bald durch ganz
Damasco ruchtbar / dass ihr Stattalter der Isis hoherpriester worden wåre: und
weil er das stataltertum deswegen nicht verlassen dorfte / als stellte sich
iederman hieruber erfreuet an; wiewol es vielen nicht von herzen ginge / die
nämlich seine harte verfolgungen am meisten gefület. Er wurde mit grossen pomp
nach seinem palast begleitet /da / noch selbigen abend / alle Konige und die
grossen in Damasco zu ihme kamen / und ihm / wie auch der Tarasile / ingleichen
dem Prinzen Hemor und der Milcaride / deswegen Glück wunschten.
    Man horte nun in Damasco von keinem kriege mehr / und ertönete allein auf
allen gassen die freudenstimme über die bevorstehende Königliche heiraten / wie
auch über die einweihung des grossen Isis-tempels: der dann hinkünftig / neben der
Egypter gotzendienste / die richtschnur sein sollte / wornach man in Syrien den
glauben von den himlischen dingen / und ihre geistliche satzungen und gebräuche
/ richten musste. Es ware dem blinden volke fäst eingedrucket / dass sie nun den
rechten reinen gottesdienst uberkommen / und solcher allen segen über ihr land
und stadt bringen würde: welche vorbildung künftiger glückseligkeit iederman
munter und wacker machte. Gegen die nacht / sah man auf allen gassen lustfeuer
leuchten / die freude über des Mamellus erwehlung zum hohenpriester / zu
bezeugen. Unter diesen freuden aber / entfunde der betrubte Fürst Zophar samt
den seinigen / und der getreue alte Tebah / ein schmerzliches leiden / wegen
des betrubten zustandes der Konigin von Syrien und des ganzen reiches / da nun /
durch diese zwang-heurat / Syrien auf ewig unter das Babylonische joch geriete:
und håtte der alte Tebah wohl wünschen mögen / dass die ältere Aramena Konigin
von Ninive geblieben wäre / und ihrer jungern schwester Syrien überlassen hätte
/ welchenfalls man wider diese heurat nichts würde zu sagen haben.
    Weil aber solches eher zu wunschen als zu hoffen war / besonnen sie sich auf
andere hulfmittel / und hielten für ratsam / den Syrern drausen zu wissen zu
tun / dass ihre Konigin noch lebe / und sie dadurch mutig zu machen / ihr leztes
heil an der stadt zu versuchen. Dieses nun werkstellig zu machen / schriebe der
verschmizte Tebah auf verschiedene zetel ihren zustand / und schosse dieselben /
an pfeile gebunden /bei finstrer nacht / über die mauren hinaus: der hofnung
lebend / dass zum wenigsten einer den Syrern in die hände geraten wurde. Dieser
anschlag hatte auch nicht fehl geschlagen / wie aus der Syrer unversehener
Entschliessung folgenden tags erhellte: dann sie begunten / ehe man in Damasco
dergleichen vermuten können / an zwei orten die mauren zu stürmen / und brachten
dadurch die ganze stadt in einen neuen lärmen. Die sicherheit verwandelte sich
nun in einen grossen schrecken / zumal man nicht wusste / wie der feind aufs neue
so mutig worden wåre. Hemor und Sinear mussten einen ausfall tun / um dergestalt
dem feind eine hinternis zu bringen: inzwischen die andern auf den wållen /
unter des Prinzen Bildat anfürung /ihren möglichsten fleis täten / die fast
schon auf den mauren sich befindende Syrer wieder abzutreiben.
    Wie nun die beide Prinzen von Canaan und Chaldea in das feld kamen / fürete
das Glück ihme ganz unversehens den Zalmon mit zwei und zwanzigtausend Assyriern
zu / die in voriger nacht jenseits der stadt gestanden / und sich bemuhet hatten
/ durch der Syrer verschanzungen sich durchzuschlagen / nun aber / durch ihre
kundschafter diesen ausfall erfahrend / sich hieher gewendet hatten. Diese
fielen mit solcher wut in das lager ein / auf des Prinzen Baalis seine Celten
los gehend / dass / nach langem harten gefechte / der sieg und das feld den
Assyriern verbliebe. Es sezten auch die aus der stadt ihrem angefangenen sieg so
dapfer nach / dass sie die Syrer ganz aus dem lager verjagten / und etliche
meilen bis an das Libanonische gebirge zu rucke fliehen machten. Diese grosse
niederlage spielte mit den Syrern den garaus / und verwandelte der Konige furcht
in noch grossere sicherheit: massen sie / durch diese des Zalmons und Oneballus
zugefurte hülfe / so mutig wurden / dass sie ganz keine gefahr mehr achteten /
sondern nun den krieg als geendet ansahen / und deshalben alle ihre gedanken zum
frieden und zur liebe kehrten / deren sie nun in wenig stunden zu geniessen
verhoffeten.
    Wie demnach solcher grosser tag erschienen / sah man / bei herfurbrechender
sonne / auf allen gassen /von dem Koniglichen schlossplatz bis an den Isis tempel
/ die häuser mit den herrlichsten teppichen behånget / und stellten sich die
soldaten / so in Assyriern /Niniviten / Sabeern / Egyptern / Canaaniten und
Arabern bestunden / an beiden seiten in ordnung / mit ihrer rustung und gewehr.
Es waren auch sonst alle plåtze / wie auch alle tore / so wohl mit manschaft
besetzet / dass man keiner gefahr sich zu besorgen hatte. Viel tausend menschen
von beiderlei geschlecht / erfüllten den vördersten platz vor den Isis-tempel /
und war kaum soviel raum gelassen / dass die Konigliche gesellschaft herdurch
kommen konnte. Wie nun etliche stunden in dieser zubereitung verstrichen / hörte
man endlich / den ton der trommeten und anderer seitenspiele / in unzehlicher
månge erschallen / und zoge hierauf dieser ansehnliche haufe der grosten und
schonsten gesellschaft von der welt / vom Koniglichen schlossplatze nach dem
tempel / in nachfolgender ordnung.
    Zu erst ritten dreitausend wolgewaffnete månner /von der leibwacht der drei
Kõnige / der Konigin von Saba und Tyro / und des Prinzen von Arabien / welche
der Fürst Abdeel fürete. Hierauf kame / nach einer starken musik von mehr den
huntert jungen leuten /die ganze geistlichkeit der alten priester vom
Isis-tempel: denen der Prinz Mamellus auf einem wagen nachfolgte / von vielen
edlen aus Damasco begleitet / die auf das herrlichste sich gekleidet hatten.
Seine leibwacht von tausend pferden / ritte nächst hinter dem wagen / und an
beiden seiten desselben liessen sich zu pferd sehen / der Prinz Bildat von
Chaldea / des Mamellus bruder / und der Prinz Sinear dessen sohn / die als
nächste befreundte des neu-erwehlten hohenpriesters / denselben begleiteten.
Hierauf folgte der Prinz Mardocentes / und der Hemor / zu pferde: deren der
erste ein so unruhig betrübtes wesen furete / dass alle welt solches an ihm
warnemen kunte; doch riete niemand auf die eigentliche ursache dessen / welche
war / das grosse misfallen / die schone Konigin von Syrien in solchem zwang zu
wissen / und dass er / seinen fursatze nach / da alles dieses so schleunig
gekommen / ihr nicht helfen kunte. Es ümgabe sie beide ein schoner ansehnlicher
haufe von Arabern und Canaaniten / und liesse sich darauf eine herrliche musik
von trommeten horen. Diesen folgte der Belochus / in seinem Königlichen schmuck
auf einem wagen sitzend: der / wegen der vergnugung seines gemütes / alle seine
sonst-erweisende strengheit abgeleget / also dass man sein angesicht sonder
furcht betrachten kunte. Der wagen war mit sechzig knaben ümgeben / welche alle
in gold gekleidet gingen. Nach ihm fuhre der Konig von Egypten / gleichfalls in
seinem Königlichen schmuck / aber / bei aller dieser seiner vergnugung / die
augen niemals aufschlagend: weil er sich selbst vor der tat schåmte / die er
iezt beginge. Seinen / wie auch des verliebten Beors wagen / der zunåchst folgte
/ ümgabe eine gleiche anzahl knaben /wie bei des Belochus seinem sich sehen
lassen.
    Alles volk warfe nun begierig seine augen auf das /so hernachfolgte. Dieses
war der aufzug der drei Königlichen bråute / die beisammen auf einem erhobenen
wagen sassen. Vierhundert knaben mit korben voll fruchte / wie auch fackeln und
allerhand rauchwerk /gingen vorher; und an beiden seiten begleiteten sie alle
jungfrauen aus Damasco / die mit instrumenten und gesånge sich auf das
lieblichste horen liessen; jedannoch der zuschauenden ohren nicht also einnamen /
wie deren augen / durch den wunderglanz der schönen Konigin von Syrien und ihrer
beiden beisitzerinnen / bezaubert wurden. Diese Königin sasse in der mitten /
eben also gekleidet / wie sie in Damasco am tag ihrer mit dem Abimelech
angestellten trauung /gefangen angelanget war. Und ob man ihr wohl ansah / dass
sie betrubt war / so leuchtete doch ein solcher glanz von ihr / dass ein grosses
wundergeschrei uberall erscholle / wie sie daher gefahren kame. Ihre schonste
augen / die ståts nach dem himmel gerichtet stunden /bezeugten das sehnen ihres
herzens / und zoge der alle ihre gedanken so gar an sich / dass sie fast aus sich
selbst entzückt war / und nicht beachtete / was mit ihr sich begabe.
    Die beängstigte Prinzessin Amesses / so ihr zur rechten sasse / fand so
wenig ursach / ihre tränen zu bergen / dass sie solche ungescheut über ihre
schone wangen herab laufen liesse: und seufzete sie vergeblich nach ihrem Armizar
/ dass der kommen und sie erlösen sollte. Ahalibama auf der andern seite / lehnte
sich an der Konigin linken arm / und stellte ihr alle ihre wunderbegegnise für /
da es ihr ehmals schon so nahe wie nun gewesen / und sie dannoch davon gekommen
wäre / womit sie sich in etwas trostete: wiewol / das verlangen nach ihrem
Elieser / solchen zeitlichen befreiung-wunsch ihr sofort wieder bename /und
gedachte sie deshalben mehr / sich zum tod zu fördern / als von dem Beor erlöset
zu werden. Eine starke wacht von zweitausend Assyriern / die der Laristenes
fürete / folgete diesem wagen / um alle feindliche anschlåge abzuwenden.
Hiernåchst kamen die Koniginnen von Saba / Tyro / Elam und Ninive / wie auch die
Prinzessinnen Tarasile / Milcaride / Indaride und Orosmada / neben allen
Syrischen Fürstinnen /und dem sämtlichen frauenzimmer aller dieser Koniginnen /
auf wågen hernach gefahren: und wurde endlich dieser pråchtige einzug mit einer
ansehnlichen reuterei von vielen tausenden beschlossen.
    Sie zogen in solcher schönen ordnung / durch die stadt / bis sie den tempel
der Isis erreichten: da der Mephris / in seinem priesterlichen zierat / an der
åuseren pforte die ankommende entfinge / insonderheit aber / mit seinen
priestern von allen sieben orden /den Prinzen Mamellus aufname / und ihn in den
hohenpriester-tempel begleitete. Es waren alda / für alle Konigliche personen /
herrliche trone aufgerichtet /um von dar zuzusehen / was bei einfürung des
hohenpriesters vorgehen würde. Sobald dieselben von den Königen / Koniginnen und
Prinzessinnen bekleidet worden / furete man den Prinzen Mamellus für einen altar
/ da er das erste opfer anzünden / nachgehends den gewönlichen eid ablegen / und
ferner den purpur umhången musste / der ihme / als einem hohenpriester / zu
tragen gebürete. Hierauf salbten sie ihn mit dem heiligen ole / welches bis
dahin der König von Egypten in verwarung gehabt / und durch den Epha den
priestern uberantworten liesse. Auf dieses / brachten sie ihm die
hohepriesterliche krone / und sobald er dieselbe aufgesetzet / huben sie ihn
empor / und trugen ihn auf einen tron / der für ihn zubereitet stunde: da sie
alle vor ihm niederfielen / und den eid des gehorsams ablegten. Nach diesem
traten die anwesende Syrische Fürsten / auch alle ratsherren und alle fürnemste
aus Damasco / hinzu / und begluckwunschten den neuen hohenpriester: inzwischen
die seitenspiele laut ertöneten.
    Man fürete hierauf den neuen hohenpriester in die capelle / woselbst die
bilder des Osiris und der Isis seitdass sie aus Egypten hieher gewandert / und
mitlerweile man am tempel gebauet / aufbewaret gestanden. Diese wurden / mit
grosser verehrung / von ihm gekusset / und folgends / auf sein geheis / von acht
fürnemsten unter den priestern aufgehoben und unter einem kostlichen himmel
fortgetragen: da er mit einem rauchfass voran und nach dem innern tempel ginge
/alwo ihnen eine stelle verordnet war / da sie künftig sollten stehen bleiben. Im
furuber tragen / fielen die Konige / wie auch alle anwesende / auf ihr angesicht
zur erden / und verehrten also diese neue gotter: denen aber die Königin von
Syrien und die andere zwei bräute nicht die geringste ehrerbietung erwiesen /
welches zwar von ihrer wenigen gesehen / und folgbar weder beachtet noch geantet
worden. Es folgten aber die Könige und iederman diesen bildern nach / in den
heiligsten tempel: da erstlich / durch die hierzu verordnete priester / viel
opfer geschlachtet wurden / die alle der hohepriester auf dem grossen altar
anzündete. Wie diss geschehen / trate der weisse Mephres auf /und hielte eine
herrliche rede zum volk / von dem lobe dieser beiden Egyptischen gotter / und
von den furnemsten geheimnissen ihres gottesdienstes. Der beschluss seiner rede
war eine vermanung an seine zuhörer / die ihme mit heller stimme nachruffen
mussten: wie dass Osiris und Isis die heiligste und groste gotter der welt wåren!
    Wie nun alle anwesende / auser den dreien schönen bräuten / solches mit
grossem getöne verrichtet / riefen etliche königliche herolde / in- und auser
dem tempel / mit heller stimme dieses gebot aus / dass iederman in Damasco wan
sie wurden trommeten horen / bei lebensstraffe / auf sein angesicht niederfallen
sollte: weil alsdan / wie sie fåst glaubten / die beide gotter hernieder kommen
und diese ihre bildnise beziehen würden. Jederman richtete sich nach diesem
gebot / und wie die junge priester von der heiligsten ordnung in die trommeten
stiessen / fiele alles / so wohl in- als auser dem tempel / wie auch auf allen
gassen /nieder / und hiessen also die Isis und den Osiris willkommen. Weil nun
hierbei die Konigin von Syrien /wie auch die Prinzessin Amesses und Ahalibama /
auf ihren tronen sitzen blieben / entstunde darüber ein grosses entsetzen im
tempel / und ginge der hohepriester / auf anregen der andern priestere / zu
diesen dreien bräuten / sie ihrer gebur zu erinnern: da dann die drei besturzte
Könige nicht wussten / was sie hiervon gedenken sollten. Wie sie nun also mit
unverwandten augen auf sie schaueten / wurden sie gewar / dass sie alle dreie dem
altar zu-eilten / das darauf befindliche rauchopfer / so fur das allerheiligste
gehalten wurde /und erst angezundet war / herunter rissen / und mit den brånden
des heiligen holzes auf die Isis zu warfen / endlich sie gar von ihrer seule
herab stiessen / dass sie auf den boden fallend / in stücken zerbrache.
    Diese unvermutete tat / sezte alles anwesende volk in solchen schrecken /
dass ein allgemeines geheule und zettergeschrei entstunde / sonderlich unter den
priestern / die ihre kleider zurissen / ihre haare ausrauften / sich an die erde
wurfen und so übel gehuben / dass nichts erbårmlichers konnte gesehen werden. Der
hohepriester / so im herzen sich ja so sehr hierüber freute / als er äuserlich
sich betrübt anstellte /befahle seinen priestern / sich diese unsinnigen zu
bemächtigen / ehe sie sich noch weiter auch an des Osiris bilde vergriffen. Wie
nun also diese drei schonheiten von den Isispriestern / wiewol mit aller
ehrerbietung / gehalten wurden / drunge die junge Konigin von Ninive / und die
Prinzessin Indaride von Ophir /durch das volk / und riefen überlaut: wiedass sie
auch den Gott der Königin von Syrien bekenten / und deme zu ehren / die Isis und
den Osiris / als abgötter / verfluchten. Hiermit ergriffen sie der Isis
abgefallenes haubt / und warfen dasselbe / mit aller stårke / mitten unter das
volk. Diese verdoppelten den ersten schrecken / und fehlte es wenig / dass nicht
der ergrimte pövel / sonderlich die vergiftete Egypter / hinzu gedrungen / und
selbst hand an diese schone zerstorerinnen ihres neuem gotzendienstes geleget.
Mamellus und Mephres / samt den obersten unter den priestern /eine grossere
enteiligung dieses ihres heiligsten ortes zu verhuten / liessen / die beide
Koniginnen / neben den dreien Prinzessinen / in ein gewolbe bringen / in welches
man gleich neben dem altar komen kunte: und weil selbiger ort mit eisernen
flügeln wohl verwahret war / als wurden die gleich fürgeschlossen / und damit der
pöbel zurucke gehalten.
    Die verliebte Könige wussten hierbei nicht / wie ihnen geschahe / und waren
eben also aller sinne /gleichwie ihre gotter ihrer ehren beraubet: weil sie /da
sie in dem augenblicke die allerglückseligsten in ihrer liebe zu werden gehoffet
/ durch ein so unerhortes grausames mittel sich aller hoffnung entsetzet sahen /
worüber sie schier håtten verzweiflen mögen. Belochus / wie auch der Pharao /
die sehr der abgotterei ergeben waren / entfanden diese beschimpfung ihrer
götter so ubel / dass ihr eifer anfånglich alle liebe aus ihren sinnen verbannte
/ und sie auf nichts als auf rache gedenken machte. Der Beor aber / der weder
einen / noch viel götter glaubte / achtete nicht so gros der Isis enteiligung /
als seiner Ahalibama beståndigen vorsatz / lieber zu sterben / als ihn zu
ehlichen: daher auch dieser verliebte der erste war / der sich bei diesem
schrecken erholte / und den andern beiden zusprache / dahin zu sehen / dass von
der ergrimten priesterschaar ihren schönen kein leid noch gewalt zugefügt würde.
Demnach rieffe Belochus / gleich als aus einem traum erwecket / seinem haubtman
von der wacht / dem Nechias / und liesse dem hohenpriester sagen / bei seinen
priestern darvor zu sein / dass der Königin und den andren kein leid wiederfüre.
Mamellus verfügte sich hierauf selbst zu den Konigen / und åuserst betrubt sich
anstellend / dass bei seiner einweihung ein so grosses uno frömdes unglück sich
zugetragen / und ihm die ehre / die Syrische Königin an den Assyrischen
Monarchen zu trauen / so plötzlich benommen worden. Er versicherte auch / dass
diesen tempelsturmerinnen von den priestern nichts hartes begegnen sollte: doch
wäre hochnötig / dass sich die Konige bald aus dem tempel begåben / um den pobel
/ der immer mehr und mehr zu wüten anfinge / solchergestalt auch
herauszubringen.
    Diesemnach eileten die betrubte Konige / und begaben sich aus diesem tempel
in ein nebengemach /dahin allbereit die erschrockene Konigin von Tyro /neben der
Petasiride und den andern / dem tobenden povel / der nun auf das ganze
frauenzimmer übel zufrieden war / und rache an allen üben wollte / üm des willen
/ was nur etliche unter ihnen begangen hatten /entflohen waren. Als Belochus die
Delbois / seine schwester / weinen sah / kunte er auch die lang-verbissene
tränen nicht weiter aufhalten / sondern liesse denen den freien lauf / und mit
ihr in ein fenster allein tretend / sagte er ganz wehmutig zu ihr: Bin ich nicht
unglücklich / liebste schwester! dass auch Aramena muss tugendhaft zu sein
aufhören / üm mich zu quälen? Wer håtte sollen gedenken / dass / bei aller meiner
habenden macht / mir dannoch diese so boshaftige als schöne entgehen sollte. Als
er in dieser seiner klage fortfaren wollte / trate der Prinz Bildat hinein /
anmeldend: wie dass der pobel sich noch nicht wollte bändigen lassen / da
fürnemlich die Araber und Egypter das gewolbe zu sturmen sich bemuheten / darin
die Konigin und Prinzessinnen verschlossen waren. Was ist dann hier zu tun?
fragte der erschrockene Belochus? Mein bruder hält für ratsam / (gabe Bildat zur
antwort) wan E. Maj. sich selbst vor dem volk sehen liessen / und sie
vertrosteten / dass das / so an dem heiligen bilde der Isis begangen worden /
ernstlich sollte gerochen werden. Wolan! (antwortete Belochus) so lasset uns dann
gehen / und tun / was unser grausames verhängnis erfordert.
    Wie er diss gesagt / name er den Pharao und Beor bei der hand / und begabe
sich auf einen gang oben in tempel / als eben das volk die eiserne türen
aufbrechen wollte: die dann von dem Prinzen Mardocentes hierzu angefrischet wurden
/ als welcher durch solches mittel diese Koniginnen und Prinzessinnen heimlich
davon zu bringen suchte. Haltet ein! haltet ein! (rieffe Belochus) ihr edle
eiverer der grossen Isis! und enteiliget diese nicht noch mehr mit eurer
unzeitigen rachgirde. Seit aber versichert / unsere gottin soll gerochen werden /
so wahr ich diese gotteit verehre / und so lieb mir meine königliche würde ist
/ die der himmel mir zugewendet. Bei sprechung dieser lezten worte / liesse
Mamellus und die gesamte priesterschaar sich auch sehen / und den Konig bei
diesen getanen eide fassend / sagte er zu dem volke: Nun der grosse weltmonarch
euch diese versicherung getan /dass er unsere beleidigte Isis rächen wolle / so
fallet nicht in ein frömdes amt / sondern seit damit vergnüget / dass ihr bald
die jenige sollet im feuer aufgehen sehen / die euch und uns heute so
schmerzlich betrubet haben. Diese harte worte / an welchen die Könige sich
ärgerten / stillten der Egypter ihren eifer / dass sie abzogen. Die Araber konten
auch nichts mehr furnemen / weil ihr Prinz hierauf sein heimliches vorhaben
einstellen musste.
    Also wurde der tempel vom volke geraumet / den der Mamellus alsofort
verschliessen liesse: doch blieben sie ausen rund üm den tempel / üm acht zu haben
/ dass die Koniginnen und Prinzessinnen nicht entkommen möchten. Wie nun hierauf
das gerüchte von dieser begebnis / durch ganz Damasco / sich ausgebreitet /
verwandelte sich dadurch die allgemeine freude in ein klågliches winseln und
wehklagen / und stritten die Syrer in ihrem gemüte / ob sie mehr liebe gegen
ihrer Konigin / als gegen ihrer angenommenen göttin / erweisen sollten: doch ward
endlich diese tat von alle für so greulich angesehen und gehalten / dass sie
zwar ihre Königin beklagten / aber sie zu retten /unmuglich fanden / weil das
verbrechen zu gros war und sie unter der Assyrischen gewalt lebten. Demnach
überfiele sie alle eine tödliche traurigkeit / solcher gestalt ihre grosse
hofnung sterben zu sehen / und an beiden tochtern ihres grossen Aramenes diesen
erbärmlichen untergang zu erleben. Der alte Hus / wie auch der Zophar / und der
getreue Tebah / waren hiebei nicht zu trösten / und hätten gern entschuldigt /
was geschehen war / wan es ihnen / bei diesem ihrem glauben / (wiewol sie es
ehedessen bässer gewust) wäre möglich gewesen.
    Die Konigliche personen befanden sich indessen noch im tempel / und
verlangten ihre drei bräute zu sprechen / üm die ursach dieser ihrer begangenen
freveltat von ihnen zu erfragen. Mamellus widersezte sich zwar sehr diesem
beginnen / musste es aber / wie er ihren ernst sah / geschehen lassen. Demnach
wurde von den priestern das gewölbe geoffnet / und die drei Konige samt der
Königin von Tyro eingelassen. Sie fanden sie alle funfe ganz unerschrocken
beisammen sitzen / da sie einander zur beständigkeit /den tod beherzt anzustehen
/ vermaneten: und war die Königin von Syrien über der grosmütigen bekehrung
ihrer schwester so erfreut worden / dass ihr keine grössere erquickung / bei
ietzigem zustand / håtte wiederfaren konnen. Die Isis-priestere / die mit ihnen
in diss gewölbe gegangen waren / stunden von ferne / und waren so vergaffet in
ihre schonheiten / dass fast die verwunderung die betrubnis überstiege / die sie
wegen enteiligung ihres tempels bei sich entfanden.
    Wie nun Belochus seine schöne Konigin erblickt /eilte er auf sie zu / sie
anzusprechen. Sie aber / ihme den rücken zukehrend / brache ganz verächtlich in
diese worte heraus: Wie / tyrann! wonet dann so wenig grosmut bei dir / dass du
gegen mir üm das nicht eifrest / was ich deinen vermeinten gottern habe zuwider
getan? Ich komme / (antwortete er ganz sanftmütig) alhier zu vernehmen / ob
keine reue über diese begangene erschreckliche tat vorhanden sei? Nimmermehr
(wieder antwortete sie) soll mich dessen gereuen / was ich mit so gutem
vorbedacht getan hab. Ach Aramena! (sagte die Königin von Tyro / und wollte
zugleich / den Konig von Assyrien anzusehen / sie bewegen) ihr werdet ja nicht
also der wahren vernunft widerstreben! Was ich tue / (antwortete die Königin
von Syrien) ist der wahren vernunft so gemäs / dass ich würde sündlich handlen /
wan ich anderst täte. Hiemit begabe sie sich nach einer tür / die in ein andres
gewölbe hinein ginge / des willens / vor dem da hinein zu entweichen / der aber
nun selber / uber ihr verächtliches beginnen zum eifer bewogen / nicht länger
sich aufhalten wollte / sondern voll zorns mit beiden Konigen und der Delbois /
die nicht weniger als er verbittert waren / wieder hinaus eilte. Also wurden
diese schöne gefangenen / dem Mamellus und den gesamten Isis priestern / zur
verwarung im tempel hinterlassen / und das / was mit ihnen fürzunemen / auf
reifere beratschlagung verschoben.
    So ordentlich und freudenvoll nun der hinzug nach dem tempel gewesen / so
verwirrt erfolgte nun die rukkehr nach den Koniglichen palästen: und wollten die
Konige den tag sich nicht ferner sprechen lassen /sondern ein ieder / sich
verschliessend / schuttete alles das gegen die götter und wider ihr grausames
verhängnis aus / was ihnen ihre grosse ungedult in den sin gabe. Ihrem beispiel
zu folge / waren auch ihre hofleute ganz bestürzet / also dass jeder den kopf
hängen liesse / und keiner wusste / was bei so-gestalten sachen fürzunemen wäre.
Unter allen in ganz Damasco /war der einige Mamellus in seinem gemüte wohl zu
frieden / und håtte er es nicht båsser / als wie es nun kame / erwunschen können.
Er ginge / sobald die grosse unordnung in tempel gestillet war / mit dem Mephres
allein in ein zimmer / als mit dem er / eine zeit her / grosse vertreulichkeit
gepflogen / auch ihm alle seine geheimnise und angelegenheiten entdecket hatte /
und ihn ganz freudig ümarmend / sagte er zu ihm: Welch ein unverhoftes Glück ist
mir doch heut erschienen / das mich von allen den sorgen los zehlet /die ich
eine geraume zeit her bei mir entfunden. Wie /mein Prinz! (antwortete der
besturzte Mephres) kann dieses grosse unglück / so unsren tempel betroffen /euch
noch also reden machen? Findet ihr dann nicht /(fragte Mamellus) was dieses für
grossen nutzen nach sich ziehen wird? Noch zur zeit (gabe Mephris zur antwort)
sehe ich keinen.
    Ihr wisset (finge hierauf Mamellus an / sich ihme zu erklären) wie besorgt
ich bisher gewesen / mein amt / auch meine grosse macht und gewalt / die ich so
lange zeit in Syrien ruhig besessen / zu verlieren /durch die ungunst der wieder
gefundenen Königin von Syrien: die nimmermehr / wan sie an meinen König wåre
verehlicht worden / mir dieses würde gelassen haben / was ich bislang genossen;
und ist mir der weiber heimliche macht viel zu bekant / als dass ich hoffen
können / dass mein König beståndig in der alten gnade gegen mir würde verharret
sein / wan Aramena in seine arme gekommen wäre. Solches vorstehende ungluck zu
verhüten / habe ich nach dem hohenpriester-amte getrachtet: das mir auch
angegangen / und zeigt mir das Glück / dass ich für meine einige gottin halte /
eben an dem tage meiner krönung / dass mein wolstand nun auf alle weise und wege
soll beståndig bleiben. Aramena ob sie schon Königin ist / hat durch die an der
Himmelskönigin begangene freveltat den gewissen tod verdienet: den auch bereits
der Konig über sie beschlossen / indem er / auf mein anstiften /diese bose tat
hart abzustraffen / dem volke versprochen hat. Er hat solches beschworen / und
kann nun nicht zurucke: weil die gesetze / das ganze volk / und sein eid / ihn
dazu verbinden. Wan demnach Aramena und ihre schwester todt sind / habe ich
ferner nichtes mehr zu furchten / sondern kann versichert leben / dass Syrien /
nach wie vor / mich als seinen König / wo nicht im namen / iedoch in der tat /
verehren werde; und komme ich dadurch der sorge ab / eine schimpfliche
veränderung meiner so lang genossenen würde in meinem alter zu erleben. Muss auch
schon hierbei meine schwester-tochter / die Ahalibama / den tod mit leiden / so
wächset mir / bei so geringem verlust / ein weit grösserer gewinn zu: indem der
Prinz Hemor /mein tochterman / einer mächtigen und schådlichen stiefmutter
dadurch erledigt wird / die ihme in ererbung des Canaanitischen trones viel
ungelegenheit hätte erwecken mögen. Endlich / mit einem wort zu sagen / so ist
dieses für mein ganzes haus so vorteilhaftig / dass ich greiflich sihe / die
göttin Gad sei hierin meine fürsorgerin gewesen.
    Der Mephres / welcher / durch des Mamellus geld geblendet / alles billigte /
was derselbe wollte / liesse sich dieser antwort vernemen: Ich habe dieses werk
also / wie ich es nun erkenne / noch nicht uberleget; wiewol ich / wan es ohn so
grosse beschimpfung unsres tempels hätte zugehen mogen / hierbei ruhiger sein
wollte. Wie könnte grössere ehre (versezte Mamellus) dem tempel wiederfahren / als
das ihme / zur aussonung / das blut sovieler Koniglicher personen soll geopfert
werden? Wan es nur gewiss wäre / (gabe Mephres zur antwort) dass die liebe der
Königin dieses zulassen wollte? Dahin mussen wir / (sagte Mamellus) gleichwie es
in unserem vermögen ist / uns eifrigst bearbeiten / und sollen die Assyrer und
Araber /fürnemlich aber die Egypter / uns hierzu merklich dienen.
    Indem sie also zusammen redten / kamen etliche von den priestern / sich
befehls von dem hohenpriester zu erholen / wie sie sich / in bewirtung der
gefangenen Koniginen und Prinzessinen / fürnemlich aber mit ihrer so schrecklich
zernichteten und zerbrochenen gottin / verhalten sollten. Wie nun dieses
zweierlei fragen waren / als verordneten Mamellus und Mephres auch zweierlei art
priestere dazu / und befahlen / dass die jenigen / so mit weltlichen händeln zu
schaffen hatten / die versorgung der Königlichen personen ubernemen sollten. Also
kamen sie in eben selbige gemächer / darin beide Aramenen vordessen von dem
Abdastartus waren bewirtet worden: und weil man einer ieden eine aufwarterin
gönnte / als wurden Siringe / Tirza / Astale / Zamede und Melinde / zu ihnen
hinein gelassen / üm ihnen die benötigte handreichung zu tun. Wegen des
zerfallenen Isis bildes / aber begabe sich Mamellus selber / mit den
allerheiligsten unter den priestern / in den tempel: da dann / mit grosser
ehrerbietung / das zerstummelte bild aufgenommen / und etlichen priestern zur
wieder-ergånzung ubergeben wurde. Hierauf stellten sie besondere klag-opfer an /
denen der Mamellus bis fast üm mitternacht in person beiwonete: wornach er sich
wieder nach seinen palast begabe / welchen er / als Stattalter von Syrien /
ferner zu bewonen sich entschlossen hatte.
    Er verbrachte aber das übrige der nacht / sonder zu schlaffen / und sah
sobald den tag nicht wieder herfur kommen / da beschiede er zu sich den
Petosiris /wie auch den Egypter Busiris / der bei dem volke viel vermochte / und
stellte ihnen mit grossem klagwesen vor / wie schmerzlich er es entfünde / dass
ihren gottern eine so grosse beschimpfung widerfahren wåre /die nicht allein
durch ganz Egypten / sondern durch die weite welt erschallen / und eine
unausleschliche verachtung zu wege bringen / wan nicht nach gebur die göttin
gerochen / und diese untat bestraffet /wurde. Darüm sollten sie ja / mit ihnen
den priestern /beständig darauf beharren / dass man / da es die ehre der grossen
Isis erforderte / kein Königliches geblüt ansehen müsse / und auf allen
besorglichen fall / wan die verliebte Konige hinternis hierein bringen wollten
/fäst zusammen halten / dass der eid / den der König von Assyrien getan / nicht
gebrochen / sondern erfüllet wurde. Petosiris und Busiris / welche eiferer um
ihre gotter waren / liessen sich leicht von dem Mamellus bereden / als ohnedas
hierzu mehr als geneigt /und namen über sich / sowol das volk / als ihren Konig
/ zu vermanen / dass sie die ehre der Isis allen betrachtungen in der welt
fürziehen sollten. Mamellus / nachdem er diese von sich gelassen / redte eben
dergleichen mit den Assyrischen hohen kriegsbedienten /dem Laristenes / Eldaa /
Abdeel / Oneballus und mehr andren: welche gegen seine grunde nichts einzuwenden
wussten. Ascrasapes der furnemste unter den Arabern / liesse sich auch beschwatzen
/ sein volk / des Mamellus wunsche nach / zu der Isis rache zu bewegen.
    Wie er nun also dreier völker gemüter auf seine Meinung gebracht / welche
auch beständig den Isis-tempel bewacheten / verfugte er sich wieder nach
demselben / und mit den angefangenen klag-opfern fortfarend / hielte er folgends
raht mit der gesamten priesterschaft / und ward also beschlossen / durch eine
ansehliche abschickung bei den Konigen anzuhalten / dass mit volziehung der zum
tode verdamten übeltåterinnen geeilet / und nicht långer die Isis also erzürnet
gelassen würde. Indem nun Mephres mit mehr den huntert ansehnlichen priestern /
diese gesandschaft abzulegen / in trauriger gestalt den Königlichen palåsten
zugingen / winselten und klagten die einwonere in allen håusern der stadt
Damasco / uber dieses unglück ihrer Königinnen / und konten / die Isis-priester
ersehend / leicht erraten / was diese begehrten: das dann ihr leiden vermehrte /
weil sie fur billig ermessen mussten / dass ein so nie-erhortes verbrechen
abgestraffet wurde. Es waren aber auch die Syrische Fursten / neben etlichen
Ratsherren der stadt / auf des getreuen Tebah anstiften / dieserwegen am morgen
zusammen gekommen / und hatten in ihrem raht beschlossen / bei den Konigen für
die beide durchleuchtige Aramenen / wie auch für die andere Prinzessinnen /
dergestalt bitte einzulegen / dass / wan sie / durch busse und verehrung der
grossen Isis / ihr verbrechen erkennen und bässern wurden / ihnen das leben
geschenket / und diese ihre reue fur eine aussonung der grossen Isis angenommen
werden möchte. Demnach ordneten sie aus ihren mittel / beide Fursten den Hus und
Zophar / samt dreissig ratsherren ab / die fast zugleich mit dem Mephres ankamen
/ und die Könige / in des Belochus palast geheimen raht haltend / antraffen.
    Diesen verliebten ware der erste eiver nunmehr vergangen / und fületen sie
bei sich mehr liebe als zorn: daher ihre beratschlagung dahinaus ginge / wie man
die schöne Syrerin und die anderen von dem tobenden volk erretten mochte. Der
Prinz Mardocentes Bildat /Hemor / Sinear und der Furst Baracheel / so alle mit
dabei waren / fielen solchem vorhaben der Könige gleich bei / und schlugen vor /
dass man die gesamte Isis-priesterschaft zu einer vorbitte bereden sollte. Der
Bildat / wollte eben / solches bei dem hohenpriester /seinem bruder / in die wege
zu richten / sich abfärtigen lassen / als zugleich der Mephres mit seiner
priesterschaar / und die abgeordnete von den Syrern / sich anmelden liessen. Wie
man nun den Mephres furgelassen / begunte der den Königen beweglich furzustellen
/ dass ihre gottin / die grosse Isis / musste gerochen werden: weswegen er / in
aller priestere namen / der beiden Syrischen Aramenen / wie auch der Amesses /
Indaride und Ahalibama blut hiemit fordere / üm ihren tempel wieder auszusonen.
Wie man nun den Mephres und die seinen / sonder ihnen einige erklärung zu geben
/ abtreten lassen / wurde der alte Hus mit den bei sich habenden furgefodert:
der dann etwas weit-angenemers begehrte / und fanden die Konige für billig / dass
/ nach solcher bekehrung des frauenzimmers / die Isis sonder blut konnte
ausgesonet werden. Man fårtigte demnach die Syrische abgeordnete mit guter
vertröstung ab / und gabe den Isis-priestern keinen anderen bescheid / als dass
der Prinz Bildat und der Furst Baracheel sollten abgeordnet werden / der Könige
erklårung so wohl dem hohenpriester als dem volke anzusagen: Wie dann alsofort
Baracheel nach dem volke / und Bildat zu den Mamellus nach dem tempel / in
botschaft abgingen.
    Dieser erriete gleich / was sein bruder ihm anbringen würde / verstellte und
erklärte sich auch / als er es vernommen / dass er seines ortes diesen Koniginnen
und Prinzessinnen das leben gern gonne / auch vielleicht erhalten konne / wan
sie ihre begangene untat erkennten / dafur offentliche busse täten / und also
die Isis und ihren tempel wieder heiligten. Soviel erbote sich Mamellus / weil
er nicht gläubte / dass sie hierzu sich verstehen wurden. Um aber die sache etwas
schwer und ungewiss zu machen / mussten die stimmen nicht nur von allen
Isis-priestern / sondern auch von den andren geistlichen in der stadt / hieruber
eingeholet werden: die dann endlich dahin schlossen / wie es die verliebte Konige
und die Syrer verlangten / dass nämlich diesen schönen verbrecherinnen / weil sie
Königliche personen / das leben endlich konnte gelassen werden / wan sie
offentlich / im tempel der Isis /ihre begangene tat bereuten / und allen
irrtumen absagend / sich anheisig machten / ihre lebtage / durch stäte verehrung
dieser gottin / ihre aussönung zu suchen. Die aufgewigelte Egypter / Assyrier
und Araber mussten / auf Baracheels zu reden / hiermit auch friedlich sein / weil
dieser furschlag von den geistlichen kame. So sehr aber die verliebte Könige
wunschten und fleheten / dass ihre schonen sich bekehren mochten / so gewiss
hoffete Mamellus / dass sie beståndig bleiben / und den einmal erkieseten tod
nicht verabscheuen würden. Seinem wunsche und verlangen nach / fiele die wahl
auf ihn / dass er dem gefangenen frauenzimmer diese ihre erlösung / mit erwähnten
ümstånden / antragen sollte: worbei er dann nicht die kräftigste bered-grunde
vorzubringen gesonnen war / ob er gleich solches den Konigen / die selbst zu ihm
in den tempel gekommen / teuer versprochen hatte.
    Mitlerweile nun dieselbe den opfern beiwoneten /welche wegen dieser
bekehrung angestellt waren /ginge Mamellus zu den Königinnen und Prinzessinnen
hinein: welche / ihn ersehend / verhoffeten / er würde ihnen die zeit zum
sterben ankündigen / wornach nun ihr höchstes verlangen stunde. Er aber /sagte
zu ihnen: Ich komme / als abgesandter der dreien Konige / und des ganzen
geärgerten volkes / die ihre beständigkeit im lieben noch hierinn zu erweisen
begehren / indem sie gewillet sind / mit den beschlossenen heiraten fortzufaren
/ wan zuvor die verübte tat offentlich in der Isis tempel zubereuen / und einen
widerruff zu tun / von der Konigin und den Prinzessinnen alhier wird beliebet
werden. Wie / Mamellus! (antwortete die schöne Syrerin) stehet das auch eurem
jetzigem amte wohl an / dass ihr eurer Isis abgesagten feinden solche worte
furbringet? Als Mamellus noch mein vatter hiesse / (fugte die Aramena hinzu)
lehrte er mich viel ein anders / als solcher gestalt sich wankelmütig zu
erweisen. Ist dieses meinem hohenpriesterlichen amt entgegen / (gabe Mamellus
zur antwort) so rede ich hier / als Stattalter von Syrien und ein diener des
grossen Belochus / deme und seinen bundsverwandten in seiner liebe beförderlich
zu sein / ich meine schüldigkeit zu sein ermesse. Wan ihr dann dieses (erwiderte
die Syrische Konigin) für eure schüldigkeit achtet / so wollen wir euch
hinwieder die unsrige eroffnen: welche darin bestehet / dass wir nimmermehr von
dem einmal-erkannten wahren Gotte absetzen / sondern dessen namen einig und
allein zu verehren werden gesonnen bleiben / und soll uns weder noht noch tod
von unsrem glauben abbringen / noch die lust zu leben uns verleiten / euren
falschen göttern nachzuhången. Die ungereimte liebe der Konige / machet uns den
tod süsse / den wir allein / als ein gnaden-zeichen / von unsern tyrannen
anzunemen verlangen. Ist das (fragte Mamellus / eine nach der andren ansehend)
euer aller Meinung? Wie sie nun sämtlich ja gesaget / ginge er von ihnen wieder
hinaus: bliebe aber / um die Konige in den wahn zu setzen / das er eine lange
zeit / sie zu bereden / verwendet håtte /noch etliche stunden in dem
nebengebåude.
    Endlich / wie es fast wollte abend werden / kame er wieder hervor / und fand
die Konige / die augenblicklich seine wiederkunft verlangten / in des Beors
palast: da ein frömder allein bei ihnen im cabinet ware / und åmsig mit ihnen
redte. Sie ersahn ihn nicht sobald / da kamen sie alle dreie üm ihn her /seine
verrichtung zu vernemen. Wie stehet es / mein vetter! (fragte Belochus) dorfen
wir hoffen / das unsere schönen sich bekehren werden? Es ist sonst hohe zeit /
hiermit zu eilen / weil dieser Canaanite uns iezt die zeitung bringt / dass der
König von Basan mit einem mächtigen heer im anzuge sei / die Konigin von Syrien
zu befreien / und besorglich innerhalb zwei tagen hier vor den toren stehen
möchte. Diese zeitung / deren sich Mamellus nicht versehen / machte ihn so
eifrig / als bestürzt / mit desto grosserm nachdrucke zu reden / und sagte er:
Wan deme also ist / muss man keine zeit versåumen / die grosse Isis zu rächen /
wofern wir deren beistandes wider die feinde uns getrosten wollen.
    Ja gnädigste Könige! (fuhre er fort / ihre entsetzung warnemend) es ist zeit
/ dass man hier alle liebesentfindlichkeit ablege / und koniglich / das ist /
gerecht handele / damit wir nicht selbst ungluck auf unsren hals laden. Was fur
greuliche gottslästerung und nie-erhorte hartnäckigkeit sich bei denen findet /
die ich amtshalber nicht anders als die allerverfluchteste weibsbilder nennen
kann / solches lässet sich nicht aussprechen: und wird man müssen hier wählen / ob
man lieber mit land und leuten untergehen / oder ein unnützes blut von der erden
vertilgen wolle. Mitlerweile Mamellus also redte / stunden die drei Konige
solche qual aus / die unvergleichlich viel grösser war /als die vorige / da sie
diese ihre liebsten für todt gehalten hatten. Ihre tränende augen redten vor sie
/ und nachdem sie den Canaaniter / mit ernstlichem verbot /die zeitung von
ankunft des Königs Marsius niemanden zu sagen / um keine furcht in der stadt zu
erwecken / von sich gelassen / behielten sie allein den Mamellus bei sich:
welcher ihre unschlussigkeit warnemend / alle seine beredsamkeit herfur suchte /
ihnen das beizubringen / was sein glücke befåstigen sollte.
    Wollen dann E. Maj. (sagte er zu ihnen) dieses nicht zu herzen nemen / dass
die grosse Isis beleidigt worden? welche / wan wir sie nicht völlig versönen /
uns weder Glück noch segen fortin wird erleben lassen. Wollen sie die gefahr
nicht achten / die ihnen die ubelzufriedenheit des ganzen volks androhet? welche
/von göttlichem eifer getrieben / die verlezte ehre der Isis gerochen sehen
wollen. Oder wollen sie wenigst nicht erwägen / dass ihrer liebe damit gar nicht
wird geholfen sein / wan sie schon diesen unwürdige wollten das leben lassen. Dan
wie könten E. Maj. von denen sich etwas gutes versehen / die den göttern nicht
treu verblieben / und aus unmenschlicher künheit so ein grosses wagen dorfen /
welches nicht wird geschehen sein / solang die welt gestanden? Welchen tag /
welche stunde werden E. Maj. ihres lebens versichert sein können / bei solchen
weibspersonen / die aus einem angebornen hass und widerwillen lieber vor aller
welt die schändlichste creaturen heissen / als ihre ehliche liebe annemen wollen.
So begehren sie dann (fragte Pharao) sich gar nicht zu bequemen? Keine ist
widerspånstiger / (antwortete Mamellus) als die Prinzessin Amesses / und sagte
sie: Man mochte nur von ihr glåuben / dass / üm ihres vatters liebe zu entgehen /
sie fähig wäre / nach verrichtung der gestrigen tat /alles in der welt / auch
das allerunmugligst-scheinende / zu verüben. Also wird aber (versezte der König
von Canaan) die Ahalibama nicht geredet haben? Die bereits einmal (antwortete
Mamellus) dem grossen Beor dörfen ein messer an die gurgel setzen / gibt leicht
von sich zu urteilen / was sie ferner zu tun fähig sei.
    Wan ja / die grosse Isis zu versönen / (sagte Belochus) blut muss vergossen
werden / wäre es dann nicht genug an einer person? Lasset uns die Indaride von
Ophir verdammen / üm die andern zu erretten. Wofür soll aber (erkünete Mamellus
hierwieder einzuwenden) diese rettung nutzen / wan sie schon tunlich wåre /da
die Königin von Syrien so wenig / als die andren /zu leben begehren / und ihr
leben bloss zu schaden ihrer Konige / von denen sie angebetet werden / anwenden
würden? Wie wan man noch einmal versuchte / (wandte Belochus hiergegen ein) sie
auf einen båssern weg zu bringen. Um zu weisen / (antwortete Mamellus) wie gern
ich E. Maj. vergnugung mochte befordert sehen / so will ich meiner eignen tochter
erlauben / bei der Konigin und den Prinzessinnen sich hierunter zu bemuhen: die
vielleicht / als ein weibsbild / mehrern zutritt bei ihnen finden / und ein
geneigters gehor erlangen mochte. Dieses erbieten namen die drei Könige für
bekant an: wiewol der Pharao in seiner liebe sehr zu wanken anfienge. Hierauf
wurden der Bildat und Baracheel beruffen / und mit ihnen abgeredet / dass man den
verbrecherinnen noch den morgenden tag / sich zu bedenken / überlassen wollte.
Inmittels sollte / um das volk zu stillen / alle opferbereitschaft im tempel
fårtig gehalten werden /üm unzweifelich übermorgen mit der hinrichtung /oder mit
den trauungen / fortzufaren / ehe der Konig von Basan mit seiner macht dazu
kommen / und es hintern mochte.
    Diesem neuen feinde einhalt zu tun / riete der Prinz Bildat / dass man ihm
ein ansehnliches heer entgegen schicken / und es auf eine schlacht ankommen
lassen / ingleichen die ledige schanzen der Syrer besetzen / und also den feind
von der stadt abhalten sollte. Dieses werkstellig zu machen / wurde dem ratgeber
anbefohlen: welcher auch die ganze nacht mit kriegsverfassung zubrachte / und
musste der Prinz Sinear / mit dem Zalmon und Epha / vierzig tausend man aus
Damasco füren / da niemand als sie dreie wussten / dass es dem Marsius gålte.
Inzwischen wurde / die widerspånstigkeit der Königinnen und Prinzessinnen /
durch ganz Damasco ruchtbar: darein dann niemand sich zufinden wusste / und
verlangte jederman / was nun die Prinzessin Milcaride bei diesen verstockten
ausrichten / und wie dieser lezte streich gelingen würde.
    Diese kame nun / bei anbrechendem morgen /neben dem Mephres und sechs andren
priestern / zu den fünf schonen in den tempel: da Mephres ihnen allen den tod
des feuers / wan ihre beståndige verhärtung erfolgen sollte / ankündigte / und
hierauf die Milcaride / sie eines bässern zu erinnern / allein bei ihnen liesse.
Diese mitleidige Prinzessin / finge nun an / viel ernstlicher / als ihr der
Mamellus ihr herrvatter anbefohlen / ihre im tempel erlernte grunde / die
vielheit der götter betreffend / herfür zu suchen / und solche den Koniginnen
und Prinzessinnen fürzuhalten. Diss ware der gottseligen Aramena keine
verdriesliche unterredung / weil sie dadurch gelegenheit überkame /ihren glauben
zu schårfen / und sowol sich als die andern zu erbauen. Alles / was sie jemals
aus des so liebgewesenen Abimelech und der werten Cölidiane gesprächen / auch
aus des Henochs und Abrahams schriften von ihrem glauben / erlernet hatte / das
brachte sie mit so susser wolredenheit herfür / und bewiese die einige Gotteit
so statlich / dass / durch sonderbare himmelsschickung / die Milcaride diese
kräftige grunde anname / und an statt der gottin Isis etliche zuzufüren / selbst
von derselben und von ihrem heidnischen glauben abtrate / und zu dem wahren Gott
himmels und der erden sich bekannte. Dieser erlangte sieg / machte die schone
Syrerin in ihrem geiste ganz freudig / und sprache sie dieser neuen
rechtgläubigen eiferigst zu / dass sie keine furcht noch liebe der welt sich
sollte schrecken lassen / diesen glauben öffentlich zu bekennen: massen sie
selbst befände / dass sie sich damit versündigt / indem sie / üm zeitlicher
ursachen willen / bisher verschwiegen hatte / was ihre glaubens-bekåntnis
gewesen.
    Milcaride / dieser lehre nach zu kommen / begehrte nicht wieder aus dem
tempel / sondern wollte gleiches Glück und unglück mit den andern anstehen: und
wiewol die Königin ihr hierinn gewaltig abriete / ihr die lebensgefahr
fürstellend / darein sie sich sturzen würde / achtete sie doch solches nicht /
sondern beteuerte hoch / dass sie ohnedas des lebens satt und überdrussig wäre.
Bin etwan ich hieran schuldig / (sagte die Königin von Ninive) weil es
geschienen / als ob des Prinzen Hemors ehmalige liebe gegen mir wieder anglimmen
wollen. Dieses tut zwar etwas (antwortete Milcaride) zu meinem
sterbensverlangen: das furnemste aber mag ich nicht melden / da ich mich vor mir
selbst entsehe / dass ich solches weiss. Weil nun ferner keine hierüm fragte / da
ihre gedanken auf kein irdisches mehr sinnen wollten / geschahe nichtes mehr mit
der Milcaride / als dass sie von den anderen willigst in ihre todten-gesellschaft
aufgenommen worden.
    Wie nun der Mephres nachmittag mit seinen priestern wiederkame / um ihre
endliche erklårung zu vernemen / wornach die Könige und das volk so sehr
verlangte / bestürzte er nicht so sehr / als er der beiden Aramenen / und der
andern drei Prinzessiñen beharrlichen sterbvorsatz vername / als über die
schleunige ånderung der Milcaride / die ganz verächtlich ihn ansehend / ihm
ankündigte / wiedass sie der andern ihr beginnen billigte / und als eine
verächterin der Isis mit ihnen zu sterben verlangte. Weil in den gesetzen der
Isis entalten / dass / wan in dem geschlechte der priestere / sonderlich des
hohenpriesters / eine person gefunden würde / die wider die ehre dieser gottin
handelte / dieselbe ohn alle gnade zum feuer sollte verdammet werden: als konnte
ihm der Mephres leichtlich furstellen / wie es dieser tochter des hohenpriesters
ergehen / und welche herzensqual ihr vatter daruber anstehen wurde. Demnach
begabe er sich betrubt von dannen / und mit dem wagen der Milcaride / der vor
dem tempel aufwartete / nach des Mamellus palast eilend / verschwiege er
unterwegs gegen dem volke nicht / wie es im tempel stunde: dadurch alles in
neuen lärmen geriete.
    Mamellus fülete nicht geringen schrecken / wie er den Mephres so allein und
so beångstigt ankommen sah. Sein herz / das ihme sein unglück ankündigte
/machte ihn ganz kraftlos / den Mephres zu fragen: und dieser hatte auch den
muht nicht / das bewusste anderst / als durch ståtes seufzen / fürzubringen.
Endlich kame die Tarasile dazu / und diese beide also stum findend / fragte sie
/ was die Prinzessin / ihre tochter / im tempel ausgerichtet hätte? Mamellus
sah nun den Mephres stark in die augen / und dieselben voller tränen findend /
schluge er in die hände / und rieffe überlaut: Ach! meine tochter ist verloren!
Mein ungluck will / (sagte Mephres) dass ich der bote sein muss / der diese zeitung
bekräftige. Nun hab ich genug / (antwortete Mamellus) und sehe / was alle list
und rånke mir geholfen. Wie er diss gesagt / eilte er /gleich einem unsinnigen /
von ihnen / und verschlosse sich allein in sein cabinet: worauf die erschrockene
Tarasile von dem Mephres umståndlicher vername /was sich mit der Milcaride
begeben hatte. Weil sie deren todesgefahr nicht für so gewiss hielte / wie es ihr
gemal und der Mephres wussten / als vergliche sich auch ihre unruhe nicht / mit
des Mamellus angst: den sie mit gewalt aus seiner einsamkeit brachten / als die
Könige den Abdeel nach ihm schickten / und nachricht haben wollten / wie es im
tempel stünde. Sie fanden ihn auf einer ruhebank ligen / da er das gesicht gegen
der wand gekehret / und mit beiden händen in den haaren seines haubtes tobete.
Als er den Abdeel vernommen / liesse er ihm keine zeit zu reden / sondern kame
ihm zuvor / und sagte: Entschüldigt mich bei den Konigen / dass ich nicht selber
kommen kann. Ich weiss nun ferner keinen raht zu geben / und verlange selber
nichtes / als zu sterben. Weiter konnte man kein wort von ihm bringen. Abdeel /
als er von dem Mephres eigentlich vernommen / wie es stunde /ginge mit demselben
nach den Königen: alda dieser alte umståndlich erzehlte / was der schonen
gefangenen im tempel endliche erklårung wåre / auch wie des hohenpriesters
tochter sich ebenfalls verfüren lassen /und mit den andern sterben wollte.
    Die drei Könige schauten einander hierauf eine gute weile an / ehe einer ein
wort herfurbrachte. Letzlich brache der Pharao dieses schweigen / und gar zornig
sich gebärdend / sagte er: Wolan dann / weil Amesses meine liebe verachtet / so
soll sie meinen hass fülen / und will ich morgen meine lust daran sehen /wan ihr
die flammen über dem kopfe zusammmen schlagen. Wiewol nun Belochus und Beor
dergleichen hass gegen ihre geliebten nicht in sich entfanden / so ergaben sie
sich doch auch darein weil es anderst nicht sein konnte / und wollten lieber deren
tod / als ihre fernere verachtung / und die gefahr / sie in andere hånde geraten
zu sehen / erleben. Und in diesem fürsatze / den sie unümgänglich fassen mussten
/ wurden sie noch gestärket / durch die zeitung / die ihnen in dem augenblick
der Sinear / durch den Dercylus / aus dem lager entbote: dass sie nämlich bereits
auf das vörderst heer des Konigs von Basan gestossen / und es sich / allen
umständen nach / zu einem blutigen treffen ansehen liesse. Dercylus berichtete
daneben / wie sie in erfarung gebracht / das von Aroer der grosse Edom mit einen
heer sich herzu näherte / auch der Konig Armizar von Ophir im anzug wäre. So
wollen wir dannoch / (sagte der ergrimte Belochus) ungeacht aller drohenden
gewalt / den grausamen sieg über diejenige erhalten / üm deren befreiung willen
alle diese grosse macht uns überziehet. Und sollen Esau und Armizar / (sezte
Pharao hinzu) vergebens kommen / mit ihrem geliebten über uns den spott zu
treiben.
    Hierauf färtigten sie den Mephres wieder ab / und verwilligten / dass man auf
morgen zum rach-opfer der grossen Isis / alle bereitschaft machen sollte.
Hiernåchst wandten sie alle ihre gedanken auf den krieg /üm dapfere gegenwehr zu
tun / und sandten den Dercylus wieder hinaus / durch welchen der Belochus dem
Prinzen Sinear sagen liesse: Er sollte gedenken /dass er für die freiheit seiner
bestimmten Königin von Elam mit zu fechten habe. Hierauf sassen die drei Könige
selbst zu pferd / und ritten / neben den gesamten hohen kriegsbedienten / auf
alle posten umher / um anstalt zur gegenwehr zu machen / auf den unglücklichen
fall / da der Sinear geschlagen werden / und der feind bis an die mauren / die
stadt zu sturmen / durchdringen sollte. Es erfuhre / durch solche öffentliche
verfassung / die ganze stadt / dass man sich eines neuen feindes befarete / und
brache damit aus / warum der Sinear mit einem so måchtigen heer aus Damasco
gezogen. Was sie aber diese neue gefahr nicht sonderlich beachten machte / war
die allgemeine besturzung und traurigkeit / darin sie schwebten / indem sich
ihren gedanken das traurspiel fürstellte / welches den andern tag mit
hinrichtung der allerschonsten personen von der welt sollte fürgenommen werden.
Hiervon unterhielte sich ganz Damasco / und war kein haus noch einige
gesellschaft zu finden / da nicht mit gleicher häftigkeit / die nie-erhorte
enteiligung der Isis /und die hierauf bevorstehende grausame rache / beklaget
und beweinet worden. Weil auch die Isis / von hohen und niedren / als die groste
göttin / verehret und angebetet wurde / als kunte noch dorfte kein einiger
mensch darauf gedenken / um erhaltung des lebens dieser schonen sich zu bemühen:
massen die macht der tollen eiferer so gross war / dass nicht allein die Syrer /
sondern die Konige selber / sich davor scheuen und furchten mussten.
    Diese unterliessen nun nicht / in der rukkehr / den betrubten hohenpriester
in seinem palast anzusprechen: und fanden bei ihme den Prinzen Hemor / welcher
auf keinerlei weise sich wollte zufrieden geben /dass die Milcaride / seine
gemalin / solcher gestalt von der Isis abgefallen war; weswegen er auch den
Konigen / wiewol vergebens / zusprache / nicht zu dulten /dass man mit den
Koniglichen personen also verfure /sondern ihnen fernere bedenkzeit zu gonnen.
Wiewol nun Mamellus diesem fürtrag gern fortgeholfen hätte /so dorfte er doch
seinem ersten gegebene raht nicht widersprechen: zumal es auch schon zu spat war
/ und die vollige gewalt uber die gefangenen / nicht allein den Isis-priestern /
sondern auch allen andern in Damasco befindlichen gotzenpriestern / übergeben
war /die / von dem ganzen heer gestützet / allen beifall hatten / zu tun / was
ihnen gelustete. Demnach legte er alles auf das verzweifelte grämen / und
verwiese fast den verliebten Konigen mit seinem beispiel / dass sie nicht so übel
/ wie er / sich gebärderten / da sie doch ebenfalls ihr liebstes verlieren
sollten. Belochus / ihn seines hohenpriesterlichen amtes erinnerend / vermanete
ihn zur gedult / worzu er selbst ihn und die andre Konige noch neulichst bereden
wollen. Nachdem er ferner den Hemor mit seinem eignen beispiel getröstet /
eilete er / neben den Pharao und Beor / wieder von dannen: weil dieser
trauer-ort nur dienete / ihre ohnedas-gequältes gemuter noch mehr zu ängstigen.
Sie waren auch nun so verwirret / dass sie / nirgend ruhe finden kunten: und sah
man sie / selbigen abend /mehr als einmal auf die gassen der stadt reiten / in
tausenderlei leeren anschlägen / ihre geliebten zu erretten.
    Die Koniginnen und Prinzessinnen wurden inzwischen / von einer grossen mänge
der priester / mit brennenden fakeln / auch bei anstimmung eines klagliedes /
mit traurigem ton und gebården / aus ihrer wonung / in einem besondern tempel
gefuret: darin sie die nacht verbringen / und des folgenden grausamen morgens
erwarten mussten. Weil das widern vor dem tod / sonderlich vor einem so
abscheuliche tod /allen menschen natürlich ist / als stellte sich dessen bittere
erinnerung auch bei diesen künen Gottes-eivereriñen ein / und hatten sie gnug
mit sich selbst zu kämpfen / üm beständig zu bleiben / und den tod nicht zu
achten. Milcaride / die am weichmütigsten sich erwiese / gleichwie die Konigin
von Syrien die mutigste unter allen war / erholte sich immer trostes bei dieser
schönen Königin / und dienten deren heilsame lehren ihr und den andern zur
kräftigen bestårkung / in diesem streite die oberhand zu behalten.
    Gedenket / liebste Prinzessinnen! (sagte sie zu ihnen) was / auf diese angst
/ die uns iezt betroffen /fur eine unendliche ruhe uns bereitet ist / und wie
uns so wohl sein wird / wan wir in seeliger ferne das betrachten können / was wir
iezt / und sonst in unsrem leben / haben erdulten müssen. Morgen üm diese zeit
/wissen wir nichtes mehr von der qual / die man uns bereitet / sondern schweben
in der freude / von deren Henoch so viel susse beschreibungen in seinem schriften
uns hinterlassen / und die er doch so vollkommen nicht fürbilden konnen / als
wir sie in der tat befinden werden. Solte ein augenblickliches leiden nicht zu
ertragen sein / worauf ein immerwårendes wolergehen erfolget? Scheuet man auch
wohl eine bittere arzenei /die uns kann zur gesundheit verhelfen? Und wie
verlanget man doch zu bette / wan man von der arbeit müde ist! sollte dann nicht
uns nach der ewigen ruhe gelüsten / die wir dieser welt leiden so vielfältig
gekostet haben? Lasset uns / durch ein augenblickliches feuer / dem angstfeuer
entfliehen / das uns bisher gequälet hat / und mit diesem zeitlichen leben
ablegen alle verfolgungen / die uns so häufig darin zugestossen! Euer Dison /
liebste schwester / und euer Elieser / werteste Ahalibama! warten euer mit
verlangen. Weil wir von des höchsten Gottes gerichten nicht urteilen müssen / so
wollen wir hoffen / dass auch Amraphel seine Indaride in jener welt mit freuden
ersehen werde. Bleiben Armizar / Hemor und Cimber nach uns in der welt / üm
unsren tod zu beweinen: so bin ich doch versichert / dass Armizar und Cimber uns
lieber todt / als in des Pharao und Belochus armen / wissen werden. Wan auch
Hemor dermaleins / wie ich ihm wunsche / zur wahren glaubenskentnis gelanget /
wird er erfreuet sich erinnern / dass seine Milcaride üm dess willen ihr leben hat
verlieren wollen.
    Wan ich nichts (versezte Indaride) den trost haben sollte / meinen Amraphel
dort für zu finden / wurde mir / wo es müglich / auch in der seeligkeit / die
ruhe ermanglen. Ach nein! dieses edlen Königs tugend war viel zu gros / als dass
ihme der himmel die wonung der seeligkeit hätte versagen können! Meinem Hemor
wünsche ich / (sezte Milcaride hinzu) dass mein tod ihn zur erkentnis bringe /
mir die liebe zu erweisen /die er mir in meinem leben versaget. Und meinem Dison
(sagte die Königin von Ninive) wird mein tod in jener welt anzeigen / wie ich
bereue / dass ich auf ihn unschüldigen einen hass geworfen. Kommet /(sagte die
Konigin von Syrien) und lasset uns / das übrige der nacht / mit heilsamer
zubereitung zu unserer morgigen reise / verbringen! Und weil die einsame stille
betrachtungen die bästen sind / als wehlet euch /meinem beispiel zu folge / von
diesen erkern iede einen aus / deren eben sechse sind / als wan sie fur uns
erbauet wären / und begrabet darin alle eure weltliche gedanken und sorgen: üm
nachgehends desto geschickter zu sein / mit himlischen gedanken dieses leben zu
verlassen.
    Als sie diss gesagt / begabe sie sich ganz allein in ein ausgebäude des
tempels / da ihr / die klarheit der vielen hin und wieder angezundten lampen /
eine marmorne bank zeigte / auf die sie sich niederliesse. Indem die andern in
den ubrigen auslagen dergleichen täten / überlegte sie bei sich ihren ganzen
lebenslauf /wie so nichtig und flüchtig das wenige gute gewesen /dass sie darin
genossen / und wie hingegen das widrige ihr so lang und häufig zugestossen. Die
unwissende ungerechte liebe zu dem Aramenes ihrem bruder /dem sie unter des
Abimelech namen so herzinnigst gewogen gewesen / bereuete sie nicht weniger /
als wie sie auch die fursorge des Hochsten hierbei priesse / die allemal ihrer
vermålung so viel hinternise in den weg geschicket. Das lezte / worüm sie ihre
lezte tränen vergosse / war der schleunige tod dieses ihres mehr dann lieben
bruders / und das gedåchtnis des Cimbers / den sie hinter ihr lassen musste. Wie
aber dessen andenken einen widerwillen zum tode in ihr erwecken wollte / bannete
sie diesen treuen liebhaber aus ihren sinnen / und gabe ihm tausend guter nacht:
nichtes mehr beklagend / als dass sie / vor ihrem sterben / nicht die gelegenheit
haben sollen / dem Tuscus Sicanus / als ihrem geliebten Cimber / bewust zu
machen / wie sie seine liebe wohl erkant / auch ihres bruders leztem befehl gemås
/ ihm wieder liebe zu erweisen bereit gewesen.
    Hierauf wandte sie sich ganz von der welt ab / und schwunge sich mit ihren
gedanken in den himmel: da dann die schonheit desselben / und die beständige ruhe
/ welche sie darin zu gewarten hatte / ihr die sinne dermassen einname / dass
sie nun sich recht glucklich zu achten anfinge / weil sie / für das irdische /
ein so herrliches ewiges reich beziehen sollte. In solcher betrachtung fielen ihr
/ auf ihren zustand / diese reimen ein / welche sie mit einem griffel in die
marmorne wand eingezeichnet.
Was solt mich wohl auf Erden halten /
da mir der himmel offen steht?
mein sehn und sehnen aufwarts geht:
ich will nicht mehr hiernieden schalten.
der erd will ich die erde geben /
mit meinem geist im leben leben.
Muss ich / das sternen-reich zu fassen /
schon brechen durch den bittren tod:
es daurt nur einen blick die noht /
die mich soll ewig leben lassen.
ein saurer weg ist leicht gegangen /
wan wir ein süsses ziel erlangen.
Muss schon mein leib zernichtet werden:
was nüzt das alte wonhaus mir?
da mir ein neues stehet fur /
das nicht gebauet ist von erden.
Ich lass die bauerhütte schwinden:
weil ein palast für mich zu finden.
Verlass ich hier schon liebe freunde:
den liebsten freund / den find ich dort.
Verlass ich güter: jener ort
gibt mir die kron / trutz allem feinde!
Was ich hier hinter mir kann lassen
das werd ich dort weit grösser fassen.
Mir wird nit folgen nach / das leiden;
es stirbet mit / und bleibt zuruck:
dafür erlang ich fästes Glück /
das nie kein unbestand mag scheiden.
Solt ich den tod dann nicht erkiesen /
da mir wird solche freud gewiesen?
Lang leben hier / ist lange sterben.
Ein früher abschied mir behagt.
Das harren / nicht der tod / mich plagt.
Drum wunsch' ich eilend zu verderben:
üm desto eher / mit den frommen /
zu heisen ewiglich-vollkommen.
    In diesen schönen sterbensgedanken / wurde sie durch die ankunft der
Isis-priestern gestöret: welche ihnen eine herrliche malzeit auftrugen / und sie
notigen wollten / sich zu setzen / und von den speisen zu geniessen. Wie sie sich
aber dessen geweigert / machten diese priestere sich darüber her / und
verzehrten alles an ihrer statt / worbei die gefangene grosse angst anstunden:
weil die Königin von Ninive / als deren ihre weise wohl bekant war / die andern
warnete / vor diesen betrunkenen / die ihnen etwas ungebürliches ansinnen
mochten / sich fürzusehen. Die fünfe namen demnach ihre zuflucht hinter die
Konigin von Syrien: welche ein messer herfür zoge / üm / auf bedürfenden fall /
ihre und der andern ehre damit zu beschirmen. Es ware aber hierinn ihre sorge
vergebens: weil die ehrerbietung bei diesen priestern / ungeacht sie sich
angesoffen / soviel gewirket / dass sie / sonder den gefangenen etwas zu sagen /
ihres wegs wieder fortgingen / nachdem sie wohl gezechet und gezehret hatten.
    Die Könige hatten unterdessen in ihren palästen sich etwas zu ruhe begeben /
konten aber deren nicht lang geniessen: massen der Prinz Bildat die unglückliche
post anmeldete / wiedass der Prinz Sinear / sein sohn / mit dem gesamten heer
geschlagen / und vor dem Konig Marsius flüchtig / mit den ubrigen in die stadt
entronnen auch der feind nun schon an der stadt wäre / und zum sturmen alle
anstalt machete. Wie der Bildat noch also redte / kame der verwundte Sinear dazu
/ und dem König von Assyrien zu fus fallend /beklagte er sein ungluck / dass er
einem so grossen heer der Teutschen nicht långer wiederstand tun /noch seinem
König mehr dienste leisten können. Er uberlieferte zugleich etliche gefangene
von des Marsius heer: welche / nachdem Belochus den Sinear aufstehen lassen /
verhoret wurden / und beståtigten /wiedass diss heer sechzig tausend man stark
wäre. Einer unter ihnen / ein Egypter von geburt / gabe den Konigen diese
ausfurliche nachricht.
    Es hat mein herr / der König von Basan / (sagte er) fürlängst / wiewol ganz
heimlich / sich hier in Syrien aufgehalten / und zwar aus liebe zu der Königin
von Syrien: deren zu dienst alle manschaft in Basan und auf dem Amoriter gebirge
aufgeboten / und also bei huntert tausend man zusammen gebracht worden. Von
diesen hat der Suevus erstlich dreissig tausend / nachgehends der Prinz Baalis
zehen tausend / und nun unser König selber sechzig tausend / zu hülfe den Syrern
/ hieher gefuret. Dieses lezte heer / stunde an den grånzen von Basan und Syrien
/ als vor einem paar wochen / unser Konig / ganz betrübt aus Syrien zu uns kame
/ und dem Prinzen Trebetes befahle / uns nach Syrien zu füren. Aber bald darauf
ånderte sich dieser schluss / weil zeitung einliefe / dass die Konigin von Syrien
in Damasco hinein wäre entfüret worden: daher unser König selber mit uns nach
Syrien ümkehrte. Im nåher-kommen erfuhre er / dass die Königin / wie auch ihr
erkanter bruder / der vermeinte Prinz Abimelech von Gerar / in einer gruft
befallen wären: da er dann seine bisher-geheime liebe nicht långer zu bergen
vermochte / sondern mit so häftiger gemüts-bewegung hervor brache / dass er
schwure / zu rächung des todes dieser beiden / keinen stein in Damasco auf dem
anderen zu lassen.
    Wir gingen also in Syrien: da weder des Prinzen Suevus warnung / der uns
begegenete / noch der Konigin von Elassar anzug nach dem Amoriter-gebirge /
unsren König zurück halten konnen. Gestriges tages wurde er in unbeschreibliche
freude gesetzet /als er von denen zu uns gestossenen Syrern vername /dass die
Königin alhier noch lebe: welche zeitung unsren halbtodten Konig völlig wieder
aufgemuntert /also dass er mit grosserm mute seinen zug gegen diese stadt
fortgesetzet / und / nach iezt-erlangtem ersten siege / nun die stadt zu stürmen
gewillet ist. Er eilet aber damit also / weil etliche von hiesigen gefangenen
uns berichtet / dass die Konigin in grosser lebens gefahr schwebe.
    Wie hiermit dieser Egypter seinen bericht beschlossen / fragte ihn der
Pharao / weil Belochus in tiefen gedanken stunde / ob die seinen nichtes von dem
anzuge des Armizars aus Ophir wussten? Dieser Konig (antwortete der Egypter) ist
bereits mit einem grossen heer in Mesopotamien / und wird auch der Fürst Esau /
von Aroer her / morgen bei uns erwartet. Wir wissen nun gnug! sagte hierauf
Belochus / und befahle diesen gefangenen abzufüren. Hierauf sah dieser
besturzte König die andren wehmütig an / und sagte: Was raht ist hier zu fassen
/ da die verteidigung dieser ringmauren das lezte ist / so Babel / Egypten und
Canaan von einer nie-erhorten beschimpfung ihrer Konige erretten kann? ô
verfluchte liebe! die uns in dieses elend stürzet / und solchen abbruch unsrer
ehre uns leiden machet!
    Gnädigster König! (sagte Bildat) E. Maj. stellen bei diesem handel ihr gemüt
zu ruhe: es ist noch mancher treuer und dapferer soldat hier in Damasco / der
seinen kopf daran wagen / und solchen lieber verlieren wird / als dass er seines
Königs freiheit notleiden sehe. So viel tausend Assyrier / Egypter / Canaaniter
und Araber / die wir noch beisammen haben / worden ja verhuten / dass nicht
gleich der feind meister von der stadt werde: und können wir nur etwas zeit
gewinnen / so weiss ich gewiss / dass die Cussiten / wie auch die funfzig tausend
man / die der Prinz Hiarbas herzu zufuren / auf dem wege begriffen ist /
ingleichen der Königin von Elassar fürhaben wider ihren bruder / so auf das land
der Amoriter gerichtet / und die ankunft des Prinzen von Tyro / den wir aus Elam
erwarten /uns zum vorteil dienen / und dieser gefahr ein anders ansehen geben
werden. Man tue demnach nur gleich zur sache / und setze sich in gute
gegenwehr: Damasco wird nicht so leicht erstiegen sein.
    Durch dieses mutige zureden des Prinzen von Chaldea / wurden die
niedergeschlagene gemüter der Könige wieder aufgerichtet. Und weil sie nun / die
liebe und alle andere betrachtungen hintangesetzet / ihre gröste vergnügung sein
liessen / sich an ihren feinden gerochen zu sehen / als liessen sie geschehen /
dass /gleich bei anbrechen des tages / die hinrichtung der schönen verurteilten /
(die sie / da sie sich von ihnen beständig verachtet sahen / nun auch tödlich zu
hassen begunten) in dem Isistempel sollte vorgenommen werden / ehe der verliebte
Konig von Basan / wie auch der Armizar und Esau / es verhintern könten: und war
ihre wut so gross / dass sie selbst in person solchem blutigen opfer beiwonen /
und also ihre rachgierde bussen wollten. Weil immittels post über post einliefe /
dass die gefahr sich grösserte / und sie bereits drausen zu stürmen anfingen /
begabe sich alles / was fechten kunte / auf die türne und mauren / ihre stadt
bis auf das äuserste zu verteidigen.
    Dieses verstörte des Prinzen Mardocentes und Hemors anschlag / den sie mit
dem Elhanan und Tebah diese nacht gemacht hatten / die Königinnen und
Prinzessinnen zu befreien. Diese viere fületen mehr eifer für diese schönen /
als verehrung fur die göttin Isis /und machten ihnen kein gewissen / die jenigen
zu erlösen die alle welt des todes würdig erkannte. Was hierin bei dem
Mardocentes die blosse grosmut verrichtete / dass täte bei dem Hemor die liebe zu
der jungern Aramena / und das erbarmen gegen der Milcaride /bei dem Elhanan und
Tebah aber / die liebe zu dem Syrischen Königlichen geblüte. Sie waren nun eben
/als dieser auflauf entstunde / schlussig worden / mit den Arabern und teils
Canaanitern / die der Piream auf des Hemors seite gebracht / in den tempel zu
brechen / das frauenzimmer zu erlösen / und mit ihnen aus der stadt nach Aroer
zu eilen / um sie alda / bei den Cussiten und den andern völkern / in sicherheit
zu bringen. Es sezte sie aber aus dieser Entschliessung /das geschrei von des
Konigs von Basan erlangtem siege uber den Sinear / und von dessen starkem
angriff auf die stadt: und wussten sie nicht / wie sie nun bei diesem zufall sich
bezeigen sollten. Einen lårmen bei solcher bewandnis in der stadt anzufahen / und
dadurch die ihrige zu schwächen / auch deren gegenwehr wider den feind zu
verhintern / hielten sie fur bedenklich / auch ihnen selbst gefärlich. Sie
konten sich aber auch nicht entschliessen / die schöne gefangene hulflos zu
lassen: zumal wie sie erfaren / dass mit dem morgen die hinopferung erfolgen
sollte.
    Sie gingen zu den Königen / und suchten viel vernunftige gründe hervor / sie
zu uberreden / dass es mit dieser hinrichtung im tempel so lang anstand haben
möchte / bis man den feind von den mauren würde haben abgetrieben. Sie richteten
aber nichtes aus /und mussten geschehen lassen / dass die Konige / nachdem sie dem
Prinzen Bildat / wie auch dem Zalmon /Laristenes / Epha und Aner / die
verteidigung der stadt anbefohlen / selbst nach der Isistempel gingen /üm diesem
grausamen opfer beizuwonen. Weil Beor den Prinzen Hemor / seinen sohn / in
tiefen gedanken ersah / schwanete ihm / was er im sinn hatte: und hiervon ihn
abzuhalten / befahl er ihme / den ausfall der zehentausend man / den sie tun
wollten / neben dem Zalmon / gegen dem feind zu furen. Der verzweifelte Hemor
dorfte sich diesem befehl nicht widersetzen / sondern musste gehorchen: wiewol
sein scheiden von dem Isistempel / bei dem sie sich nahe befanden /mit solcher
bewegung zuginge / dass ihm die tränen scheinbar aus den augen drungen. Wie er
nun alle hofnung verloren hatte / die jenige zu erretten / die ihm so lieb ware
/ name er ihm fur / den tod bei diesem ausfall zu suchen / und eilete demnach
mit dem Zalmon und den zehentausend soldaten hinaus / des willens / nicht
lebendig wieder in Damasco zu kommen.
    Mardocentes / dem seine jugend und sein frischer muht nicht zuliesse / bei
diesem zustande mit den Königen müssig nach dem tempel zugehen / musste / weil
auch die Konigin Petasiride zu pferd daher kame /und ihn aufmanete / ihr zu
folgen / den fürsatz fahren lassen / die gefangenen zu erlosen. Wie man ihme nun
sein pferd gebracht / und er die Petasiride nach den mauren / da sie den stürmen
mit zusehen und ihre Sabeer anfrischen wollte / begleitet / erlitte er solchen
verdrus in seinem gemüte / und ward in seiner unschlussigkeit / so verdrossen /
dass seine Königin nicht wusste / was sie von ihm gedenken sollte. Er dorfte ihr
/auf ihr befragen / weil sie schon mit der Königin von Ninive geeivert / sein
anligen nicht entdecken. Er konnte aber / als die Petasiride des elenden
zustandes der beiden Königinnen und vier Prinzessinnen erwähnte / sich nicht
entalten / tief darüber zu seufzen / und also sein mitleiden zu verstehen zu
geben.
    Ihr beseufzet billig diese ungluckseligen (sagte sie zu ihm) und gestehe ich
mit euch gerne / dass der klägliche untergang der kindern des hauses Syrien sehr
frömd und beklagens wurdig sei. Aber Mardocentes! da es der götter ehre betrift
/ und diese elenden nicht allein selbst vorsetzlich in diss unglück sich
gestürzet / sondern auch hartsinnig dariñen verharret haben: sehe ich nicht /
wie man / sonder die götter zu beleidigen / dieses tadlen dörfe / was iezt mit
ihnen geschehen soll. Gleichwol ist nicht erhöret / (antwortete Mardocentes) dass
eine solche metzelung an so hohen Königlichen personen jemals fürgenommen
worden. Weil auch die zwangheuraten sie guten teils / wiewol nicht alle / zu
dieser verzweiflung getrieben / den tod auf so fromde art zu suchen: finde ich
nicht / dass wohl getan sei / der göttin rache durch verheissung dieses
Koniglichen blutes zu fördern. Unser blut (gabe Petasiride zur antwort) ist vor
den gottern nicht edler / als das blut anderer menschen: und da eine solche
enteiligung geschihet wie man hier erlebet hat / muss die straffe billig sonder
ansehen der personen / vorgenommen werden. Weil sie damit zu den mauren kamen /
bliebe Mardocentes überhoben / dieses verdriesliche gespråche zu erlängern. Als
er nun seine Konigin auf die mauren gefüret / sahen sie / bei der
morgendemmerung / das gewaltige heer der Celten /wie solches um Damasco her sich
ausgebreitet / und wie nicht weit von ihnen eine poste / die die Araber besetzet
hielten / gewaltig gestürmet wurde. Weil diese nicht zum dapfersten fochten /
rante Mardocentes dahin / sie anzufrischen: da dann die Petasiride ihren Sabeern
auch zusprache / und alle helden in Damasco zum widerstand ihr äuserstes täten.
    Die drei Konige befanden sich indessen bei dem Mephres in tempelbau der Isis
/ und warteten mit verlangen auf den anbrechenden tag: weil nicht / vermog ihrer
gesetze / als beim sonnenscheine / dergleichen blutopfere kunten verrichtet
werden. Man hatte / im innern hof des tempels / sechs unterschiedene holzhaufen
/ und vor iedem einen altar / aufgerichtet /auch alle opferbereitschaft darzu
geleget. Wie man aber lang auf den hohenpriester / den Prinzen Mamellus /
vergeblich gewartet / üm die neue einweihung der gottin Isis / welche
vorhergehen musste / vorzunemen / schickten endlich die Könige den Abdeel zu ihme
/ ihn anzutreiben / dass er bei dieser grossen verrichtung sich einfinden sollte.
Wie dieser in des Mamellus palast gekommen / und fürgelassen worden /fand er
den hohenpriester auf dem bette / mit so verstellten augen und gråsslichem
aussehen / dass er sich sehr dafür entsezte.
    Nachdem er seine anwerbung getan / gabe Mamellus ihm dieses zur antwort:
Saget dem Konig von Babel / dass ich mich unwürdig erkenne / das
hohepriesterliche amt zu furen / weil ich / als ein Königsmorder / nicht wert
bin / mit meinen händen heilige dinge zu verrichten. Meine ehrfucht nicht allein
Syrien unter meine gewalt zu bringen / sondern auch des grösten weltreiches mich
endlich zu bemächtigen / hat mich gereitzet / dem grossen Belochus ein langsames
gift beizubringen / dass ihn in wenig tagen tödten wird. Die zeit leidet es nicht
/ ist auch nun nicht mehr nötig / alle anschläge / die ich hierbei im sinn
gehabt /hier kund zu machen. Alles / was geschehen / hab ich getan / um meine
einige tochter gros zu machen. Weil aber / die gerechte rache und straffe des
himmels mir diese iezt nimmet / bin ich ermüdet / fortin mehr bosheit in der
welt zu veruben. Ich will dieses ehrsüchtige blut / dass mich der erbarkeit und
tugend /auch aller meiner gebur und pflicht vergessen gemacht / hiermit
ausschutten / als ein rach-opfer für meine begangene untaten. Als er diss
gesaget / zoge er einen dolch herfür / den er bei sich verborgen ligen gehabt /
und stiesse ihm solchen zweimal nacheinander mit solcher gewalt in die brust /
dass er mit dem lezten das herze treffend / seinen kåmmerlingen unter den hånden
verschiede.
    Abdeel war so erschrocken und entstellt uber diese greuliche bekäntnis und
begebnis / dass er lange nicht wieder zu sich selber kommen kunte. Das geschrei
der bedienten im hause / erweckte die Tarasile / und machte sie aus ihrem
schlafgemach herzu laufen: da sie dann ihren gemal in so elendem zustand
antraffe. Man hatte ihr verhelet / was es mit ihrer tochter / der Milcaride /
fur eine bewandnis hatte: daher befande sich die Prinzessin in zimlicher
gemüts-ruhe / als ein so grosses unglück sie so plotzlich daraus setzete. Daher
war ihr schrecken um so viel grösser / also dass sie / wie todt / bei ihres herrn
leiche niederfiele.
    Indem nun dieses unglück alles im ganzen palast wach machte / und man der
Tarasile beizuspringen bemühet ware / entstunde unversehens auf der gassen ein
grosses getümmel / und wurde geruffen: wiedass die stadt gewonnen und von den
Celten erstiegen wäre. Abdeel / hierdurch vollends in todlichen schrecken
gestürzet / eilte aus des Mamellus palast / üm den Königen diese unglückliche
botschaft zu bringen. Auf der gassen sah er alsobald den augenschein dessen:
massen die feinde schon über all haufenweis liefen /die håuser zu ersteigen und
beute zu machen / und er also mit mühe durchkommen konnte. Wie er nun den
Isis-tempel erreichet / war er der erste / so den unversehenen ubergang von
Damasco daselbst kund machte. Er verursachte hiermit / dass die zwölftausend man
/ so den tempel ümlägert hatten / sich in eine schlachtordnung zusammen zogen /
um den ankommenden feind aufzuhalten.
    Die ergrimte Konige befahlen also fort / dass man /mit der hinrichtung der
Königinnen und Prinzessinnen fortfahren sollte / sonder die sonst bestimmte und
ubliche gebräuche dabei zu begehen: damit der feind diese nicht lebendig in
seine hände bekåme / üm derer willen er dieses sturmen vorgenommen hatte. Die
priestere / so die hinrichtung verrichten sollten / eilten hierauf zu diesen
unschüldigen hinein / und schleppten sie ohn alle ehrerbietung / deren sie doch
bisher gegen ihnen sich gebraucht hatten / auf den platz: da die unsinnige
Konige mit unmenschlicher belustigung zu sahen / wie man diese schönen auf die
holzhaufen sezte / auch ihre zarte hände und arme mit ketten an die pfäle
anfässelte. Die priestere gingen folgends /die fakeln / welche sie auf dem altar
der Isis im inneren tempel anzünden mussten / herbei zu holen / üm damit diesen
scheiterhaufen das feuer zu geben / welches die edelste und schönste creaturen
der welt verzehren sollte. Die Königin von Syrien die mit ihrem geiste schon aus
der welt war / seufzete ohn unterlass /in dieser lezten todesnoht / zu ihrem
Gotte: deren herrlichen beispiele die andere eifrig nachfolgten.
    Inzwischen hatten die siegende Celten das heer der Assyrier zertrennet / und
liessen sich eben auf den platze bei den Königen sehen / als diese mordfakeln
ankamen / und der schönen Aramena scheiterhaufe schon angezündet wurde. Der
dampf begunte ihr allbereit gewaltig zu zusetzen / als sie durch die flammen
einen ritter / der ganz blutig war / auf sie zu dringen sah / dann sie sofort /
ungeachtet ihrer todesangst / fur den edlen Cimber erkannte. Dieser losete ihr
die fässel ab / name sie folgends auf seine arme / sprange mit ihr durch das
feuer / und brachte sie onmåchtig in eines von den nähsten gebäuden am tempel.
Als diese schöne daselbst wieder zu sich selber kame / sah sie sich in den
armen ihrer schwester und der andren Prinzessinnen / die gleichfalls vom tod
errettet waren: wiewol der ihnen nicht so nahe gewesen / weil ihre
scheiterhaufen noch nicht angezundt waren. Wie geht dieses zu / (fragte die
schöne Syrerin /) dass wir noch leben? und was für ein wunderwerk hat den Tuscus
Sicanus hieher gefuret / uns zu erlösen. Nicht dieser / (antwortete Ahalibama)
sondern der König von Basan ist es / der uns befreit hat: wie mir solches der
Prinz von Ammon gesaget / den das Glück zu meinem holzhauffen geführet. Dieser
brachte mich / durch das blutige gefechte / hie herein: da ich E. Maj. neben der
Prinzessin Indaride und Amesses / vor mir gefunden.
    Der so genannte Cimber / (sagte Indaride) hat freilich die Konigin von
Syrien errettet / massen ich ihn selbst gesprochen: und befahle er mir die sorge
für seine Konigin / die er verlassen müste / sowol / weil er schwerlich
verwundet / als weil ietziger zustand ihn / bei den soldaten zu sein / antriebe.
Und mir sagte er / (sezte Amesses hinzu) dass wir uns nicht furchten sollten /
weil wir an diesem orte sicher wären. Es stehen aber etliche tausend man / hier
vor dem eingange / zu unserer sicherheit: von denen ich zwar nicht sagen kann /
ob sie dem Konig von Basan / oder dem König der Aborigener / zugehoren. Gott
gebe / dass sie des lezten seien / (sagte die Königin von Syrien mit seufzen)
sonst wurde mein zustand sich mehr veråndert als verbåssert haben. Es sind
freilich die Celten unsere erlöser / (sagte die Konigin von Ninive) dann der / so
mich hieher gebracht / war der Prinz Suevus: welcher seinen geschwinden abtritt
damit entschüldigte / weil er nach seinem Konig sich begeben müste. Wan die
todes-angst (sezte Milcaride hinzu) mich hat recht sehen lassen / so vermeine
ich / der Prinz Hemor / mein gemal / sei derjenige gewesen / der mich hieher
gebracht. Dem sei / wie ihm wolle / (sagte die schone Syrerin seufzend) so sehen
wir doch aus dieser begebenheit / dass unsere stunde des todes noch nicht
vorhanden war / und dass der Höchste uns noch länger die widerwårtigkeit der welt
wolle kosten lassen.
    Indem trate ein ansehlicher grosser ritter zu ihnen hinein / den keine von
ihnen kante / welcher zu der Konigin von Syrien eilend / sie bei der hand name
/und sagte: Ich komme / auf befehl des Konigs von Basan / meines herrn / E. Maj.
von hier / aus dieser abermaligen feuersgefahr / in sicherheit zu bringen /und
ihr anzukünden / dass sie von allen ihren feinden befreit / und alle Celten zu
ihrem gebote stehen / sich deren / wie ihrer Syrischen untertanen / zu
gebrauchen. Vergebet mir / unbekanter ritter! (gabe ihm die Königin zur antwort
/ sich ihme zu folgen weigerend) dass mein schrecken mir iezt hinterlich ist /
nach gebür für so gute zeitung zu danken / und dass ich mich erkündige / wo man
mit mir hinwolle? Mein König hat verordnet / (sagte dieser hinwieder) E. Maj.
und die anwesende Prinzessinnen auf die Kemuelsburg zu begleiten / die von allen
feinden geraumet ist / weil S Maj. vermeinen / sie werden daselbst am bästen und
ruhigsten sich aufhalten können. Alhier ist / aus gerechter rache des himmels /
der tempel in brand geraten / der so eine vollkommene schonheit verbrennen
wollen. Meines Konigs wunden verwehren ihme / dieser ehre zu geniessen / und E.
Maj. abermals zu erlösen: drum hat er solche mir gegönnet / der ich der Sesai
von Astarot bin / welchen ganz Basan für einen treuen diener des grossen Marsius
kennet.
    Diese worte befriedigten die besorgte Konigin /und truge sie ferner kein
bedenken / dem Sesai zu folgen: der sie mit den andren auf wägen sezte / und in
begleitung einer starken reuterei / nach der Kemuelsburg fürete. Im abfahren
zeigte sich ihnen so fort der grosse brand des tempels / wie auch die blutige
niederlage der Assyrier über deren todte leichname sie herfuhren / und auch die
drei Könige / ihre verfolgern / in ihrem blut ausgestrekt ligen sahen. Dieses
traurschauspiel / kunten die Königinnen und Prinzessinnen sonder grausen nicht
ansehen. Die tugendhafte Amesses / der geilheit ihres vatters auf einmal
vergessend / liesse ihrer kindlichen entfindlichkeit den freien zaum schiessen /
und schickte / in ihrer befreiungs-freude / ihr klaggeschrei gen himmel. Die
grosmütige Syrerin folgte dem beispiel dieser Prinzessin mit den andern / und
beweinten also diese schönen / der dreien Konige ungluckliches ende / baten auch
ihre begleitere / zu verschaffen / dass die korpere so grosser Könige auf die
seite gebracht und ferner unbeschimpft bleiben möchten. Nachdem solches durch
den Sesai befördert worden / und die Königin von Syrien / im fürbeifahren / das
plundern und morden ersah / rieffe und bate sie / dass man mit solcher
grausamkeit einhalten wollte: welches dann mehr kraft und nachdruck bei den Celten
hatte / als alle dieserwegen vorher von ihren obern beschehene scharfe
bedrohungen. Es schiene demnach / als wan allein die gegenwart dieser schonen
den frieden und die ruhe in Damasco wiederbrächte / und riefen alle Celten /
die ihrer nur unsichtig wurden: wiedass sie die schöne Konigin von Syrien für
ihre Königin erkennten / die der himmel mit ewigem glücke beseeligen sollte.
    Unter solchem glucks-zuruff / kamen sie auf die burg / woselbst sofort der
alte Hus / der Zophar und Elhanan / und der getreue Tebah / neben der Königin
frauenzimmer sich einfunden / ihrer erlösten Konigin ihre freude zu bezeugen.
Der alte Furst von Hus / bate mit tränen und auf den kniehen üm vergebung / wan
etwan sein bezeigen der Konigin misfallen håtte. Der Tebah aber konnte für
freudentränen kein wort hervor bringen / seines Konigs Aramenes beide töchter in
diesem unvermuteten glückswechsel zu sehen. Wenig stunden hernach / stellten
sich auch die übrige Syrische Fursten in Damasco ein: da der Husan / Nahor
/Tare / Rames und die andern schier für freuden gestorben wåren / als sie ihrer
Königin ansichtig wurden. Der verwirrte zustand gonnte ihnen nicht / dissmal
einander ausfürlich zu berichten / wie alles dieses zugegangen / und vergnügten
sich die Syrer damit /des Königs von Basan / als ihres erlösens / lob und ruhm
himmel-an zu heben / und ihn den befreier von Syrien zu nennen: das dann der
Konigin von Syrien nicht wenig nahe ginge / weil man ihres Cimbers dabei ganz
vergasse / welcher / was die errettung ihres lebens betraffe / den meisten dank
billig davon tragen sollen. Gleichwie sie aber sich scheute / öffentlich dessen
zu erwähnen / also ware sie daneben in geheim sehr bemühet / von diesem
vermeinten Konig der Aborigener etwas zu erfragen. Sie wurde aber mit so grosser
angst als verwunderung ümgeben / wie sie bei dem Prinzen Baalis / welcher ihr
aufzuwarten kame /sich erkundigte / wie es mit eroberung der stadt wäre
zugegangen / und diese nachricht von ihm bekame.
    Als wir im lager (erzehlte er) nach dem wir etliche tage E. Maj. todt
beweinet / durch einige herausgeschossene pfeile die froliche nachricht erhalten
/ dass E. Maj. noch lebte / und uns dabei die gefahr / darin sie schwebten /
entdecket worden / fasseten wir den schluss / Damasco zu stürmen: waren aber so
unglucklich / dass / weil eben zu den Assyrern ein neues heer stiesse / wir
abkehren / unser lager verlassen / und an den Libanon uns zurück ziehen mussten.
Dieses unser unglück / täte ich sofort meinem König nach Basan zu wissen: wiewol
er es bereits unterwegs erfahren hatte / und darum seine hieherkunft
beschleunigt. Also haben wir zu rechter zeit zusammen gestossen: da dann der Prinz
Sinear das treffen gestern verloren /und der unvergleichliche Marsius nun
meister von dieser mächtigen haubtstadt des Syrischen reiches worden ist. Es
haben diesen Monarchen keine betrachtungen von der welt konnen abhalten noch
wendig machen / dergestalt die Konigin von Syrien von ihren feinden zu erlösen.
Und ob gleich die Königin von Elassar / seine schwester / unversehens einen
gefährlichen aufstand bei uns erreget / auch der König der Aborigener / von dem
Riphatischen gebirge /seine völker nähret / und durch viele umstände nicht wenig
argwan von sich gibet / dass er eher unser feind als freund sein wolle / so ist
doch / E. Maj. heil zu befordern / seine einige sorge gewesen: wie er dann auch
iezt / da ich gleich von ihm komme / so gefårlich er auch an seinen wunden krank
liget / für nichts anders sorget / als dass er seiner Königin wolergehen /und sie
der ruhe / die er ihr mit seinem blut erlanget /nach wunsch geniessen mochte.
    Als der Prinz von Ammon vermerkte / dass / diese lezte worte / der Konigin
eine röte abjagten / sagte er ferner: E. Maj. verzeihen mir / dass ich so kunlich
dem grossen Marsius das wort hier rede / und E. Maj. seine Königin nenne: ich
habe ja so wenig ursache / dieses unvergleichlichen tugendhelden nunmehr
weltbekante liebe zu verschweigen / als dieselbe nicht fur höchstbillig zu
achten. Mein ietziger zustand / (antwortete die Konigin) da ich kaum dem tode
aus dem rachen entkommen / machet mich so unfähig / meine gedanken auf etwas
anders zu richten / dass der Prinz von Ammon mir nicht verublen wird / wan ich
ihm hierauf keine antwort zu geben weiss. Doch kann ich mich nicht entbrechen / zu
fragen / ob der Konig der Aborigener kein teil an diesem erlangten siege des
Konigs von Basan mit habe? Niemand / als der unüberwindliche Marsius /
(wiederantwortete Baalis) hat bei diese fast-unglaubliche heldentat verübet /
und wird keine zeit eines solchen wundersiegs gedenken / wie wir heut erlebet.
Die schöne Konigin scheuete sich / dem Baalis zu eroffnen / wie der Tuscus
Sicanus / als sie gläubte / sie aus dem feuer errettet / weil sie aus allen
umständen warname / dass dieser Konig heimlich mit den Celten in Damasco musste
gekommen sein: daher sie auch diese unterredung abbrache.
    Wie sie aber nachgehends allein sich befande /stellte sie ihrem gemüte alles
grausamste von ihrem Cimber fur / und bildete ihr nicht anders ein / als dass er
ümgekommen wäre: zumal die Prinzessinnen Indaride und Amesses ihn hart verwundet
gesehen hatten. Ist mir nur darum mein leben gefristet / (sagte sie bei sich
selber) dass ich noch des treuen Cimbers tod erfaren / und dieser neuen sorge
unterworfen sein müste /mich in eines mächtigen liebhabers handen zu sehen /dem
ich mein Konigreich Syrien zu danken habe / und dem ich / sonder undankbarkeit /
nicht sagen darf /dass ich ihn nicht lieben könne? Ach weh! warüm haben die
flammen mich nicht erstecket? oder was hat es dem armen Cimber geholfen mich von
demselben zu befreien / da ich / nicht die seine zu sein / von dem himmel
ausersehen bin? Warüm musste ich den tod nicht finden / da ihn mein Abimelech und
Cimber gefunden? Habe ich dann noch nicht gnug gelitten? und soll sich der
feirabend noch nicht einstellen / der mir heut so nahe gewesen? Aber hüte dich /
Aramena! (sagte sie ferner / über eine weile) gegen dem himmel also zu murren.
Fange dein neues leben nicht mit ungedult an / sondern erwarte ferner in der
stille / was dir soll aufgelegt werden. Mit der zeit wird doch einmal das ende
kommen / und dein sieg desto herrlicher sein / je mehr anfechtungen du
ausgestanden.
    Mit solchen trostworten richtete sie ihr niedergeschlagenes gemute wieder
auf / und nachdem sie sich hierbei fast ganz in tränen ertränket / gönnte sie
ihren leuten / ihre halb-verbrante kleider ihr abzunemen /und sie zu bette zu
bringen. Sie liesse auch zu / auf deren inständiges zureden / dass ihr die ärzte /
für den ausgestandenen schrecken / etwas zubrachten: wiewol solche arzenei nicht
fähig war / ihrem gemüte die kräfte / so der leib davon entfande / mitzuteilen.
Diese erste nacht / nach so unvermuteter erlösung / wurde nun von diesen schönen
/ auser der Königin von Syrien und der Milcaride / zimlich ruhig verbracht: da
indessen das wurgen und metzeln in der stadt / die ganze nacht hindurch /
gewäret.
    Milcaride / über dem ungewissen zustand ihres Hemors und ihrer eltern
beängstigt / kunte kaum das taglicht erwarten: da sie von neuem anfinge / bei
allen Celten und Syrern / die auf die burg kamen / sich zu erkundigen / ob sie
nichts von dem Prinzen Mamellus / oder von dem Hemor gehört hätten? Die / so den
kläglichen fall ihres vatters wussten / stellten sich dessen unwissend / und
wollten sie nicht betruben. Die andre aber / denen davon noch nichtes zu ohren
gekommen / boten sich an / hiervon erkundigung einzuziehen. Der Fürst Nahor /
ihr nächster blutsverwandter / gabe ihr von dem Hemor die nachricht / wie dass er
an seinen wunden zu bette läge. Wegen des Mamellus sie auch zu befriedigen /
sezte er sich zu pferd und verfügte sich mit seinen Leuten nach dem palast des
statalters. Es zeigte sich ihm daselbst ein greuliches schauspiel / weil die
soldaten in diesem köstlichen gebäude alles verheeret / und kein lebendiger
mensch darin mehr anzutreffen / auch alle gemächer ausgefüret waren. Als er in
des Mamellus kammer eintrate / fand er denselben todt auf der erden ligen:
welches ihm nicht wenig zu herzen ginge.
    Nachdem er etlichen seinen leuten / bei dem körper zu bleiben und den / bis
auf weitere verordnung / zu bewachen / anbefohlen / ritte er furter / von der
statalterin bei der Königin von Tyro etwas zu vernemen. Er fand / vor deren
palast auf dem königlichen schlossplatz / eine starke manschaft von etlichen
tausend Celten: welche / mehr die königliche personen wider alle besorgende
gefahr vor den unbändigen soldaten zu beschützen / als sie wie gefangne
zubewachen / dahin gestellet waren. Wie er nun frei hindurch gelassen worden /
und in den vorsaal der Delbois sich eingefunden / meldete man ihn gleich bei
dieser betrubeten Königin an: welche begierig / einen bekanten zusprechen / ihn
so fort für sich kommen liesse. Er fand in ihrem zimmer eine traurige
gesellschaft beisammen / als / neben der alten Delbois / die Königin ihre
tochter / die Petasiride von Saba / und die Prinzessin Tarasile / welche
miteinander ihr elend beweinten. Aber ihrer keine war trostloser / als die
statalterin: die fast von sinnen kommen wollte. Weil ihnen allerseits noch
anderst nicht wissend war / als dass die Königinnen von Syrien und Ninive / neben
den andern / darunter auch Milcaride sich befunden /im Isis-tempel verbronnen
wären / als mehrete solches ihren kummer: massen sie diese nicht weniger / als
den König von Assyrien / den Prinzen Mardocentes /ihre verlorne freiheit und des
Mamellus unstern / beklagten.
    Ach! Fürst Nahor! (sagte die Königin von Tyro) wie teuer kostet euch und uns
die eroberung dieser stadt / da ihr nicht allein eure Königinnen verloren
/sondern auch eure dienstbarkeit nur verwechslet / und / an statt der Assyrier /
die von Basan zu herren bekommen! Wie / gnädigste Königin! (antwortete Nahor /)
stehen sie dann in dem wahn / als sollte unsere Königin samt unsrer freiheit
verloren sein? Ach nein! der so gerechte als gütige Himmel gönnet uns annoch
beides / und ist der grosse Marsius nicht gemeinet /unser herr auf andere weise /
als mit gutem willen unserer Königin / zu werden. Wie nun die Königin von Tyro
hievon ausfürlichern bericht begehrte / eröffnete ihr Nahor alles / wie es in
Damasco zustünde / und sagte: Es ist die hülfe des Königs von Basan uns zu so
rechter zeit erschienen / dass / wann er noch einen augenblick gesäumet hätte /
unsres grossen Aramenes tochter der grausamen wut der Könige wäre aufgeopfert
worden. Aber der Celten glückliche ankunft auf dem Isisplatze / verwendete
dieses traurspiel / und mussten die Könige das leben einbüssen / als sie solches
eben den unschuldigen Königinnen und Prinzessinnen wollten nemen lassen. Der
Prinz Hemor / der kurz vorher einen ausfall mit dem Zalmon tun müssen / kehrte
wieder in die stadt / als er erfuhre / dass die Celten bereits die mauren
erstiegen hätten: und weil diese hieriñ eines sinnes mit ihme waren / die
bedrangte Prinzessinnen zu erlösen / schluge er sich zu ihnen / und brachte also
seine Milcaride glücklich von dem scheiterhaufen / an den sie schon angefässelt
ware. Dieses habe ich / meiner höchstbetrübten mume zum troste / vorzubringen /
nicht ermanglen sollen. Dieser Prinz / nunmehr König in Canaan / kranket jezt an
seinen wunden: wiewol deren keine todlich ist / wie mich dessen ärzte
versichern.
    Die halbtodte Tarasile / erholete sich nicht wenig / dieses von dem Nahor
vernemend / welcher / als er die andern noch aufmerksam ersah / in seiner
erzehlung also fortfuhre: Der König von Basan ist auch schwerlich verwundet /
weil er mehr als menschlich gefochten / und hat ihm niemand grossern widerstand
getan / als der Prinz Mardocentes / welcher bis auf das äuserste wider die
Celten gestanden: doch hat unsere gerechte sache uns den sieg erobert / und
liget nun dieser dapfere Prinz / wie auch der Prinz Sinear /an vielen wunden
darnieder. Soviel man sonst bei jetziger verwirrung erfahren können / so sind
nächst den dreien Königen / von fürnemen kriegsbedienten / auf der walstat
geblieben / der Prinz Bildat von Chaldea /der Laristenes / Oneballus /
Ascrasapes / Aner / Epha / Ardeus / Arteman und Zaphis / der Fürst Abdeel und
der Abieser. Diesen morgen haben / die noch übrige Egypter / neben ihrem furer
dem Petosivis / sich ergeben / und von dem Marsius erlaubnis erlanget / aus
Damasco ihrem neuen König / dem Amosis / entgegen zu ziehen / der heute / mit
dem König von Cus /dem Prinzen von Hevila / dem Fürsten von Edom und allen
Canaanitischen Königen / auch dem königlichen frauenzimmer / welches sie in
Aroer aus des Königs von Hazor händen errettet / alhier ankommen werden. Die
Assyrier / so unter dem Zalmon noch vorhanden /haben auch erlaubnis / zu gehen
wohin sie wollen. Wegen der Sabeer und Araber / wird es nun lediglich bei der
Königin Petasiride stehen / wan sie unsere freundin zu sein begehret / dass die
auch ihre freiheit wieder erlangen können. Dan der grosmütige Marsius / wie
gesagt / begehrt ihm diesen erhaltenen sieg weiter nicht zu nutze zu machen /
als unserer Königin /die er liebt / und unsrem reiche / damit zu dienen: und
wird er / der ganzen welt den frieden zu geben verlangen / nun er diesen seinen
edlen zweck erreichet.
    Also endete Nahor seinen bericht / und hatte damit seine zuhörerinnen in
nicht geringe zufriedenheit gesetzet. Die Königin von Tyro / ob gleich ihre
tränen /über den tod ihres lieben bruders / und ihrer beiden vettern / des
Bildat und Mamellus / noch imer flossen / befande sich doch nun etwas ruhiger /
da sie der Königin von Syrien und der andern ihr leben vernommen / deren
besorgter erbärmliche tod ihr so nahe / als alles ihr andres leiden / gegangen
ware. Sie hoffete auch eine leidlicher gefängnis / weil Aramena noch lebte / und
dass die / üm ehmaliger freundschaft willen / sie nicht verlassen würde. Die
Königin von Elam /musste hierher sich zwingen / um ihre freude nicht so völlig
kund zu machen / die sie in sich entfande. Petasiride ward auch üm ein gutes
ruhiger als zuvor / da sie nun gewisse nachricht erhalten / wie es dem
Mardocentes und ihren völkern erginge. Jede von ihnen /gab ihre vergnügung dem
Nahor zu verstehen: und als die betrübte Tarasile ferner von ihm vernommen /dass
ihre tochter / nach dem zustand ihres vattern / des Mamellus / sich zu
erkundigen / ihn ausgeschickt hätte / bate sie ihn / dass er ihr / zwar nicht
dessen tod / doch aber dessen grausame art / und die selbst-ermordung (die sie
ihm hingegen erzehlte /) verhelen wollte.
    Er wollte eben wieder von ihnen gehen / als der Prinz von Ammon sich anmelden
liesse / wegen des Königs von Basan ihnen etwas anzubringen. Wie dieser
fürgelassen worden / begruste er sie alle im namen des grossen Marsius / der
ihnen sein misbehagen liesse zu erkennen geben / dass er solcher massen sie
beunruhigen müssen: worfur er ihnen anderweit seine dienste anbote / und hiermit
ihnen zu wissen gabe / dass sie in Damasco so frei als zuvor wären / ihnen
heimstellend / ob sie auch hierüm die schöne Aramena / als nunmehr gebietende
Königin von Syrien / begrüssen wollten. Diese höflichkeit des Königs von Basan /
sezte sie alle in eine sonderbare hochachtung für seine person: und gaben sie
hingegen ihre erkentlichkeit / dem Prinzen Baalis zu verstehen / bezeugten auch
ihre sorgfalt für den zustand ihres grosmütigen überwinders. Sie folgten auch
alsofort / nachdem Baalis seinen abscheid wieder genommen / des Marsius
erinnerung / und schickten den Cosdron an die Königin von Syrien ab /
derselbigen zu ihrem wolveränderten zustande Glück zu wünschen / und ihre
freiheit auch von ihr zu begehren.
    Der Fürst von Haran begleitete diesen gesandten dahin / und wurde die schöne
Syrerin ganz beschämet / solche demutigung von den andren Königinnen zu
vernemen. Sie färtigte demnach den Cosdron mit aller höflichkeit wieder ab / und
sezte sich folgends mit den bei sich habenden zu wagen / diese drei Koniginnen
selber zu besuchen. Sie entfingen daselbst einander mit tränen / und der
geschehenen dinge nicht erwähnend / um allen anlass einiger verbitterung zu
verhüten / versicherten sie einander einer ewig-beståndigen freundschaft.
Tarasile und Milcaride fielen einander fast onmächtig um den hals: und weil
deren verlangen beiderseits dahin ginge / den Hemor zu besuchen / unterliess die
Petasiride nicht / um des Mardocentes willen / sie dahin zu begleiten.
    Wie nun diese / gleichwie auch die Königin von Ninive / neben der Amesses
und Indaride / die Orosmada anzusprechen / hinweg gegangen waren / blieben die
Königinnen von Syrien und Tyro / neben der von Elam und der Ahalibama / eine
weile allein beisammen; da dann / unter andren gesprächen / die von Tyro die
schöne Syrerin erinnerte: Ob ihr nicht gefällig / den König von Basan zu
besuchen? so wollte sie ihr dahin eine gefärtin abgeben. Diese ansprache sezte
die Königin von Syrien in nicht geringe beunruhigung: massen die billigkeit
erforderte ihrem erloser diese höflichkeit zu erweisen / die sie aber der liebe
gegen ihrem Cimber entgegen zu sein befande. Die Delbois und ihre tochter
merkten gleich / dass diese frage bei der schönen Aramena eine bestürzung
erwecket: die sie doch nirgend hin zu deuten wussten /weil ihr anligen ihnen
nicht bekant war. Endlich sagte diese Königin zu der von Tyro: Sie hielte es für
noch zu frühe / durch diese besuchung den Konig von Basan zu beunruhigen / weil
seine wunden / wie sie vernommen / also beschaffen wären / dass die ärzte ihm
verboten hätten / viele gesellschaft zu sich zulassen. Solcher gestalt wurde /
fur dissmal / diese besuchung abgewendet. Die Königin von Tyro liesse hierauf die
Perseis und Merone vor sie kommen / und bate üm deren aussönung: da dann die
schöne Syrerin sich so grosmütig erwiese / und ihnen verziehe; doch mussten sie
auser ihren diensten verbleiben.
    Nachdem sie folgends / neben der Königin von Ninive und den Prinzessinnen /
in der Königin von Tyro palast gespeiset / begabe sie sich mit ihren gefärtinnen
wieder nach der Kemuelsburg. Sie war nicht lang daselbst gewesen / da wurde ihr
durch den Husan angemeldet / wie dass ihre ganze ehmalige konigliche gesellschaft
/ die sie in lager vor Damasco gehabt /neben den andern Canaanitischen Konigen /
in Damasco angekommen wären: welches sie dann mit sonderbarer freude vername.
Weil diese gesellschaft verlangte / die Königin von Syrien wieder in so
glücklichem zustande zu sehen / als unterliessen sie nicht /so fort bei ihr sich
einzufinden: da dann der König Eridanus seine Delbora / der König Amosis die
Prinzessin Danede / der Melchisedech seine liebste Eurilinde / der Fürst von
Edom die Königin Hermione / der Prinz von Hevila die Königin Roma / der Ephron
seine Coricide / und der Prinz Adonisedech die Jaelinde / in der Königin von
Syrien gemach hinein füreten / denen der König Togarma von Armenien / der
Ahusat von Caphtor / und die andere Canaanitische Könige / wie auch die
Mehetabeel und Casbiane folgten / und das zimmer also anfüllten / dass man sich
fast nicht darin regen kunte.
    Eine jede von diesen ankommenden Damen / wollte die nächste bei der Königin
von Syrien sein. Mitlerweile aber bei der das ümhelfen und küssen kein ende
gewonne / begabe sich der Amosis zu seiner schwester: welche beide einander mit
tränen üm den hals fielen / und also ihre leidfreude zu erkennen gaben; welches
auch die Delbora und Danede / bei dieser Prinzessin erwiesen. Wie Ahalibama und
der Fürst von Edom einander erblickt / erröteten sie beiderseits / und eilte er
zu ihr / ihr den rock zu küssen: da sie ihn hingegen / als ihren versprochenen
bräutgam /entfinge / wiewol mit einer solchen gebärde / die satsam anzeigte /
wie bei ihr mehr der zwang / als die liebe / regirte. Die Königin Eurilinde
furete hierauf ihren liebsten Melchisedech zu der Königin von Syrien / ihr
denselben zu kennen gebend: da sie dann beide mit grosser vergnügung einander
entfingen / und sich glücklich achteten / den tag nunmehr erlebt zu haben /dass
eines das andre zu sehen bekame / welches sie beiderseits so oft gewünschet. Die
mänge der andern liesse aber nicht zu / sich in ein weitläufiges gespräche
einzulassen: welches dieser ansehnliche alte alles auf eine bequemere zeit
versparte / und indessen dem König von Armenien / seiner Eurilinde vattern /
raum machte / seine begrüssung abzulegen / welches auch die andern alle
nacheinander verrichteten. Die schöne Syrerin konnte den dapfern Ahusat / ihrer
Cölidiane herrvattern / wie der sich ihr zu erkennen gabe / nicht sonder tränen
und seufzen ansehen / in fürstellung des verlustes dieser so edlen Prinzessin.
Es lockte ihr auch / des Edoms gegenwart / die tränen häufig aus den augen: weil
sie sich / bei ihme / seines liebsten freundes / des Abimelech / erinnerte / und
daran gedachte / wie sie beide zugleich von ihr das leztemal aus Syrien
abgeschieden waren.
    Mich dünkt / es sei ein traum / (redte sie diese fürtrefliche gesellschaft
an) so viel liebe freunde und freundinnen hier in Damasco bei mir zu sehen / und
zwar bei so verändertem zustande / da ich in meinem reiche / nicht mehr gefangen
/ sondern frei mich nennen darf. Der gerechte himmel / (antwortete hierauf
Melchisedech in ihrer aller namen) hat endlich erwiesen / dass er auch wisse
gütig zu sein / wann die rechte zeit vorhanden ist / und dass doch die gedult
noch gekrönet werde / ob es schon zuweilen lang anstehet. Des Konigs von Salem
eignes beispiel / (gabe die Königin von Syrien zur antwort) bekräftiget dieses /
und sehe ich mit nicht geringer vergnügung / dass auch die Konigin Eurilinde aus
ihrer so lang-erduldeten unruhe entkommen ist. Gott hat mich sehen lassen /
(antwortete Melchisedech) was ich nimmermehr verhoffet /und erkenne ich mich
unwürdig alles des guten /womit der himmel mich überschüttet.
    Die Prinzessin Jaelinde (sagte die schöne Syrerin) wird / als ich spüre /
des Prinzen Adonisedech liebe aufgenommen haben / wie seiner fraumutter
verlangen allemal gewesen? Wir haben beiderseits (antwortete Jaelinde) unsere
erste liebesneigung verlassen / und der wahren vernunft gefolget. Diese worte
jagten / so wohl dieser Prinzessin / als dem Adonisedech und der schonen Königin
/ eine röte ab: welche / bei der Aramena die erinnerung des Cimbers /
verursachte. Dieser Königin fiele hiermit die Cölidiane wieder ein /daher sie /
diese ihrer freundin schwester ganz beweglich anschauend / zu ihr sagte: Ach
werte Jaelinde! wie finden wir einander wieder? welchen grossen verlust haben
wir indessen beiderseits erlitten? Der himmel (versezte Jaelinde) hat bei diesem
traurfalle / dennoch erwiesen / dass er es in allen seinen ordnungen heilsam und
gut meine: massen meine schwester nicht vergnüglicher hätte sterben können; und
hat des Abimelech tod diesen liebhaber überhoben / einen andren an seiner statt
geliebt zu sehen.
    Hiemit brachte Ahalibama die Coricide zu der Königin / welche sie / als ihr
unbekant / noch nicht begrüsset hatte / und sagte ihr / wer sie wäre; daher die
Königin / der Jaelinde zu antworten / verhindert wurde / und dieser Prinzessin
von Canaan also zusprache: Ich bin erfreut / eine so liebe freundin meiner
Ahalibama kennen zu lernen / und zwar dieselbe /weil ich ihre lezte verfolgung
vernommen / nun wieder frei zusehen. Mein unstern / (antwortete Coricide) der
fast alle diese königliche personen in Arror mit betroffen / würde mich die
unglückseligste von der welt gemacht haben / wenn dadurch das unglück / so der
Königin von Syrien gedrohet / völlig zugeschlagen wäre: dann / wie dieserwegen
der König von Cus und die andren aus dem lager giengen / haben sie damit
verursachet / dass alhier der Assyrier gewalt wider E. Maj. gewachsen ist. Ich
habe (sagte der Prinz von Hevila) meinen aufbruch aus dem lager hoch zu
entschuldigen / dadurch den Syrern / und ihrer grossen Königin / so ein
mächtiges unheil zukommen können. Und ich / (sagte Eridanus) misgönne dem König
von Basan diese ehre / der alhier das getan hat / was ich zu tun mich schuldig
befunden. Wan E. Maj. (sezte der Esau hinzu) von mir nach dieser meiner lezten
bezeigung urteilen / so werde ich den namen des allerundankbarsten davon tragen
/ dass ich nicht mehr geeilet / E. Maj. als meine höchste woltäterin / aus dieser
grossen gefahr erretten zu helfen. Es hat niemand von euch ursach / (antwortete
die schone Königin) dieserwegen einige entschuldigung zu machen: massen ich weiss
/ dass es keinem an dem willen gemanglet / und bezeuget mir nun euer aller freude
genugsam / dass der himmel mit vielen freunden mich versehen habe. Was aber die
befreiung der Prinzessin Coricide und der andren angekommenen betrifft / davon
verlange ich umständlichere nachricht / was nämlich in Aroer sich damit begeben
habe. Die Prinzessin Jaelinde machte sich hierauf anheisig / bei etwas mehr
ruhiger zeit / der Königin verlangen zu erfullen.
    Nachdem diese unterredung noch eine weile gedauret / und der abend anfinge
einzutreten / begabe sich diese gesellschaft wieder voneinander: wiewol die
beide Koniginnen von Kitim / wie auch die Coricide /Jaelinde / Mehetabeel und
Casbiane / auf der Kemuelsburg verblieben. Aber der junge Konig von Egypten /
der Konig von Cus samt dessen gemalin und schwester / der König von Armenien /
der Konig und die Königin von Salem / der dapfere Ahusat / der grosse Edom /
Prinz Ephron / die Konige von Jericho /Jarmut / Lachis und Gibeon / wie auch
die Prinzen von Hevila und Salem / wurden / auf verordnung der Syrischen Königin
/ durch dero Fursten / in verschiedene paläste der stadt Damasco verleget: und
verschoben sie / bis auf den andern tag / ihre besuchung bei dem Konig von Basan
abzulegen.
    Wie aber nun die unruhige Konigin von Syrien wieder allein war / und durch
alle ihre ausgeschickte kundschaftere nicht das geringste von ihrem Cimber
erfahren hatte / legte sie sich endlich hochst-betrubt zu bette. Als aber kein
schlaff in ihre augen kommen wollte / vermeinte sie ihr ruhe zu schaffen / wan
sie von ihrem neuen leiden mit der Jaelinde redte. Demnach liesse sie dieselbe
vor ihr bette kommen / und nachdem sie sich auf dasselbe niedersetzen müssen
/sagte sie zu ihr: Ich würde mich entsehen / werte Jaelinde gegen euch ferner
des ehmals-geliebten Cimbers zu erwähnen / wan ich nicht heut erfreulich
vernommen hätte / dass ihr nunmehr den Prinzen von Salem liebt. Demnach will ich
euch nicht bergen / dass Cimber bis gestrigen morgen noch gelebet / dass ich ihn
erkant / als er mich von dem tod errettet / und dass ich ihn auch zuvor im lager
gesehen und gesprochen habe. Wie / grosse Konigin! (fragte die besturzte
Jaelinde) lebet der Cimber noch? Ob er noch lebe / (antwortete sie seufzend)
solches kann ich nicht sagen. Dieses aber weiss ich / dass er nicht / wie ihr und
iederman vermeint / dortmals in Damasco ümgekommen /massen er mich gestern aus
dem feuer erloset: wiewol ich dabei muss sorge tragen / dass dieser
unvergleichlicher held und liebhaber hierbei sein leben habe eingebüsst. Ach!
wan dem also wäre / (gab Jaelinde zur antwort) so müste man sagen / der himmel
hatte ihm nur solang sein leben gefristet / üm diesen dienst der grossen Konigin
von Syrien zu erweisen: weil weder er / noch sonst einiger sterblicher / wurdig
erkant worden / nach des Abimelech tode / die unvergleichliche Aramena zu
erlangen. Ach! viel eher (sagte diese schöne) bin ich seiner nicht wert gewesen:
darüm lässet mich der himmel leben / und schicket mir nun diese neue anfechtung
zu / dass mein erlöser / der König von Basan / mich muss mit seiner liebe
verfolgen. Ob gleich der Cimber (antwortete Jaelinde /) von mir nicht mehr also
geliebt wird / wie vordessen / so ist ihm doch mein herz noch so gewogen / dass
ich für ihn bitten muss / E. Maj. wollen ihm ihre gnadgewogenheit / er sei
lebendig oder todt / unverruckt lassen. Liebste Jaelinde! (beantwortete die
Konigin dieses) nimmermehr werde ich zum drittenmal der liebe gehor geben. Und
kann es nicht sein /dass meines erkannten bruders lezter wunsch und verlangen / an
den Cimber mich vermålt zu sehen / erfullet werde / so soll sonst keiner / solang
ich Königin heisse / diesen tron betretten.
    In diesen vorsatz wurde sie durch die Jaelinde måchtig gestärket: von
welcher sie hierauf begehrte /ihr zu erzählen / was ihnen in Aroer mit der
Coricide und sonst begegnet wåre; üm damit für dissmal ihre schlafflose unruhe zu
kurzen. Ich werde dissorts (begunte die Prinzessin / ihr wilfarend / zu erzählen)
E. Maj. nicht weitlåufig furbringen / was für ein schrecken uns sämtlich im
lager überfallen / als wir die zeitung von dem jämmerlichen erdfall erfuhren:
massen solches E. Maj. als denen unsre treu bekant ist / vonselbst leicht
ermessen können. Einmal ware dieserwegen unsere traur so gross und allgemein /
dass wir /nach Aroer zu ruck zu ziehen / uns entschlossen: um alda suglicher in
der einsamkeit / als im lager / unsren verlust zu beweinen.
    Die Prinzessin Coricide / die wenig tage vorher zu uns ins lager gekommen /
täte mit uns diese reise. Nun verfolgte sie der Konig von Hazor / der / sie in
seine gewalt zu bekommen / ihr mit einem grossen heer aus Canaan bis in Syrien
nachgesetzet. Wie nun dieser zu Aroer sie ausgekundschaftet / wardselbige stadt
von ihme / den anderen tag nach unserer dahinkunft / überraschet und
eingenommen. Dieses plotzliche schrecken / neben der vor-ausgestandenen
betrubnis / verursachte bei der Fürstin Timna / die wir daselbst angetroffen /
dass sie zu den geburt-wehen griffe / und mit einem jungen sohne / den sie
Amaleck nennen lassen / niederkame. Wiewol nun diese trübselige / vieler
ursachen wegen / nichts als den tod verlangte /da E. Maj. und der Ahalibama
verlust / bei ihren andren widerwärtigkeiten / ihr unerträglich fiele: so musste
sie dannoch leben / verhoffentlich zu einem bässern glucke / als sie ihr vermuten
können. Wie wir nun also des Konigs von Hazor gefangene worden / hatte es
niemand schlimmer als die arme Coricide / welche ohn alle gnade sterben sollte;
und keine bässer / als die Fürstin Mehetabeel / welcher er / als seiner tochter
kinde / grosse zuneigung erwiese: massen wir andere durch ihre vermittelung
erlangten / dass wir wohl gehalten wurden. Die ursach dieses hasses mit wenigem zu
rüren / so hatte der Konig von Hazor / durch anstiften der Prinzessin Jerode /
die unschüldige Coricide in verdacht / als hätte sie ehmals zu Hebron seinen
einigen sohn / den Prinzen Madon / ermorden lassen: dass dann dieser unversonliche
vatter mit ihrem blute råchen wollte / und nach vielen vergeblichen bemühungen
nunmehr seinen zweck erreichet zu haben vermeinte.
    Indem er nun mit dieser rache ümginge / hörten der König von Cus / der Prinz
von Egypten / und der Jetur von Hevila alhier im lager / wie es uns ergangen;
daher sie / ihre geliebte Koniginnen und Prinzessinnen wieder zu erlösen / in
der eile vor Aroer rückten /und dem Konig von Hazor sagen liessen: Er sollte das
frauenzimmer alsobald heraus geben / oder gewärtig sein / dass er und alle die
seinige durch die schärfe des schwerds aufgerieben würden. Der Furst von Seir
/der Ahalibama herrvatter / der sich in Aroer aufhielte / ware mittelsperson
zwischen beiden teilen / und håtte der König von Hazor uns andere / auser der
Coricide / wohl fahren lassen / wan der böswicht Eliphelet nicht wäre aus seinen
banden entronnen / und in Aroer gekommen: welcher / als ein ehmaliger aufwärter
der Prinzessin Danede / sofort des Königs von Hazor gemüte einname / und ihn
deredte / uns alle anzuhalten / weil es wider seine Königliche hoheit wäre / auf
drauworte nachzugeben / mit der vertröstung /dass die Assyrier aus Damasco ihnen
beistehen würden. Hierdurch nun wurde die handlung ümgestossen. Aber der Konig
befiele / zu diesem guten glücke / mit einer schweren krankheit: weswegen die
opferung /die er mit ihr in des Milcons tempel wollte fürnemen lassen /
aufgeschoben wurde.
    Immittels stiessen / die Könige von Canaan und der von Armenien / wie auch
mein herrvatter / und der Furst von Edom / der Prinz Ephron und der damals
so-genante Adonias / mit einem grossen heer zu den Cussiten. Als sie auch die
gefahr der Coricide vernommen / sandten sie den Fursten Achsaph / einen
verwandten des Königs von Hazor / zu ihm in die stadt: welcher um alles wusste /
wie der Coricide zu nahe geschahe / und dass nicht sie / sondern die Jerode des
Prinzen von Hazor tod angestiftet hatte. Achsaph / solches in Canaan laut
machend / hatte damit alle Konige / so bisher der Jerode und ihren lügen glauben
beigemessen / von ihr abgewendet / also dass sie / von iederman verlassen / aus
Hebron / (alwo sie / nach heimlicher ermordung ihres brudern / sich zur Konigin
aufgeworfen) unwissend wohin / entfliehen müssen. Dieses verursachte / dass alle
Canaanitische Konige / mit dem Beri / als rechtmässigem Konig zu Kiriat Arba /
frieden gemachet / folgends mit dessen sohne / dem verliebten Ephron / und mit
ihren bundsverwandten / hieher ihren zug genommen / üm sowol die Coricide und
uns andere zu befreien / als hier in Syrien E. Maj. wider die Assyrier
beizuspringen.
    Als Achsaph bei dem König von Hazor gehör erlanget / und mit der Jerode
eigenen briefen / auch mit dreien lebendigen zeugen / deren bosheit umständlich
erwiesen hatte / öffnete der Konig die augen / und sah sich genötigt / seinen
unbilligen zorn wider die unschuldige Coricide fahren zu lassen. Also ward
friede gemacht / und der Eliphelet / an statt so vieler tausenden / die er
aufopfern wollen / zur wolverdienten straffe seiner übeltaten / an die sonne
aufgehenket: womit man zugleich die tore von Aroer geöffnet / und die / so uns
belagert / eingelassen.
    Wir waren alle in des Konigs palast beisammen /wie unsre erlösere hinein
kamen: da ich dann nicht gnug die freude beschreiben kann / die der gute
Melchisedech und Eurilinde / einander wieder sehend /bezeigten: massen diese
grosse vergnügung gleichsam der andern ihre geringscheinend gemachet. Weil der
Konig Togarma / der Eurilinde herrvatter / bereits in Canaan gegen dem
Melchisedech sich für der Eurilinde vatter zu kennen gegeben / und dadurch
dieses frommen Konigs gemüte / das soviel jahre unruh erlitten / zufrieden
gestellet / erkeñte er sie gleich / ungeacht sie so lang von einander gewesen /
und fehlte es nicht viel / sie wären eins in des andern armen verschieden / so
häftig ware hierbei ihre gemutsbewegung. Endlich trennete sie der Adonias
welcher seiner fraumutter zu fus fiele / und dergestalt ihr dankte /dass sie sich
seiner erziehung so wohl angenommen. Sie gedachte / in dieser ihrer grossen freude
/ alsofort an mich / und indem ich mich nicht entalten kunte /bald meinen
herrvattern / bald meinen pflegvatter / zu umarmen / fürete sie mir diesen ihren
sohn zu / und sagte: Sehet hier / Jaelinde! den Adonisedech / der euer verlobter
von kindesbeinen an gewesen. Lasset nun meine freude vollkommen sein / die mir
iezt der himmel gönnet / und erkläret euch fur meine tochter /in annemung meines
sohnes / der eure schönheit anbetet. Hiemit fiele mir der Prinz zu fus / und als
ich meinen herrvattern angesehen / welcher so wohl als Melchisedech mir deswegen
zugeredet / hube ich den Adonisedech von der erden auf / und gabe ihm die
versicherung / die ich zu gleicher zeit von ihm entfinge /dass wir einander
beständig lieben wollten. Indem dieses zwischen uns fürginge / hatten auch Ephron
und Coricide mit tausend freudbezeigungen sich zusammen gefunden. So waren / der
Eridanus und seine Delbora / der Amosis und die Danede / der Jetur und die Roma
/ auch lange zeit nicht voneinander zu bringen: bis endlich der wolstand
erforderte / den König von Hazor anzusprechen / und mit deme den frieden zu
bestätigen; der auch bald darauf mit seinen volkern wieder zurucke nach Canaan
abgezogen.
    Solcher massen verginge nun selbiger glucklicher tag / in welchem auch der
grosse Esau mit seiner besuchung die Timna noch erfreute / und ihr gute
vertröstung gabe / den Eliphas bald wieder zur wahren vernunft zu bringen: und
sagte man damals / wiedass er in Edom sich befånde. Weil alle freude / wegen E.
Maj. und der andren vermeinten todes / unvolkommen ware / als mussten wir /
dieselbe zu ergänzen / mit der zeitung von E. Maj. leben noch selbigen abend
beseligt werden / das dann uns allen / sonderlich aber dem Fürsten von Edom und
dem alten Ana / wegen seiner tochter / eine angeneme botschaft war. Der grosse
Esau ginge / E. Maj. aus hiesiger gefahr zu erlösen /mit einem heer füraus: deme
wir andere in gesamt den andern tag folgeten. Wir behielten unterwegs tausend
widrige zeitungen / bis uns endlich der augenschein selber wiese / was wir nun
glauben können. Weil in dieser welt nichts vollkommen sein kann / als muss des
Abimelech / des Disons und meiner schwester ableiben / neben der ungewissheit von
des Cimbers zustande / die vollige vergnugung hier verwehren: wiewol wir
unterwegs uns mit der hofnung gespeiset / dass /gleichwie E. Maj. aus diesem
erdfall errettet worden /also es auch den andren möchte ergangen sein. Weil
Jaelinde hiermit warname / dass die Königin Aramena eingeschlummert / stunde sie
sacht vom bette auf /und begabe sich in ihr zimmer: da dann / das andenken von
dem noch lebenden Cimber / ihren sinnen widerwillens einen guten teil der nacht
hinweg name. Doch hinterte sie solches nicht an der liebe / mit der sie nun
ihrem verlobten Abdonisedech ewig treu verbleiben wollte.
    Am folgenden tag kamen auch in Damasco unvermutlich an / der Konig von Ophir
/ der Prinz von Tyro und Hadoran: welche / da sie mit einem måchtigen heer aus
Ophir und Elam im anzuge gewesen /auf erhaltene nachricht von dem zustand in
Damasco /furaus geritten waren. Sie verteilten sich in der stadt /wie einen
jeden seine neigung triebe / und eilte der Armizar nach des Amosis palaste /
Tiribaces und Hadoran aber gingen nach der Konigin von Tyro: die von ungemeiner
freude überfallen wurde / als sie ihren sohn so unvermutlich ersah. Sie hatte
eben iemanden von Tyro bei sich / durch den ihr gemal ihr zu wissen täte /
wiedass man in Sidon die Königin samt dem Prinzen Sidon heimlich hinrichten
lassen / weil man wahr befunden / was Orosmada ehmals von ihnen beiden
ausgesaget: daher der verliebte Tiribaces nicht gewünschter hätte kommen konnen
/ da hierdurch der Konigin / seiner fraumutter / aller groll gegen der
Prinzessin von Sidon vergangen war. Daher sie ihm auch gern erlaubte / nach der
Orosmada zu gehen: welche er aber nicht in ihrem zimer fand / weil sie /sobald
sie am morgen vernommen / dass die Königin Eurilinde in Damasco sich befände /
nach deren palast gefahren war; dahin ihr dann Tiribaces folgte / den Hadoran
inmittels bei der Konigin von Elam / seiner schwester / lassend.
    Er fand seine Orosmada / in gesellschaft des Melchisedech / der Eurilinde
und des Adonisedech: und gerieten diese zwei / neben der Orosmada / in nicht
geringere bestürzung / als er selber / wie sie solcher gestalt wieder zusammen
gekommen. Tiribaces wusste nicht / wen er von diesen vieren zu erst ansprechen
sollte / und stunde noch in solchem zweifel / als Melchisedech / wie ihm
Eurilinde seinen namen gesaget /ihm entgegen eilte / ihn zu ümarmen. Der Prinz
von Tyro / (redte er ihn an) kommet zu recht-gewünschter zeit / um den streit
aufzuheben / der sich zwischen meinen sohne und meiner tochter kinde /
gegenwårtiger Prinzessin von Sidon / angesponnen. Es haben diese / unwissend wer
sie waren / einander geliebt; und weil man sie beiderseits betrogen / indeme
man den Adonisedech überredt / Orosmada liebte den Jetur von Hevila / ihr aber
fürgesaget / als wan ihr Adionas todt wäre / als wollen sie nun einander die
schuld geben / dass eins dem andern ungetreu worden. Ungetreu! (antwortete der
verliebte Tiribaces) kein gewünschters wort håtte ich vernemen können. Ich will
auch nicht hoffen / dass / wan Orosmada den ehmals-geliebten Adonias verlässet /
ein ander / als Tiribaces / seine stelle werde bekleiden dorfen. Wie er diss
gesagt / warfe er sich zu der Orosmada füssen /und diese noch wankende Prinzessin
desto eher zu bewegen / eroffnete er ihr / welcher gestalt der himmel sie an der
Naema und dem Sidon gerochen / und sie ihre bosheit / welche ruchtbar worden /
mit ihrem leben hätte bezahlen lassen. Dieses war der Orosmada eine erfreuliche
zeitung / und / den Tiribaces aufhebend / sagte sie zu ihm: Ihr wisset / Prinz
von Tiro! mein gelübde / dass ich der Diana abgelegt / das auch mit ihrem
herrlichen tempelbau / den ihr verbrant /nicht mit zu rauch worden ist.
    Wie / Orosmada! (sagte Eurilinde) ist das meiner treuen unterrichtung gemäs
/ also abgottisch wieder den reinen glauben zu reden. Es hat mir Eurilinde
(sezte Melchisedech hinzu) gerumt / wie glücklich sie allezeit in eurer
erziehung gewesen: welches aber diese eure reden keines wegs erweisen. Eur
grosherrvatter / (sagte Eurilinde ferner) befihlet euch / sowol als ich / dass
ihr den Prinzen von Tyro lieben sollet. So einen befehl (antwortete sie)
bekommet aber der Prinz nicht von seiner fraumutter. Vergebet mir /schöne
Prinzessin! (versezte Tiribaces) dass ich euch dessen gegenspiel erweise: die
Königin / meine fraumutter / wünschet nichts häftiger / als dieses. Wollet dann
ihr / Prinz von Salem! (sagte Orosmada zu dem Adonias) dass ich euch meine treu /
gleichwie ihr mir getan / aufsage? Da der himmel will / (antwortete dieser) dass
wir uns als schwester und bruder lieben müssen / so verüble ich der schonen
Orosmada nicht mehr / wan sie dem Prinzen von Tyro meinen platz gibet. Weil nun
Orosmada sich von allen seiten geschlagen sah / gabe sie endlich ihren willen
darein /und machte den Prinzen von Tyro ihre liebe hoffen: wordurch dieser
getreue liebhaber in eine solche freud-enzuckung gesezt wurde / dass er fast
nicht wusste / wie ihm geschahe. Adonisedech begabe sich hierauf von dar nach der
Kemuelsburg / zu seiner Jaelinde: üm diesen verliebten nicht hinterlich zu sein
/ihre gemütsneigungen einander zu entdecken. Der verliebte Armizar befande sich
immittels in eben solcher vergnügung / bei seiner schonen Amesses / zu der ihn
der Konig / ihr bruder / auf die burg ganz unvermutet gefüret hatte: er stunde
aber noch tödliche angst für sie aus / wan er ihm furstellte / wie sie bereits
auf dem scheiterhaufen gestanden ware. Seine schwester / die Prinzessin Indaride
/ genosse dieser freude auch mit /diesen ihren liebsten bruder wieder ersehend.
Indem sie aber dieses verliebte par beisammen liesse / und der Konig von Egypten
mit der Danede schwäzte / die seine schwester zu besuchen gekommen war / musste
Ascadates / den der Armizar aus Ophir mitgebracht /ihr erzählen / wie es ihrem
bruder seit seiner abwesenheit ergangen ware: das dann / dieser ihr getreuer
bedienter / folgender massen verrichtete.
    Die Konigin Rehuma / meiner gnådigen Prinzessin fraumutter / (sagte er) ist
aus antrieb ihrer rumwürdigen grosmut / die einige ursach gewesen / dass dero
herrbruder sich iezt kann Konig in Ophir sehen: womit sie das unrecht ersetzen
wollen / welches vordessen dem Armizar angetan worden als derselbe / in seiner
zartesten kindheit / aus seinem vatterlande nach Egypten / entweichen musste. Die
abwesenheit des Hiarbas / beförderte nun auch nicht wenig den glücklichen
fortgang unsrer waffen in Ophir / und wie der Armizar seinen våtterlichen tron
eingenommen / ward diese seine erlangte glückseligkeit gemässigt durch die
widrige zeitung aus Elam / wiedass alda die Prinzessin Amesses in des Sadrach
hände geraten wäre. Dieses machte den verliebten König andere betrachtungen
hintan setzen / und bewegte ihn / den Migdol als Stattalter im reich
hinterlassend / mit einem heer in Elam einzufallen. Wir kamen daselbst an / als
nicht lang vorher die Prinzessin hinweg gekommen. Weil der siegende Hadoran /
der in einer schlacht den Sadrach uberwunden / uns nachricht gabe / wo die
Prinzessinnen Amesses und Orosmada geblieben wären / als beschlossen wir / neben
dem Prinzen von Tyro / ihnen hieher zu folgen: das wir nun auch / wiewol zu spat
/ins werk gerichtet / massen unsere hülfe hier wenig würde getan haben / wan
nicht der gerechte himmel den König von Basan also zur rechter zeit hergeschickt
hätte. Ohne dessen beistand / (sagte hierauf Indaride) wåre es freilich mit uns
aus gewesen: wiewol / was meine person betrift / ich lieber / durch dieses
mittel / der erde hätte gute nacht sagen mögen /die ich nur mit unlust betrete.
    Als Ascadates dieses beantworten wollte / kam der König Eridanus mit seiner
Delbora zu ihnen in das zimmer: der den Armizar auf das höflichste entfinge /und
über dessen wolergehen / auch der vergnügung seiner Prinzessin / sich hoch
erfreute. Diese furete folgends ihren Armizar zu der schonen Konigin von Syrien
hinein: die auch ihre freude erwiese / dass ihr also dieses weltberümten helden
kentnis zu teil wurde. Nicht lang hernach / stellte sich auch der Prinz
Tiribaces ein: dass also in ihrem zimmer alle diese fürneme gesellschaft endlich
zusammen kame. Nachdem sie eine weile von allen vorgefallenen begebenheiten sich
unterredet / und nun / bei den Koniginnen von Tyro /Elam und Saba / auch bei den
Konigen Marsius und Hemor / den Prinzen Mardocentes und Sinear / ihre besuchung
abzulegen / sich wieder von einander begaben / bliebe Ephron mit seiner Coricide
bei der betrubten Ahalibama allein: die ihr ihres Eliesers verlust von neuem
fürstellte / sobald sie dieses seines lieben bruders war ansichtig worden.
Dieserwegen handelte ihre ganze unterredung von dem Elieser / und wollte sie
schier in tränen sich ertrånken / wan sie daran gedachte / dass sie an dem
Fürsten von Edom verlobt ware. Ephron und Coricide sprachen sie zu frieden
/soviel sie konten / und leisteten dieser trostlosen Prinzessin gesellschaft /
bis an den abend.
    Der Prinz Ephron wurde endlich von dannen beruffen / einer unterredung mit
beizuwonen / die in des Konigs von Cus palast sollte gehalten werden: worbei /
neben dem Eridanus / und den vier Königen der Canaaniter / die Könige von
Armenien / Salem / Egypten und Ophir / wie auch die Fursten von Caphtor / Seir
/und Hevila / samt ihre räten und kriegsbedienten /sich bereits eingefunden
hatten. Die beratschlagung ware / wie man beständigen frieden in Syrien / auch
in den benachbarten landen und Königreichen / stiften und erhalten mochte: da
Eridanus und Amosis / als bundsverwandten des hauses Babel / für den abwesenden
Baleus sorge trugen. Gleichwie sie nun bereits dem Konig von Basan / als welcher
/ durch die Prinzessin seine schwester / ein schwager des Baleus /werden sollte /
und den andern verwundten / die sie besuchet / verheissen hatten / ingesamt dahin
zu trachten / dass die Babylonier mit den Syrern ausgesönet wurden / also ware
etliche / die dem Baleus auch wider die Meden beizustehen sich anheisig machten:
wiewol der Jetur / und Esau als nächste blutsfreunde des Nebajot / hierzu
nicht einstimmen konten. Nach diesem kamen sie auf den Hemor zu reden / dessen
land die andere Konige von Canaan meist hinweg hatten: und wurde / auf zureden
des Melchisedech / die sache dahin verglichen / dass ihm das Königreich Sichem /
wie es vordem gewesen / wieder eingeraumt werden und unverruckt verbleiben
sollte. Zwischen dem Armizar und Hiarbas / wie auch zwischen der Mirina und dem
Marsius / wollten sie sich bemühen /frieden zu machen.
    Weil das fürnemste / so zur beständigen ruhe dienen konnte / dieses war / dass
sich die schöne Königin von Syrien / den Marsius von Basan zu heiraten bequemen
möchte / als wurde fur gut angesehen / dieses / neben dem ersten punct / den
Syrischen Fursten anzutragen. Demnach wurde der Hus / Husan / Rames /Tare /
Elhanan / Nahor / Gahan und die andren hinein beruffen / und solches ihnen
fürgestellet: welche mit hochst-erfreutem gemüte dieses annamen / und es
selber für hochstbillig erkennend / den Königen angelobten / ihre Königin
hierzu zu bereden. Weil der Prinz Suevus dieses bereits vorher / aus äuserster
sorgfalt / die ruhe und glückseligkeit seines Königs zu befordern / den
Syrischen Fürsten hatte zu verstehen gegeben / als liessen sie sich hierzu dissmal
desto williger finden. Wie diese hinweg waren / liessen die Könige auch den
Prinzen Suevus furfordern / und gaben ihm diese ihre Meinung an den grossen
Marsius zu hinterbringen: der dann / dessen liebe zu der schönen Aramena / ihnen
nicht gnugsam zu beschreiben wusste / die auch mit solcher ehrerbietung begleitet
wäre / dass er / ungeacht seiner habenden gewalt /auch der ihr und dem reiche
Syrien erwiesenen dienste / sich dennoch niemals vonselber wurde erkünet haben
/ seine häftige liebe der Königin Aramena fürtragen zu lassen. Dieser treue
Prinz erfreute sich darüm üm soviel mehr wegen seines Konigs / dass nun durch
andere der schönen Syrerin sollte angebracht werden / was der grosse Marsius von
ihr verlangte.
    Wie man hierauf / den Zalmon an dem König Baleus / den sie in Basan bei der
Hercinde zu sein vermuteten / und den Petosiris zu dem Prinzen Hiarbas
abgefärtigt hatte / üm ihnen die gegenwärtige bewandnis der sachen und die grosse
veränderung / so sich in Damasco zugetragen / anzumelden / begabe sich diese
grosse Konigliche gesellschaft wieder voneinander. Nach diesem arbeitete nun
alles in Damasco / dahin alle stånde aus Syrien sich versamleten / die heurat
zwischen dem grossen Marsius und der schönen Aramena von Syrien zu befördern:
von welcher der getreue Suevus mit fleiss überall unter den Celten ausbreiten
liesse / dass hieran ihres Königs leben und wolfart einig und allein hinge; um
dadurch das volk /von den Syrern diese heurat zu erlangen / desto eivriger zu
machen. Wie nun dieselben auch ihres orts nichtes höher wünschten / als musste
die Königin von Syrien noch selbigen abend von ihren gesamten Fursten diesen
fürtrag anhören: Wiedass / einen beständigen frieden in Asien zu erhalten / nicht
allein die siegende Celten / sondern auch alle anwesende Könige / ja ihre eigene
verwandten und untertanen /einmütig verlangten / dem Konig von Basan mit ihr
verlobt zu sehen. Es ware ihr dieses anbringen nicht so frömd als widrig / weil
sie es wohl vermuten konnen / und gabe sie ihnen / mit mehrerer wehmut / als sie
sonst gewonet war / diese antwort: Erinnert sich keiner unter euch / des
zugleich ersten und lezten befehls meines bruders Aramenes / da er von mir
begehret /dass ich niemand als den Tuscus Sicanus / liebensolte. Waren nicht euer
etliche dabei / wie ich ihm dieses verhiesse? Und bedingte er nicht darbei
ausdrücklich /dass ich weder den König von Basan / noch einigen andern / diesem
treuen liebhaber / der des Abimelech herzensfreund gewesen / furziehen sollte?
Ich war ja zugegen / (antwortete Nahor) wie diese reden in der ungluckseligen
hole fürgingen. So habt ihr ja vernommen (fragte sie ferner) wessen ich mich
habe anheisig gemacht?
    Wann Tuscus Sicanus (finge der Furst von Hus an) die dienste / so der Konig
von Basan getan / unsrem reich erwiesen hätte / und mit gleicher macht sich in
Syrien befände / wollte ich nichts dagegen sagen. Nun aber spricht alles für den
unvergleichlichen König von Basan / und wollen wir nicht unsren völligen
untergang auf uns laden / so kann und muss es nicht anders sein / als dass E. Maj.
sich hierzu bequemen /was ihr die wahre vernunft / die sorgfalt für ihre
untertanen / und die schuldige erkentlichkeit rätet und lehret. Das arme Syrien
(sezte Rames hinzu) seufzet nun so lange nach dem edlen frieden / dass es
unmüglich ist / dass unsere so gutige Königin / uns denselben zu verschaffen /
sollte können in bedenken ziehen. Wir sind verloren / (sagte Tare) wan E. Maj.
nicht die Celten / welche mächtiger als wir sind / in einer so billigen sache
vergnugen. Nun die kentnis des Aramenes (redte Husan dazu) und dessen tod E.
Maj. von der / dem Abimelech gelobten / liebestreue ledig spricht / finde ich je
keine schwerigkeit dabei / dem unvergleichlichen Marsius die ehliche hand zu
geben: zumal / da Syrien einen Konig fordert / dieser aber der würdigste unter
allen menschen ist / unsere Aramena zu lieben / und Syrien zu beherschen. Ihr
seit alle (gabe hierauf die betrübte Königin zur antwort) auf des Marsius seite.
Nicht wir allein (fiele ihr der alte Hus in die rede) sondern auch das ganze
volk will den Marsius / der sie aus der Assyrischen dienstbarkeit erloset / zum
König haben: weil / wan es wäre ohn diesen helden gewesen / es uns ewig an der
hoffnung fehlen wurde / das / so wir nun besitzen / iemals zu erlangen. Uber
diesen reden des alten Hus / bliebe die schöne Syrerin eine weile in gedanken /
endlich aber erholte sie sich wieder / und sagte: Ich will Syrien vergnugen / und
soll morgen mit dem tage alles volk sehen und erkennen / dass ich ihnen den
frieden zu verschaffen begehre. Diese worte brachte sie mit solcher
standhaftigkeit herfur / dass ihre Fürsten über so schleuniger Entschliessung sich
so sehr verwunderten /als erfreuten: und fielen sie ihr ingesamt zu fus / ihr in
namen des ganzen Syrien für diese grosmütige erklärung zu danken.
    Wie sie nun hierauf die Konigin verlassen / ginge dieselbe zu ihrer
schwester / der Königin von Ninive /bei denen sie die Casbiane ganz allein
antraffe. Es überlegte die schone Niniviten / mit dieser ihrer vertrauten
freundin / ihren ganzen lebenslauf / und den tod ihres Prinzen Disons dabei
herzlich beweinend /sagte sie / als eben die Königin von Syrien zu ihr in das
gemach trate: Dessen wåre ich gånzlich gesonnen / mich in der Diana tempel zu
verschliessen / und den Niniviten den Betuel zum König zu geben. Wie /liebste
schwester! (redte ihr sobald die Königin von Syrien ein) sprechet ihr noch von
dem gotzentempel der Diana? Ich spreche von demselben / (antwortete diese
Konigin) weil ich denselben ehmals verehrt habe / solches aber nun nicht mehr
tue / gleichwol aber wünsche / dass ich / bei meinem ietzigen glauben / eine
solche absonderung von der welt / wie dieser tempel ware / finden mochte: alsdan
wollte ich doch noch mein furhaben erfüllen / dem Betuel / zur vergeltung seiner
ungemeinen liebe / mein reich zu überlassen / und meinen Dison in solcher
einsamkeit stäts zu beweinen. Wie gleichförmig sind doch unsere sinne! (gabe die
åltere Aramena zur antwort) und komme ich iezt eben / euch zu eröffnen wie es
mir ergehet. Als hierauf Casbiane / aus ehrerbietung / hinaus gegangen / und
sich nun diese beide durchleuchtige Aramenen allein beisammen sahen / fuhre die
ältere fort / sich also zu erklären: Man zwinget mich /liebste schwester! den
Konig von Basan alhier zum Konig über Syrien zu machen / weil mein ganzes land
denselben zum König begehret: und kann ich mich hierin nicht widersetzen / ohne
alles in unruhe / und Syrien in äuserstes verderben zu stürzen. Weil aber / den
treuen Tuscus Sicanus / der mich so lang unter des Cimbers namen geliebt / zu
verlassen / mir unmüglich fället / als will ich / üm zugleich meine liebe und
mein volk zu vergnügen / mein kron und zepter dem König von Basan übergeben /
und mit euch nach Ninive reisen / um mein übriges leben alda in stiller
einsamkeit zu zubringen wan ja / wie ich gläube / der treue Tuscus Sicanus nicht
mehr in der welt sein sollte. Wie hoch sind wir beiderseits dieses zu tun befugt
/ da uns der tod diejenige genommen / üm derer willen wir allein gelebet haben;
und da uns selbst bereits der tod so nahe gewesen / dass dieses absterben der
eitlen welt uns nicht wird konnen verublet werden.
    Ich bin zu schwach / (gabe die jüngere Aramena hierauf zur antwort) gegen
diese gründe etwas einzuwenden: zumal ich an mir selbst befinde / wie unmüglich
es mir fallen würde / den Betuel zu lieben / da ich den Dison verloren besorge:
Ich halte aber dafur /der König von Basan / wan er häftig liebt / werde damit
nicht zu frieden sein / wan er Syrien sonder seine Königin uberkommet. Man hat
mir diesen Konig (antwortete die åltere) von solchem gemüte beschrieben / dass
seine bescheidenheit ihm nicht zulassen wird / wider die unmuglichkeit etwas von
mir zu verlangen. So beklage ich dann billig diesen helden /(versezte die andere)
dass der himmel nicht ihn / an statt des Tuscus Sicanus / zum Cimber werden
lassen. Der dem Betuel (wandte die Konigin von Syrien dargegen ein) die gaben
nicht verliehen hat / sich so beliebt als der Dison zu machen / der hat es auch
also geordnet / dass ich den Tuscus Sicanus für den Marsius lieben muss / ob
gleich des letzern tugend ja so weit / als des ersten sein ruhm / durch die welt
gegangen ist. Mit solchen und dergleichen gespråchen /brachten diese beide
betrübte Koniginnen einen guten teil der nacht zum ende / und wandte die von
Syrien das ubrige von derselben dazu an / sich wohl zu bedenken / wie sie
folgenden tags ihr vorhaben zu werk richten wollte.
    Die sonne war nicht sobald wieder herfürgekommen / da liesse sie ihre Fürsten
beruffen / und befahle dem Hus / die Syrische kron und zepter ihr zu bringen /
die er in seiner bewarung hatte. Wie nun solches geschehen / sandte sie den
Elhanan nach dem Konig von Basan / und liesse ihm sagen / dass sie kommen wollte
/ihn zu besuchen. Dieser brachte die antwort zurücke: dass er solcher
gnadbezeugung der Königin sich unwert erkenne / und seine wunden anklage / die
ihn des bettes hüten hiessen / und ihn hinterten / dieses / so er zwar fur sein
hochstes gluck hielte / wegen seiner unwürdigkeit bei ihr abzuwenden; er musste
aber geschehen lassen / was ihrer gütigkeit hierin fürzunemen beliebte. So
lasset uns dann gehen! (sagte die Königin /mit sonderbarer bewegung) üm für das
heil von Syrien zu sorgen. Hiemit stiege sie zu wagen / und folgte ihr der Fürst
Hus / mit der Konigliche krone / auf einem andern wagen / wie auch alles ihr
frauenzimer /und ihre gesamte Fürsten. Weil bereits durch ganz Damasco
erschollen war / dass die Königin von Syrien zu dem König von Basan fahren wollte
/ und sich erklårt hätte / den zu ehlichen / als drunge das volk von allen
nationen / sonderlich aber die Celten und Syrer /häufig hinzu / üm dieser
schönen Königin gluck zuzuruffen / und ihr den segen von himmel anzuwünschen.
Sie / voll unruhe / sah immittels nach allen häusern hinauf / wo sie fürbei
fuhre / ob sie nicht ihren Cimber an einem ort erblicken möchte. Es war aber
solches alles umsonst / und kame sie endlich vor den palast des Konigs von
Basan. Sie wurde alda von dem Prinzen Suevus / auch den fürnemsten Celten / mit
ungemeiner freude entfangen / und zu dem Konig ins zimmer begleitet.
    Es ware darin ganz dunkel / weil die årzte es also geordnet / und sah sie
den König von Basan im bette ligen mit verbundenem haubte / welches er / wegen
einer geschwulst / so ihm das halbe gesicht bezogen /mit tüchern also bedecken
mussen: üm dess willen sie seine gestalt nicht erkennen kunte. Nachdeme man ihr
einen sessel gebracht / und sie auf denselben sich niedergelassen / auch alle
anwesende / in das andre ecke des zimmers / weit von ihnen sich begeben hatten
/sagte er zu ihr mit schwacher stimme / weil er nicht wohl sprechen kunte: Womit
habe ich solche gütigkeit verdienet / die mich meine schönste Konigin iezt
geniessen lässet? da billig meine begangene kunheit /dass ich die unvergleichliche
Aramena lieben dörfen /dessen kein sterblicher würdig ist / anderst hätten
sollen angesehen werden. Dieses sagte er / weil ihme von den Syrischen Fürsten
bereits erofnung geschehen /wie die Konigin üm seine liebe wusste / und dieselbe
billigte.
    Er entfienge aber diese antwort: Ich bin dem grossen Konig von Basan so viel
schuldig / als deme ich mehr als einmal mein leben und meine freiheit zu danken
habe / dass / wan ich mehr in meinem vermögen håtte / als dieses / so ich zur
erkentlichkeit hier überliefern will / ich solches hierzu zu tun nicht
unterlassen würde. Alle meine stånde und untertanen / begehren den König von
Basan zu ihrem herrn und regenten. Ich finde diese ihre wahl / für sie und das
ganze land / so nutzlich / dass ich dem obsieger von Damasco / nicht allein diese
stadt / sondern ganz Syrien / hiermit abzutreten und zu ubergeben / gesonnen
bin: wie ich dann / zu dem ende / mein kron und zepter mit gebracht / um solche
dem grossmutigen Marsius zu überliefern. Diss ist es alles / dapferer held! womit
ich meine erkentlichkeit kann zu tage legen. Ein mehrers vermag ich nicht / weil
ich so unwurdig als unfähig bin / diese liebe anzunemen / die E. Maj. gegen mir
eine geraume zeit mit solcher bescheidenheit geheget. Ich weiss alles / wie mein
unglückseliges bildnis eine so edle ruhe stören müssen / und wie der grosse
Marsius unter verdecktem namen und stand /sich bei mir in Syrien aufgehalten.
Wie aber damals meine liebe zu dem Abimelech E. Maj. so billig befunden / dass
sie auch / um selbige nicht zu stören /lieber schweigen und leiden / als sich
erklären wollen: also erwarte ich iezt eben dergleichen grosmut von dem
unvergleichlichen Konig zu Basan / und entsehe mich nicht / E. Maj. offenherzig
zu entdecken / dass der König der Aborigener / Tuscus Sicanus / gleicher massen
sich verborgen bei mir aufgehalten / und meine gewogenheit / durch vermittelung
meines Abimelech / wie der in der ungluckseligen höle für meinen bruder erkant
worden / völlig erlanget: massen er mir geboten / dass ich fortin den Tuscus
Sicanus meinen Abimelech sollte sein lassen / weil der eben so sein ander ich /
als wie Cölidiane die andere Aramena / wäre. Dieses habe ich diesem lieben
bruder zu-schworen mussen / und waren damals seine lezte worte / die er auf erden
geredet / dass er alle anwesende zu zeugen angeruffen wie ich mich erklårt hätte
/ dass ich weder dem König Marsius von Basan / noch dem Baleus von Assyrien /
noch einigem andern / iemals einigen vorzug vor dem Tuscus Sicanus gonnen /
sondern den allein / vor allen künftig meine gunst wollte geniessen lassen. Dieses
habe ich geschworen / und dieses machet mich untuchtig / des Königs von Basan
eheliche hand anzunemen. Und ob zwar mein volk zu dieser heurat mich zwingen will
/ auch E. Maj. alle gewalt über mich haben / zweifele ich doch nicht / sie
werden die jenige verlassen / die an einen andren verlobt ist / und auser
demselben / er sei lebendig oder todt / keinen menschen iemals in der welt zu
lieben /sich fähig befindet.
    Nachdem sie ausgeredet / schluge der Konig von Basan die hände über sich
zusammen / und brache in die worte heraus: O Abimelech! ô Tuscus Sicanus!
erkenne ich euch also? Hiermit wurde er etwas stille /endlich aber die Königin
anschauend / die doch das herz nicht hatte / sich nach ihm umzusehen / sagte er
zu ihr: Ich habe genug gehoret! es ist nun fur mich nichtes mehr übrig / als der
tod: diesen / und nicht die kron von Syrien / verlange ich / zu meiner
beruhigung. Weil Marsius leise redte / und die schone Konigin voll verwirrung
war / als hatte sie diese worte nicht eigentlich vernommen. Aber dieser
sonderbaren besuchung ein ende zu geben / womit ihnen beiderseits nicht gedienet
war / stunde sie auf / und ginge zu dem Fürsten von Hus / der an der tür des
gemaches sich befande / name kron und zepter von ihm / und legte dieselbe auf
des Marsius bette / der eben onmächtig zu werden begunte. Hierauf eilte sie aus
dem zimmer hinaus / und die Celten / wie auch ihre Fürsten / im vorsaal
antreffend / wandte sie sich zu ihnen / und sagte: Ihr habt nun euren König von
Syrien /nach welchem euch so sehr verlanget. Mein zepter und kron / sind in des
grossen Marsius handen / und begehre ich von aller meiner gehabten macht ein
mehrers nicht / als dieses / dass ich mich aus Syrien ehist hinweg begeben dörfe.
Niemand von den umstehenden wusste aus diesen reden etwas zu fassen / und als die
Syrische Fursten ihrer Konigin folgen wollten /verwehrete sie es ihnen / und
sagte: Lasset mich allein meinen rückweg nemen / und bleibet bei eurem König /
den ich euch / auf euer begehren / hinterlasse. Hierauf sezte sie sich mit ihrem
frauenzimmer zu wagen /und kehrte wieder nach der Kemuelsburg / allein von ihrer
leibwacht begleitet.
    Als sie daselbst angelanget / beschiede sie so fort den Fursten von Edom zu
sich / dem sie entdeckte /was sie getan hatte: worüber dieser held in solche
verwunderung geriete / dass er nicht wusste / was er ihr sollte zur antwort geben.
Sie bate ihn ferner / dass er /auf allen notfall / mit seinen Edomiten sie
schützen wollte / wan etwan der Marsius / mit dieser ihrer erklårung nicht
vergnugt / wider ihre person etwas beginnen wollte: worzu er sich willigst
erbote. Es bliebe hierauf nicht lang heimlich / was für eine ungemeine grosmut
die schone Konigin von Syrien erwiesen /und wie sie / lieber ihr Königreich
abtreten / als dem Tuscus Sicanus / den sie liebte / untreu werden wollen. Ganz
Damasco truge sich mit dieser zeitung / und vergassen alle anwesende Könige und
herren ihrer eigenen angelegenheiten / üm dieses zu bewundern. Indem aber
iederman das ende hiervon zu erfaren verlangte / erscholle am folgenden morgen
das unvermutete gerüchte / dass der kranke König von Basan / selbige nacht / in
einer sänfte davon gereiset wäre. Der darauf folgende aufbruch der Celten / die
häufig aus Damasco zogen / bekräftigte diese zeitung. Es wussten aber die Celten
selber nicht / warüm sie so schleunig fort müsten: auser dass man ihnen gesagt /
wie die gefahr in Basan / wegen des einfalls der Königin Mirina / sehr gross
wäre. Als aber die Konigin von Syrien dieses vername / kunte sie einer so guten
zeitung kaum glauben: und überlegte sie annoch dieses beginnen bei sich selber /
als der Prinz Baalis bei ihr angemeldet wurde. Wie sie ihn furgelassen /
überlieferte er ihr wieder den zepter und die kron von Syrien / neben einem
schreiben von dem Konig aus Basan / welches er / wegen eignen unvermogens / dem
Suevus / dessen hand es war / in die feder gesagt hatte. Sie lase / und fand
folgenden inhalt.
  Schreiben des Königs Marsius von Basan / an die Aramena Königin von Syrien.
Behaltet / grausame Aramena! euer kron und zepter: dann nicht diese / sondern
eure wunder-schöne / hat mich geblendet. Da ihr nun mir / als einem sterblichen
/ solche nicht gönnen wollet / so bewaret sie auch /mit gleicher strenge / vor
dem Tuscus Sicanus; weil er ja so wenig / als ich / würdig ist / dieser
himlischen schönheit zu geniessen. O wunderbares verhängnis! wie kanst du doch
zugeben / dass dieser in seiner liebe so wankelmütige / mit dem herrlichsten lohn
der allergetreusten liebe soll bekrönet werden: der kaum einen augenblick sich üm
das bemühet / wornach ich mit so grosser gedult so lange zeit getrachtet: Ist es
wohl möglich / dass mein unverdrossenes lieben und meine kaum-angeglommene
hoffnung solcher gestalt soll abgewiesen werden: Ach grosse Königin! eure ruhe zu
befördern / habe ich alles bisher erdultet. Diese gedult ist aber nun mit des
Abimelech leben erloschen / und werdet ihr nicht zurnen / wan ich / bis auf den
lezten blutstropfen / diesem neuen mitbuler die besitzung der Königin von Syrien
zu bestreiten mich unterfange. Dieses treibet mich von euch. Diese vorhabende
rache / erhält mir noch allein mein leben. Nun ich der schönsten Aramena nicht
gefallen können / verlange ich nichts als den tod: der muss aber aus des Tuscus
Sicanus blut entstehen. Gehe ich mit ihm zu grunde /so sterbe ich vergnügt: weil
ich dadurch / die himlische Aramena / von zween unwürdigen liebhabern werde
befreit haben.
                                                        Marsius König von Basan.
    Dieser des briefs inhalt / erweckte bei der schönen Syrerin allerhand
besorgliches nachsinnen. Die bedrohungen / fur den Tuscus Sicanus / gingen ihr
sehr zu herzen. Dessen wankelmütigkeit / womit er beschuldigt wurde / deutete
sie darauf / dass er ehmals die Hercinde / und nachgehends / des Marsius
einbildung nach / die Roma geliebt. Es tut mir leid / (sagte sie zu dem
Prinzen von Ammon) dass ich ursach sein muss / an der beunruhigung dieses grossen
Konigs /und dass mein freies bekentnis / so ich von meiner liebe getan / zween
so edle helden soll in feindschaft setzen / die sonst seiter einander mit wahrer
freundschaft gemeinet. Dass ich fur die guttaten / die ich von dem Konig aus
Basan genossen / erkentlich sein wollen / das habe ich damit erwiesen / indem
ich ihme mein Königreich gutwillig ubergeben. Dass er es aber nicht anzunemen
begehret / solches kann mir zu keiner undankbarkeit ausgedeutet werde. Ich bin
annoch erbötig / dem grossen Marsius alles zu dienste zu tun /was er / auser
meiner liebe / von mir verlanget.
    Auser derselben / (sagte Baalis / ganz betrübt) ist nichtes in der welt / so
diesen unvergleichlichen Konig vergnügen könnte. Er ist so zweifelmutig hinweg
gezogen / dass ich sorge / die eheste post von seinem tode / werde die grosse
hoffnung nicht allein in Basan / sondern auch in dem entfernten Celten-lande /in
den staub legen / und zu wasser machen. Keiner von allen seinen Celten und
Teutschen / konnte diese schleunige abreise verhintern / und sagte er zu
verschiedene malen: Lasset mich aus Syrien ziehen / üm der grossen Aramena die
sorge und unruhe zu benemen / die ihr meine anwesenheit verursachet. Als sich /
etliche von den hitzigsten / ungedultiger dräuworte verlauten liessen / dass wir
ja Syrien in unserer gewalt hätten / färtigte er die mit harten worten ab / und
gabe nicht allein dem Prinzen Suevus befehl / mit allen Celten von hinnen
aufzubrechen und ihme zu folgen /sondern sie mussten ihm auch zu-schworen / dass /
wan er unterwegs sterben würde / sie dannoch Syrien raumen sollten. Hierauf
wehlte er mich aus / E. Maj. dero kron und zepter wieder einzuhändigen / neben
ieztverlesenem schreiben: und wüste ich sonder tränen die reden nicht zu
wiederholen / die dieser verzweifelte liebhaber dabei ausgestossen. Ich habe nun
befehl /alle hier anwesende Könige / wie auch die Syrer / zu vermanen / E. Maj.
in allem beförderlich zu sein. Er überlegte auch zuvor allerdings / ob er /
sonder E. Maj zu schaden / von hinnen reisen konnte: dessen er den sich beredte /
in betracht sovieler völker / die E. Maj. hier zu gebote stehen / auf den fall /
wan ein überrest von der vorigen unruhe sich anspinnen wollte. Ich meines teils
beklage von herzen dieses unglück /dass dem tugendhaftesten helden von der welt
begegnet / und dass der himmel einer so edlen verbindung so entgegen ist / die
soviel tausend gewünschet und so fäst gehoffet haben.
    Versichert euch / Prinz von Ammon! (antwortete hierauf die Konigin von
Syrien) dass mir die unruhe des grossen Marsius so sehr / als einigem menschen in
der welt / zu herzen geht / und stunde es in meinen kräften / ihm seine
vergnügung zu verschaffen / ich wollte wohl nichtes an mir erwinden lassen. Dieses
stehet ja (sagte Baalis) lediglich bei E. Maj. güte Keines wegs / mein Prinz!
(gabe sie zur antwort) dann euch ja nun wissend ist / dass mir Tuscus Sicanus /
wan er noch lebet / auser ihm aber sonst kein mensche / zu lieben bestimmet ist.
Diese liebes-entdeckung (antwortete Baalis) hat den Konig von Basan in so
häftige bestürzung gesetzet / dass wir ihn onmåchtig fanden /als E. Maj. von ihm
abgingen. Nichts weniger / als dieses / hat er iemals können vermuten: und
nunmehr des Aborigener-Königs bisher-gespürte kaltsinnigkeit begreifend / ist er
auch dermassen über diesen Konig erbittert / dass / wofern der himmel nicht sonst
ein mittel dazwischen schicket / diese beide helden unfehlbar einander aufreiben
werden. Die besorgte Konigin wollte hierauf nicht melden / dass sie den Tuscus
Sicanus in Damasco zu sein vermutete / um nicht dadurch die ergrimte Celten
zuruck zu ziehen. Endlich färtigte sie den Baalis ab / und liesse dem König von
Basan sagen: dass sie kron und zepter / die er ihr wieder geschicket / zu seinen
diensten zu füren / ihr iederzeit wollte angelegen sein lassen. Gleichwie sie
auch unwürdig wåre / dass zween so grosse helden / als er und Tuscus Sicanus /
ihretwegen in feindschaft leben sollten / als wollte sie bei diesem lezten / ihrem
vermogen nach / wo ihr der himmel die gelegenheit gönnte / es dahin vermitteln /
dass er alles anwenden sollte / des grossen Marsius freundschaft wieder zu
erlangen. Weil der Prinz von Ammon auf kein antwortschreiben drunge / als bliebe
die Königin damit verschonet.
    Hierauf begabe sich / dieser wegen seines Konigs betrübter Prinz / von
dannen / nach denen in Damasco anwesenden Königen / die er bei dem Konig von
Armenien versamlet antraffe / über diesen frömden dingen sich zu unterreden. Mit
ungemeiner verwunderung hörten sie diesen fürtrag des Prinzen an / und da sie
zuvor die grosmut der Konigin von Syrien / in so gutwilliger uberlassung ihres
reiches / mit bestürzung angehöret / befromdete sie nun diese des Königs von
Basan nicht weniger. Es ware keiner unter ihnen / der diesen grossen Konig in
seiner liebe nicht beklagte /und es gern anderst hätte sehen mögen. Es erbote
sich aber ein jeder / der vermanung dieses unvergleichlichen liebhabers
nachzukommen / auch der Königin von Syrien båstes zu befordern und in obacht zu
halten. Und hiervon der Königin selber versicherung zu tun / begaben sie sich
alle / nach des Baalis abzuge /(der zuvor auch bei den Syrischen Fursten sein
gewerbe abgeleget) auf die Kemuelsburg. Wie sie nun der Konigin von Syrien
zusprachen / bezeugten sie zugleich verwunderung / dass Tuscus Sicanus der
Konigin liebhaber wäre: weil den meisten unter ihnen /dessen begebenheit mit der
Roma / nicht anderst bekant war / als dass dieselbe an ihn verheiratet gewesen.
Die schone Roma / so zugegen war / bekannte hierauf / vor der ganzen gesellschaft
/ dass sie noch unverheuratet / und Tuscus Sicanus sie nie berüret håtte: welches
alle anwesende / sonderlich aber der hierüber beunruhigte Jetur / als deme sie
es noch nie sagen wollen / so sehr bewunderte / als wie die Roma selbst sich
nicht darein finden kunte / dass dieser König / der so gewiss unter ihren händen
gestorben /wieder erstanden sein sollte.
    Mein fürsatz ist zwar niemals gewesen / (redte hierauf die schone Syrerin zu
den anwesenden) dieses unvergleichlichen liebhabers gegen mir habende gedanken
aller welt sobald zu offenbaren / ehe er selber iemals aus meinem munde diese
versicherung gehöret / dass ich seine liebe aufnemen wolle. Weil aber die bekannte
umstände / so sich herfür getan / mich dazu genotigt / als finde ich mich
verbunden / vermög des lezten willens des Aramenes meines brudern / wie auch
wegen meines gewissens / den Cimber / unter welchem namen dieser König der
Aborigener sich so lang bei mir aufgehalten / seine liebe zu vergelten /und ihme
/ neben meiner person / das Konigreich Syrien zu übergeben. Zwar war dieses
letzere dem grossen Marsius zugedacht / und hätte ich / um mein wort zu halten /
dem Tuscus Sicanus gerne nach Celten gefolget. Nun aber des Königs von Basan
grosmut es anderst gefüget / als wird ihm diese meine öffentliche erklårung
nicht können entgegen sein: und hoffe ich /alle diese grosse helden / die ich
hier üm mich sehe /werden den Konig von Basan dahin bereden helfen /des Tuscus
Sicanus freund zu bleiben / und alle rache gegen ihm / als einem unschuldigen /
einzustellen. Zwar erweise ich vielleicht diese sorgfalt vergebens /(fuhre sie
seufzend fort) und mag es wohl sein / dass dieser held / den ich iezt zum König
von Syrien ernennet / nicht mehr im leben sei: weil ich / nachdem er mich aus
dem feuer errettet / nichtes mehr von ihm erfahren konnen.
    So hat dann dieser / und nicht der Konig von Basan / (fragte Eridanus ganz
verwundert) die Königin aus dem feuer erlöset. Die beide Prinzessinnen von Ophir
und Egypten (antwortete Aramena) können mir dieses bezeugen / die damals mit dem
ihnen wolbekanten Cimber geredet haben. Als nun Indaride und Amesses dieses
bekräftigt / entstunde bei ihnen allen eine nicht geringe verwunderung / wo dann
dieser Konig müste geblieben sein? Als indem die Syrische Fursten auch dazu
kamen / und nun / da sie die Celten nicht mehr zu furchten hatten / auf ihrem
fursatz / den Marsius an ihre Königin verehlicht zu wissen / nicht so eiferig
mehr bestunden / schluge der Husan für / um nachricht von dem Tuscus Sicanus zu
erlangen / dass man /durch ein offentliches gebot / allen inwonern in Damasco
auflegen sollte / ihre bei sich habende verwundete anzumelden: wodurch man
endlich würde erfahren können / ob dieser Konig noch vorhanden wåre; den alle
Syrische Fürsten nun hoch zu achten und zu lieben anfingen / da sie hörten / dass
der Cimber / welchen sie wohl gekant / der Aborigener-König gewesen. Solchen
fürschlag des Husans / liessen sie ihnen alle wolgefallen. Wie hierauf die
Königin von Syrien bei ihren Fürsten alleine gelassen worden / und sie mit
denselben wegen des Syrischen zustandes raht hielte: gesellte sich immittels die
Ahalibama zu der Roma /welche sie veranlasste / mit ihr in einen garten / der
hinter dem tempel der Juno gelegen / spaziren zu gehen. Als sie daselbst
angelanget / befragte sie diese ihre gefärtin wie sie mit dem Tuscus Sicanus
leben können / dass alle welt sie fur dessen gemalin angesehen / welches ihr
unmoglich dunkte? Roma beschriebe ihr darauf umständlich / wie sie und Tuscus
Sicanus hierbei sich verhalten.
    Sie ware noch in dieser erzehlung begriffen / als ihr geliebter Prinz / der
Jetur von Hevila / wie auch der Fürst Esau von Edom und Seir / dazu kamen / und
sich in diese unterredung mit einliessen. Wir haben eben auch hiervon geredet /
(sagte Esau) was unsrer schönen gespråch-inhalt ist / und gibt es dem Prinzen
von Hevila keine geringe vergnugung / seine Roma nicht Konigin der Aborigener /
sondern Prinzessin von Kitim zu wissen. Ich kann nicht sagen / (finge dieser
verliebte Prinz an) wie unruhig ich eine zeit her gewesen / des Königs der
Aborigener leben zu vernemen: und wiewol die schöne Roma mich eines andren
versichert / so hat iedoch das beständige gerüchte hiervon mich in
unbeschreiblichen sorgen gelassen. Dieses sorgen (antwortete Roma) kann man
zwei-deuten / und mag etwan der Prinz von Hevila / sich darüm bekümmert haben /
dass Tuscus Sicanus / als ein gefärlicher mitbuler bei der schonen Prinzessin
Hercinde / von den todten wieder erstanden wäre. Wie lang soll es doch wären /
grausame Roma! (gabe Jetur zur antwort) dass wan mir meinen begangenen fehler
fürrucke / üm den ich doch ja genug gebüsst habe? Zu dem weiss meine schone
Prinzessin wohl /dass nimmermehr der Hercinde schönheit mich wurde eingenommen
haben / wan ich / die Roma noch zu erlangen / hätte hoffen konnen. Dennoch ist
gewiss /(versezte sie) dass Jetur nicht so treulich / als wie ich / geliebt.
Dieses werde ich zwar zugeben / (antwortete er) aber doch dabei bedingen / dass
fortin kein beståndigerer liebhaber / als ich / soll gefunden werden.
    Wer håtte uns sagen sollen / (finge Ahalibama hierauf an zu reden) dass wir
den Tuscus Sicanus / unter des Cimbers namen / so lange zeit bei uns gesehen?
Nimmermehr kann ich solches glauben / (fiele ihr die Roma in das wort) dass es
dieser Tuscus Sicanus sei /den ich in der Aborigener landschaft gekant habe. Wie
viel wunderbare begebenheiten tragen sich zu /(ersezte Esau) da todgeglaubte
leute wieder lebendig werden. Ahalibama liesse / zu diesen worten / einen tiefen
seufzer schiessen / und fand Esau / sie hierüm ansehend / dass ihr die tränen in
die augen stiegen. Weil er es nun dahin deutete / dass sie an ihren Elieser
gedenken musste / fassete er sie bei der hand / und ginge mit ihr / als eben die
Königinnen von Ninive /Cus und Kitim / der Prinz Adonisedech / die Jaelinde /
Coricide und Mehetabeel / neben ihren bedienten /auch in den garten kamen / in
einen gang beiseits / da sie lang heimlich miteinander redten: mitlerweile die
andern von dem Tuscus Sicanus und der Konigin von Syrien gesprachet. Hiermit
verliefe nun viel zeit / bis endlich diese schöne Königin selber dazu kame / und
nicht vermeinend / so viel gesellschaft alda zu finden /diesen ort / ihren
betrubten gedanken allein gehör zu geben / ihr auserkieset hatte. Weil nun die
anwesende aus ihrem betrübten wesen wohl abnamen / dass ihr mit gesellschaft nicht
gedienet war / verteilten sie sich von ihr: da Delbora und Hermione / auch
Adonisedech und Jaelinde / ihnen einen besondern spazirgang erwehlten / Coricide
und Mehetabeel bei der Königin von Ninive blieben / auch der Jetur mit der Roma
einen eignen weg vor sich name / da sie ungeirrt von ihrer liebe reden kunten.
    Wie nun die schöne Syrerin also allein gelassen /sich in eine hütte begeben
/ und alda mit ruhe ihren jetzigen zustand bei sich überdachte / fand sie den
so elend und verwirret / dass ihr alle ruhe des gemütes darüber verginge.
Tausendmal wünschte sie / dass sie im Isistempel vom leben gekommen wäre: weil
der tod sie zu ihrem liebsten bruder wider gebracht / und jetziger sorge um
ihren Cimber / auch des verdrusses /ihre zuneigung gegen ihme vor aller welt
(weil solches / sich von dem König in Basan los zu wirken /das einige mittel
gewesen) kund zu machen / sie würde uberhoben haben. Sie stellte ihr nun für /
was Cimber von ihr gedenken wurde / waner diese ihre erklårung erfüre / und ob
er sie nicht einiger leichtsinnigkeit beschuldigen würde / dass sie ihre
zuneigung aller welt eröffnet / bevor er ihr dieselbe selbst entdecket. Ihr kame
dabei auch zu sinne / wie häftig er ehmals die Hercinde geliebt / und machte
sie ihr die sorge hiervon / dass selbige liebe wieder aufwachen konnte / wan er
vernåme / dass er nicht der Hercinde bruder wäre. Die bedrohungen des Königs von
Basan / samt dessen bezeigter grosmut und ungemeiner liebe / blieben auch nicht
aus ihren gedanken / sie irr zu machen. Was sie aber am meisten quälte / ware
dieses / dass sie den Tuscus Sicanus an seinen wunden gestorben zu sein erachten
musste: das ihr dann tief in die seele schnitte / und die tränen aus ihren schönen
augen häufig herfür dringen machte. Es war ihr auch hierbei keine geringe
anfechtung / die ungedult / welche sie für so sündlich hielte / als häftig sie
dieselbe in ihr fülete: massen die lange zeit / seit dass ihr ungluck gewåret sie
dermassen abgemattet / dass sie vermeinte / sie könnte es nimmer ausstehen. Daher
es ihr fast an trost zu gebrechen begunte / der doch sonst allemal / in ihrem
leiden sich aufzurichten / ihr reichlich beigewonet hatte. Jedoch erholte sie
sich wieder / und verzagte nicht an der hülfe des gutigen himmels: dem sie alles
heimstellte / und ferner sich mit gedult rüstete / zu ertragen / was ihr würde
auferleget werden.
    Nachdem sie also ihr gemüte gefasset / ersah sie durch das gebusche einen
menschen in priesterlicher kleidung / den sie / nach dem sie ihn wohl betrachtet
/fur den Abdastartus erkannte. Dieser / als ein guter freund des Cimbers / kame
ihr zu gewünschter zeit /und hoffete sie von ihm einige nachricht zu erlangen.
Wie sie ihm nun bei namen geruffen / kame er zu ihr /in die hütte hinein / und
seine freude über ihren zustand zuerweisen / fiele er ihr zu den füssen / die er
dann küssete. Er bliebe lang also auf der erden ligen /bis ihr befehl ihn endlich
aufstehen machte / da sie zu ihm sagte: Haltet ihr dann / Abdastartus! mich noch
für eure freundin / da ich mich an euren tempel und göttin also vergriffen habe?
Die keine gotter sind / (antwortete Abdastartus) an denen kann sich kein mensch
versundigen: und hat mich der gütige himmel in des Konigs von Salem schule
gefüret / da ich von seinen leuten bin unterrichtet worden / welchen Gott ich
verehren müsste. So lieb mir dieses zu vernemen ist /(gabe die Königin zur
antwort) so sehr verlange ich die ursach eurer ankunft zu horen. Dieselbe ist
der Cimber: sagte Abdastartus. Ach mein vatter! (antwortete Aramena) haltet mich
doch nicht lang auf: lebet dieser Konig noch? oder bringt ihr mir botschaft von
seinem tode? Beides zugleich / gnädigste Konigin! (gabe Abdastartus zur antwort)
und werden sie aus dieser schrift ersehen / dass ich die warheit rede. Als er diss
gesagt / überreichte der Königin ein täfelein: welches sie mit zittrenden hände
von ihm name / und ihres Cimbers hand darin gleich erkennte. Es war aber so
unleslich geschrieben / dass sie mit mühe diese reimen konnte zusammen bringen.
Urteilet meine ruh ja nicht aus meinem dichten.
Diss lezte schwanenlied stimt an mein matter geist /
den eure strenge nun aus seinem körper reist /
Mein tod soll meine last und eure lust zernichten.
Es wird / wan Cimber todt / die lieb erst recht berichten /
wer er gewest / der stäts euch solche treu geleist /
die keiner ja vor ihm erwiesen / noch erweist /
auch künftig weisen wird. Die liebe soll noch richten /
und gönnen mir die lust / von jenen himmels-auen
zu schauen an die qual / die unruh und die noht /
die ihr empfinden werdt mit reu ob meinem tod.
Fortin soll Cimbers nam' erwecken euch ein grauen /
dass ihr getödt / der euch so oft das leben gab /
dass wahre treue lieb mit Cimbern ligt im grab!
    Wie / liebster Cimber! (sagte die Königin / fast ganz aus sich selber) was
hat dich immermehr bewogen / dieses zu schreiben? womit tode ich dich? womit
erweise ich meine strengheit? da ich ja aller welt meine zu dir tragende liebe
entdecket. Redet /Abdastartus! was euch hiervon wissend ist / und eroffnet mir /
wie mein Cimber auf solche gedanken gekommen. Wan mir erlaubet ist zu reden /
(antwortete er) so will ich E. Maj. berichten / wie ich zu dem Cimber gekommen /
und was ich alles bei ihm gesehen und gehört habe. Als ich gestriges tages / von
Aroer kommend / in einem dorf unfern von hier übernachten musste / weil ich
Damasco nicht erreichen kunte / traffe ich daselbst keinen menschen an / weil
jederman wegen des kriegs hinweg geflohen / behalfe mich demnach / mit dem
Sephar / einem priester von Salem / so gut wir konten. Nachdem wir in ein wüstes
haus eingekehret / zündeten wir daselbst ein feuer an / üm darbei zu kochen /
was wir von speisen mit uns gebracht hatten. Als wir nun solcher gestalt bis
nachmitternacht uns allein befunden; entstunde unversehens nahe bei uns ein
geräusche / und kame bald darauf einer zu uns hinein / der uns fragte: ob wir
nicht einen kranken / nur auf ein par stunden / aufnemen / und deme seinen
grossen durst stillen wollten? Nachdem wir uns zu diesem werk der barmherzigkeit
alsofort erboten / stunde es nicht lang an / da brachten sie eine sänfte vor das
haus / aus welcher sie diesen kranken heraus huben: den ich / mit so grosser
befromdung als betrübnis / für den Cimber oder Tuscus Sicanus erkennte. Er war
so matt und kraftlos / dass er mich lang nicht ersah.
    Wie wir nun ihn auf eine streu geleget / und ich ihm zu trinken gebracht /
dadurch sein geist ein wenig wieder zu ihm gekommen / ersah er endlich / wer
bei ihm stunde; daher er mir die hand bote / und zu mir sagte: Ich sterbe /
liebster Abdastartus! nicht aber an den wunden / die ihr sehet / sondern an
denen / die mir die grausame Aramena geschlagen hat. Diese unbarmherzige
verlässet mich / da ich in der süssesten hoffnung lebte / ihre huld zu erlangen /
und gibet ihr herz einem andern / von dem ich nimmermehr / dass er mein mitbuler
wäre / hätte glauben konnen. Gleichwie ich nun üm alle diese dinge nichts wusste
/ als konnte ich ihm auch nicht darauf antworten: wiewol er auch so schwach ware
/ dass ich / mit viel-reden / ihn nicht plagen sollen. Wie er nun eine weile also
gelegen /fragte er mich / ob ich hieher zu E. Maj. reisen würde? wie ich solches
mit ja beantwortet / forderte er von mir ein tåfelein / in welches er / mit
überaus-grosser muhe / die reimen schriebe / die E. Maj. iezt verlesen haben /
und mir selbige zustellend / sagte er: Erfüllet diese meine lezte bitte /
bringt der Konigin diese zeilen / und saget ihr / dass ich ihr getreuster
liebhaber sterbe / und dass sie nimermehr an dem Tuscus Sicanus .... Allhier
befiele ihn eine onmacht / die so håftig war / dass ich mit den umstehenden nicht
anders vermeinte / als dass er todt wåre. Indem wir aber uns bemuhten / ihn
wieder aufzubringen / entstunde unversehens eine feuerflamme / die / unser haus
augenblicklich in volle flammen setzend / uns nötigte /mit diesem so gut als
todten Konig hinaus zu eilen: da ihn die seinigen wieder in die sänfte brachten
/ und also mit ihme fortreiseten / mich in der ungewissheit hinterlassend / ob er
noch leben oder sterben würde. Ich habe nun / seinem befehl zu folge / dieses
tåfelein uberliefern wollen / worzu ich nicht eher / als iezt /gelangen konnen.
    Die schöne Syrerin bliebe ganz unbeweglich / als Abdastartus seine rede
beschlossen / und wie sie zu verschiedenen malen das tåfelein überlesen / sagte
sie endlich zu dem Abdastartus: Wisset ihr / was ihr mir für eine post gebracht?
Ihr habet mir den tod des jenigen angekündet / dem ich heute / allen meinen
stånden / und den anwesenden Königen / zum Konig in Syrien / und zu meinem gemal
/ ernennet habe. Verüblet mir demnach nicht / wan ich gleich einer witwe /diesen
meinen König beklage / und ruffet meinen leuten / dass sie mir helfen / von
hinnen zu kommen. Der besturzte Abdastartus / so an der Königin schwacher stimme
und erblassung warname / dass ihr begunte eine onmacht anzustossen / eilte von ihr
/ um jemanden zu ihr zu bringen. Wie nun / auf mein ruffen / die Dersine und
Siringe: sich bei ihr eingefunden / winkte sie mit dem haubte / dass man sie
hinweg bringen sollte: deshalben diese beide sie unter den armen ergriffen / und
also mit ihr aus dem garten eilten. Ihr übel-aufsein erscholle gleich uberall /
und nachdem man sie zu bette gebracht / wurden die ärzte geholet. Ihre starke
natur / so sie nicht gar die sinnen verlieren lassen / gönnte ihr / alles in
acht zu nemen / was bei ihr in der kammer furginge. Wie sie nun üm ihr bette
/die Konigin ihre schwester / die Königin Hermione /die Prinzessin Indaride /
und die Ahalibama / stehen sah / welcher viere ihr geschicke sie ihrem zustande
ganz gleichförmig wusste / sagte sie zu ihnen: Ihr gesellet euch billig zu mir /
weil der himmel uns einerlei leiden zugeschicket? undwie ihr den Dison / Cimber
/Amraphel und Elieser beweinet / also muss ich nun den Tuscus Sicanus beklagen.
Diss ware es / worum ich mein leben behalten müssen: damit ich nämlich noch das
allerentfindlichste leiden kosten mochte.
    Die viere begleiteten der schonen Königin reden mit ihren heissen tränen /
und als man sie nachgehends / bei eingetretner nacht / üm der ruhe zu geniessen /
allein verlassen / stellte sie ihr für / was doch den Cimber dazu bewegen können
/ solche gedanken von ihr zu fassen. Sie bildete ihr ein / dass die bei dem König
Marsius abgelegte besuchung solches müste verursachet haben: weil auch ganz
Damasco daraus vermutet / dass solches besuchen eine heurat mit dem König von
Basan bedeuten würde. Dieserwegen beweinte sie selbiges ihr fürnemen / womit sie
doch alles gut zu machen vermeint. Sie dachte auch / wie sie sich eher in
diesem leiden zu frieden geben wollte / wan sie sich damit nicht quälen dörfte /
dass ihr Cimber mit solchem unwillen gegen ihr gestorben. Diese ihre betrübnis
erscholle folgenden tags durch ganz Damasco /und kame ein jeder / sich nach
ihrem zustande zu erkundigen und ihr sein mitleiden zu bezeigen. Unter andern
kamen auch die Königinnen von Tyro / Elam und Saba / sie zu besuchen. Sie fanden
sie aber in einem viel erträglichern zustand / als sie vemutet: dann Abdastartus
/ und die anwesende Konige / hatten ihr den gewissen tod des Tuscus Sicanus aus
den gedanken geschwatzet / auch die Fürsten Nahor und Elhanan abgeschicket / dem
weg nachzufolgen / den seine leute mit ihm genommen / üm eigentliche kundschaft
von ihm einzuholen.
    Weil Ahalibama eine notige reise nach Aroer zu tun hatte / und ihre liebste
Konigin in solchem zustand sah / dass sie wohl auf etliche tage von ihr absein
konnte / als name sie dieserwegen urlaub: und gabe ihr die Konigin von Syrien an
ihre liebste Timna viel gewerbe mit / die sie bei derselben ablegen sollte. Der
Fürst von Edom geleitete sie dahin / und erwiesen sich diese beide nun viel
vergnügter / als die vorige tage: daher jederman glaubte / dass sie nun ihrer
sachen würden bässer eins geworden sein. Man wartete nun mit verlangen / auf die
verrichtung der beiden ausgesandten Fürsten: weswegen auch alle Könige in
Damasco beisammen blieben. Weil auch nun die ruhe zuliesse / an alles båsser /
als im anfang / da man in hochster verwirrung stunde / zu gedenken / als
forderte die schwesterliche und kindliche schuldigkeit der Königin von Tyro /
des jungen Königs in Egypten /des Hemors und der Milcaride / wie auch des Sinear
und Jetur / dass sie denen in dem lezten gefechte auf dem Isis-platze /
tod-gebliebenen Konigen / wie auch dem Stattalter / dessen brudern dem Prinzen
Bildat /und dem Ismaeliter Abdeel / die lezte ehre erwiesen /und ihre körper /
nach gewönlicher balsamirung / zur erden bestatten liessen: worzu die Egyptische
ärzte /als in solcher wissenschaft die erfarneste / gebrauchet wurden. Diese nun
fanden / mit nicht-geringer bestürzung / in des Belochus körper ein starkes gift
/ welches dann viel redens verursachte: wiewol niemand auf die warheit kommen
kunte / weil Abdeel / der die lezte bekentnis des Mamellus allein angehoret /
auch todt war / und Milcaride / ihres vatters schande zu entdecken / ein
billiges bedenken truge; dann dieser hatte es der Stattalter vorher auch eroffnet
/ welches die ursache gewesen / dass sie / aus rumlicher grosmut dieses
widersprechend / darüm den tod so willig erkieset.
    Diesem beispiel nachzufolgen / befahle die schöne Syrerin / ihres bruders /
wie auch des Prinzen von Seir / der Prinzessinnen Andagone und Colidiane körper
/in dem gange / darin sie so elender weise befallen waren / aufzugraben. Diese
betrübte verrichtung ubername der Furst Husan / und wurden über tausend personen
dazu gebrauchet / den ort schleunig aufzuraumen. Wie sie nun etliche tage mit
solcher arbeit zugebracht / fuhren einsmals die beide durchleuchtige Syrerinnen
/ als ihnen von den årzten / frische luft zu schöpfen / geraten worden / mit dem
König von Armenien / der seine Andagone noch immer beklagte /und mit dem Prinzen
von Caphtor / nach diesem gange. Wie sie nun hineingekommen / fand die Königin
von Syrien ungefår die hole / darin sie ihrem Abimelech am lezten / und den
Aramenes zum erstenmal gesehen hatte. Als sie mit den andern begierig hinein
trate / sahen sie / dass unferne von ihnen eine eiserne tür zugeschlagen wurde.
Dieses machte sie vermuten / dass hier leute wonen müsten: und schosse es der
Konigen von Syrien gleich auf das herze / weil unter allen gefundenen korpern /
die jenige nicht gewesen / die sie suchten / die güte des himels mochte sie noch
bei leben erhalten haben. Sie liesse demnach alsofort werkleute kommen / die den
felsen losbrechen / und also die tür ausheben mussten.
    Als sie dahinein traten / zeigte sich ihnen ein so unvermutetes als
angenemes gesichte / indem ihnen nicht anders fürkame / als sähen sie den
Aramenes und die Colidiane: da zugleich diese Prinzessin / von einer andern dame
/ mit einem todlichen gewehr angefallen wurde / welches aber nicht sie / sondern
einen andern traffe / der dazwischen gesprungen / den sie /indem er fiele / fur
den Prinzen Bileam erkenten. Wie nun auf dessen geschrei / aus der nebenhöle der
Prinz Dison und die Andagone herzu sprangen / liefe in dem augenblick die
Konigin von Syrien dem Aramenes / ihrem bruder / in die arme dergleichen auch
die jüngere Aramena mit ihrem Dison täte. Als auch Togarma seine Andagone / und
der dapfere Ahusat seine tochter Colidiane erkannte / eilten sie denen auch
entgegen. Keines von diesen vier paren / hielte fur warhaftig / was ihnen
begegnete: dann die vier tod-geglaubte hatten gleichfalls die beide Aramenen fur
todt gehalten. Daher das freud-entsetzen schier das bei ihnen allerseits wirkte
/ was eins von dem andern geglaubet: massen sie / gleich dem felsen / der sie
ümgabe / unbeweglich stunden / und nur durch die augen miteinander spracheten.
    Wie nun der Fürst Husan und die andre anwesende / welche häufig hinzu
drangen / mit gleicher erstarrung diese wunderdinge ansahen / zoge endlich die
Dame / welche den Bileam also verwundet / ihrer aller augen und ohren an sich /
indem sie folgender massen zu reden anhube. Verwundert euch nicht / ihr
anwesende! über das / so ihr alhier sehet / und wisset / dass es Dalimire sei /
die alles dieses angestellet. Ich hatte / meinem hohen muht folgend / und an dem
Assyrischen Monarchen mich zu rächen / den tron von Ninive mir erworben: den mir
aber dieser treulose Prinz / verräterischer weise wieder entwendet. Ich ward
hierdurch bewogen / meine rache wider ihn zu suchen: weswegen ich ihm heimlich
bis hieher in Syrien nachgefolget. Diese höle in welche mich eine alte
priesterin / die Dagone / aufgenommen / diente mir /meinen verborgenen
aufentalt in wärendem kriegswesen hieselbst zu haben. Indem ich nun eine
bequeme gelegenheit zu meiner rache suchte / schickten es die götter / dass die
Königin von Syrien mit dem Prinzen von Seir / und bald darauf gegenwärtige
Prinzessinnen und Prinzen / in eine dieser hölen kamen. Durch eine verborgene
tür / sah und hörte ich alles /was geschahe / und wie Andagone von des Aramenes
geburt erzehlte. Indem ich nun herfürspringen / und diesem erkannten König von
Syrien das verräterische herze durchstossen wollte / kamen die elemente selber
meiner rache zu hülfe / dass dieser erdgang einschliessend / diese viere / sonder
beschädigung / in diese höle herein dringen / und sie also zu meinen gefangenen
/ machte.
    Was tut nicht die verfluchte liebe? Ich sah kaum diesen mehr den angenemen
böswicht in meiner gewalt / da entfiele mir die macht und der wille / ihm zu
schaden / und liesse ich mich vor ihm sehen / nicht als eine feindin / sondern
als eine / die da vermeinte durch alles das / so ich seinetwegen getan / ihn zu
bereden / dass er mir die Syrische kron / weil er mir die Ninivitische genommen /
aufsetzen möchte. Dieser verächter zoge mir aber unbedachtsamer weise die
Cölidiane vor / und wurde ich / wegen meiner sicherheit / genötigt / den
Belopares und Sparetes / die mich hieher begleitet / zu hülfe zu ruffen / üm den
Aramenes und Dison von der Andagone und Cölidiane abzusondern. Inzwischen kame
der Prinz Bileam von Hemath / durch sonderbare schickung / auch in diese höle /
auf anleitung der Dagons-priestere: welche jenseit des gebirges ihre verborgene
zugänge hieher haben / auch uns die ganze zeit über mit speise und narung
versorgen mussten. Sein geschicke war dem meinigen ganz gleich / indem er die
Cölidiane eben also / wie ich den Aramenes / verehrte / und gleich so übel von
ihr / als ich von ihm / gehalten wurde. Alle unsere bemühungen sind bishero
vergebens gewesen /sie auf andren sinn zu bringen. Belopares und Sparetes
berichteten uns täglich den zustand in Damasco: da ich dann mit freuden des
Belochus tod vernommen. Wie wir nun endlich auch gewar worden / dass man zu
dieser höle raumte / täten ich und Bileam den lezten versuch / unsere
unerkentliche auf unsere seite zu bereden. Weil aber solches nichts verfangen
wollte / als triebe mich endlich die wut / wenigst meine mitbulerin hinweg zu
raumen. Ich bin aber so unglucklich gewesen / dass ich / an statt ihrer / den
Bileam / getroffen. Diesen fehler nun zu ersetzen / und nicht meinen siegenden
feinden zu spotte zu leben / will ich über mein leben und tod die herrschaft
behalten / und als Dalimire sterben / nämlich / als die jenige / deren es nicht
an muht und verstand / sondern nur am glücke gemangelt / eine krone zu tragen.
    Als Dalimire dieses ausgeredet / stiesse sie ihr den Dolch in die brust / und
verursachte damit bei den anwesenden ein neues entsetzen: massen sie so viel
verwundersames auf einmal hörten und sahen / dass sie fast dadurch aller ihrer
sinne beraubet blieben. Es hatte aber / der Dalimire bericht / die hocherfreute
Syrerin und ihren noch-lebenden bruder nunmehr versichert / dass sie nicht im
traum / sondern warhaftig / ein ander leben sähen. Liebster Aramenes! liebste
Aramena! hörte man hierauf durch die ganze höle erschallen / worunter auch des
Disons name zum öftern vernommen wurde: und hätte dieser liebhaber / seine
Königin ihm so gnädig ersehend / für freuden fast vergehen mogen. Der Cölidiane
vergnügung ware auch unbeschreiblich / ihren herrvattern und ihre liebste
Königin / welche sie bisher als todt so schmerzlich beweinet / bei sich zu
sehen. Sie liefe demnach / aus den armen des Ahusat / in die arme dieser ihrer
Königin / und schrånkte die ihrigen so fäst üm dieselbe / dass es schiene / als
wären sie ein leib geworden. Als auch die Andagone noch nicht wusste / wer ihr
gleichmässige liebkosung erwiese / gabe sich ihr der König von Armenien zu
erkennen: und rürte diss nicht wenig ihr herz / als sie erkannte / dass dieser
Monarch / in so langer zeit / seine neigung gegen ihr nicht verloren.
    Das gerücht von dieser wundergeschichte / erscholle alsofort durch die ganze
stadt / und hielte es jederman für einen traum: daher die begierde / hiervon
eigentlichere kentnis einzuziehen / nicht allein fast alle einwonere aus Damasco
lockte / sondern auch alle anwesende Konige / Königinnen / Prinzen und
Prinzessinnen hinaus zukommen bewegte. Sie traffen sie alle noch in der höle bei
einander an / und ware ihrer aller freude ungemessen / die vergnügung dieser
durchleuchtigen kinder des grossen Aramenes mit anzusehen. Der König
Melchisedech und die Eurilinde /hielten die Prinzessin Cölidiane lang in ihren
armen beschlossen: aus welchen Jaelinde diese ihre liebste schwester risse / und
für freuden fast todt bliebe / sie wieder lebendig zu sehen. Delbora und Danede
/seumten auch nicht / bei dieser ihrer freundin sich einzufinden. Der Prinz
Mardocentes / dem seine wunden zugelassen / mit heraus zu kommen / konnte nicht
ablassen / seinem freunde dem Dison üm den hals zu ligen. Es wusste auch der
Prinz Abusat seine freude nicht gnug hervor zu legen / als er seine liebste
schwester Andagone wieder zusehen bekame. Hierbei entstunde unter ihnen die
angenemste verwirrung von der welt / indem sie ingesamt einander fragen und
erzählen wollten / was ihnen mitlerweil in dieser höle und in Damasco begegnet
war. Die Konigin von Tyro so mit zugegen / bewunderte für allem das gerechte
geschicke des himmels / bei dem fall der stolzen Dalimire / die sie da in ihrem
blut vor sich ligen sah: da dann auch Delbora sie betrachtete / und einer süsse
rache wegen ihrer eltern hierüber schöpfte. Die gesamte Syrische Fürsten / wie
auch der alte Tebah /fielen bald ihrem Konig / bald der Andagone zu fuss: dem
ersten zu seiner Krone Glück zu wünschen / und der andern für die erhaltung
dieses ihres Königs zu danken.
    Sie beschlossen endlich / nach der stadt wieder zukehren: da dann Aramenes /
zwischen seine schwester Aramena und die Prinzessin Cölidiane / als seine zwei
liebste freundinnen / auf einem wagen / sich mitten einsezte. Ihnen folgte die
Königin von Ninive /mit dem Prinzen Dison / und ferner alle diese königliche
gesellschaft. Also hielten sie den prächtigsten einzug in Damasco: und ware nie
keiner mit wenigerer zurüstung geschehen / da er doch herrlicher / als alle
/geschienen. Das freudengeschrei des zulaufenden volkes ertönte gen himmel / und
namen sie die einkehr auf die Kemuelsburg: alda ihre wechsel freude wieder
anginge. Es verliefe damit der ganze tag / dass Aramenes / Aramena und Cölidiane
einander von der Dalimire / von dem Bileam / Belochus und andren ihren
verfolgern / erzehlten. Es wurde hierbei auch des geliebten Cimbers nicht
vergessen: da dann Aramenes eine hohe freude entfande / zu vernemen / wie
standhaft und grosmütig seine schwester / diesen unvergleichlichen liebhaber /
dem grossen Marsius vorgezogen.
    Gleichwie aber zuvor die schöne Aramena 'ihr cron und zepter dem König von
Basan zuwenden wollen /also übergabe sie nun / mit mehrerm recht und grösserer
vergnugung / dieselbe an ihrem liebsten bruder: welcher aber solche nicht
anderst annemen wollte / als dieses mächtige reich mit ihr zu teilen / massen er
ihr das reich Mesopotamien / als einen teil von Syrien /annotigte / und musste
sie geschehen lassen / dass man sie fortin die Königin von Mesopotamien nennte.
Sie erinnerte sich aber der warsagung des weissen Chaldeers Nebozar / und machte
ihr die hoffnung /weil nun alles das andere so wohl eingetroffen / dass auch das
übrige noch würde erfüllet werden / da einem von des Aramenes kindern die
regirung des Celtenlandes war profezeiet worden: welches sie dann dahin deutete /
dass ihr Tuscus Sicanus dieses mächtige reich einnemen und dermaleins mit ihr
beherschen sollte. Hiemit nun sich tröstend / hoffete sie / bald gute zeitung
durch den Nahor und Elhanan von ihm zu erlangen.
    
    Es ware nun alles in Damasco voll freude / ungeacht sie zwischen ihren
mauren so viel königliche leichen hatten: zu denen sie auch des Bileams und der
Dalimire körpere bringen liessen. Unter solcher wonne / kame der Fürst Esau von
Seir / mit seiner Ahalibama und ihren eltern / wieder in die stadt: die zu Aroer
diesen unvermuteten glückwechsel vernommen / und deshalben herüber geeilet
hatten. Die freude ginge bei dieser ankunft von neuem an / indem der Esau seinen
liebsten freund / und zwar in solcher glückseligkeit / wieder zu sehen bekame /
und der alte Ana / neben der tugendliebenden Poliphide / ihren todbeweinten sohn
/ nunmehr ernennten Ninivitischen König / begrüssen kunten.
    Esau und Ahalibama hatten zu Aroer / auf inständiges anregen des Ana / ihre
heurat vollzogen: deren beispiel dann zu folge / alle verliebte in Damasco auch
ihren liebsten anlagen / sie nun völlig glückselig zu machen. Weil dann deren
wille ihrem verlangen gleichförmig ware / als wurden auf einen tag / nach der
königlichen krönung des Aramenes und Cölidianen /dessen beilager mit derselben /
wie auch des Disons mit der jüngern Aramena / des Amosis mit der Danede / des
Armizar mit der Amesses / des Mardocentes mit der Petasiride / des alten Konigs
Togarma mit der Andagone / (die hierzu von dem Ahusat / ihrem bruder / war
beredet worden) und des Hadorans mit der Lantine / (darein die Königin von Tyro
ihren willen gegeben / und dem Prinzen Sinear die erteilte zusage wieder
abkündigen lassen) angestellet: welche krönung und sieben königliche trauungen /
der gottselige König Melchisedech / in einem grossen saal / mit allem
ersinnlichen pracht verrichtet. Folgenden tags wurden die Prinzen Tyribaces /
Jetur / Ephron und Adonisedech / an ihre geliebte Prinzessinnen / die Orosmada
/ Roma / Coricide und Jaelinde / auf gleiche weise / vermälet. Es war aber diese
algemeine vergnügung noch unvollkommen / weil die schönste Königin Aramena
allein übrig bliebe / und der jenige sich nicht einfande / der unter allen
sterblichen / diese vollkomenste schönheit zu besitzen / ausersehen war: da ihr
dann die Hermione und Indaride / in solcher einsamkeit / treulich gesellschaft
leisteten.
    Wie man nun etliche tage mit diesen königlichen beilageren zugebracht hatte
/ sah man die Fürsten Nahor und Elhanan in Damasco sich wieder einfinden: deren
ankunft die schöne Königin zwischen furcht und hoffnung sezte / also dass sie das
vermögen nicht hatte / diese beide fürsten vor sich kommen zu lassen. Aber der
König Aramenes / ihr bruder / verrichtete solches an ihrer statt / und kamen also
/ in gegenwart der meisten von den anwesenden königlichen personen / nicht
allein der Nahor und Elhanan / sondern auch der Zalmon / Petosivis und der
Mitreus /von denen der erste an den Baleus nach Basan / der andere zu dem
Hiarbas nach dem heer / und der dritte nach Hemath verschicket gewesen / in das
gemach hinein getreten. Die schöne Aramena sah den Nahor mit unverwandten augen
an / üm aus dessen wesen ihr wohl oder weh abzunemen und zu erkennen: der aber
zuvor / neben dem Elhanan / ihrem neuen König zu eilte / ihm die fusse zu küssen.
Wie nun ihnen zu reden erlaubt worden / begunte Nahor diesen seinen bericht
abzulegen.
    Gleich wie wir (sagte er) auf unserer hinreise den zum Syrischen reich
ernanten König sucheten / also haben wir / bei unserer wiederkunft / unsern
angebornen Konig gefunden / und können auch nun melden /dass wir von dem grossen
Tuscus Sicanus gewünschte nachricht mitbringen. Dan wie wir heimlich durch das
Celtische heer / die ihren kranken und verwundten König nach Basan füreten / uns
hindurch stahlen /und uns allentalben nach dem Tuscus Sicanus erkundigten /
waren wir / nach vielen vergeblichen bemühungen / endlich so glückhaft / dass wir
/ auf dem berge Gilead / gegenwärtigen Zalmon / welcher eben von seinem herrn
kame / antraffen: von dem wir vernamen / dass der König Tuscus Sicanus / bei
seinem König Baleus von Assyrien und der Prinzessin Hercinde / zu Edrei / zwar
krank / aber auser gefahr / sich befände / und dass diese beide sich bemüheten /
die misverstände aufzuheben / die zwischen dem König Marsius und dem Tuscus
Sicanus entstanden waren. Wir hörten daselbst ferner / dass die Königin Mirina
/in ihrem angefangenen aufstande wider den König ihren bruder / so weit gekommen
/ dass sie fast des ganzen landes Moab sich bemächtigt / und dass alles in Basan
sich rüstete / dieses neue unwesen zu unterdrucken. Weil aber fürnemlich unser
zweck war / eigentlich zu erkundigen / wie es dem König Tuscus Sicanus erginge /
als beschlossen wir / selbst nach Edrei zu gehen / und nicht eher wieder zu
kehren / bis wir entweder den Tuscus Sicanus selber gesprochen / oder doch ein
mehrers / als was uns Zalmon sagen können / erfaren håtten.
    Wie wir Edrei erreichet / fanden wir daselbst allein die Prinzessin
Hercinde: massen Baleus nach Assyrien / und Tuscus Sicanus zu seinen völkern auf
das Riphatische gebirge / abgereiset waren. Weil wir /wegen bekanter ümstände /
in bedenken zogen / uns vor der schwester des Königs von Basan sehen zu lassen /
hielten wir uns heimlich bei einem Syrischen kaufman auf / der uns die
gelegenheit verschafte / mit dem Bato / einem von den fürnemsten feldobersten
aus dem heer der Aborigener bekant zu werden / welcher / üm einiger
angelegenheit willen / neben andren Aborigenern / in Edrei zurück geblieben war
/ und seinem König zu folgen / sich verweilet hatte. Diesem entdeckten wir aller
Syrer verlangen / den grossen Tuscus Sicanus zum König zu haben / dass auch unsere
Königin ihn bereits in Damasco öffentlich darzu ernennet / und wir in grossen
sorgen stünden / wegen seines zustandes / den man uns so krank beschrieben
hätte. Dem Bato kame dieses anbringen so angenem als fremd für / und gestunde er
uns / dass ihm von seines Königs liebe nichts bewust gewesen / weil er solche
sehr geheim gehalten: auser was er von einem seiner vertrautsten erfahren / dass
er nämlich ungeliebt liebte / und daher für gram in diese krankheit geraten
wäre. Er täte aber solches den andern anwesenden Aborigenern alsbald zu wissen:
die mit höchster freude überfüllt wurden / durch uns das jenige zu erfahren /
was sie bisher nicht ergründen können / und uns versprachen / ihrem könig
hiervon bericht zu geben.
    Weil wir also genug nachricht hatten / als verzogen wir nicht / wieder üm zu
kehren: da der Petosiris /Zalmon / und Mitreus unterwegs zu uns gestossen: die
dann selbst am bästen werden berichten können /was sie ausgerichtet. Wir stellen
nun unsres Königes hohem nachsinnen heim / wie man dem König der Aborigener
werde begegnen müssen / da unser getanes versprechen / Syrien betreffend / ihm
nicht kann gehalten werden. Wan ich den unvergleichlichen Cimber recht kenne /
(sagte hierauf der König Aramenes) so wird ihm der verlust der Syrischen kron
keinen verdrus erwecken / und er deshalben nicht ablassen / die Königin von
Mesopotamien zu lieben. Weil / meines liebsten bruders begehren zu folge /
(sagte die schöne Königin) ich mich anheisig gemacht / diesen bescheidenen
liebhaber anzunemen / als will ich auch dabei beständig verbleiben / und fro sein
/ wan ihme von mir die falsche einbildung / die ihn jezt quälet / wird können
benommen werden. Diese worte brachte sie mit so muntrem und angenemen wesen fur
/ dass die ganze gesellschaft ihre vergnügung mit entfunde. Es wurde folgends
abgeredet / dass der König Aramenes eine gesandschaft an diesen seinen
ehmals-geliebten Cimber ehist abordnen möchte.
    Der Zalmon legte hierauf / den Königen von Cus und Egypten / auch den andren
/ die ihn ausgeschicket / seinen bericht ab / was er in Basan verrichtet: wie
nämlich der Baleus den tod des Königs / seines herrvattern / sehr zu sinne
genommen / dabei aber den Syrern ihr glückliches wolergehe / als eine billige
sache / von herzen gönnte / und mit allen friedens-puncten einig wäre. Er sei
nun mit der Prinzessin Hercinde völlig wieder verglichen / und wolle nach seinem
reiche Babel aufbrechen / üm alle übrige unruhe daselbst zu stillen / und die
waffen gegen Meden zu wenden. Petosivis brachte / dem König in Egypten / ein
schreiben / von dem Prinzen Hiarbas / darin er ihm anmeldete / wie er mit seinen
völkern zu der Königin Mirina ginge / des willens / sie zur billigkeit für ihren
bruder anzumanen. Mytreus / der aus Hemath wieder kame / vermeldete / wie dass
selbiges reich / nun der König Jobal todt / sich gutwillig unter Syrien begeben
wollte. Aramenes / den Baracheel / so mit zugegen /anschauend / sagte zu ihme:
Ich weiss eure beschwerung / mein vetter! die ihr wegen Hemath billig füret.
Eurem sohne / dem edlen Elihu / sei dieses reich geschenket / nun der gerechte
himmel / durch den untergang des Jobals kinder / selber anzeiget / wer
rechtmässiger erbe von Hemath sei. Baracheel / der solche güte von dem Syrischen
König ihm nicht vermutet hatte / wusste nicht worte genug zu finden / sich für
diese gnade zu bedanken.
    Wie nun also der friede und die ruhe in Syrien gestiftet war / und die
anwesende Könige / als der Dison / Amosis / Eridanus / Armizar / Togarma /
Melchisedech / Hemor / Mardocentes / Hadoran und die Canaanitische Könige /
ingleichen die Fursten Esau /Ahusat / Jetur / Tiribaces / Adonisedech / Ephron
und Sinear / nach ihren reichen und landen wieder abzureisen gedachten / liessen
sie / wegen des einfallenden winters und beschwerlichen reisens / ihre liebste
Königinnen und Prinzessinnen in Damasco: die alle /auser den Königinnen von Tyro
/ Sichem und Saba /bei der Aramena verblieben / und an jener statt die Timna /
und des Abdeels witwe / die Eldane / sich wieder einfanden. Wie sie nun also
abschied namen /machte ein jeder sich anheisig / gegen künftigem früling wieder
zu kommen / üm alsdan die schöne Aramena nach Mesopotamien zu begleiten.
Inzwischen verbliebe / auch diese Königin / in Damasco und halfe dem König den
wahren Gottesdienst wieder aufrichten: der hingegen täglich des Cimbers
gedächtnis bei ihr erneurete; wiewol solches von selbst in ihrem getreuen herzen
so tief gewurzelt hatte / dass diesem geliebten König bei ihr keine abwesenheit
schaden kunte.
                            Ende des Vierten Teils.
 
                               Der Fünfte Teil:
                        Der Unbekanten Freundin gewidmet
         Zuschrift an die unbekannte Freundin: den Kupfer-Titel erklärend.
Komt schon die Trefflichkeit vor das Gesichte nicht:
Aus Strahlen / die man siht von fernen oft zu-länden /
Tut sie sich zeitlich kund / gleich als ein Fakel-Liecht.
Auf sie / das Fernseh-Glas führt Augen aller Enden.
Recht / wie der Nachtigall unsichtbares Gerücht
Ist fähig / manches Ohr geschwind ihr zu-zu wenden;
Nimt Hertzen durch den Ton auch in Hochachtungs-pflicht:
Also auch Unbekant scheint Tugend von den Hånden /
Regt wahre Freundschaft auf. Geh / Aramena! hin /
Ein solche Freundes-Huld unkentlich anzu künden.
Grab dein Gedächtnis auch daselbst in Eichen-Rinden:
In dieser bilde sich der fäst-geneigte Sinn.
Noch lässt sich dieser Baum auch so geartet finden /
An ihm dass sich hinauf das Epheu möge winden.
                                Das Erste Buch.
Es war nunmehr die zeit gekommen / dass Mesopotamien vor allen ländern
begluckseligt und von der furtrefflichsten gesellschaft der welt sollte besuchet
werden: massen / nach vollbrachtem winter / zwischen den beiden strömen Tygris
und Euphrates /diese freuden-post überall erscholle / wie die Königin Aramena
mit ihren anverwandten im anzug wåre /ihren neuen untertanen / der gesamten
hirtten zunft /sich zu zeigen / und ihre regirung in dem schlosse Samosata
anzufahen. Um dess willen hatten / alle die furnemsten aus ganz Mesopotamien /
nach der landschaft Amida sich begeben / um alda ihre Königin zu entfangen. Das
liebliche tal an dem fruchtbaren berge Masius / wurde nun mit mehr hirten und
schäferinnen / als blumen / angefüllet / und war eines jeden bemuhung dahin
gerichtet / etwas mit herbei zutragen / so den einzug der grossen Aramena zieren
könnte. Etliche unter den schäfern waren geschäftig / ehrenpforten aufzurichten:
welche / an statt des marmors / von allerhand wolriechendem laube zubereitet
wurden /und zwar den pracht der kunstlichen bau arbeit nicht furstellten /
dagegen aber / wegen ihrer unschuldigen verfärtiger und deren wolgemeinten
willens / destomehr annemlichkeit und vergnugung von sich gaben. Die Hirtinnen
banden / zu diesen ehrenpforten / von blumen / welche damals der antretende
früling verliehe / allerland kränze und gebände. Sie vergassen dabei auch nicht
/ sich selbst schön heraus zu schmücken / und war keine unter ihnen / die nicht
sonderbare begierde erwiese / an diesem grossen tag /ihrer Königin / so wohl als
sonst ihren schäfern / sich gefällig zu machen: daher eine der andern es zuvor
tun wollte / ihren haubtschmuck von blumen wohl zuverfärtigen. Es wurden auch die
erstlinge von ihren heerden / so zum geschenke für ihre Konigin bestimmet waren
/ mit laube wohl bezieret.
    Die jenige / so dieses alles am meisten anordneten /waren des Fürsten von
Haran beide söhne / der Nahor und Betuel: welche dem krieg und hofleben nun
abgesaget / und dieses unschuldige leben ihrer vorfahren dagegen angenommen
hatten. Ihnen leistete Gesellschaft der Fürst Elihu / der die kron von Hemath
dem Baracheel seinem vatter überlassen hatte / üm in Mesopotamien ein schäfer zu
werden / und dadurch aller welt zu zeigen / wie er die ehrsucht überwunden / und
nun ein herr über sich selbst geworden wåre.
    Am morgen nun desselben tages / an welchem der königlichen gesellschaft
ankunft vermutet wurde / als diese drei fürstliche hirten zu pferd / deren sie
sonst /auser diesem fürfall / sich nicht mehr bedienten / befanden / und hin und
wieder reitend / alles wohl anzustellen geschäftig waren: ersah Nahor vor ihnen
im tal / unfern von der stadt Amida / einen grossen auflauf / da es von weiten
schiene / als wann einige schlägerei unter den hirten entstanden wäre. Seine
vermutung hatte ihn nicht betrogen; dann / als er von seinen bei sich habenden
knechten etliche hingesandt / dieses recht in augenschein zu nehmen / kamen
selbige wieder / und berichteten dass eine grosse mänge hirten über zween von der
Amesia leuten her wären: welche sich so dapfer gegen dieser mänge wehrten /dass
sie ihnen wenig angewinnen kunten. Kaum hatte Nahor die Almesia nennen gehöret /
da wurde er noch begieriger als zuvor / dieses unwesen bald zu stillen. Demnach
rennete er eiligst hinzu / und ersah mit verwunderung die dapferkeit dieser
beiden / die gegen ein ganzes heer fochten. Doch håtten sie der mänge endlich
weichen müssen / wann nicht Nahor / zu ihrem gluck / dazu gekommen wäre.
    Was für unlust richtet ihr hier an / ihr meine brüder! (rief er ihnen zu) da
dieser tag unser friedens-und freuden-tag sein soll. Diese worte machten die
hirten stutzen / und als sie sahen / dass solche des Fursten von Haran sohn
geredet / erkieseten sie ihn so fort zum richter / und klagten ihm die ursach
solches lermens. Diese fremdlinge (sagte einer unter ihnen) haben sich geweigert
/ das geschencke mit zu tragen /das die aus der stadt Amida unserer Konigin
überreichen wollen: und weil sie dessen keine ursach fürbringen können / ist es
unter uns zu dieser tätlichkeit geraten. Indem dieser also redete / sah Nahor
den beiden fromden stark ins gesichte / und liesse sich dunken / dass er sie /
die gar nicht gemeine hirten glichen / kennen sollte. Einer von ihnen / solches
merkend / näherte sich dem Nahor / so gut er kunte / und raunete ihm ins ohr: Er
mochte doch nicht melden /wer sie wären / auch ihnen ferner seine grosmut
erzeigen / und sie von diesen unbändigen leuten erretten.
    Unter und bei diesen worten / erinnerte sich Nahor des Prinzen Baalis und
des Tubals aus Basan / vor die er sie beide erkannte: und ward er darob auf
einmal von so vielen gemutsregungen angegriffen / die ihn fast vergessen machten
/ was ihme hierbei zu tun oblage. Endlich erholete er sich wieder / und sich
seines ansehens / so er unter den andern hirten hatte / bedienend / sagte er zu
ihnen: Er wollte diese beide allein hieruber vernemen / und ob er gleich ihre
ursachen noch nicht wisse / warum sie die königliche geschenke zu tragen / sich
geweigert / so finde er doch nicht wolgetan / dass man frömde dazu nehme /
sondern es müsten aus ihrem mittel vom lande welche hierzu erkieset werden. Sie
liessen ihnen diesen vorschlag allerseits wolgefallen / zumal da sie horeten /
wie Nahor hiermit einen unterscheid zwischen ihnen machete /und ihnen mehr ehre
/ als den beiden frömden / zuschätzete. Sie liessen demnach willig zu / dass Nahor
diese beide mit sich hinweg name / und ubergaben ihm die völlige macht / sie /
wegen ihres erwiesenen übermuts / nach belieben abzustraffen.
    Wie nun Nahor sie wieder verlassen / und neben den zweien ihnen weit genug
aus den augen gekommen ware / auch seinen knechten mit dem Pferde / von dem er
abgestiegen / sich zu entfernen anbefohlen /und also bei dem Baalis und Tubal
sich endlich allein sah / umarmte er sie beide / höchstverwundert sie
befragend: Ob es wohl müglich wäre / dass zwei so grosse helden unter so schlechte
hirtentracht sich verstecken mogen? Wann der dapfere Nahor / (antwortete der
Prinz Baalis) sich selbst in solchertracht befindet /soll es ihm kein wunder
erwecken / uns beide auch also verkleidet zu sehen. Meine verwunderung (gabe
Nahor zur antwort) muss dieserwegen / dass ich auch ein hirt worden bin / nicht
aufhoren / massen meine ursachen sich denen nicht an wurde und wichtigkeit
gleichen können / die euch / solcher gestalt euch zu verändern / müssen bewogen
haben. Diese ursachen (finge Tubal an zu reden) dem Nahor / als unserm heutigen
erlöser / zu eroffnen / kann kein sonderbares bedenken uns abhalten. Warum wir
aber uns geweigert / die bestimmte geschenke der Königin Aramena mit zu
überreichen / solches wird der fürst von Haran selbst unschwer begreifen konnen
/ in zurückdenkung / wie man zu Damasco dem König von Basan / unsrem herrn /
begegnet: deme zum hochsten daran gelegen ist / dass die hiesige Konigin nichts
mehr von ihm oder den seinigen vernehme. Wir sind aber der Konigin so wohl bekant
/ dass wir / ihr näher kommend / in der gefahr stünden / von ihr entdeckt zu
werden.
    Wäre es nach unserm wunsch ergangen / (antwortete Nahor) so wurde der grosse
Marsius für die guttaten / so er uns erwiesen / mit der besitzung unserer
Konigin sein belohnet worden. Wer vermag aber etwas wider die eigenwillige macht
der liebe? die in ihren schlussen wunderbar ist / und nun den König der
Aborigener / an statt des Königs von Basan / für die schöne Aramena erkieset hat.
Uber dieser wahl (versetzete Tubal) bleibe ich noch höchst verwundert /weiss auch
nichts dazu zu sagen / als euch / mein Fürst! beifall zu geben / dass die liebe
mehr als wunderbar in ihren wirkungen sich bezeiget. Weil Tubal dieses mit
sonderbarer bewegung fürbrachte / wurde Nahor dadurch in seinen gedanken
gestårket / dass die liebe auch diesem Prrinzen musste ein hirtenkleid angezogen
haben. Demnach unterstunde er sich ferner nicht / nach der ursach dieser
verstellung zu fragen: aus beisorge / er möchte etwas erfahren / dass ihm nicht
lieb wäre. Er bezeugte aber anderweit sein verlangen / von diesen beiden Prinzen
den zustand in Basan zu erfragen: dann ihme die kriegeslust noch nicht so gar
vergangen war / dass er nicht gern von dergleichen hören mogen. Er bezeugte sich
ganz unwissend / wie der Aufstand in Basan / den die Königin von Elassar die
Mirina daselbst erreget / sich geendet / und was sonst / den winter übersich der
orten zugetragen hatte.
    Ich bin erbötig / (sagte hierauf Baalis) dieses / so mein Furst zu wissen
begehret / ihm kund zu machen. Ich vermeine aber nicht / dass die zeit es jezt
leiden werde: massen dieser tag von solcher natur ist / dass euch heut keine ruhe
wird verstattet sein. Was / zu entfahung unserer Königin / (antwortete Nahor)
anzuordnen beliebet worden / solches ist bereits in guten stand gesetzet; es ist
auch deshalben / der Fürst von Ram / neben meinem Bruder / annoch geschäftig:
werde ich demnach wohl so viel zeit haben / euer beider gesellschaft ein paar
stunden allein zu geniessen. Als Nahor diss gesaget / sah er den Tubal in sich
selber lächlen; daher er / dessen ursach vermutend / diesen Fürsten fragte: Ob
ihm etwan lächerrlich fürkäme /dass Elihu und Betuel / die beide durchleuchtige
Aramenen zu entfangen / sich so bemühet erwiesen? Die warheit zu gestehen /
(antwortete Tubal) es erreget dieses bei mir eine verwunderung / und hätte ich
nimmermehr vermeint dass der einmal erkiesete König von Syrien und ernante
ehgemal Aramenen sich hier würde finden lassen / noch auch / dass der Fürst
Betuel der Königin von Ninive / von der er auf ewig abschied genommen / wieder
unter augen zu kommen verlangen sollte.
    Weil sie beiderseits (berichtete Nahor hierauf) von der unmüglichkeit sich
überwinden lassen / als lieben sie daselbst nicht mehr / wo ihnen keine hoffnung
übrig geblieben. Ach! wollte GOtt! (sagte Tubal seufzend) dass der grosse Marsius
auch diesen schluss fassete / um eurer undankbaren Königin zu vergessen! Vergebet
mir / dass mein unwill mich also reden machet! die liebe zu meinem König /
verursachet in mir dieses billige misvergnugen. Ich verdenke es dem Fürsten
Tubal nicht / (antwortete Nahor) und finde es vielmehr der billigkeit gemäs.
Wäre es / wie ich bereits erwehnet / nach unserm wunsch in Syrien ergangen / so
würdet ihr / also zu klagen / iezt keine ursach haben / Als Nahor diss gesagt /
nötigte er sie beide /sich mit ihm / an dem berg Masius / unter etliche
schattichte bäume nieder zu lassen / und zwar nit ferne von dem orte / alda der
fluss Masca über die klippen einen angenehmen wasserfall machet. Wie sie nun von
dar eine weile in das vor ihnen sich öffnende tal hinab geschauet / und denen
aller orten beschäftigten hirten zugesehen hatten / erinnerte Nahor den Prinzen
Baalis seiner zusage: welcher / nachdem er auf das / so er erzählen wollte / sich
etwas besonnen /solches folgender massen verrichtete.
    Ihr verlanget zu wissen / mein Furst! (sagte er zu dem Nahor) was mit dem
König von Basan und seinen landen sich begeben / seit dass Syrien / durch unsern
beistand / frieden bekommen. Ihr werdet euch dann annoch erinnern / wie nicht
allein die Mirina /meines Konigs halbschwester / in Moab eingefallen /sondern
auch der Marsius / nach der grausamen erklärung / so eure Königin ihm von ihrer
zu dem Tuscus Sicanus tragenden liebe gegeben / aus Damasco halb-todt nach Basan
wieder abgereiset. Wie wir nun daselbst mit unserm betrübten König angekommen
/überliesse sich derselbe so gar der traurigkeit / dass die gefahr / Basan und die
angränzende Reiche zu verlieren / ihn nicht so sehr anfochte / als der verlust
seiner Aramena. Daher richtete er seine gedanken mehr dahin / entweder den
Tuscus Sicanus / seinen glucklichen mitbuhler / aus den weg zu räumen / oder von
ihme aufgerieben zu werden / als seiner schwester widerstand zu tun. Demnach
überliesse er gegenwärtigen Fürstens herrvattern / dem Prinzen Trebetes / die
sorge des krieges wider die Mirina / und begab sich mit einem auserlesenen heer
/ so bald er nur etwas kräfte wieder erlanget / auf den weg / den Tuscus Sicanus
bis gar auf das Riphatische gebirge zu verfolgen. Er wollte allein den Sueuus /
und den Prinzen Daces / welcher name gegenwärtigem Fürsten eigentlich zukommet /
mit sich haben: ob die gleich / als grosse freunde des Tuscus Sicanus / diesen
feldzug sehr ungern sahen. Also musste ich / auf seinen befehl / zu rücke bleiben
/ und die hülfvolker der Prinzessin Hercinde / seiner schwester / helfen
nachführen / welche dieselbe dem Assyrischen König Baleus zubrachte / ihme in
dem kriege wider die Meden zu dienen. Also ware nun / unsres Konigs macht / in
drei teile gestellet.
    Von diesen dreien Heerzügen nun ordentlich zu berichten / will ich den
anfang bei dem Marsius machen / und wie mir solches gegenwärtiger Prinz Daces
nachgehends erzählt / euch mit wenigem sagen / dass / als dieser König an das
Riphatische gebirge gekommen / er / an statt die Aborigener in verfassung der
gegenwehr zu finden / die fürnemste unter ihnen freundlich zu ihm kommen sah /
und sie nichts als frieden (weil die Celten und Aborigener jederzeit miteinander
in freundschaft gelebet /) verlangen / auch alle ersinnliche mittel / ihn / wo
sie ihn etwan unwissend beleidiget håtten / zu vergnügen / ihm anbieten horte.
Weil der verliebte Marsius seine liebe nun nicht mehr geheim hielte / als gabe
er den Aborigenern zu verstehen / wie dass es ihme sonst nirgend um / als allein
um die Aramena von Syrien / zu tun wäre / deren besitzung / der Tuscus Sicanus
ihr König / durch seinen des Marsius tod sich versichern müste / und daher ihme
den kampf nicht versagen würde / den er in gegenwart beider heere / von ihme /
als die lezte vergnügung /die er ihm geben konnte / hiemit begehrte. Die
Aborigener / dieses ansinnen des Marsius vernemend /kehrten betrübt wieder zu
ihrem König: weil sie alle vermuteten / dass dessen liebe gegen die Königin
Aramena sehr häftig wäre. Sie wussten nun nicht / wie sie ferner diese beide
helden von einander halten sollten /und mussten des Marsius begehren bei ihrem
König anbringen: welcher sofort sich entschlosse / dem Marsius entgegen zu
ziehen. Dieser erwartete seines mitbulers ankunft mit so freudigem eifer / dass
die seinigen / nach dem unglücklichen abscheiden aus Damasco / ihn so munter
noch nicht gesehen hatten.
    Wie nun Tuscus Sicanus angelanget / schickte er seinen feldhaubtman / den
Batto / an unsren König /und begehrte ihn vor dem kampf zu sprechen. Der
ungedultige Marsius konnte solches kaum von sich selbst erlangen / überwande sich
aber endlich / und erschiene auf einem platz / den der Aborigener König hierzu
fürgeschlagen hatte. Was nun damals beide Könige mit einander geredet / solches
hat niemand erfahren können. Man sah sie aber / mit hochster freud-verwunderung
beider heere / nach langer unterredung / sich freundlich umarmen: worauf die
Celten und Aborigener / dem beispiel ihrer Könige folgten /und augenblicklich
ein heer zusammen machten /auch unter ihnen / als landsleuten / der eifer zum
frieden weit häftiger / als vorher die lust mit einander zu streiten / sich zu
tag gabe. Die ursach dieser unvermuteten und geschwinden vergleiches / haben
nachmals beide Könige dem einigen Daces eröffnet: welchem aber der Marsius zuvor
einen eid abgefordert / solches zuverschweigen / dem er auch bisher
unverbrüchlich nachgekommen.
    Nach dieser glücklichen veränderung / als die Könige wieder von einander
schieden / musste Tuscus Sicanus eine unumgängliche reise / nach der Königin
Valencia / seiner frau mutter / in Celten furnemen: Marsius aber kehrte wieder
nach Basan / daselbst er eben ankame / als Trebetes obgesieget / und die Mirina
genötigt hatte / sich bis auf das gebirge der Amoriter zu hinterziehen. Dieser
ehrsüchtigen Königin /hatte ihr verlobter Prinz Hiarbas / wiewol er mit einem
absonderlichen kriegsheer zu ihr in Moab gestossen / vergeblich zugeredet / ihre
unbillige waffen nieder-zulegen / und hatte es also widerwillens müssen
geschehen lassen / dass Mirina in Basan einfiele: da er aber bei allen
begebenheiten sich so weisslich regiret / dass er zwar ihre person fur gefahr
beschützet /sonst aber weder mit raht noch tat ihr in ihrem unrechtmäsigen
beginnen behülflich gewesen. Sie hatte ja anfangs / sonderlich in Moab /
gesieget / aber auf die letze wendete sich das blat / indem unversehens die
Moabiter sich emporten / und den Hadoran /neuen König in Elam / berieffen / ihn
/ als ihres alten Konigs sohns-sohn / zu ihrem König zu machen. Dieser wollte
solchen vorteil nicht ausschlagen / und kame unversehens mit etlichen tausend
Elamiten: da er dann des ganzen landes Moab sich bemächtigte /und selbige Kron
aufsezte. Hierdurch fiele der Mirina gewalt / und bediente sich dessen der
Trebetes / sie /wie gesagt / bis auf das gebirge der Amoriter zuverjagen: da sie
eben mit den ubrigen ihres heeres sich verschanzt hatte / als Marsius in Basan
wieder angelanget.
    Dieses Königs ankunft verdoppelte den muht seiner siegenden Celten / und
wurde Mirina so weit gebracht / dass sie zum bret kriechen und sich der gnade
ihres bruders ergeben musste. Was ihr hierinn am meisten zu herzen ginge / war
dieses / dass ihr vermeinter feind / der Suevus / sich am eifrigsten dazu
gebrauchen liesse / ihren frieden mit dem Konig zu machen: also das sie deme
alles zu danken hatte / deme sie äuserst übel wollte. Dieser brachte es endlich
so weit / dass Marsius seinen aufrürischen untertanen alles verziehe / und der
Mirina / auf verhoffentliche guteiss- und beståtigung des Tuscus Sicanus / als
künftigen Konigs zu Basan / das gebirge der Amoriter uberliesse und einraumte:
alda sie sofort zur Konigin ernennt wurde / und folgends dem Hiarbas / in der
koniglichen haubtstadt Basan / die eheliche hand gabe. Dieses königliche
beilager ward eben vollzogen / als ich aus Meden wieder nach haus kame. Der neue
König in Moab war / durch vermittelung meines herrvattern /des Königs von Ammon
/ in diesen frieden mit eingeschlossen worden. Ich fand daher / bei meiner
ankunft / alles in voller ruhe / auser meinem Konig / der sich nichts verändert
/ sondern (nachdem er / von seiner liebe angetrieben / durch eine gesandschaft
um die Aramena / aber vergebens / in Damasco werben lassen /) dem ståtigen gram
bei sich dermassen überhand liesse / dass er alle gesellschaften meidete und
endlich in ein schweres lager fiele. Damals ward ihme von den arzten / unter
andern / eine cur fürgeschrieben /welche ursach gewesen / dass so wohl
gegenwärtiger Prinz / als ich / von hof gekommen sind.
    Ehe ich aber diss erzehle / muss ich / meinem versprechen gemås / zuvor auch
von dem dritten heerzuge etwas melden / den ich mit der Hercinde in Meden getan
habe. Diese heldin / nachdem sie in Basan mit dem Baleus vollig ausgesonet
worden / wollte / üm diesem ihrem Konig ihre liebe zu erweisen / nicht sonder
hülfe zu ihm kommen. Demnach brachte sie bei ihrem bruder zu wege / dass der ihr
etliche tausend von den auserlesensten Celten mitgabe / die die Hercinde mussten
in Meden begleiten. Wie wir daselbst angelanget / war der Krieg / ungeacht des
unbequemen gewitters / bereits angegangen. Gleichwie es aber dem Nebajot / den
die Meden zu ihrem Konig aufgeworfen / an keinem muht ermangelte / also sah er
sich auch / durch die ankunft des Prinzen Jetur von Hevila / seines vettern /
verstärket. Er wagte es demnach / dem Baleus eine feldschlacht zu liefern:
welche an beiden seiten so blutig abginge / dass der verlust fast gleich / und
der sieg so weit den Assyriern verbliebe / indem sie sich berühmen kunten / dass
sie den Nebajot / das haubt von dem feinde / gefangen bekommen. Es war aber
hingegen die Hercinde in der Meden gewalt gerahten / weswegen Baleus nicht zu
trosten ware. Die Meden verloren auch schier allen muht / wie sie ihren neuen
König nicht mehr bei sich hatten. Der Prinz Jetur / so ehemals die Hercinde
geliebt / machte der Prinzessin nach möglichkeit ihre bande erträglich / und
schützete sie für aller gewalttåtigkeit / die ihr sonst von den unbåndigen und
verbitterten Meden håtte begegnen konnen. Dem Nebajot aber erginge es bei uns
nicht so gut: massen er nicht allein mit schwerer gefängnus beleget / sondern
auch /auf einhelligen raht aller grossen von Babel / zum tod verurteilet wurde:
weil dadurch der krieg sofort ein ende gewinnen / und die Meden / ihr altes joch
wieder anzunehmen / leichter konten überredet werden. Die scharfsichtige Meden /
dieses vorhaben der Assyrier gegen ihrem König befahrend / wurden schlussig / zu
fürkommung solches unheils / die Prinzessin Hercinde für die freiheit ihres
Königs anzubieten; in versagung aber dessen / eben also mit ihr zu verfahren
/wie es ihrem Konig ergehen würde.
    Ich müste mich zu lang aufhalten / wan ich alle die beunruhigungen / die der
Baleus hieruber in sich fühlte / beschreiben wollte. Und wiewol er keinen
augenblick sich bedachte / üm die rettung seiner Hercinde alles hinzu geben / so
war er doch nicht so måchtig /über Nebajots freiheit allein zu schalten: weil
das ganze heer / und die furnemsten aus Babel / dessen tod beschlossen hatten /
denen er / sonder grosse gefahr / sich nicht widersetzen kunte; zumal ohnedas
die Assyrier sich sehr unwillig zeigten / dass so viel von der Assyrischen
Monarchei abgekommen ware. Diesem nach fassete er den schluss / durch einen
unversehenen einfall in der Meden lager sich zu bemühen / ob er seine Prinzessin
wieder erretten möchte. Dieses ward aber nicht so glucklich geendet / als
grosmutig es angefangen worden: massen wir die Meden auf so guter hut fanden /
dass wir mit grossem verlust wieder abziehen mussten.
    Bald hernach entstunde ein falsches geschrei in des feindes lager / als wåre
bei uns der Nebajot bereits hingerichtet: welches die ergrimmte Meden
aufbrachte / an der schönen Hercinde ihre rache zu uben. Jetur vermochte
hierbei nichtes mehr / als nur dieses auszuwirken / dass sie ihm vergönnten / zu
dem Baleus zu reisen / und nicht allein eigentliche erkundigung wegen des
Nebajot einzuziehen / sondern auch den König von Babel mit dem unfehlbaren tode
seiner Hercinde hingegen zu bedrohen. Als Jetur zu uns kame / war der
beängstigte Baleus eben åuserst bemuhet / die volziehung der hinrichtung des
Nebajot noch etwas aufzuhalten: und überfiele ihn nun eine tödliche angst / als
er des Jetur anbringen vernahme. Die liebe triebe ihn so weit / dass er selber /
neben mir und etlichen seiner vertrautsten / bei nacht hand anlegte / den
Nebajot aus seinen banden heimlich zu erlösen: den wir auch zwar glucklich
davon brachten /aber den zweck nicht erreichten / indem ein haufe der Assyrier
auf uns stiesse / und ihn wieder gefånglich ins lager brachte. Hierdurch wurde
nun alle übrige hoffnung zu wasser / und musste Baleus entweder sich entschliessen
/ seine liebste Prinzessin zu verlieren / oder in gefahr stehen / um die
Assyrische kron zu kommen.
    Wie nun endlich die liebe in ihm die ehrsucht übermeistert / und er alle
betrachtungen hintan setzete /um seine Hercinde zu erlosen / kam diese
Prinzessin unversehens zu dem Baleus in das gezelt / und erweckte bei ihm so ein
freud-entsetzen / dass er nicht wusste / ob er wachte oder im traum sah. Als die
erste besturzung vorbei / und man begierig war / die erlosung dieser heldin zu
vernemen / erzehlte sie / was gestalt die Meden ihr die freiheit gegeben /
heruber zu reisen / üm den Nebajot los zu wirken: mit der verpflichtung / dass
sie widrigen falls / sich wieder in ihr gefängnüs einfinden sollte: welches sie
ihnen bei dem grossen Teutates zugeschworen / auch redlich zu halten gesonnen
wåre. Dieser vortrag minderte sehr des Baleus freude: weil er nicht vermutete /
dass der unvergleichlichen Hercinde grosmut von den Assyriern also / wie von ihm
/ würde aufgenommen und angesehen werden. Es fügte es aber der himmel anderst /
dass nåmlich / durch diese tugendliche tat / so wohl der Prinzessin als der Meden
/ alle Babylonier sich gewinnen liessen / und einhällig dahin stimmeten / dass
nicht allein Nebajot los gelassen / sondern auch zwischen beiden volkern ein
ewiger friede geschlossen und aufgerichtet wurde. Wie nun also auch dieser krieg
sich geendet und ich mit meinen Celten dem Baleus nach Babel gefolget / seinem
und der Hercinde königlichen beilager daselbst beizuwohnen / kehrte ich wieder
nach Basan: da ich dann ebenfalls / wie erwehnt / alles in frieden und ruhe
fürfande.
    Ich muss gestehen / (sagte Nahor hierauf) dass diese kurze kriege / die so
wenig monden gedauret / wunderbare änderungen nach sich gezogen. Wie stehet es
aber nun um euren König zu Basan? und was ist die ursach / dass man allhier zween
grosse Fürsten also verkleidet sihet? Des grossen Marsius krankheit / auch dieses
Prinzen und meine entfernung / nun auch mit wenigen zu berüren / (sagte Baalis)
so befanden die årzte / sonderlich unser oberster Druyde der Gambrivius / dass
dem König nicht bässer zu helfen stünde /als wan ihm alle gelegenheit entzogen
würde / von der Aramena zu reden oder reden zu horen: weil die stätige
erinnerung seine gemutschmertzen tåglich erneuerte / und er in nichtes sonst
seine ergetzlichkeit suchte /als entweder mit dem Daces oder mit mir von seiner
unglucklichen liebe zu reden. Diesem nach mussten wir beide uns auf ein jahr
verpflichten / des Königs gegenwart zu meiden: welches uns um so viel
erträglicher dünkte / weil es zur genesung dieses unvergleichlichen Monarchen
dienen sollte. Ich beredete nun den Prinzen Daces dazu / dass er / ungefår vor
einem mond / mit mir hieher reisete: weil ich / bei meinem lezten durchzug / als
ich aus Meden kam / eine bewegliche ursach bekommen / mich allhier / wie ich nun
gesehen werde / aufzuhalten.
    Hiermit horte Baalis auf zu reden / und als Nahor fur diese bemühung sich
nochmals bedanket / sagte er / mit sonderbarer bewegung: Diese ursach / deren
der Prinz gedenket / muss in der Almesia hause sein / weil sie daselbst einen
Konigs-sohn zum hirten knaben hat konnen machen. Dem ist also / (antwortete
Baalis /) und trage ich keinen scheu / dem jenigen mein anliegen zu eröffnen /
der mir und meinem gefårten jezt das leben erhalten hat.
    Als er hiemit fortfahren wollte zu erzählen / kam eine hirtin auf sie zu /
welche / sie ersehend / ungemeine freude bezeugte / und des Nahors beiwesenheit
nicht achtend / zu den beiden verkleideten Prinzen sagte: In was schrecken und
sorgen sind wir euret wegen gerahten / da in der stadt erschollen / was euch mit
den andren hirten für eine begebnis aufgestossen. Baalise ist schier nicht zu
trosten / weil man euch tödlich verwundet hat ausschreien wollen. Wie erweiset
sich dann hierbei / wehrte Rodine! (fragte Baalis) die Aprite? Warüm tut nicht
euer gesell diese frage? (anwortete Rodine) dem ich davon antwort zu geben
schüldig bin / und nicht euch. Weil ich keine gute antwort vermute / (sagte
Daces) habe ich mich auch nicht dorfen unterfangen / darnach zu fragen. Glaubet
mir /Elisa! (gabe Rodine dem Prinzen / der ihm selber bei ihnen in Mesopotamien
diesen namen gegeben / zur antwort /) dass eure Aprite über euren unstern sich
sehr betrübt erwiesen / und ihrer gespielin treulich klagen hilfet. Niemand /
als ihr beide / kann sie aus diesem kummer setzen / und weiss ich diese meine
erkundigung bei ihnen nicht båsser abzulegen / als wan ich euch selber mit in
unser haus zurück bringe. Wir wollen (sagte hierauf Baalis / der sich Javan
nennte) alsofort folgen / sobald wir / die angelegenheit unserer sicherheit /
bei gegenwärtigem Fürsten vollends werden abgelegt haben; und ist der grosmütige
Nahor unser beschutzer gewesen / welches ihr der schonen Baalise / zur guten
zeitung / vor-ankünden könnet.
    Als nun Rodine / mit diesem bescheid wieder von ihnen hinweg geeilet / sah
Baalis den Nahor an / zu ihm sagend: Was ich jezt erzählen wollen / hat Rodine
mit wenig worten kund gemachet. Gegenwärtiger Prinz und ich lieben diese beide
hirtinnen / die jezt bei der Almesia dienen: und wan uns / ihre sorgfalt fur uns
/ jezt nicht von hinnen triebe / wollte ich umståndlich erzählen / wie wir zu
dieser liebe geraten sind. Nun aber wird uns der Furst Nahor / wofern er anderst
auch die liebe kennet / nicht verargen / dass wir sobald abschied von ihm nemen.
Um aber sicher vor der ergrimmten hirten-rotte nach der stadt zu kommen / wird
uns ein geleitsman von des Fürsten von Haran leuten wohl notig sein: worum wir
dann /über alles vorantfangene gute / hiemit noch ansuchen. Der beunruhigte Nahor
/ der sein anligen / so gut er gekont / verbarge / rieffe so fort etlichen
seiner hirtenknaben / den Javan und Elisa noch Amida zu begleiten / und liesse
zugleich durch sie den anderen schäfern sagen / dass sie diese zween in ruhe
lassen sollten. Hierauf namen sie abschied von einander / mit versprechen / dass
sie einander bald wieder sehen wollten.
    Wie nun der betrübte Nahor sich allein sah /schuttete er alles sein anligen
aus / welches er jezt aus unvermuteter kundschaft geschopft hatte. Die liebe
/mit deren er die schone Aprite verehrte / hatte bisher sonder eiversucht in
ihme geherrschet / und sah er sich nun mit dieser neuen marter so plotzlich
uberfallen / dass er fast darüber alle gedult verlohre. Es war nicht gnug / dass
er vernommen / welcher gestalt er einen mitbuler bekommen: er musste solchen
dabei auch fur einen weitberümten grossen Prinzen erkennen / auch / was das aller
entfindlichste / denselbigen bei seiner Aprite im hause und überdas geliebt
wissen. Dieses lezte schnitte ihn durch die seele / und bewunderte er sein
seltsames verhängnus / das ihn / dem jenigen das leben zu retten / anlass gegeben
/ den er für seinen årgsten verfolger zu achten / mehr als grosse ursach hatte.
Das einige / so ihn bei diesem neuen leiden noch trösten kunte / ware / dass er
ihm nicht einbilden noch vermuten konnte / dass / dieser beiden Prinzen liebe
gegen der Almesia dienstmägden / die Ehe zum zweck håtte: demnach hoffete er
damit durch zudringen / indem er in seinem sinn es fåst gestellet / die Aprite
zur Furstin zu machen und sie zu ehlichen; worinn er auch nun / da ihm dieser
neuer zufall in seiner liebe begegnet / noch mehr gesteifet wurde.
    Wie er also seinen tiefsinnigen gedanken gehor gabe / stiesse auf ihn der
Furst Betuel / sein bruder /neben dem Demas: welcher aus Canaan gewichen /und
sich in Mesopotamien gesetzet hatte / alda er das amt eines verwesers über die
landschaft Amida überkommen. Weil sie beide sich ermüdet hatten / und diesen ort
bequem zur ruhe befanden / setzeten sie sich bei dem Nahor nieder. Nach andern
gespråchen /kame Demas auf den angenommenen hirtenstand dieser Fursten zu reden
/ und sagte zum Nahor: Wer hätte / vor einem jahr / den dapfren Nahor unter
solcher kleidung suchen / und ihm einbilden konnen /dass er / an statt eines
kriegsheeres / nun eine heerde schafe fuhren würde? In warheit diese veränderung
ist so verwundersam / dass ich meinen vorwitz nicht bergen kann / den ich in mir
entfinde / die wahre grundliche ursach dieses angenommenen lebens zu wissen. Ich
konnte sagen / (antwortete Nahor /) dass ich / aus mangel krieges / und aus
verdrus des hoflebens / diesen unschuldigen schäferstand und das ruhige
feldleben erwehlet. Aber ich werde båsser tun / wann ich meines brudern beispiel
folge / und rund bekenne /dass mich so wohl / als ihn / die liebe / der gewaltige
tyrann / zu diesem entschluss gebracht habe. Dan gleich wie Betuel den hof
verlassen / allwo er unglucklich geliebt / und ihm allhier von einer andren
schönheit neue bande anlegen lassen: eben also ergehet es auch mir / und will ich
demnach nicht ferner verheelen / dass ich liebe.
    Wie / Nahor! liebest du? (fragte der hierob sich verwundrende Betuel) wie
lang ist es / seit dass dir dein unentfindlicher sinn vergangen? Ach Betuel! (
antwortete Nahor /) kein in deine treue geseztes mistrauen / sonderen die scham
hat mich bisher abhehalten dir oder sonst einigem menschen meinen zustand zu
eröffnen. Ich habe bisher mich zu überwinden gesuchet / aber vergebens: und muss
ich endlich bekennen / dass die macht der liebe unbezwinglich / und dass aller
widerstand umsonst sei. Ich bleibe ob diesen reden (sagte Demas) ganz bestürzt /
vornemlich aber deswegen / weil ich nicht ergrunden kann / was doch fur eine
schone es sein müsse / die solche kraft habe /ein mehrers zu wirken / als andere
unvergleichliche schonheiten / die mein Fürst in Damasco beisammen gesehen. Jene
gegend / ( gabe Nahor zur antwort / zugleich mit seinem pfeil / den er in der
hand führte /gegen Amida zeigend) heget anitzo diese grausame /die mich mein
selbst vergessen machet. Ich vermeine ja / (sagte Demas) dass ich alle hirtinnen
in dieser gegend wohl kenne / zumal es nun bald ein jahr ist / seit dass ich von
Salem hieher mich verwandlet: gleichwol wusste ich keine / deren ich diese
wirkung zuschreiben konnte.
    Nun ich meine liebe (sagte Nahor) fäst gestellet /und dem unvermeidlichen
geschicke nicht mehr zu widerstehen begehre / trage ich ferner kein bedenken
/nicht nur euch beiden / sondern dem ganzen Mesopotamien kund zu machen / dass
ich die frömde Aprite liebe / die bei der Almesia für eine Magd dienet. Sehet /
Betuel! schauet / Demas! wie mit mir der himmel verfäret / und wie des Nahors
hoher geist gedemutiget worden! Zwar beklage ich hierbei nicht mehr / dass ich
eine bettlerin liebe: dann solches habe ich bereits überwunden / und halte es
für keine schande. Dieses aber verursachet mein leiden / dass diese schöne mir
solche unentfindlichkeit und grausamkeit erzeiget / als wann sie eine Konigin
wåre / die in bedenken zu ziehen håtte / des fürsten Labans sohn zu ehlichen /
und also eine Syrische Fürstin zu werden.
    Bis dahin / hatte Betuel seinem bruder gedultig zugehöret. Wie er aber das
wort / ehlichen / vername /kunte er sich nicht erhalten / zu ihm zu sagen: Wie
/mein bruder! soll diese unbekannte in das Syrische haus kommen / nun der
gerechte himmel unserm koniglichen geschlechte aufgeholfen / und es in seinen
ersten flor wieder kommen lassen? Der Aprite hohe tugend / (antwortete Nahor /
sich etwas entfärbend) wird dem hause Syrien keinen schandflecken anhången /
sondern ihm vielmehr eine ungemeine zierde bringen. Für der Almesia Dienstmagd
(sagte Demas) wåre es ehre genug / des Fursten von Haran kebsweib genennet zu
werden. Hütet euch / Demas! (widerredte Nahor / entrüstet /) solche reden von
der unvergleichlichen Aprite zu fuhren / dir eine Königin zu werden /mehr als
wurdig wåre. Demas und Betuel hielten hierauf ein / dem Nahor ferner einzureden
/ wiewol sie sich beide sehr hieran ärgerten / sonderlich Betuel /der sonder
verhonung nicht vernemen konnen / dass der Almesia magd ihres grosvattern
Betuels stammen fortpflanzen sollte / auch niemals von des Nahors hohem geiste /
den derselbe sonst iederzeit in allem seinem tun erwiesen / etwas solches
vermutet hatte.
    Darf man dann nicht (fragte er seinen bruder) den anfang dieser liebe wissen
/ die mich um so vielmehr befrömdet / weil sie solche fäste wurzeln in so
grosser geheim fassen konnen / dass niemand davon das geringste gewar worden. Ich
bin erbötig / (antwortete ihm Nahor) dir und dem Demas diese liebe / und alles
was sich dabei zugetragen / zu erzählen. Meine begierde (sagte hierauf Demas)
ist allemal gros gewesen / den lebenslauf des Fursten Nahors zu wissen: daher
ich hoffen will / neben dieser leztern liebe / auch die erste mit der Prinzessin
von Elassar / der tochter des Konigs Birsa / vernehmen zu dorfen. Diese habe ich
niemals recht geliebt / versetzte Nahor) sondern die unvergleichliche Aprite
ist die einige und erste / die mein herz vollig gewonnen. Um aber euch / mein
Demas! zu vergnügen / will ich alles / was mit der Princessin Eulea furgegangen /
berichten / und den anfang meiner erzehlung von der zeit machen / wie ich mit
dieser Prinzessin das erstemal ins gespräche geraten / und dann ferner / was mir
bis auf diese stunde begegnet / hinan fugen. Wie nun hierauf Betuel und Demas
sich aufmerksam erwiesen / horten sie so fort erzählen / wie folget /
                   Die Geschichte des Nahors und der Aprite.
Gleich wie ich von jugend auf das einsame feldleben /so die meinigen treiben /
mit sonderbarem widerwillen angesehen / also ware mein ståtig- und einiger
wunsch / dass ich mochte von dieser lebens-art erloset werden. Ich konnte lang
nicht darzu gelangen. Weil meinem vatter nichts mehr / als eben dieses /
entgegen ware / dass ich nämlich den krieg mehr / als das schåferleben / beliebte
/ wollte er mit aller gewalt mich anhalten / der verordnung des Betuels unsers
grosvattern zu folgen / in den hutten zu bleiben und bei den schafen meinen
zeitvertrieb zu suchen. Sein ernster zwang / vermehrte erst meinen eckel / und
folgte ich hierinn der unart der meisten leute / die das verbotne am eifrigsten
suchen und verlangen. Mein sinnen und trachten gienge nur dahin / wie ich mit
guter art in Syrien zu dem Prinzen Mamellus / als meines vattern schwestermann /
kommen / und bei ihme vorschub finden möchte / in ritterschaft mich uben zu
können.
    Inzwischen ich aber auf eine bequeme gelegenheit hierzu wartete / stellte es
mein vatter mit eben diesem Prinzen in raht / mich zu hause zu behalten: und
ward für das bäste mittel erachtet / dass man mir eine frau geben sollte. Daher /
sonder mein wissen / Mamellus /und der Bildat / sein bruder / der meiner mutter
schwester geheuratet / es also karteten / dass die Prinzessin von Elassar / die
Eulea / ausersehen wurde /mir das bleiben in Haran beliebt zu machen. Also kamen
diese beide Prinzen / neben ihren gemalinnen und dieser Prinzessin / nach Haran
/ ehe sich jemand dessen versehen konnen. Meine freude war unbeschreiblich / den
Mamellus zu sehen: weil ich nun zu erlangen verhoffte / wornach ich so lang
gestrebet. Mein sehnen ginge so sehr dahin / dass ich kaum der Eulea warname /
noch ihre ankunft beachtete. Weil der Birsa / ihr herrvatter / sie zu Ur
erziehen lassen /bei der gemalin des Prinzen Bildat / als hatte er ihr auch die
versorgung dieser seiner tochter ubergeben /und ihr heimgestellet / sie nach
ihrem guten willen zu verheuraten. Also war diese heurat eine ganz ausgemachte
sache / wie sie in Haran ankamen.
    In den ersten tagen / wurde mir nichts hievon gesaget / weil sie hoffeten /
der Eulea schönheit sollte den anfang dessen wirken / was nachgehends ihrer aller
vortrag sollte zu endschaft bringen. Sie liessen uns demnach alle gelegenheit /
viel beisammen zu sein: da sie aber mit höchstem misfallen meine kaltsinnigkeit
vermerkten / und wie ich nichts weniger als liebe / an mir spüren liesse. Meine
mutter war die erste / die mir dieser wegen zuredte / und kann ich nicht sagen
/wie ungereimt es mir vorgekommen / dass eine Königs-tochter solcher gestalt das
landleben mit uns führen sollen: wie ich dann einsmals / in einem gespräche mit
dieser Prinzessin / das landleben aufs hochste verachtet. Sie hielte mir hierinn
die gegenseite / und versicherte mich / dass sie nie vergnügter / als in
Mesopotamien gelebet. Wir kamen hieruber in wortwechselung so hart aneinander /
dass ich / dieser Prinzessin niedriges gemüt verachtend / nicht alle die
höflichkeit gebrauchte / die man dem frauenzimmer zu leisten schuldig ist / und
dadurch anlas gabe / dass sie mit tränen von mir schiede.
    Wie nun dieses gleich überall kund worden / als gebare es mir / bei meinem
vatter und den andren /einen starken verweis / und brache es damit herfur /warüm
und aus was ursachen Eulea nach Haran gekommen wäre / und dass ich mich
entschliessen müste /diese Konigs-tochter zu ehlichen. Meine entschuldigung war /
dass / sonder einen zepter zu führen / ich diese ehre nicht begehren konnte / und
wie ich es für die hochste unbilligkeit hielte / konigliche personen in unsere
schåferhutten zu bringen / und also ihren stand zu verkleinern. Man finge
hierauf an / mir fürzustellen / wie diese lebens-art von dem Fursten Betuel /
unsrem grosvatter / nicht aus noht / sonderen aus sonderbarer beliebung / wäre
fürgenommen worden / und dass die beispiele der Prinzessin Milca von Chaldea
/unserer grosmutter / wie auch der Fürstin Semira von Hus / unserer mutter /
genug bezeigten / wie es Prinzessinnen kein schimpf sei / den schäferstab zu
führen. Es wollte aber solches alles bei mir nichts verfangen / und bliebe ich
bei dem schluss / man sollte mir zuvor erlauben / mich der Prinzessin Eulea würdig
zu machen / ehe man mich zwingen wollte / sie zu heiraten.
    Wie unlustig mein vatter / und die andern dieser wegen über mich worden /
stehet nicht zu beschreiben / und zoge es ihm der Prinz Bildat am meisten zu
sinne / weil er dieser heurat anfånger gewesen. Dieser gabe endlich den raht /
dass man mich mit gewalt zu dieser heurat zwingen sollte: deme zu folg meine
einwilligung nicht weiter erfordert / sonderen der hochzeit-tag angestellt wurde
/ da ich der Eulea die ehliche hand geben sollte. Es fiele mir aber lauter
unmüglich /hierein zu willigen / unangesehen ich gegen die person der Eulea
keinen widerwillen in mir gefület. Demnach fassete ich die Entschliessung /
heimlich davon zu gehen / und mein gluck in der welt zu suchen. Meine jungere
schwester Rahel / unangesehen sie damals noch sehr klein war / musste mir
beforderlich sein / hinweg zu kommen: welche mir bei nacht / als die da ståts in
der kammer meiner eltern schlieffe /einen guten anteil geldes und kleinodien aus
dem kasten in die hand spielte / damit ich in der fromde mochte zu leben haben.
Ich liesse / an deren statt /durch sie eine schrift in den kasten legen / darin
ich diese meine entwendung aufs bäste beschonte / und es doppelt zu erstatten
verhiesse / wan ich im krieg etwas wurde erworben haben. Der Eulea auch allen hass
zu benemen / hinterliesse ich an sie ein schreiben / darin ich mein beginnen
entschüldigte / und sie / wiedass ich / üm ihrer besitzung wurdig zu werden /
dieses furgenommen håtte / hochst versicherte. Ich will euch /mein Demas! nicht
weitläufig erzählen / wie man zu Haran meine flucht aufgenommen. Ich sage allein
/dass meinem bruder Betuel / der damals noch ein kind gewesen / nachgehends von
seinem übelgeratenen bruder viel vorgesagt worden / und ich zum beispiel dienen
müssen / sich an meiner tat zuspiegeln und desto williger das ruhige
schåferleben anzunemen: wie er dann auch solches / nach des Labans wunsch und
verlangen / ståts beliebet.
    Die Prinzen Bildat und Mamellus / zogen mit der Eulea ganz unwillig wieder
davon / und täten mir nachmals / als ich unter dem König von Assyrien in die
waffen gekrochen / alle ersinnliche hinternis / um zu verwehren / dass ich zu
keinen hohen kriegs-åmtern gebrauchet werden / und dergestalt meine ehrsucht
vergnugt sehen mochte. Aber die gunst des Prinzen Sinear / die mich auch bei dem
Assyrischen Prinzen in wolneigung gesetzet / ersezte die verfolgung dieser
beiden widrigen vettern / und erlangte ich durch dessen vermittelung / dass der
Konig von Babel mich in verschiedenen feldzügen / bald wider die Bactrianer
/bald gegen die Teutschen / bald gegen die Meden /mitgehen liesse: Da mir dann das
gluck nicht entgegen schiene / sonderen ursach gabe / so wohl in deme / was meine
ehre / als auch / was mein ehrliches auskommen beförderte / mehr dann wohl
zufrieden zu sein.
    Weil üm selbige zeit etwas vorfiele / so den Konig von Babel antriebe / dem
König Birsa hülf-volker nach Elassar / wider seine aufrurische untertanen /zu
zusenden / als traffe es eben mich / diese hulfe dahin zu fuhren. Also sah ich
nun wieder / zu Susa /die Prinzessin Eulea / deren damals von dem Elamiten Berug
/ welcher einer von den vier regenten in Elimais war / aufgewartet wurde. Ich
machte bald wieder meinen frieden bei ihr / wie sie mir vergonnte / dass ich ihr
dorfte meine ursachen mundlich furtragen / die mich bewogen aus Mesopotamien zu
gehen. Weil sie mir nicht übel wollte / auch mich in meiner damaligen
rittertracht wohl so angenem / als zuvor in der hirtenkleidung befande / gabe sie
nicht unklar zu verstehen / dass ich ihr wohl so lieb / als der Berug sein sollte
/wann ich dessen platz bei ihr zu vertreten mich entschliessen würde. Wie mich
nun solches annoch zu fruhzeitig dunkte / und ich erst recht beståndig mein
Glück einzurichten gesinnet war / als liesse ich mich nicht weiter gegen ihr
heraus / dann dass ich von der zeit erwarten musste / ob der himmel mich ausersehen
hätte / meine gedanken nach einer grossen Königs-tochter lenken zu dorfen.
Hieneben riete ich ihr ab /dass sie ja nicht dem Berug die ehliche hand geben
sollte / und vergnügte sie so sehr mit dieser lezten bezeugung meiner zu ihr
tragenden gedanken / als wenig sie sonst damit zufrieden bliebe / dass ich mich
noch so weit warfe / sie selber zu begehren.
    Wir wurden damals eben wider die kinder Eden zu feld gefuhret / die der
Birsa bekriegte: dass ich also die Eulea verlassen musste. Ich war aber nicht lang
von hofe gewesen / da täte sie mir zuwissen / wie der König ihr herrvatter
gånzlich gewillt wåre / sie dem Berug zu geben: deshalben ich kommen mochte /
sie zu erlosen. So ungern ich nun solches hörte / so unmüglich fand ich es /
diese ihre befreiung werkstellig zu machen. Und ob ich sie schon entführen
können /so wåre mir doch mit keiner Prinzessin auf solche weise gedient gewesen.
Ich verzoge derhalben etliche zeit / ehe ich ihr antwortete: inzwischen ich
immer von ihr mehr und stärkere anmahnungen bekame. Also ward ich endlich
bewogen / von dem feldherrn Belopares verlaub zu begehren / üm nach Susa zu
reisen. Ich wusste selber nicht / was ich daselbst tun wollte / und mehr von
ehrsucht als liebe getrieben /volführte ich meinen weg bis etliche stunden von
Susa: da ich die nachricht erhielte / dass des Berug beilager mit der Eulea schon
volzogen wåre. Dass mich dieses solcher massen sollte betrübt haben / wie es die
verzweifelte liebe erfordert / kann ich nicht sagen. Ich kehrte zwar traurig
zurucke / doch dergestalt / dass ich mich bald wieder trostete / und allgemach
der Eulea so gar vergasse / als wan ich sie niemals gekennt håtte.
    Was mir nun an ihrer person entzogen worden /solches ersezte mir das Glück
anderweit / durch erlangung vielen geldes und gutes / also dass ich mit reicher
beute aus Elassar hinweg zoge. Um nun den zorn meiner eltern zu tilgen / und
ihnen in erstattung des entwandten meine getane zusage zu halten / kame ich
/nachdem etliche jahre verlaufen waren / unvermutlich in Haran wieder an / und
teilte den meinigen von meiner erlangten beute so reichlich mit / dass ich
dadurch ihre huld bald wieder gewonne / und alles vorgegangene vergessen machte.
Wie auch der Laban sah / dass meine neigung gånzlich dahin gerichtet bliebe /
dem krieg ferner nachzufolgen / gabe er seinen willen darein / und gonnte mir /
dass ich zum andermal dorfte von ihm ziehen. Ich ginge / mit dem Prinzen Baleus /
in den Ophirischen krieg: welcher als er sich / wie weltkundig / geendet / und
wir nun mit dem Assyrischen heer zu Babel wieder angelanget / wurde mir / neben
andern kriegsbedienten / von dem König die landschaft Mesopotamien angewiesen /
mit unsern volkern uns dahin zu verlegen / bis wir / nach ankunft des
Assyrischen Prinzen / mit dem volligen heer weiter zu gehen / wurden befehligt
werden. Ich war fro / dass mich / bei dieser volker verlegung / die reihe eben
traffe / nicht nach Haran / sondern hieher nach Amida zu kommen: weil ich also
den meinigen keine plage sein dorfte.
    Ich wusste aber nicht / dass es der himmel also versehen hatte / üm die gegen
der Eulea erwiesene kaltsinnigkeit an mir so sehr abzustraffen / und zu Amida
mir meine freiheit zu nehmen. Ja / liebster bruder! und wehrter Demas! dieses
war also uber mich bestimmet / und will ich euch nun sagen / wie es mir bei
dieser meiner ankunft ergangen. Gleichwie ihr jezt alhier /mein Demas / das amt
eines verwesers in dieser landschaft versehet / also war damals der Almesia ihr
mann der jenige / der solches amt verwaltete. Es ist euch der Liches wohl bekant:
dass ich also nicht ursach habe / euch denselben weitlåufig zu beschreiben.
Dieser / aus antrieb seiner eigensinnigkeit / wollte mir verwehren / um Amida
meine leute zu verlegen / und wiese mich nach Samosata an den daselbst sich
befindenden haubtman: eine sonderbare freiheit furschützend / welche die von
Amida stäts gehabt håtten / von keinen kriegs-völkern belegt zu werden. Weil ich
/ als ein Syrer / bei meinen untergebenen Assyriern leichtlich einen verdacht
auf mich håtte ziehen konnen / als wan ich gar zu gut für dieses landvolk wåre /
und weil sie / als ermüdete soldaten / sehr verlangte / einiger ruhe zu geniessen
/ als musste ich / auf ihren antrieb /wider den Liches gewalt gebrauchen / als
der ganz unbesonnener weise die schåfere zusammen gerottet und dieselben
angefrischt hatte / mir den durchzug bei einem pass / den der berg Masius unfern
von hier machet / zu verwehren. Alda gabe es nun ein ungleiches gefechte / und
der ungedultige soldat / durchdringend / begunte in dieser landschaft nach
eigenem mutwillen und gefallen zu leben: welches ich vor der hand nicht gleich
verwehren kunte / weil diese aufrürische hirten dadurch mussten bestraffet und
die ergrimte soldaten dergestalt besånftiget werden.
    Wie nun hierdurch die stille ruhe / deren die schäfere bei ihren heerden
genossen / gånzlich aufgehoben /und alles üm Amida in die hochste verwirrung
geraten / da ich auch den Liches gefangen zu nemen mich nicht entbrechen konnen:
mochten kaum drei tage nach meiner ankunft verstrichen sein / da wurde mir in
Amida eine schåferin für gebracht / die man /wegen eines an einen der furnemsten
haubtleute von unsrem heer begangenen mordes / hatte gefangen genommen. Als ich
sie zur verhör kommen lassen / kann ich nicht sagen / ob ihre wunderschöne / oder
ihr majestätisches unerschrockenes wesen / oder diese ihre dapfere tat (die man
mir zugleich erzehlte) mich am meisten bewogen und eingenommen habe: massen
meine augen / ohren und sinne so vollig bezaubert wurden / dass ich das in dem
augenblick an mir zu fühlen begunte / was ich vordessen nie entfunden hatte.
Ihre anklågere brachten nach der länge vor / wie ihr haubtman / der sich
Mesistus genant / diese dirne /welche sie unter den hirtinnen gefangen bekommen
/zu seiner lust gebrauchen wollen: da sie aber / mit unerhorter verwegenheit /
sein schwerd ergriffen / und ihn damit dermassen verwundet / dass er davon
sterben müssen. Eine angeneme schamrote uberzog ihre wangen / als man mir diese
tat / die man ihr anmuten dorfen / so offentlich erzehlte.
    Nachdem ich ihr befohlen / sich zu verantworten /sah sie mich mit solcher
herzhaftigkeit an / zugleich ihren unmut erweisend / dass sie båsser die stelle
des richters / als eines beklagten / hätte bekleiden mogen. Ich habe zu der
verantwortung nichtes hinzuzufügen /(sagte sie) die meine anklågere bereits fur
mich getan / und verhält es sich allerdings / wie sie zu meiner rechtfärtigung
erzählt haben. So haltet ihr das (fragte ich sie) für ein geringes / an einen
koniglichen haubtman hand anlegen? Um meine ehre zubewahren / ( antwortete sie
ganz mutig) wollte ich Konige selbst also abfärtigen / wan die des sinnes wurden
/ den der ehrlose Mesistus erweisen dorfen. So beherzter reden (versezte ich)
håtte ich von einer gemeinen schåferin mich nicht versehen. Versichert euch /
Fürst von Haran! (gabe sie zur antwort) dass alle meine gespielinnen in Amida
also reden werden / wie ich / und dass nicht der stand / sondern die tugend /
herzhaft mache.
    Es will aber der ton eurer sprache anzeigen /(sagte ich ferner) dass ihr
nicht in diesem lande bürtig / und das ein anderer ort / als Amida / so kuhne
dirnen herfur bringe. Ich bin hier freilich fromd / (widerredte sie) doch habe
ich unter denen von Mesopotamien soviel tugend und erbarkeit / als schande und
laster unter den Babyloniern / gefunden. Wofern aber der Furst Nahor mich und
die andere bedrangte hirtinnen nicht schützen wird / so will ich sagen / dass er
unwürdig sei / zwei so tugendhafte schwestern zu haben /als der himmel ihme
gegeben. So sind euch (fragte ich) meine schwestern bekant? Ich habe zu Haran
(antwortete sie) so viele gute von des Fürsten Labans kindern entfangen / dass
ich niemals ihre gesellschaft wurde verlassen haben / wan nicht eine sonderbare
ursach mich dazu bewogen hätte. Ich erzehle euch alle diese kleine gespråche /
die ich mit der schöne Aprite geführet / um euch dadurch fürzustellen / welcher
gestalt ich den liebesgift / wiewol unvermerkt / in mich gesogen habe.
    Ich liesse sie hierauf wieder abfuhren / und fand zwar in ihrer tat viel
mehrers / das lobwurdig / als das strafbar ware: ich musste aber / den Assyriern
zu gefallen / diese meine gedanken verbergen / und / des entleibten Mesistus
fürneme verwandten zu vergnügen / diese sache fur den feldherrn Laristenes
gelangen lassen / welcher mit seinen völkern zu Phalaga sich befande. Dieser
wollte / in der ersten hitze / so fort mit ihr zum feuer / und bekame ich diesen
unverhofften befehl / als jezt mein liebes feuer gegen diese schone immer grösser
wurde: massen es mich auch getrieben / meine gefangene zum öftern / wiewol
heimlich / in ihrem gefångnus zu besuchen. Weil ich so eine grausamkeit von dem
Laristenes nicht vermutet / als hatte ich die Aprite auf ihre erlösung gewiss
vertrostet / auch / üm in allen dingen ihr zu fugen / ihr zugelassen / dass eine
schäferin / Baalise genant / stäts bei ihr bleiben dorfte / die sie überaus
liebte / und allen ihren trost in deren gesellschaft fand. Ich wusste nun nicht
/ wie ich diesen dingen tun sollte / und den ublen bescheid verbergend / den ich
entfangen / ritte ich selbst nach Phalaga / um den Laristenes mit beweglichen
grunden zu mildern gedanken zu bereden.
    Alles was ich erhalten konnen / ware dieses / dass man ihr das leben
geschenket: im ubrigen sollte sie aus Amida schimpflich verwiesen / und vorher /
andern zur abschreckung / an einen pfal gestellet werden /welches in
Mesopotamien für die höchste beschimpfung und fur unehrlich gehalten wird. Ich
musste also wieder abziehen / und damit zufrieden sein / dass ich der Aprite zum
wenigsten das leben gerettet hatte. Sobald ich nach Amida wieder gekommen /
verzoge ich wohl acht tage / ehe ich / dieses urteil ergehen zu lassen / mich
entschliessen kunte / und geriete in die hochste betrubnus: wie dann jederman eine
grosse ånderung an mir verspurte. Ich hielte aber alles das / so mich hierbei
krånkte / für ein sonderbares mitleiden gegen der tugendhaften Aprite / und
wollte mir selber nicht gestehen / dass ich diese bettlerin liebte: ob ich wohl in
mir alle die wirkungen fuhlte / die eine håftige liebe zu erwecken pfleget. Ich
nenne sie eine bettlerin: weil ihre armut so gross war / dass sie bei andern
hirtinnen zur heür innsasse / und ihre nahrung damit verdienen musste / dass sie
ihnen das vieh hütete / und auf die weide triebe. Dieses ihr unvermögen / auch
der unbekannte stand / samt der ihr nun bevorstehenden beschimpfung / machten
mich innerlich beschamt / einige liebe gegen ihr zu entfinden.
    Weil nun solche / durch ihr anschauen / immer gemehret wurde / als name ich
mir vor / sie nicht mehr zu sehen: zumal ich auch nicht wusste / was ich ihr
sagen sollte / nachdem ich gehalten war / das beschlossene urteil über sie
ergehen zu lassen. Ich befahle demnach einem von meinen treusten
kriegshaubtleuten / das urteil an der Aprite zu volstrecken / und sie folgends
nach Haran zu meinen schwestern zu bringen: die ich bitten liesse / sich ihrer
anzunemen. Ich stellte auch diesem haubtman eine stuck geldes zu / die er der
Aprite / wan sie wurde in Haran angekommen sein / von meinetwegen zustellen
sollte. Ich selber reisete von Amida hinweg: weil mir unmüglich fiele / dabei zu
sein / wan man mit der Aprite also verfahren wurde. Indem ich nun zu Samosata in
schmerzlichster unruhe mich aufhielte / wurde / auf dem grossen markte zu Amida /
die unschuldige Aprite an den schandpfal gestellet / und folgends /gleich den
schåndlichsten misstätern / aus selbiger landschaft verwiesen. Man kunte mir
nicht gnug beschreiben / wie freudig sie sich hiebei erzeiget / und wie sie es
für die hochste ehre gehalten / üm solcher tat willen solche schmach zu leiden.
Sie hatte auch die und ümherstehende und håftig weinende hirtinnen vermahnet /
ihrem beispiel zu folgen / und / zu erhaltung ihrer wahren ehre / diese
vermeinte ehren-kränkung nicht zu scheuen.
    Als der haubtman / den ich ihr bis nach Haram mitgegeben wiederkame /
erzehlte mir der auch / wie willig man in Haran diese schöne aufgenommen / wie
Lea und Rahel sie gleich als in einem triumf eingeholet / und sich im geringsten
an ihrer erlittenen beschimpfung nicht geårgert håtten / sie in ihre
gesellschaft nicht kommen zu lassen / und sie anderst als lieb und wehrt zu
halten. Ich kann nicht beschreiben /was ungemeine vergnügung mir dieses erwecket.
Als er mir aber ferner sagte / wie dass Aprite das geld / so ich ihm für sie
mitgegeben / keines wegs annehmen wollen / und er daher genötigt worden / es der
Rahel zu hinterlassen / welche über sich genommen / es der Aprite noch
beizubringen: bekame meine vergnugung eine starke beunruhigung zur begleiterin /
indem ich mir fürstellte / dass diese schöne einen hass auf mich müste geworfen
haben / weil sie / bei ihrer bekanten grossen dürftigkeit / von meiner hand
etwas anzunemen / verschmähete. Ich bildete mir vor / dass diese schöne mich
vielleicht für die ursache ihrer beschimpf- und verbannung halten würde: wiewol
ich /durch meinen hauptman / sie eines andern versichern lassen / und dass ich zu
allem diesem gezwungen würde.
    Ich entschlosse demnach selbst eine reise nach Haran zu tun / um mir die
vergnugung wieder zu geben / die mir das anschauen der schönen Aprite erwecken
kunte. Bei den meinigen aber die wahre ursach dieser meiner hinreise zu bergen /
kame mir sehr wohl zu statten / dass der damalige Kron-prinz von Babel / Baleus /
uber Haran nach Syrien reisend /bald dahin kommen wollte: deme ich dann entgegen
/und mit ihm vollends nach Damasco zu gehen / befehligt war. Als ich nun die
gegend Haran erreichet / liesse ich alle meine leute von mir nach der stadt
gehen /und begabe mich ganz allein unter die hirten: die nur den ort zeigeten /
wo meine schwester bei den schafen sich aufhielte. Weil die verliebten sehr
scharf sehen /wurde ich bei ihr der Aprite huld gewar: die aber nun båsser als
sonst / unter den andern herfur schiene /weil sie der Rahel ganz gleich
gekleidet war / und nicht mehr so armselig sich sehen liesse. Es ist zu erachten
/ wie mich dieses ergetzet: weil ich daraus vermutete / dass mein geld diese
änderung ihres zustandes bei ihr würde zu wege gebracht haben.
    Der fürwitz triebe mich / weil ich sie mit meiner schwester ämsig reden
fand / ihrer unterredung heimlich zuzuhören. Demnach schliche ich hinter den
baumen hinzu / und als ich ganz nahe gekommen / horte ich eben die Aprite also
reden: Dringet nicht ferner in mich / schone Fürstin! euch zu entdecken / was
meine tränen verursachet! massen ich / sonder an meinem Gott / bei dessen namen
ich / solches niemanden zu offenbaren / geschworen / treubrüchig zu werden
/nicht wurde tun konnen. Weiss doch die Baalise euer anligen? horte ich Rahel
antworten: Liebet dann diese euch mehr / als ich tue? Baalise (fuhre Aprite fort
zu reden) ist allezeit und uberall in meinem leiden zugegen gewesen: daher ich
ihr das nicht vertrauet / was sie selbst mit belebet / auch daran nicht wenig
anteil hat. So folget dann hieraus nicht / dass ich meine Fürstin / die mir so
viel gutes tut / weniger lieben sollte /als die Baalise. Nachdem sie biss gesagt
/ wollte sie der Rahel die hånde küssen: die ihr aber / an deren statt / den mund
darreichete.
    Indem wischete ich hinter den bäumen herfur / und ganz vergnugt / sie in
solcher freundschaft beisammen zu wissen / liesse ich mich von ihnen sehen / und
machte mit meiner ankunft bei meiner schwester so grosse freude / als viel
besturzung ich bei der Aprite erwecket. Dann / als ich jene geküsset / sah ich
diese hinweg eilen. Ich rieffe ihr zu: sie sollte doch nicht fliehen / weil sie
in Haran nicht ursach hätte / mich zu furchten / als wie in Amida / da ich /
wider den meinigen / der grausamen Babylonier willen erfullen müssen. Mir ist
(antwortete Aprite) zu Amida von dem Fürsten Nahor nichts böses wiederfahren /
und habe ich / was man mir / zu verkleinerung meiner ehre / daselbst erweisen
wollen / als die hochste ehrbezeigung aufgenommen: weil man / mich für aller
welt aufstellend / derselben damit kund gemachet / dass ich die ehre und das gluk
gehabt / meine ehre zu retten und zu bewahren. Ihr seit freilich / (gabe ich zur
antwort) mehr beehret als beschimpfet worden: welches auch mich / der ich dieses
ungerechte urteil ergehen lassen mussen / getrostet und beunruhiget / ob es
gleich die unbesonnene Babylonier nicht also verstanden. Eure dapfere tat
verdienet / dass man euch in Mesopotamien eine ehrenseule / zum ståtswårenden
gedåchtnis /aufrichte / und damit euren ruhm der nachwelt kund machen.
    Aprite schluge zu diesen worten / aus schamhaftigkeit / die augen nieder /
und kame damit mehr gesellschaft zu uns / die mich bewillkommeten / worunter
auch etliche von unsern brüdern waren: daher ich mich entsah / vor so vielen
aufmerkern mit der Aprite ferner zu reden. Ich nam derhalben die Rahel bei der
hand / und sonderte mich von den andern ab / um allein mit ihr zu reden und von
der Aprite zustand etwas umståndlichers zu erfahren. Weil Rahel mich /von
Kindesbeinen an / vor allen ihren geschwistern geliebt / als konnte ich mich ihr
auch am sichersten vertrauen: daher ich ihr nicht verhelete / wie mir die Aprite
so wohl gefiele / und sie bate / mir zu sagen /was sie eigentlich von ihr wusste.
Also erfuhre ich /dass Aprite und Baalise / vor weniger zeit / ganz dürftig und
armselig nach Haran angekommen wåren /und in unsers vatters haus ihren
aufentalt gesuchet /auch solchen so fort erlanget. Ich vername / dass sich
gleich ihre ungemeine tugend herfür getan / und darüm Lea die Baalise / Rahel
aber die Aprite / ihr mehr zu freundinnen als mägden erkieset / auch in
vertraulicher gesellschaft mit ihnen gelebet. Diese hatte lang ruhig gedauret /
bis des Oberpriesters im tempel des Teraphim einziger sohn / der Chersis /sich
so heftig in die Aprite verliebet / dass er dafür nicht ruhen können: weswegen
sein vatter bei dem Laban zu weg gebracht / dass diese beide frömde Haran
verlassen / und nach Amida sich begeben müssen. Weil aber Chersis ihnen dahin
gefolget / wäre der Oberpriester bewogen worden / diesen seinen sohn gar aus
Mesopotamien hinweg zu nemen / und nach Ur zu schicken: da er sich auch noch
befånde.
    Als Rahel mir dieses sagte / kunte ich mir nicht wehren / ihr in die rede zu
fallen / und sie zu fragen: warum dann / der Oberpriester Telecles / dieser liebe
seines sohnes so entgegen wäre? Ist das auch fragens würdig? (antwortete mir
Rahel / mit verwunderung) Telecles hat ja mehr als grosse ursach / dieser liebe
seines sohns zu widerstreben / weil sie seinem ehrenstand und hohem haus ein
ewiger schimpf sein würde. Diese worte der Rahel machten mich erroten /und sie /
die meine änderung beachtet / mich üm deren ursache befragen. Ich wurde uber
mich selbst ungedultig / dass ich also mein gemüt entdecket / und dass meine
jungere schwester / die so viel jahre weniger als ich hatte / mich lehren sollte
/ wie die gebur unsers Fursten-standes erforderte / durch eine gemeine heurat
denselben nicht zu entehren. Ich bliebe demnach ganz verwirret über dem / was
ich antworten wollte / und sagte endlich zu der Rahel sonder auf ihre frage
bescheid zu geben: Ihr liebt ja einander so sehr / wie ich iezt wargenommen /
dass ich vermeine / ihr wurdet dieses gluck / des Telecles sohn zu ehlichen /ihr
nicht misgönnen können.
    Keines wegs wollte ich (gabe mir Rahel zur antwort) ihr dieses misgonnen /
wenn es ihr håtte werden mogen. Sie ist aber selber so hochverståndig / dass sie
dergleichen / was ihr nur hass und verfolgung erwecken wurde / nicht begehret;
und überdas allem heiraten so gar zu wider / dass der ihr freund nicht bleibet
/der ihr solche dinge fürsaget. Ich habe ja diese tage mit ihr gescherzet / das
ich sie wollte meinem manne zum kebsweib geben: dass ihr aber so entfindlich zu
horen gewesen / dass ich gnug mit ihr zu schaffen hatte / es ihr wieder aus dem
sinne zu bringen. Solte dann das (fragte ich / mit nicht minderer verwirrung
/als zuvor) dem Fürsten Jacob / oder euch selbst /nicht nachteilig sein / eine
solche ehegesellin zu bekommen? Keines wegs! (antwortete Rahel) weil ein
kebsweib von herkunft sein darf / wie sie will / und zu keinem geschlechte
gerechnet wird. Diese worte brachten mir in die gedanken / auf solche weise die
Aprite für mich zu begehren: und offenbarete ich hierauf der Rahel diese meine
Meinung / ihr nichts verhelend / von allem dem / was ich in mir entfunden / seit
dass ich diese schone zu Amida gesehen. Weil Rahel mich liebte / und die Aprite
sonders verehrte / als wunschte sie / dieses mein verlangen erfüllet zu sehen.
Sie verschwiege mir aber nicht / dass auf der Aprite seite hierzu wenig hoffnung
wåre: weil sie / da ihr das heiraten zuwider / viel weniger auf solche weise den
ehestand belieben würde. Sie erzehlte mir nun ferner / wie dass sie immer traurig
wäre / und stäts weinete / wann sie sich allein såhe: welches dann aus einem
sonderbaren anligen herruren müste.
    Nachdem ich ihr hierauf dieses mein anligen båster massen anbefohlen / und
mich folgends allein befande / erwoge ich meinen gefassten entschluss: der mir
eher entfahren war / ehe ich ihn recht bedenken konnen. Ich hatte mir selbst
noch nie gestehen wollen / dass ich liebte / musste es aber nun gern nachgeben /
und fand meine liebe so häftig / dass ich mich selbst dafür entsezte. Mein hoher
geist verkleinerte mir die Aprite dermassen / dass ich sonder erroten an sie
nicht gedenken konnte: da hingegen meine liebe sie dermassen erhube / dass ich sie
weit uber die Eulea und alle konigliche Prinzessinnen schätzete. Ich halte mich
aber mit allen diesen kleinen sachen so lang auf / dass ich besorge / meinen
zuhorern damit einen verdruss zu machen. Ich will mit wenigem nur noch dieses
sagen /dass nach meiner ankunft in Haran / ich keinen tag verabseumt / die Aprite
zu suchen und mit ihr zu reden. Einsmals name ich anlass / gegen ihr es zum
höchsten zu beklagen / dass ich nicht lieber alles mein Glück bei den Assyriern
verscherzet / als dass ich zugelassen / dass man dergestalt zu Amida mit ihr
verfahren. Worauf sie mir zur antwort gabe: Ich håtte ihr keinen grossern
gefallen / als eben diesen / erweisen konnen. Als ich nun inståndig bei ihr
anhielte / mir dieses zu erklåren / sagte sie endlich: Håtte der Furst von Haran
sich anderst hierin gegen mir erwiesen / so möchte meine ehre gar leicht eine
böse nachrede bekommen haben / als wan diese barmherzigkeit des Nahors aus
unzimlichen dingen herrurete; dass mir dann unerträglicher / als der tod / würde
gewesen sein. Schöne Aprite! (antwortete ich ihr /) ich weiss nicht /was es euch
für üble nachrede bringen sollte / wan schon die welt aus dieser meiner
barmherzigkeit erkant hätte / dass ich euch liebe. Diese meine worte machten die
Aprite erroten / und da sie zu antworten verzoge / fassete ich sie bei der hand
/ zu ihr sagend: Vermeinet ihr dann / schonste hirtin! dass man eure augen ansehen
könne / sonder deren gefangener zu werden? und sehet ihr mich fur so
unentfindlich an /dass mich eure himmlische schonheit nicht verwunden sollte?
    Diese meine freie erklärung setzete sie in åusersten zorn / und sagte sie /
mich ganz verächtlich anschauend: Eben also redete mit mir Mesistus / und wie
ich deme den lohn gegeben / den er verdienet / so bin ich auch fähig / gegen die
ganze welt meine ehre zu verteidigen. Hiemit ginge sie von mir / und hatte ich
nicht den muht / ihr zu folgen / ware auch so gar aus mir selber / dass ich wohl
fühlete / wie ich nicht fähig wäre / ihren zorn zu ertragen. Ich ginge / des
andern tags hiernach / zu meiner schwester / um die anzutreiben / dass sie der
Aprite den vortrag täte / wie ich sie zum kebsweibe begehre. Ich musste aber von
ihr vernemen / wie die Aprite bei ihr gewesen / und sich zum höchsten uber mich
beklaget / dass ich sie so hoch beleidigt; und als sie hierauf meine Meinung ihr
entdecket / sei sie mit solchem widerwillen abgewiesen worden / dass sie die
geringste hoffnung für mich nicht übrig sehen konnte. Alle diese widrige
bezeigungen der Aprite vermehrten nur meine liebe / und name darbei meine
ehrerbietung gegen ihr also zu / dass ich soviel herze nicht mehr hatte / mich
ihr zu nåhern / sondern sie / gleich der höchsten Konigin der welt / förchtete.
Also bliebe sie von fernerer verfolgung meiner liebe unangefochten / und
verschobe darum ihr vorhaben /Haran zu verlassen / weil sie ohn zweifel
vermutete es würden mir diese gedanken gegen ihr wieder vergangen sein.
    In solcher zeit / kame der Prinz Baleus in Mesopotamien / und war ich
gehalten / mit demselben nach Damasco zu reisen: da ich dann / vor unsererm
Aufbruch / nochmals gelegenheit suchte / mit ihr von meiner liebe zu reden. Ich
fand sie / den abend zuvor /bei meiner schwester / da sie sich meiner ansprache
gar nicht versehen. Ich lage ihr zu füssen / ehe sie und die Rahel meiner gewahr
geworden. Alles / was nur eine heftige liebe hervorzubringen vermag / wurde
dieser unempfindlichen angebracht: die aber mit solchem hochmut mich abwiese /
dass auch Rahel / so lieb ihr sonst die Aprite war / zu unwillen gegen ihr
darduch bewogen wurde. Ich musste nun also sonder hoffnung hinweg scheiden / und
weil unwille und liebe mich zugleich besassen / fühlte ich nachgehends manchen
kampf in mir / welches von diesen beiden überwinden sollte: da dann / bald die
liebe / bald der hass / die oberhand bei mir behielten. Mit solchen anfechtungen
verbrachte ich in Syrien die ganze zeit. Es verursachte zwar die grosse unruhe in
Damasco / dass ich zuweilen der Aprite vergessen / uns wichtigere Dinge
beobachten musste: wiewohl allemal / so oft ich meinen gedanken gehör geben kunte
/ ihr bild sich meinem gemüte / und zwar mit dem grössten annehmlichkeiten /
fürstellete / wodurch meine liebe stäts bei nahrung erhalten wurde.
    Wie nun / in vergangenen herbst / diese grosse änderung in Syrien sich
begaben / und wir so unvermutlich / des Babylonischen jochs entledigt / unsern
rechten herrn / den König Aramenes / wieder bekahmen /entstunde zwar / bei allen
Syrischen Fürsten / als des Königs blutverwandten / die hoffnung / dass sie nun
bei dieser neuen Regierung bässer zeit haben / und mehrerer glückseligkeit
geniessen würden. Es wiese sich aber / dass der Fürst Baracheel des Königs
vorhaben billigte / dass alle tempel und deren geistliche in Damasco hinweg
geschaffet wurden: die sich da an uns hängten / und uns um schutz anflehten / so
aber von uns vergeblich fürgenommen wurde.
    Ich spürete nachmals / weil ich für die ehre der götter zeimlich frei
geredet / dass des Königs und der Königin angesicht gegen mir nicht war / wie
sonsten /und wurde ich endlich bewogen / den hof zu verlassen: zumal mir auch /
in der gesandschaft an den König der Aboriginer / des Mitreus fürgezogen wurde /
da ich die ehre gesuchet / diesem König die heurat unserer Königin anzutragen.
Also begabe ich mich/im anfang des winters hieher in Mesopotamien /meine schöne
Aprite zu Haran noch zu finden vermeinend. Ich wurde aber bei meiner ankunft
innen / dass sie / und zwar meint  wegen / sich von dar hinweg begeben: weil der
Laban / unser vatter / etwas von meiner gegen ihr tragenden Liebe erfahren / und
darum durch schimpfliches reden sie veranlasst habe / unser gegend zu
verlassen. Wie dieses mich geschmerze /kann ich nicht beschreiben: wiewol ich /
gegen die meinigen / ausser der Rahel / solches nicht ausliesse. Nach fleissiger
kundschaft / erfuhre ich endlich / dass Aprite in dieser Landschaft Amida sich
aufhielte: dahin sie nun frei kommen dorften / weil der Babylonier herrschaft
und gewalt in Mesopotamien nun zum ende war / und sie nach deren verbot sich
nicht mehr zu richten hatte.
    Meine liebe triebe mich so fort / hieher zu kommen: und werdet ihr / mein
Demas! euch noch wohl erinnern / wie ich heimlich die herberge bei euch genommen
/ und durch eure vermittelung allhier verborgen geblieben / dass niemand / wer
ich war / erfahren mogen. Wie ich nun unter der hirten-tracht / des folgenden
tags nach meiner ankunft / den unseren von hie belegenen tempel des Teraphim
besuchet / hatte ich das gluck / dass ich in demselbigen die Aprite unter anderen
hirtinnen erblickt. Hatte nun bisher /die abwesenheit / meiner liebe nit
schaden konnen / so werde dieselbe nun um soviel mehr vergrossert / da ich diese
schone wieder in die augen bekame / die ich noch eben so liebreitzend als vor
dem befande: massen alle die grosse unvergleichliche schönheiten / die ich
entzwischen in Damasco gesehen / die verwunderung vor die Aprite in mir nicht
vermindert hatte. So schon aber ihre gestalt war / so armselig sah ich sie
herein gehen. Ich stellte mich unter den andern hirten /und fragte einen meiner
beistehern / auf die Aprite zeigend / ob ihm selbe schåferin bekant wäre? Dieser
berichtete mich hierauf ümståndlich / wie Aprite bisher / neben noch einer
andern frömden / bei ihnen gewohnet / und eine eigene schåferei geheuret / aber
derentwegen / weil sie nicht bezahlen können / mit einem schäfer / namens
Oromedon / im recht lebte: worüber folgenden tags / vor dem verweser Demas /da
die sache anhängig / ein urteil sollte gesprochen werden / welches wohl für diese
beide frömde nicht zum bästen ablauffen wurde.
    So sehr mich nun dieses schmerzte / so begierig ware ich / der Aprite
hierunter zu dienen / und name ich mir für / ihr ein stuck geldes / zu bezahlung
der kaufsumme austruge / darzuzehlen / und verhoffte /mich dadurch in ihre gunst
wieder zusetzen. Nachdem ich den folgenden tag mit verlangen erwartet / wurde da
in eurem hause / mein Demas! diese sache zwischen dem Oromedon und der Aprite
und Baalise fürgenommen: da dann / wie ihr noch wissen werdet / dem Oromedon
dieser beiden ihre schäferei zugesprochen worden / woferne sie nicht in kurzem
ihme die zahlung tun wurden. Sobald nun euer haus von dieser
schäfer-gesellschaft wieder geledigt worden / folgte ich heimlich der Aprite /
wiewol von fern / auf dem fusse nach / und wie ich ihre wonung in der stadt
Amida bemerket / ginge ich zu ihr hinein: da ich sie bei der Baalise sitzen und
weinen fand. Sie kenneten mich anfangs nicht / unter dieser hirten-kleidung.
Wie ich aber anhube zu reden / und mich ihnen zu offenbaren / spürete ich / dass
solches eine ungemeine bestürzung bei der Aprite erweckte. Ich hatte so viel
geld /als sie dem Oromedon auszahlen sollten / mit mir genommen / finge / üm mich
damit angenem zu machen / meine unterredung damit an / und uberlieferte es der
schönen Aprite / sich und die schäferei dadurch frei zu machen.
    Was hatte da diese grausame zu tun? An statt / dass sie mir hiefur dancken /
und über so unverhofter hülfe sich frolich anstellen sollen / liesse mich ein
erzurntes unwilliges gesicht sehen / und sagte mir frei in die augen: Es wurde
ihr die armut und herzens not nicht so unerträglich sein als / dass sie mir auf
einige weise verpflichtet leben sollte. Ich vermeinte sie auf einen gelinderen
sin zu bringen: aber es vermochte alles nichts bei ihr / und lieffe sie endlich
von mir hinweg in den molken keller: den sie hinter ihr verschlosse /und mich
also mit meinem gelde bei der Baalise allein liesse. Dieser sprache ich nun
ferner zu / ihre freundin auf andere gedanken zu bringen / und richtete bei der
so viel aus / dass sie das geld zu sich name / und die Aprite zu bereden verhiesse
/ dass sie es von mir annåme: daher ich etwas wohl gemut von dannen schiede. Aber
des andern morgens kam ein kleiner hirtenknab in meine kammer / der mir mein
geld wieder brachte /und sofort wieder hinweg eilete / dass ich ihm nichtis sagen
kunte.
    Ich spürete nun hieraus / dass Aprite nicht zu bereden wåre / und bewunderte
die ungemeine grosmut dieser hirtin. Bald hernach vername ich mit nicht geringer
befrömdung / dass Aprite und Baalise sich für mågde an die Almesia / des Liches
witwe / verkaufet: die dafur den Oromedon bezahlet / und den schäferhof
eingenommen / welchen den sie solang besitzen und geniessen wollte / bis Aprite
und Baalise so viel würden verdienet haben / dass sie ihn selbst wieder annemen
konten. Wiewol ich nun hierdurch von meiner liebe hätte sollen abgeschrecket
werden / so fuhlete ich doch zum gegenspiel / dass Aprite mir gleich angenem
verbliebe / sie mochte magd oder Königin / reich oder arm / veracht oder geehret
sein: wie ich dann hierauf aus dieser landschaft so verliebt wieder hinweg zoge /
als ich jemals mochte gewesen sein.
    Ich schämte mich aber in Haran / der Rahel / nun ferner zu gestehen / dass
ich Aprite / als eine magd /noch liebte: und / um so wohl meiner eltern verlangen
/als meine liebe zu vergnugen / folgte ich dem beispiel meines brudern / des
Betuels / (welchen die liebe zu gleicher Entschliessung gebracht /) und begabe
ich mich in das hirtenleben / das ich zuvor mein lebenlang gehasset. Um aber den
Jacob und unseren andren brüdern keinen eintrag zu tun / verliesse ich Haran
/und begunte in Amida mein wesen anzufahen. Allhier habe ich nun zum oftern
meine schöne gesehen: die aber / so sehr ich mich üm den genuss ihrer gegenwart
bemuhet / so sehr hingegen die meinige zu meiden und zu fliehen sich beflissen.
Ich habe aber nun bei mir fest gesetzet / sie zur rechtmässigen Ehe zu begehren /
und dadurch zu ersetzen / dass ich ihr vordessen angemutet / mein kebsweib zu
werden / wovon auch nichtes in der welt mich abbringen soll: und finde ich so
grosse ungemeine tugend bei dieser schönen / dass sie unmüglich von gemeiner
geburt sein kann. Es wird mich auch nicht beschimpfen konnen / wann ich eine so
tugend vollkommene schönheit / sonderlich bei diesem landleben / das wir führen
/ in dem Furstenstand erhebe.
                                     * * *
    Als der verliebte Nahor hiemit seine rede geendet /und mit fleis die neue
eifersucht / die ihme sein erkanter mitbuhler verursachet / verschwiegen hatte /
um diese beide Fursten / welche daselbst ganz unbekant sein wollten / nicht
melden zu dorfen / stunden Betuel und Demas an / in erwågung / wie håftig
dieser Fürst seine liebe fürgebracht / ihn so fort davon abzumahnen. Indem
wurden sie alle dreie gewar / dass unfern von ihnen / ein wagen mit etlichen
reisenden personen / durch den fluss Masca setzete / und zwar an einem orte / da
der strom gar tief war: daher / weil diese fromde / so der furt nicht recht
kündig / dass auch die schnelle flut den wagen umwiegte / und also diese
reisfahrende in leib- und lebens gefahr stürzte. Diese dreie nun / vom mitleiden
gereget / liefen ungesäumet den berg hinab / und riefen ihren unfern davon sich
befindenden hirtenknaben / eiligst herbei zu kommen / und diesen fromden
beistand zu leisten. Wie sie nun an das ufer gelanget / fanden sie alda zu gutem
Glück etliche kleine nachen: welche sie so fort los schnitten / und mussten sich
etliche von den knaben hirten hinein werfen / und nach dem orte fahren /da
dieser ümgeworfene wagen samt den verwickelten pferden im strom lage / allwo die
darin sich befindende personen eiligster hülfe mehr dann hochst benotigt waren.
Indem nun etliche die strånge der pferde losrissen dieselbe zu retten / boten
die andern denen im wasser ligenden ihre hirtenstäbe und fischerstangen / an die
sie sich hielten / und damit in die kähne gezogen / auch so fort zu lande
gebracht wurden.
    Dieser unbekanten waren fünfe / und unter denselben drei weibspersonen: von
welchen die eine / die wegen ihrer pråchtigen kleidung und aus anderen
anzeigungen die fürnemste zu sein schiene / mit solcher fürtrefflichen schonheit
herfür leuchtete / dass der schrecken und die ausgestandene todes-angst solche
keines wegs zu verdunklen vermocht hatten. Und Nahor von dem wunderglanz seiner
Aprite eingenommen war / ingleichen der Betuel eine von den furnemsten
schonheiten der welt geliebt / auch annoch ein dergleichen wunderwerck der
natur liebte / so blieben sie doch beide / neben dem Demas / ganz verwunderet /
als ihme diese frömde zu gesicht kame: und mussten sie gestehen / dass sie wenig
ihres gleichen gesehen / und dass / auser den beiden Syrischen Aramenen und der
Konigin von Syrien / keine den vorzug uber sie mit fug begehren konnte. Weil sie
von dem bereits-eingeschlukten wasser ziemlich geschwächet / und von der nässe
schier verklummen war / als bedankte sie sich gegen ihre erlösere / fur die
erwiesene hülfe / mit wenigen / jedoch sehr angenemen worten! der Demas erbote
sich also fort / sie mit den ihrigen in sein haus aufzunemen / dass sie alda
dieses erlittenen unfalls sich erholen möchten: welches sie sehr erkentlich
anname.
    Hierauf wandte sie sich nach ihren beisichhabenden / und fragte / ob der
Megadostes noch nicht bei ihnen wäre? Indem aber dieselben ihr bescheid geben
wollten / ersahn sie ihn eben / wie mit etlichen seiner dienern zu pferd er
durch den strom sezte / und auf sie zukame / auch / weil er die rechte flut
getroffen /glücklich hindurch kame. Dieser gabe seine ansehnliche Majestetische
gestalt / im nåher kommen / den anwesenden Mesopotamiern vollkomlich zuerkennen
/truge seinen arm in einer schårpe / und bezeugte mit gebärden seine bestürzung
/ diese fromde dame in solcher gestalt zu finden. Nachdem er vom pferd gestiegen
/ und diesen unfall mit wenigem vernommen /wandte er sich zu dem Nahor und den
andern / und sagte: Ihr habet / edle hirten! diese gutat keinen undankbaren
erwiesen / und werdet auch / gegen versicherung gewisser erkentnüs / fernere
gütigkeit einwenden / dieser schonen euren hulflichen beistand zu leisten. Wir
bieten alles an / was wir vermogen / (gabe Nahor zur antwort /) einiger massen
durch unsere dienste die ungelegenheit zu ersetzen / so dieser schonen von den
unbescheidenen wellen zugezogen worden: massen die hirten unseres standes / ohne
entgelt gastfrei und dienstfårtig zu sein / alhier gewonet sind.
    Weil die zunemende schwachheit der fromden nicht vergönnte / sich alda
länger aufzuhalten / als brache der unbekannte das gespräche ab / fassete diese
dann unter den arm / und hube sie mit des Nahors hulfe auf den wagen / den
inzwischen die hirtenknaben aus dem strom herbei gebracht hatten: worauf der
Demas nach seinem hause voran ginge / um ihnen den weg dahin zu zeigen. Aus
hoflichkeit / wollten Nahor und Betuel sie dahin begleiten / namen derhalben den
fromden ritter zwischen sich ein / und folgten also dem wagen nach. Unterwegs
bewunderte dieser fromde nicht wenig die grosse zurustungen / die ihm in die
augen fielen / da das ganze gefilde mit hirten / schäfferinnen und heerden /
auch mit mannigfaltigen triumf- und ehren-pforten angefullet ware: daher er sich
nicht entalten kunte / nach dessen ursache zu fragen. Wir erwarten heut unsre
Konigin (gabe ihme Nahor hierauf bericht /) die aus Syrien zu uns kommet / um
fortin allhier / und zwar auf jenem schlosse / welches Samosata genant wird /
ihre regierung uber Mesopotamien zu fuhren. Es ist ohne zweifel weltkündig / was
grosse änderungen bei uns in Syrien sich zugetragen / und wird dannenhero auch
mein herr von diesem gluck-wechsel wissenschaft haben / den uns der gütige
himmel erleben lassen / und der den heutigen freuden tag begehen machet.
    Wem sollte nicht bekant sein / ( antwortete der frömde) wovon der ganze
erdboden mit verwunderung redet? dass aber eben der heutige tag den Mesopotamiern
ihre weltberümte Konigin bringen wurde / solches ist mir / als einem fromden /
unbekant gewesen: und finde ich in mir / ungeacht meiner sonst-schlechten
begierde nach allen händeln der welt / ein ungemeines verlangen / diesen
königlichen einzug mit anzusehen. Es ist solcher (sagte Nahor) der beachtung
eines fromden noch wohl würdig / zumal die furnemste und schonste gesellschaft /
so jezt lebet / heute zugleich in Mesopotamien erscheinen wird. Es ist darum
auch fur etwas sonderbares zu achten / dass diese schone / welche wir jezt
begleiten / sich auch eben heut allhier einfinden müssen. Eure hoflichkeit
erweiset sich in allen dingen / (gabe der frömde zur antwort /) und wan man aus
eurem beispiel von den andren Mesopotamischen hirten urteilen mag / so mussen
alle leute von hof hieher zur schule kommen / um von euch recht leben zu lernen.
Nahor lachete hierzu / sonder es zu beantworten / und bote ihm an / verordnung
zu tun / dass er seine begierde vergnügen / und den koniglichen einzug mit
ansehen konnte: welches der frömde mit hohem danke anname.
    Unter solchen gespråchen / gelangten sie in des Demas behausung: der so fort
befohle / ein feur anzuzünden / dass dabei die frömden sich wårmen und
abtruckenen könten: welches dann gleich / in einer bequemen kammer vollzogen
wurde. Es funde sich / zu gutem gluck / eine wase des Demas / die vor weniger
Zeit aus Aroer zu ihm gekommen / noch im hause / da alle die andern im feld
waren: die dann / die bewirtung dieser ankommenden / uber sich nemen kunte. Als
sie nun hand mit anlegte / die fromde abzukleiden / inzwischen Demas mit den
andern in ein nebenzimmer gegangen war / dünkte sie diese schone zu kennen /wie
sie dann endlich anhube zu ruffen; Ihr götter! ist es wohl möglich dass ich meine
Ahalibama habe. Diese worte veranlasten die schone / die sich also nennen hörte
/ der andern recht unter augen zu sehen: die dann auch von ihr erkant / und mit
ihrem namen Sataspe genennet wurde. Hierauf fielen sie einander üm den hals /
und war diese angekommene üm ruhiger als zuvor / weil sie so bekanten leuten war
in die hände gerahten. Als aber ihre erste freude vorbei war / bate sie die
Sataspe / ihren namen und stand heimlich zu halten / weil ihr sehr viel daran
gelegen wåre: welche ihr solches verhiesse / gleichwol ihre hochste freude nicht
verbergen kunte / ihre so geliebte Furstin bei sich zu sehen.
    Inzwischen nun dieser Furstin alle pflege / deren sie auch mehr / als
benotigt / widerfuhre / erfuhre auch der fromde ritter / im gespråche mit dem
Nahor und Demas / was dieser Fürst und der Betuel für schäfere waren: daher er
noch mehr / als zuvor / ihnen so wohl seine erkentlichkeit als höflichkeit
erwiese. Dem Demas wurde von dem Nahor aufgetragen /diese seine neue gåste / der
Konigin und ihrer fürtrefflichen gesellschaft einzug / mit aller bequemlichkeit
anschauen zu machen. Weil nun damit der mittag einfiele / namen Nahor und
Betuel / wegen der angelegenheiten dieses tags / ihren abschied von dannen: und
mussten sie / wie begierig sie auch waren / diese frömde zu erkennen / sich mit
gedult fassen / auch hierzu einer bequemen zeit erwarten.
    Wie sie nun hierauf nach des Nahors Hutte giengen / üm alda das mittag brod
zu essen / wandte sie der Fürst Elihu von ihrem furhaben ab: welcher ihnen
begegnete / und sie notigte mit ihm zu speisen. Sie fanden bei demselben / die
fürnemsten aus Amida / und erzeigten sie sich alle sonders frolich / auser dem
Elihu / Nahor und Betuel: welche mehr ihren eigenen gedanken / als den
furfallenden gesprächen gehör gaben. Oromedon der furnemsten und reichsten
schåfern einer / der diese traurigkeit fur allen andern in acht name / und die
begebenheiten / welche Elihu und Betuel in Damasco gehabt / guten teils wusste
/name daher gelegenheit offentlich also zu reden: dass der Fürst von Ram / wie
auch der Betuel / an diesem freuden-tag so still und voll gedanken sich
befinden /bewundere ich nicht / weil es sonder grosse verånderung bei ihnen
nicht zu gehen kann / dass sie die jenigen schonheiten wieder sehen sollen / die
ihnen ehmals ihre freiheit genommen. Was aber den Nahor beunruhige / kann ich
nicht begreiffen.
    Weil nun durch diese freche worte alle drei fursten zugleich angegriffen
worden / als wollte zu erst keiner unter ihnen dem andern vorgreiffen / solche zu
beantworten / ob schon iedem tief zu herzen gangen. Weil aber Nahor gegen dem
Oromedon / wegen der seiner Aprite erwiesenen unhoflichkeit / einen alten groll
hegte / als brache er zu erst heraus / mit diesen worten so wohl sich / als die
andern zu verantworten: Sei versichert / Oromedon! dass die ankunft unserer
Konigin und der andern Koniglichen gesellschaft / als ihrer blutsfreunde / uns
näher als euch angehe / und wir daher / unserer vergnügung ein åuserliches
zeichen von uns zu geben / nicht nötig haben. Welcher gestalt Elihu und mein
bruder ihre freiheit bei den beiden durchleuchtigen Aramenen verloren / oder
wieder gewonnen / davon geburet euch nicht zu urteilen. So werde auch ich dem
Oromedon von meinen gedanken keinen zoll geben dorfen / dem ich ja mit keiner
schuld verhaftet bin / um deren willen von ihm angeklagt zu werden / mich
befahren müsse. Alle anwesende gönnten dem hochmutigen Oromedon / diesen verweis
des Nahors / sonders gern: der aber darum nicht nachgeben / sondern mit harten
widerreden sich weiter zu verantworten wollte. Weiln nun Nahor sich auch je mehr
und mehr erhitzete / als wåren sie wohl mit harten worten an einander gerahten /
wan nicht Atamias heimlich bestellt hätte / dass man mit den waldhörnern und
schalmeien / hinter der tafel angestimmet: welches grosse getön die fernere
wortwechselung einstellen machte.
    Wie nun die malzeit verrichtet / begab sich die gesellschaft wieder von
einander / und zwar ein jeder an das ort / wohin er bei entfahung der
Koniglichen gesellschaft zu erscheinen / verordnet war. Elihu und die beide
bruder von Haran / blieben noch eine weile beisammen / und als sie endlich sich
auch auf den weg macheten / nach ihrem ort zu gehen / sagte Elihu: Ich muss
bekennen / dass Oromedon mich getroffen / in dem ich keine geringe gemütsbewegung
in mir entfinde / nun die zeit sich nähert / darin ich der schönsten Konigin
von der welt soll wieder ansichtig werden /die ich mit so grosser hofnung
geliebt. Es geht mir fast auch also: (erwähnte Betuel) jedoch bleibet dabei
meine Entschliessung fäst / an statt der Konigin von Ninive / diese drei
unbekannte schonheiten beständig zu lieben / die den Fürsten von Ram zu meinem
Mitbuhler machen.
    Wehrter Betuel! (antwortete Elihu) nicht allein mein gehorsam / der Konigin
Aramena in ihrer ruhe fortin keine hinternus zu bringen / und die anmahnung der
wahrn vernunft / von einer unmüglichen liebe abzustehen / sondern auch der
wunderglantz dieser dreier unbekanten / haben euch fürnemlich von unserer
Königin frei gemachet / und nun in andere hande geleget: die üm so viel
verwundersamer sind /weil sie mein herz zugleich zu dreien fuhren / die ich mit
gleicher liebe und ehrerbietung anbete und verehre. Es mussten auch / (setzte
Nahor hinzu /) ihrer dreie sein / dass sie der grosten schönheit die gegenwage
halten konten. Und wie ihr sie wohl ehe beschrieben /so musste nichtes
vollkommenes in der natur zu finden sein / wan dieselbe eine person aus diesen
dreien gemacht håtte. Wan das geschehen wåre / (sagte Betuel) so würde ich
nicht mit solcher ruhe / als wie ich tue / den Fürsten von Ram für meinen
mitbuhler erkennen: Da ich nun versichert bin / dass er mir nicht mehr als eine
von diesen dreien nemen kann / und also meinen teil mir überlassen muss. Ich finde
aber /(wandte Elihu hingegen ein) nichts schwerers in der welt / als hierinn
eine wahl zu treffen und bin versichert / wan ich eine von diesen dreien meine
aufwartung wohl aufzunemen beredet hätte / würde ich die so fort nicht so schon /
als wie ihre beide schwestern /befinden.
    Ich bekenne / (sagte Nahor /) dass der weisse Elihu uns andere entschuldigen
kann / wan wir ungereimt lieben. Jedennoch (gabe Betuel hierauf heimlich zur
antwort) ist unter deiner und unserer wahl ein grosser unterschied. Du darfst
mein bruder! (antwortete Nahor ganz laut / dass es Elihu horen kunte) vor dem
Fürsten von Ram wohl öffentlich von meiner liebe reden / weil / dieselbe gegen
aller welt zu gestehen /ich kein bedenken mehr habe; und will ich diesen klugen
Fursten zu unseren richter erkiesen / und die frage seinem urteil untergeben /
ob ich nicht bässer / als er und du / in der liebe gewehlet. Betuel errotete /
seinen bruder also reden zu horen / weil er sich fur dem Elihu schåmte / dass der
diese ungereimte liebe gegen der Almesia magd erfahren sollte. Wie er demnach zu
antworten verzoge / verrichtete Elihu solches an seiner statt / und erwiese keine
geringe begierde / des Nahors liebesbegebenheiten zu erfahren: die ihnen dann
dieser verliebte Fürst / mit eben den umständen erzehlete / als er den vormittag
seinem bruder und dem Demas getan hatte.
    Wie nun dieses zum ende / und Betuel dem Elihu eben einen wink geben wollte
/ seinem bruder in dieser ungereimten liebe einzureden / erlangten sie post /
wie dass die ganze königliche gesellschaft ankåme: daher sie / diese unterredung
bis zu bequemer zeit ausstellend / ieder nach seinem ort eilete. Den Betuel war
der vorderste nahe beim Dorf Sarug angewiesen /allwo auch der vörderste
ehrenpforte aufgerichtet stunde / und das gebiete von der landschaft Amida
anhube. Bei ihnen befanden sich zweihuntert hirten / die alle aufs båste / nach
ihrem stand und lands art / sich ausgezieret hatten / und an beiden seiten vor
ihre heerden in zimlicher ordnung stunden. Sobald sie von weitem die königlichen
trompeter vernamen / begunten sie auch ihre feldschalmeien zu bestimmen. Sie
sahen erstlich eine grosse menge Syrischer Fürsten und adels / auch der andren
Königin hofbedienten / ankommen: worauf ihnen endlich ihre unvergleichliche
Konigin / auf einem wagen / zwischen ihren bruder /dem Konig Aramenes von Syrien
/ und der Konigin Colidiane / seiner gemalin / sitzend / zu gesicht kame / und
solche mit majestet vermängte holdseligkeit und anmut von sich blicken liesse /
dass sie in ihrer aller hertzen zugleich verwunderung und liebe erweckten.
    Nachdeme sie durch die ehrenpforte gefahren / trat der höfliche Furst
Betuel / mit etlichen von den furnemsten selbiger landschaft / zu der Königin
an den wagen / und bewilkommte sie mit einer kurzen rede / ihr zugleich / im
namen der ganzen schäffergesellschaft / einen uberaus köstlichen triumfwagen
anbietend / und sie bittend / dass sie ihr / auf selbigem ihren einzug zu halten
/ wolle belieben lassen. Nachdem die Konigin Aramena / dem Betuel / mit
sonderbarer hochachtung fur seine person / seine rede beantwortet / sah den
König ihren bruder und dessen gemalin an / sie mit den augen fragend / ob sie
solches für gut ansahen: welche es nicht allein mit einem wink bejaheten /
sondern ihr selbst behülflich waren /von dem ihrigen ab- und auf den andern
wagen zu steigen. Dieser wagen / ob er gleich von schåffern her kame / war
dennoch so überaus prächtig / dass seines gleichen vorhin nie war gesehen worden.
Er war mit dem reinsten gold üm und um überzogen / auch allentalben mit kränzen
und gebänden von obst und blumen behånget: welche von gold verfärtigt / und nach
ihren naturlichen farben mit rubinen schmaragden / safiren / diamanten und
anderer art edelgesteine reichlich besetzet warn. Vier weisse arabische pferde
zogen diesen wagen / welche pråchtig-gestickte decken auf sich ligen hatten: und
schiene es / als wan sie nun noch eins so mutig gingen / weil sie das aller
edelste geschopf der welt füreten.
    Der Furst Betuel begrussete hierauf ferner die nachfolgende königliche
personen: unter denen / als der Konig und die Konigin von Syrien in ihrem wagen
vorbei waren / auf dem dritten die jungere Aramena / Königin von Ninive / sich
zeigete: welche diesen ihren ehmals treu eifrigen und beståndigen aufwårter
nicht sonder entfårbung und grosse bewegung anschauen kunte: Wiewol er hingegen
sie mit einem so freien wasen entfinge / dass niemand / der ihn vordessen so
verliebt betrachtet / ihn nun mit solcher liebe noch behaftet glauben konnte.
Dieser schonen Königin sasse zur seiten / ihre alte freundin die Ahalibama / die
gemalin des grossen Edoms: welche / bei diesem einzug / an ihrer seite die stelle
des Königs von Ninive vertrate / weil der und Esau / ihrem versprechen zu wider
/ sich nicht eingefunden håtten. Auf dem vierten wagen / folgete die Konigin von
Ophir /die angeneme Amesses und Lantine die Königin von Elam und Moab: die auch
/ mit schmerzlichen verlangen der ankunft / ihrer geliebten Konige erwarteten.
Ingleichem unvergnugen sasse die Roma / des Jeturs gemalin / auf dem funften
wagen / vergesellschaftet mit der Konigin Hermione / der Prinzessin Indaride aus
Ophir / und der Furstin Timna.
    Nach diesen / erschienen alle die Könige mit ihren gemalinnen / welche bei
antretendem früling / abgeredter massen / in Damasco eingelanget waren / als der
Konig Amosis von Egypten mit seiner geliebten Danede / der König Eridanus von
Cus mit seiner tugendhaften Delbora / der junge Tiribaces mit seiner nunmehr ihm
ganz ergebenen Orosmada / (welchem sein herrvatter / selbigen winter zu Tyro
sterbend /diese kron hinterlassen hatte) der Mardocentes aus Arabien / mit
Petasiride / seiner dapfren Königin von Saba / der gottsfürchtige Konig von
Salem mit seiner grosmutigen Jaelinde / und dann der Prinz Ephron von Canaan /
mit seiner getreuen Coricide. Diese königliche reihe beschlossen endlich / die
Mehetabeel aus Seir / die Furstin Eldane und viele von den Syrischen Fürstinnen
/ samt dem frauenzimmer aller dieser Koniginnen: dass dann einen so
unvergleichlich prächtigen einzug machte / dergleichen niemals vorher in der
welt gesehen worden. Neben den Konigen von Ninive / Ophir / und Elam / auch den
Fürsten von Edom und Hevila / waren noch ausen geblieben / der Togarma Konig
von Aramenien mit seiner Milcaride / die alte Königin von Tyro / und Ahusat der
Prinz von Caphtor. Aber alle diese wurden so sehr nicht vermisset / als der
geliebte Cimber: welchen iederman / an diesem ehrentag / seiner
unvergleichlichen Königin hatte mögen an die seite wunschen.
    Wie nun diese Gotter gesellschaft / unter dem zuruff der Mesopotamier / die
das wort / Es lebe Aramena! tausendfältig und unaufhörlich gen himmel schikten /
zu dem andren haufen / dem der Fürst Nahor vorstunde / gelanget / und nun durch
die zweite ehrenpforte passiret waren / bewilkom auch dieser seine Königin mit
nicht minderer guter art / als wie vorher sein bruder getan hatte: und kunten
alle die jenigen / so ihn vordessen im kriege gesehen / diesen neuen hirten
nicht gnugsam bewundern. Er überreichte gleichfals der Konigin / im namen der
ganzen schäfer-gesellschaft / ein geschenke / welches in vielen heerden von
schafen und låmmeren von ziegen / rindvieh / und camelen bestunde: welche
letzere mit allem hausgerät beladen waren / welche zu anstellung einer meierei
erfoderet werden. Mit diesen geschenken håtten / die hirten und schåferinnen /
sich zu beiden seiten des wegs in ordnung gestellet: und schenkte ihnen / ihre
gutige Königin / für diese bezeigung ihres guten willens / ihr herze / welche
sie / durch ihre holdselige blicke / einen jeden mitteilete. Nach diesen /
liesse sich eine grosse månge kinder von beiderlei geschlechte sehen / die mit
einem grossen freudengeschrei ihre Konigin bewilkommete / und teils blumen und
kränzen auf den weg streueten / teils auf kleinen trommeln / geigen und pfeifen
sich auf das lieblichste horen liessen.
    Diese unschüldige gesellschaft / begleitete sie bis an die dritte
ehrenpforte / da ihrer der Furst Elihu wartete: welcher / mit niedergeschlagenen
augen / üm nicht von neuem der Königin wunderkraft zu entfinden / sie
gleichfalls im namen des Mesopotamischen volkes entfinge. Die Konigin entfunde
keine geringe bewegung / als sie diesem Fursten erblikte. Nachdem er seine rede
/ mit der einladung zu einem nahe darbei in einer Låube angestelten gastmal
beschlossen / sagte sie zu ihm: Ich habe mir heut das Glück nicht vermutet / den
König von Hemath allhier zu sehen. Gleichwie die unvergleichliche gute der
Konigin Aramena /(gabe Elihu zur antwort) mir diese wurde bestimmet hat / also
hab ich dieselbe einem vatter uberlassen /der den zepter zu führen / bässer als
ich verstehet: und schätze ich mich viel seeliger / allhier in Mesopotamien ein
hirt / als zu Hemath ein Konig zu sein. Diese worte des Elihu trieben der
Königin eine rote aus /weil sie aus diesen worten fast schliessen musste / als wan
diesem Fürsten / den sie sonst so hoch verehrte /seine liebe noch nicht
vergangen wåre. Weil aber daselbst die zeit nicht war / in ein gespråche sich
einzulassen / liesse sie sich allein willig vernemen / bei dem gastmal zu
erscheinen / dahin sie auch sofort zu fuhren.
    Im annåheren / sah sie eine grosse schaar der Mesopotamischen schäferinnen /
alle in weiss gekleidet /und mit kleinen blumen-hüten bedecket / ihr entgegen
kommen. Weil ein ebener anger diese schöne gesellschaft truge / da es ganz
bequem zu gehen war / wollte die Konigin auch nicht ferner auf dem wagen fahren
/sondern stiege aus / und ginge diesen schåferinnen gleichfalls entgegen: da dann
alle die andere königliche personen ihrem beispiel folgeten / und damit / sich
unter diese gesellschaft mängend / eine angeneme unordnung machten / und sich
also von selbigen schonheiten / die nicht gemein waren / bewilkommen liessen.
Almesia / die witwe des vorigen verwesers in Amida / und die Aneriste / des
verwesers Demas hausfrau / waren die jenigen / welche ihre Konigin /im namen der
anderen / entfingen: von deren sie hinwieder / nicht als schäferinnen / sondern
als wan sie ihres standes gewesen wären / mit der grosten leutseligkeit
aufgenommen wurden. Die schone Amphilite /wie auch die angeneme Artainte und
Sandanise /schienen am meisten herfür / und hatten das Glück /den preis der
schonheit für allen andren davon zu tragen: indem zu ihrem vorteil diente / dass
der Almesia zwei schöne mågde / die Aprite und Baalise / nicht mit zugegen
waren.
    Die Königin von Ninive fragte mit grosser begierde / nach den beiden schönen
tochtern des Fürsten von Haran / und vername / dass sie noch zu Haran wåren: Wie
dann auch Ahalibama nach den Prinzessinnen Ardelisie und Amorite sich vergeblich
ümsah / welche sie noch lebend glaubte / ob man sie schon ganz gewiss todt
gesagt hatte. Indem sie aber also ümschauete / sah sie unversehens zu ihren
füssen den Demas ligen / der mit tausend freud-bezeugungen sich ihr für den
jenigen zu erkennen gabe / den sie ehmals / neben der Aramena / aus ihrem
gefångnüs zu Salem erlöset. So lieb ihr nun ware / diesen ihren getreuen
landsman / der ihr so grosse dienste getan / nun wieder zu sehen / so
schmerzlich stiesse ihr dabei an / die gedächtnus ihres so lieb gewesenen
Eliesers: daher sie / mit augen voll tränen / ihres damals-erlittenen verlusts
sich erinnerend / den Demas entfinge. Die junge Königin Orosmada von Tyro / die
ihr eben zur seiten stunde / verwiese ihr diese tränen / und sagte: Sie müste
solche entfindlichkeit gegen den Elieser nicht mehr hegen / nun sie des Edoms
gemalin wäre. Worauf diese betrubte Prinzessin zur antwort gabe: Es geht dem
Edom hiebei nichtes ab an der treue / die ich ihm gelobet / und wurde er selbst
/ wan er zugegen wäre / meine tränen billigen. Dieses gespräche horte der Prinz
Adonisedech mit an / der dann zu der Orosmada sich nahete / und ihr in das ohr
raunete: So höre ich wohl / schone Orosmada! dass fur den armen Adonias kein
erbarmen übrig wåre / wan er dessen vonnoten hätte. Zu diesen worten errötete
die Orosmada / welches dann Tiribaces / ihr gemal / von weiten sah / und dadurch
zu nicht-geringer eiversucht bewogen wurde / welche aus all zu håftiger liebe
gegen ihr entsprungen.
    Diese königliche gesellschaft kame endlich / durch anführung der hirtinnen /
an den ort / da von laub und allerhand wolriechenden gesträuchen eine grosse
hutte aufgebauet stunde / und darin die malzeit auf das herzlichste angerichtet
stunde. In blauen irdenen Schüsseln / die man aus Ophir bringt / wurden alle
speisen / und in dergleichen schalen allerhand milch zwischen den speisen
aufgesetzet / auch alles / was nur selten und sonderbar / herbei geschaffet: dass
also diese malzeit so wenig / als die übrige entfahung / zu gemeinen hirten sich
reimte.
    Wie nun alle königliche personen sich gesetzet /und nicht allein von den
hirten und schäferinnen bedienet / sondern auch von viel tausend menschen /durch
die allerseits gemachte offnungen / angeschauet wurden / gesellte sich Demas
inzwischen zu seinem gaste / den er selbigen vormittag / in sein haus
aufgenommen / und ihm versprochen / ihn alles / was diesen tag vorginge / sehen
zu machen. Zu dem ende fürete er ihn hinter die tafel / und zwar an einen ort /
da eben eine mit blumen ümwundene seule stunde / hinter die er sich bergen / und
also ungesehen alles mit anschauen kunte. Er war eben gerad gegen die schone
Königin von Mesopotamien uber / zu stehen gekommen: deren wunderschein er / bei
seiner sonst-gewonlichen traurigkeit / nicht genug betrachten kunte. Er war noch
in diesem anschauen vertiefet / als unversehens nahe bei ihm / etliche hirten
hervor sprangen: von denen einer der jenigen dame / an der tafel üm den hals
fiele / die den rücken zu ihm gekehrt hatte. Gleicher freiheit gebrauchten sich
noch drei andere hirten / die eben auch / wie der erste / der die Königin
Lantine ümarmet hielte / mit den Koniginnen von Ninive / und Ophir / und mit der
Roma / sich gemein machten. Wie dieses nun ein allgemeines geschrei und
schrecken über der tafel erweckte / als sahen sich die beide Prinzessinnen
Indaride und Ahalibama / welche der Konigin Lantine zu rechten sassen / nach
diesem frechen hirten üm: den sie sofort fur den Hadoran /und die drei andere
für die Konige Dison / und Armigar / und fur den Prinzen Jetur erkennten.
    Es vergingen aber / dem fromden gaste des Demas zugleich fast alle sinne /
als er dieses mit ansah / und kunte er auf die freude nit acht haben / so die
unvermutete ankunft dieser drei lezten / bei den Königinnen / ihren gemalinnen /
auch bei der ganzen gesellschaft /erwecket. Es fehlte nicht viel / dass er nicht
/ gleich ihnen / an die tafel hinzugedrungen. Doch begriffe er sich wieder / zu
sich selbst sagend: Ach nein! meine augen triegen mich / ich sehe die nicht /
die ich zu sehen vermeine. Indaride und Ahalibama wandten hierauf ihre
angesichter nicht mehr herüm / weiln sie zwischen sich und der Konigin Lantine
für den Hadoran raum gemacht hatten; daher dieser unruhige zuschauer den Demas /
seinen beisteher / mit bebender zunge fragte / wer die personen wåren / welche
iezt von der Konigin Lantine sich abgesetzet hätten. Die eine (antwortete ihm
Demas) ist die Prinzessin Indaride von Ophir / des Königs Armigar schwester:
welcher iezt / mit den Königen Dison und Hadoran / und mit dem Fürsten Jetur /
sich hier eingefunden; die andre aber ist die Furstin Ahalibama / die gemalin
des Fürsten Esau von Seir. Diese nachricht setzete den fromden fast vollends aus
sich selber / und wollte er daselbst nicht långer verweilen / sondern: musste ihn
also / ein hirtenknabe des Demas / wieder nach dessen behausung begleiten.
    Die freude inzwischen / so der Dison / Armigar /Hadoran und Jetur bei ihren
geliebten erwecket / ist nicht zu beschreiben / und hatte das fragen kein ende
/wie es ihnen in der zeit ihrer abwesenheit ergangen wäre? Weiln aber ort und
zeit nicht zuliessen / solche befragungen ausfurlich zu beantworten / als ward
solches auf bequemere zeit ausgesetzet / und erzehlten sie vor der hand nur
kurzlich / was gestalt die anderen dreie zu den Konig Dison nach Ninive gekommen
/und daselbst miteinander die abrede genommen hatten / sich als schäfere zu
verkleiden / und also ihre liebste gemalinnen in Mesopotamien zu entfangen.
Hierbei beschriebe ein jeder seiner Konigin / wie sie kaum das vermogen gehabt /
sich so lange zu bergen / bis die malzeit angegangen.
    Wolte Gott! (sagte die vergnugte Königin von Ninive /) dass / um diesen
freuden-tag volkommen zu machen / der Aborigener König sich hier auch einfinden
möchte / auf dessen ankunft wir nun so lang gehoffet. Dieser wunsch / jagte dem
König Aramenes und seiner gemalin / auch der Königin von Mesopotamien / eine
röte ab / die aus unterschiedlichen ursachen entstunde / die auch ihrer jedes an
den andern in acht name. Euren wunsch / liebste schwester! ( sagte die åltere
Aramena) wird der höchste zu seiner zeit erfüllen / wan er es für nutzlich
erkennet / dass des Königs meines brudern und eurer andern wille und begehren in
dieser sache geschehe. Indessen ist dieser tag schon seelig zu preisen / weil er
so wohl euch / als die Koniginnen von Ophir und Elam / neben der Prinzessin von
Hevila / ihr liebstes hat wieder gegeben. Wäre nur auch der grosse Edom / und der
Furst Eliphas / mitgekommen / so wüste ich ietziger vergnugung nichtes zu
zusetzen. Der Konig von Egypten wollte hierauf reden / als deme des Esau zustand
am båsten bekant war; aber Hermione kam ihme zuvor /und sagte: Der so lang / wie
Esau / der frauen gewohnet / kann keine solche neulichkeit mehr nach ihnen /wie
andere / erweisen. Es hat der Furst von Edom /(sagte Ahalibama hiergegen /) an
der Königin von Kitim einen so guten fürsprecher / dass / wan auch Nebajot der
König von Meden / wegen seines ausenbleibens / einen verweiss verdienet / ihn
niemand båsser / als die schone Hermione / würde entschuldigen konnen. Wer
geschwiegen håtte / ( raunete Roma hierauf der Hermione ins ohr) der dorfte sich
nun nicht schämen: Hermione / ganz entfärbet / wusste nicht / wie sie diesen
scherz der Ahalibama beantworten sollte: zumal die ganze gesellschaft hierüber
sie anschauend / zu lachen begunte. Der Prinz Jetur aber täte für sie das wort
/ und sagte: wan jemand des Konigs Nebajot fürsprecher sein müste / üm dass er
sich hie noch nicht eingefunden / so verstehe ich mich am ersten dazu; massen
ich beteuren kann / dass sein verlangen unbeschreiblich ist / seiner stände
begehren zu erfüllen / und allhier sich finden zu lassen.
    Diese versicherung des Prinzen von Hevila / brachte die Konigin Hermione
vollends aus aller bis dahin erwiesenen kaltsinnigkeit / und schöpfte
insonderheit die Konigin Delbora hierob ein wolgefallen / ihre freundin also
unruhig zu sehen / welches sich satsam aus allen ihren gebärden zu tag legte.
Aber der König Eridanus / ihr gemal / beobachtete ganz genau / wie der name
Nebajot niemals genennet werde / dass sie sich nicht entfärbet hätte: welches
ihme dann keinen sonderbaren lust machte / des Nebajot ankunft gleich den andren
zu verlangen. Gleichwie nun dieserwegen der liebes eifer bei ihm sich spuren
liesse / der gleichfalls den jungen Konig von Tyro quälete / also bliebe derselbe
auch nicht aus bei dem König von Saba /dem Mardocentes: welcher eigentlich war
genommen hatte / wie die Konigin Petasiride sich veråndert / als der König Dison
sich kund gegeben. Dieses alles /neben der ungemeinen stille und traurigkeit /
die der Konig Aramenes und seine Cölidiane nicht allein damals / sondern auch
eine gute zeit in Syrien blicken lassen / wie auch die beunruhigung der schönen
Aramena / mässigte die grosse freude dieses tages: welche aber doch bei den
meisten sich blicken liesse / die dieses anligen der Koniglichen personen nicht
wussten oder beachteten.
    Wie nun / nach eingenommener malzeit / die tafel aufgehoben worden / und
bereits die sonne unterzugehen begunte: sezte sich die ganze konigliche
gesellschaft wieder zu wagen / und wurden sie / von der gesamten hirtenschaar /
durch lauter lustige auen und täler / nach Samosata gefuret und begleitet.
Unweit vom tor daselbst unten am berg / auf welchem dieses schloss lage /
erschienen / der Oberpriester des Teraphim / der ansehnliche Telecles / mit der
sämtlichen priesterschar / wie auch die vier richtere von Amida mit ihren frauen
/ ihre neue Konigin zu entfangen und einzusegenen. Weil in Damasco die gar zu
zeitig angefangene ausrottung der götzen-tempel keine geringe gefahr nach sich
gezogen / als ward / mit gut-befinden des frommen Konigs Melchisedech für ratsam
gehalten / dass die Konigin Aramena anfänglich / diesen aberglaubisschen leuten in
Mesopotamien / bei denen die verehrung der falschen Götter häftiger / als an
irgend einem ort in der welt / im schwange ginge /nachgeben sollte. Demnach liess
diese gottseelige Konigin alles geschehen / was der Telecles und sein anhang für
gebråuche begingen. Also musste sie einer opferung beiwohnen / die sie daselbst
im felde auf verschiedenen altären angestellet: worauf sie / vom Telecles / mit
einem durch ihn geheiligten kranz von öelblätteren bezieret / und zugleich
eingesegnet wurde. Endlich kamen sie auf das schloss / welches so bequeme zur
wonung fur die Konigin angerichtet war / dass sie im geringsten keinen mangel
verspüren kunte.
    Die Könige und Koniginnen von Syrien / neben Ninive und Salem / neben dem
Adonisedech / den Prinzessinnen Jaelinde und Ahalibama und der Timna /blieben
bei der Aramena auf dem schlosse. Die andern aber / als die Konige von Egypten /
Ophir / Elam / Tyro / Cus und Saba / neben den Prinzen von Hevila und Hebron /
wurden samt ihrem frauenzimmer / auch die Konigin Hermione und Prinzessin
Indaride / in die stådte Amida und Edessa / die nur ein feldweges von Samosata
entlagen / eingewiesen und daselbst bewirtet. Weil die nacht bereits eingetreten
/ begaben sie sich alle zur ruhe / mehr als wohl vergnüget mit der ehre / die
ihnen von den Mesopotamischen hirten wiederfahren. Es liessen aber diese / die
ganze nacht hindurch / im felde ihre freude / durch anstimmung ihrer
hirtenmusik / erschallen. Insonderheit hörte die Konigin Aramena / ehe sie sich
der ruhe uberliesse / unten am schlosse / durch etliche schäferinnen / in den
ton etlicher harffen / ihr dieses lied zu ehren singen:
Aramena / unsre Sonne / will zwar nemen iezt die ruh /
die uns heut zu erst beschienen.
Doch sucht unser treues dienen
diese gnade / dass sie hor noch etwas zu
unsrer wachen schäfer-wonne /
Aramena unsre sonne.
Aramena / unsre sonne / ging uns heut hochleuchtig auf /
nach des babel-joches nächten /
nach dem blut-betrieften fechten.
Diss gefilde wehlet sie zu ihrem lauf /
diesen himmel / uns zur wonne /
Aramena unsre sonne.
Aramena / unsre sonne / wird mit ihrer stralen-huld
diese unsre schåfereien
uberstreuen und erfreuen:
Das / mit wachstum / diese gegend uns verguldt.
Freilich bringt uns tausend wonne /
Aramena unsre sonne.
Aramena / unsre sonne / wird mit ihrem Götter-tritt /
als die Pales / unsre auen
mit der blumen malwerk bauen.
Gras und kråuter sie aus ihrem rocke schütt /
hirten und der heerd zu wonne /
Aramena unsre sonne.
Aramena / unsre sonne / soll fortin der innhalt sein
unsrer lieder und gedichte:
dass die pflicht zeig ihre fruchte;
dass die båche / unsrer schåflein wiesen-wein
lernen lallen diese wonne /
Aramena unsre sonne.
Aramena / unsre sonne / sei wilkommen tausendmal!
Ihr soll unser wunsch erbitten /
was sonst einzel pflegt zu schutten
auf die erde / der gestirnte himmel-saal.
Nun / so ruhe dann mit wonne /
Aramena unsre sonne!
    Die in des Demas hause sich befindende schone fromde / genossen wenig ruhe /
vor diesem getone /massen man daselbst die musik der frolichen schofern gar
eigentlich hören kunte: daher die Fürstin / ihre alte bekantin / die Sataspe /
die ganze nacht hindurch bei sich behielte / und mit ihr sprachete. So gern
aber Sataspe alle die begebenheiten dieser Fürstin / neben den ursachen / die
sie in Mesopotamien gebracht /håtte wissen mögen / so wollte sie dennoch nicht
zugeben / dass sie ihr diese mühe antun / und ihrer gesundheit / zumal ihr ein
kleines fieber zugestossen /damit schaden sollte. Sie befriedigte sich demnach mit
der hofnung / dass sie folgenden tags solche von ihr würde anhören konnen / und
verliesse sie endlich gegen den morgen / als sie merkte / dass sie eingeschlummert
ware. Sie ginge sofort nach den ställen /so wohl das rindvieh in das neue gras
auszulassen / als auch anstalt zu machen / dass die melkende schafe und saugende
låmmer zu feld geführet würden. Wie sie nun mit dieser morgen-arbeit färtig war
/ und / um ein wenig zu schlaffen / hinten im hof / unter einen baum sich
niedergelegt hatte / verstorte ihr diese ruhe bald wieder / der Demas ihr
vetter: welcher kame / und inständig bei ihr anhielte / ihm zu sagen / ob sie
wüste /wer diejenigen wåren / die er ietz in seinem haus bewirtete.
    Das wenige / so mir noch zur zeit davon wissend ist / (antwortete Sataspe)
kann ich leicht berichten / nåmlich / dass ich niemand von diesen reisenden kenne
/als die fromde dame: und ist selbige die Ahalibama /Fürstin von Seir / die Nefe
Zibeons / die man von der andern Ahalibama / welche an den Esau getrauet / sie
zu unterscheiden / weil ihrer beider vätter Ana geheissen / also zugenennet. Was
ihre abenteuren sind / hat sie mir zu erofnen versprochen: massen sie / wegen
alter kentnus / sich mir ganz vertraut. Ich will nicht ermanglen / euch mein
vetter! davon auch nachricht zu erteilen / wofern sie mir solches erlaubet.
Woran ich dann gar nicht zweifele / zumal wan sie erfahren wird / dass ihr mein
blutsfreund seit. Der ansehnliche fromde / (sagte Demas /) der mit ihr
angekommen / ist iezt / allein bei ihr / und soll er / wie Aneriste mich
berichtet / die ganze nacht nicht geruhet / sondern hier im hofe auf und ab
gespaziret / und durch alle seine gebärden angezeiget haben / dass er ein
sonderbares anligen haben müsse. Solte er wohl etwan der Eliphas von Temas sein /
der / wie das geruchte gegangen /die Timna verlassen und mit dieser Ahalibama
sich vermälet hat? Ich kann hievon nichtes sagen / (versezte Sataspe) versichere
mich indessen / dieser dame zustand mag sein wie er immer will / mein vetter
werde / ihr mit raht und tat beizustehen / sich niemals entziehen. Ich bin /
von vielen Jahren her / (antwortete Demas) dem hause Seir / sonderlich dem
Zibeon /höchst verpflichtet: daher eure anmanung ein überfluss ist / und werde
ich von selbst mich meiner schuld erinnern / dieser seiner Nefe / da ich das
vermogen haben sollte / alle dienste zu erweisen.
    Indem kam eine von der fromden ihren mitgebrachten slavinnen zu ihnen /
welche die Sataspe ersuchte /zu ihrer Furstin zu kommen: die dann sich nicht
seumete / ihr so fort in deren zimmer zu folgen. Sie fand daselbst bei ihr /
den fromden ritter / der sie zu ihrem bette hinfuhrete / und folgends neben ihr
/ auf der Ahalibama befehl / sich niderliesse. Ihr habt / wehrte Sataspe! (finge
die Furstin an) verlangen getragen /die ursachen zu wissen / warüm ich iezt
alhier in Mesopotamien mich befinde / und was mir / seit dass wir einander nicht
gesehen / begegnet sei. Weil ich nun /euch und unsere freundschaft zuvergnügen /
iezt die bäste gelegenheit habe / als bin ich gesonnen / gegenwårtigem
Megadostes und euch meinen lebenslauf zu erzählen: massen diesem ritter noch
mehr / als euch /daran liget / selbigen recht eigentlich zu wissen. Wie nun
Sataspe mit wenig worten / fur dieses anerbieten /sich bedanket / auch
Megadostes eine sonderbare aufmerkung spuren liesse / hiesse die schone Fürstin
die kammer verschliessen / und vernamen darauf ihre zuhörer von ihr / wie folget
/ die
 
                  Begegnisse der Ahalibama / der Nefe Zibeons.
Ihr sollet / edler Megadostes! am ende meiner erzehlung die ursach vernemen /
warum ich euch meinen lebenslauf gleich iezt erzehle / da ihr von mir eine
erklärung auf euren getanen vortrag erwartet. Und ihr /geliebte Sataspe! werdet
hiebei erkennen / wie sehr ich mich eurer verschwigenheit vertraue / indem ich
euch nun solche geheimnisse kund mache / die / wan sie nicht bei euch vergraben
blieben / mir und vielen andern grosse ungelegenheit verursachen konten. Es ist
bekant / dass meine fraumutter Ahalibama / die von dem riesen aus dem hause
Talami entsprossen / durch den tod mir fruzeitig abgegangen: wodurch der fürst
Ana / mein herrvatter bewogen wurde / mich nach der Tirdane in Syrien zu
schicken / die mich erziehen sollte. Ich achte für unnotig / allhier weitläufig
zu berichten / was mich von derselben hinweg / und wieder in Seir zu meinen
verwandten gebracht: weil ihr / Sataspe! alles solches zu Damasco und Aroer mit
belebet / und der Megadostes dieses bereits vordeme von mir vernommen hat.
    Meine Wiederkunft auf das gebirge / brachte dem Zibeon / meinem
grossherrvattern / nicht geringe vergnügung: deme ich so fort eine so liebe Nefe
wurde /dass er / so zu sagen / fast keinen augenblick ohne mich sein kunte. Weil
meine zuchtmeisterin / die Prinzessin Tirdane / von kindheit auf mir einen eckel
zum heiraten gemacht hatte / als verharrete ich auch bei solchem sinne / niemals
zur ehe zu schreiten / es kåme dann / dass es mir sonderlich von meinen eltern
anbefohlen wurde. Der Zibeon so wohl / als der Ana /erzeigten sich mit dieser
meiner erklårung wohl zufrieden / und wollte insonderheit mein grossherrvatter
nicht / dass ich bei seinem leben heuratete: weil er sich so gar an mich gewehnet
/ dass er meinte / er konnte sonder mich nicht leben. Meine und seine ergetzung
bestunde in ståtigem jagen / und gewehnte ich mich /durch diese ubung /
dermassen zu manlichen verrichtungen / dass / wie bald hernach der unglückselige
krieg in Seir mit dem Fursten von Edom sich angesponnen / ich mit den Zibeon und
Ana zu felde ginge /und / sonder ruhm zu melden / verschiedene glückliche taten
verrichtete / das dann dem geruchte / viel von mir zuschwätzen / anlas gabe. Weil
aber das ungluck / den garaus mit uns zuspielen / beschlossen hatte / als musste
es sich so fugen / dass alle unsere bundsverwandten uns verliessen / und der grosse
Edom uberall meister in Seir spielte / und alle Seirische Fursten / aus ihrem
vatterlande zu entfliehen / durch seine siegreiche waffen genötiget wurden.
    Dass ich bei dieser flucht / die nach Ezeongaber ginge / nicht mit zugegen
gewesen / kame daher / weil ich damals / mit einem eignen heer / in Edom mich
aufhielte / allwo der Fürst Eliphas von Teman / mich von den andern abschnitte
/ und mich zwange / auf das Edomitische gebirge die flucht zu nemen. Ich
entielte mich zwar etliche tage daselbst / musste aber / in ermanglung der
benötigten hulfe / endlich mich ergeben / und mich des Eliphas gefangene nennen.
Die kentnüs / so ich mit diesem Fursten ehmals in Damasco gehabt / gabe mir
trost / båsser in seinen / als andren hånden / aufgehoben zu sein: wiewol die
grausamkeit / welche die meinigen an seiner fraumutter /der Furstin Ada /
verubet / mir solchen fast wieder bename.
    In so zweifelhafter hofnung / kame ich vor meinen uberwinder: welcher gleich
anfangs mir mehr höflichkeit erwiese / als ich von dem sohne des erzernten Edoms
vermuten konnen. Weil ich seinetwegen ehemals zu Aroer bei der Tridane / und
zwar unschuldig /viel erlitten / auch ihre erbschaft verloren hatte / finge er
seine unterredung davon an / und beklagte solches zum höchsten. Er entschuldigte
zugleich sein itziges beginnen / dass er mich in solches ungemach stürtzen mussen
/ mit der unumgånglichkeit des krieges / bate mich üm vergebung / und beteurte /
dass er solches nicht ändern konnen. Ich stellte ihme dagegen fur /wie er gar
nicht ursach håtte / mit einer ungluckseligen so höflich ümzugehen / als deren
anverwandte diesen krieg angesponnen / und seine fraumutter so jåmmerlich zum
tod gefördert. Er beantwortete solches mit seufzen / und sagte lezlich: man
müste die unschuldigen von den schüldigen absondern / und könnte ich da nicht für
/ womit die meinigen ihn betrübet. In solchen und dergleichen hoflichen
bezeigungen verliefe dieses erste ansprache / und wurde ich / an statt meines
gefängnus / in ein wolausgeschmücktes gezelt gefüret / und / (wie er mir durch
den Asareel seinen waffenträger sagen lassen) bloss wider den frefel der
ergrimmten Edomiten bewachet / damit sie keinen mutwillen noch gewalt an mir
veruben möchten.
    Als er folgenden tags wieder kame / mich zu besuchen / und unter andern
seinen höflichkeiten / mir zu verschiedenen malen seine dienste anbote / fassete
ich ihn bei seinen worten / und sagte: wan ich von seiner gutigkeit etwas hoffen
dörfte / so wåre es dieses / dass ich möchte erlaubnus erlangen / den meinigen
ins elend nach Ezeongaber zu folgen. Wie / Ahalibama! (sagte er hierauf / mit
einer sonderbaren art mich ansehend) wollet ihr lieber eines ergrimmten vattern
grausame wut erfahren / als unter des sohns beschutzung verharren? Ich will
lieber / (antwortete ich ihme) mit den meinigen alles unheil anstehen / als
durch mein hier-sein dem grosmütigen Eliphas einige ungelegenheit verursachen.
Keine ungelegenheit von der welt / (antwortete er hinwieder) soll mir so
unerträglich sein / als der schönen Ahalibama entfernung. Damit verstummte er /
und gienge von mir / ganz errotet. Ich merkte nun wohl / dass er mich liebt /
welches mir entfindlicher / als mein anderes ungluck vorkame: und achtete ich
mich / bei allem meinem elenden zustande / dennoch viel zu hoch / als dass ich
gutwillig dessen liebe annemen sollte / der bereits mit der Timna verheiratet
ware. Wie ich demnach alle seine hoflichkeiten / als stricke / mich damit zu
fällen / ansehen musste / als stellete ich mir erst recht die grösse meines
elendes fur / und wurde / aus ungedult / zum weinen gereitzet.
    Er fand mich folgenden tags in solcher verrichtung: und weil er mich
warhaftig liebte / kunte er mich also nicht sehen / sonder meine traurigkeit
vollig mit zu entfinden. Weil ich solche anfangs nicht erwiesen / urteilte er
gleich / dass mich etwas anders / als meine bande / kränken musste. Er richtete
aber / mit allen seinen fragen / bei mir mehres nicht aus / als dass ich
inständig anhielte / mich nach Ezeongaber ziehen zu lassen. Seine antwort ware:
wie dass er solches unmüglich mir zugeben konnte / weil er mir nicht müste
behülflich sein / mich selber ins feuer zu stürzen. Weil auch sein zustand
erforderte / nach Bean zu reisen / als musste ich mit dahin: und erfuhren bald
alle einwonere selbiger stadt / dass der Eliphas mich liebte. Dieses nun
verursachte unter dem pöbel solchen unwillen / dass sie deswegen unser gesamtes
haus tödlich anzufeinden begunten / und schlussig wurden / diese liebe zu
verstoren / auch an den Eliphas iemand aus ihren mittel abschikten / der ihm
andeuten müste / nicht allein mich fahren zu lassen /sondern auch ihrer
gerechten rache mich zu ubergeben. Weil aber / so wohl die grosmut / als die
liebe /den Eliphas bewegte / eine abschlågige antwort von sich zu geben / finge
das volk zu Bean einen aufruhr an / und stürmeten das schloss / wo ich mit dem
Eliphas ware: sie fanden aber bei diesem dapfren Fürsten solchen wiederstand /
dass sie endlich / nachdem er sich so lang gewehret / bis etliche seiner
getreusten ergebensten soldaten dazu gekommen / abziehen / und diesen frevel
einstellen mussten.
    Es war aber Eliphas / in diesem gefechte / so schwerlich verwundet worden /
dass man ihn für todt in sein zimmer truge. Weil er nun alles dieses um
meinetwillen ausgestanden / kunte ich nicht anders tun / als ihn besuchen: ob
mir gleich seine liebe håftig entgegen ware. Ich fand ihn in einen schlechten
zustande / und gaben die wundärzte wenig hofnung /seiner genesung. Diss bewoge
mich / mit ihme gütiger / als ich sonst wurde getan haben / ümzugehen. Und
wiewol ich in der zeit von seinen leuten / die um seine geheimnuss wussten /
umständliche nachricht erlangte /wie er die Timna wegen ihrer keuschheit in
verdacht hielte / auch dadurch / sie zu verlassen / wåre bewogen worden: so
machte doch das alles seine liebe mir nicht angenehmer / sondern ich wurde /
durch verborgene regungen / immer abgehalten / ihm ein geneigtes ohr zu
verleihen. Es name aber seine schwachheit so sehr überhand / dass er den gewissen
tod befahren musste / und daher / seine häftige liebe / die er zu mir truge / zu
vergnügen / mich zur erbin aller seiner guter zu machen beschlosse. Nun diesen
seinen lezten willen gültig zu machen / liesse er eine offentliche erklårung
ausgehen / die er mit seiner eigenen hand unterschriebe / und mit seinem
pitschaft bestätigte / und darin die Timna für sein kebsweib / mich hingegen
für seine rechte gemalin und einige erbin ernennete.
    Dieses sein beginnen ward offenbar / ehe ich das geringste davon innen
worden / und hatte er bereits den Asareel damit nach Syrien abgefårtiget / wie
man es mir zu wissen tate. Ich ginge gleich zu den Eliphas in das zimmer / üm
solches zu wiedersprechen /fand ihn aber nicht in dem zustande / dass ich viel
mit ihm hätte reden konnen: und baten mich seine freünde mit tränen / ich
möchte doch dem sterbenden Eliphas wenigst diese gütigkeit erweisen / meinen
widerwillen verbergen / und ihn mit der vergnügung / dass ich seine liebe nicht
ungütig aufgenommen / abscheiden lassen. Hierbei lagen mir auch meine leute
stäts in den ohren / dass ich doch meinen armen und verdorbenen zustand
betrachten / und das Furstentum Teman nicht ausschlagen sollte / um damit nicht
allein mir selber / sondern auch den meinigen / aufhelfen zu konnen. Dieses
alles bewegte mich / ohne widerrede zu dulten / dass man mich des Eliphas erbin
und gemalin nennte. Als aber / über alles vermuten der ärzte / des Eliphas
krankheit sich brache / und man unversehens an ihm spürete / dass er wieder
aufkommen wurde / gabe ich allen den seinigen öffentlich zu verstehen / wiedass
ich zu nichtes gehalten sein wollte /dafern der Fürst von Teman genesen sollte.
Sie liessen zwar solches dahin gestellet sein / baten mich aber dabei inständig /
mit dieser grausamen erklärung solang zu ruck zu halten / bis der Eliphas auser
aller lebensgefahr sein würde. Ich konnte dessen / in betrachtung / was ich
diesem Fürsten schuldig / mich nicht entbrechen: wiewol es mit grossem
widerwillen zuginge / dass ich / durch mein stilschweigen / ihn mit vergeblicher
hofnung nehren musste.
    Inzwischen liefen täglich die zeitungen ein / wie es den meinigen in
Ezeongaber erginge / und wurde ich nicht wenig erfreuet / als man endlich mir
die post brachte / wiedass / nach dem Ezeongaber an den dapferen Esau
übergegangen / und alle meine verwandten in seine hände gerahten / er die
ungemeine grosmut erwiesen / und heimlich ihnen såmtlich davon geholfen / dass
sie über meer entrinnen können. Ich unterliesse nicht / diese erzeigte gutigkeit
des grossen Edoms gegen seinen sohn zu rühmen: der sich damit nicht wenig
vergnügte / weil er vermeinte / ich liesse gegen seinen vatter / als eine
schwieger-tochter / solche zuneigung blicken. Als aber etliche zeit hernach /in
welcher die langweilige krankheit des Eliphas /wiewol mit ståtiger bässerung /
immer anhielte / dieses unvermutete geruchte in Edom erscholle / dass wir mit dem
grossen Esau frieden bekommen / und dass die Ahalibama / des Ana tochter / in
dieser friedenshandlung / ihme ehelich wäre zugesaget worden: fühlete ich hierob
eine solche bewegung / die ich vordessen in mir nie entfunden. Das grosse
geruchte von dieses helden unvergleichlichen taten / die den meinigen erwiesene
grosmut / und deren wille / vermeinten dass ich diesen Fürsten heiraten sollte /
bereitete mein gemute augenbliklich / wiewol ich ihn noch nie gesehen / ihm vor
allen menschen in der welt hold zu werden.
    Wie nun diese zeitung täglich / von allen orten her / beståtiget wurde / dass
ich nicht mehr daran zweiflen dorfte / hielte ich es fur unverantwortlich / den
Eliphas långer in seinen bisherigen wahn zu erhalten sonderlich da auch gewisse
nachricht mit einlieffe /dass der grosse Esau in Edom kommen / und seine
versprochene braut besuchen wollte. Ich scheuete mich demnach nicht / dem Eliphas
dieses alles zu entdecken / wie ich nåmlich / dem willen der meinigen zu
gehorchen / deren befehl ich mir ståts eine richtschnur meines tuns sein lassen
/ den Fursten Esau ehlichen müste: bate ihn deshalben / hierinn sich nicht zu
widersetzen / sonderen der unmöglichkeit zu weichen /zumal ich ohnedas / seine
erwiesene liebe allein mit freundschaft zu beehren / mich tuchtig befände. Wan
ich noch daran gedenke / wie der arme Eliphas sich hierbei gebärdet / kann es in
mir ein erbarmen erwecken: und håtte ihn / weil er meiner gunst sich versichert
geachtet / dieser unvermutete abschlag schier zum tode befordern sollen. Er
sparete weder worte noch tränen / meinen sin hievon abzulenken / und wollte mich
bereden / wiedass sein herrvatter die andere Ahalibama / meines grosvatters
bruderstochter liebete / und ich also hiemit nicht gemeinet wåre. Er richtete
aber mit alle diesen bei mir nichtes aus / und weil ich / von dem tage an / ihn
weniger besuchte /bliebe ich überhoben / sein stätswärendes klagen anzuhoren:
wiewol mir überflüssig berichtet wurde / wie er ein unbeschreibliches elend
triebe / und von neuen schwerlich befallen wåre.
    Es stellte sich aber / wenig tage hernach / der Fürst von Edom zu Bean ein /
und war das erste / so er nach seiner ankunft täte / dass er sich bei mir
anmelden liesse / mich zu besuchen. Weil ich mich zu dieser ansprache schon
längst vorbereitet hatte / und den Esau als den jenigen ansah / deme ich von
denen meinigen bestimmet war / liesse ich sofort zu / dass er zu mir kame / und
entsah mich nicht / diesen helden / als eine überwundene über deren ganzes land
und haus er gesieget / auf das demütigste zu entfangen. Sobald er mein ansichtig
worden / spurte ich eine sonderbare enderung an ihme / so gar / dass er / sonder
ein wort zu sagen / mich ohn aufhoren betrachtete. Weil er in solchem wesen
beharrte / musste ich die erste sein /die ihn anredete. Ich sagte / wie ich ihm
mich zum hochsten verbunden erachtete / dass er so grosmütig sich erzeigen / und
meinen anverwandten den frieden geben wollen. Er beantwortete dieses / mit so
verwirrten als wenigen worten: welches ich dann alles auf die liebe gegen mir
deutete / die ihn also auser sich selbst bråchte. Ich habe vergessen zu sagen /
dass eine meiner alten basen / die Furstin Masa / des Ezers gemalin /aus Seir zu
mir nach Bean gefluchtet. Diese nun war mit zugegen / als diese ansprache
geschahe: da sie dann unser beider verwirrung verspürend / sich in unsere
unterredung mit einmischte / und so wohl des Esau wort bei mir / als das meinige
hinwieder bei ihm hielte / und also uns beiden erklårte / was wir selber
einander nicht sagen mochten. Sie priese beides / dass der Furst von Edom sich
mit unsrem haus befreunden /auch mein herrvatter in solches einwilligen wollen
/und ermanete mich dabei / dieses Glück / so mir die Gotter anboten / mit aller
erkentnüs anzunemen zugleich ihn versicherend / dass ich mich im geringsten nicht
dem schlusse der meinigen wiedersetzen würde.
    Esau bliebe / bei allen diesen der Masa worten / so besturzt / als zuvor /
und sprachte wenig mit mir /konnte doch dabei von mir nicht kommen. Also musste
ich alles / was ich nur auszusinnen wusste / hervor bringen / um die zeit mit ihm
zu verbringen. Weil nun hiebei des Eliphas und seiner unpässlichkeit auch meldung
geschahe / gabe ich anleitung / dass wir miteinander denselben zu besuchen
gingen. Es war aber hiermit dem armen Eliphas wenig gedienet / weil er an seinen
vatter einen glucklichen mitbuler sah. Ich liesse endlich / nachdem ich eine
weile mich daselbst aufgehalten / vatter und sohn beisammen / und überlegte
nachgehends bei mir allein / dieses bezeügen des Esau / ganz nicht wissend / was
ich daraus schliessen sollte. Meine meiste sorge war / dass er mich nicht nach
seinem verlangen gefunden hätte / und es ihn gereuen müste / dass er / bevor er
mich gesehen / sich gegen die meinigen anheisig gemacht / mich zu ehlichen.
Diese einbildung nun beunruhigte und schmerzte mich nicht wenig / wiewol ich sie
/ so viel müglich / aus den gedanken triebe / und zuvor / ehe ich es glaubte /
eine mehrere gewissheit suchen wollte. Der Furst von Edom unterliesse nicht / mich
immer / wan er nur dorfte / zu besuchen. Und ob er gleich uberaus höflich mit
mir ümginge / auch wie angenem ihm meine gegenwart auf alle weise zu tag legte /
so sagte er dannoch gar nichtes von unserer verlobung / sonderen seüfzete ohn
unterlass / wan er mich eine weile betrachtet: also wusste ich nicht / weil er
solches tåglich triebe / was ich endlich daraus machen sollte.
    Ich erfuhre mit der weile / dass er / von meint  wegen / mit seinem sohne
sich hart überworfen / und den mit aller macht überreden wollen / von mir
abzustehen / und der Timna beständig zu bleiben / auch deren unschuld ihn wollen
glauben machen: wordurch mein wahn / dass er mich liebte / gestärket wurde. Weil
er aber dessen gegen mir nicht erwähnte / und wider seine freie natur / so
eingezogen mit mir umginge / musste ich solche gedanken bald wieder fahren
lassen. Ich fassete endlich den schluss / als er bei mir war / und gabe ihm zu
verstehen: dass seine art / wie er mit mir ümginge / mich nicht wenig befromde /
und ich anders nicht urteilen könnte / als dass er mich so nicht also müste
befunden haben / wie mich ihm das gerüchte möchte beschrieben haben; daher ich
ihn ersuchte / mir nur künlich solches zu gestehen / und sich meinetwegen ja
keinen zwang an zutun / massen ich lieber meinen eltern ungehorsam werden / als
ihn bei mir ungluckselig sehen wollte. Als ich ihm diese freie erklårung getan /
sah er mich / sonder zu antworten / eine gute weile an / und stiegen ihm die
tränen häuffig in den augen. Endlich fassete er meine hand / die er zum mund
führete und küssete / dabei sagend: der himmel sei mein zeuge / schönste
Ahalibama! wie herzlich ich euch liebe / und wie überseelig ich mich achte / dass
ich euer herz geneigt finde /meine liebe wohl aufzunemen / wåre es nur nicht ....
    Allhier verstummete er wieder / und sah mich mit vielen seufzen an / daher
ich ihn fragte / was er mit diesen abgebrochenen worten hette sagen wollen?
Sonder hierauf zu antworten / fuhre er fort / mich seiner liebe zu versichern /
und sagte: Niemals habe ich mich in so glückseligen stande / als wie iezt /
gesehen / da ich glauben darf / dass mich die schöne Ahalibama liebe. Ich liebe
den Fürsten von Edom / (fiele ich ihme in das wort) weil es meine eltern haben
wollen /massen derselben gutachten iederzeit eine richtschnur meines willens
gewesen. Zu dieser meiner erklärung seufzete er / öfnete auch zum öftern den
mund / etwas darauf zu antworten. Er konnte es nicht zu wort bringen / sondern
name damit wieder seinen abtritt. Ich kann nicht sagen / dass ich hierauf ruhiger
worde: weil diese seine erklärung mit solchen umständen geschehen / die mich
nicht wenig befrömdet.
    Wenig tage hiernach / fand ich ihn ganz allein in dem weinberge / der vor
Bean liget: da er sich unter die trauben gesetzet / und den kopf in beide hände
geleget. Ich stunde eine gute weile bei ihm / ehe er mein gewar wurde / und
machten seine tieffe gedanken ihn viel bei sich selbst reden: davon ich aber
nichtes vernemen konnte / auser dass er meinen namen zum öftern genennet. Endlich
erblickte er mich / und so fort von seiner stelle aufstehend / name er ein
freieres wesen an sich / und entschüldigte sich hoch / dass er mich nicht eher
ersehen hatte. Des Fursten von Edom anligen (antwortete ich ihm) ist also
beschaffen / wie ich sihe / dass ihm nicht zu verdenken stehet / wessen er sich
ietz entschüldigen wollen. Dafern ich aber glauben soll / dass man mich liebe / so
muss ich dieses anliegens teilhaftig werden / und will iezt vernemen /was es sei /
das ein so grosses gemut also kränken kann. Nachdem Esau hierauf sich eine weile
besonnen /sagte er: Liebste Ahalibama! sollte es einen verliebten nicht betrüben
/ dass ich von euch vernemen müssen /wie ihr / allein auf befehl der eurigen /
meine liebe annemen könnet? dann hieraus muss ich stäts befahren /euch wieder zu
verlieren / wan eure verwandten euch geboten / einen andern zu lieben. Wozu
dienet diese sorgfalt / (gabe ich zur antwort /) da mich die meinigen einmal an
den grossen Edom versprochen? und will ich fur sie wohl gut sagen / dass sie ihr
versprechen unverbrüchlich halten werden.
    Dieses vergnüget mich noch nicht ganz (widerredte er) sondern ich mochte
gern diese erklärung aus der schönen Ahalibama munde vernemen / dass sie von
selber / ohne einiges gebot der ihrigen mich zu lieben sich geneigt befinde.
Wan ich hiemit / (sagte ich hinwieder) dem Fürsten von Edom seine unruhe benemen
kann / so will ich gern das wort von mir geben /gleich wie ihr es begehren moget.
Diese rede brachte ich so getrost für / weil ihn der meinigen bewilligung nicht
versicherte / und setzete damit den verliebten Esau in solche freude / dass er
sich nicht entalten kunte / mir zu fus zu fallen / und solcher gestalt seine
zufriedenheit mir zu verstehen zu geben. Nach diesem tage / liesse er auch keine
unruhe mehr blicken / sondern zeigete sich ganz vergnüget: womit er so lang
anhielte / bis seine geschåfte ihn notigten / von Bean abzureisen / um in
Mesopotamien seinen bundsverwandten beizustehen. Seine betrubnus / dass er mich
verlassen musste / liesse sich nun merklich spuren / und bezeugte er mir eine so
häftige liebe / dass ich / als für seine verlobete mich achtend / ihm grosse
gegenliebe dafür zu erweisen / mich schüldig erkannte. Als ich aber sagte / dass
ich / in seiner abwesenheit / nach Egypten zu meinen verwandten reisen wollte /
widersprache er mir solches / so wohl die gefärlichkeit des weges / als andere
ursachen / einwendend / und beredte mich / in Seir nach Denhaba zu reisen / weil
er mich auch zu Bean / wegen seines sohnes / nicht lassen wollte: welchem er
nicht trauete; massen der ihme bereits einmal eine braut / nämlich die Fürstin
Timna / entführet hatte.
    Ich liesse mir dieses alles wohl gefallen / forschete auch nicht nach der
ursache / warum er nicht so fort mit mir die heurat volziehen wollte. Und /
seiner verordnung in allen folgend / zoge ich / sonder von den Eliphas abschied
zu nemen / mit den Esau bis nach Denhaba: da er mich verliesse / zuvor aber von
seinen leuten mir eine hofstatt zuordnete: welche mir / zwar alle ersinliche
ehre und aufwartung erwiesen / dabei aber so genau mich bewahreten und
beobachteten /dass ich nichtes sonder ihr wissen tun oder fürnemen kunte. Ich
schickte / zu verschiedenen malen / etliche von ihnen / nach Egypten ab / des
Fursten Zibeons und Ana zustand zu erkundigen: von denen aber keiner wieder
zurucke kame. Endlich / nach verfliessung etlicher monden / kam der Azron / des
Esau waffentråger und vertrautester unter allen seinen bedienten /aus Syrien /
bei mir an / und brachte mir schreiben von seinem herrn: welches ich mit
hochster freud-begierde erbrache / und dieses inhalts befande.
  Schreiben des Esau / Fursten von Seir und Edom / an die Ahalibama / die Nefe
                                    Zibeons.
Wann ich nicht / liebste Fürstin! auf euer versprechen mich verliesse / dass ihr
mich / ohne der eurigen gebot /aus eigenen freien willen lieben wollet / wurde
ich nicht mit so guter zuversicht / als wie ich nun tue /diese botschaft an
euch schicken / und euch endlich eröffnen lassen / was ich euch bisher notwendig
verhalten müssen. Erteilet demnach dem Azron ein gnädiges gehör / und beurteilet
/ nach allen meinem verfahren / die grösse meiner liebe / die in mir eure
schönheit erwecket / eure gütigkeit ernehret / und der himmel selbst gestiftet
hat. Dessen schlus beständig nachzuleben. Ich achte mich so wohl schuldig / als
überseelig /euch beständig zu lieben / und werdet ihr mir erlauben / dass ich
ehist mich bei euch einfinden dörfe / üm euch persönlich zu versichern / dass mit
der beständigsten liebe euch / bis in den tod / ganz ergeben verbleiben werde
                                                            Esau Fürst von Seir.
    Meine begierde war nicht gering / als ich diese dunkle worte gelesen /
selbige erkläret zu wissen. Wie ich demnach dem Azron erlaubet hatte zu reden /
vernam ich von ihme mit der grosten bestürtzung / dass der Fürst von Edom meine
base / die andere Ahalibama / in Syrien geliebt / die ihme auch / bei den
zwischen ihm und unseren verwandten aufgerichteten friedenschlusse / zu Sotis im
lande Cus / von dem Ana und der Poliphide ihren eltern versprochen worden: daher
/ als man ihn für gewis berichtet / dass diese Fürstin sich zu Bean aufhielte /
er ins land Edom gekommen / und mich an deren statt alda gefunden hätte. Bis
hieher hörte ich dem Azron gedultig zu: als ich aber mir fürstellete / wie ich /
durch meine falsche einbildung / dem Esau anlass gegeben / mich liebend zu
glauben / kunte ich meinen zorn nicht bergen / üm dass er nicht sofort sich mir
eröffnet. Ich schalte seine leichtsinnigkeit / dass er / bei solchen ümständen /
bei mir liebe fürgeben dorfen. Aber der Azron entschuldigte solches alles aufs
bäste / und erzehlte mir umständlich / was Esau fur einen streit in sich
gefühlet / als er das erste mal von mir gekommen / und wie ihn nicht allein
meine person / sondern auch / dass ich ihn so unschuldig meiner liebe versichert
/ bewegen müssen / mich der andren Ahalibama furzuziehen /weil selbige niemals
seine liebe annemen wollen. Hierbei laugnete er mir nicht / dass / ob gleich
seine liebe von tag zu tag gegen mir gewachsen / er dennoch die andere Ahalibama
dabei lieb behalten / und dahero die groste unruh ausgestanden / weil er so
wenig die eine als die andere verlassen / und beide /sonderlich mich zu erlangen
/ keine müglichkeit absehen konnen. Dieses alles nun hatte den Edom bewogen /
also mit mir umzugehen / dass ich zu Denhaba aufbehalten worden; bis die zeit und
das Glück ihnen ein mittel zueignen mochte / seine zu mir tragende liebe
vergnugt zu sehen: welches dann / wie Azron ferner sagte / sich nun eingefunden
hette.
    So ist es dann meiner eltern wille / (fiele ich ihm alhie in das wort) und
tritt des Ana tochter mir den Fursten von Edom ab? das erste / (antwortete mir
Azron) verhoffet mein Herr zu erlangen / weil sich das andere also begeben / und
es mit der andren Ahalibama einwilligung / ja hochsten wunsch und verlangen
zugehet / dass mein herr die schone Nefe des Fürsten Zibeons lieben darf. Als er
dieses gesagt / überreichte er mir ein schreiben von der Ahalibama / der tochter
Ana / das ich / ungeacht meiner grossen verwirrung / dennoch eröffnete und diese
zeilen daraus lase.
 Schreiben der Ahalibama / der tochter Ana / an die Ahalibama die Nefe Zibeons.
Es vermeint unser überwinder / der grosse Edom /dass er ein gutiger gehör bei der
schönen Nefe Zibeons erlangen werde / wen ich diese zeilen den seinigen zufüge /
und euch nicht allein seiner wahren und ungefärbten liebe versichere / sondern
auch daneben beteuret / dass mir in der welt nichts liebers sein würde / als euch
/ werteste base! zur mitgesellin in unsrem ehestand zu haben. Beides kann ich
mich demnach mit höchster warheit versichern / und dieses noch hinzufügen / dass
niemals bei mir einige eifersucht gegen euch aufglimmen soll / ja dass ich die
völlige und einige liebe des Edoms euch die zeit meines lebens gönnen will / und
dass dieses meine höchste glückseligkeit sei / deren ich auf erden zu geniessen
fähig bin / wan ihr euch / neben mir / nennen wollet
                                                        Ahalibama Ehegemalin des
                                                                   grossen Edoms.
    Diese wunderbare bitte der Ahalibama / befromdete mich nicht weniger / als
die schleunige volziehung ihrer heurat zu vernemen: Und war ich nicht långer
fåhig / des Azrons gegenwart / nach dem ich so viel wunderliches auf einmal
vernommen / für dissmal zu erdulten. Ich verschlosse mich ganz allein in mein
Cabinet / und überlegte bei mir / was ich auf einmal vernommen hatte. Dass mich
das gerüchte anfänglich betrogen / der Esau mich darin erhalten / meine eltern
von dieser meiner versprechung nichtes wussten / und Esau nun bereits geheuratet
hatte: solches alles gienge mir nicht so nahe / als wie dieses / das ich in mir
fuhlete / wie ich den Esau noch liebete; dass ich / von dessen liebe abzustehen /
mich zu schwach befande; und dass mein vorsatz mir schmerzlich ankame / fortin
von dem Esau nichts mehr anzuhoren / und nach meinen verwandten in Egypten mich
zubegeben. Doch siegte ich noch über mich selber / und bliebe fäst / bei dem
schlusse / ob ich gleich den Esau aus meinem herzen nicht bannen könnte / ihme
dennoch äuserlich zu erweisen / dass mich der betrug schmerzte / darein er mich
gesezet / und dass ich mich seiner gänzlich zu äuseren begehrte. Dieses mein
furnemen öfentlich kund zu machen / wurde nirgend zu gedienet haben /als solches
zu verhintern: daher war ich sehr geheim damit / und wegen meiner krankheit die
kammer hutend / bliebe ich den Azron zu sprechen uberhoben /und kunte ruhiger
auf meine flucht gedenken.
    Wie ich nun bei mir zu raht ginge / wie solche meine reise nach Egypten /
sonderlich in den angehenden wintertagen / anzuschlagen / fuhrete der himmel von
ungefår den Eliphas nach Denhaba / der nun erst völlig genesen / war / und
unbekandter um mich zu suchen / sich daselbst eingefunden hatte. Weil er /durch
eine meiner vertrautesten slavinnen / sich in geheim bei mir anmelden lassen /
um / wie er sagen liesse / auf ewig bei mir abschied zu nemen / fiele mir sofort
ein / mich dieses Fursten zu meiner flucht zu bedienen. Ich will euch nicht lang
die reden beschreiben / die seine liebe ihn machte herfürbringen / sondern es
kurz machen / und nur dieses melden / dass ich auf seinen liebesvortrag weder ja
noch nein gesaget /sondern ihn zwischen forcht und hoffnung setzend /ihn dahin
beredet / mir behülflich zu sein / dass ich meine vorhabende reise nach Egypten
vollziehen konnte. Niemand von der welt håtte hierzu sich williger finden lassen
/ als eben dieser Fürst täte. Wie ich nun alles / was zu meiner reise vonnöten
war / herbei geschaffet / hinterliesse ich in Denhaba ein schreiben an die
Ahalibama / so der Azron / an statt seiner abfärtigung / mit nach Syrien zurücke
nemen sollte / dessen inhalt etwan also gelautet:
   Antwort der Ahalibama der Nefe Zibeons / an die Ahalibama die tochter Ana.
Es ist genug / wehrteste base! dass ihr mich / ob gleich sonder schuld / einmal
verfuhret habt / den fürsten Esau zu lieben / zum andern mal wird es euch nicht
so leicht / noch mir so verantwortlich sein: massen ich nicht begehre / eine
liebe zu nehren die durch betrug hat ihren anfang gewonnen. Behaltet demnach den
grossen Edom fur euch allein / weil ihr / und nicht ich / dem hause Seir den
frieden dadurch geben sollen; und glaubt / dass meine eltern mich davon frei
erkennen / in mehrerm als in diesem euch gleich zu sein /dass ich die ehre habe /
euren namen zu fuhren
                                                     Ahalibama Fürstin von Seir.
    Wie es mir unterwegs auf dieser mühseligen reise ergangen / sonderlich in
Gesellschaft eines liebhabers / dem ich alle hofnung lassen musste / üm mein
vorhaben zu befodern / solches könnet ihr euch selber fürstellen / und kam ich
endlich nach Sais in Egypten /alwo ich den alten Zibeon / wie auch den Ana
meinen herrvatter / wiewol den ersten sehr unlustig / (weil meine abwesenheit
ihn gekrånket) beisammen antraffe: und erweckete es bei ihnen eine grosse freude
/ dass sie mich wieder sahen. Sie wussten nichtes von allem deme / was mir
begegnet war / sint der zeit wir voneinander gewesen / und vermochte ich nicht /
sonder schamröte ihnen zu erzählen / wir es mir mit dem Fürsten Esau ergangen.
Sie priesen beiderseits meinen entschluss / dass ich aus Denhaba gewichen / und
mich also von des Esau gewalt befreit hatte: dabei mir andeutend / dass ihnen
dieser verstorer ihres hauses kein angenemer schwiegersohn wåre. Ich muss / zu
meiner eigenen verhönung / hier gestehen / dass es mich innerlich geschmerzet /
diesen hass der meinigen gegen den Edom zu vernemen: und glaube ich / dass ich
ihnen leichtlich alles wurde verziehen haben / wan Zibeon und Ana mir anbefohlen
hätten / ihn zu lieben. Aber besagter ihr will und befehl / machete mich alle
andere gedanken unterdrucken / auch so weit mich uberwinden / dass ich bei dem
festen fürsatz bliebe /mich des Esau beständig zu entschlagen.
    Es ware nun noch übrig / den Eliphas von mir zu weisen / den ich nach Sais
nicht offentlich mitbringen wollen / um ihn nicht / mit schlechten dank für
seine erwiesene dienste / bei den meinigen in gefahr zu sturzen / die sich /
ungeacht des friedens zwischen uns und den Edomiten / etwan an ihm håtten rächen
mogen. Ich beschiede ihn heimlich zu mir zu kommen / und eroffnete ihme meine
rechte und lezte Meinung /wie dass ich nämlich unfåhig wäre / seine liebe
anzunemen / und wie unrecht er täte / an der Timna / seiner gemalin / sich also
zu rächen begehrend / massen ich gewiss wüste / dass er sie unschuldig in so bosen
verdacht hielte. Weiln ihme diese erklårung nicht gefiele / musste ich endlich /
auf sein ferneres anhalten /die unhoflichkeit begehen / und ihn also allein
stehen lassen: und habe ich nachdeme weil er von Sais hinweggezogen / weiter
nichts von ihm erfahren.
    In solcher zeit kam der neue König der Egypter /der Pharao Amosis / aus
Syrien an / welcher mit grossem gepränge in Tanis eingeholet worden: da dann die
gesamte Fürsten von Seir / so in Egypten wohneten /sich auch nach dieser
königlichen hauptstadt begaben / üm die bestätigung des schutzes / den der
vorige Pharao uns gegeben / von diesem neuen Konig zu erlangen. Dieser wegen
blieben wir den ganzen verwichenen winter / am hof zu Tanis: dann die angetretene
regierung des Amosis / wie auch die ansehnliche begräbnis des Uchoreus /
verursachte so viel mühe / und name so viel zeit hinweg / dass wir langsam unsere
abfårtigung erlangen kunten. Es fehlete auch daselbst nichtes / als die junge
Konigin Danede / der Egypter freude volkommen zu machen. Wie nun solches viel
fromden nach Tanis zoge / also kame ihr edler Megadostes auch selbst da an / und
zwar eben an dem tage / wie die Egypter ein grosses fest angestellet / da sie /in
einem dazu bereiteten schauplatze / mit den Crocodilen kåmpfen wollten. Es
befanden sich hiebei /neben dem Konig / viel tausend zuseher / und hatten sich
alle grossen und edele in Egypten gerustet / bei diesen kämpfen ehre einzulegen.
    Der Furst Ana mein herrvatter / neben seinem bruder und etlichen andern von
unsern vettern / um nicht mindern muht als die Egypter zu erweisen / waren auch
mit von dieser gesellschaft / und hatte ich / nicht weit von dem König / bei den
Egyptischen Furstinnen / meinen platz / üm dieses gefechte mit anzusehen. Weil
hiebei nicht geringe gefahr / als håtte ich lieber selber mitmachen / als meinen
herrnvattern dabei wissen mögen / und schwanete mir nicht vergebens / dass für
ihn nichts gutes vor-wäre: massen / das groste Crocodil unter dem hauffen / auf
ihn los ginge / und ihm so viel zu schaffen machte / dass er / als solches
kåmpfens ungewohnet / das leben håtte einbüssen mussen: wan nicht / der dapfere
Megadostes hiezugegen / von der schaubühne / da er unter unter andern personen
mit zusah / auf den kampfplatz herab gesprungen /und ihn gerettet hätte. Des
Zibeons und meine ausgestandene angst / verwandelte sich in eine
unbeschreibliche freudverwunderung / als wir dieses unbekanten manliche tat
erblickten: welcher hierauf noch zwei Crocodilen erlegte / wiewol er nicht
darnach gewaffnet ware / und den preis davon brachte / dass ihm die siegeskron /
als einem überwinder / von den richtern aufgesetzet wurde. Wie sehr er / diese
ehre anzunemen / sich weigerte / so musste er es geschehen lassen. Wan er nicht
selbst hie zugegen wäre / und ich seine grosse demut nicht zu beleidigen sorgte /
wollte ich hier nicht in solcher kurtze die verwunderung und das Lob beschreiben
/ so er von dem ganzen Egypten erlanget.
    Er wollte sich zwar nachgehends wieder unter das volk verbergen / aber die
meinigen liessen ihm solches nicht zu / sondern begleiteten ihn nach unsrem
palaste: da der alte Zibeon anfinge / durch tausend bezeigungen / diesem frömden
sein erkentliches gemut kund zu machen. Er musste die herberge bei uns nemen /
und vergonnen / dass seine bei sich habende auch zu uns kamen. Unter diesen
befande sich ein Chaldeischer Sternseher / der / wie es nachmals Megadostes
erzählt / fürnemlich die ursach gewesen /dass er sich in diesen Crocodil-kampf
begeben / und ware es damit also beschaffen. Es hatte unlängst der edle
Megadostes ein sonderbares anliegen / welches ihn den tod unaufhorlich wünschen
gemacht. In solchem seinem zweifelmut / stiesse auf der reise ungefär dieser
Chaldeer auf ihn: welcher mit ihm sich bekant machend / ihm profezeite / dass er
nicht so unglücklich wäre / als er wohl vermeinte / und dass er in Egypten
/zwischen den Crocodilen / den anfang seiner ruhe finden sollte. Als er demnach /
in Egypten kommend /diesem schauspiele zusah / fielen ihm des Chaldeers worte
ein: welche er also deutete / dass seine ruhe der tod sein würde. Solchen nun
alhier rümlich zu finden / und auch im tode gutes zu tun / indem er zugleich
meinen herrvattern das leben retten konnte / wagete er sich unter diese tiere:
die aber von ihm entfiengen /was er bei ihnen gesuchet. Der Zibeon und Ana namen
hiervon anlass / ihm zu zureden / dass er leben /und des Chaldeers warsagung
auswarten sollte: als welcher beståndig dabei verbliebe / der Megadostes wurde
wieder in seinen ehemaligen wolstand gelangen. Welcher gestalt aber dieser
Ritter solchen ruhstand vordem besessen / auch welches sein vatterland und
herkommen sei / hat er uns niemals entdecken wollen: weiss ich also von ihme
anders nichtes zu berichten / als dass er der edelste tugendbegabteste Ritter ist
/ den der erdbodem iemalen getragen.
    Megadostes konnte sich nicht entalten / bei dieser der Ahalibama lobrede ihr
in das wort zu fallen: sie aber winkte ihm mit der hand / dass er schweigen /und
ihre erzehlung nicht abreissen mochte. Also lebten wir nun zu Tanis (fuhre sie
fort) in ståter gesellschaft dieses unbekanten Ritters / und seines Chaldeers:
welcher / wegen seiner wissenschaft / und dass er dem Fursten Dison / als
jetzigem König von Ninive / zuvor gesaget / dass er die Prinzessin Aramena / wie
nun am tag / heiraten würde / in grossen ruffe gekommen. Ich wurde darum auch
vorwitzig /mein Glück von ihme zu wissen / und forschete einsmals von ihm / wie
es mir wohl künftig ergehen wurde? ich bekame den bescheid / ich würde eine der
glücklichsten frauen von der welt werden / wan ich nach dem willen und gefallen
meiner eltern heuratete /und müste ich den krieg nachfolgen / der da mein
element wåre / wan ich mich und die meinige in recht ruhigen stand setzen wollte.
Dieses nun / was er mir gesagt / traffe ganz mit meinem fürsatz uberein: wiewol
ich nun nicht laugne / dass des Esau andenken / wider meinen willen / mich in
diesen furhaben beunruhigt.
    Wie wir nun so lebten / kame der grosse Edom unvermutlich selber nach Tanis:
da er dann alle ersinliche ehre von dem König Amosis entfangen. Die ursach seiner
hinkunft war / mich wieder suchen und zu seiner liebe zu bereden: Daher er /
wenig tage nach seiner ankunft / bei meinen eltern / die zu besuchen /sich
einfande. Weil der friede / so zwischen ihm und den meinigen aufgerichtet / es
erforderte / kunten wir ihm diese besuchung nicht abschlagen: wiewol sie /an des
Zibeons und Ana seiten / sehr kaltsinnig abging / da hingegen er sich also
erwiese / dass gnugsam daraus abzunemen war / wie sehr er unsere freundschaft
suchte. Wie er / bei mir allein zu sein / gelegenheit erlanget / ware wohl unser
beider verwirrung gleich gross: weil wir beiderseits nicht wussten / was wir reden
und wovon wir das gespräche anheben sollten. Wir meinten an beiden teilen befugt
zu sein /uns übereinander zu beschweren: er nämlich / dass ich / wider meine
zusage / seine liebe ausgeschlagen; und ich / dass er mich durch sein verhelen
also betrogen /hatte: doch wollte keines / hiervon zu reden / den anfang machen.
    Endlich uberwand ich mich / ihn fragend. Was die Fürstin Ahalibama / seine
gemalin machte? Er errötete hierüber / und mich ganz verliebet ansehend /
antwortete er: Ihr wurdet / grausame Ahalibama! solches selbst am bästen wissen
können / wan ihr diesen namen zu führen begehrtet. Ich besorge / (gabe ich ihm
zur wiederantwort /) dass dissfalls die tochter Ana von der Nefe Zibeons wurde
vernemen müssen / was ich ietzt von ihr verneme. Jene Ahalibama (widerredete er)
ist mit dieser meiner erklärung mehr als wohl zufrieden. Ich aber nicht!
(versezte ich / unbedachtsamer weise) weil ich kein halbes herz verlange zu
besitzen. Mein ganzes herz / (antwortete der verliebte Esau /und fiele mir damit
zu fusse / ehe ich es verhinteren kunte /) ist eurer verehrung einig und allein
ergeben /und dorfet ihr das mit niemanden teilen / was ich euch allein anbiete.
Was ich nicht behalten kann / (widersprache ich /) so lang ich will / das begehre
ich auch nicht anzunemen. Es mochte mir / wie der ersten Ahalibama / ergehen /
wan eine dritte sich bald bei euch einfinden sollte. Eure erklärung / schönste
Fürstin! (gab er zur antwort /) vergnüget mich mehr / als ihr wohl vermeint. Und
wan es nur daran liget / mich glucklich zu machen / so schwore ich euch zu / dass
ihr die lezte sein sollet / die ich zu lieben begehre. Nachdem er hierauf einen
eid von mir genommen /dass ich gegen niemand melden wollte / was er mir eroffnen
wurde / entdeckte er mir etwas / so mich endlich bewegte / gegen ihme so weit
mich herauszulassen / dass / wan er des Zibeons und Ana einwilligung bekommen
könnte / ich nachgehends keine schwerigkeit mehr davon machen würde / ihn zu
lieben. Dieses / so er nach verschiedenen besuchungen bei mir erlanget /setzete
ihn in die höchste vergnügung / und sparete er darauf keine mühe noch fleis /
dem Zibeon und Ana wohl zur hand zu gehen: die aber damals viel ein anders mit
mir fürhatten / das sein begehren nicht vergnugen konnen.
    Hier muss ich euch nun die rechte geheimnüsse offenbaren / worzu eure
verschwiegenheit höchst vonnoten ist / und werdet ihr / wehrte Sataspe / ob ich
schon eurer treue wohl versichert bin / zu meiner beruhigung / mir zu schworen /
dass ihr alles / was ihr nun vernemen werdet / nimmermehr aus eurem munde wollet
kommen lassen. Sataspe / um ihre liebste Fürstin zu vergnügen / legte ihre hand
auf ihre entblöste brust / und schwure ihr also: worauf Ahalibama in ihrer
erzehlung also fortfuhre. Ihr sollet demnach wissen / dass die Riesen / so da
meine blutsverwandten von der mutter seiten sind / unlängst auf dem Tamischen
gebirge zusamen gekommen / und sich miteinander verbunden / mit gesamter ihrer
vorfahren / der Enakim / in Kitim am vesuvius ligendes land / aus welchem sie
vorzeiten der Coslöus verjaget / wieder zu erobern. Alle Enakim vom hause Sesai
/ Ahiman und Talmai / so bisher in Basan zu Astarot gewohnet / neben den
Riesen von Hebron / Debir / Anab /Sammesunim / Emim / Aim / Rapha und Caphtorim
/feind in diesem bunde. Weil das haus Talmai / so unter ihnen das furnemste
gewesen / mit meiner fraumutter ausgestorben / und ich also allein die übrige
davon bin / als wurde dieses ihr fürhaben meinen eltern kund gemachet: die dann
in ihre bundnus mit eintratten / und daneben abredeten / dass man / im hinwege /
des gebirges Seir sich wieder bemächtigen / und selbiges mir für mein anteil
zuwenden sollte. Also wird nun das eine heer zu land / über das Riphatische
gebirge / das andere aber bei Ezeongaber / über meer / nach Kitim gehen.
    Dieses letzere heer / welches auch zu eroberung Seir soll angewendet werden
/ auszuführen / ward von den Enakim meinem herrvattern aufgetragen: der aber /
sich entschuldigend / mit bewilligung des Zibeons /gegenwärtigen Megadostes dazu
erkiesete / und ihme zugleich anbote / mich zu heiraten / und also herr von Seir
zu werden. Megadostes liesse sich nicht mercken /dass ihm dieser fürsatz
missfällig. Ich aber / die ich /eine gehorsame tochter zu sein / mich lebenslang
beflissen / ware gleich bereit / den Megadostes fur den jenigen zu ehren / dazu
ihn der Zibeon und Ana erkieset: aber ihn so fort zu lieben / wollte das
andencken des Fursten von Edom nicht zulassen / als welcher mehr / als zu meiner
ruhe dienete / mein hertz eingenommen hatte. Ich uberwande mich aber / so viel
ich kundte / und name nach dem tage mir gänzlich für /mich des Edoms zu
entschlagen / doch ihme zuvor die ursach dieser meiner änderung zu entdecken.
Als er nun zu mir kame / sagte ich ihm zwar nicht / dass es seinen uns ab
eroberten lande gelten sollte / noch auch / dass Megadostes derjenige wäre / an
den man mich verlobet / sondern eröffnete ihm nur ingemein / dass mir die
meinigen / einen andren zu lieben / befohlen håtten / denen ich dann ohne
widerrede gehorchen / und er mich also nicht mehr sehen musste. Es bliebe /
dieser sonst unerschrockene held / ganz unbeweglich /als er diese unverhofte
erklärung von mir vernommen / deren er sich im geringsten nicht versehen / weil
ich ihm / wenig tage zuvor / so grosse hoffnung gemacht hatte. Er wollte endlich /
nachdem er sich wieder erholet / viel einwenden / um auf einen andern sin mich
zu bringen. Ich aber / als zu schwach mich findende / in erdultung seiner
gegenwart länger den sieg über meinen willen zu erhalten / beschlosse / mich von
ihm zu entfernen / und sagte ihm diese lezte worte: Gehabt euch wohl / Esau! und
glaubt mir zu / dass ich euch lieben wurde / wan ich dorfte. Damit verliesse ich
ihn /seine antwort nicht erwartend / war auch in dieser meiner überwindung so
verwirret / und fast aus mir selber / dass ich nicht recht wusste / was damals
fürginge / oder wie mir geschahe.
    Welcher gestalt dieser Fürst solches mein verfahren entfunden / legte sich
hierauf sattsam zu tage: massen sofort der ganze hof seine betrübnüs vermerket.
Weil sowol der König / als andere grossen / ihn sehr liebten / als ware ein jeder
bemühet / die ursach seines leidens zu erforschen. Wie er nun gegen dem Pharao
keine geheimnis davon machte / als bote der ihm seinen beistand an / und redete
meinen eltern selber zu /dem grossen Edom ihre tochter nicht zu versagen. Alle
entschuldigung / so sie hingegen eingewendet / bestunde darin / dass sie bereits
verlobet wäre: daher bei jederman die begierde wuchse / denjenigen zu kennen /
den ich heiraten sollte. Auf den Megadostes riete niemand: weil es / unangesehen
dessen hoher geschickligkeiten / nicht vermutlich war / dass meine eltern mich an
ihn / als einen fromden / und der nicht begütert zu sein schiene / wurden
versprochen haben. Der König suchte alle mittel herfür / dem verliebten Edom
seine betrübnüs / die hierob von tag zu tag bei ihm zuname / zu benemen stellte
es auch deshalben öfters an / dass er / weil ich in meinem hause mich von ihm
nicht mehr sehen liesse / in öffentlichen zusammenkünften mich zu sprechen
bekame: da er dann kein augenblick versäumte / seine qual mir zu entdecken / an
bei mich zum oftern bate / ihme wenigst nur so gunstig zu erscheinen / und zu
melden / wer sein glücklicher mitbuhler wäre. Er richtete aber hiermit nichtes
aus / weil äuserlich meine kaltsinnigkeit sich ja so sehr / als seine liebe /
vermehrte: wiewol ich innerlich grosse qual fuhlete.
    Weil nun der Zibeon mir meinen gram bald anmerkte / als ware dieses / unter
andern / eine ursache mit / dass wir unsere abreise aus Egypten zu beschleunigen
bedacht wurden: wiewol die eigentliche ursach diese war / dass die zeit sich
näherte / da wir auf dem Taurischen gebirg / neben den beiden Königen von Basan
und der Aborigener / die in der Riesen bunde mit begriffen / zur besprechung
einfinden sollten. Mein gram rührte aber nicht so sehr daher / dass ich den Esau
nicht hassen / als dass ich den Megadostes nicht gnug / wie mir gebuhrte / lieben
konnte. Ich täte nur demnach allen gewalt an / und entfande darin meine ruhe /
dass Megadostes keiner von den ungestümmen liebhabern were / sondern ja so
kaltsinnig mit mir / als ich mit ihm verführe und uns beiderseits alles
gezwungen abginge.
    Als nun / zu anfang dieses frulings / der König von Egypten nach Syrien
abreisete / um die Konigin Danede / seine gemalin / von dar abzuholen / die sich
den winter über in Damasco aufgehalten / massen er gestern mit ihr und andren
Königlichen personen / die Königin von Mesopotamien hieher einbegleiten helfen:
bliebe der Esau noch zu Tanis / weil ihme unmüglich fiele / mich zu verlassen /
und bekamen wir wind davon / dass nicht allein er damit ümginge / mich in sein
Fürstentum zu entfüren / sondern auch / dass der Amosis seinem reichsstatalter /
dem Esau hierzu alle hulfe und vorschub zu tun / anbefohlen hatte. Diese seine
vermessenheit schmerzte mich so sehr /als wie es den meinigen verdrossen. Und
weil wir der Egyptischen macht nicht gewachsen waren / erwehlten wir heimlich
die flucht / und gingen Zibeon / Ana /Megadostes und ich / mit unseren leuten
und nötigstem geräte / bei nacht aus Tanis hinweg / ehe ein mensch das
geringste davon gewar wurde. Wir stelleten hierauf unsere reise nach dem
Tamischen gebirge an / und als der weg uns durch Mesopotamien führte /kamen wir
/ vor ungefär fünf tagen / glücklich nach Phalaga an: da wir über den phrat
setzen / und fürter unsere reise hieher nemen wollten.
    Desselbigen abends nach unserer dahinkunft / wie ich an dem strande des
phrats mit einer meiner slavinnen spaziren gegangen / sezete ich mich endlich
/nachdem ich ermüdet / in einem ausgeholten felsen nieder / und wusste nicht /
dass Megadostes / mit seinen vertrauten Chaldeer nahe bei mir in einer ecken
dieser klippen sich befande. Ich redete daselbst mit dieser dirne / welche üm
alle meines herzens geheimnisse wissenschaft träget / meiner gewonheit nach /gar
vertraulich / und beklagte mich / dass / ungeachtet alles streites in mir / ich
dannoch eine solche schwerigkeit bei mir entfände / den edlen Megadostes also zu
lieben / wie mir obläge; und dass ich / von meiner ersten liebe / solche
anregungen zur beståndigkeit fühlete / die ich doch / als nunmehr lasterhaft /
billig sollte und müste verbannen. Diese klage fuhrete ich gar weitlåufig / und
schlosse endlich damit / wie ich wunschete / dass Megadostes / mich zu lieben /
meinen eltern hätte versagen mögen. Dieses gespräch daurete / bis die sonne
untergienge / und wurde ich darauf ganz stille: daher endlich meine dirne
vermeinend / weil ich mich nicht regte / dass ich eingeschlummert sein wurde /
aus dem felsen von mir ginge / und sich an einem andern ort an das wasser
sezete.
    Nun hatte Megadostes alle meine worte mit angehöret / und als meine dirne
mit ihrem geräusche / so sie im hinweggehen machete / bei ihm die einbildung
erwecket / dass ich mich von dar begeben hätte / brache er in diese worte heraus
/ die ich ganz deutlich vernemen kunte: Habt ihr gehört / mein vatter! was die
unvergleichliche Ahalibama / (also beliebte ihme /mich zu nennen) itz geredet
hat? Ach! es wäre ja höchst billig / diese volkommene tugend zu lieben /wan nur
mein herz einige andere liebe anzunemen fåhig wäre. Ich begehre nicht / edler
Megadostes! (hörte ich den Chaldeer antworten /) in euren geheimnussen zu
forschen: dieses aber kann ich euch / aus meiner wissenschaft entdecken / dass
Ahalibama unfehlbar euer Glück machen wird / und dass ihr zu eurem ersten
ruhestand durch sie wieder gelangen werdet. Ach! wie kann das geschehen /
(antwortete Megadostes tiefseufzend / da der grausame tod mir die jenige
genommen / die einig und allein meinen ruhestand machen konnte?) Glaubet mir /
(widerredete der Chaldeer) Ahalibama wird euer Glück / und zwar in kurzer zeit
zu wegen bringen: volführet nur mit ihr / eure angefangene weise zu leben. Ihr
habet aber vernommen /(sagte Megadostes /) wie sie wünschet / dass ich sie nicht
lieben möchte. Ich wurde demnach ja bässer tun / wan ich / um ihrer ruhe willen
/ ihr eröffne /dass ihr wunsch erfullet sei: weil mich die unmüglichkeit abhålt /
eine andere liebe anzunemen. Wozu wurde diese endeckung dienen / (versezte der
andere /) als dass ihr wider euch selber handlen würdet: massen ihr mir ja öfters
gestanden / dass ihr auf der welt keine person kennet / die ihr zu lieben euch
fähig befindet / als eben diese Furstin. Wer weiss demnach /ob es der himmel
nicht also versehen / dass euer beider verehlichung sie von der liebe zum Edom /
und euch von eurer todten liebe / befreien solle? Himlische Prinzessin! (sagte
hierauf Megadostes /) die du nun unter den göttern wohnest! Gib mir doch in mein
herze / was ich tun soll: und dafern dir nicht zuwider / dass ich die schöne
Ahalibama neben dir liebe / so regiere auch ihren sinn / dass sie mich hingegen
lieben möge.
    Hiermit stunden sie beide auf / und gingen hinweg. Ich / ganz voll
bestürzung / hatte keine zeit / dieses /was ich gehöret / recht zu überdenken /
weil indem einer zu mir in meine höle kam / und mir / da ich ihm entgegen ginge
/ die hand bote / mich heraus zu fuhren. Weil es mit dem abend im schimmern war
/ und ich diesen für den Megadostes hielte / weigerte ich mich so wenig / mit
ihm zu gehen / als sehr entstellt und unentschlossen ich war / was ich mit ihme
reden sollte / weil ich nun wusste / dass er meine reden angehoret / und mich eben
also / gleich wie ich ihn / nun kennete. Diese unschlüssigkeit bande mir den mund
/und urteilte ich / aus seinem stillschweigen / seine gleichmåssige bestürzung.
Also gingen wir / sonder zu reden / immer fort / und war ich so verwirret / dass
mir der weg nicht lang wurde / nicht beachtend / dass wir das wirtshaus viel eher
håtten erreichen sollen / und der weg so lang nit war / dass er so viel zeit
erfordert håtte. Wie mir nun endlich nicht recht hiebei dünkte /stutzete ich /
zu dem / der mich führte / sagend: Wo gehen wir hin / Megadostes! der herweg war
nicht so lang / den ich von unsrem wirtshause bis an das wasser genommen. Meine
håftige liebe / (antwortete mir dieser mein begleiter) und eure gütige erklårung
/ die ich in diesem felsen mit angehoret / haben mich so kühn gemacht / euch
hieher zu bringen / da ein wagen unser wartet / der euch nach Seir / eurem
vatterlande /fuhren soll.
    O verwegener Esau! (rieffe ich hierauf / ihn an seiner stimme erkennend)
solt ihr euch auch unterstehen dörfen / mich dergestalt zu beleidigen? und habet
ihr nicht bässere gedanken von meiner tugend / als dass ich nicht tausendmal
lieber den tod als diese ehrenrürige entfurung erleiden sollte? Hiemit war ich
bemühet / mich los von ihm zu reissen / er aber setzete bei solcher gelegenheit
die blödigkeit auf die seite / und /weil er sich zweifels frei darauf verliesse /
dass er wusste / wie ich ihm nicht abhold wåre / fuhre er in seiner angefangenen
künheit fort / und mich auf seine arme fassend / truge er mich bis an den wagen:
da er mit mir hinein sprange / und so fort denselbigen feld eingehen liesse. Ich
horte nicht / für entsetzen und ungedult / was Esau ferner zu mir sagte / diese
seine tat zu entschüldigen / und brache endlich der morgen wieder an / wie wir
uns nicht weit von Anzora befunden / weil die pferde ermüdet / und der Esau
nicht vermeinte / dass man ihm so eifrig nachjagen wurde /gönnete er mir ein
wenig ruhe.
    Ich hatte deren kaum etliche stunde genossen / da kame Megadostes mit seinen
leuten auf einem schiffe den phrat herrunter fahren: welcher / sobald er meine
entfürung / durch einen von des Esau dienern / der in der eile sich verspätet /
vernommen hatte / uns nachgefolget. Er ländete eben an / als der Esau seinen
wagen wieder bespannen liesse / und gleich am ufer stunde. Ihr wortwechselung
bestunde beiderseits in entblossung der schwerder: da sie / mit gefolge der
ihrigen / aufeinander los gingen / und ein getummel erregten / dass nicht allein
ich davon erwachte / sondern auch ganz Anzora zugelauffen kame / um die ursach
dieses unwesens zu erfahren. Ich bedachte mich hiebei nicht lang / was mir zu
tun wäre / sondern entschlosse mich sofort / diesen beeden helden ihr leben zu
erhalten / und mit dem Megadostes nach Phalaga wieder zu kehren / demnach liesse
ich mich unter die menge des zulauffenden volkes / und rieffe ihnen zu /dass sie
mir folgen sollten / diese streitende mir voneinander bringen zu helffen. Als ich
nun bald ein zimliches heer hinter mir sah / die ich / meiner alten
kriegerischen gewonheit nach / wohl anführen konnte /drunge ich mit ihnen / mit
denen zwischen den Esau und Megadostes ein / ihnen beederseits und ihren leuten
den frieden gebietende. Sie legten sowol aus ehrerbietung als weil ich mit dem
volk aus Anzora die stårkste war / da sie bereits beide verwundet waren /die
waffen nieder.
    Hierauf bote ich dem Megadostes die hand / und sagte zu dem Esau: Sehet /
wie der himmel eurem ungerechten verfahren entgegen ist / indem er mich also aus
euren hånden errettet. Ich will es ferner seiner rache befehlen / wie ihr mich
beleidigt / und werde ich von diesem tage an / euch als meinen ärgesten
verfolger zu fürchten / mir åuserst angelegen sein lassen. Als er diese worte
von mir vernommen / erblasste er /gleich einer leiche / welches dann auch seine
entfangene wunden mit verursachten. Ich aber wandte mich damit zu den bürgeren
von Anzora / die ich ersuchte /diesem wutrich zu steuren / dass er mir nicht
hinterlich sein möchte / mit dem Megadostes nach Phalaga wieder zu kehren. Weil
die vornemsten unter diesen leuten den Fürsten von Edom kennten / als erfüllten
sie dieses mein begehren mit grosser bescheidenheit / und baten ihn üm das / was
sie ihm wohl verwehren konten / nämlich dass er mich ungehintert mochte reisen
lassen. Er war aber von wut / unwillen und beschamung so eingenommen / auch
daneben so schwach wegen des verlohrnen Blutes / dass er das vermögen nicht hatte
/ sich daselbst länger sehen zu lassen. Demnach begabe er sich / so wohl dem
pövel aus dem wege zu kommen / als meinen abzug nicht mit anzuschauen /sonder
mir ein wort zu sagen / mit den eltisten der stadt in ihren tempel. Ich aber
ginge / ohn ferners såumen / mit dem verwundten Megadostes zu schiffe /und kamen
wir erst gegen den abend / weil wir gegen den strom fuhren / wieder nach
Phalaga.
    Ich muss euch nun auch wohl die unterredung erzählen / die ich unterwegs mit
meinem erloser auf dem schiffe gehalten. Dieser meine sonderbare betrubnus
verspürend / name daher anlass / mich also anzureden. Ich weiss nicht / schone
Ahalibama / ob des kühnen Fürsten von Edom / oder mein beginnen / an dieser
herfürscheinenden traurigkeit schuldig sei? Ist es das letzere / warüm
widersprechet ihr also eurem eignem herzen / wan ihr sagt / dass ihr dem grossen
Edom so abhold seiet? Ich weiss / Megadostes! (antwortete ich ihm) was euch /
diese reden zu fuhren / veranlasst: ihr habt mich gestern abends behorchet. Ihr
sollet aber wissen / dass ich eure geheimnise sofort auch erfahren / da ich / die
unmüglichkeit mich zu lieben / aus eurem eigenem munde angehoret. Ich bin
demnach billig betrubet / dass es der himmel nicht also gefüget /dass ihr Esau /
und Esau Megadostes worden wåre. Er bestürzte nicht wenig / mich also reden zu
horen. Nachdem er sich aber wieder begriffen / sagte er zu mir. Wan ihr dann alle
meine worte gehoret / so werdet ihr auch meinen herzlichen wunsch vernommen
haben / den ich getan / euch zu lieben / und eure gegenliebe hinwider zu
erlangen. Es ist ja wahr / Megadostes! (gabe ich ihm zur antwort /) ich habe
dieses gehöret: und will ich / üm euch zu weisen / dass ich nun des Esau vergessen
wolle / keine stunde mehr seumen /euch die eheliche hand zu geben / und damit
unserer liebe einen anfang zu machen. Megadostes / sein vergnugen darüber zu
bezeugen / fiele mir zu fuss / als er solche erklärung vername / und versicherte
mich / dass ihn seine abgestorbene liebste / ferner nicht abhalten sollte / eine
lebendige zu lieben. Ich gelobte ihm hingegen an / dass ich des Esau vergessen /
und ihn allein lieben wollte.
    Mit solcher wechsel-versicherung / die zwar mir /wie ich nun gestehe / saur
ankame / kehrten wir wider zu dem besorgten Zibeon und Ana / die nun / für
dergleichen fernerem zufall sicherer zu sein / für nützlich befanden / in zween
haufen zu reisen: da dann sie mit ihren leuten auf Samosata zugingen / wir aber
uns hieher nach Amida wendeten. Hier hat uns nun der gestrige zufall in eur haus
gebracht / und an unserer fürter-reise gehintert. Diese aufhaltung nun / welche
nicht von ungefår geschehen / hat anlass gegeben / dass / nach des Chaldeers
vorsagung / der Megadostes ganz unverhoft und unvermutlich zu seiner ersten
glückseeligkeit wieder gelanget ist. Dan als derselbe gestern den prächtigen
einzug eurer Konigin mit angesehen / hat er unter ihrem frauenzimmer die jenige
person lebendig gefunden / die er als seine liebste /bisher für todt beweinet.
Dieses hat er mir gleich iezt eröfnet / und dabei mir die aufrichtigkeit
erwiesen /dass er mir nicht verheelen wollen / wie so fäste bande ihn an diese
wieder lebendig-gefundene Prinzessin anfässelten / daher er auser ihr eine
andere zu lieben /nimmer fähig wäre; Ich muss gestehen / dass dieses mich sehr
besturzet gelassen / wiewol nicht aus den ursachen / als wan ich in des
Megadostes verfahren etwas zu tadeln fände: und habe ich deshalben / wehrte
Sataspe! in seiner gegenwart sofort darauf / als ich dieses von ihm erfahren /
euch hieher holen lassen /üm euch beden meinen lebenslauf zu erzählen / damit
ihr / Megadostes / alle umstände desselben mit anhörend / die euch alle zuvor
noch so bekant nicht gewesen / müget urteilen können / dass nicht allein die
tugend / sondern auch meine eigene regung und die noch stäts-anhaltende neigung
für den Edom mich antreiben / von meinem gehabten rechte gutwillig abzustehen /
und euch von eurer liebe loszusprechen. Ihr aber / Sataspe! sollet dessen ein
zeuge sein / dass ich ietz dem Megadostes seine freiheit wieder gibe. Wie ihr dann
auch aus dieser meiner vertreulichkeit werdet abnemen können / dass ich noch
gegen euch die alte ungeänderte Ahalibama sein wolle / wie ihr mich ehmals bei
der Tirdane gekennet.
                                     * * *
    Hiemit beschlosse diese angeneme Fürstin ihre rede / und liesse Megadostes der
Sataspe keine zeit / hieruber etwas zu sagen / indem er für der Ahalibama bette
nieder kniehete / und mit den bewegligsten worten / die er nur ersinnen kunte /
ihr zu verstehen gabe /wie sie in der welt keinen ergebeneren diener als ihn
haben sollte / und wie er äuserst bemühet sein wollte /ihre eltern dahin zu
bereden / dass sie in die liebe des grossen Edoms einwilligen möchten. Ich habe
euch (antwortete Ahalibama) auf meiner eltern befehl geliebt / verhoffe auch /
wan sie eure ursachen nun horen / dass ihr mich nicht etlichen könnet / sie damit
werden friedlich sein / dass ich meine liebe wieder zurücke genommen / und
dieselbe in eine freundschaft gegen euch verwandelt habe. Wollen sie dann den
Esau zu ihren schwiegersohn nicht haben / werde ich auch ihren willen niemals
widerstreben / dabei aber euch nicht verwehren / euer muglichstes bei ihnen für
den grossen Edom anzuwenden / damit durch euch / dieser trostlose seine Ahalibama
wieder erlangen möge / die ihr ihm zuvor entwendet. Diese worte konnte sie sonder
tränen nicht vorbringen / und wurde Megadostes dadurch nicht wenig gerüret: Der
ihr auch verhiesse /seine eigne glückseligkeit so lang hintan zu setzen /und
ungeseumt nach Anzora zu kehren / um den Fürsten von Edom in seiner unruhe zu
trosten. Dieses wollte sie aber nicht zugeben / bis es ihre eltern verwilligt
hätten. Sie widersprache auch lang seinem furnemen / dass er sie nun / da er
seine Prinzessin wieder gefunden / dennoch nach dem Tamischen gebirge begleiten
wollte: davon er aber sich nicht abbringen liesse. Hierauf ward beschlossen / weil
ihr die sorgfalt ihrer eltern / und sonderlich des Zibeons bekant war /dass sie
sofort den andern tag / ungeacht ihrer schwachheit / wieder abreisen wollten /
deme sich die getreue Sataspe vergeblich widersezte.
    Als diese endlich zu worten kommen konnte / bezeugte sie ihre verwunderung
über die sonderbare liebe dieser beiden / und beteuerte der Ahalibama nochmals /
dass sie keinem menschen etwas hiervon entdecken wollte / was sie von dem furhaben
der riesen vernommen håtte. Dass dieses sehr geheim sein müsse / (sagte Ahalibama)
lässet sich daraus abnemen /weil alle die Konige / unter denen die Riesen
zerstreuet wohnen / dieses werk hinteren würden / wan sie es zu früzeitig
erfahren sollten / da keiner gern sein land / durch ihren abzug / wird wollen
sehen ode werden / und dörfte man sonderlich hier in Mesopotamien / als nächste
nachbaren / dieses zu verhinteren suchen / damit unsere macht nicht zu gross
werde / andren gesetze fürschreiben zu können. Ich begreife dieses gar wohl:
(antwortete Sataspe) damit aber mein vetter der Demas / einiger massen erfahren
möge / wer seine gäste seien / so werde ich ja ihme / als einen vom gebirge Seir
/ und der überdas dem Fürsten Zibeon ehmals so viele dienste erwiesen / meiner
Furstin namen nicht verschweigen / noch auch ihren weg nach dem Taurischen
gebirge verhelen müssen? Dieses stehet euch frei / (sagte Ahalibama) nur dass das
übrige bei euch bleibe / und verlange ich selber dem getreuen Demas meinen namen
zu entdecken und deswegen ihn zu sprechen.
    Wie nun Sataspe der Fürstin willen wusste / säumete sie sich nicht / den
Demas hinein zu beruffen; welcher / wiewol ihm Sataspe bereits gesaget / wer
diese fromde wåre / es doch verhelete / bis sich Ahalibama ihm selber entdeckte:
da er dann seine dienste nach aller möglichkeit ihr anbote / und / auf ihr
begehren /ihr alles erzehlte / wie es ihm in Canaan ergangen /und wie der lezte
krieg / auch des Beors tyrannei / ihn in Mesopotamien gebracht hetten. Unter
solchen gesprächen / fiele der mittag ein: da dann / weil Ahalibama sich den tag
noch schonen und im bette bleiben wollte / der Demas mit dem Megadostes von ihr
gienge. Wie er nun hierauf die speisen / in einer im hinterhofe aufgerichteten
låube / wollte auftragen lassen /kame Nahor und Betuel dazu / die der fürwitz
daher triebe / um von des Demas gästen ein mehrers zu erfahren.
    So angenem mir meine Fursten sind / (sagte Demas zu ihnen) so unvermutet
kommen sie mir: massen ich mir eingebildet / nun der hof zu Samosata ist / es
wurde diese auen unserer fürstlichen schäfere gånzlich wieder sein beraubet
worden. Wir suchen beide nichtes (antwortete Nahor /) in Samosata / was unsere
sinne vergnügen kann: doch hätten wir / dessen ungeacht / unsere aufwartung bei
hof ablegen wollen / wan man uns nicht gesaget / dass die königliche personen
sich heute nicht sehen lassen / sondern von ihrer reise ausruhen wollten. Hiemit
grüssete Nahor / sowol als der Betuelden ansehnlichen Megadostes / und wie sie
sich mit einander zu tische gesetzet / fragte Nahor diesen frömden / ob er
gestern den königlichen einzug mit angesehen hätte / welches als er es
bekråftiget /gabe solches anlas / hievon weitlåuftiger zu reden. Wan der edle
Megadostes (sagte Betuel) nicht selber eine so fürtrefliche schonheit in unser
land gebracht hätte / so wollte ich wohl vermeinen / dass der wunderglanz von einer
unter den vielen schönheiten / die wir gestern gesehen / fåhig sein konnen / die
bestürzung zu erwecken / die ich an ihme wargenommen. Wie /mein Fürst!
(antwortete Megadostes / ganz verwundert /) habet ihr das ersehen? ich dachte
nicht / dass mich jemand beachten sollte / da so viel zu besehen war. Ich stunde
zum nächsten bei euch / (versezte Betuel /) als die königliche hirten so
unvermutlich an die tafel kamen / und horte ich euch sagen: Ach nein! meine
augen betriegen mich / ich sehe die nicht / die ich zu sehen vermeine.
Megadostes / ganz beschamet / dass Betuel so viel von ihm zu sagen wusste /
verbarge sich / so gut er kunte / und argwohn zu verhuten / gestunde er / dass er
/ in ersehung der Prinzessin Ahalibama von Seir / vermeint / er såhe eine dame
/die ihm ehmals war kentlich gewesen.
    Er bliebe hierauf / dieses ferner zu beantworten uberhoben / und kamen sie
nun auf den unterscheid der schonheiten zu reden / da Megadostes zu sagen
angelassen wurde / welche fur die schonste / nach den Königinnen Aramena und
Cölidiane / (als welche billig den preis vor allen den andern behielten) zu
achten wäre? Wan ich schon mein urteil (antwortete Megadostes) von so
unvergleichlichen schönheiten geben wollte / so wusste ich doch ihre namen nicht
zu sagen /weil ich keine kenne / als die beide Prinzessinnen /die mir der Demas
gestern genennet. Die eine von denselben (sagte Betuel) um die / wie ich hörte
/ der Demas befragt wurde / war die schöne Prinzessin Indaride aus Ophir / die /
nach ihres Königs Amraphel tode / in ihrem unglücke das Glück gehabt / dass
keiner sie mit neuer liebe betrubet oder gequälet hat. Ihre schonheit ist doch
wohl so gross / (antwortete Megadostes /) dass sie ihr leichtlich anbetere erwerben
könnte. Sie hat / ich weiss nicht was / in ihrem gesichte / (setzete Nahor hinzu)
das einem eher eine furcht als liebe sollte erwecken konnen / und glaube ich /
das sei die ursach / dass man so gar nichtes davon gehoret / wie sie / ausser dem
einigen Konig von Elam / von iemand sei geliebt worden. Dieser Konig
(antwortete Megadostes) hat / wie das gerüchte gemeldet / dennoch so häftig sie
geliebt / dass alles / so er ihrentwegen ausgestanden / genug anzeigen kann / was
volkommenheit er an ihr müsse erkant / und folget eben nicht /dass sie nicht mehr
liebhabere sollte gehabt haben / ob sich schon keiner bei ihr gemeldet. Unmuglich
kann die liebe geheim sein (gabe Nahor zur antwort) und ist das kein feur /
welches keine flammen von sich gibet. Ich will dieses nicht widerstreiten (sagte
Megadostes) sondern nur sagen / dass Indaride wurdig sei / in aller welt anbetere
zu haben.
    So folget dann daraus / (unterredete Demas) dass Megadostes den preis der
schönheit dieser Prinzessin gibet / daruber ietzt sein urteil begehret worden.
Ich wüste in warheit nicht / (widerredete Megadostes) ob etwas ungerechtes bei
solchem urteil sein wurde / unterneme mich aber darum nicht / über so hohe
personen meine gedanken zu eröffnen. Das wolgefallen (sagte Betuel) ist der
schonheit richterin / und verursachet dieses die wahl bei dem Megadostes: welche
ich meines teils auf die jüngere Aramena / die Königin von Ninive / richten
musste / ob ich schon iezt von ihren banden befreit lebe. Sol ein ieder (täte
Nahor hinzu) eine besondere schönheit preisen / so will ich die Ahalibama / des
Esau gemalin erwählen. Ihr nemet mir / mein Furst (fiele ihm Demas in das wort)
die meine aus dem munde / massen auch ich dieser den preis der schonheit geben
wollen. Desto eher werde ich solchen fur sie gewinnen (versezte Nahor) weil ich
nun zwo stimmen habe.
    Mit diesen und dergleichen gesprächen verbrachten diese viere die malzeit /
und konten Nahor und Betuel weder aus des Megadostes noch aus des Demas reden
erfahren / wer dieser ungemeine fromde sein musste: zumal auch die Nefe Zibeons /
um unbekant zu bleiben / sich nicht sehen liesse. Demnach namen diese beide
Fürsten wieder ihren abschied / nachdem sie den Megadostes und seine bei sich
habende schone ihrer möglichsten dienste versichert. Sie gingen hierauf nach
ihren heerden / da ihre hirtenknaben an statt ihrer im tal weideten / und stimte
/ im fortgehen / der Betuel folgendes lied an / das er auf seinen zustand
gerichtet.
Da mich der hof noch hatte /
da lief mir dessen schatte /
verdrus und unglück / nach
ich dacht / ich will mich hassen /
das prächtig' elend lassen
entfliehn dem ungemach.
In feldern ist gut wohnen /
da sind der hirten kronen
ruh' und zufriedenheit.
Ob gold die grossen krönet:
das Glück sie wieder hönet /
vertrübet ihre zeit.
Diss denkend / ich mich gabe /
mit diesem schäferstabe /
zu weiden eine heerd.
ich dacht in grünen gründen
die ruhe hier zu finden /
die meine wonne nehrt.
Doch kann ich / in den heiden /
nicht mein verhäugnis meiden
Die ruhe flieht vor mir.
Mein wartet' hier die liebe:
zeigt / dass sie mich betrübe /
mir eine wunderzier.
Was nicht am hof zu hoffen /
wird auch nicht angetroffen
in stiller felder-welt.
Noch lehret mich / mein brennen /
die unruh ruhe nennen.
Mich fällt / was mir gefällt.
    Als Betuel dieses lied geendigt / sagte sein bruder zu ihme: du hast mir
hiermit anlass gegeben / dass ich auch auf meinen zustand ein lied zu dichten
verlange. Es fehlet mir aber an der wissenschaft / die reimen recht zusammen zu
setzen. Ich will dich demnach ersuchen / dass du deinen poetischen geist mir
hierzu leihen wollest. Ach Nahor! (sagte Betuel / ihn zugleich ganz beweglich
ansehend) sollte ich ein lied von deinem lieben aufsetzen / so wollte ich darin
melden /dass du der Aprite auf ewig gute nacht sagtest / oder doch sie nicht so
ehrerbietig liebtest. Hüte dich / Betuel! (antwortete Nahor) mich also zu
betrüben / und achte die Aprite nicht so geringe / bevor du sie gesehen hast.
Wie kann man sie hoher ehren / (wandte Betuel ein /) als es ihr zustand mit sich
bringt / und habe ich alle hochachtung fur sie / die eine magd der Almesia von
rechts wegen erfordern kann.
    Indem Betuel also redte / fuhre unweit von ihnen ein mistwagen vorbei / den
sie gleich / an den pferden / der Almesia zustehend erkannten / welche ihn auf
ihren acker schickte. Weil zwo mågde mit mistgabeln hernach gingen / schwanete
gleich dem Nahor / dass Aprite eine von ihnen sein würde. Ob es ihn nun wohl
verhönete / dass sein bruder seine liebste also sollte aufziehen sehen / so
überwande doch die liebe bei ihm alle betrachtungen / dass er sich nicht
entalten konnte / seinen bruder zu verlassen / und sofort auf sie zu zu eilen.
Schöne Aprite! (redte er sie an) wie lang wollet ihr euch selber dieses unrecht
antun / lieber also zu dienen / als durch mich in freiheit wieder zu kehren.
Ist euch etwan die gesellschaft des Elisa so lieb / dass ihr lieber mit denen die
knechtschaft / als mit mir den ehrenstand / erkiesen wollet. Weil die schöne
Aprite bereits von der Rodine verstanden hatte / dass Nahor darbei gewesen / als
sie gestriges tages mit dem Elisa von seiner liebe geredet / als kame ihr diese
frage nicht frömd fur / und beantwortete sie solche also: Es wird mein rechter
ehrenstand darin bestehen / dass ich treulich meinem beruff abwarte / und durch
keine mittel / die mir einen bösen namen geben konten / aus meiner jetzigen
dienstbarkeit zu entkommen suche. Der Elisa ist mir weiters nicht lieb / als so
weit wir zusammen dienstboten sind / und einer herrschaft brod essen. Solte aber
/ sein umgehen mit mir /bei einigem menschen mir verdacht erwecken / so schwore
ich / dass ich ihm nicht bässer / als andern /begegnen würde / die da sucheten
meinen guten namen zu verkleinern.
    So werde aber ich / liebste Aprite! (sagte Nahor sie bei der hand fassend)
euren guten namen nicht verkleinern / wan ich euch zur Fürstin von Syrien zu
machen / und in die fürnemste freundschaft der welt euch zu bringen / hiermit
verheisse. Machet demnach zwischen mir und andern einen unterschied / und
erkennet meine eheliche liebe / die ich zu euch trage / so die heurat zum ziel
hat / und eure ehre auf die höchste staffel zu setzen bemühet ist. Diese
entdeckung täte Nahor mit so verliebten gebärden / dass gnugsam erhellte / wie
es ihme ein rechter ernst wäre. Aber Aprite hatte solches mit gleicher und
ihr-gewönlicher kaltsinnigkeit angehöret / und liesse sich dadurch keines wegs
bewegen / dem Nahor einen freundlichern blick zu geben. Glaubet mir / Fürst von
Haran / (sagte sie zu ihm) dass mir der Fürsten-stand mehr zu wider ist /als ich
mit worten aussprechen kann / und hasse ich ihn unter andern auch dieser wegen /
dass er euch diese künheit erlaubet / so frei mit mir zu reden / und mir
auferleget / aus schüldiger ehrerbietigkeit / meinen darob geschöpften unwillen
zu rück zu halten / und den nicht also / wie ich wohl wollte / auszulassen. Ach
grausame! (rieffe der verzweifelte Nahor /) habt ihr nun euren hass über mich
armseligen genug ausgelassen / und habt ihr wohl etwas zu rücke behalten von deme
/ das mir mehr als tausend töde anzutun fähig wäre.
    Aprite schwiege zu diesen klagen des Nahors / und begegnete ihme damit ein
wagen / auf welchem die Ahalibama mit der Timna und Casbiane sassen / des willens
/ den Demas und die Sataspe zu besuchen: als von denen Ahalibama und Casbiane
den ersten /Timna aber die andere / gar wohl kenneten / zumal diese eben die
jenige war / in deren hause sie sich zu Damasco an den Eliphas trauen lassen.
Weil diese Fürstinnen so fort den Nahor erblickt / riefen sie ihm zu / dass er
ihnen den weg zeigen sollte: der aber anfånglich zu ihren stimmen taub ware / bis
Aprite /die sich neben der Baalise vor diesen ankommenden sehr verbarge / dem
Nahor zuredte / von ihr ab und dahin zu gehen / wo ihm geruffen würde. Weil nun
dieser verzweifelte liebhaber die höflichkeit nicht gar hintan setzen durfte /
als musste er seine Aprite verlassen / und nach den andren eilen / gabe aber in
allen seinen gebärden gnugsam an den tag / dass er bis in den tod betrübt und
unruhig wäre. Die drei Furstinnen sahen ihm dieses an / daher Ahalibama lächlend
zu ihm sagte: hätten wir den Nahor in einer andern gesellschaft gefunden / so
mussten wir gewiss glauben /dass wir ihn von einem angenemen ort abgezogen håtten.
Nahor befunde sich so untuchtig / dieses zu beantworten / dass er dazu still
schwiege / und als ihn Casbiane / seine base / fragte / wo der weg nach des
Demas hause hinginge / sich anheisig machte / so wiedrig ihm auch alle
gesellschaft ware / sie dahin zu begleiten. Die Timna hatte ihr söhnlein / den
Amalek / auch bei sich / üm selbiges der Sataspe zu zeigen: welche / neben dem
Demas / einer solchen furnemen besuchung sich nicht versehen hatte.
    Es fehlte wenig / dass sie nicht die Sataspe und den Demas / bei der Nefe
Zibeons und dem Megadostes angetroffen: welche kaum aus dem zimmer entkommen
kunten / als jene schon in das haus eintraten. Aneriste / des Demas hausfrau /
entfinge und hielte sie so lang auf / bis die andren beide zu ihnen hinab kamen.
Der Sataspe freude war übergross / die Furstin Timna wieder zu sehen; und als sie
hörte / dass das kind /welches sie auf dem arm truge / der Amalek / ihr und des
Eliphas sohn wäre / kunte sie sich nicht entalten / ihr solches aus den armen
zu nemen / und es an ihre brust zu drücken / dabei sagende: der himmel sei
gepreiset / der mich den tag erleben lassen / die frucht von dieser heurat zu
sehen / die ich habe volziehen helfen. Ach Sataspe! (antwortete die betrübte
Timna) wie ist diese heurat für mich so unglucklich hinaus geschlagen / und wie
sehr hat sich des Eliphas liebe gegen mir geåndert! diese worte sagte Timna /
indem sie den windelsteig hinauf traten / und wurden solche von der Nefe Zibeons
in ihrem zimmer mit angehöret / weiln sie ganz nahe für ihrer tür über gingen:
daher ihr nicht geringe anregung kame / diese ihre alte freundin / wie
ingleichen ihre base / die andere Ahalibama / als gewisser massen ihre beide
mitbulerinnen /zu sehen. In erwågung aber / wie gefärlich es für sie sein wurde
/ und wie leicht es dem grossen werke / so unter den Enakim / ihren verwandten /
fur ware / eine hinterung bringen konnte / zwunge sie ihre begierde: wiewol nicht
so völlig / dass sie nicht gewünscht hätte / wenigst des grossen Edoms enkel / den
kleinen Amalek / zu sehen.
    Dieses ihr verlangen eröffnete sie einer ihrer slävinnen / die noch allein
bei ihr im zimmer war /weil Megadostes auch von ihr gegangen / und sich /üm
nicht von diesen ankommenden gesehen zu werden / in seine kammer verschlossen
hatte. Diese verschmizte slåvin / üm ihrer Fürstin willen zu erfüllen /ersah
eine gelegenheit / zu der Sataspe allein zu kommen / als sie eben / den kleinen
Amalek noch auf dem arm tragend / von der Timna aus dem gemach ginge / um ihr
etliche begehrte schriften von arzneien / darin sie sonderlich erfahren war /
zu holen. Wie nun Sataspe das verlangen der Nefe Zibeons vernommen / eilete sie
mit dem kinde in das gemach und fur das bette dieser Fürstin / üm ihr selbiges
zu zeigen: die dann eine solche gleichheit zwischen den kleinen Amalek und dem
grossen Edom fand / dass sie sich nicht entbrechen kunte / es herzlich zu küssen /
und ihm zu liebkosen. Weil aber das kind / sich unter lauter frömden sehend /
häftig zu weinen und zu schreien anfinge / horte Timna solches in dem
nebengemach /liese deshalben / von mütterlicher sorgfalt getrieben /in dasselbe
zimmer / und zwar so geschwinde / dass es Sataspe nicht verhinteren kunte. Von
ungemeinem entsetzen wurde sie uberfallen / als sie so fort ihre gluckliche
mitbulerin erkente / und zwar solcher gestalt / dass dieselbe ihr liebstes
söhnlein / das übrige von ihrem Eliphas / fur sich im bette auf den armen
hielte. Sie wusste fast nicht / wie ihr geschahe / und wurde auch die andere so
bestürzet / dass sie so wenig als die Timna sich erholen kunte.
    Sie sahen beiderseits eine weile / ganz sonder bewegung / einander an / bis
endlich Sataspe / die / fur der Timna ruhe / diese unvermutete zusammenkunft
nicht ungern sah / also anfinge / nachdem sie den Amalek zu sich genommen / und
sagte zu der Nefe Zibeons: Beschüldiget mich nicht / werte Fürstin / als hätte
ich euch verrahten! der himmel hat es also gefüget / damit ihr dieser trostlosen
Fürstin / wegen des Eliphas / aus dem irrigen wahn helfen konnet. Allerliebste
Timna! (sagte hierauf die Nefe Zibeons) wie herzlich bin ich doch erfreuet /
dich wieder zu sehen! sonderlich da ich dir sagen kann / dass ich deinen Eliphas
dir nicht geraubet. Glaube mir solches zu / werteste freundin! dass ich an diesen
verdacht unschuldig / und dass es nirgend anliget / als dass Eliphas deine
unschuld erfahre / üm wieder zu dir zu kehren. Ein starker tränen-bach ergosse
sich hierauf uber der Timna wangen / der so wohl von leid als freude herrürte /
und kunte sie nicht glauben / dass Ahalibama wahr redte / noch auch was håftigers
verlangen /als dass es wahr sein möchte. Sie sah bald diese ihre
bisher-geglaubte mitbulerin / bald die Sataspe an /und schuttelte das haubt /
zum zeichen ihrer kleingläubigkeit; weswegen Sataspe sowol / als die schone Nefe
Zibeons / fortfuhre / sie mit so vielen eidschwüren / auch mit kurzer erzehlung
von des Eliphas begebenheiten / dessen zu versichern / dass sie endlich glaubte /
und daher diese ihre alte freundin / sonder groll und unwillen / mit herzlicher
freudbezeugung umarmte und an ihr brust drukte.
    Ach unverhofte ånderung meines zustandes! (finge sie hierauf an) wer hätte
mir sagen sollen / dass ich in der Sataspe hause / also meine ehre wieder
erlangen wurde; und was hat euch / grausame freundinne! bewegen konnen / mir
dieses dergestalt zu verhelen? Das recht der wirtschaft / (antwortete Sataspe)
hat mich schweigen gemacht / da meine gåste so sehr mich beschworen hatten / sie
geheim zu halten. Warum aber das? fuhre Timna (fort zu fragen) da ja du / werte
Ahalibama! wusstest / wie du mir das leben wieder geben konnen? Weil ich dich /
(antwortete die Nefe Zibeons /) nicht hier im hause allein wusste / erachtete ich
für keine müglichkeit / in gegenwart der andern / mich dir zu offenbaren / ware
also willens /es der Sataspe zu überlassen / dass sie bei gelegenheit dir dieses
ansagen sollte / wie sehr ich zu eilen gehabt / und daher dir selber meine
unschuld / den Eliphas betreffend / nicht entdecken können. Wo ist dann mein
Eliphas? (fragte Timna) und welch gros geheimnis bringt und führet dich so
geschwind hieher und wieder hin? Du begehrest so viele und schwere dinge zu
wissen (antwortete die Nefe Zibeons) dass ich nicht sehe / wie ich sobald dich
werde vergnügen können /doch hoffe ich ehest wieder bei dir zu sein: alsdan
solst du alles erfahren. Inzwischen ist dein Eliphas /als ich glaube / zu Teman
/ gehabe dich wohl / liebste Timna! und wisse zum abschied / dass dein
schwiegervatter / der grosse Edom / zu Anzora an etlichen entfangenen wunden
krank liget. Sage solches seiner gemalin / unserer basen / sonder mich ihr zu
nennen /noch auch dem Esau es kund zu machen / dass dieses von mir kommet / was
ich dir nun sage / und glaube /dass ich deine ergebenste dienerin sterben werde.
Ein mehrers wollte ihr die Nefe Zibeons nicht entdecken /und wie Timna sah / dass
ihr so hoch daran gelegen war / so wohl geheim zu bleiben / als bald hinweg zu
kommen / ergabe sie sich darein / diese freundin nur auf einen augenblick
gesehen zu haben / verhiesse ihr auch / keinem menschen zu eroffnen / was sie nun
erfahren.
    Damit schiede sie so vergnügt von ihr / dass / wie sie zu den andern wieder
kame / dieselbe eigentlich eine änderung an ihr spuren konten / und ware sie gar
nicht fähig / ihre vergnügung zu verbergen. Man berichtet mich iezt / (redte sie
zu des grossen Edoms gemalin) dass mein Eliphas noch nicht an die Nefe Zibeons
getrauet sei / und dass ich hoffen dörfe / ihn wieder zu bekommen. Warüm muss dann
(antwortete Ahalibama / die inzwischen mit dem Demas geredet) die Sataspe / die
dir / wie ich vermute / diese gute post wird gebracht haben / bei dir mehr
glauben / als ich / finden; habe ich dir diese zeitung nicht fürlångst gesaget;
Sataspe weiss es bässer / (gabe die erfreute Timna zur antwort / und redet solches
nicht aus blosser freundschaft / gleich wie du getan hast / sondern aus grunde
der warheit). Ich gönne ihr diesen fürzug gerne / (sagte Ahalibama) und bin
schon zufrieden /nun ich deine gemüts-beruhigung nur hoffen darf. Ich weiss aber
sonst noch etwas / (finge die Timna wieder an /) das diese meine vergnügung
zimlich verringern kann. Wie nun Ahalibama hiernach gefraget / fuhre sie fort /
und sagte ihr / welcher gestalt der grosse Edom /ihr gemal / verwundet und krank
zu Anzora låge. Ahalibama / weil Demas zugegen war / entfärbte sich nicht wenig
hierüber: dann sie hatte sich eben / in ein gespräche von ihrem liebsten Elieser
mit denselben so vertieffet / dass alle ihre gedanken damit waren erfüllet
worden. Wie sie nun hierauf zu antworten verzoge /fuhre Timna fort / ihre
sorgfalt hierüber an den tag zu geben / und sagte: Wan du dort hin reisen wilst
/ als ich vermute / ihn zu besuchen / so will ich dich begleiten; dann ich alda
dem Eliphas auch näher als hier sein werde / als der sich nun wieder zu Teman
befinden soll. Weil der wolstand es nicht anders litte / als dass Ahalibama diese
reise zu tun sich entschliessen musste / fiele sie der Timna bei / und bote sich
hierauf auch Demas an / ihnen nicht allein aller orten mit frischer furspann /
und nachgehends zu Phalaga mit einem benotigten schiffe zur hand zu gehen /
sondern auch selber mit zu reisen / und sie durch das land zu bringen.
    Dieses anbot namen sie zu dank an / und beschlossen folgenden tags
abzureisen: wovon Nahor / ob er gleich ståts zugegen war / bei seinen vielen
gedanken / nichtes vernommen hatte / und deswegen / als sie von der Sataspe und
Aneriste beglückwunschet wurden / mit verwunderung fragte / wohin sie zu reisen
gedächten? Es ist nicht anders / (sagte scherzweis die Casbiane) ihr müsst
lieben / mein vetter: Weil eine von den eigenschaften der liebe ist / dass sie
taub und blind machet. Dass ich liebe / begehre ich nicht zu leugnen /
(antwortete Nahor /) aber diese leidenschaft erzeiget sich so grausam gegen mir
/ dass ich dieses für eine ihrer geringsten eigenschaften gelten liesse /wan sie
mich also / wie ihr saget / meiner äuserlichen sinne allein beraubte. Es war
niemand unter den anwesenden / als Demas / der üm des Nahors zustand wusste:
daher diese reden bei allen / den andern eine grosse verwunderung verursachten /
weil man den Nahor sonst allemal als einen unentfindlichen feind der liebe
angesehen hatte. So hat dann Mesopotamien nicht ohn ursache das gluck (sagte
Ahalibama hierauf) diesen furstlichen schäfer in seinen feldereien zu wissen /
und vermute ich gänzlich / diese kleidung sei einer schonen schäferin zu ehren
angenommen worden. Ihr saget wahr / Prinzessin von Edom! (gabe der betrübte
Nahor zur antwort) und sollet ihr in wenig tagen erfahren / wer diese sei / die
ich liebe / und was die liebe bei mir auszurichten vermocht habe. Hierauf / weil
er dissmal ferner nichtes sagen wollte / hörten sie auch auf / ihn zu befragen /
und fuhren wieder nach Samosata: dahin zwar dieser verliebte ihme das geleite
gabe / und folgends / die ganze nacht hindurch / in seiner schäferhutte sich mit
unschlussigen gedanken quälte / wie er es in seiner liebe anschlagen sollte.
    Weil der folgende morgen zur abreise / sowol der gäste des Demas / als
seiner selbst mit den beiden Prinzessinnen von Edom bestimmet war / brache die
sonne sobald nicht wieder herfür / da namen die schone Nefe Zibeons / und der
ansehnliche unbekannte Megadostes ihren abschied von ihren tugendhaften
gastfreien wirten / und notigten die Aneriste / so wohl auch die Sataspe /
etliche schöne kostbare klein oder /für ihre bemuhung / von ihnen anzunemen.
Sataspe /die den Megadostes sehr gerne kennen mogen / fragte die Ahalibama / ob
sie dann gar nicht wüste / wer er eigentlich wäre: die aber ihr zu schwure / wie
sie ihn noch nicht kennte / und er ihr verheissen håtte / sich ihr so fort zu
offenbaren / sobald sie auf dem Taurischen gebirge würden angekommen sein.
Sataspe fragte ferners / warum sie / da sie ja den grossen Edom liebte / sich so
erfreut angestellet / als sie erfahren /dass die andere Ahalibama nach ihm
hinreisen würde? Die Fürstin antwortete / wiedass sie ihr solches nicht bergen
wollte / hube auch sofort ihre erzehlung an /die sie ihr aber / wegen der
Aneriste und ihrer töchter ankunft / heimlich ins ohr zu ende sagen musste. Und
hiermit bezeugte sie der Sataspe / wie sehr sie sie liebte. Es liesse aber
Megadostes einen seiner leute bei dem Demas im hause / dem er heimlich viel
verrichtungen anbefohle. Damit zogen sie so vergnugt von ihrem wirt hinweg / als
wie derselbe von ihren gästen zufrieden verblieben.
    Der Demas / nachdem er in seinem hause alles in gute ordnung gestellet /
begabe sich nach Samosata /um / seiner zusage zu folge / die beide Prinzessinnen
von Edom nach Anzora zu begleiten: die dann bereits reisefärtig waren / und schon
urlaub / von der Königin in Mesopotamien / wie auch von den andern / genommen
hatten. Der Konig von Ninive / der Ahalibama bruder / wie auch dessen gemalin /
die jüngere Aramena / wollten sie ein feldwegs mit hinaus begleiten: zu dem ende
sie sich gesamt zu wagen sezten /und ihren weg durch das lustige tal vor
Samosata /namen. Dieses war von so manchen wollen-heerden angefullet / die hier
und da in der weide gingen / dass es dem gesicht eine sonderbare vergnugung
brachte. Es liessen sich auch die stimmen der schäferinnen /neben den floten der
hirtenknaben / in die wette horen / dass die umliegende welder davon erschallten.
Solte nicht / liebste schwester! dieses vergnügte leben /(finge der König Dison
an) eure wiederkehr beschleunigen können? Wofern der Furst Edom (antwortete
Ahalibama) sich in solchem zustande befindet / dass ich ihn bald verlassen kann /
werde ich nicht lang verziehen / mich allhier wieder einzufinden. Wie lange
wilst du doch / (sagte die Konigin von Ninive) den grossen Edom / nicht deinen
gemal nennen? Du sagest allemal nur seinen namen / gleich als wan er dich nicht
anginge. Wir können uns nicht alle so bald /(gabe Ahalibama zur antwort) als wie
die Aramena /gewönen / die niemals meinen bruder / Konig von Ninive / sondern
ihn allemal ihren König nennet. Tue ich dann daran unrecht? (fragte die Konigin)
und habe ich auch einigen König in der welt / aufer ihn / auf solche weise zu
verehren?
    Dieses sagend / ümhalsete sie den Konig Dison ihren gemal / der dann mit
gleicher freundlichkeit ihr begegnete / und sagte: die schöne Aramena soll auch
dagegen meine Königin einig und allein verbleiben. Wan ich meinen König nicht
kennte / (versezte die Ninivitin) so könnte ich diese versicherung von der
Aramenen auch wohl auf meine schwester deuten. Das sind vergangene dinge /
(antwortete Dison) und habe ich / seit dass ich nicht mehr Aramena geheissen /
keine andere Aramena / als euch / meine Königin / geliebt. Dannoch ist / (sagte
Ahalibama scherzweis) die Petasiride / in der lezten belagerung der stadt
Damasco /geliebt worden. Wie gerne wollte doch Ahalibama (sagte die Königin)
unter uns eine unruhe anrichten /bloss / um / sich zu råchen / dass ich ihr
vorgeworfen /wie sie nicht gnugsam den grossen Edom liebe. Ich liebe den Edom /
(antwortete Ahalibama) wie er es von mir verlanget und begehret / und bezeuge ja
gnugsam damit meine schüldigkeit / indem ich ihn iezt besuche. Håtte nicht die
Timna (versezte die Konigin) zu dieser reise dich beredet / nimmermehr wäre dir
es von selber eingefallen. Ach dass ich doch nur (sagte Ahalibama) den Betuel
hieher wünschen könnte! der sollte mich an der verwähnten Konigin von Ninive
rächen. Diese worte jagten / so wohl dem Dison / als seiner Aramena / eine rote
ab; doch unterliesse die Königin nicht / hierauf also zu antworten und sie zu
fragen: worin dann wohl des Betuels rache sollte des bestehen konnen? dass er das
königreich Ninive von dir fordern wurde / (sagte Ahalibama) welches du ihme
zugedachtest / als du meinem bruder ungnådig warest. Erzehlet mir doch / (redete
Dison hierzu) wie dieses zugegangen.
    Ich trage dessen keine scheu / (finge die schöne Ninivitin an) und soll
Ahalibama dennoch hierdurch nicht erlangen / dass sie uns könne zusammen hetzen.
Hierauf erzehlte sie ihrem gemahl alle ihre gehabte eifersucht / wie sie in den
Dianatempel sich begeben /und dem Betuel ihr kron und zepter / zur
erkentlichkeit / für seine liebe / überlassen wollen: welches ich (fuhre sie
schliesslich fort) dem edlen Betuel / nicht aber mein herze / geben wollen /
weil dieses keinen besitzer mehr begehrte / da es mein Dison / meiner einbildung
nach / verschmähet håtte. Was für iammer (sagte Dison hierauf) triebe ich damals
in meinem herzen / als ich diese ungnade meiner Königin vernemen müssen / ohne
dass ich deren ursach ergrunden können! und eiferte ich nicht so sehr über den
Hemor von Sichem / als uber den Betuel / als welchen ich mehr fur den jenigen
achtete / der mir eure huld entwendet hatte. Lasset uns nicht mehr (versezte die
Königin) von so verdriesslichen dingen reden / welche Ahalibama / üm uns zu
quälen / auf die bahn gebracht hat / weil es sie verdriest / dass wir einander
mehr liebe / als sie und ihr gemahl / erzeigen. Warum sagst du nicht vielmehr /
(fügte Ahalibama hinzu) dass ich mit meinen bruder eifere / um dass er dich mehr /
als mich / liebe? Dieses ist wiederum ein stich / (antwortete die Konigin) womit
du auf meine schwester zielest / die solche beschuldigung leiden muss / als
gonnete sie der Colidiane nicht den vorzug im herzen meines bruders. Da sei der
hochste für / (gabe Ahalibama ganz ernstlich zur antwort) dass ich dieser
unvergleichlichen Konigin solchen verdacht beilegen sollte! viel eher wollte ich
das widerspiel sagen / dass unserer Königin betrübnis daher rühre / dass sie den
Konig von Syrien annoch gegen ihr verliebter befahret / als einem bruder
gebüret.
    Es ist gut / (finge Dison hierauf an) dass ihr hievon gedenket. Ich finde ja
grosse traurigkeit an den dreien koniglichen personen / der Aramena / dem
Aramenes und der Cölidiane: sollte dem wohl also sein / wie meine schwester jezt
erwehnet / dass der Konig von Syrien seine schwester noch liebt? Ich weiss hiezu
nichtes zu sagen / (antwortete die Königin) als dass mein bruder von herzen
betrübt ist / dass meine schwester ihr deswegen allerhand zu sinne ziehet /und
dass die Königin Colidiane ebenfalls nicht recht weiss / was sie hiebei gedenken
soll. Wan ist dann solches angegangen? (fragte Dison) wie ich aus Damasco reisete
/ war ja alles sehr ruhig. Seit dass der Mytreus (antwortete die Konigin) von
seiner gesandschaft an dem Konig der Aborigener / deme / wie mein König weiss /
die Königin meine schwester durch ihn angetragen worden / wieder zurucke
gekommen / hat man diese unruhe an meinen bruder verspüret / die nachmals auch
seine Königin und meine schwester eingenommen / sonder dass man recht ergründen
kann / was eigentlich die ursach sei. Ich befahre aber / Aramenes vergesse zu
zeiten / dass er nicht mehr Abimelech heisse. Wan dem also wäre / (sagte Dison) so
wåre hinwider zu wünschen / dass der Tuscus Sicanus sich bald einstellen mochte:
üm / durch volziehung der heurat mit der Königin / ferneres unheil zu verhüten.
    Ich kann nicht ersinnen / wo doch dieser Konig so lang bleiben mag / (sagte
Timna) wie er noch Cimber hiesse / erwiese er sich ja so verliebt / dass ich darum
sein langsames kommen nun noch weniger ergründen / noch auch erdulden kann.
Verlanget dich so sehr wieder nach den Cimber? (fragte Ahalibama scherzweis)
wilst du etwan dem Eliphas neuen anlass zu eiferen geben? du sträubest dich heut
(antwortete Timna) wider alle deine freundinnen / und übest dich vielleicht also
in krüttelen / um es wohl zu konnen / wan du nun nach Anzora kommest. Die Timna
(sagte die Königin von Ninive zur Ahalibama) hat sich so wohl verantwortet / dass
sie uns allerseits an dir gewohne. Weil aber die scheidenszeit verhanden / als
will ich nicht in unfrieden von dir gehen / sondern ausgesönet / und als deine
freundin / dich deine strasse ziehen lassen. Diese worte begleitete die schone
Königin mit etlichen kussen / die sie ihrer Ahalibama gabe. Nachdem sie hierauf
voneinander abschied genommen /reisete diese Prinzessin / neben der Timna / dem
Demas / und ihren bei sich habenden leuten fürter nach Anzora / der König und
die Königin von Ninive aber kehreten wieder nach Samosata.
    Diese kamen / auf dem ruckwege / von den Ninivitischen zustand zu reden / da
der vergnugte Dison seiner Konigin umståndlich erzählen musste / wie er es in
selbigem reiche gefunden und verlassen hatte. Er verrichtete solches mit höchster
freude / weil in diese erzehlung nichtes widriges mit einliesse / sondern alles
zu seiner schönen Aramena volligen zufriedenheit gereichte: dann sie erfuhre
damit / den beständigen frieden in ihrem reiche / wie auch den untergang aller
aufrurere / als des Ninias / Pannias / Zaphis und anderer; sie wurde auch
dadurch der liebe ihrer untertanen / gegen diesem ihrem neuen Konig / völlig
versichert. So gönnet uns dann endlich der gütige himmel /(sagte diese schone zu
ihrem Dison) eine beständige gluckseligkeit / indeme nun von allen seiten sein
gnadenschein uns anleuchtet / und tausendfach das leiden ersetzet / so wir zuvor
ausstehen müssen: und wie wenig wir / vor kurzem / ein solches vermuten konnen?
Wie unglaublich schiene es uns / dass wir iemals aus dieser verwirrung entkomen
würden / in die wir uns verwicklet gesehen? Dem höchsten ist nichtes unmuglich /
(antwortete der Konig von Ninive) und sorget der ofter båsser fur uns / als wir
es selber wunschen mögen: massen unser beider beispiel solches erweiset. Wie
widerspånstig waren wir zu Dedan / einander zu lieben / wie sehr auch iederman
sich deswegen bemuhete / und musste ich doch noch Aramena /Aramena aber Dison
werden / um nach des himmels ratschluss zu meiner ietzigen glückseligkeit zu
gelangen. Saget nicht allein von eurer gluckseligkeit / (fiele ihm alhier die
Konigin in die rede) sondern nennet sie auch die meinige: weil ich nun hierdurch
des edlen Disons herze besitze. Diese verbundliche worte /brachten den
vergnügten Konig bald aus sich selber /und beantwortete er solche mit
vielfältigen ümarmungen / seine Aramena so fäst umfassend / als wäre er noch
befugt gewesen / zu sorgen / dass er sie wieder verlieren möchte.
    In dieser ihrer keuschen vergnugung / stiessen sie auf des Königes von Salem
leute / welche nach einem walde ritten / der zur seite bei Samosata gelegen ist.
Wie sie nun von ihnen vernommen / dass der Melchisedech mit der Königin Cölidiane
in selbigem walde spazirend sich befånde / beschlossen sie / mit diesen
hofbedienten sich auch dahin zu verfugen. Also stiegen sie von ihrem wagen ab /
um zu fus diesen beiden königlichen personen zu folgen: welche sich ganz allein
mitten in den wald hinein begeben / und allen ihren bei sich habenden geboten
hatten / sie daselbst alleine zu lassen. Dieses gebot kann uns nicht gelten
/(sagte die Königin von Ninive) und wird die Colidiane gerne sehen / dass wir zu
ihr komen / weil ihre traurige gedanken sie allemal gleichsam anreitzen /
gesellschaft zu verlangen: und wird zweifelsfrei ihre traurigkeit daher ruhren /
dass mein bruder (wie ich zuvor erwehnet) sich merken lassen / wie er seine alte
liebesneigung noch in sich entfinde. Wan dem also wäre / (versezte Dison) so
sollte es mich wohl herzlich betruber. Doch kann ich / dem grossen gemüte des
Aramenes / schwerlich etwas solches zugleuben / und halte es vielmehr / bei
Cölidianen / für eine wirkung ihrer gar zu häftigen liebe. Es stunde meinem
Konig (sagte Aramena) noch weniger / als meinem bruder /zu verdenken / wan er
der ersten liebesneigung folgte: massen des Jacobs beispiel zeigt / dass man wohl
zwei schwestern ehlichen dörfe; aber seine leibliche schwester zu lieben / ist
wider das gottliche recht / scheinet auch wider die natur zu streiten. Liebste
Konigin! (antwortete Dison) meine erste liebe seid ihr / unter abbildung der
Diana / gewesen / und hat eure person /neben der unmüglichkeit / meine liebe zu
eurer schwester / gänzlich in mir ausgetilget.
    Als er dieses gesaget / kamen sie an den ort / alwo sie den Konig von Salem
/ und die Colidiane unter einen schattichten baum / die rücken zu ihme kehrend /
sitzen sahen. Sie schlichen demnach leise hinzu / üm diese beide in ihrem
gespråche nicht zu verstoren /und auch dessen inhalt mit anzuhoren. Und diese
behorchung vermeinten sie ohne laster zu verrichten /weil es / nicht ihnen damit
zu schaden / sondern vielmehr sie zu trösten / angesehen ware. Als sie ganz nahe
an sie gekommen / hörten sie die Königin Cölidiane von Syrien also reden: Wäre
es immer muglich /mein vatter! dass ich den Aramenes mit der Königin von
Mesopotamien teilen konnte / wie herzlich gern und ohn alle eiversucht wollte ich
doch solches tun: nun aber wird mir hierdurch die ruhe benommen / da ich iezt
horen müssen / dass solches nicht sein könne. Nein / liebste tochter! (antwortete
Melchisedech) dieses ist verboten / und kann des Fürsten Abrahams angezogene
heurat nichtes hiebei erweisen: dann der hat /nicht seines vatters tochter /
sondern dessen Nefin /seines bruders tochter / geheuratet; und wiewol solches
auch sehr nahe / so ist es doch noch einen grad weiter / als dieses. Aber
gesetzet / es wåre tunlich: wollet ihr den wohl / Colidiane! so niedrigen
gemütes werden / den namen der Königin einer andren zu überlassen / und aus des
Konigs fürnemster frauen /die ihr iezt seit / eine geringeres standes zu werden?
Noch viel ein mehrers / als dieses / (gabe Cölidiane zur antwort) wollte ich tun
/ wann ich die ruhe und zufriedenheit meines Konigs / und meiner liebsten
freundin dadurch befördern konnte: ja ich begehrte die nidrigste magd im
königlichen hause zu heissen / wan meines Aramenes seufzen / und meiner Aramena
gråmen / damit konnte gestillet werden.
    Habet ihr aber / meine tochter! (fragte Melchisedech /) dessen rechten grund
/ was ihr euch einbildet? erzählt mir doch mit wenigem / woher ihr dieses
mutmasset? Ich will ganz gerne (antwortete sie) meinem vattern hierin ein genügen
leisten / und bin leider! mehr als zu gewis versichert / dass ich nicht irre.
Meine erzehlung nun etwas weit herzunemen / so soll mein vatter wissen / dass /
als durch die ietzige Konigin von Armenien / die Andagone / offenbar worden /dass
der Prinz Abimelech Syrischer König / und ein bruder seiner geliebten Aramena
wäre / die erste besturzung diesem tugendhaften Aramenes nicht verwehret /
sofort sich gegen mir zu erklären / dass er mich lieben wollte: massen er solches
hernach / in der höle vor Damasco / die uns so wunderbarer weise uberfallen /
und von den anderen abgesondert / so viel er für der Dalimire tun konnte /
sattsam erwiese / auch nachgehends / wie wir zusammen getrauet waren /eine grosse
ruhe und vergnügung von sich blicken liesse / und ich das geringste an ihme nicht
warnemen können / dass er seine Aramena anderst / als eine schwester /
angeschauet. Des geliebten Cimbers vergnügung / der nun für den König Tuscus
Sicanus erkant war / auch zu befordern / wurde der Assyrier Mitreus nach den
Aborigenern abgefårtigt / und ginge kein tag in Damasco vorbei / da nicht mein
Konig mit seiner schwester und mir ganz freudig und frei von diesem König
geredet / und sein sonderbares verlangen / nach des Mitreus wiederkunft /
bezeuget håtte /als welcher die Königin von Mesopotamien demselben in heurat
antragen müssen.
    Es ist nicht zu beschreiben / mit was freude die post erschollen / als
Mitreus von seiner fernen reise von dem Riphatischen gebirge wieder gekommen.
Weil Aramena und ich / eben den tag / uns im bade bei einander befunden / waren
wir nicht dabei / als Mitreus bei dem Konig seine verrichtung abgelegt. Wie ich
aber nachgehends zu meinen herrn in die kammer eintrate / funde ich ihn so
erblasst und verstellet / dass ich / ganz erschrocken / mich nicht entbrechen
kunte / ihn zu fragen / ob etwan der Cimber tod wäre? wollte Gott! (horte ich ihn
hierauf / mit halb gebrochenen worten / bei sich selber sagen) dass deme also
sein möchte! Wie / mein Konig! (rieffe ich hierüber) wünschen E. Maj. ihres
Cimbers tod? diese meine frage brachte ihn wieder zu sich selber / und sofort
sich begreiffend / auch ein anders wesen annemend / wollte er mir nicht gestehen
/ dass er diese worte geredet. Wie ich nun ihn ferner fragte / was dann der
Mitreus mitgebracht håtte? sagte er zwar / mit kurzer antwort: alles gutes! aber
es erschiene nicht /dass sein herz mit seinem mund ubereingestimmet.
    Indem kame die Königin Aramena auch dazu: die verursachte mit ihrer
gegenwart / dass der König sich auf ungemeine weise entfärbte / und ganz
entstellt verbliebe. Aramena / die solches so fort / wie auch mein verändertes
wesen / erkennte / befiele gleich mit tödlichen entsetzen fur ihren Cimber /
hatte aber den mut nicht / hiernach zu fragen / und täte nichtes / als dass sie
/ bald ihren bruder / bald mich / ansah. Sie bliebe in solcher bestürzung / bis
der Konig sie fragte: Ob Mitreus nicht bei ihr gewesen wåre? Ein ganz
erschrockenes nein / war ihre antwort: worauf der König sie so wohl als mich bei
der hand fassete / und mit uns in der Konigin Hermione gemach ginge / alda
Mitreus sich befande / und dieser Konigin erzehlte /was er bei den Aborigenern
von dem zustand in Kitim / und von ihrem bruder dem Camboblascon vernommen
hatte. Wollet ihr nicht euer gewerbe / (sagte der Konig zu ihme / mit einer
gezwungenen freudigkeit /) bei meiner schwester ablegen? hierauf trate Mitreus
herzu / und erzehlte der Aramena seine ganze reise /und berichtete von dem König
der Aborigener / dass er / wegen vieler hinternussen / vor dem früling nicht würde
zu uns kommen können. Er vergasse dabei nicht / dieses Königs verlangen und
häftige liebe der Königin aufs bäste furzustellen. Sie aber / hiermit vergnuget
/ fragte den Mitreus / ob er ihr den kein schreiben von ihrem König mitbråchte?
Diese frage machte den Mitreus stutzen / mein Konig aber antwortete für ihn und
sagte: Es sind dem Mitreus unterwegs rauber aufgestossen / die ihm alles
abgenommen / dabei dann diese briefe auch verloren worden.
    Eine kleine errötung der Aramena / gabe mir hierauf zu erkennen / dass sie
dieses nicht völlig glaubte: wie dann auch ich täte / und mir gleich einbildete
/dass es hierum anders sein müste / als mein König sagte. Unser beider unruhe nun
zu stillen / bliebe der Konig / selbigen ganzen abend / bei uns in der Hermione
zimmer / da ein danz angestellet worden / und machete er sich über sein vermogen
lustig. Ich konnte nachgehends / wie wir zusammen zu ruhe gingen / aus seinem
stäten seufzen abnemen / dass ihn ein grosses anligen drucken müste. Ich wartete
bis gegen den morgen / die ganze nacht schlaflos hinbringend / ehe ich nach der
ursache seines anligens mich erkundigte. Wie ich aber solches endlich / mit
vergiessung vieler tränen / verrichtet / und er anfänglich alles auf das leugnen
gesetzet / gestunde er mir lezlich / dass ihn was sonderliches betrübte / welches
zu verschweigen höchstnotig wäre. Er bate mich auch / nicht ferner in ihm zu
dringen / sondern mit dem vergnügt zu sein /was er mir hievon erofnet: und musste
ich ihm angeloben / niemals beiden Aramenen / seinen schwestern /noch einigem
andern menschen zu melden / dass er mir seine betrübnis gestanden håtte.
    Ich war anfangs mit dieser seiner vertraulichen erklärung zu frieden / in
hofnung / ich wurde nach gerade immer mehr erfahren. Wie aber solches nicht
erfolget / und die betrubnus des Königs mehr zu- als abname / muss ich gestehen /
dass ich anfinge zu sorgen /die ehmalige liebe des Abimelech gegen der Delbois
/müste in dem Aramenes gegen die Aramena wieder aufgeflammet sein: welches zu
vermuten / ich von tag zu tag mehr anzeigungen bekame. Dan / wan Aramena bei uns
ware / und von dem Cimber anfinge zu reden / entfärbte sich der Konig allemal /
und brache solches gespräche ab / so bald er nur kunte. Er finge auch öfters an
/ das einsam leben dem ehestand fürzuziehen; wiewol er allemal dabei beteuerte /
dass er vor seine person es wohl getroffen hette: und schiene es /als suchte er
seine schwester zu uberreden / dass sie ungeheuratet bleiben sollte. Bald rümete
er wieder gegen ihr / den Konig von Basan / sonderlich in der zeit / als dessen
gesandte nach Damasco kamen / und um die Königin Aramena anhielten. Ihre grosse
beståndigkeit gegen den Cimber / machte dieser gesandten anbringen fruchtlos /
und erwiese sie sich nimmer verliebter in den Cimber: mit welchen namen sie
stäts den Tuscus Sicanus genennet. Mein König wollte / in der zeit / ihr immer
etwas in geheim vertrauen / bliebe aber iedesmal bei dem ersten wort bestecken.
    Weil sie / ob sie gleich niemals mit mir hievon geredet / in eben den
gedanken stunde / die ich führete /dass ihr bruder sie von neuem lieben möchte /
finge sie an / und meidete alle gelegenheit / um meinen Konig allein zu sein.
Sie begunte eben also sich innerlich zu nagen / wie mein Konig und ich täten.
Dieses wårete so hin / bis dieser früling uns hieher in Mesopotamien hat
geführet. Weil vielleicht die Königin die abwesenheit fur das bäste mittel
hielte / den König ihren bruder von seiner liebe zu heilen / als bestunde sie
anfånglich gar sehr darauf / dass mein Konig und ich in Damasco bleiben / und
nicht mit hieher reisen sollten: da sie dann viele schein-ursachen herfür suchete
/ dieses dem Konige beizubringen. Aber er wollte im geringsten nichts davon hören
/ seine schwester zu verlassen / und übername mit uns die reise: da er dann
unterwegs eben dieselbe lebensart gefuhret / die er nach des Mitreus wiederkunft
an sich genommen.
    Ich / dieser beständigkeit warnemend / ward endlich bewogen / auf ein mittel
zu gedenken / wie ich diese beide ungluckselige verliebte mochte vergnugt
machen. Es kame mir ungefär dieser tagen / als wir auf der herreise begriffen
waren / das geschichtbuch der Philister-Könige zu handen / darin ich funde /wie
der Ebreer Furst Abraham gegen dem damaligen König Abimelech erwehnet / wie die
Sara / seines vatters tochter / nicht aber seiner mutter tochter gewesen / und
doch sein weib geworden wäre. Hierbei fiele mir nun gleich ein / dass Abraham und
Sara ja so nahe / als der Konig Aramenes und die Aramena befreundet / und also
diese beide / so wohl als jene / wohl zusammen heurahten könten. Ich überdachte
dieses eben bei mir / als die Konigin Aramena zu mir in das zimmer trate / und
das buch in meinen händen findend /begierig wurde / zu sehen / was ich låse.
Weil ich es zu ihrer ruhe dienlich erachtet / und viele anzeigungen dahin
deutete / als ob ihr der Cimber nicht mehr so lieb wäre / als der ehmalige
Abimelech / weigerte ich mich nicht / dieses ihr so fort zu zeigen: da sie dann
zu erröten / auch eine besondere unruhe von sich blicken zu lassen / sich nicht
erwehren kunte. Sihest du wohl /liebste schwester! (sagte ich zu ihr) dass die
bruder-und schwester-liebe nicht allerdings verboten ist / wie wir uns
uberreden. Mit besturzung (antwortete sie mir) lese ich diese geschichte / die
mir doch sehr ungläublich fürkommet.
    Was ist das / (fragte der Konig von Syrien / der eben zu uns hinein trate)
so ihr / liebste schwester! nicht glauben konnet? Aramena bestürzte uber dieser
frage dermassen / dass ihr das buch aus den händen fiele. Ich name selbiges
wieder auf / und wollte dem König das jenige / so wir gelesen / aufschlagen. Aber
sie begriffe sich bald wieder / und / mir mit den augen winkend / name sie mir
das buch aus den hånden / zu ihrem bruder sagend: Wir haben hier / in den
geschichten der Philister-Konige viel unglåubliche wunderwerke gelesen / die ihr
götze Dagon soll verrichtet haben / welches mich zu den worten / die mein bruder
mit angehoret / bewogen hat. Hierdurch wurde nun sein ferneres nachfragen
eingestellet / und kamen wir auf andere gespräche. Mir bliebe aber / nach dem
tage / noch immer in dem sin / wie ich nach dem beispiel Abrahams / diese meine
zwei båste freunde auch ehelich zusammen bringen und dadurch vergnügen möchte.
Mit der Aramena hievon zu reden / habe ich gestern den anfang gemacht: die aber
gar nichts davon hören will / sonder zweifel weil sie / aus herzlicher liebe
gegen mir / ihre eigene vergnügung hintan setzen will / üm die meinige nicht zu
betruben. Dass sie an ihres Cimbers beständigkeit / ob ihr gleich von dessen
untreu / eine verdächtige person / nämlich mein Konig / sagen wollen / solches
verheelet sie zwar nicht gegen mir: sie will aber dabei kurzum nicht gestehen /
dass sie ihren bruder noch liebe / oder dessen liebe vermerke. Ich zweifle aber
gar nicht mehr an diesem / und das erste muss ich auch fåst glauben.
    Weil nun der schwerste punct gehoben scheinet /dass solches ohne sünde
geschehen kann / und ich meinen Konig in diesem gram nicht långer sehen kann /auch
mir selber die hierob entfindende schmerzen gern lindern mochte: als habe ich zu
euch / mein vatter / meine zuflucht nemen wollen / nicht zweiflend /des
gottseligen Königs von Salem gut befinden und unterhandlung werde / bei diesen
beiden unglückseligen verliebten / alles in guten stand setzen können /und ihnen
beiderseits meine herzliche liebe dadurch kund zu machen wissen. Ich begehre fur
mich nicht den ganzen Aramenes / sondern nur allein sein halbes herz: und mag
hierin an meiner wurde abgehen / was da soll / so will ich doch mit allen
vergnüget sein /wan ich nur dadurch meinem Konig und meiner liebsten Aramena
werde dienen können. Machet etwan euch mein vatter! die liebe gegen mir / also
reden /dass ihr diese heurat des Aramenes und der Aramena nicht billigen wollet /
so bitte ich euch / bedenket doch / dass ihr mich damit tödet / indem ihr den
unfehlbaren tod meines Königes dadurch zuwege bringt / weil er unmuglich in die
länge diesen kummer wird ausstehen konnen. Was nützet mir Aramenes / wan ich ihn
nicht soll lebendig behalten? und wollte ich ihn ja lieber gar missen / als seinen
tod erleben.
    Die milde tränen dieser schönen Konigin / verwehrten ihr / ein mehrers zu
sagen. Als aber der König Melchisedech hierüber sich ferner wollte vernemen
lassen / hörten sie nahe hinter ihnen ein geschrei; das war die stimme der
Königin von Ninive / die sich rückwarts von der Königin / ihrer schwester /
umarmet spürte / und / ehe sie dieselbe erkant / vor schrecken also geruffen
hatte: daher Melchisedech und Cölidiane so fort aufstunden / sich ihnen zu
nåhern. Es hatte aber die schone Konigin von Mesopotamien /ihre schwester eben
also beschlichen / gleichwie selbige die Colidiane belauret: deren sie auch
verwiese dass sie also vorwitzig sich erzeiget / anderer ihr geheimnüs anzuhoren.
Es ginge dieses allerseits mit grosser verwirrung zu: massen die Konigin von
Ninive über das / was sie von der Cölidiane vernommen /sich herzlich betrübte;
wiewol sie hoch verneinte /dass sie etwas gehöret / und halfe der König Dison
/ihr gemal / solches bekråftigen. Colidiane glaubte solches zu ihrem troste:
weil sie ungern wollte / dass iemand ihre unterredung mit dem Melchisedech sollte
vernommen haben.
    Soltest du also (sagte Aramena zu Colidiane) mich zu Samosata allein lassen
/ und / sonder mich / dieser spazierlust geniessen? weist du nicht / dass ich die
stunden für verloren halte / darin ich dich nicht sehen darf? Weiln ich dich
bei deinem bruder wusste /(antwortete Colidiane) wollte ich eure unterredung nicht
zerstoren. Ich gedachte auch nicht / so lang auszusein / dass ich von dir sollte
gemisset werden. Mein bruder (antwortete Aramena) hat nichtes mit mir zu reden /
das seine liebste Cölidiane nicht hören dorfe /und entschuldiget dich dieses
nicht / dass du mich nicht hast mit hieher genommen. Hiemit fassete sie die
Colidiane bei der hand / und weil man sah / dass sie gerne mit ihr allein reden
wollte / fugeten ihr die andern darin / indeme Melchisedech sich zwischen den
König und die Königin von Ninive begabe / auch die Jaelinde Casbiane und Eldane
aber / die mit der Königin von Mesopotamien gekommen waren / von ihnen entfernet
blieben.
    Als nun Cölidiane und Aramena eine weile / sonder ein wort zu reden /
fortgegangen waren / sagte endlich diese letzere: Weist du auch Cölidiane! wovon
heute dein gemal mit mir geredet? er hat sich abermals bemuhet / mir seine
vermutung furzustellen / dass er nåmlich des Cimbers langes aussenbleiben
nirgends hin / als auf dessen unbeständigkeit / zu deuten wisse. Bedencke doch /
wie mich solches quälen müsse / da ich zwar nimmermehr mir einbilden kann / dass
dieser sonderbargetreuer liebhaber einer solchen leichtsinnigkeit konne fåhig
sein / dennoch aber befahren muss / mein bruder rede dieses nicht sonder grund /
oder wisse gar seinen tod / und wolle mir / solchen zu vertragen / durch
dergleichen beschuldigungen leichter machen. Ach liebste schwester! weist du
etwas hievon / so verhele es mir nicht / und quäle nicht meine seele mit solcher
ungewissheit / die mir unerträglicher als der tod selber ist. Ich weiss es /
Aramena! (antwortete ihr Cölidiane) dass du nicht fähig bist / dich zu verstellen
/ und darum fange ich nun an zu glauben / dass du den Cimber noch liebest. Wie
da? noch liebest! (fiele alhier die ungedultige Aramena ihr in das wort) welche
reden seind das? habe ich dann iemals aufgehöret / diesem liebhaber wohl zu wollen
/ seit dass ich ihn habe lieben dörfen? zu meines Aramenes ruhe / (finge
Colidiane seufzend an) wollte ich wunschen / du liebtest nicht mehr den Konig der
Aborigener. Ach! warüm das? (fragte Aramena /) ist dir dann etwan wissend / warum
mein bruder diesen seinen alten freund also hasset? Er hasset ihn nicht:
(antwortete Colidiane) er liebt aber so sehr seine Aramena / dass er darüm des
Cimbers glückseligkeit nicht vertragen kann und ....
    Halte ein / Cölidiane: (fiele Aramena ihr in die rede) mich also zu
betrüben. Du hegest eine falsche einbildung / von deinem gemal: deine
vollkommenheit / und sein gewissen / sprechen ihn frei von diesem verdacht / den
du von ihm führest. Du verdoppelst mein leiden / wan du mich dergleichen worte
hören lässest. Nun Aramena! (sagte Cölidiane / und sah ihr scharf in die augen)
ich beschwore dich bei dem lebendigen Gott / dass du mir sagest / ob du nicht
einen gleichen argwohn von deinem bruder fuhrest? Was nuzte dir das /
(antwortete Aramena / wan ich deine frage recht beantwortete? und håtte ich
gleich solchen wahn / wie du hast / so wurde doch daraus nicht folgen / dass wir
uns die warheit einbilden). Du bist noch lange nicht offenhertzig gegen mir /
(sagte Colidiane) als ich gegen dir bin / da ich dir hiemit gestehe / dass ich
nichtes in der welt lieber sehen wollte /als dass die heurat zwischen dir und
meinem gemal volzogen würde: dann ohne solche / wirst du und ich den grossen
Aramenes bald verlieren. O himmel! (rieffe Aramena / und schluge in die hände)
hat dann Aramenes der Colidiane eroffnet / dass er mich noch liebe? Solches hat er
mir (antwortete Colidiane) zwar nicht durch worte / aber durch wercke genugsam
eroffnet / und will ich es von dir fordern / wan deine hartnåckigkeit meinen
Aramenes sollte von der welt bringen.
    Diese lezte reden begleitete ein heisser tränen bach /der dann auch die schone
Aramena verhinterte / so fort hierauf zu antworten. Nachdem aber / diese beide
herzfreundinnen / eine weile in die wette zusammen geweinet hatten / erholete
sich Aramena zum ersten wieder / und sagte zu der Königin von Syrien: Was
beweget dich doch immermehr / so unmügliche dinge zu begehren / die wider Gott /
wider das gewissen /wider die erbarkeit und den wolstand lauffen wurden? Bist du
dann nicht unterrichtet / dass man seinen bruder nicht lieben müsse? Bist du dann
nicht bereits Königin von Syrien / welchen namen nur eine vertreten kann? und
glaubest du von mir / dass ich den Konig der Aborigener und mein reich
Mesopotamien verlassen wurde / um des Syrischen Konigs frau zu werden? Ist dann
das wider Gott / (antwortete Colidiane) was sein treuester knecht der Abraham
getan hat? hat der nicht seine stiefschwester geheuratet? Ist es nicht bässer /
du werdest Königin von Syrien / als dass ich solchen namen behalte / und dabei
den grossen Aramenes verliere? Und weil der König saget / dass der Cimber ungetreu
sei / so glaube mir zu / er wird dessen grund haben. Wie kontest du demnach eine
bessere rache üben / als wan du den Cimber hinwieder verliessest / und deine erste
liebe wieder annämest?
    Deine ungemeine tugend (gabe ihr Aramena zur antwort) machet dich also
reden. Ich kann dich aber versichern / dass ich nimmermehr den Cimber verlassen
werde / wofern derselbe mich nicht zuvor verlässet. Wan auch solches auf ihn wird
erwiesen sein /will ich dennoch lieber sterben / als dir deinen ehrenstand rauben
/ und durch sünde und unrecht des Aramenes leben zu erhalten begehren. Ich liebe
diesen bruder / als mich selbst: ist es aber wahr / dass er mich anderst als eine
schwester lieben sollte / so will ich lieber seinen tod / als seine und meine
unehre erleben. Ich bitte dich deshalben / allerliebste Colidiane! sage mir
nimmermehr davon wieder / und schlage dir diese einbildungen aus den sinne. Ist
es ia / zu unser aller ungluck / wahr / so will ich schon ein mittel finden /das
diesem unheil steuren könne. Cölidiane täte hiezu nichtes / als weinen / ob sie
gleich / wider ihren willen / eine grosse ruhe in sich fulete / dass Aramena sich
also gegen ihr erklärt hatte.
    Indem kamen diese beide unvergleichliche Königinnen / aus dem wald / auf
eine wiesen / da sich ihnen eine grosse schaar der hirten und schäferinnen
zeigete / die sich alda versammelt hatten / üm ihre Königin zu sehen / und ihr
aufzuwarten. Sie ware /nach dem tag ihres prächtigen einzugs / aus Samosata noch
nicht gekommen: daher die begierde bei allen ihren untertanen gross war / keine
gelegenheit zu versäumen / um dieser ihrer neuen Konigin hoher gegenwart zu
geniessen. Sie wurden auch ingesamt von ihr ganz gütig gegrusset / und name sie /
so wohl als Colidiane / ein ganz munteres wesen an sich / als sie unter diese
gesellschaft gerieten. Die so unschuldige als vergnügte lebensart dieser hirten
/ ware dem sinne der Aramena so gleichformig / dass sie nicht wenig sich unter
ihnen belustigte. Sie gienge / mit ihrer bei sich habenden gesellschaft / die
ihr aus dem walde gefolget / durch alle diese felderei / und beschauete die
herden / wie nicht weniger die schonen schåferinnen /welche / unter so
schlechtem gewande / dennoch mit sonderbarer zierde herfur leuchteten.
    Unter allen diesen / behielte Amphilite den furzug /die bereits am ersten
tag von der Königin war in acht genommen worden. Sie musste aus dem hauffen der
andern herfür kommen / und den königlichen personen sich näheren. Ihre
schamhaftigkeit / die doch mit keiner blödigkeit vermischet war / gabe ihrer
natürlichen schöne keinen geringen zusatz. Als auch die Konigin mit ihr sich in
ein gespräch eingelassen / erwiese sie nicht weniger einen grossen verstand / und
beantwortete alle fragen mit so vernünftiger bescheidenheit / dass die Königin
ein sonderbares vergnügen an ihr schopfte. Weil Nahor / Elihu und Betuel eben
dazu kamen / und die Konigliche gesellschaft begrüsten / sagte die schone
Königin zu ihnen: Ich wundere nun nicht mehr / dass sich allhier Fürsten im
hirtenstand befinden / nun ich solche angeneme schåferinnen ansehe / die wohl
würdig sind / von ihnen verehrt zu werden. Elihu kame dem Nahor zuvor / dieses
zubeantworten / und sagte: E. Maj. glauben mir / dass der vorsatz / keine
schönheit mehr zu sehen / als nach solchen furwitzig zu sein / mich in dieses
einsame leben gefuhret habe. Dass aber unser Mesopotamien solche schönheiten hege
/ die auch die schonste Konigin der welt zum lobsprechen bewegen konnen /
solches ist fur uns eine solche ehre / dass wir deswegen unseren angenommenen
stand noch eins so wehrt und edel halten mussen. Der Furst Elihu (finge hierauf
eine schäferin an / welche sich Sandenise nennte / und der Amphilite gespielin
war /) hat fug / über dem gegebenen lob unserer Königin vergnugt zu sein / weil
dadurch alles frauenzimmer in Mesopotamien / und nicht allein die gegenwårtigen
/ verstanden werden.
    Elihu errötete / zu dieser freien rede der Sandenise. Aber die Königin
Aramena / so von dieses Fürsten neuer liebe noch nichts wusste / und darum auch
aus diesen worten der Sandenise nichts machen kunte /scheuete sich / ferner hier
nachzufragen: üm allen schein zu vermeiden / als wan sie / des Elihu händel zu
wissen / vorwitzig wäre / da zu Damasco dieses Fursten liebe zwar ihr so kündig
gewesen. Sie sah demnach den Nahor an / und sagte: Allhier manglen nur noch
eure beede schwestern / um die völlige zierde diesem gefilde zu geben / und hat
mir das gerüchte von diesen zweien Furstinnen so viel gutes fürgesaget / dass ich
nicht wenig verlangen trage / sie dereinst auch zu sehen. Es würden E. Maj.
(antwortete Nahor /) ihrer vielen in dieser gegend unrecht tun / wan sie der
Lea und Rahel wollten den vorzug geben. Ich will iezt nicht von andern sagen /
sondern allein von der jenigen / die das ungeschickte Glück hier zu Amida in
dienstschaft gebracht hat / die doch wurdig ist / von aller welt bedienet zu
werden. Kan die jenige / die ihr also rühmet / (antwortete Aramena) wohl
angenemer sein / als gegenwårtige Amphilite?
    Diese schäferin / über solchem lob der Konigin ganz beschämet / schluge die
augen fur sich nieder; und weil Nahor / aus höflichkeit / in ihrer gegenwart
seine Aprite ihr nicht furziehen wollte / antwortete die lustige Sandenise an
ihres bruders statt / sagende: Die / so der Fürst Nahor meint  / heisset Aprite /
und erhället daraus ihre schönheit / dass sie der Amphilite /einen sonst getreuen
liebhaber / hat können abwendig machen. Sie hat es unschuldig getan /
(antwortete der verliebte Nahor /) und weiss ich wohl / dass es an ihr nicht lieget
/ dass der Chersis noch nicht zu seiner schäferin ümgekehret. Aprite kann freilich
nichtes dafür / (widerredte Sandenise) sondern unsere ungerechte richtere sind
daran schuldig / dass eine so keusche liebe getrennet worden. Bei diesen worten /
stiegen der schonen Amphilite die tränen häufig in die augen / wie sehr sie auch
solche verbergen wollte: wodurch nicht allein die Königin von Mesopotamien /neben
den andern / zu mitleiden beweget / sondern auch begierig wurde / das jenige /
was von ungerechten richtern gedacht worden / etwas umständlicher zu vernemen:
zumal sie nun fur ihr obliegen achtete / als ihre Konigin / sich üm die
gerechtigkeit anzunemen /und darnach zu sehen / dass einem jeden recht
wiederfahren möchte.
    Wie gerecht und gütig ist doch der himmel / (sagte hierauf Sandenise) der
uns nun einmal erlosen wollen von den drangsalen / die wir bisher so vielfältig
erlitten. Sprich nun / Amphilite! und klage deine noht unserer Königin: die
stunde ist nun vorhanden / da der himmel deine tränen und seufzer erhoren will.
E. Maj. vergeben einer verblendten freundin ihren unzeitigen eifer / (finge
hierauf Amphilite an zu reden) die / unsere schäfer-händel für so hohe ohren zu
bringen /sich erkünen dörfen. Ich klage über nichtes / und bin mit meinem
zustande schon zu frieden / habe auch alles das jenige vorlängst den göttern
befohlen / was man mir zu wider getan hat. Eine unzeitige furcht /(sezte die
kühne Sandenise hinzu) machet meine gespielin also reden: sie schauet die macht
und vielfåltige schwiegerschaft der richtern / und bedenket nicht /dass unsere
Konigin noch über sie sei / und mehr zu reden habe / als alle ihre grosse
verfolgere. Indeme mir Sandenise dienen will / (antwortete Amphilite / mit
sonderbarer annemlichkeit) beschüldiget sie mich einer so grossen unbesonnenheit
/ als wan ich an der gewalt und güte unserer Königin zweifelte; und schadet sie
mir also mehr / als sie mir vorteil bringt. Sie soll euch nichtes schaden /
meine schöne! (sagte die Königin zu ihr) sonderen vielmehr euer bästes schaffen:
wan ihr mir nur eröfnen wollet / worinn euer anligen bestehet. Nimmermehr kann
ich dulten / dass euch unrecht geschehe / und biete ich euch alle hulfe an /die
ihr von eurer Konigin erwarten könnet. Amphilite fiele der Königin / für dieses
gnädige anerbieten / zu fusse / und küssete ihr den saum des rockes.
    Wie sie aber nachgehends annoch verzoge zu reden / fuhre Sandenise fort /
ihr anwalt zu sein / und sagte: Wan E. Maj. von mir allergnädigst anhören wollen
/was der Amphilite ist begegnet / so will ich für sie sprechen: Weil ich wohl
spüre / dass viele neben-absehen sie noch stumme machen. Ich bin hiemit friedlich
/ (antwortete die Königin) und weil ich mir furbilde /dass dieser schönen
schåferin nichts gemeines begegnet sei / als lade ich hiemit die ganze
gesellschaft /diese geschicht mit anzuhören; Als sie das gesaget /name sie die
Amphilite selber bei der hand / und ginge also / mit gefolge aller der andern /
wieder zuruck an das äuserste des waldes / da sie das gesichte gegen der wiesen
frei behielte. Wie sie nun unter einen schattichten baum sich niedergesetzet /
taten der Konig von Ninive / die Konigin Colidiane / die jungere Aramena / der
Melchisedech / und die andern / auch desgleichen: da dann die Königin von
Mesopotamien / mit sonderbarem vergnugen / die vertreulichkeit zwischen ihrem
schwager und den Betuel ansah / massen Dison und seine Aramena denselben
zwischen sich eingenommen hatten / und ihm alle ersinliche höflichkeit erwiesen.
Die freunde der schönen Amphilite hatten alle dieser königlichen gesellschaft
mitgefolget: wiewol die meiste und furnemste schäfere / als ihre gegenere / zu
rucke verblieben. Wie nun Sandenise erlaubnus bekommen zu reden / stellte sie
sich in den kreis / den die konigliche personen gemacht hatten / und ihre
freundin / die sich hinter die Königin Aramena verkrochen / anschauend / hube
sie also an zu erzählen.
 
                 Die geschichte des Chersis und der Amphilite.
Wan Amphilite so viel herz als schönheit håtte /würde sie / viel bässer als ich
/ ihre sache fürbringen /und ihr ein mitleiden erwerben können. Nun aber
gleichwol ihre unschuld so hell am tage ist / hoffe ich nicht / dass ihr eine so
üble fursprecherin / als ich bin /soll können schaden bringen: sondern ich bin
dessen vielmehr versichert / dass / ungeacht meiner ubelredenheit / ich dannoch
meiner durchleuchtigsten zuhörern herzen bewegen werde / meiner verlassenen
freundin beizustehen / und ihr recht zu verschaffen. Amphilite ist bürtig aus
jenem dorfe / das da nahe fur uns lieget. Ihr vatter der Ghebron / so noch im
leben /verheuratete sich mit der Danis / die mit ihrem bruder / dem Reba / und
einer schwester der Berinte / von dem Taurischen gebirge hieher gekommen / und
ihre wonung in Amida aufgeschlagen hatten. Sie waren von dem furnemen
geschlechte der Enakim / auch furtreflich reich: daher der Chebron nicht allein
eine herrliche heurat mit der Danis traffe / weil sie sehr tugendhaft und
begüteret war / sondern er geriete auch dadurch in die vornemste schwiegerschaft
dieser ganzen gegend; massen seiner frauen schwester / die Berinte / den Targas
/ unseres Oberpriesters brudern /zur ehe hatte / welcher der fürnemste richter
in Amida war / und auch den Reba / seinen schwager / zu dieser ehre befördert.
    Das erste jahr beschiene seinen ehestande mit lauter glücke / indem die
Danis sofort gesegnet wurde. Als aber ihre geburtzeit sich näherte / brachte sie
zwar gegenwärtige Amphilite glücklich zur welt /musste aber dabei selber die
augen zuschliessen. Also sah sich Chebron / durch diesen grossen verlust /schier
aller hofnung beraubet / die er von dieser vorteilhaften heurat vordem genossen
hatte. Die kleine Amphilite erhielte dieselbe noch ein wenig: massen der richter
Reba / ihrer mutter bruder / sich sofort ihrer anname / und / seine zu der Danis
getragne liebe völlig zu erweisen / sie zum einigen erben aller seiner güter
ernennte / auch in seinem hause sie auferziehen liesse / da sie nicht anders /
als des richters Reba tochter / genennet wurde. Ob nun wohl die Berinte / des
Reba noch lebende schwester / dieses gluck der Amphilite beeiferte / und lieber
ihren beiden töchtern /der Phalerinte und der Tilidee / solch ein grosses gut
gegönnet hätte / so dorfte sie doch nichtes dagegen sagen / sondern musste dem /
Reba / ihrem bruder /seinen willen lassen / der mit seinem woltun ungezwungen
verfahren wollte.
    Unser Oberpriester / der Telecles / hatte eine tochter und einen sohn / die
Halida und den Chersis / von denen jene schon zehen / dieser aber sechs jahre
alt war / wie Amphilite geboren worden. Weil nun dieselben stets in des Targas
hause aus- und eingingen /auch öfters / wan der Oberpriester in amts geschäften
verreiset war / ganze halbe jahre bei diesem ihres vatters brudern verblieben:
als gewoneten Chersis und Amphilite von kindheit auf zusammen / also dass sie
einander liebten / ehe sie noch die liebe verstunden. Der Reba / als der
Amphilite pflegvatter / förderte dieses nicht wenig / weil er eine so grosse
heurat niemand lieber / als der Amphilite / gonnete. Telecles selber / als er
hiervon erfuhre / ware diesem beginnen nicht zuwider / und hatte auch Chebron
ganz keine ursach / hierin entgegen zu sein. Also wurde / nicht allein durch
dieser kinder eigene neigung / sonderen auch durch das wollen der ihrigen /
diese liebe zwischen ihnen angezündet: die auch / mit den zunemenden jahren / so
ungemeine proben der beständigkeit und treue zu tag legten / dass sie / in dieser
ganzen gegend / allen verliebten zur nachfolge und beispiel /furgestellet
wurden.
    Gleichwie nun selten ein gluck ohne neid sich findet / also misgonnten auch
/ die meiste schäfer hierüm / dem guten Chebron und seiner tochter diesen
vorteil / und ware sonderlich der Liches / damaliger verweser in Amida / wie
auch sonst ein schäfer / namens Orimedon / hierbei bekummert / dass Chebron
hierdurch das ver / weser-amt an sich ziehen / und so dann des alten grolles /
der zwischen ihme und dem Orimedon ware / gedenken wurde: dann dieser schåfer war
dem guten Chebron in vielen dingen zu nahe getreten / und hatte / durch des
Liches hülfe und ansehen / damit durch gedrungen. Wie nun diese beide hierum
besorget waren / fugte es sich / dass der junge Helidor / des richters Diocles
sohn / in seiner liebe gegen die Halida / des Oberpriesters tochter / so
glücklichen fortgang hatte / dass ihm diese einige tochter zur ehe gegeben wurde.
Weil nun des Helidors schwester / die Eunome / den Oromedon geheuratet hatte /
als wuchse diesem / durch diese schwågerschaft / nicht wenig der mut / also dass
sich die furcht fur des Chebrons macht bei ihm verringerte / hingegen der hass
und neid wider zuname. Es macheten auch er und Liches / bald darauf / eine ihnen
bederseits noch vorteilhaftere heurat /zwischen des Liches frauen brudern / dem
Sineab /und des richters Targas ältster tochter / der Phalerinte: wodurch sie
zu wege brachten / dass dieser Sineab eine richter-stelle bekommen. Wie nun
Diocles eben um diese zeit auch starbe / folgte ihm der Helidor /sein sohn / im
amte nach: womit dann Liches und Oromedon fast alle richtere / samt den
Oberpriester /auser dem einigen Reba / auf ihre seite bekamen / und nun mit
aller macht anfingen / hinternüsse auszudenken / wie die heurat des Chersis mit
des Chebrons tochter könnte hintertrieben werden.
    Weil Telecles / aus herzlicher liebe zu seinem sohn / ihme in allem fugete /
als dorfte ihm / weder seine tochter / noch sein schwiegersohn / noch auch sein
bruder / und der Sineab / der seines bruders tochter gefreiet / wider die
Amphilite etwas fürbringen: daher dachten sie an den Chersis selber sich zu
machen /und des Targas jungste tochter / die Tilidea / ihm anzufreien. Tilidea /
so von herzen einfältig und gar nicht schon war / hatte wohl schlechte gaben /
die Amphilite auszustechen: daher sie wohl sahen / dass die liebe den Chersis
hierzu nicht wurde verleiten können / und sie eine andere ursach erdenken
mussten. Die Almesia / des verweser Liches frau / sprache endlich den schåfer
Abinael auf / der hier mit zugegen ist / dass er der Amphilite aufwarten / und
sich um ihre gute gunst bemühen sollte. Es hatte bisher diesen schåfer nichtes
/als die unmoglichkeit abgehalten / die schöne Amphilite zu lieben / weil er sie
mit dem Chersis verlobet wusste. Als ihme aber die Almesia fürstellte / wie
solches so gar gewiss nicht wåre / und des Chersis freunde solche heurat
schwerlich zugeben wurden / er auch selbst seiner basen / der Tilidea /
aufzuwarten begunte: liesse er sich leicht zu einer sache bereden / dazu er von
selbst so sehr geneigt ware. Gleichwie nun Almesia sonder mühe den Abinael
verliebt machte / also fiele es auch der Halida und Phalerinte nicht schwer /
die unschuldige Tilidea zu uberreden / wiedass der Chersis sie liebte. Wie nun
hierauf dieselbe ihre gegenliebe mehr als zu sonnen klar herfür blicken liesse
/bedienten sich / der Chersis und die Amphilite / dieser unschuldigen zu ihrer
belustigung / also dass Amphilite wohl zu frieden war / dass Chersis in unseren
versamlungen der Tilidea aufwartete / und ihr von liebe fürschwäzte.
    Ich billige zwar nicht / dass sie diese unschuldige also aufgeführet: was
tut aber nicht die verwähnte jugend / wan sie / von lauter guten tagen
angefüllet /nicht weiss / wo sie genug lust suchen soll? Tilidea hielte sich nun /
ihrer einbildung nach / des Chersis ganz versichert / und war dieses ihr
furnemstes leiden / dass sie so geheim damit sein musste: wiewol sie es mir und
meinen gespielinnen / wie auch dem Abinael / vertraute / und gegen diesem sich
anerbote ihme bei der Amphilite mit einem guten worte zu dienen. Abinael name
dieses von der Tilidea mit allem danke an /und ob er gleich von uns andern /
auch sonst aus allen umstånden / wohl merkte / dass es mehr scherz als ernst mit
dem Chersis und der Tilidea sein mochte / so bediente er sich doch derselben /
um durch sie der Amphilite seine bescheidene liebe fürtragen zu lassen. Tilidea
seumte auch nicht sein wort bei der Amphilite zu reden: wodurch diese bewogen
wurde / zu glauben / wie dass Abinael / gleich uns anderen / mit der Tilidea sich
vexirete. Sie liesse demnach dem Abinael viel gute vertrostungen geben / welcher
solches voll guter hoffnung der Almesia endeckte / die es wieder ihrem bruder /
dem richter Sineab / sagete / durch den es auch dem Reba zu ohren kame.
    Man kann erachten / mit was schrecken dieser vernommen / dass seine
pflegtochter einen andern / als den Chersis / und zwar einen gemeinen schåfer
liebe. Helidor und dessen schwager der Oromedon / imgleichen der verweser Liches
/ feireten nicht / den Reba ferner zu verhetzen / und ihme zu gemüt zu fuhren
/dass auf diese weise sein gross erspartes gut unter fromde und dazu gemeine
hirten kommen würde. Reba entschlosse sich in der hitze / selber zu heiraten /
üm damit an der Amphilite sich zu rächen / und ihme andere erben zu schaffen. Zu
der Amphilite grossem unglück / war sie damals nicht zu hause / wie dieses
fürlieffe / sondern mit uns nach Haran verreiset: und ob gleich Chersis sie
sonst nie zu verlassen pflegte / so hatte er doch dissmal nicht mit reisen können
/ weil der Oberpriester etwas unpässlich worden /und daher ihm nicht erlauben
wollen. Wie nun derselbe bei seinem vatter sich befande / brache Tilidea ihr
versprechen / geheim zu bleiben / und eröffnete dem Targas und der Berinte /
wie die sachen mit ihr und dem Chersis stünden. Diese / hierüber mehr als hoch
erfreuet / weil sie solches vorher niemals glauben können / machten es also fort
durch ganz Amida lautbar: daher es zu Nisibis / da der Oberpriester wohnete /
auch nicht lang verschwiegen bliebe.
    Dieser vername mit bestürzung die sin-änderung seines sohnes / und håtte
lieber gesehen / ob gleich Tilidea seines bruders tochter war / dass Chersis bei
der Amphilite geblieben wåre / weil die von dem Reba ein so grosses gut zu hoffen
hätte. Als er aber den Chersis hierüber zur rede stellte / eröfnete der ihm
alles / wie es stunde / wie sie / die Tilidea aufzufuhren / dieselbe bei ihrer
einbildung bisher gelassen håtten: und versicherte er hierneben seinen vatter /
dass er lieber sterben / als die Amphilite verlassen wollte. Telecles verwiese ihm
hierauf sehr / dass er ursach dazu gegeben / dass sein bruder und andere der
Tilidea befreundte dieses von ihme glaubten. Um aber dem unlust / der hieraus
entstehen konnte / bei zeiten vorzukommen / reisete er selber / wie matt er noch
von seiner krankheit ware / nach Amida / den Chersis nicht mitnemend / und
vermeinte / den Targas und die Berinte dieser wegen zu befriedigen. Als er /
nach dreien tagreisen / den abend in Amida angelanget / fand er niemand in
seines bruders hause / und sagten ihme die leute / dass der / neben allen
furnemen leuten in Amida / bei dem verweser Liches zu gast wåren /massen alda
der richter Reba / mit der Sireme / des Liches tochter / hochzeit machte.
    Eine so unvermutete zeitung / kunte nicht anders /als grosse verwunderung bei
dem Telecles erwecken. Er wusste nicht / was er davon gedenken sollte / dass Reba
so schleunig seinen sin geåndert: auser dass er diss für die ursach achtete / dass
er seines sohnes und der Amphilite heurat rückgängig wurde geglaubet haben.
Dieserwegen finge er von neuem an / auf seinen sohn zu scheiten / und in dem
unwillen ginge er nach dem hochzeit hause: da alle anwesende ihn mit soviel
freuden entfingen / als wenig vergnugung er dagegen blicken liesse. Seine tochter
und deren mann /wie auch die Phalerinte mit ihrem manne / merkten und errieten
gleich des Oberpriesters unwillen: die auch diesen handel mit der Tilidea
angestiftet hatten. Targas aber / nicht anders vermeinend / als dass dem Chersis
musste etwas zugestossen sein / so seinen vatter also unlustig machte / zumal er
selbigen nicht bei ihme sah / fragte also fort nach ihme / den namen eines
schwiegersohnes ihme beilegend. Dieses machte den Telecles noch mehr wundern.
Doch barge er sich /bis auf den andern morgen: da er erst den grossen misverstand
seinem bruder entdekte / der zwischen dem Chersis und der Tilidea fürgegangen.
    Weil die andere / so üm diesen betrug wussten / wohl vermutet hatten / dass es
also kommen / und Chersis sich entschüldigen wurde / traten sie alle fur einen
mann / und redeten dem Telecles zu / diese beschimpfung der Tilidea nicht zu
dulten / sondern seinen sohn dahin zu halten / dass er sie ehlichen müste. Weil
Amphilite die Hoffnung zu des Reba erbschaft verloren /welches grosse gut den
Telecles am meisten bewogen hatte / sie zu einer schwiegertochter zu wählen /
als kostete es die vier richtere / ihre weiber und verwandte / keine sonderbare
mühe / den Oberpriester zu ihrem willen zu bringen: der dann mitbeliebte / dass
Tilidea seine schwiegertochter werden sollte. Als Telecles diese erklårung von
sich gabe / kame eben Amphilite mit mir / von der reise aus Haran / wieder nach
Amida: dahin ich sie nicht allein begleiten / sondern auch wegen unserer
gestifteten freundschaft / eine zeitlang bei ihr bleiben wollte. Wir waren kaum
in das haus eingetreten / da begegnet uns Sireme / und hiesse uns wilkommen. Weil
Amphilite die Sireme / als des Liches und der Almesia tochter / wohl kennete /
lachete sie anfangs / über dieser der Sireme angemasseten bewirtung. Wie ihr aber
dieselbe mit einem ernstlichen wesen ansagte / dass sie des Reba ehefrau wäre /
verginge ihr bald alles lachen / und schosse es ihr so fort auf das herz / dass
vor sie ein grosses ungluck müste bereitet sein.
    Bei solcher ihrer besturtzung / kame Reba selber dazu: der dann / wegen
Abinaels sie noch für schuldig haltend / mit einem hönischen wesen sie grüssete /
und gegen ihr seine heurat mit der Sireme entschuldigte /dass nämlich seine
verschwiegenheit aus der ihrigen geflossen wåre / indem sie eben so geheim mit
ihrer liebe gewesen / und er von anderen erfahren mussen /wie sie ihr hätte den
Abinael auserwehlet. Sie wollte zwar hierauf sich entschuldigen / fand aber kein
gehör / und musste sie bei mir ihren trost suchen: den ich aber anderst nicht zu
geben wusste / als dass ich ihr unglück mit beweinete. Es bliebe auch nicht bei
diesem unstern / und mussten wir gleich darauf erfahren /dass Telecles seinen sohn
an die Tilidea verlobt håtte. Der Amphilite wurde auf einmal zu schwer soviel zu
ertragen / und war alles ihr anderes leiden gegen diesem fur gering zu achten /
weil sie den Chersis so herzlich liebte: wiewol sie auf dessen beständigkeit nun
noch ihren ubrigen trost sezte. Er erfuhre bald zu Nisibis / was in Amida
fürginge: das ihn dann bewoge / ungeseumt zu uns zu kommen. Er besuchete / alle
andere betrachtungen hinten setzend / seine Amphilite am ersten / und machete
damit ihrer viele von sich reden / und urteilen: bei ihr aber erweckte er eine
so herzliche freude / dass sie alles ihres leides vergasse /nun sie seiner treue
sich versichert sah. Reba / die einigkeit dieser beiden verliebten sehend /
geriete in nicht geringe verwunderung / und finge / wiewol zu spat an / zu
merken / dass er sich sehr ubereilet hatte. Doch ginge nun der Sireme liebe allen
anderen betrachtungen bei ihme weit für / also / dass er das unrecht / so er der
Amphilite erwiesen / so sehr nicht beherzigte / als wan er noch unverheuratet
gewesen wäre. Er bote aber ihnen beiden seine dienste an /sowol bei dem Telecles
/ als bei seinem schwager den Targas / und sich der Amphilite den alten freund
noch in etwas erweisend / erklårte er sich dahin / dass / wan Sireme ohne kinder
stürbe / sein gut der Amphilite allein werden sollte.
    Unsere beide verliebte / achteten dieses anerbieten nicht sonders / ausser
dass es den Telecles bewegen konnte. Sobald aber Chersis von seiner Amphilite
abzukommen vermochte / eilete er zu seinem vatter /welchem er soviel fürweinete
/ dass er sich gleich wieder bewegen liesse / auf seines sohnes seite gegen die
anderen zu treten. Dieses verursachte nun in ganz Amida einen grossen lårmen / da
nicht allein der Tilidea eltern / sondern auch ihre verwandten / als der Sineab
und andere dieses hoch entfunden / und schlussig wurden / bei den Konig zu Babel
/ als unsrem damaligen herren / hieruber zu klagen / weil die richtere in Amida
/ als die es mit anginge / in dieser sache nicht selber sprechen kunten.
Telecles bemuhete sich dagegen mit allen kräften / dieses abzuwenden / auch
gingen Reba und Helidor dazwischen / wiewol sie beide mehr nach des Targas
seiten hingen. Inmittels wurde dem guten Chebron / dem vatter der Amphilite / so
bange gemacht / dass er / die gerichts-unkosten zu ersparen / mit dem Abinael
sich nach Amida verfugte /und alda offentlich sich erklårete / wie sein wille
wåre / dass seine tochter diesen schäfer ehlichen sollte. Abinael / von liebe
übereilet / zeugete auch wider die Amphilite / dass die ihm grosse versicherungen
ihrer gegenliebe hätte geben lassen. Also wurde der Oberpriester von neuem irre
gemacht / und als man diese sache untersuchet / fand es sich / dass es alles
daher gerühret / dass man die Tilidea aufführen wollen. Weil aber Chersis fur
liebe und sorgen kranck wurde / und durch seine gute gönner den Oberpriester
uberreden liesse / wie er sterben müste / wan er die Amphilite nicht bekäme / als
musste der gute Abinael bald wieder abstehen: Da dann auch der Chebron / auf
zureden der freunde des Chersis / sich dahin erklärte / dass er seiner tochter
ihre freiheit lassen wollte / denjenigen zu ehlichen / der ihr belieben wurde.
    Wie nun also wieder eine angst vorbei war / und indeme man noch in solcher
verwirrung lebte / riete gegenwärtige schåferin Eidania der Tilidea / eine
priesterin in des Teraphim tempel zu werden: weil doch vermutlich wåre / dass
Chersis mit ihr nimmermehr wohl leben würde / und sie also / einer bösen ehe zu
entgehen / dieses mittel nutz- und ruhmlich ergreifen würde. So einfåltig
Tilidea sonsten war / so begriffe sie doch dieses wohl / und kame plotzlich mit
dieser ihrer erklärung herfür / als niemand von uns im wenigsten daran gedachte.
Man kann ermessen / mit was freuden ganz Amida dieses vernommen: Weil dieses das
einige mittel war / ohn fernere weitlåuftigkeit und rechts-fürung / aus diesem
handel zu kommen. Und wiewol ihre eltern / wie auch ihre schwester / und die
andere wiedersacher der Amphilite / es lieber anders gesehen håtten / so mussten
sie doch nun aus der noht eine tugend machen / und ihren unwillen verbergen.
Gleichwol brachten sie bei dem Telecles zu wegen /dass er / üm ihnen einiger
massen / für die von seinem sohn und der Amphilite an der Tilidea person
erlittene beschimpfung / eine vergnügung zu tun / dem Chersis befohlen / nicht
so fort seine heurat mit der Amphilite zu vollziehen / sondern sich eine
zeitlang aus Amida zu entfernen / inzwischen Amphilite bei ihrem vatter / dem
Chebron / in unserem dorfe verbleiben sollte / das wurde auch also vollzogen /
und achteten unsere beide verliebte diese kurze trennung nicht sonders / weil
sie hernach auf immer sollten vereinigt werden.
    Wie treuherzig und verbundlich ware doch der abschied / den sie in Amida
voneinander namen / und befohle mir der Chersis die aufsicht über seine
Amphilite / die ich tåglich seines andenkens erinneren sollte. Auf einen tag
geschahe aus Amida dieser dreifache auszug / da Tilidea mit allen ihren
anverwandten und dem Oberpriester / nach des Teraphim tempel /Chersis nach Ur /
und Amphilite nach ihrem dorfe reisete. Alle unsere hirten und schäferinnen /
wurden über ihrer ankunft erfreuet / und stellte sich des Orimedons frau / die
Eunome / da doch ihr man / als ein abgesagter feind des Chebrons / neben ihr /
zu der Amphilite verfolgung viel geholfen hatte / zum allerhöflichsten gegen ihr
an / bewarbe sich auch fur anderen um ihre gunst / vorgebend / sie müste sie /
als kunftige Oberpriesterin dieses landes / und ihre näheste schwågerin / da ihr
bruder / der Helidor / des Chersis schwester geehliget / vezehren und ansehen.
Weil ein gutes gemüte leichtlich glaubt / als fiele es der Eunome nicht schwer
/ die Amphilite zu gewinnen. Also waren diese beede stäts beisammen / und folgte
Amphilite der Eunome raht in vielen stücken /so gar / dass sie / auf ihr
gut-befinden / zu verschiedenen malen den hirten / bei ihrem wettlaufen /
sieg-kränze aufsezte: das dann zum öftern den Abinael traffe / der von der hand
der schönen Amphilite / mit grossem vergnügen / sich gekront sah / weil er sie
noch immer / wiewol sonder hofnung / liebete. Wiewol nun Amphilite so vorsichtig
sich erwiese / zu verhüten /dass sie nicht mit dem Abinael allein zu reden käme
/kunte sie doch solches nicht allemal vermeiden: wiewol er sich nicht wird
berühmen können / dass sie jemals seinen liebesreden gehor gegeben.
    Dergestalt verstriche nun die zeit / die Chersis ausbleiben sollen / und
brachte uns Eunome eines tags die post / wie er in Amida angekommen wåre. Wie
nun die verliebte Amphilite mit der Artainte (die hier zu gegegen) und mir / in
diesem holze / gegen der abendzeit / spaziren ginge / und uns beiden ihr
verlangen nach dem Chersis bezeugte / kame der Eunome hirtenknab gelaufen /
welcher uns anmeldete / wiedass des Oberpriesters sohn ankåme. Amphilite eilete
mit uns beiden dem knaben nach / der uns den weg zeigete. Wie nun / unter den
schattichten bäumen / drei mannspersonen uns begegneten / vermeinten wir / dass
der Chersis darbei sein würde. Indem lieffen uns diese dreie mit ausgespannten
armen entgegen / und kusseten uns / ehe wir uns ihrer erwehren kunten: Es waren
aber / diese personen / drei verkleidte weibsbilder / als die Eunome / welche
des Abinaels båstes kleid / so er bei den festagen zu tragen pflegte / angeleget
/ und Eidania / und Melidia / so hier beide gegenwärtig sind: und waren diese
beide von der Eunome aufgesprochen / der Amphilite eine lust zu machen / die
sich dann auch in ihrer männer kleider verstellet hatten. Wie nun dieser aufzug
viel lachens gabe / also vertrate ferner die Eunome die stelle des Chersis / und
sagte der Amphilite viel verliebte worte für / solche mit so vielen ümarmungen
begleitend / dass Amphilite gestehen musste / sie hielte dem gesandten mehr zu gut
/ als wan der herr selbst gekommen wäre.
    Wie nun Melidia und Eidania bei der Artainte und mir verblieben / legten
sich Eunome und Amphilite /unweit von uns / in das gras / weil Eunome fürgabe
/dass sie mud wäre / und hörte daselbst der falsche Chersis nicht auf / ihr zu
liebkosen. Dieses wårete so lang / bis Amphilite im schummern / weil die sonne
bereits unterzugehen begunte / einen mann erblikte /der durch das holz ginge.
Dieserwegen sprange sie eiligst auf / indem ihr einfiele / was es ihr für einen
bösen namen geben könnte / also bei einem manne /den die Eunome fürstellte /
gefunden zu werden / und hube an nach dem dorfe zu lauffen / da ihr die Eunome
nachliefe / und wir andere ihnen folgeten / in Meinung / dass etwan Amphilite ein
wildes tier möchte gesehen haben. Als wir in das dorf gekommen / ginge unser
gelächter von neuem an / als wir vernamen / wie die grosse fürsorge der Amphilite
diese unsere flucht verursachet håtte. Also schieden wir den abend voneinander /
und dachten nicht ferner hieran / auser dass wir des rechten Chersis mit
schmerzen erwarteten.
    Am folgenden morgen / verreisete Eunome mit ihrem manne / dem Oromedon /
nach Aphadana / und begleitete sie der Abinael / nachdem er zuvor von der
Amphilite abschied genommen. Wir erfuhren bald darauf / dass Chersis / neben
seiner schwester und ihrem manne / dem richter Helidor / der der Eunome bruder
ist / vorigen abends / in unserem dorfe gewesen. Amphilite wusste nicht / was sie
hievon denken sollte / dass Chersis sie nicht angesprochen / doch schluge sie
alles widrige aus den sin / und hoffete auf seine ankunft / von einem tage zum
andern: da etliche wochen hinliefen / und kein Chersis sich eingefunden. Ich
name uber mich / mit der Eidania nach Amida zu gehen / um daselbst / mit
gelegenheit / in des richters Sineab hause / worinn Eidania bekant ist / von den
Chersis etwas zu erfahren. Es stunde nicht lang an /da kame Chersis selber dahin
/ die Phalerinte / seine base / zu besuchen. Er veränderte sich nicht wenig
/als er mich ersah / und täte / als ob er mich nicht kennte: daher ich von ihm
/ nicht einmal einen gruss /zugeschweigen einer ansprache genosse / das mich dann
sehr verwundert liesse. Ich redte ihn an / und fragte: Wie lang wir / in unserem
dorfe / der ehre von seiner gegenwahrt noch sollten beraubet bleiben? Ich wüste
nicht / (antwortete er / ganz hönisch) was ich in eurem dorf sollte zu tun haben
/ allwo Abinael wohl allein euren schönen / sonder mein zutun / kann aufwartung
leisten. Phalarinte / sich besorgend / Chersis möchte mir etwan ein mehrers
sagen / zoge ihn mit gewalt von mir / und eilete mit ihme hinweg / mich so
bestürzt zurück lassend / dass ich lange mich nicht wieder erholen kunte.
    Weil Eidania in Amida noch etwas zu tun hatte /als kehrte ich allein wieder
nach unsrem dorfe: daselbst ich anfangs der Amphilite verhelen wollte / was ich
gehoret. Ich konnte es aber endlich nicht mehr verschweigen / und merkten wir
bede wohl / dass der Amphilite feinde eine plauderei von ihr und dem Abinael
mussten ersonnen haben / die diese eiversucht bei ihrem Chersis erwecket. Ihre
unschuld darzutun /ware sie so begierig / als betreten sie ware / wie sie es
anschlagen sollte: und beklagete sie der Eunome abwesenheit / als die am båsten /
wie sie vermeinte / von ihr würde zeugen können. Es verhönte sie auch nicht
wenig / dass ihr Chersis so leichtglåubig wäre: doch entschüldigte sie ihn ihr
selber wieder / mit der eifersucht / als welche allemal eine häftige liebe
begleitet: sich mit der hoffnung trostend / dass er sie hernach desto lieber
haben würde / wan er die warheit und ihre unschuld erfahren hätte. Nach vielen
bedenken /schriebe sie an den Reba / ihrer mutter brudern / eröfnete ihm / wie
es ihr mit dem Chersis erginge / und bate / dass er sich doch dissmal ihrer
annemen / und ihre unschuld / den Abinael betreffend / glauben mochte. Ich liesse
mich / mit diesem brief / nach Amida wieder abfårtigen: bekame aber / an statt
einer antwort / zween briefe an den alten Chebron / die der Reba / und die
Berinte seine schwester / an ihn geschrieben hatten.
    Amphilite / voll sorgen und unruhe / überbrachte diese schreiben ihrem
vatter selber: der dann in beiden einerlei inhalt fand / und zwar diesen / dass
Chebron mochte dahin bedacht sein / ie eher ie bässer seine tochter an den
Abinael zu verheuraten / üm dadurch die schande und nachrede von ihr zu nemen /
so sie beide / der Reba und die Berinte / mit verdrus von ihr / als ihrer
verwandtin / håtten erleben müssen. Es schriebe auch der Reba / er wollte / ob es
schon Amphilite nicht üm ihn verdienet / ihr doch ein ungewisses stuck geldes
geben / damit der Abinael sie desto williger möchte wieder zu ehren bringen. Ich
kann nicht sagen / ob der vatter / oder die tochter / nach verlesung dieser
briefe / mehr zu beklagen gewesen: dann sie beiderseits sich so jämmerlich
gebärdeten /dass ich / die ich allein zugegen gewesen / fast ohne tränen nicht
daran gedenken kann. Es fiele nicht allein hiermit alle hofnung des guten
Chebrons auf einmal in den brunnen / sondern er musste auch diese schwach an
seiner einigen tochter erleben / dass die einer solchenverhältnis beschüldigt
wurde / wovon ihre verwandten / sich ihrer zuspråchen / ursach bekommen. Er
stunde bei sich an / ob er sie befliegen oder mit-anklagen sollte. Er fand aber
bald / dass das erste nötiger wåre: massen Amphilite in meinen armen als todt
niedersanke / und aus dieser onmacht allein darum wieder zu sich selber kamen /
dass sie ihre billige klagworte himmel-an schicken kunte. Dass der Chersis sie
verlassen / schmerzte sie nicht so sehr / als die ursach dessen / dass er nämlich
/ mit den andern in Amida / glaubte / wie sie ihre ehre nicht nach gebühr
bewahret håtte. Dieses nun verdrosse sie dermassen auf den Chersis / dass sie in
dem eifer sich verschwure / ihme / wan er schon ihre unschuld erfahren würde
/diese seine leichtglaubigkeit nimmermehr zu vergeben.
    Hierauf lage sie ihren vatter an / dass er doch diesen schandflecken nicht
auf seinem haus sitzen lassen /sondern öffentlich für ihre ehre sprechen wollte:
worzu auch alle unsere nachbaren ihren beistand versprachen. Sie macheten sich
auch also fort mit dem Chebron auf den weg / bei dem richter Reba und der
Berinte in Amida zu erforschen / woher Amphilite diesen bösen namen bekommen
hätte / dessen gegenspiel sie bis auf das äuserste verfechten wollten. Den
Chersis fanden sie nicht mehr in Amida / sondern vernamen / dass er / aus
zweifelmut und ungedult wegen seiner Amphilite leichtsinnigkeit / hinweg gezogen
/und sich nach Haran begeben hätte. Wie sie aber für den Reba kamen / auch auf
den grund und beweis der Amphilite übel verhaltens drungen / weigerte sich
derselbe anfånglich sehr / dem Chebron hierinn ein genügen zu tun. Endlich aber
/ wie er und seine nachbaren håftiger darauf drungen / und über gewalt riefen /
liesse er den richter Helidor / dessen fraue die Halida / und die Phalerinte /
herfür kommen / und bate dieselben dem Chebron selber zu sagen / was sie von der
Amphilite gesehen hatten. Diese nun erzehlten dem guten alten / wie sie / den
und den tag / als sie den Chersis nach seiner braut begleiten wollen / in diesem
holze die Amphilite bei dem Abinael auf der erden gefunden / da sie sich
ümhalset / und / als iemands dazu gekommen / miteinander dorfein gelauffen
wären: welches sie mit sicheren ümständen bedeuteten / dass der gute Chebron und
seine gesellschaft wunschen mogen / dass sie nicht so eifrig hiernach gefraget
håtten / und diese tat vor den richtern / die sie nun zur straffe ziehen würden
/ vertuscht geblieben wäre.
    Sie kamen / voll tränen und betrübnus / wieder nach unserem dorfe / und wie
Amphilite ihrem vatter wollte entgegen laufen / ihr zu bewilkommen / stiesse er
sie von sich / und gebote ihr / von nun an sein angesicht zu vermeiden. Sie kame
hierauf halbtodt in meiner mutter haus / und wusste nicht / was sie für elend
beginnen sollte / da ihr nun auch dieser lezter trost benommen war. Sie
überdachte ihr ganzes leben / und kunte nichtes darin finden / das sie
anklagte: da sie doch / bei solcher unschuld / sich / als die gröste übeltåterin
/ verlassen und verfolgt sah. Meine mutter / die sich ihr ungluck jammeren
lassen / ginge zu ihren vatter / um zu vernemen / was er dann von seiner tochter
gehöret / das ihn zu solchen unwillen bewegen können? und / als sie solches von
ihm erforschet / kame sie / die Amphilite dessen zu berichten. Es ware / dieser
armseligen / die angenemste post /als sie nun auf die feine kame / woher dieser
böser argwahn entstanden / und dass Eunome verkleidung hierzu anlass gegeben. Sie
bate hierauf meine mutter /mit ganz freudigem mute / dem Chebron den ganzen
verlauf dieser geschichte zu eröfnen / und begleiteten ich und Artainte dieselbe
nach diesem alten / weil wir beide mit zugegen gewesen / und hiervon zeugen
konten.
    Es würde ein überflus sein / des Chebrons freude allhier zu beschreiben: der
die Amphilite sobald wieder in sein haus aufname / und gleich nach Amida /seinem
schwageren / diese freuden post zu entbote /aber kaum eine antwort darauf
entfinge. Als auch ich bald hernach in Amida gekommen / üm hievon mit der Halida
zu reden / wollte die solches gar nicht annemen. Wir merkten also / dass der
Amphilite neidere über diss ihr unglück frölich waren / und zu ihrer unschuld
keine beforderung zu tun begehrten. Daher ward / mit zuziehung der gesamten
freundschaft beschlossen / dass man bei allgemeinen gerichtstage / der alle vier
wochen einmal in Amida / die sachen / die der verweser nicht zu recht bringen
können / zu erortern und zu schlichten / gehalten wird / der Amphilite unschuld
öffentlich dartun / und für dem ganzen volke beweisen sollte.
    Wie nun derselbe tag angekommen / da der Targas / Helidor / Reba und Sineab
/ in ihrem richterlichen schmuck / unter dem tor der stadt Amida sassen / und
eben / zu der Amphilite glücke / sehr viel volkes alda fur gericht versamlet war
/ worunter auch der Oberpriester Telecles / (weil sachen für waren / die in sein
amt liefen) sich mit befunden: erschienen Chebron und Amphilite / von der
Melidia / Eidanie / Artainte und mir / wie auch von unserer ganzen dorfschaft
/auser den dreien verreisten / begleitet. Sein vorbringen ware nun / von seiner
tochter beschüldigung /samt ihrer unschuld / und ersuchte er die richtere /nicht
allein die Melidia / Eidanie / Artainte und mich abhoren zu lassen / sondern
auch nach der Eunome und dem Abinael selber zu schicken / dass sie sich fur
gericht stellen und aussagen möchten / wie Eunome in des Abinaels kleidern / bei
der Amphilite gewesen /und dieser hirte ihr dieselben an eben den tag geliehen /
als des Oberpriesters sohn / mit seinen bei sich habenden / sie beisammen
gefunden. Weil auser dem Oberpriester und den vier richtern / ihrer wenige um
diesen Handel wüsten / als dunige das begierige volk häuffig hinzu / wie sie
diese fromde dinge / und also die ursach vernamm / worüm der Chersis die
Amphilite so schleunig verlassen hätte / welche sie bis dahin nicht hatten
ersinnen können.
    Die vier richtere gaben gleich ihre unrechtfärtigkeit an den tag / indem sie
die angegebene zeugen erstlich nicht annemen wollten / und sagte Helidor: er
håtte warhaftig den Abinael gesehen / und sei es ein gedichte / dass seine
schwester / die Eunome / diese verkleidung angestellt. So will ich es dann /
(finge Amphilite an) mit euch / ô Helidor! zu tun haben / und heisse euch aus
dem gerichte aufstehen / weiln ich euch hiemit zum beklagten mache / und euch
auffordern / mir die grosse untat zu beweisen / deren ihr mich beschuldiget.
Diese künheit der Amphilite machte alles volk bestürzt / und musste Helidor /
vermög der rechte / von seinem stul aufstehen / und als beklagter gegen die
Amphilite sich verantworten. Dieser nun rieffe zu zeugen / den abwesenden
Chersis /dessen schwester / als seine frau / die Halida / und des Sineabs fraue.
Dagegen drunge Amphilite in die richtere / uns viere zu verhoren: das dann auch
geschehen musste. Eidania und Melidia sagten einhällig aus /wiedass sie / neben
der Eunome / in manneskleidung selbigen abend zu uns gekommen / an welchem
Chersis und Helidor den Abinael / dessen kleid Eunome angehabt / bei der
Amphilite sollten gesehen haben. Als Artainte und ich solches bekräftigten /
wurden die richtere durch das volk / welches die Amphilite sehr liebte / wie
auch durch den Oberpriester / ungeacht er ein schwiegervatter des Helidors war /
dahin vermocht / diese sache gerichtlich / und wie es sich gebürte / fürzunehmen
/ und zu dem ende die Eunome und den Abinael / gegen den folgenden gerichtstag
/fürzufordern. Bis dahin nun wurde dieser sache anstand gegeben / und schieden
wir mit der Amphilite etwas frölicher aus Amida: weil wir die sichere und gewisse
hoffnung hatten / dass der Eunome aussage dieser ganzen sache abhelfliche masse
geben würde.
    Wie wir nun wieder in unser dorf angelanget /schikte der Oberpriester den
hirten Atamias / der viel bei ihm ab- und zuginge / zu der Amphilite / und
liesse ihr sagen: dass / dafern sie unschüldig wåre / als er hoffete / er ihr
seinen sohn wieder bringen wollte. Aber die Amphilite wollte diss erbieten gar
nicht annemen / sondern liesse ungescheut dem Telecles antworten: Sie verlange /
nicht um des Chersis willen / ihre unschuld aller welt darzu tun / sondern
wegen ihrer eigenen ehre / die niemand hoher / als eben der Chersis / beleidigt
hätte / indem er solchen verdacht und so bose einbildung von ihr haben können.
Wir andere /gleichwie auch Atamias / entschüldigten alle den Chersis bei ihr /
dass er / sie mit der verkleidten Eunome ersehend / nicht anders verfahren
konnen. Es wollte aber alles bei ihr nichts verfangen / und musste Atamias mit
dieser ihrer erklärung abziehen: doch ersuchten ihn wir andern / dass er dem
Oberpriester dieses nicht sagen wollte.
    Telecles reisete hierauf selber nach Haran / da sich sein sohn befande / üm
ihn in seiner betrübnus zu trosten / mit derer / wegen Amphiliten eingebildten
untreu / aus Amida geschieden ware / Er fand aber /dass sich der Chersis bereits
an der Amphilite gerochen / und eine frömde schäferin zu lieben angefangen hatte
/ die sich bei des Fursten Labans töchtern aufhielte / und eben die Aprite ist /
deren allererst der Furst Nahor erwehnet. Weil nun eine so ungereimte liebe / da
Aprite ganz arm und unbekant / dem Telecles nicht gefiele / als hinterte er
dieselbe mit allen kräften / und brachte bei dem Fursten von Haran zu wegen /
dass der die Aprite aus seinem brod hinweg schaffte. Selbige begab sich nun
hieher in das gebiete von Amida / zoge aber den Chersis bald nach sich: da dann
der Amphilite leiden / durch seine gegenwart /vermehrt wurde.
    Wie nun endlich der gewönliche gerichtstag wieder erschienen / fand sich
keine Eunome / aber wohl der Abinael ein: welcher / der Amphilite ehre zu retten
/hoch beteuerte / wiedass Eunome damals von ihm seine kleider entlehnet / und dass
er niemals von der Amphilite die gerinste gunst genossen oder entfangen hätte.
Helidor wandte hiergegen ein / wiedass den Abinael die liebe also reden mache:
und wurde Amphilite nun wieder auf den künftigen gerichtstag vertrostet.
Inzwischen reisete der alte Chebron mit grossen unkosten nach Aphadana / und
brachte daselbst zu wege /dass die Eunome zu Amida fur gericht erscheinen musste.
Alle welt war nun begierig / hievon das ende zu sehen. Und ob gleich Chersis die
Aprite häftig liebte / auch die Amphilite ganz gewiss fur schuldig hielte / so
täte er es doch seinem vatter zu willen /und ginge unbekant mit unter das
gerichts tor / um alles mit anzuhören.
    Wie nun Eunome befragt wurde / die warheit von dieser begebenheit auszusagen
/ leugnete sie alles /und verschwure sich / dass ihr niemals in den sin gekommen
wäre / von dem Abinael kleider zu borgen /oder die Amphilite also zu verführen /
oder scherz mit ihr zu treiben. Kein mensch ware nun zugegen / auser die jenigen
/ so es bässer wussten / der nicht die Amphilite schuldig gläubte. Artainte und
ich / wie auch Eidania und Melidia / neben den Abinael / wollten hierauf die
meineidige Eunome des gegenteils überweisen: aber die richtere liessen uns weiter
nicht reden / und wie wir in gesamt einen abtritt nemen müssen /schmiedeten sie
immittels ein urteil / welches wir / als man uns wieder furgefordert / dieses
inhalts vernamen: Wie dass nåmlich Helidor / so wohl als die Eunome / von aller
anklage los zu sprechen / die Artainte /Melidia / ich und Eidania / dem alten
Chebron die gerichts unkosten zu bezahlen / auch der Eunome ein gewisses stuck
gelds zu geben / verfallen / Amphilite aber den Abinael zu ehlichen sollte
gehalten sein.
    Gnädigste Königin! E. Maj. beherzigen einmal diese ungerechtigkeit / so uns
hier wiederfahren / und urteilen / ob wir nicht allerseits hierüber uns zu
beschweren mehr als befugt seien. Die furcht brachte den alten Chebron dazu /
dass er für uns nicht ferner klagen / noch an diesen rechtshandel etwas wenden
wollte. Auch Abinael / von der liebe beredet / war mit diesem urteil mehr als wohl
zu frieden. Also mussten wir anderen viere gedultig / wiewol unschuldig / die
zuerkennten strafgelder erlegen / und zu deren behuff etliche meierhöfe
verkauffen / üm den geitzigen Orimedon / der Eunome ehemann / zu vergnugen. Der
alte Chebron aber / wollte nichts von uns nemen: und musste ja dem richter Reba
das gewissen rühren / weil er heimlich / nicht allein dem Chebron die
gerichts-unkosten schikte / sondern auch ein ansehnliches stuck gelds der
Amphilite / zu ihrer aussteur verehrte. Der Chebron / weil er dessen bedurftig /
weigerte sich nicht / es anzunemen. Aber Amphilite wollte so wenig hiervon hören
/ als den Abinael ehlichen: massen sie es diesem in die augen sagte / dass sie
lieber sterben /als hierdurch den bosen argwahn auf sich vermehren wollte / den
sie mit ihm unschuldig leiden musste.
    Weil nun ihr vorher-geführter guter wandel allen in dieser landschaft bekant
war / als beklagte sie iederman / und murrete man heimlich uber das unrecht / so
ihr wiederfahren. Sie uberwand endlich alles mit grosmut / und / nachdem sie den
Abinael beredet / ihrer müssig zu gehen / der / aus liebe / ihre ehre dadurch zu
fördern / solchen zwang über sich name / lebte sie seiter ruhig / mit uns
andern / in diesem dorfe / und kehrte sich an den Chersis nicht mehr: welcher /
auf befehl seines vatters / nach Ur reisen musste / üm der schönen Aprite zu
vergessen. Solches aber würde ihm nicht so viel geholfen haben / von ihr
abzulassen /wan nicht dieses dazu gekommen wåre / dass Aprite /wegen eines
begangenen mordes / wiewol sie deswegen mehr zu loben als zu tadeln war / hier
öffentlich an den schandpfal gestellet und sofort wäre verwiesen worden. Diese
beschimpfung leschete in dem hohen gemute des Chersis alle liebe aus / und
schriebe er solches seinem vatter zu / erlangte auch von ihme /furter in Ur zu
bleiben: da er sich noch iezt befindet /und / wie man glaubhaft berichtet / soll
er öfters der Amphilite noch gedenken / und wunschen / dass ihre unschuld recht
klar zu tage kommen mochte. E. Maj. können nun hierzu verhelfen / wan sie /
diese sache nochmals zu untersuchen / gnädigst befehlen wollen: und wird / in
der nachfrage / so viel zu der Amphilite unschuld rettung dienliches sich finden
/ dass ich versichert bin / es werde ihr elend und unser aller kummer nunmehr
sich enden / zumal uns der himmel die uberirdische Aramena zur Königin verliehen
hat.
                                     * * *
    Als Sandenise / nicht sonder vergiessung vieler zehren / ihre erzehlung also
geendet / und sich damit zu ihrer gespielin gestellet / erwiese die Konigin von
Mesopotamien nicht geringen unmut über diese augenscheinliche ungerechtigkeit
der richtere / und verhiesse / nicht allein der Amphilite ihr recht zu
verschaffen / sondern erklärte sich auch / vor der ganzen gesellschaft dahin /
dass sie selbst in person den gerichtstägen fortin beiwohnen / und ihren
untertanen das recht sprechen wollte. Alle anwesende liessen hieruber eine solche
freude spüren / dass sie auch des öffentlichen jauchzens sich nicht entalten
kunten: und gabe iederman der Sandenise viel lobes / die durch ihre künheit
solches zu wegen gebracht hatte. Weil aber / der Sandenise freunde / der
richtere gewalt deswegen befahreten / als gaben sie ihr an die hand / die
Konigin um schutz anzuflehen / wen man etwan an ihr sich rächen wollte / dass sie
iezt wider die regierung geredet. Sie erhielte dieses so gut bei der Konigin
/dass sie ihr und der Amphilite anbefohle / unter ihrem frauenzimmer zu bleiben /
und sich mit nach Samosata zu begeben: dahin nun alle königliche personen
aufbrachen / weil die mittagszeit heran nahete / und sie den Konig Aramenes
nicht långer allein lassen wollten.
    Weil der verliebte Nahor / alle gelegenheit / die er nur haben kunte /
ergriffe / üm seine liebe zu der Aprite kund und offenbar zu machen / als
gesellete er sich zu der Königin / wie die neben den andern nach Samosata zu
ginge / und die wägen hinter sich herfahren liesse / und sagte zu ihr: E. Maj.
kommet wohl fromd vor / dass die schone Aprite sobald von den Chersis hat können
geliebt werden / da er solang sein gemute / die Amphilite zu ehren / gewönet
hatte. Aber meines erachtens ist dieses höher zu bewundern / dass Chersis diese
wunderschöne hat wieder verlassen konnen: wiewol ich nicht ursach habe / es
ungern zu sehen / dass er diese wankelmütigkeit begangen hat. Ihr redet / mein
vatter! (antwortete ihm die Konigin von Mesopotamien) mit solcher art von dieser
Aprite / dass ich schier glauben muss / sie werde von euch geliebt. Doch machet
mich etwas hieran zweifeln / so ich von ihr weiss / nämlich dass sie einen mord
begangen / von hier verwiesen und nun eine dienstmagd worden ist: welches alles
sich dann nicht wohl zu eurer liebe schicken würde.
    Ich trage kein bedenken / (gabe Nahor zur antwort /) E. Maj. zu gestehen /
dass ich die Aprite / ungeacht aller dieser ümstände / liebe. Dan / dass sie /
ihre ehre zu retten / ihren verfolger getödtet / durch ein unrechtmässiges
verurteilen der Assyrischen kriegsleute von hie verwiesen worden / und nun / aus
armut / der Almesia dienet / solches kann mich nicht abschrecken /sondern
vielmehr anfrischen / neben ihrer grossen schöne / auch ihre unvergleichliche
tugend / von der dieses alles herruret zu lieben und zu bewundern. Wan sie so
tugendhaft / wie ihr sie beschreibet / (antwortete die Aramena) so wird sie eure
liebe nicht wohl aufnemen / weil sie nimmermehr hoffen darf / eure ehgemalin zu
werden. Es manglet nur an ihr / (versezte Nahor) sonst wurde sie den namen einer
Fürstin diese stunde haben. Die Königin von Mesopotamia kunte hierauf sich nicht
entalten / den Nahor etwas genäuer zu betrachten / und machte ihre verwunderung
/ dass sie ihm nichts antworten konnte.
    Betuel aber und Elihu / die alle diese reden mit angehöret / entfunden
darob keinen geringen widerwillen / und befästeten deswegen / ihren zuvor schon
abgeredten schluss / alle ersinliche hinterung / und zwar eiligst / dazwischen zu
bringen / und dieses ungereimte furnemen ihres vettern und brudern zu verwehren.
Redet dieses euer bruder in ernst / (begunte die Königin von Ninive den Betuel
heimlich zu fragen /) was er iezt gegen meiner schwester hat vorgebracht? Man
sollte schier daran zweiflen / (antwortete ihr Betuel) wen ich nicht aus der
erfahrung wusste /dass der blinden liebe nichts ungereimt fürkommt. Wer so
vernünftig ist / wie der Fürst Betuel / (widerredete sie) wird der liebe
solchen raum nicht lassen. Ich weiss zwar nicht / (gabe er zur antwort) wie weit
sich hierin meine kraft erstrecket: dessen bin ich aber versichert / dass ich die
Aprite nicht lieben würde /wann ich Nahor wåre.
    Es ist dennoch gewiss / (sagte der Konig von Ninive) dass die liebe nichts
ansihet / auch weder unmüglichkeit noch ungleichheit scheuet: massen mein
blindes verlieben in der Diana bild / hiervon zeugen kann /welches mich schier
meiner selbst vergessen gemacht. Nachgehends liebte ich eben so ungereimt die
iezige Königin von Mesopotamien / von der ich doch nichts zu hoffen wusste: und
weiss ich nicht / ob ich iemals von dieser krankheit genesen wåre / wen nicht der
gutige himmel mir so unvermutet meine liebste Aramena in die arme gegeben håtte.
Mein beispiel /(sagte der bescheidene Betuel) erweiset ebenfalls das jenige /
so der König von Ninive jezt behaubtet: ich liebte auch auf unmuglichkeit. Und
ob ich mich gleich darin iezt völlig uberwunden / und meine unnwürdigkeit
erkant habe / so kann ich doch nicht sagen / dass ich meine kaum erlangte freiheit
habe wissen in acht zu nemen / oder zu bewahren. Sage nichts / mein liebster
Betuel! (fiele der König Dison ihm in die rede) von deiner unwurdigkeit: mein
gluck allein / ist grosser als das deine gewesen. Wie ich nun verneme / (sagte
die Königin von Ninive) so hat mein vetter seine freiheit abermals verloren: und
wunsche ich von herzen / so wohl diese geliebte person zu kennen / als ihr und
dem edlen Betuel nützliche dienste zu erweisen.
    Ich kenne selber die jenige nicht / (antwortete Betuel / der erfreuet war /
dass er nun gelegenheit erlanget / seine neue liebe zu offenbaren /) die ich
liebe. Dieses aber weiss ich / dass sie keine dienstmagd ist /wie die Aprite / und
konnen solche geschenke / als ich von meiner unbekanten bei mir habe / nichts
anders als eine hohe gedurt andeuten. Dieses sagend / zoge er das kleinod herfür
/ welches eine guldene armspange war / mit so überaus grossen diamanten versetzet
/dergleichen die Königin von Ninive vorhin nicht gesehen hatte. Die ümstände /
(sagte diese schöne Konigin) welche sich bei dieser euren neuen liebe zu tage
geben / machen meinen vorwitz noch grosser / hievon ein mehrers zu wissen / und
beschwore ich euch / üm unserer alten freundschaft willen / dass ihr mich zur
vertrauten in eurer liebe machen wollet. Diese lezte worte hörte die Konigin von
Mesopotamien mit an /und name daher gelegenheit / zu fragen / was dieses zu
sagen hätte.
    Wie nun ihre schwester mit wenig worten es ihr erkläret / und Betuel / die
ümstände seiner liebe mit dem ehsten ihnen kund zu tun / sich anheisig gemacht
hatte / wollte Elihu diese gelegenheit auch nicht aus handen lassen / seiner
Konigin zu eröffnen / wie frei er nunmehr von ihrer liebe wäre / und sagte: Es
weiss der Betuel meinen sin / dass ich keine geheimnis aus den dingen mache / die
er alhier zu eröffnen sich iezt verlobet hat. Mich gehen dieselbe ja so sehr an
/ als ihn / und kann er nicht von sich rühmen / dass er unsere unbekanten håftiger
/ als sich / liebe. Daher ich den zum überflus / um E. Maj. nicht wenigern
gehorsam / als dieser mein mitbuler / zu zeigen / dem Betuel erlaube / neben
der seinigen / auch meine ungemeine liebe allhie kund zu machen. Die ganze
konigliche gesellschaft / so dieses angehoret / sah mit verwunderung auf den
Elihu so wohl / als auf den Betuel.
    Ob wohl die schöne Aramena nichts angenemers /als eben dieses / horen konnen
/ so befromdete sie dennoch / als Elihu mit seiner neuen liebe so unvermutet
herfür brache: dann es dunkte sie / als håtte der Fürst von Ram dieses mit etwas
verächtlichkeit geredet / um sich an ihr zu råchen / dass sie ehmals seine liebe
nicht angenommen. Doch schluge sie es so fort wieder aus den sin / und ganz
freudig den Elihu ansehend / sagte sie zu ihme: Nun wird es offenbar /warum
diese schäferkleidung die Fursten alhier bedecket. Wie ich aber alles dessen /
was den Fürsten von Ram angehet / mich gern wollte mitteilhaftig machen /also
vermag ich mein verlangen nicht zu bergen / das ich trage / die umstånde von des
Elihu und Betuels neuer liebe zu erfahren / welche gewiss ganz ungemein sein
werden / den Fursten Nahor beschwöre ich ebenfalls / mir ein mehrers von dem zu
eröffnen / was er mir iezt gesaget / und hielte ich es für eine unbilligkeit /
in meinem Konigreich unwissend zu leben / was darin furgehet. Elihu / Nahor und
Betuel / versprachen hierauf / dass sie ihrer Konigin befehl nachkommen wollten.
    Wie nun endlich die Königliche personen / vom gehen ermudet / sich zu wagen
gesetzet / verliessen sie die schäfergesellschaft / und wurden von Elihu /Nahor
und Betuel vollends nach Samosata begleitet: da sie den König Aramenes / in
gesellschaft der Königin Emilinde / wie auch seiner Syrischen Fürsten /
antraffen. Er entfinge seine liebste Colidiane mit ausgespanten armen / und
bezeugte damit öffentlich seine herzlich zu ihr tragende liebe. Den Konig
Melchisedech erfreute solches uber alle massen / weil es gegen der Colidiane
einbildung lieffe: wiewol er dabei auch in acht name / dass der Aramenes sich
nicht wenig verwandelte / als er hierauf seine schwester / die Konigin Aramena /
entfinge / da er sich über sie beschwerte /dass sie allein sonder ihn aus
Samosata lustwandelen gefahren wäre. Ich vermeinte / (antwortete ihm hierauf die
schone Aramena) mein bruder wåre bei der Königin Cölidiane / darum wollte ich
nicht allein daheim bleiben / sondern euch suchen / wo ich euch billich håtte
finden sollen. Wie artig bringt ihr mir doch diesen verweiss bei / (gabe der
König von Syrien zur antwort) den ich billich verdienet hätte / wan ich nicht
euretalben / liebste schwester! zu haus geblieben wåre. Es sollte mir leid tun
/ (antwortete sie / sich in etwas entfärbend) mich die ursach zu sehen / dass
Aramenes und Cölidiane nicht allemal könten beisamen sein / und bin ich zum
wenigsten ganz unschüldig hieran schüldig. Ich habe (sagte hierauf Aramenes) mit
den Syrischen Fursten abgeredet / was zu einrichtung eurer neuen regirung alhier
notig sein möchte: das mich dann abgehalten hat / so wohl der Colidiane als der
Aramena zu erweisen / wie gerne ich mich um sie befinde.
    Als der König solches gesaget / name er diese seine beide liebste
freundinnen bei der hand / und fuhrte sie in den Esssaal: da sie das mittagmal
hielten. Nach endigung dessen / versamleten sich die Syrische Fursten in der
Konigin von Mesopotamien zimmer / worbei auch der König / ihr bruder / sich
befande. Selbige waren der alte Hus / der Husan / Rames / Tare / Zophar /
Elhanan / wie auch der Elihu / Nahor und Betuel / samt den getreuen Tebasch:
und wurde daselbst von der Aramena krönung / auch von andren dingen / ihre neue
regirung betreffend / geredet / und der schluss gefasset / dass nach zwei monaten
die Königin gekrönet / und alle anwesende königliche personen / bis dahin in
Mesopotamien zu bleiben / sollten eingeladen werden. Als hierbei die Königin auch
eröffnete / wie sie furhabens wåre / fortin den gerichtstägen selber bei zu
wohnen / und zugleich erwähnte /wie alles volk über die ungerechtigkeit der
richtere sich beschwerte / hielte der alte Hus für ratsam / dass man mit diesen
leuten zu anfang hoflich verfahren möchte / weil sie einen grossen anhang hätten
/ und mächtiger wären / als sie wohl schienen: zumal der Reba / als ein
verwandter der Enakim / die iezt auf dem Taurischen gebirge / unwissend warum /
in grosser månge sich versamlet hielten / durch ihre beförderung leicht einen
aufstand erregen könnte. Dieser guten erinnerung des Fürsten von Hus / fiele der
weise Elihu mit bei / und sagte: wiedass an keinem ort in Mesopotamien so ein
aufrurisches volk / als eben in der landschaft Amida anzutreffen wåre / und
wusste er gewiss / dass dieses einen grossen lårmen verursachen würde / was heut
wegen der schåferin Amphilite furgegangen / weil deren feinde die mächtigsten im
lande wären. Dieses verursachte / dass die schone Königin / ihrem bruder / und
den andern / erzehlte / was Sandenise ihr geklaget: da dann niemand war / der
nicht der Konigin verfahren höchst billigte und es rümete / dass sie die
Amphilite und Sandenise in ihren schutz genommen; doch besorgten sie dabei / dass
des Elihu furcht nicht vergeblich sein möchte.
    Habt dann ihr / meine vettern! (sagte hierauf die Konigin zu den dreien
furstlichen hirten) allhie eure gewalt nicht brauchen / und der ungerechtigkeit
dieser richtere euch widersetzen konnen? Was mich betrifft /(antwortete Elihu /)
so habe ich / auser dem fürstentum Bus / in diesem gebiete von Amida nichtes zu
sagen / und lasse mir daran genügen / dass ich unter die zahl der fürnemsten
schäfern mich rechenen darf. Eine gleichmåssige bewantnüs (sagte Nahor) hat es
auch mit mir und meinen bruder / die wir mehr in Haran / als hier in Amida / zu
sprechen haben / und ein richterliches amt alhier zu üben nicht befugt sind. So
mus es den (sagte der Konig von Syrien /) sonst eine verborgene ursach haben /
die meine vettern also hierzu wohnen / kann veranlassen. Ich weiss dieselbe /mein
bruder! (antwortete für sie die Konigin Aramena) und werde euch dessen
mitteilhaftig machen /wan diese drei verliebte mir hiervon werden ausfurlich /
wie sie versprochen / werden erzählt haben. Dieser zuname / (gabe der Aramenes
zur antwort) den ihr ihnen beileget / verursachet in mir keinen geringen furwitz
/ hiervon ein mehrers zu wissen / und biete ich euch / meine vettern in euren
angelegenheiten allen beistand an / den ihr nur von mir verlangen werdet. Diese
ihres Königs gütigkeit war dem Elihu und den beiden brudern von Haran so angenem
/ dass sie dafür ihre erkentlichkeit ersinlichst erwiesen.
    Wie nun Elihu übernommen hatte / die jenigen schäfere zu befriedigen / die
etwan durch der hirtin Sandenise freien bericht mochten sein beleidigt worden /
name der Zophar neben den alten Tebah gleichfalls über sich / nach Amida zu den
richtern zu gehen / ihnen alle gute Meinung von ihrer neuen Königin beizubringen
und sie zuversehen / wie es ihrem richterlichen amt keinen eintrag / sondern
vielmehr zierde geben würde / dass die Königin in person bei ihnen sich fortin
einfinden wollte. Hierauf ginge Aramenes und die Konigin von Mesopotamien wieder
zu der andern gesellschaft / und redte mit ihnen ab / wie sie ingesamt nach
Amida und Edessa fahren wollten /üm die alda sich befindende königliche personen
zu besuchen: und wurde dieses so fort zu werk gerichtet. Aber Nahor und Betuel
sonderten sich von ihnen ab / und eilten wieder nach ihren schåfer hütten / und
zwar / wiewol nicht auf gleiche weise / durch das andenken der Aprite hierzu
bewogen: dann der Nahor truge sich eiferigst mit den gedanken / wie er diese
schone / und zwar bald / in seine hånde und gewalt bekommen mochte: da hingegen
Betuel darauf sonne / wie er diese dirne aus Amida hinwegschaffen / und also
das ärgernüs / welches sein bruder gegeben / aus dem weg räumen konnte.
    Sie brachten beiderseits / über diesem vorhaben /selbigen abend und die
folgende nacht / unschlussig zum ende. Wie aber das tagelicht wieder angebrochen
/ begabe sich Betuel ungeseumt nach Edessa / zu den Fürsten von Hus / seinen
vettern / und klagte demselben / wie es mit dem Nahor stünde: der dann / als sehr
grosmütig / des Betuels vorsichtigkeit hierinn rühmte / und dessen anschlag ihm
gefallen liesse / dass man nåmlich ie eher ie bässer diese Aprite heimlich aus
Amida hinweg schaffen musste. Der Hus erbote sich /sie in das land Ausitis zu
seinem bruder / dem König Hiob in Uz / abzufärtigen: da sie / bei dessen
töchtern / ohn iemands wissen / ihren aufentalt haben konten. Sonsten fand er
bei dieser sache nichtes schwerer /als wie man die Aprite in Amida aus der
Almesia haus erlangen mochte / das aber Betuel hingegen für sehr leicht ansah
/ und allein darüber ihme gedanken gemacht hatte / wo man mit der Aprite bleiben
sollte. Wie er nun das anbieten des Fürsten von Hus erwogen / und sehr gut
befunden / sagte er: Wie man ganz sonder mühe der Aprite sich versichern könnte /
weil er erfahren hätte / dass dieselbe fast täglich mit ihren gespielen / gegen
abendzeit / nach Edessa zu kommen /und daselbst den leuten milch und käse zu
kauf zu bringen pflegte. Diesem nach stellten sie es an / dass /wan der Almesia
mågde in das tor daselbst kämen /man sie nach des Fürsten von Hus wohnung
weisen sollte / weil sie alda kaufere für ihre milch finden würden.
    Dieser anschlag ginge nun glücklich von statten; massen die Aprite und
Baalise / ihrer gewonheit nach / als Betuel den ganzen tag / bei dem Fürsten
Hus /auf sie gewartet / gegen abendzeit / sich einfunden /und in dasselbe haus
ihre sachen zu kauf brachten. Die schönheit dieser dienstmägde / sonderlich der
Aprite / schiene dem Betuel so verwundersam in die augen / dass er in seinem
herzen die liebe seines bruders entschuldigen musste. Als er aber hierbei ihren
stand erwoge / liesse er alle solche betrachtungen auf einmal wieder fallen / und
verharrete bei seinem vorhaben / diese liebesglut durch die entfernung zu
zerstören / und sein haus fur beschimpfung zu bewahren. Die Furstin Jetura / des
alten Hus gemalin / die üm diesen anschlag mit wusste / fragte gleich nach der
Aprite namen / hiese sie / als sie solchen erfahren / ihre milch niedersetzen /
und sagte zu der Baalise / wiedass des Fursten von Jedlaph gemalin auch milch
kaufen wollte / dahin sie unterdessen gehen mochte / mitlerweile der Aprite das
geld sollte gezahlet werden. Weil nun diese beide vor nachts wieder in Amida zu
sein verlangten / als redten sie mit einander ab / dass keine auf die andere
warten / sondern iede fur sich ihren weg aus dem tor nemen / und sie bei dem
berge Masius wieder zusammen kommen wollten.
    Also blieb Aprite allein im hause / und befahle ihr die Jetura / dass sie ihr
in den keller nachfolgen sollte /dahin auch der Betuel / neben dem alten Hus /
sich begeben hatte. Sie ware nicht sobald darin / da kündigten sie ihr an / dass
sie sich entschliessen müste /ins land Ausitis zu reisen / um fur des Fursten
Nahors liebes verfolgungen sicher zu leben. Aprite ward anfang hieruber etwas
bestürzet: wie sie aber vername /dass sie dadurch dem Nahor entkommen / und in
die gesellschaft der tochter des Königs von Uz kommen sollte / erholte sie sich
bald wieder / und mit sonderbarer herzhaftigkeit den Betuel anschauend /
welchen sie / ob er gleich nie auf sie acht gehabt / dannoch wohl kennte / sagte
sie zu ihm: dieses wird ohne zweifel von dem Fursten Betuel herruren / dass man
allhier diese dinge mit mir furnimmet / um dadurch das haus von Haran für
schimpf zu bewahren. Es wäre aber solcher gewaltätigkeit nicht nötig gewesen /
weil ich von selber kräfte gnug hatte / dem Nahor zu wider stehen / und mir /
den Fürsten-namen durch ihn zu erlangen / ja so widerlich ist / als euch seinem
anverwandten; daher ich eben so sicher in der Almesia hause / als zu Ausistis /
geblieben wäre. Ich bin aber in euren händen / und moget ihr mit mir tun / was
euch gefället: nur handlet mit mir so grosmütig / dass ich nicht wegen meiner
ehre bei euch in sorgen stehen dörfe. Ihr habt es errahten / Aprite! (antwortete
ihr Betuel) dass ich der urheber sei von diesen anschlage: der aber fur euch zu
keinem bosen hinaus schlagen / sondern euch aus einer dienstmagd zur freien
machen / und von des Nahors unangenemer gegenwart erlösen soll. Eurer ehre wegen
/ traget hierbei keine sorge: Mein vetter wird euch an seines bruders hof
schicken / da die tugend und erbarkeit selber wohnet.
    Was wird aber (widerredte Aprite) die Almesia von mir sagen? Wird die nicht
aller orten mich ausruffen /dass ich von ihr betrüglich entlaufen sei; Was hier
geschihet / (sagte die Furstin Jetura) ist alles ohne euer wissen furgenommen /
und kann sich euer gewissen wohl zu frieden geben / in einer sache / daran ihr
unschüldig seit. Ach! dass ich nun (finge Aprite wieder an und seufzete) die
Baalise bei mir haben mochte! mit freuden wollte ich ins land Ausitis reisen.
Wisset ihr ihren sin / (fragte Betuel) dass sie gutwillig diese reise mit euch
tun wurde? Sie liebt mich so sehr /(gabe Aprite zur antwort) gleichwie ich
auch sie liebe / dass meine entfernung ihr tod sein würde / wan sie mich für
verloren achten sollte. Der Hus / Jetura und Betuel sahen hierauf einander an
/ und beschlossen /die Baalise aus des Zophars hause holen zu lassen. Also ward
nach ihr gesendet: da man sie wieder einholte / weil sie eben aus dem tor gehen
wollen. Sie kame eilends herbei / und als man sie zu den andern in den keller
geführet / und die dinge / so da fürgingen / ihr eröffnet / sprache sie der
Aprite eifrig zu / nach Ausitis willig und gern zu reisen / und also aus ihrer
ietzigen dienstschaft zu entkomen. Und wiewol sie selbst ihres teils / ihr des
Javans betrübnus furstellte /die ihr verlust bei ihm erwecken wurde / so wollte
sie doch / um des willen / ihre eigene ruhe nicht hindan setzen / sondern
hoffete mit der zeit die gelegenheit /ihme kund zu machen / wo sie wåre
hingeraten. Also täten diese beide gern / was sie tun mussten / und begaben
sich bei eintretender nacht zu wagen / von einer alten slävin und zween treuen
bedienten des Fürsten von Hus begleitet: die mit ihnen unvermerkt aus Edessa
hinaus fuhren / und den weg nach Ausitis über das gebirge vor sich namen.
    Der verliebte Nahor hatte inzwischen von seiner liebe sich dermassen
meisteren lassen / dass er / die hartnåckigkeit seiner Aprite betrachtend / auf
den sin gerahten / sie mit gewalt zu entfuren und zum weibe zu nemen. Demnach
wartete er / bei dem berg Masius in einen busche / mit seinen dieneren und
hirtenknaben des vorhabens / die Aprite auf dem rückweg von Edessa hinweg zu
nemen. Nachdem er aber / bis in die sinkende nacht / vergebens gewartet / kunte
er nicht ergründen / was sie in Edessa aufhalten müste: auser dass ihm beifiele /
es möchte ihr etwan sein anschlag sein entdecket worden. Dieser zufall nun war
fast fåhig / ihn in verzweiflung zu bringen: massen er wohl erriete / wie wenig
für ihn würde zu hoffen sein /wan ihm dieser anschlag mislingen / und es daneben
auskommen sollte; daher er alles / was ihm die ungedult nur in den sin brachte /
wider seinen unstern ausschüttete. Wie er nun seine Aprite vergeblich bis für
das tor von Edessa gesuchet / und die ganze nacht also umher geirret hatte /
traffen auf ihn / bei aufgehender sonne / die zween knechte der Almesia / der
Javan und Elisa / die des wegs von Edessa herkamen /und ja so beångfugt / wie er
/ sich erwiesen. Sie liefen beiderseits eiligst zusammen / und fragten einander
/ob keinem von der Aprite und Baalise etwas wissend wäre. Wir missen diese beide
/ (sagte Javan) seit gesteren abends / und kommen iezt von Edessa / da niemand
etwas von ihnen wissen will. Ach grosse Fürsten! (antwortete der betrübte Nahor)
ich suche sie so wohl als ihr: lasset uns nur keinen fleiss sparen / um sie wieder
zu erlangen. An der eilfärtigkeit wird hier alles bestehen. Sie mussen entweder
noch in Edessa / oder doch nicht weit von der stadt / sich aufhalten. Wir wollen
uns in drei wege verteilen / und unser heil versuchen: vielleicht ist uns der
himmel so gnädig / dass wir sie wieder bekommen.
    Die art / mit welcher der Nahor diese worte herfür brachte / zeigeten
sattsam den verliebten Daces / (der sich Elisa nennte) dass das gerüchte / von
dieses Fursten liebe gegen der Aprite / nit unwahr wäre / und er also an ihm
einen mitbuler bekommen hätte. Indem er aber ihrer beder gleiches elend ihm
fürstellte / erwiese er keine eiversucht / sondern sprache vielmehr dem Nahor
selbst noch ferner auf / in suchung und ausforschung der Aprite an sich nichtes
ermanglen zu lassen. Hierauf teilten sie sich von einander / und weil sie alle
hirten / die ihr vieh austrieben / fragten / ob sie die Aprite und Baalise nicht
gesehen hatten? machten sie es bald damit in der ganzen gegend ruchtbar / dass
diese beide schöne dienstmågde der Almesia wären verloren worden. Weiln Almesia
des richters Reba schwiegermutter war / und darüm unter den hirten zu Amida in
grossem ansehen lebte / als machte sich iederman ihres hierinn erlittenen
schadens mitteilhaftig / also dass alle hirten und schäferinnen zu suchen mit
anfingen. Solcher gestalt erscholle der name Aprite und Baalise / durch alle
berge und tåler: Wiewol mit keiner andren wirkung / als dass dadurch ie mehr und
mehr dieser beden schonen warhafter verlust sich zu tag legte.
    Es verliefe dieser ganzer tag in solchem nachsuchen / und war so wohl in
Amida / als in Edessa und Samosata / kein haus übrig geblieben / darin der
Nahor nicht nach ihnen gefragt hätte. Dieser kam endlich ganz matt und kraftlos
/ gegen die nacht / wieder in seine wohnung: da er die nachtstunden sonder
schlaff zubrachte. Er hatte kaum die morgenrote erwartet / da machete er sich
wieder ganz allein auf den weg / wiewol er nicht wusste / wohin er gehen sollte.
Wie er nun auf dem berg Masius / da derselbe am hochsten ist / herrum irrte /
geriete er an zwei personen / die ihm anfånglich unbekant waren / und gar åmsig
mit einander redten. Er gedachte so fort / diese mussten etwas von seiner Aprite
wissen / schliche demnach hinter sie her / um aus ihren worten was zu
erforschen. Er horte / dass der eine also zu dem andern sagte: Wie sie den ort
vernamen / wohin sie sollten /wurde es meinem herrn mit ihrer entfürung gar nicht
schwer / sondern es schiene fast / als wan sie lieber daselbst hinreisen / als
hier verbleiben wollten. Der ungedultige Nahor / wollte ihnen nicht ferner zuhören
/weil er bereits genug zu wissen vermeinte / konnte auch sich nicht entalten /
diesen frömden anzufassen / und mit grosser ungestüm ihn zu fragen: Wo ist dann
der ort / dahin dein herr diese schone geführet hat? gestehe mir so fort die
warheit / oder wisse / dass du dein leben verloren habest. Indem drohete er ihm
/ mit seinem in der hand fürenden werfpfeil / und jagte ihm ein solches
entsetzen ein / dass er lange nicht fähig war / auf diese frage des Nahors einige
antwort zu geben. Wie aber sein gefärte ihm beispringen und dem Nahor zu leibe
wollte / erkannte er ihn so fort fur des Fürsten Labans sohn: daher stellte er
alle feindseligkeit ein / und gabe sich ihm für den Reteus zu erkennen / der
aus Haran burtig / und von jugend auf sein bekanter gewesen were.
    Nahor / über dieser kentnus hoch erfreuet / hielte auch innen / dem andern
zuzusetzen / und diesen Reteus ümarmend / sagte er zu ihm: Wie zu rechter zeit
führen euch die gotter zu mir / wehrter Reteus! saget mir doch / an welchen ort
man diese hingeführet / die ich iezt so sehnlich suche? Reteus sah hierauf
seinen gefårten an / als wollte er von ihm urlaub bitten /dieses geheimnis zu
eröffnen. Dieser aber gabe sich für des Prinzen Sinears von Chaldea waffenträger
zu erkennen / und truge kein bedenken dem Nahor das jenige zu eröffnen / so er
zu wissen verlangte / weil er solches seinen herren nicht schädlich erachten
konnte. Mein Prinz (sagte er zu ihm) hat diese schonen / von denen er die ältere
liebt / ins land Ausitis zu den König Hiob geführet / und ist eigentlich dieses
sein beginnen / fur keine gewalttåtige entfurung zu achten / weil es alles mit
ihrem guten willen geschehen ist. O himmel! (rieffe hierauf Nahor) so bekome ich
noch einen vielmåchtigern mitbuler / als ich bereits gehabt / der auch von der
Aprite geliebt wird / daher die verachtung meiner wird entstanden sein. Wie?
lieben sie dann (fragte Reteus ganz verwundert) auch diese unbekanten? ich
vermeinte / allein die Fürsten Elihu und Betuel håtten bei ihnen liebe
furgegeben? Was beweget euch / (fragte Nahor) dieses zusagen / da Elihu und
Betuel niemals die Aprite geliebt? Wie sie heisse / weisse ich nicht /
(antwortete Reteus) diss ist aber gewiss / dass die drei unbekannte schonheiten
/die iezt der Prinz Sinear nach Ausitis geführet / von dem Elihu und Betuel
sind geliebt worden.
    Ach weh! (rieffe hierauf Nahor) nun hore ich erst /dass ich betrogen bin /
und ihr mir nichtes von der Aprite zu sagen wisset / die ich allein suche / und
nicht die drei schönheiten / die bisher zu Sarug sich haben aufgehalten. Der
waffentråger / nun ganz erfreuet /dass er seines herrn geheimnis keinen eroffnet
/ der teil hieran hatte / bekräftigte den Fursten von Haran / mit den grosten
eidschwüren / dass sein herr von dieser Aprite nichtes wusste / sondern dass
diejenigen / die er nach dem Konig von Uz gefüret / die so-genante schönheiten
von Sarug wåren. Der verliebte Nahor /wiewol er nun sich wieder beruhigt sah /
weil der Prinz von Chaldea sein mitbuler nicht ware / geriete nun wieder in
seine vorige unwissenheit / und klagte dem Reteus / wie es ihme ergangen war /
ihn bittend / dass er doch auch seines orts nachricht einziehen wollte / ob er
etwas von dieser Aprite erfahren möchte. Reteus / der sich hiebei erinnerte /
dass gemeldte Aprite zu Haran bei der Rahel gewesen / und / wegen des gespråches
mit dem Fürsten Nahor / von dannen entweichen müssen / hätte lieber diesem
verliebten zugeredet / von seinem beginnen abzustehen. Weil er aber wohl sah /
dass dieses dem Nahor gar zu häftig müste anligen / fugete er ihm in allen / und
erbote sich /überall in Sarug / da er wohnete / nachfrage anzustellen. Er
notigte auch diesen verliebten so lange / dass er endlich sich nicht erwehren
kunte / auf sein begehren /mit ihm nach Sarug zu gehen / und das mittagbrod in
des Reteus haus einzunemen.
    Weil Nahors gedanken allein nach seiner Aprite gingen / als erwiese er nicht
den geringsten fürwitz /üm zu wissen / wie es eigentlich der Prinz Sinear mit
entfurung der drei unbekanten schönheiten angeschlagen. Er eilete / gegen den
nachmittag / wieder aus Sarug / und fiele ihm unterwegs ein / als er nach Amida
zu gehen gedachte / dass er bei dem gotte Teraphim / in dessen tempel / am bästen
sich würde rahts erholen können / wo seine Aprite geblieben wåre /weil dessen
ausspruch allen leuten / die ihn befragten / ein gutes genügen zu geben pflegte.
Er war / seit des verlusts seiner Aprite / nie freudiger von sinnen gewesen /
als nun / da ihm dieses hulf-mittel eingefallen. Er kehrte deswegen von seinem
wege nach Amida wieder um / und eilete nach seiner wonung: da ihn seine
hirtenknaben berichteten / dass sie in ihrem nachsuchen nichtes ausgerichtet /
und dass die Syrische Fürsten neben seinen bruder da gewesen / und sich sehr nach
ihm erkundigt håtten. Für diesen nun seine reise nach des Teraphims tempel
geheim zu halten / weil sie ihm daran håtten hinterlich sein mogen /sagte er
allein zweien seiner getreuesten dienere hievon / die zu dieser reise alles
mussten in bereitschaft bringen. Mit diesen reisete er / noch selbige nacht /auf
Camelen / nach dem Taurischen gebirge: an dessen fusse / dieser berümte tempel
des Teraphim erbauet stunde.
    Gleichwie nun diesen verliebten / der Aprite verlust / in solche unruhe
gesetzet / also entfanden solche auch nicht weniger / der so genante Javan und
Elisa: welche / nachdem sie aller orten vergebens nach Baalise und Aprite
gefraget / ganz trostlos und sonder hoffnung / nun wieder in ihrer frauen / der
Almesia hause / zu Amida sich eingestellt hatten / weil sie /vermog ihres
angenommenen standes / die geringste hausarbeit zu tun gehalten waren / als
mussten sie auch die camelen allemal um mitternacht tränken / zu dem ende das
abends / aus dem brunnen für Amida /das wasser in der Almesia haus gebracht
wurde. Weil aber solches dissmal vergessen worden / wegen der verwirrung / darin
sich alles im hause befunden: als gingen diese beide betrübte verliebten / beim
schein des mondes / aus der stadt hinaus / um das benötigte wasser zu holen. Wie
sie an den brunnen gekommen /ersahn sie verschiedene personen und pferde / die
sich um denselben gelagert hatten / und fanden einen ansehnlichen ritter auf dem
rande des ausgehauenen brunnes sitzen. Dieser sagte / indem Javan und Elisa das
wasser schöpften / zu einem seiner bei sich habenden / in Celtischer sprache /
um von niemand sonst verstanden zu werden: diese leute könten uns wohl nachricht
geben / ob unter den Königlichen personen / die in unserer stadt ligen / diese
person sich auch befinde / die wir suchen. So fern E. Maj. damit einig /
(antwortete ihm der andere / in gleicher sprache) so will ich bei diesen hirten
hiernach fragen? Tu es nicht! (sagte der erste wieder) dann diese erkundigung
uns leicht verraten konnte. Wir wollen uns schon zu rechte finden / wen wir erst
zu dem Demas werden gelanget sein / deme ich mich sicherer vertrauen darf.
    Diese worte hörete der Prinz Daces alle mit an /und weil er / als ein Celte
/ dieselben wohl verstunde /und daneben sich dünken liesse / dass er die stimme des
jenigen kennete den der eine mit den Konigs-titul beehrt hatte / schosse es ihm
auf das herze / ob es nicht der Konig Tuscus Sicanus sein mochte. Demnach
fassete er den schluss / und redete diese fromde in Celtischer sprache also an:
Wan meine landsleute alhier in dieser frömde von mir einige dienste entfangen
können / so biete ich mich hiermit an / und wollte mich sonders glücklich
schätzen / wann ich solche dem grossen Tuscus Sicanus auf einigerlei weise
leisten konnte. Wie der so-genante Elisa dies gesaget /wurde er gewar / dass der /
welchen er fur den Tuscus Sicanus hielte / das angesicht ihm zuwandte / und
erkennte er ihn für denselben / bei dem hellen schein des mondes. Solches bewoge
nun diesen seinen freund / dass er ohn ferneres bedenken den krug mit wasser aus
den hånden sezte / und ihme mit ausgespanten armen entgegen lieffe. Wie / mein
Konig! (sagte er zu ihme /) lässet der grosse Teutates mich die glückseligkeit
so unverhofft erleben / dass der treue Daces seinen Tuscus Sicanus hier wieder
sehen darf? Ist es wohl muglich / (antwortete der König) dass ich dem Prinzen
Daces also nahe bin? Wie er nun hierauf sich ihm endecket / und sie einander um
den hals gefallen /trate Baalis auch hinzu / sich kund gebend: das dann ja so
sehr des Königs der Aborigener verwunderung mehrte / diese beide Prinzen in
solcher hirtentracht zu finden / als wie dieselben über dieses Konigs gegenwart
bestürzt verblieben.
    Der ort und die zeit erlitte es nicht / alda weitläufig einander zu fragen /
was ihre angelegenheiten wåren. Demnach ersuchte der Daces den Aborigener-König
/dass er für seine person mit in die stadt kommen / und in der Almesia hause das
übrige der nacht in ihrer kammer zubringen wollte: da sie dann ein mehrers wurden
abreden konnen. Tuscus Sicanus liesse ihm solches gefallen / und befahle seinen
bei sich habenden leuten / mit anbrechenden tage des verwesers Demas wonung
auszufragen / und selbigem ein schreiben / welches er zuvor schon aufgesetzet /
heimlich zu ubergeben / sonst aber niemanden seinen namen zu eröffnen. Also
ginge er mit den beiden Prinzen nach Amida: die auch / ungeacht ihrer
verwunderung und freude / nicht vergassen / ihre krüge / mit wasser für die
camele / mit zurück zu nemen. Als sie in das hinterhaus gekommen / da diese
zween fürneme knechte der Almesia ihre wonung hatten / führeten sie den konig in
ihre kamer / die noch sauber gnug aussah / und anzeigte / dass königliche hirten
dieselbe bewoneten. Sie boten ihm / zu ruhen / ihre bette an: das er aber nicht
annemen wollte / sagend: Er wäre nicht da / zu schlaffen / sondern mit ihnen /
seinen freunden / zu reden.
    Wovon soll aber wohl zuerst (sagte er unter andern zu dem Daces) unser
gespräch handeln / da ich so mancherlei zu fragen und zu sagen habe? Von unsrem
grossen Marsius / (antwortete Daces /) massen ich gar zu grosses verlangen trage
/ zu vernemen / wie es ihm ergehe? Ach! dieser grosse held / (gabe Tuscus Sicanus
zur antwort /) verzehret sich eben also / wie ich /in dem feuer der tyrannischen
liebe. Hat dann die zeit und vergessenheit / (fragte Daces) noch nicht vermocht /
meinen liebsten König von seiner krankheit zu heilen? Gleich wie in meinen augen
/ (sagte Tuscus Sicanus) unaufhörlich das bildnis der jenigen schwebet / die
meiner / wiewol ohne laster / vergessen hat /also geht es auch dem grossen
Marsius mit seiner Aramena. Ich habe denselben etliche tagreise hinter mir
verlassen / und ist er / so wohl als ich / gewillet /nach dem Taurischen gebirge
um einer gewissen zusamenkunft willen / mit den riesen zu reisen. Mich aber hat
dieses einen absprung hieher nemen machen / weil ich / nicht zu meiner ruhe /
sondern zu vermehrung meiner qval / die jenige noch einmal zu sehen verlange /
die ich noch lieben muss / ob gleich ihre heurat mir auf ewig alle hofnung / sie
zu erlangen / entzogen hat. Euch beide allhier zu finden / waren wohl meine
wenigste gedanken. Es hat zwar der Marsius / euer König / mir eure entfernung /
wie auch deren ursach /erzählt: er weiss aber nicht / dass Mesopotamien zween so
grosse Prinzen unter seine hirten zehlet /sondern vermeint / dass ihr euch im
Königreich Ammon aufhaltet. Er hat auch dahin geschicket / üm euch wieder bei
sich zu haben: weil eure entfernung ihme nichts fruchtet / und er bei seiner
unveränderlichen Meinung verharret / die Königin Aramena bis in den tod zu
lieben.
    So hore ich dann / (rieffe Baalis / mit höchster verwunderung /) dass der
König der Aborigener und der Konig von Basan keine mitbulere seien? Keines wegs
/ (antwortete Tuscus Sicanus) und spüre ich aus dieser eurer unwissenheit / mein
Prinz! dass Daces sein wort gehalten / da er dem Marsius und mir auf dem
Riphatischen gebirg angelobet / niemand zu sagen /was zwischen uns beiden damals
furgegangen. Dieses habe ich freilich gehalten / (sagte Daces) gleich wie ich
auch willig von meinem liebsten Könige mich entfernet / in hofnung / dass es ihm
etwas fruchten sollte. Nun ich aber leider vernemen muss / dass nichtes diese
betrubte beständigkeit zu zerrütten vermag / achte ich alle augenblicke verloren
/ die ich nicht bei meinem König zubringen kann / und werde E. Maj. ich ganz
willig einen gefårten nach dem Taurischen gebirge abgeben / weil ich meinen
Konig daselbst zu finden hoffe. Dieses sein freies anerbieten / begleitete der
Daces mit etlichen seufzern / indem er des verlustes seiner Aprite sich
erinnerte: worinn ihme dann auch Baalis / wegen seiner geliebten Baalise /
gesellschaft leistete. Tuscus Sicanus name daher anlass / diese beide zu fragen /
was dann diese ihre hirtentracht bedeute / und worinn ihr anligen / das er ihnen
wohl anmerkete / eigentlich bestunde?
    Ach! die unbezwingliche liebe (antwortete Baalis für sich und dem Daces /)
bringt uns in diese kleidung und dienstbarkeit / dass wir mit zwang Mesopotamien
werden verlassen mussen! Wie / Prinz von Ammon! (fragte Tuscus Sicanus / ganz
verwundert /) habet ihr eurer Ardelise so gar vergessen / dass ihr eine andere
lieben könnet? Die beständige liebe /(antwortete er /) die ich zu dieser todten
trage / machet einig und allein dass alhier ich liebe. Und ihr /Prinz Daces!
(fuhre der König fort zu fragen) finde ich euch nun auch unter diesem joche /
dafür ihr euch bis lang so beständig habet gehütet und furgesehen? Dem ist also
/ (antwortete Daces /) dass ich nun einmal bin gefangen worden / und befinden
Baalis und ich uns in dem unseligsten zustande / den jemals verliebte mogen
ausgestanden haben. Ihr machet beiderseits (sagte der König der Aborigener /)
mich so begierig / hievon ein mehrers zu wissen / dass ich nicht ablassen werde /
euch zu bitten / dass ihr mir eure liebesgeschichten erzählen wollet / die
zweifelsohn fromd sein mussen / da sie solche wirckungen / als ich hie für augen
sehe / konnen zu wegen bringen. Beide Prinzen boten sich hierauf an / den Konig
der Aborigener zu vergnügen: doch wollten sie nicht die nachtzeit dazu anwenden /
sondern gaben diesem ihren fürnemen gaste so viel gute worte / dass er sich
endlich musste schlaffen legen. Und ob ihn wohl seine gedanken wenig ruhen liessen
/ so bliebe er doch zu bette / bis der anbrechende tag ihn anmanete / dieses
lager wieder zu verlassen.
    Als die beide Prinzen / ihre knechtische arbeit im hause zu verrichten / von
ihm gegangen waren / zoge er immittels von ihren hirtenkleidern / die er an der
wand hangen fand / eines an: in welchem er sich ihnen zeigte / als sie wieder
hinein kamen / ihn zu besuchen. Ich bin nun worden / als euer einer (sagte er zu
ihnen) doch werdet ihr nicht allein mir diesen begangenen diebstal vergeben / da
ich diese kleidung nur als gelihen annemen will / sonderen mir auch erlauben /
nach dem Demas zu gehen / dahin ich diese nacht meine leute gesendet habe. Um
eure begleitung darf ich nicht bitten / weil ich ohndas mich deren getroste /
und müsst ihr mir noch viel sagen / was ich nicht weis / und doch mehr als
wurdig ist / dass ich darnach ein verlangen erweise. Wan E. Maj. (antwortete
Daces) uns wollen bei sich haben / so mussen sie uns helfen die ziegen austreiben
/ die wir / so lang wir Elisa und Javan heissen / zu warten gehalten sind. Unser
weg geht eben mit denselbigen vor des Demas haus vorbei / und wird es also ganz
unvermerkt zugehen / einen so grossen König bei uns zü fuhren. So bedeutet mir
dann (gabe der Konig zur antwort /) euer beider namen / und gebet mir auch einen
dergleichen: damit ich / wan wir unter wegs auf andere hirten gesellschaft
stossen sollten / mich nicht verschwåtzen moge. Wie sie nun dem Tuscus Sicanus
entdecket /wer von ihnen Javan und Elisa hiesse / er auch den namen Jared
angenommen hatte / gingen sie aus der Almesia hause / und folgends aus Amida
hinaus / ihre heerde vor sich hintreibend. Wie sie nun über den wald / üm den
andern hirten zu entweichen / sich gewendet / manete Tuscus Sicanus seine beide
gefårten /ihme zu erzählen / was für eine begebenheit sie in diesen stand gesezt
hatte? Baalis übername dieses zu verrichten / und begunte nach kurzer bedenkzeit
/ solches folgender massen ins werk zu stellen.
 
                        Geschichte des Baalis und Daces.
Welcher gestalt von mir die schone Prinzessin von Hemath / die Ardelise /
geliebt / und ihr erbårmlicher tod beweinet worden / solches wissen E. Maj.
guten teils / und sind dessen / an unsers Königs von Basan hofe / ein
sichtlicher zeuge gewesen. Ich würde auch ganz überflüssig mich bemuhen / alles
das klagen und trauren zu beschreiben / so der unglücklichen Ardelise elender
tod aus mir gelocket: das dann so beståndig gewesen / dass ich mit deren betrubten
erinnerung täglich aufgestanden und zu bette gegangen. Dieses kummerwesen triebe
ich / bis ich / ungefär für zweien monden aus Meden kommend / meinen weg hier
durch Mesopotamien auf Amida zugenommen / und daselbst / gerade gegen dem haus
über / darin wir heute gewesen / mit meinen leuten übernachtet. Weil ich / nach
meiner gewonheit / die nacht nicht schlaffen kunte / legte ich mich ans fenster
/ und sah auf die gassen: da ich dann / gegen mir uber / zwei weibsbilder an der
haustür erblikte / die sich daselbst nieder gesetzet / und bitterlich zusammen
weineten.
    Der helle mond / der ihnen gerad in die augen schiene / gabe mir gelegenheit
sie wohl zu betrachten: und dunkte mich nicht anders / als wan ich / an der einen
/ das wahre ebenbild meiner todten Ardelise erblikte. Weil mein gedächtnüs mir
ihre gestalt stäts für augen stellte / als bildete ich mir selber ein / diese
gleichheit müste nur in meiner einbildung bestehen. Wie ich sie aber ferner auch
reden hörte / das mir die stille der nacht und die änge der gassen erlaubet
/fand ich den ton sowol / als die gestalt / meiner Ardelise so ganz gleich /
dass ich schier darüber aus mir selber kame. Als ich fürter auch ihre gefårtin
betrachtet / fand ich gleichfalls das wahre bild der Amorite: welche / wie
bekant / stäts bei der Ardelise gewesen /auch mit ihr umgekommen. Ich hielte
alles dieses fur zauberei / und stunde lang bei mir an / was ich hiebei beginnen
sollte / als diese beide angeneme gespenster wieder in das haus gingen / und mich
also ihrer gegenwart / zu meinem grossen leidwesen / beraubten: da ich dann / das
übrige der nacht / stäts mit ihnen zubrachte / und mir ofters die süsse hoffnung
machte / es mochte vielleicht ein sonderbares geschickte diese beide
Prinzessinnen beim leben erhalten haben.
    In solcher süssen einbildung / kunte ich kaum den morgen erwarten / und wie
ich mich gekleidet / und wieder an das fenster getreten war / wollte mein Glück
mir nicht weniger bei tag / als bei der nacht / gunstig sein. Dan als ich kaum
das fenster eröffnet / da öffnete sich zugleich die haustür gegen über / und
sah ich meine vermeinte Ardelise / neben der Amorite / in gemeiner mägde tracht
heraus treten / und trugen sie auf den schultern drescheflegel / womit sie
anzeigten /was ihre arbeit sein sollte. Sie sahen beide nach meinem fenster
hinauf / und blieben deshalben / wie ich mir einbildete / etwas stehen / sahen
auch / da sie fürter gingen / sich etliche mal nach mir üm. Weil dieses in
meinen gedanken und glauben mich gestårket / als eilete ich so fort ihnen nach /
und traffe sie auf der dreschtennen an / da sie / neben den andern knechten und
mågden der Almesia / das korn ausschlugen. Ich sah ihnen mit verwunderung zu /
und stellte mich gerad gegen ihnen über / um sie recht in augenschein zu nemen.
Ich verharrete solang in dieser augen weide / bis diese / die ich fur die
Amorite ansah / vom dreschen ermudet / üm etwas auszuruhen / sich niedersezte.
Ich name so fort diese gelegenheit in acht / üm ihnen mich kund zu tun / und
gesellte mich zu derselben: die aber / als ich sie gegrüsset / mir dankte /sonder
einiges anzeichen / dass sie mich kennte. Wie ich nun ferner mit ihr reden wollte
/ huben die andern mägde an auf sie zu schelten / dass sie ihnen die arbeit
alleine überliesse. Ich wurde hierdurch bewogen /ihren dreschschlegel / den sie
bei sich niedergelegt /zu ergreifen / und diese ungewohnte arbeit für sie zu
verrichten.
    Ich stellte mich demnach zu der vermeinten Ardelise / die sich aber kaum
nach mir ümsah. Weil ich solches dahin deutete / dass sie für den andern
begehrte unbekant zu bleiben / redte ich sie auf Celtisch an /welcher sprache
ich die Ardelise wohl kündig wusste /und sagte: wie / schone Ardelise! kennet ihr
dann euren Baalis nicht mehr? und wollet ihr ihm nicht gonnen /dass er sich über
euer leben erfreue? Diese worte sagte ich etliche mal zu ihr / ehe ich eine
antwort bekame. Endlich / wie ich nicht wollte nachlassen / sah sie mich an /
und sagte: Ich weiss nicht / frömdling! was ihr mir wollet / ich verstehe keine
andere sprache als die Syrische. Diese rede ware der Ardelise ihrer so gleich /
dass ich / zu lachen anhebend / in Syrisch zu ihr sagte: O schalkhafte
Prinzessin! vermeint ihr euch also mir zu bergen? Wie! (erwiderte sie ganz
ernstlich) nennet ihr mich eine Prinzessin? Man ich diese wäre / dorfte ich
nicht also / wie ich tue / mein brod verdienen. Pflegen dann / in eurem lande /
die Prinzessinnen solche arbeit zu tun? die Prinzessinnen bei uns / (antwortete
ich ihr) sehen eben also aus /wie hier die schäferinnen / und hat die schöne
Ardelise / mit der kleidung / ihr königliches wesen nicht ablegen können. Wer
ist diese Ardelise? fragte sie. Eben die jenige (antwortete ich / und lachte)
die darum fraget. Ihr irret euch / fromdling! (gabe sie zur antwort) mein name
ist Baalise / und mein stand nicht anders /als wie ihr ihn sehet. Ich sehe
nichtes anders / (widerredte ich) als lauter konigliches wesen / und gibet mir
dieser angenommene name Baalise den süssen trost /dass Baalis bei euch noch nicht
vergessen sei.
    Indem ich hierauf eine antwort von ihr erwartete /kame die andere / welche
der Amorite gliche / auch dazu / und fragte mich / ob ich müd wåre? Als ich
solches mit nein beantwortet / name sie ihrer gespielin den drischel aus der
hand / und sagte: es sei billig /dass sie auch etwas ausruhete. Wie sie nun / an
ihrer statt / neben mir fort drasche / machte ich es eben also mit ihr / als wie
mit der vorigen / und redte sie auf Celtisch an / zu ihr sagend: Ich habe von
dem Prinzen Suevus einen grus an seine tochter. So wenig diese worte sie bewegt
hatten / so deutlich zeigte sie an /dass sie hiervon nichtes verstünde / und
horte sie sich verschiedene male von mir Amorite nennen / sonder dass sie sich
nur nach mir ümgesehen hätte. Dieses bewoge mich / in Syrisch zu ihr zu sagen:
was beweget euch und die Ardelise doch immermehr / euch solcher gestalt für
eurem båsten freunde zu bergen? Sie sah mich hierauf verwundert an / sonder zu
antworten; und indem ich eine weile auf ihre erklärung wartete /verharrete sie
in ihrem stillschweigen / und fuhre in ihrer arbeit fort / ohne ferner auf mich
acht zu geben. Bald wurde sie / von einer andern dirne mit namen /und zwar
Aprite / geruffen: wodurch ich noch mehr gestårket wurde / sie für die Amorite
zu achten / in Meinung / dass sie / in gedåchtnis ihres liebsten Apries / diesen
namen würde angenommen haben. Ich ersonne demnach diese list / ob ich sie / sich
zu entdecken /bewegen mochte / und sagte zu ihr: die Götter haben den Prinzen
Apries / eben so als euch / das leben erhalten / und ist er in der nähe / üm von
seiner Amorite kundschaft einzuziehen. Gehen dann mich diese worte an? (fragte
sie hierauf / ganz kaltsinnig / sonder sich im geringsten zu bewegen) oder redet
ihr diese unverständliche dinge mit euch selber? Wie ich dann dergleichen
personen kenne / die ihnen selber also pflegen gesellschaft zu leisten. Nein /
Amorite! (antwortete ich) sie gehen euch an. Amorite! fragte sie ganz
verwundert) was wolt ihr damit sagen?
    Indem ich hierauf antworten wollte / hörte ich hart hinter mir ein geschrei /
und als ich mich ümgesehen /erblickete ich die Baalise / die mit beiden händen
ihre blutige stirn hielte: dann ich hatte ihr / mit dem drischel eine wunde
geschlagen / indem sie mir zu nahe gekommen / und sich / indem ich den schlägel
gehoben / nicht furgesehen hatte. Man kann erachten / wie mir dieses zu herzen
gegangen. Ich ward / indeme ich meine entschüldigung bei ihr verrichtete / von
den andern knechten und mågden wohl ausgelachet / dass ich /als ein unerfahrner in
dieses handwerk mich einmischend / an statt diesen beiden schonen zu dienen / der
einen soviel schadens zugefuget håtte. Weil die wunde häftig blutete / als wurde
sie von ihrer gespielin in der Almesia haus geführet. Ich wusste fast nicht /für
unwillen / was ich tun sollte / und war ungehalten auf mich selber; bliebe auch
/ selbigen ganzen tag /voll unruhe und in meiner herberge / und schikte ohn
unterlas hin / um zu fragen / wie es ihr erginge; Man brachte mir ganz
wunderliche und ungereimte antworten / und als ich es zuviel machte / wurden
meine diener endlich gar abgewiesen: daher ich auch des trostes beraubt bliebe /
etwas von der jenigen zu hören / die ich nun nicht mehr sehen dorfte.
    Weil das kriegsheer / so ich aus Meden zurück brachete / sich nåherte / war
ich gehalten / bei selbigem mich wieder einzufinden. Also musste ich Amida
verlassen / unwissend / ob ich die Ardelise oder nicht gefunden håtte. Ich
schickete der Almesia / als der frauen dieser schonen dienstmägde / ein
ansehliches stuck geldes / üm dafür die Baalise heilen zu lassen. Es hatte nun
niemand in Amida erfahren / wer ich gewesen: Weil ich unbekant in der stadt mich
aufgehalten /um alles verdriesliche gepränge zu verhüten / so man mit mir würde
angestellt haben. Ich habe nicht das vermögen meine unruhe E. Maj. fürzubilden /
die ich in mir / auf der hinreise / bis in Basan / gefület. Solche war nun
ungleich grösser / als zuvor / da ich die Ardelise fur todt beweinet: dann ich
musste nun zwischen furcht und hofnung stehen / was ich von ihr mir einbilden
sollte. Eines teils hielte ich es für unmüglich / dass zwo personen zweien andern
so ganz ånlich und gleich sein könten / sonder die jenigen zu sein /denen sie
glichen. Anders teils aber musste ich daran zweifelen / wan ich nicht allein
dieser beider dienstmäge zustand betrachtete / sondern auch an ihre reden
gedachte / die sie gar zu unschüldig furgebracht / und ich daraus nicht
schliessen kunte / dass sie mich betriegen wollen.
    Als ich nach Basan kame / fand ich den Marsius in eben der traurigkeit /
darin ich ihn / vor meinen hinzug in Meden / verlassen hatte. Sein einiges
dichten und reden / handelte von seiner unglückseeligen hoffnunglosen liebe /
und mussten Daces und ich / den hof zu Basan auf ein jahr zu verlassen / uns
darüm verpflichten / damit die nötige vergessenheit der Aramena bei diesem König
sich desto eher einfinden möchte. Weil man uns / in das königreich Ammon zu
gehen / fürgeschlagen / vermutete iederman / dass wir solchen weg vor uns nemen
würden. Aber auf mein zureden / liesse ihm der Prinz Daces gefallen / mit mir
hieher in Mesopotamien zu gehen. Ich erzehlte ihm meine begebenheit mit der
vermeinten Ardelise / erwekte damit seinen vorwitz / dass er auch seine vermeinte
base / die Amorite / unter der Aprite namen /zu sehen und zu betrachten
verlangte. Wie wir nun /unfern von Amida / in dies vor uns ligende holz gekommen
/ welches damals noch nicht so schatticht als iezt ware / wollte uns so fort das
gluck so wohl / dass wir die Baalise und Aprite antraffen: welche gefälltes holz
auf einen wagen luden / das zu den schaffhürden sollte gebrauchet werden. Wir
stellten uns hinter etliche dicke stämme / da wir ungesehen alles in acht nehmen
kunten: und fand der Prinz Daces eine solche gleichheit zwischen der Aprite und
der Amorite /dass er kaum sich halten kunte / nicht gleich öffentlich heraus zu
brechen.
    Wie? (sagte er heimlich zu mir) ist wohl der geringste zweifel hierbei zu
hegen / dass diese schone nicht die Amorite sei? sollte ein solcher bei mir sich
regen /so musste er daher kommen / dass ich diese / so sich Aprite nennet /
schöner als meine base befinde. Und ich (antwortete ich) ersehe die so-genannte
Baalise keines wegs schoner / als die Ardelise / wurde auch diese nicht lieben
konnen / wan ich bei ihr einen furzug sehen sollte. Wie / Baalis! (antwortete mir
Daces) wolltest du dann wohl diese lieben / wan sie schon nicht Ardelise wäre? Ich
seufzete zu dieser frage / weil ich nicht eigentlich wusste / was ich für eine
erklärung hierüber von mir geben sollte: wiewol ich mich fåhiger fuhlte / dieses
mit ja / als mit nein /zu beantworten. Wie wir nun also in betrachtung dieser
beiden schonen verharreten / wurden wir gewar /dass die knechte mit den beladenen
wägen fortfuhren /die Baalise und Aprite alleine hinterlassend / welche das
übrige gefållte holz inzwischen sollten zu haufen samlen / bis die wågen wurden
wieder kommen.
    Dieser gewünschten gelegenheit uns zu bedienen /wischeten wir / als die
knechte weit genug hinweg waren / hinter unsern bäumen herfür / und eilete Daces
zu der vermeinten Amorite / ich aber begabe mich zu der Ardelise ebenbild: und
beschwerten wir uns beiderseits uber sie / dass sie uns nicht also / wie wir sie
/ erkennen wollten. Sie blieben beide bestürzt und sehr befromdet / sowol uber
unsere schleunige ankunft / als auch / unser freies reden zu vernemen. Es wollte
aber Aprite so wenig von dem Daces / als Baalise von dem Baalis / wissen: daher
wir endlich glauben mussten / wir såhen die jenigen nicht / die wir vor uns
sahen. Seit ihr dann nicht Ardelise und Amorite? fragten wir sie von neuem.
Worauf Aprite / für sich und ihre gespielin / uns also antwortete: Es muss
zwischen uns beiden / und denen die ihr benennet /eine grosse gleichheit sein:
weil nicht ihr allein euch so betrieget / sonderen auch vordessen dergleichen
uns begegnet ist / dass ein frömder uns / für diese unbekanten / hat
angesprochen. Der bin ich gewesen /(antwortete ich) und habe ich noch hohe
ursach / es zu entschuldigen / was ich damals der schönen Baalise für schmerzen
verursachet. Seit ihr der jenige / (sagte hierzu Baalise / und sah mir genau in
die augen) der mit uns zu Amida das korn gedroschen? Ach! wie ist es muglich /
(antwortete ich / auf meinen alten wahn wieder gerahtend) dass ihr mich nicht
mehr kennen soltet? ich habe nicht allein zu Amida / sondern auch zu Hemath /
euch vielfältig gesehen / und eurer gnade genossen.
    Wie? Meiner gnade? (antwortete Baalise / und lachete) diese kann ich allein
meinen schafen erweisen /und glaube ich furwar / dass dieser mensche rase. Dieses
lezte sagte sie zu Aprite / die dann auch also dem Daces antwortete / welcher es
ihm nicht wollte ausreden lassen / dass sie Amorite wåre. Also stritten wir viere
miteinander / allerseits unwissend / ob wir allerseits in scherz oder im ernst
redten. Der Almesia knechte und andere mågde / kamen mitlerweiln mit den ledigen
wågen zu rucke / und als sie uns beide fromdlinge erblickt / fragten sie die
Aprite / wer wir wåren / und ob sie uns kenneten? Worauf diese mit nein
antwortete / und neben der Baalise / sonder ferner an uns sich zu kehren / das
holz aufladen halfe /und damit nach dem orte fortginge / da die Almesia ihre
hürden wollte aufbauen lassen.
    Als wir wieder zu unsern leuten gekommen / die wir mit den pferden unten im
tal warten lassen /kehrten wir folgends bei einen hirten ein / der uns nach
gelegenheit all gütlich täte / und von vielen sachen / wornach wir fragten /
uns guten bescheid erteilte. Dieser erzehlte uns / dass Baalise und Aprite / zwo
frömdlinge / bei ihnen wären / und wusste viel von ihren abenteuren zu sagen: das
zwar zu dieser meiner erzehlung nicht gehoret / uns aber so viel zu erkennen
gabe / dass wir in unserer einbildung gestårket wurden / dass sie Ardelise und
Amorite sein mussten / wan sie es gleich nicht gestehen wollten. Wie dieses mich
gekränket / kann ich nicht gnug beschreiben: da ich fürdeme mit der Prinzessin
von Hemath so vertreulich gelebet / und nun eine so frömde kaltsinnigkeit an ihr
sehen musste / die ich auf keinerlei weise zu ergrunden wusste / und solches bei
mir bald beståtigte / bald widersprache.
    Gleichwie nun ich hiermit meine zeit in nicht geringer qval hinbrachte /
also ergienge es auch dem Daces / wegen der schönen Aprite / nicht bässer: wiewol
mit diesem unterschied / dass in ihm eine neue glut angeglommen / in mir aber nur
die alte sich wieder erneuret. Wir liebten nun / kurz zu sagen / alle beide:
doch golte es dem Daces endlich gleich viel / ob die jenige / so ihm sein herz
abgewonnen / Aprite oder Amorite heissen mochte. Mich aber nagete es / wan ich
zuweilen mir furstellte / dass Baalise nicht die Ardelise sein mochte. Unser
wirt / der sich Atamias nennte / führete uns nun aller wegen mit aus / wo sich
eine schäfergesellschaft beisammen befunde: da wir dann / nicht allein in wenig
tagen fast alle hirten in dieser gegend kennen lernten / sondern auch
verschiedenlich unsere beide schönheiten dabei zu sehen bekamen: wiewol sie
nicht unter die fürnemste gezehlet wurden / sondern sich zu den knechten und
mågden halten mussten.
    Weil uns nun nicht aus dem sin zu bringen war /dass diese die Ardelise und
Amorite seien / als gabe uns die liebe in den sin / gleich ihnen / den
knechtstand zu erwählen / und zwar zu ihrer frauen / der Almesia / uns zu
verdingen: weil wir also / tåglich mit ihnen ümzugehen die gelegenheit haben /
und also endlich auf die warheit wurden kommen konnen. Gegen den früling /
geschihet allemal diese erlassung der alten / und eintretung der neuen knechte:
daher wir / weil eben die zeit da ware / uns bei der verweserin Almesia
anmeldeten / und unter den namen Elisa und Javan ihr unsere dienste anboten.
Weil wir zimlich gros und stark von gliedern / name uns Almesia willigst für
andern in ihren dienst / und erlangten wir dadurch das Glück / täglich / ja
stundlich / um unsere liebsten zu sein: die auch gute gesellschaft mit uns
hielten / und erwiese sich sonderlich Baalise erfreuet /dass wir für andern waren
ihre mitknechte worden.
    Eines tags / wie wir beisammen waren / die horden zu binden / sagte ich zu
dieser: Wie lang soll es dann noch währen / bis ihr euch bequemen wollet /
wiederum Ardelise zu werden? Ich weiss ja / dass ihr diese seit / und kennet ihr
mich so wohl / als ich euch kenne: wozu soll dann immermehr dieses verstellen
dienen? Wann es euch also gefället / Javan! (antwortete sie mir) so will ich mich
wohl Ardelise nennen. Dass ich aber fur eine andere mich ausgeben sollte / darein
kann ich / sonder euch zu betriegen nicht willigen. Die unschuldige weise / mit
der sie diese worte fürbrachte /machte mich ganz irre / und sagte ich hierauf:
wie ist es den immer möglich / dass der erdboden zwei schönen von solcher
gleichheit hat können herfürbringen? Diese Ardelise / (redete sie mir ein) muss
eine liebe person gewesen sein / weil ihr alståts ihren namen im munde führet.
Ja / schöne Baalise! (antwortete ich ihr /) diesem ist freilich also / und lasse
ich euch daraus urteilen / wie lieb mir Ardelise musse gewesen sein /weil ich
euch / als ihr ebenbild / ja so häftig / als sie selber / liebe / und
dieserwegen den hirtenstand angenomen habe / um euch solches zu entdecken / und
um euch leben zu können. Baalise name diese meine liebs-entdeckung geneigter auf
/ als ich gehoffet / und gabe mir zur antwort:
    Wen euch Ardelise so lieb gewesen / so kann ich nicht wohl glauben / dass ihr
eine andere zu lieben tüchtig seit. Wan ihr auch nicht (widerredete ich) der
Ardelise so sehr gleichet / ja solche selber wäret / so würde ich euch auch
nicht lieben konnen. Wie wan aber (sagte sie) diese gestalt und gleichheit an
mir sich verlore? Ihr mustet (antwortete ich) eure augen /ja euer ganzes gesicht
/ neben eurer sprache und gemüte verlieren / wan ihr die andere Ardelise zu sein
aufhören woltet. So liebt ihr mich dann (fragte sie) als Ardelise? Ich liebe
euch / (antwortete ich ihr) wie ich euch sehe / und wünsche von herzen / dass
euch der himmel wolle zur warhaften Ardelise machen. Als Ardelise / (antwortete
sie mir ganz freundlich) neme ich dann eure liebe an / mit welcher aber Baalise
nichtes soll zu tun haben / bis diese verwandelung / die ihr wünschet /
geschehen moge. Hierauf gönnte sie / dass ich ihre hand küssete / und ward diese
unsere vergnugung durch die Aprite verstöret / die ihre gespielin beim arm
erwischt / und mit ihr davon eilte.
    Ich erzehlte meinem gesellen / dem Elisa / mein gutes glücke: der dann
begunte auf mich eiversichtig zu werden / dass ich mehr muht als er blicken lassen
/ und bereits in meiner liebe so weit gekommen wer. Er wollte deshalben nicht
ferner warten / sondern bediente sich der ersten gelegenheit / der Aprite seine
liebe zu entdecken. Er wurde aber nicht so gütig / wie ich /entfangen. Und ob er
gleich in hofnung / dass der baum von mehrern streichen fallen würde / täglich
fortführe / üm ihre gute gunst sich zu bewerben / so richtete er doch ganz
nichtes bei ihr aus: also dass er lezlich seine zuflucht zu mir und der Baalise
nemen /und uns ansprechen musste / ihm in seiner liebe beförderlich zu sein.
Baalise war so gütig / dass sie ihm alle gute dienste bei ihrer gespielin
verhiesse. Er gewonne auch überdas noch eine schåferin / die in unserm haus
diente / nåmlich die Rodine: die dann / fur ihn / der Aprite ståts in den ohren
lage / und sie / den Elisa zu lieben / bereden wollte. Ich kann wohl sagen /dass ich
niemals einen håftigern liebhaber / als eben diesen Daces / gesehen habe: und
änderte die schönheit der Aprite so gar seine natur / dass er nun ja so
entfindlich und bestandmutig worden / als kaltsinnig er vordessen in seinem
verlieben gewesen.
    Wan ihme / gleichwie auch mir / zu zeiten einfiele /dass wir nicht die
Prinzessinnen Ardelise und Amorite / sondern zwei schlechte dienstmägde /
liebten / so entsahn wir uns wohl ein wenig: doch richtete ihre schonheit unsere
liebe gleich wieder empor / und dachten wir an nichts weiter / als sie zu lieben
/ den zweck und das ende / so unsere liebe haben sollte / uns aus den gedanken
schlagend. Wir horeten hiebei nicht auf / sie öfters auf die probe zu stellen /
ob wir aus ihnen bringen möchten / dass sie die beide Prinzessinnen wåren.
Einsmals redten wir miteinander ab / in ihrer gegenwart / uber dem essen
Celtisch zu reden: da mir Elisa erzählen sollte / wie er gewisse zeiturg aus Basan
bekommen / dass der Prinz Suevus / für betrübnüs uber den verlust seiner tochter
gestorhen; und aus Hemath / dass der Prinz Apries nicht todt / sondern an seiner
statt einer von des Konigs unrechten söhnen /der ihm gleiche / wäre gerichtet
worden. Wiewol wir nun dieses meisterlich ins werk stellten / kunten wir doch an
beiden nicht die geringste bewegung warnemen: massen sie inzwischen mit der
Rodine ihren scherz trieben / und so freien gemuts blieben / dass wir endlich
aufhoren mussten / sie in den verdacht dieser verstellung zu halten.
    Demnach liebten wir sie nun / als Aprite und Baalise / und war ich der
vergnügteste liebhaber von der welt / Elisa aber der häftigste. Auf solche weise
verbrachten wir seiter unser hirten-leben: bis endlich der himmel ermudet /
mich in so volkommener glückseeligkeit zu sehen / und dem Elisa ferners nicht
gonnen wollen / bei seiner Aprite zu sein: massen diese beide / fur etlichen
tagen / unversehens verloren worden / und hinweg gekommen / dass wir die
geringste nachricht nicht erlangen können / wo sie mögen geblieben sein. Es hat
zwar des hiesigen Oberpriesters sohn die Aprite auch geliebt / und kunte man
von ihme wohl vermuten / dass er sie samt ihrer gespielin nach Ur entfüren lassen:
es ist ihm aber solches nicht zu zutrauen / weil Atamias / unser aller wirt
/uns gewiss versichert / dass Chersis zu seiner ersten liebsten / die er vor dem
allhier bedienet / und die sich Amphilite nennet / wiederkehren werde. Der Fürst
von Haram / der Nahor / liebt auch die Aprite / und möchte von ihrer und der
Baalise entfürung etwas wissen: Wir haben ihn aber / nach ihrem verlust / ja so
verzweifelt und betrübt / als wir selber sind / angetroffen. Wir kamen gestrigen
abends gar spat von unsrem nachsuchen wieder / das wir den ganzen tag getrieben
/ und wissen nicht zu sagen / ob ein wildes tier sie zu rissen / ob sie etwan in
dem strome Masca zu unglucke gekommen / oder ob sie entfuret worden. Es urteile
nun der König Tuscus Sicanus / der selbst wohl erfahren in der liebe ist / ob
dieses unser zugestossenes ungluck nicht eines von den grosten und
schmerzhaftesten sei / so uns widerfahren mögen /und ob wir nicht befuget /
unsren unstern anzuklagen / der dieses leiden über uns ergehen lässet?
                                     * * *
    Der Prinz Baalis endete hiemit seine erzehlung /die der verliebte Daces oder
Elisa mit tausend seufzeren begleitet. Der König der Aborigener befände dieser
beiden ihre liebe frömd und sonderbar / kunte auch nicht in abrede sein / dass
sie befuget wären /uber dieses ungemeine ungluck sich billig zu betrüben und zu
beklagen. Ach Prinz Baalis! (sagte er unter andern zu diesem häftigen liebhaber)
wan ich die gelegenheit hätte / also wie ihr zu lieben / oder wissen konnte / dass
meine abtrünnige an ihrem ietzigen ehgemal mein ebenbild / wie ihr der Ardelise
ihres an der Baalise liebte / so wollte ich mich noch endlich zu frieden geben.
Nun aber darf ich nicht hoffen / dass der himmel zweimal einerlei wunderwerk
schaffen werde; und weiss auch wohl / dass zwischen diesem glückseeligen und mir
gar keine gleichheit sich findet / durch den ich nun aus einen sonst so sehr
getreuen herzen bin vetrieben worden. Ach Baalis! ach Daces! euer beider verlust
ist zwar gros / doch kommet er in keinen vergleich mit dem meinigen. Ihr könnet
noch hoffen: ich aber nicht. Und verlieret ihr endlich die Baalise und Aprite /
so raubet euch der himmel zwei personen / die ihr doch wegen ihrer geringen
geburt nicht ehlichen wurdet: da mein verlust hingegen viel hoher zu achten ist.
    Ich stehe nun fast bei mir an / (antwortete der betrübte Daces /) ferner E.
Maj. zu zureden / dass sie von ihrem unendlichen gram ablassen sollen / wie ich
vordessen in Syrien und Basan getan habe: Weil der himmel mich nun selber
schmecken lässet / wie kråftig die liebe sei. Ich erkenne also nunmehr des
Konigs der Aborigener anligen / kann aber dabei nicht in abrede sein / dass mich
dunket / mein leiden und ungluck sei viel grosser: weil ich / in meiner liebe /
nicht die geringste gegenliebe iemals genossen / und also mit nichtes mich
trosten kann. Ach saurer trost! (sagte der König der Aborigener) mich kränket
eben nichts mehr / als dieses / wan ich zuruck denke / was ich ehmals fur
vergnugte zeit gehabt / und wie ich derselbigen nun immerdar muss beraubet leben:
und sollte warlich mein leiden so gross nicht sein / wan ich nicht soviel gutes
verloren hätte.
    In solchen gespråche kamen sie fur des Demas behausung / da einer von des
Tuscus Sicanus bedienten stunde / und ihme anmeldete / wiedass gedachter Demas
verreiset / und also nicht einheimisch wåre /weswegen er das an ihn haltende
schreiben nicht hätte von sich gegeben. Dieses bekräftigte des Demas frau /die
Aneriste / wie auch die Sataspe / die dem König /den sie nicht anders / als
einen freund des Demas /kennten / und wegen seiner tochter fur einen schäffer
hielten / ihr haus zu beziehen anboten: welches er /der söhnen Jared nante /
willigst anname / und etliche kammeren des hinter gebåudes sich anweisen liesse
/da er so lang mit seinen leuten bleiben wollte / bis der Demas wurde wieder zu
haus gekommen sein. Die zween betrubte hirten der Almesia / liessen ihn nun
daselbst / üm so wohl fernere kundschaft wegen ihrer verlornen einzuziehen / als
ihre feldgeschäfte abzuwarten. Sie verhiessen aber dem frömden Jared / dass sie
gegen den nachmittag wieder kommen / und ihn auf die grosse wiese vor Samosata
führen wollten /allwo täglich die ganze königliche gesellschaft / zu gewisser
stunde / aus Samosata / Edessa und Amida zusammen zu kommen / und sich mit
einander zu ergetzen / pflegte / da er dann auch seine betrübte augenweide wurde
haben konnen. Wie nun Javan und Elisa sich unter die andern hirten im feld
begeben / fragten sie bei allen ankommenden um die Aprite und Baalise /
erlangten aber eben dergleichen antwort / als sie hierüber von sich gaben / wan
sie von anderen befraget werden / dass sie nämlich von nichtes wüsten.
    Elihu und Betuel kamen indem auch des wegs von Edessa her: vor denen die
beide knechte der Almesia sich nicht wollten sehen lassen / sondern so fort
feld-ein gingen. Diese blieben auch bei den andern hirten stehen / üm nach dem
verlust dieser beiden schäferinnen / von dem sie doch bässer als iederman zu
berichten wussten / wie auch nach dem Fürsten Nahor zu fragen: von welchem
letzern / dessen zurück gelassenen knaben berichteten / dass er diese nacht
verreiset wåre. Zweifelsohn (sagte Elihu heimlich zu den Betuel /) wird dein
bruder die Aprite zu Ur suchen / und vermeinen / der Chersis sei an ihrer
entfürung schuldig. Mich jammert in warheit die qual / (antwortete Betuel /
indem sie beide von der gesellschaft furter gingen) die ich dem guten Nahor
verursachen mussen / und kann ich / als in der liebe erfahren / leichtlich abnemen
/ wie ihme bei diesem verlust zu mut sein müsse. Doch stunde es nicht zu åndern /
da Nahor seiner so gar vergessen / und die ehre des Syrischen hauses es also
erforderte. Du hast mir gesagt / (versezte Elihu) dass diese dienstmagd / neben
einer ungemeinen tugend / auch eine fürtrefliche schönheit besitze. Deme ist
also / (gabe Betuel zur antwort /) massen von dem ersten ihre verubte taten
zeugen / und habe ich das lezte mit verwunderung an ihr gesehen.
    Weist du / mein Betuel! was ich hiebei gedenke? sagte Elihu / dazu lachend.
Sonder zweifel dieses /(antwortete er /) dass du woltest / Aprite håtte mir so
wohl gefallen / dass du allein die drei schönheiten von Sarug lieben mochtest.
Nicht viel gefehlet / mein Betuel! (versezte der Furst von Ram) und kenne ich
dich zwar eben also gesinnet / massen du vielleicht woltest / dass ich dich iezt
nicht / auf diesem weg nach Sarug / begleitete. Gedenkest dann du dahin zu gehen?
fragte Betuel. Lass du mich also fragen / (antwortete der andre) weil dieser weg
/ den du gehest / sonst nirgend hin gelten kann. Wan du (sagte der Furst von
Haran) nach Samosata / unsere schone Konigin zu sehen / hin gedenkest / so must
du dich weit zur rechten hand wenden. Die Konigin von Ninive (antwortete Elihu
in gleichmässigem scherze) soll / wie man mich berichtet / zu Amida bei der Roma
sein: darüm wirst du müssen ümkehren / wan du ihr aufwarten wilst. Ich habe
(wiederholete Betuel /) von dieser schonen / die bereits verheiratet ist /
nichtes zu hoffen. Aber das ausbleiben des Tuscus Sicanus / kann bei dir noch wohl
das alte liebes-feur wieder aufglimmen machen. Man saget / (versezte Elihu) was
man zum dritten male beginne / das gerahte am bästen. Ich habe zweimal
vergeblich geliebt / als das erste mal deine schöne schwester die Rahel /
nachgehends die unvergleichliche Aramena / und nun .....
    Die drei schönheiten von Sarug zugleich / wilst du sagen: (fiele Betuel ihm
in das wort) und vermeinest du / deinen schaden reichlich zu ersetzen / an statt
der beiden ersten / die dir nicht geworden / dreie mit einander zu erlangen.
Sage mir / Betuel! (fragte Elihu) welche von diesen dreien schönen liebest du
am meisten? damit ich mich / in meiner wahl / darnach richten möge. Eben dieses
verlange ich von dir zu wissen / (antwortete Betuel) und gebüret billig dem
Fursten von Ram der furzug / nach seinem gutbedünken zu wählen. Wan ich nun
(sagte dieser hinwieder) die jenige nåme / die dir zum båsten gefiele / woltest
du mich sodan ungehintert lieben lassen? Unsrem streit ein ende zu machen /
(gabe Betuel zur antwort) so wehle du fur mich / ich will für dich wählen / und
wollen wir gehalten sein / ieder beståndig und allein an die jenige von den
dreien sich zu halten / die ihm uns also wird zukommen. Wie ginge es dann mit der
dritten / (fragte Elihu) welche alsdan allein ubrig bliebe? Dieselbe wollen wir
(wiederholete Betuel) mit einander lieben. Hieraus wurde (antwortete Elihu) von
neuem unter uns eine eiversucht entstehen. Die aber der Prinz von Chaldea (sagte
Betuel) leichtlich wird aufheben konnen / wan er es also wie wir machet /und
ihm eine von diesen dreien erkieset. Wie wan aber der / (wandte Elihu ein) die
schönste für sich hinweg näme? Wan du dieselbe kennest (sagte Betuel) so wehle
sie für dich / ehe der Prinz Sinear wiederkommet.
    Deinem ausspruch zu folge / (sagte Elihu) will ich dir die wahl für mich
überlassen / und bin zu frieden /dass du die håsslichste für mich erkiesest: ich
hingegen will mich bemühen / die schönste fur dich auszusuchen. Ach Elihu! (sagte
Betuel) tue diesen schonheiten nicht ein solches unrecht an / eine unter ihnen
fur schöner / als die andern / oder auch fur håsslicher zu erkennen. Ihre
gleichheit ist so gross / dass sie einen solchen unterscheid nicht erleiden kann.
Weil wir dann das wissen / (antwortete Elihu) so wollen wir unser bisher gefuhrte
lebens-art verändern / und uns lassen gleich viel sein / welche wir von diesen
dreien zu unserer gegenliebe bereden können. Ich bin dessen zu frieden /
(erklärte sich Betuel /) und uberlasse dir hiemit die beide erste: die lezte /
von der ich dieses armband trage / für mich ausbedingend. Was! diese holdseelige
/ (sagte Elihu /) die nicht dir allein / sondern auch mir / ihre erkentlichkeit
in der tat hat geniessen lassen? Wolan? (wiederholete Betuel) so fern dir diese
am basten gefället / so wehle ich fur mich die zweite. Du weist aber / Betuel!
(antworte Elihu /) dass ich für dich muss wählen. Es sei also! (sagte Betuel) so
gib mir dann eine!
    Elihu bliebe hierauf lang sonder antwort / endlich hube er in sich selbst an
zu lachen / und sagte: Ich hab allemal die liebe für eine torheit gehalten / und
werde es nun an mir selber mit schaden innen / dass sie toll mache. Ich finde
mich zu schwach / liebster Betuel! für dich und mich zu wählen. Diss wollen wir
aber tun / wan wir nach Sarug kommen / dahin / wie ich sehe / du / so wohl als
ich / gedenkest: Es soll die jenige / von den dreien dir allein zu lieben frei
stehen / die uns zu erst in der haustür begegnen wird: und will ich dir
angeloben / von derselben mich ganz abzuwenden. Hingegen versprich du mir wieder
/ an die übrige zwei dich auch nicht mehr zu kehren. Auf solche weise
(antwortete Betuel) bekämest du zweie /und ich nur eine. Wilst du dann mehr als
eine; fragte Elihu. Wie nun Betuel diese frage mit nein beantwortet / sagte
Elihu ferner zu ihm: Ich gelobe dir zu /dass ich auch / von den ubrigen beiden /
allein die jenige bedienen will / die unter ihnen zu erst mit mir wird zu reden
anheben; und will ich alsdan / wegen der dritten / weder dich noch Prinzen Sinear
/ beeiferen. Wan aber keine von den beiden mit dir reden wollte / (fuhre Betuel
scherzweis fort /) so wurde ja dein gelübte aufgehoben sein? Vielmehr alsdan
/(antwortete Elihu /) wan ihrer keine uns würde in der haustür entgegen kommen.
Fürwar / (sagte Betuel) wan iemand diese unsere unterredung anhoren sollte /man
würde ein wunderliches urteil von uns fällen. Weil unser wesen anzeiget /
(antwortete Elihu) dass wir recht verliebet sind / so gibet sich der schluss von
selber / dass wir nicht recht bei sinnen sein können.
    Unter solchem gespräche / kamen sie an die stadt Sarug / die nur ein
feldwegs von Amida und nahe bei Edessa gelegen ist. Wie sie in das stadtor
eintraten /begegnete ihnen die angeneme schåferin Melidia /nebst ihrem bruder /
dem Ausicles / und dessen frauen / der Eidania: die voll betrübnis diese beide
Fürsten grusseten / und dieselbige in ihrem herzen / wegen dessen / so sie wussten
/ beklagten. Weiln Elihu und Betuel an diesen hirten und schäferinnen schon
gewohnet waren / dass sie / nach dem schmerzlichen todesfall der tugendhaften
Suriane / ihrer schwester /immer traurig aussahen / als gaben sie nit acht auf
diese ihre gebärden. Elihu fragte den hirten Ausicles: warüm er und seine schöne
gesellschaft so bald ümkehrten / und nicht långer in Sarug verharreten; Es tut
mir leid / (antwortete dieser schäfer) dass ich /hierüm befraget / die betrübte
post bringen muss / dass in Sarug nicht mehr diejenige vorhanden sind / die bisher
die gröste zierde unsrem Mesopotamien gegeben haben: und verdoppelt dieses
unsren unmut / dass wir / mitten in friedenszeiten / eine solche gewalt erleiden
und erleben mussen. Elihu und Betuel blieben gleich den mauren unbeweglich
stehen / aus bestürzung uber dieser frömden mähre: und als sie darauf /in den
augen der drei schäferinnen / die tränen ersahn / fehlte es nicht viel / dass
sie auf der stelle für unmut vergangen wären.
    Weil nun jene wohl erkannten / dass es båsser sein würde / diesen beiden
verliebten alles frei heraus zu sagen / als sie lang in ungewisser qval
aufzuhalten /finge Melidia an / den Elihu und Betuel also anzureden: Wie wir
heut / unserer gewonheit nach / die so-genanten drei schönheiten von Sarug zu
besuchen gingen / und sie nach unserer Königin / welche sie zu sehen hoch
verlangte / begleiten wollten / fanden wir nicht allein ihren meierhof / den sie
bisher bewohnet /ganz wüst und leer / sondern es sagten uns auch die
ümherwohnende / dass / bereits vor etlichen tagen / in der nacht / einige
vermumete leute mit pferden und wägens in diesen hof eingefallen / und sie samt
allen ihren leuten mit sich hinweg geführet hätten. Wir konnen nicht sagen / wie
uns dieses zu herzen gehe: und ist meinen Fürsten wohl wissend / wie Eidanie und
ich von diesen königlichen schåferinnen sind geliebt worden. Ach Melidia!
(rieffe Elihu) ich verdenke euch so wenig eure betrübnis / als ihr mir die
meinige verublen werdet. Euch und dem ganzen Mesopotamien ist bekant / wie ich
diese grosse schönheiten verehret und angebetet / wie ich sie mehr als mein leben
geliebt: und muss ich mich selber anspeien / dass ich diesen raub nicht habe
verwehren können.
    Nachdem er biss gesaget / eilte er in die stadt / und wollte Ausicles / in
dieser bekümmernüs / weder ihn noch den Betuel verlassen: daher er ihnen folgte
/und seine frau und schwester allein nach ihrem dorfe wieder kehren liesse.
Dieses unglück / (gedachte und redte Betuel bei sich selbst) habe ich an meinen
bruder verschuldet / und zeigt mir nun der himmel satsam / dass ich mit dieser
meiner vorsichtigkeit ein unrecht begangen habe / indem ich so fort mit gleicher
straffe heimgesucht werde. Hierüber stiegen ihme / so wohl als dem Elihu /
haufenweis die tränen in den augen. Weil auch allen leuten in Sarug ihre liebe
bekant worden / als ware niemand / der sie sah vorüber gehen / der nicht
herzlich mit ihnen geweinet håtte. Sie gingen / fast aus sich selber / nach dem
meierhof /der bisher ihre drei schöne unbekannte beherberget: und ob sie gleich
nicht wussten / warum sie solches täten / so vermeinten sie doch eine erquickung
in anschauung des ortes zu finden / da sie ihr liebstes so oft besuchet hatten.
Das gerade widerspiel stellte sich aber bei ihnen ein / als sie die ledigen
stellen / und den nun-betrübten garten sonder lust und zierde fanden / nun die
hinweg waren / die einig und allein ihnen bisher allen schein mitgeteilet
hatten. Sie liessen keinen winkel im ganzen hause undurchsuchet / und beschwerten
sich gegen allen leuten / die sie zu trösten kamen / dass man ihnen diesen raub
und ihren verlust nicht eher hätte zu wissen gemacht. Sie bekamen aber zur
antwort / wie sie nicht anders vermeint / als wan sie selber die entfürere
dieser schönen gewesen wåren / weil sie sich solang in Sarug nicht hatten sehen
lassen. Wiewol nun Elihu und Betuel diese rede ubel entfunden / so hätten sie
doch an dieser entfurung sich schuldig wünschen mogen.
    Wie sie nun / nach aller erkundigung / nichtes mehr erfahren konnen / als
was sie / zu ihrem grossen jammer und unglück / bereits mehr als gewiss wussten
/gingen sie / gegen den mittag / in begleitung des Ausicles / aus Sarug wieder
nach ihren wonungen / und waren so voll kummer / dass sie nicht wussten / was sie
beginnen sollten. Wäre ihnen / wie dem Nahor / des Teraphim tempel zu sin
gekommen / sie würden ohnzweifel gleich dahin geeilet haben / sich dessen
ausspruchs zu bedienen. Wiewol dem Elihu / als einem rechtglåubigen / dieses
mittel nicht beifallen konnen: der sich dafür in seinem gemüte mit tausend
gedanken qvälte / und mit denselbigen ganz Mesopotamien /auch alle benachbarte
Konigreiche durchlieffe / üm seine verlorne alda wieder zu finden. Er riete /
neben dem Betuel und Ausicles / auf den Prinzen Sinear von Chaldea / und wurden
sie / nach vielem rahtschlagen / schlüssig / dem Ausicles dieses aufzutragen /
dass er eine reise in das angränzende Chaldea tun / und an Sinears hofe hiernach
ganz genaue erkundigung anstellen sollte. Dieser hirte übername solches treulich
auszurichten / und weil ihnen alle augenblicke jahre dünkten / trieben sie ihn
an / zu dieser seiner reise sofort alles in bereitschaft zu stellen: welches er
auch verhiesse / und darum urlaub von ihnen name / nach seinem dorfe zu gehen.
    Er wurde daselbstin von ihnen begleitet / weil sie nirgend rasten oder
ruhen konten: und fanden sie noch einige vergnügung bei der Eidania und Melidia
/ weil diese beide schåferinnen die meiste kentnis mit ihren unbekanten schönen
gehabt / und bei ihnen in sonderbarer hochachtung gewesen waren. Ob diese beide
verliebte nun gleich nicht speisen wollten / so sezten sie sich doch zur
gesellschaft mit zu tische. Die verweserin Aneriste sandte uber der malzeit zur
Eidanie /und liesse ihr sagen: dass ihre beide tochter / die Briside und Rodope /
gegen den nachmittag zu ihr kommen sollten / wan sie dieselben mit sich auf die
königliche wiesen nemen wollte. Dieser ort / so nahe vor Samosata gelegen / ward
also genennet / weil daselbst die konigliche gesellschaft sich täglich gegen den
abend zu versammlen pflegte. Weil Eidanie der Aneriste nicht wohl etwas versagen
dorfte / als liesse sie ihr zur antwort wissen: wie dass Briside und Rodope ihr
allemal wilkommen sein sollten / und ihre schuldigkeit sei / dieselben nach dem
versamlungs-platze zu begleiten. Es verbliebe aber solches / weil / wie nachmals
die Aneriste sagen liesse / die königliche personen einen fürfall bekommen hatten
/ üm des willen aus ihrer zusammenkunft selbigen tag nichtes wurde.
    Nicht lang hiernach / kam die schäferin Artainte in der Eidanie haus / und
eröffnete ihnen die ursach /warum die königliche versamlung nicht fur sich ginge
/ dass nämlich des Prinzen Jeturs von Hevila gemalin / die schöne Roma /
unpåslich geworden: weswegen alle grosse nach Amida gefahren / üm sie zu
besuchen. Eidanie sah diese hinternis nicht ungerne / weil die ihr gonnete /
bei ihrem manne noch diese kurze zeit vor seiner abreise zu bleiben.
    Der betrubte Elihu verschlosse sich nun ganz allein in des Ausicles kammer /
um von der gesellschaft sich abzusondern / die ihm iezt alle ganz widrig war.
Inzwischen nun Betuel mit der Melidia von seinem unglück redete / und Ausicles
/ gegen der nacht in der kuhle fortzureisen / alle anstalt machte / fand der
Fürst von Ram / nachdem er etliche stunden mit seinen gedanken sich gequålet /
ein lådlein auf dem tische: welches er / weil es nicht verschlossen / eroffnete
/ und darin allerhand kleine und grosse beschriebene täfelein fand. Die lange
weile triebe ihn mehr / als der fürwitz / etliche von denen heraus zu nemen /
und zu lesen. Er fand / dass es reimen von allerhand hånden und von
verschiedenem inhalt waren: welches ihm / als einem grossen freunde der
versekunst / mehr begierde gabe / diese verse zu durchsehen. Er ware noch in
fleissiger durchlesung begriffen / als Betuel /neben ihrem wirte / dem Ausicles
/ dessen frauen und schwester / wie auch der Artainte / zu ihm in die kammer
traten / und ihn also unter diesen ausgestreuten schriften sitzen fanden.
Verüblet mir nicht / mein Ausicles! (sagte Elihu zu diesem hirten) dass ich hier
eure geheimnisse lese: ihr seit selbst schuld daran / dass ihr sie nicht bässer
bewahret.
    Indem der Fürst dieses sagte / erblickte Melidia etliche täfelein / so sie
geschrieben hatte: daher sie /ganz errötet / dieselbe hinweg nemen wollte. Elihu
aber verwehrte ihr solches / und sagte: Gönnet mir /schone Melidia! eure
geheimnisse zu wissen / massen es doch nun schon zu spat sein wird / solche vor
mir zu bergen / da ich bereits verschiedene reimen von eurer hand gelesen habe.
Alles / was mir begegnet /(antwortete Melidia) ist so wenig denkwürdig / dass man
kein geheimnis daraus zu machen / noch davon zu reden ursach hat: und ist meine
verstorbene schwester hieran schuldig / dass diese nichtswerte dinge seind
aufbehalten worden / die mein bruder / nach ihrem tode / unter ihren sachen
gefunden / und nun mit eben so unnützem fleis / gleichwie Suriane getan /
bewahret. Es ist mir nicht allein (sagte Ausicles) alles heilig / was ich in der
liebsten Suriane verlassenschaft gefunden / sondern es sind auch eure reimen
/liebe schwester / ohnedas wohl wurdig / dass die ein bruder aufbehalte. Ich habe
von dieser Suriane (finge Elihu an) sehr viel ruhmwürdiges gehoret / und ist
nicht dieses auf ihren tod gemachet worden? Solches sagend / nam er ein täfelein
herfür / das er folgendes inhalts der gesellschaft furlase.
            An den betrübten Ausicles / und seine geliebte Eidania.
Ach! ist die tugend nun von hinnen?
wie? sterben auch die himmels sinnen?
sind Engel dann unsterblich nicht?
sind Göttinnen nicht frei vom sterben?
volkommenheit nicht vom verderben?
wie dass der tod untödlichs bricht?
hatt nicht in diesem herzen platz /
unsterblich- hoher tugend-schatz?
Ach allergrausamsts herz-verletzen!
darf dann die sens' an dieses setzen
der tygertier-tyrannisch tod /
in dem zwei liebe seelen leben?
wie kann den stoss er einer geben /
dass nicht die ein' auch komm' in noht /
und beide nicht erleget seind /
weil so untrennlich sie vereint?
Wie kann sein auf ihr herz geschossen /
das Ausicles in seins geschlossen /
dass man das äusre nicht durchdringt?
Was schmerzen mus das herze leiden /
das von dem innern sich mus scheiden /
doch furchten mus / wan es zerspringt /
dass auch das erz-herz werd geruhrt /
Eidania zum tod geführt?
Soltst du dann nicht / o tod! verschonen
der helden- und der engel-kronen?
ach! weiche dieser tugend schaar /
vortrefflichkeit lass långer leben /
die Sonnen nicht in tränen schweben?
die herzenherscherin doch spar!
Und wan du doch ja tödten wilt:
erlege mich / für dieses bild!
Ach! lass doch Suriane leben /
die mir so manche freud gegeben:
wirff / ihr leib-eigne mich dahin /
beschwere mich mit grabessteinen /
und lasse lebend sie erscheinen.
Mein lebens kerz mit lust zerrünn /
wann / durch mein glückliches vergehn /
ein Engel könt vom tod erstehn.
Wann ich / Ausicles! deiner seelen
benemen kont das schmerzen-qvålen /
wolt ich an jener stelle sein /
für sie mich in die grube sturzen /
dein leben dir noch suss zu wurzen
mit meinem tod und leichenstein:
damit das herzgeschwister-band
blüht' unzertrent im lebensstand.
Eidanien gehäufte schmerzen /
als qvellen aus Ausicles herzen /
die ich als tugend-göttin ehr' /
ich ebenfalls mit lust verbünde /
wan ich vor diese sterben künde /
von der der leid-ursprung kömt her.
Eidania! verschmähe nicht
mein leben / meiner treue pflicht.
Euch beiden / die kein tod müss trennen /
begunt ich mich schon längst zu nennen
ein unbekannte dienerin:
gar / freundin / wolt ihr mir erlauben.
nun! diesen namen zu beglauben /
gäb ich mit lust mein leben hin:
Weil wahre freundschaft in der noht
sich macht bekant durch treuen tod.
                                                                         Uranie.
    In warheit (sagte Betuel) dieses reimgedicht ist über-wohl gemacht / und
zeigt diese person einen überaus hohen geist an: ich habe aber / meines wissens
/ diese Uranie nie nennen horen. Sie wohnet in Babel: (antwortete Ausicles) und
wiewol ich / gleichwie auch Eidanie / und meine verstorbene schwester /sie
niemals gesehen / so hat sie doch / durch etliche von unsern schriften dazu
bewogen / die sie durch einen meiner freunde zu lesen bekommen / solche
freundschaft zu uns geworfen / dass sie auch der lieben Suriane ihren tod durch
diese trost- und klagschrift beehren wollen: daher ich solche / bei diesen
andern reimen / des aufbewahrens wohl würdig ermessen. Sonst ist Uranie von
fürtrefflichem verstande / wie nicht allein dieses gedicht / sondern auch ihre
andere schriften ausweisen. Sie suchet auch ihre einige ergezlichkeit / in
dergleichen hohen gemuts-übungen: daher sie alle die jenigen liebt / die sich
auch in solchen wissenschaften üben. Sie mag auch wohl dieserwegen nicht ohne
leiden sein / weil die schwere haushaltung / darein sie gerahten / ihr öfters
hinterlich ist /ihre gemüts-belustigungen für die hand zu nemen /und sie zwinget
an dinge zu gedenken / die ihr von natur zuwider sind: daher ihr vieleicht
mancher widerwille bei denen / da sie notwendig mit ümgehen muss /mag zu handen
stossen / das ihr dieses leben all sauer und verdrieslich machet. Ein
klinggedicht / so sie auch auf der Suriane ableiben gestellet / redet noch
ferner von ihrem sterbens-verlangen / und will ich solches auch ablesen / wan es
verlanget wird. Mein Ausicles! überlasset mir solches / (sagte Elihu) und sparet
euch / mir iedes zu erklåren / was ich nicht verstehen werde. Hiemit name Elihu
das tåfelein von dem Ausicles / und lase daraus folgendes.
Ach! warüm trennt der tod biss Reh-geschwister-paar?
ach! konnte doch sein streich ein andres wohl vereinen:
warüm nimt er nit mich / und bringt mich zu der meinen /
die långst im himmel schon / wie ich / durch sehnen / war?
Ach! dass diss paar doch nicht soll leben immerdar /
und eins das andre stäts mit gunst und brunst anscheinen!
Ich aber ruhte sanft dort unter jenen steinen /
in meiner schwester grab / ohn unglück und gefahr.
Ach! warum will der tod den doppel-baum zerreissen?
O! näm er doch vielmehr mich einzels zweiglein hin!
kein unfall-donner darf in solche bäume schmeissen:
da allen unglück ich ganz unterworfen bin.
Tod! mach die teilung recht: was hell und hoch / lass leben;
und dunklen / wolst du ruh in dunkler erde geben.
                                                                         Uranie.
    Es wåre unbillig / (sagte Elihu ferner) dass dieser fürtrefflichen dichterin
ihr wunsch sobald sollte erfullet werden / und ist sie noch eins so lang zu leben
würdig / da sie mit solcher grosmut zu sterben verlanget. Wie begierig ich aber
bin / diese eure noch-lebende freundin / mein Ausicles / zu kennen / so sehr
verlange ich auch / euch von dieser eurer todten freundin reden zu horen: welche
ganz ungemeine tugenden muss besessen haben / weil sie / nicht allein von euch
/ihrem bruder / sondern auch von aller welt / die sie nur gekant / gerühmet
wird. Nicht zu geringen troste dienet mir dieses / (antwortete der betrübte
Ausicles) dass ich noch / bei so manchen tugendhaften / die verstorbene Suriane
lebend finde. Und wan ich hiemit dem Fursten von Ram / wie auch dem Fürsten
Betuel / die betrübte zeit verbringen kann / will ich gerne diesem begehren
gehorsamen.
    Suriane und ich haben / von kindesbeinen an / einander herzlich geliebt /
und so gar einerlei sin gehabt / dass solches auch fast an der äuserlichen
gestalt zu sehen gewesen / indem wir von bildung einander zeimlich glichen:
wiewol Suriane bräunlich war / und schwarze augen hatte. Weil das neidische
Glück wusste / wie fähig ihr edles tugendhaftes gemut war / viel gutes in der
welt zu stiften / wan sie dereins zu einer vorteilhaften heurat gedeien würde /
als legte es /gleich in ihrer zarten jugend / eine hinternüs in den weg / üm zu
verhüten / dass nicht ihre äuserliche schone der innerlichen zierde gleichen
möchte / und fügte es also / dass sie von den sogenanten kinderblattern sehr
verstaltet wurde. Sie betrübte sich zwar nicht darüber / weil sie allem heiraten
entgegen war /und wandte sich desto mehr zu den freien künsten: massen sie in
stätigem lesen guter schriften / und selbst eigener verfassung derselben / ihre
ergetzung suchte / und also ihre junge jahre in grosser vergnügung zurück
brachte.
    Weil sie in meiner gesellschaft ihre einzige ruhe /auch in meinem glucke
alles ihr wolsein entfande / als machte sie sich alles dessen mitteilhaftig /
was mich anginge: daher ich wohl sagen kann / dass sie mehr in mir / als in ihr
selber gelebet. Meine ruhe zu befördern / machte sie diese heurat zwischen der
Eidanie und mir / weil sie dieselbe meinem und auch ihrem sinne gleichförmig
fand. Als ich die Eidanie geheuratet / begunte sie / aus håftiger liebe gegen
mir / mit dieser meiner frauen zu eiferen / welche unter ihnen beiden von mir
zum innigsten geliebt wurde: nicht erkennend den unterschied zwischen der
ehelichen und brüderlichen liebe / weil sie an die erste so wenig gedachte / als
sie solche iemals zu üben verlangte. Es kame deswegen zu manchem unwillen: der
aber nicht hinterte / dass Eidania und sie einander als sich selbst geliebt /
auch Suriane in ihrer liebe gegen mir beståndig fortgefahren.
    Gleichwol mochte dieses bei ihr eine ursach mit gewesen sein / dass sie / wie
der reiche Calcas aus Haran sich bei uns anmeldete / und sie heiraten wollte /
keinen widerwillen / wie ehmals / zum ehestand spüren liesse / sonderen /
ungeacht der schlechten geschiklichkeiten dieses hirten / demselben die ehliche
hand gabe. Sie mochte auch / wie ich mir einbilde / aus liebe gegen mir / zu
dieser heurat geschritten sein /üm mit den mitteln / die sie dadurch erlangte /
meinem schlechten zustand aufzuhelfen / auch mir ruhe zu schaffen: weil sie
vermeint / dass ihre ståte gegenwart mir anfinge verdrieslich zu werden / und
ich es fur eine last halten möchte / nun ich Eidanien hatte /auch ihr noch
ferner meine liebe zu bezeugen. Woferen die himlische Suriane einigen mangel in
ihrem leben gehabt / so ist es diese einbildung gewesen /und dann die gar zu
grosse ehrsucht: die aber / von aller hoffart abgesonderet / ganz tugendhaft und
rümlich ware. Doch erwiese der himmel / dass er solchen an ihr so wenig / als
auch an mir / vertragen können. Dan (meine abenteure allhier zu verschweigen)
die tugendhafte keusche Suriane musste in ihrem ehestand so viel widriges
erfahren / dass auch / wegen des Calcas unordentlichen geilen lebens / sie von
ihm / die erschreckliche krankheit / den aufsatz / bekame. Dieser machte sie
alle gesellschaft fliehen / gleichwie auch alle welt vor ihr flohe: auser
Eidanien und mir / die wir verschiedenlich bei ihr waren / und ihr nach
moglichkeit trost und gedult einsprachen.
    Zwar hatte sie das letzere nicht von nöten / weil sie von dem himmel mit
dieser tugend dermassen versehen war / dass sie darin aller welt zum fürbilde
dienen konnen. Sie konnte so gar nicht dulten / dass man dieserwegen ihrem manne
sollte feind werden / dass sie mich öfters mit tränen bete / ihn üm ihret willen
zu lieben / mich nach ihrem tode seiner an zu nemen /und nimmer gegen ihm zu
anten / dass er sie in diesen elenden zustand gesetzet. Um auch mich zu trosten
/stellte sie sich lustiger gegen mir / als sie im gemüte war / und vertraute nur
allein der Eidania ihr herz /mit der bedingung / dass sie / um mich nicht zu
betruben / mir nichtes hiervon sagen sollte. In solchem jammerhaften zustand
musste sie etliche jahre leben / bis endlich der himmel sich ihrer erbarmet / und
sie von der welt name: deren sie so freudig gute nacht sagte /dass ich weiss / wan
sie aus jenem Elyser-felde zu uns schauen könnte / sie wurde mich und die Eidanie
darum verdenken / dass wir uns durch diese tränen vermerken lassen / wie wir / um
eigennutzes willen /und ihrer gesellschaft und trostes nicht beraubet zu sein /
sie aus ihrer ietzigen gluckseeligkeit wieder zu uns erwünschen möchten.
    Ausicles vermochte für tränen nicht fortzufahren /worinn auch Eidanie / und
Melidia seine schwester /ihm treulich gesellschaft leisteten. Elihu und Betuel
bekennten / dass die tugendhafte Suriane mehr zu bewunderen / als zu beklagen
wåre / indem sie / mit so ungemeiner standhaftigkeit / den sieg uber ihr leiden
davon getragen. Weil der betrubte Elihu nichtes bequemer fand / seine
traurigkeit ein wenig zu hemmen / als solcher gestalt den langen abend zu
verbringen /wollte er auch alle die andern reimen noch verlesen /und bei einem
ieden des Ausicles erklärung anhoren. Er ergriffe demnach ein frisches gedichte
aus dem lädlein / welches also lautete.
Sie bleibt doch / die sie ist: gewölk du magst bedecken
der Sonne angesicht / mit einem schwarzen flor:
sie steht am himmel doch und schwebet hoch empor /
ob du dich stellst vor ihr / ô Mond! mit deinen flecken.
was welt-weit leuchten soll / das läst sich nicht verstecken
verhintert man den schein / den glanz es nicht verlor /
der desto guldner nur noch endlich bricht hervor.
Die zeit / dem wolken-neid ein kurzes ziel wird zwecken
Wan / eine nebelduft / der Sonne biett den krieg:
sie dringt doch endlich durch / und wirft den feind zur erde /
dann fåhrt sie im triumf / und pranget mit dem sieg.
es leuchten noch so schon / ihr wagen und die pferde.
Sturm' immer her / gewölk / mond / nebel / wer du bist!
die Sonne liget ob. Sie bleibt doch / die sie ist.
    Diese reimen (sagte die angeneme Eidanie) sind /von einem guten freunde
meines mannes / auf mich gemacht / der in Babel wohnet / und Belisar heiset.
Solche zu verstehen / (fügte Ausicles hinzu) so mussen noch andere von eben
diesem fürtrefflichen poeten gelesen werden / dessen gleichen ich in unserer
sprache nicht zu nennen wüste / so sich allhier finden möchte. Hiermit suchte er
sie aus dem kästlein hervor / und gabe sie dem Elihu / der sie / folgendes
inhalts / ablase:
Zieht immer her / ihr düstre wolken-wellen!
seit / was ihr seit / des himmels trauerflor;
der Sonne zieht den schwarzen furhang vor /
droht eine nacht / ein furchtbars donner-bellen
zieht immer her! ihr solt vorüber schnellen.
Die Sonne steht ob euch zu hoch empor /
die nie ihr liecht von dem gewülk verlor.
ihr rührt sie nicht: sie solt ihr nicht entellen.
Zieh immer her / du kleiner übergang!
komm / dass du fliehst. Und woltest du verweilen:
der Sonne strahl dir drohet mit bedrang /
der wird dich bald durchbrechen und zerteilen.
Sonn bleibet Sonn: trotz allem widersinn.
komt ein gewolk; es heist: zieh wider hin!
    Ach! mochten auch wir dieses sagen können /(sagte Betuel) dass diss gewölk /
so itzund unsre schonen vor uns unsichtbar machet / auch bald werde fürbei
ziehen. Wer will hieran zweiflen? (antwortete Melidia) alle hofnung ist ja nicht
verloren / diese verlornen wider auszufragen. Was hat dann (fragte Elihu den
Ausicles) den Belisar bewogen / auf euch beide diese trostgedichte abzufassen?
Ein sonderbarer zufall (antwortete Ausicles) der mir vordessen begegnet / da in
Sarug / woselbst ich wohnte / als mein vatter noch lebte / ich einsmals eine
widrige begebenheit mit Faladias meinem nåchsten blutsfreund gehabt / die mich
bewoge / ob ich gleich / auf geheiss meines vatters /und auf gutbefinden meiner
freunde / mich mit ihm vertragen mussen / seine gesellschaft fürter nach
moglichkeit zu meiden / sonderlich bei meines vatters leben: um dadurch zu
verhuten / dass er mich nit ferner beschimpfen / und ich / gewalt an ihm verubend
/mehr betrubnis unter unsren anverwandten anrichten mochte. Dieses mein gutes
fürhaben aber deuteten meine widerwärtigen so übel aus / dass sie meinen alten
vatter zu grossem unwillen gegen mir bemussigten: und war eine meiner nächsten
schwägerinnen so neidisch auf die unschuldige Eidanie / dass sie meinen vatter
beredte zu glauben / als wan sie die einige ursach wåre / dass ich so hart gegen
dem Faladias verbliebe / und ich es so hoch nit anten würde / wan nur sie
nachgeben wollte.
    Wieviel dieses der Eidanie tränen gekostet und mir unmut verursachet / kann
ich nicht beschreiben: und verhönte mich dieses am meisten / dass man mich meinem
vatter und andern also abbildete / als wan ich selbst nit wüste / wie ich meinen
erlittenen schimpf rächen sollte / und solches von einer frauen lernen müste.
Daher kame nun / dass ich / gleich der guten Suriane / sehr gedemütigt wurde in
meiner angebornen ehrsucht / und mich dem gram viel ergebend /meinem freunde /
dem Belisar / mein unglück klagte: der dann / die Eudanie und mich zu trosten /
und unsre nidergeschlagene gemüter wieder aufzurichten / diese klinggedichte
aufgesetzet. Ich vermeinte (finge Betuel hierauf an) es fånde sich unter euch
schäferen nicht soviel widriges / und ihr genosset für anderen einer vergnügten
ruhe. Es mochte wohl also scheinen / (sagte Eidanie) aber das unglück und die
widerwärtigkeit weiss uns sowol / als die hohen der welt / in unsren schlechten
hutten zu finden / und seine misgunst uns sehen zu lassen. Wan nicht / die liebe
zu meinem manne / mich erhielte / würde wohl nichts in der welt sich finden / das
mir mein leben ertråglich machen konnte.
    Du hast aber vor mir noch grossen vorzug / (unterredte ihr Melidia /) die
ich keinen mann mehr habe /um dessen willen ich zu leben verlangen sollte. Ihr
habt wohl gewiss / schone Melidia! (sagte Elihu) auf eure ehmalige liebe diese
reimen gestellet / die ich hier mit eurem namen unterzeichnet finde. Hierauf
lase er solche / sonder ihre antwort zu erwarten / und waren es diese:
Ich will euch lebenszeit
für meinen freund erkennen:
wan ihr werdt sein bereit /
mich anderst nicht zu nennen /
auch nichtes mehr begehrt / als was ich euch kann geben.
Dan konnet ihr in ruh / und ich zufrieden leben.
So bleibet dann mein freund /
sprecht nicht von andrem lieben.
Die stell von freund und feind
steht nur bei euch zu uben.
    Diese reimen / (sagte Eudanie) sind gemacht auf den Wigestes / einen hirten
in Chaldea / der sich vergeblich bemühet / die Melidia zu uberkommen: und wird
der Fürst von Ram derer hier noch mehr finden /die die grausamkeit dieser
schäferin gegen dem Wigestes anzeigen können. Melidia / die sich schåmte /dass
man sollte ihre reimen lesen / erwischte derselben soviel / als sie mit beiden
händen auf einmal fassen konnte / und liefe mit denselben hinaus / da sie solche
im kuchenfeuer verbrennte Die andren beschwerten sich zwar hieruber / sonderlich
ihr bruder Ausicles. Weil es aber nun geschehen war / als suchte Elihu mit so
grösserm fleiss nach den übrigen. Er fand bald eines / von des hirten Wigestes
hand unterzeichnet /welches er den andern furlase.
                       An die glückselige hündin Fillis.
Fillis! dein gluck ist all zu gros /
und billig mehr als hoch zu schätzen:
weil du nun in so schonem schos
nach allem lust dich magst ergetzen.
Ich wunsche so / wie du / zu sitzen:
vor freude wurd ich ja nicht schwitzen.
Melidia die liebt dich:
doch klagst du über wenig essen.
wie wår das eine sach vor mich!
ich wollte aller speis vergessen /
kont ich nur das / was du / besitzen /
dorft gar nicht sorgen / fur mein schwitzen.
Ich sehe wohl dein blindes Glück /
(des du dich nicht weist zu bedienen)
mit misgunst / alle augenblick' /
und neide diss dein gros erkunen.
den vorteil wolt ich båsser nutzen /
und wohl nicht im geringsten schwitzen.
Zwar / Fillis! so viel ich verspur /
wächst dir die witz an selben orten.
Die gute lehr nüzt viel an dir.
Man merkt es auch aus deinen worten.
Möcht ich in solcher schule sitzen:
viel wurd ich lernen ohne schwitzen.
Drum bitt' ich / Fillis! trachte ståts /
mir deiner hirtin gnad zu mehren.
Ja lasse sie / durch dein geschwätz /
mein angedenken vielmals hören.
Möcht ich an deiner stell nur sitzen /
ich weiss / dass mir verging das schwitzen.
Berichte mich auch ferner hin /
was deine hirtin tu und lebe /
ob sie nicht / mit ergrimtem sin /
dir meinetalben stösse gebe?
ob etwan diss / und nicht das sitzen /
dir mache dein beklagends schwitzen?
Doch glaub' ich / dass die hirtin gern
mehr lieb' an dir / als mir / werd uben.
Ich wünsch / dass sie von dir nur lern
das / was sie liebt / sein auch zu lieben.
Sonst muss ich ståts auf unruh sitzen /
vor ungedult und kummer schwitzen.
Jedoch halt diss wohl in geheim /
lass sie ja diesen brief nicht lesen.
Dan ob gleich frei ist jeder reim /
auch nicht gedanken hat zum bosen:
förcht' ich doch ihrer augen blitzen /
dass sie mich machten ämsig schwitzen.
Dan / wan ihr dieser brief vorkäm /
erwege / was sie wurd' gedenken.
Vielleicht wär er unangenem?
das solt mich in der seele krånken;
und iedes orts / wo ich würd sitzen /
müst ich vor angst und kummer schwitzen.
Doch / wan gluck / oder vorwitz wolt /
dass ihn Melidia möcht lesen /
wie das geschick sich seltsam rollt:
so bitt' ich / merke recht ihr wesen /
ob ungedult sie treibt vom sitzen /
macht sie fur zorn und unmut schwitzen?
Wan nun das aug sich nicht verstellt /
darfst du mich frei den schreiber nennen.
Wan aber solcher nicht gefällt /
so must du ja kein wort bekennen:
lass dich eh schlagen / pfåtzen / pfitzer /
das du vor angst und weh möchtst schwitzen.
Diss einig wird von dir begehrt:
gelob ihr meinen dienst und pflichte /
und dass ich deine schrift geehrt.
Hierbei ihr dieses noch berichte:
Mein hertz wünscht und wolt gerne küssen
die fus / so ihn durch schreiben grüssen.
                                                                       Wigestes.
    Diesen des Wigestes reime-brief (sagte Ausicles) verståndlich zu machen /
muss ich melden / dass dieser hirt meiner schwester einen kleinen hund geschenket:
die / auf mein veranlassen / (weil ich nicht laugnen kann / dass ich ihm in seiner
liebe bei ihr gedienet) etliche dankreimen ihm dafur zuschikte / welche
zweifelsohn der Melidia grausamkeit iezt mit ins feur wird geworfen haben. Es
ware / meines behalts / des schwitzens darin gegedacht / welches Fillis nun bei
ihr ausstehen würde: wovon der Wigestes anlass genommen / an seinen gewesenen
hund den verlesenen brief abzugeben. Ich finde hier / sagte Elihu) noch etwas
von der Melidia hand: vielleicht ist diss der brief worauf des Wigestes seiner
zielet. Damit lase er / was er gefunden / und waren diese reimen:
Soll ich mich dann nun ergeben /
und nicht mehr mein eigen sein?
kann dann Aulidor nicht leben /
wan ich nicht still seine pein?
ei so will ich / dich zu retten /
meine freiheit lassen tödten.
Weil der himmel es versehen /
mir auch deine treu bekant:
will ich dem nicht widerstehen /
sondern andren meinen stand.
Du solst sein für mich erkoren /
gleich wie ich fur dich geboren.
Dieses / so mein herz beschlossen /
ist der lohn / für deine treu.
Du und ich sind so entsprossen /
dass wir tragen keine scheu /
fäst zusammen uns zu binden.
Unsre lieb soll nie verschwinden.
Himmel! gib uns deinen segen /
lass uns deine gnade sehn.
fure uns auf unsren wegen /
dass wir stäts in ruhe stehn.
Fur und fur zu unsren zeiten /
wolst du uns mit gnaden leiten.
                                                                        Melidia.
    Diese reimen (sagte Ausicles /) sezte Melidia / als sie sich an den Aulidor
verheuraten wollte. Warüm aber (fragte Elihu) ware dieser glucklicher / als
Wigestes? Des Aulidors haus / (antwortete Ausicles) der in Samosata gewohnet /
ware fürnemer / als des Wigestes seines. Melidia hat allemal hoch hinaus gewolt
/und hierin auch ihre ehrsucht / gleich uns andern /blicken lassen / die ihr dann
auch eben also bekommen ist: massen sie nunmehr witwe / und eben nicht zum
glücklichsten und ruhigsten lebet. Ihr wisset / mein bruder! (antwortete
Melidia) dass ich / nach unserer eltern willen / den Aulidor habe dem Wigestes
fürgezogen / und also hierbei mehr gehorsam / als ehrsucht /blicken lassen:
wolle demnach der Fürst von Ram hierin meinem bruder nicht glauben / der / als
ein alter freund des Wigestes / dieses also fürbringet. Ich glaube euch
beiderseits / (antwortete Elihu) und wünsche von herzen / dass sich bald bei der
schönen Melidia einer einfinden möge / der dem Wigestes an liebe und
geschiklichkeit / und dem Aulidor an glucke gleiche.
    Hiemit zeigten sich ihme noch andere täfelein / die er / unerwartet der
Melidia beantwortung / herfürname / und deren viere mit dem namen Gerontas
unterzeichnet fand. Er fragte den Ausicles / wer dieser wäre? Es ist Gerontas
(berichtete Ausicles) ein hirte aus dem Babylonischen lande / und / wie mich
dunket / mit der furtrefflichen Uranie etwas befreundet. Sein artiger geist und
guter verstand lässet sich aus diesen gedichten erkennen / die er mir einst /
als er bei uns zu Sarug war / geschenket. Weil Suriane alle dergleichen sachen
fleissig aufbewahret / als habe ich sie /nach ihrem tode / wieder in meine hände
bekommen. Elihu name und lase hierauf das erste von diesen vieren / welches also
lautete.
Er redet / die wohnung seiner liebsten / und endlich sie darin verborgen / an.
Hier quillt mein schmerzen-brunn. Hier ward mein leid erzogen,
Hier hab ich meine pein / aus ihrer zier / gesogen.
Hier bist du worden jung / du meine liebes-noht!
die sonst kein anders ziel nicht kennet / als den tod.
Ach! Chloris! komt hervor / komt / oder heist mich kommen /
hört mich noch einmal an: hernach will ich verstummen.
Ich bin iezt nah / und werd bald ferne sein von hier.
Ach komt / und höret noch das lezte wort von mir.
Doch nein! ach! meine freud! verstecket eure wangen.
Last eure augen nicht / vor meinen augen / prangen /
nein / sonne! steck mich nicht mit strahlen ferner an:
die flamm ist stark genug / dass sie mich töden kann /
die schon im herzen brennt. Zwar wunsch ich / euch zu sehen:
jedoch ich fürcht / ich dörft im ersten blick vergehen /
und eine leiche sein. Nein! bleibet / wo ihr seit.
Ich reise hin / wo mir vieleicht schon steht bereit
ein allzu fruhes grab. Doch meine lieb soll leben /
mein lieb! und eure zier soll ihre flugel heben /
und ganz unsterblich sein / ja steigen wolken-an /
dort wo die götter stehn selbst auf der sternen-bahn.
Nun / Chloris! weiter nichts! diss wort ich euch noch sende:
der tod an mir zugleich mein lieb- und leben ende!
    Elihu und Betuel / fanden dieses liebesgedichte ihrem sinne so änlich / dass
/ auf anregung des einen /jener es nochmals ablase: und begehrten sie an den
Ausicles / ihnen zu sagen / was ihme von des Gerontas håftiger liebe bewust
wäre. Als aber Ausicles mit seiner unwissenheit sich entschüldiget / griffe
Elihu nach dem nåchstfolgenden; welches ein klinggedichte dieses inhalts ware.
Der / auf das ungewiss / wolt in die erde graben /
zu suchen grosse schätz' und wehrte edelstein /
mit grosser herzens-angst / im leeren falschen schein:
Der wurd ja nur / zum lohn / vergebne arbeit haben /
und sich ja töricht gnug in seinem sin vertraben;
Wan er nåm grosse muh / und uberschwere pein /
zu suchen zweifelhaft das ungewisse sein;
wolt an der hoffnung mehr / als an der tat / sich laben.
So gings / o hirtin! mir / wan ich um euch solt sterben.
Ich hab gesehen viel / und sehe täglich mehr:
durch derer sehen ich mir kann mehr freud erwerben.
Mein! heuchlet euch nit selbst! Ich kranke mich nit sehr.
Und bringt mich sonst nichts um / als dass ich euch nit seh:
so leb' ich ståts / weil ich hierum zu grab nit geh.
                                                                       Gerontas.
    Diese reimen zu stellen / (sagte Melidia / und lachte dazu) soll / wie uns
Gerontas erzählt / eine sichere schäferin verursachet haben / welche / aus
beisorge /dass er sich in sie verlieben möchte / sich von ihm nicht sehen lassen
/ auch nicht in einige gesellschaft hat kommen wollen / so lang er sich zu
Nisibis aufgehalten. Wie kaltsinnig aber diese lauten / so lieb-entfindlich ist
hingegen das andere / so mein Furst iezt in händen hält. Elihu lase dasselbe /
und fand diese zeilen.
Wie komt es doch / o göttin meiner sinnen!
dass / wan ich schon mich in gesellschaft sih /
zufridenheit mich doch umgibet nie.
Kein lust kann eine lust mir abgewinnen.
Mich dunkt allstäts in solcherlei beginnen /
ich sei allein / und niemand bei mir hie:
weil euch mein licht / von dem ich brenn' und glüh /
ich in der schaar nicht hab' erblicken können.
Gleich fålt mir bei / diss muss die ursach sein:
ich leb' in euch / und kann ohn euch nicht leben.
Mein geist der schwebt um und bei euch allein:
drum wolt der leib ihm gern gefärtschaft geben.
Ich bin zertrennt: mein geist sezt von mir aus;
bei euch ist er / und nirgend sonst / zu haus.
                                                                       Gerontas.
    Ja warlich! (rieffe Betuel) dieser Gerontas hat recht geredet / wan er
jemals recht geliebt. Ich befinde mich jezt eben also / wie er sich hier
beschreibet /und ist es mehr als zu wahr / dass mein geist von mir aussetzet /
und nun nirgend zu haus ist. Lasset uns das lezte auch vernemen! (sagte Elihu /)
und lase damit / wie folget.
In den feldern / in den wåldern /
die der grune Tyger leckt /
um die håine / hole steine /
wo der Echo sich versteckt /
ging Gerontas / in dem herzen
hart verwundet von den kerzen /
die da machen liebes-schmerzen.
An der stirne voll gehirne
man sein leid geschrieben las'.
auf den wangen / sein verlangen
selblich abgebildet sass.
Seufzer flogen aus dem munde /
der vor leid nicht reden kunde /
und das aug voll tränen stunde.
Sol ich schweigen / oder zeigen /
meine schmerzen? fing er an.
Ich will klagen / halb verzagen /
weil ich ja nicht anderst kann.
Hort / ihr tåler / berg' und busche /
wo ich spiel der heerd zu tische /
wie ich wort und seufzer mische.
Meine tränen / sich gewehnen /
ach! nur sie zu beten an.
Sie mein leben / kann mir geben /
was nur sie / sonst niemand / kann.
Ihre herz entzuckend' augen /
mich nur zu entseelen taugen /
mir oft geist und herz aussaugen.
Nun / mein glucke und geschicke /
mag mir aus den augen hin
Chloris rauben: sie bei glauben
komt mir nicht mehr aus dem sin.
Last mich alle welt verhuten /
tausend marter in mich wuten!
mir soll nichts die lieb verbieten.
In ihr leben / in ihr schweben /
wird mein leben sein allein.
Bei ihr bleiben / von ihr schreiben /
ist mein trost in hochster pein.
Wan mich auch der tod gebunden /
soll in meines herzens wunden
werden noch ihr bild gefunden.
                                                                       Gerontas.
    Wie hätten wir (sagte hierauf Betuel) etwas bässers finden können / unsere
betrubte sinne zu ergetzen / als eben diese schone gedichte? die da verursachen
/dass ich den Gerontas / ob er mir gleich unbekant ist /lieben muss. Er ist
solcher liebe (antwortete Ausicles /) mehr als zu würdig / und finden sich
wenige seines gleichen / die also vollkommen die tugend / wie er /besitzen.
    Nach diesen und dergleichen unterredungen / als der spate abend eingebrochen
war / machte Ausicles sich auf den weg / nicht mehr als einen seiner
hirtenknaben mit sich nemend: da die beide verliebte Fursten ihm / bis ienseit
des berges Masius / das geleite gaben. Nachdem sie hierauf ihre angelegenheit
ihm nochmals båst anbefohlen / verfugten sie sich nach ihren hutten: da sie die
nacht so betrubt und voll sorglicher gedanken hinbrachten / dass folgenden tages
alle hirten eine gewaltige änderung an ihnen verspurten. Weil sie ihr leiden
nicht heimlich hielten / auch fast iederman in der gegend von Amida um ihre
frömde liebe wusste / als wurden sie von allen beklaget /auch der verlust der
dreien schönen von Sarug betauret. Doch trösteten sie sich alle mit der hoffnung
/ dass diese gewaltsame entfurung nicht lang verborgen bleiben / sondern bald
würde ausbrechen müssen.
    Das gleichmässige geschicke der Aprite und Baalise / so zu eben selbiger zeit
sich begeben / machte in der ganzen gegend von Amida viel redens / und wurden
diese beide von iederman beklaget: weil sie / ungeacht ihres geringen standes /
aller menschen liebe an sich gezogen hatten. Ihre frau / die verweserin Almesia
/kunte sich am wenigsten hierüber zu frieden geben: weil / zu dem dass sie für
diese ihre beide dienstmågde gut gesprochen / der geitz auch das seinige bei ihr
täte / und sie ångstig machte / wegen des schadens /den sie hierunter leiden
musste. Sie hörte auch nicht auf / nachforschung anzustellen / und kunten ihre
beide knechte / der Javan und Elisa / ihr dissfalls nicht gnug tun / ob sie
gleich viel ein grossers anteil hierbei hatten / diese verlornen wieder zu
finden. Als sie vername / dass der Fürst Nahor nirgend anzutreffen /sondern
heimlich davon gereiset wäre / fiele ihr gleich in den sinn / dieser müste ihre
mägde entfüret haben: weil ihr nicht unbekant war die zuneigung / die dieser
Fürst zu der Aprite getragen. Deshalben triebe sie sofort den Javan und Elisa /
wie auch die Rodine / wieder aus Amida / üm bei des Nahors und Betuels leuten
sich von ihm zu erkundigen.
    Wie nun diese dreie solche fernere nachsuchung ganz willig über sich
genommen / und jene zween miteinander von ihrer liebe / worinn Rodine ihre
vertraute war / sich bespracheten: sahen sie einen unbekanten menschen auf sie
zu komen / welcher gleich die magd der Almesia fragte / ob sie nicht die Rodine
wåre? Nachdem sie sich hierzu verstanden / überreichte er ihr ein tåfelein / und
liefe damit eilends wieder von ihnen feld-ein / also dass sie ihn gleich aus dem
gesichte verloren. Rodine öffnete ganz verwundert diesen brief / und fand / in
der unterschrift / der Baalise namen / auch dabei noch ein eingeschlossenes
tåfelein / welches an den Javan überschrieben war. Sie verzoge nicht / solches /
mit freuden / diesen beiden vermeinten hirten vorzulesen / die dann aus den
ersten dessen inhalt vernamen.
                      Schreiben der Baalise an die Rodine.
Weil du die Aprite und mich liebest / so kann ich leicht erachten / dass du dich
ietzund üm uns betrüben werdest. Wir beide tun auch eben also / dass wir dich
nicht bei uns haben. Sofern du etwan des Javans vermutliche traurigkeit so gross
befinden soltest / dass kein trost bei ihme haften wollte / so stelle ihm diss
beigelegte schreiben zu / und diene ihm ferner / wie du bisher getan / in
seiner liebe. Ich darf dir nicht sagen / wo wir hinreisen / noch was uns aus
Amida gebracht habe. Dieses aber hilf / so wohl bei der Almesia / unserer frauen
/ als bei allen andern / verfechten /dass wir nicht / ihren schaden zu fördern /
aus ihrem dienste gegangen / sondern dass wir hierzu seien genötigt worden.
                                                                        Baalise.
    Liese doch / du glücklicher liebhaber! (sagte hierauf der Elisa / zu seinem
gefärten /) das schreiben der Baalise: ob etwan auch ein trostwort fur mich
darin zu finden sein möchte. Javan eröffnete demnach höchst begierig das an ihn
haltende schreiben / aus welchem er / den andern beiden / folgende zeilen
fürlase.
                      Schreiben der Baalise an den Javan.
Ihr habt mich / edler Javan! euer beständiges wolwollen so vielfältig lassen
erkennen / dass ich undankbar handlen wurde / wan ich euch in eurer jetzigen
unruhe liesse / die zweifelsohn meine unvermutete entfernung in euch erwecket
hat. Wisset demnach / dass es der Aprite und mir wohl ergehet / und dass man uns an
einen ort fuhret / da wir nichtes zu befahren haben /und mir nichtes als meines
Javans gegenwart / ermanglen wird. Diese aber zu erlangen / darf ich / wegen
meiner freundin nicht begehren / noch veranlassen: massen sie dadurch des Elisa
mituberkunft besorget /den sie / durch die abwesenheit / von seiner
liebeskrankheit / weil er nichtes zu hoffen hat / gern heilen möchte. Lebet wohl
/ und vergesset eurer Ardelise nicht! Weil hierinn die beständigkeit bestehet /
welche von euch erwartet eure
                                                                        Baalise.
    Javan furete wohl tausendmal diesen brief zum munde / mitlerweile der
betrübte Elisa fast ganz in tränen zerflosse. Doch mässigte sich / so wohl des
ersten freude / als des andern leidwesen / als sie diesen dingen ferner
nachdachten. Dan die ungewissheit / wo Baalise hingekommen / name dem Javan alle
ruhe aus den herzen; der ungeliebte Elisa aber trostete sich mit der zeit / die
eine mutter vieler änderungen ist / und hoffete / dass diese endlich seiner
schönen einen gütigern sin verleihen würde. Dergestalt zeigte sich der
ungeliebte ruhiger / als der geliebte / und hatte Rodine mehr ursach / dem Javan
trost einzusprechen / als dem Elisa. Sie beklagten allerseits / dass sie den
fromden brieftråger nicht bösser beobachtet / sondern also entwischen lassen. Sie
kunten auch nicht ersinnen / wo die Baalise und Aprite mussten hingekommen sein /
und sahen nun wohl / dass ihre fernere erkündigung bei der beiden Fürsten von
Haran leuten vergeblich sein wurde. Demnach der Rodine diese vergebliche
nachfrage uberlassend / gingen sie nach des Demas hause / üm den Konig der
Aboriginer wieder anzusprechen.
    Dieser erwiese nun ein sonderbares ungedultiges verlangen / seine geliebte
unter der koniglichen gesellschaft bald zu ersehen. Wie sie demnach von den
leuten im hause vernommen / dass den nachmittag die gewonliche zusammenkunft
geschehen wurde / gingen sie die benamte zeit miteinander nach der Konigswiesen:
iedoch waren sie gar vorsichtig / um nicht gesehen und erkant zu werden / warfen
deshalben noch lange mäntel uber ihre hirten kleider und stellten sich hinter
einen busch auf einen etwas erhabenen hugel: da sie / ungesehen / alles / was im
tal fürginge / ganz eigentlich beschauen kunten. Auser der Königin Hermione /
dem Prinzen Jetur / und seiner geliebten Roma / wie auch dem Prinzen Ephron und
seiner Coricide / waren alle die andren / als die Könige und Königinnen von
Syrien / Ninive / Salem / Egypten /Ophir / Cus / Elam / Tyro / und Saba / bei
der schönen Königin von Mesopotamien alda versammelt /und / neben allen
Syrischen Fursten und aller dieser Könige hofbedienten / auch die meiste
schäfere und schäferinnen: das dann unvergleichlich schön und prächtig anzusehen
war.
    Der verliebte Tuscus Sicanus weidete sich eine gute weile mit dieser
herrlichen fürstellung der månge von allen diesen grosten schönheiten der ganzen
welt / und bewunderte fürnemlich die unvergleichliche Aramena in seinem herzen:
bis endlich seine unveränderliche liebe / die jenige vor allen zu betrachten /
um deren willen er dahin gekommen war / seine augen allentalben herüm irren
machte: doch suchte er vergebens / und kunte unter diesem ganzen haufen die
jenige nicht finden / die ihme so wohl abwesend als gegenwårtig grosse und stäte
qual verursachete. Ach gönnet mir dann der himmel / (sagte er / dass es seine
beide gefärten höreten) auch nicht diese grausame vergnügung / dass ich die
jenige sehen dörfe / die er mir geraubet hat? der himmel handelt hierinn gut /
(antwortete ihm Daces) weil dieses sehen mehr leiden / als vergnügen / mit sich
bringen würde. Deme ist zwar also / (widerredte Tuscus Sicanus) doch ist das
leiden / so vom sehen kommet / mir angenem / weil ich alle marter /die mir
ihrentwegen nun zustosset / gern leide / und mich deren nicht zu entziehen
begehre. O ungemeine treue! (sagte Daces) die der himmel billig håtte bässer
belohnen sollen. Hiemit / weil Tuscus Sicanus / für betrübnis / ferner nichtes
sagte / schwiegen auch die andere beide / und sahen neben ihme mit an / was
vorginge.
    Es hatten aber die gesamte schåfer / der königlichen gesellschaft zu ehren /
ein wettlaufen angestellet / da sie / an statt des ziels / nach einem hamel
liefen: den der jenige / neben dem aufgesezten kränzlein / gewinnen sollte / der
den hamel am ersten ergreifen würde. Die Königin von Mesopotamien wollte selbst
dem gewinner den kränz überreichen / welchen sie /ihre königliche freigebigkeit
zu erweisen / mit perlen und diamanten hatte ausbinden lassen: daher alle junge
hirten desto eifriger und begieriger wurden /diese ehre / dabei so grosser nutze
war / zu erlangen. Wie sie sich demnach alle an einen ort zu ende der lauf-bahn
versammelt / und das zeichen ihnen war gegeben worden / liefen sie mit solcher
geschwindigkeit fort / dass es schiene / als wan sie alle gewinnen wollten. Je
mehr sie aber dem ziel nåherten / ie mehr verminderte sich die gleichheit / und
eilten ihrer viere /als der Abinael / der Timonax / der Atamias und der Nisan /
den andern vor / die einander die wage hielten: bis endlich die dreie zurück
blieben / und dem Timonax den furzug und sieg uberlassen mussten.
    Dieser erfreute schåfer / sah so fort seine geliebte Sandenise / die neben
der Amphilite unter der Königin Aramena frauenzimmer stunde / ganz rumsuchtig an
/ und wie ihn der Barzes vor der Konigin tron gefüret / entfinge er kniehend /
von so schonen händen /den kranz: welchen er so fort auf sein haubt sezte /und
dadurch bei allen seinen gesellen keine geringe misgunst erwekte. Hierauf
hielten die hirten und hirtinnen einen danz / um den gewonnenen hamel / den der
überwinder mitten im kreis am strick füren / und verwehren musste / damit die
andern von des hamels wolle nichtes bekommen mochten: die dann straf-fållig
wurden / wan sie / nach endigung des danzes / keine wolle darzeigen kunten.
Diese schäfer-lust / war den königlichen personen nicht unangenem / und hielten
sich die danzende schäfere so wohl / dass ieder von der wolle etwas hinweg
brachte.
    Auf der Königin befehl und begehren / mussten die schäferinnen nun auch ihre
gewönliche spiele vornemen / die dann unter anderen eines anfingen / dass in
furstellung einer gewissen geschicht bestunde: welche eine partei von ihnen /
durch gebården und stumme handlungen fürbilden / und die andere errahten / oder
in straffe verfallen sein musste. Sie hatten sich dissmal also geteilet / dass
Eidania den ersten / Melidia aber den andern haufen furete: und machten
insonderheit die angeneme Briside und Rodope / des verwesers Demas töchter /
welche Eidania mit unter ihre gesellschaft genommen hatte / ihnen hierbei ein
ansehen. Sie spielten den anderen zu / die geschichte der Königin Semiramis /
wie die den Konig Ninus / ihren gemal / üm das leben bringen lassen. Wie nun die
angeneme Melidia / mit ihrem haufen / diese geschichte errahten / und sich also
auser der straffe gesetzet /stellte sie mit ihrer gesellschaft hingegen für /
diese begebenheit / wie der Egyptische Konig Osimandias die opfer und
schlachtung eines Isis-priesters eingefuret: dass dann Eidania mit ihrer partei
auch erriete / weil sie ehmals diese geschicht gespielet hatte.
    Die Königin Aramena befunde diese art zu spielen so angenem / dass sie / den
König ihren bruder zu ergetzen / die ganze königliche gesellschaft dazu
vermochte / auch dergleichen spiele anzufuren: worinn die schäferinnen Amphilite
/ Melidia und Eidania sie unterrichten / und anfüren mussten. Es wollten aber so
wohl die manns- als frauen-personen / dieses spiel mitmachen / und teilten sie
sich in drei haufen / weil ihrer so viel waren. In den ersten befanden sich /
die beide Aramenen / der Konig und die Konigin von Egypten /wie auch der Armizar
und die Amesses aus Ophir /neben der Casbiane / Zelinte / Eldane / Dersine /
Siringe / Tirza / Zamede / neben dem Arsas / Barzes /Petosiris / Ascadates /
Elhanan / und den beiden schäferinnen Amphilite und Sandenise. In dem andern
waren / der König von Syrien mit seiner gemalin der Cölidiane / der Konig von
Ninive / der König und die Königin von Cus / die Prinzessin Indaride / der
Adonisedech und die Jaelinde / mit der Mehetabeel und Melisse / wie auch der
Mitreus / Tarsis / Balaat /Hezrai / Husan / Tare / und die schäferin Eidania.
Den dritten machte der Konig Mardocentes und seine Petasiride / der Konig und
die Konigin von Elam / der König und die Konigin von Tyro / die Sapha / Calaride
/ Jetura und Iphis / wie auch der Zophar / Borgias und Ledor / der Fürst Rames
/ und die schäferin Melidia. Der alte Melchisedech / neben der Königin Eurilinde
/ wie auch der Fürst Hus / blieben unter den zusehern.
    Nachdem der erste hause sich abseits begeben / und die notturst mit einander
abgeredet / spielten sie die geschichte der Furstin Sara / welche ihr in Egypten
widerfahren / samt der opferung des Isaacs / ihres sohnes. Die andere
gesellschaft so dieses gleich errahten / machte die begebenheit des Zoroasters /
des alten Bactrianischen Konigs / furstellig / mit dessen angerichteten
zaubereien: auf welches sich keiner von den zusehenden besinnen kunte / und also
straf-pfånder zu geben schüldig wurden. Die dritten bildeten ab / das gedichte
des Phaetons / wie der die erde mit seines vatters sonne-wagen verbrennet / und
darüber umgekommen: welches auch lange nicht errahten worden /bis es endlich der
Konigin Danede beifiele / die also sich und die andern von abermaliger
bestraffung befreiete.
    Es ward ihnen ingesamt zu einlösung der ersten pfande / auferleget / eine
solche geschicht zu ersinnen und furzustellen / die man unmüglich errahten
konnte. Die Konigin von Mesopotamien name solches an /und wie sich die vom
dritten haufen auch zu ihnen gesellet / als welche in gleicher straffe waren /
redten sie zusammen ab / eine feldschlacht furzubilden / da das frauenzimmer von
dem siegenden teile sollte hinweg gefüret werden. Wie sie nun dieses also ins
werck richteten / rieten die zusehende vergebens / was für eine entfurung oder
schlacht hiemit sollte gemeinet sein: massen die spielende alle die begebenheiten
/welche die andern anzogen / nicht für diese annemen wollten. Endlich gewonnen
sie damit / als sie sagten /dass sie nur eine feldschlacht in gemein furgebildet
hätten: womit sie sich dann los machten / und ihre pfånde wieder bekamen.
    Unter solchen belustigungen trate nun der abend herein / und brachte
Cölidiane / wie sie sah / was sonderbares vergnügen der König / ihr gemal / aus
diesen spielen geschopfet / auf die bahn / üm ihn bei dieser aufmunterung zu
erhalten / dass dergleichen spiele / ob schon also das errahten davon bliebe
/noch annemlicher fallen würden / wan man dabei redte. Die Konigin Aramena fiele
so fort diesem einfall der Cölidiane bei / und solches zu werk zu bringen /
beredten und verglichen sie sich sämtlich / in diesen dreien haufen / wie sie
sich dissmal abgeteilet /zu verbleiben: da ieder haufe eine geschichte reimweise
furzubringen / sich bereiten sollte: und wurde von den schwächern ausbedungen /
dass sie die Konigin Hermione / und die andere / die iezt abwesend / in ihren
haufen nemen / auch sechs tage zur zurüstung zeit haben möchten. Es fügte sich
eben / dass diese benamte zeit das erste mal auf den tag einfiele / da die
Königin von Mesopotamien zum ersten mal in Amida gericht zu sitzen / beschlossen
hatte: das dann die ganze gesellschaft gar füglich befande / um also die lust und
ergetzlichkeit mit ernstlichen geschåften zu untermängen.
    Weil Elihu und Betuel vermisset wurden / die man / als gute dichtere / gern
mit hierbei haben und gebrauchen wollen / als kame damit deren leidwesen vor den
tag: dass dann die ganze konigliche gesellschaft / voraus beide schöne Aramenen /
begierig machte /dieser beiden fürsten ihre sonderbare begebenheiten zu
vernemen. Sie gingen hierauf wieder voneinander /iedes nach seinem orte: da dann
auch der Tuscus Sicanus / mit seinen beiden gefärten / sich wieder nach des
Demas haus verfügte. Als dieser folgenden tags /nicht ohne seines unmuts
ergrosserung / erfahren / was die ursach der abwesenheit seiner geliebten
Prinzessin gewesen / wurde er schlüssig / auf des Demas wiederkunft zu warten.
Inzwischen genossene der gesellschaft des Baalis und Daces / die alle stunden /
bei ihm waren / die sie von ihrer hirten-arbeit abbrechen kunten / und ihm alles
kund macheten / was in ihrer gegend fürlieffe: insonderdheit wie Nahor von der
nachsuchung der Aprite und Baalise unfruchtbar wiedergekommen / auch Elihu und
Betuel / wegen ihres erlittenen gleichen verlustes / ganz trostlos die
einsamkeit sucheten / und sich dem tiefsten gram ergeben hätten.
 
                                Das Andere Buch.
Wie nun der für die gesamte schäfergesellschaft in Mesopotamien erwünschte tag
erschienen / da ihre unvergleichliche Königin / allermassen sie sich anheisig
gemacht / selber gericht sitzen / und alle klagen des volkes vernemen und
entscheiden wollte / versammelten sich nicht allein nach Amida alle hirten und
hirtinnen / sondern es verfugten sich auch alle anwesende konigliche personen
nach Samosata / üm die Konigin zum ersten mal dahin zu begleiten / und diesem
gerichts-tage mit beizuwonen. Nur der betrubte Nahor / der dissmal einen kläger
mit abgeben wollte /war nicht mit unter ihnen / sondern hatte bereits an dem orte
/ da man das gericht zu halten pfleget / sich eingefunden. Es hatte auch der
König Tuscus Sicanus / aus fürwitze / mit denen beiden frömden Prinzen /die der
Almesia als knechte dienten / wiewol alle ganz unbekant / sich herbei gemacht:
üm daselbst zugleich seine ohren und augen zu weiden. Aber die beide Fursten
Elihu und Betuel welche von dem tage an /da sie ihrer drei schönen verlustig
worden / sich nicht viel sehen lassen / stellten sich nun / unter den andern
Syrischen Fürsten / bei hofe mit ein / und sah iederman auf sie / als sie
ankamen: weil allen anwesenden ihr betrubtes verhängnis / wiewol keinen recht
eigentlich und nach allen ümstånden / war bekant worden.
    Die Konigin von Mesopotamien wollte nicht eher nach Amida fahren / bis die
richtere sie abholeten. Als nun dieselben zu kommen verweilten / bezeugte sie
ihr verlangen / ausfürliche kentnus und wissenschaft zu erlangen / wie es mit
dieser beider Fursten sonderbarer begegnis bewandt wäre. Weil ihr hierinn alle
die anderen zustimmeten / als ward gesamter hand in diese zween verliebte
gedrungen / dass sie ihre lebens-und liebes geschichte erzählen sollten. Sie
zeigten sich hierzu gleich willig / so wohl / weil es ihnen eine vergnügung ware
/ dass sie von ihren schönen unbekanten offentlich reden dorften / als auch /
damit die beide schöne Aramenen sehen möchten / wie gehorsam sie ihnen gewesen /
da sie von ihnen befehligt worden /ihre erste liebe zu verlassen / und sich
anderen schonheiten zu ergeben. Wie sie nun / die konigliche gesellschaft zu
vergnügen / sich erboten / sezten sich alle anwesende auf den koniglichen saal
in einen kreis zusammen / den sie üm den Elihu und Betuel zuschlossen / und
horeten hierauf mit der höchsten begierde / den Fürsten von Ram erzählen /
   Die Geschichte des Sinear / Elihu und Betuels /mit den dreien unbekanten
                                  schönheiten.
Ist iemals iemand gewesen / der die liebe verachtet /deren nichtige wirkungen
erkant / und sich für ihr mit äuserster sorgfalt gehütet / so kann ich wohl sagen
/ dass ich derselbe gewesen sei. Wann aber auch iemals iemand tief in der liebe
stricke gefallen und von derselben hart verfolgt worden / so muss ich ebenfals
bekennen / dass ich denselben furbilden konne. Ich will zwar / dieser
durchleuchtigsten gesellschaft nicht verdriesslich zu sein / meine jugend allhier
ubergehen / muss aber doch davon nur dieses sagen / wiedass mein herrvatter / der
Baracheel / mich so fleissig in allen göttlichen wissenschaften unterrichten
lassen / dass ich mich nicht gescheuet / als ich sechszehen jahre alt war / bei
meinem vettern / dem weitberümten Konig von Ausitis / den Gott-ergebenen Hiob /
mich in einen scharffen wortstreit einzulassen: dessen hier weitlåufig zu
erwähnen unnötig ist / weil solches alles in ein buch ausfurlich ist zusammen
getragen worden / und wenigen von dieser königlichen gesellschaft unbekant sein
wird. Ich habe es aber darüm beruren wollen /üm die verwunderung uber mich zu
mehren / dass ich /mit zuwachs der jahre / so weit an verstand abnemen können /
weniger / als in meiner ersten jugend / mein selbst meister zu bleiben / und so
gar den liebesregungen unten zu ligen.
    Die schone Rahel von Haran / die schwester gegenwårtigen Betuels / war die
erste / die mich mit ihrer schonheit geblendet. Als ich derselben aufzuwarten
begunte / erlangte ich an dem Prinzen Sinear von Chaldea einen gesellschafter /
welcher die Furstin Lea / deren ältere schwester / mit gleicher liebe verehrte.
Es war aber die Lea damals noch gar schon von gestalt / als sie diese des
Prinzen von Chaldea liebe anfeurete. Weil wir allerseits noch jung waren / als
wurde dieses beginnen von unsren eltern wenig beachtet: massen wir auch selbst
nichtes weiters / als bei unseren schönheiten geliebt zu sein / sucheten und
verlangten.
    Also verstriche unsere zeit in Haran / ohne sonderbare widerwårtigkeit / und
blieben wir so lang vergnüget / bis die Lea mit einer todlichen krankheit
befiele: welches uns alle / fürnemlich aber den Prinzen Sinear / in höchste
unruhe sturzte. Er ware nacht und tag bei ihr / und kehrte sich nicht daran /
dass ihr ihre schonheit gänzlich verginge: weil er hoffete / dass ihre genesung
solche wieder mitbringen würde. Als aber nachgehends die gesundheit erfolgte /
die schönheit aber ausbliebe / verlore sich bei ihm die liebe / gleichwie die
hoffnung von tag zu tag erlosche / dass die Lea iemals ihre vorige gestalt wieder
erlangen möchte. Sie und ich merkten am ersten diese seine kaltsinnigkeit /und
als sie solches / das ich doch von selbst bereits ersehen / mir klagte / war ich
hingegen bemuhet / es zu verheelen / und ihr diese einbildung aus dem sinn zu
bringen. Daher unser vielfåltiges unterreden und vertrauliches umgehen die Rahel
eifersüchtig / und den Sinear schlüssig machte / auch einige eifersucht
furzuwenden / üm desto bequemer die Lea zu verlassen. Wie er nun ein geschrei
hierüber ausgebracht /also dass ganz Haran von der Lea und ihm zu reden begunte /
zoge er hinweg / und ging zu kriege.
    Mein herrvatter / der dieses am koniglichen hof zu Babel vernommen / liesse
mich gleichfalls abfordern: weil er nicht wollte / dass ich mich an eine von des
Labans töchtern verheuraten sollte / sondern viel höhere dinge mit mir vorhatte;
wiewol ich solche alle hintan gesetzet / üm der schönen Rahel beständig zu
bleiben. Weil ich so eilig nach Babel abgefordert wurde /kunte ich meiner
schönen ihre gefasste eifersüchtige gedanken nicht vollig benemen: die ich auch
gern an ihr erdultete / als ein zeichen / dass sie mich liebte. Also schiede ich
/ sonder grosse sorgen / aus Haran hinweg / und begunte folgends / so wohl mit der
Lea /als mit ihr / beständig briefe zu wechselen: da ich der ersten / alles was
ich vom Sinear erfahren / eröffnete /die andere aber meiner beståndigen liebe
versicherte /und ihr zu gleicher verhåltnis anmanung gabe. Ich entfinge allezeit
hiergegen ihre stichlende kaltsinnige antworten / quålete mich aber darüber
nicht sonders: weil die verständige Lea mir dabei immer guten trost schriebe /
wiedass ihre schwester mich liebte.
    Dieses tun wårete nun viel zeit / bis meine angelegenheiten mich wieder
nach unsrem Fürstentum Ram zuruck forderten / und ich also wieder gelegenheit
bekame / die Rahel zu sehen. Ich fand sie schöner als iemals / wie ich ihrer
wieder ansichtig wurde; und was mich hierneben hoch erfreuet / ware dieses / dass
auch die Lea sich sehr veråndert hatte / und hubscher geworden war: worüber ich
so wenig meine freude bergen / als meine verwunderung über der Rahel schönheit /
verhelen kunte. Lea name mich viele gutiger auf / als die Rahel: und weil der
himmel sie mit sonderbaren gaben des gemütes versehen / beliebte ich ihre
gesellschaft dermassen / dass ich mich allemal bei ihr erquickte / wan mir von
der Rahel hart begegnet wurde.
    Es bemühete sich diese grosmütige allemal / ihre schwesteer bei mir zu
verteidigen: da hingegen die eifersuchtige Rahel sie meinetwegen in verdacht
fassete / auch üm des willen / dass Lea und ich freundschaft zusammen hielten /
mich anzufeinden / ja endlich recht ernstlich zu hassen begunte; da doch meine
liebe / als wie ihre ungnade / tåglich wuchse. Als ich nun fast ohne ihre
gegenliebe nicht mehr zu leben vermochte / erwiese sie mir ihre vollige ungunst
/ indem sie dem aus Canaan ankommenden Fürsten von Heber / dem Jacob / ohne
widerreden / ihre treue gelobte /und ihn nach verlauf sieben jahre zu ehlichen
verhiesse.
    Wie dieses mich verhonet / nachdem ich die groste traurigkeit überstanden /
kann ich damit zu erkennen geben / dass ich / von dem an / dem beispiel der
tugendhaften Lea zu folge / nicht mehr zu lieben mich entschlosse / welches auch
sie / nach der unbeständigkeit des Sinears / gelobet hatte. Ich war auch nun so
glucklich / dass ich / ob ich gleich die Rahel ståts fur mir sah / doch mit der
grösten kaltsinnigkeit ihr begegnen kunte / und gegen ihr so wenig unwillen als
liebe verspuren liesse / dass ich daher / in ganz Mesopotamien / den namen eines
unentfindlichen erlangete.
    Wie ubel ich nachgehends diesen glucklichen zunamen in Syrien verwahret /
ist allhier zu erzählen unnötig. Es war meine ehrsucht hierbei so wohl gegründet
/und meine wahl so edel / dass ich mich dieselbe verleiten lassen / etwas zu
begehren / dass kein sterblicher mit fug verlangen kunte. Ich wurde aber / für
meine verwegenheit / viel zu wenig gestraffet / da man / mir noch den namen
eines freundes zu lassen / versprochen. Wie ich nun denselben einiger massen zu
verdienen / bemühet war / geriete ich in des erzurnten Königs von Babel hände:
der mich in ketten werfen /und so nach Babel gefänglich furen liesse. Alda den
tod erwartend / erlangte ich meine freiheit / als der ietzige König von Babel /
der Baleus / zum tron kame: und wurde mein gluck mir von neuem günstig / indeme
mir zugleich die kron von Hemath angetragen wurde / die meinen mütterlichen
vorfahren zugestanden.
    Weil mir zuvieles Glück auf einmal verdächtig war / als dachte ich meiner
wiedererlangten freiheit lieber allhier in stiller ruhe zu geniessen / als ferner
mich der unbeständigen welt zu ergeben: und vermochte ich meinen herrvattern
dazu / dass er für mich die kron von Hemath anname / und mir die vergnügung
gönnte / so lang er leben wurde / allhier in stiller einsamkeit mich
aufzuhalten. Auf diese weise vermeinte ich das zu ersetzen / was ich vordessen
in der welt übersehen hatte. Ich erlangte / an gegenwärtigem Betuel / einen
gefärten: welcher / gleichwie ich / mit den flügeln sich am feuer verbrennet /
und fortin sich hüten wollte /einiger liebe sich wieder zu untergeben / da ihme
die erste so ubel bekommen war.
    Was kunte wohl seinem und meinem sinne anständiger sein / als diese unsere
gleichformige gesellschaft? da ich ihn / und er mich / immerdar stärken musste
/bei unsren fürsatz unverrückt zu verharren / und nichtes / als die gedåchtnis
der beiden durchleuchtigsten schwestern / fortin zu verehren: die wir / üm
unserer eigenen ruhe willen / nicht mehr zu sehen / zugleich beschlossen hatten.
Mit dergleichen betrachtungen /die wir oft durch reimen einander zu erkennen
gaben /verbrachten wir nun unser hirtenleben; und kann ich nicht umhin / zwei
klinggedichte hier zu wiederholen / deren eines ich dem Betuel machte / und von
ihm das andere zur antwort bekame / die dann also lauteten.
                       Des Fürsten von Ram Liebes-Absag.
Gehab dich wohl! ich bin entwischt /
du unbeliebt-liebloses lieben!
es liebe dich / wer liebt betuben.
mein herz iezt ruh und freiheit mischt.
Ich lige hier im wald verbüscht /
hab mein gelübd in baum geschrieben:
Ich will kein lieben fort mehr uben;
leb sicher / wo die heerde tischt.
Doch / Aramenen zu verehren /
mein herz wird ihr gedächtnis nehren.
Mein weidgenoss auch also soll /
sein und mein ungemach zu råchen /
mit mir in susser stille sprechen
lieblose lieb! Gehab dich wohl!
                         Des Fürsten Betuels antwort.
Ich lobe deinen sinn / mein hirt!
kein blick fort mehr werd abgesendet
zu Sonnen / die uns fast geblendet.
Mit uns im felde nun spazirt
die freiheit / die uns hergefürt.
die süsse ruh sich zu uns wendet.
das bange lieben ist geendet:
fortin es uns lass unberürt.
Der süssen flammen angedenken
mag leben zwar / doch uns nit kränken.
Uns der verlust ward ein gewinn:
wer wolt nicht / üm so güldnes leben /
die schönste dienstbarkeit hingeben.
Mein hirt! ich loben deinen sinn.
    Es stunde aber nicht lang an / und wir hatten kaum in dieses ruhige
feldleben uns etlicher massen eingerichtet / da fand sich der neid des
unbeständigen glückes / und mussten wir dieses ruhstandes / durch eine sonderbare
begegnis / uns wieder entsezt stehen. Dan zu anfang des ietzigen frulings / als
wir beide miteinander nach der stadt Mambuta reisen wollten /und durch der
Gumatener landschaft gingen / verfehlten wir des weges / und verirrten uns in
die klippen daselbst: weswegen wir / üm einen wegweiser zu finden / auf etliche
für uns ligende hütten zuritten. Wir traffen auf selbigem wege / in einem tal /
viel leute an / die durch ihre geråtschaft anzeigten / dass man aldort gejaget
hätte. Wie wir nun nach dem rechten weg fragten / erkannte ich einen unter ihnen
/ für des Prinzen Sinears alten bedienten. Ich erfuhre von diesem / wiedass sein
herr in dem nåchsten wald sich befände / und alda vom jagen etwas ausruhete. Ich
name / üm diesen meinen alten freund zu sprechen /neben dem Betuel / den
fussteig unter mich / den man uns dahin zeigte / unsere knechte bei des Sinears
leuten hinterlassend.
    Wie wir nun eine ecke fortgegangen / fanden wir bei einem brunn eine dame
sitzen / fur welcher der Prinz von Chaldea auf der erden lage / und aus seinen
verliebten gebården uns errahten liesse / was der inhalt seines gespräches sein
müste. Der tag / so dieser schonen gerad in das gesichte fiele / gönnte uns /
sie vollig zu betrachten: und werde ich ihre himlische schönheit / meinen
durchleuchtigen zuhörern / nicht båsser beschreiben oder furbilden können / als
wan ich neben dem Betuel gestehe / dass wir / ungeacht wir beide die zwei groste
schönheiten der welt geliebt /dannoch von dieser ihrem glanze ganz eingenommen
und geblendt verblieben / und in dem augenblicke mein gefärte zum anderen / ich
aber zum dritten male / die freiheit wieder verloren.
    Wir schaueten dieses wunderbild sonder bewegung an / die das haubt auf ihren
linken arm / über des brunnens lähne / gestützet hatte / und in der rechten hand
einen schåferstab hielte: welcher aber einen geringen stand nicht andeuten kunte
/ weil so wohl ihr haubtschmuck / als die ganze kleidung / von köstlichsten
edel-gesteinen glimmerte. Ihr haar hinge ihr in zierlichen locken bis auf die
schultern: und indem es glinzend schwarz war / gleich ihren angenemsten augen /
gab eine perlenschnur / die allentalben durch ihre locken geflochten war /
demselben keine geringe zierde. Ein kleiner strohut / der aber überall mit
diamanten beworfen war / bedekte oben ihr haubt / liesse aber doch ihre stirn
ganz offenbar sehen / welche /gleich den andren stucken ihres angesichtes /
neben ihrer herfürbluhenden jugend / auf das herrlichste daher glänzte.
    Wir hätten wohl / einen fus ferner zu verrucken / uns nicht entschliessen
können / wan wir nicht ersehen hätten / dass / nachdem ihre unterredung lang
gewåret / die schöne unbekannte endlich / und zwar jälings /aufgestanden / und
davon geeilet / und ihr der Prinz von Chaldea nach gelaufen: da dann Betuel und
ich ihnen auch nachfolgten / unwissend / was uns zu diesem fürwitz triebe. Wir
sahen / dass Sinear / als er sie ereilet / sie wider ihren willen anfassete / und
/ wie es schiene / ihme zu folgen / sie notigen wollte: da sie aber sich von ihme
los risse / und uns beiden / die wir gemachsam folgeten / gerad in die arme
lieffe.
    Ach ihr hirten! (rieffe sie / uns fur solche wegen unsrer kleidung haltend)
schützet mich / und haltet diesen menschen auf / der mir will gewalt antun. Wir
hätten das / was sie an uns forderte / auch sonder diesen angenemen befehl
getan / weil wir bereits ganz in sie verliebt waren: und scheuete ich mich
nicht /meinen alten freund etwas zuwider zu tun / da es dieser schonen konnte zu
gefallen gereichen. Als Betuel und ich sie demnach zwischen uns durch gelassen
/stellten wir uns dem Sinear mit unfern wurfpfeilen in den weg / und rieffe ich
ihme so fort zu / dass er innhalten / und diese nicht ferner verfolgen sollte /
die wir beschützeten.
    So verwirrt er ware / so erkannte er mich doch sofort an meiner stimme / und
sagte: wie / Elihu! must du der jenige sein / der mich an meinem furnemen
hintert? Verdenke mir dieses nicht / ô Sinear! (antwortete ich) weil ich dein
beginnen nicht recht befinde. Ach Elihu! (fuhre er fort / und wollte sich
zwischen uns durch drengen) du weist nicht / was mich hinzu treibet: lass mich /
ehe sie mir entwischet! Ich lasse dich nicht / (versezte ich) sondern bin
gewillt / bis in den tod diejenige zu beschützen / die du verfolgest. Als er
hierauf / ungeacht dieser meiner warnung / dannoch durchbrechen wollte / fasseten
wir ihn in die arme /und hielten ihn dergestalt eine geraume weile / bis wir
alle drei darob ermudeten / und von des Sinears leuten etliche dazu kamen: die
ihren herrn und uns also findend / nicht wussten / was sie davon gedenken sollten.
    Mein anschlag ist vergebens / (sagte zu einem unter ihnen / der wütende
Prinz) und / da ich diese gelegenheit muss aushanden lassen / ist keine hoffnung
für mich mehr übrig / iemals wieder dazu zu gelangen. Gehab dich wohl / grausamer
freund! (sagte er ferner /mich anredend) und wisse / dass / wan du mir hättest
tausend töde angetan / ich dir solches eher wurde vergeben haben / als dieses
unglück / so du mir verursachet. Hiemit / sonder meine antwort zu erwarten
/warfe er sich auf ein pferd / so ihm zugefuret wurde /und rante mit den seinen
davon / dass wir in kurzem von ihnen nichts mehr sahen.
    Diese frömde begebenheit / die uns so ganz unvermutlich zugestossen / sezte
uns in die unschlüssigkeit /dass wir anstunden / was wir hiernåchst beginnen
sollten: und war Betuel ja so begierig / als ich / von dieser schönen etwas
mehrers zu wissen / die da mehr /als es zu unserer ruhe dienlich war / uns wohl
gefiele. Wir sagten zwar einander hiervon unsere gedanken nicht / doch triebe
uns einerlei fursatz / noch etwas im holze zu verharren / ehe wir nach unsren
leuten ümkehrten.
    Wie wir nun also den rückweg für uns namen / erblikten wir von ferne / durch
die båume / eine weibsperson / die wir / im näheren / wegen gleicher långe und
kleidung / fur die vorige hielten. Unsere freude ward mit einer verwunderung
begleitet / dass wir diese / die wir erst so voll schreken und flüchtig gesehen
/nun so ruhig fanden spaziren gehen. Und was noch mehr war / wir sahen eine
harffe in ihren händen / und hörten / dass sie spielte und darein sange. Oben an
den harffenknopf hatte sie einen zettel geklebet / auf welchem das lied
geschrieben stunde. Wir wurden beide /von ihrer himlischen stimme / schier ganz
entzucket /und glaubten wir nicht / dass etwas anmutigers in der welt sein könnte.
    Wir folgten ihr langsam nach / bis der wind den zedel ergriffe / von der
harffen abrisse / und mir gleich in die hände wehete. Ich hatte solchen kaum
aufgefangen / da sah diese schöne herüm / und zeigte uns ganz eine andere
schonheit / als die vorige gewesen. Dan / an statt der schwarzen haare / ersahn
wir an dieser das schönste silber-haar / welches mit grossen smaragden-körnern
durchflochten war. Sie liesse ein paar dunkel-blauer augenlauf uns schiessen / und
zwar mit solcher kraft / dass wir beiderseits die andere wunde von ihr entfingen
/ und dieser / in unsren herzen / den furzug fur ihrer vorigen gestalt zu geben
begunten. Ich gebrauche mich dieser redensart / weil wir / als ganz verbast /
diese beide damals fur eine person gehalten / und sie das erste mal nicht recht
betrachtet zu haben vermeinten. Wie wir sie nun also voll bestürzung anschaueten
/ lächelte sie uns an / zu mir sagende: ob mir gefiele / ihr den zedel wieder zu
geben /den ihr der wind geraubet hätte. Ehe ich allhier meine antwort erzehle /
muss ich zuvor dieses lied wiederholen / welches also lautete:
              Verachtung der welt / und verlangen nach dem himmel.
                                       1.
Meine seel hier findet nicht /
was ersättigt ihr belieben.
Was der himmel dort verspricht /
das ist in diss herz geschrieben
Ich will dich / ô welt! verachten:
nach dem himmel will ich trachten.
                                       2.
Meine Herberg nur du bist.
hier wir wohnen nicht / wir wallen.
sollte / wo man fremdling ist /
das verweilen wolgefallen?
Halt mich nicht / du welt-getümmel!
dort mein heimat ist / der himmel.
                                       3.
Ich muss dich / du marter-höl!
eine buben-grube nennen:
wo man einer frommen seel
nichts als plagen pflegt zu gonnen.
Solt mich nicht hinaus verlangen?
nur gen himmel fortgegangen!
                                       4.
Wer kann haben lust zu dir /
Welt / du zuchtaus guter herzen?
man hat müh und arbeit hier /
dient der eitelkeit mit schmerzen.
Droben / wo die sternen glasten /
meine seele wunscht zu rasten.
                                       5.
Haus des elends / du Spital!
krank und arm sind deine gåste.
Ach! der schöne himmel-saal
der bewirtet auf das bäste.
Wer wolt gern hier schmächtig ligen?
dort ist gnuge und vergnügen.
                                       6.
Welt! bist du ein kerker nicht?
ach! wer liget gern gefangen.
ists nicht båsser / zu dem liecht
aus der finstren qual gelangen /
zu der Gotteskinder leben /
das mit freiheit bleibt umgeben.
                                       7.
In dir find' ich keine ruh /
Welt / du tollhaus tummer seelen!
die dem falle steigen zu
und viel torheit-stuffen zehlen.
Ich will / mit den Gottes weissen /
nach des himmels ehr-burg reisen.
                                       8.
Solt mich laben hier dein wust /
wüste wildnis / distel-heide?
Unlust endet deine lust:
du vergiftest mir die weide.
In der sterne feldereien
will ich meine wunsche streuen.
                                       9.
Wer wolt gerne lang auf dir /
ô du weg vol dornen! gehen?
du verwundst die fusse mir.
Sichrer dort ich werde stehen
in des vatterlandes toren /
da mein geist sich hin verloren.
                                      10.
O du schlam-tal / das mich trägt
durch die trube trubsal-pfutzen!
hått ich dich doch hinterlegt!
Droben wolt ich trocken sitzen
auf den schonen himmels-höhen.
dortin / seele / lass uns gehen!
    Weil dieses schöne lied fürnemlich handelte vom verlangen / dieses leben mit
jenem zu verwechslen /name ich daher anlass / ihr diese antwort zu geben: Die
winde finden diesen wunsch so unbillig / dass sie solchen vor so schonen augen
nicht långer dulten wollen / und mochte ich fast deshalben bei mir anstehen /ob
ich es wieder von mir geben solle / wan nicht das gebot meiner schönen
unbekanten alle andere betrachtungen bei mir verschwinden machte. Hiemit warfe
ich mich auf ein knie / und uberreichte ihr also den zedel wieder / den sie mit
grosser holdseligkeit von mir anname / und sagte: Vermeinet dann ihr / edler
hirte! dass mir / dergleichen lieder zu singen / nicht gebüre. Die der himmel
(antwortete ich) so wunder-schon erschaffen hat / die kann / sonder der erde
unrecht zu tun / sich nicht von hinnen wunschen. Eine angeneme röte ümzoge ihre
wangen / als sie dieses lob anhörte / und sagte sie darwider: Ich bin wohl
gewonet / dergleichen höflichkeiten von den Mesopotamischen hirten / unter die
ich mich rechnen muss / zu hören. Gesezt aber / ich besåsse etwas von dem himmel /
so ist es ja billig / dass ich nach demselben / als nach meinem ursprunge /
verlangen trage. Auf gewisse masse / (versezte ich) und soferne der unerkentliche
erdboden nicht recht beobachtet die schuldige verehrung / die solchen
himmelsschonheiten gebüret / kann dieses verlangen wohl statt finden. Wan aber alle
welt also / wie ich / zu erkennen wüste oder wollte / was uns der himmel fur güte
erzeiget / indem er uns solche creaturen gönnet anzubeten / so würdet ihr /
schonste! nicht nötig haben / euch über die welt zu beklagen. Diese eitle ehre /
wan mir die ja manglen sollte / (antwortete sie låchlend) beweget mich gar nicht
hierzu /der welt feind zu sein / sondern vielmehr ihr eitles tun / das ja so
unbeståndig ist / als das wenige schöne / so ihr an mir zu finden vermeint.
    Indem ich hierauf wieder antworten wollte / kam eine alte frau gelaufen / die
ganz beängstigt dieser schonen etwas in das ohr raunete: Worüber die sich nicht
allein bestürzt anstellte / sondern auch so fort von uns abschied name / und mit
der alten forteilete. Beim abschied-nemen sagte sie: Wan ihr den Ausicles und
seine freundschaft kennet / so grüsset sie / wan es euch gefället / von
derjenigen / deren sie / dieses schone lied des fürtrefflichen poeten Belisars /
mitgeteilet. Ich kenne diesen hirten Ausicles sehr wohl /(antwortete ich /) werde
auch nicht ermanglen / solchem befehl gehorsamst nachzukommen: den ich aber noch
deutlicher würde ausrichten und bestellen konnen / wan ich den namen meiner
schönen wissen dörfte. Sie kennen mich schon / (antwortete sie) und bedarf es
keiner umstände. Hiemit schiede sie davon /und hinterliesse / den Betuel und
mich / so vergnügt als betrübet: da sonderlich dieser mein neuer mitbuler mein
Glück zu beeifern anfinge / dass ich mehr / als er / in ihre kentnüs gerahten
war. Sein verlangen ware nun nicht geringer / als das meine / den hirten
Ausicles in unserer wiederkehr zu sprechen / weil wir hoffeten / von demselben
dieser unbekanten ihren namen zu erfahren.
    Wie wir nun / nach dieser andren begebenheit / auf dem rückweg begriffen
waren / horten wir / unferne von uns / ein geschrei einer zarten weibsstimme /
die da rieffe / dass man doch mochte zu ihr kommen. Diss bewegte uns beide / nach
dem ton zu eilen / und brachen wir so lang durch die busche und dorner / bis
wir die ins gesicht bekamen / die uns also geruffen hatte. Wird es aber wohl
können geglaubet werden / wann ich sage / dass wir zum dritten mal eine
weibsperson /gleich den beiden ersten gekleidet / zu sehen bekommen? die uns so
fort entgegen lieffe / und uns bate /dass wir ihr den weg nach Abarne weisen
wollten /weil sie sich verirret hätte / und ihre lebtage in keiner grossern angst
gewesen wåre. Indem ihr holdseliger mund dieses zu uns sagte / hatten wir zeit /
sie zu betrachten: da wir sie dann den beiden vorigen schönheiten ganz änlich
fanden / auser dass sich uns an ihr / an statt des schwarzen und des silber-haares
/ lichtbraune haarlocken zeigeten / die mit diamanten durchflochten waren. Wir
schaueten ihre himmelblaue augen / die als zwo sonnen funkelten / mit solcher
verwunderung an / dass diese schonheit uns die dritte wunde gabe. Weil wir aber
dieses alles für eine bezauberung anhuben zu achten / liesse uns die besturzung
nicht zu / so fort dieser schönen auf ihre bitte zu antworten / bis endlich
Betuel sich ermunterte / und zu ihr sagte /wie dass er sie nach Abarne bringen
wollte.
    Er wusste so wenig / als ich / den weg nach diesem orte / den wir vorher
niemals hatten nennen horen: dannoch gabe ihm die liebe dieses kune anerbieten
in den sinn / üm also desto länger bei dieser schönen zu verbleiben. Sie war
uber dieses sein verheisen hochst erfreuet / und liesse so fort ihre
grosmutigkeit blicken /indem sie ein überaus köstliches diamantenes armband von
der hand zoge / und selbiges / zur vergeltung / dem Betuel verehrte. Hatte er
nun zuvor / über mein Glück / das ich bei der vorigen genossen / zur eifersucht
ursach gehabt / so stellte sich nun diese liebesgefårtin auch bei mir ein / und
konnte ich / sonder beunruhigung / an des Betuels arm nicht sehen / was ihm eine
so schöne hand geschenkt hatte. Ich bedachte nun aber bei mir selbst / wie
dieses ablaufen / und wie Betuel bestehen wurde / wann er Abarne nicht finden
sollte. Er ginge aber ganz unverzagt fort / und begleiteten wir diese schöne /
sie mit gespråchen unterhaltend: bis wir lezlich / recht aus blindem glucke
/ganz ungefår auf die heerstrasse gerieten / die nach Abarne zu ginge. Unsere
unbekannte schone war die jenige / die solches zu erst erofnete / und wäre sie so
gütig / dass sie uns mit ihr in Abarne zu kommen nötigte. Sie erzehlte uns im
hingehen / dass sie die jüngste von dreien schwestern wäre / die viele erbgüter
in der Girmatener lande besässen: wie dann Abarne ihrer ältern schwester
zugehörte / alwo sie sich nun eine weile hätten aufgehalten.
    Wir wurden durch diese nachricht höchlich erfreuet / und hoffeten / es sollte
ferner heraus kommen / wer sie wåren / und wie sie hiessen: das sie aber / bei
aller ihrer vertraulichkeit / meisterlich zu bergen wusste. Endlich kamen wir für
ihr haus / wie es bereits begunte abend zu werden: da dann viele vom gesinde uns
entgegen kamen / die so wohl ihre angst als ihre freude bezeugten / als sie /
nach so langem ausbleiben / diese schone wieder zu sehen bekamen. Weil wir ihr
gesagt hatten / wie wir ihre åltere schwester von der verfolgung des Prinzen aus
Chaldea gerettet / auch dass wir ihre mitlere schwester gesehen håtten / als zoge
sie daher ihre verpflichtung so gross an dass sie mir ebenfalls / wie dem Betuel
/ zur erkentlichkeit / eine statliche diamantene armspange schenkte / und uns
beiden die zusag abnotigte / morgen zu ihr zu kommen und sie zu besuchen. Mit
solchem versprechen schieden wir ganz vergnugt von ihr / und fur liebe alle
andere dinge vergessend / gedachten wir selbigen abend nicht an unsere
zuruckgebliebene leute / die vor dem holz unser warteten / sondern sahen uns nur
üm nach einem hause / da wir übernachten konten / das wir auch bald uberkamen.
    Wie wir nun hierauf uns allein sahen / begunten wir erst recht diese
wunderbegegnis zu uberlegen. Weil wir folgenden tags diese drei
wunderschonheiten wieder sehen sollten / ware hiernach unser verlangen ganz
unbeschreiblich / und gestunden wir einander /dass wir liebten / ohne dass wir zu
unterscheiden wussten / welche von den dreien uns am meisten geruret. Wir
gedachten nun / bei der andern besichtigung /alles eigentlicher zu beobachten /
verheleten aber einander / üm alle eiversucht zwischen uns aufzuheben /dass jeder
von uns sie alle dreie liebte. Was wir aber einander nicht sagten / das
bedachten wir desto mehr bei uns selber / und verbrachten damit die ganze
nacht / da wir bald der schwarzen / bald der weissen /bald der braunen / den
vorzug der schönheit gaben. Doch fiele bei mir die wahl auf die zweite / mit den
weissen haaren / als welche ich änlich fand der unvergleichlichen schonheit /
die ich ehmals verehret: und gedachte ich bei mir selber / dass vieleicht der
himmel dieses also geschicket / um dadurch zu verschaffen / dass ich meines
vorigen leidens ergetzet würde / und dessen um so viel leichter und beständiger
vergessen mochte. Eben also erginge es auch dem Betuel / welcher / in
erinnerung seiner vorigen liebe / die jüngste / nämlich die mit den bråunlichen
haaren / erkiesete.
    Wie nun der morgen angebrochen / und wir / bei unsern schönen uns anzumelden
/ es zeit zu sein erachteten / gingen wir nach ihrem hause: da uns eine
ansehnliche alte dame / neben den beiden schonheiten / die Betuel und ich fur
uns ausgewehlet hatten / wilkomen hiesse. Diese kunte uns ihre dankbarkeit und
erkentliches gemüte nicht gnug an den tag geben / um dass wir die åltere von
diesen schwestern / welche sie ihre basen neñte / von dem unbescheidenen Prinzen
der Chaldeer errettet hatten. Sie sagte ferner / wie der schrecken und die
furcht dieselbe bettlågerig gemacht: doch würde sie es gern sehe / wen wir sie
besuchen wollten / üm dadurch die gelegenheit zu uberkommen /uns für die gestrige
hülfe mehrern dank zu sagen. Die majestät und gute art / mit welcher diese dame
alles vorbrachte / gaben uns / so wohl als auch ihre pråchtige kleidung / zu
erkennen / dass sie etwas furnemes sein müste. Wie wir nun mit gegenhoflichkeiten
dieses beantwortet / wurden wir von ihnen in der åltern schwester ihre kammer
gefuret / die mit herrlichen goldgewirkten decken behangen war / und lage sie
auf einem helfenbeinernen bette / und erschiene in ihrer nachtkleidung so schön
/ dass Betuel und ich anhuben / in unserer liebes-wahl zu wanken. Ihre
danksagungen / und unsere verringerungen der ihnen erwiesenen dienste / ware der
inhalt unseres gespråches.
    Wie wir hierauf zum essen gehen sollten / dazu sie uns / ob wir gleich von
ihnen für gemeine hirten gehalten wurden / aus grosser höflichkeit dannoch
einluden / kamen unsere leute / die uns die ganze nacht gesuchet / in Abarne /
und gleich unsern namen ausbringend / verursachten sie dadurch / dass unsere
schöne wirtinnen erfuhren / wer wir waren / und daher keine gemeine freude
blicken liessen / sonderlich dass sie mit den Fursten von Ram / (als ihre worte
lauteten /) in kentnus gerahten. Des Betuels entdeckter name machte auch grosse
freude / wiewol solche sich mehr bei den jungen / als bei der alten / blicken
liesse: welche nicht aufhoren konnte / den himmel zu preisen /dass der sie den tag
erleben lassen / des Baracheels sohn zu sehen. Wir gingen nun / nach dieser
kentnis /zum essen / da alles königlich / so wohl was die geschirre / als was die
speisen anbelanget / daher ginge. Betuel und ich hatten die vergnugung / unsere
beide schonheiten zu sehen: wiewol solche mit dieser unruhe vermånget war / dass
wir von unserer ersten wahl abschritten / und bei aller augenweide / die wir
alda so uberflüssig genossen / dannoch mit unseren gedanken bei der ersten
schonheit waren / die des bettes hütete.
    Nachdem wir aufgestanden / begaben wir uns wiederzusammen in der kranken
ihre kammer / da die alte des Sinears beginnen nicht gung auszuschelten wusste /
und dermassen auf ihn schmähete / dass auch endlich die schöne kranke sich nicht
entalten kunte / zu ihrer mumen zu sagen: Ich habe wohl ehe von dem Prinzen
Sinear gehort / dass der Fürst von Ram und er grosse freunde seien / daher wird es
diesem unsrem gaste wohl kein angenemes horen sein / dass hier sein alter freund
also durchgezogen wird. Er hat verdienet / (antwortete ich) dass man auf sein
freches beginnen schelte / und sage ich ihm alle ehmalige freundschaft auf / nun
er sich solcher tat wider meine schone unterfahen dorfen. Er hat aber (versezte
sie) auser diesem seinem lezten beginnen / viel edle tugenden an sich / die wohl
wert sind / dass man darum sein freund verbleibe. Diese worte sagte sie mit so
sonderlichen gebården /dass sie mich vermuten machte / es musste Sinear bei ihr
noch geliebt / oder wenigst nicht in solcher ungnade sein / wie bei ihrer alten
mume. Daher erweckte in mir die liebe den eifer / diesen platz anzugreifen / den
ich zum schwersten erlangbar vermuten musste: und liebte ich also selbigen tag
die ältere unter diesen dreien schönen.
    Betuel folgte mir hierinn / und ginge neben mir /als unsere unterredung
noch lang gewäret / so verliebt in diese åltere / von dannen / dass er
nachgehends /wie wir allein waren / solches mir nicht gnug beschreiben kunte.
Ich vermeinte ihn zu bereden / dass er eine von den andren beiden lieben mochte /
wan er ja sich noch einmal der liebe ergeben wollte: er aber gebrauchte eben
meine gründe wider mich selber / und stellte mir fur / dass / weil Sinear die
åltere liebte / ich bässer tun würde / wan ich einer von den andern aufwartete.
Wir waren viel zu gute freunde / als dass wir einander håtten verhelen sollen /
wie wir beiderseits von diesen schonheiten uns verwunden lassen: daher wir
zugleich verliebte / vertraute in unser liebe / und mitbulere zusammen wurden.
An statt nun unsere reise nach Mambuta zu beschleunigen / gedachten wir dieser
gelegenheit ferner abzuwarten / um unsere schönen zu sehen / und von ihrem
zustande mehr zu erfahren. Daher wir folgenden tags uns wieder bei ihnen
anmelden liessen / und so fort eingelassen wurden. Wir fanden niemand / als die
mitlere von den dreien schwestern: weil die ältste arzneien gebrauchet / und
sich also nicht sehen liesse / die jüngste aber mit ihrer alten mumen ausgegangen
war.
    Was soll ich sagen? wir fanden beide damals diese schönheit so fürtrefflich /
dass ich seinem vorigen raht folgen wollte / die ältere um diese zu verlassen:
gleichwie auch er / um mir zu gefallen zu sein / nun diese für jene erkieset.
Wir ergezten uns etliche stunden /mit anhorung ihrer himlischen stimme / und der
schonen geistreichen lieder / die sie selber gedichtet /und uns fursange /
schieden auch nicht eher von ihr /als bis uns der wolstand dazu vermanete. In
unsrem wirtshause vermeinte ich den Betuel sonderlich zu erfreuen / als ich ihm
die nachricht gabe / dass ich seinem raht gefolget / und nun / dieser schonen
aufzuwarten / beschlossen håtte. Aber er offenbarete mir eben dergleichen / und
wollte mich bereden / bei meiner ersten Entschliessung zu bleiben / üm dadurch zu
verhüten / dass wir nicht mitbulere würden. Ich vermochte ihm solches nicht zu
versprechen / weil ich dergestalt von dieser schönheit eingenommen war /dass mir
unmuglich dünkte / von ihr abzulassen.
    Wir gingen hernach zum dritten mal wieder an diesen zauber-ort / und traffen
/ neben der alten / die beide jüngsten zusammen an: da ich dann / die dritte
eigentlich zu betrachten / mir fürname / und sie ja so schon als die andern
erkennend / dem Betuel zu fugen gedachte / indem ich mir gewalt antåte / die
augen von der zweiten ab / und dieser allein zu zuwenden. Damit aber unser
nårrisches geschicke volkommen würde / musste Betuel eben also denken:
dergestalt blieben wir mitbulere / so sehr wir auch /solches zu verhüten / uns
bemüheten. Als wir wieder allein waren / erkenten wir dieses durch unser
beiderseits offenbarung / die wir einander hiervon täten /und fanden wir so wohl
die torheit / die wir begingen /als die unmüglichkeit / davon abzustehen. Unsere
sinne waren auch dermassen hievon eingenommen /dass unsere leute nicht wussten /
wie sie mit uns daran wåren / und vergeblich uns etliche mal anmaneten /ob wir
nach Mambuta die reise fortsetzen möchten. Wir verschoben aber selbige von einen
tag zum andern / und fanden immer entschüldigungen / die uns zu Abarne
anhielten. Weil aber unser verlangen gross war / diese drei schonheiten zu kennen
/ als erkundigten wir uns deswegen zu erst bei unsrem wirte: der wusste uns
keinen andern bescheid zu geben / als dass diesen damen viel landgüter in der
Gumatener gebiete zustunden; dass alle ihre leute sagten / sie wåren konigliche
personen; und dass sie / zu ende des vergangenen herbstes / so bald der friede
erschollen / mit ihrer alten basen dahin gekommen / und das schåferleben unter
ihnen angefangen håtten. Mit diesem bericht konten wir nicht vergnugt sein /
sondern bekamen vielmehr noch grössere lust / diese / so sich also verborgen
hielten / recht auszukundschaften. Aber / nach fleissiger erkundigung / erfuhren
wir nichtes mehr /als was wir bereits wussten / und wurden berichtet /dass ihre
eigene leute sie nicht kennten / die sie alle /teils aus Arabien / teils von den
Musianern allhier / in dienste genommen hätten.
    Gleichwie dieses unsere verwunderung mehrete /also name auch unsere unruhe
merklich zu / als wir almählich nicht mehr so wohl gelitten / als anfangs / in
ihrem hause waren / und die alte uns ofters allein für sich kommen liesse /
sonder dass eine von den dreien schwesteren für das taglicht kame. Es gabe uns
auch die alte nicht unklar zu verstehen / wiedass wir wohl tun wurden / wan wir
unsere reise fortsetzeten / weil ein långeres bleiben leichtlich einen bosen
verdacht würde konnen verursachen / und wären sie in ihrem hause solcher vielen
besuchungen nicht gewonet. Dieses musste uns willig oder unwillig zu dem schlusse
bringen / nach Mambuta fortzureisen. Wir hielten vorher an um erlaubnis / dass
wir von ihnen mochten abschied nemen. Weil die alte nun unser los zu werden
hoffete / willigte sie in dieses unser begehren /mit aller hoflichkeit. Wir
fanden / die drei überirdische schwestern / in einem schönen garten / den sie
hinter ihrem hause hatten / da sie in einem herrlichen ausgezierten cabinet
stunden / und uns entfingen. Wir hatten sie noch nie beisammen gesehen / und da
uns /der glanz von einer allein / zuvor die sinne bemeistern konnen / ware es
nun auch nicht zu bewunderen / dass ihrer dreie mehr als eine vermochten: massen
wir von ihrer klarheit so geblendet blieben / dass wir schier vergassen / die
gebürende höflichkeiten abzulegen.
    Weil wir die jungere lezlich am häftigsten geliebt / sahen wir anfangs am
meisten nach derselben. Wie aber die andere zwo / mit ihrer verborgenen macht
/unsere augen auf sich zogen / wurden wir ganz irre /also dass bald die erste /
bald die andere / und dann bald wieder die dritte / bei uns den fürzug behielte.
Es ware sobald keine wahl von uns verrichtet / so gedachten wir / wir täten
dadurch den andern beiden unrecht: daher wir / alles wählen einstellend / dissmal
in alle dreie zugleich verliebet blieben / und also mit der grosten unruhe von
der welt / bei dieser besuchung / gequålet wurden. Dan der Betuel / wan er mit
der einen redte / konnte nicht leiden / dass mich die anderen mit gespråchen
unterhielten; und mich verdrosse es ebenfalls / dass ich die jungere mit dem
Betuel so åmsig reden sah / ob ich gleich der beiden andren gesellschaft
hatte. Weil die åltere nicht viel redte / sondern uns andere / indem sie an ein
fenster ginge / allein liesse / erzehlte mir die zweite die ursach / warüm sie so
unbekant in der Girmatener land lebten: dass nämlich ihre alte base / neben ihr
/ aus den gestirnen ersehen / wie ihnen in Mesopotamien ein grosses unglück
zustossen wurde / wan sie daselbst sollten bekant werden. Und üm dess willen lebten
sie also einsam in den klippen / ihre zeit mit erlernung des himmelslaufs
zubringend / und darbei mit dem landleben sich ergetzend.
    Diese vertraulichkeit name ich mit der hochsten erkentlichkeit und
vergnugung auf / zugleich aber / mit der grösten eiversucht warnemend / des
Betuels gleichmåssiges gluck bei der jüngern / und die traurigkeit an der ältern
/ als welche ich dahin deutete / dass der Prinz Sinear von ihr musste geliebt
sein. Eben solche seltsame regungen fülete in sich der Betuel /der immer die
augen nach uns und nach der älteren schwester gerichtet hielte: da ihm die
jüngste noch vielmehr / als mir die meinige / geoffenbaret / wie ich bald sagen
werde. Wir mussten nun endlich abschied nemen / und gabe mir die åltere diesen
befehl mit /dass / wan ich einsmals wurde zum Sinear kommen /ich ihm nochmals /
wessen er sich erkunen dorfen /häftig verweisen / auch dass ich den Ausicles /
die Eidania und Melidia / ihrentwegen grussen sollte. Hingegen wurde Betuel von
der jüngern / mit der unschüldigsten und angenemsten art von der welt gebeten
/bald wieder zu ihnen zu kommen. Sie errötete aber hierbei / indem sie dieses
sagte: dessen sich ihre mitlere schwester auch teilhaftig machte. Also schieden
wir hinweg / und erkannten erst die häftigkeit unserer liebe / als wir die schöne
ursacherinnen unseres leidens nicht mehr sahen.
    Auf der hinreise nach Mambuta / erzehlte mir Betuel / was ihm die jungste
eroffnet / dass sie nåmlich fürneme Prinzessinnen wären / die aus ihres vatters
hause sich nach der Girmatener land mit ihrer mutter schwester begeben müssen /
weil ein grosser herr in der nachbarschaft die ältste unter ihnen lieb gewonnen:
dem sie aber die ihrigen nicht geben / sondern sie ihm aus den augen bringen
wollen / um ihn desto eher zu bewegen / dass er von ihr ablassen mochte. Um des
willen mussten sie also verborgen leben. Worzu noch käme / was sie aus dem
gestirne / deren wissenschaft sie sich von jugend auf beflissen / wargenomen /
dass nåmlich Mesopotamien ihnen ein grosses ungluck drohe / wan daselbst ihr stand
und name würde offenbar werden. Er hatte auch von ihr vernommen / wie der Sinear
von der ältsten geliebt sei. Ich geriete hieruber in noch grossere unruhe: weil
ich nicht allein beeiferte / dass man gegen dem Betuel vertraulicher /als gegen
mir gewesen / sondern auch weil ich mich nicht zufrieden geben kunte / dass die
åltste den Prinzen von Chaldea liebte. Alle diese meine qual teilete ich dem
Betuel auch mit / und wan ich gleich oft in mich selber ginge / und mein
wunderbares leben verlachen musste / so kunte ich mich doch nicht uberwinden /
sondern musste meinem geschicke folgen / das mich zu dieser wunderbaren
liebensart verdammet hatte.
    Wir hielten uns zu Mambuta nicht lang auf / weil uns verlangte / in der
wiederkehr / zu Abarne wieder einzusprechen. Wie wir aber wieder dahin kamen
/fanden wir das leere nest / und erfuhren in der nachfrage / dass die alte mit
ihren dreien basen / gleich nach uns / aufgebrochen und von dannen gezogen wåre.
Niemand wusste uns zu sagen / welchen weg sie genommen / oder wo sie hin gekommen
/ und kame uns alles dieses so fromd für / dass wir oft anhuben zu zweiflen / ob
es nicht bloss ein zauberisches gesichte gewesen sei. Wir eileten / als wir
wieder hieher in die landschaft Amida gekommen / so fort zu dem hirten Ausicles
/ um bei deme etwas von unsern dreien schönen zu erfahren. Wir erhielten von
ihme die erfreuliche nachricht / dass sie zu Sarug / und also uns ganz nahe /
sich befänden: dahin sie sich begeben / weil sie / vor dem Prinzen von Chaldea /
in einer stadt sicherer zu sein vermeinten / als auf den offenen lande. Wir
hatten dieses kaum zu ende gehöret / da gaben wir der Melidia und Eidania / wie
auch der schåferin Sandenise alhier zu gegen / die auch in der Girmatener lande
sie kennen gelernet / so gute worte / dass sie mit uns nach Sarug gingen: da wir
diese dreie / ja so schon und ja so gütig / als zu Abarne wieder antraffen / und
/ durch vermittelung obbenanter schåferinnen /zu ihnen furgelassen wurden.
    Weil wir sie alle dreie beisammen funden / hatte ihre macht die alte wirkung
in uns beiden / dass wir in sie alle drei gleich håftig verliebet blieben / auch
so gar / dass unsere bis dahin gepflogene vertraulichkeit anhube kälter zu werden
/ und die eiftesucht uns triebe / gegen einander geheim zu sein: da dann ein
ieder für sich / auf alle mügliche weise einen vorteil in dieser fromden liebe
zu erjagen / bemuhet bliebe. Dieserwegen suchete Betuel / so wohl als ich /
gelegenheit /wie ein ieder allein bei unsern schönen sein mochte: das uns aber
sehr selten anginge / weil das gleiche geschicke uns fast allemal zugleich
triebe / auf eine zeit und stunde in Sarug zu kommen. So bekant nun / in kurzer
zeit / die drei schonheiten von Sarug in dieser ganzen gegend geworden / so
offenbar wurde auch dabei unsere liebe: an deren entdeckung zu allererst die
vorwitzige Sandenise schuld hatte / die dessen gegen ihre andere gespielinnen
gedachte / welche davon ihren vertrauten wieder erzehlten / und es also unter
alle einwohner dieser gegend ausbreiteten. Weil Betuel damals eine
unumgängliche reise nach Haran tun musste / hatte ich etliche wochen luft / bei
unseren schönen allein zu sein.
    Ich feirete dazumal nicht / der åltsten / des Sinears unbeständiges gemüte /
zu beschreiben / welches er nicht allein gegen der Lea / sonderen auch darin
erwiesen / da er eine grosse Konigin hierzugegen / im verwichenen Syrischen
kriege / heiraten sollen / und solcher glückseligkeit / als er deren beraubet
worden /sobald vergessen konnen; daraus dann zu schliessen wåre / dass er ihrer
nicht mehr achten wurde / nun er ihre schönheit nicht fur augen hätte. Ich
richtete hiemit bei ihr dieses aus / dass sie anfinge unruhiger zu werden. Als
ich darauf auch der jungsten erzehlte /wie håftig ehmals der Betuel geliebt /
machte ich die damit furwitzig / ein mehrers hievon zu hören. Der mitleren wusste
ich dergleichen nichtes zu sagen /und hütete ich mich wohl / ihr und den andern /
meine schwachheit / die ich gleicher massen in meiner vorzeitigen liebe erwiesen
/ zu entdecken.
    Nachdem ich dergestalt / bei diesen dreien / das vergnugteste leben ein
zeitlang gefüret / verstorte der wiederkehrende Betuel meine ruhe. Ich fulete
nun mehr als iemals meine eiversucht / als ich diesen mitbuler bei meinen
schonen wieder sehen musste. Weil in allen dingen unser geschicke gleich sein
sollte / als fügte es sich / dass / den dritten tag nach des Betuels wiederkehr /
ich notwendig nach meinem furstentum Ram reisen musste: in welcher zeit er alles
das nachholete / was er zuvor verseumet hatte. Ob er mir nun zwar / was den
Sinear betraffe / bei der ältsten keinen schaden täte / so erzehlte er doch der
zweiten / meine ehmalige liebe / und bemuhete sich die dritte / als die ihn
damit zu vexiren anfinge / zu bereden / wiedass er nicht mehr an vorigem hohen
ort liebte.
    Wie ich / nach verlauf einer wochen / wieder nach Sarug kame / fand ich den
Betuel / bei diesen dreien schonen / hierüber im kriege: die den mich alle zum
beistand riefen / ihnen zu sagen / ob es nicht wahr wåre / dass Betuel am
bekanten ort noch liebte. Es schmerzte mich / dass ich / durch entdeckung der
warheit / meinem mitbuler dienen sollte / und sagte ich demnach / wiedass ich es
nicht wusste. Betuel name daher gelegenheit / die frage ihnen an die hand zu
geben / ob ich nicht auch noch liebte / wo ich nichtes zu hoffen håtte? Ihnen
hierauf zu antworten / hatte ich nicht allein damals / sondern auch nachgehends
/immer genug zu schaffen / und wollten sie so wenig mir / als dem Betuel /
zutrauen / dass wir so vernunftig sein konnen / unsere liebe / wegen der
unmüglichkeit / aufzuheben. Sie hatten wohl ursach / solches von uns zu vermuten
/ weil sie unsere törichte liebe / mit deren wir gegen sie selbst verhaftet /
wohl vermerkten. Weil wir uns aber an keine von ihnen besonders macheten / als
litten sie / so wohl als ihre alte mume / dass wir in unserer lebens-art
fortfahren dorften.
    So ungereimt und låcherrlich nun diese ware / so gabe sie uns doch
beiderseits in den siñ / etwas freier als bis dahin geschehen / unseren schönen
/ unsere liebe in versen kund zu machen / die wir ihnen / und zwar auf einen tag
/ und fast auf einen schlag (massen wir / zu meiner verwunderung / einerlei
reimung auf die dreie / und doch keiner des andern reimwörter /gefuret)
uberreicheten. Des Betuels seine liebes-entdeckung / lautete also:
Kan sich die lieb ins herz durch eine schonheit streuen:
was wird geschehn von dreien?
kann man nicht unverliebt die schonheit schauen an:
so wird man ja verzeihen
dem Betuel / dass er die lieb nit lassen kann.
Solt mir / des hasses eis / den weg zur gunst verschneien /
gehårtt vom wankel-wahn?
das herz / durch solche zier / sich zum bestand låsst weihen.
Ich schwöre / bei der bahn
der sonne / dass in mir die wunden ewig seien.
Die meinige aber / hatte ich / in diese zeilen verfasset.
Wan eine sonne kann der erd viel hitz verleihen:
ich stehe hier bei dreien;
was wunder ist es dann / wann ich entzundet bin /
und muss nach kulung schreien?
Sol meine brunst dann auch / die ich trag' in dem sinn /
sich anzumelden scheuen?
Es lohe diese lieb nach ihrem ursprung hin /
auf gnådiges gedeien.
Lasst ihr die flamme nicht / Elihu dem getreuen /
tod und verzehrung dreuen.
    Unsere schonen / hielten diese unsere reimen fur rätseln / und legten mir
demnach auf / des Betuels schrift / und ihm / die meine zu erklären. Wir wurden
hierob beiderseits beschåmet und betreten / und wurden einander in unser liebe
gedienet haben / wan wir einer des andern verse ihnen recht hätten ausgeleget.
Ich wandte aber dieses ihr begehren von mir ab /mit der entschuldigung / wie sie
selbst so hocherleuchten verstandes wären / dass sie keines anderen erklärung
bedurften. Betuel aber sagte: Er wollte sich wohl deutlicher gegen sie erklären /
wan sie es begehrten. Weil sie nun dieses nicht verlangten / als haben sie auch
nicht ferner in uns dringen wollen. Viel dergleichen dinge begaben sich zwischen
uns / welche hier zu erholen / viel zu weitlåufig fallen würde. Gleich wie wir
nun nie vermochten / sie zu bereden /dass sie aus Sarug kommen möchten / also
konten wir auch nicht ihren stand von ihnen erfahren. Wir fuhren also in dieser
lebens-art fort / bis diese königliche gesellschaft mit unserer Königin alhier
ankame: die dann / wiewol verborgen / zu sehen / unsern drei schönen ein grosses
verlangen erwiesen / und gleichwol dem Betuel und mir dise ehre nicht gönnen
wollten / dass wir ihnen hierinn gedienet hätten / sondern den hirten Ausicles
dazu erkieseten.
    Wie nun dieser mit seinem frauenvolke / ongefår vor acht tagen / nach Sarug
kame / um diese schonen heimlich an den ort zu füren / wo diese königliche
gesellschaft sich zu versamlen pfleget / mussten sie / ach leider! von den
inwonern in Sarug vernemen / wie die zierde ihrer stadt / wenig tage zuvor /
gewaltsamer weise in der nacht wåre entfuret worden. Als Betuel und ich dieses
unglücks inn geworden / rieten wir gleich auf den Prinzen von Chaldea / dass der
diese gewaltättigkeit musste verübet haben. Wir sandten demnach jemand hin nach
Ur / sich hierum zu erkundigen. Dieser ausgeschickte / ist nun gestrigen abends
wieder gekommen / und hat seine reise nicht bis nach Ur fortgesetzet / weil ihn
unterwegs etliche reisende kaufleute aus Ur berichtet / dass in etlichen monaten
ihr Prinz nicht anheimig gewesen / auch eine gute zeit zu Babel bei dem Konig
Baleus sich aufgehalten hatte. Diese nachricht hat uns noch mehr irre gemacht /
als wir zuvor gewesen. Indem ich alhier die warheit gestehe / dass wir so håftig
diese unbekannte schönheiten lieben / als man immer lieben kann / erachte ich es
fur eine unnoht / unsren ietzigen schmerzen hier abzubilden / den in uns dieser
grosse verlust / und die unwissenheit / wohin wir uns wenden sollen / erwecket
hat. Ich weiss demnach dieser erzehlung nichtes mehr anzufügen / als dieses / wie
Betuel und ich / in erkentnis unserer langen torheit / nun eben miteinander
fåst gestellet / dass jeder von uns ihm eine von diesen dreien schonheiten
ausersuchen / und dieselbe allein zu lieben anfahen sollte / und wir also
aufhören wollten / mitbulere zu sein / als uns diese betrübte post von ihrem
verlust vorkame: daraus wir dann abnemen müssen / wie der himmel es sonderlich
also versehen habe / dass wir beide die unglückseligste und elendeste liebhabere
von der welt sein und bleiben sollen.
                                     * * *
    Elihu hatte kaum dieses lezte wort gesaget / da traten die richtere von
Amida / nebst ihren frauen und andren bei sich habenden / in den saal: das dann
die konigliche gesellschaft verhinterte / von der izt-angehörten wundersamen
liebesgeschichte des Elihu und Betuels / ihre gedanken zu eröffnen. Die Konigin
von Mesopotamien gienge diesen leuten gleich entgegen / und begruste sie auf das
allerleutseligste: ob man gleich den verdrus / den diese ungerechte leute /wegen
des furnemens ihrer Königin / in sich entfunden / an ihnen satsam verspürn
konnte. Die Berinte /Halida / Sireme und Phalerinte / als die ehefrauen der vier
richtere / wurden auch von der Konigin zum hoflichsten entfangen: und leuchtete
dieser frauen ihr stolz und ubermut gnugsam hervor / massen sie mit kostlichern
kleinoden / als die Königinnen und Prinzessinnen selber / ausgezieret waren. Die
schäferin Sandenise / die neben der schonen Amphilite unter der Konigin
frauenzimmer stunde / sagte / diesen pracht ersehend / zu ihrer gespielin: sihe
/ wie unsere richterinnen / von der armen Mesopotamier schweis und blute /
glånzen! Die furchtsame Amphilite / die ohne das beångstigt war / weil sie wusste
/ dass ihre sache furkommen würde / steurete dieser ihrer lustigen freundin / so
viel sie kunte / und befohle sich dabei dem himmel / ihr / in ihrer gerechtsame
/ hülfe widerfahren zu lassen. Als nun die Konigin Aramena an ihren wagen /
welcher eben der jenige war / den ihr die gesamte Mesopotamier geschenket / von
den richtern sich begleiten lassen / folgte sie denselben / in gesellschaft des
Konigs / ihres bruders / und ihrer liebsten Cölidiane / und fuhren hierauf auch
alle die andren / in zimlichster ordnung / aus Samosata / bis unter das tor von
Amida: alda ein erhabener tron für die Aramena aufgerichtet war / auf welchen
der Targas / Helidor / Reba und Sineab sie hinauf fureten /und sich unter sie
auf den untersten tritt niedersezten. Alle Konige und Königinnen / begaben sich
auf die dazu bereitete schaubünen.
    Wie nun das begierige volk häufig herzu drange /musste der alte Tebah / auf
befehl der Königin / eine rede zu demselben tun / welches dieser treue Syrer
mit freuden-tränen verrichtete. Der inhalt dieser rede war / dass den
Mesopotamiern hiemit nochmals angedeutet wurde / wie hinfuro die Königin in
person alle gerichtståge bei ihnen halten / ihre klagen anhoren /und einem jeden
sein recht wollte widerfahren lassen. Hierauf / als Oromedon / im namen der
gesamten schåfere / dafur gedanket / wurde von dem Fursten Barzes ausgeruffen /
wie dass nun das verhor geöffnet / und ein jeder kläger herfurtreten möchte. Als
der betrubte Nahor solches tun wollte / kame ihm die verweserin Almesia zuvor /
und nachdem sie an den ort /der für die klågere gewidmet / sich gestellet /
begunte sie ihre klage also anzubringen.
    Ich schåtze mich wohl seelig in meinem unglücke /grosmächtige Königin! dass
ich die erste mich nennen werde / die alhier von E. Maj. rechtliche hulfe
erlanget. Dan / ob gleich ein Fürst / ja gar ein vetter von E. Maj. der jenige
ist / den ich anklage / so zweifle ich doch darüm im geringsten nicht / dass mir
nicht sollte recht wiederfahren. Ich leide gewalt / grosse Konigin! und zwar die
gröste / die man bei der friedensruhe ausstehen kann: indem der Fürst Nahor von
Haran sich nicht entfärbet / fur weniger und zwar eben in dieser zeit / da
bereits E. Maj. gerechtester glanz diese unsere gegend beschienen / meine zwo
dienstmågde / namentlich die Aprite und Baalise / mir heimlich zu entfuren / um
also dieselbigen nicht allein aus meinem dienste zu rauben / dadurch meiner
haushaltung ein grosser schaden geschihet / sondern auch diese armseligen damit
zubetruben / weil ich sie als meine tochter geliebt / und sie bei mir sich
sichren schutzes trösten konnen. Diese schåndliche tat redet von selber /dass
ich also nicht notig habe / deren grosse und straffwürdigkeit hier anzufüren.
Demnach bitte ich allein üm recht / dass mir moge mein schade ersetzet / und
diese beide unschuldigen mir wieder eingehändigt werden: das ubrige / so der
Fürst von Haran hiermit verwirket / dem allergerechtesten ausspruch E. Maj.
anheim stellend.
    Als Almesia hiemit ihre rede geendet / sah alle welt auf den Nahor: welcher
/ auf erhaltene erlaubnus / nachdem er sich auf der beklagten platz hingestellet
/ also antwortete. Ich håtte mich wohl eher des himmelfalls versehen / als dass
ich aus einem kläger / den ich hier furstellen wollen / nun ein beklagter werde
/ und zwar in eben der sache / in welcher ich E. Maj. üm recht anzuruffen
vermeint. Die entfurung der schonen Aprite geht mir selber / und versichert
sehrer / zu herzen / als der Almesia / meiner anklägerin / und wollte ich
wunschen / dass der Almesia ihr verdacht wahr / und ich an der Aprite entfürung
schuldig sein mochte: weil ich als den hoffen könnte / dass meine gnädigste
Königin mir / in ansehung der grossen liebe / die ich zu der Aprite trage / diese
begangene tat nicht verüblen wurde. Allein / gnädigste Königin! ich bin so
glucklich nicht / als mich Almesia machen will / sondern lebe leider! mit ihr in
gleicher ungewissheit /wo die Aprite und Baalise mogen hingekommen sein. So wird
demnach Almesia ihren argwan von mir müssen fallen lassen / und vielmehr mein
beistand wider die jenigen werden / die ich billiger / als sie mich / in
verdacht habe / dass sie an der Aprite und Baalise entfurung schuldig seien. Und
weil dieses ein licht in dieser sache wird geben konnen / so bitte ich E. Maj.
üm erlaubnis / meine klage erstlich furzubringen / ehe ich gegen der Almesia
mich ferner verantworte: dann ihre anklage beruhet in dieser / und meine unschuld
wird an den tag kommen / wan ich / als kläger / in dieser sache mag gehöret
werden.
    Die Konigin Aramena / dieses begehren des Nahors ganz billig befindend /
erlaubte ihm / auf den platz der klägere zu treten / da er den seine anklage
also furbrachte. Ich sollte / in betrachtung der hohen geburt / die ich mit
meiner gnädigsten Konigin gemein habe / nach einbildung ihrer vieler / mich wohl
billig entsetzen / allhier offentlich vor so furnemer hoher gesellschaft zu
bekennen / dass ich eine schåferin / ja eine dienstmagd der Almesia liebe / und
zwar mit einer solchen liebe dieselbe verehre / die die heurat zum zwecke hat /
und sie in den fürstenstand zuheben gemeinet ist. Weil aber / der Aprite
schönheit hintan gesetzet / ihre unvergleichliche tugend sie schon zur furstin
machet / und sie ganz nicht gemeines in diesem nidren stande fürstellet / als
finde ich keine ursach / die mich abhalten sollte / allhier vor meiner Königin /
vor allen anwesenden königlichen personen / vor meinen anverwandten / und vor
diesem volke zu gestehen / dass ich die Aprite liebe und lieben werde / solang
ich lebe. So ist dann unnotig /meine verzweifelte betrubnus alhier fürstellig zu
machen / die ihr verlust in mir erwecket / als ich denselben vernommen. Ich
wusste nicht / wen ich den ursacher dieses unsternes nennen / oder an wen ich
mich halten sollte: bis mir endlich einfiele / des Teraphim ausspruch hieruber zu
vernemen / der mir verhoffentlich / in dieser dunklen sache / ein licht würde
geben konnen.
    Ich reisete demnach / ja ich floge / zu diesem berumten tempel / und wie ich
der gotteit mein anligen eroffnet / bekame ich diesen ausspruch:
Dein nåchstes blut ist schuldig an der tat:
wiewol dich schon die lieb gerochen hat.
Mit dieser zwar-dunklen antwort / musste ich wieder abziehen / und vermochte ich
/ nachdem ich recht bei mir alles überleget / aus diesen worten / Dein nächstes
blut! nichts anders zu schliessen / als dass mein bruder Betuel / der meiner
liebe zu der Aprite sehr widersprochen / hieran schüldig sein müsse. Mich stärket
auch nit wenig in meiner vermutung / dass dieser gottes-ausspruch ferner saget /
es habe die liebe mich bereits gerochen: dann ich deute solches dahin /dass ich
den Betuel nun mir gleich unglücklich finde / indem er auch den verlust seiner
liebsten erfahren müssen. Diesemnach ist es der Betuel / Grosse Königin! den ich
hier offentlich anklage. Es ist mein nåchstes blut / so ich dessen beschuldige /
was mir Almesia aufburden wollen. So flehe ich dann E. Maj. gerechtesten tron an
/ dem Betuel aufzulegen / dass er hier sagen müsse / wo die schöne Aprite
geblieben /und ob er nicht / üm meine liebe zu hintern / sie habe wollen aus dem
wege schaffen.
    Hiemit schwiege Nahor / und musste Betuel sich verantworten / der dann
solches folgender massen verrichtete. Ich gebe / in meines bruders
iezt-fürgebrachter klage / dieses gerne nach / dass ich auf alle ersinliche weise
gehinteret / dass die ungereimte liebe / die er zu einer dienstmagd der Almesia
geworfen / nicht zum stande / wie er es verlanget / geraten möchte: daher ich
auch nicht schamrot stehen wollte / wan er mich dieser tat überwiesen håtte /
deren er mich iezt beschuldiget. Weil aber alles sein furbringen auf einem ganz
dunklen ausspruch des Teraphim beruhet / den man erklären kann / wie man will: so
bitte ich meine gnädigste Königin demütigst / mich von meines bruders klage so
lang frei zu sprechen / bis er båsser bewiesen / dass ich die mågde der Almesia
entfüret habe.
    Wie nun hierauf die Almesia / wider den Nahor /ferner nichtes anbrachte /
sagte dieser ungedultige verliebte zu seinem bruder: Wie kanst du doch / O
Betuel! gegen mir dich so grausam erweisen / da du eben das erleidest / was ich
so schmerz-entfindlich ausstehe. Ich weis / wohin die drei schönheiten von Sarug
entfuret sind: ich will dir aber das nicht eher eroffnen / bis du mir auch meine
qual wirst benommen haben. Du bist schuldig / Betuel! du magst sagen /was du
magst. Wilst du aber dir in deiner liebe geholfen sehen / so gestehe mir / was
du getan hast / und mache dich und mich dadurch gluckselig. Als Betuel dieses
vername / wåre er schier durch liebes-trieb heraus gebrochen / und håtte sich
kund gegeben. Der vorsichtige Elihu aber / kame ihm in dieser verwirrung zu
hulfe / und für der Konigin tron eiligst nieder kniehend / rieffe er dieselbe an
/ den Nahor bei seinen worten zu fassen / und dahin zu halten / dass er sagen
müsse / was er von den dreien schonheiten von Sarug wusste.
    Wie nun also / in dieser ersten sache / der vortrag und die verantwortung
der klagenden teile sich geendet / traten die richtere zu der Konigin / üm von
derselben zu vernemen / ob es ihr gefällig / in eine kleine kammer / die gleich
hinter ihren tron war / mit ihnen abzutreten / und sich daselbst eines
ausspruches zu vergleichen. Aber die Konigin weigerte sich dessen / und sagte:
sie hätte schon geschlossen / wie das urteil lauten sollte. Wie sie dann solches
also fort / mit so grosser majestet als annemlichkeit / in diesen worten
aussprache. So grosses recht die Almesia hat / sich über ihren erlittenen
verlust zu beklagen / so wenig hat sie noch zur zeit erwiesen / dass der Furst
von Haran daran schüldig sei. Daher / wan sie diese klage wider ihn fortsetzen
will / soll sie gehalten sein / bässern beweistum gegen ihn anzufüren. Ebener
massen erkennen wir auch für des Fursten Nahors schüldigkeit / von seinem bruder
mit der klage abzulassen /dass der die entfürung der gemeldten personen
verursachet / weil der dunkle ausspruch / den er erlanget /den Betuel keines
wegs schüldig machet. So muss auch Nahor zuvor seiner eltern und anverwandten
einwilligung haben / seine liebe betreffend / ehe er mit fuge iemand wegen
dieser entfürung besprechen konne. Was des Fürsten von Ram ansuchen belanget /so
erkennen wir auch den Nahor fur schuldig / diesem Fursten und seinem bruder /
den aufentalt der so genanten dreien schönheiten von Sarug / zu eroffnen /weil
er solches weiss / und vor dem gerichte nicht verschweigen kann oder solle.
    Jederman war mit dieser entscheidung der Konigin wohl zu frieden / auch die
klagende teile selber: weil Almesia wohl sah / dass Nahor unschuldig war / und
dieser Fürst / aus den worten der Königin / die hoffnung schöpfte / dass sie die
einwilligung seiner verwandten nicht verhintern / und Betuel nach solcher
/dafern er etwas von der Aprite wüste / ihm ferner kein geheimnis davon machen
wurde. Der Konigin befehl aber ein genugen zu tun / erzehlte er / was ihme von
den dreien schönheiten wissend war / und wie der Prinz Sinear von Chaldea
dieselbigen / nach dem König von Uz / ins land Ausitis / entfüret hätte. Dieser
bericht sezte den Elihu und Betuel in solche freud-entzückung / dass sie beide
den Nahor ümarmeten / und fehlte es nicht viel / dass sie nicht mit ihrem
geheimnis hinwieder heraus gebrochen /und den Nahor mit den bericht erfreuet /
wie seine Aprite ebenfalls in Ausitis sich befünde. Aber sie zwungen sich /
wegen der andern anwesenden Syrischen Fürsten / und liessen also den betrübten
Nahor in seiner unruhe: dabei in ihren gedanken schlüssig /so fort des folgenden
tags nach dem königreich Ausitis abzureisen / dem Sinear die ältere gutwillig zu
überlassen / und sich für aufwårtere der andren beiden zu erklären.
    Wie nun so weit diese erste sache zum ende war /kame Oromedon herfür / und
klagte zum höchsten uber die Sandenise / dass die neulich seine frau / die Eunone
/ in der Amphilite geschicht-erzehlung /gegen der Konigin so ubel beschrieben
hätte / weswegen er geburlich recht von ihr begehren musste. Diese klage brachte
Oromedon so frech herfur / weil er sich auf seine schwägere die richtere
verliesse / dass man vermeinen sollen / er hätte das groste recht gehabt. Wie aber
die Konigin der Sandenise geboten / sich zu verantworten / stellte diese dem
Oromedon und der Eunone ihren unfug so sonnenklar fur augen / dass die Konigin
gute gelegenheit bekame / der Amphilite unterdrucktem zustande auf zu helfen.
Und um die richtere / welche einen grossern anhang hatten / nicht offentlich zu
beschimpfen / woraus eine gefårliche unruhe håtte entstehen konnen / musste
Amphilite nur bloss die Königin üm recht anflehen / sonder alle ümstände zu
benennen. Worauf sie / mit den vier richtern / in das zimmer hinter ihrem tron
abtrate / daselbst sie ihnen umständlich fübildete / wie dieser unschuldigen
schäferin so grosses unrecht widerfahren wäre. Die Eunone wurde folgends hinein
gefordert / deren die Konigin zuredte / die warheit zu gestehen / ob sie nicht
in des Abinaels kleidern / neben der Eidania und Melidia / bei der Amphilite
gewesen wäre? Sie wollte es anfangs nicht bekennen. Wie aber die Konigin ihr
damit drohete / dass die ganze sache aufs neue musste fürgenommen und untersuchet
werden / winkten ihr die richtere / die warheit zu gestehen: das sie den täte /
und ihre verhelung damit beschonete / dass sie sich fur dem Oromedon / ihrem
strengen manne / gefürchtet / der ihr diese genommene freiheit / sich in
manskleider zu verstellen / sehr würde verüblet haben. Wiewol nun die Königin
die rechte ursache wohl wusste / so name sie doch diese an / weil sie ihren zweck
dadurch ja so wohl erlangen kunte. Wie sie demnach sich wieder auf den richtstul
gesetzet / und alles volk hochst-begierig war / die endschaft dieser verwirrten
sache zu vernemen / fållete sie nachfolgendes urteil.
    Weil Oromedon sich billig seiner frauen annemen mussen / da ihme nicht anders
bekant gewesen / als dass die beschüldigungen / womit die Sandenise sie beleget /
unwahr wären / als hat er rechte ursach gehabt / sich uber die Sandenise zu
beschweren. Weil aber diese schåferin in ihrem gewissen versichert ist /dass sie
die warheit geredet / auch Eunone iezt alles gestanden / was sie bisher
gelaugnet / als ist billig Sandenise von der klage los zu sprechen / Eunone aber
auch zu entschuldigen / weil sie / aus furcht für ihrem manne / das verhelet /
was sie aus keiner bosen Meinung / sondern zur lust / mit der Amphilite
angestellet. Und weil nun auch / nach diesen eroffneten ümstånden / die vorhin
den richtern unbekant gewesen / erhellet / dass das wider die Amphilite erteilte
urteil müsse gemildert werden / so mildern wir solches hiemit / und erkennen
diese schäferin fur ganz unschüldig / hingegen den Chersis für schuldig / ihr
die ehliche versprechung zu halten. Wir wollen aber / aus unsren koniglichen
mitteln / die aussteuer zu dieser hochzeit hergeben / von deren dann auch alle
die unkosten / die der alte Chebron / wie auch die Melidia /Eidania / Artainte
und Sandenise tragen müssen / bezahlet werden / und sie allerseits alles
vergangene in vergess zu stellen / und fortin / als freunde / einander zu lieben
/ gehalten sein sollen.
    Ein grosses allgemeines freuden-geschrei des ganzen volkes entstunde / uber
diesem urteil der Königin / und verbargen die richtere / wie auch ihre frauen
und anverwandten / ihren innerlichen verdrus hierüber / so gut sie kunten: dabei
in ihrem herzen bewunderend /dass die Königin es so glimpflich in die wege
gerichtet hatte / sie bei ehren zu erhalten. Die schonheit der Amphilite /
glänzte hierauf noch eins so herrlich herfur / nun sie also vollkomlich ihre
ehre wieder erlanget. Und ob sie wohl mit dem Chersis so wohl nicht stunde / dass
sie deme gutwillig die eheliche hand geben konnen / so durfte sie doch wieder
das gesprochene urteil nicht reden / und vermeinte sie solches hernach noch wohl
bei der Konigin wieder zu hintertreiben. Der verliebte Abinael / der / aus
ungemeiner grosmut / sich mit erfreute / dass die Amphilite nun vollig wieder war
zu ehren gekommen / gabe seine freude nicht weniger an tag / als alle ihre
andere freunde.
    Es wollte aber diese schone schåferin / auf eine sonderbare weise / diesem
hirten ihre erkentlichkeit dafur sehen lassen / indem sie seine anklågerin wurde
/ und folgender gestalt ihre klage der Königin furbrachte. Gnädigste Königin!
(sagte sie) wan einer wider sein eigen båstes handlet / und sich vorsezlich in
unheil sturzet / so pfleget die richterliche obrigkeit / aus tragender fürsorge
/ ihn wohl dazu zu zwingen / dass er seine wolfart båsser in acht neme / und
dergestalt sein vormund zu werden. Ein solches bedarf nun auch gegenwårtiger
hirte Abinael / der / aus einer fürsezlichen traurigkeit / will nicht sagen aus
verzweifelung /alles sein gluck verseumet / und darin seine ruhe suchet / dass
es ihm recht elend ergehen möge. Diesem hirten ist neulicher zeit ein stuck
ackers / wie auch eine heerd schafe von drei hundert kopfen / durch einen
erbfall zugestammet: die er mit dem beding erlangen kann / wan er eine schöne
hirtin / von den furnemsten dieser gegend / ihm will trauen lassen /weil sie des
verstorbenen schwester tochter ist / und dem Abinael neben dieser erbschaft
zugedacht worden; und ohne diese heurat / wird dieses erbe einem nähern / als
den Abinael / müssen zu teil werden. Sie verordnen demnach / gnådigste Konigin!
dass Abinael / der sonder dieses gluck verloren ist / dasselbe nicht also
fürsezlich verscherze. Es wird hierdurch / neben mir / die ganze gegend von
Amida erfreuet werden /dass also einer von unsern hirten / und zwar von solcher
tugend / wie Abinael ist / solcher gestalt aufentalten wird. Es konnen auch E.
Maj. keinen båssern und getreuern untertanen erlangen / als eben diesen hirten /
den auch seine feinde selber loben / und ihm ein rümliches zeichnis geben
mussen.
    Diese sonderbare klage der Amphilite / wurde von iederman mit grosser
belustigung angehoret / und wie die Konigin dem Abinael befehlen lassen /
hierauf zu antworten / täte er solches folgender massen. Es ist grausam / dass
Amphilite meine ietzige lebens-art mir nicht gönnen kann: da sie doch weiss / wie
einig und allein darin meine ruh bestehe / dass ich bei mir selbst erwågen mag /
was ich weder ihr noch einigem menschen mehr entdecken werde / nåmlich / dass ich
sie /wiewol sonder hoffnung / annoch liebe. Sie will auch dieses ubrige in mir
ausgerottet wissen / dass ich mir selber nicht mehr eroffnen dorfe / wie sehr ich
sie verehre. Um aber völlig mich zu uberwinden / und das mass ihrer
unbarmherzigkeit voll zu machen / so unterwerfe ich mich ganz und gar / der
verordnung meiner gnädigsten Königin / und will / als ein gehorsamster untertan
/ dem ienigen schüldigster massen nachleben / was mir wird hierinn auferleget
und zuerkant werden.
    Als die Konigin hierüber den ausspruch tun wollte / drunge eine junge
schåferin durch das volk / und warfe sich für den richterstul nieder / mit
weinenden augen bittende / dass man sie vorher hören mochte. Man erkannte sie
gleich fur die Briside / des verwesers Demas åltste tochter / und war sie eben
die jenige /die ihrer mutter bruder / dem Abinael ihrem vettern /neben dem erbe
/ hatte zugefreiet. Weil nun ihr einwenden musste gehöret werden / als erlangte
sie so fort erlaubnis / folgendes furzubringen. Ich werde alhier /gnädigste
Konigin! gleichsam feil geboten / ohne dass man meinen willen begehret zu wissen
/ ob ich auch damit einig sei oder nicht? Ich bin die jenige / die meiner mutter
bruder / auf seinem todbette / an sein gut gebunden / und selbiges nicht ohne
mich verwenden wollen. Ich bin die jenige / die die Amphilite dem Abinael
aufdringen will / dessen sie selber nicht begehret. Ich bin die jenige / die der
Abinael / nach erhaltenem urteil / entweder heiraten will oder nicht. Und lezlich
bin ich die jenige / die weder mit des verstorbenen leztem willen / noch auch
mit dem verfahren der Amphilite und des Abinaels / zufrieden ist /sonderen von
E. Maj. gütigkeit hoffet / dass sie so wenig diesen hirten / als mich / zwingen
werden /wider unseren freien willen etwas zu tun / so der Amphilite ihre ruhe
und zufriedenheit könne zu wege bringen. Diese gehorsamste bitte ist / wie ich
vermeine / so rechtmässig / dass E. Maj. versichert mir dero gnädigste hulfe nicht
werden versagen / noch mich unerhört lassen konnen.
    Es hatte Abinael noch niemals die angeneme Briside also betrachtet / wie
dieses mal / und fand er sie unter ihrem weinen so schon und gefällig / dass er
/ so wohl die Amphilite zu vergnugen / als durch diese heurat sich in guten stand
zu setzen / nun mit gutem willen täte / worzu er kurz vorher / bloss dem
ausspruch der Königin zu gehorsamen / sich entschlossen hatte. Und nun / bei
dieser neuen liebe / eine neue unruhe entfindend / erwartete er mit angst der
Königin ferneren urteil-spruch / welcher dieses lauts erfolgte: Gleichwie
Amphilite billig / so wohl fur ihr eigen båstes / als fur ihres freundes
wolergehen / sorge träget /also ist auch nicht unbillig / was sie iezt wegen des
Abinaels gesuchet. Wird demnach diesem hirten hiermit rechtlich auferlegt / die
schåferin Briside fortin zu bedienen / und sich ihr durch alle ersinnliche
dienste gefällig zu machen: um also / mit ihrem freien guten willen / des
vermachten erbgutes sich habhaft zu machen. Alle anwesende waren mit diesem
urteil der Königin mehr als wohl zu frieden: und machte sich Abinael so fort zu
der Briside / um dadurch den anfang seines gehorsams zu erweisen.
    Als hierauf die hirten noch so viele klagen vorbrachten / dass sie nicht alle
den vormittag kunten entschieden werden / als bestimmte die Konigin hierzu den
nachmittag: welches / weil es vorher von den richteren nie geschehen war / ein
grosses frolocken unter dem volk erwekte; und mussten diese / mit grossen verdruss
/offentlich reden hören / wiedass in diesem halben gerichtstage bereits mehr /
als vordessen in etlichen / geschehen wåre / und dass nun Mesopotamien ursach
hätte / sich unter solcher regirung überseelig zu schåtzen. Es hatten aber die
richtere / in des Reba haus zu Amida / ein herrliches gastmal fur die konigliche
personen zubereitet / dahin dann nun die ganze gesellschaft / mit der Königin /
sich verfügte: und war alles so überkostlich zugerichtet / dass sie sich nicht
gnug darob verwundern kunten. Die Phalerinte / des richters Sineab frau / hatte
im gedrång eine kostliche perle verloren: worüber alle ihre anverwandten sich
håftig bekummerten / auch so öffentlich und ämsig darnach sucheten / dass sie
schier ihrer aufwartung daruber vergassen. Daher die Königin von Mesopotamien /
diesen verlust zu ersetzen / eine überaus-kostliche perle von ihrem halsgebånde
abname / und solche der Phalerinte verehrte: welche zwar diese königliche
mildgebigkeit bewunderte / darüm aber ja so wenig / als ihre anverwandten / den
groll aus ihrem herzen bannen kunte / den diese ihre tugendhafte oberrichterin
bei ihnen allen erweckt hatte.
    Wie nun die malzeit sich geendet / und die Königin hierauf / den nachmittag
noch ferner gericht gesessen /auch sehr viele streitsachen abgetan hatte /
fuhren sie / gegen den abend / wieder nach Samosata: da aber die schöne Aramena
sich so ermudet befande / dass sie / an statt der fürgenommenen geschicht-spiele /
gleich zur ruhe gehen / und solche auf den andern tag aussetzen musste. Es war
hiermit sonderlich die Zelinte / des Fürsten Rames tochter / wohl zu frieden /
als welche /bei diesem spiel / fast das meiste auswendig zu lernen bekommen
hatte. Der Elihu und Betuel / namen noch selbigen abend / nach erlangter
erlaubnis / ihren abschied von den koniglichen personen / um nach Ausitis zu
reisen: da ihnen fürnemlich die beide durchleuchtige Aramenen viel gutes auf den
weg wünschten / als die nichtes mehr und höher verlangten / als diese ihre beide
ehmalige liebhabere vergnugt zu wissen.
    Des andern tags wurde / im garten hinter dem schlosse von Samosata / durch
den Fürsten Barzes /alle anstalt zu den geschicht spielen gemacht / und ein
weiter platz / der gegen den nachmittag / da die spiele anheben sollten / ganz
schatticht war / sowol für die spielende als für die zusehende / zubereitet. Es
sollten / allein die furnemste hofleute / hierzu eingelassen werden: weil der
weisse Hus / und die andere Syrische Fursten / nicht ratsam fanden / solche
belustigung in offentlicher versamlung vorzunemen / indem hiedurch leichtlich /
dem königlichen ansehen / einiger abbruch hätte wiederfahren können. Wie nun /
gegen erwähnte zeit / so wohl von Amida / als von Edessa / die konigliche
personen sich eingefunden / und diese / so nicht mitspielten / auf ihre
verordnete stellen sich niedergelassen hatten / begunte / hinter den båumen /
eine verborgene musik von trompeten und pauken zu ertonen / und zwar auf eine
solche weise / dass die zuhorer hierbei eine feldschlacht ihnen furbilden mussten.
Weil diese noch wårete / liesse der Jotan / der Königin kåmmerer / sich sehen:
welcher den königlichen personen viele beschriebene zedel uberreichte / auf
denen der inhalt des spieles / und die spielende personen /verzeichnet waren /
die dann der Konig Aramenes laut ablase / wie folget.
 
                         Streit der Grosmut und Liebe.
                            Diese person stellet vor
Oxiartes Konig in Bactra.
Rodias des Konigs vertrauter.
Sisiphus Bactrianischer feldherr.
Milda des Sisiphus gemalin.
Sicania der Milda bediente.
Dalene Fürstin aus Bactra.
Giris der Dalene bediente.
Balinde Prinzessin aus Elam.
Siparis ihre vertraute.
Morine Prinzessin aus Elassar.
Macresilea Prinzessin aus Babel.
Memphis bediente der Morine.
Sila feldherr der Balinde.
Jabot Konig in Ophir.
Migdol sein feldherr.
Nacres Prinz aus Indien.
Sirene des Migdol gemalin.
Midea der Sirene vertraute.
Elhanan Furst von Hus.
Petosiris Egyptischer feldherr.
Arsas Furst von Cale.
Tirza kammerjungfrau der Konigin von Ninive.
Casbiane Furstin von Cale.
Eldane Furstin der Ismaeliten.
Siringe jungfrau der Konigin von Mesopotamien.
Zelinte Furstin von Jedlaph.
Amesses Konigin in Ophir.
Aramena Konigin in Mesopotamien.
Aramena Konigin von Ninive.
Danede Konigin in Egypten.
Ascadates des Konigs von Ophir kammerherr.
Armizar Konig in Ophir.
Barzes Furst von Arvad / hofmeister der Konigin von Mesopotamien.
Amosis Konig in Egypten.
Dersine Furstin von Arvad.
Zamede kamerjungfrau der Konigin von Ophir.
 
        Die geschicht begibt sich / in dem lager des Königs von Bactra.
    Inwarheit / (sagte hierauf der König von Syrien) die verzeichnis dieser
personen / wie auch der Titel dieser geschicht / erwecket eine sonderbare
begierde / sie spielen zu sehen. Ich wusste mich aber wohl nicht dieser geschichte
zu besinnen / noch auch solcher namen /als wie hier den Konigen sind gegeben
worden. Ich habe befehl / (antwortete Jotan) alhier zu berichten /dass es eine
ganz warhafte geschichte sei: doch sind die Konigreiche und namen veråndert /
welche dann zu errahten / mitin ganz fleissig gebeten wird. Wolan! (sagte
Aramenes) wir wollen unser båstes hierbei tun / und ist diese erste erfindung
sehr hohen preises würdig. Als hiemit Jotan wieder abgetreten / öffnete sich /
gerad gegen den zusehenden über / ein gebusche /welches so kunstlich unter den
andern båumen gestanden / dass man vermeinen sollen / als wäre alles naturlich
gewesen. Es liessen sich dahinter / in der fernung /viel kriegsgezelte und ein
heer-lager sehen: aus deren fürnemstem / der König von Bactra und der
Elamitische feldherr / herfur traten / und also das spiel anfingen.
                                 Oxiartes Sila.
OXIARTES.
    Ach! steh mir ferner bei / du dunkle schatten-nacht!
    halt noch den mond zuruck / bis dass mein will vollbracht
    Nun mich hier niemand siht / seh' ich auf meine liebe /
    nicht / was der staat erheischt. Balinde! was ich ube
    fur treue iezt an dir / daraus nim klårlich ab /
    wie dass ich nichts / vor dir / auf erden werters hab!
    Ein grosses Konigreich lass ich gutwillig schwinden:
    Balinde ihrer haft und fåssel zu entbinden.
    Ja / Sila! ich erweis / dass ich erkennen kann /
    was deine Prinzessin fur gutes mir getan.
SILA.
    Dem ganzen erdenkreis / wirst du ein beispiel geben /
    so / wie du / grosser held! nun lebest / auch zu leben.
OXIARTES.
    O himmel! dir sei dank: der Jabot hier erscheint.
    ja / ja / ich sehe recht!
SILA.
     Wer håtte das gemeint /
    in so geschwinder eil?
                           Rodias bringt den Jabot.
RODIAS.
     Es ist mir nun geglucket /
    herr Konig! dein befehl / und ganz nach wunsch beschicket.
    ich bring den Jabot her. im lager ist es still /
    es merket keiner nichts.
OXIARTES.
     So ist erfullt mein will.
JABOTH.
    Wie / Oxiartes / wie! seh ich mich frei von banden?
OXIARTES.
    Dein leben schenk ich dir: erwart' / aus deinen landen /
    das meine wieder auch.
JABOTH.
     Wie ist diss zu verstehn?
OXIARTES.
    O Konig von Ophir! vernim / was da geschehn
    bei dieser grossen schlacht / die dir die freiheit name.
    Gleichwie dich mir das gluck geliefert / also kame
    auch in der deinen hand / die dapfre Prinzessin /
    Balinde / die ich lieb / die sich / aus lieb / dahin
    wolt sturzen in gefahr. Den sieg mir zu erwerben /
    sie selbst sich achtet nicht / und rannt in ihr verderben.
    Gedenke dann / wie du so teuer mir gewest /
    da in des Migdols hand mein ungluck kommen låst
    die schone / die ich lieb / fur die allein ich lebe /
    fur deren leben auch ich dir nun deines gebe.
    Dein tod der war bestimmt. Die ruhe von dem staat /
    sprach dir dein leben ab. hier fand sich keine gnad.
    Um Bactra und Ophir hinwieder zu vereinen /
    so solt nur eine sonn' in beiden reichen scheinen.
    Der himmel wiese mir / durch deinen unglucksfall /
    dass von mir sollte gehn der neue Konigs-schall.
    Schau aber / wie mein gluck steht meiner lieb entgegen.
    Balinde soll / wie du / ihr leben niederlegen:
    so dreuet mir dein volk. So bald dein tod wurd kund /
    so haben sie bestimmt / dass in derselben stund
    auch ihrer folgen soll. Ach! was hilft mir mein siegen /
    wan meine Konigin darunter soll erligen?
    Drum / Jabot! eil von hier. ach eil zu deinem heer /
    verwehre diesen schlag / und sei mein feind nicht mehr.
    Die grossen meines volks muss ich selbst furchtend ehren:
    die dieses wissen nicht / und eifrigst noch begehren /
    dass / wan der tag anbricht / man dir abschlag dein haubt.
    sie achten nicht / ob schon dadurch mir wird geraubt
    auch meines lebens licht. Der staat acht keine liebe.
    All menschlichs muss vergehn / dass er sein wesen ube.
    Drum / Jabot! eil von hier. ach! eil zu deinem heer.
    Balinden schick zuruck: mit der ich fried begehr.
JABOTH.
    Ich weiss ja deinen ruhm nit gnugsam zu erheben.
    Eh noch der tag anbricht / will ich dir wieder geben
    die schone Prinzessin: die durch mein ungluck dringt /
    auch beiden reichen nun den edlen frieden bringt.
OXIARTES.
    Den frieden nem' ich an: schick nur bald die Balinde!
JABOTH.
    Sie soll gleich bei dir sein / wan ich die freiheit finde.
OXIARTES.
    Zum frieden / und / die ich dir ietzund gib zu ruck /
    zur freiheit / gebe nun der himmel auch sein gluck!
    Eil / Rodias! verricht / ohn ferners zeit-verlieren /
    was dir ligt ob / von hier den Konig zu entfuren.
    Nachdem sie diss geredet / begaben sie sich wieder von dem schauplatze / und
liesse sich hierauf eine sanfte musik vernemen / die stille nacht vorzubilden.
Hierauf kamen / aus einem von den gezelten / herfurgetreten / diejenigen / so da
furstellten die
                    Morine / Macresilea / Dalene und Giris.
MORINE.
    Wie schwer ist mir mein herz! ich finde nirgend ruh.
MACRESILEA.
    Die ursach ist bekant / die dich hier bringt zu.
MORINE.
    Du meinst / Jabots tod / den er soll morgen leiden /
    mach meine traurigkeit.
MACRESILEA.
     Ach leid! das sonder meiden
    ein ieder hier entfindt. Wir haben diss gemein
    mit dir / dass Jabots tod muss allen klåglich sein.
    Doch dir noch mehr / als uns. Du bist furlängst bestimet
    auf seinen tron. Dein blut / das man in ihm dir nimet /
    presst billig aus die angst. Bist du von lieben frei /
    steht die erbarmung doch dir ia so treulich bei /
    die tut der liebe werk / und notigt dich zum zagen /
    kann sonder tränen nicht das leid von Ophir tragen.
MORINE.
    Du bringst die warheit fur. Der Bactrianer gluck /
    erreget meine qval. Ich sehe wohl zuruck /
    wie meine hoffnung fehlt / in Ophir zu regiren /
    dass ich nicht bin bestimmt / den zepter dort zu furen.
MACRESILEA.
    Hat keine lieb in dir erwecket dieser held?
    der nun durch unbestand des eitlen gluckes fållt.
MORINE.
    Zu lieben weiss ich nicht. Dir ist bekant mein leben.
    Du kennest meinen sinn. Ich war niemal ergeben
    der liebe: und sie hat so schåndlich mir gelohnt /
    dass kein verlangen mehr nach ihr in mir nun wohnt.
    Zwar / wan es wår versehn / dass ich hått sollen steigen
    auf meiner våtter tron / hått ich mich wollen zeigen
    dem himmels-schluss gemås / und Jabot nemen an.
    Ob man schon liebt nicht: iedoch man ehren kann.
MACRESILEA.
    Es wår die liebe noch gefolgt auf diss dein ehren.
MORINE.
    Wilst du / was ich nicht weiss / zu wissen wohl begehren?
                                 Memphis kommt.
MEM.
    Prinzessin! Nacres komt / und will so fort herein.
MACRESILEA.
    Wie? Nacres! solt der wohl alhier im lager sein?
    Ich glaube / Memphis tråumt. Der feldherr von den feinden /
    wagt so sein leben nicht?
                                 Nacres kommt.
NACRES.
     zu dienste guten freunden /
    wagt man sich willig hin /
MACRESILEA.
    O Nacres! seh ich recht?
NACRES.
    Macresilea siht hier ihren treusten knecht.
MACRESILEA.
    Ihr irret euch / o Prinz! ihr meint  die Balinde.
NACRES.
    Ich liebe sie nicht mehr / nun ich euch wieder finde.
MACRESILEA.
    Doch seit ihr schuld daran / dass hier / und mit verdrus /
    Balinden vorentalt der Konig wissen muss.
NACRES.
    Nicht unser ist die schuld: sie ist ja euer eigen.
    Wann man sich anders möcht fur unsren Konig zeigen /
    und solche tiegerwut bei ihme stellen ein /
    so solt Balinde bald hier wieder bei euch sein.
    Des Oxiartes lieb uns hoffnung hat gegeben /
    er ihrentalber werd mit unsrem Konig leben /
    wie sonst ein kriegesheld sich bei dem sieg erzeigt.
    Nun muss man aber sehn / wie freventlich er beugt
    hier aller volker recht / und den zum tod ernennet /
    der Gott nur über sich / gleich wie auch er / erkennet.
DALENE.
    Doch ist es Jabots schuld / dass Ophir sich gekehrt
    von unsrem Konigreich. Wie kann er sein verehrt
    hier anders / als wie der / so sich aufrurisch zeigt /
    der Oxiartes macht und ansehn hat gebeuget?
MORINE.
    Dalene den verficht / der sie doch nicht mehr acht.
    schaut / wie beståndigkeit die lieb unendlich macht!
DALENE.
    Nicht red ich darum diss / weil ehmals mich geliebt
    der Bactrianer herr. Was Jabot hat verubet /
    das muss zwar neben mir die ganze welt gestehn:
    doch folget darum nicht / dass ich sein untergehn
    nicht herzlich mit bewein.
NACRES.
     Diss lezte macht mich hoffen /
    ich habe nicht alhier verråter angetroffen.
MACRESILEA.
    Nein / Prinz! entsezt euch nicht. Dalene ist uns treu.
    redt / was ihr reden wolt / fur ihr nur ohne scheu.
NACRES.
    Die freundschaft / und das recht / mitleiden / und die liebe /
    die furen mich hieher. Die liebe / die mich triebe
    zu euch / o Prinzessin! macht nichtig die gefahr:
    weil mit den dreien sie genau verschwestert war.
    Balinde tauret mich: ihr tod der ist bestimmet /
    imfall das leben hier man unsrem Konig nimmet.
    Solch unrecht abzutun / so beide volker druckt /
    so hat der himmel mich ins lager her geschickt.
    Ich such / den Jabot hier von banden zu erretten:
    um Bactra und Ophir / aus ihren harten noten /
    die Jabots tod nun droht / zu reissen ingesamt.
    Ist euch Balinde lieb / ist Jabot ie benamt
    Morinen ehgemal / ist Nacres hier gelitten:
    so tut hier mit zur sach von selber / ohn mein bitten /
    macht unsren Konig los. Wann ihr diss ubernemt
GIRIS.
    Ich hore ein geråusch.
DALENE.
     sih zu / ob iemand komt.
MACRESILEA.
    Nacres! verberget euch.
GIRIS.
     Die feldherrin erscheinet.
                             Nacres verbirgt sich.
NACRES.
    Hier ist verraht.
MORINE.
     Ich sorg / diss sei nit wohl gemeinet.
                          Milda und Sicania kommen an.
MILDA.
    Der Jabot ist entwischt. Hier ist verråterei.
MORINE.
    Was hore ich!
MILDA.
     Ihr hort / was ihr wisst zweifelsfrei.
    Den Jabot liebt ihr / und habet raht erteilet
    zu unsres feindes flucht.
MORINE.
     Diss wort mich ubereilet.
    bedenket / was ihr sprecht.
MACRESILEA.
     Der himel sei gepreist!
    der / durch des Jabots flucht / uns sichren frieden weist.
MILDA.
    Was / frieden! werden wir nun Ophir nicht verlieren?
MACRESILEA.
    Last andren / was ist ihr.
MORINE.
     Ihr werdet sichrer furen
    die waffen / wan das recht an eurer seite steht.
MILDA.
    Der feldherr ist ihm nah: wer weiss noch / wie es geht?
    wird Jabot nur ertapt / so wird man hier nicht råchen
    an euch / was sonnenklar andeutet eur verbrechen.
    Ich geh von euch: ich hab ja mehr als gnug erkant /
    dass ihr mit fug und recht hier schuldig werdt ernant.
                                Milda geht ab.
MACRESILEA.
    Schaut dieses weibes trotz! wie will es uns ergehen?
MORINE.
    nicht schlimmer / als der schluss des himmels es versehen.
NACRES.
    O angeneme post / so Milda hat bericht!
    Weil nun mein Konig los / so seum' ich ferner nicht /
    und eile fort hinweg. Diss soll uns frieden geben:
    ihr kont / auf dieses wort / nun wohl in ruhe leben.
MORINE.
    O himmel! steh' uns bei / gib Ophir ferner gluck;
    zeuch ja / nach diesem glanz / nicht deinen schein zuruck.
    Hierauf gingen sie alle wieder in ihre gezelte / und indem hierauf eine
kriegerische musik sich vernemen liesse / sagte der König von Syrien zu seiner
gemalin: Ich sinne hin und her / ohne dass ich zu ergrunden wusste / was dieses
fur eine geschichte sein soll. Ich hatte hievon (antwortete Colidiane) viel
andere gedanken und glaubte / dass mein König diese begebnis kennen wurde. Dan /
als die Königin von Mesopotamien / unter der Morine namen / sagte / sie wåre
einmal der liebe ergeben gewesen / die ihr aber schåndlich gelohnet / seufzete
mein Konig nicht allein / sondern sagte auch bei sich selber: dieses ist wohl die
warheit! daraus ich dann nicht unbillig einige kentnis vermutet habe. Aramenes
errotete / als ihm Colidiane dieses fürhielte. Wie er aber sich hierinn
verantworten wollte / traten die spielende wieder herfur: daher er es einstellen
musste / und neben den andern aufmerkte /was weiter wurde furgebracht werden. Es
liesse nun der Konig von Bactra sich am ersten sehen / der mit dem Rodias also
sprachete.
                                Oxiartes Rodias.
OXIARTES.
    Wie hat man so geschwind des Jabohts flucht vernomen?
RODIAS.
    Als durch die lezte wacht er sicher durch gekommen /
    ward an der andren seit' im lager lårm gemacht:
    das dann den Sisiphus aus seinem schlaffe bracht.
    Man rieffe uberall: man hått vom feind gesehen
    iemand / beim sterne-licht / nach den gezelten gehen /
    wo sich Morine findt. Der feldherr lief so fort
    nach dem gefångnis zu / und fand den leeren ort.
    Drauf nam er / in der hast / von den bewehrtsten knechten /
    und jagte Jabot nach. Ob der nun wird verfechten /
    sein leben / lehrt die zeit. Inzwischen ist berant
    Morinen ihr gezelt / weil Milda macht bekant /
    dass sie die Prinzessin / bei ungewohnten stunden /
    und sehr entstellt dabei / gekleidet hab gefunden.
OXIARTES.
    Doch wissen diese nichts von Jabots seiner flucht.
RODIAS.
    Man gibet allen schuld / wan man den tåter sucht.
OXIARTES.
    Ach! wan nur Sisiphus den Konig nicht erjaget!
RODIAS.
    Wan er ihn findet nicht / bevor und eh es taget /
    so sind wir auser sorg.
OXIARTES.
    Der Sila komt zuruck.
                                   Sila komt.
SILA.
    Ach weh!
OXIARTES.
    Wie ich vernim / verlåst uns unser gluck.
SILA.
    Herr Konig! es ist aus! der Jabot ist gefangen.
    Dein volk ihn fuhrt daher / mit grossem siegesprangen.
    Die grosmut / die du hast erzeigt / ist sonder frucht:
    weil Jabots untergang der himmel selber sucht.
OXIARTES.
    Ach! ach! betrubtes end von solchen guten blicken /
    das iezt / dem falschen gluck gefiel / mir zu zuschicken.
    Nun guter raht ist teuer / da alle hoffnung aus.
    Ich weiss kein mittel mehr in diesem unglucks-straus.
                     Sisiphus bringt den gefangenen Jabot.
SISIPHUS.
    Herr Konig! deinen feind / der uns schier wolt entrinnen /
    ich dir zu fussen leg. So frefles flucht-beginnen
    sezt diesen schluss nun fåst / das werde ungeseumt
    der feind von deinem staat hier aus dem weg geråumt.
    Wan du wilst Konig sehn / so tue Konigs-taten.
    Nicht gute / nur das recht muss sein bei deinem rahten.
OXIARTES.
    Bisher hat mich die gut in schaden nicht gesezt!
SISIPHUS.
    Auch war der staat noch nie also / wie iezt / verlezt.
OXIARTES.
    Du siehest / Jabot! wie das gluck sich widrig zeigt.
JABOTH.
    Ich wår vergnugt / wan ich alleine wurd gebeuget.
OXIARTES.
    O schmerz! wan ich bedenk / was in der feinde hand.
JABOTH.
    Nicht fehlts an mir / dass die dir nicht wird zugesandt.
SISIPHUS.
    Herr Konig! still dein volk / das fordert blut und frieden.
    Schon deiner selbst / dass nit werd haubt uñ kron geschiede.
OXIARTES.
    Ich werde / wie ich soll / nachfolgen deiner lehr.
    So bald der tag anbricht / versamle man das heer.
    Nun will ich sein allein.
SISIPHUS.
     Ich werd dein volk erfreuen.
    mit diesem Konigs-wort. Die treu sich wird erneuen /
    die uns ligt allen ob.
JABOTH.
     Nicht rechne mir es zu /
    wan du / durch meinen tod / verlierest deine ruh.
                                 Sie gehen ab.
                                Oxiartes allein.
    Was soll ich immermehr beginnen?
    fur welchen teil ist hier ein raht wohl aus zusinnen?
    es wackelt meine kron: es bebet meine lieb.
    Wan ich Balinden mich ergib /
    so geht Bactra ganz verloren.
    Erwehl' ich mir das reich: muss die / die ich erkoren /
    des bittren todes sein. was kies' ich unter euch?
    da ich ja leider! nicht zugleich
    fur beide hier vermag zu leben.
    Balinde zieh ich fur: der schluss ist bald gegeben.
    Doch wan mich die solt sehn von stand und land verjagt /
    so wird unbillig nicht gefragt /
    ob sie mich nicht alsdann werd hassen /
    dass ich so schlechten mut hierin hab blicken lassen?
    wer eine kron verscherzt / ist keiner krone wert.
    ohn tron / sie meiner nicht begehrt.
    Doch wan ich die dann soll verlieren /
    in der ich nur allein den odem pfleg zu furen:
    was hilft mir dann die kron? was hilft der hoheit licht /
    wan ich Balinde habe nicht?
    wohl! kann ich dann ohn sie nicht leben?
    kann ich auch / ohne spott / ihr nicht ihr leben geben:
    so sterb ich dann mit ihr. So dien ich / Bactra dir.
    so dien ich meiner liebsbegier.
    Wolan der schluss ist fåst. Lass Rodias! dich sprechen.
                                 Rodias kommt.
    Ich spur / dass ich den sinn / des volkes nicht kann brechen.
    Sie wollen Jabots tod: drum muss es wohl geschehn;
    es soll auch / mit dem tag / das blut-urteil ergehn.
    So bald es ist verricht / so lasst uns / sonder scheuen /
    einbrechen in den feind; Balinden zu befreien.
    Und kommen wir zu spat: wir finden doch den tod.
    Diss ist der lezte schluss / diss ist mein letz-gebot.
RODIAS.
    O himmel! sih darein / errette die Balinde:
    weil auch Siparis heil ich bloss hierinnen finde.
    Als diese waren abgetreten / horte man von weiten eine sehr traurige
Feldmusik anstimmen: worauf sich ein gezelt zu beiden seiten öffnete / in
welchem der Jabot / an ketten gefåsselt / sich sehen liesse.
                              Jabot im gefångnus.
    Schick dich zum tod! der himmel kann
    dich långer nicht auf erden leiden.
    Kan dir auch widern fur dem scheiden /
    das dich fuhrt zu der sternen-bahn?
    das dich entreist aus aller noht?
    Sei wohl gemut / schick dich zum tod.
    Gehab dich wohl / du schnode welt!
    Dein blinder schein wird mich nicht fassen /
    mit widerwillen dich zu lassen.
    alls / was du gibest / das zerfållt.
    das / was nur ist betruges-voll
    das hålt mich nicht. Gehab dich wohl!
    Je eher dort / ieh eher man
    der schnoden eitelkeit kann lachen.
    was? solt mich dieses kleinlaut machen /
    dass ich den tod muss treten an
    der alles jammers lezter port?
    ie fruher todt / ie eher dort.
    Ich bin bereit / mein' hutte hie
    zu lassen / wan es Gott gefållet.
    die wonung / die mir ist bestellet /
    bleibt immer und vergehet nie.
    dort herschet man in ewigkeit.
    drum fort mit mir! ich bin bereit.
    Dieses lied wurde von dem Konig Armizar / der den gefangenen Jabot
furstellte / in ein verborgenes seitenspiel gar beweglich gesungen / massen
dieser herr überaus wohl die musik verstunde: und wurden alle zuhörer dadurch
beweget / sonderlich aber seine schwester / die Prinzessin Indaride / welcher
die tränen häufig in die augen stiegen. Dieses wurde zwar von wenigen in acht
genommen / weil sie alle sehr aufmerksam waren / zu vernemen / was die beide
durchleuchtige Aramenen furbringen würden / welche sie zu dem Jabot / unter den
namen der Morine und Macresilea / in das gefångnis treten sahen.
                      Morine. Macresilea. Sicania. Jabot.
MORINE.
    Sicania! ist hier des Konigs aufentalt?
MACRESILEA.
    Hier siht man / wie das gluck / mit grossen leuten schalt.
SICANIA.
    So råchet Milda sich an euch / dass sie vergonnet /
    dass ihr nun euren freund noch einmal sprechen konnet.
MORINE.
    Uns diese rach ist suss: wiewol die Milda denkt /
    wird werden zweifach nur durch diese gunst gekrånkt?
    Herr Konig! seht uns hier. Wir kommen / nicht zu trosten
    den / dessen edler geist ist einer von den grosten /
    sich selbst zu fassen weiss. Wir kommen her zugleich /
    die lezte gute nacht zu nemen nur von euch.
JABOTH.
    Was hått wohl immermehr mich so erquicken konnen /
    als dass Morine mir noch diesen trost will gonnen /
    dadurch sie ihre huld so klårlich legt zu tag:
    das all mein leid versust / und stillet meine klag.
    Ich stritte nur fur euch. fur euch will ich auch sterben.
    Euch dieser tron gebürt: den wird auch noch erwerben /
    fur euch / mein treues volk. Last sinken nicht den muht /
    schlagt euch zu meinem heer / habt acht auf eure hut.
MORINE.
    Ach! was soll mir der tron / wan Jabot nicht mehr lebet?
JABOTH.
    Durch diese susse wort' ihr mir das leben gebet.
MORINE.
    Wann Jabot ist dahin / so lebt Morine nicht.
JABOTH.
    Nun leb' ich recht / nun diss eur holder mund ausspricht.
MORINE.
    Ach kurze lebenszeit / drauf folgt ein ewigs sterben!
JABOTH.
    Wie kont ich / Prinzessin! vergnugter doch verderben.
MORINE.
    So sterbe ich dann mit.
JABOTH.
     Bedenkt das arme land /
    das seinen Konig sucht. helft ihm aus diesem stand /
    den ihme Bactra droht. Lebt / herschet / und mich liebt!
    erlang' ich diss / so sterb ich froh und unbetrubet.
SICANIA.
    Der morgen bricht schon an / es ist nun zeit zu gehn.
JABOTH.
    So geht / und last mich ståts in eurem herzen stehn!
MORINE.
    Muss alle hoffnung dann auf einmal so verschwinden?
    kaum kunte Ophir sich durch euch erloset finden
    von Bactra schwerem joch / da fållt hin alle macht.
    Nun / Jabot! ich muss gehn: zu tausend guter nacht!
                                 Sie gehen ab.
                                 Jabot allein.
    Leg nun / was menschlich noch in dir sich mochte finden /
    o Jabot! hinter dich. Lass allen unmut schwinden.
    besieg dein scheeles gluck. Und / da dir hier der tron
    von Ophir wird versagt / erwarte dort die kron.
    Hiemit wurde das gefängnis wieder geschlossen /und stimmeten die trompeten
an / als zum feldzuge. Keiner von den zusehenden kunte noch ersinnen / was diss
fur eine warhafte geschichte sein sollte / und wurde daher ihre aufmerkung immer
grösser: die dann bald wieder vergnügt wurde / indem / nach gar kurzer frist /
folgende personen auf den schauplatz traten.
                       Oxiartes. Sisiphus. Rodias. Sila.
OXIARTES.
    Ist alles dann bereit: last das gericht ergehen.
    Doch muss so fort darauf der einfall auch geschehen.
    Wir mussen nun den sieg verfolgen bis zu end /
    und brauchen unser gluck / eh dass es sich verwend.
SISIPHUS.
    Wan ist ihr Konig todt / wird / ohne ferners kriegen /
    ganz Ophir und sein heer zu deinen fussen ligen.
    Wag nicht dein teures haubt / und dein volk / sonder noht.
    Der sieg ist dein ohndas / wan Jabot nur ist todt.
OXIARTES.
    Nein / Sisiphus! ich will / mit waffen in den hånden /
    die krone von Ophir zu Bactra wieder wenden.
    ein sieg / worbei man legt die hånde in den schoss
    der stehet mir nicht an / der ist des lobes bloss.
    Wo aber ligt es an / dass Jabot sich nicht stellet;
    uns ist ein augenblick sehr teuer / der hinfållet.
SILA.
    O himmel! seh' ich recht? komt meine Prinzessin?
                  Balinde / Sirene / Midea und Siparis kommen.
OXIARTES.
    Balinde! seh' ich euch? weiss ich auch / wo ich bin?
    ach! ist es nicht ein traum? werd ich auch glauben mussen
    diss / was ich schau? ich werf mich hin zu euren fussen /
    und will aus eurem mund vernemen / wer ihr seit.
    Balinde! sprecht / ob mich die blinde lieb verleit.
    Seit ihr es?
BALINDE.
     Ja / ich bins!
OXIARTES.
     ach! wer hat euch gerissen
    aus unsrer feinde macht? schier solt' ich eifren mussen /
    dass mir ein andrer ist hierin gekommen fur!
    O unverhoftes gluck! das meine herz-begier
    mit euch zu sterben / nun in solche freud verkehret.
BALINDE.
    Eh ihr euch ferner freut / lasst mich sein angehoret.
    Ich bin nicht / wie ihr mich hier seht / von banden los.
    Auf mein gegebnes wort / hab ich erlanget bloss
    die freiheit / euch zu sehn / und hier mich zu bemuhen /
    den Konig von Ophir dem tode zu entziehen.
    Ha! eure grausamkeit ist gross und nie erhort.
    Wir / Oxiartes! wird eur ruhm so gar zerstort /
    dass ihr euch must also des glucks im krieg bedienen.
    Ach! last in eurem tun noch ferner tugend grunen.
    Ich liebe euch / und nicht die krone / die ihr fuhrt.
    Die tugend nur / die ich alståts in euch verspurt /
    die treibet mich hieher / und nicht die lieb zu leben.
    Wie gerne wolt ich doch den geist hier von mir geben /
    wann ich nur hoffen kont / dass Oxiartes blieb
    von lastern unbefleckt. Dass meine grosse lieb /
    die ich ihm zugewandt / den furruck nicht dorft horen;
    dass ich nicht wohl gekiest / und lassen mich betoren.
    Schont meiner ehr / wan euch die eure nicht ist wert /
    und folgt' Balinden raht: die nun von euch begehrt /
    dass Jabot werde frei. Wo nicht: dass doch sein leben
    bleib ohn gefahr. Was man zum tausch fur ihn will gebe /
    ist zwar der wurde nicht: man biett / fur ihn / mich an.
    Wan seine freiheit nun ich nicht erlangen kann /
    so muss ich wieder hin. Und solt er sterben mussen /
    so muss Balinde auch so fort ihr blut vergiessen.
    Drum / Oxiartes / wehlt! sagt / wolt ihr meine haft?
    sagt / wolt ihr / dass mir werd mein leben weg gerafft!
    Wolt ihr / wan ihr schon denkt die liebe nicht zu achten /
    dennoch den tugend trieb so wenig hier betrachten /
    und gehn den lasterweg / zu mehren euren staat?
    der doch sehr zweifelhaft hierdurch sein aufnam' hat?
    die feldherrin des feinds ist auch hier mit zugegen /
    die hat mich herbegleitt: üm zeugnis abzulegen /
    dass ich die warheit sag. So gebt entweder frei
    den Konig: oder wisst / dass ich des todes sei.
SIRENE.
    Was hier Balinde hat weitlåufig furgestellet /
    das ist die warheit selbst. Daraus dann klar erhellet /
    wie Ophir sei geneigt zum frieden und zur ruh.
    Auf der Prinzessin wort und eidschwur / liess man zu /
    dass sie sich stellet hier: weil wir versichert leben /
    sie werd / wie sie gelobt / uns ein genugen geben /
    und / wan auf allen fall alhier sie nichtes richt /
    in ihre bande gehn.
OXIARTES.
     Nein! das geschihet nicht!
    Balinde ist nun frei: wer wollte sie mir rauben?
BALINDE.
    Ich hore euch nicht zu / und werd / ohn eur erlauben /
    schon finden meinen weg / den ich hieher getan.
    Mein eid / mein ehr / mein mut / die melden / was ich kann.
SISIPHUS.
    Dass die von Ophir euch / Prinzessin! fahren lassen /
    zwingt uns zur nachfolg nicht / dass man must gleicher massen
    den Jabot lassen los. Wir sorgen mit fur euch /
    wan ihr nun Konigin werdt sein von beidem reich.
BALINDE.
    Wust' ich die ganze welt hierdurch auch zu erlangen /
    wolt ich / durch unrecht-tun / mit solcher ehr nicht prangen.
SIRENE.
    Und wan ia Ophir gleich den Jabot missen must /
    so ist noch mancher held fur unsren schutz gerust.
                              Oxiartes zu Sisiphus
OXIARTES.
    Halt noch das urteil auf / bis ich allein gesprochen
    die schone Prinzessin.
BALINDE.
    Mein sinn wird nit gebrochen.
                              Die andern gehen ab.
                               Oxiartes Balinde.
OXIARTES.
    Balinde! gonnet mir / nun wir uns sehn allein /
    zu zeigen meine freud / dass ich bei euch kann sein.
    Ich habe euren tod so sicher mussen glauben /
    dass auch mein lezter trost war der / mir selbst zu rauben
    mein leben: da ich wolt mich sturzen in den streit /
    und suchen so den tod.
BALINDE.
     Ihr seit nun dess befreit /
    da ihr mich lebend seht / wan ihr den raht wolt fassen /
    den Konig von Ophir zu seinem volk zu lassen.
OXIARTES.
    Die grosmut / die aus euch auch redet / trieb mich an /
    zu retten ihn: ich hab / was ich vermocht / getan.
    der himmel ist mein zeug. Doch war die muh vergebens.
    Nicht ich / mein wutends volk ist meister seines lebens.
    Entweder muss ich selbst von meinem trone gehn:
    wo nicht / so muss alhier das blut-urteil geschehn.
BALINDE.
    So habet gute nacht.
OXIARTES.
     Wohin / wohin / Balinde!
BALINDE.
    Ich gehe / weil ich hier nichts mehr zu schaffen finde.
OXIARTES.
    Meint ihr / dass ich euch werd hinlassen zu dem feind?
BALINDE.
    Was slaverei ist diss! wie ist es wohl gemeint?
    Ich bin von helden-blut / so wohl als ihr / entsprossen.
    soll mir das / was ich ja beim feinde selbst genossen /
    wohl werden hier versagt? Seit ihr der Konig nicht /
    der mich oft so geehrt?
OXIARTES.
     Ich folge meiner pflicht /
    Und bin noch eben der / der euch alståts geliebt.
BALINDE.
    Nein! ihr seit der nicht mehr / weil ihr mich nun betrubet.
OXIARTES.
    Betrub ich euch damit / wan ich zeig meine lieb.
BALINDE.
    Ihr schwåchet meine ehr!
OXIARTES.
     betracht der liebe trieb.
BALINDE.
    Vergebens ist es nur. Werdt ihr den Jabot todten /
    so bleib ich nicht: ich must fur hon und schimpf erroten.
    Behaltet dann das reich / bewahret euren tron.
    Balinden tod sezt fåst auf euer haubt die kron.
OXIARTES.
    Erwåget in gedult / Balinde! mein beginnen.
    Vermogt ihr / einen raht hiergegen zu ersinnen /
    der diesem ubel wehr / so will ich gern hierinn
    gehorchen eurem wort / und folgen eurem sinn.
    Schaut meinen zustand an. Will ich den Jabot retten /
    so komm' ich um mein reich. Ach! werd ich auch / in ketten /
    erhalten eure huld / wan ich ein bettler bin?
    wird dann nach mir alsdan sich sehnen euer sinn?
    Ja solt es auch dazu gelangen / wan ich eben
    iezt euren willen tåt: wolt ich selbst nicht zugeben /
    dass ihr mir ferner bliebt mit treuer lieb verwandt.
    So rahtet dann! wolt ihr / dass ich verlier mein land /
    und so verscherze euch / dass ich lass meine ehre?
    so soll der Jabot sein sofort bei seinem heere.
    Sprecht / fållt ein urteil nur: was ihr wolt / soll geschehn.
    Den lezten liebestrieb / solt ihr hieraus ersehn.
BALINDE.
    Mein Konig! ihr habt recht: ich kann es wohl besinnen.
    Doch uberlegt nun auch / mein tun und mein beginnen.
    Ihr wollet meinen raht: ich fordre euren schluss.
    sagt / Oxiartes! sagt / was ich dann schaffen muss?
    Vom feinde komm' ich her / und hab mein wort gegeben /
    zu kehren wieder hin / wan ihres Konigs leben
    ich hier nicht wirken kann. Wolan! was rahtt ihr mir?
    soll ich meineidig sein? soll ich der ehr gebur
    wohl schlagen in den wind / um meiner liebe willen?
    ich will ja / was ihr wolt und rahtet / gleich erfullen.
OXIARTES.
    Balinde! bleibet hier / schuzt euch mit meiner macht.
BALINDE.
    Last dann den Jabot los / und eure kron verlacht.
OXIARTES.
    Sol ich ein bettler sein / und noch Balinde lieben?
BALINDE.
    Sol ich sein sonder ehr / und solche tucke uben?
OXIARTES.
    Was ist dann hie zu tun?
BALINDE.
     Fur mich wehl ich den tod.
OXIARTES.
    Und diesen wehl ich auch: so endt sich unsre noht.
BALINDE.
    So geh' ich nach dem feind.
OXIARTES.
     und Jabot der muss sterben.
BALINDE.
    Last / sonder eure schuld / den Jabot hie verderben.
    Weil ihr ja sucht den tod / so sterbet als ein held /
    schuzt Jabot / bis eur volk ...
                                Siparis kommet.
SIP.
     Dass ich unangemeldt
    mich hier darf stellen ein / wird man mich nicht verdenken.
    Der himmel ist ermudt / euch ferner nun zu krånken:
    dann der Prinzessin tat hat hie das volk bewegt /
    dass unser wut und grim fur Jabot sich gelegt.
    Es muss der Sisiphus / den pobel zu vergnugen /
    auch selbst mit stimmen ein. So kann die tugend siegen.
                      Oxiartes zum Sila / welcher kommet.
OXIARTES.
    Ach Sila! ist dem so / wie uns Siparis meldt?
SIL.
    Es wird der Jabot gleich dir werden furgestellt /
    vom volke frei gemacht.
OXIARTES.
    Wie kont sich das begeben?
BALINDE.
    Dem ist unmuglich nichts / der allen gibt das leben.
                   Jabot kommt mit dem Sisiphus und Rodias.
SISIPHUS.
    Der Konig von Ophir / des seel in unsrer hand
    bisher gestanden hat / ist nunmehr frei erkant.
    Dein volk / herr Konig! will Balinden hier behalten:
    dafur magst du / wie dir beliebt / mit Jabot schalten.
JABOTH.
    Balinde! ich bin frei / und das durch eure hand.
    Was ich vermag / soll sein zu eurem dienst verwandt.
    Mein leben / und mein reich / wird ståts euch beiden diene /
    ihr liebes tugend-par. Nun muss der friede grunen!
    last Bactra und Ophir in ståtem bunde stehn:
    so fordern wir zugleich der volker wolergehn.
BALINDE.
    O schleunige verkehr / die uns der himmel schenket!
OXIARTES.
    Der himmel sei gepreist! Des gut an uns gedenket.
    Mein Konig! glaube mir / hinfort will ich dein freund
    und treuer bruder sein.
JABOTH.
     So bleiben wir vereint.
  Morine. Macresilea. Milda. Dalene. Sicania. Giris Memphis. Sirene und Midea
                                    kommen.
SIRENE.
    Wie selig schåtz ich mich / die gluckskehr zu erleben.
JABOTH.
    Morine kann mir nun mein gluck volkommen geben.
MORINE.
    Was ich zu eurer ruh kann schaffen / soll geschehn.
JABOTH.
    So kann ich auch mein gluck im hochsten grade sehn!
                           Nacres und Migdol kommen.
NACRES.
    Mein Konig! gonne uns / auch unsre freud zu zeigen /
    dass nun das gluck sich will zu deinen fussen beugen.
MIG.
    Ich komme mit hieher / vom Nacres her begleitt.
    Ich suchte hier den tod: nun find' ich solche freud.
OXIARTES.
    Der fried ist nun gestifft: den nichts fortin betrube!
    Es siegen beiderseits / die grosmut und die liebe.
    Hiemit war das spiel zum ende / und gingen alle spielende personen zu den
zusehern / von ihnen zu vernemen / ob sie ersinnen konten / was sie fur eine
geschicht fürgestellet. So wohl zufrieden und vergnugt sich diese nun allerseits
erzeigten / uber das / so sie gehoret und angesehen hatten / so unmüglich fiele
es ihnen / diese geschicht zu errahten. Sie dachten alle geschichtbucher durch /
so sie jemals gelesen / und wussten sich doch nicht zu besinnen / dass ihnen
dergleichen wåre furgekommen. Dieses erfreute die spielende höchlich / und gabe
der Königin von Mesopotamien anlass / zu der Königin von Kitim / der Hermione /
zu sagen: Ich habe eure person / schone Hermione / so übel fürgestellet / dass
daher euch und den andern das rahten schwer fället. Meine person! (antwortete
Hermione) wie komme ich in diese geschichte? Ihr habt ja / (wiederholte die
Konigin von Mesopotamien) das gröste teil / an des Nebajot begebenheit. Dieser
bin ich gewesen / (sagte der Konig Armizar) und wunsche ich von herzen / dass
sich der rechte Medische Konig bald einstellen moge. Ich habe wohl /(finge
hierauf der Prinz von Hevila an) die vermutung zuweilen gehabt / ob nicht diese
geschicht / die begebenheit des Nebajot mit dem Konig von Babel und der
Prinzessin Hercinde / fürstellen sollen: die künstliche einfürung aber der
beiden Prinzessinnen Morine und Macresilea / haben mich wieder irr gemachet.
    Also wurde nun offenbar / dass der lezte Medische krieg / und was sich darin
begeben / dieses geschichtspiel gewesen: das dann ein jeder ganz deutlich darauf
ziehen kunte. Armizar / der die reimen erfunden / entschuldigte sich dass er die
Hermione und Roma als gegenwårtig mit eingefuret / weil solches zu auszierung
dieser geschichte sehr gedienet. So bin ich sonder zweifel (sagte Jetur) der
Nacres gewesen /den der Konig von Egypten furgestellet. Und ich die Macresilea /
(fügte die angeneme Roma / seine gemalin / hinzu) die die schöne Konigin von
Ninive furzustellen ihr gefallen lassen. Ich habe ståts (antwortete diese
Konigin) die schöne Roma angesehen / wan ich mit dem Nacres geredet / üm ihre
holdseligkeit an mich zu nemen / und mich also kentlicher zu machen. Ich tadele
bei diesem spiele nichtes / (sagte der furst Rames) als dass man meine tochter
eine der fürnemsten personen hat sein lassen / die doch nicht das ansehen hat /
die dapfere und schöne Hercinde furzustellen. Ich muss ihr aber das zeugnus geben
/ (antwortete der Konig von Syrien) dass sie sehr wohl gespielet /und niemand es
bässer / als sie / håtte machen konnen.
    Zelinte errotete / aus schamhaftigkeit / uber diesem lob / so ihr ihr König
gabe. Und als Elhanan / der den Baleus fürgestellet / sich ihr nåherte / um ihr
seine freude hieruber zu verstehen zu geben / sagte dessen vatter / der alte
Furst Hus: Nun ist mein traum so weit wahr worden / den ich vor etlichen nåchten
gehabt /dass ich nåmlich meinen sohn würde König sehen /und sagte man mir dabei /
dass alsdan unfehlbar seine gluckseeligkeit angehen sollte; welches letzere aber
noch nicht erfullet worden. Es kann aber wohl erfüllt werden / (antwortete der
König Dison) wan der Fürst von Hus und der Furst von Jedlaph damit zufrieden
sind / dass Elhanan und Zelinte fortin in ernst solche liebesworte einander
fursagen dörfen / als wir von ihnen anitzo mit sonderbarem vergnugen angehört
haben. Diesem vortrag des Konigs von Ninive / fielen alle die andere bei / weil
sie wussten / dass sie dem edlen Elhanan dadurch einen gefallen täten. Sie
brachten es auch / bei den eltern dieser beiden / so weit / dass die ihre
einwilligung dazu gaben / und ihre kinder einander lieben hiessen. Dieses erwekte
bei allen / sonderlich bei denen / die gespielet hatten /eine grosse freude / und
sagten diese: Es erhelle nun hieraus / was grossen nutzen diese art spiele mit
sich fürete / da sie dissmal ein so gute parung håtte konnen zu wege bringen.
    Ich hoffe / (sagte nach diesem der König von Syrien zu der Konigin seiner
schwester) dass wir uns an euch wollen råchen / und es euch ja so schwer fallen
soll / die geschicht zu errahten / die wir euch furstellen wollen. Vor übermorgen
kann aber nichtes daraus werden / weil ein und andere zurustungen von noten / die
noch nicht bei der hand sind. Dieses warten / (antwortete die schone Aramena)
machet mein verlangen üm so viel grosser. Doch will ich mich zwingen / und nicht
vor der zeit darnach forschen. Ich habe / bei unsrem spiel / (sagte der Konig
von Cus / zu der Königin Danede / seiner schwester) eben so wenig als ihr / zu
reden gehabt / und scheinet es / sie finden alhier die mohren nicht tuchtig /
ihr gedåchtnis sonderlich anzugreifen. Daran sollte es mir (antwortete die
Königin von Egypten) wohl eben nicht manglen / nur fållet mir /die Syrische
sprache in reimen zu reden / all zu schwer / und habe ich darüm den zuhorern mit
mehrerm nicht beschwerlich fallen wollen. Diese entschuldigung habe auch ich
einzuwenden / (sagte die Konigin Amesses) üm damit meine hartlehrigkeit zu
beschonen: doch habe ich mich noch bässer angegriffen / als meine jungfrau die
Zamede getan / welche gar nichts geredet. Zamede / die nicht weit davon stunde
/und diss gehöret / beschwerte sich über den König Armizar / ihren herrn / dass
der ihr keine verse auswendig zu lernen geben wollen. Mit solchen und
dergleichen gespråchen / verbrachte die konigliche gesellschaft diesen abend /
in hochster vergnugung / und blieben sie sämtlich beim abendessen / da sie / auf
verordnung der Königin Aramena / köstlich bewirtet wurden. Endlich schieden sie
voneinander / mit dem verlass / den folgenden tag / auf der gewönlichen wiesen
zwischen Samosata und Amida / wieder zusammen zu kommen.
    Als aber die nacht vorbei / und die sonne am himmel wieder zu sehen war /
erschienen in selbiger gegend die beide Fürstinnen von Edom / die Ahalibama und
Timna: welche ihre reise abgeleget / und nun mit ihrem fürer / dem Demas / nach
seiner wonung zu rucke kamen / um seinem bitten ein genügen zu tun /und bei
ihme das morgenbrod zu essen / ehe sie nach Samosata sich wendeten. Briside und
Rodope / die beide tochter des Demas / verliessen sofort ihre heerden / die sie
bereits in der fruhstunde ausgetrieben hatten / und eileten ihrem vatter
entgegen / der vor dem wagen der Prinzessinnen herritte / und sie mit nach haus
name / dass sie ihm seine gåste bewirten hulfen. Unterwegs fragte er nach allem /
was sich inzwischen zugetragen / und erfuhre von ihnen alles /auser was zwischen
der Briside und dem Abinael fürgegangen / welches sie selber ihm nicht vermelden
wollte. Daher dieser schäfer / der mit zugegen war /und sie hin begleitete / zu
dem Demas anfinge: die schone Briside vergisset sich selber in dieser erzehlung
/ und hat sie / von unserer Königin / bei neulichem gerichtstage / ein urteil
bekommen / dass sie mir soll dazu behülflich sein / die erbschaft zu erlangen /die
mir der Aneriste bruder / für allen andern von dieser gegend / zu-gönnen wollen.
    Demas bliebe verwundert / uber diesen des Abinaels worten / massen er
denselbigen nicht anders / als einen liebhaber der Amphilite / bis her gekennt
hatte. Als er nun auch sah / wie sich Briside hierob entfärbet / fragte er die
Rodope / seine jüngere tochter / die am nåchsten bei ihm ginge / was doch dieses
/ so Abinael furgebracht / zu sagen hätte? Diese berichtete ihm nun von allem /
was furgelaufen war. Und ob wohl Abinael des Demas beifall und einwilligung wohl
hoffen durfte / so beobachtete er doch ganz furchtsam und genau dessen gebården;
die er dann ihme nicht entgegen spürte / zumal als Demas / nach eingenommenen
bericht / ihn freundlich ansah / und zu ihm sagte: Weil ich verneme / was die
Königin meiner tochter auferleget / so will ich auch nicht der jenige sein / der
ihren willen hintere / noch euch um eure erbschaft bringe. Abinael bükte sich
tief zur erden / als er diss wort von der Briside vatter vernommen / und wurde
darauf beherzter / mit dieser schäferin ümzugehen /nun ihme / in ihrer gegenwart
/ diese gute erklärung widerfaren war.
    Es vergnügte dieser handel den Demas so sehr /weil er allemal hoch von dem
Abinael gehalten / dass er dafur nicht sonderlich beachten kunte / was ihm seine
töchter von ankunft eines fromden gastes vorsagten / sondern demselben nicht
ferner nachsinnend /notigte er den Abinael mit in sein haus / als er auch die
Ahalibama und Timna hinein furete: die dann / von der Aneriste und Sataspe / wie
auch von allen hausgenossen / aufs höflichste bewilkommet und entfangen wurden.
Es kame / das geruchte von ihrem da-sein /bald fur des Königs Tuscus Sicanus
ohren: der / ob er gleich nichts angenemers / als die gegenwart seiner
Prinzessin / vernemen können / dannoch hieruber schier ganz aus sich selber
bliebe. Er befande sich in seinem zimmer / das man ihm / auf sein begehren / im
hinterhaus eingeraumet / und war besorget / wie er so wohl geheim bleiben / als
auch die Ahalibama sehen mochte. Indem er aber noch also bei sich anstunde
/schikte es sich ungefär / dass Ahalibama / Timna und Sataspe für seinem fenster
uber gingen / und nahe unter seinem gemach sich auf eine bank zusammen
niedersezten / um alda zu harren / bis Aneriste mit zurichtung des essens fårtig
sein würde. Daher er alles /was sie redten / vernemen konnte.
    Also horte er / die Sataspe / zu der Timna sagen: darf ich fragen / liebste
Furstin! wie sie zu Auzora den grossen Edom gefunden haben / und wie es nun
diesem Fursten ergehe? Die Ahalibama / seine gemalin / (antwortete Timna) sollte
und konnte wohl dieses billig und bässer / als ich / beantworten. Weil ich aber
darüm gefragt werde / so muss ich sagen / dass der leib nicht so schwach sei bei
meinem schwehervatter / als krank und bekümmert sich dessen gemute befindet.
Warüm aber das? fragte Sataspe. Meines wissens /(gabe Timna lächlend zur
antwort) um keiner anderen ursache willen / als weil ihm die Ahalibama nicht
soviel liebe erweiset / als er von ihr verlanget. Glaubet dieses nicht /
Sataspe! (sagte Ahalibama hierauf) was euch hier die Timna fürbringet. Ich liebe
den grossen Edom / als ich soll / und wie er es von mir erfordert. So ruret auch
seine betrübnis gar nicht daher / sondern hat viel eine andere ursach / die ich
nicht darf offenbaren.
    Es kunte dem armseligen Tuscus Sicanus nichtes schmerz-entfindlicher fallen
/ als eben aus seiner Ahalibama eignem munde zu horen / dass sie den Esau liebte.
Doch merkte er ferner auf / was furgehen wurde / und horte die Timna weiter
sagen: Ich weiss /liebste Sataspe! dass ihr begierig seit / unserer reise ablauf
zu wissen; die ich euch dann / so viel mir davon bewust ist / mit wenigem
erzählen will. Als euer bruder uns glücklich nach Auzora über gebracht / und wir
alda uns nach dem Fursten Esau erkundigten / berichtete man uns alsofort / dass
wir denselben im tempel der stadt / unter den priestern der gottin Gad /
antreffen wurden. Diss geschahe auch / und fanden wir ihn zu bette / und zwar so
matt und kraftlos / dass er kaum das vermögen hatte / uns zu zu sprechen. Weil
ich die Ahalibama / als seine gemalin / bei ihm allein lassen wollte / ginge ich
inzwischen zu den priestern des tempels: die mir erzehlten / wiedass Esau / fur
weniger zeit / eine unbekannte dame entfuret / die ihm ein anderer abgenommen /
und ihn dabei also verwundet hätte. Es wäre aber die verwundung an sich selbst
so gefärlich nicht / als die schmerzliche betrubnis / dass ihm diese geliebte
person aus seiner gewalt entkommen: welches ihn dermassen anfechte / dass er
dadurch in diese tödliche krankheit geraten. Ich kunte mich hierüber nicht genug
verwundern / dass der grosse Edom seine alte lebens-art / nachdem er seine liebste
Ahalibama erlanget / annoch triebe. Ich machte aber hiervon ein geheimnis gegen
ihr / üm sie nicht zu betrüben / oder ihr anlass zu geben / ihme noch
kaltsinniger / als sie schon tut / zu begegnen. Ich stellte mich demnach / als
wusste ich nichtes / wie ich zu ihnen beiden wieder kehrte / und wollte sie auch
bereden / diese nacht bei ihrem gemal zu verbleiben. Sie weigerte sich aber
dessen / und name mit mir eine kammer nahe bei dem tempel ein / da wir zu nacht
blieben.
    Folgenden morgens gingen wir gleich wieder / ihn zu besuchen. Ich täte /
wie den vorigen tag / und liesse diese eheleute wieder allein beisammen. Bei
meiner rükkunft / fand ich sie beide mit tränen benetzet: welches mich vermuten
machte / Esau håtte ihr seine neue liebe / oder vielmehr seine reue bekant /und
sie hergegen ihm ihr mitleiden erwiesen. Dieses nun von ihr zu erfragen / liesse
ich ihr keine ruhe / als ich bei ihr konnte allein sein / sondern lage ihr an /
mir ihr geheimnis zu eroffnen. Sie wollte mir aber eher nichtes sagen / bis ich
diesen fund erdachte / und mit halben worten ihr zu verstehen gabe / wie dass ich
vieleicht mehr wissenschaft von ihren sachen håtte / als sie vermeinte / und
mochte ich wohl / hier in Mesopotamien / ihre mitbulerin gesehen / und von ihr
des Fursten von Edom verwundung erfahren haben. Dieses lezte sagte ich / aus
grosser vermutung / die ich hatte / dass die andere Ahalibama / die Nefe Zibeons
/an des Esau liebeshändeln teil haben musste. Sie liesse mir hierauf keine ruhe /
sondern plagte mich so viel /dass ich ihr alles das entdeckte / was mir / werte
Sataspe! vor unserer abreise / alhier in eurem hause begegnet. Ich richtete
damit dieses bei ihr aus / dass sie zwar sehr fro sich zeigte / aber dabei gleich
unvertraulich gegen mir wurde. Sie eilete hierauf nach ihrem gemal / dem sie
vermutlich von allen nachricht gegeben / weil er sofort munterer wurde / und
zuliesse / dass ihm die priestere arznei beibrachten: wie dann in dreien tagen
deren gute wirkung sich also spuren liesse / dass er nicht mehr des bettes hüten
dorfte.
    Ahalibama ware stäts um und bei ihme / auser bei nacht nicht / mit vorwand:
es wurde sich nicht wohl schicken / mich auf einer reise / die ich ihr zu
gefallen übernommen / allein zu lassen. Aber eine sonderbare begebenheit
verursachte / dass sie diese entschuldigung / bei ihrem manne nicht zu schlaffen
/ einstellen musste. Es kame / liebste Sataspe! mein Eliphas ganz unversehens
nach Auzora / und so wenig unser da-sein / als wir sein dahin kommen / vermutend
/ wurde er / so wohl als ich / mit nicht-geringem entsetzen uberfallen / als wir
in des Esau kammer einander begegneten / sonder vorher etwas voneinander zu
wissen. Ich fiele der Ahalibama onmächtig in die arme /als ich seiner ansichtig
wurde / und ginge es ihm nicht viel båsser: also dass Esau und Ahalibama gnug mit
uns zu schaffen hatten / uns wieder zurecht zu bringen. Es ist unnotig / euch
hier weitläufig zu erzählen /wie wir damals miteinander zankten / und uns
endlich verglichen haben. Ich sage allein / dass Esau und Ahalibama zwischen uns
getretten / und sowol mich begütigt / des Eliphas bezeigen zu vergessen / als
auch ihme seine unfug fürgestellet / dass er von meiner tugend solche böse
einbildung schöpfen konnen. Der kleine Amalek war zwischen uns der bäste
friedmacher / und vergasse ich auf einmal alles leid / so man mir zugefüget / dem
himmel dankend / der meine schmach von mir gewendet hatte.
    Dieses nun brachte zu wegen / dass Ahalibama meine schlafgesellin nicht
bleiben kunte / sondern widerwillens sich dazu bequemen musste / bei ihrem manne
zu bleiben: wiewol ich nicht weiss / ob es wahr ist / dass sie / selbige nacht /
bei einer der priesterinnen im tempel ihr lager genommen. Sie war so
unvertreulich gegen mir / dass ich nicht das geringste von ihren geheimnisen
erfahren konnen. Es geschahe so fort / den tag nach des Eliphas ankunft / unser
aufbruch / da wir / in gesellschaft unserer beiden månner / bis nach Phalaga
gingen: woselbst sie uns aber wieder verliessen / und uns allein unseren weg /
mit eurem bruder / hieher fortsetzen liessen. Ich habe / von meinem manne /
welcher / wie es schiene / an allen ihren heimlichkeiten mit teil hatte / kaum
soviel erfahren können / dass sie nach dem Taurischen gebirge sich gewendet. Diss
ist alles / werte Sataspe! was ich euch sagen kann. Ahalibama aber weiss weit mehr
/ als ich /an die ich euch verweise / ob sie etwan vertreulicher alhier / als zu
Auzora / sein wollte.
    Der himmel sei gepreiset / (sagte hierauf Sataspe) der mich diese post horen
lassen / dass der Fürst von Teman und dessen gemalin wieder verglichen sind. Was
die geheimnise der Prinzessin von Edom betrifft / werde ich mich nicht erkunen /
nach selbigen zu forschen / sondern vielmehr damit vergnugt sein / dass ich / als
ein getreues Seirisches landkind / um glucklichen fortgang aller vorstehenden
anschlåge / gen himmel möge seufzen dörfen. Es beschuldiget mich die Timna /
(finge hierauf Ahalibama an) dass ich den Fürsten Esau / meinen gemal / nicht
gnug liebe / und beschweret sich doch daneben / dass ich ihr dessen geheimnise
nicht entdecken will. Ist aber eben dieses nicht ein zeichen meiner ehrerbietigen
liebe / dass ich dasjenige verschweige / was mir / verborgen zu halten /
anbefohlen worden. Alles aber hier zu verantworten / wessen mich Timna
angeklaget / so habe ich mich nie geweigert / zu meinem herrn ins ehebette zu
kommen / sondern / in unterlassung dessen / seinen befehl erfüllet: massen ich
hiemit der furwitzigen Timna trotz biete / ob sie ihrem manne mehr gehorsam /
als ich dem meinigen / erweisen könne.
    Demas und Aneriste kamen hiemit dazu / und notigten die Prinzessinnen zur
malzeit: dadurch ihre unterredung abgerissen / und also der betrubte Tuscus
Sicanus dieser grausamen vergnugung / der Ahalibama ferner zuzuhoren / beraubet
wurde. Dieser unglückselige Konig / warfe sich so fort auf ein bette /und die
augen voll tränen fassend / beklagte er seinen unstern / der ihn zwunge /
diejenige so häftig fort zu lieben / die doch nun einem anderen war zu teil
worden. Und wiewol er diss zuvor schon gewust / so hatte er es doch aus der
Ahalibama munde selber noch nicht gehöret / dass sie den glückseligen Esau liebte
/sondern noch stäts gehoffet / dass er in ihrem herzen /ob gleich von ihr für
todt gehalten / vor dem Edom einen vorzug hätte / und dass der / nur aus zwang
/ihren leib besitze. Wann er aber alles recht erwoge /kunte er seine Ahalibama
darum nicht schelten / sondern musste es ihrer grossen tugend beimessen / dass sie
sich also bezeigte. Indem kame ihm auch die schonheit der Königin von
Mesopotamien zu gedächtnis /und stellte ihm seine gluckseligkeit fur / die ihme
/ so wohl der König ihr bruder / als sie selber / zugedacht hätten / und welche
anzunemen / einig und allein bei ihm stunde: woran ihn nichtes / als die
betrachtung seiner Ahalibama und seines freundes / des Konigs von Basan /
hinterte.
    Was wurde doch (sagte er bei sich selbst /) die Ahalibama liebers sehen
konnen / als wann ich /gleich wie sie getan / mich verheuratete? üm aller welt
den argwahn / der ihrem guten namen nachteilig sein konnte / zu benemen / dass ich
nåmlich sie noch liebte? Was kann Basan / oder vielmehr das grosse Celten-land /
eher in ruhe bringen / und ihm seinen König lassen / als eben dieses / wan ich
die Aramena heurate? die er zu lieben / und sich ihrentwegen auszumerglen /
nimmermehr abstehen wird / so lang noch das geringste hofnungsfunklein in ihm
ubrig bleibet /dass er sie erlangen könne. Erkläre dich dann / O verblendter
Tuscus Sicanus! deine glückseligkeit anzunemen / die dich die gröste schönheit
der welt lieben heiset / und dabeneben dich fähig machet / deinen beiden
liebsten freunden zu dienen. Vergiss der Ahalibama ... ... Allhier stutzete er /
und bliebe in seinen gedanken irrig / ward auch von dem leibarzt / den er bei
sich hatte / ganz verwirrt angetroffen: der ihn vergebens nötigte / speise zu
sich zu nemen. Es erriete dieser gleich die ursach von des Konigs neuer
betrübnis /weil er wohl wargenommen / wie nahe ihm die Prinzessin Ahalibama
gewesen: daher er / seiner gewonheit nach / ihm zuredte / dass er / als ein König
/ und nicht nur als ein liebhaber / sich anstellen / auch endlich /so wohl seiner
eignen ruhe halber / als seinen untertanen zum båsten / sich uberwinden / und
unmugliche dinge fahren lassen wollte.
    Nachdem dieser getreue leibarzt / mit solchen vermanungen etliche stunden /
bei ihme zugebracht /trate der Demas zu ihnen in die kammer: welcher / als er
seiner andern gäste aus seinem hause ledig worden / sich dieses seines fromden
gastes erinnerte / den seine leute in seiner abwesenheit aufgenommen hatten /
und deshalben kame / ihn anzusprechen. Der leibarzt / der / gleich dem König /
als ein hirte gekleidet war /kame ihm zu erst in die augen / und hatte er den zu
Salem / auch sonst in Canaan / viel zu oft gesehen /als dass er ihn nicht so fort
/ für den Midaspes / des Königs Beor gewesenen leibarzt / hätte erkennen sollen.
Wie finden wir einander hier / Midaspes? rieffe er / ihn zugleich umarmend.
Midaspes eilete nach der tur / die er zumachte: üm zu verwehren / dass niemand
zusehen mochte / wie Tuscus Sicanus und Demas einander entfangen wurden. Dieser
Konig sprange so fort vom bette auf / und dem Demas um den hals fallend / gabe
er sich ihme fur eben den Prinzen Elieser zu erkennen / den er vordessen in
Canaan so wohl gekennt hatte. An statt der freude / die der Demas hieruber
entfinden sollen / wurde er von einem grausenden entsetzen uberfallen / wickelte
sich auch aus dieses vermeinten todten seinen armen heraus /und schluge für
schrecken in beide hånde / sonder ein wort zu sagen.
    Wie / mein Demas! (redte der Konig ihn an) entsetzet ihr euch dergestalt fur
euren Elieser? Wie? Elieser! (antwortete der erschrockene Demas) ist es muglich
/ dass ich den für mir sehe? Es ist muglich /mein werter freund! (gabe ihm der
zur antwort) und hat mein ungluck nicht gewolt / dass mein leiden so bald
aufhören / und ich warhaftig / wie die welt vermeint / durch den tod / meines
jammers abkommen sollen. Ich stelle mich iezt hier ein / üm euch zu bezeugen /
wie dass mein veränderter name und zustand mich gegen euch gar nichts verwandlet
habe / sonderen dass mich / nach wie vor / der Demas einen ergebenen freund
finden werde. Demas / der sich inzwischen etwas erholet / und nun glauben musste
/ dass er den Elieser und Midaspes vor sich sah / kunte / für verwunderung /
sich noch nicht recht hierein schicken / deshalben Midaspes zu ihm sagte: Es ist
kein wunder / dass unsere / und sonderlich des Eliesers ankunft / euch / mein
Demas! fromd fürkomet / dann ihr / so wohl als alle welt / betrogen worden / indem
ihr seiter geglaubet / dass dieser grosse held des todes wåre. Ich sehe aber wohl
/ dass kein anderes mittel sei / euer gemüte dissfalls in ruhe zu setzen / als die
erzehlung dessen / was bei der lebens-erhaltung dieses Konigs sich zugetragen:
welches dann euch den glauben völlig in die hand legen wird. Wan ich gleich / (
sagte hierauf Demas) durch solchen bericht / noch mehr gewissheit uberkäme / als
mir meine augen und ohren bereits gegeben / so wird doch dadurch die
verwunderung bei mir nicht kleiner werden / dass Elieser / den ihr einen König
nennet / noch lebet.
    Es ist solches freilich zu bewunderen / mein Demas! (antwortete der Konig)
und fürnemlich deswegen / dass ich in meinem unglück so lang dauern können. Ihr
wisset / wie herzlich ich die Ahalibama geliebt / auch was grosse zeichen einer
ewigen treue ich von dieser Prinzessin entfangen: und könnet daher abnemen / wie
grausam ihr verlust mich schmerzen musse. Ja / Demas! was ich stündlich und
augenblicklich erleide / ist ärger / als der tod: den ich nur einmal anstehen
dorfte / und der mich ruhig von der jenigen abscheiden liesse / die nun ihres
treuen Eliesers also vergessen hat. Ach! håtte Midaspes / wie ich tausendmal
gewünschet / mich damals sterben lassen! wie gluckselig wåre ich doch gewesen /
und wie ruhig håtte Ahalibama als dann ihren Esau lieben konnen? Demas wusste auf
diese billigmåssige klagen nichtes einzuwenden / und wollte dem Elieser nicht
entdecken / dass seine Ahalibama / ungeacht ihrer heurat / ihn dennoch liebte:
weil er wohl bei sich ermasse / dass diese wissenschaft ihme mehr betrubnis / als
vergnügung / erwecken würde. Weil er nun nichtes sagte /name Midaspes das wort /
und / so wohl seinen Konig in etwas von seinen klagen abzubringen / als auch
damit er des Demas verlangen / dies wundergeschichte von wiederbelebung des
Eliesers zu wissen / abstillen mochte / bate er diesen seinen herrn / ihm zu
erlauben / dass er dem Demas hiervon erzählen möchte. Der begierige Demas musste
so fort / auf des Königs bewilligung und befehl / sich zu ihm auf das bette
setzen / da er dann den Midaspes folgender gestalt erzählen hörete /
 
           Die geschichte des Tuscus Sicanus / Königs der Aborigener.
Als die beide Prinzen von Basan / der Lucus und Abinael / des riesen Astarot
kinder / wegen der koniglichen hoheit / in streit und gefårliche kriege gerieten
/zoge hierbei der Lucus den kurzern / dass er dem Abinael / seinem jungern bruder
/ das konigreich Basan uberlassen / und fur demselben über meer / bis gar in
Tuscien hinein / flüchtig wurde: da der Janigener Konig / der Hesperus / ihm
seine schwester / die Prinzessin Valentia zuheuratete / nachdem er zuvor /durch
seine dapfere faust / der Aborigener landes sich bemächtigt / und die kron von
selbigem reiche aufgesetzet. Weil aber Hesperus / so wohl ihn / als die Valentia
/ sehr liebte / als hielte sich der König Lucus stäts bei diesem schwager auf /
und stunde ihm treulich bei / in seinen kriegen wider den Blascon: bis die
unglückseelige veränderung fürlieffe / dass der Italus Kitim in das land
einbrache / und seinen bruder / samt dem ganzen koniglichen geschlechte / eben
also nach Celten verjagte / als wie der zuvor den Blascon / den ehmaligen Konig
der Janigener / dahin vertrieben hatte.
    Ein sohnlein von dem Lucus und der Valentia /bliebe in dieser flucht zu
rucke / und geriete dem grausamen Italus Kitim in die hånde: welches / ungeacht
es seiner schwester kind war / des todes sterben sollte / solchem auch schwerlich
entgangen wäre / wan ich nicht eben dazu gekommen / und diesem kleinen Prinzen
sein leben gerettet håtte. Es hatte der gerechte himmel es also versehen / dass
ich schon damals diesem zarten Königs-kinde / als nunmehr gegenwärtigem König
der Aborigener / dem Tuscus Sicanus /sein leben fristen musste: der mir in die
hånde geriete /als ihn eben / des Italus Kitim knechte / in kostliche windeln
eingewunden / daher trugen / des willens /ihn in die Tyber zu werfen. Weil ich
von geburt ein Cananiter bin / und also Basan mit für mein vatterland haltend /
eine sonderbare liebe für dieses sprösslein aus Basan in mir fülete / als
jammerte mich nicht allein dieses kindes / sondern ich bemühete mich auch / es
aus dieser mördere händen zu erlosen. Dieses ginge mir von statten / indem ich
durch ein grosses stuck geldes / das ich bei mir furete / üm damit in Celten zu
denen in der arzenei berumten Druyden zu reisen / ihn los kaufte: da ich zuvor
ihnen zuschworen müssen / mich so fort mit dem kind uber meer zu begeben / und es
nicht eher wieder hinüber kommen zu lassen / noch ihme seinen namen und stand zu
eroffnen / bis dass der Italus Kitim todt sein wurde. Vor des Gottes Berit seule
/ die etliche reisende Canaaniter alda am ufer des meers aufgerichtet / geschahe
dieser eid: welchem dann schuldigst nachzukommen /ich noch selbige stunde / mit
dem kleinen kinde Tuscus Sicanus / zu schiff ginge / und / nach überstandener
beschwerlicher seefart / zu Joppen angelangte.
    Ich gabe ihm den namen Elieser / und kame mit ihm in das konigreich
Kiriat-Arba: da der Fürst Beri / welchen damals sehr nach einem sohn verlangte
/weil der König / sein bruder / auch keine erben hatte /und also das land auf
ihn sah / wegen meiner kunst mich ofters üm raht fragte / wie er eine gesegnete
ehe bekommen möchte. Weil / aus allen umstånden / die er mir erzehlte / ich
anders nicht abnemen kunte / als dass der mangel an seiner gemalin sein musste /
wiewol sie etliche jahre hernach den Ephron geboren / als sprache ich ihme alle
hoffnung ab / und brachte ihn damit auf / dass er den kleinen Elieser / mit so
viel gelt / als ich vor ihn gezahlet / mir abkaufte / und selbigen für seinen
sohn ausgabe. Weil er / als vom königlichen hofe damals verbannet / in der
einsamkeit lebte /als merkte kein mensch diesen betrug / sondern iederman
glaubte / dass Elieser des Beri sohn wåre.
    Ist es wohl muglich / (fiele alhier der Demas dem Midaspes ins wort) dass der
Prinz Elieser nicht des Fursten Beri sohn gewesen? Der himel / (fuhre Midaspes
fort) hatte den Tuscus Sicanus viel zu lieb / als dass er ihm einen so unartigen
vatter sollte gegeben haben. Es hat ja auch nachmals dieser Beri / in allem
seinem tun / genugsam zu erkennen gegeben / dass er kein funklein våtterlicher
liebe gegen diesem tugendhaften sohn in sich hegte: massen ja euch und aller
welt mehr als bekant ist / wie er ihn selbst dem Beor gefänglich eingebracht /
und auf das åuserste verfolget. Und wiewol sein rechter sohn / der Ephron /
solches allemal mit anstehen mussen / so ware doch der Beri dessen versichert /
dass dieser / als der am wenigsten schuldig / nicht so hart / als Elieser / wider
den es um die Ahalibama zu tun war / von dem Beor wurde gehalten werden: massen
auch in der tat geschehen / und Ephron gleich wieder los gekommen /als Elieser
vermeintlich sein leben gelassen.
    Die tugendhafte mutter des Ephrons / wie auch mein stätiges zureden / da ich
dem Beri immer fürhielte / was beschimpfung ihm darauf stunde / wan er dem
Elieser den sohnes-namen rauben wollte / verursachte / dass er ihn / nach des
Ephrons geburt / in seinem hause noch so fort gedultet: wiewol er nachmals nicht
betrübt darüm war / als er vermeinte / dass der himmel / durch Eliesers tod / ihn
von dieser last erlõset håtte. Ich ware damals im dienst beim Konig von Canaan /
wie der in die Ahalibama / des Eliesers braut / sich verliebet / und diesen
durch den Prinzen Hemor verwundten unglückseeligen in seinen banden hatte: da
ich dann diesen grausamen befehl von dem Beor bekame / dem Elieser ein gift
beizubringen /welches ihn allmählig todten und hinrichten mochte. So wenig ich
nun diss zu tun gesinnet war / weil ich den Elieser als mein kind liebte / so
sehr befahrete ich / wan ich es abgeschlagen håtte / des Konigs ungnade / und
dass dannoch ein anderer hierzu würde gebrauchet werden. Demnach übername ich /
des Konigs gebot auszurichten / und brachte es / durch gewisse kråuter / die den
leib aufblasen / und eine onmacht von etlich vielen stunden verursachen / so
weit / dass zu Salem dieser Prinz vermeintlich sturbe / und mir sein korper /
denselben zu balsamiren und zur begråbnis fårtig zu machen / von dem Beor
übergeben wurde. Dieser gedachte nun also vor aller welt zu bergen / dass Elieser
durch gift umgekommen / und ich erlangte damit die bequemste gelegenheit / den
Elieser auf die seite zu schaffen / und einen andren korper /von einem in meiner
cur gewesenen verstorbenen /heimlich in seine stelle zu bringen: welchen ich in
einer kråuter-lade / als wären meine specereien darin gelegen / auf das schloss
tragen / und in eben selbiger hingegen den Elieser hinunter in meine wonung
bringen liesse.
    Daselbst nun trachtete ich / durch dienliche båder und andere mittel / den
Elieser wieder zu sich selbst zu bringen: das mir auch glucklich gelunge /
wiewol es viel arbeit machte / und langsam daher ginge / ihm seine gesundheit
wieder zu erstatten / weil die natur sehr war geschwächet worden. Was ihm aber
den meisten schaden täte / ware dieses / dass das gemute in ihm soviel erlitte:
weil er ståts an seine Ahalibama gedachte / und selbige in eines so måchtigen
mitbulers händen wissen musste / auch daneben ihm wohl furbilden kunte / wie sein
tod ihr würde zu herzen gehen. Er wusste es auch daher mir fast wenig dank /dass
ich ihm sein muhseeliges leben erhalten / da er /allem ansehen nach / seine
Ahalibama verlieren sollte. Damit ich aber nun anderweit ihn etwas erfreuen
mochte / und weil ich gewiss wusste / dass Italus Kitim todt war / offenbarete ich
ihm seine konigliche geburt / und dass er des Lucus und der Valentia ältster sohn
/der Tuscus Sicanus / wäre. Dieses ware ihm / ungeacht seiner betrubnis / nicht
eine so gemeine zeitung /dass sie ihn nicht hätte sollen bewegen können / sich
seinem vätterlichen reiche zu sparen / und den tron der Aborigener zu verlangen.
    Der himmel fugte es damals also / dass ein arzt /einer von meinen alten
bekanten / eben aus Chitim zu mir nach Salem kame / der mir allen zustand von
selbigen reichen erzählt: wie nåmlich der Aborigener Konig Lucus / nach dem er
mit der Valentia noch einen sohn gezeuget / der / zu gedåchtnis des åltern
sohnes / auch Tuscus Sicanus genennt worden / so wohl als dieser / für betrübnis
gestorben / und also der Aborigener land der Valentia zu regiren hinterlassen
håtte; wie auch diese / mit einem måchtigen heer / auf dem Riphatischen gebirge
angekommen / und einen anspruch auf Basan machen wollte. Dieses reizte den Tuscus
Sicanus nicht wenig / seiner fraumutter und den Aborigenern sich kund zu geben /
und ihr in ihrem dapfern beginnen beizustehen. Als ich diesen rumlichen fursatz
an ihm gemerket / feurete ich denselben noch mehr an / und beredte ihn / nach
dem Riphatischen gebirge zu reisen: welches er / so krank er auch ware / und so
ungern er seine Adalibama in des Beors klauen zuruck liesse / ihm so fort
gefallen liesse. Ich suchte urlaub bei meinem König / dem Beor / auf ein jahr
auszureisen: welches er mir / in betrachtung des grossen dienstes / den ich ihme
mit hinrichtung des Eliesers erwiesen / gleich verstattete / auch mich mit
reise-zehrung überflüssig versah.
    Also machte ich mich / mit meinem todten / bei nacht auf den weg / und kame
glücklich mit ihm in Syrien nach Hierapolis: alda wir den Prinzen Suevus
fürfunden / der mit den Aborigenern auf dem Riphatischen gebirge sich besprachen
/ und ihre anforderung auf Basan vernemen sollte. Ich ware bei diesem Celtischen
Fursten vor deme in kentnis gewesen / und zwar an dem hofe des Italus Kitim da
er der Prinzessin Valentia fleissig aufgewartet / und üm ihre gute gunst / wiewol
vergeblich / sich bemühet. Diesem entdekte ich demnach / wie ich den sohn seiner
ehmals-geliebten Valentia bei mir hatte / und dass darum der König von Basan
fürnemlich mit diesem / als mit dem rechten Aborigener-Konig / seine handlung
anstellen müste. Es wäre diese zeitung dem Suevus ein mårlein gewesen / wan er
mich nicht / von so vielen jahren her / für ehrlich und aufrichtig gekant / auch
an den Tuscus Sicanus das wahre leibhafte ebenbild der Valentia / seiner
fraumutter / gefunden hatte: daher er / mir glauben beimessend / solches so fort
nach Basan berichtete. Ich aber ubername inzwischen die reise /nach dem
Riphatischen gebirge zu gehen / und der Königin / wie auch den Aborigenern /
dieses ihres noch lebenden sohnes und Konigs zustand zu eroffnen.
    Zu meinem Glück und zu bescheinung der warheit /fand ich bei der Valentia
zween alte slaven / welche mich kennten / und eben von denen waren / die mir den
kleinen Tuscus Sicanus verkauffet hatten. Wie nun diese meinen bericht
bestätigten / erweckte ich eine solche freude unter den Aborigenern / und
furnemlich bei der betrübten Konigin / dass sie mich allerseits gleich einem gott
verehrten / und mit mir etliche der fürnemsten Aborigener zuruck abschickten
/die ihren König zu Hierapolis entfangen sollten. Unterwegs begegneten uns
etliche / so die zwischen beiden Konigen bereits getroffene friedenshandlung
mitbrachten. Ich funde / weil ich sehr eilete / und nacht und tag fortreisete /
den Konig von Basan und den Konig der Aborigener / in Hierapolis noch beisammen
/ wiewol sie wenigen bekant waren. Es ginge das gespråche / dass mein Konig die
Prinzessin Amorite /des Suevus tochter / heiraten sollte: worzu ich dann meines
ortes ihn zu vermanen und zu bereden nicht ermangelte. Ich håtte auch damit
durchzudringen hoffen können / weil man bei uns fåst geglaubet / dass die heurat
mit dem Beor und der Ahalibama für sich gegangen / wan nicht / zum unglück / die
zeitung nach Hierapolis erschollen wåre / welcher gestalt diese Prinzessin von
Salem entronnen / auch sich in der damaligen Königin von Ninive schutz begeben /
und ehist mit derselben nach Damasco kommen würde.
    Diese nachricht / verdrengte in meines verliebten Königs herzen alle
staatsgedanken / und kunte ich kaum so viel erlangen / dass er seine liebe
heimlich hielte: wiewol daran höchst gelegen war / und er allen beistand aus
Basan / sonderlich des Suevus freundschaft und nutzliche hulfe verscherzen
konnen / wan diese seine neue bundsverwandten erfahren hätten /dass er ihre
Prinzessin / die Amorite / nicht im sinn hatte / deren vorgeschlagene heurat
gleichwol ein grosses zu der vertreulichen vereinigung beider Könige getan
håtte. An statt nun / dass ich vermeinte / wir wollten nach der Königin Valentia
reisen / fiele meinem König in den sinn / mit dem Konig von Basan unbekant nach
Damasco zu gehen / und der damaligen Königin von Ninive einzug alda anzusehen
/furnemlich aber seine Ahalibama zugleich anzusprechen. Ich war viel zu schwach
/ mich hierinn zu widersetzen / und wurde ein hofliches schreiben an die Konigin
Valentia aufgesetzet / auch damit iemand an sie abgeschicket / der des Tuscus
Sicanus ausenbleiben entschüldigte / und ehiste überkunft daneben versprache.
    Also ginge nun unser weg nach Damasco / und ob gleich beide Könige einander
den zweck dieser ihrer reise noch nicht entdekten / so waren sie doch sonst sehr
viel bei einander / und sezten grosse liebe zusammen. Diese freundschaft
erstrekte sich auch auf den Prinzen Daces / der allein mit reisete / und
sonderliche hochachtung fur meinen König bezeugte. Um aber ganz unbekant zu
bleiben / hatten der Marsius sich Cimber / und der Daces Tubal genennet: welche
namen zween ihrer vettern gefüret / die im lezten Assyrischen kriege waren
ümgekommen. Weil mein Konig seinen namen auch ändern sollte / nennte er sich
ebenfalls Cimber / welches ein gemeiner name ist bei den Celten: üm damit
furnemlich auch die einigkeit anzudeuten / die er mit dem andern Cimber zu
halten gesonnen war. Nahe vor Damasco / stiesse meinem König ein fieber zu /
damit er / seit seiner wiederbelebung / noch immer behaftet gewesen: welches ihn
notigte / etwas zurück zu bleiben. Wir kamen aber nur einen tag später / als die
andere / und also noch zween tage vor der Königin einzug / in Damasco an.
    Ich habe daselbst eine verwandtin wonhaft / bei der ich dann mit meinem König
einkehrte: und weil ich unterwegs dem andern Cimber und dem Tubal hievon
nachricht gegeben / stunde es nicht lang an / da kamen diese beide / uns zu
besuchen. Wir erfuhren von ihnen / dass sie in dem haus einer Furstin von Seir
eingekehret / und dass der Marsius mit der ankunft seines alten freundes / des
Prinzen Abimelech / der nunmehr König in Syrien ist / erfreuet worden: welcher
ihn / ungeacht ihrer grossen vertraulichkeit und freundschaft / die sie ehmals zu
Salem mit einander gestiftet / dennoch nicht anders / als unter den namen des
Cimbers / kennte. Diese ihre fleissige ansprache sezten sie fort / bis auf den
tag / da der einzug geschahe: welchen wir aus unserem hause / als welches
abgelegen /nicht sehen kunten / aber bald erfuhren / was wegen losbrechung der
Löuen sich dabei begeben hatte. Die angst des verliebten Tuscus Sicanus ist
nicht zu beschreiben / die er hiebei fur seine Ahalibama hatte /und stillte sich
seine unruhe nicht eher / als bis der Konig von Basan zu uns kame / und uns
erzehlte /wie es abgegangen wäre.
    Die art / womit dieser verliebter Cimber solchen bericht abstattete / und
die weise / mit deren es von dem andern Cimber / meinem Konig / angehoret wurde
/ öffnete ihnen beiden die augen / dass sie einander anmerkten / wie sie
beiderseits liebten. Sie wurden hierauf nach und nach so vertreulich zusammen
/dass sie einander ihr ganzes herz eroffneten / und nichtes von ihrer liebe
verhåleten. Der Konig von Basan name es meinem König gar nicht für übel / dass er
seine Ahalibama noch liebte / unangesehen er in der zeit / da er sie an den Beor
verheiratet geglaubet / bei der friedenshandlung / für dessen base / die Amorite
/sich erkläret hatte. Also erfuhre Tuscus Sicanus /durch hülfe des Konigs von
Basan und des Prinzen Daces / alles / wie es seiner Ahalibama erginge: das dann /
sie selbst bald zu sprechen / und ihr sich lebendig zu zeigen / bei ihm das
verlangen so gros machte /dass solches merklich zu seiner wiedergenesung halfe.
    Als er nun nicht mehr der kammer hüten dorfte /suchte er gelegenheit / die
Prinzessin Ahalibama zu sehen / und begabe sich demnach / neben mir / der ich
ihn niemals verlassen wollte / mit einen mantel wohl verhullet / auf den grossen
spazirplatz in Damasco / da die Konigin / neben allen anwesenden Prinzessinnen
und dem andern frauenzimmer / eben lustwandlen fuhre. Wir sahen daselbst die
Prinzessin Ahalibama /in dem zweiten wagen / mit andren damen sitzen / und ritte
ihr der Furst von Edom an der seite / der die ganze zeit über mit ihr sprachte:
da sie sich so hoflich hinwider gegen ihm bezeigte / dass eine kleine eifersucht
/ die allen verliebten gemein ist / bei meinem Konig anzuglimmen begunte. Ihn
dünkte / Ahalibama wåre nicht betrübt genug über seinen tod / und fand er sie
auch schoner / als sie billig der gram über ihren Elieser håtte lassen sollen.
Mit dieser unruhe kehrte er wieder in das haus / und half ich seine eifersucht
mit fleiss vermehren: weil ich auf sein bästes sah / und also nicht wünschen
kunte / dass diese verbindung mit dem hause Seir geschähe / die meinem König
schiene mehr schädlich als nuzlich zu sein. Als ihme nun hierauf in den sinn
gekommen / ehe er die Ahalibama anspråche / zuvor erkundigung einzuziehen / wie
sie mit dem Esau lebte / höreten wir nicht allein von allen orten / sondern auch
von dem so-genanten Tubal / dass Esau diese Prinzessin liebte / und sie ihm nicht
abhold wäre.
    Dieses hatte zwar / meinem wunsche nach / die gluckliche wirkung / dass es
meinen König mehr als eifersüchtig machete: es schwächte aber dabei auch seinen
leib dermassen / dass er abermals zu bette ligen musste. In erwägung aller
ümstånde / und der notwendigkeit / die heurat mit der Prinzessin Amorite / des
Suevus tochter / möglichst zu befördern / brachte ich den König von Basan / wie
auch den Tubal auf meine seite / und finge mit ihnen beiden an / meinem Konig
fürzustellen / wie / eine so schleunige vergessenheit der Ahalibama / mit
gegenvergessenheit zu bestraffen wäre. Weil der Marsius und Daces / ihrer eignen
angelegenheit halber / wünschten / dass Amorite Königin der Aborigener werden
mochte / als halfen sie mir hierinn treulich / also dass kein tag verginge / in
welchem nicht meinem Konig eine neue geschichte von der Ahalibama liebe zu dem
Esau furgebracht wurde. Ich sah gern seinen leib hierdurch sich abmatten / in
hoffnung / dass sein gemüt allgemach von dieser liebe wurde geheilet werden. Und
weil die entfernung das båste mittel zu sein schiene / als triebe ich es tåglich
/dass man doch niemal an die ruckehr nach Basan gedenken möchte: womit ich aber
bei dem verliebten Marsius nichtes ausrichtete / unangesehen ich hierinn auch
den Daces auf meiner seite hatte. In solcher zeit kame ganz verborgen / die
ietzige Königin von Babel / als damalige Prinzessin von Basan / die Hercinde
/unter månnlicher kleidung / zu Damasco an / und geriete ganz ungefår in das
haus / darin wir woneten. Sie hatte bei sich viel fürneme Celten / welche
selbst diese Prinzessin nicht anders / als unter dem namen Assurs / kennten.
Weil ich erfuhre / dass sie Celten waren / machte ich mit ihnen kundschaft / und
wurde von dem Gaisus / einem unter ihnen / erkant / der mich ehemals in Celten
gesehen hatte. Diesem entdekte ich meines Königes zustand / brachte es auch in
die wege / dass er den Tuscus Sicanus zu sprechen bekåme: welches die Prinzessin
Hercinde / unter Assurs namen / als sie hiervon vernomen / auch begierig machte
/ den bruder des vorigen Tuscus Sicanus zu kennen / der ihrentwegen fur liebe
gestorben war. Also sah sie meinen König / der folgends dem Marsius / als der
ihn wieder besuchte / hiervon vermeldete / und damit ursach gabe / dass sie von
ihm fur seine dapfere schwester / erkant und beredet wurde / weibliche kleidung
anzulegen / und also in der Fürstin Timna behausung / bei ihme einzukehren.
Gaisius ware / mit den andern Celten / bereits nach Basan abgereiset / um des
Assurs ankunft alda anzumelden /wie dergestalt der Marsius und sie einander
erkennten.
    Mein Konig hatte hierauf die ehre / diese damals von liebe und eifer gegen
dem Baleus erkrankte heldin / nicht allein in ihrem weiblichen schmucke zu sehen
/sondern auch in ihre vertreuliche kundschaft zu geraten: da sie ihm dann / in
gegenwart ihres bruders / alles erzehlte / was sie wider den Baleus hatte / und
welcher gestalt sie die jungfrau Aramena / aus welcher nun der Konig von Ninive
geworden / beeiferte. Ihren damaligen hass gegen den Baleus auch darzutun /
beweinte sie herzlich den Tuscus Sicanus / den bruder meines Königs: und weil
sie denselben als eine schwester geliebt / als name sie auch meinen Konig zum
bruder an / und nachdem sie kürzlich seinen zustand erfahren / vermanete sie ihn
so sehr / die Ahalibama ferner nicht zu lieben / als sehr sie selbst sich
vermasse / fortin den Baleus bis in den tod zu hassen / den sie auch nun zu
bekriegen / sich ernstlich angelegen sein liesse.
    Ich berure dieses alles nur mit wenigem / weil ich wohl weiss / dass euch /
mein Demas! diese begebnise zwischen dem Baleus und der Hercinde nicht unbekant
sein können; und ist das gefechte so weit erschollen / welches Baleus / Aramena
und Assur vor Damasco miteinander gehalten / dass ich unnötig hiervon viel worte
machen wurde. Ich will allein sagen /dass dieses damals geschehen / als Marsius /
neben meinem König / die Hercinde / bis auf das schloss des Syrischen Fürsten
Rames / begleiten wollte / dahin der Prinz Suevus gekommen war / üm die
Prinzessin abzuholen und sich mit seinem Konig zu bereden. Sie kame verwundet zu
uns / und mitlerweile wir alda waren / liesse ich nichtes an meinem fleiss
erwinden /beide Könige zu bereden / dass sie doch mit der Hercinde nach Basan
gehen möchten. Aber die ungemeine liebe des Marsius war in ihm so mächtig / dass
weder ich / noch der Suevus / etwas bei ihm auszurichten vermochten: und musste
ihm dieser Fürst zuschwören / sein da-sein in Basan ganz geheim zu halten / und
ihm in seiner liebe nicht einzureden. Ich zwar / hatte mit meinem König etwas
mehr Glück /indem derselbe / für dem Suevus sich bergend / auf dessen zureden /
so wohl als auch aus natürlicher begierde / den schluss fassete / die reise nach
seiner fraumutter / der Königin Valentia / nicht länger aufzuschieben: zumal
weil er versichert ware / dass inzwischen ihm in seiner liebe kein eintrag
geschehen könnte / da der Esau / sein glucklicher mitbuler / aus Damasco hinweg
gezogen war / und wider die vom hause Seir krieg fürete.
    Also beschlossen wir nun / auf des Fürsten Rames hause / gerade nach dem
Riphatischen gebirge zu gehen / und nicht zuvor nach Damasco wieder zu kehren:
welches anfånglich mein Konig zu tun ganz ernstlich gewillet war / um sich
seiner undankbaren Ahalibama zu erkennen zu geben. Er schriebe aber an diese
Prinzessin ein bewegliches brieflein / welches er dem Daces zustellte / und es
ihr bei bequemer gelegenheit zu überliefern bate: das aber dieser hernach nicht
von sich gegeben / daher es nicht vor der Ahalibama augen gekommen. Wie wir nun
dergestalt uns in drei teile gewandt hatten / da der Cimber und Tubal wieder
nach Damasco / Hercinde aber nach Basan /und mein Konig nach dem Riphatischen
gebirge ginge / hatten wir unterwegs keine andere reise-kürzung /als von der
Ahalibama: von der mein König ihm nimmermehr fürbilden kunte / wie sie seiner
sobald hätte vergessen können. Zuweilen wollte er sie entschuldigen und machete
ihm viel hoffnung vor seinen brief /den er ihr geschrieben / dass der nämlich
alles in vorigen stand setzen wurde. Nachmals aber verzweifelte er wieder daran
/ als er so gar keine antwort erhielte /da ihme doch / von dem so genanten Tubal
/ zu verschiedenen malen über Basan briefe zukamen.
    Wie wir endlich das Riphatische gebirge erreichet /und die Aborigener ihren
neuen König sahen / entstunde unter ihnen eine unaussprechliche freude; und ware
wohl niemand / der an der warheit dieser geschichte zweifelte / weil der Valentia
wahres ebenbild / neben der leibhaften gestalt des tapferen Lucus / sich an ihme
ganz scheinbar herfürtåte. Also beehrten sie ihr gluck / das ihnen der himmel
gonnte / mit grosser erkentlichkeit / namen ihn auf einen grossen schild /und
trugen ihn also mitten durch das heer / bis nach dem gezelte der Königin: die
schier für freuden onmåchtig wurde / einen sohn / den sie so viel jahre als todt
beweinet / nun wieder lebendig zu sehen. Ich zeigte ihr die windeln / wie auch
etliche kleinode / die ich bei dem kleinen Tuscus Sicanus gefunden: so ihr alles
noch gar wohl bekant ware. Also erhube sich ein allgemeines wohl-leben / dessen
iederman genosse / ausser dem Tuscus Sicanus selber: welcher in stäts-wärender
betrübnus verblieben / und alle die königliche ehre / die ihm widerfuhre / als
ketten ansah / die ihn anfässelten / und bei seiner Ahalibama nicht sein
liessen.
    
    Wie wir nun also eine weile unter den Aboriginern uns befanden / und mein
König in den kriegen / welche sie mit ihren benachbarten fureten / viel dapfere
taten erwiesen / auch dadurch sich noch beliebter bei seinem volke gemacht
hatte / bekamen wir aus Basan die betrubte zeitung / dass der Konig Marsius todt
wåre; und bald darauf / etwan nach zwei oder dreien wochen / schriebe auch die
Prinzessin Hercinde / dass mein König acht auf seine schanze haben / und sich
Basan zu nåhern / sein volk zusammen ziehen sollte. Diesem einraht zu folge /
zogen sich die Aborigener gegen Canaan. Mitlerweile aber Valentia wieder nach
Celten reisete / ginge mein König / mit mir und wenig anderen / unter des
Cimbers namen / unbekant nach Basan / um sein bästes nicht zuversåumen / und /
als rechter erbe / wahren grund von diesen dingen einzuziehen. Auf dieser reise
hatte mein König / unfern von Edrei / einsmals bei nächtlicher zeit eine
sonderbare begebenheit: die ich darum hier mit erzählen muss /weil sie zur
erlåuterung dienen kann / warum der jetzige Konig in Syrien nachgehends / meinem
König / als ich bald sagen werde / in anbietung der Königin Aramena / seiner
liebsten schwester / solche sonderbare gewogenheit erweisen wollen.
    Wir reiseten / zwischen dem gebirge / bei dunklem sternenlicht / und horeten
/ bei der grossen nacht-stille / vor uns im tal / ein gefechte. Indem wir nun
still hielten / um solches etwas eigentlicher zu vernemen /ranten ihrer zween
spornstreichs bei uns furbei / deren einer zu dem andren sagte: es wåre mit
ihrem herrn /dem Prinzen Abimelech / getan / wann sie nicht bald seine übrige
leute könten herbei schaffen. Dieser name / der meinem König anzeigte / was für
ein edler held solcher gestalt noht litte / bewegte ihn so fort /nach dem
geklinge der schwerter hin zu reiten: da er dann im schimmern ersah / wie ihrer
viele über etliche wenige her waren / die sich aber trefflich zur wehre
stellten. Unter diese wenige zehlte er nun nicht unbillig den Abimelech / drunge
also mit grosser dapferkeit in die andern hinein / und machte den streit bald ein
anders ansehen gewinnen / also dass / wie endlich Abimelechs leute dazu kamen /
dieser held bereits von allen seinen feinden befreit und erloset ware. Wem habe
ich immermehr (rieffe dieser Prinz) mein leben zu danken? ich spure ja / dass
eine ungemeine dapfere faust mich errettet hat. Wen es dem Prinzen von Gerar
(antwortete ihme mein Konig) einiger massen zur vergnügung dienen kann / meinen
namen zu wissen / so will ich einem so edlen helden nicht verhelen / dass ich /
unter des Cimbers namen / der Aborigener Konig Tuscus Sicanus bin / der nun das
Glück gehabt / dem dapfern Abimelech sein leben zu fristen. Hiemit rante mein
König von dannen / sonder eine antwort zu erwarten / und sezte seinen weg weiter
fort: weil er in Basan unbekant leben wollte / und hier / nach dieser entdeckung
seines namens / långer zu verharren / fur undienlich erkannte.
    Wir stellten aber / wegen des Marsius vernommenen todesfalls / genaue
nachfrage an / und erfuhren endlich / nach vielem forschen / von dem Daces / den
wir in Basan fanden / dass es hiemit ein misverstand wäre / doch gleichwol
gefårlich mit ihm stünde. Der Daces musste meinem Konig alles erzählen / was /
seit seiner abwesenheit / in Damasco und Syrien sich zugetragen hatte. Er war
furnemlich hochst begierig /von seiner Ahalibama etwas zu horen: das ihm aber
schlechten trost brachte / weil er vernemen musste /wie der friede zwischen den
häusern Seir und Edom auf diese bedinge gestiftet wåre / dass Ahalibama des Esau
ehegemalin werden sollte.
    Ist dann Ahalibama / (fragte mein betrubter Konig) hiermit einig? Sie soll /
(antwortete Daces) wie ich hier von Basan vernommen / nach Edom gereiset /und
der Esau ihr bereits dahin gefolget sein. Hat sie dann (fuhre mein Konig fort zu
fragen) keine freude oder einige verånderung von sich blicken lassen / als sie
mein leben aus meinem schreiben ersehen? Keines wegs! (antwortete Daces / wie
ich mit ihm hatte abgeredet / dass er sagen sollte) und scheinet sie ganz geneigt
/ ihrem vatterlande zum båsten / dem Edom die eheliche hand zu geben. Wolan!
(sagte ich hierauf) so erweisen sich dann E. Maj. nicht geringer / als Ahalibama
/ und sorgen auch fur ihr vatterland / gleichwie sie getan / in ehlichung der
Prinzessin Amorite /welche heurat ihr merklich dienen kann / den tron von Basan
fur sich fäst zu stellen. Ich erlangte mit dieser anmanung so viel / dass mein
betrubter König mir folgte / und neben dem Daces seinen weg nach dem Prinzen
Suevus vor sich name / der mit einem gewaltigen heer damals im anzuge ware / in
Syrien zu gehen.
    Er håtte damals / aus begierde / an seine Ahalibama sich zu rächen / die
lezte einwilligung zur verheuratung mit der Amorite / von sich gegeben / wan
diese unglückseelige Prinzessin noch wäre im leben gewesen. Aber wir erfuhren
deren erbårmlichen tod bei dem betrübten vatter / dem Prinzen Suevus: deme der
Sesostris / so die Amorite aus Hemath begleitet /diese klägliche zeitung eben
angebracht / dass sie /neben der Prinzessin von Hemath / auf ihrer reise nach
Mesopotamien / von vermumten Hematitern /die zweifels ohn der tyrannische
Jobat hierzu erkauffet / wåre umgebracht worden. Ob nun zwar ihr so
erbärmliches ende meinem Konig sehr zu herzen ginge /so erwerkte es doch fast
daneben in ihm eine ruhe /dass er nun uberhoben ware / dergestalt an seiner
Ahalibama sich zu råchen. Also begunte hierauf die liebe in ihm wieder
aufzulohen / also dass er sich äuserst abkränkte. Ich fand endlich keinen raht
mehr / als dass er der gesundbrunnen und warmen bäder bei Aroer in Syrien sich
gebrauchen sollte: dahin wir dann zogen / und keinem menschen davon sagten / als
dem Daces und dem Fürsten Cyniras / der unterwegs in Ober-Syrien uns aufstiesse /
und meines Koniges vertrauter bekanter vordeme zu Hirapolis worden war. Um
daselbst geheim zu bleiben: namen wir in den abwegsamen klippen unsere wonung:
da es sich dann fugete / dass der König Marsius / der auch fast tödlich krank war
/ so verborgen als wir / den gesundbrunn gebrauchte / und / durch den Daces von
unsrem da-sein berichtet / so betrübt und schwach er auch war /dannoch ein
verlangen erwiese / seinen vettern und vertrauten freund wieder zu sehen.
    Also kamen die zween ungluckliche verliebte Cimber / welchen namen sie noch
immer fureten / bei nacht zusammen / und klageten einander ihre noht: da man /
ohne tränen / diese beide zweifelmütige Könige nicht ansehen / noch ihr
gespråche vernemen kunte. Dass die Konigin Aramena / als sie / von des Königs zu
Basan liebe / wiewol nur unter des Cimbers namen / nachricht bekommen / einen so
unversonlichen zorn und grim wider denselben blicken liesse / und Ahalibama ihres
Eliesers so leicht vergessen konnen / solches machte sie beiderseits
unaufhörlich den tod wunschen. Sie stritten immer mit einander / welcher von
ihnen wohl der ungluckseligste liebhaber wäre: da Marsius behaubten wollte / dass
mein Konig sich noch trosten konnte / weil die Ahalibama / so lang sie ihn
lebendig gewust / ihn beständig geliebt hätte; da hingegegen er sich dessen ganz
nicht zu berumen wusste /dass er iemals wäre geliebt worden. Mein Konig wollte ihm
aber solches nicht gestehen / einwendend / dass eine wahre liebe auch nach dem
tode bestehen müsse: weswegen er schlosse / dass die Ahalibama ihn niemals recht
geliebt hätte / weil sie seiner sobald vergessen konnen. Wir verheleten aber vor
dem Tuscus Sicanus / mit aller sorgfalt / dass die Ahalibama bei der Konigin in
selbigem saurbrunn und ihm so nahe war. Ich brachte es doch endlich mit meinem
Konig so weit /dass er / dem leibe nach / seine vollige kräfte wieder erlanget:
und verharrete er nur darum noch daselbst /üm dem Konig von Basan mit trost
beizuwonen.
    Inzwischen kame ihm unvermutlich von der Prinzessin Hercinde ein schreiben
aus Assyrien / welches ungefår also lautete.
Schreiben der Prinzessin Hercinde an den Tuscus Sicanus / König der Aborigener.
Ich habe so viel gutes / von der Königin Valentia /ehmals in Celten genossen /
zu dem dass ich eine ursach an dem unglücklichen tod ihres jüngern sohns gewesen
/ dass ich ganz unerkentlich sein müste / wan ich nicht / in allem / dem grossen
Tuscus Sicanus dafür dienete / und also einiger massen ersezte / was ich so wohl
dem vorigen König der Aborigener zu leide getan / als auch was ich der Valentia
fur ihre woltaten schuldig bin. Diesem nach / mein bruder! warne ich E. Maj.
für unsrem nächsten blutsfreunde /und bitte / sie wollen / nach entfahung dieses
/ keinen augenblick seumen / in Basan zu gehen / und dahin ihre Aborigener
zusamen zufuren. Ein mehrers darf ich nicht melden. Es bestehet aber hierinn der
ruhestand von Basan / dass E. Maj. diese warnung wohl aufnemen von ihrer
getreusten schwester
                                                                       Hercinde.
    Weil / wie gesagt / diese Prinzessin meinen König sehr liebt / ob sie
gleich wenig um ihn gewesen / als wurde auch diese ihre sonderbare warnung von
uns desto bedachtsamer erwogen: und kunten wir hieraus nichts anders schliessen /
als dass / durch diesen blutsfreund / der Marsius selber musse gemeinet sein / der
etwan / auf anstiften seiner grossen / die getroffene friedens handlung umstossen
/ und meinem Konig von dem reiche Basan und den zugewandten landen
auszuschliessen gedenke. Was mich dieses zu glauben bewegte / ware eines teils
dieses / dass wir von dem Prinzen Daces selber vertrauliche nachricht erhalten
hatten / wie sein herrvatter / der Prinz Trebetes /neben etlichen des reiches /
dahin getrachtet / dass er /wie man den Marsius für todt gehalten / sich selber
zum Konig in Basan machen / und die gewalt nicht aus handen lassen wollen: in
welchen gedanken / ob gleich der Marsius noch lebte / er vielleicht noch
verharren mogen / auch von dem Konig zu Basan / auf den fall / wann mein Konig /
nach des alten Konigs der Celten tode / daselbst die kron annemen wurde /beifall
bekommen hätte / zumal der für seine person doch anders nichtes / als den
verzweifelten tod / verlangte. Anders teils offnete mir auch dieses die augen /
dass die von Basan die gränzen båst verwahret hatten / damit etwan unsere
Aborigener nicht möchten nåher kommen: da doch mein König ihnen ofters / bei
damaliger kriegs unruhe / seine völker zu hulfe anbieten lassen. In erwågung
alles dessen / ginge mein einraht bei meinem Konig dahin / dass er der Prinzessin
Hercinde ihrem forderlich nachkommen / und gegen Basan sich wenden sollte.
    Weil der Konig Marsius / unter Cimbers namen /eben zu selbiger zeit / wie er
ihm einbilden musste /von der Konigin Aramena war ausgekundschaftet /und ganz
feindlich verfolget worden / reisete er mit uns in einer nacht hinweg: da
gleichwol noch grosse vertraulichkeit bei beiden Konigen zu spuren war / ob
gleich mein König von dem Marsius solche widrige einbildungen gefasset. Wir
gelangten auf dem wege in ein dorf: in welches bei nåchtlicher weile die
Cussiten / so dort herüm lagen / einen starken einfall täten /und den König
Marsius / wie auch den Daces / gefangen bekamen.
    Mein Konig rettete sich noch in einen keller / und ich verbarge mich auf
einen baum: dass wir also davon kamen / und folgends / was wir kunten / nach
Basan eileten / um dieses ungluck ihres Königs daselbst anzumelde / damit ihm so
fort eiligste hulfe widerfahren möchte; wodurch ich dann verhoffte meines Konigs
båstes zu fördern / und bei dieser gelegenheit die Aborigener mit guter art in
Basan zu ziehen. So grossen schrecken nun unser anbringen dem Trebetes brachte
/so sehr wurden er und die grossen des reichs wieder erfreuet / als wenig tage
hernach der Daces an seinen herrvattern schriebe / wiedass sie aus der Cussiten
hånden entkommen / und ihr König nicht allein mit der Aramena ausgesonet wäre /
sondern auch nun in grosser hoffnung wegen seiner liebe lebte. Eben dieses
bekame auch mein Konig / von dem Marsius selber / in einem handschreiben zu
lesen.
    Dieses nun verkehrte alle ratschläge der königlichen geheimen rähte in
Basan. Trebetes / seinen Konig nun als Syrischen Monarchen betrachtend / liesse
mit voller macht werben / üm hulf-volker wider die Babylonier und Cananiter vor
Damasco zu schicken. Ich deutete dieses mit dahin / dass diese macht meinem Konig
schådlich sein wurde / und bearbeitete mich also hin und wieder / wo ich es
notig erachtete /meines Koniges gerechtsame nach möglichkeit in acht zu nemen.
Ich liesse auch deswegen den Batto / der Aborigener feldherrn / von dem gebirge
zu uns kommen / üm mit ihme alles in raht zu stellen. Der Prinz Baalis von Ammon
/ so sich in Basan befande / geriete in der zeit mit meinem König in sonderbare
vertraulichkeit / und macheten sie / wegen der gleichheit ihres zustandes / da
dem Baalis die Prinzessin Ardelise von Hemath / und mein Konig seiner Ahalibama
/abgestorben ware / eine sonderbare freundschaft zusammen / die uns auch nicht
wenig diente / von des Trebetes vorhaben eine und andere nachricht zu
erforschen: da aber dieser Prinz / so lang er in Basan ware / massen er bald mit
einem kriegsheer in Syrien ginge / allemal hoch versicherte / wiedass er nichtes
in des Trebetes anschlågen ergründen können / so meinem König nachteilig wåre.
    Wir hiessen zwar / dessen ungeacht / als der Batto ankame / die Aborigener
sich von dem Riphatischen gebirge herunter ziehen / wurden aber / den raht der
Prinzessin werkstellig zu machen / behintert: weil in dem reiche Ascenas / so an
das Riphatische gebirge stosset / sich eine unruhe entsponne / die der Konig von
Kitim / der Camboblascon / daselbst angerichtet /indem er die unsrigen / so diss
land inn hatten / zu verjagen vermeinte. Indessen kame der betrübte Marsius
wieder in Basan / der von neuem alle hoffnung in seiner liebe verloren / und den
tag aus dem lager vor Damasco abgereiset war / als der Konigin Aramena trauung
mit dem Prinzen Abimelech geschehen sollen. Er klagte meinem Konig / mit der
erbårmlichsten art /alles dieses / und wie ihn sein unglück so gar auch der
vergnugung / das bildnis dieser schonen ferner anzusehen / beraubet håtte.
Dieses bildnis der schonen Aramena / hatte der Marsius / von dem Prinzen Cimber
/ des teutschen Fürsten Hermans und der Hesperia sohn / in dessen tode / neben
andren kleinoden / entfangen: welche alle ein zeitlang verloren gewesen /nun
aber / auser diesem bildnis / sich wieder eingefunden hatten.
    Alle diese übrige kleinode / die dem verstorbenen Cimber angehöret /
schenkte der Marsius dem Tuscus Sicanus: weil die meisten von seinen
blutsverwandten herrureten / und deren bildnisen furstellten / und dem Cimber /
als seinem blutsfreunde / von meines Königs verstorbenem bruder ehmals
zugekommen waren. Es hatte aber das gluck meinem Konig / der Aramena bildnis /
ongefår in die hände geliefert / welches ihm etliche Arabische kråmer / kurz vor
des Marsius ankunft in Basan / zu kauf gebracht. Dieses gabe er dem verliebten
Konig hinwieder / zum entgelt für besagte kleinode / und beruhigte damit in
etwas dessen gemüte: wiewol es eine grausame vergnugung war / indem er / bei
anschauung des bildnises / sich erinneren musste / dass solche schönheit ein
anderer besasse. Ungeacht aber dessen / rustete er sich mit aller macht /der
Aramena ferner wider die Babylonier beizustehen. Und weil er von seinen in
Syrien sich befindenden leuten / tåglich nachricht erlangte / als erfuhren wir
alles / was bei der belägerung Damasco fürfiele: da dann endlich auch die
betrubte post kame / wie nicht allein des Marsius geliebte Konigin vom Belochus
/am tag ihrer angesezten hochzeit / gefangen worden /sondern auch solches
unglück die Ahalibama mit betroffen / und selbige in des Beors hånde geliefert
håtte.
    Diese zeitung machte nun meinen Konig von neuem schlussig / seiner Ahalibama
ohn einigen geniess zu dienen / und sie aus seines alten feindes / des Beors /
klauen zu erlosen. Demnach zoge er mit dem Marsius also fort vor Damasco / ob
gleich / der zustand im reiche Ascenas / billiger seine gegenwart und hülfe
erfordert håtte. Diesen seinen Syrischen feldzug aber vor den abwesenden
Aborigenern zu verhelen / ward beschlossen / dass solcher / unter dem
einmal-angenommenen namen Cimber / geschehen sollte. Also erfuhre niemand / dass
Tuscus Sicanus mit bei den Celten ware. Wie wir fur Damasco kamen /befielen
beide verliebte Konigin mit unbeschreiblicher angst / als sie berichtet wurden /
dass man in Damasco / wie nun weltkündig ist / die sechs konigliche personen /
unter denen nebenst der Aramena / die Ahalibama auch mit ware / der Isis
brandopfern wollte. Sie gingen daher / mit fast ubermenschlicher dapferkeit / den
sturm an / erstiegen auch noch zu rechter zeit die mauren von Damasco / ehe die
wut der drei alten Konige von Babel / Egypten und Canaan /welche ihr leben dabei
verloren / an den königlichen personen erfullt werden konnen.
    Mein König wurde / in diesem gefechte / dermassen verwundet / dass er die
vergnügung / so der Marsius hatte / nicht erlangen kunte / seine Prinzessin vom
scheiterhaufen zu erretten / welches der Prinz Baalis fur ihn verichtete / und
musste er fast halb-todt sich in ein haus bringen lassen: da ich / weil mir das
gluck unbeschädigt in die stadt geholfen / so fort nach seinen wunden sah / und
deren keine tödlich fand /ob er gleich viel blut verloren hatte. Sobald er
wieder zu sich selber kame / war dieses seine erste frage / ob auch die
Ahalibama zu rechter zeit wäre gerettet worden? Wie er nun den verlauf von allen
/ und unter andern auch des Königs von Basan gute hoffnung / die er / wie bekant
ist / wegen des Abimelech vermeinten todes / auch wegen seiner dissmal
geleisteten dienste /in seiner liebe erlanget / vernommen hatte / erfreuete ihn
zwar solches üm seines freundes willen: aber er stellte ihm selber hierbei desto
mehr sein elend für /da er dergleichen von der Ahalibama nicht hoffen kunte /
als die / ungeacht sie / wie er glaubte / sein leben aus seinem brief erfahren /
doch nicht nachgelassen hatte / den Esau fur ihn zu erkiesen / und seiner zu
vergessen.
    Um des willen entfinge er / von dem Suevus / die zeitung von des Marsius
glucklichem ergehen / nicht sonder tränen: welches hernach die eifersucht
verstårkte / die der Marsius gegen meinen Konig gefasset / als / wider aller
menschen vermuten und hoffen / die schöne Aramena sich gegen ihm erklärte / wie
sie /vermög des lezten befehls von ihrem bruder / dem Konig Aramenes / den man
damals noch für todt hielte / sich zu keiner andern heurat / als mit dem Tuscus
Sicanus / verstehen könnte. In so tödtliches entsetzen dieses den verliebten
Marsius gebracht / in eben solche bestürzung geriete auch mein König / als er
diese wahl der schönsten Konigin der welt vername: die er nirgend anders hin
deuten kunte / als dass sie von dem ehmaligen dienst / den er dem Aramenes / als
er noch Abimelech geheisen / in rettung seines lebens bei Edrei erwiesen hätte /
herruren müste. Er sah aber hierinn seine ehrsucht mehr / als seine liebe /
vergnüget; massen seine beständigkeit ihm nicht zuliesse /die schone Aramena
neben dem reiche Syrien fur seine Ahalibama anzunemen / und wollte er / ungeacht
seiner verlornen hoffnung / dannoch zu dem glücke nicht greifen / dass ihm die
ruhe mit so reichem vorteil in die hånde spielete. Ich aber ware mit meinem
König hierinn ganz nicht einig / weil ich nichtes in der welt fand / so ihm
hätte mögen fürträglicher sein / als eben dieses. Ich hielte es demnach fur kein
unrecht / sonder sein wissen / die abgeschikte des Marsius / der eben auch wie
mein Konig verwundet lage /und darüm nicht zu ihm kommen kunte / im namen meines
Königs / in dieser sache abzuhören / und ihnen / nach meinen gutbedünken / diese
antwort zu erteilen: mein Konig werde keines wegs das gluck verscherzen wollen /
so ihm der himmel mit anbietung des Syrischen reichs und dessen schoner Königin
zeigte / sondern sich dabei nach moglichkeit erhalten. Was kunte den
verzweifelten Marsius mehr / als dieses / gegen meinen Konig verbittern? und
bildete er ihm ein / mein Konig musste schon furlångst / neben ihm / die schone
Aramena geliebt haben. Und hierinn stärkte ihn der Baalis / ihm erzehlend / wie
er solches / als er die Konigin zum ersten mal besuchet / an ihr gemerket / und
daher diese lugen ersonnen hätte /dass Tuscus Sicanus auf dem Riphatischen
gebirge /und nicht mit in Damasco wåre / noch teil an der eroberung hätte.
Martius schwure hierauf meinem König den tod / und zoge bei nacht / mit allen
seinen Teutschen / halb verzweifelt aus Damasco hinweg /diesen seinen vermeinten
mitbuler und dessen wenig leute alleine hinterlassend. Ich fand solche
entfernung fur uns nicht undienlich / und lage hierauf meinem Konig sehr an /
sich in Damasco kund zu geben /und seiner Königin / die ihn zu ihren gemal
erwehlet /sich zu zeigen. Er wollte aber durchaus nicht einwilligen / sondern
ganz ungedultig sich erweisend / dachte er auch / ungeacht seiner wunden / auf
die abreise /machte auch selbige sofort werkstellig / also dass wir fast eher in
Edrei / als Marsius zu Basan / angelangten.
    Der Baleus / so nun mit seiner Hercinde wieder ausgesönet / befunde sich
neben ihr auch daselbst. Diese war hochst erfreuet / meinen Konig zu sehen /und
erklärte ihm ihr schreiben / dass sie nåmlich damit / nicht den Marsius / sondern
die Mirina / ihre schwester / verstanden hätte: wie dann dessen erfullung sich
schon öffentlich verspüren liesse / indem diese Mirina / in Moab und auf der
Amoriter gebirge / alles bereits in unruhe gesetzet / und es zum offenbaren
kriege gebracht hatte. Weil die Hercinde hierbei verdrosse / dass die Aramena
ihrem brudern die ehe versaget / wollte sie / so wohl meines Königs Glück zu
fördern / als ihres bruders ruhe zu stiften / beide Konige bereden /dass der eine
die Aramena fahren liesse / der andere aber sie annemen sollte: daher sie / neben
dem Baleus / sich sehr bemühete / und viele botschaften nach Basan zu ihrem
bruder täte / dieses ins werk zu richten. Weil aber Baleus / wegen des Belochus
tod /nach Babel eilte / und die Aborigener inständig bei meinem König anhielten
/ dass er zu ihnen kommen wollte / als wurde hieraus nichtes / und zogen wir
/sonder den Marsius zu sprechen / nach dem Riphatischen gebirge.
    Es erscholle sofort / nach unserer ankunft / unter den Aborigenern / dass
mein König die Konigin Aramena von Syrien liebte / und von ihr wieder geliebt
würde: worüber den eine allgemeine freude entstunde / weil iederman vermeinte /
dass die an ihm bisher-verspürte traurigkeit / von dieser liebe hergerüret / und
nun so glücklich sich geendet hätte: dann der Batto / so nach uns in Edrei
geblieben / hatte dieses von den beiden Syrischen Fürsten / dem Nahor und
Elhanan /verstanden. Inzwischen wir nun allerseits hierinn bei unsrem Konig
arbeiteten / dass er doch sein herrliches gluck nicht ausschlagen wollte / kame
eine gesandschaft von dem neuen Konig aus Syrien / dem Aramenes / nåmlich der
Mitreus / der uns / die wundersame wiederhervorkunft dieses ihres Konigs aus den
verfallenen hölen / erzehlte / und in dessen namen / dem Tuscus Sicanus / die
Aramena / seine schwester /neben dem königreich Mesopotamien / antruge /
zugleich auch / einen ewigen bund zwischen beiden Konigen zu stiften / und den
Aborigenern allen beistand zu ihrer künftigen ansprache auf Basan / anzubieten
befehligt war. Wie hätte uns nun das gluck båsser anscheinen können? Aber
vernemet / mein Demas! die wunderbare kraft der liebe! die solche beständigkeit
meinem König eingepflanzet / dass ihm die ganze welt nicht fur die Ahalibama
anzunemen anstunde / da ihm doch diese nicht kunte zu teil werden.
    Er horte des Mitreus anbringen mit aller hoflichkeit an / und liesse ihn
folgends etliche tage auf das herrlichste bewirten. Endlich wurde der eines
morgens allein in des Königs gezelt beruffen / da ihm Tuscus Sicanus die
abfärtigung ungefär mit diesen worten gabe: Saget dem König von Syrien / eurem
herrn / wiedass ich mich für den allerunglückseeligsten menschen achte / indem
nicht allein meine unwürdigkeit / sondern auch die unmuglichkeit / mich abhålt /
eines so unvergleichlichen heldens schwager / und ein besitzer der grösten
schönheit der welt zu werden. Ich vermag aber meinen unstern nicht zu meistern /
der mich zwinget / eine unerkentliche schönheit beständig zu lieben: welches die
ursach ist / dass ich des Königs /eures herrn / erkentlichkeit nicht annemen kann
/ die er vielleicht dem Tuscus Sicanus vermeint schüldig zu sein / für das
jenige / so er ihm ehmals unter des Cimbers namen erwiesen. Weil er die macht
der liebe wohl erkennet / als wird er diese meine erklärung dergestalt aufnemen /
dass ich dadurch sein mitleiden /nicht aber seinen hass / mir erwerben moge:
welcher mir unertråglicher fallen würde / als alles ungluck /womit mich der
himmel beleget. Den angetragenen bund neme ich daher willigst an / und so ich
den König von Basan dörfte fürschlagen / ihm die mir-angetragene glückseeligkeit
zu zuwenden / und ihn zum besitzer der schonsten Aramenen zu machen / würde ich
mich dafür dem Konig von Syrien ja so hoch verbunden achten / als wan dieses
Glück mir selbst widerfahren wäre.
    Also lautete des Syrischen gesandten abfärtigung /die mit vielen herrlichen
und kostbaren geschenken begleitet wurde: und hielte mein König dieses fur
seinen rähten heimlich / ümwillen nicht allein dieselben /sondern auch das ganze
volk / nicht anders meinten und wunschten / als dass diese vorteilhafte heurat
ihren fortgang sollte gewonnen haben. Weil ich es nicht wider meine treu zu sein
erachtete / meinen König zu behorchen / was er dem Mitreus sagen wurde / als
hatte ich mich in seinem gezelt verborgen / und horte mit dem grosten misfallen
an / wie er also wider sein eigen båstes redete. Ich folgte sofort dem Mitreus
in sein gezelt nach / üm ihn zu bereden / dass er noch etwas bei uns verziehen
möchte: verhoffend /es noch in die wege zu richten / dass mein Konig sich anders
erklåren sollte. Ich fand aber diesen abgesandten so unwillig / als besturzt /
über meines Konigs antwort / und sagte er: dass man sich eher in Syrien des
himmelfalls / als dieser ausschlagung so übergrosser gluckseeligkeit / versehen
würde. Als er hinweg war / bemühete ich mich vergeblich / meinen Konig auf
andere gedanken zu bringen / und musste fast besorgen / der himmel müsse es also
beschlossen haben /dass Tuscus Sicanus / gleich seinen bruder / durch eine
unmügliche liebe vom leben kommen sollte. Dan der Ahalibama andenken / quälte und
kränkte diesen getreuen liebhaber ohn unterlass: und ob er gleich seine
reichsgeschåfte dabei nicht verseumte / so waren doch alle seine einsame und
mussige stunden seiner Ahalibama gewidmet.
    Bald hierauf erscholle bei uns das geruchte / wiedass der König Marsius mit
einem grossen heer im anzug wäre / uns zu bekriegen. Weil mein Konig nicht wusste
/ was ich zu Damasco dem Marsius / die liebe gegen der Aramena betreffend / in
seinem namen sagen lassen / als vermutete er nicht / dass die eifersucht diesen
König zu dieser feindseeligkeit triebe /sondern kame auf die alte gedanken /
wiedass der Trebetes hieran schüldig sein musste / üm ihme die nachfolge auf den
Basanischen tron zu bestreiten. Er zoge demnach alles sein volk auf dem gebirge
zusammen: wiewol es den Aborigenern kein ernst war / ihren brudern feindlich zu
begegnen / und lebten noch in der fåsten hoffnung / es würden diese misverstånde
sonder schwerdschlag sich beilegen lassen. Zu dem ende zogen / die fürnemsten
von ihnen / dem Marsius entgegen / um zu vernemen / was eigentlich sein vorhaben
wåre. Wie diese nun horten / dass die schone Aramena von Mesopotamien die ursach
des kriegs sein sollte / von welcher die Aborigener ingesamt glaubten / dass die
von ihrem Tuscus Sicanus häftig geliebt würde / verloren sie alle hoffnung des
friedens / und kamen betrübt wieder zurücke: machten aber meinen König ganz
ruhig / als sie ihm die eigentliche ursach meldeten / warum der Marsius
angezogen käme. Ich war allein derjenige von allen meines Konigs leuten / der
zum krieg riete / und suchete alle meine witz herfür / ihn zu überreden / dass er
die gedächtnus der Ahalibama fahren lassen / und sich der Aramena von
Mesopotamien schenken sollte: aber meine muhe war ganz vergebens / und entschlosse
er sich / den Marsius allein zu sprechen / ehe die beide heere feindlich
zusammen ruckten.
    Marsius / der meinen König unzweifelich fur seinen mitbuler hielte / kunte
sich kaum zwingen / diese zusammen sprache zu belieben. Wie er aber endlich sich
dazu bequemet / war er der erste / der meinen Konig also anredete. Was gedenkst
du mir wohl zu sagen / O Tuscus Sicanus das mir schmerz-entfindlicher sein könnte
/ als eben dasjenige / so deine untreu mir schon sehen lassen? Wilst du mich
etwan vermanen / der Konigin Aramena in deiner person zu schonen / weil sie dich
liebt? oder geschihet es aus mitleiden / weil du deines sieges schon gewiss bist
/ da /fur dein wolergehen / die gröste schönheit der welt den himmel anflehet?
Sofern es dieses lezte ist / so spare nur dein erbarmen: dann ich lieber von dir
den tod annemen will / als leben / und mich in der liebe von dir überwinden
wissen. Der Aramena in deiner person zu schonen / will die rasende liebe / die
mich nun an statt der ehrerbietigen besitzet / mir nicht mehr zulassen: sondern
es findet mein herz in dieser rache seine einige ruhe / wan es ihm furstellet /
dass ich den glucklichen liebhaber der Aramena kann von der welt raumen. Darum
eile mit deinem vorbringen / und / da du mir alles entzogen hast / so halte mich
auch nicht långer auf / mich noch des einzigen / so mir übrig bleibet / nåmlich
der rache gegen dir / zu bedienen.
    Mein Konig horte ganz gedultig / sonder sich zu bewegen / diese des
verzweifelten Marsius harte reden an / die er folgends also beantwortete. Du
bist / liebster bruder! in deiner einbildung betrogen / und hast so grossen unfug
/ also gegen mir zuverfahren / als grosses recht du hierinn zu haben vermeinest.
Dass mich der Konig von Syrien erwehlet / seine schwester zu ehlichen / und dass
diese Konigin ihren willen darein gegeben / ist das wohl genug / mir den krieg
anzukünden / und mich einen ungetreuen freund zu schelten? Worinn bestehet diese
untreu / und woher weist du / dass ich die Aramena liebe? Wan ist dir zu ohren
gekommen / dass ich der Ahalibama vergessen / oder dass ich des Syrischen
gesandten anbringen angenommen. Bietest du mir deshalben den krieg an / dass ich
dem Syrischen König sagen lassen / er mochte die gluckseligkeit / die er mir
bestimmet / dir zuwenden? wilst du darum mein land und mein volk verheeren /weil
ich / Mesopotamien anzunemen / mich geweigert? Ist dieses nicht vielmehr eine
schein-ursach / um dadurch deinen sinn zu bemänteln / indem dich und die
Teutschen gereuet / dass ich / nach deinen abzug in Celten / König zu Basan
werden soll? Der Marsius bliebe ganz besturzt / als er meinen König also reden
hörte; der aber lang keinen glauben bei ihm fand /bis er ihme wohl tausend
fragen beantwortet / und ihm die warheit dessen beståtigt hatte.
    Ist es müglich / (sagte hierauf dieser verliebte Konig) dass du / mein
bruder! die Königin Aramena nicht liebest? und hast du fur ihrem wunderstrahl
dich verbergen können? kanst du auch ein so grosses gluck verschlagen? Du weist /
mein bruder! (antwortete Tuscus Sicanus) dass ich / der Ahalibama zu vergessen /
so unfåhig / als / dich zu betriegen / untuchtig bin. Hat dir ja Midaspes / aus
vermeinter treue / andere gedanken zu Damasco in den sinn gebracht / so glaube
doch sicherlich / dass ich hierinn ganz unschuldig gewesen. Hast du dann nicht /
(fragte Marsius) mit dem Aramenes / und mit der Aramena / geheime kundschaft in
Damasco gepflogen / als du / gleich wie ich / unter des Cimbers namen alda
gelebet? Woher wusste Aramena dein da-sein / und was bewegte sie /dich ihres
bruders ander-ich zu nennen? Dan also lauteten ihre worte / als sie mir den
grausamen absag /mich nicht lieben zu konnen / angekündigt. Was die Aramena
(antwortete mein Konig) eigentlich bewogen / dir dieses zu sagen / solches kann
ich nicht wissen. Dieses aber ist gewiss / dass sie mich nie gesehen / und habe
ich auch mit ihrem bruder keine andere kundschaft / als dass ich ihm einsmals bei
Edrei / in der nacht / das leben gerettet: welches er nachmals in solche
hochachtung mag haben ziehen wollen.
    Marsius bliebe ganz betrubt / als sich mein König dergestalt erklåret. Und
ob er gleich nun allen seinen zorn und rache fallen liesse / auch öffentlich vor
beiden heeren / den Tuscus Sicanus ümarmete / und damit zwischen den Aborigenern
und ihren brudern im augenblick frieden und ein heer machte / so verminderte
sich doch sein anligen deshalben gar nicht /sondern er wurde fast noch trauriger
/ als zuvor: weil er alles dieses bezeigen der Aramena dahin deuten musste / dass
niemand in der welt ihr so zu wider als er wåre / und sie lieber einen ihr ganz
frömden und unbekanten zu ehlichen erkiesen wollen / als ihn / der ihr doch so
viele und grosse dienste erwiesen hatte. Es kame niemand in diesen raht der
beiden Konige / als der einige Prinz Daces: der dann / mit zutun des Tuscus
Sicanus / so viel zu wege brachte / dass der verliebte Marsius sich etwas bässer
zu fassen / und alle umstände uberlegend / zu hoffen begunte / dass der König
Aramenes / in erinnerung ihrer alten freundschaft / für ihn sprechen / auch /
wan er alle ümstände seiner liebe erfüre / ihm bei der schonen Aramena dienen /
und die auf seine seite bewegen wurde. Dieses machte den Marsius halb wolgemut
wieder nach Basan kehren: dahin ihn mein Konig nicht begleiten kunte / weil er
aus der Aborigener lande / von der Königin Valentia / seiner fraumutter / briefe
entfangen /wie alda ein gefärlicher aufstand obhanden wåre / der seine eiligste
gegenwart erforderte.
    Weil ich wohl vermute / dass ihr / mein Demas! werdet begierig sein / zu
vernemen / wie des Königs von Basan vornemen / eine gesandschaft nach Syrien /
seiner liebe halber / abzuschicken / abgelaufen sei: als will ich / bevor ich
erzehle / was uns in Celten begegnet / hiervon einen kurzen bericht geben. Es
sandte der Marsius / den Prinzen Suevus / wie auch den Daces / gleich nach
seiner wiederkunft / gen Damasco / und zwar den ersten an die Königin Aramena
von Mesopotamien / den andern aber an seinen alten freund den Abimelech / als
nunmehr Konig in Syrien. Weil unterwegs / unferne von den Syrischen gränzen /der
Prinz Suevus ein ungluck hatte / indem er mit dem pferd gestürzt / als musste er
seine fürter-reise etwas aufschieben / und den Daces allein lassen voran gehen:
der auf den Suevus nicht warten wollte / weil er sehr eilte / und begierig war /
seines Königs gewerbe wohl auszurichten. Wie er Damasco erreichet / war der Konig
von Syrien allein daselbst / die Konigin Aramena aber / neben allen bei ihr sich
befindenden Koniginnen / nach Aroer zu der Prinzessin Tirdane gereiset. Weil die
gesandschaft mit ihrem völligen staat bei dem Prinzen Suevus geblieben / als
wollte Daces sich nicht als einen gesandten von Basan lassen angeben / sondern /
als er vername / dass der König sich allein befände / trate er zu ihm in das
zimmer / ehe man ihn kaum / unter des Tubals namen /den er ihm selbst noch gabe
/ anmelden kunte.
    Der Konig / der doch vordeme diesen Tubal bei dem Cimber wohl gekennt /
bezeugte nicht die geringste freude / diesen seinen alten freund wieder zu sehen
/ sondern erwiese ihm hingegen eine sonderbare kaltsinnigkeit / und fragte ihn
gleich / woher er käme? Von meinem Konig / (antwortete Daces) der sich / als der
alte Cimber / seinem Abimelech aufs bäste befihlet / und so wenig änderung bei
dem Syrischen Monarchen vermutet / als er selbst bei sich entfindet. Darum hat
er mich abgeschicket / E. Maj. dessen zu versichern / dass - - - Haltet ein /
Tubal! (fiele ihm der Konig in die rede) es bedarf gar keiner solchen
versicherungen. Wolte Gott / ich hätte den Cimber niemals gekennt / oder könnte
mich überwinden / ihme als einem frömden zu begegenen! so soltet ihr wohl allhier
nicht also gedultet werden. Ihr werdet aber solcher gedult nicht misbrauchen /
sondern euch ie eher ie båsser aus Damasco wieder zu eurem herrn begeben. Daces
/ ganz bestürzt über diesen des Königs worten / die ihn zugleich nicht wenig
verdrossen /fragte: ob er dann von seinem König nicht anbringen dörfte / worum er
ihn abgeschikt håtte? Ich begehre nichts von ihm zu hören / (antwortete
Aramenes) und sage euch noch einmal / Tubal! ie eher ihr Damasco und mein reich
raumen werdet / ie båsser werdet ihr erweisen / dass ihr keinen gefärlichen krieg
auf euch zu ziehen begehret. Der krieg schrecket uns nicht /(gabe Daces ganz
unwillig zur antwort) und ist mein König also / wie ich / gesinnet / so wollen
wir nicht warten / bis uns derselbe wird angekündet werden.
    Hiemit ginge Daces aus des Königs zimmer / und reisete noch selbigen tag
wieder aus Damasco. Er kunte aber / wie er fürhatte / zu dem Suevus nicht
gelangen / üm ihm zu warnen / dass er seine reise zur Königin nicht fortstellen
sollte: weil von dem vielen regen die wasser sich also ergossen hatten / dass er
einen weiten ümweg nemen musste. In solcher zeit verfolgte Suevus seinen weg /
und legte zu Aroer sein gewerbe ab / als er der Königin Aramena da-sein
vernommen hatte. Wiewol nun Aramena ihn höflicher /als ihr bruder den Daces /
entfinge / so erklårte sie sich doch nicht fur den König von Basan / sondern
erwähnte gegen dem Suevus offentlich / dass sie dem Konig der Aborigener
beständig lieben wollte. Suevus / der nicht wusste / ob er gleich auf dem
Riphatischen gebirge mitgewesen / was die beide Konige mit einander geredet /
und wie mein Konig gegen dem seinen /diese liebe betreffend / sich erkläret
hatte / kunte des Tuscus Sicanus kaltsinnigkeit nicht fürschützen / um damit dem
Marsius zu dienen / sondern musste mit dieser abfärtigung wieder abziehen: als er
zuvor auch den Konig Aramenes gesprochen / und von ihme /welches zu bewundern /
alle ersinnliche höflichkeit entfangen hatte.
    Es kame aber Daces eher wieder nach Basan / als der Suevus / und berichtete
/ wie es ihme mit dem König in Syrien ergangen war. Marsius konnte nicht
aussinnen / wie es doch immer zugehen musste: zumal da er und Aramenes / als
dieser noch Abimelech geheisen / einander so sehr geliebt / als iemals zwischen
freunden mochte geschehen sein. Wie nun Suevus auch dazu kame / und mit seinem
bericht den verliebten Konig vollends hoffnung los machte / ergabe er sich so
gar dem gram / dass fast eine todliche krankheit / mit der er befiele / den
garaus mit ihm gemacht hätte. Daces begunte zum krieg wider Syrien zu rahten;
aber Marsius wollte davon nicht hören / weil er seinen alten freund und die
Königin von Mesopotamien viel zu hoch verehrte / als dass er auf solche weise an
ihnen rache suchen / und die schranken der ehrerbietung überschreiten sollte.
Weil die Druyden / die übernommen hatten / den König gesund zu machen /für
ratsam hielten / dass die Prinzen Baalis und Daces sich von hofe begeben mussten /
mit denen der betrübte Marsius stäts von seiner ungluckseligen liebe und
freundschaft zu reden pflegte: als bliebe / nach ihrem abzug / der König in der
Druyden ihrer cur / bis wir aus Celten nach Basan wieder ankamen. Meinen König
triebe dahin eine sonderbare ursach / die ich euch / werter Demas! in hochstem
vertrauen / entdecken will: und eben diese hat mit anlass gegeben / dass ihr den
grossen Tuscus Sicanus nun allhier fur augen sehen könnet.
    Es haben die gesamte riesen / die unter hiesigen königreichen überall
zerstreuet wonen / und bisher schwere schatzungen geben mussten / durch den zu
Astarot angesessenen Sesai / der sehr viel beim Konige Marsius gilt / sich
zusammen verbunden /ihres joches sich frei zu machen / und alle miteinander nach
Kitim zu gehen / um alda das Vesuvische gebirge / als ihrer vorfahren land /
wieder einzunemen. Diese Entschliessung eroffneten sie meinem Konig /als er eben
mit dem Camboblascon einen schweren Krieg bekommen / der ihn auch / nach dem
lande der Aborigener / wie zuvor erwehnet / zu reisen / bemussigt hatte. Wir
fanden uns daselbst gegen dem Camboblascon zu schwach / daher wir desto williger
in diesen bund mit eintraten: der eigentlich wider diesen Konig / als den
besitzer des Vesuvianischen landes /gerichtet war. Wie nun / unter den puncten
selbiger verbundnis / auch dieser entalten / dass das gebirge Seir den Fürsten
selbiges namens wieder werden soll: als beschlosse mein König / mit dazu zu
helfen / und also beides den verwandten seiner Ahalibama / und den bedrangten
Aborigenern / zu dienen. Weil das Taurische gebirge dazu ernennet worden /
dieses grosse werk der Enakim zum endschluss zu bringen /als reiseten wir /
ungeacht des rauhen winters / tag und nacht fort / bis wir Basan erreichten: da
wir dann alles das erfuhren / was ich euch ietzo von der ungluckseeligen liebe
des grossen Marsius erzählt.
    Es begunten / neben mir / alle die grossen in Basan / meinem Konig zu zureden
/ dass er doch / die vorteilhafte heurat / mit hiesiger schonen Konigin / die
sich /ungeacht seiner dem Mitreus gegebenen widrigen antwort / für ihn erklärte
/ nicht ausschlagen wollte / üm die macht der Celten und Teutschen / durch
herzubringung des reiches Mesopotamien / zu vergrossern /auch zugleich ihrem
König damit zu dienen. Dieses wunschte der Marsius selber / wiewol mit grossem
widerwillen und trauerwesen. Also gingen diese beide Könige auf eine recht
sonderbare weise mit einander üm / da Marsius / sich aller seiner wunsche
begebend / meinem König verwiese / dass er sein Glück nicht båsser beachtete;
hingegen Tuscus Sicanus dem andern zusprache / dass er die hoffnung nicht fallen
lassen / und seiner habenden gewalt hiebei sich bedienen sollte / durch die er /
wan der riesen anschlag würde geendet sein / die Königin in seine hånde bekommen
könnte / zumal die måchtigsten unter hiesigen schäfern mit in den bund der Enakim
treten wurden. Man hat mir auch dieses auftragen wollen / so wohl mit euch /als
mit andern euren anverwandten / dieser bundnus halber / zu reden.
    Sesai sprache hierneben den Marsius so sehr zu /dass er endlich sich gewinnen
liesse / mit nach den Taurischen gebirge zu gehen. Und ob er gleich / aus grosser
tugend / nicht alles billigte / was ihm Sesai /seine Aramena zu erlangen /
fürsprache / so erquikte ihn doch dabei die einbildung / dass er durch dieses
mittel seine Königin wurde wieder können zu sehen bekommen. Er wollte aber dieses
/ wegen seines uber-edlen gemütes / ob man es ihm schon anmerkte / niemand
wissen lassen / und barge sich hierinn sonderlich fur meinem König / weil es ihm
schmerzlich fiele / dass er den zu seiner liebe vertrauten haben sollte /der vor
ihm erwehlt und geliebt wurde. Seine ungemeine tugend liesse ihm aber dabei nicht
zu / ihn zu hassen / ob er ihm wohl so grosse hinternis in seiner liebe brachte /
weil er dessen unschuld von seinem glücke wohl zu unterscheiden wusste. Er
sonderte sich aber so viel von ihm ab / als er konnte / üm nicht stäts den
geliebten seiner Königin fur augen zu sehen: worinn ihm auch mein König sehr
fugete / und so oft der Marsius die einsamkeit suchte / auch seinen
gleichmässigen betrübten zustand bei sich überlegte. Also konnte er / ungeacht
alles unsres zuredens / sich nicht überwinden / die angetragene glückseeligkeit
anzunemen / sonderen ginge nur mit dem Sesai zu rahte / wie man / bei diesem
vorhaben / dem Marsius dienen möchte.
    Der zug beider Könige / mit den fürnemsten bedienten / ginge nun nach dem
Taurischen gebirge fort / und schieden wir von dem Marsius / auf der grånze von
Mesopotamien / mit diesen wenigen bei uns habenden hieher gehend: damit mein
Konig sein verliebtes verlangen / des grossen Edoms gemalin allhier zu sehen /
vergnügen / und ich mein vorerwähntes gewerbe bei euch / mein Demas / ablegen
könnte. Damit uns aber bei euch die einkehr offen stünde / schikte mein Konig an
euch ein schreiben / darin er euch die ankunft eines von euren alten freunden
zu wissen täte. Wie wir aber eure abwesenheit vernamen / verharreten wir
dannoch in der Entschliessung / allhier die einkehr zu nemen / und auf euch zu
warten. Ich habe nun nichtes mehr übrig zu sagen / als was den bund mit den
Enakim und diesen beiden Konigen angehet /darein man euch allhier begehret /
vermög gewisser puncten / die ich euch / und den anderen hirten von eurer
verwandschaft / zu bequemerer zeit werde furbringen können.
                                     * * *
    Hiemit schwiege Midaspes / und bliebe der aufmerksame Demas über allem deme
/ was er gehoret /so verwundert / dass er sich nicht sobald begreifen konnte / ein
wort hierzu zu sagen. Endlich aber erinnerte er sich seiner gebür / den
nun-erkannten grossen König anzusprechen: das er dann kniehend verrichtete /und
sowol seine schuldigkeit / als seine freude / zugleich an den tag gabe. Tuscus
Sicanus hube diesen seinen alten freund so fort auf / und wollte solche
ehrerbietung von ihm nicht annemen / daneben zu ihm sagend: Ihr wisset nun /
werter Demas! mein ganzes leben / und meinen zustand. Musset ihr dann nicht
bekennen / dass das gluck seltsam mit mir spiele / und mich mit seinen grossen
gaben gleichsam erstecke /um mich desto elender zu machen? Es ist alles /
(antwortete Demas) was ich von E. Maj. leben vernommen / ganz verwundersam / und
daher unmuglich /dass der himmel so fromde schickungen nicht lezlich mit einem
guten ende beseeligen sollte.
    Wie kann dieses geschehen / (sagte Tuscus Sicanus seufzend) da Ahalibama fur
mich nicht mehr lebet? Ihr wisset / wie wir einander geliebt / wie sie weder
kronen noch gluckseligkeit geachtet / um ihrem Elieser beständig zu bleiben /
und was fur heldentaten sie deswegen verubet: und nun / ach leider! durch
meinen vermeinten tod betrogen / liebt sie einen andern / und hat dessen sobald
vergessen können / der /üm ihrentwillen / als sie glaubt / den tod hat leiden
müssen. Ich habe iezt selbst aus ihrem mund gehoret /dass sie den Esau liebe: was
hätte mir wohl schmerzlichers begegnen konnen? Ich verlange nun nichtes mehr /
als mich ihr zu offenbaren / und dann auf ewig /üm ihrer und meiner ruhe willen /
mich von ihr zu entfernen. Wan dieser lezte schluss / (antwortete Demas) ohn das
vorhergehende / geschehen konnte /wurde es den zweck / nåmlich die beruhigung
beider gemuter / viel eher zu wege bringen. Last mir meinen willen / (widerredte
Tuscus Sicanus) und hintert mir nicht diese meine lezte rache / ihr fürzurücken
/ dass sie meiner sobald vergessen können. Ihr musset /mein Demas! mir hiezu
beförderlich sein / dass ich sie sprechen möge. Und ihr / getreuer Midaspes!
sollet hierauf so viel schwerigkeit / wie bisher / bei mir nicht mehr finden /
eurem einraht zu folgen. Dieses lezte sagte der verliebte König / üm den
Midaspes auf seine Meinung zu bringen: welcher auch daher grosse hoffnung
schöpfend / dem Demas mit zuredte / seinem Konig hierinn zu dienen; der dann
hierzu sich anheisig machte.
    Indem kamen die beide vermeinte hirten / der Javan und Elisa / in das haus /
und fragten nach dem frömden Jared / welchen namen der Tuscus Sicanus furete.
Einer von des verwesers leuten / meldete sie an / und verursachte damit / dass
die unterredung sich endeten. Wie nun der Tuscus Sicanus zu diesen beiden hirten
ginge / blieben Midaspes und Demas allein beisammen / und spracheten von der
grossen bundnus mit den riesen: welche auch / wie Midaspes sagte / den Teutschen
in Basan / und den Aborigenern / grossen nutzen schaffen sollte / nåmlich in
erlangung der Mesopotamischen Konigin / entweder fur den Tuscus Sicanus oder fur
den Marsius / auch die Syrer desto füglicher zu bekriegen. Er erzehlte aber /
wie man hierinn ungleicher Meinung wäre. Dan ihrer etliche / als der Sesai und
sein anhang / wollten / dass man mit gewalt die Königin Aramena entfuren / und sie
zwingen müste / den Marsius zu ehlichen. Andere / als der Suevus und Trebetes /
wollten / durch diese bundnis /an den unerkentlichen Konig von Syrien sich råchen
/wegen der beschimpfung / die dem Daces zu Damasco / auch dem Marsius selber /
in versagung der Konigin Aramena / begegnet war. Die Aborigener aber trachteten
dahin / wie sie die heurat des Tuscus Sicanus mit dieser Konigin befördern / und
dazu der Mesopotamischen schäfere beistand gebrauchen möchten.
    Demas nun von allem unterrichtet / fand nicht allein sehr tulich / durch
diese bündnis die freiheit zu erlangen / die er / als einer von der riesen
geschlechte / bei ihrem allgemeinen unglücke / mit verloren hatte /sondern
erkennte auch der Aborigener vorhaben fur billig / die heurat mit der Aramena zu
befördern /zumal die Königin selbst / neben ihren bruder / hierzu geneigt wåre.
Er wünschte auch / vor allen andern /den Konig Tuscus Sicanus / als seinen alten
Elieser /König in Mesopotamien zu sehen. Um nun keine zeit zu verseumen /
versprache er dem Midaspes / noch selbigen nachmittag / den richter Reba und
seine andere anverwandten / die vordessen auf dem gebirge Seir gewonet / in sein
haus zu bringen / und mit denen / sonder von des Tuscus Sicanus anwesenheit
etwas zu gedenken / diese sache und den furtrag des Midaspes zu überlegen / und
darin einen schluss zu machen.
    Die drei verliebte konigliche schäfere / befanden sich inzwischen / auf
ihrem angestellten spazirwege /in ihrer gewönlichen betrübten unterredung
beisammen / und erzehlte Tuscus Sicanus den andren beiden / seine begebenheit
mit der Ahalibama in des Demas hause / und seinen fursatz / sich ihr zu
offenbaren /und dann auf ewig von ihr zu scheiden. Ich finde (sagte der Daces)
dieses fürhaben sehr gut: es muss aber allein Elieser sich melden / sonder des
Tuscus Sicanus zu gedenken / so ferne dieses nicht in der Königin Aramena
gegenwart geschehen soll / die sich also für E. Maj. erklåret hat. Ach Daces!
(antwortete der Aborigener-Konig) wie unfähig bin ich doch / diese
gluckseeligkeit anzunemen / die mir alle Celten zuwenden wollen / und wodurch
ich zwar vieler verlangen erfüllen würde / dabei aber den grossen Marsius und
mich selbst betriegen musste. Wie ist das zu verstehen? fragte Baalis. Wan ich
(gabe ihme der Konig zur antwort) die jenige dem König von Basan entzöge / die
er so häftig liebt / und / vermög des Sesai anschlages / in seine gewalt
bekommen kann / wurde ich damit nicht diesen meinen freund / und zugleich mich
selbst betriegen / meine rache gegen der Ahalibama suchend / die ja meiner
unverånderlichen liebe ganz entgegen wåre.
    Was das erste betrifft / (antwortete Daces / so weis ich gewiss / dass mein
Konig von Basan nimermehr gewalt brauchen wird / die Königin von Mesopotamien in
seine hände noch auch zu seiner liebe / zu bringen /weil die ehrerbietung für
diese schöne bei ihm all zu tief eingewurzelt ist: und gesezt / dass er sich von
seiner liebe also übermeistern liesse / so werden doch wir Teutschen nimermehr
eine zu unserer Konigin annemen / die da / neben ihrem hause / fur die ihr
erwiesene grosse dienste / uns also mit schimpfe gelonet. Ich soll zwar billig mit
aller ehrerbietung von dieser Königin reden / weiln ich hoffe / dass sie noch
werde die Konigin der Aborigener werden. Wan ich sie mir aber furstelle / als
die verråterin des grossen Marsius / und als die schwester des jenigen / der mir
das lezte mal zu Damasco so schimpflich begegnet / so kann ich nicht umhin /
meinen unwillen gegen ihr an den tag zu geben. Dieser euer unwille / liebster
vetter! (gabe Tuscus Sicanus ihm zur antwort) ist so billig / dass ich euch
solchen nicht verüble: und ficht mich der um so viel weniger an / weil ich an
der Königin von Mesopotamien nicht begehre teil zu haben.
    Ich muss bekennen / (sagte hierauf Baalis) dass es fur mich ein harter kampf
sein würde / wan ich mich in des Königs der Aborigener platz befinden / und also
/ wie er / der grösten glückseeligkeit widerstreben sollte / um beständig in
meiner ersten liebe zu verharren. Dass ihr / mein Prinz! (antwortete ihm Tuscus
Sicanus) nicht also gesinnet seit / erweiset euer beginnen / indeme ihr der
Prinzessin Ardelise sobald vergessen können. Diese beschuldigung (versezte der
Prinz von Ammon) verdiene ich nicht / weil Baalise /die ich liebe / der Ardelise
ander-ich / wo nicht sie selber ist. Es ist aber doch (sagte Tuscus Sicanus)
dieses euer beider lieben verwundersam / und weiss ich nicht / was ich davon
urteilen soll: da es schier wider die natur zu sein scheinet / dass eine so
gleichförmige änlichkeit bei zwei personen sich finden soll. Es ist aber dem
also / (gabe Daces zur antwort) und möchte allein dieser unterschied sich finden
/ dass Aprite der Amorite an schönheit uberlegen ist. Dieses kann ich (sezte
Baalis hinzu) von der Baalise nicht sagen / muss aber gestehen / dass ich sie
nicht weniger / als die Ardelise / liebe. Mir würde auch ihre unbekannte
entfernung ganz unerträglich fallen / wan nicht ihr schreiben mich tröstete /
und versicherte / dass sie an einen guten ort seien.
    Des Teraphim ausspruch / (sagte Daces) so er dem Nahor gegeben / zeigt an /
dass Betuel / oder ein anderer von den Syrischen Fürsten / an der entfürung
unserer schönen schüldig sei ob er schon deshalben vor gerichte sich weis
brennen wollen. Ich hatte wohl damals aller meiner gedult von nöten / üm mich zu
zwingen / dass ich nicht öffentlich für gericht trate /und / gleich dem Nahor /
den Betuel angeklaget. Ich habe auch / dass es die Almesia / unsere frau / nicht
getan / ihr gnugsam verwiesen / und bin versichert /dass man / wan diese sache
båsser wåre geregt worden / etwas gewissers hätte erfahren können. Es soll der
Nahor (antwortete Baalis) nach Haran / zu seinen eltern gereiset sein / um von
ihnen die vergonstigung zu erlangen / dass er die Aprite ehlichen möge: worauf er
eher zu erfahren vermeint / wo diese hirtinnen mogen geblieben sein. Wollet ihr
aber / ( fragte Tuscus Sicanus diese bede verliebte) auf dessen wiederkunft hier
warten / und nicht vielmehr eure reise mit mir nach dem Taurischen gebirge
fortsetzen? Weil unser König / (antwortete Daces) unser begehret / und wir doch
allhier auf lauter ungewissheit warten würden / so bleibet unser fursatz fåst
gestellet / den Konig der Aborigener auf dieser seiner reise zu begleiten. Eine
gleichmåssige erklärung gabe auch der Prinz Baalis von sich / und wurden sie also
zusammen schlussig /so fort mit einander hinweg zu reisen / wan die fürgenommene
entdeckung des Tuscus Sicanus gegen seiner Ahalibama würde geschehen sein: worzu
dieser verzweifelter verliebter folgenden tags zu gelangen verhoffte.
    In solchem gespräche / stiessen sie auf eine gesellschaft / die etliche von
dem hohen frauenzimmer zusammen gemachet: welche / weil die sonst-gewönliche
versamlung wegen der Ahalibama und Timna wiederkunft / eingestellet worden / und
die Konigin bei diesen sich aufhielte / sich hieher verfüget / des vorhabens /
nach Edessa zu gehen / und alda die Koniginnen von Saba / Elam / und Tyro zu
besuchen. Sie hatten ihre wagen und bediente in dem nächsten dorfe zuruck
gelassen / und waren selbige die Konigin Amesses von Ophir / die Delbora von Cus
/ die Hermione von Kitim / die Roma des Jeturs gemalin / die Prinzessin
Indaride von Ophir / und der Prinz Ephron von Canaan: welcher letzere diese funf
schönheiten fürete / und ihnen den weg nach Edessa zeigete. Weil Ephron viel
zubald seinen vermeinten bruder / den Elieser / unter des Tuscus Sicanus
angenommener hirten gestalt würde erkant haben / als wiche dieser /neben seinen
beiden gefärten / in einen busch / als diese gesellschaft ankamen. Der Daces
zeigte ihm die Roma / die er gar genau betrachtete / als die jenige /die auf so
frömde weise / den namen der Königin der Aborigener / und der gemalin seines
verstorbenen bruders / gefüret hatte. Sie begaben sich hierauf wieder nach des
Demas hause / mitlerweile die schone gesellschaft / so sie gesehen / ihren weg
nach Edessa fortsezte: die dann mit einander von dem schauspiel redten / welches
/ den folgenden tag / der Konig von Syrien mit seiner gesellschaft furstellen
wollte.
    Die Königin Delbora und die Prinzessin Indaride /die mit unter diesen
spielenden sein sollten / wurden von den anderen dreien / wie auch von dem Ephron
/im scherz angefochten / ihnen zu sagen / wovon dieses spiel handlen würde: die
aber sich nicht weiter wollten heraus lassen / als dass sie ihnen ihre namen
/welche sie brauchen würden / benennten / die dann eben die jenige waren / welche
sie stäts fureten. Die Königin Amesses wollte hieraus schliessen / sie wurden
etwan die geschichte des Amraphel und der Indaride furstellen: das aber diese
betrubte Prinzessin ihr bald bename / einwendend wie ihr gar nicht wurde
anståndig sein / solcher gestalt aus ihrem grossen ungluck ein spiel zu machen;
massen sie / wegen ihrer ståts wärenden trauer / sich wohl nimmermehr mit zu
diesen spiel würde haben gebrauchen lassen / wan sie es der Königin von Syrien
nicht hätte zu gefallen getan.
    Mitlerweile sie nun / mit der Amesses und Roma /hiervon redte / gingen
Delbora und Hermione etwas fur aus / und gerieten auf das andenken des Nebaiot:
welchen die tugendliebende Delbora der Hermione beliebt zu machen / ståts
äuserst bemühet war. Zu solchem ende / hatte sie die schöne Hermione zur
liebsten angenommen / und nennte sich ståts / unter dem namen Nebajots / ihren
aufwärter: also dass sie / wan sie bei ihr allein sein kunte / gleich als
Nebajot mit ihr redte / und sie dessen liebe versicherte. Dieses täte sie auch
für dissmal / zu ihr unter des Nebajot namen sagende: Versichert euch / schönste
Hermione! dass euch Cimber niemals / vor seiner untreu / also geliebt / noch
auch Delbora / vor ihrer verehlichung /von mir also geliebt worden / als wie
ich iezt euch anbete und verehre. Wendet demnach euer herze zu dem jenigen / den
euch der himmel bestimmet hat /und gebet den Meden ihre rechte Konigin / die
furlängst von ihnen ist verlanget worden. Edler Nebajot! (antwortete Hermione /
in gleichmåssigem scherze) wan mir der lieben Delbora ihre eigene ruhe nicht so
wårt wäre / so wollte ich euch ermanen / diese eure obgleich hofnunglose liebe
gegen ihr zu bewahren /und mir zu gonnen / dass ich einen ungetreuen ferner
beweinen möge. Weil ich aber einer so werten freundin hierinn dienen kann / wan
ich euren iezt furgebrachten worten glauben beilege / so tue ich es allein üm
ihrent willen / wan ich den Medischen tron anneme / der sonsten ihr selber /
wegen ihrer unvergleichlichen tugend / sollte geblieben sein / wan der
himmelsschluss allemal also verfahren wollte / wie wir menschen etwas fur billig
erkennen.
    Nicht um der Delbora willen / (gabe diese Königin / als Nebajot / zur
antwort) müsst ihr / meine schöne! eure gunst mir zuwenden / sondern aus eignem
freien willen mich und das ganze Meden also glückseelig machen. Rahtet mir nicht
/ die Delbora ferner zu lieben / deren ich ganz vergessen habe / die auch an
eure schonheit bei weitem nicht kommet / auch wegen ihrer ungerechten vorfahren
billig den Medischen tron hat verlieren müssen. Rächet euch auch nicht ferner an
mir / dass ich ehmals / unvergleichliche schöne! euer vergessen / und diese Medin
lieben konnen: da ich doch wusste / dass ich für euch bestimmet ware. Wan solcher
gestalt / (antwortete Hermione) die unvergleichliche Delbora von dem Nebajot
verachtet wird / so fållet billig bei mir alle hochachtung fur ihn / und muss ich
mich eben dergleichen befahren. Also werde ich dann båsser tun / wan ich im
anfang nicht glaube / als wan ich hernach / mir zu spatt / meine
leichtgläubigkeit bereue. Da sei der himmel für / (sagte die den Nebajoh
furstellende schone) dass meine reden bei der unvergleichlichen Hermione so übel
wirken sollten! Alles / was ich fürbringe / zielet allein dahin / ihre gegenliebe
zu erlangen: und werde ich dann sicherer fortin das jenige denken / dessen
heraussagung meiner schonen ein misfallen erwecket.
    Wan Nebajot / (wandte die Hermione hingegen ein) allemal also redte / wie
er ietzo tut / so bekenne ich / dass ich ihn nie lieben könnte. Es erscheinet
aber wohl / dass er mich iezt nur auf die probe setzet / üm mein gemüte / wie es
eigentlich gesinnet sei / zu erforschen. Wo die tugend / (sagte Delbora / unter
Nebajots namen) so volkommen herfür scheinet / da ist ganz keiner forschung
vonnoten / und sind nicht aus solchen ursachen / sondern die warheit
furzubringen / meine ietzige reden geflossen. Um aber mich meiner schönen
Hermione gefållig zu machen / will ich fortin der Delbora auf keinerlei weise
mehr erwähnen / und dieselbe in ihrem wert und unwert lassen; wan ich nur dabei
die versicherung haben darf /dass Hermione auch meiner allein gedenken wolle. Wan
ich dem König von Meden / (antwortete Hermione) auf meiner liebsten freunde
zureden / die eheliche hand geben werde / so will ich freilich / auser ihme /
niemand in meinem gedåchtnis behalten / und dem tugendhaften beispiele der
grosmutigen Delbora folgen / die ihren gemal / dem grossen Eridanus / auf so
ungemeine art sich ganz und gar ergeben hat.
    Als hierauf die Delbora wieder antworten wollte /kamen die andern dazu / und
mängten sich mit in ihr gespråche: das dann ursach gabe / dasselbe abzureissen /
und den übrigen weg mit andren reden zu verbringen / bis sie endlich nach Edessa
gelangten. Es begegneten ihnen daselbst / unter dem tor / zween hirten / die
sich / bei der Delbora / Hermione und Roma / fur den Jokes und Nebod zu erkennen
gaben. Diese waren die jenigen / die in Syrien / in den holen bei Aroer / diese
drei schonheiten bewirtet / nachgehends aber für den krieg fluchtig worden / und
unter die Mesopotamische hirten in die landschaft Amida sich begeben hatten.
Ihre freude / die Königinnen / und zwar in solcher vergnugung / wieder zu sehen
/ war nicht geringer /als dieser ihre / als ihnen ihre getreue wirte also
unvermutlich vor augen kamen. Hermione begehrte /dass sie ehist nach Amida zu
ihnen kommen / und sie besuchen sollten: welches diese beide zu tun versprachen
/ und damit ihren weg furter namen. Es ist gross wunder / (raunete Delbora der
Hermione ins ohr) dass meine schone nicht / nach des Cimbers ehrengedåchtnis /
das in der hole des Jokes von ihr aufgerichtet worden / bei diesen beiden sich
erkundigen wollen. Es wird Nebajot (antwortete Hermione) nicht so eifersuchtig
gegen den todten sein / da ich es nicht einmal gegen den lebendigen zu sein
begehre. Die lebendigen (widerholete Delbora) sind nicht in so fåstem andenken /
als die todten. Wan Nebajot / ( wandte Hermione ein / als sie eben in das haus
der Konigin Petasiride eintraten) mir allemal den Cimber also furrücken wollte /
so wurde ich bei ihm auch der Delbora schwerlich verschonen konnen.
    Delbora kunte hierauf nicht antworten / weil indem das gemach der Konigin
von Saba sie entfinge: die dieser ansprache sich nicht versehen / und eben mit
der Konigin von Elam und Tyro / wie auch mit ihrem frauenzimmer / beschåftigt
ware / gewisse kleidungen in ordnung zu bringen / die sie nicht gerne vor den
ankommenden wollten sehen lassen. Darum liessen sie sofort / durch ihre leute /
dieselben hinweg bringen /als diese in das zimmer traten. Kommen wir etwan
(fragte Delbora) der Konigin von Saba zu ungelegener zeit? Keines wegs!
(antwortete diese) und sind gute freunde zu ieder zeit angenem. Warüm verbirget
man dann vor uns (fragte die schöne Amesses die Orosmada) die dinge / mit denen
ihr / vor unserer ankunft / hantirt gehabt? Darum / (antwortete die Konigin von
Tyro) dass ihr noch nicht sehen sollet / was wir fürhaben. Orosmada (sagte die
Konigin Lantine) spricht hiermit schon zu viel / und weiss sich noch nicht recht
zu bergen. Was soll es gelten / (finge die Königin Delbora an) ihr wollet euch /
zu eurem vorhabenden spiel / vorher verkleiden. Gesezt / dass deme also wåre /
(sagte Hermione / die mit unter diese spielende von der dritten ordnung gehorte)
so wird man euch doch solches nicht sagen / ob ihr gleich darnach fraget. Diese
antwort brachte die ganze gesellschaft zum lachen / und gabe anlass / ihre
unterredung davon anzuheben: da sie das gestrige spiel uberaus lobten / und
daneben ihr verlangen nach dem morgigen bezeugten.
    Die Prinzessin Coricide / des Ephrons gemalin /trate hiermit in das gemach /
als eine hirtenmagd gekleidet: welche / die Delbora und Indaride / wie auch die
Amesses / ersehend / zu schreien anfinge / und wieder hinweg laufen wollte. Sie
wurde aber durch die Königin von Egypten angehalten / die ihr verwiese /dass sie
ihr und den andren nicht gönnen wollte / sie in solcher kleidung / die ihr nicht
ubel kåme / zu sehen. Coricide wusste nicht / was sie hiergegen furbringen sollte.
Die Konigin Petasiride aber / erklårte dieses geheimnis / und sagte / wie sie
gewillt wären / wan ihr bestimmter tag käme / ein schåferspiel fürzustellen /und
sich dabei zu verkleiden: da dann die Delbora /wie auch Amesses und Indaride /
den andern in Samosata und Amida solches nicht zu entdecken / angelobten / um
selbigen dadurch die ergezlichkeit so viel grosser zu lassen. Es sonderte sich
aber bald hierauf die Coricide von den andern ab / und gesellte sich zu dem
Ephon ihrem gemal: mit dem sie in ein fenster allein ginge / und eine zimliche
weile mit ihm sprachete. Die andere / so auf sie acht hatten / sonderlich die
Königin Lantine / namen war / dass sie etwas häftig mit einander redten: daher
sie veranlasst wurden /endlich nach dem inhalt ihres gespråches zu fragen.
    Ich beschwere mich uber meinen gemal / (sagte Coricide) dass der so saumselig
ist / sein eigen båstes zu befördern / indem er seine freunde so wenig in acht
nimmet / und sich ihrer gar nicht / wan er kann / zu seinen nutzen zu bedienen
begehret. Coricide hat recht /(sagte Mehetabeel / die mir zugegen war) und ist
es nicht anders / als wie sie saget. Ich muss immer diesen fürwurf leiden /
(antwortete Ephron) als wan ich meine freunde nicht wusste zu beobachten oder zu
erhalten: da ich doch in meinem gewissen befinde / dass ich ein nur gar zu treuer
freund bin / und gerne diene /wan sich gelegenheit dazu eräuget. Das ist zwar
wahr: (gabe Coricide zur antwort) ich kann aber auch nicht laugnen / dass / dessen
ungeacht / alle freunde meines herrn sich über ihn beschweren / dass er so
unentfindlich sei / und so wenig die freundschaft recht in acht zu nemen wisse.
Dieses / wovon sie reden / (widerredte Ephron) bestehet in liederlichkeiten /
die nichtes zur wahren freundschaft helfen: da ich sonst / wie gesagt / keinem
weichen werde / wan sich die tätliche freundschaft erzeigen soll. Was beweget
euch immermehr / (fragte die Königin Lantine / die Prinzessin Coricide) diese
beschwernis nun auf die bahn zu bringen?
    Coricide låchelte hierzu / sonder zu antworten / und sah ihren herrn an /
der dann fur sie das wort name /und sagte: wan ich deutlich erklåren sollte / was
zu diesen reden anlas gegeben / so musste ich der Fürstin Mehetabeel
liebesgeschichte erzählen / deren einwilligung ich aber zuvor erwarte / wie auch
von dieser durchleuchtigen gesellschaft den befehl / ob sie die zeit mit
anhörung solcher begebenheit verbringen wollen. Die angeneme Mehetabeel errötete
/ als sie den Ephron also reden hörte. Die Konigin Lantine aber / und die andern
/ erwiesen ingesamt eine sonderbare begierde / von der geheimen Mehetabeel etwas
mehrers zu wissen / als ihnen bisher von ihr kund gewesen. Daher sie / so wohl
diese Furstin / als den Ephron / dahin vermochten / dass jene ihm erlaubte / und
er es übername / ihnen die zeit mit dieser erzehlung zu verkurzen / welches er
sofort folgender massen zu werk richtete.
 
         Geschichte des Ariates Königs von Gibeon / und der Mehetabeel.
Es wird keinem von meinen zuhorern unbekant sein /wie des alten Konigs von Hazor
einiger sohn / der Prinz Madon / durch beförderung der boshaftigen Jerode / zu
Hebron üms leben gekommen / und wie dieses nachgehends viel unruhe und
ungelegenheit in Cnnaan erwecket / auch meiner liebsten Coricide sonderlich
grosse gefahr verursachet. Weil dann solche ganz kund ist / als will ich nur sagen
/ dass dieser todesfall des wackern Madons / den Konig seinen herrvattern so sehr
geschmerzet / als wie es seine vettern erfreute. Dan er hatte / von vier
schwestern / sohne /die nun den tron von Hazor zu besteigen verhoffeten. Seiner
ältsten schwester sohn / war Ariates / nunmehr König zu Gibeon; der zweiten
ihrer / der Jehus /Konig von Jericho; der dritten / Abinab / Konig zu Jarmut;
und der jüngsten ihr sohn / Saphiel König zu Lachis. Dieser viere ihre ehrsucht
/ wurde / wie gesagt / durch des Madons tod aufgewecket / dass sie alle hoffeten.
Und ob gleich gegenwårtige Fürstin Mehetabeel näher als sie alle war / in dem
sie von der Leda / der tochter des Konigs von Hazor / geboren worden / so wollten
sie doch ihr vordringen / und die kron davon tragen.
    Dieser wegen machten sie sich nicht allein beliebt bei dem Konig von Hazor /
sonderen sie sucheten auch beistand / so wohl an des Beors / als an meiner
Coricide herrvatters hofe: da der Beor / weil er mit den gedanken ümginge /
selber ein erbe von dem konigreich Hazor zu werden / dem Konig von Jarmut / wie
auch dem damaligen Prinzen von Gibeon /sehr liebkosete; gleichwie auch zu
Kiriat Arba / den Konigen von Joricho und Lachis / wiederfahre. Doch merkten
Abinab und Ariates bald / dass Beor mit ihnen betrieglich umginge: daher sie
Sichem verliessen / und / auf einrat des Konigs von Hazor / nach Tyro gingen /
allwo damals ein bündnis wider den Beor /weil der so vielen gewalts uber die
andere Cananitische Könige sich anmassete / sollte geschlossen werden. Ehe sie
dahin reiseten / erklärte sich der Konig von Hazor offentlich / für den jenigen
von seinen vier vettern / der sich bequemen wurde / die Mehetabeel /seiner
tochter kind / zu heiraten; heimlich aber versicherte er dem Prinzen von Gibeon
/ dass ihme keiner lieber als er sein sollte / und er so sehr die andere /dass sie
bei der Mehetabeel nichts ausrichten möchten / verhintern / als ihm zu der
Mehetabeel gunst beförderlich sein wollte. Er zeigte aber öffentlich gleiche
gütigkeit gegen alle viere / um aller besorglichen unruhe und zweitracht
vorzukommen. Also waren sie nun såmtlich wolgemut / am meisten aber der Prinz
von Gibeon / wie diese erklårung hervor kame.
    Als nun derselbe / neben dem König von Jarmut /nach Tyro reisete /
vermeinte der Saphiel / König von Lachis / inzwischen den andren fürzukommen /
und am ersten um die gute gunst der Mehetabeel sich zu bewerben. Demnach begabe
er sich nach dem gebirge Seir / und fand die Mehetabeel / wie auch die Bilha
des Ezers tochter / auf einem von des Sobals ihres herrvattern schlössern /
beisammen. Aber der Konig von Hazor liesse die Mehetabeel warnen / sich für dem
Saphiel furzusehen / weil sie / nicht diesem / sondern dem Ariates / ihre
gegenliebe geben müste. Also wusste Mehetabeel schon von des Saphiels ankunft
/ehe er noch erschiene: und / sowol des Königs ihres grosvattern befehl / als
ihrem eignen willen / zu folgen / weil sie damals einen andren glückseelig zu
machen vermeinte / gehorchte sie so weit / dass sie fur des Saphiels
liebesanbringen sich hutete / ob sie gleich gesonnen war / dem Ariates nicht
båsser zu begegnen. Des Königs von Lachis aber abzukommen /gebrauchte sie sich
einer sonderbaren list / und beredte die Bilha / ihre wase / ihren namen
anzunemen /und also an ihrer statt des Saphiels liebe anzuhoren. Weil Saphiel
nicht unangenem war / und der Bilha /eine Konigin in Canaan zu heissen / nicht
misfiele /als ginge dieser betrug so wohl von statten / dass Saphiel mit ihr / als
der Mehetabeel / sich verlobte: da er dann / ganz vergnügt wieder nach Hazor
abreisete / um dem Konig seine gute verrichtung zu hinterbringen.
    Dieser hatte selbigen tag eben / von Tyro / zeitung erhalten / dass der
Ariates / an statt fur die Mehetabeel seine liebe zu sparen / in die Konigin
Lantine hierzugegen / die damals noch Prinzessin von Elam hiesse /sich verliebet:
welches ihn dermassen auf den Prinzen von Gibeon verdrosse / dass er / diese
andere nachricht von dem Saphiel / nicht mit solchen widerwillen / als wie sonst
geschehen wäre / aufgenommen / und / wiewol ihn hierbei der Mehetabeel
vermeinter ungehorsam nicht wenig verdruss machte / so verschmerzte er doch
solchen / um den Ariates zu straffen / und name den Saphiel an / ordnete auch
gesandten ab nach Arabat in Seir / um die Mehetabeel abzuholen. Diese kamen
eben dahin / wie / zu gutem gluck / die Mehetabeel / mit der Bilha ihrer basen /
daselbst allein ware: daher es ihr so schwer nicht fiele / als wan ihre eltern
dabei gewesen wären / diese gesandten von sich ab zur Bilha zu weisen / mit
vermeldung / was es hiermit für eine bewandnis hätte. Also wurden / bei ihrer
zurück kunft / dem Konig von Hazor / so wohl als dem von Lachis / die augen
aufgetan / dass jener erkannte / wie Mehetabeel seinen geheimen befehl nicht
uberschritten / und dieser sich betrogen sah. Demnach ånderte sich nun die
ganze verfassung zu Hazor /und / weil der Konig nicht mehr ursach fand / seinen
widerwillen gegen dem Saphiel zu bergen / erwiese er ihm denselben offentlich /
verbannte ihn gleichsam von hofe / und richtete fürter seine gedanken auf den
Jebus / den Konig von Jericho: welchen er nach Hazor kommen liesse / um die
heurat zwischen der Mehetabeel und ihm zu stiften.
    Dieser Jebus / hatte furlängst die Prinzessin Rahabine von Tyro geliebt /
welches er aber heimlich hielte / um die kron von Hazor nicht zu verscherzen:
massen er sich willigst anstellte / des Konigs begehren ein genügen zu tun /
und sich um der Mehetabeel gewogenheit zu bewerben. Wie er aber die reise nach
dem gebirge Seir von einer zeit zur andren aufschobe / ward es zu Hazor endlich
kund / dass Jebus die Prinzessin von Tyro liebte. Nichtes entfindlichers / als
eben dieses / hätte dem Konig begegnen können / weil er nun alle seine vier
schwester-söhne untüchtig fand / ihme im reich zu folgen: in dem der Prinz von
Gibeon die damalige Prinzessin von Elam / der Konig vom Jarmut die damalige
Prinzessin Orosmada / der König von Lachis die Fürstin Bilha / (welche er euch
geheuratet) und der Konig von Jericho die Prinzessin Rahabine / an statt seiner
Nefin liebte. Dieses erwekte bei ihm einen solchen hass gegen diese viere / dass
er sie weder hören noch sehen wollte.
    Daher vername er auch gern die zeitung / die ihm der Sobal / der Mehetabeel
herrvatter / zuschriebe /dass nåmlich diese seine tochter an den Fürsten von
Teman / den Eliphas / verlobt wåre: und gabe er hierzu seine einwilligung /
vermeinend / weil dieser Furst des grossen Edoms sohn war / es wurde dessen
gewalt und bekannte dapferkeit / dermaleins seinen tron / fur die Mehetabeel /
wieder ihre vettern / behaupten konnen. Es daurete aber auch diese vergnugung
nicht lange / weil / wie bekant / auf dem Seirischen gebirge bald ausbrache /
wer des Eliphas rechte braut war / und wie die Mehetabeel hintergangen worden.
Dieses war nun der lezte streich / den alten König vollends toll zu machen / der
eben damals auch von dem Beor und den andern Canaanitischen Konigen sich so
gezwakt sah / dass er kaum so viel luft schöpfen kunte / seine
haus-verdrieslichkeiten recht zu uberlegen. Es kame ihm nun / der verlust seines
einigen sohnes / wieder zu gedåchtnis / als welcher ihm alle diese andere
verdrusse meist verursachte. Darum name er ihm kräftig vor / dessen tod zu rächen
/ und rükte in die bündnis / die er und der Konig von Kiriat-Arba / meiner
Coricide herrvatter / wider den Beor miteinander aufrichteten / mit ein / dass
daselbst die mördere des Madons sollten ausgeforschet / und zu geburender straffe
ubergeben werden / ehe und bevor unter ihnen dieser bund geschlossen wurde.
    Es werden alle meine zuhorer wissen / wie es hierbei meiner gemalin
ergangen: massen sie teils / bei der belägerung zu Aroer mit gewesen / wie der
Konig von Hazor / durch den Fursten Achsaph recht unterrichtet / seinen unwillen
und zorn fallen lassen / und vollig mit uns ausgesöhnet / nach Canaan wieder
gekehret. Er hatte zu Aroer die vergnugung / seine geliebte Nefe / die
Mehetabeel / zu sehen / deren er vorher nie in seinem leben genossen: begehrte
er von ihr /dass sie mit ihm nach Hazor reisen / und alda / solang er noch lebte
/ weil doch nun in Seir / wegen der daselbst geschehenen verånderung / fur sie
nichts mehr übrig wäre / bei ihm verharren sollte. Sie verhiesse ihm / ehist dahin
zu folgen / und bate / ihr nur noch zu gonnen / dass sie mit der andren
gesellschaft nach Damasco kehren / und von den Königinnen urlaub nemen mochte.
Er bewilligte ihr solches / iedoch mit dem ernstlichen verbot / dass sie weder
dem Konig von Gibeon / der nun nach seines vatters tode solchen namen angenommen
/ noch den von Jarmut oder Jericho / die mit nach Damasco gingen / einigen
guten blick verleihen sollte / wan sie etwan sich gereuen liessen / dass sie / ihr
aufzuwarten / vordessen so liderlich sich ausgedrehet. Dieses hatte sie ihm zwar
versprochen / hielte es aber nicht länger / als es der himmel ihr zuliesse:
massen derselbe versehen hatte / dass der wackere Ariates sie lieb gewinnen / und
ihre gegenhuld erlangen sollte.
    Es hatte dieser Konig sie vordeme noch nie gesehen / und ware also wohl zu
entschuldigen / dass er eine ihm unbekannte nicht geliebt. Nun er aber / wegen
der Königin von Elam verheuratung / selbiger liebe abgesaget / begunte er sein
eigen båstes zu betrachten: daher er / die Mehetabeel erwählend / ein solches
leben anfinge / dergleichen ehmals der König von Hazor von ihm verlanget hatte.
Er erkiesete mich zum vertrauten in dieser seiner neuen liebe / gleich wie auch
die Prinzen von Hevila und Salem / als mit denen er ehmals zu Tyro war bekant
worden. Der Prinz Adonisedech dienete ihm gerne hierinn / um dem Konig von
Jarmut dadurch wehe zu tun / der sein alter feind war / und nun / gleich dem
Ariates /anfinge / die Orosmada zu verlassen / und der Mehetabeel aufzuwarten.
Der Konig von Jericho / weil er etwan zeitung von seiner Prinzessin aus Tyro
bekomen / die ihm nicht gefiele / gesellte sich auch / als ein aufwårter / zu
der Mehetabeel. Also sah sich diese Fürstin von liebhabern ümlagert / und hatte
genug zu tun / den von ihrem grosvatter erhaltenen befehl wohl zu beobachten.
Bei keinem fiele es ihr schwerer / als bei dem Ariates / welchem sie holder war
/ als sie selbst vermeinte: und richteten Coricide /wie auch Adonisedek Jetur
und ich / so viel bei ihr aus / dass der König von Gibeon einen guten blick von
ihr bekame / und anders / als die Könige von Jamut und Jericho von ihr gehalten
wurde.
    Des Ariates vergnügung / gliche der anderen beiden ihrer verzweifelung / als
er solcher gestalt die gewogenheit seiner schonen erlanget / und name ich über
mich / fur ihn zu Hazor ein gutes wort zu reden: bis dahin Mehetabeel in Damasco
verharren / und ihre vorgehabte reise / mit der Königin Milcaride von Sichem /
ins land Canaan aufschieben sollte. Als wir nun vergangenen winter ingesamt aus
Damasco / und zwar ein jeder nach dem seinigen abreiseten / begabe ich mich /
sobald nur meine eigene angelegenheiten mich von Hebron abkommen liessen / nach
Hazor: da mich mein alter freund / der Achsaph / zum König hinein fürete / und
mir alle anleitung gabe / wie ich meine verrichtung glucklich enden mochte. Es
richtete aber seine vielvermogenheit bei dem König so wenig aus /als alle meine
bemuhung / und kunte dieser unversönliche alte sich nicht uberwinden / seinen
gefassten zorn und unwillen zu måssigen. Das erste / so er hierauf fürname / ware
dieses / dass er den Ahiam / seinen Cammerherrn / nach Damasco schickte / üm die
Mehetabeel abzuholen. Weil aber dieselbe für ihres grosvatters eifrigem sinn
sich furchtete / und Ariates in einem schreiben sie flehentlich bate / ja nicht
dahin zu kommen / als entschüldigte sie schriftlich ihr ausenbleiben / so gut
sie konnte. Sie schriebe auch darbei an den Konig von Gibeon / dass sie die seine
bis in den tod beståndig verbleiben wollte / und sollte er nur bemühet sein /
ihres herrvattern / des Sobals / einwilligung aus Egypten zu erlangen: wornach
sie sich nicht ferner weigern wollte / ihm die eheliche hand zu geben. Aus
versehen / verwechselte sie die überschriften dieser beiden briefe / also dass
der / so an den König von Hazor gestellet / in des Ariates hånde fiele / der
ihm-vermeinte aber / darin diese vollige entdeckung ihrer liebe entalten /
hingegen dem König zukame.
    Dieser wurde von unaussprechlichen eifer überfallen / als er den anhaltenden
ungehorsam der Mehetabeel / auch der verachtung seiner person / indem sie nicht
auf seine / sondern nur auf des Sobals einwilligung zielte / vernemen musste. Er
fassete sofort diesen unbarmherzigen schluss / sie so wohl / als seine vier
vettern / zu enterben: und hierbei die augen auf mich werfend / wehlte er mich
zu seinem nachfolger im reich / weil ich seiner verstorbenen gemalin / der
Mesamia / bruders / des Konigs Esron / enkel war / auch die Coricide / die sein
sohn der Prinz Madon haben sollen / geehlicht / und also dessen person in seinen
gedanken vertrate. Er gewanne mich auch sofort dermassen lieb / dass ich oft /
mit meiner grossen ungelegenheit / bei ihme zu Hazor mich aufhalten musste. Ich
nenne dieses eine ungelegenheit / weil die sachen zu Kiriat-Arba nicht also
stunden / dass ich lange von dar absein konnen: massen der Konig Beri / mein
herrvatter / wegen einer zugestossenen gemütsschwachheit / dem regiment so übel
fürstunde / dass ich tåglich / ja stündlich / dessen abnemen und verderben für
augen sah.
    Die ursach der blödigkeit dieses Königs war / dass er ihm einbildete / wie er
an des Eliesers / meines liebsten bruders / tode schuldig wäre: das ihn dann also
nagete / dass er weder tag noch nacht ruhe hatte. Von den Aborigenern / die auf
dem Riphatischen gebirge mit grosser heerskraft sich zusamen zogen / machte er
ihm die sorge / dass die des Eliesers tod bald råchen wurden; und hörte er den
Tuscus Sicanus niemals nennen / dass ihm nicht ein kalter schweis ausgebrochen
wäre. Weil nun diese einbildungen aus einer gemütskrankheit herrüreten / als
wurden alle berümte ärzte hierzu beruffen / und nichtes gesparet / was zu seiner
gesundheit dienen kunte: wie sie es dann so weit mit ihm brachten / dass ihme zu
gewissen zeiten ganz wohl war / und man ihme nichts anmerkte; wiewol er bald
darauf wieder in die vorige traurigkeit fiele / und also bei unbeständiger
gesundheit lebte. Weil hiedurch / wie erwehnt / das Konigreich in verwirrten
zustand geriete / als wollten die stånde und fürnemsten in Kyriat-Arba / dass
mein herrvatter mir die regirung anvertrauen / und sich in ruhe begeben sollte.
Er ware zwar ofters hierzu geneigt / und begunte mit mir davon zu reden: bald
aber / und manchmal im augenblick / verånderte er sich / und wollte / an statt der
liebkosung und vertraulichkeit / die er erst mit mir gepflogen / von mir weder
hören noch wissen.
    Ich musste endlich / diesem immer-zunemenden ubel zu wehren / mir freunde
schaffen / um deren hulfe und einrahts mich zu bedienen. Der Konig Ariates von
Gibeon war einer von diesen / wie auch der furst Achsaph: deren der erste mit
seiner eigenen macht / der andere aber mit gutem einraht und vorspruch bei
seinem herrn / dem König von Hazor / mir seine dienste anbote. Dieses geschahe
eben um die zeit / als diesem König einfiele / mich zu seinen nachfolger im
reich zu ernennen: das dann dem Ariates /wegen seiner habenden anspruche / nicht
gefallen /und also leichtlich unsere freundschaft baufällig machen konnen. Ich
erklärte mich aber gegen dem Ariates dahin / dass / wofern er wurde auf dem sinn
verharren / mir zu dem reiche Kiriat-Arba zu verhelfen / ich hingegen ihm den
tron von Hazor überlassen wollte /sobald ich selbigen betreten wurde. Diss ware
nun ja ein freundesstuck / und tun mir daher die Mehetabeel und Coricide gross
unrecht / indem sie mich einer kaltsinnigkeit gegen meine freunde beschuldigen.
Wie dieser vergleich unter uns beiden in vertrauen aufgerichtet war / sah
Ariates / ohne eiversucht / meinen wachstum im konigreich Hazor / und liesse mich
daselbst machen: mitlerweile er / wiewol ganz unbekant / eine reise nach Damasco
täte / um aus seiner Mehetabeel eignem munde die versicherung ihrer gegenliebe
anzuhören. Er hatte mit mir verlassen / ich sollte /ihm abwesendem / fieissig von
allem bericht senden /was in Hazor fürginge: zu welchem ende er eigene boten
unterwegs verleget / üm desto geschwinder die briefe hin und wieder zu fordern:
da ich aber / wegen meines verdrusslichen zustandes / und weil in Canaan nicht
viel furfiele / ihm wenig schriebe / ob ich gleich viel briefe von ihme / wie
auch von meiner gemalin /entfinge / die mit lauter liebessachen angefullet
waren. Dieses gabe anlass / dass Ariates nicht allein einer kaltsinnigkeit mich
beschuldigte / sondern auch zuweilen anfinge zu zweiflen / ob ich auch meine
zusage halten würde / ihme dereins den tron von Hazor abzutreten. Demnach eilete
er eher / als er sonst gewillt gewesen / aus Syrien: da er aber sein und der
Mehetabeel gemüte bald wieder beruhigte / als er meine beståndigkeit erfuhre /
und ihr solche nach Damasco zu entbote.
    Aber die andere Konige von Canaan / sahen mein Glück nicht mit solcher ruhe
an / sondern erweckten im konigreich Hazor tausenderlei unruhe und aufruhren:
die zwar allemal zu rechter zeit wieder gestillet wurden / aber vor-anzeigten /
was ich / nach des Königs von Hazor tode / für ein unruhiges regiment haben
würde. Diesem nach fiele dem alten König ein /bei seinen lebzeiten mich auf
seinen tron zu setzen: worzu der Achsaph mächtig rahten halfe / dem Konig
furstellend / wie dieses das rechte mittel sein würde /nicht allein ruhe in
seinem reiche zu schaffen / sondern auch meinen herrvatter desto eher dahin zu
bewegen / dass er / seinem beispiel zu folge / die regirung auch von sich lege.
Um nun den König Beri /meinen herrvattern / hierzu zu bringen / wurde Achsaph
öfters nach Hebron geschicket / und ihme fürgestellt / wie måchtig er seinen
sohn machen konnte /wan er in die abtretung seines regiments einwilligte: weil
allein mit diesem bedingnis / auch der Konig von Hazor mir seinen tron zu
ubergeben gesonnen wåre. Mein herrvatter liesse / wegen dieser vorteilhaften
ümstände / sich verlauten / wiedass er sölches tun wollte / sobald der König von
Hazor würde den anfang gemacht haben. Also stritten diese beide Konige hierüber
/ und einen ehren-punct daraus machend / hielten sie beiderseits ein dieses ihr
fürhaben ins werk zu stellen. Dem ungedultigen Ariates / wurde die zeit hierbei
zum långsten / und wollte er mich öfters uberreden mit gewalt den Beri vom tron
zu setzen / dazu er mir seinen beistand verhiesse. Ich wollte aber solches nicht
annemen / ob gleich das elend in unsrem lande / durch die uble regirung / immer
grosser wurde.
    Auf solche weise ist es nun in Canaan beschaffen /von dannen ich / meine
liebste Coricide zu sehen /und sie nach Hebron abzuholen / mich auf etliche
wochen gleichsam abgestolen habe: massen ich sonder schaden fast keinen
augenblick absein kann / und werde ich / nach hiesiger kronung / ferner nicht
verweilen dörfen / mich alda wieder einzufinden. Die ursach aber / warüm der
verliebte Ariates nicht mit gekommen / ist diese / dass er / in meiner
abwesenheit /auf alles ein wachsames auge halten muss / üm dem König von Jarmut
und den andren / die um das reich Hazor buleten / zu wehren / dass sie nicht eine
unruhe anfingen / wan etwan der alte König inzwischen sterben sollte. Warum aber
meine liebste Coricide / wie auch die Furstin Mehetabeel / mir fürgerücket als
wüste ich nicht gnug meine freunde in acht zu nemen /so ists folgendes / das sie
auf diese gedanken bringt.
    Der Fürst Achsaph / so / bei der lezten belägerung von Damasco / unter des
Konigs von Hazor volkern zu Aroer mit ware / zoge / aus begierde / die viele
konigliche personen in Damasco beisammen zu sehen / mit uns dahin: und als er
daselbst mit der Konigin Aramena frauenzimmer sich bekandt machte / gefiele ihm
Dersine / die Fürstin von Arvad / so wohl / dass er die zu lieben begunte. Er
eroffnete mir gleich dieses sein anligen / und forderte meinen beistand: den ich
ihm / als ja so fromd wie er / in nichts anders erweisen kunte / als dass ich
zuweilen veranlassete / dass die Dersine sich bei meiner Coricide einfunde / und
ihme also / mit ihr zu reden / gelegenheit gemacht wurde. Weil sie von seiner
liebe gar nicht hören wollte / als reisete er damals ubel zu frieden mit uns
andren aus Damasco hinweg / und truge mir / bei meiner ietzigen wiederkunft /
dieses gewerbe auf / dass ich sein wort bei dieser Furstin reden / und sie zu
seiner liebe bewegen sollte. Dieses habe ich nun / seitdass ich hier in
Mesopotamien gewesen / fleissig verrichtet. Es hat mir aber diese schöne
entdecket / wiedass sie den Prinzen Jonadas von Hemath liebe / und also unfähig
sei / des Fürsten Achsaph ansinnen anzunemen. Was kann ich demnach / bei solchen
umständen / für meinen freund hierinn ferner tun? mit was nutzen werde ich der
Dersine von ihme sagen / da sie ihr bereits einen andren erkieset? Gleichwol will
meine gemalin mir solches ansinnen / vermeinend / ich werde allen beistand des
Achsaph / der mir bei dem König von Hazor so nötig ist / verlieren / wan ich ihm
die Dersine nickt zu wege bringe: gleich als wann es an mir läge / dass sie
diesen Fursten nicht lieben kann.
    Es ist dieses nicht meine Meinung (fiele Coricide lächlend dem Ephron in das
wort) und weiss ich gar wohl / dass mein gemal daran nicht schuldig sei. Ich
wünsche aber nur / dass ihm gefallen möchte / fur den leuten in dieser sache sich
eifriger anzustellen. Dan /wir haben nicht allein von des Fursten Achsaphs
vertrautesten bedienten etliche bei uns / die alles genau in acht nemen / und
nach Canaan berichten / sondern es ist auch allhier die schwester dieses Fürsten
/ des Gahams von Syrien gemalin / die mein liebster Ephron zu besuchen / bis
noch aufgeschoben hat / deren er doch / als seines freundes schwester / fur
andern sollte liebkosungen erweisen. Da mir der himmel gonnet / (antwortete
Ephron) dass ich bei solchen schönheiten sein darf / als ich hier fur mir sehe /
so wird man mir nicht verdenken / dass ich dafur die alten fahren lasse. Man muss
aber nicht immer das jenige tun / (sagte Mehetabeel hierzu) was einem
wolgefållet / sondern sich zu zeiten auch zu zwingen wissen /wan irgend ein
nutze dabei kann gefunden werden.
                                     * * *
    Mehetabeel hat recht / (finge die Königin von Saba hierauf an zu reden) und
wurde der Prinz von Canaan nicht ubel tun / wan er an des Gahams gemalin
erwiese / dass der Achsaph sein freund sei. Dass man aber diesen Prinzen
beschuldigen will / als wan er die freundschaft nicht recht ubete / darin bin
ich ganz der gegenmeinung / und muss vielmehr gestehen / dass nicht viel solcher
freunde / wie der Ephron / gesehen werden / die ein königreich hinweg geben / um
ihrem freunde damit auf zu dienen. Diesem urteil der Petasiride fielen die
andern alle bei; und bezeugten auch diejenige / so den wackern Ariates kennten /
dass die Mehetabeel wohl gewehlt hätte.
    Sie hatten hiervon ihre fernere unterredung / bis die Könige von Tyro und
Cus zu ihnen in das haus kamen: fur welchem letzern die verkleidete Coricide zu
verbergen / damit der ihr vorhaben den andren von seiner spielgesellschaft nicht
verriete / schoben sie dieselbe eiligst in ein nebengemach; worbei Deldora und
Orosmada sich am meisten bemuhet erwiesen /und eben die tur zuschlugen / als
die Konige hinein traten. Weil Eridanus zu Amida vernommen / dass Nebajot der
Medische König den vorigen abend in Sarug angekommen / als vermeinte er / dieser
håtte hier seine Delbora gesprochen / und wäre vor ihm verstecket worden: das
dann eine solche veränderung bei ihm verursachte / dass sie alle / fürnemlich die
Delbora / solche an ihm erkannten. Der Orosmada ginge es mit ihrem Tiribaces
nicht bässer / massen der gleiche eifersüchtige gedanken von ihr hatte / als wåre
ihr ehmals-geliebter Adonias / der Prinz Adonisedech / bei ihr gewesen / der
sich bei seiner ankunft verborgen hätte. Solcher gestalt machte / dieser beider
gegenwart / die gesellschaft mehr still als frolich. Als auch Tiribaces erzehlte
/ wie der Konig Nebajot sich zu Sarug befånde / errotete daruber die Delbora /
so wohl als die Hermione / weil ihnen diese zeitung so unvermutlich kame: das dann
die eifersucht des Eridanus noch grosser machte.
    Solche musste auch folgends bei dem Tiribaces zunemen / als ihm die Orosmada
verlaugnete / dass Adonisedech / den er doch auf den wege nach Edessa angetroffen
/ bei ihnen sich befunden hätte. Zwar zwunge er sich / wegen der andren
anwesenden Koniginnen / so viel er kunte / seinen liebes-eifer nicht blicken zu
lassen. Als aber bald hernach Adonisedech durch eben die tur zu ihnen hinein
trate / durch welche die Coricide von der Delbora und Orosmada war hinaus
gelassen worden / hielte er nun seine einbildung für wohl gegrundet / und glaubte
/ der Adonisedech liesse sich darum wieder sehen / weil ihn etwan seine gemalin
in dieser verborgenen kammer gefunden: massen ihm dieselbe auf den fus
nachfolgte / und auch herein kame.
    Ich bringe gute post: (sagte dieselbe / die Konigin Hermione ansehende) der
Konig von Meden ist vorhanden / und würde vieleicht schon zugegen sein /wan er
hier diese gesellschaft vermuten könnte. Ich habe ihn im untern hof angetroffen /
und von seinen leuten verstanden / dass man ihn nicht recht angefüret /weil er
den Prinzen von Hevila / der sich in Amida befindet / anzusprechen gedenket.
Alles was ich den augenblick / darin ich ihn gesehen / in acht nemen konnen /
beredet mich / dass das geruchte nicht unrecht von ihm urteile / welches ihn als
einen der wackersten helden der welt beschreibet. Deme ist auch also /
(antwortete Petasiride / die ihn in Arabien gekennt hatte) und tut mir nur leid
/ dass wir nicht sofort die ehre haben sollen / ihn bei uns zu sehen. Ist dann
Nebajot (fragte Eridanus seine Delbora) nicht iezt allhier gewesen? Nein!
(antwortete dieselbe) wir wissen hier von ihm nichtes. Wie kanst du das sagen
/(sagte Hermione / wiewol ganz leise / zu ihr) da wir ja erst diesen König in
unserer gesellschaft gehabt? Dieses sagte sie in scherz / und zielete damit auf
ihre vorher gepflogene unterredung / da Delbora Nebajots person bei ihr
fürgestellet hatte.
    Der aufmerksame Eridanus hatte dieses mit angehoret / und wurde dadurch in
seiner eifersüchtigen einbildung gewaltig gestärket: massen er auch sofort die
gesellschaft wieder verliesse / um nach Amida um zu kehren. Delbora entschlosse /
ihn dahin zu begleiten / weil sie einige änderung an ihm warname / die sie der
ankunft des Nebajot zuschriebe. Dieser aufbruch machte / dass auch alle die
andern sich aufmachten / und den weg nach Amida vor sich namen: auser dem
Prinzen Adonisedech / der mit seiner Jaelinde nach Samosata sich wandte.
Unterwegs spracheten diese beide / von der verspurten eifersucht des Konigs von
Tyro / da Adonisedech hoch beteuerte / wie er so wenig / als die tugendhafte
Orosmada / dazu anlas gegeben hätte: welches Jaelinde gar gern glaubte / massen
sie ihren gemal auf keinerlei weise verdachte /noch durch solche last ihm ihre
liebe an den tag gabe. Sie fanden / zu Samosata / alle königliche personen bei
der Ahalibama und Timna / da ihnen die letzere erzehlte / wie sie mit ihrem
Eliphas wieder ausgesönet worden: woruber dann / mit ihr / der ganze hof sich
erfreute / sonderlich die Königin von Mesopotamien /die dieser ihrer freundin
alles vergnugte wolergehen gunte.
    Am folgenden morgen / in aller fruhe / ware / unfern von Samosata / auf
einem lustigen hügel / durch den Konig von Salem ein grosses opfer angestellet
/bei welchem alle anwesende königliche personen / die dem wahren glauben
beipflichteten erschienen / und also allein die Konige von Egypten / Cus / Elam
/Tyro und Arabien / neben der Königin Lantine und Petasiride / wie auch die
meisten von den Syrischen Fürsten / die noch an dem falschen gottesdienst hingen
/ davon blieben. Der Konig von Meden fand sich auch daselbst ein / und wurde
von allen und ieden auf das höflichste entfangen / auch von der Königin in
Mesopotamien selber zu der angenemen Hermione gefüret: die / in gegenwart so
vieler aufmerkere / keine gebårde zu fassen wusste / diesem ihrem bestimmten
liebhaber zu begegnen. Weil aber hierbei geistliche verrichtungen fürgingen /
als ware sie uberhoben /lang mit ihme zu sprechen / und sah vielmehr / mit den
andern / auf die opfere / die des frommen Melchisedechs priestere / unter denen
der Abdastartus auch einer mit ware / alda verrichteten. Die schone Aramena /
diesen getreuen freund ihres Cimbers ersehend / erinnerte sich von neuem ihres
zustandes / und seufzete innigst gen himmel / üm dermaleins aus ihrer ietzigen
unruhe erlöset zu werden / sunge auch / mit grosser andacht / neben den andern /
folgendes lied / das aus dem buche des gottseeligen und gedultigen Konigs von
Hus / des Hiobs / vorgesungen wurde / welches der König von Salem bei sich hatte
/ und lautete dasselbe / wie folget.
                                       1.
Der Mensch hat wenig fug / viel auf sich selbst zu achten /
wann er sein elend wird betrachten /
und recht in seinen ursprung schaut.
Er wird / mit angst und weh / von einem weib geboren.
sein leben dauret nicht: gar selten / dass es graut.
in lauter ungemach er seine tage baut.
zum wolsein ist er nicht / zur unruh' nur / erkoren.
                                       2.
Gleich einer zarten blum / die in den morgen-stunden /
bei külem tauen / wird gefunden:
so glånzt zwar seine schon' herfur.
Doch / komt der abend an / so fållt die schonheit abe;
ein augenblick erweckt und todtet seine zier.
nie ist er / was er war / nie bleibt er: weil alhier
er / einem schatten gleich / hinfleugt und eilt zum grabe.
                                       3.
Doch uber ihm / o Gott! stäts deine augen brennen.
du gibst dem menschen zu erkennen /
dass du acht habst auf seinen pfad.
Der schatten / der da ist von deinem licht entsprossen /
folgt er dir / wie er soll / so folgt ihm deine gnad:
wo nicht / so findet sich das recht / an deren statt /
du zeuchst ihn fur gericht / hast alle güt verschlossen.
                                       4.
Doch wie kann / grosser Gott! von so unreinem wesen /
vor dir was reines sein erlesen /
wan deine hand es nicht verricht?
Du / du kanst nur allein die bose unart wenden.
so lang der mensche lebt / låst er die sunde nicht.
kein reiner findet sich vor deinem angesicht /
wan du nicht himmel-ab ihm hulfe wilst zusenden.
                                       5.
Ach dann! in deinem grimm ja nicht mit ihm verfahre.
betrachte doch die kurzen jahre.
erwäge die bestimmte zeit /
die du ihm hast geschrånkt. von dir selbst sind gezehlet
die monden / die er soll in dieser eitelkeit
verbringen / da dein ziel nie keiner überschreitt.
So sei dann du sein schutz / wann ihn diss eitle quälet.
                                       6.
Vermehr nicht seine tag' / um seine pein zu mehren.
lass ihn sein leztes ziel bald horen /
das du ihm einmal hast gesezt.
Tu deine hand von ihm / auf dass er ruhe habe.
gonn ihme / dass er doch auch werd also ergezt /
wie ein tagloner sich mit seiner arbeit lezt /
und auf den abend hofft. gonn ihme den / im grabe.
                                       7.
Ein baum in hoffnung schwebt / wann er gleich abgehauen /
dass er sich konn erjunget schauen:
dann seine schossling dauern noch.
ob seine wurzlen gleich in kalter erd veralten /
und sein stam in dem staub erstirbt / so grunt er doch.
das wasser ihn erquickt / dass er wåchst noch so hoch /
und dass er einher prangt in vorigen gestalten.
                                       8.
Nicht also kann der mensch von seinem zustand sagen.
Wird er einmal zu grab getragen /
so tråget er mit sich hinweg /
hin in des todes reich / die hoffnung dieses lebens.
Wo ist die hand / die hier die todten mache reg?
gesetzt / dass man im grab die aschen wohl durchfeg:
wo findet sich der mensch? die muhe ist vergebens.
                                       9.
Gleichwie ein schneller fluss / der aus dem meere rinnet /
den ruckgang nimmermehr gewinnet:
weil die natur treibt solchen fall.
in truckner zeit gar bald verschwindet und versieget /
als wär er nie gewest / des baches sein krystall /
dass keines künstlers witz kann halten sein gewall /
da er sich für der hitz der Sonne willigst bieget.
                                      10.
So ist es / wan der mensch einmal danider liget:
die macht des todes ihn besieget /
dass er nit selbst weiss aufzustehn.
Die erde hålt ihn fåst mit ihren mutter-hånden:
er kann in ihrem schoss die lange ruh begehn.
eh wird der himmels-bau / gleich einem rauch / verwehn /
eh er erwachen solt / und seinen schlaff vollenden.
                                      11.
Doch / dass es so bewandt / macht mir mein leid nicht grösser.
wie kont' es mir ergehen båsser /
als wann ich in dem grabe blieb?
Dass mich die grube tief verburge und verdeckte /
dis dass sich / o mein Gott! legt deines zornes hieb /
und du mir stellst ein ziel / daran ich deine lieb
ersehen kont' und dann mich deine hand erweckte.
                                      12.
Doch / was begehr ich wohl? kann auch ein todter leben?
hab ich den ausspruch nicht gegeben /
kein wiederkehr sei nach dem tod!
Ach herr! verzeihe mir / was ich so toricht sage.
Lass sein mein harren fåst / in meinem streit / mein Gott!
dass ich voll hoffnung bleib / in meiner leidens-noht /
ich werde sein erweckt / an jenem grossen tage.
                                      13.
An solchem wundertag / wirst du mich / Herr! erwecken /
wan deine stimm voll trost und schrecken /
die todten vor gericht berufft.
dann lass / o heiland! mich getrost dir antwort geben /
wann nun der faule staub aus seiner finstren gruft
wird herrlich und verklårt erscheinen in der luft /
als deiner hånde werk: so werd vor dir ich leben.
                                      14.
Wahr ist es: wann ich denk / dass du all meine gänge
schon hast gezehlt in ihrer månge /
so furcht ich deinen richter-grimm.
doch bist du nicht allein gerecht / du hast auch gute.
die fehler der natur nicht all zu streng aufnimm /
hab ja nicht acht auf sie. Lass deine vatter-stimm
mich horen / die erquick mein ånstiges gemute.
                                      15.
Diss ist mein starker trost. Dann / ob du gleich die sünden
nie låst aus deinen augen schwinden /
und sie fåst in ein bundelein
versiegelt und gefasst: macht doch der busse quelle
mich hoffen / dass du hier verlångest meine pein /
damit die sunde dort mog ausgeleschet sein
aus deinem lebensbuch. Des trost sich meine seele.
                                      16.
Bedenk ich auch / o Gott! wie du so schwere werke
verrichtest durch geringe stårke /
so komt mich ein verwundren an.
Zerfållet doch ein berg / und muss vom wind vergehn.
ein felse wird verruckt, das weiche wasser kann
durchboren harte stein' / und selbst die klippen-bahn
ein schwaches tropflein muss wegflossen und verdrehen.
                                      17.
Wie sollte dann der mensch nicht leicht sein zu besiegen /
wan du wilt / dass er soll erligen?
diss fordert solche stårke nicht.
er ist kein berg / kein fels: er ist nur staub und erden.
wilst du / dass er verderb / alsdan sein hoffnung bricht
die sich verliert zugleich mit seinem lebens-licht.
ein wort / o starker Gott! ist gnug / fur sein entwerden.
                                      18.
Wilst du dann auch / dass er noch soll auf erden wallen /
eh du nach deinem wolgefallen
ihn stossest um: so wird er doch
in seinem wesen ståts veråndert und vernichtet
indem des todes bild / mit seiner jahre joch /
ihm tåglich stehet vor. So stirbt er / eh er noch /
hinfåret in sein grab: das endlich alles schlichtet.
                                      19.
Und wann er da zulezt sein zelt hat aufgeschlagen /
wird er nach keiner freude fragen /
die sich ihm machte offenbar.
er kennet nichtes mehr / was er hat hinterlassen.
ob ehre oder schand trifft seiner kinder schar /
diss ihme gilt gleich viel: er wird es nicht gewar.
so / wie man sein vergist / vergist er gleicher massen.
                                      20.
Viel seeliger dann ist / der in der erde rachen
ihm kann so stille tage machen /
als der / so noch sein fleisch antrågt.
Was schmerz und ungemach muss er nit ståts entfinden?
mit schrecken / noht und qual / ist ståts sein fleisch belegt.
die seele tråget leid / die er im kerker hegt;
sie winselt ohne mas / und harrt auf ihr entbinden.
    Dieses lied wurde / von wenigen in dieser fürnemen gesellschaft / ohne
tränen mit gesungen / sonderlich aber hatte es die betrübte Indaride und die
Ahalibama sehr beweget / die an ihre todten gedachten / und es schmerzlich
entfunden / dass die vergessenheit im tode den Amraphel und Elieser hintern sollte
/ ferner an sie zu gedenken / oder ihrer zu achten: wie sie dann auch / die
ganze opferzeit hindurch / im weinen verharreten. Weil die hirten håufig waren
hinzu gedrungen / diese opferung / als die ihnen frömd und ungewonet war / mit
anzusehen / als ware der unter des Jared namen und kleidung verstellte Tuscus
Sicanus auch nicht dahinten geblieben / sondern mit seinem wirte / dem Demas /
dahin gegangen: um eine gelegenheit abzulauren / da er sein vorhaben werkstellig
machen / und sich seiner Ahalibama offenbaren könnte. Er sah die über ihre
wangen herab fliessende tränen nicht für solche an / die ihme gälten / sondern
urteilte vielmehr / dass sie die für ihren abwesenden Esau vergösse. Inzwischen er
also seinen kummer mit verdrieslichen gedanken nehrte / und die opferungen zum
ende kamen / trachtete auch Demas darnach / wie er dem König der Aborigener
seine zusage halten möchte. Wie er nun sah / dass die konigliche gesellschaft
sich verteilte / und die Königin Aramena von Mesopotamien / mit der Ahalibama /
einen besondern spazirweg erkiesete / zeigte er ihm solches an: der dann sofort /
hinter den båumen / dem orte zuschliche da diese beide sich beieinander
befanden.
    Er verbarge sich / üm nicht eher / als wan es zeit sein würde / sich sehen
zu lassen / und zwar in eine kleine stroherne schåfer-hütte: da / durch
sonderbare fügnis / die Aramena und Ahalibama sich hart daran nieder liessen /
und vermeinend / dass sie allein wären /in ein vertrauliches gespräche sich
einliessen / wovon Tuscus Sicanus alles vernemen konnte. Wann ich (finge die
schone Konigin von Mesopotamien an zu reden) des Tuscus Sicanus oder meines
Cimbers sinn und gemute recht bei mir uberlege / so befinde ich /dass er ein
båsserer freund als liebhaber sei / und dass es ihm iezt eben also mit dem Konig
von Basan / als zuvor mit meinem bruder / wie der noch Abimelech hiesse / ergehe.
Ich kann nicht umhin / (antwortete Ahalibama) / diesen Konig zu vertåtigen / ob
ich gleich alles das auch also befinde / was E. Maj. von ihm gedenken / und sage
/ wie ich nicht vermeine / dass Cimber gegen einem ungeliebten liebhaber sich
also bezeigen werde / wie er ehmals gegen einen geliebten getan hat. Wie kann
man es aber anders ausdeuten /(erwiderte die Königin) da Tuscus Sicanus und
Marsius auf dem Riphatischen gebirge ihrer sachen sobald eins geworden / und nun
dieser erste verziehet hieher zu kommen / da wir doch die nachricht von ihm
haben / dass er schon lang in Basan gewesen? Kan man daraus / und aus der unruhe
des Konigs /meines bruders / wohl etwas anders schliessen / als dass Cimber meiner
nicht achte / dass er dem Mitreus eine andere antwort gegeben / als er zurücke
gebracht /und dass er / mit einem wort zu sagen / mich seinem freund und
verwandten / dem Konig von Basan /überlassen habe? Ach Ahalibama! wann ich
dieses mir furstelle / so gestehe ich gerne / dass mir alle gedult vergehet / und
dass ich mein selbst nicht meisterin bin / dieses / wie alles mein voriges leiden
/ zu uberwinden. Soll dann also ein sterblicher von mir sich berumen können / dass
ich ihme angetragen worden /und er mich verachtet / ja einem andern uberlassen
habe?
    Ich bin versichert / (fiele Ahalibama der Konigin in das wort) dass E. Maj.
ihrem getreuen Cimber hierinn unschuldig verdenken. Sie erwägen doch bei sich
/und stellen ihr diesen liebhaber fur / wie grosse proben einer ungemeinen liebe
er E. Maj. erwiesen / da er sie nicht allein von den louen errettet / sondern
auch nachmalszu verschiedenen malen sein leben fur sie gewaget. E. Maj. bedenken
doch die viele reimen / die er auf seine liebe gedichtet / so alle E. Maj. sind
fur augen gekommen. Sie wiederholen nur das lezte klinggedicht / so ihr der
Abdastartus von ihm gebracht / als er in der einbildung lebte / dass er bei
seiner Konigin in ungnaden wåre: wie beweglich stellte er doch darin seine
liebe für! und haben nicht / die zween lezte reimen / also gelautet;
Dass ihr getodt / der euch so oft das leben gab;
Dass wahre treue lieb / mit Cimbern / ligt im grab.
Ist wohl / auf solch bekentnis / an des Cimbers treue zu zweiflen? und tun E.
Maj. ihm nicht unrecht / indem sie von ihm solche gedanken füren? Solte ja
einige andere ursach seines so langen ausenbleibens / als die ihm vieleicht der
staat an die hand gibet / vorhanden sein / so ist es wohl diese / dass diesem
ehrerbietigen liebhaber die einbildung noch nicht vollig vergangen ist / die er
von E. Maj. ungnade gefasset: und mag er /die abschickung des Mitreus / wohl eher
für eine probe von der alten freundschaft des Konigs von Syrien / als fur ein
zeichen von E. Maj. gnade / angesehen und gehalten haben.
    Ach Ahalibama! (gabe die Konigin zur antwort) ihr urteilt hiervon / wie ihr
es mir gerne gonnet / ob ihr gleich in eurem herzen mit mir einig seit. Tuscus
Sicanus hat wohl eher in so håftiger liebe / als er nachgehends mir erwiesen /
gelebet: und ist das ein grosser anzeig / da er der schönen Hercinde zu vergessen
fähig gewesen / ob er gleich um deren willen die schöne Roma zu ehlichen sich
geweigert / dass er noch einmal solcher vergessenheit fähig sein könne. Man will
aber furgeben / (sagte Ahalibama) Cimber sei nicht der Tuscus Sicanus / der die
frömde heurat mit der Roma getroffen / sondern ein anderer / massen jener ganz
gewiss soll gestorben sein. Wan nun dem also wäre / so fiele ja diese
beschüldigung von sich selbst / und Tuscus Sicanus würde unschuldig erfunden.
Wan dem schon also wåre / liebste Ahalibama! (versezte die Konigin) so ist doch
darum mein anligen nicht geringer: dann wan Cimber unschuldig ist / so wird mein
bruder desto schuldiger. Allhier verwehrten / die viele seufzer / der Königin
das fernere reden /und sagte Ahalibama: Ich verstehe wohl / was E. Maj. hiermit
meinen / und weiss ich zu des Königs von Syrien entschüldigung nichtes
einzuwenden / sondern muss bekennen / dass ich glaube / es sei Abimelech wieder
aufgewachet.
    Zum grossen ungluck für mich! (antwortete die Konigin) und wollte ich mir
dieses gern selber aus dem sinn reden / wan es müglich wåre: Ich bekomme aber
leider! täglich mehr proben / die mich dieses glauben machen. Bin ich nun nicht
unglücklich / Ahalibama! da ich ursach sein muss / dass ein so gottsforchtiger
Konig sich versundige / und auf so irrige gedanken gerahte? Er årgert damit
nicht allein sich selbst / und seine liebste gemalin / sondern auch mich / indem
er mich an meine vorige liebe gedenken machet / die mir / wie ihr wisset / so
angenem gewesen. Entdecket dann auch der König (fragte Ahalibama) E. Maj. sein
anligen? So weit ist es noch nicht gekommen / (antwortete die Königin) und hüte
ich mich äuserst / ihm hierzu keine zeit zu geben. Ich muss aber diesen liebsten
bruder in stätiger betrubnis sehen /und schauet er mich nie sonder seufzen an /
bringt auch ofters solche reden auf die bahn / die den Cimber / seinen alten
herzensfreund / mir veråchtlich machen / den ich doch auf seinen befehl liebe.
Ich muss auch /was ich hiervon merke / nicht nur gegen ihm / sondern auch gegen
meiner liebsten Cölidiane verbergen / und dieser aus den sinn reden / was ich
doch selber mehr als zuviel glaube. Ich besorge und bedenke auch hierbei die
häftigste wirkungen / die eine so ungerechte liebe nach sich ziehen kann: massen
es nicht anders scheinet / als wolle der Konig die Aborigener bekriegen / und
also / an statt der schwester / dem jenigen eine undankbare feindschaft an den
hals werfen / den er bisher / wie sich selbst / geliebt. Ach verfluchte liebe!
was elend richtest du doch an / in diesem leben / wan du dich aus dem geleite
der tugend verlierest? und wer hätte doch wohl vorsagen sollen / dass der
unvergleichliche Aramenes also würde fallen konnen /der bisher / als ein
tugendspiegel und beispiel / allen regenten und helden fürgeleuchtet? Wie
herzlich wunsche ich doch den tod / der alles ungluck / so noch zu erwarten
stehet / abwenden konnte! und lieffe es nicht wider meinen glauben / ich wollte
gern / für die wolfart meines vatterlandes / fur die ruhe meiner liebsten
Cölidiane / und fur die ehre eines so werten bruders / mich selber aufopfern.
    Weil sie beide hierauf etwas innhielten / also dass der verborgene Tuscus
Sicanus ferner nichtes / als ihre seufzer / vernemen kunte / überlegte er / mit
grosser verwunderung / was er gehöret / und erriete aus allen umstånden / dass
manche irrung fürlaufen / und er derjenige Tuscus Sicanus nicht sein müste / dann
die schöne Konigin von Mesopotamien liebte. Aber seine sonderbare bewegung / die
er / wegen so naher anwesenheit seiner Ahalibama / in sich fulete / liesse ihm
nicht zu / diesem verwirrten handel genauer nach zu sinnen: und war er nur
bedacht / wie er es anschlagen sollte / der Ahalibama sich zu zeigen / die er
/nach solchem stillschweigen / wieder zu reden anfahen hörte. Ach! wollte Gott!
(sagte sie) dass ich den wunsch / den iezt E. Maj. getan / auch an mir erfullt
sehen könnte! wie viel lieber wollte ich doch / im grabe / meinem liebsten Elieser
gesellschaft leisten / als iezt auf der welt den namen füren / dass ich dieses
Prinzen ungemeiner treu und liebe also vergessen können. Liebet ihr dann (fragte
die Konigin) euren Elieser annoch so sehr / dass euch gereuen muss / dem grossen
Edom die ehliche hand gegeben zu haben? Was ich /den Esau betreffend / getan
habe / (antwortete Ahalibama) dessen muss mich / in betracht der dienste / die
ich den meinigen dadurch geleistet / niemals gereuen. Dass ich aber deshalben
aufhören sollte / den Elieser zu lieben / das kann ich mir nimmermehr gebieten
/und werde ich wohl an diesen edlen Fursten gedenken /solang ich lebe. Er hat
mich nun / zu verschiedenen malen / im traume mit seiner liebsten gegenwart
erfreuet / da ich ihn fur mir gesehen / als wan er warhaftig lebte: welche kurze
freude aber nur mein trauren wieder erfrischet / wan ich aus so sussem schlaff
erwachet.
    Es fehlte nicht viel / Tuscus Sicanus wäre / dieses horend / so fort herfur
gesprungen / und håtte sich seiner Ahalibama / als ihr Elieser / zu füssen
geworfen. Er wurde aber hiervon zuruck gehalten / wie er die Königin also reden
hörte. Es wurde nunmehr / liebste Ahalibama! (sagte sie) nicht gut fur eure ruhe
sein /wan Elieser von den todten wieder kåme: dann / da ihr nun alle eure liebe
dem Esau zuwenden müsst / würdet ihr sonder qual dem Elieser nicht sagen konnen
/dass ihr fur ihn nichtes mehr übrig habet. Ahalibama antwortete nichts hierauf:
doch vername ihr Elieser so viel / dass ihre häufige tränen das bejaheten / was
die Konigin vorgebracht hatte. Diesem nach ånderte er alsofort seinen schluss /
sich ihr zu zeigen / und / ihre ruhe dieser seinen kurzen vergnügung furziehend
/wollte er lieber damit zu frieden sein / dass er sich noch von ihr geliebt wusste
/ als sie damit beunruhigen / wan er ihr eröffnete / dass er noch lebte. Demnach
schliche er / wiewol nicht ohne grossen gedanken-streit / heimlich von dannen /
weil er ihrem gespräche nicht länger zuhören wollte. Als er den Demas wieder
angetroffen / welcher von weiten aufgelauret hatte /wie dieses ablaufen wurde /
ginge er mit demselben nach haus / und erzehlte ihm unterwegs / was er gehöret
und wie er sein vorhaden geåndert hätte.
    Demas kunte nicht anders tun / als dieses beginnen des Tuscus Sicanus
rümen: deme nachgehendes der getreue Midaspes auch beifiele. Es beschlosse aber
dieser unglückseelige liebhaber / sofort nach dem Taurischen gebirge zu dem
König von Basan zu reisen / und nicht allein diesem seine vermutung zu entdecken
/ dass er ihn fur den von der Königin Aramena geliebten Cimber hielte / sondern
auch der warnung sich zu bedienen / dass Syrien ihm und seinen Aborigenern einen
krieg drohete / um in guter verfassung sich finden zu lassen. Demas berichtete
inzwischen den Midaspes / was er bei den andren hirten vom riesengeschlechte /
sonderlich bei dem richter Reba /ausgerichtet: welches dann da hinaus liefe / dass
sie alle bereit wären / die auf dem Taurischen gebirge geschlossene bundnis zu
befordern; zu dem ende der Reba selber eine reise dahin tun wollte / üm von
allem rechte abrede zu nemen. Der Javan und Elisa /stellten sich folgends bei
dem Tuscus Sicanus auch wieder ein: welche / als sie seinen abreis-entschluss
/neben dem bericht / was er diesen morgen gesehen und gehöret hatte / höchst
erfreut vernommen / so fort auch schlussig wurden / Mesopotamien zu verlassen
/und mit ihm zu ihrem Konig wieder zu kehren; und vergassen sie darüber fast
ihres eignen leides / als sie nun des grossen Marsius gluckseeligkeit hoffen
kunten.
    Der Demas / so diese beide verkleidete Prinzen zuvor nicht gekennt hatte /
entsezte sich nicht wenig /sie hiervon reden zu hören: massen sie nun vor ihm
keine heimlichkeit mehr davon machten / wer sie wären. Nachdem sie ihre sachen
in Amida zu richtigkeit gebracht / und / nach einer abwesenheit von etlichen
stunden / bei dem Demas sich wieder eingefunden / stellten sie diesem verweser
ein ansehnliches stuck geldes zu / solches / nach ihrem abreisen / der Almesia
einzuliefern / üm dadurch ihr den schaden zu ersetzen / der ihr verursachet
wurde / indem also /auser der gewönlichen zeit / diese ihre beide hirtenknechte
aus ihrem dienst getreten waren. Gegen den nachmittag / ginge nun nach dem
Taurischen gebirge die reise fur sich / und wusste / auser ihm selber / niemand
in des Demas hause / was sie / unter des Jared namen / fur einen fürnemen gast
bewirtet hatten. Er gabe ihnen bis jenseit Samosata das geleite / und wie er sie
dem himmel befohlen und nun wieder auf dem rukwege war / sah er / vor der
gartentür zu Samosata / etliche wagen halten: da es dann schiene / als wan die /
so darbei waren / sich mit dem torhuter zweieten. Im nåher-kommen erkannte er /
dass es die vier frauen der richtere von Amida waren / welche in den garten
begehrten eingelassen zu sein / um dem spiele mit zuzusehen / das durch den
Konig von Syrien und seine konigliche gesellschaft alda sollte gehalten werden.
Weil der pfortner befehl hatte / niemand einzulassen /als hatte er diesen den
eingang verwehret: dass dann diese stolze frauen so unwillig machte / das sie sich
nicht entsahn / allerhand ungedultige worte den Konigen hinein sagen zu lassen.
Der vernünftige Demas begütigte sie / so gut er kunte / und sprache ihnen zu /
von dannen ümzukehren / ehe sie weiter möchten beschimpfet werden: das sie dann
endlich täten / wiewol mit murren und grossen drohworten.
    Die konigliche gesellschaft war mitlerweile im garten beisammen / und weil
der Husan die anordnung bei diesem spiel ubernommen / als hatte er die zusehende
an das ufer des Flusses Euphrates gefüret / der daselbst am garten herflosse / und
eine kleine insel machte / die rund umher mit hohen klippen und felsen umfangen
/ der strom aber / zwischen dieser insel und dem ufer / nicht zehen schuhe breit
ware. Alda stunde nun der schauplatz / auf welchem sie spielen wollten: denen die
andere disseits gemåchlich zu sehen / und /wie wohl das wasser zwjschen ihnen /
alles eigentlich vernemen kunten. Wie nun die zuschauere sich nieder gelassen /
erschallte aus den felsen und klippen der insel eine musik von flöten / so die
ungestumigkeit der see fürbilden sollte / und kame indem ein kleiner mohr durch
das wasser geschwommen: welcher / auf einem zedel / den inhalt und die namen des
spieles und der spielenden / der Königin von Mesopotamien uberreichte / welche
denselben dem Fursten Barzes /ihrem hofmeister / gabe / der ihn folgendes lauts
der ganzen gesellschaft furlase.
                          Der tugend und laster lohn.
Aramenes / liebhaber der Cölidiane.
Cölidiane / liebste des Aramenes.
Dison / liebhaber der Mehetabeel.
Mehetabeel / liebste des Disons / schwester des Aramenes.
Indaride / schwester des Aramenes.
Adonisedech / liebt die Cölidiane.
Jaelinde / verliebt in den Aramenes.
Delbora / mume des Aramenes.
Eridanus / liebhaber der Delbora.
Mitreus / vatter der Cölidiane / bruder der Delbora.
Husan / vatter des Aramenes.
Tarsis / bedienter der Jaelinde.
Balaat / bedienter des Adonisedech.
Hezrai / bedienter der Jaelinde.
Tare / ein wilder mann der auf der Insul wohnet.
 
 Die geschicht begibt sich / auf einer abgelegnen wussten insel im meer / unfern
                                  von Cypern.
Dieses ist fromd genug ersonnen / (sagte die Konigin von Mesopotamien) indem sie
ihre eigene namen behalten / und mit denen die rechten verbergen wollen /die sie
vorzustellen gedenken: wird also das errahten zwar schwer fallen / iedoch sehr
angenem sein / sonderlich / da es uns so einen guten inhalt verspricht /den die
überschrift im munde füret. Die Konigin Eurilinde von Salem / wollte dieses mit
ihrer antwort bekräftigen / als die erscheinung etliche von den spielenden
personen sie davon abhielte / die sich auf der insel sehen liessen / und also dem
spiele den anfang gaben.
                                Delbora. Dison.
DELBORA.
    Ach du ungetreues meer! ihr so wild' als falsche wellen!
    warum tut ihr nun gemach? warum legt sich nun das schwellen?
    warüm gehn / in solcher stille / eure silber-fluten her?
    darum / weil ihr obgesieget / und an uns nichts findet mehr /
    das da euren grimm verdien. Unsre freunde sind verschlungen.
    wir / die wir noch ubrig sind / werden so vom gluck bezwungen /
    dass uns bässer wär / gestorben / als in solchem leben sein.
    hätte doch die abgrund-tieffe uns verdecket / fur der pein /
    die uns nun die erd antut! Ach! Cölidianen tränen /
    Aramenes ungemach / ihrer liebe klåglichs sehnen /
    treibet uber meine wangen bitter-heisse zåren ab:
    weil ich fur sie keine hulfe / und nur tränen / ubrig hab.
DISON.
    Dieses ist auch meine klag / dass mir alle macht benomen /
    meinen freunden dienst zu tun. Wozu ist es mit uns kommen?
    hat der himel sich verschworen / zu befördern unsre noht?
    weil ja gegen uns zusammen erd und wasser sich gerott.
    Muss dann dieser wusste raum / der von aller welt entlegen /
    eben unsre årgste feind hier in seinen klippen hegen /
    dahin uns das ungluck triebe? klar gibt dieses zu verstehn:
    dass man doch nit / was man tue / dem verhångnus konn' entgehn.
DELBORA.
    Hat Cölidiane nicht fur Adonisedechs wuten /
    und fur seiner hinterlist / wissen sonst sich wohl zu huten?
DISON.
    Jaelinden gleicher massen Aramenes sonst entrann:
    und alhier nun mussen beide ihre quåler treffen an.
DELBORA.
    Da die wellen rund umher alles fliehen uns verwehren.
DISON.
    unser feind / mit aller macht / was ihm lustet / kann begehre.
DELBORA.
    Sih darein / gerechter himmel! und diss keusche liebespaar
    aus so harten kummer rette, deine kraft mach offenbar!
                             Tare. Delbora. Dison.
THARE.
    Tåglich find' ich / liebste gäst' / eure wangen voller tränen.
    saget mir / was euch gebricht? wohin geht dieses sehnen?
    habt ihr etwan liebe freunde in den wellen hier gemisst?
    oder heget diese insel / was euch so entgegen ist.
DELBORA.
    Beides quålt uns / was ihr sagt. Ach! wie wir nicht anders wissen /
    hat verschlungen dieses meer / freunde / die wir bei uns missen /
    uns dagegen unsren feinden in die hånde uberbracht.
    dieses fordert unsre tränen. diss ist / was uns traurig macht.
THARE.
    Die / so ihr als todt beweint / konnen sein / wie ihr / entronnen.
    aber / wer ist hier bei uns / euer feind zu sein / gesonnen.
DISON.
    Alle / die hier üm uns schweben / auser euch / die sind bereit /
    unser elend zu vermehren / und zu nehren unser leid.
THARE.
    Die das gluck an diesen ort / gleich als euch / hat angetrieben /
    sind ja / wie man mich bericht / ganz geneiget / euch zu liebe.
DELBORA.
    Eben diss macht unser quälen; dieses lieben uns mishagt.
THARE.
    Ists auch recht / wan man sein glucke kann ernehren / dass man klagt?
    der Adonisedech schwebt in so hohem ehrenstande /
    dass ihn jederman verehrt dort an Lemnos seinem strande.
    Jaelinde gleicher massen mit so hoher schönheit prangt /
    dass ja wird in allen landen ihre gegenhuld verlangt.
    ihre macht ist gross dabei; was sie wollen / sie vermügen.
    hutet euch fur ihrem hass / die ihr kont mit lieb besiegen.
DELBORA.
    Eure sorgfalt / die ihr zeigt / machet eure gunst bekandt:
    drum wir billig euch eröffnen / wie es ist mit uns bewandt.
    Als Cölidiane war (also heisset unsre schone)
    noch in ihrer eltern haus auf der insel Stalimene /
    wurde sie von diesem ritter / den ihr iezt so hoch erhebt /
    mit vergebner lieb gesuchet / weil ihr der stäts widerstrebt.
    dann der Aramenes war / långst vor ihm / in ihren hulden.
    das dann dieser frevelsinn nicht vermochte zu erdulden /
    darum braucht' er seiner måchte / furte meine bas davon.
    Aramenes sie erloste: dem sie sich dann gab zu lohn
    fur so einen werten dienst. Dieser zweie keusches lieben /
    bracht' in Delos ebenfalls Jaelinden ein betruben /
    weil sie Aramenes hasste / gegen dem sie war entbrant;
    mit ganz ungemeiner liebe / deme sie ihr vatterland
    mit verraht zuschanzen wolt. doch entrann aus ihren stricken
    Aramenes / und beschloss / (ach hått' es nur wolle glucken!)
    mit uns allen fortzugehen / uber meer / nach Cypern zu.
    Aber dieses meergewute brachte uns aus aller ruh.
    Unser schiff an eine klipp ward geworfen / da wir kamen
    voller todes angst hieher / zu euch unsre zuflucht namen.
    Da wir kaum dem wilden wuten des erbosten meers entgehn /
    lassen sich in dieser insel unsre widersacher sehn:
    die uns beiderseits verfolgt; und / durch sturmhier angetrieben /
    nun erreicht was sie verlangt. Hier sie halten ihre lieben
    nun in ihrer macht und banden / und gedenken durch gewalt
    sie zu ihrer lieb zu reitzen. Schauet / diss ist die gestalt
    unsers lebens / unsers stands! sind wir dann nicht zu beklagen?
THARE.
    Nun es so mit euch bewandt / weiss ich nichts dazu zu sagen.
                      Adonisedech. Delbora. Dison. Tare.
ADONISEDECH.
    Hieher hab ich nun beschieden / meine schone / die mich quålt /
    die / fur ruh und freuden-tage / selbst diss ungemach erwehlt!
    Sagt / Delbora! soll noch lang eurer freundin hårte dauern?
    felsen zu erweichen sind / ja die zeit bricht dicke mauren:
    aber von Cölidianen låst sich solches sagen nicht /
    die ist härter als ein demant / den kein stal noch eisen bricht!
DELBORA.
    Wahre tugend hat alståts ihren lebenslauf bezieret /
    sie keñt keine änderung. Nie wird grosmut abgefuret
    von dem wohl erwehlten wege. Ihre treu ist felsen-fåst /
    die durch euer barbar-wesen niemals sich bewegen läst.
ADONISEDECH.
    Dass ich sie bewachen lass / dass ich acht hab auf ihr leben /
    dafur wird mir nun der nam eins barbarn zugegeben.
    Solt ich Jaelinde wuten nicht verhuten / wie ich kann?
    diese ihren tod begehret: und hierum nem' ich mich an.
DISON.
    Wan ihr wollet euren dienst dieser schonen lassen sehen /
    so vergonnet / dass wir gleich ab von dieser insel gehen.
    eure macht und manschaft gleichet / Jaelinden ihre heer:
    wollet ihr / wir dorfen furchten ihre tolle wut nicht mehr.
ADONISEDECH.
    Wan ich wollte / wie ihr wolt / wurde ich mein gluck verachten /
    das mir in die hand gespielt / wornach mein so sehnlichs trachten
    viele jahre ist gewesen. Ich hab nun in meiner macht /
    die der himmel mir erkoren / die das gluck mir zugebracht.
    warüm wolt ihr diesen ort / fliehen / da euch ruh bestimet?
    Wan nur Aramenes will / alles leid ein ende nimmet.
    wehlet er die Jaelinde / die so viel bei ihm getan /
    und beredt Cölidiane / dass mich die mag nemen an /
    so wird ruhe uberall hier in diesen inseln wohnen /
    und die liebe / nach gebur / unsrer treuen liebe lohnen.
DISON.
    Wer den Aramenes kennet / der hab ja die hoffnung nicht /
    dass er werd um Jaelinden brechen seiner treue pflicht.
DELBORA.
    Und Cölidiane wird / eh den tod / als euch / erkiesen:
    der ihr / da ihr sie geliebt / ihr so schlechte ehr erwiesen.
ADONISEDECH.
    Ihr dient nicht / ihr recht zu rahten / und erkennt nicht meine macht.
DISON.
    Ich sprech / als es heischt die tugend: laster-weg ist mir veracht.
ADONISEDECH.
    Gehet fort / ihr tugendleut! meine schone hier erscheinet.
    ich bin / eure gegenwart hier zu dulten / nicht gemeinet.
                      Delbora / Dison und Tare gehen ab.
             Cölidiane kommt / von dem Balaat und Tarsis gefuret.
                            Adonisedech zum Balaat.
ADONISEDECH.
    Sage / wie es dir ergangen? trauet Jaelinde mir /
    dass sie låst aus ihren banden / meine schone / meine zier?
BALAAT.
    Tarsis ist mit hergesandt / sie nun wieder abzufuren /
    wann geendt ist eur gespråch.
THARSIS.
     Wie sie sagt / so will sie spüren
    hierdurch / ob sie euren worten kunftig glauben geben kann.
    sie erwartt von eurem willen eben das / was sie getan.
ADONISEDECH.
    Was mocht' ihr verlangen sein?
THARSIS.
     dass sie Aramenes spreche.
ADONISEDECH.
    Dieses ist wohl ausgedacht / dass sie gleich mit gleichem råche.
                                 Zu Cölidianen.
    Dörft' ich doch / o schonste! hoffe / dass ich eure gegenwart /
    die mir iezt der himel gonnet / nicht genoss auf solche art /
    die euch widerwille bringt; dass ihr woltet euch bequemen /
    gegen euren treusten knecht eure gute anzunemen /
    die sonst all eur tun begleitet / auser wan ich bei euch bin /
    da mein ungluck muss verhårte euren sonst so weichen siñ:
    so wolt ich euch stellen fur / dass von herzen ich beklage
    dass in Jaelinden hand sind gerahten eure tage.
    diese / die sich sehr beschweret / wie ihr einig habt die schuld /
    dass der / den sie håftig liebt / ihr versaget seine huld /
    låsst nun alle ihre wut uber euch / o schonste! schiessen;
    ja sie drohet / dass ihr solt euer leben bald beschliessen /
    wan dass ihr nicht bald verlasset diesen / den sie ihr erkiest.
    Weil dann nun / aus diesen dingen / all mein weh und wohl herfliest /
    und ich Jaelinden kann in die länge nicht so zwingen /
    da hier unsre stårke gleich: furcht' ich endlich ihr volbringe.
    Långert doch / Cölidiane! euren schonen lebens-lauf.
    dieses kont ihr leichtlich schaffen: nemet mich zum diener auf.
CÖLIDIANE.
    War es diss / was ihr gewolt? habt ihr mir sonst nichts zu sagen?
ADONISEDECH.
    Es geschiht aus treuer lieb / was ich euch iezt furgetragen.
CÖLIDIANE.
    Eure sorgfalt ist zu preisen / die nur eigennutz erregt.
ADONISEDECH.
    Billig wird mein hochst-vergnugen eurem lebe beigelegt.
CÖLIDIANE.
    Solt mein leben sein fur euch / wehl' ich tausendmal das sterben.
ADONISEDECH.
    Eber sterb ich tausendmal / eh ich zulass eur verderben.
CÖLIDIANE.
    Sterbet / wan es euch beliebet: nur last mir den wille frei.
ADONISEDECH.
    Wolt ihr leben / müst ihr gonnen / dass nur ich der eure sei.
CÖLIDIANE.
    Nimermehr bringt ihr zu weg / dass ich meine treu verletze /
    die ich / wegen todes-furcht / von der tugend nie aussetze.
    kann ich nicht fur Aramenes leben / ei so sterb' ich sein:
    sollten alle ungluckswinde darum zu mir sturmen ein.
    Alles leid / so ich erdult um des Aramenes willen /
    halt ich fur kein ungemach; es kann meine wunsch erfullen.
    ja die hande / die mich fåsseln / sind die zeichen meiner lieb:
    die den sieg mir mussen lassen / dass ich nie gewonnen gib.
ADONISEDECH.
    Wisset ihr / was ihr begint? ihr den Aramenes todtet /
    kein heil fur ihn ubrig ist. Und es wird mir abgenotet /
    dass ich hier muss frei gesteher wan dass ihr mich nemet an /
    dieses nur / allein diss mittel / ihn vom tod erretten kann.
CÖLIDIANE.
    Ach tyrañ! wie droht man mir! diss wird Jaelinde wehre.
ADONISEDECH.
    Jaelinde ist zu schwach / meine rache abzukehren.
CÖLIDIANE.
    Allerwertster Aramenes! ach! so droht man dir den tod!
ADONISEDECH.
    Es soll nicht beim dreuen bleiben: gleich ergehet diss gebot.
    Balaat! dass man so fort ...
CÖLIDIANE.
     haltet ein / lasst eur gewute
    uber mich allein ergehn.
ADONISEDECH.
     Bei euch steht / was mich begute.
CÖLIDIANE.
    Was begehrt ihr / fur sein leben?
ADONISEDECH.
     dass ihr meine lieb erkennt.
CÖLIDIANE.
    Dass ich Aramenes lasse?
ADONISEDECH.
     dass ihr mich den euren nennt.
CÖLIDIANE.
    Ach mehr als zu bittre wahl! gonnet mir / dass ich ihn spreche.
ADONISEDECH.
    Schaut / was eur befehl vermag! selbst ich mein vergnugen schwåche.
    es sei / schönste! euch erlaubet. Aber brauchet diese zeit /
    als die lezte / die euch ubrig / dass er werd vom tod befreit.
    Balaat! verschaffe gleich / dass sich Aramenes finde /
    hier an diesem ort und platz / wan er komt von Jaelinde.
    schonste! hier ihr konnet warten / uberlegt wohl euer tun.
    Tarsis! was ich hier beginne / driñ wird unser heil beruhn.
    Hiemit ginge Adonisedech hinweg / und wurde Cölidiane von dem Tarsis / auf
die andere seite in die felsen abgefüret / und darauf die vorige musik mit
flöten gar beweglich wiederholet. Alle zuschauere spareten ihr urteil hierüber /
bis sie ein mehrers von dieser geschicht würden vernommen haben. Sie gaben
demnach / mit grosser begierde / ferner acht auf den erfolg / da der König
Aramenes von Syrien / mit ketten gebunden / von dem Balaat herfür gefuret wurde
/ und zugleich die Konigin Cölidiane auf der andern seite neben dem Tarsis sich
sehen liesse.
                     Aramenes. Cölidiane. Balaat. Tarsis.
CÖLIDIANE.
    Aramenes! seh' ich euch meint  wegen nun in ketten?
    eure hånde / die gewohnt / mich so ofters zu erretten /
    werden die mit spott beleget; Unerhorte tyger-wut!
    Ach! wie komt es / dass ihr toben nicht auf mich nur seine brut
    sendet / die ich auch allein unsre feinde so betrübe?
    Ach! wie ist es muglich doch / dass euch Jaelinde liebe /
    da sie dieses låst geschehen? warum wird doch ihre macht /
    die ihr hier der himmel gonnet / båsser nicht zu stand gebracht?
ARAMENES.
    Solte mir es båsser wohl / als Cölidianen / gehen?
    Allerliebste! muss ich nicht euch in gleichen banden sehen?
    Ach Adonisedech! denke / dass der himmel råchen muss /
    dass du diese unschuld setzest so in leiden und verdrus.
    Liebest du / so liebe recht / und erlose deine schone.
CÖLIDIANE.
    Haltet ein! dass solche klag ferner unsre lieb nicht hone.
    Wie? und nennt ihr mich die seine? bin ich dann die eure nicht?
ARAMENES.
    Jaelinden tolles wuten drohet eurem lebenslicht.
    Ich komm von dem tyger her / konnte noch mit muh verwehren /
    einen augenblick / den schluss / ihren lezten grimm zu kehren
    wider euch / ô meine schone! sie will / dass ihr sterben solt /
    wan ihr nicht Adonisedech eure hand hinreichen wolt.
CÖLIDIANE.
    Sagt vielmehr: wo ihr nicht selbst wollet Jaelinde lieben!
ARAMENES.
    Eines aus dem andren folgt!
CÖLIDIANE.
     Wollet ihr dann diss veruben /
    und mich so vom tod erretten? sagt / erklåret euren sinn!
ARAMENES.
    Da es / schonste! gilt eur leben / ich zu allem willig bin.
CÖLIDIANE.
    Zieht ihr Jaelinde für / dass ihr sie die eure nennet?
ARAMENES.
    Nichtes / als der herbe tod / mich von eurer liebe trennet.
    Aber / dass Adonisedech - -
CÖLIDIANE.
     Haltet ein! ihr todet mich.
ARAMENES.
    Auser diesem / ist kein mittel: der verwehrt den todes-stich /
    den euch Jaelinde droht. Ich erschrick / es aus zu sagen:
    dieser tag ist schon ersehn!
CÖLIDIANE.
     all mein leiden zu verjage.
ARAMENES.
    Kont ihr euren tod verlangen / da euch meine lieb bekant?
CÖLIDIANE.
    Könt' ihr mir zum leben rahten / wan ich eur nicht bin ernant?
ARAMENES.
    Ach! das wår zu viel gesagt / meint  wegen zu verderben.
CÖLIDIANE.
    Euertwegen leb' ich nur: euertwegen will ich sterben.
BALAAT.
    Wisst ihr meines herren willen / warum ihr beisamen seit /
    und wie der / euch zu bedenken / euch gegeben wenig zeit?
CÖLIDIANE.
    Ich erschrick / wan ich bedenk / was mir der tyrañ gesaget.
ARAMENES.
    Ich kann sagen / was es sei / hab ich euch schon nit befraget.
CÖLIDIANE.
    Ihr wisst meine treue liebe / und dass mir die ganze welt /
    sonder meinen Aramenes / nicht behaget noch gefållt.
    Alles / was ich wirken kann / dieses teuren lebens wegen /
    das der welt so edel ist / will ich ja mit fleis anlegen.
    Drum ich gonn' / ob gleich mit schmerzen / dass ihr Jaelinde liebt:
    weil man mir von eurem leben / sonder diss / nicht hoffnung gibt.
    Gute nacht! vergesset mein / und in Cypern glucklich lebet.
    Also man dem himmel-schluss / der diss will / nicht widerstrebet.
    Tarsis! darf ich Jaelinden / auf ein wort nur / sprechen zu?
    es wird / was ich hab zu sagen / måchtig fordern ihre ruh.
ARAMENES.
    Wan ihr so mein leben nehrt / werdet ihr mich tåglich todten.
CÖLIDIANE.
    Warum solt ich leben noch / wan ich must dabei erroten?
    ist der tod nicht viel vergnugter / der die tugend in mir låst?
    kont ihr nicht der meine bleiben / bin ich euer doch gewest.
THARSIS.
    Jaelinde kommet selbst: die kann diesen streit entscheiden.
                     Jaelinde kommet / mit vielen soldaten.
JAELINDE.
    Ich hab eur gespråch gehort. solt ich solchen hon wohl leiden?
    solt ich / da mir gibt der himel volle macht in meine hand /
    meine feindin lassen leben? Einmal ist mein grim entbrañt
    und erheischt von beiden rach: die soll ungeseumt ergehen.
    Undankbarer! deine lieb solst du hier geschlachtet sehen /
    als ein opfer das mich labet. Weil ich dich nicht toden kann /
    will ich / dass du fulest straffe / tasten dir dein liebstes an.
CÖLIDIANE.
    Dieses ist der rechte weg / dein und meine ruh zu schaffen.
ARAMENES.
    Låssest walten du die wut / soll dich meine hand selbst straffe.
    ja ich schwore: du wirst fristen mir das leben / dir zum tod.
    Mich / mich opfre deiner rache: so errettstu dich aus noht.
CÖLIDIANE.
    Wende nicht von mir den grimm: ich bin ursach deines schmerzens /
    und dass Aramenes sich zeigt so verhårten herzens.
    Bin nur ich hinweg geraumet / wird sich keine schwerigkeit /
    mehr bei deiner liebe finde. Mein tod / todten soll dein leid.
ARAMENES.
    Liebstes herz! was reitzet euch / so in euren tod zu rennen?
CÖLIDIANE.
    Dass ich meine treuste lieb euch mog geben zu erkennen.
    ich trag sorg für euer leben.
ARAMENES.
     Mir steht dieses sorgen zu.
    und / dass ich an euch mich råche / so vernemet / was ich tu.
    Jaelinde! sih auf mich: ich will mich dazu bequemen /
    (schone dieser schonen nur) dich zum ehgemal zu nemen.
CÖLIDIANE.
    O verråter! wilst du also lohnen meiner liebes treu?
ARAMENES.
    Was ihr selber iezt begehret / deme fall ich auch mit bei.
JAELINDE.
    Wie ich sih / man spottet mein. nein! ich muss zum handel schreiten.
    Hier! greift meine feindin an. was ihr tun wolt / tut bei zeiten.
 Adonisedech kommet mit einer schar soldaten gelaufen: zucket das schwerd uber
                                 den Aramenes.
ADONISEDECH.
    Haltet ein / O Jaelinde! oder Aramenes muss
    also fort sein leben lassen.
JAELINDE.
     welche marter? was verdrus!
                           Cölidiane zu Adonisedech.
CÖLIDIANE.
    Halt / Adonisedech / halt! wilst du meine huld gewinnen /
    tod ja diesen helden nicht.
ARAMENES.
     ach! was soll doch diss beginnen?
                           Adonisedech zu Cölidianen.
ADONISEDECH.
    Hört ihr müsst euch verstehen beiderseits zu unsrer lieb.
    Du / die hand gib Jaelinden! und ihr folget dann dem trieb /
    den euch die vernunft gelehrt / schonste! mich hier zu erwählen.
    Also wird / im augenblick / eingestellt sein alles quålen /
    dass wir ietzo såmtlich fulen. Wozu dienet der verzug?
    reut euch dass / was ihr gesaget? habt ihr dess nicht gnugsam fug?
                             Jaelinde zum Aramenes.
JAELINDE.
    Undankbarer! nim mich an!
ADONISEDECH.
     Hartes herz! lass dich erweichen.
                                 Zu Cölidianen.
                             Jaelinde zu Aramenes.
JAELINDE.
    Schaue / wen ich tödten kann.
ADONISEDECH.
     Soll er dann sein ziel erreichen;
                                 Zu Cölidianen.
                            Cölidiane zum Aramenes.
CÖLIDIANE.
    Was seit ihr zu tun gewillet? hie muss sein ein fäster schluss.
    Last ihr unsrem feind mich uber / weiss ich / was ich wählen muss.
ARAMENES.
    Ich will sterben / weil ich kann meine treu nicht båsser zeigen:
    hoff' / Adonisedech werd die gefahr schon von euch neigen.
CÖLIDIANE.
    Dieses trau ich gleicher massen Jaelinden liebe zu /
    und verlang mit euch zu sterben / zu befordern unsre ruh.
                            Jaelinde zu Adonisedech.
JAELINDE.
    Die gedult verliert den platz. ich muss meine rache uben.
    tut / was ihr mich sehet tun / und verbannet alles lieben.
                             Adonisedech hålt sie.
ADONISEDECH.
    Last noch diesen tag verstreichen: wer weis / sie bedenken sich?
                             Jaelinde zum Aramenes.
JAELINDE.
    Wol! es sei! um deinet willen / undankbarer! geb ich mich.
                             Adonisedech zu Balaat.
ADONISEDECH.
    Lass den Aramenes gleich wohl verwahrt zum kerker furen.
                             Jaelinde zum Tarsis.
JAELINDE.
    Tarsis! gib auf diese acht / und lass deine treue spüren.
THARSIS.
    Niemals solt ihr anders horen.
BALAAT.
     Euch auf meine hut verlasst.
                                zum Adonisedech.
                             Jaelinde zum Tarsis.
JAELINDE.
    Denke / dass in deinen hånden du mein ganzes glücke hast.
                          Die beiden werden abgefüret.
                              Adonisedech allein.
    Was hilft mir meine macht / die mir das Glück gegeben?
    kann ich darum vergnugter leben /
    dass ich den grosten schatz bewahr?
    Gleich wie ein loue sizt im käfich / und doch brullet:
    also beherrsch' ich mit gefahr
    die / die mich selbst beherscht / und nie mein leben stillet.
    Ist gleich mein gluck so gros / als ich es mag verlangen:
    weiss ich doch nicht damit zu prangen.
    ich bin nicht herr von diesem gut.
    Die ich so lange zeit gesucht / hab ich in handen /
    iedoch nicht ihren louen-muht /
    der meine wut verlacht / verspottet mich in banden.
    An statt der sussen ruh / schåtz ich mich dann verlassen:
    weil ich / fur lieben / hab ihr hassen /
    und selbst muss dessen zeuge sein /
    wie man ehrt meinen feind. Was hab' ich dann erjaget?
    nichts / als was mehrt des herzens pein.
    das / was mir bringt den tod / mir ståts wird furgesaget.
    Sol ich dann wohl die rach / soll ich die wut erkiesen /
    nun mir wird solcher hon gewiesen /
    und nichtes mir zu hoffen bleibt?
    Ja / ja die tolle lieb / die will / im sterben / todten.
    selbst sterbend / sie zugleich aufreibt
    die ursach / die sie bracht in solche kummmer noten.
    Hiemit verlore sich Adonisedech in die klippen /und ward wieder die vorige
musik angestimmet: nach deren endigung / sich auf dem schauplatze sehen liessen
                           Jaelinde. Hezrai. Tarsis.
JAELINDE.
    Ach! was ungeneme post! hat das ungluck dann beschlossen /
    vollig uber mich zu gehn / eh ich meiner lieb genossen?
    doch / was lieb! ich wollte sagen: eh' ich meine rach vollendt /
    eh mit meiner feinde leben / meines sich von mir gewendt?
    Sprich / Hezrai! ist es wahr / hast die schiffe du vernomen /
    die / zu meiner feinde hulf / in die insel hier gekommen?
HEZRAI.
    Eridanus und Mitreus / auch der Husan / kommen an:
    diese hab ich selbst gesehen / dieses ich bezeugen kann.
JAELINDE.
    Weist du nicht / ob ihnen kund / wie es steht mit ihren freunden?
HEZRAI.
    Sie beweinen sie / als todt: dieses hort' ich von den feinde /
    die ich in dem boot ereilte / das den andern folgen solt /
    und die alles mir entdecket / was ihr ietzund wissen wolt.
JAELINDE.
    Eile dann mit deiner rach / lasse das erbarmen schwinden /
    zeige aller welt den muht / der sich findt' in Jaelinden.
    Einmal nur hat sie bezwunge die verblendte liebes-kraft:
    doppelt muss sie sich nicht sehen in verachtung und in haft.
    Tarsis! reiche mir dein schwerd; eile zu Cölidianen /
    sag Adonisedechs wacht / dass ich wolle sie ermahnen /
    ihren herren anzunemen. Zeig mir diese lezte treu.
    schaffe auch / dass Aramenes mit alhier zugegen sei.
                               Tarsis geht ab.
HEZRAI.
    Des Adonisedechs volk / wie ich hore / sie bewachet.
JAELINDE.
    Wisse / dass ein solcher schluss wurde unter uns gemachet.
    Als das gluck uns / in die hände / beide bulen brachte zu /
    wehlte ich den Aramenes / zu erhaltung meiner ruh /
    weil ihm sein mitbuler droht' / ihm das lebe nicht zu lasse.
    Weil Cölidiane auch sicher nicht für meinem hassen /
    name sie Adonisedech. Doch gab Tarsis auf sie acht /
    gleich wie Balaat auf jenen: dass an keine wird volbracht
    was oft wut und liebe rått. So hat man bisher gelebet.
    Nun soll doch mein grim ergehn / wornach ich so lang gestrebet.
    kann ich nur Cölidianen von der erde tilgen hin /
    alsdan geh es / wie es geht; alsdan ich gerochen bin.
                         Adonisedech kommet gelauffen.
ADONISEDECH.
    Jaelinde! wisset ihr? unser Glück hat uns verlassen /
    und die feinde hergeführt diese unbekannte strassen /
    gleich ietzund sie hier anlånden. Was raht! was beginnen wir?
JAELINDE.
    Da die noht so gross erscheinet / heische man nicht raht von mir.
ADONISEDECH.
    Was soll diss entbloste schwerd?
JAELINDE.
     Mich gefangen nicht zu geben.
    folget meinem beispiel nach / und verteidigt euer leben.
    Indem liesse sich auf einem schiffe sehen / der Eridanus und Mitreus / die
Indaride und Mehetabeel / der Husan / und viele soldaten / die an das land
stiegen. Zu gleicher zeit kame auf der andren seite die Cölidiane herfur / von
dem Tarsis gefuret / wie auch der Aramenes / mit ketten gebunden.
ADONISEDECH.
    Trieget ihr mich / meine auge? was erblick ich auf einmal?
                      Jaelinde lauft auf die Cölidiane zu.
JAELINDE.
    Also trenne deine liebe / und dein leben / dieses stahl.
     Adonisedech springt dazwischen / entfähet den stos /und fället nieder.
ADONISEDECH.
    Haltet ein! Ich bin verwundt! ach! ich sterbe / ich vergehe!
    Indem der Adonisedech hiermit niederfiele / und aus einer blase voll blut /
die er unter den kleidern verborgen gehabt / das blut hervor springen liesse
/entsezte sich die Königin von Tyro / die Orosmada /daruber / dass sie uberlaut
anhube zu schreien: wornach sie doch sofort sich wieder begriffe / und diese
ihre vergebliche furcht mit siner schamröte entschüldigte. Aber dieses stiege /
so sehr als das vorhergehende / dem Konig Tiribaces / der ohne das schon
eifersüchtig war / zu kopfe / und vermehrte seine unruhe. Dennoch zwunge er sich
/ und sah dem spiel ferner mit zu / da Mitreus zu der Cölidiane / Indaride aber
zu dem Aramenes lieffen / und dieselbe ümarmeten.
MITREUS.
    Liebste tochter! find' ich dich?
CÖLIDIANE.
     Seh' ich auch / was ich hier sehe?
INDARIDE.
    Ach! mein bruder! hat der himel / eur leben noch gefrist?
ARAMENES.
    Ist es muglich / was ich schaue / dass es nicht ein träume ist?
                         Delbora und Dison kommen dazu.
ERID.
    Ach Delbora! lebt ihr noch? nun muss ich den himel preise /
    der / wan alles hoffen aus / dennoch rettung kann erweisen.
DELBORA.
    Eridanus! eure hulfe / stellt zu rechter zeit sich ein.
MEHET.
    Ach mein Dison!
DISON.
     gluklichs kehren / nach dem langen unglucks-schein!
    Nun erweiset das geschick / dass / so ungerecht es scheinet /
    es doch endlich leg zu tag / wie sei alles wohl gemeinet.
JAELINDE.
    Schauet / ich bin Jaelinde! ihr / die ihr zugegen seit
    lernt an mir des gluckes wechsel / wie sich wenden freud und leid.
    wenig stunden sind dahin / da ich mich vermogend sah /
    dorfte schalten / wie ich wolt / wusste nicht / dass mir so nahe
    diese glucks-verkehr iezt wäre. Ich gebrauchte meiner macht /
    die zu mir den Aramenes und Cölidiane bracht.
    Meine liebe ist bekant / und wie man mich hat verschmåhet /
    neben diesem / den ihr hier schon erkaltet ligen sehet.
    Mich bewegte meine rache / meiner feindin durch den tod
    darzutun / dass sie alleine wår die ursach meiner noht.
    Aramenes! deinen hass dir recht bitter einzutränken /
    wollte ich der andren welt die Cölidiane schenken.
    Aber schau: an ihrer stelle / hab ich deinen feind erlegt /
    und so selber widerwillens / ein vergnugen dir erregt.
    dass nun das volkomen sei / will ich auch mit eignen hånde /
    dass du habest ruh fur mir / meine matte seel fortsenden.
    doch soll die dich ståts begleite / dir den undank rucken fur /
    dass du meine lieb verschmåhet / mir versperrt die lebens-tur.
    Hiemit stache sie ihr den degen in die brust / und fiele bei dem Adonisedech
nieder.
ARAMENES.
    Ach verwundersamer fall! der des himmels rache zeigt
    uber die / die unrecht tun. So wird die gewalt gebeuget /
    die aus frevelmut entstehet. So gewinnet die gedult /
    und darf letzlich sich berümen / dass sie hab der tugend huld.
DELBORA.
    Diese rache / die wir sehn / macht uns susse alles leiden:
    weil die rettung / daurt es lang / endlich doch erscheint mit freuden.
HUS.
    Last uns dann nach Cypern kehren! Diese insel zeug davon /
    dass wir hier mit angesehe / tugend und der laster lohn.
    Die Königin von Mesopotamien kunte kaum so lang verziehen / bis Husan diese
lezte reimen gesaget / da gabe sie sowol den zusehern / als den spielenden zu
erkennen / wie sie diese geschicht errahten hätte /hinzu fügend / es wåre ihr
noch viel zu gegenwårtig /wie Dalimire den Bileam und sich selbst erstochen /als
dass sie selbiger klåglichen begebnis sich hiebei nicht erinnern sollte. Alle die
andern fielen dieser Meinung der schönen Königin bei / und wie die spielende es
gestanden / dass es errahten wäre / fureten sie / auf kleinen nachen / die ganze
gesellschaft hinüber zu sich in diese felsichte insel: da der Konig von Syrien
/in einer angenemen grotte / ein herrliches abendessen fur diese konigliche
gesellschaft zubereiten lassen. Ihrer keines bliebe zurück / als nur der einige
König von Tyro: welcher / ehe man dessen sich versehen konnte / von den andren
hinweg und nach Eoessa sich verstahle. Niemand / als seine gemalin und seine
schwester / vermuteten die eigentliche ursache dieser absonderung: wiewol solche
dem Printzen Adonisedech auch nicht allerdings unbekant ware. Weil nun keine
sondere nachfrage nach ihm geschahe / als bliebe die ganze gesellschaft frölich
beisammen / bis in die spate nacht / von diesen spiel sprachende.
    Ob wohl die Prinzessin Jaelinde ihre person sehr wohl fürgestellet / so wollten
sie sie doch einer sache halber nicht loben / nämlich dass sie / bei ihrer
fürstellenden bosheit gar zu gutig ausgesehen hatte: wie dann solches auch an dem
Prinzen / ihrem gemal / getadelt wurde / dass er viel zu ehrlich für den Bileam
ausgesehen; welches die Königin Orosmada nicht bekråftigen dorfte / ob gleich
ihr eifersüchtiger gemal nicht mehr zugegen war. Man scherzte nun auch gnugsam /
über dieser Konigin bezeigtem entsetzen / als der Prinz von Salem war zur erde
gefallen. Die Königin Eurilinde / seine fraumutter / sagte: Es würde ihr fast
eben also ergangen sein / wann sie nicht an dieser ihrer pflegtochter eine
fürgängerin gehabt / an der sie sich gespiegelt / und daher sich begriffen
hätte. Der König von Meden rumete niemand mehr / als die Delbora /dass sie die
Andagone sehr wohl furgestellet: welches den Konige Eridanus / der nicht
vergnügter als Tiribaces war / ob er ihm gleich mehr zwang antäte / je mehr und
mehr in seiner eifersucht stårkte. Die tugendhafte Delbora hatte bereits vorigen
tags diese krankheit ihm angemerket; daher sie / ihn auf andere gedanken zu
bringen / zu dem Nebajot sagte: dass er / wan er etliche tage eher angekommen
wäre / sich und die Königin Hermione selber würde haben spielen gesehen.
    Wan die begebnis / (antwortete Nebajot / nicht sonder erroten) die ich
ehmals am Trierischen hofe mit dieser schönen Königin gehabt / alhier ist
furgestellet worden / so bin ich fro / dass ich nicht zum andernmal dabei hab
müssen gegenwärtig sein / da ich so unbarmherzig abgewiesen worden / und dem
Cimber weichen müssen. Dieses war es nicht / (sagte Delbora) sondern man hat hier
den krieg des Königs von Meden / mit den Konig von Babel / wobei die tugendhafte
Konigin Hercinde so grossen anteil gehabt / gespielet: und ob gleich die Konigin
Hermione dabei nicht zu gegen gewesen / so hat doch der Konigin von Mesopotamien
gefallen / deren person anzunemen /und sie aufzufüren / wie sie sich wurde
gebärdet haben / wan sie bei der vorgewesenen hinrichtung des Nebajot wäre
gegenwårtig gewesen. So muss ich /(antwortete Nebajot / zugleich die schone
Aramena ansehend) von E. Maj. vernemen / wie sie den sinn und das gemute der
Konigin von Kitim befunden /und ob sie dieselbe freudig oder mitleidend uber
meinen zustand fürgestellet. So verliebt (versezte die Konigin Aramena) ist sie
aufgetretten / als es der König von Meden verlangen künte / und als ich weiss /
dass er es würdig / und die schone Hermione befugt ist / ihme zu begegnen.
Hermione wurde / uber diese reden der Konigin von Mesopotamien / ganz beschåmet:
doch gabe sie dem Nebajot zu erkennen / dass man von ihr nicht unrecht
geurteilet. Dieses brachte dem neu-verliebten König grosse vergnugung / zumal
weil er nun gänzlich sich ihrer schonheit ergeben /und also beides den befehl
der Delbora / und dem willen seiner eltern nachzuleben bei sich beschlossen
hatte.
    Wiewol nun / aus diesem freien furbringen / so die Delbora getan / der
Eridanus abnemen sollen / dass sie an dem auf sie geworfenen verdacht unschüldig
wåre / so bliebe er doch in seinem wahne: welchen er damit stårkte / dass man ihm
verlaugnet / wie vorigen tags der Nebajot bei seiner gemalin gewesen / da er
doch das gegenspiel aus der Hermione geheimen reden / wie er es auslegte /
vernommen hatte. Sein stilles wesen / das ihme sonst eben nicht gewönlich war /
ärgerte bald die ganze gesellschaft und sagte die scherzhafte Timna / die bei
der Mehetabeel sasse / zu derselbigen: wie dass vielleicht der König von Cus und
sie deshalben so wenig spracheten / weil sie in dem spiel sich so mude geredet
und zusehr abgemattet hätten. Dieses verursachte ein allgemeines lachen / da die
Prinzessin von Ophir / weil sie sich hiemit auch getroffen sah / solches für
die andre mit zu verantworten / sagte: Uns gebüret billig zu schweigen / da man
/ bei diesem spiel / uns zu mehreren reden ungeschickt befunden; weswegen wir
dann billig den verfasser dieses geschichtspieles anklagen mussen / dass der /
durch seine verdrossenheit / uns nun in solchen verdacht bringt / als wan wir
nichtes mehr / als was wir furgebracht / håtten konnen auswendig lernen.
    Ich würde mich müssen schüldig erkennen / (antwortete der Konig von Ninive /
als welcher den aufsatz dieses spieles gemachet) wann mir hätte beifallen wollen
/ wovon die Prinzessin Indaride / in furstellung der Königin von Mesopotamien /
reden können: weil aber dieselbe keinen liebhaber dabei hatte /massen der Tuscus
Sicanus nicht mit zugegen gewesen / als musste ich meine schöne Prinzessin stum
bleiben lassen. Dieses ist ubel verantwortet! (sagte die Konigin / seine gemalin)
es redte ja die Mehetabeel / die meine person fürgestellet / noch weniger / als
die Prinzessin von Ophir / ob gleich ihr liebhaber mit zu gegen war / und
bestunde alle ihre freude / als sie denselben wieder lebendig sah / allein
darin / dass sie diese wenig worte / Ach mein Dison! herfür brachte. Ich wollte
meine liebste Aramena / (verteidigte sich Dison) nicht eiversüchtig machen /
darum habe ich mein gespråch mit der Mehetabeel so schleunig abgebrochen. Mit
dieser angenemen verantwortung ihres Disons / bliebe die schöne Königin von
Ninive mehr als wohl zufrieden. Unter solchen und dergleichen gesprächen brache
die nacht zimlich herein / als dass sie auf die heimkehr gedenken mussten. Die
ganze konigliche versamlung begleitete die Königin von Mesopotamien in das
schloss / alda die jenigen / so nach Edessa und Amida mussten / ihren abschied
namen: nachdem sie versprochen / sich den andern tag wieder einzustellen / und
dem lezten geschichtspiel zuzusehen /welches die von der dritten gesellschaft
fürstellen wollten.
    Die unruhige Orosmada / sezte sich bei ihres herrn schwester / der Königin
Lantine / mit ein / und fuhre also mit ihr nach Edessa: da ihr dann / ie näher
sie der stadt kame / ein herzschlagen zustiesse. Sie eilete /nicht sonder furcht
/ nach ihrem hause / da der Ledor /ihr alter hofmeister / sobald sie in ihr
zimmer getreten / ihr von ihres herrn wegen ankundigte: Sie mochte diese nacht
in ihrer kammer verbleiben / weil er beliebet / allein zu schlaffen. Dieser
befehl / desgleichen sie nicht gewonet war / dunkte sie ganz unerträglich /und
hielte sie dafur / sie würde im gehorsam mehr sündigen / als wan sie solches
gebot überschritte. Daher wagte sie es / und ginge / nachdem sie sich
abgekleidet / zu dem Tiribaces in die kammer / und legte sich ganz leise zu ihm
in das bette / vermeinend / dass er schlieffe. Es konnte aber diesem unruhigen
König so gut nicht werden / ob er gleich / als er seine gemalin ankommen sah /
sich also stellte. Weil ihre unruhe der seinigen gliche / als verharrte sie /
gleich ihme /im ståten wachen: da dann ihre vielfältige seufzer / die ihm ihre
unschuld dartun sollen / hernach seiner einbildung vorkamen / als wan sie nach
ihrem geliebten Adonias abgingen. Gleich wie er sie håftig liebte /also waren
auch alle wirkungen der liebe / unter welche auch die eifersucht gehöret / bei
ihme ubermåssig / und wusste er sich so wenig zu zwingen / nun er einmal seiner
einbildung glauben beigeleget / dass er aus diesen irrungen sich nicht wieder
heraus wicklen können.
    Weil Orosmada ihn belaurete / als kunte er sich so wohl nicht zwingen / dass
er nicht zu zeiten geseufzet hätte / dass ihr dann sein wachen anzeigte: daher sie
es wagte / wie es schon zu tagen anfinge / und ihn ganz beweglich fragte / was
doch sein anligen wäre? Anfånglich schwige er hierzu stille; wie sie aber
etliche mal dieses fragen wiederholte / sagte er endlich: Ihm läge nichtes an /
das sie nicht bässer als er wüste /und es tue ihm leid dass er sie musste
beunruhigen /weswegen er auch ihr bedeuten lassen / in ihrer kammer zu bleiben /
damit sie ihre ruhe desto bequemer haben konnte. Diese fromde reden krånkten die
unschuldige Orosmada bis in die seele / und als sie /sich zu entschüldigen / ihr
angefangenes gespräche fortsetzen wollte / stunde er gehling von ihr auf / und
sagte: sie hätte der ruhe von noten / darüm wollte er sie allein lassen. Damit
eilete er so geschwind von ihr hinaus / dass sie ihm nichtes dawider sagen kunte.
Mitlerweile sie nun ganz in tränen sich netzete / liesse er sich geschwind
ankleiden / und begabe sich zu pferde: da er / allein von dem Borgias und seinem
waffenträger begleitet / feld ein ritte / und / sonder sein wissen / des weges /
der nach Sarug ginge / forteilete.
    Borgias / der vermeinte / sein herr wurde daselbst etwas sonderliches zu
tun haben / ware allein bemuht / ihme auf dem fus nachzufolgen. Er verwunderte
sich nicht wenig / als er sah / dass sein herr / nahe vor dem tor der stadt /
stutzete / sein pferd umwandte / und wieder ruckwarts gedachte. Seine freiheit /
da er von jugend auf den Tiribaces erzogen / erlaubte ihm / zu fragen / wohin
dann die reise gehen sollte? Der König von Tyro gabe ihm zur antwort: Er wisse es
selber nicht / und sei allein / sich zu erfrischen / ausgeritten. Die betrübnis
/ so bei diesen worten herfur schiene / neben seiner häftigkeit / die sich in
allem seinem tun sehen liesse / machte den vernünftigen Borgias schliessen / dass
hierunter müste etwas anders verborgen ligen. Er hielte demnach an / um dieses
aus seinem Konig zu erfragen: der aber / sich entsehend /ihme zu bekennen / dass
er eifersüchtig wåre / sein wahres anligen verschwiege / und immer gemach
fortreitend / endlich an den berg Masius gelangte. Die einsamkeit desselbigen
ortes schickte sich so wohl zu seinem zustande / dass er alda abzusteigen / und
etwas zu verharren beschlosse. Wie er demnach in das dicke gebusche sich hinein
begeben / und an einer springquelle sich nieder gelassen / die aus den klippen
daselbst herfür rieselte / finge er an / alles auf das widerlichste ihm für
zubilden / was ihm seine eifersucht /ihn unglückseelig zu machen / in die
gedanken brachte. Was hilft es dir / armseliger Tiribaces! (redte er sich selber
an) dass du die schone Orosmada besitzest / da ein ander ihre liebe geniesst?
wårest du nicht viel seeliger zu preisen / wan du sie weniger kenntest /und noch
die vorige einbildung von ihrer strengen erbarkeit håttest? Ach Orosmada! wo
bleibet eure tugend? könnte ich diese noch behaupten / so wollte ich mich in
meinen leiden getrost erweisen / und nur allein mein unglück beklagen: nun aber
muss ich / neben meinem elend / eure eigene schande beweinen. Warüm habt ihr mir
die eheliche hand gegeben / wan ihr euch nicht entschliessen können / fortin des
Adonias zu vergessen? Wåre es nicht båsser gewesen / dass ihr mich / in meinem
ansuchen / vor euren füssen hättet sterben lassen / als dass ihr euch mir mit so
falscher art zugeeignet? zum wenigsten wäre ich alsdan mit der vergnugung
abgeschieden / dass ich in der Orosmada person die vollkommenste tugend geliebt
/ da ich nun / dieselbe besitzend / an deren so einen grossen mangel erleben muss?
    Hierauf verwehrten ihm die viele seufzer / diese einsame unterredung
fortzusetzen / und kamen eben auch etliche reisende hirten dazu / die ihn hierin
verstörten. Diese / so des Königs von Tyro an diesem orte sich nicht versehen /
begaben sich hieher / weil es mittag war / in den schatten / und langten die
kalte kuche aus ihren taschen herfur / malzeit zu halten. Ob nun gleich selbige
in wenigem bestunde / so bekame doch der abgemattete Tiribaces einen lust / sich
bei ihnen zu gaste zu bitten: das dann diese guterzige leute gern geschehen
liessen. Unter dem essen erzehleten sie ihme / wie sie nach dem tempel des
Teraphim zu reisen gedåchten / um die gotteit daselbst uber eine sache zu
befragen / die sie sämtlich gleich nahe anginge. Kan dann die gotteit daselbst
(fragte der König /) alles entscheiden / und alle zweifelhafte sachen erklären?
Ihr musset (sagte einer von ihnen / der sich Atamias nennte) kein einheimischer
sein / weil ihr diese frage fürbringet: dann in Mesopotamien wird niemand sich
finden / deme nicht die ungemeine kraft des grossen Teraphim bekandt sein sollte.
Diese antwort gabe dem verliebten Tiribaces anlas / darauf zu sinnen und zu
gedenken / wie er die schuld oder unschuld seiner Orosmada von dieser gotteit
erfahren möchte. Demnach liesse er sich mit diesen hirten in ferneres gespräche
ein / und begehrte von ihnen etwas deutlichere erklärung / was es mit diesem
Teraphim /davon man in andren landen nichts wüste / fur eine bewandnus hätte.
    Der ietzige Teraphim / (sagte Timonax ein anderer hirte) ist mein bruder
gewesen / und hat nun sechs jahre geweissaget. Wie? euer bruder? (fragte
Tiribaces) ihr habt ja diesen Teraphim allererst einen gott genennet! Er ist es
auch / (antwortete der schåfer) aber mein bruder ist zu dieser gottlichen ehre
gelanget. Kan man nicht hievon (fragte der begierige Konig) mehrere erklärung
haben? Gar wohl! (sagte der hirte) und wäre es unrecht / dass einer in
Mesopotamien leben / und hievon keine nachricht haben sollte. Hierauf / als der
König von Tyro / neben dem Borgias / sich zwischen diese drei schåfere gesetzet
/ und sie nun abgespeiset hatten / finge Atamias folgender gestalt an zu
erzählen.
    Von dem eigentlichen Ursprung des Teraphim /weiss ich euch / mein herr! keine
gewisse nachricht zu erteilen: dieses aber kann ich sagen / dass schon / etliche
huntert jahre her / unser land mit diesen göttern beglückseeligt gewesen / und
hat es mit selbigen diese beschaffenheit. Es wird ein erstgeborner / der sich
freiwillig dazu anbietet / geschlachtet / und dessen haubt wohl balsamiret /
folgends mit edlen steinen besetzet / und ihm eine besondere heilige schrift /
auf einem zedel / in den mund geleget. Dieses haubt stellen die
Teraphim-priestere in ihren tempel / und werden denselben / neben vielen andern
gebräuchen /nacht und tag liechter gebrennet. Dieser Teraphim kann so lang
aussprüche geben / als die schrift in seinem munde unverweset bleibet: die dann
zum wenigsten zehen jahre zu dauern pfleget. Mein bruder ist bereits sechs jahre
in dieser gottlichen wurde gestanden / und sind wir alle seines geschlechtes /
vor allen und anderen hirten / in dieser gegend deshalben in ansehen /dass wir so
hohe ehre geniessen. Wie kame dann euer bruder (fragte Tiribaces) zu dieser
sonderbaren ehre? Aus zweifelmut / (antwortete Timonax) als er die schone
Furstin von Haran / die Rahel / geliebt / ohne dass er diese seine unmugliche
liebe iemals von sich gesaget. Wie er nun vername / dass sie an den Hebreischen
Fürsten / den Jacob / verlobet worden / geriete er in so tieffe traurigkeit /
dass ihn verdrosse ferner zu leben. Und weil eben damals der vorige Teraphim
aufgehoret zu reden / bote er sich mit hochster standhaftigkeit hierzu an / und
wurde also / wie erwehnet /in gegenwart des ganzen Mesopotamien / zum Teraphim
geschlachtet.
    Die liebe / (antwortete Tiribaces seufzende) hat wunderbare wirkungen / man
sie in einem menschen den meister spielet. Dieses entfinden wir tåglich in
dieser gegend / (sagte Atamias) und verursachet eben dieselbe / dass wir iezt
diese reise ubernommen. Tiribaces / der nicht vorwitzig war / anderer ihre
händel zu wissen / da er mit seinen eignen so viel zu schaffen hatte /
erkundigte sich nicht ferner / nach ihren liebes-begebenheiten / sondern fragte
allein nach der weite des wegs / und nach allen umstånden /die bei erfragung des
ausspruches von noten wären. Hierauf entschlosse er sich jälings / mit ihnen die
reise nach diesem tempel zu verrichten. Borgias bestürzte nicht wenig uber
dieser Entschliessung seines herrn / und als er mit ihme von den hirten etwas
abseits gegangen / gebrauchte er sich seiner alten uber ihn habenden freiheit /
und sagte: Welche Entschliessung ist dieses / gnädigster König? was haben E. Maj.
fur ursach / den ausspruch des Teraphim zu suchen / und deswegen die königliche
gesellschaft zu verlassen? wissen sie nicht / dass diesen abend das spiel soll
gehalten werden / worzu ihre person erfordert wird? was wurde das für ein
aufsehen erwecken /wann E. Maj. davon blieben / und also diese konigliche lust
zerstorten?
    Ach Borgias! (antworte Tiribaces / mit tränenvollen augen) ich muss euch mein
anligen eroffnen. Ich finde die Orosmada nicht so getreu / als ich wohl gehoffet.
Des Adonias gegenwart / ist für meine ruhe viel zu gefårlich / und leider! nur
allzu wahr / dass ich ursach habe / an ihrer tugend zu zweiflen. Die håftige
liebe / die ich stäts zu ihr getragen / und noch in meinem herzen entfinde /
bringt mich zu diesem zweifelmut / und will ich daher den Teraphim befragen / ob
ich ihre unschuld noch hoffen dörfe? Die liebe / mein Borgias! treibet mich zu
dieser Entschliessung / und ist dieses noch das einzige / so ich übrig habe für
die Orosmada zu verrichten. Die besturzung des Borgias war ungemessen / wie er
seinen herrn also reden hörte. Weil ihme dessen håftigkeit wohl bekant war /und
dass er sich nicht sofort von seinem fursatz pflegte abbringen zu lassen / als
wollte er diese reise nicht widerrahten. Er bate aber nur üm aufschub auf etliche
tage / und brachte seinen herrn so weit / dass er fast darein willigte. Als er
aber die hirten befragte / wie weit bis nach dem tempel wäre / und ob sie nicht
noch etliche tage warten könten / üm ihn zum gefårten zu bekommen / gabe ihm
Timonax zur antwort: Wir dorfen keinen augenblick verziehen / wofern wir die
reise nicht wollen ümsonst verrichten. Es ist das grosse fest des Teraphim fur
der tur / welches järlich hier in Mesopotamien gehalten wird / dahin kaum noch
zwei volle wochen vor-sein werden / und pfleget man / acht tage vor dem fest /
nicht mehr üm den ausspruch zu fragen / auch die gotteit / drei monat nach dem
feste / keine antwort mehr zu geben. So wurden wir demnach viel zu lang
nachwarten mussen / wan wir dissmal die zeit verseumten. Man kann ja auf dem feste
(sagte Borgias) die gotteit üm alles fragen / so einem anliget! Keines wegs /
(antwortete Atamias) sondern es wird allein / von dem oberpriester / um das
wolergehen des ganzen reichs / der Teraphim befraget: der auch alsdan sonst
niemanden einige antwort erteilet.
    Ihr sehet dann / Borgias! (sagte Tiribaces / als er ihn beseits gezogen) dass
hier kein vorschub platz habe /und müste ich in meinem kummer vergehen / wan ich
so lang verziehen sollte bis diese gotteit wieder redend wurde. Vermeinen aber
E. Maj. (fragte Borgias /) dass ihr dieser ausspruch des Teraphim ein sonderbares
licht werde geben können? Diese antworten sind gewönlich sehr dunkel / und furen
einen doppelten verstand mit sich. Was halfe es den Fürsten Nahor / als er sich
daselbst rahts erholet? ist er dadurch auch klüger worden? bliebe er nicht
vielmehr in voriger ungewissheit / wegen des verlusts der schåferin / die er
suchete. Dem ist zwar also: (wiederholte Tiribaces) ich will aber alles erstlich
versuchen / ehe ich die Orosmada vollig verdamme. So harre man wenigst noch
heute / (widerredte Borgias /) damit die konigliche gesellschaft durch unser
ausenbleiben nicht geärgert werde. Dünket euch dann / (sagte Tiribaces /) dass ich
bei meinem jetzigem gemute / zu solcher spiel-lust geschickt sein konne / und
dass ich nicht dabei mehr verderben / als gut machen wurde? Was wird man aber
(versezte Borgias) von unsrem ausenbleiben urteilen? Der wolstand erfordert ja /
dass man es denen mitspielenden von unserer gesellschaft anmelde. Tiribaces / der
besorgte / wan er dieses dem Borgias zuliesse / er mochte an seinen furnemen
gehintert werden / bestunde mit grosser eigenwilligkeit darauf / dass diese reise
/ ohne zurucksendung / fur sich gehen sollte. Er fragte die hirten / in wie viel
zeit sie den tempel zu erreichen vermeinten? Als sie ihm gesaget /dass sie / weil
sie zu fuss wåren / erst in vier tagen / andere aber auf kamelen in zweien /
dahin kommen könten / erkundigte er sich nach kamelen / und erfuhre /dass nahe
bei ihnen in einem schåferhause einige üm geld zu bekommen wären: die er dann
bestellen liesse /und damit diese drei hirten beritten machte.
    Weil Borgias von neuem einwendete / wie dass sie nicht gnug reisegeld bei
sich hätten / sandte der Konig seinen vertrauten waffenträger nach der stadt /
und unterrichtete ihn / wie er sich / bei abholung geldes /verhalten sollte.
Inzwischen nun dieser nach Edessa fortjagte / bate Tiribaces die hirten / ihme
zu sagen /was sie eigentlich bewegte / den ausspruch des Teraphim zu verlangen?
weil er aus diesem bericht ein mehrers liecht zu erlangen verhoffete / was hülfe
er von diesem furhaben zu gewarten hätte. Die schåfere weigerten sich gar nicht
/ diesem ihrem freigebigen reisgefårten zu wilfahren: massen Atamias so fort
diesen bericht abstattete.
    Um die zeit / als des Timonax bruder / der Pasicles / sich freiwillig zum
Teraphim machen wollte / lebte ich so wohl / als meine gefärten / der Nisan und
Timonax / in einer unglucklichen und widerwärtigen liebe /indem die schönheit
der Sandenise uns alle drei verletzet / und zu ihren / wiewol ungeliebten /
aufwärtern gemacht hatte. Diese schäferin / die / ich weiss nicht aus was fur
einem eigensinn / keinen unter uns lieben wollte / hielte uns dennoch alle dreie
mit so guter art auf / dass keiner von uns sagen kunte / er wåre von ihr
gehasset; und schiene es / als wan sie eine ehre darin suchete / dass sie viel
aufwårtere hatte / die alle gleich wenig bei ihr gälten. Dieses nun begunte uns
zu verdriessen / und / meiner Meinung nach / verachtung mit gegenverachtung zu
vergelten / wartete ich einer andern hirtin auf / die sich Artainte nennet:
welche aber so wenig / als Sandenise sich bequemen wollte / ihre gegenliebe mir
wiederfahren zu lassen. Es machte aber ihre hårte die Sandenise erweichen / also
dass sie / der andern nicht gonnende / dass sie ihr sollte einen aufwärter genommen
haben / mir günstigere blicke zu verleihen begunte / um von der Artainte mich
wieder abzuziehen.
    Wie sehr mich solches erfreute / so grossen verdruss erlitten darüber der
Timonax und Nisan: da dieser üm eben das mittel / dessen ich mich unschuldig
bedienet / zu gebrauchen / auch von der Sandenise abginge /und der Amphilite /
die iezt bei hofe / wegen ihrer begebenheit mit dem Chersis / und wegen des
guten urteilspruchs / den sie erlanget / sich zimlich bekant gemacht /
aufzuwarten begunte. Weil Sandenise / mit guter art / nicht zween auf einmal
unterhalten kunte /als liesse sie mich fahren / und kame auf den Nisan: es für
einen grosseren sieg haltend / wan sie der Amphilite / als wan sie der Artainte /
einen aufwarter abspånstig machte / indem die letzere nicht in solchem ruff
wegen ihrer schonheit ware / als wie die andere. Solcher gestalt hatte Timonax
den schlechtsten dank / fur seine beståndige liebe: da hingegen der Nisan und
ich unsere unbeständigkeit båsser erkennet sahen. Weil ich mehr aus rache / als
aus liebe / angefangen hatte /der Artainte aufzudienen / als hatten der
Sandanise liebkosungen mich leichtlich wieder zu ihr gezogen. Dieses bewoge nun
auch den Nisan / ihr sich vollig wieder zu ergeben: und erlangte er so grosse
hoffnung ihrer gegenliebe / dass seine mutter dadurch veranlast wurde / bei der
Sandenise mutter um sie anwerbung zu tun. Dieses geschahe in eben der zeit / da
auch mein vatter / zu der Sandenise vattern ginge / und fur mich diese schäferin
begehrte.
    Beide freiwerbere brachten fur / wie dass Sandenise denjenigen / fur welchen
iedes anhielte / liebte: daher ihr vatter / so wohl als ihre mutter / ohne sich
zuvor miteinander zu bereden / das jawort von sich gaben. Also wurde der Nisan
von seiner mutter / und ich von meinem vatter / zugleich mit so guter post
erfreuet. Wie aber Sandenise von ihren eltern dessen berichtet wurde / und
dieselben sahen / dass sie ihre tochter /dissfalls ihnen beiderseits gleichen
gehorsam zu leisten / nicht zwingen könten / bearbeitete sich jedes von ihnen
dahin / seinen furgeschlagenen vor dem andern zu erheben. Die Sandenise schöpfte
aus diesem zwange / der ihr angetan wurde / mehr widerwillen als liebe gegen
uns beide / und den Timonax / der sonder fürsprach ihr aufwartete / båsser
betrachtend /begunte sie demselben mehr gunst zu erweisen. Wie ich / anstat
meiner eingebildten glückseligkeit / diese kaltsinnigkeit vermerkte / wurde mir
bei diesem handel auch anders zu sinn / und vermeinte ich an der Artainte etwas
zu finden / so der Sandenise fürginge: daher ich ofters in meinem herzen
wünschte / dass mein vetter diese fur mich erwehlet hätte.
    In solcher zeit ginge die opferung des Pasicles für sich / da ganz
Mesopotamien in des Teraphim tempel versamlet und zugegen ware: und wurde dieser
neue Teraphim nicht allein beweinet / sondern auch höchst beehret / und dessen
hinterbliebenen freunden / wie gebråuchlich / alle hochachtung erwiesen. Timonax
/des Teraphim bruder / genosse solcher ehre am meisten / und wurde ihm von dem
Oberpriester an die hand gegeben / etwas zu begehren / so er verlangte /dass ihm
nicht sollte versaget werden: üm also den verlust / den er an einem so lieben
bruder erlitten / desto leichter zu verschmerzen. Die liebe gabe diesem hirten
so fort in den sinn / was er fordern sollte / und ware es die schöne Sandenise.
Weil Sandenise / eben üm diese zeit / eine sehr grosse erbschaft bekommen /die
auch guten teils dem Nisan und mir mit zufiele /weil die verstorbene unsre base
gewesen / und wir also / bei dieser verlassenschaft / zu gleicher teilung
gingen: als suchten unsre beiderseits eltern dem Timonax in seinem begehren
hinterlich zu sein / und lagen der Sandenise stäts in den ohren / dem Nisan oder
mir die eheliche hand zu geben. Diese nun / ihre eltern nicht zu erzürnen / und
doch ihrer neigung / die nun ganz für den Atamias war / zu folgen / erdachte
einen fund / und erklärte sich dahin / wie sie denjenigen lieben wollte / den ihr
der ausspruch des Teraphim zu ehlichen anbefehlen wurde. Ihre hoffnung war /weil
Timonax des Teraphim bruder / es würde dieser neue gott / fur seine freunde
gunstiger / als fur uns andere / sprechen. Es geschahe auch hierinn keine
widerrede / weil es alle / sonderlich oer Oberpriester Telecles / für billig
befanden. Der neue Teraphim / der nun / nach verrichteter ordentlicher
einweihung / allen und jeden die ausspruche erteilte / wurde demnach befraget /
und erlangten wir von ihm diese antwort.
Wann die schonste hand wird das reich regiren /
eines hirten haubt selbst mit krånzen zieren:
dann bluht euer gluck. Bis dahin verzieht /
liebt / wie ihr liebt / und seit ståts bemuht /
alle dreie diss zu fassen.
Liebe muss nie hoffnung lassen.
    Dieser ausspruch ware nun für uns alle / und weil des Teraphim gebot dass
heiligste ist / so wir verehren und in acht nemen / als lebten wir nach der zeit
/ wie uns befohlen worden. Wir verharrten in unserer liebe /und speiseten uns
mit der hoffnung / dereinst in unserer liebe ein gewunschtes ende zu erleben /
ob wir gleich solches noch nicht absehen kunten. Aber keines von uns war
vergnügter / als Sandenise und Timonax / noch übler zufrieden / als Nisan. Dan
gleich wie jener hierdurch die freiheit erlanget / seiner schäferin aufzuwarten
/ von deren er sich geliebt hoffete: also verlöre dieser hingegen allen
zuvor-gehabten vorteil /und musste er besorgen / dass er / ob man ihn gleich
hoffen hiesse / wohl nimmermehr in seinen ehmaligen stand wiederkehren möchte. Was
mich betraffe / so dunkte mich immer / ich hätte wollen vergnügter leben / wan
dieses lieben einzustellen / mir wåre geboten worden. Doch wollte ich nicht wider
den entfangenen befehl handeln / sondern wartete der Sandenise immer auf / ob
gleich meine gedanken ofters nach der Artainte gingen. Die Sandenise hatte nun
auch ruhe für ihren eltern / weil dieselben blindlings den ausspruch des
Teraphim gehorsam leisteten / und vön einem jahr zum andern auf die zeit
hoffeten / da die geweissagte veränderung hiesiger regirung anheben sollte. Diese
zeit hat sich nun endlich eingefunden /und ist nicht allein unsere schöne
Königin alhier erschienen / sondern sie hat auch das Timonax haubt selbst
bekränzet.
    Sehet aber / mein herr! wie es uns hiebei ergehet. Der verdruss / so sich
stäts bei mir gefunden / eine hirtin selb dritte zu bedienen / uberwältigte mich
endlich / der Artainte heimlich aufzuwarten / und ihr das allein zu sagen / was
Sandenise in allen gesellschaften von mir horte. Weil das ungluck ihrer
verwandten sie mitbetroffen / dass sie zimlich verarmet / als bewegte sie dieses
/ meine liebe nicht also / wie das erstemal /auszuschlagen / und erhielte ich
von ihr allen geneigten willen. Gleich also verfuhre auch Nisan bei der Rodope /
der jüngsten tochter unsers verwesers: die ihn auch gütiger / als die Sandenise
/ aufgenommen und entfangen. Weil die liebe nicht lang heimlich bleiben kann /
als brache es bald in dieser gegend aus /dass Nisan und ich dem Timonax das feld
raumeten: welches dann bei des Nisans mutter / meinem vatter /und der Sandenise
eltern / solchen unlust erregte / dass wir sie allerseits nicht befriedigen
kunten / bis wir ihnen verhiessen / unserer liebe so lang anstand zu geben / bis
wir alle dreie / in des Teraphim tempel /die eigentliche erklärung würden
eingeholet haben /ob Timonax die Sandenise / Nisan die Rodope / und ich die
Artainte / sonder verscherzung unsres gluckes / ehlichen dorften. Wir haben
ihnen auch bei diesem gotte geschworen / welches unter uns hirten das
allerverbündlichste ist / dessen befehl gehorsamlich nachzuleben / und es also
zu lassen / wie der es entscheiden wurde. Die Sandenise hat dieses gleichfalls
zu tun versprochen / wiewol nicht sonder angst auf beiden seiten: massen solche
dem Timonax ohn unterlass die seufzer auspresset. Ich meines teils lebe hierbei
ganz wolgemut / und traue sicherlich / es sei damals der trost uns nicht umsonst
gegeben worden / dass wir / bei unserem lieben / die hoffnung nicht sollten fallen
lassen / uns dermaleins sämtlich vergnügt zu sehen.
    Tiribaces hatte / mit sonderbarer aufmerkung / des Atamias erzehlung
angehoret / und erinnerte sich ganz wohl / dass er mit zugegen gewesen / als
Timonax in dem von dem hirten angestellten wettlauf den siegeskranz gewonnen /
und von der Königin Aramena damit gekronet worden. Inzwischen er aber diesen
dingen nachsonne / fragte Borgias die schäfere / wie es dann käme / dass / da der
Teraphim alles so deutlich entdeckte / die Amphilite und ihre anverwandten /ihre
unschuld wegen des hirten Abinacles zu retten /dieses mittel nicht ergriffen
hätten? Worauf Nisan antwortete: Weil euch / mein herr! dieser schåferin
begebenheit wissend ist / so werdet ihr auch wohl vernommen haben / dass unsere
richtere / als die mächtigsten dieser gegend / ihr sehr aufsätzig gewesen; daher
sie / durch ihre habende macht / verwehret und gehintert / dass Amphilite und die
ihrige niemals zu diesem hulfmittel haben schreiten dorfen / weil der
Oberpriester sie nicht zugelassen / wann sie sich schon angemeldet hätten. Mich
wundert aber sehr / (versezte Borgias) dass es der Chersis solches nicht getan:
dann wie håtte er leichter / als durch eben dieses mittel / auf die warheit
kommen konnen? Was man ganz gewiss vermeint zu wissen / (sagte Nisan) darüm darf
man den heiligen Teraphim nicht befragen / sondern man muss ehrerbietig mit
dessen aussprüchen ümgehen: daher auch dann Chersis dieses unterlassen hat / weil
er das verbreche der Amphilite fåstiglich geglaubet.
    Der betrubte König von Tyro / dieses hörend / entfunde in sich keinen
geringen streit / ob er nicht auch sein unglück fåst glaube / und also
vergeblich nach dem tempel reisen wurde. Doch name er ihm vor /hieran noch zu
zweiflen / damit er sein vorhaben erfüllen könnte. Also wartete er / mit grosser
ungedult /auf die wiederkehr seines waffentrågers / immer das jenige / so der
Borgias heimlich hoffete / befahrend /dass nämlich iemand dazwischen kommen / und
ihme sein fürnemen zerstoren würde. Endlich stellte sich derselbe wieder ein /
hatte aber für seinen herrn alles wohl ausgerichtet / also dass er von niemand
befraget worden. Diesem nach seumten sie nicht ferner / sich auf den weg zu
machen / und gingen zu erst nach dem hause / da sie die camele geheuret / deren
sich die drei hirten bedienen sollten / üm desto geschwinder fortzukommen.
    Es ward aber dieses Konigs absein und ausenbleiben in Edessa nicht eher
gemerket / als wie der nachmittag heran genahet: da die in dem dritten spiel
befindliche personen / in des Konigs von Arabien palast / abgeredter massen /
sich versamlen / alda in ihre schåferkleidung kriechen / und also miteinander
nach Samosata gehen wollten. Die betrubte Orosmada / die für traurigkeit nicht
vom bette gekommen war / die erste / so an ihres gemals wiederkunft zweifelte.
Wie nun die Königin Lantine / neben der Prinzessin Coricide / zu ihr kame / üm
sie nach der Petasiride mit zunemen / erfuhren sie von dieser trostlosen Konigin
/was sonderlich bei der Lantine / als der schwester des Tiribaces / hohe
betrübnis erwekte. Sie sandten an alle orte nach dem König von Tyro aus / da
aber die boten alle unverrichter sachen wiederkamen / und dadurch so grossen
schrecken / neben allerhand urteilen /verursachten / dass sich die vorgesezte
lust in lauter unlust verwandelte. Man schikte gleich nach Samosata und Amida /
diesen unverhofften zufall alda kund zu machen / der ihnen hinterlich ware / ihr
vorhaben ins werk zu stellen. Die Konigin von Mesopotamien /wie auch viele von
den andren koniglichen personen /wurden hierdurch bewogen / nach Edessa zu
kommen / um ihr mitleiden hieruber der Orosmada sehen zu lassen.
    Diese betrübte Königin wollte fast gar verzweiflen /wan sie ihr fürstellte /
dass der Tiribaces / aus zweifelmut / wohl gar möchte um sein leben gekommen sein.
Niemand ware fähiger noch geschikter / ihr trost einzusprechen / als die Timna /
weil die angleicher krankheit gelegen hatte: die dann ihr beispiel ihr fürhielte
/ dass ihr eifersüchtiger man doch endlich wieder zu ihr gekehret wäre. Delbora /
die auch mit zugegen / kunte nicht mit so freier art der Orosmada trost
einsprechen / weil sie eben das heimlich erlitte / was die Konigin von Tyro
öffentlich anstunde. Sie hatte /selbigen tag / einen gewaltigen streit mit dem
Eridanus / ihrem gemal / gehabt / der sie uberfüren wollen /wiedass der Nebajot
bei ihr in der Königin Lantine zimmer gewesen wåre / den sie bei seiner ankunft
verstekt håtten. Diesen irrtum nun ihm vollig zu benemen / begunte sie in dieser
ansehnlichen versamlung von der ursache zu reden / die den König Tiribaces zu
dieser eifersucht mochte bewogen haben / und sagte: Sie wolle ja nimmermehr
hoffen / dass / wie sie unlangst / neben der Orosmada / die Prinzessin Coricide /
weil sie sich verkleidet / in dem zimmer der Konigin von Elam beiseit gefuret /
der König Tiribaces daher in einen argwahn gerahten sei / als wan sie iemanden
für ihme versteckt hätten? Freilich ist dieses eine ursache mit / (antwortete
die betrübte Orosmada) und wollte er ihm solches nicht lassen aus dem sinne reden
/ dass der Prinz von Salem nicht bei uns gewesen.
    Und wan es auch wåre / (sagte Timna) was håtte man dann damit gesundiget? Es
tut mir von herzen leid / (sezte die Coricide hinzu) dass ich also hieran ursach
worden / und durch mein verstecken zu einer solchen eifersucht anlass gegeben.
Wir erfahren nun also / (sagte die Königin von Mesopotamien) was ihr zusammen
fürgehabt / und für uns ander verbergen wollen: das wir aber lieber nicht wissen
mochten / als dass eine so betrübte ursach uns solches kund machen müssen. Ach
mein unglucklicher schrei / (finge Orosmada an) hat mir dieses unheil zugezogen
/ woraus mein gemal etwas boses vermutet / so es doch von mir aus rechter und
lauterer unschuld geschehen ist. So hat dann unser spiel (antwortete der Konig
von Syrien) so widrige dinge wirken müssen? da hingegen das eurige / liebste
schwester! eine heurat zwischen dem Elhanan und der Zelinte gestiftet / und also
glucklicher / als das unsere abgelaufen. Es hat unser spiel (gabe Aramena zur
antwort) nicht allein den Elhanan verliebt gemacht / sondern auch der schönen
Hermione lehren gegeben / wie sie dem König von Meden begegnen soll. Diese
lehren (sagte Hermione) habe ich bisher tåglich von der Königin Delbora bekommen
/ die ståts den Nebajot bei mir fürgestellet /dessen liebe / als wan er selber
mit mir redte / mir beteuret / und sich also erwiesen / als wan ihr die ganze
welt daran låge / mich in diesen König verliebt zu machen.
    Indem die Hermione dieses sagte / war Nebajot in das zimmer gekommen / und
hatte diese reden mit angehoret / daher er sofort das wort name / und sagte: Ich
will darum mit der Königin von Cus nicht eifern /dass sie bei der schonen Hermione
meine stelle vertreten / sondern ihr vielmehr deswegen hohen dank wissen / dass
sie sich dergestalt fur mich bemühen wollen. Der König von Meden weiss /
(antwortete Delbora /mit grosser standhaftigkeit) wie viel mir daran gelegen /
dass mein gemal der König von Cus / und alle welt wisse / wie nunmehr die schone
Hermione meine ehmalige stelle bekleide: deshalben ich auch dazu alles / was ich
nur vermocht / habe wollen herbei tragen / üm diese liebe fäst zu setzen. Es ist
auch die hochste billigkeit (gabe Nebajot mit gleichmässiger ernstlichkeit zur
antwort) dass ich / dem befehl der schonen Delbora / dem willen meiner eltern /
und der glucklichen fügnis meines geschickes / enach lebe /und mich üm die huld
der himlischen Hermione bewerbe. Dieses sagend / fiele er der Konigin von Kitim
zu fusse / die ihn aber bald wiedee aufhabend / zu ihm sagte: die Königin Delbora
hat mich so wohl unterrichtet / dass der Konig von Meden alles von mir zu hoffen
hat. Diese öffentliche erklårung erfreute die ganze gesellschaft / so viel der
Orosmada betrübter zustand ihnen zuliesse / und schopfte hieraus der Eridanus
nicht geringe vergnügung / ob er dieselbe gleich ja so sehr / als seinen vorigen
kummer / verborge hielte.
    Weil aber die listige Timna / die alles genau zu beobachten pflegte / an
diesem König die eifersucht wohl vername / brachte sie wieder auf die bahn / von
dem laster der eiversucht zu reden / und wie solche personen wert wåren / dass
ihnen das widerfure / womit sie ihre geliebten so unschuldig belegten. Solte so
ein gesetze gegeben werden / (sagte die Konigin Cölidiane) so wurde manche
ehrliche person die tugend müssen fahren lassen: massen der Timna selbst wurde
auferlegt gewesen sein / sich mit unrecht-tun an ihrem Eliphas zu rächen. Ich
sage nicht / (verantwortete sich Timna) was die beleidigten tun sollen /
sondern nur /was die beleidiger zu erleiden würdig wåren. Ich für meine person /
(sagte der Konig von Syrien) wurde ungestrafft davon kommen / dann ich von keiner
eifersucht weiss / und mich an der Colidiane tugend håftig versundigen wurde /
wan mir die liebe / einen bosen argwahn von ihr / sollte in den sinn bringen
wollen. So würde ich ebenfalls frei ausgehen / (antwortete diese schöne) dann die
eifersucht so weit von mir entfernet ist / dass mein Konig lieben dorfte / wen er
wollte /sonder deswegen meinen zorn zu befahren: dann ich lasse allein dessen
vergnügung die meinige sein / und da ich gleich sollte dabei hintan gesetzet
werden /wollte ich doch zufrieden sein / in betrachtung / dass es mein Konig also
begehrte. Ich glaube / (sagte die Konigin von Mesopotamien hinzu) solcher art
frauen dorften sich wohl wenig finden / und weiss ich nicht /ob ich der Königin
von Syrien wurde beifall geben konnen / wan ich ihrem stand lebte. Ich bin auch
dieser Meinung (liesse die Konigin von Ninive sich vernemen) und würde ich meinem
Dison das nicht zu gut halten / wan er sich mehr nach anderen frauen / als nach
mir / umsehen sollte. Es ware / als die jüngere Aramena dieses sagte / die
Königin Petasiride nicht zugegen / welche sonst leichtlich dieser worte sich
annemen und solche håtte übel deuten können: dessen auch der König Dison sich
befahrete / und nach deren sich ümsah / womit er den andern anlas gabe /
darüber mit ihme zu scherzen.
    Weil aber indem die Königin Eurilinde / und ihr sohn der Prinz Adonisedech /
dazu kamen / als ånderte sich das gespråche / und bezeugten diese beide ihr
inniges mitleiden gegen der betrübten Orosmada /sonderlich der Prinz / als
welcher eine wiewol unschüldige ursach dieses handels ware. Er erbote sich auch
sofort / dem Konig von Tyro zu folgen / und ihm / wan er ihn fånde / seine unfug
fürzuhalten: das aber alle anwesende ihm wiederrieten und aus dem sinn redten /
weil davon ein widriger ausschlag zu befahren stunde. Es verrichteten aber alle
bediente vom Tyrischen hof dasselbe / worzu der Adonisedech sich erboten / und
verteilten sich durch die ganze landschaft Amida / üm ihren herrn zu suchen. Wie
nun / selbigen abend / der trostlosen Orosmada von allen königlichen personen
zugesprochen worden / also geschahe solches nachgehends bei ihr täglich: daher
des Konigs von Tyro palast der beständige sammelplatz war / da sie sich
allerseits einfunden. Wie nun etliche tage mit der nachsuchung üm den Tiribaces
verstrichen waren / kame endlich der Ledor mit dieser zeitung in Edessa an /
wiedass er hirten gesprochen / die von dem tempel des Teraphim gekommen / welche
ausgesaget / dass ihnen dahin reisende personen begegnet / die sie eben also
beschrieben / wie der Konig von Tyro und der Borgias / den tag ihres verlustes /
gekleidet gewesen. Hierauf entstunde nun die vermutung bei allen / dass der
eifersüchtige Tiribaces nach diesem tempel seinen weg würde genommen haben:
welches dann der Orosmada noch einigen trost gabe. Es wurde auch der Ledor sofort
abgefärtigt / nach dem tempel zu reisen /und wahre erkundigung einzuholen.
    Wie nun / diese zeitung / die ganze gesellschaft wieder aufgemuntet / als
gedachten sie von neuem an ihr schäferspiel / das sie den andern furstellen
wollen / und ward beschlossen / solches nun werkstellig zu mache. Weil aber die
Orosmada nicht mit machen wollte / und also / neben ihrer person / der Konig ihr
gemal / wie auch der Borgias und Ledor / als mitspielende / ermangelten / als
bote sich die Timna an / der Orosmada reden auswendig zu lernen / gleich wie der
Nebajot / und zween von seinen mitgebrachten hofbedienten / der drei andere
ihre stellen zu vertreten /sich anheisig machten. Es verstriche hiermit bei nahe
eine woche / ehe sie konten färtig wurden: weil dem Nebajot die gesellschaft
seiner Hermione so lieb ware / dass er / von ihr zu bleiben / und seine
aufgegebene reimen zu lernen / ihm wenig zeit geben kunte.
    Wie aber endlich diese gesellschaft sich bereit fand / und eines
nachmittags die zuschauere an den gewönlichen ort / nämlich in den garten bei
Samosata / sich versamlet hatten / stellten sich die spielende /als hirten und
hirtinnen såmtlich verkleidet / bei der feld-musik der sackpfeiffen und
schalmeien / in zierlicher ordnung ein / und erlangten / durch diesen ersten
aufzug / schon ein allgemeines lob von den anwesenden / das ihnen dann schwanen
machte / sie würden auch in dem übrigen gewinnen / und den preis davon tragen.
Wie sie sich nun alle hinter die bäume begeben / die ihnen anstat des
schauplatzes dienen sollten /trate einer aus ihrem mittel / nämlich des Nebajots
Cammerherr der Nasir / in hirten-tracht herfür / und überreichte der
gesellschaft ein tåfelein / darauf folgendes zu lesen ware.
 
                    Schäferspiel von Jacob / Lea und Rahel.
                             Diese person vertritt
Jacob Fürst von Heber.
Laban Fürst von Haran.
Semira Laban frau.
Lea und Rahel des Labans töchter.
Bilha und Silpa Laban mägde
Nahor / Betuel / Tarah und Regu / söhne Labans
Der Oberpriester.
Jabal / Boas und Nabal / schäfere.
Naema / Tamar und Egla / schäferinnen.
Mardocentes König von Arabien und Saba.
Zophar Furst von Naema.
Lantine Königin von Elam und Moab.
Petasiride Konigin von Saba und Arabien.
Timna Furstin von Teman.
Coricide Prinzessin vo Canaan.
Hadoran König von Moab und Elam.
Nebajot Konig von Meden.
Ephron Printz von Canaan.
Jetur Prinz von Hevila.
Jotan Furst von Chesed.
Rames Furst von Jedlaph.
Nasir Cammerherr des Königs in Meden.
Joas ein Medischer Haubtmann.
Hermione Konigin von Kitim.
Roma Prinzessin von Hevila.
Iphis Cammerjungfrau der Konigin von Elam.
                          Der Schauplatz ist zu Haran.
    Dieses spieles inhalt / und der aufsatz der personen / (sagte die Konigin
von Mesopotamien) erwecket in mir ein so grosses verlangen / diese geschichte /
die ich langst gern wissen mogen / spielen zu sehen / dass ich gestehe / wiedass
fur mich nichts angenemeres hätte können ersonnen werden. Ich habe von meinen
Obern befehl / (sagte Nasir) allhier anzudeuten / dass der berümte poet Belisar
der verfasser dieses schäferspieles sei / welches etliche Mesopotamische hirten
in ihrer bewahrung gehabt / und uns mitgeteilet haben. Es ware fast keiner unter
dieser koniglichen gesellschaft / der diesen Belisar von namen nicht kennen
sollen / und erwuchse daher ihrer aller verlangen noch um ein grosses / als sie
solches vernamen: daher sie begierig aufmerkten / als das spiel folgender massen
vor den tag trate.
                                       I.
                                       1.
                                 Jacob. Rahel.
JACOB.
    Ihr seit es ja / ihr schone Harans-heiden!
    wo ich zu erst sah meine Schone weiden.
RAHEL.
    Du / Chaboras! du bist der liebe fluss /
    wo Jacobs mund mir gab den ersten kuss.
JACOB.
    Ich fand sie / mein Lamm / hier bei den heerden:
    da ich mir selbst must ersten blicks entwerden.
RAHEL.
    Ihn ich entfieng hier bei dem schafe-born:
    da meine seel in seine sich verlorn.
JACOB.
    Du / Masius / mit deinem hohen rucken /
    mich sahest oft die zarte hånde drucken.
RAHEL.
    Du / klarer bach! trugst oft mit dir davon
    manch heisses wort von meinem Isaacs-sohn.
JACOB.
    Ach ja! was oft der wald mir nachgesprochen /
    von meiner lieb / das bleibe unverbrochen:
    Mein andre seel! ô Rahel! dein allein /
    dein treuer hirt / soll Jacob ewig sein.
RAHEL.
    Auf manchem blat verwundter bäume-rinden /
    wird man die schrift von meinen wunden finden /
    diss treue wort von meiner sussen pein:
    Dein / Jacob! soll die Rahel ewig sein.
JACOB.
    Wan komt die zeit / die uns mit freuden paare?
RAHEL.
    Es sind vorbei die Sieben Dienstes-Jahre.
JACOB.
    Die ich / aus lieb / fur tage nur geacht.
RAHEL.
    Dess werde stäts auf erd mit ruhm gedacht!
JACOB.
    Hore / was du oft gehoret /
    Himmel! unsren liebes-bund /
    und was Jacobs treuer mund
    nun so lang von dir begehret:
    Mit der Rahel / deinem kind /
    durch das ehband ihn verbind.
RAHEL.
    Hochster / ô du GOtt der Gotter /
    den mein Jacob preist und ehrt!
    hor / was er und ich begehret:
    Menschen-vatter! diesen vetter /
    der mich liebt / den ich lieb /
    seiner Rahel eigen gib.
                                    Abgang.
 
                                       2.
                             Betuel. Regu. Nabal.
BETHUEL.
    Mir ziemt ja nicht / von Laban mis zu reden:
    doch mochte wohl schier der verdruss mich toden.
    Ganz Haran redt / und schimpfet auf die tat.
NABAL.
    Dass / zum verkauf / der Laban tochter hat.
REGU.
    Fur Jacob nur: der selbst den kauf beliebet /
    und gerne dienst um seine Rahel gibet.
BETHUEL.
    Ein langer dienst!
NABAL.
    um einen langen kauf!
REGU.
    Nun endet sich der sieben jahre lauf.
    Was saur ankomt / nur desto susser schmecket:
NABAL.
    wie nusse-kern / der tieff in schalen stecket.
REGU.
    Die Rahel ist noch solcher muhe wert.
NABAL.
    Der knechtschaft lohn.
BETHUEL.
    Und Laban hat verzehrt /
    was er indes hått knechten mussen geben
    fur Jacobs dienst.
REGU.
    Wer haben will / muss streben.
    es helf / was hilft! so hålt man kluglich haus.
BETHUEL.
    Biett fromde feil! die tochter steurt man aus.
NABAL.
    Also man geld aus eignen fleisch kann losen.
REGU.
    Kan andre nur / was Jacob nicht / erbosen?
    er dienet gern.
BETHUEL.
    und wohl.
NABAL.
    weil dass er muss.
BETHUEL.
    Dem Laban fållt / durch seinen treuen fuss /
    der segen zu. Die vormals-kleine heerde /
    deckt iezt ein grosses teil der Harons-erde.
    es wimmelt ja / von zick- und låmmer-zucht.
NABAL.
    Die trinkt / fuhlt nur mehr durst / die wassersucht.
REGU.
    Er dient ihm selbst dem ward der tochter eine:
    ein guter-teil / wird einst auch sein das seine.
NABAL.
    Wol klein genug! wer langt nach Labans gut /
    der nimmet ihm das herze / seel und blut.
BETHUEL.
    Nun Jacob wird noch långer dienen müssen /
    von Labans heerd ein anteil zu geniessen.
REGU.
    Vor arbeit biett der himmel guter feil.
NABAL.
    Ich feire gern: was wird dann mir zu teil?
BETHUEL.
    Wie wird alsdan der arme Jacob bussen!
    man heischt von ihm / was wolf und wild zerrissen /
    der dieb entwandt. Man wird / ich weiss es schon /
    wohl zehenmal veråndern ihm den lohn.
REGU.
    Die Rahel kann versussen die verdrusse.
NABAL.
    ja! so ein mund gibt gar zu susse kusse.
                                    Abtritt.
 
                                       3.
                                 Laban. Jacob.
LABAN.
    Ich muss es ja zu ruhme sagen nach /
    mein vetter! dir, seit ich durch dich bewach
    mein wollen vieh / seh ich es sehr vermehret.
    Der HErr / durch dich / zu mir den segen kehret.
    die ich vordess oft hab umsonst gesucht /
    die find' ich iezt / der heerde reiche frucht.
JACOB.
    Ich diente dir aus allen meinen kråften.
    es war kein schlaff bei mir / in den geschåften.
    bei tag bin ich von hitze fast verschmacht:
    ich war / fur frost / oft halb erstarrt bei nacht.
LABAN.
    Ich weiss es wohl / hab deinen fleiss erkennet.
JACOB.
    nun sieben Jahr'.
LABAN.
    ich weiss auch / was dich brennet.
JACOB.
    so lange zeit.
LABAN.
    und was ich dir geredt.
JACOB.
    das auch geschah an eben dieser stått.
    und wan dann soll mein / meine Rahel / werden?
LABAN.
    Die dir bisher oft huten half der heerden.
JACOB.
    Mein Lam.
LABAN.
    dein lohn.
JACOB.
    dein dank.
LABAN.
    mein jungstes kind.
JACOB.
    Die Lea wohl auch meines gleichen findt.
LABAN.
    Weissagest du?
JACOB.
    warüm?
LABAN.
    du hast gesprochen /
    was ich gedacht. Nun! eh man noch zwei wochen
    zurucke zehlt / soll Rahel heisen dein.
JACOB.
    Dafur will ich dir ewig danckbar sein.
                                    Abtritt.
 
                                       4.
                                 Nahor. Tarah.
NAHOR.
    Du sagst mir viel: davon ich wenig glåube.
THARAH.
    Du schiltest mir / was ich mit wollust treibe.
NAHOR.
    Ich schelte das / was man nicht loben kann.
THARAH.
    Diss / was ich sag' / ist warheit / und kein wahn.
NAHOR.
    Solt ich also ein mussigs leben leben?
THARAH.
    dem war / in ruh / die erste welt ergeben?
NAHOR.
    Die neue iezt / der alten albern lacht:
THARAH.
    die gulden war / und nun sich eisern macht.
NAHOR.
    Das eisen muss das gold zu zeiten schutzen:
THARAH.
    ein teurer schutz / der menschen-blut macht spritzen?
NAHOR.
    Durch kriegen man kriegt reichtum / land und leut.
THARAH.
    Durch waffen wird der lånder gut verstreut.
NAHOR.
    Weg mit der trift! nach hof steht mein verlangen.
THARAH.
    Ob sie von gold / wer mag mit fåsseln prangen?
NAHOR.
    Ein stern sich gern hin zu der sonne macht.
THARAH.
    im reich des liechts: auf erd ist nichts als nacht.
NAHOR.
    Die hoflichkeit vom hof sich nennt und kommet:
THARAH.
    die nirgend zu / als zum betrugen / frommet.
NAHOR.
    Wer leucht um sich / mir eine sonne heist
THARAH.
    Viel heller scheint / ein stiller grosser geist.
NAHOR.
    Ein muht sich nicht nur einem winkel schenket:
THARAH.
    Die weite sucht / wer sich in sich nit lenket.
NAHOR.
    Nur der ist gross / der grossen ruhm erwirbt:
THARAH.
    doch / unbekandt ihm selber / endlich stirbt.
    Sag mir / was du wilst: ich wehle /
    fur die unruh / susse rast.
    Lust der hofe / ist nur last /
    wo ich list und laster zehle.
    In dem feld wohnt reine lust /
    die der tugend nur bewust.
NAHOR.
    Krieche du in deinen grunden:
    ich will Bergen fliegen zu.
    In der unruh such ich ruh.
    Tugend ihren feind will finden.
    Faule erde fault und stinkt:
    feuer feiret nicht / und blinkt.
THARAH.
    Winde auf die berge riesen /
    auf die hohen / sturmen los:
    in der niedren taler schoss /
    man der stille kann geniessen.
    Fliege nur / wer fliegen will:
    Phaeton ihm zeigt das ziel.
NAHOR.
    Tugend / labet auch im ligen.
    grosse wagnis / machet gross.
THARAH.
    wer sich fernt vom donner-schloss /
    darf sich vor dem keil nit biegen.
NAHOR.
    Hof und hoheit lådt mich ein.
THARAH.
    Ich will hirt und nidrig sein.
                                    Abgang.
 
                                      II.
                                       1.
                                 Laban. Semira.
LABAN.
    Es ist geschehn! ich hab sie ihm verheisen.
SEMIRA.
    Wol werden dich des landes tochter preisen.
LABAN.
    Die männer doch.
SEMIRA.
    die blod von sinnen sind.
LABAN.
    Sie ist ja sein: er hat sie saur verdient.
SEMIRA.
    Auch Lea hått sein lohn wohl werden konnen.
LABAN.
    Er liebt sie nicht: man muss ihm Rahel gonnen.
    sie liebt auch ihn.
SEMIRA.
    Der kinder unverstand /
    muss fåsseln nicht der eltern freie hand.
LABAN.
    Im Gotter-raht wird iedes paar gebunden.
SEMIRA.
    Hast die Cantzlei des himmels du gefunden?
    wo ist der brief / da Rahel stehen soll?
LABAN.
    Die herzen sind's! was sein soll / schickt sich wohl.
    Der himmel macht die seelen wechsel-lieben /
    die / als ein paar / sind in sein buch geschrieben.
SEMIRA.
    Schreibt wohl der himmel so ein unrecht ein /
    dass Lea soll vom gluck verstossen sein?
LABAN.
    Um Lea hat der Jacob nicht gedienet.
SEMIRA.
    Des Landes sitt / so noch bisher gegrunet /
    gibt nicht die jungste vor der åltsten aus.
LABAN.
    So fuhr' er sie all-beide dann zu haus.
SEMIRA.
    Wol gut!
LABAN.
    und wie? er will bei Rahel ligen
    in nåchster nacht.
SEMIRA.
    so muss man ihn betriegen.
LABAN.
    Durch list!
SEMIRA.
    was schadts?
LABAN.
    ich hab es schon bedacht.
SEMIRA.
    Sie komt! es muss ihr werden vorgebracht.
 
                                       2.
                              Laban. Semira. Lea.
LEA.
    Nun Labans haus sich trägt mit hochzeit-sachen /
    will nicht hierzu Semira anstalt machen?
    ich komm / und will befehl iezt horen an /
    worinn mein fleiss hierbei sich zeigen kann.
SEMIRA.
    Ein grosses tun dir nun zu handen kummet.
LEA.
    Ich hor?
LABAN.
    es ist diss Fest fur dich bestimmet.
LEA.
    für mich?
SEMIRA.
    du bist die haubt-person im spiel.
LEA.
    ja wohl! wan man zuruck sie zehlen will.
LABAN.
    Denk du / dich schon mit schmucke zu beladen.
LEA.
    So gehts! der spott gesellt sich zu dem schaden.
SEMIRA.
    Du bist die braut.
LABAN.
    erbebe dein gesicht.
LEA.
    Man scherzt mit mir! ich heiss ja Rahel nicht.
SEMIRA.
    Doch morgen solst du braut und Rahel werden.
LEA.
    Man håufe nicht beschwerden mit beschwerden:
    es sei genug / dass mich natur geschändt.
LABAN.
    Man weinet nicht / wann sich das elend endt.
SEMIRA.
    Die Lea soll mit dem zu bette gehen /
    der sich mit Rahel wird getrauet sehen.
LEA.
    Mit Jacob / ich?
LABAN.
    ja du!
LEA.
    an ihrer statt?
LABAN.
    Diss ist der schluss;
SEMIRA.
    und deiner mutter raht.
LEA.
    Solt Jacob sich durch mich betrogen spuren?
    solt ich den mann der Rahel so entfuhren?
    probirt mich nicht? die schwester ist mir lieb:
    der ich gar gern den gluckes-vorzug gib.
SEMIRA.
    Dank du dem gluck / wann es dich will anlachen.
LEA.
    Ich will mich nicht / durch laster / gluckhaft machen.
LABAN.
    Lieb dein geblut: iedoch dich selbst voran.
LEA.
    Nach hass ich wohl / mich liebend / rennen kann.
SEMIRA.
    Man sorgt vor dich: ist dieses dir entgegen?
LEA.
    Die list soll mich zu keinem bråutgam legen.
LABAN.
    Gehorche du!
LEA.
    Ich tu / was tugend spricht.
SEMIRA.
    Was wan dir sagt / das ist kein laster nicht.
LEA.
    Ach nein!
LABAN.
    sprich / ja!
LEA.
    wie soll ich?
SEMIRA.
    wirst du streiten /
    hartnåchichts kind! mein zorn soll dich begleiten.
LABAN.
    Nenn ja fortin dich Labans tochter nicht /
    wan nicht mein will bei dir findt kindespflicht.
LEA.
    Ach! soll ich so diss liebe paar betruben?
    Er liebt mich nicht.
SEMIRA.
    er wird dich kunftig lieben.
LABAN.
    als weib.
LEA.
    als die / die ihn bracht um sein weib.
SEMIRA.
    dafur ist raht!
LEA.
    dass ich veråchtlich bleib.
LABAN.
    sein herz ist gut.
SEMIRA.
    du must es niemand sagen.
LEA.
    Möcht man mich doch dafür zu grabe tragen!
                                    Abtritt.
                                       3.
                               Jacob. Rahel. Lea.
JACOB.
    Mein glucke lacht: und unsre Lea weint.
RAHEL.
    Ob man vieleicht ist meiner freude feind?
LEA.
    Ich weine nicht. der rauch hat mich gebissen.
JACOB.
    Du hast geweint: darf man die ursach wissen?
LEA.
    O harte frag!
JACOB.
    Ich sah / sieben Jahr' /
    euch beide ståts ein treues schwestern paar:
    soll Lea nun mit Rahel sich nicht freuen?
    will sie nun leid in unsre freude streuen?
RAHEL.
    Wird etwan mir mein Jacob misgegönt:
JACOB.
    schmerzt dich das fest / das meine treue kront.
LEA.
    Ihr kennt mich ja! diss herze redlich liebt:
    das iederzeit nur gerne tugend ubet!
    nun aber!
RAHEL.
    wie? was krånkt dich?
LEA.
    herzenleid.
JACOB.
    Ich leide mit!
LEA.
    das mir ståts ist bereit.
RAHEL.
    Sag / was es sei? mein leiden ist / das deine.
LEA.
    ach wår es nicht! ach wår es mein alleine!
RAHEL.
    Teil deine sorg mit mir / wie oft geschah.
LEA.
    und iezt geschiht. Es ging dir wohl so nah /
    als mir / wan ich es dörfte von mir sagen.
RAHEL.
    So hab es dir / soll ich mit helfen tragen.
LEA.
    Dich meine last wird drücken nur zu fruh.
JACOB.
    So hab ich dann / zu trosten / doppel muh.
RAHEL.
    Sei / was es sei! ich hab nicht zeit zum krånken.
    ich muss ietzund auf lauter freuden denken.
    komm / Jacob du! lass uns zur heerde gehn.
    die Lea mag allein hier traurig stehn.
                              Abtritt der beiden.
 
                                       4.
                                  Lea allein.
    Muss Tugend so / und der Gehorsam / streiten
    in meiner seel? muss ich mich dann bereiten /
    ein meinen mann verhasstes weib zu sein?
    soll der betrug mich ihme liefern ein?
    soll mich fortin die liebe schwester hassen?
    muss mich die welt in bosen leimund fassen?
    Als bruder / mir war Jacob lieb und wehrt:
    der Rahel stell hab ich wohl nie begehrt.
    Du kennst mein herz / o himmel! dieses fromme.
    mit unschuld ich zu dieser schulde komme.
    Ich ehre ja / mit treuer kindes-pflicht /
    der eltern sorg / und kann sie schelten nicht:
    sie wollen so mich wohl versorget wissen.
    ich werd verfolgt sein / oder folgen mussen.
    vielleicht teil' ich mit Rahel noch den mann:
    die neben ihr mich ja noch leiden kann.
    nehm' ich den leib: ihr bleibet doch das herze.
    mit meinem / wird also geheilt ihr schmerze.
    Du Jacobs-Gott / den ehret meine seel!
    dir meine angst mit tränen ich befehl.
    Ich weiss / dass du / wie alles / diss versehen.
    du kanst / dass es dem guten weg muss gehen /
    es machen wohl. Siht Jacob mich nit schon:
    er soll mein herz voll treu und tugend sehn.
    wer weiss was Gott mir gibet noch fur gaben /
    zu werden wehrt / dass er mich mog lieb haben?
    Wer weiss / ob ich nit Rahel uberleb' /
    und dann allein an meinem Jacob kleb?
    vielleicht sein haus durch mich mag fruchtbar werden?
    vielleicht von mir noch komt das heil der erden?
    Ob man in diesem tun ein laster findt:
    man denk / dass es tåt ein gehorsams kind.
                                    Abgang.
 
                                       5.
                                  Egla. Naema.
EGLA.
    Ists recht / dass man / vor Lea / Rahel gibet?
NAEMA.
    Man gibet recht / dem Jacob / was er liebt.
EGLA.
    Man gibet recht zuvor die åltste aus.
NAEMA.
    Die lieb sich nicht kehrt an das recht im haus.
EGLA.
    Freilich ist sie blind zu nennen:
    sie will nie kein recht erkennen.
    offne / sind die augen zu /
    die vernunft / tyrannin du!
NAEMA.
    Liebe ist nit blind zu nennen /
    die / was schon ist / weiss zu kennen.
    durch die augen / ihre kerz
    steigt und leuchtet in das herz.
EGLA.
    Liess Jacob sich von Rahel schonheit brennen?
NAEMA.
    so sehr / dass er von ihr ist nicht zu trennen.
EGLA.
    ha! schonheit ist nur eine schone haut:
NAEMA.
    doch machet sie so manche dirn zur braut.
    Nicht die haut nur: schone augen /
    schone lippen / konnen taugen /
    schones lachen / schone red;
    dass man ganz in flammen steht.
EGLA.
    Ubel freit sichs mit den augen /
    die oft zu verfuren taugen.
    Schonheit / gleich den rosen / steht
    unter dornen / bald vergeht.
NAEMA.
    Die Rahel ja / vor Lea / kann behagen.
EGLA.
    Die etwan mag im herzen unform tragen.
NAEMA.
    Ihr schoner leib / ist des gemütes bild.
EGLA.
    oft einen wurm das apfel roht verhullt.
    Man muss nicht dem scheine trauen.
    man muss ins gemüte schauen
    mit dem innern angesicht:
    diese augen triegen nicht.
NAEMA.
    Man kann wohl der stirne trauen.
    aus den augen pflegt zu schauen
    des gemutes innre zier.
    es verrätt den wirt die tur.
EGLA.
    In Lea Leib / wohnt eine schone seele.
NAEMA.
    Man wehlet nicht / dass man die augen quåle.
EGLA.
    der seele glanz geht weit dem åusern fur.
NAEMA.
    er wird vermehrt durch seines leibes zier.
    Schonheit ist doch augenweide /
    augenweid ist herzens-freude /
    herzens-freude macht verliebt.
    Ungestalt das aug betrübt.
EGLA.
    Schonheit ist verdruss und schmerze /
    wann mit ihr nit schont das herze.
    Siht ein schoner weit heraus /
    ziert er auch ein schlechtes haus.
NAEMA.
    So mag dich dann ein solcher Schåfer trauen:
    ich aber will nach einem schonen schauen.
EGLA.
    So wehl du dir die weide fur das aug:
    schau nur / dass dich nit beisse rauch und laug'.
 
                                      III.
                                       1.
                          Rahel. Naema. Tamar. Egla.
NAEMA.
    Hier bringen wir den spiegel unsrer auen:
THAMAR.
    in dem fortin sich Jacob wird beschauen.
NAEMA.
    Wie schon sass sie doch gestern in dem bad:
EGLA.
    da sie Diana selbst beneidet hat.
THAMAR.
    der Luna schnee prangt um die rosen-wangen.
NAEMA.
    ach! sehet doch die silber-fäden hangen.
RAHEL.
    Wie macht euch heut die freude so beredt!
THAMAR.
    Weil Jacob soll mit Venus gehn zu bett.
EGLA.
    Nicht schöner Heva war im garten Eden.
RAHEL.
    Ihr werdet mich mit euren fratzen toden.
NAEMA.
    Sitz nun hieher / du engel auf der erd!
    lass tragen dich die selle von der heerd.
EGLA.
    Nun / schones haar! du must dich lassen kämmen.
THAMAR.
    wir wollen dich aufschneckeln / kråusen / flåmmen.
NAEMA.
    wie wird doch heut in diesen locken-zwirn /
    in dieses netz / sich Jacobs seel verwirrn!
THAMAR.
    aus diesem flachs ihm Cloto spinnet leben.
RAHEL.
    Ich muss euch heut viel lobe-pfennig geben.
NAEMA.
    diss ist das garn / womit man herzen fångt.
THAMAR.
    das meine selbst sich in die maschen mångt.
EGLA.
    mich dunkt / ich seh die sonne mit den strahlen.
NAEMA.
    O bild! das man nit schoner konnte mahlen.
THAMAR.
    Nun sezt ih auf / der blum / den blumen-kranz.
EGLA.
    Sie hat aich ihm gebunden solchen glanz.
NAEMA.
    Hier ist der rock / der gauz vom filze starret:
EGLA.
    in diesem muss der bräutgam sein erharret.
NAEMA.
    der gildne Schleir verhulle diss gesicht:
THAMAR.
    dass man es seh vor scham erroten nicht.
                Die drei schäferinnen danzen in eine feldmusik.
NAEMA.
    Komt / ihr schwestern / an den reien!
    lasst uns schreien:
    Rahel soll den Jacob freien.
NAEMA. THAMAR. EGLA.
    Ja wir schreien:
    Jacob wird die Rahel freien
THAMAR.
    Lasset uns im reien springen /
    lasst uns singen:
    Rahel wird mit Jacob ringen.
NAEMA. THAMAR. EGLA.
    Ja wir singen:
    Jacob wird mit Rahel ringen.
EGLA.
    Lasset uns im springen sagen /
    Rahel fragen:
    ob sie lang den kranz wird tragen?
NAEMA. THAMAR. EGLA.
    Ja wir fragen:
    Wirst du lang den kranz noch tragen?
NAEMA.
    Ja / wir sagen / singen / schreien /
THAMAR.
    an dem reien:
EGLA.
    Freien / Rahel wird erfreuen.
NAEMA.
    Ja das freien
    wird die Rahel nie gereuen.
THAMAR.
    Ja wir sagen / schreien / singen /
    in dem springen /
NAEMA.
    eh wir sie zu bette bringen:
NAEMA. THAMAR. EGLA.
    susses ringen /
    wird der Rahel freud-gelingen.
RAHEL.
    Hört ihr nicht auf / die Rahel zu beschämen:
    so zwinat ihr sie / die flucht von hier zu nemen.
NAEMA.
    Wir knupfen ihr nun auch den gurtel an:
THAMAR.
    den niemand heut / als Jacob /losen kann:
 
                                       2.
                  Jacob. Jabal. Boas. Nabal. samt den vorigen.
JABAL.
    Hier kommet nun des schåfer-ordens ziehe.
NAEMA.
    Der lang gewunscht / dass dieser tag bald wurde.
BOAS.
    Der aus der fern fur dich / ô Rahel! kam.
NAEMA.
    Der unsren hirten hier diss kleinod nan.
JABAL.
    Geh / Hurden-Furst! zum sieg / auf palmenzweigen.
BOAS.
    bewerfet ihn mit schoten und mit feigen.
JABAL.
    Dort steht die braut: gib / Jacob! ihr den gruss.
NAEMA.
    Darauf wird heut noch folgen mancher kuss.
JACOB.
    Gott meiner våtter! der mich hergefuret /
    der meine zeit heut so mit freude zieret:
    der Rahel mach gluckseelig diesen tag /
    dass er ihr zu ein guldnes leben trag.
JABAL.
    Nim hin den kranz / den Rahel dir gewunden.
NAEMA.
    Viel susse kuss' hat sie darein gebunden.
BOAS.
    Sie kront fortin dein herz mit lauter freud.
NAEMA.
    Hier fuhrt er nun die augen auf die weid /
    an statt der heerd. - - -
 
                                       3.
  Laban. Semira. Lea. Nahor. Betuel. Tara. Regu. der Oberpriester. samt den
                                    vorigen.
    Hinten im garten / ist ein baldaquin oder zeltimmel von laub und blumen
  aufgerichtet / dahin geht der Oberpriester voran / ihm folget Jacob mit den
  mannspersonen / und diesen die braut mit den weibspersonen. Die schäfere und
 schäferinnen /spielen und singen umeinander / und machen gleichsam zween Chore
1 CHOR.
    Es komme wilkommen / der fromme / der treue /
    der Abrahams-nefe / Rebeccen ihr sohn /
    Furst Jacob / der schåfere wonne und kron.
    Der himmel ihn segne / diss freien erfreue!
2 CHOR.
    Tochter Haran! schauet an /
    schaut den Jacob in der krone /
    damit / seiner treu zu lohne /
    Rahel ihn bekrånzen kann /
    heut bei seiner hochzeit-freude /
    am tag seiner herzens-weide.
1 CHOR.
    Es komme wilkommen / die liebe / die schone /
    die Furstin von Haran / das treffliche bild /
    die wonne / die sonne von unsrem gefild!
    der himmel sie hege / mit segen bekrone!
2 CHOR.
    Wer ist / die nun tritt herzu
    so gerad / wie eine kerze?
    Rahel / Jacobs andres herze /
    edle Fursten-tochter du!
    schon und herrlich ist dein gehen /
    wie die marmor-seulen stehen.
 Indem der Oberpriester mit beiden verlobten unter dem zeltimmel stehet / sie
  mit dem handgelubde zusammentrauet / einen Becher mit wein segnet und ihnen
 auszutrinken reichet / und Rahel dem Jacob einen ring anstecket / wird von den
                     Choren ferner gespielet und gesungen.
1 CHOR.
    Himmel! heil und segen taue!
    Jacob / Rahel / stehn zur traue.
2 CHOR.
    Schliest die hertzen / wie die hände.
    niemals reisse diss gebande.
1 CHOR.
    Eure zeit viel freuden schaue /
    als viel gråslein trågt die aue.
2 CHOR.
    Euer haus von segen wimmel' /
    als viel sternen hegt der himmel.
1 CHOR.
    Mit des reben blutes susse /
    gluck und leben in euch fliesse.
2 CHOR.
    Eure lieb sich ståts verjunge:
    wie sich findt kein end am ringe.
1 CHOR.
    Mehret euch / erfullt die erde:
    eure nachwelt weltkund werde.
2 CHOR.
    Eure zeit in frieden graue /
    der kindskinder kinder schaue.
Die Schäfere und Schäferinnen / gegeneinander über stehend / singen wechselweis
                       ein loblied der beiden vertrauten.
JABAL.
    Solte Rahel wohl nit lieben
    unsres Harans werten gast?
    Liebe hat ihn hergetrieben /
    die er in sein herz gefasst.
BETHUEL. NABAL.
    Lasset uns / aus vielen proben /
    Jacobs teure treue loben!
NAHOR.
    Solte Jacob auch nit lieben /
    Rahel unsre Harans zier?
    keine schonheit wird beschrieben /
    die sich finde nicht an ihr.
THAMAR. EGLA.
    Lasset uns / mit vielen weisen /
    unsrer Rahel schonheit preisen!
BOAS.
    Reise / Jacob! (Isaac sagte)
    hol aus Haran deine flamm.
    Rahel er / die ihm behagte /
    ferne hier zu suchen kam.
NAHOR. JACOB.
    Lasset uns / aus vielen proben /
    Jacobs teure treue loben!
THARA.
    Jacob in der fern' entbrante /
    von der Rahel schonheit ruhm
    ihre zier abwesend kante:
    die nun wird sein eigentum
EGLA. NAHOR.
    Lasset uns / mit vielen weisen /
    unsrer Rahel schonheit preisen!
NABAL.
    Sie / der nordstein / ihn / das eisen /
    zog mit unbekanter macht.
    Nach der liebsten muhsam reisen /
    das wird billig hochgeacht.
JACOB. BETHUEL.
    Lasset uns / aus vielen proben /
    Jacobs teure treue loben!
EGLA.
    Solcher wangen rosen-bluhen /
    solcher augen tauben-blick /
    kann ein herze an sich ziehen /
    dass es ihr besitz begluck.
NAHOR. THARA.
    Lasset uns / mit vielen weisen /
    unsrer Rahel schonheit preisen.
JABAL.
    Keinen schweiss hat er gescheuet /
    keiner muhe sauren dienst /
    tåglich ward sein fleiss erneuet:
    um den lieben liebgewinst.
BETHUEL. NAHOR.
    Lasset uns / aus vielen proben /
    Jacobs teure treue loben!
NAEMA.
    Diese goldgerollte locken /
    dieser lippen purpur-saum /
    dieses halses weisse flocken /
    fullten ihn mit sussem traum.
THARA. EGLA.
    Lasset uns / mit vielen weisen /
    unsrer Rahel schonheit preisen.
BOAS.
    Siebenmal sich neu-begrunte /
    seit er kame / diss gefild /
    sieben jahr' um sie er diente:
    die er nur für tage hielt.
NAHOR. JACOB.
    Lasset uns / aus vielen proben /
    Jacobs teure treue loben!
THAMAR.
    Rahel glånzet / als die Sonne /
    geht himlisch auf der erd.
    Ihm erwerben solche wonne /
    ist wohl solcher muhe wehrt.
EGLA. NAHOR.
    Lasset uns / mit vielen weisen /
    unsrer Rahel schonheit preisen!
NABAL.
    Rahel schonheit / Jacobs treue /
    eines ist des andren wehrt.
    Hier in unsrer schåfereie
    beides ewig werd verehrt.
JACOB. BETHUEL.
    Lasset uns / aus vielen proben /
    Jacobs teure treue loben!
EGLA.
    Du bist schone / unsre schone!
    schone bist du / Jacobs zier!
    schones gluck dich allzeit krone!
    unsre Trift rufft fur und fur:
THARA. NAHOR.
    Lasset uns / mit vielen weisen /
    unsrer Rahel schonheit preisen!
LABAN.
    - - - Lasst uns zur malzeit gehen!
SEMIRA.
    Die tische schon mit kost besetzet stehen.
NAHOR.
    Der liebe tag mit wonne werd volbracht.
NABAL.
    Fur Jacob folgt hierauf die freuden-nacht.
                                    Abgang.
 
                                      IV.
                                       1.
                           Laban. Semira. Lea. Rahel.
LABAN.
    Die gåste stehn. das mahl ist nun verzehret.
    Ihr tochter! komt / und euren vatter horet.
SEMIRA.
    die mutter auch.
RAHEL.
    was ist der eltern will?
LABAN.
    dass dem geschick du heut solst halten still.
RAHEL.
    Ich lasse gern / was mich erfreut / geschehen.
SEMIRA.
    Nein! Lea soll mit ihm zu bette gehen.
RAHEL.
    mit wem?
LEA.
    ach mir!
LABAN.
    mit Jacob.
RAHEL.
    meinem mann?
SEMIRA.
    Dir / Schone! noch ein andrer werden kann.
RAHEL.
    Nein! diesen mir der Priester hat gegeben.
LABAN.
    Mir steht es zu. du must nit widerstreben.
RAHEL.
    Verstost man mich?
SEMIRA.
    Es ist nicht sitt im haus:
    die erstgeburt heist erstlich steuren aus
    das åltste kind.
RAHEL.
    um mich er sieben jahre
    gedienet hat.
LABAN.
    das mir nit eben ware.
RAHEL.
    Mich liebt er. heist das / belohnen treu?
LABAN.
    denk / dass ich herr in meinem hause sei.
RAHEL.
    Doch vatter auch.
SEMIRA.
    der sorgt fur alle kinder.
RAHEL.
    Wen straffet man? ist Jacob dann ein sunder?
    ach erstgeburt!
LABAN.
    die er dem bruder nam.
SEMIRA.
    die er der Lea auch zu nemen kam.
RAHEL.
    Ach! nun find ich die quelle deiner tränen.
    kontst du dich so nach meinem Jacob sehnen?
    der eltern herz must so gewonnen sein.
    darfst / Lea! du mein ehbett nemen ein?
LEA.
    O himmel! sprich / sei meiner unschuld zeuge.
    vor euch ich hier die knieh' / ihr eltern! beuge:
    hort meine bitt. hort auch die Rahel an.
    lasst ihr / den sie und der sie lieb gewann.
    Ich weinte ståts / diss unrecht zu begehen.
RAHEL.
    Ich weine nun / verstossen mich zu sehen.
    ach vatter! lass doch meinen Jacob mir.
LEA.
    ach mutter! lass doch ihren Jacob ihr.
RAHEL.
    nimm ihm nit mich / die er so teuer erworben:
LEA.
    ohn die er ståts wird leben / als gestorben.
LABAN.
    Es kann nit sein. Semira! es ist zeit:
    in Jacobs bett die Lea hin begleit.
    kein lampen-liecht lass in der kammer stehen:
    er muss heut nicht / was er umarmet / sehen.
SEMIRA.
    Sie widersteht.
LABAN.
    So geh ich selber mit.
LEA.
    man reisst mich hin. - - -
 
                                       2.
                                 Rahel allein.
    - - - Hilf / himmel! was geschiht?
    hat Laban dann der tugend ganz vergessen?
    darf mich Semira so mit kummer pressen?
    Mein Jacob! ach! nunmehr mein Jacob nicht!
    was wird uns iezt für ungluck zugericht?
    ach! ich muss dich / ach! du must mich / verlassen.
    womit hab ich verdient der eltern hassen?
    Schåmt man sich gar vor keiner schand nit mehr?
    verschimpft man so des Nahor-hauses ehr?
    Muss meine lieb im porte schiffbruch leiden?
    Ich stunde nun im antritt meiner freuden:
    wie dass mich so iezt leid und unglück fållt?
    hått man mir doch dafur mein grab bestellt!
    Die ich bisher der preis von Haran ware /
    das ehren lied gesamter hirten-schaare:
    soll ich fortin der leute spott-spiel sein?
    Tod mich doch bald / du ungemessne pein!
    Es konten mich um meinen Jacob neiden /
    die hirtinnen: nun trostet sie mein leiden.
    ô harter schimpf! doch schmerzt mich mehr in mir /
    dass man also nimt meinen Jacob mir.
    Er war ja mein. Darf Laban so betriegen?
    der ihm versprach: bei Rahel solst du ligen /
    um deinen dienst! Ist Lea nun die braut?
    da man doch ihm verkauft hat meine haut!
    Nun dann! der tod ist mir bestimmt.
    weil man mir meinen Schäfer nimt /
    so nimmet man mir auch das leben.
    Die lange lieb der sieben jahr /
    kann enden nur die schwarze baar.
    diss nemen / mich dem grab wird geben.
    Ich kann den schmerz verschmerzen nicht.
    ich will / aus aller welt gesicht /
    hin zu dem wald und wilde laufen.
    weil Jacob nicht kann werden mein /
    so soll es auch kein ander sein.
    ich lass mich keinem mehr verkaufen.
    Ihm nur sei morgen / wann es tagt /
    die lezte gute nacht gesagt:
    er soll noch einmal Rahel sehen.
    Lig / Lea nun an meiner stått.
    ich weiss / dass Jacobs ehebett
    dir kurzlich auch leer werde stehen.
                                    Abgang.
 
                                       3.
                                 Silpa. Bilha.
BILHA.
    Und lachst du noch?
SILPA.
    ich muss des possens lachen?
BILHA.
    der Rahel kann betrubt und weinend machen.
SILPA.
    um einen mann? sind nicht der månner mehr?
BILHA.
    kein Jacob doch.
SILPA.
    der Lea lass die ehr.
BILHA.
    die mit betrug must einen mann bekommen:
SILPA.
    dass ihr nit wurd die erstgeburt genommen.
BILHA.
    wann sie diss recht auch in der schonheit hått!
SILPA.
    die sihet man bei nacht nit / und im bett.
BILHA.
    wann sie nur nicht verriet die morgenrote.
SILPA.
    vielleicht man dir auch nicht zuwider täte /
    wann man dich so zuleget' einem mann.
BILHA.
    der spiegel mir noch etwas zeigen kann /
    das mir bei tag wird einen mann erwerben.
SILPA.
    Ich denke wohl / du wirst nit jungfer sterben.
    Gonn Lea nur / dass sie den Jacob hat:
    die Rahel findt wohl auch im bette statt:
BILHA.
    Was redest du?
SILPA.
    Ich wollte viel verwetten /
    der Laban werd' auch ihr zu Jacob betten.
BILHA.
    kann Jacobs herz die teilung gehen ein?
SILPA.
    er muss doch wohl. die Lea ist nun sein.
BILHA.
    Auf solche weis kann man viel weiber kriegen.
SILPA.
    vielleicht komst du noch selbst bei ihm zu ligen?
BILHA.
    Glåub mir es zu: mir traumt' in nåchster nacht /
    wie in sein bett mich Rahel hab gebracht.
SILPA.
    und Lea mich: mir ists auch vorgekommen.
BILHA.
    So hått' er dann der weiber vier genommen.
SILPA.
    Nun! unsren traum auslegen wird die zeit.
BILHA.
    Gott wend nur bald der Rahel hertzenleid.
                                    Abgang.
 
                                       4.
                                 Jabal. Nabal.
JABAL.
    Ists moglich auch? ward Jacob so betrogen?
NABAL.
    warf Rahel aus: die Lea hat gezogen /
    das liebesgarn.
JABAL.
    wer hat es dir gesagt?
NABAL.
    Ich sah gehn die Silpa / Labans magd /
    mit einem rock / der Lea soll bekleiden /
    als Jacobs braut: sie sagt' es mir mit freuden.
JABAL.
    Ich weiss es ja / wie Rahel ihn geliebt /
    und Jacob sie: wiedass man so betrubt
    ein treues paar?
NABAL.
    mit deinen albern fragen!
    so bringt man / die im gesicht nit tragen
    ihr heuratgut / die jungfern an den mann.
JABAL.
    Was unrecht ist / das ist nit wohl getan.
NABAL.
    Was nutzt / ist recht. - -
JABAL.
    Kan dann auch die bosheit nutzen?
    kann sonst was / als tugend / schutzen?
    Unrecht / steht auf schwachem fus.
    Recht / das wird doch recht verbleiben /
    das die frommen herzen treiben.
    Bosheit endlich fallen muss.
NABAL.
    Und was soll die frommheit nutzen?
    Tugend kann sich selbst nit schutzen:
    List / zieht ihr oft ab den balk.
    nacktes recht / kann wenig frommen.
    wer wohl durch die welt will kommen /
    der muss sein halb-fromm halb schalk.
JABAL.
    Wär sonst keine treu auf erden:
    sie soll wohnen bei den heerden.
    Einfalt schaf' und schåfer ziert.
    hier die hurden unsrer hirten
    mussen nicht betrug bewirten /
    die in stådten teuer wird.
NABAL.
    Schafe mogen / dein behagen
    Einfalt / mit der wolle / tragen:
    Schåfern sie steht ubel an.
    Wer ist mit vernunft begabet /
    nicht wie tummes vieh eintrabet /
    geht auf der klugheit bahn.
JABAL.
    Nichts so schåndlich ist / als lugen
    und mit falschen worten triegen.
    worte sind des herzens bild.
    Ein Gemål kein lob erreichet /
    das nicht seinem selb-bild gleichet /
    das mit schlimmen farben spielt.
NABAL.
    Eine zusag / ist ein sagen.
    worte / keine schuld auftragen.
    den verstand nicht bindt der mund.
    Sein versprechen treulich halten /
    war ein albers tun der alten:
    Triegen ist der neuste fund.
JABAL.
    - - Wer lugen lobt / der luget.
    nein! Laban fehlt / der Jacob so betrieget /
    ihm Rahel nimt / die er versprochen hat.
NABAL.
    Sag / was du wilst: die welt lobt diese tat.
                                    Abgang.
 
                                       V.
                                       1.
                                 Jacob allein.
    Wie bin ich nun geäffet und betrogen!
    wie hat mich doch der falsche mann belogen!
    Ist Haran so des truges vaterland?
    muss solchem haus Rebecca sein verwandt?
    sie hat / und ich von ihr / kein solchs geblute.
    in Jacob wohnt ein redliches gemute.
    pfui herzen-wust! so ein gesind sich findt
    in einem Land / wo man den Gotzen dient.
    Ich diente hier / um Rahel / sieben jahre.
    die mir vorlangst zum lohn versprochen ware /
    mit Lea mir ward heut gewechselt aus.
    Ich hole schimpf aus meines vettern haus.
    Ich dacht / ich hått / was mir der priester gabe:
    am morgen ich dafur die Lea habe.
    Sie zwar hat diss ohn ihre schuld getan:
    sie zeigt mir den zwang mit tränen an /
    das fromme herz. Was kann hiervon ich machen?
    ich muss ja selbst des losen possens lachen.
    dem bruder ich die erstgeburt entzog:
    dafur der Rahel schwester mich betrog.
    Die mutter mir / mit list / gab Isaacs segen:
    mit list nun auch must Laban zu mir legen
    die after-braut. Was ich dem Esau tåt /
    von Lea mir iezt auch zu handen geht.
    ich werd gestraft. Wie werd ich mich nun fassen?
    Ich kann mein weib / die Lea / nicht verlassen.
    ich lass auch nicht von Rahel / meiner braut /
    die gestern mir ist worden angetraut:
    solt ich nach ihr noch sieben jahre streben.
    Man hat also zwei weiber mir gegeben:
    bei tage die / und jene bei der nacht.
    Abrams Gott / du mein begleiter!
    der du bei der himmels leiter
    mir im traum versprochen hast:
    dass du uber mir wolst wachen /
    meinen Samen gross zu machen /
    als viel staub die erde fasst /
    dass du mich nit wollest lassen.
    dich ich und dein wort will fassen.
    Dein und meines vaters segen
    sei mit mir auf meinen wegen.
    dein geschicke trågt mir auf /
    zweier schwestern mann zu heisen:
    deine worte wahr zu weisen /
    dass ich werd ein volker-hauf.
    Schaff dann auch durch dieser eine /
    dass dein Heil der welt erscheine.
 
                                       2.
                                 Jacob. Rahel.
RAHEL.
    Fragt Jacob nicht / was seine Rahel macht?
JACOB.
    Ach! meine braut! komm! dass ich dich umarme.
RAHEL.
    mit armen / die der Lea machen warme.
JACOB.
    Wir sind geåfft!
RAHEL.
    getrennt!
JACOB.
    nein! dieses nicht.
    ich habe dir auf ewig mich verpflicht.
RAHEL.
    Ja / treuer hirt! du hast ümsonst gedienet /
    ümsonst nach dir mein hoffen hat gegrunet /
    die sieben jahr'. ietzund hat Lea dich.
    nun schwågerin / mein bråutgam / nennet mich.
    Vor schimpf / darf ich die augen nich aufheben.
    Ich mag nicht mehr vor menschen-augen leben.
    zu guter nacht / mein Jacob! lebe wohl!
    mein' herzens-angst der tod bald enden soll.
JACOB.
    Getrost!
RAHEL.
    ohn trost!
JACOB.
    Solt ich ohn Rahel leben?
RAHEL.
    Die Lea mir wird ihren mann nicht geben.
JACOB.
    an dich ich bin / an Lea nicht / getraut.
RAHEL.
    Sie ist dein weib: ich bleibe nur die braut.
JACOB.
    Du hast das herz.
RAHEL.
    was soll es mir / ohn leibe?
RAHEL.
    Verlass mich nicht!
RAHEL.
    ich gehe.
JACOB.
    nein doch! bleibe!
RAHEL.
    zu Harans spott! - -
 
                                       3.
                               Jacob. Lea. Rahel.
LEA.
    - - - Die schuld mich schamrot macht /
    zu der mich hat der eltern will gebracht.
    du wirst mir ja / mein Jacob! diss verzeihen?
    und Rahel! du?
RAHEL.
    mein leid / ist dein erfreuen.
LEA.
    Zu Gott ich schwor': er sei mir nimmer hold!
    wann ich hierbei / was ich getan / gewolt.
    der zwang must mich an Jacobs seite legen.
RAHEL.
    an den mich hatt vermålt des priesters segen.
    ich bin die braut.
LEA.
    und ich nunmehr sein weib:
    kein mann / als er / hat recht zu meinem leib.
JACOB.
    Die Rahel will sich der verzweiflung geben:
RAHEL.
    weil sie nicht kann in solcher schande leben.
LEA.
    Der Laban dich / dein Jacob nicht / verstiess.
JACOB.
    Ich wåre todt / wann Rahel mich verliess.
RAHEL.
    verlohr' ich ihn: bald soll der tod mich binden.
LEA.
    wo wird man dann mich / ohn euch beide / finden?
    Mich nem der tod: nim du den Jacob hin /
    und lern / dass ich die treue schwester bin.
JACOB.
    Die unschuld muss hiebei nit straffe leiden.
RAHEL.
    Ich will dich nicht von deinem manne scheiden.
LEA.
    Dein ist der mann.
JACOB.
    Im himmel wohnet gnad:
    der diesem unheil weiss zu schaffen raht.
    lasst uns vor ihn mit heisser bitte stehen:
    ich weiss / es wird noch alles wohl ausgehen.
 
                                       4.
                       Laban. Semira. Jacob. Lea. Rahel.
LABAN.
    Wie schlieff man heut?
JACOB.
    muss man noch leiden spott?
    diss unrecht siht der grosse Isaacs-Gott:
    er wird es noch / er der gerechte / råchen.
RAHEL.
    dass man also darf sein versprechen brechen.
SEMIRA.
    Nennt unrecht nicht / das recht von diesem land.
JACOB.
    So scheuet man in Haran keine schand?
    hat man also die braut mir dorfen nemen?
RAHEL.
    mir meinen mann?
LEA.
    diss muss mich ja beschåmen.
LABAN.
    die åltste hier man gibet erstlich aus.
SEMIRA.
    man bricht nicht diss gesetz in unsrem haus.
RAHEL.
    die zusag wohl.
JACOB.
    Um Rahel ich ja diente.
    wan man nit so mit worten spielen kunte /
    hått man diss recht mir erstlich angesagt.
LABAN.
    So håtte wohl der dienst dir nicht behagt.
LEA.
    O Erstgeburt! ach! wår ich nie geboren!
SEMIRA.
    So håtte dich der Jacob nie erkoren.
RAHEL.
    der mich verliert.
JACOB.
    der dich nit lassen kann.
    gebt mir mein weib.
LEA.
    gebt Rahel / ihren mann.
LABAN.
    Er ist nun dein: er hat bei dir gelegen.
RAHEL.
    Er ist auch mein: mich hat des priesters segen
    ihm angetraut.
SEMIRA.
    so seit dann beide sein!
 
                                       5.
  Nahor. Betuel. Tara. Regu. Jabal. Boas. Nabal. Naema. Tamar. Egla. Silpa.
                            Bilha. samt den vorigen.
NAHOR.
    Stellt man sich nicht zur hochzeit wieder ein?
BETHUEL.
    was steht man hier?
RAHEL.
    kann ohne braut man halten
    die hochzeit noch?
THAMAR.
    Lass du den himmel walten!
REGU.
    ja! uberlass der Lea deine stell.
RAHEL.
    Ist iederman des Labans Trug-gesell?
NABAL.
    Man tråget auch zu kauf nit schöne håute.
BOAS.
    Die tugend-zier / nicht nur die haut / macht leute.
    schilt Lea nicht.
NABAL.
    die Rahel wår mir lieb.
JABAL.
    du mochtest sie?
NABAL.
    so wahr ich sei ein dieb!
NAEMA.
    Man wird ja nicht die Rahel so verstossen.
NABAL.
    dir wohl nicht wår gedient mit solchen possen.
EGLA.
    Der Lea muss man Jacob nemen nicht.
NABAL.
    Er mag sie kaum: sie hat ein blods gesicht.
THAMAR.
    du loses maul.
NABAL.
    sih nun!
LEA.
    der hon mich todet.
RAHEL.
    mich der verschmach.
LABAN.
    die sach' ist abgeredet.
    Es gehe dann nach euer beider sinn.
SEMIRA.
    nim / Jacob / du / zur Lea / Rahel hin:
    dir diese sei auf jene nacht versprochen.
LABAN.
    Doch halt mir aus / die sieben jahre-wochen.
JACOB.
    Ich nem von dir die Rahel / als ihr mann /
    noch um den dienst von sieben jahren an.
NABAL.
    muss er dann so die beide tochter kaufen?
JACOB.
    Ich will / mit schweis / um deine heerden laufen /
    wie ich getan.
NABAL.
    Er nimt zwei weiber hin:
    von einer ich genug geplaget bin.
SEMIRA.
    du / Lea / wirst hiermit auch sein zufrieden.
NABAL.
    Diss paar viel kriegs wird / um den Jacob / schmieden.
LEA.
    Ja / ich gehorch' / als wie ich heut getan.
    Ich teile gern mit Rahel meinen mann.
    nim / Jacob / hin die Rahel / deine liebe!
    dir / Rahel / ich hiermit den Jacob gibe.
    mein ganzes recht nim selbst von meiner hand.
    dein halbes herz mir bleibe zugewandt /
    sein halbes auch. woltst du noch mehr verlangen:
    ich lass an dir den ganzen Jacob hangen.
    ein teil von mir schliest euren herzen ein.
    uns dreie lasst ein treues kleeblat sein.
NAHOR.
    Es komt vom HErrn / was sich allhier begibet.
JACOB.
    Mein herz fortin zween liebe gatten liebt.
    komm / liebste braut / mein bitter-susser lohn!
    nim diesen kuss / du aller schonen kron!
NABAL.
    das schmecket suss / auf so ein saures leiden!
RAHEL.
    So soll ich dann nicht meinen Jacob meiden?
    nun dieser kuss versigle meine treu.
    der Lea ich werd friedlich wohnen bei.
NABAL.
    wan sie nur nicht sich um die nåchte zanken.
JACOB. LEA. RAHEL.
    Es soll keinmal die Mannes-liebe wanken.
    Es soll keinmal die Schwester-liebe wanken.
SEMIRA.
    Die Silpa ich zur magd gib / Lea / dir
LABAN.
    und / Rahel / du nim an die Bilha hier.
    So lebt begluckt / wachst in viel tausend glieder!
SEMIRA.
    Und euer sam schlag' alle feinde nieder!
NAHOR.
    des himmels tau euch netze iederzeit!
BETHUEL.
    Euch mache reich / der erde fettigkeit.
THARA.
    Der Nahors-Gott / mach euch die Lånder fullen /
    und bleibe ståts / mit segen / euch zu willen.
REGU.
    Verflucht soll sein / der eurem samen flucht!
    gesegnet sei / der euer båstes sucht.
JACOB.
    Hat man eine ie gesehen /
    die ward eher frau / als braut?
NAEMA.
    Gestern sah man Lea gehen
    in das ehbett ungetraut.
BOAS.
    Hat man iemals noch gesehen
    eine so vertauschte braut?
THAMAR.
    Also siht man Rahel gehen /
    heut und gestern / zwier getraut.
NABAL.
    Rahel ihren mann verlieret
    und gewinnet / uber nacht.
EGLA.
    Weil er zwo zu bette furet /
    wird die hochzeit neu gemacht.
JABAL.
    Eine frau hat er verlanget:
    zwo er in die arme schliest.
NAEMA.
    Also Jacob doppel-pranget:
    nie zuviel des guten ist.
BOAS.
    Er soll volker-vater heisen /
    wie man ihm geprofezeit.
THAMAR.
    Dieses nun erfullt zu weisen /
    wird er zwei-gepaaret heut.
NABAL.
    Nun / ihr dreie / lebt in treue!
    lebt / ihr zweie / ungezweit!
EGLA.
    alle freude euch erfreue!
    vor euch fliehe alles leid!
LABAN.
    Es wird (hort' ich jungst den Chaldeer sagen)
    diss Schwestern paar / zween grosse månner tragen.
NAHOR.
    Der Rahel Sohn / soll nehren Jacobs haus.
BETHUEL.
    Von Lea Sam / der Held soll gehen aus /
    durch welchen wird die welt erloset werden.
LABAN.
    Ein grosser Furst wird jener sein auf erden /
    als wie die Sonn' auf der saffirnen bahn /
    den Jacobs sohn' / als sternen / beten an.
JABAL. BOAS. NABAL.
    So senden wir / zu Gott / hertz / augen / hånde.
NAEMA. THAMAR. EGLA.
    dass Jacobs Sam' auf erd sich nimmer ende.
    Also endete sich / mit höchstem vergnugen und lobspruche der zuschauere /
dieses spiel / und verteilten sich hierauf die andere konigliche personen unter
diese konigliche hirten: da ihnen diese tracht so wohl gefiele / dass / auf
veranlassung der Königin von Mesopotamien / sie sich allerseits dazu entschlossen
/ die übrige zeit / die sie in Mesopotamien sein würden / in solche hirtentracht
sich zu kleiden. Die Petasiride /welche die schone Rahel furgestellet /
erschiene / unangesehen sie sonst sehr heroisch- und kriegerischen wesens war /
unter diesem schäferkleide so sanftmütig und dabei fürtreflich schon / dass fast
die Konigin von Ninive nicht leiden kunte / wan ihr Dison sie zu viel ansah.
Wie sie nun / den abend / im grunen eine schåfermalzeit gehalten / und fast die
halbe nacht hindurch mit danzen und allerhand spielen zugebracht hatten /
schieden sie endlich mit dem fursatze voneinander / sich nicht wieder in so
offentliche versamlung einzufinden / bis dass sie alle in ihren
schåfer-kleidungen würden erscheinen konnen.
 
                                Das Dritte Buch.
Nachdem / vorigen tags / der edle Jacob mit seiner gesellschaft / zu grossem
vergnugnugen der zuschauere /im koniglichen spiel war fürgestellet worden /
erschiene nun derselbe / nächst-folgenden tags / neben seinem schwehervatter /
beiden frauen und schwågern / in eigner warhafter person / in dem angenemen
gefilde der landschaft Amida: und war der verliebte Nahor / der mit ihnen von
Haram kame / sehr sorgfältig /ihnen alle in seiner hütten gute bequemheit zu
verschaffen. Es hatten den Laban zwo ursachen zu dieser herbeikunft bewogen /
nämlich dass er mit seinen kindern der Königin aufwarten / und so dann ferner die
reise nach dem tempel des Teraphim mit verrichten wollte / zu welcher nun ganz
Mesopotamien sich rustete / weil nur noch acht tage auf das grosse fest
vor-waren / das die gesamte hirten und und schåferinnen järlich mit grosser
andacht zu füren pflegten. Auf veranlassung der richtere von Amida / kamen aus
den anderen landschaften alle / die auf das fest wollten / in diese gegend: um
ihre Königin nach dem tempel zu begleiten / weil man ihnen die hoffnung gemacht
/ dass die Konigin diese wallfart mit übernemen würde.
    Als nun der Nahor / welcher / wegen einer von seinem vatter fur die Aprite
erhaltenen guten erklärung /halb vergnüget war / diese seine gåste in seine
wonungen eingewiesen / eilete er / sobald nur der wolstand / sie zu verlassen /
ihm vergönnte / nach der stadt Amida / und trate bei der Almesia ab / um bei ihr
sich zu erkündigen / ob sie in den zehen tagen /seit dass er ausgewesen / von
ihren verlornen mägden weiter nichts vernommen hätte? Er fand die verweserin in
gesellschaft ihrer tochter / der richterin Sireme /wie auch der richterin
Phalerinte / ihres bruders frauen / die durch ihr saures aussehen und wilde
gebärden zu tag legten / wiedass sie sehr unvergnugt wåren. Weil allein die liebe
den Nahor triebe / als kehrte er sich nicht an ihre unterredung / sondern fragte
die Almesia um das / was er zu wissen verlangte. Sie berichtete ihn hierauf /
mit grossen unwillen / an statt ihme zu antworten / wiedass seiter auch ihre
beide knechte /der Javan und Elisa / eben also durchgegangen wåren / und daher
bei ihr keinen geringen argwahn hinterlassen hätten / wie sie an der Baalise und
Aprite entfurung schuldig sein mussten. Nahor wåre bald von sinnen gekommen / als
er dieses vername: weil er mehr als wahr zu sein glaubte / was sie vermutete.
Doch brache er deshalben sein verspreche nicht / das er diesen beide Prinzen
getan / sondern verschwiege ihren stand. Weil er aber gerne hiervon ein mehrers
wissen mogen / gleichwol der murrischen Almesia / indem ihr gespråch mit den
beiden richterinnen sehr håftig war / nur zuweilen ein wort abstehlen kunte /
als musste er in gedult stehen / und etwas länger verharren / üm nach und nach
von der Almesia etwas heraus zu bekommen.
    In solchen unlustigen warten / hörte er die Sireme sagen: Ach wäre mein man
nur nicht eben selbigen tag hinweg gereiset! er sollte gewiss mich und auch andere
bereits gerochen haben. Was ist euch dann widerfahren? fragte Nahor / um diss
gespråch desto eher geendet zu sehen. Man hat uns (sagte Sireme / voll grimmes)
ganz verächtlich abgewiesen / als wir / die konigliche spiele mit anzusehen /
vor dem garten zu Samosata uns angemeldet: welches dann bei allen hirten uns in
eine solche verkleinerung setzet / dass wir deshalben unsere rache und ersetzung
haben mussen /oder es wird mit uns getan sein. Nahor kunte sich nicht gnug / in
seinem herzen / uber den stolz dieses weibes verwundern. Weil aber ihrer månner
macht ihme bekant war / als zwunge er sich / und hörte ihnen ferner zu / da
Phalerinte sagte: håtte nur nicht der verweser Demas sich des dinges angenommen
/und meine mutter auf einen andern sinn gebracht / so sollte der lärm gleich
angegangen sein. Was für ein lärm? fragte Nahor / ganz verwundert? Dass unsere
leute (antwortete sie unbesonnener weise) sich zusammen tun / und das
gartentor mit gewalt stürmen sollen. Da seien die gotter für! (rieffe Nahor)
solcher gewalt müste man wider konigliche personen sich nicht gebrauchen. Warum
nicht? (antwortete diese unbedachtsame) was sind wir geringer / als Königinnen?
da wir hier im lande ja so viel zu sagen haben / als sie in dem ihrigen?
    Nahor zwunge sich / dieses hörend / üm durch ferneres widerreden / bei ihnen
kein mistrauen gegen sich zu erwecken / und sie also geheimer zu machen. Demnach
schwiege er / und horte die Almesia sagen: Ja! håtte ich das gewust / dass Demas
/ zu euer aller beschimpfung / euch das unzeitige nachgeben geraten / ich wollte
ihn nicht so freundlich von mir gelassen haben / wie ich täte / als er noch
selbigen abend zu mir kame / und mir das geld von meinen beiden entlaufenen
knechten brachte. Was für geld? fragte der begierige Nahor / deme hieran mehr /
als an den andern dingen / gelegen war. Es hat der Demas (gabe ihm Almesia zur
antwort) sich gebrauchen lassen /von dem Javan und Elisa geld anzunemen / das
sie mir / zur ersetzung meines schadens / gesendet / weil sie auser der zeit aus
meinen dienst gegangen. Wäre ich in der fraumutter stelle gewesen / (sagte
Sireme) so hätte ich den Demas mit seinem gelde fortgewiesen: weil damit der
schimpf nicht abgefüret ist / den man von diesen beiden entlaufenen entfangen
hat. Ja /mein kind! (antwortete Almesia) es ist bässer / etwas /dann gar nichtes!
wo sollte ich wohl diese fluchtlinge ausfragen / die da fromde sind und wohl
nimmermehr Mesopotamien wieder betreten werden?
    Als hiemit der Nahor erfahren / dass Demas von seinem geliebten mitbuler
kentnis gehabt / wollte er ferner nicht harren / sondern seinen abschied wieder
nemen / üm sofort nach dem Demas zu gehen. Er musste aber ehren halber noch etwas
verziehen / weil Almesia ihn viel dings fragte / so er zu beantworten sich nicht
entziehen kunte. Unter andern erkundigte sie sich bei ihme / ob / aus der
landschaft Haran / viel schåfere daselbst erscheinen wurden / um auf das fest
nach des Teraphim tempel mit zu reisen? Ich weiss /(fiele Phalerinte den Nahor /
als er antworten wollte /in das wort) warum meine schwågerin hiernach fraget:
meine base / die Halida / hat es mir bereits entdecket. Furwar / (antwortete
Almesia) ich habe hierunter kein geheimnis / und weiss nicht / was ihr wisset.
Der Oberpriester / (antwortete diese / die ganz nicht die gabe des schweigens
hatte) wie auch mein vatter und die andere richtere / haben durch ganz
Mesopotamien ausbreiten lassen / dass unsere Konigin nicht mit nach dem tempel
gehen werde: um dadurch alles volk hieher zu bringen / und ihnen alsdan zu
zeigen / was wir fur eine ungläubige Konigin haben / die allen dienst der
heiligen götter verachtet. Dan / als sie noch in Syrien gewesen / hat sie die
berumten priestere der Isis in Damasco ausgerottet / und hier offentlich auf den
bergen einen fromden gottesdienst angerichtet / davon wir und unsere vätter
nichts gewust haben.
    Almesia / für den Nahor / als deme sie nicht trauete / sich entsetzend /
hätte gern diese frage wieder zu rucke gehabt / und winkte der Phalerinte /
damit inn zu halten. Aber diese wusste sich viel zu gross mit ihren geheimnisen /
als dass sie solche für sich allein håtte behalten konnen / daher sie / an der
Almesia winken sich nicht kehrend / also fort redete: die Konigin glaube nur für
gewiss / dass sie zur kronung in diesem reiche / dahin nur noch ein monat ist / so
leicht nicht gelangen werde / als sie ihr wohl einbildet / und dörfte meiner
mutter bruder von dem Taurischen gebirge wohl eine solche nachricht mitbringen /
die da fähig / uns wieder in die vorige freiheit zu setzen. Der Almesia wurde
ganz heis / als die Phalerinte sich also vergasse: daher sie eiligst aufstunde
von ihrer stelle /und sich annemend / als wan ihr ubel würde / fassete sie die
Phalerinte bei der hand / und eilete mit ihr in eine nebenkammer / alda sie ihr
sehr verwiese / was sie also ausgeplaudert.
    Der Nahor name inzwischen von der Sireme seinen abschied / mit vorwand /
wiedass ihn sein notige geschåfte von dannen trieben; und bate er sie / ihrer
mutter auf ihre getane frage / welche zu beantworten die Phalerinte ihn
gehintert / zu vermelden / wiedass /des Labans / seines vattern / beispiel zu
folge / die meiste hirten aus Paddan Aran hier erscheinen wurden. Wie er sich
nun auf solche weise los gemacht /richtete er seinen weg nach des Demas hause:
alda er von seiner Aprite / wiewol eine unangeneme / nachricht zu erlangen
verhoffte. An statt der verdrieslichen gesellschaft / die er bei der Almesia
angetroffen /fand er bei dem Demas eine froliche versamlung: indem die hirten
Abinael / Timonax / Atanias und Nisan / bei dem verweser und dessen beiden
töchtern waren: da die drei lezten / den ablauf ihrer reise nach den tempel des
Teraphim / von dar sie eben wieder gekommen / den andern erzehleten.
    Sie waren hieruber so ämsig zu werke / dass sie schier des Nahors ankunft
nicht warnamen. Als ihn aber der Demas endlich erkant / eilete er ihm entgegen /
ihn zu entfangen / gleichwie auch folgendes die andere täten. Weil diesem
Fürsten / selbiger hirten begegnise wohl bekant waren / und er aus ihren
frolichen gebärden abname / dass es ihnen in ihrer liebe glucklich ergehen müste
/ verbarg er sein anligen / so gut er kunte / und stellte sich mit ihnen frölich
an. Euer wesen / mein Nisan! (sagte er zu diesem hirten) gibet mir zu erkennen /
dass ihr nun der schönen Rodope künlich sagen dörfet / was ihr bisher mit
furchten tun mussen. Ich ersehe an eurem wander-geråte / dass ihr die reise nach
des Teraphim tempel werdet glucklich verrichtet haben. Es ist dem also /
(antwortete der erfreute Nisan) wie mein Furst gesaget / und wan der verweser
allhier mir so wohl will / als der heilige Teraphim / so kann ich mich
uberglücklich preisen. Ihr wisset / Nisan! (sagte hierauf der Demas) dass ich
allemal euer begehren auf diese einholung des götter-ausspruches ausgesetzet:
wan nun derselbe also lautet / wie ihr furgebet so soll es an mir nicht fehlen /
dass ihr euch nicht glucklich sehen soltet. Hiermit wandte sich Demas zu dem
Nahor / und sagte: diese hirten waren eben / als mein Furst darzu kame / im werk
begriffen /mir zu erzählen / wie es ihnen auf ihrer reise ergangen: ist es deme
nun beliebig / dass sie fort reden / so sollen sie gehorsam leisten. Ich komme
nicht darüm hieher / (antwortete Nahor) eure vergnügung zu storen / und will
deshalben gar gerne mit anhoren / was diese edle hirten gluckseelig machet.
Hierauf sah Demas den Timonax an / der dann seine vor-angefangene rede also
fortsetzete.
    Als wir in gesellschaft unseres vornemen gefårten /von dem wir damals noch
nicht wussten / dass er der Konig von Tyro ware / binnen zweier tage nach dem
tempel des Teraphim angelangten / und alle dreie zugleich / üm den ausspruch des
gottes / mit gehorigen gebräuchen ansucheten / gabe uns der ganz deutlich und
vernemlich dieses zur antwort.
Weil ich mich bald mit euch werd mussen letzen /
will ich zuvor in ruh euch vollig setzen.
folgt' eurer wahl / und nemet / was ihr liebt /
braucht euch der zeit / bevor euch die betrubet.
Was hätte wohl gewunschters der grosse Teraphim /als eben dieses / uns sagen
konnen? und ob wir gleich die erste und lezte zeilen nicht allerdings verstehen
/so begreifen wir doch so viel / wie es dem Teraphim nicht entgegen sei / dass
der Nisan die Rodope / der Atamias die Artainte / und ich die Sandenise
uberkommen moge. Daher eileten wir / was wir kunten /üm diese unsere
gluckseeligkeit hier kund zu machen. Der Konig von Tyro / der auch um ausspruch
in seinen angelegenheiten angefraget / gabe sich uns / wie wir wieder hinweg
wollten / zu erkennen: und weil er nach dem Taurischen gebirge fürter reisen
wollte / als stellte er uns verschiedene briefe zu / die wir hier den koniglichen
personen überreichen sollen. Und dieses werden wir auch gleich werkstellig
machen / wan nur zu erst unsere eigene angelegenheiten werden abgetan sein.
    Also sorget ihr für euch selbst / (sagte Demas im scherz) und setzet die
königliche geschäfte zu rücke /um euch erstlich zu vergnugen. Weil aber ich /
unter euch dreien allein dem Nisan / zu deme verhelfen kann / was er begehret /
als soll ihme hiermit die Rodope zugesaget / und der Fürst von Haran dessen ein
zeuge sein. Hiermit name der Demas die hand seiner jungern tochter / und legte
die dem Nisan in seine hand: der / sich nun überseelich preisend / alsofort
anhielte /dass er / noch vor dem grossen fest / hochzeit halten mochte. Abinael
fand hierbei ursach / ein gleiches zu begehren / und sagte: wiedass er / weil er
die åltere liebte / hierinn den fürzug haben musste. Demnach wurde dieser streit
also verglichen / dass der Demas sich dahin erklärte / innerhalb drei tagen ihrer
beider hochzeit auf einmal anzustellen. Der betrubte Nahor seufzete hierzu / in
erinnerung / wie weit er von solcher glückseeligkeit noch entfernet ware.
    Weil der Demas vermerkte / dass dieser Furst mit ihm allein rede wollte /
ginge er mit ihm auf die seite /und vername alda von ihme / wie er von den
beiden knechten der Almesia kundschaft verlangte. Er erzehlte ihm hierauf /
alles was er hievon wusste: der dann hierdurch mehrers kein licht bekame / als dass
er den ort erfahren hatte / wo sein mitbuler sich aufhielte. Demnach sich mit
gedult fassend / entschlosse er / mit dem Demas und den hirten nach Samosata zu
gehen /und der Königin die ankunft seiner verwandten anzumelden. Alle anwesende
hirten wollten in seiner gesellschaft sein / auser dem Atamias / welcher / an
statt nach hofe zu gehen / sich nach dem dorf zu wandte / da seine geliebte
Artainte wonete. Wie nun die andern für die Konigin Aramena gelassen worden /
die sich eben in gesellschaft der Cölidiane und ihrer schwester befande /
entstunde unter ihnen eine allgemeine freude / als Nahor seine anverwandten
anmeldete / und Timonax des Königs von Tyro schreiben der Konigin von
Mesopotamien überlieferte. Wegen der ersten zeitung / dass Jacob neben seinen
beiden frauen vorhanden wäre / vergasse diese Königin / des Tiribaces brief
gleich zu erbrechen / und war ihr verlangen / diesen von Gott selbst erwehlten
Fürsten bald zu sehen / ja so gros / als ihrer schwester begierde / die Lea und
Rahel / ihre alte freundinnen / wieder zu ümarmen. Was verhintert uns / (sagte
sie) dass wir nicht gleich den Hebreer-Fürsten sehen? Sie werden (antwortete
Nahor) sobald erscheinen / wan E. Maj. befehlen wollen. Eilet dann / mein vatter!
(antworteten beide Aramenen zugleich) und bringt sie zu uns. Diesem befehl zu
folge / sezte sich Nahor so fort / mit dem Barzes / den die Königin dahin mit
abschickte /zu wagen / damit er desto geschwinder hin und her kommen möchte.
    Hierauf wurde des Tiribaces schreiben eröffnet: dessen inhalt war / dass er
seine geschwinde abreise damit entschuldigte / weil er unümgånglich / wegen
einer hohen angelegenheit / nach dem Taurischen gebirge reisen müssen. Habt ihr
dann (fragte die Konigin den Timonax) an die Königin von Tyro nichtes mit
gebracht? Der Konig (gabe dieser hirte zur antwort) hat uns / nicht allein an
dieselbe / sondern auch an die Königin von Elam briefe mit gegeben. Wie er nun
die schreiben herfur zoge / verwiese ihm die Königin /dass er damit so lang
gewartet / und nicht gleich nach Edessa die briefe gebracht håtte. Die Dersine /
solches horend / sagte lächlend zu der Konigin: wiedass die Sandenise hieran
schuldig wäre / die der Timonax erstlich sprechen müssen. Wolan dann! (sagte
Aramena) so lasset den Nisan die briefe nach Edessa bringen / und bleibet ihr
hier / der Sandenise eure verrichtung zu entdecken.
    Diese gutige worte öffneten diesem hirten die augen / dass er merkte / wie
die Konigin üm seine ganze liebe wissenschaft truge: wie ihr dann die Sandenise /
die ståts / neben der Amphilite / bei hofe war /alles erzählt hatte. Als er nun
/ aus ehrerbietung /sonder zu antworten / die augen niederschluge / und dem
Nisan / der sofort damit abginge / die briefe zustellte / liesse die Königin der
Sandenise ruffen: welche / so frei und lustig sie sonst von sinnen war / dannoch
mit furcht und zittern in das gemach trate / wie sie des Timonax ansichtig wurde
/ gleichwie auch er /in gegenwart der drei Königinnen / sich ihr zu nåheren
scheuete. Um des willen furete die Aramena sie beide selbst zusammen / und
gebote dem Timonax /seine verrichtung zu erzählen. Als er nun den vom Teraphim
entfangenen ausspruch wiederholete / sah die Königin die Sandenise an / und
sagte: Nun liget es an euch / schöne hirtin! dieses wahr zu machen / was euer
Teraphim geweissaget. Es beruhet lediglich bei E. Maj. (antwortete Sandenise)
deren gebot ich mich stäts unterwerfen werde. Weil ich dann euren willen weiss /
(sagte die Königin) so kann ich leicht befehlen /dass ihr den Timonax fortin
lieben / und für euren bestimmten mann erkennen sollet. Für dieses gnådige urteil
schuldigsten dank zu sagen / fiele der erfreuete Timonax seiner Konigin zu fusse:
die ihn wieder aufstehen hiesse / und diesen beiden verliebten die freiheit liesse
/ sich ferner allein mit einander zu bereden.
    Indem kame / wie es bereits begunte abend zu werden / die fürstliche
gesellschaft von Haran herbei /welche der alte Fürst Hus / als ein schwager des
Labans / neben dem Elhanan seinen sohne / und dem Nahor / einbegleitete: da dann
die Konigin erstlich den Laban / nach gehends den Jacob / ferner die Lea und
Rahel / und letzlich den Tarah und Regu / deren beide jüngste brüder / aufs
hoflichste entfinge und wilkommen hiesse. Die wunder schone der Rahel leuchtete
dermassen herfur / dass auch die schonste augen sie bewundern mussten. Weil aber
Jacob mit zugegen / dessen sonderbares wesen einer mehr als gemeinen betrachtung
würdig ware / als fassete die Königin denselben wohl in ihr gesichte / und liesse
sich /nach den ersten abgelegten höflichkeiten / mit ihme insonderheit in ein
gespräche ein: mitlerweile die Cölidiane bei dem Laban war / und die jüngere
Aramena mit ihren beiden alten freundinnen sich ergezte.
    Der Fürst Jacob / entschüldigte sich bei der Konigin / dass er diese vier
wochen / seit dass sie bereits im lande gewesen / also vorbei streichen lassen /
und ihr nicht ehe seine schuldigste aufwartung abgestattet: welches / teils sein
unfreier stand / da er in des Labans diensten wåre / teils die niederkunft
seiner frauen / der Lea / verursachet hätte. Ob gleich mein verlangen gros
gewesen / (antwortete die Königin) den weitberumten Jacob und meine basen zu
sehen / so findet doch billig bei mir statt / die lezte fürgebrachte
entschüldigung: die erste aber mochte ich lieber abgetan sehen / und wünschen /
dass mein vetter / der Laban / sich anders erwiese. Grosse Königin! (gabe Jacob
zur antwort) ich lebe in meinem beruff allerdings wohl zufrieden / weil ich weiss
/ dass alles / was mir begegnet / von dem warhaften Gott also verordnet ist:
dessen fernerer fürung / die bei mir allstäts wunderbar gewesen / ich mich in
tiefster demut iederzeit unterwerfen werde. Ein Gott-gelassener mensch / wie ihr
/ (versezte die Königin) vermag nicht anders zu reden / sonderlich da ihr
versichert seit des göttlichen segens / und der sonderbaren erwehlung für allen
volkern / dass aus eurem alle geschlechte der erden sollen dermaleins gesegnet
werden. Dieser gottlichen gnade (antwortete Jacob) berume ich mich nicht /halte
vielmehr dieselbe ganz geheim / üm allerlei hasse und verfolgungen zu entgehen /
mit denen ich bereits deswegen beleget werde. Ich verstehe / (sagte die Königin)
was ihr hierunter meint  / bilde mir aber ein / dass ich noch so glücklich sein
werde / die vorige brüderliche liebe zwischen den Edom und euch wieder
aufzurichten / indem ich seiner sehr mächtig bin. Weil derselbe (widerredte
Jacob) den zeitlichen segen von Gott / und zwar viel scheinbarer und herrlicher
/als ich / entfangen hat / da er ein König ist / ich aber ein schåfer bin / als
will ich hoffen / dass sein ehmaliger vorsatz / mich zu todten / sich mit der
zeit verlieren werde. Er ist es aber nicht allein / den ich zu fürchten habe /
sondern auch alle Cananitische Könige mussten mir aufsetzig werden / wan sie die
verheissung wissen sollten / dass des Abrahams nachkommen / und also mir und den
meinen / wegen der erlangten erst-geburt / von Gotte / dieses edle land zu
besitzen /sei versprochen worden.
    Die vertrauliche zuversicht / edler Jacob! (antwortete die Konigin) die ihr
also bei diesem geheimnis gegen mir gebrauchet / gibt mir zu vernemen / dass ihr
wisset / wie ich mit euch den wahren Gott erkenne: und werde ich / dessen willen
und verordnung liebend / euer bästes iederzeit suchen und wünschen. Wie sollte
mir das unbekandt sein / (gabe Jacob zur antwort) dass die unvergleichliche
Königin von Mesopotamien / und deren bruder / der grosse Aramenes / den wahren
Gott anbeten? Ich weiss auch / dass der herr himmels und der erden E. Maj. und das
Syrische haus segnen / und / ob ja dero nachkommen in ihren ietzigen heiligen
wegen nicht verharren sollten / sie doch üm ihrent willen viele zeiten in diesen
konigreichen werde herrschen lassen. Der Allerhochste (antwortete die Königin)
bestätige diesen euren getanen segen! und danke ich demselben / dass er mich
nicht unter die zahl der jenigen hat lassen geboren werden / die seine
gerechtigkeit vor seinem auserwehlten volk auszurotten beschlossen hat. Es ist
noch lange zeit dahin /(entdekte Jacob der Königin / aus einem profetischen
geist) bis dieses an den Caananitern erfüllet werde /und stehet uns noch viele
wiedriges vor / ehe diese unsere zeitliche glückseligkeit angehen wird. So
wunderbar (antwortete die Königin) verfåret Gott mit seinen liebsten kindern /
und muss einem darüm die widerwärtigkeit der welt süsse werden / wan man die als
ein zeichen annimmet / dass man Gott lieb und angenem sei.
    E. Maj. reden hiervon sehr erbaulich / (sagte Jacob) und wan alle konigliche
hofe beschaffen wären / als ich den hiesigen finde / würde ich nicht also / wie
ich nun tue / für den hohen der welt mich fürchten / und ihrer gesellschaft
mich entschlagen müssen. Eure gegenwart / (antwortete sie) konnte noch / bei
manchen /grossen nutzen schaffen / und mochte ich meines teils wunschen / dass
der edle Jacob stets üm und bei uns sein wollte. Ich werde aber wohl (versezte er)
wenig tage mich hier verweilen dörfen. Wie kommet das? (fragte die Königin) ich
vermeinte / ihr würdet die wallfart nach des Teraphim tempel mit verrichten.
Jacob schüttelte hierzu das haubt / und sagte: Es ist genug / dass ich meinen
frauen dahin erlauben muss /und sehe ich so viele greule der abgötterei bei mir
in Haran / dass ich keines fürwitzes vonnoten habe / nach denselben so ferne zu
reisen. Habt ihr dann (fuhre die Königin fort zu fragen) die Lea und Rahel noch
nicht von ihrer abgotterei bekehren können? die erste wohl /(antwortete Jacob)
aber nicht die andere / welche noch beståndig bei ihrem irrigen wahn verbleibet.
Und dannoch ist diese die liebste? antwortete die Königin. Weil sie zu erst
geliebt worden / (sagte Jacob) als will sie ihr recht ihr nicht nemen lassen.
    Indem sie also miteinander spracheten / kame der Konig von Syrien / wie auch
der König von Salem dazu: welche beide ihr grosses vergnügen bezeugten /des
Isaacs sohn zu sehen. Jacob / der den Melchisedech vordeme in Canaan wohl gekant
/ erneuerte die alte kundschaft / und geriete mit ihnen allen in ein åmsiges
gespråche: das dann so lang wårete / bis die abendmalzeit anginge / welcher diese
neu-angekommene von Haran / als anverwandte des Syrischen hauses / mit beiwonen
mussten. Daselbst bekamen nun Ahalibama und Timna ihren schwager / den wakern
Jacob / auch zu sehen: welcher noch so jung von jahren schiene / ob gleich sein
alter bekandt war / dass iederman daraus den sonderbaren segen des hochsten über
dieses Hebreische geschlecht erkennen kunte. Nachdeme nun die konigliche
gesellschaft / mit diesen ihren neuen gästen / sich wohl ergetzet / wurden
dieselben wieder erlassen: iedoch mit dem begehren / dass sie folgenden tages
sich wieder einstellen sollten. Der Nahor begleitete sie in seine hütten: da alle
ihre unterredung / ehe sie sich zur ruhe begaben / von ihrer unvergleichlichen
Königin handelte / auch dabei der Colidiane und jungeren Aramena nicht vergessen
wurde.
    Der armselige Nahor / der nun nacht und tag keine ruhe hatte / sondern stäts
an seine verlorne Aprite gedachte / überlegte bei sich / als ihm die stille
nacht allein zu sein erlaubte / seinen erbärmlichen zustand /und was er von des
Daces reise nach dem Taurischen gebirge erfahren hatte: das ihme dann in die
gedanken brachte / es würde zweifels ohne seine Aprite sich auch daselbst
befinden / weil sein mitbuler so schleunig dahin abgereiset. Diesem nach riete
ihm seine liebe / diesem Prinzen dortin zu folgen. Als er endlich / bei so
unruhigen gedanken / in der hütten nicht bleiben kunte / ging er hinaus in das
feld / da er / den hellen mond anschauend / selbigen unter vielen seufzern /
also anredte: du grosses licht / das ietzund meine schöne / so wohl als mich /
beleuchtet! zeige mir doch / in welchem orte der welt du deine strahlen auf sie
schiessen lässest. Und weil du uns beiden gleich nahe bist / so eröffne auch ihr
meine schmerzen / die ich / wie du sihest / wegen ihres verlustes / bei mir
entfinde.
    Er wollte in solchen klagen fortfahren / als er unversehens auf zwei personen
stiesse / deren er nicht eher /weil er immer den mond angesehen / gewar worden
/als da sie schon nahe bei ihm waren. Er håtte nach der hütten wieder umgekehret
/ wan ihm nicht diese des einen worte wåren für ohren gekommen: Es ist unmüglich
/ dass der Konig noch lebet. Diese fromde worte machten ihn furwitzig / und
begierig / zu vernemen / wer doch wohl dieser tod-vermeinte Konig sein mochte.
Demnach schliche er gemach hinter diese beide frömde her / und horte den andern
also sagen: du hast recht / es ist für unmuglich zu halten / weil alle welt /
wie du / in solchen wahn stecket. Höre mir aber zu / was ich dir von unseres
Königs leben sagen kann: was gilts / dein unglaube wird sich in eine verwunderung
verkehren. Ich verlange ja hievon ein mehrers zu wissen / (sagte der erste) und
muss bekennen /dass es mir ganz unglaublich scheinet.
    Als unser Konig / (finge hierauf der andere an) in der schlacht / die wir
dem feind abgewonnen / also verwundet worden / dass er sich aus dem streit
begeben müssen / und abseits in eine hole sich tragen lassen / folgte ihm /
neben mir / meine schwester / welche / wie du weist / ihme in männlicher
kleidung nachgezogen. Ihre häftige liebe / die sie / bei solcher bewantnis /
ferner nicht geheim halten kunte / triebe sie / als die leute des Königs ihren
herrn fur todt in der hole ligen lassen / und zu der schlacht wiederkehrten / zu
dem verblichenen König: den sie mit ihren zären so viel benezte / dass sie ihn
aus seiner schweren ohnmacht / darin er lage / wieder zum odem brachte. Hieraus
nun neue hoffnung schopfend / name sie ihr vor / diesen ihren geliebten heimlich
davon zu bringen / ehe dessen leute wieder herzu kommen / und sie verhintern
möchten. Weil ich dieser meiner schwester in allem fugete / halfe ich ihr zu
ihren kunen und unbesonnenen fürhaben: und als wir / an statt des Königs / einen
andern korper von den erschlagenen in die hole geworfen / wollte uns das glücke
so wohl / dass wir einen von den kriegswågen ertappten; auf welchen wir den
halbtodten Konig legten / und mit ihme unangefochten davon kamen. Des Konigs
starke natur machte ihn / unangesehen seines häufig-vergossenen blutes / die
schwere reise / die wir mit ihm täten / uberstehen: welche / weil meine
schwester / zu einer von unseren wasen / die weit in das gebirge hinein wonete
/ihren weg gerichtet / wohl acht tage warete / ehe wir zur stelle gelangen
kunten.
    Daselbst nun gelangte der Konig / durch fleissige pflege meiner schwester /
zu seiner vorigen gesundheit: die ihm aber nur mehr qual verursachte / weil er
selbige / neben seinem leben / einer person zu danken hatte / die er so sehr
hassete / als er von ihr geliebt wurde. Die liebe name auch endlich bei dieser
armseligen so sehr uberhand / dass / wie sie alle mittel von der welt vergeblich
ersonnen / sich beliebt zu machen / sie endlich gar rasend wurde / und zu ihrem
guten glücke / in solchem wüten / nachdem sie solches eine weile getrieben / den
geist aufgabe. Hierdurch sah sich nun der König aus seiner gefängnis erlöset:
dann meine schwester ihn so fåst bewahren lassen / dass er nicht aus dem hause
kommen konnen. Die betrübnis /dass ich diese schwester iederzeit herzlich
geliebt /meisterte mich dermassen / dass ich nichts als den tod verlangte: den
ich auch wohl verdient hatte / indem ich die welt / zu so grossem nachteil / den
tod des Königs hatte helfen glauben machen. Gleichwol vergabe mir /dieser gütige
herr / alles mein verbrechen / und begehrte / fur diese woltat / von mir keinen
andren dienst / als dass ich ihm zuschwören musste / niemanden zu offenbaren / wie
er noch lebete: welches ich auch bis ietzo getreulich gehalten habe.
    Er reisete darauf hinweg / und liesse mich krank unterwegs ligen. Von
selbiger zeit an / da ich entzwischen mit dir in Medischen diensten gewesen /
horte ich nichts von ihme / bis ungefar für einen mond: da ich ihm ganz
unvermutlich in diesem lande gesehen /und ihn / wiewol er meiner nicht gewar
worden / ganz wohl und eigentlicher erkant habe. Allem meinem vermuten nach / ist
er des weges nach dem Taurischen gebirge gereiset: massen er / beim schloss.
Amida /mit bei sich habenden frauenzimmer / uber den Tigris gegangen / als ich
eben daselbst mich befande / und hieher gedachte. Was nun sein vorhaben sein mag
/kann ich dir nicht sagen. Ich wiederhole aber meine bitte / dass du hierinn
verschwiegen bleibest. Und sollte dich auch gelüsten / es hier kund zu machen /
so schwore ich dir zu / dass es dir den hals kosten soll: massen mein verlaugnen
alsdan so gut als dein bejahen sein würde / und dorften diese dir übel lohnen
/die nun unsres Königs land geerbet haben. Da behüten mich die götter fur /
(sagte der erste) dass ich dieses geheimnis entdecken sollte! und geht es mich
zwar wenig an / wer in unsrem vatterlande König sei /oder nicht: daher du / wan
du sonst keine sorge hast /als diese / dass ich dich verrahten mochte / wohl ohne
kummer leben kanst.
    Hiermit verdoppelten diese beide ihre schritte / dass also Nahor ihnen ferner
nicht folgen kunte: der dann /weil er nichts von deme / was sie vorgebracht /
verstanden hatte / solches nicht beachtete / sondern wieder an sein eigenes
anligen gedachte / und in weiterem nachsinnen den schluss fäst sezte / auf dem
Taurischen gebirge seine Aprite zu suchen. Weil aber / der weg dahin / auf den
tempel des Teraphim zu ginge / als übermeisterte er sein verlangen in so weit /
dass er diese reise bis auf den tag verschieben wollte / da die hirtenschaar auf
das grosse fest sich versamlen würde. Weil er auch sich erinnerte / was er in
der Almesia hause vernommen / fand er es so nutzlich / als er für seine
schüldigkeit es achtete / am Syrischen hofe anzuzeigen / was der Königin von
Mesopotamien fur eine gefahr drohete.
    Nachdem er etliche stunden die notige ruhe genommen / begabe er sich /
sobald der tag herfur gebrochen / nach Samosata / und meldete seinem Konig an /
welche nachdenkliche reden er von den beiden richterinnen vernommen hätte. Weil
der Konig Aramenes diese sache nicht wohl mit den Syrischen Fürsten / als die
mehrern teils / gleichwie auch der Nahor / noch abgottisch waren / uberlegen
kunte / als hielte er hierüber raht mit dem Melchisedech und Dison: die neben
ihme fur gut ansahen / dass die Konigin Aramena diese reise nach dem tempel des
Teraphim mit übernemen musste. Sie gingen miteinander in der Konigin gemach / ihr
solches anzukünden: welche lang nicht hieran wollte / sich der reden erinnerend /
die der Jacob vorigen abend hiervon mit ihr gewechselt hatte. Als aber
Melchisedech ihr vorstellte / wie ihr hierdurch an ihrem glauben nichts abginge
/ und das unbåndige volk auf diese weise musste herbei gebracht werden: bequemte
sie sich dazu / und liesse / um solches kund zu machen / sofort durch dem Barzes
dem Oberpriester ihren schluss an deuten / der eben in Amida sich befande. Das
gerüchte floge hierauf durch die ganze gegend von Amida / wiedass die hirten ihre
Konigin zur gefårtin nach dem tempel bekommen würden. Weil sie von allen / auser
denen / die der richtere ihre seite hielten / gleich einer gottin geliebt und
verehret wurde / als entstunde hierüber ein so grosses frolocken / dass die
ubelgesinnten in ihrem herzen kleinlaut daruber wurden / und ihren ratschlag wie
wasser zerrinnen sahen / den sie auf die vermutete verweigerung der Königin
geschmiedet hatten.
    Die erbosete richter-weiber / waren hiebei viel ungedultiger / als ihre
månner: weil sie weiter nicht sahen / noch begriffen / dass noch mehr fallstricke
übrig waren / der unschuldigen Konigin eines zu versetzen. Wie dann Targas /
Helidor und Sineab damit ümgingen / in schliessung der bundnis mit den beiden
Konigen von Basan und der Aborigener / weswegen der Reba aus ihrem mittel auf
dem Taurischen gebirge war / es dahin zu spielen / dass ihre Konigin den Konig
von Basan / und nicht den Konig der Aborigener heiraten musste: weil dieser lezte
/ welches ihnen ungelegen war / bei ihnen verbleiben / da hingegen der erste mit
der Königin nach den entfernten Celten sich begeben / und sie also in ihre alte
freiheit wieder setzen wurde. Diesen wohl-ausgedachten anschlag schmiedeten sie
in des Targas behausung / als eben das gerüchte von der Königin Entschliessung
daselbst erschollen war. Und weil der Oberpriester / der ihnen dieses angekündet
/ mit in ihrem raht sich befande /als wurde fur gut angesehen / dass der die
Königin in den gebräuchen dieses gottesdienstes unterrichten sollte / wie sie
nämlich ganz allein mit den schäfern und hirtinnen diese reise zu übernemen ihr
möchte gefallen lassen / weil die gotteit bei diesem feste keinen frömden im
tempel litten / und dass also alle die andere königliche personen / wie auch ihre
gewonliche wacht / zuruck bleiben müste. Sie sucheten aber hierdurch eine
bequeme gelegenheit abzusehen / wie sie dem riesen Sesai / der neben dem Konig
von Basan in der nåhe auf dem Taurischen gebirge sich befande / und / wie sie
wussten / dieses sehr verlangte /ihre Konigin in die hånde spielen mochten.
    Sie macheten hiervon ein grosses geheimnis / weil ihnen bekant / dass der
Demas / und viele von den anderen / die mit in den bund treten wollten / anderer
Meinung wären / und die regierung der Konigin liebend / ihr eher den Tuscus
Sicanus / als den Marsius /aus berürten ursachen / gönnen würden. Daher der
Oberpriester und diese drei richtere sich zusammen verschwuren / dieses keinem
menschen zu offenbaren. Wie nun ihre beratschlagung sich geendet / ginge der
Telecles nach hofe / fand aber die Königin von Mesopotamien nicht mehr daselbst
/ weil sie / neben ihrer schwester und schwägerin / nach Edessa gefaren war /
die Konigin von Tyro zu besuchen / und sich mit ihr über die gute zeitung von
ihrem gemal zu erfreuen / der ihr eben die ursache seiner abreise / wie den
andern / geschrieben hatte. Dieser wegen folgete Telecles der Konigin dahin /
und wurde von ihr mit aller ehrerbietung entfangen: da sie seinen vortrag ganz
gütig aufname / ihn versicherend / dass sie / in allem / den gebråuchen des
landes sich gemås bezeigen wollte.
    Weil sie / indem sie ihm gehor erteilet / von der anderen gesellschaft ab /
in ein nebenzimmer gegangen war / als erzehlte sie ihnen / bei ihrer wiederkehr
/was ihr der Telecles angebracht håtte: die dann alle sich daruber betrübten /
weil sie såmtlich ihnen eine freude davon gemacht hatten / bei dieser wallfart
die schöne Königin zu begleiten. Etliche unter ihnen wollten furgeben / als wann
dieses in Mesopotamien nicht bräuchlich wåre. Es ware niemand / in mangelung der
Amphilite und Sandenise / (die / in ihr dorf zu gehen /von der Konigin wahren
beurlaubet worden / um den beiden tochtern des verwesers Demas / als bråuten
/die in zwei tagen hochzeit haben sollten / aufzudienen) der diesen entstandenen
zweifel ihnen benemen kunte / bis der Nahor mit seinem schwager und beden
schwestern bei ihnen sich einfande: da dann die schone Rahel es bekråftigte / wie
dass kein fromder / der nicht ein hirt wäre / zu diesem grossen fest / ausser der
Königin des landes / und den richtern erscheinen dörfte.
    Meine schöne base / (sagte die Königin Aramena zu ihr) ist gebårerin / wie
ich hore / von dem jetzigen Teraphim / und hat deren schönheit einen hirten zum
gott machen konnen. Rahel errötete / die Konigin also reden zu horen / und
sagte: wie dass eine so geringe ursache eine sehr herrliche wirkung gehabt håtte
/ wan es sich solcher massen befinden sollte / was man dem Pasicles hätte
aufburden wollen; wiewol sie dafür hielte / dass / sein eifer für das vatterland
und für den götterdienst / das jenige bei ihm gewirket / was man iezt der liebe
beimessen wollte. Seit versichert liebste Rahel! (antwortete Jacob hierauf) dass
ein selbst-mord so unverantwortlich / als dem himmel zu wider sei /und dass der
Pasicles weder ehre noch nutzen damit erlanget / indem er sich / aus tollem
zweifelmut / vom leben bringen lassen. Ich will euch nicht widersprechen / (gabe
Rahel zur antwort) weil ich euch / auch bei meiner gerechtesten sache / würde
mussen gewonnen geben. Dass aber der üm dess vatterland sich wolverdient mache /
der sich zum freiwilligen Teraphim anbietet / solches / halte ich / werde ein
jedweder mit mir gestehen müssen. Viel eher (sagte Jacob) würde der dem land
einen grossen dienst tun / der beförderte / dass dieser greul abgetan wurde /
der dem hochsten Gott nicht gefallen kann.
    Die eifersucht gegen dem Pasicles / (antwortete Rahel / darzu lachend)
machet euch also reden /massen ihr vielleicht sorget / dass er mich noch lieben
möchte. Pasicles / als ein todter / (versezte Jacob) wird von euch nichtes mehr
wissen: ich aber weiss /dass der jenige / so durch den Teraphim redet / euch
häftig hasset / weil der allgemeine menschenfeind durch dieses bild weissaget.
Ihr redet zuviel / liebster mann! (sagte die vernunftige Lea) und vergesset /
was euch für gefahr darauf stehet / wann ihr das / was man hier so hoch verehrt
/ verachtet. Und ihr vergesset /Lea! (antwortete Jacob) dass ihr eine
rechtglaubige seit / und darum euch nicht fürchten musset / von dem wahren Gott
aller orten ungescheut zu reden. Jacob und Lea haben beide recht: (sagte die
schöne Konigin hierzu) dann es ist billig / die warheit aller orten zu bekennen /
dabei aber auch zugelassen / zu zeiten dieselbe zu verhelen / üm einer
augenscheinlichen unnutzlichen gefahr zu entgehen / und sich auf bässere
gelegenheit aufzusparen. Ich muss es jezt selbst also machen / edler Jacob! indem
ich mit nach dem tempel des Teraphim die wallfart verrichten werde / ob ich
gleich eure gedanken von diesem gotzen habe. Der Hochste / so das herze ansihet
/ (antwortete Jacob) wird verleihen / dass diese reise E. Maj. zu aller
glückseligkeit ausschlage.
    Aber ihr / wehrte Rahel! (sagte die Königin zu dieser schonen) wann wollet
ihr dem beispiel eurer schwester nachfolgen / und die irrtümer fahren lassen /
die euer edles gemüte beschweren? Ich sehe / (antwortete Rahel scherzweise) dass
mich mein man dannoch liebt / darum habe ich nicht ursach / wie meine schwester
/ ihme zu gefallen meinen alten glauben zu verändern. Wie nun Rahel! (sagte Lea)
entsihest du dich nicht / vor koniglichen personen also zu reden? Mein Jacob
weiss wohl / dass nicht die liebe gegen ihm /sondern meine eigenliebe mich dazu
bewogen / den falschen gottern abzusagen. Wir müssen sie bekehren /(finge die
Konigin von Ninive an) und hat die schöne Rahel an mir sich zu spieglen / da sie
mich wohl ehe gekant / dass ich in den Dianen-tempel zu Ninive zu sterben
gedachte. Ich entsinne mich dessen gar wohl: (sagte Rahel) ich halte aber das
reich Ninive / neben den König Dison / fur båsser / als einen verschlossenen
tempel. So glåubt ihr dann von mir / (antwortete die Konigin von Ninive) dass /
was die Lea bereden können / auch mich bewogen habe / meinen glauben zu
verändern. Weil mich (sagte Lea /) keine weltliche ursach hierzu gereitzet / als
kann ich wohl zugeben / dass E. Maj. meine nachfolgerin genennet werde. Die
freiheit / deren sich Rahel gebrauchet / (sezte Jacob hinzu / die Konigin von
Ninive anschauend) kommet ihr von E. Maj. gütigkeit / und darf sie hierinn auf
die alte kentnis sich verlassen.
    Wir sind so alte freundinnen / (antwortete die Konigin von Ninive) dass wir
einander sagen dörfen /was wir wollen / und wird mir daher die Rahel auch nicht
verublen / wann ich ihr meine gedanken eroffne / dass ich dafür halte / sie finde
in sich einen solchen widerwillen / ihrer schwester in mehreren gleich zu werden
/ als sie schon ist / dass sie deshalben deren glauben nicht begehret anzunemen.
Die ganze gesellschaft musste uber dieser rede lachen / die sich so fein auf den
zustand dieser beiden schwestern schickte. Wie nun endlich die Königin von
Mesopotamien /neben ihrer gesellschaft / von der Königin zu Tyro wieder abschied
genommen / wollte sie / bevor sie Edessa verliesse / auch die Konigin Petasiride
besuchen / und derselben / an der schönen Rahel / ihr ebenbild zeigen / deren
person sie bei dem lezten spiele so wohl vertreten hatte. Die schone Königin von
Arabien / fand die Rahel so angenem / dass sie es ihr nicht nachteilig zu sein
erachtete / mit ihr verglichen zu werden.
    Wie nun ihre unterredung hievon eine gute weile gewåret / machten die beide
Aramenen / neben der Cölidianen und den angekommenen von Haran / sich wieder auf
den weg: da dann / als sie durch die angenemen felder und auen spazirten / der
fussteig / so nach Samosata geht / sie unterwegs auf der schäferin Sandenise
ihrer eltern meierei fürete: alwo sie / weil sie diese hirtin anheimig wussten /
einsprachen / und bei ihr / neben ihren eltern / die Amphilite und Melidia
antraffen. Diese beide lezte waren eben beschäftig gewesen / die alten dahin zu
bereden / dass sie dem Timonax / nach des Teraphim ausspruch / ihre tochter geben
mochten / die aber noch allerdings hierzu sich nicht verstehen wollten: daher es
merklich zu der Sandenise Glück dienete / dass diese konigliche gesellschaft dazu
kame. Diese täten nun vollends alle schwerigkeit ab in dieser sache / und
richteten es in die wege / dass des Timonax hochzeit / mit der andern ihren / auf
einen tag sollte angestellt werden. Weil Amphilite diesen hirten in der
nachbarschaft / und zwar in des Demas hause / wusste / als sandte sie so fort
dahin / ihn dessen zu verståndigen. Dieser seumte sich nun nicht / mit dem Demas
/ der Aneriste und Sataspe / dem Abinael und Nisan / der Briside und Rodope / zu
dieser königlichen gesellschaft zu kommen: da dann nicht allein seine sache klar
wurde / sondern auch der Demas die verheissung von den königlichen personen
erhielte / dass sie selber diesen hochzeiten mit beiwonen wollten / die zu dem
ende in Samosata /und zwar auf der Königin von Mesopotamien kosten /angestellet
wurden. Atamias und seine Artainte /waren das vierte paar / welche auch / in so
furnemer versamlung / sich sollten trauen lassen: die dann auch bei den andern
sich einfanden / und ihre gluckseligkeit daselbst vernamen.
    Dieser verguugung machten sich alle die andern in der gegend Amida mit
teilhaftig / als sie die gutigkeit ihrer neuen Regentin erfahren: welche dann von
einer grossen mänge hirten und hirtinnen / die da zusammen gelaufen waren / gen
Samosata begleitet wurde / und horte man sie ihre gluckseligkeit mit
tausenderlei freudengeschrei himmel-an erheben / und sich allen volkern der
erden vorziehen / dass sie unter eine solche regirung geraten waren. Solche ihre
vergnügung ward üm ein merkliches ergrossert / als sie / tags hernach /ihre
wunderschöne Königin / gleichwie auch alle andere anwesende königliche personen
/ in schäfer-tracht auf ihren gefilden erscheinen sahen: welche abgeredter massen
sich also verkleidet hatten / und damit andeuteten / wie sehr ihnen dieses
unschuldige feldleben beliebte. Es leuchtete aber / unter so schlechtem gewand /
die furtrefliche schönheit der Aramenen fast herrlicher herfur / als sonst bei
ihrem purpur und seiden; und hätte es ihre vollkommenheit zugeben konnen / dass
man sie einmal schoner als das andermal preisen dorfen / so sollte es wohl bei
dieser kleidung geschehen sein. Die aue bei Samosata / da sie ihren sammel-platz
hielten / ware so voll von den zuschauenden hirten / dass fast die mänge nicht zu
zehlen: und dunkte sie / dass sie nun freier mit diesen in hirten verwandelten
koniglichen personen umgehen dorften / da sich kein äuserlicher unterschied
zwischen ihnen mehr fand.
    Der Konig von Syrien bediente sich dieser gelegenheit / ungesehen von der
andern gesellschaft / sich mit dem Mitreus beiseit zu begeben / als welcher
allein in seiner vertrautsten kentnis lebte / um deme / wie er zu tun gewonet
war / seine geheime gedanken zu eröffnen. Ach Mitreus! (sagte er zu ihme / wie
sie nun ganz von den andern entfernet waren) nun wird kein ferneres schweigen
nutzen / da ich befahren muss / dass der Teraphim meiner schwester entdecken werde
/was ich ihr bisher nicht vollig eroffnet / sondern noch immer vor ihr verhelet
habe / nåmlich die untreu des Cimbers. Solte sie nun dieses so unversehens
erfahren / würde das für sie viel gefårlicher sein / als wann ich es ihr zuvor
entdecke / und zu so böser zeitung ihr gemüte / wie ich schon öfters angefangen
/ vorbereite. So ist demnach notig / dass man aus beiden übeln das geringste
erwehle. E. Maj. tun wohl / (antwortete Mitreus) indem sie den schluss fassen /
kein ferneres geheimnis hiervon zu mache / was doch endlich die Königin wird
müssen wissen: und ist ihre grosmut so vollkommen / dass ich nicht zweifle / sie
werde das mit standhaftem gemute aufnemen / wovon sie iezt ihr nicht die
geringste einbildung machet.
    Sie ist zwar grosmütig / (widerredte der Konig) aber dabei auch verliebt /
und zwar auf eine so unschuldige weise / dass ihre grosmut ihr mehr hinterlich
als forderlich sein wird / das zu vergessen / was ihr der unerkentliche Cimber
erwiesen hat. Ich errahte dieses aus meinem eigenen beispiel: massen ich bezeugen
kann / wie es mein gemüt angefochten und noch beångstige / wan ich diese des
Cimbers verhältnis bedenke / den ich für meinen herzensfreund / ja fur mein
ander ich / gehalten; und muss ich mich bis in den tod betrüben / dass er damit
mich nötigt / ihm alle freundschaft aufzusagen / und wider den Tuscus Sicanus zu
anten / was Cimber / mein so werter Cimber / verubet hat. Solte nun die liebe
bei ihr geringere wirkung haben / als bei mir die freundschaft? Nein / Mitreus!
glåube du nur sicherlich / dieses wird meine liebste Aramena dermassen anfechten
/ dass ich alle gefårnise daraus besorgen muss. Wie bald ergabe sie sich aber /und
beruhigte ihr gemüte / (antwortete Mitreus) als sie erfuhre / dass E. Maj. ihr
bruder wären! mit was standhaftigkeit erdultete sie alles ungluck in Damasco /
da sie den tod selber nicht geachtet? Daher noch wohl zu hoffen ist / dass sie
auch eines undaknbaren Cimbers beginnen werde verschmerzen können. Verachtung in
der liebe / (gabe Aramenes zur antwort /) geht uber alles / in der welt /
sonderlich wann die selbste volkommenheit sich muss verschmähet sehen. Kan doch
ich mich hierein nicht finden / und vermeinte ich den Cimber so volkommen erkant
zu haben /dass ich eher an mir selber / als an ihme / einigen zweifel haben
mogen: wie sollte dann nicht zu besorgen sein / dass es nicht auch meine schwester
anfechten /und sie in ein tödliches entsetzen und betrüben sturzen werde? Aber /
wie dem allen! der schluss ist einmal gemacht / ich werde bei ihr der bote einer
so betrübten zeitung sein: und muss ich mich also uberwinden / meinem freunde /
seinem verbrechen nach /einen so üblen dienst bei der Aramena zu leisten.
    Als der betrubte Konig diss gesaget / sah er etliche wågen / neben reitenden
personen und vielen beladenen camelen / auf sich ankommen: welche unfern von
ihme still hielten / als sie der grossen volk-månge gewar wurden. Einer von
diesen reisenden ritte auf den Konig zu / und fragte / ihn für einen hirten
haltend / ob nicht die Konigin von Mesopotamien in dieser versamlung sich
befände? Der diese frage täte /ware der Prinz Sinear von Chaldea / massen ihn
sofort der König von Syrien dafür erkannte: und wurde es ihm lächerrlich / dass
dieser Prinz nicht wusste / mit wem er redte. Um nun ihn ferner in seinem irrtum
zu lassen / sagte er: Ihre Königin wäre vorhanden / und wolle er ihn gleich zu
ihr füren / wan er solches verlangte. Tut mir den gefallen / mein freund!
antwortete Sinear / und seit versichert / dass ich euch diesen dienst vergelten
werde. Hiemit eilete er zuruck nach dem vördersten wagen / und als er vom pferd
gestiegen / hube er drei damen aus demselben / die er dem König Aramenes
zufurete / mit bitte / ihn nun nach der Königin von Mesopotamien zu bringen.
    Diese drei frömden / die als hirtinnen / wiewol sehr prächtig / gekleidet
waren / fülleten mit ihrem wunderglanz dem Konig dermassen die augen / dass er
/ob er gleich die zwei groste schönheiten der welt geliebt / und täglich für
augen sah / dannoch in seinem herzen gestehen musste / dass diese bewunderns
würdig wåren. Ihm fiele gleich ein / dass diese des Elihu und Betuels drei
schönheiten von Sarug sein müsten: daher er beiden Fürsten nicht unrecht gabe
/dass sie sich von solcher ungemeinen kraft ubermeistern lassen / und sofort eine
nicht-geringe begierde erwiese / von deren unvermuteter ankunft / und wer sie
sein mochten / ein mehrers zu wissen. Also fürete er den Sinear und seine
gesellschaft / durch die haufen der schäfere und hirtinnen / bis an den ort / wo
die konigliche gesellschaft sich in einen kreis zusammen gesetzet hatte / und
spielete. Aller augen wurden auf diese ankommende gerichtet / und entstunde ein
allgemeines wunderfragen / woher und warüm sie kämen!
    Wie aber die Königin von Mesopotamien / von ihrem bruder / mit wenigem war
unterrichtet worden /eilete sie dem Prinzen Sinear entgegen; der sofort / in
dieser verkleidung / fur die schöne Aramena sie erkennend / ihr den rock küssete
/ und also zu ihr sagte: Grosse Königin! ich achte mich glückselig / dass der
himmel mich vor anderen ausersehen / E. Maj. gegenwärtige drei Prinzessinnen zu
zufüren / die von dero haus entsprossen / und des Konigs Hiob von Ausitis
tochter sind. Ihr herrvatter weiss sie unter keinen sicherern schutz / noch in
wertere gesellschaft / als bei E. Maj. zu bringen: und gleich wie ihr selbst
eigenes verlangen hiernach unbeschreiblich gewesen / also bin ich auch
versichert / dass E. Maj. ein besonders vergnügen an der gesellschaft dieser
dreien schönen entfinden / und nicht bereuen werden / dass sie dieselbe hiemit /
ihrer angebornen gutigkeit nach / gnädigst aufgenommen. Kaum hatte Sinear diese
wenig worte ausgesprochen / da näherten sich diese drei unvergleichliche töchter
des grossen Hiobs zu der schönen Aramena / und blieben / in anschauung derselben
/nicht weniger verblendet / als wie diese Konigin sie hinwieder mit entzückung
betrachtete. Sie ümarmete eine nach der andern / mit der hochsten
freud-bezeugung / und gabe satsam / so wohl ihnen / als dem Prinzen Sinear / zu
erkennen / wie lieb und angenem ihr deren ankunft und gegenwart wäre.
    Alle die andere königliche personen drungen darauf hinzu / die drei schone
Prinzessinnen zu entfangen /und wie der Konig von Syrien diesen seinen basen
sich damit auch zu erkennen gabe / vername erst der Prinz Sinear / was fur ein
hirte ihn zu der königlichen gesellschaft geleitet hette: daher er nicht
ermangelte /seine entschuldigung deswegen zu machen. Alle anwesende / welchen
des Betuels und Elihu sonderbares lieben etwas bekant war / errieten alsofort /
dass es diese dreie sein müsten / die von diesen beiden Fursten geliebt wurden /
und die sich eine weile zu Sarug aufgehalten / auch vor wenig wochen von dar
durch den Sinear waren entfüret worden. Sie sahen sich in diesem wahn gestärcket
/ als die hirtinnen Melidia / Eidania und Sandenise hinzu traten / und diese
Prinzessinnen mit grosser freude bewilkommeten: weil sie dieselben fur diejenige
erkannten / mit denen sie zu Sarug so vertraulich gelebet hatten. Die beide
Furstinnen von Haran / als geschwister-kind mit diesen dreien Prinzessinnen /
gaben / neben den Elhanan / der ihnen gleich nahe verwandt / sich nun auch bei
ihnen an / und war die allgemeine freude so gros / als die begierde / zu wissen
/ was diese schonen hieher bråchte. Weil nun daselbst der ort nicht war /
solches zu erfahren / und zu dem die abendzeit eben einfiele /als namen sie
diese drei Prinzessinnen mit nach Samosata / und gönnten ihnen die ruhe / deren
sie wegen der getanen reise vonnoten hatten.
    Am folgenden morgen / kamen die meisten von den andern königlichen personen
/ aus Edessa und Amida / zu der Königin von Mesopotamien / um der erzehlung
beizuwonen / zu welcher einer von den leuten dieser dreien Prinzessinnen mit
versprechen sich verpflichtet hatte. Der alte Fürst von Hus / als deren vatters
bruder / stellte sich hierbei auch ein / und genosse nicht einer geringen
erquickung / seine Nichten / und zwar in so grosser volkommenheit / zu sehen /
dass sie von allen / als ein wunder der natur / betrachtet wurden / und die
volkommenste Konigin der welt / neben so vielen anderen schönheiten / mit ihrer
gegenwart den schein dieser dreien nicht verdunklen kunten. Ihr musset uns nun
nicht länger misgonnen / werteste basen! (sagte die schöne Aramena zu ihnen) uns
von eurer kentnis eines mehrern teilhaftig zu machen: massen nicht allein unser
aller verlangen hiernach stehet / sondern auch insonderheit meine begierde dahin
gerichtet ist / mich eurer angelegenheiten hinfuro /wie meiner eigenen /
anzunemen. Solche unverdiente gute / (antwortete Jemima / die åltste unter
diesen dreien) die wir hier geniessen sollen / haben wir auch von der grossen
Aramena vermutet / und wie wir uns dafür E. Maj. ganz eigen erkennen / also soll
unser gehorsam hiervon das erste zeugnis geben / und E. Maj. befehl zu folge /
alhier kund gemacht werden / was unser lebenslauf bisher gewesen / und was nun
die eigentliche ursache dieser unserer ankunft sei. Als sie dieses mit
sonderbarer anmut gesaget / schauete sie einen ansehnlichen alten an / der mit
ihnen gekommen war: welcher / nachdem er alle seine furneme zuhörer in grosser
aufmerkung sah / also anhube zu erzählen /
      Die geschichte der drei Prinzessinnen Jemima /Kezia und Kerenhapuch.
Der Konig von Ausitis als herrvatter meiner dreien Prinzessinnen / sonderte sich
sofort in seiner jugend von seinen verwandten ab / und im land Ausitis allein
wonend / stellete er alda ein so gottseliges leben an /dass man ihn mit recht den
andren Enoch hette nennen mögen. Die abgötterei / so üm ihn eingerissen / täte
er / für seine person und unter seinen leuten / gänzlich ab / und ware auch
derselben so gar zu wider / dass er keines wegs sich wollte abbilden lassen / wie
sehr auch solches der Stattalter von Syrien verlanget: weil er besorgte / dass
solches eine sunde sein oder einfüren mochte. Er verheuratete sich / wie er
schon zimlich alt war / mit des Königs von Gesur tochter / der Palmis / und
hatte mit derselben eine fruchtbare ehe: wie ihn dann Gott / in allem / gesegnet
hatte. Ich zweifle nicht / es werde allen meinen durchleuchtigen zuhörern
bekandt sein / was meinem König widerfahren /und wie der Allmächtige seine
sonderbare gedult geprüfet: massen davon eine kluge hand ein eignes buch
reimweis verfasset / darin des Fursten Zophars von Naema hier zugegen / mit
erwehnet wird.
    Ich will demnach solches übergehen / und nur sagen / wiedass ich eben zu
diesem gottseeligen Konig gekommen / als dessen zustand sich geåndert / und er
seine vorige glückseeligkeit wieder erlanget. Es war damals / der königliche hof
zu Ausitis / von allen des Hiobs anverwandten angefullet / die mit ihme uber
seiner glucklichen veränderung sich erfreuten: und bekame ich also zu sehen /
den Fürsten Hus seinen bruder / ingleichen den Prinzen Bildat von Chaldea / den
schwager meines Königs / wie auch den Fursten Laban hier zugegen / der ebenfalls
eine schwester von meinem König geheiratet. Es waren auch daselbst der Eliphas
von Teman / der damals noch sehr junge Furst von Bus / der verständige Elihu /
und der Zophar von Naema: die alle / auser denen Fürsten von Hus und Haran /
teil haben an der geschicht-beschreibung deren ich erst habe erwehnet. Ob nun
gleich mein Konig ein vatter dieser seiner anverwandten sein und heisen können /
weil er bereits das hunderte jahr überlebt hatte / so waren doch seine kråfte
noch so frisch / und sein gemut so munter / dass er an dieser gesellschaft / und
sie hinwieder an ihme / sich erlaben und vergnügen kunten. Sie blieben auch so
lang beieinander / bis der Prinz Bildat / als feldherr / nach Babel beruffen
wurde / Eliphas und Elihu aber nach Ur gingen / und die andere gleichfalls nach
ihren landen und geschäften wieder abreiseten.
    Die hierauf erfolgte einsamkeit / wurde sowol durch die gluckselige geburten
unserer fruchtbaren Königin / die die verlorne zehen konigliche kinder wieder
brachte / und also das konigliche haus mit sieben Prinzen und diesen dreien
Prinzessinnen beseeligte / als auch durch deren schwester die hochverständige
Calmana / ersetzet. Diese name sofort die erziehung dieser dreien töchter über
sich / das zwar der König geschehen liesse / aber / weil diese Prinzessin selber
des wahren glaubens noch fehlte / darneben durch mich im rechten gottesdienste
sie unterrichten liesse: daher ich von mir rumen kann / dass ich eben also die
aufsicht über ihre seelen / als wie die Calmana uber ihr gemüter und leiber /
hatte. Wie glücklich wir nun beiderseits in unserer erziehung gewesen / solches
wollte ich wohl weitläufig vorbringen / wan die gegenwart meiner dreien
Prinzessinnen / die ich / zu ihrer schamröte / ins geschichte loben würde / und
die bescheidenheit / mir solches nicht verböte. Sie ergezten und übeten sich
aber furnemlich / in erlernung des himmelslaufes: in welcher wissenschaft sie so
weit kamen / dass kein Chaldeer noch Egypter ihnen etwas zuvor tun kunte. Es
ware solches auch meinem König nicht zu wider / weil sie den misbrauch davon
liessen / der die meisten hierbei zu verfuren pfleget.
    Solcher gestalt wurde nun auch / der hof zu Ausitis eine rechte hohe schule
/ da / zu iedermans verwunderung / die kinder lehrmeistere waren und die alten
unterrichteten: daher auch / von allen benachbarten orten / die weltweissen an
unsrem hofe sich einfanden. Der fürwitz triebe nun auch den Prinzen von Zoba /
unsren nåchsten nachbarn / dass er sich bei unsrem hof einstellte. Gegenwärtige
Prinzessin Jemima / die åltste von ihren schwestern / mochte damals kaum
funfzehen jahre haben / als der Cesias ankame: der sich dann gleich von ihrer
schönheit dermassen einnemen lassen / dass er mehr dieses erd-gestirne / als das
firmament des himmels / betrachtete. Weil Calmana dem hause Zoba sonderlich
zugetan war / auch aus dem himmelslauf ersehen hatte / dass einer von diesen
Prinzessinnen / als ihren Nichten / die kron von Zoba bestimmet wäre / liesse sie
ihr diese liebe des Prinzen nicht misfallen / und sah gern / dass also sein sin
und der gestirne einflus ubereinstimmete. Sie eroffnete auch hiervon dem Konig
ihre gedanken: der aber /wegen der grossen abgötterei / die die von Zoba trieben
/ solcher befreundung ganz entgegen ware / und öffentlich sich erklärte / dass er
nimmermehr eine tochter in ein so abgöttisches land geben wollte. Calmana machete
sich hierauf an ihre schwester: die aber sich hierinn weder zu- noch abgeneigt
erklårte / und es auf die freie wahl ihrer tochter ankommen liesse.
    Also wurde diese Prinzessin von der Calmana sehr angefochten: die aber ja so
grossen widerwillen gegen den Prinzen von Zoba / als ihr herrvatter / erwiese.
Es halfe nicht / dass ihr Calmana aus den gestirnen zeigte / wie ihr die kron von
Zoba bestimmet wäre: weil solches / wie sie sagte / nicht mehrers auf sie / als
auf ihre beide schwesteren deutete / oder auch wohl auf ihre brüder konnte gezogen
werden. Was nun Calmana für ihn nicht auszurichten vermochte / das wurde auch
dem verliebten Cesias selber unmüglich: massen der vergebens / so wohl seine
seufzer anfangs fur sich reden liesse / als nachgehends dieselbe mit worten
erklärete / und bliebe sie bei ihrer weise / ihm zwar hoflich / aber daneben
ganz kaltsinnig / zu begegenen. Dieses sezte den Prinzen in die tiefste
traurigkeit /und die Calmana in ein solches mitleiden / dass sie schlussig wurde /
dem Konig von Zoba schriftlich zu entdecken / wie es mit seinem sohn stünde.
Weil Cesias ein einiger sohn / und grosse geschicklichkeiten befasse / als ward
er nicht nur vom vatter / sondern auch von allen inwonern des reiches Zoba /
innigst geliebt: daher der Calmana bericht solche wirkung hatte / dass der Konig
von Zoba selber zu uns kame /um diese sache für seinen sohn richtig zu machen.
    Als er die Jemima ersah / fülete er eben dasjenige / was seines sohnes
anligen verursachet / und von einerlei verhängnis getrieben / verliebte er sich
in diese junge Prinzessin ja so sehr / als sein sohn / und wurde / an statt
dessen fursprach zu sein / sein eigener freiwerber. Weil er ein måchtiger Konig
war / und die sitsamkeit seines sohnes nicht hatte / als entdekte er gleich sein
anligen dem Hiob: der über so etwas ungereimtes bestürzend / weder ja noch nein
sagen wollte /weil er das erste nicht zu tun vermochte / und das andere nicht
tun dorfte / wegen der grossen gewalt dieses tyrannen; weswegen er ihn mit
guten worten aufzuhalten beschlosse. Calmana sah nun / obwol zu spate / wie
wenig ihr anschlag dem Prinzen genutzet: massen der / auf befehl seines
eifersüchtigen vatters /sofort Ausitis raumen musste. Wie nun dieser stachel aus
dem wege gebracht war / sezte er mehr / als zuvor / an die Jemima: die aber /
ungeacht ihrer jugend und der ihrigen furchtsamkeit / dannoch mit solcher
strenge ihm begegnete / dass er ihr nichtes angewinnen kunte. Doch zwange er sich
/ in hoffnung / sie endlich noch zu erobern / und reisete also wieder davon /
weil die geschäfte seines reiches ihme kein längeres ausbleiben verstatteten.
    Zu Zoba brante nun sein liebes feuer nicht minder /als zu Ausitis / und
machte ihn seine gotter üm raht fragen / wie er dazu gelangen sollte / dass des
Hiobs tochter möchte Königin von Zoba werden. Er bekame hierauf diese greuliche
antwort: er sollte seinen einigen sohn dem Moloch opfern / so würde die kron von
Zoba an des Königs von Ausitis töchter eine kommen. Was vermag nicht eine
häftige liebe? sie machte / bei dem König von Zoba / alle liebe zu seinem
tugendhaften sohn verschwinden / also dass er / seinen hitzigen begierden folgend
/ diese einige hoffnung seines reiches / den edlen Prinzen / schlachten liesse:
und vermeinte er den Moloch / durch diese wilfärigkeit /dahin zu vermögen / dass
er in seiner liebe ihn mochte glücklich machen. Wir erfuhren diese greuliche
mordtat / wenig tage hernach / als es geschehen war / und ware kein mensch im
lande Uz / der nicht den edlen Cesias beklagt hätte. Jemima selbst vergosse
mildiglich ihre tränen hierüber / weil sie (wiewol eine unschuldige) ursach
seines todes ware. Wie wir nun sahen / dass des Königs von Zoba liebe so häftige
wirkungen hatte / mussten wir uns dergleichen gewalttaten mehr versehen / und
lebten daher in nicht-geringer angst / was weiter sich begeben würde.
    Ehe wir aber einen raht ersinnen konten / wie allen besorgenden unfällen
möchte begegnet werden / vernamen wir / dass zwar des Königs von Zoba liebe zu
unserer Prinzessin erloschen / hingegen aber ein bitterer hass in dessen und
aller einwonere von Zoba herzen / gegen diese unschuldige entstanden wäre:
welche sie offentlich die ursach von dem verlust ihres Prinzen nennten / und
sich der bedrohlichen reden vernemen liessen / wie sie das vergossene blut des
Cesias rächen / und also das land wieder aussönen wollten. Dieses bewegte meinen
König / auf die entfernung seiner töchter zu gedenken: dann die von Zoba droheten
auch den andern beiden / weil ihrer götter ausspruch also gelautet / dass eine
von ihnen die kron von Zoba erlangen würde; die sie aber keiner von ihnen
günnten / sondern ihnen gehässiger / als ihren ärgsten feinden / waren. Es konnte
aber des von unmut fast rasenden Konigs von Zoba feindliches furnemen nicht so
fort zur tätlichkeit ausbrechen / weil wir in guter hut stunden / und der hülfe
des Königs von Gesur / auf allen bedürfenden fall / versichert waren. Also
gewonnen wir zeit / auf eine sichere entfernung zu gedenken / und wurde ich von
meinem König an die Mesopotamische gränze abgeschicket / der Gumatener land von
den Musianern zu erkaufen: welches der König den dreien Prinzessinnen zum
erbteil gabe /und sie nachgehends / neben der Calmana und mir /vergangenen
herbst heimlich dahin ziehen liesse / dass kein mensch wusste / wo wir hingekommen.
    Daselbst nun / und zwar zu Abarne / stellten wir unser hauswesen an / und /
um desto heimlicher zu bleiben / veränderten wir zum öftern unser hausgefinde:
massen von allen / die üm uns waren / kein mensch unsere herkunft wusste. Die
drei Prinzessinnen kleideten sich wie schäferinnen: worbei aber / auf der
Calmana verordnung / koniglicher schmuck sein musste / üm sie von andern zu
unterscheiden. Wir lebten dergestalt ganz vergnügt / und von aller frömden
gesellschaft abgesondert / dazu uns die klippen und das abweg same gebirge
beförderlich war: und hätten wir uns nicht gluckseeliger wünschen können. Der
Ausicles / neben seiner frauen / der Eidanie / und seiner schwester / den
Melidia / die sich nun unter hiesigen schäfern befinder / waren von unsern
bästen nachbaren / mit denen wir auch kentnis macheten. Und weil diese auch auf
den himmelslauf sich verstunden /als namen wir unser studiren in den gestirnen
wieder vor die hand: welches sich zu dem unschüldigen land-und schäfer-leben so
wohl schickte / dass keines dem andern hinternis brachte / sondern beides zugleich
bestehen kunte. Meines Königs absehen war / dass die Prinzessinnen so lang
daselbst verborgen leben sollten / bis der zustand in Zoba sich würde verändert
haben.
    Wie nun dieser nächste winter schier vorbei war /und eines tags die drei
Prinzessinnen / neben mir /den hirtinnen Melidia und Eidania das geleite gaben
/die hieher nach Mesopotamien reisen wollten / stiesse unversehens der Prinz
Sinear von Chaldea auf uns: der / wohl recht durch schickung des himmels / diese
sonstabwegsame strasse reisen / und in den klippen sich verirren müssen / üm
solche ungemeine wegweiserinnen fürzufinden. Weil uns / frömde leute zu pferd zu
sehen / gar ungewönlich war / massen / wie gesagt / wir von aller gesellschaft
und ansprache befreit lebten / als erweckte die furcht in uns sofort die flucht
/als wir den unbekanten Sinear erblickten. Wie der aber uns nachsezte / und uns
leichtlich einholend /bloss nach dem weg sich erkundigte / fasseten wir wieder
einen muht / ihme zu stehen / und antwort zu geben. Ausicles / der ehmals diesen
Prinzen in Chaldea gesehen / erkannte ihn endlich / und / dessen namen und stand
uns anmeldend / gabe er uns anlass /ihm / als dem schwester-sohn meines Königs /
wohl zu begegnen / und / ob wir uns gleich nicht zu erkennen gaben / ihn zu
bitten / dass er mit seinen leuten in Abarne bei uns einkehren möchte. Es
bedorfte nicht viel muhe / den Prinzen hierzu zu bereden / welcher nichts lieber
täte / als bei denen länger zu verbleiben / die ihme / im ersten anblick / alle
begierde furter zu reisen benommen: massen die schönheit meiner Prinzessinnen
ihn so sehr eingenommen / dass er halb verblendet sich nach Abarne füren liesse.
    Calmana / als sie uns mit dieser frömden gesellschaft ankommen sah /
erwiese sofort einen unwillen / dass wir den Prinzen Sinear eingeladen / und wäre
ihr lieber gewesen / dass wir uns seiner geäusert hätten. Weil es aber eine
geschehene sache war / als verbarge sie / sonderlich für ihme / ihr misfallen /
und erwiese ihm alles / was das recht der wirtschaft mit sich bringt: in
hoffnung / dass er bald / und zwar den folgenden tag / wieder abreisen würde. Es
kame aber gar anders / als sie gedachte: massen der Sinear so wenig den ersten /
als den andern tag / vom fortreisen sagte /und sich so verliebt / als begierig
diese schönheiten zu kennen / erweisend / ein eigenes haus in Abarne mietete /
und also / einigen fürwand ersinnend / der ihn daselbst aufhielte / ein
beständiger einwoner unseres gebirges wurde. Dieses frömde beginnen / zumal da
wir wussten / und es ümständlich von ihm erfahren hatten / wie der tod seines
herrvattern ihme die regirung über Chaldea überlassen / und also seine gegenwart
daselbst hochnötig war / öffnete uns die augen /dass Calmana und ich anhuben zu
merken / was den Prinzen bei uns aufhielte: weswegen wir beiderseits einen
ungleichen schluss fasseten / wie wir uns hierbei bezeigen wollten.
    Ich meines teils fand keine ursach / dem grossen Sinear in seinem beginnen
entgegen zu sein: weil ich nicht sah / wie meines Königs tochter
vorteilhaftiger wurde heiraten können. Aber die Calmana / die das Assyrische
haus / daraus der Sinear entsprossen / üm dess willen hassete / weil Armatrites /
seines grosherrvattern bruder / ihren herrvattern / den König von Gesur / sehr
gedemütigt / und ihn zimlich eingeschränkt gehalten hatte / hinterte und wehrete
/ wie sie kunte / dass weder Jemima / noch deren schwestern /des Sinears liebe
annemen möchten. Also sah nun die Prinzessin Jemima / auf welche des verliebten
Prinzen seine wahl fiele / von drei teilen sich angefochten: als erstlich von
dem Sinear selber / der / so oft er gelegenheit hatte / ihr von seiner
ehrerbietigsten liebe fursagte; ferner von der Calmana / die sie hiervon
abmanete; und letzlich auch von mir / der ich stäts des Prinzen wort bei ihr
hielte. Sie begegnete aber uns allen dreien mit grossem verstande / dass keines
von uns uber sie klagen kunte: indem sie / gegen den Sinear weder zu gütig noch
zu streng sich erwiese / gegen mir aber auf ihren herrvattern sich berieffe /und
der Calmana das klägliche beispiel des Cesias fürhielte. Weil ich dem Prinzen
wohl wollte / als verschwiege ich ihm nicht / wiedass die Prinzessin alles auf ihre
eltern verschöbe: die ich ihm aber nicht nennte / weil ich es in bedenken zoge /
auch wegen meines abgelegten eides nicht tun dorfte. Ich machte ihm aber die
hoffnung / dass ihre eltern seiner liebe nicht entgegen sein wurden.
    Der Prinz Sinear war hoch erfreut / wie er also in seiner liebe sich
glücklich hoffen dorfte / und unterliesse nicht / hievon gegen der Jemima zu
erwähnen: die dann endlich sich auch nicht länger bergen kunte /sondern dem
Prinzen / auf sein inständiges anhalten /gestunde / wie sie / sich dem befehl
der ihrigen gutwillig zu unterwerfen / gesonnen wäre / wan diese wollten / dass
sie ihn / den Prinzen / lieben sollte. Wiewol nun dieses / einen liebhaber
vollkömlich zu vergnügen / nicht gnug ist / so machte doch meine verheisung /
die ich ihm hierbei täte / dass er sich glücklich achtete. Er erbate mich auch
letzlich / dass ich ihm verhiesse / an die eltern seiner schönen zuschreiben: üm
die vergönstigung für mich / dass ich ihm ihre herkunft entdecken / und für ihn /
dass er eine von ihnen lieben dörfe / zu erlangen. Ich stellte so fort ins werk /
wessen ich mich hatte anheisig gemacht / und färtigte nach Ausitis einen
getreuen slaven ab: der aber / wie ich nachdem erfahren / auf den hinwege
verunglücket und ümgekommen ist.
    Mitlerweile wir nun auf dessen wiederkunft vergeblich harreten / fiele in
Chaldea etwas für / das den Prinzen nötigte / dahin zu reisen: und schiede er
zwischen furcht und hoffnung von uns / weil ihm die Jemima keine andere
versicherung geben wollte / als die aus dem befehl ihrer eltern herrüren würde.
Zwar kunte sie / bei aller eingezogenheit / sich so völlig nicht bergen / dass
man nicht hätte warnemen sollen /wie sie dem Sinear gern möchte geholfen sehen:
welches dann auch diesen liebhaber einig und allein erhielte / üm mit etwas
hoffnung von uns zu scheiden; da ich ihm auch versprache / sobald mein bote
wiederkommen würde sein / ihme davon bericht einzusenden.
    Die verschmizte Calmana merkete alle diese heimliche handlung / und
gebrauchte sich eben dieses mittels / dieselbe zu hintertreiben / indem sie
gleichfalls iemand nach Ausitis abfärtigte. Ihre botschaft glückte ihr bässer /
als mir die meinige: und weil sie von des Sinears person ganz widrig berichtet /
als wirkte sie soviel aus / dass mein König / im zurück schreiben /hierinn der
Calmana fürung und ordnung alles anheim stellte. Der gute König wollte ihrem
einraht nicht mehr wiederstreben / da es mit dem Cesias / weil er ihrem raht
nicht gefolget / so unglücklich abgelaufen ware. Als der Calmana diese
gewünschte antwort u-kame /zeigte die sofort der Jemima / was ihr her vatter ihr
für macht über sie gegeben / und hube damit auf einmal alle hoffnung auf / die
ihr die Prinzessin / von ihres herrvattern einwilligung / heimlich gemacht
hatte. Ihre ungemeine tugend halfe ihr dissfalls sich selbst überwinden / üm den
schüldigen gehorsam allen andern betrachtungen vorzuziehen / und konnte weder
Calmana / noch ich / einige ånderung an ihr spüren: massen sie in eben der
gemütsruhe verharrete / die sie vormals hatte blicken lassen.
    Ich musste nun auch meines Königs befehl bei mir gelten lassen / und glauben
/ weil ich keine antwort bekommen / dass der Sinear zu Ausitis gar nicht angenem
sein müste. Als nun dieser hoffnung-volle Prinz wieder kame / verhelete ich ihm
nicht / wie sich seine sachen verändert / und dass ich ihme / so gern ich auch
wollte / ferner nicht zu helfen wüste. Mein bericht machte ihn noch nicht so
völlig verzweiflen / als wie es nachgehends geschahe / da Jemima ihn ganz
ernstlich abwiese / auch / auf befehl der Calmana / ihn ersuchte / sie nicht
mehr zu sprechen. Dieser befehl dunkte den Sinear unerträglich / und bemühete er
sich hierauf bei der Calmana vergebens / in ihre gute gunst zu kommen: die aber
weder seine tränen / noch seine hohe tugenden betrachtete / sondern ein für
allemal ihm gebote / ihr haus und gesellschaft zu meiden. Weil nun die
Prinzessinnen nicht dorften aus dem zimmer kommen / solang der Sinear in Abarne
war /als triebe ihn die höflichkeit endlich von uns: weil er vernommen / wie die
Prinzessinnen sich über ihn beschweret / dass er sie als gefangen hielte. Seine
entfernung erstrekte sich aber nicht all zu weit / massen er in den nächsten
klippen verbliebe / weil er unmuglich den ort völlig verlassen kunte / da sein
leben lebte: und erfuhre er / durch gewisse kundschaftere / inzwischen alles /
was in Abarne furginge.
    Wie er nun einsmals vername / dass die drei Prinzessinnen / bei einer hirtin
/ die zu ende des waldes unferne von Abarne wonete / zu gaste gehen würden
/belaurete er sie mit seinen bei sich habenden leuten: von denen keiner / als
sein waffenträger / üm seines herrn fürnemen wusste. Selbiges ware / dass er / die
ältere von den dreien Prinzessinnen / nach Ur entfüren /und also mit gewalt der
Calmana diese gar zu gehorsame Nichte entwenden wollte / die nicht aus eigenem
widerwillen / sondern aus kindlicher schuldigkeit /ihm in seiner liebe entgegen
ware: und diese Meinung / die er von der Jemima hatte / entschüldigte einiger
massen seine gewalttätigkeit. Wie er nun den dreien Prinzessinnen / fast bis
gegen den abend / vorgelauret / und endlich wargenommen / dass iede von ihnen ihr
einen spazirgang im wald erkieset / ware er so glücklich / dass er auf die spur
der ältern Prinzessin kame: die er sofort auf das höflichste anredte. Er bekame
zwar von ihr einen verweis / üm dass er ihr gebot brache / und sich vor ihr sehen
liesse: doch vermerkte er darbei / dass sie so eiferig nicht war / als wenn die
Calmana wäre zur stelle gewesen. Und dieses bemutigte ihn / nicht allein von
seiner liebe ausfurlich mit ihr zu reden / sondern auch ihr zu eröffnen / wie er
gesinnt wäre / sie nach Chaldea zu entfuren / und daselbst ihm antrauen zu
lassen.
    Alle gedult verginge der Prinzessin auf einmal /wie sie den Sinear also
reden hörete; und da sie zuvor seinen liebesreden ein zimlich-geneigtes ohr
verliehen / stellte sich nun bei ihr die reue ein / indem sie vermeinte / ihre
erwiesene gute håtte den Prinzen also frech gemachet. Solche nun verfluchend /
begunte sie hingegen ersinlichste strengheit vorzukehren / und gabe ihm nicht
allein die hårteste worte von der welt /sondern machte sich auch auf die flucht
/ und wurde durch die bede Syrische Fürsten Elihu und Betuel /die das
verhängnis eben dahin fürete / errettet / dass der verliebte Prinz sein vorhaben
nicht ins werk richten kunte. Diese gewalttat nun / neben den darauf folgenden
liebesbezeugungen der Fürsten von Ram und Haran gegen meine Prinzessinnen /
bewegte die vorsichtige Calmana / unsere wonung zu verändern /und ungeacht / dass
ihr stäts für Mesopotamien gegrauset / weil sie aus den sternen vermeint gesehen
zu haben / dass ein grosses unglück in diesem lande unseren Prinzessinnen drohete
/ wehlte sie die stadt Sarug zu unserer aufentalt: dahin wir dann reiseten / und
zwar in solcher geheime / dass niemand in der Gumatener gebiete erfuhre / wo wir
uns hin verwandelt.
    Was kann aber der wachsamen liebe verborgen bleiben? Die dem Sinear sofort
eröffnete / wo sich seine liebste Prinzessin befånde. Und wiewol er in seinem
ersten anschlage so unglücklich gewesen / so ware ihm doch deshalben der muht
nicht gar entsunken / es noch einmal auf diesem wege zu versuchen. Er täte aber
solches mit grösserer vorsichtigkeit / und erkiesete mich hierinn zu seinem
ratgeber / um mit desto bässerm fortgang diese sache anzugehen. Also kame er ganz
heimlich und unversehens zu mir nach Sarug /ehe ich mich dessen versehen / und
wusste mir so gute worte zu geben / dass ich endlich mich bereden liesse /auf seine
seite zu treten / und ihm in seiner liebe zu dienen. Er wurde von einem einwoner
zu Sarug / der sich Reteus nennet / heimlich beherberget / dahin ich oft zu ihm
kame / und mit ihm abredte / was zu erfüllung seines anschlags ersprieslich sein
konnte: allermeist wie ich vername / dass er gesinnet war / die Prinzessin nach
seiner mutter brudern / dem König Hiob / zu furen / von welchem er noch nicht
wusste /dass er selbst der vatter dieser schönen wåre. Ich stärkte ihn demnach in
diesem vorsatze / und gabe ihm an die hand / uns sämtlich mit dahin zu nemen: um
damit / seiner geliebten Prinzessin / diese entfurung erträglicher zu machen /
und dass sie die ihrigen zu gesellschaft haben möchte. Wegen der Calmana / stunde
der Prinz lang bei sich an / ob er solches eingehen sollte. Weil er aber meinen
raht / um mich gut zu behalten / nicht wohl ausschlagen dorfte / als liesse er ihm
solches endlich gefallen: in hoffnung / dass / wann sie zu Ausitis sein würden /
der Calmana macht daselbst aufhören / und seines vettern / des Königs Hiob
/uberredungen so kräftig sein würden / seine schöne auf seine seite zu bringen.
Er kennte zwar den König nicht von person: weil ihm aber dessen wandel aus dem
geruchte wohl bekant war / als hoffete er / dass er sich seiner in dieser sache
annemen wurde / weil sie die heurat zum zweck hatte. Ich meines teils halfe zu
allem diesem / weil ich dadurch meine Prinzessinnen in sicherheit zu bringen /
und daneben dem Sinear zu dienen verhoffete: zumal / auser diesem anschlage
keine mügligkeit gewesen / diesen måchtigen verliebten in die långe abzuhalten /
dass er nicht wider uns seine gewalt gebraucht hätte. Dem Prinzen aber mit meinem
betruge nicht zu schaden / wurd ich sinnes /nach Ausitis vor aus zu reisen / und
dem König den nutzen dieser heurat furzustellen.
    Wie nun alles / was hierzu benötigt / von des Prinzen leuten und mir / war
herbei geschaffet worden /begabe er sich in der ersten nachtwache / durch den
garten / in der Calmana haus / wie eben dieselbe /neben unseren dreien
Prinzessinnen / oben auf dem dache sich befande / und nach den gestirnen
ümsahn. So unvermutet er ankame / so grosses entsetzen erweckte er bei ihnen:
wiewol seine furcht nicht geringer war / als die ihrige / wan er bedachte / wie
er diese beleidigen würde / die er / auser dieses gewaltsamen mittels / nicht zu
erlangen wusste. Er lage zu der Jemima fussen / ehe dieselbe sich recht besinnen
kunte / und kündigte ihr an / dass sie nach Ausitis reisen musste. Sie hörte
anfangs / für schrecken / diesen namen nicht / sondern erkannte nur des Sinears
stimm: daher gleich eine abermalige gewalttätigkeit vermutend / wollte sie nach
der tür des daches zu laufen. Aber des Sinears leute / so dieselbe besetzet /
hielten sie auf: daher sie alle nicht wussten / was sie beginnen sollten. Ich
trate zur Jemima / und redte ihr heimlich zu / gutwillig mit nach Ausitis zu
reisen: weil sie dadurch in ihrer eltern hände / und in die beste sicherheit /
gelangen könnte. Calmana / dieses hörend / sprache auch gleich mit darzu: und
verhoffend / hierdurch den Sinear wohl zu betriegen / und an ihm ihre rache zu
sehen / indem er also seine Prinzessin ihrem eigenen vatter unwissend in die
hånde liefern würde / ergabe sie sich willig darein / dass man sie ingesamt nach
Ausitis füren möchte. Der Sinear / auf der Calmana begehren / und auf mein
zureden / gönnete ihnen etliche stunden / ihre sachen und geräte aufzupacken und
mit zu nemen: welche zeit er bei seiner Jemima zubrachte / wiewol sie ihm kein
gutes wort widerfahren liesse.
    Also ginge nun aus Sarug die reise in der nacht fort / dass kein mensch daran
hinterlich ware. Die Calmana erwiese unterwegs dem Sinear so viel liebkosungen
/dass er nicht wusste / wohin er solche plötzliche ånderung deuten sollte; und
merkte er nicht / dass es beschahe / ihn desto sicherer zu machen. Innerhalb acht
tagen verrichteten wir die reise / da ich / wie vor-erwehnet / die zwo lezte
tagreisen vor-aus ginge / und dem König Hiob unsere seltsame ankunft eröffnete.
Ich bereitete dabei dieses meines herrn gemute / den Sinear gütlich aufzunemen /
und stellte ihm nicht allein dessen tugend und geschicklichkeiten / sondern auch
seine ungemeine gewalt für / womit er gegen den König von Zoba uns würde künftig
schutz leisten können: dass also Hiob nicht abgeneigt bliebe / diesem seinen
vettern eine tochter zu geben. Als nun hierauf Sinear mit seiner schönen
gefangenen ankame / uberfiele ihn ein ungemeines freud-entsetzen / als er so
ganz unverhofft innen wurde / dass die Jemima seiner mutter bruderstochter / und
dieses das haus ihres vattern / wåre / wo er sie nun hatte hingefüret. Er wusste
nicht worte zu finden / gegen dem König und der Königin seine begangene tat
gnugsam zu entschuldigen / und musste anhören / wie die Calmana sich über ihn
beschwerte / und den König vermanete /das jenige zu anten / was der Prinz wider
seine tochter verübet.
    Der gutige Hiob / welcher schon gute gedanken von diesem seinem vettern
fürete / an statt der Calmana zu folgen / erwiese sich ganz gütig und geneigt
gegen ihme / und stellte es der Jemima anheim / was die für eine straffe hiefur
dem Sinear auferlegen wollte. Die Prinzessin / ganz verwirrt und beschamet /
stritte in ihr selbst / ob sie mehr ihren zorn / als ihre freude sollte blicken
lassen / dass diese ihre entfürung also ware abgelaufen. Es kunte aber der
verliebte Sinear von ihr kein gutes wort erlangen / noch seinen begangenen
fehler bei ihr aussönen / bis es der König ihr selbst befohle / und mit dieser
bedingnis dem Prinzen von Chaldea seine tochter zusagte / dass er zuvor unsern /
als den wahren und rechten glauben und gottesdienst / annemen / und sich dazu
bekennen sollte. Dieses verhiesse der verliebte Sinear alsofort / und erfreute
sich / uber dieser beschwågerung der häuser Chaldea und Ausitis / der ganze hof
/ auser der einigen Calmana: die sich hierbei nicht kunte zufrieden geben /
sondern ganz öffentlich ihr misbehagen erwiese. Aber nicht also beständig
verbliebe die Jemima in ihrem unwillen: welche / als sie ihrer eltern willen
vernommen / sich gar bald darein fand / dem Sinear zu vergeben. Und hatte sie
nun kein anders leiden /als wie sie ihre mume begütigen möchte: die sie nicht
mit ruhe unwillig sehen kunte / weil sie dieselbe / als ihre erzieherin / hoch
liebte und verehrte.
    Es wollte aber bei derselben kein liebkosen verfangen / und wurde sie
vollends ganz ubel zu frieden / als der König für gut ansah / dass die
Prinzessinnen wieder hieher nach Mesopotamien reisen / und unter dem schutz von
E. Maj. als der preiswürdigsten Königin dieses landes / sich begeben sollten. Sie
beteuerte auch hoch und eiferigst / dass / wofern die drei Prinzessinnen in
Mesopotamien kämen / ihnen unfehlbar ein grosses ungluck zu handen stossen müste.
Der gottseelige König / üm zu erweisen / dass sein vertrauen auf Gott viel
steifer gegründet wäre / als dass er dieses fürchten sollte / verlachte diese
warsagung der Prinzessin von Gesur / und sagte: Er wäre versichert / dass es
seinen töchtern / bei einer so Gottliebenden Königin / zu deren er sie nun
schickte und unter deren botmåssigkeit ihre erbguter lägen / kein leid noch arges
wiederfahren könnte. Also ginge nun diese unsere reise fort / und zwar eiligst /
weil wir zu Ausitis erfuhren /dass man zu Zoba ein grosses heer zusammenbrächte:
weswegen wir nicht unbillig befahreten / dass sie einen anschlag auf die
Prinzessinnen haben möchten.
    Weil auch dem Konig nicht verborgen bliebe / mit was ungemeiner liebe / die
Fürsten Elihu und Betuel / zu Sarug den Prinzessinnen / seinen töchtern /
aufgewartet / als gabe er / in zuruckdenkung / wie er den verståndigen Elihu
vordem gekant / und in erinnerung der blutfreundschaft mit dem Betuel / diese
sachen /der verordnung von E. Maj. lediglich anheim / und verlanget er / dass sie
/ für diese ihre basen sorge zu tragen / sich möchten gefallen lassen: massen
mein König alles genem halten wird / was E. Maj. hierin /auch in volziehung der
heurat des Prinzen von Chaldea / schliessen werden. Dieses / habe ich sonderlich
im befehl gehabt / E. Maj. fürzutragen / und weiss ich nun ferner meiner
erzehlung nichts mehr zuzusetzen /als dieses / dass wir ohne die Calmana / welche
kurzum nicht mit uns gewolt / hieher abgereiset. Und haben wir nun ursach / dem
himmel zu danken / dass wir diese reise so glücklich und wohl geendet / und in den
lang verlangten sichern schutz von E. Maj. gerahten sind: der meinen
Prinzessinnen so kräftig erscheinen wird / dass sie nicht mehr / wie vordem /
nötig haben werden / fur dem wüterich zu Zoba verborgen und heimlich zu leben.
                                     * * *
    Hiemit neigte sich der Alte zur erde / und hörte auf zu reden: alle seine
zuhörer über dem / was er ihnen gesaget / vergnugt verlassend. Sonderlich
erwiese solches die Konigin von Mesopotamien / die sowol dem Prinzen Sinear /
als diesen dreien schonen Prinzessinnen / ihre dienste anbote / und ihnen
verhiesse / dem guten vertrauen gemäs / so der König ihr herrvatter in sie
gesetzet / ihnen nach äuserstem vermogen an die hand zu gehen. Ich finde hiebei
/ (sagte unter andern diese schone Konigin /) so viel ursachen / mich zu
erfreuen / dass ich selbige nicht satsam weiss zu tag zu legen: massen des Prinzen
Sinears bekehrung / die kentnis meiner drei schönen basen / und die gelegenheit
/ dem edlen Elihu und Betuel in ihrer liebe zu dienen / in mir nichts anders /
als ein ungemeines vergnügen / erwecken konnen. Die schöne Kezia und Kerenhapuch
entfårbten sich beiderseits / wie sie die Königin also reden horeten. Je mehr
aber die beide durchleuchtige Aramenen sie betrachteten / je mehr sie in ihrem
herzen / so wohl als öffentlich / die wahl des Elihu und Betuel hoch hielten.
    Die Konigin von Ninive gabe solches mit folgenden worten zu verstehen: Ich
muss / die warheit zu sagen / nun wohl bekennen / dass ich mich daran geärgert /
wie ich die ungemeine liebens-art des Fürsten von Haran vernommen; nun ich aber
diese drei unvergleichliche schonheiten zu sehen bekommen / die so eine fromde
wirkung verursachet / wundert es mich nicht mehr / sondern ich gestehe / dass ich
es nicht anders machen wurde / wan ich Betuel wäre. Und wåre ich Elihu / (sagte
die Konigin von Mesopotamien zu ihrer schwester) so würde ich einen mitbuler bei
euch abgeben. Es sind diese meine beide vettern (erwähnte der Konig von Syrien)
nach Ausitis gereiset / üm ihre entfurete schönen wieder zu finden / und habe
ich in dieser erzehlung zu vernemen gehoffet / dass ihr unterweg einander wurdet
haben angetroffen. Lea und Rahel / die hiemit sich nåherten / um von ihrem
bruder etwas zu horen / erlangten von der Prinzessin Jemima diese nachricht /
wie dass Betuel / neben dem Elihu / einen tag nach ihrer abreise aus Ausitis /
daselbst angekommen wåren / das sie von einem ihrer bedienten vernommen /
welcher auf der herreise ihnen gefolget.
    Warüm aber hat man (fragte Lea / die den Betuel sonderlich liebte / und um
seine liebe wohl wusste) meinen armen bruder zu beruhigen / ihme nicht zurück
entboten / und zu wissen getan / dass ihm seine Prinzessin so nahe war? Welche
von uns dreien (antwortete Kerenhapuch mit sonderbarer annemlichkeit) sollte
diese nachricht wohl angeschaffet haben / da Jemima den Prinzen von Chaldea
liebt / aber Kezia und ich nicht wissen / welche unter uns beiden von dem
Betuel gemeinet sei? Ich vermeine / dass ihr es wohl sein werdet / schönste
Kerenhapuch! (gabe Lea zur antwort) die mein bruder am meisten verehre. Und ich
glaube sicherlich / (sezte Rahel hinzu /) dass die Prinzessin Kezia für den Elihu
bestimmet sei. Für euren alten liebhaber? fragte die Königin von Ninive. Ja
/liebste Konigin! (antwortete Rahel) dann also musste es sein / dass Lea und ich
einerlei geschicke mit diesen schönen Prinzessinnen haben sollten. Jederman / der
dieses horte / vermerkte gar wohl / was sie hiemit wollte / und dass sie solches
auf den Sinear geredt hätte. Dieser Prinz / sich getroffen findend / kunte des
errötens sich nicht erwehren / und die Lea anschauend / sagte er zu ihr:
Werteste base! es erscheinet / aus deme / was eure schwester jezt vorbringen
wollen /dass sie / mit dem glücklichen wechsel / den ihr getroffen / nicht
zufrieden / mir noch alte geschichte furrücken wolle / deren eure grosmut långst
vergessen hat. Ihr saget die warheit / mein Prinz! (antwortete Lea /) und da ich
für den Fursten der Hebreer / ihr aber fur die schone Prinzessin von Ausitis /
bestimmet gewesen / haben wir beiderseits einander wohl vergessen konnen. Ich
wollte euch auch wohl meines Jacobs reichtum an frauen wunschen / wann ich nicht
meinem liebsten bruder / und dem edlen Elihu / dadurch schaden müste / denen ich
ihre vergnügung nicht weniger /als euch / von herzen gonne.
    Ich bin nicht so geitzig / wie diese eure beide freunde / (antwortete Sinear
/) und da mir die Prinzessin Jemima ihre huld gonnet / will ich den Betuel und
Elihu allein dieserwegen beeifern / dass sie meine Prinzessin / neben der Kezia
und Kerenhapuch / zu lieben sich unterfangen dörfen. Nahor / der mit zugegen war
/ wollte seinem bruder / wie auch seinem freund / einen dienst hiebei tun / und
sagte: Ich bin dessen versichert / und habe es vielfältig aus meines brudern /
wie auch des Fürsten von Ram / reden wargenommen / dass sie / als sie von der
Prinzessin Jemima vermutet / was sich iezt an tag leget / den schluss gefasset /
ihrer unmoglichen liebe ein ziel zu setzen /und die andere beide Prinzessinnen
allein zu bedienen; und wird es nun bei meinen schönen stehen /welchen iede
unter ihnen erwählen wolle. Es ist wohl auf diese art sonderbar geliebt / (finge
die Prinzessin Kezia an) und wann unsere wahl hierzu erfordert wird / dorfte es
vieleicht lang anstehen / ehe ein gewisser schluss erfolge. Ich werde / von meiner
basen herrvattern / (sezte die Konigin von Mesopotamien hinzu) mit dem auftrag
gewürdigt / in dieser sache nach gutdünken zu verfahren: wie ich dann / auf
erste wiederkunft dieser beiden Fursten / mich bemühen werde /fur den Elihu zu
sorgen / gleichwie meine schwester fur den Betuel / tun wird; dadurch zu
erkennen und völlig zu ersetzen / dass sie uns beiderseits geliebt /auch
deshalben viel anstehen und erleiden mussen.
    Wer weiss / (antwortete Kezia) ob E. Maj. vorsorge dem Fursten von Ram
anståndig sein dorfte? und glaube glaube ich schwerlich / dass er selber wisse
/was er verlanget. Gonnet mir nur / liebste Prinzessin! (gabe ihr die Konigin
Aramena zur antwort /) dass ich fur ihn sorgen möge: und weiss ich wohl / dass ich
fur ihn nicht ubel wählen werde / wann ich ihm die Prinzessin Kerenhapuch
zuerkenne. Der Kezia holdselige wangen entzündeten sich / als ein feuer / wie
sie diese worte der Konigin vername. Und Kerenhapuch / die noch weniger ihre
gedanken bergen kunte / sagte auf so unschuldige / als angeneme weise: Es würde
Elihu mit mir nicht glücklich werden / weil ich mich nicht fähig finde / ihn
lieben zu konnen. Wol aber den Betuel! fiele ihr die Konigin von Ninive in das
wort. E. Maj. haben es errahten / (antwortete Sinear für sie) massen sie mir
solches unterwegs gestehen müssen. So geheim (sagte Kerenhapuch / und zwange sich
/ böse zu werden) der Sinear zu Ausitis gewesen / eben so verschwiegen ist er
anjetzo / und würde der König unser herrvatter niemals erfahren haben / wie die
Fursten von Haran und Bus mit uns gelebet / wan der Chaldeer Prinz es nicht
entdeckt hätte. Um (antwortete Sinear) von zweien mitbulern mir abzuhelfen / und
mir dagegen zwei gute freunde zu erwerben / musste ich dem Konig von Ausitis
dieses sagen / was so wohl sie / als mich / sollte glückselig machen. Ich erkenne
nun überflussig (sagte Lea) die glückseligkeit meines brudern / die er durch die
huld einer so schonen Prinzessin erlanget. Kerenhapuch sich getroffen findend
/wollte sich nicht weiter / als durch veränderung ihrer schonen wangen / verreden
/ und horte alles ohne wiederrede an / was die Konigin von Ninive / auch Nahor
und Lea / zum vorteil des Betuels / ihr fürsagten: dergleichen auch die Konigin
von Mesopotamien /neben der Rahel / bei der Kezia / für den Elihu täte.
    Unter solcher angenemen unterredung / verstriche eine gute zeit des tages /
die dann so lang wårete / bis der Fürst Barzes von Arvad anmeldete / wie die
gesamte hirtenschaar / mit ihren vier paar hochzeitern /bereits im anzug wären /
zu Samosata bei der koniglichen gesellschaft sich einzufinden. Demnach gingen
sie voneinander / üm sich zu diesem feste zu rüsten. Wie nun / bald darauf / die
übrige königliche personen von Edessa und Amida auch eingelanget / und sie nun
sämtlich in den garten sich begeben hatten / da fur diese grosse gesellschaft in
lauberhutten die malzeit zubereitet stunde. Der Oberpriester Telecles stellte
sich mit seinen priestern am ersten ein / nachdem er im tempel des Teraphim /
welcher nahe vor Samosata gelegen / und zu solchen gebräuchen erbauet worden
/die trauungen verrichtet hatte. Ihme folgten / bei einer lustigen feldmusik /
der Abinael mit seiner Briside /der Nisan und die Rodope / Timonax neben der
Sandenise / und Atamias mit der Artainte / von den unverheirateten hirten und
schäferinnen begleitet / welche alle mit singen und springen sich in die wette
horen liessen. Diesen folgten alle anverwandten der hochzeitere / neben den
verheirateten schäfern. Es mangelte fast niemand in dieser volkreichen
versamlung / als die vier richterinnen von Amida / und etliche hirten / die
neben denen aus der ferne angekommenen fromden / auf das grosse fest / nach dem
berümten tempel bereits voraus gereiset waren. Die ursach aber / dass die frauen
der richtere ausblieben /war diese / dass sie nicht / gleich den koniglichen
personen / in hirtentracht sich kleiden wollen / üm / ihrer einbildung nach / an
ihrem ansehen nichtes zu verlieren / und darüm / vermög des gebotes / nicht
erscheinen dorften: wiewol man sie auch / unter dieser grossen mänge / nicht
vermissete.
    Es wurden / auf der Konigin Aramena unkosten /alle diese Mesopotamische
hirten auf das herrlichste bewirtet: und war das furnemste / so diese vierfache
hochzeit zierete / dass so viele konigliche personen sich dabei sehen liessen /
und dieser hirtenfreude beizuwonen / nicht verschmåhen wollen. Die malzeit
wärete bis in die spate nacht / worauf / bei angezündten vielen tausend
liechtern / die allentalben an die bäume und den umgang des garten-platzes
aufgehenget waren / der danz gehalten wurde. Dieser wårete /wegen der kurzen
nachtzeit / so lange / bis die morgenröte wieder begunte herfürzubrechen: da
Demas und Aneriste ihre beide tochter / der Sandenise und Artainte eltern aber /
neben dem Ausicles / der Eidanie und Melidia / diese andere zwo bräute / zu sich
namen / und nachdem sie ihrer mildtåtige Königin tausendfältig gedanket / von
der hirtengesellschaft sich absonderten / und sofort die vier bråute / jede in
ihrem dorfe / ihren geliebten hirten zu bette brachten. Wegen des anbrechenden
morgens / begunten die schäfere die vier bräutgame zu bescherzen / wie dass sie
mit ihren bräuten das jenige nicht zu befahren håtten / was dem Fursten Jacob in
seiner hochzeit begegnet ware.
    Selbiger ganzer tag wurde nun / von den königlichen personen / fast nur mit
schlaffen zugebracht: und weil der darauf folgende / zur abreise der
Mesopotamischen Konigin nach dem grossen tempel des Teraphim / bestimmet war /
als hatte kaum die nacht der morgenröte wieder platz gemacht / da ware in der
ganzen gegend Amida jederman wach / und zur abreise oder wallfart nach dem
tempel gerüstet. Alle königliche personen begaben sich nach Samosata / üm der
Konigin Aramena auf etliche meilen das geleite zu geben: da dann keines unter
allen ware / so nicht / über dem abreisen dieser ihrer sonnen / ein leidwesen
fulete. Sie fanden diese schöne in ihre angenommene hirtentracht gekleidet / die
aber mit köstlichen perlen und edelgesteinen dabei ausgezieret ware: welches sie
/ auf einrat des Königs / ihres brudern / tun müssen /weil sie von allen ihren
untertanen im tempel sollte gesehen werden / um zugleich ehrerbietung und liebe
bei ihnen zu erwecken / wan sie also ihre Konigin zugleich in hirten-tracht und
königlichem schmuck betrachten würden. Die drei töchter des Hiobs / gleich der
Aramena gekleidet / wollten ihr reisegefärtinnen abgeben / weil sie / wegen ihrer
landgüter und schåfereien / sich unter die Mesopotamische hirten rechneten: und
liesse der Oberpriester ihre grunde gelten / die sie deswegen anfüreten. Der
betrubte Sinear / so zuruck bleiben musste / håtte es gern anders gesehen /musste
sich aber entschliessen / seiner Jemima auf ein zeitlang zu entbåren: welche zeit
er / wie er ihr versprache / inzwischen anwenden wollte / sich in dem rechten
wahren glauben formlich unterrichten zu lassen.
    Der Jacob gesegnete auch seine beide frauen / und sonderlich seine liebe
Rahel / die sich vernemen liesse / den grossen Teraphim inståndig anzuruffen / dass
sie möchte mit einer leibesfrucht gesegnet werden: welches er ihr aber nicht gut
sprache / sondern sie vielmehr an den warhaften Gott verwiese / von deme man
allein etwas erbitten könnte. Die schone Königin kame eben dazu / wie Jacob und
Rahel in diesem gespråche waren / und verhiesse sie dem Hebreer-fürsten / ihr
bästes anzuwenden / dass er an der Rahel eine rechtglaubige frau zurücke bekommen
mochte. Sie ersuchte hierneben diesen gottseligen Fürsten / fur sie zu beten /
dass ihr / diese reise nach dem falschen gotzen-tempel / nicht möchte zur sunde
gereichen: in hoffnung /dass Gott / der das herze kennt / ihr hierunter suchendes
gutes furhaben beachten / und mit segen ansehen würde.
    Wie nun alles zum aufbruche fårtig / und die Aramena / neben der ganzen
koniglichen gesellschaft /sich zu wagen begeben / reiseten sie / in begleitung
der gesamten schåfere und schåferinnen / wie auch der richtere und ihrer weiber
/ von Samosata hinweg: da dann von ihnen / als wie von einem grossen kriegsheer
/das blache feld zwischen Samosata und Amida bedeckt wurde. Die vier neue
verheuratete hirten und hirtinnen liessen sich hiebei auch mit finden: und
vermeinten sie hierzu fürnemlich ursache zu haben / um dem grossen Teraphim für
ihre erlangte gluckseligkeit zu danken. Zu mittag legten sie in einem dorfe ab
/alda sie / wegen übermässiger hitze / etliche stunden auszuruhen beschlossen.
Und weil von dar die meiste konigliche personen / auser dem König Aramenes /der
Colidiane / dem Dison / der jüngern Aramena /auch der Ahalibama und Timna /
(welche sechse das erste nachtlager mit der Königin noch halten wollten /) wieder
ümzukehren gedachten / als erschiene deshalben bei allen keine geringe
traurigkeit: welche dann verursachte / dass die gesellschaft sehr stille war / und
fast niemand / sowol über dem essen / als nachgehends / wie sie in einen
schattichten wald / der das dorf ümgibet / sich begeben / ein wort zu reden
belieben truge.
    Dieses scheiden / (sagte endlich die Konigin Amesses) stellet uns für / wie
uns einmal wird zu mute sein / wenn wir auf lange zeit einander werden gute
nacht sagen. Sonderlich wird solches mich treffen / wenn ich erst in dem
entfernten Ophir sein werde / da mir wenig hoffnung übrig bleiben kann / jemals
diese werte gesellschaft / und meine liebste Aramena wieder zu sehen. Dieses
zeigt die eitelkeit aller dinge an / (antwortete die Königin von Mesopotamien
/) dass in dieser welt keine beständige freude zu hoffen / und wie sehr man sich
erlabet / so kann doch gleich / die erinnerung des endes / und dass die freude
aufhören muss /allen lust im hertzen versterben machen. Darum ist der himmel
allein der wahre ort / (sagte die gottselige Colidiane) der uns beständig
vergnügen wird / weil dessen leben keiner änderung unterworfen: und mögen wir /
diese jetzige versamlung so vieler guter freunde / als eine furbildung künftiger
zeiten ansehen / und darum uns frolich erweisen / so lang wir noch beisammen
sein konnen. Die Königin von Syrien (gabe die Timna hierauf zur antwort /) hat
einen guten ausspruch gegeben / den alle diejenige mögen in acht nemen / die
sich gern vor der zeit betrüben. Ich wüste auch wohl etwas / so da fåhig wäre /
diese ganze gesellschaft aus ihren traurigen gedanken zu bringen /wann man nur
meinen vorschlag anzunemen beliebte.
    Wie nun die ganze gesellschaft in die Timna drunge / sich deutlicher zu
erklären / sah sie den Tarsis Fürsten von Sepharvaim an / und sagte: Wann
diesem Fürsten auferleget würde / uns allhier seine geheime liebesgeschichte zu
erzählen / die wohl niemanden in dieser gesellschaft / als mir und derjenigen /
die es am meisten angehet / mag bekant sein / so kann ich versichern / dass die
traurigkeit uns allen bald vergehen sollte. Die Konigin von Ninive entfärbte sich
hieruber nicht wenig / in erinnerung / wie der Tarsis sie geliebt. Wie sie
aber indem ungefär die Furstin Eldane /des Abdeels witwe / ins gesichte bekame /
merkte sie wohl / aus deren hervorscheinender verwirrung / dass sie mehr anteil an
dieser geschicht haben müste. Demnach erholete sie sich wieder / als eben der
Tarsis folgendes fürbrachte: Ich glaube nicht / dass in der welt eine lösere
person lebe / als eben diese Timna /welche kaum von ihrem leiden und anligen
ledig worden / und nun schon wieder damit umgehet / wie sie ihre schalkheit nur
immer an andern verüben möge. Tarsis ist uber mich nicht so ergrimet /
(antwortete Timna) als er fürgibet / und sihet es in seinem herzen gern / dass
ich dieses von ihme auf die bahn gebracht: weil ihme solches nutzen kann / ein
gewunschtes ende in seiner liebe zu erlangen. Weil er / und die / so er liebt /
beiderseits geschworen haben / keinem menschen zueröffnen / wie es zwischen
ihnen beschaffen /als tue ich ja ein gutes werk / indem ich ihnen von diesen
verdrieslichen eid abhelfe / und verschaffe /dass man ihr anligen erfahre / ohne
dass solches von ihnen herrüre.
    Eure worte / Timna! (sagte hierzu die Konigin von Mesopotamien /) lassen
mich ganz verwundert / und wüste ich nicht / wie der Fürst Tarsis so heimlich
lieben konnen / dass es niemand unter uns sollte gemerkt haben. E. Maj.
verwunderung / (antwortete Timna /) wird sich üm ein grosses vermehren / wan sie
/ neben des Tarsis geheimer liebe / auch die umstånde erfahren werden / wie er
geliebt. Seit dann versichert / Tarsis! (sagte die Konigin von Mesopotamien /)
ihr werdet nicht davon kommen / uns ferner zu bergen / was die furwitzige Timna
hat ausgekundschaftet: und wird die ganze gesellschaft vermutlich hierinn mit
mir einig sein / dass ihr / zur straffe dessen / dass ihr eure liebe für der Timna
nicht heimlich halten können / uns andren dieselbe auch entdecken müsst: doch
habet ihr / an statt fernerer bestraffung / zu erwarten / dass wir / in diesem
euren liebesanligen /euch alle beforderung tun werden. Eine so gutige straffe /
(antwortete Tarsis / sich zur erden neigend /) sollte mich billig E. Maj. befehl
gehorchen machen /wann nicht Timna selbst hierin mein wort geredet /und meine
entschuldigung vorgebracht håtte / indem sie berichtet / dass mich ein eid zurück
halte / etwas hiervon kund zu machen. Tarsis hat zwar recht /(gabe die Königin
zur antwort /) kann aber ganz wohl dieses getanen eides erlassen werden / wann
Timna /an statt seiner / uns den namen der jenigen nennet / die er liebt: worauf
er dann sich ferner nicht wird weigern konnen / uns die ümstånde zu erzählen /
von seiner liebe / die er nicht zu erst entdecket hat.
    Wann man auf die schöne Eldane håtte acht gegeben (sagte hierauf Timna /) so
würde man dieser meiner offenbarung nicht benötiget sein: dann ihre unruhe so
satsam zu tage leuchtet / dass sie bereits dadurch ihren eid gebrochen / indem
sie / eher als ich / bekant machet / dass sie dem Tarsis seine freiheit genommen
habe. Jederman sah hiermit auf die schöne witwe des Abdeels / und fand sich an
ihr eine grosse verånderung: welche daher entstunde / weil nun auf einmal
offenbar wurde / was sie so lang hatte heimlich gehalten. Sie schluge die augen
für sich nieder / und indem alle ihre gebården an ihrer statt redten / die sich
doch ubel verantworteten / ergienge es dem Tarsis nicht viel båsser: massen der /
ungeacht seiner sonst-gewönlichen herzhaftigkeit / nicht wusste / wie er hierbei
sich bezeigen sollte. Er war eines teils frölich / dass es /sonder brechung seines
gelubdes / also gekommen; anders teils aber wollte er / sonder Eldanen
einwilligung / ferner nichts gestehen / und sah doch nicht /wie er dem befehl
so vieler königlichen personen entgegen tun könnte. Weil nun diese ingesamt eine
ungemeine begierde erwiesen / hievon mehr zu wissen /und nicht abliessen / so wohl
in sie / als in ihn zu dringen / sagte Arsas / der Eldane bruder / den sie als
einen vatter liebte / zu dieser seiner schwester: sie sollte sich nicht ferner
weigern / den anwesenden hohen personen bewust zu machen / was sie anizt
verlangten. Dann / weil er ihrer tugend gewiss versichert war / als glaubte er
nicht / dass sie ursach haben würde / sich dessen zu schåmen / was zwischen ihr
und dem Tarsis war fürgegangen.
    Mein gewissen machet mich dieser wegen nicht roht / (antwortete die schöne
Eldane /) und lehret mich daneben mein gehorsam / wie ich königlicher personen
befehl nachkommen solle. Weil aber / wan dasjenige / so die fürwitzige Timna auf
die bahn gebracht / sollte erzählt werden / es nicht wohl ohne verkleinerung
meines gemals / des Fursten Abdeel / geschehen könnte / als bitte ich dafür / dass
man mich dessen überheben wolle. Abdeel war ja unsers vatters bruder / (sagten
der Konig Nebajot von Meden und der Prinz Jetur von Hevila) doch wissen wir /
so wohl als andere / dass er die Fürstin Eldane zu besitzen nicht wurdig gewesen /
und dass sie keine ursach habe / fur uns oder andern zu bergen / was diesem
unbesonnenen / seine torheit / wieder sie hat begehen gemacht. Dem sei wie ihm
wolle / (widerredte Eldane) so bin ich dannoch seine witwe / und wann es ja
nicht kann verboten werden / so mag Tarsis erzählen / was er weiss: nur allein
bitte ich / dass ich so lang aus dieser gesellschaft abtretten dörfe / üm nicht
gehalten zu sein / das jenige noch einmal in anhörung dieser geschichte zu
leiden / was ich bereits einmal habe anstehen mussen. Hiemit begabe sie sich /
unerwarteter antwort / von dannen / und wurde um dess willen von ihnen allen
gerümet. Wie nun aller augen auf den Tarsis verwendet blieben / und er wohl sah
/ dass er sich nicht långer entziehen könnte / diese königliche gesellschaft zu
vergnugen / machte er sich anheisig /was sie wissen wollten / zu erzählen:
nachdem er zuvor ausbedungen / dass der Konig von Meden / und der Prinz von
Hevila / es nicht ubel deuten mochten /wann ihres vettern in dieser geschichte
nicht zum bästen gedacht wurde. Hierauf besonne er sich eine weile auf das / was
er sagen wollte / und begunte endlich / als er seine zuhorer in grosser aufmerkung
sah /ihnen nachfolgender massen zu erzählen.
 
                   Die geschichte des Tarsis und der Eldane.
Gleichwie / der Eldane und mein herrvatter / im Königreich Ninive die zwei
höchste bedienungen verwaltet / da der meinige Stattalter des reichs / der
ihrige aber unterstatalter zu Ninive gewesen / als gabe solches gelegenheit /
dass Eldane und ich von kindheit auf beisammen sein kunten und wir die liebe / so
zu sagen / fast mit der muttermilch in uns gesogen. Wir gewoneten auch so gar
zusammen / dass wir auf die letze fast nicht mehr von einander sein kunten. Weil
diese unsere liebe oder freundschaft von niemand gehintert / vielmehr von
iederman befördert wurde / als liebten wir ohne einige sorge oder anligen / die
sonst gemeinlich die liebe zu begleiten pfleget. Dieses wärete solang / bis die
Fürstin Perseis / der Eldane vatters schwester / diese ihre Nichte nach Babel
holen liesse: da sie der jetzigen Konigin von Mesopotamien /als damaligen
Erbprinzessin von Ninive / zur aufwartung gegeben wurde / und an deren hofe
leben sollte. Wie dieses scheiden nun vor ware / fületen wir beiderseits am
ersten / was uns die liebe noch nie hatte entfinden lassen / und kunten an diese
entfernung nicht sonder grausen gedenken.
    Damit wir aber beieinander bleiben möchten / lage ich dem Stattalter meinem
herrvattern an / mich auch mit nach Babel zu schicken / dass ich / gleich der
Eldane brudern / dem Fursten Arsas / an unserer künftigen Königin hofe aufwarten
mochte. Er schluge mir aber dieses mein begehren ab / mit einwendung / dass ich
mich noch zuvor viel geschickter machen / und etwas lernen musste / ehe ich an
einem so grossen hof erscheinen könnte. Durch diese antwort sah ich / mehr meine
ehrsucht / als meine liebe vergnüget / und ergabe mich also endlich darein / dass
Eldane abreisete /und ich allein zu Ninive verbliebe. Die versicherungen ewiger
treue und standhafter liebe / wurden beim abschied nemen nicht gesparet / und
wiederholeten wir solche nachmals / bei allen posten / durch briefe: da wir
allemal den tag mit schmerzen erwarteten / an welchen solche / sowol nach Babel
/ als nach Ninive /anzukommen pflegten. Weil aber mein zustand in die länge
nicht leiden wollte / zu haus zu bleiben / und mein herrvatter fürnemlich das
absehen darauf gerichtet hatte / dass ich sollte ein soldat werden / indem er ihm
vorstellte / dass unsere und die benachbarte lande / meine lebens-zeit hindurch /
nicht sonder krieg verbleiben würden: als musste ich fort / in die welt / und
geriete unter dem Prinzen Bildat / den herrvattern des Prinzen von Chaldea /
welcher als Assyrischer feldherr / eben damals / wider die Teutschen aus Basan
/an den gränzen von Mesopotamien kriegte.
    Diesen meinen feldzug / täte ich sofort der Eldane nach Babel zu wissen /
und verlangte von ihr diese gunst / dass sie mich mit einer feldbinde / so sie
selbst gewirket / beschenkte und mir dabei tausend ermanungen zuschriebe / dass
ich / in deren anschauung /ståts an sie / und dabei dieses gedenken sollte / wie
ich ihr rechenschaft von meinem leben zu geben schuldig wäre / und darum
dasselbe nicht zu viel wagen musste. Hierauf kame ich nun in den krieg / und
wurde so glücklich / dass ich meine Eldane zu sehen bekame /als der König
Belochus / mit der ganzen hofstatt und dem frauenzimmer / selbst mit zu feld
ginge. Es ist unnötig / allhier unser beiderseits freude und vergnugen bei
dieser zusammenkunft / und darauf folgendes leiden zu beschreiben / als / nach
geendetem kriege /sie wieder mit der hofstatt nach Babel reisen / ich aber unter
dem Bildat bei dem heer verbleiben / und uns allein die beiderseits angelobte
beständigkeit trosten musste. Und als ich / mit meinen untergebenen volkern / an
die Mesopotamische gränzen bei Mambuta verlegt worden / liesse ich keine woche
vorbei gehen / da ich nicht iemand aus dem heer nach Babel gesendet / um der
Eldane briefe zu bringen / und von ihr welche abzuholen: das dann mir stäts die
hochste vergnugung zu geben pflegte.
    Ich entfinge einsmals briefe von Babel / in gegenwart des edlen Fursten von
Jedlaph / des Cyniras / der mein kriegsgefärte und mein vertrauter in meiner
liebe ware / die mir die unvermutete zeitung brachten / wie dass der Assyrische
Prinz Baleus meine Eldane zu lieben begünte. Eldane hatte mir dieses nur
erzehlungsweise geschrieben / sonder dabei zu melden / ob sie dieses betrübte
oder beruhigte. Weil ich aber das erste ganz sicher vermutete / als schriebe ich
ihr hinwieder / ich könnte so wenig den Prinzen Baleus verdenken /dass ihre
wunder-schöne ihn geblendet / als versichert ich mich achtete / dass ihre
beständigkeit dieser grossen versuchung wurde widerstand zu tun vermogen. Auf
dieses mein schreiben / erhielte ich nur eine mundliche antwort / da mir
entboten wurde / wie sie unmüglich schreiben können / weil der Prinz sie fast
keinen augenblick verliesse. Mich jammerte deswegen ihrer / weil ich vermeinte /
dass sie hievon grosses ungemach würde auszustehen haben. Demnach schriebe ich ihr
ein verliebtes trostschreiben / und ermanete sie mehr zur gedult / als zur
beständigkeit: weil ich so verblendet war / dass ich dafur hielte / es konnte der
erste und hochste tron der welt / wofür damals der Assyrische billig anzusehen
war / die Eldane nicht bewegen / ihr gelubde und versprechen zu brechen / und
ihren Tarsis zu verlassen. Gleichwol stunde es hiernach wenig monden an / da
entfinge ich von ihr einen brief / welcher ungefår also lautete.
                      Schreiben der Eldane an den Tarsis.
Der Prinz von Assyrien / bietet mir kron und tron an. Und ob ich wohl zuvor euch
üm raht fragen sollte / vermög unsrer stäts-gepflogenen vertrauten freundschaft /
ob mir dieses anzunemen sei oder nicht / so habe ich doch / unerwartet dessen /
dieses hohe gluck nicht ausschlagen wollen: weil ich ganz versichert bin / dass
ihr mir nicht anders rahten könnet / wofern ihr / als ihr oft beteuret / mein
bästes zu suchen / begehrt. Ich kann hierdurch / nicht allein meinem ganzen haus
/sondern auch allen meinen freunden / aufhelfen. Daher ist leicht zu vermuten /
was grossen teil Tarsis an meiner künftigen gewalt haben wird / wofern er sich
vernünftig bezeigen / und mir von nun an gelegenheit lassen wird / dass ich mich
erweisen könne seine
                                                    erkentliche freundin Eldane.
    Kein donnerschlag hätte mich also zu boden werfen konnen / als diese
unversehene nachricht fähig war /mein gemüt auf einmal nieder zu schlagen. Weil
ich ståts in der hochsten gluckseligkeit / die von verliebten kann verlanget
werden / gelebt hatte / als fülete ich diesen unvermuteten wechsel dermassen /
dass ich fast nicht bei sinnen bliebe. Wann ich endlich alles uberlegte / so sah
ich / dass Eldane nicht unrecht täte; und wann ich mich recht prüfete / befande
ich / dass ich selbst nicht anders würde getan haben / wan mir auf solche weise
die Assyrische kron håtte konnen zu teil werden. Gleichwol schmerzte es mich
über die massen / dass ich Eldane verlieren sollte. Weil sich eben die gelegenheit
eräugte / dass mich der Bildat nach Babel sandte / als sparete ich meine antwort
bis auf eine mundliche unterredung: dazu ich auch so fort / nach meiner
dahinkunft / gelangte / und konnte die Eldane / ob sie es vielleicht willens
gewesen / sich deren nicht entziehen / weil ich in der Konigin Naphtis zimmer /
als alle die andre damen der Konigin nach den garten der Semiramis folgten / sie
antraffe /und mich / in die tür des gemaches stellend / ihr den ausgang
verwehrte. Ein jedes wird sich leicht können furbilden / wovon diese unterredung
gehandlet / und ware alles / was mich darin vergnügte / dieses einige /dass ich
sie weinen sah / als sie mich bate / dass ich nicht mehr / oder doch zum
wenigsten nicht eher / bis sie Prinzessin von Assyrien heisen wurde / sie sehen
sollte.
    Die ankunft des Prinzen Baleus überhobe mich /dass ich ihr nicht versprechen
dorfte / diesem grausamen befehl nachzukommen. Er fragte sofort nach der ursach
ihrer traurigkeit / und manete sie auf / mit ihm in der Königin garten zu
kommen. Ganz freudig folgte sie diesem ansinnen des Prinzen / und verlore auf
einmal / ihn ersehend / alle traurigkeit: die dann desto häftiger und gedoppelt
mich uberfiele / als ich / alleine gelassen / diesen meinen unstern recht bei
mir überlegen kunte. Weil aber hierinn / allein die gedult /oder die
vergessenheit / mir zu helfen vermochte / als stellte ich alles auf diese beide
hinaus / und trostete mich noch einiger massen damit / als ich mir zu Babel sagen
liesse / wie dass / ungeacht des Prinzen häftiger liebe / aus dieser heurat mit
der Eldane nichtes werden würde. Weil nun also in Babel mich nichts mehr hielte
/ als reisete ich wieder nach den völkern / und ware / ob es mich gleich wenig
ergötzen können /dennoch so furwitzig / dass ich meine stäte post von Babel
unterhielte / und dadurch ie mehr und mehr meines unglücks vergwissert wurde.
Doch vername ich bald etwas / das mich nicht wenig erfreute: wiedass nåmlich der
Prinz / dem König von Elam zu hulfe /einen zug nach Ophir tun würde: dahin ich
ihn dann auch mit begleiten musste / aber nicht wieder in Babel kame / weil wir /
aus unserm lager / gleich den geradesten weg nach Ophir fort gefüret wurden.
    Ich fand hierbei eine ruhe / dass ich meinen mächtigen mitbuler nun nicht
bei der Eldane wusste / und hoffete ich eine ånderung von der zeit: massen auch
solche / wiewol ganz anders / als ich gewünschet /sich bald herfür täte. Weil
ich in Babel immer einen hatte / der mir alles schreiben musste / als erfuhre ich
/wie dass die Eldane unversehens / und zwar den Fürsten Abdeel / den erzkåmmerer
des Königs / geheuratet hätte. So wenig / als ich mir dieses müglich einbilden
kunte / so sicher musste ich es glauben / weil ich eben das an des Baleus
hoflager vername / und diesen Prinzen deswegen so betrubt und abgegrämt sah
/dass daraus seine grosse liebe / die er zur Eldane getragen / satsam abzunemen
war. Ich sollte wohl an dieses meines mitbulers leiden mich ergotzet haben / wann
es mich nicht eben so / wie ihn / getroffen hätte: und fiele es mir tausendmal
schmerzlicher / die Eldane in des Abdeels armen zu wissen / als wan sie Konigin
von Babel geworden wäre. Auf des Prinzen betrüben /folgte so fort eine
verachtung ihrer person / weil die Königin von Mesopotamien / als seine
damals-geglaubte schwester / ihm geschrieben / wie dass Eldane unbeständig worden
/ und gutes willens den Abdeel geheuratet hätte. Dieses sezte mich nun in die
höchste verwunderung / und kunte ich mich gar nicht darein finden / wie das
zugehen müste / und wie so wohl der verstand als die tugend der Eldane solches
zugeben konnen.
    Mit diesen gedanken quälte ich mich sofort ab / bis wir / nach geendigtem
kriege / nach Babel wieder kamen / und ich daselbst erfuhre / wiedass die arme
Eldane / so wohl von den koniglichen personen / als von ihren eltern / zu dieser
heurat wåre gezwungen worden: um dadurch zu hintern / dass der Prinz in seiner
liebe nicht fortfahren mochte. Wie es sich nachdem geäusert / so waren der
Eldane verwandten so gut Assyrisch / dass sie deswegen alles täten / was dem
Babylonischen hof gefallen mochte: und sah ich nun also der Eldane ihren
hochmut gestraffet. Ich litte aber hierbei so sehr / als zuvor / und fulete mich
noch häftiger / als iemals / geneigt / sie zu lieben / ob ich gleich die
geringste hoffnung nicht mehr ubrig hatte /und mich schon längst ihrer begeben /
als ich vermuten müssen / dass sie Assyrische Prinzessin werden wurde. Aber
Baleus fulete nicht solchen schmerzen /wie ich / der fast nicht mehr an sie
gedachte. Wie kaltsinnig er sich aber ihrentwegen erwiese / so wollte doch der
eifersuchtige Abdeel ihm nicht trauen: daher er / sobald der Prinz wieder nach
Babel kame / seine Eldane einsperrte / und allen müglichsten fleis anwendte /
dass sie nicht mochte gesehen werden. Des Prinzen warhafte vergessung / deutete
er fur eine verstellung aus / und hielte ihn noch fur so verliebt / als ich in
der tat ware. Weil ich allemal meine liebe geheim gehalten / als argwänte und
gissete niemand auf mich: daher ich mich versichern kunte / dass Eldane nicht
meintwegen also eingesperrt gehalten wurde.
    Ich bekame sie / das erste mal / im tempel der Juno zu sehen / da alles
frauenzimmer in Babel / zum angestellten geburtstag-feste des Konigs /
erscheinen musste: und fand ich diese schöne so entstellet und betrübt aussehen
/ dass ich sie schier nicht mehr gekennt hätte. Alle ihre kleidung / womit sie
sonst so nett und sonderlich gewesen / hinge ihr ohne ordnung am leibe. Ihr haar
war mit keinem fleisse aufgesetzet /und der köstliche schmuck / den sie aus
befehl des Abdeels anlegen mussen / sasse in solcher unordnung /dass man wohl sah /
wie sie niemanden zu gefallen begehrte. Sie gefiele mir aber darum nichts desto
minder / und da erbarmung und liebe in mir zusammen kamen / zundete das erste
das letzere so håftig an /dass ich wohl nie mag verliebter gewesen sein. Weil ich
sie stäts in den augen hatte / als wurde ich gewar /dass sie den Baleus keinen
augenblick verliesse: das dann in mir die dritte bewegung / nämlich die eiversucht
/ erweckte / und schmerzte es mich / dass sie sich nicht vielmehr nach mich
ümsah / der ich gegen ihr in so beständiger liebe brante. Baleus gabe auf sie
ganz keine acht / dessen kaltsinnigkeit ich so gern sah / als wie sie der
Eldane schmerzlich fiele: welche / neben dem Prinzen / von dem Abdeel aufs
genäuste betrachtet wurde. Ich werde hiemit / der tugend dieser schönen / nicht
zu nahe geredt haben / wan ich hinzu setze / wie sie allein dieses geschmerzet /
dass sie mit list / und zwar durch einen falschen brief / von den Prinzen war
abgebracht worden / und dass Baleus diese leichtsinnigkeit von ihr glaubte:
weswegen sie gewünschet / dass er / ihre unschuld wissend / gegen ihr sein
mitleiden håtte mogen blicken lassen.
    Wie nun / beim ende des gottesdienstes / der Abdeel / als erzkämmerer des
Konigs viel geld unter die armen austeilen musste / und inzwischen die Konigin
von Mesopotamien / als unsere damalige Prinzessin Delbois / neben dem Baleus /
zur Eldane ginge /massen alle hofleute sich unter das frauenzimmer verteilten:
machte der Prinz dieser armseligen eine kaltsinnige mine / und redte kaum
etliche worte mit ihr /woraus jederman / der acht darauf gehabt / wohl absah /
dass kein fünklein der vorigen liebe bei dem Prinzen noch übrig wåre. Dieses
bezeigen / ob es wohl die Eldane verhönen mochte / so beruhigte es doch dabei ihr
gemüte: weil ihr bisher angelegen / wie sie ihre heurat gegen den Baleus
entschuldigen sollte /welches sie nun zu tun nicht mehr ursach hatte / da sich
der Prinz nicht mehr an sie kehrete.
    Wie nun der bald von ihr ab- und zu den andern damen ginge / name ich die
gelegenheit in acht / und nåherte mich der Eldane / zu ihr heimlich sagend: Ich
vermeine nicht / grausame Eldane! dass euer befehl an mich / euch nicht mehr zu
sehen / noch gelten werde /nun ihr nicht von dem Baleus mehr geliebt / noch
Assyrische Prinzessin worden seit: sonst wollte ich mir noch ferner gewalt
angetan haben / euer angesicht zu fliehen. Jezt aber suche ich dasselbe / üm
euch mein mitleiden zu bezeugen / das ich um eures ietzigen zustandes willen
füle / und dass ich noch der alte Tarsis bin / dessen beständige liebe indessen
/weder euer vorteil noch nachteil hat verändern können. Diese wenig worte / die
der Eldane ihre untreu /ihre von dem Prinzen zugestossene verachtung / ihre
getroffene unglückliche heurat / und meine nochanhaltende liebe / auf einmal
vorstellten / sezten sie dermassen auser sich selbst / dass sie ganz erblasset /
und mir kein wort dagegen zu sagen vermochte. Sie ware beschämt / mich zu sehen;
und bliebe dabei verwundert / dass ich sie noch liebte / da ich so grosse ursach
hatte / ihre verachtung mit gegenverachtung zu ersetzen. Sie erkennte sich
demnach viel zu schüldig / als dass sie mir sofort ihren unwillen bezeugen sollte
/ üm dass ich ihr / als einer ehefrauen / meine noch-dauernde liebe so kunlich
eröffnen dörfen.
    Wie ich nun / dieser gelegenheit mich ferner zu bedienen / ein mehrers mie
ihr reden wollte / gabe mir der Abdeel selber die båste gelegenheit hierzu /
indem er / durch einen seiner leute / mich bitten liesse / ob ich seine frau aus
dem tempel begleiten wollte / weil er noch lang alda verbleiben müste / und nicht
abkommen konnte: wobei den auch sie befehl bekame / die gesellschaft zu verlassen
/ und heim zu gehen. Diesem nach bote ich ihr ganz freudig die hand / und mit
ihr durch das volk dringend / sagte ich zu ihr: Ich glaube ja nicht / dass Abdeel
ursach habe / für dem Prinzen sich zu furchten / und deshalben sein grausames
manns-recht auszuüben sich befugt achte / die schöne Eldane aus der gesellschaft
hinweg zu schicken. Abdeel (antwortete Eldane) ist alles / was er will / zu tun
befuget: und ob gleich der Prinz so vernünftig ist / dass er erweiset / wie man
müsse mit eheweibern ümgehen / so glaubt doch der erzkåmmerer / ich habe noch zu
kurze zeit einen mann gehabt / üm recht zu begreifen / wie ich / in meinem
jetzigen stande / unter leuten mich bezeigen müsse.
    Ich bekenne / (antwortete ich) dass ich so witzig nicht bin / wie der Prinz
von Assyrien / und dass ich langster mehr gewonet / sonder hoffnung zu lieben
/als jemals davon abzulassen. Ich vermeine aber /Tarsis! (gabe sie mir zur
antwort /) dass ihr mehr ursach habet / mich zu hassen / als der Baleus: weil
mich / von euch mein hochmut / von den Prinzen aber mein ungluck / abgebracht
hat. Hasset mich nur nicht / schöne Eldane! (widerredte ich) dass ich euch noch
liebe: so will ich mich noch / in alles mein ungluck /zufinden wissen. Ach
Tarsis! (sagte Eldane / mich ganz wehmütig ansehend) keine grössere straffe
könnet ihr / für meine untreu / mir anlegen / als wañ ihr in solcher liebe
beharret / die mich zwingen müste /euch zu meiden / und dabei tausend ungemach
und widerwärtigkeiten mir auf den hals würde ziehen können. Warum wolt ihr mich
deshalben meiden / (fragte ich) da ich wider eure tugend nichtes begehre? und
was für ein ungemach habt ihr hieraus zu befahren /da Abdeel nicht weiss / was
allein uns beiden bekant ist?
    Sie wollte eben antworten / als Abdeel bei uns stunde: der sein amt dem Eldaa
aufgetragen / und uns aus dem tempel gefolget war / als bereuend / dass er seine
gemalin meiner aufsicht anbefohlen hatte. Unser beider verwirrung war so gros /
dass seine eifersucht / die ihn sehr scharfsichtig machte / sofort argwänte / wie
wir etwas unrechtes mussten miteinander geredt haben: daher er zur stund eine
trennung zwischen uns machte / und mit einem paar verdrieslichen worten fur
meine ubernommene muhe sich bedankend / mich stehen liesse. Die arme Eldane /
wurde hierauf von ihme mit so harten worten heimgeleitet / dass ihre profezeiung
gleich selbigen tag begunte wahr zu werden / wie sie nämlich / meiner liebe
wegen / viel ungemach anstehen wurde. Demnach ihrem eiversüchtigen mann alle
gelegenheit zu benemen / ward sie sinnes / die briefe /die ich vordem an sie
geschrieben / und die sie noch immer aufbewahret / ins feuer zu werfen. Dieses
aber misglückte ihr / indem er eben zu ihr in das zimmer trate / wie sie daruber
zu werk ware. Dieses machte nun den ganzen handel offenbar / und sah mich
/nachgehends der Abdeel als seinen mitbuler an / mir das durch gebården
erweisend / was er seiner armen gemalin in der tat zu fulen gabe.
    Mein tichten und sinnen ginge nur dahin / wie ich die Eldane wieder sehen
möchte. Aber sie kame ferner nicht von hause / und wurde so wohl bewahrt / dass
mir unmöglich fiele / eine botschaft an sie zu bringen. Endlich gewonne ich /
durch geld und viel geschenke / einen von des Abdeels fürnemsten bedienten auf
meine seite: der mir nicht allein alles sagte / wie elend es der armen Eldane
erginge / sondern mir auch versprache / mein schreiben an diese schone zu
überliefern. In diesem ersuchte ich sie / unter andern / um erlaubnis / dass ich
sie sprechen mochte: das ich dañ endlich von ihr / wiewol sehr schwerlich /
erhielte. Ocledes / der gewonnene diener / fürete mich / als sein herr bei hofe
war / durch den keller heimlich in der Eldane gemach. Ich will mich nicht /
aufhalten /unsere unterredung hier zu erzählen: die darauf hinaus lieffe / dass
sie mir erlaubte / zu zeiten zu ihr zu kommen / und auf so unschüldige weise
mich mit ihr zu besprechen.
    Weil diese unsere geheime unterredung zwei oder dreimal wohl ablieffe /
wurden wir hiemit immer sicherer: bis einsmals Abdeel / wegen eines furfalls /
eher /als Ocledes vermutet / wieder nach haus kame / wie ich noch bei der Eldane
mich befande. Ocledes kunte uns nicht so zeitlich warnen / dass ich håtte
entkommen mögen / indem gleich hinter ihm der Abdeel die windelstiege hinauf
ginge. Ich konnte mehr nicht tun /als dass ich mich hinter einen teppich verbarge
/ der an der wandseiten hinge / da man aus der tür gehen musste. Weil der
teppich nicht so gar dicht gewirket war / kunte ich alles dadurch sehen / was
geschahe /und hatte also eine sonderbare augen- und ohren-weide / zu vernemen
und zu betrachten / wie Abdeel mit der Eldane ümsprange. Seine erste hoflichkeit
war ein scharffer verweis / dass sie so müssig såsse / und die frage / weswegen sie
ihre gewönliche arbeit hätte aus den händen geleget? Eldane / die meinetwegen
bestürzt und voll todlicher angst war / kunte hierauf dem Abdeel nicht nach
gefallen antworten: das dann diesen unbesonnenen bewoge / seine zweite
hoflichkeit ihr mit einer maulschelle zu erweisen; und hätte ich für unmut
vergehen mogen / da ich diesen frevel mit ansehen musste / und solchen nicht
rächen dorfte / üm der Eldane ehre nicht in gefahr zu setzen.
    Als er hierauf ihr befahle / so fort an ihre arbeit zu gehen / bekame sie
neue angst: weil die rame / in welcher sie an einem seidenen teppich nehen musste
/ nahe bei mir hinter der tapezerei stunde. Um nun mich nicht zu entdecken /
wollte sie lieber / durch unnutzes widerreden / seinen zorn ferner auf sich
laden: welcher dann / weil er dessen an ihr nicht gewont war /diesen wüterich
triebe / eine peitsche von der wand zu nemen / um diese schone damit zu
züchtigen / massen solche zu diesen gebrauch / wie sie mir nachgehends bekant /
ståts an der wand hinge / und zwar recht vor mir / da ich verborgen stunde.
Unmüglich kunte ich mich zwingen / dieses geschehen zu lassen: daher fassete ich
/ die peitschen / durch die decke / und hielte die so lang / bis Eldane die tür
ergreifen und hinaus laufen kunte. Als der Abdeel endlich die peitsche los risse
/ und für eifer meiner nicht gewar wurde / sondern der Eldane folgte / liefe die
/ mit gutem fursatze /dem garten zu: da dann Ocledes in das zimmer zu mir kame /
und mich anmanete / durch den keller davon zu eilen. Man kann erachten / mit was
herzens-qval ich die Eldane bei dem tollen manne gelassen / das ich doch
notwendig tun musste.
    Und da ich mir ihren unglückseligen zustand vorher nicht so gar arg
eingebildet / jammerte es mich anitzo um soviel mehr / eine solche schonheit
unter eines solchen unmenschen gewalt zu wissen. Am folgenden tag / brachte mir
Ocledes von der Eldane ein schreiben / darin sie auf das höchste ihren herrn
entschuldigte / und mich uberreden wollte / dass er ihr vordem niemals also
begegnet håtte / und dass er üm meine gegenwart müste gewust haben: weswegen sie
mich auch ersuchte / dass ich ihre ansprache ferner nicht mehr begehren wollte /
üm sie bei gutem namen und bei guten tagen zu erhalten. Aber mein klågliches
bitten und flehen / so ich hierauf in etlichen schreiben an sie abgehen liesse /
bewegte sie endlich / diese gefärliche ansprache mir noch einmal zu erlauben /
und zwar an einem festtage / da der König von Babel alle seine grossen und
gewaltigen / folgbar auch den Abdeel / zum essen geladen hatte. Es ginge / durch
des Ocledes haus / ein verborgener gang in des Abdeels keller / der mich dann
dissmal zu der Eldane fürete. Unsere meiste unterredung war / dass sie mich
beschwure / niemanden zu sagen / wie der Abdeel mit ihr ümginge / noch auch sie
an ihme zu rächen / sondern sie als eine elende zu verlassen / und nicht mehr an
sie zu gedenken.
    Indem ich ihr solches widersprechen wollte / wurde ich durch den Ocledes
davon abgehalten / welcher eiligst gelaufen kame / und uns anmeldete / wiedass
der Abdeel auf sein haus daher kåme. Als ich kaum zeit gewonnen / in den keller
mit dem Ocledes zu laufen /und daselbst hinter die fåsser mich zu verbergen /
trate des Abdeels schaffner zu uns hinein / und begunte von verschiedenen weinen
in gefässe zu zapfen / auch solche seinem herrn hinauf zu bringen. Die ursach
dessen war / dass Abdeel bei hofe von einem gewissen wein geredet / den er im
keller hätte / welchen der Konig zu kosten verlanget / und Abdeel dadurch
veranlasst worden / selbst hierum nach hause zu fahren. Weil aber der schaffner
den rechten wein nicht finden kunte / als wollte Abdeel selber darnach sehen /
und ginge deswegen nach dem keller. Ocledes kame voran gelaufen / und halfe mir
/ dass ich mich in ein leeres fass verkroche / das / zu meinem gluck / an einer
seite offen war: welches er also an die wand schobe / dass man diese offnung
nicht sehen kunte.
    Weil Abdeel trunken war / liebkosete er der Eldane mehr als sonst / und
fürete sie an der hand in den keller: da ich dann / durch die ritzen des fasses /
alles sehen kunte. Wie nun in dem nächsten fasse / so bei mir lage / und etliche
eimer wein in sich hielte / der rechte wein gefunden worden / befahle er / dass
man aus demselben zapfen / und das leere fass / darin ich lage / damit erfullen
sollte. Man stellte ihm fur / dass dieses fass hierzu untuchtig / auch voll ritzen
und löcher wåre. Weil er aber ganz beräuschet war / und auf seinen befehl
verharrete / als mussten sie anfahen einzufüllen. Dieses täte mir aber keinen
andern schaden / als dass es mich ganz feucht machte: massen der wein so fort
durch alle ritzen wieder ausliefe. Dieses der Abdeel ersehend liesse er ab von
seinem eigensinn / und befahle die anfüllung mit einem andern fasse vorzunemen.
Dieses war also meine andere abenteur /und muss ich die deshalben so weitlåufig
erzählen /damit der furwitzigen Timna ihr wille erfüllet werde /die eben darüm
dieses auf die bahn gebracht / um dieser durchleuchtigen gesellschaft durch
meine abenteuren / etwas zu lachen zu geben.
    Ocledes verschwiege nachgehends diesen zufall der Eldane nicht / die / so
lächerrlich er auch war / dannoch in tödliche furcht darüber geriete / und ihr
nun gänzlich vorname / diese gefahr nicht mehr zu stehen /sondern alle fernere
ansprache mir zu versagen. Ich schriebe / ich bate / ich klagte: nichts wollte
bei ihr verfangen. Daher ich endlich / weil es mich unmüglich dünkte / in Babel
zu leben / sonder sie zu sehen /ohn ihr wissen / mich bemuhete / zu ihr zu
kommen. Ich redete mit dem Ocledes ab / kame unter bauren-gestalt in ihren
garten / und begunte mit den andern taglonern zu graben. Weil Eldane erlaubnus
hatte /des tags zwo stunden in den garten zu gehen / als ermangelte sie auch
dissmal nicht / dahin zu kommen. Weil mich Ocledes schon in allem unterrichtet
hatte /als wusste ich / dass sie pflegte in ein gewisses garten-cabinet zu gehen /
das / von marmor aufgefüret / in einem kleinen See stunde / und ware nur ein
eingang zu selbigem / mit einer zugbrücke. Wie ich nun wargenomen / dass sie da
hinein gegangen / eilete ich sofort hinter ihr her / und fand sie sitzen: da
sie herzlich weinete / und dem himmel ihr elend klagte. Sie erschracke nicht
wenig / als sie mich sah und erkannte / und verwiese mir höchlich meine
verwegenheit / dass ich mich nicht scheuete / sie also oft in gefahr zu setzen.
Ich wandte dagegen meine liebe vor / und wie ich deswegen käme / sie aus ihrer
noht zu erretten: wan sie meinem raht folgen / und mit mir nach Ninive zu ihren
eltern flüchten wollte / welches sie ja zu tun befugt wåre.
    Sie wollte aber von diesem vortrag nichts hören /und waren wir noch in
solchem streit begriffen / als mein wunderbares verhängnis wollte / dass Abdeel
musste in den garten kommen. Weil nur ein ausgang uber die zugbrucke aus diesem
cabinet fürete / und man aus den fenstern / die mit eisen vergittert / nicht
komen kunte / als ware da kein anderer raht zu fassen / als sich wieder zu
verbergen. Dieses geschahe in einer schlaffbank / welche Eldane uber mir
zumachte /und sich darauf sezte. Als nun Abdeel zu uns in das cabinet gekommen /
und die zugbrucke hintersich aufgezogen / entschuldigte Eldane ihr
sitzen-bleiben mit einer unpäslichkeit. Aber Abdeel / dessen ungeacht /wollte sie
notigen / mit ihm zu bette zu gehen / und zwar in eben der schlaffbank / darin
ich verborgen lage: wie er sie dañ auch zum aufstehen notigte / und die
schlaffbank aufmachen wollte. Ihre todesangst /verursachte ihr eine warhafte
schwachheit / dass sie onmåchtig bei ihm zur erde nieder fiele: daher er abliesse
/ die schlaffbanck zu offnen / und aus dem fenster rieffe / dass eine von den
weibern der Eldane herzu kommen / und ihrer frauen beispringen sollte. Ich hatte
inzwischen / in der ruhebank / mich unter die decken und kussen verkrochen: daher
/ als man dieselbe eroffnet / die halbtodte Eldane hinein zu legen / man von mir
nichtes gewar wurde.
    Wie angenem ware mir damals diese liebe last zu tragen! und daurete ich also
etliche stunden aus / bis die Eldane sich vollig wieder erholte; da sie dann sich
meiner erinnerte / und mich nimer gegenwärtig glåubend / nicht wusste / wie ich
davon gekommen wäre. Ihre angst liesse sie nicht fulen / wie hart sie lage. Als
sie zu schlaffen begehrte / ginge Abdeel und ihre frauen von ihr / und
verschlossen die tür / dass ja niemand an dieser ruhe sie hintern möchte. Ich
lasse nun iederman / von meinen damaligen zustand / urteilen. Weil ich nicht
långer also dämpfig zu ligen vermochte / rürete ich mich / mit leiser stimme der
Eldane namen nennend. Ihr grosses entsetzen hätte sie fast wieder in ihren
vorigen stand gesetzet / und schrie sie überlaut /ehe sie sich recht besinnen
kunte. Eine von ihren weibern / dieses horend / kame eiligst hinzu gelaufen:
deren klagte sie / wie sie so grossen haubtschmerzen erlitte / und wie sie
verlangte / in ihrem wonhause zu sein. Diesem nach warfe sie sich eiligst aus
dem bette / und sich befarend / ich mochte sie also abgekleidet sehen / machte
sie geschwind den deckel von der schlafbank zu / und nachdem sie sich
angekleidet /liesse sie sich / durch den garten / in ihre kammer füren / den
Abdeel / um ihn aus den garten zu locken /ersuchend / bei ihr zu bleiben. Wan
sie ihn nicht hierum gebeten håtte / möchte er zweifelsfrei / um sie zu plagen /
mit ihr gegangen sein: nun sie es aber haben wollte / musste er auch darin seine
herrschaft erweisen / und bliebe im garten.
    Er begabe sich in das cabinet / da ich noch in meiner alten stelle lage.
Seine faule glieder ausruhen zu lassen / öffnete er die schlafbank / und legte
sich mit kleidern und allem hinein: da alles hausgesinde fur ihn komen musste /
um bericht abzustatten / was seine gemalin / seit er nicht im hause gewesen /
getan und furgenomen hätte. Er erwähnte dabei / wie er / sie wohl zu
zerpeitschen / willens gewesen / wan sie nicht wäre krank worden: und zwar
deswegen / dass die Prinzessin von Ninive begehrt hätte / er sollte sie nach hof
kommen lassen / welches er von ihr angestiftet achtete. Weil nun / dieser so wohl
von leib als gemüte grober mensch / mir eine schwerere last / als der schönen
Eldane / ware / als vermochte ich in die länge nicht also zu dauern. Demnach
entschlosse ich mich endlich / und jålings den Abdeel um den leib fassend / warfe
ich mich samt der decke herüm / dass er unten und ich oben zu ligen kame / und
damit sofort aufspringend /erwischte ich die tür / und entrann also durch den
garten: den Abdeel und seine leute / vor entsetzen halbtodt in dem cabinet
hinterlassend.
    Wie ich hernach erfahren / so hat er / neben allen anwesenden / ob sie mich
schon gesehen / mich für ein gespenst gehalten: und machte dieses gartengespenst
in Babel einen solchen ruff / dass niemand mehr den garten bewonen wollte.
Jederman deutete dieses also aus / dass es den unfehlbaren tod der Eldane nach
sich ziehen würde. Es halfe aber hingegen diese zeitung / als sie solches
erfuhre / zu ihrer wiedergenesung. Doch entschlosse sie sich deswegen /mich auf
ewig von ihr zu bannen: wie sie dann sofort /durch den Ocledes / mir ein
schreiben zubrachte / und darin ganz ernstlich gebote / aus Babel zu ziehen
/und in etlichen jahren nicht wieder zu komen. Ocledes sagte mir dabei / wie dass
er befehl håtte / keine antwort von mir anzunemen: und vermanete er mich für
sich selbst / aus liebe zu seiner frauen / dass ich diesen ihren willen erfullen
/ und ihn nicht ferner hierinn gebrauchen möchte / weil es ihm sonst sein leben
kosten würde. Also verliesse mich Ocledes ganz trostlos / und wurde ich endlich
bei mir schlüssig / ihr zu gehorchen / und Babel zu verlassen. Es fiele mir aber
unmuglich /sonder schriftlichen abschied / da der mundliche mir verboten war /
hinweg zu scheiden. Demnach setzte ich / meine liebesgedanken hierüber / in
diese reimen.
Vergönn mir / dich / Verhängnis! anzuklagen.
du tust gewalt Eldanen grosser zier.
der sie verehrt / muss weichen jetzt von ihr:
der andre bleibt / der sie nur pflegt zu plagen.
Muss mich hinweg von meiner Sonne tragen
ein hartes wort / das sie entboten mir?
zieh fort! spricht sie. mein herz rufft: bleibe hier!
Mein' hoffnung weit vom porte wird verschlagen.
Ich will ja fort. nur / himmel! lass nicht zu /
dass unverstand verstor' Eldanen ruh.
vermittle doch der selber tugend leiden.
Noch sag' ich diss. Ich scheide mit dem leib:
gönnt / schonste! nur der seele / dass sie bleib.
Euch kann ich nicht / zwar Babel will ich / meiden.
    Dieses klinggedichte / so ich in ein mit edelsteinen verseztes täfelein
geschrieben / name ich mit mir / und laurete auf / als Eldane bei hof war / das
dann sehr selten geschah: da ich ihr solches / im vorbeigehen / in den ermel
steckte / und darauf zur abreise mich färtig machte. Dieses hatte / zu grossen
ungluck der Abdeel ersehen: der dann kaum erwarten kunte / bis er mit ihr nach
haus gekommen. Da musste nun diese armselige das täfelein vorzeigen / und ginge
damit über sie ein solche peinigung / dass sie alles bekennte / was ich bisher
erzählt. Ob sie nun wohl hierbei unschuldig war / so wollte es doch dieser tyrann
nicht also aufnemen / sondern die erschrecklichste nie-erhörte list aussinnend /
üm recht auf den grund der warheit zu kommen / ob nämlich Eldane schuldig wåre /
oder nicht / zwange er diese seine gemalin / mir folgenden brief zu schreiben.
                      Schreiben der Eldane an den Tarsis.
Ihr seit viel zu unerfahren in der liebe / wertester Tarsis! indem ihr meinem
gebote gehorchen wollet /das euch aus Babel treibet. Selbiges ist nicht von mir
/ sondern von meinem eifersüchtigen gemal / ersonnen worden: um dadurch euch und
eure Eldane zu töden. Bleibet demnach alhier / und kommet morgen bei nacht: weil
alsdan der Abdeel wird verreiset sein / in mein haus / und zwar mit bewehrter
hand / damit /wan ja das unglück wollte / dass wir / als die vorige male / sollten
verraten werden / ich meine unschuld damit bezeugen könne / dass ich von euch mit
gewalt zu deme sei gezwungen worden / wozu ich euch allein erkiesen möchte / wan
die liebe erhören wollte die wunsche von eurer ergebensten
                                                                         Eldane.
    Diesen brief brachte mir ein knab von der Eldane /mit bericht / wie dass
seine Fürstin ihm befohlen hätte / auf keine antwort zu warten. Mit
unaussprechlichen freuden begunte ich diesen brief zu lesen / wurde aber uber
dessen ende so bestürzt / dass ich nicht wusste /ob ich traumte oder wachete. Die
tugendhafte Eldane (sagte ich bei mir selber /) schreibet an mich solche worte /
deren ich gegen ihr zu gedenken / mir nicht habe lassen in den sinn kommen / und
die so sehr gegen die erbarkeit laufen. Ich dachte / es möchte etwan eine
betrugliche schrift sein: aber die hand ware mir viel zu wohl bekant / dass ich
also nicht daran zweiflen konnte. Daher erleschte dieses auf einmal in mir alle
liebe gegen der Eldane / und hielte ich sie in meinem gemute so gering / als
hoch ich sie vordem geschåtzet hatte. Weil ich nun alles zu meiner abreise /
vermog ihres ersten befehls / färtig hatte / als seumte ich nicht långer /
wiewol mit höchstem verdrus / aus Babel abzureisen: kehrte mich auch nicht daran
/ was Eldane von mir denken möchte / wann ich auf die bestimmte zeit nicht
erscheinen würde. Es hatte aber sofort diese armselige / in einem nebenbrieflein
/ die wahre bewandnis dieses handels mir zugeschrieben /und dem Ocledes dasselbe
zugestellet / mit ernstlichem befehl / mir solches eiligst einzuhåndigen.
Ocledes / mich nicht mehr zu hause findend / als er von den leuten vernommen /
dass ich hinweg gereiset /sezte sich zu pferd / mir nach zu jagen. Er täte aber
/unferne von Babel / einen so gefärlichen fall / dass er das bein brache / und
lange daran zu bette ligen musste: daher ich dieses schreiben nicht entfinge /
und also nach Ninive fortreisete.
    Der boshaftige Abdeel / der nicht anders vermutete / als dass ich zu der
bestimmten zeit kommen würde /hatte viel bewehrte månner bestellet / die mir
aufpassen und den rest geben sollten. Hierbei liesse er es nicht bewenden / sondern
/ die Eldane noch båsser zu probiren / name er ihm für / in meine gestalt
vermumet und bewehrt zu ihr zu kommen / und zu sehen /wie sie sich gegen ihrem
geliebten Tarsis anstellen würde. Eldane / von allem diesen nichts wissend
/hatte dem Abdeel die gewisse versicherung gegeben /dass ich nicht kommen würde /
und ihn zugleich gebeten / nahe bei ihr zu bleiben: damit / wañ ich mich ja
einfinden sollte / er vernemen könnte / was sie mit mir reden wollte. Dieses lezte
verhiesse er ihr zwar / kunte es aber nicht halten / weil er selber meine person
hierbei fürzustellen beschlossen hatte. Wie nun die bestimmte nacht angebrochen /
kame Abdeel mit etlichen bewehrten knechten / ganz vermumet / in die kammer der
Eldane / und machte dieselbe nicht anders vermuten / als dass ich es wäre.
    Weil sie sich nicht abkleiden wollen / als fand sie Abdeel nicht auf dem
bette / und hörte / wie sie ihm /ihn für den Tarsis haltend / seine grosse
verwegenheit fürhielte / dass er solcher gestalt zu ihr kommen dorfen. Er /
sonder ihr zu antworten / fassete sie mit gewalt um den leib / und warfe sie auf
das bette: da er /wiewol sie ohn unterlass dem Abdeel mit namen rieffe / dass er
sie zu retten kommen wollte / seinen willen /indem die knechte sie halten mussten
/ mit ihr volbrachte / und damit stillschweigend wieder hinweg ginge / als wie
er auch angekomen ware. Die arme Eldane / nicht anders vermeinend / als dass ich
diese bosheit an ihr verübet / schrye über mich / was sie konnte / und rieffe den
gerechten himmel üm rache an. Abdeel kame nun / in seiner eignen gestalt /
wieder zu ihr / und fand sie auf der erde ligen / auch ihr haar ausraufen. Als
sie seiner ansichtig worden / sprange sie auf / gleich einem tyger / fiele ihm
in die haare /und schalte ihn einen leichtsinnigen nichts werten menschen / der
da ungeantet zugeben konnen / dass sein ehweib geschåndet worden.
    Alle demütige liebkosungen der Eldane / hatten ehdessen den Abdeel nie so
sehr vergnuget / als süsse ihm nun die schläge dieser seiner eifrigen gemalin
waren: die er dann ganz gedultig hinname / und sich entschuldigte / wie dass er /
fur meinen bewehrten vielen leuten / sich nicht herfür wagen dorfen. Hierauf
finge er an / sie zu frieden zu sprechen / und sagte: wiedass sie ihm so lieb /
ja noch lieber / als vorhin sein sollte / weil er nun versichert wäre / dass sie
den Tarsis nicht liebte / den sie fortin / neben ihme / auf das äuserste und
bis in den tod zu verfolgen / ihr mochte angelegen sein lassen. Er vermochte
aber hiermit die verzweifelte Eldane keines wegs zu befriedigen / und
verursachte ihre grosmut / dass sie mich wegen meiner vermeintlich-verubten
verwegenheit /den Abdeel aber wegen seiner verächtlichen zaghaftigkeit / bis in
den tod anzufeinden begunte. Sie befiele auch / für eifer und kümernus / mit
einer so gefärlichen krankheit / dass an ihrem wiederaufkomen gezweifelt wurde.
Abdeel war nacht und tag um und bei ihr / und gabe ihr die båsten worte von der
welt. Wie er nun sah / dass sie dem tod nicht würde entgehen können / weil sie
kein mittel zu ihrer aufhelfung gebrauchen wollte / musste er endlich dieses
geheimnis ihr eroffnen / und ihr gestehen / dass nicht ich / sondern er selbst /
bei ihr gewesen wäre. Mit verdrus sah er hierauf / dass diese versicherung der
unschuld ihres Tarsis / sie bald wieder genesen machete: daher er / die furcht
fur ihr sterben ablegend / zugleich seine tyrannische eifersucht wider zu sich
name / als die Eldane ganz gesund wurde / und ihr gemüt in ruhe stellte. Ihr
altes leiden ginge damit von neuem an: das ihr aber so unerträglich nicht fiele
/ als zuvor die einbildung / dass ich sie so hoch beleidigt hätte / und was ich
hierbei von ihrer schlechten tugend wohl gedenken und halten mögen.
    An diesem letzern fehlte es ja bei mir nicht / massen ich nachdem keine
person in meinem hertzen mehr verachtete / als eben die Eldane. Dieser mein
argwahn von ihr wårete so lang / bis ich das lezte mal von meiner gnädigsten
Königin aus Syrien nach Ninive abgeschickt worden: da ich ungefär in meinem
palast / meine sachen untersuchend / ein noch-verschlossenes päcklein fand /
das der Ocledes an mich uberschrieben hatte. Ich vername / in der nachfrage /
von meinem verwalter / wie dass vor langer zeit dieses päcklein von Babel dahin
gekommen: und weil ich damals von haus gewesen / auch darauf die unruhe in
Ninive angegangen / als wäre es unter mein andres geräte geworfen / und den
krieg hindurch nicht ferner beachtet worden. Ich erbrache hierauf das päcklein
ganz begierig / und fand in des Ocledes schreiben entalten / wie ihm sein
beinbruch / der Eldane schreiben mir selber zu überbringen / verwehret / und er
/ der sachen angelegenheit und wichtigkeit nach / for notig erachtet hätte / mir
eiligst dieses nach Ninive nachzusenden / daraus ich der Eldane unschuld und
tugend erkennen würde. Wie ich nun noch begieriger auch das ihrige erbrochen /
zeigten sich mir folgende worte.
                      Schreiben der Eldane an den Tarsis.
Ihr werdet von selbst urteilen / dass von dem / was ich euch heut / einem
eigenwilligen manne zu gehorchen /schreiben müssen / mein gemute weit entfernet
sei. Lasset euch demnach nichtes abhalten / eure abreise aus Babel fortzusetzen
/ und höret damit endlich auf /mir unerträgliche verfolgungen aufzubürden / die
ich nacht und tag von demjenigen erleiden muss / den mir der himmel zu lieben hat
auferleget.
                                                                         Eldane.
    Wie schmerzlich und zugleich erfreulich mir dieses zu vernemen ware / kann
ich nicht ausdrucken. Ich vermochte auch den himmel nicht genug zu danken / als
ich dabei vername / wie derselbe / durch absterben des Abdeels in Damasco /
diese unschuldige tugendhafte Fürstin von ihrer marter erlöset hätte. Meine alte
liebe / die hinzwischen durch andere und höhere gedanken eingeschläfert worden /
erwachete nun wieder: zumal sie iezt von der hoffnung begleitet wurde. Ich
liebte nun die Eldane häftiger / als jemals / und wartete mit schmerzen auf die
zeit / da mein König hieher reisen wurde. Wie nun dieselbe erschienen ist / war
ich so gluckselig / dass ich die Eldane schöner / gütiger und geneigter
angetroffen / als ich sie jemals vordessen gekant habe. Weil aber hierbei ihre
tugend sehr entfindlich war / und sie es wider die erbarkeit zu sein erachtete /
ohne vorhergepflogene beredung ihrer anverwandten / und vorauswartung der
trauerzeit /eine neue liebe ruchtbar zu machen: als musste ich ihr zu-schwören /
hiermit geheim zu sein / bis die zeit herum sein würde. Sie hat mir gleichfalls
/ unsere liebe verborgen zu halten / angelobet: um willen ich befahret / dass die
meinigen / aus vielen betrachtungen / hinternis dazwischen zu bringen / suchen
wurden /wann sie es zu zeitlich vor der hochzeit erfuren. Weil aber nun Timna /
(welche / wie ich aus allen umständen vermute / uns einmal in Samosata muss
behorchet haben /) diese unsere heimliche liebe iezt ruchtbar gemacht / als muss
sie nun auch dazu beforderlich sein /dass diese Königliche Gesellschaft meine
schöne dahin vermoge / sich zur endlichen vollziehung unserer liebe zu verstehen
/ und ohne ferneren verschub mich gluckselig zu machen. Imfall sie nun das für
mich erlanget / will ich ihr diesen verraht verzeihen / und auch bei der Eldane
anhalten / dass sie ihr diesen fürwitz vergeben wolle.
                                     * * *
    Wie nun Tarsis seine erzehlung hiermit geendet /bekannte Timna / dass sie ihn
und die Eldane neulich behorchet / und alles aus ihren reden abgelauret håtte /
was Tarsis iezt furgebracht: und hierauf wendete sie sich zur Konigin von
Mesopotamien / üm bei ihr des Tarsis wort zu reden. Aber diese kame ihr zuvor /
und verhiesse von selber dem Fürsten von Sepharvaim / wiedass sie ihm bei der
Eldane alle gute dienste tun wollte. Husan und Arsas / als ihrer beider nächste
anverwandten / erwiesen hierauf ihr vergnügen über dieser heurat. Es ware auch
niemand in der ganzen gesellschaft / so nicht der Eldane ausgestandenes leid von
herzen bejammert hätte. Es gabe aber diese geschicht ferner anlass / von der
eifersucht zu reden: da man dann mit der Königin Orosmada scherzte / dass die sich
fürsehen sollte / bei dem Tiribaces der Eldane gluck nicht zu erleben. Selbige
versicherte hingegen /wie sie davon sich befreit wüste / und die Delbora
anschauend / sagte sie scherzweise: es sollten sich nur andere fürsehen / dass sie
nicht die fruchte der eifersucht / gleich der Eldane / entfinden möchten.
Delbora wollte sich dessen nicht annemen: ob es ihr gleich im herzen wolgefiele /
dass die ungereimte eifersucht also herdurch gezogen wurde.
    Inzwischen nun Nebajot und Jetur / neben den andern / die wunderbare
lebens-art des Abdeel / zum hochsten tadelten / eileten Timna und Casbiane nach
der Eldane / die sie in gesellschaft etlicher hirtinnen antraffen / und
kundigten ihr an / wie ihre sachen stunden: wie nämlich nicht allein Husan und
Arsas /sondern auch die Konigin von Mesopotamien / verlangte / dass sie dem
Tarsis zu teil würde. Konte ich nur an der Timna mich rächen / (sagte Eldane)
so wollte ich mich zu frieden geben. Ich fordere vielmehr eine vergeltung /
(antwortete Timna /) dass ich eure sachen in so guten stand gesetzet. Hiemit
namen Casbiane und sie die Eldane zwischen sich ein / und fureten sie wieder zu
der gesellschaft: da diese schöne sich schåmte / die augen aufzuschlagen / weil
nun ihrer so viele wissenschaft davon hatten / was ihr alles bei ihrem manne
begegnet war. Ich bewundere eure verschwiegenheit und gedult / (redte die
Konigin von Mesopotamien ihr zu) dass ihr niemals über dieses grausame verfahren
des Abdeel geklaget / und verdienet ihr / werteste Fürstin! ein fürbild aller
tugendhaften weiber genennet zu werden. Es lasse der gutige himmel (antwortete
Eldane /) mich die lezte auf der welt sein / die dergleichen proben der gedult
geben musse. Ich hoffe nicht / (sagte die Konigin von Ninive) dass Tarsis den
Abdeel nachgeraten werde. Es ist nur ein Abdeel in der welt gewesen /
(antwortete Tarsis) und wollte ich lieber mich selber töden /als wissentlich
einiges ungemach der schönen Eldane zufügen. Ihr redet schon / (versezte die
Königin von Ninive) als wann Eldane euer wäre: verziehet / bis wir sie
allerseits dazu bereden / es noch einmal zu wagen / und einen man zu nemen.
Tarsis sah hiemit seine Eldane an / und wie die errötete und ihn anlächlete
/vermeinte er / keiner fernern überredung nötig zu haben / weil sie ihn so
gütige gedanken ihres herzens lesen liesse.
    Wie sie nun noch eine weile beisammen geblieben /und also mit allerhand
gesprächen sich ergetzet hatten / kame die zeit heran / wieder fort zu reisen:
da es dann an ein betrubtes scheiden ginge / und sagte ihnen schier der siñ zu /
dass sie so ruhig nicht wieder zusammen kommen mochten. Der gute Melchisedech
gabe der Konigin tausend segen mit auf den weg / und mitlerweile die konigliche
personen voneinander abschied namen / gesellte sich die Calaride / des Zophars
gemalin / zu der åltesten Prinzessin von Ausitis: bei deren sie sich heimlich
erkundigte / ob nicht vor weniger zeit zwo hirtinnen / die der Furst Hus / ihres
herrvattern bruder / an ihren hof geschicket / daselbst angekommen wären? Jemima
eröffnete ihr hierauf /wie dass dem also wäre / und sie dieselben in geheim
wieder mit sich zu rucke gebracht / auch zu Samosata bei ihren anderen leuten /
bis zu ihrer rükkunft / gelassen håtten. Dass nur der Nahor / (sagte Calaride /)
hievon nichtes erfahre! Ich weiss diese geschicht /(antwortete Jemima) und habe
ihr verheisen / sie nicht zu melden / sondern nach möglichkeit ihre anwesenheit
für dem Fursten von Haran zu verbergen.
    Indem trate der betrübte Sinear herzu / um von seiner Prinzessin abschied zu
nemen / weil er mit den andern wieder zurück musste. Ach! warum bin ich nicht
auch ein schåfer / (sagte er) üm dieses betrubten scheidens uberhoben zu sein?
Mein Sinear eilet mehr / (antwortete Jemima) als er nötig hat / massen ja die
Konige von Syrien und Ninive heut noch bei uns bleiben werden. Es bedorfte
keiner mehrern worte / den verliebten Prinzen zu bereden / dass er noch ein
nachtlager mit ihnen halten wollte. Wie er nun / als die andern abgeschieden /
neben den Konigen und Königinnen von Syrien und Ninive / wie auch der Ahalibama
und Timna / bei der Mesopotamischen schåfergesellschaft geblieben / reiseten sie
fürter / gegen dem Taurischen gebirge. Weil sie die meiste zeit / wegen des
steinigten und bergigten weges / an statt zu fahren /das gehen erkieseten / als
hatte sich die Konigin von Mesopotamien zu dem Sinear und den dreien
Prinzessinnen von Ausitis gesellet / mit denen sie in ein angenemes gespråche
geriete: mitlerweile die jüngere Aramena die Lea und Rahel zu sich genommen /
der Konig von Syrien ganz allein ginge / und Cölidiane /neben dem Dison / der
Ahalibama und Timna / unter die andere hirtengesellschaft sich gemengt hatte.
    Saget mir doch / Prinz von Chaldea! (sagte die Königin Aramena) wie wurde
euch zu sinne / als ihr eure schöne beute nach Ausitis brachtet / und alda so
jählings erfuhret / dass ihr dem vatter unwissend seine tochter zugefüret. Wäre
Hiob nicht meiner mutter bruder gewesen / (antwortete Sinear /) so würde mein
entsetzen sich weit grosser haben blicken lassen. Die gute zuversicht / die ich
gegen ihm getragen / ihme meine Prinzessin anzuvertrauen / bewegte diesen Konig
/ mir sofort zu vergeben / was ich aus liebe an seinen tochtern begangen hatte.
Es war aber auch hierbei meine freude so übermässig gross / als ich erfahren hatte
/ von was haus meine schöne war / dass daher kein entsetzen bei mir raum haben
kunte: und dankte ich nur dem himmel / der es wider mein gewissen und hoffen
also erwunscht geschickt hatte. Hat euch aber auch die schöne Jemima bald
verziehen /(fragte die Konigin ferner /) dass ihr an ihr eine solche gewaltat
verübet? Die umstånde (antwortete Sinear /) machten meine tat weniger böse /
als sie wohl sonst geschienen håtte. Dann / dass ich meine Prinzessin /aus den
händen einer strengen mume / zu einem gottseligen fromen König entfuren wollen /
zeigte ja an /dass ich alles gutes fur sie hierunter gesuchet. Es ware auch die
schone Jemima nicht länger auf mich ungehalten / als so lang die Calmana das
regiment uber sie gefuret.
    Ihr habet / mein vetter! (sagte Aramena scherzweise / der Jemima nicht zeit
lassend / dazwischen zu reden) mit mir noch keinen abtrag gemachet / dass ihr in
meinem lande diese gewaltsame entfurung angestellet / dadurch der schutzfriede
ist gebrochen worden. Um des willen / grosse Königin! (gabe er zur antwort)
stellte ich mich in person hier wieder ein / um mich aller der straffe gutwillig
zu unterwerfen / die mir E. Maj. dafür werden zuerkennen. Diese straffe soll
sein / (versezte die Konigin) dass der Prinz fortin der schonen Jemima seine
liebe und aufwartung beständiger erweise / als er bei der Fürstin Lea / bei der
Konigin Lantine / und wan mir recht / auch bei der Ahalibama / getan hat.
Jemima / die Konigin also reden hörend / sah ihren Sinear an / welcher errötete
/ und also sich verantwortete: Was die Furstin Lea betrifft / so bekenne ich
meine schuld / dass meine damalige flüchtige jugend mir nicht rahten wollen
/derjenigen beståndig zu verbleiben / deren die natur nicht beståndig geblieben
wäre. Was aber die Königin von Elam und die Prinzessin von Edom belanget /so
vermeine ich mich deswegen noch wohl zu entschuldigen / da nämlich andere mir
solche heiraten fürgeschlagen / ehe ich selbst darauf gedacht: und weil ich
keine gewogenheit verspüren konnen / als bin ich auch kaltsinniger in meiner
aufwartung gewesen / und habe mehr dem befehl der Königin Delbois von Tyro /und
dem gebote der statalterin von Syrien / als meiner eigenen neigung /
nachgelebet. Es konten aber E. Maj. mir keine angenemere straffe auferlegen /
als die ich iezt vernommen: massen ich von nun an bei allen göttern schwöre /
dass / auser Jemima / wan auch der himmel schon so grausam sein sollte / ihre
schönheit ihr zu nemen / und ich ganze Königreiche bei andern erlangen konnte /
ich dennoch keine lieben / sondern der ihrige allein bis in den tod verharren
wolle.
    Euer fürsatz / mein Prinz! wåre wohl gut / (sagte Jemima) wan ihr nicht /
durch diesen getanen schwur /alles håttet über einen haufen geworfen. Wisset
ihr nicht mehr / mit was beding der Konig mein herrvatter mich euch gegeben hat?
dass ihr nämlich (sezte Aramena hinzu) die falsche gotter verleugnen / und
folgbar nicht bei denen so vergeblich schworen soltet. Ich bin noch ein schüler
in diesem neuen glauben /(antwortete Sinear /) und habe sonder fürsatz / bloss
aus gewonheit / die götter genennet. Weil ihr bisher so viel gotter verehret /
(fragte die Königin ferner /) als möchte ich wohl wissen / wie ihr euch erwehren
können / neben der schönen Jemima nicht auch ihre beide schwestern zu lieben /
wie Elihu und Betuel getan haben. Als ich (antwortete Sinear) meine Prinzessin
am ersten zu sehen bekame / ware sie nur allein / und ihre beide schwestern noch
nicht vollig erwachsen: daher sie damals vor den ander zweien einen grossen
fürzug hatte / welchen nachgehends die jahre unter sie ganz gleich geteilet
haben.
    Dass ich wieder (sagte die Königin /) auf euren falschen aberglauben kome /
so wundert mich nichts mehr / als warüm der Bildat / euer herrvatter / euch in
demselben erziehen lassen / da er doch für seine person den wahren einigen Gott
erkennet: welches gnugsam aus den aufgeschriebenen gesprächen erhellet /die er
mit dem König von Ausitis gepflogen hat. Ich weiss dieses nicht zu beantworten /
(versezte Sinear /) weil ich / so lang ich lebe / meinen herrvattern nicht
anders gekant / als in dem glauben / darin ich bin erzogen worden. Zu der zeit
/ wie dieses sonderbare streit-gespräche zu Ausitis fürgegangen / hat mein
herrvatter auf seinem gute Suah gewohnet / und ist vom Babylonischen hof
verbannet gewesen / um dass er gesuchet / Chaldea zum Königreich zu machen /wozu
es ihme damals mehr an vermogen / als an recht / gefehlet hat. Es kann dann wohl
sein / dass / wie er nachgehends zu Babel wieder ausgesönet worden / er den
hofglauben angenommen / und dadurch in des Konigs gute gunst sich fäster setzen
wollen. Er hat damit sehr ubel für sich getan / (antwortete Aramena) und möchte
ich von herzen wünschen / dass er seinem gott mehr beståndigkeit erwiesen hätte.
    Unter solchen gespråchen gerieten sie wieder auf einen guten weg: daher der
König von Syrien zu ihnen kame / und seine schwester fragte / ob ihr nicht
wieder zu fahren beliebte? Sie dorfte solches dem König nicht wohl abschlagen /
ob sie gleich im herzen sich scheuere / mit ihm allein zu sein: massen es sich
auch also fügte / dass die andere in ihrem spaziren-gehen ferner beisammen
bleiben wollten. Die tiefe traurigkeit des Königs / schiene aus allen seinem
gebården überflussig herfür / und weil die Königin Aramena deren ursach zu wissen
vermeinte / als begehrte sie so wenig darnach zu fragen / als dem Aramenes anlas
zu geben / ihr davon etwas deutlichers zu entdecken. Wie nun diese beide grosse
kinder des grossen Aramenes ein zeitlang / sonder ein wort zusammen zu reden
/fortgereiset / sah der König endlich seine schwester an / zu ihr sagende: Wird
auch wohl / liebste schwester! in des Teraphim tempel / der fürwitz euch treiben
/ auch dessen ausspruch von dem zustand eurer liebe zu verlangen? O keineswegs!
(antwortete Aramena) weil ich so wenig von einem götzen die warheit hoffen kann /
als wenig es mir bereits daran fehlet /weil ich weiss / dass der Cimber mich
liebt. Diese wissenschaft / (sagte der König /) kommet her von eurem
tugendhaften wahne: ich habe euch aber verschiedenlich gewarnet / nicht zu sehr
auf diesen Cimber euer vertrauen zu setzen. Mein vertrauen / (gabe Aramena zur
antwort /) setze ich lediglich auf Gott /und auf keinen menschen: ich glaube
aber hiebei / dass Gott den getreuen Cimber auserwehlt habe / mich zu lieben /
und von mir allein hinwieder geliebt zu werden.
    Aramenes schwiege eine weile / auf diese rede der Königin / fassete aber
endlich den schluss / sich ihr völlig zu entdecken. Demnach / sie ganz beweglich
anschauend / sagte er zu ihr: Wer hätte denken sollen / liebste schwester! dass
des Cimbers bäster freund noch derjenige sein wurde / von dem ihr / was ich euch
nun entdecken werde / erfahren müsst? Ja / Aramena! es ist nicht ferner zeit /
gegen euch ein geheimnüs hievon zu machen / was meine bisherige traurigkeit hat
verursachet / und das euer edles gemüt zweifelsfrei auch wird beunruhigen
können. Die gute Konigin vermutete / bei anhorung dieser ersten worte / nicht
anders / als dass nun heraus kommen würde /was sie mehr als den tod selbst
furchtete. Daher wusste sie keine gebärde zu fassen / und in der ungewisheit /was
sie tun sollte / liesse sie ihn ungehintert fort reden. Ihr seit betrogen (sagte
er) in der guten zuversicht / die ihr bisher von dem Tuscus Sicanus / oder eurem
Cimber gehabt: massen derselbe gegen meinem abgeschickten / dem Mitreus / sich
also erklåret / dass er euch nicht lieben könne / weil er anderswo verknüpfet
sei. Ich habe / euch solches zu sagen / seiter nicht vermocht / weil ich an mir
selbst wohl entfande /dass dieses verfahren des undankbaren Cimbers bei euch
sonder gefärliche bewegung nicht abgehen konnte: daher ich lieber noch eine weile
damit zurück halten / als vor der zeit euer edles gemüt betruben wollen. Weil
ich aber nun sorgen muss / dass euch der Teraphim / durch verhängnis Gottes /
alles dieses entdecken mochte / als darf ich länger nicht schweigen /üm euer
gemüte zusolchen fromden dingen vor zu bereiten. Ihr werdet aber / weil eure
grosmut unvergleichlich / dieses verächters leicht vergessen konnen: und hoffe
ich von eurem furbilde auch noch båsser zu lernen / wie ich denjenigen / den ich
als mein eigen leben bisher geliebt / völlig aus meinem gedächtnis verbannen
möge.
    Ich vermeine nicht / (antwortete die Königin / mit unverwandten augen ihren
bruder ansehend /) dass ihr mühe findet / den Cimber von eurer ehmaligen
freundschaft zu verstossen / und erweiset der dienst /den ihr ihm iezt bei mir
leisten wollet / zur gnüge dass ihr / sein feind zu sein / euch vollig habt
überwinden können. Diese antwort gabe sie dem König / weil sie von allem dem
nichtes glaubte / was er von dem Cimber ihr hatte fürgebracht / sondern vielmehr
daraus schliessen wollte / diese beschuldigung wåre von ihm ersonnen worden / üm
nachgehends desto leichter in ihr lediges herze sich wieder einzubringen /
welches er vordeme / als er noch Abimelech gewesen / so völlig besessen hatte.
Demnach ginge ihr solches / in erwågung aller umstånde / so nahe dass sie nicht
ümhin kunte / ihr beklummenes herz durch einen heissen tränen bach auszuschütten:
und jammerte es sie viel zu sehr / dass sie sehen sollte / wie ihr liebster bruder
/ ihrentwegen die tugend und alle erbarkeit von sich zu bannen / keinen scheu
truge. Aramenes wurde so wehmütig / als er die teure zären seiner liebsten
schwester sah / dass er / auf ihre getane antwort keine gedanken schlagend /
nur åuserst sie zu trosten bemühet bliebe. Diesem nach liesse er es an nichtes
erwinden /was er für notig erachtete / ihr für zu sagen. Er erinnerte sie /
unter andern / an des Konigs von Basan leztes schreiben zu gedenken / da er den
Tuscus Sicanus einen wankelmütigen genennet. Er stellte ihr auch für / wie diese
beide Konige / nicht als erhitzte mitbulere / sondern als vertraute herzfreunde /
auf dem Riphatischen gebirge einander gesprochen / und nun /wie die gemeine rede
ginge / in gleichmåssigem vertrauen auf dem Taurischen gebirge beieinander wären.
    Inzwischen / da der Konig Aramenes dieses alles nach der långe vorbrachte /
begriffe sich die Königin völlig wieder / und / wiewol nicht ohne grossen zwang /
sich anstellend / dass sie alle diese treulosigkeit ihres Cimbers glaubte / gabe
sie dem Könige diese erklärung: Wann dann Cimber solcher massen sich meiner
fernern liebe unwürdig gemacht hat / so soll hinfort kein sterblicher seinen
platz bei mir wieder bekleiden; massen ich auch mehr als zu viel spure / dass der
himmel mich nicht ausersehen habe / jemals ehelich zu werden. Eure grosmütige
Entschliessung (antwortete ihr Aramenes /) ist / was den Cimber betrifft / nicht
zu verbässeren. Da sei aber der himmel für / dass deswegen die schöne Aramena - -
- Haltet ein / mein bruder! (fiele ihm die Konigin in das wort /) und betrubet
mich nicht ferner / mir von einer andern liebe fur zu sagen. Sol und kann der
Cimber nicht mein werden / so will ich auch in keine andere verheuratung jemals
willigen. Daferne auch euch eure schwester lieb ist / so lasset sie weiter
nichtes horen von deme / das da fähig ist / sie zu toden. Der eifer / womit die
Königin diese worte herfürbrachte / stillete bald den Konig ihren bruder / in
dieser sache ihr nit furter einzureden / und bate er sie nur allein / den Cimber
nicht so würdig zu achten / dass sie seinetwegen sich der traurigkeit ergeben
sollte. Sie verhiesse ihm solches / zugleich aber in ihrem herzen gedenkend / wie
sie mehr befuget wäre / sich uber ihren bruder / als über den Tuscus Sicanus /
zu betruben: da jenen / seine ungerechte liebe / das recht der freundschaft
brechen machte / diesen aber nichtes / als sein langes ausenbleiben /und ein
ungegründter verdacht / bei ihr anklagen kunte.
    So unruhig aber die schöne Aramena hierüber wurde / so sehr entfande auch
solches der König ihr bruder / als er seinem alten treuen Cimber diesen üblen
dienst geleistet. Alle die freundes-guttaten /die er seine lebtage von ihm
entfangen / wurden auf einmal in ihme wach / und machten ihm bange / dass er ihn
aus seiner Königin gnade gesetzet: welches er doch / in fernerem nachsinnen /
nicht bereuen kunte /weil dieser Cimber / aus einer so unbekant- als
verwundersamen ursache / die Aramena für die seinige nicht mehr erkennen wollen.
So bald er demnach an diese beschimpfung wieder gedachte / wusste er von keinem
Cimber nichtes mehr / sondern fand sich mehr als wohl befugt / den Tuscus
Sicanus anzufeinden / und war froh / dass er dieses endlich vom herzen geledigt /
und seine liebste schwester aus ihrem bisherigen irrtum gebracht hatte. Ihr
bezeigen hiebei / das nicht so ungedultig war / als die grösse dieser verachtung
wohl verdienet / und er vermutet hatte / gab ihm hierneben die hoffnung / und den
trost / dass ihre grosmut diese unbilligkeit in ihr würde überwinden helfen.
    Um auch ihre gedanken auf etwas anders zu bringen / ånderte er den inhalt
dieser unterredung / zu ihr sagend: Ich muss euch nun / liebste schwester! nach
des Teraphim tempel also allein hin ziehen lassen /üm der Mesopotamier gebräuche
nicht zu brechen. Mir ist aber bei dieser sache eben nicht zum bästen zu mute /
weil ich nicht allein die aufwieglerische inwonere der gegend Abagara / darin
der tempel liget /wohl kenne / sondern auch mich dessen noch erinnere /was uns
der Nahor / von dem stolzen und nadenklichen gespräche der richterin Phalerinte
mit der Almesia / neulich erzählt hat: woraus satsam erhellet / dass die riesen
auf dem Taurischen gebirge wider uns etwas gefärliches schmieden / und nicht
ohne wichtige ursache die Könige an sich gezogen haben. Die tiefsinnige Aramena
überlegte eben in ihrem herzen / was doch ihr Cimber auf dem Taurischen gebirge
machen müste / als der König dieses sagte: daher sie auch bald anlass name /
ferner hiernach zu fragen. Hat man dann dessen grund / (fragte sie) dass die
Könige bei der riesen versamlung sich befinden? Gewiss kann ich es nicht sagen /
(antwortete der Konig /) weil der Mitreus / den ich / wie dieses gerucht
erschollen / nach dem Taurischen gebirge abgeschicket / noch nicht zurucke
gekommen. Meine vermutung aber geht dahin / es werde auf Syrien / und folgbar
auch auf dieses land / als ein teil desselben angesehen sein. Es wird vielleicht
Marsius / dem wir euch versaget / seine rache suchen / auch Tuscus Sicanus
meiner billigen antung zuvorkommen / und den vermuteten krieg lieber anbieten /
als erwarten / wollen.
    Seit ihr dann gesinnet / (fragte die Königin /) den Aborigener-König zu
bekriegen? Dieses / liebste schwester! (antwortete der Konig /) stehet bei euch
/und soll meine rache sich nach eurem wollen schicken. Die schone Aramena /
schwiege zu diesen worten ihres bruders / und in ihrem geschöpften argwahn
fortfahrend / hielte sie dieses alles fur gefårliche vorschlåge / die ihre und
des Cimbers keusche liebe zerstoren sollten. Er hingegen schlosse / aus diesem
stillschweigen / eine in der Aramena herzen noch übrige gewogenheit gegen dem
Tuscus Sicanus / und sagte: Mich wundert nicht / dass die beståndige Aramena noch
wanket in ihrer billigmäsigen rache / da ich weiss / was ich bis ietzo
dieserwegen erlitten / und wie die freundschaft und beschimpfung in mir
gestritten haben. Ich habe den Cimber bisher geliebt / als mich selbst: ich
liebe aber die Konigin von Mesopotamien nicht weniger / und muss billig / da
diese also geteuschet worden / den schuldigen verlassen / um der unschuldigen
beizustehen.
    Die verwirrte Aramena / sah den König unaufhorlich an / und beobachtete
sein unschuldiges wesen /damit er diese reden fürbrachte: daher sie endlich
anhube zu zweiflen / ob ein sonst so edles gemüt auch fåhig sein könnte / so
falsche dinge zu ersinnen. Sie geriete daher immer tieffer in die gedanken / und
so sehr in ihr die unruhe abname / wann sie gedachte /dass ihr bruder unschuldig
wåre / so sehr name sie hinwieder zu / wann sie auf solchen fall ihr den Cimber
musste schuldig fürstellen. Dieses kame ihr aber ganz unmüglich vor / und weil
sie demnach nicht wusste /was sie denken oder sagen sollte / seufzete sie in ihrem
herzen zu Gott / und befohle ihm lediglich diese sache. Sie bate folgends ihren
bruder / dass er ihr hievon nichtes mehr sagen wollte. Weil sie sich noch nicht
bereit und standhaft genug befände / solche fromde dinge zu vernemen. Hierauf
redeten sie mit einander ab / dass / wann der Königin / von den riesen aus
Abagara oder sonst im Teraphim-tempel / einige ungelegenheit aufstossen möchte /
sie solches alsofort durch den Nahor berichten sollte: massen der bereits ware
besprochen / auch reitende boten unterwegs verleget worden / dass man ihren
zustand desto eiliger in Samosata erfahren konnte.
    Indem kamen sie sämtlich an den ort / da sie ihr nachtlager halten wollten.
Jederman kunte / so wohl an den Konig von Syrien / als an der schönen Königin von
Mesopotamien / eine grosse ånderung verspüren /sonderlich an dieser / die so
entstellet war / dass Colidiane und die Konigin von Ninive ihn öfters zweimal ein
wort sagen mussten / ehe sie es hörte / und ihnen antwort gabe. Sie deuteten
beiderseits diese traurigkeit dahin / dass etwas von des Aramenes liebe wurde
furgefallen sein. Dieses machte nun fürnemlich die Colidiane betrubt und unruhig
/ wiewol die nicht so eifersuchtig als besorgt sich erwiese / dass Aramena nicht
also möchte geantwortet haben / wie es wohl der Konig ihr gemal verlangen mögen.
Um demnach / zu vergnügung ihres liebsten Königs / alles herbei zu tragen / was
ihr möglich ware / vermeinte sie / es würde nun die rechte zeit sein ihrer
liebsten Aramena deswegen noch einmal zuzureden. Demnach suchete sie gelegenheit
/ sie allein zu sprechen: dazu sie sofort gelangte. Sie fand diese betrubte
Konigin in dem hintern hof des wirtshauses / da sie an ein für beifliessendes
bächlein sich gesetzet / und ihren tiefsinnigen gedanken gehör gabe.
    Verüble mir es nicht / liebste schwester! (redte Cölidiane sie an /) dass ich
komme / dich zu beunruhigen. Es verursachet solches die herzliche liebe zu
meinem König / und dass ich gern dessen unfehlbaren tod verhüten mochte / weil
ich wohl vermerke / wovon ihr miteinander geredet / und dass du dem Aramenes alle
hoffnung werdest entzogen haben. Bedenke doch /Aramena! wie unglücklich dieser
treue liebhaber dich verlieret / darum / dass er dein bruder ist erkant worden:
dieses einige machet sein verbrechen / und hebet bei dir die beständige liebe
auf / die du sonst fur ihm zu hegen pflegtest. Es kann aber / weder dieser name
eines halbbruders / noch unsere verehlichung / dir anlas geben / ihme treulos zu
werden: weil der von Gott selbst erwehlte Furst Abraham also geheuratet /und ich
dir gern und gutwillig den vornemsten platz unsres ehebettes / neben dem
Königlichen tron in Syrien / abtreten und überlassen wollte. Wie qvålest du doch
dich und mich / werteste Cölidiane! (antwortete ihr die Aramena /) mit solchen
nie erhorten fürschlägen / die du aus grosser liebe / wiewol sonder noht /also
ersinnest. Mein bruder füret ja nicht gegen mir solche gedancken / wie du dir
einbildest / und hat er mir gleich jezt geoffenbaret / was seine bisherige
unruhe und betrübnis verursachet. Der Cimber liebt mich nicht / wie wir uns
bisher eingebildet / und verhonet es meinen bruder / dass ich ihm durch den
Mitreus bin angetragen worden / er aber sich geweigert /mit dem Syrischen hause
sich zubefreunden.
    Deine kaltsinnigkeit / (widerredte Colidiane /) mit der du dieses
fürbringest / gibet mir zu vernemen /dass du solches nicht gläubest / oder doch
wenig achtest. Gläubest du es nicht / so kanst du ja leicht ermessen / warum
Aramenes dir solche dinge fursage. Achtest du es aber nicht / so ergibe dich um
so viel williger deiner ersten liebe wieder. Erhalte damit /dem reich Syrien
seinen Konig / und Colidianen ihr leben: das du ja ohne sünde tun kanst / wan
du es nur recht bedenkest. Kont es gleich ohne sünde zu gehen / (widerredte
Aramena /) so wollte ich doch lieber sterben / als dir deinen König rauben. Nun
aber hält mich / alle andere betrachtungen hintan gesezt /mein gewissen hiervon
ab / und lässet sich des Fürsten Abrahams beispiel nicht hieher ziehen / da Sara
seines bruders tochter gewesen / und er neben ihr keine frei-geborne zur ehe
gehabt.
    Als Colidiane solches widerreden wollte / kame der König von Syrien zu ihnen:
der dann / unwissend wovon ihr gespräche gehandelt / sich gegen seiner gemalin
entschuldigte / dass er vor ihr so verschwiegen gewesen / und ihr nicht entdeckt
hätte / was diesen winter hindurch sein betrubtes anligen verursachet. Ich weiss
/ (sagte er ferner) wie herzlich ihr einander liebt: darum habe ich lieber
unvertreulich sein / als zu eurer mitbetrubnus anlas geben wollen. Beide
Königinnen sahen hierauf den Aramenes scharf in die augen / und lächelte
Colidiane ihn an / ob ihr gleich dabei die tränen aus den augen stiessen / zu
ihme sagend: Ist diss die rechte und einige ursach von meines Konigs anligen
gewesen? Ach! warum zweifelt ihr? (antwortete Aramenes) wollte Gott / es
verhielte sich nicht also! wie gern wäre ich doch überhoben / den jenigen meine
rache spüren zu lassen / den ich mehr als mich selbst geliebt. Die tränen
stiegen auch dem König in die augen / als er dieses sagte / und ginge er damit
zu seiner schwester / die er umarmte / sprechend: Was ihr an dem unerkentlichen
Cimber verlieret / das sollet ihr zweifältig wieder an mir haben; und
verpflichte ich mich / so lang ein blutstropfe in mir ist / den hon zu råchen /
welchen Tuscus Sicanus dem hause Syrien beweisen dörfen.
    Hebet darüm eure freundschaft mit ihme nicht auf /(sagte Aramena /) dass er
mich verachtet hat / sondern überwindet euch / gleichwie ich tue: wenigst
vergesset desjenigen / der unser vergessen hat. Ist es möglich / (widerredte der
Konig / seine schwester ganz verwundert anschauend /) dass ihr solch ein unrecht
/ das euch widerfahren / so bald verschmerzen könnet? Einem bruder zu gefallen /
(antwortete sie /) auch dessen reich und lånder in ruhestand zu erhalten / wollte
ich / wan noch was grossers zu erdulten wäre /alles gern und willig über mich
nemen. Ich werde auch eure brüderliche freundschaft hieraus erkennen /wan euch
wird gefållig sein / auf keinerlei weise dem Cimber euren unwillen kund zu
machen / sondern noch wie vor ihn als euren freund zu lieben. O unvergleichliche
tugend! (rieffe der König /) die nichts menschliches bei sich heget / und die
würdig wäre /dass man sie båsser verehrte! Hätte ich dieses vermuten dorfen / ich
wollte nicht so lang verschwiegen haben /was bisher mein herz gequålet. Ich kunte
mir ja nicht anders einbilden / als dass eure billige rache mich sofort antreiben
wurde / den unerkentlichen König der Aborigener zu bekriegen. Keines wegs!
(antwortete Aramena / und lächelte dazu / wiewol es ihr nicht von herzen ginge
/) mit meinem willen / soll dem Tuscus Sicanus kein krieg zuwachsen / und würde
ich es meiner ehre zuwider achten / wann die welt glauben müste / dass ich mich
von ihm beleidigt hielte.
    Wie die Konigin von Mesopotamien diss gesagt /kame Nahor dazu: welcher /
neben seinem vatter /dem Fursten Laban / der wirtschaft fürstunde / weil von der
Königin bedienten niemand zugegen ware. Dieser meldete an / wiedass die
abendmalzeit bereitet wåre. Die Königin Aramena hatte so wenig lust zu essen /
dass sie die andern liesse zur tafel gehen / und sich mit der Timna in ihre
schlafkammer verfügte /sich daselbst abkleidete und zu bette legte. Sie erzehlte
hierauf dieser ihrer vertrauten freundin / was ihr den tag begegnet ware: die
dann åuserst erschracke /solche fromde dinge zu vernemen / und nicht wusste /so
beredt sie auch sonst ware / was sie dazu sagen sollte. Haltet ihr wohl den Cimber
für schuldig? fragte die Aramena. Was soll ich sagen / gnådigste Konigin?
(antwortete Timna) dieses ist so unmuglich zu gedenken / wan ich die
unvergleichliche Aramena und den edlen Cimber betrachte / dass vielmehr zu
glauben / der Konig von Syrien - - - liebe die unglückselige Aramena! volfürete
die Konigin der Timna rede / und finge damit so häftig an zu weinen / dass eine
träne der andern folgend / sie fast gar erstecken wollte. Betrachte ich den
tugendhaften Abimelech oder Aramenes /(sagte Timna) so ist ebenfalls unmüglich /
was E. Maj. von ihme mutmassen / und liebt er ja die gottselige Cölidiane /
nicht zum schein / sondern recht herzlich / daher ich versichert bin / es habe
die unmüglichkeit alle andere gedanken bei ihme ausgebannet.
    Ist Aramenes unschuldig / (sagte die Konigin /) so muss Cimber schuldig sein.
Jedes von beiden ist fähig / mich zu toden: und weil eines notwendig wahr sein
muss / so sehet ihr ja / Timna! meinen neuen jamer /darein der himmel mich
gestürzet. Was soll ich glauben? oder wen soll ich verlassen? einen so werten
bruder / oder einen so lieben Cimber? Des Cimbers ausenbleiben / neben der
beståndigen künen aussage des Königs / meines brudern / streiten häftig gegen
diesen sonst treuerfundenen liebhaber. Die furcht aber / dass Aramenes mich liebe
/ und dass die liebe diesem unglückseligen bruder in den sinn gegeben und geraten
/ durch solch ein gedichte den Cimber aus meiner guten gunst zu setzen /
beschützen ihn bei mir wieder / und überwägen weit den glauben / den ich meinem
bruder geben sollte. Daher waren seine bemuhungen nichtig / die mich bereden
wollten / einem kriege bei zustimmen / welchen er meinetwegen dem Tuscus Sicanus
ankundigen wollen: den ich zwar sonst in eigner person wider ihn furen würde /
wan ich glauben müste / dass er mich so verächtlich halten konnen. Ach Timna! ich
hoffe / und furchte! Und endlich / ich glaube von diesen dingen / was ich will /
so kann ich mein grosses und schweres elend und ungluck nicht völlig ubersehen /
noch begreifen. Die verstumte Timna / täte zu diesen klagen ihrer Konigin
nichtes /als das blosse zuhören / und fand die wahl sehr schwer / unter so zwei
tugendhaften helden einen auszukiesen / der sich / entweder durch
unverantwortliche verachtung der schonsten und edelsten Königin der welt / oder
durch unrechtmässige liebe / verleiten lassen / von der tugendbahn so gröblich
abzuschreiten. Es war ihr noch niemals etwas so schweres / als dieser handel /
fürgekommen / und verirrte sie sich darin ie mehr und mehr / je weiter sie dem
ding nachgedachte.
    Die königliche personen / auser den dreien Prinzessinnen von Ausitis / kamen
mit der Ahalibama / nach gehaltener tafel / zu ihnen: und weil der König von
Syrien / dem Dison und seiner jüngern schwester /auch der Prinzessin von Edom /
gleichfalls entdeckt hatte / was er zuvor der Königin von Mesopotamien vertrauet
/ als kame / der Aramena sich äuserende traurigkeit / ihrer keinen frömd vor /
und waren sie alle äuserst bemühet / ihre entfindlichkeit hieruber zu erkennen
zu geben. Cölidiane finge nun auch an zu glauben / weil sie ihren liebsten Konig
viel zu wert hielte / als dass sie ihm solche falschheit und lugen zueignen
sollte: und entfande sie nun in sich eine ungewonliche ruhe / indem sie anhube zu
hoffen / dass sie ihrem König / ihn in seine schwester verliebt achtend / bisher
unrecht getan hätte.
    Aber der schönen Aramena / wollte solche einbildung noch nicht aus dem sinn.
Und ob sie gleich bis in den tod betrübt und unruhig war / so uberwande sie sich
dannoch in dieser gesellschaft / und dieselben /da sie üm ihr bette stunden und
sie beweinten /freundlich und wolgemut anlachend / sagte sie: Sehet dann ihr /
meine liebsten / mich für so kleinmütig an /dass ich in diese änderung / davon
iezt das gespräche handelt / mich nicht sollte finden können? die ich doch / eine
zeit her / von dem himmel gnugsam gehärtet worden bin / alle weltliche zufälle
auszustehen und zu ertragen. Ihr sehet und findet mich auch nicht dieserwegen im
bette / sondern weil ich mich ohn das nicht wohl befunden / auch morgen frühe
reisen / und sonder euch eine verdriessliche wallfart tun muss / als hat mich der
unmut / eher als sonst / die ruhe suchen gemacht. Wollet aber ihr / mein bruder!
und ihr / meine werteste freunde! befördern helfen / dass ich in dieses neue
anligen mich desto bässer möge schicken lernen / so müsst ihr / nicht allein
gegen mir dessen nicht mehr gedenken / sondern auch es unterdrucken / dass
niemand etwas davon erfahre. Dieses lezte versprachen sie ihr einhällig / und
glaubten / ihr zu gefallen /dass dieses leiden sie so sehr nicht anföchte / wie
zwar der augenschein klårlich dartäte. Als sie nun vollends bis in die nacht bei
ihr geblieben / liessen sie die Ahalibama und Timna bei ihr: mit denen sie die
ubrige nacht hindurch / sonder einigen schlaff in ihre augen kommen zu lassen /
sich hiervon unterredte / und gegen diese zwei freundinnen sich nicht zwingend
/ihrem trauren den völligen freien lauf liesse; weswegen auch die Ahalibama ihres
eigenen anligens vergasse /üm der schönen Aramena klagen zu helfen.
    Der morgen brache endlich wieder herfur: da dann /wie die Königin gekleidet
war / die andre hinein kamen / und abschied von ihr nemen wollten. Es kann nichts
berrübters zu sehen sein / als dieses scheiden ware: weil sie die Konigin von
Mesopotamien zu einer solchen zeit verlassen mussten / da ihr ihrer freunde trost
sonders notig gewesen. Der Konig von Syrien erwiese einige reue / dass er sein
geheimnis entdecket: in betrachtung aber der umstånde / befande er / dass er es
nicht anders machen können. Indem sie aber sich scheiden wollten / kame
unvermutlich Elihu und Betuel mit ihren leuten daher geritten / welche /als sie
vor den Königlichen personen erschienen / sofort von der Königin in Mesopotamien
mit einer sonderbaren munterheit gefragt wurden / wie ihre reise abgelaufen /
und ob sie sich nun vergnugt achteten. Wir kommen zwar / (antwortere Elihu für
sich und den Betuel /) vergnugter von Ausitis wieder / als wir dahin gezogen:
es fehlet uns aber noch an der vollkommenen zufriedenheit / die unsere liebe
erfordert. Berichtet uns doch / (sagte die schöne Königin /) wie es euch
ergangen: dann wir haben noch wohl so viel zeit übrig / dieses zu vernemen / ehe
wir fürter reisen mussen.
    Wiewol nun Elihu vermuten konnte / dass die Königin mehr / als sie selbst /
von dieser ihrer geschichte wüste / so gehorchete er doch / und hube also an zu
erzählen. Als wir das Königreich Uz erreichet / erkundigten wir uns sofort aller
orten / nach dem Prinzen Sinear von Chaldea / und erlangten bald die gewunschte
nachricht / dass er mit bei sichhabendem frauenzimmer nach Ausitis gekommen wåre.
Wir eileten ihme nach / so geschwind als uns muglich / und als wir den
königlichen hof erreichet / erfuhren wir /dass Sinear / den tag zuvor / schon
wieder hinweg gereiset wåre. Gleichwie uns nun dieses sehr beunruhigte / also
unterliessen wir nicht / dem alten Konig aufzuwarten. Dieser entfinge uns mit
höchster freude /und bezeugte öffentlich seine vergnügung / dass er den Betuel /
als seiner schwester sohn / und mich / als seinen alten bekandten / zu sehen
bekommen. Die lieblosungen / die wir von ihm entfingen / waren unzehlig: daher
wir ihm auch unser anligen nicht verheleten / das uns dahin zu kommen bewogen
hatte. Er hörte unsere sonderbare liebens-art mit lust an / die wir ihm / auf
sein begehren / ümständlich erzehlten. Nachdem wir ganz ausgeredet / gabe er uns
zu verstehen / wie dass der Prinz Sinear unsere drei schonheiten ihme zu gefuret:
dem er auch beförderlich gewesen /der ålteren ihre gegenliebe zu erlangen. Es
wäre aber der Prinz / mit seinen des Königs tochtern und diesen dreien
schonheiten / nach Samosata zu E. Maj. wieder abgereiset: da er üm uns in
unserer liebe beforderlich zu sein / an E. Maj. uns ein schreiben mitgeben wollte
/ welches / wie er hoch versicherte / die kraft haben würde / uns völlig
vergnugt zu machen. Hierbei stellte er uns sehr auf die probe / ob wir auch in
unserer fürgegebenen liebe beständig gesiñet wären / und ob uns das nicht
schreckte / dass wir ihren stand nicht wussten. Wir gaben ihm hingegen alles
vergnugen /und drungen so sehr auf unsere erlassung / dass wir /als wir zween
tage daselbst ausgehalten / und unsere ehiste wiederkunft versprochen / mit
diesem schreiben an E. Maj. abgefärtigt worden / das wir dann hiemit gehorsamst
überreichen.
    Nachdem Elihu der Königin von Mesopotamien das täfelein übergeben / fuhre er
also fort: Die ruckreise nach Samosata ginge eilig von statten: alwo wir aber /
bei unserer ankunft / niemand fanden / weil alle welt E. Maj. hieher begleitet
hatte. Die leute / so auf dem schloss daselbst geblieben / berichteten uns /
wiedass sie von keinen andern schonheiten gehoret hätten / die der Prinz Sinear
mitgebracht / als von des Königs Hiob dreien tochtern. Dieses brachte uns nun
nicht geringe unruhe / und vernamen wir / nach fernerer erkundigung / dass
etliche weibspersonen / die mit den Prinzessinnen von Ausitis gekomen / daselbst
im schlosse sich heimlich aufhielten / und / auf sonderbare verordnung dieser
Prinzessinnen / von einem torhüter / zeit ihrer abwesenheit / gespeiset würden.
Wir gedachten sofort / wir hätten nun unsere schonen gefunden / und gewonnen den
torhüter mit gelde / dass er uns / wider verbot / hinein liesse / wo diese frömden
verborgen waren. Wir fanden aber ganz andere schönheiten / als wir gesuchet: und
uns also betrogen findend / erlangten wir von diesen so viele nachricht /dass wir
unfehlbar unsere schönen bei E. Maj. antreffen würden. In dieser hoffnung sind
wir nun heruber gekommen. Unterwegs erfuhren wir von dem tross des Königs aus
Egypten / welcher mit den andren Konigen zurück reisete / dass hier bei E. Maj.
keine andere frömde woren / als des Betuels zwo schwestern / und die drei
Prinzessinnen von Ausitis / neben dem Prinzen von Chaldea: daher wir in neue
sorge gerieten /unsere schönen möchten mit den andern koniglichen personen
wieder zurucke gewesen sein / da sie doch /als schäferinnen / diese wallfart wohl
håtten mit verrichten können. Also sehen E. Maj. dass wir zugleich vergnügt und
unvergnügt leben / und bitten wir um die gnade / uns zu berichten / was wir
ferner zu hoffenhaben.
    Es wäre nicht recht / (sagte hierauf die schöne Aramena / mit sonderbarer
annemlichkeit /) dass ihr beide / ohne zuvor ein wenig zu leiden / euch so fort
sollte glückselig sehen. Verziehet aber alhier bei der Ahalibama und Timna / bis
ich mit meinen brudern und schwestern einen kleinen abtritt genommen: ich will
bald wieder bei euch sein / und euch des Konigs von Ausitis willen eröffnen. Als
sie dieses gesagt / raunete sie den beiden Furstinnen von Edom heimlich ins ohr
/ dass sie diesen beiden verliebten nichtes von der warheit entdecken sollten /
und ginge sofort mit den beiden Konigen und Koniginnen von Syrien und Ninive aus
ihrem zimmer / uber einen gang nach dem gemache der drei Prinzessinnen von
Ausitis: die sich in gesellschaft des Sinear / des Nahor und dessen beider
schwestern befanden / und nicht wussten / dass Elihu und Betuel angekommen waren.
Daselbst verlase sie offentlich das schreiben des Konigs von Uz / dessen inhalt
dieser war: dass der Hiob / die Königin ersuchte / sich seiner tochter / wie auch
ihrer beiden vettern /anzunemen / und dem Fürsten von Ram die Prinzessin Kezia /
dem Fürsten von Haran aber / die Prinzessin Kerenhapuch / zu geben / weil er an
diesen beiden Fürsten wargenommen hätte / dass ihre neigungen also fielen; wiewol
sie noch nicht wüsten / dass er der vatter ihrer geliebten wäre / welches er
ihnen mit fleiss verhelen wollen / um ihre vergnügung desto grösser zu machen.
    Als die beide schöne töchter des grossen Hiobs dieses vernamen / fanden sie
ihres herrvattern wahl der ihrigen so gleich / dass sie ihre daraus geschöpfte
zufriedenheit nicht bergen konten. Wie sie nun hierauf in allem sich der Königin
verordnung ergeben hatten /redte die mit den andern ab / was sie den beiden
verliebten Fursten anbringen wollten. Die Königin von Ninive liesse / neben ihrer
schwester / sich hierzu gebrauchen / und gingen also / diese beide
ehmals-geliebte des Elihu und Betuel / wieder zu ihnen: da die Königin von
Mesopotamien den Fürsten von Ram /die jungere Aramena aber den Betuel / für
sich name / und iede mit dem ihrigen sich absonderlich beredte.
    Es ist zeit / edler Betuel! (sagte die Konigin von Ninive) dass ich euch aus
dem traum helfe / und euch entdecke / dass ihr bisher keine wahre menschen /
sondern nur gespenster / geliebt. Der erschrockene Betuel wollte hierzwischen
reden / die Konigin liesse es ihm aber nicht zu / sondern fuhre also fort: dieses
hat den Gottseligen König von Ausitis bewogen / damit er euch von dieser
krankheit heilen möchte / eine seiner tochter euch anzubieten; massen er auch
also dem Prinzen von Chaldea geholfen / und ihm seine ältste tochter / an statt
des dritten gespenstes / gegeben hat. Ich entsinne mich noch gar wohl / was ich
euch schuldig bin / und bin deshalben froh / dass ich euch einiger massen hiebei
dienen kann / da ich euch eine sehr schöne tugendhafte Prinzessin erworben: die /
auf mein zureden / und vermog ihres herrvattern befehls / euch zu lieben geneigt
ist / und die ihr / so wohl um eures eignen bästens willen / als wegen meiner /
annemen werdet. Als sie diss gesagt / und nun sah / dass ihre schwester / von dem
Elihu ab / nach der tur zu ginge / folgete sie ihr nach / sonder die antwort
des Betuels zu erwarten. Es blieben aber diese beide verliebte so gar bestürzt
und aus sich selber / dass sie schier von ihrer stelle nicht abtreten kunten.
Ahalibama und Timna hatten sie verlassen / als die beide Koniginnen zu ihnen
gekommen: daher waren sie nun allein / und merkte einer dem andern wohl an / dass
ihnen einerlei vortrag müste geschehen sein. Was fur ein zwang ist dieses /
(sagte endlich Elihu /) dass man uns aufbürden will / die jenigen zu lieben / die
wir nie gesehen haben? Und dass man uns notigen will / (sezte Betuel hinzu /)
unsere schöne geister zu verlassen / deren anschauung uns mehr vergnügen können
/ als alle andere irdische schönheiten?
    Wie sie dieses kaum gesaget / traten die beide Königinnen wieder zu ihnen in
das gemach / und furete jede eine von den zweien jüngern tochtern des Hiobs an
der hand. Die beide verliebten erkannten sie so fort für ihre schonheiten / und
eileten ihnen entgegen / sie zu entfangen. Hier habt ihr / edler Elihu! (sagte
die schöne Aramena zu diesem) den lohn eurer tugend und eurer liebe! Nemet an
von meiner hand / die Prinzessin Kezia / die der himmel für euch hat aufgehoben.
Eben solcher worte gebrauchte sich die jüngere Aramena gegen dem Betuel / indem
sie die schone Kerenhapuch ihm überlieferte. Es hatten diese beide verliebte
noch nie so eigentlich / wie dissmal / erkant /dass zwischen diesen neuen und
ihren alten geliebten eine so grosse gleichheit wäre: massen sie nicht anders
dünkte / als ob sie / an diesen schwestern / das wahre ebenbild ihrer beiden
Aramenen sähen. Wie nun diese zween also artig waren betrogen worden /auch auf
einmal / die hohe geburt ihrer schonen / und deren geneigten willen gegen ihnen
/ bei ihrer wiederfindung erfuhre / konnte solches nichts anders / als eine
grosse bestürzung bei ihrer freude wirken und erwecken: die ihnen aber nicht
hinterlich war / ihre grosse gluckseeligkeit dabei zu erwägen. Bei ihrer so
vergnügten verwirrung / kamen alle die andern auch herzu / und erwiese sich
sonderlich die Lea sehr erfreut / den Betuel / ihren liebsten bruder / in
solcher vergnügung zu sehen. Sinear trate damit auch herfur /diese seine beide
schwägere zu ümarmen: und sahen sie diesen Prinzen nun nicht mehr als einen
mitbuler an / weil sie ihm die Prinzessin Jemima gerne gonnten / und mit ihrem
schönen anteile mehr als wohl vergnugt blieben.
    Der alte Laban fand sich zu dieser allgemeinen freude auch mit ein / und
genosse derselben nicht wenig mit / wie er sah / dass / sein zweiter sohn eine
so schöne Prinzessin / die auch landgüter und schäfereien unferne von Haran
besasse / überkommen sollte. Gleichwie ihm nun dieses bässer / als des Nahors
wahl / gefiele / in welche er zwar auch schon meist gewilligt hatte / also
entfande unterdessen dieser in die Aprite verliebte Fürst / bei aller der
anderen vergnügung / sein geheimes leiden / und deshalben mit der Rahel an ein
fenster besonders tretend / überlegte er mit ihr sein anligen: die ihme dann
keinen andern trost / als diesen / zu geben wusste / dass er seine fürhabende
reise auf das Taurische gebirge fortsetzen / und mit der hoffnung sich
aufrichten sollte / wie er bei dem Prinzen Daces nachricht von seiner Aprite
finden würde. Dass dieser Prinz / neben dem Baalis / bisher in Mesopotamien
verborgen gelebet / hatte Nahor dieser seiner liebsten schwester nicht verhelet:
daher sie ihm diesen trost gegeben / welcher zwar sein niedergeschlagenes gemüt
wenig aufrichten kunte.
    Man gedachte nun / an den aufbruch / und dorfte die Königin von Mesopotamien
sich nicht länger säumen / weil sie noch weit zu reisen hatte. Um des willen
kame es nun zum abscheid-nemen und gute nacht-sagen: und ob sie gleich /
innerhalb acht tagen wieder zusammen zu kommen / vermuten dorften / so kame doch
dieses scheiden beiden teilen sehr schmerzlich an: da der König von Syrien die
beschirmung seiner schwester / dem Nahor / Elihu und Betuel anbefohle / und
endlich diese schone verliesse / zuvor aber sie heimlich bate / wegen des Cimbers
untreu sich nicht zuviel dem gram zu ergeben. Es soll dieses / mein bruder!
(antwortete ihm die Königin) was ihr mir eröffnet / keine andere wirkung in mir
haben / als dass ich fortin aller liebe absagen / und ferner nicht meine
freiheit verspielen werde. Mich aber zu lieben / (antwortete er / sie ümarmend)
werdet ihr dabei nicht verreden. Als ein bruder / (gabe sie zur antwort) sollet
ihr mir der liebste auf erden bleiben. Hiemit / üm dieses gespräche abzureissen
/ trate sie von ihme zu der Colidiane / deren sie heimlich sagte: hüte dich /
eine kupplerin bei deinem gemal furzustellen / und erwehne ja dessen gegen ihme
mit keinem worte / was wir mit einander geredt haben. Cölidiane / die nun voll
hoffnung stunde / wie sie in ihrer einbildung geirret hätte / ware ganz willig /
ihrer Aramena hierinn zu gehorchen: und wie sie / mit den andern königlichen
personen / und dem betrubten Sinear / wie auch der Ahalibama und Timna / sich zu
wagen begeben /fuhre sie samt ihnen / den weg nach der landschaft Amida / wieder
zu rücke.
    Die Konigin von Mesopotamien / mit den dreien Prinzessinnen von Ausitis /
den beiden Fürstinnen von Haran / den vier fürstlichen hirten von Syrien /den
richteren und richterinnen von Amida / und dem gesamten heer der Mesopotamischen
hirten und schåferinnen / die in vielen tausenden bestunde / sezte nun auch ihre
reise fort nach dem tempel des Teraphim: da sie die Prinzessin Jemima / und die
Fürstin Lea / zu sich auf ihren wagen genommen. Weil sie mit diesen beiden / die
ihr zwar angenem / aber noch frömd waren / von ihren angelegenheiten nichtes
reden kunte / als schwiege sie die meiste zeit / und überdachte nur bei ihr
selbst / in was verwirrten zustand sie gerahten ware. Weil sie auch das
Taurische gebirge / dahinwarts der tempel lage / stäts in den augen hatte /
konnte sie nicht unterlassen / dasselbe anzuseufzen / als den ort / da sich ihr
Cimber nun sollte aufhalten. Warüm ist er so nahe / (gedachte sie bei ihr selbst)
und kommet nicht / mich zu besuchen? Warüm schreibet er mir nicht zum wenigsten
/ und lässet so viel monate verstreichen / sonder mir die geringste nachricht
von seinem aufentalt zu geben? Ach wehe! (sagte sie ferner in ihrem herzen)
Aramenes hat die warheit geredet: Cimber achtet der Aramena nicht mehr /
gleichwie er auch der Hercinde und Roma bald vergessen können. O leichtglåubige!
warüm hast du dir ein bessers Glück furgebildet / als diese beide schonheiten
hatten / welche der Cimber ja so hoch als dich verehret? Und ist er nicht
allemal / so lang du ihn kennest /ein båsserer freund als liebhaber gewesen /
der seines freundes ruhe der seinigen weit fürgezogen? wer wollte dann bewundern /
wan er auch iezt dem verliebten Konig von Basan wiche / und dich demselben
uberlassen wollte?
    Hiemit ruhete sie in etwas von fernerem nachsinnen / bis sie ihr endlich
wieder die lezte begegnise von dem Cimber fürstellte / wie er im argwahn ihrer
ungunst gelebet / und solches so wohl schriftlich / als mündlich durch den
Abdastartus / ihr andeuten lassen. Solte wohl / (sagte sie deshalben bei sich
selbst) dem Cimber diese einbildung noch nicht benommen / und er daher ermüdet
sein / mich ferner zu lieben? Unmüglich ist ja dieses / da nicht allein ich vor
dem ganzen Syrien meine öffentliche erklärung getan / dass Tuscus Sicanus / vor
dem Marsius / zu meinen gemal und König ernennt sein sollte / sondern auch
deswegen eine offentliche abschickung / von den König meinem bruder / an den
Aborigener-König / geschehen ist? Darum kann es nicht fehlen / Cimber muss meiner
mud geworden sein / und die zeit bereuet haben /die er vordeme bei mir in
Damasco verschwendet. Sie hatte aber kaum diese beschüldigung bei ihr bedacht
/da bereuete sie solche beschüldigung wieder: weil sie nicht glauben kunte / dass
der tugendhafte Cimber einer solchen leichtsinnigkeit fähig sein konnte; und
stellte sie ihr damit auf einmal vor / alle dessen tugenden / die ihn eines
solchen lasters mehr dann frei und ledig sprachen. Die vorbildung seiner unschuld
brachte aber ihrem gemute nicht sobald einige erquickung /da warfe dieselbe
wieder über einen hausen / der vermeinte bösliche betrug / den ihr sonst so
lieber als grosmütiger bruder angestellet / um von dem Cimber sie abzubringen:
daran sie nicht gedenken kunte / sonder bis in den tod sich zu betrüben.
    Sie vermochte / für ihre beisitzerinnen / nicht also die tränen / als wie
die zunge / zu zwingen: massen die so håufig anhuben / ihre schöne wangen zu
benetzen / dass der Jemima und Lea unmüglich fiele / zu schweigen / und dieses
anzusehen. Sie fragten demnach beiderseits die Königin üm ihr anligen / und
bekamen den bescheid / wie dass sie ihr in ihrem leiden für der hand keine hülfe
bringen könten / sonst sie nicht ermanglen wollte / ihm dasselbe zu eröffnen.
Hierauf / sich überwindend / name sie ein freiers wesen an sich / und verschobe
/ bis sie ganz allein sein wurde / ihrem unglück ferner nachzudenken. Indem
hörten sie in dem wagen / der dem ihrigen nachfolgte / iemand singen / so die
Prinzessin Kezia ware: wodurch die Königin veranlasst wurde / die Jemima auch
anzumanen / ihre stimme horen zu lassen; die dann / üm ihren gehorsam zu erweisen
/ folgendes lied mit sonderbarer annemlichkeit anstimmete.
Der mensch / der Gott-gelassen /
bleibt wie er einmal ist.
er kann sich immer fassen /
auf alle fäll gerust.
komt boses oder gutes:
er ist ståts gleiches mutes.
Was andren schådlich scheinet /
er ihm zum nutzen acht.
er weiss / wie der es meint  /
der alles schafft und macht.
Vom Guten kann nichts kommen /
als was uns bringe frommen.
Ob wir es nicht absehen /
durch unsre menschen-witz /
wie es noch wird ergehen:
so kann / der seinen sitz
so hoch erhaben / schlichten /
was unser keins kann richten.
Muss armut auch uns drucken:
der mangel ist uns gut /
er macht uns seufzer schicken
zu dem / der gibet mut /
und stärket das vertrauen /
zu hoffen sonder schauen.
Wie wenigs ist von noten /
das unsren leib erhält!
wie plotzlich kann Gott todten /
hätt man die ganze welt!
was soll das gelt dann nutzen /
das uns nicht kann beschutzen?
Wan Gott uns schickt gebråchen:
es ist nicht bös gemeint.
es kann die seel nicht schwåchen /
die oft gesunder scheint /
und leucht / im kranken tagen /
als wan nichts ist zu klagen.
Wird man verhont / verachtet /
und gilt nichts in der welt:
es nützet / weil man trachtet /
dadurch ins himmels zelt /
da ehre ohn verkehren
wird lang und ewig währen.
Es komme dann / was wolle!
uns komm kein sorgen zu.
Wir stehn in Gottes rolle:
der schaffe / schick' und tu /
was er will allermassen.
wir bleiben Gott-gelassen.
    Die Konigin hörte / mit sonderbarer vergnügung /diesem gesange zu / und
straffte sich selbst / dass sie in ihr so viel funde / das die volkommene
Gott-gelassenheit noch nicht anzeigte. Sie liesse sich auch hierauf / mit ihren
beiden beisitzerinnen / in ein gespräche ein / von dieser hohen sache: womit ihr
nicht allein der weg verkürzet / sondern auch sie von ihrer traurigkeit
abgebracht wurde. Das mittags-ablager hielten sie / unter aufgeschlagenen
gezelten: da die drei richtere / mit ihren frauen und der Halida / die Konigin
bewirteten / und sich der herrschaft immer mehr anzunemen begunten / ie nåher
sie zu dem Taurischen gebirge kamen. Der vergnugte Elihu und Betuel / verliessen
keinen augenblick / so wohl über dem essen / als auch sonst / ihre liebsten
Prinzessinnen / und waren schier noch nicht recht wieder zu sich selbst gekommen
/ seit dass sie so plötzlich / aus ihrer unruhe / in so vergnügten stand geraten
waren. Die hirten Nisan /Abinael / Timonax und Atamias schåtzeten sich nun
ebenmåssig / bei ihren vor wenig tagen ihnen angetrauten schäferinnen / unter
allen ihren weidgesellen /für die seeligsten / und erhuben den grossen Teraphim
himmel-an / der ihnen zu deren besitzung geholfen hatte.
    Wie sie nun ihren gefärten den von diesem gotzen erlangten ausspruch
erzehlten / und sie / inzwischen man ausruhete / (massen auch ihre Konigin
solche zeit / nach verrichter malzeit / zum schlaff / dessen sie hochst benotigt
war / erkieset) sich hievon mit einander unterredten / horte Oromedon / wie auch
der Abinam / Jezer und andere / die die seite der richtere hielten / solches
auch mit an / und urteilten nichts gutes aus diesen des Teraphim worten /
Weil ich mich bald mit euch werd mussen letzen /
auch dass ihnen ein grosses unglück vorstunde. Hierbei gaben sie nicht unklar zu
vernemen / wiedass solches ihre unglaubige Konigin / die einen eigenen und
fromden gottesdienst hielte / verursachen müste. Also entstunde hierüber kein
geringer streit unter den hirten / der doch endlich / durch des Labans
zwischenkunft wieder gestillet / iedoch nicht gänzlich beigelegt wurde. Dieser /
ob er gleich / in seinem herzen / des Oromedons und seines anhangs Meinung
hielte / brache doch damit nicht heraus / sondern fiele den andren bei / die da
behaubteten / wie es unmuglich wåre /dass ihre unvergleichliche Königin ihnen
einiges unglück zuziehen könnte. Weil nun der aufrürische Oromedon / den Fursten
von Haran an sich zu ziehen / für höchst notig erachtete / als name er
gelegenheit / wie nun wieder der aufbruch geschehen / und die reise fortginge /
in des Labans geleite und gesellschaft zu bleiben: da er dann anhube ihm zu
erzählen / wie spöttisch man ihn neulich zu Samosata durchgezogen / da man ihn
und die seinen in einem spiele aufgefuret /und viel schimpfliches / sonderlich
was den geitz anbetrifft / von ihm gemeldet hätte; welches / weil der Laban
hierdurch sich getroffen fand / ihm sehr schmerzlich fiele / und keine geringe
verbitterung in ihm erweckte.
    Weil die meisten von den vornemsten / die sich auf dieser reise der wägen
bedienten / abgestiegen waren /und zu fus gingen / als kame Betuel mit seiner
Prinzessin eben dazu / wie Laban in der grösten entrüstung ware. Weist du / mein
sohn! (redete dieser ihn an) wie man neulich so wohl dich / als deinen vatter
/bei hofe hat herdurch gezogen / und unsere personen durch andere schimpflich
furgestellet? Ich bin zwar (antwortete Betuel) damals nicht zu Samosata
gewesen: ich weiss aber wohl / dass / bei furstellung des Jacobs und meiner beiden
schwestern / nichts fürgefallen / so uns verkleinerlich sein könnte. Man hat aber
(widerredte Laban /) wie ich verneme / nicht vergessen / auf das spottlichste
vorgestellt / die art und weise / wie ich den Jacob üm meine töchter dienen
lassen / und wie der geitz mich behersche. Das muss (gabe Betuel zur antwort)
der verfasser dieses reimgedichtes verantworten: und komet der hirte Ausicles
eben daher / der mehr / als ich / hievon berichten kann /weil bei ihm diese
unsere geschicht / in ein buch verfasset / ist gefunden worden. Also hatte
Betuel hiemit sich los gewirket / und den guten Ausicles seinen vatter auf den
hals gebracht: der gnug zu tun bekame / sich zu entschuldigen / dass er den
koniglichen personen dieses werk des poeten Belisars nicht versagen dorfen.
    Betuel spazirte nun mit seiner Prinzessin fürter /und vollfürete seine
angefangene erzehlung / wie es ihm auf der reise nach Ausitis ergangen ware. Er
verseumte hierbei nicht / ihr auf das beweglichste fürzustellen / wie ihr
verlust ihn angefochten hätte. Diese angeneme Prinzessin widersprache ihm
hierinn / und sagte: wiedass sie hiebei die geringste unruhe in ihm wurde erweckt
haben / weil er sie nicht allein / sondern auch ihre beide schwestern / geliebt
und gesuchet. Ob ich wohl dieses nicht laugnen kann / (erwiderte Betuel /) so hat
doch mein herz allemal mehr der schonen Kerenhapuch / als den andern beiden /
angehangen / und truge es mir der sinn zu / dass mir eure schöne zu teil werden
sollte. Wurdet ihr aber wohl (antwortete diese schöne) euch geweigert haben / wan
der König / mein herrvatter / euch / an meiner statt / die Kezia hätte zuerkennet
/ welches ja leicht geschehen mögen? massen es nur / menschlich zu reden / etwas
recht ungefäres ist / dass ich bin die eure worden. Meine schone Prinzessin (gabe
Betuel zur antwort) stellet mich so gar auf die probe / dass ich nicht weiss /was
ich antworten soll. Die gotter kennen aber mein herz / welches mir saget / dass
es / wider mein eignes wissen / die Kerenhapuch am meisten geliebt. Als er
dieses sagte / ümarmte er seine Prinzessin: die dann keine schwerigkeit davon
machte / ihme auch zu gestehen / dass sie allemal mehr sinn zu ihme / als zu dem
Elihu / gehabt hätte. Durch solche bekentnis /wurde die flamme dieses verliebten
noch mehr anglühet / und wusste er seine gluckseeligkeit nicht gnug zu rümen /
die ihm der himmel / nach so langem leiden /nun zugewendet hatte.
    Nachdem er in seiner erzehlung vorgebracht / wie sie zu Samosata / auf der
ruckreise / sich nach ihnen erkundiget / und im nachsehen die Aprite und Baalise
gefunden / berichtete er ferner / wie deren antreffung ihn bestürzt gelassen /
weil er der urheber ihrer entfürung nach Ausitis gewesen / und sie in
Mesopotamien wieder anzutreffen nicht vermeint. Die Prinzessin gabe ihm hierauf
zu vernemen / wie dass diese zwei schöne schäferinnen zu Ausitis nicht zurück
bleiben wollen / als sie von ihrem herrvattern wieder nach Mesopotamien gesendet
wurden: doch håtten sie dabei sehr ausbedungen / dass man sie ja heimlich halten
wollte / damit ihr verfolger / der Nahor / ihre wiederkunft erfahren möchte. Der
ungereimten liebe meines brudern zu steuren / (sagte Betuel /) ersonne ich
dieses mittel / sie hinweg zu schaffen: und wollte ich wohl nicht gerne / dass
meine liebste Prinzessin eine solche schwägerin bekommen sollte / die von
knechtischer geburt ist / und unsrem ganzen haus einen schandflecken anhången
wurde. Der Nahor war ihm so nahe / als Betuel dieses sagte / dass Kerenhapuch
nicht darauf antworten kunte: und gesellte sich dieser verliebter zu ihnen / üm
/ wo muglich / von seinem bruder zu erfragen / ob er nichts von seiner Aprite
wusste.
    Du sihest dich nun in der hochsten vergnügung /mein bruder! (redte er ihn an
/) und kanst den unterschied deines jetzigen und vorigen zustandes erkennen. Lass
demnach auch den meinigen dir zu herzen gehen / und da ich / der Königin
ausspruch gemås /unsrer eltern einwilligung erlanget / als verdenke mir nicht /
dass ich ferner in dich dringe / und von dir erfragen will / wo meine Aprite sei
hingekommen. Hat Laban und Semira / (antwortete Betuel /) darein gewilligt /
dass eine dienstmagd Furstin von Haran werde. Sie erkennen bässer / als du /
(sagte Nahor /) die würdigkeit der tugend / und dass diese der geburt weit
fürzuziehen sei. Frage den Teraphim noch einmal / (erwiderte Betuel /) dahin
wir iezt miteinander reisen / ob die Aprite soll dein werden: dann / ehe du
dessen versichert bist / wird dir ja nicht nützlich sein / dich nach ihr / wo
sie geblieben / zu erkündigen. Die schåferinnen Melidia und Eidania kamen indem
dazu / von denen die letzere dem Fürsten Betuel verwiese / dass er ihren mann
und seinen herrvattern zusammen gesetzet hatte: massen sie zugehöret / wie der
Fürst Laban dem Ausicles hart fürgehalten / wie er ursach daran wäre / dass man
seiner zu Samosata also gespottet. Der Betuel entschuldigte sich damit / wie
ihme nicht zu verdenken stünde / wann er sich befliesse /seiner neuen
glückseligkeit bei seiner Prinzessin abzuwarten / und das / was ihn hieran
hintern wollte /auf alle weise von sich zu schieben.
    Der betrübte Nahor ginge hierauf wieder von ihnen / die ihn so wenig
getrostet / und seine übrige hoffnung darauf setzend / dass er auf dem Taurischen
gebirge von seiner verlornen schäferin etwas erfragen würde / begleitete er die
Königin / bis an das feste schloss Amida: welches / mit der landschaft und der
stadt Amida gleiches namens / auf einem berge belegen / und von dem
schiffreichen flusse Tigris ümflossen war. Man hatte daselbst / für sie und die
furnemsten von ihrer geleitschaft / das ablager zubereitet: da die gesamte
hirtenschaar / auf den ümligenden wiesen sich behalfen / und gleich einen grossen
kriegsheer sich ausbreitend / ihre feldschalmeien die ganze nacht hindurch hören
liessen. Unferne von dar / ginge das gebiete des tempels an: in welchem kein
tier / auser was zum opfer gebraucht wurde / bei feierung dieses festes / sich
dorfte sehen lassen. Daher mussten alle wallfarten / von hier aus bis nach den
tempel / zu fusse geschehen / das dann fast eine gute halbe tagreise austruge. Um
des willen ward fur gut befunden / dass man mit dem tag so fort auf sein sollte /
üm diese wallfart desto bequemer zu verrichten.
    Wie nun die nacht vorbei / und die Konigin mit ihrer schönen gesellschaft
sich eben auf den weg begeben wollte / ward Mitreus bei ihr angemeldet: welcher
von dem Taurischen gebirge zurück kame / und nicht vorbei reisen wollte / sonder
einen befehl an seinen herrn von der Königin mit zu nemen. Sie liesse ihn / so
begierig / als unruhig / vor sich kommen und verlangte so sehr / seinen bericht
zu hören / als sehr ihr dafür grausete. Er / der wohl vermutete / dass der Konig
ihr dasjenige würde entdecket haben / wovon er bisher ein so grosses geheimnis
gemachet / entsezte sich nicht / als die Königin ihn fragte / ob der Tuscus
Sicanus vordeme / auf dem Riphatischen gebirge /ihm eine solche antwort gegeben
/ wie ihr der Konig ihr bruder erzehlt hätte? So wissen dann E. Maj. (antwortete
er /) was mir mein Konig bisher auszusagen so sehr verboten hat? Ich weiss es /
(gabe sie zur antwort /) vermeine aber nicht / dass Tuscus Sicanus fähig sei /
ohn gegebene ursach oder anleitung also zu reden. Was diesen König hiezu bewogen
/ (gabe Mitreus zur antwort /) ist mir unbewust. Weil nun dieses E. Maj. nicht
mehr verborgen ist / als bitte ich demütigst / mir zu vergeben / dass ich / bei
meiner damaligen wiederkunft / die unwarheit berichten müssen. Mein König wollte
es also haben / und vermeinte / es wurde der Aborigener-König noch auf andere
gedanken zu bringen sein: der aber / an statt das gröste gluck der welt anzunemen
/ inständig für seinen freund / den Konig Marsius von Basan / anhielte /dass deme
E. Maj. möchten zu teil werden; welches er eben so hoch achten wollte / als wan
es ihm selbst so gut worden wäre.
    Mitreus! (sagte die Konigin / und name alle ihre majeståt an sich / um ihren
ernst ihm sehen zu lassen) redet ihr die warheit / oder hat der Konig mein
bruder euch dazu erkauft / mich also zu teuschen? Verberget mir ja nicht den
grund / wie es hierüm stehet / und glaubt / dass ich des standhaften gemuts sei
/ die zeitung / von dem verlust so wohl eines tugendhaft-geglaubten liebhabers /
als eines getreuen brudern / anhoren und vertragen zu können. Wie? gnådigste
Königin! (antwortete Mitreus / mit grosser standhaftigkeit /) vermeinen dann E.
Maj. dass mein Konig fåhig sei /etwas zu ersinnen / das seinem liebsten freund
schädlich sein / und seine so werte schwester betrüben konne? Nein warlich! der
grosse Aramenes und alle dessen treue bediente sind bisher anders erkant worden /
und lasse mich der gerechte himmel nicht lebendig von hier gehen / wan ich E.
Maj. nicht reine warheit sage.
    Uber diesen bericht verstumte zu anfangs die Königin / die augen himmel-auf
wendend / und nachdem sie endlich sich erholet / sagte sie: Vergib mir dann
/werter Aramenes! dass ich von dir einen so unrechten verdacht gefasset. Ich
vermeinte nicht / dass Cimber dessen fähig sein könnte / was ich nun erfahren. Ich
will aber lieber / dass er sich gegen mir unbeständig erzeige / als dass mein
bruder aufhöre / der grosse Aramenes zu bleiben. Versichert dessen den Konig /
mein Mitreus! und saget ihm dabei / wie schwachgläubig ich gewesen / seinen
worten recht zu trauen. Nun ich dann dessen versichert bin / will ich nicht
ferner davor sein / dass dem König der Aborigener der krieg nicht angekündet
werde / weil er unsere freundschaft vor aller welt dermassen verlachen und
verhönen dörfen. Diese worte / welche die Königin aus einem billigen eifer
herfür brachte / bewegten sie so sehr / dass sie ganz feurig dabei aussehend
wurde: und ob zwar solche änderung / ihrer natürlichen schöne nichtes bename /
so machte sie doch ihr angesicht so furchtbar /dass Mitreus sie ohn erzittern
nicht anschauen kunte. Er verhiesse ihr aber / alles / was sie ihm befohlen / zu
Samosata fleissig auszurichten.
    Wie sie nun ferner nachricht begehrte / was er auf dem Taurischen gebirge
für einen zustand gefunden hätte / gabe er ihr nachfolgendes zu vernemen. Es
sind nunmehr fünf tage / dass mein herr / der Konig /von Samosata nach dem
Taurischen gebirge mich abgeschicket / um daselbst geheime kundschaft
einzuziehen / ob das geruchte die warheit rede / dass die König von Basan und der
Aborigener / mit den riesen / sich daselbst aufhielten / und was dieses
eigentlich bedeuten mochte. Weil ich nacht und tag forteilete /üm wieder bei
meinem herrn zu sein / ehe E. Maj. hieher sich verwandelten / als kame ich in
zwei tagen auf das gebirge. Ich hielte mich ganz heimlich und verborgen / um
nicht vor einen kundschafter angesehen und erkant zu werden / und fand in der
tat / dass das ganze gebirge mit Celten / Aborigenern und riesen angefüllet war.
Mein Glück furete mich zu dem Batto / einem von den furnemsten Aborigenern / mit
dem ich vordessen auf dem Riphatischen gebirge / ehe ich die ungluckliche
gesandtschaft verrichten musste /in vertrauliche kundschaft geraten ware. Dieser
gabe mir bericht von vielem / wiewol er / die eigentliche haubt-ursache ihrer
versammlung / und was sie mit den riesen fürhätten / mir nicht eroffnen wollte.
Ich erfuhre aber von ihm / dass sie / die Aborigener / neben einem teil deren von
Basan / und der Mesopotamischen hirten aus dem geschlechte der riesen /
furhabens wåren / die heurat zwischen E. Maj. und dem Tuscus Sicanus / zu stande
zu bringen.
    Nimmermehr (fiele alhier die beleidigte Konigin /dem Mitreus in das wort)
soll dieses geschehen! worauf sie sich aber wieder begriffe und den Mitreus also
fortreden liesse. Der Batto sagte mir auch hierbei /wiedass die andere hälfte der
Teutschen aus Basan /die auch etliche von den hiesigen riesen an der hand håtten
/ hingegen sich bearbeiteten / E. Maj. fur ihren Konig / den grossen Marsius /
zu erlangen: welcher für seine person / mit der häftigsten liebe und tiefsten
betrübnis fortfüre / E. Maj. zu verehren. Es hätte aber einer von des Tuscus
Sicanus vertrautsten leibärzten /den er mir Midaspes nennte / ihm die
versicherung getan / dass ihr König nunmehr sein gluck bässer / als bisher /
erkennen / und die angetragene heurat belieben wollte. Ich erfuhre ferner von
ihme / welcher gestalt diese änderung bei ihrem König sich verspüren lassen /
dass er / mit dem Daces / des Prinzen Trebetes sohn / vor wenig tagen auf dem
gebirge bei ihnen angelanget / und von dar / unwissend wohin / bisher verreiset
gewesen / üm die jenige schonheit noch einmal zu sehen / die er / ob sie schon
verheiratet / dennoch bis iezt hätte lieben mussen.
    Sonder zweifel (sagte die Konigin) ist er nach Babel gereiset / um die
Konigin Hercinde zu sehen: und gaben mir nun alle ümstände klar zu verstehen
/dass bei dem Tuscus Sicanus seine ehmalige liebe wieder aufgewachet / die er
vordeme in Celten zu dieser schonen getragen hat. Warüm musste aber ich also
aufgefüret werden / und diesen schimpf erleben / dass man sich vor aller welt
weigerte / mich zu ehlichen /deren man so ungemeine proben einer wahren /
beständigen und aufrichtigen liebe erwiesen hat? Ha /Cimber! dieses hat Aramena
üm dich nicht verschuldet / die ich deinetwegen den tron von Basan und das
mächtige Celten ausgeschlagen / ja gar / üm dir beständig zu bleiben / mein kron
und zepter habe wollen fahren lassen. Alhier verstummete diese schone / und
quollen ihr häufig die tränen aus den augen: da ihr dann die angst üm so viel
nåher ginge / weil der Mitreus diese ihre schwachheit mit ansah. Ich bin ein
mensch / (sagte sie zu ihm) und den bewegungen / so wohl als andere /
unterworfen. Ich habe auch / meine lebenszeit hindurch / nicht gemeine
widerwärtigkeiten ausgestanden / und solche noch mit zimlicher standhaftigkeit
können überwinden / dieses dünkt mir aber zu schwer zu sein / dass ich muss meine
ehre also verkleinert wissen / als hätte ich einen mann geliebt /der meiner
nicht begehret. Jederman weiss ja oder kann leicht ermessen / dass der König / mein
bruder / die abschickung an den Tuscus Sicanus / sonder meine einwilligung /
nicht getan hat: muss also die ganze welt diss urteil fällen / dass Aramena sich
verliebt habe. Nichtes habe ich iemals mehr gehasset / als so eine nachrede:
darum greifet mich Gott daselbst an /wo es mir am wehsten tut. Ach Cimber!
warüm mustest du mich von den leuen / ja gar von dem scheiterhaufen erretten /
um diesen viel grausamern tod mir anzutun / der meine ehre so sehr
mit-verwundet.
    E. Maj. erlauben mir / (sagte Mitreus) etwas hiergegen zu sagen. Die
unbedachtsame antwort des Königs der Aborigener / die er mir gegeben / wissen
/auser E. Maj. meinem König / und wem der es sonst mag eröffnet haben / allein
etliche Aborigener / die in ihres Königs geheimster vertraulichkeit leben. Wan
demnach der reuende Tuscus Sicanus wieder ümkehrte / wie Batto dessen mich
versichert / so täten ja E. Maj. nicht übel / wan sie sich überwänden / diesen
Konig wieder anzunemen? Schweiget / schweiget /Mitreus! (fiele ihme alhier die
Konigin in die rede) es ist genug / dass ich es weiss / und kann keine reue das
ersetzen / was mir dissfalls zu leid geschehen ist. Aber faret fort / mit eurer
erzehlung! es ist zeit / dass ich von hinnen aufbreche. Als mir der Batto (sagte
Mitreus) das besagte hinterbracht / verlangte ich seinen Konig in geheim zu
sprechen. Was habt ihr getan? rieffe alhier die Königin. Ich bin aber nicht
darzu gelanget / (fuhre Mitreus fort) und sagte mir Batto / dass selbiger /
gleich nach seiner ankunft / weit in das gebirge hinein / zu dem jungen Konig
von Tyro / und dem Esau / die sich mit etlichen der Syrischen Fursten und
Fürstinnen daselbst befänden / verreiset wäre /üm dieselben anzusprechen. Es
ware auch der Marsius / König von Basan / nirgend zu sehen / welcher noch vorher
/ ehe der Aborigener König mit dem Baalis und Daces auf das gebirge gekommen /
wie Batto mich berichtet / von seiner hofstat sich heimlich hinweg gemacht
håtte. Ein mehrers / als dieses / kunte ich aus dem Batto nicht bringen. Weil
ich hierneben die grosse kriegsbereitschaft sah / und zugleich warname / dass
sie viel zu raht gingen / dauchte mich es zeit zu sein / meinen König hiervon zu
berichten: dann es wohl nicht anders ist / als dass wir hiebei grosses anteil haben
/ und also mehr als wohl befugt sein werden / uns in schleunige gegenverfassung
zu stellen. Ich beklage zum hochsten / dass ich die zeit verseumet / und meinen
Konig nicht mehr bei E. Maj. angetroffen: dann ich auf solchen fall verhoffet /
dass eher / als nun / ein nützlicher schluss hätte konnen getroffen werden / wie
man bei solchen anscheinenden dingen sich regiren und bezeigen wolle.
    Wan gleich mein bruder / (sagte hierauf die Konigin) hierzugegen wäre / so
wurde ich doch keinen anderen schluss als diesen fassen / dass ich nämlich weder
den Tuscus Sicanus / noch den Marsius / noch iemals einigen andern / zu ehlichen
begehren / und dass / wan es zum kriege kommen soll / ich mit freudigen mute /
denselben wider die Aborigener zu furen /mich entschliessen würde. Dieses saget
meinem bruder / berichtet auch ihn und die Konigin seine gemalin dabei / dass sie
ja meinetwegen ihnen nicht zu viel sorgen machen sollen: weil ich / nächst der
hulfe Gottes / dieses widrige / so wohl als alles vorige / zu uberstehen
verhoffe; ob ich wohl nicht leugne / dass dieses das härtste ist / so ich iemals
entfunden habe. Hiemit hatte Mitreus seine abfärtigung / und weil diese
unterredung heimlich lang gewäret / als machte es bei den anderen allerhand
nachsinnen: sonder / ich bei den richtern / die immer in argwahn lebten / dass
die entdeckung ihrer anschlåge zu zeitig geschehen möchte.
    Hierauf ginge nun die wallfart nach dem tempel fort / und sahen alle / die
üm die Königin waren / dass ihre betrubnis ungemein sein müste / weil die aus
allen ihrem tun und wesen herfür schiene. Sie liesse sich aber dadurch nicht
hintern / auf das höflichste denen zu begegnen / die nach und nach ihr entgegen
kamen / sie einzuholen und zu bewilkommen. Die ersten von ihnen waren / die
hirten selbiger gegend / aus der landschaft Abagara / alle von dem
riesen-geschlechte der Horiten / von deme sich der verweser Demas auch
herrechnete / auch meistenteils stolze aufwieglerische leute / und daneben auf
den dienst des Teraphim dermassen verpicht / dass sie eher ihr leben gelassen /
als wider dessen ehre etwas hätten beschehen lassen. Weil sie schon von den
richtern / und von den ubelgesinnten hirten aus Amida / waren unterrichtet
worden / wie ihre neue Konigin einen viel andern gottesdienst ergeben wäre / als
verursachte solches /dass sie dieselbe kaltsinniger entfingen / als wohl sonst
geschehen wäre / ob sie gleich allerseits uber ihrem wunderglanz und erweisender
güte enzücket blieben.
    Wie nun diese / bei dem ton ihrer feldmusik / ihre Königin also daher
begleiteten / erschienen alle priesterinnen des tempels / in ihrer geistlichen
kleidung /die sonst / auser diesen sonderbaren fasttägen / ståts verschlossen
lebten / und sich nie sehen liessen. Unter diesen ware Tilidea / des
Oberpriesters tochter / die die Amphilite der Königin zeigte. Es befanden sich
auch daselbst die Briane und Zimene / die beide jungfrauen des Diana-tempels zu
Ninive: die sich unter diesen orden / seitdass ihr tempel abgebrant / begeben
hatten. Sie entfingen die Aramena mit einem gewönlichen gesang / darin sie die
göttin Gad anrieffen / dass ihrer Konigin ankunft ihnen gedeulich erscheinen
möchte. Sie gingen also singend vor der Konigin her /bis sie der weg zum ersten
tempelbau fürete / alda beim eingange dieses prächtigen gebåudes / der
Oberpriester Telecles mit der gesamten priesterschar / sich sehen liesse: welcher
von Samosata füraus gereiset war / üm alhier die Königin zu entfangen.
    Er verrichtete solches mit einer zierlichen rede /und begleitete sie
folgends / samt dem ganzen heer /zu denen auf einen weiten platz aufgerichteten
altären: da man die Königin auf einen dazu bereiteten tron furete / üm /
inzwischen die opfere der schäfere und hirtinnen geschlachtet wurden / daselbst
auszurechnen. Weil neben ihr / die drei schone Prinzessinnen von Ausitis / wie
auch die Fürstin Lea / der Furst von Ram / der hirte Ausicles mit seiner frauen
und schwester / rechtglaubige waren / als blieben diese zusamen bei ihr / und
opferten nicht mit: dass dann / bei den aufmerksamen priestern / und den riesen
aus Abagara /keinen geringen verdrus erweckte. Es waren auch hiebei viele aus
dem reich Zoba / so wohl unter den priestern / als unter den hirten / die
daselbst sich wonhaft niedergelassen: die dann insonderheit auf die drei tochtern
des Hiobs sich verbittert erwiesen / weil die ältste von ihnen / wiewol
unschüldiger weise / den tod ihres Erbprinzens verursacht hatte. Damit aber die
Königin des volkes gewogenheit hiebei behielte /liesse sie / durch dem Ausicles /
etliche tausend schafe einhandlen / die daselbst in unzahlbarer månge zum opfer
zu gebrauchen / von den schäfern verkauffet wurden / und hiesse ihn solche unter
die arme hirten austeilen.
    Weil diese opferungen etliche stunden wäreten / als suchten die drei
Prinzessinnen / neben der Lea und dem Fürsten Elihu / immittels ihren
zeitvertreib darin / dass sie alle die ordensjungfrauen oder priesterinnen des
Teraphim / aus ihren gesicht-bildungen beschrieben / wie sie gesinnet oder
genaturet wären: dass dann / nach aussage der beiden hirtinnen Melidia und Eidania
/ denen die meiste bekant waren / sehr eigentlich und wohl zutraffe. Die schone
Aramena / die dieses von ihrem tron wargenommen / wollte / um ein wenig ihrem
trauren zu steuren / hiervon ein mehrers vernemen: demnach rieffe sie ihnen /
dass sie näher zu kommen / und diese kurzweil in ihrer gegenwart fortsetzen
sollten. Es hatten sich die priesterinnen unferen von ihnen / in eine ordentliche
reihe gestellet: die sungen immer fort / unter dem opfern / daher man / sie zu
beschauen / gelegenheit gnug hatte. E. Maj. können erforschen / (sagte Jemima)
ob unsere wissenschaft richtig sei / weil so wohl die Furstin Lea / der Elihu und
diese beide schåferinnen / als deme alle diese priesterinnen bekant sind /
urteilen mögen / ob wir zugetroffen haben.
    Jene / (sagte sie ferner) die keine geringe schonheit von sich blicken
lässet / ist so gütig von äuserlichem wesen / als neidisch dabei im herzen. Sie
scheinet viel verstand zu haben: sie verderbet aber denselben / mit ihrer
rumredigkeit. Sie ist auch nicht wenig voll einbildung und argwahn: daher sie
alles zum årgsten /selten aber etwas zum guten deutet. Sie unterlässet hiebei
nicht / guttätig zu sein / und / wo sie / treue zu erweisen / ihr vorgenommen
hat / hält sie ja so beståndig daran / als unbeständig sie sonst ist / wan sie
meint  / dass es ihr båstes erfordere. Schon genug erraten! (finge die Lea an)
und wüste ich wohl nicht / wie man diese frau båsser beschreiben konnte. Die neben
dieser stehet / (fuhre Jemima fort) und / wiewol sie noch jünger als die vorige
scheinet / dannoch fast wenigern glanz von sich gibet / hat gar keinen verstand
/aber grosse rumredigkeit. Sonder lügen / von denen die meisten fast boshaftig
sind / wird sie selten anzutreffen sein. Sie ist im hochsten grad unbarmherzig;
und feindet niemand mehr an / als gegen welche sie die gröste verbindlichkeit
hat. Sie beneidet und verachtet alles / was ihr nicht angehöret: erhebet
hingegen in den himmel / was ihr zukommet. Sie eifert über ihre nächsten / nicht
allein in weltlichen / sondern auch in geistlichen dingen: also dass sie nicht
leiden kann / dass ein andrer gottsfurchtiger gepriesen werde /als wie sie selbst
gern scheinen wollte. Sie kann ihren geitz nicht sättigen / und um eigennutzes
willen / alle ihre freunde / auch die liebsten / verlassen. Sie ziehet die
ungemächlichkeit aller ruhe fur / wan es ihr båstes erfordert / wiewol sie sonst
sehr gemächlich ist / und solches oft allem wolstande fürziehet. Es ist nicht
müglich / (sagte Lea) meine Prinzessin muss diese person ganz genau kennen: weil
/ in dieser beschreibung / deren ganzen lebenslauf warhaftig begriffen ist.
    Es ist heute das erste mal / (antwortete Jemima) dass ich alle diese personen
sihe / und gibet mir die äuserliche bildung ihrer gesichter / wie auch ihre
gebärde / zu erkennen / was ich von ihnen berichte. Wie ist dann wohl diese
untersezte kleine person gesinnet /(fragte die Königin) die so schone schwarze
augen hat / und eine sonderbare annemlichkeit von sich scheinen låsset? Auf E.
Maj. erlaubnis / (antwortete Kezia) will ich dieselbe beschreiben. Es ist dieser
ihr sinn so hoch / und eitel / dass / wie sie noch weltlich gewesen / sie ihre
groste ergetzlichkeit darin gesuchet / fur allen andern / in kostbaren
kleinodien und herrlichen kleidern daher zu prangen. Es manglet ihr dabei nicht
an rumredigkeit: und ob sie gleich sich demütig stellet / will sie doch gerne
uber alle andere geehret sein. Sie ist ein wenig unbeståndig / und weil sie
gerne grosspricht / kann sie nicht allemal die warheit reden. Hiebei hat sie aber
auch viel gute geschicklichkeiten /und ist nicht unverständig: daher sie nicht
wenig der leute gute gunst gewinnen kann. Dieses letzere / (erwähnte die Konigin)
finde ich schon wahr zu sein /massen ich in mir selbst füle / dass ich zu dieser
eine sonderbare neigung trage. Es ist auch das erste so warhaft getrofen /
(sagte Eudanie) dass ich / die ich diese priesterin wohl kenne / sie nicht besser
zu beschreiben wusste.
    Sind dann / (fragte die Konigin) unter diesen geistlichen keine ohn solche
haubtmångel / zu finden? Dort stehet eine / welche ein feines angesicht und
frommes wesen hat: sollte die auch wohl etwas bergen / das die åuserliche gestalt
nicht an den tag gibet? Ist mir eine iemals (gabe Kezia zur antwort) fürgekommen
/ die ich habe mussen böse erkennen / so ist es diese. Ich wollte auch wohl
behaubten / dass sie nicht eifrig von sinnen / sondern auch sehr verliebter art
sei / und / so erbar sie scheinet / dannoch nicht immer von der liebe sei frei
geblieben. Sie scheinet dabei freigebig zu sein / auch wohl über ihr vermögen.
Sie ist sehr heimlich in ihren sachen / und ihren freunden sehr getreu. Warlich!
(sagte Elihu) ich fahe schier an / schönste Prinzessin! mich für euch zu
furchten / weil ihr erweiset /dass ihr fast allwissend seit. Es verhält sich mit
dieser person allerdings also / gnädigste Konigin! wie die schöne Kezia
berichtet: und wer diese priesterin / in ihrem weltlichen stande / wie ich /
gekennet / wird müssen gestehen / dass sie nach allen farben abgemalet sei.
    Weil ihr mich / mein Elihu! (antwortete Kezia) fur so allwissend haltet / so
konnet ihr ja auch leicht erachten / dass ich euch kennen müsse / und folgbar wohl
wisse / dass eure vorgegebene furcht in einer herzlichen liebe bestehe / damit
ihr eure Kezia beehret. Für diese verbindliche worte / kunte der verliebte Elihu
sich nicht entbrechen / seiner Prinzessin ohn unterlas den rock und folgends die
hände zu kussen / und sagte die schone Kerenhapuch zu ihr: wie glücklich bist du
doch / für uns beiden! da Jemima ihren Sinear gar nicht / ich aber meinen
Betuel nicht anders / als mit verdrus / bei diesem götzenopfer / schauen kann.
Was meinen bruder betrifft / (antwortete Lea / an statt der Kezia) so versichere
ich die schönen Kerenhapuch /dass er bald dieses abgöttische wesen verlassen soll.
Und Jemima / (sezte die Königin dazu) kann ihres Sinears abwesenheit auch um so
viel leichter ertragen /weil sie weiss / dass er nun um so viel fleissiger /indem
er allein ist / sich in dem wahren gottesdienst unterrichten lässet / auser
welchem er sein Prinzessin nicht begehren darf. Ich bin doch die glücklichste
von euch allen / (erwähnte Kezia) weil ich das schon habe / worauf ihr andere
noch hoffen müsst.
    Ich gedenke iezt (sagte die Königin) an meiner basen sonderbare wissenschaft
in verborgenen dingen: welche aber doch zuweilen triegen muss. Ich besinne mich
ja / dass man mir erzählt / wie ein grosses unglück / das euch / wan ihr in
Mesopotamien bekant leben wurdet / gedrohet / euch bewogen / zu Abarne /und
nachgehends zu Sarug / verborgen zu bleiben: da doch nun / dieses besorgte
unglück / zu so glücklicher ånderung ausgeschlagen / dass ihr nicht sobald in
Mesopotamien bekant worden / da habt ihr auch euch wunsch-vergnügt gesehen.
Diesem ist freilich also /(gabe Jemima zur antwort /) und wollte auch der Konig /
unser herrvatter / sich gar nicht daran kehren /als unsere mume / dieses
längst-gesehene ungluck zu verhüten / unsere hieherreise sehr wiederriete /
massen er / solches fur eine sünde achtend / uns der aufsicht des starken Gottes
/ der über die gestirne regiret / und nicht an deren einflüsse oder anzeigungen
gebunden ist / anbefohlen / und hat es sich / zu unser aller vergnügen / nun
also ausgewiesen. Es ist aber doch nicht ohne / (sezte Kerenhapuch hinzu) dass
uns noch was gross-widriges drohet / es mag auch kommen /wan es wolle. Ich lebe
aber dabei wolgemut / weil ich versichert bin / wir werden / mit des hochsten
hulfe und beistand / uns daraus wicklen konnen. Die Prinzessin Calmana / (sagte
Kezia) name deswegen / mit tränen und grossem leidwesen / von uns abschied: weil
sie sicherlich glaubte / wir würden in das gröste unglück geraten / und darin
zu boden gehen. Die gestirne (versezte Jemima) sind zwar hierinn mit der Calmana
einig: ich weiss aber gewiss / weil wir keinen glauben daran haben / es werde uns
dieses alles / so uns drohet / nicht schaden konnen.
    Lasset uns vielmehr (sagte der verliebte Elihu) unsere vorige verrichtung
wieder fürnemen / als von diesen furchtbaren dingen reden! Und eröffnet mir doch
/werteste Kezia! wan es euch beliebet / ob ihr mir wohl könnet sagen / wie jene
priesterin gesinnet sei / die da fast über alle die andere / wegen ihrer länge /
herfurraget / die auch / ob sie gleich nicht zum vollkommensten gebildet /
dannoch nicht unterlässet / schön zu scheinen. Dieses äuserliche scheinen /
(antwortete Kezia) zeigt das innerliche gemüte an / welches von sonderbarer
tugend und heiligkeit leuchtet / ob es gleich im grund viel anders mag damit
bewandt sein. Sie hat den ruff von einer sonderbaren klugheit / besitzet dabei
aber mehr åuser- als innerliches / und redet lieber boses als gutes von andern:
wiewol sie ihre worte allemal also zu kehren weiss / dass sie den schein einer
sonderbaren andacht behalten möge. Weil sie sich fur sonderlich klug hålt /
geht solches ohne falschheit nicht ab / die sie dabei zu gebrauchen für nötig
erachtet. Sie weiss sich in allerlei sinne zu schicken / tritt aber zu zeite über
die weisheit hinaus /also dass sie darum fur töricht angesehen wird. Ihr wesen
stehet nicht jederman an / weil sie / ob sie gleich bemühet ist / sich beliebt
zu mache / eher eine furcht und abscheu den leuten einjaget. Prinzessin! (sagte
Elihu) ich kenne diese priesterin von jugend auf / kann aber hoch beteuren / dass
ich sie nicht kentlicher håtte wissen furzubilden / als ich iezt angehöret.
    Auf solche weise / (erwähnte die Königin) findet sich / unter diesem grossen
haufen / noch keine / die nicht ihre merkliche mängel habe / und mochte ich wohl
auch eine gute beschreiben horen. Es werden wenige leben / (antwortete Lea) die
/ wan man sie genau betrachtet / nicht ihre mångel haben. Weil aber E. Maj. eine
gute beschreibung vernemen wollen / so wird diese / die jezt hieher sihet / und
das lichte haar hat / dazu anlass geben konnen. Wer die Eidanie kennet / (sagte
Jemima) der kennet auch diese priesterin /und sind diese beide von sinnen
einander so gleich /als wan sie schwestern wåren. Es ist / in ihnen beiden /
eine wahre ungefärbte Gottesfurcht: ob gleich diese priesterin den rechten Gott
nicht erkennet. Sie sind rechtfärtig in allem ihrem tun / auch so gar / dass sie
deshalben von denen / die sie nicht recht kennen / für bose gehalten werden.
Aufrichtigkeit / milde und erbarmen / erscheinet in allen ihren taten. Und ob
sie gleich etwas argwänisch / so sind sie es doch nicht /andern zu schaden /
sondern sich für andern furzusehen. Es wonet in ihnen / eine klugheit / sonder
aufblasen. Wan sie einmal betrogen worden / trauen sie hernach nicht leichtlich
wieder: ehe sie aber den betrug erkennen / trauen sie oft all zu bald / und
vermeinen /die ganze welt sei so ehrlich / als wie sie sind; daher sie oft
selbst ursach sind / dass man sie teuschet. Worauf sie ihre begierde fallen
lassen / das wollen sie haben: entfehlern aber damit ihren lüstrenden sinn /dass
sie niemals etwas böses begehren / oder was zu verlangen nicht erlaubet ist. Sie
sind in dem fall unglucklich / dass sie dessen beschuldigt werden / was sie von
andern erleiden mussen: daher sie öfters / an statt dass sie die beneidete sind /
die neidere selbst genennet worden.
    Meine Prinzessin vergisset sich / (fiele ihr die schåferin Eidania in die
rede) indem sie hiervon so viel worte verlieret. Wie jene priesterin von gemut
und sinnen sei / solches will ich nicht verfechten: von mir aber weiss ich wohl /
dass meine Prinzessin mehr aus der freundschaft / die sie auf mich geworfen / als
aus dem sternen-himel / geweissaget habe. Wann ich demnach von der schonen
Jemima hinwieder eine beschreibung machen dorfte / so wollte ich sagen / dass sie
keinen mangel habe / als nur diesen / dass sie zuweilen auch die freundschaft
sich blenden lässet. Wann ihr / werte schäferin! (antwortete diese Prinzessin)
auf den himmelslauf und auf die gesicht-beschreibung / euch verstündet / würdet
ihr viel ein mehrers an mir finden / das mir fehlet.
    Als Eidania dieses wieder beantworten wollte /ward sie durch die Konigin
daran verhintert: welche so wohl iezt / auf diese gute beschreibung / als vorher
schon / eine sonderliche huld auf diese hirtin geworfen hatte. Demnach verlangte
sie von ihrem und der Melidia zustand / mehrere wissenschaft / und fragte sie /
woher sie wären? weil sie nicht dünkte / dass rechtglaubige unter den
Mesopotamiern sich befinden konten. Wir sind Canaaniter / (antwortete Eidania)
und haben nicht allemal im schåfer-stand gelebet. Der Hebreer Furst Isaac / hat
uns zum rechten Gott bekehret; und das verlangen / das übrige unsers lebens in
stiller ruhe zuzubringen / machte uns / für etlichen jahren / unser vatterland
verlassen: welches uns dann wohl geglücket / indem wir dadurch unter eine so
gewunschte regirung geraten sind. Diese wenig worte brachte sie mit solcher
annemlichkeit für / dass die Königin damit ganz wohl vergnügt bliebe.
    Sie erblickte indem / unter den haufen der priesterinnen / eine / die der
schonen Melidia in etwas gliche: daher sie anlass name / auch nach dieser
schäferin gemüte zu forschen / und die Prinzessin Jemima zu fragen: ob sie /
zwischen der Melidia und dieser priesterin / auch eine solche änlichkeit des
gemuts / als wie in der åuserlichen gestalt / fände? Auf alle weise! (antwortete
Jemima) und weil ich sehe / dass es E. Maj. zu wissen verlangen / als sage ich /
dass diese beide eine so schöne seele / als die åuserliche zierde ist / besitzen.
Sie sind verståndig / halten aber damit sehr zu rücke. Es ist bei ihnen eine
besondere blodigkeit / die sie eines stolzen geistes beschuldigt / den sie doch
nicht haben. Es ist ihnen üm der leute gunst zu tun / ob sie sich gleich
åuserlich nicht darnach bemühen. Sie sind / von natur / lustig an sinnen / so
erbar sie auch von ausen scheinen. Sie erkiesen ihnen wenig freunde: die sie
aber haben / die halten sie lieb und wert. Man kann sie eher karg / alt
verschwendisch nennen. Was Melidia angehet / sollte sie wohl ein wenig noht von
der eifersucht haben / wan ihr der himmel wieder einen mann geben wollte. Trifft
dieses auch ein / schöne hirtin! (fragte die Konigin die Melidia) was unsere
profetin von euch geweissaget? Es ist fur mich (antwortete Melidia) gar zu
vorteilig gesprochen worden: ohne was das lezte betrifft / dass ich so wenig mehr
nötig zu haben / als damit behaftet zu sein / vermeine. Jemima raunete hierauf
der Melidia etwas ins ohr / welches dieser schäferin eine rote ausjagte.
    Weil es nun das ansehen gewinnen wollen / als ob /die gleichheit der
åuserlichen gestalt / allemal auch einerlei gemute anzeigen müste / wie solches
aus den beispielen der Melidia und Eidania mit den ihnen gleich-sehenden
priesterinnen / erhellet: als wurde die Königin hierdurch bewogen / von der
Prinzessin Jemima zu begehren / dass die ihr noch eine priesterin beschreiben
sollte / die sie ihr zeigte / und von der sie sagte / dass sie einer person zu
Babel gliche / deren gemütsneigung gar sonderlich gewesen wåre. Als nun die
Prinzessin selbige priesterin eine weile beschauet /sagte sie endlich: diese
person ist die ehrlichkeit selber / und ob sie wohl etlichen närrisch von wesen
oder leichtsinnig vorkommen möchte / so ist sie doch recht verståndig und
ehrlich. Sie ist zugleich lustig im höchsten grad / und auch so traurig
dazwischen / als man sein kann. Ob sie gleich etwas einbildert / so kann sie sich
doch bald wieder überwinden. Es mag wohl keine gefunden werden / die eine so
treue freundin /als sie in der warheit ist / abgeben konnte. Nicht das geringste
von dieser beschreibung / (sagte die Königin /) trifft mit dem überein / was ich
von meiner Babylonerin weiss: dann die ist nårrisch / leichtsinnig /plauderhaft /
und ganz alber / also dass ihr nichtes zu kommet von allen den stücken / die ihr
dieser priesterin zugeleget. Hieraus erhellet nun / dass nicht allemal das
innerliche mit dem äuserlichen eine gleichformigkeit habe.
    Wann aber (sezte Elihu hinzu) aus den äuserlichen linien das urteil zu
fällen ist / so würden wohl meine schöne Prinzessinen nicht fehl-schlagen / wann
sie diese Babylonierin beschreiben sollten. Es verhålt sich anderst hiemit /
(antwortete Kezia) und pflegen wir unsere anmerkungen nicht hieraus allein /
sondern auch aus den gebärden und aus einen gewissen natur-wesen zu nemen / dass
man anderen / die diese wissenschaft nicht haben / unmüglich bedeuten kann / und
das bei gleich-sehenden personen / dennoch unterschieden ist. Haben dann (fragte
Lea) die / so der Eidanie und Melidia gleichen / alle gebärden und das
unbedeutliche wesen mit ihnen so gar gemein / dass sich zwischen ihnen nicht der
geringste unterschied finden sollte? In vielen stucken / (gabe Jemima zur
antwort) ist die gleichheit zwischen ihnen nicht vollkommen: dann die / so der
Eidania gleichet / ist bösser von sinnen / als sie / vergibet auch nicht so
leicht das ihr zugefugte unrecht; und ob sie wohl auch sehr ehrlich / so beeifert
sie doch nicht mit solchem ernste die leichtfärtige personen / wie Eidania tut
/ die nichtes mehr hasset / als solche leute / die der unzuchtigen liebe
nachgehen. Die Melidia betreffend / so hat auch dieselbe mehr verstand / als die
ihr gleichende priesterin / bildet ihr auch nicht so leicht etwas widriges ein
/als jene / sondern trauet gerne / und ist erbar / auch fast mehr / als ihre
noch junge jahre von ihr erfordern. Dort sehe ich noch eine / (finge hierauf die
Konigin an) die möchte ich mir auch wohl beschreiben hören. Als sie nun der
Jemima selbige gezeiget / stellte die von ihr folgendes urteil. Diese ist
tugendhaft / und ihren freunden getreu / wann es ihr übel geht. Gehet es ihr
aber wohl / so ist sie der änderung sehr unterworfen / und vergisset leichtlich /
was ihr ehmals fur gutes widerfahren. In ihrer Meinung ist sie sehr hartnåckig /
und kann nicht wohl schweigen: daher sie ihr öfters / mit ihrem eignen maule /
ungluck anrichtet. Wie ist es müglich / (rieffe Elihu / der diese priesterin wohl
kennte) dass man also / durch das äuserliche / in das innere sehen kann?
    Als Jemima hierauf antworten wollte / wurde sie /durch die ankunft der
vornemsten hirten selbiger gegend / davon abgehalten: welche / weil die opfere
nun geendigt waren / von der Konigin zu vernemen kamen / ob ihr gefällig wäre /
ihr ablager bei den priesterinnen zu nemen / und von dar / den folgenden tag /
in des Teraphim tempel sich zu begeben / üm alda dem grossen ausspruch / den
diese gotteit alle jahre den Mesopotamiern auf diesem feste zu geben pflegte
/bei zu wohnen? Wie nun die Königin sich hierzu willig finden liesse / ward sie
auch von den furnemsten priesterinnen aufgesprochen / und folgends / von der
ganzen schaar dieser geistlichen jungfrauen / in deren palast begleitet. Dieses
grosse und pråchtige gebäude / stunde zur linken seiten des tempels / und war so
weitläuftig / dass es alle anwesende hirtinnen die nacht bewirten kunte: da
gleichwol die priesterinnen ihre absonderliche verschlossene wonung für sich
behielten. Die Syrische Fürsten und die schåfere / verfügten sich in des
Oberpriesters palast / der auf des tempels andrer seite lage / üm gleichfalls
alda zu ubernachten. Die Königin fand / in der gesellschaft dieser
priesterinnen / viel dings / dass mit dem übereinstimte / was die Prinzessinnen
von Ausitis ihr zu vernemen gegeben håtten.
    Wie sie aber / gegen die nacht / allein sein kunte /überdachte sie ruhiger /
zu beforderung ihrer unruhe /alles das jenige / so ihr der Mitreus erzählt: und
wurde sie immer verwirrter / ie mehr sie solchen dingen nachsonne. Weil der
helle mond ihr gönnte / dass sie wie bei tage sehen kunte / als forderte sie von
der Amphilite / die bei ihr in der kammer schlieffe / ihr kåstlein / darin sie
des Cimbers reimschriften aufbewahret hatte: welche sie / eine nach der andern /
herfür name / und durchlase. Das erste / so ihr in die hände geraten / ware das
/ so er auf ihr bildnis gemachet. Ach treuloser Cimber / (sagte sie) du meldest
hierinn / als hätte ich dir deine freiheit gebeuget: welches ich nun bässer /
als vordem / verstehen kann. Weil ich deinen sinn gebogen / aber nicht gebrochen
/ also hast du nun deine freiheit völlig wieder genommen. Hierauf kame ihr vor
gesichte / was er auf die wahre liebe und treue freundschaft gereimet. Ja wohl
(sagte sie) hast du frömd geliebt / und brauchest nur gar zu viel deiner
vernunft / die dir den namen eines wahren freundes / aber nicht eines liebhabers
/ låsset. Wie ihr ferner die reimen mit der überschrift / Beweis / das er häftig
liebe / in die hand kamen / sagte sie: du leugest / Cimber / du leugest! du hast
niemals häftig geliebt. Hierauf durchlase sie ferner seine klage / dass er
lieben musse / und nicht lieben könne; und als sie auf die worte kam / wie er
bei sich selbst gestritten / ob ihm das leben oder der tod zu kiesen sei /
brache sie in diese worte heraus: Ach! warüm bist du nicht gestorben / als du
diese reimen gemacht! so wäre ich der beschimpfung uberhoben geblieben / die mir
nun dein leben verursachet. Oder warum lebe ich noch / und zwar durch deine
hülfe / da du mich aus den flammen rissest / die mir einen so süssen tod anlegen
sollten? Ach! wäre ich damals von der welt geschieden! wie wohl wåre mir iezt / an
statt dieser betrubnis! und wie ruhig hätte ich doch mit den gedanken abfahren
konnen / dass der Cimber es mit mir treulich gemeinet.
    Eitles vergnügen! (finge sie / nach einer guten weile / wieder an) was ist
es nun / dass ich noch lebe /und sehe / wie ich betrogen worden? dieses musste ich
noch kosten / und darüm von meinem feinde beim leben erhalten werden. So will
ich ihm dann auch den willen nicht tun / die gedult zu verlieren / die mich
stäts in allem unwesen begleitet: ich will den mit verachtung überwinden / der
mich verachtet hat. Hierauf kame ihr in den sinn / wie beståndig Marsius der
berumte Konig von Basan sie liebte / wieviel der ihrentwegen getan / und wie
des Chaldeers Nebozars warsagung dahin gezielet / dass sie dem Celtischen
Monarchen bestimmet wåre. Sie prüfete demnach ihr herz /ob sie auch diesen
grossen helden erkiesen und von neuem lieben könnte? Sie wollte / in betracht des
treulosen Cimbers / ihr gewalt antun / üm den Marsius zu lieben: befande aber /
dass es ihr unmuglich fiele /und dass sie nicht fähig wäre / eine neue liebe in
sich aufkommen zu lassen / da es ihr / erstlich mit ihrem Abimelech / und
nachgehends mit dem Cimber / so widrig ergangen. Unverheuratet zu bleiben / war
endlich der entschluss / den sie fassete. Und weil ihr aus des Melchisedech
unterrichtungen bekandt war / aus welchem geschlechte der versprochene heiland
der welt sollte geboren werden / als vermeinte sie / dass sie sonder sünde den
ehestand verachten könnte: indem sie versichert war / dass sie ihr selbst dadurch
die ehre nicht raubte / den versprochenen weibessamen zur welt zu tragen. Dan es
strebten damals alle rechtgläubige weibsbilder nach dieser würde: massen auch
daraus diese Meinung unter ihme entstanden war / dass die / so nicht zum heiraten
kamen / für unglückseelige personen gehalten wurden. Weil nun dieser Königin die
verheisung / so dem Abraham geschehen / bekant war / als kunte sie wohl diesen
fürsatz erkiesen /den sie sonst ohne sünde nicht ergreifen dörfen. Sie sezte es
demnach bei sich ganz feste / dass sie / wan sie / wie sie ihr fürgenommen / ihr
anvertrautes reich Mesopotamien zum rechten gottesdienst würde bekehret haben /
in eben diesem palast der Teraphimischen priesterinnen verbleiben / und die
regirung ihrem bruder wieder ubergeben wollte.
    Mit solchen gedanken verbrachte sie die ganze nacht / und weil dieses
furnemen sie etwas wieder beruhigt / als erschiene sie / den folgenden morgen
/wieder in ihrer vollkommensten zierde / als die drei Prinzessinnen / wie auch
die Lea und Rahel / samt den richterinnen / zu ihr kamen / üm sie nach den
tempel zu begleiten. Diese lezte wallfart geschahe in gar zierlicher ordnung /
und waren die priesterinnen mit weissen wachskerzen die ersten / die sich auser
ihrem palaste sehen liessen / und den haufen fureten. Alle hirtinnen / auf das
zierlichste mit blumen geschmucket / stunden an beiden seiten des wegs / um
ihrer Königin die schuldige ehre zu erweisen / und ihr nach den tempel zu
folgen: welches dann / als die schönste reihe von der welt / anzusehen ware.
Laban und seine söhne / der Elihu / und die richtere von Amida und den andern
Mesopotamischen landschaften / waren mit der gesamten hirtenschar in dem hofe
des tempels versamlet / und entfingen alda ihre Konigin: die / mit den dreien
Prinzessinnen / gleich der Venus und den dreien heldinnen / welche diese göttin
immer begleiten / sich sehen liesse. Tausend gluckwunschende zurüffe /
begleiteten sie bis in den tempel: allwo in dem tore der Telecles in seinem
Oberpriesterlichen schmuck stunde / und ihre Konigin vollends aufname.
    Man fürte sie damit in den tempel / zu ihrem tron / den man fur sie /
unferne von der seule / darauf das haubt des Teraphim stunde / zubereitet hatte.
Mitlerweile nun alle nachfolgende und das ganze volk einen lobgesang dem
Teraphim zu ehren anstimmeten /seufzete die schöne Aramena zu ihren Gotte / dass
er diese arme blinde leute bekehren / und ihr selbst es nicht zur sünde rechnen
wollte / dass sie / um ihr untergebenes volk zu gewinnen / diesen abgottischen
gebråuchen mit beiwonete. Wie nun alles volk in diesen weiten tempel sich
befande / rieffe der Oberpriester dreimal mit lauter stimme / dass / wan ja über
vermuten eine person / so sich unter die Mesopotamische hirten nicht zehlen
könnte / unter dieser gemeine vorhanden wåre / dieselbe so fort sich hinaus
machen /und ihre versamlung nicht enteiligen sollte. Wie nun darauf die türen
versperret worden / rieffe der Oberpriester wiederüm / dass das volk / mit
gebürender andacht und grosser stille / das gebet zu dem Teraphim verrichten /
ihm die gluckliche regirung ihrer Königin anbefehlen / auch üm eine gewünschte
antwort und gutigen ausspruch für sie und ihr land / die gotteit ersuchen
sollte.
    Wie nun eine allgemeine stille unter dem volk entstanden / und der Telecles
/ neben den andern priestern / den Teraphim mit statlichem weirauch beråuchert
hatten / täten sich auf einmal die lichter aus /so fur seinem haubt angezundet
waren: da es zugleich lautete / als wan ein erdbeben entstanden wåre. Das ganze
volk sah und vername dieses mit grossem entsetzen / und drange hinzu / zu
vernemen / was der heilige todtenkopf / der etliche mal das gebiss rurete /sagen
würde: der dann also anfinge.
                            Ausspruch des Teraphim.
Mesopotamia! beklage meinen fall.
Du wirst von mir nicht mehr geheimnis horen.
Ein frömder findet sich hier in der schåfer zahl /
der fördert mein entehren.
Nicht der allein raubt mir / was mir geburet;
auch hirtinnen sind hier / durch deren hand
ich leichtlich werde sein entfuret:
wehrt es nicht deine treu / ô liebes vatterland.
Aus Fursten-blut zehlt man das schwester-paar /
von der die schonste dann mir drohet die gefahr.
Die hulfe nun hierinn bestehet.
Zum Teraphim muss man den frömdling schlachten.
Missglucket diss / alsdan die rach' auf die ergehet /
die da nach meinem raube trachten.
    So still es vorher im tempel gewesen / so ein grosses heulen und schreien
entstunde nun / als sie diesen ausspruch vernommen hatten. Es ward sofort mit
allem fleisse nach den frömden gesuchet / dessen der Teraphim erwehnet; und
stunde es nicht lange an / da riefen sie einhällig: sie hätten den böswicht
gefangen. Mit grossem geschrei und ungestummer unordnung /brachten sie hierauf
denselben fur den tron ihrer Königin: die von tödlichen entsetzen überfallen
wurde /als sie erkannte / dass es der Cimber ware. Wiewol er /von den unbändigen
schäfern / mit schlechter ehrerbietung daher gefuret wurde / so verursachte doch
sein majestetisches wesen bei seinen håschern eine furcht / dass sie ihn als
einen gefangenen leuen ansahen. Er / auf ihre ungestümme worte nichts passend
/verwandte nie seine augen von seiner Königin / die er mit so grosser verehrung
/ als misvergnügung / auf dieselbe gerichtet hielte. Er konnte fur des volks
getöse / nicht vorbringen / was er zu sagen gewillet war: da auch die Konigin
aus ihrer bestürzung sich nicht zu erholen vermochte / weil dieses ihr gar zu
unvermutlich kame. Sie wusste sich nicht zu entschliessen / ob sie ihm ihren zorn
/ oder ehre verachtung / oder ihre angst über seinen gefärlichen zustand / sollte
blicken lassen: zumal sie auch / allem ansehen nach / vermuten musste / dass er
ihrentwegen in diese gefahr sich gestürzt håtte.
    Endlich doch begriffe sie sich / und den mittelweg /nåmlich eine
kaltsinnigkeit mit untermengter sorgfalt annemend / winkte sie dem tobenden volk
mit der hand / dass sie schweigen möchten / und begehrte /dass man diesen
frömdling für ihren tron bringen sollte. Wie nun dieses geschehen / das getümmel
aber nicht still wurde / sagte sie zu ihm in Celtischer sprache /(die sie von
ihm selbst gelernet hatte) um von den nächstumstehenden nicht verstanden zu
werden: Ist diss auch klüglich getan / dass ein so grosser König sich also in
gefahr begibet? und sind dann auch anderswo die hiesige gesetze so verborgen /
die den frömden bei lebensstraffe den eingang alhier verbieten? Ich habe ja /
grausame Aramena! (antwortete Cimber / in gleicher sprache) die gefahr wohl
vorher gesehen / ehe ich mich darein begeben. Aber ein verzweifelter / der den
tod verlanget / fürchtet sich nicht fur demselben /üm deswegen zu unterlassen /
wozu ihn seine verzweifelte liebe reitzet. Es ist nicht zeit / (erwähnte Aramena
ganz kaltsinnig) dieses zu beantworten: ich muss vielmehr sorge tragen / dass ich
einem Konig sein leben retten moge / gleichwie mir vordessen von ihm geschehen
ist. Ich achte mein leben wenig / (widerredte er / mit den allerverliebtesten
gebärden) weil ich nicht in Aramenen herzen leben kann. Ich sage nochmals /
(antwortete sie / dazu lächlend) dass es iezt ganz auser der zeit ist / von
dingen zu reden / die da niemals / will geschweigen ietzund / der wichtigkeit
sind / sie einer antwort zu würdigen.
    Hiemit drunge der Oberpriester mit den fürnemsten des volkes herzu / um zu
vernemen / was dieser miståter der Königin vorgebracht håtte: und weil so wohl an
ihr / als an ihme / eine nicht-geringe bewegung verspüret wurde / wuchse daher
bei ihnen die begierde / ein mehrers hievon zu wissen. So viel ich aus diesen
fromdling bringen können / (sagte zu ihnen die Königin) so muss ihn der blosse
furwitz hieher an diesen verbotenen ort gebracht haben: daher ihr wohl tun
werdet / wan ihr ihn so fort / durch etliche aus eurem mittel / auf das
Taurische gebirge schicket / zumal er angelobet / einen grossen schatz geldes zu
eures tempels unterhalt herzuschiessen; womit euch dann mehr wird gedienet sein /
als wan ihr woltet auf eine andere abstraffung gedenken. Indem die Königin
dieses sagte / wurde Cimber von den beiden Fürsten / als dem Nahor und Elihu /
auch erkant: die dann / die schone Aramena also reden horend / leicht vermuten
kunten /warum sie das sagte. Sie fielen auch so fort ihrer Meinung bei / und
gedachten das unwillige volk zu bändigen. Sie mussten aber von dem Oberpriester
ein anders vernemen / welcher auf der Königin fürtrag also antwortete: Wan nicht
des grossen Teraphim gebot uns im weg stunde / der ausdrücklich befohlen hat /
diesen fromden / und zwar zum Teraphim / zu schlachten /so sollte E. Maj.
gnådigstem befehl / wie billig / gehorchet werden. Nun aber stehet es nicht in
unseren måchten / den jenigen los zu lassen / den die götter unter ihre zahl zu
nemen beschlossen haben.
    Die schåfere von Abagara / neben den abgöttischen Horiten / fielen diesen
worten des Telecles so fort bei / und sich grosser dreuworte vernemen lassend /
bewegten sie die Konigin dazu / dass sie der gewalt wieche / und / um desto
bässer ihre Meinung zu bergen /ganz kaltsinnig dem Oberpriester gebote / diesen
fromden in seine verwarung zu nemen / und ihren gesetzen gemäs / wan die sache
reiflich würde unter ihnen erwogen sein / mit ihm zu verfahren. Also wurde
Cimber den priesteren ubergeben / und in ein gewölbe unter der erden gefüret /
dahin man die körper von denen / die zum Teraphim geschlachtet und zubereitet
worden / zu begraben pflegte. Dieser frömde handel / brachte nun alles in
unordnung und verwirrung / und hielte man mit der ferneren gewönlichen opferung
/ zurucke / bis die frage unter den geistlichen / dazu sie auch etliche von den
furnemsten hirten zogen / wurde erörtert sein / ob man nun dem Teraphim opfer
bringen dorfte / bevor seine entehrung ausgetilget wåre / und man eigentlich
wüste / wie es mit dem neuen Teraphim gehalten werden sollte / solang dieses
seine jahre / die er reden musste / noch währen würden? Die Königin / welche auch
/ wiewol auf eine andere art / als die andern / beunruhigt war /begabe sich
wieder nach dem palast der priesterinnen: alda / an statt des herrlichen gastmals
/ das fur sie zubereitet worden / nichts als åchzen und klagen vernommen wurde /
weil ihr Teraphim einen so betrübten ausspruch gegeben hatte. Es verwandelte
sich auch / das vorgestellte wolleben der schåfere und hirtinnen / in eine grosse
stille / und handelten ihre versamlungen / an statt der lust und freude / von
lauter unglücklichen furstellungen / was dieses für unheil nach sich ziehen
wurde.
    Weil aber kein augenblick zu verseumen war / den gefangenen König zu
erretten / als welchen Aramena /ohngeacht ihres zorns / in dieser noht nicht
lassen wollte: als sandte sie sofort / wie sie in ihrem zimmer allein war / nach
dem Nahor und Elihu: welche / als sie erschienen / von ihr befraget wurden / ob
sie den gefangenen kennten / der in das fest diese verwirrung gebracht hatte?
Wir haben (antwortete Nahor fur sich und den Elihu) den grossen Cimber so oft in
Syrien gesehen / dass dessen gedåchtnis uns sobald nicht entfallen konnen. Was
beweget aber immermehr diesen Konig / sich in solche gefahr zu sturzen? Wir
haben ja schon längst / (sagte Nahor /) wiewol nicht auf solche weise / dieses
unsers künftigen Königs ankunft erwartet. Die schone Aramena errotete zu diesen
worten / die sie aber nicht / ihren gedanken nach / beantworten wollte / sondern
vielmehr auf des Cimbers erlosung gedenkend / erwähnte sie / wie sofort hiervon
den Aborigenern und ihrem bruder müste nachricht gegeben werden / damit sie an
beiden teilen herzu kåmen / ihn zu retten: massen sie die hartnäckigkeit dieser
riefen und der götzen-pfaffen wohl erkennete /die seiner nicht schonen würden /
wann sie gleich /dass er ein grosser Konig wåre / erfahren sollten. Elihu und Nahor
befanden dieses fur das sicherste mittel /und wie die Konigin / deswegen an
ihren bruder zu schreiben / mit ihnen abgeredet / verhiesse Nahor / mit selbigem
brief / einen von seinen unter-hirten / durch die verlegte posten / eiligst nach
Samosata zu schicken: mitlerweile er selbst auf das Taurische gebirge reisen /
und den Aborigenern ihres Königs zustand entdecken wollte. Es triebe ihn hierzu /
sowol der eifer / seiner Konigin zu dienen / als seine liebe: und inzwischen er
sich zu dieser abreise rüstete / auch Elihu nach seiner Prinzessin ginge / sezte
sich die Konigin über / und schriebe folgendes an ihren bruder.
  Schreiben der Königin Aramena von Mesopotamien / an ihren bruder / den König
                              Aramenes von Syrien.
Wann ich mich wollte entschuldigen / dass ich einen so tugendhaften edlen bruder
in so bösem argwahn halten können; wann ich gedächte zu beschreiben / die
bewegungen meines gemutes / die sich bei mir eingestellet / seit dass ich des
Cimbers treulosigkeit glauben müssen; oder wan ich iezt mit allen farben
fürbilden wollte / wie mir zu muht ist / dass ich meinen ärgsten feind alhier
einfangen gesehen / und ihm sein leben zu retten / mich verbunden finde: so
würde ich zuviel zeit damit verseumen / die mir jezt so edel ist / um den König
von Syrien bald wissen zu machen / dass Cimber alhier bei den wilden Horiten in
haft geraten /und dass ich glaube / es könne der wolstand nicht anders zugeben /
als in meinem reiche diesen König von einem schmählichen tod zu befreien. Man
will den Cimber zum Teraphim schlachten: der abgott hat solches befohlen / und
ist er verloren / wan Syrien und sein volk ihn nicht errettet. Nahor geht zu
den Aborigenern / und dieser brief nach Samosata / um solches zu verhüten: und
gönne ich dem Cimber um des willen sein leben / damit er noch erfahren möge /
wie /meine verachtung / der seinigen weit vorgehen müsse.
                                                                        Aramena.
    Es ist wohl nie ein brief verwirrter geschrieben /noch mit grosserer eile /
als eben dieser / abgefärtiget worden. Wie nun Nahor hinweg geschieden / und bei
seinem vatter / auch den andern / fürgegeben hatte /dass er nach Nisibis gehen
und in wenig tagen wieder zugegen sein wollte / redte Aramena ferner mit dem
Elihu und Betuel ab / dass sie auf alles / was furgehen würde / wohl acht haben /
und so viel hirten / als immer muglich / auf ihre seite bringen sollten: üm sich
deren / in fall der noht / zu bedienen. Sie hielten fur ratsam / auch den Demas
zu gewinnen / als der nicht allein unter den Horiten viel galte / sondern auch
sonst eines guten gemutes war / also dass man auf seine redlichkeit sich wohl
verlassen kunte. Gleichwie nun der verständige Elihu / dieses bei den hirten
auszuwirken / ubername / also wollte Betuel sein heil bei den priestern
versuchen / weil er im tempel etliche gesehen / die vordem zu Damasco in dem
verstörten Isis tempel gedienet / und seine gute bekandten gewesen.
    Sie verfügten sich demnach beiderseits an ihre bestimmte orter / und liessen
die schone Aramena allein: die nicht gnug ihr wunderbares geschicke betrachten
kunte / welches sie notigte / in erwägung aller umstände / so wohl in ihrem reich
ihre habende gewalt zu bergen / als für dessen erhaltung zu sorgen / den sie zu
hassen so sehr befugt zu sein vermeinte. Es verdrosse sie auf sich selber / dass
ihr des Cimbers gefahr solche angst verursachte. Wann sie betrachtete / was
diesen König doch möchte bewogen haben / nicht nur in den tempel also allein zu
kommen / sondern auch /auf des oberpriesters dreimalige warnung / darin zu
bleiben / konnte sie nicht anders urteilen / als dass er sie noch lieben musste /
zumal seine mit ihr gewechselte reden ein solches bestätigten. Es fiele ihr aber
unmüglich / diese seine liebe mit seinem bezeigen auf dem Riphatischen gebirge
zu vereinigen: und wollte sie / üm ihrem gemute keine zweifache unruhe zu
erwecken / nicht wieder auf die gedanken kommen / ob auch hieran ein ander / als
der Cimber / schuldig sein möchte / sondern vielmehr ihr die einbildung machen /
es mochte den Cimber gereuet haben / dass er sie dem Marsius überlassen wollen.
Diese gedanken milderten nun nicht wenig ihren zorn / und ware sie auf solchen
fall unschlüssig / ob sie ihn darüber vernemen sollte / oder nicht? Weil es in
ihren måchten stunde /mit vorwand / dass sie ihn selber verhoren wollte / ihn fur
sich kommen zu lassen / als wurde sie des sinnes /durch solches mittel die
warheit zu erfahren. Doch hielte sie damit wieder an sich / wan sie ihr die hohe
beschimpfung und verachtung fürstellte / die ihr der Cimber erwiesen / da er
sich weigern dorfen / sie zu ehlichen. Hierauf fiele ihr des Teraphim ausspruch
ein / der da gesaget / wie Cimber sein entehren befordern wurde: welches sie auf
den fall ausdeutete / dass derselbe mit ihr in Mesopotamien regiren / und diesen
gotzentempel zerstoren sollte. Aber dieses kame ihr sofort wieder aus dem sinn /
und betrachtete sie hingegen mit verwunderung / wie Gott dem bosen geist zwar so
grosse macht zuliesse / solche aber also beschränkt hätte / dass er nicht alles
boses tun konnte /was er wollte / sonst hätte er ja verschweigen müssen /wie sie
diesen abgöttischen tempel-dienst auszurotten gesonnen wåre / welches ihr ja /
bei ihren noch-unbåndigen untertanen / kein geringes ungemach zuziehen könnte.
    Indem die schöne Königin in solchen betrachtungen begriffen war / kame die
Amphilite zu ihr in das zimmer / und sah so erschrocken aus / dass Aramena / ein
neues ungluck / und zwar wider den Cimber / besorgend / nicht ümhin konnte / sie
ängstiglich darum zu fragen. Gnädigste Königin! (sagte diese schöne hirtin) der
Chersis ist ursach an meinem verstörten gesichte / der / wider meinen willen /
mich etliche stunden mit gesprächen unterhalten hat: und ist Sandenise schuld
hieran / die ihn heimlich in eine kammer / darin ich mich befande / gefüret /
da ich ihme nicht entkommen können. Ist nur dieses euer leiden? (antwortete die
Konigin / dazu låchlend) wisset ihr nicht / wozu euch und den Chersis mein
ausgesprochenes urteil verbindet? Dieses urteils (widerredte Amphilite) will sich
Chersis zu seinem vorteil bedienen / und vermeint / ich sei schuldig / ihm
alles vergangene zu vergeben / und zu vergessen / was er mir zu wider getan
hat. Chersis hat recht / (sagte die Königin) und kann es nicht anders sein / ihr
müsst euch solchen urteil gemäs bezeigen. Solte ich aber den / der mich so
verachtet / (antwortete Amphilite) und der von meiner ehre solche dinge glauben
konnen / wieder annemen müssen / nun er die spate reu erweiset? Allerdings!
(sagte die Königin) und ob ja ihr nicht wollet / so will doch ich es also haben /
und begehre ich /dass sofort der Chersis zu mir komme.
    Sandenise / die hinter der Amphilite stunde / und ihr in das zimmer
nachgefolget / liefe gleich / diesen verliebten herbei zu holen: der dann / wie
er ankame /mit so guter art die Konigin begrüste / dass sie daraus / wie auch aus
seinem andern feinen wesen / seine innerliche gemüts gaben erraten kunte.
Chersis! (sagte sie zu ihm) ihr habt grosse ursach / dasjenige bei der Amphilite
zu entschuldigen / womit ihr sie bisher betrübet: und könnte ich mein urteil
widerruffen / so wusste ich wohl nicht / ob es noch so vorteilhaft für euch hinaus
schlagen wurde / sonderlich wann ich nicht eine wahre reue bei euch sollte
vermuten dorfen. Wem diese reu / (antwortete er) die alles mein verbrechen
aussonen soll / sich nicht so völlig / als wie ich sie im herzen entfinde / kann
zu tage legen / so bin ich nicht schuld daran / sondern meine grosse freude / die
in mir erwecket die hoffnung / dass ich / durch E. Maj. gutigkeit / zu meiner
vorigen glückseligkeit wider gelangen werde. Was wollet ihr mehr / Amphilite!
(sagte hierauf die Königin) wollet ihr wohl die erste in meinem reiche sein / die
mir ihren ungehorsam erweise? Chersis warfe sich zu der Amphilite füssen / und
die augen mit tränen füllend / beschwure er sie / ihm zu glåuben / dass er / bei
allen diesen widerwärtigkeiten / sie allemal in seinem herzen verehret und
geliebt. Amphilite / so wohl von ihm als von ihrer Königin überwunden / hube ihn
von der erden wieder auf / und hingegen sich fur der Konigin niederwerfend /
verhiesse sie derselben / sich gehorsam zu erweisen / und zwar sonder einigen
zwang / weil sie den worten des Chersis zu glauben anfinge.
    Dieses lezte sezte den Chersis in die hochste vergnügung / und wie darauf
diese beide in gegenwart der Königin / einander umarmen / auch zu beståndiger
wechsel-liebe sich verpflichten mussen / bote der verliebte Chersis sein leib
und leben / ja alles sein vermögen / der Konigin an / üm zu bezeugen / was hohe
gnade und gutat sie ihm hiedurch erwiesen hätte. Ihr könnet gleich ietzund /
(sagte die Königin) mir einen guten dienst tun / wan es euch ein ernst ist /
was ihr mir anbietet. Wie nun Chersis hierauf sein versprechen mit eidschwuren
bestätigt / und seiner Königin ewige treue angelobet / eröffnete sie ihm / wie
sie dieses fur einen von den grosten diensten / die er ihr erweisen konnte /
halten wollte / wan er mit seiner macht / die er bei dem Oberpriester seinem
vatter hatte / es dahin vermittlen hulfe / dass mit dem gefangenen / der heute
das grosse fest zerstöret / nicht zu eilig verfahren / und er in seinem
gefängnis wohl gehalten würde. Chersis versprache dieses / nach allen müglichsten
kräften / zu werk zu richten.
    Der Furst Betuel kame eben darzu / als es bereits zum abend ginge / der
inzwischen bei den priestern im tempel gewesen war. Der Königin verlangen /seine
verrichtung bald zu vernemen / neben der zuversicht / die sie in des Chersis
treue gesetzet / verursachte / dass sie sich nicht scheuete / in seiner und der
beiden schåferinnen gegenwart / den Fürsten von Haran zu fragen / wie es im
tempel stünde? Betuel wollte anfangs / wegen dieser ihrer anwesenheit / zurück
halten: als er aber unterrichtet worden / das sie auf ihrer seite wären /
stattete er der Königin folgenden bericht ab. Ich bin dissmal glückhaft / dass ich
von meinen alten bekanten / die ich vordem im Isis-tempel gehabt / etliche unter
den hiesigen priestern angetroffen: massen ich diese / so erbittert sie auch
noch sind /dass E. Maj. ihren tempel zu Damasco zerstören helfen / gleichwol
geneigt finde / sich mir zu vertrauen /und mir alle dienste zu erzeigen. Ich
habe ihm demnach / sonder E. Maj. zu nennen / eroffnet / was ich /wegen des
furnemen gefangenen / von ihnen verlange / und darauf vernommen / dass sie den
grossen König bereits kennen / ihn aber / zu Glück / weder dem Oberpriester noch
ihren andern mitbrüdern / verraten haben: wie ich sie dann beredet / dass sie es
ferner verschweigen wollen. Sie bieten sich zu allem willigst an / was ich dem
Konig zu dienst verlange: und / was das groste Glück ist / so haben eben diese
die aufsicht uber die gefångnis / und sind schon so weit heraus gegangen / dass
sie keine schwerigkeit davon machen wollen / mich zu diesem koniglichen
gefangenen einzulassen.
    Diese nachricht erfreute die Konigin nicht wenig /und als sie an dem Chersis
warname / dass der sich über den vernommenen Konigs-titel verwundert bezeigte /
wollte sie ihn / üm ihn desto mehr zu gewinnen / zu ihren volligen vertrauten
machen. Demnach entdeckte sie ihm / wiedass der Aborigener König der jenige wäre
/ den sie im tempel des Teraphim gefangen hielten. Chersis ware der
vorgegangenen geschichten nicht so unkündig / dass ihm håtte sollen unwissend
sein / was es mit diesem König und der schönen Aramena fur eine bewandnis hatte.
Demnach verwunderte er sich nicht mehr über deren erweisende sorgfalt / wohl aber
uber dieses Königs bezeigen / der /seiner einbildung nach / nicht notig gehabt /
so heimlich und mit solcher gefahr dahin zu kommen / allwo er als kunftiger
Konig sollte verehret werden. Was beweget doch diesen grossen König / (sagte er)
bei seinen künftigen untertanen auf solche weise zu erscheinen? und was hat es
fur schwerigkeit / diesen König auf freien fus zu stellen / da es ja nur ein
wort kosten würde?
    Ob Mesopotamien (antwortete die Königin) iemals von dem Aborigener-König
wird regiret werden / ist eine frage / die hieher nicht gehöret. So erachte ich
es auch für unnötig / die ursach zu erforschen / warüm Tuscus Sicanus dergestalt
sich hier in gefahr stürzen wollen. Dass ihr aber vermeint / mein Chersis! es
wurde sofort / wan man hier kund machte / wer des Teraphim gefangener sei /
seine erlosung erfolgen /daran muss ich sehr zweiflen: massen mir bekandt ist
/wie man hier des Teraphim ausspruch verehret / und was grober natur die Horiten
neben den hirten von Abagara sind / die keinen Konig / und vieleicht diesen am
wenigsten / achten und erdulten können. Es ist nicht ungemein / (gabe Chersis
zur antwort) dass des Teraphim ausspruch oft anders / als er lautet / müsse
verstanden werden / und eine geheime ausdeutung erfordere: daher ich wohl sagen
wollte / das schlachten zum Teraphim sei also zu verstehen / dass man diesen
fromden zum Teraphim in Mesopotamien / das ist /zu unsern Obersten und Konig
machen soll / der würdig ist / also von uns verehret zu werden / als wan er ein
Gott oder Teraphim wäre. Ich zweifele / edler Chersis! (antwortete Betuel) ob
eure auslegung mit der andern ihrer Meinung ubereinkomme: massen mir meine
bekandten unter den priestern entdecket / was dieserwegen bei ihrer
beratschlagung fürgefallen.
    Es hat dieselbe (fuhre er fort) diesen ganzen nachmittag gewäret / und sind
/ neben den priestern / die riefen von Abagara / die Horiten / die richtere von
Amida und den andern landschaften / wie auch mein herrvatter / und teils unserer
hirten / beisammen gewesen. Die Meinung der geistlichen / welche den gefangenen
/ wiewol sie ihn nicht kennen / für einen grossen herrn halten / liefe
anfånglich dahinaus / dass man allerdings die gotteit vergnügen / beide Teraphim
gebrauchen / mit den opferen auf diss fest nicht innen halten / auch wegen der
vermeldten fürstlichen schäferinnen nachforschung anstellen / und ein mittel /
deren bösliches fürhaben gegen die Teraphim abzustellen / ersinnen sollte. Die
von Abagara / neben den Horiten / haben / auser was die opferung betrifft /
dieser Meinung gleich beigepflichtet. Mein herrvatter hingegen / und nach ihm
die andern / haben zwar nicht die fortsetzung der opferung / aber dieses sehr
widersprochen / dass man einen neuen Teraphim machen sollte: sonderlich weil zu
vermuten / dass dieser nicht aus dem hirtengeschlecht wäre. Ich kann leicht
vermuten / dass der Laban solches darum nicht gerne sehen mag / weil der ietzige
Teraphim / als er noch der hirte Pasicles war / meine schwester geliebt / und
darum mein herrvatter die sichere einbildung hat / dass bei diesem alten Teraphim
ihm aller segen und wolstand zugewachsen sei / und dass er solchen wieder
verlieren möchte / wan ein neuer Teraphim aufkåme. Weil auch die furstliche
schåferinnen / auser den dreien Prinzessinnen von Ausitis / keine andere / als
meine beide schwestern / sein können / als hat Laban mit unseren hirten dieses
auch widersprochen / und noch zur zeit für unnotig erachtet / nun man den
gefangenen hätte / hiernach sich weiter zu erkundigen. Wegen dieser ungleichen
meinungen / ist endlich beschlossen worden / diese nacht die gotteit noch
einmal üm alles zu fragen: und haben mir die priestere gesagt / wie sie sich
såmtlich dahin vereinbaret håtten / darauf zu beruhen / und deme sofort
nachzukommen / was die gotteit auf ihre frage antworten würde.
    So ist es dann mit dem Cimber aus / (sagte die Konigin) weil ich eurem gotte
seinetwegen nichts gutes zutraue. E. Maj. fassen einen båssern mut! (antwortete
Chersis) der himmel ist gerecht / und die hinrichtung eines so grossen Konigs
wäre hingegen hochst unbillig: darüm weiss ich gewis / der heilige Teraphim wird
sich in dieser andern antwort also erklären / wie es die gerechtigkeit erfordert
/ und uns einen irdischen Teraphim / das ist / einen Konig verleihen / der uns
so wohl regire / dass wir fortin nicht nötig haben / um unsers landes wolfart in
diesem tempel anzufragen / und uns an so dunkle aussprüche zu binden. An Gottes
gerechter regirung zweifele ich auch nicht: (gäbe die Konigin zur antwort) wir
wissen aber nicht / was der öfters über uns verhången will. Ob aus eurem
Teraphim der wahre Gott rede / daruber kann ich mich iezt nicht erklåren: dieses
aber muss ich besorgen / dass / wan ihr es lediglich auf des Teraphim ausspruch
ankommen lassen / und sonst eure beihülfe dem König nicht erzeigen wollet / es
mit ihm verloren / und mir damit nichts gedienet sein werde / dass ich hiebei
eure hülfe begehrt habe.
    Gnädigste Königin! (antwortete Chersis / und zwar mit grosser bewegung) ich
habe zu Ur in des grossen Aramenes / der damals noch der Prinz von Gerar hiesse /
wie auch in des Fürsten Eliphas und weisen Elihu gesellschaft / so viel zeit
belebet / dass ich E. Maj. gedanken von der wahren einigen Gotteit wohl vernomen
habe. Weil aber die weisen Chaldeer meinen wankenden sinn allemal auf meiner
vätter und meinen angebornen glauben wieder gezogen haben /als bin ich bis iezt
/ wiewol allemal unruhig / ein verehrer der gotter gebliebe. Solte aber unser
Teraphim deutlich aussagen / dass der König bei uns sterben müste / den E. Maj.
dieses land mit ihr zu regiren /vor allen andern erkieset / so schwore ich / dass
ich aus dieser unrechtfärtigkeit abnemen werde / es wohne kein guter geist in
unsrem tempel. Demnach haben E. Maj. sich von mir zu versicheren / dass ich mein
gut und blut dabei aufsetzen werde / den König zu erlosen und ihm von hier zu
verhelfen. Glaubet mir / Chersis! (beantwortete dieses die schone Aramena) dass
nur ein Gott im himmel sei / der nicht auf die art /wie iezt die meisten
weltmenschen vermeinen / will verehret sein. Diesem / und nicht mir / zu
gefallen /erlöset nun den König der Aborigener: weil ihr iezt selbst vernünftig
geurteilet / dass man ungerecht mit ihm verfahre. Ob ihr hiermit eurem vaterland
einen dienst tun werdet / wie ihr euch einbildet / solches will ich bis zur
andern zeit unbeantwortet lassen. Es wird aber / mir und allen meinen
untertanen / dadurch von euch ein grosser dienst geschehen wan ihr also
verwehret / dass / unter meiner regirung / auf diss land kein unschüldiges / zumal
ein konigliches blut geladen werde.
    Elihu kame eben in das zimmer / als die schöne Aramena dieses sagte: der dann
nichts ausgerichtet hatte / weil er den Demas nicht finden können / wie sehr er
sich auch darnach bemuhet. Er erkannte sofort den Chersis / und erfreute sich
nicht weniger uber sein da sein / als zu vernemen / wie geneigt er wåre / seiner
Konigin zu dienen. Wie man nun hierauf ferner von dieser sache geredet / fiele
endlich der schluss dahin / dass Chersis die nacht dabei sein sollte / wan sie den
Teraphim um den ausspruch fragen würden /üm ihre anschläge darnach anzustellen:
das dann auch dem Elihu / zu einrichtung seines vortrags an dem Demas und die
andere hirten / dienen konnte. Hierauf begaben sich beide verliebte Fursten zu
ihren Prinzessinnen / die mitlerweile unter den priesterinnen ihre zeit
verbracht hatten / und holeten bei denen wieder nach / bis die nacht einbrache /
was sie diesen tag über verseumet hatten. Chersis gebrauchte sich auch dieser
zeit / bei seiner Amphilite: und wiewol selbige ofters von ihm abgehen wollte /
mit den vorwand / die Königin abzukleiden / so musste sie doch verbleiben /weil
Sandenise an ihrer statt hinginge / die Königin zu bedienen.
    Endlich triebe die nacht diese verliebte von einander / und so bald Chersis
beide Fürsten heimbegleitet / verfügte er sich nach dem tempel: da er / als des
Oberpriesters sohn / einen freien zugang hatte. Alle die jenigen / so den tag
miteinander raht gehalten /waren nun daselbst beisammen / und als sie / mit
gewonlichen gebräuchen / ihre befragung verrichtet hatten / wurde wieder ein
erdbeben im tempel verspuret /und hörte Chersis / neben den andern / den
Teraphim also antworten:
Der himmel ist den hohen håubtern hold /
und hält ob sie die hand.
Drum / was ihr wolt /
verricht auf diesem fest / eh sich das blat gewandt.
Bald tut zur sach / eh dass sich wend eur freier stand.
    Wiewol hierauf der Telecles und die andern bemühet waren / durch
verschiedene fragen aus dem Teraphim ein mehrers zu bringen / so wollte doch der
nichtes mehr sagen. Daher begaben sie sich wieder von dannen / und gingen zu
raht / was sie nun weiter beginnen sollten. Sie schlossen einhällig / mit
hinrichtung ihres gefangenen fortzufahren / und den zum neuen Teraphim zu
schlachten / auch die fernere fest-gebräuche uneingestellt fortgehen zu lassen.
Die lezte worte des abgotts /
Bald tut zur sach / ehdass sich wend' eur freier stand /
trieben sie zu so grosser eilfärtigkeit / dass sie gleich folgenden morgens sich
hierzu rusten wollten / üm den zweiten tag darauf färtig zu sein / die opferung
und das schlachten des neuen Teraphim fürzunemen. Dass / auf versaumung dessen /
ihr freier stand sich wenden sollte / solches reizte am meisten die Horiten und
die riesen von Abagara / sich ferner kein bedenken hierüber zu machen: wie dann
auch der Laban und alle die andern hierzu schwiegen / und alles ohn widerrede
ergehen liessen / weil sie des Teraphim unänderlichen willen vernommen / und wie
der Mesopotamier freiheit darauf beruhete / diesen hohen und furnemen fromdling
aus der menschen zahl unter die götter zu schicken.
    Weil Chersis / sonder verdacht / allen diesen beratschlagungen beiwonete /
fugete es sich eben / dass sie ihn / als einen jungling / kieseten / nach
ublichem gebrauch / dem neuen Teraphim den tod anzukündigen. Er bekame dabei
befehl / von ihm zu erforschen / wer er wohl sein mochte / und was die ursach
gewesen /dass er sich dergestalt in ihren tempel gewaget? massen sie nicht anders
glaubten / als dass er gutes willens / etwan von den gottern hierzu erleuchtet /
sich dahin begeben håtte / um ein Teraphim zu werden. Weil nun alles hiemit
eilfärtig zugehen sollte / als musste / noch in selbiger nacht / diese ankundigung
geschehen: und hielte es der Chersis für ein gutes zeichen / dass eben er hierzu
war erkieset worden / das er dann / der Konigin zu dienen / sehr beförderlich
fand. Er ginge demnach zu dem Konig in das gefångnis / dahin ihm etliche von
den priestern leuchteten: die auch / zu guten glücke / von denen waren / die der
Betuel auf seine seite gewonnen hatte. Weil Chersis / aus des Fursten von Haran
beschreibung / sie dafür erkannte / als entdekte er sich ihnen / wie er zu des
Betuels rotte gehörte: wodurch er sein fürnemen desto leichter erhielte / mit
dem Cimber allein zu reden / weil diese priestere sich nicht weigerten / im
eingange der gefängnis stehen zu bleiben / und nur ihn / mit einer fackel in der
hand / hinein zu lassen.
    Der verliebte Cimber / war eben in ämsiger betrachtung der schönen Aramena
begriffen / und vermochte kaum dafür an seinen eigenen zustand und an die gefahr
zu gedenken / darein er sich gesturzt hatte /als Chersis zu ihm hinein kame.
Dieser / wiewol er ihm / nicht den tod / sondern das leben anzukünden bedacht
war / wollte gleichwol den anfang seiner ansprache von seinem aufgetragenen
gewerbe machen /und redte ihn also an: Kuner frömdling! der du dich gewaget und
unterfangen / die heilige gebräuche unsers tempels zu brechen / und den grossen
Teraphim zu entehren: wisse / dass du dafür dein leben lassen must! Du wirst aber
dadurch in einen weit-herrlichern stand geraten / indem die götter dich
ausersehen / dass du ihres gleichen werden / und hinfüro unser heiliger Teraphim
sein sollest. Ich bin darüm an dich hiemit abgesendet / dir deinen tod und diese
ehre anzukündigen. Ich vermute an dir für dem tod kein entsetzen /weil der die
tur sein wird / dadurch du zu der höchsten seligkeit und wurde gelangen wirst.
Die / so mich abgeschicket / begehren deinen namen und stand /neben der ursach
deiner ankunft / zu wissen / um solches in ihre zeitbücher einzuschreiben / und
damit dein ehrengedächtnus zu verewigen.
    Hiemit schwiege Chersis / und erwartete des Cimbers antwort / der solche /
sonder einige bewegung /also von sich gabe: Es ist so lange / seit dass ich den
tod wünsche / dass dessen ankündigung mir kein entsetzen erwecken kann. Und weil
ich vermute / dass eure Konigin diesen meinen tod mit-beschlossen / als weiss
dieselbe / ohn mein zutun / zu berichten / wer ich bin / und was mich bewogen /
in euren tempel zu kommen. Aber / um ihres und eures reiches ruhestand willen /
bitte ich euch / die Konigin dahin zu vermogen /dass sie nimmermehr melden wolle
/ wer ich gewesen: weil mein volk und meine untertanen alles daran setzen
wurden / ganz Mesopotamien samt diesem euren tempel umzukehren / wan sie
erfahren sollten / dass ich alhier zum Teraphim dienen musse. Ich will auch wider
solche ehre gebetten haben / weil ich nicht sagen kann / ob nachgehends die
verschwiegenheit / als wie nun / bei mir wohnen konne / wan ich euer Teraphim
worden wäre.
    Chersis / uber diese grosse standhaftigkeit sich verwunderend / änderte
hierauf seine rede / zu dem Cimber sagend: dieses vorige habe ich / als ein
abgeschikter von den Mesopotamiern / furgebracht; nun ist es auch zeit / dass ich
unserer Königin gewerbe anbringe. Dieselbe ist nicht zu trösten / über dem
unglück / dass E. Maj. hieher gefüret / und bearbeitet sich / den grossen Cimber
zu erlösen! Wie / mein freund! (fiele ihm Cimber in die rede) wollet ihr noch
euren spott mit einem sterbenden treiben? habe ich nicht selbst angehöret / wie
mich die grausame Aramena euren priestern übergeben? und schweben mir nicht /
von ihr /tausenderlei erinnerungen eines ganz-unversönlichen hasses gegen meine
zu ihr tragende liebe / stäts fur augen? E. Maj. einbildungen (antwortete
Chersis) komen diesesmal mit der sachen wahrer verhåltnis nicht überein / massen
ich den himel zu zeugen ruffe /dass unsere Königin åuserst bemühet ist / ihren
erwehlten Konig zu erlösen. Dass sie gestern / im tempel / E. Maj. den priestern
alhier ubergeben müssen / das haben die umstände ihr aufgenötigt. E. Maj. wissen
nicht / unter was fur unbåndige leute sie geraten sind /die ihrer eigenen
Königin den gehorsam versagen würden / wan sie offentlich / gleichwie sie
heimlich tut / sich um E. Maj. annemen wollte. Ich bin von ihr geschicket / E.
Maj. ihre bemühung und fürhaben zu entdecken / und habe ich / als des
Oberpriesters sohn / alhier so viel macht / dass ich meiner Konigin willen / E.
Maj. zu erlösen / zu erfullen verhoffe. Sie verlassen sich demnach / auf meine
treu und redliche fürsorge: und weil man / wie ich anfangs angemeldet / alhier
gesinnet ist / unsers Teraphim grausamen befehl an E. Maj. in der hast zu
volziehen / als soll künftige nacht alles bereit sein / E. Maj. von hier nach
dem Taurischen gebirge zu verhelfen.
    Indem Chersis dieses redte / horte ihm der Cimber mit grossem aufmerken zu /
und / wiewol er allerdings zweifelmütig war / wollte er doch sich nicht weigern
/seinen untertanen und Königreichen zum båsten /ferner zu leben / sonderlich da
seine Konigin sein leben verlangte. Demnach schluge er nicht aus der acht / was
ihm angebracht wurde / und antwortete also dem Chersis: Ihr kennet mich / mein
freund! wie ich verneme: doch wisset ihr nicht alles / was da mein grostes
anligen machet / woraus ihr wurdet absehen können / dass mir die ankündigung
meines todes oder lebens gleich angenem sei. Um aber derjenigen allen gehorsam
zu erweisen / die euch abgeschicket / so neme ich mein leben an. Soll ich aber
desselben geniessen / so müsst ihr mir zu wege bringen / dass ich die Königin
selbst sprechen und von ihr vernemen möge / wessen ihr mich uberreden wollet.
Ich kann nicht glauben (antwortete Chersis) dass die Konigin dieses ihrem König
versagen sollte. Weil aber / wegen E. Maj. befreiung und dieser gesuchten
ansprache /kein augenblick zu verseumen ist / als will ich wieder von E. Maj.
hinweg eilen / um zu ihrer vergnügung die hand anzulegen. Gehet dann / mein
freund! (sagte der verliebte Cimber) und tut nach eurem versprechen: saget der
Königin / dass ich leben wolle / weil sie es begehret; dass aber mir der tod eben
so angenem sein soll / wann sie in ihrer alten ungnade gegen dem armen Cimber
verharren wollte.
    Hiemit name Chersis wieder seinen abtritt / und ehe der tag völlig anbrache
/ redte er mit den auf ihre seite gebrachten priestern ab / was zu des Königs
erlösung erfordert wurde / und was er denen / so ihn aus dem raht der
geistlichen zu dem neu-bestimmten Teraphim abgeschicket / zur antwort bringen
sollte. Hierauf ginge er / mit aufgang der sonne / fur der Konigin gemach / um
deren alles anzumelden. Sandenise war die jenige / die ihm die tür offnete /
weil seine Amphilite die übrige nacht bei den Prinzessinnen von Ausitis
geblieben. Die schöne Aramena liesse sich bereits sehen / deren unruhiges gemüt
ihre munterkeit befördert: daher Chersis sofort zu ihr hinein gelassen /und
gleich von ihre ehe er seinen furtrag täte / befragt wurde / wie des Teraphim
ausspruch gelautet hätte. Chersis erstattete hierauf völligen bericht von allem
/ und wie willig er den grossen Cimber zum sterben gefunden / auch was massen
derselbe sich uber ihre grausamkeit beklaget / und sie zu sprechen sehr
verlange. Verschiedene gemutsbewegungen stellten sich nun auf einmal bei der
Konigin ein / und wollte sie fast den Chersis ausschelten / dass er dem Cimber von
ihr solche versicherungen getan / und ihm seine gesuchte ansprache so leicht
gemacht hatte. Sie funde aber alles / was er getan / ihres innersten herzens
gedanken so gleichformig / dass sie zu keinen unwillen hierüber sich zwingen
konnte / sondern vielmehr /durch ihr schweigen / ihre unschlüssigkeit zu tag
legte.
    Chersis wusste nichts / von allen den dingen / die zwischen der schonen
Aramena und dem Cimber waren furgegangen / und alles nur darnach beurteilend /
was die ganze welt von dem König der Aborigener und von der Königin in
Mesopotamien sagte / zweifelte er nicht / dass er hierinn seiner Konigin einen
grossen dienst würde geleistet haben: und ware er deswegen voll freuden / dass
ihme der himmel sobald eine gelegenheit erteilet / seine treuste erkentlichkeit
für die erlangung seiner Amphilite blicken zu lassen. Er fuhre demnach fort /
der Königin sein fürhaben / die erlösung des gefangenen Cimbers betreffend /
furzustellen. Die beide fursten Elihu und Betuel / die nicht weniger bemühet
waren / diesen grossen Konig zu retten / kamen eben darzu / wie Chersis sich bei
der Aramena befande. Diese bekråftigten nicht allein /was jener von der
vorstehenden opferung des gefangenen erwehnet / massen solches bereits unter
allen hirten erschollen war / sondern es erzehlte auch Elihu /wie der verweser
Demas nicht bei der hand / auch bereits gestern fru / ehe das fest angegangen /
verreiset /und / so viel er erfahren können / seinen weg nach dem Taurischen
gebirge genommen / folgbar nicht einmal bei dem ausspruch des Teraphim zugegen
gewesen wåre. Hiemit fiele nun die hoffnung / die sie auf die hirten / durch des
Demas beförderung / gebauet hatten: und alles nach allen ümstånden überlegend /
fand sie kein bässeres hülfmittel / als welches Betuel und Chersis an die hand
gaben / dass man nämlich / durch die gewonnene priestere / die nåchstfolgende
nacht dem Cimber davon zuhelfen / trachten müste.
    Ich will / (sagte Chersis) sobald die sonne untergegangen / den
Aborigener-König zu E. Maj. hieher bringen / auch pferde und diener färtig
halten / die ihn folgends von hinnen furen. Er wird wohl nicht ganz allein
gekommen sein / dass ich dann von ihm werde vernemen können: üm seine
hier-verborgene leute auszufragen / dass sie mit ihm wieder abreisen. Die schöne
Königin errötete / wie Chersis dieses fürbrachte / und weil Elihu und Betuel /
neben ihme / solches in acht namen / als sagte der Furst von Ram: Ich kann leicht
urteilen / es musse E. Maj. königlichem gemüt nahe gehen / dass sie / in ihrem
eignen reich / denjenigen heimlich sprechen / und ihme mit list davon helfen
müssen / den der himmel zu unsren Konig ausersehen hat. Allein / zu rechter zeit
nachgeben konnen / ist die höchste kunst im regiren: und weil E. Maj. ihre
teils-unbåndige untertanen / durch gute / zur wahren vernunft gewinnen wollen /
ist hierzu kein bässerer weg /als dieser / den E. Maj. gehen / zu erkiesen
gewesen. Es befromdet mich auch dieses nicht / mein vetter! (antwortete Aramena)
und bin ich mit allem einig was ihr mir furgeschlagen / auser / dass ich den
Cimber sprechen soll.
    Wan das nicht geschihet / (antwortete sofort der Chersis) so sehe ich keine
hoffnung zu des Königs erledigung: dann die fåste einbildung / dass er in seiner
Königin ungnade lebe / machet ihn den tod erkiesen /davon er auch nicht wird
abzubringen sein / wan E. Maj. ihn nicht eines andern persönlich versichern. Ich
zweifle nicht / (sagte Elihu) einige irrung werde ursach sein / dass dieser grosse
Konig sich also verborgen hieher gewaget / dahin er wohl offentlich kommen
dörfen: und werden E. Maj. wohl tun / wan sie solche ihm selbst abfragen / die
sie auch ihm am bästen werden benemen können. Die beunruhigte Königin ginge in
ihrem zimmer auf und nieder / indem Elihu dieses sagte / und betaurete / sich in
solchem zustande zu sehen / dass sie niemand von ihren vertrauten bei sich hatte
/ gegen die sie ihr herze recht ausschutten mochte. Dass Cimber auf dem
Riphatischen gebirge sich geweigert / sie zu ehlichen / kame mit seinem jetzigen
bezeigen / da er sonder noht ihrentalben sich in todesgefahr gestürzet / und
dabei solche reden gefüret / ganz nicht überein. Wie nun die liebeserbarmung für
ihn sprache / ward sie almählich beredet /ihn zu sehen; weil solches wenigst
dazu dienen konnte / seine grosse leichtsinnigkeit / die er begangen / ihm
furrücken zu können / auch seine entschüldigung darüber anzuhören. Demnach
verwilligte sie endlich /dass er zu ihr kommen möchte.
    Sie färtigte eben den Betuel und Chersis mit solchem bescheid ab / als der
Telecles und die richtere /neben den fürnemsten von der gegend Abagara / sich
anmelden liessen / um ihr das anzubringen / was ihr bereits von dem Chersis war
angedeutet worden. Wie nun Chersis heimlich hinweg gegangen / und diese
fürgelassen worden / sagten sie ihr: wiedass man gerne / ihrem befehl gemås / in
dieser sache langsam verfahren wollen / wann nicht der neue ausspruch des
Teraphim ein anders geboten håtte / dem sie nachkommen müsten / weil darin des
ganzen reiches wolstand beruhete. Die Konigin liesse solches in seinem wert und
unwert beruhen / und gabe dabei zu verstehen / dass ihr zwar lieber sein würde /
wan sie anders hierinn verfüren / weil sie nicht wussten / wen das geschicke
ihnen in die hände geliefert hätte. Er sei / wer er wolle / (antwortete Tilador
/ einer von den fürnemsten riesen) so ist er des todes schüldig worden / weil er
unsere heilige gesetze uberschreiten dörfen. Nun er aber / an statt der straffe /
zum Teraphim bestimmet worden / so erhellet ja daraus / dass die götter ihn
hergesandt /um unser land / bei antretung E. Maj. regirung / mit doppelter wurde
und glucke zu beseeligen. Ich vermeinte aber / (gabe die Königin zur antwort)
ein Teraphim musse gutwillig sich hierzu bequemen /auch aus eurem
hirten-geschlechte entsprossen sein: welches etwan bei eurem gefangenen sich
nicht finden möchte. Es hat mein sohn (antwortete Telecles) uns noch keinen
bericht abgestattet / was er von ihm ausgefraget / wer dieser und wessen er
gesinnet sei. Aber dessen allen ungeacht / so redet unsers heiligen Teraphim
klarer ausspruch / der uns anweiset / was wir tun mussen. Weil Aramena des
Cimbers erlösung hoffen konnte / hielte sie fur unnotig / sich hierüber in
weiteres widersprechen einzulassen / sondern vermeinte genug zu sein / dass sie
ihr missfallen hierbei bezeuget: das sie auch mit aller ihrer koniglichen macht
öffentlich blicken zu lassen entschlossen war /wan es etwan dem Betuel und
Chersis / in befreiung des Cimbers / misglücken sollte.
    Telecles und die andern / hielten sich bei der Königin nicht auf / sondern
begaben sich so fort wieder nach dem tempel / üm hierzu fernere anstalt zu
machen / auch von dem Chersis zu vernemen / was er bei dem geheiligten
gefangenen ausgerichtet. Weil Chersis schon mehr als halb / zur erkentnis der
falschen gotteit des Teraphim gewonnen war / und dabei mit treuer seele an
seiner Konigin hinge / als truge er ganz keine scheu / so wohl seinen vatter als
alle die andern zu betriegen. Demnach verbarge er ihnen nicht allein die warheit
/ von deme / was er von dem Cimber wusste / und mit ihm geredt hatte / sondern er
erdichtete auch dabei / um sie von fernerem nachfragen abzuhalten / wiedass der
gefangene ganz willig wäre / sich zum Teraphim schlachten zu lassen / auch zu
dem ende in ihren tempel gekommen / und von den gottern wåre hergetrieben worden
/ sein Konigliches blut dem ganzen Mesopotamien zum bästen aufzuopfern. Was fur
ein Konig ist er dann? fragte Telecles mit grosser begierde. Er trågt bedenken /
(antwortete Chersis) seinen namen zu nennen: so viel verstehe ich aber / dass er
aus dem entfernten Kitim / und wohl gar der Camboblaseon sein müsse. Dieses sagte
der verschlagne Chersis / weil er wohl wusste / wie die riesen mit diesem König
stunden. Er richtete auch hiermit so viel aus / dass die anwesende / und folgends
auch die andern / wie sie hievon nachricht erhielten / ganz vergnügt und sicher
wurden / auch bei solchen umständen / den mit diesem neuen Teraphim erworbenen
schatz wieder zu verlieren nicht die geringste sorge trugen.
    Weil nun hierauf iederman frolich wurde / und nicht allein im tempel die
gewonliche fest-opfer gehalten / sondern auch die gewonliche vorbereitschaft zur
schlachtung des Teraphim gemacht wurde / als sah man in der ganzen gegend eine
grosse veränderung: massen nun von keiner traurigkeit mehr zu hören war / und
holeten sie mit ihrem wolleben dasjenige zweifach wieder ein / was sie den
ersten fest-tag verseumet hatten. Weil die Konigin / ihren untertanen sich auf
das äusserste gefällig zu zeigen / gesonnen war / als liesse sie bei diesem
frolichen hirten-leben sich auch sehen / und kame / ungeacht ihres beklummenen
herzens / nicht allein zu dem herrlich-zubereiteten gastmal / sondern begabe
sich auch / den nachmittag / neben den Prinzessinnen von Ausitis und den beiden
Furstinnen von Haran / mit an den ort / da / in einem weiten feld / und
sehr-angenemen tal / die junge schäfere und hirtinnen ihre lustspiele
angestellet. Diese bestunde nun / in vielerlei arten / da teils ihrer in die
wette liefen; andere / und zwar die vom riesen-geschlecht / im ringen sich
übten; etliche / nach dem ton der feldschalmeien / dånze und reigen hielten;
wieder andere / mit der schleuder und flitzbogen /nach einem aufgestellten ziele
schossen: worbei dann allerhand gewinne aufgesezt wurden.
    Bei keinen hielte sich die Konigin långer auf / als bei dem haufen / darin
die hirtinnen von Amida mit waren: woselbst ein spiel gehalten wurde / welches
sie die Götter aussprüche nennten / weil folgenden tags / die hinrichtung des
zum neuen Teraphim gewidmeten gefangenen geschehen sollte / worbei dieser
gotteit zu ehren dergleichen spiele zu halten gebråuchig ware / um damit
anzudeuten / wie sie viel gutes von des Teraphim aussprüchen genössen. Es
bestunde aber die art dieser spiele darin / dass man unter der gesellschaft eine
person auswehlte / die den ausspruch auf alle furkommende fragen / einem jeden /
entweder mit einem wort / oder mit einem reime /tun musste: welcher hernach /
von dreien oder mehrern unter den mitspielenden / die die fragende person dazu
erkiesete / erlåutert / und dessen dunkelheit erklåret wurde; und mussten diese
ein strafpfand geben /wan sie den eigentlichen verstand / wie es der ausspruch
gemeinet / nicht erraten können.
    Die / so eben den andern den ausspruch gabe / als die Königin dazu kame /
war die schäferin Artainte: welche auf einem erhabenen hügel sitzend / und einen
lorberstrauch in händen haltend / denen fragenden /nach gutdünken / die antwort
erteilte. Es hatte Abinael bei ihr angefraget / ob der Chersis ganz sonder
straffe davon kommen würde / dass er / der schönen Amphilite aufzuwarten / so
viel zeit versaumet? worauf sie geantwortet: Briside. Es wurde / was sie damit
verstånde / dem Jokes / der Eidania und der schäferin Astarine / zu erklåren
aufgetragen. Jokes sagte: weil Briside keine straffe von dem Abinael forderte /
um dass er sie zu bedienen so spat angefangen / als wurde die der Amphilite zum
furbilde dienen / auch gegen dem Chersis ihre antung einzustellen. Eidania /
vergliche sich mit dieser Meinung des hirten Jokes. Astarine aber erwähnte / es
wäre darum geschehen / dass Briside die straffe des Chersis ernennen sollte. Die
Artainte erklårte hierauf selber dem Abinael ihre Meinung / welche war: dass er
vielmehr der angenemen Briside recht aufzuwarten / sich bemuhen / und nicht so
fürwitzig sein sollte / üm andere dinge sich zu bekummeren / die ihn nicht
angingen. Hiemit hatte dieser hirte seinen bescheid / und wurde dem Jokes / der
Eidania und der Astarine aufgelegt / ihre pfande der Artainte zuzustellen / um
solche / nach endigung des spieles / mit einer straffe wieder einzulösen.
    Weil die drei prinzessinnen von Ausitis / die neben der Königin stunden /
ein sonderbares vergnügen an diesem spiel fanden / beredten sie die schone
Aramena / dass sie / so betrübt und unruhig sie in ihrem herzen ware / auch
mitzumachen ihr gefallen liesse /und durch solche gutigkeit bei dieser
hirtengesellschaft nicht wenig freud erweckte. Artainte wollte ihr amt ihrer
Konigin überlassen: die sich aber weigerte /solches anzunemen / und lieber /
gleich den andern /ihre fragen vorbringen wollte. Demnach verlangte sie von der
Artainte zu wissen: ob morgen die opferung des Teraphim glucklich wurde fur sich
gehen? Der Artainte antwort war:
Der himmel weiss / zu allen / raht /
wann man sich dem gelassen hat.
Die deutung dieser reimen / forderte die Konigin von der Eunome / Sataspe und
Seladia: welche letzere aus Haran burtig / und mit den beiden frauen des Fursten
Jacob gekommen war. Eunome gabe diese erklärung; weil wir den himmel angeruffen
/ als hat der uns den raht gegeben / zu unsres landes bästem / morgen das
sonderbare opfer des neuen Teraphim anzustellen. Sataspe sagte: ob gleich dieses
beginnen / dass wir künftig zween Teraphim verehren sollen / uns ungewonlich und
frömd dunken mochte / so mussen wir uns doch dem willen des himmels untergeben /
der båsser weiss / als wir / was uns nutzen konne. Weiss der himmel zu allem raht /
(sagte Seladia) so wollen wir nicht für unmoglich halten / dass dieses
unschuldige blut noch wohl morgen könne beim leben etalten werden. Die Seladia
(rieffe hierauf Artainte) hat es errahten /und bin ich ja so wenig blutsuchtig /
als sie / auch mit unsrem ietzigen Teraphim wohl zufrieden. Weil der dir und mir
(sezte Sandenise lächlend hinzu) hat einen mann bescheret. Die Konigin ergezte
sich sehr an diesem spiel / das ihren ernstlichen gedanken so gleichformig kame
/ und schöpfte gute hoffnung daraus /dass ihr ihre frage also war beantwortet
worden.
    Die Prinzessin Jemima / begehrte hierauf von der Artainte zu wissen / was
iezt wohl der Prinz von Chaldea machte? Ihre antwort war / dass sie jähling
auffuhre / und feuer feuer rieffe. Die ümstehende sich hierüber verwundend /
sahen nach einem orte / dahin Artainte ihre augen gewendet / und wurden gewar /
dass unferne vor ihnen im tal eine hohe flamme aufginge. Dieses feuer hatte die
Artainte erschrecket / und ware nur ein lustfeuer / welches die schåfere von
allerhand gesträuche angezündet hatten / und üm dasselbe ihre dånze hielten.
Wiewol nun zu vermuten / dass Artainte / auf der Prinzessin frage / sonder
bedacht mit dem worte feuer feuer geantwortet / so wollen sie doch ingesamt /
dass es bei dem ausspruch verbleiben sollte. Wie nun die schöne Jemima / ihre
schwester Kezia /neben der Melidia und Sandenise / erwehlet / diese antwort
auszulegen / sagte die Prinzessin: weil der Sinear weiss / dass wir ehmals aus den
gestirnen ersehen / wie uns hier in Mesopotamien eine feuersnot drohe /als
gedenket dieser verliebte nacht und tag daran / und ist nun deswegen zu Samosata
voll sorgen / dass uns hier dergleichen begegenen möchte. Das feuer bedeutet die
liebe: (erwähnte Melidia) weil nun der Prinz von Chaldea voller liebe ist / hat
Artainte solches durch das feuer andeuten wollen. Weil dieser unser Teraphim /
(sagte Sandenise / auf die Artainte deutend) selber nicht weiss / was er spricht
/ so darf ich auch nicht sorgen / dass ich werde fehl-rahten. Gleichwie das feuer
uns nicht brennet / das wir dort von ferne sehen: also hat Artainte mit ihrem
ruff andeuten wollen / dass der Prinz Sinear nicht mehr verliebt sei /nun er von
seiner Prinzessin so weit entfernet lebet.
    Der lustigen Sandenise werde dieser scherz von allen zu gut gehalten / und
urteilte darauf diese spielgesellschaft / dass Artainte sollte von ihrem amt
entsetzet sein / weil sie so unbedachtsam den ausspruch gegeben. Sie erwehlten
dagegen einhällig ihre Königin: welche / wiewol sie / sich zu ergetzen / gar
nicht aufgeräumet war / gleichwol ihre werte schäferinnen / bei dieser ihrer
angestellten lust / keine fehlbitt wollte tun lassen. Wie demnach Artainte die
bewahrte pfande / nach willkurlicher straffe / wieder verteilt / sezte Aramena
sich auf den hügel / üm die aussprüche zu geben. Lea war die erste / so ihre
frage fürbrachte: die dann wissen wollte / warum der Furst Elihu / wie auch ihr
bruder und der Chersis / sich hierbei nicht einfänden / alwo sie doch ihr
liebstes håtten? Die schone Aramena antwortete mit diesem reimspruch:
Was ungewiss / das muss uns sorge geben;
und was gewiss / darnach darf man nit streben.
Melidia / Ausicles / und Atamias / wurden erwehlet /dieses zu erklåren / da die
erste sagte: Unserer Konigin worte sind so klar / dass ich denen nichtes weiss zu
zusetzen. Glückliche liebhaber / sind allemal die fåulste aufwärtere. Unsere
Königin / (sagte Ausicles) verweiset der Fürstin Lea / ihre sorgfalt fur drei
sorgenlose liebhaber. Unsere Königin (sezte Atamias hinzu) hat hiermit andeuten
wollen / es seien wichtige geschäfte / die diese drei verliebte nötigen / von
unserer gesellschaft weg zu bleiben. Ich vermute / wie Atamias gesagt / (sagte
die Königin) und ist er also meinen gedanken zum nåhsten gekommen.
    Hierauf stellte sich Kezia ein / und fragte: Es hat gestern der Teraphim /
im tempel / zweier fürstlicher schwestern gedacht; sollte er damit nicht die
schöne Rahel verstanden haben / die etwan / aus alter liebe zu dem Pasicles /
diesen raub an ihm zu begehen verlanget? Nichtes ist der Bosheit zuviel! gabe
hierauf die Konigin den ausspruch. Kerenhapuch / neben den schäferen Nisan und
Nebod / sollten dieser worte deutung sagen / da die schöne Prinzessin von Ausitis
also urteilte: weil man bosheit oft für schalkheit nimmet /als ist es meiner
vorwitzigen schwester nicht zu viel /auf solche weise die unschüldige Rahel
hiemit zu belegen. Wan es muglich wäre / (sagte Nisan) dass man den Teraphim
einiger bosheit beschüldigen könnte / so wurde er dessen hierbei sich schuldig
machen / indem er / wie die Prinzessin vermeint / eine so unschuldige und ihm
ergebene Fürstin / als wie unsere Rahel ist /mit solchem verbrechen belegen
wollen. Nebod fiele dieser des Nisans Meinung bei / und sagte die Königin / die
sich nicht völliger erklåren mochte / diese zween hätten am nächsten
zugetroffen. Hierauf trate Rahel herfur / und verlangte zu wissen: Ob sie dann
nimmermehr dem Jacob würde kinder gebären? da sie dann / von der Königin / diesen
reim zur antwort entfinge:
Gute tage schwerer sind zu tragen /
als die bösen / die da voller plagen.
Ich bedarf (sagte Rahel und lächelte) keiner weitern erklärung von andern / was
dieser ausspruch lehren wolle. Warüm nicht? (versezte Jemima) meine base neme
mich an / dieses auszulegen. Ich bin damit friedlich / (antwortete Rahel) und
will / auser meiner Prinzessin / sonst niemand mehr hierzu erkiesen. Die schone
Rahel will wissen / (sagte demnach Jemima) ob sie noch kinder tragen solle. Unser
mehr dann heiliger ausspruch antwortet / die guten tage sein schwer zu tragen:
anzudeuten / dass solche bald bei der iezt-ruhigen Rahel aufhoren / und dagegen
die bösen mit den kindern sich einstellen sollen / die sie so gar voll plage
finden wird / dass wohl der tod davon komen mochte. Ich frage nichts nach
demselben / (antwortete Rahel) wan ich nur kinder bekomme. Hiernächst kame
Oromedon / und wollte wissen / ob das jahr gesegnet sein würde? Die Königin
fårtigte ihn mit diesem worte ab: Fleis gibt lohn. Timonax / Briside und
Astarine / die dieses zu erklären erkieset worden / hatten alle dreie einerlei
Meinung / dass der erwünschte land-segen durch der inwonere fleissige arbeit
musste erarnet werden: worinn ihnen auch die Konigin beifiele.
    Wie nun also die zeit / bis gegen den abend / mit diesen spielen verbracht
worden / und die Königin nach ihrem palast wiederkehrte / begegneten ihr alle
anverwandten des Oberpriesters / als die richtere und richterinnen von Amida /
und andere seine freunde: welche / dem herkommen gemås / mit ihm zu nacht
speisen wollten / um sich mit ihm zu erfreuen uber der ehre / die er nun abermals
erlebet / einen neuen Teraphim zu schlachten Chersis war mit unter diesem haufen
/ der dann die schöne Amphilite / sie unter den nachfolgerinnen der Konigin
erblickend / bei diesem gastmal / als eine neue anverwandtin / mit haben wollte:
und wiewol sie für ihren gehåssigen schwågern und schwiegerinnen sich scheuete /
so musste sie doch dem Chersis folgen; welcher der Königin mit augen-winken / zu
verstehen gabe / weil er vor so vielen aufmerkern es nicht sagen kunte / dass
ihre anschläge noch wohl gingen. Es bekräftigte solches nachgehends der Betuel /
der bei der Konigin in ihrem zimmer sich einfunde / und ihr seine verrichtung
vermeldete: die darin bestunde / wie nun alles zu des grossen Cimbers flucht
färtig stunde; wie der Chersis mit ihme bei diesem König gewesen / und deme die
freuden-post gebracht / dass er die Konigin sprechen sollte / welches er mit
unbeschreiblichem vergnugen hätte angehöret; wie er hierauf ihnen nachricht
gegeben /dass sie zween seiner bedienten / in einer hole / die dem riesen Harab
zuständig / antreffen wurden; wie sie solche auch gefunden / und diese nacht an
einen gewissen ort bestellet / mit ihrem herrn fortzugehen.
    Sagte dann der Konig nicht / (fragte die beunruhigte Konigin) was ihn bewogen
/ solcher gestalt hieher zu kommen. Diss war die häftige liebe zu der schonsten
Aramena / (antwortete Betuel) und die besorgung ihrer ungnade: welcherwegen er
der glückseeligkeit /E. Maj. offentlich / mit ihrem vorwissen / sehen zu dörfen
/ sich nicht versehen können. So ist er ihm dann bewust / (sagte die Konigin) dass
ich / uber ihn zu zurnen / befuget sei? Weil unsere unterredung (versezte
Betuel) sehr eilfårtig zuginge / und die hiervon mit-wissende priestere uns
wenig verliessen / als kunten wir ein mehrers nicht / als was ich iezt
wiederholet / von ihm erfahren. Soviel erhellet aber aus allen umstånden / dass
er seiner Königin höchste ungnade ihm eingebildet: massen er von unglaublichem
freud-entsetzen überfallen worden / als wir ihn des gegenteils versicherten. Was
habt ihr getan / mein vetter? (fragte die Konigin ganz besturzt) wie wisset ihr
/ ob Tuscus Sicanus bei mir in gnaden sei? zum wenigsten vermute ich solches /
(antwortete Betuel) und weiss ja mit der ganzen welt / dass E. Maj. diesen Konig
erwehlet haben / diss land neben ihr zu regiren. Dass aber inzwischen irrungen
entstanden seien / solches erscheinet aus allen ümstanden. Ich / zwar als deren
unwissend / kann hiervon nicht erteilen: doch vermeine ich nicht / dass E. Maj.
befugt seien / gegen einem so ehrerbietigen liebhaber ihr herze zu åndern / der
ja nicht bässer lieben könnte / als er in reden und gebärden verspüren lässet.
    Wie sagtet ihr dann / (fuhre die Konigin fort zu fragen) als ihr ihme meiner
gewogenheit versicherung gabet? Wir sagten ihme / üm sein klagen zu stillen
/(antwortete Betuel) der grosse Cimber hätte nicht ursach zu glauben / dass
unsere Königin ihm abhold wäre. Sagte er dann nichtes / (fragte Aramena ferner)
was ihme mein bruder / durch einen gesandten / auf das Riphatische gebirge
entbieten lassen? Er ware so voll freuden / (sagte Betuel) dass er ferner /
solang wir bei ihm waren / von nichts anders redte / als von dieser für ihren
treusten Cimber überglucklichen änderung seiner Königin. Diesen namen Cimber
gabe er ihm sich allemal selber: wir mussten auch / als wir seinen bedienten in
des Harabs höle ansagten / wie es mit ihrem herrn / stunde / auf sein begehren /
ihn anders nicht als Cimber nennen. Vieleicht schämet er sich (sagte die
Konigin) den namen Tuscus Sicanus zu füren / weil er weiss / wie er mit demselben
mich beleidiget? Weil dem Betuel von diesen dingen nichts bewust war / als
unterfinge er sich auch nicht /solches zu beantworten: und verliesse er endlich
die Konigin / nachdem sie ihm / wiewol fast gezwungen /nochmals die versicherung
getan hatte / wie sie des Cimbers üm mitternacht in ihrem gemach erwarten
wollte.
    Viele und mancherlei anfechtungen stunde sie nachgehends aus / als sie sich
allein sah / da ihr bald der reuende Cimber / bald der mishandlende Tuscus
Sicanus fürkame: und wurde sie immer irriger und unschlussiger / ie nåher die
zeit heran kame / dass sie ihn sprechen sollte. Sie / die sonst die beredsamkeit
selbst ware / studirte nun vergebens auf eine unterredung /die sie mit dem
Cimber halten wollte / und dunkte sie alles / was ihr deswegen einfiele /
entweder zu hart /oder zu gelinde sein. Hierzu kame auch die ångstliche sorge /
dass der vorhabende anschlag misglücken / und dieser grosse Konig in solcher
lebens-gefahr umkommen möchte. Wan sie solches recht bedachte / so wusste sie von
keinem unwillen mehr. Fiele ihr aber ein / dass er würde los und zu ihr kommen /
so vermeinte sie / ihre ehre wäre viel zu viel beleidigt / als so schlecht hin
den Cimber wieder zu gnaden aufzunemen.
    Unter solchem ihrem gedanken-quälen / kame der Elihu zu ihr / welcher bei
verschiedenen hirten / und zwar mit grossem nutzen / sich bearbeitet hatte /
derer auf bedürfenden fall versichert zu sein / wan etwan des Cimbers entkommung
misglucken sollte: wovon er dann der Konigin ausfurlichen bericht abstattete.
Allen argwahn zu vermeiden / ginge er mit zu dem abend-essen / dazu er die
Horiten eingeladen worden / dahin auch der Fürst Laban seine beide töchter zu
erscheinen vermocht hatte. Also bliebe niemand bei der Königin / als die drei
Prinzessinnen von Ausitis: welche ohne sie nirgend hin zu gehen begehrten / und
also /gleichwie sie getan hatte / bei den priesterinnen / mit ihnen zu speisen
/ sich entschüldigen lassen. Also ware nun / in der ganzen gegend des tempels
und der landschaft Abagara / ein allgemeines wolleben / und wurden / nicht
allein im tempel / in den schlössern und häusern / gastereien angestellet /
sondern die schäfere hielten auch malzeiten im freien feld / und zecheten /auf
ihres neuen Teraphim gesundheit / so dapfer drauf / dass in der ganzen gegend
fast keiner mehr nüchtern anzutreffen ware.
    Wie nun die mitternacht einfiele / da Betuel und Chersis ihren grossen
anschlag wollten werkstellig machen / verschliche sich dieser lezte aus der
gesellschaft / die in seines vatters hause versamlet war / als er es zeit zu
sein merkte / und den Betuel / wie sie zusammen abgeredt hatten / in dem tor
des tempels findend / ginge er mit ihm hinein: massen diese nacht die turen des
tempels nicht verschlossen wurden /sondern / wegen des vielen darin
verrichteten schlachtens / und anderer zurüstung zum grossen opfer / das
folgenden tags sollte gehalten werden / fur iederman offen stunden. Die priestere
/ die den Cimber bewacheten / waren wegen dessen / dass sie halb trunken / noch
mutiger / als vorhin / den König zu erlosen: und weil sie wohl wussten / dass
nachgehends alda ihres bleibens nicht mehr sein würde / als hatten sie sich
entschlossen / mit auf das Taurische gebirge zu gehen / und den Celten und
Aborigenern fortin für Druiden zu dienen. Sie liessen sofort diese beide zu dem
Cimber hinein: der nicht so viel an seine erlangende freiheit / als an die
glückseeligkeit gedachte /dass er mit der unvergleichlichen Aramena reden sollte /
um deren ansichtigung allein er sein leben also gewaget hatte. Werte freunde!
(sagte er zu ihnen) ist es nun zeit / die Konigin zu sehen. Wan E. Maj. beliebt
/(antwortete Chersis) so wollen wir / vor unserer abreise / diese ansprache
verrichten. Lasset uns dann (sagte er ganz freudig) keinen augenblick verseumen /
mich solcher gluckseeligkeit teilhaftig zu machen.
    Damit liesse er sich von ihnen hinaus füren / und namen ihn die priestere
mitten unter sich / dass niemand / zumal es auch nacht war / seiner gewar wurde.
Unterwegs / ehe sie an der Konigin wonung gerieten /fragte Cimber den Chersis:
ob sie dann / wie er aus seinen reden verstanden / mit ihm reisen wurden? Worauf
dieser antwortete: Er fur seine person / wåre solches zu tun gesinnet; aber der
Fürst Betuel würde nach Samosata gehen / üm dem König in Syrien von diesen
dingen bericht zu tun. Ohne zweifel (sagte Cimber) geschihet eure flucht
deshalben / weil ihr dem Teraphim nicht trauen dorfet / der den dienst /welchen
ihr mir iezt leistet / in der anfrage verraten möchte. Eben deswegen / (sagte
einer von den priestern / der zimlich bezecht ware) gehen wir auch mit nach dem
gebirge: dann uns das bleiben ubel bekommen dörfte / wan man erfüre / was wir
iezt begehen. Ich erkenne mich darum soviel mehr verbunden / (erwähnte Cimber)
fur das / so mir iezt widerfåret / und werde mich gegen euch dankbar finden
lassen. Hiemit traten sie in der Konigin palast: die die drei Prinzessinnen von
Ausitis dazu vermocht hatte / bei ihr zu bleiben / und eben so entstellt wurde /
als der verliebte König / wie sie einander zu sehen bekamen. Ihm fiele auf
einmal ein / was für worte die schone Aramena das lezte mal mit ihm in Damasco
geredet / welcher gestalt man einen andern für ihn erwehlet / und seiner treuen
dienste vergessen / auch wie sein alter herzensfreund / der König von Syrien /
gegen seine abgeschikte sich erwiesen håtte. Dieses alles / liesse ihn / von
dieser ansprache / wenig trost hoffen.
    Dessen aber ungeacht / und von seiner feurigen liebe angetrieben / warfe er
sich jählings zu der schönen Aramena füssen nieder / und sagte zu ihr / fast aus
sich selber: Was darf oder soll ich hoffen / von dieser gnade / die mir iezt
gegönnet wird / meine Königin zu sehen? sollte es wohl eine anzeig sein / dass man
dem unerkentlichen König Tuscus Sicanus die ehmals-angebotene gluckseeligkeit zu
entwenden /und einen erkentlichern damit anzusehen gedenket /der / weil er
gewust / was lieben ist / die unvergleichliche Aramena verehret? Weil die
Königin das lezte von diesen worten nicht eigentlich in acht name / und durch
die tränen des Cimbers sich erweichen lassen /ihm zu vergeben / was sie von ihm
unrechtes erlitten zu haben vermeinte / als gabe sie / ihn zugleich von der erde
aufhebend / folgende antwort: wan ich mich /von dem reuenden Tuscus Sicanus /
dergleichen bezeigungen nicht mehr befahren darf / dass er ferner ein bässerer
freund als liebhaber sein wolle / so soll ihme das nie entwendet werden / was
ihme einmal ist zugedacht gewesen. Hingegen beteuere ich hiemit vor den
allsehenden Gotte / dass ich alles entfangene unrecht vergessen will / dass ich
meinen bruder zu gleicher güte zu bewegen verhoffe / und dass ich es nie an mir
will erwinden lassen / des Tuscus Sicanus liebe mir treuer gegenliebe anzusehen
und zu erkennen.
    Der arme Cimber / seine Königin also reden hörend / hatte damit das lezte
end-urteil seines todes vernommen / und verliessen ihn auf einmal alle seine
kräfte / dass er / wie todt / zur erden nieder sanke. Weil auch eine unvermutete
freude dergleichen wirkung verursachen kann / als vermeinte die Königin nicht
anders / diese schwachheit wåre dem Cimber daher entstanden: weswegen sie
bereuete / dass sie sofort mit so guter erklärung herfur gebrochen / und nicht
vielmehr etliche verweise lassen füran gehen /üm sein gemüte zu der
nachfolgenden freude zu vorbereiten. Sie musste aber nun auf schleunige
hulfmittel denken / diesen verliebten wieder aufzumuntern. Betuel und Chersis /
die inzwischen bei den dreien Prinzessinnen sich befunden / und mit ihnen in ein
gespräche sich einliessen / liefen auch eilig hinzu / um zu sehen / was dem
Cimber fehlte: da sie dann / über diesen zufall ganz entstellet / dem onmächtigen
Konig die brust blösseten / um ihme dadurch luft zu schaffen.
    Es wurde aber ihrer aller entsetzen üm ein grosses vermehret / als sie in dem
augenblick ein geschrei und auflauf im hofe des palastes vernamen / da man
rieffe: fahet ihn! fahet ihn! er ist hieher entrunnen. Die priestere / so vor
der Konigin gemach aufgewartet / verloren bei dieser angst alle ehrerbietung /
und liefen in das zimmer hinein / anzumelden / wie sie mit einander verraten
wären. Die Konigin bliebe / bei allen diesen dingen / die herzhafteste / und
hiesse den Cimber sofort in ihre kammer bringen: da Chersis und die priestere bei
ihm bleiben mussten / üm ihm aus seiner starken onmacht aufzuhelfen. Hierauf
ginge sie / von dem Betuel gefüret / und nach ihr die drei Prinzessinnen / dem
orte zu / alwo das geschrei am lautsten und stårksten war. Wie sie dahin
gekommen / des gänzlichen fürsatzes / sich nun öffentlich für den Konig der
Aborigener zu erklåren / und ihn zu schützen / erblickte sie ein greuliches
schauspiel: da die tolle und volle schäfere aus den Horiten / eine priesterin
bei den haaren daher schleppten / und ihr allerlei marter und pein antäten / um
aus ihr zu erpressen / wo derjenige wäre / den sie / wider verbot / in der
priesterinnen kammer diese nacht eingelassen hätte. Verschiedene andere
priesterinnen waren dabei / und stellten sich ja so erbittert über sie an / als
ihre peinigere. Der zulauf mehrte sich nach und nach / und wurde es nicht wohl
abgelaufen sein / wan der Konigin gegenwart dieser rasenden wut nicht gesteuret
håtte.
    Sie fragte sofort: was sie hiermit wollten? und bekame endlich / wiewol sehr
verwirret / zur antwort: wie dass ein fromder / durch hulfe und vorschub dieser
alten / eine vor etlicher zeit hier angekommene priesterin entfüret hätte.
Aramena wollte hierauf befehlen /gemachsamer mit ihr ümzugehen: es ware aber zu
spat / weil indem / einer von den tollen riesen / ihr das haubt abrisse / und
also seine mitgesellen anfrischte /folgends auch wider den übrigen leib zu
wüten. Hiemit stillte nun der auflauf / und verliefen sich diese rasende mit den
zerstümmelten stücken: da die Königin sich in das tor gestellet / und den
andern / die haufenweis herzu dringen wollten / den eingang verwehrte. Indem kame
auch der riese Harab dazu / als der oberste befehlhaber in selbiger gegend:
welcher den auflauf stillte / und / gegen der Konigin / diese zugefügte unruhe
entschuldigte. Telecles / Targas / Helidor / und Sineab / wie auch der Fürst
Laban / und alle vornemste / stellten sich nun auch ein: und wiewol der
Oberpriester / neben den andren / sehr trunken war /so entfande er es doch gar
übel / dass dieser heilige ort hiermit zweifältig / nämlich durch entfürung einer
priesterin / und durch ermordung einer andern / war entehret worden; massen auch
solches iederman für ein ungluckliches zeichen hielte. Es wurde auf alle strassen
dem täter nachgeschicket: es war aber nicht moglich / und hatte man nicht zeit
/ eigentliche erkundigung einzuziehen / welchergestalt sich diese entfurung
begeben håtte; daher man des folgenden tags erwarten musste / hiervon ein mehrers
zu vernemen. Sie begleiteten die Konigin wieder nach ihrem zimmer /und begaben
sich folgends die nachtzeit / zur ruhe: üm desto munterer bei dem morgigen
grossen opfer zu erscheinen.
    Sobald nun die Königin mit den Prinzessinnen und dem Betuel wieder alleine
war / eilete sie nach der kammer-tür / um zu sehen / wie es dem Cimber erginge.
Sie fand aber daselbst alles leer und ledig: welches sie vermuten machte / sie
würden unter diesem auflauf sich hinweg gemacht haben und entkommen sein. Sie
entfinge auch bericht hierüber / von dem Fürsten Elihu / welcher / wie spat es
auch war /bei ihr sich anmelden liesse / und ihr eröffnete: wie dass er / sobald
er den auflauf vernommen / von des Tiladors gastmal aufgestanden / und
verråterei besorgend / seine hirten zur hand gebracht hätte / um dem Cimber
beizuspringen: indem er aber mit ihnen im anzug gewesen / sei ihme dieser / mit
dem Chersis /auf einem wagen begegnet / und also samt den priestern / die sich
auf kamele geworfen / glücklich davon gekommen. Hat dann der Konig / (fragte
Aramena) mir nichtes sagen lassen? und wie habt ihr ihn gefunden? dann er ist
bei mir onmächtig worden / als ich ihn /wegen des auflaufs / verlassen musste.
Wir hatten keine zeit / (antwortete Elihu) viel miteinander zu reden / weil
alles in der ganzen gegend wach ware: und vername ich nur soviel von dem Chersis
/ dass ich E. Maj. berichten sollte / wie er den Konig glucklich auf das gebirge
über zu bringen verhoffete; und hat er hierbei mir auch seine Amphilite
anbefohlen.
    Man setzet demjenigen nach / (sagte die beängstigte Königin) der alhier den
raub an der priesterin verubet hat: wie leicht kann es nun komen / dass sie auf
den Cimber stossen / und alles damit verraten werde? Dieserwegen (gabe Elihu zur
antwort /) seien E. Maj. nur unbesorget: dann / ehe diese trunkene auf die
pferde kommen / deren auch hier wenig an der zahl sind /haben die andern bereits
etliche meilen in das gebirge voraus gerucket: und werden sie nicht still halten
/ bis sie sich vollig in sicherheit sehen. So müssen sie auch bald auf die
vermutlich herabkommende Aborigener stossen / die der Nahor / zu rettung ihres
Konigs / wird aufgesprochen haben. So eilet dann nun auch / mein vetter! (sagte
die Konigin zum Betuel) ehe euch die gefahr alhier überfalle / und saget dem
Konig / meinem bruder / furnemlich aber der Cölidiane / wie es mir ergehet / und
wie ich mich bewegen lassen / den Cimber wieder anzunemen: der / meine
weichmutigkeit nicht vermutend / darob fur freud-entsetzen schier gestorben
wåre. Ihr werdet von ihnen / alle meine begegnise mit diesem König / vernemen
konnen / die ich euch iezt in der eile nicht erzählen kann. Soltet ihr auch / als
ich vermute / den Konig unterwegs antreffen / so sprecht ja ihme zu / dass er
eile / auf das schloss Amida hier in der nähe zu kommen: üm alle befahrende
gewalttåtigkeit von uns abzuwenden. Betuel verhiesse / diesem allen gehorsamlich
nachzukommen /und hierauf zu seiner Prinzessin sich wendend / name er von ihr
einen viel-betrübtern abschied / als die kurze zeit / die er auszubleiben
vermuten kunte / erfordern mogen. Hierauf reisete er noch in der nacht hinweg /
den einigen Elihu / der Konigin an hand zu gehen / bei ihr zu Abagara
hinterlassend.
    Dieser Fürst / der auch nichts an sich wollte erwinden lassen / seiner
Königin nützliche dienste zu leisten / gabe ihm selber kaum so viel zeit /
etliche stunden auszurechnen: weil er wohl vermuten kunte / was fur eine unruhe
folgenden tags entstehen wurde. Er verfugte sich / mit aufgang der soñen / zu
denen ihm-anhangenden hirten / deren er bei vierhuntert beisammen hatte: mit
denen er dann dem palast der Königin sich nåherte / um desto bässer auf alles ein
wachendes auge zu haben. Indessen kamen auch alle andere schäfere und hirtinnen
/ nach ihrer art auf das båste bezieret / und lagerten sich um den tempel her:
da gleichfalls die Horiten / die von Zoba / und alle hirten aus Abagara
erschienen / und mit verwunderung die spate öffnung des tempels warnamen. Die
ursach ware / dass der Telecles und die andere geistliche / von dem
nachtgeschwälge sich noch nicht ermuntert hatten /sondern noch der ruhe
pflegten. Doch mussten sie dieselbe endlich verlassen / und zu dem vorhabenden
grossen werk sich färtig machen. Sie kamen demnach in prächtiger ordnung hervor /
und / weil an diesem tage der Oberpriester gleich als ein gottverehret wurde /
indem er einem zum gotte schlachten sollte / als fiele alles volk auf die erde /
wie sie ihn ersahn. Sie liessen folgends ihn und die priester allein in den
tempel gehen / die gebräuche vorzunemen: dahinein auch sie ihrer Konigin / wan
die durch ihre fürnemsten abgeholet würde / folgen wollten.
    Sobald der Telecles und seine schaar in den tempel gekommen / gingen sie
gerades fusses dem gefängnis zu: alda sie aber so wenig die verordnete huter /
als nachgehends den gefangenen selber / fanden / und nach ihme vergeblich alle
orte im tempel durchsuchten. Ihr schrecken und entsetzen war hierüber so häftig
/ dass sie / gleich den marmornen seulen / auf denen das gewolbe ihres tempels
ruhete / stehen blieben / und / sonder ein wort herfürzubringen / einander
ansahen. Doch erholte sich der Telecles am ersten /und / diesen zufall fur dem
volk heimlich zu halten /für hochstnötig erachtend / stellte er / in alle
pforten des tempels / priester / um vor jederman den eingang zu verwahren. Er
fur seine person / ginge vor das haubt des Teraphim: da er zur erden fiele / und
die gotteit inbrünstig anrieffe / sich vernemen zu lassen /wie es mit dieser
entkommung des zum neuen Teraphim bestimmten gefangenen zugegangen wåre. Aber
sein eifriges gebet / das von den andern mit gewönlichem rauchwerk von
köstlichem weirauch reichlich begleitet wurde / bliebe unerhöret / weil der
Teraphim nichts antwortete / sondern ganz stumm verbliebe: ob gleich seine zeit
/ still zu schweigen / noch nicht anginge / und er bis zu ausgang des festes
reden sollen. Dieses verdoppelte nun den ersten schrecken / und mussten die
andere priester den Telecles fast halb-todt von dar in eine gewolbte kammer
furen / da sie sonst raht zu halten pflegten.
    Wie er daselbst ein wenig sich erholet / überlegte er mit den verståndigsten
unter ihnen / was hiebei zu tun sein mochte: da dann einhellig geschlossen wurde
/ man müste / mitlerweile nach den verlornen gefangenen ümgesuchet würde /
dieses alles dem volk verhelen / und fürgeben / wie dass man den gefangenen noch
nicht also befunden håtte / ihn vor etlichen tagen zum Teraphim schlachten zu
können / und dass der ietzige Teraphim geboten håtte / alles volk nach haus zu
lassen / und bis auf ferneren bescheid sich des opferens zu entalten / auch
inzwischen mässig zu leben. Dieser ratschlag / ob er gleich nicht auf die daure
angesehen / wurde dannoch vor der hand fur das bäste mittel gehalten: um alle
aufstände zu verhüten / und das ansehen des Oberpriesters bei ehren zu bewahren.
Also trate nun Telecles / seine innerliche angst verdruckend / zum volk heraus /
und täte ihnen die ankündigung / dass aus der opferung heute nichtes werden
würde. Er ginge folgends zu der Königin: die fast eben so unruhig als er war /
und den ausgang dieses handels mit schmerzen erwartete. Wie sie nun vername /
was er ihr fürbrachte / und dass er ihr die warheit / davon ihr doch die umstånde
båsser / als ihme / bekant waren / verhelete / bezahlte sie ihn mit gleicher
münze / in deme sie alles glaubhaft anname / und ihn also wieder von sich liesse
Die beruhigung aber des volkes / ware hierbei nicht so gross / als die ihrige:
massen ein sonderbarer schrecken sie alle überfallen /als sie diesen unversehenen
aufschub vernommen.
    So viel sinne und neigungen unter ihnen waren / so viel meinungen entstunden
auch hieruber. Die / so die allerergebneste des Teraphim sein wollten / hielten
dafür / die gotteit wåre ergrimmet / dass der raub an seinen priesterinnen
fürgegangen / und wollte also darum / da sein tempel enteiligt / diese heilige
opferung nicht gestatten. Andere / unter denen sich die richtere von Amida
befunden / schoben es auf ihre unglaubige Königin / und vermeinten sie dadurch
bei dem volke schwarz zu machen. Andere gisseten die warheit / ob auch wohl der
gefangene entkommen / und vermuteten / dass der wohl gar der rauber ihrer
priesterin sein mochte. Weil hieraus allerhand verwirrungen unter den hirten
erfolgten / als wurde das übrige dieses tages nicht so frölich zugebracht / als
wie der vorige. Weil noch fünf tage ihres festes waren / da sie mussten beisammen
bleiben / als stellten sie sich des folgenden tags früh vor dem tempel wieder
ein / üm zu vernemen / ob nun nicht die opferung des Teraphim geschehen könnte?
darnach sie so sehr verlangte /weil ihnen zugleich verboten worden / ihre
ergetzlichkeiten fortzusetzen. Sie erhielten von dem Telecles diesen bescheid:
dass sie nur noch den tag verziehen möchten. Dieses machte sie so unwillig / dass
es sich nicht übel zu einem aufstand ansehen liesse: daher der Oberpriester sich
genötigt sah / den ältesten und fürnemsten unter ihnen die warheit zu vertrauen
/ und sie zu bitten / ihre untergebene in den schranken des gehorsams zu halten.
Weil diese hiervon kein grosses geheimnis machten / und es nach und nach unter
die leute brachten / als wusste / in wenig stunden / die ganze gegend von Abagara
/ dass ihr zum Teraphim bestimmter gefangener samt den priestern entkommen wäre.
    Weil man mitin den Fürsten Nahor / wie auch den Betuel / Demas und Chersis
vermissete / gabe es allerhand fromde urteile: daher sie einhållig darauf
drungen / dass man den Teraphim befragen sollte / wie es hiermit bewandt sein
mochte? Telecles / ob ihm wohl sehr bang hierbei ware / dass also die verstumung
des Teraphim ausbrechen würde / musste iedoch / den andern morgen / die algemeine
opferung des volkes fortgehen lassen: deren aber die Königin / auf einrat des
Elihu / nicht mit beiwonete; und hielte dieser getreue Furst / mit den hirten
von Amida / die wacht für ihrer Königin palast / sie auf allen notfall zu
beschutzen. Es erginge im tempel / wie Telecles gesorget /und ware da keine
antwort von dem Teraphim zu erzwingen: wie sehr auch die priestere / samt dem
volk /hierum anhielten. Dieses war nun fåhig / alle lust und freude des festes
auf einmal aufzuheben / und durfte der Oberpriester das volk nicht mehr ermanen
/ eingezogen zu leben / weil ihnen nun von selbst ihre grosse bekümmernis ein
solches riete. Es gingen aber die geistliche / wie auch die fürnemsten unter den
Horiten und den andern / fleissig zu rate / was bei dieser beschaffenheit
fürzunemen sein mochte / sowol den grossen Teraphim zu versonen / als dem
betrübten hirten-volk ein gnugen zu schaffen.
 
                                Das Vierte Buch.
Wie betrübt und unruhig iederman in der gegend Abagara ware / welche nun ganz
Mesopotamien in sich beschlosse / so voll sorglicher angst befande sich auch
dieser schåfere ihre schöne Konigin: weil sie keine zeitung / weder von dem
Taurischen gebirge /noch von Samosata zuruck bekame / und also in der
ungewissheit / wie es ihrem Konig erginge / lebend /die ståtige gefahr dabei fur
augen haben musste / darin sie nun unter den unbåndigen riesen schwebte. Sie
hatte aber nicht allein mit dieser ihrer eignen sorge gnug zu schaffen / sondern
sie musste auch / so wohl die beide Fürstinnen von Haran / wegen des langen
ausenbleibens ihrer brüder / als die Prinzessin Kerenhapuch und die Amphilite
trösten / welche ihr zu dienste / die gegenwart ihrer geliebten misseten / die
sich wegen dessen / so sie gewaget / in nicht-geringe gefahr gesetzet hatten.
    Demnach ihre und ihrer bei sich habenden unlustige gedanken in etwas zu
vertreiben / begabe sie sich einsmals nach dem garten der priesterinnen / der
hinter selbigem palast angeleget war / und nicht wenig lust in sich hielte: weil
solches die einige ergezlichkeit und freude der priesterinnen sein musste / als
die sonst nirgend hin zu kommen pflegten. Alles was zugleich nutzen und lust kann
geben / fand sich alda überflussig: da dann die Prinzessinnen von Ausitis / der
Konigin / viel frömde kräuter und gewächse zeigen konten / die sonst nicht viel
gesehen werden / und worauf sie sich sonderlich wohl verstunden. Nachdem sie
hiermit eine geraume zeit verbracht hatten / sezte sich die Königin mit ihnen an
einen herrlichen springbrunn / dessen künstliche arbeit und viele ausspritzende
wasser sie wohl betrachteten. Indem wurden sie einer priesterin gewar / welche
sich / unten am rande des brunnes / auf der andern seite / niedergelegt hatte /
und schlieffe. Weil es schiene / dass sie sich sehr müste verweinet haben /
massen ihr die wangen noch nass waren / als verursachte solches einen fürwitz bei
der Rahel / nåher hinzu zu schleichen / und sie genäuer zu betrachten. Sie
ersah endlich / dass sie /unter ihrer geistlichen kleidung / ein statliches
kleinod am arm truge / welches sonst dergleichen ordensschwestern verboten ware.
    Sonder zweifel (sagte sie ganz leise zu der Konigin) ist diese priesterin
etwas furnemes / und ob ich mich gleich nicht also / wie die Prinzessinnen von
Ausitis / auf die bildungen verstehe / so wollte ich doch schier sagen / dass sie
verliebt sein müsse. Es scheinet / (antwortete Kezia) dass dieses kleinod ein
bildnis in sich fasse. Sie schlåft so fåste / (widerredte Rahel) das man ihr gar
leicht dieses armband wird ablosen konnen: und / wan E. Maj. mir erlauben / so
will ich diesen unschüldigen raub begehen. Um vieleicht hierdurch dieser
betrubten in ihrem anligen zu dienen / (sagte die Königin) kann ich es gonnen /
dass man auf solche art hinter ihre geheimnise komme. Hiemit schliche Rahel näher
hinzu / und lösete sonder muhe das kleinod ab: welches sie sofort der Konigin
brachte / die es eroffnete / und das bildnis einer mannsperson darin fand /
welchem die ümschrift den namen gabe / Jebus König von Jericho. Es erinnerte
sich die Konigin / dass sie diesen Canaaniter in Damasco gesehen; auch fiele ihr
dabei ein / dass ihr ware erzehlt worden /welcher gestalt dieser König einer
Prinzessin von Tyro aufgewartet: also machete sie ihr die vermutung / wiedass
diese priesterin eine von des Konigs Tiribaces schwestern sein müste.
    Sie wollte eben / ihre gedanken hiervon / den andern eröffnen / als die
priesterin vom schlaff erwachte /und dieser fürnemen gesellschaft gewar wurde.
Sie wurde dieserwegen nicht besturzet / sondern zeigte vielmehr ihre vergnugung
/ stunde eiligst auf / die Konigin zu begrussen / und sagte: der himmel sei
gepreiset / der meinen wunsch erhöret / dass ich E. Maj. mein anligen darf
fürbringen / womit ich schon etliche tage mich getragen habe. Es betrifft dieses
mit / die gebeine einer grossen Prinzessin / die in lezter unglückseeliger nacht
/ in E. Maj. gegenwart / ihr leben lassen mussen / aber wegen ihrer hohen geburt
ein ehrliches begräbnis zu erlangen / durch mich die Konigin dieses landes
anflehen låsset. E. Maj. geben doch nicht zu / dass eines Königs tochter alhier
ihr grab in den leibern der wilden tiere und des gevogels bekomme / sondern
verordnen gnådigst / dass eiligste nachsuchung geschehe / wo die grausame hirten
die gebeine der priesterin gelassen und hingeworfen haben / die so jämmerlich
von ihren händen ümkommen müssen.
    Ich verneme mit verwunderung / (antwortete ihr die Königin) was ihr mir iezt
von einer entleibten Prinzessin saget / und gebe eurem billigen ansuchen gerne
statt / wan nur noch zeit dazu sein wird. Es sind schon über drei tage / seitdass
diese ermordung geschehen /und wer weiss / wohin die wütende riesen diese gebeine
mogen verworfen haben: hättet ihr demnach nur eher sprechen mögen / so sollte
gleich euer begehren geschehen sein. Das schrecken und entsetzen / (antwortete
diese priesterin) neben der verwirrung die hierauf erfolget / da so wohl wegen
der entfürung einer aus unsrem mittel / als wegen der entwischung des
geheiligten gefangenen / und wegen der verstummung unseres Teraphim / unser
palast härter / als sonst in diesem fest gebråuchlich / verschlossen worden
/haben mich abgehalten und verhintert / E. Maj. alsofort dieses anzumelden. Ihr
machet mich fürwitzig /(sagte die Konigin) von diesen verborgenen dingen ein
mehrers zu wissen: und da ihr mir eröffnet / dass eine grosse Prinzessin alhier
ümgekommen / werdet ihr nicht allein / ihren namen mir zu melden / kein bedenken
tragen / sondern euch dieser ganzen geschichte mich kündig machen / die so frömd
zu sein scheinet /als grossen anteil ihr dabei haben musset.
    Indem die Konigin dieses sagte / erblikte die frömde priesterin ihr
arm-kleinod in der Königin händen /errotete deshalben / und wusste nicht / was
sie sagen sollte. Ich sehe / (sagte die Königin zu ihr) dass ihr euch entsetzet
über dem / was ihr in meinen hånden schauet. Es ist euch entwendet / nicht euch
damit zu schaden / sondern vielmehr euch zu dienen: und da ich nicht glåube /
dass / auser der Prinzessin Rahabine / iemand des Königs von Jericho bildnis
tragen werde / als mache ich mir schier die vermutung / dass wir die Prinzessin
von Tyro fur uns sehen. Die priesterin bedachte sich eine weile / ehe sie dieses
beantwortete: endlich aber / wohl erwägend / dass ihr gehegtes verlangen nicht
bässer / als hiermit / konnte erfüllet werden /brache sie mit der warheit herfür
/ und gestunde / dass sie die ungluckseelige Rahabine von Tyro wåre. So leicht
mir dieses / (sagte die Königin / als sie diese Prinzessin ihrem stand gemäs
begrusset / und ihr ihr kleinod wieder zugestellt hatte) zu erraten gewesen /so
schwer würde es mir fallen / auszusinnen / wer dann die entleibte Prinzessin sein
könne. Ach! die mehr als bekannte Prinzessin Jerode ist es / (antwortete
Rahabine) von welcher ganz Canaan gnug zu sagen weiss /und deren leben E. Maj.
nicht unbekandt sein kann. Mit grosser verwunderung hörte die Königin diesen
namen nennen / und sich gleich erinnerend aller der bosheiten / so diese
Prinzessin ihr lebenlang verubet /kante sie des Hochsten gerichte nicht gnug
bewundren / der dieser elenden ein so jämmerliches ende gegeben hatte.
    Jerode (fragte sie) des Suevus gemalin / ist diese in diesen tempel / und zu
solchem tode / geraten? Es ist also / wie ich sage / (antwortete Rahabine) und
werden E. Maj. darum ihre vor-erwiesene barmherzigkeit nicht fallen lassen / ob
sie nun wissen / dass ich für der Jerode gebeine bitten wollen. Gedenket dieses
nicht / meine Prinzessin! (gabe die Königin zur antwort) ich bin nicht zum
richter über die Jerode gesetzet / und hat sie zu dem ihre straffe gnug
ausgestanden / dass also wider ihren todten körper nicht ferner zu wuten sein
wird. Aber lasset mich länger nicht unwissend leben / wie alles dieses
zugegangen / und was die ursachen seien / dass sich so grosse Prinzessinnen in
diesen geistlichen orden haben eingefunden. Wan E. Maj. (antwortete Rahabine)
dieses ümståndlich zu wissen begehren / so will ich mich nicht weigern /deme
gehorsamlich nachzukommen: verhoffend E. Maj. werden mir ihre hülfe nicht
versagen / wan sie vernommen haben / wie hoch ich deren benötiget bin. Als nun
die Konigin sich ihr zu allen diensten angeboten / musste Rahabine sich neben sie
an den rand des brunnes setzen / und da ihr und den dreien Prinzessinnen von
Ausitis / wie auch den beiden Furstinnen von Haran / erzählen
                  Die begebenheit der Rahabine und Zoroastra.
Der König von Tyro / mein herrvatter / zeugte mit der Königin / meiner
fraumutter / die des Oxiartes Königs von Bactra tochter war / drei kinder / den
unglücklichen Merotas / mich und die Zoroastra / meine jüngere schwester.
Unserer fraumutter tod stürzte uns in dieses erste unglück / dass auf unsere
erziehung nicht zum båsten acht gegeben wurde. Solches aber änderte sich
nachgehends / als der Konig zur andern heurat schritte / und die Delbois von
Assyrien / die witwe des Königs von Elam / zur ehe name / die uns in allen
tugenden fürleuchtete / also dass ihr nicht beizumessen gewesen / was etwan
Merotas oder wir beide nicht haben annemen wollen. Welcher gestalt unser bruder
in Canaan ümgekommen / solches kann E. Maj. nicht unbekant sein: und kame uns
dadurch die hoffnung zu / auf das Bactrianische reich zu gedenken / weil der
Oxiartes / unser grosherrvatter / keine sohne hatte /auch meine schwester und
ich seine nächste unverwandten waren: daher die / so üm uns waren / unsern hohen
geist immer damit aufbliesen / dass der tron von Bactra unser wartete / und in
unserer wahl stehen wurde / selbigem reich dermaleins einen Konig zu geben.
    Dieses erwekte auch nicht allein zwischen der Zoroastra und mir eine
eifersucht / sondern wir wurden auch dadurch angetrieben / iede ihr einen zu
erkiesen /der unsere ansprüche mochte behaubten können. Unserer stieffraumutter
sohn / der junge Konig von Elam / und der Hadoran / ietziger Konig dieses
reiches und in Moab / waren die jenigen / die wir also gedachten glückseelig zu
machen. Wie wir aber in dieser wahl uns betrogen fanden / indem ihnen die
hoffnung zum reiche Bactra nicht so lieb ware / dass sie üm des willen unsere
personen sollten erkieset haben / kame eben der Jebus / damaliger Prinz von
Jericho / an unsren hof / und an mir etwas findend / das der Amraphel nicht
sehen konnen / finge er an / mich zu bedienen /und erwiese mir auf so vielerlei
art seine ergebenste liebe / dass ich zum wenigsten mich nicht entbrechen kunte /
ihm dafür wohl zu wollen. Aus diesem gut-sein entstunde endlich eine gegenliebe /
die mich des Amraphel vergessen machte. Und weil des Jebus zustand erforderte /
dass wir hiermit sehr geheim leben mussten / als merkte niemand zu Tyro / was wir
einander verheisen hatten: bis dass dieser / als er bald darauf / nach seines
herrvattern ableiben / Konig wurde / selber damit herfur brache und es unter die
leute kommen liesse. Dieses verursachte / dass der Konig von Hazor /der ihm seiner
tochter kind / die Furstin Mehetabeel /zu-freien wollte / aufstutzig wurde / und
ihme die hoffnung zu dem tron von Hazor deswegen gänzlich entzoge. Weil nun ein
solcher verlust den Jebus nicht wenig schmerzte / als spurte ich einige
kaltsinnigkeit an ihme / wie er hierauf nach Tyro wieder kame / uns zu besuchen:
und kunte meine beständige gegenliebe ihn nicht also erquicken / dass ihme
deswegen der verdrus vergangen wåre / die ihn bei allem seinem tun begleitete.
Die hoffnung / welche ich ihm zu dem Bactrianischen reich machte / das viel
herrlicher und höher zu schätzen / als die kron von Hazor / vermochte ihn nicht
zu vergnugen: weil damals der schwere krieg zwischen meinem grosherrvatter und
dem Konig von Assyrien anginge / der / aller vermutung nach /wie es auch
erfolget / für die Bactrianer übel ausschlagen / und ihme also / gegen einem so
gewaltigen Monarchen etwas anzufahen / keine hoffnung übrig lassen konnte.
Hieruber entstunde nun zwischen uns mancher streit / der doch allemal wieder
beigelegt wurde. Dieses wärete so hin / bis der Prinz von Sidon nach Tyro kame /
und sich bei uns ein zeitlang aufhielte. Solches geschahe eben üm die zeit / als
unsere stieffraumutter nach Damasco zu E. Maj. reisete / und kurz hernach der
schwere handel zu Sidon furginge /da die Prinzessin Orosmada diesem Prinzen und
der Konigin Naema eine blutschande beimasse / und solche nicht beweisen können:
weswegen er sich vom Sidonischen hof entfernen musste / damit sich das geschwätze
unter den leuten verlieren möchte. Er wurde so wohl wegen seiner guten
geschicklichkeit / als weil er uns so nahe befreundet / und nun unschuldig
erkant war / von dem König meinem herrvattern wohl entfangen / und täte er sich
dermassen zu / dass er wie ein sohn bei uns gehalten wurde / und der Konig nichts
mehr verlangte / als dass er / eine von uns beiden / ihm zu-heiraten / und also
eine tochter Konigin von Sidon sehen mochte. Er stellte sich auch also gegen uns
an /dass Zoroastra neben mir sich von ihme geliebt glauben musste.
    Weil hierbei meiner schwester hoffnung grosser war / als die meinige / da
sie noch frei / ich aber von dem König zu Jericho so lang war bedienet worden
/als eignete sie ihr den Prinzen von Sidon gänzlich zu /und finge an zu beeifern
/ dass ich mit ihm ümginge: welches sie dann auf alle weise und wege zu hintern
suchte / auch öfters / wan der Prinz bei ihr ware / ihm verbote / mich heim zu
suchen. Weil er aber sie so wenig / als mich meinte / kehrte er sich nicht an
dieses verbot / sondern wartete mir ja so fleissig auf / als ihr. Was ihme meine
gesellschaft beliebiger machte /ware diss / dass ich nicht also / wie meine
schwester /mit ihm zankte / und weniger eiferhsucht erwiese. Wiewol er auch
damit der Zoroastra sich zuwider machte / so wusste er sie doch allemal wieder zu
beguten / dass sie nicht lang zurnen kunte. Also fürete er nit uns ein vergnügtes
leben / indem er uns stimmete wie er nur wollte / und uns also befande / dass wir
alles ihm zu-glaubten. Daher liesse ich mich nun gänzlich überreden / dass er mich
liebte / und hielte / was er gegen meiner schwester täte / nur für ein
angestelltes wesen. Meiner schwester ginge es eben also / und machte diese ihre
gute einbildung / dass sie weniger /als zuvor / über nich eiferte / und wohl
geschehen lassen kunte / dass ich mit ihm / als meinem schwager /ümginge. Wiewol
ich nur glaubte / dass er diesen namen bei mir nicht zu furen begehrte / so kunte
ich mich doch anfänglich nicht bequemen / seine liebe also anzunemen / dass ich
darüm dem Jebus den kauf aufgesagt håtte / sondern hielte noch immer beständig
an denselben. Doch muss ich gestehen / dass mir die schmeichlerische worte des
Sidons wohl gefielen: zumal ich sah / dass diese heurat viel vorteilhafter /als
die andere / für mich sein würde / er auch mir mehrhöfliche liebkosungen erwiese
/ als der König von Jericho iemals getan hatte.
    Es wollte aber mein ungluck / dass eben um selbige zeit der Jebus nach Tyro
kame / und also selbst mit ansehen musste / wie mich der Prinz Sidon bediente:
woruber er dann åuserst eifersüchtig wurde. Und diesem unwesen zu steuren / davon
er den erfolg furchtete / machte er / wider meinen willen / am hofe laut und
ruchtbar / dass ich mich mit ihm versprochen hatte. Bei uns ware bisher diese
liebe noch heimlich /und sonderlich meinem herrvattern verborgen gewesen / ob
sie gleich in Canaan schon überall kund worden: und weil ich wohl wusste / wie der
Konig von Tyro den Jebus nicht sonders wohl wollte / als ginge es mir sehr nahe /
dass diese unbesonnenheit des Konigs von Jericho mir an der gnade meines
herrvatteren schädlich sein sollte. Wie ich besorget / also erginge es auch / und
hatte mein herrvatter nicht sobald durch seine höflinge ihm dieses vorbringen
lassen / da musste ich zu ihm kommen / üm deswegen einen starken verweis
anzuhören. Er eröffnete mir dabei / wiedass er nimmermehr seinen willen hierzu
geben wollte: weswegen ich mich überwinden / und den Prinzen von Sidon lieben
müste / wan ich / nach als vor /seine liebste tochter verbleiben / und seinen
vatter segen hoffen wollte. Man lässet sich leicht überreden /wan man selbst zu
einer sache geneigt ist: daher täte ich auch / wie eine gehorsame tochter / und
verhiesse dem Konig / seinen willen in allem nachzuleben.
    Als ich / von meinem herrvattern abgieng / fand ich den Konig von Jericho
vor dem gemach / der mir die hand bote / mich nach meinem zimmer zu füren. Ich
sagte ihm / was massen seine offenhertzigkeit / so wohl zu Tyro / als zu Hazor /
ihme geschadet / und dorten die anwartung des königsreichs / hier aber meine
person / geraubet hätte / das er demnach ihm selber beimessen möchte. Er wurde
ganz besturzt /mich also reden zu hören: und ob es mich wohl im herzen schmerzte
/ dass ich ihm also begegnen müssen /so bliebe ich doch bei meiner Entschliessung
/ seiner zu vergessen / und dem Sidon mich zu ergeben. Demnach meine grausamkeit
noch weiter erstreckend /liesse ich ihn stehen / und ginge in mein cabinet / zu
ihm sagend: Gute nacht / Konig von Jericho! heut habt ihr mich zum lezten mal
die eure gesehen. Meine leute haben mir nachdem gesaget / dass er sich sehr übel
gebårdet: wie er dann gleich darauf von Tyro hinweg gereiset / sonder von einigem
menschen abschied zu nemen.
    Weil der Prinz von Sidon unsere liebe auch vernommen / als unterliesse er
nicht / mit mir zu scherzen / dass ich fur ihm so geheim sein konnen / und sezte
seufzend hinzu: wiedass er die gaben nicht hätte /wann er liebte / solches also
zu verbergen. Wie nun hierauf ein wort das andre gabe / merkte er gnugsam /dass
ich seiner liebe glaubte / und erwiese sich darüber so vergnugt / als jemals ein
liebhaber håtte sein konnen. Zoroastra / die nicht am lezten den verlauf von
allen diesen dingen erfahren / wollte schier verzweiflen / dass sie von dem Sidon
sich also auffüren lassen: und verwiese sie es ihm sehr / als er nachdem zu ihr
kame / seiner gewonheit nach sie zu besuchen. Weil er die kunst / sich zu
verstellen / meisterlich gelernet / schwazte er der Zoroastra so viel fur / dass
sie ihm von neuen glaubte / und sich bereden liesse / er müste dem König das nur
zu gefallen tun / dass er mich bediente / da doch sein herz sie allein verehrte.
Hiermit bewegte er diese armselige / dass sie an die Konigin Naema nach Sidon
schriebe / und ihr vertraute / wie es mit ihr und dem Prinzen stunde. Diese
antwortete meiner schwester hinwieder auf das verbundlichste / wie lieb ihr
diese schwiegertochter sein sollte / und legte einen nebenbrief an den Prinzen
mit ein /darin sie ihn vermanete / in seiner liebe ja beständig zu verbleiben.
    Inzwischen sie heimlich solchen brief-wechsel trieben / schriebe der Konig
mein herrvatter dem König Siphon / seinem bruder / und täte ihm zu wissen /dass
ich fur seinen sohn bestimmt wåre. Er brachte damit zu wege / dass der König von
Sidon mir ofters schriebe / und seine freude uber dieser verbindung mir
bezeugte: darneben seinen sohn vermanend / hiermit fort zu fahren / und dadurch
aller welt seine unschuld / wegen der Königin / noch beglaubter zu machen. Weil
aber dieses dem Sidon kein ernst war / als uberredte er mich / wie ich wenig
gute tage bei seiner stiefmutter haben würde / wann ich zu Sidon wonen sollte:
daher er bemühet wäre / die stadt Biblis zu seiner hofhaltung zu erlangen. Und
wiewol sein herrvatter ungern daran kåme / ihm etwas eigenes bei seinen
lebzeiten einzuraumen / so hoffete er iedoch / solches bei ihm auszuwirken. Ich
liesse mir alles gefallen / und lobte diese seine gute fürsorge / dadurch meine
kunftige ruhe gefordert würde.
    Wie ich nun also vergnügt lebte / geriete Zoroastra ungefår über des Prinzen
geheimnise / die ihr alles entdeckten / wie er mich und sie betrogen hatte: das
dann also zuginge. Sie beide hatten immer ihre heimliche zusammenkünfte / so gar
/ dass sie / um nicht entdeckt zu werden / ofters zu ihme in sein zimmer kame /
wann sie wusste / dass ich mit dem König in tempel ware. Eines tags nun / als sie
dieses täte /fand sie den Prinzen nicht zur stelle: weil er / nachdem er sie
dahin beschieden / eiligst zum Konig war beruffen worden / dem opfer mit
beizuwonen. Sie ginge demnach in des Prinzin cabinet / und weil er ihr den
schlussel vertrauet / der alle seine türen schlosse /triebe sie der furwitz /
seine sache durchzusehen / ob sie etwas finden könnte / woruber sie nachgehends
ihren scherz mit ihm treiben möchte. Sie fand zu erst / in einem tuch
eingewunden / ein köstliches kleinod von rubin / wie ein herz geformet / das ihr
/ in der eroffnung ein weibsbild zeigte: welches weder ihr noch mir / sondern /
allem vermuten nach / der Konigin Naema seiner stiefmutter / gleichte. Weil diss
gemälde in dem rubin-gehåuse ledig lage / als name sie solches heraus / und
ersah auf der andern seite diese reimen.
Mein herz ist nicht so hart / wie dieser stein:
ich schliesse auch nicht solch' ein bild darein.
drum schenk ich nichts / mit dieser schlechten gabe:
weil ich das nicht / was ihr begehret / habe.
    Zoroastra / voll bestürzung / steckte dieses kleinod bei sich / und suchete
ferner: da sich ihr endlich ein eisernes kästlein zeigte / darein sie wohl etwas
sonderbares verschlossen vermutete. Weil sie es aber nicht öffnen kunte / als
name sie es zu sich / und eilete /nachdem sie alles wieder wohl verschlossen /
nach ihrem zimmer; da sie dañ einen schmied kommen liesse / der ihr das kåstlein
aufbrechen musste. Sie fand nun darin eine grosse månge schreiben / alle von der
Konigin Naema hand: die ihr sofort die augen offneten / und zu lesen gaben / wie
die Prinzessin Orosmada die warheit geredet / und dieser Prinz der Konigin buler
wäre. In den lezten schreiben spottete Naema / uber der Zoroastra und meine
einfalt / und über die einbildung / die wir uns machten: und dieses geschahe mit
so honischer art / dass Zoroastra schier alle gedult verlore. Ihre rachgier aber
riete ihr / sich zu bergen: und name sie ihr ernstlich für / nicht zu ruhen /
bis dass sie / dem Sidon und der Naema zum schaden / ausgebracht håtte / was sie
beide so heimlich miteinander getrieben.
    Sobald der unglückselige Prinz wieder in sein zimmer gekommen / zeigte sich
ihm der grosse verlust /den er erlitten / und wollte er schier unsinnig werden
/als er nirgend fand / was er bisher / mehr als sein leben / bewahret hatte.
Die angst / die er deshalben anstunde / war so håftig / dass er solche nicht
bergen kunte: und wusste ich nicht / was ich davon machen sollte / als ich ihn so
veråndert fand. Er gissete zwar auf die råuberin / weil er seine schlüssel in
meiner schwester hånden wusste / durfte aber nicht darnach fragen. Er konnte auch
an ihr nicht das geringste merken / dass sie hiervon sollte wissenschaft haben /
und lage sie ihm so inständig / als ich / in den ohren /seine betrubnis zu
eroffnen / die aus allem seinem wesen herfürleuchtete. Tausenderlei erfindungen
brachte er auf die bahn / dieses sein anligen damit zu beschonen: die zwar von
mir / aber nicht von der Zoroastra / beglaubt wurden / welche nun nacht und tag
darauf studirte / wie sie sich rächen möchte. Das beispiel der Orosmada stunde
ihr vor augen / wie es derselben ergangen war / als sie der Naema und des Sidons
buberei entdecket: weswegen sie nicht unklüglich bedachte / dass sie es anders
angreifen musste /wann sie hierinn obsiegen wollte. Weil sie aber allein mit ihr
selber hiervon raht halten musste / als verweilte es sich etwas / ehe sie zum
schluss kame.
    Der Sidon seumte inzwischen nicht / so fort der Naema zu entdecken / wie
unglücklich es ihm ergangen wåre. Diese befiele hierüber mit nicht geringerer
angst / und auf die Zoroastra argwänend / hielte sie fur das beste mittel / dass
Sidon die liebe / die er bei ihr bisher furgegeben / nicht allein offenbar
machen /sondern es auch gar zur Ehe sollte kommen lassen: um damit meine
schwester / die ihn geliebt / schweigen zu machen. Damit auch hierinn keine
zeit verseumet würde / sagte sie dem König ihrem herrn / wie der Prinz / sein
sohn / ihr geschrieben hätte / dass ihm die Prinzessin Zoroastra viel bässer /
als ihre schwester /gefiele / und er unglucklich mit mir / hingegen überseelig
mit ihr / sich schätzen würde. Sie brachte hiermit zu wegen / dass der König
Siphon selber nach Tyro kame / um bei seinem bruder / der diese heurat mir
gönnete / zu erlangen / dass von ihme diese verwechselung der schwestern
bewilligt / und also seinem sohn möchte geholfen werden.
    Weil der Prinz allem dem folgte / was seine bulerische stiefmutter wollte /
als gehorchte er gleich ihren rat / und ginge zu der Zoroastra: deren er diese
eroffnung täte / wiedass er nun seine liebe gegen ihr ausbrechen lassen / und
des Königs seines herrvattern beistand dazu erfordern wollte / damit der unsrige
hierein willigen mochte. Dieses anbringen / welches Zoroastra eben also deutete
/ wie er alle seine vorige liebesreden verstanden / übermeisterte ihre gedult so
gar / das sie vergasse / sich zu verstellen / und mit etlichen stichelworten
heraus fuhre: die dem Prinzen versicherten / dass sie üm seine und der Naema
håndel wissen müste. Diesem nach brache er gegen ihr los /und vertraute ihr
alles / was zwischen der Naema und ihm ware fürgegangen: sagte aber dabei / wie
dass er solches alles herzlich bereuete / und eben / um sich von ihr völlig
abzutun / an das heiraten gedåchte /auch sie hierzu erkieset hätte / ihn völlig
von der liebe gegen die Naema abzubringen. Diese offenherzigkeit bewegte die
Zoroastra so sehr / dass sie ihrer alten liebe wieder platz gabe / und mit ihrer
gegenvertraulichkeit heraus brache / wie dass sie nåmlich um alles wusste / und in
ihren händen håtte / was die Konigin von Sidon und ihn betraffe. Der listige
Prinz hielte darauf inständig bei ihr an / diese sachen und schriften wieder von
sich zu geben. Sie wollte aber hierzu sich nicht verstehen / sondern verhiesse ihm
/ an ihrem hochzeittag / in seiner gegenwart / alles zum feuer zu bringen / und
also aus der welt und aus ihren gedåchtnis zu verbannen. Er liesse sich hiemit
befriedigen /und ware mehr als wohl vergnugt / dass er dergestalt dieser
abermaligen angst entrinnen können.
    Sein herrvatter kame eben den tag zu uns / als er dieses bei der Zoroastra
hatte ausgerichtet: da ich voll hoffnung wurde / diese ankunft wurde mir die
volziehung meines beilagers mit dem Prinzen bringen. Der König von Tyro bildete
ihm eben solches ein / vername aber / die folgende tage / nicht sonder
befromdung / dass nicht ich / sondern meine jungere schwester / die braut
furstellen sollte. Weil ich ståts / vor der Zoroastra / einen vorzug in seinem
herzen gehabt / als wollte er diese beschimpfung nicht dulten / die mir damit
widerfuhre / sondern stråubete sich sehr dawider / durch die Zoroastra mir den
bråutgam entwenden zu lassen. Wie vedriesslich auch mir dieses furkame / kann ich
nicht beschreiben / und konnte ich diese wankelmütigkeit und grosse falschheit des
Sidonischen Prinzen eher nicht glauben / als bis ich es selbst aus seinem mund
gehoret. Weil er mich nie recht gemeinet / als fiele es ihm gar nicht schwer /
mir den kauf aufzusagen. Er ware / böses zu tun / so gar gewonet / dass er für
ein geringes hielte / meiner tränen zu spotten und meine leichtglaubigkeit zu
verlachen. Ich machte mir vergebliche arbeit / seine vielfältige eidschwüre ihm
fürzurucken / weil er kein gewissen fülete / das ihn deswegen schamrot machen
konnte.
    Als er überdrüssig wurde / mein weinen länger anzusehen / liesse er mich
allein / mir raum gebend /meine beschimpfung recht zu überdenken / und ginge
nach der Zoroastra / dieselbe ferner mit süssen worten zu betriegen. Dieser ihre
freude / ware nun meinem leidwesen ganz gleich / sonderlich als der Konig unser
herrvatter sich endlich bereden liesse / und gestattete / dass ich zuruck stehen /
und der Zoroastra den fürzug gönnen sollte: da er / um mich anderweit zu
versorgen / dem König von Jarmut an die hand geben liesse / üm meint  willen
nach Tyro zu kommen. Aber dieses war gar nicht fåhig / mein gemute zu
befriedigen / weil ich mich nun untüchtig befande /einen andern zu lieben; zumal
ich dem König Jebus von Jericho / wegen des Sidons / abgewiesen hatte. Dieses
vermehrte nun meinen unmut / und bereuete ich / wiewol zu spat / dass ich diesen
beständigen liebhaber verlassen hatte.
    Das beilager des Prinzen mit meiner schwester /ward nun angesetzet / und
zwar in aller stille: weil ganz Canaan / und das benachbarte Syrien / in voller
kriegesflamm stunde. Es fehlte aber doch an keiner ergetzlichkeit / da die
schiffere von Tyro und Sidon /die nacht vor der angestellten trauung / auf dem
meer ein lust-rennen auf kleinen dazu bereiteten schiffen angestellt: denen die
ganze königliche gesellschaft /auser den beiden hochzeiterin / am ufer / in
sonderbar-ausgebauten artigen grotten zusehen wollte. Diese grotten waren
zubereitet / dass es schiene / als wären es natürliche cabinete in ausgehauenen
felsen: darin auch ein jedes seinen platz allein hatte / da es der angestellten
lust zuschauen kunte. Die viele lampen / die hin und wieder in den ausgehölten
steinen verstecket waren / machten einen angenemen tag mitten in der nacht. Der
Prinz von Sidon war erfinder dieses werks / durfte aber nach landesgebrauch /
nicht offentlich mit zusehe / sondern musste / den tag uber / mit der braut
allein im schlosse sich entalten.
    Alles frauenzimmer aus Tyro und Sidon / kame /diesem fest beizuwonen: da
dann auch ich nicht zu ruck bleiben dorfte / ob schon mein innerlicher schmerze
mich keine lust entfinden liesse. Ich wurde /als ich dahin kame / von dem
hofmeister des Prinzen /der alles dieses anordnete / in das fur mich bereitete
cabinet eingewiesen: welches ich so hell und von so vielen öffnungen fand / dass
mich daselbst alles volk ganz genau betrachten kunte. Ich wurde demnach
uberdrüssig / dergestalt jederman zum gespötte zu dienen / mir einbildend / es
rede iederman von meiner hierbei erlittenen beschimpfung / da ich des
Sidonischen Prinzen offentliche braut gewesen: ginge also aus meiner stelle /
die ich einer anderen furnemen Tyrerin überliesse / nach einem cabinet / das ich
ganz dunkel fand / und daher vermutete / es würden daselbst die liechter sein
vergessen worden.
    Ich hatte mich kaum gesetzet / diss freuden-fest mit meinen tränen feiern zu
helfen / da hörte ich mich /aus dem verborgnesten orte der grotte / also
anreden: Kommet ihr / liebste Naema! euren Sidon / zu guter letze / noch allein
zu sprechen? Was sage ich aber? der eurige werde ich wohl allein verbleiben / ob
ihr gleich mit Zoroastra meinen leib teilen musset. Ich kame so aus mir selber /
als ich diese worte gehöret /dass meine erstaunung mir hierbei zu dem nötigen
stillschweigen diente. Wie er nun sich mir nåhern wollte / ward er zweimal bei
namen geruffen. Er erkannte so fort diese stimme fur der Naema ihre / und
erschracke / die jenige von ferne zu vernemen / die er so nahe bei sich vermutet
hatte. Indem er nun dieser stimme zueilete / gewonne ich zeit / wieder hinaus zu
wischen. Meine rache triebe mich nun / ohn langes nachsinnen / diesem
betrieglichen Prinzen einzutränken / was er an mir verübt hatte. Also liefe ich
nach der grotte / darin der König Siphon dem lustspiel zusah: den ich
ungescheut bei der hand ergriffe / und mir zu folgen ersuchte. Dieser König /
als gegen das frauenzimmer über die masse höflich / wollte mir mein begehren nicht
verweigern / und folgte mir / unwissend /was ich furhatte.
    Ich name eine lampe aus einer von den grotten zu mir / und fürete diesen
betrogenen König an den ort /da er seine ehebrecherische gemalin und seinen sohn
beisammen fand. Ich verliesse ihn daselbst / und eilte auf das konigliche schloss
/ um die freude zu haben /und meiner schwester anzukünden / wie sie / so wohl als
ich / von dem Sidon war betrogen worden. Sie /die / wegen seiner vorgewandten
reue / bisher alles verschwiegen / eröffnete mir hierauf / was ich bisher
erzählt / und / nunmehr nicht weniger / als ich / verbittert / beschlosse sie /
des Sidons fall zu befördern. Solcher ware auch nun über diesen armseligen
bestimmet / auch seine und der Naema straf-zeit heran gekommen: massen der
erzürnte Konig Siphon / diese beide bulende auf sichtlicher tat ertappend /
durch seine leute / die er sofort zusammen rieffe / anfassen /und gefånglich
setzen liesse. Hiermit brache nun aus /die warheit dessen / was die Prinzessin
Orosmada vordem entdecket / und deshalben aus Sidon fliehen müssen.
    Man kann nun erachten / wie hierdurch das hochzeitfest verwirret / und alle
freude verkehrt worden: indem der hochzeiter vermisset / und an statt der
beehrung / in ketten geschmiedet / nach Sidon geschickt wurde: dahin man die
Naema auf gleiche weise fortgeschaffet. Zoroastra unterliesse nicht / alle
bulerei-briefe / und der Naema bildnis / herfurzubringen: das dann diese
unglückselige vollends zu grund richtete. Also endete sich alle freude so wohl zu
Tyro / als zu Sidon / und entstunde ein allgemeines klagen über diesem elenden
fall des Sidonischen Kronprinzen: massen / nicht lang hernach / derselbe / neben
der Naema / zu wolverdienter straffe / heimlich in Sidon hingerichtet / und die
abwesende Prinzessin Orosmada zur erbin des reichs ernennet wurde. Der gram des
guten Siphons hielte hierauf beståndig an: da hingegen mein herrvatter / über
dem verlust dieses schwiegersohnes sich eher wieder tröstete / indem er nicht
allein hoffete / dass sein sohn / in erlangung der Orosmada / die kron von Sidon
an die seinige bringen /sondern auch / dass der König von Jarmut sich für mich
bald einstellen würde. Meine gedanken waren aber viel anders / indem meine
ehmalige liebe gegen dem Konig von Jericho ganz wieder aufglimmete /sogar dass
ich mich nicht entsah / ihme zu schreiben /und den brief auf diese weise
einzurichten.
  Schreiben der Rahabine Prinzessin von Tyro / an den König Jebus von Jericho.
Wann ich bisher / in verlassung des Königs Jebus /und in annemung des Prinzen
Sidons / gesündigt / so habe ich auch straffe gnug dafür erlitten: indem es mit
dieser vorgewesenen heurat sich also geendet / wie es am tag und nun weltkündig
ist. Mein kindlicher gehorsam hat verursachet / dass ich also treubrüchig
scheinen müssen. Nun aber werde ich fortin keinen andern in meinem herzen
verehren / als den König von Jericho. Ich muss solches darüm vermelden / weil man
mich von neuem zwingen will / mich zum andern mal ein gehorsames kind / und nicht
eine getreue liebhaberin / zu bezeigen. Da ich aber / diesen lezten namen / bis
in den tod / allen andern fürzuziehen entschlossen bin / so stehet es bei dem
König Jebus von Jericho / zu werkstellung dieses fursatzes mich fähig zu machen.
                                                                       Rahabine.
    Mit diesem briefe fårtigte ich einen meiner getreusten kämmerlinge ab / der
zu Jericho den König antraffe: dahin selbiger / gegen vergangenen winter /neben
den andern Canaanitischen Konigen / wieder zu rück aus Syrien gekommen war. Es
stunde nicht lang an / da kame mir von ihm diese antwort zurücke.
  Antwort des Jebus Königs von Jericho / an die Prinzessin Rahabine von Tyro.
Es hat mir / schöne Prinzessin! euer schreiben / damit ihr einen ungluckseligen
bewürdigen wollen / euren jetzigen zustand zur gnüge bekant gemacht. Ich beklage
demnach sehr / dass euch dergestalt die hoffnung zur Sidonischen krone fehlen
mussen. Wir beide leben unter einerlei verhängnis / massen es mir eben so widrig
ergehet / da ich / die krone von Hazor zu erlangen / die Furstin Mehetabeel von
Seir / wiewol ganz vergeblich / zu Damasco bedienet / und mich üm deren gute
gunst beworben habe. Ich fordere nichtes von euch / als dass ihr mich dieserwegen
beklagen wollet: gleichwie ich auch unfähig bin / mich gegen euch anders / als
von herzen mitleidig / zu erzeigen.
                                                        Jebus König von Jericho.
    Dieser brief schnitte mich durch das herz / und geriete ich daher in eine
solche bekummernis / dass ich den fursatz fassete / der welt abzusagen / und mich
unter diese geistlichen in des Teraphim tempel zu begeben. Dass ich von den
Prinzen Sidon verlassen worden / ware mir nicht so nahe gegangen / als dieses
verächtliche bezeigen des Königs von Jericho. Es beredte mich aber zu dieser
welt-absagung eine Mesopotamierin / die ich bei mir im dienst hatte / welche die
hiesige sitten und gebräuche alle wohl verstunde /und darin mich unterrichtete.
Zu meinem zweck nun zu gelangen / wurden viele ümstände erfordert / da man nicht
allein heimlich gehen musste / sondern auch der instehende winter / und die weite
des weges / in nötige erwågung kamen.
    Es stellte sich / in der zeit / neben der Konigin von Tyro und dem damaligen
Prinzen Tiribaces / meinem bruder / der König von Jarmut bei uns ein: der dann
/wiewol ganz verborgen / eine dame mit sich furete /die etliche zeit in Tyro
sich befande / ehe wir die geringste vermutung haben kunten / dass selbige die
weltbekante Jerode wåre. Diese / so sich kurz vorher zur Konigin in Kiriat-Arba
aufgeworfen / und endlich von Hebron entfliehen müssen / hatte sich zu dem Abinab
Konig von Jarmut gewendet / der sie heimlich mit nach Tyro brachte / und ihren
klugen anschlägen folgend / es in allen dingen also machte / wie diese
Prinzessin es gut befande. Ihr einraten machte auch / dass er zwar / auf des
Königs meines herrvattern begehren / mit dem fürhaben bei uns sich einfunde /
eine seiner tochter zu ehlichen / und durch uns /wie er mit der Jerode den
anschlag geschmiedet / zu dem Bactrianischen reiche zu gelangen. Es ware Bileam
/ der Prinz vor Hemath / in Syrien umgekommen / dem der verstorbene Oxiartes die
Bactrianische kron zu-vermeint: wie dann die Königin Clotis / ihres herrn leztem
willen gemås / allemal fur diesen Prinzen gearbeitet / auch / ihme zu gut /
einen aufstand in Bactra erwecken wollen. Nun aber dieser Prinz todt war /
gedachte sie wieder an uns / als ihrer tochter kinder; und in vertraulicher
freundschaft mit der Jerode lebend / täte sie dieser Prinzessin / durch den
Belgar / einen fürnemen Bactrianer / zu wissen / wohin ihre grosse anschläge
zielten.
    Weil in Canaan fur die Jerode nichtes mehr übrig ware / alda man sie nun zu
wohl kennte / als fiele ihr gleich ein / ihrem vorteil hiebei zu machen. Demnach
/ sich an den König Abinab hängend / brachte sie ihn nach Tyro: wiewol sie / wie
ich bald melden will / viel andere dinge / als sie fürgabe / heimlich im kopf
brütete. Weil der König von Jarmut / in ersehung meiner schwester / gleich
geruret wurde / sie zu lieben /als bliebe ich nicht allein von der befürchteten
liebes-verfolgung befreit / sondern ich beredte auch meinen herrvatter / ihme
nicht entgegen zu sein lassen / dass Zoroastra abermals vor mir den vorzug
behielte. Also wurde nun meine schwester öffentlich an den Konig von Jarmut
verlobet. Wie aber das königliche beilager fortgehen sollte / schickte der himmel
eine traur dazwischen / indem der König mein herrvatter mit tod abginge / und
also mit Tyro der zustand sich ånderte. Also wurde / die vollziehung dieser
heurat / bis zu des Tiribaces krönung ausgesetzet.
    Inzwischen machte der König von Jarmut meine schwester mit der Jerode
bekant / die oftmals heimlich zu ihr in ihr zimmer kame / und mit ihr von dem
grossen anschlage sich beredte / den sie wegen Bactra furhatten. Mich / schlossen
sie ganz aus ihrem raht /weil ich / als die erstgeborne / zu selbiger krone
nåher war / als meine schwester. Also wurde ich nichts von dem gewar / was sie /
zu meinem grossen nachteil /nahe bei mir zu schmieden sich unternamen. Gleichwie
aber hierinn die Zoroastra mich betroge / also ward sie hinwieder von der Jerode
betrogen: massen deren rechte Meinung nicht war / dem König von Jarmut und ihr
zum Bactrianischen trone zu verhelfen / sondern vielmehr selber durch sie zu
demselben zu gelangen. Wie sie nun alles / was zu ihren grossen fürhaben dienlich
/ mit dem Bactrianer Belgar / und etlichen andren / die aus selbigem reiche ab-
und zureiseten ausgemacht hatte / beredte sie den Konig von Jarmut / eine reise
nach Bactra zu tun / weil daran hoch gelegen wåre / und solche ganz keinen
verzug litte: weswegen auch der Abinab die hochzeit aufschieben musste.
    Jederman bei uns / ausgenommen Zoroastra / verwunderte sich über dieser
schleunigen abreise. Es vergingen aber wenig wochen / da kame die post / wiedass
der Konig von Jarmut unterwegs wäre ermordet worden. Dieses hatte Jerode also
angestellet / und durch ihre creaturen dem Abinab auflauren lassen: die ihn dañ
überfallen / und als todt / an der gränze von Armenien / in dem gebirge /
verlassen hatten. So lieb nun dieser boshaftigen ware / dass ihr der anschlag
geglücket / so sehr und fleissig bemuhete sie sich / die hierüber betrübte
Zoroastra zu trösten. Als auch diese / auf mein zureden / sich entschlosse /
neben mir geistlich zu werden und aus der welt zu gehen / sprache sie mächtig zu
solchem furhaben / und erbote sich / uns auf dieser reise eine gefårtin
abzugeben. Ich bekame damals die Jerode am ersten zu sehen / und geriete in ihre
völlige vertraulichkeit / auser was die vorgewesene anschläge auf Bactra
betraffe. Mich nicht all zu lang aufzuhalten / will ich nicht weitläufig
erzählen /wie wir es angeschlagen / heimlich aus Tyro zu entkommen. Wir mussten
aber verborgen gehen / weil die Königin / unsere stiefmutter / uns nimmermehr
wurde gegönnet haben / von ihr zu reisen: aus beisorge / dass wir mit den
Bactrianern etwas anstellen möchten /davon sie vieleicht wind bekommen hatte /
und solches / als eine Assyrerin / auf alle weise und wege zu hintertreiben
trachtet.
    Wir waren nun so glücklich in unsrem anschlage /dass wir / ungefär vor zwei
monden / in diesen tempel ankamen: da uns die priesterinnen willigst aufnamen
/und uns die geistliche tracht anzuziehen erlaubten. Jerode stellte sich
åuserlich / als ob sie mit uns gleiches sinnes wäre / eine priesterin des
Teraphim zu werden: heimlich aber triebe sie mit ihren creaturen ihren anschlag
immer fort / der dahinaus liefe / dass sie die zur aufruhr geneigte Bactrianer /
wan es zeit sein würde /besuchen / ihnen eine von uns / als ihre angeborene
Prinzessin / zeigen / und nachgehends / weil ihr keine bosheit zuviel war /
dieselbe vom brete bringen / und die Bactrianische krone selbst aufsetzen wollte.
Als sie nun mit dem vortrage / mat mir nach Bactra zu gehen / gegen mir zu erst
ausbrache / liesse ich mich hierzu zimlich geneigt finden / in hoffnung / dass
alsdan der König von Jericho zu mir wieder kehren wurde / wan ich ihm die
Bactrianische kron erlangen könnte. Ich eröffnete ihr / in vertrauen / diese
meine gedanken: da sie sich zwar anstellte / als ob sie solches sehr gern horte
/ im herzen aber fürchtete sie sich für diesem meinen starken anhang / und wurde
darum des sinnes / an statt meiner / meine schwester hierzu zu gebrauchen. Aber
diese wollte hier gar nicht an / und fugete ihr in keinem dinge / auser darin /
dass sie vor mir diesen fürtrag heimlich hielte. Also wurde ich / von der Jerode
betrug nichtes merkend / immer hingehalten / und rüstete mich zu der angesezten
entfurung: weil wir auf keine andere weise aus diesem tempel gelangen kunten.
    Bevor ich aber diese meine erzehlung vollfure /muss ich mich nochmals zu dem
König von Jarmut wenden / und berichten / wie es deme / nach seiner verwundung
/ an den Armenischen grånzen ergangen. Belgar und sein anhang / hatten diesen
König für todt ligen lassen: und weil sie den verfolg von den seinen fürchteten
/ blieben sie nicht lang daselbst / sondern eileten zurucke / der Jerode
heimlich hievon eröffnung zu tun. Es war aber einer von den Bactrianern / der
im gefechte von dem König verwundet worden / und von allen anschlägen der Jerode
wissenschaft hatte /neben demselben auf der walstat ligen geblieben. Wie sie nun
beide von seinen / des Konigs / leuten gefunden und wieder zu sich selbst
gebracht worden / eroffnete dieser lezte alles / was die Jerode angestellet.
Hierdurch wurden dem Abinab die augen aufgetan /dass er hinter alle ihre
bosheiten und betriegereien kame. Demnach / list mit list zu vergelten /
volfürete er / sobald er gesund worden / seinen weg nach Bactra / und machte
sich mit der Königin Clotis bekandt /dass es niemand erfuhre. Wie nun diese ihn
alles dessen berichtete / was Jerode ferner triebe / kame er endlich auch
dahinter / wie sie / mit einer von uns beiden / aus des Teraphim tempel nach
Bactra sich wollte entfuren lassen. Mit grosser list gewonne er eben die jenigen
auf seine seite / deren die Jerode sich hierzu bediente: und so wohl auser dem
tempel / als darin /seine gewisse kundschaften habend / kame er hier an /ehe man
sich dessen versehen konnen. Er liesse sich /unter Belgars namen / bei ihr
anmelden. Sie / nachdem sie die turen / bei nacht herein zu kommen / ihm und
den seinigen geoffnet / furete den vermeinten Belgar nach der Zoroastra kammer /
und sagte ihm / im hingehen: wiedass er bei ihr gewalt brauchen musste /weil sie
ihm gutwillig nicht folgen wurde.
    Von ungefär schliefe ich selbige nacht bei meiner schwester / und weil
Jerode vorher gegen mir erwehnet / wie sie vermute / dass bei gegenwärtigem feste
des Teraphim / die Bactrianer / als unsere entfurere /ankommen würden /
schwanete mir gleich / wie ich das geräusche vername / und darauf die Jerode mit
gewaffneten männern erblikte / dass es diese sein würden. Ich sprange sofort auf
/ ihnen anzudeuten / dass ich gesonnen wäre / mit ihnen zu gehen. Ich musste aber
/ wider vermuten / von der Jerode vernemen /dass meine schwester / und nicht ich
/ hiermit gemeinet wäre. Weil Zoroastra und ich noch in kleidern waren / als
bedorfte es keins wartens / die Zoroastra zu entfüren: die aber anfinge zu
ruffen / wiedass sie mit ihnen nicht fort-wollte. Als nun ich / so wohl ihren
widerwillen / als der Jerode betrug / erkannte / liefe ich von ihnen / machte
überall im palast lårmen / und rieffe / dass man uns helfen sollte / weil uns
gewalt geschähe. Es wurde hierauf alles wach / und kame nicht allein sofort die
wacht / sondern es fanden sich auch viele von den hirten herzu / die in der
nacht auf das fest gezechet hatten. E. Maj. waren selber dabei / als die
unglückliche Jerode für die verräterin des heiligen palastes erkant wurde / und
geriete sie / weil Abinab /sie mit weg zu füren / sich geweigert / dem erzurnten
pövel unter die hände: die dann also mit ihr verfuren /dass ihr leben samt allen
ihren anschlägen zu grund ginge.
    Eine von ihren aus Canaan mitgebrachten dirnen /täte mir darauf alles
dieses / so ich iezt erzählt /ausfürlich zu wissen: massen auch ein knab des
Königs von Jarmut / der in dem getümmel von seinem herrn abgekommen / und sich
in unsren tempel verkrochen / mir den ganzen aufstand in Bactra erzählt. Ich
halfe diesem unvermerkt wieder hinaus / und gabe ihm briefe mit / an den König
Abinab und an meine schwester: darin ich widersprache / was sie zu meinem
nachteil fürgenommen / und wie ich mich meines rechtes an Bactra keines wegs
begåbe. Diss ist nun alles das jenige / was ich E. Maj. eröffnen wollen: und
schliesse ich mit der demütigsten bitte / dass sie /wie sie allen bedrangten und
verlassenen zu helfen pflegen / auch mir wollen hülfe wiederfahren lassen /dass
die Bactrianer durch E. Maj. erkennen lernen /wie ich / und nicht Zoroastra /
ihre rechte Königin sein konne / und sie mich vor meiner schwester erkiesen
sollen.
                                     * * *
    Als die Prinzessin Rahabine ihre rede hiemit beschlossen / vermochte die
Königin Aramena Gottes gerechte gerichte nicht gnug zu bewundern / die er so wohl
an der Naema und dem Sidon / als an der Jerode /erscheinen lassen. Wie sie nun
hierauf der Prinzessin von Tyro verheissen / dass dieser ungluckseeligen ihr
zerrissener körper sollte gesuchet und unter erde gebracht werden / versprache
sie ihr ferner / dass sie /was sie nur immermehr zu ihrer vergnügung tun könnte /
herzlich gern vor die hand nemen wollte. Aber an die aufrürische Bactrianer für
euch zu schreiben /(sagte sie) das will mir bedenklich fallen / weil der König
von Assyrien ihr bundsgenoss ist: und zweifele ich sehr / ob wider diesen
mächtigen Monarchen / solche empörung etwas fruchten / auch eure schwester und
der König von Jarmut ihre rechnung finden werden. Kan ich aber etwas darzu tun
/ dass der König von Jericho zu seiner ehmaligen liebe wiederkehre /so will ich
hiemit allen beistand versprochen haben. Rahabine bezeugte sich dafur höchst
verbunden / und von der Königin ferner befraget / wie sie es dann nun anschlagen
wollte und ob ihr beliebte / dass man sofort im tempel ihrer bisher
verborgen-gehaltenen stand erfüre? erklärte sie sich / wie sie alsdan erst / wan
die Königin / nach endung des festes / von dannen ziehen würde / sich kund zu
geben vermeinte: welches Aramena ihr gefallen liesse auch hierauf noch etliche
stunden dieser Prinzessin im garten gesellschaft leistete /und von den erzehlten
dingen / mit ihr sprachete.
    Ihr eigenes anligen aber / nämlich die ungewissheit / darin sie lebte / und
das verlangen / etwas von dem Cimber und ihrem bruder zu erfaren / schikte sie
endlich wieder nach ihrem zimmer / dahin sie den Elihu /gegen selbige zeit /
beschieden hatte. Sie fand diesen getreuen Fursten bereits alda zur stelle /
als sie mit ihrer schönen gesellschaft ankame / der ihr dann diese post brachte /
wiedass der Reba / einer von den vier richtern aus Amida / vom Taurischen gebirge
/ neben dem verweser Demas und den gesandten der riesen angelanget / und dass
sich sofort / unter den Horiten und den andern riesen / eine grosse freude
verspüren lassen: die auch / seit deren ankunft / ja so fleissig /als vorher die
geistlichen / zu raht gegangen / und sei man / wegen des verstumten Teraphim /
noch zu keinem schluss gekommen / wie der abgott zu begütigen /und die
Mesopotamier wieder zu befriedigen sein möchten. Des Demas wiederkunft / erwekte
bei der Konigin nicht eine schlechte freude / und verhoffte sie von ihme / da
Nahor und Chersis ausblieben / etwas ihren Cimber betreffend zu vernemen / das
sie beruhigen konnte: und diese freude verursachte / dass sie die geheime
beratschlagung der riesen nicht sofort beherzigte / da doch des Nahors warnung /
die sie / vor ihrem abzug aus Samosata von ihm angehöret / ihr billig allerhand
nachdenken beibringen sollen.
    Weil sie / fast alle abend / ihre bekandte schäferinnen / die mit ihr in
selbigem palast woneten / zu besuchen pflegte / als wollte sie dissmal zu der
Sataspe /des Demas basen / gehen / in Meinung / ihren vetter /den verweser / bei
ihr anzutreffen. Demnach liesse sie / wie sie abends gespeiset / durch den Elihu
sich dahin furen: deme sie auch auftruge / wegen der entleibten Jerode
erkundigung einzuziehen / dass deren körper mochte zur erden bestattet werden. Es
waren eben bei der weissen Sataspe / die hirtinnen Melidia und Eidania / als die
schöne Aramena in ihr zimmer hinein trate: die dann / aus schüldiger ehrerbietung
/abtreten wollten / aber von der gütigen Königin angehalten wurden. Bleibet /
meine freundinnen! (sagte sie zu ihnen) ihr hintert mich in keinem dinge / was
ich mit Sataspe zu reden habe. Hierauf / als sie sich gesetzet / fragte sie
diese schäferin: wie es käme / dass sie den verweser Demas / ihren vetter / nicht
bei ihr fände? massen sie ja wohl wüste / was sie ihm fur eine liebe base wäre.
Mein vetter (antwortete Sataspe) hat / nach seiner wiederkunft / so fort den
hiesigen beratschlagungen müssen beiwonen / die da / wegen der in unsrem fest
entstandenen unruhe / täglich gehalten werden: daher ich ihn / seit seiner
ankunft / noch nicht können zu sehen bekommen.
    Solte dann auch den Demas (fragte die Königin) betrüben können / was hier
fürgegangen? Ich vermeinte / er wäre viel zu lang in der schule zu Salem gewesen
/ als dass er noch an den Teraphim glauben sollte. Es wäre unrecht / (gabe Sataspe
zur antwort) wan man für seiner obrigkeit / wie bisher vor andern / ein
geheimnis hiervon machen wollte. Ich werde demnach E. Maj. nicht laugnen / dass
Demas und ich den wahren Gott verehren / dass auch mein vetter / meist deswegen /
diese versamlung verlassen / und sich unsichtbar gemachet hat / üm ihme selbst
und andren kein ärgernis zu geben. Warüm aber (fragte die Königin ferner) folgen
er und ihr nicht / dem beispiele des Ausicles / und gegenwärtiger beiden
hirtinnen / die ungescheut sich zu mir gesellten / als die opferungen fur den
Teraphim verrichtet wurden? Weil er verweser von Amida ist /(antwortete Sataspe)
dorfte er dieses nicht wagen: daher wollte er sich lieber gar davon absondern:
wie dann auch ich / eine unpässlichkeit fürschützend / mit meines vettern beiden
töchtern zuruck geblieben. Abinael und Nisan (versezte die Königin) vermeinen
aber dem Teraphim viel zu sehr verpflichtet zu sein /als dass sie sollten gern
sehen können / dass ihre frauen mit ihnen nicht diesen vermeinten Gott verehren
wollen. Weil wir / wie erwehnt / (wiederholte Sataspe) bisher mit unsrem glauben
sehr geheim gewesen / als wissen diese beide hirten nicht darüm / dass ihre
frauen einen andren Gott verehren.
    Hiermit kamen sie auf die frage: ob es auch ohne sünde geschehen könne /
seinen glauben zu bergen /oder für den menschen / um zeitlichen nutzens willen /
sich zu stellen? Diese frage ward von allem / fürnemlich von der Prinzessin
Jemima / und ihren schwestern / verneinet / und daher der schonen Königin anlass
gegeben / sich zu entschüldigen / dass sie bisher in ihrem neuen konigreich sich
also bezeigen müssen. Ich ziehe es mir nicht wenig zu gemüte /(sagte sie unter
andern) dass ich / meine ganze lebenszeit hindurch / mit meinem glauben so
heimlich gewesen: da die notturft / die unbändige Niniviten im zaum zu halten /
ein solches höchlich erforderte. Wan ich auch gegen die Mesopotamier mich anders
bezeigte /würde ich grosse empörungen und andere gefärliche dinge verursachen:
das doch zu nichtes / als zu einer verderblichen zerrüttung dienen / und keine
bekehrung bei meinen verblendten untertanen / nicht aber dasjenige wirken würde
/ was ich / mit der zeit / und wan ich sie recht gewonnen / von ihnen hoffe.
Diese höchstnötige verstellung / die ich gegen ihnen gebrauchen muss / hat mich
auch iezt in diesen tempel gefüret: da ich weder meine königliche gewalt / noch
meinen willen darf blicken lassen. Es sind aber nur noch zween tage / so ist diss
fest geendet / und wird alsdan von meiner krönung zu reden sein / nach welcher
es sich gemachsam schicken soll / dass ich meinen hirten den wahren Gottesdienst
beibringen / und diesen abgöttischen tempel ohne schwerdschlag vertilgen konne.
Dieses redte die Königin ganz ungescheut /weil Rahel nicht mit zugegen / und
lauter rechtglaubige bei ihr im zimmer waren: die dann ihre wunsche /für dieses
löbliche furhaben / gen himmel schikten /und die Gottseelige Aramena hierum
nicht gnugsam rümen konten.
    Unter solchen gespråchen / begunte es schier zu nachten: daher die Königin
nicht länger auf des Demas ankunft warten kunte / und nach ihrem zimmer ginge /
der Sataspe den befehl hinterlassend / ihrem vettern / wan er sie zu sprechen
käme / zu sagen / dass er folgenden tags unfehlbar zu ihr kommen sollte. Kaum aber
ware sie hinweg gegangen / da kame Demas zu der Sataspe: welcher / von seiner
basen vernemend / wie ihre Königin ihn zu sprechen begehrte / sofort die ursach
erraten kunte. Werte base! (sagte er zu ihr) dass ich so spat noch zu euch komme
/ verursachet die begierde / die ich habe / euch nunmehr nicht allein kündig zu
machen / was ich bisher für euch verbergen müssen / sondern auch eures
vernünftigen beistandes mich zu bedienen. Wir sind befreit /Sataspe! von der
slaverei / in der wir eine so lange zeit für allen völkern gelebet / und ist
daneben .... Ach mein vetter! (fiele ihm Sataspe lächlend in die rede) ich habe
diss geheimnis schon längst gewust /aber durch mein verschweigen zeigen wollen /
dass ich solche kunst vollkomlich gelernet habe. Wie? (fragte Demas ganz
bestürzet) wisset dann ihr / was dem ganzen Mesopotamien bisher verborgen
gewesen? Die Fürstin Ahalibama / (antwortete sie) die wir unlängst bewirtet /
hat mir alles entdecket: und bin ich fro /nun zu vernemen / dass dieses grosse
furhaben zu glücklicher endschaft gedyen ist. Dieses war (sagte er) eine von den
ursachen meiner reise auf das gebirge /und wan ihr mich hören wollet / will ich
euch alles erzählen / was bei dieser bündnis fürgegangen / auch was ihr für
einen gefangenen hier gehabt / den man zum Teraphim schlachten wollen / und was
mir sonst auf dieser meiner reise wiederfaren / auch iezt mein furhaben ist. Es
wird nacht / (antwortete Sataspe) und dörfte es Aneriste übel nemen / wan ich
ihr so lang den man vorentielte: darum will ich mein verlangen /diss alles von
euch zu hören / bis morgen aufschieben. Ich muss morgen wieder abreisen /
(antwortete Demas) und habe die Aneriste schon gesprochen: die auch weiss / dass
ich nun mit euch mich bereden will. Wolan dann! (sagte sie) so lasset uns für die
tür zusammen sitzen gehen / da wir zugleich der külen luft / bässer als hier /
geniessen können. Als dieses geschehen /hube sich die erzehlung des Demas an /
wie folget.
    Weil ihr bereits wisset / werte Sataspe! dass alle /die von dem geschlechte
der riesen sind / den bund mit den Konigen von Basan und der Aborigener / wie
auch mit den Fürsten von Seir / aufgerichtet / und so wohl in dem entfernten
Kitim gegen den Camboblascon / als auch gegen dem Fürsten von Edom / krieg füren
/ und daneben ihrer dienstbarkeit / mit deren sie bisher unter allen volkern
belegt gewesen / sich entledigen wollen: so habe ich nicht ursach / euch dieses
erst zu entdecken. Der Konig Tuscus Sicanus / der neulich unter des Jared namen
bei uns im hause gewesen / war der erste / so mir dieses zu wissen täte. Unser
richter / der Reba / ubername deshalben / nach dem gebirge zu reisen / und im
namen der Mesopotamischen riesen mit den beiden Königen / und den Fürsten von
Seir / zu schliessen. Ich folgte ihm / als wir hieher auf dieses fest reiseten:
zwar nicht allein dieser ursache halber / sondern weil ich des fürhabens war /
die heurat zwischen unserer Konigin und dem Tuscus Sicanus / zugleich mit
stiften zu helfen / welcher eben der Elieser ist / so vordessen die Ahalibama /
des grossen Edoms gemalin / so herzlich geliebt.
    Was höre ich / mein vetter! (rieffe alhier Sataspe) vergebet meiner billigen
verwunderung / die mich zwinget / euch in die rede zu fallen / und zu fragen /ob
es immermehr müglich sein konne / dass Jared ein König / und zwar der Elieser sei
/ der die Prinzessin Ahalibama bisher als todt beweinet? Hätte ich es an der
zeit / (sagte Demas hierauf) so wollte ich euch alles ümståndlich erzählen / wie
Elieser beim leben erhalten / und für den Aborigener-König erkant worden. Nun
aber kann ich nicht mehr sagen / als was ich schon erwehnet / das nämlich Elieser
noch lebet / dass er Tuscus Sicanus ist / und das ich seinetwegen mit auf das
gebirge gereiset / üm es dahin zu bringen /dass er unsere Konigin heiraten / und
der Ahalibama /nun die einen andern zugehöret / vergessen möge. Sataspe wollte
alhier / noch einmal dazwischen sprechen: aber / in erinnerung ihres eidschwures
/ den sie der Fürstin Ahalibama / der Nefe Zibeons / bei deren abreise / getan
hatte / nimmermehr zu melden / was dieselbe ihr entdecket / hielte sie an sich /
dem Demas zu sagen / dass diese seine bemühung / nun Tuscus Sicanus der Elieser
wäre / vergebens sein dörfte. Sie hörte ihn aber also fort-erzählen.
    Es hatte Tuscus Sicanus / vor seiner abreise von hier / die Ahalibama / mit
unserer Königin sprechend / heimlich behorchet / und aus allen ümständen ihres
gespräches soviel abnemen wollen / dass die Königin /den Tuscus Sicanus liebend /
in dem namen irren /und nicht ihn / sondern den König von Basan / den Marsius /
verstehen müsse. Demnach bliebe er entschlossen / solches dem verliebten Marsius
/ zur guten zeitung / auf das gebirge zu hinterbringen: da er zugleich mit dem
vorsatz abreisete / den verlust seiner Ahalibama auf ewig zu beweinen. Aber sein
leibarzt /der Midaspes / fürete / neben mir / hiervon viel andere gedanken:
massen die gewisse ümstände / da unsere Konigin mit dem König Marsius in Damasco
selber geredet / und ihm ihre gegenliebe abgesaget / auch der Mitreus / dieser
heurat wegen / in gesandschaft an den König der Aborigener abgereiset /
sonnenklar andeuteten / dass der König von Syrien / und unsere Königin seine
schwester / keinen andern / als eben diesen Tuscus Sicanus / zum hiesigen
regenten erwählen wollen / und also allen getreuen Mesopotamiern und Aborigenern
/ die es mit diesem reiche und ihrem König recht gut meinten / obligen müsse /
dahin zu trachten / dass dieses nüzliche vorhaben zu gewunschtem ende gedeien
möchte.
    Dieses nun triebe mich fürnemlich auf das gebirge: zumal ich überdas auch
erfaren hatte / dass viele von unsern hirten / ja unsere richtere selbst / mit
den gedanken umgingen / unsere Königin an den König von Basan zu bringen / um
dadurch diese löbliche regirung / die uns iezt der himmel gönnet / die aber
ihnen eine last ist / von sich zu schieben / und auf solche weise unsere
unvergleichliche Aramena in das weit-entfernte Celten gleichsam zu verbannen.
Wie ich das gebirge erreichet / fand ich daselbst / an statt des Königs von
Basan und des Königs der Aborigener / die beide dapfere schwestern des Königs
von Basan / mit ihren gemalen / dem Konig Baleus von Assyrien / und dem König
Hiarbas / die diese beide Könige zu besuchen angekommen waren. Aber die Celten /
neben den Aborigenern / und den riesen unseren brüdern / gingen fleissig zu raht
/ und schlossen eben mit dem Reba den grossen bund / der sie dortin zusammen
beruffen hatte. Ich erkundigte mich / wo dann beide Könige wären? da mich
Midaspes berichtete / wie er nicht anders wusste / als dass sein herr / neben dem
Prinzen Baalis und Daces / den Konig von Basan suchte / der sich / aus schwermut
/ weiter in das gebirge hinein begeben / und diesem verzweifelten König den
trost eröffnen wollte / den er ihme in seiner liebe zu geben / sich fähig
befände. Ich sah demnach höchstnötig / neben dem Midaspes dem Tuscus Sicanus zu
folgen / und dieses abzuwenden. Ich musste aber fur dem Reba dieses mein furnemen
heimlich halten: weil der / mit dem riesen Sesai / welcher in hohen und
sonderbaren gnaden bei dem Marsius lebet / dahin arbeitete / unsere Königin an
seinen herrn zu bringen. Er musste aber solches gleicher massen verborgen treiben
/ weil die Celten aus Basan / uber unsere Königin und ihren bruder höchst
verbittert / auf alle müglichste weise dahin trachteten / wie dieser liebe ihres
Königs gesteuret / und deshalben dem Aborigener-König die Aramena zu teil werden
mochte.
    Als ich nun / etliche tage nach meiner ankunft / da es fast schon gegen den
abend ginge / und ich vorher den beratschlagungen / unsre bündnis betreffend /
beiwonen müssen / in das gebirge fürter reisen wollte /kame der Fürst von Haran /
der Nahor / auf der post an / und brachte uns die zeitung / dass Tuscus Sicanus
allhier im tempel gefangen worden / und in lebensgefahr / üm zum Teraphim
geschlachtet zu werden /stünde / wan die Aborigener nicht bald ihn zu erledigen
kämen. Das ganze gebirge geriete hierüber in lärmen / und waren nicht allein die
Aborigener / sondern auch ihre brüder / die Celten / färtig / mit voller
heereskraft einzufallen / und diesem König das leben zu retten. Der Sesai und
Reba hingegen wiegelten die mächtigen riesen auf / welche den Teraphim hoch
verehren: die dann kurzum nicht leiden wollten / dass so eine enteiligung des
grossen tempels geschehen sollte / dabei aber sich erboten / sofort eine
ansehnliche gesandschaft hieher abzuordnen / und den Aborigener-König mit güte
abzufordern. Die Aborigener liessen ihnen endlich / nach langem streit / diesen
fürschlag gefallen: wiewol sie nicht allein / etliche von ihren fürnemsten /
dieser gesandschaft zuordneten / sondern auch mit dem ganzen heer nãher ruckten
/ üm / auf den notfall / bei der hand zu sein / und ihren König zu erlösen.
    Der Midaspes und ich / waren mit unter dieser botschaft / gleichwie auch
etliche fürneme Assyrier und Celten / die der Prinz Suevus in person furete. Wir
beide wussten nicht / was wir daraus erraten sollten /dass sich Tuscus Sicanus in
diese gefahr begeben hatte / auser dass wir es aus zweifelmut beschehen glaubten
/ üm dergestalt vom leben zu kommen: welches ich doch auch / wegen seines reinen
glaubens / nicht vermuten kunte. Nahor / weil er nun sein gewerbe verrichtet /
und dabei / wie er mir vertraute / nachricht erlanget hatte / was massen der
Prinz Daces / tief im gebirge / mit etlichen damen wäre gesehen worden /unter
denen er seine geliebte Aprite zu finden vermeinte / reisete er dahin / wohin
ihn seine liebe triebe. Dieses nun befrömdete mich noch mehr in meinem
nachsinnen / als ich uberdas vernemmen musste / dass Daces nicht bei dem Tuscus
Sicanus wäre: der doch /mit diesem König / aus der landschaft Amida die reise
nach dem gebirge getan hatte. Es ist aber / der Almesia knecht der Elisa / eben
dieser Celtische Prinz gewesen / den ihr öfters in unsren gefilden gesehen
habet.
    Wie wir nun hieherwärts eileten / begegneten uns vor morgens in der
demmerung / als wir die nacht durch gereiset / im blachfelde zwischen den
gebirgen /der Chersis auf einem wagen / von vielen priestern aus hiesigem tempel
begleitet: welcher eine ansehnliche person in seinen armen hielte / die von
unsren mitgekommenen Celten alsofort für ihren Konig / den Marsius / erkant
wurde. Sie liefen gleich / mit ihrem fürer / dem Suevus / voll freud-entsetzen
hinzu / ihren König zu entfangen. Es ware an ihm / nächst dessen majestetischem
wesen / eine solche traurigkeit zu sehen / dass er schier / fur betrübnis / nicht
beachtete /was seine leute mit ihm redte. Zurücke / zurücke! (sagte er) und
lasset keine freude blicken / mich wieder zu sehen! ich begehre / auser den tod
/ von keiner ergetzlichkeit mehr zu wissen. Hiermit hüllete er sich in seinen
mantel / und wir alle sahen den Chersis an /dass er uns eroffnen sollte / woher er
mit diesem König käme.
    Indem entstunde / nahe bei uns / ein geschrei / welches eine dame
verursachte / die in geistlicher ordens-kleidung auf einen wagen sich sehen
liesse / und die pferde selbst regirend / dem Chersis also zurieffe: Ihr / der
ihr seit der vorsteher unsers tempels! schützet mich wider diese Bactrianer /
die ihr dort von ferne ankommen sehet / mich zu verfolgen. Hiemit rante sie auf
uns zu / und wie wir diese für eine priesterin aus hiesigem Teraphim-tempel
erkannten / fand Chersis /als dessen vorsteher und beschirmer / welches amt
allemal dem sohn des Oberpriesters zukommet / sich sowol als wir verbunden / sie
zu erretten. Demnach eileten wir denen / die sie verfolgten / entgegen / um sie
zurücke und abzuhalten. Es ritte vor diesen ankommenden her / ein gewaffneter
ritter: der / wie wir hernach erfuhren / bei dieser priesterin erstlich auf dem
wagen mit gesessen / aber durch ihre geschwindigkeit war hinab gestossen worden;
welches auch folgends dem widerfahren / der die pferde regirte /daher sie selber
den wagen leiten müssen. Sein und seiner bei sich habenden ermüdete pferde /
deuteten satsam an / dass sie bereits eine geraume zeit diese flüchtige also
verfolgt hätten.
    Chersis / der nun zu fus war / entfinge sofort eine sehr gefärliche wunde
von diesem ritter / dass er als todt zur erden fiele; worauf das gefechte an
beiden teilen scharf anginge / und erhielten wir endlich die oberhand / weil die
unsrige immer verstärket / und also diesen frömden überlegen wurden. Die
anwesende Celten und Aborigener / hatten immittels den wagen des Konigs / wie
auch der angekommenen priesterin / ümringet: und als wir sieghaft den furer der
Bactrianer gefangen brachten / öffnete der so bald nicht seinen helm / da hube
die priesterin an zu schreien / und mit höchster bestürzung den namen des Königs
Abinab von Jarmut etliche mal zu nennen. Wir wussten nicht / was ihr ankame /
als sie mit ausgespannten armen diesem König entgegen liefe / und uber dessen
leben grosse freude blicken liesse. Liebster Abinab! (rieffe sie) den ich fur
todt beweinet: ist es müglich / dass die götter dich mir wieder gegeben? Wie kann
euch dessen leben erfreuen / (antwortete er ganz unwillig) gegen den ihr euch
iezt so feindlich erwiesen? Ach! wan ich doch wissen sollte / (sagte sie) dass der
tod-geglaubte Abinab der jenige sei / der mich aus den tempel entfüren wollen.
Als er dieses beantworten wollte / trate ein Assyrier aus unserer gesandschaft
herzu / der sich Zalmon nennte / und bei den vorigen kriegen in Assyrien sich
sehr bekant gemacht: der / im namen seines Königs / den König von Jarmut mit
seinen bei sichhabenden leuten und Bactrianern / als gefangene anname / und
grosse freude spuren liesse / dass der himmel den feind seines Königs ihm so
unvermutlich in die hände geliefert hatte. Er erklärte auch kurzlich uns
ümstehenden / wie es hiemit beschaffen war / wie nämlich die Bactrianer einen
aufstand wider den Baleus erreget / und diesen Canaaniter zu ihren König
erwählen wollen: das wir dann allerseits nicht billigen kunten / sondern des von
Jarmut und seiner Bactrianer bande für gerecht erkennen mussten. Dieser
ungluckselige sah nun seine Prinzessin (massen diese priesterin die Zoroastra
von Tyro ware) so wehmütig an / als wie sie reuend ihn betrachtete / dass sie
ursach an diesem seinem ungluck sein müssen: massen auch wir allerseits in diese
frömde begegnise uns nicht zu finden wussten.
    Wie wir aber abreden wollten / was ferner anzufahen wäre / traten die
mitgekommene Teraphim-priestere herzu / und eröffneten uns / mit allen ümständen
/ dass dieser / den sie mitgebracht hätten / der jenige wäre / den man hier im
tempel gefangen bekommen /und zum Teraphim schlachten wollen / und der / auf der
Königin von Mesopotamien geheis / von dem Chersis mit list wäre hinweg gebracht
worden. Ja /diese grausame (finge der betrubte König hierauf an zu reden / der
allen diesen bericht der priestere mit angehöret) hat mich darüm vom tod
erretten wollen /damit ihr sieg desto herrlicher über mich werden / und sie in
meiner qual mich länger wissen möchte. Die meisten von den ümstehenden / wussten
nicht / was hiermit sollte gesaget sein. Aber der Prinz Suevus trate zu seinem
König / und redte ihm heimlich zu /nicht so offenbar den Celten seine
schwachheit sehen zu lassen. Nachdem er hiemit sich zu ihm auf den wagen
gesetzet / und seine schwachheit vermerkend /den Midaspes auch dazu vermocht
hatte / ginge unsere rückreise nach dem gebirge zu: da man allerseits sich
höchst glückseelig schäzte / dass sich dieses dergestalt geendet / und so wohl der
grosse Marsius und Tuscus Sicanus auser gefahr gesetzet / als des Teraphim
tempel unenteiligt geblieben wäre.
    Wir liessen den verwundten Chersis bei etlichen riesen / die daselbst woneten
/ und zogen auf dem gebirge gleich als in einem triumf ein / indem wir nicht
allein den Marsius / sondern auch den gefangenen König von Jarmut mit seiner
Prinzessin in das Celtische lager füreten. Die Konige Baleus und Hiarbas /mit
ihren geliebten Koniginnen / als den beiden schwestern des Marsius / entfingen
diesen ihren schwager und bruder mit unaussprechlicher freude: wiewol sie dabei
dessen herz entfindliche traurigkeit mit betrubnis erkennten / die ihn aller
andern entfindung unfåhig machte / also / dass er nicht die geringste freude
blicken liesse / bei seinen liebsten blutsfreunden sich wieder zu befinden.
Jederman ware nun fürwitzig / zu wissen / wie dieses mit dem König sich
zugetragen / dass er in solche gefahr geraten: und urteilten fast die meisten die
warheit / dass ihn / die liebe zu der schönen Mesopotamierin / an solchen
verbotenen ort müste geleitet haben.
    Ich erfuhre die eigentliche ümstände / von dem Midiaspes / der / indem er zu
des Königs cur mit gebrauchet worden / von ihm selbst alles vernommen hatte /um
es seinem Konig / dem Tuscus Sicanus / wieder zu hinterbringen. Er erzehlte mir
demnach / welcher gestalt dieser verliebte und ungeliebte Konig / ob er gleich
des beständigen furhabens gewesen / nicht mehr an unsere Konigin zu gedenken /
dannoch sich nicht uberwinden können / als er sie so nahe gewust /sie nicht noch
einmal zu sehen. Deshalben hatte er /nur mit zweien dienern / sich heimlich
aufgemacht /und / am tag der grossen opferung / in den tempel des Teraphim sich
gewaget / auch alda diese wunder-schöne beschauet: die ihn / als er verraten
worden /gefangen nemen / und folgends durch den Chersis erlösen lassen. Das
jenige aber / so hierbei seine groste traurigkeit / ja zweifelmütigkeit /
verursachte / wie mich Midaspes berichtet / ware dieses / dass unsere Konigin /
als sie ihn nach seiner erledigung vor sich komen lassen / ihm diese
ausdrückliche erklårung soll getan haben / dass sie niemand anders / als den
Tuscus Sicanus / lieben wolle: woruber er dann auch / in ihren zimmer / onmächtig
zur erden niedergefallen.
    Dieses stårkte nun mächtig / so wohl den Midaspes /als mich / in unsrem
vorhaben / den König der Aborigener an unsere Königin zu bringen: womit auch
aller Celten und Aborigener / auch selbst des Baleus und Hiarbas / der Hercinde
und Mirina / meinungen einhållig einstimmeten / um durch solche heurat den
grossen Marsius an seiner liebes-krankheit zu heilen. Es ist auch allein dieses /
das der Celten verbitterung stillen kann / die sie wider Syrien und unsere
Königin gefasset: massen sie / den Aborigenern zu gefallen /an unserer
herrschaft / wegen der erlittenen beschimpfung / sich nicht zu råchen begehren /
wofern Aramena den Tuscus Sicanus heiraten wird. Der Marsius selbst ware nun
hiemit einig / und liesse ihm gefallen /dass nach dem Aborigener-König so fort
geschicket würde / hierinn eine richtigkeit zu treffen: von deme man post hatte
/ dass er / unfern von dar / in einem andern teil des gebirges sich befände / und
den Konig von Basan daselbst bisher gesuchet hätte.
    Wie nun selbiger sehr nahe war / so vermochte doch der Marsius / so
grosmutig er sich auch erwiesen / nicht gegenwärtig zu bleiben / und seines
mitbulers Glück ihm selber anzukunden: wie er dann heimlich /die nacht vorher /
mit dem Sesai und wenigen seiner leute / hinweg reisete / nachdem er dem
Midaspes / an den Aborigener-Konig / dieses gewerbe aufgetragen /wie dass er von
nun an gutwillig die Aramena von Mesopotamien ihm überlasse / auch ihn selbst
ersuche /dieses Glück nicht auszuschlagen / sondern / dieser grossen Königin zu
gefallen / der Ahalibama zu vergessen / gleichwie auch er / üm ihr seinen
åusersten gehorsam zu erweisen / sie / samt seinem leben / bald aus seiner
gedächtnis zu bringen bemühet sein wollte. Es lautet ja jåmmerlich / dieses einen
so grossen und tugendhaften Konig sagen zu horen / und da dessen unfehlbarer tod
musste befahret werden.
    Es bliebe aber Sesai und sein anhang mehr als jemals darauf versteuret /
unsere Königin auf alle weise und wege ihrem Konig zuzubringen. Demnach schickte
er iemanden / noch in selbiger nacht / wie er mit dem Marsius hinweg ginge / an
den Reba und mich /und liesse uns ersuchen / dass wir ungeseumt ihm nachfolgen
wollten. So gern ich nun des Königs Tuscus Sicanus ankunft erwartet håtte / so
hochstnötig erachtete ich auch / des Sesai anbringen zu vernemen. Ich uberliesse
demnach / die fürung dieses werks / dem Midaspes allein / und machte mich mit
dem Reba auf den weg / dem Marsius zu folgen: der sich in ein unuberwindliches
berghaus / so einem von des Sesai vettern zuståndig / und unfern von hier liget
/ begeben hatte /und alda ganz verborgen für aller welt leben wollte /üm in
seiner tiefsten traurigkeit / und in dem fursatz /also zu sterben / nicht
verstoret zu werden. Wie uns Sesai fur sich kommen lassen / fanden wir viel
tausend der vornemsten riesen bei ihm versamlet / und täte er uns weitlåufiger
/ als ich nun sagen kann / diesen vortrag / dass wir zu seinem anschlag / unsere
Konigin von hier zu entfuren / behulflich sein mochten. Der Reba / war hiezu
gleich erbotig. Ich meines orts / hätte ihm zwar gern widersprochen: weil ich es
aber nicht zu hintertreiben vermochte / als name ich mich dessen ja so eiferig
an / als der Reba /und verhiesse / die hiesige riesen und schäfere dahin zu
bereden / dass dieser Königliche raub / der Mesopotamien in frieden und wolstand
erhalten könnte / für sich gehen mochte.
    Mit dieser vertröstung / sind wir nun von dem Sesai abgereiset / und zwar in
gesellschaft der gesandten von den Enakim an hiesige priesterschaft und die
Horiten / welche abgeordnet sind / ihr leidwesen /wegen der entstandenen unruhe
in hiesigem feste /ihnen zu bezeugen / und dabei ihnen kund zu machen / wie der
verliebte Konig von Basan ihr gefangener gewesen: worbei sie sich dann zu
erfreuen hätten /dass sie an diesem ihrem grossen bundsverwandten sich nicht in
unwissenheit vergriffen / und dadurch den gänzlichen untergang auf sich geladen
hätten. Diesen nachmittag ist nun alhier der vortrag geschehen / und hat sich
hiesige unruhe dadurch sehr gestillet. Nun wird man morgen ingesamt zu raht
gehen /wie / dem ausspruch des Teraphim zu folge / derselbe anderweit möge
ausgesönet werden. Weil wir mit dem Sesai verlassen / dass ich morgen wieder bei
ihm sein / und ihm die erklärung unserer hirten bringen wollte /zumal / vieler
ursachen halber / kein augenblick hierinn zu verseumen ist / als habe ich meinen
schwieger-sohnen / wie auch den andren / denen ich mich vertrauen dörfen /
zugeredet / dass sie nimmermehr in die entfürung ihrer Konigin willigen / sondern
ihr leib und leben bei ihr aufsetzen mochten: die mir dann nicht allein dieses /
sondern auch / ihre mitgesellen auf ihre seite zu bringen / versprochen haben.
Das widerspiel hievon / habe ich dem Reba vermeldet / der dann alle Horiten / wie
auch die andere richtere und viele von unsren hirten / auf seiner seite hat: und
ist beschlossen worden / dass über zween tage / wan das hiesige fest zu ende sein
wird / die lieferung unserer Konigin an den Sesai geschehen soll.
    Diese erklärung muss ich ihm nun morgen früh überbringen / und habe ich euch
/ liebe Sataspe! von diesem allen eroffnung tun wollen: damit ihr sofort unsere
Königin dessen berichten / und sie warnen konnet / sich hierbei furzusehen. Dan
ich scheue mich / selber zu ihr zu gehen: üm keinen verdacht auf mich zu laden.
Euer guter verstand wird euch schon an die hand geben / was ihr von allem dem /
so ich euch erzählt / der Konigin sagen sollet: und muss man ihr ja bergen /
sowol die häftige liebe des Marsius / als dass der Aborigener-Konig seiner
Ahalibama noch nicht vollig vergessen hat / damit sie nicht ihre Entschliessung
åndere / und den Konig von Basan dem andren furziehe. Viel nutzlicher werdet ihr
ihr von des Tuscus Sicanus ihr zu-tragenden liebe sagen / die so brunstig sei /
dass ich sie euch nicht gnug beschreiben konnen. Vor allen dingen aber musset ihr
dahin trachten / dass die Königin ja nicht seume / von hier nach dem schloss Amida
aufzubrechen / ehe diese zween tage vorbei sein werden.
    Demas schwiege hiemit / und horte die Sataspe sagen: Ich bin so voll
verwunderung über allem / was ich von euch vernommen / dass ich mich fast nicht
zu erholen weiss. Wan ich aber die warheit gestehen soll /so tauret mich der
grosse Marsius so sehr / dass ich lieber fur ihn / als für den Tuscus Sicanus /
sprechen mochte. Die wolfart aber unsres landes / (antwortete Demas) wie auch
die ruhe der gemalin des grossen Edoms / als unserer Ahalibama / die ihr mit mir
gleich hoch verehret sprechen fur den Tuscus Sicanus: wie dann auch unsere
Königin / und der König von Syrien / dieses wohl erwogen / und auf den
Aborigener-König selbst gewehlet haben. Die wahl unserer Königin und ihres
brudern / (gabe Sataspe zur antwort) lasse ich in ihren wurden: dass aber unserer
Ahalibama ruhe hieraus entstehen müsse / kann ich nicht glauben: dann .... Alhier
verstumte sie / und begriffe sich: weil ihr etwas einfiele / so sie abhielte /
ihre gedanken vollends heraus zu sagen. Demas / der dieses nicht beachtet hatte
/ fure fort / sie zu vermanen / dass sie dieses gewerbe ja wohl ausrichten sollte /
und verliesse sie hierauf / um die ubrige nacht auszuruhen / damit er gegen die
morgige reise desto munterer sein möchte.
    Sobald nun die sonne an den Taurischen gipfeln sich wieder sehen lassen /
eilete Sataspe nach der Königin zimmer / üm sie alles dessen zu berichten / was
ihr der Demas aufgetragen. Nachdem sie von der Amphilite angemeldet worden /
musste sie fur der Königin bette kommen: weil diese gleich ahnete / dass solche
fruzeitige besuchung etwas sonderbares auf sich haben wurde. Habt ihr den Demas
gesprochen? fragte sie / als Sataspe in die kammer trate. Nicht allein
/gnädgiste Königin! (antwortete sie) habe ich denselben gesprochen / sondern er
ist auch ursach / dass ich iezt hieher komme. So saget dann heraus / (sagte die
Konigin / voll grosser begierde) was ihr fürzubringen habet. Mein vetter (finge
die Sataspe an) hat auf den Taurischen gebirge eine verråterei wider E. Maj.
ausgekundschaftet / indem der riese Sesai und seine gehülfen damit umgehen / E.
Maj. für den Konig von Basan zu entfüren. Viele von den hiesigen Horiten /wie
auch von den richtern und schäfern aus Amida /ligen mit unter diesen anschlag /
und soll übermorgen / wan sich das fest geendet / diese frefel-tat verübet
werden. Des Demas ergebenste treue gegen seiner Königin / machet ihn dieses
entdecken: und vermeint er / E. Maj. würden wohl tun / wan sie alhier nicht
länger verweilten / sondern sich nach dem schloss Amida in sicherheit begäben.
    Mich befromdet nicht wenig / (sagte die Konigin) was ihr mir anbringet /
weil ich so einer gewalttat /weder von dem hoflichen Konig in Balan / noch von
hiesigen meinen untertanen mich versehen können. Ich mochte aber wohl wissen /
ob der Aborigener-Konig zur stelle sei: der verhoffentlich diese gewaltsamkeit
zu verhintern wüste. Wie Sataspe / auf diese der Konigin worte / etwas
stillschwiege / fuhre sie also / fort zu reden: Hat euch Demas nichtes von dem
Tuscus Sicanus gesaget? oder ist ihme die begebnis mit dem entkommenen
gefangenen unbewust / den sie hier zum Teraphim schlachten wollten? Sataspe / die
ihr fürgenommen hatte / von diesem allem nichtes zu erzählen / um sich nicht zu
verreden / wandte fur /Demas håtte / wegen der eilfårtigkeit / von diesen dingen
ihr nichtes sagen konnen / und wusste sie allein dieses aus seinem bericht / dass
Tuscus Sicanus auf dem gebirge / und zwar sehr wohl / sich befånde. Hierauf
erzehlte sie / um die Königin hiervon abzubringen / was Demas ihr von der
entfüreten priesterin eroffenet / und wie selbige / neben ihrem entfürer / unter
den Assyriern nun gefangen sässe. Sie verschwiege aber hierbei die verwundung des
Chersis / die Amphilite nicht zu betrüben / die mit in der Konigin kammer ware.
    Die schöne Aramena wurde etwas ungedultig / dass Demas eben davon zu melden
vergessen hatte / was sie zum nächsten anginge. Wie sie demnach sich ankleiden
lassen / wurde nach dem Fursten Elihu geschicket: der dann nicht lang seumte /
sich einzustellen / weil er schon auf den wege begriffen gewesen / der Königin
aufzuwarten. Er brachte ihr post / von dem Aramenes ihrem bruder / und meldete
zugleich den alten Tebah bei ihr an / der mit briefen an sie ware abgeschikt
worden. Ihr verlangen / denselben zu sprechen / machte sie das / was sie dem
Elihu zu sagen hatte / so lang aufschieben / bis sie den Tebah gesehen håtte.
Dieser kame nun zu ihr hinein / wie ein hirte verkleidet / und als er ihr den
rock geküsset /uberreichte er ihr zween briefe / die von dem Konig und der
Konigin in Syrien an sie geschrieben waren. Sie eroffnete dieselben
höchstbegierig / und fand in der Cölidiane ihrem / welcher noch zu Samosata
abgeben worden / dass diese Konigin nun völlig vergnügt und sonder eiversucht
lebte. Aber in dem brief ihres brudern / den er auf dem schloss Amida geschrieben
/ zeigete sich ihr dessen sonderbare freud-bezeugung uber den reuenden und
ausgesonten Cimber. Sie beziehen sich auf euren mundlichen bericht / mein
vatter! (sagte sie wider ihn) darum meldet mir nur bald / wie es ihnen und den
andern hinterlassenen ergehet.
    Gnädigste Königin! (antwortete Tebah) die ganze gegend von Amida schiene
bisher traurig / seit dem ihre sonne sich nicht bei ihnen sehen låsset; und hat
man fast die minuten gezehlet / bis hiesiges fest mochte seine endschaft
erreichen. Es kamen zwar /wenig tage nach E. Maj. abzuge / die Canaanitische
Konige / als der Hemor von Sichem / Ariates von Hazor / (woselbst dieser nun
regiret / nachdem der alte Konig von Hazor gestorben) der Jebus von Jericho /
mit der Konigin Milcaride und ihrer fraumutter /der alten Syrischen statalterin
Tarasile / nach Samosata: aber sie vermochten ingesamt das nicht zu ersetzen /
was ihnen an E. Maj. einiger person ermangelt. Wie nun der Furst Nahor / die
post von dem gefangenen Konig der Aborigener / uns zuschriebe /womit auch E.
Maj. brief an den König in Syrien sich einstellte / verwunderte man sich nicht
allein über dieses Königs beginnen / und rumete dabei E. Maj. fursatz / ihn zu
erlösen / sondern man vor-sah auch viel verdriesliche weitlåufigkeiten / die
hieraus entstehen könten. Mein König machte sich so fort auf den weg / nach dem
schloss Amida / das unferne von hier gelegen / um E. Maj. desto nåher zu sein. Er
vermochte auch den König von Ninive dazu / dass er eiligst in sein reich schickte
/ um / als der nächste /seine kriegsvolker an hiesige gränzen zu schaffen. Er
liesse auch sofort den Elhanan nach Syrien gehen / um alles volk / was in der
eile aufzubringen / hieher zu füren / damit der Horiten besorglichem aufstand
gewehret / und dabei auf die Celten und Aborigener /die sich auf dem gebirge
alhier versamlet / ein wachendes auge konnte gehalten werden.
    Der verliebte Sinear täte die reise mit dem Konig /und wie wir unferne vom
schloss Amida waren / stiesse Betuel auf uns / und kundigte dem König an / wie es
E. Maj. mit dem so-genanten Cimber ergangen ware. Ich kann wohl sagen / dass ich
den König / seitdass er in Mesopotamien gewesen / nie so freudig gesehen habe. Er
machte auch vor uns andren kein geheimnis davon / was die liebe dieses Konigs zu
der grossen tochter meines verstorbenen herrn betraffe / und was sich dabei
zugetragen: woraus dann ich insonderheit unbeschreibliche freude schopfte / und
dem gerechten himmel dankte / der mich dieses übrige von meiner verlangten
glückseligkeit nun auch noch erleben lassen /E. Maj. völlig vergnügt zu wissen.
Wie wir nach Amida kamen / wollte mein Konig / weil er / vermog hiesiger gesetze
/ unter wårendem Fest nicht selber herüber komen durfte / E. Maj. alsofort sein
da-sein zu wissen tun / und zugleich sich ferneren verlaufs erkundigen.
    Er musste aber / mit nicht-geringer befrömdung /vermen / dass alle wege hieher
von den Horiten abgeschnitten waren / und dieselbe keinen menschen diese strasse
wollten reisen lassen. Seine herzbrudeeliche liebe zu E. Maj. machte ihn gleich
für sie das widrigste furchten. Er ware zwar willens / wie ihme dann leicht zu
tun gewesen / mit gewalt durch zu brechen /worzu der verliebte Sinear stark
riete: doch beschlosse er / ein gutlichers mittel zu erwarten. Endlich bote ich
mich an / in hirten-kleideren mich hieher zu wagen: welches ich ohne sonderbare
gefahr tun konnen / weil ich / diesen stand anzunemen / ohndas entschlossen bin
/ und unferne von hier bereits landgüter erkauft habe / daher man mir / wan ich
sollte verraten werden / nichts wird anhaben können. Mein furnemen ist mir nun
geglucket / und erkennen also E. Maj. wie es uns ergehet / was sie ferner von
meinem König zu begehren / oder ihme hinwieder zu entbieten haben / so ich mit
gleicher treu und sorgfalt zu bestellen / mich erbiete.
    Ihr hättet wohl / mein vatter! (sagte hierauf die Königin) zu keiner
gewünschtern zeit / als nun / euch hier einfinden konnen: und erkenne ich
hieraus die sonderbare fursorge des hochsten / der euch eben zu mir schicket /
da mir hulfe und raht so hoch vonnoten ist. Wisset demnach / (sagte sie ferner /
den Elihu und Tebah anschauend) dass man hier einen raht uber mich beschlossen
hat / mich dem König Marsius von Basan ein zu lieferen / und hält allein das
noch-wärende fest die Barbaren zu rücke / nicht so fort hand an mich zu legen.
Der glimpf / womit ich bisher diesen leuten begegnet / und der mich / ihre gute
gunst zu gewinnen / hieher auf ihr fest mit erscheinen gemacht / sturzet mich
nun in solches unwesen. So ratet mir dann / meine freunde! was hiebei zu tun
sei: ob ich mich ferner bergen / und heimlich von hinnen zu entwischen bedacht
sein / oder öffentlich meinen bruder zu mir ziehen / und meiner königlichen
gewalt mich bedienen soll?
    Elihu und Tebah blieben hieruber sehr besturzt /und sahen als im spiegel /
was dieses fur weitlåufigkeit und unruhe nach sich ziehen könnte. Also befanden
sie beiderseits für das zuträglichste und båste /dass die Konigin / sonder
ferneres zeit-versaumen /nach Amida sich davon machen / und also dieser
drohenden gefahr zuvor komen sollte. Demnach wurde abgeredet / dass Tebah von
stund an nach dem Konig von Syrien wieder ümkehren / und einen wagen mit einer
starken anzahl von seiner leibwacht / im nächsten holz fårtig stellen sollte /
die Königin / folgenden morgens in der frühe / von hinnen zu furen. Die drei
Prinzessinnen von Ausitis / kamen eben dazu / als dieses beratschlaget wurde: da
der Tebah / der åltsten und jüngsten / briefe vom Sinear und Betuel
überreichte / deren inhalt war / dass sie ihr ausenbleiben entschuldigten / und
dabei ihr verlangen andeuteten / ihre schöne Prinzessinnen bald wieder zu sehen.
Wie nun diese von dem / was fürgegangen war / nachricht erhalten / wollten sie
nicht dahinten bleiben / wan die Königin abreisen würde: welches sie / in ihren
antwortschreiben / ihren geliebten fürsten zu wissen täten.
    Wie nun Tebah / von der Königin und diesen dreien / mit briefen wieder
abgefärtigt war / und vom hofe des tempels wieder hinab ginge / ersah ihn
Oromedon: der / neben andern der richtere creaturen /ståts acht hatte / was bei
der Königin geschahe / und wer bei ihr aus und einginge. Er hielte diesen alten
/weil er ihn nur rükwarts gesehen / für den Demas: eilete auch deshalben zu Reba
und den andren richtern /und meldete ihnen an / wie er den Demas von der Konigin
hätte abgehen sehen. Dieses befromdete die richtere nicht wenig / weil sie nicht
anders wussten /als dass Demas bereits in der demerung hinweg gereiset ware /
welches auch in der nachfrage sich ålso befunden. Demnach schlossen sie endlich
/ dass es der alte Chebron musste gewesen sein / der seine tochter die Amphilite
besuchen wollen.
    Es verfugten sich aber / die vier richtere / nach des Oberpriesters palast /
um dem grossen raht beizuwonen / der alda von allen geistlichen / auch von den
vorstehern des tempels / und etlichen furnemsten unter den Mesopotamischen
hirten / deren auch Laban einer war / sollte gehalten werden: um endlich / da nur
noch ein tag vom Fest übrig war / einen end-schluss zu machen / wie der grosse
Teraphim konnte ausgesönet /und also dieses Fest frolich beschlossen werden. Die
von den Enakim gestriges tags angekommene gesandten / weil sie auch hirten waren
/ wurden gleichfalls mit hierzu gezogen. Wie nun ihr bericht / dass der grosse
Marsius der Mesopotamier gefangener gewesen / ihnen vollig die wieder-einholung
dieses bestimmt-gewesenen Teraphim und die versönung der gotteit /aus dem sinne
gebracht / wendeten sie alle ihre gedanken auf den gegebenen ausspruch / welcher
also gelautet: dass hirtinnen aus furstlichem geblute vorhanden wären / die den
grossen Teraphim gedåchten hinweg zu rauben / und dass wider dieselben die rache
ergehen sollte / wenn man den fromden zum Teraphim nicht schlachten konnte. Weil
nun diss letzere sich begeben hatte / als truge der Oberpriester das erste vor
/dass ieder seine Meinung daruber entdecken sollte. Weil er und seine geistliche
den schluss in dergleichen beratschlagungen zu machen pflegten / als liessen sie
erstlich die weltliche reden: da man / den abgeordneten von dem gebirge / die
ehre gonnte / mit ihrer ratstimme den anfang zu machen.
    Diesen fiele bei / wie eben den tag / als man den Marsius zu ihnen gebracht
/ die Prinzessin von Tyro /die Zoroastra / als eine priesterin des tempels /
auch dahin gekommen / deren schwester / die Rahabine /ihrer aussage nach /
ebenfalls priesterin alhier wäre: daher vermeinten sie / weil die gotteit von
einem schwester-paar geredet / und Zoroastra bereits durch ihre flucht erwiesen
/ dass sie fåhig sein könne / dem grossen Teraphim seine ehre zu rauben / es müste
dieselbe / oder die Rahabine / welche von beiden die schonste wäre / der
gotteit zum sun-opfer / geschlachtet werden. Nach diesem / redten die Horiten:
welche die gedanken ihrer brüder / der Enakim /darum verwarfen / weil der
Teraphim seine rauberinnen ausdrücklich hirtinnen genennet / welchen stand die
Prinzessinnen von Tyro niemals angenomen / und also hiermit nicht konten
gemeinet sein. Sie stimmeten aber hingegen / wiewol sie es ungern vorbrachten /
auf die Lea und Rahel / und zwar auf diese letzere /als die schonste: massen
bekant wäre / dass der jetzige Teraphim / als er noch Pasicles gewesen / die
Rahel geliebt / und werde er sie nun / durch den tod / näher zu sich rucken
wollen. Den Fursten Laban überfiele ein kalter schaur / wie er die Horiten also
reden horte: dorfte und wollte aber doch hierwieder / weil er dem gotzendienst
des Teraphim sehr ergeben war / nicht das geringste sagen / sondern erwartete /
was die geistlichkeit endlich hierinn schliessen würde.
    Wie nun auch an ihn und die richtere aus allen landschaften von Mesopotamien
die reihe zu sprechen kam / fielen ihre stimmen dahinaus / wie der Teraphim ihre
Konigin / die ihm seine ehre dadurch geraubet / indem sie dem gefangenen Marsius
davon geholfen / gemeinet / und / unter dem wort der rache / dieses wolle
verstanden haben / dass man sie zwingen musste / den König Marsius von Basan zu
lieben /deme sie stäts / in ihrer wahl / den König der Aborigener furgezogen.
Wiewol nun keiner in der versamlung war / der dieses nicht gebilligt / dass man
die heurat ihrer Konigin und des grossen Marsius befördern müste / so wollte doch
den andern nicht einleuchten / dass der Teraphim hierdurch würde konnen
ausgesonet werden.
    Als endlich auch die von Zoba zu sprechen hatten /fürete der Harad das wort
/ und begunte also zu reden: Ich verwundere mich billig / dass keiner von so
vielen hocherleuchten geistern / die ich hier vor mir sehe /erraten können / was
unser grosser Teraphim doch so deutlich von uns heischet. Er spricht:
Auch hirtinnen sind hier / durch deren hand
ich leichtlich werde sein entfuret /
wehrt es nicht deine treu / ô liebes vatterland!
Aus fursten-blut zehlt man des schwestern-par /
von der die schonste dann mir drohet die gefahr.
Weiss dann niemand von euch allen / dass wir die furstliche hirtinnen / des Hiobs
töchter / hier bei uns haben? die nicht / wie Rahel tut / den grossen Teraphim
anbeten / sondern eine fromde gotteit verehren / von der wir nichtes wissen.
Solte auch hier unbekant sein konnen / wie man / aus dem lande Uz / alle altåre
/ tempel und håyne der heiligen götter ausgebannet und zerstöret? wåre es dann
ein wunder / wan diese der Konigin ihre ratgeberinnen wurden / und sie
verleiteten / unsern grossen tempel auch also auszurotten? Sie selbst / wie ich
gehöret / haben ihnen geprofezeiet /dass / wann sie würden in Mesopotamien bekant
werden / ihnen ein grosses unglück vorstünde. Dieses kann nun erfullet werden /
wann man dem befehl des grossen Teraphim ein genugen tut / und diese
göttersturmerinnen von der erden tilget. Der Teraphim saget: die schönste drohe
ihm die gefahr. Welche ist aber unter diesen dreien die schonste? machen sie
nicht /alle dreie / die vollkommenste schönheit / also dass sie auch zugleich
sind geliebt worden? Wil man sich hierbei für unserer Königin / die sie
beschützen dorfte / oder fur der onmåchtigen macht von Ausitis und Chaldea /
furchten / so musste ich sagen / man scheuete mehr die menschen / als die gotter.
Sol des grossen Teraphim befehl erfullet werden / und unser land in ruhe und
segen verbleiben / so muss geschehen /wovon ich rede.
Als dann die rach' auf die ergeht /
die da nach meinem raube trachten:
Diss sind des Teraphim worte. Die rache / bedeutet die hinopferung; und das
folgende wort / die / will sagen /dass mehr als eine zu solchem sun-opfer dienen
müsse.
    Hiemit horte Harad auf zu reden / und entstunde sofort eine allgemeine
stille in der versamlung / die da anzeigte / dass dieser fürtrag des Harads ein
allgemeines nachdenken erweckt håtte. Dieser Harad / ware des Prinzen Cesias von
Zoba hofmeister gewesen /und hatte / gleich allen von Zoba / seitdass sein Prinz
wegen der Jemima ümgekommen / einen unversonlichen hass gegen diese Prinzessin
und ihre beide schwestern gefasset: daher er mit freuden diese gelegenheit
ergriffen / ihme schaden zu tun. Er hatte aber vorher schon heimlich unter den
anwesenden Enakim / und den andern / fürnemlich aber unter den priestern / viele
auf seine seite gebracht / und denen sein vorhaben eroffnet. Wie nun alle
stimmen abgelegt waren /und schlüssig die geistliche sprechen sollten / hörte man
sie derer von Zoba Meinung beipflichten / denen sofort auch alle die andere
beifielen. Also wurde einhållig der schluss gemacht / dass man / die drei tochter
des Hiobs / dem Teraphim zum sün-opfer schlachten musste. Um nun hierzu zu
gelangen / und alle dabei anscheinende hinternisen / deren nicht wenig / aus den
weg zu raumen / wurde ferner beschlossen / dieses bis folgenden morgen in
höchster stille zu halten / und alsdan / wan das ganze volk vor den tempel sich
würde versamlet haben / hiermit auszubrechen / der Konigin die drei
Prinzessinnen abzunemen / und sie in den tempel zu furen.
    Der Reba und die andern / die den anschlag gemachet / dass ihre Königin dem
Sesai sollte uberliefert werden / fanden dieses zu ihrem fürhaben nuzlich /und
dass dadurch alles leichter von statten gehen wurde / was sie dem Sesai
versprochen hatten. Also endete sich dieser grosse ratgang: unter welchem alles
volk / so auf dem fest erschienen / mit schmerzlichem verlangen geharret / was
doch endlich der schluss sein würde. Demnach wurden die heraus kommende hier und
da befraget: die dann allerseits den guten bescheid gaben / dass folgenden tags
die grosse aussonung ihres Teraphim geschehen sollte. Hierbei liesse auch der
Oberpriester den schåfern sagen / dass sie nur sich frölich bezeigen / und länger
nicht eingezogen leben sollten / weil nun das wäre gefunden worden / was ihre
gotteit vergnugen könnte. Also wurde nun die ganze gegend von Abagara wieder
wach und munter / da sie vorher als erstorben geschienen. Und damit auch die
Königin hiervon nachricht haben mochte / und ihr hierunter die schuldige
ehrerbietung wiederfure /fårtigten sie den Oberpriester in person an sie ab: der
ihr kund täte / dass am folgenden tag / als dem lezten des festes / eine
allgemeine versamlung des ganzen volkes vor dem tempel geschehen / das fest mit
deme /was sie heut für gut gefunden und morgen eröffnen wollten / geendet / und
dann die rukkehr nach haus sollte angestellet werden. Die Königin erwiese keinen
fürwitz / dasjenige zu wissen / was sie unter sich beratschlaget / sondern
sagte: wiedass ihr alles mit gefällig wåre / wie sie es anstellen wurden.
    Hierauf kamen zu ihr / die abgesandten von den kindern Enak / wie auch die
furnemsten aus Abagara: die alle gegen ihr verheleten / dass sie darüm wussten
/wie sie dem König Marsius håtte davon geholfen. Die / so sie vor deme noch
nicht gesehen / bewunderten nun nicht mehr die häftige liebe dieses Konigs / da
sie ihre wunder-schöne erkannten. Die drei schöne tochter des Hiobs / so mit
zugegen / und nicht wussten / was ihnen bereitet war / erweckten auch kein
geringes mitleiden bei diesen riesen: und wandte der Telecles die augen von
ihnen ab / üm nicht / wider sein amt /weichmutig für sie zu werden. Es vergliche
sich nun /dieser tag / mit dem ersten im feste / und war ein allgemeines
wolleben allentalben zu spüren / welches fast die ganze nacht hindurch gewäret:
weil der oberpriester den hirten so gute vertrostung gegeben hatte.
    Es finge nicht so bald wieder an zu tagen / da stellte sich Elihu bei der
Konigin ein / um dieselbe /neben den dreien Prinzessinnen von Ausitis / nach dem
holze hinzufuren / da der wagen / und ihres bruders leibwacht / ihrer warten
wollte. Atamias / Ausicles / Abinael / Nisan / Timonax und die andern / hatten
sich / auf des Elihu verordnung / in grosser mänge auch dahinwarts versamlet /
üm auf allen notfall ihrer Konigin beizuspringen. Weil Aramena / bei ihrer
selbst-eigenen not / auch des anligens anderer nicht vergessen konnte / als
erinnerte sie sich der Prinzessin Rahabine / und liesse derselben durch die
Amphilite sagen: sie sollte nur in gedult stehen / ihr König von Jericho wåre zu
Samosata / den wollte sie schon dahin vermögen / sie bald aus dem tempel
abzuholen. Wie nun diss bestellet war / und sie auch der Lea und Rahel / durch
eben diese hirtin / viel guts sagen lassen / ginge sie / als wan sie in der
morgenzeit lust-wandlen wollte / mit den dreien Prinzessinnen feld-ein / da Elihu
ihr den weg wiese. Sie stiessen sofort auf den unbescheidenen Oromedon / der /
von dem nachtgeschwelge noch halb-beråuschet / sie nicht verlassen /sondern mit
ihnen gehen wollte. Weil der vorsichtige Elihu es ratsamer befunde / dass er bei
ihnen bliebe /als wan er / von ihnen abgewiesen / ihr ausgehen den andern
anmeldete / als fassete er ihn bei der hand /und notigte ihn / ihme etwas zu
tun zu schaffen / dass er möchte auf seinem horn eins hören lassen.
    Dieser war hierzu gleich willig / hatte aber kaum etliche mal in sein horn
gestossen / da kamen von den Horiten und denen aus Zoba etliche herzu: dann sie
hatten / bei ihrem nachtgeschwelge / einander diese losung gegeben / dass sie /
wan sie das horn fru morgens würden blasen horen / sich versamlen wollten /um
sodan ingesamt nach dem tempel zu gehen. Zum unglück / befanden sich unter
diesen etliche / die da wissenschaft davon hatten / was uber des Hiobs drei
töchter war beschlossen worden: die dann gleich vermuteten / dieses frühe
spaziren-gehen / dorfte etwas anders und eine flucht bedeuten. Demnach beredten
sie sich / teils ihnen zu folgen / teils es dem oberpriester und den richtern
anzumelden. Den dreien Prinzessinnen wurde angst für ihre Konigin / die ihre
eigene gefahr nicht wussten / und ermanneten sie sich / diesen leuten zu zureden
/ dass sie der Königin an ihrer spazir-lust / die in der einsamkeit bestunde /
nicht hinterlich sein sollten: die aber dessen lacheten / und nur mehr sich ihnen
nåherten. Die Königin / nicht anders vermutend / als dass sie verraten wåre /
bliebe endlich stehen / und mit ihrer majestet diese hirten anschauend / sagte
sie zu ihnen: wonet dann bei euch so wenig ehrerbietung fur eure Konigin / dass
ihr dessen / was ihr iezt beginnet / euch erkünen dörfet? Auf diese frage /
stutzeten sie in gesamt; und wie eben auch Elihu dem Oromedon (der / ob er
gleich die andere seite hielte / doch deren geheimnise nicht recht wusste)
beredet / diesen ungestümen zu zusprechen / dass sie die Königin allein lassen
möchten / machte dieser sie bei ihm stehen blieben.
    Die Königin / ginge nun mit dem Elihu und den Prinzessinnen / stark fort /
also dass sie fast das holz erreichten / da sie den wagen und die Syrer finden
sollten. Weil aber die vorsichtige riesen alle zugånge zu ihrem tempel mit
wachten besetzet / als hatten sie bereits nachricht erhalten / dass ein haufe
Syrer im holz angekommen wåre: da zugleich etliche Horiten anmeldeten / wie sie
die Konigin mit dem Elihu und den dreien Prinzessinnen / auf dem weg nach dem
holz /im feld angetroffen hätten. Die geistlichen versamleten demnach sofort das
volk nach den tempel / üm ihnen / durch den oberpriester / die erklårung von des
Teraphim willen / ankünden zu lassen: inzwischen der Tilador / Harad / Reba und
Helidor / mit allen Horiten / was nur bewaffnet war und zu pferd kommen kunte /
dem koniglichen frauenzimmer nachsezten /üm deren flucht zu verhintern. Das
versamlete volk erfuhre nun / durch eine bewegliche rede des Oberpriesters / wie
auf keine andere weise der grosse Teraphim konnte begutigt und ausgesönet werden
/ als durch das blut der drei koniglichen schäferinnen von Ausitis: die man
ihnen aber iezt entfuren / und also alles ungluck über ihren tempel und uber ihr
land bringen wollte. Dieses brachte bei diesen aberglaubisschen so viel zu wege /
dass sie ingesamt / von dem Oberpriester selbst gefuret / den andren nacheileten:
des willens / ihre Konigin / fur die sie doch alle ehrerbietung behielten /
anzuflehen / dass sie diese bestimmte opfer ihnen überlassen / und durch ihre
mitleidigkeit Mesopotamien nicht in elend sturzen wollte.
    Wie diese bei vielen tausenden ankamen / fanden sie ein håftiges gefechte /
zwischen den frömden Syrern und den Horiten: da jene der dapfere Sinear furete /
und diese den Tilador zum obersten hatten. Neben diesem pferd-gemånge / ware
auch zu fus der streit angegangen / da die hirten / so auf der Konigin seite
waren / unter anfürung des Elihu und wieder-angekommenen Betuels / dem Oromedon
und seinem anhange gnug zu schaffen macheten. Die Königin und die drei
Prinzessinnen / stunden / mitten zwischen diesem gefechte / auf einem hügel /
und vermochten nicht / wie sie gewillt waren / hindurch und zu ihren wägen zu
kommen / um auf denselben davon zu fahren. Wie nun / zu dieser verwirrung / da
die Königin ihrentalber unter ihren untertanen ein solches blutbad angehen
sah / ein lediges pferd / so seinen herrn verloren / hinzu gelaufen kame /
erwischte sie dasselbe beim zügel / schwunge sich hinauf / rennete sofort
zwischen beide teile / und rieffe ihnen zu / dass sie mit dem fechten einhalten
sollten. Ein jeder / der die Konigin sah / ware willig ihr zu gehorchen.
    Weil sie nicht anders vermeinte / als dass dieses ihr allein gälte / üm sie
für den Konig von Basan zu erobern / und weil sie üm der Prinzessinnen gefahr
nicht wusste / als gedachte sie nur an ihre selbst-eigene freiheit / und ritte /
als sie das grosse volk ersah / das mit dem Oberpriester angekommen war / auf
dasselbe zu / in hoffnung / dieses heer auf ihre seite zu bringen. Sie sagte
ihnen: Sie vermeine nicht / gegen ihren untertanen sich also verhalten zu haben
/ dass man sie an einen fromden König sollte verråterlich übergeben wollen. Wer
nun unter ihnen seine treu und liebe ihr wollte sehen lassen / der sollte ihr
helfen / dass sie / mit diesen angelangten Syrern nach Amida zu ihrem bruder
kommen mochte. Weil die meisten unter dieser grossen hirten-schar von dem
vorstehenden verraht nichts wussten / und nun ihre Königin also reden horten /
erboten sie sich alle für einen man / bei ihr zu stehen / und drungen sofort in
die Horiten / zugleich ruffend: dass man wider ihre grosse Konigin nichtes
beginnen / sondern ihr alle freiheit lassen müste. Die seite derjenigen / die
die entfurung der Königin befördern wollen / fand sich viel zu schwach / dieser
grossen volk-mänge zu widerstehen. Wie sie nun sahen /dass ihr fürnemen nicht
fortgehen konnte / verneinten sie beständig / so wohl gegen dem volke / als vor
der Konigin / dass sie etwas anders vorgehabt / als des grossen Teraphim ehre zu
retten: weil sie ihnen eingebildet / der Prinz von Chaldea wäre darüm / mit
seinen bei sich habenden / wider die heiligen gesetze ihres landes / in ihre
gränzen eingebrochen / um die drei Prinzessinnen von Ausitis zu entfuren / die
der grosse Teraphim zum sun-opfer haben wollte.
    Inzwischen Tilador und Reba also zur Konigin redten / riefe Harad unter das
volk: wir vergreifen uns keines wegs an unserer Königin / sondern wir fordern
nur die bestimmte opfere unsres gottes / die drei Prinzessinnen von Ausitis: mit
denen wir alle wolfart unsres tempels / ja des ganzen landes / verlieren würden.
Dieses wiederholte auch der Telecles und die andere mitgekommene geistliche /
und wurde hierdurch das volk so eiferig gemacht / dass sie ganz laut und
inständig riefen: man musste dem grossen Teraphim sein opfer lassen. Es hatte die
Konigin kaum luft geschöpfet / als nunmehr allem widrigen entgangen zu sein
vermeinend / wie dieses neue unwesen herfurbrache: welches sie / so wohl als die
drei verliebte Fürsten /mit hochster besturzung anhörete. Sie begehrte
unterricht von dem Telecles / wie es hiermit bewandt wäre. Inzwischen ihr nun
der erzehlte / was über diese drei unschüldige nach des Teraphim ausspruch war
geschlossen worden / sah sie / dass das volk auf die drei Prinzessinnen
eindrunge: die dann einander umfasset hielten / und also ihr geschicke mit
grosser standhaftigkeit erwarteten. Die Konigin rante sofort dahin /und riefe:
man sollte sich an denen nicht vergreifen /die in ihrem schutz wären.
    Der halbtodte Sinear / wie auch der erschrockene Elihu / und der besturzte
Betuel / frischeten immittels die ihrigen an / die Prinzessinnen beschutzen zu
helfen: da aber keiner / als der Sinear / gehör erlangte / weil die hirten
ingesamt / auser zween oder dreien /die nicht abgottisch waren / solche
verehrung für den Teraphim hegten / dass keiner hand anlegen wollte /ihm sein
bestimmtes opfer zu entwenden. Aber die leibwacht des Königs von Syrien / folgte
dem verzweifelten Sinear / der mit ihnen durch das volk drange / des vorhabens /
also in der hast die Prinzessinnen davon zu bringen. Nachdem er ihme mit seinem
sebel raum gemacht / und verschiedene vom volk schwerlich verwundet und erleget
hatte / kame er zwar bald an dem hügel / wo die Prinzessinnen stunden / und die
Konigin bei ihnen zu pferd hielte: es ware ihm aber unmuglich / sein vorhaben zu
volbringen / da der Harad / mit den Horiten und allem volk herzu drange / und
ohne ansehen der Konigin / die die Prinzessinnen / so sich an ihr pferd gelehnet
/ mit beiden armen umfangen hielte / dieselben hinweg rissen / und sie so tief
unter das volk brachten / dass sie nicht mehr konten gerettet werden. Telecles
und die geistlichen / fasseten sie damit bei den händen / schlossen um sie einen
kreis / dass sie nicht von dem tobenden pobel zertreten wurden / und wandten sich
also mit ihnen wieder nach dem tempel: da zugleich der Tilador abgeschickt wurde
/ dieses beginnen gegen die Konigin zu entschuldigen / und sie alles
schuldigsten gehorsams /auser in dem / was den gottesdienst betraffe / von dem
volke zu versichren.
    Aramena bliebe / uber diesem zufall / so erstorben und aus sich selber / dass
sie fast nicht wusste / wie ihr geschahe. Und als sie den verzweifelten Sinear
erblickte / der vergeblich seinen mitgebrachten Syrern zuriefe / noch einmal in
das volk zu setzen / brache sie gegen ihm in diese worte heraus: Ach Sinear! wie
übel bewahre ich euch diese / die ihr in meinem schutz gebracht habet! Er / der
für verwirrung hierauf nichts antworten konnte / rante allein unter das volk
/hiebe und metzelte so lang um sich / bis sie ihn vom pferd herab zogen / und
also gefangen mit fortschleppeten. Abinael / Timonax / Atamias / Nisan /
Ausicles und ihre gesellen / hielten immittels den Elihu und Betuel mit gewalt
zurücke / die gleichfalls ihren schonen nachsetzen wollten. Wie nun dieses sich
also zutruge / und die Königin / unter einer grossen anzahl hirten / die sich
daselbst noch bei ihr befanden / unschlussig bliebe / was sie tun sollte: wollten
Reba und Helidor ihr heil noch einmal versuchen / in dieser verwirrung die
Konigin davon zu füren / und zu dem riesen Sesai auf das unferne von dar
entlegene bergschloss zu bringen. Sie sprachen deshalben die Horiten auf / und
hatten sich schon zimlich gerottet / als der Mitreus und der Tebah / deren der
erste die Syrische leibwacht hergefuret / und / um die Königin zu beschutzen /
dem Sinear nicht gefolget hatte / zu ihr gerennt kamen / und ihr zuredten /
ferner alda nicht zu verziehen / sondern eiligst mit ihnen nach Amida sich zu
begeben.
    Die Konigin wurde fro / bei solcher ihrer unruhe diese beide zu sehen / und
fragte sofort den Tebah: ob er es nicht fur nützlich hielte / dass sie wieder
nach dem tempel umkehrte / um durch ihre gegenwart zu verwehren / dass den
Prinzessinnen von Ausitis nichts widriges begegnete? E. Maj. gegenwart /
(antwortete Tebah) wird im tempel den Prinzessinnen nichts mehrers / als wie
iezt geschehen / vorteilig sein künnen. Sie eilen dafur nach unsren König / und
reden mit ihm ab / was zu geschwinder befreiung dieser Prinzessinnen wird
vonnöten sein. Ich versichere aber E. Maj. dass die Teraphim-priestere in
etlichen tagen mit der vorhabenden opferung nicht fortfahren konnen / weil mir
ihre gebräuche wohl bekant sind / und sie /nun durch das heutige gefechte dieser
heilige platz entweihet ist / zuvor etliche tage fasten anstellen / und die erde
alhier wieder heiligen mussen. Inzwischen kann nun auf eine hülfe gedacht / und
den Prinzessinnen mit nachdruck geholfen werden. Diese worte des Tebah /
bewegten die Königin / den weg nach Amida zu nemen.
    Wie sie nun nach dem wagen zuritte / stiesse sie auf die hirten: welche den
Elihu und Betuel mit mund und hand abhielten / sich nicht in gefahr zu sturzen.
Dieser beiden verliebten zustand taurete sie nun von grund der seele / und zwar
meist darum / dass dieses in ihrem reiche geschehen / und doch von ihr nicht
konnte gewendet werden. Sie riefe ihnen zu / ihr zu folgen: das sie dann / wiewol
mehr todt als lebendig taten. Wie nun auch die andre hirten sie begleiteten /
sagte Aramena heimlich zu dem Ausicles / dass er auf alles /so da furgehen wurde
/ wohl acht haben / und dann kommen sollte / ihr solches in Amida anzusagen.
Hierauf /nachdem ihr der hirte solches versprochen / begabe sie sich zu wagen /
auf welchen Elihu / Betuel und der alte Tebah sich zu ihr setzen mussten.
    Mitreus aber teilte sein volk in zween haufen / um so wohl von hinten als
vornen alle gefahr abzuwenden. Wie er dann / dessen notig zu haben / bald befande
/als Reba und sein anhang / wie sie mitten im holze waren / auf sie los ginge /
und die Königin vermeinte davon zubringen. Die hirten / welche vor dem holze
wieder nach dem tempel ümgekehret / wurden hievon nichtes gewar / und sezten die
Horiten so dapfer an /dass / wan Mitreus und seine Syrer nicht auf dergleichen
uberfall sich hätten versehen und färtig gemacht / die Konigin nochmals grosse
gefahr håtte anstehen mogen. Es zogen aber hiebei die Horiten den kürzern / und
mussten den Reba im stich lassen / der von einem pfeil hart getroffen worden /
dass er / unferne von der Konigin wagen / den geist aufgabe. Sehet ihr wohl /
Elihu und Betuel! (sagte die Konigin zu diesen beiden trostlosen) wie der
himmel in allem seine gerechte gerichte ergehen lässet! Lasset euch dieses zur
hoffnung dienen / dass der auch die unschüldige tochter des gottseligen Hiobs an
ihren feinden rächen / und diese fromme seelen aus jetziger noht erretten werde.
Ach weh! (antwortete Elihu / mit augen voll tränen) wer kann uns versichern / dass
Gott das tun wolle / was er wohl vermag zu tun? Sind nicht schon einmal dem
König Hiob seine erste kinder erbårmlich umgekommen? Wer weiss / ob ihm nicht
iezt dieselbe versuchung von neuem drohet? Ich habe mich schon wieder (versezte
die Konigin) in meinem geist gefasset / auch selbst so fromde abenteuren belebet
/ da die gefahr nicht geringer als diese gewesen / dass ich der fåsten hoffnung
lebe / dieser handel werde uns wohl eine kurze angst / aber kein beharrliches
trauren / verursachen.
    Redet / Tebah! (sagte sie ferner / diesen alten anschauend) und stårket /
in diesem troste / mich und diese beide verliebte / die sich noch nicht so viel
/ als wie ich / begreifen können. Gnädigste Königin! (antwortete dieser alte) es
ist zwar gegenwårtiger handel mehr als frömd / und scheinet sehr gefårlich /
weil die Prinzessinnen in solcher leute hånde geraten / die /den Teraphim zu
verehren / ihres eigenen lebens nicht verschonen / und unfehlbar mit der
opferung fortfahren werden / wan man es ihnen nicht mit gewalt verwehret.
Solches kann aber wohl geschehen / und haben wir wenigst / wie ich schon vorhin
erwehnet / noch zween tage frist: in welcher zeit nicht allein die Niniviten mit
den Chaldeern / sondern auch die hier in der nähe sich befindende Aborigener
konnen beruffen werden / und ankommen / diesen tempel zu zerstören / und also
die Prinzessinnen zu erlösen.
    Betuel sah den Tebah ganz verfåret an / wie er ihn also reden horte; der
dann leicht urteilen kunte /warüm sein reden ihn befromdete / und deshalben zu
ihm sagte: Glaubet ihr dann / mein Furst! noch an den Teraphim / nun ihr sehet /
wie der gotze so wenig nutz- und löbliches wirket? Von einem Gott / uns ja
lauter gutes komme: konnet ihr aber diss für gut halten / was der Teraphim im
lezten ausspruch zu tun befohlen hat? Ach Tebah! (sagte Betuel) dorfte ich
meines herzens gedanken eroffnen / ihr soltet sehen /dass ich mit euch gleicher
Meinung lebe. Aber - - - Ich weiss / mein vetter! (fiele ihm die Königin in die
rede) was euch noch wanken machet / diesem falschen götzendienst abzusagen.
Unser aller besturzung lässet jezt nicht zu / euch vollig zu bekehren. Glaubet
mir aber / dass / wan ihr nur den fürsatz fassen werdet /den wahren Gott zu
kennen / so wird solches schon eine grosse beförderung und hulfe zu eurer
Prinzessin errettung bringen. Könte ich damit (sagte der verliebte Betuel) die
himlische Kerenhapuch erlösen / so wollte ich gleich den Teraphim verfluchen /
der uns in solchen jammer sturzet. Der müsse stäts verflucht bleiben / (sezte
Elihu hinzu) weil kein guter geist ihn reden machet / und furchte ich nicht so
viel sein grausames maul / als die macht und gewalt der priester und Horiten /
die ihm folgen / und unsere schonen in ihren händen haben.
    Solcher gestalt verbrachte diese betrübte gesellschaft die zeit ihrer
hinreise nach Amida / und indem der wachsame Mitreus ståts um sich sah / ob
auch neue verfolgere sich möchten blicken lassen / ersah er von fernen einen
grossen haufen reuter / die sporenstreichs auf sie daher rennten. Er ermangelte
nicht /solches sofort der Konigin anzumelden. Wie sie aber still hielten / und
sich gefasst machten / den dritten streit auszustehen / wurden sie gewar / indem
diese ankommende sich nåherten / dass es Aramenes der Konig von Syrien war / der
/ seine schwester zu entfangen / von Amida aus geritten / und aus ihrem langen
ausenbleiben nichts gutes vermutend / so ferne von dem schloss / üm sie zu suchen
/ sich abgerissen hatte. Er / der von ihren lezten begegnisen nichts wusste /
deutete die an ihr verspürte unruhe lediglich auf ihre furcht / von den Celten
ertappet zu werden. Demnach / indem er sie freundlich umarmte / sagte er zu ihr
scherzend: Es scheinet / liebste schwester! euch sei noch bange / dass man euch
dem Konig von Basan liefern mochte. Seit aber versichert / dass ich fortin
derjenige nicht sein werde / der euch dem edlen Cimber rauben helfe. Ach mein
bruder! (antwortete diese schone) weil meine furcht fur dem König von Basan
vorbei ist / so denke ich nicht mehr an dieselbe: wohl aber an die noht unserer
basen / der drei Prinzessinnen von Ausitis / die des todes sind / wan ihnen
nicht schleunige hulfe widerfäret.
    Die heisse zåren / mit denen die schone Konigin diese worte herfürbrachte /
rureten dem Aramenes dermassen das herz / dass er ein mitleiden fülete / ehe er
von diesem handel wissenschaft erlangte. Der alte Tebah seumte sich nicht / als
unter ihnen der ruhigste von gemute / dem Konig ausfurlich zu erzählen /alles
was sich mit ihnen und den Prinzessinnen von Ausitis zugetragen hatte. Die
tränen des Elihu und Betuel bekråftigten des Tebah worte / und ob diese beide
schon nicht nötig hatten / den König um hulfe anzuflehen / weil er von selber
schon dazu geneigt war / so täten sie es doch / und hätten wohl gern gesehen /
dass den augenblick die hulfe erfolget wåre. Was nun der Tebah zuvor der Konigin
geraten / das wiederholte er jezt gegen dem König: welcher dann mit dem schluss
nicht warten wollte / bis sie in das schloss gekommen wåren / sondern gleich
daselbst im freien feld / nach reifer uberlegung / fåst stellte / dass man dieser
gelegenheit / den Teraphim-tempel und die abgötterei aus Mesopotamien zu
vertilgen / sich bedienen / und gleich mit aller macht auf die Horiten los gehen
/ auch den Tuscus Sicanus und seine Aborigener üm beistand anruffen sollte.
    Es wurde so fort der Mitreus an diesen Konig abgeschicket / und waren sie
kaum eine tagreise von dannen / wo die Aborigener auf dem gebirge ihr lager
aufgeschlagen hatten. Werde ich auch bei dem Konig der Aborigener / (fragte
Mitreus) sonder ein schreiben von seiner Konigin / glauben finden? Befahrest du
etwan / (beantwortete dieses / der König von Syrien) dass es dir wieder so
unglucklich / als auf dem Riphatischen gebirge / ergehen mochte? Nein / Mitreus!
der Cimber hat sich nun geändert / und will fortin die liebe der freundschaft
fürziehen / wie ich / mit unaussprechlicher freude / von euch / werteste
schwester! vernommen habe. Saget dem Konig / (fugte die schone Aramena hinzu)
dass es seine Aramena sei /die ihn um diese schleunige hülfe ersuchen lässet
/auser welcher ihr nichts angenemers von ihm wiederfahren könne. Und weil mir
der König von Basan also zusetzet / so werdet ihr das auch / ihn zu bereden /
gebrauchen konnen / dass er desto eiliger komme / mit seiner macht mich zu
schützen. Hiemit hatte Mitreus seine abfårtigung / und mitlerweile die beide
verliebte Fürsten ihn ferner / hierinn zu eilen / anmaneten / sezten sich die
beide kinder des grossen Aramenes zusammen auf einen wagen / und fuhren vollends
nach dem schloss Amida: da sie unterwegs von ihren eignen håndeln schwatzeten.
Die schone Konigin / musste einen verweis von ihrem bruder anhoren / dass sie ihn
in verdacht haben können / als weñ er noch mit seiner vorigen liebe gegen ihr
wäre entbrant gewesen. Was håtte wohl dieser schonen angenemer sein konnen / als
eben dieses / da sie ihren liebsten bruder also frei von einer sache reden horte
/ die sie so viel tränen und so grosse betrubnis gekostet hatte? Sie erzehlte ihm
hingegen ausfürlich / was gewisse zeichen einer wahren reue und inbrunstigen
liebe der Cimber von sich blicken lassen / und wie ihn ihre gütige erklårung fur
freuden fast getodet / indem er / aller sinnen beraubet / vor ihr zur erde
gefallen. Wie gross ist doch mein verlangen /(sagte hierauf Aramenes) von diesem
meinem freunde die ursachen zu vernemen / die ihn zu solcher kaltsinnigkeit
gegen uns / und folgends wieder zu so håftiger neigung bewogen / dass er sein
leben in die schanze schlagen wollen / um allein euch zu sehen / worzu er doch
ja sonder muhe håtte gelangen konnen. Viele irrungen (antwortete Aramena) mussen
hierunter verborgen ligen / und vermute ich wohl / der Konig von Basan werde an
dieser geschichte / die uns noch so unbekant ist / ein grosses anteil haben.
    Wie verwundersam ist es mir doch gewesen / (sagte der Konig von Syrien)
dieses zu vernemen / wessen der Marsius / der sonst in aller welt so höflich und
tugendhaft beschryene Konig / sich hat unterwinden dörfen / dass nåmlich eine
grosse Königin / durch ihre eigene untertanen / ihme sollen zugefuret werden.
Alle hochachtung für ihn / beginnet deswegen in mir zu erleschen. Und ob gleich
die liebe viel entschüldigen kann / so vermeine ich doch nicht / dass die
vergessung einer schuldigen ehrerbietung mit darunter könne gerechnet werden.
Wir haben nun nichts gewissers / (sagte die Königin) als einen Krieg von den
Celten / zu gewarten: und beklage ich nur / dass die unzeitige liebe so grossen
hass erregen soll / ein so grimmiges blutbad anzurichten. Es sind alle diese dinge
(versezte Aramenes / als er ihre vermutung wegen des kriegs bekråftiget) ehe wir
deren ümstände recht wissen / so fromd als verwundersam / und kann ich ja auch
nicht aussinnen / wie der Marsius seine zu Damasco erwiesene grosse höflichkeit /
und hingegen der Cimber seine erkentlichkeit / müsse verloren haben.
    Sie kamen hiemit in das schloss / alda die Konigin in ihr zimmer gefuret
wurde / und man bald darauf zur malzeit ginge / weil Aramena den tag noch
nichtes genossen hatte: wiewol die angst ihr den hunger so sehr vertrieben / dass
sie wenig geniessen kunte / und nur stäts zu rücke nach dem tempel gedachte / wie
es daselbst den guten Prinzessinnen ergehen möchte. Mit dieser ångstlichen sorge
verbrachte sie auch folgends die ganze nacht / da des schlosshaubtmanns frau bei
ihr die aufwartung verrichtete / weil sie niemand von ihren eignen frauenzimmer
bei sich hatte: daher diese mehr mit ihr sprechen und wachen / als der ruhe
pflegen kunte. Sobald es nur wieder tagete / stunde sie von ihrem lager auf /
und wollte eben zu ihrem bruder gehen / um zu vernemen / ob noch keine nachricht
von den vermuteten Niniviten und Chaldeern zurucke gekommen wäre / als dieselbe
/ den Ausicles bei der hand furend / da der Elihu und Betuel ihnen folgten /zu
ihr in das zimmer trate.
    Wir haben nichtes zu befahren / liebste schwester! (redte er die Konigin an)
massen dieser bote uns gute post von unserm Prinzessinnen bringt. Der himmel sei
dafur gepreiset! (antwortete die Königin) doch kann ich aus des Elihu und
Betuels traurigem wesen abnemen / dass Ausicles nicht so gar gute zeitung müsse
mitgebracht haben. Wan sind wohl (versezte der Konig) die verliebten völlig zu
frieden / wan sie der gegenwart ihrer geliebten nicht geniessen können? zu
geschweigen / wan sie selbige müssen in banden wissen. Die hoffnung / (sagte
Elihu) die Ausicles uns gegeben / ist mit solcher gefahr vergesellschaftet / dass
darum die angst fur unsere schönen sich nicht mindern låsset. Redet dann /
Ausicles! (sagte die begierige Königin) und machet mir auch kund / wie es bei
eurem tempel zustehet.
    Gnädigste Konigin! (antwortete dieser hirte) als ich / E. Maj. befehl gemäs
/ auf alles fleissige acht gabe /was mit den dreien gefangenen Prinzessinnen /
und dem Prinzen von Chaldea fürgehen wurde / sah ich diese unglückselige durch
die priestere in den tempel schleppen / und sie alda / mit grossem jubelgeschrei
/vor die seule des Teraphim stellen. Das volk drunge /durch alle tore / häufig
mit hinein / um den verlauf mit anzusehen: da dann unsere hirtinnen ingesamt /
fürnemlich aber des Labans beide töchter / und diejenige / so diese
Prinzessinnen vordeme zu Sarug gekennet /bei aller freudbezeigung der andern /
ein erbårmliches weinen und klagen trieben. Der Oberpriester / der vor den
Teraphim kniehend sein gebet verrichtet / stunde endlich wieder auf / und
sprache dem volk zu / dass sie zu diesem sonderbaren opfer sich zu heiligen
håtten / welches zwar erst in zweien tagen sollte gehalten werden / weil zuvor /
wegen des vergossenen blutes der entleibten / der heilige platz üm den tempel
wieder musste gereiniget werden. Aber der Harad / neben den andern von Zoba /
wiegelte das volk auf / wider diesen verzug zu sprechen: mit ursache / dass
inzwischen / durch E. Maj. oder der Syrer anstellung / diesen gefangenen
Prinzessinnen hülfe: wiederfaren könnte.
    Der Oberpriester und die geistlichen hätten sich vielleicht bereden lassen /
die vorhergehende gebråuche einzustellen / wan nicht etwas frömdes dazwischen
gekommen wåre / das dem ganzen werk ein andres ansehen gegeben. Es ware der
gefangene Sinear auch mit in den tempel gefüret worden. Dieser begunte nun
unversehens überlaut zu ruffen: Wiedass er sich hiemit anbote / für die
Prinzessinnen zu sterben / und / als ein erstgeborner / zu einem Teraphim sich
schlachten zu lassen / wovon ja die Mesopotamier grössere vergnugung haben würden
/ als wan sie dieser unschüldigen ihr blut vergössen. Dieser vortrag des Prinzen
von Chaldea / erregte bei allen anwesenden verschiedene meinungen / und hielte
es der Oberpriester mit seiner schaar für hochnotig / dass hieruber der grosse
raht gehalten wurde / weil vom Teraphim keine antwort mehr zu hoffen wäre. Man
name demnach den Sinear / als einen / der sich zum Teraphim willig anerboten /
mit ehrerbietung auf / und fürete ihn in das verordnete gewölbe: wie dann auch
die drei Prinzessinnen / unter denen die Jemima erst anhube sich kläglich zu
gebården / als sie ihren Prinzen in solcher gefahr sah / in einen besondern ort
des tempels gebracht / und etliche priesterinnen ihnen zugeordnet wurden / ihnen
an hand zu stehen.
    Weil / auser denen von Zoba und dem mehrern teil der geistlichen / alle die
andern ein mitleiden gegen die drei schone Prinzessinnen in sich entfanden / als
kame es in der versamlung / die gestern abends noch gehalten worden / zu einem
gewaltigen streite: und wollten furnemlich unsere hirten von Amida und die
schåfere aus Paddan-Aran die Prinzessinnen ledig haben / und den Sinear zum
Teraphim geschlachtet wissen. Als aber die andere solches widersprachen /ginge
man ohne schluss von einander: des vorhabens /heut in aller fruhe wieder zusammen
zu kommen. Weil nun unsere hirten ihnen fürgenommen / fåst darauf zu bestehen /
und eher einen aufstand zu machen /als zu dulten / dass man fur den neuen
Teraphim diese drei unschüldige Prinzessinnen opfern sollte: habe ich nicht
unterlassen wollen / solches sofort hier anzumelden / und bin ich diese ganze
nacht gegangen / um nicht vermisset / noch von den wachten ersehen zu werden.
    Wie låsset sich alles dieses so wohl an / (sagte hierauf die Konigin) unsren
Prinzessinnen ihre freiheit zu verschaffen / und müste ich euch beiden / mein
Elihu und Betuel / unrecht geben / wan ihr nun nicht auch hoffnung schöpfen
woltet. Die zween verliebte seufzeten / an statt zu antworten / und fületen / bei
ihrer sorge / auch eine eifersucht / dass Sinear / zu befreiung der Prinzessinnen
/ mehr als sie getan hatte. Daher fasseten sie den schluss / die nächstkommende
nacht mit dem Ausicles nach den tempel zu gehen: um wenigst mit dabei zu sein /
wan die hirten ihren fürgenommenen aufstand werkstellig machen würden / und also
fur ihre Prinzessinnen ihr leben mit zu wagen. Weil sie vermuten konten / dass
der König von Syrien und die Konigin Aramena dieses ihr fürhaben ihnen
widersprechen mochten / als hielten sie es heimlich /und machten sich / gegen
den abend / ohne iemands wissen / mit dem Ausicles auf den weg / üm dieses ihr
vorhaben ins werk zu stellen. Der Konig Aramenes /hatte inzwischen reitende
boten nach Ninive / Ur und Samosata abgehen lassen / üm der Niniviten und
Chaldeer ankunft zu beschleunigen / und den hinterlassenen königlichen personen
anzumelden / wie es ihnen alhier erginge. Die Königin / die aus dieser gegend
nicht abreisen wollte / die Prinzessinnen von Ausitis wären dann erloset /
verlangte nach der Colidiane und den anderen: weswegen sie die Konigin von
Syrien schriftlich ersuchte / mit ihrer gesellschaft ehist nach Amida zu kommen
/ und ihr nicht länger ihre werteste gegenwart vorzuentalten.
    Sie hatte aber auf diese vergnügung vier oder fünf tage zu warten / von
denen nun schon zween vorbei waren / als mit frühem morgen der Tarsis / so nach
Ninive verschickt gewesen / mit sechstausend auserlesenen Niniviten / und der
Chaldeer Belhaddon mit vier tausenden / neben dem Tigris / am fusse des
bergschlosses Amida / sich fast zugleich sehen liessen /auch der Aborigener Batto
/ und der Ausicles / vom tempel zu pferd ankamen. Weil sie alle viere zu einer
zeit angemeldet wurde / als erlangte der lezte am ersten verhore / auf dessen
wiederkommen man schon des vorigen tags / wiewol vergeblich / gehoffet hatte.
Stehet es noch wohl / Ausicles! (fragte der Konig) oder kommet ihr / unsere hülfe
zu begehren? Die ist so hochnötig / (antwortete der hirte / der sich fast aus
dem odem geritten hatte) dass kein augenblick zu versaumen ist / wan die
Prinzessinnen und der Prinz Sinear sollen beim leben erhalten werden. Es ist /
nach langem streiten und gezånke / der schluss dahin gefallen / so wohl den Sinear
zum Teraphim zu schlachten /als die Prinzessinnen zum sun-opfer hinzurichten.
Heute / gegen den abend / soll beides volzogen werden. Weil Mitreus / mit
etlichen tausend Aborigenern / diese tage in der nähe gestanden / und zu uns
hirten geschicket / es ihme wisslich zu machen / wan wir seiner hulfe bedurften /
als ist derselbe / gleich zu uns zu stossen / bereits ersuchet worden.
    Es ist unter der gemeine fåst gestellet / dass man /wan die opferung angehen
wird / in den tempel einfalle / um die Prinzessinnen zu erledigen / und den
Sinear zum Teraphim fur sie schlachten zu lassen. Elihu und Betuel / die unsere
schåfer anfüren / haben dieses / nur der gemeine zu gefallen / mit bejahet: und
soll es / wan Gott Glück gibet / mit dem Sinear sich auch wohl schicken / dass er
erlöset werde. Batto / der iezt auch angekommen / hat von seinem König befehl /
E. Maj. beiderseits zu begrussen / und mehrere hülfe / unangesehen er mit den
Enakim im bunde ist / anzubieten / wan es sollte begehret werden. Weil die
Horiten und die andern aus Abagara / von uns einen aufstand / wie auch hülfe von
hier / fur die Prinzessinnen / gewiss vermuten / als haben sie sich in grosser
månge zusammen getan / und alle zugånge des tempels wohl besetzet und bewahret.
Wir werden auch unser gutes vorhaben schwerlich allein ins werk richten /
woferne von hier aus der sache kein schleuniger nachdruck gegeben wird.
    Nachdem der Ausicles seinen bericht abgelegt /wurde darauf der Batto eiligst
vorgelassen / üm dessen anbringen zu vernemen / bevor man anstalt machte / ihre
gesamte heers-macht nach dem tempel zu schicken. Batto erstarrete schier / als
er der Königin ansichtig wurde / die seinen herrn / fur allen andren potentaten
der welt / ausgewehlet hatte / ihn zum besitzer ihrer unvergleichlichen
schonheit zu machen. Gleichwie nun sein und aller Aborigener hochstes verlangen
ware / dass es bald mit dieser fur sie vorteilhaften heurat möchte zu stande
kommen / also unterliesse er nicht / seines Konigs liebe der Aramena auf das
håftigste fürzubilden / und ihr mehr versicherung davon zu geben / als er im
befehl hatte. Die zeit gonnte es nicht / dass die Konigin / wie sie wohl verlanget
/ in ein weitlåufiges gespråche sich mit ihm eingelassen hätte: massen nun ihrer
aller richten und trachten allein dahin ginge / die bedrangte tochter des Hiobs
zu erretten.
    Demnach brache sie kurz ab / und wurden der Tarsis und Belhaddon in das
zimmer gefordert: denen man andeutete / dass sie alsofort / unangesehen das volk
etwas ermudet sein mochte / nach dem Teraphim-tempel gehen sollten. Der dapfere
Aramenes wollte sie selber anfüren / und Aramena auch nicht dahinten bleiben /
weil sie hierbei / als Königin des landes / das groste anteil hatte. Sie liesse
ihr demnach eines von ihres brudern pferden vorfuren / und zeigte sich / neben
ihme / den Niniviten und Chaldeern so mutig / dass sie / durch ihre ansichtigung
aufgemuntert / von keiner ausgestandenen arbeit mehr wussten / sondern diesem
koniglichen geschwister-par ganz freudig folgten / die aus so loblicher ursache
diesen kriegszug verrichteten.
    Als sie an die grånzen des tempels kamen / liessen sie sofort die wachten
daselbst auffangen / damit ihre ankunft nicht zu fru lautbar würde: und also
täten sie folgends mit allen / die ihnen begegneten / bis sie nahe an die
åusere ringmauren des pråchtigen tempels gelanget. Sie vernamen daselbst / dass
im inneren hofe der streit bereits angegangen war. Die häftige liebe des Elihu
und Betuel hatte diese eilfärtigkeit verursachet: massen es fast noch zwo
stunden dahin hatte /da die opferung angehen sollen / als sie mit den
Aborigenern auf den tempel los gegangen. Die Horiten und die von Zoba / wehrten
sich treflich gegen diesem ersten einbruch. Als aber der Konig Aramenes und
seine unvergleichliche schwester dazu kame / wendete sich bald das blat / also
dass sie ihre posten verliessen /und es / in das gebirge hinein / auf das fliehen
legten.
    Weil der boshaftige Harad nur furnemlich damit umginge / wie er sich möchte
an den Prinzessinnen von Ausitis rächen / als eilte er / mitten unter dem
gefechte / wie er sah / dass die von seiner seite begunte den kürzeren zu ziehen
/ in den tempel / des vorsatzes / die Prinzessinnen zu ermorden. Er kame eben
dahin / als Sinear sich bei ihnen befande / der aus seinem gefängnis
ausgebrochen / und von den fliehenden priestern erfahren hatte / wo seine
Prinzessinnen anzutreffen wären. Die wut / mit deren Harad und seine
nachfolgende auf sie zusprangen / gabe dem verliebten Sinear bald zu verstehen /
worzu diese kåmen: demnach stellte er sich für seine Prinzessin / und wehrte
sich so lang mit einem stuck eisen / welches er aus seiner gefängnis-tür
gebrochen / bis Elihu und Betuel dazu kamen: die den Harad mit den seinen
nieder gemacht / und also ihre Prinzessinnen erloset.
    Mitlerweile nun diese drei par verliebte uber solchem ihren gluck-wechsel
sich erfreueten / brachen die Chaldeer in den palast der priesterinnen /
woselbst auch alle schåferinnen bei diesem lärmen sich verkrochen hatten: und
wurden sie nichts gutes daselbst angestellt haben / wan die Königin von
Mesopotamien nicht / zu guten Glück / dazu gekommen wäre / und sofort / alle
priesterinnen samt den hirtinnen in den tempel zusammen zu bringen / und
denselben aller orten mit starken wachten zu besetzen / befohlen hätte. Sie
wandte sich hierauf nach der andren seite des tempels / da es noch ein scharfes
gefechte zwischen den Horiten und den andren schåfern abgabe: und rieffe sie den
streitenden zu / dass sie beiderseits einhalten / und die waffen niederlegen
sollten / weil sie ja bruder / und einer so wohl als der andere ihre untertanen
wåren. Die von der gegend Amida / gehorchten sofort ihrer Konigin. Die
verbitterte Horiten hingegen / wollten zwar weichen / aber nicht als gehorsame
untertanen / sondern sie erkieseten die flucht /sich nach dem Taurischen
gebirge wendend / alda sie ihre brüder und bundsverwandten hatten.
    Weil aber ein geschrei entstanden war / als wan der Chaldeer-Prinz zum
Teraphim-priester bereits geschlachtet wåre / brachte dasselbe eine solche
verbitterung unter die Chaldeer / dass sie in des oberpriesters palast einbrachen
/ dahin alle priestere nebe ihm sich verkrochen hatten / und in solcher wut
dieses gebåude anzündeten. Weil an kein löschen kunte gedacht werden / als namen
die flammen jählings überhand: und ward also nicht allein dieser herrliche
palast ganz eingeäschert / sondern auch der tempel von dem feuer ergriffen. Die
meiste priester verdurben in der flame / oder fielen durch das schwerd der
Chaldeer: und ware es der mitleidigen Konigin keine muglichkeit / dieses zu
verwehren / weil die Niniviten / die den wutenden Chaldeern hätten steuren
konnen /nicht bei der hand waren / sondern mit dem Konig von Syrien unsichtbar
worden waren.
    Wie nun also auch der tempel zu brennen anfinge /kamen Sinear / Elihu und
Betuel mit ihren dreien Prinzessinnen herfür / und machten das toben der
Chaldeer sich in eine ungemeine freude verwandeln /als sie ihren herrn wieder
lebendig sahen. Wie nun alle priesterinnen und schäferinnen aus dem tempel
/dessen dach bereits in vollen flammen stunde / heraus liefen / stahle die Rahel
heimlich den Teraphim hinweg / und verbarge ihn unter ihren rock / als eben der
Fürst Laban dazu kame / und keine geringe klage fürete / dass also der grosse
Teraphim / der alte gott der Mesopotamier / sollte ganz ausgerottet werden. Sie
uberlieferte ihrem vatter diesen raub: der damit sich uberseelig schätzend /
alles leids vergasse / nun er sich einen besitzer des grossen Teraphim sah. Er
beschlosse gleich bei sich / diesem gotte in seinem hause zu Haran einen tempel
aufzurichten / und ihn daselbst verehrend / alle geheimnise von ihm zu erfahren:
welches ihn zu einem von dem allerseeligsten menschen auf erden machen würde.
    Inzwischen er nun also in geheim sich hieruber ergezte / und mit dem
Teraphim sich auf die seite machte / ware der Königin freude nicht geringer /
welche sie über der schonen Prinzessinnen von Ausitis wieder-erlangten freiheit
hatte. Sie begabe sich mit denselben und ihren geliebten Fursten / auch allem
frauenzimmer / in den grossen vorhof des tempels /weil der brand sie nicht mehr
im inneren hofe dulten wollte. Die Aborigener / so wohl als die Chaldeer / halfen
zwar den hirten nun fleissig leschen: es war aber alles vergebens / und fielen /
in frist etlicher stunden /alle diese schöne und herrliche gebåude über einen
haufen. Die gottselige Konigin ware zwar fro / dass hiermit der abgotterei in
Mesopotamien gesteuret wurde: sie håtte aber wohl wünschen mögen / dass es nicht
durch ein so grausames mittel geschehen wåre.
    Die grosse verwirrung / welche dieser brand überall verursachet / liesse
anfangs die Konigin nicht an ihren bruder gedenken. Wie aber nach und nach
kleine haufen von den Niniviten sich wieder einstellten / und bei keinen der
Konig Aramenes zu sehen war / fragte sie endlich / wo dann ihr bruder bliebe?
Niemand wusste ihr hierauf rechten bescheid zu geben / und erfuhre sie allein
dieses / dass / gleich im anfang des gefechtes /der Konig mit den Niniviten auf
das gröste heer getroffen / welches auf jenseit des tempels / nach dem gebirge
zu / vor dem åusern tor gehalten / und / den andren zu hulf zu kommen / alda
einbrechen wollen: das aber Aramenes mit unbeschreiblicher dapferkeit verwehret
/ und nach langem wiederstande sie in die flucht getrieben. Wo kommet ihr dann
ohn den Konig her? (fragte die Königin / deren das herz begunte schwer zu
werden) seit ihr dann von ihm befehligt worden / sondern ihn und allein hieher
wieder zu kehren? Er gebote uns / (sagten sie) nach E. Maj. uns üm zu wenden /
weil er unser aller im nachjagen nicht vonnoten zu haben vermeinte. Waren es
dann Horiten (fuhre sie fort zu fragen) die ihr in die flucht triebet? Wir haben
etliche gefangene von ihnen bei uns / (antworteten sie) die wir im nachjagen
ertappet / die werden hiervon bässern bericht / als wir / geben können.
    Als nun die Konigin dieselbe zu sehen begehrte /und man solche vor sie
gebracht hatte / wurden sie fur kinder Enaks vom Taurischen gebirge erkennt; und
da die Konigin sie scharf befragte / woher sie kämen /und was es hierüm für
beschaffenheit hätte? gestunden sie / dass sie von dem riesen Sesai / der auf dem
nächstbelegenen bergschlosse sich befånde / wåren befehligt worden / in zweien
haufen hieher zu gehen: da drei tausend von ihnen sich dem tempel genåhert /
andere sechstausend aber / eine meile von hier / an dem ufer des Tygris stehen
geblieben. Zu was end aber? fragte die Konigin? Solches wissen wir nicht /
(gaben sie zur antwort) und lassen dafür unsere obere sorgen / die uns zu
befehlen haben. Diese nachricht brachte nun der Konigin neue unruhe / und weil
alle Horiten /auch die richtere von Amida / und fast die meisten von den
fürnemsten aus Abagara / hinweg waren /kunte die Konigin nicht erfahren / ob
diese Enakim beruffen worden / oder von sich selbst gekommen wåren. Sie sandte
auf alle wege / die nach dem gebirge gingen / nach dem König von Syrien und den
Niniviten sich zu erkundigen: und konnte sie / von diesem ausenbleiben des
Aramenes / nichts gutes vermuten.
    Sie ward aber durch einen neuen aufstand beursachet / alle ihre gedanken
dahin zu wenden. Diesen erregten die gesamte hirten / welche / als sie ihres
grossen Teraphim tempel in die asche sitzen sahen /deswegen uber die Chaldeer /
als dieses brands urhebere / ungedultig wurden / und sich vernemen liessen /wie
ihre Meinung nur gewesen / die drei Prinzessinnen von Ausitis / nicht aber den
Chaldeer-Prinzen zu erretten / als welcher billig ein opfer des grossen Teraphim
werden sollen. Die abergläubigste unter ihnen /bildeten sich ein / dass der brand
noch wurde zu leschen sein / wann man die opferung des Sinear fortgehen liesse.
Daher kamen sie unversehens / von dem Abinam / Oromedon und Jezer gefüret /
eroffneten dieses ansinnen der Konigin / und gerieten so fort mit dem Sinear und
seinen Chaldeern in ein handgemånge und blutiges gefechte.
    Die Königin sah nicht / wie sie hierbei ihre untertanen schutzen / und die
Chaldeer begutigen sollte /und stunde daher in grossen sorgen: als unvermutlich
der Nisan / Atamias / Chebron und Abinael eine kupferne tafel daher brachten /
die sie in einer vom brand zerfallenen seulen des tempels gefunden hatten / und
ihrer Königin vorzeigten. Man fand diese worte darein gegraben:
        Wann das geschlechte des Sems / das land zwischen den beiden wassern /
        wird besitzen / so soll alsdan der einwonere wahre gluckseeligkeit
        angehen: wann ihre götter verstummen / ihre tempel verbrennen / und sie
        unter der regirung von des Japhets nachkomen geraten werden.
Auf der andern seite / gaben sich folgende worte zu lesen:
        Die grosse Sambetis / unsers vatters Noa ehefrau / hat diese warsagung
        ihren nachkomen hinterlassen: die / bei erbauung des furtrefflichen
        tempels des Teraphim / von der Königin Semiramis zu Babel / in diese
        seule / zu ewig-wärendem gedächtnis / vermauret / und der nachwelt auf
        bewahret worden.
    Nichts erwunschters / als dieses / hätte damals der Konigin kommen konnen /
und hoffete sie hierdurch ihre hirten zu befriedigen: wie sie dann gleich unter
die streitende ausruffen liesse / dass sie aus ihren mittel etliche zu ihr senden
sollten / um diese gefundene tafel zu lesen. Timonax und Nebod stellten sich
darauf ein / welchen almåhlich mehrere folgten / indem der innhalt dieser
warsagung sich nach und ausbreitete: da die verwunderung / ihrem furwitz
gleichend / sie sofort die waffen niederlegen / und der grossen Sambetis glauben
machte. Es erfolgte eine plötzliche gemuts-beruhigung / als sie vernamen / dass /
bei verstummung ihrer gotter / wie auch bei einäscherung ihrer tempel / ihre
wahre glückseligkeit erst angehen sollte. Sehet / meine lieben! (sagte die
Königin zu ihnen) ihr gewinnet / bei eurem verlust / und soll die verstummung des
Teraphim / wie auch die zerstorung dieses tempels / euch gar nicht schaden /
sondern vielmehr hoch ersprieslich fallen. Darum wütet nicht ferner wider die
unschüldigen / sondern beruhigt eure gemüter / wann ihr das ende dieser
profezeiung erleben wollet. Diese wenig worte der schonen Aramena hatten so viel
kraft / dass im augenblick / nicht allein friede wurde / sondern auch eine
allgemeine freude und jubiliren unter dem volk entstunde: da sie nicht mehr /
wie zuvor / den verlust ihres grossen Teraphim beweinten / sondern dem himmel
dankten / der ihnen dadurch diese warsagung lassen kund werden / die ihnen so
viel gutes verhiesse. Für den nachkommen des Japhets der uber sie regiren sollte /
hielten sie den Tuscus Sicanus: welches die anwesende Aborigener bekräftigen /
und / in betrachtung ihrer wunderschönen Königin / ihres Königs glückseligkeit
himmel an erhuben.
    Man sah hierauf keinen so grossen eifer mehr / den brand zu löschen / und
musste die Konigin durch die finger sehen / indem sie das silber und andere
herrliche geråte / so im schatz des tempels aufbehalten worden / unter sich
teilten / und alles preis machten. Weil die Königin den ganzen tag keine speise
zu sich genommen / auch das heer sehr abgemattet war / als wurde die verordnung
gemacht / dass man im blachen felde sich zum essen lagerte: da die jenigen / so
kurz vorher feindlich auf einander los gegangen / einander auf das freundlichste
bewirteten / und alles / was sie kunten / herbei trugen. Es brache bereits der
abend herein / wie diese feld-malzeit gehalten wurde / die zwar den gemeinen
bässer schmeckte / als den vornemen personen: massen die ausgestandene todes-angst
der drei schonen Prinzessinnen / und ihrer drei liebhabere grosse furcht für sie
/ auch der schonen Konigin sorge für ihren ausbleibenden bruder / ihnen allen
hunger bename.
    Endlich kame Tarsis / mit einer zimlichen anzahl seiner Niniviten / daher
gerennt: welcher / wie er vor die Königin gekommen / ihr diese betrübte post
brachte / dass der Konig von Syrien gefangen wäre. Die schone Aramena erblassete
allerdings / wie sie diese zeitung vername / und hatte nicht das vermogen / den
Tarsis zu fragen / wie solches wäre zu gegangen: der aber von selbst ihr
hiervon folgenden bericht abstattete. Als der Konig von Syrien / (sagte er) vier
tausend meiner mitgebrachten Niniviten / gegen das heer der vermeinten Horiten
anfürete / die an dem hintern tor des tempels sich sehen liessen / traffen wir
auf dieselbe mit solcher gewalt / dass / nach langem gefechte / sie den stand
nicht hielten / sondern die flucht nach dem gebirge erkieseten. Der Konig sezte
/mit uns andren / ihnen dapfer nach. Weil er aber an E. Maj. zurück gedachte /
als mussten / zu den zwei tausend hier-gebliebenen Niniviten / sich viele von
unsrem haufen absondern / und den ruckweg nemen. Hierdurch wurden wir nun so
geschwächet / dass / als uns an des Tigris ufer unvermutlich ein neues heer der
Enaks-kinder begegnete / wir denselben nicht zu widerstehen vermochten: weil sie
uns gleich an allen seiten umringten / und mit denen / die wir bisher gejaget /
ein heer von acht in neun tausend machten.
    Ungeacht dessen / stritte der König Aramenes / wie ein ergrimmter leue / und
verrichtete wunderdinge unter diesen riesen / die ihn aber gefangen bekamen: und
weil es ihnen üm des Königs person allein zu tun war / als liessen sie uns alle
ungehintert unsres wegs reiten / furgebend / wiedass sie wider die Niniviten
nichtes håtten / sondern derer freunde verbleiben wollten. Weil ich nun alda
nichtes mehr auszurichten vermochte / auch daneben nicht wusste / wie es E. Maj.
alhier ergehen mochte / name ich die freiheit an /und eilte hieher zurucke /
diesen unfall E. Maj. zu berichten. Ich kann aber mit allen bei mir habenden
beteuren / dass / wie gerne wir unser leben hierbei allerseits aufgesetzet hätten
/ uns lauter unmüglich gewesen / diesen unfall zu verhintern / und selbigen
durch unser blut abzuwenden.
    Es ist / sonder zweifel / (antwortete hierauf die Konigin) hiebei verräterei
fürgegangen / und weiset es sich nun aus / was die geheime zusammenkunft auf dem
Taurischen gebirge bedeute. Hiermit sich zu den Aborigenern wendend / welche
neben andren / als Tarsis angekommen / hinzu gedrungen waren / sagte sie:
Wollet dann ihr oder euer Konig dieses dulten /dass man mit dem grossen Konig von
Syrien also verfahre? und wird Tuscus Sicanus / da er die schwester liebt / den
bruder in der riesen händen lassen konnen? Batto und die andere anwesende
kriegsbediente der Aborigener / beteureten hierauf einmutig / dass man dieses an
den riesen rächen und den Konig los machen müste. Die Niniviten brachten damit
etliche gefangene herfur / die / in scharfer verhor / aussagten: wiedass der
Sesai den verweser von Amida / den Demas / lassen gefangen nemen / und zwar
deswegen wie verlauten wollen / weil er entdecket / wie man gesonnen gewesen /
die Konigin zu entfüren. Es hätte auch gemeldter Sesai / nach erhaltener
nachricht / wie man die Prinzessinnen von Ausitis erlosen würde /diesen anschlag
gemacht / und ein heer von neun tausenden nach dem tempel geschicket / um / wie
nun geschehen / sich des Konigs von Syrien zu bemåchtigen / und ihn auf ein
vestes bergschloss zu entfüren / alwo der Konig von Basan sich aufhielte.
Vermutlich (sagte hierauf die ungedultige Aramena) bin ich / an statt meines
bruders / damit gemeinet gewesen. Wollet ihr aber wohl / Prinz Sinear! und ihr /
edle Chaldeer! zugeben / dass der grosse Aramenes / üm euret willen /solche
schmach erleide? und konnet ihr Niniviten dieses verschmerzen / dass man euren
anfurer dergestalt hinweg genommen? Die dapfere Aborigener / wie auch meine
Mesopotamier und Syrer / bedörfen keines vermanens: weil ich schon versichert
bin / dass sie lieber ihr leben darbei aufsetzen / als den Syrischen Monarchen in
der gefängnis lassen werden. Ein allgemeines geschrei aller anwesenden völker /
entstunde auf diese worte / und wollte immer einer mehr als der andere seinen
eifer sehen lassen / diese begangene frechheit des Sesai abzustraffen.
    Die Konigin ginge sofort mit dem Sinear / Elihu /Betuel / Tarsis / Batto /
Mitreus / Belhaddon und dem alten Tebah / in ein gezelt: da sie sich berieten
/was hiebei würde fürzunemen sein. Der schluss ginge einhällig dahin / dass man /
mit anbrechendem tag /das bergschloss berennen und stürmen / auch durch den
Mitreus / den Königen von Babel / Elassar und der Aborigener / wie auch den
Celten / des Sesai unfug furstellen / und hulfe von ihnen / oder wenigst von dem
Tuscus Sicanus / begehren sollte. Also wurde / an statt der benotigten ruhe / die
ganze nacht hindurch / zu dem beschlossenen furhaben anstalt gemacht / und
blieben alle soldaten in den waffen / um gegen allem uberfall fårtig zu sein /
wan etwan die benachbarte riesen etwas feindliches beginnen wollten. Um auch den
unruhigen Mesopotamieen alle gelegenheit zu neuem lärmen zu benemen / ward auf
einer langen stange / die gefundene tafel mit der Sambetis warsagung
aufgestellet / und ein grosses feuer umher angezundet / damit ein jeder die
schrift lesen konnte. Die Konigin verordnete auch / dass alle diejenigen / so
nicht mit zu kriege wollten / oder darbei nichts nützeten / sich wieder nach
ihren hutten wenden sollten: da sie von den schåferinnen / allein die Amphilite
bei sich behielte.
    Also name Laban / neben seinen beiden tochtern /noch ehe es tagete / seinen
abschied von der Königin /welches an seite der Lea und Rahel nicht ohne tränen
abginge: und weil sie auf Samosata reisen wollten / als gabe sie ihnen dahin
verschiedene befehle mit / an die konigliche personen; wiewol sie vermutete /
dass selbige bereits auf der herreise begriffen sein würden. Abinael / Timonax /
Ausicles / Atamias und Nisan /wollten dem beispiel des Elihu und Betuel folgen
/und soldaten mit abgeben; das dann ihren jungen schåferinnen kein geringes
leiden verursachte / welche gerne bei der Königin geblieben wåren / aber sich
dessen nicht dorften merken lossen. Die priesterinnen des Teraphim / gaben sich
alle mit unter die schäfergesellschaft / üm nach Edessa zu gehen / und bliebe
von denen allein die Prinzessin Rahabine zurucke /die / neben den dreien
Prinzessinnen von Ausitis / nirgend sicherer / als bei der Königin von
Mesopotamien / sich aufzuhalten wussten. Telecles und die frauen der richtere /
auch alle die / so unter das geschlechte der Horiten sich rechneten / auser der
betrubten Sataspe und Aneriste / waren schon in das gebirge geflohen. Diese
ruckreise / wurde zugleich mit dem aufbruch der Konigin angetretten / als die
morgenröte nun wieder begunte herfur zu brechen. Es ware / das fest des Teraphim
/ wohl nie / als dieses lezte mal / so unruhig beschlossen worden: und truge man
die gefundene tafel / gleich als im triumfe / voran / um sich / bei deren
anschauung / zu trösten / dass sie bei einåscherung ihres tempels nichts verloren
håtten. Elihu und Betuel hatten / unter allen hirten von Mesopotamien / vier
tausend dapfere jünglinge ausgesuchet / die /mit den sechs tausend Niniviten /
deren wenig in dem gestrigen scharmutzeln geblieben waren / und den vier tausend
Chaldeern / auch so vielen Aborigenern /und tausend Syrern / neunzehen tausend
man auserlesenes volk machten: und wurden sie / von der schönsten Konigin selber
/ nach dem gebirge gefuret.
    Mitreus / der zu den Konigen üm hulfe reisen sollte / begleitete die Konigin
einen guten weg / und horete tausend versicherungen aus der holdseligen Aramena
munde / die er von ihrer beståndigen liebe / dem Tuscus Sicanus / als ihrem
einig-geliebten Cimber / uberbringen sollte. Weil er / wegen der bande seines
Königs / von etwas anders zu reden unfåhig war / auch sonst nit nützlich befande
/ die Konigin von neuem irre zu machen / als verschwiege er ihr / wie er den
Tuscus Sicanus / von deme er vor dreien tagen gekommen war / gefunden hatte /
und kunte in seinem herzen nicht gnug bewundern / dass er so grosse liebe bei der
Konigin / und hingegen so schlechte erkentlichkeit bei diesem König verfpuren
mussen. Wie er nun endlich seinen abschied genommen / da ihm der Batto
verschiedene junge Aborigener zum schutzgeleite mitgegeben / ritte er mit
denselben auf die andere seite eines hohen berges / da er das ganze heer eine
gute weile vor sich im tal sehen kunte.
    Auf diesem weg liesse er von einem jungen Aborigener / mit dem er auf der
herreise kentnis gemacht /ihm erzählen / was ihme von ihres Konigs zustand
kündig ware: um etwan daraus abzumerken / woher die kaltsinnigkeit des Tuscus
Sicanus gegen der Konigin eigentlich herrüren mochte. So lang ich meinen König
kenne (sagte dieser Aborigener) das zwar nur etliche wochen austråget / weil ich
erst neulich aus unsrem lande der Aborigener bin hieher gekommen /habe ich
nichts anders / als eine tiefe traurigkeit / an ihm erkennen können. Ich
erlangte das Glück / ihn das erstemal auf diesem gebirge zu sehen / als er aus
Mesopotamien kame / da er eine weile unbekant sich aufgehalten. Er bliebe aber
wenig tage bei seinen Aborigenern / und reisete sofort wieder ab / nach dem
König von Basan: welcher damals / wie man vermeinte / im hinter-gebirge gegen
Ararat sollte anzutreffen sein. Ich begleitete den König auf dieser reise / da er
mit dem Prinzen von Ammon / und mit des Celtischen Fursten Trebetes sohne /
stäts geheime unterredung hielte.
    Als wir zu den riesen an die grånze des berges Ararat gekommen / fanden wir
den Konig von Basan nicht daselbst / und vernamen anderweit / dass bei denen
Fursten von Seir / die unferne von dar ihre gezelte aufgeschlagen / der grosse
Edom sich befinden sollte / da auch von einer Ahalibama geredet wurde /die dieser
held liebte. Dieses kame allen / die es hörten / gar fromd vor / weil die
Seirische Fürsten zu dem ende auf das gebirge gekommen / wieder diesen besitzer
ihres landes mit den Enakim einen bund zu schliessen. Es hatte aber / der name
Ahalibama / bei meinem Konig die sonderbare kraft / ihn dahin eilen zu machen /
üm dieselbe zu sehen. Aber ein schreiben von den Celten / neben etlichen
abgeschikten von den unsern / hinterten ihn an diesem fürnemen / und machten uns
auf die rükkehr gedenken.
    Wir fanden bei uns die Könige von Babel und Elassar / mit des Marsius beiden
schwestern / die den Tuscus Sicanus entfingen / und / mit allen Celten und
Aborigenern / ihme die Königin von Mesopotamien zur ehe antrugen. Der Konig
Marsius hatte selbst hierein gewilligt / ob er gleich diese schone håftig liebte
/ und ware / den abend vor unserer ankunft /heimlich hinweg gezogen: üm nicht
gehalten zu sein /seinem freunde und mitbuler seine bereitete gluckseeligkeit
selbst anzukunden. Man hätte nun vermeinen sollen / dass dieses bisher meinem
König auf den herzen gelegen / und seine traurigkeit ihm benemen sollen. Aber es
erfolgte das gerade widerspiel: massen die vorige unruhe weit geringer war / als
die jenige /die er nach diesem zu erweisen begunte. Weil ich ihme von der
Königin Valentia / seiner fraumutter /sonderlich war anbefohlen worden / als
hatte ich die gnade / stäts in seinem zimmer und um ihn zu sein: da ich dann
ofters aus den reden / die er mit dem Midaspes seinem leibarzt furete / abnemen
kunte / dass er einen grossen kampf in sich entfande / dem König von Basan seine
so sehr-geliebte Konigin abzunemen / da Midaspes ihme deswegen immer zusprache.
    Inzwischen kamet ihr / mein herr! zu uns / um hülfe für die Prinzessinnen /
die man dem Teraphim opfern wollte / zu erlangen. Weil die anwesende riesen ein
mehrers nicht wollten geschehen lassen / als gingen der unsrigen nur viertausend
hieher: da dann Midaspes den Konig åuserst / aber vergeblich / bate / seiner
Konigin zu gefallen / selbst mit zu gehen / und ihr /zu bezeigung seiner liebe /
diesen dienst zu erweisen. Was die ursach dieser seiner unentschlossenheit sei
/das kann ich nicht sagen. Es erscheinet aber / dass / die freundschaft zwischen
ihme und dem König von Basan / grosse reitzung hierzu gebe / und dass / das
mitleiden fur den Marsius / die liebe gegen die Königin überwågen müsse. Wan dann
euer König (sagte hierauf Mitreus) ein so ungemeiner freund des Königs von Basan
ist / was werde dann ich in meiner gesandschaft bei ihm auszurichten vermogen?
wird er auch wohl / meines Konigs båstes zu fordern / wider die von Basan
streiten wollen? Ich vermeine wohl nicht / (antwortete der Aborigener /) dass
iemand dieses dem König von Syrien erwiesenes unrecht werde billigen können /
worzu auch unser König viel zu grosmutig ist.
    Mit dergleichen gespråchen kurzten diese reisende einander den weg / und
weil in der eilfårtigkeit viel bestunde / als namen sie unterwegs im gebirge
frische maultiere / um desto geschwinder fort zu kommen. Weil sie / den ganzen
tag / also darauf jagten / als gelangten sie / gegen antretender nacht / an das
heerlager der Königin: alda sie / in vielen gezelten / den Baleus mit der
Hercinde / den Hiarbas mit der Mirina /und den Tuscus Sicanus / neben den
fürnemsten der Enaks-kinder / und das heer der Aborigener / beisammen fanden.
Mitreus wollte nicht verziehen / bis der tag anbrechen möchte / sondern liesse
sich gleich bei dem Konig der Aborigener anmelden: bei dem er seine gewönliche
gesellschaft / den getreuen Midaspes / und ihn / an statt der benotigten ruhe /
sich mit ihm unterredend / fand. Dieser König vermeinte /wie Mitreus sich
anmelden liesse / dass dessen anbringen sein wurde / von der hülfe / die er nach
des Teraphim tempel geschicket. Als er aber ihn vor sich kommen lassen / vername
er / mit nicht-geringer besturzung / die gefängnis des Konigs in Syrien / und
dass daran der König in Basan schuld haben sollte: welches ihn so unmuglich dünkte
/ als höchst es ihn befrömdete. Er fand auch diese sache von so grosser
wichtigkeit / dass sie so fort eine beratschlagung erforderte. Demnach / weil er
ohnedas noch in den nachtkleidern sich befande / legte er geschwind seine
kleider wieder an / und den Mitreus bei der hand nemend / ginge er mit ihm nach
des Koniges von Babel gezelt: welchen er / ob er gleich mit seiner liebsten
Hercinde schon zur ruhe war / nach habender freiheit / aufweckte /und ihm diese
fromde zeitung sagete.
    So sehr er zuvor selbst daruber erschrocken / so sehr erschreckte er auch
damit den Baleus: der es anfangs nicht glauben kunte / bis Mitreus es ihme mit
allen umstånden erzehlte. Die Konigin Hercinde wollte ihren bruder / von deme sie
bis dahin nichts gewisses erfahren können / verteidigen / mit dem vorwand seiner
grossen liebe / die er jederzeit zu dem Konig von Syrien getragen: weswegen er
unmöglich hierum wissen könnte / und zweifels ohn alles allein von dem Sesai
würde angestellet sein. Dieses kame aber den andren nicht glaublich für / und
erforderte man ferner den König Hiarbas / wie auch von den Celten die beide
Prinzen Suevus und Trebetes / (Baalis und Daces waren nicht zugegen / und hatten
sich tiefer in das gebirge befunden) neben etlichen der furnemsten von den
Enakim / als den Gelanor und Hur / üm hierüber raht zu halten. Wie nun diese in
des Konigs von Babel gezelt gekommen / musste Mitreus in ein eignes gezelt / dass
sie ihm einraumen liessen / abtreten / und eroffnete hierauf der Baleus / was ihn
bewogen / sie in so spater nacht ersuchen zu lassen. Keiner unter ihnen allen
ware / der nicht anfangs grosse bestürzung und verwunderung hierüber blicken
liesse: und so fro die beide Celtische Fürsten wurden / dass sie nun erfuhren / wo
ihr Konig geblieben / so wenig kunten sie sich darein finden / dass er dieses
wider den König von Syrien sollte angestellt haben. Wiewol auch nicht alle dem
Aramenes im herzen gut waren / so wussten sie doch nicht zu billigen / dass man
den krieg wider Syrien / der von so grossem bedenken war / auf solche weise
anfahen sollte.
    Die Königin Mirina kame indem auch zu ihnen /die dann sofort / als sie dieses
vernommen / zum krieg riete / und behaubten wollte / dass ihr bruder / der Marsius
/ durch verweigerung der Aramena / genug wåre beschimpfet und veranlasst worden
/ solcher gestalt seine rache fürzunemen. Aber Tuscus Sicanus widersprache
dieses / wie auch Baleus / und sagte der erste: Er befånde sich verbunden / der
Konigin von Mesopotamien / zu wiederbefreiung ihres bruders / auf alle weise und
wege beizustehen. Suevus und Trebetes baten den Tuscus Sicanus / hierinn sich
nicht zu ubereilen: und ob sie es gleich nicht deutlich meldeten / so merkte man
doch so viel / dass sie der Mirina Meinung beipflichteten. Gelanor und Hur aber /
in betracht /dass ihre bruder unter dem Sesai dieses zu werk gerichtet /
widersprachen dem Tuscus Sicanus offentlich / und boten sich an / dass sie gleich
nach dem Sesai schicken / und ehe man etwas schlösse / von diesem handel
erkundigung einziehen wollten. Trebetes und Suevus fielen dieser Meinung bei /
und kame es also /bei dieser ersten unterredung / zu keinem gewissen schlusse /
welcher bis auf den anderen tag ausgestellet wurde.
    Sobald nun derselbe erschienen / liessen die riesen Avi und Rekem / von dem
Sesai abgeschicket / sich anmelden: deren anbringen zu vernemen / man
höchstbegierig wurde / und darum sie sofort in des Konigs von Babel gezelt
fürete / dahin alle anwesende Könige und grosse sich versamleten. Als nun / die
riesen / unter denselben den Konig der Aborigener erblikten / wollten sie / in
dessen gegenwart ihren vortrag nicht ablegen / und entschüldigten sich deswegen
auf aller glimpflichste. Wolan! (sagte Tuscus Sicanus) wan ihr an mich nicht mit
abgeschicket seit / so will ich gern diese versamlung verlassen / um deren nicht
hinterlich zu sein / dass sie ihre begierde bald vergnüget sehen. Hiemit ginge er
hinaus / und finge folgends der Avi also an zu reden. Es zweiflet der Sesai / so
uns abgefårtigt / ganz und gar nicht / es werde sein beginnen sehr frömd und
ungleich aufgenommen worden sein / dass er / ohne vorgepflogenen raht / sich der
tat unternommen / einen gewaltigen König gefangen zu setzen. Weil es aber das
leben des unvergleichlichen Marsius betrifft / der allhier zwo schwestern /
zween schwågere / auch bluts- und bundsverwandten zehlet / als zweiflet der
Sesai gleichfalls nicht / wan die ursach alhier offenbar wird / dass sein
verfahren eher werde gelobt als getadelt werden.
    Es befindet sich dieser grosse held / der Marsius /der seine lebtage in allen
dingen unüberwindlich gewesen / auser dass ihn die liebe übermeistern müssen /auf
meinem berghause: dahin er so heimlich gekommen / damit niemand von den seinigen
ihn abhalten oder hintern moge / in den schmerzlichsten gram sich zu vertiefen /
und darin / seinem verlangen nach /bald den geist aufzugeben. Die ursach seines
grams ist / die Mesopotamische Königin: welche / ob er sie gleich dem Konig der
Aborigener / weil der von ihr ihme furgezogen wird / gutwillig überlassen /
dennoch aus seinem gedächtnis nicht kann gebannet werden / sondern fähig ist /
diesen grossen Monarchen in das grab zu bringen. Dieses hat den getreuen Sesai
bewogen / auf mittel zu gedenken / damit dieser unvergleichliche held beim leben
erhalten werde. Nun ist aber kein andres vorhanden / als dass er die schone
Konigin Aramena erlange. Was nun mit dem König von Syrien furgenommen worden /
dass zielet alles dahin / diese heurat zu stande zu bringen. Demnach låsset der
Sesai E. Maj. allerseits versichern und vermanen / dass sie nichts widriges
hierbei befahren sollen / sondern ihn allein machen lassen / und dieses dinges
sich nicht annemen wollen: und verspricht er /mit hulfe des himmels / unfehlbar
zu seinem vorhaben zu gelangen.
    Es war zwar keiner unter des Avi zuhorern / der nicht in seinem herzen
gewunscht håtte / dass / durch dieses beginnen des Sesai / der unvergleichliche
Marsius hätte können in ruhe gebracht werden. Es wollte aber keinem in den sinn /
dass dieses das rechte mittel wäre: daher zwischen ihnen ein grosses fragen und
ratschlagen entstunde. Der Avi und Rekem blieben dabei / sich deutlicher
erklärend / dass Sesai bei verlust seiner ehre / in wenig tagen das halten wollte
/ was er hiemit versprochen hatte. Sie berichteten auch ferner /wie des Avi
berghaus von der Konigin zu Mesopotamien vorigen tags berennet worden / solches
aber zu eroberen eine unmuglichkeit wåre. Es befänden sich auch daroben / neben
den beiden Königen / alle flüchtige Horiten aus Abagara / wie auch der
Oberpriester Telecles / und etliche der richtere aus Mesopotamien: die alle
einhällig dahin zielten / dass nicht Tuscus Sicanus / sondern der Marsius / ihre
Königin haben sollte und müste. Haben dann die beide Könige (fragte Baleus) die
vordeme in so vertraulicher freundschaft gelebet / einander nicht gesprochen?
Der grosse Marsius (antwortete Rekem) weiss von allen diesen furgegangenen dingen
noch nichtes / kommet auch nicht aus seinem zimmer / und darf niemand / als der
einige Sesai / zu ihm gehen. Wie soll man (finge Hercinde an) dem König der
Aborigener die liebe wieder benemen / die ihm einzubringen uns muhe gekostet? Es
vermeint Sesai / (sagte hierauf der Avi /) dass / da es des grossen Marsius leben
betrifft / man den König der Aborigener dabei nicht anzusehen habe: und treibet
ihn die treue fur seinen Konig dazu / ihm furgenommener massen zu dienen / wañ
auch alle welt /das doch nicht vermutlich ist / ihn verlassen sollte.
    Wie nun dergestalt diese beide abgeschickte ihr gewerbe allerdings
angebracht / hiesse man sie hinaus gehen: und fiele nach langer beratschlagung /
ihrer aller einhellige Meinung dahin / dass / unangesehen man nicht begreifen
konnte / was Sesai eigentlich vorhätte / man doch ihme nicht hinterlich sein /
und inzwischen den Tuscus Sicanus aufhalten sollte / mit der hulfe nicht zu sehr
zu eilen / die er der Konigin Aramena zuzuschicken gewillet war / weil ja dieser
handel sich in wenig tagen enden sollte. Die Konigin Hercinde ubername / dem
König der Aborigener beizubringen / was fur neue beschwernise in seiner liebe
sich herfürtåten: und ward ferner beschlossen / dass mit dem Avi und Rekem
etliche zu dem Sesai zurücke gesendet / hingege Mitreus bei ihnen aufgehalten
/und dabei auf alles ein wachsames auge sollte geschlagen werden. Den riesen
Gelanor traffe die wahl / diese reise nach dem Sesai zu übernemen: und ob wohl
der Suevus und Trebetes ein herzliches verlangen nach ihrem Konig erwiesen / so
dorften sie doch an diese mitreise nicht gedenken / weil Avi und Rekem nicht gut
dafur sagen wollte / dass Sesai sie einlassen wurde. Wie nun diese drei riesen
miteinander abgereiset / beschlosse man / der gesandten anbringen heimlich zu
halten / ob gleich die belagerung des schlosses / und dessen ursach / ruchtbar
war: massen es unter den Babyloniern / Celten / Aborigenern und riesen / hiervon
allerhand reden gabe.
    Weil inzwischen die Konigin von Mesopotamien das bergschlos nåher umlagert /
als fanden die gesandten den pass verrennt / durch welchen sie heraus gekommen
waren daher sie fast nicht sahen / wie sie es angreifen sollten / wieder hinein
zu kommen. Weil sie aber in allen kriegs-rånken wohl geübet waren / als verbargen
sie sich / bis die nacht anbrache: da sie /durch die wacht der Aborigener
glücklich durchkamen / und fürter auf die Syrer stiessen. Sie hörten / vor dem
gezelte / etliche miteinander reden / und schlichen /sie zu behorchen / ganz
leise hinzu / da sie dann folgendes gespräche vernamen. Wie hat doch / (sagte
einer) des Sesai anmuten die Königin erschrecket! sie soll / ungeacht sie sonst
so wachsam gewesen / heute noch nicht aus ihrem gezelte gekommen sein. Ich
zweifle nicht / (antwortete ein andrer Syrer) sie werde / unsrem Konig das leben
zu retten / sich dazu verstehen / was ihr die riesen angesonnen. Ich aber
zweifle sehr daran / (sagte der dritte) und besorge / sie werde den Tuscus
Sicanus nicht verlassen wollen: auf welchen fall ich dann anstehen müste / ob
wir Syrer nicht gehalten wären / aus pflicht gegen unsrem Konig /selbst dahin
zutrachten / dass die Konigin von Mesopotamien zu der fürgeschlagenen heurat
gebracht wurde. Die Mesopotamier (antwortete der erste) wollten wir wohl auf
unsere seite bringen / die sind aber hier nicht viel stärker als wir; und müssen
wir die Aborigener scheuen / die da nimmermehr das recht /so ihnen an der
Konigin Aramena zustehet / werden fahren lassen.
    Weil hierauf ein und andres geräusch den Avi und seine gefårten hinterte /
ein mehrers zu vernemen / als begaben sie sich in der stille von dannen / und
fragte Gelanor die andern / was sie von diesem gespräche hielten? Diese
gestunden ihm hierauf / um damit nicht so geheim gegen ihme zu sein / als wie
sie notwendig bei den Konigen gewesen / wiedass der Sesai der Konigin von
Mesopotamien ansagen lassen / sich innerhalb vier tagen zu erklären / ob sie den
König von Basan heiraten wollte: nach deren verfliessung / und auf ihre
verweigerung / sie ihr das haubt ihres liebsten brudern herab senden / und sie
also zu einer ursacherin machen wollten / dass Syrien seinen König verlieren
mussen. Nun kann ich begreifen / (sagte Gelanor /) was diese Syrer geredet. Damit
gingen sie furter / und kamen ungehintert durch alle wachten / bis an den
schmalen fussteig / der sie auf das schloss hinauf furete. Diesen schmalen weg
kunte nur ein mensche steigen / und war er uberdas auf allen absetzen in den
felsen mit mañschaft besetzet / dass man also fast unmuglich hinauf kommen kunte.
Weil er auch mit gebüsche und gestråuche håufig bewachsen war / als verursachte
das geråusche / dass die nächste wacht der Niniviten ihrer gewar wurde / und
alsofort lärmen machte.
    Wie nun die haubtleute zusammen gekommen / und einen uberfall vom feind
befahreten / blieben sie auf ihrer hut / bis der tag anbrache: da sie im sande
die fusstapfen derer erkenten / die den berg hinauf gegangen waren. Man urteilte
gleich daraus / dass dieses einen geheimen zugang bedeuten wurde. Man brachte
solches alsofort vor die Konigin: welche / gleichwie den vorigen tag / also auch
die ganze nacht hindurch /in todlicher qwal um ihren liebsten bruder geschwebet
/ und stäts die grausame worte des Sesai ihr wiederholend / in der wahl sich
abängstete / welchen sie von ihren beiden liebsten freunden erkiesen oder
verlassen sollte. Gleichwie ihr aber dieser bericht etwas hoffnung machte dass es
noch einiger massen muglich sein konnte / das schloss zu stürmen / als wollte sie
durch solchen weg ihr leztes und äuserstes heil versuchen /ihren bruder zu
retten. Sie berieffe deshalben alle vorneme kriegs-haubtleute zu sich / und
vermanete sie /es an diesem orte zu wagen / ob sie die burg ersteigen möchten.
Gedenket / (sagte sie zu dem Sinear) dass der König / mein bruder / euer und
eurer Prinzessinnen wegen in dieses ungemach gekommen: darum stehet mir nun auch
dapfer bei / ihn befreien zu helfen. E. Maj. haben nicht vonnoten / (antwortete
Sinear) dem jenigen diese vermanung zu geben / der von selbst sich schuldig
erkennet / sein gut und blut fur den grossen Aramenes aufzusetzen. Und dass E.
Maj. sehen / wie bei mir werke und worte übereinstimmen /so will ich der erste
sein / der mit seinem furbild andren weise / wie man müsse in E. Maj. dienste
sein leben in die schanze schlagen.
    Als er diss gesagt / name er seinen schild über den arm / und uberlaut
ruffend / dass ieder ihm folgen sollte / der den namen eines dapfern helden
begehrte davon zu tragen / ginge er den felsen hinan / da das ganze lager / ihm
nachzufolgen / sich aufmachte / und also das sturmen anhuben. Die Konigin ware
selbst mit zugegen / und achtete nicht den gewaltigen hagel der pfeile und
steine / die die riesen auf einmal liessen auf diese sturmende herab fallen:
massen auch ein pfeil /der Königin rechte schulter dergestalt rurete / dass sie
/dadurch verwundet / und also abgemattet / in ihr gezelt sich zurücke begeben
musste. Der eifer / ihren bruder zu erlösen / liesse ihr kaum zu / dass sie
erlaubte /nach der wunde zu sehen / und musste man ihr immer post bringen / wie
es den stürmenden erginge. Aber alle zeitungen brachten mit / wie es eine
lautere unmüglichkeit wäre / und dass dieses das rechte mittel sein wurde / das
ganze heer auf einmal zu verderben.
    Dieses brachte ihr / aus ungedult / die tränen in die augen / und sah sie
indem / ganz unvermutlich /zehen Konige / als den von Ninive / Egypten / Ophir
/Cus / Elam / Saba / Meden / Sichem / Hazor und Jericho / und die Prinzen
Adonisedech / Jetur und Ephron / samt den Syrischen Fursten / zu ihr in das
gezelt treten: die von Samosata kamen / und sie in solchem unmut findende /
dessen ursache ihnen bekant war /sie höchlich beklagten / und ihr zugleich ihre
dienste /so wohl in eigener person / als mit ihrer macht / anboten. Werte helden!
(sagte sie zu ihnen) was hilft mir euer anerbieten / da keine menschliche macht
mir förderlich sein kann / den Aramenes aus seinen banden zu befreien. Das müste
nicht gut sein / (antwortete Dison) dass menschen nicht sollten dahin gelangen
konnen / was menschen hände gemacht haben: und getraue ich mir / wann ich nur
die geringste offnung finde / hindurch zu kommen. Auf solche weise redeten auch
die andern: und wie der Hemor / neben dem Ariates und Jebus / die die Königin
noch nicht in Mesopotamien gesehen hatten / ihre begrussungen nach beschaffenheit
damaliger umstånde eiligst bei ihr abgeleget / folgten sie / såmtlich dem Dison
nach / üm dieses berghaus zu stürmen / und den Aramenes zu befreien. Alle die
verwundte / so zurücke kamen / vermochten sie nicht von diesem kunen fürhaben
abzuschrecken / und wurden sie von ihrem muht angefeuret / auch gar wider die
unmuglichkeit zu streiten /und sich solcher dinge zu unternemen / die kein
mensch ausrichten kunte.
    Weil der König von Ninive am hitzigsten daran ginge / als erlangte er
endlich für seine person den zugang / zu diesem hohen felsen: wiewol es seine
freiheit kostete / und ihme wie dem Prinzen Sinear erginge / den die riesen im
schloss auch hatten gefangen bekomen. Sie füreten den Dison sofort vor den Sesai
/der in einem herrlichen gezelt / von den furnemsten Enakim umgeben / sich sehen
liesse / und ihn mit grosser bescheidenheit entfinge / auch in werken und worten
dartåte / dass er keines wegs ihn feindlich zuhalten begehrte. E. Maj. haben
alhier (sagte er zu ihm) alle freiheit / die sie nur selbst verlangen mogen /
und begehre ich so wenig meines vorteils mich zu bedienen / als in feindschaft
mit dem grossen Dison und den andren Konigen / deren ankunft ich vernommen / zu
leben. Diese unvermutete begrüssung / milderte nicht wenig des Konigs von Ninive
verdrus / dass er sich musste gefangen sehen: welcher den Sesai recht betrachtend
/ nichtes an ihm fand / das einer solchen tyrannei ihn beschüldigen konnte / wie
man ihme /wegen des Konigs Aramenes beimessen wollte. Es stehet bei euch / Sesai!
(antwortete er ihme) dass ich dieser euren versicherungen könne glauben geben:
und wann ihr nicht / ihr die ihr hier vom gebirge seit / alle macht der Konige /
die iezt wider euch gewaffnet sind / euch auf den hals ziehen wollet / so gebet
dem König von Syrien seine freiheit wieder / den ihr /wider aller völker recht /
alhier gefangen haltet.
    Es tut mir leid / (wiederantwortete Sesai) dass E. Maj. mir etwas befehlen /
so ich einzugehen unfåhig bin. Zwar kann der König von Syrien diesen augenblick
seine freiheit wieder erlangen / wan nur die Konigin von Mesopotamien etwas
darzu tun will: die sich erklären muss / ob sie verlange / zweien grossen Konigen
ihr leben zu erhalten. Es ist grausam / (versezte Dison) ein freies konigliches
gemüt solcher gestalt zwingen wollen. Noch grausamer aber ist / (antwortete
Sesai /) einem unvergleichlichen helden / als mein König von Basan ist / sein
leben rauben wollen / mit deme man doch überseelig leben könnte / wan man sich
nur bequemen wollte / dessen liebe anzunemen. Der grosse Marsius (sagte Dison) ist
so tugendhaft und grosmütig / dass er / wie ich glaube / nimmermehr eine grosse
Königin / durch so tyrannischen zwang / zu seiner liebe zu zwingen begehren
wird. Ich glaube wohl / (widerredte Sesai) dass mein Konig dergleichen gedanken
nicht haben würde / wan er wüste /was hier vorgehet. Weil ich aber / neben
meinen anverwandten / allein aus wahrer treue gegen dem grossen Marsius / und
zwar sonder sein wissen / dieses habe fürgenommen / als muss ich es verfechten /
ob es tugendhaft oder grosmütig gehandelt sei / was ich iezt beginne.
    Darf man dann (fragte der ungedultige Dison / den diss gespräche zu verdriessen
begunte /) euren König von Basan nicht sehen? Sesai schuttelte hiezu das haubt /
weil er solches fur ehrerhietiger achtete / als wan er dieses begehren des
Konigs mit Nein beantwortet hätte. Doch diesen abschlag in etwas zu begütigen /
sagte er zu ihme: Gefället E. Maj. den König von Syrien zu sprechen / so soll
dero begehren von stund an erfüllet werden. Dison wurde fro / dass ihme Sesai
dieses anbote / was er zu begehren sich gescheuet hatte. Wie er nun sein
verlangen hiernach erwiesen / begleitete ihn der Sesai nach dem ort / wo der
König Aramenes gefangen sasse. Es war aber das gefängnis / darin dieser grosse
König an ketten geschlossen lage / in einen felsen gehauen / und vermochte Dison
die tränen nicht zu bergen / als er diesen unvergleichlichen helden in solcher
gestalt zu sehen bekame. Damit aber diese beide Konige desto freier miteinander
sich besprechen mochten / bliebe Sesai vor der tur / und liesse dem Dison allein
hinein gehen.
    Weil dieser fur wehmut schwiege / wurde er von dem Aramenes also angeredet:
Ach! mein bruder! furet dich nun das verhångnis an eben den ort / dahin ich
geraten bin? und hat der himmel uns beide zumal in die hände unsrer feinde
übergeben wollen? Dich zu retten / liebster bruder! (antwortete Dison) haben wir
ingesamt diese burg gestürmet: da dann mein eifer grosser / als mein Glück /
gewesen ist. Wiewol ich diesem letzern noch dieses danken muss / dass es mir /dich
zu sehen / vergonnet. Was traurige vergnügung kann das erwecken / (sagte
Aramenes) da mein zustand also beschaffen ist / dass ich augenblicklich den tod
erwarten muss. Zwar ich furchte mich nicht für demselben / wan ich allein auf
mich sehe. Gedenke ich aber an die arme Cölidiane / wie auch an meine schwestern
/ und an mein land / so tauret es mich /dass ich die durch mein sterben in grosses
ungemach und leidwesen werde stürzen müssen. Wir alle (versezte Dison / mit
vergiessung vieler tränen) würden einen unwiederbringlichen verlust an dem grossen
Aramenes erleiden / wan der Königin von Mesopotamien schleunige erklärung / oder
unsere glückliche waffen /ein solches nicht verhuten. Beides ist nicht zu hoffen
/(sagte Aramenes) weil ich mein leben durch meines freundes ungluck nicht zu
kaufen begehre / und dieser ort also beschaffen ist / dass er mit nichtes / als
durch hunger / kann bezwungen werden / solcher aber / weil er auf etliche jahre
mit lebensmitteln versehen / nicht zu befahren ist. Ach! was wollen wir von
jahren sagen! (sagte der verzweifelte Dison) es sind / wie ich höre / nur noch
etliche tage dahin / da die Königin von Mesopotamien entweder den Marsius lieben
/oder ihren bruder soll sterben sehen.
    Weiss dañ auch die Cölidiane / (fragte Aramenes /nicht sonder seufzen) was
hier furgehet? Als wir (antwortete Dison /) von Samosata abreiseten / lebten wir
alle in der hoffnung / die Königin von Mesopotamien in der vergnügung auf dem
schloss Amida anzutreffen / darin wir sie verlassen hatten. Als wir aber noch
eine tagreise von dar waren / kame uns die zeitung entgegen / wie der König von
Syrien den riesen in die hånde geraten. Colidiane fiele meiner gemalin und der
Ahalibama onmächtig in die arme / wie sie dieses vername / und wollte nachgehends
bei ihr kein trost etwas fruchten / weil ihr der sinn die gefahr so häftig
fürstellte / dass menschen-hülfe dagegen nichtes verfangen wurde. Alle Könige und
Prinzen eileten hierauf /neben mir / ins königliche lager / üm mehrere gewissheit
hiervon zu erlangen. Wir waren aber kaum heute früh angelanget / da sprache uns
die trostlose Königin Aramena auf / diesem sturme beizuwonen / der schon vor
unserer ankunft war angefangen worden: der mich nun lebendig auf diesen felsen
bringen müssen / damit meine augen selbst ansehen möchten das unrecht /dass der
himmel uber dich / mein liebster bruder! ergehen lässet. Der himmel ist gerecht
/ (antwortete Aramenes) und dessen ursachen erheblich / ob wir sie schon nit
allemal sehen und verstehen können. Aber /mein bruder! an welchem ort ist die
trostlose Cölidiane geblieben? Sie wird / (antwortete Dison) neben allen
Koniginnen und Prinzessinnen / diesen abend im lager erwartet / und bilde ich
mir schon die qual für /die diese beide herzens-freundinnen entfinden werden /
wan sie nun das verhångnis zusammen furet. Meine schwester / (sagte Aramenes)
wird / wegen der haft ihres Disons / ihren teil auch dabei haben / und bin ich
ja wohl unglucklich / dass ich / durch meine bande /beiden schwestern / sich über
ihre geliebte also zu ängstigen / ursach geben muss.
    Wofern dem Sesai zu trauen ist / (antwortete Dison) so kann ich meine
freiheit erlangen / wan ich will. Doch begehre ich solche nicht anzunemen / wan
ich alhier dem Konig von Syrien mehr dienste / als im lager / werde erweisen
konnen. Grössere dienste (gabe Aramenes zur antwort /) erwarte ich von dem Konig
zu Ninive / an dem orte / da meine trostlose freundinnen sich befinden / als
hier / da ich mein unglück wohl allein überdenken kann. Was soll ich aber / (fragte
Dison) diesen freundinnen sagen / das ihnen könne trost geben? dass ich
(antwortete Aramenes) der Cölidiane danken lasse / für alle die sonderbare liebe
und treue / die sie mir erwiesen / und dass ich sie ersuche /ja nicht meinen tod
dergestalt zu herzen zu nemen /dass ihr solches an der leibesfrucht konne schaden
bringen / mit der sie der himmel gesegnet hat. Nim dich dieser trostlosen an /
wertester bruder! und verlasse sie nicht in dem grossen leidsturme / darein mein
tod sie versetzen wird. Der Königin Aramena sage /dass sie ja meinetwegen ihre
grossmut nicht verlieren müsse / sich zu einer heurat zwingen zu lassen / die ihr
/ ihre treue zu brechen / würde anlass geben. Ich begehre nicht / mit des Cimbers
ewigem verlust / ihrer freundschaft ferner zu geniessen / deren ich ohndass genug
versichert bin / und gewiss weiss / dass sie mein tod nicht weniger / als die
Colidiane / ängsten werde. Meine jungere schwester dir anzubefehlen / ist
unnötig / weil ich weiss / wie herzlich du sie liebest. Verharre also / wertester
Dison! und hilf / nach meinem tode / moglichst befördern / das diese königreiche
in ruhestand verbleiben. Letzlich wollest du auch dem Konig der Aborigener / als
meinem alten freunde Cimber / vermelden / dass / wie ehmals seine grosmut mir die
Aramena uberlassen / also es mich ietzund vergnuge / dass ich / üm seiner
vergnügung willen /und damit er diese seine schöne behalte / den tod leiden muss;
und werde ich mit der hoffnung sterben /dass er meine schwester iederzeit mit
herzlicher liebe verehren und wohl-halten werde.
    Der Konig Dison kunte sich über die standhaftigkeit des Königs von Syrien
nicht gnug verwundern /die er in diesem zufall blicken liesse / und weil er fur
seine person sich nicht so hart befande / als vermochte er diese lezte reden des
Aramenes mit keinem worte zu beantworten / sondern wurde so weichmutig / dass er
/ nach dem er verschiedene male seinen schwager ümhalset / von ihm aus der
gefångnis eilete / auch dem Sesai und den anderen ein gesichte sehen liesse /dass
von tränen ganz übergossen / eine innerliche todes angst vorzeigte. Ha tyrann!
(redete er den riesen an) scheuest du dann nicht den herrn des himmels / da du
dich für keinem weltlichen König zu fürchten begehrest? vermeinest du wohl / dass
du dessen straffe entrinnen werdest / wan es schon sich also begeben sollte / dass
dieses raubschloss dich ein zeitlang fur so vielen Königen schutzen konnte? Gehe
in dich / Sesai! und åndere dein mehr als grausames beginnen. Ich gelobe dir /
an statt aller der andren Konige / dass dieser frefel nimmermehr an dir und deinem
geschlechte soll gerochen werden / hingegen alles was dein herz begehret / dir
widerfahren soll / wan du den Aramenes wirst ledig lassen. Grosser König!
(antwortete Sesai /mit aller bescheidenheit) es liget nicht an mir / dass der
Konig von Syrien seiner bande sich nicht befreit sihet. E. Maj. selbst vermogen
viel hierbei zu tun /wan sie die Konigin von Mesopotamien uberreden helfen /
dass sie den beiden grösten Konigen der welt ihr leben friste. Dieser schluss ist
unånderlich / und kann keine furcht des todes solchen in mir aufheben. Sol
Aramena grausamkeit den Marsius töden / so muss Aramenes nicht sterben. Wil man
aber den Konig von Syrien retten / so muss man den König von Basan lieben.
    Hiemit neigte sich Sesai mit dem haubte bis zur erden / fur dem König von
Ninive / und begabe sich hintan / alle seine bediente und die andere fürneme
riesen / seine anverwandten / bei ihm lassend / die ihre aufwartung ihme anboten
/ ob er etwan speisen /oder die unuberwindliche vestung besehen / oder aber
wieder nach dem lager sich begeben wollte? Es war aber Dison so entstellet in
seinem gemüte / dass ihm uber diesen bezeigenden hoflichkeiten die gedult
verginge. Weil ihme angeboten worden / nach dem lager zu gehen / und er
verschiedene seiner mitgefangenen /als den verwundten Konig von Jericho / den
Prinzen Adonisedech / den Tarsis und andere / stehen sah /erbate er ihnen die
freiheit / und liesse folgends mit ihnen sich hierunter füren. Tarsis der da
wusste / dass auch der Prinz Sinear gefangen war / raunete solches dem König ins
ohr: der dann sich uberwande / dem riesen Avi / der zu nächst bei ihm ginge / zu
zureden /ob der Chaldeer Prinz nicht auch konnte los kommen? Wir mussen hierinn /
(antwortete Avi) die zu uns aus Abagara gefluchtete Horiten / und die priestere
des Teraphim / vergnugen / die dem Chaldeischen Prinzen und seinem volke die
schuld geben / dass ihr berumter tempel zerstoret worden / und daher bei uns
ausgeboten haben / keinem Chaldeer das leben zu schenken. Solte aber der Königin
von Mesopotamien erklärung /als wir hoffen / für den König von Basan gut fallen
/so verspreche ich E. Maj. dass / neben dem Aramenes / auch der Sinear seine
freiheit wieder erlangen soll.
    Dison schwiege zu diesem erbieten / erkannte mit dem hochsten verdrus der
welt / im hinab-gehen / die unmuglichkeit / diese vestung zu erobern / und kame
endlich / mit den andren / wieder in das lager: da jederman / ungeacht der
allgemeinen besturzung / grosse freude blicken liesse / dass sich diese
verlorn-geschåzte Könige und Prinzen wieder einfanden. So frolich aber die
Niniviten waren / so kläglich stellten sich hergegen die Chaldeer an / als sie
ihren Prinzen unter diesem haufen vermisseten / und daneben die grosse gefahr
erfuhren / darin er schwebte. Dieses gerüchte breitete sich bald aus / bis in
das gezelt / alwo die drei schöne Prinzessinnen von Ausitis sich bei der
Prinzessin Rahabine befanden / und von der betrubten Königin Aramena / weil
dieselbe schlieffe / sich abbegeben hatten. Die schöne Jemima hatte kaum von der
ersten angst sich wieder erholet / die sie in des Teraphim tempel für ihren
liebsten Prinzen entfunden / als diese neue nun dazu stiesse: die ihr vollends
allen mut und trost bename / also dass ihre rosenwangen erblasseten / und sie /
sonder ein wort zu sagen / auf das nächste ruhbette niederfiele. Ihre beide
schwestern sprangen in dieser noht ihr zwar treulich bei / fanden aber ihren
schmerzen so rechtmåssig / dass sie ihr mehr mitleiden / als trost / zu bezeigen
vermochten.
    Wie sie nun in solcher betrübten verrichtung sich befanden / schauete ohn
unterlas die Prinzessin Rahabine aus dem gezelt: weil sie wusste / dass der Konig
von Jericho mit in das lager gekommen war / und doch nicht erfahren konnte / wo
er geblieben / und wie es ihm ergehen mochte. Ihr verhängnis wollte / dass sie ihn
eben damals ganz blutig und onmächtig daher tragen sah: massen ihm diese
schwachheit zugestossen war / als er mit dem Dison zu den meisten von den andren
Königen in des Königs von Cus gezelt angekommen. Sein bildnis / welches sie
ståts am arm truge / war ihr dergestalt in die gedåchtnus gepråget / dass sie ihn
sofort erkannte / und ihrer sinnen nicht so viel måchtig bliebe / dass sie sich
gescheuet hätte / unter die mänge so vieler Canaaniter / als des Jebus
hofbediente / sich zu begeben / und ihres erblasseten Königs hånde mit ihren
tränen zu benetzen. Jederman verwunderte sich über dieses ihr beginnen / und
weil niemand sie kante / indem sie noch in ihrer geistlichen kleidung ginge /
als wussten sie nicht / was sie hiervon machen sollten. Weil die Könige von Gibeon
und Hazor / und dieser Jebus / ein gezelt innhatten / als brachten sie diesen
verwundten / in begleitung der Rahabine / daselbst hin: da der Ariates die
Prinzessin sofort erkannte / als welche er oft zu Tyro gesehen /und deshalben sie
begrussend / ihr seine wilfärige dienste anbote. Weil ihm ihre liebe bekandt war
/ als wunderte er das / so sie täte / nicht so sehr / als wie die andere. Wie
nun der Jebus zu bette gebracht / und die wundärzte herbei geholet worden /
bliebe Rahabine so lang bei ihme / bis man sie versicherte / dass es mit dem
Konig nicht die geringste gefahr håtte / sondern bloss die erhitzung / und die
verweilung mit dem verbinden / an dieser schwachheit ursach wåre. Sie wollte
gleichwol den Jebus nicht ansprechen / welches auch Ariates nicht ratsam befande
/ weil es eine schådliche änderung bei diesem verwundten verursachen mogen /
sondern begabe sich / von diesem König begleitet / wieder nach ihrem gezelte.
    Sie ware kaum daselbst angelanget / da erscholle uberall im ganzen lager /
wiedass das konigliche frauenzimmer ankäme. Alle die Könige / welche in das
Eridanus gezelt raht gehalten / eileten / auf diesen bericht / ihren liebsten
Koniginnen entgegen / sie zu entfangen: da dann keiner sonder tränen die
ungluckselige Cölidiane anschauen konnte / die in des Melchisedech und der
Eurilinde armen ligend / daher geschleppet wurde. Weil keiner ihr trost zu geben
wusste / als urteileten sie aus ihrem weinen / dass nichtes gutes zu hoffen
stünde; sonderlich deuteten ihr des Disons verzweifelte gebärden an / dass es gar
übel stehen musste. Aramenes ist todt! sagte sie mit ganz schwacher stimme / und
lehnete das haubt auf der Eurilinde schulter: die diese zustossende onmacht an
ihr warnemend / mit ihr eilete / was sie konnte / dass sie in das nächste zelt
gebracht wurde. Sie / und die Konigin von Ninive /wie auch der Colidiane
schwester / die Jaelinde / die Ahalibama und Indaride / gingen mit in dieses
gezelt /üm dieser halbtodten Königin beizuspringen: mitlerweile die Könige und
Prinzen / mit ihren Königinnen und Prinzessinnen / nach ihren zugeordneten
gezelten sich begaben / und allerseits von diesem betrübten handel sich
bespracheten. Sie verlangten ingesamt /die Konigin von Mesopotamien bald zu
sehen: zu deren / die Furstin Timna / neben der Eldane und der Königin
hof-frauenzimmer / als der Casbiane / Dersine / Siringe und den andren / sich zu
erst hin begaben / und diese schone von gram und sorgen so abgezehret fanden /
dass sie daraus ihres herzens anligen wohl abnemen kunten.
    Sie ware eben erwachet / als diese ankame; und weil sie vermutete / dass
Cölidiane auch zugegen sein wurde / ware dieses ihre erste frage: wo die Konigin
von Syrien wåre. Timna berichtete / in was zustande man sie verlassen håtte: dass
dann der Aramena so nahe ginge / dass sie gleich vom bette aufsprange / üm diese
ihre freundin gleich zu besuchen. Und ob ihr schon geraten wurde / wegen ihrer
wunden sich inzuhalten /so achtete sie doch solches wenig / da sie so sehr den
tod wünschte. Also ginge sie / von der Timna und Eldane an beiden seiten gefüret
/ aus ihrem gezelt heraus: da / im hingehen / sie vor vielen verwundeten
soldaten vorbei kame / welche an der strasse lagen /und den eifer / ihr und dem
hause Syrien zu dienen /durch verlierung ihrer gesundheit zu tage gelegt hatten.
Weil sie / als die in etlichen nåchten nicht geruhet / diesen halben tag /
wiewol sehr unruhig / geschlaffen / als hatte man ihr noch nicht bericht getan
/ wie das stürmen war abgelaufen: darnach sie auch nicht fragen dorfte / weil
der augenschein es gabe / dass alles vergeblich gewesen.
    Ach Timna (sagte sie) was dunket euch bei diesem neuen leiden / so mir der
himmel zugeschicket? geht dieses nicht noch über alles / was ich meine lebtage
habe ausgestanden? Bedenket doch den zustand des armen Cimbers / den ich
verlassen muss / wan ich anders meinen bruder erretten will: und urteilt / wan
ihr je geliebt / wie in mir nun die freundschaft und liebe kämpfen und
streiten. Ich gerate so plotzlich in dieses ungluck / dass ich nicht weiss / wie
mir geschihet: und weil ich stündlich die ankunft des Tuscus Sicanus erwarten
muss / der kaum eine tagreise von hier ist / und durch den Mitreus des Aramenes
gefängnis nun erfahren hat / als lasse ich euch ermessen / wie mir zu sinn sein
konne / wan ich mir diesen treuen liebhaber und dabei die armseelige Colidiane /
zugleich vorstelle. Ach! wollte Gott / (antwortete Timna) der Cimber wäre so
unbeständig gewesen / als ihn der Konig von Syrien am tag unsers abscheidens bei
E. Maj. gemacht hat! so wåre der grosse Marsius / um den unvergleichlichen
Aramenes beim leben zu erhalten / leicht zu erwählen. Ich wünsche eben dieses /
(gabe die betrübte Aramena zur antwort) ob es gleich sonst das
allerschmerzlichste ist / so uns in der liebe begegnen kann. Sie waren hiemit so
nahe bei dem gezelt / darin Cölidiane war / dass sie ferner nichts reden kunten.
Als sie hinein tratten / ware eben diese armselige aus ihrer schweren onmacht
wieder aufgebracht worden. Aramena eilete / fast aus sich selber / sonder die
andern anzusprechen / zur Cölidiane fur das bette / und als sie ihr tränendes
angesicht auf ihrer freundin wangen niedergelassen / hätte sie wünschen mögen /
in solcher gestalt zu verscheiden. Die Königinnen von Ninive und Salem / wie
auch die anwesende Prinzessinnen / als dieses ümhalsen zu lang anstunde /
befahreten eine onmacht beider Königinnen: daher die jungere Aramena / neben der
Ahalibama / die Königin von Mesopotamien unter die arme fasseten / und sie
dergestalt von der Cölidiane abbrachten.
    Wie sie sich demnach bei ihr auf das bette gesetzet / sagte sie zu ihr: Was
gedenkst du wohl von mir /Colidiane! dass ich dir noch nicht deinen Aramenes habe
wieder verschaffet? Weil ich dich aus mir selbst erkenne / (antwortete diese) so
kann ich dich nicht verdenken / dass du den Cimber einem bruder fürziehest. Aber /
Aramena! du weist noch nicht / was das sei /einen man lieben: dann da kommet
freundschaft und liebe zusammen. Du kanst deshalben dich nicht zu mir
vergleichen / da du lange nicht so viel an dem Cimber verlieren würdest / als
viel mir mit meinem gemal wird entwendet werden. Wir wollen jezt (widerredte
Aramena) nicht erortern / wer von uns beiden den grösten verlust hiebei leiden
werde / sondern wir wollen vielmehr unser gemeines unglück miteinander beweinen
/ und beklagen / dass der hochste auf so sonderbare weise uns heimsuchet. Wol
recht sonderbar! (antwortete Colidiane) da alles das jenige nicht bei zu rechnen
ist / was wir ehmals haben ausgestanden. Wie mein gemal im Konigreich Cus dem
tod so nahe war / trostete mich noch die hoffnung / dass ich durch meinen tod
ihme könnte das leben fristen. Als wir / in der höle vor Damasco / in des Bileams
und der Dalimire händen waren / und den tod für äugen sahen / erquickte uns
unser gleiches geschicke /und dass wir miteinander sterben würden. Nun aber sehe
ich meinen liebsten Aramenes in einer todes-gefahr / daraus ihn keine
menschliche gewalt reissen kann / weil er in eines verzweifelten hånde geraten /
der nichts achtet noch ansihet / üm sich abhalten zu lassen von dem grausamen
fürnemen / das er ersonnen /seinem Konig in dessen liebe zu dienen. Und was das
allerjåmmerlichste / so muss zu meinem grossen verluste diejenige helfen / die mir
meinen gemal gegeben hat.
    Alhier verwehrten ihr die tränen / in ihren klagen fortzufahren / und fand
sich Aramena darob so gerüret / dass / wann es müglich gewesen / sie gerne sofort
hätte von der welt scheiden mogen. Was vermochte sie / da sie selber trostlos
war / ihrer freundin für trost mitzuteilen / da solcher in nichtes anders
bestehen kunte / als dass sie sich dahin erklåren sollen / den Cimber zu
verlassen? welches sie zwar selbst für das einige mittel erkannte / so dem Konig
Aramenes möchte das leben fristen / aber doch / zumal sie noch zween tage
bedenkzeit hatte / noch nicht von sich sagen konnte. Man gibt mir noch ein paar
tage frist: (sagte sie endlich / die Colidiane ümarmend /) wer weiss / was Gott
indessen noch schicket. Ich bin wohl ehmals dem feuer so nahe gewesen / als wir
iezt unserem unglucke sind / und habe dannoch rettung erlanget. Die hand Gottes
ist nicht verkurzet: die kann nun so wohl / als damals / uns eine hülfe zuschicken
/ die wir iezt noch nicht absehen konnen. Wer weiss aber /(sagte Cölidiane) ob
Gott nicht haben wolle / dass du den Konig von Basan liebest? Man sagt ja / die
heiraten werden im himmel gemachet. So hat auch der Chaldeer Nebozar dir / nicht
der Aborigener land /sondern das grosse Celten zu beherschen / gewarsaget. Gott
gebe mir in den sinn / (beantwortete dieses die schone Königin) was ich seinem
willen gemås fürnemen soll. Versichere du dich inzwischen dessen / werteste
freundin! dass ich lieber mich / als dich / werde unglucklich machen.
    Hiemit kamen der König von Ninive / wie auch die Könige und Koniginnen von
Egypten und Ophir /dazu: da die Danede und Amesses / mit bezeugungen herzlichen
mitleidens / die Königin von Mesopotamien ansprachen. Mit der weile / wie es
bereits spater abend war / versamleten sich auch alle die andere königliche
personen dahin: da die Milcaride / und ihre mutter Tarasile / in begrüssung der
schonen Aramena / höchlich beklagten / dass sie in solcher verwirrung sie
antreffen müssen. Wer håtte uns sollen sagen / (begunte diese schone die
gesellschaft anzureden /) dass wir einander in solchem zustande wieder finden
wurden / und wie wenig stunde uns doch dieses fur /was wir nun erleben müssen?
Alle hoffnung ist noch nicht aus / (sagte hierauf der König von Cus) und baue
ich sehr auf die weltbekante grosmut des Konigs von Basan / welcher nimmermehr
zugeben wird / dass man die Königin Aramena / und zwar auf so grausame weise /
ihn zu ehlichen zwinge. Man bedenke doch / wie dieser bescheidene Konig / als er
lezlich aus Damasco abschiede / da nicht allein alle Syrer ihn zum König
begehrten / sondern auch er mit seinen Celten so måchtig in der stadt war / dass
er damals wohl alles nach seinem gefallen håtte tun konnen /wie er / sage ich /
die ehrerbietung / der liebe fürgezogen: sollte er dann sich so gar geåndert haben
/ und durch laster-tun / begehren sich glucklich zu machen? welches ich gegen
seine natur zu sein achte.
    Gleichwol (antwortete die betrübte Aramena) erweiset er jetzund das
gegenspiel. Er weiss nichts üm dieses alles / (finge Dison an zu reden) wie mir
Sesai selbst gestanden. Um nun diese seine worte glaubbar zu machen / erzehlte
er / wie es ihm auf dem schloss ergangen: da dann / in erwehnung / wie er den
König Aramenes gesprochen / Colidiane so wohl / als die beide Aramenen / sich
sehr aufmerksam bezeigten /und sich von neuem den entfindlichsten schmerzen
wieder ergaben / als sie vernamen / wie kläglich dieser beiden Konigie
unterredung gelautet. Dison täte es mit fleis / und wollte dieses nicht verhelen
/ weil er in seinem herzen ganz dahin zielte / dass die Königin von Mesopotamien
alles eingehen sollte / üm ihren bruder zu erretten / weswegen er auch seine
erzehlung also beschlosse: Ich sehe meines bedunkens kein andres mittel / den
grossen Aramenes beim leben zuerhalten / als dass man den Konig von Basan ehliche.
Sesai handlet nicht allein hierinn / als ein verzweifelter mensch / und der die
künftige gefahr ganz nicht achtet / sondern er hat auch aller riesen ihren
beifall /und also eine grosse macht: daher wir ihm unmüglich etwas anhaben
können. So bin ich auch dessen versichert / Tuscus Sicanus werde selbst der
Konigin von Mesopotamien eher rahten / ihn zu verlassen / als durch ihre treue
den grossen Aramenes ums leben zu bringen / und Syrien in einen elenden zustand
zu stürzen. Die arme Cölidiane schauete hierzwischen die Aramena ganz klåglich
an / als von der sie / auf diesen des Disons getanen vortrag / ihres Aramenes
leztes endurteil erwartete.
    Nachdem hierauf die Konigin von Mesopotamien eine weile in gedanken
gestanden / brache sie jälings in diese worte heraus. Nun ich glauben darf / dass
der Konig von Basan nichtes hierum wisse / so beginnet meine hoffnung wieder
aufzuglimmen / und bin ich entschlossen / den Marsius selber zu sprechen:
welches begehren mir ja der grausame Sesai nicht wird versagen konnen. Alle /
die im gezelt waren / bestätigten dieses furnemen der Königin. Es hatten die
Konige ohndas beschlossen / in ihrer aller namen eine botschaft an den Sesai und
die riesen abzuschicken /wozu sie den weissen Cussiten Balaat erwehlet / um ihme
seine unfug furstellen zu lassen. Diesem nun wurde auch das ansuchen der
Mesopotamischen Königin mit aufgetragen / und befanden sie für gut / dass /
wiewol es schon nachtete / er dannoch sofort nach dem feinde sich begeben sollte:
üm keine zeit zu verseumen / und denen im schloss desto längere bedenkweile zu
verschaffen. Also ginge dieser sofort nach der burg / da zugleich der Furst
Husan / von allen Königen / auf das gebirge zu den andern Königen / als dem
Baleus / Hiarbas und Tuscus Sicanus / abgefärtigt wurde / über diesen fromden
handel sich mir ihnen zu bereden / und den abgeschickten Mitreus wieder
ümzuholen / dessen langes ausenbleiben keiner begreifen kunte.
    Die unruhige Aramena wusste nicht / was sie bei dieser botschaft dem
Aborigener-König zu entbieten sollte / und sagte sie dem Husan / als er abschied
name / wiewol heimlich / nur dieses: Ihr konnet dort berichten / mein vetter!
was ihr hier gehoret und gesehen /und dass ich dem König Tuscus Sicanus / wan es
meine wunden / die mir die hand schwellen machen /zuliessen / håtte schreiben
wollen / wie ich nie den tod so sehr gewunschet / als eben jezt / um zugleich
eine treue liebhaberin und schwester zu verbleiben. Weil die eintretende nacht
diese gesellschaft endlich voneinander triebe / als schieden sie von der Aramena
und Cölidiane / mit erweisung eines innigsten verlangens / die verrichtung des
Cussiten Balaats bald zu vernemen: da diese beide freundinnen / neben der
Ahalibama und Timna / noch etwas beieinander verbleiben / letzlich aber auch
einander verliessen / weil sie nicht nutzlich befanden / stäts beisammen zu sein
/ und dadurch ihr gemeines leiden einander nur schwerer zu machen. Bei der
Königin von Syrien bliebe dero hof-frauenzimmer / neben der Timna / und die
Ahalibama bei der schonen Aramena: da ihre verrichtung darin bestunde / dass sie
miteinander die ganze nacht hindurch weineten / und / sonder einigen trost zu
schopfen / das wiederkehrende tagesliecht erwarteten.
    Weil / den abend vorher / die Konigin Orosmada von Tyro vernommen hatte /
wie ihres gemals schwester / die Prinzessinn Rahabine / auch im lager wäre /als
wollte sie / um auf alle weise die hochachtung für ihres herrn freunde darzutun
/ diese Prinzessin sofort mit anbrechendem morgen besuchen: daher sie /neben der
Fürstin Mehetabeel von Seir / die sich zu ihr hielte / sich aufmachte / und nach
dem gezelte der drei Prinzessinnen von Ausitis ginge / alwo die Rahabine sich
auch befande. Die beide verliebte Fursten /Elihu und Betuel / leisteten eben
ihren betrubten Prinzessinnen gesellschaft / als die Königin von Tyro mit der
Fürstin ankame: die dann daselbst alles in tränen findend / anfangs vermeinten /
dass das algemeine leidwesen wegen des Aramenes ein solches verursachte. Wie aber
/ sowol der Jemima noht / als der Rahabine anligen / ihnen kund wurde /
bemüheten sie sich / diesen beiden trost einzusprechen: welches für die
Prinzessin von Tyro gar leicht geschehen kunte / weil sie selbst gestehen musste
/ dass die wunden des Königs von Jericho / um welchen sie weinete / nicht todlich
waren. Mehetabeel / die von ihrem geliebten Ariates verstanden hatte / wie der
Jebus meist deswegen die reise nach Mesopotamien übernommen / um seine ehmals
geliebte Rahabine im tempel des Teraphim zu suchen / und dieselbe seiner
wieder-angeglommenen liebe zu versichern / gedachte sich hiemit gleich anfangs
in dieser Prinzessin gute gunst zu bringen / und erzehlte ihr / wie / nach des
alten Konigs von Hazor tode / der Konig von Gibeon / als er / vermog der
geschehenen aussönung zwischen diesen beiden zuvor-gezweiten Königen / die krone
von Hazor aufgesetzet / so fort daran gewesen / seinem bundsgenossen / dem Konig
von Jericho / zuzureden / dass er die bedienung der Prinzessin Rahabine ihm
wieder sollte lassen angelegen sein: welchem einraht er auch gefolget / und zu
dem ende aus Canaan gekommen wäre. Ich kann daneben / (sagte sie ferner) die
Prinzessin von Tyro versichern / dass der König Jebus über das vorhergegangene
eine sonderbare reue erweiset /und sich nicht seeliger achten wird / als wan er
in die alte huld kann wider gesetzet werden / deren er vordessen zu Tyro genossen
hat. Rahabine / die ihre bisher geglaubte mitbulerin also reden hörte / wurde /
an statt daraus verdruss zu schopfen / ganz wolgemut / und ihre liebe zu dem Jebus
keines wegs verhelend / sagte sie: weil meiner Furstin / als ich verneme / alles
dasjenige bekant ist / was zwischen dem Konig von Jericho und mir ehmals
fürgegangen / so wird daraus abzunemen sein / dass ich mehr befugt bin / als der
Jebus / die geschehene dinge zu bereuen: und soll es darum demjenigen nicht sauer
werden / sich in meine huld fäst zu setzen / dem ich fürlångst mein reuendes
herz wieder habe zugewendet.
    Diese lezte worte / kamen dem Konig Ariates zu ohren / der eben / als er
seine Mehetabeel in ihrem gezelt nicht gefunden / sie allhier zu suchen kame.
Was für ein heilsames pflaster (sagte er sofort) könnte für meines vettern wunden
erdacht werden / als eben diese gütige erklärung der Prinzessin von Tyro? und
bin ich versichert / wan er solche selbst hören sollte /dass er gleich seine
gesundheit wieder erlangen wurde. Ich bin von ihm abgeschicket / seinetwegen die
danksagung abzulegen / dass die schöne Rahabine gestriges tags auf so gutige
weise offentlich ihr mitleiden wollen sehen lassen / das sie für seinen zustand
heget: welches ihn auch dergestalt erquicket / dass er in wenig tagen sich starck
hoffet / seine schuldigste erkentlichkeit personlich dafür abzustatten / und
seiner Prinzessin eben die verehrung zu erweisen / die sie vordeme zu Tyro von
ihm so gutig hat aufgenommen. Rahabine beantwortete dieses anbringen des jungen
Königs von Hazor / wie es ihr die liebe in den mund gabe: und indem sie hierauf
anhube zu erzählen / was ihr im tempel begegnt war / kamen eben der Prinz Ephron
und die Prinzessin Coricide dazu / die an dieser erzehlung den grosten teil
hatten. Weil ihnen / der so gerechte als grausame tod ihrer verfolgerin / der
Jerode / noch nicht ware kund worden / als horten sie mit sonderbaren entsetzen
der Rahabine zu / und kunten nicht gnug bewundern / wie sonderbar der
Allerhöchste mit seinen bestraffungen zu verfahren pflegte.
    Nachdem sie hiervon / zu fernerer unterredung /anlass genommen / wurde solche
von der Furstin Zelinte gestöret / welche dazu kame / und ihnen ankündigte /
wiedass ihr abgesandter / der Balaat / neben andren abgeschickten von den riesen
/ auch vielen wägen mit brod und allerhand lebens-mitteln / im lager angelanget
wäre. Die bis in den tod betrubte Jemima vername diese zeitung nicht sobald / da
verlore sich an ihr die bisherige stille / und sprange sie jählings von ihrem
ruhbette auf / alle anwesende ersuchend / ob sie nicht wollten mit ihr nach der
Konigin von Mesopotamien gehen / um die verrichtung des Balaats / und das
anbringen der riesen / zu vernemen? Sie waren alle hiezu gleich willig und
begierig / und als sie hinaus getreten / sahen sie im lager die viele wägen
halten / üm die das volk sich häufig herüm machte / und den mangel / den sie
bereits in dieser wildnis zu fulen angefangen / durch diese unvermutete hülfe /
die ihnen vom feind zukame / zu ersetzen begunten. Wie spottet doch unser der
verwegene Sesai /(sagte Elihu) der hierdurch zeigen will / dass er gar wohl eine
langwurige belagerung aushalten konne. Vieleicht wird diss ein zeichen sein /
(antwortete die schone Kezia) dass er friede machen und sich bequemen wolle.
Jemima wunschte dieses mehr in ihrem herzen / als sie es hoffete. Wie sie nun /
durch das zusammengelaufene volk / schwerlich zu der Konigin Aramena gezelt
gelanget / fanden sie darin / auser der Konigin Cölidiane und der Prinzessin
von Salem /welche letzere bei dieser ihrer trostlosen schwester geblieben war /
alle die andere königliche und fürstliche personen versamlet / die üm den
Cussiten Balaat / wie auch um die mitgekommene riesen / als den Rekem und Zur /
einen kreis geschlossen / und anhoren wollten / was derselbe nun eben ihnen
anzubringen begunte / der dann / seine rede zu der Königin von Mesopotamien
richtend / sie also anredete.
    Weil E. Maj. einig und allein diesem jetzigen verwirrten handel abhelfen
können / als statte ich billig an dieselbe diesen bericht ab / und sage / dass
ich dem Sesai / im namen aller anwesenden Könige / als mir befohlen worden /
weitläufig fürgestellet / wie er aller dieser måchtigen potentaten hass und
feindschaft / zu seiner und seines ganzen geschlechtes äuserster vertilgung /
auf sich laden würde / wann er in diesem fürnemen verharrte / auf so unerhorte
weise an den Konig von Syrien sich zu vergreifen / und dadurch der grossen
Aramena freiem willen gewalt anzutun. Er horte diss alles so kaltsinnig / als
bescheidentlich an /und täte mir darauf grosse versichrungen / wie er sich
unglückselig schäzte / dass die treue gegen seinem Konig / und die ungemeine
liebe / die er zu demselben trüge / ihn unfähig mache / so vieler Könige befehl
anzunemen / und sich anders / als er nun täte / zu bezeigen. Sein einiges
vorhaben sei / dem grossen Marsius / durch der Konigin Aramena gegenliebe / das
leben zu retten. Wolte man nun dazu hiesiges ortes sich nicht bequemen / sondern
seinen liebsten Konig /den unvergleichlichen Marsius / als ein opfer der Aramena
grausamkeit / (wie seine worte lauten) sterben lassen / so müste der Konig von
Syrien ihm gesellschaft leisten / sollte auch deswegen die ganze welt ümgekehret
werden. Ich sagte ihm hingegen / wie ich nicht glauben konnte / dass der König von
Basan hieran gefallen hätte / oder solcher gestalt E. Maj. gegenliebe verlangen
würde.
    Als er hierauf nicht antwortete / gabe ich ihm ferner zu verstehen / wie dass
E. Maj. verlangten / vorher den Marsius zu sprechen / ehe sie ihre vollige
erklärung von sich stellten. Dieser bericht machte ihn ganz munter / und nachdem
er sich eine weile besonnen /liesse er mich in ein gezelt furen: mitlerweile er /
wie mir nachgehends hiesige seine abgeschikte erzählt /sich zum König von Basan
verfüget / und deme alles umständlich eroffnet / wessen er bisher / ihme in
seiner liebe zu dienen / sich unterwunden hätte. Mit grausen und håftigem
widerwillen hatte der tugendhafte Konig solches angehoret / und ein so grosses
misvergnugen deshalben erwiesen / dass er dem Sesai / den er sonst als seinen
vatter soll geliebt haben / gar harte verweis-worte gegeben: der aber / seines
Konigs zürnen nicht achtend / sich gesteifet / seine sonderbare fürgenommene
hulfe auf das äuserste zu treiben /auch wider dessen willen solches alles
dergestalt ergehen zu lassen. Zu dem ende fürete er mich nachgehends / neben dem
Rekem und Zur / die hier zugegen / zu dem Konig von Basan hinein: den ich auf
einem bette antraffe / aber / ungeacht seiner tiefsten traurigkeit / ein so
ungemeines heroisches wesen an ihm warname / dass sich mein herz schüldig achtete
/ ihme mit sonderbarer ehrerbietung zu begegnen. Kommet ihr (fragte er mich) von
der schonen Konigin Aramena? Als ich nun solches bekräftiget / auch dabei
erwehnet / wie E. Maj. ihn zu sprechen verlangten /sagte er ferner: was wird
diese grausame mir wohl anders sagen wollen / als was ich bereits weiss / dass
nåmlich Tuscus Sicanus ihre huld besitze? Ist sie nicht damit vergnuget / dass
ich in dieser einsamkeit /für aller welt mich verbergend / den tod verlange / um
sie ruhig dem Konig der Aborigener zu uberlassen /und dünket ihr diese zeit zu
lang zu sein / dass sie darum selbst mit ihren donner worten mich auf der stelle
zu tödten vermeint? Die Königin von Mesopotamien / (antwortete ich) wird
vermutlich darüm den grossen Marsius sprechen wollen / üm für das leben ihres
bruders / des Königs von Syrien / zu bitten / den E. Maj. alhier in banden
haben. Ganz wider meinen willen (sagte der König von Basan) begehet Sesai diese
ungereimte dinge / und soll der König von Syrien sofort seine freiheit wieder
bekommen / die ich ihme auch nie genommen habe.
    E. Maj. vergeben mir / (fiele ihm hier Sesai in die rede) dass ich diese
losgebung des Aramenes nicht kann geschehen lassen. Fehle ich hierinn an dem
schüldigen gehorsam gegen meinem Konig / so tue ich doch dabei / was zu E. Maj.
bästem dienen wird. Ha! grausamer freund! (riefe der ungedultige Marsius) wie
wenig beforderst du durch diese deine habende macht mein båstes / da du den hass
meiner Konigin mir damit noch völliger erwirbest / und alle welt glauben machest
/ dass ich dieser untat mit habe fähig sein können? Saget eurer Konigin /
(sprache er ferner /sich zu mir wendend) wie ich alles mein unglück / so ich
jemals ausgestanden / ja ihre eigne bisher-erlebte ungnade / gegen diesem leiden
gering achte / dass ich sie in solcher unruhe meinetwegen wissen muss. Und weil
Sesai alles aus blinder liebe zu mir begehet / als hoffe ich / er werde sich
noch erweichen lassen / von diesem seinem beginnen abzustehen. Und ihr Rekem und
Zur! (finge hierauf der verbitterte Sesai an zu reden) ihr sollet den Balaat
nach dem lager begleiten /und der Konigin von Mesopotamien sagen: dass / wo sie
nicht morgen im tage hierunten am berge erscheinen / und in gegenwart unser
aller / durch den oberpriester Telecles / an den Konig von Basan sich ehelich
trauen lassen / auch die ehe bündnis / welche ihr alsdan soll vorgeleget werden /
unterzeichnen wird / so soll sie mit ihren augen ansehen / wie dem König von
Syrien / hieroben auf eines felsen spitze / den ich dazu will lassen platt und
eben machen / sein haubt abgeschlagen werde.
    Ha tyrann! (riefe Marsius /) was beginnest du? meinst du dann / dass ich mich
hiezu bequemen werde /mich personlich daselbst einzufinden / wo du diese
zwangheurat zu schliessen gedenkest? Da mich die verzweifelung einmal getrieben /
(antwortete Sesai) auf die frömdeste art und weise meinem König zu dienen / so
wird mir auch hiebei wohl erlaubet sein / den åusersten zwang / auch gegen meinen
herrn selber / zu gebrauchen. Demnach so saget ihr / der unbarmherzigen Aramena
/ dass / wan gleich des Marsius blödigkeit ihm verwehren sollte / der Konigin die
eheliche hand willig zu geben / so muss sie doch mit der unterzeichnung ihres
teils fortfahren / wan sie nicht ihres bruders tod / auch Syrien und alle reiche
der welt in die höchste unruhe will gestürzet sehen. Als der ungedultige Marsius
ferner hierwider reden wollte / hiesse der Sesai uns sofort hinaus gehen / und
gebote / in unserer gegenwart / der wacht / sonder sein wissen und befehl den
König von Basan nicht aus dem zimmer zu lassen: woraus den satsam zu tage
leuchtet / welcher macht der Sesai sich anmasset. Diese beide von ihm
abgeschikte werden / was ich iezt furgebracht / bekråftigen konnen: und habe ich
weiter nichtes zu sagen / als dass ich hiermit meine abfårtigung von dem Sesai
bekommen habe.
    Grosse Königin auch alle alhier versammelte Konigin! (finge der riese Rekem
hierauf an zu reden) der schluss / den uns der mächtige Sesai zu überbringen
gegeben / lautet also: dass morgen die ehe-verschreibung und königliche trauung
zwischen dem König von Basan und E. Maj. auf dem nåchsten wiesental vor dieser
burg unfehlbar geschehen muss / oder Syrien soll seines Konigs beraubet / und ein
blutiger krieg / dafur wir uns / weil wir unsere macht kennen / im geringsten
nicht furchten / angefangen werden. Wir möchten zwar solchen auf alle weise gern
von uns abgelehnet wissen / weil wir nichtes höher verlangen /als in friede und
ruhe zu leben. Wie wir dann auch / zu erweisung eines so geneigten gemutes /
futterung und speise fur hiesiges volk mitbringen / weil die gefangne uns
berichtet / dass hier grosser mangel sein soll an lebensmitteln. Wir erbieten uns
sonst ferner zu aller willfärigkeit / verhoffend / es werden sich alhier auch
friedliebende gemüter finden / die mit uns umtreten / und das leichte mittel /
welches wir / zu erhaltung des wolstands aller dieser lånder / furgeschlagen /
nicht aus der acht lassen werden.
    Hiermit neigten sich Rekem und Zur / vor allen anwesenden königlichen
personen / bis auf die erde /und wie sie von der Königin Aramena einer antwort
erwarteten / befande sich dieselbe so untüchtig / ein wort herfur zu bringen /
dass sie dem Fürsten Barzes befehlen musste / diese gesandten abzufüren / bis man
/ wegen der erklärung / sich wurde miteinander beredt haben. Wie nun solches
geschehen / sah sie die anwesende Konige nacheinander an / zu ihnen sagend: Wan
es mein leben antråffe / und Sesai dasselbe haben wollte / sollte es mir nicht
schwer fallen / mich von stund an zu entschliessen. Aber bei dieser bewandnis /
weiss ich nichtes zu tun / als mein über-grosses unbegreifliches elend zu
beweinen / dass mir der himmel hat zugeschicket. Niemand war im gezelt /den diese
worte nicht beweget håtten. Und ob gleich die meisten bei sich dahin zielten /
dass es nicht wohl anders sein könnte / und die Königin / zu rettung ihres bruders
/ zur heurat mit dem Marsius sich würde bequemen müssen / so ware doch keiner /
der solches gerad heraus sagte. Weil sie auch allerseits die kraft der liebe wohl
erkennten / und wie schwer / die verlassung des so-genanten Cimbers / der
Königin eingehen konnte / da derselbe auf so unschuldige weise von ihr geliebt
wurde: als verargten sie ihr gar nicht / dass sie sich darüber dergestalt bängete
und abmattete. Sie befanden für das båste / sie eine weile allein zu lassen
/damit sie in der stille ihre gedanken zusammen ziehen und sich recht fassen
möchte.
    Sie hatten auch ohnedas ursach / von dannen zu eilen / weil es unter dem
kriegesheer begunte ein ansehen zu gewinnen / als wan es zum gefårlichen
aufstande der Chaldeer und Syrer wider die Mesopotamier und Aborigener geraten
wollte. Es hatten diese untereinander angefangen / über die Entschliessung zu
wortwechslen / welche die Konigin von Mesopotamien von sich zu geben befugt sein
wurde. Die Aborigener / neben den hirten aus Amida / redten für den Tuscus
Sicanus / die andere aber für den Marsius / und war es schon unter ihnen zum
handgemänge geraten /als die zwischenkunft der Konige dieses feur in der asche
sofort dåmpfte / und wieder beilegte. Sie waren nun allerseits gleich betrübt
und bestürzt uber diesen handel / und weil sie wussten / dass das meiste
frauenzimmer bei der Konigin von Egypten sich versamlet hatte / begaben sie sich
auch dahin / um alda ihre betrubte stunden zu verbringen. Es ware daselbst alles
in tränen / und behaubteten eben die Koniginnen Delbora / Hermione / Petasiride
und Orosmada / wider die andern / dass die Königin von Mesopotamien gegen die
tugend handlen würde / wofern sie / in dieser sache der liebe zu folgen / auch
ihre beständigkeit dem Tuscus Sicanus zu erweisen / hingegen ihren unschüldigen
bruder zu verlassen / gewillet sein sollte.
    Dass ihr viere (sagte hinzu die angeneme Amesses) dieses also verfechtet /
solches ruret lediglich daher /weil ihr wohl mehr aus staats-ursachen euch
verheiratet / als dass die wahre liebe euch darzu håtte bewegen sollen.
Petasiride / die solchen fürwurf in gegenwart des Disons horen musste / entfande
solches am allermeisten / und daher für die andre dreie / welche ihrer Meinung
waren / das wort nemend / sagte sie: Ich bin gar nicht in abrede / dass ich den
König Mardocentes /meinen gemal / aus staats-ursachen geehlicht / und ihn
vordeme nicht also / wie iezt / geliebt habe. Ich finde aber / dass ich koniglich
/ und wie mir obgelegen / darin gehandlet / und dass ich mich lasterhaft würde
erzeiget haben / wan ich nicht mehr meines reiches båstes / als etwan meine
eigene vergnügung / håtte dabei beobachten wollen. Meine Konigin (sagte hierzu
Mardocentes) hat durch diss einige wort / dass man mich iezt mehr / als vordem /
lieben wolle / verursachet / dass ich nichtes hiergegen zu sagen habe. Wer
verteidigt aber uns? (finge Delbora an zu reden) die Konigin von Ophir tut mir
unrecht / dass sie mich beschüldigen will / ich habe den Eridanus nicht aus liebe
geehlicht. Ach liebste Delbora! (antwortete ihr der König von Cus) ihr konnet
nicht in abrede sei / dass Amesses euch getroffen habe: erklåret euch demnach nur
also / wie die Königin von Arabien getan hat /so will ich mehr als wohl vergnügt
leben. Diese erklärung / (gabe sie zur antwort) sollte ja mein König täglich aus
meinem wandel ersehen können: wan ich nur das Glück / wie Petasiride / haben
möchte / dass man meine treue liebe erkennen wollte. Eridanus ümhalsete seine
Delbora / wie sie dieses fürbrachte / üm damit anzudeuten / dass er ihren worten
glaubte.
    Dieses gabe dem Nebajot anlass / seine Hermione anzusehen / und zu sagen:
Ich weiss wohl nicht / wie die Konigin von Ophir es verstehe / dass sie unter die
Koniginnen von Cus / Saba und Tyro / meine Konigin hat mit gerechnet; massen ich
ja versichert bin / dass die schone Hermione mir aus blosser liebe ihre huld habe
zugewendet. Es verstehet die Königin Amesses hierunter nicht mich / (antwortete
die Königin von Kitim) sondern den König von Meden selber / der /aus gehorsam /
und weil er es seinem reiche zuträglich findet / euch zu bedienen hat
angefangen. Was fur unruhe (sagte Armizar zu seiner gemalin / und wollte dem
Nebajot nicht zeit lassen zu antworten) habt ihr / meine schone! doch
angerichtet / dass diese vier Koniginnen dergestalt angegriffen! wir wollen alle
auf ihre seite fallen / und ihre Meinung wider euch behaubten helfen. Wolan!
(antwortete Amesses) ich neme es an / und will gleich prufen / ob mein König
dieses in ernst meine. Ich setze den fall / ich hiesse noch Amesses von Egypten /
und wåre die schwester meines Konigs / die Indaride gefangen / die da sterben
sollte / wofern mein Armizar nicht sofort mich verlassen würde: wollte mein König
wohl das tun / und seiner Amesses solcher gestalt vergessen?
    Armizar stutzete uber diesem vortrag / und indem er zu antworten verweilte /
sagte Petasiride zu dem König von Egypten: Horen sie wohl / was weniges sie sich
zu ihrer schwester zu versehen haben / die lieber den bruder würde sterben sehen
/ als ihren geliebten verlassen? Ich kann die Amesses (antwortete Pharao Amosis)
hierum nicht verdenken: ich aber / ehe ich meine Danede verliesse / wollte alle
meine blutsverwandten dahin geben. Wiewol auch mir (sezte Danede hinzu) der
Eridanus ein sehr werter bruder ist / so musste er mir doch das nicht verüblen /
dass ich den Pharao ihm fürzoge / wan mir ein solches unglück begegnen sollte /
dass ich unter ihnen beiden wählen musste. Ich bin / liebste schwester! (sagte
Eridanus) ganz eurer Meinung. Gott lasse es nicht darzu kommen! (widerredte
Delbora) sonst würde ich es der Danede wenig dank wissen / dass sie sich also
erklåret hat. Man muss (finge hierauf der Konig von Ophir an) einen unterschied
machen / zwischen verliebten und verheurateten personen: und sind diese lezte so
fåst zusammen verbunden / dass sie sich nicht scheiden konnen. So höre ich wohl /
(fiele ihm Amesses in das wort) wan ich noch unverheuratet wåre / so müste ich
die gefahr stehen / von meinem Armizar verlassen zu werden. Nunmehr / liebste
Amesses! (antwortete Armizar) kann sich der fall nicht mehr zu tragen / darum ist
es eine unnot / hiervon zu reden.
    So bleibet aber wahr / (widerredte Amesses) dass die Königin von Mesopotamien
nicht anders tun kann / als dass sie den König von Syrien verlasse / und ihrem
Tuscus Sicanus getreu verbleibe. Welche grausamkeit wäre das / (antwortete
Hermione) einen solchen mord geschehen lassen / den man doch verwehren kann?
Woltest du dann wohl (fragte sie Roma) den Cambo-blascon / deinen bruder retten /
und den Nebajot verlassen / wan ein solcher fall mit ihnen sich zutrüge? Ich
vermeine es nicht: sagte Jetur. Und ich besorge es: widerredte Nebajot. Sorget
nichts / mein Konig! (antwortete Hermione / ihn ganz freundlich ansehend) ich
wurde euch fur den Camboblascon nicht lassen. Hierauf riefen alle die / so wider
diese vier Königinnen waren: Hermione wåre nun gewonnen. Aber der Konig Dison
widerstritte solches / und sagte: Es ist ein grosser unterschied zwischen diesen
brüdern zu machen. Der Camboblascon wird von seiner schwester wenig / hingegen
Aramenes von der Konigin zu Mesopotamien håftig / geliebt: und wan Camboblascon
sturbe / erlangten viele lånder ihre ruhe / da hingegen ganz Asien in unruhe und
in ein greuliches blutbad / durch des Königs von Syrien tod / würde gestürzet
werden. Dieser Meinung des Disons ward von den andern / als den Königen von Elam
/Saba / Cus / Ophir / Egypten und Meden / auch von den Canaanitischen Konigen /
beigefallen: daher die Amesses / Danede / Lantine / Roma und die andern stille
wurden / und nicht ferner wider die Delbora und ihrem anhang streiten wollten.
Dieses aber gestunden sie alle einmutig / wiedass dieses eine sache wäre
/welcherwegen man die schöne Aramena / sowol als die Colidiane / wie auch den
Aramenes / Tuscus Sicanus und Marsius / hoch zu beklagen hätte.
    Wie sie nun allerseits bei dem Konig von Egypten gespeiset hatten /
verteilten sie sich / sowol die betrubte Aramena / als die trostlose Cölidiane /
zu besuchen: da der Konig von Egypten neben seiner gemalin / der Konig von Cus
mit der Delbora / Mardocentes und Petasiride / auch die Prinzessin von Ophir /
nach der Königin von Syrien / die andere aber nach der Königin von Mesopotamien
/ gingen. Bei der ängstigen Cölidiane traffen sie an / den König und die Konigin
von Salem / wie auch die meiste Syrische Fürsten /und die Prinzessin Jaelinde
ihre schwester: da dann nichts klägliches kann zu sehen sein / als wie diese
Königin sich gebärdete. Sie wusste alles / was die gesandten angebracht hatten /
und weil ihr gezelt gerad gegen dem bergschloss über stunde / als hatte sie / zu
mehrung ihres jammers / ins gesicht bekommen / wie die grausame riesen den
felsen eben machten / und die bäume verhauten / wo den andern tag ihr geliebter
Aramenes sollte gerichtet werden. Sie hatte zwar wohl eher dessen tod so nahe
gesehen / aber mit dem unterschied / dass damals noch hoffnung der errettung
ware. Nun hingegen durfte sie nicht vermuten / dass Aramena sich für ihren bruder
erklären würde / da ihr bekant war / wie herzlich sie von neuem den Tuscus
Sicanus liebte. Ach! dürfte ich nur mit ihme sterben! (sagte sie) und stunde
dieses von dem grausamen riesen zu erhalten / dass man mich zu ihm liesse / und
ein eisen / unsere leiber trennend / unsere seelen wieder zusammen bråchte! Ihr
uberredet mich aber / grausame Syrer! dass dieses nicht zu erlangen stehe. Ach!
vieleicht ersinnet ihr solches / üm mein und meiner armen leibes-frucht zu
schonen: die aber schwerlich wird zur welt kommen / wan nicht sonderlich der
himmel mich straffen will / mir übernatürliche kräfte zu verleihen / meinen
Aramenes einen augenblick zu überleben.
    Gnådigste Königin! (antwortete Rames) dieser handel ist noch nicht so gar
verzweifelt / als er wohl scheinet / dass man zu dem åusersten mittel / nämlich
zum tod / schreiten müsse: dann wir haben ja in den hånden /was uns helfen kann.
Die Konigin Aramena vermag gutes willens den schluss nicht zu fassen / die treue
/welche sie dem Aborigener-König gelobet / zu verlassen: sie wird aber von allen
diesen grossen und måchtigen Konigen dazu können erbetten werden / die ja ein
grosses von ihrem königlichen ansehen verlieren wurden / wan sie sollten gehalten
sein / sämtlich anzusehen / dass man ihrem bundsverwandten / dem grossen Aramenes
/ in ihrer gegenwart / unschuldig das leben neme. Es erlanget ja dergestalt die
Konigin von Mesopotamien / in verlierung des Tuscus Sicanus /den grossen Marsius
/ und wir behalten unsern Konig /auch ganz Asien den edlen frieden und die
gewünschte ruhe. Dieser vortrag des Fürsten von Syrien / den er im namen aller
der andern getan hatte / gabe der koniglichen gesellschaft kein geringes
nachsinnen /und ob wohl die grosse ehrerbietung fur die schone Aramena ihnen im
weg stunde / so fanden sie doch / dass es endlich nicht anders sein konnte / und
dass ihrer aller / ja der Konigin selbst eigenes / ansehen und guter name
darunter leiden würde / wan sie anders verfüre.
    Colidiane war diejenige / so sich am längsten widersezte / dieses mittel zu
billigen: das sie aber endlich gut hiesse / iedoch erst auf den fall / wan auf
ihr inståndiges flehen und bitten / welches sie zuvor zur hand nemen wollte / die
Königin Aramena sich nicht bequemen würde. Demnach beschlosse sie / mit allen
anwesenden Konigen und Syrischen Fürsten dahin zu gehen. Weil sie von gram ganz
kraftlos worden war /als namen Delbora und Petasiride sie unter die arme /und
füreten sie dergestalt aus dem gezelt: da ein allgemeines klaggeschrei unter den
Syrern entstunde / als sie ihre Konigin erblickten. Die mitgehende Syrische
Fursten / trieben sie und die Chaldeer an / ihnen ingesamt zu folgen / weil
dieser gang dem Aramenes und Sinear das leben retten sollte. Diese lezten liessen
sich hierzu ganz willig finden / weil sie ohnedas / auf anregung der Prinzessin
Jemima / schon entschlossen waren / bei der Konigin von Mesopotamien fur ihren
Prinzen zu bitten / massen Jemima mit dem Belhaddon sich schon zu dem ende auf
den weg gemacht hatte. Es fugte sich eben / dass beide parteien / auf dem breiten
platze vor der Königin von Mesopotamien gezelte / zusammen stiessen.
    Diese schöne wollte eben / mit der gesellschaft / so sie zu besuchen gekommen
war / zu der Colidiane gehen. Wie sie nun dieselbe ankommen sah / und ihr
entgegen eilte / liess diese trostlose sich unversehens vor ihr nieder bis auf
die erde / und ihre beine umfassend / rieffe sie mit kläglicher stimme: Ich
flehe / um meines Aramenes leben! und weil selbiges allein in den händen der
Königin / seiner schwester / stehet /als will ich / von deren gütigkeit / mein
leben / oder meinen tod / erwarten. Eine grosse stille aller umstehenden
entstunde hierauf / weil ihre aufmerkung sehr gros war / was die Konigin Aramena
antworten würde. Diese / die augen gen himmel kehrend / schlug beide hände
ineinander / und sagte: wolan dann / man muss sich selbst uberwinden! ich opfere
mich zum anderen mal fur der Cölidiane ruhe / und erkläre mich hiemit / dass ich
den Konig von Basan ehlichen wolle. Weil sie / zu dieser harten Entschliessung /
aller ihrer kräfte vonnöten gehabt / um solche herfur zu bringen /als verliessen
sie dieselben auf einmal / also dass sie /sonder hülfe der Ahalibama und Timna /
zur erden gesunken wåre. Als aber diese sie begriffen / fassete sie alle ihre
noch-übrige stärke zusammen / um / vor so vielem volke / keine schwachheit
blicken zu lassen. Colidiane lage ihr hierauf ohne ablass üm den hals /und
vergosse / so wohl vor freuden / als aus mitleiden /ihre milde zåren: darin ihr
alle die andere folgten /auser dem volk / welches seine hierob geschöpfte freude
himmel an erschallen liesse.
    Dieses kame nun bald für die ohren der gesandten des Sesai / die bisher
schmerzlich auf die lezte erklärung der Königin gewartet hatten. Sie eileten so
fort dahin / wo diese fürtrefliche gesellschaft beisammen ware. Die Königin
Aramena / als sie diese ins gesicht bekommen / dünkte nicht anders / als wan ihr
herz von einem donnerstral geruret würde; doch wollte sie uber sich den volligen
sieg erhalten / und sagte zu ihnen / mit grosser Entschliessung: des Sesai / wie
auch aller anwesenden Konige / ihr wille soll geschehen! ich bin bereit / dem
Konig von Basan die eheliche hand zu geben. Nur um dieses bitte ich / dass man
mir noch drei tage zu den morgigen vergönnen wolle /damit ich mich recht
bereiten konne / diese Entschliessung werkstellig zu machen. Die gesandten fanden
bei diesem lezten begehren der Konigin keine schwerigkeit / und fielen ihr für
freuden zu fus / üm ihr fur solche erklärung zu danken.
    Sie wollten eben abziehen / als die schöne Jemima durch das volk drange / und
/ der Königin von Mesopotamien auch zu fus fallend / bei dieser bewandnis /auch
um des Prinzen von Chaldea freiheit bate. Liebste Prinzessin! (antwortete ihr
die Konigin / sie zugleich aufhebend) ich vermeine nicht / dass ihr mehr zu
sorgen ursach habet / weil an meines bruders erlösung auch diese hanget. Ob es
zwar (sagte hierauf Rekem) mit dem Chaldeischen Prinzen eine andere gestalt hat
/ als mit dem Konig von Syrien / so will ich dannoch hoffen / dass auch er seine
freiheit wieder erlangen werde. Die betrübte Jemima wurde durch diese erklårung
nur halb getrostet / und entschlosse Belhaddon / selbst mit den gesandten nach
der burg zu gehen / und fur seinen Prinzen zu sprechen: wie er dann zugleich
ubername / des Sesai erklärung / wegen der begehrten drei tage-frist / mit
zurücke zu bringen. Also schieden sie voneinander / und begleitete Cölidiane die
Aramena in ihr gezelt / wollte auch diese grosmütige freundin keinen augenblick
mehr verlassen / aus beisorge / wan sie allein sein und recht zu gedanken kommen
wurde / dass sich alsdan die reue bei ihr einstellen dörfte.
    Wie aber der Batto mit seinen Aborigenern vername was vorgegangen war /
versamleten sie sich alle für der Königin von Mesopotamien gezelt / und sandten
/ sehr ubel zufrieden / den Batto zu ihr hinein /ihre untreu / so sie ihrem
Könige erwiese / ihr fürzuhalten. Wann es Ahalibama nicht gemittelt und ihn
angemeldet hätte / so wäre dieser Aborigener nicht für die Konigin gelassen
worden. Wie er nun / wider der andren willen / fur die Konigin gekommen und
seines volks beschwerung ihr anbringen wollte / kame sie ihm zuvor / und sagte:
Ach Batto! ihr sehet / wie es mir ergehet. Das unverhoffte ausenbleiben eures
Konigs / der nur eine kleine tagreise von uns ist / verursachet mit / dass ich
diese erklärung von mir geben müssen. Ich habe damit seinem liebsten freunde /
den er jemals in der welt gehabt / das leben gerettet / und ist er bereits
gewonet / seine Aramena zu verlassen: darum wird er sich auch nun um so viel
eher darein finden / da er mich / üm seiner beiden liebsten freunde willen /
verlieren muss. Zwar hoffe ich nicht lang auf dieser welt zu leben: welches der
einige trost ist / der mir bei diesem zufall kann ubrig bleiben. Weil die tränen
/ neben der herzens-angst / dieser schönen verwehrten / ein mehrers zu reden /
als verstummete sie mit diesen worten / und wusste Batto fast nicht / was er dazu
sagen sollte. Demnach / an statt mit ihr sich in ein weitläufiges gespräche
einzulassen / fragte er sie nur / ob ihme und den Aborigenern erlaubt wäre / zu
seinem herrn wieder zu kehren? weil er nicht sehen künte / was sie hier ferner
nutzen würden. Sie erlaubte ihm solches / und sagte: Ich bin unfåhig / eurem
König etwas hiebei zu entbieten / auser dieses / dass er mich nicht unbeständig /
sondern nur unglucklich achten / und meiner vergessen wolle.
    Hierauf winkte sie ihme mit dem haubt / anzudeuten / dass er sich von dar
begeben mochte: welches er dann / nicht ohne grosse verwirrung / täte. Als er in
das vorder-gezelt kame / begegnete ihm die Roma /welche ihn ehmals in der
Aborigener land gekennet /und erneuerte / durch ihre entdeckung / seine alte
schmerzwunde / über den todesfall seines vorigen herrn / des Tuscus Sicanus /
den sie vermeintlich hatte zur ehe gehabt. Weil sie sehr verlangte / von dem
eigentlichen zustande der Aborigener und ihres jetzigen Konigs etwas zu vernemen
/ zoge sie den Batto an eine seite / und liesse sich ausfurlich hiervon
unterrichten: da sie dann alles / was mit diesem Konig war furgegangen / erfuhre
/ auser deme / wie er vor seiner erkentnis genennet worden / welches dem Batto
selbst nicht bekandt war. Die Ahalibama gesellte sich hierauf zu ihme / die /
durch sonderbare ursachen bewogen / den Batto ersuchte / mit seinen volkern erst
den andern tag aufzubrechen: das er ihr dann verhiesse / und zu den Aborigenern
sich wieder verfügte / um dieselben zu dem morgigen aufbruche sich rüsten zu
heisen.
    Selbigen abend kamen auch ins lager / die Aneriste / des Demas hausfrau /
und ihre beide töchter / neben der Aprite und Baalise: welche zwei letzere ganz
heimlich mitgereiset waren / und so fort / durch beförderung der Briside / in
das gezelt der Prinzessinnen von Ausitis sich begaben / als die andern von dem
Abinael und Nisan aufgenommen und entfangen wurden. Die ursach von der Aneriste
ankunft war / dass sie unterwegs vernommen hatte / wie die riesen / die ihren man
gefangen hielten / ihme den tod androheten: weswegen sie mit den andern den weg
nach der landschaft Amida nicht fortsetzen sollen / sondern / für ihren man zu
bitten / mit ihren beiden töchtern hieher sich gewendet hatte. Mitlerweile nun
diese von den hirten sich erzählen liesse / wie es hier stunde / traffen Aprite
und Baalise / zu ihrem guten glucke / die drei Prinzessinnen von Ausitis ganz
allein an: die sich nicht wenig verwunderten / sie alda zu sehen. Weil die
betrubte Jemima auf dem bette lage / als liefen Kezia und Kerenhapuch diesen
beiden schönen entgegen / und wie sie dieselben vor ihrer schwester bette
gefuret / fragten sie: was fur ein geschicke sie hieher brächte? Weil wir keinen
sicherern ort in der welt wissen / (antwortete Baalise) als bei den Prinzessinen
von Ausitis / darum kommen wir hieher / und erkünen / unsren beschutzerinnen zu
folgen. So ganz allein! fragte Kezia: das ist ie nicht wenig gewaget / sich also
in ein heerlager zu begeben. Es haben uns (gabe Aprite zur antwort) verheuratete
hirtinnen hieher begleitet / und wan nur Nahor und Elisa uns hier nicht finden
/so wissen wir niemand / der uns eine furcht hier einjagen konnte. Eure schonheit
/ werte hirtin! (sagte Jemima) kann euch aller orten verfolgere erwecken / und
wird es gewiss auch zu Samosata nicht so leer sein abgegangen / weil ihr es auf
diese herreise gewaget.
    Es ist billig / (gabe Baalise zur antwort) dass wir unsren Prinzessinnen
erzählen / was uns eigentlich hieher getrieben habe. Wie wir zu Samosata
unlångst allein zurucke verblieben / genossen wir / bei den bedienten unserer
Prinzessinnen alle die guttaten / so wir verlangen mogen / und blieben ganz
heimlich und verborgen / bis die beide Syrische Fürsten der Elihu und Betuel /
als die von Uz wieder kamen / uns ausgekundschaftet / und unser da-sein
erfuhren: welches uns jedoch keinen schaden brachte / weil diese mehr zu
befordern / als zu hintern gedachten / dass wir möchten geheim verbleiben. Wie
aber diese hinweg waren / und nachgehends die konigliche personen /die das
schloss Samosata bewonet / sich hieher aufmachen wollten / auch zu dem ende in die
stadt Amida sich begaben / kamen gleich den tag nach ihrer abreise / der
Baracheel Konig von Hemath / und der Fürst Jonadas / der aus dem vorigen
koniglichen geschlecht von Hemath entsprossen / in Samosata an und musste es sich
also fugen / dass wir / die wir wegen abreise der andern sicher geworden / eben
mit unsrem torhüter / gegen den abend / uns einmal ausgemachet und in den
schlossgarten begeben hatten / als diese auch hinein kamen. Weil der Fürst
Jonadas uns / und wir ihn / wohl kennten / als machte seine jähliche ankunft uns
so besturzt / dass Aprite überlaut zu schreien und damit zu fliehen begunte. Ich
folgte ihr auf den fusse nach / ware aber so unglucklich / dass ich zu boden
fiele: womit ich dann so viel zeit verlore / dass Jonadas / der uns gefolget /
mich ereilte / und auf unsere alte kentnis mich ansprache.
    Weil ich gros bedenken hatte / mich ihme kund zu geben / als sezte ich mein
laufen fort / sonder ihm zu antworten / entkame auch mit Aprite aus dem garten
und in unser zimmer: da wir uns versperrten / um alda so sicher für diesen / als
für den vorigen / königlichen personen zu bleiben. Weil aber Baracheel / sowol
als Jonadas / vermeinten / dass ihnen viel / ja ein grosses /daran gelegen wåre /
uns auszuforschen / als stellten sie die genåuste nachfrage an / und machten
unsrem torwårter so bange / dass der uns endlich ankundigte /wie er nicht wohl
unser da-sein långer verhelen könnte. Diesem nach ersonnen wir eine list / und
der treue des torwärters / durch etliche kleinode / die uns das Glück noch in
händen gelassen / uns versicherend / beredten wir ihn / den Hematiten
anzumelden / wiedass wir davon gereiset / und / als er von uns erhorchet / den
weg nach Hemath durch Syrien genommen hätten. Nichts war fåhiger / als eben
dieses / sie vollends in unruhe zu setzen / und begabe sich Jonadas sofort aus
den rückweg / üm uns einzuholen: inzwischen der König Baracheel zu Samosata
verblieb. Wir aber machten uns bei nacht / mit dem alten / den unsere
Prinzessinnen von Ausitis mitgebracht / auf den weg /alhier unsere sicherheit zu
finden. Unterwegs stiessen wir auf das heer der von des Teraphim tempel
zurück-kommenden schåfere: da wir dann / die verweserin Aneriste / neben ihren
beiden töchtern / zu reisgefärten bekamen / an statt des alten / welcher seinen
weg nach Ausitis genommen / üm den Konige zu berichten /wie es hier seinen
tochtern und dem Prinzen von Chaldea ergehe. Dieses ist nun kürzlich der verlauf
unserer begegnise / und sind wir fro / dass wir unsren zweck glucklich erreichet
/ daneben aber nicht wenig betrubet / dass wir unsere Prinzessinnen in solcher
unruhe haben antreffen müssen.
    Werte Baalise! (sagte Jemima hierauf) ihr findet uns freilich viel anders
wieder / als wir zu Samosata sind voneinander geschieden / und muss ich noch
zwischen furcht und hoffnung leben / ob ich den Prinzen Sinear werde retten
konnen? Ach! dieses ungluck hat der edle Prinz ihme damit aufgeladen / indem er
/ aus gar zu grosser liebe / sich so vergessen / dass er die sünde begangen / sich
zum Teraphim anzubieten /weshalben ihm nun Gott solche straffe zugeschicket. Ein
seltenes beispiel treuer liebe (antwortete Baalise) hat der Prinz hierinn
erwiesen / welches die nachwelt wird an ihme loben müssen. Dem Betuel (sagte
Kerenhapuch) ware diese gelegenheit benommen / mich durch darbietung seines
lebens zu retten / weil er nicht / wie der Sinear / ein erstgeborner ist in
seines vatters hause. Und Elihu / (versezte Kezia) konnte /wegen seines rechten
glaubens / diese abgötterei nicht begehen. Wie unnotig ist es doch / (sagte
Aprite hierzu / und lächelte) dass meine beide Prinzessinnen hiemit ihre geliebte
Fursten entschuldigen wollen / die ja aller welt gnug dargetan / wie häftig sie
lieben / ob sie gleich ein solches äuserliches zeichen nicht erwiesen haben. Ich
muss aber (sagte sie ferner / sich zu der Kezia wendend) bei meiner Prinzessin
dafür bitten /dass der geliebte Elihu unser hier-sein nicht erfahren moge: damit
nicht auch auf ihn komme / die unruhe des Konigs seines herrvattern / die der
ihme über unsrer kentnis gemachet hat. Das sei euch zugesagt /schone Aprite!
(antwortete Kezia) und vermeine ich darin nicht wider die gesetze der liebe zu
handlen /wan ich auf diese weise meiner Freundin mich gefällig erzeige. Ich
sollte aber auch hingegen begehren dorfen / die eigentliche ursach zu wissen /
warum die Hematiter / in erkennung der schönen Aprite und Baalise / sich
unruhig zu bezeigen. Wir dorfen / aus zwang eines eides / (antwortete Aprite)
ein solches nicht sagen: dieses aber konnen wir wohl hoch beteuren / dass die
Hematiter dessen keine wahre ursach haben / und der Furst Elihu / als kunftiger
König von Hemath / sonder gefahr und nachteil leben kann / ob er gleich von
unsren håndeln nichts erfäret. Hiemit lehnete es Aprite ab / sich weiter zu
offenbaren / und raumeten die Prinzessinnen diesen beiden hirtinnen /unter ihren
dienerinnen / weil sie es also begehrten /im hinter-gezelt / einen besondern ort
ein / da sie sich verborgen aufhalten konten: bis man ferner sehen würde / wie
alles dieses verwirrte wesen sich enden wollte.
    Indem kame der Belhaddon wieder von der burg /in begleitung des Gelanors:
der aber gleich durch das lager reisete / um nach den andren Königen und riesen
/ die ihn abgeschicket / sich wieder zu begeben Belhaddon aber / weil er der
Jemima eine so gute zeitung zu bringen hatte / eilete am ersten zu ihnen hinein
/und machte diese halbtode Prinzessin ganz wieder lebendig / ihr verkundigend /
wie man dem Prinzen von Chaldea auf der burg bässer zu halten angefangen /als
die gesandten die erklårung der Königin von Mesopotamien dem Sesai hinterbracht
/ auch dass der riese nicht allein die begehrte drei tage verwilligt /sondern
auch sich sehr frölich erwiesen: vermutlich deswegen / um den König von Basan in
solcher zeit dahin zu bewegen / dass er diese fur ihn erworbene glückseligkeit
annemen möchte. Habet ihr dann (fragte die erfreute Jemima) den Prinzen selber
gesehen. Ich habe ihn nicht allein gesehen / (antwortete Belhaddon /) sondern
ich bringe auch diese reimen von ihme / die er seiner liebsten Prinzessin zu
überreichen / mir aufgetragen hat. Die Prinzessin name dieselben zu sich /und
fand sie folgenden inhalts:
Zween kerker / fåsslen mich: hier meinen leib der feind /
und meine freundin dort mein herze / hålt gefangen.
die eine haft lässt mich zur andren nicht gelangen.
Die dritte / tröstet mich. Weil ihr mir zuvermeint
Prinzessin! eure treu: so ist ja / wie es scheint /
auch euer herz / aus gunst / bei mir in haft gegangen.
Mein leib hofft hier nun bald die freiheit zu entfangen:
iedoch / die seel in ihm / bleibt ihres kerkers freund;
Sie will nit werden frei / sie will gefangen bleiben.
Die seel / in der ich mehr / als in der meinen / leb /
wird auch so gerne ja in meinen banden bleiben:
gleichwie / zu meinem gluck / ich in den ihren schweb.
Lass / himmel! bald allhier die fåssel ihn entlassen /
und Sinear dafür Jemimen arme fassen.
    Ach! (sagte sie / nach verlesung dieser reimen /voll unruhiger vergnügung)
wären doch diese drei tage vorbei! ich muss noch immer befahren / dass die zeit
etwas widriges dazwischen bringe. Ihre beide schwestern sprachen ihr hierauf
einen muht ein / und weil Belhaddon der Konigin von Mesopotamien musste bericht
abstatten / als eilete er von ihnen / und liesse sich bei der Aramena anmelden:
da dann diese bis in den tod betrübte vername / wie der Sesai ganz freudig die
verlangte drei tage-frist bewilligt hätte. Es brachte ihr aber dieses / wiewol
sie es begehrt hatte /keine beruhigung: wie sie dann auch hierüber nicht die
geringste freude blicken liesse. Cölidiane weinete nun mit ihr in die wette / üm
dass sie ursach dazu geben müssen / dass Aramena ihrem Cimber ungetreu werden
sollte. Weil die nacht indem einfiele / als scheidete dieselbe diese beide
Koniginnen voneinander. Colidiane ware zwar des vorsatzes / die nacht über bei
der Konigin von Mesopotamien zu bleiben: aber Ahalibama hinterte solches / unter
dem vorwand / dass der Aramena nichts nötiger wäre / als die ruhe / zu welcher
sie bei gesellschaft nicht gelangen könnte.
    Sobald aber Cölidiane hinweg war / und Ahalibama sich allein bei der Aramena
sah / trate sie zu ihr für das bette / und sagte: Wollen sie wohl / gnädigste
Königin! meinen einfall vernemen / der verhoffentlich E. Maj. aus allem diesem
leidwesen / setzen / und sie / ihrem Cimber treu zu bleiben / wird fähig machen
konnen? Ach liebste Ahalibama! (antwortete die betrübte Königin) was ist wohl zu
ersinnen / das mir in meinem anligen zu hülf komme? Köntet ihr mir den tod
ankundigen / dass der mich gleich aus der zahl der lebendigen hinwegraffen wollte
/ so würde ich sagen /ihr håttet das einige und rechte hülfmittel gefunden.
Nicht so etwas grausames / (widerredte Ahalibama) soll diesen verwirrten handel
åndern / sondern es ist ein mittel vorhanden / dessen ich mich selbst bedienet /
meinem Elieser die ewige geschworne treue zu halten. Die Konigin richtete / ganz
verwundert / ihre tränende augen auf die Prinzessin / als sie so frömde dinge
fürbrachte / und sagte: wollet ihr mir rahten /den Marsius zu ehlichen / und den
Cimber dabei zu lieben / gleich wie eure ehe mit dem Esau euch nicht hinterlich
ist / die gedåchtnis eures Eliesers dabei stäts zu behalten? E. Maj. mussen
(widerholete Ahalibama) mit dem König von Basan sich also vermålen lassen / wie
ich mit dem Esau verehlichet bin. Ach Ahalibama! (fiele ihr die Königin in die
rede) spottet man meiner noch also / zu meinem unglucke? Ich weiss / dass ich den
Marsius werde ehlichen mussen; ich will aber / von der stund an / aufhören / den
Tuscus Sicanus zu lieben: wie ich es mir dann schon tief zu gewissen ziehe / dass
ich / nach meiner getanen erklårung / diesem unglückseligen noch so hold zu
sein / in mir entfinden muss.
    Wollen E. Maj. mich gedultig anhören / (antwortete Ahalibama) so will ich
mich recht erklären / wie meine reden müssen verstanden werden. Die Konigin
schwiege hierzu stille / und bezeugte damit / wie ihr nicht entgegen wåre / dass
Ahalibama sich deutlicher eroffnete: die dann / auf der Konigin bette fur ihr
sich nieder lassend / also zu reden fortfuhre. E. Maj. müssen es mir fur keine
unvertraulichkeit ausdeuten /dass ich mit deme / was ich iezt offenbaren will /
bisher so verschwiegen gewesen. Die ümstånde haben es nicht anders erleiden
wollen / und ich musste sorgen /das E. Maj. mich daran hätten verhintern wollen
wessen ich hierinn mich unterfangen. Ich bin nicht des Fursten von Edom gemalin
/ wie alle welt vermeint /sondern allein zum scheine mit ihm getrauet worden
/gleich wie ehedessen in Kitim die Roma sich des Tuscus Sicanus gemalin
genennet. Dieses mittel fiele mir ein / als meine eltern in mich so häftig
drungen / den Esau zu ehlichen / und dadurch in Seir frieden zu verschaffen. Ich
wagete es demnach / als Esau das leztemal / nach der eroberung von Damasco / in
die stadt kame / und offenbarete ihm ganz freimütig meine gedanken / wie es mir
nåmlich unmüglich fiele / des Eliesers zu vergessen / und er sich und mich
unglücklich machen würde / wann er darauf bestehen wollte /mit mir / die ich ihme
von meinen eltern gegeben worden / verehlicht zu werden. Demnach mochte er / um
dem zwischen ihme und den Fürsten von Seir aufgerichteten friedenschluss ein
genügen zu tun / damit zu frieden sein / dass ich vor den leuten seine fraue
hiesse / in der tat aber dieselbe nicht wurde / sondern meinen jetzigen stand
immerdar bei ihm behalten dörfte.
    Er horte / mit so grosser verwunderung / als dabei herfürscheinender
vergnügung / diesen meinen vortrag an / und gabe mir dieses zur antwort: Nun
sehe ich /werte Prinzessin! wie der himmel es nicht haben wolle / dass ich soll
der eure werden: massen er alles dazwischen schicket / was dieser meiner liebe
muss entgegen stehen. Zudem ende habe ich auch müssen eure base / die Furstin
Ahalibama / die Nefe Zibeons /auf dem gebirge Seir zu sehen bekommen: die mich
liebt / und meine gegenliebe schon besitzen würde /wan ich diese eure erklärung
dass ihr mich unmüglich lieben konnet / hätte erfahren mögen. Weil ihr dann /den
todten Elieser / dem lebenden Esau vorziehet / so gönnet mir / dass ich die
andere Ahalibama an statt euer lieben dorfe / und seit mir beförderlich / dass ich
dieser ihre huld beständig behalten moge. E. Maj. konnen gedenken / wie mich
dieser vortrag des Esau vergnuget. Ich will mich aber hier nicht aufhalten /alles
weitlåufig zu erzählen / was nachdeme zwischen uns furgegangen: weil E. Maj.
gemüte iezt nicht also beschaffen ist / dergleichen sachen zu beachten. Ich will
nur sagen / dass wir sofort zu Aroer diese unsere schein-hochzeit / üm meine
verwandten zu vergnugen / fur sich gehen lassen / und dass ich darauf angefangen
/ ihme durch schreiben an meine base / die andere Ahalibama / zu dienen / und
deren gegenliebe / als welche sich bei ihr verringert / wie sie erfahren / dass
er mich geheuratet / fur ihn zu erlangen. Es hat aber dieses ihme nachgehends
viel saure muhe gekostet /und fand ich ihn neulich zu Auzora deshalben fast
ganz verzweifelt: da ich ihme dann / nach moglichkeit /mit trost zugesprochen.
Und weil ich wusste / wo seine Ahalibama sich befande / und dass sie gegen ihme
bässer gesinnet wäre / als er vermutet / verursachte ich / durch die nachricht /
die ich ihm hiervon gabe / dass er die reise nach dem hiesigen Taurischen gebirge
übernommen: daselbst er / an den Armenischen gränzen / bei dieser schönen sich
iezt befinden soll. Nun finde ich / dieses mein fürbild an E. Maj. zu bringen
/ganz keine schwerigkeit / und bin versichert / dass der König von Basan nicht
mindere grosmut / als der Fürst von Edom / hiebei erweisen werde / wan E. Maj.
ihme dergleichen fürtrag tun wollen.
    Ach Ahalibama! (sagte die Konigin) wan mein gemüte iezt tüchtig wäre / auser
betrachtung meines leidens / etwas zubewunderen / so würdet wohl ihr es sein / da
ihr mir solche frömde dinge von eurem zustand erzählt. Aber wie wenig ist doch
solches fåhig / mir zum troste zu dienen / da ich nicht absehen kann /dass ich /
eurem beispiele zu folgen / das vermögen habe. Warum aber nicht / allerliebste
Königin! (fragte Ahalibama) was sollte wohl hier können im wege stehen? Ich sihe
ja nichtes / das diesen handel sollte schwer machen / auser dem mittel / wie man
dieses dem König von Basan kund tun möge. Doch wird sich auch solches leicht
finden / wann E. Maj. darbei beharren / den Marsius / vor der angesezten trauung
/allein zu sprechen: welches Sesai nicht versagen wird. Es hat auch dieser Konig
sich viel zu tugendhaft und edelmütig in seinem ganzen leben erwiesen / als dass
er E. Maj. diese bitte versagen / und nicht dahin trachten sollte / dem König von
Syrien das leben zu retten / und die grosse Aramena von einem unleidlichen zwang
zu erlösen / der ihme ja schon iezt / wie unsere feinde selbst gestehen müssen /
als der tod zuwider ist.
    Was einem angenem ist / (sagte Aramena) das nimmet man gerne an. Ich wollte
mir wohl die süsse hoffnung machen / und dieses für tunlich achten / wan nicht
sofort vielerhand ümstände diese anglimmende hoffnung wieder in die asche
legten. Marsius weiss bereits meine erklärung: meint  ihr nun wohl / dass er
solchen widerwillen gegen dem Sesai / wie bisher / noch hegen werde / da er mit
so grosser häftigkeit liebt /dass ihn solches auch fast gar sein selbst hat
vergessen gemacht? Ach nein / Ahalibama! ein verzweifelter liebhaber wird eine
so gute gelegenheit nicht leicht verscherzen / die ihme nur einmal wiederfahren
kann. Ware nicht schon damals (widerredte die Ahalibama) eine solche gelegenheit
vorhanden / wie der grosse Marsius in Damasco / als überwinder / sich befande
/und alle Syrer an der hand hatte / E. Maj. mit gutem fuge zu begehren? aber er
liesse sich krank aus Syrien füren / um E. Maj. nicht zu betruben / und zeigte
damit satsam an / dass er / der grossen Aramena vergnugung / der seinigen weit
vorzoge. Worinn hat Marsius inzwischen sich geåndert? erweiset er sich iezt
nicht eben also / da er / dem Tuscus Sicanus seine glückseligkeit zu gonnen /
sich von allen den seinen entfernet / und lieber sterben / als E. Maj.
vergnügung zerstoren wollen. Ist es aber nicht sündlich / (fragte die Königin)
offentlich ein gelübde tun / das man nicht zu halten gewillet ist? Auser
dringender noht /(antwortete Ahalibama) halte ich es selbst fur unrecht: wann es
aber die beståndigkeit eines gelübdes / wie bei meinem bruder und E. Maj.
schwester / oder die befåstigung eines nützlichen friedens / wie bei dem Esau
und mir / oder die erhaltung von eines grossen Königs leben / wie hier / zu wege
bringen soll / vermeine ich nicht / dass es werde zu tadeln sein.
    Der Fürst von Edom (fuhre die Königin fort) konnte wohl einem todten mitbuler
dieses zu gefallen tun: aber hier ist ein lebendiger. Desto mehr grosmut
(antwortete Ahalibama) kann Marsius erweisen / wann er sich nichts destoweniger
überwindet. Wie lang aber (fragte Aramena ferner / deren dieses allgemach
begunte tunlich furzukommen) musste dieser betrug wären? Långer nicht /
(versezte Ahalibama) als bis man den Konig von Syrien aus des Sesai händen
errettet hätte. Was wird aber (ware abermals der Königin frage) der arme Cimber
hiervon gedenken? Was gedenket er nun / (sagte Ahalibama) wan ihme seiner
Aramena Entschliessung ist fur ohren gekommen? Ach Ahalibama! (antwortete die
Konigin / und hube bitter an zu weinen) ich sorge vieleicht dieserwegen ümsonst
/ und bin eher befuget / von dieses Konigs ausenbleiben alles widrige zu
urteilen: zumal auch alle /die man nach ihm abgeschicket / von dem gebirge nicht
wiederkommen. Der Chersis / so ihn aus des Teraphim tempel geleitet / lässt sich
noch nit sehen; Mitreus / will sich nicht wider einstellen; und der Husan hat /
von seiner überkunst / noch nichtes zurück entboten. Vieleicht will Cimber von
neuem einen bässern freund als liebhaber abgeben / und lebet daher so eingezogen
/ üm durch seine gegenwart dem Marsius nichtes zu verderben? E. Maj. fassen
nicht solche einbildungen / (gabe Ahalibama zur antwort /) von diesem treuen
liebhaber! hat er einmal gefehlet / wiewol die eigentliche umstände uns noch
verborgen sind / so wird er solches nicht ofter begehen. Und wer weiss / wie es
üm dieses ausenbleiden bewandt ist? Etwan ist er / für traurigkeit über diesem
zufall /schwerlich erkranket? oder er wird / von des Marsius anwesenden
schwestern / und den Celten / angehalten / dass er dieses Königs glückseligkeit
alhier nicht hintern moge?
    Es kann alles also sein / (versezte Aramena) wie ihr saget. Aber / ob ihr
mich schon beredet / dieses lezte hülfmittel zu versuchen / so vermag ich doch
solches /ohne vorwissen meines Cimbers / nicht anzusahn. Ich bin auch dieser
Meinung: (gabe Ahalibama zur antwort) aber es kann ihme so fort geschrieben
werden. Wie kann ich / (sagte die Königin) da mich der schwulst von der
entfangenen wunde hintert / den schreibgriffel zu füren. So will dann ich solches
verrichten! (versezte Ahalibama) und ist damit keinen augenblick zu verweilen:
massen wir nicht wissen können / was dieser verzweifelte liebhaber etwan
anstellen mochte. Wan aber Marsius nicht wollte /(wandte die Königin ein) was
nuzte es diesem armseligen / dass man ihm vergebliche hoffnung gemachet? Mich
dunket (antwortete Ahalibama) ich sei seiner einwilligung ganz gewiss versichert:
und dörfte ich es ihm nur anbringen / ich weiss / dass ich ihn gleich bereden
wurde. Wolte Gott! (sagte die Königin) dass Ahalibama meine stelle hierbei
vertreten musse! dann ich befinde mich viel zu furchtsam / dem König Marsius
einen solchen frömden furtrag zu tun. Der Aramena stäts-erwiesener helden-muht
/ (gabe Ahalibama zur antwort) wird ja nun nicht unterligen / da er eine so
herrliche liebes-probe erweisen kann. Gnädigste Königin! was geschehen soll / das
muss so fort fürgenommen werden: damit nicht Tuscus Sicanus von iemanden eher /
als von uns / erfahre / was E. Maj. heut fur eine erklärung von sich gegeben.
Ich ersuchte zu dem ende den Batto / diese nacht mit seinen volkern noch hier zu
bleiben: damit ihr Konig nicht sofort die nachricht erlangen möchte / wie es
hier zustehet. Wie sorget ihr doch / liebste freundin! (antwortete die Konigin)
für meine wolfart / und richtet mein niedergeschlagenes herz wieder auf / das
bereits alle hoffnung hatte sterben lassen / und nichtes / als den tod /fur sich
mehr ubrig sah. Der himmel wird mein fürnemen segnen: (erwiederte Ahalibama)
dann es ja unmüglich ist / dass dessen gerechtigkeit diesem unrechtfårtigen wesen
in die länge zusehen könne. Als sie diss gesaget / holete sie ein tåfelein aus
der Konigin schreibzeug / und sezte sich an den tisch / da sie folgende zeilen
abfassete.
 Schreiben der Ahalibama von Seir / an den Tuscus Sicanus Konig der Aborigener.
So kuhn ich mich erweise / diese zeilen an einen grossen Konig zu schicken / so
leichtlich hoffe ich dafür vergebung zu erlangen / wann E. Maj erwägen werden /
dass dieses auf befehl dero liebsten Königin geschihet: die ihren zustand selbst
nicht berichten kann /weil sie bei neulichen stürmen einen zufall an der hand
bekommen / der ihr das schreiben verwehret. Dieser wegen muss ich E. Maj. sagen /
dass sich die Konigin niemals in einem erbärmlichern zustand befunden / als wie
sie sich genötigt gesehen / ihrem liebsten bruder das leben zu retten / und
darüm so wohl dem grausamen Sesai / als denen bei ihr sich aufhaltenden Königen
versprechen mussen / dem Konig von Basan / innerhalb dreier tage / die eheliche
hand zu geben. Ich weiss / wie dieses den grossen Tuscus Sicanus befromden wird.
Doch werden sie davon auch gross freude schöpfen / wann E. Maj. vernemen werden /
dass dieses eben das mittel sein soll / dem Cimber seine Aramena zu lassen:
massen die Königin von Mesopotamien entschlossen ist / auf keine andere weise
dem Marsius die ehliche hand zu geben / als wie es der Aborigener Konig / E.
Maj. bruder / und die Prinzessin Roma gemacht haben; ja wie ich selbst / neben
dem grossen Edom / zum lebendigen beispiel dienen kann / da wir zum schein
getrauet sind und er mir gönnet / meinen verstorbenen Elieser bis in mein grab
zu betrauren. Dieses mein geheimnis entdecke ich zu dem ende / damit E. Maj
desto eher glauben mögen / wie tunlich das sei / wessen ihre Königin sich
unternemen will: üm sowol des Cimbers alten freund / den liebsten Abimelech / zu
retten / als auch ihme selber beständig zu bleiben. Es bittet die Königin / dass
E. Maj. solches von ihr sicherlich glauben /und daran sich nicht wollen irren
lassen / dass sie diese schein-untreu erweisen muss: da sie bei dem höchsten Gott
schwöret / dass es bei der erklärung bleiben soll / die sie dem grossen Tuscus
Sicanus jungstin bei des Teraphim tempel gegeben hat.
                                                     Ahalibama Fürstin von Seir.
    Es wurde dieser Prinzessin so wunderlich zu sinne / als sie diesen brief
vollendet / dass sie selbst nicht wusste / wie ihr geschahe. Sie brachte ihn der
Königin für das bette / die ihn selbst durchlase / und nichts dabei zu erinnern
fand / als nur dieses / woher sie wüste / dass der Roma ihr Tuscus Sicanus / der
bruder ihres Cimbers gewesen wåre? Ahalibama erzehlte ihr hierauf / was ihr
vorigen abends der Batto hiervon berichtet hatte. Wie es nun zur frage kame /
wer das schreiben überbringen sollte / befanden sie keinen hierzu tüchtiger / als
den Fürsten von Cale / den treuen Arsas. Dieser wurde nun / um mitternacht / in
der Konigin zelt beruffen: da sie ihm das schreiben zustellte / mit notigem
unterricht / was er darneben / so wohl dem Aborigener-König / als den andren /
sagen sollte. Weil dem Arsas niemand an treu und fleiss vorginge / als saumte er
keinen augenblick / sich zu dieser reise färtig zu machen / und begabe sich
sofort nach mitternacht auf den weg / nur von etlichen seinen dienern / auch
einer wacht von etlichen und zwanzig Syrern / üm sicher durchzukommen /
begleitet. Weil er einen alten knecht bei sich hatte / der von jugend auf in
seinem hause auferzogen worden / und also die treue mit seines herrn brod in
sich geessen hatte / musste der ihn mit gespråchen unterhalten / um den verdrus
des nachtreisens (welches zwar / bei damaligen kurzen nåchten / nicht lang
wårete) zu kürzen.
    Er kame / unter andern / auf die nun eine geraume zeit her an seiner gemalin
verspürte traurigkeit zu reden / und beklagte / dass er nichts in der welt
ersinnen künte / so da fåhig wäre / seiner Casbiane die betrübnis zu benemen.
Ich weiss wohl / (sagte dieser alte) was der Fürstin von Cale anligen verursachet:
es ist aber nicht nutze / dass mein herr kentnis hiervon erlange / weil unbekannte
dinge uns am wenigsten quålen. Mir wird diese wissenschaft (antwortete Arsas)
keine grossere unruhe bringen können / als ich bereits in mir entfinde / da ich
diese betrübnis muss täglich fur augen sehen: drum verhele mir nicht / was dir
hiervon kündig ist. Ich habe bereits zu viel gesaget / (gabe der alte zur
antwort) und håtte wohl vermuten sollen / dass man mich von fernerer entdeckung
nicht frei lassen werde. Ich will aber dem befehl gern gehorsamen / iedoch dabei
bitten / dass man sich / nach als vor / der unwissenheit bedienen / und der
Fürstin nie zu erkennen geben wolle / wie man von ihren geheimnisen nachricht
habe. Der begierige Arsas versprache solches zu tun / und hörete darauf seinem
diener zu /der also zu erzählen begunte. Als die jetzige Konigin von Ninive /
unter Disons namen / in Canaan lebte /und für einen ritter der Prinzessin von
Seir von aller welt angesehen wurde / bezauberte dieses holdseligen junglings
schönheit die Casbiane dermassen / dass sie nicht allein ihn anhube zu lieben /
sondern auch / wie das Glück ihr diesen ritter zu Damasco / bei der Konigin
Aramena einzug / in ihre behausung brachte / von ihren begierden dermassen
gemeistert wurde / dass sie sich zu dieser verkleidten ins bette legte / aber
gleich damals durch meines Fürsten wieder-ankunft von Salem ubereilet und also
angetroffen wurde.
    Was verneme ich? (fiele alhier der wundrende Arsas dem alten in die rede)
ware das die Königin von Ninive / die ich bei meiner gemalin im bette
angetroffen / und die sich gleich darauf aus unsrem hause wieder verloren /
unter dem vorwand / dass ihre verwandten sie hätten abholen lassen? Es ist also
/wie ich sage: fuhre der alte fort. Es entstunde aber hiernächst eine so häftige
reue in der guten Fürstin ihrem gemüte / dass / ob sie gleich hernach / auf
entdeckung der Aramena / ruhiger werden sollen / sie dennoch fortfuhre / uns zu
beweinen / dass sie sich also verleiten lassen / und ihren lüsten nicht stårker
widerstanden. In solcher traurigkeit verharret sie nun noch / und lässet /
sobald sie allein sein kann / ihr anligen aus / ruffet auch unaufhorlich den
himmel an /dass der ihr diss verbrechen verzeihen wolle. Sie hat aber sonst gegen
keinem menschen sich hierüber ausgelassen / als gegen der Königin von Ninive /
mit der dieser handel fürgegangen / wie auch gegen der Prinzessin Jaelinde von
Salem / und meiner frauen / welche ihre amme gewesen / und von ihr als eine
mutter geliebt wird. Von dieser lezten habe ich dieses alles /und kann mir die
nicht gnugsam beschreiben / was für qual diese reuende Fürstin in sich
entfindet: daher der grosmütige Arsas unrecht tun würde / wann er / nach dieser
kentnis / anders als vordem / mit seiner gemalin verfahren wollte.
    Der Fürst von Cale wurde ganz still / als der alte hiemit seine rede geendet
/ und uberdachte lang diese begebenheit / ehe er etwas dazu sagte. Es musste aber
solches eine sonderbare verwirrung in ihm erwecken /da er / zu einer zeit /
seine gemalin / schuldig und unschuldig / auch voll solcher schmerzlicher reue /
vernommen: wobei aber in ihm das erbarmen die antung weit überwoge / weil hiebei
seine ehre nicht war verletzet worden / und er nun die jenige / die ihn solcher
gestalt beleidigen wollen / so reuig wusste. Er entdeckte auch endlich seine
gedanken diesem seinen treuen diener: der nicht unterliesse / ihn in so gutem
fürnemen gegen seine gemalin zu stärken. Der morgen brache heran / als sie noch
in solcher unterredung begriffen waren. Weil nun das taglicht dem Arsas
behülflich war / geschwinder als bei nacht fort zu reisen / als wandte er
solchen fleiss an / dass er / noch vormittags /den ort des gebirges erreichte / wo
der Tuscus Sicanus mit den andren Konigen sich befande. Wenig stunden vor seiner
ankunft / hatte sich der riese Gelanor auch wieder alda eingefunden / und
berichtet / wie es auf des Sesai bergschlosse zustunde: worüber zu ratschlagen
sie alle noch in des Baleus gezelt beisammen waren / wie Arsas bei dem Tuscus
Sicanus sich anmelden liesse.
    Dieser ware nicht bei den andern im rahte / weil seine Aboriginer diesen tag
über solchen fleiss bei ihm angewandt hatten / dass / ungeacht der Königin
Hercinde zuredens / und seiner selbst-eignen bisher-gehabten meigung / die
Konigin von Mesopotamien dem grossen Marsius zu überlassen / und die Ahalibama
beståndig zu lieben / er schlüssig worden ware /die huld der schonsten Königin
der welt anzunemen /und mit seinen Aborigenern / ohne der andern wissen /
ungeseumt nach der Aramena lager zu eilen / und dieselbe / durch entfürung / von
dem zwange zu erlösen / den ihr des Sesai grausamkeit antun wollte. Mit diesen
gedanken ginge er eben üm / und war gesonnen / solche dem Husan / der bisher bei
ihnen aufgehalten worden / zu eröffnen / als er des Arsas da-sein vername:
dessen gewerbe er dann leicht erraten konnte / dass es nämlich eine eröffnung von
der Konigin erklärung sein wurde / welche der Gelanor ihnen bereits kund gemacht
hatte.
    Wie er nun diesen abgesandten zu sich kommen lassen / liesse der / in das
königliche gezelt eintretend /eine grosse besturzung von sich blicken: weil er
den Cimber / den er in Syrien so oft gesehen / daselbst nicht fand. Jedoch /
auf des Baldons antrieb / der ihn hinein gefuret / trate er fort / und
vermeldete dem Konig / nach abgelegter gebräuchlicher verehrung /dass er zwar /
an den Tuscus Sicanus / ein schreiben von der Prinzessin Ahalibama mitgebracht
hätte /aber solches an den Cimber gerichtet achte / der sich vordem in Syrien
bei ihm håtte aufgehalten. Wie /mein Fürst! (fragte Tuscus Sicanus / ganz
begierig /ja schier aus sich selber) bringt ihr mir ein schreiben von der
unvergleichlichen Ahalibama? haltet mich doch nicht auf / dessen inhalt zu
erfahren. Hiemit name er dem Arsas / der bei sich anstunde / ob er das tåfelein
diss orts von sich geben sollte / dasselbe aus den hånden / und es eiligst
erbrechend / furete er es etliche male zum munde / wie er die schrift seiner
ehmals-geliebten Prinzessin erkannte. Er täte fast gegen seinem willen also /
und folgete den ersten bewegungen / die ihn seines furnemens / sein herz von der
Ahalibama ab- und zu der Aramena zu lenken / vergessen machte.
    Er lase hierauf / hochstbegierig zu vernemen / was ihm die Ahalibama sagen
wollte / und geriete in unbeschreibliche freud-enzückung / als er lase / dass sie
an dem Edom nicht recht getrauet wäre / und dieser ihr gönnte / ihren
verstorbenen Elieser bis in ihr grab zu lieben. Er wusste nicht / wie ihm hiebei
geschahe / und musste etliche mal diese zeilen lesen / ehe er glauben konnte / dass
er recht gelesen hätte. Er vermochte auch /für freude über dieser eroffnung /
die er nimmermehr vermuten dörfen / so fort auch die andere puncten nicht zu
begreifen / die in diesem brief entalten waren: massen er sein nachsinnen einig
und allein auf diese wieder erlangte gluckseligkeit verlegte / die ihn auch von
der erst-gefassten Entschliessung / sich der Konigin von Mesopotamien zu ergeben
/ gånzlich wieder ableitete / und zu seiner Ahalibama fürete. Ist es wohl muglich
/ Fürst von Cale! (sagte er zu dem Arsas /) dass Ahalibama mir die warheit meldet
/ und dass ihre heurat mit dem Esau nur zum scheine und nicht in der tat
volzogen worden? Arsas / der hiervon keine wissenschaft hatte / bliebe darob ja
so verwundert / als über dem vorigen bezeigen / so er an dem Tuscus Sicanus
hatte wargenommen / und vergasse schier daruber alles / was er dabei mündlich
anzubringen hatte: weil er aus allen umständen merkte /dass man ihn hätte an den
unrechten abgeschicket.
    Weil er nun deshalben mit der antwort verzoge / als lase der begierige Konig
das schreiben zu ende / und von der versicherung vernemend / die er in des
Teraphim tempel von der Königin von Mesopotamien sollte entfangen haben / finge
er an / die augen recht aufzutun / und einen irrtum hierunter zu vermuten.
Hierauf nochmals das ganze schreiben mit bedacht durchsehend / bewunderte er
nicht allein / dass seine Ahalibama diejenige war / die ihm zu erlangung der
Aramena verhelfen wollte / sondern er fand auch die irrung / und dass er dieser
geliebter Cimber nicht sein müste. Edler Arsas! (sagte er demnach zu diesem
Fursten) ihr werdet mir die dunkle worte dieses schreibens erklåren / die ich
nicht recht begreifen noch verstehen kann. Mich wundert nicht / (antwortete
Arsas) dass E. Maj. der inhalt dieses briefes dunkel furkommet: massen ich gleich
anfangs erwehnet / dass man mich an den jenigen Cimber abgeschicket / der zu
Damasco / als ein freund des damals so-genanten Abimelech / sich aufgehalten /
und von deme man bei uns geglaubet / wiedass er der König der Aborigener wäre.
    O gütiger himmel! (riefe Tuscus Sicanus / den Arsas nicht fortreden lassend)
wie wunderbar wicklet sich nun dieses rätsel auseinander! nun erkenne und
begreiffe ich alles. Der Konig von Basan / der grosse Marsius / ist dieser
geliebter Cimber / der in Damasco gelebet: und sehe ich ganz klar / wie der
irrtum / indeme man diesen Cimber für den Aborigener Konig gehalten / zu wege
gebracht / dass der Mitreus / in gesandschaft / auf dem Riphatischen gebirge mir
die Königin Aramena antragen mussen / und dass diese schone / in Meinung / sie
tue alles für ihren liebsten Cimber / bisher unwissend gegen ihrer eignen liebe
gestrebet / und mir das zugeeignet / was sie allein dem grossen Marsius zugedacht
hatte. Nicht ich / sondern eben dieser Konig ist bei ihr im tempel des Teraphim
gewesen: und da sie ihm die erklärung gegeben /dass sie dem Tuscus Sicanus wolle
bis in den tod getreu verbleiben / hat sie damit nicht mich / sondern den
Marsius verstanden / aber damit bei diesem unvergleichlichen liebhaber / der es
aufgenommen / wie es gelautet / zu wege gebracht / dass er in eine onmacht / ja
schier gar in den tod gesturzet / das doch zu erhaltung seines lebens angesehen
gewesen.
    Der getreue Arsas / hörte alle diese reden des Tuscus Sicanus schier aus
sich selber an / und nun ja so deutlich / als er / erkennend / was hierbei die
irrung des namens gewirket / wäre er schier fur freuden gestorben / dass er die
qual seiner Konigin dergestalt sollte geendet sehen. Er verlangte auch gleich
wieder abzureisen / um der beängstigten Aramena dieses anzukunden. Aber Tuscus
Sicanus hielte ihn auf / und nun ganz freudig ihn bei der hand nemend / ginge er
mit ihm nach des Königs von Babel gezelt / bei dem er die Hercinde / den Hiarbas
/ die Mirina / auch alle vorneme Celten und riesen / beisammen antraffe. Baleus
erkannte sofort den Arsas / und eilte deshalben ihm entgegen / ihn zu begrüssen.
Wie sie auch alle /die ungewönliche munterkeit an dem Tuscus Sicanus erkannten /
wurden sie begierig / die ursach davon zu vernemen / die dann dieser erfreute
König sofort ihnen kund täte / und sagte: Dieser Fürst ist der
glücks-botschafter / der alle die verwirrungen aufheben kann /in denen wir bisher
gelebet / und vermeine ich nicht /dass ich euch allerseits grössere freude werde
erwecken können / als wan ich euch sage / dass die Konigin von Mesopotamien den
grossen Marsius liebt / und dass die Ahalibama in solchem zustande sich befindet
/dass ich ihre erlangung hoffen kann.
    Was das erste betrifft / (antwortete Baleus) so hat Gelanor hierzugegen uns
schon davon berichtet: wiewol man den zwang / den die Konigin von Mesopotamien
ihr dieserwegen antut / keine liebe nennen kann /und soll auch der grosse Marsius
nicht zu trösten sein /um dass er seiner Aramena diese qual verursachen muss. Dass
aber der Furst von Edom gestorben / wie hieraus folgen muss / weil Ahalibama sich
anders nicht frei sehen kann: solches ist eine zeitung / davon man hier noch
nichtes vernommen hat. Weder des Sesai zwang / (gabe Tuscus Sicanus zur antwort)
noch des grossen Edoms tod / richtet des Königs von Basan und meine hoffnung auf
/ sondern diese erwunschte zeitung / dass Aramena / aus irrtum / mich an statt
ihres liebsten Cimbers geliebt / und Ahalibama / mir getreu zu bleiben / eine
schein-heurat mit dem Esau / üm den frieden mit Seir zu bestätigen / getroffen
hat. So freud-bestürzt dieser bericht sie allesamt im gezelt machte / so sehr
befrömdete den Arsas / was Tuscus Sicanus von der Ahalibama erwehnet: der dann
folgends noch höher erfreut wurde / als er überdas vername / dass eben dieser
Tuscus Sicanus der Prinz Elieser wäre. Er musste hierauf den anwesenden dasjenige
bekråftigen / was ihnen iezt der Aborigener-Konig gesagt hatte: das dann des
Marsius beide schwestern / wie auch den Suevus / Trebetes und alle anwesende
Celten / in so unermessliche freuden sezte /dass sie nicht wussten / wie sie ihre
vergnügung recht an den tag geben sollten.
    Sie gingen sofort zu raht / was nach dieser kentnis vorzunemen wäre / und
wurden schlüssig / sich nach dem bergschlosse zu erheben / und den verliebten
Marsius aus seiner qual zu setzen. Und ob wohl des Tuscus Sicanus verlangen
unbeschreiblich gros war /sich seiner Ahalibama lebendig zu zeigen / so folgte
er doch dem willen und gutbefinden der andern: die an ihn begehrten / dass er
sich noch die wenige zeit gedulten / und mit ihnen vorher nach dem Sesai gehen
mochte / üm dadurch / wie sie es fürhatten / die wahre liebe der schonen Aramena
noch bässer zu erkennen /und dem verliebten Marsius diese vergnügung zu gonnen /
dass er selbst aus seiner schonen eignem mund seine glückseligkeit vernemen
mochte. Demnach stellten sie es also an / dass Mitreus / Husan und Arsas / die
zwar ihre abfårtigung sehr verlangten / bei ihnen bleiben sollten / und
verordneten / dass die Aborigener / (deren häubtern man hiervon heimlich teil
gegeben / nun wohl zu frieden waren / dass ihr König den Marsius die Aramena
überliesse / weil er seine Ahalibama wieder erlanget /) unter anfürung des
Baldons / eines ihrer kriegs-obersten / nach dem lager gehen sollten / als wan
sie der Königin Aramena zu hulfe geschicket würden. In dieser geleitschaft /
gingen die konigliche personen / auch der Suevus und Trebetes selber / wiewol
ganz heimlich / mit fort: und stiessen sie unterwegs auf dem Batto und sein heer
/mit welchem sie / gegen den spaten abend / so nahe an das lager gelangten / dass
Baldon seine ankunft der Konigin von Mesopotamien noch konnte wisslich machen /
welche / ihres treuen Cimbers andenken daraus abnemend / ihr diesen bericht sehr
wohl gefallen liesse /und nun auch des Arsas wiederkunft augenblicklich erwartete.
    Aber keine solche ruhe / als Aramena uber dieser vorsorge des
Aborigener-Königs in sich entfande /hatten auch die andere Könige im lager / wie
ihnen diese ankunft der Aborigener zu ohren kame: massen sie besorgten / Tuscus
Sicanus würde der befreiung des Aramenes / und der vorstehenden vertrauung der
Aramena mit dem König von Basan / eine hinternis bringen wollen. Wie dann dieses
ihnen anlass gabe /noch in der nacht raht zu halten / und ihre völker zusammen zu
ziehen / um den Aborigenern zu wehren /wenn sie etwas beginnen wollten. Diese
waren aber viel anders gesinnet / und wie sie nun in dem gebirge post gefasset /
machte sich Gelanor / der die Könige mitgebracht / bei dunkler nachtzeit auf den
weg / üm uber den verborgenen steig auf die burg zu gehen /und dem Sesai der
Konige ankunft zu vermelden. Weil die im lager nicht mehr so genaue wacht
hielten / da es auch fast keiner belågerung mehr gleich sah /als kame Gelanor
sonder muhe hindurch / und fand auf dem schloss alles in lärmen: weil Sesai
nachricht erhalten hatte / dass die Aborigener mit einer starken heeresmacht in
anzug wåren. Seine sorge war / dass solches auf eine entfurung der Königin
Aramena wurde angesehen sein: weswegen er eben den Rekem ins lager abschicken
wollen / üm alda anzukundigen /dass / wan Aramena / wider ihre getane zusage /
die flucht nach dem Tuscus Sicanus erkiesen wollte / alsdan sofort die
hinrichtung des Aramenes geschehen sollte.
    Aber Gelanor hintertriebe dieses vorhaben / indem er die zeitung brachte /
wie glücklich sich alle sachen verändert / und wie die Konige auf die burg
begehrten / üm diesem ganzen handel ein gewunschtes ende zu geben. Weil Sesai
ursach zu haben vermeinte / auf alles mistrauisch zu sein / als wollte er lange
nicht daran / dass die Könige / und sonderlich Tuscus Sicanus / zu ihm auf die
burg kommen sollten. Endlich aber / sich auf seine macht / die er auf dem schloss
hatte / verlassend / bewilligte er / dass Baleus / Hercinde / Hiarbas / Mirina /
Tuscus Sicanus / Suevus und Trebetes / mit wenig dienern / zu ihme hinauf kommen
möchten: und schwebete er zwischen furcht und hoffnung / ob Gelanors bericht von
dieser glücklichen ånderung wahr sein mochte. Mitlerweile nun dieser riese
wieder den felsen hinab ginge / um die konigliche personen hinauf zu füren /
ermanete Sesai seine bei sich habende Enakim zur beständigkeit / und dass sie
treulich bei ihme stehen mochten / üm dieses werk / so dem grossen Marsius sollte
das leben erhalten / wohl hinaus zu furen: welches sie ihm alle einhällig
verhiessen.
    Die Könige und Fursten / fanden sich / sonder von jemand im lager gesehen zu
werden / auf dem schloss ein / und wurden von dem beherzten Sesai wohl entfangen /
auch / auf ihr begehren / gleich zu dem Marsius in die kammer / da er bisher
bewachet worden / hinein gefüret. Es ware niemand mit ihnen / als die drei
abgeschickte / der Mitreus / Husan unb Arsas / wie auch der Zameis / die Marpeis
und Simede / und der Midaspes: die dann in des Marsius zimmer mit eintraten /und
den fortgang dieses wunderhandels absehen wollten. Der betrubte Marsius lage /
wiewol in den kleidern / auf einem ruhbette / als diese unvermutete gesellschaft
ankame: und dünkte ihm / als ob ihm traumte / als er von dem Tuscus Sicanus /
der vor die andere aus gedrungen / sich umarmet sah. Sei wolgemut / mein
bruder! (riefe der Aborigener-Konig) ich gibe dir deine Aramena wieder / und soll
der treue Sesai nicht den dank allein davon haben / dass dir diese Konigin zu
teil werde / sondern ich will auch meine hülfe dabei erweisen. Ach Tuscus
Sicanus! (antwortete Marsius) Sesai ist mein årgster feind / den ich habe / und
kann er mir / so wenig als du / zu wege bringen / dass die grausame Aramena mich
liebe. Der grosse Cimber / (finge der erfreute Arsas hierauf an /der sofort / in
der person des Marsius / seiner Königin geliebten Cimber erkannte) urteile anders
von meiner Königin / die E. Maj. mit beständig-treuer liebe bis in den tod
ergeben verbleibet.
    Hiemit traten des Marsius beide schwestern / wie auch seine schwäger / hinzu
/ und bekråftigten ihm das jenige / was er iezt mit ungemeiner befromdung
vernommen hatte. Man wiese ihm ferner der Ahalibama schreiben / und brachte ihn
endlich dahin / dass er anheben musste / seine glückseligkeit zu glauben. Weil
sowol eine jähliche freude / als ein plotzlicher schrecken / leichtlich töden
kann / als truge der leibarzt Midaspes nicht unbillig sorge fur den grossen
Marsius /und zoge einen herrlichen balsam herfur / sich dessen hierbei zu
bedienen. Die meisten im zimmer vergossen hierüber freuden-tränen / und als Sesai
spurete / dass es so glücklich in der liebe seines Königs liefe / fiele er ihm zu
fusse / und beteuerte / dass er nun gerne sterben / ja den schmähligsten tod /
wegen seiner erwiesenen kunheit und ungehorsams / freudigst erleiden wollte / nun
er diese begebenheit erlebet hätte. So verwirrt der Konig Marsius noch ware / so
wohl erkannte er doch / bei allen diesen ümständen / dass es Sesai treulich mit ihm
gemeinet hatte: daher gabe er ihm die versicherung / dass / wan alles sich also
verhielte / wie man ihn iezt bereden wollte / seiner begangenen tat nicht mehr
sollte gedacht werden.
    Zweifelt ihr dann noch / mein bruder! (fragte ihn die Königin Hercinde) dass
eure Aramena euch liebe? Wie kann ich (antwortete der verliebte Marsius) ein
solches Glück hoffen / der ich meine lebtage bin unglücklich gewesen? hat nicht
Aramena mir selbst / zu zweien unterschiedenen malen / entdecket / dass sie den
Tuscus Sicanus lieben wolle? Weil sie (sagte der Aborigener-König) in der
einbildung lebte / ihr Cimber wåre Tuscus Sicanus / als liebte sie meinen namen
/aber dabei deine person. Hierauf musste Arsas berichten / woher es gekommen /
dass man bei ihnen in die gedanken geraten / den Cimber fur den Tuscus Sicanus zu
halten: weil man nämlich / unter des Cimbers sachen / dieses Konigs bildnis /
neben einem armband von der Königin Valentia / auch deren und der Hesperia
abbildungen / gefunden hatte. Dieses nun stärkte diesen verliebten in seiner
beglaubung / und verlangte er / um dessen volkommenen beweis zu haben / seinen
alten freund / den König Aramenes / zu sehen: da dann so fort der Sesai / mit dem
Husan und Mitreus /nach dessen gefängnis liefen / und ihn / vom schlaff
erweckend / ermaneten / nach dem Marsius zu kommen.
    Es kann nichts vergnugbarers zu sehen sein / als wie diese beide freunde
einander entfingen / und was sie für herzensfreude bezeugten / da sie erfuhren /
in was irrigem wahn sie bisher gestecket. Aramenes täte nichtes / als sich
höchlich entschüldigen / dass er seinen treuen Cimber in so bosem verdacht haben
können. Und wie er den Arsas erblickt / musste ihm der von seiner Colidiane
erzählen: deren angst dann zu stillen / er so fort verlangte / dass man im lager
diese glückliche änderung kund machen möchte; welches auch Tuscus Sicanus für
gut ansah. Aber der verliebte Marsius / so / nach gewonheit der wahren
verliebten / noch stäts das ärgste befahrete / wollte aus seiner Aramena an den
Sesai erteilten erklärung schliessen /dass sie nun anders sinnes gegen ihrem
Cimber müste worden sein: demnach beliebte er den vorschlag / den seine
schwester die Hercinde täte / dass man nåmlich des angesezten tags erwarten /
und aus der schonen Aramena eignem munde ihre rechte Meinung vernemen sollte / üm
durch so angenemen betrug ihrer aller freude desto vollkommener zu machen. Weil
dem Tuscus Sicanus hierbei einfiele / dass er / durch solchen betrug / die wahre
neigung seiner Ahalibama auch probiren konnte / als liesse er ihm diesen schluss
mit gefallen: und gabe er hierinn dem Marsius nichtes nach / seine håftige liebe
damit zu erweisen / indem er in ein- und anderem zu grublen anfinge / und viele
selbst-erdichtete mutmassungen seiner gluckseligkeit entgegen sezte / die ihm
sein gemute beunruhigen mussten.
    
    Es wurde heller tag / ehe diese konigliche gesellschaft aus des Marsius
zimmer ginge / und / üm etwas auszuruhen / voneinander schiede. Der Sesai
erlangte / auch bei dem Konig von Syrien / seine aussonung: worauf er
gleichfalls dem Prinzen Sinear / wie auch dem Demas / ihre freiheit wieder gabe.
Die anwesende Horiten / neben denen von Abagara / und des Teraphim priestere /
auch die richter aus Amida / sahen zwar ungern / dass der Chaldeische Prinz der
verhofften aussönung ihres gottes dergestalt entrinnen sollte: sie dorften aber
nichts dagegen sagen / weil sich nun alles geändert hatte / und mussten vielmehr
sorgen /wie sie sich selbst bei diesen umstånden erhalten konten. Die meiste
zeit dieses tages / wurde mit schlaffen / oder wenigst mit innhaltung in den
gemächern / geendet: da dann Marsius / Aramenes / Tuscus Sicanus und Sinear /
wegen häftigen verlangens nach ihren geliebten / in so unruhig- als vergnugten
gedanken ihre stunden zubrachten. Aber der wachsame Sesai ordnete immittels
alles an / wie es den folgenden tag sollte gehalten werden / und liesse / unten am
berge / verschiedene gezelte aufschlagen / wo die unterredung der Konigin von
Mesopotamien mit dem Marsius / worüm sie nochmals anhalten lassen / und folgends
deren vertrauung / geschehen sollte. Mit todesangst / vername diese schone solche
zurustungen /und harrete von einer stunde zur andern / wan der Arsas
wiederkommen würde. Weil Colidiane sie keinen augenblick verliesse / als ware sie
auch der vergnügung beraubet / von ihrem anligen öffentlich zu reden: und sah
sie nur zu zeiten die Ahalibama an /die durch ihr kopfwinken zu verstehen gabe /
dass sie von des Arsas rükkunft noch nichts wüste.
    Unter solchem vergeblichem harren / brache die nacht wieder herein: da erst
/ bei dieser treuen liebhaberin / die rechte angst sich einstellte / wan sie
bedachte / was ihr morgen vorstunde. Tausendmal wurde sie schlüssig / zu den
Aborigenern über zu gehen. Doch ånderte sie diese Meinung bald wieder /wan sie
des Aramenes und der Colidiane sich erinnerte / die sie auf solche weise üm das
leben bringen würde. Die ungedult gabe ihr oft in den sinn / dass sie / wan sie
nicht rechtgläubig wäre / sich selbst entleiben wollte: üm also ihren bruder zu
erretten / und doch eine beständige liebhaberin zu bleiben. Die erweisende
kaltsinnigkeit ihres Cimbers / stiege ihr hierzwischen ebenfalls zu kopf / dass
der weder ihre gesandten zu rück schickte / noch auch selber sich einstellte:
welches ihr dann fast zum schmerzlichsten fallen wollte. Aber die Ahalibama
sprache ihr / die ganze nacht / allerhand trost ins herze: bis endlich die
morgenrote des grossen tages herfürbrache / die ihr die schone Aramena ja so
grausam fürbildete / als erfreulich er ihr und andren sein sollte.
    In vielen tagen / war die sonne / nicht so hell und schön ausgegangen / als
wie dieses mal: und da vorhin die trube wolken die hohe gipfel des Taurischen
gebirges umzogen hatten / schienen diese nun in der heitern luft ganz herrlich
herfür; gleich als wan sie mit ansehen wollte / was sich in ihren tälern
verwundersames zutragen würde. Die trübselige Aramena deutete es aber viel
anders aus / und vermeinte / weil ihr himmel und erde zu wider schiene / es
erzeigten beide sich darum so munter / üm ihr ungluck mit anzuschauen. Sie wollte
sich mit ihrem alltåglichen schäferrocke bekleiden: aber die Koniginnen / so zu
ihr kamen / redten ihr dagegen ein / mit fürwenden /dass / wan Sesai sie nicht
als eine braut würde geschmückt sehen / er leicht an der beständigkeit ihrer
Entschliessung zweiflen / und zu fernerer grausamkeit konnte bewogen werden.
Diesem nach liesse sie mit sich machen / wie sie es begehrten / und wurde also
auf das herrlichste geschmucket: da aber / unter allen solchen pracht und zierat
/ ihre tiefste traurigkeit dermassen herfürleuchtete / dass die fast so mächtig
ware /fast uber ihre unvergleichliche schönheit zu siegen /und deren
wunderschein in etwas zu verdunklen. Ihre sonst-feurende augen / schienen als
gebrochen / und waren stäts mit einer wolke von tränen bedecket. Ihre wangen
waren / gleich dem munde / an statt der rosen /mit blassen lilien uberzogen. Weil
ihr auch die angst ein stetes herzklopfen verursachte / als holete sie ohn
unterlass odem / und wurde immer onmåchtiger / je näher die zeit heran kame / dass
sie nach den bestimmten platz gehen sollte. Colidiane und Jemima / die das gröste
anteil hierbei hatten / schaueten diesen zustand der Aramena mit tödlicher
furcht an / und höreten nicht auf / ihr einen muht einzusprechen: das aber bei
ihr nicht so viel verfinge / als der Ahalibama heimliches fürsagen / die ihr ohn
unterlass zuschwure / wie sie von der weltbekanten grosmut des Konigs von Basan
das erhalten würde / was sie ihm anzusinnen gedachte.
    Wie nun endlich die bestimmte stunde angekommen /auch alle Konige und Fursten
in der Königin von Mesopotamien gezelt sich eingefunden hatten / kündigte ihr
Dison an / wie es nun zeit wåre / dahin zu gehen. Wan er ihr ihren tod håtte
angesaget / würde sie nicht also erschrocken sein / wie sie täte. Doch
übermannte sie sich / und bote dem Konig von Ninive die hand / der sie aus dem
gezelt fürete: und stüzete sie sich mit dem rechten arm auf die Ahalibama / die
ihr solcher gestalt musste gehen helfen. Alle königliche personen folgten ihr in
ordentlicher reihe nach / und war das ganze heer der Syrer / Niniviten und
Chaldeer / in eine schlacht-ordnung gestellet: zwischen denen sie hingingen /
bis an den ort / unten am felsen / da die gezelte aufgeschlagen stunden / und
man den altar aufgerichtet hatte / vor welchem die Konigliche trauung durch den
Telecles geschehen sollte. Weil Aramena mit dem Marsius ganz allein zu reden
begehrt hatte / als blieben die andere zurucke / und ubergaben sie den beiden
riesen Rekem und Hur: die sie entfingen / und folgends in das gezelt hinein
füreten / alda /sie sagten / dass sich der Konig von Basan befände. Sie fassete
all ihre sinne und kråfte zusammen / indem sie hinein trate. Ein ansehnlicher
ritter entfinge sie daselbst / den sie / ihn für den König von Basan haltend /
also anredte.
    Grosser König! wan ich nicht wusste / dass E. Maj. edelmütigkeit und tugend ja
so vollkommen / als ihre liebe / die sie zu mir gefasset / ihr gemüt beherschten
/ so wollte ich mir keine hoffnung machen / dasjenige zu erlangen / worüm ich
iezt diese geheime unterredung gesuchet. Es ist unnötig / E. Maj. meine zu dem
König der Aborigener tragende liebe nochmals anzukünden / da ihr ja / als aller
welt / bekant ist / wie dieser König / unter des Cimbers namen / mich geliebt
/und meine gegenliebe erlanget hat. Nichtes / als des Sesai grausamkeit / ist
fähig gewesen / meine beständigkeit zu fällen / und mich zu zwingen / üm des
Konigs von Syrien leben zu retten / E. Maj. für meinen gemal zu erkiesen. Ach
ja! ich bin des grossen Marsius verlobte / und muss den Tuscus Sicanus verlassen /
wan E. Maj. darauf beharren / eine unbeständige / eine ungetreue zu lieben / die
wegen dessen /das sie aus zwang begangen / mit stätswurigem gram ihr leben
abquälen / und E. Maj. keine andere ergetzlichkeit / als mit unaufhorlichen
ächzen sie zu beunruhigen / verursachen wird. Wollen nun E. Maj. zu des Cimbers
tod / zu der Aramenen verderben / und zu ihrer selbst-eignen unruhe keine ursach
geben / so uberlegen sie diese ümstånde wohl / und entschliessen sich / da Sesai
uns beiderseits zur ehelichen trauung zwinget / mich allein zum schein zu
ehlichen / und solches nur / so lang für der welt auszugeben / bis wir den
Aramenes aus des grausamen Sesai hånden errettet sehen. Dieses wird des grossen
Marsius namen unsterblich machen / und werde ich dafur / da ich den König von
Basan nicht lieben kann / dannoch dessen ergebenste und verpflichteste freundin
lebenszeit verbleiben.
    Kaum hatte sie dieses ausgeredet / da offnete sich eine tapezerei / aus
welcher der Cimber herfur sprange / und sich jählings zu seiner Königin füssen
nieder werfend / zu ihr sagte: Soferne es wahr ist / schönste Aramena / dass man
den Konig von Basan nicht zu lieben vermoge / so ist Cimber des todes / weil an
dieses Konigs glücke sein leben hanget. Aramena wurde so entstellt / ihren
Cimber an diesem orte zu sehen / dass sie nicht wusste / wie ihr geschahe. Wie sie
ihn aber nun also reden horte / erinnerte sie sich sobald der grossen
freundschaft dieser beiden Konige /und vermeinte / des Cimbers ausenbleiden
hätte daher geruret / dass er heimlich auf dem burgschlosse bei dem Marsius
gewesen / und dasjenige / wessen der Sesai sich unternommen / mit beliebet
hätte. Demnach geriete sie von neuem in eine grosse verbitterung gegen ihme / dass
er sie also / wiewol er ihrer beständigen liebe versichert war / zum andern mal
einem andren uberlassen können. Um des willen / ihn keiner antwort würdigend /
entschlosse sie sich plotzlich /den Konig von Basan zu ehelichen / und nahete
sich deshalben zu dem vermeinten Marsius / so der warhafte Tuscus Sicanus ware /
zu ihm sagend: Wolan /grosser Konig! weil Cimber nicht leben kann / ich vergnuge
dann den Marsius / so erklåre ich mich hiemit /diese stunde E. Maj. die eheliche
hand / nicht zum scheine / sondern in der tat / zu geben. Ich muss schönste
Königin! (antwortete ihr Tuscus Sicanus) wie ich bereits auf dem Riphatischen
gebirge getan /dieses angetragene grosse gluck ausschlagen / und hat der himmel
nicht mich / sondern diesen König / dazu ausersehen / der unvergleichlichen
Aramena schonheit anzubeten und zu besitzen.
    Indem die Konigin von Mesopotamien diesen zweiten abschlag / mehr bewunderte
/ als sich darüber betrubte / und ganz besturzet stehen bliebe / traten die
beide schwestern des Marsius / die schone Hercinde und dapfere Mirina herfür /
welche die verwirrung dieser verliebten nicht länger dulten könnend / dazu kamen
/ üm von allen diesen dingen der schonen Aramena wahren bericht zu geben. Wie
sie demnach diese Konigin ümarmet / furete Hercinde ihren bruder zu ihr / und
sagte: dieser ist der warhafte Marsius /deme unter des Cimbers namen die schone
Aramena bisher ihre huld gegönnet; und weil man den König der Aborigener fur
diesen glucklichen Cimber gehalten / als sind alle diese irrungen daraus
entstanden /die bisher sich zugetragen. Marsius liesse hierauf seiner Konigin
nicht zeit / dieses zu beantworten / sondern ihr ferner zu fuss fallend / sagte
er / mit hochster freud-enzückung: Ist es wohl müglich / dass man den unwurdigen
Cimber also lieben konne / wie man mich dessen uberreden will? und soll ich die
versicherungen / die dem Tuscus Sicanus geschehen / auf mich deuten dorfen?
Redet / schonste Aramena! und lasset mich selber / aus eurem holdseligen munde /
meine glückseligkeit vernemen. Mitlerweile er dieses sagte /hielte er ihre
kniehe fåst umschlossen / und geriete die schone Königin aus einer bestürzung in
die andere. Doch war ihr dieses lezte entsetzen so angenem / und fur ihre liebe
so vorteilig / dass die ihre zerstreute sinne wieder zusammen bringen halfe. Also
erwachte sie / wie aus einem traume / da sie dieses verwirrte rätsel
aufgewicklet sah / das sie bisher betrogen hatte.
    Demnach / ihren Cimber nicht mehr mit erzürnten augen ansehend / hube sie
ihn ganz freundlich von der erden auf / und gabe ihm / wiewol mit wenig worten
/die versicherung / dass sie ihn / nach der kentnis des Abimelech / einig und
allein geliebt / und ihre liebe ihm auch bis in ihr grab / er mochte nun Tuscus
Sicanus oder Marsius sein / beständig lassen wollte. Eine schamröte ümzoge ihre
wangen / als sie ihrem Cimber so offentlich diese erklärung täte: und stellte
sich indem ihre volkommene wunder-schone auf einmal bei ihr wieder ein: worüber
der nun vollig-gluckselige Marsius schier für freuden / wie leztin bei des
Teraphim tempel für traurigkeit / vergangen wäre. Baleus und Hiarbas / die
ebenfalls im gezelt verborgen gewesen / gesellten sich nun auch zu ihme / und
machten sich der vergnügung dieses unvergleichlichen pares mit-teilhaftig: da
sie dann der schonen Aramena von allen bericht gaben / wie es hiemit zu gegangen
/ und wie sie / dem noch-zweiflenden Marsius alle furcht zu benemen / es also
angestellt håtten / dass der Aborigener Konig des Königs von Basan person
fürstellen mussen / damit dieser verborgne selbst mit anhoren könnte / wie der
Königin erklärung / der Ahalibama abgelassenem schreiben / ganz gleichlautig
wäre.
    Tuscus Sicanus entschuldigte hierauf / dass er zu diesen / wiewol
unschuldigen betrug sich gebrauchen lassen / und fügte hinzu: weil er der
Königin nun zu ihrem wahren Cimber verholfen / als mochte sie so gütig sein /
und ihme hingegen auch die besitzung seiner Ahalibama wieder erlangen. Aramena /
die noch nicht wusste / dass dieser Konig der Elieser war /vername dieses anmuten
mit grosser befrömdung. Wie man ihr aber sagte / dass eben dieser Tuscus Sicanus
der vom tod erweckter Elieser wåre / vergasse sie eine weile ihrer eigenen
vergnugung / üm sich / wegen dieses unverhofften gluckwechsels fur ihre liebste
freundin / zu erfreuen. Es schiene und dunkte sie alles so ungläublich / was ihr
da begegnete / dass zwar die schmertzliche betrubnis / nicht aber das verwundern
und die bestürzung / bei ihr aufhörte. Sie alle wurden / fur vergnugung /
vergessen haben / ihr langes beisammen-sein abzukurzen / wan der begierige
Tuscus Sicanus nicht angetrieben håtte / dass man doch nun auch auf seine
glückseligkeit denken möchte. Um seine liebste Ahalibama zu prüfen / und ihrer
angenemen besturzung eine kleine angst fürgehen zu lassen /vermochte er die
Königin von Mesopotamien dazu /dass sie übername / der Ahalibama anzutragen: wie
sich der Konig von Basan durch ihre tränen erweichen lassen / von ihrer liebe
abzustehen / iedoch mit der bedingnis / wan sie die Ahalibama dazu bereden konnte
/ seine nun zu ihr gewandte liebe anzunemen.
    Mit diesem auftrag ginge die schöne Aramena / von dem Rekem und Hur gefüret
/ aus dem gezelte: da sie dann der anwesenden bisheriges verlangen / welche ihr
langes ausbleiben befromdet / nun noch mehr anfeurete / als sie / zwar ganz
munter / aber so allein und sonder den Marsius / daher kame. Die beångstigte
Colidiane vermutete hieraus für sich nichts gutes /und wäre schier für entsetzen
gestorben / als sie / zu gleicher zeit / oben auf dem felsen / ihren Aramenes
von vielen kriegsknechten umgeben / herfürtreten sah / und augenblicklich
besorgen musste / dass das bestimmte blut-urteil über ihn ergehen möchte. Sie hatte
das herz nicht / die Aramena üm die ursach ihrer rükkunft zu fragen / die sofort
auf die Ahalibama zugehend / zu derselben sagte: Liebste Prinzessin! es stehet
bei euch / dass ich meinen Cimber behalten konne. Der König von Basan / begehret
nicht mehr mich / sondern die schöne Ahalibama / zur ehe: dann er weiss / dass ihr
/ nur zum schein / und nicht in der tat / an den Edom getraut seit. Wan ihr
demnach den Syrern ihren König / allen diesen landen den frieden /und eurer
Aramena ihre vergnügung geben wollet / so weigert euch nicht / die krone von
Basan sobald anzunemen / und erweiset damit / dass ihr meine wahre freundin
seiet.
    Alle anwesende verwunderten sich uber diesem vortrag der schonen Aramena /
welcher die Ahalibama in grosse besturzung sezte / also dass sie ganz erblasset
ihre Konigin ansah / und kein wort herfür zu bringen wusste. Weil sie schon so
lang beharret /ihrem Elieser / ob sie den gleich todt glaubte / ihre liebe nicht
zu entwenden / als fiele es ihr um soviel schmerzlicher / also unvermutlich
diesen antrag zu vernemen. Wie sie nun zu antworten verzoge / wollte es der
Konigin Aramena und den andern zu lang werden: daher fasseten sie die
unschlüssige Ahalibama unter die arme / und eileten mit ihr nach dem gezelte. Die
ungedult fürete gleichfalls den verliebten Elieser ihnen entgegen: der dann viel
zu tief in seiner Ahalibama herzen abgebildet war / als dass er nicht gleich
hätte sollen von ihr erkant werden. Ach Elieser! riefe sie / dieses fur ein
gesichte haltend / und sanke damit den beiden Königinnen von Mesopotamien und
Syrien / die sie füreten / in die arme: welche sie diesem verliebten König
überliessen / der sie so herzlich ümfinge / dass endlich ihr geist wieder zu ihr
kame /und ihr den geliebten todten wieder lebendig vorstellte / den sie so
schmerzlich beweinet hatte / und so beständig geliebt. Alle die / so unter den
anwesenden den Elieser vordem gekant / wussten nicht / wie sie daran waren /
einen so lang todt-geglaubten im leben zu sehen: und drunge vor andern der
Ephron hinzu /seinen liebsten bruder zu umarmen. Marsius und Hiarbas / wie auch
die Koniginnen Hercinde und Mirina / die dem Tuscus Sicanus nachgefolget /
erzehlten den anwesenden kurzlich / was es hiemit für eine bewandnis hatte: und
fehlte es nicht viel / die Ahalibama håtte in ihres Eliesers armen den geist gar
aufgegeben / so fromd dunkte sie dieses alles / so ihr da begegnete. Ausser den
namen Elieser / wusste sie in langer zeit kein wort herfur zubringen / und bliebe
sie also an ihn fåst geschlossen: mitlerweile auch Midaspes erzehlte / wie er
wåre beim leben erhalten worden. Marsius und Aramena / aus beisorge / einander
wieder zu verlieren / sonderten sich auch nit voneinander: unn entstunde eine
allgemeine unbeschreibliche freude unter hohen und niedern / als sie diese
verwundersame und glückliche ånderungen vorgehen sahen.
    Aber Cölidiane und Jemima freueten sich nur halb /bei allen diesen vergnügen
der andern / weil Aramenes und Sinear noch nicht bei ihnen waren / und schaueten
ohn unterlas nach dem felsen / da sie den Konig von Syrien noch immer stehen
sahen. Es hatte der mistrauische Sesai noch nicht allerdings diesem handel
wollen glauben beimessen: weswegen er noch nit von dem schloss herab ginge /
sondern auf seiner hut stunde / auf allen fall / wan etwan ein betrug hierunter
walten sollte / mit seinem blutschlusse fort zufahren / wie er dann / als er
vergeblich darauf gehoffet /dass die trauung des Marsius und der Aramena durch
den Telecles geschehen sollte / bewogen wurde / den riesen Avi / dem er am
meisten vertrauete / hinunter zu schicken: welcher den Königlichen personen
andeuten sollte / wiedass er / der Sesai / nicht eher trauen konnte / bevor er die
gesuchte vermålung seines Königs mit angesehen hätte. Nachdem aber dieser
gesandter alles selbst im augenschein genommen / und erfahren / wie die sachen
stunden / eilete er wieder auf die burg / und brachte mit seinem bericht bei dem
Sesai zu wegen / dass er / so vielen königlichen personen ferner gesetze
fürzuschreiben einstellte / und neben dem König von Syrien und Prinzen von
Chaldea herab kame / sich mit den andern über dieser glücklichen endschaft zu
erfreuen.
    Es liessen die beide Aramenen / sonderlich die Konigin von Mesopotamien / der
Colidiane kaum so viel raum / ihren König zu entfangen / und wollte auch unter
dem Konigen immer einer näher als der andere sein / üm den grossen Aramenes seine
freude über dessen erlösung zu bezeugen. Nichts vergnüglichers konnte anzusehen /
oder anzuhoren sein / als was Marsius / Aramenes / und Tuscus Sicanus / und ihre
geliebte Koniginnen zusammen redten / da sie in die wette eines uber des andern
gluckseligkeit sich erfreuten / und dafür den himmel priesen. Sinear befande
sich in gleichmåssiger vergnügung bei seiner Jemima. Es wurden aber / dergestalt
nicht allein die Königliche personen / sondern auch die anwesende hirten von
Amida erfreuet / indem der Demas sich ebenfals wieder einfande / und seiner
Aneriste / wie auch allen seinen anverwandten und freunden / mit seiner
gegenwart ihre bekümmernis bename.
    Die Königin Orosmada / ware fast unter diesem grossen haufen die einige / die
noch unzufrieden bliebe: weil sie in ihrer vermutung fehl geschlagen hatte / dass
ihr Tiribaces / den sie auf dem gebirge zu sein geglaubet / sich mit einstellen
würde. Und ob wohl auch die ståts-betrubte Prinzessin von Ophir / in anschauung
der Ahalibama gluckseeligkeit / die ihren todt-vermeinte Elieser wieder bekommen
hatte / durch ihre heisse seufzer den himel anklagte / dass der ihr zu trost nicht
gleichfalls ein wunderwerk an dem verstorbene Amraphel / geschehe liesse / so
gabe sie doch / gleich wie auch Dersine / Zelinte und Amphilite / die heimlich
nach dem Jonadas / Elhanan und Chersis seufzeten / ihr anligen nicht so
offentlich an den tag / wie die Konigin von Tyro: die bei den angekomenen
Konigen / wie auch bei allen Celten und riesen sich åmsig erkundigte / ob ihne
von dem Tiribaces nichtes bewust wåre. Weil aber dieser tag ein allgemeiner
freuden-tag sein sollte / als musste es sich also fugen / dass / wie diese
unvergleichliche gesellschaft der grösten und edelsten von der ganzen welt in so
grosser freuden-bestürzung noch beisammen waren / ein heer von dem gebirge auf
sie angezogen kame: unter denen / der Konig und die Königin von Armenien / der
verlangte Konig von Tyro / der alte Prinz Ahusat von Caphtor / der grosse Edom /
der Furst Eliphas / Hanoch Furst von Midian / auch verschiedene Fürsten von Seir
/ unter denen auch des Konigs von Ninive und der Ahalibama herrvatter und
fraumutter /samt der schonen Ahalibama der Nefe Zibeons / ingleichen der fromde
Megadostes / der Baalis / Daces und Nahor sich befanden.
    Alle diese ankomende hatten bereits unterwegs im lager vernommen / wie
glucklich es diesen Koniglichen verliebten ergangen ware: daher sie / ihre darob
entfindende grosse freude zu bezeugen / diese drei unvergleichliche pare
voneinander scheideten / indem Esau seinen herzens-freund den Konig Aramenes /
der Prinz von Caphtor die Colidiane seine tochter / Daces den grossen Marsius /
die Konigin Andagone die schone Aramena /Baalis den Tuscus Sicanus / und Ana /
samt der Poliphide / ihre tochter / die vor freuden halb-todte Ahalibama
/umarmten / und mit tränen entfingen. Tiribaces erwiese auch seiner Orosmada
wiewol mit untermengter unruhe /grosse liebkosungen. Weil die mit angekomene
schone Nefe Zibeons ihnen allen / auser der Timna / unbekant war / als liefe sie
zu derselben / so bald sie nur von ihrem gemal / dem Eliphas / abkomen kunte /
um sie zu begrussen. Keine angenemere verwirrung mag wohl jemals sein gesehen
worden / da alle diese hohe personen zugleich fragten und bericht gaben / wie es
ihnen ergangen und alles zugegangen wåre: das doch / weil die freude zu gros war
/ unordentlich furgebracht wurde / und nit kunte vernemlich verstanden werde. Es
bekame aber diese grosse gesellschaft noch eine neue ursach / sich hochlich zu
erfreue / wie sie den frömde Megadostes in der Prinzessin von Ophir armen
erblickten: die zwar / fur besturzung /kein wort sagte. Aber die bei ihr
stehende Konigin von Elam / und deren gemal der Hadoran / riefen einhållig den
name Amraphel / und gabe damit an tag / dass dieser tod-geglaubte Konig auch
wieder wåre gefunden worden. Liebste Indaride! liebster Amraphel: horte man
hierauf diese beide verliebte sagen: die sich dann so fåst mit den armen
umschlossen hielten / dass die begierige Lantine /wie auch der getreue Hadoran /
lange nicht dazu gelange konten / einem so lieben bruder und freund ihre
herzensfreude zu vernemen zu geben. Wie sie nun endlich solches verrichtet /
bezeugte Hadoran offentlich / wie willig er das reich Elam seinem rechten herrn
uberliesse / und an dem Konigreich Moab ihm wollte genugen lassen / nun er das
gluck erlebet / seinen König wieder lebendig zu sehen: das dann die Lantine mit
bekråftigte. Damit traten nun alle Konige hinzu / den grossen Amraphel zu
begrussen: der durch seine gegenwart das gute geruchte / so man jederzeit von
ihme gehabt / ganz nicht verminderte /sondern im augenblick ihm aller anwesenden
gute gunst erwurbe. Die schone Indaride wusste bei diesem gluck wechsel nicht /
wie ihr geschahe / und bliebe / gleich der Königin Aramena und der Ahalibama /
ganz erstorbe: also dass ihre freude mehr innerlich war / als dass sie sich recht
håtte zu tag legen koñen.
    Inmittels ginge bei den andern das freud-bezeigen und wilkomm-heissen imer
fort: da Daces seinen Konig nun so glucklich sehend / sein eigenes anligen
darüber vergasse / und von dem Konig in Syrien tausend entschuldigunge bekame /
dass er ihm unlångst zu Damasco so unhoflich begegnet hatte / indem er seinen
Konig in verdacht gehalten / als wan er seiner schwester solche verachtung
erwiesen håtte. Mitreus / Husan und Arsas / kame damit auch herfür / und nun
nicht notig achtend / ihre verrichtungen und langes ausenbleiben auf dem gebirge
zu erzählen und zu entschuldigen / legten sie nur / neben allen andren Syrischen
Fursten / ihre beifreude herfur / dass es sich so wohl gefugt hatte. Der riese
Sesai wollte nun auch nicht långer verziehen / seinen frieden mit allen diesen
Konigen / die er so sehr beleidigt / zu machen / trate deswegen herfur / stellte
sich ihnen ganz unerschrocken dar /und sagte: wiewol er keine reue in sich
entfånde / dass er /dem grossen Marsius zu liebe / das / so ihnen nun allerseits
kündig / getan hatte / so wollte er doch / aus schuldigster ehrerbietung / vor
so vielen Konigen sich strafbar erkennen / und gutwillig ihrer bestraffung sich
unterwerfen; doch båte er allein / dass man der andern riesen / die er mit zu
seine grossen anschlage gebrauchet / verschone mochte. Weil der Konig Aramenes
und die Konigin von Mesopotamien am meisten von ihme waren beleidigt worden /
als stellten alle die andere es denen anheim /was man mit dem Sesai vorneme
sollte: die aber diesen kunen riesen die ursach ihrer glückseligkeit erneñten
/und den bund / so zwischen den Enakim / und den Konigen von Basan und der
Aborigener / wie auch den Armeniern und Fürsten von Seir / geschlossen war / mit
annamen / auch alle die andern Konige mit darzu beredten. Telecles / wie auch
die richtere von Amida / und die anderen von den Horiten / warfen sich zu der
Konigin von Mesopotamien fussen / und baten üm vergebung / wegen dessen / was in
dem tempel des Teraphim furgegangen: das dann die gutige Konigin ihnen gleich
verziehe.
    Wie der Sesai hierauf erinnerte / und fragte: ob nicht die trauung des
grossen Marsius und der schonen Konigin Aramena gleich fortgehen sollte? lehnete
es diese bescheidenlich damit ab / dass sie / als eine rechtglåubige / keinen
abgottischen priester hierzu brauchen / sondern die ehre haben wollte / dass der
Konig von Salem / gleichwie er die andere Konigliche trauungen zu Damasco
verrichtet /auch sie an den Marsius verbinden sollte. Dieser verliebte Konig
dorfte nichtes hiergegen sagen / ob er wohl im herzen des Sesai Meinung
gebilliget / und ein ende seines so langen wartens sehnlich verlangte. Der treue
Abdastartus stellte sich auch bei seiner Konigin und dem Marsius ein und erwiese
seine vergnugung / sie und dem Cimber in solchem zustande zu sehen. Letzlich
gingen alle diese verliebte / samt den ubrigen Koniglichen personen / um ihrer
gluckseligkeit båsser zu geniessen / von dem volke /dass sie allentalben ümzinglet
hatte / wieder nach dem lager: da man sich nicht wurde erinnert haben / malzeit
zu halten / weil es schon mehr als hoher mittag war / wan nicht Melchisedech /
Eridanus / Amosis und die andere /so hierbei zum ruhigsten von gemute waren /
die verliebten dazu angereget håtten. Wie nun in verschiedenen gezelten alle
diese Konigliche personen gespeiset / versamleten sie sich wieder zu der schonen
Mesopotamierin: da sie den ganzen nachmittag beieinander blieben / und mit
hochster begierde anhorten / was so wohl der Marsius / als Tuscus Sicanus / von
ihren abenteuren furbrachten / und die erzehlung Amraphels / wie ihm die Jubalis
sein leben errettet; worbei sich Nahor erinnerte / dass er einsmals / in der
nacht / zween soldaten hiervon reden gehoret.
    Weil Amraphel / des Fursten von Edom und der schonen Nefe Zibeons / mit
erwehnet / als wurde Esau dadurch bewogen / die Ahalibama / als seine
bisher-geglaubte gemalin / also anzureden: Wan bei jetziger vergnugung einige
beschwerung statt fånde / so wollte ich dieselbe auf die bahn bringen / dass man
mich also verlåsset / da man doch mit mir vertrauet gewesen. Ahalibama errotet /
gänzlich uber diesen des Esau fürwurf / und sagte / ihre eltern anschauend: der
Fürst von Edom erinnert mich billig meiner gebur / und straffet mich / dass ich
ihnen noch nicht den betrug abgebeten / den ich gegen ihnen durch diese
schein-heurat gespielet. Ich bin aber ihnen und nicht dem Edom / in die straffe
gefallen: massen der Furst Esau mich eher / als ich ihn / verlassen /in dem er /
die Nefe Zibeons / an statt meiner / zu lieben erkieset. Die ganze gesellschaft
bezeugte hierauf ihre begierde / von dieser neuen liebe des grossen Edoms etwas
ausfurlichers zu wissen: der sie dann von stund an vergnugte / und ihnen alles
erzehlte / was sich zwischen der schonen Nefe Zibeons und ihnen zu getragen /
und wie er auf dem gebirge / bei Zibeon und den andern anverwandten dieser
schonen / ihre gegenliebe erlangt håtte.
    Es kame nun an den Tiribaces die reihe / die ursach seiner abreise aus
Edessa / und seines bisherigen ausenbleibens / zu erzählen: dessen er sich dann
auch nicht weigerte / und es folgender gestalt verrichtete. Ich laugne nicht /
(sagte er) dass mich die eifersucht aus Edessa getrieben / die mich auch noch bis
heut beunruhiget. Wie ich nun damals nach des Teraphim tempel mich begabe /und
den ausspruch alda fragte / ob meine einbildung recht gegrundet wäre oder nicht?
entfinge ich von dem Teraphim eine solche antwort:
Wolt ich die schon unschuldig hier ernennen /
Die deinen eifer-geist und liebesglut entzundt.
ich zweifle doch / ob man mir glauben kunt.
Dein misvertrauen du wohl gibest zu erkennen.
Doch solst du bald auf Taurus seinen auen /
wan sich dir läst daselbst ein neuer eifrer schauen /
von deiner qual befreit sein.
drum lass nicht diss gebirg / bis dir dein gluck erschein.
Mehr vergnugt / als übel zu frieden / bliebe ich über dieser antwort des gottes.
Nachdem ich nun meine bei mir habende schäfere nach Amida abgefärtigt /
gehorchte ich des Teraphim befehl / und reisete sofort in hiesiges gebirge: da
mich das Glück zu dem Konig Amraphel / meinem bruder / fürete / der / neben
denen Fursten von Seir und der schönen Nefe Zibeons / bei den riesen vom hause
Talmai / im Taurischen gebirge sich befande. Weil ich meinen namen nicht
verbarge / als ward ich von ihm eher / dann er von mir / erkennet / und lebte ich
so lang / ihn für den Megadostes haltend / in seiner angenemen gesellschaft /
bis der Furst von Edom dazu kame / und / sich für die Nefe Zibeons erklårend /
seine andere schein-heurat mit der hiesigen Ahalibama eroffnete: das dann meinen
bruder veranlaste / dass er sich auch fur den Amraphel zu erkennen gabe / und
sofort / durch seinem grossen furspruch / die vom hause Seir des Edoms neue liebe
billigen machte / die ihn auch / an statt ihn zu bekriegen / in den bund der
riesen mit einnamen.
    Weil sie den Konig von Armenien auch mit herbei zu ziehen sucheten / als
mussten Amraphel und ich gedult fassen / noch etwas an den gränzen des gebirges
Ararat zu bleiben / ob schon unser beider verlangen nach der Indaride und
Orosmada unvergleichlich war. Nachdem sie endlich auch mit dem Togarma zum
schluss gekommen / machten wir uns mit ihm auf die reise / und erfuhren unterwegs
alles das / was wir heut mit unsern augen so uberglucklich geendet sehen. Meine
eifersucht stillte sich aber inzwischen nicht / ob sie gleich war geringer
worden: bis mich heut / in diesen glucklichen auen / ungefår mein geschicke nahe
zu dem Prinzen Adonisedech fürete: der / inzwischen alle die andere in so grosser
vergnugung schwebten / sich ganz betrubt an einen baum gelehnet hatte / und mit
einem seiner bedienten sich besprache. Ich bildete mir so fort ein / Orosmada
wurde der inhalt ihrer unterredung sein. Wie ich demnach hinzugeschlichen
/horchte ich / was mein glucklicher mitbuler furbringen mochte / und vername /
dass er selbst über seine gemalin eifersuchtig worden war: da er dann die qual /
die er darob entfande / und die håftige liebe / mit deren er die Jaelinde dabei
verehrte / so beweglich an den tag gabe / dass ich in dem augenblick von meiner
eifersucht mich ledig sah /und / nach des Teraphim ausspruch / gånzlich davon
befreit worden.
    Wie / mein Prinz! (redte hierauf die Jaelinde zu ihrem gemal) kann es wohl
müglich sein / dass ich ursach zu solcher eifersucht gegeben habe? Wer håtte
gedenken konnen / (antwortete der beschåmte Adonisedech) dass der Konig von Tyro
dieses vernemen sollen / was ich vor aller welt / ja fast selbst vor meinem
eigenen herzen / gedachte verborgen zu halten? Doch hat es vieleicht darüm der
himmel also geschicket / damit ich / gleich diesem Konig / von so törichter
wirkung meiner häftigen liebe befreit wurde. Ihr wisset / liebste Jaelinde! dass
mir unverborgen / wohin vordem eure neigung gegangen / ehe ihr mich geliebt.
Weil nun ... Haltet ein! (fiele ihm Jaelinde in das wort) mich in so grosser
gesellschaft zu beschåmen. Ich kann euch aber nun / mit dem hochsten Gott /
versichern / dass ich von allen alten regungen frei bin /und auser meinem
Adonisedech von keiner liebe weiss. Der verliebte Prinz von Salem / war mit
dieser erklårung seiner gemalin mehr dann wohl zu frieden: da die meisten in
dieser grossen gesellschaft / auser den Koniginnen von Mesopotamien / Syrien /
Salem und Ninive / und dem grossen Marsius / keine rechte kentnis hiervon hatten
/auch sich nicht hiernach zu erkundigen begehrten / weil sie sonst genug zu
bewundern hatten.
    Es waren nun Baalis / Daces und Nahor noch ubrig /von denen man zu wissen
verlangte / wo sie so lang sich aufgehalten håtten. Sie unterliessen nicht / zu
vergnugung der gesellschaft / ihre wunderbare liebe zu erzählen: da dem guten
Suevus das herz geruret wurde / als er vername / dass sich eine person fände /
die seiner tochter / der Prinzessin Ammonide / so ånlich wåre. Er erwiese
demnach nicht weniger verlangen / als Daces und Nahor /nach der verlorntn
Aprite: welches dem Betuel und den dreien Prinzessinnen von Ausitis / aus
betaurung / anlass gabe / zu eroffnen / wie die beide schäferinnen Baalise und
Aprite in ihrem gezelt verborgen sich aufhielten. Das vergnugen dieser drei
verliebten / gabe sich hierauf so sehr zu tage / dass sie nicht warten kunten /
bis man diese schåferinnen herzu holete / sondern selbst neben dem Betuel dahin
eileten / und mit ihrer ankunft diese beide schonen eben so besturzt machten /
als wie auch sie /über dieser wiederfindung / aus sich selbst verblieben.
Baalise / die ihrem Prinzen nicht abhold ware / kunte nicht so wohl ihre
zufriedenheit / als Aprite ihr misvergnugen / verbergen / und dem Baalis
gutwillig die hand bietend / verursachte sie damit / dass Aprite wider willens
folgen / und sich von dem Daces und Nahor zu der koniglichen gesellschaft musste
begleiten lassen. Suevus hatte kaum diese schåferin erblickt / da truge ihm das
herze zu / was seine augen beståtigten / dass er seine tochter sähe. Demnach
eilte er ihr mit ausgespannten armen entgegen /sie zu umfangen.
    Aprite / die warhaftig die Amorite ware / kunte gegen ihrem vatter sich
nicht so wohl verstellen / als wie sie gegen andren getan hatte / sondern liesse
sich durch ihre kindliche regung uberwinden / und bekennte / dass sie des Prinzen
Suevus tochter wåre. Ihre traur- und ihres vatters freuden-tränen / bewegten
hierauf die ganze gesellschaft: da fürnemlich / der König von Basan die
Koniginnnen von Elassar und Ninive / die Prinzessinnen Ahalibama und Coricide /
dieser glucklichen wiederfindung / sich mit teilhaftig machten. Amorite erzehlte
ihnen kurzlich /welcher gestalt sie etliche guterzige hirten / als die rauber
sie überfallen / von denselben erloset und in Mesopotamien gebracht håtten. Die
erkennug der Baalise folgte nun von selbst hieraus / die auch nicht länger zu
laugnen begehrte / dass sie die Prinzessin Ardelise von Hemath wåre. Der Prinz
Baalis / so wohl als Daces und Nahor / gerieten ganz aus sich selber / als sie
aus ihren hirtinnen dergestalt sahen Prinzessinnen werden / und dieselben nun so
unverhofft wiederfanden / die sie so viel wochen vergeblich in dem gebirge
gesuchet hatten. Dan der Nahor / in der einbildung / dass diese beide bei dem
Baalis und Daces wåren / hatte ihnen ståts gefolget: hergegen waren diese beide
Prinzen / weil sie vermutet / dass Nahor ihre beide geliebten heimlich zur
Prinzessin Poliphide würde gebracht haben / ståts auf dem gebirge geblieben. Die
schone Konigin von Mesopotamien machte den anfang / diese zwei Prinzessinnen zu
begrüssrn / deren dann die andere alle nachfolgten. Wie sie nun sämtlich ihre
freude erwiesen / dass der himmel / an diesen grossen wundertag / so viel
tod-geglaubte lebendig gemacht hatte / sah die betrubte Amorite gen himmel /
und seufzete tief / zu verstehen gebend / dass fur sie allein kein todter
auferstehen wollte.
    Es sollte aber dieser glückstag / gleich wie er sich mit vielen wundern
angefangen / sich auch also enden: darum musste / eben um die königliche personen
dergestalt üm die wiedergefundene Amorite und Ardelise stunden / des Elihu
herrvatter / der Konig Baracheel / mit dem Prinzen Jonadas / von Samosata her /
alda sich einfinden. Sie fureten zwischen sich einen schönen jungling / den sie
dem Konige Marsius von Basan uberlieferten: Grosser Konig! (sagte Baracheel) an
diesem glucklichen tage / da mich der himmel diese längst gewünschte vereinigung
der Celten und Syrer mit ansehen låsset / gonnet mir / für allen anderen / mein
gutes geschicke diese ehre /dass ich der erste bin / der den dapfren Marsius zu
dem grossen Celten-reiche gluckwunschen kann. Der Boius ist gestorben / und
gegenwärtiger Konig der Celtiberer bringt diese zeitung / neben dem
unbeschreiblichen verlangen / das die Celten nach ihrem neuen Konig tragen. Es
ist also / wie der Konig von Hemath saget / (finge hierauf der jüngling / den
der Baracheel den Celtiberer König hatte genennet / mit sonderbarer
annemlichkeit an zu reden) und haben mich die Druiden / wie auch alles volk /
abgeschicket / dem grossen Monarchen der Celten dieses kund zu tun / wiedass sie
nunmehr den anfang ihrer gluckseeligkeit erlebet / und bald aus ihrer hoffnung
in deren volligen genuss / durch ihres Konigs gegenwart /gesetzet zu werden
verlangen. Es ist wohl für ein gutes zeichen zu achten / dass wir eben heute
solchen bericht abstatten mussen / da der Himmel die getreue liebe des Marsius
so wohl belonet / und dem Celten land eine so unvergleichliche Konigin hat geben
wollen / die nichts als gluck und segen unsrem reiche wird mitbringen und
zuwenden können.
    Mitlerweile dieser fromde also redte / verwunderte sich Marsius nicht so
sehr uber dessen bericht / als uber seine person: indem er nicht allein / den
Sicorus tod wissend /nicht ersinnen kunte / wer nun dieser König in Celtiberien
sein musste / sondern auch dieses junglings gesichte ehmals vermeinte gesehen zu
haben / ohne dass er sich dessen eigentlich zu besinnen wusste. Er dankete / ihm
und den Baracheel / mit gar hoflichen worten / fur ihren getanen gluckwunsch zu
der Celtischen Monarchei /und wollte eben sich genauer nach diesem neuen
Celtiberer-Konig erkundigen / als der / die Amorite erblickend /die auf ihn
keine acht gegeben / sondern mit der Coricide geredet / eiligst zu ihr hinliefe
/ und sie umarmete. Es war / das entsetzen der Konigin von Mesopotamien / wie
sie ihren Cimber fur den Marsius erkant / auch die erstaunung der Ahalibama und
Indaride / als die ihre tod geglaubte liebhabere lebend erblickt / und des
Suevus freude uber seine wieder gefundene tochter / kaum so håftig gewesen / als
diese der Amorite gemutsbewegung ware /da sich ihr die warhafte gestalt des
Apries zeigte: den sie nimmermehr lebendig glauben konnen / weil sie sein
abgeschlagenes haubt so gewiss vermeinte in hånden gehabt zu haben. Sie erstarrte
demnach / ein so liebes bild vor ihr sehend / und funde darin ergetzlichkeit /
was ihr zugleich ein schauern verursachte.
    Edler geist! (sagte sie mit schwacher stimme) wilst du mich nun auch
erqwicken / da heut so viele sind erfreuet worden? Nicht nur mein geist /
(antwortete ihr dieser jungling) sondern auch mein lebendiger leib / zeigt sich
euch / liebste Prinzessin! und hat mich der gütige himmel darzu aufbewahret /
dass ich diesen tag mit seinen wundern noch edler machen konnte. So lebet mein
Apries? rieffe Amorite / und wurde darauf ganz unentfindlich /indem sich das
entsetzen mit der freude vereinigte. Inzwischen nun ihr die andern / üm sie
wieder aufzumuntern /zu hulfe kamen / fiele die Ardelise ihren bruder um den
hals / und glaubte sofort sein leben / weil bereits selbigen tag dergleichen
wunderwerk sich begeben hatten. Jederman / auser den armseligen Daces und
verlassenen Nahor / entfande hieruber eine herzliche freude / und indeme man nun
/ mit grosser belustigung / der Amorite / Ardelise und dem Apries zusah /
stellte sich das verlangen ein /auch diese lebens-fristung / wie des Tuscus
Sicanus und Amrapheel ihre / zu erfahren. Da dann der Prinz Jonadas /die
gesellschaft zu vergnügen / das wort name / und ihnen folgendes erzehlte.
    Es wird alhier keinem unbekant sein können / was zu Hemath / nunmehr weit
uber das jahr / sich zugetragen /und wie mein verhångnis gewolt / dass ich das
grausame richter-amt bei dieser denkwurdigen handlung / die alle welt hat reden
gemacht / verlieren mussen. Die erhaltung des Prinzen Apries lage mir hiebei so
sehr im sinn / als sehr ich mir äuserlich angelegen sein liesse / dieses strenge
urteil volziehen zu lassen. Ich ersonne demnach das mittel / und verbarge einen
unechten sohn meines Konigs / der dem Prinzen Apries ziemlich gliche / heimlich
unter die rustbune: der dann / durch sonderbare geschwindigkeit des nachrichters
/ als es zeit war / herfur gezogen / und dagegen der gebundene Prinz hinunter
gelassen wurde. Dieser armseelige verlore also sein leben / und liesse ich den
Apries hinweg bringen: den ich einem Celtiberer / so mit dem König Sicorus war
heraus gekommen / anvertraute / mit dem ernstlichen verlass / ihn ungeseumt nach
Celten mit zu nemen / damit in diesen landen niemand etwas von ihm erfüre. Das
Glück / so des dapfren Apries heldenmut begleitet / ist ihme folgends so gunstig
gewesen / dass er in den Celtiberischen kriegen sich wohl gehalten / und darin
von dem volk / wie sie des Sicorus tod vernommen / zu ihren König gemacht
worden. Die ihm die Celten nach des Bojus tode antrugen: Er ubername hierauf
willigst diese reise / da das stätige verlangen nach seiner Amorite ihn mit
hieher triebe.
    Er kame / ungefär vor etlichen wochen / glucklich in Hemath an: da ihn die
grosse veränderung nichts befrömdete / und nennte er die schickung des himmels
ganz gerecht / der dem Baracheel / als rechten erben / die kron von Hemath
wieder zugewendet hätte. Weil wir die königliche personen in Samosata besuchen
wollten / und der Apries nach dem Taurischen gebirge sich zu wenden gedachte /
reiseten wir mit einander in die landschaft Amida: da wir im schlossgarten zu
Samosata zwei schäferinnen erblicketen / welche völlig der Prinzessinnen
Ardelise und Amorite glichen. Wir konten sie aber nicht einholen / weil sie /
uns ersehend / zu schnell davon wischeten. In der nachfrage erfuhren wir / dass
sie wären nach Hemath / durch Syrien / fort gereiset: deshalben der verliebte
Apries / mit mir / ihnen nachfolgete. Wir verrichteten aber solche nachsuchung
vergebens / weil sie nicht dahin / sondern hieher / sich gewendet hatten:
welches der Konig Baracheel / der zu Samosata bliebe / nachgehends erfuhre / und
uns zu entbieten liesse. Demnach haben wir uns auch hieher gewendet / und es nun
alhier also gefunden / wie es am tage ist. Der himmel sei ewig gepreiset / der
alle diese glückliche änderungen hat an diesem tage geschehen lassen.
    Wie Jonadas hiemit seine zuhorer vergnugt hatte / und selbige nun / uber so
vielen auf einmal erschienenen begebenheiten / sich unter einander ergezten /
sah er sich um nach seiner Dersine die er unter den grossen haufen anfänglich
nicht finden konnen / endlich aber zu ihr kame / und seiner beständigen liebe
sich versicherte /auch dergleichen von ihr hinwieder hörete: da dann / dieser
beiden vergnügung / die allgemeine freude vermehrte. Aber der Daces und Nahor /
fanden allein keinen trost /auser diesem / dass sie der Amorite liebe ganz billig
/ und sich beiderseits gleich ungluckselig erkannten. / und daher über nichtes
sich beschweren kunten. Weswegen sie sich auch beseits begaben / um ihr seufzen
nicht unter der andern ihr frolocken zu vermengen. Der Prinz Suevus / der auf
einmal soviel gutes erlebet / indem er seinen Konig das reich der Celten erben
und in seiner liebe vergnugt sah / auch seine verlorne tochter wieder bekommen
hatte / erfure zugleich / von der Prinzessine Rahabine /den tod der Jerode /
seiner gemalin: worüber er dannoch sein mitleiden an den tag gabe / ob er schon
grosse ursach hatte / dem himmel fur solche erlösung zu danken. Weil Rahabine /
in erzehlung des kläglichen endes der Jerode /ihrer schwester auch erwähnen
musste / als wurde dadurch kund / dass dieselbe / neben dem König von Jarmut /
bei dem Babylonischen hoflager gefangen fasse: daher Tiribaces / neben der
Rahabine / den Baleus üm deren freiheit baten / welcher gleich befahle / dass sie
sollten auf freien fus gestellet werde.
    Wie nun / unter allen diesen begebenheiten / die nacht endlich einbrechen
wollte / schiede diese grosse gesellschaft von einander: wiewol sie solches nicht
üm schlaffens willen täten / sondern die meisten zu diese verliebten sich
verteilten / bei denen sie wolstands halber verblieben; weil die verliebte
Könige unmuglich sich beqwemen konnte / ihre schone so bald zu verlassen / ehe
sie noch ferner von ihrer glückseeligkeit sich mit einander beredet hätten.
Demnach verharreten / bei dem Marsius und seiner Aramena / der König und die
Königin von Syrien; bei dem Tuscus Sicanus und seiner Ahalibama / der Dison und
dessen gemalin; bei dem Amraphel und seiner Indaride / der Hadoran und die
Lantine; bei dem Apries und der Amorite / der Ephron und seine Coricide; bei dem
Sinear und der Jemima / die Tarasile und der alte Hus; bei dem Baalis und der
Ardelise / der Adonisedech und die Jaelinde; bei dem König von Jericho (der nun
an seinen wunden wieder genesen war) und der Rahabine /der Hemor und die
Milcaride: und bei dem Jonadas und Dersine / der Arsas und Casbiane. Aller
dieser ihre vergnugung ginge erst recht an / wie sie ihren verånderten stand
ruhiger überdenken konten. Marsius fragte wohl tausendmal seine Aramena / ob es
auch müglich wäre / dass sie ihn liebte? dagegen sie ihme / wiewol mit grosser
holdseligkeit / furhielte / dass er nicht also seinen namen verschweigen sollen /
daraus alles ungemach / so er ausgestanden / seinen ursprung gewonnen hätte.
Tuscus Sicanus und Amraphel / mussten ihre liebste Prinzessinnen mehr dann
tausendmal versichern / dass ste noch lebten: dergleichen bekräftigung auch die
Amorite von ihrem Apries forderte. Sinear / Baalis / Jebus und Jonadas / sagten
ihren geliebten auch alles das jenige für / was sich auf ihren zustand schickte.
    Die sonne war begierig / diese verliebte bald wieder zu sehen: daher sie
eher den erdboden wieder beschiene / als dieser ihre unterredung sich endete.
Sie hätten auch darin wohl gar kein ende finden konnen / wan nicht endlich der
wolstand erfodert håtte / von einander zu gehen / üm der nötigen ruhe zu
geniessen / deren sie alle wohl bedurften / weil sie so viele nächte sonder
schlaff zugebracht hatten. Womit sie nun wachend umgingen / das kam ihnen auch
im traume vor / und spüreten sie nun warhaftig / dass der himmel ermüdet / sie
ferner zu verfolgen /und dass sie befugt wären / sich fur die allerseeligsten der
welt zu achten. Neben dem König von Jarmut und seiner Zoroastra / die auf
Bactra ihre ansprüche fahren liessen / fanden sich auch Elhanan / der in Syrien
gewesen /ingleichen der Chersis / so bisher an seinen wunden darnieder gelegen /
und alle Celten / Aborigener und kinder Enaks / im lager / ihre mit-freude zu
bezeugen. Also ware nun iederman vergnügt / auser dem Daces und Nahor: die / auf
erlangte erlaubnis / mit einander für aus nach Celten gehen wollten / um alda /
in entfernter abwesenheit / ihres leides zuvergessen / und zur kunftigen
regirung des grossen Marsius alles in gute ordnung zu stellen. Amorite liesse
gegen ihnen beiderseits ihre sonderbare hochachtung blicken / als sie kamen /
von ihr abschied zu nemen.
    Die ganze königliche gesellschaft / reisete nun wieder zurücke nach
Samosata: da sie den die Königin von Tyro / wie auch den König der Philister mit
seiner Ammonide /furfunden / deren die erste über Amraphels leben / und die
andere uber ihrer liebsten freunde glückseeligkeit /dem himmel nicht gnugsam
danken kunten. Der Beri hatte auch wollen von Kiriat Arba kommen / ware aber
jählichen todes gestorben: das zwar den Ephron / als einen tugendhaften sohn /
betrubte / aber nicht abhielte /den ergezlichkeiten der andren beizuwonen. Das
königliche beilager des grossen Marsius / nunmehr Königs der Celten / und der
unvergleichlichen Königin Aramena /wurde hierauf mit allem ersinnlichen pracht
angestellet und in Samosata gehalten: da der König von Salem dieses
unvergleichliche par zusammen trauete / welches der nachwelt / zu einem wahren
muster treuer und keuscher liebe / dienen kann. Nie ware Aramena schöner
erschienen / als an diesem ihrem ehrentage. Man hatte / in einem grossen dazu
bereiteten saal / einen herrlichen tron fur sie und ihren König aufgerichtet /
welchen alle anwesende Könige und Königinnen auf ihren tronen ümgaben: und
wurde iederman eingelassen / um diesen ausbund der herrlichkeit der ganze welt
mit anzuschauen.
    Der Tuscus Sicanus / als nunmehr König zu Basan /wurde den andren tag mit
seiner Ahalibama auf gleiche weise getrauet / und die folgende tage der Amraphel
/Konig von Elam / mit der Prinzessin Indaride; der Apries / König in Celtiberien
/ mit der Amorite; der Ariates /König zu Hazor / mit der Mehetabeel: der
Nebajot /König in Meden / mit der Hermione; der Esau / Fürst von Seir / mit der
Ahalibama / der Nefe Zibeons; der Jebus /König von Jericho / mit der Rahabine;
der Baalis / Prinz von Ammon / mit der Ardelise; der Sinear / Prinz von Chaldea
/ mit der Jemima; der Abinab / König von Jarmut / mit der Zoroastra; der Elihu
/ Erbprinz von Hemath / mit der Kezia; der Betuel / ernanter König von Zoba /
(weil selbiger tyran gestorben / mit der Kerenhapuch; der Tarsis / Furst von
Sepharvaim / mit der Eldane; der Elhanan / Furst von Hus / mit der Zelinte; der
Jonadas / Furst von Hemath / mit der Dersine; und der Chersis / mit seiner
Amphilite. Also verflossen diese siebenzehen tage / in hochst-feierlicher
frölichkeit / und wie solche vorbei waren / verteilten sich die konigliche
personen / unter die angeneme schåfer-gesellschaft / die sich von der schar der
priesterinnen des Teraphim vermehret sahen. Der Sesai / neben den Enakim und
allen Horiten /wurden durchgehends frei erkant: die dann sofort ihren weg nach
Kitim vor sich namen / den Camboblascon in der Vesuvischen landschaft zu
bekriegen.
    Sie blieben also den ganzen sommer noch bei einander: da dann endlich /
gegen den herbst / an die rukkehr gedacht wurde. Es ginge ihnen allen das
scheiden gar sauer ein / weil sie also zusammen gewonet hatten / dass / wan es
nicht ihrer reiche und lande bästes erfordert håtte / sie sich nimmermehr wurden
getrennet haben. Baleus /Dison / Amraphel / Nebajot / Armizar / Ana / Sinear
und Tarsis gingen / mit ihren gemalinnen / auch mit der Briane und Zimene / die
die jungere Aramena zu hof-jungfrauen anname / morgen-warts in ihre Königreiche
und lande. Amosis / Eridanus / Mardocentes / Hanoch und Jetur / mit ihren
Königinnen / gegen mittag; Togarma / Ahusat / Hadoran und Betuel / gegen
mitternacht; und Tuscus Sicanus / Hiarbas / Abimelech / Melchisedech / Tiribaces
/ Ephron / Baracheel / Baalis / Esau / Eliphas / Jebus / Abinab / Hemor /
Ariates / Adonisedech / Jonadas und etliche der Fursten von Seir / mit ihren
angetrauten / gegen abend: also dass / bei dem Marsius und der Aramena / endlich
niemand mehr / als Aramenes und Cölidiane / Apries und Amorite / Elihu und Kezia
/und die Syrische Fursten / verblieben.
    Die Konigin von Mesopotamien gebare / ehe sie von ihren lieben schäfern in
das entfernte Celten abreisete /eine Prinzessin / als / vier monat vorher die
Konigin Colidiane mit einem Prinzen ware nieder gekommen: die sie dann der
erziehung ihres liebsten bruders hinterliesse / und sollte dieselbe dermaleins an
ihrer statt Konigin in Mesopotamien werden / und diesen jungen Prinzen heiraten:
welches den betrubten schåfern und schåferinnen noch etwas zum trost gereichete.
Diese bekamen den Elihu zum Stattalter des reichs / und mussten endlich ihre
sonne abgehen sehen: die sich / mit ihrem liebsten Marsius /abend warts wandte /
und Asien verliesse / um den gluckseeligen Celten ihr edles licht fortin
mitzuteilen. Der Konig von Celtiberien / neben seiner Amorite / begleitete sie
dahin / samt allen Celten / und schluge Marsius sein hoflager zu Trier an: da
sie viel jahre / in vergnugtem wolstande / diese grosse lånder regirten / ihren
untertanen loblich und wohl furstunden / und bei ihnen den wahren Gottesdienst
einfureten.
    Damit aber die seltene wunder-begebnise / die ihnen und ihren anverwandten
begegnet / der nachwelt kund bleiben mochten / als musste Bardo / einer von den
gelehrten Celten / diese geschicht in ein buch auf bleiernen tafeln zusammen
tragen. Dieses buch hat / etliche tausend jahre / bis auf unsere zeiten /
verborgen gelegen: da es unlångst in Niedersachsen / unferne von der Asseburg
/in einem alten gemåuer gefunden / und / auf begehren fünf furnemer Damen / in
unsere hochteutsche spräche ist übersezt worden. Die mitlere von diesen / welche
hierbei die gröste befordererin gewesen / hat das ende dieses werkes nicht
ableben mussen: wird sich aber wohl über solchem verlust trosten / da sie nun /
fur diese gedichte /alle warhafte geschichten volkomlich erkennen kann. Man håtte
/ sonder anregung ob-erwähnter Damen / es schwerlich dem druck ubergeben: weil
zu besorgen / es dorften / wie bereits geschehen / einige darüber kommen / die
ein årgernis davon nemen / dass man Biblische geschichten mit eingefuret hat /
und es / zum spott / eine Satyrische beschreibung der H. Schrift / oder ein
Liebes-buch der Patriarchen / nennen mochten. Weil aber den reinen alles rein
ist / auch Josephus und andere geschichtschreiber / die geist- und weltliche
dinge unter einander mengen dorfen: als hat alles befahrende ubel-urteilen nicht
hintern konnen / dass dem befehl der funf Freundinen / denen dieses werk
zugeschrieben / nicht wåre gehorsamlich nachgelebet worden.
                                     ENDE.
 
    